BERLIN Zreitag s. Oktober lSZI 10 Pf. 7ir. 424 B 232 48. Jahrgang ErsKtinttiglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejugsorei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche.»MM. pro Monat. Kedaktion und Expedition: BerlinSWKS.Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292—297 SjitUaatyaße dei ffybfiVtLffa A n t e l g e n p r e i«: Die einspaltigeNonpareilleieile Ko Pf., Reklamejeile KM. CrmäKigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 3? szs.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Um den Brotpreis Die Sozialdemokratie fordert: Die Reichsregierung muß ihn senken Von dem Bestreben geleitet, jede Steigerung des Brotpreises noch rechtzeitig zu bekämpfen, hatte die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion bereits am 1. Oktober an den Reichskanzler solgenden Brief gerichtet: Wir möchten Ähre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß der Brotpreis in Deutschland seit einer Reihe von Monaten eine Höhe erreicht hat, die im Widerspruch zu den klaren Be stimmungcn des Zollgesetzes steht. Im Gesetz über Zolländerungen vom 28. März 193l heißt es: „Ungeachtet dieser Bestimmung ist die Reichsregierung ver- psllchtet, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln eine Er- höhung des Brotpreises über dem vom Statistischen Reichsamt ermittelten Brotpreis der letzten sechs Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes vorzubeugen." Dieser Höchstpreis für Brot ist in den letzten Monaten ständig überschritten worden. Nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamtcs betrug der Brotpreis(Oktober 193» bis März 1931— 100 Prozent) im April.»... 99,6 Prozent Mai..... 102,4 Äutii..... 103,0„ Juli..... 102,9 August.... 101,8 des gesetzlichen Höchstpreise?. Die Ucberschreitung des Höchstpreises im Mai ist damit entschuldigt worden, daß die van der Rcichsregie- rung eingeleitete Maßnahme zur Senkung des Brotpreises sich noch nicht genügend ausgewirkt hätte. Inzwischen ist jedoch noch mehr nicht die erforderliche Senkung des Brotpreises eingetreten, so daß an der Unwirksamkeit der bisher von der Regie- rung ergriffenen Maßnahme keinerlei Zweifel mehr be- stehen kann. Dieser Tatbestand ist um so schwerwiegender, als wir uns jetzt am Anfang eines neuen Erntcjahrcs befinden und mit dem Fortschreiten des Jahres eine saisonmäßige Steigerung des Roggenpreises und des Brotpreises erwartet werden muß, wenn die Regierung dem nicht sofort mit wirksamen Mitteln begegnet. Aus Leipzig erholten wir die Nachricht, daß der Brotpreis von 34 auf 36 Pfennig je Kilogramm von den Bäckern erhöht worden ist, und daß der Konsumverein auf Grund der Preisentwicklung des Roggens und des Mehles gezwungen sein wird, dieser Preis- erhöhung zu folgen, wenn nicht schleunigst eine Berbilligung des Roggens herbeigeführt wird. Aehnliche Alarmnachrichten kommen aus anderen Städten. Es kann keine Rede davon sein, daß die Reichsregierung„mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln" eine Brotvcrteuerung nicht verhindern könnte. Die Brotpreisklausel ist im Zollgesetz aus- drücklich bei der Tarifnummer„Roggen" eingefügt worden, wobei die Reichsregierung ermächtigt wird, den Roogenzoll der Wirtschafts- läge und der Brotpreisklausel entsprechend festzusetzen. Angesichts des niedrigen Standes der Weltmarktpreise ist die Reichsregierung jederzeit in der Lage, durch eine entsprechende Bemessung des Zollsahes für Roggen den Roggcnpreis und den Lrotpreis in Deutschland so zu regulieren, wie es den vor- schriften des Zollgesehes entsprich». Wir erwarten daher, daß die Reichsregierung unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen ergreift, um die Ueberteuerung des Brotes zu beseitigen, die sowohl im Widerspruch zum Zollgesetz wie zu den von der Reichsregierung und dem Herrn Reichskanzler bei der Beratung des Zollgesetzes abgegebenen feierlichen Erklärungen steht. Neues Konsumbrot. Ein't TSV-Gramm«Brot für 4S Pfennig. Die Berliner Sonsum-Genossenschask teilt mit, daß sie neben ihren anderen Brotarten jetzt ein neues Roggenvoll b r o t herausbringen wird. Das neue soll im Gewicht den Broten der Berliner Bäckermeister gleichen, also gleichfalls 1250 Gramm schwer sein, dafür aber nicht weniger als 10 proz. billiger fein als das Bäckerbrot. Es soll nur 4 5 Pfennige kosten. Darüber hinaus hat es die A s ch i n g c r- A.- G.. die teilweise ebenfalls Brot verkaust, abgelehnt, dem Beschluß der Berliner Bäckerinnung aus Erhöhung des Brotpreises zu folgen. Da sich zwei weiter« Brotfabriken uird zwar Gold. acker und Hanke ebenfalls dieser Maßnahnie angeschlossen haben, werden augenblicklich etwa 30 Proz. des Berliner Brotes unter dem von der Berliner Bäckerinnung auf 50 Pf. festgesetzten Preis abgegeben. Diese Tatsache scheint ihre Wirkung aus die Bäcker nicht zu verfehlen, und unter dem Druck der dadurch verstärkten Kon- kurrenz haben sich die Berliner Bäcker dem Vernehmen nach heute. bereits zu Berhandlungen untereinander zusammengefunden, Bundespräsident Miklas Auf vier Lahre wiedergewählt s* Wien, 9. Oktober. lEigenbcricht.) Mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit hat gestern der Nationalrat auf Antrag der Großdcutschen Volkspatei beschlossen, diesmal noch die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung statt durch Urwahl, wie die geänderte Verfassung vorschreibt, vorzunehmen. Der Bundesrat, der aus den proportional gewählten Vertretern der Landtage besteht, ist diesem Beschluß am gleichen Tage beigetreten, worauf Bundes- Präsident MiklaS die Bundesversammlung, daS ist die gemeinsame Versammlung von National- und Bundesrat, auf heute vormittag 11 Uhr einberufen hat. Die Wahl erfolgte geheim durch Stimmzettel. Das Er- gebnis ist: Im ersten Wahlgang wurde Bundespräsident Dr. MiklaS mit 1v9 Stimmen der Christlich- sozialen, Großdeutschcn und des LandbundeS wiedergewählt. Kür Dr. Renner haben die 93 Sozialdemokraten gestimmt. ES waren 293 Stimmen abgegeben, von denen ein Stimmzettel leer war.(Seipel? Ned. d.„V.".) Tic Mitglieder des Hehnatblockes tvaren ferngeblieben. Noch der Abstimmung wurde Bundespräsident Miklas durch die Leiter der Kanzleien des Nationalrates und des Bundesrates feierlich eingeholt. Er erklärte auf die Frage des Vorsitzenden, die Wahl anzunehmen und leistete darauf den Verfassung?- cid. Der Vorsitzende beglückwünschte den Bundespräsidenten in längerer Ansprache, in der er seine' bisherige Amtstätigkeit würdigte und der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß es während seiner neuen Amtsperiode gelingen möge, dem Volk jenes Maß von innerer Ordnung und Befriedung zu erhalten, das die Voraus- setzung der politischen Selbständigkeit und damit der S e l b st b e st i in m u n g überhaupt sei. Er schloß mit einem drei- fachen Hoch auf den Bundespräsidenten und die Republik, in das die Bundesversammlung einstimmte. Mit zahlreichen Mitgliedern des diplomatischen Korps wohnte auch der deutsche Geschäftsträger Dr. Clodius dem feierlichen Akt bei. * Bundespräsident Miklas ist von Beruf Gymnasial- direktor. Er gehörte der christlichsozialen Partei an und war vor seiner ersten Wahl zum Bundespräsidenten neben dem seither verstorbenen Sozialdemokraten MathiasEldersä) Präsident des Nationalrats. Miklas ist als klerikaler und „antimarxistischer" Fanatiker hervorgetreten. Er erfreut sich, wie sein Vorgänger Dr. Michael Hämisch, großen Ansehens, wenn er auch im vorigen Jahre einen Starhemberg auf Betreiben Seipels zum Innenminister eingesetzt hat. Brüning sucht weiter. Starker Druck auf Bügler. Im Laufe des heutigen Vormittags wurde von sehr ein- f l u ß r e i ch e r Stelle aus Herrn V ö g l c r ein starker Druck ausgeübt, damit er das Verkehrsministerium übernehme. Vogler konnte sich jedoch zunächst noch immer nicht entschließen und konfe- rierte nochmals mit feinen großindustriellen Freunden. Auch Scholz will nicht. Der Volksparteiler Scholz hat in einem Schreiben an den Reichskanzler einen Eintritt in das Kabinett abgelehnt. Er erklärt darin, er sei zu der Ueberzeugung gekomnien, daß es jetzt an der Zeit sei, die Rechte zur Verantwortung heranzuziehen: er sehe sich deshalb außerstande, die ihm vom Reichskanzler Brüning angebotenen Ministerien(Inneres und Justiz) zu übernehmen. Die sozialdemokratische Reichstagsfrattion versammelt sich am kommenden Montag, 12. Oktober, 3 Uhr nachmittags. Attentat auf Bracht. Explodierende Sprengstoffladung in Esten. Essen, 9. Oktober. Im Vorgarten der Dienstwohnung des Oberbürgermeisters Dr. Bracht in Esien-Bredeney explodierte gestern abend ein Sprengkörper. Es handelt sich um eine mit Sprengstoss und Schrotstückea gefüllte INelallslasche, die über den Gartenzaun bis an das Haus geworfen worden war und dann durch eine Zündschnur zur Explosion gebracht wurde. Am Gebäude entstand geringer Sachschaden. Einige Fensterscheiben im Erdgeschoß gingen in Trümmer. Die Polizei hak umfangreiche Crmilllongen nach den Tätern eingeleitet. Opfer der Gaskatafirophe. Bis jetzt neun Tote in Gdingen/ 44 Wohnungen zerstört. G d i n g c n, 9. Oktober. Ditrdj die gestern abend erfolgte Explosion eines größeren Gasbehälters im Wohnhäuscrblork deS Ver- banbeS für Geistesarbeiter, Über die wir bereits im Morg«n-,.BorwartS" berichteten, stürzte ein Teil des 299 Wohnungen umfassenden Gebäudeblocks, in denen zumeist Beamte wohnen, ein. Vierzehn Wohnungen sind gänzlich zerstört, die ganze Nacht wurde gearbeitet, um die Verschütteten zu retten. Bisher konnten neun Tote und sieben Verlebte, darunter ein Schwerverletzter, ge- borgen werden. Unter den Trümmern liegen vermutlich noch sechs Menschen begraben. Die Katastrophe erfolgte während einer probeweise» Zuleitung des Leuchtgases. Anscheinend ist ein Rohr undicht geworden und das ans- strömende Gas mit einer offenen Flamme in Berührung gekommen. « Die geborgenen Toten sind zum Teil so zugerichtet, daß ihre eigenen Angehörigen sie nicht identifizieren können. Die Ber- letzungen der Geretteten, von denen sechs in ein Krankenhaus ge- bracht werden mußten, sind zum Teil erheblich schwerer als zu- erst angenommen wurde. Die Ursache der Explosion ist jetzt in- soweit geklärt, als sich herausgestellt hat, daß schon seit einiger Zeit sich Gasgeruch in dem betroffenen Häuserblock bemerkbar machte. Die Gasleitung wurde daraufhin zwar einer Revision unterzogen. die jedoch nicht sehr gründlich gewesen zu sein scheint. Die Kala- strophe erfolgte dann gestern abend, als eine Hausangestellte einen Kellerraum des zerstörten Hauses mit einem offenen Licht betrat. Die Ausmaße der Explosion lassen sich jetzt einigermaßen klar übersehen. Sie sind gr.