BERLIN MttwoS zy. September 1931 10 Pf. Ar. 458 B 229 48. Jahrgang LrfchetsttSsIich außerEonat«zs. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". BeiNgSpreij beide Ausgaben Sb Pf. oro Woche, 3,60®. reo Monat. Ncdaktivn nnd Expedition: DerlinSWOS.kindcnsir.s Fernsprecher: Dönhoff CA. 7) 292—297 SfuUaufyfajße xhi Anietgeaprei«: Die einspaltige Noapareillezeike SO Pf., Reklantezeile S M. Crmäßigonaen nach Tar�i. Postscheckkonto: VerwärtS-Verlag G.m.b.H� Berlin Nr.S7S36.— Der Verla» behält sich da« Recht der Mlehnun» nicht genehmer Anzeigen vor! Die Kapitalisten provozieren Michsregimmg für Llntemchmermanifest? Die ,,V. Z. am Mittag" hat in dem ultimativen Manifest der Wirtschastsverbände die Einleitung eines Sturms auf Brüning sehen wollen. Sie ist dabei von der Tatsache ausgegangen, daß vor allem die rheinisch- westfälische Schwerindustrie einen entscheidenden Sturm auf Brüning vorbereitet. Ueberraschenderweife wird zu dieser Auffassung der„B. Z. am Mittag" von zuständiger Seite eine Stellungnahme verbreitet, die wie Beifall für das Unternehmermanifest wirkt. Man erklärt, die„B. Z." sei falsch orientiert, wenn sie glaube, daß diese Verlautbarung einen Sturm auf Brüning darstelle. Im Gegenteil erblicke die Regierung darin eine weitgehende Unter st ützung. Die Regie- rung sehe in diesem Programm eine Stützung und keinesfalls eine Kampfansage, wie auch die Verfasser dieses Programmes es ansehen. Die Regierung lege großen Wert auf die Erklärung des Manifests, daß die Selbsthilfe der Wirtschaft den Rcgicrungsmaßnahmen vorauszugehen habe. Mi t d�e s e M Pj o g r q stuvt J c i eine Förderung der Regierungsabsichteir gegeben. Diese Erklärung von zuständiger Seite könnte von größter Bedeutung sein, wenn sie die Auffassung des ver- antwortlichen Regierungschefs, des Reichskanzlers Dr. B r ü- n i n g, wiedergeben würde. Wäre dies der Fall, so würde eine solche Stellungnahme der Reichsregierung zu den ultimativen Forderungen der Unternehmer geeignet sein, grundlegende Veränderungen der inner- politischen Lage herbeizuführen. Sie würde eine offene Kampfansage an die gesamte deutsche Arbeiterschaft ohne Unterschied der Partei bedeuten. Der Reichskanzler wird auf das schnellste die Frage klären müssen, ob diese Stellungnahme gewissen Ressort- w ü n s ch e n entspricht, oder ob sie seine eigenen Auffassungen wiedergibt! Hundert Jahre rückwärts! Hauptmanns„Weber" als deutsches Llnternehmerideal. Zu der gemcinsanion Erklärung der deutschen Wirtschafts-(lies: Unternehmer-) Verbände, die wir tin Morgcnblatt veröfsentlichten, scheint ein grundsätzliches Wort notwendig. Wohin steuern eigentlich die deutschen Unternehmer? Ii, Punkt S ihrer Erklärung wenden sie sich dagegen, das; man einen Kapitalismus sür die Wirt- jchastskrise verantwortlich mache, den man„eines großen Teils seiner Wesensart entkleidet habe". Und unter Punkt 4 wird gefordert, daß alle.Handlungen zu vermeiden seien,„die im Widerspruch zum individualistischen Wirt- schastsstistem stehen". So lesen wir es schon seit Wochen in der Unternehmerpresse. Die schwerindustrielle„DAZ." erklärte erst neulich, daß wir uns den Glauben abzugewöhnen hätten, wonach„der Vater Staat für jeden Volksgenossen auszukomnien hätte"(was aber nur auf arbeits- lose Proletarier, nicht auf bankrott gewirtschastete Banken und Indujtrieuntcrnehmungcn zu beziehen ist!). Gleichzeitig wurde gegenüber der„d c in o r a l t s i e r c n d c n S l a a t s h i l f e" die Selbsthilfe des einzelnen oerlangt, und wenn diese„Selbsthilfe" selbst im verschäinten Bettel bestünde! Mit anderen Worten: Das Unternehmertum will auf die Zeit hinaus, wo es weder Staatshilfe noch Zlrbeiterschiitz, noch Sozialversicherung, noch irgendeine Art Einschränkung des Unternehmer- individualisinus gab, es will in die Zeit, die für Deutschland um zwei bis drei, für England um drei vis vier Menschenatter zurück- liegt. Es erstrebt jene Periode des Frühkapitalismus als Jdcalzuftand, dessen grauenhafte Verheerungen Friedrich Engels in seinem Buch„Lage der arbeitenden Klassen in England", Karl Marx im ersten Bande des„Kapital" wissenschaftlich geschildert haben, dem Gerhart Hauptmann in seinem„Weber"-Drania das künstlerische Spiegelbild entgegengehallen hat. Drei Menschenaller hat die Slrbellerklasse, hoben mehr oder weniger einsichtige Reformer aus dem Bürgertum darum gekän,pst, die Welt aus dem Elend des Frühkapitalismus zu befreien, der bei vierzehn- bis sechzehnstiindiger Arbeitszeit, bei ungehemmter Frauen- und Kinderarbeit, bei niedrigsten Hunger- Lohndiktat im Ruhrrevier. Abbau mittels Artikel 48. von unlcrrichteler Seile wird milgeleilt: Der Rcichsarbeilsmiuistcr hat den gestern ergangenen Schiedsspruch über die Arbeitszeit im Ruhrkohlenbergbau im öffenllichen Interesse für verbindlich erklärt. Eine vcrbindlichkcilserklärung des lohnschiedssprnches ist nicht erfolgt. Es ist jedoch anzunehmen, daß die Frage der Lohnrcgelung im Ruhrbcrgba» durch eine voraussichtlich noch heute ergehende Aolverordnung des Reichspräsidenten geregelt werden wird. löhnen und Mangel jeder Hilfe im Falle der Krankheit und der Invalidität die Arbeiterklasse in einen Hansen aussätziger Parias vcrrvaichelte. Alles, was inzwischen geschehen ist, um das Proletariat vor der vinnittelbaren körperlichei, und seelischen Verelendung zu schützen, dos soll nach jetziger Ilnlernchmeranjichk der G rund-für Sls ft-rhfcf fest», das betlagt der jegfg.' Aufruf als„zahllose, die Leistungsfähigkeit der Privatwirtschaft zerstörende gesetzgeberische Maßnahmen". Und warum? Weil sie die Privatwirtschaft„in ihrer freien Beweglichkeit gehemmt" hätten.. Der Unternehmcrausrus spekuliert offenbar daraus, daß heute zahlreiche Arbeitnehmer gar nicht mehr wissen, welches Los die Arbeiterklasse zu tragen hatte, als die Privatwirtschaft in ihrer freien Beweglichkeit noch durch keinerlei Sozialgesetzgebung gehemmt war. Das Weberelend der vierziger Jahre des vorigen Jahr- Hunderts gibt die Antwort darauf, lfcp ist bezeichnend, daß es damals— der preußische Militarismus war, der sich gegen die schronkciKosc Zlusbcutung des Prvletariats durch das Unternehmertum zur Wehr setzen mußte, well die Judnstriebezirke mit ihrer ausgemergelte», rachitischen, durch Schnaps und Syphilis degenerierten Slrl'eiicrschast das erforderliche Kontingent an militärtauglichen Rekruten nicht mehr stellten. Und trotzdem— angesichts dieser historischen Tatsachen wagt die Unternehmer-., DAZ." die Kundgebung der Verbände mit folgenden Worten zu begleiten: Alle diejeirigeu, die nur von der privatwirischastlichcn Wirt- schaftsform Aufstieg und allgemeinen Wohlstand erwarten, müssen sich ja immer wieder dagegen wehren, daß böswillige Agitatoren oder kritiklose Naivling« dem Käpitalismus die Fehler des Sozialismus, dem wir de» Großteil unseres heutigen Elends verdanken, zur Last legen. Gegen solche Dreistigkeit versagen die Ausdrucksmögiichkeiten der deutschen Sprache. Der Sozialismus ist am Verjagen des Kapi- talismus schuld! Nur„kritiklose Naivlinge" imd„böswillige Agi- latoren" können dies leugnen! Wer aber war an dem kapi- talistisch erzeugten Massenelend schuld in jeuer früh- lapitaliftischen Periode, die noch kaum das Wort Sozialismus, geschweige denn eine sozialistische Partei oder eine Sozialgesetzgebung kannte, die uns als die grauenvollste der menschlichen Geschichte überliefert ist, und die uns jetzt das Uirternehmerium als Ideal- zustand vorsetzen mäciste?! Bombenlager entdeckt. Zwanzig Bomben an einer Bahnstrecke gesunden.— Neues Eisenbahnattentat verhindert. Graz. NO. Septenrbcr. Zur Bahnhof von Rottcnmann wurden heute früh zwischen Stämmen und Bretter« versteckt zwanzig Bomben gefunden. Die Sprerrglörper bestehen aus Mannesniannrohren von IfiVs Zentimeter Länge und 35 Millimeter Durchmesser. Sic sind mit hochexplo» skblem Sprengstoff gefüllt und an beiden Ende« mit ktorkeu fest verschlossen. An einem Ende befindet stch eine Zündschnur, die durch eine Papphnlle ge- schützt ist. Di« Bomben gleiche« im allgemein» jenen. die bei den Eisenbahnattentaten in Teutschland und Ungarn verwendet wurden. Tie Erhebungen haben bisher noch nicht ergeben, woher die ExPIosivkjjrPcr stammen. Man vermutet jedoch, daß sie für ein Eisen- bahnattentat bestimmt waren. Eine amtliche Be- stätigung dieser Meldung liegt noch nicht bor. Dieser Bombenfund im oberen Ennstal, dem Gebiet des jüngsten Hcimwchrputsches, ist sehr verdächtig. Gerade dort sind Wiener Staatspolizeibeamte energisch gegen die Putschisten vorgegangen, allerdings hat dos Landesgericht Graz, wohin die Verhafteten gc bracht werden mußten, sie zum größten Teil bald wieder freigelassen. Immerhin hat das Scheitern des Plüsches, dem zwtv Sozialdemokraten zu in Opfer gefallen sind, der Heimwehrhcrrschaft in Obersteierniark einen fühlbaren Stoß versetzt. Da nun aul l 5. Oktober die V o l k s w a h l des Bundespräsidenten bevorsteht und die Sozialdemokratie mit ihrem Kandidaten Dr. Karl R t n n e r sehr gute Aussichten hat, so mag es den Faschisten schon sehr erwünscht sein, eine Hetze gegen die Arbeiterbewegung zu entfesseln, indem man die Roten als Berübcr jenes Terrors hinstellt, den die Faschisten mit vielfach«» Morderfolg ausgeübt haben. So betrachtet, erscheint dieser rechtzeitig entdeckte Bombennind in eigenartigem Zwielicht Die Vorgänge in der Partei. Funktionsenthebung in Breslau. Breslau, 30. September.(Eigenbericht.) Der„Erweiierte Borstand" des Ortsvereins Breslau der Partei hatte am Montagabend nach dem Referat des Dar- sitzenden Rechlsanwalt Eckstein«ine Entschließung angenommen, die stch gegen die weitere Tolericrung der Regierung Brüning richtet und zum Schlüsse versichert, daß die Breslaucr Parteiorganisation weiter sür eine Aenderung des Kurses der Sazialdenwkratie kämpfen werde:„Die Brcslauer Sozialdemokratie wird denen folgen, die die deutsche Arbeiterklasse auf diesem Wege zu führen gewillt sind." In einer Jugendvcrsammlung hat am Dienstagabend der Partcioorsitzendc E ck st e i n erklärt, daß er sich hinter die aus- geschlossenen Seydewitz und Roscnfeld stelle. Der Abg. Z! c g l« r hat sich dieser Erklärung angeschlossen. Jetzt hat mm der Bezirksvorstand der Partei beschlossen, den Bor stand des Ortsvereins und den örtliche,» Partei- sekretär Rausch ihrer Funktionen zu entheben, da sie sich mit den ausgeschlossenen Seydewitz und Rosenfeld sali- darisch erklärt haben. Die Geschäfte des Orlsvcrcins wird bis auf weiteres der Bezirkssekrctär Genosse Brctthorst führen. Die für Freitagabend angesetzte Parteiversammlung, in der Seydewitz referieren sollte, ist von der neuen Ortsvereinsleitung jetzt offiziell abgesagt worden. Daß die sogenannte„Opposition" in Breslau mit einer Abspaltung von der Parte! rechnete, geht aus der Tatsache hervor, daß bereits in voriger Woche zwei Redakteure der„Volksmacht" gefragt wurden, ob sie evenwcll bereit feien, ein ncuzuschaffcndes Oppositionsblatt zu redigieren. Die beiden Ge- nassen haben dieses Ansinnen jedoch abgelehnt. Warnung vor Gpliiierarbeii. Der Berliner Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei veröffentlicht folgende Warnung: Jlach Berichten der bürgerlichen presse planen die aus der Partei ausgeschlossenen Abgeordnelen Kurt Roscnfeld und Max Seydewih für Sonntag, den 4. Oktober l9Zt. in Berlin ein« Reichskonferenz der oppositionellen