BERLIN Sienstag 13. Oktober 1931 10 Pf. flr. 4 SO B 240 48. Jahrgang ErscheinttSglichaußerSonntag«. Zugleich Abendausgabc de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8t» Pf. pro Woche. 3,60 iSi. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW ss. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 SpjcUautyaße xle6 Anzetgenpret«: Die einspalttgeNonpareillezetle Ko Pf., Reklamezeile SM. Crmäßigulioen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 27 536.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Oer Reichstag tritt zusammen Oer Reichskanzler will mit den Harzburgern abrechnen.- Die Reichsregierung hofft auf eine Mehrheit. Die Lnflationsfront Ableugnungsverfuche der Lnflationisten zur Täuschung des Volkes Die Mafien warten auf die Entscheidung des Reichstags. Dieses Reichstags, in dem 107 hakenkreuzler sitzen und 41 Deutschnationate, die schon die Hand nach der Herr- schafft im Staat ausgestreckt haben, um alle volksrechte zu ver- Nichten, die breiten Mafien zu versklaven und einem Hungerdasein auszuliefern. Die Massen warten auf die Entscheidung des Reichstags. in dem auch die Kommunistische Partei mit 78 Abgeordneten vertreten ist, die bisher nur die eine Ausgabe ersiillt haben, der Sozialdemokratie in ihrem Kamps für die Rechte des arbeitenden Volkes in den Rücken zu fallen. Werden die Kommunisten diesmal durch ihr verholten dem Faschismus zum Triumph verhelfen? Der Parlamentarismus ist tot, behaupten die Gegner der Demokratie. Aber die Massen haben es zu spüren bekommen, was es heiht, wenn der Parlamentarismus durch die Schuld seiner Gegner nicht funktioniert. Die Kette der Rotverordnungen, ein Werk der Dürokratie, ist ein Zeugnis für den Parlamentarismus: denn niemals hätte der Reichstag soviel llnzulänglichkeilen zusammen- getragen, niemals hätte eine parlamentarische Gesehgebung so schlecht gearbeitet. Das wissen die Massen. Und darum erwarten sie seht vom Reichstag, dah er ihnen Hilfe aus ihrer Rot bringe, dost er die brutalen Angriffe der Reaktion auf ihre Lebenshaltung abwehre. -!- Es soll heute ein großer Tag werden. Schon vom frühen Morgen an sind die Portale des Reichstags von Menschenmassen umlagert, die durchaus der Eröffnungssitzung beiwohnen wollen. Aber nur eine kleine Anzahl von ihnen wird das Glück haben, Eim trittstarten zum Besuch der Tribünen zu erlangen; denn schon seit Wochen werden die Abgeordneten und die Büros des Reichstags um Zulassung bestürmt, und der Raum für die Zuhörer ist ziemlich beschränkt. Bor dem Eingang H am Tiergarten haben die Kino- operateure und die Photographcn ihre Apparate aufgebaut. Die Minister und die bekannten Führer der Parteien sollen in der Presse und auf der Leinwand verewigt werden. Die Polizei ist mit einem großen Aufgebot an Mannschaften zur Stelle, um die Wieder- holung von Schausensterstürmen zu verhindern. Aber es scheint diesmal ruhig bleiben zu wollen. Die Nazis dürsten von ihrem Klamauk im vorigen Jahre genug haben. Im Reichstag selbst war schon in den Vormittagsstunden großer Betrieb. Einige Fraktionen hielten Sitzungen ab, um die letzten Vorbereitungen für die heutige Togung�zu treffen. Wie man hört, will der Reichskanzler zuerst eine f o r m u- lierte Erklärung der Regierung verlesen, die etwa 2 0 Minuten in Anspruch nehmen soll. Dann dürste er in freier Rede auf alle schwebenden politischen Fragen ausführlich ein- gehen, und dabei einen Rückblick auf die Zeit seit dem Frühjahr zurückwersen, wo der Reichstag zuletzt versammelt war. Es ist zu erwarten, daß er sofort zum Angriff auf die in charz- bürg vereinigte Reaktion der chakenkreuzler, Schwer- industriellen und Großgrundbesitzer vorgehen wird. Ob jetzt schon oder erst im Vertaus der Debatte Herr Schacht sein Teil abbekommt, ist noch nicht gewiß. Die Aussichten des Kabinetts Brüning werden heute etwas freundlicher beurteilt. Die sozialdemokratische Fraktion wird nach Schluß der Plenarsitzung wieder zusammentreten, um die Redner für die Aussprache zu bestinunen. Von der W i r t s ch a f t s p a r t e i hört man, daß die Harzburger Tagung, und besonders die Rede des Herrn Schacht wie ein« kalte Dusche gewirkt habe. Möglicherweise entschließt man sich jetzt dort dazu, die Abstimmung über die Mißtrauensanträge freizugeben. Bei der V o l k s p a r t e i wollen 22 Mann gegen Brüning stimmen, der Rest der Fraktion ist noch unschlüssig. Die Entscheidung über das Kabinett Brüning wird erst End« der Woche fallen. Die Rechte scheint noch immer die Stimmen der kommunistischen Fraktion alz absolut sicher für die Absichten der „nationalen' Opposition in Rechnung zu stellen. Die arbeitenden Massen erwarten etwas anderes. Werden sie auch dieses Mal erleben müssen, daß. wie am Tage des Volksentscheides, die Kom- munistische Partei als Hilfstruppe für Hakenkreuz. Stahlhelm. Schwerindustrie und Großgrundbesitz eingesetzt wird? Die Herren Jnflationisten wollen es plötzlich nicht gewesen sein! Sie leugnen und dementieren, sie schwören laut, daß ihnen nichts heiliger sei als die Stabilität der deutschen Währung. Es schwört der L a n g na m v e r e i n, die Körperschaft der Scharf- wacher, und es schwört selbst Dr. Schacht. Wir wundern uns darüber nicht. Das Treiben der Jnflationisten aus diesem Lager ist von jeher heimlich gewefen. Ihr Kampf- mittel ist das geheime Komplott. Wie sie eine geheime Verschwörung gegen Brüning gebildet haben, so betreiben sie auch ihre Pläne gegen das Volk heimlich.. Sie jagen es natürlich nicht laut, daß sie aufs neue alle Sparer berauben wollen, um sich mit dem Geld« der Sparer und des Mittelstandes zu bereichern: denn wenn sie es laut sagen würden, wäre ihr Spiel schon zu Ende/ Es ist das Wesen der Pläne aller neuen jnflationisten, daß sie alle erklären, ihre Pläne würden keine inflationistische Wirkung haben. Sie wollen die inflationistische Wirkung, wollen aber nicht das klare Wort, dos dem Volke zeigt, worum es geht. Hat doch seinerzeit selbst Herr Häven st ein auf dem Höhepunkt der Inflation erklärt, wir hätten niemals einen so niedrigen Noten- umlauf gehabt wie 1923! Er machte eine Milchmädchenrechnung auf, indem er die Billionen auf Gold umrechnete, während er zugleich festhielt an der These: Mark gleich Mark. So meinte er, wir hätten eigentlich keine Inflation— und das 19231 Nach diesen: glorreichen Vo rbild wollen die neuen Jnflationisten ver- fahren. Sie wollen kein« Inflation— wie Häven st ein! Zu den Inflationsplänen gehört der Versuch der Täuschung des Volkes notwendig hinzu. Aber die Herrschaften von der Jnflationsfront sind schon zu offenherzig Währungserschüiterer Schacht „Ich muh einmal wieder IN den Spiegel schauen, ob ich nicht schon bedeutend aussehe" (Srabbe:„Scherz, Satire, Ironie") .Gottlob, man spricht wieder von mir. Was ist da schon eine Inflation 7!" gewesen. Graf Kalkreuth hat sich ganz öffentlich und laut zur Inflation bekannt. Hugenberg hat ebenso laut und öffentlich seine Binnenwährungspläne vertreten, von denen selbst ein volksparteilicher Abgeordneter sagt, daß sie mörderisches Gift fürs Volk feien. Diese Binnenwährungspläne— mir ein neuer Name für inflationistische Pläne— werden von der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie geteilt. Die inflationistische Geldtheorie der H i t l e r- P a r t e i ist ebenso laut und öffentlich verkündet worden. Wenn gar jetzt Herr Schacht zu seiner Verteidigung stammelnd versichert, er sei kein Änslationist, so weiß die ganze Welt, daß er sich mit seiner verbrecherischen Rede in Harzburg praktisch in den Dien st der Inflation gestellt hat, und daß er den heimtückischsten Angriff auf die StabUität der deutschen Währung geführt l)at. Sie wollen dos Volk irreführen! Denn Inflation ist nur möglich, wenn sich Dumme finden, die sich von den Jnflationisten betrügen lafien! Inflation— mörderisches Gist für das deutsche Volk. Dresden. 13. Oktober.(Eigenbericht.) Der volkspartciliche Reichstagsabgeordnete Dr. Schneider wendet sich in einem Artikel in den„Dresdener Neuesten Nachrichten' schaff gegen die Dingeldcy- Politik. Man wolle Brüning stürzen, obwohl man weder ein neues Programm noch einen neuen Mann vorgeschlagen habe. Hugenberg habe außenpolitisch di«� Parole ausgegeben: Gegen Frankreich, innenpolitisch wollen seine Freunde eine zweite Währung, die Binnenmark, einführen. Das bedeute eine neue Inflation, die alle Ersparnisfe entwerten werde. Schacht wisse genau, daß die sogenannte Binnenmark mörderisches Gift für das deutsche Volk sei. Wie man die Arbeitslosigkeit bekämpfen, wie man Kredit schaffen und neue Austräge hereinholen wolle, davon sei mit keiner Silbe die Rede. Zw Hintergrund: Oer putsch. Die Harzburger werden offenherzig. Die„Deutsche Zeitung' schreibt über die kommende Entscheidung im Reichstag: „Wenn sich gleichwohl eine Zufallsmehrheit zusammenfindet, so ist die letzte Gelegenheit zu einer Lösung der Krise auf parlamentarischem Wege verpaßt. Wir zweifeln nicht daran, daß dann der Weg der nächsten Monate sehr viel rauher und härter sein wird. Wir würden den ersten Weg begrüßen. Aber wir fürchten auch den zweiten nicht. Vielleicht muß er sogar gegangen werden. Daß der Weg nach rechts geht, daß nur auf der Rechten noch Wille und Kraft vorhanden ist, steht in jedem Falle fest. Am Ende steht immer als Letztes und Höchstes: der Einsatz opferbereiter Männer." Wenn die Harzburger nicht mit kommunistischer Hilfe eine Mehrheit im Reichstag erhalten, wollen sie putschen. Der Abgang Höpker-Aschoffs. Oer.Handelsminister mit der Wahrnehmung der Geschäste beauftragt. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Der preußische Ministerpräsident Braun hat die Mitteilung von: Rücktritt des Finanzministers Dr. Höpker-Afchoff zur Kenntnis genow- men und ihm für feine längjährigen Dienste auf feinem veront wortungsvollen Posten seinen ausrichtigen Dank ausgesprochen. Bis zur Wiederbesetzung des Postens des Finanzminifters hat er den Minister für Handel und Gewerbe, Dr. Schreiber, mit der Leitung des Finanzministeriums neben der Wahrnehmung seiner Ressortgeschäste beauftragt. National! Französische Bajonette gegen deutsche Arbeiter. Unter den prominenten Teilnehmern an der Harzburger Tagung der Faschisten und Jnflationisten befand sich ein KommerzienratReinecker. Dieser Mann hat seinen Befähigungsnachweis als Mitglied der„nationale n" Opposition bereits im Jahre 1919 erbracht. Am 39. Juni 1919 sprach er auf der Hauptversammlung des Vereins deutscher Werkzeugmaschinenfabriken: „So sind wir denn in den Zustand der Verzweiflung geraten, das« wir unser« Hoffnung auf die Einmischung unserer Feind« in uns«r inneres Getriebe setzen müssen. Von ihnen hoffen wir, daß sie der Schandwirtschaft. im Reiche ein Ende bereiten, nicht aus Liebe zu uns, sondern aus ihren eigensten Interessen. Sie werden dahin wirken müssen, daß die Vergeudung von Geldern ein Ende erreicht, damit ihnen die Ersparnisse zugute kommen: sie werden der Vergeudung von Arbeitskraft, die sich in Streiks und ähnlichen Dingen äußert, entgegen- treten müssen, damit wieder Werte geschaffen werden. Wenn das alles zunächst in ihrem Interesse erfolgt, so können , wir uns trotzdem damit abfinden, weil dann allmählich wieder Zucht und Ordnung zurückkehren werden." Der Mann, der nach französischen Bajonetten gegen deutsche Arbeiter rief, paßt ausgezeichnet in die Front von Harzburg I Sie pfeifen auf das Nationale, wenn es den Kampf gegen deutsche Arbeiter gilt, sie rufen den Feind ins Land, damit er den Profit schütze. Wenn diese Leute„national" sagen, meinen sie bru- talste Sozialreaktion! KPD. beantragt Inflation. Sie führt aus, was Schacht und Hugenberg wollen. Die kommunistische Reichstagsfraktion hat, wie schon gemeldet, auf Beschluß des Zentralkomitees der Partei beantragt, Hit'ler, Hilgenberg, Schacht. Seldte und Düsterberg wegen eines„Komplotts zur Herbeiführung einer neuen Inflation" sofort zu verhaften. Das Berliner kommunistische Montagsblatt bezeichnet die Harz- burger Tagung noch einmal als„ein verbrecherisches Komplott mit dem Ziel, das deutsch« Volk erneut, wie im Jahre 1923, in das Elend der Inflation zu stürzen". Es kündigt an, daß die KPD. mit diesem Antrag„eine Mobil!