ößer als ursprünglich angenommen wurde. So sind außer den 14 vollständig zerstörten Wohnungen des Häuser- blocks 20 weitere so stark beschädigt, daß sie wegen Einsturzgefahr geräumt werden mußten, ferner weist der ganze 5)äuserblock große Risse auf. pyihia auf dem Dreifuß. Goebbels orakelt über den November. RIagdeburg, 9. Oktober. In einer nationalsozialistischen Vevsammtung sprach gestern Dr. Goebbels über den Sturz des Kabinetts Brüning. Heute gehe, so führte der Redner aus, der Kampf nicht mehr um diese oder jene Männer, sondern um ein System. Wenn durch diesen Kamps nicht dos System beseitigl und durch ein anderes erseht werde, sei die Krise nicht behoben, sondern nur ausgeschoben. Wenn der Reichs- kanzlcr glaube, er könne die Krise durch die Gewälzrung eines Burg- fricdens" beheben, so müßten die Nationalsozialisten ihm antworten. daß sie Burgfrieden nur halten könnten, wenn der Feind außerhalb der Burg steh«. Solange aber der Feind in cnt- scheidenden Machtpositionen die Vurg besetzt halte, so lange gebe es im Burghof keinen Frieden, sondern Krieg. Den„Feind deutscher Freiheit" sieht Goebbels innenpolitisch im Marxismus und vor allem in der Sozialdemokratie. Solange diese Partei noch eine Machtposition innehalte, komme ein Mit- regieren oder eine Mitverantwortung für die Nazis nicht in Frage. Dr. Goebbels schloß: Wer wagt heute zu prophezeien, was im November dieses Jahres der Vergangenheit angehören wird? Jeden- falls stehen mir Gewehr b e i F u h, jederzeit bereit, in die Eni- wicklung einzugreifen. Japans Regierung muckt auf. Die Flugbomben auf Kintfchau. .ißemi auch die Nichtverfolgung der Mörder jenes japanischen Ossiziers, der spionierend in Mittelchina herumreiste, Japan den Vorwand geliefert hat, sich selbst Recht verschaffen zu müssen und seine ZS-Kilomcter-Zone an der mandschurischen Bahn„erweitern" zu müssen, so hat sich doch wieder gezeigt, daß es kein Halten gibt, wenn man einmal den.Militärs freigestellt hat, gegen wehrloses, noch dazu fremdes Volk loszugehen. Die neueste Aktion zur Vcr- Mehrung japanischen Kriegs ruhmes, der Flugbombenabwurf auf die Stadt Kintfchau. an der Bahn Mukden— Peking, ist damit„begründet" worden, daß die oerjagte Regierung der Ostprovinzen(Mandschurei) von dort aus Unfrieden und Unordnung verbreite. Dieses Bombardement soll aber die Regierung in Tokio dazu gebracht haben, sich gegen diese Eigenmächtigkeiten der Militärs aufzulehnen. Bei diesem Luftangriff auf eine wehrlose Stadt sind wie der Schanghaier Kvrrespondent des„Petit Parisien" meldet, sieben Per- sonen getötet und IS verletzt worden. Unter den Toten soll auch ein deutscher Professon sein, der in Tientsin ansässig und auf der Durchreise in Kintschau war. Andere Meldungen sprechen von mindestens 25 Toten. Immer neue Kinanzkrachs. Auch in den Goldländern. Paris, g. Oktober.(Eigenbericht.) Die Banque Syndicale de Paris hat ihre Schalter schließen müssen, da sie durch die Festlegung von Krediten in zahl- reichen, durch die Wirtschaftskrise betroffenen Jndustrieunternehmun- gen in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. Es ist eine mittlere Bank, die in Paris mehrere Filialen unterhält. Das Direktorium der Federal Reserve Bank in New Port hat den Diskontsatz um 1 auf 2� Proz. erhöht. Den unmittelbaren Anlaß dazu boten die Goldoerschiffungen nach Frankreich, die in den letzten Tagen ständig wachsenden Umfang angenommen haben. Verurteilter Demonstrant verzichtet auf Bewährung London, 9. Ottober. Der Rädelsführer der Erwerbslosenkrawalle wurde wegen Auf- reizung gegen die Gesetze zu vier Wochen Gefängnis verurteilt, nachdem er eine einjährige Bewährungsfrist gegen Stellung einer Kaution abgelehnt hatte. Zwei andere Rädelsführer von Er, werbslosendemonstrationen wurden in Salford zu drei bzw. fünf Monaten Gefängnis oerurteilt. Das Verbrechen von Jüterbog Geheimnis um die Gprengstoffräuber Vier Arbeiter erschlagen. Neues Unglück in Beuthen.— Wieder ein Schacht eingestürzt Breslau, 9. Oktober.(Eigenbericht.) Auf der 124- Meter- Sohle der Karsten- Zentrumsgrube bei Reuthen ging in der Nachtschicht zum Freitag aus bisher unge- klärtcr Ursache ein Pfeiler zu Bruch. Fünf Bergleute wurden verschüttet, einer von ihnen wurde nach kurzer Zeit durch die sofort eingesetzten Bergungsmannschasten geborgen. Die vier anderen konnten am Freilagsrüh nach zwölfstündiger Ar- bcit aufgefunden werden. Sie waren sämtlich von den Gesteins- mästen erschlagen. Sechs Arbeiter verschüttet. Kreuznach. 8. Oktober. Bei Ausschachtungsarbeiten für einen Wasserleitungsbau brach in K a l l b a ch plötzlich der ausgehobene Graben zusammen. Sechs Arbeiter wurden von den Erdmassen verschüttet. Die Ret- tungsarbeiten gestalteten sich außerordentlich schwierig und zeit- raubend, da immer nur ein Mann mit der Spitzhacke arbeiten konnte. Schließlich gelang es, einen Arbeiter mit leichteren Ber- letzungen zu bergen. Bier wurden so schwer verletzt, daß sie dem Krankenhaus zugeführt werden mutzten. Ein 40jähriger Arbeiter konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Einheiisfront der Gewerkschaften. Gegen Sozialreakiion und Scharfmacherei. Frankfurt a. M.. 9. Oktober. In einer stark besuchten Mitgliederversammlung der freiheitlich nationalen Arbeiter- und Angestelltenoerbänve, die im G e w e r t- s ch a f t s r i n g als Spitzenorganisation zusammengeschlossen sind, fprach gestern abend der Reichstagsabgeordnete Ernst L e m m e r in seiner Eigenschaft als Generalsekretär des Gewerkschaftsringes. Das, was der schwerindustrielle Flügel der volksparteilichen Reichstags- fraktion in diesen Tagen zur Veranstaltung einer Regierungskrise gcgen das Kabinett Brüning-Stegerwald-Dietrich in Szene gesetzt habe, das dürfte allen deutschen Arbeitern und Angestellten rest- los die Augen geöffnet haben. Diese Krise, die unter dem unwahr- haftigen Deckmantel einer sogenannten„nationalen Oppo- s> t i o n" betrieben werde, soll der deutschen Arbeitnehmerschaft den letzten Rest von Schutz und Rechten nehmen. Die Krisenmachcr dürfen davon überzeugt sein, daß es sich hier nicht um eine Angelegenheit der„roten Gewerkschaften" handelt, wie man es gern betörenderweise darzustellen pflegt, sondern daß dieser Frontalangriff der sozialen Reaktion von allen Gewerk- schaftsrichtungen ohne Unterschied ihrer sonstigen weltan- schaulichen und politischen Orientierung als ein Schlag gegen die Grundlagen moderner Sozial- und Gewerkschaftspolitik empfunden werde. Klare Fronten seien dadurch geschaffen. Die unerschütterte Widerstandskraft der gesamten deutschen Gewerkschaftsbewegung werde sich geschlosien zum Kampf stellen, wo er nur von den Krisenmachern gewünscht werden möge. Dieser Kamps wird Millionen der deutschen Arbeitnehmer gewerkschaftlich und polltisch aufrütteln. In hohenseefeld bei Jüterbog ist, wie schon kurz be- richtet, der 22 Jahre alle frühere Schmied und jetzige Pferdeknecht Kurt Barthel festgenommen wurden. Er steht im Verdacht, in seinem Geburtsort pelershain(O.-L.) einen größeren Spreng st osfdiebstahl ausgeführt zu haben, und weiter vermutet man einen Zusammenhang mit den Elsen- bahnattentäkern von Jüterbog. Barthel befindet sich zur Zeit im Polizeigewahrsam in Berlin. Im Verlaufe der vielen Spuren wurden ziicht nur die Alibis zahlreicher verdächtiger Personen nachgeprüft, sondern auch alle Sprengstosfdiebstähle, die sich in der letzten Zeit ereignet hatten, untersucht. Von den Behörden in Rothenburg(O.-L.) wurde Barthel verdächtigt, an dem Sprengstoffdiebstahl in Peters- Hain beteiligt zu sein. Die Untersuchungskommission hatte ermittelt, daß sich Barthel jetzt in Hohenseefeld aufhielt und nahm ihn dort fest. In der Nacht zu Donnerstag wurden zwei Kommissare nach Jüterbog entsandt, die den Festgenommenen nach Berlin brachten. Im Laufe des Donnerstag wurde er von Kriminalrat Gennat einem eingehenden Verhör unterzogen. Barthel behauptet mit aller Bestimmtheit, daß sich seine Heimatbehörden irren mühten. Er hätte den Diebstahl nicht ausgeführt. Ebensowenig käme er für eine Beteiligung an dem Eisenbahnattentat in Betracht. Von Berlin aus wird nun vor allen Dingen das Alibi des Verdächtigten für die Tage vor dem Attentat und für den Attentatstag selbst nach- geprüft werden. Es handelt sich hier um die Zeitspanne vom 1. bis 8. A u g u st, an dem bekanntlich die Explosion erfolgte. Da bereits zwei Monate vergangen sind und die Prüfung in An- bctracht der Wichtigkeit äußerst genau vorgenommen werden muß, ist vorläufig noch kein abschließendes Ergebnis zu erwarten. Mit der Aufgabe der Nachprüfung des Alibis in Jüterbog und Hohen- seefeld ist Kriminalkommissar Dr. Wächter betraut worden. In Berlin gehen inzwischen die Verhöre weiter. M i t v e r d ä ch t i g t sür den Sprengstoffdiebstahl in Peters- Hain wird auch ein Bruder des Barthel. Wo dieser Bruder sich zur Zeit aufhält, ist noch nicht ermittelt. Wie aus Görlitz berichtet wird, liegt die Untersuchung in den Händen der dortigen Oberstaatsanwaltschast. Ob der fest- genommene Bartels mit dem Iütcrboger Attentat in Verbindung gebracht werden kann, läßt sich nach dem bisherigen Untersuchung?- verlauf nicht beweisen. Es ist bis zur Stunde nicht einmal gelungen, Bartels den Sprengstoffdiebstahl nachzuweisen. Jedenfalls steht man ebenso wie in Görlitz auch in Berlin allen Behauptungen, nun endlich den Jüterboger Attentäter gefaßt zu haben, skeptisch gegen- über. Die polizeiliche Untersuchung, die zunächst nur von Görlitz aus geführt wurde, richtete sich gegen einige unbekannte Täter, die in einem Werk in Petershain Sprengstoffe und Spreng- kapseln entwendet hatten. Dabei stieß man auf Kurt Bartels, der früher in Petershain beschäftigt war, sich dann aber als Land- arbeiter nach Hohenseefelo verdingte. In der Zwischenzeit wurde durch Zufall im Walde bei Petershain ein Sprengstofflager ei:t- deckt. Nach wochenlangcn Nachforschungen wurde der Kreis der Verdächtigen immer kleiner, bis die Polizei sich zur Festnahme des Bartels entschloß. Gestern wurde auch die in pelershain wohnende, aus sieben köpfen bestehende Famil-e von der Ortspolizci festgenommen und nach Görlitz gebracht. In der Wohnung der unter sehr primitiven Verhältnissen leben- den Menschen wurden Sprengkapseln und Sprengstoff gefunden. Der ganze Fund ist beschlagnahmt worden und wird der Chemisch-Technischen Reichsanstalt zur Untersuchung überwiesen. Gleichzeitig ist die Polizei bemüht, die politische Zugehörigkeit der Festgenommenen zu ermitteln. Die Anstifter des Pogroms Neuer Krawallprozeß— Rädelsführer vor Gericht— Antisemitische Provokation durch die„Verteidiger" Nach mehrmaligen Vertagungen konnte endlich heute vor dem Schöffengericht Eharlottenburg die Verhandlung gegen Graf Helldorf und Genossen ihren Anfang nehmen. Der Prozeß ist von den Nationalsozialisten als große politische Demonstration gedacht: sie haben sich zu diesem Zweck aus München den nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Rechtsanwalt Dr. Frank II kommen lasten.. Vorsitzender und Beisitzer sind die gleichen wie im Prozeß gcgen die Nazipogromisten am Surfürsten- dämm vor dem Schnellschössengericht: Landgerichtsdirektor Schmitz und Landgerichtsrat T hie mann. Die Anklage wird von den Staatsanwaltschaftsrälen S t e h n i g und H e r f vertreten. Die Angeklagten werden von den Rechtsanwälten Frank II. Dr. Sack. Dr. Triebet. Everling. voß und Dr. Freister verteidigt. Angeklagt sind Gras H e l l d o r s und sein sogenannter Adjutant Ernst, der Stahlhelmsührer Brandt, der Zeitungsfahrer Damerow und der Expedient Schulz. Nach dem Zeugenaufruf und nach der Belehrung über die Eidespflicht erhält Rechtsanwalt Dr. Frank II das Wort zu seinem Ablehnungsantrag gegen den Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Schmitz und den Landgerichtsrat Thiemann. Die beiden Richter, so meint Frank II, hätten an dem Urteil mitgewirkt, durch das der Angeklagte K ü h n s, der Chauffeur des Grafen Helldorf, wegen Beihilfe zu schwerem Landfriedensbruch zu einem Jahr sechs Mo- naten Gefängnis verurteilt worden sei. Dieser Umstand lasse bei den Angeklagten Helldorf und Ernst die Besorgnis der Befangen- heit der beiden Richter entstehen.