Morgenausgabe Nr. 455 A 229 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 monatlich 8,80 M. (davon#6 Pf. monatlich für Anstellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4.82 M. einschließlich SV Pf. Ponzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge- biihren. Auslandsabonnement S.— M. »ro Monat; fiir Länder mit ermäßigtem Druckfachenporto 5,— M. Der„Barmärts� erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe fiir Berlrn und im Kandel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage »Volk und Zeit". P- Berliner voUÄblatt Diensiag 29. September �931 Groß-Äerlin 1U pf. Auswärts i5 pf. Die ein fp alt. Nonpareillezeile 80 Ps. ReNomezeile 5,— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Ps. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Die Vertreter der beiden Regierungen haben wieder ihrer Aebcrzeugung Ausdruck gegeben, daß ihr Ziel die pflege vertrauensvoller Beziehungen ztmschen den beiden Ländern ist. Sie sind der Ansicht, daß die Mirtschastskrise, unter der gegenwärtig die ganze Welt leidet, es ihnen zur gebieterischen Pftichl macht, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet ihre Bemühungen zu vereinigen, um Lösungen zur Milderung der Rot zu finden. Den deutschen und französischen Ministern scheint es geboten. ein besondere» Organ zu schassen, dessen Arbeitsweise greisbare Ergebnisse zu gewährleisten verspricht. Sie sind dem- entsprechend übereingekommen, eine gemischte deutsch-frauzösische Kommission zu bilden, die aus Vertretern der beteiligten Zentralstellen unter Beteiligung von berufenen Vertretern der verschiedenen Zweige der Wirtschaft, wie auch der Arbeitnehmer, bestehen soll. Die Leitung der Kommission wird Mitgliedern beider Regierungen obliegen. Außerdem wird ein gemeinsame» ständige» Generalsekretariat eingerichtet. Die Kommission wird ihre Sitzungen je nach Bedarf in dem einen oder anderen Lande abhalten und ihre Arbeiten alsbald aufnehmen. Die Kommission hat die Aufgabe, alle die beiden Völker berührenden wirtschaslsfragen zu prüfen, ohne dabei die Interessen anderer Länder und die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit aus dem Aage zu verlieren. Sie wird vor allem die Möglichkeiten prüfen, die bereits bestehenden Wirtschaftsvereinbarungen zu verstärken und auszubaven und neue Vereinbarungen abzuschließen, und Zwar gegebenenfalls in neuen Organisationsformen. Sie wird den gegenwärtigen Stand des Handelsverkehrs zwischen beiden Ländern untersuchen, um die seit dem Inkrasttrelen de» Handels- vertrage» von 1927 gesammelten Erfahrungen nutzbar zu machen. Sie wird weiter gemeinsam nach neuen Absahmöglichkeilen suchen. Tlach übereinstimmender Ansicht ist diese Auf- Zählung nicht erschöpfend. Die Vertreter der beiden Länder legen Wert daraus, klar zum Ausdruck zu bringen, daß sich ihr Vorgehen nicht gegen die Wirtschast irgendeine» anderen Landes richtet. Sie erklären, daß sie es ablehnen, die Lösung der der Kommission zugewiesenen Zrogen etwa in gemeinsamem vorgehen aus dem Gebiete von Zoll- crhöhungen zu suchen. Sic werden sich in Einklang mit den allgemeinen Bestrebungen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise hatten und werden die Mitarbeit anderer Völker in jedem Falle nachsuchen, wo die Sachlage dies erfordert. So könnte unter anderem die Durchführbarkeit internationaler Abmachungen über Schiffahrt und Luftverkehr geprüft werden. Die Vertreter der deutschen und der französischen Regierung sind überzeugt, daß sie hiermit den Grundstein zu einem werk des Aufbaus legen. Dies Werk soll der erste Schritt zu einer Gemeinschaftsarbeit sein, die ein Gebot der Stunde ist und an der mitzuwirken alle berufen sind. -i° Zu dem Ergebnis der Besprechungen wird in deutschen ossi- ziellen Kreisen über das Kommunique hinaus weiter erklärt: Die vertrauensvolle und offene Aussprache hat sich nicht auf die praktischen Fragen beschränkt, die schon vorher festgelegt waren, sondern auf die großen politischen Probleme der beiden Länder und Europas sowie aus die Wettpolitik erstreckt. Lösungen dieser Fragen haben wir zunächst zurückgestellt und die praktische Arbeit in den Vordergrund gerückt, nämlich auf die Einsetzung des deutsch-sranzäsischen Komitees und seinen Aufgaben- kreis. Das Komitee besteht aus hohen Bürokraten, die von den beiden Regierungen ernannt werden, außerdem werden je nach Bedarf und nach den zu dehandelnden Ausgaben Persönlichkeiten der Wirtschaft, der Finanz und des sozialen Lebens(Gewerkschaften) hinzugewählt werden. An der Spitze des Komitees wird jeweils ein Minister stehen, je nachdem ob in Berlin oder Paris getagt wird. Ein® e n e r a l s e k r e t a r i a t von zwei Beamten wird für die Organisation der Konferenz eingerichtet: von diesen zwei Beamten ist je einer ein Deutscher oder Franzose. Wir wollen die zum Teil schon sehr engen Wirtschaftsbeziehungen weiter ausbauen in Kar- tellen, im Handelsverkehr und in der Aussuchung gemeinsamer Wege für weitere Möglichkeiten. Das ist nicht eine deutsch-sranzösische Orientierung gegen dritte Staaten, sondern man wird sich im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit halten. Wo dritte Staaten unmittelbar interessiert sind, werden sie unterrichtet werden. Das Komitee wird mit seiner Arbeit nicht beschränkt, es soll elastisch sein und wird selbst seinen Weg unter der Leitung der dafür ver- antwortlichen Regierungen finden. Neben diesen wirtschaftlichen Ausgaben soll das Komitee ein Instrument für die Zusammenarbeit, ein Kristallisationskern sein, an dem sich hoffentlich auch anderes anschließen kann als diese ersten Ausgaben. Sobald die technischen Vorarbeiten beendet sind, wird das Komitee zusammentreten. Das wird hoffentlich Mitte Oktober geschehen. -i- Reichspräsident von hindenburg nahm am Montag in seinem Arbeitszimmer den Besuch des französischen Äinister- Präsidenten Laval und des französsichen Außenministers Briand, die von dem Botschafter Frankreichs in Berlin Francois-Poncet begleitet waren, entgegen. England vor den Neuwahlen. Llnüberbrückte Gegensähe in der„nationalen" Regierung. London. 28. September.(Eigenbericht.) Maddonald erklärte am Montag im Unterhaus, daß er nach keine Auskunft darüber geben könne, wann das Haus aufgelöst wird. Er hasse, am Mittwoch die Entscheidung be- kanntgebcn zu können. Das Kabinett ist hinsichtlich der Auflösung des Unterhauses noch zu keinem Entschluß gekommen. Auch in ihm gehen die Mei- nungen über die Zweckmäßigkeit baldiger Wahlen stark auseinander. Die Konservativen möchten Macdonald zur leitenden Figur einer „nationalen Politik" im Sinne der Konservativen machen und Wahlen veranstalten, deren Schlachtruf sein soll: Alle Macht dem Preinier. Die Liberalen sind gegen Wahjen. Känie e- dennoch da- zu, dann dürsten die liberalen Minister mit Ausnahme von Sir John Simon zurücktreten. Dagegen würden die Liberalen für einen Rottorif zu haben fein. Macdonalds Programm ist in erster Linie von dem Ausgang des Kampfes zwischen den konservativen und liberalen Elementen innerhalb der Regierung abhängig. Die von der Regierung aus- gehenden Bemühungen, henderfon in die nationale Zb-gierung ein- zubeziehen, sind, wie nun endgültig feststeht, erfolglos ge» blieben. Dogegen finden zwischen Liberalen und einer stark srei- bändlerisch eingestellten Gruppe der Labour Party Annäherungs- versuche statt, die bis auf ein Wahlbündnis gegen die Konservativen abzielen. Gnowden gegen Inflation. London, 28. September. Im Unterhaus antwortete Snowden auf die Frage, ob'die Regierung die Zweckmäßigkeit einer Rückkehr zum Gold- standard erwogen habe, es wäre wohl verfrüht, eine Erklärung darüber jetzt schon abzugeben, da die künftige Entwicklung Englands später unter der Einwirkung der dann im Inland und im Aus- land herrschenden Umstände beschlossen werden müsse. Der Schatz- konzler fügte hinzu:„Ich halte es jedoch sür richtig, zu wiederholen, daß die Regierung fest entschlossen ist, jede inflationistische Maßnahme zu vermeiden. Den zeitweiligen Schwankungen sollte keine zu große Beachtung geschenkt werden." Der zweite Teil der Frage, der dahin ging, ob zwischen der englischen und anderen Regierungen Verhandlungen zur Ein- bcrusung einer internationalen Konferenz sür die Fixierung eines internationalen Währungsstandards geführt wur- den, wurde von Snowden verneint. Berliner Börse geschlossen. Ms auf weiteres.- Die übrigen deuffchen Börsen folgen nach. Der Berliner Börsenvorstand hat am Montag beschlossen, die Berliner Börse bis auf weiteres für jeden Verkehr und für jeden Besuch geschlossen zu halten. Man darf annehmen, daß sich auch die übrigen deutschen Börsen diesem Schritt anschließen werden. Wieder allein. Nach dem französischen Ministerbesuch. Die Gäste aus Frankreich verlassen heute morgen wieder Berlin, um zu ihren häuslichen Sorgen zurückzukehren. Sie lassen uns bei den unseren, die durch die Ergebnisse ihres Besuches nicht viel geringer geworden sind. Es ist die Ein- setzung eines Komitees beschlossen worden, das die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit auf Wirtschaft- lichem Gebiet prüfen und fördern soll. Dieses Komitee kann eine gute Sache werden, aber es schafft von heute auf morgen nicht Arbeit und Brot. Ob das Komitee eine gute Sache wird, hängt wiederum davon ab� in welchem Geist die Politik beider Länder gelenkt wird. Man kann sich vorstellen, daß das Komitee sehr lebendige und sehr fruchtbare Arbeit leisten wird; aber ebenso möglich ist, daß es vertrocknet und schrumpft. Viel wird von den leitenden Personen des Generalsekretariats abhängen, das geschaffen wer- den soll. Entscheidend aber wird sein, wer in Berlin und wer in Paris regiert. Die katastrophale Wirtschaftslage hat mehr als eine Ur- fache. Eine von den vielen ist zweifellos die politische Unruhe Europas und sein handelspolitischer Kriegszustand. Die Herstellung einer deutschfranzösischen Zusammenarbeit ist daher eine Idee von unwiderlegbarer Vernunft. Aber ob diese Idee wirklich ausgeführt wird, und wie sie ausgc- führt wird, davon hängt alles weitere ab. Wenn sich die deutsche Sozialdemokratie zu dem Ergebnis der Berliner Ministerbesprechungen grundsätzlich zu- stimmend stellt, so dient sie damit den Interessen des deut- schen Volkes besser, als jene es tun, die unbedingt einen anderen Kurs der Außenpolitik wünschen— sie wissen nur nicht welchen. Besser als die Kommunisten, die jeden Ver- such deutschfranzösischer Annäherung kreischend als eine Ge- fahr für Sowjetrußland denunzieren, besser als die National- sozialisten, deren Berliner Organ gestern abend die Franzosen als„Schurke n" bezeichnete, mit denen es nichts anderes geben kann als Kampf. Es ist wirklich schade, daß das Ex- periment nicht gemacht werden kann, wie Deutschland nach drei Monaten kommunistischer oder nationalsozialistischer Herrschaft aussehen würde, und wieviel dann noch von den Stimmen übrigbliebe, die in Hamburg und anderwärts für Hakenkreuz und Sowjetstern abgegeben worden sind! Leider kann man dieses Experiment nicht machen, es wäre zu teuer! Alte Weisheit und jüngste Erfahrung lehren, daß in der Außenpolitik eine gewisie Kontinuität unentbehr- lich ist, daß hier nichts gefährlicher ist als ein Zickzackkurs. Daraus ergibt sich die Schlußfolgerung, daß ein P e r s o n e n- Wechsel im Außenministerium— auch wenn er einen Personenwechsel im Kanzleramt nach sich ziehen sollte — mit einem außenpolitischen Kurswechsel nicht verbunden sein darf. Man stelle sich nur einmal vor, wie es wirken würde, wenn ein paar Tage nach den Berliner Trintsprüchen eine Regierung nach den Wünschen der Hakcnkreuzler ins Amt wäre! Man stelle sich vor, daß eine solche Regierung sich als erste Aufgabe setzte, die gewiß nicht überwältigenden, aber doch zu Hoffnungen berechtigenden Ergebnisse der Kon- fercnz zunichte zu machen. Nicht nur in Frankreich, in der ganzen Welt würde das deutsche Volk in den Ruf kommen, ein nicht verhandlungsfähiger Partner zu sein. Die erzielten Ergebnisse sind eigentlich nur der äußeren Form nach Ergebnisse der Berliner Ministerkonserenz. In Wirklichkeit sind sie Ergebnisse der zähen unermüdlichen Arbeit, die von den Sozialdemokratien beider Länder und den Gewerkschaften geleistet worden ist. Es ist darum nur folgerichtig, daß in dem zu schaffenden Komitee den Vertretern der Arbeiterschaft Sitz und Stimme gegeben wird. Es wird ebenso folgerichtig sein, wenn zwischen den Arbeiterorganisationen der beiden Län- dereine noch engere Verbindung hergestellt wird, als sie bisher besteht. Die Verständigung der Kapitalisten beider Länder bedingt eine enge Gemeinschaft der Arbeiter als Gegenstück und Gegengewicht. Rur durch diese Gemein- schaft wird es möglich sein, den Gefahren vorzubeugen, die eine allzu große Intimität der Kapitalisten untereinander für die Arbeiter stets in sich einschließt. Auch die beste Idee kann in ihrer Ausführung zum Zerr- bild ihrer selber werden. Das offiziöse Kommunique ver- sichert beruhigend, daß die deutsch--französische Zusammen- arbeit keine Spitze gegen Dritte haben und auch nicht zu Zollerhöhungen führen soll. Wäre der Einfluß der Arbeiter in beiden Ländern schon so groß wie wir ihn wünschen, so würde sich das Kommunique ebenso wie gegen Zollerhöhungen auch gegen Lohnkürzungen aus- Gegen den Inflationswahnsinn. Scharfe Absage Brünings und Luthers an die Znsiationstreiber. gesprochen haben. Denn das Lebensniveau nicht noch tiefer sinken zu lassen, ist für die Wirtschaft ganz Europas zu eiyer Frage um Sein oder Nichtsein geworden. Leider gibt es auf diesem Gebiet noch kein Stillhaltekonsortium, das bei- spielsweise Mund- und Handwerk eines Schiele stillegen könnte. In Paris schätzt man den Berliner Besuch als einen Er- folg für L a v a l und B r i a n d. Sicherlich bedeutet es auch für Brüning und Curtius ein Plus— das freilich auf ein sehr erhebliches Minus aufzurechnen ist. Die Sozialdemo- kratie hat keinen Grund, sich mit einer der beteiligten Regie- rungen zu solidarisieren. Um so mehr Grund hat sie, das fest- zuhalten, was an dem Ergebnis des Berliner Besuches i h r Erfolg ist. Auf dem Wege zur Herstellung des wahren Völker- frieden?, � auf dem Wege zum Aufbau einer sozialistischen Wirtschaftsordnung liegt die deutsch-französische Verständi- gung, das heißt Verständigung der arbeitenden Massen der beiden Länder. Von ihrer politischen Reife und Willens- kraft hängt das Schicksal der ganzen Menschheit ab. Un- beirrbar werden die sozialdemokratischen Parteien beider Länder ihren Weg weitergehen, durchdrungen von der Ueberzeugung, daß nur ihr Sieg für die leidenden Völker Europas Leben, der Sieg ihrer Feinde aber Untergang für alle bedeutet. Günstiger Eindruck in Paris. Paris, 28. September. �Eigenbericht.) Der französische Mini st er besuch in Berlin bildet in der Pariser Nachmittagspresse am Montag das Hauptthema der Betrachtungen. Die Zeitungen weisen vor allem auf die Bedeutung des Empfangs der französischen Minister durch den Reichs- Präsidenten hin, der nach dem„Intransigeant" einen b e d e u- tungsvollen Akt in der deutsch-französischen Annäherungs- politik darstelle. Die nationalistische„L i b e r t 6" erklärt, daß der Tag der An- Wesenheit Lavals und Briands in Berlin der Tag Stresemanns, der Tag des Triumphes seiner Politik sei, weil sich diese Politik trotz aller Fallstricke und Enttäuschungen durch die Kraft der Notwendig- keit den Leidenschaften der Meeschen auferlegt. Der„Temps", der den warmen Empfang der französischen Minister und den Ber- lauf des ersten Tages ermutigend findet und die Hoffnung aus- spricht, daß die durch den Besuch geschaffene Atmosphäre in weitem Maße die auf beiden Seiten des Rheins unternommenen Bemühün- gen um die Entspannung und Verständigung begünstigt, schreibt zu den Trinksprüchen, die Brüning und Laval bei dem Diner in der Reichskanzlei ausgetauscht haben:„Die Rede Brünings ist die Rede eines Mannes, der guten Willen hat. Der Reichskanzler hatte schon während seines Besuches in Paris diesen Eindruck bei allen denen hinterlassen, die mit ihm zusammentrafen. Der Reichskanzler und der französische Ministerpräsident haben in ihren Reden einen Beweis ihres politifchcnVerstandes erbracht, indem sie jede unklare Sprache, die die Zukunft engagiert hätte, vermieden haben. Beide Reden sind vor allem bemerkenswert durch die Tatsach«, daß in ihnen jede Anspielung auf die Fragen unter- lassen wurde, die Franzosen und Deutsche nicht mit Kaltblütigkeit und Ruhe diskutieren und lösen können. Darin, daß dies van der öffentlichen Meinung der beiden Länder verstanden wird und der Takt und die Geschicklichkeit der beiden Regierungschefs 'diesen politischen Fortschritt möglich gemocht haben, kann man den Anfang eines Sieges der Vernunft und der Klarheit über die zu lange entfesselten Leidenschaften erblicken." Das schwerindustrielle„Journal des Debats" findet die Reden Brünings und Lavals nage und zurückhaltend und erklärt. daß die Redner dos Bedürfnis empfunden hallen, die Völker mit Hoffnungen zu rühren, daß sie aber auch Enttäuschungen befürchteten. Man sei also heute nicht mehr über die berühmte deutsch-französische Zusammenarbeit erleuchtet. Das einzig Klare sei, daß die Deutschen Kr« d i t e haben möchten, daß aber die Fran- zosen ihre Gelder nicht einem Land geben wollten, besten Absichten sämtlich gegen Frankreich gerichtet seien. Im Gefolge der pfund-Eniweriung. Gkandineviens Abkehr vom Golde.