BERLIN Donnerstag 24.September 1931 10 Pf. Nr. 448 B 224 48. Jahrgang ErschetutttslichavterSoautas«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. BejugspreiS beide Ausgaben 8t> Pf. pro Woche. s.eoM. rrv Monat. Redaktion und Eroebitioo: Berlin SWs8.!indenSr.s Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 SjuUautyaße xlei„\JbwtUh Anietgeneret«: Die elnspalttgeNonrareillejell« So Pf.. Reklamezeile S M. Crmäßigunaen nach Tar�. Postscheckkonto: Vvrwärts-Verlag S.m. b.H.» Berlin Nr. S? 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Japan einigt China Auch Charbin beseht!/ Amerika schickt Mahnnoten Genf. 24. September.(TU.) Die hiefige chinefische Abordnung hat von ihrer Regierung ein Telegramm erhalten, demzufolge C h a r b i n bereits von den Japanern besetzt worden ist. Kanton und Nanking einig. Peking, 24. September.(Eigenbericht.l Das Exekutivkomitee der Kuomintang ruft in einer Kundgebung alle Parteien zur Unterstützung gegen den fremden Angreifer auf. Die Führer der Regierung von Kanton haben darauf geantwortet, das, sie ihrem früheren Gegner von Rankang jede Hilfe gewähren wollen. Die chinesische Regierung erläßt einen Aufruf, in der alle Militär» und Marineführer aufgefordert werden, für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen und jede Gewalttätigkeit gegen Japaner zu verhindern. Die Japaner verhasten Geiseln? London, 24. September. Di« japanischen DeHörden verhafteten, wie der„Daily Tele- graph' meldet, in Mulden mehrere prominente Chinesen als Geiseln für den Fall, daß chinesische Soldaten Ausschreitun- gen gegen Japaner oder Koreaner begehen sollten. Die Japaner verschafften sich außerdem Listen über die Guthaben reicher Chinesen, um nötigenfalls auch finanzielle Garantien zu haben. Dys japanische Kabinett hat 3,2 Millionen Mark für die Armee in der Mandschurei bewilligt. � ♦ Der„Times'-Korrespondent aus Peking berichtet, nach einer dort aus Mulden eingetroffenen Nachricht hätten die Japaner den chinesischen Oberst Kuan, den man für die Ermordung des japa- Nischen Hauptmanns verantwortlich mache und der sich in ch i n e- s i s ch e r Haft befunden habe, in ihre Gewalt gebracht. Auch LlSA.-Regierung mahnt zum Frieden. Senf, 24. September.(Eigenbericht.) Im Ratskomitee der fünf Großmächte hat heute vormittag Präsident Lerroyx Kenntnis von einer Note des amerikanischen Staatssekretärs gegeben. Die Note versichert die volle und herzliche Sympathie Nordamerikas für die Haltung des Völkerbundes. Amerika habe an Japan und China Noten ähnlicher Richtung gesandt. Das Staatsdepartement habe schon aus Einstellung der Feindseligkeiten und Beseitigung der gegenwärtigen gefährlichen Situation bestanden und werde weiter eifrig an der Wiederher- stellung des Friedens arbeiten. Reichskabineti in Permanenz. Vorbereitung neuer Notverordnungen. Die Fragen, mit denen sich das R e i ch s k a b i n e t t heute und morgen gewissermaßen in Permanenz beschäftigen wird, sind in erster Linie: Die Zusammenlegung der K r i s e n f ü r s o r g e und der kam- munalen Wohlfahrtsfllrsorge unter Entlastung der Städte, die jetzt 60 Prozent des Kostenaufwandes dieser beiden Fürsorge- arbeiten tragen. Ferner die Siedlungsfrage, und zwar so- wohl die eigentliche bäuerliche Siedlung als auch die im Umkreis der Städte geplant« Arbeitslosensiedlung. Verhandlungen zwischen dem Reichsarbeitsministerium und dem Finanzministerium über diese Frage haben ergeben, daß der. Reichsfinanzministcr zur Durch- führung der Siedlungen zunächst einen monatlichen Betrag von rund 20 Millionen Mark auf«in Jahr hinaus zur Verfügung stellt.'Einer der Hauptpunkt, der heute beginnenden Kabinettsberatungen wird ferner da» Pxoblem der Hauszins st euer sein. Ihre Herabsetzung soll nach einem Vorschlage der Ressorts auf 25 Prozent beschränkt bleiben. Dos rbürde für die Mieten ein« Entlastung um etwa 11 Prozent bedeuten. Der Ausfall an Hauszinssteuermitteln soll durch die Verminderung der öffentlichen Mittel für Wohnungs- bauzwecke wettgemacht werden. Außerdem wird sich die Reichs- regierung mit der Aufrückungssperre für Reichs- b e a m t e. der Herabsetzung der Hoch st Pensionen von 80 auf Volksenischeids-Beamte „Was, der Minister Severins sagt, er will uns auf unsere geistige Einstellung ansehen? Wo ist denn auf unfern Gesichtern etwas von geistiger Einstellung zu bemerken?* 75 Prozent des zuletzt bezogenen Gehaltes, der Regelung der Frage der Naturalbezüge, der Justizreform mit dem Ziel weitgehender Ersparnisse, der Einsetzung von Sondergerichten zur beschleunigten Aburteilung von Terrorfällen, geschäftlicher Mißwirtschaft und Steuerbetrugs, sowie mit der Verlängerung des laufenden Haus- Haltsjahres ym drei Monate, also bis zum 30. Juni 1932 beschästigen. Die beschlossenen Maßnahmen werden in einer Notverord- n u n g in Kraft gesetzt werden, deren Verösfentlichung nicht vor Beginn der kommenden Woche zu erwarten ist. Eingesparte Bürgermeister. Wichtige Entschließung des städtischen Ausschusses. In einigen Berliner Bezirken, so im Bezirk Tiergarten, im Bezirk Friedrichshain und in Charlottenburg sind seit einiger Zeit die Bürgermeisterstellen— im Bezirk Friedrichshain das Amt des Stellvertretenden Bürgermeisters— verwaist, weil die bisherigen Inhaber gestorben sind. Heute vormittag beschäftigte sich im Rathaus ein Ausschuß mit der Neubesetzung dieser Stellen. Der Vorsitzende der Sozial- demokratischen Fraktion, Erich Fla tau, machte den Vorschlag, aus Ersparnisgründen diese Stellen vorläufig nicht zu be- setzen. Er schlug vor, dafür Stadträte mit der Führung der Ge- schäfte zu deauftragen. Der Oberbürgermeister machte sich diese sozialdemokratische Anregung zu eigen und erklärte, er würde sich sofort mit dem Oberpräsidcnten in Verbindung fetzen, um den Auftrag zu erhalten, Stadträte in den einzelnen Bezirken kommissa- risch mit der Führung der Geschäfte als Bürgermeister zu beauf- tragen. Weiter beschloß der Ausschuß, folgende Neuregelizng der G e- h ä l t e r der leitenden Verwaltungsbeamtesi der Stadt zu treffen. Der Oberbürgermeister, der bisher ein jährliches Geyalt von 36lXX> Mark hatte, wozu eine Aufwandsentschädigung von 24 000 Mark kam, soll nunmehr ein Gehalt von 27 000 Mark und eine Auswandsentschädigung von 12000 Mark erhalten. Die Bürgermeister sollen 22 000 Mark Gehalt und 3000 Mark Aufwandsentschädigung erhalten. Die Gehälter für die Stadträte und Bezirksbürgermeister werden nach den Sätzen der preußischen Notverordnung bestimmt. Bei allen Gehältern tritt außerdem der Abzug nach den beiden Reichsnotverordnungen in Höhe von 13 Pro- zent ein. Wahrscheinlich wird sich die heutige Stadtverordneten- Versammlung noch mit diesen Beschlüssen des Ausschusses be- schäftigen. Das pfuni» stürzt weiter. Allgemeine Abfchwächung an den Weltbörsen. Der Kur» de» englischen Pfunde» hat an den heutigen vo« miltagsbörsen einen neuen empfindlichen Rückschlag ers litten. 3n Paris sank der pfundkurs von 104 auf 101 Franken je Pfund(Goldparität 124,2) und der pariser Frank in London sank sogar bis auf SSA. Gleichfalls sehr schwach war es in Amsterdam, das auf 9,75 Gulden(Parität 12,3) sank. Besonder» starke Einbrüche hatte da» Pfund in New Jork zu verzeichnen, wo es auf 3.93 Dollar fiel.(Parität 4.86 Dollar.) Die Berliner psundnotierung war bis Redaktionsschluß noch nicht festgestellt, doch erwartet man im Hinblick aus die außerordentliche inter- nationale Schwäche in Berlin einen Ties st and de« Pfundes von l6,50(Parität 20,40 Mark). Die Vorstände der deutschen Börsen haben gestern beschlossen, die Börse« bi» zum Wochenende geschloffeu zu hatten. Aeuer Heimwehrpuffch geplant. Von der Arbeiter-Zeitung enthüllt. Wien, 24. September.(Eigenbericht.) Die Wiener„Arbriter-Zeitnng" behauptet in ihrer heutigen Morgenausgabe, daß die Heimwehren in Ober« steiermark und Lberösterreich Vorkehrungen zu einem neuen Putsch treffen. Die Hauptstätten und große Waffeulager der Putschisten sind im Hüttenwerk Tonawitz und im Bergwerk Seegrgben der Alpinen Montangesell- schaft. Mit diesen Waffen könnten 3000 Mann bewaffnet werde«. Man plant, auf diese Weise Leoben zu erobern. De« Behörden sind die Waffenlager bekannt, man wagt aber nicht, sie auszuheben, da man— besonders unter Tage— Anschläge auf die Beamten befürchtet. Wiener Staatspolizeibeamte, die zur Verfolgung der Putschisten in das Gebiet von Leoben-Ennstal entsandt wurden, haben in Liezen den Bürgermeister Steingruber, ferner den Rechtsanwalt Dr. Metzler und den Buchhalter Holzer in Haft genommen und nach Graz gebracht, wo das Gericht sie wohl bald wieder freilassen wird. l�üstungsstillstand! Die Internationale an den Völkerbund. Paris, 24. September.