BERLIN Mittwoch 14. Oktober 1931 10 Pf. Nr. 482 B 241 48. Jahrgang ErscheknttSslich avßer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des»Dorwärt«'. Bezugspreis beide Ausgaben 8d Pf. pro Woche. Z.eoM. pro Monat. Kcdaklivn und Expedition: BerlinSW 6g, kindenKr.3 Fernsprecher: Dönboff 7) 292—23? Anzetgeapret«: Die einspaltige Nonpareillezeile 8o Pf., Reklamezeile ü M. Crmüßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr.»7 S36.— Der Verlag behült sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Sozialismus, nicht Reaktion! Breitfcheiös Anklage- und Bekenntnisrede im Reichstag Als um 12 Uhr mittags die Glocken den Beginn der Sitzung des Reichstags verkünden, sind schon einige Ordner der..nationalen Opposition- dabei, die im Saale befindlichen Fraktionsangehörigen hinauszuweisen. Die braven Jungens vom Lande, die noch nie ein Parlament gesehen haben und die nicht wissen, wie man sich im Parlament zu benehmen hat, sollen es auch nicht lernen. Und so habeu sie auch heule die Gelegenheit versäumt, eine parlamentarische Rede großen Stils zu hören, wie sie nach ihrem Auszug der Sozialdemokrat B r e i t s ch e i d gehalten hat. Breilscheids meisterhaft aufgebaute, mit glänzender Rhetorik vorgetragene Rede war viel mehr als eine Rechtfertigungsrede für die Taktik der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion. Sie war eine bis zum Letzten rücksichtslose Anklagerede gegen das Betrugs» m a u.ö v e r, das �die Hakenkreuzler mit dem Namen und dem Begriff des Sozialismus gelrieben haben. Sie war eine wahrhaft vernichtende Kritik an der idiotischen Politik der Kommunisten, die den schlimmsten Scharfmachern und Arbeiterfeindcn die Wege zur wacht ebnet. Und sie war vor allem eine kraftvolle Bekenntnisrede zum So- z i a l i s m u s. die die sozialdemokratische Fraktion immer wieder zu stürmischen Beifallskundgebungen hinriß. Als Breilscheid geendet hatte, dursten die jungen Leute vom Hakenkreuz wieder den Saal betreten. Dann verlas der Abgeordnete F r i ck- Pirmasens, der mit stürmischen Zurufen ..Kriegsdienstverweigerer- empfangen wurde, eine langatmige und schlecht stilisierte Erklärung mit ungeheurer Zungenfertigkeit. wobei er gelegentlich Atempausen machte, um seiner Truppe Gelegenheit zu den anbefohlenen Beifallskundgebungen zu geben. Nach Aricks Erklärung die vom Reglement vorgesehenen Heilrufe und militärischer Hinausmarsch! Im Laufe einer Stunde hat der Reichstag zwei ganz verschiedene Dinge erlebt: ein glanzvolles Stück Parlamentarismus und eine A f f e n k om ö d i e als Borgeschmack des Dritten Reichs. »» » Präsident Lobe eröffnet die Sitzuna des Reichstags punktlich 12 Uhr. Zur Besprechung der Erklärung der Reichs- regierung erhält sofort dos Wort Abg. Dr. Äreitfcheid(Soz.) Während Breitscheid an das Rednerpult tritt, verläßt eine Gruppe von Nationalsozialisten den Saal. Brcitscheid führte aus: Die Zeit, in der der Reichstag nicht verhandelt hat, war eine Zeit mannigfachen Erlebens in der Gesamtpolitik. Ereignisse ernstester Natur haben sich gehäuft. Daß das deutsche Volk bis in seine tiefsten Tiefen erschüttert und aufgeregt ist, braucht nicht mehr ausgeführt zu werden. Wir haben das Auf und Ab des Schicksals der deutsch-österreichischen Zollunion erlebt. Für den Ausgoug ist Curtius in die Wüste geschickt worden, aber für Beginn wie Ende dieser Aktion hat das gesamte Kabinett die Verantwortung getragen. Wichtiger waren die wirt- schaftlichcn Vorgänge, beginnend mit den Devisenabzügen und der Kapitalflucht guter Patrioten aus Deutschland. Ein Land in der Lage des unferigen ist daran auf das höchste intcr- effiert, daß dos Ausland in seine innere Entwicklung Vertrauen setzte. Das war der Grundsatz mancher Leute, die jetzt ins andere Lager gegangen sind. Ich erinnere mich an eine Zeit, wo 5?err Schacht gemeinsam mit Freunden durchaus nicht arischer Her- kunft(lebhafte Zurufe)— es waren die Herren Parvus-Hel- phand und Litwin— in Wort und Schrift darauf hingewiesen hat. daß es das Wichtigste fei, das gute Verhältnis zu Frankreich aufrechtzuerhalten und das Vertrauen des Aus- landes zu bewahren. Jetzt hält Herr Schacht sein« zerstörenden Reden in Harzburg. In den letzten Monaten wurde ferner der Beweis erbracht, daß die Krise eine Weltkrise ist und daß sie mit Weltmitteln gelöst werden muß. Darum bestreitet niemand, daß in Deutschland schwer« Fehler gemacht worden sind. Aber-in Blick ans die übrigen Staaten genügt, um die Behauptung zurück» zuweisen, das deutsche Unglück rühre aus einem verkehrten System her. Cs ist nicht die Republik, nicht die Demokratie und wahrhaftig nicht der Marxismus gewesen, der in die Krise geführt hat. Niemand wird den Vereinigten Staaten nachsagen, daß sie unter marxistischen Einflüssen stünden, und die Krise i st dort größer und schwerer als bei uns. Es ist auch nicht allein die Notwendigkeit, Reparationen zu zahlen, die Not und Elend heraufbeschworen hat. Sicherlich ist sich alle Welt darüber klar, daß die Reparationen internationale Fehlleitung des Kapitals bedeutet haben, die Wirtschaft und Finanzen auch in anderen Staaten ungünstig beinslussen mußte. Alles muß geschehen, um diesen Reparationszahlungen ein Ende zu bereiten. Wenn aber der Antrag gestellt wird, hier zu beschließen, die Tributzah- l u n g e n sofort einzustellen, so erklären wir: Alle Beschlüsse hier im Reichstag würden nicht den gewünschten Erfolg hoben! Worauf es ankommt, ist. durch unsere Politik, unser verhalten und verhandeln andere zu überzeugen, daß diese Zahlungen für un» unerträglich und für sie eine Gefahr sind! Es Hot sich herausgestellt, daß die Uebsrzeugung allgemein ist, daß die Verständigung dringend notwendig � ist. Ich. überschätze nicht die Bedeutung der Ministerbesuche und die Bedeutung der Kam- Missionen. Ich fürchte nur, daß dieser Apparat zu langsam arbeitet. Wir haben ferner erlebt den erschütternden Zusammenbruch von Banken und Großkonzernen. Wir haben daraus besseres Verständnis für die Behauptung von den immensen Fähigkeiten unserer sogenannten Wirtschoftssührer gelernt. Niemand hat mehr versagt als sie. Der Reichskanzler hat in Aussicht gestellt, daß' er zu diesem Kapitel noch Einzel- Helten vortrogen könnte. Ich nehme an, meine Herren von der Voltspartei, daß der Wunsch nach diesen Einzel- Helten von Ihnen in aller Schärfe formuliert werden wird. Noch unserer Ueberzeugung ist dieser Zusammenbruch ein Beweis für das Versagen des Privatkapitalismus. Das steht hinter allem, was sich ereignet hat. Das steht hinter der Krise und der Weltkrise und allen Erscheinungen der letzten Wochen und Monate. Vor allem haben wir in dieser Zeit festgestellt das Wachsen der Not im deutschen Volke, besonders in der Arbeiterklasse, die ungeheure Erwerbslosigkeit, die nicht damit abgetan ist. daß man aus ihre Ziffern hinweist. Es ist notwendig, darauf hinzuweisen, daß unter den Mit- l i o n e n Erwerbslosen zahlreiche sind, die seit Jahr und Tag außer Arbeit stehen. Nicht nur wirtschaftlich ruiniert, sondern auch demoralisiert. Das erste Kabinett Brüning hat der Not mit Notoerardnungen zu begegnen versucht. Das uns dies System zu wider läuft—(stürmische Unterbrechungen bei den Komm.). Sie (zu den komm.) haben kein Recht, sich zu beklagen, im Prinzip ist dies ja Ihr Prinzip!(Händeklatschen bei den Soz.) Wir sino stets für Parlamentarismus und Demokrat!««ingc- treten. Erste Voraussetzung dazu ist, daß das Parla- ment sich selber bejaht. Dies Sejbstbejohei, des Parlaments durch große Parteien ist leider bei uns nicht mehr der Fall. Wir haben links und rechts große Parteien, die das Parlament Herunter mit den preisen! Weitere sozialdemokratische Korderungen an den Reichstag Eine dritte Gruppe der sozialdemokratischen Anträge, die jetzt dem Reichstag vorliegen und von denen wir eine Anzahl bereits im Morgenblatt behandelten, umfaßt die wirtschaftspolitischen Forderungen. In ihnen zeigt die Sozialdemokratie, wie aus dem Wege zur Gemeinwirtschaft die Ueberwindung der Krise und der Ar- beitslosigkeit angebahnt werden kann. Ihr Hauptvorstoh ist gegen Kartelle und Monopole, auf Senkung aller Preise, ins- besondere der Lebenshaltungskosten gerichtet. Dieser Antrag lautet folgendermaßen: „Der Reichstag wolle beschließen: 1. Maßnahmen zu treffen zur Senkung der über- höhten Kartellpreis«, namentlich für Eisen, Kohle, Zement, Düngemittel und Triebstofse: 2. Maßnahmen zu treffen gegen Preis Überhöhungen, die auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung und der Versorgung mit Gegenständen und Leistungen des täglichen Bedarfs durch Preisbindungen von Innungen oder Zweckoer- bänden, die sich mit dem Preise der Innungen decken, hervorge- rufen werden, oder die auf Preisbindungen der nächsten Wirt- schaftsstufe beruhen: 3. Die Einführung einer straffen und wirksame» Monopol- und Kartallkontrolle vorzubereiten im Sinne des Eni- wurfs eines llartell- und Monopolgesetzes nach dem Antrag Nr. 439 Dr. Breitscheid und Genossen vom 5. Dezember 1930." Dies« Forderungen zur Kartell- und Monopolkontrolle werden ergänzt durch einen Antrag über die Reform des Aktien- rechts. Dieser Antrag will mit den Mißständen aufräumen, die sich bei den Vorzugsaktien und bei dem Depotstimmrecht der Banken herausgebildet haben und mit eine Ursache für die allgemeine kredit- schädigende Vertrauenserschütterung sind. Gleiche Verteilung der Lasten und wirksame Heranziehung der Besitzenden ist auch der Leitgedanke der sozialdemottatischcn Anträge zur Finanzpolitik. Die früheren Notverordnungen haben den breiten Massen schwere Opfer auferlegt und ihnen wichtige steuerliche Rechte, wie z. B. die Lohnsteuererstattungen, geraubt. Des- halb ist es nur recht und billig, wenn endlich auch die besonderen Vergünstigungen bei den Besitz st evern beseitigt werden. Der V e r l u st v o r t r a g bei der Einkommen- und Körper- schaftssteuer muh wieder aufgehoben und die Berücksichtigung be- sonderer wirtschaftlicher Verhältnisse bei der Einkommensteuer muß auf die Einkommen bis zu 8000 Mark beschränkt werden. Weitere Anträge bezwecken den verschärften Kampf gegen die immer mehr. überhandnehmende Kapital- und Steuerflucht. Die Re- gierung wird erneut aufgefordert, in Verhandlungen über den Ab- schluß von Rechtshilfeverträgen mit den auswärtigen Staaten einzutreten. Je mehr die Kapital- und Steuerflucht zu einer internationalen Erscheinung geworden ist, um so größer:st auch das Interesse der anderen Staaten am Abschluß solcher Ver- träge. Außerdem muß endlich dafür gesorgt werden, daß sich die großen Einkommensbezieher dem größten Teil ihrer Stcuerpflichten nicht einfach dadurch entziehen können, daß sie ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen. � Besondere Anträge hat die Reichstagsfraktion zur Aufrechter- Haltung der Hauszinssteuer und zur Sicherung des Wohnungsbaues gestellt. Die neue Notverordnung senkt die Hauszinssteucr zugunsten der Hausbesitzer um 20 Prozent und macht damit eine Fortführung des öffentlichen Wohnungsbaues fast völlig unmöglich. Die So- zialdemokratie verlangt: 1. daß die allgemeine Senkung der 5iauszinssteuer um 20 Prozent wieder aufgehoben wird und es bei der indivi- duellcn Regelung auf Grund der Notverordnung vom ö. Juni 1931 bleibt; 2. daß die Erträge der Hauszinssteuer im bisherigen Um- fange für den Kleinwohnungsbau verwendet werden; 3. daß die K l e i n h a u s b e f i tz e r mit Häusern unter 5000 Mark Vorkriegswert von der Hauszinssteuer befreit wer- den und 4. daß die Mieten der kleinen Neubauwohnun- gen durch Steuerbefreiung, Zinsstundung, Zinszuschüsie usw. gesenkt werden. Neben die Hilfe für die Mieter tritt die Hilfe für die Pächter. Viele kleine Pächter haben in den letzten Iahren Pacht- Verträge abgeschlossen, die infolge der allgemeinen Preissenkung für sie eine außerordentlich drückende Last geworden sind. Um sie von dieser Last zu befreien, sieht ein sozialdemokratischer Antrag eine allgemeine Senkung der Klein pachten um 20 Pro- z e n t vor. Dieser Antrag hat besonders für das platte Land eine große Bedeutung. Ein weiterer Antrag der Sozialdemokratie verlangt die Senlungdes Zuckerpreises um 3 Mark je Doppelzentner. Infolge der Verdoppelung des Zuckerzolles durch die Nowerordnung vom S. Juni ist auch der Kleinverkaufspreis für Zucker gestiegen. Um die Verteuerung dieses wichtigen Masiennahrungsmittels zu mildern, soll durch Senkung des gesetzlichen Zuckerhöchstpreises Land- Wirtschaft und Industrie mit zu den Lasten der Zollerhöhung heran- gezogen werden. nicht wollen und die Diktatur auf ihre Fahnen geschrieben haben. So ist es die politische Not, die zu den N o t v e r o r d n u n- gen geführt hat.