BERLIN SoimerMg 1 Oktober 1931 10 Pf. Nr. 460 B 230 48. Jahrgang Antetgenpect«: Die etnspalttgeNonrareilleicil« So Pf.. Reklametcile SM. Ermäßigungen nach Tar�'. Pogscheckkooto: Dorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. S7 636.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Auicigc» vor! ErscheinttSglich außer Sonntag«. Augleich AbendaiKgahe de«.Vorwärts". BezuzSoreis beide Ausgaben 86 Pf. pro Woche. n.onM.»ro Monat Redaktion und Expedition: Berlin SW 68. Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292— 29? Sp&laukgaße de* LW»l III u IIHIBHi|iia«mHP.i|......»II»»■■a,■!■... mm—J««K. Sozialdemokratie und Brünina Wutgeheul rechts— warum? Torpedo gegen Mieterschutz Notverordnung als Mädchen gegen alles In der Berliner Rechtspresie„Lokalanzeiger".„Tag" und „Deutsche Zeitung" sehen die Balkenüberschriften heute so aus: „Abschlagszahlung Brünings an die Sozialdemokralen." „Das Programm der wirtschaftlichen Spihenverbände ab- geschüttelt." „Brüning beugt sich der SPD." „Unter sozialdemokratischem Druck rückt der Kanzler vom Aktionsprogramm der Wirtschaft ab." „Unentwegter Linkskurs Brünings." „Nicht ohne die Sozialdemokratie." Das Weh- und Wutgeheul der Hugenberg-Presse gilt der Tatsache, daß auf die Ausführung einiger die Arbeiter schädi- gender Pläne verzichtet worden ist. Die Hugenberg-Presse macht es der Sozialdemokratie ebenso zum Vorwurf, daß sie Arbeiterinteresien vertritt, wie der Regiening, daß sie sich den Vorstellungen der Arbeiteroertreter nicht völlig versckzließt. "Mnz�ußer Fassung kreffcht'dör�okalonzelgcr": Sie haben ihm shie Sozialdemokraten dem Reichskanzler— Red. d. V.) die— vorläufigen— Wünsche ihrer Partei vorge- tragen: Restlose Aufrechterhaltung des Tarif rechts. keime weitere Herabsetzung d er Arbeitslosen- unter st ützung, Erfüllung der Zusage aus Beseitigung„der schlimmsten sozialen Harten" aus der Iuni-NotvcrordNung. Der Reichskanzler hat diese Wünsche zur Kenntnis genommen. Daß ar sie erfüllen wird, darüber hegen die politischen Kreise keinen Zweifel. Die Hugenberg-Presse. Hitlers treueste Verbündete, hält es also für ein Verbrechen, ipenn Arbeiterforderungen aufgc- stellt, für ein noch schlimmeres Verbrechen, wenn sie erfüllt werden. Fällt von da aus nicht auch ein sehr bezeichnendes Licht auf die sogenannte„Nationalsozialistische Arbeiter- partei"? �_ Kür die Pressefreiheit. Neuer Protest der Reichsarbeiteigemeinschast der Deutschen presse gegen Mißbrauch der Notverordnung. Die Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Presse hat folgen- des Telegramm an den Reichskanzler Dr. Brüning, den Reichs- innenminister Dr. Wirth, den Rclchssinanzminister Dietrich, an Außenminister Dr. Curtius und an den Staatssekretär im Reichs- justizministerium Joel gesandt: „Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Presse hat am 24. September Ihre Aufmerksamkeit auf die schweren Gefahren � gelenkt, die in der Pressenotverordnung für die Zeitungen, die Allgemeinheit und für den Staat liegen. Das Verbot der„Reuen Badischen Landeszeitung" durch die badische Landesregierung ist ein überzeugender Beweis dafür, welche Möglichkeiten des Mißbrauchs die Pressenotverordnung auch in der jetzigen Fassung noch gibt. Dieses Verbot kann nur als ein Mißbrauch des Verbots- rechts gewertet werden. Daß offenbar auch Mitglieder des Kabinetts dies so beurteilen, beweist Eingreifen des Reichsinnen- Ministers, das zur sofortigen Aushebung des Verbotes geführt hat. Preußische Kundgebung zum Volksentscheid und Verbot der„Neuen Badischey Landeszeitung" sind hinreichende Beweise für die Unmög- lichteit, die Pressenotverordnung aufrechtzuerhalten. Bei aller Würdigung der staatspolitischen Notwendigkeiten, den Miß- brauch der Pressefreiheit zu verhindern, erbittet die Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Presse erneut und eindring- lich, die deutschen Zeitungen vor Eingriffen zu schützen, die dem Sinn und Zweck des Gesetzes widersprechen und die. abgesehen von den schweren wirtschaftlichen Schädigungen, den deutschen Zeitungen nicht die Möglichkeit geben, ihre Ausgaben im Dienste der Allgemeinheit so zu erfülle», wie es gerade in der heutigen Zeit notwendig ist." KlahlhelmzeUschrtsl verbotet,. Der Senat von Bremen hat die niedtrsäcksisch« Stahlhelm zeitschrikt„Der nielersächstsch« Volkswille" auf die Dauer von 14 Tagen verboten. Das Stahlhelmblatt bott? einen Artikel„Der Einzug durchs Brandenburger Tor" veröfient- licht, der Beschimpfungen der Reichsregierung, besonders des Reichs- kanzlers Dr. Brüning, enthielt.— Die natwnalsozialistische Tages- zeitung.Rote Erde" m Bochum ist aus die Dauer von vier Wochen Verboten worden. Es war der Sozialdemokratie bekannt geworden, daß die Reichs- regierung beabsichtigt, im Zusammenhang mit der Hauszins- st e u e r in einer Notoerordnung den Mieterschutz grund- sätzlich umzugestalten, und zwar soll der Mieterschutz für große Wohnungen und für große geteilte Wohnungen aufgehoben werden. Für diese Wohnungen soll auch der Schutz des Wucher- Paragraphen 49a und das Schiedsverfahren§ S2a außer Kraft treten. Ferner sollen die Untermieter völlig ous dem Mieterschutz entfernt werden und auch keinen Ersatzraum bei Räumung der Wohnung gewährt erhalten. Grundsätzlich sollen die M i e t- cinlgungsämtcr bei den Amtsgerichten aufgehoben werden und nur der Amtsrichter allein verhandeln. Das Wohnungsmangelgesetz soll dahin geändert werden, daß fakultativ die Gemeinden Mietschiedsgerichte errichten können. Die Bestimmung der Notverordnung, daß der Mieterschutz und das Reichsmietengesetz erst am l. April 1936 aufgehoben werden sollen, wenn bis dahin ein soziales Mietrecht geschassen worden ist, und die Befristung des Wohnungsmangelgesetzes bis 1934 soll aufgehoben werden, alle drei Gesetze sollen ab 1. April 1933 außer Kraft treten, Die sozialdemokratischen MUglieder des Wohnungsaus- s ch u s s e s des Reichstags haben im Ausschuß sofort folgenden Antrag eingebracht: „Die Rcichsregicrung zu ersuchen, von einer Aendcrunz des Micterschutzgefetzes, des Mietengesetzes und des Wohnungs- inangelgesetzes Abstand zu nehmen, bis dos s o z i a l e M i e t- recht gesichert ist." Nach längerer Aussprache beschloß der Ausschuß, das Justiz- Ministerium und das Arbeitsministerium einzuladen, dem Ausschuß darüber Auskunft zu geben. Die Beschlußfassung über den Antrag wurde bis dahin ausgesetzt. Das Vorgehen von R o s e n f e l d und S e y d e w i tz wird in der Parteipresse von denen am schärfsten verurteilt, die mit ihnen sich zur Opposition rechneten und ihnen am nächsten standen. So erhebt die Redaktion des„S ä ch s i- schen Volksblatts" in Zwickau sehr heftige Anklage gegen Seydewitz. Sie schreibt: „Glaubt jemand, daß der Bezirksvorstand der Sozialdemokra- tischen Partei in Zwickau und das„Sächsische Volksblatt" in Zwickau es sich gefalle» lassen hätten, wenn ein paar in der Meinung ab- weichende Genossen in Zwickau ein solches Blatt wie die„Fackel" begründet und versucht hätten, es gegen das„Bolksblatt" durch- zusetzen? Den Zwickauer Parteiinstanzen war bekannt, daß Seydewitz die Absicht hatte, sich nicht zu fügen, Sie haben es aber als eine große Gefahr erkannt, daß zwischen dem Beschluß des Parteiausschusses und der Ausführung des Beschlusses von dem Parteioorstand naturgemäß eine Frist Seytzcwitz zur Borbereitung dessen, was kommen mußte, wenn er sich nicht fügte, zur Berfügung stand. Der Bezirk Zwickau-Plauen spielt in dieser Hin- ficht eine Rolle die mit der keines anderen Bezirks im Reich zu ver- gleichen ist. Hier war die Partei einfach in Gefahr, wenn Seydewitz mit dem sesten Vorsatz, es zu seinem Ausschluß kommen zu lassen und dann eine andere Partei zu gründen(er selbst drückte das so aus, er werde dann„an anderer Stelle" Wirten) bis zum erfolgten Partcioorstandsbeschluß dafür wirken tonnte, daß möglichst viele Mitglieder der Partei den verhängnisvollen Schritt aus der Das Reichskabinett hat auch am Mittwoch seiner neuen Rot- Verordnung mehrere Stunden gewidmet. Die Beratungen werden heute sortgesctzt. Ii. a. wird die neue Notverordnung folgendes vorsehen: Verlängerung des lausenden Haushaltsjahres vom 1. April bis zum 39. Mai 1932: Kürzung einzelner Sachausgaben, soweit sich beispielsweise beim W e h r m i n i st c r i u m Kosten- senkungcn durch die eingetretenen Preisherabsetzungen vornehmen lassen: Ersparnisse am Personaletat in Höhe von 29 bis 79 Millionen: Aenderung des Tabak st eucrgesetzes im Sinne von Erleichterungen, die sich als notwendig erwiesen haben: Senkung der H« u v z i n s st« u er um ein Viertel ihres jetzigen Satzes, und zwar nnt der Maßgabe, daß«in weiteres Viertel in drei bis fünf Jahren absinken und der Rest als Hypothek mit zehn- oder fünszehnjährtgcr Tilgungsfrist kapitalisiert wird: Erhöhung des Fonds für notleidende Gemeinden auf 239 Millionen Mark zwecks Erleichterung der kommunalen Wohlfahrtslasten: Einführung der 2lr- beitslosen-Laiidsiedlung, Aenderung der früheren Notverordnung über die Arbeitslosenversicherung durch Erleichterungen der Dorschristen für die Unterstützung jugendlicher Arbeitsloser. Außer diesen finanzpolitischen Maßnahmen ist die E i n r i ch» tung von Sondergerichten zur Aburteilung dringender Fälle politischer und wirtschaftlicher Art, sowie im Zusammenwirken mit der Reichsbahn die Neuregelung des Automobil- Speditionswesens(Schenkervertrag) geplant. Die auf dem Gebiet der Arbeitslosenversicherung in Aussicht genommenen Maß- nahmen betreffen lediglich Vorschriften, die dos Präsidiuni der Rcichsanstalt für Arbeitslosenversicherung von sich aus erlassen kann, wie Neuregelung der Unterstützungsdauer. Eine Herab- sctzung der Unterstützungssätze kommt unter keinen Umständen in Frage. Partei heraus mit ihm machen. Hiergegen mußte um so mehr eingeschritten werden, als Seydewitz durch Rund schrei- ben und Sonderbesprechungen mit ihm nahestehenden Genossen aus allen möglichen Orten die Vorbereitungen für das traf, was nach dem Ausschluß geschehen sollte. Die Zwickauer Genossen haben vor und noch während der Beratung des Parteivorstandes auf den Genossen Seydewitz einzu- wirken versucht, daß er durch die Erklärung, er werde auf die „Fackel" verzichten, den Boden zu Verhandlungen bereite. Seydewitz hat bis zur letzten Minute abgelehnt. Und das ist ja kein Wunder, Roch am Abend des Bezirks- Vorstandes, wenige Stunden nachdem man dort eine gemeinsame Verständigungsbemühung beschlossen hatte, hat Seydewitz in einer von den Mitgliedern verschiedener Parteiortsgruppen besuchten Ver- sammlung in Wilkau mit nnmißverständlichen Worten zum Austritt aus der Partei ausgefordert. Er hat das, was nun geschehen ist. b i s z u r letzten Minute plan- mäßig vorbereitet. Deshalb trifft ihn die volle Verantwortung für das. was geschehen i st." Im„V o l t s b o t e"(Zeitz) lehnt Genosse Paul Franken es energisch ab, Seydewitz und Rosenfeld zu folgen: „Aber wenn diese Genossen sich in einer Stunde der Ver wirrung auf«inen Weg begeben hoben, der zur Schaffung eines neuen Parteigebildes— einer nicht verbesserten, sondern ver- wässerten USP.— führen soll, s o ist uns die Sache zu dumm, als daß wir fi e' m it M n ch e n, Sympathie her— Die Partei bleibt einig? Die Gonderbündler bleiben isolieri SiMpath!