parleigenosie» zwecks Gründung einer neuen Partei. wir mackzen daraus aufmerksam, daß die Teilnahme von Parteigenossen an dieser Konferenz mit der Zugchörigkeil zur Sozialdemokratischen Partei unvereinbar Ist. Eine blamable Angelegenheii. Die Reichspressestelle schickt eine Auflogenachricht an die falsche Zeitung. Die.Deutsche Zeitung" hat von der Prcsscvbtctlung b:r Reichsregierung im Auftrag des Reichscrnährungsministcriums eine Auflogenachricht erhalten, die nach den Bestimmungen der Presse- Notverordnung unverzüglich zu verösscntlichcn war. Am nächsten Tage stellte die„Deutsche Zeitung" fest, daß die Auflagenachricht im wesentlichen Dinge berichtigte, die m der„Deutschen Zeitung" nicht enthalten waren. Nun hat die Zeitung das folgende Schreiben erhalten: Berlin, den 29. September 1931. Sehr geehrter Herr Chefredakteurl Im Auftrage des Reichs- crnährungsminfteriums teile ich Ihnen mit, daß bei der Ihnen übermittelten Auflagcnachricht vom 26. September d. I. ein Irrtum unterlaufen ist. Die ersten vier Punkte beziehen sich nicht auf die„Deutsche Zeitun g". lediglich die unter Punkt 5 bezeichnete Ausführung war für Ihre Zeitung bestimmt. Ich nehme keinen Anstand zu erklären, daß der erwähnte Irrtum auf Grund eines technischen Versehens ent- standen ist. Mit ausgezeichneter Hochachtung bin ich, sehr geehrter Herr Chefredakteur, Ihr sehr ergebener gez. Dr. Z e ch l i n, Pressechef der Reichs- regierung. Das ist mehr als eine Blamage! Es ist ein Torpedoschuß gegen eine Presscnotvcrordnung von höchst zweifelhaftem Wert. Gtaatsrai gegen Regierung. Erklärung gegen die preußische Notverordnung. Der Verfassungsausschuß des preußischen Staatsrates beschäftigte sich mit den von der preußischen Staatsregierung auf Grund der Notverordnung des Reichs- Präsidenten vom 21. August 1931 erlassenen Verordnungen sowie den dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen. Der Ausschuß kam nach längerer Aussprache zu folgenden Feststellungen: „Der Verfassungsausschuß vertritt den Standpunkt, daß die von der preußischen Staatsregierung auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 24. August 1931 erlassenen Verordnungen, insbesondere die Verordnung vom 12. September 1931 sowie die dazu erlassenen Ausführungsbestiminungen mit zwingenden Vorschriften der Reichs- und Landesverfassung nicht im Einklang stehen. Eine erhebliche Anzahl von Be- stimmungen überschreitet das Maß des zur Beseitigung de» Not- standes Erforderlichen und ist deshalb mit der Verfassung un- vereinbar. Die Verordnung vom 12. September 1931 war nach Artikel 40 Absatz 4 dem Staatsrat vor dem Erlaß vorzulegen. Der Staatsrat muß sich die zur Wahrung seiner v e r s a s j u n g s? mäßigen Rechte notwendigen Schritte vorbehalten. Unter allen Umständen wäre es gemäß Artikel 40 Absatz 1 der preußischen Verfassung Pflicht der Staatsregierung gewesen, den Staatsrat über die von ihr getroffenen weittragenden Maßnahmen unter eingehender Darlegung des Sachverhalts auf den, laufenden zu halten. Der Verfassungsausschuß wird der am Mittwochnachmittag tagenden Vollsitzung des Staatsrates diese Feststellungen zur An- nähme empfehlen." Keine Spur der Bankräuber. Oer niedergeschossene Angestellte außer Gefahr. Die krimlnalpolizeilicheu Ermittlungen nach den beiden Bon- s diten. die am Dienstagnachmittag de» Raubüberfall auf die Teltower Kreissparkasse in Yichterfelde-Ost verübten, wobei sie 1200 Mark erbeuteten, gestalten sich außerordentlich schwierig, da die Zeugenaussagen über das Aussehen der Täter auseinandergehen. Vom Raubdezernat wird der eine Räuber auf Grund der bisherigen Nachforschungen wie folgt beschrieben: Etwa 23 bis 27 Jahre alt, 1,65 Meter groß, breitschultrig, volles schwarzes nach hinten gekämmtes Haar, rundes Gesicht. Der Mann trug dunklen Anzug, schwarze Schuhe und hatte eine braunlederne Aktentasche bei sich. Das Fahrrad, angeblich eine Rennmaschine, war himmelblau oder gelb(!) lackiert und hatte rote Reifen. Der Komplize war etwa 23 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hatte blondes gewelltes Haar, trug grauen Anzug, grauen Pullover mit Rollkragen und zum Anzug passende graue Sportmütze. Sein Fahrrad hatte Schlauchreifen. Kruninalkmimrissar Nebe und Kommissar Mühl- friede!, die mit der Aufklärung dieses neuesten Wildweststrciches betraut sind, haben bisher trotz umfangreicher Fahndungen noch keine Spur von den Banditen entdecken können. Mehr und mehr neigt man zu der Ansicht, daß die Täter vom Dicnstagnachmittag auch den Ueberfall am 3. Juli auf dieselbe Kasse verübt haben. Zweifellos haben sie vorher die Bantfiliale tagelang unter Beobachtung gehalten, bis sie gestern den geeigneten Augenblick für die Ausführung ihres Verbrechens fanden. Das Befinden des im Vincenz-Krankenhaus daniederliegenden Bankvolontärs, der von der Kugel des Banditen in den Unterleib getroffen wurde, hat sich erfreulicherweise soweit gebelfert, daß Lebensgefahr nicht inehr besteht. Belohnung auf 3000 Mark erhöht. Tie Direktion der Teltolver Kreissparkafsc hat die Belohnung für die Ergreifung der Bankräuber von 100« M. auf»ovo M. erhöht. Oer Zusammenbruch in Halle. Konsumverein als Opfer kommunistischer Unfähigkeit. Halle a. d. 5., 30. September.(Eigenbericht.) In einer am Dienstagabend abgehaltenen Versammlung«e- klärten die jogenanNteii Führer der revolutionären Genosscnschasts- apposition Handkc-Berlin und Erdinger-Halle, daß der Allgemeine Konsumverein Halle am Ende seiner Kräfte sei und am Freitag der Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens gestellt werde. Der Vergleich, der vor einem Vierteljahr abgeschlossen wurde, sah einen Jahresumsatz von fünf Millionen vor, erzielt wurde bisher noch nicht die Hälfte. Die beiden kommunistischen Redner erklärten, daß sie der zusammengebrochenen Genossenschaft keine Träne nachweinen würden und eine neue Genossen- schaft auf revolutionärer Grundlage ausbauen würden. Selbstbezichtigung eines Phantasten. Wie wir bereits im Morgcnblatt mitteilten, ist in Stendal wegen eines Fahrraddiebstahls ein gewisser Lamprecht verhaftet worden, der bei seiner Vernehmung u. a. angab, daß er an dem Jüterboger Eisenbahnattentat beteiligt gewesen sei. Daraufhin fuhr gestern ein Berliner Kommissar nach Stendal, um die Angaben des Lamprccht zu überprüfen. Di« Untersuckiung Hot jedoch ergeben, daß die Mitteilungen des Lainprecht, der als Phon- t n st bekannt ist, vollkommen auf freier Erfindung beruhen. Betriebsratswahl bei der BVG. Oer Ausmarsch unserer parieigenossen Der Gvsauüfraktionsvorstand bei der BVG. und das Betriebs- fekrekariat der SPD. hatten zu Dienstagabend eine große Kund- gcbung in den Kammersälen veranstaltet, die glänzend besucht war. Nach der stnnmungsvollen Einleitung durch den Gesangverein der BVG. sprach der Parteivorsitzend?, Genosse Hans Vogel, über unseren Kampf gegen wirtschaftstatafkrophe und Arbeilslosigteik. Wohl noch niemals war der politische Horizont so schwarz umwölkt als jetzt. Ueberall treten die Mächte der Reaktion auf den Plan gegen die aufstrebende Arbeiterschaft. Die wirtschaftliche Unsicherheit führt zur Verwirrung und Verzweiflung, was von den Faschisten demagogisch ausgenützt wird. Der Faschismus hat durch die Wirtschaftskrise einen Auftrieb bekommen. Bevor er beseitigt werden kann, muß die Wirtschaftskrise beseitigt werden. Deren Ursachen sind nicht zuletzt im Ausgang des Weltkriegs zu suchen. Worüber unsere Gegner auch schimpfen mögen, ihr Kampf richtet sich gegen jede freiheitliche Errungenschaft, gegen den„Versorgungsstaat", gegen Echlichtungs- und Tarifwesen und Arbeitslosenversicherung. Die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft möchte man am liebsten aus den Stand von 1881 zurückschrauben, bevor in Deutschland eine Sozialversscherung existierte. Die Wirtfchostsnot führt zu einer ungeheuren geistigen Rot. wobei die politisch- Moral einen unglaublichen Tiefstand erfährt. Di« Predigten der Gewaltpolitiker von rechts und links fallen bei den Verzweifelten auf guten Boden. Die neu proletarisierten Schich- ten fühlen zwar, daß ihr Elend von der kapitalistischen Mißwirtschaft herrührt, doch hoffen sie trotzdem mit einem Alffstieg innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Eine riefige Aufklärungsarbeil ist notwendig. Besteht doch die Funktion des Faschismus darin, bei diesen Reu» proletarisierten den Durchbruch zunr Sozialismus zu oerhindern. „Kampf dem Marxismus" deklamieren alle Hohfköpfe, just in einer Zeit, in der sich der Sozialismus als richtig erwiesen hat, der Kapitalismus sein« Unfähigkeit so klar vor aller Welt an den Tag gelegt hat. Auf der«inen Seite ungeheure Ueberfülle an Rohstoffen und Lebensmittel, die vernichtet wird, auf der anderen Seite schreiender Mangel, der unbefriedigt bleibt. Zur Beseiti- gung der kapitalistischen Mißwirtschaft gibr es nur einen Ausweg: die lleberwindung der privatkapitalistischen Produktionsweise, die Herbeiführung de? Sozialismus. Der eingehenden Schilderung der Rolle des Faschismus folgte die der KPD. Der kommunistische Arbeiteroerrat vom 9. August bilde einen ewigen Schandfleck. Die Wählerschaft der KPD. hat deren Treiben richtig eingeschätzt und ihr bei dem Verrat am 9. August die Gefolgschaft versagt. Nach dein Panzer- krcuzer-VolkseMichcid war dies die zweite politffche Niederlage, die die KPD. bei diesen ihren Massenaktionen erlitten hat. Der Redner erinnerte daran, daß beim Verbot des Roten Frontkämpferbundcs sich kaum ein« Stimme erhoben hat, bei dein„Generalstreik" sich nicht ein einziger Betrieb gerührt hat, wie auch bei der Eni- lafsung von Deter aus der BVG. sich kaum ein Finger gerührt hat. Durch Niederlagen will die KPD. die Arbeiter zum Siege führen. Wer die Entwicklung vorwärts treiben will, mutz mit werben und mit wirken. Das gilt auch für die neue Betriebsrätewahl am 12. Ottober. Sei jeder Schwert und Flamme für die Sache des Sozialismus. Vorwärts, aufwärts— trotz alledem! Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Genossen Vogel. Der Bctricbsratsvorsitzende Flieger berichtete, daß die wohl im 12. Oktober deshalb notwendig ist, weil die nationalsozialistischen Jüngling« zur letzten Betricbsratswahl keine ordnungsmäßige Vorschlagsliste zu- stände brachten und Kandidaten präsentierten, die nicht wählbar waren. Trotzdem die Unterschriften nicht handschriftlich vollzogen, sondern auf der Schreibmaschine abgetippt waren, hat das Arbeits- gericht diese Liste für gültig erklärt. Die NGO., die noch 1929 eine Mehrheit im Arbeiterrat hatte, scheitert« an der Verantwortung. Sie erhielt die reichlich verdiente Niederlage. Den frcigewerkfchaft- lichen Betriebsräten war es möglich, im Betriebe der BVG. das Schlimmste zu verhüten, besonders aber Entlassungen vorzubeugen. In absehbarer Zeit wird erneut mit Unzuträglichkeitcn zu rechnen sein, die nur abgewehrt werden können von einer einheitlichen frei gewerkschaftlichen Vertretung. Zur Wahl liegen nicht weniger als neun Vorschlags- listen vor, sechs von Arbeitern und drei von Angestellten. Liste 1 ist die Liste der freien Gewerkschaften. Flieger nahm sich die, übrigen Vorschläge der Reihe nach vor. Was die REO. an Ver- leumdungen und Böswilligkeiten gegen die freigewerkschaftlichcn Betriebsräte vorbringt, gehe auf keine Kuhhaut. Der Kampf gegen diele Gruppe müsse mit aller Schärfe geführt werden, nicht minder der Kampf gegen die Nazis. Bei der schlechten Lage infolge Lohnkürzung und verkürzter Arbeitszeit müsse alles darangesetzt werden, bei dieser Wahl den Sieg zu erringen. lGroßer Beifall.) Nachdem der Gesangverein nochmals in Aktion getreten war, schloß die Versammlung mit der Internationale. Die Kundgebung bildete einen würdigen Auftakt für die Betriebsratswahl, für die Liste 1. Frankreich dankt seinen Führern. Brianö und Laval werden bejubelt. welter für Verlin und Umgebung: Beständiges und ruhige» Weber mit ansteigenden Togestcinpcraturen.