— Diskonterhöhungen überall. Die Entwertung des englischen Pfundes wirkt sich immer stärker aus. Nicht allein Privatbanken, die hohe Bestände an Pfund-Wechscln und Pfund-Devisen haben, kommen in Schwierig- leiten, auch eine ganze Anzahl europäischer Notenbanken können nicht mehr die Goldparität ihrer Währungen halten. Am stärksten sind bisher die skandinavischen Länder Dänemark, Schweden und Norwegen betroffen. Diese mußten schon in der vorigen Woche ihre Diskontsätze auf 6 Prozent erhöhen! in Norwegen und Schweden ist inzwischen eine weitere Erhöhung auf 8 Prozent erfolgt. All« drei Länder haben ein Goldausfuhr- verbot erlassen. Und Norwegen und Schweden haben am Sonntag— gerade eine Woche später als London— beschlosten, vom Goldstandard abzugehen, das heißt, ihre Notenbanken wurden von der Verpflichtung befreit, ihre Noten zum gesetzlich festgelegten Kurs in Gold umzutauschen. In Dänemark hat man bisher keinen Entschluß gefaßt! es ist damit zu rechnen, daß zunächst einmal der Prozentsatz, zu dem die Noten durch Gold zu decken sind, von SO aus 33)4 Prozent herabgesetzt wird. Die Valuten aller drei Länder— unter dem Goldstandard wurden für 10g Kronen 1t2.S0 Mark gezahlt— haben bereits einen starken Kursoerlust zu verzeichnen. Am Montag wurden in Berlin 1 Norwegen-Kronen mit S3 Mark, 100 Dänen-Kronen mit 92,50 Mark, 100 Schweden-Kronen mit 100 Mark notiert. Daß gerade die skandinavischen Länder so stark uiller dem Kurssturz des Pfundes zu leiden haben, ergibt sich aus der engen wirtschaftlichen Berbindung dieser Länder mit Großbritannien. Der Markt für Dänemark» Landwirtschaft ist England-, aber auch die Ausfuhr der beiden anderen Länder geht zu einem hohen Prozentsatz nach England. Bei Norwegen kommt hinzu, daß die norwegische Schiffahrt, die mit ihren hohen Einnahmen wesentlich zum Ausgleich der Zahlungbilanz bei- trögt, langfristig« Bcrträge in englischen Pfunden abgeschlossen hat. Auch H ol l a n d ist nicht unberührt geblieben, da die Nieder- ländischc Bank einen hohen Bestand an Pfundwechseln hat. Sie hat aber erklärt, auf alle Fälle am Goldstandard festhalten zu wollen. Doch mußte sie ihren Diskontsatz von 2 auf 3 Proz. erhöhen, uin möglichst Kapitalabwanderungen aus Holland vorzubeugen. Eine Diskonterhöhung von 5)i nach 97 Franken für ein englisches Pfund gezahlt. Die gestrige llubiläumslagung der Deutschen Sparkassen- verbände, über die wir an anderer Stelle eingehend berichten, erhielt durch die Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Brüning, des preußischen Innenministers S e v e r i n g und des Reichsbankpräsi- deuten Dr. Luther eine hochpolitische Rote. Besonders bedeul- fam war in währungspolitifcher Hinsicht die scharfe Absage des Reichskanzler» und des Reichebankpräsidenten gegen jede Art von Inflationspolilik und gegen die Inflations- t r e i b e r. Dr. Brüning erklärte u. a: Die Regierungen aller Staaten stehen vor schwerwiegenden Entscheidungen, die möglicherweife die Wirtschaftsentwicklung der Welt auf Jahre hinaus festlegen können. Die Währung muß in Deutschland unversehrt erhalten bleiben. Ge- wiß mögen manche Kreise von einer Verwässerung der Währung neue Impulse für das Wirtschaftsleben erwarten. Sie mögen in ihrer Auffassung durch Beobachtungen bestärkt werden, die sich an die Entwertung des englischen Pfundes anschließen, wobei von vorn- 'herein freilich zu beachten ist, daß solche Vorgänge bald als vor- übergehend erkannt werden. Ein armes Land muß billig sein. Wenn es gelingt, Ansprüche und Preise in dieser Richtring zu orientieren, dann werden auf solider Basis Wir- kungen erzielt, wie sie durch eine Berschlechterung des Währungs- wertes nur vorübergehend möglich wären. In Deutschland liegen aber die Verhältnisse überhaupt anders als iin Britischen Reich. Sein Volk, das wie das deutsch« das furchtbare Erleben einer solchen Inflation über sich ergehen lasten mußte, wird es erneut ertragen können, wenn in den Zeiten größter Anficherheit und Angst dem vertrauen aus den Bestand von Sparvermögen und Rücklagen erneut ein Stoß verseht würde. Zegliche verquickung zwischen ösfent- liche Finanzen und Sparkasten bleibt ausgeschlossen, wenn von Zeit zu Zeit Gerüchte austauchen, daß Sparguthaben beschlagnahmt wer. den sollen, so sind diese Gerüchte völlig unbegründet. Auch Reichsbantpräsident Dr. Luther setzte sich sehr scharf mit den vielfachen Jnflationsgerüchten auseinander. Die Cr» eigniste in England, so erklärte Dr. Luther, machen es erforderlich, den I n f l a t i o n s i d e e n, die zur Zeit in Deutschland umher- schwirren, eine deutliche Absage zu erteilen. Das sogenannte Wohlbefinden der Wirtschaft, das man in England fetzt erwartet und Chemnitz fest zur Partei. OettinghauÄ über Sonderorganisaiionen/ Ausschlüsse in Dresden. Der Bezirksvorstand Chemnitz-Erzgebirge der Sozial- demokratischen Partei hat zu den Vorgängen innerhalb der Partei Stellung genommen und eine Resolution gefaßt, in der gesagt wird, daß„die Einheit der Partei gewahrt und jede Spaltungsabsicht unnachsichtlich bekämpft w-rden muß". Vom P-rteioorstand wird die Einsetzung einer Untersuchung«- kommission gefordert, vor der sich die der Spaltungsarbeit angeklagten Abgeordneten verteidigen können. Wörtlich heißt es dann zum Schluß der Resolution: „Der Bezirksvorstand fordert die Genossinnen und Genossen auf, die präcbtige politische Geschlossenheit unseres Bezirkes, die sich Achtung erkämpft hat in der gesamten Partei. weiter aufrechtzuerhalten, wachsam zu sein gegenüber allen Spaltungsbestrebungen und nicht zuzulassen, daß aas, was mit unsäglicher Mühe der Funktionäre seit Jahrzehnten aufgebaut worden, in einer Stunde der Verwirrung zerschlagen wird zur Freude des Gegners." Inzwischen haben wiederum zahlreiche Bezirksvorstände zu dem Beschluß des Parteiausfchustes Stellung genommen und ihn vor- b e h a l t l o s gebilligt. Der zur KPD. übergetretene Reichstagsbgeordnete Oetting- Haus hat sich der kommunistischen Anhängerschaft mit einem Auf- ruf vdrgestellt, der einleitend folgenden bemerkenswerien Satz enthält: „Meine Freunde aus dem Lager der oppositionellen SPD.- Führer wollten gemeinsam mit mir als Antjport auf den Beschluß des Parteiausschustes eine Organisation innerhalb der Sozialdemokratie schaffen." Das Vorhandensein sonderbündlerischer Bestrebungen innerhalb der Partei wird noch diesem Zeugnis noch schwerer zu bestreiten sein als bisher. Der Bezirksvorstand der SPD. von Ostsachsen hat die Mit- glieder Dr. Walter Fabian, Helmuth Wagner und B l a- zeizack aus der Partei ausgeschlossen. In der Begründung dieser Entscheidung heißt es, daß alle drei eine Tätigkeit entfaltet haben. die den Zweck haben sollte, durch die Bildung von Sonderorgani- sationen die Organisation der Partei zu untergraben und die Partei zu spalten. ♦ Fabian ist Herausgeber der Zeitschrift„Sozialistische Jnfor- mation", deren Tendenz darauf gerichtet ist, in der Partei Zer- setzungsarbcit zu leisten. Oer parteiiag der Staatspartei. Eine Entschließung gegen die Diktatur angenommen. Auf dem Parteitag der Staatspartei hielt Reichsfinanzminister Dr. Dietrich ein Referat, in dem er sich cntjchieden g«g«n alle inflationistischen Gedankengänge aussprach. Am Schluß der ein- gehenden politischen Aussprache fanden die Wahlen statt, und zwar wurde der Vorsitzende der staatsparteilichen Reichstagsfraktion, Dr. August Weber, durch Zuruf Mm ersten stellvertretenden Vorsitzenüen der Deutschen Staatspartei gewählt. Die.Wahl des Führers, Reichsfininzministers Dietrich, stand nicht zur Debatte. Es wurde alsdann noch vorgeschlagen, als weitere stellvertretende Vorsitzende Reichs- und Staatskommissar z. D. Ronneburg und Frau Dr. Marie-Elisabeth Lüder«, zu wählen. Auch diese Vorschläge fanden einstimmige Annahme. Der Parteitag nahm ferner eine Entschließung an, in der die MitglUdfchaft in der Friedensgesellschaft für unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der Deutschen Staatspartei erklärt wurde. Er faßte ferner die folgende Entschließung gegen die Diktatur: „Demokratie ist nicht nur«ine staatliä)« Form, sondern eine neu«, auf dem Gedanken staatsbürgerlicher Gleichberechtigung aller Staatsbürger gegründete gesellschaftliche Ordnung. Nicht gesetz- geberische Akte allein, sondern eine neue politische Gesittung in den das wir auch im ersten Stadium der Inflation am eigenen Leibs gespürt haben, hat sehr schnell ein Ende, wenn alsbald die Kosten und damit die Preise nachrücken. Dann verschwindet auch die Export- Prämie, von der man sich jetzt so viel verspricht. Wir in Deutschland muffen uns darüber ganz klar sein, daß bei uns die kosten und Preise bei der allerersten Entwertung der Mark sofort nachrücken würden, weil jedermann in Deutschland, durch die Erfahrungen ge- wiht, sofort zur Goldrechnung übergehen würde. Deshalb scheidet für uns der Gedanke aus, es könnte eine dosierte, eine kontrollierte Inflation geben. Es muß all denen gegenüber, die sich von einen?„Inflatiönchen" einen Erfolg oersprechen, ganz deutlich gesagt werden, daß der Hin- weis jener Jnflationstreiber, die Wirtschaft würde von Schulden ent- lastet werden, einmal nur auf die Reichsmartschulden zutreffen kann. War es nicht ein fürchterliches Erlebnis, wie im gleichen Schrill mit dem Verschwinden der Schulden die Sparkapitalien des deut- scheu Volkes zusammenschrumpften? Es ist nur dem gesunden Kern des deutschen Volkes zu verdanken, daß nach dem Ende jener ent- setzlichen Inflation der Spargedanke wieder in die Höhe gebracht werden konnte. Es muß hinzugefügt werden, daß wir im übrigen an das Ausland überwiegend nicht in Reichsmart, sondern i n Gold, Dollar oder anderen goldbeständigen Wäh- rungen verschuldet sind. Mit einer Entwertung der Reichs- mark würde also nicht, wie die Parteigänger der Inflationsideen behaupten, eine Schuldenentlastung eintreten, sondern mit jeder Ab- schwächung des Markkurses würden die Milliarden Auslandsschulden einen härteren Druck auf die deutschen Schuldner ausüben und diese von einem gewissen Punkt an rettungslos bankrott machen. Wenn das Festhalten an der Goldwährung uns zunächst neue Schwierigkeiten bereitet, so ist das doch nur scheinbar und vorüber- gehend. In Wirklichkeit bewahrt uns das Festhalten an der Goldwährung vor unübersehbaren Schwierigkeiten, die uns von einem Hineingleiten in eine Inflation erwachsen würden. Schließlich wird und muß das Festhalten am Goldstandard auch Deutschlands Kredll stärken. Dr. Luther schloß seine eindrucksvolle Rede mit den Worten: Für unser käglich Brot ist feste Währung dle notwendigste Bor- aussehung. Daher: Feste Mark— solide wirlschast! (Weiterer Bericht siehe 2. Beilage.) Beziehungen der Volksgenossen, die Standesvecht« und Klassenvor- urteil überwindet, macht die deutsche Republik erst zum wahren Volksstaat. Die führend«» Persönlichkeiten der öffentlichen Verwaltung wie der Wirtschaft müssen hier beispielgebend sein, indcm sie in ihrem persönlichen Leben alle an den Feudalstaat erinnernden Formen vermeiden und«in volkstümliches und soziales Führertum vorleben. Die Deutsche Staatspartei lehnt den Ge- danken der Diktatur oder einer anderen despo- tischen Führung der Sta als g e s chäfte auf das ent- s ch i e d s n st e a b. Es muß von den Parteien verlangt werden. daß sie sich nicht weller um die Verantwortung herumdrücken, die ihnen als Träger des politischen Willens der Nation obliegt. Das deutsche Volt muß zeigen, daß es die nach Lage der Sache«rförder- lichen Opfer freiwillig zu bringen versteht und sich nicht weiter diese Opser zwangsweise auferlegen läßt. Nur auf dem Boden des demokratischen Volksstaates wird der Weg zu einer befferen, großen, deutschen Republik gefunden wsrdcn* Mit einem Hoch aus die Republik wurde der Parteitag ge. schlössen._____ Justiz in Hatte. Ouefierberg schimpft straffrei.— Abwehr wird bestraft. halle, 28. September.(Eigenbericht.) Vor dem Amtsgericht Halle erzielle der durch seine Schimpfereien aus Republikaner bekannt« zweite Bundeeführer des Stahchelms, Oberstleutnant a. D. Duesterberg, am Montag gleich zwei Erfolge über die von ihm so gehaßten Marxisten. Der Regierungs- Präsident von Merseburg, von Harnack, wurde im Privatklage- verfahren zu 100 Mark, der Redakteur der Chemnitzer„Volks- stimme", F r e n z e l, zu ISO Mark Geldstrafe verurteilt. Duesterberg ist der Mann, der an der Verrohung und Ber- giftung des politischen Kampfes in Mitteldeutschland und darüber hinaus führenden Anteil hat. Von dieftn verwerflichen Methoden hat er in der Propaganda für da« sogenannte Volksbegehren- Freihellsgesetz besonders reichen Gebrauch gemacht. Er eröffnete seine Kampagne seinerzeit mit einer Rede in Eisleben, die nach dem Bericht eines nationalistischen Organs die schwersten Beschimpfungen des damaligen preußischen Innenminister« Grzesin«ki und des damals noch lebenden Vaters des Regierungspräsidenten sowie des Regierungspräsidenten Harnack selbst enthielt. Mit Bezug auf den damaligen Innenminister Grzestnski sagte Duesterberg, er habe sich durch den Erlaß des Stahlhelmverbots im Rheinland den Orden der Ehrenlegion verdient, den er sich an seinen Frack heften müsse, damit man ihn bei seinen Festgelagen besser vom Kellner unter- scheiden könne. Vor Gericht halle Duesterberg die Frechheit, diesen Ausspruch als harmlos hinzustellen, denn es Handel« sich bei einem Kellner doch um einen durchaus ehrlichen, gelernten Beruf, während man heutzutage Minister ohne alle Vorbildung werden könne. Weil die Chemnitzer„Volksstimme" in ihrem Bericht über diese Ver- Handlung die Ueberschrist„Ein Stahlhclmlump" und im Kommentar ein ähnliches Wort gebraucht hatte, wurde der Redakteur zu 150 Mark oerurteilt, dieselbe Summe, die Duesterberg al» Strafe wegen seiner unglaublich klotzigen und gemeinen Anwürfe gegen den preußischen Minister zudiktiert wurde. Regierungspräsident von Harnack hatte in einer am 16. Januar 1931 in Halle nbgehallenen sozialdemokratischen Versammlung die Angriffe auf seinen Vater und seine Person kurz abgetan und darauf hingewiesen, daß Duesterberg wenige Tage zuvor in Landsberg endlich einmal energisch auf die Finger geklopft worden sei. Er fügte hinzu, es schein«, daß dieser Stohlhelmfeldwebel allmählich seinen eigenen Leuten auf die Nerven falle mll seinen schäbigen Kasernenhofwitzen und seinem rauhbeinigen Kasernenhofton. Wenn ein Duesterberg den Minister Severing anzupöbeln wage, so käme ihm da» vor wie wenn sich ein Pinscher neben den Moni Blanc stell«. Dafür soll der sozialdeinokratischc Regierungspräsidem von Harnack 100 Mark Strafe zahlen, während Duesterberg für die Beleidigung Harnacks straffrei ausgegangen ist. 7tr. 455 ♦ 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 29. September 4 SM Berlin sieht Ulkkwand�ryng in die Provinz- Ruchl am(Sem Steinmeer. Zum I. Okiober veräuderi ein ouherordenklich hoher Prozentsatz von Mietern den Wohnsitz. Die starke Bewegung in der Wohnungswirtschast ist eine typische Ersckzeinung für die wirkschaftsnot der Bertiner Bevölkerung. Das Berliner Straßenbild wird seit einigen Tagen von Möbel- wagen und vorgespannten Treckern beherrscht. Die Spediteure haben Konjunktur. Die Anforderungen an die Ziehleute sind derart, daß die Speditionsfirmen keine Aufträge mehr zum Quartalsbeginn an- nehmen können. Der Rekord an Umzügen kann nicht einmal zu den bisher vorgeschriebenen Terminen ausgeführt werden. Der Polizei- Präsident sah sich deshalb veranlaßt, die Karenzzeit auf drei Tage zu verlängern, wie wir bereits berichteten. Kleinere Woh- nungen sind bis zum 1. Oktober, 13 Uhr, mittlere, mit mehr als 2 bis 4 Wohnzimmern, am 2. Oktober, bis 13 Uhr, und alle übrigen Wohnungen am 3. Oktober, bis 13 Uhr, zu räumen. Schon der 1. Zlpril brachte den Hausbesitzern eine unverhältnis- mäßig hohe Llnzahl von Kündigungen, der 1. Oktober aber hat alle Erwartungen übcrtroffen. Die Berliner, von denen man sagte, daß sie vor 1914 die unruhigsten Bewohner Deutschlands waren, haben in den langen Iahren des Krieges, der Inflation und der Rationali- sierung lernen müssen, in ihren Wohnungen auszuhalten. Zwar ist die Bewegung in den Altwohnungen bis 699 M. Friedensmiete, die ja noch der Zwangswirtschaft unterstehen, gering. Aber auch da machen sich Zeichen einer beginnenden Erschütterung geltend. Die radikalste Umwälzung vollzieht sich bei den Groß- und Größtwohnungen. 8-, 10-, 12-, 14- und 16-Zimnwr-Wohnungon stehen seit langem im Tiergartcnviertel, in Wilmersdorf, Charlottcnburg und Schöncbcrg leer. Sie sind unvcrinietbar, wenn sich die Hausbesitzer nicht dazu entschließen können, die Wohnungen zu teilen. Selbst aus den 6-Zimmer-Wohnungcn hat die Flucht ein- gesetzt. Nicht immer sind es wirtschaftliche Gründe, die das bewirken. Die Wohnkultur ist eine andere geworden. Man zieht eine Villa mit 4 Zimmern den repräsentativen Wohnungen in den Miets- kaserncn des Westens vor, hat dabei Garage und einen schönen Garten zur Verfügung. Die gesellschaftlichen Verpflichtungen, denen das Bürgertum in seinen Großwohnungen nachkam, sind in andere Bahnen gelenkt worden. Festlichkeiten werden in Hotels abge» halten. Bei Einladungen im eigenen Heim wird nur Tee gereicht. WoHmmgen mit Zentralheizungen sind.stark gefragt. Obwohl die Heizkosten dabei durchschnittlich das Doppelte der Ofenheizungen ausmachen, zieht man die materielle Mehrbelastung vor und erspart in vielen Fällen die Hausangestellten. Die fortschreitende Technik vermindert immer mehr die Differenz zwischen Zentral- und Ofen- Heizung. In zahlreichen Wohnungen bezahlt der Zentralheizungs- bcziehcr nur die Wärme, die von den Wärmemessern registriert Ivird.-.(■■ v-.; • � und 7-Ziminer-Mohinmgen im hansavierlel bhfle Zentral-' Heizung mit einer Monatsmiete von 250 bis 2 SO Mark finden keine Reflektanten. Beamtenwitwcn, die ihre Wohnungen bisher beibehalten konnten, sehr oft aber die Hälfte der Zimmer in Untermiete gaben und dafür frei wohnten, sind jetzt gezwungen, ihre Wohnungen aufzu- geben. Möblierte Zimmer gibt es wie Sand am Meer. In den besten Gegenden des Westens hängt ein„Möblicrtes-Zimmer"-Schild neben dem anderen. Der Traum mancher Wohnungsinhaber, ihren ganzen Lebensunterhalt an ihren Untermietern zu verdienen, ist aus. Die Zahl der von Berlin nach der Provinz Ziehenden ist erheb- l i ch. Bei guten Bekannten oder Verwandten sucht man vor der Wirtschaftskrise Unterschlupf. Nicht unterschätzt darf die Anzahl der jungen Ehepaare werden, die ihre Heime auflösen, um mit ihren Eltern zusammen zu wohnen, oder umgekehrt. Diese Fälle sind ganz besonders oft in den Arbeitervierteln zu beobachten. Nicht selten sogar ist festzustellen, daß man die Wohnungen aufgibt, die Möbel unterstellt und wieder in Untermiete zieht. Die Wirtschaftskrise mit ihrem Zwang zur Wohmings- cinschränkung hat weilschauende Hausbesitzer dazu veranlaßt, ihre Mieler»m Rücknahme der Kündigungen Zu bitten. Die Mieten sind in solchen Fällen stark reduziert und kurze Kündigungsfristen von einem Monat bis zu einem Vierteljahr fest- gesetzt worden. Eine interessante Erscheinung ist, daß kleine Kauf- leutc, die eine von ihrem Laden getrennte Wohnung besitzen, diese aufgeben, um in die mit den Läden zusammenhängenden Hinter- st ü b ch e n zu ziehen. Verhältnismäßig gering ist die Bewegung in Altwohnungen des Nordens, Ostens und Süd- v st e n s. Der hier schon gedrückte Lebensstandard ist kaum noch weiter herunterzuschrauben. Die Zinshäuser in diesen Gegenden sind trotzdem heute noch die besten Einnahmequellen der Haus- besitzer. Hier kann noch mit 25 Proz. Rente gerechnet werden. Der stabilste Wohnungsstand ist in der City. Der mitten im Getöse des Verkehrs seine Wohnung aufschlagen muß, ist meist geschäftlich oder beruslich dazu gezwungen. Die Ladcnmieten haben unter der Hand schon eine beträchtliche Senkung erfahren. Im allgemeinen gilt°dcr Grundsatz, bei Vermietungen lieber einen schlechten, als einen bankrotten Mieter zu haben. Läden, in denen Firmen bankrottieren, sind kaum weiter zu vermieten. Die Wohnungsnot ist über Nacht einem Wohnungsüberfluß gewichen. Von Neubauten stehen 1 Prozent der Wohnungen leer, die sofort greifbaren Altwohnungen übersteigen das Vielfachs davon. Der Zug an die Peripherie der Stadt, der Zug in die Kleinwohnungen, der Wegzug in die Provinz und das Zusammen- Ziehen von Verwandten kennzeichnet die Rekordwandening ani 1. Oktober. Nacht der Brände. EckdachstuM in Flammen.