„Es ist auch nicht anders möglich", ruft Rechtsanwalt Frank mit großem Stimmaufwand aus:„Die Richter können heute nicht, ohne ihr erstes Urtell zu desavouieren, ein anderes Urteil als damals fällen. Sie gehen an diese Verhandlung bereits mit einem Vorurteil heran, sie müssen die Angeklagten des schweren Landfriedensbruches für schuldig sin- den, um ihrem eigenen Urteil nicht untreu zu werden." Die presse ist schuld. Der Verteidiger fährt fort: Die Presse hat geschrien, geheult, getobt: Stroit sie! straft sie! Die Oeffentlichkeit hatte erwartet, daß der Vorsitzend« gcgen diese Pressehetze Stellung nimmt. Er hat aber gar kein Empfinden für das Drängen des Deutschtums gegen diese herrschende Gewalt. Der Vorsitzende schien vollkommen ein Herz mit denen, die Auwei! schreiend sich auf dem Kursürstendamm schlagen liehen. Man hätte erwarten können, daß der Vorsitzende sich selbst ablehnen würde. Da dies nicht geschehen ist, hat es den Anschein, als ob der Vor- sitzende selbst darauf Wert lege, das Werk, das er begonnen, zu Ende zu führen. Wenn es durch die Urteilsbegründung bereits fest- steht, daß die Angeklagten Helldorf und Ernst auf dem Kurfürsten- dämm die SA.-Leute gelenkt haben— wozu denn die heutige Gerichtsverhandlung? wozu der ganze Apparat? Sogen Sie doch: das Urleil ist fertig! Sie haben die Nationalsozialistische Partei in den Vordergrund der Verhandlung gerückt. Sie haben durch Ihr Urteil die Partei strafen wollen. Wir sind gewohnt, daß die feindliche Preste uns verleumdet. Alle diese Lügen und Herabwürdigungen sind uns gleichgültig. Ungeachtet des gegnerischen Geschreies werden wir unseren Weg gehen zum Sieg. Wir stehen hier als kämpfende Menschen. Der Vorsitzende hat es an den letzten Versuchen fehlen lassen, dem Einfluß der Presse zu widerstehen. Es ist ja einmal so, daß jeder Richter, der es wagt, einen Nationalsozialisten freizu- sprechen, bedroht wird. Rechtsanwalt Frank wiederholt zum Schluß noch einmal seinen Ablehnungsantrag. Vorsitzender: Ich wollte Sie nicht unterbrechen, möchte aber doch in bezug auf die Form Ihres Antrages die Verteidiger bitten, sich nicht persönlich an mich zu wenden und mich auch nicht ausfordern, irgendeine Erklä- rung abzugeben. Ich bin strafprozessual dazu nicht in der Lage. Rechtsanwalt Dr. Sack ergänzt den Antrag seines Kollegen, beschäftigt sich gleichfalls eingehend mit Presseberichten über den Kurfürstendamm-Prozeß und überreicht, dem Gericht ein ganzes Heft mit Zeitungsausschnitten. Rechtsanwalt Dr. Freißler unterstützt den Ablehnungsantrag und sagt zu dessen Begründung u. a. folgendes: Millionen deutscher Menschen hatten bei dem ersten Urteil die Ueberzeugung gehabt, daß hier nicht dem Recht zum Siege verholfen werden sollte, son- dern daß bei der Wahl zwischen zwei Weltanschauungen die Wahl zuungunsten der Angeklagten ausgefallen ist. Diese Ueberzeugung entstand nicht nur wegen des Strafmaßes, sondern auch wegen der Tatsache der Verurteilung selbst. Das Strafmaß war so ungeheuer- lich, daß schon aus diesem Grunde bei den heutigen Angeklagten die Besorgnis der Befangenheit entstehen müsse. Die Ereignisse aus dem Kursürstendamm bedeuten nichts anderes als den Kampf des Deutschen gegen das Vorrecht einer gewissen Rasse auf bestimmte Straßen.„Hier muß ich", fährt der Verteidiger fort,„aus die per- sönlichen Beziehungen des Vorsitzenden zu dieser Rasse zu sprechen kommen. Es bestehen zwischen ihm und dieser Rasse Versippungs- beziehungen. Zur Glaubhaftmachung dieser Behauptung ersuche ich um die dienstliche Aeußerung des Vorsitzenden. Ist das. was der Angeklagte Schulz in dieser Hinsicht behauptet, richtig, lo löst sich das Rätsel jenes Urteils von selbst. Es wäre ein übermenschliches Ver- langen von dem Vorsitzenden, daß er bei so nahen Bezichungen zu der anderen Welt ein objektives Urteil zu sprechen imstande sein sollte. Damit der Verteidiger seinen Ablehnungsantrag schriftlich stellt, wird die Verhandlung unterbrochen. Nach Wiedereintritt in die Verhandlung bittet Rechtsanwalt Everling um die Namensnennung der beiden Schöffen. Es sind dies der Kaufmann Stark und der Werkmeister Müller. Rechtsanwalt Everling gibt darauf folgende Erklärung ab: Ich lehne den Kaufmann Stark als Schöffen ab, seine Befangenheit wird durch den Augenschein festgestellt, er gehört der jüdischen Nation an. Nach längeren Darlegungen beantragt der Verteidiger zwecks Glaubhaftmachung seiner Behauptung, den Schössen Stark um eine schriftliche Aeußerung über seine Zugehörig- keit zum Judentum zu ersuchen. Als der Vorsitzende den Verteidiger daraus aufmerksam macht, daß eine Glaubhaftmachung durch In- augenscheinnahme strafprozessual nicht zulässig sei, und daß:m übrigen anscheinend die Ironie im Prozeß auch von der Verteidi- gung nicht ganz verpönt sei, kommt es zwischen Verteidigung und dem Vorsitzenden zu einer scharfen Kontroverse. Erklärung des Staatsanwalts. Als letzter erhält Staatsanwaltschaftsrat S t e h n i g das Wort zum Ablehnungsantrag der Verteidigung. Er beantragt, die Ver- Handlung zu unterbrechen und die Akten der Strafkammer zuzu- leiten, und er erklärt, daß die Staatsanwaltschaft beabsichtige, bei der Strafkammer zu beantragen, den Ablehnungsantrag als unbegründet zurück- zuweisen. Die ausführlichen Gründe hierüber würde die Staatsanwaltschaft der Strafkammer selbst zukommen lassen, da das Schöffengericht nicht berufen ist, von sich aus über den Ablehnungsantrag zu ent- scheiden. In Rücksicht aus die hier heule in aller Oeffentlichkeit gegen die Verhandlungsleitung im kurfürstendammprozeß erhobenen Vorwürfe halte die Staatsanwaltschaft es doch für erforderlich, zu sagen, daß diese Vorwürfe vollkommen unbegründet seien. Der Vorsitzende habe den Angeklagten in jenem Prozeh die Möglichkeit gegeben, frei von der Leber zu sprechen: sie haben dabei die Grenzen des Erlaubten hart gestreist, wenn dabei irgendwelche burschikosen Wendungen des Vorsitzenden gefallen seien, so sei das durch die Art der Darstellung der Angeklagten selbst bedingt gewesen. Nicht minder unbegründet sei der Vorwurf, das Urteil in jenem Prozeß habe dem in diesem Prozeß zu erwartenden Urteil vor- gegriffen. In der Urteilsbegründung habe es damals ausdrücklich geheißen, daß das Gericht in bezug auf die heutigen Angeklagten, den damaligen Zeugen, bei der Beurteilung ihrer Tätigkeit auf dem Kursürstendamm besondere Vorsicht habe walten lassen. Die Urteils- begründung habe nur von der Möglichkeil einer gewissen Betätigung gesprochen. Der Vorsitzende verkündet, daß die Verhandlung bis morgen 9 Uhr unterbrochen wird, damit die abgelehnten Richter die Mög- lichkeit haben, der Beschlußkammer ihre schriftlichen Aeußenmgen zuzuleiten. Rudolf Goldscheid tot. Ein Verlust des Denkens und unserer Bewegung. Einer der bedeutendsten Soziologen ist in Rudolf Goldscheid- Wien, nur 61 Jahre alt, gestorben. Die soziale Not der Menschen und die Erkenntnis ihrer Ursachen hat ihn früh zum Sozialisten gemacht. Vom Menschen ging er in seinen vielen Büchern und Broschüren aus. Ob er Fragen der Nationalökonomie, Finanzsoziologie, Philosophie, Sozialpolitik untersucht, niemals steht eine theoretische Abstrattion, ein vorgefaßter Lehrsatz, ein Gelehrtendogma im Vordergrund seiner Betrachtung, er sieht immer zu allererst die lebendige, leidende Kreatur, und der leidenschaftliche Wille, zu helfen, die Welt besser und das Leben lebenswürdiger zu machen, die zornige Empörung darüber, daß es in der Welt von heute so häßlich aussieht: sie sind der Ausgangspunkt seines Denkens. Aus seiner Menschenliebe ent- sprang auch sein leidenschaftlicher Haß gegen den Krieg. Während des Völkermordens hat er in seiner Arbeit über Staatssozia- l i s m u s und Staatskapitalismus und dann nach dem Kriege in seinen finanzsoziologischen Arbeiten mit flammenden War- ten, mit Satire und Bitternis, mit Witz und Sarkasmus gegen das Oöblin:„Berlin-AlexanderpSatz Ltrauffühnmg im„Capitol" Unrecht der Bedrückung und Ausbeutung der Masten durch die Steuersysteme der herrschenden Klassen gekämpft, er hat mit unerbittlicher Schärfe sozialistische Forderungen gestellt, ist für die Umwandlung des S t e u e r st a a t e s, der nur ein Bettler seiner Nutznieher ist in einen selbst wirtschaftenden Staat eingetreten und hat abermals gezeigt, daß die sittliche Notwendigkeit auch zugleich die Maxime der Klugheit der Selbsterhaltung des Staates ist. Goldscheid der Ethiker war immer auch zugleich der Denker. Wo immer eine Vereinigung mit humanitären Zielen ins Leben trat, wo immer Gedanke und Tat ihre Verknüpfung suchten, war Goldscheid mit dabei. Dabei blieb er immer nur Privatmann. Nie hat er äußerliche Ehren angestrebt, nie hat er sichs bekümmern lasten, daß auch er in die stolze Reihe jener Männer gehört, denen die Wiener Uni- v e r s i t ä t gleich Siegmund Freud und andern Großen die Anerkennung ihrer Leistungen vorenthalten hat. Als schönstes Wort an Goldscheids Bahre darf vielleicht gesagt werden, was er selbst bei seiner Geburtstagsfeier gesagt hat: „Was ein Mensch für den Sozialismus getan hat, das hat er überhaupt in der Welt getan. Ich habe durch ein langes Leben der wissenschaftlichen Arbeit erkannt, daß echtes, wahres wissenschaftliches Denken und sozialistisches Denken notwendig übereinstimmen. Ich bin Sozialist auf Grund meiner wissenschaftlichen Forschungen ge- worden und werde Tag für Tag, je tiefer ich in die Tatsachen ein- dringe, immer mehr Sozialist. Und ich verspreche Ihnen, daß ich bis zu meinem letzten Atemzug ein Wehrmann des Sozialismus bleiben werde." Oer lehie Ausweg! Furchtbarer Selbstmord eines Lehrers. In der Nähe des Bahnhofes Neubabelsberg an der Vorortstrecke Berlin— Potsdam verübte in de» gestrigen späten Abendstunden der 51 Jahre alte Lehrer Emil Schmidt aus furchtbare Weise Selbstmord. Der Lebensmüde kletterte in der Dunkelheit unbemerkt auf den Bahndamm und warf sich vor die Räder eines heranbrausen den Zuges. Dem Um- glücklichen wurde der Kopf vom Rumpf getrennt und beide Arme abgefahren Das Motiv zur Tat konnte noch nicht einwandfrei geklärt werden. Sch. ist verheiratet und wohnte in der Weißen- burger Straße 20 im Nordosten Berlins. Durchreisende durch die Sowjetuniou brauchen fortan nicht mehr den Zoll von 7,50 Rubeln pro A u f e n t h a l ts t a g(!!) zu zahlen und es ist in ihr Belieben gestellt, überhaupt Sowjetgeld einzuwechseln oder nicht. Wetter für Verlin: Trocken und ziemlich heiter, am Tage sehr mild. Allmählich ausfrischende südliche Winde.— Zur Deutschland: Im Nordwesten wolkig mit zunehmender Regenneigung. Im übrigen Reiche beständiges Wetter, auch im Nordosten Beruhigung. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Die Geschichte des Franz Biberkopf, dieses Mannes, der fein Mädchen erschlug und sich nach Absoloierung der Zuchthausstrafe bemühte, einen einwandfreien Lebenswandel zu führen, erschöpft nicht den Roman„Alexanderplatz" von Alfred Döblin. Um diesen Komplex gruppieren sich Menschen und Ereignisse, die das Bild vergrößern, es ins Weite projizieren. Döblin schrieb den Mythos, die Legende vom Alexanderplatz und seinen Menschen, und er zeigte in eingeschalteten Skizzen und Szenen, in statistischen Betrachtungen, daß es noch andere Dinge gibt als die Welt um den Alex und den Rofenthaler Platz. Während Franz Biberkopf ein Mädchen umarmt oder gestohlene Uhren an den Mann bringt, entgleisen Züge, werde» Tiere geschlachtet, sprechen Parlamentarier, sterben Menschen. Was geschieht nicht alles gleichzeitig? Und das Bewußtsein der Gleichzeitigkeit nimmt den Ereignissen die Schwere, offenbart ihre Begrenztheit, entkleidet sie der Würde und Wichtig- kcit. Döblins Roman ist eine moderne Legende mit romantischer Ironie. Schon der Umkreis des äußeren Geschehens ist für den Film unfaßbar. Die tausenderlei Verknüpfungen müssen gelöst und ver- f einsacht werden. Die Geschichte erhält in der Verfilmung einen klaren Nenner. Ueberhaupt nicht darstellbar bleibt dagegen die Gedankenwelt der Döblinschcn Menschen, die rein assoziative Art, in der Döblin ihr Denken verbindet. Dadurch geht ein Hauptreiz des Romans verloren, muß verloren gehen, denn der Film hat kein Mittel, das unausgesprochene Fühlen und Denken eines Menschen visuell oder akustisch zu gestalten. Alfred Döblin hat mit Hans Wilhelm das Manuskript verfaßt. Es lag also wohl in seiner Absicht, die Gleichzeitigkeit, die sich im Film in ein Nacheinander verwandeln muh, auszu- schalten. Der Versuch wäre interessant gewesen, da er noch nie gemacht worden ist. Wie sieht nun das Manuskript aus? Biberkopf kommt aus der Strafanstalt und schickt sich an. Berlin zu erobern. Es geht auf anständige Weise nicht, und er wird Ga- nove. Schließlich findet er genau wie im Roman den Weg zurück zu einer engen, umfriedeten bürgerlichen Existenz. Bürger— Abenteurer— Bürger. Der Kreis schließt sich. Das ist die Grund- Handlung, die andere periphere Ereignisse umrahmen, Ereignisse, die nicht nur der Handlung dienen, sondern auch die Seele, den Rhythmus der Weltstadt aufdecken sollen. Und hier beginnt d'c Problematik des Films Der Regisseur Phil I u tz i inszenierte vor etwa zwei Jahren den stummen Film„Mutter Krausens Fahrt ins Glück", einen Film von den Hoffnungslosen, den Enterbten, einen Film von einer faszinierenden Echtheit. Der stumme Film wurde unter Iutzis Händen zu einem geschlossenen Kunstwerk, hier beim tönenden „A l e x a n d e r p l a tz" entsteht ein Bruch zwischen Ton und Bild. Wieder gelingt es Iutzi, das Profil der Höfe, der Kneipen, der billigen Wohnungen scharf herauszuarbeiten. Man riecht fast den Staub, den Bierdunst und den abgestandenen Rauch, aber die Menschen sprechen einen frisierten Jargon. Die Wortregie Karl Heinz Martins sorgt für exaktes Sprechen, für klare Glie- derung, doch die Worte selbst klingen nicht echt. Trifft die Schuld das Manuskript? Die Handlung dehnt sich, es entstehen tote Stellen, und trotz virtuoser Ueberschneidrmgen gelingt es nicht, das Tempo Berlins einzufangen. Abgesehen von diesen Mängeln hat der Film glanzvoll gespielte und inszenierte Szenen, Szenen von einer künst- lerischen Konzentration und Eindringlichkeit, die sonst selten erreicht werden. Heinrich George spielt den Biberkopf. Ein eruptiver Mensch, bei dem die Gedanken langsam arbeiten. Ein Kind, das brutal sein kann. Ein Kerl mit sentimentalen Anwandlungen. M i n e t t i ist mit zergrübeltem Gesicht der Führer der Bande. Ein Intellektueller, der sich in die Kaschemmen verirrt hat. Eher ein kluger Hochstapler von internationalem Ruf als ein Ganove, dem die Polizei im Nacken sitzt. Ausgezeichnet in Maske und Spiel Albert Florath, den der Mief der Keller umwittert, und B i e n e r t als skrupelloses Bandenmitglied. Gut die Frauen Maria Bord und Margarethe Schlegel. Mag der Film auch nicht an die Geschlossenheit großer franzö- sischer und amerikanischer Filme heranreichen, so bedeutet er trotz- dem einen Höhepunkt der deutschen Produktion, die sich schein- bar in den Niederungen des Amüsierstücks wohl fühlt. Er zeigt. daß es auch anders geht.?. Set. Altes und neues Worpswede. Die Deutsche K u n st g e m e i n s ch a f t(im Schloß) bringt die Erinnerung aus jenen Malerkeis von Worpswede, einem Dorf bei Bremen, der mit seiner lyrisch gestimmten Landschaftskunst um die Jahrhundertwende in so hoher Geltung stand und neben dem Dachauer Kreise und ähnlichen Malersiedlungen eine betont Heimat- nahe Richtung still empsundener Naturwiedergabe entscheidend ver- trat. Ihm sind mehrere heute in Worpswede lebend« Maler mit ihrem Schaffen gegenübergestellt, so daß sich zwei Generationen einer lokalen Gruppe vergleichen lassen. Nun, so harmlos uns heute die Meister der älteren auch an- muten, die Moder söhn, Mackensen, Vogeler, Hans am Ende, Vinnen u n d O v e r b e ck, die seinerzeit ihr erstes Auf- treten als.„Lachkabinett" firmiert haben, weil es ihnen selbst äußerst gewagt erschien— so entlegen uns jetzt diese etwas gespreizten An- dachten vor Hügelland und dänrmernder Dorfstraße vorkommen wollen: der Vergleich sällt zu ihren Gunsten aus. Denn das neue Worpswede, soweit es in dieser Ausstellung sichtbar wird, kenn- zeichnet sich recht satal durch eine gemeinsame Note sarbenlärmender Patzigkeit und breit fuhrwerkender Verwahrlosung, der die unendlich bescheidenere Art der alten vorzuziehen bleibt. Diese genialisch rumpelnde Großspurigkeit der S ch i e st l- A r d i n g, D a m m a s ch, B ö t j e r und Sprieß greift auch auf die formlos überladenen, bunttriefenden Majoliken von Ohler über. Wohltuend frei davon I ö r r e s in einer anspruchslosen Wasserlandschaft, auch die netten, buntsprühenden Darstellungen einer beflitterten Artistiu, karussell- fahrender Kinder von Walter Müller. Zum alten Worpswede aber gehört auch, und das gibt den Ausschlag, die früh verstorbene Paula Becker-Modersohn, deren schlichte, befangene, wahr- Haft erdverbundene Ausdrucksweise allein hinüberführt zu dem tiefen Ungestüm der Bildsprache, das die neuen Worpswsder mit ganz äußerlichen Gebärden zu erraffen trachten. W. W. Fridolin im Märchenland. Bejubelt von vielen hundert Kinderstimmen hat der„Heiter? Fridolin"(Märchenausstattungsrevue von George Burchardt) seinen Einzug im Zentral-Theatcr gehalten. Er ist so recht der fröhliche Kamerad, der die Herzen der kleinen Besucher im Sturm gewinnt. Treu hält er sein Versprechen, seinen Freunden das Schönste zu zeigen, was die Kinderphantasie beflügelt: eine Reise ins Märchenland. In einer mit guter Musik untermalten Märchenausstattungsreoue, in der vor allem Kinder die tragenden Rollen spielen, zieht der Märchentraum vorüber: Rübezahl, der Berggeist, die Puppensee, Schneewittchen unter den sieben Zwergen, der gestiefelte Kater und zuletzt Hans und Gretel. Jedes der Märchenbilder gibt Anlaß zu Ballettänzen, die von Kindern graziös ausgeführt werden. k-n. Nobel'preis für einen Toten' Die schwedische Akademie hat den literarischen Nobel-Preis dem verstorbenen schwedischen Dichter und Schriftführer der Akademie. Erik Axel Karlfeldt, zuerkannt. Es ist zum erstenmal in der Geschichte des Nobel-Preifes, daß mit ihm ein Dichter aus- gezeichnet wurde, der nicht mehr am Leben ist. Satzungsmäßig ist diese Zuerkennung durchaus möglich. Karlfeldt, der in diesem Früh- jähr für den Nobel-Preis vorgeschlagen wurde, inzwischen aber ge- starben ist, galt neben Werner von H e i d e n st a m als der größte schwedische Lyriker feiner Zeit. Auch Frankreich ha» seine Filmzensurt Regisseur Papst, der auch die französische Fassung der„D r e i g r o s ch e n o p e r" be- sorgte, hat sich genötigt gesehen, den Film in dieser Fassung zurück- zuziehen, da die jranzösische Zensur Entfernung aller Szenen verlangte, die von der Polizeikorruption und von den sozialen Kontrasten handeln. Urheberschutz für bildende Künstler? Vom Reichsverband bil- dender Künstler Deutschlands ist beim Reichsjustizministerium eine Eingabe gemacht worden, die die Einführung eines Foigerechts für bildende Künstler fordert. Es handelt sich dabei um das Urheber- recht an einem Kunstwerk, das dem Künstler eine Beteiligung am Gewinn sichern soll. Nach dem Muster des Urheberschutzes soll das Folgerecht eine Dauer von 30 Iahren vorsehen. Bon dem Folge- recht sind in diesem Vorschlag Kunstwerke der Baukunst und des Kunstgewerbes ausgenommen. Di« Tanzmatinee der Volksbühne am kommenden Tonnta« um 11.30 Uhr im Theater am Bülowplatz versucht erstmalig ein Gesamtbild vom tanze- rischcn Schaffen im Rahmen einer modernen Oper zu bieten. Bei den Vor- führungen der Tanzgruppe der Städtischen Oper unter Leitung von Lizzie Maudrik wirke» solistisch mit: Ruth Abramowitsch, Erna S y d w, Alice U h l e n, Edgar Frank, Georg G r o k e. Außer- dem wird das ganze Tanzensemble der Städtischen Oper ein- gesetzt. Einlaßkarten(auch für Nichtmitgliederl 3. 2 und 1 Matt bei Tictz, Wertheim, Bote u. Bock sowie an der Theaterkasse. Di« Kam«ra, Unter den Linden, hat ein kulturhistorisches Filmpro- gramm zusammengestellt, das ab 11. Oktober jeden Sonntag um 11.30 Uhr die Filme mit den Prominenten von einst vereinigt. Diesen Sonntag wird ein Waldemar-Psylander-Film:„Der Aviatikcr" und„Nordlicht mit Ludwig Trautmann gezeigt. Gewinnräder hinter Gittern Die Preußisch- Süd- deutsdie Klassenlotterie hat ein neues Heim in der V iktoriastraße in Berlin bezogen. In einem großen Saal, der 170 Sitzplätze faßt, werden nun hinter eisernen Gittern die Lose aus dem„Glücks- topf" gezogen. .»•■.....'' v'f Streik der Berliner Bauanschläger. Gegen einen 45prozentigen Lohnabbau. Am Donnerstag haben die freigewerkschastlich organisierten Lauanschläger auf einer Anzahl Berliner Baustellen die Arbeit ein- gestellt. Die Berliner Schlossermeister weigern sich, den von ihnen zum 30. September gekündigten Lohntarif zu erneuern. Schon seit der Vorkriegszeit sind die Löhne und Akkorde der Ber- liner Bauanschläger tarifoertraglich geregelt. Das letzte Lohnab- kommen wurde im Januar abgeschlossen mit einer Kürzung der Löhne und Akkorde um etwa 8— 10 Prozent. Infolge der durch die REO. herbeigeführten organisatorischen Zersplitterung der Bauanschläger hielten die Schlossermeister offen- bar den Zeitpunkt für gekommen, die tarifliche Lohnbindung zu zerreißen. Ihre Tarifkündigung verbanden sie mit der Mitteilung an den Mctallarbciter-Verband, daß sie„den Abschluß eines neuen Tarifvertrages unter Berücksichligung der heutigen Lage für überflüssig hallen". In den Verhandlungen, die trotzdem zwischen den bisherigen Vertragsparteien geführt wurden, erklärten die Unternehmer schließlich ihre Bereitwilligkeit zum Abschluß eines neuen Vertrages, wenn die tariflichen Stundenlöhne und Akkordpreise um 45 proz. gesenkt wurden. Die Arbeiten der Bauanschläger werden fast ausschließlich im Akkord verrichtet. Die Unternehmer begründeten ihre niedliche Forderung mit der angeblichen Konkurrenz der Tischlermeister, die ihnen bei niedrigeren Löhnen der Tischler die Aufträge wegnähmen. Dieses Argument wurde von den Unterhändlern der Bauanschläaer. nicht anerkannt. Die Verhandlungen scheiterten und die im Deutschen Metallarbeiter- Verband organisierten Bauanschläger beschlossen den Streik. Am Mittwoch wurde von den einzelnen Unternehmern eine schriftliche Verpflichtung oerlangt, die alten Löhne und Akkorde bis zum 30. März 1932 weiterzuzahlen. Eine Reihe von Firmen hat diese Forderungen auch anerkannt. Die dort beschäftigten Bauanschläger haben vom Deutschen Metallarbeiter-Verband graue Ausweis- karten erhalten. In den Betrieben, die die Forderungen ablehn- ten, wurde die Arbeit eingestellt. Die im Metallarbeiter-Verband organisierten streikenden Bau- anschläger erwarten von den Bauarbeitern und Bautisch- lern strengste Solidarität, damit es ihnen möglich wird, die Spekulation der Unternehmer auf die nicht freigewerk- schaftlich organisierten Bauanschläger abzuweisen. Meiallschiedsspruch für Hagen-Schwelm Sechs Prozent Lohnkürzung den Unternehmern zu wenig. Der Schlichtungsausschuß fällte