BERLIN AomieiMg s. Oktober 1931 10 Pf. Nr. 472 B 236 48 Jahrgang Erscheinttiglkch a«?er Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«»DorwSrt«'. Bejuzsrreiz beide Ausgaben 8d Pf. pro Woche. 3,60 M. reo Monat. Kedaklion und Expedition: Berlin SW 63, Lindenste. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 yM)iMwd6 Antetgenprel«: Die einspaltigeNonparnllcj.iI« 8c> Pf., Reklameteile 5M. Crmäßigunaen nach Tar�. Postscheckkonto: VorwckrtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7 SS6.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anteigcn vor! Brüning steckt fest Kein Fortschritt in der Bildung seines zweiten Kabinetts Reichskanzler Brüning ist heute morgen bei seinen Bemühungen um bi« Bildung seines Kabinetts nicht er- heblich weiter gekommen. Herr Schmitz von der J.G.-Farben bleibt beharrlich bei seinem Nein. Der Plan, den früheren Reichswehrminister Gehler an die Stelle von Wirth zu setzen, schwebt immer noch. Auch über die Besetzung des Auftcnministeriums ist noch keine Entscheidung gefallen. Herr von Neurath kommt alS Außenminister nicht mehr in Betracht. ES verlautet, daß Brüning vom Reichspräsidenten abermals die Bollmacht zur Auflösung des Reichstags erhalten werde, und daß nach seinem Sturz Neuwahlen zum Reichstag stattfinden würden. Geßler für Aufrüstung. Dessau. 8. Oktober.(Eigenbericht.) 3m Ausammenhung mit der für das Reichsinnenministerium genannten Kandidatur Dr. G« ß l e r s wird interessieren, daß Dr. Keßler oom Lairdbund Anhalt als Redner für die dies- jährige Hauptversammlung des Landbundes ange- kündigt wird, und zwar für eine Tagung, die die Forderung nach Wehrhaftmachung Deutschlands zum Ausdruck bringen soll, sowohl die wirtschaftliche wie die politische und mili- tärische Wehrhaftmachung. Oer Klub der Verworrenen. Heber die neueste politische Leistung des nationalliberalen Klubs, der sich heute„Deutsche Dolkspartei" nennt, schreibt heule die„Vossische Zeitung": „Ihre parteiamtlichen Empfehlungen sind ein beredtes Zeugnis für die Verworrenheit innerhalb einzelner bürgerlicher Gruppen. Aber gerade darum sollte der Reichskanzler sich die parlamentarischen Aussichten nicht noch trüber färben lassen, als sie in Wirklichkeit selbst jetzt, nach der Lerkünoung der dritten Not- Verordnung sind. Gewiß: nicht nur die sogenannte„nationale" Opposition, aus deren„Brei" am Sonntag wieder einmal ein Block geschweißt werden soll, rüstet zum Sturmangriff gegen ein zweites Kabinett Brüning. Auch an einer hohen Stelle in Berlin sind während der letzten Wochen Minen gegen Brüning gc- legt worden. Aber Brüning möge jene, die so gern mit dem Feuer spielen, vor die verantwortliche Entscheidung stellen, und es wird sich rasch zeigen, daß es etwas anderes ist, mit lebensgefährlichen Abenteuern zu kokettieren und etwas anderes, sie auch zu wagen. Aber um diese Probe zu machen, hätte es nicht erst eines Kabinettswechsels bedurft." Di«„Germania", das Berliner Zentrumsblatt, schreibt zur Lage:„Unsere Auffassung von der Situation ist die, daß der Kanzler seinen Weg nach seinen eigenen Entschlüsien gehen muß, um auch dieses Mal wieder die parlamentarische Entscheidung zu erzwingen. Es handelt sich»m zweierlei: einmal darum, daß das neue Kabinett eine noch stärkere über- parlamentarisch« Form erhält, und daß es eine geeignete A n- lehnung an die gemäßigt« Rechte sucht. Das Ziel Brünings muß nach unserer Aussassung dahin gehen, eine arbeits- starke und arbeitskrästige Koinbination zu finden, die allerdings sofort erkennen läßt, daß sich der feste Kurs, auf den es in diesem Winter ankommt, in den Bahnen einer sachlichen, vernünftigen Politik bewegt." * Der Parteivorstand der Deutschen Voltspartei tritt am Freitag in Berlin zur Beratung der politischen Lage zusammen. Der Reichs- ausschuß der Partei, dem außer den Mitgliedern des Partei- Vorstandes und des gcschästsführcnden Aujschusies auch die Vor- sitzenden und' die Hauptgeschäftsführer der Wahlkreisoerbände an- gehören, ist zu Sonnabend einberufen worden. Reichsaußenminister Dr. Curtius hat sich bereits von seinem Amt verabschiedet und ist am Wittwochabend zu einem längeren Urlaub nach Badenweiler abgereist. Uever den Regierungspräsidenken von harnack verbreiten die „Land v oit-Nochricht-'n" die Behauptung, er habe erklärt, die leiste preusstlch« Notverordnung sei die Quittung der Stoatsregicrung für Pas Verhakten der Lehrerschaft beim Volksentscheid, und die Kür- «lvg der Rektorenzulage sei erfolgt, weil die R«ktoren vielfach die �Lehrerkollegien zum Volksentscheid geführt hätten. Diese angeblichen Aeußerungen sind, wie uns mitgeteilt wird, glatt erfutzden. Leichenschändung Oer Dolksparieiler:„Hier bringe ich Ihnen den Mann, der die gradlinige Fortsetzung der Stresemann-Politik garantiert!" Deutsche Bank und Hitler. Herr von Stauß geht nach Harzburg. Unter den Mitgliedern der Reichstagssrnktion der Deutschen Volkspartei, die sich an der Tagung der Reaktion in Harzburg beteiligen, befindet sich neben S c c ck t und H i n tz in a n n auch Herr von Stauß von der Deutschen Bank. Herr von Äauß wünscht seinem Frühstückssreund Hitler wieder einmal die Hand zu drücken. Er wünscht ihn zu engagieren, damit er die Bank- und Vörsensürsten vor der Banken» kontrolle bewahre. Wir nehinen nicht an, daß die Gerüchte der letzten Tage über den Stand der Deutschen Bank Herrn von Stauß nach Harzburg treiben. Die Schwerindustriellen wollen an die Macht, um ihrer Pleite zu entrinnen, die Bankokratic,'um ungestört vom Staate weiter dos Volksvcrmögen verschleudern zu können. Sie olle suchen die Bundesgenossen der Nationalsozialisten gegen den Sozialisinus. Der Wetterumschlag. Temperaturrückgang durch Einbruch kühler Lustmassen. Das sommerliche Detter der letzten Tage, das gestern als INaxi- mum eine Tageslemperatur von 24 Grad wärme brachte, hat durch den Einbruch kühler ozeanischer Ouftmassen aus nördlichen Breiten ein schnelle» Ende erfahren. Di« starke Erwärmung war auf südliche Winde und die ziemlich erhebliche Sonnenscheinstrahlung zurückzuführen. Unser Gebiet ist nun auf die Rückseite einer Randstörung geraten, die von der Nord- se« bis nach Msttelfrankreich reicht. Die kühlen Luftmasien haben ver- hältnismäßig schnell ganz Mittel- und Norddeutschland überflutet. Es hat sich eine West windlage herausgebildet, die fiir Freitag Bewölkungszunahme und Neigung zu Niederschlägen bringen dürste. Allerdings ist wieder mit einem leichten An st eigen der Tem» peraturen zu rechnen. In Berlin wurden heute mittag nur 12 Grad Wärme gegen 23 Grad am Vortage gemessen. Bootsunglück aus der Havel. Im Sturm gekentert.— Zwei Personen ertrunken. Auf der Havel unweit der Insel Sestivanenwerdeb kenterte heute mittag eine mit jungen Leuten de- setzte Scgeljolle. Das Boot wurde bei dem heftigen Wellengang von einer Böe ersaßt und umgeworfen. Die beiden Insassen kämpften eine Zeitlang verzweifelt mit den Wellen, gingen aber plötzlich unter, noch bevor Hilfe zur Stelle war. Ein Sportboot eilte an die Unfallstelle, von den Verunglückten war aber keine Spur mehr zu entdecken. Das Feuerlöschboot hat Ver- suche zur Bergung der Ertunkencn aufgenommen. Einer ber Verunglückten ist ein INjähriger Gerhard Sürth aus Nikolassee, der Name seines Begleiters ist noch un- bekannt. Die presse sür Pressefreiheit. Gegen die Kautschukbestimmungen der Notverordnung. In einer Mitgliederversammlung des Bezirksverbandes Berlin im Reichsoerband der Deutschen Presse saird am Mittwochabend eine Aussprache über die Pressenotverordnung statt, zu der auch Pressereferenten der Reichsregicrung und der preußischen Stoatsrcgierung erschienen waren. An ein Referat des Schriftleiters Dr. Feder, der die voll« Beseitigung der Zeitungsverbote im Wege der behördlichen Der- fügungen forderte, schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Die an: Mittwoch veröffentlichte neueste Notverordnung wurde scharf an- gegrifsen. Zum Schluß wurde folgende Entschließung angenommen: „Die Mitgliederversammlung des Bezirksverbandcs Berlin im Reichsverband der Deutschen Presse verlangt die Auf- Hebung des Verbotsrechtes gegen Zeitungen, be- sonders die Streichung des Kautschukbegrifss der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. In den die Presse betreffenden Bestimmungen der neuen Notverordnung oom ö. Ok- tober 1931 siehb- sie eine weitere unerträgliche Be- lastung der Presse. Sie ruft die Presse ohne Unterschied der Parteien und Richtungen zum unablässigen Kampf für die Wiederherstellung und Erhaltung der Presse- freiheit auf." Hoovers Auftauungspläne. USA. verzichtet auf Goldwährung. Paris, S. Oktober.(Eigenbericht.) Wie Leon Blum im„Populairc" mitleill, weisen gewisse In- formalionen aus Amerika daraufhin, daß man auch dort einen teilweisen Verzicht auf die Goldwährung ins Auge saht in dem Sinne, daß man dem Dollar auf den Geldmärkte« freien Laus lassen wolle, ohne ihn durch Tnlerveationen zu stützen. Diese Rillteilung stimmt mit Znformationen überein, die gewisse Jndustriekreisc in Poris aus Zlmerika erhallen und diese veranlaßt haben, ihr Dollarguthaben abzustoßen. washinglon, 8. Oktober.