- slerung aller werktätigen Schichten gegen dieInflations- Verbrecher und ihre Pläne" einleite. Am heutigen Morgen kamen auch die übrigen Anträge der kommunistischen Reichstagsfraktion zur Verteilung. In diesen Anträgen wird gefordert, daß alle Einnahme- erhöhungen und alle Ausgabenverminderungen, die durch Notver- ordnung angeordnet sind, wieder rückgängig gemacht werden. Es wird gefordert Aufhebung der wichtigsten Zölle, der Krisensteuer, der Ledigen st euer, der Umsatz st euer, der Lohnsteuer, der Bürger st euer, der Gemeinde- biersteuer und der Getränkesteuer. Bei Einnahmen bis 5000 Mark sollen die ersten 2400 Mark steuerfrei bleiben. Das heißt i die Einnahmen von Reich, Ländern und Gemeinden werden um mehrer« Milliarden vermindert. Auf der anderen Seite wird u. a. gefordert: neben einer 'Rationalhilfe für die Notleidenden eine einmalige Barzuwendung (Winterhilfe) von 100 Mark auf den Hauptunt«rstützungsempfänger und von 20 Mark auf den Unterhaltsberechtigten. Ferner Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung auf 2S Mark für den Hauptunter- stützungsempfänger plus 5 Mark für jeden Angehörigen. In der Fürsorge soll jedes Ehepaar 160 Mark pro Monat erhalten usw. Auf diese und andere Weis« werden die Ausgaben um zahl- reiche Milliarden erhöht. „Deckung" wird nur zum Schein vorgeschlagen. Denn daß ein Defizit von einem halben Dutzend Milliarden oder mehr im Jahreehaushalt nicht durch Steuern auf große Einkommen und Vermögen gedeckt werden kann, weiß die kommu- nistifch« Reichstagsfraktion schließlich auch. Mit welcher Gewissenlosigkeit die„Deckungsvorschläge" aus- gearbeitet sind, zeigt z. B. der Antrag 1127, der die Gemeinden für den Wegfall der meisten Einnahmen durch eine Sondersteuer auf alle Einkommen über 30 000 Mark entschädigen will. Wenn sich aber— was in zahlreichen Fällen eintreten wird— in der ganzen Gemeinde kein einziger Mensch befindet, der SO 000 Mark Einkommen hat, was dann? Die kommunistische Reichstagsfraklion beantragt, Hitler, Hugenberg usw. wegen eines Komplotts zur Herbei- führung einer neuen Inflation sofort zu verhaften. Zugleich stellt sie Anträge, von denen sie weiß, daß ihre An- nähme nichts anderes bedeutet als die Herbeiführung einer neuen Inflation. Oder glaubt jemand, daß die deutsche Reichsmark am Tage nach der Annahme dieser Anträge noch mehr als einen Groschen wert sein würde? Wahrscheinlich noch viel weniger! Razi-Parlamenisstreik in Thüringen. Sie wollen unerkannt schimpfen. Weimar, 13. Oktober.(Eigenbericht.) Der Thüringer Landtag ist heute wieder zusammengetreten. Während der Parlamcntsferien hat der Präsident auf Wunsch des Landtags eine auderePlatzverteilungder Abgeordneten im Plenarsitzungssäal vornehmen lassen. Die Nationalsozialisten, die bisher auf den hinteren Bänken saßen, sind ganz nach vorn versetzt worden, darpit der Präsident ihre fortgesetzten belei- digenden Zwischenrufe gegen Mitglieder anderer Parteien des Hauses besser hören kann. Die Nationalsozialisten haben gegen ihre Strafversetzung protestiort und sind aus Protest heute i n den Parlaments st rctk eingetreten. Wie lange dieser Streik dauern wird, steht noch nicht fest. Nach der Notverordnung der Thüringer Regierung verlieren Abgeordnete ihre Diäten, wenn sie sich nur in die Anwesenheitsliste eintragen, sich aber nicht an der Sitzung beteiligen. Oerttrheber derEisenbahnattentate Das Geständnis Matuskas wird nachgeprüst wie bereits aus Wien gemeldet worden tst, hat der Kaufmann Walusta den dortigen Behörden ein Geständnis abgelegt, daß er an dem Eisenbahnalteniat in Jüterbog beteiligt ge- wesea sei. Telephonisch wurde sofort die Berliner Unlersuchungs- kommisston von diesem Geständnis benachrichtigt, wo Mahiska sich in Berlin während der kritischen Zeit aber aufgehalten hat, steht noch nicht fest. Er hat wahrscheinlich unter einem falschen Namen hier gewohnt. Bei der Kriminalpolizei haben sich bereits eine ganze Anzahl von Zeugen gemeldet, die Matuska in der fraglichen Zeit in Berlin gesehen haben wollen. Die Angaben dieser Zeugen müssen aber genau nachgeprüft werden, denn die Aneinanderreihung der Bekundungen ergibt die bekannte Erscheinung, daß ein und der- selbe Mann zu gleicher Zeit an mehreren Stellen gewesen sein muß. Mehrere Beamte der Untersuchungskommission sind mit Lichtbildern des Matuska unterwegs, um weitere Feststellungen zu treffen. Sein Aufenthalt In Berlin am 26. April d. I. steht einwandfrei fest. Damals hat er von einem Berliner Postamt aus 500 Schilling telegra- phisch an seine Frau überweisen lassen. Die Berliner und die Wiener Untersuchungskommissionen stehen in dauernder Verbindung, um die Bernehmungsergebnisse dort mit den Ermittlungsergebnissen hier austauschen zu können. Wien. 13. Ottober. Sylvester Matuska will nach seinem Geständnis einem Unbekannten Sprengstoff gegeben haben in der Meinung, daß es sich um ein Attentat aus einen Lastzug handle. Beim Attentat von Bin Torbagy befand sich Matuska im Unglückszug auf der Fahr« nach Wien, allerdings entgegen seinen früheren Angaben im letzten wagen, der nicht mit abgestürzt ist, so daß er nur leichte Verletzungen durch GlasspUlter erlitt. Budapest. 13. Oktober. Die F r a u M a t u s k a s ist in der vergangenen Nacht im Auto mit dem Rechtsanwalt ihres Mannes in Budapest eingetroffen und\ hatte die Absicht, schon heute vormittag nach Csantavers, ihrer Heimat in der Tschechoslowakei, weiterzumsen. Sie wurde von der Polizei ersucht, ihre Fahrt in Budapest zu unterbrechen und der Oberstadthauptmannschaft einige Aufklärungen über ihren Mann zu geben. Berliner Kriminalisten nach Wien unterwegs. Bon der Berliner Kriminalpolizei wird zu dem Geständnis des Wiener Attentäters Matuska folgendes mitgeteilt: Im Laufe der letzten Nacht und des heutigen Bormittages sind hier die amtlichen Angaben über die Aussagen des Matuska eingegangen. Matuska hat danach ein Teilgeständnis abgelegt. Er gab bisher an, daß er an dem Iüterboger Attentat und bei dem Attentat in Bia Torbagy de- teiligt gewesen ist, aber nur insofern, als er einem noch u n b e- kannten Manne Ekrasit und sonstige Spreng- materialienoerkaufthabe. Dieser Unbekannte habe zwar gesagt, daß der Sprengstoff zu einem Eisenbahnattentat benutzt wer- den solle, er habe aber erklärt, es solle nur ein Güterzug zur Eni- gleisung gebracht werden. ckDie Wiener, Budapester und Berliner Polizei stellt augenblicklich Ermittlungen nach dem Aufenthalt Matuskas in den einzelnen Orten an. Die Berliner Polizei hat zur Zeit noch keine bestimmten Hinweise, in welchem Hotel oder in welcher Gegesid sich M. in der fraglichen Zeit aufgehalten hat. Es besteht die Möglichkeit, daß er in einem Hotel in der Innenstadt gewohnt hat. Da er aber besondere Kenntnisse über die Potsdamer Gegend an den Tag legte, rechnet die Kriminalpolizei auch mit der Möglichkeit, daß Matuska irgendwelche Beziehungen in den westlichen Vororten und in der UmgebungPots- d a m s gehabt hat. Es wird also alles darauf ankommen, nähere Einzelheiten über den Berliner Ausenthalt des Attentäters zu er- fahren. Aus diesem Grunde sind heute vormittag im Einverständnis mit der Polizeidirektion Wien Kriminalrat Gennot und Kriminal- kommissar Berndorss nach Wien gesahrey. Fahrlässige Gesetzgebung. Die Notverordnung gegen Buchdrucker. In der neuesten Notverordnung des Reichspräsidenten findet sich, wie wir schon kurz meldeten, auch ein besonderes Kapitel über die Herstellung und Verbreitung„illegaler Schriften". Diese Strafoorschriften sind von einer Dehn- barkeit, daß gegen sie der Kautschuk fast als eine feste Masse erscheint. Die wesentlichsten Bestimmungen lauten: Wer vorsätzlich oder fahrlässig Druckschriften politi- schen Inhalts herstellt, verbreitet oder zum Zweck der Verbrei- tung vorrätig hält, auf denen zur Verheimlichung des Ursprungs die vorgeschriebenen Angaben über Drucker, Verleger, Verfasser, Heraus- geber oder verantwortlichen Redakteur nicht enthalten oder unrichtig, unvollständig oder unleserlich sind, wird, soweit nicht die Tat nach anderen Vorschriften mit einer schweren Strafe bedroht ist, mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestrast, wenn durch die Schrift das Verbrechen des Hochoerrats oder ein Vergehen gegen die Vorschriften über verbotene Dereine oder eine strafbare Aus- forderung oder Anreizung begründet wird. Weiter heißt es: Wer von dem Vorhandensein eines Vorrats von Druck- schriften, deren Inhalt den Tatbestand einer der bezeichneten stras- baren Handlungen begründet, zu einem Zeitpunkt glaubhafte Kenntnis erhält, zu dem das Dorhandensein dieses Druck- fchriftenvorrats der Behörde noch nicht bekannt ist, ist v«r- ps l i ch t e t, unverzüglich der Polizeibehörde Anzeige zu er- statten. Die in seinen Besitz oder Gewahrsam gelangten Stücke der Druckschrift hat er unverzüglich der Polizeibehörde abzuliefern. Es erübrigt sich, hinzuzufügen, daß alle zur Herstellung solcher verbotenen Schriften gebrauchten Gegenständ«„singe- zogen" werden können, also auch Vervielfältigungsapparat«, Druckmaschinen und dergleichen. Von besonderer Bedeutung wird dieses neue Notrecht aber für das technische Personal von Druckereien, das an der Her- stellung solcher illegalen Schriften mitgearbeitet hat. Ihm wird die„Fahrlässigkeits"bestimmung zur Fußangel werden, in die es sich verstricken kann. Einer der Sachverständigen des Reichsinnenministeriums, Ministerialdirigent Dr. Kurt H a en tz s ch e l, hat in einem Rundfunkvortrag über die neue Notverordnung ausdrücklich darauf hingewiesen, daß durch sie jeder Drucker, Setzer, Verleger und Verbreiter gezwungen wird, sich Schriften politischen Inhalts sorgfältig daraufhin anzusehen, ob sie auch das richtige Impressum tragen, und ob sie nicht etwa gegen eine der genannten Straf- bestimmungen verstoßen. Denn auch die fahrlässige Unkenntnis macht straffällig. Mit Recht weist der„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" auf die schweren Gefahren hin, die den Buchdruckereiarbeitern in ihrer Gesamtheit drohen. Die Buchdruckereiarbeiter, sagt das Verbandsorgan, Hachen es von jeher abgelehnt, als Vorzensoren irgendwelcher Druckschriften tätig zu sein, und zwar nicht nur aus politischen, sondern aus zwingenden beruflichen Gründen. Kein Mensch könnte z. B. entscheiden, ob eine Arbeitsverweigerung des Buchdruckers im Hinblick auf diese Bestimmungen der Notverordnung berechtigt oder unberech- tigt sein würde. Jeder einzelne Äuchdrucker könnte jederzeit den Produktionsprozeß mit Berufung auf die Vorschriften der Notverordnung stillegen, wenn nach seiner Meinung eine Druckschrift staatsgefährlichen Inhalt hat. Es scheint, als ob die Berordnung abgefaßt und ver- öffentlicht worden ist, ohne daß man sich über die Praxis in den Drucköetrieben eine Vorstellung gemacht hätte. Der einzelne Setzer, der oft nur«inen Teil eines Manuskripts zu lesen bekommt, kann gar nicht wissen, ob in einem anderen Teil nicht ein„Hochverrat" enthalten ist. Noch weniger weiß er, ob am Schluß auch ein„Verantwortlicher" angegeben wird, und wenn, ob dieser Name nicht etwa erfunden oder mißbraucht ist. Auf jeden Fall könnte ein Gericht ihm Fahr- lässigkeit vorwerfen, weil er überhaupt an der Schrift mit- gesetz hat.Da� gleiche gilt für Maschinenmeister, Stercotypeure, Packer und andere technischen Hilfsarbeiter, die zufällig mit der Herstellung oder den Versand der Schrift befaßt werden. Es scheint dringend nötig, diese Gummibestimmung zu revidieren, bevor durch ihre Anwendung größeres Unheil angerichtet wird. Briand sühri Vorsih. Batskampf um den Mandschureikonflitt. Genf, 13. Oktober.(Eigenbericht.) Unter großer Spannung und bei starkem Andrang von Presse und Publikum begann heute zur Mittagsstunde die außerordentliche Ratstagung über den chinesisch-sapantschen Konflikt. Spaniens Vertreter Madariaga eröffnete die Sitzung mit einer Entschuldigung für den Außenminister, der durch Versassungsardeiten in Madrid zurückgehalten ist und bat B r i a n d im Namen Lerraux und des Rates, den Vorsitz zu übernehmen. Mit der Bemerkung. daß es offenbar feine Bestimmung sei, gerade in solchen delikaten Fragen den Vorsitz im Rat zu führen, übernahm B r i a n d die Leitung. Er gab in einer längeren Erklärung zunächst einen llcber- blick über die Lage, wie sie sich seit dem Ralsbeschluh vom 30. September entwickelt hat an Hand der Noten zwischen China und Japan sowie Nachrichten aus der Mandschurei. Darauf begann Sce-Ehina mit einer bewegten Schilderung der Vorgänge, die China in«ine noch nie gesehene Gefahr gebracht hätten. Er«rklärte, die Truppen Japans seien nicht nur nicht zurück- genommen worden, sondern sie hätten noch weitere Gebiete besetzt und neue Gewalttaten begangen, die in dem Bombardement von Tsingtau gegipfelt hätten. Die gebieterische Pflicht d«s Rates sei vor allem, für die Zurückziehung der japanischen Truppen zu sorgen. Das sei nur ein vorläufiger Schritt, dem die Regelung des ganzen Konfliktes folgen müsse. China habe sich strikt an seine Verpflich- tungen als Mitglied des Völkerbundes gehalten. Seit dem Einfall habe es sich jedes Widerstandes enthalten. China frage. wann die Truppen zurückgezogen würden und ob der Rat gewillt sei, China Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu oerschaffen. Ver- sage der Völkerbund jetzt, so bliebe nichts, um den Frieden zu sichern. Das Schicksal schlösse- Osten und Westen unlösbar zusammen. Der Völkerbund sei mit dem Schicksal und dem Wohl der ganzen Welt verbunden. Darauf wurde die Sitzung vertagt. Heute nachmittag wird der japanische Vertreter antworten. » Der amerikanische Generalkonsul in Genf nimmt an den Ver- Handlungen über den Konflikt teil, ohne daß daraus länger ein Hehl gemacht wird. Er sitzt zwar nicht am Ratstisch als offizieller Vertreter der Regierung von Washington, aber er nahm an den der Ratssitzung vorausgehenden Beratungen der„fünf Großen" am Schlüsse tell. So wird die amerikanische öffentliche Meinung allmäh- lich an eine engere Zusammenarbeit mit Genf gewöhnt. Das Pfund wird bald stabilisisrt. Sagt Oirettor der Bank von England. London, 13. Oktober.