(Eigenbericht.) Vanderoelde als Präsident der Sozialistischen Arbeiter-Jnter- national« und ihr Sekretär Friedrich Adler haben nach einer Be- sprechung in Paris an den Völkerbund ein Telegramm gerichtet, in dem sie im Namen des Vorstandes der Internationale die Durch- führung eines Rüstungsstillstandes verlangen. Das Telegramm sagt, wenn auch die Annahme dieses Planes natürlich keineswegs der wirklichen Wrüstung oder Verringerung der Rüstungen vor- greisen solle, was die Sache der Konferenz im nächsten Jahre ist, so würde der Rüftungsstillstand eine für den Erfolg der Konferenz viel günstigere Atmosphäre schaffen, er würde gewisse Staaten daran hindern, das Ergebnis der Konferenz dadurch illusorisch zu machen, daß sie vor ihrem Beginn Ubertrieben rü st en. Er würde serner verhindern, daß Surmnen, die zur Abwendung d'er Folgen der Wirtschaftskrise notwendig sind, für Rüstungszwecke vergeudet werden, und er würde dazu beitragen, die Vorbedingung«« sllr eine neue Regelung der Kriegs- schulden und der Rcparationssrage zu schaffen. Dem Völkerbund biete sich damit die Gelegenheit, den Völkern den wahren Willen zur Abrüstung zu zeigen und zu vor- hindern, daß inmitten der furchtbarsten Wirtschaftskatastrophe neue Milliarden für den Fiskus geopfert werden. Die Arbeiterklasse werde chren Einfluß in allen Ländern dahin ausüben, daß der Rüstungsstillstand durchgeführt werde. Rundfrage bei den Regierungen. Genf, 24. September.(Eigenbericht.) Di« dritte Kommission der Völkerbundsversammlung Hot auf Antrag des englischen Vertreters hinsichtlich der Einlegung eines Ri/stimgsfeieriahr es&rfdjIo(fen, die an der Abrüstungskonferenz teil-[ nehmenden Regierungen um ihr« Stellungnahme dazu noch vor dem 1. November zu ersuchen. Die einzelnen Regierungen sollen zugleich mitteilen, unter welchen Umständen sie an einem Rüstung sseierjahr teilnehmen würden. Die Arbeit beginnt. Wiederbeginn der Ausfchyßberatvogen. Die Reichstagsausschüss« beginnen am 29. September wieder mit chren Arbeiten. Für diesen Tag ist der W o h n u n g s- a u S s ch u ß einberufen, der sich mit Initiativanträgen der Sozial- demokraten und des Christlichsozialen Volkzdienstes für ein Wohnheim st ä t t e n g e s e tz zu beschäftigen hat. Ebenfalls am 29. Sep- tember findet eine Sitzung des Ständigen Unterausfchusies des chaushaltsausschusses statt, die der Aufarbeitung von Regierungs» vorlagen gewidmet ist, die seinerzeit bei der Etatsbsratung zugesagt worden waren. Es handelt sich dabei um Denkschriften des Aus- wältigen Amtes über Reoisionsmaßnahmen innerhalb des Amtes, um einen Nachweis der Oststelle bei der Reichskanzlei und um ein Schreiben des Reichsfinanzministers über die Durchprüfung der Landesfinanzämter. Für die Tage vom 8. bis 10. Oktober ist der Beamten- a u s f ch u ß des Reichstags einberufen, auf besten Tagesordnung Petitionen stehen. Auffchub für Helldorf. Verhandlung auf Dienstag vertagt. Die Verhandlung gegen den Nationalsozialisten Graf Helldorf und den„Stabsleiter" des Gaues Brandenburg der NSDAP. Ernst wegen Rädelsführers chast beim Landfriedensbruch ist von Freitag auf Dienstag, 9 Uhr, vertagt worden. Helldorfs Verteidiger ist durch einen auswärtigen Termin verhindert, am Freitag im Schöffengericht Eharlottendurg aufzutreten. Auf das Pflaster geworfen �Soziale" Betätigung der Firma Orenstem& Koppel Labours Wahlprogramm. Gegen Kriegsschulden und Zölle. London. 24. September. Das Wvhlpragramm der Arbeiterpartei wird laut„Daily Herald" folgende Punkte umfasten: Staatskontrolle der Banken und der Finanzen, Kampf gegen Schutzzölle, Wieder- aufbau der Industrie und Landwirtschaft, Streichung der Reparationen und Kriegsschulden, Beschleunigung der Abrüstung. Steuerhinterziehungen. Was die Ruch- und Retnebsprüfungen an den Tag bringen. Wi« stark das Uebet der Steuerhinterziehungen ist, beweist ein« Denkschrift des Reichsfinanzministers an den Reichstag, die über die Buch- und Betnebsprüfungen im Jahr« 1930 Auskunft gibt. In nicht mehr als Z7 693 Fällen mußten mehr Steuern festgesetzt werden. Ez handelt sich hier nicht nur um Steuerhinterziehungen. Vielfach ergeben sich, wie das Reichsfinanzministerium bemerkt, abweichend« Ansichten in der Bewertung. Auch sind die Buch- und Betriebs» prüfiingen öfter zugunsten der Steuerpflichtigen verlaufen. Im einzelnen ergibt sich aus der Denkschrift des Reichsfinanz- Ministeriums folgendes: Insgesamt sind im Jahre 1930 auf Grund »er Buch- und Betriebsprüfungen rund 13ö Millionen Mark an Reichssteuern und 31 Mitlionen Mark an Lan» das steuern mehr festgesetzt worden. Die Geldstrafen betrugen insgesamt 3700 000 M. Der größte TeU der Mehrsteuern entfällt auf die Körperschaftssteuer, bei der allein 78 Millionen Mark mehr festgesetzt wurdem Dann folgt die Einkommensteuer mit 62 Mil» lionen. Bei der Deimögenssteuer sind es 12 Millionen, bei der Umsatzsteuer 11 Millionen Mark. Die festgesetzten Geldstrafen in Höhe von 3 Millionen Mark entfallen fast ausschließlich auf die Ein- kammensteuer. Die meisten Fäll«, in denen höhere Steuern festge- setzt werden mußten, nämlich 6200 Fälle, sind im Landesfinanzamt Bezirk Berlin zu verzeichnen. Dann folgen Breslau mit £200 Fällen, Magdeburg mit 4200, Düsseldorf mit 3S00, Hannover mit ebenfalls rund 3300 Fällen und Stettin mit 2900 Fällen. In der Höhe der festgesetzten Mehrsteuern marschiert gleichfalls Berlin an der Spitze mit rund 37 Millionen. Dann folgen Düsseldorf mit fast 30 Millionen, Münster mit 13 Millionen, Leipzig mit 12 Millionen und Köln mit 11 Millionen. Bei den Landessteucrn steht der Landesfinanzamtsbezirk Köln an der Spitze mit 4� Millionen Mark Mehrsteuern. Dann folgen Berlin mit 4,2 Millionen, Stuttgart mit 2,2 Millionen und Karlsruh« mit 2,1 Millionen. Die meisten Geld st rasen wurden im Landes- zinanzamtsbezirk Leipzig oerhängt, nämlich 679 000, M. Dann folgen Unterweser mit 603 000, Dresden mit 448 000 und Stettin mit 236 000 M._ Nationalsozialistischer Mörder gesucht! Das Derbrechen an einer 84 jährigen in Stettin. Auf bestialische Weise wurde am 16. September die 84iährige Witwe und Hausbesitzerin L a d e w i g in der Sönig-Alberl- Straße 24 in Stettin ermordet. Die Wohnung der Greisin war in höchster Unordnung, sämtliche Behältnisse waren durchwühlt. Gleich der erste Befund zeigte, daß die alte Frau einem Raubmord zum Opfer gefallen war. Schon nach dreitägiger Ermittlungsarbeit kam die Kriminal- Polizei auf die Spur der Mörder. Es wurde festgestellt, daß sich kurze Zeit vor dem Mardtage ein Mann bei der Greisin « i n g e m i e t« t hatte, der seit der Tat plötzlich spurlos verschwunden war. Dieser Unbekannte wurde auf Grund verschiedener Zeugen- aussagen als ein 33jähriger Mechaniker Karl Grapp ermittelt. G. hatte sich am 13. September bei Frau Ladewig ein Zimmer mietet. Als der frühere Mieter noch mit seinem Auszug beschäftigt war, erschien bereits Grapp. um feinen Koffer abzugeben Offenbar hat Grapp die Tat bereits in der Nacht zum 17. September im Ber- ein mit einem Komplicen, dem Schlosser Pomplun, begangen. Die beiden Verbrecher streckten die Greisin durch mehrer« wuchtige Hiebe � mit einem stumpfen Gegenstand nieder. In aller Eile machten sich dann die Verbrecher an die Durchsuchung der Räume. Den Tätern fielen jedach nur 30 Mark bares Geld und eine goldene Damenuhr in die Hände. Eine größere Summ«, die in einem Der- steck von der Polizei gefunden wurde, hatten die Verbrecher über- sehen. Bereits am 22. September tonnt» Pomplun in Kiel ver- haftet werden. Er wurde nach Stettin gebracht, wo er ein Test- geständnis ablegte. Die Suche nach Grapp, dem offenbaren Haupt- täter, ging inzwischen weiter. Es ergaben sich Spuren, die Man schreibt uns: Im Gegensatz zu dem verstorbenen Gcheimrat Benno Oren- stein, der auf langjährig« Beschäftigung ver Angestellten hielt, scheint sein Sohn Alfred Oren st ein rücksichtslos die Ver- jüngungstheori« zu befolgen. In den letzten Monaten sind in der Firma Orenftein u. Koppel Dutzende verdienter Ingenieure und Saufleule abgebaut bzw. gekündigt worden, von denen keiner unter 23Iahre, die meisten aber über30Jahre im Dienste des Unternehmens beschäftigt waren. Erst vor«inigen Tagen ist Hunderten von Angestellten in der Zentrale, in den Fabriken Drewitz und Spandau zum nächstzulässigen Termin gekündigt worden. Unter den Neugekündigten befinden sich etwa 50, die über 20 und 30, teilweise sogar 40 Dienstjahrc bei der Firma Orenstein u. Koppel verbracht haben. Es handelt sich dabei um Spezialisten, die für die Firma Orenstein u. Kappel von außerordentlichem Wert sind, die aber nach Lage der Dinge nirgends mehr unterkommen werden und mit absoluter Sicherheit über die Etappen Arbeitslascnversicherung. Krisensürsarge, Wohlfahrtsunter- stützung dem Stadt und der Gemeinde zur Last fallen. Gewiß gehen auch die Geschäfte bei Orenstein u. Kappel wie überall nicht gut. Das trifft aber bei allen vergleichbaren Unter- nehmungsn der Berliner Metallindustrie zu. und in vielen Unter- nehmungcn sind Auftragsbestand und Finanzlage wesentlich schlechter als bei Orenstein u. Koppel, ohne daß solche, von keinem menschlichen Gefühl beeinflußten Maßnahmen zu beobachten wären. Es handelt sich hier um einen Akt unsozialen Verhaltens, der die breiteste Oeffentlichkeit interessiert, der dem Reichsarbeits- Ministerium, vor allem aber dem Reichsverkehrsmini st er Anlaß zum Einschreiten geben sollte. Die Firma