Morgenausgabe Nr. 481 A 242 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 3,60 M. (davon 85 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Polizeitungs- und 72Pf.Postb-stell°e. biihren. Auslandsabonnement 6,— M. pro Monat! stir Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 5,— M. Der„Vorwärts" erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage .«oll und Zeit". Berliner volksblatt Mittwoch 14. Oktober 1931 Groß-Ä-erlin 10 pj. Auswäris 15 pj. Die einfpalt. Nonparciftc'cilc SO Pi. Reklame eUt, 5.— RM.„kleine Sin« zeigen� JfftS2ÖruiÖc Wort ci Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taitf. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worre über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien' anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm» im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen» täglich von 8V, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht de» Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor i Jenteawvsan der Sozialdenwtratttchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 k�ernspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Tclegromm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berl!n37 539.— BankkonfotBankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Disc.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. 65/6ö. Brüning haut nach rechts. Abrechnung mit den Harzburgern. Menschenniassen hinter Polizeispalieren, im Hause über- füllte Tribüne», aber iin rechten Drittel ein leeres Parkett. Hugenberg und Hitler erlauben ihren Leuten nicht, sich die Reden der anderen anzuhören. Erstens könnten sie verdorben werden, zweitens könnten sie durch ihre Rüpe- leien die„nationale Opposition" blamieren. Dumme Zwischenrufe zu machen und zu heulen bleibt diesmal den Kommunisten allein überlassen. Brüning ist keine Kampfnatur, kein Rednertempera- ment, mit seinem Herzen eher rechts als links. Trotzdem hat er eine leidenschaftliche Kampfrede gegen rechts gehalten. Weiter denn je klafft der Riß zwischen dem Zentrum und der Rechten. Es war keine Rede, wie sie einst Josef W i r t h als Kanzler gehalten hat oder wie sie Hermann Müller ge- halten hätte. Trotzdem gab es einige Stellen, bei denen auch die Sozialdemokraten sachlich zustimmen konnten, so bei der Abweisung aller Jnflationspläne und bei der Ankündigung, ein Angriff auf das Tarifrecht würde auf eine geschlossene Arbeiterfront stoßen. Dann gab es auch einen Augenblick der Spannung, als sich der Redner zu den Bänken rechts hinüberbeugte und den deutschnationalen Horchposten zurief, sie sollten doch bei dem Versuch, i h m die Schuld au-der Bantkrise zuzuschieben, vor- sichtig sein, sonst könnte er gezwungen sein,„einmal ganz deutlich zu reden". Diese Anspielung auf die Pleite der Ost- dank und Hugenbergs Danat-Schulden wurde allgemein ver- standen. Aber der Kanzler sollte sich jetzt beeilen, zu sagen, was er weiß. Dunkle Andeutungen machen sich nicht gut. Es gab auch einen lustigen Augenblick. Als der Reichs- kanzler versicherte, er werde die Mark nicht an das englische Pfund anhängen, krähte der Kommunist Heinz Neu- mann:„Hängen Sie sie an den Sowjet- rubel!" Der Sowjetrubel ist längst durch Inflation ent- wertet, viel mehr als das englische Pfund. Das Haus bog sich vor Lachen über die nationalökonomische Weisheit des kommunistischen Inflationsbekämpfers. Nach wenig mehr als einer Stunde war es zu Ende. Die sozialdemokratische Fraktion tagte. Auch ihre Sitzung war kurz, denn die Situation war klar. „Der Feind steht rechts!" Dieser Satz hat für die Sozial- demokratie immer gegolten. Noch nie in ihrer Geschichte ist es vorgekommen, daß sie für die Rechte Partei ergriffen hätte, wenn Rechte und Zentrum im Kampf gegeneinander standen. Unter den heutigen Umständen wäre die Annahme von Mißtrauensanträgen eine Parteinahme für die Rechte gegen das Zentrum, eine Parteinahme für Hugenberg, Hitler und Schacht. Wenn das Zentrum gegen die Rechte kämpfte, stand die Sozialdemokratie immer neben dem Zentrum. Trotz aller Schärfe der Gegensätze. Das Zentrum-ist keine sozialistische Partei, es ist keine Arbeiterpartei, es ist eine Partei, die Grundbesitzer, Unternehmer und Arbeiter auf einer weit- anschaulichen Grundlage vereinigt. Dabei kommen die Arbeiterinteressen zu kurz— wie sehr sie unter der Re- gierung Brüning zu kurz gekommen sind, davon wissen d i e christlichen Arbeiter ein Lied zu singen—, aber das Vorhandensein der christlichen Gewerkschaften setzt sozial- reaktionären Tendenzen im Zentrum immerhin gewisse Grenzen. Hier die christlichen Gewerkschaften, dort Stahlhelm und S.-A.— wenn die Entscheidung einmal so steht, kann sie keinem Sozialdemokraten schwer fallen. Wollen die Kommunisten wirklich mit dem Stahlhelm und den S.-A. gegen die christlichen Gewerkschaften und gegen die freien Gewerkschaften gehen, wollen sie die glorreiche Front vom 9. August wieder herstellen— sie werden daran nicht viel Freude erleben! Ob es für Brüning reichen wird, weiß heute noch nie- inand. Reicht es nicht, was dann? Eine Hugenberg-Hitler- Regierung auf parlamentarischer Grundlage ist nach der schneidenden Absage, die Brüning gestern dem edlen Brüder- paar erteilt hat, zur Zeit unmöglich. Sturz Brünings ohne Möglichkeit einer parlamentarischen Regierungsbildung, heißt praktisch: Verzicht des Reichstags auf seine Rechte zugunsten des Reichspräsidenten. Die Herrscherstellung des Reichspräsidenten ist heute noch kon- stitutionell beschränkt. Nach einer Selbstausschaltung des Reichstags wird sie absolut sein. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion spielt nicht das Spiel Hitlers und Hugenbergs. Sie will auch keinen neuen Front gegen Inflationstreiber! Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die sozialdemokratische Reichslagsfraktian trat am Dienstag nach der Rede des Reichskanzlers zu einer kurzen Sitzung zusammen. Ohne Aussprache wurde beschlossen, die gegen das Kabinett Brüning vorliegenden Rlißtrauensanträge abzulehnen. Bestimmend für diese Entscheidung waren die Gründe, die be- reits in der Sitzung von Montag ausgeführt worden sind. Die Rede des Reichskanzlers bot keinen Anlaß, die politische Situation jetzt anders zn beurteilen. Die Tagung der sogenannten nationalen Opposition in harzburg hat gezeigt, dah das Großkapital mit Unterstützung der Nationalsozialisten zum entscheidenden Schlag gegen die Rechte des werk- tätigen Bolkes ausholt. In ihrer presse wird jetzt ganz offen mit dem putsch gedroht. wmn die Diklalur des Schwerkapitals und der Großagrarier aus parlamentarischem Wege diesmal nicht verwirklicht werden sollte. Die sozialdemokratische Fraktion will durch ihre Entscheidung ver- hindern, daß durch eine neue Znslalion die Gewerbetreibenden und steinen Sparer noch einmal enteignet werden, daß durch rücksichtslosen Lohnabbau, Zerschlagung des T a r i s r e ch t s und der Sozialgesetzgebung die Existenz der arbeilenden Massen vernichtet wird. Als erster Redner der sozialdemokratischen Fraktion wird der Abgeordnete Dr. V r e i t s ch e i d bei Beginn der Sitzung am Mist- woch das Wort ergreifen. Zum zweiten Redner wurde der Abge- ordnete Aushäuser bestimmt. Absolutismus, keine Verewigung des Notoerordnungsregi- ments. Schutz der politischen Volksrechte, Schutz der sozialen Arbeiterrechtc sind nur möglich im Kampf gegen Harzburg. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird gegen Harzburg stimmen! Die Neichstagssihung. llntcr starken politischen Absperrungen, die Zwischenfälle bei dem Wiederzusammentritt des Reichstages auf den Straßen ver- hindern sollten, ist am gestrigen Dienstag nachmittag das Haus wieder zusammengetreten. Die Tribünen waren gewaltig überfüllt. Das neue Kabinett war vollzählig erschienen. Staatssekretär Dr. Meißner vom Büro des Reichspräsidenten war auf der Regierung?- tribüne anwesend. Die Bänke der Kommunisten und der Faschisten waren bei Eröffnung der Sitzung noch leer. Präsident Löbe gedenkt, während sich alle Anwesenden erheben, der verstorbenen Abgg. Kerb und Gemeinder. Er teilt mit, daß fünf Mitglieder ihre Mandat« niedergelegt haben, darunter der Braunschweiger Obernazi Dr. Franzen, und daß bisher zwei Abgeordnete neu eingetreten find. Inzwischen haben die Kommunisten ihre- Plätze eingenommen und Abg. Torgler(Komm.) bringt unter Protest gegen die polizeiliche Besetzung und Absperrung des Reichstagsgebäudes einen Antrag auf Beseitigung dieses Zuftandes ein. Die sofortige Beratung wird gegen die Stimmen der Kam- munisten und der SAP. abgelehnt.— Während nun Reichskanzler Dr. Brüning das neue Kabinett vorstellt und den ausgeschiedenen Ministern den Dank ausspricht, erscheinen einzelne Deutschnaiionale im Saal und die Kommunisten begleiten die Worte des Reichskanzlers mit un- ausgesetzten Zwischenrufen, so daß der Präsident schließlich zur Ruhe mahnt. Die Regierungserklärung hat weiter folgenden Wortlaut: Die Leitung des Wehr- und Innenministeriums ist in einer 5)and vereinigt. Mehr als je zuvor zwingt uns unsere heutige Notlage zu einer einheitlichen Zusammenfassung der staatlichen Machtmittel, namentlich auch der von dem Herrn Reichspräsidenten erlassenen besonderen Machtbefugnisse gegen alle Bestrebungen und Strömungen, die den Staat zu bedrohen suchen. Die Sicherung der Autorität des Reiches ist die Vorbedingung der Festigung des Vertrauens nach außen und innen für den politischen und wirtschaftlichen Wiederausbau, an dem alle positiven Kräfte mit- arbeiten müssen. Die Leitung der Wehrmacht wird ihre bisherigen bewährten Grundsätze weiter verfolgen, die dem Hohen Haus be- kannt sind und Gewähr dafür bieten, daß dieses wichtigste M a ch t i n st r u m e n t des Staates jederzeit seinen Aufgaben ge- wachsen ist. Das Justizministerium ist in die Hände eines Mannes gelegt, der seit einem Menschenalter dem Staate in schwerster Zeit besonders treu und erfolgreich gedient hat. Die Leitung des Außenministeriums wird in meiner Hand liegen. Ich werde die Außenpolitik im Geiste der Besprechungen der letzten Monate, vor allem der jüngsten deutsch-französischen in Berlin, fortführen. Die Reichsregierung erwartet das Heil nicht allein durch internationale Verhandlungen oder Hilfe des Auslandes. Aber Deutschland hat iin letzten Jahrzehnt am eigenen Leibe mehr als alle Nachbarn gespürt,' wie die ungelösten politischen Fragen der Welt die innere Not bis zur Grenze des Erträglichen gesteigert und wachsende Verzweiflung in allen Schichten des Volkes genährt haben. Deshalb hat Deutschland das Recht, an die Völker der Welt den Appell zu richten, die Bemühungen zu der unerläßlichen solidarischen Zusammenarbeit endlich zur praktischen Tat werden zu lassen. Ich glaube, daß in den vergangenen Monaten ein gewisser Fortschritt in solcher Gesinnung erzielt worden ist. Allen Völkern sollte inzwischen lebendig vor Augen geführt worden sein, daß das Schicksal jedes Staates mehr denn je in der Vergangenheit mit dem Schick- jal der Nachbarn verflochten ist. Kein Staat kann aus die Dauer einen wirklichen vorteil aus der Rot der anderen Länder erwarten. Die verderblichen Folgen politischer Zahlungen ohne wirtschaftliche Gegenleistungen haben die gesamte Welt ohne Ausnahme in heute noch unabsehbare Bedrängnis geführt. Die weitschauende Initiative des Präsidenten der Vereinigten Staa- ten von Amerika hat leider nur eine vorübergehende Erleichterung geschossen. So groß auch ihre Bedeutung war, und so dankbar sie vom deutschen Volke empfunden wurde, schon die Ungewißheit in den Fragen der politischen Zahlungen übt fortgesetzt eine Lähmung auf den internationalen Wirtschasts- und Finanzoerkehr aus. Unmittelbare und offene Aussprache,»vie sie in Chequers, Poris, London, Rom und hier in Berlin gepflogen wurden und weiterhin zu führen sind, sollen den Weg zur tatsächlichen Solidarität der Nationen ebnen. Denn es muß die Möglichkeit gefunden werden, klare und ehrliche Stimmungen zwischen den Nachbarn zu schaffen. Deutschland fordert bei aller verständnisvollen Rücksichtnahme auf die Lebensnotwendigkeiten der Nachbarn die Verwirklichung des Grundsatzes der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung unter den Völkern. Ich warne vor Äugenblickslösungen unter dem Druck drin- gender materieller Not. Sie würden, auf die Dauer gesehen, schlim- merc Folgen haben als der gegenwärtige Zustand. Die weitergreifende Zerrüttung der Kreditwirtschaft der Welt hat die Reichsregierung van Woche zu Woche vor neue Aufgaben gestellt. Was vor Monaten in der Beurteilung der Wirtschasts- und Finanzlage eines Landes richtig war, ist nach kurzer Zeit durch die Wirkung der Krise in anderen Ländern überholt. Die Aufgabe der Reichsregierung war es, und der neuen Reichsregierung wird es sein, die Regierungsmaßnahmen elastisch den jeweiligen neuauf- tretenden Auswirkungen der Weltkrise anzupassen. Die Reichsregierung nimmt für sich als einen Erfolg in Anspruch, daß sie rechtzeitig und als erste im kreise der großen Rationen mit entscheidenden Sparmaßnahmen in den ösfent- lichen Ausgaben und mit möglichster Senkung der Er- zeugungskoslen begonnen hat. Hierdurch allein ist verhindert worden, daß die gesunden Grund- lagen der deutschen Volkswirtschaft in den vergangenen Monaten völlig erschüttert worden sind. Das Beispiel der Reichsregierung hat Nachahmung in der ganzen Welt gefunden Es ist anerkannt war- den als eine mutige Einstellung ans eine schwere Zukunft. Maß- nahmen, wie die Bereitstellung des Schuldentiigungsfonds, haben in den kritischen Zeiten der Bankschwierigteiten sich geradezu als eine Rettung erwiesen. Die Reichsregierung wurde durch Eni- schtießungen, die allerdings hart und unpopulär waren, in die Lage versetzt, gerade in dieser Zeit zur Rettung der Privat« irt- s ch a s t schwebende Schulden in Höhe von nahezu 300 Millionen Mk. zurückzuzahlen. Die Krise des englischen Pfundes, deren endgültige Lösung nach nicht sicher beurteilt werden kann, stellt Reichsregierung und Reichs- dank vor neue Ausgaben. Roch stärker als in den vergangenen Monaten ist eine Einstellung von Wirtschafts-, Finanz- und Sozial- Politik aufeinander und eine Anpassung des deutschen Selbstkosten- und Preisniveaus an die wirtschaftliche Entwicklung nötig. Di? Reichsregierung, die sich schon in den vergangenen Monaten des Rates hervorragender wirtschaftlicher Sachverständiger bedient hat, bat in Ueberei'nstimmung init dem cherrn Reichspräsidenten beschlossen, einen Wirtschaftsbcirat zu ernennen, der der Reichsregie- rung in den wechselvollen Entwicklungen der Krise zur Seite stehen soll. Mit ihm gemeinsam wird in kurzer Frist ein Wirtschafts- Programm für die nächsten Monate ausgearbeitet. Dieses Programm hat als erste Voraussetzung die Aufrechterhaltung der Stabilität unserer Währung, an der unter keinen Umständen gerüttelt werden darf. Von entscheidender Wichtigkeit ist die Durchführung eines Planes zur Tilgung der kurzfristigen Schulden und eine endgültige Klärung der Reparationsfrage. Fehler der Vergangenheit im UZirtschaftsaufbau Deutsch- lands müsse» schneller als bislang ausgeräumt werden. Die bisherigen vlaßnahmen der Reichsregierung, die ihre Fortsetzung finden werden, haben dazu gedient, die Selbst- kosten der deutschen Wirtschaft zu verringern, die Aufgaben der öffentlichen Hand herabzusetzen, und die mit Fehl- investitionen vom Kapital verbundenen Gefahren für die Zukunft einzuschränken. Die Schwierigkeiten, in denen sich Deutschland durch Krieg, Inflation und Reparationslasten befand, haben dazu geführt, daß die großen Unternehmungen durch ausländische Kredite eine starke Expansion betreiben konnten, während Mittelstand, kleinere und mittlere Industrie in ihren Betätigungs- und Cntfaltungs- Möglichkeiten demgegenüber zurückgeblieben sind. Eine in vieler Hinsicht ungesunde Entwicklung ist die Folge. Die Kreditpflege gerade für Mittelstand, kleinere und mittlere Industrie muß auch beb der Bankenpolitik in der Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben sein. Landwirtschaft, Grundbesitz und Industrie leiden unter zu hohen Zinssätzen. Ihre Senkung ist ein anderes, unerläßliches Mittel zur Herabsetzung der Produktionskosten, wenn wir nicht zu einer völligen Schrumpfung der deutschen Wirtschaft kommen wollen. Rur in diesem Gesamtrahmen wird es möglich sein, zu ver- hindern, daß das deutsche Volk an der Sozialpolitik über- Haupt irre wird und im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten gegenüber den in schwierigen Lagen bewährten und unentbehrlichen Einrichtungen, in eine entgegengesetzte Denkrichtung verfällt. Die Sozialpolitik muß allerdings derartig gestaltet und gehandhabt werden, daß sie sich den finanziellen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten einfügt. Dabei kann an dem verfassungsmäßig verbrieften Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmerschaft nicht vorbeigegangen werden. Bor allem gilt das auch für den Tarifgedanken, der als solcher gesund ist und erhalten werden muß, aber größerer Elastizität in der Handhabe bedarf. Die Tarife müssen veränderten Verhältnissen schneller angepaßt werden können. Der Grundgedanke einer guten Sozialpolitik muh gerade in gegenwärtiger Notzeit Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Pflicht erkennen lassen, ihre Angelegenheiten gemeinsam unter möglichst eigener Verantwortung und unter möglichst geringer Einmischung des Staates zu regeln. Mit einer solchen Politik muß Hand in Hand gehen die Be- Handlung der Kartellfrage, da die Preisgestaltung den wechselnden wirtschaftlichen Bedingungen und der gesunkenen Kaufkraft im In- land schnell angepaßt werden muß. Eine Verzinsung und Tilgung der kommerziellen Schulden des deutschen Volkes ist nicht möglich, wenn den deutschen Waren die Weltmärkte in fortschreitendem Maße gesperrt werden. Diese viel- fach befolgte Politik führt zu einer Zerrüttung der Weltwirtschaft, an deren Ende die völlige Verarmung aller Völker stehen wird. Die Reichsregierung ist gewillt, alle Schritte zu tun, um einer solchen Politik zu begegnen. Ebenso klar ist sie sich allerdings dar- über, daß die Bedeutung des Binnenmarktes in der kommenden Zeit stärker in den Vordergrund treten wird. Diesem Ziele dienen auch die Pläne einer erweiterten und beschleunigten Siedlung auf dem Lande und im Vorfeld der Städte, die gleichzeitig eine sce- lische Entlastung von dem Druck der Arbeitslosigkeit bringen soll. Alle im Inland vorhandenen Produktioasmöglichkeilen müssen bis auf das letzte ausgenutzt werden, zumal die Notwendigkeit besteht, mit den vorhandenen und anfallenden Devisenbeständen sparsam zu wirtschaften. Einschränkungen der Einfuhr werden im wesentlichen dort erfolgen müssen, wo die heimische Produktion, insbesondere die Landwirt- schoft die vorliegenden Bedürfnisse ausreichend und zu angemessenen Preisen decken kann. Damit entspricht die Reichsregierung auch der Meinung der Baseler Sachverständigen. Der Weg, den das deutsche Volk zu gehen hat, ist hart und schwer, aber auch keinem anderen Volke bleiben heute Maßnahmen erspart bis zu dem Tage, an dem die Not die Völker der Welt zu einheitlichem Vorgehen gezwungen hat. Um diesen Weg zu gehen, muß unser Volk die Ueberzeugung haben, daß die Lasten gleich- mäßig verteilt und Gerechtigkeit und Verantwortungsbewußtsein überall wiederhergestellt sind. In diesem Bewußtsein hat das deutsche Volk die schwersten Opfer in einer Weise ertragen, die ihm die Achtung der Welt gesichert hat. Darum aber ist es Pflicht der Reichsregierung, dafür zu sorgen, daß alle Versuche der Ausnutzung der Notlage des Staates und der Wirtschast durch unwahrhafte Agitation verhindert werden. Die Oefsenllichkeit muh die Gewißheit haben, daß derartigen Auswüchsen de» politischen Kampfes mit aller Entschiedenheil entgegengetreten wird. und daß der Staat entschlossen ist, die Grundlagen der Ruh« und Ordnung im Zusammenleben sicherzustellen. Das ist der Zweck mehrerer Notverordnungen, die dem arbeitsamen und ordnungs- liebenden deutschen Volke die Gewißheit geben sollen, daß die Aul- rechterhaltung der öffentlichen Sicherheit auch für die Zukunft ge- währleistet ist. Notverordnungen und polizeiliche Maßnahmen allein können nicht ausreichen, sondern nur den Weg freimachen. Eni- scheidend ist der richtunggebende ethische Wille, der Wille zur nationalen Selbstbehauptung, zur Freiheit, ober auch zur Selbstzucht und zu Opsern für das Vaterland. Diesen willen in unserem Volke und besonders in unserer Jugend zu wecken, sieht die Reichsregierung als ihre wichtigste Ausgabe an. 110r a'Jcm die Jugend müssen vor der Zersetzung geschützt und vom Geiste der Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit erfüllt sein. Die Reichsregierung wird alle Kraft in den Dienst 'h»r vornehmsten Ausgabe zur Rettung de» Vaterlandes stellen. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) ■ Dieser Verlesung fügt der Reichskanzler in freier Rede noch folgende Bemerkungen hinzu: or>- Weltkrise hat zu einem Zustand geführt, den die moderne Wirtschaft noch nicht gekonnt hat.(Andauernde störende Zwischen- rufe der Kommunisten veranlassen den Präsidenten, de- bisher nur einen einzigen Ordnungsruf erteilt hat, die Anwendung der zur ordnungsmäßigen Durchführung der Reichstaqsvcrhandlunqcn möa- lichen Maßnahmen in Aussicht zu stellen.) � Die Regierung kann mit v-sriedigung sestslellen. daß jetzt auch. die Rechtsopposition nicht mehr leugne», daß eine Wellkrise besteht. Mit dieser Forin der Agitation gegen die Reichsregierung, die bis zum Sommer getrieben wurde, ist kein Erfolg nichr zu holen.(Sehr gut! im oeniruni.) Wenn wir bei unserer Etatsausstellung und unseren Berechnungen im Frühjahr und im Sommer verspottet. worden sind, so kann ich feststellen, daß mit uns die Mehrheit des deutschen Volkes überzeugt ist, daß nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt vor einem Geschehen ohnegleichen steht.(Ein Kam- , nunist erhält den zweiten Ordnungsruf.) Nahezu alle Nationen der Welt haben den gleichen Weg gehen müssen wie Deutschland. Wir haben von einer künstlichen ileberspitzung der Wirtschost zu- rückgehcn müsse». Wir haben uns eher unpopulär gemacht, als andere Regierungen das getan haben. Aber wir sind mit der schritt- weisen Anpassung unseres öffentlichen und privaten Lebens an die Gebote der Krise den richtigen Weg gegangen, richtiger, als wenn wir alle diese Schritte auf einmal getan hätten. Man sagt mir nach, daß ich ein Zögetor sei. aber wer die Dinge in den letzten Monaten eingehend durchstudiert hat, wird zu dem Ergebnis kommen, daß nicht das, was im Augenblick die aufgeregten Nerven verlange«. das Richtige ist. sondern, daß man sich nicht abdrängen lassen darf von dem klaren Wege, der jede Maßnahme der Innen- Politik jederzeit überlegt, in den jeweiligen Gang und die äugen- blickliche Phase der Außenpolitik hineinstellt. Wenn ich dem Drängen nack» einem Moratorium oder einem Zahlungsaufschub gefolgt wäre, wo wären wir heute in unserer Außenpolitik! Ich ivill lieber als Volksoerräter und was alles jeden Tag beschimpft werden, als nur einen Augenblick die Nerven ver- lieren und von dem Weg abweichen, den ich mir vorgeschrieben habe.(Stürmischer Beifall in der Mitte.) Ich Hobe gute Vorbilder in der Geschichte des preußischen und deutschen Volkes an den Männern, die die Nerven nicht verloren, die den Mut zu unpopu- lärer Politik gehabt haben, die als Verräter verleumdet und be- schimpft wurden. Nachher, wenn die Dinge gut gegangen sind, werden diese Persönlichkeiten als Monopole für nationale Ge- sinnung in Anspruch genommen.(Großer Beifall in der Mitte.) Die nationale Gesinnung für verantwortliche Politiker besteht darin, daß sie jederzeit bereit sind, unbekümmert um Popularität und Verleumdungen den Weg zu gehen, von dem sie sicher sind, daß er zum Erfolg führt. In einer Zeil solcher wirischastlichen Notlage, gäbe es einen Ausweg ln Deutichland, das cm schwersten zu tragen ha«, und das wäre eine Regierung aller verantwortungsbewußten Par- «eien. Ich würde jeden Augenblick zu ihren Gunsten meinen Platz räumen und wäre bereit, auch das kleinste und niedrigste Amt im Dienst einer solchen Regierung zu übernehmen, ober leider hat sich erwiesen, daß ein Zusammenfinden all dieser Parteien in Deutschland unmöglich ist. Selbst in der schwerste» Schicksalsstunde des deutschen Volkes geht die Tendenz dahm. die schärfste Front gegeneinander zu bilden, als sich zuiainmenzufinden in der einfachen und simplen Pslichtersüllung sür das ganze deutsche Volk.(Hört, hört! in der Mitte.) Deshalb habe ich mich entschlossen, weil ich zu der Erkenntnis kam, daß kein anderer Weg möglich ist, eine Regierung zu bilden, die noch unabhängiger von den Parteien ist als das vorhergehende Kabinett. Die jetzige Regierung braucht keine Rücksicht auf irgendeine Partei in dem Sinne zu nehmen, daß sie an eine Partei und chre Fraktionsbeschlüsse gebunden wäre. Man hat mir vorgeworfen, daß ich Mitglieder meiner Partei in das neue Kabinett nicht aufgenommen habe. Schwersten Herzens habe ich das getan. Ich verdanke diesen Männern außerordentlich rnel. die treueste und verantwortungsvollst« Mitarbeit.(Beifall in der Mitte.) Der Kamps, wie er vielfach jetzt schon gegen das neue Kabinett oesührt wird— ich erinnere an gewisse Aussprüche aus der Harzburger Tagung!—, dient nicht dazu, auch einer eventuell kommenden Regierung die Chancen des Erfolges zu sichern. Wenn man Panikstimmung über die deutsche Währung und über die Lage der deutschen Reichsbank verbreitet, dann zerstört man auch schon die Grundlagen einer anderen Regierung. Wir haben nichts zu verbergen. Die Ausweise der Reichsbank liegen klar vor der ganzen Welt. Jedermann weiß, in welcher Form wir die Danat- Bank und die Dresdner Bank gestützt haben. Die ersten Bankfach- lcute der ganzen Welt haben uns dabei beraten und die Herren. die in Harzburg waren, kennen ganz genau das Urteil dieser Wach- verständigen.(Hört, hört! in der Mitte.) Eine Opposition kann so scharf sein, als sie will, aber es gibt Grenzen. Als verantwortlicher Politiker muß ich mich dagegen wenden, daß in Harzburg Ausdrücke gebraucht worden find, die den Glauben des deutschen Volkes an seine Währung erschüttern konnten. Gewiß, es locken Sirenentöne, denen die Regierung folgen soll.(Ein Kommunist ruft: Hängen Sie die Mark an den Sowjct-Rubcl an!— Anhaltende große Heiter- keit.) Daß die Stabilität der Reichsmark von der jetzigen Regierung nicht , angelastet.......... zyerden wird, dürfte jedem klar sein, der sich über die Rcgierungs- maßnahmen der Vergangenheit ein systematisches Bild gemacht hat. Als ich, ungewollt, in schwerer Stunde diese Aufgabe übernommen habe, bin ich mir der Konsequenzen bis zum Letzten klar gewesen. Ein großer ausländischer Bankfochmann hat mich damals gewarnt. Gewiß war damals eine Situation, die zu öl) Proz. verloren war. Das war nicht die Schuld der vorhergehenden Regierung Hermann Müller, sondern es war die Schuld, der Fehler, die die gesamte Oefsenllichkeit und ein Teil der Privatwirlschasl in den ganzen letzten Jahren gemacht haben. Die Kreditinslation vom Ausland war ein ungesunder Zustand, der all« Dinge vernebelte und einen Schleier darüber breitete: sie hat ein Anwachsen der öffentlichen und privaten Ausgaben hervorge- rufen, von dem Deutschland wieder heruntergebracht werden muß. (Zuruf des Hugenbergers Dr. Quaatz.) wenn Sie, Herr Dr. Ouaah, mir 19Z7 etwas mehr geholfen hätten, dann wären die Ueberstiegenheiten in der Leamlen- besoldung nicht gekommen. (Großer Beifall in der Mitte.— Ein Zuruf: Dafür werden Ihnen die Beamten dankbar sein!) Die Beamten wissen,� daß ohne jene ilebersteigerungen man jetzt nicht hätte so weit zurückgehen müssen. (Sehr gut! in der Mitte.) Die politische Agitation und der fanatische Kampf haben die Lage nur verwirrt. Ein frontaler Angriff in der Reparationsfrage hotte wirtschasts- und außenpolitisch eine«ituation herbeigeführt, die eine noch ganz andere Katastrophe als die des vergangenen Sommers bedeutet hätte. Die Stützung der Banken hat uns zun Einsicht geführt, daß eine Reform des Aktienrechts und eine Banken- aufsicht, sowie weitere Maßnahmen notwendig sind. Zur Ehr« der Banken aber muß ich sagen, daß viele gegen sie erhobenen Vorwürie nicht berechtigt sind, und daß das gleiche auch sür große Teile der Privatwirtschaft gilt. Allerdings müßte die Privatwirtschaft, deren Berechtigung jetzt. wo sie auf Sloalshilfe angewiesen ist. so vielfach bezweifelt wird, die Ueberzeugung von ihrer Berechtigung und Notwendigkeit auf geschicktere weise propagieren, als geschehen ist. (Heiterkeit und Zustimmung in der Mitte.) Gespannt kann man ja sein, wie die Nationalsozialisten sich bei der Abstimmung über die Notoerordnungen betreftend Aktienrechts- reform und Kürzung der großen Pensionen verhalten werden. Der Reichskanzler verbreitet sich dann über die starke kurzfristige Per- schuldung der Privatwirtschaft und ftihrt als Beweis dafür, daß die Arbeiterschaft die Notwendigkeit des Lohnabbaues erkenne, das Unterbleiben nennenswerter Streiks an. Scharf verurteilt der Reichskanzler solche privalwirlschaflliche Methoden, wie sie durch die Bankrotte der Favag und der Nordwolle zutage getreten sind. Unter deutlichem Hinweis auf die bekannte Kundgebung der Kapitalistenverbände warnt der Reichskanzler vor solchem Vor- gehen, das notwendigerweise und zwangsläufig die Einheitsfront der deutschen Arbeiterschaft erzeuge. Nicht Kampf dieser beiden Lager kann uns oorwärkd bringen, sondern nur der Geist der Ar- beitsgemeinschaft, und der kommende Wirtschaftsbeirat der Reichs- regierung soll die Form finden, wo durch vertrauensvolle Aus- spräche beider Teile die Lösung herbeigeführt wird. Darum muh der Weg in den nächsten Jahren so weitergegangen werden, der Weg der Anerkennung der Wirklichkeit: er ist zugleich allerdings der Weg des größten Widerstandes. In den vergangenen Jahren haben wir vielfach vorgezogen, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, deshalb müssen wir heute uns soviel Hartes auferlegen. Aber es hilft nichts, der Weg muß weiter gegangen werden. Heute ist die Situation in der Welt so, daß das Verhältnis des Glücks oder Unglücks nicht mehr 10 zu 90, sondern S0 zu 50 ist. Es gibt keine Wunderlösungen, kein- Patentlösungen, es gibt nur den steinigen Weg, der mutig und schrittweise zurückgelegt werden muß. Während 1929 noch 7,2 Millionen Tonnen agrarische Produkte aus dem Ausland eingeführt wurden, waren es 1930 nur 5,7 und werden es nach den Ergebnissen der ersten Monate in diesem Jahr nur noch 3,2 Millionen Tonnen sein. Das ist für die Landwirtschast getan worden. Selbst im Augenblick der schwersten Krise ist die Arbeitslosigkeit in den vergangenen vier Wochen nicht so gestiegen, wie wir es nach der ganzen Weltsituation befürchten mußten. Deshalb besteht die Möglichkeit sür Deutschland, die paar Monate bis zu der notwendigen inlernakionaleu Lösung auszuhallen, drs allein Beruhigung und Besserung in der well schasfeu kann. Diese Reichsregierung ist entschlossen, hier vor dem Reichstag ihre Politik zu vertreten und zu verteidigen, aber nicht mehr so, wie ich sie im Frühjahr verteidigen mußte, wo wir noch keine sichtbaren Erfolge aufzuweisen hatten, außenpolitisch und auf manchen an- deren Gebieten. Heute können wir sagen, der Weg ist frei, und der kommende schwere Winter kann unter allen Umstanden überstanden werden Der Produktionsapparot der deutschen Wirtschast ist gesund. Nahrungsmittel haben wir genug.(Stürmische Zwischenrufe der Komm.) Für die Finanzen des Reiches, der Länder unl» Gemeinden ist. Vorsorge getrosfen...., Es wüßte merkwürdig zugehen, wenn das deutsche Volk mit seinem Lebenswillen und feinem politischen Instinkt nicht auch über diesen Winter hinwegkommen sollte. wenn wir ruhig entschlossen sind, durch internationale Zusammen» arbeit die ganze Welt vor dem Versinken in unendliche Rot und Armut zu bewahren. Ich lasse mich durch Angriffe und Verleumdungen nicht beirren. Ich stehe vor Ihnen, ich habe Ihnen meine Absichten dar- gelegt. Sie, die Parteien, und jeder von Ihnen trägt die veranl- wortung für das, was wird! (Stürmischer, anhaltender Beifall der Mitte.— Lärmende Gegenrufe der Koimnunisten, die schließlich ein dreifaches Rot Front! aus- bringen: der Kommunist Grube, der das inszeniert hat, wird vom Präsidenten auf zwei Sitzungen ausgeschlossen.) Heute. Mittwoch, 12 Uhr, beginnt die Besprechung der Regie- rungserklärung. Llnsere Reformvorschläge. Anträge der sozialdemokratischen Dfcichstagssraktion. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in einer großen Anzahl von Anträgen und Gesetzentwürfen ihre programmatischen Forderungen zur künftigell Gestaltung der Reichspolitit niedergelegt. Im folgenden wird eine gedrängte Uebersicht über diese Anträge gegeben, die zum Teil gleichzeitig Abänderungsanträge zur neuesten Not- Verordnung darstellen. An der Spitze stehen" die Anträge, die eine gleichmäßige Verteilung der Lasten aus der Wirtschaftskrise bezwecken. Des- halb fordert die Sozialdemokratie Revision der Fürsten- abfindung, verschärfte Pensionskürzung und verschärften Zwang zur Herabsetzung der hohen Einkommen in der Privatwirtschaft. Der Antrag über die Fürstenabfindung hat folgenden Wortlaut: „1. Die Länderregicrungen werden ermächtigt, alle Leistungen aus Bcrträgen oder Urteilen an ehemalige pursten und Mitglieder der standesherrlichen Familien mit sofortiger Wirkung einzustellen. 2. Die Länderrcgierungcn werden ermächtigt, die auf Grund von Urteilen oder Verträgen� zustandegckommenen Auseinander- setzungen mit ehemaligen Fürstenhäusern oder stonbesherrlichen Familien unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Notloge der Länder und weitester Bvikskreise neu zu regeln. 3. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft." Der Antrag zur Pensionskürzung bringt eine wirksame Verschärsung der völlig unzureichenden Vor- schriften der Notverordnung. Er sieht vor: 1. Kürzung sämtlicher Pensionen aus(höchstens) 12 000 M., 2. Anrechnung jedes sonstigen Einkommens von mehr als 4000 M. auf die Pension, wobei die Pension um 50 Proz. des überschießenden Betrages gekürzt wird. Damit werden die Doppelverdiener imter den Großpensio- nären empfindlich getroffen, während gleichzeitig die kleinen Pen- sionen geschont bleiben. Die neue Notoerordnung hat den Forderungen der Sozialdemo- kratie bereits insoweit Rechnung getragen, als sie auch Bestimmungen über die Herabsetzung der hohen Einkommen in der Privatwirlschasl enthält. Aber diese Bestimmungen sind unzureichend. Um ihre Anwendung allgemein zu erzwingen, fordert die Sozial- demokratie: 1. alle hohen Gehälter und Pensionen in der Privatwirt- schost über 12 000 M. werden um 20 bis 50 Proz. gekürzt: 2. führt ein Unternehmen diese Kürzung nicht oder nur unvollständig durch, so muß es den Unierschiedsbeirag in der Form einer Sonder st euer an das Reich abführen. Von ebenso großer Wichtigkeit sind die sozialdemokratischen An- träge zur Sozialpolitik. Sie bezwecken, den Arbeitslosen ihre Unterstützungen, den in Arbeit Stehenden ihre Löhne in vollem Umfange zu erhalten. Dem Lebcnsintcresse der Erwerbslosen dient der Antrag über die Winterhilfe. In der N o t o e r o r d n u ng hat die Regierung die Bestimmung getroffen, daß die Arbeitslosenunterstützung bis zu einem Drittel nicht in bar, sondern in Naturalien gewährt werden kann. Die Sozialdemokratie ist entschiedener Gegner dieser Dorschrift: sie ver- langt die Naturalunterstützung nicht an Stelle, sondern neben der Geldunterftützung. Ihr Antrag fordert die Reichs- regierung auf, „zum Schutze der notleidenden Bevölkerung gegen Hunger und Kälte-ine Winterhilfe nach folgenden Gesichtspunkten durckm- sühren: i. Die Winterhils« ist-ine zusätzliche Raturalhilf« 3ir, 481• 48. Jotrsana*1« �00 Mittwoch, 14, Oktober 1931 Die Brüder Sklarek. Erregte Zusammenstöße mit Stadtbankdirektor Hoffmann. In einer Hinsicht war der erste Verhandlun�stag im Sklarek- Prozeß, abgesehen von allem anderen, von besonderem Interesse. Die Brüder Sklarek offenbarten mit aller Klarheit, wie sie ihre Verteidigung einzurichten beabsichtigen. Nicht sie haben bc- trogen, sondern s i e sind die Betrogenen; und dann haben sie sich mit den geschäftlichen Angelegenheiten überhaupt nur sehr wenig besaßt; alles lag in den Händen von Mar Sklarek, der sie, die beiden anderen Brüder, an die Geschäftsführung nicht herangelassen habe. Max Sklarek liegt aber, wi cder Gerichtsarzt Dr. v. Mahren- holz nach seinem Besuch beim Kranken dem Gericht mitteilte, im Sterben. Sämtliche Angeklagten erklären auf Vorhalt des Vorsitzenden, wessen sie angeklagt sind: ich bin unschuldig, ich bin voll- kommen unschuldig, ich bin wirklich unschuldig. Das Gericht tritt dann m die Vernehmung des Angeklagten Leo Sklarek ein. Vors.: Sie haben doch die Anklageschrift gelesen? Leo Sklarek: Nein. Vors.: Weshalb nicht? Leo Sklarek: Weil ich schon nach den ersten paar Seiten gesehen habe, daß hier alles verkehrt dargestellt ist. Vors.: Vielleicht waren die letzten Seiten richtig? Leo Sklarek: Nein. Vors.: Sie haben sie doch nicht ge- lesen. Vors.: Ihr Vater stammt aus Rußland, ist als Zwanzig- jähriger nach Deutschland gekommen, Ihre Mutter war Deutsche, im Jahre Illll heiratete Ihr Voter nach dem Tode Ihrer Mutter zum zweiten Male. Hat Ihr Vater nach seinem Tode Mittel hinterlassen? Leo Sklarek: Was man so Mittel nennt. Vors.: Von Ihren Begriffen wollen Sie natürlich nicht ausgehen. Ihre Stiefmutter lebt noch. Wird sie von Ihnen unterstützt? Leo Sklarek: Ja, soweit wir dazu imstande sind. Wir werden jetzt selbst von unseren Freunden unterstützt. Vors.: Von Ihrem 14. Jahre an lernten Sie und Ihre Brüder in der Konfektions- brauche, Sie hotten Anstellungen in verschiedenen Firmen. Hoben Sic auch die Buchführung gelernt? Leo Sklarek: Zch verstehe von Buchführung gor nichts, habe in die Bücher niemals hinein- gesehen, bin überhaupt mir eine Stunde im Geschäft gewesen und habe mich die ganze übrige Zeit dem R e n n s p o r t hingegeben. Max Sklarek war der Organisator und der große Finanz- mann. Direktor Hoffmann hat ihn ja auch für den alleinigen Gc- schäftsinhobcr gehalten. Vors.: Sie haben aber Max Sklarek im Jahre 1919 in das Geschäft hineingenammcn. Leo Sklarek: Ja, zu unserem Unglück. Vors.: Was heißt, zu unserem Unglück? Leo Sklarek: Ich meine, daß wir jetzt auf der Angeklagebank sitzen. Vors.: Ich möchte eins sagen, hoffentlich werden die Brüder hier einstehen für das, was sie getan haben. Es wäre nicht schön, alles auf den sterbenden Bruder abzuwälzen. Es ist ja Ihre Spezialität, sich auf Tote zu berufen. Die begehrte Wahrsagerin. Leo Sklarek: Wir wollen hier nur die volle Wahrheit sagen. Ich habe mich mit meinem Bruder Max nie verstanden, er hat ein herrisches Wesen, er war nach oben strebend. Er wollte einen großen Namen haben. Ich dagegen lebte- meincm Renn- spart. Der Vorsitzende stellt fest, daß der Angeklagte Leo Sklarek schon vor dem Kriege einen Offenbarungseid geleistet hat, und daß er dem Finanzamt falsche Angaben über die Herkunft des Geldes gemacht, für das er sein erstes Pferd gekauft hatte. In der Kricgszcit haben die beiden Brüder Leo und Willi das Gardekorps und die Kommunalbehörden mit Textilien beliefert. Leo Sklarek wurde als feindlicher Ausländer in Militärgewahrsam genommen; er kam um seine Einbürgerung nach. Dem Gesuch sollte stattgegeben werden unter der Bedingung, daß er seiner Militärpflicht genüge. Er wurde k. v. geschrieben, aber von seinem Bruder wenige Monate vor Kriegsende unter dem Borwaude reklamiert, weil Kriegsliese- rungcn zu erledigen wären. Auch eine andere interessaMe Angelegenheit kam zur Sprache. Mar Sklarek hatte nämlich die Gewohnheit, eine Wahrsagerin in Neukölln, eine Frau Seidlcr, wegen zukünftiger Geschäftsaus- sichten zu befragen. Willi behauptet, deswegen mit seinem Bruder ständig Streit gehabt zu haben. Vors.: Die Wahrsagerin hatte doch Ihrem Bruder Max einen ganz guten Tip mit K i e b u r g gegeben. Uebrigens besuchte auch Leo Sklarek die Wahrsagerin. Er habe zwar nicht an sie geglaubt, es seien aber sehr viele pro- minente Persönlichkeiten des Berliner Magistrats bei der Wahr- sagerin ein- und ausgegangen; sie hätte ihm auch erzählt, haß sie mit Erfolg inr kaiserlichen Hauptquartier während des Krieges ge- weissagt habe...