(Eigenbericht.) Ein Direktor der Bank von England hat erklärt, daß die Stabi- lisierung des englischen Pfundes von noch unbekannten Faktoren ab- hänge. Es sei aber sicher, daß sie in naher Zukunft vorgenommen und der Stabilisierungskurs nicht unter 100 Franken liegen werde. Auf jeden Fall sei nicht zu befürchten, daß das Pfund das X Schicksal der Mark im Jahre 1923 oder des Rubels teilen werde. Feuer im Versuchsstollen. In der Chemisch-Techmschen Beichsanfialt. In der Chemisch-Technischen Reichsanstalt c.m Tegeler Weg, dem Institut, das in der letzten Zeit vielfach in Ver bindung mit den Sprengstoffattentaten zur Untersuchung der Sprengstofse genannt wurde, brach heute früh in einem 30 Meter langen Ve rfu ch sst/zll e n aus noch unbekannter Ursache Feuer au«. Die Löscharbeiten gestalteten sich in dem langen und schmalen Stollen, der mit stickigen Gasen angefüllt war, sehr schwierig. Um die glimmenden und schwelenden Bohlen, die zur Absteifung der Stollen dienen, gänzlich zum Erlöschen zu bringen, mußte der Stollencingang abgedichtet werden, um jede Luft- bzw. Seuersteff- zufuhr zu unterbinden. Die Feuerwehr war mehrere Stunden an der Brandstelle beschäftigt. Papst gegen Lalenderresorm. Auf der Internationalen Ver- kcbrskonfercift in Genf begann die Aussprache über die Kalender- reform(Monate mit der gleichen Zahl von Tagen. Festlegung des Osterfestes). Es sind ungeföbr 15 religiöse Gesellschaften vertreten. Der Heilige Stuhl ist zu der Konferenz eingeladen worden, hat jedoch keinen Vertreter entsandt. Die katholische Kirche nimmt vorläufig eine abwartende Haltung zu der Reform ein. Der Verirerer der jüdischen Religionsgemeinschaft sprach sich gegen die Reform aus. Wilde Schulstreiks. Die Kommunistenhehe geht weiter. kurz vor den Herbsiferien wurden durch kommunistische INachenschafken in mehreren Berliner Gemeindeschulcn sogenannte „Streiks" entfesselt, die auch teilweise Erfolg hatten. Gleich heute am ersten Schultage nach den Ferien sehten die Kommunisten ihr Treiben fort und versuchten, in verschiedenen Stadtteilen die Kinder, die heute früh in den Schulen erschienen, vom Unterricht fern- zuhalten. Zum Teil versuchten kommunistische Kolonnen, unter denen zahlreiche halbwüchsige beobachtet wurden, den Kindern den Zutritt zu den Schulgebäuden gewaltsam zu verwehren. Zn einigen Fällen mutzte daher polizeilicher Schutz angefordert worden. lieber die unter kommunistischer Führung stehende Aktion gehen uns folgende Meldungen zu: Um A8 Uhr oersuchten eine Anzahl Ertccchsener und mehrere Halbwüchsige die Kinder oomBe- such der weltlichen Schule in der Lessing st ratze in Neukölln fernzuhalten. Obgleich durch Handzettel und Flugblattanschlag tagelang eine rege Propaganda gegen die Schule entfacht worden war, erschien ein grotzer Teil der Kinder zum Unterricht. Lor der 166. Gemeindeschule in der Ruheplatzstraß« hatten sich 10 Erwachsene postiert, die den Eingang besetzt hielten und die Kinder zur Umkehr aufforderten. Schließlich mutzte ein Polizeiposten eingesetzt werden, um die Unruhestifter zu entfernen. In neun Klassen der 166. Gemeindeschule findet der Unterricht voll statt, es find aber nur 33 Proz. der Schüler anwesend. Auch die 31., 32., 41. und 42. Gemeindeschule in der Rütlistraße in Neukölln ist von dem Streik betroffen worden. Hier hatte die kommunistische Hetze bereits solchen Nährboden gefunden, daß sich die Mehrzahl der Kinder weigerte, die Klassenzimmer zu betreten. In Spandau in der 20. Gemeindeschule in der Mittelstraß« und in der Hilfsschule am Askaniaring fehlten beim Beginn des Unterrichts rund 50 Proz. aller Schüler. Außerdem hat ein Teil der Schüler der 112. und 12S. Gemeindeschule in der Wassertorstraße die Herbstserien„selb- ständig verlängert". Während es sich in den vorgenannten Fällen um Teilstreiks handelt und man annimmt, daß die Bewegung bald abflauen wird, mutzte die 240. und 254. Gemeindeschule in der waldenserstratze heute früh gänzlich geschlossen werden, da sämtliche Schüler dem Unterricht ferngeblieben waren. Welch« Maßnahmen die Behörden ergreifen werden, um der kommunistischen Hetze wirksam entgegen- zutreten, muß abgewartet wenden. Soweit uns bekannt geworden ist, sind irgendwelche Beschlüsse darüber noch nicht gefaßt worden. Der Vorstand der Elternbeiräte Neuköllns schreibt uns: In den Schulen Neuköllns und wahrscheinlich auch in den übrigen Schulen Berlins wird ein Zettel verteilt, der die Eltern auffordert, in eine Versammlung, die heute abend in Kliems Festsälen stattfindet, zu koinmen. Der Zettel ist anonym. Der Ver- antwortliche und der Drucker weisen aber darauf hin, daß es ein kommunistisches Machwerk ist, um«ine Streikbewegung zu entfachen. Sozialdemokratische Eltern besuchen diese Ver- sammlung nicht. Oer Lübecker Kindertod. Weitervernehmung des Angellagten Dr. Altstaedt. Lübeck. 13. Oktober. Am zweiten Vcrhandlungstage im Calmette-Prozeß wurde die Vernehmung des angeklagten Obermedizinalrates Altstaedt fort- gesetzt. Vorher gab es noch ein kleines Zwischenspiel. Da die Ver- Handlung erst gegen 10 Uhr beginnen konnte, ermahnte der Vor- sitzende alle Prozeßbeteiligten, in Zukunft pünktlich zur Verhandlung zu erscheinen, damit zur festgesetzten Stunde begonnen werden könne. Er bat ferner die Sachverständigen, während der Vernehmung der Angeklagten und Zeugen keine Vorträge zu halten. Sodann beantragte ein Verteidiger die Ladung des am ersten Prozeßtage vorläufig entlassenen Sachverständigen Dr. Schür- mann- Berlin, da er es für notwendig hielt, daß dieser während der Vernehmung der Angeklagten im Saal anwesend ist. Das Ge- richt beschloß nach reger Aussprache die Ladung des Dr. Schürmann für Mittwoch. Sodann wurde Dr. Altstaedt weiter vernommen. Man ging von der Erörterung der Stellungnahme des Reichs- gesundheitsamtes im Jahre 1927 aus, das damals noch gegen das Ealmette-Verfahren war und anregte, ausgedehnte Tier- versuche in Deutschland vorzunehmen. Die Professoren Dr. Bruno Lange. Dr. Ludwig Lange, Dr. Schloßmann und Dr. Uhlenhuth kamen schließlich auf Grund dieser Versuche zu dem Ergebnis, daß das Ealmette-Verfahren für den Tiertörpcr unschädlich sei. Flugkatastrophen in aller Welt. Gestern allein sieben Tote. Paris, 13. Oktober. Ein schweres Flugzeugunglück, das vier Menschenleben kostete, ereignete sich gestern in der Nähe von T o u l o n. Zwei Apparate des Flugzeugmutterschiffes„Böarn" stletzen in etwa 800 Meter Höhe zusammen und stürzten ab. Bon den sechs Znsassen wurden vier getötet. Der sünfte rettete sich durch Absprung mit einem Fallschirm und der sechste kam mit leichten Verletzungen davon. New Park. 13. Oktober. Bei einem Flugzeugabsturz bei Molden im Staate New Park wurde der Pilot und zwei I2sährige Knaben gelötet. Nach dem Jltm Park Herold" ist der ums Leben gekommene Pilot ein ehemaliger deutscher Sriegsfliegcr namens Edgar Pelveddar. Tod durch Holzspiritus. Fünf Personen gestorben. Stockholm. 13. Oktober. Zn folge des Genusses von eingeschmuggeltem Holzspiritus sind hier fünf Personen unter sürchlerlkchen Schmerzen gestorben und zwei weiter- erblindet. Da sich noch nicht feststellen ließ. wieviel Schmuggelsprit in den Handel gekommen ist. werden weitere Bcrgistunaen befürchtet. Ein Heizer eines im Stockholmer Freihasen lirgeaden schwedischen Schisse», der in Frankreich 40 Liter Spiritus gekauft hat. angeblich ohne zu wissen, datz»» sich um Holzspiritus handele, ist verhastet worden. Seine Braut gehört zu den Todesopsern.____ Grotz-New Bork fast 11 Millionen. Die Bevölkerungszahl von Groß. New York beläuft sich auf 10 900 000 Einwohner. Wetter für verlin. Vorübergehend stärker bewölkt, sonst ziem- lich heiter, tagsüber kühler, mäßige, meist nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Küstengebiet etwas Regen, sonst im wesent- Ilchen trocken, allgemein etwas kühler, besonders im Süden und Südosten, nachmittags und morgens Nebel. Hans Hörbiger gestorben Oer Vater der„Welteislehre" Hans Hörbiger. der Vater der ,.W e l t e i s l e h r e". ist im Aller von 71 Zähren in Mauer bei Wien gestorben. hörbiger, der von Beruf Ingenieur war und einige hervor- ragende Erfindungen, wie die„Hörbiger-Venlile", gemacht hat, gab vor ungefähr 15 Zahren seine neue„Kosmogonie" her- aus, die besonders im Laienpublikum viele Anhänger ge- funden hat. Die wissenschaftlichen Vorstellungen über die Entstehung der Welt, über Werden und Vergehen, sino zweifelhaft, da die d«nkende Menschheit noch zu jung und ihre Erfahrung noch nicht umfassend genug ist, um von dem Dunkel des Schöpfungsvorganges den Schleier zu heben. Besonders über die Entstehung der Sonnen- und Sternensysteme sind von Kant, Laplace, Helmholtz uns in jüngster Zeit von E i n st e i n und N e r n st die mannigfaltigsten Vermutungen und Theorien ausgestellt worden, die von dem je- weiligen Stande der Wissenschaft abhängen. In letzter Zeit hat die Erkenntnis der Strahlung und ihres Zusammenhanges mit den Aromen dazu geführt, daß man in der sogenannten„kosmischen Höhenstrahlung" die Boten der Schöpfungsvorgänge im Welt- räum sehen zu dürfen glaubt, denn die kosmischen Höhenstrahlen haben jene Kürze, die nach den neuesten Berechnungen bei der Neu- bildung von Atomen sein muß. Gerade in dieser Zeit, als man in das Wesen der Atome und damit der Materie tiefer eindrang, tauchte die Welterklärung Hör- bigers auf, die die ganze Weltentstehung auf mechanische Weise mit Hilfe des E i s e s zu erklären versucht, das sich überall in der Welt befindet. In der Hauptsache besagt die Welteislehre über das Wesen der Himmelsdinge folgendes: 1. In der Welt schweben große Massen von Eiskörpern, die bald auf der Erde als Hagel, bald als Stern- schnuppen erscheinen. Sowie Rieseneiskörper in Gigan- t e n s o n n e n stürzen, werden durch die dadurch bewirkte Explosion ds Sonnenkörpers ganze Sonnensysteme mit ihren zahlreichen Pla- neten gebildet, denn Erde und Wasser sind die beiden Urstoffe. 2. Durch ein im ganzen Weltraum verteiltes Medium werden die Be- wegungen der Planeten und Monde eingeengt. Auch unser Mond war ein Planet, der von der Erde eingesangen wurde und auch die Sintflut erzeugt hat. Zahlreich« derartige Himmelskörper sind be- reits in Sonnen und Planeten gestürzt. Daneben operiert die Welteislehre mit der„Eismilchstraße", die sich in nicht zu grotzer Entfernung um unser Sonnensystem schlinge und von den anderen Astronomen fällschlich als eine gewaltige Ansammlung von Sannen- systemen angesehen werde. Die Wissenschast hat darauf erwidbrt, daß die Sonnen alle eine mittler« Masse haben, die zwischen einem Siebentel und dem 30fachen der Sonne schwankt, daß also„Gigantensonnen" nicht mög- lich sein können. All« optischen Feststellungen haben ergeben, daß die Milchstraße nicht aus Eis und viel weiter entfernt ist, als die Welteislehre anzunehmen geneigt ist. Auch die geologischen Be- sunde auf der Erde stimmen nicht mit den Hörbigerschen Forderun- gen immer überein. Wie dem auch sei, es ist das Verdienst des Verstorbenen, daß er durch seine Lehre, die übrigens auch in der zünftigen Wissenschaft Anhänger fand, das Interesse der Mensch- heit auf die Fragen der Schöpfung lenkte. „Frauen in Not" Soziologische Bildnis- Schau im Hause der Zurysreien Zu brennend sind die Bedrängnisse unserer Existenz, als daß Kunst der stille und abseitige Bezirk bleiben dürfte, wo sich Schaf- send« und Betrachtende am Formen- und Farbenspiel unbekümmert weiden. Die Maier und Bildner der letzten Zeit sind über den außerordentlich wichtigen Versuchen, ihre Gestaltungsmittel von Grund auf zu erneuern, sicherlich zu weit von den lebendigen Tat- fachen abgekommen und haben vielfach die Fühlung mit dem ver- loren, was unser Dasein bewegt und quält. Die meisten von ihnen gehen nach wie vor ihren Experimenten und Träumen nach, und immer noch verhältnismäßig selten treffen wir beim Durchwandern von Ausstellungen auf künstlerisch« Auseinandersetzungen mit den heißen Fragen und Forderungen, mit den Menschlichkeiten und Bitternissen des sozialen Geschehens. Demgegenüber erweist die jetzt im Haus der Iuryfreien (am Platz der Republik) zu besichtigende Zusammenstellung von künstlerischen Beiträgen zum Thema„Frauen in Not" doch eine unvermutet starke Beteiligung des Bildschaffens