— Für Deutschland: Im Nordwesten Wetterverschlechterung, im übrigen Reiche beständiges Herbstwetter. Paris, 30. September. sEigenbericht.) Labal und Briand sind am Dienstagabend um 33.1« Uhr in Paris eingetroffen. Etwa 300« Personen uurlagcrten den Bahnhof, auf dem Bahnsteig waren samt- liehe in Paris anwesenden Minister, zahlreiche Parka- mcntarier und der deutsche Geschäftsträger Förster erschienen. Als Sabal und Briand den Zug verließen. wurden sie mit Hochrufen auf sie und auf den Frieden empfangen und so umringt, daß ihnen die Polizei den Weg bahnen mußte.„Bor dem Bahnhof wurden ihnen stürmische Ovationen dargebracht, Blumensträuße über- reicht, ein Musikverein aus dem Borort Aubervillicrs, wo Sabal Maire ist, spielte die Marseillaise und ein Bolkslied au» der Auvergne, der Heimat Sabal». Ter Ministerpräsident fuhr mit Tardieu in» Jnnenministe» rium und Briand mit Berthelot nach dem Quai d'Orsah. Die Fahrt durch Belgien und Frankreich war ein T r i u m p h- zug. Besondere herzlich war der Empfang in der französischen Grenzstation I e u m o n t, wo sich viel Volt eingefunden hatte. Eine Delegation ehemaliger Kriegsteilnehmer der Nord- bahngesellschaft überreichte Briand einen Blumenstrauß. Der Außenminister dantte mit folgenden Worten: Al» ich meine Kampagne für den Frieden begonnen Hobe, hat man mir gesagt, daß die ehemaligen Kriegsteilnehmer diese mißbilligte. Ich habe mich im Gegenteil davon überzeugen können. daß sie von dieser Kampagne begeistert waren, weil sie wünschen, daß ihren Kindern die furchtbaren Schrecken eines Kriege» erspart bleiben. Diese Sympathie der Kriegsteilnehmer für die Sache, die ich verteidige, ist mir immer eine große Stärkung gewesen. Während der Reise gab L a v a l den mitreisenden französischen Journalisten«ine Erklärung ab. in der es u. a. heißt:„Wir haben in Berlin die heikelste Mission erfüllt, die französischen Minister» zu- fallen konnte. Mit dem Gegenbesuch in Berlin haben wir durch eine Tal die Wiederannäherung zwischen unseren beiden Völkern erleichtern wollen. Die Bildung der deutsch-französischen Kommission ist verwirklicht worden. Angesichts des Ernstes und der Schwierigkeiten der zu lösenden Probleme kann diese Initiative bescheiden erscheinen. Nach ihren Ergebnissen wird man sie' p ä t e r beurteilen, können. Heute müssen wir nur die Absicht festhalten, die diese Initiative hervorgerufen hat. Alle Maßnahmen, die getroffen werden, um das in der ganzen Welt herrschende Elend zu beseitigen, führen un« zu einem besseren Gleichgewicht und zu einer Konsolidierung dtS Friedens. Wir haben nichts von den Interessen unseres Lande» geopfert, indem wlr nach einer Möglichkeit suchten, sie unter den gegenwärtigen Am- ständen mit der Notwendigkeit der internationalen Solidarität in Einklang zu bringen. Wie in Berlin, werde ich demnächst in Washington--uin Bestes im Namen meines Landes tun. um meinen Anteil an der neuen und horten Aufgabe zu übernehmen, die die Westkrise der Regierung auferlegt. Reichsaußenminister Dr. Curtius hat in Berlin dem Chef- redaktcur der„Republique" folgende Erklärung abgegeben:„Wenn ich heute einen Rückblick auf die letzten beiden Tage werfe, kann ich mit Befriedigung feststellen, daß wir einen beträchtlichen Schritt zur Entspannung zwischen Frankreich und Dcnischiand getan haben. Wir waren uns der Tatsache bewußt, daß das große Ziel nicht von heute auf morgen erreicht werden kann, sondern daß eine st ä n d i g e, vorsichtige, den gegenseitigen Notwendigkeiten Rech- nung tragende Arbeit nötig war. Das besondere Interesse unserer Aussprache liegt nicht nur in der Tatsache, daß mir in vollem Ver- trauen und voller Offenheit die verschiedenen Frage» geprüft haben, sondern wir haben auch leicht die TIlitlel gesunden, schnell das zu vcr- wirklichen, was als erreichbar anerkannt worden ist. Wir haben einen Organismus geschaffen, der die wirtschaftlichen Be- Ziehungen zwischen unseren beiden Ländern erleichtern soll und äurch Zusammenarbeit der Regierungen und der Wirtschaftskreise die Sicherhett eines positiven und prak- tischen Ergebnisses geben muß. Wenn die iiatürtichen Möglichkeiten dazu führen, daß sich die deutsche und die französische Wirtschait angesichts der engeren Zusammenarbeit vervoll st ändigen. wird eine Atmosphäre entstehen, in der im gegenseitigen Vertrauen und auf dem Boden der vollen Gleichberechtigung die anderen Fragen gelöst werden können, die unsere beiden Völker noch veschäs- tigen." Treppenhaus eingestürzt. Vom 2. Stock bis zum Erdgeschoß.— Ein Arbeiter ve rieht. 3ni hause Slralauer Straße 39 stürzte heule m-ttaz eine Treppe vom 2. Stockwerk bis zum Erdgeschoß zusam- men. Ein Arbeiter wurde erheblich verletzt. Die Cinsturzstelle befindet sich im 2. Ouergebäuve. Es handelt sich um ein vierstöckiges Geschäftshaus, in dem vornehmlich kleiner? Betriebe ihre Aibeitsräumc und Werkstätten hal>»n. Kur; nack, 11 Uhr wurde von mehreren Angestellten im Treppentjauz ein merkwürdiges Knacken wahrgenommen. Wenige Augenblick« darauf gab es einen mächtigen Krach, dos ganz« Treppenhaus war von der 2. Etage bis zum Erdgeschoß zusammengebrochen. Ein Ar- beiter, der gerade auf der Trepp« beschäftigt war, konnte sich durch Zurückspringen noch in Sicherheit bringen. Er wurde aber von einem Mauerblock am Kopf getroffen und so erheblich verletzt, daß er in die Unsalltlinik nach der Zicgelstroß« gebracht werden muhle. Auf den Alarm„Einsturz— Menschenleben in Gefahr" eilte die Feuerwehr unter Leitung des Baurots K o h i a n mit mehreren Spezialfahrzeugen an die Unfallstelle. Gleichzeitig erschienen Be- amtc der Baupolizei in dem bedrohten Gebäude, um die notwen- dtgen Feststellungen zu machen. Die Feiurwehr mußte bei den Ausräumungoarbesten außerordentlich vorsichtig zu Werk« gehen, da weitere Einsturzgefahr bestand. Die Treppe de» ganzen Hauses wurde felbstverstänklich polizeilich gesperrt. Di« Betrlebsongehöri- gen mußten ihr« Arbeiisräume über»inen«eitcnausgang verlassen. Nach den bisherigen Feststellungen sind an der Treppe, die aus Sondstein besteht, Reparaturarbeiten vorgenommen worden und vielleicht ist dabei nicht mit der notwendigen Vorsicht verfahren worden. Stemmte:„Ka Lugend siegt in Ziobert Adolf Stemmle, der ein Junglehrer war und jetzt ein Jung- dichter ist, hat jedem, der noch dos 5?erj auf dem rechten Fleck hat, Freude dercitet. Gebrauchen wir ruhig diese schlichte und Haus- backcne Wendung, Er hat der Jugend, der jüngsten Jugend, die in diesen schlimmen Zeiten unsere größte Sorge ist, ihr ganzes Recht wiedergegeben und gezeigt, daß es nur besser in der Welt werden kann, wenn die echten, in der Großstadt ausgezogenen Arbeiter- kinder das heilige Teil der freien Schule erhalten, das ihnen ge- bührt. Und das meiste von dem, was— vorläufig auf der Bühne nur— unser Junglehrer und Jungdichter erkämpst, erkämpfen läßt er es durch die proletarische Schuljugend selbst, die sünf Akte lang ihr Recht mit prächtiger Energie verteidigt, Das ist ein klares Stück, ein Schulstllck im doppelten Sinn«, Weil es ganz und gar in der Schule und wegen der Schule gespielt wird, und weil es ein Musterstück für die Wahrheit ist, daß ein gradgcwachsener, nicht nur mit Literaturkram belasteter junger Mann,, der sich den Wind um die Nase wehen ließ, auch als Dichter etwas Ordentliches zu sagen hat. Die Schule, die gezeigt wird, liegt irgendwo in Neukölln, irgendwo aus dem Wedding, Sie ist eine moderne Unterrichtsanstalt, Die Lehrer haben Verständnis für ihre Jungen und Mädchen. Sic wollen, daß ihre Zöglinge nicht nur mit dem gequälten Kopf, son- dern auch mit heiterem Gemüt lernen. Darum zeigen sie ihnen, was heute noch dumm, veraltet und verschimmelt ist: oll den Kitsch, der heute noch Bürgerhaus und Arbciterhaus verseucht, den Blödsinn von Nippes, den Plunder von Sofaumbautcn und Vertikos, der noch aus Urgroßvaters Zeiten übrig blieb. Natürlich ist dieser 5titsch aus Terrakotta und Laubsägeholz und Glas, diese ganze aus Por- zellan gebacken« Scheußlichkeit nur Symbol für all das Uebrige und Muffige, das heute noch so trübselig anzusehen ist. Ein braver Mann, dieser Gasmesser Witt, der mit Entsetzen erfährt, daß sein Junge August eine Schule besucht, wo sie ein ganzes Kitschmuseum haben. In Theorie ist der Vater Witt durch- aus für die moderne kitschlose Schule. Daß August ober den Fa- milicnschund hinterrücks ins Museum schleppt, daß der Junge eine ganze Revolution gegen den Kitsch einfädelt, das scheint ihm höchst bedenklich. Was er eben noch lobte, das schimpft er jetzt Kultur- bolschewismus. Rektor und Lehrer, die solchen Empörerunfug dulden, müssen abgesägt werden. Vater Witt rückt zur Schulreaktion hinüber. Daß nun aber dieser kleine Konflikt, Wurzel des ganz großen Konfliktes zwischen Jung und Alt. nicht tragisch ausgeht, sondern in einen famosen Sieg der Jugend, ist allergrößtes Ver- dienst�des jungen Dichters. mpf UM Kitsch" der Volksbühne Die Jugend nimmt ihre Sache selber in die chond. Sie de- monstriert, sie lädt die Eltern«in, um ihnen zu zeigen, weiche guten Kräfte in der Jugend leben und nicht aussterben dürfen. Auf der Bühne wird Schulstunde und Schülerverjammlung abgehalten. Gefeiert wird ein Schlllerfest mit Scherz und Ernst und Mahnungen und Beteuerungen. Als im fünften Akt die Schule tanzt, singt, rechnet und sonst noch lachend und mutig ihre Tüchtigkeit beweist und ihre Rechte fordert, da bekehrt sich auch der Gasmesser Witt vollkommen wieder zu dieser Jugend— und das ganze Theater auch. Nur noch ein rettungsloser Esel bleibt außerhalb der Gemein- schaft, ein widerwärtiger, verkitschter Familientyrann und Stadt- verordneter, dem sehr bequem nachgewiesen wird, daß er nichts von der Jugend versteht. In diesem Schulstück geht es der Muckerei also schlecht. Das meiste tragen dazu bei die mitspielenden Kinder, die laut, gesund, lustig und inbrunstvoll für ihre Sache werben. Sie sind auck) die Sieger bei der Ausführung, die für den Regisseur Martin eine gut« Arbeit und unbestrittenen Erfolg bedeuten. Die Kinder, die hier mitspielen, sind nicht aus dem dumpfen Wedekindschcn„Früh- lingserwachen", das auch einmal notwendig war. Diesmal sieht man nur die gesunden und willensstarken Kinder der proletarischen Großstadt. Diese Kinder spielen Theater in stampsenden, deklamie- kenden Sprechchören, in lustigen Maskeraden, in Turnübungen und Wettgesängen. Sie sind Schüler und Schülerinnen von der Neu- löllner iZcinrich-Zille-Schule, von der Gotenburger Schule auf dem Wcddina. Sie geben alles, was in ihnen lebt. Darüber hinaus hat ein Junge von 13 bis lg Jahren, genannt cherliert Forner, der den Führer spielt, mehr als nur entzückendes Dilettantentalent. Er ist Schauspiclcrblut und noch unvcrkitscht, ein Prachtprodukt der Natur. Ob das Stück breit ist, ob