am Donnerstag einen Schieds- spruch. Der Rahmentarif(abgesehen von den Bestimmungen über die Arbeitszeit und des damit verbundenen Urlaubsabkommens) wird vom 7. Oktober ab mit der Maßgabe wieder in Kraft gesetzt: Die Bestimmungen über Akkordarbeit werden bis zum 30. November 1931 dahin abgeändert, daß die Herabsetzung der Akkord- s ä tz e während dieser Zeit nicht über einen Satz von 6 Proz. hinaus vorgenommen werden darf, es sei denn, daß es sich um technische Verbesserungen oder Aenderung der Arbeitsmethoden handelt. Der L o h n t a r i f vom 22. Januar 1931 wird vom 7. Oktober 1931 ab mit der Maßgabe wieder in K/gst. gesetzt, daß die Löhne um 6 Proz. herabgesetzt werden. Der märkische Arbeitgebcrverband hat den Schiedsspruch bereits abgelehnt. eBucfi IIpiic.Bände der Propyläen Weligeichichle In rascher Folge sind zwei neue Bände der Propyläen- Wellgeschichte vom Verlag Ullstein herausgebracht worden. Der ein« führt den Titel„Hellas und Rom. Die Entstehung des Christentums". Der andere Band behandelt„Das Erwachen der Mcnschhei t". Unter diesem Titel werden die allgemeinen Grundlagen der Geschichte, die Vorgeschichte des Menschen und die Geschichte des Orients zusammengefaßt. Die Mitarbeiter sind durchweg angesehene Fachleute. Die Illustration ist wieder ganz hervorragend. Eine Fülle von Werken der orientalischen und der anttken Kunst wird technisch vorzüglich wiedergegeben. Unter den einzelnen Beiträgen fei vor ollem die griechische Geschichte von B e l o ch hervorgehoben. Der vor zwei Jahren verstorbene Ge- lehrte war einer der führenden Köpfe der bürgerlichen Geschichts- forschung. Seine Untersuchungen über die wirtschaftliche und ge- sellschastliche Entwicklung der Griechen waren bahnbrechend. In dem vorliegenden Werk hat Belach eine knapp« und klare Zu- sammenfassung seiner Studien über das Griechentum gegeben. In der Behandlung der römischen Geschichte ist die Darstellung des Revolutionsführers Cotilina etwas zu einseitig. Aus dem Bande „Das Erwachen der Menschheit" sei vor allem der Aussatz von Friedrich Hertz- Halle über die Rassenfrage hervorgehoben. Der ausgezeichnete Forscher zerpflückt hier die tendenziöf-n völkischen Rassentheorien und zeigt, was die ernsthafte Forschung über die Rassen zu sagen hat. Vortrefflich gelungen ist auch die Geschichte Aegyptens von Steindorff. Arthur Ros�uderx. Rundfunk am Abend. Freitag, 9. Oktober. Berlin. 16.05 Frauenlcichtathlctik 16.30 Jugendstunde. 16.50 Das neue Buch, 17.00 Zukunftssorgen der Stenographen. 17.25 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 17.30 Franr Baumann singt. 18.00 Zehn Minuten Funkhilfe. 18.10 Fritz Walter liest. 18.30 Tanzmusik. 19.10 Politische Zeitungsschau. 19.30 Sinfonie„La Reine". Von Jos. Haydn. 20.00 Rückblick auf Platten. 20.30„Die Räuber" von Schiller. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Ansclilicßcnd: Stunde für die Winterhilfe. Anschließend: Konzert. Königswusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk. 16.30 Von Leipzig: Konzert. 17.30 Hausmusik. 15.00 Rudolf Hilferding: Der Kapitalismus in der Krise. 18.30 Menschenschicksal bei Shakespeare. 19.00 Für Zahnärzte. 19.30 H. Schultz; 100 Jahre Arbciterbildung. Ab 20.00 Uebcrtragung von Berlin. rr onu Vcrantwortl. für die Redoktion: Rich. Begnstei». Berlin: Anzeigen: Th. Hlocke. Berlin. Serlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Derlagsanstalt Paul Singer&(So.. Berlin SW 68. Lindenftrake Z. Sierzn 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 9. bb 12. Oktober K I N O-T A F 1 L PROGRAMM für die Zeit vom 9. bis 12, Oktober © Potsdamer Strafe 36 W. 5, 7, 9, S. 3. S, 7. 9 Uhr Gloria mit Brigitte Helm, Gustav FrfihUcfa— Jugendliche haben Zuti itt Rheinstrabe 14 Älche) W. 5, 7, 9, S. 3 5, 7. 9 Uhr „M". Ein Fritz-Lang-Film Odeon. Potsdam er Str. 7 S W. S. 7. 9. S. 3, 5. 7, 9 Uhr Lustspiel: Der kleine Seitcnspriuig mit Renate Mflller, Hermann Tnimig Turmstrafze 12 W. 5, 7. 9 U. U'3.5, 7, 9 U Rango— Der WeUmeUtendiaHi- kampf Sdkmcling— Slrlbllng— Für Jugendliche freigegeben Alexanderstr. 39-40 (Pattage) Den ganzen Tag geöffnet. Der Slorcfa streikt mit Siegfried Arno, Ursula Grabley, Fritz Sdiulz Für Jugendliche freigegeben. a Watten j Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.13. 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15. 7.15. 915 Uhr Uraufführung: So'n Windhund mit R. A. Roberls, Max Adalbert fe Friedrichstadt B Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3. 5, 7, 9 Uhr Chikago-Film; Wcllsladl in Flegeljahren— Unler- wcll mit George haneroft— Sonntag I IVi vorm: 30 Jahre deutsdber Film — Nordllcbl mit Ludwig Tranlmann — D. Aviatiker mit Waldemar Psy- lander- L. Trautmann spricht WV-mFCInrk W. 6.45 u. 9 00 U. W eil-ivino Sonnt ab 4.45 U Ut-Moabit 99 Tonwochenscfaau Trara um Liebe mit Felix Bressarl, G. Alexander— Tonbeiprogtamm Kant-Lichtspiele Kamslr 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Mein Herz schnl»'ch nach Liebe(Der Hellseher) mit Max Adalbert Germania-Palast Charlottenbur?. Wilmersdorfer Str. 53 54 Woch. 5, 7, 9 Uhr, Sonnt. 3, 5. 7, 9 Uhr Menschen hinter Gittern mit Heinridi George Schlüter-Theater Franziskaner Tageskino ab II Uhr vorm. ieorgenstraße(Ecke FriedrichstraBe) Mussolini(Das neue Italien)— Donau- monl(Die Hölle von Verdun) ■ Moabit B Artushof s�tibl u Perleberger Str. 29 Tonlustspiel: Meine Cousine ans Warschau mit Liane Haid, Szöke Szakall— Ton- beipaogramm Beginn: 5. 7, 9 U Schlüterstr. 17 Sonnt 3 U. Igd.-Vorst Lichler der Groftstadl mit Charly Chaplin— Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt Atrium Beba-Palast Kaiserallee. Ecke Berliner Straße W 7 u. 9.15 Uhr S. 5, 7. 9.15 Uhr Tonfilm-Uraufführung; Wer nimmt die Liebe erml7 mit Max Hansen, Jenny Jugo, OUo Wallborg, Willy Schur— Regie; Erich Engel— Ton- fllmbeiprogramm. Titania Schonebg. M'F. HauptstraBe 49 Sonntags 3, 5. 7,Vuhr Qroßtonfilm: Bomben auf Monte Carlo mit Hans Albers, Anna 51cn — Tonbeiprogramm Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochentags 7, 9 uhr Sonnab,, Stg. ab 5 Uhr Tonoperette: Solang'nodr einWalzer von Slraub erklingt mit M, Pandlcr, FrSbllcfa.—Beiprogramm.-Jugend). haben Zutritt M steant, B Titania-Palast sig.Äou Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Qutsmuthsstr. Nur noch bis Sonntag: Hirsekorn greift ein mit Felix ßressarf, Charlotte Soso, Rosa Valetti— Tonfilm Beiprogramm W 2ehlenqlorf«Mitte D 7�11 Beginn täglich �'CA1 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: fugendv. Nie wieder liebe mit Lilian Harvey, Mariendorf Kino Busdl Beginn f 7. V'hr Alt-Friedrichsfelde• 100 proz. Tonfilm. Frif* Längs Kriminalerfolg„M" mit GrQndgens, Lorrc Grones Beiprogramm Norden AIllAmhrA MOIlerslraße 136, /\lllainijra Ecke Seestraße Wochent 5, 7. 9 U.. Sonnt. 3, 5. 7. 9 IL Der nagetrene Eckebart mit Ralph A# Roberts, Schulz, Lucie Englisch Pharus-Lichtspiele Müllcrstr. 142 W.5,7.9U� Ltg. 3.5,7. 9U. Tonlustspiel; Die schwebende Jungfrau mit Szfike Szakall, Fritz Schulz, Lissi Arna«— Der Mann an der Strippe.— Beiprogramm Pank« �-h Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7. 9 U« Großtonfilm: Bomben auf Monte Carlo mit Hans Aibers, Anna Sten Tonbeiprogramm Wochent 7, 9 Uhr, Sonnt 5, 7, 9 Uhr. Tivoli Berliner Straße 27 Tonlustspiel; Trara um Liebe mit Felix Brestart.— Beiprogramm Bühne: Kabarett W ygi Z Filmpalast Tegel suaSe 2'" Wochenu o. Sonnt. 4'., U, 100 proz. Tonfilm: Mensdten hinter Gittern m. Helnr. George. Dita Barlo Grobes Tonbeiprogramm Honnissdorr Filmpalast s,g.«tfÄVa Berliner Straße 59 100 proz Tonfilm: Fritz Längs Meisterwerk„M-(Weg ut der Mörder)—r" > Beiprogramm 4 (Beilage Freitag, 9. Oktober 1931 glvMmid ShalatUtfa&B Jt* Hcmtiefa Heiniftgt Itheatex im Hiniexqxund Drei Thcatergruppcn stehen, gänzlich außerhalb der tagtäglich in Pressespalten nachklingenden Arbeit der großen Bühnen, im Hintergrund: die notorische Schmiere, das Städtcbundtheater und die feststehende Bühne kleiner Prooinzstädtc. Schon rein äußerlich sind diese drei Gruppen untereinander scharf differenziert. Die Schmiere blüht als wild wucherndes Pflönzchen in den Wolddörfcrn des Erzgebirges, auf dem platten Lande Sachsens und in den engen Tälern des oberen Main oder des Neckar. Die Städtcbundtheater existieren als künstlerisch vollwertige und verwaltungsmäßig stroff organisierte Wander- bühncn in stark besiedelten Bezirken, deren einzelne Staate aus-in eigenes Theater verzichten müssen. Das kleine Provinz theatcr fristet, sechs oder sieben Monate im Jahre, im Schatten seiner größeren Nachbarn ein ökonomisch recht gehemmtes aber künstlerisch eifervolles Dasein. An den Begriff der Schmiere knüpft sich, mit dem Namen Striesik's, die ganze Vorstcllungswelt von primitivstem, oter- flächlichstcm und unkünstlerischstem Theater. Freilich ist vieles komisch: aber es ist die Komik, die sich bedenklich den Grenzen ihrer tragischen Verwurzelung nähert. Hinter der witzigen Oberfläche humoriger Einzelzüge steht eine Wirklichkeit, die in ihrer sozialen, wirtschaftlichen und künstlerischen Trostlosigkeit schlechthin nicht zu überbieten ist.(Wer einmal Albert Bassermann als Stricse sah, wird hinter dem heiseren devoten Lächeln des großen Menschen- darstcllers die Träne bemerkt haben.) Schmiere in unverfälschter Echtheit gibt es heute noch zu Dutzenden. Ich selbst habe einer solchen Wanderbühne kümmerlichster Art angehört, die unter klingendem Namen durch das Neckartal kutschierte. Diese Zeit vermittelte mir eine intime Kenntnis der Schmierenzustände, und ich darf sagen, daß wir von der komischen Seite des Unternehmens herzlich wenig verspürt haben. Es wurden nur Stücke gespielt, die eine ganz geringe Zahl von Darstellern erforderten. Das Ensemble rekrutierte sich aus dem Direktor, der das Fach der guten Rollen spielte, seiner Braut, drei Anfängern und einem uralten bayerischen Mimen, der Theatcr- meistcr, Inspizient und Charakterspieler in einer Person war. Ber- träge oder feste Gage gab es natürlich nicht. Es wurden lediglich Spielhonorare gezahlt, die aber regelmäßig reduziert wurde:,. Unser Spielplan umfaßte Goethes„Iphigenie" und „Der Wettlauf mit dem Schatten" von Wilhelm von Scholz. Das Stück von Scholz war das Reservat für regnerische Tage, an denen wir in Turnhallen oder Sälen spielten.