« hin, wir sehen keinen entscheidenden Grund, einen Schritt zu tun, mit dem die Wanderung ins Nichts beginnt." In einer Zeitzer Parteiversammlung nahm Genosse Bergholz gegen Seydewitz Stellung. Der„Volks- böte" berichtet hierüber: „Dann erzählte Genosse Bergholz von seiner Unterredung mit Genossen S e y d c w i tz in der Nacht nach der Partei- Versammlung und stellte zu allgemeiner Ueberraschung fest, daß auch er von Seydewitz nicht informiert worden sei über sein Borgehen, wie dies Seydewitz ja auch seinen engsten Mitarbeitern in Zwickau vorenthalten habe." Der Braunschweiger„V o l k s f r e u n d" stellt fest: „Oppositionelle, wie Otto Jensen, hatten ihre nach Levis Tode immer zerfahrener gewordene Oppositionsführung gewarnt. uiil der Parteispaltung zu spielen und sich der Schwere der Verantwortung klar zu werden. Seydcwitz und Rosenfeld haben geglaubt, derartige Warnungen ihrer eigenen politischen Gesinuungssreunde unbeachtet zu lassen und dem Beschluß des Parteiausschusses entgegenhandeln zu sollen." Aus allen diesen Vorwürfen ergibt sich eins ganz klar: man hat selbst in den Kreisen der Opposition mit Entsetzen gesehen, daß Rosenfeld und Seydewitz auf die Spaltung los- steuerten. Man hat gewarnt, aber vergebens. Die Vorberei- tungen wurden so konspirativ getroffen, daß heute selbst nahe Freunde der beiden Ausgeschlossenen sich hintergangen und betrogen fühlen. Die Unwahrhastigkeit der Beteuerungen von Rosenfeld und Seydewitz, daß sie keine Sonderorgani- sation aufgezogen hätten, wird jetzt von denen enthüllt, die sie aus der Nähe gesehen haben. Abschied von der Dfcichsiogsfnriiion. Di« Abgeordneten S t r ö b e l, Siemsen, Ziegler, Por- tune, Seydewitz unt> R o s« n s e l d haben sich beim Reichstags- büro von der sozialdemokratischen Fraktion abgemeldet. O e t t i n g- Haus hat mitgeteilt, daß er zu den Kommunisten geht. poliitscher Gelbstmord. Vöchcl'Ehemvih über da«! Experiment der Verzweifelten. In einem Leitartikel mit der Uebarschrist„Dos Expeti- ment der Verzweifelten" nimmt Gen. 2 ö ch e l in der Chem- nitzer„Volksstimme" zu den jüngsten Vorgängen in der Partei folgend ernwßen Stellung: Die Würfel sind gefallen. Was der Genosse Ströbel ain Sonnabend schon im Bezirksvorstand mit Sicherhett behauptete, daß die VerständigungSaktion scheitern werde, ist eingetreten. Und wenn uns heute auch die Wege trennen, so soll noch einmal an- erkannt werden, daß der Genosse Ströbel auch in dieser Stunde seinem ehrlichen Charakter treu geblieben ist und es ab- lehnte, den Anschein zu erwecken, als ob er noch länger in der Partei zu bleiben gedenke. Er plädierte offen für die Spaltung und verzichtete auf die Rolle des Märtyrers, der gegen feinen Willen aus der Partei herausgeworfen worden wäre. Diese Feststellung ist wichtig, weil sie die Frage des Konfliktes aus dem Niveau kleiner Winkelzüge heraufhebt auf die Ebene der Sachlichkeit, aus der die Abspaltung allein grundsätzlich diskutiert werden kann. Denn wenn jemals Objektivität auf beiden Seiten nötig war, so fetzt in diesem Augenblick, wo einig« Partei- genossen, die jahrelang mit uns in der Opposition Schulter an Schultsr gekämpft haben, bewußt die Partei verlassen. Und so sehr wir diesen Genossen ehrliche Motiv« unterstellen, so sehr aber auch ist es notwendig, den jetzigen Schritt, den wir für«inen Ver» zweiflungsakt hatten, von allem demagogischen Beiwerk zu entkleiden. Die jetzt ausgeschlossenen Genossen sind, wie die letzten Auseinander- setzungen beweisen, von einem bestimmten Zeitpunkt an mit vollem Bewußtsein diesen weg gegangen, und es hieße, wie Ströbel selbst sagte, dieser Sache«inen schlechten Dienst erweisen, wollten sie, um Sympathien zu wecken, die Gegen» feite der Vergewaltigung anklagen. Nein. Es sind tiefgehende Meinungsverschiedenheiten, die Seyde- witz und seine engeren Freunde von der Partei und schließlich auch von der Opposition abgedrängt haben. Di« Tatsache, daß Leute wie Äufhäuser, Löwen st«in, Engelbert Graf, Ienssen usw., von denen jeder Name für die Opposition ein Programm bedeutet, nicht nur den jetzigen Schritt mißbilligen, sondern schon früher sich von Seydewitz distanziert haben, beweist deutlich die zunehmende Vereinsamung der Gruppe Seydcwitz. Die Sitzung des Chemnitzer Bezirksvorstandes, in der sich Ströbel aufrichtig zur Spaltung bekannte, mar am Sonn- abend, dem 26. September. Drei Tage später, ain 29. Sep- tember, faßte der Parteivorstand den Beschluß, Rosenfeld und Seydewitz auszuschließen! Hoffentlich wird man uns also nie wieder zu erzählen versuchen, es hätten keine Spaltungsabsichten bestanden und die„Fackel"-Leilte seien nur durch„Unduldsamkeit" des Parteivorstandes auf den Weg zu einer Neugründung gc- drängt worden. Böchel nennt diese Peugründung„den Verzweiflungsakt einer kleinen Gruppe, die sich neben Ledebour, Theodor Lieb- knecht und den anderen Sektierern im Sand der Hosfnungs- losigkeit verlieren wird."„Die Massen", fährt er fort,„denken nicht daran, sich deshalb, well einige Führer müde geworden sind, auf einen Weg zu begeben, der Selbstmord bedeutet." Zwickau gegen Seydew tz. Zwickau. 1. Oktober. �Eigenbericht.) Die Pressekommission des sozialdemokratischen sächsischen„Volks- blattes" in Zwickau hat an» Mittwoch zu dem Ausschluß ihres bis- herigen Chefredakteurs Seydewitz aus der Sozialdemalraiie Stellung genommen und«instimmig, also mit 20 gegen 0 Stimmen, beschlossen, Seydewitz sofort fristlos zu entlassen. Am Mittwochabend fand in Zwickau ein« Mitgliederver- » sammlung des Ortsvereins Zwickau der SPD. statt. Die Versammlung beschloß mit einer Mehrheit von SO Stimmen, sich auf den Boden der Parteiinstanzen zu stellen und sich für die unhedingte Erhaltung der Einheit der Sozial- d-emokratie zu erklären. Verwirrung in Frankfurt a. M. Frankfurt o. M., 1. Ottober.(Eigenbericht.) In eine? Uitgtiet-erversammlung der Sozialdemokratischen Partei erklärte sich der Reichstagsabgeordnete Portune mtt den Aus- geschlossenen solidarisch und betont», daß er den begonnenen Kampf selangc weiterführen werde, bis die Meinungksreihett innerhalb der Porte! wiederhergestellt sei(die niemand bedroht hat! Red. d.„V."). Die Versammlung nahm gegen Mitternacht mtt großer Mehrheit Deutschnationale Gowjetgefchäste Eine Konzession im Monde und eine verschwundene Kaution Vor der 40. Zivilkammer des Landgerichts I wurde gestern in einer Sache verhandelt, die dmch ihren politischen Hintergrund einer gewissen Pikanterie nicht entbehrt. Beklagter war der frühere deutschnationale Relchstagsabgeordnete P r e y e r, Professor der Königsberger Universität, Kläger der Wiener Kommerzienrat Klein. Prof. Preyer, der als Außenpolitikcr sehr sowjetfreundlich ist oder war, glaut te auch wirtschaftlichen Nutzen aus seiner Einstellung ziehen zu können. Nach monatelangcn Verhandlungen mit der Konzessionsabteilung in Moskau, bei denen er auch seine politischen Beziehungen spielen lieh. kam zwrs6)en ihm und der Konzesstonsabteilung ein Vertrag zu- stände, laut dem Prof. Preyer die Konzession auf das ehemalige Walzwerk von Vliiwff in Moskau erteilt wurde. Der Vertrag war nur ein vorläufiger, seine Genehmigung stand noch aus. Trotzdem suchte Preyer durch seinen Generalbevollmächtigten, den Ingenieur Walter, und seine Cousine Freu Lorenz Teilhaber an der Konzession. Einen solchen fand man in der Person des Wiener Kommerzienrats Klein. Der Jahresumsatz der Konzession sollte etwa 2105 000 Rubel betrogen, der Reingewinn etwa 264 000 Rubel. Am Gewinn sollte Klein als kaufmännischer Leiter mit 30 Proz., Ingenieur Watter als technischer Leiter mit 20 Proz., Prof. preyer mit 40 proz. beteiligt sein. Andererseits hatten Prof. P.cyer und Ingenieur Waller einen Teil ihrer Beteiligung an„Exzellenz" Batotzky in Königsberg, an den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Dr. Brandes und den Direktor der Commerz- und Privatbank Berlin Neuer- bürg abzutreten. Kommerzienrat Mein begab sich nach Rücksprache mit Prof. Preyer in Berlin in Begleitung des Inganieurs Walter nach Moskau, sah sich hier das Walzwerk an und sthloß im März mit P:of. Preyer in Berlin einen Notariats verttog, in dem der Professor als Inhaber der Konzession bezeichnet würbe. Auf Grund dieses Vertrags hinterlegte Klein bei der Russischen Staats- bant in Moskau die erfbrderüff* Kaution in Hühe von 40 000 M. aus das Sperrkonto des Prof. Preyer. Kommerzienrat Klein war auf Grund des vorliegenden Beitrags des Prof. Pr«>)«r mtt der Konzessionsabteilung in Moskau und auf Grund des in Berlin geschlossenen Notartatsvertragz überzeugt, daß Prof. Preyer tat- sächlich Inhaber der Konzession ist. Prof. Preyer hatte unter an- derem als Referenz für seine Person den Fidcikommisbesitzer Gras E u l e n b u r g, das Mitglied des Reichsrats und des Staatsrat? Freiherr o. G a y l, den Präsidenten des Reichsgerichts Dr. S i- m o n s angegeben. Der Beginn der Ausbeute der Konzession wurde aber immer wieder aufgeschoben: es hieß stets, es seien noch verschiedene For- malitäten zu erledigen. Anfang Juni 4028 erschienen bei Kommerzienrat Kloin in Wien der Generalbevollmächtigte von Professor Preyer, Ingenieur Walter und Frau Lorenz, und erklärten Ihm, daß die Schwierigkeiten nunmehr überwunden seien und daß als Aequioalent für die günstigen technischen Bedingungen erreicht worden sei. daß das Kautionskonto von 40 000 Mark auf 20 000 Mark ermäßigt, und daß die frei gewordenen 20 000 Mark für Zoll und Fracht auf die acht Waggons Metall und sonstige Spesen verwendet worden. Es fei deshalb notwendig, daß die 40 000 Mark vom Kaution?-(Sperr-) Konto Professor Preyer auf offenes Konto Professor Preyer übertragen werden. Drei Monate später erfuhr Kommerzienrat Klein, daß die Konzession mtt Erlaß vom 28. August 4928 überhaupt zurückgewiesen worden sei. In einer darauf mit Professor Preyer erfolgten Aussprache ver? sicherte dieser, daß es ihm doch noch gelingen würde, dank seiner großen politischen Beziehungen. gelegentlich seines Aufenthaltes im Dezember 4928 die Konzessionsangelegenheit zu einem glücklichen Ende zu führen. Es wurde jedoch daraus nichts, Klein verlangte sein Geld zurück, erhiett es nicht, es war unterdes vom Ingenieur Walter abgehoben worden. Kom- merzienrat Klein verklagte daraus Professor Preyer und seine Cousine Lorenz beim Zioilgericht. Ingenieur Walter befindet sich in Moskau. Professor Preyer erklärte vor Gericht, daß von einer arglistigen Täuschung keine Rede sein könne, daß er in der ganzen Sache guten Glaubens gewesen sei und von dem Golde nichts gehabt habe. Im Laufe der Verhandlung ergab sich unter anderem, daß noch am 48. Januar 1928 L i t w i n o w in Beantwortung eines Briefes des Prof. Preyer diesem mitteilt, daß die Konzessionssragen zwar nicht in seine Kompetenz gehörten, daß er jedoch veranlaßt habe, daß die Prof. Preyer interessierenden Angaben eingeholt würden und daß er, Liiwinow, die Auskunft erhalten habe, daß bereits in den nächsten Tagen die endgültige Entscheidung des Rates der Volks» kommissare in der Konzessionsangelegenheit stattfinden würde. Es freue ihn. Litwinow, heißt es am Schlüsse des Briefes, Professor Preyer diese Mitteilung machen zu können. Aus diesem Brief schließt die klägerische Partei, daß Prof. Preyer bei seinen Ver- Handlungen mtt Kommerzienrat Klein im Februar 1928 gewußt Hobe, daß eine endgültige