die Choreinlagcn und Turncinlagen und Propagandacinlagcn nur Finten sind, ob für oder gegen die Tendenz manches zu sagen, ob der Dramatiker gar lein Dramatiker, sondern nur ein dramatisierender Leitartikler ist, das sollen die Acslheten entscheiden. Die Bühne ist von Nina Totumbek gebaut, licht, luftig, einfach, wie diese moderne Schule zu sein hat. Neben allen den kleinen Rollen, die von begeisterten, aber auch anständigen Schau- spielern gegeben werden, zeichnen sich aus Josef Dahin e n, der modernste aller Schulrektorcn, Karcha w als tapferer Schulrnt, N u n b c r g als bärbeißiger Schuldiencr. Man mag nicht kritisieren und nur berichten, daß man Freud« hatte. So wird es allen gehen, die das Stück später sehen werden. Max Hochdorf. Abbau der Fürsorge. Funktionärkonferenz der Aerliner Arbeiterwohlfahrt. Die Funktionäre der Arbciterwohlfahrt im Bezirksausschuß Graß-Berlin tagten gestern in Geineinschaft init den Fürsorgern und Fürsorgerinnen. Die Konferenz wies einen starken Besuch auf. Nachdem Genossin K u r g a ß darauf hingcwicscn hatte, daß die Sozialdemokratie auch in der Zeit schwersten Abwehrkampefs weiter für die Verweltlichung des Wohlfahrtswcsens eintreten werde, referierte Genosse Stadtrat Karl Schneider über den„Abbau der sozialen Fürsorge als Wirkung der Notverordnung". Vor zwei Jahren bei den Stadioerordnetenwahlen konnten wir mit berechtigter Ucberzsugung auf das von uns Geschaffene hin- weisen. In den letzten Monaten haben wir einen w e i t g e h e n- den Abbau erlebt. Es ist in der Wohlfahrtspflege und in der Sozialfürsorge auf der ganzen Linie zurückgegangen, darüber hin- aus greift die Großindustrie an die Grundlagen des Tarifrechts und ein Winter ficht vor uns, der eine Verelendung noch weiterer Schichten androht. Das Defizit der Städte ist groß. Lohn- und Gehalt-abbgu sind an der Tagesordnung. Das Reich versuchte seine Sanierung, indem es weite Gebiete der Fürsorge den Gemeinden überwies. Wir stehen in schwerem Kampf gegen den Abbau der Löhne, Sicherheiten und Unterstützungen. Der Dohlsahrlseiat Berlins beträgt 400 Millionen. Sparmaßnahmen treffen zuerst das Schulwesen und kulturelle Be- strebungen aller Art. Hier spart man zuerst, denn bei der Zahl der zu Unterstützenden, die heute 1116 000 beträgt, ist das Wohlsahrts- amt heute im KommunalwcscN das entscheidende Amt, das auf Kosten der anderen zu berücksichtigen ist. Bei dem Ansturm der Not können wir nur hoffen, daß die Welle des Elends zum Stillstand gebracht wird. An ein Zurück- fluten ist im Augenblick kaum zu denken. Der Wohlsahrts- etat fetzt bis Gemeindcfinanzen der Gefahr der Unordnung aus. Aber das Bürgertum hat unrecht, gerade in Berlin von einer Miß- Wirtschaft zu sprechen. Denn es gibt in ganz veuischland keine Gemeinde, die dem Anwachsen der Wohlfahrtsansprüche ohne schwere Gefahr begegnen könnte. Die Zuwendungen der Rcichsregierung sind nicht einmal ein Tröpfchen aus den heißen Stein. Die zweite Notverordnung zur Sicherung der Finanzen baut Arbeitslosenversicherung und Kriegs- beschädigten- und Kricgcrhinterbliebencnfürsorge ab und verringert die Wohlfahrtssätze. Besonders arg ist in ihren Folgen die B e- Handlung der Arbeitslosen unter 21 Iahren. Es zeigt sich hier bei der Regierung eine gefährliche Verkennung der Sach- löge. Man erkennt nicht die Tragödie, die sich abspielt und die die Jugend dem Radikalismus in die Arme treibt. Der scharfe Widerstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gerode gegen diese Bestimmungen ist erfreulich, leider ober hat er bisher nur dazu geführt, daß die Aufhebung dieses Teiles der Notverordnung versprochen wurde. Bei den Saisonarbeitern wird in den Wartezeiten die Gemeinde eintreten müssend In der Kriegsbeschädigtenfrage tonnte unsere Reichstagsfraktion leider über wohlwollende Verhandlungsäuße- rungen hinaus nichts erreichen. Heimarbeiter und Haus- gewerbetreibende sind aus der Unterstützung völlig herausgenommen. Sehr arg sind des weiteren die Ein- schränkung der Heilbehandlung und die fast völlige Aushebung des ülagerechts. Noch den Richtlinien, die von der Notverordnung gegeben werden und ohne nähere Definicrung„Sparsamkeit in der Ausgabcnwirt- schaft" dekretieren, ist heute der Reichssinanzministcr Wohlsahrts- dezernent für sämtliche deutschen Gemeinden. Dem Arbeiter, der nach Abzug der Miete mit 26 Mark monatlich leben soll, wird ein glatter Verzidzt auf alle kulturellen Bedürfnisse auferlegt. Die Gefahr weiterer Kürzung besteht. Vor unserem Gewissen können wir das, was geschieht, nicht verantworten.(Sehr richtig!) Die Dauerarbeitslosigkeit führt vor allen Dingen bei der Jugend zur asozialen Haltung. Sie geht nach rechts, sie geht nach links. Sie geht dort hin, wo Krach ist. So zeigt der Abbau unserer Sozialgesetzgebung die Schwäche der Arbeiterbewegung auf, die eine Folge der kommunistischen Zersplitterungspoli- tik ist.(Erneute Zustimmung.) Die Sparmaßnahmen haben zu- dem zu einem Abbau in den Alters- und Kinderheimen und zu einer Aufhebung der Erholungsvcrschickung geführt. Trotz der Sorge dieser Zelt dürfen wir aber nicht in Apathie verfallen, sondern müssen im Rahmen der Arbciterwohlfahrt, die uns als einigendes Band umschließt, weiterkämpfen, damit wir recht bald auch in Berlin wieder sagen können:„Die Zeit dos Niederganges ist vor- bei. Es wird wieder aufgebaut."(Anhaltender Beifall.) Ein angeregte Diskussion schloß sich dem Vortrage an. Das Wohnheimstaiiengesetz. Oer Vorsitzende des �eichstagsausfchusies sabottert die Beratungen. Im Wohnungsausschuß des Reichstags, ver am Diens- tag zu seiner ersten Sigung nach der Sommerpause zusammentrat (die Vertreter der Deutschnationalen und der'Nationalsozialisten waren nicht erschienen), beantragte vor Eintritt i» die sachliche Be- ralung der stellvertretende Vorsitzende, im Hinblick aus das in- zwischen in der Reichsnatoeroronung vom 1. Juni 1931 verkündete und in Kraft getretene Gesetz über Rechtsverhältnisse bei Enteig- Hungen aus dem Gebiet« des Städtebaues, die Beratung der An- träge für«in W o h n h c i m st ä t t e n g e f c g bis auf weiteres zu vertagen. Ministerialdirektor Dr. Weigert vom Reichs- orbeitsministerium wies auf die auherordentliä) schwierige geschäst- Jiche Loge hin und erklä:te, die Fragen müßten naturgemäß in enger Zusammenarbeit mit den Ländern erledigt werden. Von diesen seien aber zu den vorlicgeden Anträgen teilweise schwer- wiegend« Bedenken geäußert worden. Di« Anträge beträien auch Entscheidungen über Fragen, die grundlegende Probleme der gegen- «üirtig in seinen Grundfesten bedrohten Wirtschast darstellten. Der Zeitpunkt sei für solche Entscheidungen ober noch nicht reis. Die Reichsregierung könne jedenfalls s a ch l i ch zu den Anträgen jetzt noch kein» Stellung nehmen. Ueber die Hauszinssteuerslage seien von dar Regierung irgendwclche Entscheidungen noch nicht ge- troffen worden. In der weitercn Aussprache wars Abg. L i p i n s k i(Soz.) dem Borsitzenden vor, daß er die Beratungen nicht sör- der«, sondern verhindere und kritisierte das Verhalten des Vor- sitzenden scharr. Nach weiterer längerer Teschästsordnungsaus- spräche beschloß der Ausschuß, die Sitzung abzubrechen und am Münnochnachrmitag erneut zusammenzutreten, um den Reichsarbeitsminister anzuhören. Hieraus vertagte sich der Ausschuß. Die ersten Orchesterkonzerie. Auftakt des Musikwinters: das Philharmonische Or- che st er beginnt mit seinen allwöchentlichen Konzerten unter Julius P r ü w e r. Im Eröfsnungskonzert hörten wir Beethoven« 7. Sin- fonie, das ö. Lrandenburgischc Llonzert von Bach mit S. Gold- b erg(Geige), E. B o s e(Flöte) sowie Prüwer selbst am Flügel als Solisten, ferner„Tod und Verklärung" von Richard Strauß in einer. heja�rs Fiindrucksvpllen,..klanglich sorgfchlig abgestuften Wiedergabe. Im zweiten Konzert spielte Haiis Votier m und dos Cellokonzert von Saint-Saens(ein reichlich konventionelles, wenn auch in Einzelheiten amüsantes Werk), in dessen lyrischen Parken sein schöner Tan, seine nable Kantllene voll zur Geltung kamen: Kraft- und Bravourstellen ist er nicht in gleichem Maße ge- wachsen. Der Carneoal von Romain von Berlioz, Debuisys Not- turnos, die Prüwer ganz ausgezeichnet gelangen, und Tsäzoikowskys 5. Sinsonie vervollständigten das Programm. Diese Kon.zertc wollen Volkskonzerte sein: hier spielt ein erstklassiges Orchester unter einem guten Dirigenten die beste Musik, die Preise sind niedrig (jeder Platz kostet 1 M., es besteht kein Garderobenzwang) und doch läßt der Besuch zu wünschen übrig. Schärfer kann die Situation unsere» Musiklebens nicht charaktcrisiett werden. Größerer Anteilnahme erfreute sich das erst« Sonntagskonzert oes B e r l in e r S i n s o n i c o r ä, c st e r s unter Ernst Ä u n- walds exakter und energischer Leitung. Im Mittelpunkt des Bcst- hoove» gewdimetcn Programms stand das Tripeltonzert dieses Meister-. Auch hier der Dirigent am Flügel, Geige und Cellopart in den Händen der Konzertmeister Alfrco I n o i g und Godsried Zeelander. Eine nicht sehr glücklickze, undankbare, immer wieder enttäuschende Sache, dieses Tripelkonzert. Die Ausführung litt unter zu orchestralem, zu wenig pianistischnn Klavierspicl, unter Unsicherheiten der Streicher, vor allem aber unter zu geringer Rücksichtnahme der Konzertierenden auseinander, van Venen gleich- sam jeder in einer anderen Welt lebt« und musizierte. A. W. „Gloria." Qapitol. Die Raserei der Flieger über den Ozean ist uns nachgerade zur Alltagserscheinung geworden. Trotzdem wirkt das Drehbuch des Filmes„Glorla", das aus Fliegererlebnlssen mit Menschen und Maschinen die Handlung zu einem Spielsilm formte, nicht alltäglich. Man läßt einen forschen Flieger an eine Gattin geraten, die aus lauter Angst zusammengesetzt ist. Sie hindert ihn, neue Siege zu erringet». Er fristet als Berkehrsfliegcr sein Dasein. Bis sein Freund Weltmeister im Kunstslicgen wird, die kleine ängstliche Frau ihm zusubelt und ihr Gatte aus Zorn, Eifersucht und explosiv her- vorspringendem Tatendrang einen Ozeanflug ausführt. Hans B e h r e n d Hot als Regisseur eine anständig« Arbeit pcleistet. Namentlich sind die Flicgerausnahmcn, die dank der Unterstützung der deutschen Lufchansa Berlin gemacht werdcn konnten, ganz vorzüglich gelungen. Gustav Fröhlich und Fritz Kam pars sind zwei famose Flieger. Gutmütige, aufrechte, lebenswahre Kerle. Leider bleibt Kampers durchweg Unverstand- lich. Hervorragend ist Hugo F i s ch e r- K ö p p c. Er spielt einen dieser Menschen, die scheinbor alles leicht nehmen, stets zu einem guten Witz oder losen Streich aufgelegt sind und doch Charakter und stöhlcrnc Willonekrast haben. Recht nett das Kind Rolf Drucker, obwohl es reichlich altklug reden muß. Brigitte H« l m ist die Frau. Sie gibt sich Mühe, Gefühl und Temperament zu spielen, es reicht bei ihr aber nur bis zur belebten Marmorstatuc. Hugenberg steckt hinter der Ufa. Ullstein scheint bei der Boye- rischen Filmgesellschaft beteiligt zu sein: sonst wäre wohl die saust» dicke Reklame für seine Blätter kaum möglich. e. b. Edisons Gcsundheils zustand verschlechlerl. Der Gcsundhcits- zustand Edisons Hai sich in der leyien Nacht wieder verschlechtert. Nach Feststelluna seine» Arztes hol Edison eine sehr unruhige Nacht verbracht und suhlte sich am Mittwochuwrgen bedeutend schwächer. Retiei das deutsche Theater. In Frankfurt versammelte