an Leid und Cor- nge der Zeit. Es ist gewiß nicht das kleinste Verdienst dieser Schau, einmal darzutun, daß von sozialer Gewissenhaftigkeit der Kunst doch nicht so allgemein die Rede sein kann und damit die sehr schädliche Trennung von Kunst und Leben- wieder überwinden zu helfen. Die Veranstalter haben sich gut umgetan und tonnten eines er- staunlich großen Kreis von Künstlern zusammenrufen. Dabei lief ihnen manches mit unter, was nicht eigentlich von Frauennot spricht, wie etwa die„Landarbeiterin" von Schmidt-Rottluff oder Beckmanns„Frau mit Katze". Sie hätten auch getrost wähle- rischer sein sollen und mit einer'kleineren, im Künstlerischen stärke- ren Schau ungleich eindringlicher wirken können. Dse AnNage, die das Ganze bedeuten will, wird durch zu viel ausdrucksmatte Dar, stellungen um ihre Wucht gebracht, der Ruf droht zu zerslattern. Gerade das lebensschwere Tl)ema fordert die zwingende Formung. Vielleicht auch wäre der soziale Effekt der Veranstaltung größer gewesen, wenn man sie, auf ein oder zwei Säle konzentriert, mitten hinein in die Akademie oder sonst eine unbekümmert« Kunstschau hätte praktizieren können. Und noch ein Einwand: ist es nicht reich- lich naiv, zwischen die Bilder der Not als Kontrast sowjetrussische Propagandadarstellungen zu schalten mit dem heimlichen Motto: „Frauen ohne Not"? So plump hat man doch im übrigen den Begriff der Not gar nicht gefaßt— hat doch die Krank«, die ihr totes Kind beweinende Mutter, die Irre, die Gefangen«, die Müde, die Angstvoll«, die Witwe aufgemfen zu ihren von Arbeit und Armut zermürbten Schwestern, zu abgenutzten Dirnen und ver- kümmerten Näherinnen I Daß in einer solchen Schau Käthe K o l l w i tz einen Hauptplatz beansprucht, datz Künstler wxe D i x, Otto Nagel, Baluschek, Werner Scholz, wie der Holzbildhauer Voll, wie Z i l l e nicht fehlen können, ist selbstverständlich. Aber man hat auch Ko- koschka, Barlach, Otto Müller und N o l d e organisch einzu- beziehen gewußt, Kinderzeichnungen, jüngere soziale Realisten wie Griebel und K i n z e r, Phantasten wie R i n g e l n a tz und Nußbaum. Eins der stärksten Momente sind die Spritzblätter von N erlinger: jener Rücken über der Nähmaschine, gezwängt wie der Fensterblick in den Hofschacht oder die ganz knappe Geburt»- szene. Die Liste des Wertvollen i\f damit keineswegs erschöpf!, man wünscht der unbedingt ernsthaften Gesamtbemühung den Er- folg vieler Besucher. Villi Wolfradt. „24Giunden aus demLeben emerFrau" Titania-palast. Es ist«in Glück, daß es keine 36 Stunden werden: denn die hätte so leicht keiner wachen Auges überstanden. Sind doch diese 24 Stunden schon qualvoll langweilig. Robert Land verfilmte eine Novelle von Stephan Zweig und wollte, ohne daß er die innere Veranlagung dazu hat, etwas eigenartig Neues schaffen. Ohne jedes Temperament und ohne die Anteilnahme des Zuschauers zu wecken, erzählt er von der un- wahrscheinlich reichen Frau, deren tranker Mann sich aus Liebe zu ihr tötete. Aeußerlich ruhig, geht sie innerlich unruhig durchs Leben, bis sie einen vom Spielteufel besessenen jungen Menschen trifft, der sich das Leben nehmen will. Sie zwingt ihn zum Leben und gibt ihm Geld, das er trotz aller gegenteiligen Versprechungen wieder ver- spielt. Dennoch Ist sie glücklich, als er völlig abgebrannt wieder zu ihr zurückkommt. Weder Entwicklung noch Abschluß sind glaubhast. Der Zuschauer hat nur das«ine Empfinden: Madame wird ihr Geld loswerden. Henny Porten mutz von der ersten bis zur letzten Szene ein Kopfschmerzengesicht machen, Walter R i l l a erstarrt im verhaltenen Leid und nur Mavgo L i o n darf spitznasig und mit kessen Worten sich in alle möglichen Angelegenheiten mischen. Doch läßt d«r Re- gisseur sie auch nicht zum Spielen kommen, sondern betrachtet es als Höhepunkt, wenn er sie in seidener Unterwäsche zeigen kann. Das Luxushotel ist ganz absonderlich eingerichtet. Di« Möbel haben derart verzerrte Linien, daß man ihren Gebrauchswert kaum mehr erraten kann._ e. b. Oer ewige MiliSärschwan?. „Dienst ist Dienst"- primus-palast. Auf die Dauer der Zeit ermüden auch den wildesten Militär- setischisten die ständigen Parademärsche mit dem Motto„O, welche Lust, Soldat zu sein". Man nimmt also den Ernst des Dienstes aus dem Bilde und zeigte fesche, herzbezwingende Leutnants und dumm- schlaue Burschen. Nach diesem Rezept arbeitete seit Generationen da» deutsche Bühnenlustspiel, und der Film ist ihm getreulich gefolgt. Uniformen! Uiiiformen! Es ist gleichgültig, was mit ihnen, geschieht und wer darin steckt. Der Schwank„D i e ck st i st Dien st", der übrigens in der Regie Carl Boeses eine Reihe sehr lustiger Situationen bringt, spielt bereits mit dem Stoff. Eine kleine Soubrette legt den Herrn Major und auch Seine Exzellenz den kommandierenden General hinein. Allerdings ereignen sich diese Dinge im alten kk. Oester- reich, es ist aber wohl anzunehmen, daß in anderen Armeen auch nicht viel mehr Geist verspritzt worden ist. Dieser �ilm macht sich über das Militärische lustig. Die Offiziere sind noch trottliger als der Regimentsschafskopf Kaczmarek, den Fritz Schulz mit psissi- ger Bauernschlauheit ausstattet. Ralph Artur Roberts spielt den Major, dessen sittenstrenge Gattin jeden Seitensprung diktatorisch verbietet. Dieser Major hält sogar zu Hause die Wolle ab. Der gestrenge Herr, der sich wie in Scharniegelenker� bewegt, hat im Privatleben nichts zu bestellen. Er ist ein Pantoffelheld in Filzpantinen und Käppchen. Neben ihm Fritz Spiro» General, der trotz Arterienverkalkung und wackligen Beinen die erotischen Leutnantsallüren nicht vergessen hat. Ihn umgibt die Atmosphäre von Roda Rodas„Feldherrn- Hügel". Ntatr Delschaft charakterisiert mit wenigen Strichen einprägsam die Majorin.— r. „Kampf um Kitsch" wird verfilmt! Um Robert Adolf S t e m m l e s Schulstück„Kampf um Kitsch", das kürzlich unter Mitwirkung von zwei weltlichen Schulkiassen in der Volksbühne uraufgeführt wurde, bewerben sich drei Filmgesellschaften. Zur Zeit ist noch kein Beschluß gefaßt, doch steht fest, daß da» Schulstück verfilmt wird.„Kampf um Kitsch" wird auch auf den Bichnen einer ganzen Reihe von Städten aufgeführt, unter anderem in Hamburg. Düsseldorf, Leipzig, Stuttgart. Volkshochschulkurse in Wilmersdorf. Im Rahmen des dies- jährigen Wintcrprogramms des Volksbildungsamtes Wilmersdorf sind folgende Kurse vorgesehen, die in der Volksschule 1, Gieseler- straße 1— 7, stattfinden. Laienkursus für Malerei; Graphit und Plastik— Beginn 12. Oktober, 20 Uhr. Elementarlehre der bildenden Kunst mit Lichtbildvorführungen und praktischen Uebungen im zeich- nerischen Darstellen— Beginn 14. Oktober, 20 Uhr.' Goetbe als Lebenephilosoph mit Besprechung einiger Werk« Goethes— Beginn 16. Oktober, 20 Uhr. Hörerkarten zum Preise von 2,30 M.— Ehefrauen 1,23 M.— Im Volksbildungsamt Wilmersdorf, Schapcr- straße 23, werktäglich von 9— 13 Uhr. Ein Znflilut für Geschichte der Medizin wurde in Düsseldorf eröffnet. Es soll der Erforschung der Geschichte der Krankheiten und ihrer Behandlung dienen und eine allgemeine historische Bibliothek an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf schassen. Äroll-Oper. Di« Aiina-Pawlowa-Verciniguilq veranstaltet am 18 Ok- tvber, vormittags 11.39 Uhr, in der Kroll-Oper eine Tanzmatinee von Bicent« Escudero, dem größten spanischen Tänzer. Di« UraussLhruna der Schuloper„Der Relsekamer-d"(nach Andersens Märchen) fmdct durch die Slaatliche Akademie für Kirchen, und Schul- musck. heute, den Ii. Oktober, abends 8 Uhr, in der Leibniz-Oberreal- dn�öbendkasse�' 1-5-127(am Knie), statt. Korten an c*.?»»nstreise dur» Frankreich und Flandern" lautet das Thema für sechs Lich blldervortrage. die Dr. Max Den auf Einladuna der Vollsbühne in, SSrsaal des Kunstgewerbemuseums. Prinz-Albrecht-Str 7». hält. Der erste dieser Bortrage findet am Sonnabend, dem 17. Oktober, abend« 8 Uhr. statt. Karten für alle 8 Abende 3.59 M.. für jeden einzelnen 79 Pf. Gklarek-Prozeß hat begonnen Max Gklarek krank.— Die Zuständigkeiisfrage des Gerichts Oer Große Schwurgerichlssaal im alten Kriminalgerichlsgcbäude isl heute früh kaum imstande, alle am Sklarek-Prozeß Beteiligten und Juteressierten zu fasten. Der Zuhörerraum ist gedrängt voll, die pressetifche find dicht beseht. Die Angeklagten sihen neben ihren Verteidigern: die Plähe hinter der Angeklaglenbarriere sind leer. Der ganze Raum vor dem Gericht ist ausgefüllt, nur ein ganz schmaler weg führt zum Zeugenlisch. Vor den drei An- k l ä g e r u, dem Oberstoalsanwoll Freiherr von Steinacker und den Staatsanwaltschaflsrälen Dr. Weißenberg und Dr. Jäger, liegen die zwölf Lände Anklageschrift. Zu beiden Seilen des Vorsitzenden, Amtsgerichlsrat Dr. Keßner, fitzen die Beisitzer und neben diesen die beiden Schöffen, ein Schneider und ein Arbeiter. Für jeden Fall nehmen an der Gerichtsverhandlung auch ein Ersahbeisiher nnd zwei Ersahschösfen teil. Anwesend sind u. a. Landgerichtspräsi- dent Bernau. Amtsgerichtspräsident Dransfeld und Generalstaats- anmalt Wilde. Unter den l6 Verteidigern wären u. a. zu nennen: Dr. Julius ZNaier, pindar, Ribell, Puppe, Bahn. Werthauer, Hildebrandt. Landsberg, Oborniker. Der namentliche Aufruf der Angeklagten ergibt die A b w e s e n- h e i t des Angeklagten Max Eklarek. R.-A. Julius Maier teilt dem Gericht mit, daß Max Sklarek krank da- n i e d e r l i e g t und er verliest ein seitenlanges ärztliches Attest des Profestors von der Velden, das darin gipfelt, daß Max Sklarek an einer Schrumpfniere und einer Herzkrankheit leide und fein Zu- stand derart drohend fei, daß nicht nur ein Erscheinen vor Gericht ausgeschlossen erscheine, sondern auch eine Vernehmung am Kranken- bett. Ein zweites ärztliches Attest bestätigt den Inhalt des ersten. R.-A. Dr. Julius Maier teilt weiter mit, daß dem Angeklagten Max Sklarek die letzte Zustellung des Gerichts nicht mehr eingehändigt werden konnte, da er nicht in der Lage sei, sich zu orientieren. Sollte sich das Gericht, fährt der Verteidiger fort, für zuständig erklären, so beantrage ich, das Verfahren gegen Max Sklarek abzu- trennen. Die Verteidigung von Willi und Leo Sklarek ist jedoch der Ansicht, daß das Gericht sich auf kurze Zeit vertagen sollte, um die Entscheidung des Reichstags betreffs der Notverordnung ab- warten zu können. R.-A. Dr. P i n d a r begründet den Antrag seines Mitver- teidigers noch ausführlicher als dieser. Er ist der Ansicht, daß die Notverordnung einen Verfastungsbruch darstelle. Im übrigen be- greife er auch nicht, weshalb die Staatsanwaltschaft es gerade in diesem Falle für notwendig befunden habe, von dem fj 19 der Notoerordnung über die Ersparnisse bei der Rechtspflege Gebrauch zu machen, während es ja von ihr abhänge, die Sache Sklarek, für die bereits der Termin anberaumt war, beim Schöffengericht zu be- lasten. Der Artikel 48 der Reichsverfassung ermächtigt den Reichs- Präsidenten nur, in den Fällen an Stelle des Reichstages Gesetze zu erlassen, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet erscheine. Es fei nicht einzusehen, inwiefern eine Gefährdung der Sicherheit und Ordnung eintreten würde, wenn im Falle Sklarek das Schöffengericht abzuurteilen hätte. Dieser Gruppe von Verteidigern treten R.-A. Dr. Bahn und Dr. Puppe entgegen. Sie sind beide der Ansicht, daß die Not- Verordnung in keiner Weise einen Verfastungsbruch darstellt. R.-A. Bahn sagt ungefähr folgendes: Ich widerspreche dem Antrag meiner Mitverteidiger. Der angeklagte Direktor hosfmänn wünscht, daß die Verhandlungen so schnell wie möglich durchgeführt werden. R.-A. Dr. Puppe fügte hinzu, daß es nicht einzusehen sei, weshalb gerade auf dem Gebiet der Rechtspflege aus Ersparnis- gründen keine Notverordnung erlassen werden sollte, wenn dies auf allen anderen Gebieten geschehe. Man laufe ja Gefahr, daß eines Tages die Rechtspflege wegen Mangel an Mitteln überhaupt still- gelegt werden konnte. Er beruft sich auf die neueste Nummer der Juristischen Wochenschrift, die trotz vieler Artikel, die sich mit der Notverordnung beschäftigen, nirgends von deren Ungültigkeit sprechen. R.-A. Puppe beantragt außerdem die Nachprüfung des von einem Privatarzte ausgestellten und bezahlten Attestes über den Gesundheitszustand des Angeklagten Max Sklarek durch einen objektiven Gerichtsarzt. R.-A. Otto Landsberg schließt sich keinem der gestellten Anträge an, will aber dem Gericht die juristische Uebcrlegung zur Hand geben, daß nämlich im Falle der Aufhebung der Notver- ordnung dies mit rückwirkender Kraft geschehen würde und auf diese Weise alles, was in diesem Prozeß geschehen würde, für ungültig zu erklären sein werde. Unter solchen Umständen wäre es vielleicht doch richtiger, die Verhandlung auszusetzen, allein schon, um die unnötigen und ungeheuren Kosten einer zweiten Verhandlung zu sparen. Justizrot R.