Entscheidung noch nicht gettoffen sei; trotz- dem habe er unter Vorlegung des Konzessionsvertrages vom November 1927 sich im März 1928 als Inhaber der Kon- Zession bezeichne). In der gestrigen Verhandlung versucht« das Gsricht, zwischen den Parteien einen Vergleich herbeizuführen. Kommerzienrat Klein erklärte sich bereit, sich mtt einer Zahlung von 25 000 Mark zu- friedenzugebern Prof. Preyer lehnte diesen Vorgleich ab: er forderte Zurücknahme der Behauptung einer arglistigen Täuschung und wollte nicht mehr als 3000 M. zahlen. Im Verlause der darauffolgenden Verhandlung gab das Gericht dem beklagten Professor Preyer zu verstehen, daß der Notariatsvertrag keinen Zweifel darüber lassen, daß er als In- Haber der Konzession bezeichnet worden sei und daß er laut dem Vertrage als Gesellschafter auch für einen Tell der«ntstandenen Verluste auszukommen habe. Während Kommerzienrat Klein sich schließlich bereit erklärte, auch mtt 13 000 M. zu begnügen, blieb Professor Preyer bei seiner ablehnenden Haltung: er sei überzeugt gewesen, daß die Konzession mtt der Sowjetregurung perfekt sei. Die Aufforderung des Gerichts, durch Zeugen den Beweis für die Richtigkeit dieser seiner Behauptung anzutreten, beantwortete Prof. Preyer mit dem Hinweis darauf, daß er keinen Zeugen habe. Das Urteil steht vorläufig noch aus: es kann jedoch kein Zweifel herrschen, daß der.Kläger wenigstens zu einem gewissen Teil recht behalten soll. Das waren also die SowjetgeschÄte des deutschnationalen Professors Llnternehmer-Marxisten. „Lesen Sie nur, was« dieser Marx da über die Zustände um itSZv schreiot: zeynstündiqe Arbeit vierjähriger Kmdcr in Spinneieicn, Kranen als llntertazarbeiterinnen in Berg« werken, vierzehn« vis fechz-hnstüudiqe Arbeitszeit usw. usw.: da können wir direkt unser heutiges Wirtschafispro- gramm daraus zusam-nenstellen!" eine Entschließung an, in der es u. a. heißt:„Die Versammlung hat mit der größten Besorgnis Kenntnis genommen»on den Beschlüssen des Partsiaueschufses und den Maßnahmen des Partsivorstandes. Sie erblickt hierin eine schwer« Gefährdung der Einheit und Ge- schlolsenhctt der Partei und verlangt mit Entschiedenheit, daß dies« Maßnahmen zurückgenommen werden. Geschieht das nicht, so fällt die volle Verantwortung für die Folgen auf den Vorstand. Die Ver- sammlung erblickt in dem Verhalten der Aucgeschiossencn nichts Parteischädigendes. Dlc Einheil und Geschlossenheit der parke«, die heule nolrnendiqcr denn je ist. wird gestärkt durch eine Aenderung der Politik gegenüber dem Reichs- kanzler Brüning und ferner durch eine Wiederherstellung der Mei- nungsfreiheit innerhalb der Partei." Der Beschluß der Frankfurier selbst zeigt deutlich, wie die Der- sammlung hinters Licht geführt wurde. Daß die Spattungsabsicht bei der„Fackel"-Gruppe längst bestand, ist unwiderleglich festgestellt und von Beteiligten offen zugegeben. Der Streit um die angeblich bedroht« Meinungsfreihett ist nur vorgespiegelt.— Im übrigen be. schränkt sich der Anhang Portunes fast ausschließlich auf Frankfurt- Stadt. Oer wilde Streik im Ruhrrevier. Die VGO.-Aktion findet keinen AnNang. Bochum, 4. Oktober.(Eigenbericht.) Die Bemühungen der Kommunisten, einen Streik im Ruhrberg- ban herbeizuführen, sind trotz größter Propaganda nicht«vesentlich erfolgreich gewesen. Bei der Frühschicht am Donnerstag streiken nach Angabc des Scrgbauindustriearbeiter-Berbandes auf Zeche Kaiser st nhl 2 202 Mann." ans Zeche Radbod öZ0 Man», aus Zeche Sachsen die ganze Belegschaft der Früh- s ch i ch t. ans Zeihe Friedrich Heinrich in Möre tiZZ Manu, bei der Tliederrheinlschen Berzwerks-Gesellschaft. ebenfalls in Mors, S 4 0 M a n n. aus der Zeche vereinigte Velheim 200 Mann, aus der Zeche Valtrop 440 Mann. Auf der Zeche 7l e u m ü h l in Hamborn fehlen 22 proz„ auf Thyssen 4/8 44 proz. und Thyssen 2/5 22 proz. der Belegschaft. Zm Haltinger, Bochumer und Gelsenkirchencr Revier wird nicht gestreikt. Bisher ist es zu Zwischenfällen und Unruhen nicht ge- kommen. Lleberfall auf polizeioberwachimeister. In der vergangenen Nacht gegen 4 Uhr wurde vor dem Haufe Sophienstraßc 30 ein Polizeioberwachtnuister von vier unbekannt gebliebenen Tätern aus dem Hinterhalt überfallen und mit einer Eisen st ange Niedergeschlagen. Dabei riefen die Täter „Du verfluchter Schupohund, auf dich haben wir schon lange ge- wartet!" Der Perletzte wurde von Zivilisten noch dem Hedwigs- Krankenhaus gabrocht. Cr hatte zwei etwa S Zentimeter lange Natfende Kopfwunden davongetragen, konnte aber nach Anlegung von Notverbänden in sein« Wohnung entlassen werden. Das Geld im Ofen. ZOOO Mark zum Schornstein hinaus. Mißtrauen gegen feine Ehefrau hat den Kaufmann N. die rund- Summe von 3000 Mark gekostet. N. hatte bis vor einiger Zett ein Gemüsegeschäst, verkaufte es aber und erhielt die Summe von 3000 Mark bar aus- gezahlt. Er mißtraute de» Banken und Sparkassen nicht weniger als seiner Frau und versteckre seinen kleinen Schatz in einem Kachel- osen. Das Ehepaar wohnt in der Laubenkolonie„Nordsee" bei Duchholz. Gestern war e» in dein Häuschen so kühl, daß die Frau einheizen wallte. Sie schichtete Kleinholz aus und legte darüber die Briketts. Lustig brannte das Feuerchen. Als der Mann ins Zim- mer kam, wurde er beinah« ohnmächtig, denn mtt Briketts und Hotz zusammen verbrannten seine schönen 3000 Mark. Alle Rettungsversuche waren vergebens, das Papiergeld war vernichtet. Demokratischer Zvahlsseg in Missouri. Im Staate Missouri er- obertcn die Demokraten mit großer Mehrhett einen neuen Sitz im Repräsentantenhaus. Der Wohl wird als bezeichnendes Symptom für die im nächsten Jahr stattsindende Präsidentenwahl große Be- deutung beigemessen, da beide Parteien jegt wieder gleich stark im Weißen Hause vertreten sind. 3m modernsten Kraftwerk Europas Llnterreöung mit Vr.-Ing. Rehmer, dem Direktor des neuerbauten Westkrafiwerks zu Berlin In einem weiten, lichten Raum, durch dessen Glasdach das Tageslicht hell hercinflutet, sitzt ein Mann, gemütlich die Pfeife im Munde, und schaut auf das Tanzen eines Zeigers der kleinen Kontrolluhr vor ihm auf dem Tisch, Das ist das Fieberthermo- meter, das anzeigt, daß in dem Riesenkörper der elektrischen Zentrale alles in Ordnung ist. Der Mann braucht nur auf einen Knopf zu drücken, um dem modernsten Kraftwerk Europas das Lebinslicht auszublasen. Er stellt das Zentralgehirn dar. Von hier gehen die Nervenstränge aus, die die gewaltigen Adern mit den hunderttausend Pferdestärken Leistung regulieren. In dieser Halle laufen alle Kabel zusammen, gleichsam um sich vorzustellen, daß sie alle richtig arbeiten, ehe sie ihre Reise hinaus in den Wirt- schaftskörper antreten dürfen. In ihnen rollt die gewaltige Menge Elektrizität, die im Nebenraum erzeugt wird. Wer erzeugt sie eigentlich? Jene Ungeheuer, die dort an den Boden geschmiedet und geschraubt sind. Ein Zittern geht durch den Leib dieser Ungeheuer, von denen jedes die Kraft von ISMO Pferden hat.„Turboaggregate" nennt sie der Fachmann. Die Turbooggregate haben einen gewaltigen Durst und Hunger. Von der vorbeifließenden Spree muhte extra ein Arm abgezweigt werden, um das nötige Kühl- und Speisewasser heranzuschaffen. Durch mehrere Gitter und Reiniger wird das Wasser zu den drei großen horizontal lingendcn Kreiselpumpen gebracht, In großen Kesseln wird das flüssige Element zu Dampf ver» wandelt durch die Höllenglut, die unter den Kesseln brodelt. Ein wahrer Hexensabbat herrscht hier. Die Windsbraut, die die mächti- gen Ventilatoren erzeugen oder die durch den Zug der Iii) Meter hohen Schornsteine entsteht, vereinigt sich mit den glühenden Kohlen, die langsam auf beweglichen Rosten wandern. Ueber lOOO Grab herrschen in dieser Hölle, in die man durch ein Fenster hineinsehen kann. Unaufhörlich, aber auch unerbittlich nehmen die Roste die glühenden Kohlen mit sich fort und laden sie, nachdem auch das letzte bißchen Wärme aus ihnen herausgepreßt ist, in Löfchtrommeln ab. Hetzt sind sie nur noch Schlack«. Stählerne Zähne zerkleinern sie und aus einer Schüttelrinne wird sie nach außen gefördert, um zu Wege- baumaterial oder Steinen verarbeitet p werden. Wie das Wasser den Durst der Tiere im Maschinenraum loscht. so die Kohle den Hunger. Und der Hunger nach Kohle ist nicht ge- ringer als der Durst. Die Kohlen sind die Speise. Für einen genügenden Vorrat wird immer Sorge getragen. In einem künstlich angelegten Hafen, einer genau viereckigen Verbreiterung der Spree, kommen die Kähne mit den schwarzen Diamanten an. Von einer Brücke aus langt ein mächtiger Greiser hinunter und faßt jedesmal 30 Zentner Kohlen, die er in einen Trichter fallen läßt. Von hier aus geht's auf einem Förderband bis auf 26 Meter Höhe hinaus, um in die Kohlenbunker über den Kesseln zu fallen. Automatisch rutscht die Kohle weiter hinab in den Höllenschlund der Feuerung. Was das Ungeheuer des Kraftwerkes gerade nicht fressen kann, weil es satt und träge ist, das kommt in die Speisekammer, die sich rechts und links von einer mehr als 200 Meter langen Fahrbahn hinzieht. Alle diese schwarzen Massen, die dort lagern, werden einmal zu Elektrizität oerwandelt, diesem modernsten oller Wunderstofse� Durch dicke Kabel wird er zur Traussormatoren-Station geleitet, um hochgespannt hinaus in die Millionenstadt zu gehen, wo er sür die Menschen arbeiten muß. In Fabriken als Treibkraft für die Maschinen, u». den Bahnhöfen als Antrieb für Lokomotiven, in den Straßen und Häusern als Licht bis hinaus in ein einsames Dach- stübchen, wo er eine Nähmaschine bewegt. Ueberall wirkt sich die Kohle aus, die in die Elektrizitätswerke wandert. Ein einziger Mensch lenkt von einer Zentralstelle aus die Umwandlung in Licht und hat nichts zu tun. als auf das Tanzen des Zeigers zu achten. Dieser kleine Zeiger am Tisch in der Zentrale warnt rechtzeitig. Er ist der kleine Eckehard. Der hält Wacht, damit sich der Verbraucher im Lande ruhig zum Schlummer niederlegen kann. Auch in der Nacht wird er seine Lampe andrehen können oder seinen Wärme- ofen einstellen. Der Strom wird nicht aussetzen. Das neue Kraftwerk West ist besonders für den Techniker in vielerlei Hinsicht ganz interessant. Da es als Spitzenwerk dient, also nur wenige Stunden Betriebsdauer hat, ist es äußerst sparsam und massiert gebaut, um den Zinsendienst möglichst niedrig zu hallen. Es hat halb so viel Kessel wie das nur wenig größere Kraftwerk Klingenberg, aber doppelt so viel Turbinen. Diese können, weil sie kleiner sind, schneller an- und abgestellt werden, weil jedesmal eine geringere Masse in Bewegung gesetzt werden muß. Die notwendigen Ver- luste sind dadurch erheblich oermindert. Tritt irgendwo ein plätz- licher Strombcdarf auf, so kann er durch Laufenlassen von Tur- binen sofort befriedigt werden. Dementsprechend muh auch die Feuerung elastisch sein. Das Westkrastwerk hat erstmalig in Deutschland eine ganz neue Unter- seuerung erhalten. Diese hat gegenüber den üblichen Anordnungen den ganz bedeutenden Vorteil, daß sie unsortierte Kohlen zu ver- wenden gestattet. Daneben sreilich auch sortierte Damit ist ein weiter Spielraum in der Einkaufsmöglichkeit gewonnen. Man ist nicht mehr an eine bestimmte Sorte Kohle gebunden, iondern kauft diejenige, die gerade am günstigsten zu haben ist. Was die Feuerung selbst anbelangt, sö hat die Bewag hier in ihren Werken zum