(Stürmische Unterbrechungen bei den Komm.) Nicht geringere Bedenken haben wir gegen den Inhalt zahl- reicher Notoerordnungen. Dies System hat einzelnen Bürokraten in den Ministerien Gelegenheit gegeben, gewisse Lieblingsideen einzuschmuggeln, für die kein« Mehrheit im Parlament ist. Das wesentliche, was wir an ihnen auszusetzen haben, ist der Umstand, daß die bisherigen Notverordnungen die Lasten, die aus der wirtschaftlichen und sozioleu Not erwachsen. so einseitig auf die Schultern des arbeitenden Volkes gelegt haben. Ich sollte noch reden von einem gewissen P o l i z e i g e i st in manchen dieser Notverordnungen. Diese Notverordnungen versagen es sich, gewisse psychologische Forderungen zu erfüllen. Ich denke dabei an die F ü r st e n a b f i n d u n g, an dies zaghafte Vorgehen gegen die hohen Gehalts- und Pensionsempfänger. Wenn cherr Brüning über diesen Winter hinwegkommen will, muß er aus diesen Halbheiten und Schwachheiten herauskommen. (Stürmische Zurufe bei den Komm., Ordnungsruf für den Abg. Remmele.) Wenn wir die Grundidee dieser Notverordnungen zu erfassen suchen, so ist es die, durch Selbstkostensenkung eine Erneuerung der Produktion herbeizuführen. Ob die Idee überhaupt richtig ist, muß bestritten werden. Zweifellos aber ist, daß sie nur höchst einseitig durchgeführt wurde. Lohnsenkung, Verminderung der Souskraft in einem Moment. wo der innere Markt nach den Worten der Regierung wichtiger ist als der äußere Markt! Aber keine Senkung der Presse, verhindert in erster Linie durch die Kartelle und die agrarssche Hochschutzzollpolitik. Wenn wir fest- stellen, daß die B e r g i n d u st r i e von jeder geförderten Tonne Kohle 50 Pfennig für politische Zwecke ausgibt, daß diese SO Pfennig nicht von der Bergindustrie, sondern von den Verbrauchern getragen werden, die damit einen Beitrag an die Kasse der Deutsch- nationalen und Nationalsozialisten zahlm, dann wird klar, warum die Sartellmagnaken sich gegen staatliches Ein» greifen in ihre Preisgestaltung wehren. Es sind bescheidene Ansätze gemacht worden, um die staatliche Kontrolle zu verstärken. Bankenkontrolle und Aktienrechtsreform sind bescheidene Anfänge, die aber sofort die wildeste Opposition hervorgerufen haben. Wenn den Herren verboten wird, in mehr als 20 Aufsichtsräten zu sitzen, so ist das ein Angriff auf ihre heiligsten Güter. Dir haben das Kabinett nicht geduldet, weil wir glaub- ten, daß Brüning und feine Regierung die Leute seien, die im sozialistischen Sinne gegen die Bot kämpfen könn- ten. wir haben es geduldet, well wir die Staats- form, in der wir leben, schützen wollten, schützen wollten gegen die Angriffe der Faschisten.(Lärm bei den Komm.) Wir wünschten nicht, daß die faschistischen diktatorischen Angriffe gegen Republik und Demokratie zum Siege führen würden.(Lärm bei den Komm.) Wir haben jede nationalsozialistische Beteiligung an der Re- gierung für jede außenpolitische Verständigung für verhängnisvoll angesehen. Wir haben gewußt, daß dies eine Politik fei, die uns und der Arbeiterklasse Opfer zumutet. Wir haben auch damit gerechnet, daß an der Peripherie unserer Partei sich Ab- splitterungen zeigen würden. Wir haben es trotzdem getan, weil es uns nicht geht um augenblickliche Propagandaerfolge, sondern um die Zukunft der Arbeiterklasse.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Soz.). Die Struktur der Opposition von rechts hat sich in der letzten Zeit geändert. Mehr und mehr haben die Nationalsozia- listen(Zuruf bei den Komm.: sich euch zugewandt!— Der blödsinnige Zwischenruf ruft stürmisches Hohngelächter über den Zwischcnrufer im ganzen Hause he: vor.), die bekanntlich auszogen als Vorkämpfer eines neuen„Sozialismus", sich der Deutjchnatio- nalen Partei zugewandt, von der Sie doch niemals sagen wollen, Herr Graf Reventlow, daß sie auch nur einen einzig«n Funken von Sozialismus in sich habe. Di« sogenannte nationale Opposi- tion hat sich zusammengeschlossen und den Zusammenschluß in Harz- bürg feierlich begangen. Sie besteht aus Nationalsozialisten, den Deutschnationalen und der Deutschen L o l k s p a r t e i, die sich mit der zögernden Schamhaftigkeit eines alternden Mädchens angeschlossen hat. Jemand hat mir im Anklang an den Spruch von den roten Ketten, von denen die Bolkspartei freimacht, dazu den folgenden Spruch gesagt: Vom letzten Wähler macht euch frei allein der Füh.er Dingeldey. (Stürmische Heiterkeit im ganzen Hause.) � Der angebliche Sozialismus der Hitler-Leute hat den Zu- fammenschluh mit den Vertretern des Großkapitals nicht gehindert. Der Sinn der„nationalen Opposition" ist der Kampf gegen die Parteien, von denen sie befürchtet, daß sie die Alleinherr- fchast des Kapitalismus nicht länger ertragen wollen. Die Ablehnung jeder staatlichen Kontrolle des Kapitalismus durch die nationale Opposition gesellt sich zu der Ablehnung der Arbeiter- forderungen, zum Kamps gegen Sozialpolitik, gegen Arbeits- losenversich«rung, gegen Tarifrecht. gegen Schlichtungswesen und für Inflation. Ob Sie(nach rechts) nun Schuldenverminderung, Feder-Geld, Binnen- geld, Zinsherabsetzung der Goldpfandbriefe fordern, immer ist es Inflation, die vom Großgrundbesitz und der Großindustrie be- trieben wird und die das Elend der Sparer und Kleinrentner ins Angemessene steigern würde. Sie haben kein Wirsschaftsprogramm, Sie stellen die Massen und die Deutschnationalen geben Ihnen dasür die Gelder. Der„Bayerische Courier" hat festgestellt» daß die In- flationstreiber dieselben Leute sind, die in der Nacht zum 12. Juli vor Brüning auf den Knien Reichshilfe für die zusammengebrochenen Banken erbeten haben. Am 11. Dezember vorigen Jahres hat Abg. S t ö h r hier er- klärt, der Weizen der sozialen Reaktion werde nicht mehr in die Halme schießen. Wollen Sie den Komps gegen die Sozialreaktion Arm in Arm mit Hugenberg, mit den Aufsichtsräten und den Prinzen führen?(Stürmische Zustimmung links.— S t ö h r: Wo steht Arm in Arm?— Stürmische Heiterkeit.) Genau heute vor einem Jahr h.-.t F r i ck hier den Antrag auf sofortige Enteignung der Bank- und Börsenfürsten eingebracht.(Große Heiterkeit.) Aber in Harzburg waren Sie mit Bank- und Börsensürsten, mit Kriegsgewin- nern. Jnfiations- und Deslationsgewinnern eines Herzens und in schönster Kameradschaft.(Zuruf rechts: gegen Brcitscheid!) Jawohl, gegen uns!(Stürmischer Beifall links). Gegen den Sozialismus gehen Sie mit den Vertretern des Groß. kapitalismus zusammen. Auf dem Bankett im„Kaiserhof" ist fest- gestellt worden, daß die Fronten klar„herausgearbeitet seien", auf der einen Seite die„nationale Opposition", ans der anderen die vereinigten Gewerkschaften. (Lebhaftes Hört, hört! links.) Niemals ist die Klassen» kampfparole deutlicher als hier ausgegeben worden.(Stöhr: Keiner von uns ist dabei gewesen.) Sie hat man nicht eingeladen (Heiterkeit), aber das Wort Ihrer Berbündeten genügt.(Stür- Mischer Beifall links.) Alle diese Vorgänge haben uns unseren Entschluß, gegen die Mißtrauensanträge zu stimmen, wesentlich erleichtert. (Sehr wahr! rechts.) Wenn das also Ihr Wunsch ist, dann beweisen Sie, daß Sie die Regierung Brüning gar nicht ernstlich stürzen wollen.(Sehr gut! links.) Unsere Ablehnung der WißlrauensantrSge bedeutet keineswegs vertrauen zum Kabinett Brüning und zu dem, was es in Zu- kunft tun wird, aber sie bedeutet das schärfste Mißtrauen gegen das, was nach dem Kabinett Brüning kommen soll.(Lebhaste Zustimmung links.) Die kommunistische„Welt am Abend" bezeichnete am vergangenen Montag in fettem Druck eine Regierung der nationalen Der große Alliierte. „Oer große Alliierte wird uns nicht verlassen." „Ja— vertrauen wir auf Gott." „Wieso Gott?- Ich rede von der KPD.!" Adolf Möchtegern. Er wartet auf den Hmdenburgs. In einer nationalsozialistischen Versammlung in Berlin-Wil- mersdorf oerlas gestern der Reichstagsabgeordneie G ö r i n g eine Erklärung Adolf Hitlers, in der es zum Schluß heißt: „Das Dritt« Reich wird unsere Fahnen tragen genau so, wie seine Borkämpser unter ihnen heute ihr Blut vergießen. Die Partei wünscht die Berantwortung und ist bereit, sie restlos zu übernehmen. Wenn der Reichsprä- fident uns ruft, leisten wir zur Bildung eines Kabinetts diesem Rufe selbstverständlich Folge." Daß der verfassungsmäßig gewählte Reichspräsident zur „Uebernahme der Verantwortung" nur Personen berufen darf, die willens und sähig sind, auf dem Boden der republika- Nischen Verfassung zu wirken, ist so selbstverständlich, daß auch Adolf l. es wissen müßte. Soll seine Anbiederung nun be- deuten, daß er Republikaner im Sinne der Weimarer Berfassung geworden sei?_ Tscherwonzen- Reumann. Oer Währungsmann der KpO. Wir berichteten schon, daß der Sawjetfeldwebel Heinz Neumann gestern dem ganzen Reichstag einen fröhlichen Augenblick bescherte. Er meinte nämlich, wir sollten die Mark, die der Reichskanzler nicht an das englische Pfund anhängen will, doch lieber an den Sowjetrubel anhängen. Der junge Herr Heinz Nenmann weiß über den von ihm so geliebten Sowjetrubcl nicht genau Bescheid. Die Ischcrwouze = 10 ,.Gold"°Rubel, die in Rußland einen ofsiziellen Kurs von 21,60 M. hat— Unterbietung wird mit dem Tode bestraft—, wird in Berlin mit 1.50 bis 2.10 TN. in jeder Menge gehandelt! Wir lehnen es ab, die deutschen Arbeiter durch Sowjetarbeiter bezahlen zu lassen. Uns sst die wert- beständige deutsche Mark lieber. Was ist mii Gchachi? Die kleinen Schelme von Bremen und der große von Hanburg. Anfang September liefen in Bremen Gerüchte über die Spar. lassen um, die schließlich zu einem Run führten. Am 7. September wurden vier Personen, die diese Gerüchte weitergeklatscht hatten, vor Gericht gestellt. Es waren ein Kaufmann, ein F r i- j e u r, ein A n g e st e l l t e r und eine Lehrerin. Sie hatten geklatscht: der Kaufmann und der Friseur im Laden mit den Kun- den, die anderen bei anderen Gelegenheiten. Diese vier Bersonen. die n'chts andres getan hatten, als Stadt klatsch von Mund zu Mund weiterzutragen, wurden außerordentlich schwer verurteilt. Der Kaufmann und der Friseur erhielten je sechs Wochen Ge- f ä n g n i s, der Angestellte«inen Monat Gesängnis, die Lehrerin 200 M. G e l d st r a f e. Die Urteilsbegründung wandte sich mit außerordentliche? Schärse gegen die Angeklagten. D i e Bewährungsfrist wurde ihnen versagt. Sie hätten die Gerüchte zwar nicht ausgebracht, so lautete die Urteilsbegrün- düng, wohl aber weiterverbreitet, und sie müßten für die vielen anderen mit büßen. Herr Schacht hat nicht leichtfertig Gerüchte verbreitet. Cr hat nicht geklatscht. Er hat in vollster Absicht, in vollem Bewußt- sein eine wohlgezielte Rede gegen den Kredit der Reichs. dank und g�egcn die Stabilität der deutschen Wäh- rung gehalten. Man hat bisher noch nichts davon gehört, daß gegen ihn ftraftrechllich vorgegangen werd«. Gehört Herr Schacht Opposition als nichts anderes denn die nackt« Dittaku? de-s Schwerkapitals und der Großagrarier zur Ver- teid-igung des kapitalistischen Profits und zur Niederschlagung der Arbeiter. Hier aber wollen die Kommunisten die Regierung Brüning stürzen und dadurch der agrarisch-schwerindustriellen Diktatur den Weg ebnen. Sie glauben, auf diese Weise eine Kata- strophe herbeizuführen und die Arbeiterschaft unter ihre Führung zu. bringen. Wir sind für diese Katastrophenpolitik nicht zu haben, aber an Ihnen(zu den Kommunisten) bleibt der Makel haften, daß wenn die Diktatur kommt, Sie daran schuld sind.