(Eigenbericht.) Die Vereinigung amerikanischer Bankiers hat eine Entschließung angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, sofort Verhandlungen über eine Verlängerung des Schulden- Moratoriums einzuleiten. Die Vereinigung billigte zugleich de» Finonzhilfsplan hoovers für die amerikanischen Finonzinsliwt'. Oer neue Ganierungsptan. Der amerikanische Präsident Hoover hat im Einvernehmen mit den amerikanischen Parteien und den führenden Bankiers einen großzügigen Sanierungsplan für die amerikanische Wirtschast aus- gestellt. Dos Ziel dieses Planes ist. die amerikanische Wirtschast, in der insolge der Krise riesige Kredite fest gefroren sind, wieder aufzutauen. Man geht in der Schätzung nicht zu weit, wenn man die sestgefrorenen Anlogen in den Bereinigten Staaten a n s 14 bi« 15 Milliarden Mark beziffert. Das ganze Kreditwesen des Landes litt in dem gleichen Maße, wie die« bei den europäischen Ländern der Fall war, unter diesem Zustand und die Hugenbergs Landbant Kür �60 Goldmar? 9V0V Morgen gekaust Der Untersuchungsausschuh zur Nachprüfung der Finanzgeschäfte der Preuhenkasse setzte gestern und heute die Beweisaufnahme fort. Als Zeuge wird Dr. Erich K e u p, führendes Vorstandsmitglied der Neuland-A.-G., seit deren Gründung im Jahre 1919 bis 192S. vernommen. Nach der Ueberzeugung des Zeugen hat der Staat durchaus kein Verlustgeschäft gemacht, die Landbank stehe heute durchaus gut da. Geheimrat Hugenberg, damals stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats, war an der Neuland-Gesellschaft nicht beteiligt, wohl aber Freunde von ihm. Wenn man sagt, daß man für 150 Goldmark damals 9000 Morgen gekauft habe, so ist das bei dem Charakter der Inflationszeit durchaus möglich. Freiwillige Landabgeber gab es ja überhaupt nicht, es handelte sich fast ausschließlich um enteignetes Land. Man muh an die damalige Sachwertpsychose denken. In der Inflationszeit sind übrigens die wahnsinnigsten Dinge geschehen, die man heute nicht für möglich hält. Das Wesentliche der Transaktion war allerdings die Be- Zahlung der holländischen Guldenschuld. Daß die Aktien der Landbank sozusagen umsonst erworben seien, kann man nicht sagen: die Landbank erhielt auf der anderen Seite den wertvollen Schuh einer sicheren persönlichkeit. einer starken Gruppe. Wenn von einem Mißverhältnis zwischen Schulden und Eigenkapital die Rede ist, daß nämlich die ersteren 93 Proz., das letztere nur 7 Proz. betrug, so war die Landbank da in sehr guter Gesellschaft: Es ging allen Siedlungsgesellschaftcn ganz ähnlich. Den Wert der Saarow-Vieskow-Aktien hat der Zeuge sehr gering eingeschätzt. Es handelte sich im wesentlichen nur noch um chintergelände. Die Stücke am Scharmützelsee selbst waren alle ver- kauft. Der Zeuge verneint die Frage, ob der Staat einen Schaden dadurch erlitten habe, daß vorher Werte aus dem Vermögen der Landbank herausgenommen worden sind. Er erklärt, der Staat würde andernfalls die alten Aktionäre übervorteilt haben. Der Staat Habs noch immer ein gutes Geschäft gemacht. Der jetzige Generaldirektor der Landbank, Roderwald, wird als Zeuge gehört. Roderwald ist Vorstandsmitglied der Landbank seit dem 20. März 192k, als die Aktienmehrheit auf die öffentliche Hand überging. Der Zeuge hatte voiher eine Prüfung der Ge° schäftsvorgänge in der Landbank auf Ersuchen der Staatsregierung vorgenommen und ein Gutachten erstattet, wonach die Voraus- setzungen für eine Geschäftsaufsicht nicht gegeben waren, weil es an genügend verfügbaren Werten sehfte und die bedrängte Lage der Landbank nicht auf die Folgen des Krieges zurückzuführen wären. sondern auf V e r l u st g e s ch ä f t«, die im Jahre 1924 entstanden waren. Das Gutachten führte aus, daß die Möglichkeit der Durch- führung des Konkursverfahrens nicht gegeben sei, weil es an Masse fehlte. Irgendwelche flüssigen Mittel seien nicht vor- Händen gewesen. Die Landbank hätte u. a. einen großen Posten Hypotheken in dem an Polen abgetretenen Gebiet, ferner Auf- wertungshypotheken in Ostpreußen, die nicht zu mobilisieren wären. Der Grundbesitz sei mit Hypotheken belastet gewesen. Der Zeuge übernahm dann die Leitung der Landbank nach Uebernahme der Aktien durch den Staat. Tatsächlich seien die in der Bilanz des alten Vorstandes vom 31. Dezember 192ö aufgeführten Werte nicht in vollem Umfange oorhanven gewesen. Ende 1925 hätten sich die katastrophalen Auswirkungen der Fälle Gamp und Möllhufen ergeben. Das fei der Keim zum Zu« fammenbruch der Landbank gewesen. Dem Hofkammer- rat Paschke habe die'feste Hand gefehlt, um die unglücklichen Ge- schäfte des Direktors Ullrich zu oerhindern. Dem Staat sei durch den Ankauf der Landbank-Aktien ein Schaden nicht entstanden. Auch an den Krediten habe der Staat nichts verloren. Die Mehrheit der Kredite fei bereits abgewickelt, auch die Vorschüsse aus Hauszins- steuermitteln feien abgelöst. Die Landbank sei heute durchaus gesund. Berichterstatter Kuttner(Soz.): Es ist behauptet worden, daß Sie für die ganze Siedlungsfrage nicht die genügende Sach- Verständnis besäßen. Zeuge: Hierfür sollte lichten Endes der Erfolg entscheidend sein. Die Herren, die 20 Jahre die Landbank geleitet haben, haben das Unternehmen bankerott gemacht, ich habe es wieder in die Höhe gebracht. Berichterstatter Kuttner: Es wird gesagt, Herr Roderwald habe leicht wirtschaften, wenn er vom Staat sofort die erforderlichen Kredite bekommt, die der Landbank früher oorenthallen wurden. Zeuge: Wenn man Geschäfte wie Gamp und Möllhufen macht, kann man das vom Staat auch nicht erwarten. Die Frage, ob die öffentlichen Kredite von 10 Ml- livnen Mark bei einem Konkurs der Landbank gesichert gewesen wären, bejahte der Zeuge. Ungesichert waren lediglich«in Kredit des R-ichsentschädigungsamts zur Ansetzung von Ylüchtlingssiedlern und vielleicht der Kredit der Provinzialbank von 2S0 000 Mark. Der Berichterstatter suchte weiter festzustellen, wie der vom Staat für die Landbank gezahlte Kaufpreis tassächlich zu bewerten sei. Der Zeuge gab zu. daß die hier vorgenommenen Transaktionen bedenklich seien. Auffällig sei besonder-, daß die im Januar 192S in einer Aufstellung für das Amtsgericht mit 800000 Goldmark angegebenen Saarow-pieskow-Aktien wenige Tage später für 30 000 Mark herausgegeben wurden. schnell hintereinanderfolgende Serie von Bankzusammenbrüchen hat in den letzten Monaten die Geldhamsterei des Publikums sehr stark gefördert und damit die Illiquidität entsprechend gesteigert. Der Hoover-Plan sieht vor, daß, in Mark ausgedrückt, mchr als zwei Milliarden für eine sogenannte Akzeptbank aufge- bracht werden, die den Banken durch Wechfeldistontie- ru» g flüssige Mittel verschaffen soll, um auf diese Art die notwendig gewordenen Exekutionen der Banken gegen ihr« Schuldner zu verhindern. Außerdem soll der Auftauungs- prozeß dadurch gefördert werden, daß die sehr strengen Bor- schriften für die amerikanischen Notenbanken in der Frag« des Wechsel-Rediskonts erleichtert und damit die Kreditmög- lichkeiten erweitert werden. Für Deutschland und Europa erfordert dieser �Plan insofern größtes Interesse als jeder amerikanischen Hilfe für Europa eine Bereinigung der inneramerikanischen Krisenoerhältnisse voran- gehen muß. Deutschland geht dieses amerikanische Programm in- sofern noch besonders an, da in ihm klar ausgesprochen wird, daß Hoover mit dem französischen Ministerpräsidenten Laval bei dessen Besuch in Washington auch die Frage der internationalen Schulden und damit auch das Reparationsproblem anschneiden wird. Auch die gemeinsame Inangriffnahme dieses Problems von Frankreich und USA. setzt zu seiner Lösung eine wesentliche Klärung der wirsschaftlichen Situation in Amerika voraus. Keine deutsch-französische Zollunion. Zu den Unterredungen Lord Readings mit den französischen Ministern schreibt der„Petit Parisien*, Laval und Briand hätten den englischen Außenminister über ihre Berliner Reise unterrichtet und ihm erklärt, daß diese keineswegs den Zweck verfolgt habe, eine Zollunion zwischen Deutschland und Frank- reich vorzubereiten, um etwa auf eine Aktion dritter Mächt« und vor allem Englands zu antworten, falls dieses Schutzzölle für seine Industrie einführen sollte. Der englische Außenminister habe keinen neuen Kredit zur Stützung des englischen Pfundes»er- langt, es sei jedoch klar, daß Frankreich, wenn die Zeit für eine Stabilisierung des Pfundes gekommen sei, mit Unterstützung Amerikas bereit sein würde, seinem früheren Verbündeten zu helfen. Professor preyer soll zahlen. Die Gowjetgeschafie des deutschnationalen Reichstags- abgeordneten. Ueber die Sowjetgeschäfte des ehemaligen deutschnationalen Reichstagsabgeordncten, des Königsberger Prof. Preyer, an dessen angebliche Konzession in Sowjetrußland der Wiener Kam- merzienrat Klein das