ersten Male in größerem Umfange die beiden sich in Amerika, ihrem Ursprungslande, bekämpfenden Feuerungs- arten von Railey und von Tailer durch deutsche Firmen, die die Lizenzen hallen, ausführen lassen, um die Feuerungen auf ihre Geeignetheit für deutsche Kohlen auszuprobieren und so der deutscheu Industrie die Nlöglichkell zu geben, beide Arten studieren zu können. Das ist eine Pionierarbeit im Interesse der deutschen Technik, bis sicherlich Anerkennung verdient. Auch die Kohlentransportanlagen sind in diesem Umfange und Ausmaße in Deutschland bisher noch nicht gebaut worden. Im Westkrastwerk sind Umschlagplätze vorhanden sür die Entnahme der Kohle vom Kahn und vom Großgüterwagen auf den Platz und um- gekehrt. Dadurch können die mit der Bahn oder zu Schiff an- kommenden Kohlen umgeschlagen und dorthin geschafst werden wo sie gerade gebraucht werden, im Werk Spandau, in Klingenberg oder sonstwo. Für ein wichtiges Versorgungsgebiet ist es wertvoll, möglichst mehrere große Werke zu haben. Es ist etwas anderes, ob man eine Großstadt wie Berlin mit einer Eity, mll zahlreicben großen Warenhäusern, Geschäften usw. mll Strom versorgen muß oder irgendeine Kleinstadt. Der indirekte Schaden, den eine Störung der Stromzufuhr bei den Geschäftsleuten verursacht, ist oft gar nicht abzuschätzen. Darum geht man immer mehr dazu über, die Ge- ichästszentren der Großstädte von mehreren Werken aus zu speisen und so eine Unterbrechung der- Stromzufphr auszuschalten. Um diese Forderung zu erfüllen, hat man das neue Westkrastwerk gebaut, das darüber hinaus ein. Musterwprk für die,, gesamte Elektrizllätsversorgmrg Deutschlands darstellt. Ein„Vorwärts"-3ubilar. Am heutigen Tage kann unser Kollege vom Feuilleton, Genosse Karsten Hinrich Döscher, aus eine 23jährige Tätigkeit am„Vor- warts" zurückblicken. In dieser langen Zeit ist Döscher aufs engste verwachsen mit den Geschicken und der Gestaltung unse.es Blattes. Aus Ostfriesland stammend, kam er im Jahre 190« über Bayern nach Berlin. Hier hat er an dem Ausbau des Feuilletons in guten und weniger guten Zeiten hervorragenden Anteil gehabt und dem „Vorwärts" auf künstle. ischem Gebiet« eine eigene Tradition schaffen helfen. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß unser Kollege, der als erster„Vorwärts"-Redalteur das 25-Jahr-Iubiläum begehen kann, noch recht lange mit unvermindeAer Frische sür den„Vor- wärts" wirken möge. Das Aiteniai auf Achmed Zogu. Gchwurgerichtsprozeß im Innviertel. Am Abend des 20. Februar d. I. verließ der in Wien zur Kur weilende albanisch« König'Achmed Z o g u mit einigen Begleitern die Staatsoper. Da sielen Schüsse, und der Adjutant Major Top- p o l a j wurde getötet, der Hvfminister L i b o h o v a schwer verletzt. f Als Täter wurden die zwei albanischen Emigranten A s i s C a m i und N o k G j o l o s ch i verhaftet und des Mordes usw. angeklagt. Der Oberste Gerichtshof hat statt der gesetzlich zuständigen Wiener Geschworenen die des bäuerlich- klerikalen Jnnviertels zur Aburteilung berufen, und jetzt beginnt dieser Prozeh vor dem Schwurgericht in Ried. Viel Gendarmerie und Polizei wird aufgeboten. Die Verteidigung wird die politischen und sozialen Zustände in Albanien aufrollen, um das Attentat alsAerzweiflungsaus- b r u ch des von Achmed Zogu und seinen Leuten geknechteten und zum Söldner Mussoliniens erniedrigten Volkes darzutun. Eine Broschüre, die den Mohammedaner Achmed Zogu als Feind des Christentums hinstellt, ist in Ried oerbreitet und den Geschworenen zugeschickt worden: sie behauptet sogar, daß nicht der Angeklagte Gjoloschi, sondern Achmed Zogu seinen Adjutanten durch den Kops geschossen habe,.damit manches Geheimnis für immer be- graben bliebe". Die Staatsanwallschaft hat diese Broschüre be- schlagnahmt, da die öffentliche Erörterung der Kraft von Beweis- wickeln vor ihrem Gebrauch in der Hau ptverha ndlu ng verboten ist. Vor zwanzig Zahren. 1911.— 30. September.— 1931. Die Zeitungen haben in den letzten 20 Iahren ihr Gesicht sehr verändert. Nimmt man Bände von 1908, 1909, 1910, 1911 zur Hand, findet man kaum eine Uebcrschrist, die über die ganze Seite geht, und man entdeckt auch sehr selten einen Balken, der sich über zwei Spacken erstreckt. Heute vor 20 Iahren, am 30. September 1911. brachte der„V o r w ö r t s" einen Balken mit dem einzigen Wort„Kr i« g s b e g i n n!" Darunter schreibt er:„Das Furch:- bare ist geschehen. Zwischen zwei europäischen Mächten ist der Krieg erklärt worden! Hier die Meldung: Rom, 29. September. Da die o t t o m a n i j ch e Regierung die in dem Illtimatum enthaltenen Forderungen Italiens nicht angenommen hat, besteht zwischen Italien und der Türkei seit heute, dem 29. September, nachmittags 2.30 Uhr, Kriegszustand.." Am 28. September 1911 hatte die italienische Regierung in Konstantinopel«in Ultimatum überreicht, das die Auslieserung Tri- politaniens und der Cyrenaita oerlangte. Das Illtimatum besagt« in typischen Diplomatenton des Imperialismus:„Di« italienische Regierung, die sich gezwungen sieht, von nun an den Schutz ihrer Würde und ihrer Interessen zu denken, ist entschlossen, zu einer militärischen Besetzung von Trrpolis und Eyre- n a i k a zu schrecken. Diese Lösung ist die einzige, die für Italien in Betracht kommt." Als die Türkei ablehnte, übergab der cka- lienifche Geschäftsträger die Kriegserklärung. Damals schrieb der„V o r w ä r t s": „Die Folgen dieser Nichtswürdigkeck sind unabsehbar. Dia Besetzung von Tripolis jetzt auch den Balkan in Flammen. Bulgarien, Serbien, Griechenland lauern scck Jahren auf den günstigen Augenblick, über die Türkei her- zufallen und ihr jene Gebiete zu nehmen, wo ihr« Natwns- genossen wohnen... Und im Hintergrunde warten die Großmächte. Oesterreich-Ungarn sieht den Moment herannahen, wo es den Wunsch erfüllen kann, mit Saloniki sich sreien Zugang zum Aegäischen Meer« zu schaffen. Rußland kann daran denken, die Niederlage von 1908 wettzumachen und sich den freien Durchgang durch die Dardanellen zu sichern. Eng» l o n d s Absichten sind noch im Dunkeln." Der„Vorwärts" schloß seinen Kommentor inst dem Satze: „Soll die Raubsucht des Imperialismus wirklich die Greuel des Weltkrieges über die unglücklichen Völker herauf- beschwören, dann müssen die Herrschenden damit rechnen, daß nicht allein über Krieg und Frieden, daß über das System des Kapitalismus selbst die Entscheidung in ihre Hände gelegt ist." Was der„Vorwärts" damals voraussagte, ist w o r t w ö r t- l i ch e i n g e t r o f f c n. Im Oktober 1912 erfolgte der Kriegsaus- bruch zwischen den Balkanstaaten Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro auf der einen, der Türkei auf der anderen Seite. Der zweite Balkankrieg zwischen den Verbündeten des Vorjahres unter Zutritt Rumäniens im Sommer 19!Z schloß sich an. In der kurzen Frist vom Bukarester Frieden im August 1918 bis zu dem Tage von Serajewo kamen die Flinlen vor allem in Mazedonien und ?llbanien nicht in Ruhe. Was dann geschah, erlebten wir: Welt- lrieg, Nachkriegszeit, 1914 bis 1931. lind zu alledem: Die Geschichte des italienrsch-türkischen Kriegs- ausbruches ist heute mehr als aktuell. Wer denkt heute bei dieser Erinnerung an den imperialistischen Raubzug Italiens in Nord- ajriia nicht sofort an das neuerliche Vorgehen Japans in der Mandschurei! h. ch Frankreich beschränkt Einfuhr. Für agrarische Produtte. Poris. 1. Oktober.(Eigenbericht.) Die Ende August erlassene Verordnung über die Kontingen- ticrung der Holz- und Weineinfuhr nach Frankreich ist durch eine neue Verordnung auf eine Anzahl weiterer Erzeugmsie aus- gedehnt worden, so airf Vieh. Fleisch, Milch und Milchprodukte. Die Einfuhr dieser Waren hat sich seit Beginn des Jahre? derart erhöht, daß dadurch die Interessen der französischen Landwirtschaft geschädigt werden. Die in der Notverordnung festgesetzten Kon- tingent« sollen die Einsuhr aus der Durchschnickshöh« der letzten fünf Jahre zurückführen. Eine Erhöhung der Zollsätze für die betreffenden Waren ist nicht vorgenommen worden. Deutschland dürft« durch diese Mahnahmen besonders bei der Viehausfuhr nach Frankreich geschädigt werden. Das Ehorwerk„Aufmarsch". Zur Uraufführung am Sonntag. Abschluß und Höhepunkt der Veranstaltungen, die der R e i ch s- ausschuh für sozialistische Bildungsarbeit anläßlich seines 2Sjährigen Bestehens in Berlin durchführt,, bildet eine künstlerische Feier st unda am 4. Oktober, mittags 12 Uhr, im Theater der Volksbühne. Die Feier wird eingeleitet durch Beethovens Fünfte Sinfonie(Dirigent Dr. Fritz Stiedry). Dann folgt die Uraufführung des Chorwerkes„Der A u f m a r s ch". eines neuen Wertes für gemischten Ehor und Blasorchester, dessen Text von dem Arbeiterdiihtcr Mar Barchel geschrieben ist. Auch der Komponist Heinz Dießen ist, weit über die eigentlichen Musik- kreise hinaus, der Berliner Arbeiterschaft wohl bekannt: ist er doch mehrere Jahre Kapellmeister an der Volksbühne gewesen: außerdem dirigierte er seit 1924 den Jungen Chor, der in zahlreichen Ver- anstaltungen der Berliner Arbeiterschaft mitgewirkt hat. Das Chorwerk, dessen Uraufführung auch aus den Rundfunk übertragen wird, bläst zum Aufmarsch. Es ruft die Massen auf, zusammenzustehen und eine neue Welt zu bauen. Zwei gemischte Chöre, der Aolkschor Moabit und der Volkschor Harmönie, Char- lottenburg, unter der Gesamtleitung von Georg Oskar Schumann, sowie ein Blasorchester(Berliner Konzertvercin) wirken zusammen, um die Idee des Werkes, das aus drei Teilen besteht, zu verkünden. Der erste Teil bringt als Bekenntnis den Grundgedanken zum Ausdruck und ruft die Massen aus(in besonderen Chören die Berg- leute und die Schnitter). Der schweren und wuchtigen Melodik des erste» Teils folgt ein in weicheren Tönen gehaltener zweiter Satz, der über das„Mädchenlied" zum Schlußstück und Höhepunkt dieses Teils, der„Arbeit" führt. In ihm spricht sich wiederum der starke Gesaintcharaktcr des Werkes aus. Der dritte TeU lecket ein mit einem stürmischen Ausruf an die Jungen imd führt dann in weiteren Steigerungen zum zündenden Marschlied„Vorwärts, wagen!", das, in volkstümlicher Melodik und Rhythmik gehalten, Ausdruck stärksten Geincinschastswillens zur Tat ist. Mit revolutionärer Kraft klingt das Werk, den Aufmarsch beendigend, aus mit der Gewißheit: Wir stehen zusammen, Das neue Werk, dos im Verlag des Arbeitersänger- b u n d e s erschienen ist, recht sich würdig an die in den letzten Jahren entstandenen größeren Chorwerke an. die als ernsthaste Vor- such« einer neuen mit dem Streben des Proletariats verbundenen künstlerischen Gestallung zu werten sind. Einlaßkarten zu 1 M. für die Uraufsührung sind in der Buchhandlung Dietz, Lindenstr. 3, im Warenhaus der Konsum- genosscnschaft Oranienstraße und an anderen Stellen zu haben. Frih und Adolf Busch im Rundfunk. Da« gestrige Abendkonzert der Funkstunde fand im Rahmen der europäischen Konzert« statt; eine repräsentativ« Veranstaltung also, die von den meisten europäischen und auch von amerikanischen Sendern übernommen wurde. Adolf Busch spielt« da? Geigen- konzert von Beethoven: er spielt es oft: immer wieder aber entzück: die kristallene Klarheit, die vorbildliche Schlichtheit seiner Wieder- gab«. Einer Wiedergabe, die alle pathetischen Gesten, alles virtuosen- haste Getue oermeidet, die in der freiwMigen Beschränkung, im Zurücktreten hinter dem Werk den Meister zeigt. Sem Bruder Fritz Busch dirigierte das Concerto grosso von Händel sowie die Mozartvariationcn von Reger. So bewundernswert dieses vielleicht schönste Orchesterwerk Negers ist, so sehr wir Fritz Büschs bekannt« und berühmte, farbenprunkende und klangbesessenc Ausdeutung dieser Variationen zu schätzen wissen— so wenig eignet sich das Wert für eine Rundfunkübertragung: gar für die Sender der halben Welt. Di« barocke Polyphon!