„Iphigenie" wurde immer in Freilichtaufführungen gespielt. Selbstverständlich wurde, noch altem Schmierenbrauch,„Der Wettlauf mit dem Schatten" umgetauft, um einer Tantieme-Belastung zu entgehe». Das Stück wurde unter unserer Obhut als„Geheimnisse der Seelen" offe- riert. Ein Autor wurde nicht genannt. Unser Tätigkeitsfeld lag im Neckartal zwischen H e i l b r o n n und MärPifffi! i m. Mit NSMrvtk" hastkw vre Städtchen H irfch- Horn und Eberbach ün der Erinnerung, wo wir an feuchten Herbstnachmittagen in einem Wakde„Iphigenie" spielten. Es war nicht gerade angenehm, bei feuchtkallcm Wetter, ohne Souffleur und auf einem willkürlich ausgesuchten, akustisch denkbar ungeeigneten Waldhang Goethesche Verse zu sprechen, zumal ich, in meiner Eigen- schast als Pylades und nach dem künstlerischen Gutdünken des Direktors, halbnackt umherlaufen mußte. Wir schliefen meist in Jugendherbergen, und die Er- nährung entsprach den kläglichen Honoraren. Mitglieder ähnlicher Institute in Sachsen haben mir bestätigt, daß die Verhältnisse dort ähnlich waren. Es gibt eine eigene Schmierenzeitung, deren Inferatcnseite das getreue Konterfei der sozialen Zustände dieser angeblichen Theater ist. In jedem Stellenangebot, die übrigens, in merkwürdigem Gegensatz zu der unerhörten Notlage des Schau- fpielerstandes, außerordentlich zahlreich sind, betone» die Direktoren mit unmißverständlichem Nachdruck, daß„L ä r m m a ch e r" und „oppositionelle Naturen" nicht in Frage kommen. Ob- wohl die„Genostenschaft deutscher Bühnenangeyöriger" energisch vor Engagements an solchen deklassierten Theatern warnt, wird tie Not den Schmieren immer wieder neue Mitglieder in die Arme treiben. Ganz im Gegensatz zu diesen„Bühncn" stehen die Städte- bundtheater, die, dank ihrer musterhaften Organisation, nach dem Kriege einen unerhörten Aufschwung genommen haben und heute starke künstlerische und soziale Komponenten des deutschen Theaterlebens darstellen. Wie an jeder großen Bühne wird das Ensemble der Städte- bundtheater ganz allein nach künstlerischen und spielplantechnischen Prinzipien zusammengestellt. Vor Beginn jeder Spielzeit vesorgt ein tüchtiger Verwaltungsapparat den vertraglichen Spiel- abschluß mit den zum Bezirke gehörenden theaterlosen Städten, und die Saison läuft nach einem vorher bis in alle Kleinigkeiten oenau fixierten Programm ab. Diese großen Wanderbühnen besitzen alle einen eigenen Kostüm- und Dekorationsfundus, der in eigens hierzu hergerichteten Wagen von Stadt zu Stadt transportiert wird. Die Mitglieder sind alle auf der Grundlage fester Verträge engagiert und erhalten neben ihrer monatlichen Gage noch Reisediäten, wofern nicht die Reisen, wie es bei der Dresdener Wanderbühne der Fall ist, in eigenen Autobussen zurückgelegt werden. Die Entwicklung und die hervorragende künstlerische Arbeit haben alles Mißtrauen und alle Bedenken gegen die großen Wandertheater in Schauspielerkreisen verscheucht, und ein En- gagement an eine dieser Bühnen, deren bedeutendste in Dresden, Stuttgart, Beuthen. Allen st ein und Neuh ver- treten sind, ist heute oft begehrter und in vielen Fällen künstlerisch produktiver, als eine Verpflichtung an eines der ganz kleinen Provinztheater. Freilich'allen bei diesen kleinen feststehenden Theatern die Un- onnehmlichkeiten des Reifens weg. Aber wer einmal einen genauen Einblick in die Verhältnisse dieser Bühnen tat. muß zugeben, daß häusige Bedenke» gegen künstlerische Arbeitsmethoden und soziale Zustände oft recht stichhaltig find. Diese Nachteile sind natürlich finanziell bedingt. Di- Theater kleiner Provinzstädt« müssen sich mit einer unverhältnismäßig kleinen Subvention begnügen, sie haben nicht, wie die Städtedundtheater. für alle Wochentage ein fest abon- niertes Stammpublikum und find somit gezwungen, bei naturgemäß recht oberslächlicher Probenarbeit ein Stück nach dem andern heraus- zubringen. Der Zwang zu dieser Qualitätsarbeit beeinträchtigt selbstverständlich die Qualität einzelner Ausführungen. Natürlich haben diese Theater ihre besonderen Reize. Das Verhältnis �um Publikum ist viel intimer, als es in großen Städten HatC Wleeäet: dJm WifißeC Ein Shetfyug dutefis ftinicr&te WieMcnßutg Hinter den Dünen verstecken sich einzelne Fischerhäuser. An einem kleinen Süßwasserlmch erkennt man ihre Lage, und wenn man dann hinaus aufs Meer schaut, sieht man die dazugehörigen Netzbootc im Wasser liegen Die Küste fällt hier steil ab, oft bis zu zwanzig Meter hoch, und nur wenig Wege biegen nach dem Landinnern ein. Bei Brook habe ich das äußerste Ende der Lübecker Bucht erreicht. Von hier aus zieht sich der Strand plötzlich weiter nach Süden, gen Wismar zu. Aber soweit will ich nicht, sondern in diesen äußersten Landzipfel von Mecklendurg-Schivcrin, in dessen Mittelpunkt der kleine Ort K l ii tz liegt, möchte ich hinein- riechen. Ich klettere aus eine kleine Anhöhe und habe eine weite Aussicht auf die riesigen Felder, die niedrigen, strohgedeckten Häuser, die winzigen Dörfer und großen Güter. So nehme ich Abschied vom Meer, von seinem wilden Tanggeruch, seinen Muscheln und den fernen Schiffen, die am Horizont auftauchen und wieder ver- schwinden. Mit einem harten Ruck wende ich mich um, und als erstes Landgeschöpf begegnet mir— ein Schwein. Es rast grunzend aus einem Haseingang auf mich zu, und der Bauer saust fluchend mit einem Stock hinterher. Trotz meiner Freiheitsliebe muß ich wohl oder übel dem Vieh den Weg verstellen, und durch diese Hilseleiswng eines Städters gerührt, läßt sich der Mann in ein Gespräch mit mir ein: „Oh, uns geht es nach ganz gut hier am Strand", meint er, „wir hoben unseren Verdienst am Fischen und außerdem vermieten wir an Badegäste." Dabei zeigt er stolz auf sein neugetünchtcs Haus.„Trotzdem sind auch wir nicht unsere eigenen Herren, der Grund gehört dem Grasen von Bothmer. Aber gegen die armen Häusler und Tagelöhner find wir sehr gut daran." Von der Ostsee bis Klütz bekam ich auf meine Frage: Wem gehört das alles? iimner dieselbe Antwort: Dem Grasen von Bothmer. Am Morgen stehe ich vor dem Schloß dieses Herrn. Eine wohlgeschnittenc Allee führt an das Haupttor. Aus alter Zeit liegt davor noch ein vertrockneter Wallgraben. Die Front des Wohnhauses, die wohl dreißig oder mehr Fenster hat, ist frisch hergerichtet. Das Ganze riecht förmlich nach Sauberkeit. In einem Seitengebäude ist das Amt des Rentmeistcrs untergebracht. An der Tür hängt ein Plakat, jchwarzweißrot eingerahmt: S ta h l h e l m- Fa h n e n w e i h e in Klütz. Ich dringe trotzdem weiter vor: ein hoher Vorplatz, weiß getüncht mit vielen Wappen. Niemand meldet sich. Erst auf mein Anklopfen rust eine männliche Stimme:„Herein!" Ein kahlköpfiger Mann in zerschlissenem Bürorock erkundig sich nach n, einen Wünschen. Frontheil-Schilder und andere Requisiten eines vaterländischen Büros hängen an den Wänden. „Sie wünschen Auskunft über den Besitz des Grafen? Dazu gehören die Orte Klütz, Brook und Elmenhorst vollständig, außer- dem verschiedene Höfe bei Grcvesmühlen. Im ganzen find es wohl ungefähr ZOllOg Morgen." „lind wie bewirtschaften Sie dieses ungeheure Gebiet?" „Der Graf verpachtet die einzelnen Güter und bekommt dafür Naturalien und Geldleistungen. Wir haben damit gar nichts zu tun. Auch die B a u e r n st e l l c n sind unverkäuflich, alles tote und lebende Inventar gehört dem Grafen." Ich wußte nun, was ich überhaupt hier erfahren konnte: all dieser fruchtbore, schwere Boden, über den ich zwei Tage gegangen war, gehört einem Erben des alten Feudalstandes. Aber mit dem Besitz hat er keinerlei Verpflichtungen übernommen. Er sitzt auf seinem Gut und läßt seine Rente einstreichen, alles anders über- läßt er den Gutspächtern. Aber das find auch keine Leute, die selbst mitarbeiten, sondern ehemalige Offiziere, gestrandete Bürgerexistenzen, die wieder ihre Verwalter einsetzten, und diese wachen dann über die Scharen der Arbeiter, die ohne jeden Eigenbesitz für wenige Pfennige schuften müssen. Die Agrarverfassung des deutschen Ostens! Der nächste Nachbar ist ein von Plessen. Von ihm wurde mir erzählt, daß er die Schweizer Staatsangehörigkeit erworben hat, um sein Geld besser verschieben zu können. Und aus der anderen Seite saßen die Kalkhorst. Ihr vielsagender Sprößling zog es vor, die Schönheiten dieser Erde zu genießen und sein Geld mit Macht zu verprassen. Als er nicht mehr bestehen konnte, schoß er sich eine Kugel durch den Kopf. Der Besitz gehört jetzt einer Großbank, wo die Schulden der Tilgung harren. Und für was ist in diesen Notzeiten sonst noch Geld vorhanden? Die ganze Gegend um Klütz ist evangelisch, im Orte gibt es drei Katholiken, darunter die Frau des Grafen. Sie hat nun angeoidnet, daß eigens für sie und die polnischen Schnitter eine katholische Kirche gebaut wird. Und die Gemeinde muß sich fügen, es gehört ja alles dem Grafen. Das ist die notleidende Landwirtschaft, die vom Staate so gerne subventioniert wird. Die wirklich Notleidenden sitzen in ihren Katen, ganze Familien zusammengedrängt in einem Zimmer. Sie leben von Kartoffeln, Heringen und Schwarzbrot. Ihr Lohn ist zwei, drei Mark die Woche. Deutschland im Jahre 1931. aZwei(faücftct üßet SiaCin Do* Qcaxg ScftnfcM$ Um den knapp fünfzigjährigen allvermögenden Generalsekretär der russischen Kommunistischen Partei entsteht bereits eine Literatur. Dieser Mann ist allmählich in der Diskuffion über Staatssyfteine und Gesellschaftsordnung ein so wichtiger Exponent geworden, daß es nicht wunderzunehmen ist, daß neben den unzähligen, in Zeitungen und Zeitschriften verstreuten Artikeln um und über Stalin nun auch auf dem Büchermarkt Werke erscheinen, die sich mit ihm befassen. Man kann bis jetzt nur feststellen, daß ungeachtet der vielen Druckerschwärze, die daran gewandt wird, ein klares und umsassendes Bild des bolschewistischen Diktators noch nicht greifbar ist, Mehr noch als andere in der Geschichte durch ihre Machtstellung isolierte Figuren ist Towarischtsch Stalin, soweit er nicht verherrlicht oder be- schimpft wird, ein Gegenstand vielen Rätselratens. Das mag daher kommen, daß, wie stets, auch bei den Stalin-Büchern die Konjunktur- witterer zuerst auf dem Plan sind. Im Verlag von Paul Aretz G. m. b. H. ist aus dem Französischen übersetzt das Buch eines Mannes namens Boris B a j a n o w, der sich als ehemaligen Prioatsekretär Stalins bezeichnet, erschienen. „Stalin, der rote Diktator." Es soll ein Bekenntnisbuch sein; wahrscheinlich bekennt es mehr, als dem Autor lieb sein mag. Jahrelang will Herr Baianow„als Soldat der antibolschewiftischen Armee" ein Meisterstück der Verstellung, Verschlagenheit und List vollbracht haben, und schließlich auf angeblich tollkühn lebensgefährliche Weise, die aber nicht ganz klar gemacht wird, aus Rußland geflohen sein. Von den zu solchem Doppelleben immerhin nötigen geistigen Potenzen ist kein Hauch in dem ganzen Elaborat zu spüren. Auch von seinen Heldentaten im Dienst der Konterrevolution kann Bajanow nicht eine anführen. Er muß sich begnügen, immer wieder zu versichern, was für ein schlauer Verräter er war und mit wiemel Haß und Verachtung gegen das System im Herzen er den Lieb«- diener der Vertreter dieses Systems gespielt hat. Diese unfreiwillige «qelbstcharakterisierung des Verfassers charakterisiert natürlich auch sein Buch. Beleidigte Karrieristen waren noch nie objektive Ge- schichtsschreiber. Gerade über das Experiment Rußland und seine Experiments- toren aber wollen wir keinerlei von persönlichem Haß oder persön- licher Liebe diktierte Phantasieblüten: gerade über dieses Thema möglich ist. Der„jugendliche Held" oder die„Heroine" sind stadtbekannte, jedem vertraute Erscheinungen. Am eindring- lichsten äußert sich dieses Vertrauensverhältnis bei den wöchentlich zwei- oder dreimal stattsindenden Premieren, bei deren beifallumbrausten Aktschlüssen den Lieblingen Pakete mit Schuhen. Krawatten und Würsten aus die Bühne gebracht werden, um hier- durch innere Bindungen äußerlich zu demonstrieren. Der entscheidende Nachteil dieser Theater liegt in der kurz- befristeten Spielzeit. Wer sich einem dieser kleinen Theater verpflichtet, ist von Ende April bis Oktober ohng Verdienst. da ein Abschluß mit einem Sommcrtheater heute eine große Selten- heit ist. Wenn man freilich bedenkt, daß in der j e tz t beginnen- den Spielzeit ungefähr 8000 Schauspieler brotlos sind, mag es immerhin wünschenswert erscheinen, an einem solchen Theater engagiert zu sein, zumal für junge Darsteller die ausreichende Möglichkeit geboten wird, sich in diesen sieben Mo- naten ein umfangreiches Repertoire zu erspielen. Hier liegt sür den