Vertreter einer großen Anzahl gemeinnütziger und privater Bühnen beschlossen den folgenden Appell an das Publikum: „Das deutsche Theater ist in seinem Gcsaintbcstand bedroht: nicht von innen, es steht seiner Leistung nach auf voller, vom In- und Ausland anerkannter Höhe. Cs ist bedroht von den Auswirkungen der Wirtschmstskrise, und es ist dies in weit höherem Maße als andere kulturelle Einrichtungen. Die Kunst des Schauspielers kann nur durch persönliche Ueberlieserung erhalten und entwickelt werden. Sie ist an die Existenz des Standes gebunden. Dieser ist durch die Verzweislungsmahnahmen, die bereits getroffen find und noch weiter in Aussicht stehen, an seiner Gesamt- heil bedroht. Die Bezüge der Vühnenangehörigcn sind bereits be- deutend verringert, Spielzeiten tvecdcn gekürzt, Spielgattungen ab- gebaut, kurz, die gesamten ökonomischen und geistigen Grundlagen der deutschen Theaterkunst werden der Vcrmchluüg ausgesetzt. Ein durch zwei Jahrhunderte mühsam errungenes Kulturgut ginge für lange Zeit, vielleicht für immer verloren. Die Versammelten verdichten ihre Rufe zu einem Notschrei an alle die, die trotz aller wirtschaftlichen Not sich ihr Kultur- gewissen bewahrt haben und bewahren konnten. Sic rufen ihren Volksgenossen zu: Rettet das deutjchc Theater, dieses stärkste um» weithin sichtbare Symbol deutscher Kultur, und helft uns, die wir dieses hohe Gut zu verwalten haben und In Treue vcrw Ilten." Heimkehr der deutschen Grönlandexpedition. Wie Pros. Kurt W e g e n e r, der jetzige Leiter der Grönland- cxpcdition, soeben von der Weststation der Expedition telegraphiert, haben die Forscher die letzten Eisdickemessungen und Schwere- Messungen durchgeführt und das Nivellement des Inlandeises be- endet. Das Inlandeis ist bereits geräumt und die Funkstatinn ob- gebrochen. Wegen Ucberfüllung des Regicrungsdampfers„Disko" wird die Erpedition in zwei Abteilungen zurückkehren. Damit hat die deutsche Grönlaitdexpedition noch Il-jöhriger Forschungsarbeit ihre Ausgabe im Sinne ihres toten Führers Alfred Wcgener erfüllt, oft genug unter Lebensgefahr und fast immer unter schweren Strapazen und Entbehrungen. Die Aue- wcrtung der wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition wird Jahre in Anspruch nehmen. Schon jetzt steht fest, daß die Resultate eine Sensation für die Geologie und für die Wetterkunde bedeuten werden. Als Bahnbrecher für den transatlantischen Luftverkehr haben die deutschen Grönlandforschcr erst den Amerikaflug Wolfgang von Gronaus ermöglicht. Von allen Arktisexpeditionen der letzten Jahrzehnte ist zweifellos die Expedition Wegeners, die durch die weitsdwucnde, großzügige Unterstützung der Notgemein- schaft Deutscher Wissenschaft ermöglicht wurde, die wichtigste und erfolgreichste gewesen. Mit größtem Interesse wartet darum die wissenschastliche Welt auf ihre Rückkehr. Beilegung de» Sonslikis an den Ivlener Slaalstheatern. Die Verhandlungen der Verwaltungen der Wiener Staatsihcater— Oper und des Vurgtheaiers— mit den Bühnenangehöngen sind jetzt zu einem Ausgleich gekommen. Dabei wurden von den promincntestcit Künstlern erhebliche Zugeständnisse gemacht. Für die übrigen Mit- gliedcr sollen die für olle österreichischen Staatsbeamten vorgesehe- ncn Gehaltskürzungen in Kraft treten. Die Intendanz hat dafür von Kündigungen abgesehen. Wiederherstellung der Danzigcr Marienkirche. Die eine Wr beiden großen Bürgerkirchcn der Östseekiiste. St. Marien m Danzig, unnerdientertnoßen weniger bekannt als ihre Lübecker Schwester- ktrch«, soll jetzt auf Grund eines Gutachtens des preußischen Staats- konserootors Hiecke planmäßig instand gesetzt werden. Tie Gruppe alter Schauspieler. Tie mich dem Muster der Gruppe JltNqer Schauspieler unter der Fübruiiz Lichot te?t in» Lesteu geruseue Gcm'stei, Ichast der Gruppe Alter Ächwisplcler wird perouesichtlich ihre " atizkeit im Renaissanee-Tbcarer erestnen. Al» erste» Stück Ist im Zuge der deutsch-sranzostschetl Berständtguttg da» Schauspiel von Aostand:»Der Mann, her seinen Mörder sucht" vorgesehcn. Ruhrschiedsspruch abgelehnt! Gegen VerbindlichkeitserNärung. Essen. ZO. September. Die drei Dergarbeilervcrbände haben gestern den gefällten Schiedsspruch in der Lohn- und in der Arbcitszeitfrage sofort abgc- lehnt und folgendes Telegramm an das Reichsarbeitsminiftcrium gesandt: ..Bergarbcilervcrböndc lehnen mit gröstter Entrüstung Schiedsspruch für Ruhrbergbau ab.� Ersuchen dringend. Verbind. lichkcitscrklärung nicht auszusprechen." Wie verlautet, wird auchderZcchcnocrband den Schieds- fpruch in der Lohnsrage ablehnen, da er. wie behauptet wird, eine nicht genügende Senkung der Löhne herbeiführe, zum andern, weil sich nillit übersehen lasse, wie sich die Pfundbaissc im Laufe der vorgesehenen Zeitdauer des Spruchs weiter auswirken iverde. Das Arbcitszcitabkommcn wird von dem Zcchenvcrband angenommen. Neue Notverordnung. WTB. meldet: ,, lieber die Frage der Vcrbindlichkeits- erklärung des gestern für den Ruhrbcrgbau ergangenen Schied- spruchs finden heute, Mittwoch, vormittag in Dortmund die gsfctz- lich vorgesehenen Nach Verhandlungen vor einem Vertreter des Reichsorbeitsministers statt. Falls es dabei nicht zu einer Eini- gung der Parteien kommen sollte, wird sich der Reichsarbcitsministcr mit der Frage der Verbindlichkcitscrklärung befassen müssen. Dabei wird insbesondere zu prüfen sein, ab die im Schiedsspruch vorgesehene Laufdauer van vier Monaten unter den gegenwärtigen Verhältnissen tragbar erscheint und ob die vorgeschlagene Lohnänderung nicht eine anderweite Entlastung beider Parteien, vielleicht auf dem Gebiete der Beiträge zur Arbeitslosen- Versicherung notwendig macht." Dann haben die Zechcnbarone was sie wollen: Beibehaltung der Stunde Mehrarbeit unter Tage, Lohnkürzung und„Senkung der Soziallastcn". Die Arbeitslosenversicherung mag zusehen wo sie bleibt. Soll die Arbeilerschafl mit aller Gewalt zur Verzweiflung getrieben werden? Streikparole der KPD. Bochum, 30. September.(Eigenbericht.) Die große Erregung unter der Bergarbeiterfchoft des Ruhr- gcbicts über den Schiedsspruch mit seinen, großen Lohnabbau ist heute früh von den Kommunisten benutzt worden, um z u m S t r e i k aufzurufen. Mit Sprech chören undStoßtrupps versuchten sie, die Frühschicht von der Anfahrt abzuhalten. Wie bisher bekannt wurde, streiken nur auf der Zeche E r n e- stine des Rheinisch-westfälischen Elektrizitätswerks in Esten SSV Manu und auf der Zeche Mini st er Achenbach in Dort- mund ungefähr 60 Mann. Wenn die Nachverhandlilinjei, ergebnislos verlaufen und der Reichsarbeitsminister den Schiedsspruch für verbindlich erklärt, wird mit einer Zunahme der Streikbewegung gerechnet. Greift dos Reichstobitteti ein? Nach einer TU.-Meldung will die Regicning dos Ergebnis der heutigen Nachverhandlungen abwarten. Sollten diese VerHand- lungen ergebnislos bleiben(Woran nicht zu zweifeln ist! D. Red.), dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Reichskabinctt am Nach- mittag mit den, Ruhrschicdsfpruch befassen. Lohndruck von allen Seiten! Der verband Berliner vlctallindustrieller hat dem Deutschen Melallarbcilervcrbond den Lohnlarisverlcag zum Zl. Oktober ge- kündigt. Das Jinavzministerinm hat den Tarifvertrag für die Reichsarbeiter zum Zl. Oktober gekündigt und das Reichs- wchrminiflerium den Torisvertrag für die Arbeiter der Marine. werften. Mittwoch, 30. September. Berlin. 16.05 Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30 Musikalische Jugendstunde.' 17 00 Teemusik. 17.50 Ernst Toller liest eigene Dichtungen. 18.00 Johannes Brahms: Lieder(Agnes Schulz-Lighterfeld, Sopran; am Flügel; Waldemar von Vult6e). 15.20 Lotte Roscnberg-Flcck: Von der bildenden Kunst. IS 30 Rechtsanwalt Dr. Dr. E. Frey und Rcg.-Rat Dr. Robert Kempucr: Das Wlederaufnahmeycrfahrcu. 19.00 Mondolinenorchestcr-Kouzcrt. 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamts. 20.00 Intendant Dr. Hans flcsch: Vom Winterprogramm. 20.30 Europäisches Konzert. Dir.: Generalmusikdirektor Fritz Busch. 22.15 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk. Fachbericht. Rektor Mas Staa: Streifzug durch die neueste psychologische und didaktische Literatur für die Arbeit in deu oberen Jahrgängen der Volksschulen. Von Hamburg: Konzert. Karl Peters zum Gedächtnis- Aus dem biographischen Roman„Ich bin ich" von Baldcr Oldcn.(Sprecher: Alfred Beierle.) Dr. Ernst Gall, Dir. d. Staatl. Schlösser und(järten: Berühmte Gärten. Felix Stiemer; Sozialismus als Weltanschauung. Wetter für die Landwirtschaft. Stunde des Beamten. Reichsminister a. D. Dr. h. c. Eugen Schiffer; Staatsgedanke und Rcssortpartikularismus. 10.20 Dr. Axel Nccls: Schafft Hörgcmeindcu! 19.45 Dr. Karl Würzburger: Vorschau auf das Oktoberprogramm.# 19.55 Wetter für die Landwirtschaft. 20.00 Aktueller Vortrag. SjcranhDoril. für die Redoltion: Ntch. Bernstet», Berlin? Anzeigen: TH. Glocke. Berlin. Lerlag: Vorwärts Verlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Borwärts Buch. druderei und Der.'azsaustalt Paul Singer 6: Co.. Berlin SD 08, Liudenstraöe Z. Siexzu 1 Beilaae. 16.30 17.30 18.00 15.30 18.55 19.00 LUcaIcc, LidilspieU usw. - J Staats Theater Staalsoper Unter den Linden. Mittwoch, den 30. September 20 Uhr. Ende 22'/» Uhr. Boheme StutiStepitta GiBdiramairtt. Anfang 20 Uhr Nora Sdiiller-Iheater Cluriottabarg. Anfang 20 Uhr Emilia Galotli MMYl Rejfeußnt Berlins •'»Uhr CASINO-THEATER»'/. Lofhringer Strafe 37. trmmitimiininiiiiinHiiiiimnimiiiiiiiMiiimmiiiiiiminitnMii Sie ladten Tränen Neu! über die tolle Posse Dodo, das öffentliche Aergernis Dazu das neue bunte Progr.S Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur SO Pf. Fauteuil 1.— Mark, Sessel 1.50 Mark Reichshallen-Theater Utnili 8 Öhr. Sonntag uMtlag J'/t Öhr Stettiner Sänger Britfon SO. „Ein schöner Traum" Nachmittags halbe Preise. MaBanfertigung besonders für stärkere Damen DamsamäRtel-Fabrikatie* ond Handlung Paul UnkJÄE&'üf � ßefchäfa-Jtnjriger (Bexitfc fUden-Wefien M. Haufe Baumschulen Berlin- Zehle ndor f Obstbäume, Rosen, Heckenpflanzen| Ziersträucher, Koniferen. 