(Na, also!) Es folgt die Erörterung der Geschäftsgründungen der Gebrüder Sklarek. Im Jahre 1921 wurde die Offene Handels- gcsellschaft gegründet. Leo Sklarek brachte 100 009 Mark ein. Vor- sitzender: Und Ihr Bruder Max, was brachte der ein? Leo Sklarek: Gar nichts. Wir wollten ihn nur als Organisator. Die Räume auf dem Hausvogteiplatz wurden bald zu eng, es wurden in der Nieder- wallstraße Fabrikationsräume gemietet. Im Jahre 192ö wurden die Textilwerke Gebrüder Sklarek gegründet; um Dcckenlicferungen aus- führen zu können, sogen die Angeklagten. Schließlich bestanden in der Kommandantenstraße, in der die Brüder Sklarek ihre Geschäfte betrieben, drei Firmen. In der ersten Etage war Max Sklarek in der KVG. tätig, in der dritten Etage hatte Leo Sklarek bei der Textilgroßhandlung fein Bureau, und in der 4. Etage befand sich der Fabrikationsbetrieb von Willi Sklarek. Leo Sklarek schildert die Dinge wieder so, daß er sich fast nur um sein Gestiit gekümmert habe und im Büro nur selten gewesen sei. Vorsitzender: Sie waren es, der hauptsächlich mit der Stadtbank verhandelt hat? Leo Sklarek: Nein, ich habe nur Austräge aus- geführt. Die geschäftlichen Dinge waren mit Direktor Hoffmann i» fünf Minuten erledigt. Dann unterhielt ich mich mit ihm über Pferde, er hatte die verschiedensten Anliegen an mich, ich war für ihn die Versorgungsperson, wir waren die besten Freunde. Wir haben uns auch zusammen photographieren lassen. Vorsitzender: Direktor Hoffmann hat sich aber beschwert, daß Sie ihn stundcnlana aufhalten. Leo Sklarek: Das ist nicht wahr. Oer Stadtbankdirektor sagt aus. Direktor Hoffmann: Ja, die Besuche dehnten sich außerordeni- lich aus. Natürlich mußte ich Herrn Leo Sklarek gegenüber Höf- lich sei», da er unser Kunde war. und ich tat es im Interesse der Bank. Wir haben doch anderthalb Millionen für die Bank heraus- geholt. Tos ist das furchtbarste, was mir passieren konnte, daß ich jetzt hier sitze. Das Bankinstitut ist ein Stück von mir selbst, und jetzt habe ich den Speer in den Rücken erhalten.(Mit erhobener Stimme): Ich habe nur meine Soldatcnpslicht erfüllt und steh- hier als Lumpt Leo Sklarek(nicht minder erregt): Ich glaube, wir waren die besten Freunde. Direktor Hofsmann: Freundschaft das ist so ein Begriff. Zwischen Ihnen und mir besteht eine unüberbrück- bare Kluft. Leo Sklarek(in höchster Erregung): Führen Sie hier keinen Sokrates auf wie im Landtag. Am 10. Februar kamen wir aus Pistyan, am 20. haben Sie die ganze Nacht mit mir durch- gezecht. Nachdem durch die Revision die ganze Angelegenheit auf- gedeckt war, wäre es Ihre Pflicht gewesen, mir alles zu sagen. Hoff- niann: Soo?! Rechtsanwalt Dr. Pindar: Ist es richtig, daß auch Ihre Frauen miteinander verkehrt haben? Direktor Hoffmann: Ii. Ich habe ja nicht gewußt, daß die Fälscher die Sklarcks waren. Die Sklareks als Idealisten? Leo Sklarek: Das sind sie heute noch nicht, Herr Hoffmann. Wir sind I d e a l i st e n. Willi Sklarek(in noch größerer Erregung) zum Stadtbankdirektor Hoffmann: Warum sind Sie jetzt so feig«? Alle Stadtbankdirektoren und alle hohen und höchsten Magistrats- S�-Bursdren ziehen um Alte Naxi-Kasernen werden geschlossen- neue erstehen Das energische Durchgreifen der Berliner Schuhpolizei gegen die militärischen Slühpunkle der SA.-Kolonncn hat den llebermut dieser Terrorgruppen etwas gedämpft. Dabei suchen sich seht die Berliner Nationalsozialisten, die immer unvcrhüllter ihre Rüstungen mm Bürgerkrieg betreiben, als die verfolgte Unschuld hinzustellen.„1000 SA.-Leule obdachlos",„6000 Nationalsozialisten ohne Essen"...Obdachlose SA. von der Polizei verhaftet", lauten die Schlagzeilen der faschistischen Presie Berlins.' Diese Ablenkungsmanöver werden die wachsame Arbeiterschaft nicht irreführen. So gingen uns am Tage nach der Schlichung der berüchtigstcn Nazikascrncn sortgefetzt Mitteilungen zu, daß am Tegeler Weg Nr. 7 der SA.-Sturm 31 ungeniert sein Treiben sort- setze. Man tümmerte sich dort nicht weiter um das Verbot, sondern hauste ruhig in der Kaserne weiter, als wäre nichts geschehen. Das ging so lange, bis am Dienstag ein Polizeikommando vorfuhr und acht SA.-Leute, die verbotswidrig in ihrer ehemaligen Kaserne weiter genächtigt hatten, festnahmen und zum Polizeipräsidium brachte. Auch die Ausräucherung der Nazikasernc in der Lützowstraße 93 verlief nicht ohne Reibereien. Hier stellte sich die ausquartierte Be- satzung vor der Haustür auf und jammerte, wie uns Augen- zeugen berichten, den Passanten vor:„Warum schmeißt uns denn die Polizei auf die Straße? Jetzt haben wir keine Wohnung mehr, wo sollen wir bloß schlafen?" Dabei haben die Burschen, die die Polizei in den meisten Fällen feststellte, Untcrkunstsmöglichkeiten bei ihren Eltern. Wenn nun die„Deutsche Zeitung" in ihrer Abendausgabe vom Dienstag schreibt, das Mobiliar wäre schließlich wieder in das Haus Liitzowstraße 93 geschafft worden, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Wir freuen uns, daß durch unsere Veröffentlichungen die Wachsamkeit der republikanischen Bevölkerung geschärft worden ist. So wird uns mitgeteilt, daß die SA.-Deute von der Lühowstrahe 93 in eine lecrstchenoe Grohwohnung in der S ö r n c r fl r a ß c 1 gezogen sind: andere haben sich in der Fottwellstraße verborgen. Die Berliner Ar- beiter werden den nationalsozialistischen Mordbuben weiter gehörig auf der Spur bleiben. Wir werden noch nachträglich von Friedenauer Iugendgenossen darauf aufmerksam gemacht, daß fast kein Tag verging, an dem nicht Ueberfälle auf Mitglieder der SBIkKon der Friedcnauer Nazikaserne in der Fregestr. 6 aus organisiert wurden. So gut wie jeder Heimabend unserer Friedenauer Jugend wurde von SA.-Leuten belagert und die Genassen auf dem Heimwege hinterrücks überfallen. Am 28. Juli wurde dabei dem Genossen Herbert T. das Nasenbein eingeschlagen. Am Tage darauf mußten sich die Jugendgenossen van Schutzpolizisten nach Hause begleiten lassen, da die SA. gedroht hatte, ihnen alle Knochen zu brechen und schließlich am 10. Sep- tember wurde der Jugendgenossc Walter T. furchtbar von den SA.-Hordcn zugerichtet. Es wird für Friedenau noch festzustellen sein, ob die bisherige Polizeiaktion ausreicht, um den Terror der Friedcnauer Sturmkolonnen der 5)arenkreuzler wirklich zu brechen. WENNDEltffcfc� �sOA£4/V bös VÖ/V „Arme Kleine!" bestätigt Frau Caspari. Heute ist die Lotte Mitte zwanzig. Wie lange noch, und es kommen jüngere, die srischer sind und besser aussehen. Man müßte das alles ganz anders organisieren. Dazu verbittert sie sich selbst ihr Leben durch Intrigen gegen die Kollegen. Warum haßt die Hinzelmann die Rosolf? Warum hält sie nicht zu ihr, die doch auch eine Angestellte ist? Neid und private Zanke- reien geben den Ausschlag und lassen keine Solidarität auf- kommen. Frau Caspari beschließt, zum Slbschied Fräulein Hinzelmanns Kopf etwas zurechtzurücken. Sie hat die Kol- legin trotz des Plappermaules im Laufe der Jahre als an- ständigen Menschen schätzen gelernt.. „Sein Sic inal einen Moment still, Lotte, ich mutz Ihnen was sagen." Sie drückt Fräulein Hinzelmann auf ihr Stühl- chcn nieder und setzt sich aus die Kante des Schreibtisches. Also passen Sie mal auf: wäre es nicht besser, Sie würden sich mit Fräulein Rosolf gut stehen? Ruhe, jetzt rede ich!" unterdrückt sie jeden vorzeitigen Einwand.„Ihr braucht ja nicht miteinander Brüderschaft zu trinken, aber im Büro kann doch Harmonie herrschen. Zusammenarbeiten! Es ist alles so verkehrt! Der„Meckerer" faselt dauernd: wir ziehen alle an einem Strang, ober es ist nichts dahinter! In diesem Kontor kann von einem Zusammenhalten der Angestellten gar keine Rede sein und so ist es doch wohl in den meisten kleinen Be- t�i Na klar, Mensch!" Fräulein Hinzelmanns Ton klingt mürrisch'„Ich kenne den faulen Zauber von Grund aus." Das mutz sich ändern!" ruft Frau Caspäri.„Warum seid ihr nicht alle im Verband?! Wenn es darauf ankommt, sich beim Chef lieb Kind zu machen, vergeht ihr die Kollegia- lität und geht über Leichen.. A" „Jeder will vorwärts kommen. Wenn man eine Kol- legin ausstechen kann, soll mans tun, sonst tut sie es, ver- kündet Fräulein Hinzelmann ihr Evangelium des Erfolges. „Das ist falsch und dumm! Was haben Sie davon, gegen die Rosolf zu stänkern?," „'n Vergnügen!" Fräulein Hinzelmann winkt ab.„Lassen Sie man. Ich weiß, daß Sie es gut meinen, aber Sie sind ja jetzt sozusagen der feine Mann, Sie betrachten uns Büro- angestellte von außen, auch wenn sie noch ein paar Tage hier arbeiten. Ich Hab früher als Pimf die besten Absichten gehabt. Mit siebzehn Jahren trat ich bei Carl Bcrner Nach- folger ein. Das ist die Druckerei in der Grabenstraße. Ne feine Wirtschaft mar da! Lauter Weiber. Ich hatte Angst vor der Kontoristin, die drei Jahre älter war, und die hatte Angst vor der Stenotypistin, und die hatte wieder Angst vor der Buchhalterin, einem Satan von 30 Iahren, und das Ganze zitterte vor dem Prokuristen. Der Chef war ein netter alter Jude. Damals wollte ich noch mit allen Leuten in Ein- tracht leben aber inzwischen bin ich müde geworden. Glauben Sie mir: man wird so stumpf und interesselos, wenn man jahraus, jahrein im Büro hockt, gleichgültig, ob es sich um Carl Berner Nachfolger oder um Ed. Silvester u. Söhne handelt. Man denkt gar nicht mehr darüber nach, was man tut, wenn man anfängt nachzudenken... Na, lieber nicht! Und was die Vilma Rosolf betrifft, so ist das alles nicht so schlimm. Natürlich Hab ich ne Wut, weil sie es besser ver- steht, und wenn sie wieder mal'n neues, pikfeines Kleid an hat, möcht ich ihr die Wasserwellen zerraufen, aber das ist nur eine Augcnblickssache. Im Grunde meine ich es nicht bös. Ich verstehe nicht, daß Sie überhaupt zuhören. Was geht denn sie das noch an?" Es klingt feindselig. „Fräulein Hinzelmann, geben Sc mal diese Depesche durch. Aber sofort." Bürochef Ziege ist eingetreten. Es ist seine Art, plötzlich da zu sein, ohne daß ihn jemand kommen hört.„Können Sie olles lesen?" Er fährt mit dem Zeige- finger die Reihen des Telegrammformulars entlang.„Roggen- cohn, Riga!" Diese Telegrammadresse ist Herrn Ziege be- sonders wichtig, denn er wiederholt noch einmal: indem er Frälilein Hinzelmann hypnotisierend in die Augen sieht: „Roggencohn, Riga. Einfach." „Bitte die Tclegrammausnahme!" hört Frau Caspari Fräulein Hinzelmann telephonieren. Sie kommt sich plötzlich überflüssig vor. Hier geht alles weiter wie immer, ohne sie und ihre guten Ratschläge. Ich werde nichts ändern, sieht sie ein. Ich werde eine hübsche Wohnung haben, schöne Kleider tragen und dieses eine Jahr der langweiligen Arbeit bald vergessen. Aber Lotte Hinzelmann mutz bleiben, mutz weiter Stenogramme aufnehmen, Telegramme durchgeben, jeden Werktag von acht bis vier in den Räumen der Firma Ed. Silvester u. Söhne das tun, was man von einer guten Stenotypistin mit französischen und englischen Sprachkennt- nissen verlangt. Zur Erholung darf si- sich mit den Kollegen herumzanken. Frau Caspari fühlt eine große Erleichterung. Ich bin frei! Ich kann leben wie es mir gefällt! Gleichzeitig denkt sie beschämt: ich werde der kleinen Hinzelmann etwas Schönes schenken. Zum Andenken! „Der Chef wollte mich sprechen." Johannes Frey, der Betriebsobmann der fünfzehn Lagerarbeiter in den beiden Silvesterschcn Speichern, tippt Fräulein Hinzelmann auf die Schulter. Er ist um die dreißig herum und groß und breit ge- wachsen. Sein Gesicht zeigt den vierkantigen, ostpreußischen Typ. „Hab ich mich erschreckt", juchzt Fräulein Hinzelmann. „Sie müssen immer ihre Wippchen machen." Eine Anrede vermeidet sie. Nur einfach den Namen zu nennen, erscheint ihr unpassend und noch unpassender, vor diesen Namen die Bezeichnung Herr zu setzen. Der Begriff Genosse ist ihr un- bekannt oder zum mindesten nicht geläufig. „Sonst merken Sie am Ende nicht, daß ich da bin." Frey grüßt kurz Frau Caspari, die in den Briefordnern kramt, um nicht unbeschäftigt zu sein, wenn ein Außen- stehender in die geheiligten Büroräume eindringt. Fräulein Hinzelmann schwankt in ihren Sympathien für Frey. Sie bewundert seine trainierte, muskelbewehrte Männ- lichkeit und wird abgestoßen, weil ein Arbeiter unter dem Büroer rangiert.„Ich melde Sie!" Sie kurbelt zum Ches. „Sie, sollen reinkommen!" James wühlt in gleichgültigen Papieren. Er sitzt hinter dem Schreibtisch, weil man dort immer sicher und geborgen sitzt. Der Schreibtisch sondert scharf und akzentuiert den Machtbereich der Gnadensonne von der Sphäre der Besucher oder Bittsteller. Bor ein paar Tagen stand James als Schnorrender vor einem Schreibtisch, jetzt darf er hinter diesem Schutzwatt das beruhigende Gefühl des Chefs genießen. „Morgen, Herr Silvester!" „Morgen, Frey! Setzen Sie sich bitte." Im Bcrkehr mit seinen Arbeitern gelingen James joviale Herzenstöne.„King fei artig!" Er gibt der Dogge, die verdächtig zu knurren be- ginnt, einen Klaps auf den Schädel. „Die übliche, freundliche Begrüßung. Kennen mir schon." Frey hat sich aus einen Stuhl vor dem Schreibtisch gesetzt. „Immer ruhig Blut, mein Schwälbchen____ Ja....!" (Fortsetzung folgt.) bcamfcn haben um uns herumgeschwänzelt und war«n froh, wenn sie mit uns ausgehen konnten. Es ist eine Unverfrorenheit, schämen Sie sich! Nachdem wieder einigermaßen Ruhe eingetreten ist, fragt der Vorsitzende den Angeklagten Leo Sklarek, ob er überzeugt gewesen sei, daß die Geschäfte in gutem Gange seien. Leo S.: Wenn ich von Maxens Gebaren früher gewußt hätte, ich schwöre Ihnen, es wäre nie passiert. Vors.: Schwören Sie besser nicht. Leo Sklarek: Max Sklarek hat mit seinen Freunden beim Magistrat alles fertig- gemacht. Es werden nun die abendlichen Ausgänge von Leo Sklarek mit den verschiedenen Leuten erörtert. Leo S. behauptet, daß diese Ausgänge mit geschäftlichen Dingen nichts zu tun gehabt hätten. Er sei einfach mit seinen Freunden aus gewesen. Es waren die größten Persönlichkeiten darunter: allerdings habe er größtenteils bezahlt. Daß Max Sklarek diese abendlichen Ausgaben gebucht hat, sei möglich. Er habe wöchentlich wie auch die anderen Brüder tOOO Mark aus dem Geschäft gezogen. Bei einem jährlichen Um- satz von drei Millionen habe er das für übertrieben gehalten. Roch Ende 9128 habe der Buchhalter Lehmann auf feine Frage er- widert, das Geschäft sei aktiv. Die KVG. sei mit einem großen Loch übernommen worden, man habe mit einer Million Monats- umsatz gerechnet. Angesichts der Kieburgschen Konkurrenz sei aber nicht mehr als für 3V 090 Mark monatlich umgesetzt worden. Max S. habe aber gesagt: Kümmere dicht nicht, in zwei Iahren werden wir alles haben. Im übrigen will Leo S. in den Gang des Geschäfts keinen Einblick gehabt haben. Die Vernehmung der Angeklagten Kohl, D e a n er, Gäbet und Schneider dreht sich hauptsächlich um die�frage, ob Auf- sichtsratsmitglieder der KVG. die Beamteneigenschaft besessen hätten. Die Angeklagten verneinen das. Nur der Angeklagte Klossowfki, der die Liquidation der KVG. zu betreiben hatte, ist der Ansicht, daß der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Kohl, sein Vorgesetzter ge- wcsen sei. Die Verhandlung geht am Donnerstag weiter. Ruhe in der Bannmeile. Absperrungen der Schuhpolizei.— Keine Zwischenfälle. Die skandalösen Vorgänge bei der Reichslagserösfnung im Ol- tobcr des vergangenen Jahres und der am gleichen Abend erfolgte Schaufenstersturm nationalsozialistischer SA.-Kolonnen in der Leip- ziger Straße hatten der Berliner Schuhpolizei Veranlassung ge- geben, bei der gestrigen Reichstagstagung Absperrungen in großem Ausmaße �n der Umgebung des Reichstages vorzunehmen. Bereits mittags fuhren die Wagen der Polizei im Tiergarten auf und zogen alsbald die Sperrketten, so daß niemand ohne Reichstagsausweis passieren durfte. Der Sperrkreis wurde gegen IZ Uhr noch erweitert: er erstreckte sich in der Friedrich-Ebert-Straß« bis zur Lennestraße und reichte in der Straße Unter den Linden bis über die Wilhelmftraßc. Daß diese Abspcrrmaßnahmcn durchaus einen Zweck und Sinn hatten, bewiesen die zahlreichen Gruppen halbwüchsiger, meist hakenkrcuzler, die im Tiergarten und vor den Sperrketten umherstanden, aber kein„Betätigungsfeld" fanden. Gegen 18.30 Uhr kam es am Spittelmarkt zu einer Zusammen- rottung von etwa 400 Kommunisten. Es wurde gerufen:„Wir hoben Hunger, nieder mit der Regierung!" Beim Erscheinen der. Polizei löste sich die Menge auf. Gegen 18 Uhr waren die Absperrungen der Schutzpolizei zum größten Teil bereits wieder aufgehoben, nur an einigen besonders beliebten Radaupunkten der Innenstadt wurden noch stärkere Schupopostcn aufgestellt. Im Laufe des ganzen Tages ist nicht«ine .einzige Festnahme«rfÄgt...." iz:..."'•'hr Laubenland für Erwerbslose. Magistrat stellt stadteigenes Gelände zur Verfügung. Auf dem Oberpräsidium wurde gestern die 5)ergabe von Kleingartenland an Erwerbslose besprochen. Die Vertreter der Stadt Berlin stellten in Aussicht, daß der Magistrat stadteigenes Gelände in verkehrsgünstiger Lage als Kleingartenland bereitstellen wird. Die Verhandlungen wegen der Verfügungstellung staatlichen Geländes werden sofort vom Oberpräsidium aufgenommen. Die Hergabe von städtischem und staatlichem Gelände soll erfolgen, sobald der Bedarf an Kleingärten für Erwerbslose in den einzelnen Stadtbezirken festgestellt ist. Der stellvertretende Vorsitzende des Rcichsvcrbandes der 51leingärtenvereine Deutschlands, der sozialdemokratische Stadtverordnete R e i n h o l d, erklärte sich für seine Organisation bereit, Erwerbslose zu beraten und ihnen bei der Einrichtung und Bewirtschaftung des Gartens zur Hand zu gehen. Kreuzverhör im Calmette-Prozeß. Oer Hauptangeklagte wird weiter vernommen. Lübeck. 13. Oktober. Bei der weiteren Vernehmung des Angeklagten Dr. Altstaedt Zur Frage der Anwendung des Calmette-Verfahrcns wurde der An- geklagte in ein Kreuzverhör der Staatsanwälte und der Ver- treter der Nebenkläger genommen. Dr. Altstaedt bekundete u. a., man habe in Lübeck nicht daran gedacht, kranke Kinder zu füttern, sondern nur gesunde. Nachdem die hygienische Sektion des Völkerbundes, an der drei Vertreter des Reichsgesundheitsamts teilnahmen, Stellung zum Calmette-Präparat genommen und das Gesundheitsamt eine neuere Verfügung nicht herausgegeben hätte, habe er annehmen können, daß das Gesund- heitsamt seine früheren Bedenken zurückgestellt habe. Altstaedt be- tonte aus weitere Fragen, er habe nicht mit der Möglichkeit rechnen können, daß ein seit 1921 abgeschwächter Bazillus innerhalb von sechs bis acht Monaten wieder virulent werden könne. Ihm sei auch nicht bekannt gewesen, daß man die Kulturen, im Gegensatz zu der von Calmette angewandten Art der Züchtung auf Rindergalle, in Lübeck auf Eiernährboden anlegte. Der Vorsitzende vertagte darauf die Verhandlung mit Rücksicht auf den sehr abgespannten Angeklagten. Zwei Krauen bei einer Explosion getötet. London. 13. Oktober. Durch eine schwere Explosion in der Spinnerei Burnley& San» bei Lccds wurden zwei Frauen getötet und 40 Personen zum Teil schwer verletzt. Das Unglück entstand infolge Platzens einer lleber- tzihungsanlage. Das Glasdach und die vlauerwände stürzten«in und begruben Dutzende von Arbeitern und Arbdterinnen unter sich. Spcechchor für Proletarische Feierstunden. Di- Ucbungsstunde findet in dieser Woche am Donnerstag, dem IS. Oktober. 19'.» Uhr. im Gesanassaal der Sophienschule, Weinmcisterstroße 16—17, statt. Es wird zur Feier im Rundfunk und zur Revolutionsfeier geprobt. Neue Milgliedcr— Männer. Frauen und Jugendliche—'werden aufgenommen,_ Probleme der Jugendfürsorge. Eine Aussprache.- Wie die Russen Reklame machen. Man muß den Sowjetleuten zugeben, daß sie sich auf Pro- p a g a n d a verstehen. Die Vorführung des Films„Der Weg ins Leben", die kürzlich im Mozartsaal stattfand und zu der im wesentlichen solche Teilnehmer geladen waren, die an den großen Erziehungsproblemen der Gegenwart interessiert sind, diente als Grundlage zu einer Aussprache über die Fragen der Fürsorge- erziehung, die die Kommunisten nach dem Scheuenprozeh mit be- sonderer Vorliebe für die Verherrlichung angeblich idealer russischer Zustände ausnützen. Der Film zeigt eine Rotte schwer belasteter, völlig verkommener Kinder, die raubend und stehlend, geschlechtskrank und zerlumpt Rußland durchziehen. Ein junger Mensch, Angehöriger der GPU., nimmt sich ihrer an, und es gelingt ihm das große Experiment, das er sich vorgenommen hat: Die hemmungslosen, asozialen, ver- brecherischen Jugendlichen gründen eine Kommune und leisten dort wertvolle Arbeit für die Allgen.