-A. Dr. Werthauer widerspricht einer Aus- setzimg der Verhandlung. Oberstaatsanwalt Dr. Steinacker nimmt schließlich zu den Anträgen der Verteidigung Stellung. Er führt u. a. aus: Die Verteidiger haben ein falsches Forum gewählt. Ihre Ausführungen gehören vor den Reichstag, nicht vor die Strafkammer. Was das Nichterscheinen des Angeklagten Sklarek betrifft, so sind wir darauf gefaßt gewesen, obgleich er bei seiner Haftenllassung, die trotz Widerstreben der Staatsanwaltschaft erfolgte, sein Erscheinen in der Gerichtsverhandlung in Aussicht gestellt hatte. Ich widerspreche der Abtrennung des VersalTrens gegen ihn und beantrage, ihn durch einen gerichtlichen Arzt untersuchen zu lassen. Sollte er als nicht verhandlungsfähig befunden werden, so würde immer noch Zeit fein, das Verfahren gegen ihn abzutrennen. Das Gericht hat nur zu prüfen, ob das Gesetz ordnungsmäßig verkündet und ob es gültig ist. Beides ist hier der Fall. Ich protestiere mit aller Eni- schiedenheit gegen die Behauptung, daß es sich um ein Ausnahme- gericht handele. Ich nehme an, daß jeder der Richter es ablehnen würde, an einem Ausnahmegericht teilzunehmen: ich würde es jedenfalls für meinen Teil tun. Es kann uns ganz gleichgültig sein, wie der Reichstag entscheiden wird. Der Gerichtssaal hat nichts mit Politik zu tun, wir haben uns mit dem bestehenden Gesetz abzufinden. Die Verteidigung der Gebrüder Sklarek wider- spricht dem Staatsanwalt. Dr. Julius Maier bittet, von einer neuen Untersuchung des Angeklagten Max Sklarek abzusehen, er sei ein Sterbender und dürfte dies« Verhandlung nicht mehr überleben. -Ablehnung des Verteidigerantrages. Roch kurzer Beratung verkündet Amtsgerichlsrat Keßner folgenden Beschluß: Der Antrag der Verteidigung aus Aussetzung der verfpndlung wird abgelehnt: das Gericht ist zur Entscheidung berufen und ordnungsmäßig beseht. Der Angeklagte Max Sklarek soll durch den Gerichtsarzt Dr. Marenhold untersucht werden. v. Das Nachspiel. Die deutschen Reeder betrachten die streikenden Seeleute auf ihren in russischen Häsen liegenden Schiffe als Meuterer. Die Streikenden wurden fristlos entlasten, Strafantrag gegen sie gestellt und die Zahlungen an ihre Angehörigen gesperrt. Ob der Plan der Reeder, Schisse mit arbeitswilligen Seeleuten nach Rußland zu schicken, um die Arbeit auf den dort bestreikten deutschen Schissen wieder aufzunehmen, Erfolg verspricht, steht dahin. Abschlüsse nach sowjetrussischcn Häfen sollen vorläufig unter- bleiben. Die in den russischen Häfen streikenden Seeleute haben sich jedenfalls in eine recht üble Situation hineinbringen lasten. Sie wurden belogen, indem ihnen erzählt wurde, in Deutschland seien die Seeleute und Hafenarbeiter in einen allgemeinen Streik eingetreten. Kreigewerkschastlicher Wahlersolg. Vetriebsratswahl bei Ambi-Budd. Im Ambi-Budd-Preßwerk, Berlin-Iohannis» t a l stand seit 1929 nur eine srcigewcrtschaftliche Liste zur Betriebs- ratswahl. Bei der jüngsten Wahl am 9. und 19. Oktober hielt d i e KPD. den Betrieb für„sturmreis" und suchte durch Flugblätter, Zellenarbeit und Versammlungen einen besonderen Erfolg zu erzielen. Auch die Nazis strengten sich an. Die Aussichten für die„Opposition" waren insofern günstig, als die Belegschaft mit der Firma in recht gespannten Beziehungen steht, weil die Firma den Lohntarif gekündigt hat. Die„Rote Einheitsliste" brachte es aus ein Mandat im Betriebsrat, die Nazis sielen ganz ab und di« freien Gewerkschaften bekamen zehn Mandate. Im Arbeiterrat haben die Gewerkschaften neun Sitze, die NGO. einen. Die Nazis brachten es auf 24 Stimmen. Im Angestelltenrat dagegen, für den die KPD. keine Lifte aufgestellt, sondern den Nazis die Opposition überlasten hatte, bekamen die Nazis zwei Mandate gegen fünf frei- gewerkschaftliche Mandate. Die Wahl hat erneut gezeigt, daß die große Mehrzahl der Belegschaft freigewerkschaftlich eingestellt ist und die Zersplitterungsversuche von rechts und links ablehnt. Gegen die Spalter! Di« Fraktionsverfammlung des Arbeitsamts Nordost nahm am 19. Oktober, nach reiflicher Aussprache,« i n st i m m i g folgende Entschließung an: „Die anscheinend seit längerer Zeit vorbereitete und nunmehr durchgeführte Spaltung und Gründung der SAP. unter Führung der früheren Genossen Seydewitz und Rosenfeld wird von uns grund- sätzlich auf das entschiedenste verurteilt. Nach wie vor erblicken wir in der Einheit der Partei das sicherste Mittel, dem nunmehr einsetzenden Ansturm der gesamten Reaktion gegen die Arbeiterschaft am besten und sichersten zu begegnen." Eine ähnliche Entschließung, di« in ihrem Inhalt zu derselben Erkenntnis kommt, wurde auch am 7. Ottober in der SPD.-Fraktion des Eisenbahn-Ausbefserungswerks Grunewald einstimmig angenommen. BerantworN. für die Redaktion: Rich. L ernste,», Berlin: Änzeiaen: Zd. Siecke, Berlin. Verla»: Vorwärts Verla» G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärt» Buch. druckerei und Berlaasanstalt Tau! Ein»kr& Co.. Berlin cffl 68, Lindenlirage 8. Sierju I Seiloae. PROGRAMM| fSLffi S WkM QP HU Hi H I PROGRAMM fOr die Zeit vom| nflREra, Hfi JB HR fflSI fflUHn UWA WWW ES| für die Zeit vom 13. bis 15. Okiober| U ÜnH mm g) Ms iSill DM| 13. bis 15. Okiober OIG Potsdamer Strafe 35 „Der Ball"(Kampfs Sehen einen BalD mit Dolly Haas, H'" Schänzel, Lade Mannheim W. 5, 7, 9 Uhr. Rhcinstrolje 14 KÄch«) „Ihre Majesllt die Liebe" mit KUhe von Nagy, Franz Lederer W. S, 7, 9 Uhr. OdcOD; Potsdamer Str. 75 4 lustige Taget Siegfried Arno tn „Der Storch slrclld" mit Unnla Grabley- W. 5. 7. 9 Uhr.— Fü Jugendliche freigegeben! - � Turm strafe 12 Renale Mailer in«»Der kleine Seiiensprang« mit Hermann Thimlg Hans brause weiter W. 5, 7. 9 Uhr. Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Max Adalbert in„Die Schlacht von Bademünde" mit Clalre Rommer AuBerdem:„Ufa— Ton— Kabarett Nr. 3." Den ganzen Tag geöffnet! « M Artushof ifc särÄS: Perleberger Str. 29 Tonlustspiel. Wenn die Soldaten mit Charlotte Ander, Ernst Vcrebes— Tonbeiprogramm � Priedrichstadt"H Die Kamera lÄm Täglich 3. 5, 7, 9 Uhr Chikago-Film: Weltstadt in Flege)|ahren— Unierwelt mit George bancroft Franziskaner Äkrinv00?m, GeorgenstraBe(Ecke FriedrichstraBe) Das nene Italien— Doaaamonl (Die Hölle von Verdun) ■ Wa.tan M Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margarefenstr. Uraufführung!„Dienst ist Dienst" mit Lccte toglisch, Maly Dcischatt, R. A. Roberts. Filtz Scholz, Flitz Splra, Hugo Fisdier-Köppe Wochentags 5.1 ö, 7.15, 9.15 Uhr V17_14 Ig-C—_ W. 6.45 u. 9.00 U. W Cil-Aino Sonnt, ab 4.45 U Mt-Moabit 99 Toncrochenscfaao Trara om Liebe mit Felix Bressart, G. Alezander-- Tonbeiprogramm f"chariottenburg R Kant-Lichtspiele Kantstr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Brigitte Helm, Gustav Frflhlicfa in .Gloria" mit Fritz Kampers, Hugo Flseher-Köppc Germania-Palast Chariottenburg, Wilmersdorfer Str. 53/54 Woch. 5. 7, 9 Uhr, Sonnt 3, 5, 7. 9 Uhr Er nnd sein Diener mit Oskar Sabo, Else Reval, Paul Henkels Schlüter-Theater°�.9u. Schlüterstr. 17 Sonnt 3 U. Jgd.-Vorst Arme kleine Eya mit Grete Mosheim— Der blaoc Expreß Atrium Bcba-Palasl Kaiserallee, Ecke Berliner StraBe W 7 u. 9.15 Uhr S. 5. 7. 9.15 Uhr Tonfilm-Uraufführung: Weekend Im Paradies mit Otto Wallbarg, Cllre Rommer, Julius Falkensteln, Else Elster— Regie Robert Land— Tonfilmbeiprogramm g SehaneberB""fc Titania Sdionebg. MA Hauptstraße 49 Sonntags 2. S. 7.9 Uhr Großtonfilm: Domben ank Monte Carlo mit Hans Albcrs, Anna Stcn — Tonbeiprogramm > Friedenau""fc Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 55 Wochentags 7, 9 Uhr Sonnab., Stg. ab 5 Uhr Tonoperette: Solang' nod> ein Walzer von Strauß erklingt mit Maria Fand ler. Fröhlich— Beiprogramm— Jugendliche haben Zutritt W steainz> Titania-Palast �g-twa�u Steglitz. SchloBstr. S. Ecke Gutsmuthsstr Tonfilm-Uraufführung: 14 Standen ans dem Leben einer Fran mit Henny Porten, Walter RiUa, Friedrich Kaysler, Marge Lion- Tonbeipr. U Zehleweiorf-Mltt«> 7a.|i Beginn täglich *'C11 5, 7. 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: Jugendv. mitLiane Haid, Szöke Szakall. Schulz: Meine Kusine aus Warschau. Mariendorf f{ Marlendorfer Wochentg. -* s-cF Tonticbisplelc 6Vi, 9 Uhr Chausseestr. 305 So. ab 5 U. Um eine NasenlSnge mit Siegfried Arno- Tonfilmbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt > TniwaeltroF> Kltrftll-C* Täglich 5, 7. 9 Uhr nuriursi Sonnt3U.:Jugd" DorfstraBe 22, Ecke Berliner Straße Der Raub der Mona Lisa mit Willy Forst, Trade ▼. Molo— Tonbeipr, Tivoli Stgs. 3Uhr: Jugendvorsteii. 11VOU Berliner Str. 9? Tägl. 5. 7. 9 U. Stgs. 3, S. 7. 9 Uhr Großtonfilm: Bomben auf Monte Carlo mit Haas Albers, Anna Sien Tonbeiprogramm Mercedes- Palast Hermannstr. 212. Woch. ft'.i, 9, Stg. ab 3 100 proz Tonfilm: Der Herr Finanzdirektor mit Max Adalbert Beiprogramm- BAhnenschan Primus-Palast �nntÄ Am Hermannplatz, Urbansir. 72/76 Opernredoole m Liane Haid, Georg Alexander— Beipr.- BOhnenschaa SOdan Th. am Moritzplatz Bcg. Wo. 5. 7, 9. Stgs. ab 4.30 Uhr Um eine NasenlJtage mit Siegfried Arno, Elga Brink— Grones Ton beiprogramm ■«Wo»t.n» Luisen-Theater Reichenbergcr Str. 34 Meine Kusine ans Warschan(Helden- ritt im wilden Westen) mit Liane Haid, Schulz, Szöke Szakall Stella-Palast Köpenicker StraBe 12—14 Wochtgs. ab 6V: U, Sonntags ab 3 U. Der große Tonfilm: Bomben anf Monte Carlo mit Hans Albers. Anna Stcn Auf der Bühne; Dollyaoffs Jazzrevnc(20 Mitwirk.) (Culeiile Wochenu 6.45, 9 U. IkUKUB Sonnt. 3. 5. 7, 9 U. Koltbusser Damm 92 Bomben anf Monte Carlo mit Hans Albers— Tonbeiprogramm T- Y a- a- 1 er rxy- Wochent. 6.45, 9 U. taA-CClblOr Sonnt. 5, 7, 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Um eine Nascnllnge mit Siegfried Arno— Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt Stern, Hermannstratje 49 Wochent« 6,45, 9 Uhr, Sonnt 3, 5. 7. 9 Uhr Bomben anf Monte Carlo mit Hans Albers— Tonbeiprogramm Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. ab 5. So. ab 3 Uhr Die Fran, von der man»prlrbt mit Mady Christians, Sltlve Tonbeiprogramm Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I W. 5J0. Stg. ab 3 30 U. 100 proz.Tonfilm: Elisabeth v. Oesterreich mit LH Oagover— Rosemarie, 6 sensationelle Akte Neue Philharmonie Köpenicker Str 96. Harold halt dich fest mit Harold Lloyd— Belprogr,— BOhnensehan Jugendliche haben Zutritt Pilmr-cle- Wochent. ab 6>b U. 1 milCk-K Sonntags ab 3 Uhr, Am Görlitzer Bahnhof E. A. Duponts atemberaubender Zirkustonfilm: Salto mortale Beiprogramm— Gr. Varteiösihan W Baumschulnnwna"fc Lichtspielhaus �.eso.'u Baumschulcnstr. 78 Sonnt 2U: J.-V. .... nnd das Ist die Hauptsache mit H. Licdtke, N. Gregor Grones Beiprogramm Treptow- Sternwarte Donnerstag, 8 Uhr: Die.Bremen', die Königin der Meere. Filmvortrag von Kapitän Gottfried Speckmann Nordoste«« s-Elysium" aÄ"" Wo. 5.15, 7.00. 9 15. So. 3.1S, 5, 7.1S, 9.15 U Foxtonwoche; Gloria(Liebe und Weltrekord) mit Brigitte Heim, G. Fröhlich— POhncimhan Flora-Lichtsp. aÄ�? Tägl. 6V-. 8!,«, Sonnab. 5, 7, 9, Stg. 3,5,7,9 Solang' noch ein Walzer von Straub erklingt.,.- Die Goldmine von Santa Paxl mit Tom Mix Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Woch. 6.30, Sonnab. S, Sonntags 3 Uhr Nor J Taget— E. A. Duponts größtes Meisterwerk seit Atlantik: Salto mortale mit Anna Sien, Walborg, Knri Gerron— Belprogr.— BChnenscfa. Luna-PalastÄÄ Große Frankfurter Str. 121 Tonfilm; Bomben auf Monte Carlo mit Hans Albers, Anna Sften, Rfih- ir.ann— Bühne: Richard Schwarz, Stegreifdichter Schwarzer Adler Xu"« Woch. 5, 7, 9, Stg. 3, 5, 7, 9 U Tonlustspiel: Wenn die Soldaten mit Ander, Verebes— Ein Ko�, oder ich sterbe— Tonwoche V iktori a-Theater Frankfurter Allee 48 W.5, So. 3 Uhr Die Scbladit von Bademtlndc mit Max Adalbert— Gr. Beiprogramm Babylon, am Bülowplalz Wochemags 5, 7, 9.10, Sonnt ab 3 Uhr Menseben hinler Gittern mit Hcinr. George, Dila Parlo Bühne: Donnerstag; Der Herr Finanzdlrekior H M%u- lichte n borg Kosmos-Lichtspiele LOcksrraBe 70 W. 5. 7. 9, S 3, 5, 7. 9 U. HelmalkUiage(Ein Roman zweier Menschen) mit Maria Solveg— Ton- belprogr,— Ton*.— BOHnensdiaii Weiacnsee Hflrmrtnif- Wochent 7 a. 9U narmunie Sonnt. s. 7 u. 9 U. Langhansstr, 23 Der Welt erfolg: Manie Carlo mit Jeanette Macdonald— Regie: Ernst Lubllseb— Beiprogramm L FrtgsfrtchsFnlel« W Kino Busch BegiÄVr Alt-Friedrichsfelde j 100 proz. Tonfilm. Die Fran, von der man spricht mit Mady Christians, Stüwc Großes Beiprogramm NO! rdm AlViAmhrA Müllerstraße 136, /�moiIlLDra Ecke Seestraße Wochent 5, 7, 9 U., Sonnt. 3, 5. 7, 9 U Der Raab der Mona Llesa mit Willy Forst— Tonbeiprogramm Jugendliche Zutritt Pharus-Lichtspiclc Müllerstr. 142 W.5,7,9U.. Stg. 3.5.7. 9U. Tonlustspiel: Kyrltz- Pyrlfz(Die fidele San ger f ahv t) m i t Max Adalbert Tonbeiprogramm Pankow 3 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9. Stg. 5, 7. 9 U. GroBtonfilm; Bomben auf Monte Carlo mit Hans Albcrs, Anna Sten Tonbeiprogramm TäxrrsH Wochent 7. 