— Vermutlich Brandstiftung. Durch ein Großscuer wurde gestern abend der D a ch st u h l des Wohneckhauses Ra t i b o r st r. 1 und Wiener Straße gegenüber dem Görlitzer Bahnhos völlig zerstört. Ein großes Feuer- wshraufgebot war unter Leitung des Oberbranddirektors Gcmpp stundenlang mit der Eindämmung des Brandes beschäftig«. Kurz nach 19 Uhr züngelten aus den Bodenluken des Dachstuhls an mehreren Stellen zur gleichen Zeit hohe Flammen empor. Als auf den Alarm die Zugwache Reichenberger Straße der Feuer- wehr schon nach wenigen Minuten an der Brandstelle erschien, muhte sofort Großfeueralarm an die Hauptfeuerwache weiter- gegeben werden, da der Dachstuhl bereits in seiner ganzen Aus- dehnung lichterloh brannte. Die Umgebung des Brandortes war zeitweise in einen undurchdringlichen Rauch gehüllt. Die vordringenden Löschtrupps hatten trotz der Rauchmasken und Sauer-- stoffgeräte sehr unter den stickigen Qualmwolken zu leiden. In kurzer Zeit waren sechs Löschzüge zur Stelle, die mit 8 Schlauchleitungen in die Bekämpfung des Großfeuers eingriffen. Erst nach mehr- stündigem Wassergeben konnte das Feuer eingekreist und gelöscht werden. Dae Ablöschungs- und Aufräumungsarbeiten zogen sich bis in die späte Rächt hin. Durch herabdringende Wassermassen find in den Räumen der oberen Stockwerkq schwere Ver- Wüstungen angerichtet worden. Das Feuer hatte in der belebten Gegend eine riesige Menschen- menge angelockt, so daß ein größeres Schupoaufgebot eingesetzt wer- den inwe.umyj»n gejährheftn Strghenabschyits abzusperren. Da der Brand�vnr verschiedenen Stellew zu gleicher Zeit ausgebrochen ist, wird bisher Brandstiftung vermutet. Der Schaden ist sehr hoch. Ein zweiter großer Alarm. Schadenfeuer auf dem Lehrter Güterbahnhof. Während die Wehren nach in der R a t i b o r st r a ß e mit der Bekämpfung des Dachstuhlgroßbrandes beschäftigt waren, lief bei der Hauptfeuerwehrwache in der L i n d e n st r a ß e ein zweiter Großfeueralarm vom Hamburg-Lehrter Güterbahnhof ein. Inmitten der Lagerhallen befindet sich in der Heidestraße 21 ein Teer- und Dachpappcnlager der Firma Bischer lind Hoff- m a n n. Um 21.30 Uhr bemerkte» Bahnbeamte in der langgestreckten Halle starken Feuerschein. Die Feuerwehr rückte auf dritten Alarm zunächst mit drei Löschzügen an, muhte jedoch sofort vier w c i- tere Züge nachalarmieren, da die Flammen mit rasender Schnelligkeit um sich griffen und die angrenzenden Gebäude in größte Gefahr gerieten, Mit zehn Schlauchleitungen stärkster Ka- Uber wurde gegen das Flammenmeer vorgegangen. Auch hier leitete Oberbranddircktor G e m p p wieder den Löschangriff. Die leicht brennbaren Materialien boten dem Feuer reiche Nahrung, und es bedurfte großer Anstrengungen, ein Weitsrgreifen des Riesenfeuers zu verhüten. Die ungewöhnlich starke Qualmentwicklung machte die Zuhilfenahme von zahlreichen Rauchschutz- und Sauerstoffgeräten notwendig. Die Entstehungsursache des verheerenden Brandes konnte bis- her noch nicht geklärt werden. Die Kriminalpolizeit hat die Ermittlungen aufgenommen. Großfeuer auch in Weißeusee. Brandstifter am Werk? In der Jalkenhagener Straße 11 in Weißensee wurde in der Rächt zum Montag gegen 2 Uhr von Passanten ein Feuer entdeckt, das nach Eintreffen der Feuerwehr einen so großen Umfang angenommen hatte, daß großer Feueralarm gegeben werden mußte und sieben Löschzüge zur Stelle waren. Im Lagerschuppen des Zimmerei- und Baugeschäfts Paul C h r i st brannte der bis oben mit-Holzvorröten gefüllte Schuppen in einer Ausdehnung von 250 Quadratmetern. Durch den Brand des Holzes entstand ein sehr gefährliches Flugfcuer, so daß in Kürze auch die anliegenden Gebäude mit einem Feuerregen über- schüttet wurden und die Dachkonstruktionen des Hauses Falken- Hagener Str. 13 und Hohenschönhausener Str. 84/85 in Flammen aufgingen. Außerdem war das Feuer auf ein angrenzendes zwei- geschössigcs Gicbelgebäude übergesprungen, das in kurzer Zeit so verqualmt war, daß die Bewohner dieses Hauses von Polizei- beamten und Zivilpersonen über eine Anstelleiter in Sicherheit ge- bracht werden mußten. Während der Holzschuppen völlig aus- brannte und der Dachstuhl des Giebelgebäudes vernichtet wurde, gelang es der Feuerwehr, die unter der Leitung von Obcrbaurat Müller zwei L- und fünf L-Rohrc einsetzte, die anderen Gebäude zum größten Teil zu retten. Die Bekämpfung des Feuers gestaltete sich besonders schwierig, da durch das brennende Holz eine ungeheure Ka Lili preßt Tasche und Paket fester an sich und umfaßt Vilma mit dem freien Arm. Die Bewegung ist merkwürdig steif und befangen. Lili besitzt nicht die schauspielerischen Talente der Schwester. Programmäßige Liebkosungen ge- lingen ihr immer daneben. Aber ich muh sie heut umarmen, denkt Lili und ist erleichtert, als Vilma ihr mit dem Finger cuf die Nase tippt und fragt: „Was ist los?" Lili ist Herr der Situation. Ein Triumphgefühl erfüllt sie. Große, kluge Schwester, du weißt nicht, was los ist.„Gar nichts", sagt sie und tut erstaunt über diese Frage.„Was soll denn los sein...?" Vilma zuckt die Achseln. „Aber warm ist es mit einemmal geworden..-- Lui zieht tief die Luft ein. Ich müßte doch etwas sagen, etwas, woran sie sich nachher erinnern kann. Man geht nicht so mit polnischem Abschied davon. „Also denn auf Wiedersehen, Lil!" „Auf Wiedersehen!" entfährt es Lili. Sie lacht, während ihr die Tränen in die Augen steigen. „Na. Vilmachen, willst wirklich schon gehen?" Frau Rosolf hält Vilmas Hand in der ihren. Viel zu lange für Vilmas Empfinden. Als dazu Lili ihr noch einen verun- glückten Kuß gibt, der auf der gepuderten Wange landet an- statt, wie er sollte, auf dem Mund, sagt sie ärgerlich: „Du hast wohl'n Klaps?".,.„ Lili antwortet nicht. Sie sieht der Schwester nach, bis ge um die Ecke zur Straßenbahnhaltestelle gegangen ist.„Liebe Bilma", sagt sie noch einmal für sich allein. Dann steigt sie die Treppe zur Wohnung empor.„Tag, Vatel!" Sie verschwindet in ihrem Zimmer. Julius Rosolf grunzt in seinen blonden Schnurrbart. Er liegt dösend auf dem Sofa. Nach den alkoholischen Anstren- gungen des Tages ist es schwer, klare Gedanken zu fassen. Eins steht fest: ausgeschlafen ist er, jetzt hat er Hunger. „Muttel!" ruft er dröhnend.„Muttel, komm mal fix Herl" „Ja, Julchen, was willst du denn?" Frau Rosolf hantiert im Schlafzimmer, zu dem die Tür offen steht. „Hab ich nicht gesagt, du sollst herkommen?" Julius Rosolf ist immer noch nicht ganz ausgenüchtert. Frau Rosolf berücksichtigt diesen Zustand. „Aber Mann..." redet sie ihm freundlich zu. „Hab ich das nicht gesagt? Ja oder nein?!" „Ja, doch! Nu sag schon, was du willst." Frau Rosolf zieht ihrem Mann ungeduldig das Kissen unter dem Kopf zurecht. „Na, also...!" Julius Rosolf atmet tief und ruhig. Er ist im Begriff, wieder sanft einzuschlafen. Frau Rosolf legt ihm fürsorglich eine wollene Decke über die Füße. Sie geht auf Zehen in die Küche. Das Abendbrot muß hergerichtet werden. Da ist noch ein Stückchen kaltes Fleisch vom Mittag. Das wird Julius gut tun. Er muß etwas Handfestes in den Magen bekommen. Die Vorräte werden auf ein großes Tablett gestellt: Wurst, Käse, fetter Speck, den Julius Rosolf in Verbindung mit Paprika gern ißt. Frau Rosolf setzt ihren Ehrgeiz darin, alles auf einem Tablett unterzubringen. Selbst die dickbäuchige Teckanne findet dar- auf noch Platz. Eine vielbeschäftigte Hausfrau erspart sich gern doppelte Gänge. Julius kann dieses Brötchen von gestern ruhig aufessen. Es ist noch ziemlich weich. Ich mache es ihm schön zurecht. Julius muß immer alles zurecht gemacht be- kommen. Er wüstet sonst mit der Butter und belegt sich sein Brot in geradezu verschwenderischer Weise. Aus purem Uebermut, darüber ist sich Frau Rosolf klar. Sie trägt das schwere Tablett ins Zimmer und deckt den Tisch. „Lili!" ruft sie mit gedämpfter Stimme.„Komm, mein Kind, und sei schön leise, Batet schläft noch." „Wer sagt das?" Julius Rosolf fährt auf.„Ich schlafe?" „Herrgott, Hab ich mich erschrocken!" Frau Rosolf beginnt böse zu werden.„Laß jetzt deine Possen und komm essen!" Julius Rosolf horcht auf. Er ist musikalisch und sogar in einem Gesangverein. Dieser Ton kündigt an, daß es besser ist, klein beizugeben. Außerdem bat er heute ein schlechtes Gewissen. Die Grenze, wo der Geschäftseifer aufhört und das Vergnügen anfängt, wurde erheblich überschritten. Er steht vom Sofa auf und reckt sich. Dazu stöhnt er einige Male be- haglich. Vor dem großen Stehspiegel zwirbelt er die Spitzen des blonden Schnurrbartes nach oben. Er bindet sich den steifen Kragen mit denscharf umgebogenen Ecken und den eisernen Schlips um, denn er will nach dem Abendessen noch zu dem Sangesbruder Grabowski gehen, der an der Ecke einen gut gehenden Destillationsbetrieb führt. Seine Frau kann, nein sie soll sogar nachkommen. Er wird es verlangen. Julius Rosolf prüft noch einmal sein Aussehen. Dazu singt er mit allmählich anschwellender Stimme sein Lieblingslied, das aus jener Zeit stammt, in der er sich zusammen mit vielen anderen vornahm:„Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen..." Bei dem Refrain„Annemarie" schwingt sich der Tenor in die höchsten Höhen. Dieses Lied rührt Julius Rosolf. Außerdem erinnert es ihn merkwürdigerweise jedesmal an eine Hamster- fahrt nach Lebensmitteln auf die umliegenden Dörfer während des Krieges, bei der er in einen Torfbruch fiel. „Damals gab es noch Männer", sagt er unmotiviert. Sonst will er keineswegs altmodisch sein und in fortschritt- lichen Stunden setzt er sich sogar für die Gleichheit aller Menschen ein. Doch bewahrt er den Größen seiner Jugend ein dankbares Herz, und bei der Fürstenabfindung war er unbedingt dafür, daß man jedem der Herrschaften ein kleines Schloß lassen müsse. Frau Rosolf hat inzwischen einen Teller mit belegten Broten und dem dazwischen geschmuggelten Brötchen von gestern auf ihres Mannes Platz gestellt. Lili kommt herein und setzt sich wortlos an den Tisch. Frau Rosolf inacht sich daran, auch für die Tochter etwas zuzubereiten. Es ist üblich, daß sie zuerst alle Familienmit- glieder versorgt. Wann kommt sie selbst zum Essen...? Lili verfolgt die Bewegungen ihrer Mutter. Man müßte das viel mehr schätzen. Geschätzt haben! „Du hast mir ein Glas zerschlagen, gerade eins von den guten. Ich Habs in der Küche gesehen, trotzdem du die Scher- den im Mülleimer versteckt hattest!" wendet sich Frau Rosolf an ihren Mann. Julius Rosolf hat nur Interesse für seinen Teller.„Ich war so nervös..." kaut er. „Ach was, nervös! Besoffen warst du. Du mußt die Dinge beim richtigen Namen nennen. Ich will sehen, daß ich es kitten kann", ereifert sich Frau Rosolf. Sie weiß, daß sie Oberwasser hat. Eine nette, kleine, häusliche Plänkelei be- ginnt, bei der Julius Rosolf den kürzeren zieht, ziehen muß, wie die Situation augenblicklich liegt. Kinder, will Lili dazwischen rufen, seid doch nett mitein- ander! Sonst machen ihr die elterlichen Wortgefechte großes Vergnügen, und sie selbst beteiligt sich lebhaft daran. Heute kommt sie sich alt und müde vor. Was geht mich das alles noch an?,(Fortsetzung folgt.) blitze entwickelt wurde. Im zweiten Wohngebäude in der Hohen- schönhausener Straße mußte teilweise die Dachkonstruktion von der Wehr ausgeschlagen werden, da sich das Feuer in die Zwischendecke hineingefressen hatte Nach anderthalb Stunden war das Feuer so weit eingekreist, daß eine weitere Gefahr für die umliegenden Gebäude nicht mehr bestand. Die Aufräumungsarbeiten dehnten sich bis in die frühen Vormittagsstunden aus, da sich noch an verschiede- nen Stellen Vrandnester zeigten, die eine erneute Gefahr für die geretteten Gebäude gaben. Der Sachschaden ist erheblich, mir zum Teil durch Versicherung gedeckt. Die B r a n d u r s a ch c konnte noch nicht ermittelt werden, und man nimmt an, daß hier Brand- stister am Werke waren. Ekiarek-Prozeß am�Z.Oktober prozeßende vermutlich am Lahresende. Am 13. Oktober wird nunmehr endgültig vor einer Sonder- abtcilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte unter Vor- fitz von Amtsgerichtsrat Dr. K c ß n c r der Sklarek-Prozeß beginnen. Die Staatsanwaltschaft wird in dem Prozeß durch den Obcrftaats- anwalt Freiherr von Stcinacckcr, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenbcrg und Assessor I a e g e r vertreten fein. Die Ankalge lautet gegen die Brüder Blax. Leo und Willi Sklarek, die beschuldigt werden, die Stadt Berlin durch betrüge- rischc Machinationen um etwa 10 Millionen Mark betrogen zu haben. auf gemeinschaftlichen fortgesetzten Betrug, teilweise in Tateircheit mit schw-rer Urkundenfälschung: Betrug zum Schaden der Dresdner Bank, der Ostbank, eines Teiles ihrer Lieferanten, der Berliner An- fch affu ng sg c se lls cha ft, die um 200 000 Mark geschädigt ist, und der Stadt Berlin: ferner fortgesetztes Konkursoergehen, übermäßigen Aufwand, Bilanzverschleierung, gemeinschaftliche fortgesetzte aktive Bestechung in neun Fällen und auf gemeinschaftliche schwere aktive Bestechung in drei weiteren Fällen. Die Sklarek-Buchhalter Fried- rich Lehman n und Siegbert Tu ch werden sich wegen fortgesetzter Beihilfe zum Betrüge in vier Fällen, Lehmann außerdem wogen fortgesetzter Beihilfe zum Betrüge und der schweren Urkundenfälschung zum Schoden der Stadtbank zu oerantworten haben. Am gestrigen Montag fand ein« Besprechung des Gcrichtsoor- fitzenden mit den Verteidigern und den Sitzungsvertretern der Staats- anwoltschaft statt. Amtsgcrichtsrat Dr. Kcßncr legte den Vcrhand- lungsplan vor. Alle Vorgänge sollen nur einmal, dann aber auch erschöpfend erörtert werden, damit trotz der Kompliziertheit der Materie die Uebcrsicht über den Prozeßstoff nicht verloren geht. Das Gericht wird bestrebt fein, die Verhandlung auch dann mit aller Energie durchzuführen, wenn einzelne Angeklagt« oerhandlungs- unfähig werden sollten. In der ersten Zeit wird an v i e r W o ch c n- tagen verhandelt werden. M i t t w o ch und Sonnabend sollen v e r h a n d l u n g s s r c i bleiben Die Sitzungen werden in der stieget um 0 Uhr vormittags beginnen und um 3 Uhr nachmittags geschloffen werden. Der Vorsitzende hofft, den Sklarek-Prozeß b i s zur Jahreswende zu Ende zu führen. Gememdevertreter beim Reichskanzler. Die katosirophale Finanzlage der Landgemeinden. Der Reichskanzler empfing im Beisein des Reichsar b e i t s m i n i fi e r s den Präsidenten des Deulfchcn Landgc- gcmeindcloges, Dr. G e r e k e. des Deutschen Landkreislages, Dr. v. Stempel und den Vizepräsidenten des ReichsstSdtebnndes, Dr. Voigt, zu einer Besprechung über die Maßnohmen zugunsten der kreisangehörigen Städte, Landgemeinden und Landkreise. Es wurde übereinstimmend betont, daß die bisher verordneten Sparmaßnahmen infolg« der zahlreichen zwangsläufigen Kominunak- aufgaben bei den Gemeinden und Landkreisen nicht die gleiche Aus- Wirkung haben könnten, wie bei den Großstädten. Der bei der ländlichen Selbstverwaltung bereits in den vergangenen Jahren außerordentlich eingeengte finanzielle Betötigungsraum könne eine weitere Schrumpfung nicht mehr oertragen, weil schon jetzt durch die Wohlfahrtserwerbslosenlasten jede andere kommunale Betäti- gungsmöglichkcit aufgehört habe. Sowohl in Landkreisen wie in den kreisangehörigen Gemeinden gäbe es wesentliches nicht mehr zu sparen. Eingehend wurde dem Reichstanzler die durch die Wohl- fahrtserwerbslofigkeit verursachte finanzielle Notlage dargelegt und die Bitte ausgesprochen, durch Bereitstellung von finanziellen Mitteln zahlreiche Gemeinden und Gemeindeverbände vor dem zweifellos kurz bevorstehenden finanziellen Zusammenbruch zu bewahren. Der Reichskanzler sagte eine eingehende Prüfung der vorgetragenen Gesichtspunkte zu und erklärte weiterhin die Bereitwilligkeit des Reiches, nach Möglichkeit finanzielle Hilf- zu gewähren. Mister Smith schafft den Tod ab. Doch die Finanzierungssumme blieb vergänglich. Mister Smith kam direkt aus Amerika, wo bekanntlich noch immer viel Geld vorhanden ist, nach Deutschland, wo dies bekannt- lich leider nicht mehr der Fall ist, um hier fein noch nicht da- gewesenes medizinisches Mittel gegen den Tod zu kapitalisieren und zu verwerten, lind da er überdies ein gut- gewachsener, eleganter Mann war, so siel es ihm nicht schwer, die Bekanntschaft einer nicht unvermögenden jungen Witwe zu machen, der er seine Pläne auseinandersetzte. Sie war begeistert, sowohl von Mister Smith wie auch von seiner Erfindung, die ihnen beiden das ewige Leben garantierte, und stellte infolgedessen alles, was sie besaß, im ganzen etwa 30000 Mark, zur unbeschränkten Verfügung. Da aber diese Summe, gemessen an der Größe der Ersindung, recht gering war, so ließ sich die begeisterte Witwe bewegen, auch noch� zahlreiche Wechsel zu unterschreiben, damit das„Wundermittel" recht bald den Siegeszug durch die ganze Welt antreten konnte. Aber eines Tages erhielt sie den Besuch eines Bekannten, dem sie sofort von dem großen Werk erzählte, an dein sie, wenn auch nur in finanzieller Beziehung mitarbeiten durfte. lind sie war sehr entrüstet, als der Freund das Gesicht zu einem spöttischen Lächeln verzog und sich allerlei Zweifel erlaubte, die das große Werk kam- promitticrtcn. Er tat noch mehr: Ohne ihr seine Absichten zu vcr- roten, stellte er Ermittlungen über den fabclhasten Erfinder an und erfuhr bereits nach kurzer Zeit, daß Mister Smith seit jeher nur schmidt hieß und im übrigen ein ganz gewöhnlicher Betrüger war, der es glänzend verstand, auf fremde Kosten ein herrliches Leben in Saus und Braus zu sichren. Der Rest war infolgedessen nicht Schweigen, sondern eine sehr l>ewegte Bcrhondlimg vor dem Schöffengericht in Ham- bürg, wo die junge Witwe erfahren mußte, daß von ihren Kapitalien nicht einmal ein Pfennig übrig geblieben war. Es nützte ihr daher wenig, daß der gemeine Schwindler wegen Betruges zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde: denn außer der Vergänglichkeit des Lebens hat sie auch noch an die Vergänglichkeit des Geldes glauben müssen. Die Geschälte des StadiinspeKtors Veruntreuungen bei der KeuHOllner GroOhandeisgesellschalt Die Unregelmäßigkeiken in der Geschäslssührung der Reu- töllner Großhandelsgesellschast m. b. h.. einem städtischen Unternehmen, das 1925 in Liquidation gehen mußte, beschäftigen gegenwärtig nochmals als Berufungsinstanz die