- iiiheit. Seelische und geistige Kräfte werden in ihnen geweckt und verwandeln diese Kinder nach mehr- fachen Rückschlägen in frische, gesunde, glückliche, arbeitsame junge Menschen. Der Weg aber, den dieser Erzieher einschlägt, ist nicht etwa die Form irgendeiner Gewaltmethode, Strenge, Drill und Kasernenhofgeist, sondern diese Jugendlichen werden einfach als Menschen behandelt, mit Güte, Herzlichkeit und chumor zur Verwirk- lichung ihrer besten Anlagen, ihrer Charakterfähigkeiten und Talente geführt. Was in diesem ersten russischen Tonfilm gezeigt wird, ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt, ein Idealbild, das eine ganze Reihe schwieriger Probleme außer acht läßt. Es sind auch trotz der russischen Umwelt und trotz der russischen Menschen nicht etwa neue, von Sowjelrußland ausgehende Erziehungsvorfchläge, die hier gemacht werden, sondern es ist umgekehrt: die kommunistische Weltanschauung hat hier eine Anleihe bei einem der größten Er- zieher Deutschlands, bei Pestalozzi, aufgenommen. Mit der Erziehungsmethode, den Menschen als Menschen zu behandeln, die der Film zeigt und für die die Sozialdemokratie seit Jahrzehnten eintritt, sind wir völlig einverstanden— sie ist eine einfache S e l b st- Verständlichkeit für jeden sozialistischen Erzieher. Was wir. ablehnen, ist nur die Tatsache, daß man uns diese Selbst- Verständlichkeit als großes, neues russisches Experiment vorsetzt, das die Ideenfülle, die Großzügigkeit und den humanen Geist in einem Lande beweisen soll, in dem freie Meinungsäußerung und persönlich« Freiheit nur auf dem Papier stehen. In der sehr ausgedehnten lebhaften Diskussion sprachen unter anderen Stadtrat Dr. Friedländer, der mit Recht betonte, daß man die im Film gezeigte kollektivistische Erziehung nicht ohne wei- teres auf deutsche Verhältnisse übertragen könne. Er bemängelte auch mit Recht, daß der Film die s e x u e l l e F r a g e der Fürsorge- Zöglinge, die getrennt von der übrigen Welt in einer Gemeinschaft leben, völlig außer acht läßt.. Pfarrer Bleyer bezweifelte, daß es in der Sowjetunion nur solche Jdealerzieher gäbe, wie sie der Film zeigte. Das Ganze sei ein Anfang, der begrüßt werden könne, und es sei zu fordern, daß die Hauptmittel des Staates überall für die Erziehung des Menschen verwendet würden. Auch zwei ehe- malige Fürsorgezöglinge kamen zu Wort, die von ihren Er- lebnissen berichteten und scharfe Kritik an den Methoden eines großen Tests der deutschen Fürsorgeanstalten übten. Der leitende Fürsorger des Landesjugendamts Berlin, Ehrhardt, wies darauf hin. daß es trotz Scheuen in Deutschland eine Reihe von gut geleiteten Anstalten gäbe. Leider seien diese Anstalten, die vorblldlich für alle sein müßten, noch nicht die Regel. Es müsse jeder Fußbreit Boden gegen die Reaktion erkämpft und verteidigt werden. Die Er- ziehungsrichtlinien des Ministeriums seien nichtssagend. Er kenn- zeichnete das Elend der erwerbslosen Jugend und schätzte die Zahl der männlicher Prostitution verfallenen Jugendlichen in Berlin auf 30 000.(? Red. d.„V.") Ein Iungdeutscher sprach über die freiwillige Arbeits- dienstpflicht, und ein L i n k s k o m m u n i st lehnte den Film rück- sichtslos ab, da hier mit den raffiniertesten Methoden die Jugend- lichen zur Anerkennung einer Autorität gezwungen würden. Wie Berlin spart. 24 Millionen Mark Einsparungen in diesem Jahr. Dem Haushaltsausschuß der Stadtverorduetenversamm- lung wurde in seiner gestrigen Sitzung durch den S t a d t k ä m- m e r e r ein ziffernmäßiger Bericht über die Einsparungen bei den einzelnen Haushaltsposten überreicht. Diese Zusammen- stellung stellt eine Ergänzung des Berichtes des Oberbürgermeisters über die Finanzlage und über die getroffenen Sparmaßnahmen dar. Nach dieser Zusammenstellung ergeben sich sür das Haushalts- jähr 1931 voraussichtlich folgende Mehreinnahmen und Mindcraus- gaben: Allgemeines 1 540 000 IN. Allgemeine Verwaltung.»•»„» 594 050„ Bauwesen..........« 1 022 100 n Schulwesen.....,.»»,3 603 980„ Kunst und wissenschost 218 020„ Wohlfahrt....>.....,.,. 6804 000„ , Gesundheitswesen.......1666300.. Betriebe........... 2 975 000„ Finanzverwaltung. 5 500 000„ insgesamt 23 923 450 IN. Der Haushaltsausschuß nahm einen Antrag an, wonach den Lehrern die Mitgliedschaft bei der Krankenkasse erhalten bleiben soll. Der Magistrat bzw. der Oberbürgermeister werden ersucht, zu oeranlassen, daß den am 1. Oktober 1931 entlassenen Lehr- Personen, die bei ihrer Entlassung Mitglieder der Städtischen Krankenoersicherungsanstalt waren, das Recht auf Mitgliedschast erhalten bleibt._ Schießwüiiger Kommunist. Der Schuß auf den Schupo.— Zwei Jahre Zuchthaus. wegen versuchter Tötung des Polizeiwachtmeisters krebs hatte sich gestern vor dem Schwurgericht I der 2gjährige Arbeiter Franz Roßbauer zu verantworten. In der Nacht zum 21. Juli hatte der Polizeiwachtmeister Krebs in der Gubener Straße eine kommunistische Klebe- k o l o n n e verscheucht. Als er um die Ecke kam, stieß er auf den Angeklagten, den er als Mitglied der KPD. kannte und den er für den Führer der Kolonne hielt. Er wollte Roßbauer verhaften, dieser riß sich ober los und hielt dem Beamten mit den Worten:„Weg, oder ich schieße" eine Pistole entgegen. In demselben Augen- blick krachte auch schon ein Schuß, die Kugel traf den Beamten aber nicht, da dieser zur Seite gesprungen war. Durch hinzu- gekommene Polizeibeamte wurde Roßbauer dann entwaffnet und festgenommen. In der Verhandlung behauptete der Angeklagte, daß er nicht die Absicht gehabt habe, auf den Beamten zu schießen, der Schuß sei von selbst losgegangen. Er habe die Pistole kurz vorher einem Nationalsozialisten, der ihn bedroht hatte, weggenommen, und er habe geglaubt, daß es eine Schreckschußpistole sei. Der von dem Angeklagten benannte Nationalsozialist, ein 19jähriger Arbeiter, bestritt aber unter seinem Eide, daß er eine Pistole gehabt habe. Es sei richtig, daß der Angeklagte an ihn, während er mit seinem Freunde in der Haustür stand, vorbeigekommen sei. Roßbauer habe ihm im Gegenteil zugerufen:„Dir jage ich noch eine Kugel in den Leib." Polizeiwachtmeister Krebs bekundete, daß der Angeklagte die Waffe auf ihn gerichtet hatte. Das Schwurgericht verurtestte den Angeklagten, gegen den Staatsanwaltschaftsrat Äreismann vier Jahre Zuchthaus beantragt hatte, wegen versuchten Totschlages, Widerstandes und unerlaubten Waffenbesitzes zu zwei Jahren Zuchthaus. Dreimal zum Toöe verurteilt! Tüblugeu, 13. vklob«. Das hiesige Schwurgericht verurkeilte heute deu Hilfsarbeiter Eugen B e y l e aus Engelsbrand, Oberamt Reucuburg, wegen drei- fachen Wördes dreimal zum Tode und wegen Totschlags zu acht Jahren Zuchthaus unter Aberkennung der bürgerlichen Ehren- rechte. Beylc hatte in der Rächt vom 27. auf den 28. INärz in Engelsbrand die Eheleute Zoll, die seine Schwiegereltern waren. ferner seine Frau und sein acht Jahre altes Söhnchen mit der Axt erschlagen.___'_ Auslieferung Matufchkas beantragt. Budapest. 1Z. Oktober. viel besprochen wird hier die Frage, ob Oesterreich den Attentäter Maluschka au Ungarn oder an Deutschland ausliefern wird. Das ungarische Ausliefcrungsgesuch ist bereits am Dienstag nach Wien abgesandt worden. Wien, 13. Oktober. Wie das„Neue Wiener Abendblatt" meldet, gab Matuschka im Laufe des Verhörs an, daß der eigentliche Täter, der die Anschläge bei Jüterbog und Bia Torbagy verübt habe. Bergmann heiße. Obwohl Matuschka mit dem Täter angeblich wiederholt zusammen war, will er weder seinen Vornamen, noch seine Wohnungsadressa kennen oder sonst Näheres über seine Person wissen. DaS Wettfrisieren der Vierzig. Die Hoarformer-Innung von 1737 zu Berlin— mit ihrem Alter von fast 200 Jahren.wohl Mlt die öltest« aller Zünfte—- ver- cinstaltete w den Grsamträumen des Zoologischen Gartens chr dies- jähriges Preisfrisieren, verbunden mit der Berufsbcdarfsmesfe� bei fröhlichen Musikklängen hantieren 40 geschickte Figaros an den blonden, braunen und roten Köpfen zartgeschminkter Mädchen. Zu- erst wird das reichlich unansehnlich wirkende schlichte Haar kunstvoll in winzigen Strähnchen um Metallkapseln, Röhrchen, Gummi- plättchen usw. gewickelt, dann wandert der also geschmückte Kopf unter die Dampshaube, und aus den glatten Strähnen ward Plötz- lich ein lockiger Wuschelkopf: das ist aber bloß eine Uebcrgongs- station, denn jetzt wird die ganze Lockcnpracht unter Wasser gesetzt und das also präparierte Haar in Wellen gelegt. Helldorf-Prozeß»och in diesem Monat. Das Schöffenge ri cht Charlotten bürg wird sich in seiner neuen Sitzung auf Grund der Ablehnung des bisherigen Gerichts noch in diesem Monat mit dem 2. Kurfürstcndamm-Prozeß gegen den Grafen Helldorf und Genossen zu beschäftigen haben, und zwar wird Termin zur Hauptoerhandlung voraussichllich aus den 22. Oktober anberaumt werden. Slettiner Sänger im Reichshallen-Theater. In ihrem Oktober- Programm bringen die Stettiner Sänger allabendlich eine Reihe lustiger Couplets zum Vortrag. Als Einleitung gelangt ein flott- gesungenes Potpourri„Bummelbrüder" und ein humoristisches Quartett O. Marie von Rudi Schräder. Als Groteskkomikcr ge- ielen Paul B r i t t o n und als Gast Alfons B o r n e m a n n. In einen sächsischen Humoresten erntete Martin Brauer großen Bei- all. Eine gut zusammengestellte Fantasie„Brunnenzauber", Traumerscheinungen in 8 Bildern, und eine Schluß-Humoreske „Alte Studenten" fanden langanhaltcnden Beijall. Welteraussichten für Verlin: Vorübergehend stärker bewölkt, abcr keine erheblichen Niederschläge, kühler.— Für Deutschland: Im Südosten und Süden noch meist heiter und am Tage sehr mild, im übrigen Reiche etwas veränderlich, aber nirgends wesentliche Niederschläge, kühler._ Sport. Rennen zu Grunewald am 13. Oktober. Preis von Rhciusbcrg: l. Lotlchcn(Sajdii): 2. Liberto: 3. Miß Augias. Toto: 116:10. Platz: 37, 17, 33:10. Ferner liefen: Bcrräter, Ltzco- medes, Stilet, Falena, Bekas, Island, Faienza. Preis von Templin: 1. Pcrillo(O. Schmidt): 2. Edelknabe: 3. Jandeni. Toto: 25:10. Platz: 14, 17:10. Fenier liefen: Anskar, Adebar. Preis von Bernau: 1. Palastpage(Pretzner); 2. Goliath: 3. Lsculor. Tow: 18:10. Platz: 10, 11:10. Ferner liefen: Citadcllc, Ostermädcl. Preis von Cottbus: 1. Thcseus(Grabsch): 2. Rosenau: 3. Le Mauvais. Toto: 30:10. Platz: 18, 15:10. Ferner liefen: Margot, Ostkinb, Elbrus. Preis der Mark: 1. Marie Louise CO. Schmidt): 2. Kavallerist: 3. Markgraf. Toto: 20:10. Platz: 12. 1«. 20:10. Ferner liefen: Prascct, Mifsour», Reichsmark, SUberslreis. Preis vom Sprectoald: 1. Menterpolier iÄrabschi: 2. Castor: 3. Sterne eck. Toto: 22:10. Platz: 21, 23:10. Ferner liefen: Teddy, Tarnschild, Forno. Preis von Lübhen: 1. Rote Nelke(®. Streit); 2. Nomos: 3. Gassen- junge. Toto: 148:10. Platz: 59, 43, 41:10. Ferner liefen: Wunderblume, Ziahrvleiscr. Elpi, Patriarch. Jambus, Kirgise. Lysander, Silberfuchs, Henvill. Hier faivjt's an beug« wpf— gurgletr ecken KJftStävA rn il« o flr. 481• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 14. Ottober 1981 Wirifchastsdrama und Monopolmagnaten Die Herrschast der Kapital- und Unanzoligarchie muß gebrochen werden. Die Geschichte des Unglücks der deutschen Volks- Wirtschaft, die Geschichte der Sonderkrrse der deutschen Wirt- schast ist mit der Geschichte der deutschen monopolistischen Industrien und der Politik der diese Industrien beherrschenden Magnaten identisch. I« länger die vier Millionen arbeitslosen Menschen in Deutschland leiden und je länger die Reichsregierung sich den mono- polistischen Magnaten gegenüber als ohnmächtig erweist, um so mehr wird diese Erkenntnis allgemeine Ueberzeugung in Deutsch- land. Bei den monopolistischen Industrien, bei Kohle, Eisen, Kali, Stickstoff und bei den nwnopolistischen Finanzorganisationcn, den Trusts der privaten Versicherungsgesellschaften und den Blocks der privaten Hypothekenbanken handelt es sich nicht mehr um Wirt- fchaitskörper und Wirtschaftsunternehmungen, die den kapitalistischen Marktgesetzen gehorchen, sondern es handelt sich um eine monopolkapitalistische Oligarchie weniger Grosibesiher von Aktienpaketen, die »ie Staatsgewalt durch ihre Sapitalmacht mißbrauchen. die kapitalistischen Marktgesehe lahmlegen und damit die Volkswirtschaft, solange das kapitalistische System besteht. notwendig in unheilbare Widersprüche verwickeln müssen. Das Drama falscher deutscher Wirtschaftssührung, das in der jetzigen Krise seinen Höhepunkt erreicht hat und seine Läuterung in der Entmachtung dieser Oligarchen erfahren mutz, begann mit den riesenhaften Subventionen, die die Schwerindustrie nach der Inflation sich sofort zu sichern wußte. 706 Millionen Mark mußte das Reich nach dem Mbdruck der Ruhrinvasion als Entschädigung den Ruhrherren zahlen, nachdem schon während der Inflation Milliardenbcträge zum Wiederaufbau der in Elsaß- Lothringen verlorenen Eisenwerke gezahlt worden waren. Das ganze eiserne Elsaß-Lochringen, das verloren war, wurde neu aus- gebaut, darüber hinaus wurden die Kapazitäten noch enorm er- weitert. Diesem ersten, von den Ruhrherren erzwungenen Jehltritt mit der Subventionspolitik folgte eine Lawine von Subventionen notwendig auf dem Zuh: Mehrmals für die Seeschiffahrt und die Werften, für Rheinmetall 20, für Röchling 37. für Oberschlesische Hüttenwerke 36. für Junkers- werke IS, für Stumm-Konzern 13 Millionen. Waren die Sub- vcntionen einmal Mode geworden bei den Großen, mußten sie sich auch bei den Kleineren durchsetzen: Niedcrschlesischc Berg- bau A.-G.. Mansseld A.-G.. Filmgesellschaften. Borsig waren Etappen, die bis zum Jahre 1031 reichen. Nicht weniger als zwölf Städ.te haben industriellen Großunternehmungcn mit Subventionen unter die Zlrme gegriffen, weil dos schlechte Beispiel der Ruhrherren sich auswirken mußte. Daneben laufen 400 Mil- lioncn Reichsgoranticn für die Industrie, die Verluste bringen. Die Subventionen für die Industrie, die ihren Ausgang von der Ruhr nahmen, mußten die subventionshungrigen Groß- agrarier bündnisfähig machen für alle scharf- macherischen Unternehmeroerbände, und das Uebel der Subventionspolitik fraß sich von den Ufern des Rheins und�der Ruhr durch ganz Deutschland, bis sie in jene agrarischen Sub- ventions- und Zollschutzorgien ausarteten, die die Verewigung der Ostelbierhcrrjchast garantieren und die Lebens- und Kaufkraft der deutschen arbeitenden Massen zum Schoden der Landwirtschaft selbst und der Bauern bis ins Mark auszehren. ilachdem durch Subventionen riesenhafte übergroße An- lagen crrichlet waren, mußten die monopolistischen Industrien Hartellorganisationen schassen. die ihnen die Herrschast über den inländischen Markt sicherten, damit sie mit überhohen Preisen des Inlandes die überschüssige Pro- duktion zu billigen Preisen im Ausland absetzen kannten. Dem Erfolg der Rationalisieruirg wurde der Bode» entzogen. Der deutschen Verorbcitungsindustrie wurde mit billigerem deutschen Rohmaterial vom Ausland her Konkurrenz gemacht, die verarbeitende Industrie mußte von ihren inländischen und besonders van den landwirtschaftlichen Käufern lzöhere Preise verlangen und die Schere zwischen den Produkten der Bauern und den benötigten Industriewaren mußte auseinander- gerissen werden. Als die Eisenindustrie sich die Herrschaft über den deutschen Markt auf immer sichern wollte, da stellte sie den deutsch- französischen Handelsvertrag in ihre Dienste, machte durch die Eisen Zölle und die sklavische Bindung der Eisen- Händler Deutschlands Grenzen für ausländisches Ersen unüber- stcigbar und legte die Reichsregierung mit dein nie eingehaltenen Versprechen herein, daß die angestrebte internationale Rohstahl- gemeinschast die Angleichung der Weltmarktpreise an dos deutsche Niveau zum sicheren Ergebnis hoben werde. Während das in der Eisenindustrie geschah, geschah in der Stickstoffindustric. der Z e m e n t i n d u st r i e, in der Kaliindustrie ganz ähnliches, zu ganz ähnlichen Zielen und mit ganz ähnlichen Ergebnissen. Auch hier ganz ungeheure. Ueber- kapazitäten, auch hier Fehlleitung und Verschwendung riesiger Kapitalien, auch hier Quotenjagden und Kartelldiktate, auch hier Ueberteuerung des Inlandes, Hochhaltung der Preise zum Schaden der Verarbeitung, zum Schaden der letzten Konsumenten und unter Drosselung der Kaufkraft. In den Zahren der Hochkonjunktur 1927 bis Anfang 1929 wurden in den Monopolindustrien geradezu Orgien der Anlagenausdehnung und der Selbstfinanzierung gefeiert. während man gleichzeitig die ganze deutsche Oeffenllichkeit in die Psychose der Kapitalnot versetzte. Das Steuersystem wurde umgebaut, das Schwergewicht von der Veflhbclaftung auf die Maffenbelastung gelegt. Di« Agrarier brauchten in einer solchen Lage auch nicht stillzuhalten: im Bündnis mit den nwnopolistischen Industrien wurden die agrari- schen Großbetriebe fast vollständig von der Einkommensteuer befreit. Da der finanziellen Aushungerung des Staates und der übrigen öffentlichen Körperschaften sehr bald auf breitester Front die allgemeine Lohn- und Gehaltssenkung folgte, mußten Rückgang der öffentlichen Einnahmen, Senkung der Mossenkaufkraft, Hochhaltung der Preise bei den wichtigsten Grundstoffen und den wichtigsten Lebensmitteln sich zu einer tödlichen Schraube ohne Ende entwickeln. Die Jahre von 1027 bis 1030 war-.» es auch, in denen wiederum unter Führung der monopolistischen Industrien und der ihnen durch Aktienbesitz und Aktienverpfändung auf Gedeih und Verderb ver- bundenen Finanzmächtc der furchtbare Zusammenbruch der deutschen Kreditwirt schast und der deutschen Kommunen vorbereitet worden ist. Jene einst dementierte Schwerindustriellen-Versammlung auf dem Leunawerk war es. von der die Parole ausging. daß der öffentliche Kredit, besonders der Kredit der Kommunen zu drosseln sei. weil die Industrie höhere Anleihezinsen im Ausland« zahlen müsie und daß man„Kommunen und Gewerkschaften an die Wand drücken müsse bis sie quietschen". In jener Zeit begann der Feld- z u g zur Privatisierung der öffentlichen Wirtschaft, zur Er- oberung der Reichsbahnleitung und der R e i ch s b a n k- l e i t u n g durch die industriemonopolistischen und finanzkapitalisti- schen Mächte, der unter Führung von Dr. Schacht nach dem Willen dieser Mächte dann zu jenem Ende geführt wurde, vor dem die deutsche Oesfentlichkeit heute in schauderndem Entsetzen steht: jene Milliarden kurzfristiger Kredite, die in der Montanindustrie, der Stickstoff-, Zement-, Textilindustrie heute in niemals voll zu be- schäftigenden Anlagen eingefroren sind und nicht mobillsiert werden können: sie sind die letzte und verderblichste Frucht jenes Oligarchen- geistes der Monopolisten, die vergessen haben, daß das Kapital ein Feind und Zerstörer der Volkswirtschaft wird, wenn es aufhört, ihr Diener zu fein. Die sogenannte freie Wirtschast wurde von den Monopolmagnoten gefordert, um die Volkswirt- f ch a f t nach ihren eiuzstirnigen Auffassungen zu mißhandeln und zugrunde zu richten. Es gibt heute kein großes Wirtschaflsland in der Welt, in dem, dank der monopolistischen Preispolitik dieser Wognalen, das Preisniveau so hoch geblieben Ist wie in Deutschtand. Es gibt kein Land, in dem der Lohndruck so sinnlos praktiziert, die Steuerscheu und der Steuerbetrug so systematisch ausgebildet und die wirtschastsverräterische Kapitalslucht so zum guten Ton„königlicher" Kausleute geworden ist wie in Deutschland. Es gilst fein Land, in dem das Bündnis finanz- und Industrie- kapitalistischer Magnaten mit dem rückständigsten Großagrariertum so verderbliche Wirkungen in der Wirtfchafts- und Handelspolitik, im Lebensstandard und in der seelischen Verfassung der Massen hervorgerufen hat, wie in Deutschland, in diesem Deutsch- land, das einst die Führung in der Kultur und der Sozialpolitik der Well hatte. lind die monopolistischen Kartelle haben diese Wirtschofts- freiheit und die Hilfe des Siaales erhalten, und wo die Boraussetzungen zur monopolistischen Kartell- Herrschaft noch nicht da waren, da hat man sie mit Staotshilfe ge- schaffen. Die deutsche Handelspolitik wurde dem JG.