hübsche Sümmchen von 49 000 M. verloren hat, hatten wir vor wenigen Tagen ausführlich berichtet Die 40. Strafkammer des Landgerichts I hat nun in dein Prozeß des Kommerzienrats Klein gegen Professor Preyer einen Beschluß verkündet, der eine Rehabilitievung des Professors darstellen soll, in Wirklichkeit jedoch eine schlimme Schlappe für ihn ist. Die Kammer empfiehlt den Partelen einen Vergleich unter Berücksichtigung folgender Punkte: Prof. Preyer sollan Klein 13 000 Mark zahlen, in Raten von 300 M. monatlich: damit sollen sämtliche Forderungen des Herrn Klein an Preyer erledigt sein: die Forderungen an den Ingenieur Walter(Prcyers Faktotum) sollen aber aufrechterhalten bleiben. In der Begründung dieses Beschlusses führte der Vorsitzends u. a. aus: Es sei ganz ausgeschlossen, daß Preyer die Absicht gehabt habe, Klein zu täuschen. Es sei auch zweifelhaft, ob Preyer der Vorwurf treffen könne, er habe durch fahrlässiges Verhalten Klein zu dem ihn schädigenden Vertrage veranlaßt. Es spreche aber alle Wahrscheinlichkeit dasür, daß Preyer die 13 000 M., die er von Klein als Ersatz ftir die Auslagen erhalten habe, zurtickzahlen müßte. Schließlich habe auch Prof. Preyer, der an dem Gewinn beteiligt sein wollte, nach dem Scheitern der Sache auch an den Verlusten zu partizipieren. Gklarek vor Großer Giraskammer. Ueberweisung auf Grund der Nowerordnung beantragt. Aus Grund der§8 1 und 19 des 6. Teil« der gestrigen Notverordnung wird von der Staatsanwaltschaft der Antrag gestellt, das vor dem Amtsgericht bereits eröffnete Haupt- verfahren in der Strafsache gegen S k l a r e k und Genossen an die Große Strafkammer des Landgerichts 1 zu verweisen. Nach Z 19 Abs. 2 der Notoerordnung treten die Richter, die als Vorsitzender oder Mitglied des Schöffengerichts oder deren Stell- Vertreter berufen waren, für diese Strafsache in der gleichen Eigen- schaft zur Großen Strafkammer über, da sie bereits mit der Vorbereitung der Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht befaßt waren. Das Präsidium des Landgerichts 1 wird bestimmen, wer von den ständigen Mitgliedern der Großen Strafkammer und deren reget- mäßigen Vertretern auszuscheiden hat. Bezahlte Kensterstürmer. Für jede eingeschlagene Fensterscheibe zwei Marl. Ein. einziger von den kommunistischen Fensterstürmern auf Zeitungsfilialen— die Drahtzieher bleiben natürlich im Hinter- grund— stand jetzt vor dem Schnellschöffengericht unter der Anklage der Sachbeschädigung. Nach der berühmten Methode, die in gleicher Weise von Kommunisten wie Nationalsozialisten an- gewendet wird, versuchte sich der Angeklagte vor der Verantwortung zu drücken. Das Interessanteste war, daß der 23jährige arbeitslose Stellmacher Albert Post für seine revolutionäre Tat zwei Mark erhalten hatte. Bei der Verhaftung wurde das Geld auch bei ihm gefunden. Dem Gericht tischte er folgendes Märchen auf: Er fei am Montagabend in Spandau gewesen, hielt sich längere Zeit im Tiergarten auf ru-d jrmrde auf dem Nachhausewege zu Rad von einem anderen Radler in der Flottwellstrah« angesprochen, der ihn fragte, ob er sich 2 Mark verdienen wolle. Aber natür- lich. Dann solle er eine Fensterscheibe in der Zeitung«- f i l i a l e an der Potsdamer Brücke einschlagen. Nun, weshalb auch nicht. Man suchte gemeinsam einen entsprechenden Stein, begab sich zu der Zeitungssiliale und während er. Post, den Stein in das Fenster schleuderte, fuhr der andere Rodler davon. Ein Polizeibeamter fuhr hinter Post her und stellt« den Flüchtigen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob ex einer politischen Partei angehöre oder mit einer bestimmten Partei sympathisier«, antwortete der Angeklagte mit N e i n. Die Feststellungen aus den Akten er- gaben aber, daß der Angeklagt« in einem Schöneberger kam- munistischen Lokal verkehre, dort bereits einmal fest- genommen sei, als Polizeibeamte mit Bierseideln beworfen wurden, daß er einmal wegen Ankleben kommunistischer Plakate eine Geld- strafe von 30 M. erhalten habe; auch damals will er 2 M. bekommen haben. Dem Beamten, der ihn zwongsstellte, versetzte er eilten Schlag mir dem Kleisterpinsel ins Gesicht: daß er in zwei an« deren Fällen gleichfalls wegen Anklebens von Plakaten festgenommen worden sei und daß er auch im Verdacht gestanden habe, an einem Ueberfall ans Nationalsozialisten teilgenommen zu haben. Ein Zeuge, Inspektor der Filiale, konnte nur hinzufügen, daß verschiedene Steine, die in den Ullstein- Filialen aufgefunden wurden, in Papier gehüllt waren, die unter anderem die In- schrift Rotfront lebt und dergleichen mehr enthielten. Nach längerer Beratung verkündet« Amtsgerichtsrat Rosenthal das Urteil, 6 Monat« Gefängnis. Ueber die Gründe der Strafzumessung führte er unter anderem aus: Derartigen Ausschrei- tungen müsse mit der ganzen Strenge des Gesetzes entgegengetreten werden; es sei zu berücksichtigen, daß hier Ruhe und Ordnung emp- findlich gestört worden sei und daß man die Staatsauwrität unter solchen Umständen nur durch empfindliche Strafen wahren könne. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten Hastbefehl, das Gericht behielt sich eine Entscheidung darüber vor. Nächtlicher Beutezug. Für 10 000 M. Radioapparate erbeutet. Reiche Leute machte in der vergangenen Nacht eine Diebes- bände, die nach einer beschwerlichen Kletterlour in die Räume der Radio- und Grammophon-Exportfirma S ch S n in der R I t t e r- straße 90 eindrangen. Obgleich der ganz« Geschäftshauskomplex unter ständiger Be- wachung steht, konnten die Einbrecher unbemerkt eindringen und unter den Apparaten reiche Auswahl treffen. Die Täter verschafften sich zunächst in das Nachbargrundstück Ritterstraße 88/89 Einlaß. Von hier überkletterten sie eine über zwei Meter hohe Mauer und durchschnitten mit Stahlscheeren den Stacheldraht. Für die Ver- 3)08 MalapuUflugxeug „nett yorh", das der Aoyddampfer„Bremen" mitführt« und da« die Post dem Schiff« Hunderte von Kilometern vorauszubringen pflegt, stürzte in nebligem Wetter in der Nähe der Küste von Neuschottland ins Meer und ging unter. Pilot Simon(unten links) und Bord- funker Wagentnecht(rechts) sind ertrunken. brecher war es dann leicht, die hinter« Tür zu den Lagerräumen der Exportfirma aufzustemmen. Sie entwendeten nur die t« u» r st« n Radio- und Kofserapparate sowie«ine größere Anzahl von Schallplatten. Die Beute muß die Kolonne zweifellos mit einem Wagen fortgeschafft haben, der in der Nähe, vermutlich in einer Seitenstraße, gehalten hat. Bisher fehlt von den Tätern jede Spur. Die gestohlene Ware hat einen Wert von über 10 000 Mark. Trauerfeier für Vrof. Grotjahn. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer A e r z t e veranstaltete zum Andenken an den unlängst verstorbenen Genossen Professor Alfred Grotjahn im Landtazsgeväud« eine Trauerseier. Der Vorsitzende, Genosse Dr. K o r a ch, begrüßte neben den Angehörigen des Verstorbenen die Vertreter der Parteiorgam- sation, verschiedener Ministerien, der medizinischen Fakultät und der Aerztekommer. Seine einleitenden Worte galten dem Lehrer, dem Forscher, dem väterliche� Freund, der ein« ganz« Schar von Slerzten zu Sozialhygienikern herangebildet hat. Die Gedächtnisrede hatte Genosse Professor C Hajes übernommen, der Grotjahns Werdegang, seine wissenschaftlichen Leistungen, seine Beziehungen zum polltischen Leben und seinen Einfluß auf die Gestaltung des öffentlichen Gesundheitswesens schildert«. Vorträge eines Streichquartetts umrahmten die würdig ver- laufen« Feier. Neues USA.-Gold für Frankreich. Die Guarontee Trust Eom- pany von New Port hat Gold im Werte von 22 550009 Dollar nach Frankreich verschickt. Englisches U-Boot in Sowjetmarine. Das englische U-Boot ,,?7. 53", das im Jahre 1919 in der Nähe von Kronstadt gesunken ist, wurde am Montag gehoben und der Roten Marine einverleibt. Ablehnung in Thüringen. Vergebliche Bemühungen der Spalterpartei. Weimar, 8. Oktober.(Eigenbericht.) In seinem bisherigen engsten Wirkungstreis sprach am Mitt- wochabenb in einer öffentlichen Versammlung Kurt Rosen- seid über seinen Ausschluß aus der Partei. In langer juristischer Benmsführung verteidigte er sich gegen den Vorwurf der Bildung der Sonderorganisation. Die von etwa 1000 Personen besuchte Ver- sammlung verhielt sich ihm gegenüber nicht nur sehr reserviert, sondern auch gegenüber seinen phantasieoollen Ausführungen über die Aussichten der neuen Partei. Durch üble Angriffe aus die Vor- stände und Angestellten der Organisationen suchte er Resonanz zu erreichen.„Bonzen",„Postenjäger" waren so die üblichen Bezeich- nungen. Auf das Mitgehen der Vorstände lege er keinen Wert. Sehr schlimm waren die Beschimpfungen der SAJ.