Große Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Land- gerichtsdireklors Dr. hartmann. Durch zwei Unteile war der alleinige Geschästsfichrer des Unter- nehmens, der frühere Stadtoberinspettor Friedrich B o i g s wegen Untreu« in mehreren Fällen zu insgesamt c i n e in Jahr G e- fängnis verurteilt worden, während Stadtrot a. D. Max Grog er, der von der Stadt zum Kontrolleur eingesetzt worden war, zu drei Monaten Gefängnis wegen Betruges und der Prokurist Heinrich ebenfalls wegen Betruges zu 600 M. Geldstrafe vcr- urteilt wurden. Borgs und Groger haben Berufung eingelegt und durch die Rechtsanwälte Lindner und Dr. Oskar Cohn einen unrfang- reichen Beweis angetreten, daß sie in subjektiver Beziehung ein Verschulden nicht treffe. Boigs wird zur Last gelegt, daß er u. a. eigenmächtig, ohne Genehmigung des Aufsichtsrats, sich im Jahre 1024 Eisenbahnnttien im Werte von etwa 10 000 M. als Tantieme habe überschreiben lassen, ferner wird er beschuldigt, f ü r sich und die Mitangeklagten neben den Spezialspescn auch monatliche A u f w a n d s c n t s ch ä d i g u n g c n angewiesen zu haben. Der Zlngcklagte Boigs behauptete nun, daß er mit dem Bezirksbürgermcister Scholz über die Äktienüberwsffungen vorher gesprochen haiic, und daß er dessen Zustimmung hatte annehmen müssen, hinsichtlich der Auswairdsenffchädigunq behauptete er, daß er sehr große Zlusgabcn im Interesse der Gesellschaft gehabt habe. Er habe Redakteuren Geld zuweisen müssen und ebenso der Polizei. Zum Beweise dafür, in welcher Weise er in Anspruch genommen worden sei. führte der Angeklagte Boigs an, daß Bürgermeister Scholz 1022 für einen Grundstückskauf vom Magistrat Berlin in höh« von 1,6 Millionen Papicrmark, die damals 25 000 Goldmark ausmachten, regreßpflichtig gemacht worden sei. Aus Beranlassung des Stadtrats Radtkc habe die Großhandelsgesellschast aus ihren Mitteln den Betrag gedeckt. Bürgermeist«r Scholz, der gestern als Zeuge vernommen wurde, b e st r i t t die Angaben des Angcklag- t-n in fast allen Punkten. Bon der Aktienübcrweisung habe er nichts gewußt und daher auch nicht seine Ermächtigung'dazu gegeben. Boigs habe ihm mitgeteilt, daß er einen Vorschuß von 8000 M. habe und daß ihm vertragsmäßig als Tantieme ein Dreimonats- gehalt zustehe. Diese Tantieme bestes sich aus 5000 Tt und er habe Boigs erklärt, daß er die restlichen 3000 M. decke» müßte. Er sei niemals für einen Grundstückskauf regreßpflichtig gemacht worden. noch sei jemals der Versuch unternommen, ihn für einen Grund- stllckskanf persönlich zur Verantwortung zu ziehen. Zu jener Zeit Hobe das Bezirksamt lleberschüssc gehabt und num habe, da das Geld in der Jnflatian sich schnell entwertete, ein Terrain gekauft. das zur Anlage des Sportplatzes in der Innstraße benutzt wurde. Dieser Sportplatz sei noch heute städtischer Besitz und im Betriebe. Als die Wittel zur Herrichtung des Sportplatzes nicht ausreichten, habe allerdings die Großhandelsgesellschast einige Gelder zur Verfügung gestellt. Von besonderen Auswendungen des Boigs für Presse und Polizei wisse er nichts, soweit er sich erinnere, habe die Gesellschaft einmal 100 M. für ein Polizeffest beigesteuert. x Der Prozeß wird sich noch bis Ende dieser Woche hinziehen. Achtung, Parteiveteranen! Alle Genossinnen und Genossen, die vor und während des Sozialistengesetzes lürdie Partei täfigwaren, werden freundlichsf zum gcmiiilichen Beisammensein am Freitag, dem 2. Okiober, 19 Uhr, im großen Saal des Gewerksdiaflshauses, Engelufer 24/25, eingeladen.— Musik. Berliner Ulk-Trio. I.A.: Wilh. Gründel. Ohne Zeugengebühren. Eine Frau weint in Moabit. Vor einem Moabiter Gerichts saai steht eine Frau mit einem vierjährigen Kind an der Hand und weint. Der Justizwacht- meister oersucht sie zu beruhigen. Ihre Tränen wollen aber nicht aufhören: sie hat keinen Pfennig Geld und weiß nicht, wie sie mit ihrem Kleinen nach Lichtenberg kommen soll. Sie war als Zeugin geladen, hat den langen Weg nach Moabit zu Fuß gemacht, weil ihr die 25 Pfennig fehlten, um die Straßenbahn zu benutzen, und ist zu spät gekommen. Die Angeklagte war geständig, das Ge- richt hat auf die Zeugen verzichtet. Die zeitig da waren, haben ihre Auslagen und die verlorene Zeit vergütigt erholten. Die Frau mit dem vierjährigen Kinder.'erschien aber erst, als die Verhandlung bereits zu Ende war: sie hat ke inen Anspruch auf Zeugen- gebühren. Nun steht sie aus dem Korridor und weint. Sie hat aber gehofft, sie würde hier das Fahrgeld erhalten. Wer kann ihr nun Helsen. Es findet sich ein Mensch mit Einsicht und giflem herzen und gibt ihr fünfzig Pfennig. Nun kann sie für den Vierjährigen etwas zum Essen kaufen. Etwas stimmt aber bei der Sache nicht. Kann man einem Zeugen zumuten, den weiten Weg zu Fuß zurückzulegen, kann man ihn zwingen, das Fahrgeld irgendwo zu borgen, wenn er selbst keins besitzt? Die Zeiten sind anders geworden als früher: es fehlen im Haushalt selbst die 25 Pfennig, die für eine Straßenbahnfahrt er- forderlich sind Vielleicht sollte man dem Rechnung tragen. Bahnsteigräuber. Russischer Handelsvertreter bestohlen und schwer verletzt Bahnstcigräubcrn fiel der Chefingenieur der russischen Handels- Vertretung Iwan S c m e n t s ch k o w am Sonntagabend auf dem Bahnhof Neubabelsberg an der Vorortstrccke Berlin— Potsdam zum Opfer. S., der auf dem Bahnsteig C auf den Zug nach Berlin wartete, hatte neben sich zwei lederne Handkoffer zu stehen. Ein Unbekannter riß die beiden Koffer plötzlich an sich und ergriff damit die Flucht. Der Bestohlcne eilte dem Diebe nach, kam jedoch zu Fall und zog sich einen komplizierten Unterschenkelbruch zu. In der allgemeinen Aufregung gelang es dem Täter zu entkommen. Sementichkow mußte sofort in das Kreiskrankcnhaus von Nowawcs gebracht werden. Die gestohlenen Koffer konnten noch gestern abend wieder her- beigeschafft werden. Lahnbcamte entdeckten sie in einem Gebüsch unweit des Bahnsteigs, wo sie der Täter bei seiner Flucht fort- gcwdrfon hatte. Gericht ohne Arzthilfe. Ein unerfreulicher Vorgang im Neuköllner Amtsgericht. Ein unerfreulicher Vorfall ereignete sich soeben im Amtsgericht Neukölln. Eine etwa 24jährige Frau wurde auf einem Korridor von Nervenkrämpfen befallen und brach schreiend zu Boden. Man bemühte sich um sie, mußte dabei aber feststellen, daß in diesem Gerichtsgebäudc alle Einrichtungen für eine Hilfeleistung für Kranke fehlten. Die Bedauernswerte wurde auf eine Bank gelegt, und erst noch l'/t Stunden erschien ein von der Rellungsstellc herbeigerufener Arzt, der seinem Unwillen über die mangelnden hilsseinrichtungcn im Amtsgericht Neukölln laut Ausdruck gab. Schließlich mußte ein Richter fein Zimmer zur Bcrfügung stellen, damit der Arzt der Kranken Beistand leisten konnte. Zeppelin wieder in Friedrichshafen. Friedrichshafen, 28. September. Ilm 11.10 Uhr erschien das Luftschiff„Gras Zeppelin" im Dunst in ziemlicher Höhe— schätzungsweise 1600 Meter— am westlichen Horizont. Um 11.15 Uhr kam es über dem Flugplatz an. Nachdem es noch einig« Schleifen über dem Bodensee gezogen hatte, fielen um 11.43 Ulzr die Taue. Das Schiff landete glatt um 11.49 Uhr. Es brachte sieben Passagiere und 170 Kilogramm Post mit. Kleinsiedler als Edelobstzüchter. Der haus- und Gartenbcsitzervercin Kanlsdorf und Umgebung veranstaltete im Schützenhaus Kaulsdorf eine Obst- und Gartenbauausstellung, die an Umfang und Gediegenheit weit das übertraf, was man bei Veranstaltungen ähnlicher Art sonst zu sehen bekommt. Eine richtige durchgearbeitete Ausstellung von Obstbau- und Gortenerzeugnissen, die durch ihre Darstellung belehrend und erzieherisch wirken wollte, bot sich dem Auge dar. Auf langen Tafeln prangte im Schmuck von Blumen das köstlichste Tafelobst, hunderte von Sorten, aber jede Sorte ein Edclerzeugnis, oft vielleicht auch durch den emsigen Fleiß des Klcinsiedlcrs, durch richtige Behandlung des Bodens, richtige Pflege der Bäume zum höchsten Ertrag, zum Edelcrzeugnis gezogen. Daneben war, bc- sonders an dem Stand des Genasscn Mießner, eine vortreffliche Darstellung der Schädlingsbekämpfung mit Literatur und Prä- paraten, der richtige Baumschnitt und die Vcredclungsmcthoden zu sehen. Auch die richtige Verpackung des Obstes, das Konservieren und seine Verwertung im Haushalt wurde an einer Fülle von Material gezeigt. Der Segen, der sidz an den von. Früchten nieder- gedrückten Zweigen in den Gärten in diesem Jahr kund gibt, fand bei den ausgestellten Früchten sein lebendiges Widerspiel. Da waren Birnen und Aepsel, deren Sortenbezeichnung der gewöhnliche Sterbliche nie gehört hat, die ober nach dem Aussehen zu schließen, nur auf den Tisch ganz besonders Bevorzugter kommen, denn iprZ Handel sind solche erlesene Früchte, von denen memch« über ein Pfund schwer sind, nie zu sehen. Das Prsisrichterkollegium hatte einen schweren Stand, aus der Fülle der erstklassigen Leistungen das Beste zu erkennen und die fleißigsten Kleinficdlcr durch Preise zu belohnen. Verbittigte Kohle für Erwerbslose. Essen, 28. September. Die Mitgliederversammlung des Rheinisch-Westfäli- scheu Kohlensyndikates befaßte sich am Montag mit der Frage der Kohlcnwinterhilfe und faßte folgenden Beschluß: Ter im Rheinisch-Westfölischen Kohlensyndikat zusammengeschlossene Ruhr- bergbau erklärt sich bereit, im bevorstehenden Winter aus seinen haldcnbeftönden verbilligte Kohle für bedürftige Erwerbslose ab- zugeben. Diese Erwerbsloscnkohlen kommen nicht in Anrechnung auf die Verkaussbeteiligung, sind aber umlagepslichtig. Alles weitere wegen der Durchführung dieses Beschlusses bestimmt ein s e ch s g l i e d r i g e r Zl u s s ch u ß im Einvernehmen mit dem Syndikatsvorstond. Die Hauptsache haben allerdings die Herren vom Kohlensyndikat nicht gesagt, nämlich wie hoch der Preis für diese verbilligte Kohle sein wird. Eröffnung der Reichsseifenmeffe. Die von den vier großen Scifenhandelsverbänden veranstaltete Reichsseifcnmesse 5)erbst 1031 wurde in den Gcsamträumcn der Reuen W e l t in der hasenhcide feierlich eröffnet. Das Mitglied der Mosscleitung Friedrich S e e g e r t begrüßte die zahlreichen Per- trcter der Behörden. Siegfried Maucrmann wies in seiner Festrede aus die wirtschaftliche Not hin. Man müsse den Mut anerkennen, daß die Seifenindustrie trotzdem ausstelle. Das Mitglied der Messe- leitung Paul Sommer wies darauf hin, daß die Messe ein lücken- loses Bild des gegenwärtigen Standes der weitverzweigten Seifen- brauche zeige. Nach der Feier fand ein Rundgang durch die Messe statt, der die reichhaltige Beschickung mit den vielen Waren der weitverzweigten Seifenbronche zeigte. Die Messe bleibt heute, Dienstag, noch von 3 bis 10 Uhr für den Groß- und Kleinhandel geöffnet. Radfahrer vom Lastauto totgefahren. Vor dem Hause Wühlischstraße 25 in Lichtenberg wurde gestern nachmittag der 30 Jahre atte Arbeiter Heinrich Lehmann aus der Soldiner Straße 70, der sich mit seinem Fahrrade von der Arbeits- stelle auf dem hcinnveg befand, von einem Lastauto überfahren. Die Röder des schweren Fahrzeuges gingen so unglücklich über den Unter- leib des Arbeiters hinweg, daß er auf dem Transport ins Kranken- Haus am Friedrichshain starb. Genosse Richard Gruber. der Verwaltungsdirektor der Allgemeinen Ortskrankcnkasse für den XI. Verwaltungsbezirk Berlin- Schöneberg-Friedcnau, begeht am 1. Oktober fein 25jährigcs Ge- schöftssührerjubiläum. Am 1. Oktober 1006, also vor 25 Jahren, wurde er Geschäftsführer der Ortskrankenkasse Steglitz, und seit 102l ist er Geschäftsführer der JDrtskrankenkasse in Berlin-Schöneberm Von der Pieke auf in der wozialversichernng tätig— als Vierzehn jahriger trat er bei der Ortskrankenkasse der Dienstboten in Mann- keim in die Lehre—, hat Gruber infolge seiner großen Arbeits- kraft, seiner Fachkenntnis und seines umfangreichen Wissens Ge- lcgenhest gehabt, hervorragend im Interesse der Krankenkassen- bewegung zu wirken. Der hauptperband deutscher Krankenkassen. sowie der Verband der Krankenkassen Berlins zahlen ihn zu seinen Sachberatern in der Vemaltungsschule des Hcmptverbandes, sowie im Prüfungsamt des OVB. ist er als Lehrer tätig. Geschäft mit Würmern. Im alten südöstlichen Berlin, in der W a s s e r t o r st r a ß e, gibt es einen sonderbaren Laden: eine Rcgenwürmerhandlnng! Und es gibt sogar sehr viele Käufer für diesen seltsamen Handelsartikel, von dem man meinen sollte, daß er seines gänzlichen Unwertes wegen völlig umsonst zu haben sei. Die Angler nämlich kaufen ihn, da ja noch der ärmste Wurm von Wert für ihren geruhsamen Sport da draußen aus den Teichen, Seen und Flüssen ist. Und da nun viele der Herren Angler behäbige Leute sind, die sich nur ungern tief zur Erde bücken, allwo man die schönsten Würmer durch Stochern und Graben gratis an das Tageslicht be- fördern könnte, geht das Geschäft ganz gut, so daß der mit Erde angefüllte, ausgediente Margarinekübel hinter dem Ladentisch, der den Würmern eine garantiert naturgetreue Behausung bietet, jetzt im Sommer des öfteren nachgefüllt werden muß. Es gibt in diesem Kübel zwei Sorten von Würmern: Tauwürmer und einfache Angel- wärmer. Die ersteren sind fette, dicke Dinger von der Länge eines größeren Zeigefingers. Sie sind die Lockspeise für die großen Edel- fische, für Hechte, Aale, Barben und Vartfische. Die sehr viel kleineren Angelwürmer sind für das Kleinzeug unter den Fischen bestimmt. Beide Sorten werden aber trotz ihrer unterschiedlichen Größe für den gleichen Preis oer,kauft— und zwar schockweise für öl) bis 6l> Pfennige. An Regentagen, deren der Angler ja nie genug haben kann, gehen sie weg wie die warmen Semmeln! Da muß der Inhaber fleißig Würmer zählen. Und das ist gar nicht einmal so schwer, wie man sich das denkt. Die Insasien des Margarinekübels haben nämlich in diesem Gefäß sonderbarerweise den Trieb zur„Herden- bildung", der ihnen in der Natur, wo sechzig Würmer Stück für Stück zusammenzusuchen ein ganz schönes Stückchen Arbeit wäre, sonst fremd ist: in dicken Klumpen von Faustgröße liegen sie zu- sammengeringelt— und es ist dann ein leichtes, sie eins, zwei, drei einzeln aufzuzählen. Damit die Würmer in ihrem Kübel nun auch was richtiges zu fressen haben, bekommen sie alle zwei Tage in ihr Erdreich— Kaffeegrund geschüttet, den sie leidenschaftlich gern vertilgen; er dient ihnen alb Ersatz für gewisse natürliche Nährstoffe, wie sie in einem hölzernen Margarinekübel ebenso natürlich leider nicht anzu- treffen sind. Die Lieferanten der Würmer sind junge Leute, zumeist Erwerbs- lose, die in die umliegenden Wälder, Grunewald oder Tegeler Forst, regelrecht auf Würmersuche gehen, sie verschaffen sich dadurch einige Pfennige Nebenverdienst: ein ganzer Wurm bringt ihnen einen halben Pfennig! Nicht viel, aber die Zigaretten kommen vielleicht zusammen. Die Werbearbeii der pariei. Eine überfüllte Kundgebung in Köpenick. Der große Saal des Stadttheaters in Köpenick war überfüllt. Die Polizei mußte absperren. Trefflich sang der„M ännerchor Köpenick", dann nahm der Reichstagsabgcordnetc Genosse Scheidemann das Wort. Er beleuchtete die Weltwirtschaftskrise, deren Ursachen auf Wirtschaft- lichem und technischem Gebiete liegen. Eine bestimmte Staatsform für diese Krise verantwortlich zu machen, sei oberflächlich und abwegig. Die Krise wüte in den Staaten der Besiegten und der Sieger des Weltkrieges, gleichviel, welche Regierungsform sie haben. So haben auch die„nationalen" Kreise in Deutschland kein Recht, die Schuld an der Krise dem demokratisch-parlamentarischen System zuzuschieben. Das tapilatiftische Wirtschaftssystem wankt und scheint reif, durch ein Höheres, den Sozialismus, ersetzt zu werden. Die Radikalen, Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutsch- nationalen treiben Katastrophenpolitik. Weil eine Kata- strophe den Untergang der Arbeiterklasse bedeuten würde, ver- leidigen wir Sozialdemokraten die Demokratie im Dienste des So- zialismus. Nach Scheidemanns Rede, die mit stürmischem Beifall auf- genommen wurde, sah man den Film vom Leipziger Parteitag. Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Kund- gcbung. Jugend/ Erziehung und Politik. Vom 2. bis ö. Oktober veranstaltet der„Bund Entschiede- ii e r S ch u l r e s o r m e r" in Berlin-Schöneberg einen öffentlichen Kongreß mit dem Thema:„Jugend, Erziehung und Politik". Redner: Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Adolf Grimme, Hostat Dr. L. E. T c s a r-Wien, Lehrer Richard M e s ch k a t. MdR. Toni Pfülf, Studienrat Martin Weise, Dr. Fritz Helling, Lehrer Josef Rudolf, Dr. Heinrich Müller, Marlise Sonneborn, Dr. Reinemann, Professor Paul O e st r e i ch, Prof. Dr. Paul H 0 n i g s h« i m. Im Anschluß an die Tagung Berechtigungen. Gesamtteilnehmerkarte 6 Mark. Anfragen und Vorverkauf: Albert Lenz, Berlin O. 17, Hohenlohestraße 9. Auf vielfache Anfragen teilt der Bund mit, daß dieser von ihm in Aus- ficht genommene Herbstkongreß trotz der wirtschaftlichen Notlage vom Z. bis 3. Oktober im Berlin-Schöneberger Rathaus bestimmt statt- findet. Zu Tode geprügelt. Finsterstes Mittelalter im roten Sachsen/ Martyrium eines Lehrlings. Folgende Todesanzeige findet sich w der„Auerbacher Zeitung" vom 10. September ISZl: Räch des Schöpfers heiligem Rat... entriß uns der Tod.., unseren lieben Sohn... den Schlosserlehrling Georg Engelbert Seih im Aller von 17K Jahren nach dreieinhalbjähriger schwerer leidvollster Lehrzeit. Er konnte die Zeit des Leidens und der Qual durch harte RIenschen nicht mehr ertragen. Im namenlosen Schmerz Familie Joses Seih nebst Angehörigen. Die Gründung der Sozialistischen Arbeiterjugend erfolgte einstmals auf Grund einer Mißhandlung eines Lehrlings in Berlin. Nach einem Menschenalter seit jenem Geschehnis sollte man eigentlich annehmen, daß Mißhandlungen mit tödlichem Ausgang für Lehrlinge in einem Kulturstaat, der Deutschland ja sein will, unmöglich seien. Dein ist nicht so. Der Zufall wollte es, daß obige Todesanzeige in die Hände jemandes kam, der der Sache eingehend auf den Grund ging. Das Resultat der Recherche ist trostlos. Georg Engelhardt S e i tz ist buch- stäblich zu Tode geprügelt worden. Als der junge Mann nicht mehr ein oder aus wußte, hat er selbst Hand an sich gelegt, um weiteren seelischen und körperlichen Mißhandlungen aus dem Wege zu gehen. Die Kleiirstadtatmofphäre deckt den Vorfall mit dem Mantel der Nächstenliebe zu. Der Meister ist ein an- gesehener Mann und was spielt da nun schon der Tod eines Lehr- lings für eine Rolle. Georg Engelbert©eitz ist nach Anschauung unseres Gewährsmannes zu Tode gemartert worden. Der Fall ist ein trauriges Schulbeispiel für eine Lehrlingstragödie. Der junge Seitz lernte bei einem Herrn Frank« Motoren- f ch l 0 s s e r. Der Geschäftsinhaber hat nur durch seinen Sohn, der angeblich Meister sein soll, die Möglichkeit, Lehrlinge auszubilden. Ein Geselle und vier Lehrlinge komplettieren seit Jahr und Tag das Personal. Die Arbeitszeit ist tagtäglich von 8 Uhr morgens bis spät in die Nacht. Frau Seitz versichert glaubwürdig, daß ihr Sohn sehr selten vor 12 Uhr nachts zu Haufe war, mit- unter wurde er aber auch bis 2 Uhr nachts beschäftigt. Sonntags brauchten bei diesem Meister die Lehrlinge„nur" von 8 bis 3 Uhr zu arbeiten. Nicht genug, daß die Jugendlichen unter Verletzung sämtlicher gewerblicher Bestimmungen so lange beschäftigt wurden, erhielten sie als Zukost bei Herrn Franke Schläge nach Noten. Cr selbst schlägt nicht. Das überläßt dieser Lehrherr seinem 28 Jahre alten Sohne. Die Lehrjungens sollen mit allen möglichen erreich- baren Gegenständen, ja sogar mit Maschinenteilen ge- schlagen worden sein. Was sich am Todestage des Seitz im Privatkontor des Herrn Franke abgespielt hat, weiß kein Mensch. Der junge Mensch soll ein Rad eines Autos falsch anmontiert haben. Darauf mußte er in das Kontor kommen und ohne Zeugen erhielt er hier feine Prügel. Herr Franke gab, zur Rede gestellt, über die Vorgänge die für ihn bezeichnende Antwort an die schwer- geprüften Eltern:„Was soll los gewesen sein, mein Sohn hat ihm nur zwei Schellen gegeben, dafür bin ich Zeuge." Alle Instanzen geben Über den jungen Seitz die besten Aus- künfte. Der Vater schildert in bewegten Worten die inneren Zu- sammenhänge vor der Katastrophe. Immer wieder sei er zum Lehrherrn, zum Obermeister, zur Innung, ja sogar zur Gewerbe« aufsicht wegen der Arbeitszeit und der Mißhandlungen gelaufen. Geholfen hätte ihm niemand. Der einzige Erfolg seiner Be- schwerden war, daß sein Sohn die doppelte und dreifache Prügel bezog. Der Junge selbst hat schließlich den Dater be» schworen, nur nicht weitere Schritt« zu unternehmen, weil er Angst vor neuen Mißhandlungen hatte. Seit Monaten schon hat der Sohn dem Vater alles aus Angst verschwiegen, bis es eben zur Katastrophe kam. Der junge Mensch wußte keinen anderen Ausweg mehr. Selbst nur noch das halbe Jahr Lehrzeit glaubte er nicht ertragen zu können. Der junge Seitz ist tot! Was nun? Werden endlich die dazu vorhandenen Instanzen einschreiten? Der Vater Hot Strafantrag gegen den Lchrherrn gestellt. Öffentliche Kundgebungen Heute! Dienstag! 29. September! pünktlich 19Vz Uhr: 3. Kreis Weddlng; Großer Saal der Hochschulbrauerei, SeestraEe. Ecke Amrumer Straße Redner: Ernst Heilmann. M. d. L. und Clara Bolrm- Schuch. M. d, R— Atlantik- Festsäle. Behmstraße, am Bahnhof Gesundbrunnen. Redner: Carl Litke, M. d. R., und Erich Kuttner, M. d. L. 14., IS. nnd 16. Abt. im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemflnder Straße 42 Redner: Kurt Heinig, M.d. R. Lleberfall auf Chinesenzug. Banditen töten 30 Passagiere und plündern. Landau. 28. September. wie Reuter aus Peking meldet, wurde gestern nachmittag der Mukden— Peking- Zug 55 Meilen westlich von Mukden durch eine Räuberbande zum Entgle isen gebracht. Z0 Personen wurden getötet, darunter der Lokomotiv- sührxr, der Heizer und zwei andere Zugbeamte. Außerdem wurden viele Personen schwer verletzt. Der Zug wurde dadurch zum Ent- gleisen gebracht, das man die Schienen aufgerissen hatte. Die Banditen plünderten den Zug vollkommen aus. bevor sie das weite suchten. Hilfszüge sind vou Tientsin entsandt worden und chinesische Truppen versuchen, die Banditen zu umzingeln. Gegen Gchulabbau und Kuliurreakiion Energische Proteste in Neufölln. � Die weltliche Schule Neukölln, Hertzbcrgplatz, protestierte aus einem sehr gut besuchten Elternabend in der Aula der Karl-Marx- Schule gegen die drohende Zerstörung der Schule durch Spar- maßnahmen. Einmütig und mit allem Nachdruck verwahrt sich die Ellernschast gegen jede Sparmaßnahme, die den Lebensraum und die Schule des Arbeiterkindes beschränken soll. Es gebe viele andere Sparmöglichkeiten, die ohne Schädigung der Volksschule durch- gesührt werden könnten. Besonderen Schutz forderte die Ver- sammlung für die weltliche Schule und für die Aufbauschule. Die Gedankengänge der Diskussion wurden in einer Resolution zu- sammengefaßt, die gegen vier Stimmen angenommen wurde. Eine zweite Entschließung, die van kommunistischer Seite eingebrocht wurde und die Gründung eines wilden Kampfausschusies forderte, kam nicht zur Abstimmung, weil die erste angenommen war. Aber aus echt demokratischer Gesinnung fragte der Schulleiter, Genosse Linke, die Versammlung, ob eine Abstimmung über die zweit« Entschließung gewünscht würde. Das wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, weil der Kampf um unsere Schulen ein Komps der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei ist und die Eltern im Bund der freien Schulgesellschaften schon ihre besondere Kampf- organisation hohen. Auch die Freie Schulgesellschaft Neukölln ver- anstaltete eine Kundgebung, in der besonders gegen die Abbau- maßnahmen an der Volksschufe und der Jung- lehrerschaft protestiert wurde. Nach klingendem Spiel des Tambourkorps der Sozialistischen Arbeiterjugend kamen Vertreter der Freien Schulgesellschast, der Freidenker und der Lehrergewerk- schast zu Wort. Wie sieht die weltliche Schule nach Inkrafttreten der beabsichtigten Verordnungen aus? Die Klassenfrequenz soll er- höht werden, die Junglehrer werden gekündigt und sollen durch alte, meist reaktionär« Lehrkräfte ersetzt werden. Die weltliche Schule wird durch diese Maßnahmen besonders bedroht. Es ist der Sozial- demokratie gelungen, vorlöujig wenigstens die härtesten Maßnahmen in ihrer Wirkung abzuschwächen, und es ist die Ausgabe aller Or- ganisatwnen der Arbeiterschaft, jeden Angriff auf die Bildungsstätten der kommenden Generation auf da-» energischste abzuwehren. Mit stürmischem Beifall wurde der Ausruf des Vertreters der Ar�- beiterjugend entgegengenommen� der die entlasseneu Junglehrer auffordert, nunmehr ihre Kräfte der sozialistischea Jugend. bewegung zur Verfügung zu stellen. Das ist die beste Antwort auf die Angriffe der Reaktion gegen die Schule des arbeitenden Volkes. Im Easino-Theater ist man redlich bemüht, sein Publikum ein paar Stunden lang die Unbill der Tage vergessen zu machen: nachdem der humorige Ernst Walter mit einer Tannhäuser-Parodie die Stimmung geschaffen hatte, kam„Dada, das öffentliche A e r g e r n i s" an die Reihe. Das alte, aber immer wirksame Theaterrezept vom Kuckucksei des Tugendknaben übte auch hier seine Wirkung aus. Dada, die schwarze Heldin der Begebenheit, ein kesies Tanzgirl aus dem fernen Afrika, treibt Schindluder mit weißen Männerherzen, bringt Verlobungen auseinander und was eben so zum Metier einer routinierten Herzensbrecherin sonst noch dazu gehört. Ihr Herzcnsjunge, der sich nach einer soliden Ehegesponsin umsieht, findet diese denn auch in der Nichte derer von Pritzelwitz; um ebenbürtig zu erscheinen, kauft ihm Onkelchen einen„Grafen", sich selbst einen„Konsul". Immer aber platzt im unrichtigen Moment die schwarze Gefahr ins Haus, die sich zum Schluß auch noch als das lebende Liebespfand des sittlichkeitsschnüffelnden Schwiegeralten entpuppt. Hsppv end muß sein, so kriegen sich die beiden Liebenden doch und das schwarze Mamsellchen treibt weiter sein Unwesen. werden: Viktor Litzek ein gerissener Titelhändler und Ewald Fister der oielgeplagte Onkel.— Im bunten Teil zeigten sich Metz u. Metz als launige Jongleure mit guter Technik, assistiert von einer fangbegabten Krähe. Kömoii» 2)te ecAie GA R BÄTY dick rund tä. lieuheri: Ms Wenning nach erstattetem Bericht das Zimmer verlassen wollte, wandte sich der Kriminalrat noch einmal zu ihm, indem er ihm vertraulich die Hand aus die Schulter legte:„Ich gratuliere zu Ihrem neuen Erfolg, Benmng. Sie entwickeln sich zu einem meiner besten Beamten. Noch einen Mordfall so rasch und griind- lich aufgeklärt, dann wäre es an der Zeit, sich für Ihre Beförderung zu verwenden. Ich werde dafür sorgen, Benmirg. Weiter so!" Ein ehrgeiziger, tiefbefriedigter Beamter verließ nach diesem Lob des Borgesetzten das Zimmer. Ein Ziel war nähergerückt: die Beförderung. Die Gehaltszulage. Die Heirat. Abends faß Benning in sehr aufgelegter Stimmung im Wohnzimmer der Frau Wörke, die nach dem Tode ihres Mannes das Geschäft aufgegeben hatte und ein nettes Bantguthaben in ihre zweite Ehe bringen würde. „Emma", sagte Benning, während er sich Rum in den Tee goß und mit schrägem Blick die Wirkung seiner Worte auf Frau Wörke abzusuchen schien,„wenn die Befördermig... klappt, wollen wir uns... dorm... endlich...?" Die noch hübsche, vollschlanke Frau lächelte:„Es wird dir noch früh genug leid tun, du." Er sagte nur:„Früh genug! Ich kanns nicht erwarten!" Er haschte nach ihrem Arm und küßte ihn sehr oben. * In den nächsten Wochen gab es für Benning viel Kleinarbeit. aber keinen„Fall". Es war, wie man auf den Lokalredaktionen zu sagen pflegt,„einfach nichts los". Es gab weder Dachstuhl- brande, noch verwegene Bankeinbrüche, über die man ausführlicher hätte berichten können. Die Mordkommission hatte Feierabend. In diesen Wochen und Monaten zeigt« Wenning eine sonst kaum gekannte Nervosität. Er lauerte auf seinen„Fall". Er. der ruhige, pflichttreue, allerdings sehr ehrgeizige Beamte ertappte sich dabei, daß er wünschte, es würde irgendwo etwas passieren. Was sollte passieren und ihm Gelegenheit geben, seine Fähigkeiten zu beweisen, sich die Beförderung zu verdienen? Ein Mord natürlich', ein Totschlag, eine Entführung, er war doch Beamter des Morddezernates, ein Dachstuhlbrand konnte ihm nichts nützen. Zu Beginn seiner Laufbahn hatte ihn das Bewußtsein be- friedigt, daß er lebte, um Morde aufzuklären und verbrecherische Menschen, die im Dunkel ihrer Taten lebten, ihrer Bestrafung zuzu- führen. Und wenn er einen Fall aufgeklärt und einen Täter dingfest gemacht hatte, empfand er eine innere Genugtuung wie«in Arzt, der einen Krankheitsprozeß nach feiner Diagnose verlaufen und verheilen sieht. Jetzt aber mußte er zum ersten Male die Entdeckung machen, daß er nicht existerte, um Morde aufzuklären und verbrecherischen Menschen das Handwerk zu legen, jetzt existierten die Morde und die Täter, damit er sich auszeichnete, damit er sich seine Beförderung verdient» und Frau Wörke heiraten konnte. Fram Wörke lächelte abwartend in ihrer behaglichen Bierzimmerwohnung. Sie konnte warten. Sie konnte wählen/ Das wußte er. Sein Borgesetzter hatte nie wieder von der Beförderung ge- sprachen. Hatte Benning aber Gelegenheit, seine besonderen Fähigkeiten zu zeigen? War das«ine Aufgabe für ihn, auf den Bahnhöfen einen entsprungenen Fllrsorgezögling zu suchen? Er- forderte es besonderes Geschick, in den Waffenläden dieser Mittel- stadt festzustellen, ob und wann ein bestimmter Mann eine be- stimmte Waffe gekauft hatte? � Diese alltägliche Kleinarbeit brachte ihn nicht vorwärts. Auch bei Frä'u Wörke kam er in letzter Zeit nicht vorwärts. Sie lächelte nicht-nein, nicht ja, sie entzog sich ihm nicht, aber sie ergab sich auch nicht. Sie verstand es immer wieder, den Zeitpunkt der Windung hinauszuzögern. Wenn er so von ihr ging, dachte er an die Worte seines Borgesetzten:„Noch einen Fall, Benning, so rasch und gründlich aufgeklärt, dann wäre es Zeit, für Ihre Bs- förderung zu sorgen..." Noch einen Foll so rasch und gründlich... Aber es gab keinen Fall für ihn. Vielleicht hätte er unter anderen Umständen diese Tatsache begrüßt, als wäre er nicht ein ehrgeiziger Kriminalbeamter, sondern ein Pfarrer, der eine Sonntagspredigt zu halten hat. Gewiß, es wäre ein idealer Zu- fkand, wenn man alle Raub- und Morddezernate wegen Be- schäftigungsmangel auflösen könnte, und er, Benning, würde sich dann in einem ruhigeren Beruf sein Fortkommen suchen, aber die Verhältnisse lagen nun einmal anders. » Nach einem anstrengenden, von der. üblichen Kleinarbeit er- füllten Dienstag oerbrachte Benning den Abend bei Frau Wörke. Sie hatte heute ein grünes Kleid an, in dem er sie noch nie ge- sehen. Sie war sehr gepudert und sehr lustig. Er atmete auf. Mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre es die Gepflogenheit eines täglichen Zusammenlebens, legte er sich nach dem Abendessen auf den Diwan, wo er eine Zigarre rauchte. „Komm doch her!" sagte er, als sie sich in den Sessel sitzen wollte. Und sie kam, leise, zögernd, mit einem Lächeln, das er nicht heuten konnte. In dieser Nacht verließ er sie in der Gewißheit, vor dem letzten�entfcheidenden Schritt zu seinem Ziel zu stehen. Als er mit dem Schlüssel, den ihm Frau Wörke mitgegeben hatte, das Haus- tor aufschloß, benutzte ein Mann die Gelegenheit, in das Haus zu kommen.„Verzeihung!" sagte der Fremde,„ich habe meine Schlüssel vergessen." Benning glaubte, den Mann schon irgendwo gesehen zu haben, erwiderte kurz seinen Gruß und trat auf die Straße hinaus. Inf Wohnzimmer oben brannte das Licht. Er dreht« sich nach einmal um und sah hinauf, ehe er in die andere Straße einbog... . 1* Früh klingelte das Telephon bei ihm. Sein Borgefetzter war am Apparat. „Kommen Sie rafch I" sagte er. Benning hatte seinen-.iFall". Das Auto der Mordkommission hielt vor dem Haufe, das Benning gestern nacht verlassen hatte. Sie stiegen die Treppen empor, über die er noch vor Stunden geschrilten war. Sie betraten die Wohnung der Frau Wörke. Frau Wörke lag in ihrem grünen Kleide neben dem Diwan. Sie war erwürgt worden. Umgerissene Stühle und zertrümmerte Vasen zeigten au, daß es hier einen erbitterten Kampf zwischen Täter und Opfer gegeben halte. Die Tat war erst morgens von der Aufwartefrau entdeckt worden, die einen Schlüssel zur Wohnung besaß. Frau Wörke lag gewöhnlich lange im Bett und liebte es nicht, aufzustehen, wenn es morgens klingelte. Frau Tal, die BedienungsfiAU, kam gegen acht Uhr. Das Sicherheitsschloß war diesmal nicht benutzt worden. Die Tür war nur einfach zugeschlagen. Das war Frau Tal sofort auf- gefallen. Sonst gab es nicht die geringsten Anzeichen für eine gewaltsam« Oeffnung der Tür oder der Fenster.% Benning war zunächst kaum fähig, irgendwelche Untersuchungen am Tatort vorzunehmen. Er war leichenblaß und sah auf die Tote im grünen Kleid, als häste er in seiner ganzen Lauf- bahn niemals etwas Schrecklicheres, Grausigeres erlebt als diesen acMe HUord... Mord. Er war in den ersten Minuten völlig konsterniert, so daß es den anderen Herren auffiel. „Eine Bekannte..." klärte er sie mit einer schwachen Handbewegung auf. Es war hier aber kein« Zeit zu privaten Betrachtungem Dieser Mordfall war Benning zur Aufklärung übertragen worden. Er hatte seine Pflicht zu tun. Ganz dunkel erinnerte er sich der Worte seines Vorgesetzten:„Noch einen Mordfall so rasch und gründlich aufgeklärt, Benning, dann— Ihre Beförderung!" Erschiittert beugte er sich über die Tote... » ✓ Cr hatte gebeten, ihn bei seinen nächsten Untersuchungen allein zu lassen. Sein Gesicht drückte eiserne Entschlossenheit aus. Man sah ihn an und wußte, daß er alles daransetzen würde, diesen Fall aufzuklären. Als Benning allein im Zimmer war, nahm er das grauenhafte Bild der vor dem Diwan liegenden Toten noch einmal in sich auf. Er suchte sich vorzustellen, wie so anders die gestrige Szene hier an dieser Stelle gewesen war. Er hörte das Lachen der hübschen, blühenden Frau. In seinen Armen hatte sie gelegen. Die Lippen zusammengebissen, die Augen zu scharfem Blick konzentriert, begann Benning jetzt alle Dinge im Zimmer nach Spuren zu untersuchen. Auf dem Diwan griff er hastig einen Knopf. Es war ein Knopf, wie er sie an seiner Weste trug. An seiner Weste fehlte ein Knopf. Es war sein Knopf. „Ich bin auf meiner eigenen Spur!" dachte er. Er war auf seiner eigenen Spur. Hier war ein Tritt seiner Schuhe auf dem gebohnerten Parkett. Hier war die Asche seiner Zigarre. Kopsschüttelnd suchte er weiter. Fand nichts— außer einigen schwarzen Haaren zwischen den Fingernägeln der Toten. „Wenn sie blond wären, hätte ich meinen eigenen Indizien- beweis geliefert!" fluchte er. Er legte die Haare sehr sorgfältig zwischen die Blätter seines Notizbuches. In diesem Augenblick fiel ihm der Mann ein, der gestern nacht an ihm vorüber in das Haus gegangen war... Im Nebenzimmer hatte Frau Tal eine Entdeckung gemacht, die sie den Herren aufgeregt mitteilte.„Der Hausschlüssel fehlt an diesem Bund!" Die Herren kombinierten: Der Täter konnte nur ein Bekannter sein, der zu später Stunde noch Einlaß fand. Nach der Tat nahm er den Schlüssel an sich, um unerkannt das Haus verlassen zu können." „Stimmt!" dachte Benning, der an der Tür das Gespräch mit- anhörte. Er trat ins Nebenzimmer.„Haben Sie was gefunden?" fragten die Herren, „Wenig!" sagte er. „Uebrigens—" warf er dann wie nebenbei hin.„der sehlende Schlüssel befindet sich in meiner Manteltasche. Ich habe Frau tfaul Siehlau:*11/ H l*f{*1 Cjf Seit einiger Zeit trafen sie sich regelmäßig in den kleinen An- lagen vor dem Arbeitsamt: Pumser, der abgebaute Lagerhalter, Adolf Horupp, der rtesenstarte Bierkutscher, und Karl Beyer, der Gelegenheltsaribeiter. Grundverschieden waren sie nach Herkommen und Veranlagung. Zusammengeführt hatte sie oer Umstand, dqst sie eines Tages vor dem Schalter hintereinander warteten und jeder des anderen Meinung über Tagesfragen zwar interessant, aber un- diskutabel fand. Nur in ihrer Not glichen sie sich, und in einer Schwäche, der sie als ordentliche Menschen nun nicht mehr nachgeben konnten, in der Vorliebe für einen ordentlichen Schnaps. Durch stundenlange Gespräche über prächtige Gelegenheitsräusche halfen sie sich gegenseitig über das starke Verlangen hinweg, bis Pumser auf den Einfall kam, eine Kasse einzurichten, in die jeder von seiner Unterstützung einen Groschen hineinlegen mußte. Ein Groschen war nicht viK in der Woche und die Frauen würden es nicht merken. „Einen Zahltag noch, dann reicht es," hatte Adolf Horupp. der die Kasse führte, vor einer Woche gesagt. Nun war es so weit. Pumser und Beyer warteten in den An- lagen nur noch auf Adolf Horupp und die Flasche. Sie wollten dann in einen Part gehen, der abseits liegt und morgens weniger besucht wifd. Jeden Augenblick mußte Horupp kommen. Pumser erhob sich in seiner Ungeduld von der Bank.„Na, Beyer, nun setze mal deine Mütze ordentlich auf und steck den Haarschwung weg: du gehst ja wie ein Strolch!" „Püh, dein Schwenker wird auch noch mal alt." „Was du immer mit meinem Schwenker hast! Der hat wahr- haftig bessere Tage gesehen." Pumser sah zufrieden an sich hinunter. Ja, alles noch tadellos. „Einen besseren Herrn wohl auch, was?" Pumser reckt« sich in die Höhe.„Der hat meine zweihundert Mark gekostet. So, und nun lasse dein Sticheln!" Aber Karl Beyer ließ es nicht.„Oha, zweihundert Mark?" „Pah, mai so viel Hab' ich den Monat verdient." Pumser wurde immer größer neben dem Gelegenheitsarbeiter. Mit einer eleganten Bewegung schob er die etwas verschossene Krawatte zurecht.