-Farben- k o n z e r n für seine Geschäfte in Japan, sie wurde der deutschen E i s e n i n d u st r i e zur Schaffung � der Rohstohlgemeinschaft, sie wurde der K u n st s e i d e n: n d u st r i e für die Marktbeherrschung in Deutschland, sie wurde der S t i ck st o s f i n d u st r i e selbst mit dem Mittel von Einsuhrverboten zur Verfügung gestellt, und dos Reichswirtschaftsministerium ließ Schiebungen in der Kali- i n d u st r i e zu, damit die Wirkungen der internationalen Kartellie- rnng für die Rente der Kaliindustrie trotz der furchtbaren Aus- Wirkungen der L a n d w i r t s ch a f t s k r i s e unangetastet blieben. Trotz alledem sind die wichtigsten Monopolindustrie» und das Finanzkapital in Deutschland, weil schließlich Subventionen in jeder Form sich irgendwann als Faulheitsprämie auswirken müssen, heute am Ende ihres Lateins. Die Einsichi aber bei den ZNonopolmagnaken ist nicht gewachsen. Was wir lzeute bei de» Stillegungen im R u h r g e bi e t erleben. das ist gewiß auch die Kehrseite der lebensgefährlichen Fehler, die in der Geschäftspolitik der Ruhrherren begangen worden sind. Aber sie sind schließlich in erster Linie ein Erpressungs- feldzug gegenüber der öffenttichen Meinung und der Regierung, durch den von neuem die Realisierung der durch eigene Fehler ver- schuldeten Kapitalverlufte verhindert und diese Verluste auf den Staat, die verarbeitende Industrie m,d die Massen in Land und Stadt abgewälzt werden sollen. Wir sind heute glücklich wieder so weit wie in den Jahren 1922 und 192Z. wo die Schwerindustrie das Zentrum der Inslationspolitit war. Wie damals unter Führung von Hugo Stinnes verlangt worden ist, daß es keine Stabilisierung der Währung geben könne, bevor die Stabilisierung der Wirtschaft erfolgt sei. womit die Mark schließlich zum Millionstel ihres wertes herabgedrückt wurde, so ist die Schwerindustrie heute die Wortführerin für die inslalionistischen Projekte zur Schuldenabwerlung geworden, mit deren Hilfe sich die Ruhrmagnaten von der Verantwortung frei machen und den Zusammenbruch ihrer Kopitalmacht verhindern wollen. Machthändler oder Kaufleute? Sind denn, so muß man fragen, unsere finanzkapitalistischen und industriellen Monopolmagnaten Überhaupt noch wirk- liche Kaufleute? Die Flick und Otto Wolsf, die Vögler, Thyssen, Petschek, Rosterg und auch die Sitverberg, Duisberg und Schmitz(es sind wohl nur die verschiedenen Grade der politischen Klugheit hier wichtig), die Wassermann, Solmssen, Sobernheim und Reinhart, die Schmidt und Fraenkel mit ihrer persönlichen Der- sllgungsmacht über Aktienpakete von Hunderten und Dutzenden von Millionen, sie find doch in erster Linie Machthändler und nur noch zu diesem Zweck auch Kaufleute. Staat, Genreinwohl und Volkswirtschaft sind ihnen Hekuba, denn Macht ist ihnen S e l b st z w e ck. Sie brauchen mehr ergebene als tüchtige Direk- t o r e n: und Diplomaten-Kartelle und Unternehmerorganisationen, in denxn sie als„W i r t s ch a f t s f üh r c r" auftreten, sind ihnen Herrschaftsinstrumente, die ihre Macht nur mehren, niemals aber mindern dürfen. Syndizi und Geschäftsführer dürfen ja nichts anderes sein als ihre treuen Diener, die gut bezahlt werden müssen und die vor dem Stirnrunzeln ihrer Herren zittern, weil sie so gut bezahlt werden. In den Händen dieser Männer aber, die keine Kausleute und wirklichen Führer der Volkswirtschaft sei» können, liegt seit dem Kriege die wirtschaftliche Macht in Deutschland: ihr Wille hat jenes Drama deutscher Wirtschaftspolitik gestaltet, das wir aufgezeigt haben. Dieses Drama aber muß eine Lösung finden, die kein Unter- gang ist. Die Macht in den Händen dieser Männer aber muß zu einein neuen Drama führen: denn sie kennen, Machthändler und nicht Kaufleute, die sie sind, keine Grenzen für die Verteidi- gung ihrer Macht; sie sind stur und opfern ihr alles. Ihre Eni- m a ch t u n g ist das Problem und die Aufgabe, die riesengroß noch hinter aller Banken- und Kartellkontrolle, Aktienrechtsreform und Reichsbankreform stehen. Der demokratische Staat und die Arbeiterklasse werden diesen Ausgaben ihre ganze Kraft widmen müssen. Endkamps bei Wiking. Aufsichtsrat und Generaldirektor im Ruhestand. Im weiteren Verlaus der Generalversammlung des Wikingkonzerns, über die wir bereits gestern berichtet haben, erklärte, der Führer der Opposition, daß die Verwaltung das Ver- trauen der Aktionäre schmählich enttäuscht habe. Wenn man andere Zementunternehmungen zum Vergleich heranzöge, so erweise sich, wie halllos die Behauptung der Verwaltung sei, dt« Hauptschuld am Zusammenbruch der Krise zuzuschieben. Eine der- artige Katastrophe häte sich gut vermeiden lassen. Die wahre Ursache des Zusammenbruches fei in dem hemmungslosen Er- pansionsdrang der Verwaltung zu suchen, der in gar keinem Ver- hältnis zu den verfügbaren Mitteln des Unternehmens gestanden habe. Wenn man eine derartige Großanlage wie das neue Z e» mentwerk Neuwieg a. Rh. in Angriff nehme, so sei doch die erste Frage, ob zur Durchführung des Baues und Inbetriebnahme des Werkes überhaupt das notwendige Geld vorhanden war. Die Frage müsse sehr eingehend untersucht werden, ob die Verwaltung mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes vorgegangen sei. Zum Schluß der Generalversammlung kam es bei den Abstimmungen noch zu dramatischen Zusammenstößen. Die Bilanz wurde mit allen geen 18 000 Stimmen genehmigt, aber b e i der Entlastung des Vorstandes stimmten Aktionäre mit 2,13 gegen 10,68 Millionen Mark Kapstal gegen die Eni- lastung der Direktion. Noch elfstündiger Dauer der Generawer- sammlung wurde die Sanierung, die bekanntlich eine Zusammen- legung des Kapitals im Verhältnis van 5: 1 von 20 auf 4 Millionen vorsieht, angenommen. Der Generaldirektor ten Hompel schied aus dem Vorstand ans, wobei die Frage noch ungeklärt bleibt, welche?lb f indu n g s su in m e dieser„erfolgreiche" Konzernleiter wegen des Nichtabloufes seines Vertrages von der- Gesellschaft erhall, um auf seinen Lorbeeren sich mit Wohlbehagen ausruhen.zu können. Der gesamte Aussichtsrot, dessen erster Vorsitzender Herr Jakob Goldschmidt von der Danat-Bank war, hat gleichfalls seine Mandate niedergelegt. Die steuerfreie Reichsbahnanleihc 1931. Wie die Verwaltung der Deutschen Reichsbahn mitteilt, kann noch ij 12 der zweiten Verordnung über die Steueramnestie der zur Erlangung der Amnestie erforderliche Nachweis, daß jemand bis zum Ablauf der Amnestiefrist Reichsbahnanleihc erworben.hat, nur durch eine besondere Bescheinigung geführt werden.— Zur Ausstellung dieser Bescheinigung sind auch inländische Notare berechtigt. Zeichnet ein Notar im eigenen Namen, aber im Auf- trage eines Steuerpflichtigen Reichsbahnanleihe, so wird die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft den Notar aus der Zeichnung nur insoweit in Anspruch nehmen, als der von ihm Vertretene seinen Berpflich- tungen nachkommt, auch wenn der Notar bei der Zeichnung nicht zu erkennen gegeben hat, daß die Zeichnung für fremde Rechnung er- folgt. Nach den Berechnungen der Reichsbahn-Verwaltung stellt sich die tatsächliche Verzinsung der Anleihe trotz des niedrigen Zinssatzes von 414 Prozent wegen der allgemeinen Steuer- befreiung sehr hoch. Schon bei einer Zeichnung von 100 000 Mark Reichsbähnanleihe würde sich eine tatsächliche Verzinsung von an- nähernd 10% Prozent ergeben. Humboldt-Deutz legen Motorenwerk Oberursel still. Infolge der allgemeinen Wirtschastsdepression und der dadurch bedingten Ein- schrumpfung der Produktion sieht sich die Humboldt-Deutz- Motoren A.- G., Köln, genötigt, ihre Betriebe zusammen- zulegen und das Werk Oberursel völlig stillzulegen. AHerleiwerKolKunB Fachinger „ää« y;r Srnft Moferichier: WüHenfahrt Der Zugführer weiß nicht— wie weit dieser Zug fährt. Letzter Klasse stÄgen wir ein. Tausend Kilometer kosten dreißig Mark. Im Waggon sitzen, liegen und hocken mit gekreuzten Beinen alle Stämme der Wüste, bunt und trauernd, wie eingefangene Papa- geien, durcheinander. Lumpen, Fetzen und die Gerüche hoffnungsloser Armut schließen um sie einen Kreis. Nie reist ein Europäer in Afrika dritter Klasse. Französische Arbeiter fahren zweiter. Der Wagen hat sechsundoierzig Fenster, damit die gestockte Stalluft Gelegenheit findet, während der Fahrt auszusteigen. Aus geflochtenen Marltkörben schaukeln die Mahlzeiten der Muslims. Zur Linken und zur Rechten weitet sich Steppe. Flüsse und Straßen oerlausen sich im Gestrüpp. Di« Maschine pfeift die grasenden Herden vom Bahndamm weg. Die Berge der Rifkabylen steigen aus. Dörfer kleben wie Brief- marken an den Wänden. Aus den Tälern heben die Blumen des Frühlings ihre Köpfe und schauen nach überschneiten Gipfeln au». Abwechselnd fällt Regen und Sonne vom Himmel. Unwirklich schön springt ein Regenbogen aus dem Dampf der Erde. Im gleichen Bogen schießt ein Berber über unsere Köpfe Dattelkerne ab, wobei er die arabische Ausschrist„Nicht in den Wagen spucken!" als Zielscheibe benützt. Die Stationen sind mit Eukalyptus, Bettlern, Kakteen und Ma- laria garniert. Zerfetzte Uniformen aus der Zeit der Aufstände erinnern daran, daß hier um jede Fußbreite Boden Blut floß. Jetzt liegt der Boden unbebaut, und das Blut ist vergessen. Gott sieht auf eine Weile weg— und so müssen Hunde mit heraushängenden Augäpfeln und abgeschlagenen Beinen an die Waggonfenster hinaufbetteln. Und das Stück Brot, das wir ihnen zuwerfen, wird ihnen von den Fellachenkindern wieder aus dem Maul gerissen und von Menschen verspeist, die auch am Hunger leiden... Dies Grauen läuft noch viele Kilometer wie Telegraphendraht am Bahndamm mit— und die Dornenfelder, die violett wie Altar- tücher aufleuchten, oermögen diese Bilder nicht einzuhecken. Ohne Steigung verlangsamt sich die Fahrt, damit die Sand- wände nicht erschüttert werden und den Zug wie einen Wurm zu- decken. Zwei Soldaten der Wüstenkavallerie steigen ein. Im Scharlach ihrer Mäntel sitzen sie wie Kardinäle, die über das Elend ein Konzil abhalten. Sie sprechen über die Schönheitskönigin von Europa, und ihre Tageslöhnung beträgt etliche Sous. Salzseen, Geröll, Fels und Sand.. Steinerner Aufruhr, platt- gewalzte Oede... El Kantara, der Mund zur großen Wüste, ist durchstoßen. Nur versetzte Odysseus dem Atlasgebirg« einen Fußtritt — und frei liegt der Eingang zum Inferno de» Sande». Um zu locken, ist an den Anfang des Todes ein« orgiastischs Oase gesetzt. Blau wedeln die Dattelpalmen. Wege und Bäche sind eins. Das Wachstum kommt hier ins Gedränge. Au» Platzmangel klettern die Königspalmen an den Steilhängen der Schlucht hinab. Urwaldoegetation und Raumnot kennzeichnen diese Paradiese der Wüste. Noch eine Schrittweite—' und der anflutende Sand duldet keinen Halm mehr...1 Die Grenzen zwischen Leben und Sterben sind mit dem Lineal gezogen. Von der Höhe herab herrschen da» weiße, schwarz« und rote Dorf... Und jetzt läuft der Sand über den Sand am Schienenweg entlang. Die Lokomotive hat den Staubpflug aufgesetzt. Der Heizer klettert während der Fahrt von der Maschine zu unserem Waggon zurück, turnt sich wieder nach vorne, um den Ofen zu füttern, kommt noch schwärzer zurück und rät un»,- in der nächsten Station au»zusteigen. Denn hier werden Kinder verschenkt, und wir könnten sie dutzendweise mit nach Europa verfrachten... Vor Schreck ist mir der Name diese» Ortes entfallen. Zur Ablenkung rollen wir durch eine Wolke von Heuschrecken, die vom Niger herauf schwärmen. Wenn sie auf den Boden niedergehen, hüpft die ganz« Erde... Und da der Zug auf der Strecke hält, springen sie zum offenen Fenster herein. Jäh schnellen die Fahrgäste auf, ein« wilde Jagd beginnt. In- selten und Menschen hüpfen durcheinander... Burnusse werden zu Schmetterlingsnetzen, der Inhalt der Waggons wächst zu einem weißen Knäuel an, der sich den Gang entlang wälzt... Bi, der Aufruhr verebbt, und fünf Araber lächelnd in den Ecken sitzen und ihr« Beute lebendig ol» Leckerhissen verspeisen. Jeder Dritte-Klasse-Wagen Hot ein abgeschlossenes Frauenabteil eingebaut— den Harem auf Reisen. Die Vorhänge sind zugezogen. Am Boden liegen Decken, Gockel, Säcke und Kinder im wilden Ehao» durcheinander, Die Wände kleben wie das Inwendige einer Dattel- schochtel. Auf den Gesichtern der Kinder zappeln Insekten, Lebendig» Fliegenfänger... Der Boden wird zur Rutschbahn, auf der die Entfernung zwischen Tür und Fenster in einem Schleifzug erledigt wird. Und der Waggon wird zum Stall...! Zuweilen kommen die Weiber wie kandierte Datteln aus ihrem Verhau und betteln im Waggon nach Orangenscholen für die hungrigen Kinder. Grün und verstaubt wie ein Sofa, das beim Reinemachen ver- gessen wurde, wächst aus dein Horizont ein Wald hervor... Draußen liegt di« Station Diskra. An diesem Bahnhos könnte statt mondäner Lebewelt auch Kali und Geflügel oerladen werden. Er gleicht einer Bedürfnisanstalt mit wenig Komfort— und so kein Zugwechsel wäre, würden die Reisenden der Luxusklasse diesen Gemüsestand übersehen und an der berühmtesten Oase der Welt vorüber- fahren. Weiter...! In der Sonne, an der hier der Quadratmeter Höchstpresse erzielt, wartet die Bahn mit Waggon», die weiß wie die Zähne auf Zahnpastenplataten glänzen. Im Sommer, wenn in Bi»kra die Menschen vor Hitze nackt auf den Straßen und Dächern schlafen, fährt der Zug nur während der Nächte, Stationen ohne Orte liegen in stundenlangen Fahrten von ein- andex getrennt. Salzkrusten bedecken wie Neuschnee die unendlichen Weiten. Wllstenkraut wächst dazwischen als Bartstoppeln hervor. Die Sahara sieht bis Mittag schlecht rasiert aus,., Dann wehen und branden die großen Dünen. Sand, Sand wird Welteninhalt und Sinn des Todes. Die Sicht reicht wie auf Meeren bis zur Rundung des Erd- balls, Roch grasen Kamele, wo auf hundert Kilometer Umkreis kein Halm wächst. Leben diese Tiere von Modellgeldern, die ihnen die Maler be- zahlen, von denen sie als„Schiffe der Wüste" auf Ssfadecken ver- ewigt werden?..... Mitten in der Oed« st«ht«in arabisches Schulhau». Wo nimmt drefsr Lehrer dt« Kinder her...? Oder lehrt er den Skorpionen und Hornvipern unterm Sand« die Vers« d», Korans?... In Sidi Rached steigt der„Mann ohne Adresse" in unser Abteil: ich knipse da» Jnn«r» de» Waggon» dritter Klaffe, er sitzt im Vorder- grund de» Bildes, und ich oerspr»che ihm, da» Photo nachzusenden. im Viehwagen Und wir bitten um sein« Adresse... Er schüttelt traurig den Kopf. Wi« Vögel ohne Wasser sitzt er da... Er ist der Mensch ohne Adresse. Ungewiß war der Ort, von dem er kommt, ungewiß ist da» Lager dieser Nacht— und ungewiß, ob er morgen gen Westen oder Osten zieht. Cr kehrt auf keinen Punkt dieser Welt zurück, hat weder Feind noch Freund... Hyperion» Schicksalelied sitzt steingeworden vor mir. Noch ni« im Leben wurde er photographiert. Aber sein Kismet will, daß er ohne Abbild durchs Leben geht— zu seinem Urbild zurück. Tumult unter der Notbremse...! Dem Fakir, der vom Dattelmarkt Biskra» heimfährt, sind die Skorpione und Glftschlangen ausgekommen! Während er auf der Bank schlief, fielen die Teebüchsen um, in denen er seine Lieblinge verpackt hatte. Die Tiere haben sich unter die Sitzgelegenheiten verkrochen...! Der Mann schreit vor Angst— ein Giftzahn oder ein Stachel könnte ihm verlorengehen. Hände wischen unter di« Röhren der Dampsheizung. Er fängt und zählt wie Geldstück« die Tiere in die Blechbüchsen zurück. Eine Schlange fehlt...1 Entweder ist sie unvorschriftsmäßig während der Fahrt abgesprungen oder hat sich als Reiseandenken in unsere Koffer geflüchtet... Die Sonne fällt als Blutorange in den Weste». Und an di« östlichen Fenster treten die Muslims. Turbane verbeugen sich gegen die heilige Kaaba Mekka». Bisher ertönte vom Nebenabteil seit Mittag Trommeln und Gequiekse einer Bambusflöte. Jäh bricht die Tanzmusik ab... Salaghit. die eintönig wogend« Melodie hebt an, fetzt sich von Fenster zu Fenster fort springt zum andern Waggon über, berührt Heizer und Lokomotivführer— und wenn plötzlich die Eisenbahn zum Schiff würde, läge sie jetzt über» geneigt nach einer Seite, bis zum Deck am Wasser... Köpfe wiegen sich nach rechts und links. „Allahu akbar... Allahu... akbar... aschhadu an la illaha illa— hah.." Nach dem Gesan? verzieht sich«ine Gruppe wieder ins WC, um dort weiter die Wasserspülung Europas zu studieren. Aus dem Dämmern steigen die Minarette von Touggourt. Unser Zug rollt in die Endstation der Saharabahn ein. Schienen und Telegraphendrähte gehen zu Ende. Und führen nur noch als unendliche Gedankenstriche in die Sandmeere weiter. Auto und Karawane übernehmen die Ladung der Waggons und bringen Lasten und Menschen über den Hoggar, durch die Täler des Durstes und Entsetzens— an die Flüsse und Urwälder Zentralafrikas... Wogen und Brandung von Sand rahmen Ankunft, Bahnhof und die Suche nach einem Nachtlager ei». Ein Händler, mit dem Barte des Propheten umwachsen, will uns das Fell eines Wüstenfuchses für eine Mark sechzig verkaufen. Aber das Geld muß zum Kauf von Trinkwasser gespart werden. Wir sind am Ende der Zivilisation... Beim Auspacken suchen wir zuerst nach der Schlange des Fakirs. Bielleicht liegt sie noch im Waggon über der Dampsheizung, die ihren Leib kühlt. Wie wir fuhren, so schlafen wir... Zu Dritt letzter Klasse auf einem Eisengestell von Bett. Die nächste elektrische Birne brennt viel« Meilen weit im Norden. Der Wüstenmond hängt halbfertig und waagerecht als Rasier- schale zwischen den Sternen herum— und seist uns Sand in Augen und Schlaf-- Srna SSüfing: ätd „Am Gepäck erkennt man den Reisenden," das ist das oft nach- geprüft« Wahrwort aller Konsulate. Man sagte es, bevor die Protz- Hotels die Pflastermethode eingeführt hatten. Doch lassen auch die bepflasterten Koffer, öie vom Besitzer den lieben Mitmenschen immer aus oder vor die Füße gestellt werden, auf den Reisenden schließen. Gehört er doch entweder zu den kleinen Möchtegerns oder zu den Leuten entschwindenden Kredits. � Doch gibt es Reisende, die nahezu Sklaven ihres Gepäcks sind. Dazu gehören die Artisten, denen falsch verladenes oder beschädigtes Gepäck für Tage oder Monate in wirtschaftlicher Hinsicht den Lebens- faden abschneiden tonn. Von allen Artisten jedoch hat der Zauberer das interessanteste und geheimnisvollste Gepäcks Gandy-Bondy schleppt z. B- für ein Varieteengagement einen Eisendahnwagen voll Gepäck mit. Der Künstler selbst stammt aus Aegypten, einem Lande, in dem noch heut« das Volk einen guten Zauberkünstler mit inniger Anteilnahme bewundert. Hondy-Bandy ist ein Zauberer, der seinen Beruf mit fanatischer Hingabe ausübt. Er ist ein Mitglied der bekannten Zeitungsverlegerfamili« Makarius. Während feine Brüder auf den Rtdattion»s«ss«ln sitzen und die W«!t zu sich kommen lassen, indem sie viele illustrierte Artikel in die Setze- rei geben, an deren Ti«fdruckmaschin«n Deutsch« stehen, geht er in bi« Welt hinaus und zaubert. Ein große» Vermögen steckt in sein«? Nummer und in jeder ein- zeluen Illusion. E» gibt eben kein« Zauberei und keine Hexerei, «» gibt nur unglaublich geschickte und geschwinde Menschen, die mit einem sich dienstbar gemachten Material vorzüglich umzugehen ver- stehen. Jede Illusion muß von dem Zauberer selbst ou»gedacht und hernach im Verein mit Tischler, Mechaniker, Maler usw. au»« gearbeitet werden. Oft dauert e» recht lange, bis«in« Illusion publikumreif ist. So muhte beispielsweise der„Sarg einer Mumie" fünfmal umgearbeitet werden. Auf Millimeter genau muß alle» berechnet sein. Trotzdem ist gegebenenfalls die ganze Illusion wieder zunichte, wenn st« mal hart nach dem Bahnhof gerollt wird. Dar- um sind die Apparate für jede Illusion ijt zweifacher Ausführung vorhanden. Die Koffer sind viel, viel schwerer al» di» Gegenstände, die hineinkommen: denn die Koffer sind nicht nur außen verzinkt und innen ganz und gar mit Filzeinlagen versehen, sie haben auch noch die eigenartigsten Polsterungen, damit sich nichts verbiegen kann und selbst das dünnste Holz nicht splittert. Ueber dies« Vor- sichtsmahnahmen hinaus hat noch jeder Schrank oder jeder Tisch, der gebraucht wird, ein Reservebein. Da» Ist unbedingt nötig, hat doch der Zauberkünstler sast jeden Tag«ine Reparatur. Neben den verschiedensten Apparaten spi«lt das lebende Tier eine Roll«. E» sind oft absonderlich« Umstände, die e» zum Ge- fähtten eine» Zauberkünstler» machen. Kommt z. B. ein Bühnen- arbeiter zu Frau Nadia-Nadyr und sagt:„Madame, diese Tauben habe ich selbst gezogen, sie sind liebe, zahm« Tiere und wo sie ist, ist er auch. Sie brauchen nur da, Frauchen irgendwo hinzusetzen. sofort fliegt da» Männchen ihm nach." Die Behauptung wird geprüft, sie stimckt. Im selben Augenblick wird das Taubenpaar gekauft und es zieht mit durch die ganz« Welt, bis an irgendeiner Londesgrenz« Deflügelquarantäne ist und die Tauben schweren Herzen» zurückgelassen werden müssen. Mag dann da» Engagement noch so glänzend verlaufen, ein Schalten steht über ihm durch da» Bewußtsein,„die Tauben wurden im Stich gelassen". Oktober... Trübverhangen Uegt die Welt. Und«ir frösteln schon verstohlen 'Wenn der erst« Nebel fällt— Hätten wir jetzt Geld zu-Siohlen— 1 Buntbebildert steht der Wald, . Sein««elken Blätter knistern Und die Bäume, klug und alt, Jangen seltsam an zu stiistern.». Arbeitelose, leergebrannt, Jrieren, warten und vergefseu, Daß ste einst in diesem taab Arbelt, Brot und 5ohn besessen— 1 Herbststurm, den die Not entsacht-- Halten wir die Herzen offen t5n dem Dunkel nnsrer Nacht Laßt un» kämpfen, laßt nn» hoffen..» K—- uberer Gepäck Im allgemeinen wird bei den Zollbehörde» der verschiedensten Länder dos Aitistengepäck schnell und reibungslos abgefertigt, wenn auch hin und wieder ausgerechnet beim Zauberkünstler eln Beamter besonder» mißtrauisch ist und jeden Koffer ausräumt und jedes Bretl genau betrachtet. Der Artist arbeitet nach Möglichkeit immer nach der gleichen Musikbegleitung. Um sich mit den Kapellen, trotz Sprachschwierig- keiten, schleunigst zu oerständigen, ist diese Musikbegleitung auf Grammophonplatten festgehalten. Ihnen wird der Eintritt in Länder, die eine Diktatur haben, ziemlich erschwert. In solchen Ländern ist man nämlich mißtrauisch und befürchtet immer, es