- Funktionäre und der Mitglieder der SAJ., die sich gegen die Zerreißung ihrer Bewegung wenden. Dieses Wehren geschehe nur, behauptete Rosenfeld, damit sie die Möglichkeit behielten, ein- mal eine Anstellung zu bekommen. Für welche Ziele die neue Partei besonders kämpfen will, wurde nicht gesagt. Sozialismus und Demokratie sind Ziele, zu denen die Arbeiterschaft eine neue Partei nicht braucht. Rosenfeld lehnte es ab, zur KPD. zu gehen, aber auch eine Wiedervereinigung mit der Sozialdemokratischen Partei komme für ihn nicht in Frage. Mit einer Beschimpfung der Reichstagsfraktion schloß Rofenseld. Der Bezirks- Vorsitzende der Partei, Genosse Georg Dietrich, der Bezirksvor- sitzende der Sozialistischen Arbeiter-Jugend, Genosie Willi Eber- ling und der Ortsvorsitzende der Arnstädter Partei, Genosse Steinbrück traten Rosenfeld sehr scharf entgegen. Unter starker Zustimmung der Versammlung geißelten sie die Versuche, die von Rosenfeld in seinen Ausführungen selbst als vorbildlich bezeichnete .stürmische Partei- und Jugendbewegung zu zerreißen. Rosenfeld erwiderte sehr schwach. Die an sich schon flaue Stimmung zeigte sich, als der Leiter der Versammlung eine Resolution mit der Auf- forderung, der neuen Partei beizutreten, zur Abstimmung brachte. Keine Hand erhob sich! Die Erbitterung unter Rosenfelds Arnstädter Wählern war nach seinem gestrigen Auftreten sehr groß. Kein Boden für Ossenfeld. Kiel, 7. Oktober.(Eigenbericht.) Mehrere hundert Dertrauen-leute der Sozialdemokratischen Partei nahmen am Dienstag zu den Spaltungsbeftrebun- gen der Rosenfeld und Seydew itz Stellung. Ein- wütig bekundeten die Funktionäre in einer Entschließung ihr Ein- Verständnis mit den Maßnahmen des Parteioorstandes und er- klärten den als»inen Verbrecher an der Arbeiterbewegung, der in dieser Zeit des schwersten Abwehrkampses der Partei in den Rücken zu fallen versucht. Mit der gleichen Schärfe wandte sich die Partei in Neumünster gegen die Spaltungsabsicht. Mit Genugtuung darf festgestellt werden, daß in Schleswig- Holstein die Seydewitz-Anhänger keinen Boden finden konnten. Die Partei steht ge schlössen hinter ihrer L« itung. Köln, 7. Oktober.(Eigenbericht.) Im Wahlkreis Köln-Aachen haben die Spalter kein Gll ü ck gehabt. Kein Mitglied der Partei, das in der Oeffentlich- keit bekannt geworden wäre oder ein Amt für sie in öffentlicher Stellung bekleidet, ist der Parole der Spaltung gefolgt. In dem großen Ortsoerein Köln haben sich nicht einmal Zwei Dutzend Abtrünnige gefunden, die zu den Spaltern übergelaufen sind. In den zahlreichen Ortsoereinen außerhalb Kölns hat nur ein einziger Ortsleite? einer unbedeutenden Gruppe in einem Land- städtchen seinen Uebertrstt zu den Spaltern vollzogen. Die Lage in Breslau. Breslau. 7. Oktober.(Eigenbericht.) Die Auswirkungen der Absplitterungsbewegungen auf die Stadtoerordnetenfraktion der Breslouer Partei sind bereits erkennbar. Von den bisher 34 sozialdemokratischen Kollegiumsmitgliedern bleiben 18, also mehr als die Hälfte, der Sozialdemokratischen Partei treu. Vorsitzender der SPD.-Restfrattion wird, da der bisherige Vor- sitzende sich für Eckstein entschieden hat, der Geschäftsföhrer des Freidenkerverbandes für Mittelschlesien Karl P i e t s ch. Von den sozialdemokratischen Städträten ist nur«iner, Klose, zu den Spaltern übergegangen. Der sozialdemokratisch« Bürgarmeiftcr Mache bleibt ebenfalls der Sozialdemokratie treu. Was ist Trumps? Die freigewertfchastliche Liste 2! Di« Firma Trumpf, Schokoladefabriken Leonhard Mon- heim, Berlin-Weißensee, macht es der freigewertschaftltch organi- sierten Arbeiterschaft sehr schwer, ihr gesetzliches Recht zu verfechten zur Wahl eines Arbeiterrats. ver Spitzenkandidat der sreigewerkschaftlichen Liste wurde ge- maßregcll und die Firma warnt in Wort und Schrift vor der Wahl der sreigewerkschaftlichen Liste. Sie stellt die Frage, ob die Ar- beiterschaft mit ihr in Zwietracht leben wolle, indem sie die frei- gewerkschaftliche Li sie wählt. Lohn-, Akkord- und Handarbeiter- und Arbeiterinnen! Macht Schluß mit dem gelben„A r b e i t e r r a t"l Morgen muh durch die geheime Stimmzettelabgabe die Entscheidung fallen gegen die gelben„Trumpf"-Weihnachtsmänner. .Die sreigewerkschaftliche Arbeiterschaft erwartet von der „Trumpf"-Arbeiterschast, daß sie morgen den Stimmzettel der frei- geweclschaftllchen Liste 2 wählt. Der Nomflieger gerettet. Ans llfer von Korsika geschwommen. Rom. S. Oktober.(Eigeubericht.) Der Antifaschist di Dosis, der am Sonnabend mit einem Flugzeug über Rom erschien und aatifaschistische Zlugbläller abwarf. mußte aus dem Rückslug vor Korsika aus dem Wasser niedergehrn. Di Vosie rettete sich schwimmend an Land. Die beiden Deutschen Bohning und Reiner, di- dem Italiener Laura di Bost» di- Klemm-Maschine vertauften, mit deren Hilfe dieser über Rom antifaschistische Propagandazettel abwarf, sind von der Marseille? Polizei aufgefordert worden, sich zu ihrer Verfügung zU halten._ 92. Abi. Unser langjähriges Mitglied Wilhelm Schenk. Gast- wirt, Roienstr. 24, ist verstorben. Ehr« seinem Andenken. Ein- äscherung Freitag. 9. Oktober, 12� Uhr. Krematorium Baum- schukenweg. 136. Ab». Die Helferinnensitzung fällt heute aus. Termin wird noch bekanntgegeben. „Morgen— acht!lhr Frack!" Der neue Dacho-Kurs.— Der erste Ulm ohne Ulmindustrie! Die„D ach o"— genauer: die Dachorganisation der filmschaffen- den Künstler Deutschlands— ist die gewerkschaftliche Zusammen- fassung aller am Film beteiligten Berusssparten, so des„Verbandes der Filmregisseure", des„Verbandes der Kameraleute", des„Verbandes der Filmdarsteller", der„Gesellschaft der Filmmusikautoren" und so weiter. In den letzten Jahren hat diese Organisation immer meht an Umfang und Bedeutung gewonnen. Nach dem Hinscheiden ihres Gründers L u p u Pieck wurde im Sommer dieses Jahres G. W. P a b st— Schöpfer des Filmes„Westfront 1918"— zum Vorsitzenden gewählt. Pabst trat mit einem großen Programm vor die Oeffentlichkeit. In diesem zeigte er, um welche Hauptpunkte der Kampf des filmschasfcnden Künstlers und somit der Dacho geht. Ein paar besonders brennende Fragen seien hier herausgegriffen. Wenn heute ein Schauspieler engagiert wird, so legt ihm der Industrielle einen Vertrag vor, wie ihn die„Spio", die Spitzen- orgonisation der Filmindustrie verfertigt hat. Darin verpflichtet sich der Schauspieler, absolut und zu jeder Tages- und Nachtzeit dem Unternehmer zur Verfügung zu stehen. Auf jeden Anspruch auf eine bestimmte Rolle muß er ausdrücklich verzichten. Durch diesen Ver- trog liefert er sich wehrlos der Willkür der Industrie aus. Vor allem aber: jedes Risiko wird auf ihn abgewälzt. Während der Gültigkeit dieses Vertrages ist der Schauspieler mit Haut und Haar dem Unternehmer versallen, Der Künstler, dem solch ein Vertrag vorgelegt wird, hat dreierlei Möglichkeiten. Erstens: er unterschreibt. Zweitens: er sagt, ich möchte mir das erst einmal ansehen. Und dann wird er sogleich Aenderungen verlangen und der Unternehmer wird ihm erwidern, daß Aende- rungen an diesem Vertrag nicht zulässig seien. Dann kann er drittens sich weigern zu unterschreiben. Worauf der Filmindustrielle sich einen anderen Schauspieler engagiert. Gegen diese Entrechtung, für die Schaffung eines Rormalver- träges führt die„Dach o" seit ihrem Bestehen den Kampf. Im Herbst werden hie Besprechungen über diesen Punkt Im Reichs- arbeitsmini st erium wieder ausgenommen, und es ist zu hosten, daß dann endlich ein Vertrag zustande kommt, bei dem nicht nur die Interessen und Rechte der Filmindustrie, sondern nicht minder auch di» der silmschastenden Künstler berücksichtigt werden. In der Erfassung aller zur Organisation ge- hörtgeii Filmschaffenden schreitet die„Dacho" von Jahr zu Jahr fort. Soeben haben sich der„Verband der Filmcutter" und der„Verband der Filmkleindarsteller" gegründet und korporativ der „Dacho" angeschlossen. Der gesamten am Film interessierten Oeffent- lichkeit ist ein Dienst erwiesen worden durch das von der„Dacho" errichtete„Archiv der P r e ss e- F i l m- K r i t i k e n". in dem sämtliche in Deutschland erscheinenden Kritiken gesammelt und auf- bewahrt werden. In den nächsten Wochen will sie erstmalig einen anderen Plan verwirklichen: mit den Filmkritikern sollen Dis- k u s s i o n e n veranstaltet werden, um diesen die Notwendigkeiten des silmschastenden Künstlers noch näher zu bringen. Schließlich seien auch noch die Maßnahmen erwähnt, die die„Dacho" unter- nimmt, um eine Neugestaltung des Urheberrechts be- züglich des Films zu erreichen. Nach der bisherigen Rechts- aufsassung ist der Film eine Ware, über die der Hersteller frei ver, fügen kann. Das geistige Produkt des Regisseurs und der Schau- spieler darf durch den Produzenten— der ja im wesentlichen nichts weiter ist als der Geldgeber— beliebig verändert, verkürzt, ja, in das Gegenteil verwandelt werden. Diesem Zustand ein Ende zu machen wird angestrebt. Den bedeutsamsten Schritt aber wohl, den die„Dacho" seit ihrem Bestehen gewagt, unternimmt sie heute. Sie beginnt mit einer eigenen Filmproduktion. Einer der wcsenr» lichsten Punkte für di« gesamte Gestaltung eines jeden Filmes ist seine Finanzierung. Die für den Dacho-Film erforderlichen Mittel stehen zur Verfügung. Mindestens