Orenstein u. Koppel erhält vom Reichsbahnzentral- amt laufend Aufträge für Gleis- und Weichenanlagen und andere Eisenbahnbedarfsartikel, und als Gegenleistung entledigt sich die Firma der älteren Angestellten, die unweigerlich Staat und Gemeinden bis an ihre Lebensends belasten. Die deutsche Wagenbau-Bereinigung, deren Präsident Herr Alfred Orenstein ist, hat erst vor einiger Zeit an den Herrn Reichspräsidenten und an die in Frage kommenden Minister des Reiches und der Länder eine Denkschrift über die Notlage der deutschen Waggonbauindustrie ge- richtet, in der soziale Erwägungen eine bedeutsame Rolle spielen. Herr Orenstein wartet das Ergebnis dieser Aktion, die, nebenbei bemerkt, durch Parallelverhandlungen der Gewerkschaften unterstützt wird, gar nicht erst ab und entledigt sich der sozialen Risiken, ohne sich um das Schicksal von Arbeitern und An- g e st e l l t e n, die, wie es in der Denkschrift heißt, in Arbeitstasig» keil und Elend gestürzt werden, weitere Gedanken zu machen. Wahrscheinlich soll dadurch die Zeichnung der A m n e st i e a n l e i h e, deren finanzielles' Ergebnis der Reichsbahn für ein zusätzliches Arbeitshefchaffungsprogramm zur Verfügung gestellt werden soll, günstig beeinflußt werden. Polizei und Wirtschast Was unsere Schupo alles überwacht- Vortrag des Polizeipräsidenten Berlins Polizeipräsident Genosse Grzesinski sprach in einer überfüllten sozialdemokratischen Mitgliederversammlung in den Ar» minius-Sälen über die Zusammenhänge zwischen Polizei und Wirt» schaft. Der Redner knüpfte in seinem Il�stündigen Referat an einen Vortrag an, den er seinerzeit in der PolizeiwissenschafUichen Ver- einigung gehalten hatte. Die Polizei hat auf wirtschaftlichem Ge- biet im wesentlichen eine regelnde Tätigkeit, sie hat das Recht der Allgemeinheit gegenüber dem einzelnen zu sichern, der zu einem schrankenlosen Egoismus führenden freien Wirtschaft setzt sie eine notwendige Grenz«. Grzesinski gab einen interessanten lieberblick über die Tätig- keil der Pollzei aus dem Gebiet der Wirtschaft. Er schilderte ein- gehend die Nahrungsmittelkontrolle, die für die hygienische Rein- heit der Nahrungsmittel zu sorge» und der Aufbewahrung und Feilhaltung sie zu überwachen hat. Diese Kantrolle ist vorbildlich in der Welt. Sie arbeitet als Abteilung der Gesundheits- polizei in Verbindung mit dem Gewerbeaußendienst, der im Jahr« 1930 nicht weniger als 19 461 Rahrungsmittelprobsn ent- nahm, wovan 3424 beanstandet wurden. Die Menge der jährlich beschlagnahmten Lebensmittel, besonder» Fleisch, Wurst und Fische rechnet nach Zehntausenden von Kilo. Auch die Aerzte, die Apa- theken und die. Drogerien werden ständig kontrolliert. Dazu kommt die Seuchenbekämpfung, die Zwangsimpfung und die Sorge um die Reinhaltung des Wassers, denn nicht jede Fabrik darf ihre Abwässer einfach in die Flüsse lassen, wie es ihr paßt. Anschließend hieran schilderte der Polizeipräsident das Gebiet der Verkehrspolizei, zu der neben dem Kraftverkehrsamt die Wasser- und die Luftpolizei gehören. Darüber hinaus hat die Polizei die Kleinbahnaussicht, also für Berlin die Aussicht über die Straßenbahnen. Di» Polizei greift so weit regelnd in das Wirt- schaftsleben ein, daß sie sogar die Fahrpreise der Kraftdroschken festgelegt hat. Dann kommt das Gebist der Gewerbepolizei. von der Abdeckerei bis zur Ziegelei sind Betrieb« und maschinelle Anlagen zu kontrollieren. Reben der Anmeldepflicht jedes Betriebes ist in vielen Gewerben noch eine Prüfung erforderlich, ob der Gc- werbetreibende auch die genügende fachliche Ausbildung besitzt. Die Beamten müssen alfa nicht nur gute Polizisten, sondern auch gute Fachleute sein. Dabei werden viele nicht wissen, daß die Polizei in Berlin auch die Aufsicht über das Versicherungswesen und dis preußischen Hypothekenbanken hat. Diesen Abteilungen reiht sich die Baupolizei an. Die Bau- Polizisten haben heute die undankbare Aufgabe, nach Möglichkeit die Bausünden der Vergangenheit wieder gutzumachen. Das Ist sogar ihre Pflicht. Jedem Polizeibeamten wird immer wieder gesagt, wie stark die Wohnungsnot auf die Kriminalität«inwirkt. Der Cha- raktcr einer Wohngegend ändert sich sofort, wenn die alten Miet- kasernen abgerissen und Neubauten errichtet werden. Andere Aus- gaben kommen hinzu: Das Iagdrecht ist zu sichern, Wälder sind. gegen Feuer zu sichern, ja selbst die Fortpjlanzung der Tiere wird von der Polizei überwacht. Schließlich der Arbeiterschutz. Di? Polizei Hot die gesetzlichen Arbeiterfchutzbe st im münzen zu kontrollieren und für die Einhaltung der Sonntagsruhe und der vereinbarten Höchstarbeitszeiten zu sorgen. Dabei bedient sie sich der Hilfe von Vertretern der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft. wi« z. B. der Bautenkontrolleur«. Dieser Schutz der Arbeitskraft ist eine selbstverständliche Aufgabe der Polizei, kein Mensch zer- bricht sich den Kopf darüber, Dinge, die es allerdings in den Ver- einigten Staaten mit ihrer hemmungslosen Wirtschaftsfreiheit nicht gibt. Di« Moabiter Parteimitglieder dankten Genossen Grzesinski für fein« Ausführungen durch reichen Beifall. nach Berlin führten. Man nimmt an, daß der Flüchtige in der Umgebung des Stettiner oder Schlefifchen Bahnhofs«inen Unterschlupf gefunden hat. Auf seine Ergreifung sind von den Stettiner Behörden 1000 Mark Belohnung ausgesetzt worden. Bon der Berliner Kriminalpolizei sind alle Maßnahmen ergriffen, um Grapp in feinem Unterschlupf aufzustöbern. Ein«.strammer" Nationalsozialist. Der gesuchte Raubmörder, der achtzehnmal mit Zucht- haus vcrbeftraft ist. ist ein strammer N a t i o n a l f o z i a l i st. Ständig trug er an seinem Rock das Hakenkreuz. In Schlawe war G Händler mit nationalsozialistischen Zeitungen. Welche Rolle er sonst noch in den Kreisen der pommcrschen Rechtsradikalen ge- spielt hat, werden die weiteren Nachforschungen ergeben. Der Ver- brecher ist etwa 1,72 Meter groß, hat längliches Gesicht und war glattrasiert und hat dünnes blondes Haar. Bekleidet war er mit einem dunkelgrauen Gabardincanzug. Die Hose hatte eine etwa einen Zentimeter breite Kappnaht, wie sie vor Jahren modern war. Der Anzug ist Grapp viel zu groß. Er hatte ihn von seinem in- zwischen verhafteten Komplicen Pomplun nach der Tat erhalten. da sich Grapp bei der Ausführung des Verbrechens stark mit Blut besudelt hatte. Grapp ist außerdem leicht daran zu erkennen, daß er an der linken Hand zahlreiche Narben hat. Zweckdienliche Angaben sind unter Hinweis auf die ausgesetzte Belohnung von 1000 Mark an das Polizeipräsidium, Anruf Bero- lina 0023, zu machen. Alle Mitteilungen werden streng oertraulich behandelt. Oer Familieamord in Dortmund. Oer Mörder hat nur wertvolle Briefmarken geraubt. Das surchlbare Verbrechen an dem Ehepaar Woser und da Wilwe v p w> o iu Dortmund läßt noch den neuesten krimi- nalpvUzellichen Ermilstungen zweifellos darauf schließen, daß der Mörder im Bckannlcn.krets feiner Opfer zu suchen ist. Ileberraschenderweise Hot sich ergeben, daß außer einigen Briesmarkenraritäten in der Wohnung weiter nichts angerührt worden ist. Der Kaufmann Ätofer war ein eifriger Philatelist, und in seiner Sammlung hatte er einig« seltene und sehr kostbare Stücke. Die Sammlung lag im Herrenzimmer zerstreut und zerrissen aus dem Boden umher. Die wert- v v l l st e n P! a» k c i> fehlten, das konnte bald auf Grund einer Bestandsliste festgestellt werden. Die Nachforschungen der Kriminal- polizei nach dem Täter, die unter Leitung des früheren Berliner Mordkommissars Braschwitz vor sich gehen, erstrecken sich in der Hauptsache auf Sammlerkreise, in denen der Mörder zweifelsohne suchen ist. Die Ermordeten müssen den Täter gekannt haben, da chm die sonst sehr vorsichtigen Leute bedenkenlos Zu- tritt in ihre Wohnung gewährt haben. Frau Moser hatte gerade einen Apfel geschält, als der Mörder sie durch zahlrcich« Stiche und Hiebe tötete. Wieder bluiige Schlägerei. Nazi voa Kommunisten niedergestochen. In der vergangenen Nacht gerieten in der Ostsnder Straße acht Kommunisten mit mehreren Nationalsozialisten in eine Schlä- gerei. Dabei wurde der neunzehnjährige kaufmännische Angestellte Friedrich Meier aus der Ostender Straße durch mehrere Messer- stiche niedergestreckt. M. fand im Virchaw-Krankenhaus Aufnahme. Die sofort aufgenommene Verfolgung durch eine Polizeistreife perlief ergebnislos. * In den Atlantiksälen am Bahnhof Gesundbrunnen kam es gestern abend zu einer großen Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Zu der von den Hakenkreuzlern ein- berufenen Versammlung hatten sich größtenteils Kommunisten ein- gefunden. Schon gleich nach Beginn der Kundgebung fegten die Zwischenfälle ein, die mit dem Auszug der Kommunisten aus dem Saal endeten. Unter großem Tumult verließen etwa 400 Personen den Raum. Plötzlich entstand eine Schlägerei, bei der die Gegner mit Stühlen aufeinander einHieben. Die Polizei griff schnell ein, so daß Blutvergießen verhütet wurde. Mehrere Rädelsführer wurden festgenommen und der politischen Polizei übergeben. Nächtliche Schießerei mit