könnte«in Freiheitslied erklingen oder die Melodie eines Freiheits- liedes verwendet worden sein. Darum maß Platt« nach Platte abgespielt werden, selbst wert, dadurch der Ausenthalt«Ines Artisten verlängert wird. Ist die Verzögerung mit dem ersten Austritt in keinen Einklang zu bringen, werden die Platten nach sorgfältigster Prüfung dem Besitzer nachgeschickt. Au» solchen Borkommnissen. die fast Naturereignissen gleichkommen, sind schwer Lehren zu ziehen. Anders ist es hingegev, wenn auf der Bühne selbst eine unangenehme Situation entsteht. Ist doch einmal der echt orientalische Pranger wesentlich vergrößert worden, weil ein etwas angesäuselter Herr aus dem Publikum, d-rj sich dem Zauberer zur Verfügung stellte, mit dem Kopf nicht so| schnell aus dem Pranger wieder herauszubekommen war, wie das unbedingt erforderlich ist. Bewußter Herr, der in der Stadt allge- mein bekannt war und wegen seiner Geschäftstüchtigteit gerade nicht im besten Ruf stand, wurde nun in den Pranger gesperrt, bis der Vorhang fiel. Dieser Vorgang wurde zum Tagesgespräch, und jeder schadensrohe Mensch wollte den pfiffigen Zauberer sehen. Wenn nun auch der Prangertrick mal nicht klappte, klappt sonst beim Zauberer alle», selbst wenn zwischen dem letzten Austritt in der Stadt X. und dem ersten Auftreten In der Stadt P. nur 24 Stunden bei einer ISstündigen Bahnfahrt liegen. tBeimhrer der Slerge Wer hat nicht schon im Hochgebirge im Anblick der wunderbaren Blumenmatten geschwelgt, die zwischen Alpenrosengebüsch und Knie- holz hoch hinauf züngeln im St«ingeröll unter Felswänden! Es ist vielleicht das schö iste Naturbilö, das die Berge überhaupt biete». Denn trotz aller Kletterfreunde und Gipfelfernblicke täuscht« man sich nicht darüber: ganz oben sind die Berge ebensowenig am schönsten wie von ganz unten au» gesehen. Das eigentliche Zauberbild ent- faltet sich etwa im zweiten Drittel ihrer Höhe. Dort, wo des Waldes grüne Hall« sich von selbst in«inen Port verwandelt mit nur ein- z«lnen Baumgruppen und natürlichen weiten Bergwiesen, wo dus- teno die Bergkräuter den bunten Teppich lusspannen und Sonntagsstille sich auftut, daß man meint, da» Rieseln der Lichtbäche zu hören, die in unbeschreiblicher Klarheit selbst die fernen Berges- Häupter umspielen. Dort oben, wo die Alpenrosen wie seierliche Lichter brennen, findet ein stiller, aber unbeschreiblich erbitterter Kampf auf Leben und Tod statt, in dem da» Leben ununterbrochen auf» neue siegt. Die großen Felsgipsel werfen jeden Morgen neue Lasten von verwittertem Schutt ab. Keine Wand ist im Gebirge, di« nicht um- säumt wäre von einem Band der Geröll«, die in spitzem Winkel hoch an Ihr hinaufgretsen. Keine aber auch, an der nicht weich und lebensfroh da» Brün der Alpenbllfche, der Gräser und Schutt- pflanzen mit tausend und ab«r tausend Wurzelarmen und Zweigen sich um Stcinchen und Gru» schlingen würde und so den talab wan- dernden Berg zurückhält aus seinem Weg« der Selbstzerstörung. Eine Steinmur« geht heute mit Erdbebenzittern ab. Es ist. al» ob der Berg selbst wanke. Dann ab«r breitet sich doch wieder die große Still» au», und auf die Schreckensminute folgen Jahr- zehnte d«r Wiedergutmachung. Äm Wald« wurde die Lawine auf- gefangen. Tausend Aeste mag sie geknickt und hundert lebensfrohe Bäume zerstört haben, der hundertste aber hat sie aufgehalten und der WÄd hat ihr sein Schweigen geboten: Bleibe! Dann hat «r sie begraben. Und von ihm bis zur Felswand, überoll, wo der steinerne Leib des Berges offen lag, da sind heilend und mild die Wunden mit Blättern und Blumen zugedeckt worden. Zwanzig Jahr« später ist der Felsenhang völlig übergrünt und vor weiterem Abrutschen gesichert. Der Zersall des Berges ist aufgehalten. Die Alpenmatten und der Bergwald sind nämlich die Bewahrer der Berge, wenn die Luft, der Regen und die Sonne ihre Zerstörer sind Was das eine verschuldet, das macht da» andere wieder gut. So sonderbar, eingerichtet ist die Welt. Ein Luflhauch vernichtet für di« Ewigkeit gefügte Mauern, und»in lindes Blumenblatt ge- bietet der Zerstörung Einhalt und heiff die Wunden der Welt. Dr. R. H. Fleuch. Cfnfcntmngcn flu tiefe Subtil sind Berlin SW 68. LIndenfttaße z> parieinachrichien�M�für Groß-Berlin stet» an da» Bezirktsekretarint Z. Hof, 2 Treppen recht», z» richte» Achtung, Purteigenossen? Die Eintrittskarten zur Ne- dolutionSfeier am st. November im Sportpalast sind den Ab- teilungskassierern bereits zugestellt worden.— Der Preis dieser Karten beträgt nur 30 Pfennig, und es erscheint dringend geboten, sich rechtzeitig damit einzudecken. I. A.: Alex Pageis. » Beginn aller Veranstaltungen I Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heute. Mittwoch. 14. Oktober: Mitgliederversammlungen/ Thema: Sie politische Lage sOhnc Partcimitgliedsbuch kein Zutritt!) tz. Abt. Lokal Müsch, Brunncnsir. 1t6. Referent: Siegfried Anfhlufer, M. d. R. 5Z. Abi. Berichligung! Wiigliederversammlunq im Türkischen Zelt, Berliner Straße 53(nicht Reimer). Referent: Genosse Schefsel. «2. Abt. Lokal Marsant. Se!>r wichtige Tagesordnung. 78. Abt. 26 Uhr Lokal PieeadiDy, oberer Saal, Ebersstr. 78. Referent: Stadt- verordneter Robert Rohde. 82. Abt. Die stennilichmachung der Funktionärkarten zur allgemeinen Funk» tionärkonferenz ersolgi heute ab 19 i», Uhr bei Schulz. Birkbuschstr. 66. 83. Abt. Lichierfelde West. Zahlabend bei Rohde, Hindenburgdamm Ecke Roon» straße. 11t. Abt. Genosse Schwarz spricht über die politische Lage snicht Rußland). 122o. Abt. Bei flindfcher. Köpenicker Sir. 165— 167. Genosse Alimann spricht über dos Thema: Sozialismus, Kirche und Freidenkerium. 137. Abt. Die Zahlabende fallen aus. Morgen, Donnerstag. 15. Oktober: 3. Kreis. Die Bildungsobleute der Abteilungen holen die Karten für da« Aktuelle Volkstheater am 22. Oktober vom Genossen Schmidt, Tegeler Straße 3t, am Donnerstag ab. Die Zusammenkunft aller erwerbslosen Genossinnen und Genossen ist von 16—16 Uhr im Zugendheim Willdenow- strahc. 7. Kreis. Von 15—18 Uhr Zusammenkunft aller erwerbslosen Genosssnnen und Genossen im Zugendheim Rofinenstr. 4. Wilhelm Tietgens: Aus fremden Ländern. Außerdem Ausknnstoerteilnng. It. Kreis. Erste Zusammenkunft aller erwerbslosen Genosssnnen»nd Genosse» von 16— i» Uhr bei Will, Mariin-Lniher-Str. 66. Keiterer Sachmittag. Sprecher ist Genosse Walter Eschdach. Alle erwerbslosen Genossinnen und Genossen bitten wir, recht zahlreich zu erscheinen. Parteimiigliedsbuch und Stempelkarte dienen als Ausweis.— Kursnsbeginn des Genossen Friß Raphtali über aktuelle Birtschastsfragen in orundsählicher Betrachtung bei Will. Martin-Luther-Etr. 66, Ign. Uhr. Körgebiihr für den ganzen Kursus<6 Abende) beträgt l,.>6 M. Erwerbslose frei. Zahlreiche Beieili» gnng auch der jungen Genossen wird erwartet. 13. Kreis. 6 Uhr Zusammenkunsi der erwerbslosen Parteigenossen im Jugend- heim Tempelhof, Germaniastraße, Eingang Götzstraße. 15. Kreis. 26>.) Uhr Sitzung des Bildungsansschusse» bei Pamp, Siederschöne» weide, Hasselwerderstr. 12. Freikag, 16. Oktober: •. Krell. Deutscher Freidenkerverbaird e. B. Ortsgruppen 15, 18, 17, 18, Kreuzlurrg. Zm großen Saal des Gewerkschasishauses, Engelufer 24— 25, Mitgliederveranstaltung. Tagesordnung: Der Freidenkerkongreß im Lichte der sozialistischen Bewegung. Rekereni: Borstandsmitglied Erich Huhn. Musik und Sprechchor wirken mit. Eintritt frei. Achtung! Der Ordner» dienst Kreuzberg mutz bereits um 18',, Uhr edendori anwesend sein. * «. Kreis. Voranzeige. Mittwoch, 21. Okiober, Krelssnnktionllrkonseren» bei Rabe, Fichtestr. 26. Vezirksausschuk für Arbeilerwohlfahrk. 1.»reis Mitte. Freitag, 16. Okiober. Igrh Uhr, Blumenstr. 88. Aufgang 8. 1 Treppe, Kursusbeginn der Ardeiierwohlsahri, Referat der Genossin Dr, Erna Magnus über: Zugendwohlfahrt..,„. 2. Kreis Tiergarien. Donnerstag, 15. Oktober, pünktlich 18 Uhr, bei Stein, Holsteiner Ufer 14. wichtige Funktionärsitzung. Wsem.kuMiflvaSrkoiiierei» am Freitag, dem 16. Oktober, 19 V» Uhr im großen Saal der„Neuen Weist', Hasenheide Thema: Die politische Situation und die Soziaiaemokratie. Referent: Dr. Kudolf Breitscheid, M. d R.— Zutritt haben: Alle Funktionäre der Partei und die politischen Vertrauensleute in den Betrieben— Parteimitgliedsbuch ist mit gleichlautender Funktionärkarte am Saaleingang vorzuzeigen. ßchiuns! ParieifunHtionäre und BetneDsuerirauensieule iiiiiiiiiiiDHiiniuuiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiuiiiiMiiiiiiiiiiiiiuiiiniiiiiiiiiMitiiiiuitiiiiiiiiiiiiumiiiiiiMii Für die allgemeine Funktionärkonferenz am 16. Oktober sind die Funktionäruarten zwecks Kenntlichmachung dem zuständigen Abteilungsleiter sofort vorzulegen. Ohne Kenntlichmachung kein Zutritt. Dar Beiirksvorstand. Arbeilsgemeinfchasl der kindersreunde Grofj-Berlin. Teilnehmer des»orjährigeu Basteituesns. Feriigaeftellie Bastelsach»n sowie übrig gebliebenes Bastelmaterial kann von den Teilnehmern wiihrend der Geschöfisstunden von der Zentrale abgeholt werden. Eharlottendurg und Tiergarten. Donnerstag, 15. Oktober, 26 Uhr, Kursus der Helfer im Heim Rofinenstr. 4. Ehariatteubueg. Heute kommen zum 1. Heimabend die Nestfalken bis z» 8 Jahren um 15 Uhr ins Heim Rofinenstr. 4. Freitag, 16. Oktober, erster Heimabend für Restsalken von 8 bis 16 Jahren von 17 bis 16 Uhr ebenda. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 31. Abi. Unsere Genossin Luise Marienseld, Ezaruikauer Str. 8, ist am 11. Oktober verschieden. Ehre ihrem Andenke». Die Einäscherungsseier findet am Donnerstag, dem 15. Oktober, 12 Uhr, im Krematorium Gerichistraße statt. Wir bitten um rege Beteiligung. 121. Abt. Roch lanaem schwerem Leiden verstarb im 48. Lebensjahre unser langjähriger Genosse Bruno Bogel. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 15. Oktober, 164» Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Recht rege Beteiligung erwartet der Abteilungsvorstand. mSozialistischeArbetterjugendGroß-Verlin Einsendungen fiir diese Rubrik nur an ba» Iugendsekretariat Berlin EW 68. Lindenstraße 3 Abteilungsleiter! Reicht umgehend das Monatsprogramm für November ein! Holt dos Werbemoterial ab, soweit noch nicht geschehen. „Kamps um Kitsch", Sondervorstellung für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahre», am 1. Roveniber, 15 Uhr, in der Volksbühne. Karten zu 86 Pf. sind erhältlich. Abteilungskiesfierer! Nehmt die Beitragsabrechnung vor, holt„Arbeiter. lügend" und„Hugend voran" ab. Heute. Mittwoch. IS'.� Uhr: Gesundbrunnen Ui Ehristianiastr. 38. Pom utopischen zum wissellscholt» kichen Sozialismus.— Gesundbrunnen(N..F.): Gotenburger Str. 2. Krieg — Frieden.— Beißeusee: Funktionärsitzung bei Benens.— Andreasplatz I: Sexuelle Fragen.— T»mp«lh»i: Gätzstroße. Proletarische Künstler.— Reu- töll» tX'r Besuch der Abteitungsnersommlung der Partei. I9>4 Uhr Bahnhos w■_______ WWWWMM. mmm Lichtenbeeg-Naedmest: Zahlabend der Partei.— Mablsdaes: Melauchthon. straße 63. Moderner Strofoollzug. 1. Teil.— Karow:„ohtakend der Partei. — Pautow tir(R.-F): Kissingenstr. 48. Lichtditder vom Zugendtag. SSG. Ehaelotteuburg: 18 Uhr Rofinenstr. 4. Lichtbilder: Praktischer So» zialismus in der Schulerziehung. Werbebeziet Neukölln. 18 Uhr Porteisekretariot, Fuldastraße, Werbebe» zirksnorstandsfitzung. 26 Uhr Kanner Straße Epielgruppe. «erbedeziek Reiuickeudoef:?n sämtlichen Parteiabteilungen Mitglieder. Versammlungen. Alle SAJ.-Genossen beteiligen sich in der ParteiabEbilunz ihrer Ortsgruppe. Werbebeziet Wedding: Mvrgen Werbebezirksdelegiertenkonferenz uv, 26 Uhr im Heim See. Ecke Turiner Straße. Freitag Beginn der Arbeilsgemeinschaften: Die politische und wirtschoslliche Entwicklung seit 1614 in Deuiichla Jugendheimen Turiner Ecke Secstraße und Willdenowstratze 5. stand in den Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner»Schwarz-Rol-Gold-. Geschäftsstelle: Derlln S 14. EebaPianstr 37—38. Hai 2. Tr. Lichtenberg tOrisnerein). Kamerad Bruno Bogel ist gestorben. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 15. Oktober, 16b» Uhr, voni Krematorium Baumschulenweg aus statt. Alle dienstfreien Kameraden beteiligen sich mit Fahne».— Wassersporiabteilung. Zug Tegel. Unsere Vre. sammlung am Freitag, dem 16. Ottober, im Booishous, findet bereits um 19 Uhr statt. Anschließend Teiinohme an der Werbrvtrsammlung im „Strandschloß". Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin. Geschäftsstelle: P. Schneider, Berlin 710. 55, Hufelandsir. 31. Sängerchar Bohnsdorf sMdDASB.). Donnerstag, 15. Oktodor, 18.46 Uhr, Ehorgesäu�c im Berliner Rundfunk. Schvtzverband der Schwerhörigen, Ortsgruppe Berlin e. V.(Dresdener Garten, Dresdener Str. 45.) Donnerstag, 15. Oltober. 26 Uhr, LichtbUdervar- trag vor dem elektrischen Bielhörer mit 266 Anschlüssen. Redner: Herr Haesel. barth über das Thema: Die Lüneburger� Heide und der Alpenparl in den Hohen Tauern(Bilder aus zwei Raturs' Die Arbeitsgemeinschaft der Bolkschöre .parken). riedenan-Steglltz und Tempelhgf» Mariendorf sMitglieder des Arbeiter-Canaerbundes) veranstalten am Eonn- tag, dem 18. Oktober, ein Herbstkonzert für Männer und gewischten Chor. Einlaß 17 Uhr. „Das deutsche Stroseecht und seine Sesorm." Im Rahmen der Volkshach. schule Groß-Berli» findet der erste Kursus über:„Das deutsche Strakrecht und seine Reform" am Donnerstag, dem 15. Okiober, 26 Uhr, im Bezirksamts» gcbäude Prenzlauer Berg, Danziger Str. 64, Zimmer 4, statt. Eine Führung durch Ali-Beeii»(Weinprobe) macht Dr. Franz Leder«. Sonntag, 18. Oliobcr, 16 Uhr, Hausvogteiplatz. Handarbeiten bei Israel. In einer reich beschickten Ausstellung zeigt die Firma Israel, König straße, moderne Handarbeiten, die sich wiedsr immer mehr ihren Platz erobern und bei wenig Mühe und Kosten einen wirklich schönen Heimschmuck bieten. Man ist längst von de« zeit- und sehkrastraubenden Sticheleien abgekommen, heute werde» durch geschmackvolle Musterzeichnungen und Farbenzusammen« stellnngen bei wenig Mühe die schönsten Erfolge erzielt: Kreuz». Stiel- und Spanstich dominieren, alles Arbeiten, die jeder auszu- führen inistandc ist. Sehr hübsch wirken Kissen in Mosaikstickeret. Straminarbeit auf.Kunstseide, daneben siir Kissen, Decken und Kaffeewärmer Kreuzsticharbeiten aus Grobleinen, Kunstseide oder leichtem Wollstoff, alles in buntlebendiger Musterung gehalten. Di« kleidsamen wollenen Westen, Pullover. Shawl» und auch ganz« Kleider fertigt sich die geschickte Frau ebenfalls selbst an. teils aus Strick-, teils aus.Häkelarbeit, onch beide Arbeiten kombiniert er- geben überaus hübsche Effekte. Wir geben aber noch weiter zurück auf unserer Urahnen Zeiten, das Handweben ist wieder modern, dies natürlich in weit vereinfachter 5)ersiellung, denn die moderne Technik hat sich ja auch das handarbeitliche Gebiet erobert, und so sitzt die Handweberin 1931 an einem hübschen, handlichen, leichten Holzrahmen und fährt geschickt mit der langen Nadel die Reihen her und hin: Kleider, Schlafdecken, Badeteppiche, Tücher, alles läßt sich auf diese Weise herstellen, sieht wunderhübsch aus und hält long«. In Weißwaren ist Richelieu-, Ajour- und Madeiraarbelt viel" zu sehen: alle Arten der modernen Handarbeitstcchnit werden von Stickerinnen,«Strickerinnen und Weberinnen vorgeführt und man sieht, daß die Sache wirklich höchst einfach und rasch vor sich geht. Nach langen, jchweren Leiden ist unsere liebe und gute Mutter Louise Marieufeld geb. Held im Alter von 58 Iahren verschieden. Im Namen der Hmierbiiekienen Alberl Marieufeld Die Einäscherung findet Donnerstag. den 15 Okioker, mlttags 12 Uhr, Gerichtstraße statt. Deatstliei MziMM-WM Vcrwaltongwielle BerUn Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Dreher >VoIt Botzky geb. 23. Oltober 1877, am 9. Otlobcr gestorben ist. Eher seinem Andenken! Die Beerdignng findet am Donners- tag, dem 15. Olloder, nachm. 151« Uhr, von der Leichenhalle de» Friedrichs- leider Friedhofes aus statt. Rege Beteiligung wird erwariet. vir Orirverwaltung WlMUMMMW Donnerstag, den IS. Oktober. vachn». S Ahr. im Dresdener Garten, Dresdener Strasze 4S »randiei>-?erzammlllng der Gold' n. Sltbersdimlede Tagesordnung: I. Branchenangelegenheiten. 2. Berichiedene». Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Das Erscheinest aller Kollegen tn dieser Versammlung ist Pflicht. Oonneftag, btn 16. OCiobcc. abends 7 Uhr. in den Mnfiker-SSIen, aolfet-lbühclin-SItobe 31 (Nähe Atexanderplatz) Versammlung aller im DMV. or«anUierlen Eisen- und Revolver- Dreher,.Dreheriimen and Rondschlcifcr Tagesordnung: 1. Bericht vom Bundestag des ADSB. Berichterstatter Kollege Köcher. 2. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Es ist Pflicht olle- Kollegen und Kolleginnen, an dieler P«sammiung teil» zunehmen Die Orlsverwalhing. HEINI SCHUFOMHEt direkt ab Fabrik EngrosPrtise BERLIN O 34 KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiniiiiiiuiiiiiuiiiiii Utberschriftsworl 28 Pf., Taxtwort 12 Pf. 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Sie schaffen damit Arbeit und Brot für die Arbeitslosen und sichern gleichzeitig ihr Kapital Der aus der Anleihe sich ergebende Betrag soll in erster Linie der Schaffung von neuen Arbeitsmöglichkeiten durch Vergebung von Aufträgen seitens der Reichsbahn dienen. Durch die sich hierdurch für die Reichsbahn ergebende Möglichkeit, Arbeitslose wieder in den Wirtschaftsprozeß einzugliedern, schaltet sich die Reichsbahn-Anleihe in das Gesamtprogramm der Reichsregierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein. Dadurch, daß Kapital und Zinsen der Anleihe auf Feingold lauten, sind Sie sicher vor Entwertung; Währungsschwankungen, fallende Kurse und zusammenbrechende Unternehmen in allen Ländern bereiten Ihnen keine Verluste mehr. Ihr in Reichsbahn-Anleihe angelegtes Vermögen ist von allen Steuern befreit, namliih; 1. hinsichtlich der Anleihebeträge von: a) der Vermögenssteuer b) der Aufbringungsumlagen c) der Erbschaffs- und Schenkungssteuer d) der Gewerbekapitalsteuer e) der Kirchensteuer 2. hinsichtlich der Zinsen von: a) der Einkommensteuer nebst Zuschlägen b) der Körperschaffssteuer c) der Krisensteuer d) der Gewerbeertragsteuer e) der Kirchensteuer f) der Bürgersteuer dazu auch von der Wertpapiersteuer. Selbst versäumte Steuerzahlungen werden Ihnen bei rechtzeitiger Zeichnung erlassen, ohne daß eine Bestrafung oder Nachzahlung droht. Oeffentliche Zeichnung ist nicht erforderlich; Sie können die Anleihe auch durch einen Notar zeichnen und sich sodann von diesem die Amnestiebescheinigung ausstellen lassen. Die Reichsbahn' 1931 ist frei von Schenkungssteuer Sichern Sie sich die Möglichkeit zu unbesteuerter Schenkung Wer bis zum 15. Oktober einschließlich zeichnet, schafft sich für etwaige Unstimmigkeiten in der Steuererklärung eine Deckung. Im übrigen läuft die Zeichnungsfrist bis zum 31. Dezember 1931. Die Frist für die Einzahlung der ersten 10 prozentigen Rate auf die gezeichneten Stücke ist in Abänderung des Prospekts vom Zeichnungstag auf den 5. Januar 1932 verlegt worden, um dem Zeichner die Geldbeschaffung für den Anleiheerwerb zu erleichtern. Vtiuiv' Vmm/ Viii.iWinmyV.iim/1 Sfaals Theater Mittwoch, den 14. Oktober Staatsoper Uitei du Lind» 20 Uhr Der liiegende Holländer Staatsoper ui Plati dir Sipgblit 20 Uhr Hadame Bnflerliy SlaalLSdiauspieltas Dindarmenmaht. 20 Uhr Die natürliche Tochter Schiller-Theater Charlottnburp. 20 Uhr Die Heirai Inlernalionaies Thealer (Kleines Theater) Unter den Linden 44. S's Uhr: Fludir vor füdiael. lundert- tausendel sahen bereit« Krone'sl nnerrciehtes Rekordpro- 1 grramm.WcitereHnncfert- 1 lausende wollen es noch 1 sehen. Daher wnrde das| Gastspiel am k a r k e Zettl vcrlüngerll I Tägl. abends 7.46 Uhr. Mittwoch, I I öonnabd�8onntg.auch3 ü.nchm. 1 KartenbestTel. Bärw. 1919 u.6ß60 1 1 Zirkus ist gut geheizt I SCAl/i Tigi.su.Bi/2utar 1 Bernard EtU Grace du Faye{ Maeier Joti Anstel& Arthur I ABronettsusw. Paul Nikolaus konferiert. Theater desWestens Heute 5 u. S'/i xom letzten Male: Viktoria und ihr Husar Ab Donnerslag' Dreimaderlhaus mit Maria Paudler Preise y, M. 0.50 an Winrer »QciiTerv c 6.15 Ulu Flora 3434 Raudieo erlaubt Nldiolls� Maria Ney, Napoli. Handy- Bandy, Bissi 21 RcmOj Waller Carlos zeigt Rumba, 2 Albertos usw. LICHT Berlin-Gesundbrniinen | üb Hienstag, 13.0litb. bis Montaa, 19. Mb. Eine Fe.twodie in der Liditbnrgl BÜHNE: Lichtburg-Orchester u. Ltg. v. P.Hensei Gastspiel des unübertrefflichen Meisters des Taktstocks u. der Geige ALEX-HYDE mit faotn. 10 IVaHikal-Ladics Im Programm o.