ebenso wichtig aber ist, daß bei diesem Film weder der Geldgeber noch die Materiallieferanten am Reingewinn beteiligt sein werden. Das unterscheidet diesen Versuch grundsätzlich von fast allen ähnlichen Filmgemeinschaftsproduktionen. Ihm fehlt die kapitalistische Rote. Der Titel des— von einem jungen Autor geschriebenen Drehbuches lautet:„Morgen— acht Uhr Frack". Das Manuskript behandelt das Schicksal zweier junger erwerbsloser Schauspieler, die als Komparsen beim Film mitarbeiten. Mit der Regie ist Henrick Galeen betraut worden, der Schöpfer des unvergeßlichen stummen„Studenten von Prag". Der Rein- gewinn soll zu fünfzig Prozent unter die an diesem Film mit- wirkenden Künstler ausgeschüttet werden. Die restlichen fünfzig Pro- zent fließen einem Fonds der Dacho zu. Denn diese will sich nicht nur damit begnügen, dem Schauspieler die Chance eines Engage- ments zu geben. Darüber hinaus möchte sie durch diesen Film eins leistungsfähig« Wohltätigkeitskasse errichten und eventuell korpo- ratio« Versicherungsverträge abschließen. Nach Gelingen des ersten F-lmes soll die Produktion fortgesetzt werden. Das Drehbuch liegt vor. Die Gelder sind da. In drei Wochen werden die Aufnahmen beginnen. Sicher bedeutete das einen vorbildlichen Akt der „Selbsthilfe" einer notleidenden gewerkschaftlichen Organisation. Die in der„Dacho" zusammengeschlossenen silmschastenden Künstler Deutschlands haben sich entschlossen, selber„Arbeitgeber" zu wtjifcen, um den arbeitslosen Kollegen Arbeit zu verschaffen. Aber hier könnte wohl auch eine neue Aera der Filmproduktion beginnen, eine Epoche, auf die all jene warten, die Freunde des Films sind, trotz der deutschen Filmindustrie. R£. Der verfilmie Dreiser. „Eine amerikanische Tragödie" als Preisevorstellung. Vielleicht wurde„Eine amerikanische Tragödie" der Berliner Press« vorgeführt, weil Theodore Dreiser, der große amerikanische Romancier gegen die Art der Verfilmung Protest einlegte und die Paramount mit einem Prozeß bedachte. Der Film lief in der originalen amerikanischen Fassung, akso in englischer Sprache. Warum der Kampf um dieses Werk? Dreiser schrieb einen sozialen Roman. Ein junger Mensch steigt aus den unteren Schichten auf. Reiche Verwandte entsinnen sich seiner. Die neue Well nimmt ihn gefangen. Er will ihr ganz ge- hären, deshalb beseitigt er das Mädchen, das ihn noch mit seiner Vergangenheit verknüpft. Er endet auf dem elektrischen Stuhl. Der junge Mann Ist einer unter den vielen, ein Durchschnittsmensch und ein williges Objekt für die Einflüsse seiner Umgebung. Er, kein Mörder aus Passion und Veranlagung, unterliegt den? kor- rumpierenden Fluidum einer korrumpierten Gesellschaft, die nach außen die moralische Maske trägt und von ihren Bankkonten gedeckt wird. An dem Fall Clyde Grisfich demonstriert Dreiser die Heuchelei und Fragwürdigkeit der amerikanischen Gesellschaft, die den Armen schuldig werden läßt. Das soziale Bild ist wichtiger als der in- dwiduelle Fall, der nur zum Symbol der herrschenden Zustände wird. Was geschieht nun im Film? Zuerst wird der soziale Hintergrund radikal� ausradiert, die vornehme Gesellschaft spielt keine trübe Rolle. Die Menschen sind nicht mehr in einer Klasie verwurzell, sondern schweben frei im Raum. Es entsteht also ein interessanter individueller Fall. Da- durch wird aber der Eharakter des jungen Mannes gewandelt. Die Tat ist nicht aus der innervierenden Atmosphäre des Luxus geboren. der in ihm den Wunsch erregt, hier sich für immer fest zu verankern, sondern aus der eigenen seelischen Veranlagung. Damit verschieben sich die Akzente. Dreisers Tendenz wird abgebogen und unschädlich gemacht. Das soziale Bild existiert nicht mehr, die Anklage fällt fort, die Vornehmen trübt kein Fleckchen. Aboesehen davon hält der Film hohes künstlerisches Niveau. Er rückt in die Nähe des„David Golder", der genialen Leistung des fron- zösischen Regisseurs Duvivier. Wie bei den Franzosen, fasziniert auch hier die vorbildliche Sprachbehandlung, die Gliederung und steige- rung«iner Rede, die Natürlichkeit und Ausdruckskraft der Geste. In der Vcrhandlungsszene, die, im Znsammenhang des Ganzen ge- sehen, zu breit ausfällt und dadurch fast das Handlungsgerüst zcr- stört, erreicht der Regisseur Joses von Sternberg als Wort- regisseur den Höhepunkt. Die Anklagerede des Staatsonwatts ist ein Meisterstück. Sie ist bis ins kleinste Detail durchgefeilt und ver- bindet Pathos mit einem erstaunlichen Reichtum an Nuancen. Der deutsch« Tonsilm bietet hierzu kaum Vergleiche. Und noch ein Moment konnnt hinzu: die Echtheit der Menschen. Wie im stummen amerikanischen FUm ist auch hier der Schauspieler in erster Linie Vertreter eines B-russ. dessen Merkmale-r trägt. Er spielt nicht Affekte um ihrer selbst willen, er legt keine Groß- aufnähme hin, er bleibt vielmehr in dem Rahmen, den der Aus- drucksrhythmus der dargestellten Beruskschicht schasst. F. Seh. Peer Gynt. Staatstheater. Sinn des Stückes ist der Legendensinn vom verlorenen Sohn. Nur liebte Ibsen sein nordisches Vaterland abgöttisch, und da es nur Stipendien verlieh, nicht aber eine Mrgerkrone aus Lorbeer oder Gold, fühlt« er sich zum verzweifelten Schmähen und Schelte» berechtigt. Er symbolisierte seine Unzufriedenheit, er erfand den Träumer und traurigen Helden Peer Gynt, in dem er sich selber spiegelte. Er floh sein Land. Er verließ alles, was ihn liebkost hatte, was ihn liebkosen wollte, die verkümmerte Mutter und die stillblühend« Geliebte. Alz er nun draußen ist, als er durch die Verbannungshölle wandert und nichts anderes sieht als den Cgois- Mus der Leute, ihre Verrücktheit und Aufgeblasenheit, da kehrt er zurück. Er bereut tief, daß er nicht daheim blieb. Doch jetzt ist er altersschwach und das Sterben kann noch sein Schicksal sein. Die Geliebte bettet seinen Kopf in den Schoß und bereitet ihm die Friedensstäite, die Peer Gynt weder in der Heimat, noch draußen in der Verbannung fand. Das ist der großartig« symbolische Singsang Ibsens, den«r dichtete in klagenden und auch schnippischen Versen. Das stt di« Lebensbeichte des pessimistischen Patrioten und Weltmannes, der die Welt abscheulich und abgeschmackt fand und, schopenhauerisch ver- feucht, alle seine Ideale zu Grabe trug. Das ist di« Bettleroper vom Träumerkönig, das Sinnspiel von der unbefriedigten Vaterlandsliebe. Schließlich ist das der herrlichst« Text, der den unsterblichen G r i e g zu der merkwürdigsten euro- päischen Sehnsuchtsmusik inspirierte. Alles,, was nordischer Spuk, Mitternachtssonnensehnsucht und Angst vor ewigem Winter ist, wurde aufgelöst durch diese Griegsche Musik. Sie tönte, sie seufzte, sie mahnte und schmeichelte und versetzt in romantischste Bangigkeit und Begeisterung den Menschen, der sie hört und hineingleitet in alle mythischen Schauer. A/so müßte die Sachlichkeit der Darstellung dieser unendlich musikalischen Nervosität folgen. Anstalt dessen bringt die Neuauf- führung nur die nüchternste Sachlichkeit. Verantwortlich ist hierfür ebenso der Regisseur Jeßner wie George, der Peer Gynt. Alles, aber auch alles Entscheidende geht verloren: die Morgensternsche Kunst der Uebersetzung, die Sentenzenschärfe, die Ibsensche Phantasie, die ins Ungeheuerliche hinüber wandert. Szenen, die gar nicht zusammenzupassen scheinen, folgten aufeinander. In lauter Ton- filmsketsche, die ab und zu nur von dem Bühnenbildner Caspar N e h e r der Jbsenschen Geister- und Wirklichkeitswelt genähert wer, den, zerfällt die Oper von Peer Gynt. Kurz, die arme Vorstellung ohne quellenden Geist gibt nichts von dem, was der Dichter träumt«. __ M. H. Konzerte der Volksbühne. Wie alljährlich, veranstaltet die Volksbühne auch in diesem Winter eine Reihe von Konzerten im Theater am Bülowplatz. Die Programme bieten Orchesterkonzerte unter Leitung von General- Musikdirektor Hermann Scherchen, in denen u. a. eine Urauf- führung von Honegge r, sowie Mahlers X. Sinfonie, Beethovens Große Fuge und Mozarts Bläserserenade zu Gehör gebracht wird. Außerdem finden Liedermatineen von Maria I v o g ü n und Heinrich S ch l u s n u s statt. Frederic Lamond spielt für die Mitglieder der Volksbühne am S. Dezember, dem 149. Todestage Mozarts, abends im Bechsteinsaal, die wichtigsten Klavierwerke des Meisters. In der Silvesterfeier der Volksbühne am 31. Dezember, abends 11 Uhr. gelangt wiederum Beethovens IX. Sinfonie zur Aufführung. Leitung: Dr. Fritz Stiedry: Mitwirkende: Das Philharmonisch« Orchester, der Berliner Volts-Chor. Lessina-The-ter. Dir Premiere von Aatajews„Der letzt« Equipagew" ist von heut« auf Dienstag, 13. Oktober, verlegt worden. Karten behalte« ihre Gültigkeit. Internationale» Theater. Di« auf den 0. feftgefetzte Premiere vs« „Two virtuetz" ist auf den IL. verlegt worden. Liga für Mutterschutz. Der Film„DaS keimende Leben" wird qm Sonnabend um 23.3tt Uhr in,„Tivoli". Pankow. Berliner Str. 27. mit einem Vortrag des Sozialhygienikers C. Haupt vorgeführt Gattkartei, in der