Auioßieben. In Schöneberg. an der Ecke Mühlen- und Hauptstraße hielt in der vergangenen Nacht ein Prkootauto. Ein jüngerer Mann entstieg dem Wagen und begab sich in die dart befindliche Telephonzelle. Mit einem Hammer schlug der Bursche den Geldbehälter ab und wollte mit feiner Beute flüchten, als eine Schn.postreif« erfchisn. die den Täter aus einiger Entfernung beobachtet hatte. Noch bevor die Beamten heran waren, schwang sich der Täter auf das Tritt- brett des Autos und roste mit seinem Komplicen, der während der ganzen Zeit am Steuer de» mit laufendem Motor haltenden Wagenz gesessen hatte, davon. Den Geldbehälter hatte der Töter fori- geworfen. Die Beaniten sandten den Flüchtigen mehrere Schüsse »ach. ohne jedoch zu treffen. Da» zu der Plünderung benutzte Auto haben die Burschen zweifellos irgendwo gestohlen. Die Krise im Musik u Die Saison beginnt. Konzertbireltionen loben ein. grelle Pia- kate locken von ollen Litfaßsäulen, in großen und kleinen Sälen entfaltet sich langsam der Betrieb, der berühmte und berüchtigte Musikbctrieb der Weltstadt: mit kommandierenden Musikgenerälen vor der Front ihrer Orchester und Chöre, mit all den unzähligen Solisten, den berühmten und unberühmten Klavierspielern, Geigern und Sängern. Trotz aller Einschränkungen wird das Angebot!m Verhältnis zu der überaus bescheidenen Nachfrage immer noch viel zu groß sein: die Konzertkrise, von der allerorten so viel die Rede ist, wird sich verschärfen, die Lage der konzertierenden Künstler wird noch bedauernswerter sein als bisher. Da scheint es wichtig genug, sich über die Bedeutung des Konzertwesens für unser Musikleben klar zu werden. Geht hier Unersetzliches zugrunde oder handelt es sich nur um das Absterben einer überalterten Tradition? Für die Konzertkrise sind viele Ursachen verantwortlich. Daß sich die traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse auswirken, ist ganz selbstverständlich: Menschen, die mit jedem Pfennig rechnen müssen, werden auch die billigsten Konzerte nicht besuchen können: oft läßt die Müdigkeit nach aufreibendem Tagwerk keine geistige Anstrengung mehr zu, ost mutz die karg« Frei- zeit aus gesundem Selbsterhaltungstrieb der Körperpflege, dem Sport gewidmet werden. Die Zeit, die im Leben der meisten für Musik übrigbleibt, ist sehr gering. Angenommen aber, die Sorgen wären weniger drückend, die Verdienstmöglichkeiten größer, die Frei- zeit ausgedehnter— würde dies alles den Konzerten zugute kommen? Die Wahrscheinlichkeit ist nicht groß. Es liegt nicht so sehr daran, daß man früher, wollte man Musik hören, auf die konzertierenden Künstler angewiesen war, während heute Rundfunk und Schall- platten zur Verfügung stehen: diese mechanischen Reproduktions- mittel sind bei oller Anerkennung ihrer Vorzüge der lebendigen Musikausübung durchaus nach nicht ebenbürtig, wenn auch kein Zweifel besteht, daß sie es einmal sein werden. Nein, der Grund liegt tiefer. Konzerte waren immer eine Klassenangelegenheit, der Aristokratie zuerst, später des Bürgertums: dies rächt sich in einer Konzertleben id Leben Zeit, in der große, früher geknechtete Masse» Demokratisierang auch der Kunst gebieterisch verlangen. Eine Institution aber, die einer Klasse in einem bestimmten Zeitraum ihrer Entwicklung angepaßt ist. läßt sich schwer demokratisieren. So erweist es sich auch, daß das Wesen des Konzertes dem Geist unserer Zeit in allem entgegengesetzt ist. Wir wollen neue Musik— und finden historische Programme: wir gründen Musik auf Gemeinschaftsgedankon— und finden Individualismus: wir wollen den chörer aktivieren, ihn zum Mittun veranlassen— das Konzert verführt zur Passivität: wir erkennen die Notwendigkeit einer möglichst innigen Verbindung der Kunst mit dem Leben— und fibden dort das Bekenntnis zu rein ästhetischer Betrachtung, die von einer Zeitbedingtheit aller Kunst, von ihrer Abhängigkeit von wirtschaftlichen Faktoren nichts wissen will. Hier wird ohne weiteres klar, warum sich Musik- und Konzerlleben nicht mehr decken: Im Konzert lebt die Tradition, das Bewahren wert- vollen Gutes der Vergangenheit: neues Wollen muß neue Wege suchen und findet sie auch. Das Bürgertum nun ist längst keine tragende Schicht mehr. Die Konzerte aber haben sich versielsacht, die Zahl der Peranstal- tungen steht in gar keinem Verhältnis mehr zum Bedarf. Um in diesem Umfang weiter existieren zu können, müßten die breiten Schichten der arbeitenden Bevölkerung herangezogen werden. Das klassenbewußte Proletariat aber ist für diese typisch bürgerliche, rein ästhetische Form der Musikpflege nicht zu haben. Mit Recht. Es ist auch viel mehr zu wünschen, daß der Arbeiter seine Musikübung. seine Feste und Feiern organisch seinem Leben eingliedere, als daß er Formen übernehme, die unter ganz anderen Voraussetzungen entstanden sind. Unser Ziel wird sein müssen: durch alle zu Ge- böte stehenden Mittel die Musik dem Leben des Arbeiters so nah« zu bringen, daß eine neue, eine proletarische Musikkultur möglich wird. Sie wird sich in einer dunklen, wenn auch nicht mehr fernen Zukunft ihre eigenen Formen schaffen: das Konzertwesen aber wird als Form einer Musikkultur, die ihren Höhepunkt längst überschrillen bat, sein« Bedeutung immer mehr einbüßen. Xrnold Walter. Llngeireue Gemeindebeamte. Gememdekredite zur eigenen Verwendung. Eine Verhoudluvg vor dem Schösfcugerichk Köpenick eukhüllk wieder einmal die K o o t r o l l o s i g k e i k in der Finanz- gcbarung mancher Gemeinde. Der deulschnationale Gemeinde- Vorsteher vo» Schöneiche. Kreis Rlcderbarnim, A l b r e chk und der frühere Rcndant Stessen— neben diesen beiden auch Albrechls Frau—. hallen sich wegen Unleeschlaguno. Betrug und llr- kundenfälschung zu verar.lworlen. D-r Schaden, der im Lause der Jahre ihr durch die Angeklagken zugefügt wurde, beträgt 758 OCO M. Als die Verfehlungen nicht mehr zu verheimlichen waren, unternahm Alb recht im Mai vorigen Jahres einen Selbst- Mordversuch: Steffen verschwand, um sich bald darauf den Behörden zu stellen. Steffen war Nationalsozialist und Albrecht bei einer Amtsoorsteherwahl vor drei Jahren Kandidat der Nationalsozialisten gegen die Sozialdeuwkralen. Die rnangelttde Kontroll« durch die Gemeindevertretung halt« es den Gemeindebeantten äußerst leicht gemacht, die Hunderttausende durch, zubringen, sie u. a. bei Pferderennen und mit Wetten zu verpulvern. Dos gute Leben der beiden Angeklagten auf kosten der Gemeindekasse begann vermutlich unmittelbar noch dem Kriege, nachweisbar jedoch erst nach der Stabilisierung der Mark. Sie kassierten Steuern ein und ließen sie in der eigenen Tasche verschwinden. Im - Jahre lg2Z ergab eine Revision einen Fehlbetrag von 20 000 M. Man verstand es aber, den Eindruck zu erwecken, als wären große Rückstände an Steuern vorhanden. Trotzdem war den beiden nicht wohl zumute. Früher oder später mußte die Angelegenheit ruchbar werden. So fanden sie einen Ausweg. Sic mißbrauchten.zu eigenem Nutzen die Kreditfähigkeit der Gemeinde: sie nahmen Kredite auf, ohne daß entsprechend« Beschlüsse der Ge- meindevertrstung vorlagen, ferner solche, die sie sich durch willkürlich abgeänderte Beschlüsse der Gemeindevertretung bzw. des Kreis- ausschusses beschoffteu und schließlich auch solch«, für die ordnungs- gemäße Beschlüsse vorlagen. Der erste Schritt in dieser Richtung war� ein Reinfalll Durch Inserate in Tageszeitungen suchten sie kurzfristige Kommunaldarlehen für Schöneiche. Sie gerieten an Schwindler, von dem Wechselkredit in Höhe von 30 000 M., die sie ausnähmet,, blieben ihnen schließlich nur 79S0 M. Bei der Brandenbuyger Provinzialbank und Girozentrole besaß die Ge- mernde Schöneichs ein Vorschußkonto zur Entnahme kurzfristiger Kredite auf 10 000 M.; die Angeklagten bauten diesen Kredit auf eigene Faust zu 34300 M. aus. Durch das Banthaus Heinrich in Koblenz erhielten sie zwei Darlehnsbeträg« von 25 000 und 6000 M.; bei der Mitteldeutschen Bodenkrcditanstalt in Greitz er- langten sie durch Urkundensälschung 125 000 M. bzw. 75 000 M. Immer neue Summen kamen hinzu, 30 000 M., 50 000 W., 65 000 M. usw usw. Die Einzelheiten, unter denen den Angeklagten diese betrügerischen Manipulationen gelangen, sind Gegenstand ausführlicher Erörterungen in der Gerichtsverhandlui� Oer Edelrassige von Hildburghausen. Ein Wort, das nicht geholten wird. Unser« Leser erinnern sich, daß der nation olsozia- fspische Agitator Studienrat Hille in Hildburghauscn in einer Versammlung die Behauptung aufgestellt hat. die Genossen Erispien und Dittmann hätten während des Krieges in engsten Beziehungen zu französischen Offiziersspionen gestanden, und daß Erispien und Dittmann dreserhalb gegen chn Strafantrag wegen Beleidigung gestellt haben. Sie wissen auch, daß Hill«, noch- dem er von der Stellung des Strafantrags Kenntnis erhalten hotte, sowohl in einer Versammlung in seinem hessischen Geburtsort wie auch in dem nationalsozialistischen„Beobachter" für die Kreise Sonneberg und Hildburghausen, in dem er seine Teistesprodukt« ablagert, angekündigt hatte, er werde den Beweis der