künstlerischen Fortschritt des Nachwuchses ein bedeutendes Positivum. müssen wir objektive Berichte haben, politische, ökonomische, psycho- logische Tatsachen. Bajanow, der über ein Minimum an politischen Einsichten, dafür aber ein Maximum an Rachedurst des fallen- gelassenen Werkzeugs verfügt, ist keinesfalls der geeignete Referent über Rußland. Damit soll nicht gesagt sein, daß„Stalin" von Essad Bey (Verlag Gustav Kiepenheuer, Berlin) dagegen als das typische Er- zeugnis journalistischer Vorurteilslosigkeit und persönlichen Un- beteiligtseinz die erwünschte Perspektive liefert. Dos Buch ist in jenem Stil geschrieben, der amerikanischen Magazinen von Fortsetzung zu Fortsetzung der Serie die Leser erhält und der auch in Boulevardblättern Deutschlands als Serie immer beliebter wird, mag er sich nun um Hofklatsch, Liebe, Mord oder Gist bemühen. Josef Dschugaschwili, dem erst seine revolutionäre Tätigkeit den Namen Stalin(der Stählerne) eingetragen hat, ist der Held dieser Serie in Buchform. Essad Bey schildert Stalins Jugend als Gassen- junge in Gori in Georgien, die Zeit im Priesterscminar von Tiflis, das zur Geburtsstätt« des Revolutionärs wird, die konspirierende und expropriierende Tätigkeit im zaristischen Rußland, die immer wieder Exil- und Kerker und Verbannung unterbrechen, er streift die kurzen Parteireisen nach Europa, die eisernen und blutigen Jahre 1917 bis 1919, umreißt die hinterhältigen und machtstrebigen, aber auch arbeits- und lehrreichen Jahre im Schatten Lenins dts zur Ergreifung der absoluten Macht und schildert dann die Lebensweise, das Auf- treten und Verholten Stalins als Herr der Sowjetunion. Auch Essad Bey bringt nicht- die nötige dialektisch-materialistische Schulung mit, um das Miänomen, bas er begreiflich machen will, anders zu deuten als rückgcwandt in die Zeiten Dschingis-Khans. Für ihn ist Stalin die gelbe Gefahr, der wilde Moloch Asien, der sich anschickt, seine kultivierte, gesittete Tochter Europa zu verschlingen. Schade nur. daß des Autors Kenntnisse von dem Asiatischen nicht so asiatisch sind wie sein Name, unter dem sich zumindest der naive Leser etwas ganz anderes vorstellen wird als in Wirklichkeit dahintersteckt. Man möchte an einen eisgrauen, mit Narben schraffierten Fürsten aus den kaukasischen Bergen denken, im langen blauen Tscherkessen- rcitrock, den Kandschar in der silbernen Scheide an der Seite, einen der rauflustigen Iugendgesährten Stalins, wenn nicht gar einen Kampfgegncr oder Kampfgenossen seiner Mannesjahre. Herr Noise- bäum aber und der andere der beiden Literaten, Inhaber der Finna Essad Bey, haben wohl öfter aus den Stühlen des Literatencafäs gesessen als auf den Rücken feuriger kaukasischer Bergrosie! Vielleicht gerade darum ist das Buch, das auf seinen 449 Seiten nie langweilig und hölzern ist, ein ausgezeichneter historischer Unter- haltungsroman geworden. Es allerdings eine Biographie zu nennen, ist ein bißchen anmaßend. So wenig man eine Biographie Luthers schreiben könnte, ohne gründliche Kenittnisse von seiner Religions- auffasiung zu haben, so wenig kann man über Stalin schreiben, ohne gründliche Kenntnis der Theorie und Praxis der internationalen Arbeiterbewegung. Der marxistisch orientierte Leser wird aus dem Buch vielleicht diese oder jene Anekdote im Gedächtnis behalten, weil Essad Bey psychologisches Verständnis hat, und diese Fähigkeit gut dazu bemitzt, seinen Stoff zu würze». Diese unterhaltsame Lektüre aber als Ge- schichtswerk an-usehen oder gar sie als Material für die politische Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus zu verwenden, davor muh eindringlich gewarnt werden. Bürgerliche Olympiapleite Man bringt nicht einmal 5 Pf. pro Mann auf! Der geschäftstüchtig« Reichsausschuß für Leibes- Übungen(RAfL.) arbeitete bei der Beschaffung der Mittel für die Entsendung seiner Delegation zu den Olympischen Spielen in Los Angeles nach folgendem Plane: Nachdem das Internationale Olympische Komitee über den Weg des vom RAfL. gebildeten deutschen Olympia-Ausschusses Deutschland zu den Olympischen Spielen eingeladen hatte, ließ sich der RAfL. vom Reich die„Erlaubnis" zur Beschickung der Spiele mit einer deutschen Vertretung erteilen. Nachdem dieser Akt in feierlichster Form ge- schehen und von der Presse entsprechend gewürdigt worden war, wurde dem Reich die Rechnung dafür unterbreitet. Das Reich soll die kosten für die Delegation tragen, denn mit der Erlaubniserteilung habe es diese Berpflichtung übernommen. Das hat z. B. der Reichstrainer der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik, W a i tz e r, für diesen Sportverband in der„Mitteldeutschen Sportzeitung" in folgendem Satz ganz eindeutig gefordert: „Es ist Reichsangelegenheit, Vorbereitung und Teilnahme zu finanzieren." Wir zweifeln gar nicht daran, daß das Reich gegenüber dem Reichsausfchnß in bezug auf die Bewilligung von Mitteln groß- zügig gewesen wäre. Meldete doch die„Leipziger Neueste Nach- richten" am 31. Mai, daß der Reichsinnenminister Dr. Wirth ver- sprachen hat, sich warm dafür einzusetzen. Die Verbände des RAfL. erklärten von Ansang an, keine Mittel zur Entsendung von Sportlern übrig zu haben. Alle sahen sie auf den Staatssäckel. Inzwischen hat sich die Wirtschaftslage in Deutschland so ver- schlechtert, daß so gut wie keine Aussicht vorhanden ist, vom Reich Geld für Los Angeles zu bekommen. Der Deutsche Hockeybund und der Deutsche Skiverband haben daraufhin ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen bereits abgesagt. Welche Stellung- nähme der RAfL. zu der veränderten Lage einnimmt, darüber läßt er die Oeffentlichkeit noch im unklaren. Er wird jedenfalls beim Reich den letzten Anlauf zur Erlangung von Geldmitteln nehm«n. Eins verstehen wir nicht: Der Reichsausfchuß für Leibesübungen rühmt sich,£iJ4 Millionen Milglieder zu haben. Warum ruft er sie nicht zu einer Spende von wenigen Pfennigen auf, denn eine solche würde— vorausgesetzt, daß die von ihm ange- geben« Mitgliederzahl auch nur annähernd stimmt— schon genügen, um die Finanzierung der Delegation sich«rzustell«n. Die deutschen Arbeitersportler haben eine solche Unterstützungsaktion für das 2. Arbeiter-Olympia, das im Juli dieses Jahres in Wien statt- fand, und auch früher bei anderen großen Anlässen mit S e l b st- Verständlichkeit durchgeführt. Der RAfL. hat jetzt die beste Gelegenheit zu beweisen, inwieweit er unter seinen Mitgliedern Solidaritätssinn verpflanzt und erzogen hat. Denn dazu gehört wirklich nicht viel, im Ausland den„deutschen" Sport zu vertreten, wenn es nichts kostet, wenn der Staat bezahlt. Die Verbände des RAfL. sollen doch jetzt den Beweis dafür erbringen, inwieweit ihre Mitglieder aktiv sür das Ansehen ihres Sportes im Auslande wenigstens durch eine Pfennigspende eintreten. Das wäre zugleich der Nachweis, inwieweit die Mitglieder dieser Verbände innerlich zu den Olympischen Spielen stehen und von deren Notwendigkeit und Beschickung überzeugt sind. Der„deutsche" Sport spiegelt sich doch nicht in den salbungsvollen Reden auf nationalen und internationalen Sporttagungen wider, sondern darin, wie die Sportler selbst für ihn einstehen. Der„deutsche" Sport ist dabei, anläßlich der Olympischen Spiele in Los Angeles vor aller Welt feine innere Hohlheit kundzutun, indem er sich nicht aufschwingen kann, durch seine Mitglieder das Gegentell zu beweisen. Das amtliche Organ des Deutschen Schwimm- Verbandes„Der Schwimmer" schrieb schon am 28. Mai: „Ein persönlicher Olympiabeitrag kann unmöglich in Er- wägung gezogen werden." Und die„Leipziger Neuesten Nachrichten" berichteten am 15. Oktober zur Lage: „Bleibt die— eigentlich selbstverständliche!— Selbstfinanzierung durch die Sportverbände. An diese aber können nur un- ' entwegte Optimisten glauben, obgleich natürlich die Finanzierung an sich durchaus möglich wäre. Wenn z. B. jedes Mitglied eines Turn- und Sportvereins nicht mehr und nicht weniger als ein einziges Mal fünf Pfennige(jawohl: fünf Pfennige!) für den olympischen Zweck opfern würde, wären wir allen olympischen Finanzsorgen mit einem Schlage enthoben. Aber leider wird diese Fünf-Pfennia-Rechnung auf dem ge- duldigen Papier stehen bleiben. Trotzdem sie weiter kein Opfer verlangt, als daß pro Mann und Nase bis 1932 eine einzige Zigarette weniger geraucht wird." So ist es im bürgerlichen Sportlager um den Opfersinn für die eigene Sache bestellt! Um so höher sind die Solidaritätsaktionen der Arbeitersportler für ihre großen Veranstaltungen zu bewerten. Auch darin unterscheidet sich der Arbeitersport vom bürgerlichen Sport grundsätzlich. * Auch Holland geht nicht nach Los Angeles. Den Absagen des Deutschen Hockeybundes und Deutschen Skiverbandes für die olym- pischen Spiele 1932 hat sich jetzt als Nation Holland ange- schlössen. Das ist um so überraschender, da Holland nicht im Brennpunkt der europäischen Wirtschaftskrise steht, und dieses Land 1928 die Olympischen Spiele in Amsterdam hatte, wobei es ein gutes Stück Geld verdiente. Die holländischen Sportverbände ver- langten vom Staat 100 000 Gulden Unterstützung sür die Beteili- gung in Los Angeles. Der Staat hat die Zahlung dieser Unter- stützung abgelehnt._ Feste— auf Kosten der Gemeinden Auf der in Z e l l a- M e h l i s stattgefundenen Tagung des bürgerlichen thüringischen Wintersportverbandes wurde bekannt, daß von den im letzten Winter in Lauscha-Ernstthal aus- getragenen Meisterschaften des Deutschen Skiverbandes noch ein Defizit von 1300 Mark vorhanden ist. Der Kreis Sonne- berg und die Gemeinde Lauscha und Ernstthal haben sich außer- stände erklärt, die seinerzeit übernommenen Bürgschaften zu er- füllen. Dem Deutschen Skioerband ist es damals nicht schwer geworden, bei dem versprochenen Entgegenkommen des Kreises und der Gemeinden seine Meisterschaften großzügig zu veranstalten. Sie sollten ihm ja auch nichts kosten. -ARBESmH TmmLL Gibt cs am Sonntag wieder Ucber raschungen? Die zum Austrug kommenden Spiele lassen sie unter Um- ständen zu. So kann es sehr leicht passieren, daß die Spandauer 23, die am letzten Sonntag gegen Pankow verloren, gegen Lichtenberg I am Bahnhos Stralau-Rummelsburg diese Scharte wieder weit- machen. Die Lichtenberger werden auf jeden Fall ganz aus sich herausgehen müssen, wollen sie die Punkte halten.— Auch in Weihensee, im Stadion Fauler See, besteht die Möglichkeit eines Ueberraschungssieges durch Minerva 28 über Weißensee. Die Neu- köllner müssen, wollen sie nicht zu weit unten in der Tabelle landen, wieder einmal ein Spiel gewinnen.— In Bohnsdorf sollte inner- halb der Werbespiele, die für die Bohnsdorser Abteilung von Eiche, der interessanteste Kampf vor sich gehen. Eiche und Hertha, beide in der Tabelle punktgleich, werden sich einen harten Kampf liefern. Der Vorteil des eigenen Platzes dürste jedoch für die Köpenicker ausschlaggebend sein.— Der Kreisklassenneuling Teltow steht vor einer schweren Aufgabe: Den Trebbinern, die am letzten Sonntag gegen Adler 08 so glücklich abschneiden konnten, sollte es gelingen, wenn auch knapp, die Punkt« zu gewinnen.— In Reinickendorf, Sportplätze in der Scharnweberstrahe, gilt es für Butab, aus der Abstiegszone wieder höher zu kommen, ob es ihnen aber gelingen wird gegen Eintracht zu gewinnen, ist doch mehr als fraglich. Wenn Eintrachts Sturm wieder so lustlos spielt wie gegen Lucken- walde V, dann sollte es doch möglich sein.