vcschäflSstcNc der Liga. Pankow. Borkumer Str. 4, be« Dtestng. Orgellonzert in der Charlottenburger Schlohlapellc. Am Sonntag zwei Konzertc mit dein gleichen Programm um 16.30 und 18 Uhr. Johannes G Rohrbach, der Organist des franMichen Doms, spielt größere Werks von Meistern au» dem 13. Jahrhundert. EinttitUpreis&9 Pf. eBuch WafUnir Sdldimid:„Seine Xeule" Der Kern Edschmid scher Dichtungen war immer das Abenteuer, gleichgültig, ab es sich um„Die sechs Mündungen", „Timur" oder„Die achatenen Kugeln" handelte. Dieses Abenteuer lag eingebettet in einer eigenwilligen, gequollenen Sprache und wurde durch eine bizarre Psychologie untermauert. Auch in dem neuen Roman Edschmids„Feine Leute" (Paul Zsolnay Verlag, Wien) geht es abenteuerlich zu. Allerdings ist der Westen Kanadas oder das Frankreich eines Franeois Villon mit dem Venedig der Gegenwart vertauscht worden. Die Sprache hat ebenfalls ihre wilden Sprünge vergessen und fließt in dem sicheren Strombett berichtender Erzählung beruhigt dahin. Nur hin und wieder erinnert eine merkwürdige Wendung an ihre Ver- gangenheit. Der Untertitel des Romans heißt„Die Großen dieser Erde". Damit sind gemeint die ungekrönten Könige aus dem Bereich der Wirtschaft, die jetzt wankenden Diktatoren des europäisch-amerika' Nischen Lebens. Aber hier zeigt sich Edschmids Neigung für das Exotische, Extravagante, denn neben dem amerikanischen Zeitungs- könig Lynch spielen ein Mann und eine Frau die Hauptrolle, die im Äequatorialafrika riesige Besitzungen haben, auf denen sie schalten und walten können, wie es ihnen Spaß macht. Vierzehn Tage am Lido enthüllen diese Großen, die selbst nicht wissen, wie sie zu der Größe gekommen sind, und die nichts Rich- tiges mit ihrer Existenz anzufangen verstehen. Sie treiben ei« amüsantes Spiel mit Nichtigkeiten, mit gesellschaftlichem Unfug, sie sind nichts weiter als Kinder, die sich über die«rnsten Auseinander- setzungcn in der Welt keine Gedanken machen. Ein Motorboot- rennen notiert bei ihnen höher als die Wirtschaftskämpfe, die schließlich auch ihr Sein unterminieren. Salbst der kluge Amerikaner findet im Inneren Grenzen, die er nicht übersteigen kann. Gleich- zeitig hat Deutschland fünf Millionen Arbeitslose, und in China wütet der Hunger. Auf knapp einer Seite konstatiert Edschmid diese Tatsachen und gibt damit der 5zandlung Relief. Ein paar sachlich berichtende Sätze erleuchten blitzartig das niedrige geistige Niveau dieser Größen und die wahre Situation der Welt. Und um die Götzen ein Gewimmel von Glücksrittern, die steigen wollen und die jede Arbeit mit aristokratischer Geste verschmähen. Sie verbrauchen ihre Intelligenz in dem Kampf uyi eine Einladung und sind glücklich, wenn sie an der Seite des italienischen Krön- Prinzen photographiert werden, denn dieses Bild, nachlässig im Be- kanntenkreise gezeigt, verschasst ihnen Einlaß in die ersehnten Sphären. Es sind lächerliche Abenteuer, die einem nichtigen Phon- tom nachjagen. Bankrotte Mücksritter in einer bankrotten Gesell- schaft. Diese Tatsachen berichtet Edschmid in unterhaltsamer, fesseln- der und manchmal witziger Form. Lclix Lcherrct. Vetter für Berlin: Nach klarer und sehr kühler Nacht wieder Bewölkungszunahme und später Nicderschlagsneigung. tagsüber mild bei mäßigen bis frischen westlichen Winden.— Für Deutschland: Im Osten und Süden trocken und ziemlich heiter, im übrigen Reiche Bewölkungszunahme und besonders im Nordwesten Regen- sälle. An der Küste weiterhin stark windig. Nachts überall sehr kühl. Donnerstax, 8. Oktober. Berlin. 16.05 Kunstwerke und ihre Schicksale. 16.30 Klaviervorträge. 17.00 Thüringer Sängerknaben. 17.30„Durch Nacht und Eis". 17.50 Steuerzahlungen und Notverordnung. 15.15 Else Laskcr-Schüler liest. 15.30 Unterhaltungsrnus'k. 20.20 Wovon man spricht 20.50 Tages- und Sportnachrichten. 21.00 Sinfoniekonzert. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Tanzmusik. Königswustcrhauseu. 16.00 Pädagogischer Funk. Aus der Arbeit der höheren Schule. 17.30 Studentenheime. 18.00 An den Grenzlinien des Lebens. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 19.00 Wollmarkt 19.30 Die Malerei. 20.00— 24.00 Von Frankfurt a. M.: Bunter Abend. Deranttooril. für die Rcdoktion: Rich. Bernstein, Berlin: Änzeigen: Th. Glocke. Berlin. Berlaa: Vorworts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Perlagsanstalt Bau! Singer&. Co.. Berlin SW 68. Lindenstrake 2 Hierzu 1 Beilage. � ßefchifite-Jtnsriger � (Bezirk Horden- Cften Bi Achtung I Achtung I Dr. med. Schüllers giftfreie Heilweise in Groß- Berlin, vertreten durch den Blo- chemischen Verein Gro8- Berlin e. V., Geschäftsstelle Berlin C. 2, Neue Promenade 2. Fernsprecher: D. 1, Norden 0383. |i7000 Mitglieder Aufnahmegebühr f.— Mk, Monatsbeitrag 0.70 Mk. einschl. Todestall-Untersttitmng. 60 Beratungsstellen in Groß-Berlin. Institut für Licht- und physikalische Behandlung, Höhensonne, Massagen usw. 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Es ist die steigende Verelendung der Massen, die, je länger, desto furchtbarer, der Unterrichts- und Erziehungsarbeit der Schule ihren Stempel aufdrücken wird. Kinder, denen die tägliche Not das Mark aus den Knochen, das Blut aus den Wangen gezogen hat, die jahrelang den seelischen Druck häuslicher Entbehrungen nicht loswerden, sind ungeeignet und unfähig für die Ausgaben der Schule, die eigentlich nur heiter gestimmte, aufnahmefreudige Gemüter und frische, gesunde und gutgenährte Körper brauchen kann. Müssen solche unterernähr- ten, matten und stumpfen Wesen das geistige Exerzitium, die straffe Konzentrierung, die Anspannung der Verstandes- und Gedächtnis- kräfte nicht als eine sinnlose Drangsalicrung empsinden? Schlimmer noch als durch alle direkten Eingriffe wird durch diese langsame körperlich-seelische Auspowerung des Kindermaterials das Unterrichts- und Erziehungswerk einer Nation gefährdet. Freilich ist es schwer, wenn nicht gar unmöglich, diesen Auszehrung?- Prozeß in seinen einzelnen Phasen zu erkennen und in seinen Symptomen durch authentische Belege zu erhärten. Immer- hin sind in ärztlichen Befunden, in mündlichen Aeußerungen wie in Niederschriften von Kindern sichere und»nbezweifelbarc Anzeichen dafür vorhanden, in welch unheilvoller Weise das Sparsyftem in der Schule sich auszuwirken beginnt. Die nachsolgenden Aeußerungen entstammen den Niederschriften einer Klasse von elf- und zwölfjährigen Jungen und Mädchen, deren Väter zu cinem Drittel erwerbslos und zu einem weiteren Prozentsatz mit Kurzarbeit beschäftigt sind. Es kam hier weniger darauf an, ein besonders krasses Bild der Not aufzuzeigen, als vielmehr darauf, den allmählich ansteigenden Druck zu registrieren, der das körperliche wie das geistig-seelifche Leben einer Klasse langsam in Bann zu schlagen beginnt. Die Nennung der Namen unterbleibt: „Wir haben sonst in der Schule gebastelt. Das können wir bald nicht mehr: denn die Sachen, die wir dazu brauchen, Holz, Pappe, Buntpapier und Leim, und die Geräte, bekommen wir nicht mehr. Wir bekommen auch kein Reisegeld mehr. Und das Baden in der Schule hat auch ausgehört." „Als ich eines Mittags mit dem Zuge nach Hause fuhr, hörte ich, wie zwei Männer sich über die Rentenkürzung unter- hielten. Da dachte ich daran, daß mein Vater, der auch eine Ncine Rente bezieht, ebenfalls weniger bekommen würde. So ist es auch. Unsere Mutter muß nun mit dem Geld sehr sparsam sein." „Seit Anfang März muß mein Vater alle 14 Tage einen Tag aussetzen: das ist schon gleich ein Lohnausfall von 10 M. Vielleicht wird in der nächsten Zeit die 4<)stündige Arbeitswoche ein- geführt, vielleicht werden dann auch einige entlassen werden. Wir können bis soweit ja noch nicht klagen: aber die Arbeitslosen und die schon ausgesteuert sind, die armen Leute sind zu bedauern." Erst haben meine Eltern beide gearbeitet: nun ist mein« Mutter entlassen worden, und mein Vater arbeitet nur noch 5 Tage." „Wenn ich einen Groschen haben möchte, sagt Mutter: Die paar Groschen, die ich noch übrig habe, muß ich für die Handwerks- burschen behalten." „Wenn ich einmal zu meiner Mutter sage: Es kostet ja nur 10 Pfennig, so sagt sie: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert." „Wegen der großen Geldknappheit muß sich fast jede Familie einschränken. Mein Schwager hat uns eine alte Hose gegeben, die ihm zu klein war. Daraus hat mein« Mutter eine Hose sür mich gemacht. Mein Vater hat verschiedene alte Schuhe wieder her- vorgesucht und sie ausgebessert." „Sonst haben wir frische Butter aufs Brot gehabt, jetzt müsien wir Margarine essen. Fleisch gibt es höchstens aiy Sonntag." „Meine Mutter ist Witwe: sie kriegt eine Rente für meinen verstorbenen Vater. Davon sind ihr 14 M. abgezogen worden. Sie kommt kaum mit dem Gelde hin. Wie kriegen wir unsere 14 M. wieder? so fragt sie immer. Wir dürfen keinen Bohnenkaffee mehr trinken, nicht mehr so viel Auslage holen, müssen auch mit der Milch sparen. Ich darf auch nicht mehr so oft mit der Elektrischen fahren: aber ich soll auch nicht so viele Schuhsohlen kaputt laufen." Zum Schluß möge einer das Wort nehmen, der von sich bekennt, daß er die steigende Not noch gar nicht bemerkt hat:„Ich merke nicht viel, daß wir uns irgendwie einschränken. Das kommt daher, daß wir noch nie so viel gehabt haben, als daß wir uns groß ein- schränken könnten. Zum Beispiel Bohnenkaffee trinken wir nur selten, nur ab und zu mal an Festtagen: altes Zeug hat meine Mutter von jeher schon verwendet. Und wir haben schon immer Margarine aufs Brot gestrichen. Ein: Zeitlang wurde uns von einem Bauer mal gute Butter ins fyms gebracht: doch meine Mutter hat ihn bald wieder abbestellt." Nachdruck verboten. Jugend und Beruf €tn Veitrag;ur Verufsnot/ Von Dr. S. Weinberg Alljährlich verlassen große Scharen Jugendlicher die Schule und werden dann vor die schwere Aufgabe gestellt, einen Beruf zu er- greifen. Der Schritt von der Schulbank ins Leben ist schon in normalen Zeiten schwer und gefahrvoll, soll doch der Jugendlich: eine Entscheidung für das ganze Leben treffen, ohne daß er bereits über genügende Erfahrung und Einsicht verfügen kann. Die an- haltende Wirtschaftskrise hat die Schwierigkeiten der Berufswahl ins Ungemessene gesteigert. Alle Berufe sind überfüllt, die bereits Ausgebildeten können keine Arbeit finden: was für Aussichten kann unter diesen Umständen die junge Generation haben, die erst in das Berufsleben eintreten will? Es besteht ein Mangel an Lehrstellen: aber auch wenn die Ausbildung in einem Betriebe erreicht ist, droht das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Die Unmöglichkeit, ein« geregelte Tätigkeit zu finden, hat auf die Lebenseinstellung und die Entwick- Zugcnd und-khc c".Bohns. dorf gegen FTGB. Osten in Bohnsdorf um 14.10 Uhr.— FT. Wildau gegen FTGB. Lichtenberg in Wildau um 14.10 Uhr.— FTGB. Stralau gegen Athletik.Sport.Elud, Platz Laskerftratze, um 10.10 Uhr.— FTGB. Baum. fchulenwea gegen FTGB. Adlershof, Platz Plänterwald. um 10.10 Uhr. Bezirkstlasse Norden: Frei« Turnerschaft Friedrichsthal gegen FSV. Bei- nickendorf in Friedrichsthal um 15 lh Uhr.— FTGB. Rcrbring 2 gegen MTV. Allee, um 14.15 Uhr.— FTGB. Norden I gegen zain, um 0 Uhr.— Freie Turnerichast M__ ding in Schwante um 14 Uhr.— Alt-Ruppin gegen Sportverein"Moabit in Alt-Nuppin um 14 Uhr.— Frauen: Turn-Sportver. einigung Nowawes gegen Freie Turnerschaft Hennigsdorf in Nowawes, Priestcrweg, um 14 Uhr.— FTGB. Nordost gegen Voltsfport Wedding, Platz Schönhauser Allee, um 12.10 Uhr. in Turnerschaft__________»W_______ gegen Turnerschaft, Brandenburg, 1. Bezirk, in Rathenow um 15 Uhr. Bezirksilasse Süden: Volkssport Neukölln 2 gegen ASV. Ruhlsdorf, Platz Volkspark Neukölln, Platz 6, um 15.20 Uhr.— FTGB. Süden 2 gegen Freie Turnerschaft Wilmersdorf, Urbanplatz, um 15 Uhr.— Teltow gegen ZdÄ. in Teltow um 11.10 Uhr.— Freie Sportvereinigung Fichte gegen ATB. Schenken. dort, Katzbacholatz. um 10 Uhr.— Frauen: Luckenwalde 1. Abt. 2, gegen Luckenwalde» um 10 Uhr.— Luckenwalde 1, Abt. 1, gegen Luckenwalde U »m lg.50 Uhr.— Luckenwalde C gegen Luckenwalde\ um 14 Uhr. Alle drei Spiele Platz Hetzhiide.— Volkssport Neukölln gegen Freie Turnerschaft Wik- mrrsdors, Volkspark Neukölln, Platz 0, um 14.50 Uhr.— Freie Spartvercini, gung Fichle gegen Freie Turnerschaft Zchlendorf, Katzbachplatz, um 14 Uhr. Hockey In der Gruppe A spielen der Freie Hvckey-Club Spandau 1 gegen den Sportverein Moabit 1 um 16 Uhr im Neuköllner Stadion, Platz 1. Beide Vereine standen sich bisher mit wechselndem Erfolg gegenüber. Es ist also angnnehmen, daß im Kampf um die Punkte die Moabiter es mit kleinem Vorsprung schaffen werden. Auf dem Plag Ost, Laskerstraße, spielen Tennis-Rot Groß-Berlin 1 und die Freie Sportvereinigung Pankow 1 um 14.16. Tennis sollte hier, für den Fall, daß sie ihr Schuhvermögen wiedergefunden haben, der Sieg zufallen. In der L-Gruppe kommen die Ortsrivalen Volkssport Neukölln-Britz 1 und Athletit-Sport-Club 1 zusammen; hier hat Volkssport infolge schnelleren Stürmerspicles die größere Gewinnchance. Beginn 12.36, Platz 1. Gr»pp>! 14 Uhr in. � gegen Männer. r. — Gruppe v. Volkssport Neukölln. Britz 2 gegen Athletik, Sportklub 2 um 15 liht im Neuköllner Stadion.— Arbeiter-«vortvereiv. Schönebera gegen Friedenau 07 gegen Spartverein Moabit 2 um 14 Uhr in Schöneberg. Rubev. strotze. Gruppe E. Tennis-Rot Grotz. Berlin z gegen Sportverein'Moabit Z um 15.40 Uhr auf dem Platz Ost.— Arbeiterlvortverein Not. Weih 0»no VfL. Oftrinz 5 um 12 Uhr im Lichtenberger Stadion.— Gruppe K— Frauen. Tennis-Rat Groh. Verlin. I. Fr., gegen Freie Sportvcreingung Pankow um 13 Uhr Platz Oft, und Volkssport Neukölln-Britz gegen Tennis-Rot Gross. Berlin, 2. Fr., um 14 Uhr im Neuköllner Stadion. Platz l. Um Pflichtspisl treffen sich Frei« Sportvereinigung Pankow 2 und Tennis-Rot Groß. Berlin, 4. M., um 14.30 Uhr im Bolkspork Mariendorf. . Bau dir ein Faltboot! Der Sclbstbau bei den FF. beginnt Schon viermal haben die„Freien F a l t b o o t f a h r o r Berlin"' in gemeinsamer Arbeit die Herstellung von Faltbooten durchgeführt. Insgesamt wurden 165 Boote, Einer und Zweier, in den vergangenen' Jahren fertig. Nun wird wieder gerüstet. Wieder sind die Vorarbeiten im Gange, trotz aller Schwierigkeiten sind alle Voraussetzungen für den Bau gesichert, und wieder find unternehmungslustige Sportler und Sportlerinnen eingeladen, sich zu beteiligen. Die Fachschule für das Metallgewerbc im Norden Berlins, in der Grünthaler Straße, hat diesen Selbstbau als Fachkursus an- erkannt und stellt in dankenswerter Weife ihre Werkstätten zur Verfügung. Die leitenden Funktionäre der Selbstbaugruppe haben nun schon große fachliche Erfahrungen, mit jedem Jahrgang haben sich die gebauten Bootstypen verbessert, jede technische Einzelheit beruht auf den Ersahrungen aller Vereinsmitglieder, und diese lebendige Mitarbeit einer großen Gemeinschaft führt zu immer weiterer Vervollkommnung, die von den bekannten Markenfabrikaten auch nicht überboten wird— es fei denn im Preis. Beim FFB.-Selbftbau stellt sich der Zweisitzer auf etwa 146 M., der Einsitzer auf 125 M. Das ist kaum die Hälfte von dem, was gute gekaufte Boote kosten. Verwandt wird selbstverständlich nur bestes Material und gute Haut. Manche kleine Faltbootwerft, die noch mit Hackebeil und Küchenmesser arbeitet, kann sich hinter dieser technisch hervorragenden Produktion verstecken. Allerdings, gearbeitet muß werden, jeder muß mit heran, je nach der vorhandenen oder nicht vorhandenen handwerklichen Quali- fikation findet jeder seinen Arbeitsplatz. Wer Lust und Liebe hat und auch Ausdauer, ist willkommen. Und wen lockt es nicht, seine Erholung auf den stillen, oerträumten märkischen Flüssen zu suchen, in seine» Urlaubstagen Rhein, Donau, Inn, Moldau, die rauschen- den Wildwasser in den Bergen oder die Küsten der Nord- und Ostsee abzufahren? Unsere Erholung liegt auf dem Wasser, sagen die Faltbootfahrer, komm zu uns, arbeite mit, und wenn zum ersten Male die Wellen glucksend an den Bug deines Bootes schlagen, dann bist du reich belohnt für alle Mühe und Arbeit— ein stolzer Bootsbesitzerl Interessenten kommen Dienstag, 13. Oktober, 26 Uhr, in die Versammlung aller Selbstbauer in der Kreisgeschäfts- stelle, Elsasier Straße 86 IV. Ein Photoschau wird Einblick in das Leben und Treiben der Faltbootfahrer geben.. Schriftliche Aus- künfte durch Alfred Hennig, N 26, Uferstraße. 13. Erst Geld, dann— Nurmi! Der„Königsberger Hartungfchen Zeitung" entnehmen wir folgende köstliche und bezeichnende Schilderung von N u r m i s Empfang in Königsberg: „Nurmi-Empfang. Ort der Handlung: Hauptvahnhof. Zeit: Sonntag mittag. Seriöse Herren, Herren der Gesellschaft, die sich um das Zustandekommen unseres Nurmifestes dankenswerte Per- dienfte erworben haben, stehen zur Begrüßung bereit. Der Finne steigt aus dem Coupe. Man eilt zu ihm.„Herr Nurmi, Sie ge- statten, daß ich mich Ihnen vorstelle...",„Sie gestatten...",„Sie gestatten..." Man fragt besorgt:„Was wünschen Sic nun zu unternehmen, 5)err Nurmi? Wünschen Sie auf den Sportplatz zu fahren? Wünschen Sie zuerst zu essen? Wollen Sie ins Hotel fahren, um noch ein wenig auszuruhen...?"— Nurmi zuckt mit den Achseln: „Ich nicht verstehen deutsch." Ein anderer Herr, der den Wunder- knaben schon von Danzig her kennt, springt helfend ein. Durch einen sanften Rippentriller verschafft er sich bei Nurmi Beachtung: „Du, Nurmi, hör' her! Sportplatz? Oder essen? Oder Hotel schlafen?" Nurmi ist im Bilde, doch das olles interessiert ihn nur in zweiter Linie:„Wo Mister Döhring?" Verdutzte Gesichter in der Umgebung, doch Nurmi läßt sich nicht aus dem Konzept bringen. „Wo Mister Döhring?" wiederholt er recht eindringlich. Antwort: „Mister Döhring auf dem Sportplatz."