9 Uhr, 11VUU Sonnt 5, 7. 9 Uhr. Berliner StraBe 27 Gr. BObnenubau Die Binmenfraa von Lindenau mit Renate Müller, Hansi Niese Beiprogramm Bahn Straß Filmpalast Tegel Wochent. o. Sonnt 4____ 100 pror. Tonfilm: Oer iazskönlg mit Paol Whitemonn- Gnies Tonbeiprogramm Filmpalast s,8. Berliner Straße 59 100 proz Tonfilm: Die Linden wirtln mit Küthe Dorsch. H. H. Bollmsnn Grobes Beiprogramm föellage Dienstag, 13. Oktober 1931 Dfrfflwntl Sttälauigaßa J&t(�iwo/d Wrich SEmngli SBu feinem vier hunderS fien Todestag/ Ton Jiernmnn Wendel Zürich, 11. Oktober. Unter großer Anteilnahme aus allen Kreisen der Bedölkerung fanden am Sonnabend und Sonntag Gedächtnisfeiern zur Erinnc- rung an die IM. Wiederkehr des Todestages des großen Schweizer Reformators Huldreich Zwinali statt. Im Züricher Stadttheatcr kam am Sonntag das Schauspiel„Huldreich Zwingli" von?cr- noulli zur Ausführung. Äls am 11. Oktober 1S31 bei Kappel die Aufgebote der reformierten Züricher und der fünf katholischen Orte: Luzern, Schwyz, Uri, Unterwalden und Zug aneinandergerieten, ritt, ge- maffnet und gewappnet unter den„bidcrben Leuten" der Limmat* stadt auch der Gottesmann Ulrich Zwingli. Und als das Treffen bei sinkender Nacht zuungunsten der Züricher entschieden war, lag auf der Walstatt unter den fünfundzwanzig Geistlichen, die die„reine Lehre" mit ihrem Leben bezahlt hatten, auch von mehreren Wunden gefällt, der Gottesmann Ulrich Zwingli. Dem Leichnam noch widerfuhr Schande, denn auf Geheifch und Geheiß des katholischen Kriegsvolks wurde er vom Henker gevierteilt und mit Unrat zusammen verbrannt. Ein anderer Gottesmann ober, Martinus Luther, frohlockte, als die Kunde zu ihm drang: feit langem sah er in dem Schweizer nur einen Widersacher, der, durch Satanas verblendet, vom christlichen Glauben abgefallen war, und hatte sich von ihm und feinen Anhängern erst unlängst er- grimmt abgekehrt:„Sie haben einen anderen Geist als wir!" Jlnfänge Obwohl auch Zwingli, am 1. Januar 1484 als Bauernkind in dem Gebirgsdors Wildhus geboren, von jung an die Gottes- gelahrtheit mit Löffeln gegessen hatte, kam er als Reformator geistig doch aus einer anderen Welt als der Augustinermönch Luther mit seinen Selbstpeinigungen und Klosterkasteiungen. In Basel und Wien saß der junge Kandidat der Theologie zu Füßen bedeutender Humanisten, und der Humanismus, diese an den Brüsten der Antike genährte zugleich lebensfreudige und zweifelsüchtige Philosophie der aufblühenden Städtekultur, erfüllte auch seine Seele, als er erst in Glarus, dann in Maria Einsiedeln das Pfarramt be- kleidete: ein sinnenfrohcr Mensch, Freund der Musik und heiterer Geselligkeit,„sin angsicht srüntlich und rotfarb," verschmähte der Verehrer des Erasmus von Rotterdam es nicht, trotz des Zölibats gelegentlich bei den Töchtern des Landes zu liegen. 1S19 zum Leutpriefter von Zürich gewählt, hatte er auch nicht wie Luther bittere Herzenskämpfe durchzufechten, als ihn der Wind der großen Los-von-Rom-Bewegung ergriff und vorwärts- trieb, und auch die äußeren Boraussetzungen für die Abschllttelung der päpstlichen Herrschaften waren in seinem Wirkungskreis so gegeben, daß sich die Reformation fast ohne Hemmung vollzog. Bis ISZS war so ziemlich alles verschwunden, was im Kult noch an den Katholizismus, erinnerte: vor allem übertünchte Zwinglis Gebot die zu den Sinnen sprechende Ueppigkeit und Farbigkeit des römischen Gottesdienstes: die langwellige Nüchtern- heit evangelischer Kirchenwände ist nicht zuletzt fein Erbteil. Aber wenn der Züricher den Einfluß des Wittenbergers leugnete,„denn ich die leer Christi nit vom Luter gelernt Hab, sunder us dem selbst- wort gottes," so ist auch des einen und des andern Meinung über Erbsünde und Fegseuer, Ablaß und Eid, Mesie und Beichte nur für Theologieprofessoren ein Quell der Erkenntnis, und selbst der be- rühmte Streit um die Auslegung des Abendmahls— der ein«: das i st mein Fleisch und Blut, der andere: das bedeutet mein Fleisch und Blut— fesselt uns nicht mehr als die Haarspalterei mittelalterlicher Kirchenväter, ob in der Schöpfung zuerst die Henne oder das Ei dagewesen sei. Itringlis seHgefdiichlliche Stellung Di« zeitgeschichtliche Ste�Dig des Schweizer Neuerers wird durch andere Maßstäbe festgestellt. Wenn Hegel einmal als wirt- schaftlichen Inhalt der Reformation angibt:„Die Industrie, die Gewerbe sind nunmehr sittlich geworden, und die Hindernisie sind verschwunden, die ihnen von feiten der Kirche entgegengesetzt wurden", so drückte Zwingli als wohlgemuter Vorkämpfer der bürgerlichen Eigentumsordnung und Geist es- Haltung Luther bei weitem an die Wand. Sein Werk wurzelte im Boden Zürichs, das nicht nur„der vorderste und oberste Ort in der Eidgenossenschaft", sondern auch ein blühendes bllrger- liches Gemeinwesen von steigendem Wohlstand war: seine Lehre entsprach den Bedürfnissen Zürichs, das, handwerklich belebt und bald dem Großhandel erschlossen, längst die Naturalwirtschaft durch die Gcldwirtschast überwunden hatt. Freilich klangen Begriffe wie Gewerbe und Geldwirtschaft für das Gottesreich als böse Fremd- worte, aber durch geschickten Kompromiß wußte sich Zwingli zu helfen. Das. Reich der„göttlichen Gerechtigkeit", für dessen ideale Forderungen die Menschen im Durchschnitt zu sündig seien, grenzte er scharf ab gegen das Reich der„elenden menschlichen Gerechtig- keit", mit dem man sich nun einmal abfinden müsse. Das Privat- e i g e n t u m etwa entsprach weder den Grundsätzen Christi, noch den Gepflogenheiten der urchristlichen Gemeinde: Privateigentum war auch nach Zwinglis Auffasiung„eine so große Sünde, daß uns Gott um ihretwillen verdammt", aber listig tat er zugleich dar, daß Gott auch die Gütergemeinschaft nicht gebiete:„So volgt tiuch, das eygentümb ist. obglych dasselb mit got nit ist". Was er in der überirdischen Theorie verwarf, bestätigte er für die irdische Praxis und stellte in den Mittelpunkt seiner Lehre die Lob- p r e i s u n g der werteschaffenden, gewinnbringenden bürger- lichen Arbeit. Das Nationalgewerbe der Eidgenossenschaft war damals insofern der Krieg, als sich die Schweizer massenhaft, die sogenannten„Reis- läufer", an fremde Herren verkauften, um in dichten Haufen, als erste geschlossen fechtende Infanterie der neueren Zeit, deren Schlachten zu schlagen. Aber das Geld, das derart ins Land floß. wurde nicht gewerblich angelegt, sondern verpraßt und verludert: überdies litt die Wirtschaft durch den Mangel an Arbeitskräften Schaden. Zum erheblichen Teil geschah es denn imNamendes bürgerlichen Gewerbcfleißes, wenn Zwingli feine reformatorische Tätigkell mit so heftigen Ausfällen gegen dos„Reis- laufen" und den Krieg im allgemeinen begann, daß sie noch heute eine Pazififtenbibcl schmücken könnten. Wieder war e? die Stimme des bürgerlichen Gewerbefleißes, die sich durch seinen Mund gegen die schmarotzende Faulheit der Mönche und Nonnen erhob: „Der Erdboden trägt keine unnützere Bürde als diese oerlarvten Mastschweine". Aus gleichen Gründen strich er die Fülle der Feier- tage auf ein Mindestmaß zusammen und gestattete an den ge- xingereu Festtagen die Arbell nach dem Kirchgang:„Ich find« nirgends, daß Müßiggang ein Gottesdienst sei." Ebenso ersetzte er die bedingungslose Almoscnausschüttung des Katholizismus, die ein Bettlerproletariat an den Kirchen- und Klostertoren großgezüchtet hatte, durch eine Art moderner Arbeitslosenunterstützung, die Armen- pflege beschränkend auf Bedürftige,„die sich gern mit ihrer Hände Arbeit ernähren möchten". Wenn endlich Luther der Welt der Naturalwirtschaft so verhaftet blieb, daß er nur den Ackerbau als gottgewollten Berus anerkannte und sich für das kanonische Zins- verbot erwärmte, dessen tieferer Sinn die Verhinderung der Geld- Wirtschaft war, so bezeugte Zwingli sein engeres Verhältnis zum aufkommenden Kapitalismus dadurch, daß er erklärte, Zinsen- nehmen sei zwar„wider Gott", aber da in dieser irdischen Welt niemand umsonst zu leihen pflege, solle und müsse, wer Geld gegen Zinsen aufgenommen habe, zahlen, falls er nicht als Betrüger in große Sünde auch vor Gott geraten wollte. Er blieb sich denn nur getreu, wenn er sowohl gegen die Wiedertäufer eiferte. die die Reformation bis zum urchriftlichsn Kommunismus weiter- treiben wollten, als auch gegen„die Begehrlichkeit und Unbotmäßigkeit" der Bauern wetterte, die mit Berufung auf Gottes Wort die Entrichtung des Zehent weigerten. Jlnhänger und Qegner Nach wirtichaftlichen Gesichtspunkten schieden sich auch vielfach die Anhänger und Gegner Zwinglis. Die gewerblich entwickelten Städte und in ihnen wieder zumeist das kernfeste Bürgertum be- grüßten seine Lehre: die bäuerlich zurückgebliebenen Urkantone, deren Bewohner, Ackerer, Hirten und Jäger, an der Reisläuferei festhielten, sträubten sich gegen das neue Dogma, und wiederum waren die Züricher Metzger Anti-Zwinglianer, weil ihr Geschäftsverkehr sie an die katholischen Gebiete band. In Zürich aber herrschte die Reformation di«rch die Behörden, Kleinen und Großen Rat. Diele Stadtrcpublik schuf Zwingli zu einer starren Thcokratie, einem ausgesprochenen Kirchen st aat, um, der auf die viel- gerühmte Freiheit eines Christenmenschen pfiff und gegen Anders- denkende harten Gewissenszwang übte. Spiegelte sich in der Staatslehre Zwinglis, der in ganz anderem Maße ein poli- tischer Kopf war als L u t h e r, mit ihrer Verwerfung von Man- archie und Demokratie das halbaristokratische, patrizische Regiment Zürichs wider, so diente die Ausbreitung des Zwinglianismus zunächst der Machterweiterung der Stadt: ihr den Boden streitig zu machen, stand Luzern gegen sie als Führerin der fünf Orte auf. Aber Zwinglis Blick schweifte über die Grenzen der Eidgenossenschaft hinaus, die längst, seit Abschüttelung der Habsburgerherrschaft, ein unabhängiger Staatenbund war und vor kurzem, als das Herzogtum Mailand zu ihr in eine Vasallenstellung trat, sogar eigene Großmachtpolitik getrieben hatte. Allerdings schaute er nicht wie die Urkantone nach Süden, sondern nach Norden, wo sich die entwickelten Städte Oberdcutschlands der Schweiz als dem Hort politischer Freiheit zuzuwenden begonnen und, wie Ulm, Konstanz. Lindau, Mcmmingen, auch Augsburg, auch Strahburg, der Lehre Zwinglis Tore und Herzen öffneten. Träumte er, der wieder die Tyrannen manch kräftig Sprüchlein gewagt hatte, von dem Beruf der Eidgenossenschaft, in ganz Mittel- europa die Fllrstenhcrrschaft zu fällen, so erregte sein Plan: Zu- sammenfassung des gesamten Protestantismus zu einer politischen Macht gegen Kaiser und Papst die Aufmerksamkeit des Landgrafen Philipp von Hessen, der mit ähnlichen Entwürfen schwanger ging. Auf Philipps Be- treiben kam es, weit mehr aus machtpolitischen als aus Glaubens- gründen, 1S2S zu dem Marburger Rcligionsgespräch, bei dem Luther starrsinnig die dargebotene Hand Zwinglis von sich stieß. Daß sich aber der Stadtstaat Zürich mit Drum und Dran zu schwach zeigte, die weitgreifende Politik Zwinglis zu tragen, bewies die Katastrophe von Kappel mit ihren Folgen, die mehr als ein Zufall war. Das Werk Zwinglis schrumpfte nach seinem Tode rasch ein, aber aus seinem Wesen schöpfte etwas später Calvin als Vorkämpfer einer Reformationsbcwegung, die, auch von der Schweiz ausgehend, weit gewaltigere weltgeschichtliche Bedeutung erlangen sollte als der Zwinglianismus. 