(Stürmischer Beifall der Soz., wütendes Geschrei der Komm.) Auf diese Weise zeigen Sie sich als die Schleppenträger der Diktatur! Dem Reichskanzler sagen wir, daß man mii Schwachheit und Halbheit nicht über den bevorstehenden Winter hinwegkommen kann. Der Kanzler hat gestern erklärt, seinen Weg weitergehen zu wollen. Wir möchten diesen Weg und seine Ziele deutlicher sehen, als es bisher möglich war. Es wird nicht genügen, sich auf die Abwehr der nationalen Opposition zu beschränken, man wird sehr positiv werden müssen, und zwar in dem Sinne der Anträge unserer Fraktion(die der Redner kurz wiederholt). Wir wissen, daß alle diese Dinge nicht auf einen Schlag zu erreichen sind, und daß sie auch nicht die Verwirklichung des Sozialismus, die Ueberwindung des privatkapitalistischen Systems darstellen. Das geht nicht von heute auf morgen, nicht mit den Mitteln der Gewalt� nicht durch Putsche und durch Parolen, sondern nur durch stille, emsige, eifrige und deshalb doppelt heroische Arbeit. Darauf kommt es an, den Kapitalismus mehr und mehr unter öffentliche Kontrolle zu stellen und dadurch die Doraussetzung für die Ueberleitllng m ein anderes System zu schaffen. Die Verwirklichung unseres fazialistifcheu Zieles, die nicht mehr oerhinderl werden kann, wollen wir ans dem d e m o- kratischen Wege erreichen. Dafür wollen wir alle» tun, um eine Gesellschaft aufzubauen, in der die Entwicklung der menschlichen Kräfte nicht zum Verhängnis, fondern zum Glück für die Arbeiter wird. Wir wissen, das Kabinett Brüning wird uns zu diesem Ziel nicht führen. Wir aber werden uns bemühen, auf diesem Wege, so lange wir nicht ihn gehen, möglichst viel zu erreichen. Wenn wir trotz allem auch in diesem Augenblick, trotz der Erkenntnis des unsozialen Charakters des Kabinetts, die Mißtrauensanträge ab» lehnen, so deshalb, damit man uns Sozialdemokraten nicht die Verantwortung dafür zuschieden kann, der sozialen und der poli» tischen Reaktion zum Siege verholfen zu haben! Ob dieser Weg und wie lange er gangbar ist, läßt sich heute nicht übersehen, ebenso ob es möglich sein wird, die Gefahren auf parlamentarischem Wege abzuwenden. Wenn aber durch die Schuld anderer andere Bahnen eingeschlagen werden, so wird man die deutsche Sozialdemokratie auf ihrem Platze finden. (Stürmischer, anhaltender Beifall der Soz.— Lärmende Gegenruse der Komm.) Als zweiter Redner der Debatte erscheint Dr. Frick(Nassoz.) am Pult. zu jenen, für die diese wahllos herausgegriffenen drei mit büßen müssen? Soll alles, was aus dem Loger oer sogenannten„natio- nalen" Front an Be. stoßen gegen das Strafgesetz geleistet- wird. nicht als strafbar« Handlung, sondern als„Politik" gellen? Lob für Preußen. Späte Anerkennung in der Rechtspresse. Die„Deutsche Tageszeitung" lobt heute Höpker-Aschoff über den grünen Klee. Sie betont, welch« Fähigkeiten er aus finanzpolitischem Gebiet entwickelt und welche durchaus sachlich gediegene Arbeit er geleistet habe� Es sst sehr amüsant, daß ein republikanischer Minsster bei der Rechtspresse immer erst dann Anerkennung findet, wenn er em- weder gestorben oder von seinem Amte zurückgetreten ist! Noch vor wenigen Wochen, als es um den Volksentscheid ging, hat die „Deutsche Tageszeitung" und mit ihr die gesamte Rechtspresse die finanzielle Politik Preußens in Grund und Boden kritisiert und sogar der preußischen Regierung die Schuld für die Wirtschaftskrise zugeschoben. Die verspätete Anerkennung der Tüchtigkeit Höpter-Aschoffs in der„Deutschen Tageszeitung" hätte ehrlicher ausgesehen, wenn, sie vor dem Bolksentscheid erfolgt wäre. Mansfelö-Betrieb gehi weiier! Bei Lohnkürzung um weitere 10 Prozent. Am die Wetterführung der kupferbetriebe der wansfeld A.-G. zu ermöglichen, haben die Gewerkschaften heute in eine weitere Senkung der Tariflöhne um 10 Proz. eingewilligt. Der neue Lohnvertrag gilt vom 1. Oktober ISZI bis zum Zt. März 1932. Damit sind die Varaussehungen für eine weitere finanzielle Hilfe des Reiches und des Landes Preuße» für die Mansscld A.-G. geschaffen. Verzweiflungsiai eines Schauspielers. Aus dem Kleinen Wannsee als Leiche gelandet. In der Nähe der Leopolds-Brücke am Kleinen Wannsee wurde heute früh von Fischern die Leiche eines Mannes gelandet. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergeben haben, handelt es sich um den 38 Jahre alten cngagementslosen Schauspieler Kurt Wenzel. W. war seit dem 3. Oktober verschwunden. Aus Briefen an seine Angehörigen ging hervor, daß er aus Verzweiflung über feine ständige S t e l l u n g s l o s i g k e i t sich ein Leid antun werde. Die Leiche des Lebensmüden wurde nach der Wannseer Halle gebracht. Dieser Fall beleuchtet wieder einmal die Tragödie des Schau- spielerberuses. Wenzel, ein ehemaliges Mitglied der Bühnengenossen- schaft, beteiligte sich vor Jahren an einer Amerika-Tournee. Später bekam er noch verschiedentlich Engagements, bis auch er der Siot der Zeit zum Opfer fiel. Trotz aller Versuche gelang es ihm nicht mehr, Beschäftigung zu finden. Als der Unglückliche mcht mehr ein und aus wußte, stürzte er sich in der Nacht zum 4. Oktober von der Leopotdsbrücke ins Wasser. Erdbeben auf einef Südfeeinsel. London. 14. Oktober. Ein schweres Erdbeben hat auf Walaita. einer der Inseln der Salomon-Gruppe, schweren Schaden angerichtet. Die Hafenanlagen in Saa, sämtliche dortigen Häuser der Europäer und der größte Teil der fonstigen Gebäude wurden zerstört. i LtSA. am Raistisch. Gegen Japans Widerspruch beschlossen. Genf. 14. Oktober.(Eigenbericht.) Briand hat heute vormittag die zwölf Ratsmächte» aufxer Japan und China, in seinem Hotel versammelt. um mit ihnen die Zuziehung des Vertreters der Ver- einigten Staaten an den Ratstisch zu besprechen. Es lag der Sitzung bereits die Sicherheit vor. dafz Amerika seinen Platz am Ratstisch einnehmen werde. Der letzte Schritt war. daft Briand nach Uebereinstimmung mit den zwölf Ratsmächten die Vertreter von Japan, China und den Vereinigten Staaten empfing. Schwierigkeiten wurden nur auf selten Japans gemacht, das starke innere Widerstände macht; sie wurden jedoch übertvunden. Ein formeller Veschlusz konnte nicht gefaszt werden, da es sich nicht um eine offizielle Ratssitzung handelte. Doch ist die gemeinsame Basis und Formel für den Rats- beschlus, schon fertig. Amerika wird nicht als Beobachter, sondern als berechtigter Teilnehmer an den Arbeiten am Ratstisch teilnehmen, ohne abzustimmen und damit Mitglied des Rates zu werden. Option für das Hakenkreuz. Eynern über die Volkspartei von Singeldey. Magdeburg, 14. Ottober. In der„Magd-burgischen Zeitung" veröffentlicht der bisherig« volksparteiliche Abgeordnete und Vizepräsident des Preußischen Landtags von Eynern einen„A b f ch i e d s b r i e f an feine Wähler", dem wir die folgenden Stellen entnehmen: Liberal fein heißt: sich den freien Gebrauch seiner politischen Vernunft nicht durch Wunschträume und Lsidenschasten beeinflussen lassen. Wenn einer demagogisch ge- führten, auf Staatsumwälzung gerichteten internationalen Linken eine von chaß und Leidenschaft durchtobte natio- nale äußerste Rechte gegenübersteht, wenn diese beiden Sturm- gruppen sich gegenseitig und— gemeinsam— gegen die an der Herrschaft bosindllche Mitte zum Bürgerkrieg verbünden, so . gebietet die Vermmjt, diese Mille zu stärken und die naturlichen Machtmillel des Staates hier zusammenzufassen, um jenes größte Schrecknis: den Krieg Deutscher gegen Deutsche, zu verhindern. Wer in einer solchen Lage einem der beiden Ertrewe die Macht- mittel des Staates ausliefert, vernichtet die Möglichtell der oelbst- behauptung dessen, was wir bisher Staat genannt haben. Die Option für die Ralionalsozialislen, die der Führer der Deutschen Dolkspartei vollzogen hat, ist daher nicht eine politische Entscheidung, die zu gegebener Zeil aus dem Wege der demo- kralischeu Willensbildung wieder abgeändert werden kann. sondern sie ist etwas Endgültiges. Ich habe nicht.gewollt, daß mein Name— in welcher Form auch immer— mit solchem Tun verknüpft sei. Die Probleme der Wirtschaft und der Währung erfordern Erfahrung und Einsicht, die der gegenwärtigen Auhenpolllik bei allem beißen Empfinden Vorsicht und einsühlenden Takt. Es ist dementiert, daß die Männer der Schwerindustrie, die innerhalb der Deutschen Volkspartei in erster Linie den Rechtskurs betreiben, eine neue Inflation wollen. Daß aber der Sturz des Kabinetts Brüning und sein Ersatz durch ein« unter national- sozialistischem Druck stehend« Rechlsregierung auch ohne die di'strie eine Gefährdung der deulschen Währung bedeuten kann, steht für jeden außer Zwcisel, dem Währungsfragen nicht nur ein Rechen- cxempel, sondern ein Netz aus feinen psychologischen Maschen be- deutet. Man mag am Kabinett Brüning in seiner allen wie in seiner neuen Form vieles zu tadeln haben. Daß jetzt vor diesem entsetzlich schweren Winter nicht die Zell zu gewagten innen- und außenpolitischen Experimenten ist. steht fest in meiner Ueberzeugung. Das sind die Gründe, die mich veranlaßt haben, mich von der Partei zu trennen, der ich seit ihrer Gründung angehört Hab«._ Gennat verhört Matuschka. Wo hielt sich der Attentäter in Berlin auf? Wien, 14. Oktober. 1 Sriminalral Gennat ist in Begleitung von kriminalkam- mistar Dr. Derndorfs vom Berliner pollzeiprAfidium gestern abend hier angekommen und hat sich sofort in das Bol°zeipräsidium begeben, wo er eine länger« Unterredung mit Hosrai Wahl und dem Reserenken Oberkommissar Dr. Böhm halte. 3n der Unter- reduag wurden ihm die Resultate der bisherigen Erhebungen mitgeteilt. Danach wohnte kriminalrat Gennat einem verhör mit TNatufchka bei. das sich hauptsächlich aus den Ausenthalt TNotuschkas in Berlin bezxi. �ach Schluß des Verhörs erfolgte eine weitere Besprechung der genannten PoNzeibeamten, der auch der Vertreter der Budapester Öbeestadthauptmannschast, Volizeirat Dr. Schwei- nitzer. beiwohnte. Dabei wurden die Ergebnisse der Erhebungen über die Attentate bei Zülerbog und bei Torbagy eingehend erörtert. Die Besprechungen wurden heute vormittag forlgesetzt. Benzinexplosion in der Wohnung. Schwere Folgen einer Fahrlässigkeit. Durch unvorsichtiges Hantieren mit v e n z i n ist heule vormillag der Sljährige stellung-lofe Angestellte Otto AI ö l s ch aus der Paul- Singer- Straße Z2 schwer zu Schaden gekommen. M. war in der Küche seiner Wohnung mit der Reinigung eines Kleidungsstückes beschäftigt, wozu er Benzin verwandte. Di« sich hierbei entwickelnden äußerst gesähitzichen Benzindämpse wurden durch Herdfeuer zur Entzündung gebracht. Unter heftiger Detonation erfolgte plötzlich eine Explosion.' Mötsch erlitt schwere Brandwunden am ganzen Körper. Er mußte durch die Feuerwehr in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Durch die Slichslamme war em Teil der Möbel in Brand gesetzt worden. Das Feuer konnte jedoch schnell gelöscht werden. Raubüöerfall im Konfektionsgeschäst. „Mach keinen Ovalsch- denk an deine Kinder.« Aus den Inhaber cmes konseklionsgeschäsles. den 55 Zahre alten Kaufmann Bernhard Monalh in de» Skaliher Straße l? Z. wurde heule vormittag ein verwegcuer Raub- Überfall verübt. Drei junge Burschen sielen über den Alaun her. knebelten und fesscllea ihn und raubten eine Anzahl Aläntel und Anzüge. Es gelang den Tätern mit der Beut« ungehindert zu eot- Gowjethauffe Lessing-Theaier:„Oer lehie Equipagew" Wie eine sehr ungemütliche Bulldogge überfällt der Satiriker Valentin Katajew den russischen Spießer, der 1931 noch nicht ausgestorben ist. Nach Katajews Erfahrung ist der Spieher ein Schmarotzer, der seinen Nachbarn und Kindern nichts als Wider« wärtigkeiten schafft. Da er nichts zu tun hat, nicht arbeiten will, dieser ehemalige Schulmeister mit dem grotesken Namen, spuckt er blödsinnige Gemeinheiten gegen die Sowjets. Er erobert das einzige, was seiner würdig ist, den Klosettschlüssel, und schikaniert die Därme des ganzen Hauses.— Durchfall und Kolik als Possenstoff, das ist etwas peinlich, aber volkstümlich, wie das Gelächter der elegantesten Damen im Parkett erweist. Dieser verschimmelte Equipagew hat einen Sohn und zwei Töchter. Er verflucht den Sohn, weil er Bolschewik ist, die«ine Tochter, weil sie einen bolschewistischen Arbeiter heiratet. Dagegen segnet er die Tochter, die einen seiner Meinung nach vortrefflichen jungen Herrn aus seiner Familie heiratet. Aber— er verwechselt den Bolschewiken mit dem Burji. Besoffen wie ein Schwein ist nicht der Bolschewik, sondern der Burji. Und darum macht sich der grimmige Alte, der Klosetffchlüsselpotentat, unglaublich lächerlich. Nachdem er närrisch geworden ist, wird er auch noch niederträchtig. Das einzige, was er von den Sowjets akzeptiert, ist die Bestimmung, daß der Vater den Töchtern keine Mitgift zu geben braucht. So kommt heraus, daß der Alte das letzte bißchen Schmuck, das er den Töchtern noch geben könnte, verhökert, verfressen, versoffen und verqualmt hat. Der Zuhörer soll denken: Feine Nummer, dieser idiotische Greis! Nach dem grausamen Satiriker ist es nicht schabe, daß der Alte vom eigenen Sohn auf die Wache geführt wird. Aber vorher kriegen auch noch einige halbe Bolschewisten ihren Satirikerfußtritt. Auch sie entpuppen sich noch als ein ziemlich unsicheres Pack, denn sie rutschen und schwänzeln um den verrückten Alten herum, da er ihnen noch immer als eine Kostbarkeit vom spießigen Amu, Tobak imponiert. Demnach geht das moralische Bolschewisten- rezept famos auf. Die Jungen haben alle Tugend. Sie rauchen nicht und trinken nicht. Sie sind nur tapser, anständig, lieben«- wert, patriotisch. Di« Alten haben alle Laster und Schwächen. Katajew kennt das Possenhandwerk. Seine Kunst ist die Per- wechslungskomödie. Er ist eine Art Sowjelkogol. Er haßt: haßt, was seinem Hasse offiziell empfohlen wird. Er liebt: liebt und erhebt mit Lobeshymnen die Typen, die in dem offiziellen Ehren- kodex stehen. Eine untergehende, schon oerschluckte Welt steht gegen die ausgehende Welt. Das sind die Gegensätze. Sie werden aus- gedonnert luftig, grotesk und riesig derbe. So werden sie auch gespielt.„Kyritz-Pyritz" ins Moskowitische übersetzt. H o m o l t a als der alt« Equipagew ist als großschnäuziger Patriziertrottel sehr vollkommen. Drei Akte lang schwafelt er das nämliche, doch er posiert mit stets neuen Einfällen. Alle Antipathien sammelt er gegen sich, es ist entzückend. Und wenn Adele Sandrock als Aristokratenwrack, geworden zur greisigen Kochtopsfurie, über die Bühne schimpft und torkelt, dann hat sie den Extraapplaus. Und das ganze Theater, im Parkett und auf der Galerie, hat das Ge- fühl: Gott sei Dank, so was wird bald ganz und gar versaulen. Brausewetter als sternhagel besoffener Iungburji, Luise U l l- r i ch, das süße Mädel, ins Sowjetistische übersetzt als Straßen- bahnschaffnerin(so tugendhaft ist sie, daß sie das Standesamt der freien Liebe vorzieht), und de Kowa, Faber, Falken st ein als Sowjettypen. Katajew kennt die Schliche des Theaters und die Wünsche seiner regierenden Landsleute. Da. über hinaus ist«r ein hochbegabter Humorist, der in Moskau gefällt und auch in Berlin nicht versagt. >lsx Hochdorf. „Weekend im Paradies". Atrium. Ohne glückbringende Verbindungen sitzt der Regierungsrot Ditt- d;en seit Iahren als schlichter Regierungsrat hinter den Akten. Die Leförderungslisten kennen seinen Namen nicht. Ihm die Arbeit, den anderen die Ehre! Bis es sich eines Tages grundlegend ändert. Eine moraldurchsäuerte Abgeordnete nimmt Anstoß an den erotischen Unterhaltungen in einem Weekendhotel, und Dittchen, der die Unter- suchung führt, entdeckt dort seine Vorgesetzten in mehr oder minder verfänglichen Situationen. Vom nächsten Tage an fliegt er die Rang- leiter bis zum Ministerialdirektor herauf. Er ist eine gefährliche Größe geworden. Vor etwa drei Iahren lief dieser Schwant mit großem Erfolg in den Theatern. Jetzt ist er als Tonfilm bearbettet worden. An sich ist der Stoff nicht neu. Die Geschichte von der glücklichen Protektion findet man schon in der älteren französischen Komödie. Arnold und Bach, die geistigen Erben der Firma Kadelburg und Blumen- thal, häufen vor allem nach bekannten Schnittmustern komisch ver- wickelte Situationen, und es geschieht das Wunder, daß diesmal der Film die einzelnen Typen schärfer und boshafter herausmeißell als das Bühnenstück. Der Reg'sseur Robert Land gibt nicht nur virtuos den Wirr- warr der Verwechslung, die Steigerung komischer Effekte, er be- schäfttgt sich auch mst den Menschen, die darin als Narren herum- laufen. Er zeichnet sie nicht karikiert oder grotesk übertrieben, er weist auch nicht mtt dem Zeigefinger auf ihr« Schwächen hin, das würde den Rahmen des Schwanks sprengen, aber er lüftet etwas die Würdemaske, er erschüttert die ehrbare Haltung, die ihnen das Amt oerleiht. Das tut er ganz sacht und vorsichtig, und diese Andeutung wirkt stärker als dickes Unterstreichen. Jeder Darsteller zeigt ein persönliches Gesicht. Selbst die Träger der kleinen wachsen über das Schema hinaus. Falkenstein, Wallburg. Pointner, Steinbeck, Lilien, Trude Berliner und Else Elster bilden ein gut gegliedertes und eingespieltes Ensemble.?. 8ch. Volksbühne. Freitaq, 20 Uhr, Erstaufführung von ülnzengrubers Dolks- stück:„Das vierte Gebot. „Die Erde bebt". Planetarium. In diesem wunderbaren Raum, in dem das Auge schwelgen kann, muß das Ohr sich übermäßig anstrengen: denn die Akustik ist nicht gut. Durch Vortrag und Lichtbilder wird man über die Ein- teilung der Erdbeben in vulkanische, Einsturz- und Tiefbeben unter- richtet. Der Vesuv z. B. verursacht vulkanische Beben, Einsturz- beben kamen in Deutschland vor, neun Zehntel aller Erdbeben aber sind Tiefbeben. Nach diesen gibt es oft folgensdiwere Boden- Zerreißungen, wie sie u. a. in Messina beobachtet wurden. Mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtete wohl jeder Zuschauer die Aufnahmen von der Insel Vulkano, dieser kleinen Insel, nach der alle feuerspeienden Berge genannt sind. In Filmen sah man das dampfende Island, in dem unterirdische Gewalten immer und immer wieder die Erdoberfläche zerreißen, betrachtete das urgewaltige Zerstörungswerk des Aetna und sah Java, die Insel der 100 Vulkane. Der Vulkan bringt grausamen Tod und üppigstes Leben, gedeihen doch nirgendwo die Fruchtkeime besser und schneller als auf der verwitternden Lava. Darum führen uns diese Streifzüge durch Java, der kleinsten, aber wertvollsten der Großen Sunda-Jnseln. scheinbar in ein Paradies. Doch muß der Mensch in ihm, nament- lich wenn er Reis baut, sich gesundheitsschädigend quälen. Java hat eine seltsame, eine eigene Kultur, über die dieser Film, fernab jeder Begründung und Erklärung, nur optisch Bericht erstattet. — S- Isidor kastan, einer der ältesten und beliebtesten Berliner Journalisten, früher Redakteur beim„Berliner Tageblatt", ist heute hochbetagt ve. starben. Er hätte am 14. November seinen 91. Geburtstag gefeiert. Da» zeitgemätzc Gebrauchsgerät soll in einer Ausstellung im Lichlhof des ehemaligen Kunstgewerbemuseums während der Monate November und Dezember gewigt werden, die in der Staatlichen Kunstbibliotbel vorbereitet wird. Aus der gesamten Produktion werden in Form und Material vor- bildliche und zur Normung geeignete Gerätschaften ausgewählt und zu- sammengetragen. kommen. Das Raubdezernak des Polizeipräsidiums Hai die Sudze nach den Banditen, die offenbar in der Umgebung des Tatortes wohnen, aufgenommen. Monath weilte gegen 9 Uhr früh allein in seinem Laden, als drei jung« Leute im Alter von 17 bis 20 Jahren erschienen, sich als harmlos« Käufer gaben und sich einige Anzüge vor- legen ließen. Man wurde offenbar handelseinig, wollte aber auch noch einig« Mäntel anprobieren. Da die Geschäftsräume sehr klein sind, hat der Geschäftsmann die Mantelständer auf dem an den Laden grenzenden Flur. Monath ging voran und die drei ver- meintlichen Käufer folgten ihm. Plötzlich zog einer der Burschen einen Revolver hervor, legte die Waffe drohend auf Monath an und rief:„Mach keinen Quatsch— denk an deine Kinder, wir wollen bloß ein paar Anzüge haben." Der Geschäftsmann war durch den Vorfall so überrascht, daß er zunächst kein Wort hervor- brachte. Ehe er noch recht zur Besinnung kam, warfen sich die Burschen auf ihn, schlugen ihn zu Boden und schleiften ihn in einen kleinen Nebenraum. Nachdem sie Monath einen Knebel in den Mund gesteckt hatten, um ihn am Schreien zu verhindern, fesselten sie ihm die Beine mit der Stromschnur einer elektrischen Lampe und. banden dem Wehrlosen die Hände mit.-einer Drachenschmir zusammen. Darauf verließen die Täter fluchtartig das Geschäft. Einige Zeit später gelang es Monath. sich soweit zu befreien, daß er um Hilfe rufen konnte. Hausbewohner und Passanten eilten herbei und entdeckten den Raubüberfall. Monath hat bei dem Handgemenge nur unerhebliche Verletzungen erlitten. Nach den bisherigen Fest- stellungen haben die Täter etwa vier bis fünf Anzüge und ebenso viele Mäntel erbeutet. Gchaufensiersturm in Essen. 79 Personen zwangsgestellt. Essen, 14. Oktober. Im Mittelpunkt der Stadt wurden in den Abendstunden des Dienstag zwisd)en 6 und 7 Uhr von Personen, die sich zusammen- gerottet hatten, zahlreiche Scheiben an Geschäfts- Häusern zertrümmert, und zwar an der Zweigstelle der Essener Allgemeinen Zeitung in der Biehoferstraße, am Kaufhaus Cramer und Meermann, am Geschäftshaus der Epa, an einem Kaufhaus in der Stoppenbergerstraße und beim Kaufhaus Althoff. Zu gleicher Zeit wurden in Borbeck am Amtsgerichts» g e b ä u d« ebenfalls Schaufensterscheiben zerschlagen. 