„Nun setz doch endlich deine Mütze ordentlich auf, sonst gehe ich nicht mit!" In diesem Augenblick machte Pumser eine leichte Verbeugung nach der nahen Straße hin. Ein Fuhrwerk rasselle dort vorbei. Der Kutscher grüßte vom Bock.„Randolf und Co., meine Firma," sagte Pumisr. Da kam Adolf Horupp um ein« Gebüschecke. Karl Beyer zeigt« hin. und während er selbst nun doch seine Mütze zurechtrückte, zog Pumser seinen Schwenker feste um den Leib. Adolf Horupp Machte ein Gesicht, das seine Genossen nicht kann. ten. Karl Beyer ahnte, nichts Gute».„Mensch, Mensch, was ist los?" Hilflo» sah der groß« Mann an beiden vorbei.„Tscha, is weg, alles weg!" „Mensch!" Karl Beyer drohte an dem Riesen hinauf. „Tscha, ich kann's nicht helfen. Meine Ollsch hat die Kasse ge- funden und ihre Schuhe besohlen lassen." „Von unserm Geld? So ist's richtig! Verflucht! Und ich Hab' mich so gefreut!" schrie Karl Beyer. Pumser hatte den Kneifer abgenommen und wischte daran herum. Sein fahles Gesicht schien blasser zu sein als sonst. Er setzte das Glas wieder auf die Nase.„Hast du denn deiner Frau nicht gesagt, da» Geld gehöre uns?" „Tscha, das ist es ja gerade. Sie glaubte, ich hätte heimlich ge- spart und war ganz gerührt, und mit ihren Schuhen konnte sie nicht mehr aus die Straße gehen. Und da Hab' ich nichts mehr gesagt." Karl Beyer knurrte noch. Pumser hatte sich ganz erholt von der Enttäuschung.„Denn so," sagte er,„nehme ich von jetzt ab die Kasse." Pumser war ein sehr ordentlicher Mensch. Er hatte außer seinem Schwenker noch einen schönen Notizblock und einen Füll- federhalter. Diese Sachen kamen nun wieder zu Ehren. Die freie Zeit oerbrachte er damit, Bewerbungsschreiben anzusertigen, denn Wörke gestern, nachts um elf Uhr, verlassen. Allerding« lebte sie da noch. Ich nahm den Schlüssel mit. um Frau Wörke das Hin» untergehen zu ersparen. Es kann aber noch«in anderer Schlüssel fehlen.. Die Herren wußten nicht, was sie sagen sollten. „Glauben Sie, daß sie den Täter bald haben werden?" fragte jemand. „Ich glaub«, ja, meine Herren!" antwortete Benning und ver» ließ das Zimmer... Benning war immer ein eifriger Beamter gewesen. Daß er mit geradezu fanatischem Eifer an die Aufklärung des Mordes ging, war allen verständlich, die von seiner Bekanntschaft mit der Ermordeten erfuhren. Die besonderen Umstände hatten es nötig gemacht, daß Benning genauen Bericht gab über seine Besuche bei Frau Wörke. Um diese Besuche zu motivieren, mußte er sogar von seinen Heiratsabsichten erzählen. Eine Zeitlang schien es Benning, als hätte man sogar einen Verdacht auf ihn Es wurde sehr viel ohne ihn recherchiert. Es wurde manches unternommen, wovon er nichts wissen sollte. Mit verbittertem Eifer verfolgte er die Mordsache Wörke, die sich be- reits zu dicken Akten auswuchs, ohne daß der Täter ermittelt wer- den konnte. Es war mehr eine instinktive Eingebung als vernunftmäßige Ueberlegung nach vorhandenen, Indizien, die Bönnings Nach- forschungen besonders auf den Mann ausdehnen ließ, der in jener Nacht hinter ihm das Haus betreten hatte. Frau Wörkes Charakterbild hatte sich inzwischen sehr zu ihren Ungunsten gerundet. Es wurde festgestellt, daß sie nicht allein Bennings Besuche empfangen hatte. Sie schien nach verschiedenen Seiten mit Heiratsabsichten gelächelt zu haben. Vielleicht war Benning die festeste Bindung, die einzige war er nicht. Welch eine Enttäuschung für den Mann, der diese Berichte �esen mußte. Welche niederschmetternde Erkenntnis, durch einen aufzuklärenden Mord! Sehr lange hat es nicht gedauert, bis Benning den Mörder fand. Es war der Mann aus jener Nacht. Nach seinem Geständnis, an dem nicht zu zweifeln war, hatte sich die Tat folgendermaßen abgespielt: Witte, so hieß der Mörder, ein Friseurgehilfe aus einem der größten Friseurgeschäfte der Stadt, wo er Frau Wörke kennen- gelernt hatte, war mit ihr wiederholt zusammengetroffen. Bald war er in leidenschaftlicher Liebe zu ihr entbrannt. Da er von ihren anderen Beziehungen wußte, verfolgte er sie mit seiner Elser- sucht, so daß Frau Wörke das Verhältnis löste. An jenem Abend wartete Witte vor ihrem Hause. Er wußte, daß sie Besuch hatte, und war von rasender Eifersucht erfüllt. Als Benning nach Stunden das Haus verließ, gelang es Witte in der erwähnten Weise, ins Haus zu kommen. Er klingelte sofort bei Frau Wörke, die in der Meinung, Benning käme zurück, ahnungslos öffnete. Sie hatte zuerst versucht, ihn durch gutes Zureden, durch Nachgiebigkeit los- zuwerden, dann versuchte sie es mit letzter Energie, schon von Furcht geschüttelt— und dann— als sie sich auf dem Diwan gegen ihn zur Wehr setzte— dann geschah der Mord... Uebrigens— Benning erhielt seine Beförderung. Größere Aufgaben erwarteten ihn in einer größeren Stadt. Geheiratet hat er später auch. er konnte nicht glauben, daß er jetzt mit einem Male überflüssig sein sollte. Eines Tages— die Kasse hatte fast den Bestand von drei Mark wieder erreicht— bekam er von einer ganz unbekannten Firma ein Schreiben, das ihn, Herrn Pumser, aufforderte, sich Renn. weg 26 persönlich zu bewerben. Pumser raste hin. Die Sache war glänzend. Am nächsten Tage schon sollte er in einer Versicherungs- gesellschajt anfangen. Für. die Vermittlung wurden nur fünf Mark berechnet. Hm, fünf Mark! Pumser kam iii große Verlegenheit. Als er in den Taschen herumwühlte, klimperten die Schnapsgroschen in der Spardose hell und aufdringlich. Da gab es nichts mehr zu überlegen. Er schnitt den herumgeklebten Papierstreifen auf und zählte. Reunundzwanzig. Der Herr hinter dem Tisch grinste gutmütig.„Na, geben Sie man her: es ist ja auch wohl nicht mehr von Ihnen zu verlangen." Pum- ser fühlte sich erlöst und dankt? durch Verbeugungen.„Also morgen früh um neun!" rief ihm der Herr sehr laut nach und bat ein junges Mädchen herein, das schon im Vorraum wartete. Pumser war sehr glücklich. In den kleinen Anlagen vor dem Arbeitsamt standen Menschen in schlechter Kleidung herum, stumpf ergeben die einen, aufgeregt debattierend andere. Helle Kingerkleider, die sonst den Parks Leben und Licht geben, gab es hier nicht. Auf zwei Steinstusen hockten Adolf Horupp und Karl Beyer. Ihr Warten und Ausschauen nach Pumser war vergeblich gewesen. Horupp ließ schon melancholisch den Kopf hängen, während Karl Beyer zappelig war wie ein Fisch auf dem Land«.„Der Teufel traue ven seinen Herren!" schalt er. „Wer weiß, wer weiß!" sagte der Bierkutscher dumpf. Da stand Pumser vor ihnen. Sein Schlips saß schief. Aus dem Schwenker, oben im Nacken, sahen ein Stück vom Hemd und der Kragentnops heraus.„Ich will es euch gleich jagSN. Das Geld ist futsch!" c- „Himmeldonnerwetter!" schnauzt« Beyer, moem er Pumser bei den Tuchknöpfen packte. Die Adern in Pumsers Gesicht schwollen. „Eine saubere Firma! Wie ich hinkomme, ist sie gar nicht da!" „Hast die Flasche wohl selbst getrunken, was?" „Ruhig. Beyerl" Der Bieikutscher legte ihm die mächtige Hand auf den Kopf, daß er auf die Brust sackte. Pumser erzählte, was geschehen war. Beyer schwieg zwar still dazu, tippte sich aber Loch mit dem Zeigesinger an die Stirn und sagte zuletzt:„Na. auf so'n Quatsch fallen auch nur bessere Herren rein!" „Von wegen bessere Herren!" knurrte Pumser wütend. Mit dem Sparen war es nun aus. Es wurde nicht mehr davon gesprochen. Die Hoffnung auf einen ordentlichen Schnaps war hw Aber regelmäßig, wie immer, trafen sich die drei, nachdem sie am Schalter abgefertigt waren, in den kleinen Anlagen. Eines Tages kam Karl Beyer nicht. Und als Horupp uno Pumser schon das Warten aufgeben wollten, wurde Pumser von einer Frau angesprochen:„Sie sind doch sicher Herr Pumser!" Der Angeredete zog seine Krawatte zurecht:„Ja, das bin ich!" „Sie möchten heute abend zu Karl Beyer kommen. Das ist nämlich mein Mann, und er will einen ausgeben und der Herr Horupp soll mitkommen!" „Donnerwetter!" sagten beioe zugleich. „Er hat Arbeit bekommen!" „Wie ist da» möglich?" Das hörte die Frau aber nicht mehr. Sie. hatte für ihren Mann auf dem Arbeitsamte zu tun und machte ein glückliches Gesicht. Der Abend bei Karl Beyer war prächtig. Er verstand etwas von Schnaps, und geknausert hatte er auch nicht. Nur einmal glaubte Pumser, der Schnaps habe einen bitteren Beigeschmack. Das war, als Karl Beyer, der alte Stichling, endlich das Geheimnis preisgab, wo er Arbeit gesunden hatte. Es war bei Randolf und Co., Pumsers Firma. Virantwartlild fllt Dolitik: Birtot Schitt! Wirtichafl:®. kilinaclhöser! <.>« 2.90 4.90 ........ 1.60 Kleiderstoffe Marocam Kunstsaid. mod.rn. Must.r, dopp.llbr., Mtr. Flamenga S.id. vt.l. F.rb.n, 96 cm br.it, M.t.r Waschsamt b.drudct n.u. Muit.r, cm* 70 cm brrit, Mtr. Kleider-Velours gamustert.•....... Mafar Boucle-Tweed fn den beliebten Modefarben, Mir. 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Die stürmischen Wochen, die die deutschen Sparkassen im Zusammenhang mit der Kreditkrise vom Juli hinter sich haben, und die Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Brüning, des preußischen Innenministers S e o e r i n g und des Reichsbankpräsidenten Luther gaben der Jubiläumstagung der Sparkassenorganisationen ein besonderes Ge- präge. Der Reichskanzler Dr. Brüning, dessen währungspolitische Aus- führungen wir bereits im chauptteil des Blattes gebracht haben, führte im weiteren Verlauf feiner Rede u. a. aus: Die Reichs- rcgierung ist sich bewußt, daß gerade auf dem empfindlichen Gebiete der Kreditwirtschast übereilte Mahnahmen Verwirrung und Schaden anrichten können. Reben der Steigerung des Vertrauens wird vor allem auch die Schaffung von Sicherungen gegen eine Kopitaloerteilung, die mit den volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten nicht im Einklang steht, angestrebt werden. Die Grundlagen der Sparkassen haben sich im allgemeinen als gesund erwiesen. Die Prüfung weiterer Schritte wird sich vor allem darauf erstrecken, ob die Sparkassen gegenüber ihren Garantieoerbänden selb- st ä n d i g e r zu machen sind als bisher und ob chre Liquidität < Flüssigkeit) verbessert werden kann. Schon vor der Zahlungskrise im Juli war es-offenbar, daß die Kapitalversorgung der deutschen Wirtschast ungleich und nicht entsprechend den gesamtwirtschaftlichen Verhältnissen erfolgte. Dem Kapitalmangel auf der einen Seite stand vielfach ein Kapitalüberfluß auf der anderen gegenüber. Di« Begrenzung des Kreditgeschäfts auf Orte und Be- zirke, wie sie gerade bei den Sparkassen üblich ist. bietet gegen diese Unausgeglichenheit der Kapitolversorgung eine beachtliche Sicherheit. Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit geben für die dringenden Erfordernisse der Zukunft einen klaren Ueberblick. Der rein privalwirlschaflliche Standpunkt wird nicht mehr allem bestimmend sein dürfen für die Richtung, in die der Sapitalslrom fließen muß. Diese Richtung darf nicht allein abhängen von der Rente, sondern auch von den Erfordernissen größler volkswirtschaftlicher Ergiebigkeit. Nach wie vor werden die Sparkassen den Kleinkredit besonders pflegen müssen. Aber auch das private Bankgewerbe muß in dieser Richtung mehr tun. Das liegt nicht nur im allgemeinen Interesse, sondern auch im Interesse der größeren Sicherheit der Institute selbst: denn wohin die starke Verschuldung weniger Ricsenunternchmungen führt, dafür waren die letzten Monate eine hart« Lehr«. Die deutsche Wirtschast steht in einem R e i n i g u n g s- prozeß großen Umfanges. Es wäre falsch und unmöglich, diesen Prozeß aufzuhalten, aber alles muß geschehen, um die O p f c r u n d Kosten der Krise so gering wie möglich zu halten. Im Kreditgeschäft wird in Zukunft insbesondere auch eine enge Zu- sammenarbeit der privaten und öffentlichen Bankgruppen notwendig sein. Di« Zeit eines ungeregelten Rebeneinanderarbeitens wird end- gültig der Vergangenheit angehören. Als zweiter Redner ergriff der preußische Innenminister Severing in seiner Eigenschaft als oberste Aufsichtsinstonz der preußischen Sparkassen das Wort. Severing wies darauf hin, daß der Aufbau des öffentlichen Sparkassenwesens in Deutschland, wie es die Ge- schichte der letzten fünfzig Jahre zeigt, ein Erfolg der universellen deutschen Selb st Verwaltung sei. Weil die Sparkassenueinrich- tungen eine öffentliche Körperschaft sind, weil sie im weiteren Sinne nicht gewerbsmäßige, sondern gemeinnützige Einrich- tungen darstellen, sind sie in ganz besonderem Maße geeignet, den Geld- und Sparverkehr mit dem„kleinen Mann", also mit der Masse der Bevölkerung, durchzuführen. Welches Vertrauen die Sparkassen in den breiten Schichten der Bevölkerung genießen, zeigt sich darin, daß die mehr als 11 Milliarden starken Spareinlagen, die seit der Stabilisierung der Mark sich ansammelten, von mehr als ll- Millionen Sparern aufgebracht wurden. In diesen Ziffern steckt neben dem wirtschaftlichen Wert eine ungeheure poli- tisch« Bedeutung, weil darin zum Ausdruck kommt, welches V e r- trauen die breiten Massen den öffentlichen Spareinrichtungen entgegenbringen. Der Staat hat daher die Pflicht, alles zu tun, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen und zu erhalten. Es muß daher scharf ausgesprochen werden, daß der Staat und seine Organe mit allen Mitteln des Gesetzes gegen jene unverantwortlichen Gerüchtemacher, die von einem bevorstehenden Rückgriff des Staates auf die Sparguthaben sprechen, vorgehen werden. Ein derartiges Derbreiten von Gerüchten ist politische Brunnen- Vergiftung allerschlimmster Art. Die Finanzkrise des Hochsommers hat auch die Sparkassen schwer betroffen. Auch die verantworllichen Leiter der Sparkassen müssen aus den Erfahrungen der schweren letzten Monate die not- wendige Lehre ziehen. Für den Kredit unserer ganzen Wirt- schaft wie für den Kredit der Sparkassen ist es unbedingt erforder- lich, daß schleunigst dort reformiert wird, wo sich eine Reform- bedürstigkeit herausgestellt hat. Man wird den Sparkassen da, wo es noch nicht der Fall ist, eine eigene Rechtspersönlichkeit geben müssen, um damit das Sparkassenvermögen in jeder Weise von den sonstigen Vermögen der Gemeinde zu trennen. Wir werden vor ollem die Flüssigkeit und die Flüssigkeitsreserven der Sparkassen und Girozentralen stärken müssen. Die Anlagepolitik der Sparkassen muß durchweg liquider sein als bisher. Man darf nicht verkennen, daß das Realkreditgeschäft(Hypotheken) in den letzten Jahren über- spannt worden ist. Auch dem Kommunalkredit werden engere Grenzen gezogen werden müssen. Vor allem aber muß die eigent- liche Flüssigkeitsreserve der Sparkassen und Girozentralen in jeder Weise und nach jeder Richtung gesichert werden. Alle diese Reformen dürfen aber nicht zu einer Beseiti- gung der Selbstverwaltung und der Selbstveranlworlung der Sparkassenorganisationen führen. Daher wird das preußische Innenministerium allen Angriffen entschieden entgegentreten, die auf eine Entkommunalisierung der Sparkassen und auf eine Zertrümmerung ihrer selbst- geschaffenen zentralen Organisation abzielen. Sodann sprach der Präsident der Deutschen Girozentrale, G e- heimrat Dr. Kleiner, der in seinem Referat den Weg der Sparkassen durch die Wirtschaftskrise in seinen Grundzügen schilderte. Wie vor fünfzig Jahren, sind die Sparkassen auch jetzt das Kraft- Zentrum der heimischen Kapitalbildung geblieben. Die Ereignisse vom Sommer, die ihren Höhepunkt an dem „schwarzen Montag", dem 13. Juli, erreichten, haben auch die Spar- lassen stark in Mitleidenschaft gezogen und den Prozeß des ständigen Aufstiegs seit 1924 unterbrochen. Dom Juni bis August stellte sich der Einlagenrückgang auf 970 Millionen Mark, das sind 7,S Proz. des Gesamt- bestandes an Einlagen. Ende September werden vermutlich 19 Proz. der Gesamteinlagen abgerufen sein. Nachdrücklich vertrat Dr. Kleiner die Forderung einer engeren Verbindung der Sparkassen mit der Reichsbank, da diese in anormalen Zeiten die einzige volkswirtschaftliche Flüssigkeits- reserve sei. Die rückläufige Entwicklung der Sparkasseneinlagen werfe das Problem einer Mobilisierung der angelegten Sparkassen-Kapitalien auf. Die wichtigste Unterlage für dies« Mobilisierung bilden die Hypotheken, in denen mehr als 49 Pro� zent der Sparkassen-Kapitalien angelegt sind. Das Versagen der lvestdeutschen Landesbanken in der Kreditkrise hat die Situation außerordentlich erschwert. Im übrigen aber hat sich die Or- ganisation der Sparkassen durchaus bewährt. Zum Schluß seiner Ausführungen behandelte Dr. Kleiner die bankwirtfchaftlichcn Pro- bleme, die die Krise der letzten Monate aufgeworfen hat. Ein wesentlicher Mangel unserer bisherigen Kreditorganisation sei darin zu sehen, daß die einzelne» Banken isoliert ohne Fühlung miteinander arbeiten, vor allem im Kreditgeschäft. So konnte es kommen, daß große Kreditnehmer bei mehreren Banken gleichzeitig erheblich verschuldet waren. Die zahlreichen Projekte einer Zwangsumschuldung behandelte der Redner sehr skeptisch. Die Pläne einer allgemeinen Schuldcnabwertung sind gänzlich undiskutabel, da sie die Wirtschaftsmoral aufs schwerste er- schüttern müssen. Eine scharfe Absage erteilte der Redner auch den Projekten zur Sparkosscnreform, die eine wertmäßige oder zeitliche Begrenzung der Auszahlung von Sparguthaben anregen. Wer solche Vorschläge macht, hat keine Ahnung von derPsycho- l o g i e d e s V o l k e s. Dr. Kleiner schloß mit der Forderung eines Sparkassenführers vor fünfzig Jahren: die Sparkossen sind dazu bc- rufen, Erzieherinnen der Massen zu guter, vorsorglicher Wirtschaft zu sein. Kommunistische Störungsversuche. Nach dem Schluß der Rcichskanzlerrede ereignete sich auf der Jubiläumskundgebung der Sparkassen ein Zwischenfall. Der kom- munistische Stadtverordnete Fritz Lange, Berlin, der den Sitzungs- saal der Kundgebung offenbar mit dem Stadtparlament verwechselte, rief dem Reichskanzler zu:„Wenn das Bolk zur Selbsthilfe greift, ist es aus mit euren Notverordnungen." Unbegreiflicherweise griff der Vorsitzende Dr. Kleiner nicht sofort durch, obwohl es auf der Hand lag. Saß weitere Störungen diesem Auftakt folgen würden. Die lärmenden Zwischenrufe Langes setzten dann auch bei der Rede Severings prompt wieder ein, der dem Schreier schlag- fertig erwiderte, es gäbe auch eine S e l b st h i l f e der Veranstalter, die sich in einem Gebrauch des Hausrechtes äußere. Als Lange seine Beschimpfungen fortzusetzen versuchte, brach ein allgemeiner Tumult aus, in dessen Verlauf eine Anzahl Besucher den Stören- fried hinausdrängte. pleiie der Süddeutschen Holzindustrie. Starke Verluste bei Vorräten und Beteiligungen. Die Süddeutsche Holzindustrie A.