3£ier ruht das Staatsgeheimnis! tBefuch im tPreufHjchen Geheimen Staatsarchiv Im stillen Dahlem draußen erhebt sich zwischen den Stationen Podbielskiallee und Dahlem-Dorf neben de» Gleisen der Unter- grundbahn ein kolossaler Bau. der durch seine Größe und isolierte Loge ausfällt: das Preußische Geheime Staatsarchiv. Vom tiefgebauten Keller bis hoch hinaus zum Doch im sechsten Stock ist das über viele Hunderte von Quadratmetern sich er- streckende Gebäude mit den politisch wie kulturhistorisch und weit- geschichtlich interessantesten Dokumenten, Urkunden und Akten aller Art aus Brandenburg-Preußens Geschichte angefüllt. Jahrhunderte alte, mit riesigen Petschaften besiegelt« Pergamente— an denen, wenn es sich um Staatsverträge handelt, noch die von langen goldenen oder silbernen Schnüren gehaltenen, massivmetallenen Siegelkapseln hängen,— lagern hier sicher verschlossen und über- sichtlich geordnet stets griffbereit. In wenigen Augenblicken kann sowohl das hier in Verwahrsam gehaltene allerälteste Schriftstück— eine den Johanniterorden be- treffende Urkunde aus dem Jahre 1160— als auch das geschichtlich bedeutsamste Dokument jüngster Vergangenheit— das von Preußen mit dem Papst geschlossene Konkordat— zur Hand sein. Dieser in einem besonderen Behältnis aufbewahrte Staats- und Kirchenvertrag wirkt in seiner prachtvollen Aufmachung wie jene nur noch in kostbaren Bibliotheken anzutreffenden künst- lerischen Erzeugnisse einer längstoergangenen Buchdruckerkunst: Ein Buch von mäßigem Umfang ist es in einen wie helle Seide wirken- den Stoff gebunden. Auf starkem Papier von selten schöner Qualität stehen gedruckt die Vertragsbestimmungen: die linke Hälfte des Blattes trägt den lateinischen, die rechte den deutschen Text. Wie an allen römischen Urkunden hängt auch an diesem Konkordat das uralte päpstliche Siegel,— das zu dem sonst bei vatikanischen Hoheitszeichen und anderen Bekundungen päpstlicher Souveränität geübten feierlichen Pomp in einem seltsamen Kontrast steht: Es ist nur ein einfaches graues Bleisiegcl von der Größe eines Fünfmarkstllckes: auf der einen Seite sind in erhabenem Druck die Figuren der beiden Heiligen Peter und Paul, und auf der anderen liest Man den Namenszug des Papstes: Pius Paper. Seit urewigen Zeiten schon tragen alle päpstlichen Dokumente das gleiche Siegel. Oft auch liegt den vatikanischen Verträgen, von denen im Archiv sehr viele sich befinden, der römische Urtext bei: Ein pergamentenes, mit einer sonderbar krausen Mönchstanzleischrift beschriebenes Dokument, das in mühseliger stundenlanger Arbeit nur der entziffern kann, der diese verschollene klösterliche Kalli- graphie kennt. Uebertroffen in ihrer„buchkünstlerischen Aufmachung" werden die päpstlichen Verträge nur noch von denen des alten Ruß- l a n d: das Gold und Silber der Schnüre wirkt hier geradezu auf- dringlich, die Siegelkapseln sind so groß wie Suppenteller, man sieht, daß hier ein auf überwältigende Wirkung zielender byzan- tinischer Geschmack am Werke war. Wie schmucklos dagegen nehmen sich unsere eigenen, oft nur in simpler Maschinenschrift gefertigten oder mit gewöhnlicher Type auf gewöhnlichem Aktenpapier gedruckten Länderverträge und Gesetze aus! Da ist eins so anspruchslos und einfach gefertigt wie das andere und niemand sieht diesen Schriftstücken, deren Text oftmals noch eilig korrigiert ist und deren Unterschriften nur mit einem alltäglichen blauen Amtsstempel aus Gummi gesiegelt sind, an, daß sie bedeutende politische Umwälzungen zur Folge hatten, die das Schicksal unseres Volkes auf Jahrzehnte hinaus entscheidend beeinflussen werden. Ein Dokument gleich dem anderen, einerlei, ob es sich da nun um ein Steuergesctz oder um die finanzrechtliche Auseinandersetzung des neuen republikanischen Preußens mit der' alten, abgedankten Monarchie des Landes handelt. Vor dem unter Glas gehaltenen, im achtundoierziger Jahr in Frankfurt gefertigten ersten Entwurf des deutschen Reichs- grundgesetzes stehen wir mit einer gewissen Ehrfurcht. Auf vergilbtem Papier lesen wir da in kleiner, zierlich gezirkelter Schrift diese einleitenden Worte:„Da noch der Erfahrung eines ganzen Menschenolters der Mangel an Einheit in dem deutschen Staats- leben innere Zerrüttung und Herabwürdigung der Volkssreiheit, gepaart mit Ohnmacht nach außenhin. über die deutsche Nation ge- bracht hat, so soll nunmehr an die Stelle des bisherigen deutschen Bundes eine auf Nationaleinheit gebaute Verfassung treten." Albrccht, Uhland, Petri, Gagern, Zachariac und andere Achtundvierziger haben dieses tragisch berührende, bis heute hin noch unerfüllt gebliebene Schriftstück, das damals schon den alten Traum von deutscher Einheit verwirklichen wollte,„Am 1. Ostertag 1848" unterzeichnet. Die aus Preußens jüngster geschichtlicher Vergangenheit, aus den Tagen der Revolution stammenden Dokumente liegen noch in den emzelnen Staats- und Rcichsbehördcn, sobald sie archivreis sind, werden auch sie hierher überführt werden. Die Uebersührung der Akten von den Behörden zum Archiv geschieht gemeinhin alle zehn Jahre'.' An solchen' Tagen stauen sich m den in der Um- gebung des Archivs gelegenen stillen Dahlemer Straßen riesige Möbelwagen in einer Anzahl, daß man meinen könnte, eine ganz« Stadt wolle umziehen. Doch gibt es unter all sen tausend hochnotpolitischen Doku- mentenschätzen auch K u r i o s a. die uns heute heiter stimmen und amüsiert lächeln lassen. Da ist zum Beispiel der Bericht eines Polizeikommissars über einen Frauen Vortrag, den L i l y Braun am S. November 1906„vor 600 Personen, meist Frauen und Mädchen", in der Gesellschaft der Freunde in der Potsdamer Straße unter dem Titel„Die Frauenfrage— ein Kulturproblem" abhielt. Frauen nämlich, die damals in öffentlicher Wer- sammlung etwas zu sagen hatten, galten als„umstürzlerisch" und wurden bespitzelt!„Die p. Braun schilderte..." beginnt der pedantisch kalligraphierte Bericht. Gleich nebenan liegt das Aufnahmegesuch, das der Vater des Reichspräsidenten von Hindenburg zum Eintritt seines Sohnes in die Kadettenanstalt schrieb. Und in dessen Nachbarschaft liegt in der Vitrine der Friedensvertrag zu Tilsit: Ein dickes Buch! In der Mitte des kostbaren Buchdeckels prangt golden das napoleonische N, die vier Ecken zieren die kaiserlichen Adler. Pompöse Siegelschnüre und Kapsel: In die Tausende geht die Zahl bedeutsamer Dokumente in die vielen Millionen aber die Zahl der einfachen Akten der preußischen Staats- und Länderbehörden, der Provinzialämter und Heeres- kanzleien, die, soweit sie wichtig sind, sämtlich hier aufbewahrt werden. Außerdem sind hier auch die Zentralaktenarchive des ehemaligen Königreichs Westfalen und, als Neu- schöpfung, diejenigen der Grenzmark Posen-West- preußen. Alles dies lagert in den unabsehbar und endlos gedehnten Magazinen auf besonders konstruierten Stellagen, deren bauliche Eigenart man erst entdeckt, wenn man darauf hingewiesen wird. Wären diese Zentnerlosten von Akten nämlich so gelagert. wie man Akten gewöhnlich aufzubewahren pflegt, würde das Ge- bäude unter diesen riesigen Papierlasten einfach zusammenbrechen. So ist man auf eine originelle Konstruktion verfallen: In die Fundamente gemauert sind mächtig starke E i st e n st r e b e n, die bis unmittelbar unter das Dach hinaufführen: in den einzelnen Stockwerken sind diese Streben mit übereinanderliegenden Eisen- zinken versehen, auf denen die Aktenbretter ruhen. Die Akten also wirken nun mit ihrer Last nicht auf den Fußboden und die Dielen, sondern direkt auf die eisernen Zinken und Träger, deren Sockel tief in die Erde gerammt sind Was den Titel„Geheimes" Archiv anbetrifft, so ist er ge- wissermahen nur ein Ehrentitet, denn es liegt nämlich für den, der da politische, geschichtliche oder genealogische Forschungen treiben will, auf Anforderung fast alles offen da. Aehnlich wie im Lese- saal einer Bibliochek bekommt im Äenutzersaal des Archivs jeder- mann die Akten zur Einsichtnahme, die er wünscht. Gewisse Aus- nahmen bestehen nur bei bestimmten, unter Verschluß gehaltenen Dokumenten und Urkunden, die bestimmungsgemäß nur auf be- sonderen Antrag zugänglich gemacht werden dürfen, doch übt man weitestgehende Toleranz In der Hauptsache freilich dient das Archiv dem Akten- und Dokumentenaustausch der Behörden unterein- ander: wie man aber statistisch ermittelt hat. nimmt die Zahl der privaten Besucher von Jahr zu Jahr zu, was auf ein inimer reger werdendes politisches und historisches Interesse unter der Beoölke- rung schließen läßt. Kurf IL KeuSmann, if Sharkey besiegt Camera Allerlei vom Boxsport Der seit Wochen mtl größler Spannung erwarlele Boxkampf zwischen Zack Sharkey und dem italienischen Riesen Primo C a r n e r a, der gestern abend in Rem Jork stattfand, endete nach Ablauf der lS Runden mit einem eindrucksvollen Punktsieg des Amerikaners. Sharkey eroberte sich mit diesem Siege nicht nur den von der New-'Iorker Boxkommission, die bekanntlich eine lokale Organisation ist, in heftiger Fehde mit den Länder kommissionen liegt und seinerzeit auch Schmeling den Weltmeistertitel nicht anerkennen wollte, ausgeschriebenen Titel eines amerikanischen Schwergewichts- Meisters, sondern er sicherte sich auch gleichzeitig das Anrecht auf einen neuen Weltmeisterschastskampf mit Max Schmeling, gegen den er bekanntlich im Vorjahre durch Disqualifikation wegen Tief- schlag verlor. Während der als Tiefschläger verschriene und des- halb nicht sehr populäre Bostoner einen seiner besten Kämpfe lieferte, enttäuschte Carnera, und nach dieser Niederlage muß wohl der Italiener alle Weltmeisterschaftshosfnungen wenigstens vorläufig begraben. Mehr als 40 000 Zuschauer umsäumten trotz bitterer Kälte den Ring im Ebbets Field-Stadion bei New Jork. Wie schon anze- kündigt, schifft sich Carnera am kommenden Freitag nach Europa ein, allerdings braucht er wohl nach dieser schweren Niederlage von Weltmeister Schmeling keine Antwort mehr auf seine großspreche- rische Herausforderung erwarten. UZ�-Aiimteurdoxen in Berlin Der deutsche Reichsoerband für Amateurboxen hat eine amerikanische Ländermannschaft zu einem Kampf nach Deutschland eingeladen, der am kommenden Montag im Berliner Sportpalast steigen wird Die Amerikaner haben am 8. Oktober ihre Heimat verlassen, und werden so zeitig hier eintreffen, daß sie ihr selbst auf dem Dampfer nicht unterbrochenes Training in Berlin fortsetzen können. Der deutschen repräsentativen Länder- Mannschaft steht nach der Meinung der Boxsachverständigen eine schwere Aufgabe bevor. -i- Im Spichernring werden am kommenden Freitag Hart- kopp und Hampocher den Hauptkampf bestreiten. Berpflichtet sind ferner Sabottke, der mit Heeser kämpfen wird, dann Harry Stein, der Kaletta-Gleiwitz zum Gegner bekommt und Paul Völkner, der erst kürzlich aus dem Amateurlager zum Profi übergegangen ist, dessen Gegner aber noch nicht feststeht. Kreismeisterscbatt im Ringen Tegel schlagt Luckenwalde In den Vorrunden Am Sonntag begannen die Sericnkämpfe der bundes- treuen Arbeiter-Ringer um die Kreismeisterschaft im Tegeler Strandfchloß gleich mit zwei Mannschaftstreffen. Die überaus harten und spannenden Treffen brachten einige Ueber- raschungen. Die Sportvereinigung„Tegel 1899" entsendet diesmal gleich zwei.�-Mannschaften in die Serienkämpfe und wird bestimmt am Schluß der Saison auf einem der ersten Plätze zu finden sein. Den Reigen der neuen Runde eröffnete die erste Mannschaft des Kraftfportoereins„Sparta" gegen die 2. Staffel der Tegeler; leider mußte dieses Team mit nur fünf Ringern an den Start gehen und unterlag im Gesamtergebnis knapp mit 13: IS Punkten gegen die Spartoner. Di« erste Runde fiel mit 8: 6 Punkten an die Gäste und die Wiederholung endete mit 7: 7 unentschieden. Mit größtem Interesse wurden die Kämpfe der beiden zur Zeit kämpf- stärksten Mannschaften von Luckenwalde und Tegel I verfolgt: zumal noch die erste Runde einen Punktgleichstand brachte. Der ehemalige Kreismeister Luckenwalde, der immer noch der schwerste Gegner im Kreis ist, hatte auch gegen die Tegeler ein Plus. Trotzdem trug die Berliner Mannschaft den Erfolg davon. � Die erste äußerst harte Runde endete 7: 7, in der zweiten holten die Tegeler ganz ge- waltig auf und der jugendliche Schwerste Hildebrandt erhöhte das Ergebnis mit einem zweiten Erfolg über Rodes auf 9: S Punkten, so daß im Klassement mit dem unerwartet hohen Punkt- vorsprang 16: 12 von Tegel überlegen gewonnen wurde. Sparta I gegen Tegel 17. Wegen Uebcrgewicht des Tegelers Ieflo gingen die Punkte an Pfrlifke-Slkbria! der Bantamgewichtler Kraske.Tegcl siegte Uber Echabe-Sparta in l.lg Min., die zweite Runde blieb ergebnislos. Riisite- Sparta bezwang den Federgewichtler Vatschontel-Tegel in 2,25 Min., in der Wtederholungsründe stellte P. den Gleichstand her. Mann und sinop, die beiden Sparta-Ringcr, wurde kaiupflos Sieger, dm Mittelgewicht besiegte Babbel-Tegel Hopp.Sparta in 9,U Min., zur zweiten Rund« trat H. nicht an. Der schwere Hildebrandt-Tegel kam iiber Schällger-Sparta zu einem Doppel. erfolg, beidemal in der 2. Runde.— Tegel> gegen Luckenwalde. Der Flicgcnaewichtlcr Pfeifer-L. siegte über Kloß. Tegel in beiden Runden ent. scheidend und Roweck-L. gewann gegen Milbredt.T. die Punkte erstmalig durch einen Schultersieg in der 7. Min. und dann durch Aufgabe von M. Der aal- glatte Hartmann.T. drückte Weigt-L. in der 5. Minute auf beide Schultern und holte so für Tegel die ersten Punkte; zum Rückkampf trat W. nicht an. Der Leichtgewichtler£>. Schmidt-T. unterlag dem Luckenwalde! Lehmann erst in der legten Minute, in der zweiten Runde verschuldete L. seine Niederlage selbst. Das Ringen Hiihne.T. gegen Erosse-L. endete mit dem Siege von S. erstmalig in 5,18 Min. und im zweiten Gang siegt- der Berliner in der 10. Runde durch einen Ileberstllrzer. Roscntretcr-T. begnügte sich gegen Dützc-L. leider in beiden Treffen mit einem Unentschieden. Der Schwergewichtler Hildcbcandt-T. kam über Rodes in beiden Gängen zu einem Erfolg. Neue Bundeshochstleistungen im Heben Die Arbeiter-Athleten stehen im ganzen Reich erst am Beginn der neuen Saison und schon ist wieder einer Reihe von allen Höchstleistungen der Garaus gemacht worden. Der Inhaber der Bundesbestleistung W i e h a- Augsburg verbesserte seine Leistung im linksarmig Stoßen(Bantamgewicht) von 145 auf 150 Pfund. Der Rekordler S ü ß d o r f- Mannheim stellte im Mittelgewicht im linksarmig Stoßen mit 190 Pfund einen neuen Rekord auf. Im linksarmig Reißen schraubt« der Bantamgewichtler Eid- Oggersheim den Rekord von-125 auf 130 Pfund. Der Breslauer S ch w i t a l l e schlug des Leichtgewichtlers Süßdorf Rekord im Reißen rechts (145 Pfund) um 5 Pfund. Der Bruder E. Schwitall« brachte mit einem Körpergewicht von 136 Pfund dasselbe Gewicht zur Hochstrecke. Arbeitcrhockey Die Kämpfe im Arbeiterhockeysport ergaben am letzten Sonntag folgende Resultate: Tennis-Rot 1 siegte sicher über die Freie Sport- Vereinigung Pankow 7:1.