79 Per- sonen wurden von der Polizei zwangsgestellt. Bis auf drei wurden sie nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen. Or. Blistaedi erklärt.... Er hat sein eigenes Kind mit Ealmette gesüttert. Lübeck, 14. Oktober. Bei Beginn des dritten Verhandlungstages im C a l m e t t e- Prozeß stellt Dr. Frey noch einmal die Frage, weshalb Dr. Alt- staedt den Erlaß des preußischen Ministerp über die Diphtherie- Schutzimpfung in Parallele zu dem Handzettel über die Calmette- Fütterung stellte. Dr Altstaedt erwidert darauf, daß seiner Ansicht »ach eine weitgehende Analogie in der Theorie zwischen Diphtherie- und Calmette-Sd,utzlmpfung bestehe. In der Theorie sei das eine genau so gefährlich wie das andere. Auf verschiedene Fragen des Verteidigers Dr. Frey erklärt Dr. Altstaedt sodann, daß sich das Calmette-Verfahren in den letzten Iahren als vollkommen unsdzädlich erwiesen• habe Es wird dann die Ver- wendung von humanen Bazillen, die von Kiel bezogen wurden, erörtert. Dabei kommt zur Sprache, daß Dr. Altstaedt sein eigenes Kind mit dem VC G.- Bazillus gefüttert habe. Auf Befragen des Rechtsanwalts Dr. Frey erklärt Dr. Alt- staedt. daß diese Bazillen direkt aus Paris bezogen worden waren. Diese Antwort wird von den Nebenklägern mit lautem„Hört, hört!" begleitet. Keine wilden Schulstreiks. Kommunistische Drahtzieher versuchen die Erregung der Eltern» schast über den Schulabbau für ihre politischen Zwecke durch An- zettelung von Schulstreiks auszunutzen. Die Kommunisten, die auch in der Schulabbaufrage ihre schärfste Gegnerschaft gegen hie weit- lichen Schulen gezeigt haben, suchen jetzt gerade die Elternschaft dieser von Ihnen sonst bekämpften Schulen vor ihren Wagen zu spannen. Der Bezirksverband Berlin des Bundes der freien Schulgesellschaften Deutschlands hat, wie wir erfahren, zur Lage Stellung genommen. Mit aller Entschiedenheit wendet sich der Vorstand gegen die unerhörte Benachteiligung der weltlichen Schulen, die gegenüber den konfessionellen Schulen bedeutend stärker zum Abbau herangezogen worden sind. Ebenso einstimmig lehnt der Vorstand wilde Teilstreiks ab und verurteilt entschieden alle Sonderattionen. LZenn deuische Schiffer streiken. Deutsche Regierung fordert Sowjethilfe. Amtlich wird berichtet: Die ZNonnschasten der zur Zeit im fjafen von Leninqrnd liegenden deutschen Schisse haben vor einigen Tagen ohne vorherige Kündigung und ohne Abmusterung ihre Schisse ver- lassen, weil sie c'nen vom Reichsarbeilsministerium sür verbindlich erklärten Schiedsspruch nicht anerkennen wollten. Die Reichsregierung hat mit der Sowjetregierung in Moskau Verhandlungen eingeleitet, um den Reedern zu ermöglichen, über die Schisse wieder zu verfügen. Verhandlungen der deutsche» Botschaft in Moskau, des Generalkonsulats in Leningrad und des Konsulats in Odessa mit den Sowjetbehörden auf Grund der Artikel 25 und 26 des deutsch- russischen Konsularvcrtrags vmn 12. Oktober 1925 führten nicht zum Ziel. Die Sowjetregierung vertrat bisher den Standpunkt, daß es sich nicht um eine Meuterei, fondern um einen legalen Streik der deutschen Seeleute handelt. Die in Leningrad und Odessa stillgelegten deutschen Dampfer können aus den russischen 5)äfcn erst dann ausfahren, wenn sie ausreichend bemannt sind. Ltm den Lohn im miitelschlesischen Bergbau. Unternehmer wollen Kürzung um 13 Prozent. Maldenburg, 14. Oktober. Der Grubenverband Waldenburg Hot am 39. September den Lohntarif für den niederschlesischcn Steinkohlenbergbau gekündigt. Bei den Verhandlungen am Dienstag teilten die Unternehmer mit, daß sie sich den Forderungen der übrigen Bergbaureviere aus eine zwölfprozentige Loh»Herabsetzung anschlössen. Darüber hinaus forderten sie ein weiteres Prozent, da ihnen im Januar dieses Jahres statt der geforderten siebenprozentigen Lohnkürzung nur eine solche von fünf Prozent bewilligt worden sei. Die Arbeitervertreter erklärten, daß diese Forderungen für sie keine Verhandlungsgrundlage bildeten. Der Schlichter wird angerufen werden. Wieder 700 Bergleuie überflüssig. Grube„Eifenzecher Zug" wird stillgelegt. Reunkirchen o. d. Sieg, 14. Ottober. Die zum Hoesch-Konzern gehörende Spateisenstein- Grube„Eisenzecher Zug" hat wegen völliger Stockung des Absatz- goschöstes einen Stillegungsantrag zum I. Novenrber gestellt. Von der Stillegung werden etwa 799 Bergleute, die zur Zeit noch in der Grube beschäftigt sind, betroffen.� Deutschland in der Arbeitslosigkeit voran! Erhebliche Zunahme in allen Ländern. Das Internationale Arbeitsamt veröffentlicht eine Mitteilung über den Stand der Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Ländern, aus der hervorgeht, daß in den europäischen und in den überseeischen Ländern die Arbeitslosigkeit gegen das Vorjahr überall erheblich zuge- n o m m e n hat. An der Spitze steht Deutschland, das die meisten Arbeits- losen zählt. Aus der Aufzeichnung ergibt sich, daß Länder, die in der gleichen Zeit des Vorjahres von der Krise beinahe verschont ge- blieben waren, wie z. B. Frankreich, inzwischen auch bedeutend mehr Arbeitslose haben. Während sonst allgemein erst im September die Arbeitsuiärktlage schlechter zu werden beginnt, wird für dieses Jahr sestgestellt, daß bereits im Juli die ungünstige Ent- wicklung eingesetzt hat. Das Internationale Arbeitsamt erklärt, daß man sich auf einen besonders ernsten Winter in be.zug auf die Arbeitslosigkeit gesaßt machen inuß, wenn nicht in aller Kürze eine fühlbare Behebung der Weltwirtschaftskrise einsetzt. Der Männcrchor Fichte-veorgmia 1879 lMitfllicd des Teutscbcn Aibcilcr-Söngerbundesl, i'eivmg: Musikdirektor Wilhelm Knöchel, gibt am Sonntag, 4 Ilbr nachmittags, in der Philharmonie ein Konzert. Mit- Wirkung: Das Ebert-Manz-Quartett und das Doppclquartctt des Deutschen prreidenkervcrbandes tMitglieder des Chores). Karten zu 1 M. einschließlich Licdertextcn sind auch an der Kasse zu haben. Wetter für Berlin: Weitere Abkühlung und wieder zeitweise aufheiternd. Ziemlich frische nördliche bis nordöstliche Wind«.— Für Deutschland: Im Süden vielfach Rcgciisälle, im Osten noch einzelne Schauer, sonst Besserung. Allgemein kühler, im Norden stellenweise Nachtfrost. dlittvoeü, 14. Oktober. 13 e r Ii n. 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30 Neuere Klaviermusik. 1. Julius Hermann WeUel: Variationen, op. 12. 2. Kurt Schubert: Phantasmagorie. 3. Paul Hindemith: Tanzstück Nr. 3 aus op. 19.(Prof. Julius Dahlke, Flügel.) 17.00 Prof. Dr. Bastian Schmld, Mönchen: Tlcrmüttcr. 17.25 Curt Krispicn liest eigene Dichtungen. 17.50 Heilfron: Bestelle dein Haus. 18.10 Amtsgerichlsrat Bcrthold Herz; Praktische Winke für Erben. 18.30 Tanz-Tee-Musik. 19.10 An die Jugend.(Walter v. Molo.) 19.40 Wovon man spricht. 20.00 Singakademie; Haydn-Strcichquartett C-Dur. op. 54. Nr. 2.(Pro Arte- Öuartctt.) 20.30 Richard Tauber singt sein Amerika-Programm. 22.15 Frankfurt a. M.: Zeitbcrichf. 22.50 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Kurt Hiegelke: Pädagogische Psychologie. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Das öuintett.(Einführung: Dr. Friedrich Weiter.) 18.00 Pcchcl; Bleibendes der deutschen Dichtung. 18.25 Saitschick: Menschcnschicksal bei Shakespeare. 19.00 Wetter für die Landwirtschaft. 19.05 W. Flügel: Bolschewismus, Faschismus, Beamtengewerkschaften. 19.30 Prof. Dr. August Müller: Gebundene Industriewirtschaft oder Kon- kurrenzwirtschaft? Scranttporil. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: TH. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstrake 3 $tctfta 1 Beilage. VoiKsbQhne Theater am Bölovplatz 8 Uhr Kampf um Kitsch Ab 16. Oktober 8 Uhr täglich Das vierte fiebol Schillcr-Theatcr 8 Uhr Die Heirat StäckLOper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Mittwoch, den 14. 10. Turnus IV Anfang 20 Uhr Macbeth Ende gegen 23 U. CentsdiK IDeater Täglich 8 Uhr Biumensptmcen jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Meyer Mariannenstr. 3 FL. Oberbaum 1303 Nach langem schwerem Leiden ver«\ H starb am 12. Oktober im 15. Lebens- j I jähre der Steinsetzer Otto Stolzmann S Bestattung Donnerstag, nachmittag I D 2 Uhr, im Krematorium Gerich tftraße.| Die Hinierbllebencii. 3i—.............. ibii— wp PcrTtlm. auf oltu nm In lud! von Schiller Rigi«: Mai Heiihanlt Die Komödie S'.h Uhr ROckKebr Komödie v. Donald Stawart Regie; Gustaf CrOndgeiis. IjHiDs-Tlieatei Dir. Dr. Robert Klein WiiiMingi OME. 2131. 8 Vi Uhr Der letzte Equipagew Homolka, Brausewetter, Sandrock, Falkenstein Theater desWestens Heute 5 u. SV« zum letzten Male: Viktoria und ihr Husar Ab Donnerstag Oreimäderlhaus mit Maria Paudler Preise v. M. 0J0 an Neues! NACH DEM ROMAN V. ERICH MARIA RE MARQUE TÄGLICH 5.7.9» BISMARCKISaO MARMORHAUS PSUDIIKTIOII; OeiVEFSAL PICTDRES. täJIDHT: URL UEWUE A Adolf Bosse Uhrmacher und Juwelier NV40, Alt-Moablt III, Tel. MoaDit 9272 Reichhaltiges Lager In Uhren, Juwelen, Gold-, Silberwaren und Desteche. Preiswerte Gesdienkarfikel für fede Gelegenheit. Reparaturwerkstatt für Uhren und Goldwaren, erstklassig und billig. Tscirtaon-Itlirrn.... 31k. 3.50 Arnjband-rhrcn... ,,:l,75 Wecker.......„ 2.4« Salon-Chren..... ,, 28.0« Für alle varen wird Garaolie oeletstet. HS � GeMFM-Jtnsefger* föezitk füden-Weften Städtisches Bestattungsinstitut Berlin- Wiederscheneweide Grünauer Straße 2(am Bahnhof)/ F3, Oberspree 1808 Erd- und Feuerbestattungen zu behördlich festgesetzten Preisen Kostenlose Erledigung aller Formalitäten Bei Bedarf in Auflagematratzen fordern Sie nur die weichgepolsterte r** MW PlaOratfze ff terial gefüllt). Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. fienoueii! untersiutzi Bare eigenen Beiriebe! 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Ludwig Vcrgsträffer: Stuöienrat unö Staat „Hochschulreform und wissenschaftliche Ausbildung der Philo- logen" ist der Titel einer Denkschrift, in der der Verband der deutschen �Hochschulen gemeinsam mit dem Deutschen Philologe«verbände zu einer Frage Stellung nimmt, die derzeit nicht nur öffentlich diskutiert, sondern im preußischen Mi- nisterium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ernstlich im Sinne einer Neuordnung bearbeitet wird. Zeitungen berichten, daß dabei eben diese Denkschrift den Beratungen zugrunde gelegt werde. Anlaß genug, sich mit ihr zu beschäftigen. Dabei soll hier nicht auf die Denkschrift im allgemeinen ein- gegangen, es fall nur die eine Frage herausgehoben werden: wie stellt sich die Denkschrift zur staatsbürgerlichen Bildung der zukünftigen Studienräte? Die Antwort ist leicht, . sie stellt sich gar nicht. Denn diese Denkschrift geht von einem ganz anderen Grundprinzip aus, dem der„Wissenschaft"; ihr habe nicht nur die Hochschule, sondern auch die höhere Schule hauptsächlich zu dienen, der Studicnrat nicht nur in seiner Lehrtätigkeit.