«, die überladene Instrumentation lassen es einfach nicht„durchkommen", wie der Fachausdruck lautet. Wann wird mau sich endlich entschließen, solang« die Möglichkeiten der Uebcrtragung nicht vollkommener sind als jetzt, zwischen rund- funkeigener Musik und solcher zu unterscheiden, die vorläufig noch dem Konzertsaal vorbehalten bleiben muß? A. W, „Gchwarzwaldmadel" und Schupo. „Zentraltheater." Vor der Kasse tobt ein hartnäckiger Kampf. Man will hinein, und das Theater ist ausverkauft. Aehnlichc Szenen sollen manchmal bei Caruso-Gastspielen ausgeführt worden sein. Aber hier geht es nicht um einen berühmten Sänger, sondern scheinbar um eine Fehl- disposllion der neuen Direktion Coper,. die viel Reklamebillests oder ähnliches vertcill hat. Man raunt sich zu, daß ermäßigte Karten zum Preise von 50 Pfemüg verschickt worden seien, Karten, die am letzten September eingelöst werden müßten. Jedenfalls stiftet das Ueberfollkommando einen provisorischen Friedensschluß, und die Ausführung beginnt. Leon I c s s e l dirigiert selbst seine altbewährte Operelle. Er verleiht dem kleinen Orchester Glanz und Wohllaut, er demonstriert fast, wie gut das Werk instmmcntiert ist, welche Einfälle in der Musik stecken, in diesen schönen, breck geschwungenen Melodiebögen. „Schwar�waldmädel" wirkt trotz der Jahre nicht verstaubt, denn die Musik zeigt Erfindungsgeist und Kultur. Zfllerdings ereignen sich auf der Bühne weniger erfteuliche Dinge. Die Darsteller übertreiben gern, keine Ppint« existiert, die nicht unterstrichen wird. Mäßigung wäre empfehlenswert. Vor allem aber fehlt es an Stimmen. Iesscl muß gesungen werden. Die sehr begabte Christel Storm, Nicol und Göritz können trotz ihres guten Spiels nicht iiber diesen Mangel täuschen. Eupers Stimme hat Klang und auch Hedi Krämer besitzt erfreuliches Material. Waller Fein und Harry G o n d i allein bemühen sich um feinere Charakterisierung. Einmal erhob Wintcrberz dos Zontraltheater zu einer der besten Operettenbühnen Berlins. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. — t. Ende des wochenschautheaters. Das erst vor einigen Wochen eröffnete erste deutsche Wochenschautheater in der Kantstraße hat schon wieder schließen müssen, weck der Besuch nicht entsprechend war. Die Foxsilm-Gesellschast. die die Wochenschau lieferte, will den Versuch an anderer Stätte wiederholen. „.«awpf um Sillch" im Abeadspielpla». Wegen des auterordentUchen ErfplflcS der Berstellung der Senderabieilungcn hat dt« Direktion der VnlWfciikme beschlossen, Stemmlej Schulstück„Kampf um Kissch" in den Abendspielplan aufzunehmen. Da» Komödleuhau» teilt mit. da« die Premiere„L i e b l i n a a d i c u" nicht am l., sondern am 2. Oktober stattfindet Bereit» gelöst« Karten be- halten ihre Gültigkeit. Hermann Lochade. 25 Lahre im Dienste der LTF. Der Genosse Hermann Jochade, Vorstandsmitglied im Einheitcoerband der Eisenbahner Deutschlands und Mitglied des Generalrats derJnternationalenTransportarbeiter> f ö d e r a t i o n, begeht heute sein Zbjähriges Angestellten- jubiläum. Nachdem Jochade schon mehrere Jahre nebenamtlich in der Internationalen Transportarbcitcrsödcration tätig war, wurde er ani I. Oktober 1905 angestellt und war rastlos um den Ausbau dieser beiden Organisationen bemäht. Wir wünschen unserem Freund und Genossen noch viele Jahre erfolgreichen Wirkens. Subveniionen für Mansfeld. Arbeiter gegen i2 prozentige Lohnkürzung. Heldra tMansselder Seekreis), 1. Oktober. Eine von 200 Funktionären der am Tarifvertrag der Mans- feld A.-G beteiligten Gewerkschaften besuchte Versammlung am Mittwoch befaßte sich mit der jetzigen Lage in Mansfeld. Die Verhandlungen zwischen der Mansfeld A.-G., dem Reich und dem preußischen Staat seien- zu einem gewissen Abschluß gekommen. Durch das Zusammenwirken von Mansfeld, dem Reich und Preußen, sowie der Belegschaft solle die Weiterfährung der Betriebe bis Ende 1932 sichergestellt werden. Der V e r l u st, der bei den augenblicklichen Metallpreisen rund �00 000 Mark monatlich fär die Mansfeld A.-G. beträgt. solle gedeckt werden, indem rund 250 000 Mark an Löhnen und Gehältern monatlich eingespart werden. Das würde einer Lohn- fenkung um 12 P r o z. entsprechen. Der übrige Teil des Verlustes solle von der Mansfeld A.-G., dem Reich und dem preußischen Staat getragen werden. In der mehrständigen Llussprachc wurde von allen Rednern betont, daß eine weitere Lohnherabschung zur Verelendung der Arbeiter fähren würde. Ein 12prozentigcr Lohnabzug sei eine glatte Unmöglichkeit. In einer Entschließung werden die Reichs- und die preußische Regierung aufgesordert. der Mansfeld A.-G. Subventionen zu ge- währen, um einen weiteren Lahn ab bau zu vcr- hindern. Weiter wird die preußische Regierung aufgefordert, zu prüfen, ob die von einigen Blättern genannten Riese ngehältcr der Mansfeld-Direktoren tatsächlich gezahlt werden und— falls dies zutrifft— auf eine Herabsetzung dieser Gehälter hinzuwirken. Streik im Oanziger Hasen. Danzig, 1. Oktober. Der Mittwoch abend von den Komniunisten ausgerufene „Generalstreik" der Hafenarbeiter hat heute früh begonnen. Die Streikparole ist allgemein befolgt worden, so daß kein Hafenarbeiter heute zur Arbeit erschienen ist. Wetter für Berlin: Vorwiegend heiter, am Tage weitere Er- wilrmung, südliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen zeitweise stärkere Bewölkung und im Südwesten auch Neigung zu etwas Regen, im übrigen Reiche noch keine nenncnswerte Aenderung. Die Zahl der Arbeitslosen in England hat zugenommen. Sie betrug am 21. September 2811615, 22 535 mehr als in der Vorwoche. am Abend. Donnerstag, 1. Oktober. Berlin. Ifi.os Stadtrat Dr. Läwcnstein, M. d. R.: Neuland der Erziehunj. 16.30 Spanische Lieder.(Mara Fratcwa Christowa Sopran: Flüeel: Bruns Seidler-Winkler.) Anschließend vier Fantasien von Mozart, Chopin. Wiener nn-t Haba.(Irina Wcsterniann. Flügel.) 17.30 Juxendslundc. Kreuz und quer durch die Ostsee(Sprecher: Wilhelm Ehlers). 17.65 Zwei Kulturfilme. 18.20 Chorgesänae. 18.40 Programm der Aktuellen Abteilung. 19.00 Von der Französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß. T. Valeria Maren: Der Baslillesturm in Europa. 19.25 Aus der Städt Oper, Charlottenburg: Erstaufführung„Macbeth". Oper in vier Akten. Dichtung von Francesco Maria Piave. Ins Deutsche übertragen von Georg Göhler. Musik von Giuseppe Verdi. Musikalischs Leitung; Fritz Stiedry Inszenierung- Karl Eberl. Während einer Pause Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk. Stud.-Dir. Ernst Schorsch: Aus der Arbeit der Sonderschulen. Wie die kleinen Taubstummen sprechen lernen. 17.30 Lisbcrb Dill: Herbst an der Saar. 18.00 Hochschulfunk. Prof 1). Lütgcrt: Gott und Glaube. 13.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Wettet für die Landwirtschaft 19.00 Stunde des Landwirts. 19.30 Wert und Wirkung der Kunst. Prof. Kurt Sachs: Die Musik. 19.55 Wetter. 20.00 Von Langenberg: Aus Opern und Operetten. SctantmortL für die rRcboftion: Aich. Bernstein. Setiin; Änzeizen: Td. Siecke, Serlrn. ilttlua: Sotmätts Sctlaq®. m. b. S.. Scciin. Druck: Cotmärte Sud). btuefetti und SccIoRsaitstalt Sani Sinact& Co.. Berlin S3B 68, Linbenstrusie 3. Sietüu I Setlaae. ßefchäfts-Jütseiger föezivfc Jlordcn-Cfien [233 Tapeten Linoleum TapHenhaiis Hussach NO, worther Str. 30 Hermann Lorenz WA«, Kanee.Tce, Kakao Eig. Rösterei seit 1870 (Solz& Sartz Metallwarenfabrik Badewannen Spastische 217 NO 18, Pallisadenstrahe 83 Sie sind zufrieden durch HetnllBtatitr, 3tlg., nur 2.75. Xormal-IIesMlngMtatlv, 411«., nur 4.40 I Mtatlvrnttei-ale, Vollrindleder, fest, m Klappe, 1. 3— 7tlge. Stative, nur 8,5« f Kamcrataarhe, Salpaleder, Samtfutter, für Box Tengor 6X9. nur«.SO do. lür Holllilm 6X9 nur«.73, für Platlenkamcra 9X12 nur 8.75 „«»»Ivgclbniterr-atz,, 3 Filter mit Patemhalter im Etui. 31 mm, nur 39 mm. nur 3,0«, Scllmtauslöser für Moment 2.73, für Zeit| und Moment 5. SO.— I-iate V kostenlos, RATA IlftHklC Gegr. 1900. W.«5. Chanssce- rVlU'Dlfllna straOe HO und Fennstr. 88 (R. 202 „Hawag" Heizung, Lüftung, Be- und Enlwässerunp NOld, Landsberger Ztr. 91, Tel.: Alcx.9130 1 V ✓ Dachpappen-Verkauf etc zu billigsten Fabrikpreisen Theodor Seibel Dachdeckermeister, Leitcrrüstungen Bt-rlln-JIurienaul Vlenmel Köpenick, Sdilo�stra�e 17. Gegen Husten u.Heiserkeit nur uilrich&Co..Ufeißensee Pistorlusstr. 102a Telaphom Walßenseo 1258 Ueberau erhältlich Fenster- und fie&aude Relnigunos Gesellschaii m.b.H. Berlin S036,SchlesischeStr.42 Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 BilSigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten ✓ Bohner- unä Oelmaschinen/ Staubsauger/ Vertreter- besuch jederzeit unverbindlich Genossen, untersittizl Bure eigenen Beiriebel Deckt Euren Bedarf a Urnen u.Grabdenkmäla-n nur in d tninmrtihriftn Gemeinnützige Q. m. b. H., Baumschulenweg, lllilillllcIlllUllE, Klefüolzstr,, gegenüber dem krematorium. Tel.: F3, Oberspree 1685. Lieferung nach allen Friedhöfen in Groß- Berlin. Bitte auf die Firme aditen. Sonntag, geiffnet. Gerichtsir. 46, gegenüber Kremat. Seestr. 59, gagsnüb. Urnenfriedhof jitit audi: im !« M Bosenlholer Str. 11-12 3Säle,6Vereinsziinmer zu Versammlungen und Festlichkeiten Stempellabrib Werner& Schade Berlin N, Kastanienallee 43 FernsprechanschluB Humboldt 1011-1011 liefen Kaotsdiuk- und Metallsteinpel prompt GEDtectNe SCHLOF-HERREN- U-SPEISE-ZIMMER- ■i, uii, kucken iKem i EiNZEl-u.KLf INHÖBEL I GROSSE AUSWPHi: BilHqster Verkasf .ia im PPBRIK ge&Sum Kein Laden■ fluch TeiUahigr PIPNOS wbbMerEeCcrbar.SeanM Über 50000 hergesteh. FABRIK: 3 SCHILLE t BERLIN C 54 RDS£NTUAL£ft-$TRASSt 5 Finr: D 1 Horden 7542 ,/f.£äckemäcke Optisches Institut lH 58, Schönhauser Allee 136 Xfeferanl für tämll. Wrankeukassen M. Haufe Boumsdtulcn Berlin-Zehlendorf Obstbäume, Rosen, Heckenpflanzen Ziersträucher, Koniferen, Alleebäume usw fmr Preislisten Kostsntrei. rei.: zehiendorl 1080, soss. HUZI GROSSDESTILLATION Priozessinnenstrasse 17 mner- Ecke Brandenburgstr. r Vercinidic Tifdilermeifier G. m. b. H. Bau- und NObeUisdilerei Köpenick, Glienicker Strafe 19 I'cjartseil, Wäsche VerleiP Tel.: Moritzpl. F.1, 0918. S 42, Fürstenstr 20 Wäsche aller Art � Gute Bescbaffenheit, kulante Bedingongen! Bevor Sie I�IÖBSCB kaufen Büro mö bei Berlin N 65, Fennstr. 27 luUfft SCnUSZG Telephon DB, 3128 besichtigen Sie meine Ausstellung Zahlungserleichterung ohne Aufschlag, bei Kassa 50/o Ti schlermeister Berlin N, Chausseestr. 60 Raftkeller Wedding Otto Friedrich Schulz m&llerssr2ß@ 146 LimDurgerStr. ■ Vereinszimmer i Erd- und Fcuer- Bestattungen in federPrcloladc Potsdamer Sir. 97 and Filialen Fernsprecher; Stephan 090 GRIENEISEN Bei Bedarf in Auflagematratzen fordern Se nur die weichgepolsterte „WW" Modradze (m. ga-ant, neuem Material gefüllt). Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. JULIUS KIWI Emil Heinrich! Bln.'NledersdiOiiliaiisen. fiermanenslr.äö Telephon Pankow 18S6 BouscHlosserel, Tür- n. FenslerDescliiaBe Aa logen• sm velDerei, EiseRkoastrnktlonen ¥orwirts,,-Leser, kauft bei unseren Inserenten! {Beitage Donnerstag, 1. Oktober 1931 StorPtopab ShalaiüujcJße Jti tbutasA Altersaufbau, Geburtlichkeit und Volkswirtschaft Von Henriette Fürth Die Furcht vor Entvölkerung und Vergreisung geht bei uno wieder einmnl um. Sic stützt sich auf die unbestreitbare Tatsache, daß die Geburtenzahl zurückgeht und die Menschen zu höheren fahren kommen, als es früher der Fall war. In diesem Zusammenhang ist eine Abhandlung von besonderem Interesse, die unter dem Titel:„Die gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungen im Altersaufbau der deutschen Bevölkerung" in Nr. 23 vom l- Dezember 1930 in„Wirtschast und Statistik" er- schienen ist. Aus ihr geht hervor, daß im Jahre 1871 bei einer Bevölkerung von rund 41 Millionen der Anteil der Untersünfzehnjährigen sich aus 34.4 Proz., der 15- bis 45jährigen auf 44,3; 45 bis 65 Jahre 16,6: 65 und mehr Jahre auf 4,7 Proz. stellte. 1910 lauteten die bezüglichen Ziffern bei einer Bevölkerung von rund 65 Millionen auf 34,1, 45,6, 15,3 und 5,0 Proz. Es hatte also schon damals eine leichte Erhöhung des durchschnittlichen Lebensalters bei gleich- zeitiger Senkung der Geburten stattgefunden. Diese Tatsachen sind bekannt und längst nach allen Seiten gewürdigt. Auch die Fort- dauer und Verbreiterung dieser Tendenz, wie sie in den Ziffern van 1925 zum Ausdruck kommt. Die Zählung von 1925 weist 25,7 Proz.: 0 bis 15jährige: 49,3 Proz. im Alter von 15 bis 45 Jahren; 19,2 Proz. zwischen 45 und 65 Iahren und 5,8 Proz. über 65 Jahren auf. An diese Feststellungen reihen sich die voraussichtlichen Ziffern von 1930 bis 1980. Sie kommen zu dem Schluß, daß um 1 9 8 0 die Zahl der Unterfünfzehnjährigen von 25,7 Proz. in 1925 auf 22,1, die der'15- bis 45jährige.n von 49,3 auf 41,2 Proz. ge- fallen sein dürfte. Erhöht hätte sich die Anteilnahme der 45- bis 65jährigen von 19,2 auf 22,8 und der über 65jährigen von 5,8 auf 13,9 Proz. der Gesamtbevölkerung. Selbst wenn wir diese Zahlreihen, was wir nicht tun werden, als zutreffend hinnehmen wollten, würde sich aus ihnen kaum die 5latastrophenstimmung führender Bevölkerungspolitiker rechtfertigen lassen. Wäre eine solche Entwicklung wirklich einer Vergreisung unseres Volkes im Sinne erlahmter Erwerbsfähigkeit, körperlichen und geistigen Versagen? gleichzustellen? Um darauf eine schlüssige Autwort geben zu können, muß man sich erst einmal über den Begriff der„Vergreisung" klar werden. Das durchschnittliche Lebensalter hat in Deutschland zwischen 1871 und 1926, d. h. also in 55 Iahren um rund 20 Jahre zugenommen. Es ist von 35,8 Jahren bei den Männern und 38,45 bei den Frauen auf 55,97 bzw. 58,82 gestiegen. Das kam einmal daher, daß zu einem Teil infolge des Geburtenrückgangs, zu einem anderen dank der ver- besserten Säuglingspflege die Säuglingssterblichkeit, beträchtlich her- abging. Zum anderen hatte und hat es seinen Grund in dem Umstand, daß die Menschen dank den Fortschritten der Menschen- Ökonomie auf dem Gebiet der chygiene, der Körperpflege und Kultur zu höheren Iahren gelangen, und zwar erreichen viele von ihnen diese„höheren Jahre" in solch geistiger und körperlicher Frische und Leistuugssähigkeit, daß es nicht länger angängig ist, sie als volkswirtschaftliche Belastung zu empfinden, sondern daß man diese alten Leute in ganz anderem Umfang als früher als einen Aktiv- Posten in dre Wirtschaftsbilanz einsetzen darf. Es geht daher auch nicht an, wie das in„Wirtschaft und Statistik" geschieht, die Zahl der aus Altersgründen Unterstützungs- bedürftigen kurzweg dahin zu errechnen, daß im Jahre 1925 auf 100 Erwerbsfähige nur 8,4 Proz. über 65 Jahre alte Personen ge- kcmmen seien und daß sich diese Ziffer bei ständig gleichbleibender Lebendgeborenenzahl im Jahre 1980 auf 2l,7 Proz. belaufen würde. Ebensowenig wie man, ohne den Tatsachen bzw. ihrer Ursächlichkeit Gewalt anzutun, ableiten darf, daß da in den 4K Jahren seit der Volkszählung von 1925 die Zahl der über Fünfundsechzigjährigen um 500 000, also um jährlich über 110 000 zu- genommen habe, diese Entwicklungslinie nun auch für die Zukunft inaßgebend sei. Man vergesse doch nicht, daß die älteren Jahrgänge der den Krieg Usberlebenden starke Nerven und Konstitutionen haben mußten, denn die schlechten Risiken hatte der Krieg und die In- flation weggefegt. Aber ganz abseits dieser Erwägung müssen wir die Entwicklung einmal von der staats- und weltwirtschaftspolitischen und auch ein wenig von der biologischen Seite her betrachten. Die vorausgesetzten Endziffern von 1980 zeigen uns die Untersünfzehnjährigen mit 15125 000 von einer Gesamtbeoölkerung von 68 450 000 oder mit 22,1 Proz. Es käme dann für die Aufzuchtskosten eines Kindes die Arbeitskraft, selbst wenn wir die veraltete Grenze der 65 Jahre bei- behalten wollen, von drei Menschen in Betracht, während früher diese Last in Deutschland auf zwei Menschen, in Frankreich auf vier Menschen entfiel(vgl. Fürth„Die Gebürtenftage als loziales Problem", Conradsche Jahrbücher, dritte Folge, Bd. 14, C. 1913). Von der wirtschaftlichen Seite her also eine außerordentlich be- grüßenswerte Umstellung. Und biologisch? Ist nicht gerade Frankreich ein Schulbeispiel dafür, daß ein Volkstum trotz verringerter Geburtlichkeit auch als Nation gesehen, höchst leistungsfähig sein kann? Weiter. Ist selbst ein weiteres cherabgehen der Geburtlichkeit mit reihefolgender Minderung der Säuglingssterblichkeit, Sicherung besserer Aufzucht?- und Lebensbedingungen, d. h. ober Besserung der allgemeinen Lebenserwartung nicht ungleich wünschbarer als die Verwirklichung des Schreis nach der Zahl? Wir sind aber noch keineswegs am Ende unserer Beweis- führung. Wir haben bis jetzt die in Wirtschaft und Statistik an- gegebene und zahlenmäßig gestützte Entwicklungslinie unserer Er- wägungen als zutreffend zugrunde gelegt, sind aber jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir einige Bedenken gegen die Rich- tigkeit der bezüglichen Schlußfolgerungen vorzutragen haben. Nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung liegt vor, die durch die Entwicklung der jüngsten Jahre stark bestritten wird. Die Geburtenziffer von 1928 betrug 18,6 vom Tausend der Bevölkerung. 1929: 17,8 und 1930: 17,5. Trotzdem betrug der Geburtenüberschuß, der in 1929 infolge der schweren Grippeepidemie auf 5,3 pro Tausend gesunken war, in 1930 wieder 6,5 pro Tausend. Das heißt aber, daß wir noch in 1930, dem ersten Jahr der schweren Krise, einen Ueber- Ichuß von 415 924 Menschen aus die Beine stellen konnten. In dem laufenden und den nächstfolgenden Jahren dürfte sich das zwar ins Ungünstige ändern. Einmol weil anzunehmen ist, daß die allge- meine Notlage die Krankheitsanfälligkeit und Sterblichkeit erhöhen werde. Zum anderen, weil die heute nur zu berechtigte Angst vor Familienzuwachs auch die Geburtenfreudigkeit solcher Kreise mindern wird, die bis jetzt von der Welle des Verzichtes auf Nachkommen- fchaft noch verhältnismäßig unberührt geblieben waren. So heißt es bezeichnenderweise in einem Artikel von„Wirtschaft und Statistik" <1931), daß nach einer leichten Senkung die Geburtenrate schon in der ersten Hälfte von 1930 der verstärkte Geburtenrückgang „zeitlich genau neun Monate nach dem Beginn der jetzigen Wirtschaftskrise(Ende 192 9) einsetzt e". Deutlicher kann der enge Zusammenhang zwischen Wirtschästs- und Geburtenzahl(den wohl jeder aus den Erfahrungen in seinem eigenen Kreise bestätigen kann) nicht dargetan werden. Ebenso wie ein etwaiges Stehenbleiben oder selbst eine leichte Erhöhung der Sterberatc aus den von uns angeführten Gründen zu erklären sein würde. Wenn dem aber so ist(und für die Gestaltung der Geburtlich- keit liegt dieser Nachweis, wie wir gezeigt haben, bereits vor), dann ist es absolut unzulässig, aus der konjunkturellen Beeinflussung be- völkerungspolitischer Vorgänge Schlüsse auf eine sich über 50 Jahr« erstreckende Zukunft zu ziehen. Wir wollen gewiß nicht in den entgegengesetzten Fehler ver- fallen und etwa aus der gleichfalls wirtschaftlich begründeten Tat- fache des Geburtenanstiegs in 1928 optimistische Schlüsse ziehen. Jedenfalls ist es aber abwegig, aus hoffentlich vorübergehenden wirtschaftspolitischen Konstellationen so weittragende bcvölkerungs- politische Annahmen herzuleiten. Abgesehen von diesen wirtschaftspolitischen Zusammcnhäygcn gibt auch der außerhalb dieser Sphäre sich zweifellos aber langsam vollziehende Geburtenrückgang auf absehbare Zeit keinerlei Anlaß zu nationol-politischer Besorgnis. Er ist ein anderer Ausdruck für eßje Vielheit von Tatsachen, die wir unter den Schlagwörtern: ver- inehrter Kultur- und Zivilisationsanspruch auch der Massen und in Sonderheit der Frauen, Freisetzung von Arbeitskräften, gleich Ueberflüfsigwerden durch fortschreitende Rationalisierung der Wirt- schaft, Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer usw. zu- sammenfassen wollen. Ihre Gesamtheit bedeutet: Menschenökonomie, Ersatz der Quantität durch die Qualität, Sieg des Menschen über die Materie, denn der Mensch wird nicht mehr der Sklave der Gütcrherstellung, sondern die Produktion die Dienerin des Menschen sein. Seine Majestät der Mensch! Das ist die Cntwicklungslinie, die ich sehe. Auf ihrem Weg hat weder Massenproduktion von Menschen noch ihr Massensterben Raum. Davon ein andermal. Mütter und Töchter— ein soziales Problem Von Nelly Wolffheira Fast alle Mädchen sind heute ins Erwerbsleben einbezogen, nur ganz vereinzelt findet man noch— wenigstens in der Großstadt— die Familiendrohne f richerer Zeiten, die ohne eigentliche Arbeit nur dem Versorgtwerden entgegenlebt. Darin hat ein sozialer Ausgleich stattgefunden, der linterschied zwischen Arm und Reich ist in dieser Hinficht aufgehoben. Wenn wir hier auf diese an sich bekannte Tat- fache hinweisen, so geschieht es, um darzutun, w:e einseitig Entwick- lungen oft vor sich gehen. Denn obgleich die Mädchen erwerben, obgleich sie geldlich selbständig sind, bleiben sie, wenn auch in einem etwas gewandelten Sinne, Haustöchter wie einst. Ganz anders als die Syhne werden sie neben ihrer Berufsarbeil von der Familie in Zlnfpruch genommen und weit nrehr werden sie in ihrem Tun und Lassen„beaufsichtig�. Lellut in den Kreisen chcr Arbeiterschaft, die früher als Widere Volksschichten'für die politisch�" GKüystellüng der Frauen einthglen, ist man im Hinblick aus die Töchter noch vielfach auf einem vcralreten Standpunkt geblieben?" Daß eine zü fest« Bindung der Töchter an des Zuhause und ganz besonders an die Mutter nicht unbedingt gutzuheißen ist, soll in folgendem nach- gewiesen werden. Fast überall beobachtet man, daß zwischen Müttern und Töchtern Schwierigkeiten bestehen. Nicht immer liegen die Konflikts klar und deutlich erkennbar an der Oberfläche, oft werden sie durch eine ver- mehrte Fürsorge des einen für den anderen liebevoll überdeckt. Daß aber Gegensätzlichkeiten vorhanden sind, beweisen die Neinen Reibe- reien, die sich im täglichen Leben ergeben. Mehr als früher können sich heute derartige Reizbarkeiten auswirken, da unsere Zeit das entfernende Refpektverhältnis zwischen Ellern und Kindern