— Volkssport Neukölln-Britz 1 fertigte den Athletiksportklub 3:0 ab.— Bei dem Spielerwerbetag im Lichtenberger Stadion konnte der Verein für Leibesübungen vor einer zahlreichen Zuschauermenge einen guten Erfolg buchen. Im Spiel der 1. Mannschaft gegen den Arbeitersportverein Rot-Weiß 1 langte es trotz guter Gesamtleistung nur zu einem Unentschieden 0: 0, die zweite Mannschaft verlor gegen FTGB.-Tempelhof 2: 3. Das Serienspiel zwischen dem Freien Hockcyklub Spandau und dem Sportverein Moabit mußte wegen Platzschwierigkeiten ausfallen. In der Gruppe O siegte Athletik-Sport-Club 2 über Volkssport Neu- kölln-Britz 2 mit 3:2. Gruppe E: Tennis-Rot Groß-Berlin 3 und Sportverein Moabit 4:3.— VfL. Ostring 3 und Arbeitersport- verein Rot-Weiß 3 4:3. In der F r a u e n g r u p p e siegte Tennis- Rot 1 gegen Freie Sportoereinigung Pankow 2:0.— Volkssport Neukölln-Britz gegen Tennis-Rot 2. Frauen 3:0 und ATD. Rot- Weih gegen VfL. Ostring 1: 0. Viel barm am nichts Große Aufregung herrschte in der letzten Woche im Lager des bürgerlichen deutschen Fußballbundes. Glaubte man doch, daß es auf dem am Sonnabend und Sonntag nach Bonn einberufenen Bundestag sehr lebhaft zugehen würde. Nach einer stillen Ver- einbarung wurde über die Frage der Amateurbestimmungen, der brennendsten im Bund, überhaupt nicht gesprochen.. Alles ging wie an der Strippe gezogen. Der Bundesvorstand hatte sich eine sichere Mehrheit verschafft, und konnte nun gesrost in die Verhandlungen gehen. Die kleine Opposition aus Berlin wogte sich gar nicht erst heraus. So wenig erfreulich die Diskussion über die Erwerbslosen- frage auch war, so brachte sie doch für Erwerbslosenkurse den Betrag von 20 000 Mark ein, ein etwas mageres Ergebnis für die Kassen- Verhältnisse des Bundes. Daß man sich mit dem Abbau der Spesen- sätze brüsten wird, steht wohl fest, sind diese Spesen für die Spieler doch um 20 Proz. herabgesetzt. Wo bleiben aber die dadurch ein- gesparten Gelder? So unintereffant wie der ganze Bundestag, so mager war das Ergebnis.__ Beleuchtet die Sportboote Eine Mahnung der Behörden Zur Frage der Beleuchtung von Sportbooten nach Eintritt der Dunkelheit gibt die Verwaltung der märkischen Wasser- straßen folgendes bekannt: Mit dem Kürzerwerden der Tage mehren sich, wie olljährlich. die Klogen über unzureichende Lichterführung von Sportfahrzeugen. Es sei daher daran erinnert, daß unbeleuchtete Fahrzeuge die Füh- rung anderer Fahrzeuge außerordentlich erschweren und daß sie sich selbst der allergrößten Gefahr aussetzen, wenn sie ohne Be- leuchtung fahren. Das gilt ganz besonders auch für Paddel- und kleine Ruderboote, die in der Dunkelheit besonders schwer zu er- kennen sind. Schon aus diesem Grunde sollten die Vorschriften über die Lichterführung der verschiedenen Sportfährzeuge jedem Wassersportler bekannt fein. Sie seien hier noch einmal kurz zu- sammengefaßt. Motorboote haben wie Dampfer je ein weißes Helles Topp- licht, backbord ein rotes, steuerbord ein grünes Seitenlicht und ein Helles weißes Hecklicht zu führen. Segelboote führen entweder ein helles weißes, von vorn und beiden Seiten her sichtbares Licht(Topplicht) oder ein grünes und ein rotes Seitenlicht: die größeren außerdem achtern ein mattes weißes Hecklicht. Von der ständigen Führung des Hecklichtes sind die Segelboote unter 30 Quadratmeter Segelsläche befreit, wenn sie ein helles weißes Licht zum Zeichengebcn bereithalten. Ruder- und Paddelboote führen ein helles weißes Topplicht und ein mattes weißes Hecklicht. Sämtliche Sportboote außer den Kraftfahrzeugen dürfen ferner statt des hellen weißen Topplichtes oder der beiden farbigen Seiteillichter ein sichtbares Dreiforbenlicht(vorn weiß, links rot und rechts grün, nach hinten abgeblendet) führen, müssen aber auch In diesen! Falle ein nach vorne abgeblendetes mattes weißes Hecklicht haben. Diese Beleuch- tung wird auch bei Sportbooten mit Hilfsmotor für ausreichend erachtet. Damit das Topplicht die farbigen Seitenlichter nicht zu sehr überstrahlt, miß es mindestens einen Meter höher angebracht werden als die Seitenlichter. Das Topplicht soll von vorn und von beiden Seiten sichtbar, nach hinten aber abgeblendet sein. Die farbigen Seitenlichter sind am Vorderschiff auf etwa«in Drittel der Schiffslänge anzubringen und dürfen nur nach vorn und nach der durch sie gekennzeichneten Stelle leuchten. Das Hecklicht muß nach vorn abgeblendet fein. Ueblich und zweckmäßig ist es, vor dem Setzen der Lichter Flagge und Gösch bzw. Bugwimpel fort- zunehmen, damit nicht beim Auswehen stehengebliebener Flaggen die Lichter zeitweise verdeckt werden. Der für das Setzen der Lichter maßgebende Zeitpunkt liegt eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Der Gebrauch von Scheinwerfern ist im allgemeinen nicht gestattet. Er kann nur in Noffällen oder bei Ausführung von Rettungshandlungen und dergleichen sowie bei der Einfahrt in den Hafen zugelassen werden. Daß das Anleuchten anderer Fahrzeuge sich nicht gehört, weil— ganz abgeschen von anderen Erwägungen— der Führer dadurch in ganz bedenklicher Weise geblendet werden kann, sollte sich jeder Wassersportler stets vor Augen halten. Das gemeinsame Abfahren der Freien Turn- und Sport- Vereinigung Rowawes 94 und der Havel-Aktionsgruppe Schwarz- Rot-Gold, Potsdam vereinte bei herrlichem Herbstwctter 40 Boot« beider Vereine. Die Fahrt ging von der Nuthemündung zur Krampnitz und zurück. Ein geselliges Beisammensein unter Mit- Wirkung der HAP.-Kapelle im Bootshaus von Nowawes W beschloß die gelungene Veranstallung. Berliner Eishockey-Niederlage in England. In seinem ersten Englandspiel im Londoner Eispalast wurde der Berliner Schlitt- schuh-Club am Montagabend von der englischen Nationalmannschaft mit 5:4(2:1, 2:3, 1:0) geschlagen. Der Sieg der Engländer war allerdings nicht ganz verdient und kam nur durch ein Selbsttor der Deutschen im letzten Spielabschnitt zustande. Freie Sport, und Schützenoereiuigung. Abt. Mitte. Uebungsabend fallt heute aus, dafür Beteiligung an der Iuaendamtsausstellung, Ackerstr. 3. Erstes Hallenturncn der FTGB. in Buch. Die Benutzung der neuen Turn. halle in Buch ist t-tzt möglich. Die FTGB. beginnt Freitag, IS. Oktober, in der Turnhalle dicht am Bahnof: 18 Uhr Kinder, 20 Uhr Erwachsene. Besonders das Musikturnen wird unter Leitung bewährter Techniker gepflegt. Anmeldungen in der Halle.— Nordbezirk- der FTGB. beteiligen sich am Eröffnungsturneu. Anschl. Geselligkcitsabend bei Eonnet, Schönower Strage.— FTGB.-Freikörper- knlturbezirk: Heute, Dienstag, Musikvortrag, Heim Waldenscrstr. 21. Mittwcch Nacktbaden, Eerichtstrahe. Donnerstag Zusammenkunft der Huttenmieter. Freitag, 16., Heimabend der Gruppe Ella, Tempelhof, Götzstratze, Jugendheim.— Bezirk Lichtenberg! Donnerstag, 15. Oktober, ISt� Uhr, Biertcliahresversamm- lung, Iahn.Realqumnaüum, Schreiberhauer«trage. Mitgliedsbuch mit. bringen.— Kanu-Bezirk: Ab Donnerstag, 15. Oktober, Sportadend, Turnhalle Diestcnbachftr. 61. 16. Oktober, IS Uhr, Badeabend, Baerwaldstrahe. An. schließend Handballsitzung._ Steinridt �Käufer: Feldwege nach Chikago Heinrich Hausers„Feldwege nach Chikago" (Verlag S. Fischer in Berlin) ist keine Kritik, sondern eine zum Epos anschwellende, atemraubend lebendige Darstellung neuzeitliche Massenlebens menschlicher Termiten. Hauser rast durch die suh- gängerlosen Landstraßen Amerikas, an deren Seiten, dem falzren- den Auge unentrinnbar. Reklametafeln: Ketten von Scheußlichkeiten entlang laufen. Lange Geraden sind es, die Landschaft durchschnel- dend, es gibt keine krummen Feldwege(auch nicht im Geistigen), und doch, er fahndet nach ihnen, der kllometerfressende Autor, der nicht minder gierig dieses neue neuzettliche Leben verschlingt, um dann selbst von neuweltlichen autoverstopften Städten verschlungen zu werden, wo ein Menschenleben nicht zählt. Der Weg geht nach Chikago, d�r phantastischsten, fremdartigsten Stadt der Well, ein technischer Traum in Aluminium, Glas. Stahl, Zement und künst- lichen Sonnen. Hauser entdeckt die Zukunftsstadt Chikago für uns: die berüchtigten, nach Sinclair, von internationalen Reportern um- schwärmten Schlachthäuser, die größte Erntemaschinensabrik der Welt, Gangsterhotels: alles ist neu gesehen, insbesondere auch die nicht außerhalb, sondern innerhalb der Gesellschaft stehenden und daher unausrottbaren, milliardenverdienenden Verbrecherorgani- sationen Prächtig geschildert sind die am Wege gesehenen, sonst meist summarisch abgetanen Südstaatenstädte, wo das Leben träger, ausgeglichener und stabiler ist, und die Fahrt auf Misiissippischisfen, die ungeheure Stromstrahe hinauf ist ein Meisterstück der Ver- gegenwärtigung. Zwischendurch scharfsinnige Reflexionen und Spekulationen: Hauser denkt sich die großen Industrien der Zu- kunft als umgeben von Farmland in genügender Menge, um die In- dustrien zu versorgen: nicht nur mit Nahrungsmitteln, sondern mit einem Teil der Rohprodutte, die die Industrie gebraucht. Manch- mal erschrickt man über dieses Amerika Hausers. aber erst ganz zum Schluß wird auf das Unmenschliche unseres Lebens in den großen Städten, das Unmenschliche unserer Zivilisation direkt hin- gewiesen. Und fteilich: das ist dos Termitenleben-Amerika, da-f wir da sehen, menschliche Korallenstöck«... gibt es nicht doch auch ein anderes, verinnerlichteres, das parallel läuft:... Stoff für wieder ein bestes Amerikabuch. Sie haben alle recht— zusammen. Amerika ist unerschöpflich. Und nicht nur Amerika. helic. Dienstag, 13. Oktober. Berlin. 16.05 Dr. med. B. Kramer: Blinddarmentrflndnn*. 16.30 Ball.(Betrachtuni mit Schallplatten.)(Ilse v. Sick.) 17.30 Dr. Ueberall erzählt. 17.50 Biographische und historische Romane.(Hermann Kasack.) 18.20 Zyklus(1789—1815): Dr. H. Kuhn; Die Enzyklopädisten und Rousseau. 18.50 Unterhaltungsmusik.> 20.00„Qoethe und Schiller". Manuskript: Friedrich Burschetl. Ltg.: Edlct Kdnpen. 21.00 Tages-, Wetter- und Sportnachrichten. 21.10 Zzklus(1789—1845): Musik der französischen Revolution. Dir.: Selmar Meyrowitz. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 23.30 Kabarett der Komiker:„Die Nacht der Prominenten". Königswuslerhausen. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Paul Spatz: Deutsche Forscher In der Sahart. 18.00 Felix Stiemer: Sozialismus als lyeltanschauung. 18.30 Prof. Dr Georg Misch: Der Gedankenkreis Wilhelm DUtheys. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Hamburg: Orgel mit obligaten Instrumenten. 20.15 Prof. D. Althaus. Prof. D. Hehn. Pastor D. Ic Seur: und die Gegenwart. 21.10 Hamburg;„Mann In de Tünn!" 22.30 Hamburg; Operette und Revue, Protestanlismu» XUeaiec. LicUlsptelt usw V.»»_ 7_ i_»_«k«- Staats 1% Theater Dleaalai, den 13. Oktober staatsoper Oottr da Uidn 20 Uhr Ein UenMi Staatsoper ao Plitz dar Siptblik 20 Uhr nadame Botterfiy SfutLSdanplita Cradanunoirkl, 20 Uhr Prinz Friedridi von klWdnfz Schill erTheater CtaiMtnbaii. 20 Uhr Der Riditer von Zalamea Berliner Ulh-Trio K C B fc e 1 1 B. w Ubnatc. 74/7U Reichshallen-Theater UiDtb 6 Uhr, Sagntag nadmittag P, Uhr Das neue Programm der Sfiettlner Die 3 Komiker Britton r au«r ornemann Nachmiltaijs ermäßigte Preise. 8.15 Ohr flort 3434 Rauhen trljchl ., lapoli. Handy- Dandy, Biul 21 Remo, Walter Carlos zeigt Rnmba, 2 Albertos nsv. internattonales Theater (Kleines Theater) Uater den Linden 44. S'S Uhr: kluldl vor Nidiael. BETRIEB£\ KEMPIHSKllJ jvj uhr CASINO-THEATER»1/. Ud, Lothringer Strafe 97. Sie lachen Trinen Neu' Uber die Tolle Posse Dodo.dasBffentlicheAergemis Dazu das neue bunte Progr.l Gutsche in 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. FauteuiU.— Mark, Sessel WO Mark. VolKSUttlHie Theater in Blllovplatz 8 Uhr Kampf um Kitsch Ab 16. Oktober 8 Uhr täglich Das vierte Gebot Schiller-Theater 8 Uhr Der Richter von Zalamea StfidtaOper Charlottenbdrg BismarcksnaBe 34 Dienstag, den 13. 10. Turnus IV Anfang 19.30 Uhr Die Afrikanerin. Ende gegen 23 ü, Lä-Tter Dir. DK Robert Klein Wtidndixoi 0846, 2717. 8 Uhr Deutsche UrauffQhrunf Der letzte Equipageu) Homolka, Brausewetter. Sar.d- rtck, Falkenstein Theater am Nollendorfplatz Täglich gi,a Uhr Hax Adalbert in: Der beschleunigte Personenzug BiumewitTcn |eder Art llofort prelswerl Paul Golieta formal» Robort Ueyt« Mariannonstr. 3 f 4 Oherbdutm 1303