„Er ist verpflichtet und berufen, auch außerhalb der Schule die Ver- bindung der Bevölkerung mit seiner Fachwissenschaft aufrecht zu erhalten." So die Denkschrift. Nimmt man einen so einseitigen, wenn auch klaren Ausgangspunkt, so ist es selbstverständlich, daß alles andere hiergegen zurücktreten muß; wozu denn auch der Staat gehört. Vom Staat ist darum folgerichtig in dem allgemeinen Teil der Denkschrift gar nicht die Rede. Nur in den besonderen Ausführungen, die den einzelnen Lehrfächern gelten. Und wir wollen gern anerkennen, daß da sogar ein Fortschritt zu verzeichnen ist, indem auch bei den ausgesprochenen philologischen Fächern den alten Sprachen„vertieftes Interesse und Verständnis für die Bedingungen und Aeußerungcn des staatlichen Lebens" verlangt wird, bei den neueren Sprachen wenigstens besondere Kennt- nisse in der Geschichte und der Wirtschaft des betreffenden Voltes. Auffällig immerhin diese Differenzierung, auffällig, daß für die alten Sprachen offenbar mehr Kenntnis der politischen Vorgänge ver- langt wird als für die neueren. Denn man weih ja, wie leicht es bei dem Erfordernis geschichtlicher Kenntnisse in der Praxis dazu kommt, daß für das Englische etwa die Zeit Shakespeares, siir das Französische das Zeitalter-Ludwigs XIV. als das Wichtigste an- gesehen wird, weil es die Zeiten der klassischen Literatur sind. Mit anderen Worten, wir sind noch weit entfernt, nach dieser Denk- schrift, von der Forderung, daß der zukünftige Studicnrat die Politik des betreffenden Landes genau kenne, sich"in feinen Gegenwartsproblemen völlig zurechtfinde, wie dos in Frankreich etwa von den Philologen oerlangt wird, wie es auch nötig ist, wenn man den Unterricht in einer Fremdsprache nicht als Grammatik und Philologie betreibt, sondern als Kunde des Landes, ähnlich wie man für den deutschen Unterricht das Wort Deutsch- künde sehr zu Recht geprägt hat. Die Art der Formulierung ist nicht so sehr aus der Denkschrift selbst als aus ihrem G e i st e zu er- klären. Man hängt immer noch an der Vorstellung, daß die Kennt- nis der politischen Geschichte des Altertums die beste Einführung in die politischen Probleme auch der Gegenwart sei, und man kommt über den Historismus nicht hinweg, nur der könne die Gegen- wort eines Volkes und seines Staates verstehen, der seine Ver- gangenheit genau kenne. Einer der größten deutschen Historiker, Jacob Burckhardt, meint zwar umgekehrt, die Geschichte sei eine Wisienschast, die man von hinten, d. h. von der Gegenwart ansangen müsse. Das entspräche auch dem Satz der Pädagogik, daß man an Bekanntes anknüpfen solle— aber durch die bisherige Praxis ist ja dem Schulmann die Gegenwart zumeist im Zusammen- hang nicht bekannt, da er in seiner ganzen Berufsausbildung nichts von ihr gehört hat. Und darin, daß es auch nach dieser Denkschrift so bleiben soll, liegt von» Standpunkte des Staates aus ihre größte Schwäche. Hier gilt es einzusetzen und zu ändern. Die Denkschrift oerlangt eine allgemeine Prüfung in Philosophie und Pädagogik. Die Pädagogik ist ein Zugeständnis an Rclform- forderungcn, die Philosophie der klägliche Rest einer Fiktion der ollgemeinen Bildung. Die Denkschrift selbst gibt zu. daß die Ergeb- nisse dieser Prüfung in Philosophie gering seien. Trotzdem hält inan daran fest. Wenn die beteiligten Kreise darauf Wert legen, wird man ihnen keine Streichung zumuten; man wird aber energisch darauf dringen müssen, daß diese allgemeine Prüfung ergänzt werde durch Staats- bürgert unde, und zwar nicht nur für die zukünftigen Histo- riker und Geographen, nein für alle zukünftigen Studienräte. � Sie sollen sich darüber ausweisen müssen, daß sie das Wichtigste von ') ihrem Staat und seinen Problemen wissen. Dazu würde gehören: Verfassung des Reiches und des Landes, Programme, Struktur, Ent- Wicklung seiner politischen Parteien, vor allem auch eine ausreichende Kenntnis der Gundlagen des wirtschaftlichen Geschehens, min- dcstens so viel, daß der Handelsteil einer Zeitung mit Verständnis verfolgt werden kann. Aeußere Politik und ihre Formen, letztlich eine genauere Kenntnis der jüngsten Vergangenheit mindestens von 1914 bis zur Gegenwart. Aneignen könnte sich der Student diesen ganzen Stoff in4oderSzweistündigenVorlesungen. die nun allerdings auf die Bedürfnisse des Philologen zugeschnitten sein, d. h. besonders für ihn gehalten werden müßten. Es wäre völlig sinnlos, ihn in eine rein juristische Vorlesung über die Reichs- Verfassung zu stecken oder in eine spezialisierte über Nationalöko- nomie. Wer Interesse hat oder gewinnt, dem bleiben solche schon bestehenden Vorlesungen immer ossen Für die große Masse müßten besondere Vorlesungen gehalten werden, für die der Stoff geschickt ausgewählt und besonders die Fragen berücksichtigt würden, von denen anzunehmen ist, daß der Hörer sie später im Unterricht verwenden kann oder daß er sie in Gesprächen mit seinen Schülern ' braucht. Denn heute ist es doch so. daß durchschnittlich die Schüler und Schülerinnen den drängenden politischen Fragen der Gegenwart gegenüber sehr aufgeschlossen sind, und daß sehr oft ein �Bedürfnis noch Unterweisung vorliegt, dem die Lehr- kiäfte ihrer bisherigen VorMHung noch einfach nicht gewachsen sind. Ausnahmen bestätigen ti* Regel. Es ist nicht zu verkennen, daß eine ganze Anzahl einz. ner Studienräte in Arbeitsgemein- schaften, auch im Geschichtsunterricht, sehr viel tut. Aber es fehlt die Systematik, es fehlt an vielen Schulen auch nur ein ge- eigneter Lehrer, und es geschieht im Unterricht der meisten Fächer überaus wenig, obwohl doch neuere Sprachen z. B. Anlässe genug gäben, die aber zum Teil auch bei gutem Willen nicht wahr- genommen werden können, da die Vorkenntnisse fehlen. Dem eben sollte durch die vorgeschlagene Erweiterung der oll- gemeinen Prüfung geholfen werden. Die Belastung ist natürlich nicht zu bestreiten. Sie könnte dadurch kompensiert werden, daß in einzelnen Fächern wenigstens, ich denke besonders an die philo- logischen, einzelne Kenntnisse nicht mehr verlangt würden, die sür den Unterricht völlig unnötig sind und auch vom Standpunkte der Wissenschaft entbehrt werden können, da diese ja, was man vielfach zu wenig beachtet, nicht von der Quantität abhängig ist. Wir leben in einer Zeit stärksten politischen Geschehens, das in alle Lebensverhältnisse aufs tiefste eingreift. Die Schule darf daran nicht vorbeigehen, wenn sie nicht weltfremd sein und bleiben will. Es wird Sache der ministeriellen Instanzen, Sache auch der Volksvertretung sein, die bedauerlichen und bedenklichen Lücken zu füllen, die diese all!su eng in der„Wissenschaft" stecken bleibende Denkschrift betrüblicher- und bezeichnenderweise gelassen hat. br. S. Wemberg: Schafft Lebensnahe im Geschichtsunterricht! Die Schule der Gegenwart bemüht sich lebensnah zu sein. Sic will nicht unter ängstlicher Vermeidung jeder Berührung mit der Wirklichkeit ein abgeschlossenes Sonderdosein führen, sie will mitten im Leben stehen und durch ihre Arbeit dem Leben dienen. Daher kommt es nicht darauf an, dem Schüler ein möglichst großes Maß toten Fachwissens zu vermitteln, die neue Schule will die Kräfte und Anlagen des Schülers zur freien Entfaltung bringen, um ihn dadurch für die Aufgaben und Kämpfe seines künftigen Lebens tüchtig zu machen. Der moderne„Arbeitsunterricht" will bewußt die Selbständigkeit des Kindes wecken und entwickeln. Die Lebensnähe der Schule verlangt aber nicht nur diese Aendc- rung der Unterrichtsmethode, auch der L e h r st o f f muß den neuen Anforderungen angepaßt werden. Sehr viel überflüssiger Ballast ist schon abgeworfen worden, ober noch immer wird aus den hö- Heren Schulen vieles gelehrt, was nicht lebensnah und wesentlich ist, während auf der anderen Seisp sehr wichtige Stoisgebiete noch nicht genügend berücksichtigt werden. Dies gilt vor allem für den G c s ch ich t sunterrichtT es i st nökkgD"&«1""MF Gesehirstte"der jüngsten Vergangenheit, also die Zeit narih dem Kriege, einen weit größeren Platz im Unterrieht erhält. Der Schüler soll ja später am politischen Leben der Gegenwart teil- nehmen, er soll an der Wahlurne Entscheidungen fällen, er wird in die großen wirtschastlichcn Auseinandersetzungen durch sein Be- rufslebcn mit Notwendigkeit hineingezogen werden. Wenn die Schule wirtlich lebensnah sein will, dann darf sie an diesen Gegen- wartsfragen nicht vorbeigehen. Hugo P r e l l c r behandelt diese Probleme in seinem soeben erschienenen Buche„Die Geschichte der Nachkriegszeit und ihre Behandlung im Geschichtsunterricht an höheren Schulen".(Der- lag: B. G. Teubner, Leipzig und Berlin, l93l, 165 Seiten, ge- Kunden 6 Mark.) Preller zeigt in eindringlicher Weise, daß es notwendig ist, die Nachkriegszeit im Geschichtsunterricht zu behandeln. Die Jugend hat ein natürliches und starkes Interesse an diesen Fragen. Wenn der Unterricht aber im wesentlichen nur längst vergangene Zeiten behandelt, wenn die jüngsten Ereignisse gor nicht oder nur flüchtig in der Schule zu Worte kommen, dann ist es klar, daß die Schule ihre volle Wirkung nicht entfalten kann; denn sie umfaßt nicht wichtigste Interessen des Schülers. Mit Recht stellt daher Preller fest:„Besonders die Behandlung der Nachkriegszeit, die ja infolge des Weltkrieges ihren eigenen Charakter, nämlich den der W e l t k u l t u r, ausgeprägt hat, darf nicht etwa Anhängsel sein, sondern muß gedanklicher Mittelpunkr aller ge- schichtlichen Bildungs- und Erziehungsarbeit werden". Die Gesellschaft und der Staat haben das größte Jnter- esse daran, daß die künftigen Staatsbürger zu sachlicher Stellung- nähme in den großen Gegenwartsfragen erzogen werden; das Be- wußtsein der Verantwortung sür die Gemeinschaft kann durch einen lebensnahen Geschichtsunterricht, der im tiefsten Sinne Gegenwartstunde ist, entwickelt werden. Die politische Ver- h e tz u n g der Jugend, die so viel Schaden anrichtet, wird durch Einsicht in die geschichtliche Entwicklung der jüngsten Zeit außer- ordentlich erschwert. Die unbedingt notwendige Behandlung der Nachkriegszeit im Unterricht begegnet mancherlei Bedenken, mit denen man sich aus- einandersetzen muß. Wird der Lehrer die nötige Ob- jektioität bei Fragen aufbringen, in denen der Lehrer selbst noch Partei ist? Denn es muß selbstverständlich ver- mieden werden, daß die Schüler, je nach der Einstellung des Leh- rers, parteipolitisch beeinflußt werden. Preller zeigt, daß diese Objektivität auch bei Behandlung älterer Epochen vom Lehrer ver- langt wird. Die Objektivität ist Sache des Willens und der Selbst- zucht. Wiederum muß man Preller zustimmen:„Wer sich freilich so- weit gehen läßt, daß er im Angehörigen einer anderen Partei den Schweinehund, km Bürger eines anderen Staates den Feind, im Anhänger einer anderen Konsession oder Religion entweder den Esel oder den Sadisten sieht, der mag ja ein sehr ehrenhafter Par- teimann, ein glühender Patriot, ein glaubenersüllter Vertreter seiner Kirche sein— nur taugt er nicht zum Geschichts- lehrer, gleichviel, welches Kapitel der Geschichte er nun auch immer zu behandeln haben möchte". Der Geschichtslehrer soll na- türlich nicht persönlich urteilslos. farblos sein; nur darf er seine private Einstellung den jungen Leuten nicht aufzwingen wollen. Die Achtung vor abweichenden Auffassungen muß bei den Schülern entwickelt werden. Der Unterricht in der Geschichte der jüngsten Nachkriegszeit stellt auch, abgesehen von der Forderung der Objektivität, den Lehrer vor besonders schwierig« Ausgaben. Für die ältere Zeit liegt der Stoff in den Werken der Wissenschaft und in den Lehr- büchern vor. Wer die Nachkriegszeit behandeln will, der muß sich das Materiol erst mühsam unter Opfern an Geld und Zeit zu- sammensuchen. Wesentlich ist vor allem, daß der Lehrer an der ttni- vcrsität nicht die genügende Vorbildung für die jüngste Geschichte erhält. Preller erwähnt, daß von 624 wöchentlichen Vor- l e s u n g s st u n d e n. die an 23 deutschen Universitäten sür Ge- schichte im Sommersemcster 1929 angesetzt waren, nur12(!)dcr neue st en Geschichte galten. Lehrstühle für dieses Gebiet gibt es überhaupt nicht. Das Hauptarbeitsgebiet in den Universitätsseminaren sind weiter zurückliegende Iahrhun- derte. Durch diese Verhältnisse aus der Universität leidet die Vor- bereitung der Geschichtslehrer für einen lebensnahen Unterricht in Geschichte und Staatsbürgerkunde. Preller stellt fest:„Im ganzen darf man sagen, daß die Pflege der Geschichtswissenschaft an den Universitäten hinsichtlich des behandelten Stoffes proportional der Zunahme seiner Bedeutung sür die Gegenwart abnimmt". E s wird nötig sein, bei einer Reform des Hochschul- siudiums dafür zu sorgen, daß die Probleme und Aufgaben der Gegenwart weit stärker berück- sichtigt werden. � Den praktischen Hauptwert der Behandlung der neuesten Ge- schichte im Unterricht sieht Preller in seiner Bedeutung sür die staatsbürgerliche Erziehung. Staats- bürgerliche Erziehung darf sich nicht aus theoretische Behandlung der Reichsvcrsassung beschränken. Durch Einführen in das Geschehen der Nachkriegszeit kommen die politischen und wirt- schastlichen Probleme viel deutlicher zur Vorstellung als durch Er- örterungen abstrakter Art. Besonderen Wert legt Preller auf die ausführliche und sachgemäße Behandlung des Völkerbundes. Hierbei entwickelt er einen wichtigen Satz: „Tie Behandlung des Völkerbundes im Unterricht ist sinnwidrig, wenn sie durch Gcschichtslehrer erfolgt, die Lberzeugungsgemäß Gegner desselben sind." Diese Feststellung ist völlig richtig, ober sie muß dahin a u s g c- dehnt werden, daß kein Lehrer Geschichtsunterricht erteilen sollte, und vor allem nicht über die jüngste Vergangenheit, der über- zeugungsgemäß Gegner des heutigen Staates ist. Denn abgesehen von der Frage, ob sich die Gegnerschaft gegen den Staat mit der B e a m t e n e t g e n s ch o s t des Lehrers verträgt,.ist die Einsicht wesentlich, daß niemand einen fruchtbaren Unterricht in Geschichte und Staatsbürgerkunde erteilen kann, der den heutigen Staat ablehnt. Es ist schade, daß Preller die Forderung,, die er für die Behandlung der Dölkcrbundsprobleme aufstellt, nicht auch ausdrücklich aus"die- Stellung. des Lehrers zum Staat aus- .gedehnt Hot. Um dem Lehrer die Orientierung in der neuesten Geschichte zu erleichtern, gibt Preller eine Darstellung des Geschichtsverlaufs von 1917 bis zur Gegenwort. Er will den Stoff zusammenstellen, der sür die Schule wesentlich ist. Durch reich« Literaturangaben soll dem Lehrer der Weg zu eigenem Quellenstudium gewiesen werden. Dem Grundsatz der Objektivität, den Preller im theoretischen Teil seines Buches aufgestellt hat, sucht er auch im praktischen Teil gerecht zu werden. In vielen und wesentlichen Punkten ist seine Dar- siellung der Nachkriegszeit von vorbildlicher Sachlichkeit. Wie schwer aber auf diesem Gebiete die Objektivität zu erreichen ist, zeigt sich daran, daß auch die Dar- stcllung Presters in einigen Fragen zu Bedenken Anlaß gibt. Sa hebt Preller bei der Schilderung der W a f f e n st i l l st a n d s- Verhandlungen zwar richtig den„dringenden Wunsch der Obersten Heeresleitung" noch Beendigung des Krieges hervor, aber seine Darstellung erweckt den Anschein, als hätten die Waffen- stillstandsbedingungen nur wegen der innerpolitischen Vorgänge in Deutschland angenommen werden müssen� Preller schildert die Vorgänge bis zur Abdankung des Kaisers und fährt dann fort: „Keine Frage, daß dadurch den Formen des weiteren Verlaufs der Revolution viel Schärs« erspart worden ist. Freilich mußte nun M der völligen Auflösung aller Gehorsamsverhältnisse in Etappe- und Heimat am 11. November ein Wasfenstillstand unterzeichnet werden, dessen Härte alle bisherigen Befürchtungen weit über. traf." Hier wird der Anschein erweckt, als hätten nur die inncrpolitifchen Entwicklungen zur Annahme der Waffen- stillstandsbedingungen gezwungen. Während doch dies« Be- dingungen ultimativen Charakter trugen und bekanntlich Hindenburg erneut für eine bedingungslose Unterzeichnung eintrat. Durch die Prellersch« Ausdrucksweise wird allein die Re- volution sür die Vorgänge verantwortlich gemacht. Während sich Preller besonders bei Darstellung der inner- deutschen Kämpfen im allgemeinen größter Objektivität befleißigt, ist es auffällig, baß er den Kapp-Putfch und besonders den Hitler-Putfch von 1S23 nicht genügend rharakterisiert. Ueber die linksgerichtete Bewegung in Thüringen 1923 fällt Preller ein negatives Werturteil, wenn er schreibt:„in Thüringen verstieg man sich zu der Vorstellung, Bollwerk des Reiches sein zu müssen gegen einen bayerischen Marsch auf Berlin": Hitlers Novemberputsch dagegen erhält kein Wort des Tadels. Merkwürdig ist auch die Behauptung, die sozial- demokratische Partei habe das Kabinett Hermann Müller am 27. März 1936„im Interesse der Erhaltung ihrer Wähler- s ch o f t(!) fallenlassen". Preller hebt hervor, daß die Leistungen aus dem Gebiet der Technik(Zeppelin. Flugzeugbau) und die spart- lichen Exfolge dazu beigetrogen haben, das deutsche Ansehen in der Welt zu stärken. Hier oermißt man jeden Hinweis aus kulturelle L e i st u n g e n. Die Forschungen E i n st e i n s und die Weltersolge deutscher Schriftsteller(R e m a r q u«) sind doch mindestens ebenso bedeutungsvoll wi« die B o x s i e g e S ch m e- l i n g s. die Preller erwähnt. Wenn man auch in dem Buche von Preller noch viele solcher Einzelheiten finden kann, so muß doch betont werden, daß es in der Grundeinstellung durchaus sachlich ist. Eine stärkere Berück» sichtigung wirtschaftlicher Fragen wäre erwünscht. Das Problem eines lebensnahen Unterrichts in der Geschichte und Staatsbürger, kund« ist so überaus wichtig, daß die Ausführungen von Preller ernsthafte Beachtung verdienen. N ächste Arbeit ersporiveranstaltungen Schauturnen in Lichtenberg Am Sonntag, 18. Oktober, von 14 bis 17 Uhr, findet in der Turnhalle des Jahn-Realgymnafiums in der Schreiberhauer Straße ein Schau- und Werbeturnen aller Abteilungen des Bezirks Lichtenberg der Freien Turnerfchaft Groß-Berlin über 14 Jahre statt. Angefangen von der Jugend- und Männerabteilung über die Jungmädchen- und Frauenabteilung und die Altersabtellung soll ein Einblick gewährt werden in das Leben und Treiben im Turnfaal. Während bei der Jugend- und Männerabteilung Freiübungen und Geräteturnen bis zur höchsten Gipfelleistung gezeigt werden, kommen bei der Iungmädchen- und Frauenabteilung hauptsächlich Gymnastik nach Musik, Tanz, und Singspiele, zur Geltung. Hier soll gezeigt werden, daß es jedem jungen Mädchen und jeder Frau ohne Unterschied des Alters möglich ist, sich an diesen Uebungen zu beteiligen, um den Körper schlank und ge- schmeidig zu erhalten. Partei- und Gewerkschaftsmitglieder werden gebeten, dieses Fest zu besuchen, um sich selbst ein Urteil zu bilden, wie es in einem Turnverein zugeht, wo sich noch vierzig- bis sechzig- jährige Männer und Frauen aktiv beteiligen. Anschließend firtbet ein Beisammensein in den Räumen des Flußbades Klingenberg statt. Programm und Eintritt frei. Naturtreunde'Ausstellung Die Ortsgruppe Köpenick des Touristenoereins„Die Natur- freunde" veranstaltet aus Anlaß ihres 20jährigen Bestehens in der Woche vom 18. bis 25. Oktober im Jugendheim Köpenick, Dahlwitzer Straße 15(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick), eine Natur- freunde-Werbeausstellung. Mit dieser Ausstellung wollen die Naturfreunde der Oeffentlichkeit, insbesondere der Jugend und den Eltern und Erziehern zeigen, auf welchen Gebieten sich die Naturfreundearbeit vollzieht. Neben sehr guten Stein-, Pflanzen-, Holz-, Käfer- und Schmetterlmgssammlungen werden die Arbeiten| der Photogemeinschaft und sonstige interessante Handarbeiten regstes Interesse finden. Die Ausstellung wird Sonntag, 18. Oktober, 15 Uhr, durch Darbietungen der Musitgemeinschaft eröffnet. Sie ist Sonntags von 15 bis 21 Uhr und Wochentags von 17 bis 21 � Uhr offen; der Eintritt ist frei, der Besuch kann bestens empfohlen werden Im Ausstellungsraum finden folgende Lichtbildervorträge statt: Dienstag, 20 Oktober, Naturfreunde und Naturbeobachtung: Donnerstag, 22. Oktober. Naturfreundebewegung und Jugend- wandern: Sonnabend, 24. Oktober, Die Donau vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Beginn 20 Uhr. Außerdem veranstaltet die Musikgruppe Mittwoch, 21. Oktober, einen Musitabend. Aus- kunft erteilt Willi Balke, Berlin-Bohnsdorf, Leschnitzer Str. 36. Das nächste Arbeiterschwimmfcst Die Arbeiterschwimmer veranstalten Sonntag, 18. Oktober, im Stadtbad Neukölln, GangHoserstr. ein groß angelegtes Schwimmfsst. Wieder haben alle Berliner Bereine ihre Unterstützung zugesagt. Staffel- und Einzeltämpfe wechseln in bunter Reihenfolge ab und werden voll der Arbeit der Arbeiterschwimmer berichten. Der Veranstaller, die Freien Schwimmer Groß-Berlin, Gruppe Neukölln, erwartet rege Anteilnahme der Bevölkerung. Beginn 15 Uhr, Ein- tritt Erwachsene 60 Pf., Jugendliche und Erwerbslose 25 Pf. * Letzte Fahrt auf der Havel. Am Sonntag, 18. Oktober, ver- anstaltet der Zug Havel der Reichsbanner-Wassersportabteilung zu- sammen mit den Bundesvereinen.Collegia",„Butab" und den „Freien Schwimmern" das Absahren. Alle Boote treffen sich um 11 Uhr vormittags vor dem Bootshaus des Ruderoereins„Collegia" und fahren in Kiellinie geschlossen in Richtung Insel Jmchen (Kladow). Bon hier aus erfolgt die Rückfahrt nach Tiefwerder. Am Abend finden sich alle zu einem Beisammensein in Gatow beim Linden-Krause ein. Gäste sind dort herzlich willkommen. Bundesschießen der Frauen. Die zunehmende Aktivität der weiblichen Mttglieder des Arbeiter-Schützenbundes hat die Bundes- leitung veranlaßt, für den 25. Oktober ein Fraueneinzelschießen für das ganze Bundesgebiet anzusetzen, eschossen wird auf den Bereinsschießständen. Die Scheiben sind sofort nach der Beran- stallung der Bundesleitung zur Prüfung und Anerkennung der Ergebnisse zuzusenden. Schwimmt auch im Winter! Eine Mahnung an Schwimmer und Nichtschwimmer Wie in jedem Jahr, so haben auch im vergangmeu Sommer wieder Tausende von Menschen durch Ertrinken den Tod gesunden. Allein in Preußen verunglücken alljährlich weit über 2500 Personen(hauptsächlich die männliche Schul- jugend) tödlich beim Laden im freien Gewässer. Die von Jahr zu Jahr wiederkehrende große Zahl tödlich ver- laufener Badeunfälle sollte alle Menschen veranlassen, das Schwimmen zu erlernen, denn nur in der Beherrschung der Schwimmkunst liegt der beste Schutz gegen die Gefahr des Er- trinken?. Es ist falsch, die Mahnung„Lernt schwimmen" nur in den Sommermonaten an die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen, sondern jederzeit, auch im Winter sollten die Menschen, besonders die Eltern und Erzieher unserer Kinder daran denken und danach handeln, daß alles getan wird, um die Kinder und sich selbst vor Gefahren zu schützen. Im Triebleben der Kinder— das trifft auch auf die Er- wachsenen zu— gibt es kaum etwas Stärkere», als an heißen Sommertagen sich im kühlen Wasser zu tummeln. An den Flüssen und Seen unserer märkischen Heimat zeigt sich allüberall