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Selo ficht klar den engen Zusammen- der Volksbühne mit der Sozialdemokratie. In der Tat ist die Ge- schickte oieser Bühne gor nicht von der des deutschen demokratischen Sozialismus loszulösen. Di« Sozialdemokratie strebt in der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, in der wachsenden Crtragssähigkeit der gesellschaftlichen Arbeit die höchste Wohlfahrt und die allseitige harmonische Vervollkommnung der Menschheit an. Diese harmonische Vervollkommnung bedeutet nicht nur die Spren- gung ökonomischer und politischer Ketten der Menschheit, sondern auch ihre kulturelle Befreiung. In dem befreiten Men- schon wollen sich alle seine vielseitigen Anlagen und Fähigkeiten harmonisch entfalten. Die Sozialdemokratie ist von Anfang an eine Kulturbewegung, die eine„Allianz des Arbeiters mit der Wissenschaft", eine bewußte Beteiligung des Arbeiters an den «u-euschafllichen und künstlerischen Bestrebungen der Zeit herbeizn- führen sucht. So hat Lassallc, so hat Wilhelm Liebknecht die sozial- demokratische Bewegung verstanden. ?r. Heinz Selo verkennt die geistige Persönlichkeit Wilhelm Liebknechts, wenn er aus ihm zu einseitig«inen politischen Agitator macht. Er beruft sich auf die Festrede Liebknechts: ..Wissen ist Macht— Macht ist Wissen." In diesem Doppeltitel liegt chm dös Programm Liebknechts. Der Titel heißt nicht, wie Selo irrtümlich angibt: Wissen und Macht. Selo legt dem allen Liebknecht die Ausfassung unter, daß die Sozialdemokratie nur einen einzigen Weg«inzuschlagen habe: durch Macht zu Wissen und Bildung zu gelangen. Wenn auch Liebknecht die Haupttätigkeit des Arbeiters auf die Umgestaltung der staatlichen und gesellschast- lichen Verhältnisse richten will, so verkennt er damit durchaus nicht den Nutzen der ArbeiterbUdungsvereine. Er verurteilt nur die ..ausschließliche Verfolgung" von Bildungszwecken durch die Arbeller. Jahrzehntelang hat Liebknecht in Arbeiterbildungs- vereinen gewirkt— man denke hier nur an seine Leipziger Tätig- kell. Es ist daher völlig abwegig, wenn Selo die sozialdemokratische Gründung von Arbeiterbildungsvereincn nach dem Sozialistengesetz verlegt, das gleichsam erst dos Bedürfnis nach diesem geweckt haben soll. Räch seiner Auffassung waren die sozialdemokratischen Führer eigentlich grundsätzlich« Gegner der Bildungsvcrcinc, und erst nach- dem das Bildungsbedürfnis der Arbeiter nach dem Sozialistengesetz nicht mehr eingedämmt werden konnte, sah sich die Partelleitung veranlaßt,„diesem Bestreben der Arbeiter entgegenzukommen, um es in den ihr genehmen Bahnen zu Hallen�. Das ist eine ganz irrige Auffassung. Der sozialdemokratische Verein hat von Anfang an die Funktion eines Bildungsocreins erfüllt. Mit den» Erstarken der sozialdemokratischen Bewegung verselbständigte die So- zialdemokratie ihre Bildungsbestrebungen und betraute besondere Ärbciterbisdungsjchulen, Bildungskommissionen, Kunstkommissionen mit der Pflege dieser Bestrebungen. Das ist der tatsächliche historische Verlaus der Bildungsbewczung der Sozialdemokratie. Die Führer dieser Partei sind fast ausnahmslos unermüdliche Förderer allge- meiner Bildungsbestrebungen gervesen. Kulturgeschichtliche, reli- gionswissenschaftliche Kenntnisse haben Bebel und Liebknecht geradezu mll Feuereifer in die Massen getragen. „Wissen ist Macht"— diesen Satz unterschreibt auch Liebknecht mit voller Ueberzeugung, uno er räumt den Arbciterbil- dungsbestrebungen eine besondere Stellung im Be- sreiungskampke des Proletariats ein. Das Wissen des Arbeiters über feine ökonomisch-soziale Position steht natürlich im Bildungspro- gramm Liebknechts obenan. Er schreibt in der Vorrede zu seiner Festrede: Wissen ist Macht— Macht ist Wissen den Satz nieder: ..Am Tag«, da das Wissen die Macht des arbeitenden Volkes er- leuchtet, beherrscht, haben wir auch die Macht und fällt krachend dos Zwinguri der Gewalchaber." Gerade die Ideologen, die an der Spitze der jungen Volks- bühneubewcgung stanoen, stimmten in diesem Punkte mit Wilhelm Liebknecht überein. Sie waren nrit wenigen Ausnahmen in die Schule des Sozialismus gegangen. He i n r i ch Hart hatte an der „Bcrliper Freien Presse" unter Mösts Leitung mitgearbeitet. Julius Hart war Redakteur eines Bremer Arbciterblattcs gewesen. W i?- Helm Bölsche sprach in Berliner Fachoereinen und in der sast ganz sozialdemokratischen„Freien Gemeinde" und lieferte lange Jahre Beiträge für den„Vorwärts" und die„Sozialistischen Monatshefte". Bruno Wille hatte schon in seinen jungen Studentenjahren in Bonn stärtste Anregungen vom Arbeiterphilo- sophen und Marx-Kenner Joseph Dietzgen erhalten und schrieb für die Berliner Volkstribüne und die„Sächsische Arbeiterzeitung", Otto ErichHartleben wirkte Seite an Seite mit dem oppositionellen Sozialdemokraten Karl Wildberger und war Mitbegründer des„Sozialist". Leopold Schönhof bekannte sich zur Sozial- demotratie und war längere Zeit Theaterresereill des„Vorwärts". Alle vertreten die sozialdemokratische Bewegung als eine große Kulturbewegung zur Befreiung der Menizhheit— ein Ziel, das ja auch hell in dem marxistischen Erfurter Programm aufleuchtet. Wenn man von diesem hier nur kurz angedeuteten kulturellen Charakter der Sozialdemokratie ausgeht, so gelangt man zu einer Auffassung der Berliner Bolksbühne, die in einem sehr wesentlichen Punkte von der Dr. Heinz Seloz abweicht: Heinz Selo färbt die Berliner Freie Volksbühne zu stark parteipolitisch. In ihr herrscht nach Selo der Massenwille, diese Bühne zu einem„Instnmieill des Klassenkampfes" zu gestalten. llkl? Dr. Bruno Wille als radikaler Sozialdemokrat seinen Aufruf zur Gründung der Freien Volksbühne erließ und daim ihre Organisation vollenden half, stand er in den vordersten Reihen der radikalen Berliner Sozialdemokratie, aber niemals tauchte in chm in diesen Tagen der Gedanke auf, die Freie Volksbühne in den Dienst der sozialdemokratischen Parteipolitik zu stellen. Und daran dachten auch nicht die vielen Förderer der Volks- bühnenbewegmcg in der Berliner Arbeiterschaft. Wildberger, Wichelm Werner, Max und Rich. Baginski und der größte Teil dex Ordner der Freien Bolksbühne standen in der inneren radikalen,' das heißt in der geheimen Bewegung der Partei. Und in diesen brannte wirklich sehr heftig der revolutionäre Klasscnkampfgedonke! Ich stand in engster Fühlung mit diesen eifrigen Agitatoren der Volksbühnenidec, aber nicht einmal hörte ich aus ihrem Munde ein Wort über die Pflege des Klasienkampfgedankens in der Freien Volksbühne. Diese Förderer waren meist überzeugte Leser der von Mar Schippe! redigierten radikalen„Berliner VolkstribüNc", die den Sozialismus als eine Weltanschauung darzustellen suchte und frühzeitigen Anschluß an die modernen Bewegungen in Kunst und Wissenschast fand. Die„Berliner Bolkstribüne" hat das Verdienst, ein lebendiges Interesse für die moderne Literatur- bewegung in der Arbeiterschaft erzeugt zu haben. Unter ihren ständigen Mitarbeitern treffen wir Arno 5)olz, Johannes Schlaf, Bruno Wille, Paul Ernst, Richard Dehme! usw. an. Im modern-rcalistischen Sinne wurde auch das Feuilleton des„Berliner Volksblattcs", des späteren„Vorwärts", von Kurt Vaake redigiert. Beide Blätter vermittelten den Berliner Ar- beitern gründliche Kenntnisse über die neuen Richtungen in Kunst, Wissenschaft und Literatur. Mit einem Wort: sie fühllen sich als Organe einer dem Sozialismus zustrebenden Kulturbewegung. Der Sozialismus war von vornherein mehr als ein« bloße politische Parteibewegung, und aus dem Kultursozialismus heraus wurde die Berliner Freie Volksbühne geboren. Der nurpolitische Parteimann kam in der Berliner Freien Volksbühne eigenllich nie auf seine Rechnung. Klassenkampfgeist wirkte sich in den aufgeführten Stücken der Freien Volksbühne kaum aus. Die Bedeutung der Freien Volksbühne bestand immer in der Die meist gut asphaltierte, breit angelegte Straße Frankfurt am Main— Hanau— Fulda gehört wohl zu den belebtesten Strecken von ganz Deutschland. Lastzüge, die die alten Bauernhäuser erzittern lassen, sind hier auf der ersten Etappe ihres langen Weges bis Leipzig, Berlin und Hamburg. Sie find eine für die Reichsbahn spürbare Konkurrenz im Güterverkehr. Blinkende Luxuswagen jagen in höllischem Tempo einem fernen Ziele zu. Dazwischen men- gen sich winzige Lieferautos aus der Umgegend und klapprige, stinkende Gestelle kleiner Handwerksmeister. Acngstlich an die Seite gedrückt, schieben sich auch noch viele Radfahrer vorwärts: Bauern, die zur Arbeit auf ihren Acker eilen, Reisende mit Musterkoffern und junge Burschen, die mit schweren Tornistern und Rucksäcken beladen auf Wanderjahrt�find. Straße und Bähnlini? folgen den Fsüßtalern:"zunächst dem Maich dann von Hanau aus seinem Nebenfluß, der Kinzig, und hinter der Wasserscheid« bei Schlüchtern der nordwärts fließenden Fulda. Die Ebene ist dicht bevölkert, eng reihen sich die Ortschaften aneinander. Zahlreiche Nebenbahnen gehen nach Bayern von der Hauptlinie ab. Hinter dem alten Städtchen Gelnhausen beginnen die weiten Wiesengelände. Be! starkem Regenwetter oder Schneeschmelze im Gebirge treten die Bäche leicht übers Ufer, deshalb ist hier nur auf den Höhen noch Ackerbau möglich. Jetzt wird im Tal gerade der zweite Heuschnitt, das Krummet, eingebracht. In langen, geraden Reihen bewegen sich die Schnitter langsam vorwärts und wenden in gleichmäßig-rhythmischem Takt das gemähte Gras mit dem Rechen um. Viele Kilometer weit immer das gleiche Bild: weite, grüne Flächen, auf denen es von eifrigen Menschen wimmelt, hoch be- ladene Erntewagen mit schweren Ochsen bespannt schwanken gefahr- voll über den Wassergraben und ab und zu liegt eine große Familie friedlich hinter einem Busch und vespert. Kurz vor dem Bischofssitz Fulda muß ich aus dieser heiteren Herbstlandschaft ostwärts einbiegen, um in das Rhöngebirge zu kommen. Es geht nur eine schmale, schlecht geschotterte Straße durch das Nebentol aufwärts. So stark der Verkehr im Fulda- und Werra- tal ist. so verlassen ist die Rhön selber. Bis heute geht noch keine Bahn über ihren hundert Kilometer langen, in nord-südlicher Rich- tung ausgestreckten Rücken. Deshalb ist hier ein wirtschaftlich ad- geschlossener Raum geblieben, wie es nur noch wenige in Deutsch- land gibt. Es bestand allerdings auch wenig Anreiz, große Kosten für die Erschließung der Rhön auszugeben. Das vulkanische Basalt- gebirge mit seine» weiten, sumpfigen Mooren und Wiesen hatte nur wenig Werte zu bieten. Dazu kommt ein außerordentlich rauhes, nebel- und fchneereichcs Klima. Deshalb kamen auch nur wenig Fremde herauf, sie blieben lieber in den Kurorten am Rande der Rhön sitzen. Durch die Entwicklung des Wintersportes und der Segelfliegern hat sich allerdings der Fremdenverkehr stärker ent- wickelt. Trotzdem kann man noch heute bei Bauern in unmittelbarer Nähe der Wasscrkuppe für wenig Geld in allerdings anspruchslose Pension gehen. Für 2,SY Mark im Tag wird man nach Landart verpflegt und in alten, riesigen Betten verpackt. In diesem abgeschlossenen Berggcbict, das mit seinen weiten, kahlen Höhen, seinen Wald- und Fclsrcstcn zwischen sumpfigen Weiden an die Voralpen erinnert, hat sich ein kerniges Bauerntum erhalten, das trotz seiner schweren Nöte nur wenig Aufsehen erregt, im Gegensatz zu den wilden Schreien der ostelbischen Junker. Diese Menschen leben nach uralter Weise, ohne Protest, ohne Subventionen und ohne Wehklagen, solange sie noch Karwsseln und Magermilch zu essen haben. Schon die Ortsbezeichnungen geben einen Begriff von der Oede des Landes. Nirgends woanders habe ich solche Namen gefunden wie: Wüstensochsen, Schmalnau und Sorgenzell. Die Bauern in der hohen Rhön leben nicht mehr in geschlossenen Dörfern, sondern in kketnen Weilern, die aus wenigen Häusern bestehen, die oft einer Familie gehören. Mehr Menschen kann der magere Boden nicht ernähren und die meisten der vielen Kinder müssen abwandern: in die Stadt, nach der fruchtbaren, hessischen Wetterau oder gar nach Amerika. In einen solchen, oltüberkommenen Weiler habe ich hinein- geschaut und versucht, von den scheuen Menschen etwas über ihr Schicksal zu hören und zu beobachten. Als ich in das niedrige, langgestreckt« Haus«Intrat, das zugleich Erschließung einer gehobenen Theaterkultur für die unbemittelten breiten Volks massen. Als das Theater unter der Herrschaft des Naturalismus stand, führte die „Freie Volksbühne" naturalistische Stücke auf. Als sich diese Kunst- richtung nicht mehr als-fruchtbar erwies, verschwand das naturalistische Drama von der Volksbühne Die künstlerische Leitung der Berliner Freien Volksbühne bestrebte sich