-G., München, hat fast das ganze Kapital verloren. Zur Sanierung soll das Aktien- kapital von 6,3 auf 1 Mill. Mark zusammengelegt und später auf 2 Mill. Mark wieder erhöht werden. Noch vor einem Jahr verteilte die Gesellschaft eine D i v i- d e n d e von 7 Proz. Die überraschend hohen Verluste im neuen Geschäftsjahr sind zum kleinsten Teile im eigentlichen Geschäfts- betrieb entstanden. Der Betriebsoerlust soll nur 9,4 Mill. Mark betragen. Für Abschreibungen auf Vorräte und Beteiligungen aber müssen S,8 Mill. Mark auf- gewandt werden. Die Vorräte haben sich durch den Sturz der Holzpreife entwertet. Vor allem scheint aber der Wert der Be- teiligungen(S Mill. Mark) einer erheblichen Berichtigung zu be- dürfen. So hat die Tochtergesellschaft Deutsche Parkett- A.-G. mehr als die Hälfte des Kapitals(1,9 Mill. Mark) verloren. Auch hat man der Pleite des Stuttgarter Bankhauses Alfred Schwarz, deren Chef bei der Süddeutschen Holzindustrie Aufsichts- rotsoorsitzender war, einen Teil der Forderungen verloren. Fraglich ist, ob nicht auch bei dem British and European Timbcr Trust, der mehr als die Hälfte des Kapitals der Süddeutschen Holz- industrie besitzt, ein Aussall von Forderungen eingetreten ist. So ist auch diese Pleite eine Folge. von vielfachen Konz« r n- Verflechtung e lr ünb nicht eine Folge von ungü«sttig«r«fhvick- lung des eigentlichen Geschäfts. Wer die 1 Mill. Mark n e u e Aktien, für die das gesetzliche Bezugsrecht ausgeschlossen ist, übernimmt, ist unbekannt. ilv Millionen Tonnen Kohle auf Halde. Anhaltende Schrumpfung in der Schwerindustrie. Wie bei den Hochöfen und den Stahlwerken, sind im Monat August auch die Leistungen der deutschen Walzwerke weiter ganz erheblich gesunken. An 26 Arbeitstagen wurden 487 936 gegen 383 359 Tonnen an 27 Arbeitstagen im Juli hergc- stellt. Der Rückgang der Walzwerksleiftungen gegenüber dem August vorigen Jahres, der gleichfalls schon von der Krise stark beeinflußt war, beträgt rund 21 Proz. Arbeitstäglich ist die Produktion der Walz- und Preßwcrke im Berichtsmonat auf 18 768 Tonnen gegen 21 689 Tonnen im Juli und fast 24 999 Tonnen im August 1939 zusammengeschrumpft. Gegenüber der höchsten Tagesleistung in der Nachkriegszeit, die im Mai 1927 erreicht wurde, ist die a r b e i t s t ä g l i ch e Porduktion im August auf 46,79 Proz. gesunken. Auch der Rnhrbergbau weist noch keine Besserung auf. In der dritten Septemberwoche vom 13. bis 19. September stellte sich die Förderung gegenüber der Vorwoche fast unverändert auf 1,39 Millionen Tonnen und die orbeitstägliche Leistung auf 263 939 Tonnen, das sind rund 699 999 Tonnen arbcitstäglich lltniger als in der Vorwoche. Die Anzahl der wegen Absatzmangel eingelegten Feierschichten ging kaum fühlbar von 33 030 auf 32671 arbeitstäglich zurück. Je Mann der Belegschaft wurden in der Berichtswoche also vier Fünftel Feierschichten eingelegt. Die Halden sind nach wie vor überfüllt. Insgesamt türmen sich im Buhrgebiet 10,32 Millionen Tonnen. Diese Riesen- Vorräte, die zur Zeit nicht verkauft werden können, zeigen deutlich den Weg, wie den Millionen Erwerbslosen im Winter mit billigem Heizmaterial geholfen werden kann. Die Vorräte sind da. Es gilt nur, sie zu mobilisieren. Hier wirksame Maßnahmen zu ergreisen, ist eine Ausgabe, die die Regierung bei dem nahenden Winter in kürzester Frist lösen muß. Massensterben in der Waggonindustrie. Eine Stillegung folgt der andern. In dieser Woche haben bei der Waggon- und Maschinen- bau- A.-G. inGörlitz zwischen der Werksleitung, dem Gewerbe- aufsichtsamt und den Vertretern der Arbeiterschaft Verhandlungen stattgesunden, bei denen die völlige Stillegung der Waggonbetriebe in Görlitz zur Debatte stand. Da überhaupt keine Austräg« zur Aufarbeitung mehr vorhanden sind, läßt sich eine Schließung dieser wichtigsten Betrieb« des Unternehmens nicht mehr vermeiden, wenn nicht in kürzester Zeit von der Reichsbahn neue Bestellungen ver- teilt werdcn. Die Krise im Waggonbau, die mit überraschender Schärfe nach der Aufarbeitung der letzten großen Reichsbahn- beftellungen im Sommer einsetzte, ergreist jetzt also auch die best- ge st eilten Betriebe, wie die Görlitzer Waggonfabrik, die seit ihrer Sanierung 1923 hochrentabel gearbeitet hat. Da ausländisch« Aufträge so gut wie überhaupt nicht mehr zu erhalten waren und die Waggonindustrie ihrer ganzen Struktur nach stets von den Reichsbahnbestellungen abhängig ist/ hat die Einstellung der Fahrzeugbcstellungen durch die Reichsbahn tatsächlich die Woggonbetriebe leergesegt. Erst vor ganz kurzer Zeit ist die Hannoversche Waggonfabrik in Liquidation getreten, im Rheinland haben zwei Werke Stillegungsanträge gemeldet, und wenn nicht in letzter Stunde die Reichsbahn sich entgegen- kommend zeigt, werden auch die gesündesten Unternehmen dieser Industrie im Winter ihre Tore schließen müssen., Preiserhöhung statt Kapttalabsthreibung Abnehmerfeindliche Preispolitik des Blechwarensyndikats. Die Blewa, Blechwaren-Vertriebsgesellschaft m. d. H., V e r l i n, fühlt sich veranlaßt, ihre monopolistische Preispolitik mit faulen Argumenten zu verteidigen. Dieselben 5)crren, die nicht genug nach Wirtschaftsfretheit— wie sie sie verstehen!— schreien können, halten es für richtig, daß nach Ausschaltung jeglicher Konturrenz die Kluft zwischen Produktions- Möglichkeit und Absatz noch vergrößert wird. So wenig Ahnung hoben diese Herren vom Kapitalismus, daß sie noch nicht be- griffen haben, daß eine kapitalistische Krise nur durch eine durch Preisermäßigungen erzwungene A n g l e i ch u n g des Pro- duktionsapparate» an den gesunkenen Umsatz überwunden wird. Nachdem der Zusammenschluß der Produzenten zum Shndikat erfolgt sei, wären die Preise„nach Maßgabe der Selbst- kosten" festgesetzt, d. h. erhöht worden. Eine Freigabe der Preise könne nicht erfolgen, da eine Senkung der Unkosten entsprechend dem Umsatzrückgang infolge der unzureichenden Beschäftigung nicht möglich sei. Alles schön und gut. Solange alle Betriebe aufrechterhalten werden, ist natürlich ein« Kostensenkung nicht mög» lich, da der dauernde Beschäftigungsrückgang den Anteil der ..fixen" A o st a n ständig erhöht. Aber dann Preiserhöhung? Um so mehr geht der Absatz zurück, um so schlechter wird die Beschäftigung, um so höher werden die Kosten— ein« Schraube ohne Ende! Wie weit sollen die Preise noch erhöht werden? Bi» gar kein Käufer mehr da ist? Und das alles, weil man nicht zugestehen will, daß zuviel Anlagen da sind, daß zuviel Kapital investiert ist, daß also ein Teil des Kapitals verloren ist und abgeschrieben werden muß, damit durch Senkung der„fixen" Kosten «ine Preisermäßigung ermöglicht wird! Zum deutfch-polnischen Wirtschaftsvertrag. Vis 15. NovemberAnsprüche aus Versicherungen anmelden. Entsprechend den Bestimmungen der Artikel 18 und 19 des deutsch-polnifchen Aufwertungsabkommens und entsprechend einer Bekanntmachung des Reichswirtschaftsministers vom 1. Juni 1931, abgedruckt im Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staats- onzeiger Rr. 125 vom 2. Juli 1931, sind Aufwertungsansprüche von Reichsdeutschen gegenüber polnischen Bersicherüngs- gesellschaften bi» 15. November 1931 bei dem Reichs- aufsichtsamt für Privatversicherung anzumelden Stillegung bei der Rudolf Karstadl A.-G- in Bocholt. Im Anschluß an den Stillegungsbeschluß der Direktion der Rudolf Karstadt A.-G. in Bocholt, ist allen Arbeitern und Angestellten gekündigt worden. Erwerbslos werden dadurch etwa 1 3 00 Ar- b s i t e r und Angestellt«. Wie man die Selbstkosten senken muß Das Beispiel des deutschen Kohlenbergbaus. Unter dem Einfluß der Wirtschaftskrise hat sich der Beleg- schaftsstand im Kohlenbergbau immer weiter verringert. Während im rheinisch-westsälischen Steinkohlenrevier im Jahre 1929 noch 375 970 Arbeiter beschäftigt wurden, war diese Zahl im Monat Juni dieses Jahres auf 251 792 Mann gesunken: das find 12 4 17 8 Arbeiter weniger als im Jahrs 1929. Wenn man das Jahr 1913 zugrunde legt, dann sind jetzt im Ruhrrevier rund 180 000 Mann weniger in Arbeit als vor dem Krieg. Aehnlich ist die Auswirkung in fast allen Kohlenrevieren. Eine Ausnahme macht höchstens das Aachener Steinkohlenrevier, wo die Belegschoftszifser sich im Laufe der letzten Jahre noch etwas er- höhte, was aber bei der großen Zahl der im Bergbau beschäftigten Arbeiter nichts besagen will. Im oberschlesischen Bezirk sank die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 59 918 im Monatsdurchschnitt des Jahres 1929 auf 43 981 Mann im Monat Juni dieses Jahres, im niederschlesischen Bezirk im gleichen Zeitraum von 27 330 auf 19 784, im sächsischen Bezirk von 23 331 auf 17 250 und im Gebiet des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues von 76 202 auf 60 019 Arbeiter. In etwa einem Jahre find demnach in den größten Kohlenrevieren bes Deutschen Reiches rund 170000 Berg- arbeiter entlassen worden und immer noch gehen Still- legungen und Massenentlassungen von Bergarbeitern vor sich. In jedem Revier ist es nicht nur die bange Sorge der Berg- arbeiter, sondern auch der Kommunen und Behörden, wie lange dieser Weg weiter noch gegangen werden soll. Wesentlich onbers als die Belegschaftsreduzierung entwickelt sich nämlich die Perminds- rung in der Produktion. Während z. B. an der Ruhr d'e Monatsproduktion bei einer Belegschaftsstärke von 375 970 im Jahre 1929— 10,3 Millionen Tonnen betrug, machte die Kohlenproduk- tion im Monat Juni 1931— 6,94 Millionen Tonnen aus. Die Belegschaft betrug aber in diesem Monat nur 251792 Mann. Aus diesen Zahlen ist leicht ersichtlich, daß die auf den Kopf der Belegschaft entfallene Produktion im Jahre 1931 ungleich größer i st als im Jahre 1929. Nicht nur der Ruhrbergbau. sondern alle übrigen Bergbaureviere haben«ine seit Iahren zu beobachtende Steigerung des Förderanteils je Schicht und Kopf der Belegschaftsmitglieder zu verzeichnen. Wie es scheint, ist diese Entwicklung auch noch nicht abgeschlossen: die veröffent- lichten amtlichen Zahlen zeigen eine ständige Aufwärtsentwicklung. So entwickelte sich der Förderanteil je Kopf und Schicht in den einzelnen Steinkohlenrevieren wie folgt: Ruhr W'ru«.chs.»«°ch°° Jahr 1913 944 kg 1139 kg 669 kg 710 kg 764 kg .. 1929 1271 kg 1377 kg 849 kg 658 kg 951 kg Mai 1931 1465 kg 1560 kg 855 kg 744 kg 1010 kg Im Ruhrbergbou stieg also der Förderanteil gegenüber dem Jahre 1913 auf 156, in Obcrschlesien auf 136, in Niederschlesien auf 128, in Sachsen auf 105 und im Aachener Steinkohlenbergbau auf 132 Proz. Durch gesteigerte Arbeitsleistung je Kopf und Schicht sind Arbeitskräfte überflüssig geworden. Wir erleben nun aber das sonderbare Schauspiel, daß trotz der ge- waltigen Steigerung des Produttionsanteils immer wieder von den Unternehmern behauptet wird, daß eine Verkürzung der Arbeits- zeit unmöglich fei. Die jetzt schon bestehenden Selbstkosten seien so hoch, daß sie nicht nach durch Verkürzung der Arbeitszeit eine weitere Steigerung vertragen könnten. Sie können aber niemals den Bewtis dafür, erbringen, Öyß die Steigerung der Selbstkosten durch Löhne oder Material- kosten herbeigeführt wird. Vielmehr fallen, wie auch die nach- folgenden Zahlen beweisen, die reinen L o h n k o st en je Tonne seit Jahren in den einzelnen Bergbaurevieren. So be- trugen die Lohnkosten(Lohnanteil der Arbeiter) je Tonne im Jahre Mai Ruhr 1929 7.04 M. 1930 1931 6.66 5,76 vber- schlesicn 4,92 M. 4,81„ 4,19. Nieder. schlesiea 7.69 M. 7.58„ 7,30„ «ach-n 8,36 M. 8.09. 7,36, Sachsen 11,90 M. 10,92„ 9,62. Im Ruhrbergbau betrugen die L o h n t o st c n in der Vorkriegszeit im Jahre 1913 je Tonne 5,94 Mark. Sie waren also 1913 noch um 18 Pfennig je Tonne höher als im Moi 1931. Die amtlich festgesetzten Kohlenpreise stehen heute aber noch um 20 bis 30 Proz. höher als im Jahre 1913. Man kann also die Lohnkosten nicht für das Festhalten an den bisherigen Preisen verantwortlich machen. Dazu kommt, daß auch die Material- preise im Laufe des letzten Jahres erheblich gefallen sind. Der Bergbau gebraucht ober in sehr starkem Umfange Holz, Eisen, Oele und Fette, alles Materialien, die, bis auf Eisen, außerordentlich stark im Preise gesunken sind. Dies zusammen müßte die Arbeits- zcitverkürzung ermöglichen, die auch den Arbeitsmarkt wirklich entlasten könnt«. Das Unternehmertum glaubt aber immer noch mit Lohnsenkungen und durch Arbeitszeitver- längerung der Krise Herr zu werden! Andererseits häufen sich die Feierschichten, die für die Belegschaften und die Kommunalverbände sich zu einer Un- erträglichkeit ausgewachsen haben. Auch hier könnte jeder Betrieb auf eine wirtschaftlichere Basis gestellt werden, wenn die tägliche Arbeitszeit verkürzt und das Werk dann voll beschäftigt wäre. Wenn die Arbeitgeber im Bergbau aber über hohe Unkosten Klage führen, dann erklärt sich das durch die Ueberkapitali- s i e r u n g, dadurch, daß Millionen nutz- und sinnlos angelegt worden sind. Man hat sie in Betrieben investiert, die jetzt stilliegen! Das investierte Geld muh aber a m o r t i- f i e r t und v e r z i n st werden. Das hält den Preis der Kohle hoch und steigert die Selb st kosten. Die voll- ständige Abschreibung dieser verlorenen Summen und ein gründlicher K a p i t a l s ch n i t t ist notwendig, wenn der Bergbau von seinen Selbstkosten herunter will. Bon der Lohn- und Arbeits- zcitseite her ist dem Problem nicht beizukommen. Dagegen werdcn sich auch die Arbeiter und ihre Organisationen mit allen Kräft-.i wehren. probst der Eisenbahner. Immer noch Lleberstvnden vnd Feierschichten. Der Hauptbetriebsrat bei der Deutschen Reichs- e i s e n b a h n hat der Hauptverwaltung eine Darstellung übermittelt. hinter der wohl das gesamte Personal der Reichsbahn-Gesellschaft steht. Die Darstellung weist darauf hin, daß die Folgen der wirt- schaftlichen Depression schwer und drückend auf dem Personal lasten, am schwersten aber durch Feierschichten und Lohnabbau auf der Arbeiterschaft. Beginnend mit der Einlegung von zwei Feierschichten pro Monat in den Werkstätten im Februar seien der Arbeiterschaft im Laufe der Zeit durch Vermehrung und Ueber- tragung der Feierschichten auf die Bahnunterhaltung, Güterböden und die Werkstättenbetriebe immer größere Opfer zugemutet worden. Die damit verbundenen Lohnausfälle führten zu einer starken Ein- schränkung der Lebenshaltung. Die Einkommensverluste belaufen sich für einzelne Gruppen der Arbeiter aus 30 Prozent und dar- über. Die Darstellung sagt dann wörtlich:„Diese einseitige Belastung besonders eines Teiles der Arbeiterschaft mit dem durch die Wirt- schaftskrise entstandenen Betriebsrisiko hat unter den Betroffenen zu einer schweren Erschütterung des Vertrauens in eine gerechte und unparteiische Handhabung der Personalwirtschaft der Hauptverwaltung geführt. Wir weisen nur auf die Tatsach« hin, daß infolge der Zurückstellung der Reparaturarbeit in den Werkstätten trotz Feierschichten Tausende von Wertstättenarbeitern zu anderen, zum Teil sehr entlegenen Dienststellen oersetzt und in anders, minder gut bezahlte Beschäftigungsarten übergeführt worden find, während in den meisten Dienstzweigen nach wie vor 64 Stunden und mehr pro Woche gearbeitet wird. Dabei steht fest, daß die Zahl der zurückgestellten Reparaturfahrzeuge, be- sonders solcher mit schweren Schäden, ständig im Steigen begriffen ist. Zu alledem wird neuerdings nach uns zugegangenen Mit- teilungen von der Hauptverwaltung allen Ernstes der Gedanke er- wogen, von der R o t o e r o r d n u n g der Reichsregierung vom 26. Juni d. I. Gebrauch zu machen. Danach sollen nicht allein die G rftnd/,»h n« um die in der Notverordnung genannten Le» 4räae'D�H/chörden. sondern' darüber hinaus auch«in Kinder- z u sch'lä g i n Fortfall kommen. Wir wissen zur Zeit noch nicht. wie weit diese Erwägungen bereits gediehen sind und welche Ab- sichten zur Zeit bei der Hauptverwaltung nach dieser Richtung hin bestehen. Eines steht jedoch heute schon fest, daß die Verwirk- lichung einer solchen Absicht die wirtschasllich« Lag« der Arbeiter» schaft geradezu ins Unerträgliche steigern muß." Die Darstellung schließt mit der Forderung, unverzüglich Maß- nahmen zu ergreifen, die geeignet sind, eine bessere und gerechtere Personalpolitik in die Wege zu leiten. Lohnabbau heiligt alle Mittel. Auch der Pfundsturz muß herhalten. Kein Argument ist den Unternehmern zu schlecht, um nicht als Begründung für den Lohnabbau verwendet zu werden. Jetzt be- ginnen sie eilfertig schon vom Sturz des englischen Pfundes zu reden. „Der Deutsche" schreibt dazu sehr zutreffend: „Wie sich die wirtschaftliche Lage in England entwickeln wird, läßt sich noch nicht genau erkennen. Die bisherigen Erfahrungen, die mit der Aushebung der Goldwährung gemacht worden sind, lassen aber den Schluß zu, daß man die verstärkte Exportkonkurrcnz Englands nicht überschätzen darf. Wir geben gern zu. daß vorübergehend der Einkauf in England sehr vorteilhaft sein wird und die ckonkurricrenden Exportindustrien der anderen Länder Ausfälle haben können. Aber der überwiegende Teil der englischen Aussuhr beruht auf vorhergegangener Einfuhr. Diese muß England Preußische Staats-Lotterie Ziehung 1. Klasse: 21. u. 22. Oktober Wewiilidi werteesserter Oewimpltait 34SOOO Gewinne auf 800 000 Lose Ausspielung in 5 Klassen insgesamt rund 114 Millionen RP1 Hiclutoewinn autlDoppellos (§ 9 de* Pltaes) OSchsteewinn 2 Millionen Ganzes Losl P�8 M M M M Mh M R M R r —— W Adrtel-Eose SS UM Viertel-Lose M. MW rm Ganze Lose Halbe Lose RM Doppel-Lose 2 Gewinne zu|e bei allen SlaatLlotterlc Einnchmcrn von Oroß Berlln 2 Mm zu I« 12 Gewinne zu|d ?u Goldpreisen, also genau so teuer wie wir auch, kaufen. Ja, es kann durch die Entwertung des Pfundes sogar für England zu zu- sätzlichcr Verteuerung des Einkaufes kommen. Auch seine Lebens- mittel muß England zu Weltmarktpreisen hereinholen. Infolge- dessen müssen in ganz kurzer Zeit die Preise in England steigen. Dos wird eintreten, bevor die jetzt vorhandenen Vor- rote aufgebraucht find, weil der Handel sehr schnell auf Grund des Wiederbeschaffungspreises, den wir aus der Inflation kennen, tal- lulieren wird. Der Vorsprung Englands bestände dann lediglich darin, daß die Entwertung des Pfundes die englischen Reallöhne herabdrückt. Wie lange sich die englischen Arbeitnehmer das gefallen lassen, werden wir ja sehen. Wahrscheinlich werden sie sehr bald eine In- dexrechnung durchsetzen. Dann ist es mit dem billigeren Einkauf in England vorbei, es fei denn, England geht zu einer regelrechten In- flation über. Aber das glauben wir nicht. Jedenfalls ist es nicht möglich, schon jetzt weittragend« Eni- scheidungen im Hinblick auf das Sinken des Pfundkurses zu fällen. Insbesondere ist die Forderung verschiedener Unternehmeroerbände wegen verschärfter englischer Konkurrenz, die Löhne zu senken, un- bedingt abzulehnen. Es geht auf keinen Fall, daß vorüber- gehende Wirkungen auf einige Gewerbe, wie Kohlenbergbau, Schiffahrt, Textilindustrie, dazu benutzt werden, um einen neuen Lohnabbau in Gang zu bringen.* Die Exirawurst für die Schwerindustrie. Christliche und Hirsche schließen ein Abkommen. Essen. 28. September.(Eigenbericht.) In der A r b e i t s z e i t f r a g e für die Gruppe Nordwest der Deutschen Eisen- und Stahlindustrie wurde nach kurzer Derhand- lung am Montag zwischen den Arbeitgebern und dem christlichen Metallarbeiterverband und dem Gewerkverein Hirsch-Duncker eine Vereinbarung getroffen, die die bisherige Regelung der Arbeitszeit mit bis zum 31. Oktober einmonatiger Kündigung verlängert. Der Deutsche Metallarbeiter-Verband, der bisher in der Arbeitszeit t a r i f l o s war, ist der Vereinbarung nicht beigetreten. Warum ausgerechnet in der Schwerindustrie, wo selbst die 48stündige Arbeitswoche noch wesentlich überschritten wird, diese unerträglich lange Arbeitszeit nochmals um zwei Monate verlängert wird, ist wirklich nicht einzusehen. „Aufgelöster" Arbeiigeberverband. Wenn Llnternehmer Witze machen. Die Unternehmer verfallen auf alle möglichen Kniffe, um ihren Willen durchzusetzen. Da ist in der bayerischen Hütten- i n d u st r i e vorige Woche ein Schiedsspruch gefällt worden, der das bisherige Lohnabkommen unverändert ver- l ä n g c r t. Dieser Schiedsspruch wurde für verbindlich erklärt. Was machen nun die bayerischen Hüttenbesitzer? Sie haben in den Betrieben am Sonnabend«ine Bekanntmachung an- geschlagen, in der sie mitteilen, erstens sei der Arbeitgeberverband a u f g e l ö st. zweitens würde ab 1. September der Spitzen- lohn(!) von 67 auf 62 herabgesetzt werden. Punkt. Schluß. Diese bayerischen Hüttenbesitzer sind famose Kerl« und erinnern an Ludendorff. Wie dieser beim Einmorsch der Kapp-Truppen zu- fällig am Brandenburger Tor war. so haben die„aufgelösten* bayerischen Hüttenbesitzer zufällig jeder für sich, aber übereinstim- mend mit den anderen, denselben Beschluß gefaßt: Nämlich den Hungcrlohn von 67 Pfennig ob 1. Oktober um genau S Pfennig herabzusetzen. Aber der Arbeitgeberverband ist aufgelöst! Wir glauben zu der Annahme berechtigt zu sein, daß weder der Deutsche Metallarbeiterverband als Tarifkontrahent, noch die Schlichtungsbehörde für solche Witze das nötige Verständnis auf- bringen werden. Die„aufgelösten* bayerischen Hüttenbesitzer werden ihren Derein wieder neu gründen müssen, was ja ohne besondere Organisationsschwierigkeiten vor sich gehen dürfte. Friseurmnungen beim Lohnabbau. 35 Mark Wochenlohn noch zu hoch. Die Tarifkommission der Friseurmeister hat im Auftrage der 14 Berliner freien und Zwangsinnungen den am 6. Januar dieses Jahres mit dem Arbeitnehmerverband des Friseur- gewerbes abgeschlossenen Tarifvertrag zum 30. September g e k ü n- d i g t. In dem Kündigungsschreiben erklären sich die Meister zu Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Tarifvertrages bs- reit und geben als Grund für die Tarifkündigung an, daß die Innungen eine wesentliche Herabsehung der Löhne, ebenso eine Aenderung in der Urlaubssrage als hauptsächlichsten Punkt der Ver- Handlung wünschen. Die ersten Verhandlungen sind gescheitert. Dabei wurde angedeutet, daß ein Lohnabbau aus dem Grunde erfolgen müsse, well die Innungen zu einer Herabsetzung ihrer Preise von den Be- Hörden gedrängt würden. Dazu sei bemerkt, daß unter dem Ein- sluß der starten gegenseitigen Konkurrenz, die sich in dex Krise na- türlich besonders bemerkbar macht, die Bedienungspreise schon längst herabgesetzt wurden und dem arbeitslosen Teil der Kundschaft teil- weise schon besondere Preise einräumen. Den Zwangsinnungen ist von jeher durch§ lOOg GO. verboten, ihre Mitglieder in der Fest- setzung ihrer Preise zu beschränken. Der Vorwand der Friseurmeister zur wesentlichen Herabsetzung der Gehilfenlöhne in Höhe von 3S Mark ist also hinfällig._ Vor allem Lohnabbau! Gründe sind überflüssig. Mit welchem Schematismus von den Unternehmern und den Schlichtungsbehörden heute Lohnpolitik getrieben wird, zeigt wieder einmal der Verlauf der Lohnbewegungen in den Berliner Bauschlossereien. Nachdem nach einen» siebenwöchigen Streik im Herbst vorigen Jahres ab 1. Januar die tariflichen Spitzenlöhnc der Bauschlosser um 3 Pfennig und auf Grund der Indexklausel über die Lebenshaltungskosten im Tarif- vertrag im April um weitere 4 Pfennig abgebaut wurden, ließen die Unternehmer die Gelegenheit wiederum nicht ungenutzt vorüber- gehen, den Lohntarifvertrag zum 3l>. September zu k ü a» d i g e n. Außer auf die Tariflöhne, die sie in der Spitze um 5 Proz. gekürzt wissen wollten, richteten die Unternehmer ihren Hauptangriff auf die Einleitungsbestimmung des Tarifvertroges, wonach bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen als die im Tarif verankerten nicht verschlechtert werden dürfen. Aeutzerst aufschlußreich war sowohl bei den direkten Verhandlungen als auch bei den anschließenden Verhandlungen vor dem Schlichtungsauirschuß die Haltung der Unternehmer. Auf die konkrete Frage der Unter- Händler der Bauschlosser, womit die Unternehmer ihre Abbauanträge begründen, wußten sie keine Antwort zu geben. Der Schlichtungsausschuß fällte trotzdem einen Schieds- s p r u ch, wonach von der Lohnwoche an, in der der 3. Ottober dieses Jahres fällt, die tariflichen Spitzen löhne um 3 Pf. und in den anderen Gruppen im gleichen Prozentverhältnis g e- kürzt werden sollen. Das einzig Vernünftige an dem Schied-- fpruch ist, daß er die Löhne der Jugendlichen unter 18 Jahren in der alten Höhe bestehen läßt, desgleichen auch die Tarifbcstim-' mung über den Nichtabbau der besseren Lohn- und Arbeitsbedin- gungen. Das neue Lohnabkommen soll bis zum 31. März 1932 gelten. Für die Branchenkommission der Bauschlosser war es äußerst schwer, der gestern tagenden Branchenvollversammlung eine Empfehlung zu diesem Schiedsspruch zu geben. Obwohl sie den Lohnabbau für ungerecht und ungerechtfertigt hält, die Branche auch fast restlos organisiert ist, ist die B e s ch ä f t i g u n g s l a g e für die erfolgreiche Durchführung eines offenen Kampfes sehr un- günstig. Von etwa 33>0. Referent: Kran» Lcpinsti. Abt. Festspielprabe bei Dobrohsaw, Ewinemfinder Etr, U. Abt. 4.«rnppc. Versammlung bei Iauicke, Hageuaucr Etr. 5.(Erich Wen- dicke: Kuliurabbau. Abt. Mitgliederversammlung. Sesellschastshaus des Westens, Hauptstr. ZOM. Weltlrise und internationale Sozialpolitik. Referent: Otto Bach vom internationalen Arbeitsamt. Abt. Lichterfelder Festsäle, Zehlendorfer Etr. 5. Mitgliederorrsammlunq. Dr. Richard Lohmann, M. d. L.: Die preußische Notverordnung und dir sinanziellc Rot der Stadt Berlin. . 20 Uhr Gruppe junger Sozialdemokraten Aussprach« über politischr Tagessragen in der Halle am Hufeisen. Abt. Funttionärsipung Im Lokal Pomp, Hasselwerdrrstr. 12, 20 Uhr. Abt. 20 Uhr Abtcilungsvorstandssitiung be, Gallas. Abt. Bezirk Weiß« Taub«. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Rußkh, Dingelstebter Str.»5. Gertrud Duby: Dir Lage in England. Abt. Mitgliederversammlung im Türkischen Zelt, Breite Straße. Hermann Harnisch, M. d. L.: Die politische Lage. Donnerstag, l. Oktober: lt. Kreis. 20 Westens spricht des Zutritt. Frauenoeranstaltungen: Anläßlich des 2öjährigcn Bestehens des Reichsausschuffes sSr sozialistisch« Bildnngsarbeit finden am 3. und 4. Oktober Veranstaltuugen statt, zu bcue» Karten im Fraueuseleetariat des Bezirksuerbaude, Berliu der SPD., Linden- straßc 3, Zimmer 4, zu habe» find. Das Frauensekretariat. -I- öl. Abt. Mittwoch, 30. September, 10s« Uhr, im Jugendheim Rvsinenstr. 4. „Die Auswirkung»» der Wirtschaftskrise aus den Arbeiterhaushalt." Refe- remtin: Marie Kuncrt, M. d. R. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis Prenzlanee Berg. Mittwoch. 30. September, bei Klug, Daiiziger Clraßc 71, 20 Uhr Borstandssisiung der Arbeiterwohlfahrt mit den Abtcilungs. leitiru. Erscheinen aller ist wichtig. Iii. Kreis Aehlendors. Funktionäre der Arbeiicrwohlfahrt beteiligen sich alle an der Funkliviiürlonserenz im großen Saal des Aelchswirtschaftsrats in Bcrli», Bellcvuestr. lö. Ausweis und Parteibuch nicht vergessen. ArbeUsgerneinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. «reistassicrerkouseeenz Mittwoch, 30. September. 19!4 Uhr. in der Ee- schäftsstelle. Restfalkeuhelser. Zusamiilenkunft Donnerstag, 1. Oktober, lOss, Uhr, im Bortragssaal der Partei, Lindenstr. 3. Neukölln. Gruppe Quelle. Dienstag. 20. September. 20 Uhr, Elternoer. fammlung in der Schule Mariendorfcr Weg. Erscheint pünktlich. Friedrichshain. Gruppe Martha Demmning. Tressen aller Falken heute. pünktlich 14!« Uhr. im Jugendheim Tilsiter Str. 4. werbslose». Werbefeier bei den Er- Programm: Licht, und Schattenbilder, Eprechchor, Lieder usw. Erwerbs. lose Eltern sind willkommen. Ende 13 Uhr. Srnpvc Landsberger Plag. Heute, Dienstag, treffen sich alle Roten Falken nniuitZ Ubr Büschiiigolatz. Wir sehen den Film: Stacheldraht. 20 Ps. mit, Huaigsn. Rote Falken aus anderen Gruppe» können teilnehmen. Mittwoch, 13 Uhr, Lichtbilder fllr alle Fallen. 20 Uhr Elternabend mit Lichtbildern. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 13. Abt. Dienstag, 20. September, 14�1 Uhr. Beisetzung unserer Genossin Gertrud Neuendorf, Friedhof Secstraße, an der Müllerstraßc. Wir bitten um rege Beteiligung. 34. Abt. Unser seit 30 Jahren der Partei treue Genosse Ludwig Theißinger, Gewcrtschaftssekretär des Bekleidungsarbciterverbandes. ist am 27. September nach langjährigem schweren Krankenlager verstorben. Erst im Alter von öli Jahren haben wir in Genossen Theißinger einen aufrichtigen und ehrlichen Kämpfer für den Sozialismus verloren. Jahrelang hat Genasse Theißinger mit a» führender Stelle in der Gewerkschaftsbewegung und in der Partei in Treue leine Pflicht erfüllt. Die Partei- und gewerkschaftliche Pflicht zu erfüllen ging ihm vor seine Person. Auch auf dem jahrelangen Kranken- lag«»ahm er regln Anteil au den Geschehnissen unserer Abteilung und ncx!) Iis zuletzt hatte er gehofft, wieder dort seine Pflicht zu erfüllen, wo er sein Lebenswerk sah. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 2. Oktober, löM> Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. U Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen sür dies- Rubrik nur an das Zugendsekretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Abtrilungsleiter! Das Werbe flugblatt liegt zur Abholung bereit. Sonbcroorstellung der Volksbühne für die arbeitende Jugend von 14 bis 18 Jahren am Sonntag, dem!1. Oktober, 15 Uhr, in der Volksbühne. Ge» spielt wird:„Kampf um Kitsch". 3 Akte Schule von Robert Stemmle. Karten zu 80 Ps. sind im Sekretariat erhältlich. WirtschastsleHrc, Arbeitsgemeinschaft mit Rudolf Abraham. Vorbesprechung Mittwoch, 30. September, I01H Uhr, im Jugendheim, SW., Lindenstr. 3, v. 1. Anmeldungen dort. Teilnahme kostenfrei. 23 Jahre Reichvausschuß für sozialistische Bildungsarbcit. Künstlerische feicr Sonntag, 4. Oktober, 12 Uhr, in der Volksbühne. Beethovens Fünfte infonic.— Worte der Einführung.— Uraufführung des Chorwerks:„Auf. marsch". Karten zu 30 Ps. sind im Sekretariat erhältlich. 3. Oktober, 20 Uhr. Festvcrsammlung im Plenarsaal des Preußischen Staatsrats, Leipziger Str. 3. Eintrittskarten zu 30 Pf. mteruiohlfalirl. BezirhsausscmiO Graß-Berlin Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt, Fürsorger(inncn)! Dienstag, den 29. September, IKVz Uhr, Im großen Saal des Reidhswirfsdbafts- rates, Berlin, Belle vuestratje IS: Funktionär- Konferenz Vortrag des Genossen Stadtrat Karl Schneider über: ,, Abbau der sozialen Fürsorge als Wirkung der Notverordnung" Saalöffnung 19 Uhr, Beginn pünktlich 19V- Uhr. Besondere Einladungen er- Sehen nicht mehr.— Eintritt nur gegen Parteibuch und Funktionärausweis er Arbeiterwohlfahrt 1931. Fürsorgersinnen!, die nicht Funktionäre sind, weisen sich durch Parteibuch aus. Hcufc, Dienslag, 29. Sepiember, 19� IlHr: Arlanaplatz: Elisabeth kirchstr. 10. Monatspalitik.— Geweekschaftshau«: Köpenickcr Str. 02. Mitgilederversammlung.— Köllnischer Park: Waiscnstr. 18. Sexuelle Frage, 1. Teil.— Oranienburger T»r: Ticckstr. 18. Unsere Fahrten.— Zentrum: Landsberger Str. 70. Iugendschutz und Iugendred)t.— Arn»- waiber Platz l: Rastenburger Str. 16. Kurzreferate.— Kelmholtzplatz: Dan. ziger Str. 62, B. 3. Tagespolitik.— Sumannplatz: Glcimstr. 33—35. Unsere ausspräche.— Hasenheid«: Wasscrtorstr. 9. Das Betriebsrätegesctz.— Köpcnider Viertel: Wranoclstr. 128. Tagespolitik.— Reichenberacr Biertel: Reichenberger Eirahe 66. Mitgliederoerfammluna.— Süden: Porckstr. 11. Die erwerbstätige Frau.— Schöncberg I und III: Hauptstr. 15. Tagespolitik.— Schöneberg IV: Hauptstr. 15. Querschnitt durch die Arbeiterliteratur.— Eharlottcuburg (Jüngere); Roflnenstr. 4. Lächle, Berliner.— Ehaelottenburg-Rord(Aeltere): .Kaiserin-Augusta-Allee 07o. Wege zum Sozialismus.— Eharlotteaburg Süd: Wollstr. 76. Erziehung in der weltlichen Schule.— Lichterselde: Albrcchtslr. 14a. Mit dem Mikrophon durch die Welt.— Re»>T«mp«lhos: Winsgenstroßc. Land- tagssitzung.— Britz: Ehausseestr. 48. Jack-London-Äbend.— Neukölln II: Stein. metzstr. 94. Die deutsche Außenpolitik.— Neukölln IB: Ziethenstr. 58. Die deutsche Außenpolitik.— Reukölla iv- Kanner Straße. Für oder gegen die Tolerierung.— Neukölln VI: Treptower Str. 05. Gewerksdiaftskongreß und wwegung........M... Reutöll« X: Bergstr. 20. Lichtbilder: Jack London.— Karlehorst: Treskow aller 44. Monatsriidhlick.— Tegel: Schäneberger Str. 3. Paneuropa(17 Uhr). — Wittenau: Hauptstr. 13. Die Kirche in der Karikatur.— Riederschönhausen: Lindenstr. 47. lO-Minuten-Referate.— Pankow X und II: Eörschstr. 14. Demo- kralle und Diktatur. SSS. Schöneberg: 17 Uhr Hauptstr. 15. Rückblick über ein halbes Jahr SSK. Schäneberg. DSG. Reinickendorf: Tegel, Schönebergcr Str. 3. Paneuropa(17 Uhr). V i Warschauer viertel(R..F.): Aula der Luise.Otto.Peters.Schul«, !K! Gubener Str. 53(10!H Uhr). Parteiwcihc. Motto: Erobert den Staat. !?1 Unkostenbeitrag 25 Pf. Werbebezirk Wedbinq: Wir beteiligen uns an den Kundgebungen der Partei in der Hochschulbrauerei, den Allantiisälen und im Ewincmünder Ge- sellschaftshaus. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Werbeausschußsttzung Rastenburger Str. 16 (20 Uhr). Jede Gruppe muß oertreten sein.' Berbebezirk Lichteuberg: Die Funktionäroersammsung findet nicht am 1. Oktober, sondern erst am 4. Oktober statt. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbonner„Schwarz-Rot-Gold�. GsschLktskell»: Berlin S. 14. Sebaftianstr. 37—38. H»k z. Tr. Reuköllu-Britz. 2. Zug. Jungba. Dienstag, 20. September, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Stolz, Böhmische Str. 43— 44.— Bor» trupp. Mittwoch, 30. September, 20 Uhr, Heimabend im Jugendheim Berg- siraße 20._ Zeutraloeebaud der Arbeit-invaliden uub Witwe» Deuischlanb«. Gau Ber. lin. Geschäftsstelle: Berlin W. 57, Bülowttr. 40. Dienstag, 20. September. Ortsgruppe Hermsdorf: Lokal Okrent, Bahnhof. Ecke Hauptstraße(10>. Uhr).— Ortsgruppe Pankow: Schulaula Grunowstraße(14 Uhr).— Mittwoch, 30. Sep- tember. Ortsgruppe Niederschönhausen: Schulaula Besmarckstr. 2(14 Uhr).— Ortsgruppe Mahlsdorf: Lokal Schliefe, Hönower Str. 183(17 Uhr). Esperanto-Berbanb Berlin. Dienstag, 20. September, 10 Uhr, Cafe Braun, Marlgrafenstr. 31(Leipziger Straße), Beginn eines neuen Esperantokurfus. Gäste willkommen. Drutscher Ariedensbuub. Donnerstag, 1. Oktober, 20 Uhr, im Restaurant „Zum Patzenhofer", Potsdamer Str. 123-. Pastor M. Francke spricht. Allgemeine Wetterfage. |28.SepM931.abds. woUcaftloE.9 hefte, O halb bedeckt avwtdg.ebedcdctsRqeiu&'sifoln — M-t.-I U nn,,.Of-r j jti ■"fIOOCI, �MWaTOCV�/VrllllUi MO Im Bereiche eines Tiefdruckgebietes, dessen Kern am Montag abend über dem östlichen Deutschland lag, herrschte gestern in ganz Deutschland veränderliches und ziemlich kühles Wetter. Im Alpen- vorland zum Beispiel, wo der Himmel anhaltend trübe war und viel- fach Regen fiel, stiegen die Temperaturen kaum bis 11 Grad Celsius. In Ostpreußen erreichte das Thermometer sogar nur 8 Grad Celsius. Niederschläge fielen fast überall, und zwar meist in Form von Schauern, die größten Mengen wurden im Räume zwischen Elbe und Weser gemessen.— Das Tief verflacht sich jetzt rasch, wobei es langsam nach Südosten weiterzieht. Damit dürste in unserem Be- zirk allmähliche Wetterbesserung eintreten. Die Zufuhr kalter Luft- Massen aus nördlichen Breiten wird jedoch zunächst anhalten. 4- wetteraussichlen sür Berlin: Wechselnd bewölkt ohne nennen?- werte Niederschläge, weiterhin ziemlich kühl.— Für Deutschland: Im Südosten noch vielfach Regensälle: im übrigen Deutschland oll- mähliche Wetterbesserung, überall weiterhin ziemlich kühl. Herbst- und Winterstoffe bei Michels. Das Haus Michels, Kurfürstendamm 237, zeigt in einer reichhaltigen Schau das Stoffmaterial der Herbst- und Winter- kleidungi bei Straßen- und Gesellschaftskleidern bevorzugt man heute das weichfallende, anschmiegsame Gewebe, so wählt man für das Straßenkleid und den Mantel strickartige, poröse Gewebe, daneben Diagonalstofse schräggemustert in grauen, bräunlichen und grün- lichen Farbtönen. Der Ehrgeiz der Trägerin, also auch des Stoff- sabrikanten, geht nämlich ausschließlich dahin, so schlank wie mög- lich zu erscheinen, der Stoff muß die Figur engstens umschließen und darf nicht irgendwie austragen. Ausgesprochene Modefarben siüd für den Tag Braun und Grün, für den Abend ist eigentlich dem Geschmack und der Phantasie der Trägerin kein Ziel gesteckt, man sieht neben zartem Bleu, Koralle, Weiß und Grün ein leuch- tendes Rot, ein sattes Russischgrün, Rotlila, Braun und Schwarz. Außergewöhnlich ist die Ankündigung der Firma Teppich- Bursch, Berlin C Z. Spandauer Straße ZZ. Der Name Teppich- Bursch ist allen Lesern dieser Zeitung bekannt, die Veranstaltungen der Firma Teppich-Bursch sind immer beachtenswert, die Artikel der Firma Teppich-Bursch sind immer Qualitätswaren, und die Preise bedeuten für jeden Käufer einen Vorteil. Markant für die Verkaufsveranstaltungen der Firma Teppich-Bursch sind die Riesen- Warenmengen, die geboten werden, so daß auch der spät Kaufende immer noch das vorfindet, was die Firma Teppich-Bursch als Eon- derangebot bringt und die hohen Qualitäten, die zu außergewöhnlich billigen Preisen geboten werden. Wer diese Veranstaltung des großen SpezialHauses Teppich-Bursch besucht, darf nicht versäumen, die sehenswerte Gardinenausstellung in der zweiten und dritten Etage des Hauses zu besuchen. ve rm 1 Verkaaf Mwait Vomü. Kaaganatgaä* TorMitIL ia Aal tili 4>« d/A tSl* l(llUti ' Prelle Bar Dieaitag ond Mittwocii. f Islidi». lalektvtnIerMiche Waren lind re« Versand aiagaicMoasen. 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