im Sommer ein buntbewegtes Bild übermütiger, in lebendigster Freude herumtollender Kinder, von denen auch die Erwachsenen mitgerissen werden. Leider führt dieses übermütige Jagen und Spielen, dieses Wagen und Wägen, das alles vergesiende Herum- tollen im Wasier oftmals zu Unglücksfällen, die, wie die Statistik lehrt, nur zu oft tödlich verlausen. Bei fast allen Unglücksfällen war die Ursache, daß die Ertrunkenen nicht schwimmen konnten. Gewiß, auch ein tüchtiger Schwimmer kann durch einen organischen Fehler oder durch andere Einwirkungen ertrinken. Meist jedoch sind es Nichtschwimmer, die in tiefe Stellen kamen, oder es waren weniger geübte Schwimmer, die ihre Fähigtetten überschätzten, in- folge Ermattung untergingen und ihr Leben in den kühlen Fluten verloren. Vorbeugen ist bester als heilen, hier gilt Schwimmen- können Gefahr abwenden. Schwimmen lernen und üben bis zur Vollendung der Schwimmkunst gibt erst die rechte Freude am Wassersport und schafft die Fähigkeit, andere vor dem Tode des Ertrinkens retten zu können. Es ist nicht nur der Schutz gegen die Gefahr des Erttinkens, wodurch sich das Schwimmen als Brauchkunst über alle anderen Sportarten stellt, auch der gesundheitliche Wert des Schwimmens. das Körperübung und Körperpflege in geradezu idealer Weise in sich oereinigt, sollte das Schwimmen für jeden Menschen unentbehr- lich machen Besonders gilt das für die Winterzeit, in der die Menschen weniger Gelegenheit nehmen, sich in frischer Luft zu bewegen, sondern fast ausschließlich die Zeit in geschlossenen Räumen verbringen Daraus erklärt sich auch, daß im Winter die Rachitis, Tuberkulose und andere Ertrankungserscheinungen regelmäßig zu- nehmen Als gesunde Gegenwirkung kann regelmäßiges Baden und Schwimmen auch in den Wintermonaten ganz gewiß dazu bei- tragen, Krankheitsfchäden zu heilen und die Menschen gegen Krank- heitskeime immun zu machen. In der Herz und Lungen kräftigen- den Atemgymnastik, in der besten Regulierung des Bluttreislaufes, in der gleichmäßigen Durchbildung der Muskulatur und der Schaffung einer abgehärteten und widerstandsfähigen Haut, die zu- gleich Schutz gegen alle möglichen Ansteckungsgefahren bietet, aber auch als vorzügliches, die Verdauung förderndes Mittel, liegen die so außerordentlich gesundheitlichen Werte des Schwimmens. Das sollte mehr als bisher beachtet werden und besonders sollten die Eltern erkennen, daß der junge aufwachsende Mensch durch dl« ge- sundhettlichen Wirkungen des Badens und Schwimmens in seiner körperlichen Entwicklung am besten gefördert wird Das Schwimmen sollte auch im Winter, soweit es irgend möglich ist. praktisch ausgeübt werden. Fast scheint es jedoch, als ob im Winter das Schwimmbedürfnis bei vielen Menschen erloschen ist, denn leider wird in der kälteren Jahreszeit das Schwimmen wenig betrieben. In Berlin ist auch»n den Wintermonaten in 16 schönen Hallenbädern die Möglichkeit zum Baden und Schwimmen gegeben. Hier bietet sich auch die beste Gelegenheit zur Erlernung des Schwimmens. denn selbst bei grimmigster Kälte bieten die wohltemperierten Hallenschwimmbäder einen angenehmen Ausenthalt. In allen Badean st alten befinden sich Arbeiterschwimmoereine, die ihren. Mitgliedern kostenlos Schwimmunterricht erteilen und sie wetter- bilden im Schwimmen, Springen, Tauchen, Wasserballspiel und in der Rettungslehre. Wer im Winter fleißig das Schwimmen übt, wird im Sommer um so größere Freude erleben Als Beherrscher der Schwimmkunst kann er die Flüste und Seen mit gewandten Schwimmbewegungen durchqueren und die gesundheitlichen Wirkungen des Schwimmens am eigenen Wohlbefinden erkennen lernen. Darum vernachlässigt im Winter das Schwimmen nicht. Das Abiturium der Autos 30-Tagcfahrt auf dem Nürburgring Unter Mitwirkung der beiden größten deutschen Automobil- klubs, des ADAC, und des AvD., findet vom 15. Oktober bis 14. November auf dem Nürburgring eine der größten a u t o- mobilistischen Gebrauchsprüfungen statt, die neben dem Sportpublikum in erster Linie auch die breite Oeffentlichkeit interessieren wird. Es handelt sich um eine Z0-Tage-Fahrt von zwanzig Ge- brauchswagen, und zwar 13 Personenkraftwagen und sieben Nutz- krastwagen. Bei den Personenwagen sind in vier Klassen nur die gebräuchlichsten Typen bis zu 2100 ccm vorgesehen, während die Lastwagen in zwei Gruppen, bis zu 3 und bis 5 Tonnen, vertreten sein werden. Die in Frage kommenden Fahrzeuge werden vor Beginn der Prüfung von einer neutralen Kommission in den Fa- briken ausgesucht, plombiert und per Bahn zum Nürburgring ge- schast, so daß sie hier fabrikneu, wie sie auch der Verbraucher be- kommt, in Benutzung genommen werden. Da es sich um eine reine Gebrauchsprüfung handelt, bei der Material, Benzin- und Oel- verbrauch nur in dem Maße geprüft werden sollen, wie sie auch beim Verbraucher in Frage kommen, sind für die 30 Tage und Nächte andauernde Fahrt wechselnde Höchstgeschwindigkeiten vorgeschrieben, die bei den Personenwagen zwischen 25 und 45 Stundenkilometer, bei den Lastwagen zwischen 15 und 35 Stundenkilometer schwanken, wobei Zwangspausen und sonstige Aufenthalte unberücksichtigt bleiben. Alle Wagen sind mit einem Fahrer und einem Unparteiischen mit je drei Ablösungen besetzt. Bei den Lastwagen ist außerdem die Belastung vorgeschrieben, die auch einem Wechsel unterworfen ist. Während der Fahrt gibt es außerdem»och eine Reihe besonderer Prüfungen des Betriebsstoff- Verbrauchs, Oeloerbrauchs, Oelzustandes und Reifenverbrauchs, auch solche über die Reparaturkosten, Bremsprüfung und allgemeine Zu- standsprüfungen. Die Kennhahn im Sportpalast steht Ueber Nacht ist die Sechstage-BaHn im Sportpalast fertig- gestellt, und so kann das Training zu den am Sonntag statsindenden Eröffnungsrennen beginnen. Die Bahn ist die gleiche wie beim Jublläums-Sechstage-Rennen im März dieses Jahres, die von allen Fahrern als die beste und einwandsreieste Bahn Deutschlands be- zeichnet wurde. Die erste dieswinterliche Radsportveranstaltung auf der 166)4 Meter langen Holzbahn des Berliner Sportpalastes steigt am kommenden Sonntag, 20 Uhr. Das Programm verzeichnet neben einem 100-Runden-Einzelfahren mit Punktwertung als Hauptnummer ein 100-Kilometcr-Mannschaftsrennen, für das folgende elf Paare verpflichtet worden sind: Guimbretiere— Peix, Funda— Maczynski, A. Buysse— von Buggenhout, I. van Kempen— Braspenning, Thierbach— Siegel, Gebrüder Nickel, Manchey— Petri, Ehmer— Kroschel, Tietz— Goebel, Kroll— Maidorn, Lehmann— Wissel. Hoppegarten-Rennlag zugunsten der Winterhilfe. Am Sonntag hatte der Union-Klub sein eigenttiches Arbettsprogramm beendet. Doch noch einmal wird Hoppegarten in diesem Jahre die Tore öffnen, und zwar zu einem Wohltätigkeits-Renntag am 30. Oktober. Es werden sieden, mit kleinen Preisen ausgestattete Rennen ge- lausen. Der Reinertrag der Veranstaltung wird der Berliner Winterhilfe überwiesen. Für die bürgerlichen olympischen Winterspiele in Lake Placid- Amerika will man 50 Pullmanwagen als Dauerquartiere zur Verfügung hallen, da der kleine Ort die Gäste nicht alle bcherbergen kann. FT«»., Freikirverkultiirbuirr. Sic Zusammenkunft der HiUtenmieter findet erst Donnerstag, 22. Oktober, statt. Tagungsort wird bekanntgegeben. Fr. Sp.>Vg. Riederschönhausca, Abt. Paikow. Hockcgabteilung: Donners, tag, IS. Oktober. 20 Uhr, Sitzung bei Lehmann, Pankow, Mühlen- Ecke Maxi. milianstratze. Für Anfänger finden unter guter technischer Leitung besonder« Uebungslage statt. Anschriften: Walter Hippel, Pankow, Florastr. 7. Die Äinderabtellung turnt jetzt Dienstag und Freitag, die anderen Abteilungen be» halten dieselben Abende. Freitag wieder Turnbetrieb. Frei, Faltbootsohrer Berlin, e. B. Zusammenkünfte Donnerstag. IS. Otto- ber, 2» Uhr. Gruppe Aorben: Sugenddeim Willdenowstr. 5, Zimmer 3. Vortrag Weiaelt:„Reue Zeiten— neu« Menschen".—«ruppe Rorboften: Iugendbetm Ehrlstburgei Str. I«. Bunter Abend.— Gruppe Südosten: Holzarbeiter-Restau- rant, Rungestr. 30. Lichtbilderoortraa:„Schneeschuhlaus".— Sonntag, 13. Oklo» der: Gruppe Norden: Flietzfahrt per Auto zum Düllnfließ.— Gruppe Südosten: Spielfahrt nach Mittenwalde. Abfahrt 7.11 Uhr Potsdamer Ringbahnhof bis Zossen. Gäste überall willkommen. .Solibarität", Nraftfahrrr. Touren Sonntag, 1». Oktober: Abt. Kreuzberq: —......' 9 Uhr Reichenberger 6ttk 91.— Abt. Start 9 Uhr Landsberger Platz.— Abt. Linde", Wilhelm itratz«), Start 8 Uhr See- atze 62.— Abt. Oberschönsweide: Herbstabfahrt, Start 13 Uhr Wilhelminen. iofstr. 61.— Abt. Tempelhos.Mariendorf: Ruppiner Schweiz, Start 8 Uhr Nur» fürsten. Ecke Schützenstratze. FS®»., Nanu bezirk. Bei dem Brande am Montag in Rahnsdorf ist Schaden für die Mitglieder nrcht entstanden. Es gelang, ein Itebeotzreifen des Feuers auf da, FTGB.-Bootshaus zu verhindern. Touriftenoereia„Die Raturfrenabe". Fahrgeldrückerstattung an Olampiade. fahrer, die sich seinerzeit direkt bei der Geschdftsstelle der„Naturfreunde" ge- meldet hatten, jetzt in der Geschäftsstelle, 9— 19 Uhr, Sonnabends von 9—13 Uhr. Ausweise vorlegen! Die Technik der jtlelnformatkamera. Unter diesem Titel hält Julius«roß Donnerstag, ld. Oktober, 29 Uhr, in der Städtischen Dunkelkammer, Wassertor. strotze 9, im Auftrage der Ardeiter-Photo-Gilde, einen Vortrag mit praktischen Demonstrationen. Gezeigt wird die Handhabung der Kamera, Aufnahmen bei künstlichem Licht. Entwicklung des Filmbandes in der Korrexdos« und die Bei» grötzeruna einer Leicaausnahm«. . Friedenau spielt ab 18. Oktober wieder Hocken auf dem neuen Platz in der Rubensstratze. Interessenten können sich melden Im Bereinslokal Rosenau, Friedenau, Darziner Ecke Laubacher Stratze, Dienstag«, 29 Uhr. Rätsel-Ecke des„Abend" (MiuiHaiiiiuiiiiminniimuimniu/nniiiniiiiiuiiiHiiniiiiinninmuiiuiuiimiiii Kreuzworträtsel lumuuinuiummmiuui Königszug duld nicht gewährt im- l-i. den Waagerecht: 1. Ansehen: 3. Bindewort: 5. Hundekrankheit: 6. Stadt in Holland: 8. Teil des Fasses: 10. Tanzort: 11. soviel wie herzlich: 14. Frauenkleidungsstück: 16. Schulleiter: lg. männlicher Vorname: 20. Stoffart: 21, biblischer Frauenname: 22. Hausflur.— Senkrecht: 1. Hafenstadt in Marokko: 2. Teil des Körpers: 3. unbebautes Land: 4. Oper von Richard Strauß: 5. englische Anrede: 7. Romanschriftsteller: 9. Hafenstadt in Estland: 10. Rinder- ait: 12. Reguliervorrichttng bei Taschenuhren: 13. Gazegewebe: 14. Getränk: 15. ostasiatische Halbinsel: 17- Stockwerk: 18. Titel. ekr. Dreierlei Mit H, da hebt es Lasten an, Mit N im Herbst man'» sehen kann, Mit B war es ein Sozialist, Den kein Genosse je oergißt. zzf. Zoologie Mit.L" ein Fisch. Mit„D" ein Säugetier, Auf das man jagt Im Waldrevier. Air. ekr. Auflösungen der letzten Rätselecke Rösselsprung: Noch immer baumelt der alte Zopf/ der alten Welt im Genick,/ noch immer schmort ihr kein Huhn im Topf /drum: Vive la Republique! Drum: Vive la Republique, blique, blique,/ dai Herz schlägt uns im Bauch, /das Knutentum haben wir dick, dick, dick, /uiio Kartoffel und Hering auch!(Chanson von Arno Holz.) Zahlenrätsel: Republik, Elle, Peru, Uri, Bub«. Lupe. Iller, Krupp. Silbenrätsel: 1. Urania: 2. Notiz: 3. Seiher: 4. Tabak: 5. Epidemie: 6. Rostock: 7. Sude: 8. Locken-, 9, Iran: 10 China' Ii Elise: 12. Oper: 13. Prohibition: 14. Freiheit: 15. Emir—„Unsterbliche Opfer, ihr sänket dahin..." Das Schutzmittel: Rettig— Gitter. MitundohneKopf: Wanderer— anderer.