Wahr- hell für feine Behauptungen bringen. Sie wissen schließlich, daß cr wenige Tage nach der zweiten dieser Aeußsrungen vor dem Schöffengericht Msiningen. um einer Bestrafung zu entgehen, zugestanden hat, für die von ihm begangene Beleidigung keinerlei Anhalt zu haben und daß er sie unter Ucbernahme der Kosten des Verfahrens mit dem Ausdruck des Be- dauerns zurückgenommen Hot. Gleichzeitig hat er sich verpflichtet, diese Erklärung in der„Dorfzeitung" und dem„Hild- burghaufer Kreisblatt" zu veröffentlichen und freiwillig versprochen, sie auch im„Beobachter" bekanntzugeben Das letztere Versprechen Hot cr in der Weise eingelöst, daß cr zwar seine Erklärung mitteilte, aber den Lesern zugleich erzählte, Erispien und Dittmann hätten zunächst von ihm die Zahlung einer Buße von 100 Mark und«in Abrücken von dem Buche des Erozier- Desgranges verlangt, das er übrigens fälschlich als seine Quell« be- zeichnet hatte. Beide Behauptungen waren falsch und können nur wider besseres Wissen ausgestellt sein, denn Erispien und Dittmann. die sich nur aus Mitleid mit 5)ille zu einem Vergleich entschlossen hatten, haben keine dieser beiden Bedingungen gestellt. Falls zur Vervollständigung der Charakterbildung des Hill« noch irgend etwas nötig wäre, so würde dieses neue Vorkommnis die Lücke ausfüllen. Es kommt aber noch hinzu, daß Hille, entgegen seinem vor Gericht abgegebenen Versprechen, die von ihm über- nommenen Kosten der Nebenkläger bisher nicht gezahlt hat, obwohl sie ihm bereits am 1, September d. I. aufgegeben worden sind. Der Grundsatz:„ein Mann ein Wort" scheint danach hei dem Hakenkreuzler Hille unbekannt zu sein. Oder sollte'ein Verhallen gar auf Verunreinigung seines germanischen Stamm- baums durch das Blut einer Niederrass« zurückzuführen sein? Russische Amnestie. Gtrafentlassene werden wieder ongesiellt. ZRoekau(über Kowno), 24. September. Wie amtlich gemeldet wird, hat der Hauptvollzugzausschuß der Kommunistischen Partei sämtliche Kontrollkommissionen angewiesen. diejenigen Personen, die wegen sowjetfeindlicher Gesinnung aus ihren Aemtern im Stadt- oder Kvmmunaldienst entlassen wurocn, wieder zum Dienst zuzulassen. Es soll jedoch eine ge- naue Nachprüfung erfalgsn, um nicht solche Element« zum Staats- dienst zuzulassen, die als schärfste Gegner der Sowjetunion be- kannt sind. Durch dies» Mahnahme-wird der Staatsapparat über eine Million Arbettskräste aus den Reihen der russischen I n- telligenz erholten, die durch die Säuberungsaktion 1928/1030 entlassen wurden. Wetter für Berlin: Meist bewölkt mit Regen und wenig Temxeraturänderimg. Nordostwinde.— Für Deuischland: lieber- all tiihl. Im Süden und Südosten stärkere Regenfälle.- Auch in Mitteldeutschland und ich Nordwesten vielfach regnerisch, im Nord- pften weist trocken. Schliemanns Aachlaß. Heinrich Schliemann, der genial« Entdecker Trojas, der durch seine Grabungen die Allertumswissenschaft so entscheidend gefördert, ist nach seinem Tode unverdienter Dergessenhett onheimgesallen. Die Vorwürfe, die die Wissenschast mit Recht und mit Unrecht gegen seine Methode erhob, verdunkelten sein Lebenswerk, das doch-ine der größten Leistungen in der Geschichte der Wissenschast bleibt. Nunmehr aber ist die Zeit gekommen, um dem Wesen und Werk dieses einzigartigen Mannes gerecht zu werden, und sein Bild wird uns in einem ganz neuen Licht gezeigt, durch das bisher nur englisch erschienene Sehlieniopn-Buch Emil Ludwigs, dos demnächst auch deutsch vorliegen wird. Ludwig ist der erste gewesen, der i Knlanteste Zahlnnsswelae! H. Wlnfer ck Co., ifönldsbenfer Sir 7 E. 7, Weichsel OS 48 0läß& Jhle n» fltafehlnenbau- und Xeparaiur TVerkftaH für grapMfehe tllafehinen Sierlin Sit 68, Alexandrinenftr. 29/25 Zel.: Dönhoff 4204 llachlruf: Xaermald 2542 CARL WENDE LICHTENBERG, Alt-Friedriohsfelde 122 Fernsprecher: Amt Lichtenberg E5 4742 Bronzebau, Feinelsen, Konstruktion, Bau- Schlosserei, Baubeschlag, Kunstschmiede (xro£' Destillation August Schulz- Dresdener 5 trabe 135- .Koitbusser Tor Eduard Busse G.m.b.H. Btrlin HU.Tigilcr Sir. 13= s s reraral; Vtdillog 0B.«3T3 BanKlempnerel- Dadteindeckuna Gas-, Wasser-, gesandheUsfedinlsdie Anlagen J. Andermann Ges. m. b. H- 131. Iniki SU. SO, FtfKfif. IBoigstkt 3M/S1 Eiergroßhandel BB Import WMWMM Export WW SCHLAF-HERREN-I U-S MTUt.KOCHIMu tlHIEL-u.ltUIHMÖBEl 1 GStOS« CJSWOHl BSCgster Veritouf »MrMpQBßiKG'Bou« Kok UKtes-ObcATwucMr PIANOS �ebborSriprocr�tW 3bor 50000 FABRIK: JSCHILLCk •CKUNC94 MIWUMTRSSliO Ftnr; D 1 Borin 7542 M. 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September 1931 SivÄbimö Shnloiil&iS« Am lirwasA Urlaubstagc im„Jägerhaus 4km märkisches Potpourri/ Vo« Heinrich Hemmer 44 Schon tm Limmelbähnchen(bsm gar nicht einmal s o bummeligen) klagte ein Geschäftsreisender der ganz fort- geschrittenen Sorte über„Rückständigkeit". Deswegen bin ich doch hierher, nach Klosterheide, gekommen, lieber Mann! Deswegen kommen doch immer mehr Amerikaner nach Europa, nach „quaint Lurope", bitte! Das ist doch Balsam für die von der schrecklichen Fortgeschrittenheit zerschundencn Nerven: so ein bisset süßes Zurückgebliebensein. Nicht was es in diesem Markwaldwinkel schon gibt, sondern was es hier noch nicht gibt, macht seinen Liebreiz aus... laß dir's sagen, grausamer Waldparzellierer, der du Klosterheide zu einem Kurort degradieren willst. Ein kleines Stationshüttchen, aus dem man bei Zugsankunft(um nicht über- sehen zu werden) heraustreten muß und wo sich am zappen- dustern Abend alle Briefschreiber einfinden und ihr Skriptum in den matterleuchteten Postwagenspalt stecken:... in SV Jahren werden solche Idyllen im Bädeker mit einem Stern verzeichnet stehen. Klosterheide.* Jawohl: das nenne ich Erholung! In der kühlen Herbst- walddämmerung ein einsames rotumranktes, geweihgehörntes Knusperhaus aufzuschießen und darinnen selbstherrlich herum- zuwirtschaften:... dafür können mir sämtliche Kurorte der Welt gestohlen werden. Das ist das Glück(nicht nur des Ex- globetrotters): Feuerholz aus dem Walde nach einer Rasthütte zu schleppen und dem Kessel zuzusehen, wenn das Wasser zu sieden ansängt. Und ist's, was das anlangt, nicht verdammt egal: ob man jetzt in einem papierwandigen, mattenbodigen, die Silbersee überblickenden Iapanerhäuschen in das Holzkohlen-Schoßöfchen pustet... oder ob man hinter der Hüttentüröffnung, darin kalifornische Goldorangen ausleuchten, die Bratpfanne schuckelt... oder ob man in den rieselnden Siegfriedwäldern Westneuscelands seine Stiefel überm Z-Meter-Kaminfeuer aufknüpft... oder ob man aus einem-Knusperjägerhäuschen den Curry-Reis in eine Poetenlaube im feuchten Fichtengrund trägt, dahinter sich knorrige Kiefernäste recken: es ist allemal primitivstes und höchstes Menschen- glück. So ein herrlicher Kamp-Tramp-Haushalt. So eine trauliche, beschauliche Wirtschaft im Grünen. Wenn ich mir hier einm Berg hinzudenke, fühle- ich mich in Oberbayern, und wenn ich klotzig, protzig, trotzig über den von Pilzen gesprenkelten Waldmoosteppich zum finsteren See hinabwandle, bin ich ein Herr von eigenen Gnaden, nicht ein schäbiger Kurpromenadentreter. Jawohl, das ist das Glück: Wasser pumpen, Tiere füttern, Teig kneten, Herdfeuer anzünden: das Glück eines oberösterreichischen Bauern oder eines englischen Lords. Beiden ist der Herd der Mittelpunkt des Heims. Und habe tch nicht übrigens auch Sydneyer VNlvsrsitätsprofessoren am Hxrd« fteheirnnd-großes- leisten gediehen... und kochen nicht vielleicht 90 Proz. aller wehrfähigen australischen Männer/ so oft sie'? für gut befindend Rur wer kochen kann, ist ein' ganzer Mann, ein ganz unabhängiger, alle Einsamkeiten auskostender, allen Hausdrachen entrinnender Mann. Ein Siegfried— der Siedler. Mags nicht auch instruktiver sein, mit einer Milchkanne einen Bauernhof zu betreten, als mit einer Aktentasche ein Ministerium. Dichtern, wenn sie vom Pegasus steigen, kann es nur Nutzbringend sein, die Grundlagen der Existenz ollemal wieder vor Augen geführt zu bekommen. Es wird nämlich gedichtet, da und dort in Klosterheide. Und während man gewaltsam daraus einen Kurort machen will, oerwandelt es sich vielleicht automatisch in eine Dichterkolonie. Was ich im Knufper- Häuschen zu hüten habe: die weißbeschwingten Turteltäubchen, die aus meiner Hand futtern, die anspruchsvolle graue Katzenschönheit mit heiratsfähiger Tochter, der rote Kettenhund, der mir wie ein auf Seelenwanderung begriffener englischer Gentleman nachfolgt: es sind die Haustiere eines Dichters, die ihm durch Gartenwege und vielleicht sogar durch Romankapitel folgen, wenn er hier Ist. Mich blicken sie forschend an: was will ich hier... doch nicht stehlen? Ach, und dabei, liegt ein Notizbüchlein mit Einfällen auf dem Schreibtisch. Als ich es ölfne, fällt mein gieriges Auge auf eine in Schlagworten festgehaltene Friedhofsgeschichte von einem gruseligen, fhakefpearischen Humor... Bor nicht langer Zeit, als in diesem, 180 Einwohner zählenden Dörfchen, einer das Zeitliche segnete, schaufelte ihm die sich jeweils. aus Häuslern, Kärrnern und Bauern