aber immer eine Aus- lese unter den Schöpfungen der dramatischen Kunst zu treffen. Und damit erfüllte sie eine wirkliche Kulturmission, sie bemühte sich stets, das Theater zu einer„Quelle hohen Kunstgenusses" zu machen. Jeder Versuch, die Berliner Freie Volksbühne zu einem Partei- institut zu stempeln, mußte scheitern, so heftig sich auch seinerzeit Julius Türk mit seinem Anhang anstrengte, die Freie Volks- bühne von den sozialistischen Elementen zu säubern, die nach dem Erfurter Kongreß nicht mehr die taktische Grundlinie der Sozial- demokratischen Partei innehielten. Die Freie Volksbühne erfüllte eben ihre große Kulturaufgabc, die Massen geistig an den hoch- stehenden Schöpfungen der dramatischen Kunst teilnehmen zu lassen, von denen sie vorher vom Kapitalismus ausgeschlossen waren. Die Freie Volksbühne und die Neue Freie Volksbühne, die von Wille »ach seinen Auseinandersetzungen mit Türk ins Leben gerufen war, strebten dem gleichen Ziele zu, und deshalb gelang auch ohne äußere und innere Reibung die Vereinigung beider Bühnen. Die„Freie Volksbühne" war eben ihrem ganzen Wesen nach ein Kunst- institut und keine Partcianstait zur Verbreitung und Vertiefung des jklasscnkampfgcdankens. Wohimng und Stall in sich birgt, war die Familie gerade beim Essen. Vor der Türe standen die schmutzigen Holzschuhe, zu Ledersticfeln reicht es immer noch nicht. Die Familie sitzt um einen kleinen, alten Küchentisch in der einzigen Wohnstube: fünf Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren und die Eltern. In cmcm Weidcnkorb liegen gekochte, ungeschälte Kartoffeln. Jeder nimmt sich daraus mit den Händen, schält sie ab und taucht sie in den großen Käscnapf. Teller und Eßzeug sind unbekannt oder werden nur Sonntags benutz». wenn es einen Happen Fleisch gibt. Eine Gcrstensaftbrühe beendigt die Mahlzeit. Das älteste Mädel bekommt den Auftrag abzuräumen und auf die Kleinsten aufzupassen. Eltern und Buben gehen sofort wieder hinaus zur Arbeit. Sie sind spät dran in diesem Jahr Am Abend, bei der Viehversorgyng, unterhalte ich mich mit dem Hausherrn: Er besitzt 15 Hektar Land, davon sind nur fünf bebaut, das übrige ist Weide, Wald und Brachland. Im Stall stehen sechs Kühe, vier Kälber, etliche Schweine und Ziegen. Das einzige, was sie verkaufen können, ist Butter und Käse, pro Woche etwa ll> Pfund. Davon und von dem Erlös des Schlacht- viehs müssen die Steuern bezahlt werden letwa 120 Mark im Jahr) und die Zinsen an die alte Mutter, die im Ncbenhausc wohnt. Sie hatte elf Kinder, davon leben noch drei auf dem Weiler, die anderen sind in der Fremde. So kommt es, daß Bargeld nie im Haus ist, und nur selten langt es mal für ein Paar neue Hofen, alles andere wird ja im Hause selbst hergestellt: Hemden, Strümpfe, öholzschuhe und Bettzeug. Das ist Arbeit für den langen Winter, wenn der Schnee oft meterhoch liegt. Nach dem kärglichen Nachtessen wieder Kartoffeln, Schwarzbrot und Schmalz, sitze ich mit den Eltern noch eine kurze Weile unter der rußenden Petroleumlampe, die mir zu Ehren angesteckt worden ist. Sonst geht es bei der Dunkelheit ins Bett. Die Kinder haben sich schon auf die bunt überzogenen Strohsäcke geworfen. „Na. in der Stadt sieht es jetzt auch nicht gut aus", meint der Alte.„Ich habe gehört, Mitte Oktober sollen die Unterstützungen eingestellt werden, da gibt es doch sicher Krach. Neulich war einer hier, der hat behauptet, die Welt sollte im blovember untergehen." Ich suche ihn zu beruhigen, aber er meint:„Uns kann es ja ziemlich egal sein. Wenn es in der Stadt drunter und drüber geht, wir haben immer noch zu leben." Dann erzählt er mir, daß in den größeren Dörfern, wo die Bauern stärker oerschuldet sind, allerdings schon mancher nicht mehr standhalten tonnte. Auch die Heimindustrie: Lösselschnitzen, Liörbe- flechten und Holzschuhemachen bringt nichts mehr ein. Viele klopfen jetzt Steine an den großen, neuen Landstraßen... Am nächsten Morgen um fünf Uhr geht es schon wieder hinaus. Auch die Kinder plärren bereits im Hause herum. Das Vieh muß noch vor der Feldarbeit versorgt werden, da gibt es auch für die Kleinen genug Arbeit, bevor sie für ein paar Stunden in die Schule gehen. Unten in den Tälern liegen noch die dicken Nebel, während hier oben warmer Sonnenschein ist. Als ich abfahre, wirft der Bauer das schmutzige Stroh auf den Riesenmisthaufen, der vor dem 5)ausc liegt. Er fragt mich nochmals, ob das Weltgericht wohl bald komme. Religion und Aberglaube sind hier dicht beieinander. So zähe wie die Rhönbewohner früher an ihren heidnischen Gebräuchen fest- gehalten haben, so fest sitzt jetzt hier die katholische Kirche im Sattel. In jeder guten Stube steht in einer Ecke das Jesuskreuz mit Papier« blumen, Kerzenstummeln und alten Heiligenbildern. Jede Brücke hat ihren Schutzheiligen, und noch tief in den Wäldern stehen über lebensgroße Marienstatuen. Nun fahre ich wieder abwärts. Ucberall sind schon die Leute bei der Arbeit. Vor die Erntewagen sind vier und sechs Ochsen gespannt, um sie über das bergige Gelände zu bringen. In einem Hof aber dreht sich einer ollein im Kreise herum, angepeitscht von einem offenbar irrsinnigen Mädchen, das nur lallende Laute auf meine Frage nach dem Wege als Antwort gibt. Der Ochse dreht einen langen Balken, der in der Scheune irgendeine Maschine weiterbewegt. Elektrizität und Motor ist noch nicht bis hier vorgedrungen. Das heißt doch, aber die rasende Kraft fliegt an den Rhönbauern vorbei hinauf zur Wasserkuppe, wo Fremde aus allen Ländern den starken Wind benutzen, um sich auf Flügeln in die Luft tragen zu lassen. Denselben Wind, den die Bauern verfluchen, weil er immer neuen Regen und Kälte dringt. I Studie aus der hohen ffihön Ton Diarl lllöller Meisterschaften der Arbeiterschützen Berliner Vereine an der Spitze. -jic Injnbesfrcucn Arbeit er schützen schössen in Friedrichs- l vor Charlottenburg Ii, und zwar mit 7öZ:689 bzw. 364:532 iibe ihre diesjährigen Gaumcistersckiasten aus. Fast alle j Punkten. gemeldeten Wettkämpscr waren angetreten und so entwickelten sich schon vom srühen Morgen an in allen Sparten sehr spannende Kämpfe. Die kühle Witterung beeinträchtigte allerdings die Leistungen, außerdem hatten einzelne Vereine infolge der Massen- arbcitslosigkcit nicht ihre besten Leute zur Stelle. Unter diesen liinständcn sind die erzielten Ergebnisse als sehr gut zu beZilichnen, insbesondere zeigt der geringe Abstand, in dem die einzelnen Mannschaften endeten, wie ausgeglichen das Können ist. Die Resultate standen diesmal ganz unter dein Einfluß der Berliner Vereine, die sich auf der ganzen Linie durchsetzten, ein Beweis für die intensive Arbeit, die in der Ortsgruppe Berlin geleistet wird. Dem Titelverteidiger Lichterfelde gelang es auch in diesem Jahre, seinen Titel in allen Sparten erfolgreich zu behaupten. In der Klcinkalibcrsparte siegte Lichterfelde in weitem Abstand mit 760 Puptten vor Wcdding mit 668 und Eharlottenburg mi: 626 Punkten. Jni Luftbüchsenschießen waren dagegen die Kämpfe erheblich schärfer, hier siegte Lichterselde mit 789 Punkten gegen Wcdding mit 767 und Britz mit 755 Punkten.' Die Uebcrraschungs- Mannschaft war W e d d i n g, die sich in diesen beiden Sparten an die zweite Stelle setzte, die eigentliche Sensation im Luftbüchsen- schicßen war jedoch die 1. Jugendmannschaft van Schöneberg, die mit 788 Punkten nur um einen einzigen Punkt hinter Lichterfelde zurückblieben und damit beinahe den Meister aus dem Sattel geworfen hätten. Schöneberg errang also einen haushohen Sieg. In der Klasse der 2. Mannschaften siegte jedesmal Lichterfelde II Die Gaueinzelmeisterschaft errang im Kleinkaliber M a s ch k e-Lichtersakde init 162 Punkte» vor Hellmuth Meicr-Britz und Rybak und Gagstetter-Lichterielde. Gaueinzelmeister im Bolzenschießen wurde R y b a k-Lichterfelde'mit 171 Punkten vor Fischer-Schöneberg mit 163 Punkten. Bei den Wetttämpfen der S p o r t l e r I it n c n stellte die Ber- lincr Mannschaft init 635 Punkten eine neue Höchstleistung auf. In der G a u e i n z e l m c i st e r j ch a f t für Sportlerinnen siegte B r o z i n s k i-Lichterfelde ganz knapp mit 146 Punkten gegen Else Meier-Britz mit 137 Punkten vor Gentz-Wedding mit 128 und Schwoch und Tonn-Charlottenburg mit 161- bzw. 98 Punkten. Für ihr schlechtes Abschneiden revanchierten sich die Charlotten- b u r g e r Mannschaften beim Bogenschießen, wobei sie sich am meisten hervortaten, außerdem holte sich C a r o w-Charlotten- bürg die erste Freundschaftsscheibe, während die zweite von Henlchel- Lichterfelde-Iugcnd gewonnen wurde. In den späten Nachmittags- stunden vereinigten sich alle Teilnehmer zu einer würdigen, von musikalischen Darbietungen umrahmten Feier, bei der auch die Re- sultatverkündung erfolgte. Damit war eine der gelungensten Veranstaltungen der Bundes- treuen Arbeitcrschützcn zu Ende, die dem Llrbeitcr-Schicßsport wieder viele neue Freunde zugeführt hat. Interessenten erhalten Auskunft über die Berliner Abteilungen von Robert Schütze, Berlin N. 65, Ruheplotzftraße 18. Sportliches von überall. Durch Herbstliches£.and fuhrt Sonntag. 4. Oktober, eine Wände-> D omin ieu s erwarten dürfen, der es aber vorzog. ,>>.i- NNiht-«.!.».«,. h.a T..ir«.nn.r>in£ TM»'Untnrfi-oi inh." aeaenmörtia von einem Soxinlhcmofrciteii verwaltete Kultus» rung der Führersektion des Touristenvereins„Die Naturfreunde Bon Rudow geht die Wanderung nach Waßmannsdorf zur Besicht!- gung der städtischen Berieselungsanlagen. Dann weiter zum Selchower Graben, einem interessanten Bogel- und Wildgebiet, das jetzt zur Zeit des Vogelzuges besondere Gelegenheit zur Beob- achtuitg bieten wird. Treffpunkt 8 Uhr a» der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 47 in Rudow. Rückfahrt von Mahlow. Laufzeit etwa 4 bis 5 Stunden, Fahrgeld 75 Pfennig. Partei- und Aewerk- schattsmitglieder sind zu dieser Wanderung willkommen. wasserboll-Btihturnier. Der Schwimmverein Möwe-Berlin ver- anstaltet Sonnabend, 3. Oktober, 26 Uhr, im Stadtbad Neukölln, Ganghoserstraße, das 1. W a s s e r b a l l- B l i lz t u r n i e r. Die spielstärksten �.-Mannschaften des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund haben sich in die Meldeliste eingetragen. Interessante und völlig offene Kämpfe sind zu erwarten. Karten zu 46 Pf., Erwerbs- lose und Iiigendliche gegen Ausweis 25 Pf., sind an der Abendkasse erhältlich. Der Sportklub„Alt- Wedding ILSZ'" veranstaltet Freitag, 2. Oktober, seinen zweiten Werbeabend in Jiu-Jitsu mit voran- gehenden Ringkämpfen. Es ringen:„Freie Sportvereinigung Tegel" gegen Sportklub„Alt-Wedding 83", und zwar: Kraske-Tegel— Falke- A.-W., Milbrett-Tegel— Lorenz-A.W., Hartmann-Tegel— Schlichten- berg-A.-W., Treichel-Tegel— Pntzke-A.-W. und Roentreter-Tegel— Michael. Ziu-Iitsu Kursus. Der Sportklub Einigkeit 1926 bietet jedem Gcwerkfchafts- und Parteimitglied Gelegenheit, an einem Jiu-Jitsu- Kursus teilzunehme». Die Gebühren sind sehr gering. Meldungen müssen Dienstags und Freitags in der Turnhalle Markusstr. 49 oder bei A. Dietzc. O. 17, Madaistr. 2, abgegeben werden. Abfahren der Motorboolableilung Gruppe Havel des Deutschen Rcichs-Aulo-Clubs. Sonnabend. 3. Oktober, findet das diesjährige Abfahren der Motorbootabteilung Gruppe Havel des Deutschen Reichs-Auto-Clubs statt. Die Abfahrt nach Nedlitz erfolgt um 15 Uhr vom Stöhensecgcniündc aus. In Nedlitz um 17 Uhr Kaffee- tafcl, anschließend Beisammensein mit Tanz. An dieser Beran- staltung nehmen auch die Mitglieder des bisherigen Rcpublika- nifchcn Motor-Vocht-Clubs teil, der neuerdings in der Motorboot- abtcilung des Deutschen Reichs-Auto-Clubs aufgegangen ist. Sporttermine im Sportpalast. Der Oktober bringt als Eröff- nungsinonat im Sportpalast«ine Fülle sportlicher Beronstaltungen. Die Termine sind: 8. Oktober: Boxkampf: 17. Oktober: Bund Deutscher Radfahrer: 18. Oktober: Berufsradrennen: 19. Oktober: Amateurboxen Deutschland— Amerika: 26. und 21. Ottober: Jnter- nationale Eishockepspicle: 22. Oktober: Deutsche Radfahrcr-Union: 24. Oktober: Arbeiter-Sport- und Kultur-Kartell: 25. Oktober: Bc- rufsradrennen; 28. Oktober: Verein Deutsche Sportpresse: 36. Oktober bis 5. November: 26. Berliner Sechstagerennen.— Im Berliner Sporipalaft ist man augenblicklich eifrig bei der Arbeit, die Eisfläche für die am 26. Oktober beginnende Eishockeysaisan herzurichten. Di« Rohranlage ist bereits mit einer Kiesschicht abgc- deckt, über die später dos Wasser gespritzt wird. Dieses neue System der Eisbereitung wird die Eisherftellung ganz bedeutend de- schleunigen und damit wertvolle Zeit sparen. Der jüngste Retter Deutschlands wird bei„Reichstressen der deutschen Reiterfugend" am 3. und 4. Oktober zu Berlin-Ruhleben in den Sattel steigen. Es handelt sich um einen zweijährigen Jungen ans Verden, der sogar voltigiert und an dem Kampf der Voltigier- Abteilungen innerhalb der Abteilung, die Verden stellt, teilnehmen wird. Der Hauptkomps im Spichnnring Freitag, 2. Oktober, mußte geändert vre r de», da der Veranstalter erfuhr, daß Hartkopps Gegner Koska an einer Augenkrankheit leiden soll. Für Hortkopp wurde sofort Ersatz in Otto Holzel verpflichtet. Weiter finden noch zwei Paarungen im Halbschwergewicht statt. Gerhard Bredow ist jetzt mit Paul Völkner gepaart worden: der Hagener Stich und Eggert bilden die andere Paarung. Baut die Turnstunden nicht ab 1 Ein« Anzahl Turnlehrer, und-lehrcrinnenvcreine und andere am Turnlehrbetrieb interessierte Verbände veranstalteten im Bürger- saol des Rathauses eine Prot« st Versammlung gegen die preußische Notverordnung, die insbesondere di« Schulen und hier wieder die Leibesübungen betrisft. Den Ausführungen Prof. Kling«» und Dr. 5ioKtes kann man zustimmen, weil sie in den Vordergrund rückten die Schäden, die ein eingeschränkter Turn- und Spiclbetrieb unzweifelhaft nach sich ziehen muh. Bedauerlich war nur, daß den zum Teil sehr jungen Lehrern und Lehrerinnen von allen Referenten die Ursachen der Not- v«»ordnung nicht klargelegt wurden. Insbesondere hätte man dos van dem früheren preußischen Staatsmini st er das gegenwärtig von einem Sozialdemokraten verwaltete Kultusministe- rium anzugreifen. Man darf von Herrn Dominicus annehmen, daß er inzwischen auch schon etwas von der furchtbaren Krise des kapi- talistischcn Wirtschastssyslems gehört hat, zu dessen Befürworter» er gehört. Der„Appell an das nationale Gewissen", von dein General- sekretär des Deutschen Rcichsausschulses für Leibesübungen Dr. Die m Herrn Hugcnbcrg nachgesprochen, wurde von vielen?ln- wesenden als das politische Gloubenebekenntnis Dieins oufgefaßt. Eine Resolution, die gegen den Abbau der Turn- und Spiel- Unterrichtsstunden protestiert, wurde einstimmig angenommen. Sport und Arbeitsdienst Durch eine der letzten Notverordnungen ist der freiwillige ?l r b e i t s d i e n st für jugendliche Arbeiter eingeführt worden. Arbeitslose Jugendliche können zu Arbeitsgemeinschaften zusammen- geführt werden, um volkswirtschaftlich nützliche'Arbeiten, zu deren Ausführung sonst die Mittel fehlen, zu verrichten, wobei die Landes- arbeitsämter für 26 Wochen im Jahre einen besonderen Zuschuß leisten dürfen. Träger des Arbeitsdienstes können Gemeinden und private Verbände fein. Den Gemeinden ist zur Pflicht gemacht, daß sie Einrichtungen zur Unterbringung und Verpflegung van Arbeitskolonnen treffen. Ep können auch ausgesteuerte Jugendliche an diesem Arbeitsdienst teilnehmen. Das Reich hat dazu geringe Mittel bereitgestellt. Als Arbeit im Sinne der Bestimmungen des Reichsarbeitsminifteriunis gilt auch die Errichtung und Instandsetzung von Spiel- und Sportplätzen. Soweit mit dieser neuen Einrichtung kein politischer Unfug getrieben wird, kann man sie passieren lassen. Daß aber damit die Not der erwerbslosen Jugendlichen wesentlich gemildert werden könnte, wird kein Mensch glanbcn. Leider sind gewisse Kreise bemüht, ans der Sache politisch Kopital zu schlagen. Man möchte aus diesem freiwilligen Ansang gar zu gern eine Z w a n g s d a u e r c i n r i ch t u n g machen und auf einem Ilmwege zu der als Militärdienstersat; erstrebten Arbeits- dienftplicht gelangen. Es liegt auch die Gefahr nahe, daß die in Lagern zusammengeschlossenen 2lrbeitskolonnen als Objekt palilischcr Hetzarb cit mißbraucht werden, cm Versuch, der m unserer politisch' unruhigen Zeit nicht ohne Erfolg bleiben dürste. Die Arbeiterschaft! muß daher sehr wachsam sein, damit nicht die Jugend das Opfer falscher Freunde wird, die unter dem Deckmantel der Lolksgcmcin- schalt politische Brunnenvergiftung treiben. Wohl können die Llrbcitersportverbände die Einrichtung unter günstigen Umständen.' sich zunutze machen, aber sie müssen ihre Jugend zur Vorsicht beim Eintritt in fremde Arbeitskolopnen ausdrücklich ermahnen. Der Sport, der nebenbei In diesen Lagern getrieben werden mag, dürste sehr wenig Verwandtschaft mit dem Vereinssporc haben. Die Katze läßt das Maulen nicht»nd der Nationalist nicht die K r i e g s s p i c l e r e i. Wir können auch sonst dos Zusammen-! leben verschiedener Llltersklossen, unter denen sich allzulcicht asoziale- Elemente einschleichen können, nicht sür gefahrlos hallen. Nirgends � gedeiht das Laster mehr als in Lnndstncchtslagern. Wie weit die: Entartung in solchen Gemeinschaften gehen kann, das ist aus den bekonnten Vorgängen in einem hiesigen Marineverein noch in frischer Erinnerung. Der Jugendleiter der Vereins, Regierungsrcu Lübbe», wurde zu Gefängnis verurteilt.'Nichts ilt mehr gc- eignet, die Jugend zu verderben, als militärische Asterdisziplin, aufgezwungen von Leuten, denen zum Jugendführer so gut wie alles fehlt. Sport und zwangsmäßigcr Drill sind zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließe». Mnn hätte lieber die Mittel, die für die Pflege der erwerbslosen Jugendlichen bestimmt waren, nicht einsparen sollen. Damit hätte Besseres geleistet werden können! Vereissdelcaikrtenversau'.mlung beute, 19'/, Uhr, Lwinemiintec Strafe �2. Auswei.-' erfsrderlich.— FreitSrperiuttnrbczirk: tforftbiccn icbcn Mittwoch, 20 Vv Uhr, Scrichtstraße. Bezirkskartcll Friedrichshaist, Montacs, Oktober, lO'/j Uhr,>tartcli)iijunij, bei Gaul, Bi'xhagener 6tr. 1l4. Fragebogen mitbringen. Freie Fal't�ootfahrer Berlin.«. V. Donnerstag. 1. Oktober. 20 Uhr. Ge samloeranstaltnyg, Umtms-Festsäle(neues Laial). GreUswalder otr.-.-l. JKe.-.i-- tationsabend der Genossin Martha John. Gäste willkommen. Babeabenbf Dienstags vtadtbod Mitte, Gartcnstr. ö. Gymnastikadende Frcrtags 20 Uh-- Schule Antonstr. 06— 11, bei Proles. Arbeiter.Lichtbild.Bnnd.„Das Neue Bild" rür Oktober kann im Berlqg. Alexanbrinenstr. 37, abgcbolt werden.— Arbeiter Pboto Gildc. Donnerstag. 1. Oktober. 20 Uhr. Jugendheim Vassertorstr. 9. Lichtbildervortrag des Genossi-n Miiller: Panchromatische und orthochromatische Platten.— Freie Photo.Ver- «niyung. Donnerstag, 1. Oktober, 20 Uhr, Physikzimmev der ochule Pank. Gctc Wietenstraße. Freie Schwimmer Berlin. Gruppe Neukölln: Stadtbob Ganghoferstrohc. Ab.i..Ottober Montags 10 Uhr minder, ab 6. Oktober Dienstags 20 Uhr ouacndj nnd Erwochsenc beiderlei Geschlechts. Turnabcnde fiiv olle-Abteilungen Frei tags 18 Uhr Turnhalle Nichardsrrohe. Sonntags'» Uhr GrgänAnngssport, Sport 1 platz Grenzallee. Grnppcnuersammlung Sonnabend, 10. Oktober. 20'-. Ilhr, bei Schulze, Renterstr. 47.- Gruppe Lichtenberg: Stadtbad Lichtenberg. Dienstags lbeide Geschlechter) 20 Uhr grotze Hallo, Freitags(Frauen und Schwunu'.schülert 20 Uhr kleine Halle.-Alle männlichen Mitglieder groste Halle. Gruppenver- sammlung Sonnabend. 3. Oktober. 20 Uhr.— Gruppe Friedrichahrin: Stadtoad Schillingbrücre. Montags und Freitags 20 Uhr.— Gruppe Siemeusftadt: Donnerstag. 10— 22 Uhr. Hallenbad Spandau. Einlaß: minder Uhr, Erwachsene 19% Uhr. Gruppenvcrfammlung Fveitag. 2. Oktober. 20 Uhr. Vereins lokal. Nonnendammallee.— Gruppe Mitte: Stadtbad Garteustraße. Dienstag' 2üU Uhr. Gruppen Versammlung Mittwoch, 30. September, 20 Uhr. Elsäffer Straße 88.— Gruppe Obcrspree und.Uöpcuid:: Stadtbad Schillingbrückc. i Freitags 20 Uhr. Gruppe Oderspree: Versammlung Mittwoch, 7. Ottob?-. 20 Uhr. Elsen. Ecke ttiefbolzstraße.— Aufnahme neuer Mitglieder lederzeit int dcn Uebnngsstunden. Einschreipegebiihr �iir Erwachsene 1,50 M-, Jugendliche 50 Pf., Minder 27 Pf. Monatsbeitrag für Erwachsene 1,15 M., Jugendliche 5'd Pf., Lehrlinge 40 Pf.. Kinder 20 Pf. Gäste willkommen. T.'P.„Die Naturfreunde". Mittwoch,::0. September, 20 Uhr. Jugend gruppc Osten: Frankfurter Allee' t07:„Durch 5katnrerkcnntnis zmn SoziaKg-l mns".— Photo Mitte: gohaunisstr. 15.— Donnerstag, 1. Oktober. 2u Uhr. Abt. Lichtenberg: Hnnterstr. 44.— Abt. Neukölln: Pcrgstr. 29: Geschäftliches,— ... j..»t._____«.... Cfr-n Mrinmeisterstr. 16—17:„Faschismus". � Naturkundliche Abteilung:- Johannis straße l.>:..Unsere Vinterarbeit".— Photo Mitte:?ohannisftc. 1.?(Dunkelkammer): Fartqcschrittenenknrsus.— Abt. Weißettsee: Pistoriusstr. 24. Nordgruppenverrin des 4. Bc.ürkes.?n der„Arbeiterivort-Vochenschau" Nr. 39 ist eine Vorstiindekemerenz der Fußballer irrtümlich unter Turnvercinc ausgenommen. Die Vorständckonscrenz betrifft nur die Fußballveretne.— Bruno Carl, Gruppenleiter. „Solidarität", Kraftfahrer. Touren für Sonntag, 4. Oktober. Sreuz- herg: Nauensche Berge. Start 9 Ubr Schlesischcs Tor.— Abt. FrtOdrtchshain: Streifzüge durch den Osten. Start 10 Uhr Landsberger Platz.— Abt. Norden: Ferch am Schwielowsee. Start 8 Uhr Seestr. 62.— Abt. Eharlottenburg: vtart. um 9 Uhr zur Schnitzeljagd Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Wilmersdorf: Buckow. Start 9 Uhr Var.üner Straße.— Abt. Tempelhof.Mariendorf: Ziel am Start 8 Uhr Kurfürsten. Ecke Schützenstroße.— Abt. Oberschöne weide:"Hungriger Wolf". Start 1-'. Uhr W i l h e I m i n e nh o f st r. 64.— Abt. Treptow.Bonmschnlen- weg: Finkentrng. Start 8 Ubr Bahnhof Baumschulenweg.— V«rsa»vm.iunqcn: Abt. Krenzherg: 2. Oktober, 20 Uhr, Neichenberger Str. 91.— Abt. Friedrichs Hein: 2. Oktober, 20 Ubr Strausberger Str. 1— Abt. Norden:— Oktober. 20 Ubr. Seestr.«>2.— Abt. Eharlottenvurg: Iobresgeneralversammlung 2. Otto- ber, 20 Uhr, Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Wilmersdorf: 2. Oktober, 20 Uhr. Barziner Straße, bei Noscnau. Arbeitsgemeinschaft vreletaeischer Bolkstan, kreise. Sonntag.*■ Oktober. Tanzkahrt. Treffpunkt 14 Uhr Gasthof Bener. Schönwalde b. Puch. Volkstanz.( kreis Prenzlauer Berg# Uhr Bahnhof Gesundbrunnen, Eingang Badjtrage. Rätsel'Ecke des„Abend flUüiuiiuiiiLiiuipiiiiiiiiiuniiimuioiuniiiniiiiiiiiiniiiitiiiiiiiiii6. Zsaack: 17. Telegraph: 18. lZnsanterie: 19. Sinai: 26. Tibet.— Ilncntschlosscnheit ist die größte Krankheit, Füllrätsel: l. Dotter; 2. Eduard: 3. Indien; 4. Marder; 5. Reseda: 6. Madrid. Das Mirakel: Nachtwächter»-» acht Wächter.