— Nurmi„Schade." Frage: „Was nun?" Zlurmi:„Erst Geld, dann Essen. Dann schlafen. Dann Sport- platz." Stillschweigen in der Umgebung. Nurmi fürchtet, sich nicht klar ausgedrückt zu haben und präzisiert seinen Gedanken:„Ohne bezahlen nicht laufen." Mit einem Schlage versteht man sich mit Nurmi. Man weiß, woher der Wind weht. Der Worte sind genug gewechselt! Schwei- gcnd, nachdenklich schlägt man den Weg zu den wartenden Autos ein. Das höfliche Empfangskomitee schickt sich an, den exotischen Gast in die Mitte zu nehmen. Ihm behagt das nicht. Er packt seine Begleiter zur Rechten und zur Linken beim Aermel und schiebt sie noch vorn. Die entsetzten Gesichter klärt er mit einer nicht mißzuoerstehenden Handbewegung auf:„Geht eures Weges, ich gehe allein." * Wir hatten Nurmi kürzlich den Kassenmagneten für bürgerliche Sportfeste genannt. Er scheint aber auch in seiner eigenen Börse einen Geldmagneten zu haben. „DstnnKs" Spielertaö Der Verein für Leibesübungen Ostring, einer der führenden Vereine in der Leichtathletik und auch im Hockeyspiel, der in seinen Reihen mit die schnellsten Läufer des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und-Sportbund und eine der schnellsten 16X166- Meter-Staffeln hat. begeht am Sonntag im Lichtenberger Stadion anläßlich seines dreijährigen Bestehens einen gut an- gelegten Spielerwerbetag. Reben einigen Handballspielen finden vier Hockeykämpfe statt. Es spielen um 12 Uhr Verein für Leibesübungen Ostring 3— Arbeiter-Sportoerein Rot-Weiß 3, Verein für Leibesübungen Ostring Frauen— Arbeiter-Sportverein Rot-Weiß Frauen, um 13.36 Uhr Verein für Leibesübungen Ostring 2— Freie Turnerschaft Groß-Berlin Tempelhof 1 und um 15 Uhr Verein sür Leibesübungen Ostring 1— Arbeiter-Sportoerein Rot-Weiß 1. Die Gäste sowie der Veranstalter gehören mit ihren Mannschaften zur Spitzenklasse._ Arbeiter-Wintersport Vereins- und Abteilungsleiter werden gebeten, Interessenten auf die Wintersportübungen(Ski- und Eislauf, Eishockey) aufmert- sam zu machen. Zuerst werden wieder die üblichen S t i t r o ck c n- k u r s e mit dem Einsührungslichtbildervortrag am 19. Oktober in der Aula Danziger Straße eingeleitet. Anschließend werden in Neukölln, Waldemarstraße. in Lichtenberg, auf dem Wedding Trockenskikurse in Turnhallen abgehalten. Erwerbstätige 2 M., Jugendliche, und Erwerbslose frei. Bei günstiger Witterung werden praktische Uebungen veranstaltet. Das Schlittschuhlaufen der Mit- glieder wird im kommenden Winter in besserer Weise als bisher gepflegt werden. Alle Interessenten mögen am Montag. 12. Ok- tober, zur näheren Information einen Vertreter nach der Kreis- geschäftsstclle, Berlin, Elsasser Straße 86/88, entsenden. Camera gegen Sharkcy Die beiden Teilnehmer an dem am 12. Oktober in New Port stattfindenden Kampf haben jeder 1666 Dollar Antrittsgarantie hinterlegt, das Treffen wird also nunmehr bestimmt steigen. Carnera ist gebürtiger Italiener, naturalisierter Franzose; S h a r k e y ist von litauischen E/tern in Amerika geboren, und diese beiden kämpfen um die»Meisteischaft von Amerika". Da es nicht mehr anging, dieses Treffen als Weltmeifterschoft oufzuziehen. weil Schmeling inzwischen selbst von der New-Porker Kommission nicht mehr beiseite geschoben werden kann, nannte man e«„Meister- schaft von Amerika". Sharkcy hat gegen Scott mit Tiefschlag gewonnen und gegen Schmeling mit Tiefschlag verloren, außerdem hat er mit einem Mittelgewichtler namens Hickey Walker unentschieden gekämpft: das sind seine letzten Heldentaten. Carnera ist die Sensation von vorgestern. So nebenher erfährt man, daß die Handvcrletzung Sharkeys nicht der einzige Grund für die Verlegung des Kampfes gewesen sei. Es mußte schon aussallen, daß die Kommission kein ärztliches Attest oerlangte, wie es bisher üblich war; bei Schmeling mußte es sogar ein beglaubigtes sein. Der Vorverkauf sür den Kamps soll allerdings stark hinter den Erwartungen des Unternehmers Jim Iohnston zurückbleiben, so daß eine große Pleite zu erwarten ist. Da kani dem Veranstalter die angebliche Handverietzung Sharkcys sehr gelegen, er sond Anlaß, noch ein bißchen Reklame zu machen sür seine„Amerila-Meisterschast". � Allgemein wird festgestellt, daß Carnera sich sehr verbesser! hat. und daß Sharkcy bedeutend mehr zeigen muß als geg»l Walker, wenn er gewinnen will. W-sserW-rt»»re>»„Fiotctnitoe*.«issungen finden non jr»t ob jeden 2. und 4. Freitag im Monat statt. Nächste Sitzung S. Oktober(Falkenstetu). Abrudern am 18. Oktober._ w_ r v Frei« Schwimmer ah-il-tte-b-rg.«0»-»btril-»g. Versammlung Freitag, 0. Ollober, 20 Uhr, B-ot-dau- Tie-wcrber. Baulossenbücher mitbringen. Au,. nofmte neuer Mitglieder. Sonnabend, 10. Oktober, Herbstnergnilgen der Ahlert, Berliner Strasse. Göfte willkommen. Sonntag, II. Oktober, 14� Uhr, Handballer Beb Jungsernheide.. VfL. Ostriag e V. Freitag, 3. Oktober, fern HaHenhnmng. Wiederbegilii, Gienttag, 13. Oktober, 1«>" Uhr, Turnhall« Parkaue, Mölleirdarfstrasse. Sonn- tag. 11. Oktober, 12 Uhr, Serbespieltag im Lichtenb-rger Stadion. Altcr-riege» 1. Kreie. Sonntag. 1. Ronember, 14 Uhr, Zentralturnhalle Vrinzenstr. 70, Gmnnastik. und Leichtalhletikwerdeftunden für Männer und Frauen. Anfchlicssend im Gewerkschaftshaus Beisammensein. Angaben der Uebiingszeisen der Pereine(Altersriegens schriftlich an H. Seissi, Petersburger Strasse 63, bis Ipätesten« 10. Ottober. Reichsbanner, Wasseripertabteilung. Zug Oberf»««. Sonntag, 11. Otioder, Abfahren. Gemeinsame Abfahrt 10 Uhr nach Restaurant Waldidnll, Schmöa- wlss. Rachmittags gemütliches Beisammensein im Botshaus Köpentik, Wenden. schlossstr. 122. Gäste willkommen. Arbeiter-Sportoerein Schäneberg-Friedenan 07, Abteilung Siedlnng Linden- Hof. Interessenten für Fussdall, Horten oder Handball melden stch auf den llebungsabeiiden: Schülerinnen: Dienstags, 13 Uhr: Iungmädchen und Fronen: Dienstags. 20 Uhr: Jugend und Männer: Donnerstags, 20 Uhr. Für eine Schüterabteilung werden Meidungen auf den Uibungzabendcn entgegengenommen. FTGB.. Bezirk SLden. Sonnabend. 10. Oktober, 2l Uhr, Besuch de» Plane- tariums. Ermäßigter Eintrittspreis 00 Ps., Jugendlicke 40 Pf. Treifpuntt 2C'i Uhr Planetarium. Joochimsthaler Strasse.— Bezirk Eh-rlottenburg. Sonntag, 11. Oktober. 13 Udr, Türlilches gelt, Berliner Str. 52, Gründungs. keier. Karte 75 Ps. Erster Turnabend nach den Ferien Männer und Jugend Montag, 12. Oktober; Frauen, und Jungmädchcn- sowie Kinderabteilungen Dienstag, 13. Oktober. Gäste willkommen._....... Freie Riiderer-Vereinigung 1913. Sitzung Freitag, 9. Oktober, Strandschlog Oberi'chöncweidc. Sonntag, 11. Oktober, Adrudern nach Neu-Heringsdors, Rnderoerein Collcgia. Dienstag, 13. Oktober, 20 Uhr, Vorstandssitzung. Siaalf lucöler Donntniag, den 8« Oktober Staatsoper Unter 4n Unto 20 Uhr Sdivanda. der StntlidiaiBiiltte Undirnnnuti. 20 Uhr Peer Gynt staatsoper an Pliti der RwUlik 20 Uhr Hadame BDUerfiy Schlller-Ihcater Chiriittnknr). 20 Uhr Die HitsdiDldigen 33 Mlnulen In Grflnetzero Inlernadonales Idealer tKlelnei Theater) Unter den U.iden 44. S'-- Uhr: Findti vor maiaci. sifidi.Oper Charlottenburü Bismarckstraße 34 Donnerstag, d. 8. 10. Turnus MI Anfang 20 Uhr Rigoletto Ende gegen 22V« U. Komiscna oper V/t Uhr Thron zu vergeben Operetie v.Meidhari Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien. Preise: 0,50-7.- M VolKsbtthne Ttatsi in Mlinrplati 8 Uhr Nebeneinander 10 u. II. Oktober 8 Uhr Hans Albers in Liliom Schiller-Theater 8 Uhr OieMItsdiuIdigeD 38 minuten in firaneöerg »«/. wer CAS1N0-THEA 1 ER s-/. uh. Lothringer Sirahe 97. N®u! Sie lathen Tranen Nt>l" Uber die tolle Posse Oodo, das flff entliehe Aergernis Dazu das neue bunte Progr.l Outschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Pauteull 1— Mark. Sessel 1.50 Mark Denttdie: TDeatei 8 Uhr KalaMlielu von Schiller Rqit: Mu Rctebanit Die Komödie f.» Uhr ROchkelir Ignöiliaf.DouliiSttwari ligii; Gustif Gifiidgiiis. Karfarstenaamm Tbeater Bismarck 448/4' 8'/« Uhr Die schöne Helena ranlscfliKsoneiiuiii ■•Ott; Max BBtnUrtl. ffletropoMimier Täglich 8'/. Uhr Sonntags 4 u S'/e U Die Blume von Hawai Operettev. Abraham PniM D,5Q— lUO I euipg-fliealei Dir. Dr. Robert Klein Vildndinn M4S. 2711. 8V« Uhr Junge Liebe. Motheim, Brausewstter, Haaclc, Homolka. Premissre Dienstag D.I.Equipagew ■ Zentral-Theater i AlteJakobstr.30-32 Täglich 8% SchwarzwaM- mfidel QrrfiB Stein, Herrj Cndi Sonnabend 4 Uhr Sonntag 3 Uhr Vrldolin im ngrchenland. Biumenspemien jeder Art liefert preiswert Paul Goiletz vermalt Robert Meyer Marlcnnanstr. 3 F S> Oberbaum 1 903 Weseo Geldnot I Ab Fabrik. la Antug Hoff, biou.ßiolltamm gar n, m 6.80 und i»L0, Pfiffet und Salz grau m 10.80 W Erga, Gera, 167. Restaurant„Groß-Berlin" . Alexanderplalz. 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Otioder starb unser Genosse Erich Scheldemann Wir werden UN«rem treuen Genossen ein ehrendea Andenken bewahren Me SPO.'Frakllon der Wer kitalt Qriuevald (U-Bahn) Beerdigung am Sonnabend, dem 10 Oktober, nachm. S Uhr, auf dem Gethsemane-Friebhot, Nordend. 8 TOTTERN Dauerheilung. Eig.grundlegendes Verfahren Ausk 4-7, Prosp. frei. FaiBlnsüioi Naeötel. Berlin. DaUmamutr. 24(KidlntMiiaaui)