konstituierende Friedhofs- lammifsion auf dem kleinen, allznkleinen, allzugedrängten Gottes- nckcr ein Grab aus. Sie schaufelten und schaufelten, wie immer, auf zahlreiche Knochen stoßend, von früh bis Mittag, wo sie sich als- dann zu einem Schoppen setzten. Während sich aber die Toten- gröber im Gasthof stärkten, werden auf der Chaussee Stimmen laut, erstaunte Rufe erschallen und Frauengekreische. Ein Hund kommt die Dorsstraße herab. Stolz einen Knochen im Maul tragend. Der Hund kommt vom Friedhof... und der Knochen wohl ebenfalls. Es ist kein Ochsenknochen, kein Schafsknochen: so lang kann nur ein Oberschenkelknochen sein— und nfcht mal ein leichter. Ja, wer hatte denn einen so balkenlangen Oberschenkel zu eigen? Lieber Gott: der Köter trug Kaspars, des weiland Biehtreibers Schenkel- knochen nach seiner Hütte! Was könnte man aus dieser wahren Geschichte nicht noch herausholen, wenn mich die Muse küßte. Der Hund mag Rache üben: hat er nicht manchen Tritt abbekommen von diesem langen Bein? Vielleicht daß es einer jungen Magd nachstellte, die der alte Köter hüten sollte. Seine Zähne krachend in die mürbe Trophäe senkend, kommt das Hundevieh jetzt an der Magd vorüber, die wird aufschreien: Kaspar, Kaspar... Für die Kärrner ist jetzt die schöne Zeit der Berliner Heu- fuhren gekommen. Nicht daß Heufahren— sich heute lohnte, manch einer läßt Kartoffeln und Heu auf dem Felde verfaulen. Wenn einem jedoch die Pferde nichts kosten, und wenn man den(eigenen) Fuhrlohn nicht rechnet, so kriegt man aus Berliner Märkten immerhin noch genug Geld in die Tasche, um kreuzfidel johlend wieder zurück- zufahren— nachdem man sich gründlich gestärkt hat. E i n Hof am unteren End« des Ortes steht leer: niemand will ihn mieten. so wenig Miete er auch kosten würde. Es ist jener Hof, in desien Scheune man unlängst die verkohlte Leiche der Berwalterssrau ge- funden hat. Vor dem Knusperhäuschen sah ich einmal eine arme Fremde, ein Kind an der Hand, eins unter dem Herzen, nach Pilzen suchen. Die Frau kann einem leid tun, sagte der Postbote. Es war die Mördersfrau. Sie ist schön von Angesicht. So kräftig ist die Lust, das Landschaftsbild so abwechslungsreich in seiner herben Schönheit: daß alle wiederkehren, die sich in diesem Klosterheide einmal vorübergehend niedergelasien, also auch ich. Auch ich werde hier noch berühmtem Muster einen Husstand gründen, mit einer Couch beginnend, eine Gitarre dazu er- werbend, dann einen Patentkocher, einen selbstkonstruierten Patent- schreibtisch, hausgefärbte Gardinen, Brahms-Platten, und nach und nach alles übrige. So entsteht ein Haushalt, der zum Hausbewohner paßt: ein gewordenes, kein fertig gekauftes Heim. Und wenn man im Großstadtgetriebe ein einsamer Fremder bleibt, in dieser Land- cinsamkeit hat man viel geselligen Zuzug, und auch viele Konnexionen schaffende Ausflüge hat man schon aus Ver- proviantierungsgründen zu unternehmen. Hier gibts privatim Eier und Suppenhühner und solch und solche Gespräche, dort öffentliche Würste und Suppenwürfel und solch und solch andere Gespräche. Die Gewohnheiten und Neigungen von Mensch und Tier sind ortsbekannt: ein(wie ich denke, fremder) Radfahrer ruft meinen roten Hund bei seinem Namen aus dem Weg. Will ich jedoch Suppenknochen für den Seelenwanderer(oder mich), mutz ich nach dem verträumten Provinzstädtchen Lindow laufen, wo man allen Ernstes Kurgäste zu angeln versucht, allerdings, ohne ihnen dabet im geringsten weh zu tun. Das Schwierige ist, aus Lindow wieder herauszukommen: olles dreht sich nach einem um, ich erlangte sofort eine sonderbare Be- deutung, ich weiß nicht wie, kam mir groß und berühmt vor wie ein Monument meiner selbst. Unversehens geriet ich in die Rolle des Nagel aus Hamsuns Mysterien. Wie wonniglich lebt sich's in solch einem süßen Provinznestchen, wenn man frei ist von Großstadt- komplexen... Lindow ist nicht auf der Höhe, würde der fixe Geschäftsreisende sagen. Immerhin traf ich dort ein kleines Mädchen, es war niemals in Berlin gewesen, aber diesen Groß- sprecher würde es mit Leichtigkeit in die Tasche stecken. Elly ist des Mädchens Name. Tai-i-km, et« Rcisbaucr Von ti ätmtg jo Unser Volk ist arm und das Land ist groß. Die Erde ist nackt und jedes Reiskorn dürftet nach Wasser. Wir leben zwischen den Bergen. Die Kiefern stehen an den Hängen grün. Auf dem Gipfel sind sie schwarz. Drei Kiefern stehen mitten im Dorf. Der Wind trug sie von den Nordbergen in das Tal. Die erste leuchtet von den Wurzeln bis zur Spitze wie Gold, die zweite wie Silber, aber die dritte steht schwarz im Schatten der beiden anderen. Jahrhunderte haben darin ihre Kraft. Der Fluß, der unsere Felder tränkt, heißt der„Friedliche". In meiner Kindheit wußte ich warum. Jetzt weiß es keiner mehr. So sind mir auch Vater und Mutter dahingegangen. An fernen Hängen rufen mich grüne Kiefern. Auf den Gipfeln stehen sie klar im Licht. Stufen verändern das Anllitz des Lebens. Als ich siebzehn wurde, war ich groß und stark. Aber die Ernte war schwach. Das letzte Korn holten die Steuereinnehmer. „Was. werden wir esfen?" schrie mein Vater. Die Beamten lächellcn. „Tigert-.. brüllie mein Vater... Die Beamten blieben in der Tür stchen und sahen mit stechenden Augen zurück. Fufuma hielt meinen Vater am Äermel und ging mit Hm ins Haus. Fufuma war der Aelteste im Dorfe. Das Dorf verdankte ihm. daß die Steuerholer nie jemanden im Dorfe töteten. Ich verehrte Fufuma. In jenem Hungerjohr waren die Beamten streng wie der Frost. Der Statchalter der Provinz führte Krieg und er forderte das letzte Reiskorn von den Bauern. Zwischen gelb und grün, zwischen Aus- saat und Ernte hungerte das Dorf. Ich war jung und groß und stark. Dreifach spürte ich den Hunger. Zuerst war der Hunger, dann war die Kalte und darüber fiel tiefer Schnee.» Tage und Nächte sprangen wie Bestien im Fieberhunger über uns her. In der grimmigsten Kälte ging Fufuma von Haus zu Haus. Er sagte einmal, als er meinen kranken Vater besuchte: „Kälte, Hochwasser, Dürre und Hunger sind Schreckensgcwalten. Wir säen und wir jäten, wir schneiden Korn und bauen Häuser, den Gewalten zu widerstehen. Aber sie zeigen sich stärker. Nur der Geist ist stärker als Kälte, Dürre und Hunger. Der Geist ist stärker als unsere Leiber. Er ist gewaltiger als der Tod!" An diesem Tage wurde Tai-i-kai vor dem Dorfe von Raben- schwärmen angefallen. Cr schrie um Hilfe. Seine Iammerschreie waren schrecklicher als die Hüngerschreie der Vögel. Die Leute rannten hinaus. Tai-i-kai lag mit dem Gesicht im Schnee. Ich hob ihn auf. Sein Gesicht war von Schnabelhieben zerhackt. Das linke Auge war eine Höhle voll Blut. Aber feine Hände umklammerten feine Hunger- beute, eine erwürgte Krähe. Die Menschen zerrissen den Vogel und schlangen gierig die Fetzen hinunter. Das Loch im Gesicht wollte nicht heilen. Er schlief neben mir und ich habe ihn nie jammern gehört. Als der Schnee zusammenfiel und schmolz, taten sich zwanzig Männer aus dem Dorfe zusammen, um in die Berge zu gehen und um Reis zu bitten. Tai-i-kai und ich schlichen heimlich hinter ihnen her. Wir trugen wie die Männer hölzerne Schalen am Schulterjoch. In den Bergen ging der Schnee den Männern bis zur Brust. Wir sprangen in ihren Spuren wie Ratten bergan. Mittags erreichten die Männer das Haus von Tseng-hsi-Ehoxv. „Habt Erbarmen!— Gebt Reis!— Wir hungern!" „Der Herr hat keinen Reis!— Die Scheunen sind leer!" „Reis!" wimmerten die Männer.„Wir hungern!" „Die Scheunen sind leer und das Land ist voll Bettler!— Es ist kein Reis!" Di- Männer gingen weiter. Keiner sprach ein Wort. Tai-i-kai sah sich um und schob die Binde höher von seinem Auge. Er sah den Verwalter noch stehen. '„Vielleicht gibt er zu esien. wenn er mein verlorenes Auge sieht." Wir zögerten nicht und gingen zurück. „Reis für einen blmden Bettler!" rief der Verwalter in das Haus. Tai-i-käi reichte seine Schale. Ein Mädchen füllte sie. „Und für mich!" bettelte ich. .„Nimm von ihm. Es ist nicht mehr!",* I� gehorchte. Der Anblick der Schale voll Reis machte muy wahnsinnig. Im Heißhunger sprang ich wiz ein Wolf gegen Tai-i-kai. Die Schale voll Reis fiel in den Schnee. Ich war stärker als Tai-i-kai. Aber wütend schleudert« er mich zurück. Ich glitt aus auf dem Eise, stürzte mit dem Kopf gegen die Steine, daß mir die Sixine versanken. Als ich erwgchte, kniete Tai-i-kai neben mir. Er hatte den verschütteten Reis aus dem Schnee aufgesammelt und hielt mir die Schale mit dem doppelten Quantum hin. „Das ist d-jn und deines Vaters Teil!" lächelte er und schwei- gend stiegen wir zu Tal. * Mein Vater mußte vor Hunger sterben. Das Erbe waren die Felder, darauf nur Schulden gewachsen waren. Aber die neue Ernte war gut. Alle Männer waren mit ihren Frauen auf den Feldern. Rur die Aecker von Tai-i-kai lagen kahl. Er war in die Berge gegangen, hinter den Soldaten her. Die Beamten nahmen von der Ernte den dreifachen Zins. Es blieb noch etwas und ich heiratete Ah-jui. Im Frühjahr arbeitete Ah-jui neben mir Im Feld und trug zur neyen Ernte ein Kind. Aber die Ernte war arm. Als Ah-jui den zweiten Sohn gebar, war die Ernte noch ärmer Und die Beamten härter als das Eis. Zwischen Ernte und Ernte wuchs der Hunger zum Himmel. Im tiefsten Stroh gab uns die Nacht nicht Schlaf noch Wärme. Das dritte Kind kam, als die Sonne hoch vor der neuen Ernte stand. Die Sonne spaltete mit ihrer Glut die Erde. Ich schleppte Wasser Tag und Nacht, um die Ernte zu retten. Da marschierten Soldaten in das Dorf. Einer kam den Wassergraben entlang gelaufen. „He! Komm her!" „Wohin?" „In das Dorf!" Mißtrauisch kam ich mit. Im Dorfe waren Schreie und Befehle. Unter den Kiefern standen zehn junge Leute aus dem Dorfe in einer Reihe. „Elf!" schrie der Anführer und warf mich zu den anderen. „Was soll das heißen?" schrie ich. „Kuli für die Armee!" erwiderte der Führer. Ich sah Ah-jui und die Kinder. Em Gitter von Bajonetten trennte mich von ihnen. Ah-jui sah mich an. aber ihre Lippen öffnete nicht der Schmerz. Die Hitze des Tages löste Kienäpfel von den Kiesern. darunter wir standen. Wie kleine, schwarze Köpfe rollten sie in den Sand. Ich sah die Stämme hinauf. Von den Wurzeln bis zur Krone hielt die erste ihr Gold, die zweite ihr Silber und die»ritte stand schwarz im Feueratem der Sonne. Die Sonne stand halbiert am Horizont, da trieben uns die Bajonette in die Nacht. Wir waren Lastträger auf endlosen Wegen durch Tag und Nacht. In einer Nacht suchten meine frierenden Hände Ah-jui. Schüsse verjagten meinen Traum. Die Soldaten warfen die Gewehre, die Träger ihre Lasten fort und jagten die Hänge hinauf und hinab. Ich sprang, mich zu retten, den anderen nach in das Felsgewirr. Kugeln sind schneller als der schnellste Rikschamann. Eine Kugel schlug durch meine Hand. Die kalten Steine kühlten meinen Schmerz. Da kroch jemand zu mir heran. „Tai-i-kai!" schrie ich in das einäugige Gesicht.„Tai-i-kai!" Er riß sich Fetzen von dem Hemd und legte sie um meine Hand. Das Blut floß über die Steine hinab in die Ebene, darüber das feurige Gefäß des Himmels hing.(D-vtsch«m e. P. S>«sg»n.) Der schnellste �isenbahnzng Ein neuer Weltrekord der Geschwindigkeit ewes Eisenbahnzuges wurde dieser Tage von dem„Cheltenham Flyer" aufgestellt, dem Schnellzug, der zwischen Swindon und London verkehrt. Er hat die 124 Kilometer lange Strecke von der.Kopfstation bis nach dem Londoner Padington-Bahnhof in genau 60 Minuten zurückgelegt. Stellenweise wurde eine Stundengeschwindigkeit von 136 Kilometer erzielt. Eine riesige Menschenmenge erwartete den Zug bei seinem Einlaufen in die Bahnhofshalle und begrüßte ihn mit großer Be- gejsterung. Bisher hielt den Rekord der Schnelligkeit mit 106 KUo- nieter in der Stunde ein Zug der Kanadischen Pazifikbahn. tiRBEfWLTUSSBALL Das Spiel Stettin-Berlin— Eine Manmchaftskritik Wieder einmal steht die Berliner Städtcmannschaft vor einer schweren Aufgabe: Am kommenden Sonntag soll gegen Stettin für die am 3. Aprll in Stettin erlittene SF: 1- Niederlage Revanche genommen werden. Als im Aprll die Städtemannschaft aufgestellt wurde, mußte man die Feststellung machen, daß es sich mehr um eine Kreis- Mannschaft als um eine Städte Mannschaft handelte. Waren doch nicht weniger als vier L u ck e n w a l d e r in der sogenannten Städtemannschaft beschäftigt. Der Vor- oder vielmehr der Nachteil aus dieser Aufstellung machte sich auch schon bei der Abfahrt bc- merkbar, einige Berliner fuhren nicht mit: vermutlich wollten sie gegen die Mannschaftsaufstellung protestieren. Schnell wurden einige andere herangezogen— der Erfolg war die Niederlage. Bei dem am kommenden Sonntag stattfindenden Spiel hat der Kreistechnische Ausschuß wieder einige Spieler aus Luckenwalde herangezogen, lieber die Qualifikation der Spieler gibt es zwar keinen Zweifel. Als Torwart fungiert der sehr bekannte Luckenwalder Wendtland. Ist es notwendig, in einer Städtemannschaft einen stadtfremden Spieler aufzustellen? Es gibt doch wohl bestimmt innerhalb Berlins genügend sichere Tor- warte. Erinnert sei an den Torwart von Lichtenberg I, I u d r i a n, der im Ausscheidungsspiel gegen die Städtemannschast wirklich gute Leistungen zeigte. In der Berteidigung sehen wir ebenfalls einen Luckenwalder neben einem Berliner. Befinden sich in Berliner Mannschaften nicht auch Spieler, die dasselbe zu leisten imstande sind? Daß der aufgestellte linke Verteidiger, ein Berliner, nicht gerade der größte Könner ist, hat er beim Spiel gegen Finnland bewiesen. Aber trotzdem wird er wieder aufgestellt. Warum nimmt man nicht die Verteidigung einer der besten Berliner Mannschaften, nämlich Eintracht-Reinickendorf? Die Mannschaft, die bisher die geringste Torzahl gegen sich hat, wird doch wohl über eine gute Verteidigung verfügen. Die beiden Außenläufer, beide van Adler 08. sind ohne jeden Zweifel gut. Dazwischen steht aber ein Mittelläufer, Becker- Eiche, der die Qualifikation für diesen Posten noch nicht erbracht hat. Ein Mittelläufer hat die Aufgabe, zu zerstören: das kann er nur, wenn er auch den Ball mit dem Kopf nimmt. Diese Aufgabe hat der aufgestellte Mittelläufer bis- her noch nie gelöst. Dafür wurde jein Spieler wie Israel- Eiche, der in bisher 18 Spielen stets zu den besten Spielern zählte nicht aufgestellt!» Ein Kapitel für sich ist wieder der Sturm. Hier macht man den gleichen Fehler wie seinerzeit bei dem Spiel gegen Leipzig in der Läuferreihe. Stellte man gegen Leipzig drei Mittelläufer in der Läuferreihe auf, so befinden sich gegen Stettin drei Halblinie Stürmer im Sturm. Der als Linksaußen aufgestellte K o l k m a n n ist alles andere, nur kein Linksaußen. Seine Flanken sind ausgesprochene Torschüsse, die der Innensturm nie bekommen kann. Als Halb- links ist er wohl der beste Spieler in Berlin. Dagegen ist der als Halblinks vorgesehene W e i d a u e r augenblicklich überspielt. Cr muß unbedingt erst eine ZeUlang wieder in der Mannschaft spielen. um wieder ip voller Form zu sein. Stark, von Adler 08, ist auch auf dem Posten als Halbrechter Spieler zu gebrauchen. Auf dem Rechtsaußenposten steht wieder ein Luckenwalder, der gegen Finnland wohl großes gezeigt hat, ober auch nicht zum Berliner Bezirk gehört. Hier hat man doch im Rechtsaußen von„Eintracht" bestimmt eine gleichwertige Kraft zur Verfügung. Warum wird überhaupt„Eintracht" so wenig zu derartigen Spielen herangezogen? Ein Kapitel für sich ist auch der Schiedsrichter. Es ist einfach unzulässig, daß der Mann, der die Spieler mit aussuchen half. den Schiedsrichter macht. Er muß einfach befangen sein! k'Ioriem?isanr. Kommunistischer Schwindel „200 000 Kalender gehen ins Land l" Man nimmt in den komniunistischen Zeitungsoerlagen wieder einmal das Maul gewaltig voll, damit reckst viel Inserenten auf den Schwindel hereinfallen. Der„Anzeigendienst der Arbeiterpresse" in der Iüdonstraße(das Wort„kommunistischen" läßt man aus revo- lutionär.kapitalistisch-geschäftlichen Rücksichten heraus), oersendet Pro- spektc zur Gewinnung von Inserenten für einen„Arbeitersport- kalender 1932". Uni den Anzeigenpreis schmackhaft zu machen, schwindelt man eine Auflage von 200 000 Exemplaren vor, da der Organisation(Name wird verschwiegen) angeblich ckOOO Vereine angehören. Wenn es so wäre, könnten die Inserenten vielleicht noch etwas �Geschäft machen. Wenn die kommunistische Sportbewegung oller Sparten heute 70 000 Mitglieder in 700 Vereinen hat. dann ist das JeHr gut gerechnet. Wobei die Frage, ob es sich dabei um lauter Sportvereine handelt, gar nicht erörtert werden soll. Im Jahre 1930 buchten die Moskauer bekanntlich 59 000 zahlende Mitglieder in Deutschland, und der Anzeigendienst trieb Retlame für den damaligen Kalender mit 250 000 Arbeiter- sp o rtl e rn; man hat also diesmal gegenüber 1930 schon 50 000 nachgelassen. Damit aber die Inserenten den Schwindel nicht merken, sendet man ihnen als Belegexemplar den Kalender ohne Verzeichnis der Vereinq» Sie würden bald hinter den Schwindel kommen und auch.dahinter, daß der Kalender bestenfalls 4000bis5000Auf- läge hat, der Wert eines Inserats also gleich Null ist. Qetrotten 3 Das Berliner Sekretariat der Moskauer Sportintcrnationale ist voller Wut über die Mitteilung der sozialistischen Presse(siehe „Abend" vom 17. Ssptembcr) über die dauernden Beziehungen Rußlands zu den verschiedenen bürgerlichen Sportvorbänden und den geplanten Besuch der russischen Nationakfußballmannschaft beim bürgerlichen Verein„Sparta" in Prag. Die Wiener„Ar- beiter-Zeitung" weiß dazu noch zu berichten, daß die Verhandlungen zwischen Rußland und Prag bereits zu einer Einigung darüber ge- kommen sind, wieviel und wo die Spiele in der Tschechoslowakei und 1932 in Rußland stattfinden sollen. Die Stellungnahme der sozio- listischen Presse hat das RSI.-Sekretariat zu der Mitteilung gezwungen, daß dos Spiel in Prag„nicht zustande kommen" wird. Aus dem Athleienla�er Am 26. September kommt in Fürth der Endkampf um die Mannschaftsmeisterschaft des Deutschen Arbeiter- Athletenbundes im Boxen zum Austrag. Die Gegner sind der Süddeutsche Meistor-Kraftsportklub Fürth und der Mitteldeutsche Meister„Zldler"-Stabfurth.— Ein« Boxerauswahllmannschaft des Deutschen Arbeiter-Athletenbundes fährt nach Norwegen und wird dort, boginne-nd in Oslo, zwischen dem 18. und 25. Oktober Kämpfe gegen erstklassige Mannschaften des norwegischen Arbeitersport- bundes durchführen. Die deutsche Mannschaft wird sich aus mittel- und norddeutschen Boxern zusammensetzen.— In der Zeit vom 2. bis 16 Oktober wird eine Auswahlmannschaft französischer Arbesterboxer Gast in Deutschland sein. Kämpfe sind vereinbart mst Mannschaften des Deutschen Arbeiter-Athletenbundes in Bremerhaven. Braunschweig. Tiaßfurt, Bernburg. Görlitz, Liegnitz und Weißwasser. Arbeiter-Wasserball Das Ergebnis der Serie 1 930/3 1 In zwei Runden, Hin- und Rückspielen, haben die Wasser- b a l l s p i e l e r ihre Me i st e r s ch a f t ausgetragen. Von den zehn Mannschaften, die zur �-Klasse des 1. Kreises gehören, hatte Spandau feine Mannschaft zu Beginn der Sommerscrie wegen Un- obkömmlichkeit verschiedener Spieler zurückgenommen und erscheint daher nicht in der nachfolgenden Tabelle. Mamlschaft Charlottenburg.. Kellas I..... Neptun-Weißensie Union...... Möwe...... Berlin XU.... ttichtenberz.... Neulöll»..... Hellas...... Charlottenburg konnte seine wartungsgemäß leicht verteidigen. vorjährige Meisterschaft er- Don allen 16 ausgetragenen Spielen oerlief lediglich ein Spiel gegen Möwe unentschieden. MW Zur Ausfahrt bereit! Eins von den drei Rettungsmotorbooten des Arbester-Samarster- Bundes liegt stets in Reserve am Steg der Rettungsstation am Tegeler See. Aibcitcr.SportkegclNub„Vorwärt«'. Srninngsabrnt' i-brn Zrcitsz wa 20 llär in öer Älcxandrinrnstr. lOü. Gäste b-rzli-st willkomm-m. ftt_____«____: Tn__ t.:« ct> X Wir« TT i- Ofhtoi Charlottenburgs Können steht gegenwärtig klar über dem oller anderen Mannschaften und man täte gut daran, Traini>»gsjpiele kombinierter Mannschaften gegen Charlottenourg durchzuführen die dann gleichzestig eine gute Vorbereitung auf die kommenden Städtekämpfe sein würden. Die an zwcster Stelle gelandete erste Mannschaft von Hellas spielte trotz guten Könnens nicht einhestlich, was auf ungünstige Umstellungen in der Mannschaft zurück, zuführen ist. Bei planvollem Training ist diese Mannschaft befähigt, ernst- hafter Konkurrent für Charlottenburg zu werden. Der Tabellen- dritte, Reptun-Weiheirsee, liegt nur knapp hinter den Spitzeiwestern. Balltcchnisch ausgezeichnet, mangell es dein ehemaligen Bundes- meifter gegenüber den sehr schnellen Charlottenburgern und Hellenen an Schwimmschnelligkest, und so gingen die entscheidenden Spiele hauptsächlich durch diesen Mangel verloren. Mft einigem Abstand folgen Union irnd Möwe mft der gleichen Punktzahl. Zwei im Spielsystem grundsätzlich verschiedene Mannschaften. Union technisch und taktisch„ausgekocht", aber schwimmerrjch lang- sam. Möwe ist als hochveranlagte Mannschaft anzusprechen, die bei fortschreitender Reife noch weiter nach vorn kommen dürfte. Schnelligkeit ist bei Möwe Begriff, es hapert nur nnt der Schuß- «ntschlosfenheft der Stürmer. Berl� XII ist entgegen den Er- Wartungen nur bis auf den 6. Platz gekommen Zu Beginn der Serie ganz groß in Fahrt, fiel dies« Mannschaft durch Form- schwankungen stark zurück. Schwimmerischcs Training scheint hier vor allem vonnöten. Die an siebenter Stell« folgenden Lichtenberger haben viele Spiele nur sehr knapp verloren und siift» nach dem Ausgang der letzten Spiele zu urteilen, etwas besser, als es ihr Tabellenplatz besagt. Neukölln«nttäuschte restlos. Noch im Anfang tief Serie ein ernsthafter Konkurrent, ließen sie bei unvorteilhafter Mannfchaftsaufftellung stark nach und fielen gegen Ende der Serie fast völlig aus.. Tabellenletzter ist die zweite Mannschaft von Hellas geworden, die damit zur S-Klasse absteigt. Abschließend kann man sagen, daß sich die Spielstärke der Berliner Arbesterwasserballspieler gehoben hat und gegenwärtig auf beachtlicher Höhe steht. In einigen Tagen beginnt die neue Serie, die gleichzestig Auftakt für die im nächsten Jahr wieder zum Aus- trag konnnende Bundesmeisterfchaft fein wird. Oer Olympiadefilm in Charlottcnburg Beim Charlottenburger Bezirk des �Kartells für Arbestersport und Körperpflege läuft Sonnabend, 26. September, im Wohlfahrts- fast des Berliner Spar- und Bauvereins, Königin-Elifabeth- Straße 6t>, in zwei Vorstellungen, um 18 und 21 Uhr, der Film vonderOlympiadein Wien. All denen, die nicht nach Wien mitkonnten, bietet sich eine Uebersicht über die sportlichen Wettkämpfe, Moffenübungen und Riefenauimärfche. Der Film versucht, die gewallige Begeisterung aller Tellnehmer und die aufopfernde Arbeft der Gastgeber dem Beschauer zu vermitteln. Alle, die in Wien waren, werden das Erlebte nachempfinden. Nebenher läuft der Film der Partei„Des G e i st e s Schwert", ein Film vom Marxismus. Eintritt 50 Pf. Arbeitslose zahlen in der ersten Bor- stellung die Hälfte._ Der Bezirk Karlshorst der FTGB. beabsichtigt die Eröffnung einer Abteilung für Frauen über 25 Jahre. Interessenten erhallen Auskunft bei E. Bernhard. Friedrichsteinerstr. 1, P. Krause. Rehsprung 15, sowie Dienstags und Freitags von 18 bis 22 Uhr auf der Turnhalle Treskowallee 44.— Zwecks wetteren Ausbaues der Handballmannschoften des Bezirkes können sich interessierte Porteigenossen, Gewerkschaftler und Gesinnungsfreunde ebenfalls an den genannten Stellen melden. Frei« iSjorioc'cinIgunn RiederschSnhanse», Abt. Pankow, ffincktanärsidung Zionnerztaz. 24. S-ptcmbcr. 20 Uhr. bei Lchnn-nn. SpielfllVrr erscheinen. Hockeysitzuna auf Donneresag, I. Oktober, verlebt. zier VfL. vstrin»«. B. erijssnet sein Sallentrainin« Freitag, 2S. Sev- tcinber, Wt Uf)t, in icc SucmwOf. An der Vorkaue.«eFeuüber Stachouä 8iiIHonrmcn. Freie Sport, und Sch-tztnrereiniguug«roß.Berliu, Abt. Prenzlauer Berg. Heute S-liienabend bei Resch». Metzer Str. 36. 30 Uhr. Handballer ebenda um 19 Uhr. Freitag, 2ö. September. Turnadend in der Lychener Str. 97—98. Per» eutsmittstlungen. rcilvLretne,•varrex» un»» � V Radfahrer„Solidarität". Touren Sonntag, 27. September. Am Sonntag dem 27. September, fährt sich der Todestag des erschossenen Genossen Herrmann aus Hohenneuendorf �um 25. Male. Es findet nach dort e�ne �tsfiruppen' ausfahrt statt. Sammelstart in Hohenneuendorf 14 Uhr Gasthof ffrcht�charn, Btrlintr Straß«. Die Abtcilungcn starten: t. Abt.: 8 Uhr bet kroll, Bülow- strage öS.- 2. Abt.: 11 Uhr bei Siohde, Diefl-nbachstr. 26.— 3. Abt.: 7 Uhr Mariannenplag.— 6. Abt.: 9 Uhr Feit, Aoptnhagcner Str. 17.— 9. Abt.. 10 Uhr bei Schreiber, Triftstr. SZ.— Abt. Neukölln: 8 Uhr chahenzollcrirp�tz.— CharlÄtenburq: 9 Uhr bei Stcimer, Wilmersdorfer Str. 21.— Treptow. Barmt- schulenwcg: 8 Ith: Vahnhor Baumschulenwrg.— Welgewee: 11 Uhr Antonplag. — Fllr all- erbeten van den Abteilungen f-stgeletzt-n Touren Starwerbat. Sitzungen der Abt-ilrng-n: 29 Uhr. 1. Abt.: 2. Oktobrr bei Rlckert. Stemmetz» strage Mo.- 6. Abt.: 1. Oktober im Zelt, Slovenhagener Sir 17.- Fried. richshain(gemischte): 2. Oktober bei Horn. Zorndoncr mtr. 9.— Neukölln. 1. Oktober in der Naiser.Friedrich.Str. 171— 1>2.— t£I)aclottcnbutfl:_ 2.~■ tobet bei Reimer. Wilmeredorfer Str. 21.— Wcigenice: 2. Oktober bei Ragcl. Vifwriusstr. 27.— AIMHUemcte: 2. Oktober bei Zobian, Söpen Icker Str. 38.- Oberschöneweide: 3. Oktober bei Emmerich. Wilhelmtnenhosttr. 64—»-"Ilsdorf: 3. Oktober bei Eschrich, Alt-llaulabarf Ecke Tdrsstraße.- Tunoelhal. Mariendorf- 2. Oktober bei Lindisch.»önigstr. 44.— Rennfahrer. Berlin.M,!.': 2. Oktober bei Janetzk«. Seidclstr. 21.— Wannlee: 3. Oktober im Reichsadler, Aonftcktr. Eharlotteulmrg M(. V-, Kanuabteilung. Sonntag. 27. September. Regattafahrer bringen Boote nach Eriinau. Alle anderen 9 Uhr ��Die�Frcic�Turiicesckast Groß-Berlm hat eine Sonderklasse kllr Gnmnastik »nd neuzeitliches Mlss.kturnen in der Turnhalle Panzensrr. 70 emgertehtet. Mittwoch. 20—23 Uhr, llebungsbetrieb, an dem Fortgeschrittene teilnehmen. FTGB., Ruderbezirk. Dönnersag, 24. September, 39 Uhr Sitzung bei Schmidt. Srhäneweide. Berliner Str. 97-98. Sonntag, 27. September Utnzrz nach Köpenick Sonnabend. 10. Oktober, 19 Uhr, kurze Sltznna im Restaurant Ernst SchnrM, aemsttliches Beisammensein. Gäste herzlich eingeladen. Tennis. Rot Sroß-Serlin E. V., Sockcnabteilung. Sonnabend, 2«. Sep. teirtber, ab 13 Uhr, Pflichttraining auf dem Sportplatz Ost, Laskerstratze. Sonn. tag. 27. Scptrmber, ab 8 Uhr, Trainingsspiele. Dcrantworil Mr die Redaktion:»ich.«-rnst-in, Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke, Bttlin. Berlag: Vorworts«erlag G. m. d. S.. Berlin. Druck: Borwärl» Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SB 88. Lmdeiistraße Z. Hierzu l Beilage. Billige Ein firnndsatz der Konsumgenossen- ssnaitiisnen Bedarfsdecmmg Beachten Sie bitte unsere Preisel GEG-Malzkaffee.....'/3-PW.-Poket 23 p<. GEG-Kornkaffee...... Vs-Pfd-Paket 23 p*- GEG-Konsumkom gem... Vs-Ptd-Paket 25 Pf KG-Gebr. Gerste..... Va-Pfd-Paket 14 p». GEG-Kaffeegewürz....... Paket 30 Pt GEG-KafFee- Essenz....... Paket 35 Pf. GEG-Grieß-Zusatz,... v4-Pfd-Paket 35 Pf. 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