„1812"*. Tsdiaikowsky unt«r Mitwirkung d« Tentirkten Liditbarg-Onhestcrs ALEX-HYDE kann anderweitiger Verpflichtung. wegen nur 7 Tage in der Lichtburg gastieren. FILMTEIL Der letzte große Erfolg im Capitol Hans Adalbert v. Schlettow Daniel. Parol* in Mitlemachts-Lielie Beiprogramm mit.Fox tfinender WochenidhaD" Beginn der Vor.telinngen: Wochentags 4, SV» u. 8',i Uhr, Sonntag 3, SO», 8'/i Uhr Preise der Plätze. Im Parkett und Rang 0.80 bis 1,50 M. Balkon und Logen 2,00 M, 2.50 M. Sonntag 3 Uhr Einheitspreis, Parkett u Rang 80 Pf, Balkon u Loge 1,20 M. Vorverkauf ab 12 Uhr ununterbrochen f.7Tage voraus. Telz Humboldt 1636-37 Berliner nikTriO II•■ k 0 1 1■. 74i7£U Volksbühne E. V.- Theater am Bülowplatz Sonntag, den 1 8. Okiober, vormittags 1 1 �/z Uhr Joseph Plaut Allerlei Heilerei, u.a.: Da« VarictE. T.nnhlnscr aU Knrzopcr Am Flügel: Hermann Hoppe Loskarten f. Mitglieder d. Volksbühne 0,80 M.!. d. Verkaufsstellen der Volksbühne E.V., Platzkarten, auch für Nichtmitglicdcr, I,—.2,— und 3,— M. bei Wertheim, Tietz, Karstadt, Bote& Bock, sowie an d. Theaterkasse(10-2 Uhr). Reichshailen-Theater Abends 6 Obr. Sonntag nadimittag 3'/. Uhr Das neue Programm der Stettiner Die 3 Komiker r i 1 1 o n r a u• r ornemann Nachmittags ermäßigte Preise. »v.uhr CASINO-THEATERß'/.uh. Lothringer Strage 37. iuiiiiihnhii iiniiiueniniHiiiiii niiiinii hihi tiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Ne,l! Sie lachen Tranen Neu! Uber die tolle Posse Dodo, das üffentliche Aergernis Dazu das neue bunte Progr.l Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteuil 1.— Mark, Sessel 1.50 Mark Theater im AdmlraiSDBlasi Täglich 8'/. Uhr Die Dnbarry mit Gitta Aipar Preise v. 0,50 M an Planetarium Tägl.außer Mon'ags 3 und 9 Uhr Maba-Film 5 und 7 Uhr Simba-Film «. astronom. Vonrag fcrpupn# i�sbißiu Berlins BETRIEB(Oh KEMPIHSKlVJ Wirksam sind dl% DCdUllUCr� Kleinen Anzeige« in der Qesamt* Auf läse fwfl 2�.8 des Vorwärts und trotzdem ROSE-THEATER Heule 6 und 9 Uhr: Premiere unter persönlicher Leitung des Komponisten „Frühling im Wiener Wald" Singzptel von Dr. Leo Azdier. dvroßc Frankfurter Ntrnßc 132 Vorverkauf Täglich 11—1 und 3—9 U. 15 7, 34»2. I BtiDB-IlieatH Dir. Dr. Robert Klein «lilntUtttt» 0146, 2797. 8V. Uhr Oer letzte Equipagew Homolka, Brausewetter, Sand- rock, Falkenstein VoiKsDlliine Theater am BOlowplatz 8 Uhr Kampf um Kitsch Ab 16. Oktober 8 Uhr täglich Das vierte Gebot Sctailler-Theiter 8 Uhr Die fleirat $ia(U.oper Charlottcnburg Bismarckstraße 34 Mittwoch, den 14.10. Turnus IV Anfang 20 Uhr Macbeth Ende gegen 23 U. DüDtsdiei Tüeatei Täglich 8 Uhr KabaleuDdLieiie von Schiller Hegic: Mai Reinhardt Die KomSdie SV» Uhr RücKKehr Komödie v.Donald Stewart Ragie; Eoital GrQndgens. Kuriilrsteniianiin- Theafer Bismarck 448/49 8V* Uhr Die scRiöne Helena von lacQtiesonenSaffi Repie; Ma* Beinnardi. Theater am Nollendorfplab Täglich SV» Uhr Max Adalbert in: Der beschleunigte Personenzug Komische oper 8'» Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhan Musik v. Witmann Lcux, Elster, Lilien, Preise; 0,50-7.- M. i Zentral-Ttoter� AlteJakobstr.30-32 Täglich SV» Schwarzwald- mSdel Christ! Sttrm, hinj Cosü RMnl-Tbeaier Täglich SV. Uhr Sonntags 4 u.SVi U. Die Blume von Hawai Opercttevw�braham Prtiia 6,51-14.53 Deutsche Verkehrs-Kredit-Bank AktienoeseUschaft BERLIN Bilanz vom 30. Jnnl 1031 Aktiva. 1. Kasse, fremde Gcldsorten und Gnfhabn« bei Noten- und Abrcdinunpsbankcn 2. Guthaben bei Lenken und Bankier«.... 3. Wertpaniere............................... 4. Wechsel und Schatzanweisungen........ 5. Einrichtung................................. 6. Schuldner: n) gedeckte............... 44 818 951,73 b) ungedeckte............. 19 170 365.77 7. Grundstücke............................. RM 8 481 427.82 164 067 805,94 63 006 052,94 172 047 609.79 1.— 63 989 317,30 600 000.— 467 192 214,99 Passiva. RM I.Aktienkapital............................ 4000 000,— 2. Ordcntlicne Rüdclage.................... t 400 000,— 3. Delkredere-Rücklage für Frachtstundungen 2 800 000,— 4. Bearaten-Untcrstützungsfonds............ 500 000,— 5. Gläubiger................................ 388 777 040.90 6. Akzepte.................................. 60 000 000,— 7. Ucbergangsposten und noch einzulösende Schecks.................................. 8 879 138,09 8. Gewinn- und Verlustrechnung._ 836 016,— 467 192 214,99 Oewlnn- und Tcrlnstrechnnng: Debet. 1. Handlungsiinkostcn-Konto Reingewinn RM 2 312 994,40 836 016.-- Kredit. 1. Vortrag 1929/30......... 2. Fraditstundungskonto... 3. Zinsen-Konto........... 4. Frovisions-Konto....... 3 349 010,40 RM 187 148,— 889 593,09 1 824 168,59 448 100,72 3 349 010.40 Die Generalversammlung vom 13. Oktober 1931 genehmigte vorstehende Bilanz sowie die Gewinn- und Ver- lustreainung und beschloß, für das Geschäftsjahr 1930/31 eine Dividende von 9% auszuschütten. Die fälligen Gewinnanteile gelangen auf Gewinnanteilscheine Nr. 8 außer an der Kasse unserer Hauptniederlassung in Berlin und an den Kassen unserer sämtlichen Zweigniederlassungen noch bei folgenden Banken zur Einlösung: S. Bleich röder, Berlin, Bayerische Hypotheken- nn.d Wechsclbank, München, Bayerische Vereinsbank, München, Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft, Berlin. Darmsfadter n. Nationalbank Kommanditgcs. a. Akt, Berlin, Deutsche Bank und Disconto-Gcsellschait, Berlin, Dresdner Bank, Berlin. Mendelssohn& Co., Berlin. Reichs-Kredit Gesellschaft Aktiengesellschaft. Berlin. Deutsche Vcrkehrs-Krcdit-Bank Aktiengesellschaft Der Vontand Berlin, den 12. Oktober im. für alle Empfänger von Arbeitslosenunterstützung, Krisenunter- stützung und Wohlfahrtsunterstützung, und zwar für die Zeit vom l. November 1931 bis zum 31. März 1932. Sie besteht in der Belieferung mit Kartoffeln und Kohle. 2 Die Naturalhilfe darf nicht zu einer Minderung der Geldunterstühung führen. 3. Die Naturalhilfe soll umfassen: s) Kartoffeln, 1,5 Zentner pro Kops der zum Haushalt des Unterstützungsberechtigten ge- hörenden Personen, d) Kohle, 29 Zentner für jeden unterstützungs- chcrechtigten Haushalt 4. Die Kohlenstindikate find zu verpflickte». die Kohlen zu Preisen zu liefern, die nicht über dem Durchschnitt der jeweiligen Exporterlöse liegen. 5. Die Beschaffung von Kartoffeln soll in der Weise erfolgen, daß der Kartofselmarkt entlastet wird und die Verluste bei der Rcichsmonopoloerwaltung für Branntwein möglichst verringert werden." Einen Wall gegen Lohnabbau und Zerschlagung des Tarissystems will der Antrag zum Tarifrecht aufrichten. Er verlangt von der Reichsregierung, „alle Pläne und Forderungen auf Beseitigung oder Aushöhlung des Tarifrechts abzulehnen: besonders sind die Angriffe auf die Unabdingbarkeit des Tarifrechts abzuwehren." Besonders wichtig ist auch der Antrag zur entscheidenden Aende- rung der Bestimmungen der Notverordnung über die Einschränkung non Ausgaben der öffentlichen Verwaltung. Auf Grund dieser Bor- schrift könnte die Reichsregierung ohne den Reichstag, ja sogar ohne Notverordnung durch einfachen Verwaltungsakt die Leistungen sämt- licher Sozialversicherungen herabsetzen. Ebenso könnten die Landes- regierungen ihren Gemeinden vorschreiben, was sie für Ausgaben zu machen haben, und auf diese Weise besonders die Senkung der Wohlfohrtsunterftützung erzwingen. Die Sozialdemokratie verlangt daher die glatte Streichung dieser Bestimmungen. Eine weitere Gruppe von Rcformvorschlägen betrifft mirtschaftspolitische Forderungen. Wirischastsbeirat beim Z�eichskabineii. Hindenburg will den Vorsih führen. Wie schon mitgeteilt, beabsichtigt der Reichskanzler Dr. Brüning, einen Wirtschaftsbeirat zu berufen, der der Regierung als sachverständiger Berater in Wirtschafts- fragen, besonders bei Aufstellung eines Arbeitsbefchaffungs- Programms, zur Seite stehen soll. Dem Beirat sollen auch Vertreter der Arbeitnehmer angehören. Der Reichspräsident hat nun gestern in einem Schreiben dem Reichskanzler mitgeteilt, daß er bereit sei, in den Beratungen dieses Beirats, dessen Mitgliederzahl sich in engen Grenzen halten müsse, persönlich den Vorsitz zu führen, wenigstens bei den Erörterungen über allgemeine grundlegende Fragen.__ Mandschurei-Konflikt und Völkerbund. Vriand voller Zuversicht. Genf, 13. Oktober.(Eigenbericht.) In der Nachmittagssitzung oersuchte Botschafter P o s h i s a w a- Japan den Völkerbundsrat durch Verlesung einer Note semer Re- gierung und hinzugefügte Ausführungen den Rat von den durchaus Mdlichen und rechtlichen Absichten Japans, von der Lebenswichtig- kW feines Interesses an imd in der MdMlfchursi, von der Schuld der antijapanischen Bewegung in China an dem Konflikt und von der japanischen Bereitwilligkeit zu überzeugen,„Politik der offenen Tür" in der ihm gar nicht gehörenden Mandschurei zu treiben. Dem setzte S z e- China nochmals die Tatsachen entgegen. Seine Rede wurde unter tiefstem Schweigen dramatisch, als er mit- teilte, daß während der vormittagsjihung des Rales wieder zwei chinesische Städte über 100 Kilomeier westlich von Alutden von japanischen kriegsflugzeugcn bombardiert und aus Maschinengewehren beschassen worden sind. Direkte Verhandlungen könnten nicht erfolgen, solange japanische Truppen im Lande stcheiz, da sonst von China alles erzwungen würde. Dofhisawa habe in seinem geschichtlichen Rückblick nicht die in direkten Verhandlungen 1915 von China erpreßten 21 Bedingungen erwähnt. Der englisch« Außenminister Lord R e a d i n g wünschte, daß Poshisawa stch Nachrichten über diese neuen Bombardements ver< schaffe und dem Rat mittelle. Dann stellte B r i a n d«ine Art zuversichtliche Synthese her. Beide Parteien hätten kein« Hinter- oedanken. Japan wolle räumen nach erlangter Sicherheit und China wolle keine Vergeltung. So werde hoffentlich dieser schwere Konflikt nicht zur Katastrophe führen. Der Rat stehe vor einer höchsten Verpflichtung und er werde sie erfüllen, sobald er genügend klar sehen könne. Voraussetzung für jede tragbare Regelung sei das gleiche Vertrauen beider Parteien in den Völkerbund. Deshalb müsse der Rat die Versicherung haben, daß bis zur Lösung die Lage nicht v e r- schärst werde durch neue Ereignisse. Die nicht wieder gutzu- nwch enden Dinge würden nicht hall machen bei China und Japan, sondern die ganze Welt ergreifen, und in welchem Augenblick! In welchem Abschnitt der Geschichte sei es niöglich gewesen, daß zwei Mächte in gespannten Beziehungen an einem Tisch die Meinungen ihrer Regierungen darlegen konnten. Der Rat werde sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Briand vertagte darauf die Sitzung. Di« Verhandlungeri werden sortgesetzt, wenn die geheimen Verhandlungen zu einem Ergebnis geführt haben. Diese geheimen Verhandlungen gestatten sich äußerst schwierig. Die japanische Regierung versucht dem Militär zu steuern, doch fürchte sie eine Militärrcvolution unter Beteiligung weitester Volkskrcise, wenn sie in der mandschurischen Frage irgend- wie nachgibt. Sic ist eher bereit, China anderswo eine gewisse Kompensation zu bieten..China dagegen leistet festen Wider- stand, da es die Mandschurei sür verloren ansieht, wenn es ihm nicht gelingt, mit Hilfe des Völkerbundes die Japaner zurllckzu- drängen. Versuch direkter Verhandlungen. Tokio über Paris, 13. Oktober.(Eigenbericht.) Der sapanische Außenminister und der chinesische Gesandt« haben versucht, direkte Verhandlungen über die Regelung des Mandschurei- konfliktes einzuleiten. Ob mit Erfolg oder nicht, ist noch zweifelhaft. Dr. Trautmann, der neue deutsche Gesandte in Ehi»i hat Marschall Tschiangkaischck sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Spanien ohne Staalsreligion. Die Kammer hat mit 267 gegen 41 Stimmen den Verfassungsartikel 3 verabschiedet. Er lautet: Es gilbt keine ojjiziell« Staatsreligion. Das Bwckengefpenfl wurde am-11. Oktober in Harzburg besonders schön beobachtet. Große Anfragen im Landtag. Mißtrauensanträge gegen die Regierung. Auch der Preußische Landtag trat am Dienstag zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause wieder zusammen. An Stelle des schwer erkrankten Präsidenten Bartels(Soz.) er- öffnete Vizepräsident Dr. von Kries(Dnat.) die Sitzung mit einem Nachruf auf die inzwischen verstorbenen Abgg. Brückner(Soz.) und G i e s e l c r(Dnat.). Der Vizepräsident hob besonders die verdienstvolle Tätigkeit des?lbg. Brückner als Borsitzender des Rechtsausschusses hervor. Das Haus hörte den Nackruf stehend an: die Kommunisten beteiligten sich nicht an der Trauertund- gebung. Eingetreten in den Landtag sind an Stelle der Ver- storbenen Redakteur W e g« n e r- Kottbus(Soz.) und Rödder, der sich den Christlich-Sozialcn angeschlossen hat. Der Vizepräsident gibt hierauf dem Hause Kenntnis von der Mandatsniederlegung des Abg. von E y n e r n(D. Vp.), der zu- gleich Pizevrästdent war. Er oerliest im Anschluß hieran ein offizielles Schreiben des Miniiterprästder�en. das den Rick tritt des Finanzmini st erz Dr. Höpker-Aschoff von seinem Amte mitteilt. Der Landtag erledigt zuerst eine Reihe kleinerer Vorlagen. Hierauf beginnt die groß« politische Aussprache über die eingebrachten Mißtrauens- antrüge gegen dos Gesamtkabinett. Außerdem haben die Kommunisten noäi Mißtrauensanträge gegen den Kultus- und den Innenminister eingebracht. Gleichzeitig steht zur Verhandlung eine ganze Anzahl von Anträgen und großen Anfragen verschiedener Parteien über dos Verhalten der Polizei, Terrorakte radikaler Verbände. Redeverbote und Bsschränkuna der Pressefreiheit, die geplante Reichsreform und die eingeleiteten Spar- maßnahmen. Eine sozialdemokratische große Anfrage ver- langt von der Regierung Aufklärung über pilichtwidriges Verhalten der Polizeibehörden im Regierungsbezirk Breslau anläßlich von Stahlhelmtagen und nationalsozialistischen Demonstrationen. Zur Begründung des deutschnationalen Mißtrauensantrages nimmt das Wort Abg. Steinboss(Dnat.), der einleitend und unter ironischem Gelächter der Linken an eure Redewendung Schachts auf der Harzburger Tagung der nationalen Opnosition anknüpft, daß den Schassenden das Herrschen eine bittere Pflicht, den Raffenden aber eine süß gewordene Gewohnheit sei. Seit dem System Braun bensche in Preußen die Parteidoktrin einer marxistischen Koalition. Es handele sich um den Bestand Preußens. Trotz wiederholter Erklärung des Zentrums, daß es einer Aufsaugung Preußens durch das Reick nickt zustimmen werde, hätten leine Freunde ernste Sorgen. Der Hauptstoß geaen Preußen sei von dem jetzt ausgeschiedenen Finanzminister Höpker-Aschoff geführt worden. Die van seiner Fraktion geforderte früher« Einberufung des Landtags sei veriassungswid- ig abgelehnt worden. Es sei des- wegen Klage beim Stoatsaerichtshof erhoben. Er hoffe, daß die Neuwahl nicht im Frühjahr 1932, sondern zu einem früheren Zeitpunkt, den die harzburger nationale Opposition bestimmen werde, stottsindet. Rur eine Staatsregierung, die Recht und Gerechtigkeit über Staatsräson und Parteidoktrin stelle, könne die schwere Vertrauenskrise beseitigen. Deshalb fordere er in Anlehnung an die Harzburger nationale Opposition den sofortigen Rücktritt der Re- gierung und Aufläsung des Landtags. Abg. Hasper(Komm.) begründet die kommunistischen Miß- trauensanträge. Die Lage für den Kapitalismus fei ein« katastro- vhale. Brüning lauf« wie ein Bettler von Land zu Land, um Retter aus dem' Zusanunenbriich zu suchen. Die Regierung Braun- Sevcnng in Preußen sei die sesteste Stühe dieser bankrotten Reichsreaicnina. Die Regieruna betrüge das Volk über den wahren Stand des wirtschaftlichen Riederbruches.(Ordnungsruf!) Die Sozialdemokratie fei der Schrittmacher der Militärdiktatur. Die preußische Notverordnung sei ein Berfassungsbruch.(Ordnungsruf!) Die preußische Bolizei gehe gegen Arbeiter vor und dulde die Mordtaten faschistischer Organisationen. Fast all« kommunistische» Zeitungen seien verboten. Dagegen würden die Kommunisten eine illigale Presse schassen. Die Sendewitz-Gruppe sei deswegen gefährlich. weil sie die klare Frontstellung verwische.(Beifall und Händeklatschen bei den Komm.) Abg. Winzer(Soz.) begründet die sozialdemokratisch« groß« Anfrage: Seit die Nationalsozialisten ans der politischen Bühne erschienen sind, vergeht kein Tag, an dem nicht Roheitsdelikte, begangen van Mügliedenr dieser Parte!, gemeidet werden. Wiederholt hat sich der Landtag mit dies«» Dingen beschästigen müssen. Man hätte erwarten soll««, daß sich gegen diese politischen Rohcitsakte alle anständigen Menschen zusammenfinden würden, um so mehr, weil nicht nur Mitglieder der Linksparteien Opfer solcher Ueberfäll« wurden.(Sehr wahr! bei den Soz.) Gelegentlich der Harzburger Tagung der sogenannten nationa- lcn Opposition ist in Harzburg der Orlsgruppenvorsihende der Volksparlei von Hillerleuten verprügelt worden. (Hört, hört! bei den Soz.) Eigentlich sollte man annehmen, daß die Volkspartei, die sich so sehr nach der Bettgemeinschast mit Hitler sehnt, ein Gruseln vor diese» Kampfgenossen bekäme. Aber in diesen, Fall« scheinen wohl Prügel das beste Bindemittel für eine politische Ehe zu sein.(Heiterkeit links.) In Schlesien finden die politischen Rohlinge auf den großen Gütern die besten Schlupfwinkel. Leider haben in vielen Fällen die Polizeibehörden bei der Bekämpfung dieser Ausschreitungen vollkommen vcvsggt. Wenn die Nazis sich im Kreise Schweidnitz so ungehindert austoben konnten, so dürste der inzwischen zur Disposition gestellte Landräk nicht unschuldig sein. Solch« Landräte, die beim Volksentscheid gegen den Staat votieren, können unmöglich den ernsten Willen haben, den Staat zu schützen. (Sehr wahr! bei den Soz.) Anläßlich des S t a h l h e l m t a g e s Hot der Polizeiverwalter von O e l s schwere Ausschreitungen der Demonstranten zugelassen. Seine Maßnahmen richteten sich anstatt gegen die Störer, gegen die vom Stahlhelm terrorisiert« Bevölkerung.(Hört, hört! bei den Soz.) In Le u b u s ch wurde die säst oussckstießlich republikanisch ge- sinnte ruhige Bevölkerung anläßlich eines„deutschen Tages" durch Demonstration der Nationalsozialisten geradezu terrorisiert. Trotz eindringlicher Warnung verantwortlicher Persönlichkeiten war der zuständige Landrat I a n e tz k i weder zu einein Verbot, noch zu ausreichenden Schutzmaßnalnnen zu bewegen. Rakirmalsozialisten fuhren mit ihren Krafträdern n. o. im rasenden Tempo durch einen Trauerzug, der einen verunglück- len Maurer zu Grabe trug, mit gemeinen Zurufen:«Wieder ist so ein rotex Hund verreckt!" Sic mißhandelten die Teilnehmer mit Gummiknüppeln, Schlag- ringen usw., drangen in Wohnungen ein, verwüsteten dies« und verletzten etwa ein Dutzend Mensche». Zu allem Uebersluß ordnete der Amtsvorsteher noch für denselben Abend Feueralarm an, und zwar unmittelbar in der Nähe des Sammelplatzes der Oemon- stranten. Er muß geradezu die Absicht gehabt haben, Zusammen- 'stöße zu provozieren. Wir haben deshalb Untersuchung und schärfstes Eingreisen ge- fordert, weil sich seitdem Ausschreitungen dieser Art wiederholt haben. Es müssen endlich alle zur Verfügung stehenden Mittel an- gewendet werden, um diesen skandalösen Zuständen ein End« zu machen. Es ist notwendig, damit nicht nur die Bevölkeruna zu schützen, sondern auch unser Ansehen im Ausland zu wahren.(Bei- fall bei den Soz.) Ein Regierungsverlreler beantwortet die große Anirage der Sozialdemokraten dahin, daß in Oels keine schweren Ausichrei- klingen, sondern nur geringfügige Reibereien, vorgekommen seien. In Frankenstein sei die Demonstration der Nationalsozialisten störungsfrei verlausen. Die Nationalsozialisten seien nicht einheit- lich, sondern verschieden bekleidet gewesen. Sie hätten keine Straßen abgesperrt, sondern lediglich Spalier gebildet.(Große Un- ruhe bei den Soz.) In Leilbusch seien nur sechs Personen unerheblich verletzt worden, doch habe man bei den Beteiligten keine gefähr- lichen Werkzeuge gefunden. Es bestehe kein Grund, gegen den Landrat- vorzugehen. Dagegen sei dem A m t s v o r st e h c r wegen des Feueralarms die Mißbilligung ausgesprocheii. Nach den Berichten der Polizeibehörde habe der überwiegende Teil der Be- völkenmg von Leubusch in der Nazidemonstration keine Provo- zierung gesehen.