— In Luckenwalde erwartet die erste Abteilung der Luckenwalder Turnerschaft die Pan- kower. Wenn die Pankower mit voller Mannschaft antreten, haben sie immerhin noch einige Erfolgsaussichten.— Weite» Spiele: l. Bezirk: Lichtenberg 2 spielt um 15� Uhr in der Nor- mannmslrahe gegen Rormannia 2.— Britz 88 gegen Osten am Treseburaer User in Britz.— Hoppegarten gegen ASV. NeukSun.— Herzfelde gegen Storkow. — Etchc-Bezirk�gegen ssrotze Stunde.— Minerva-Bezirk Kportpalast-Premiere Der erste Boxabend Wohl selten wies der Sportpalast ein« solche Leere auf, wie gestern bei der Boxsaisoneröffnung: ein noch nicht einmal halbvolle? Haus wohnte den Kämpfen bei. Das hatte aber auch seine Gründe. Eintrittspreise von 2 bis 10 M. sind unzeitgemäß. viel zu hoch. Und dann wirken sich die fortwährenden Angriffe gegen die veranstaltende Unternehmergruppe auch aus, das Ver- trauen des Publikums beginnt zu schwinden. Die Leidtragenden waren die Boxer, deren finanzieller Anteil nur ganz klein gewesen sein kann. Der Kampfverlauf Neusel— S ch ö n ra t h bestätigte, was man schon vorher wußte: Neusel ist boxerisch eine ganze Klasse besser als Schönrath, bedeutend schneller und wendiger als der Krefelder, der gegen ihn manchmal primitiv wirkte. Neusel landete in diesem Kampf mindestens dreimal so viel als Schönrath, der bei dem flinken Gegner selten hereinkam. Schönrath schlug wuchtiger, das war alles, und wie hier ein„Unentschieden" herausgerechnet wurde, ist rätselhaft. Eine Entscheidung, die man auch nicht ohne weiteres gutheißen kann, gab es im Kampf S a b o t t k e— V ogel, der ebenfalls unentschieden gewertet wurde. Vogel wurde hier um die Früchte eines schwer errungenen Sieges gebracht. Er dezimierte durch feine schweren Treffer die Kampfkraft Sabottkes in so hohem Maß«, daß dieser nur mit Hängen und Würgen über die Runden kam. Gerade in den letzten Runden kam Vogel stark nach vorn. Die beiden Examateure konnten ihre Prosistarts erfolgreich ge- stalten. Kohl er bezog vier Runden schwer von Riethdorf und verlor hoch nach Punkten: Dalchow hatte mit Reppel mehr zu tun, gewann aber doch dank seiner besseren Technik. Die Begegnung der Schwergewichte Sti e f— Sah- Belgien nahm ein unerwartetes Ende, der Belgier wurde von Ringrichter Pippow nach der sechsten Runde wegen einer klaffenden Verletzung über dem rechten Auge nicht mehr zum Kamps zugelassen. Daß gegen diese Entscheidung randaliert wurde, ist eigentlich traurig. Stief boxte ganz ansprechend, er stand nur anfangs zuviel, später ging er energischer vor und da hatte er auch gleich Erfolg. T o b e ck ist auch als Halbschwergewicht der alte Wühler geblieben, nach jedem Fehlschlag klebt er an dem Gegner und schlägt sinn- und ziellos darauflos. Er siegte über den Belgier Phil Richards nach Punkten._ Arbcitcrwasserball Mit zwei interessanten Begegnungen findet die Wasserball- serie am Sonnabend, 21 Uhr, im Lunabad, ihren Fortgang. Ber- lin XII und Lichtenberg trennten sich in allen ihren bisherigen gegenseitigen Spielen mit nur knappen Ergebnissen. Die äugen- blickliche Form spricht für Lichtenberg. Im zweiten Spiel sollte es Hellas möglich fein, die gegenwärtig nicht in bester Besetzung spielende Sieben von Neptun zu schlagen. Einstellung des Wasserrettungsdienstes. Der durch das Rote Kreuz ausgeübte Wasserrettungsdienst auf dem Wannsee und den anstoßenden Havelgewässern ist mit Ende September infolge der ungünstigen Witterung eingestellt worden. Touristenverein„Die Raturfreuude", Zentrale Wien. Freitag, S. Oktober, 2a Uhr. Abt. Charlottenburg: Spreestr. 30. Lichtbildervortrag.— Faltboot. abteilung: Iobannisstr. 15. Geschäftliches.(Unsere Winterarbeit)— Abt. Brift: Chausseestr. 48. Geschäftliches.— Iugendaruppe Humboldtham. Bade. abend in der Gartenftraße.— Abt. Treptow: Glsenstr. 2. Bortrag: Geldwesen. — Abt. Lichtenrade: Landeshuter Str. 25. Singeabend um IS Uhr. Ort;__ i-__ r- l- n__ i.;__, v_____ ü- /22 � i __________________________________ Binetaplatz stiatzc 128. Frankfurter_______—---------— M-___.... Barftadt: Rastenburgcr Str. 18. Bunter Abend.— Montag, 12. Oktober, 20 Uhr. Photogemeinschaft: Johannisstr. IS. Geschäftliches.— MalgsmeinschafI: Wrangelstr. 128. Fahrten: Photo, Mitte: Flnkenkrug. Abfahrt 7H Uhr Bahnhos Putlitzstratze..,. Hocketzspiclcrgruppe. 1.»reis. Heute. Freitag, 1? Uhr, Emelerpasse ab. holen in der»reisgeschäftsstelle. Eonnabend, 18. Oktober, 18 Uhr, Schicds- richterpriifung fitr alle Eportaenoffen offen, die noch kerne Priisung gemacht ober bestanden haben7 Uhr, alle übrigen Techniker 19 Uhr(Kreistcchnilcr Gradtke ist anwesend). Anschließend Technikersitzung de: Erleger, Lessingstr. 9. Sonntag, 11. Oktober, Altersabteilung. Fahrt in den Herbst! iStrausbcrg— Tiefensee. Fahrgeld bei genügender Beteilgung l,tÄ>M:> Treffpunkt zwecks Gesellschastsfahrt 9ug Uhr Bahnhof Neukölln. 2. Mädchen» abteilung. Sonntag. U. Oktober, 9— li Uhr. Wir üben in der HufeisenihMi, Fritz-Reuter.Allee lKartcnausaabe zur Feuerwachen-Bestchtigung). Frei«»auu-Union Sraß-Berlin E. Abt. Havel. Sonntag, 11. Oktober, Abpaddeln. 19 Uhr vom Bootshaus. Radfahrer,„Solidarität". Touren Sonntag, 11. Okt. Bezirisschmugglerfahrt ,12______"2: T fi.»•.* 11 1 k t.» nvSln«** C'» rt h»" l— /tzm 1• rtrt f jr mn r» 8 Uhr Petersburger Platz.— Moabit: 8 Uhr bei Schmidt Wiclefstr. 17.— Neukölln: 8 Ubr Hohenzollernplatz.— Sonstige Touren: 8. Abt.: Havelbcrge. Start 8 Uhr Zelt Kopenhagener Str. 17.— Friedrichshain lgemischte). Rad. fahrer: Fahrt durch den Osten. Endziel M-rienlust.— Baumschulenweg: Start 18 Uhr. Kraitahrer: Fiel am Start. Start 8 Uhr. Beide Petersburger Platz.— Weißensec: Rundfahrt Arnsjelde. Start 13 Uhr Antonplatz.— Steglitz.LIchtcr. selbe: Schnitzeljagd nach dem Grunewald. Start 8 Uhr bei Schulz, Birkbusch- stcaße 99.— Treptow-Baumichulenweg: Rüdersdorf. Start lll Uhr Bahnhof Baumschulenweg.— Oberschöneweidc: Buckow. Start 18 Uhr bei Emmerich, Wilhelminenhofstr. 84.— Rennfahrer Berlin-Mitte: Start 8 Uhr Bahnhof Treptow.— Die Generalversammlung der Abt. Steglitz-Lichterfelde findet am 11. Oktober, Kraftfahrer 14 Uhr, Radfahrer 13 Uhr, bei Schulz, Birkbuschstr. 99, statt.— Sitzungen: 12. Oktober Fahrwartsttzung bei Lohann. Brüberstr. 18—18. — Abteilungssttzungen: 1. Abt.: 18. Oktober bei Rickert, Steinmetzstr. 38a.— 8. Abt.: 13. Ottober im Zelt,»openhagener Str. 17.— Friedrichshain(ge- mischte): 18. Oktober bei Horn, gorndorfcr Str. 9.— Neulölln: 13. Oktober in der»aiser. Friedrich-Str.>71.— Eharlottenburg: 13. Oktober bei Reimer. Wil- mcrsdorfer Str. 21.— Weißensee: 18. Oktober bei Nagel, Pistoriusstr. 27.— Oberfchöneweid«: 18. Oktober bei Emmerich, Wilbelminenhofstr. 84.—»auls» dorf: 17. Oktober bei Efchrich, Al!.»aulsdorf Ecke Dorfstraße.— Rennfahrer Berlin-Mitte: 18. Oktober bei Ianetzke, Scidelstr. 21. Alle Sitzungen beginnen um 29 Uhr. Gäste willkommen. „Solidarität",»raftfahrcr. Touren Sonntag, 11. Oktober. Abt.»reuzberg: Wcndiich.Buchholz(Lokal Herberge). Start 9 Uhr Reichenberaer Str. 9l.— Abt. Friedrichsbain: Hohen-Fläming. Start 7)4 Uhr Landsberger Platz.— Abt. Norden: Werbellinsee. Start 8 Ubr Scestr. 82.— Abt. Oberschöneweidc: Rlldcrsdorfer Kalkbcrge. Start 18 Uhr Wilhelminenhofstr. 84.— Abt. Tempel- Hcf-Mariendorf: Vetschau— Ealau— Golßen. Start 8 Uhr»urfllrste». Ecke Schlltzenstraße.— Abi. Treptow-Vaumschulenweg: ssehrbellinsee. Start 9 Ubr Bahnhof Baumschulenweg.— Berfammlunaen. Abt. Tempclhof.Mariendorf: «. Oktober, 29 Uhr. bei Merkert, Mariendorf.»urfürsten. Ecke Schützenstraße. Freie»ann-Unio» Groß-Berlia, Abt. vbersp»e. 11. Oktober Abpaddeln nach Gosen.(Galschke.) gegen Südost.— Frohe Stun nkenburg.— Saxonia gegen Freie Scholle auf Zcbdenick. __Pi________„__________ Obetbttc siegen Alt-Glietze».— 8. Bezirk: Brandenburg gegen Freiheit-Rathenow.— Eintracht-Spandau geaen Potsdam.— Charlottcnburg gegen Butab-Bezirk.— Grebs gegen Kirchmöser.— Trechwitz gegen Lehni».— Jeserig oegen Fohrde. —»ytitz gegen Havelberg.— Wittenberge gegen Warnsdorf.— Pritzwalk gegen Perlcberg.— 4. Bezirk: Tempelhof gegen Volkssport Neukölln.— Lücken- walde-Bezirk gegen Kloster Zinna. Zweit« Mannschaften: Oberspree gegen Normannia.— Britz 88 gegen Osten. — Hoppegarten gegen ASB. Neukölln.— Herzfelde gegen Storkow.— Hansa 81 geaen Blankenburg.— Saxonia gegen Freie Scholle.— Branden� dura gegen Freiheit.— Eintracht gegen Potsdam.— Teltow rh— Teltow 8----'*'" lmtg gegen Freiheit.— Eintracht gegen Potsdam.— Teltow gegen Wilmers- -c s:{Itoro 8. siegen Schöneberg.— Hertha gegen Luckenwalde 3.— Lücken- roalde 2 gegen Iähnickendorf— Trebbin gegen Klausdorf.— Iugenbmann- fchaftcn: Eich«. Dohnsdorf gegen Wilmersdorf 2.— � Minerva gegen ASV Reu- Ichaften: Eiche-Bohnsdorf gegen Wilmersdorf 2.— Minerva gegen ASB kölln.— Lichtenberg 1 gegen Normannia.— Eintracht. Reinickendorf geaen Nonjapc« 2.— Vorwärts gegen Wilmersdorf.— Drewitz gegen Nowawe» 1. — Drewitz"gegen � it'sd�ll" Schlll-rmannschaften: Minerva gegen Elstal. der Sviele, soweit nicht ander« festgesetzt: Erst- Männermann- W�a�NschV�m�Uhr��''�''�''' m �r- Tugend, und -I- AS«. Südsst(Fußballabteiluna) sucht zum Sonntag, dem 11. Oktober, �?netir Mannermannschaft. Anfragen heute, Freitag, 29 Uhr, F 8 7874. Tonristeaverein„Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Volks- bühnenmitglieder. tefucht heute die Mitglicdervcrjammlungcn der Voltsbühne: Gruppe A und C, G-werkjchastshaus: Gruppe v Haverlands Festjäls: Gruppe V,.I5 und X A Musikersäle, und— be- sonders wichtig— Sonderabteilungen Aula, Wcinmeisterstr. IS/17. Mitgliedskarte als Ausweis mitbringen. SlftStt Ifeb Theater Freitag, den 9* Oktober staatsoper Ugter dn Lindin 20 Uhr Oberon Staatsoper in Plat: der RgpnUil 20 Uhr Madame BnKerfiy Stiatlidmispiilhaiis lend-mmmssti. 20 Uhr Nora Schiller-Theater ChiritKrakor]. 20 Uhr Emilia Galotti Wmim mmmi rgnugung* Restaimiit Berlins Inlernallonales Thealer (Klein» Theater) Unter den Linden 44. S'- Uhr: f infflf vor Mldiacl. SiädLOpcr Charlottenburg BismarcksiraBe 84 Freitag, den 9. 10. Turnus III Anfang 20 Uhr Madame Butterfly Ende gegen 221, U. VoiKsbühne Theater in BQIovelal: 8 Uhr Nebeneinander 10 u. 11. Oktober 8 Uhr Hans Albers In Liliom Schiller-Theater 8 Uhr Emilia Galotti Theater am Nallendorfplab Täglich SV, Uhr Heute zum 25. Male Max Adalbert in: Der beschleunigte Personenzug Lailno-ftBaiei Olr.Dr.Robert Klein Wiideadinx OdiS, 2797. 8'/i Uhr Junge Liebe. Motheim, Brauseweiter, Haaek, Homolka. Premlire Dienstag O.I.Equipagew 19.2-n Winter-Mäntel fesche Form, reine Wolle Frauen-Mäntel nn graste Welten 49.— 39.—.£3».~ leden- Mäntel 17 93 In allen Welten 39.— 39—. Ilm MaSanfertlgung besonders illr stärkere Damen OamsnmSntsI- Fabrikatisn und Handlung äaul Unk"""TS-!' Lichterfelder Festsäle Zdmleäadoa'f er StfraOt OUo Sdaftllinck Festkäle Telephon: Lichterfelde G3 1445 Personen mit iMbtitn tor Veran- sv, ui»r CASINO-THEATERsy. VI» Lothringer Strafe 57. ■ iiimiiMiimiiiMiiiiiimiimiuniimmMiiiiiimuiiKiMiiiiuiMiiiii Neu! Sie lachen TrSnen Neu! Uber die tolle Posse Dodo, das äffentliche Aergernis Dazu das neue bunte Progr.l Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteuii Mark, Sessel 1.50 Mark j staltungen jedir Bit/ Eoctaitssäla/ Ve'cinszinuner fBr 20 bis 3CÖ PersonEU Reichshallen-Theater Abend) 8 Ob. Sonntag udimittag 3'/, Ubr Das ceue Programm der .Stettiner Die 3 Komiker I r l tt e n | r a u« r _ r ornemann Nachmittags ermäBigte Preise. Betten-Fürst Gegründet 1008 Telephon: fi NenMUa 1414 Berlin- NeuftOlfo Hermann- straüe 38 Berlin- Tempelho! Berliner StraBe 132