auf- gelockert Hot. Was die Gegensätzlichkeit zwischen den Generationen zutiefst hervorruft, kann hier in einem kurzen Aufsatz nicht ausgeführt werden, wir wollen nur betonen, daß die Ursachen sür sich ent- wickelnde Schwierigkeiten zumeist in der frühen Kindheit wurzeln. Selbst die besten Eltern können es nicht vermeiden, in ihrem Tun und Lassen von ihren Kindern kritisch beobachtet und beurteill zu werden, Gefühlsmomente verschiedener Art sprechen dabei mit, und ganz besonders sind es die Beziehungen zwischen Müttern und Töch- tern und zwischen Vätern und Söhnen, die den Untergrund zu späteren Schwierigkeiten bieten. Aber neben diesen zumeist un- bewußten Gegensätzlichkeiten, stehen solche des realen Lebens. Ein jeder Mensch, auch wenn er noch so sehr bemüht ist, sich dem Wandel der Dinge anzugleichen, ist an seine eigene Jugendzeit und ihre Ideale gebunden. Keine Mutter wird es daher ohne Leid mitansehen, wie anders sich der Entwicklungsgang ihrer Tochter abspielt, wie weit sich diese von dem entfernt, was ihr als das Richtige erscheint. Selbst bei größter Rücksichtnahme der Töchter muß die ältere Generation dies herausfühlen, muß sich als hintenangestellt vorkommen. Und das ist sie ja schließlich auch. Neues Leben muß das Alte verdrängen, neue Wertungen, neue Ziele, neues Glück steht im Vordergrunde. Jede Mutter sollte mit diesen gegebenen Tatsachen rechnen, aber trotz aller verstandesmäßigen Erkenntnis kann es nicht ausbleiben, daß Bitterkeiten entstehen. Niemand verzichtet gern, und keiner muß es so sehr wie die Mütter heranwachsender Töchter. Sie sehen am direktesten, wie neues Leben neben ihnen sich entwickelt, sie, die sich alt' werden' suhlen, die als Weib zurückstehen müsien, haben auf- strebende Jugend neben sich, die genießt, was ihnen nicht mehr gilt. Wohl wird eine Frau leichter zurücktreten können als die andere, wohl sind heute die Gegensätze zwischen alt und jung nicht niehr so kraß, wie einst, trotzdem: Das Naturgegebene ist harte Forderung im Leben der Frau. Eifersucht, die nicht stets bewußt zu werden braucht, hat iinmer Möglichkeiten, die Beziehungen der Mutter zur Tochter zu durchkreuzen. Oft freilich auch auf umgekehrtem Weg: Töchter, denen das Leben nicht hält, was sie erhofften, neiden den Müttern ihr Frauenleben. Reizbarkeiten können auch aus dieser Quelle stammen. Anderes kommt hinzu. Die Loslösung der Töchter von der mütterlichen Leitung bedeutet den Frauen meist Enttäuschung und das Gefühl des Ueberflüssigseins. Das häufig zu auffallende Be- mühen, die Mädchen in einem Abhängigkeitsverhältnis von sich zu halten, zeigt dem Beobachter dies sehr deullich. Das Aufbegehren der Töchter gegen die Mütter, wenn sie dies Bestreben bemerken, sollte der älteren Generation beweisen, daß sie auf falschem Wege ist. Denn Loslösung ist Forderung einer gesunden Entwicklung, sie durch eigensüchtiges Dagegenarbesten aufhalten zu wollen, bedeutet für beide Teile zwecklosen Kampf. Darum muß jede Mutter Resignation aufzubringen wissen. Aber— wir wollen nicht mißverstanden werden — nicht etwa zu viel Resignation! Denn die Mütter sollen ja noch selbst leben, nicht zu früh dürfen sie sich aufgeben. Jede, d'e Mutter und die Tochter, gestalle sich ihr Leben für sich, wie es chrer Eigenart entspricht, denn Freundschaft zwischen Mutter und Tochter, dieses Ideal aller heranreifenden Frauen, dieses so häufig vergeblich an- gestrebte Ziel, wird sich dort ain besten gestalten, wo die Wege nicht zu nah beieinander sind. Darum löse man sich von der oben erwähnten Einengung der Töchter in ein Haustochtertum, das keine Berechtigung mehr hat. Die erwerbstätigen Mädchen sollten berechtigt sein, sich außerhalb ihrer Familie selbständig zu machen, wenn sie sich erhalten können und— sagen wir es in ungefährer llmgrenzung— die Mitte der Zwanzig überschritten haben. Warten sie länger mit der Trennung der Hausgcmeinfchast, kann es geschehen, daß ihnen selbst die Lösung durch eine zu starke Bindung an das Gewohnte unmöglich wird. Zluck> im Jnteresfe der Mutter zjt es gelegen, daß, sie im Augenblick msser Trennung noch- jung genug ist, um sich umzustellen. Nicht kvenu sie bereit« das Eigenlei'en- aufgegeben hat, fondern früher sollte der Schritt getan werden?' Die äste Mutter ficht in ihren Kindern zu stark Besitz, um sie entbehren zu können. Solange die Frau aber noch selbst im Vordergrunde steht und stehen will, ist ihr die äußere Trennung— die durchaus keine innere zu sein braucht— vielleicht Schmerz, vielleicht aber auch seelische Befreiung, jedenfalls jedoch nicht ein Unglück. Pin Forscherparadies in der Südsee Eins geologische Expedition der Universität Sidney, der sich ein jüngerer Völkerkundler, Jan Hogbin, ein Schuler von Professor Radcliffe-Brown, angeschlossen hatte, fand aus der Re n n c l l- I n s c l, der südlichsten Insel des S a l o m o n e n- A r ch i p e l s, einen Nolksstanun, dessen Kultur und Leben von europäischer Zivilisation noch so gut wie völlig unberührt geblieben ist, so daß seine Erforschung ein geradezu ideales Arbeitsfeld für die Völkerkunde bildet. Die Rennell-Jnsulaner haben ihre alten Sitten und ihre ursprüngliche Denkweise deshalb in so völliger Reinheit bewahren können, weil die Insel keinen ein- zigen Hafen besitzt und darum seit ihrer Entdeckung durch Kapitän Bligh im Jahre 1790, also vor jetzt 140 Jahren, kaum je von europäischen Schiffen angelaufen worden ist. Die wenigen Weißen, die je von anderen Inseln des Salomon-Archipels herübergekommen sind, fanden nichts, was eine wirtschaftliche Ausbeutung lohnen würde und unterließen weitere Besuche: einige Aerte und Messer, die einzigen Spuren europäischer Zivilisation auf der Insel, zeugen von ihrer Anwesenheit. Der einzige Versuch zu einer Airsiedlung auf der Insel wurde vor wenigen Jahren von der evangelischen Südseemission unter- nomnren, scheiterte aber, da die beiden Missionare, selbst Eingeborene von benachbarten Inseln, von den Rennell-Jnsulanern nach ganz kurzer Zeit erschlagen wurden. Seitdem ist die Insel wieder in chr« Isolierung zurückgesunken. Als die australische Expedition auf der Insel landete, wollte es ein unglückilther Zufall, daß die Kiste mit Büchern über Bord ging und nicht gerettet werden konnte. Da der junge Forscher sich offenbar nicht durch das Studium anderer Südseefprachen genügend auf die Expedition vorbereitet hatte, so stand er dem Problem der Erlernung einer neuen Sprache ohne jede Hilfsmittel gegenüber. Es war offensichtlich, daß es sich um eine Sprache von polynesischem Typus handelte, aber da es niemand auf der Insel gab, der Englisch verstand, so konnte Tzerr Hogbin natürlich nur außerordentlich langsame und mühsame Fortschritte im Erlernen der Sprache machen. Er ist deshalb jetzt nach Sidney zurückgekehrt, um sich dem Studium der bereits bekannten polyne- fischen Sprachen zu widmen und dann zu einem längeren Aufenthalt auf die Insel zurückzugehen, die eine so einzigartige Gelegenheit darstellt, heute noch primitives Leben und Denken in unverfälschter Form keimen zu lernen. Der Forscher ist überzeugt, daß die Insel Seefahrern so wenig Verlockungen bietet, daß es noch Jahre, viel- leicht Jahrzehnte dauern wird, ehe sie aus ihrer paradiesischen Unberührtheit gerissen werden wird. Er vergißt dabei allerdings. welchen Einfluß feine eigene Anwesenheit auf die Eingeborenen haben wird— vielleicht werden spätere Forscher Mythen von einem weißen„Kulturbringer" aufzuzeichnen haben, der ihr Leben und Denken durch seine bloße Anwesenheit umgestaltet hat. Kommunistischer„Sport" Die Parteileitung kontrolliert die Spielabschlüsse. Die der kam- munistischen Sportinternationale zugeneigten elsah-lothringischen Fußballspieler hatten ihren Verbandstag, auf dem u. a. folgender Antrag angenommen wurde: „Verine, die mit der„Interessengemeinschaft" Spiele aus- tragen möchten, muffen sich an die kommunistische Partei- l e i t u n g Saarbrücken wenden." Der Antrag bestätigt, was wir stets behaupteten, die„Inter- essengemeinfchast"(jetzt nennt sich der kommunistische Sportverband: Aompfgemeinschaft) ist eine Einrichtung der Komunistischcn Partei. Nötigung eines Lehrlings unter kommunistischem Druck. Eine der verwerflichsten Methoden des Kampfes gegen ein Mitglied des Arbciter-Turn- und Sportbundes haben die Kommunisten in Eningen(Württemberg) angewandt. Dort ist der Lehrling eines griseurmeisters vom kommunistischen Turnverein zu einem Bundes- verein übergetreten. Solange er im kommunistischen Verein war, hatte er aus seiner Arbeitsstätte Ruhe Nach seinem Austritt setzten die Kommunisten seinen Meister unter Druck, der daraufhin unter der wörtlichen Begründung:„Sie müssen wissen, daß ich als Ge- schäftsmann mich den örtlichen Verhältnissen anpassen muß und werde", oerlangte, daß der Lehrling innerhalb 24 Stunden von seinem Amt im Bundesvercin entbunden wird. -!- Die Lüge ist ihnen eine Notwendigkeit. Die kommunistische Parteizeitung.Kämpfer"-Chemnitz berichtet in großer Aus- machung über die„bodenlose Gemeinheit", daß in Wünschen- darf im Erzgebirge Mitglieder des Bundesvcreins auf dem Sport- platz die Fußballtore angesägt hätten, um die kommunistischen Fuß- ballspieler am Spielen zu verhindern Groß ist das Erstaunen über diese Nachricht in W.. denn jeder Ortseinwohner kann sich über- zeugen, daß die Tore noch genau so dastehen, wie früher. Warum die charakterlose Verleumdung? Für parteiergebene KPD.- „Sportler" höchst einfach: Sie sollten an dem Sonntag als Gegen- kundgebung gegen das Kinderfest des Bundesvereins ein Fußball- spiel veranstalten, bekamen aber in Wünschendors nicht genügend Spieler zusammen, so daß das Spiel ausfallen mußte. Um ihre Ptamage zu verdecken, griffen sie zur gemeinsten Lüge. Rot- Sportler als Lohndrücker. In Ottendorf-Okrilla bei Dresden wollte die Firma August Walther u. Söhne, Glas- fabrik, dazu übergehen. 20 Proz. unter Tarif zu zahlen. Das wurde einstimmig abgelehnt. Das zweite Ansinnen der Firma lautete aus lk> Proz. Abzug und wurde mit gg Proz. der Stimmen abgelehnt. Am anderen Tag stellten sich revolutionäre Maulhelden von Rot- Sport und der KPD. der Firma zur Verfügung und nahmen so den„Kampf bis aufs Messer" gegenüber dem Unternehmertum auf. Die letzte Regatta Langstrecbcnfahren der Freien Ruderer und Paddler Am Sonntag findet die L a n g st r e ck« n r e g a t t a der im Arbeiter-Turn. und Spoitbund zusammengeschlossenen Ruder- und Äanuvcreine des 1. Kreises statt. Die Rennen finden auf der altiewährten Strecke für Ruderer vom Bootshaus des Ruder- verein�„Vorwärts" in Obeischöneweide— Köpenick— Rohrwallinsel— Bootshaus„Vorwärts", über 17 Kilometer, für Paddler vom Boots- Haus des Reichsbanners Wendenschloß— Bootshaus„Vorwärts" Über 19 Kilometer stakt. Ziel ist also für beide Bootsgattungen das„Vo, wärtZ"-Bootshaus. Die Rennen sind trotz der Wirtschaftskrise gut besetzt. Gemeldet hoben im ganzen 82 Boote(genau soviel wie im Vorjahre). Bon den 1.) Rennen sind 8 für Ruderer und 7 für Kanufahrer. Die Frauen sind diesmal gut vertreten, uno zwar im Doppelvierer mit i und im Doppelkajak Klasse S ebenfalls mit 4 Meldungen. Von auswärts sind Rathenow(im Leichten und Iugendvierer) und Sprembcrg(im Doppelkajak Kl. 5 und Faltboot Kl. 19) vcr- treten. Besonders stark sind besetzt die Ruderrennen Iugend-Riemen- vierer mit 7, Iunioren-Riemenvierer mit 19 Booten, die Kanu- rennen im Doppelkajak für Junioren mit 19 und im Viererkajak mit Steuermann, der als Fünfer gesahren wird, mit 6 Booten. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr. Das Bootshaus„Vor- wärts" ist zu«.reichen mit der Stadtbahn bzw. Straßenbahn 87. 187, 91, 93, 98 Iis Baumschulenweg, dann Ucbersetzen mit Motor- boot oder Straßenbahn 13 bis Kraftwerk Klingenberg, dann 29 Mi- nuten Weg durch Laubenkolonie Wilhelmstrand und Vorwärts. Ein- trittspreis inkl. Programm 39 Pf. Die Arbeiterschaft ist hierzu eingeladen._ Erster Start der Ringer „Tegel" siegt gegen„Alt- Wedding" 8:6 Der rührige Arbeiterathletenverein„Tegel 1899" ver- anstaltete den ersten größeren Monnschaftskampsabcnd im Ringen in diesem Winterhalbjahr. Ein wahres Massen- aufgebot von Ringern gab sich ein Stelldichein— nicht weniger als drei Mannschaststrefsen wurden glatt und flott abgewickelt, eine mehr als achtbar« Leistung. Die Arbeiterathlelcn orauchen um Kampsgelegenheit nicht bange zu werden, die Tegler sorgen schon für eine kampfreichc Saison. Die slotten und interessanten Treffen zeitigten folgende Ergebnisse: I. Mannschaft„Tegel 1 8 99"—„Alt-Wedding 18 8 3": Kraske(Teg.) siegt über Falke(AW.) nach 33 Sekunden, Lorenz(AW.) über Müihlbrcdt(Teg.) in der 8. Minute, Hartmann (Teg.) über Müller(AW.) in der 4. Minute, Putzte(AW.) und Reichelt unentschieden. Höhne(Teg) über Weghe(AW.) in der 7. Minute, Michael(?lW.) über Rosentreter in gleicher Zeit, Wallo- scheck(AW.) und Rosenkranz(Teg.) unentschieden. II. Mann- schaft Hennigsdorf— II. Tegel 4:4: Kloß(Teg.)— Hilbricht(H.) unentschieden, W. Mühlbredt— Dalg« unentschieden, Prcnndnitz(H.) wirft Schumann(Teg.) in 3.98 und Babbel(Teg.) Hilpert in 1.33 Minuten, Flack(Teg.) und Krumnow(H.) un- entschieden, l. Jugend mann schaft Tegel— I. A l t- W e d d i n g ö: 4: Kolbe(Teg.) über Fiebta(AW.) in der I. Minute, Fritz(Teg.) über Schütze(AW.) in 4.38 Minuten, Zoschke gewann gegen Peise in 2,42 und Langer(AW.) über Wiese(AW.) i» 2.19, Großlcr(AW.) gegen Schill in 2.19 Minuten. Zlu-Zitsu: Frcund-Rohrbeck unentschieden. Panees zwang Fröhlinz in der 4. Minute zur Aufgab«. Rerüner„Soli"-Meisterschaft Wie in jedem« Jahre, so wird auch jetzt wieder das letzte Straßenrennen, das am kommenden Sonntag auf der Rundstreckc Falkensee— Brieselang— Pausin— Falkensee stattfindet, als Me i st c r- schaft der Rennfahrer Groß-Berlinz von„Solidarität" aus- getragen. Das Rennen, das über 39 Kilometer führt, ist ein Zeit- fahren. Die getrennten Starts in Wständen von 2 Minuten erfordern eine strengere Kontrolle der Strecke wie auch der Fahrer. um Begünstigungen irgendwelcher Art auszuschließen. Wie im Vorjahre, so sind auch in diesem Jahre Meldungen zu diesem letzten Straßenrennen von fast allen Fahrern abgegeben worden. Wenn ein Tip abgegeben werden kann, so wird der Sieger zwischen Sacht- leben, Hoffmann, Schwarz, Prause und Wothe zu suche» sein. Prause ist bei jedem Rennen immer besser geworden und auch Hoffmann hat erst am vergangenen Sonntag beim Städtetampf in Stettin ein Australisches Verfolgungsrennen in überlegener Manier gewonnen. Der Start für alle Teilnehmer Ist am Knie früh 6 Uhr. Umkleidelokal ist in Falkensee Restaurant Wulf', am Bahnhof. Steinsorlh flog 658 Stundenkilometer. Mit der gleichen Vickers Rolls Royce Maschine 8 1393, mit der sein Kamerad Lt. Bochmon das Wasserfwgzsugrenncn um den Schneider-Pokal gewann, hat jetzt der englische Fliogerleutnant S t a i n f o r t h den absoluten Gcschwindigkeitsweltrekord auf 937,739 Stundenkilometer verbessert. Die größte Geschwindigkeit, die der tollkühne Pilot auf der drei Meilen langen Rekordstrecke zwischen Lee on che Solent und Hill Head östlich von der Marincflugstation Calshot erreichte, betrug 668,937 Stundenkilometer. Bildungsarheit des T.V. Die Naturfreunde haben es sich immer zur Aufgabe ge» macht, an chreni Teile mitzuwirken, wo immer sozialistische Kulturarbeit geleistet wird. Einmal geschah es praktisch durch die Einrichtung einer großen Zahl von Wander- und Ferienheimen. Zum anderen aber erstand eine Verpflichtung in der Gruppenarbsit. Geistige Regsamkeit war immer Kennzeichen lebendiger Naturfreunde- arbeit. Nicht umsonst arbeite» ungezählte Gruppen und Arbeits- gemeliischaften auf Spezialgebieten. Hervorzrcheben sind dabei die naturkundlichen Gruppen in denen zum Teck sogar wertvolle wissen- schastliche, in aller Oesfentlichkcit anerkannte Forschungsarbeit ge- leistet wird. Daneben ist die Arbeit von der Allgemeinbildung in den größeren Ortsgruppenveranstalwngen wichtig. Die Berliner Naturfreunde haben auch darin eine gute Tradition. Neben der internen Gruppenarbeit stehen hier die Ge- samtveranstaltungen der Ortsgruppe, die immer Themen des all- gemeinen kulturellen Aufbaus dringen. Schon im September brachte ein tiefschürfender Vortrag von Dr. Der! wertvolles Material über die innere Entwicklung der menschlichen Natur, über die Psycho- analyse Siegmund Freunds und dergleichen. Im März wird ein zweiter Vortrag Deris noch die damit verbundenen Erziehungs- fragen aufrollen. Dieser Vortrag soll auch Klarheit bringen, in welchem Maße durch Erlebnisse und Eindrücke von der Außenwelt Erkenntnisse hervorgerufen werden, die zu einer gewissen Selbst- erziehung zwingen. Die allgemeinen Fragen der Kulturgeschichte wird Friedrich Wendel in seinem Vortrag im November:„Warum treiben Sozialisten Volkskunde?" berühren. Dieses für gefeflfcha'b liche und soziologische Erkenntnisse so überaus wichtig« Thema wird leider in Arbeiterkreiscn immer noch zu wenig beachtet. Dann bringt besonderes ein Bortrag mit Schallplatten von Erich Knauf über Musik. Anklingend an seine bekannten Vorträge über„Mexi- tonische Musik" wird hier der Referent eine Gegenüberstellung zeigen von guter alter Volksmusik, die als Volkskunst direkt aus dem Volks- leben herausgewachsen ist, und solcher Musik, die beeinflußt wurde von dem Kampf der modernen Arbeiterklasse als sozialistisch« Volks- gemeinschaft. Größere Veranstaltungen sehen wir bei den Naturfreunden wcüerliin noch in ihm Wintersonnenwendfeier am 20. Dezember in einen» größeren Saal an der Peripherie Berlins nach kleinen Tages- Wanderungen und in zwei Filmabenden am 21. Oktober im städtischen Filmsaal Neukölln und im Februar im Films«rninar, Leoetzow- stroße. Diese Filmabende werden gut« Kulturfilme der letzten Zeit bringen, die sich dem Gesamtmotto der Ortsgruppenoeranstaltung-n der Natursreunde„Borbereitung eintr sozialistischen Kultur" ein- ordnen lassen. Dabei ist wiederum selbswerständlich, daß«s sich hierbei nicht nur um Veranstaltungen lediglich sür die Natursreunde handelt, sondern daß Partei-, Jugend- und Sportg«noss«n dabei herzlich willkommen sind. Pholoausstellung der Gruppe Köpenick der Nakurfrenad«. Die diesjährige Photoausstellung der Gruppe Köpenick des TVdN. findet vom 13. bis 24. Oktober(nicht vom 4. bis 11.) im Jugendheim Köpenick, Dahfeitzer Str. 15(alle Gasanstalt am Bahnhof Köpenick) statt. 9- Voltssport Rculölln-Britz. Aitcroabtiilung. Douaustc. 120, ab 2. Ottob«« jiik-n ZrrUag 20—22 Uhr. Ottodlr-Mittrilungsblatt, Ausgadc in allen Iii). ieiiunaen, auch den Ninberabteilunaen. istSB.-Sü»«». Die Badeabcndc finden ab fftoUo«, 2. Oktober, wieaer regeiniiizig jeden Freitag von 20'� bis 22 Uhr in der allen Echwiniuchalle des Ctadtbades Kacrwaidstrahe slatt..- Zreic Schwimmer Zedlcudors. Mitgliederversammlung nicht Sonnabend, sondern Freitag, 2. Sltoder, 20 Uhr, Lindenpark, Berliner Str. 8. $>« Berliner Steiametzhiitte, ein aemerkfchaftluhes Unternehmen, das d m Verband sozialer Baubetriebe angesch'olsen ist, kann im Slopemder diese» Jahres auf«we zähniahriae erfolgreich« Tätigkeit zurückblicken. Der Betrieb hat i.ch au« den kmnsten Anfängen heraus in den verflossenen lZähron gut entwickelt. Der Umsatz an Krabdenkmälern und Urnen ist feit 102« vo« 11 000 9Ä. au! 08 000 M. gestiegen. Der Berliner Steimnetzhüll« war«» möglich, durch Qualitätsware und mäßige Preise da» Bertraueu der-Arbeiterschaft zu ge> Minnen. Um den Genossen im Norden Berlin» die Besichtigung der Denkmäler und Urnen zu erleichtern, eröffnet die Berliner EteinmetzhiUie ab 1. Oltvber 1031«in Zweiggeschäft in der weestr. 59, gegenüber dem llrneufriedhof, und ein weiteres Zweiggeschäft in der Kerichtstr.«, gegenüber dem Aremalprinm. Tie Berliner Steinmetzhütte bittet alle Interessenten, bri Bedarf um unveibind. liche Bcflchtigung ihrer tSraddcnkmäläer und Urnen. Theater, Lichtspiele usw. 5 tr yy sv Sj"7 SiV* Staats tft Theater Staaisoper unter den Linden. Oonnerstag. den 1. Oktobci 20 Uhr Ende nach 22U« Uhr. Die EntfUhrDna ans dem Sernll UntlidiainplelluQs üiatanainnirki. Anfang 20 Uhr Prinz Friedricb von Koniliorsi Sdiiilor-TheatBr Charlotiinhuri. Anfang 20 Uhr Der Ridiler von Zalamea •VeUhrCASINO-THEAlERsw Lolbriager Strafe 37. Sie lachen Tränen N*"1 über die tolle Posse Dodo, das Btf entliche Aergernls Dazu das neue bunte Progr.l Gutschein 1-4 Personen. Pa-kett nur so Pf. Fauteuil i— Mark. Hessel I.SO Mark Berliner IJlk-TriO N B H k• 1 1 B. v Lehnett. 74/76J VoiKsoilhne Diuter am Bülowplali /, Uhr Die Dubarry mii oma aipap Preise v. 0,50 M an OüDtsdiss meaiei 8 Uhr von Schiller Rioit: Mu Reinhard! Die Komödie 8% Uhr ROckKehr Komödie v. Donald Stevail Regie; Ousta! OMgens. Kurillrstenaamm- Theater aismatck 448/49 SV» Uhr Die schöne Helena von lacunes onendnoi Heule: Max Heinuarflt. Relchshallen-Theater Abends S Uhr, Sminlag nadimittag 3'. Uhr Das gr. Lach- programm der Stettiner KachmiiiaiiS ermäßigte Preise. BETRIEB rtA KEMPIHSklS* nieiropoi-ineaier Täglich SV« Uhr Sonntags 4 u S'U U Die Blume von Hawal Operettcv.Abraham Prei« von 1.— M. an. Komiscne oper S'ts Uhr Thron zu vergeben Operette v.iNeidhari Musik v Witmann Leux, Elster, Lilien. Preise; 0,30-7,- M Um-Ttieatei dir. Or. Robert Kleii Id.; WeidemJamo C8M Vit Uhr Junge Liebe. Mosheim, Srausewetter, Haack. Homoika. s'/r Theater 8'' desWestens Uevideminii 3 letzte Ahsdi edejaslspiele Freitaj, Soenabd. Sonntag Richard Tauber in..Dete Land de« Lltchclno Sonntag 4 Uhr Viktoria ODdibr Husar ■ Mal-Iiieater AltcJakobstr.30-32 Täglich 8'- Schwarzvald- infidel Jesscl diri jlert persönlich Christi Stura, Hmr Don CaltP.ilnr. bJPI, sn 6ot| •••••••••• Snserale im ß) vorwärts sichern Erfolg! eMMSSM» Gute Ware zu wohlfeilen Preisen GEfi-Margarloe. i pfd so, 60 und 40 pf. GEG-Schnittnudeln.. i ptd 40 pf. GEG-Makkarooi.... i ptd. 44 pr. GEG-Weizenmebl.... ipfd.24pf. GEG-Perlbohnen.... i pfd 18 pr GEG-Viktorla-Erbsen, han-V8Ä 24 pr. Gntsbntter.... GEG-Brnchreis.. i ptd. is und 12 pr GEG-Limburger Käse. j/,Pfd.30pf. GEG-HarZCr in Cellophan. 5 Stück 15 Pt GEG-Deutsche Fettheringe stück 4pf. GEG-B0ck!inge zum niedrigst Tagespreise : GEß-FiSChmarinaden in kielen Inbereitogen Va Pfd. IPf. Wurstwaren Thflringer...... pfd. 1.00 mr.; landieberwnrst. pfd. 112 u. 0.70 mr. Preßwnrst...... ptd O.SSmr. Feine leberwurst... pfd 1.60 mr. Sächsische Blutwurst. ptd. 0.70 mr. I Berliner Nettwarst pid. 1.40 u. 1.00 mr MettWnrSt Braunschweiger Art, Pfd. 1.44 u. 1.09 MR. Keine Zugaben! So isi es bei uns 4 KONSUM Genossenschaft Berlin und Umgegend E.G. m.b.H. Warenabgabe erfolgt nur an Mitglieder; Aufnahmegebühr 50 Pfennig Aufnahmen werden in sämtlichen Abgabestellen vollzogen