(Große Unruhe bei den Soz.) Abg. Dr. voelitz(D. Bv.) begründet die Anfrage über Ein- griffe in die politische Gewissensfreiheit der Beamten beim Volks- entscheid. Trotz aller Zusagen, daß den betresfenden Beamten keine Nachteile erwachsen, hätten sozialdemokratiichc Zeitungen durch Namensnennuna solche Beamte denunziert. Wie steht der Minister dazu? Auch Polizeiofsi,ziere seien wegen der Beteiligung am Dolksentscheid gemaßregelt worden. Die Notverordnungen müßten durch den Landtag nachgeprüft werden Der Redner kritisiert in seinen weiteren Ausführungen die einzelnen Bestimmungen der Notvero-dnung in bezug auf die Lehrerschaft. Ein vcrlretcr des Innenministeriums beoutwnrtet eine tommu- nistische Anfrage dahin, daß eine Verschärfung der über de» Wafsenaebrauch von Polizeibeamten«rgangen-'n Bestimmungen nicht erfolgt sei. Es könne sich höchstens um Unterricht ung der Beamten des Exekutivdienstes handeln, eine Maßnahm» die wegen terroristischer Zftrsschreitungen und wegen feiger Meuchel- morde notwendig gewesen ist. Eine Anfrage der Deutschnationalen über Terrorakte radi- koler Linksverbände wird dahin beantwortet, daß besonder« An- ordnungen nicht nötig gewesen sind, da die Polizei im Rahmen ihrer Bestimmung Sicherheit»nd Ordnung aufrechterhalten könne. Auf eine weitere kommunistische Anfrage wird erklärt, daß im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin Druckschriften hochoerrätcrischcn Inhalts beschlagnahmt wurden. Darüber habe bereits ein Bericht des Polizeioräsidenten Aufklärung gegeben. Abg. Dr. Bohncr(Staatsp.) begründet den Zlntrag �iner Fraktion auf Herabsetzung der Altersgrenze der Beamten und Lehrer. Nur so sei es möglich, die Junglehrer wieder in den Ar- beitsprozeß einzuschalten, zumal die Schulen an einer starken Ilcberalterung der Lehrerschaft leiden. Man müsse den Beamten und Lehrern schon mit Erreichung des 50. Lebensjahres den srei- willigen Uebertritt in den Ruhestand ermöglichen. Seine Fraktion fordere außerdem eine Revision der Auseinandersetzung mit dem früheren Königshans und den Standcsherren. Hierauf vertagt sich das Haus zur Weiterberatung auf Mitt- woch, 12 Uhr.__ Völkerbund gegen Streikrecht? Ein Anschlag auf das Koalitionsrecht der Eisenbahner. MTB. meldet: Montag trat in Genf die 1. Allgemeine Verkehrskonferenz, die vom Völkerbund einberufen worden ist, zusammen. Die allgemeinen Verkehrskonferenzen bilden zusammen mit dem Beratenden Fachausschuß des Völkerbundes (Verkehrskommission) und dem Sekretariat der Kommission die „Organisation der Verkehrswege und des Durchgangsverkehrs", die der Völkerbund gemäß der Völkerbundssatzung geschaffen hat. Neben den Materien, die auf jeder Konferenz behandelt werden, wird sich die diesjährige Konserenz insbesondere mit der Frage der E r g r e i- fung von Maßnahmen, die im Falle von Streiks oder sonstigen schwerwiegenden Ereignissen zur Ausrechtcrhaltung des internationalen Durchgangsverkehrs zu ergreifen sind, befassen. * Man glaubt zunächst an einen Irrtum und liest den letzten Satz nochmals. Wer sind die Herrschaften im Völkerbund, die diesen reak- tionären, gegen das Streikrecht der Eisenbahner gerichteten Plan ausgeheckt haben? Ganz abgesehen davon, daß es sich dabei praktisch nur um den Versuch handeln kann, die zur Verzweiflung getriebenen Eisenbahner eines Landes— denn wo würde heute sonst ein Eisen- bahnerstreik ausbrechen!— durch die Eisenbahner anderer Länder niederzuschlagen, sei hier einmal auf die völkerrechtlichen Konsequenzen aufmerksam gemacht, die sich aus einem solchen Vorgehen ergeben würden. Jede durchgreifende Aktion des Völkerbundes scheiterte bis- her an dem Widerstand der Regierungen, die sich weigerten, die Souveränität ihres Landes preiszugeben, lind hier will man z.B. bei einem französischen Eisenbahnerstreik'„zur Aufrechterhaltung des internationalen Durchgangsverkehrs" belgische, deutsche, italienische, englische und Schweizer Eisenbahner zum Streikbruch nach Frankreich abkommandieren! Ist dos kein Eingriff in die Souveränität eines Landes? Und wie eminent fördernd eine derartige Aktion für die Völkerverständigung sein muß! Will der Völkerbund die Arbeiterschaft der ganzen Welt gegen sich aufbringen und seine entschiedensten Verteidiger zu seinen cnt- schiedensten Gegnern machen, dann mag er diesen reaktionären Plan weiter verfolgen. Wenn diese Absicht nicht besteht— und wir zweifeln vorläufig noch daran, daß dieser Plan mit Wissen des Völkerbundssekretariats aufgestellt werden ist—, dann muß das Sekretariat des Völkerbundes sofort die Absetzung von der Tages- ordnung der Verkehrskonferenz jenes Planes verlangen. Der Teil XIII der Satzungen des Völkerbundes verpflichtet übrigens dazu. Oer Arbeitszeitskandal bei Nordwest. In dem Arbeitszeit st reit zwischen der Gruppe Nord- west und dem Deutschen Metallarbeiter-Verband wurde am Dienstag mit den Stimmen der Unternehmer ein Schiedsspruch gefällt, der dieselbe Verlängerung der bisherigen Arbeitszeit vorsieht, wie sie von den übrigen Gewerkschaften mit den Arbeitgebern bereits vereinbart wurde. Der Schiedsspruch läuft vom 1. Oktober bis zum 30. November und ist am 1. November kündbar. Die Verhandlungen in dein Gchaltsstreit der technischen Angestellten des Ruhrbergbaues, die am Dienstag in Essen begannen, wurden auf Mittwochvormittag 10 Uhr vertagt. Nach den Verhandlungen der Techniker beginnen die für die kaufmänni- schen Angestellten. Die Arbeitzeit der Biersahrer. Regelung in den Berliner Brauereien. Im„Vorwärts" wurde wiederholt ein Mißstand kritisiert, der sich seit der Einführung der äO-Stundcn-Woche in den Berliner Brauereien und ihren Niederlogen durch Ucberarbeitszeit bei den Bierfahrern eingestellt hatte. Vorkommnisse in der Brauerei Groterjan veranlaßten die Arbeitnehmerorganisationen mit der Betriebsleitung ein Ab- kommen zu treffen, wonach die mchrgeleisteten Ucbcrstunden abgeschlafen werden müssen. Dadurch wurde es möglich ge- macht, daß eine Anzahl Arbeiter, die sonst wegen Arbeitsmangel entlassen worden wären, für die Fahrer einspringen, die abschlafcn müssen, und dadurch in Arbeit bleiben können. Trotzdem in anderen Betrieben derselbe Mißstand herrsche, war es den beiden zuständigen Gewerkschaften nicht möglich, mit diesen Brauereien eine ähnliche Bestimmung herbeizuführen. Eine einzige Ausnahme bildet neben der Grotcrjan-Brauerei nur noch d i e Bötzow-Braucrei. Um eine allgemeine Regelung zu erzielen, für alle Brauereien eine gleichmäßige Durchführung des Abschlafens der Ueberstunden herbeizuführen, sahen der Verband der Nahrungsmittel- und Ge- tränkearbeiter sowie der Gesamtverband sich veranlaßt, das im Tarifvertrag seit 31 Iahren vorgesehene Einigungsamt anzurufen. Am 9. Oktober 1931 fällte die Spruchkammer des Tarif- einigungsamtes einmütig den folgenden Spruch: „Die Arbeitszeit des Tourcnfahrperfonals ist derart zu kon- trollieren, daß die Anfangs- und Endzeiten der Arbeitszeit fest- gestellt werden. Dabei wird bei Rückkehr der Fahrer und der Mitfahrer auf die Brauereihöse zu der bis zu diesem Augenblick geleisteten Arbeitszeit je eine Stunde für Abrechnungszwecke und für Nebenarbeiten der Mitfahrer hinzugezählt. Ergibt sich bei diesen Ermittlungen, daß z. B. ein Fahrer oder Mitfahrer innerhalb der Arbeitswoche die tarifmäßige Brutto- arbeitzzeit von 47'/!! Stunden überschreiten, so sind diese Arbeits- stunden als Ueberstunden anzusprechen und innerhalb der nächsten zwei Wochen durch Freizeit abzugelten, soweit mindestens ein voller Arbeitstag abzugelten ist. Etwaige Differenzstunden sind vorzutragen. Die tariflich zulässige Pauschalabgeltung für einzelne Wie lange noch Lohnabbau? Stegerwald steuert einen verhängnisvollen Kurs. Obwohl vor einigen Wochen der Rcichsarbeitsminifter mehrfach erklärt hat, mit dem allgemeinen Lohnabbau müsse Schluß ge- macht werden, ist in diesen Tagen immer wieder unter Sanktw- nierung des Reichsarbeitsministeriums in verschiedenen Gewerven Lohnabbau durchgeführt worden. Aus dem Gewerkschaftskongreß sagte Stegerwald für einige Gewerbe zu, auf Grund der bekannten Notoerordnung eine Verkürzung der Arbeitszeit auszusprechen. Inzwischen sind sechs Wochen ins Land gegangen, die Wirtschaftskrise und die Rot der Arbeitslosen hat sich ungeheuer verschärft, aber über allen Wipfeln des Reichsarbeitsministerium herrscht Ruhe Dagegen kommen unter Duldung des Reichsarbeitsministeriums die Tarifverträge immer mehr in Gefahr. So hat das Reichsarbeitsministerium nunmehr endgültig a b g e- lehnt, die Bauarbeitcrlöhne für verbindlich zu er- klären. Am 2. Oktober ging den Bauarbeitcrvcrbänden folgende Meldung zu: „Von der Allgemeinocrbindiicherklärung der Bezirks- und Lohntarife des Baugewerbes sehe ich ab, da ich es unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht für angängig erachte, die darin vereinbarten Löhne im Wege staatlichen Zwanges durchzusetzen. Ich bitte, Ihre Unteroerbände, deren Anträge ich hierdurch als erledigt betrachte, zu verständigen. gez. Dr. Stegerwald." Diese endgültige Absage, den schwer bedrängten Bauarbeitern in ihrem Kampf um die Erhaltung ihres Lohnniveaus beizustehen, eine Aufgabe, die die allererste Pflicht eines Arbeitsministers fein sollte, erscheint in einem besonderen Licht, wenn man weiß, daß die .vereinbarten" Löhne von Persönlichkeiten fe st gesetzt worden sind, die der Reichsarbeitsmini st er eingesetzt hat. Das ist eine ganz unerhörte Praxis, die nicht weit von dem Ziel entfernt ist, das die Unternehmer mit der„Beweglichkeit der Lohn- tarife" erstreben. Dem Reichsarbeiisminister sind also die Bauarbeiterlöhne immer noch zu hoch. Nach der T a r i f l o h n st a t i st i k des Sta- tiftischen Reichsamts betrug im Juli 1931 der durchschnittliche Tarif- stundenlohn für Maurer 113,4 Pf., für Hauer im Bergbau eben- falls 113,4 Pf., für Tischler 114,4 Pf. und für Brauer 122 Pf. Viel schlimmer sieht die Sache aus, wenn man die vom Statistischen Reichsamt errechneten Jahresdurchschnittseinkommen der Bauarbeiter betrachtet. Danach hatte der Baufacharbeitcr aus bauge- werblicher Arbeit im Jahre 1930 ein tatsächliches Einkommen von 1 200 Mark. Das voraussichtliche Einkommen des Bau- facharbeiters im Jahre 1931 beträgt nach dem Statistischen Reichs- amt 6 SO Mark(in Worten: scchshundertfünfzig Mark). Noch viel elender sind die Einkommensverhältnisse bei den Bauhilfsarbeitern, die ebenfalls von der Verweigerung der Allgcmeinverbindlicherklärung des Reichsarbeitsministers schwer be- troffen werden. Ihr tatsächliches Einkommen betrug im Jahre 1930 960 Mark, ihr voraussichtliches Einkommen für das Jahr 1931 bc- trägt nach der amtlichen Quelle rund 500 Mark. Das sind Jahreseinkommen! Der Gedanke, daß von diesen„Einkommen" Familien er- nährt werden sollen, läßt bei jedem sozial empfindenden Men- schen einen heftigen Protest gegen alle jene Stellen entflammen, die dazu beitragen, dieses Hungereinkommcn noch mehr zu ge- fährden. Es wird Zeit, daß der Reichsarbeitsminister endlich in sich geht und umkehrt von der katastrophalen Lohnabbaupolitik, die nicht nur das Volk, sondern die ganze Wirtschaft in das Chaos führt. Eingeschrankie Allgememverbindlichkeii Im scheinbaren Gegensatz zu der Ablehnung der Allgemein- Verbindlichkeit der Lohntarisverträge im Baugewerbe hat der Reichsarbeitsminister den Reichstarifvertrag für b a u g e w e r b l i ch e Arbeiten für a l l g e m e i n v e r b i n d- l i ch erklärt, aber mit bisher nicht gekannten Einschränkungen, die Einbrüchen verdammt ähnlich sehen. Das Reichsarbeitsministerium unterscheidet nicht nur zwischen privatwirtschaftlichen und öffentlichen Betrieben sondern auch zwischen Bauuntcrnehmerfirmen und Privatwirtschaft lichen Betrieben, die nicht Baubetriebe sind, aber in ihrem Betrieb». bereich Bauarbeiten ausführen lassen. Auf die Arbeitsverhältnisse solcher Tauarbeiter, die in diesen beiden Betriebsgruppen regelmäßig mit Jnstanbsetzungs- oder Erneuerungsorbeiten beschäftigt sind, sowie auf die unständigen Arbeiter des Reiches, der Länder, der Ge- meinden und sonstiger öffentlicher Körperschaften einschließlich der Reichsbahn findet der Reichstarifvcrtrag für baugewerbliche Arbeiten keine Anwendung. In diesen vom Reichsarbeitsministerium ausgesprochenen Ein- schränkungen wirkt sich der Spuk von den„hohen" Bauarbeiter- löhnen aus. In Verbindung mit der Verweigerung der Allgemein- verbindlichkeitserklärung der Bauarbeiterlöhne soll mit den Ein- schränkungen bei der Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Reichs- tarifvertrages eben mit möglichst hundertprozentiger Sicherheit dafür gesorgt werden, daß nicht etwa ein im Tiefbau beschäftigter Fürsorge- arbcitcr oder ein bei den Bereinigten Stahlwerken beschäftigter Bauarbeiter in den Genuß des„hohen" Bauarbeiterlohnes koinmt. Die Einschränkungen wurden ausgesprochen, ohne daß mit den Arbeitcrvcrbänden verhandelt worden ist. Diese Taktik zeigt den unsozialen Kurs des Arbcitsministeriums, der auf der verhängnisvollen These von der Wirtschaftssanierenden Wirkung des Lohnabbaues beruht. Touren bleibt hierdurch unberührt(Z 2 Ziffer 11 des Tarifvertrages der gewerblichen Arbeitnehmer im Berliner Braugewerbe vom 13. Juni 1924), ist im übrigen ober im Einverständnis mit dem Arbeiterrat zu regeln." Die erwähnte Pauschalabgeltung darf nicht in dem Sinne aus- gefaßt werden, daß sie zu einer Durchbrechung der 40-Stunden- Woche führt. Sollte die eine oder andere Brauerei glauben, mit einzelnen Betriebsvertretungen eine Vereinbarung zu treffen, die dem Prinzip der Einhaltung der 40-Stunden-Woche und des Ab- feierns der Ueberstunden widerspricht, würden die Arbeitnehmer- organisationen Veranlassung nehmen, sofort an der zuständigen Stelle Widerspruch zu erheben. Das Prinzip der Organisationen ist und bleibt, durch das Ab- schlafen der Ueberstunden mehr Arbeitern im Betrieb ihre Arbeit zu erhalten. Zeiiungehändler gegen Nabaitkürzung. Aushangssperre für Reklameplatate beschlossen. Die Berliner freien Zeitungshändler nahmen gestern nochmals in einer stark besuchten Protestversammlung in den Germaniasälen zu der Herabsetzung des Zeitschriftenrabattes von 30 auf 25 Proz. Stellung, die ihnen die Verlage Ullstein, Scherl, Welle- Eysler, Union Sportverlag, der Verlag der„Funk- Stunde", der Deutsche Sportoerlag und die Z e i t u n g s- zentrale(ZZ.), diktiert haben. Die Versammlung nahm genau wie die am vorigen Sonntag, worüber wir berichteten, einen sehr stürmischen Verlauf. Die Zeitungshöndler sind empört, weil ihre Verhandlung?- kommifsion in allen Häusern der Berliner Zcitungskönige mit nichtssagenden Redensarten abgespeist wurde und die Verlagsdirektoren bei diesen Verhandlungen einen unnahbaren Herrenstandpunkt ein- nahmen. Sie zeigten nicht das geringste Entgegenkommen und blieben allen Hinweisen gegenüber, daß durch diese Rabattherab- setzung von den schon sehr geringen Verdiensten der Zeitungshändlee mit einem Schlage rund 20 Proz. gekürzt werden, völlig unnachgiebig. Einmütigkeit herrschte in der Versammlung darüber, daß diesem rigorosen Abbau der Zeitschriftenrabatte die Herabsetzung des Rabattes auch für die Tageszeitungen der betreffenden Berlage folgen werde. Es sei daher dringend notwendig, einen Gegenstoß gegen die Schlechterstellung der Zeitungshändler zu führen. Es wurden vielerlei Kampsmaßnahmen erwogen und teil- weise äußerst leidenschaftlich diskutiert. Schließlich wurde einstimmig beschlossen, ab heute, Montag, die Rcklameplakate der Verlage, bei denen die Rabaitkürzung erfolgt ist, nicht mehr auszuhängen. Eine in der Versammlung gewählt« Kommission soll die Durchführung dieser Aushangsperre überwachen. Achtung, puher! Der von der Mitgliederversammlung am 1. Oktober d. I. an- genommene Tarifoertragsentwurf ist auch von den Arbeitgebern, vertreten durch den Verband der Baugeschäfle von Groß-Berlin E. V., angenommen worden. Der Tarifvertrag trat am 7. Oktober 1931 in Kraft. Einen Auszug über Lohn- und Akkord- preise können unsere Mitglieder im Büro, Großbeerenstraße 96, Zimmer 16, haben. Der neue Tarifvertrag enthält wesentliche Aenderungen bei Vergebung von Akkordarbeiten und Einstellung der Arbeiter. Um unsere Kollegen vor Schaden zu bewahren, ist es unbedingt not- wendig, vor Beginn der Arbeiten einen Akkordvertrag abzuschließen. der von allen Kollegen unterschrieben werden muß. Weiter ist es notwendig, daß nur die gedruckten Vertragsmuster der Organisation benutzt werden. Dieselben können in unserem Büro in Empfang genommen werden. Deutscher Vaugewertsbund. Fachgruppe der Putzer. Die Arbeitszeit im Braugewerbe. Ihre Verkürzung tariflich geregelt. Bis Ende September sind über die Verkürzung der Arbeitszeit im Braugewerbe 34 Vereinbarungen getroffen worden, die 427 Be- trieb« mit mehr als 23 000 Befchöstigten umfassen. Das Berliner II e hereinkommen ist für allgemeinverbindlich erklärt, für andere Zlbkommen ist Allgemein- verbindlichcrklärung vereinbart. Nur in wenigen Bezirken steht eine paritätische Regelung der ohnehin eingeführten Kurzarbeit noch aus. KiifSbegittn der Berliner Gewerkfchafisschule. Heute. Mittwcch. beginnen: 50. 6. Einführung in den Spätkapitalismus. Lehrer: Dr. Ernst Nölting. Leibniz-Gnmnasium, Mariannenplatz 27—28. Hör. gebühr für jeden Kursus je 10 Abende 2 M. Kurzarbeiter, Jugendliche und Lehrlinge 1 M. Arbeitslose sind vom Beitrag befreit. Anmeldungen können noch auf dem 1. Kursusabend erfolgen. SPD.'Fraktion der Arbeiter und Angestellten beim Bezirksamt-] Pankow. Freitag, 19 Uhr, im Lokal Grob, Flora- Ecke Görfchstratzc, i~-- Fraktionsversammlung. Genosse O. Zienau über:„Leben und Ar., beit in Sowjetrutzland". Sympathisierende sind ebenfalls eingeladen, n SPD.'Bctriebssraktion beim Arbeitsamt Ost. Freitag. 1k Uhr. Lokal PI „Treffpunkt", Lichtenberg, Boxhagener Str. 62, Ecke Neue Bahnhof. straße. Otto Meier, M. d. L., über:„Die politische Situation". fl�Freie Gewerkfchafts-Lugend Berlin Hcuti-, Ulir, tagen die Sruppc»! Vaumschnleniocg: Jugendheim Baumschutenweg, Ernststr. Ifi. Brrttspieladend.— Weihcnsec: Gruppen. heim Weihensec, Parkstr. 36. Die Miidchcn gestalte» einen I'untcn Abend aus.— Humboldt: Jugendheim Gran». Ecke Lortzingstraßc. Eltern. abend.— Ziordring: Schule Sonnenburger Str. 20. Sewertschaftskangreg in Franlfurt o. M.— Tegel: Jugendheim Tegel, Sckiönebergcr Str. 4(erst um 20 Uhr). Entstehung und Formen des Kapitalismus.— Der Frühkapitalismus. — Südwesten: Jugendheim Porckstr. ll lFabrikgebäude). Hosemann bringt Lustiges zur Laute.— Flughafen: Gruppenbeim Flughafenstr. 68(U-Bahn. Hof Boddinstraste). Wir gehen zur Kreismitgliederverfammlung.— Rcutolln: Fugendheim Neukölln. Bcrgstr. 20 lHof). Wir gehen zur Kreisniitgliedcrver» fainmlung.— Slldkreis: Jugendheim Neukölln. Bcrgstr. 20. Kreismitql'eder. rcrfammlung: Bericht vom Gewerlfchaftskongresi in Frankfurt a. M.— Spandau-Neustadt: Jugendheim Lindcnufer l. Frankrcie!:: Land und Leute.— Schönederg: Schönebcrg. Hauptstr. l.> lGartenhaus). Warum entf.rndcn Ge. nerlfchaften.— Schillcrpork: Schule Schöningstr. 17. Lichtdildcrpoätrag: De. rufskrankheiten und ihre Folgen. fh �Usiendsiruppe des Zentralverbandes der Angestellten Acute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Gesund. � briliine»: Jugendheim Schönstedtslr. l. Wir üben Kampflieder.— Dchönl-anser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallee 81. Arbcitsgc. meinfchaft:„Cniwicklung und Bedeutung der Kultur". Leiter: Polcmann. Nordost I: Jugendheim Danziger Str. 62 fBarackc 8). Bunter Abend unter dem Titel:„Piefkes machen einen Ausflug".— Reinickendorf: Jugendheim Lindauer Str. 2(Baracke). Vortrag:„Aus der Geschichte der ungarischen Arbeiterbewegung". Refernt: Szekeli,.— Stralau: Jugendheim der Schule Sostlcrstr. 61. Leseabcnd.— Odersprcc: Niederschöneweide, Berliner Str. 31 (Schule). Eingang Saffelwerderstraste. Leseabend.— Köpenick: Jugendheim Dahtwiher Str. 15(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Bunter Abend. Leiter: Weißstock.— Reuköll»: Jugendheim Böhmische Str. I— t. Ecke Kanner Straße. Vortrag:„Die Betriebsräte— ein Stück Wdrlsckiaftsdemotratie?" Referent: Lehrer.— Südost: Jugendheim Wranqelftr. 128. Bunter Abend.— Schöne. beciv Kugendheim Hauptstr. 15(Hofgediiude— Eachsrnzimmerl. Arbeit». acmeinfchait:„Das geistige RUftzeun des inngc» Gewerkschafters". Leiterin: Ellerl.— Eharlottenburg: Fuqeudhcim Spielliogenftr. 4. Arbeitsgemeinschaft: „Einführung in die sozialistische Gedankenwelt". Leiter: Huhn.— Spaubc,. Fugendbeim Lindenufer 1. Die Eruvpcnperaustaltung wird auf dem Heim, abend bekanntgegeben.— Potsdam-Rowawes: Jugendherberge in Nawawcs, Briest-rstraße. Die Veranstaltung wird auf dem Heimabend bekanntgeqeben.— Die Bcrstcherungsqefellschaft Soraenfrei A.-G. tagt um 16 Uhr im Verbands. bans. Zimmer 27.— Sp»rtabtcilu»g: Uebungsabcnd ab 20 Uhr in der städtische» Turnhalle Prinzenstraße. Verantwortlich Ar Bolilik: SIete» Schiff: Wirilchalt:®, Klingelhöser! Ecwerkfchaitsbcwcaung: 3 Steiner: Feuilleton: Dr. John Schilowski: Lokoles und Sonstiaes: Frit, Karstadt: Anzeiaen: Th. Glocke: sämtlich in Verlin. Verlag: Borwärls.Vcrlaa G. m. b. K.. Berlin. Druck: Borwörts-Buchdruckeref und Berla asanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SB 68. Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilage».