Morgenausgave Dontsersiag '«««T ■■ MM MFl■■ W M M�M�J_Mr Auswärts� Pf. Inng ins Haus) im varaus zahlbar. �SWW! IW WW M', BH WW WW WW WI �«■y/ Postbezug 4.S2 M. einschließlich so Pf. �t£klm LU-�H Hl§■ IH W> WW �W L£\ IM WW f X' Die-lnlpalt. Nonpareillcz-il- so PI. Postzeitungs-und 72Pf.PostbestelIae- s?��W WW �M �M �M �M MW �M WW �M WW DM I A' ZleNamezeile S.— RM.„«leine An- bühren. Auslandsabonnement S�—Nl. I �M �M �M �M �M �M �M �M �M WW■WL�Wk� zeigen" das leNgedruckte War, So Ps. pro Monat; fiir Länder mit ermäßig- I I �Ml �Ml �M �M �M ���MWMW, lzuiSlsig zwei s-Ngedru-kte Worte), i-de, tem DruSsachcnporto 5— W. WM I WW MW �W �WWvSOT weitere Wort 12 Ps. Rabatt II. Taris. ■■<��r> � JMM.\ M WS Stellengesuch, das erst. Wort lb Pst I I ��Rl. �w/ �W/ WW jedes weitere Wort lli Ps. Worte über -.,.s.»-,,.. x/•>/_■! BaasiPÄainaB SWNSsW BS8EÄF »■••- mKültlld! vvWPHIwl süÄÄS.stxÄ'.a Jentvalorsan der«KozialdemoSvatischen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 �ernspr.: Dönhosf{K T) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Die Front der Harzburger hat gestern im Reichstag neue sckiwere Schläge erhalten. Der Reichsfinanz- in i n i st e r Dietrich rechnete ihr vor, wie sie mit falschen Zahlen gearbeitet habe, der Sprecher des Zentrums, der Abgeordnete Ivos, vollzog eine unbarmherzige Ab- rechnung mit Nationalsozialisten und Deutschnationalen, sarkastisch, spitzig, voll offener Verachtung. Die Wortführer der Harzburger, F r i ck und Ober- fahren, deklamierten.Kriegserklärungen", aber. in einem entscheidenden Punkte waren sie vollständig in der Lage von Angeklagten, die zu ihrer Verteidigung leugnen. Dieser Punkt sind die Jnflationspläne der Harz- b u r g e r. Herr Oberfohren besaß die Stirn, für die Hugen- bcrgparter alle inflationistischen Absichten abzuleugnen— trotz der offenen Erklärung des Grafen K a l ck r e u t h, trotz der Hugenbergschen Binnenmarkpläne. Sie fühlen, daß ihre Pläne vorzeitig aufgedeckt worden sind und versuchen sie aufs neue zu vernebeln! Auch Herr F r i ck leugnete alle Inflationsabsichten, er wagte, die folgenden Sätze vorzutragen: „Wir stellen fest, daß wir d i e I n s l a t i o n, die seinerzeit von den Leuten hervorgerufen wurde, die Träger des Systems gewesen sind, das der Reichskanzler zu verteidigen bestrebt ist, als ein Verbrechen an den ehemaligen Kapitalrentnern, den Sparern, Hypochekengläubigern und darüber hinaus am ge- samten Volk bis zum heutigen Tag ununterbrochen in der schärfsten Form gebrandmarkt haben. Es ist daher nahezu iiberslüssig zu sagen, daß wir uns eines ähnlichen Verbrechens niemals schuldig machen würden." Das Gedächtnis der Herrschaften ist kurz. Die Leute, die die Inflation gemacht haben, sind gekennzeichnet durch zwei Namen: H e l f f e r i ch und S t i n n e s! Der eine der Vor- gänger Hugenbergs in der Führung der Deutfchnatio- nalen Volkspartei, der andere der Vorkämpfer der Scharf- macher aus Rheinland-Westfalen, mit denen die National- sozialisten heute wieder verbündet sind wie 1923! Und hat Herr F r i ck Herrn Gotfried Feder ganz vergessen. dessen inflationistische Geldthcorie die Grund- läge aller nationalsozialistischen Wirtschaftsweisheit ist? Kein Leugnen schafft die inflationistischen Gelüste der Harzburger aus der Welt! Herr F r i ck versuchte weiter, das Bündnis seiner Partei mit der sozialen Reaktion zu vernebeln. Aber Herr Oberfohrcn machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Er gab die programmatische Erklärung ab, die Frick aus Rücksicht auf die nationalsozialistischen Massen unterschlug: Die nationale Front will die Zerschlagung des Tarifrechts, will die Vernichtung des staatlichen Schlichtungswesens. Sie will den einzelnen Arbeiter ohne die Solidarität der Gewerkschaften, ohne den Schutz des Staates diesen Riesenkonzernen gegen- überstellen. Die nationale Front will die Arbeiteroersklavung unter den Willen der Monopolkapitalisten. Die nationalsozia- Rücktritt der spanischen Regierung. Erste Folge der antiklerikalen Gesetzgebung. Madrid, 14. Oktober.(Eigenbericht.) Die Annahme der Vcrfassungsartikel, wonach keine Staatsreligion besteht, der Jesuitenorden aufgelöst und sein Vermögen zu beschlagnahmen ist, hat den Minister- Präsidenten Zamora zum Rücktritt veranlaßt. Auch die übrigen Minister sind zurückgetreten. Zamora ist ein gläubiger 5latholik, ebenso der ge> wesene Jitnenminister Maura; beide haben gegen diese Artikel gestimmt. Außenminister Lerroux und die Mi- nister Domingo und Albarnos enthielten sich der Stimme. Die übrigen Kabinettsmitglieder stimmten für diese Paragraphen. Die Annahme erfolgte mit 171 gegen 3S Stimmen. Vor der Abstimmung hatte Zamora erklären lassen. daß er Jür den Fall der Annahme des Paragraphen feinen Rücktritt erklären werde. Nach längeren Verhandlung«» mit den Partei- fllhrcrn beauftragte der Parlamcntspräsident Besteiro den KiegSministcr Azana mit der Regierungsbildung. Azava rechnet mit der Unterstützung der bisherigen Vorwäris-Verlag G. m. b. H. listischen Stipendiaten der Monopolkapitalisten schwiegen be- treten. Peinlich für sie, wie dieser Oberfohren verriet, was national im kapitalistischen Sinne bedeutet: Diktatur des Hochkapitalismus über die Arbeiter- klaffe! Für die Kommunisten sprach der Abgeordnete Rem- m e l e. Eine geistlose Rede, die die Arbeiterschaft mit lächer- lich kraftmeiernden Phrasen über die wirkliche Lage täuschen sollte und sich bis zu der Behauptung steigerte, daß die Reichs- wehr--- für die Kommunisten eintreten-werde. Seit Scheringer und seit der nationalistischen Schmutzkonkurrenz der Neumann und Remmele mit den Nationalsozialisten ist bei diesen Führern der letzte Funke von Vernunft erloschen. Zenirum gegen ein Hugenbergkabineii. Fraktionsbeschluß„gegen Tolerierung eines in Harzburg in Aussicht genommenen Kabinetts". Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat am Mitt- wochabenb in einer kurzen Fraktionsfißung einmütig der Auffassung AuSdruck gegeben, daß sie jede T o l c r i e- run g eines auf der Harzburger Tagung in Aussicht genommenen Kabinetts ablehnt. Mit dieser Feststellung, so wird erklärt, sei allen Gc- rüchten über etlvaige Vestrebnngen innerhalb deS Jen- trums, eine Rechtsschwenkung zu fördern, der Boden entzogen. Landvolk gegen Nrüning. Die Reichstagsfraktion des Deutschen Landvolks hat am Mittwochabend den Beschluß gesaßt, den eingebrachten Miß- trauensanträgen ihre Zustimmung zu geben. In der Aussprache wird die Fraktion eine formulierte Erklärung abgeben. In parlamentarischen Kreisen wird nunmehr versucht, daß vier bis fünf Mitglieder der Landvolkfraktion diesem Beschluß nicht Folge leisten und möglicherweise der Abstimmung fernbleiben werden. Dem Fraktionsbeschluß ist zu entnehmen, daß die vorausgegangenen Verhandlungen mit dem Reichskanzler zu keinem Ergebnis geführt hatten. Wirtfchastsparlei entscheidet sich heute. Die Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartci hat in einer oin Mittwochabend abgehaltenen Sitzung den Bericht über die Ver- Handlungen entgegengenommen, die von ihren Vertretern mit dem Kanzler wie auch mit den Führern der Parteien der Rechten ge- führt worden sind und noch fortgesetzt werden sollen. Die endgültige Entscheidung der Fraktion über ihre Haltung zur Regierung soll in einer neuen Fraktionssitzung am Donnerstagvormittag fallen. Abgeblitzt! Herr Dingcldcy hat bei dem Reichspräsidenten um eine Unter- redung nachgesucht. Der Reichspräsident hat Herrn Dingeldey mit- teilen lassen, daß er in der augenblicklichen Situation keinen Partei- führer empfangen könne. Herr Dingeldey möge sich an den Reichs- kanzler wenden. sozialistischen und radikalsozialen Minister. Azana ist der Chef der republikanischen Aktion und als radikal und revolutionär bekannt. Die Jesuiten ausgewiesen. Madrid, 14. Oktober. Die spanische Rationalversammlung hat nach 14stündiger stür- Mischer Sitzung mit 178 Stimmen gegen 59 die Ausweisung der Jesuiten aus Spanien und die Beschlagnahme ihres Eigentums beschlossen. Für die übrigen Religionsgesellschaften wird ein Sondergesetz geschaffen, das den religiösen Orden die Ausübung des Unterrichts verbietet und das die Verstaatlichung ihres Besitzes ermöglicht. Schließlich wurde die Aufhebung des Haus- Halts für Klerus und Kult in der Verfassung niedergelegt. Oer China-Zapan-Konfliki. Keine direkten Verhandlungen. Ehina dementiert kategorisch die Meldung, daß fein Gesandter in Tokio versucht habe, direkte Verhandlungen mit Japan einzu, leiten, und fügt hinzu, eaß es seine 5zoffnung allein auf den Völker- bund fetze; bei dessen Versagen werde Ehina entschlossen zu den Waffen greifen. Postscheckkonto: BerlinZ? 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Augestelllen und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.DiZc.-Gcs., Depolilcnk., Ierulalcmer Str. 65/66. Die Schuldigen. Die Frankfurter Wirtschastsverbrecher vor Gericht. Das kann kein«.nationales" Geschrei vertuschen! Heute beginnt in Frankfurt am Main der Prozeß gegen die Direktoren der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs- gesellschaft(F a v a g), der einen der sensationellsten Wirt- schaftsprozesse aller Zeiten abgeben wird. Der Zusammen- bruch des Favag-Konzerns im August 1929 bildete den Aus- takt zu der Serie von Riesenzusammenbrüchen, die in den letzten Monaten das Gefüge der deutschen Privat- Wirtschaft erschütterten. Die kriminellen Begleiterscheinungen jener Versicherungspleite haben seinerzeit den Keim zu dem allgemeinen Mißtrauen des Auslandes gegen die Führung der deutschen Privatwirtschaft gelegt, das in der Julikrise dieses Jahres seinen vernichtenden Nieder- schlag fand. Um die Wirkung dieses Konzernzusammenbruchs auf die deutsche und internationale Oesfentlichkeit heute nach zwei Iahren noch richtig ermessen zu können, muß man sich die wirtschaftliche Situation vom Sommer 1929 vergegemvärti- gen. Damals lebte man noch in der f a st sagenhaften Zeit einer guten Konjunktur. Die Banken waren in ihrer Kreditpolitik alles andere als engherzig. Die Aktienkurse an der Börse hielten sich auf steiler Höhe. In diese ruhige Zeit einer wirtschaftlichen Konjunktur platzte die Nachricht von dem Zusammenbruch eines der größten deutschen Bcrsichcrungs- konzerne. Die Wirkung war um so verheerender, als die Favag seit jeher den Ruf eines der solidesten Unternehmen in der deutschen Prioatversicherung genossen hatte. Den Auf- sichtsrat zierte die erste Garnitur der deutschen B a n k f ü r st e n. Roch im Juni 1929, also nur etliche Wochen vor dem Zusammenbruch, hatte die Gesellschaft ihrer General- Versammlung eine glänzende Bilanz vorgelegt und eine Dividente von 12 lU P r o z. gezahlt. Die Börse quittierte diese offensichtliche Blüte der Favag mit kräftigen Kurssteigerungen der Favag-Aktien, die weit über 200 Proz. ihres Nennwertes notietrten. Um so furchtbarer war das Erwachen, als der Zusammenbruch der Favag bekannt wurde. An der Börse sank der Preis für Favag-Aktien inner- halb weniger Tage von 880 auf 80 Mark, ein beispiel- loser Zusammenbruch in der Geschichte der Ver- siehe rungsaktien. Wie konnte es im Versicherungswesen, dessen Name schon den Sicherheitscharakter dieses Geschäftszweiges verbürgen soll, zu jenem Zusammenbruch kommen, der in der fast zweihundertjährigen Geschichte des Versicherungswesens kein Beispiel findet? Der Revisionsbericht der Kommission, die zur Untersuchung von der Generalversammlung eingesetzt war, stellt für die Gejchäftsführung eine einzige An- klage dar. Der Zusammenburch dieses Konzerns, so sogt der Bericht, war kein elementares Ereignis ge- wesen. Er war vielmehr die Folge einer durch Jahre ver- folgten Politik des Vertnschens. Den Borstands- direktorcn wurden schwere Verstöße gegen Gesetz und Satzung nachgewiesen. Vernichtend lautete auch das Urteil über den Aufsichtsrat, dessen Verantwortlich- k e i t wegen Unterlassung der erforderlichen Kontrolle fest- genagelt wurde. Der Revisionsbericht rollt die Geschichte des Favag- Konzerns in den letzten sieben Jahren vor dem Zusammen- bruch auf. Und diese Geschichte ist allerdings eine fürchterliche Anklage gegen die Wirtschaftsführung in deutschen Groß- konzernen. Schon die Goldbilanz von 1924 war retuschiert. Als dann die Fäulnis innerhalb des Kon- zerns mehr und mehr um sich fraß, fand niemand inchr den Mut zur Wahrheit, und der Vorstand täuschte einen in un- faßbarer Vertrauensseligkeit dahindümmernden Aufsichtsrat derart, daß dieser erst am IS. August, also vier Tage vor dem Zusammenbruch, über die tatsächliche Lage des Konzerns im Bilde war. Wie die Männer des Vorstandes aber, so schließt der Revisionsbericht,„persönlichen Eigennutz bekundet und die Aktionäre wie Gläubiger schwer geschädigt haben, färbt das Bild tiefschwar z". Keine gegnerische Polemik könnte über die Geschäfts- führung der Konzerndirektoren ein vernichtenderes Urteil fällen als dies von der v e r w a l t u n g s f r e u n d l i ch e n Revisionskommission geschehen ist. Es genügt, von den realen Ursachen des Zusammenbruches nur einige Fälle auf- zuzählen. Schon 1922 hatte die Favag aus spekulativen Ge- schäften in Oesterreich. Ungarn und der Tscheche!, also in da- mal? noch währungsun sicheren Ländern, schwere Verluste erlitten. Diese wurden zunächst vertuscht. Bei der Gvldmarkeröffnungsbilanz. wo eine Gelegenheit gegeben war. Die Harzburger in der Zange. Abrechnung im Reichstag.— Hugenbergpartei verkündet sozialreaktionäre Pläne. Gegen Gondergerichie. Mr Milderung der Notverordnung. Tie Maßnahmen zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen in der Not- Verordnung vom K. Qktobcr 1S31 gehen zum Teil über das Maß des Erforderlichen hinaus. Die Sozialdemokratie fordert deshalb im Reichstag die Auf- Hebung der Bestimmung, wonach Festungshast bei Hochverrat durch Gefängnisstrafe ersetzt werden kann. Sie beantragt ferner die Be- scitigung der Strafbestimmungen für fahrlässige Herstellung, Ver- breitung usw. von illegalen Schriften, weil diese Be- stimmungen, in der Form, in der sie in der Notoerordnung enthalten sind, zu einer willkürlichen Auslegung Anlaß geben könnten. Sie wendet sich in weiteren Anträgen gegen die Anzeige- Pflicht bei erlangter Kenntnis vom Vorhandensein illegaler Schriften, schon aus dem Grunde, weil vom Durchschnittsstaatsbürger eine Er- kenntnis über die Strafbarkeit des Inhalts solcher Schriften nicht verlangt werde» kann. Auch die Vorschrift gegen die Umgehung von Acitungsoerboten durch Lieferung von Ersatzzcitungen ist bedenklich, weil bei ihrer Durchführung praktisch Druckschriften verboten werden, deren Inhalt an sich nicht strafbar zu sein braucht. Außerdem beantragt die Sozialdemokratie die Aufhebung der Be- stimmung, wonach der Drucker von verbotenen Druckschristen mit Gefängnis bestraft werden kann. Die Sozialdemokratie verlangt weiter die Streichung der von der Regierung durchgeführten AenderungendesLichtspiel» g e s e tz e s, wonach jeder Film verboten werden kann, wenn es „lebenswichtige Interessen des Staates" erfordern. Mit einem solchen lZautschukbegrisf kann eine bösartige Praxis alles anfangen. Neben einigen anderen Anträgen fordert die sozialdeinokratlsche Fraktion die Streichung der Bestimmung der neuen Notverordnung, wonach bereits die Teilnahme an einer nicht angemeldeten Ver- sammlung oder einem nicht angemeldeten Aufzug bestraft wird. Zu der Neuregelung der Rechtspflege in der Notverordnung beantragt die Sozialdemokratie, daß es mit dem Armenrecht bei dem bisherigen Rechtszustande bleibt. Vor ollem aber wünscht sie die Aufhebung des Abschnittes über die Bildung von Sondergerichtcn. Grüne Kroni. Wie uns der Rcichsverband der deutschen landwirtschostlichen Genossenschaften— Roiffeisen— e. V. erklärt, sind die Mitteilungen über Zahlung unverhältnismäßig hoher Gehälter in dem Artikel „Grüne Front" falsch. Die beiden Präsidenten des Reichsverbandes erhalten lediglich eine Aufwandsentschädigung von monatlich 1000 Mark. Die stellvertretenden Präsidenten erhalten keinerlei Bezüge. Auch die Angaben, daß der Personolaufwand der beiden alten genossenschaftlichen Epitzenverbänd« nur 100 000 Mark betrogen habe und daß der neue Einheitsoerband mehr als öMVOO Mark an Gehältern zahle, find unzutreffend. einen gesunden Status wiederherzustellen, setzte man diese i Vertuschungspolitik fort. Die Verluste häuften sich. In den Jahren 1924 bis 1927 wurden Bilanzfälschungen In einem geradezu unfaßlichen Ausmaß fortgesetzt, und, um die Verluste weiter zu verbergen, stieg die Konzernleitung in immer gefährlichere Spekulationsgeschäfte hinein. An den gewaltig aufgeblähten Umsatzziffern„rechnete sich der Vorstand reich", wie der Revisionsbericht feststellt. Nach- weislich hatten die Verluste bereits Ende 1928 rund 39 Millionen erreicht. Aber man scheute sich nicht, die glänzende Fassade des in seinen Fundamenten schon wankenden Konzerngebäudes zu wahren und den Aktionären im Juni 1929 noch 121/, Proz. Dividende auszuzahlen. Die Rolle, die der Aufsichtsrat in dieser dunklen Affäre gespielt hat, ist mehr als kläglich. Die in den Satzungen festgelegten Pflichten eines Aufsichtsrates sind in der skanda- losesten Weise o e r l e tz t worden. Die fünfzehn Herren des Aufsichtsrates nahmen wohl für sich das Recht in Anspruch, 140999 Mark Tantiemegelder jährlich zu liquidieren, glaubten aber ihre Pflichten damit erfüllt zu haben, wenn sie in den Jahren 1923 bis 1926 sich einmal im Jahr lediglich zur Bilanzsitzung zusammen- fanden. Vier Kommissionen waren vom Aufsichtsrat der Fävag zur Kontrolle eingesetzt. Drei von diesen Kommissionen sind überhaupt nie zusammengetreten. Von den Ergebnissen, die die Arbeit der vierten Kontrollkommission gezeitigt hat, ist aus dem Revisionsbericht nichts zu erfahren. In der gleichen Zeit, als Millionenbeträge von der Konzern- leitung auf verbrecherische Weise verschleudert wurden, in den Jahren 1924/26, wurde eine zweite vorgesehene Aufsichts- ratssitzung„aus Sparsamkeitsgründen"(!!) ab- gesagt. Wenige Monate vor dem Zusammenbruch, als der Aufsichtsrat auf einige besonders üble Blasen aus dem Favag-Sumpf aufmerksam gemacht wurde, hat eine von ihnen veranlaßte Revision— durch den Revisor der Deutschen Bank— nichts weiter festgestellt, als daß ein kleiner Betrag von 1% bis 2 Millionen Mark„mehr oder weniger ein- gefroren" fei. Dieser famose Revisor fügte seinem Bericht hinzu, daß kein Anlaß bestehe, die Ausschüttung der Dividende von 12� Prozent zu unterlassen. 75 Millionen Mark Verlust stellte die traurige Bilanz dieser verbrecherischen Geschäftsführung dar. Mit rund 49 Millionen Mark blieben die ausländischen Gläubiger hängen. Die Durchleuchtung dieser grandiosen Mißwirtschaft, die Enthüllungen der Generaldirektor- d i k t a t u r und der sträflichen Pflichtverletzung durch prominenteste Aufsichtsräte genügten vollauf, um die gesamte ausländische Finanz mißtrauisch auf- horchen zu lassen. Die Hitlerwahlen, das Wirtschafts- verbrechen der Lahufen und anderer Konzernzusammen- bräche gaben dem Vertrauen des ausländischen Kapitals den Rest. Es flüchtete panikartig aus Deutschland und hinterließ ein im Innersten erschüttertes Kreditwesen, dessen völliger Zusammenbruch nur durch rasches Eingreifen des Staates MMwxmdft werden.konnte. �»�VÄr"dem FranTfurier Gericht stehen sticht allem die betrügerischen Direktoren der Faoag. Als Angeklagter steht das kapitalistische System vor dem Forum, das derartige verbrecherische Auswüchse einer herrschen- den P l u t o k r a t i c ermöglicht und deckt. Znflationöfaschisten am Pranger. Zoos und Oieirich vollziehen die Stäupung. In der gestrigen Reichstagssitzung betraten die Faschisten nach der Rede Breitscheids den Saal, zugleich verließ der Reichskanzler seinen Platz. Abg. Dr. Zrick(Natsoz.): Unser Fernbleiben während der Regierungserklärung entspricht dem Willen der Mehrheit des schaffen- den Volkes. Die Notverordnungen enthalten nationalsozialistisches Geistesgut, trotzdem hat der Reichskanzler uns unterstellt, wir könnten diese Maßnahmen sabotieren. Wir werden die Notverord nungen ablehnen, weil wir Regierungen, die das Volk nicht über die Berechtigung ihrer Maßnahmen befragen, nicht für befugt halten, den Artikel 48 für ihre parteipolitischen Bestrebungen anzuwenden. Wir haben die Inflation stets als ein Verbrechen gebrandmarkt, so daß es überflüssig ist zu sagen, daß wir uns niemals eines ähnlichen Verbrechens schuldig machen werden. Der Redner wirst dem Reichskanzler Mißdeutung der Absichten der Nationalsozialisten vor, spricht von marxistischem Wehr- und Landesverrat und behauptet, seine Partei werde nicht gegen die Werktätigen regieren. Frankreich sei der Hauptfeind, aber wenn es die Fordsrungen der nationalen Opposition erfülle, sei man auch zur Verständigung mit ihm bereit. Im übrigen sollte man Bündnispolitik mit denjenigen treiben, die gleich Deutschland von den Siegerstaaten unterjocht würden. Die Zusammenlegung des Reichswehr- und des Reichsinnenministeriums ist eine verhängnisvolle Belastung der Reichswehr mit innerpoliti- schen Auseinandersetzungen. Wir beanspruchen die Führung der Ration: unsere Regierungserklärung wird kurz sein, sie wird lauten: Kraft und Wille, Freiheit, Arbeit und Brot. (Großer Beifall der Nationalsozialisten, die darauf, Heil rufend, wieder abziehen.— Die kommunistische Abg. Frau O v e r l a ch erhält einen Ordnungsruf, weil sie dem Redner zugerufen hatte: „Arbeitermörderpartei"!) Abg. Remmele(Komm.): Diese Regierung ist nur die Vorstufe für die saschiitische Diktatur Hugenberg-Hitler, sie hat die Massen des werktätigen Volkes bis aufs Blut ausgepreßt, um auf der anderen Seite mit großen Subventionen jene Unternehmungen und Kon- zerne, deren Direktoren Riesengehälter beziehen, vor der selbst- verschuldeten Pleite zu bewahren.— Vor fast leeren Bänken be- schuldigt der Redner die Sozialdemokratie, eine Schutztruppe des Kapitalismus zu sein. Einen sozialdemokratischen Zwischenruf be- antwortet er mit„Grünschnabel" und erhält dafür einen Ordnüngs- ruf. Die Kommunisten, so sagt Remmele, werden sich aus die Not- Verordnungsdiktatur der neuen Regierung einzustellen wissen. Stellt man uns außerhalb des Gesetzes, so pfeifen wir auf das Gesetz. Trotz aller Verbote werden wir die Sieger von morgen sein. Reminele behauptet Reichswehr und Schupo würden mit der KPD. zusammen Revolution machen! Abg. Dr. Oberfohren(Dnat.): Wir sind in den Reichstag zurück- gekehrt, nicht um ein Palaver, sondern um Abrechnung zu halten. Dr. Dingeldcy hat in seiner jüngsten Rede zwar Ansätze zur besseren Einsicht gezeigt, aber seine Kritik an unserem Auszug aus dem Parlament beweist doch, daß er noch sehr wenig Kontakt mit der wirklichen Bewußtseinsverfassung der deutschen Bevölkerung hat. Was die bürgerliche Witte uns in der Sitzung vor unserem Auszug angetan hat(die Reform der Geschästsorduuug), dos werden wir hundert- und tausendfältig wieder vergelten. (Beifall rechts.) Die deutsche Krise ist verschuldet von dem jetzigen Softem. Dr. Brünina hat den. Kamps um die Seele des deutschen Volkes vollstckndllstckerloren.' Auf der grandioses Heerschau in Harz- bürg hat sich gezeigt, daß Millionen in Deutschland bereit sind, für «ine Idee und ihre Führer ihr Leben zu lassen.(Zustimmung Hugenbergs.) In aller Ehrfurcht sagen wir, daß wir mit dem Empfang der französischen Minister durch den Reichspräsidenten nicht einverstanden find. Seit li� Iahren gefährdet die Regierung durch die vielen Notverordnungen den Namen und das historische Ansehen des Reichspräsidenten. Mit Pserdehandelmechoden hat die Reichs- Pressestelle die Unterredung des Reichskanzlers mit mir so dargestellt, diese Unterredung hätte gezeigt, daß wir zur verantwortlichen Mitarbeit in der Regierung bereit seien. Tatsächlich hat Dr. Brüning mir nur seine neuen Äteucrpläne vorgetragen, mich aber nicht gefragt, ob wir in die Regierung eintreten wollen. Wir hätten uns dazu bereit erklärt unter der Bedingung, daß die Reichspolilik sich klar gegen die Sozialdemokratie richtet. Mit dieser Fälschung wollte man den Reichspräsidenten täuschen. Der Sozialdemokrat Dr. Hilserding ist vor den Finanzgewaltigen auf den Knien seines Herzens herumgcrutscht(mitleidige Heiterkeit), um kurzfristige Anleihen zu bekommen. Als Hugenberg die Folgen dieses Systems voraussagte, hat man nicht auf ihn gehört und ihm fälschlich vorgeworfen, daß er die Inflation wolle, während er tat- sächlich gesagt hat, wir wollen weder Inflation noch Deflation. Die Steuerpolitik der Regierung greift in geradezu verbrecherischer Weise die Substanz an. Die Arbeitslosigkeit kann sich nicht vermindern, solange wir eine Zwangsbewirtsäiostung der Arbeit durch das Schlichtungswesen. die Schiedssprüche und die Unabdingbarkeit der Tarifverträge haben. (Hört, hört! links.) Auch der Pariser„Temps" hat die deutsche Wirtschaftskrise auf die wahnsinnige sozialistische Steuerpolitik zurückgeführt. Die Entscheidung über dos Kabinett Brüning hängt nicht ab von den 6 Stimmen im Reichstag, sondern die Entscheidung fällt, wenn die Wirtschast nicht mehr der Regierung die Mittel zur Fortführung der öffentlichen Aufgaben liefer» kann. Dr. Schacht wird von der Linken verfolgt, weil er einen zielbewußt nationalen Standpunkt einnimmt und die Mißwirtschast der sozialistisch regierten Gemeinden bekämpft hat. Die Verteidigung Schachts läßt der Redner in den Worten gipfeln, es sei infam zu behaupten, daß Schacht einen Anlauf zur Herbeiführung der Inflation gemacht habe. Zum Schluß sagt Oberfohren, die Zeiten parlamentarischer Klopf- fechtereien seien vorbei. Die Entscheidungsfrage sei nationalistisch oder bolschewistisch.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Zoos(Z.): In Harzburg ist der Gedanke der Volksgemeinschaft sofort dadurch gesprengt worden, daß man ollen politisch andersdenkenden Volksgenossen die nationale Ge- sinnung abgesprochen hat. Dr. Brüning hat bei den inter- nationalen Verhandlungen mit beispielloser Aktivität gearbeitet, aber die Rechte ist ihm in den Rücken gefallen. Mit Haßreden ist dem deutschen Volk nicht zu helfen. Die„nationale Opposition" hat nicht ein einziges Mittel zur Behebung der Arbeitslosigkeit angeben können. Herrn Dr. Dingeldey scheint man in der Bauhütte des Drittey Reiches eine so subalterne Rolle zuzumuten, wie sie einem Nachfolger Stresemanns nicht angemessen ist.(Sehr gut!) Harzburg liegt an dem Flüßchen Radau, das ist symbolisch.(Sehr gut!) wir haben die harzbnrger Tagung nicht als drohendes Gespenst belrachlet, auch nicht als Brockengespenst, sondern eher als Brockensammlung. lGroße Heiterkeit.) Inflation ist die letzte Rettung leichtfertiger Schuldner. Die Harzer Roller, die dort munter ihr Liebchen pfiffen, sind schon in der Mauser.(Heiterkeit.) Das Plakat „Brüning reaiert, Hitler marschiert!" stimmt schon: bei Hitler sitzt es in den Beinen, bei Brüning im Krpf.(Sehr gut!) Das Manifest von Harzburg macht Zwar eine Anleihe bei der Präambel der Weimarer Verfassung, aber es geht um die Wahrheit herum. Es müßte lauten: „Die nationale Front, einig in ihren Phrasen, uneins in ihrem Wollen und in ihre» Parteigruppen, von dem willen beseelt, Unordnung und Umsturz zu fördern, und unfähig, aus den Trümmern ein neues Deulschland auszubauen, fügt den alten Deklamationen keine neue hinzu, sondern begnügt sich damit, sie zu wiederholen." (Große Heiterkeit und Beifall im Zentrum.) Abg. Baltrusch(Volksnat.): Deutsch und christlich sein heißt, ohne jeden Herrenstandpunkt die Mitmenschen als Brüder anzusehen. Damit hallen die Haßgesänge Oberfohrens nichts gemein. Der Staat muß feine Bürger schützen und die Unruhestifter viel energischer zurückweisen als bisher. Es muß ein Ende damit gc- macht werden, daß bewaffnete Zivilisten herumlaufen und anderen nach dem Leben trachten. Die Weltkrise ist eine Folge des Krieges, der mit Goldentziehung, hohen Zinssägen usw. fortgesetzt wird. Da einzugreifen, das wäre eine Hauptaufgabe des Völker- b u n d e s. Größtes Augenmerk ist der Landsiedlung zuzuwenden. Unbegreiflicherweise hat Preußen die Mittel für Landarbeitersiedlung abgedrosselt Reichsfinanzminister Dr. Dietrich. Das Kernproblem ist, den Arbeitslosen wieder Beschäsliyung zu verschaffen. Das wird aber jetzt nicht durch städtische Neubauten möglich sein, sondern es kommt darauf an, die Erwerbslosen aus dem Lande anzusiedeln. Herr Obersohren wirst uns vor, daß unsere Vorausberechnung des Stsuerauskommens nicht eingetroffen ist, aber im vergangenen Frühjahr konnte noch kein Mensch die Entwicklung in ihrem ganzen Umfang voraussehen. Die Einkommensteucr hat eine volle Milliarde weniger gebracht. Ebenso unberechtigt ist der Angnif wegen der Anleihepolitik, denn die setzt übernommene Slnleüioermächtigung stammt noch aus der Zest, In der die Regierung unter deillschnationaler Führung stand.(Hört, hört! links und in der Mille.) Ganz unwahre Angaben über die Höhe der deutschen Schulden sind von der Rechten gmacht worden, die sehr schädigend für Deutschland wirken. Die Regierung hat der Telegraphemjnion nicht die Verbreillrng der Schacht-Rede im vollen Wortlaut verboten. ,4 Millionen Mark, so dos; das tatsächliche Aufkommen gcgeiiwärtig nur öS Proz. dieser ministeriellen vorschälznng ergibt. Daß angesichts dieser Ent- Wicklung und der starken Zunahme der Wohlfahrts- erwerbslos enzisfcrn viel durchgreifendere finanzielle Hilss- maßnahmen des Reiches erforderlich sind, als diese Nowerordnung sie bringt, ist offensichtlich. Die eigenen kommunalen S p a r m a ß- nahmen, die auf allen Gebieten gemeindlicher Arbeit durchgeführt worden sind und unter dem Druck der kosscnlage die Grenze des Erträglichen in vielen Fällen schon überschritten haben, können— dos wird endlich von allen verantwortlichen Stellen anerkannt— den Ausgleich nicht bringen. Sie könne» dieses besonders nicht in Berlin, das mit einer Zahl von 175 527 Wohlfahrtserwcrbslosen am 31. August, d. h. 49,93 pro Tausend der Bevölkerung, den preußischen Durchschnitt von 21,13 pro Tausend fast um das Doppelte überschreitet, dessen Progression der Wohlfahrtserwerbslosiakeit von 149197 am 31. März aus 183 493 am 39. September aber besonders erschreckend genannt werden muß. Wir haben alle.Kräfte der Stadtverwaltung darauf konzentriert, in den nächsten schweren Monaten die Zahlungsfähigkeit der Stadtkasfe aufrecht- zuerhalten und den Hundcrttaufenden Hilfsbedürftiger und städtischer Arbeitnehmer die ihnen zustehenden Unterstützungen und Bezüge zu sichern. Aber diese Aufgabe ist nur lösbar, wenn das Reich und Preußen rascher und wirksamer helfe» als bisher— in erster Linie durch die organisatorische und finanzielle Umgestaltung der Arbeitslosenhilfe. Lcuno.�cb. Autobus überschlägt sich. Der Zahrer und vier Lehrerinnen getötet. Freiburg(Schweiz), 14. Lktober. Znfolgc Platzens eines BorderrcifenS überschlug sich heute nachmittag bei Kiffers ein Verkehrsomnibus, mit dem Lehrerinnen ans der deutschen Schweiz einen AuSflug gemacht hatten. Ter Lmnibusführcr und vier Lehrerinnen büßten ihr Leben ein, die meisten Insassen wurden verletzt. Mehrere Verletzte mußten ins Kantonfpital Freiburg gebracht werden. Oachstuhlbrand in Moabit. Im Dachstuhl des ersten Ouergebäudes in der W a l d st r. 4 2 in Moabit brach in den gestrigen späten Nachmittagsstunde» aus unbekannter Ursache Feuer ans. Mehrere Löschzüge der Feuerwehr griffen mit fünf Schlauchleitungen in die Bekämpfung des Brandes ein. Starte Rauchentwicklung erschwerte die Löschaktion. Der Brand konnte in einstündiger Arbeit lokalisiert weroe». "Frau. fyebJ u E x mittiert! Arbeitslos gewordene Mieter laden ihren geringen Besitz auf einen Handwagen, um eine neue Bleibe zu suchen. IV o- h i n? Elend und Sorgen wollen kein Ende nehmen! WENN 56) SA „Ja____! Rauchen Sie erst mal'ne Zigarre an." James liebt die Bezeichitung Schwälbchen für King nicht. Trotzdem schiebt er liebenswürdig lächelnd die Kiste herüber.„Sparen Sie Ihre Streichhölzer, hiör ist ein Feuerzeug." Herr Ziege würde sich niemals erlauben, in Gegenwart des Chefs, selbst aus freundliche Einladung hin, die Zigarre anzuzünden. Eine Weile rauchen beide. James ist es peinlich, mit den Verhandlungen zu beginnen, und der andere wird nicht den Anfang machen. „Hören Sic, F�eii". durchbricht James das Schweigen. „Sie wissen, daß die Geschäfte schlecht gehen. Es ist so gut wie nichts zu tun." „Können wir eigentlich nicht finden, Herr Silvester." Frey erkennt sofort, aus welcher Richtung der Wind bläst. „Wir haben bis jetzt jeden Tag verladen. Gestern gingen die Waggons nach Reval ab und nachmittag erwarten wir den „Baltriger". Zu tun ist schon!" .Das hört bald auf. Ueberall stockt es", fällt Jaines schnell ein.„Und dann gehen die Preise täglich zurück. Von Verdienst kann überhaupt nicht mehr die Rede sein. Man setzt das Letzte zu." Wenn man fein letztes Hemd zusetzt, wäre es kluger, den Laden auszugeben. Diese Weisheit verschließt Frey aber in seinem Busen. Er nickt nur mit dem Kopf und dieses Ricken kann allerlei bedeuten. „Ich habe mich also entschlossen". James studiert mit Intensivem Interesse den Brand seiner Zigarre,„oder besser, ich habe mich unter dem Druck der Verhältnisse entschließen müssen, vom 1. Juni die Löhne und Gehälter herabzusetzen. Mein Büropersonal hat sich bereit erklärt, auf die neuen Be- Pingungen einzugehen." j„Um wieviel Prozent handelt es sich?" Frey bleibt ruhig und sachlich. Er muß hier einen Kamps führen, der jetzt in allen Betrieben geführt wird. James erwidert schnell, etwas zu schnell:„Um zehn Pro- zent." „Das geht nicht." Frey lehnt sich in den Stuhl zurück und macht ein abweisendes Gesicht. Die Ruhe reizt James. Die Arbeiter sind noch immer anmaßend. Sie haben keine Einsicht in die wirtschaftlichen Notwendigkeiten eines Betriebes, sie denken nur an sich. „Warum soll es nicht gehen?" James klopft mit dem rechten Zeigefinger auf den Tisch.„Ich sage Ihnen, es wird gehen!" Er ist der Chef, in dessen Hand alle Fäden zusammenlaufen, er ist das Hirn des Betriebes. Wer könnte klarer als er die Lage durchschauen!„Allerdings gibt es noch einen anderen Weg." James verläßt den sicheren Hafen hinter dem Schreib- tisch und baut sich dicht vor Frey auf, der ebenfalls auf- gestanden ist.„Ich werde von der Belegschaft vier Leute Ende des Monats entlassen." „Auch hierin muß ich Ihnen widersprechen. Alle Leute sind voll beschäftigt." Frey fährt sich zweimal schnell durch sein dichtes, blondes Haar. Er beginnt erregt zu werden. Dieser Getreidcsritzc spielt�die übliche Komödie, die jeder durchschaut.„Ich möchte Sie daraus aufmerksam machen, daß der Tarifvertrag bis Ende August läuft und vor diesem Tennin keine Lohnsenkung ohne Zustimmung der Belegschaft erfolgen kann." „Das werden wir sehen!" braust James auf. „Das werden Sie auch sehen, Herr Silvester. Nachher können wir vor dem Schlichter neue Verhandlungen führen. Ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag. Verkürzen Sic die Arbeitszeit in der Woche um vier Stunden!" Vilma ist mit Briefen zur Unterschrift eingetreten. „Ihr Vorschlag ist nicht akzeptabel. Ob die Motorc an den Elevatoren sieben oder acht Stunden laufen, fällt nicht ins Gewicht. Passen Sie auf, mein lieber Frey, ich setze durch, was ich will. Wenn Sie nicht auf meine Bedingungen ein- gehene, entlasse ich euch alle und stelle andere Arbeiter zu neuen Tarifen ein." James schlägt mit der flachen Lzand aus die Schreibtischplatte. „Damit werden Sie kein Glück haben. Niemand tritt unter diesen Umständen bei Ihnen ein! Denn wir sind alle organisiert!" Frey hat die Stimme erhoben und schleudert den Stuhl zurück. „King----!" Vilmas Schrei, in höchster Angst hervor- gestoßen, durchtönt das Zimmer. Frey fährt blitzschnell herum und sieht, wie die Dogge mit gebleckten Zähnen gegen ihn anspringt. Er reckt sich empor und schmettert von oben herab die Faust aus Kings Nase. Der Rachen schnappt in die Luft. Dann kracht der schwere Hundekörper auf den Fußboden. „Sind Sie verletzt...?" Aus Vilmas Gesicht ist jeder Blutstropfen gewichen. Sie betastet Freys Hände. „Mir ist nichts passiert." Frey sieht sich befangen im Zimmer um.„Es tut mir leid, Herr Silvester, Schwälbchen mar ein schöner Hund." „Gehen Sie jetzt!" Vilma drängt ihn zur Tür und be- gleitet ihn hinaus. James steht regungslos da., Als Vilma zurückkommt, kniet er vor King. Eine traft- lose Leere ist in ihm.„Tot", murmelt er und kann nichts anderes denken. Die Finger krallen sich um den Hals des erschlagenen Hundes. „Nun, James, tot ist tot! Da kann kein Mensch etwas ändeni. Es tut mir auch um den Hund leid, aber trotzdem müssen wir veranlassen, daß er hier herausgeschafft wird. Der Anblick ist nicht erbaulich." „Du willst ihn mir nehmen—?" fährt James auf. „Er kann ja schließlich nicht in diesem Zimmer verfaulen." Vilma versucht James wegzuziehen. „Ich gebe ihn nicht her!" „Auch nicht für einen Wald voll Affen?" Vilma lacht. „den würde allerdings niemand dafür tauschen wollen," „Vilma! Du kannst so reden? Du kannst scherzen? Weißt du denn nicht, wie es mir ums Herz ist?" Vilma runzelt die Stirn.„Ja, ja", sagt sie ungeduldig, „aber es ist dock) nur ein Hund!" „Nur ein Hund...?" James stöhnt auf.„Begreifst du denn nicht, was mir dieser Hund bedeutete? Er war das Symbol meines Glücks. Ohne ihn ist alles aus." JBilma wird nervös. Sie trommelt mit den Fingern auf die Tischplatte. Dummes Gehabe, denkt sie. Am liebsten würde ich mit ihm gestorben sein." (Fortsetzung folgt.) Dr. Altstaedt muß zugeben... Fortsehung der Vernehmung im Calmette-Prozeß. Lübeck. 1«. Oktober. Nack) der Mittagspause wurde der Angeklagte Dr. Altstaedt unter einem Kreuzfeuer von Fragen der Sachverständigen vernommen. Interessant waren dabei die Ausführungen des Dr. U h l e n h u t h- Freiburg, eines Gegners des Calmette-Verfahrens, der auf Grund zahlreicher Versuche und Arbeiten das BCG. für ein minder- wertiges Mittel hält. Ihm sei der Nachweis geglückt, dah nach der BCG.-Jmpsung«ine Schädigung eintrete. Dr. Altstaedt muh dann weiter zugeben, dajz es keinen deutschen wissenschastler in der deutscheu Literatur gebe, der rückhaltlos von der Wirkung des BCG. überzeugt sei. Eine erregte Aussprache rief ein Antrag des Rechtsanwalts Dt. Frey hervor, in den, dieser die Frage stellt. ob ein Verwaltungsmediziner in einem Falle wie dem vorliegen- den, sich nicht erst an ein Institut für experimentelle Therapie wenden müsse, um sich über die Leistung eines Mittels vor An- wendung zu vergewissern. Dr. Altstaedt lehnt die Beantwortung dieser Frage auf Aufforderung seines Verteidigers mit der Be- gründung ab, dast diese Frage schon häufig genug erwähnt worden sei. Zum Schlug der Sitzung genehmigt das Gericht eine Reihe von Veweisanträgen, nach denen der frühere Direktor der Landes- Versicherungsanstalt der 5)ansestädte, Dr. Bielefeldt, zu laden ist, um über die Kaffeetafel in Paris und über die angebliche Aeußcrung des Präsidenten des Reichsgesundheitsamtes, Dr. ch a» mel, der Weg für die Einführung des Calmette-Verfahrens in Deutschland sei jetzt frei, auszusagen. Ferner gab.das Gericht dein Antrag der Sowjetregierung. «inen Beobachter zuzulassen, statt. Die Verhandlung wurde dann auf Donnerstag verlagt. Frauenmord? In der Wohnung mit verbundenen Augen tot aufgefunden. Die Mordkommission wurde gestern abend nach dem Lands- bcrger Plal; alarmiert, wo die k-ljährige Frau Wilhelmine D o I g l in ihrer Wohnung unter verdächtigen Umständen tot aufgefunden wurde. Als der Sohn gegen 20 Uhr heimkehrte, sah er seine Mutter mit verbundenen Augen regungslos auf einem Stuhl zusammengesunken dasitzen. Die Unordnung in der Wohnung lieh den verdacht aufkommen, dah an Frau v. ein Verbrechen verübt worden ist. Kriminalkommissar D r ä g e r erschien alsbald in der Wohnung und nahm den Befund auf. Maiuschka alleiniger Täter. Die Ansicht der Berliner Kriminalbeamten. Wien, 14. Oktober.(Eigenbericht.) Die im Zusammenhang mit der Verhaftung des Ungarn M a t u s ch k a in Wien eingetrofsenen Berliner Kriminal- b e a m t e n erklärten am Mittwoch in llebereinstimmung mit den in Wien weilenden ungarischen Kriminalbeamten gegenüber Jour- naliften, es sei kein Zweifel, dah Matuschka die Attentat« ollein begangen habe und der angebliche Austraggeber Bergmann oder der unbekannte Täter nicht existierten. All« Nach- forschungen nach dem angeblichen Bergmann seien erfolglos ge- wefen. Uebrigens feien auch die Schriftproben der an beiden Orten gefundenen Zettel mit der Schrift Matufchkas identisch. Lebensmittelgeschäste überfallen. Fünf Täter festgenommen. Trotz der verstärkten polizeilichen Streifen In allen Stadtteilen wurden im Laufe des gestrigen Nachmittags wieder mehrere Lebens- mittclgefchäfte überfallen. In das Buttergefchäft von Holz in der Bellermannstraße 82 drangen mehrere Burschen ein und entwendeten Wurstwaren. Der gleiche Vorfall spielte sich in der Eisenbahn-, Oderbruch- und in der Turmstrahe ab. Größere Trupps drangen in die Geschäfte ein und stahlen unter Drohungen größere Mengen Lebensmittel. Insgesamt wurden fünf Täter festgenommen und der Politischen Polizei übergeben.— Vor dem Arbeitsamt in der Pankstraße bildete sich ein größerer kommunistischer Demonstrotionszug. Polizeibeamte, die den Zug auflösen wollten, gaben in der Bedrängnis einige Schreck- schüffe ab. Vier Demonstranten wurden festgenommen. Lugend zeigt ihre Arbeit. Der Ortsausschuß für Jugendpflege und Leibesübungen im Be- zirt Mitte veranstaltet auch in diesem Jahre, und zwar in der Woche vom 11. bis 18. Oktober, eine Ausstellung. Während der Ausstellung finden abends Borführungen und Vorträge der einzelnen Gruppen statt. Die Wärmehalle in der Ackerstraßc 3, ein ehemaliger Bahnhof der Pferdebahn, zeigt ein buntes Bild. Jede Jugendorganisation hat einen eigenen Stand, wo durch Plakate, Photographien, durch aus- gelegte Lücher, Schriftsätze usw. die Arbeit der Gruppe und ihre Ziele dem Beschauer dargelegt werden. Hervorheben mächten wir besonders den Stand der K I n d e r f r e u n de. Schöne Photos aus dem Zeltlager 1930 in der Schweiz, Arbeiten der Jüngsten, die einen Kinderumzug plastisch gestaltet haben, Plakate gegen das Soldaten- spiel, gegen den Alkohol werben für die Kinderfreunde. Das Jung- b a n n e r des Bezirks Mitte hat feinen Stand in den Dienst der Antikricgspropaganda gestellt. Der Arbeiter-Samariter- band zeigt Bilder von seiner Arbelt. Ein besonderer Raum ist den Arbeiten gewidmet, die von jugendlichen Erwerbslosen In den Kursen des Heimes entstanden sind. Eine Statistik des B e z i r k s j u g e n d- a m t e s weist Zahlen über den Besuch des Heims auf: Von seiner Gründung 1926 bis jetzt ist immer zum Winter ein Ansteigen des Besuches zu verzeichnen, der In diesem Winter den bisherigen Höhe- punkt überschreiten dürfte. Die einzelnen Kurse zeigen in der Aus- stellung den Erfolg ihrer Arbeit. Der Ttschlerkurfus hat besonders erstaunliche Leistungen aufzuweisen. Bon den Ausstellern sollen noch genannt worden: die Arbeiterschützen, die Freie Turnerschaft, die Sportadteilung des Zcntrolverbanües der Angestellten, der Sozia- listische Esperantobund und die Naturfreund«. 27 Gruppen haben im ganzen ausgestellt. Iugendgruppen, die den verschiedensten wellanschaulichen Lagern angehören. Di» jährlich« Auestellung«int sie alle in gemeinsamer Arbeit und erzieht zur Achtung und An- «rkcnnung für die Arbeit des Andersgesinnten. Schwerer Junge erlaßt Hallbefehl Ein redseliger eelangener.- Er setzt alles in Bewegung. Die Ticrkinderschau des Zoologischen Gariens. die bis zuletzt unverminderten Bei, all bei jung und alt findet, ist noch um eine Woche, und zwar bis einschließlich Mittwoch, 21. d.M.. verlängert worden. Der Eintrittspreis betrögt sowohl von der Straße wie com Zoo her für Erwachsene 30 Pf, für Kinder 20 Pf. Der 36jährige Kaufmann Gustav Leoi ist in Moabit ein alter Bekannter: aber nicht nur in Moabit, auch in Hamburg, Stettin, in Frankfurt a. M, in Landsbcrg a. d. W. und wer weiß noch wo. Neulich stand er wieder mal zur Abwechslung vor dem Schössen- gericht Charlottenburg. Er soll aus dem Gefängnis gegen seinen Vetter einen H a f t b e s e h l erlassen haben. Die An- klage lautete demgemäß aus schwere Urkundenfälschung. Levis Strafregister weist 22 Vorstrafen auf. Seine Krimi- nalität begann nach dem Kriege: er hatte seinen Arm verloren und war M o r p h i n i st geworden. Er beging Diebstähle und Be- trügereien en gros. Im Gefängnis entwickelte er eine unglaubliche Betriebsamkeit. Er gab sich mit den Urteilen nicht zufrieden, schrieb immerfort Briefe an die höchsten Justizbeamten, strengte Wiederaufnahmeverfahren an, drang mehr als einmal damit durch »nö berief sich in der Regel auf seinen Morphinismus: er sei im Augenblick der Tat unzurechnungssähig, weil er unter dem Zwang stehe, sich Morphium zu beschaffen. Levi hatte sich allmählich zum typischen Querulanten entwickelt. In seiner Zelle befinden sich vier Zentner Akten, auch eine Schreibmaschine steht ihm zur Verfügung, und diese war es auch, die ihm zu seinem Schildbürger- streich verholfen haben soll. Im Juni 1930 traf beim Amtsvorsteher in Zeppot ein Haft- befehl gegen den Getreidehändler L o e w i ein. Der Briefumschlag trug die übliche Dienstmarke, auch der Stempel war vorhanden, ini ersten Augenblick erregte er keinen Zweifel. Herr Loewi befand sich gerade auf Reisen: als er am nächsten Tage zurückkehrte, auf die Wache gebracht wurde und hier vom Haftbefehl erfuhr, konnte er es nicht begreifen, daß gegrn ihn zur Erzwingung eines Offen- barungseides wegen 04 900 Mark ein Haftbefehl erlassen sein sollte. Man sah sich das dienstliche Papier näher an und stellte verschiedene Eigentümlichkeiten fest: während das Formular vom Amtsgericht Charlotten bürg stammte, trug es den Siegel des Amtsgerichts Berlin-Mitte: der Ossenbaningseid war aus einen Sonn- tag festgesetzt worden. Man telegraphierte nach Berlin und erhielt den Bescheid, daß im Amtsgericht Charlottenburg weder Akten über den Getreidehändler vorhanden, noch ein Haftbefehl gegen ihn er- lassen sei. Die Anklage behauptete nun, daß Levi am 12. Juni, als er zu einem Termin in einem Zivilprozeß transportiert wurde, den Haft- befehl aus dem Gefängnis hinausgeschmuggelt habe. Levi dagegen bestritt, der Urheber dieses Schildbürgerstreiches zu sein. Daß die Maschinenschrift auf dem Haftbefehl mit derjenigen seiner Schreibmaschine übereinstimme, sei ohne Bedeutung, erklärte er. Er besitze im Gefängnis unendlich viel Feinde, man habe, um ihm einen Streich zu spielen, seine Maschine benutzt und die Hastbefehl- angelegenheit mit seinem Vetter in Szene gesetzt. Zum Beweise dafür, daß er wirklich im Gefängnis unbeliebt sei, wurde ein« große Zahl Entlastungszeugen gehört. Die Verhandlung eröffnete Levi mit einem Ablehnungsantrag wegen Befangenheit gegen Dr. Groß. Dem Antrag« wurde nicht stattgegeben. Obgleich auf einer Krankenbahre in dm Ge- richtssaal gebracht, war er, wie immer, äußerst redselig und kämpfte um seine„Unschuld" wie ein Löwe. Wenn es ihm auch nicht gerade gelang, diese zu bemeisen, so erzwang er doch trotz schwerer Verdachtsmomente einen F r e i s p r u ch„mangels Beweises". Dies- mal hat er also keinen Gnind, seinen quenilantischen Trieb zu be- tätigen. Das Geheimnis des„Hastbefehls" bleibt ungelöst. Betrug an den Armen. Scharfe Zuchthausstrafe für einen Rechtskonfulenten. Ein Arbeitsloser hatte einen Rechtsstreit. An wen soll er sich wenden? Soll er gleich zum Rechtsarawall gehen? Das könnt� zu teuer werden. Er lvendet sich also an einen Rechtskonsulenten. Vor allem weisen ihn ja auch die Inserate in den Zeitungen auf diesen Beistand hin. Es gibt unter den Rechtskonsulenten gewiß viele beschlagene und ehrenwerte Leute. Der Rechtskonsulent S o b o t t a, der sich vor dem Schöffengericht Neukölln verantworten mußte, gehört ohne Zweifel nicht zu diesen. Er betrog, wen immer er finden konnte, und er hatte keine Scheu, auch den Acrmsten ihre paar Pfennig« aus der Tasche zu ziehen. Hierin hat er schon große Erfahrungen hiMer sich. Das zeigt sein Strasregister, nach dem er schon öfter mit der Staatsonwaltz'chast Bekanntschast machte. In Neukölln unterhielt der Angeklagte eine recht gutgehende Praxis. Seine Mandanten bestanden vor allem aus armen Leuten, die ihn mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragten. Das Vcr- trauen aber wurde von diesem schlechten Rechtskonstüenten in schmäh- lichster Weise mißbraucht. Er legte gefäffchte öffentliche Urkunden vor, und dann sagte er:„Dafür ist zu bezahlen, denn dieses Geld nmß ich der Behörde abliefern." In Wirklichkeit steckte er das Gcid in die eigene Tasche. Einem polnischen Schnitter, der weder lesen noch schreiben konnte, gaunerte er 400 Mark ab. Einen Erwerbs- losen, der sich das nötige Geld erst zusammen leihen mußte, schädigte er um 1300 Mark. Endlich wandte sich ein Mandant an die Behörde selbst, und nun gelang es, dos Treiben dieses Schöd- lings aufzudecken. Mit Rücksicht auf die Gemeingesährlichkcit und die Vorstrafen des 2lngeklagten, den der Staatsanwalt als einen S ch m e r v e r- b rech er bezeichnete, erkannte das Gericht auf eine Gesamtstrafe von zwei Iahren Zuchthaus. Die Strafe ist hart, aber gerecht. Vellen«. krsueniumdgehunS am Dienstag, dem 20. Oktober. 20 Uhr(Saalöttnung um 10 Uhr) in der„Neuen.Welt", Haeenhetde Es sprechen zu dem Thema; „Frauen im Kampf gegen die Not1' Franc Künstler, M.d.R. Toni Pfülf, M.d.R. Tont Sender, M.d.R. Mathilde Wurm, M.dJU Rezitationen; Martha John, Friedet Hall.— Musik; Freie Mosllt. VereiBidane des Arbeiter-Tarn- und Sportbnndcs. Fabaeneinmarsdi der ArbeiienportleriDnen. Genossinnen! Sorgt für Massenbesuch. Oer Herzschuß. Oer Ueberfall auf den Schupohauptwachtmeister Fiebig. Der Polizeihauptwachtmeister Fiebig wurde am 1. August d.I. bei einem kommunistischen Feuerüberfall durch einen Schuß in die Herzgegend lebensgefährlich verletzt. Einer der Täter, der Arbeiter R ud a ch o w s t i, konnte bereits kürze Zeit nach dem hinterhältigen Ueberfall festgenommen werden. Gegen ihn ist jetzt die Vorunter- jachung erSfjnet worden. Außer Rudachowski waren an der Tat ein Willi Bunte und ein Erich Rogge beteiligt. Die polizeilich« Suche nach diesen beiden, die ebenso wie Rudachowski tommu- n i st i s ch eingestellt sind, ist bisher erfolglos geblieben. Es wird vermutet, daß sich die Gesuchten nach R u h l a n d begeben haben. Andererseits kann es auch sein, daß sie sich in Berlin oder in der Provinz bei Gesinnungsgenossen verborgen halten. Gegen Rogge und Bunte besteht Haftbefehl. Unter Hin- weis auf die bereits vor vielen Wochen ausgesetzte Belohnung von 1000 Mark werden nochmals alle Personen, die zur Verhaftung der Flüchtigen durch irgendwelche Angaben beitragen können, gebeten, ihre Wahrnehmungen dem Polizeipräsidium(Berblina 0023), Zimmer 293. zu machen. Alle Mitteilungen werden selbstoerständ- lich streng oertraulich behandelt. Feue Mchier für Gras Helldorf. Verhandlung auf den 22. Oktober festgesehi. Wie die I u st i z p r e s s e st e l l e mitteilt, sind in der Straf- fache gegen Brandt, Graf H e l l d o r f und Genossen aus Grund des§ 61 des Gevichtsoerfasfungsgesctzes jetzt für die Weiterdehand- lung der Angelegenheit in erster Instanz nach Ausscheiden der beiden Richter infolge der Ablehnung als Vertreter des Vorsitzenden Land- gerichtsdirektor Brennhnuscn und als Vertreter des zweiten Richters Landgerichtsrot Dr. E I ch h o r n bestellt worden. Der das letztemol an Gerichtsstclle anwesende Landgerichtsdirektor Dr. B u rc z e k und der Gerichtsassessor B o s ch a n waren nur für die Verhandlung vom 12. Oktober, in der der Adlehnungsbeschluh verkündet wurde, als einstweilige Vertreter bestellt worden. Die Verhandlung findet, wie bereits angekündigt wurde, am 22. Oktober, um 9 Uhr, im Schwurgerichtssaal des Landgerichts III statt.___ Urfeil im Düsseldorfer Sachlieferungsprozeß. Düsseldorf, 14. Oktober. Das erweiterte Schöffengericht fällte heute das Urteil im Lach- lieferungsprozeh gegen Kommerzienrat Falk. Kominerzienrat Falk wurde wegen Betruges und Abgabe einer falschen eides- stattlichen Versicherung zu. einem Jahr zehn Monate Gefäng- n i e, der Angeklagte N o b l o t wegen schwerer Urkundenfälschung. Betrug«« und Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen die Spalier! In einer Kreisdelegierten-Versammlung der Wilmersdorfer Sozialdemokraten im Viktoria-Garten sprach Gekiosse Karl Litte über die verderblichen Bestrebungen der Parteispatter. die nur zu einer Schwächung der Kampskraft der Arbeiterklasse führen können. Lttke stützte sich auf seinen Mahnruf, den er im Juli im Mit- teilungsblatt der Berliner Funktionäre unter der Parole erhob: Energischste Abwehr jeder politischen und organisatorischen Zer- setzungsarbeit! Seine Ausführungen bewiesen, daß die Spalter seit Jahresfrist emsig am Werke waren, um ihr Ziel zu erreichen. Die Mittel, derer sie sich bedienten, wie Abschreiben von Mitgliederlisten, mußten zwangsläufig zum Ausschluß führen. Kläglich ist es, wenn sich die Spalter jetzt als Märtyrer hinstellen. Die Spaltung bedeutet eine beklagenswerte Schwächung der Kaufkraft des Proleta- riats. Gerade deshalb aber gilt es für uns, immer neue Kampier für den Sozialismus zu gewinnen und mit verdoppelter Krait unsere Schuldigkeit für die Sozialdemokratische Partei zu tun.(Stürmische Zustimmung.) Bei Beginn der Bersammlung hatte der Krcielcitcr bekannt- gegeben, daß sich die Mitglieder, die auch nach den Beschlüssen des Partetausschusses und des Partcivorstandcs im Dienst„der Marxist!- scheu Büchergemeinde" tätig waren, außerhalb der Partei gestellt haben. Der Ausschluß von fünf Mitgliedern einer Abteilung, die an einer Gründungsversammlung der Spaltcrpartei teilgenommen haben, wurde von den Mitgliedern gebilligt. Eine E n t- schließuug forderte die Mitglieder des 9. Kreises dringend auf, der drohenden Gefahr einer weiteren Zersplitterung mit aller Krait entgegenzuwirken. Der Kreis steht zu den Beschlüssen der maß- gebenden Parteiinstanzen. * In einer überfüllten Mitgliederversammlung der 32. Abteilung ini Kreise Friedrichshain wurde nach einem mit Begeisterung aufgenommenen Referat des Genossen Robert Breuer mit Ein- mütigteit eine Entschließung angenommen, die verlangt, daß mit allen Mitteln gegen die Spaller vorgegangen wird. Bei aller An- erkennung der Notwendigkeit freiester Diskussion innerhalb der Partei müssen Methoden, durch die die Einheit gefährdet werden, unbedingt abgelehnt werden. Die Versammlung, die mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß, war ein starker Beweis, daß die Parteigenossen aus dem proletarischen Osten geschlossen zur Sozialdemokratie stehen und es weit von sich weisen, als Zersetz« und Spalter die Geschäfte der Harzburger Reaktion zu besorgen. Mörder Fahrdamm. In der Triftstraße auf dem Wedding ereignete sich gestern ein schwerer Aerkchrsiinkall. Der ISjährige Schüler Hans Dubiella aus der Sparrstr. 22 geriet dort mit seinem Fahrrad unter ein Lastauto und wurde schwer verletzt. Das verunglückte Kind fand im Birchow-Krankcnhaus Aufnahme, wo es bald nach seiner Etnlieferung st a r b.— Beim Ueberschreiten de- Fahrdommes in der Tiergarten st rahe wurde der S Jahre aüc Gcihard Stein aus der Bendlerstr. 41 von einem Motor- radiahrer ersaht und überfahren. Mit schweren Verlegungen wurde der Jung« in die Klinik nach der Dersflingersttaße gebracht._ � ,.Zm Westen nicht, Neues" für Bußtag. Der Universal-Frlm „5m Westen nicht« Neues", der augenblicklich wieder mit großem Erfolg im Marmorhaus läuft, wurde von der zuständlaen Be- Hörde zur Vorführung für Bußtag und Totensonntag zugelassen. Andersen Hexö spricht in Lichtenberg. Martin Andersen N e x ö spricht am Montag, dem 19. Oktober 1921, um 20 Uhr. in her'Städtischen Jugendbühnc, Holteistraße 7—9,„Aus eigenem Letten und eigenen Werken". Eintrittspreis 20 Pf. Ttr 453• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag 15 Oktobo- 1931 Reichsbank greift durch. Kreditsperre gegen Oevisensaboteure. Die Reichsbank Hai sich jehl entschlossen, gegen die Saboteure der Devisenablieferung schärfste Mahnohmen zu ergreisen. So ha! das Reichsbankdirektorium an die Danken und Girokunden ein Rundschreiben gerichtet, in dem nachdrücklich sestgestellt wird, dasz gewisse kreise der Wirtschaft es verstehen, der Reichsbank in gröhlem Ausmahe Devisen vorzuenthalten. Die Reichsbank sehe sich daher veranlaht. scharfe S r e d i t m a h- nahmen gegen solche Firmen, die die Devisenvorschriften mih- nchlen, zu ergreifen. Die Reichsbank behält sich vor, jeder Firma, die bej ihr Kredit in Anspruch nimmt, die Kredite rundweg zu verweigern, falls sich Herauestellen sollte, dah die betreffende Firma den Bestimmungen der Devisennolverordnung nicht nachkommt. Die Reichsbank denkt hierbei in erster Linie an die Mihachtung der Bestimmungen, welche die Ablieferung bzw. das Ange'ot von Exportdevisen an die Reichsbank innerhalb von drei Tagen vorsieh.'. Hiermit allein wird sich die Reichsbank aber nicht begnügen. Sie wird bei der Verweigerung direkten Diskont- und Lombardverkehrs nicht halt machen, sondern sogar den Ankauf von wechseln ablehnen, auf denen die Unterschrift einer solchen Firma vorkommt, die sich über die Devisenbestimmungen hioweggeseht hat. Mit der letzteren Mohnahme übt die Reichsbank einen uach- laltigcn Druck auf die Banken aus. der durchaus gerecht- fertigt ist. Die Drohung mit der Kreditdrosselung wird die Privat. danken endlich dazu zwingen, sich die Dcvisensorderungen ihrer Kundschaft etwas näher anzusehen und durch eine scharfe S i e b u n g der Deviscnansprüche die Politik der Rcichsbank zu unterstützen. wie wir hären, haben die Devisenabruse in der zweiten Oklober- woche weiterhin nachgelassen, doch ist trotz der ständig wachsenden 'Auefuhrüberschüsse die Devisenbilan; immer noch nicht aktiv. Aller- dings erwartet die Reichsbank von ihren verschärften Mahnohmen doch so nachhaltige Erfolge, dah sie die zweite Freigaberate für die ausländischen Morkguthaben. die heute mit lS Proz. fällig wird, in Devisen umwandeln und an das Ausland zahlen wird Rekord im Ausfuhrüberschuß. Die deutsche Handelsbilanz für September, die noch im Laufe des heukgen Tages verösfentlicht wird, weist einen lleberschuh der Aussuhr über die Einfuhr in höhe von 387 Millionen Mark aus. Dieser Ausfuhrüberschuh stellt seit dem Kriegsende einen bisher noch nicht erreichten Rekordstand dar. In den letzten drei Monaten. Zuli bis September, ergibt der Aussuhrüberschuh Deutschlands ins- gesamt 963 Millionen Mark. Der deutsche Auhenhandcl hat also ini letzten Vierteljahr fast eine Milliarde Mark reinen Devisenüberschnh eingebracht, und hätten die Exporteure und die Ausfuhrindustrien ihre Pflicht gegenüber dem Staate erfüllt, so gäbe es für die Reichsbant überhaupt keine D c v if e n fr i f e. Es ist daher sehr zu begrllhen. daß die Rcichsbank, wenn auch reichlich spät, sich zu Entschlüssen durchgerungen hat, die auch vor den schärfsten Zwangsmahnahmen nicht zurückschrecken. Harzburger am Metallmarki. Flucht der Großkäufer in die Sachwerte. In den letzten Tagen lagen an der Berliner Metall- b ö r s e die Kupjerpreise um l<1 Prozent über dem Stand der Londoner Preise. Das ist eine ungewöhnliche Erscheinung, die aber mit einer Belebung des ftupfermarktes nichts zu tun hat. Biel- mehr kann man annehmen, dah gewisse Kreise, die mit einer In- slation in Deutschland rechnen, die Flucht in die Sachwert« angetreten hoben. Kleine Leute werden das nicht sein. Es handelt sich natur- gemäß um jene Geister, die sich zur„nationalen Opposition" be- kennen und körperlich bzw. geistig am Sonntag bei der Demon- stration in Harzburg dabei waren. Bei der festen Zügeisiihrung der Rcichsbank werden sich diese Spekulanten aber schwer ins eigene Fleisch schneiden. Finanzpolitik derRüstnngsindustrie Die Hausbank von Schneider-Creufoi eingefroren. Mit ZZO Millionen Franken, d. h. etwa Kl> Millionen Mark, haben die übrigen Pariser Großbanken der Union P a r i s i e n n e aus ihren Zahlungsschwierigkeiten geholfen. Die Interessen dieser Bank sind in einem so starken Maße international, dah es sich ver- lohnt, den Vorgängen der letzten Tage besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Union Parisienne ist nicht eine Depositenbank wie die Banque Nationale de Credit, die, wie wir berichteten, cbensalls vor kurzem in Zahlungsschwierigkeiten stand. Sie ist vielmehr eine Geschäftsbank, d. h. ein Bankinstitut, das insbesondere mit großen Jndustriegesellschaften enge Beziehungen pflegt, das Aktien und langfristige Anleihen auflegt, sich ober mit der kleineren Kundschaft weniger besaht. Besonders eng sind die Beziehungen dieser Ge- scllschaft zu einer Reihe französischer Metall- und Montankonzerne. Der wichtigste unter ihnen ist der bekannte Rüstungs-, Bergbau- und Maschinenbaukonzern Schneider-Creusot. Soweit die Mittel dieses Konzerns zu der gewaltigen, über die Grenzen Frankreichs hinausreichenden Expansion nicht auslangten, hat die Union Parisienne die Transaktionen finanziert. Die Dachgesellschaft, in die der Schncider-Konzern seine außer- französischen Industrie- und Bankinteressen eingebrocht hat(Union Europccnnc), wird von Schneider und der Union Parisienne g e- m e i n> a m beherrscht. Es handelt sich hierbei in Luxemburg- Belgien um den A r b e d- K o n z e r n, der seinerseits in Deutsch- land Felten u. Guillcaume kontrollierte, in der Tschechoslowakei um den Rüstungskonzern Skoda und die Hütten- und Bcrgbaugescll- schajt in Brünn, ferner um weitere Industrie- und Bankbetcili- gungcn in Polen, Oesterreich und Ungarn. 3n Polen wurde vor kurzem die Französisch-Polnische Eisen- bahnyesellschast von der Schneider-Gruppe und von der Union Parisienne gegründel, jene Gesellschaft, die den wirtschaftlich und militärisch wichtigen Bahnbau von der Danziger Bucht (Gdingen) bis nach dem polnisch-oberschlefischen Industriegebiet beenden und später auch den Betrieb der Bahn übernehmen soll. Eine Milliarde Frankenanleihe«rhält der polnische Staat als Gegenleistung. Die letzten Transaktionen dieser französischen Gruppe betresfen einen Kredit in Lettland, der teils aus Bannittsln, teils aus Waren besteht und die Mitwirkung an der Schatzschein- anlcihe Ungarns. Dazu kanten in den letzten Wochen noch weitere, allerdings nicht bestätigte Meldungen über eine Jnteressenahmc des Schneider-Äonzerns an dem größten, auch militärisch wichtigen Konzern Rumäniens, dem Reschitza- Konzern und über eine Vergrößerung der Beteiligung an der Arbcd. Daß eine so rege Expansion, von der wir hier nur die allerwichtigsten Erscheinungen aufzählten, viel kostet und daß daher die Mittel der Bank stark an- gespannt sind, erklärt sich von selbst. Stärker als irgendeine französische Großbank hat sich die Union Parisienne mit Finanzierungsaufgaben dieser Art beschäftigt und dabei die Machtstellung Frankreichs in Mittel- und Osteuropa außer- ordentlich befestigt. Auch die groheu Staatsanleihen Frankreichs an die Tschechoslowakei und Jugoslawien waren in der Hauptsache das Werk der Union Parisienne. Zu der eingetretenen Verknappung der Mittel kamen nun in den letzten Wochen noch Schwierigkeiten französischer Industriegesell» schaften und Banken, mit denen die engsten Beziehungen unier» halten wurden. In der Börse von Paris und ebenso in Prag sprach man daher schon längere Zeit von Schwierigkeiten, in denen sich die- Union Parisienne und ebenso die Union Europeenne befinden sollten. Wenn sich jetzt die Bank gezwungen gesehen hat, sich zur Befriedigung der beunruhigten Geldeinlegcr bei anderen Banken die erforderlichen Mittel zu beschaffen, so handelt es sich dabei doch nicht etwa um eine überschuldete Gesellschaft. sondern um ein an sich sehr reiches und machtvolles Institut, das nur im Augenblick nicht in der Lage ist, einen Teil seines gewal- tigen Vermögens flüssig zu machen. Für das übrige Europa sind an sich Zahlungsschwierigkeiten der französischen Banken eine durch- aus unerfreuliche Erscheinung, denn je größer die Schwierigkeiten des französischen Finanzkapitals sind, um so geringer werden die 5)osfnungen der kapitalarm cn Länder, daß sickz Frankreich zu großzügigen Krcditopcrationen. bereit findet. Was jedoch speziell die Machtpolitik der Union Parisienne und der hinter ihr stehenden Großindustriellen betrifft, eine Machtpolitik, der es lediglich auf die Schaffung französischer Vasallen- st a a t c n ankommt, so kann man nur wünschen, daß die jetzt ein- getretenen Schwierigkeiten zu einer Einstellung der E x p a n- s i o n führen mögen, die ebensowenig im Interesse des europäi- schen Friedens liegt wie die bekannte Änlcihepolitik der französischen Finanz in den Vorkriegsjahren gegenüber dem zaristischen Ruhland. Die Senkung der Hauszinssteuer. Verordnete Drosselung des Baumarktes. Um zu ermessen, wie die hauszinssteuer in der neuen Not- Verordnung behandelt worden ist, geht man zweckinaßigerweise davon aus, wie sie nach den Wünschen der Hausbesitzer behandelt werden sollte. Man kommt dann zu dem Ergebnis, daß die Hausbesitzer nur einen sehr bescheidenen Erfolg erzielt haben. Diese an sich gewiß erfreuliche Tatsache wird jedoch-dadurch getrübt, daß das Reichskabinett durchaus bereit war, den Wünschen des Hausbesitzes weiter eiügegen zu kommen, hieran jedoch nur aus finanzpolitischen Rücksichten gehindert wurde. Di« Regierung hätte allerdings besser getan, auch das geringste Zugeständnis zu verweigern und frühere Zugeständnisse sogar nickgärgig zu machen. Wie kann sie auf eine zweistellige Millionenziffer verzichten, wenn sie durch den Finanzminister gleichzeitig erklären lassen muß, daß die Er- sparnisse des Schuldenseierjahres von den Steuerverlustcn nahezu aufgezehrt würden? Der Deutsche Städtctag hat vor wenigen Tagen fest- gestellt, die hauszinssteucr brauche um nicht mehr als 15 Proz. gesenkt zu werden, um dse in der Notverordnung vom 5. Juni d. I. ausgesprochene Erhöhung der Zinsverpflichtungen für die Auf- wertungshypotheken und das Geschenk der gleichgroßen Erhöhung einer Verzinsung des E i g e n k a p i t al s gewährleisten. Die Regierung hat es aber für gut befunden, für" diese Zwecke vom l. Quartal nächsten Jahres an auf 20 Proz. der Steuer zu verzichten. Noch schlimmer ober ist, daß diesem Verzicht nicht das Aufkommen, sondern die Veranlagung zugrunde gelegt wird. Der frühere Staatssekretär im Reichs- finanzministerium Popitz schätzt das veranlagungs-Soll der Hauszinssteucr auf zirka 2 Milliarden. Der hausbesitz erhält also 400 Millionen, und da davon nur etwa 250 Millionen zur Erhöhung der Verzinsung der Aufwertungs- Hypotheken benötigt werden, verbleibt ihm ein zusätzlicher Ueberschuß von 1 5 l) Millionen Mark. Die eigenartige Bestimmung, dah bei der Steuerermäßigung von der Veranlagung auszugehen ist, bringt es mit sich, daß nur ein Teil dieser Mehreinnahmen des Hausbesitzes als Minder� einnahmen in den Etats der Länder erscheinen werden. Rückgänge werden nur soweit in Erscheinung treten, als das Zlufkcmimen hinter der Beranlagung zurückbleibt, das heißt sie werden, da das Aufkommen dieses Jahres ziemlich allgemein auf etwa 1 3 50 Millionen Mark geschätzt wird und im nächsten Jahr bestimmt nicht kecker rm 50.000 IN BAR und 40.000 SACHPREISE �GRATIS! Holen Sie die Glückstüten bei Ihrem Kaufmann! PREISVERTEILUNG WEIHNÄCHTEN höher sein wird, auf etwa 270 Millionen zu veranschlagen sein. Den Rest von 130 Millionen Mark tragen Länder und Gemeinden in Gestalt von erhöhten Wohlfahrtslasten gemeinsam. Es fragt sich nun. wem die Kürzung der Hauszinssteuer zur Last fallen wird, dem Finanzanteil oder dem Wohnungs» b a u a n t e i l. Die Notverordnung sagt hierüder nichts P o s i- tives aus, läßt jedoch keinen Zweifel, daß die gesamte Senkung des Aufkommens und sogar noch mehr als diefe dem Wohnungs- b a u a n t e i l zur Last fallen wird. Es steht nämlich fest, daß die neue Zweckbestimmung der Hauszinssteuer die Abführung von je 12 Proz. des Aufkommens der lächsien vier Zahre an den kommunalen Umfchuldungs- fonds nur durchzuführen ist, wenn die Mittel nicht von den Gemeinden selbst ausgebracht werden sollen: jede andere Regelung wäre ja auch sinnlos. Bei der anderen neuen Zweckbestimmung, die das bekannte Arbeitslosensiedlungsprojekt betreffen, ist sogar ausdrücklich vermerkt worden, daß die Mittel dem Wohnungsbauanteil der Hauszins ft euer zu entnehmen find. Das wichtigste Anzeichen dafür, daß die neuen Zweckbestim- mungen auf Kosten des Wohnungsbauanteils durchgeführt werden, hat man jedoch darin zu erblicken, daß die reichsrechtlichen Be- stimmungen über die Verteilung der Hauszinssteuer zwischen Wohnungsbau und allgemeinen Finanzen schon für dos lausende Rechnungsjahr, und zwar rückwirkend von seinem Beginn an, außer Kraft gesetzt werden. Wenn der Finanz- minister glaubt, den Wohnungsbauanteil dem allgemeinen Finanz- bedarf schon in den Iahren vor Inkrafttreten bzw. Durchführung der neuen Zweckbestimmungen opfern zu müssen, kann man sich vorstellen, daß er seine Wiederherstellung für das kommende Jahr nicht in Aussicht genommen hat. Wenn die Regierung für das Hauszinssteueraufkommen neue Verwendungszwecke gefunden hat, hätte sie mit den Hauszins- steuergeschenken ähnlich verfahren sollen. Gibt es nämlich tatsächlich eine Krise im Hausbesitz, von der freilich nur die Inter- essenten etwas wissen wollen, so wäre es vernünftig gewesen, die ISO Millionen Mark, die der Hausbesih geschenkt bekommen hat. für eventuelle Slühungszwecke zurückzustellen und ein« Freigab« erst für«inen späteren Zeitpunkt ins Auge zu fassen. Es ist an der Zeit, die Regierung daran zu erinnern, daß sie noch vor einem Jahr über den Wohnungsbau ganz anders dachte. Im Juli vergangenen Jahres gab es ein zusätzliches Wohnungsbauprogramm, das mit der Notwendigkeit, das Wohnungselend weiter zu beheben und Arbeitsgelegenheit zu schaffen, begründet wurde. Wenig später wurde in der programma- tischen Erklärung vom August unter Punkt 2 versprochen,„ein mehrjähriges Programm für den Wohnungsbau und die ländliche Siedlung mit dem Ziel der beschleunigten Verminderung der Wohnungsnot..." durchzuführen, und im darauffolgenden Oktoberprogramm wurde sogar versprochen,„die Linie der Wohnungsbaupolitik, die im zusätzlichen Wohnungsbauprogramm des Jahres 1930 oorgezeichnet ist, grundsätzlich weiter zu ver- folgen". Selbst die für den Wohnungsbau so verhängnisvolle Not- Verordnung vom 1. Dezember wurde von: Kanzler vor dem Reichs- rat gerade mit der Notwendigkeit begründet,„den Wohnungsmarkt in den notwendigen Ausmaßen in Gang zu bringen". Und was ist heute daraus geworden? Glaubt die Regierung, über ihre damaligen Erklärungen jetzt einfach hinweggehen zu können? Noch vor wenigen Tagen hat der Arbeitsminister in einer Rede erklärt, an eine plötzliche Aufgabe der Bau- förderung sei nicht gedacht. Meint er erirsthast, diese Erklärung mit W letzten Notverordnung vereinbaren zu können? Aber die Abkehr der Regierung von der Baupolitik, die sie noch vor einem Jahr verfolgt hat, trifft nicht den Wohnungsbau allein. So findet sich in der Notoerordnung die Bestimmung, daß bis Ende 1934 keine öffentlichen Verwaltungs- gebäude gebaut werden dürfen. Diese Verfügung ist sinnlos, denn solange nicht einmal Geld für die laufenden Bedürfnisse da ist, kann ohnehin nicht gebaut werden: wenn aber g«nug Geld da sein wird, was heute noch niemand wissen kann, ist nicht einzusehen, warum heute schon Bauverbote für zweieinhalb Jahre erlassen werden sollen. Die Bauarbeiterschaft weist seit Monaten immer wieder darauf hin, daß die katastrophale Verfassung des Arbelksmarkles überwiegend auf der Drosselung der Bautätigkeit beruht, und sogar in Unternehmerkreisen wächst die Einsicht, welcher Schaden der Allgemeinheit au? der Unterbindung der Bauaufträge erwächst. Nur die Regierung hält an der Politik fest, die sie eingeschlagen hat» well sie sich offensichtlich vor dem Eingeständnis scheut, daß ihre Hoffnungen, die Beseitigung der Hauszinssteuer und die Lahm- legung der öffentlichen Bautätigkeit werde die private Kapitalbildung befruchten, nicht in Erfüllung gegangen sind. Sie bringt es sogar fertig, diese Politik im Augenblick höchster Not weiter zu verfolgen und, um die moralische Schwäche ihrer Position zu verbergen, die nackten Feststellungen der Reichsstatistik über den Umfang der Wohnungsnot als nicht vorhanden anzusehen. Wann endlich wird mit dieser verhängnisvollen Prestigepolitik Schluß gemacht und die Arbeitsbeschaffung dort angesetzt werden, wo sie sich gesamtwirtschaftlich sofort auswirken muß. Spanische Gründung der AGG. Zusammen mit Franzosen, Spaniern und Amerikanern. Wie die Verwaltung des A E G.- K o n z e r n s mitteilt, hat die Gesellschaft zum Zwecke gemeinsamer Bearbeitung des Starkstrom- geschästes in Spanien zusammen mit französischen und spanischen Elektrounternehmungen sowie dem General Electric Kon- z e r n in New Park eine Verkaufsgesellschaft mit einem Kapital von 20 Millionen Peseten gegründet. In dem Verwaltungsrat wird die AEG. durch Geheimrat Bücher vertreten sein. Staals Donncnta«, den 1$. Oktober siaalsoper unter den Linden le'/a Uhr Figaros Nochzeit Stsatl.Sdiauspielliaüs Oendannenniarkt. 20 Uhr Peer Cynt Schiller-Theater Uurioltinligia. 20 Uhr' Doktor Klaus 8.15 Ulv Flora 3434 Raudian erlaubt NldtolU, Maria Ney, Napoli. Handy- Bandy. Blul£ Hemo Waller Carloi zeigt Rumba,• t Alberto« mw. St4l4 Tigl. 5 u. Si/aUhr Bernard Htt< Crace da Faye Hoeier Josi Ausiel& Arthur 4 Bronettsusw. Paul Nikolaus konferiert. Dir. Dr. Roberl Klein Weitodamn 0846. 2797. 8'/. Uhr Der letzte Equlpagew Homolka. Brausawatter, land- rack, Falkensteio Tägl. 5 u. 815.'Sonntags 2, 5 u. 815 u. Henfe letzter Tag „DER ZAREWITSCH" Vom 16, bis 31, Oktober: „GRÄFIN MARIZA" Original Rotter-Inscenierung. «v.ubr CASIN0-THEA1ER«1/- m» Lothringer Strafe 37, miiiiiiiitiiiiiiiMiiiiiiniiMuiuiiHiiiHiMMiiiiiiiiiiiiiiiMniiiiMimi Nor codi wenige AnffQhrangen Dodo, das flffentliche Aergernis und das bunte Programm Für die Leser: Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur SO Pf. Fauteuil 1.— Mark, Sessel 1.50 Mark Reichshallen-Theater Acands 8 übr. Sonntag aaebuittag 3' 2 Uhr Das neue Programm der Stettl n e r Die 3 Komiker r i 1 1 o n r a u e r ornemann Nachmittags ermäßigte Preise. VolKsbtthne Tbaater an Bülawiilati 8 Uhr Kampf um Kitsch Ab 16. Oktober 8 Uhr täglich Das vierte fiebot Schiller-Theater 8 Uhr Doktor Klaus Infernalionales Theater (Kleines Theater) Uoler den Linden 44. 81» Uhr: Fludif vor masei. Rennen Grunewald Heute, 1 5> Okt.. 2 Uhr Großer Preis v. Grunewald siaiU.oper Charlottenburg Sismarckstraße 34. Donnerst, d. 15. 10. Turnus IV Anfang 1930 Uhr Das Rheingold Ende nach 22 Uhr Oeattdies Theater Täglich 8 Uhr von Schiller Rtgie; Max Reiobardt Die Komödie 8i,(i Uhr ROckKehr Romödie v. Donald Stawarl Gustaf Gritodgens. Karlürsfenflaram- Theater Bismarck 448/49 8>/. Uhr Beate inm 123. uei Die schöne Helena von lacqnes onennedi Beate: Uu Belnherdt. Planetarium Tägl. außer Montags 3 und 9 Uhr Maha-Film 5 und 7 Uhr Simba-Film n. aslrononi. Vonntg Theater desWestens Täglich 8>/. Neu einstudiert! Das Drei' mäderihaas Musik Ton Sdiubert Preise v. 50 Pf. an Theater am NollendorfplaU Täglich 8»n Uhr Max Adalbert in. Der Berliner lllkTriO beschleunigte Neukölln. Lahnatr 74/75.7 j Personenzug ROSE-THEATER Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 8.15 lU Mittwoch, Sonnabend ond Sonntag 6 n. 9 II.[ „Frühling im Wiener Wald" Singspiel von Dr. Leo Asdier. GroBe Frankfurter Straße 138 Vorverkauf Täellch II— I und 3—9 U. E 7, 54>z. 1 Kennst Du dieses Zeichen Auch Du mußt Mitglied werden in unserer BudigenossensJiafl DER BUCHERKREIS?;£ Auskunft und Varzeichnis»r hältst Du g r■ 1 i i in dar Zahlstelle; Der BflcherHress o. m. b. H. Berün sw si. Beiie-Aiiiancs-Piatz 7 I undert- tausende sahen bereits Krone1 sl unerreichtes Eekordpro- 1 gramm-WeitereHnndert- I tausende wollen es noch I sehen. Daher wurde das| Gastspiel am käme Zettl verlängert! I Tägl. abends 7.45 Uhr. Mittwoch, 1 | Sonnabd.,Sonntg.auch3 U.nchm. I | Kartenbest.Tcl. Bärw. 1919 uO | Zirkus ist gut gehellt| Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, von dem plötzlichen Ableben n langjährigen Mitarbeiters Paul Ebeling Kenntnis zu geben. inenpfl Kollei Ehre seinem Andenken! Berli n, den 14. Oktober 1931 Fenster- und Gebaude-Reinigungs-6.ni.b.H. SO 36, Scbietisdie Strafe 42 Wir verlieren in ihm einen pflichteifrigen und stets hilfsbereiten Kollegen, Theater Im Admiralsoalas! Täglich SVi Uhr Die Dubarry mit vins Aipar Preise v. 0,50 M. an Komische Oper HVs Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhan Musik v. Witmann Leux, Elster, illien. Preise; 0,50-7,- M üemsdra Uli AMM n«»»"«" MUimA! VerwaUunnsmUDUeder! Freitag, ben 1«. Sttsbci. abend» 7 Uhr, Sitzung der mittleren Ortsver waltung. Ute Ortsverwaltang. Täglich 8V« Uhr Sonntags 4 u.8V< U Ole Blume von Hawai Operettev.Abraham Preia 0.50—14.50 ■ Zentral-Theafer AIteJakobstrAO-32 Täglich 8»/a Sdtwarawald- mSdel Christi Storni, flony Gondi Moll Boese Uhrmache? und Juweller NV 40. Alt-MOBblt III, Tel.HoaMt 9272 Reichhaltiges Lager in Uhren, Juwelen, Gold-, Silberwaren und ßestedee. Preiswerte Gescfaenkartikel für(ede Gelegenheit. Reparaturwerkstatt für Uhren und Goldwaren, erstklassig und billig .. Mk B wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwärts" und trotzdem nnuiian Für die loon Beweise herzlicher Seth nähme, für die reichen Blumenspenden! und die zahlreiche Beteiligung bei der Einäscherung meines lieben Manne» s August Sellin danle ich herzlichst. Anna Sellin trharlettenburg, 14. Oktober 1931 Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Mannes, unsere» guten Vaters Karl Gotting sagen wir allen Berwandten und| Bekannten, der Kolleg enschait des Ar> beilsnachweise» der Metallindustrie, dem Metallarbeiterperband und der s SPD, AbtetIg.9Z, unseren herzlichen[ Auguste Göfffng und Kinder Taschen-Uhren A rm band- Uhren Wecker... Salon-Uhren. 2.50 8.75 2.40 28.00 Für alle Waren vird Garantie geleistet. Warum müssen Sie? mein Kunde werden, well Sie bei mir erstklassiK« Weine aller Art und Spirituosen zu allerbllllKsten Preisen erhalten. Echte deutsche Dessert-Obstweine, süß, Ltr. v. 0.72 an Echter reiner Tarragfona„Special'-, süß, Liter 1.20 ■t ,, Malaga„Special", süss,„ 1.35 „ feiner Griechenwein, sehr süß, M 1.40 „ feinster Insel Samos..... ,, I.SO ,, reiner Douro-Portwein....„ 2. SO Ital. VinoVermouth, für d. Magen„ 1.15 , Vi Liter 1.25 KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiiiiiiiiiimiiniiiiiiuiiiiiimiiuuiiiiiiiiiiiii Pralss: üborsehriftiwort 25 Pf., Textwort 12 Pf. Wiederholunasrabattt 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Wort* Abschluß 10 Proz., 2000 Wort« IS Proz., 4000 Worts 20 Proz. � Stellengesuche t Cberschrifts- wort 15 Pf., Textwor» 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4>/z Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oderauch in sämtlichen Verwärts-Filialenund-Ausgabestellen abgegeben sein r uerhauie Linoleum Szillat, Kolonie» stratze 9. Pepsinwein, für Kranke „ süßer.reiner, weißer Bordeaux Vi FI. 1.50 PrimaWaißwein„MarkeSüßkind Spezial"1, FI.O 55 Prima Pfälzer Weißwein...... i Fl. 0.75 Liebfrauenmilch und Niersteiner.. 1/1 Fl. 0.96 Echter spanischer Rotwein......>/, Fl. 0.85 Achtung: 1 Liter enthält ca. s/iq Liter mehr»Ii eine l/i Flasche Preise ohne Glas Feinster Weinbrand-Verschnitt»"Stern, Liter 3.60 Echter, reiner Weinbrand..Masue".„ 4.40 Feinster Tafel-Aquavit, fuselfrei.... M 3,20 Prima Nordhäuser Branntwein.,,,„ 3.20 Echte Edelliköre ,, Qualität"......>/,FI.2.S5 Prima Jamaika-Rum-Verschnltt... Liter<».45 Extra feiner dam..... 45V,Teerum 6.20 Direkter Verkauf vom Faß— Kostproben gratis Beste Bezugsquelle für Gastwirte und Kantinen. HiemuiigsstDcKg. wasctis usw. Wenig getragene Paoaliergarderode von Millionären, Herzten. Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Smpsehie Taillenmäntel.Vale. tot». Fracks. Smo- kings, Gehrockan- zllae, Losen. Sport- Gehpelze. Gelegen heitskause in neuer Garderobe. Weite- ster Weg lohnend. Lothringerstrahe 5«. 1 Treppe, Rosen thaler DIat' Riesenlager. Bechsteinpiano, Blllthnerpiano, Ibachpiano. Schwechtenpianos, Bieseplana. Dun- senpiano, Salon- Pianos 175,—. 275,- an, Markenilllgel 490,— an, gebrauchte. Abendroth.Bots- damerfirake 74- Paddelboot verkauft, oder tauscht Motorrad. Thaler, N. 53, Seestraße 27. G moosi Lindeustraße 71-72. Schreib- tische 30,—, Stiihle 3,—, Regale 10,— an. im löoispeicher. BERLibi: bl, ßrunnensrnße 42 N, liiillerstraße 1M N, Chausseestraße 76 O, Koppenstraße 67 N, Prenzlauer Allee 50 O, Petersburger Str. 42 SO, Grünauer Straße 15 SO, Köpenicker Str. 121 W, Martin-l.uther-Str.86 Steglitz; SchloSstraße121 Lankwitz; ChaHottenst.34 Charlottenburg; Wilmersdorfer Str. 157 Neukölln: BerlinerStr.12u.Hermannstr.27 Schöneberg: Kolonnenstraße 9 Oberschöneweide:Wilhelmlnenhofttr.40 Moabit: Gotzkowsk/straße 31 Moabit; Wilsnacker Straße 25 Spandau: Potsdamer Straße 23 Weißensee: Berliner Allee 247 Tempelhof: Berliner Straße 152 Pankow: Wollankstraße 98 Lichtenberg: Wismarplatz 1 Reinickendorf, Marktstraße 45 Eduard Süßkind Batentm-Iralien .Brimiillma". Me- tallbetten Suflege. mairaden. Ghaiie- lonaues Walter Slargarderftrake achtzehn. tteinLaden Zurückgesetztes öchlaszimmer, kam. gleit 340,—; Epe!, ezimmer, gediegene Tischlerarbeit, run. der Tisch, Polster- stiihle 340,-: Her, renzimmer, hochmo, dern, Nußbaum, litten, komplett 275,—.„Rekord-, Neue Schönhauser Straße 9._ — Polierte, Echlaszimmer 475,—; Schreib. tische 25,—. Riesen, auowahl. Pasta, nienallee 45. Hossmaun-Piauoi 810,—. gebrauchte 250,— an. Stets Gelegenheiten auch in Flllaeln. Fa- brlkgarantie. Teil- zahlung. Alte In- ftrumente Anrech. nung. Leipziger- straste 57 iSpittel- markt). ßesenatts- usrfiauts | ElBHiroiecIlBlH| Licht Sicht Licht Elektrische Installation, Stube und «tilche 33,—, 2 Slu- ben und Küche 41,— mit kompletter Iäh- lerstation. Billige Beleuchtungskörper. Steigeleitung bil- ligst. Kostenanschlag unverbindlich. John u. Co., Burgstr. 29. Lokal ,, 24 Sonnen, viel Schnaps, schuldenfrei �u per- kaufen. Bogen- straße 19. iKgllUMIßl Entzückende l-gimmerwohnunq, Clisabethufer.amts- frei, 2.Zimmer. wohnung, Steglitz, 33,—. Hausivirt- vertrag. Haupert, Maybachufer 4. Küchen 9«,—, Spiegel- schränke Ii».-. Rie- MllSiii- instrusnsnts Linkpiano«. Mietpianos über- au» preiswert. Bianofabrik Link. Brunnenstraße 35.* ßahnaebiste. Blalinabiälle Queckstlber Kinn- metalle. Silber- schmelze Goldschmel- zerei. Christionat Köpenickerstratze 39 Haltestelle Adalbert- stratze. Wasseruhr, Abstellhahn, Obst bäume kaust Kos, Elbingerstr. 11. G Zimmer Zufall 13,— Kochstube. Hauswirtvertrag. Hau- pert, Maybach- ufer 4. I unieiTMl| Technisch» Pripatschule Dr. senauswahl. Teil zahlung. Kamer. ling. Kastanien, aller 5«. VKI'- scliledenes Anzug nach Maß, sechzig Mark an, Repa- raturen. Schmidt, Reinickendorf, Ka. mekestraße 19.® Patentmatratzea repariert Ktznast, irkus straße 49 tkoowt» sofort). G Zimmer, leer, leilmobliert, 1—2 Parteigenossen. Ballo, Glberfelder» straße 14. G Werner, Regie- rungsbaumeister. Berlin. Reander- straße 3. Maschinen, bau, Glekirotechnik, Hochbau, Tiefbau, Steinmetzschule, Heizungstechnik. Karosseriebau. �ljlI!8i!kUsk für Tageszeitung gesucht. Qefl. Ollerten unter f. tzi an die Expedition des Blattes. Zum Notopfer für die Erwerbslosen Totschlag aus Liebe und Haß. Urteil im Prozeß ArügKemann. � Was die Krau aussagte. Aach dreitägiger Verhandlung verurteilte dos Potsdamer Schwurgericht den ZSjZhygen Weichenwärter Gustav Brügge- mann wegen vorsätzlich e>r Tötung seiner Schwägerin, der Zrau Adelheid Müller aus Powowes, und deren Zreundin. zu insgesamt 4 Jahren 1 Monat Gefängnis. 1 Jahr und 1 Monat Unter- juchungshaft wurden dem Angeklagten angerechnet. Alle vier Sach- rcrständigen verneinten für den Angeklagten die Zubilligung des § 5l. Sie bezeichneten ihn als einen Psychopathen, der aber für seine Talen voll verantwortlich zu machen ist. Der zweit« Verhonldlungstag im Prozeh gegen den Weichen- wärtcr Gustav Brüggemann aus Drewitz bei Potsdam brachte die Vernetpnung der Ehefrau des Angeklagten, die im Aus- sehen und In der Sprache wie eine Nonne wirkt. Frau Bniggemonn ist eine strenge Katholikin und ohne jeden Hah mit nach oben geschlagenen Augen erzählt die Frau das Mar- tyrium ihrer langen Ehe.„Mich hat er gehaßt, meine Schwester, die Frau Adelheid Müller, hat er geliebt, und eine Hedwig, die Schauspielerin sein soll, hat er auch geliebt. Mein Kind und ich muhten hungern, er jagte uns dreimal nachts aus dem Hause, und ständig hat dieser Mann mich gedemütigt.„Und auch geschlagen?" fragt ein Geschworener.„3a, fast immer, Mobiliar hat er in tausend Stücke geschlagen, ich war machtlos gegen Ihn." Ein Geschworener: „Und heut« hassen Sie ihren Mann, der Sie so demütigte?" Frau Brüggemann(mit verzückter Stimme):„Nein, mein Herr, dieser Mann da in der Anklagebank gab mir dos Höchste, was eine Frau hat. mein Kind. Der Mann da tut mir höchstens leid." Es ent- steht eine große Bewegung im Gerichtssaal, nur den Angeklagten rührt nichts. Der Psychiater Sanitätsrat Dr. P l a c z e ck- Berlin, gab sein Gutachten dahin ab, daß hier der seltene Fall vorliegt, daß ein Mann in einem Hörigkeitsverhültnis zu einer Frau gekommen ist. Diese Hörigkeit entwickelte sich schliehlich zur vollständigen Unter- würfigkeit. Bier bis fünf Stunden stand dieser Beamte noch schwerem Dienst in der Nacht unter den Fenstern seiner Schwägerin. um nur den Lichtschimmer in ihrem Zimmer zu sehen. Als Dank wurde er von ihr verhöhnt und bei der Behörde denunziert. Das Zusammentreffen von Liebe und Haß muhte zur Explosion kommen und so geschah die Tat. Der Staatsanwalt hatte gegen Brüggcniann wegen Totschlages an seiner Schwägerin sieben Jahre und drei Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust beantragt. Der Gastwirt Erich Sicgmund aus Charlottenburg, Tegeler Weg 44, teilt uns zu unserem Artikel„Höhlen der Bürgerkriegs- gards" mit, daß er kein zum Katholizismus übergetretener Sude ist. Herr Siegmund legt Wert auf die Feststellung, dah seine Familie niemals jüdisch gewesen ist. ein). Vorfrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". SetSStt-d-ll»:»erlin(5. 14. E-b-Nianiir 37-38. S-i 2. Tr. W Donnerst»«. 13. Ott»»««.«Miä Osten. 20 Uhr Nrrisiugendiunl. • tioniirsitznng bei»Usch, Tilsitcr Str. 27. Lichtcnbrrg(Orisvrr. Achiung, Sungmannscheft! 20 Uhr bei EtSbrr. Zun«. Ecke OdcrNroßc, vcri ammlun« des griamtrn Zungbannrrs. Erschcinen aller Zungbo-ftonic. rnbeu wird erwartet. Der Grund der Sitzung dürfte allen Zungbo.jiameradc» I rtannt fein. Gleichzeitig»esurechUlig der Veranstaltung am 18. Oltober noch Strausberg.— F««U«g, t«. Oltober.«iibt.nber«. 20 Uhr haben Mitglieder. Versammlung die Kameradschasten Rummclsburg, Lorhagen und Gustav Tempel in den bekannten Lokalen. Kameradschaft Frledrichssetde I« Uhr Vortrag: ..Kamps des Retchsbanncrs gegen Reaktion und Faschismus". Alle oknven und vassiven stamcroden müssen erscheinen. Reiaickendors sOrtsvereini. . Uhr Anirrten zur Werbcversammlung im Strandschlaß Tegel, Uferstr. l. Rcsertnt: Kamerad Stelling, 3)1. d. R.«assersportabteil»»�, Zug Tegel. 1,1 Uhr außerordentliche Persammlung im Bootshaus. ZSichlige Tagesordnung. orscheinen Pflicht. Anschließend Teilnahme an der Werbcversammlung im Elrandschloß._ Sinheit-vcrband der Kandel- nnd Gewerbetreibenden und frei»»»eeusc. Eitz Leipzig. Liersamüilung Donnerstag, IS. OltalNir, 20 Uhr, in Koberlands gestsälen. Reue griedrich. Etk« Nochslraße. Geuossc Stube»:„Serunter mit den Mieten für die Kleingewerbetreibenden".„Die Ret des Mittelstandes." Tvpoaraphisthes Orchester. Dlrigcnt Erich Gutzcit. Uebungsstunden fcden Freitag von 20' 1 bis 2214 Uhr Im Zdeal-Kastno, RcukSlln, Weichielstr. 8. Reliaionswiüen schalt! i che«erciniquna Berlin. Sonnabcnb, 17. Oktober. 17 Uhr, im Hörsaal 70 der Universstat«Westflllgel, Erdgeschoß). Vrafcssoi Dr. von Glasenapp(ddnigsbtrg):„Die Theologie des strischnakultes". SozialistischeArbelterjugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das IugendsekretarlaI Berlin EW 08. Lindenstraßl 3 Kunst in dieser gcit: 2. Abend der Sondcrabtrilungen der Volksbühne l.stampf um Kiticki) Sonntag, 18. Oktober, IS'/, Uhr, im VUrgersaal des Ralbanscs, Königstraße. Käibc iiuhl ssngt:„Kitsch". Kliider der weltlichen Schule ssiigcn„kanipf". R. A. Stemmte, Karl Heluz Martin und Iunglchrcr di-kutleren. Eintritt 40 Pf. Erwerbslos« 20 Ps. Arbeitcr-Turn. und Sportbnnb. Proletarischer Tanzabend Montag, IS. Ol- tobet"0 Uhr, großer Saal des LehrervereiNshailses, Aleranberplatz. Jugend- liche W Pf. Erwachsene 75 Pf. Karten sind im Sekretariat crhitltlich. heule, Donnerslag. 19� Uhr: Srortplatz kfrllher Westen): Arbeitskreis. Eenthincr Str. 17. Brüning und wir— Rordsn: Lortzing- Ecke Graunstraße. Lossallc— Liebtneckit.—«rns- nialber Platz II! Ranenburgcr Str. 10. Das neue Spanien.— Falkplatz l! Sonueiidurarr Str. ÄI. Rcoolution oder Evolutio»?- Rordeste« l>: Da». »iaer Sir ii' Baracke ll. Einführung in den Sozialismus.— Schönhauser Vorft-dti Sannenburger Str. 20. Aktuelle Abteilung.- Kallesche, Tar- Borck. slraße 11. Arbeitsgemeinschaft.— iiottbusser tat: Straßenbahndlock am Urban- muö von allen sozialdenkenden Freunden der Arbeiterklasse nach besten Kräften beigesteuert werden, wenn wir auch nur die allergrößte Not der Erwerbslosen lindern wollen.— Freiwillige Zahler, denen keine Sammelmarken angeboten werden sollten, senden bitte Geldbeträge auf Post* scheckkonto Berlin, Nr. 48743, an Alex Pageis, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. spielvlatz. Die kommunistische Zntrrnationalc.— Südwest: Lindenstr. 4. Or. ganisotion de» Kapitals.— SchZneberg III! Hauptstr. 13. Nikotin»nd Alkohol. — Westend: Sportplatz Westend. Arbeitsgemeinschaft.— Schöneweid« i! Ber. liner Str. ZI. Die Geschichte der Arbeitcriugenddewegung.— Neukölln Vit 18 Uhr Blldungs- und Werbcousschußsttzung in de» Baracken Ganghofer- straßc.— Lichtenberg, Nordwest: Mitgliederversammlung der Partei im Cc- eilienlpzeum, Rathausstraße.— Tegel: Bahuhofstr. 13. Eezuelle Fragen.— Rcinickcndors-West: Sportplatz. Seidelstr. 1. Zugenbproblcme der Gegenwart. Werbcbezirl Wedding: Delegicrtenlonsercnz um 20 Uhr im Heim See- Ecke Turincr Straße.« W-rbebezirk Neukölln: Erwerbslosenzusammenkunst»an ll bis 14 Uhr Berg- straßc 20. MlgernJunifflonärKonlerenz am Freitag, dem 16. Oktober, 191/, Uhr im großen Saal dar„Neuen Welt", Hasenheide Thema: Die politische Situation und die Soiiaioemokratie. Referent: Or Rudolf Breitscheid, M d R.— Zutritt haben: Alle Funktionäre der Partei und die politischen Vertrauensleute in den Betrieben— Parteimitgliedsbuch ist mit gleichlautender Funktionärkarle am Saaleingang vorzuzeigen. ßchtung! ParteifunKtionare und Belrieusuertrauensieute iiiimmmiiiiiiimiiiiiiiniiiiiiiiiiMunimiiiiiiirTriiiiilimiiMliiimmrmiimiiimiiiiiimiiiiiiiiiimiiiiimMmiiniiiiiiimmimiimn Für die allgemeine Funktionärkonferenz am 16. Oktober sind die Funktionärtearten zwecks Kenntlichmachung dem zuständigen Abteilungsleiter sofort vorzulegen. Ohne Kenntlichmachung kein Zutritt. Der Bezirksvorsland. Allgemeine Wetterlage. Auf der Rückseite einer kräftigen Depression, die am Mittwoch- astend /lordöstlich von Skandinavien lag, sind kalte Luftmassen po- larcn Ursprungs in Deutschland eingedrungen. Bei ihrem Eintreffen kam es zu teilweise ergiebigen Regcnsöllen, denen ein merk- licher Temperaturrückgang folgte. Berschiedentlich wurden am Mltt- woch im Reiche nur ig Grad mittags erreicht. Auf den Bergen fiel oberhalb tvvg Meter Schnee. Innerhalb der kühlen Luft, die am Mittwochabend fast ganz Mitteleuropa überflutet hatte, geht jetzt kräftiger Luftdruckanftieg vor sich. Daher durste sich ein kräftiges Hoch, das sich mit seinem Kern über den Britischen Inseln bc- findet, nach Osten und Nordosten ausdehnen. Wir bleiben zwar bei dieser Situation im Bereiche der Polarluft, doch ist mit zunehmender Benihigung zu rechnen. Infolge der kräftigen nächtlichen Wärme- ausstrahluiig sind verbreitete Nachtfröste zu erwarten. Welleraussichlen für Verlin: Teils wolkig, teils heiter, kein« nenNcnswcrisn Niederschläge, kühl, abslauende nördliche Winde.— Für Deutschland: Im stiordosten noch ziemlich unbeständig mit einzelnen Schauern, im übrigen Reiche Beruhigung, im Süden und Westen ziemtich heiter, auch am Tage ziemlich kühl. Sinsenduu««- für diese Rubrik find B« r l i n SW 68, Lindenstraße z, Groh-Berlin stet» au da» Bezirkssekretarla« 2. Has, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Bcrnnstaltungen 43'/- Uhr. sofern keine besondere Zeitangabc? heute, Donnerstag, 15. Oktober: 3. Kreis. Die polnisch«« Funktionärinnen sowie die Fnnktionörinnc» und Zunttionärc de« Arbeitcrwohllahrt halte« in Schmidts Gcsellschastshoa», Fruchtftr. z«a, eine«emeinsame Sitzung ab. Tagesordnung: Die«Intcr- Hilfe. Acht«««, das Lokal ist aeändertl 1.1. Kreis. Der fiie heute nach»er Alarich-Schnlc einberufene Kursus der Atlleiterblldnnasschule wird nach dem Kandarbcitssaal der Mittelschule Mariendors, Kursürstensteaße,«erlegt und beginnt um 26 Uhr. Morgen, Freitag, 1ö. Oktober: t. Kreis. 131: Uhr zusammentunst oller erwerbslosen Senolfinnen und Gr- Nossen im Jugendheim Walsenste. 18. Aussprach« Sber»je td-Stundea- »«che. Neferenti«: Käthe Kein. 3. Klei«. Deuischer Freidcnkerveibanh, »ei Kurt Sosskc. Zeldstr. 3. Snmpa Mitgliedsbuch tegitimieel. Vortrag. pe 8. Miigliederverlammlung irrende könne» eingefühet werbe«. ber Frei- 14. Kreis. Filmuarfüheung„Anstralicn«ad wie— Neuser Snppenraps" im Städtischen Saatdou, Bergstr. 147. FL ginn bce Filmuarfüheung nm 13 Uhe. Eintritt frei. 6.»reis. Alle Genosse» beieiligen sich an der Werbckundg Henker im Gewerrschafishaus, Engeinser 24—25, Saal 4. ''——----* Neuseelond, bc» Tentel, Lr Erwerbslose Be- W M WW W Außerdem Borsüh- »ungen um" 18'» und 26'" Uhr. Eintritt 36 Ps. Karten sind z» habe» in der Sbealpaffag« und an ber Kasse. 43. und 44. Abt. Alle parteigenösssschen Freidenker besuchen die Mitglieder. Versammlung der Sruppsn 43-18 im Gtwerklchastsbau»,(kngelusrr 34—23. „Der Freidenker konareß im Lichte sozialistischer Bewegung." Mitwirkende: SA3. und Freidenktrsugenb. 1.14.»dt. Alle Mitglieder beteiligen sich vollzählig am Freitag an ber Erösf- nungsseier der Turnhalle pünktlich uin 20 ubr. Vcranstatier FTGB. 148». Abt. 20 Uhr Schiltzenhaus, Rcinickendorf.Ost. Refldenzstraße. Kreismil. tlicdervetsammlung. Referat Fritz Naphiuli übet:„Wirlschoflskrise und lokitik". Zrauenveranstalwngen. 7. Kreis. Freitag. 16. Oktober, 18 Uhr, im Jugendheim Nosincnstr. 4, Funk. tionärinn�nfi�ung. Von da aus gehen die Funktionärinnen gemeinsam zur Funktionärtonserenz in der„Neuen Welt. 13K. Abt. Heute, Donnerstag. 13. Ottoder, 2» Uhr. in der Baracke Lindauer Strahe Bortrag:„Religion und Sozialismus". Referent: Genosse Ernst Oberüder. Zlrbeilerbildungsschule. zeKtralkursu» Kurgaß. Wegen der am Freitag stattfindenden Fünklidnär. kanserenz fällt der Kursus Kurgaß an diesem Freitag aus. Nöchsser Kursus- abend am 23. Oktober. Arbeiksgemeinschaft der Kindersreundc Groß-Berlin. Lichtenberg. Donnerstag, 13. Oktober, Krcishelferarbeitsgemeinschäft unter Leitung des Genossen Franz Hauch im Heim Guuterstraße UM Zss Uhr. Kreis Neukölln. Helferkreis. Am 17. und ttz. Oktober H-lserfährt»ach Lehnitz. Trefspuntt Sonnabend. 16'.. Ubr, Bahnhof Neukölln. Kreiskeitersitznng mprgcn, Freitag, lsss: Uhr. Um Pünktliches, vollzähliges Erscheinen wird gebeten. Beginn unserer zentralen Kurs«: Bcrkicchaik, Kursus B. Schulwerlstolt Danzlgcr Str. 23. Kursus C. lZlur für NemalkeNhelfer.) Werkstatt Fugend. äelm Lindenstr. 4. Beide Kurse beginnen Montag, 16. Oktober. 10U Uhr. lusik: Ä. SIngekreisleitrr. B. Instrumental. Kreisleiter. E. Ezakan für Fort. geschrittene. D. Ezakan für Anfänger. Sröffnung aller Kurse findet Dien:.. iaa. 20. Oktober, 20 Uhr, In einer gemeinsamen Veranstaltung in der Madchen. Mittelschule Neukölln, Donaustr. 126, statt. Mitte: Im Rahmen der Ausstellung findet heut« unsere Feier um 1814 Uhr in der Au»slelluna Ackerstr. 3 statt. Es müssen olle Gruppen mit ihren Eltern erscheinen(auch Nestfälken). 10 Pf. und den Hausschlüssel mitbringe». Die Karten müssen heute abgerechnet werden. Gruppe Fritz Wille trifft sich 16', Uhr Falkenecke. Alle erscheine» in Falktnllctdung. Straß« 18. Meükölln: Instrumentalkreis übt heute an bekannter Stelle von 1? bis 18 Uhr(Gruppe 11. Gruppe n von 18 bis 16 Uhr. Ezakan.Arbriisgemeinlcholi der Nestfalken kommt am Freitag von 1» bis 16 Uhr an bekannter Stelle zusammen. »reu, der«: Krcisalbeitsqemrinschaficn für Fallen: Instrumeniallrei» Dieus- tag, 20. Oktober, 18—16 Uhr, Urbanstr. 167. Singe- und Tanzkrei» Mittwoch, 21. Oktober, 17—19 Uhr, Urbanstr. 167. Liedaestaltnng(Nestfälken) Donners. tag. 22. Oktober, 18—16 Uhr, Bellc-Alliance-Platz 1. Kreis Reiaickendors: Sonntag, 18. Oltober, Krcishelserfahrt. Treffpunkt 9 Uhr Tegel, on der Humboldtmllhlc. Köpenick: Für Falken, die nicht Ins Jugendheim Dahlwitzer Straße komme» könne», haben wir leben Freitag von 17 bis 16 Uhr in der Grünauer Straße, Zimmer l. Heimnachmittag. Prenzlauer Berg: Gruppe Viktor Adler. Sonnabend, 18 Uhr, Danzlgcr Straße 62, Tanzkursus. Gruppe Treptow! Wir baden im Stadibad Neukölln. Treffpunkt l6>/z Uhr Treptow, Plesser. Eck« Elsenstraße. Bringt 13 Pf. mit. Krone baut noch nicht ab. Der Zirkus Krone wollte bekanntlich ursprünglich am 15. Ok- tober seine Zeltstadt aus dem Tempelhofcr Feld abbrechen, um nach Halle und von dort aus nach Sllddeutschland weiterzuziehen. Infolge des immer noch, wie am ersten Sonntag des Berliner Gast- 'oieles, anhaltenden Andranges zu den einzelnen Vorstellungen sieht ch Direktor Krone veranlaßt, noch einige Tage in Berlin zu bleiben. % Der Direktion de» Siella-Palastes ist es gelungen, das weltbekannte Tanz. orchcster Dasoa Bola, den Gewinner des goldenen Sapophons, für ei» Matinee zu gewinnen. Dajos Vela spielt persönlich mit seinem verstärkten Orchester am Sonntag, dem 18. Oktober, 14—18 Ubr, auf der Bühne des Stella-Palastes. Außerdem hat leder Besucher dieser Veranstaltung daa Recht, ohne weitere Nachzahlung anschließend de» lustigen Tonfilm„Der Storch streikt" zu besichtige». Reue„Slückstüten" für groß und Ilrin. Schon einmal hat„das Glück auf der Tüte" viele tausende Erwachsene und Kinder in Atem gehalten. Jetzt erneuert sich diese Glückschance: Nr �-............. brnsinittele Preisaussq 40 000 Sach entgehen läßt. „Plaza." Der groß« Erfolg der Opercltcngastspicl«>» der„Plaza" hat die Direktion veranlaßt, mit der Aufführung von Meisterwerken der leichten Muse fortzufahren. Die nächste Premiere bringt ab 16. Okiober Emmerich Kaimans berühmtes Werk„Gräfin Marizo" mit Grete Eedlitz in der Tiielrolle Das Werk gelangt i» der Original. Noiter-Inszenierung wochentöglich zweimal, und »war um 17 und 20>,'> Uhr, sowie Sonnlag« dreimal zu den bekannt niedrigen Eintrlttspreisen zur Vorsührung. entdehH; man auch nicht. Wenn Sie aber CXIJB probieren, dann lernen Sie eine alles überragende Qualität kennen, eine Zigarette, die Sie nie mehr entbehren können! 3>eier JCaufcher: IVl(IlC Durch das geöffnete Fenster der Strafanstalt, das durch feine Gitterftäbe den in Unendlichkeit blauenden Himmel in kleine Quadrate zerfchnitt, drang laut und vernehmlich das Zwitschern der Schwalben. Es kan> wohl auch vor. daß einer der metallblauen Vögel sich für einige Sekunden den Blicken der Sträflinge zeigte, wenn er rüttelnd und leise mit den Flügeln schlagend Fliegen aus dem Fenfterwinkcl zu erjagen suchte. Dann stierten die Augen und bekamen einen übernatürlichen Glanz, Hoffnung und Ergebung in das Schicksal spiegelten sich in den Augen wieder. Diese Vögel waren ein Zeichen der Welt und des Lebens, die draußen an den hohen Mauern und vor den Gitterstäben vcrbrandelen, nur leise dann und wanu die Talsache ihrer Existenz in das Haus der Seufzer und Tränen versprühten, gierig aufgegriffen von nach Freiheit fiebernden Menschen, die sich in endlosen grauen Nächten die Seelen wund schrien in stummem Erduldenmüsscu. Scheu glitten die Blicke beim täglichen Rundgang an den hohen, steinernen Wänden empor und suchten den Himmel, der auch hier bedrückend in das Geviert der draht- und glosbewehrten Wäxide eingezwängt war. Drückend legte sich auch die milde Luft mit ihrem Ahnen auf die Eingesperrten. Aus den nicht weit entfernten Gärten trägt dann und wann ein Windzug den Duft später Blüten, läßt Flammen der Sehnsucht in denen hochschlagen, die sich nie mit ihrem Lose zufrieden geben können und verzweifelt auf den Tag der Erlösung harren, weckt in den anderen Erinnerungen an längst vergessene Tage, die ihnen als Träume vorgaukeln, cfwas, das nie erreichbar ist. Dann ringt sich wohl ein Seufzer aus der Brust, die weiter ihr Sehnen unter der schwarzen Sträflingsjackc be- groben muh. Auch der Nummer 317 erging es so. Seit sieben Jahren war ihr Träger wegen eines Totschlages, begangen an seiner Geliebten, die er mit einem anderen in inniger Umarmung getroffen hatte, von der Welt getrennt und hier eingesperrt. Mit den Jahren war ihm die Besinnung und Ueberlegung wiedergekommen. Jetzt ver- brannte ihm der Gedanke an die Freiheit sein Innerstes. Seine Arbeit ist es hier, alte, vom Staat an die Leitung der Anstalt zur Umarbeitung in Sträflingskleidung gelieferte Uniformen aufzu- trennen. Mechanisch trennt er Stich um Stich, Rock für Rock. Immer ist es die gleiche stumpfsinnige Beschäftigung. Zwischen Futter und Stoss eines Rockes findet er just an diesem Nachmittage eine Ansichtskarte. Sie zeigt ein Weib mit übernatürlich üppigen Formen auf einem Diwan, wie diese Karten zu Hunderten in den Buchlädcn der Städte zu haben sind. Mit einem scheuen Seitenblick vergewissert er sich, daß niemand von seinem kostbaren Funde etwas bemerkt hat, und läßt die Karte schnell unter der Jacke verschwinden. Die Berührung des Stückchens Papier mit der bloßen Haut schafft in ihm ein eigenartiges Ge- fühl. Mit Ungeduld erwartet er die Zeit, wo die Gefangenen in ihre Zellen geführt werden, um endlich seinen Fund in Ruhe be- trachten zu können. Auf der Pritsche sttzt er und starrt mit brennenden Augen auf das üppige Weib. Sein Blick saugt sich fest: er tan» sich nicht losreißen und vergißt alles um sich her. Nur ein Gedanke bewegt ihn: ein Weib zu haben. Endlich einmal wieder Mann sein und nicht nur immer die Nr. 317, die bedeutet, daß er aus dem Register der Lebenden für lange Jahre gestrichen ist. Erinnerungen über- wuchten ihn. Alles, was die Jahre hindurch zurückgedrängt war, stürzt mit elementarer Wucht auf ihn und draht ihn zu zermalmen. Raus, raus hier aus dem Haufe, wo der Mensch begraben ist! Ins Leben, ein Weib hoben, küssen, brutal mit der ganzen Kraft der jahrelang gewaltsam zurückgedämmten Lust an sich pressen, daß es weh tut, Oder ihr sanft durchs Haar streicheln und süße Worte sagen: Selbst solche Worte hören, weiche Hände halten. Lieben, lieben und leben! Noch, als das Licht in der Anstalt wie auf Kommando erlischt, sieht er in einem verirrten Mondstrohl an der Wand das Weib, Er preßt den Kopf au die kühlen Steine, die er so oft verfluchte, und trommelt mit den Fäusten dagegen, daß die Knöchel bluten. Er merkt es nicht. Nur ein Gedanke beherrscht ihn... Der die Runde machende Beamte wundert sich an diesem Abend, daß in der Zelle, in der Nr. 317 untergebracht wurde, ein solches Lärmen ist. Noch nie hat der doch Schwierigkeiten ge- macht. Kopsschüttelnd geht der Beamte hin, um nachzusehen. Kaum hat er die Tür geöffnet, da trifft ihn ein mit großer Wucht geführter Faustschlog gegen den Magen, daß er lautlos zusammen- bricht und klirrend das Schlüsselbund zu Boden fällt. In Eile er- greift Nr. 317 die Schlüssel und rennt nach dem hinteren Ausgang, um die Freiheit zu gewinnen. Hastig sucht er den passenden Schlüssel, Endlich springt die Tür auf. Nun den Korridor, die zweite Tür, dann ist er aus dem Haufe. Im silbernen Mondlicht gebadet liegt der Hof. Im Schatten des Gebäudes eilt der Flücht- ling nach einer ihm paffenden Stelle, findet eine Mauerleiter, die unbedachterweise nicht gesichert ist. und lehnt sie an. Als er sich anschickt, hinaufzusteigen, scheint es ihm. als tönten Stimmen im 5)ause. Doch das ist wohl die Erregung. Glasscherben splittern unter seinen eisenbeschlagenen Schuhen. Er turnt am Stachcldraht »ach einer Absperrungsstelle. Halt! Mit Messerjchärfe klingt es hinter ihm, 5talt> Unten an der Leiter springt nnt geiferndem Bellen ein 5)und, Schritte klingen näher. Ein scharfes Knacken, dann ein drittes Halt! Im Augenblick, da er abspringen will, peitscht es hinter ihm her. Er spürt einen heftigen Schlag zwischen den Schultern und springt halb, stürzt halb von der Mauer aus die freie Erde hinunter. Erreicht den Boden gut und rennt, so schnell er kann, nach den Obstgärten, die ihm Deckung geben sollen. Doch schon nach einigen Schritten bricht ihm der Schweiß aus allen Poren, Das kommt wohl daher, daß er das schnelle Laufen nicht gewöhnt ist. Ueber den Rücken rinnt es ihm warm. Süßlich und schaumig steigt es ihm in die Kehle empor, füllt seinen Mund. Er bricht zusammen, reiht sich wieder hoch und rennt taunielnd weiter. Wie im Traume hört er hinter sich Hundegebell und Stimmen. Zwitschernd fegt eine Kugel an seinem Kopf vorbei. Weiter rennt er durch das Gras, bis er in einer Bodensenkung zusammenbricht. um sich nie wieder zu erheben. Hell und schaumig dringt das Blut �aus feinem Munde, färbt den Rasen um sich her, wahrend olles um ihn in Nacht versinkt. Als die Wärter herbeigeeilt waren, fanden sie ihn tot. Der Hund stand über der Leiche, bei der man nichts weiter als eine blutige Ansichtskarte fand, und heulte. Nr. 317 wurde endgültig aus dem Register der Lebenden ge- strichen. ffiidmrd ffluelfenbeck: OionH&ntmopel i/l Ich hatte das Glück, mit einem Türken zu fahren, der Kon- stantinopel ausgezeichnet kannte.„Das Einfachste ist", sagte er, „Sie nehmen am Bahnhof eine Taxe und lassen sich ins Hotel fahren. Dann bleiben Ihnen alle Scherereien erspart." Der Bahn- Hof war leer, das Wetter ausgesprochen ungnädig und kalt. In Iedi-Kule war ein Junge eingestiegen, bewaffnet mit einer Art Uniform, einer Schildmütz« und einem weihen Blechkasten. In den Blechkasten— bedeutete er uns— müsse Geld geworfen werden. Mein Türke sagte mir, es handelt sich um eine Sammlung; denn heute sei in Konstantinopel Kindertag. Mein erstauntes Gesicht beantwortete er gleich:„Sie haben sicher auf Ihren Reifen schon einmal etwas von„His Majcsty the Baby" gehört. Hier gilt der Feiertag nicht nur den Säuglingen, sondern der ganzen Jugend, die in früheren Zeiten so vernachlässigt worden ist. Die Fahnen, die Sie dort an den Pfosten vor der Bahnhofs- halle bemerken, sind zu Ehren des türkischen Kinderfestes angebracht, das wiederum selbst nur ein Zeichen unseres ernsten Willens zur Erneuerung ist." Ich fühlte mich ein wenig bedrückt; die modern!- sicrte Türkei begann allzu zeitig auf mich einzustürmen; ich hatte gehofft, wenigstens noch Reste alter Buntheit zu sehen. Ich weiß natürlich, daß das egoistische Wünsche des europäischen Reisenden sind; ich bin der letzte, der die Notwendigkeiten dieser Staaten ver- kennt— aber immerhin: ich hatte gehofft. Nun bot sich gleich das allermodernstc: ein Kinderfest.„Iiis Masesty the Baby." Zu meiner Rechten dehnte sich der Spiegel des Marmarameeres; an den Fenstern der Häuser, die unser Zug umfuhr, hingen noch hier und da die Holzgitter der Harems. Sie waren sogar sehr zahl- reich: das freute mich ein wenig. Bor dem Bahnhof stand ein Dutzend Autos; ich stieg auf gut Glück in eins hinein, und der auskunftsrciche Türke, der sich hier von mir verabschiedet hatte, rief dem Lenker den Namen eines Hotels zu. Auf der Galatabrücke hatten wir eine Panne, Mein Führer kletterte von feinem Back; hinter uns stauten sich Wagen und Menschen. P!an fluchte; kurzröckige Türkinnen sahen mich interessiert von der Seite an. Welcher Abstand, dachte ich. von den Zeiten, als jeder Europäer hier als Franke angesehen und behau- delt wurde. Ein Bierwagen überholte uns. Schließlich ging mein Führer weg und machte mir Zeichen mit der Hand, die ich nicht verstand. Ich stand mit meinem Auto allein auf der Galatabrücke und hatte eine wunderbare Aussicht auf dos Goldens Horn. Musik schreckte mich auf; ein langer Zug feiernder Kinder kam an mir vor- bei; die Kinder— auch viele Mädchen— waren festlich hell ge- kleidet und in ausgelassenster Stimmung. Die Eltern, die früher alles, was. weiblich war, in dunkele Harcmshöhlcn packen mußten. standen am Eifcngitter der Galatabrücke und freuten sich über ihre frischen Mädels. Endlich kam mein Lenker mit einer großen Ocl- flasche zurück. Ein Mann der Straße, der ganz und gar nichts zu tun zu haben schien, hals uns. den Wagen wieder in Schuß zu bringen; wir gaben einige Knallbonbons ab und jagten los. In den Straßenschluchten des Peraviertels überholten wir eine lang- Reihe deutscher Ausflüglerautos. Die Gesichter meiner Landsleute strahlten, überall richteten sich die photographischen Apparate auf den unverfälschten Orient. Ich las einige Namensinschriften in der neuen lateinischen Schrift. Nirgendwo war auch nur noch ein arabischer Buchslabe zu sehen; modern geworden der nationale Wille der Türken hatte hier sehr gründlich gearbeitet. Wo immer ein kleiner Platz übrigbleibt, sieht man das Bild des Gazi. Ich begriff jetzt schon, daß Pera die lauteste Stadt der Welt ist. Das Autogehupe oermischte sich mit dem gellenden Geklingel der Straßenbahn zu unglaublichem Getöse; die Händler schrien da- zwischen; Grammophone kratzten aus den Fenstern der Wohnungen. Die Musik des Kinderfestes war hier und da hörbar. Wir kamen schließlich an einen großen Platz, der aus einer Seite durch einen hohen Erdwall abgeschlossen wurde. Auf diesem Erdwall saß in unverfälscht orientalischer Haltung, in Hockstellung, eine Reihe alter Frauen, die den Kinderfestzug erwarteten. Den Gesichtern dieser Frauen konnte man deutlich die Verwunderung über die veränderte Welt ansehen. Zehn Jahre sind ja wirklich keine Zeit für die Ge- schichte eines Volkes.„Wer weiß", schienen die Augen dieser Frauen zu sagen,„was in weiteren zehn Jahren fein wird." Meinen Hotelbesitzer bat ich:„Sagen Sie mir bitte einen Ort oder einen Menschen oder sonst etwas, wo ich noch einen Hauch des alten Orients zu fühlen bekomme. Immerhin ist es erst zehn Jahre her, daß sich bei Ihnen die Kinderfeste eingebürgert habe». Dort liegt das Serail des Sultans; vor zehn Jahren wimmelte es noch von Odalisken und Eunuchen." Der Mann lächelte:„Das ist der ewige Jammer der Fremden; sie wollen noch ein Stück Mittelalter; Konstantinopel ist aber eine moderne Stadt." Als er meine Nieder- gcschlagenheit sah, sagte er:..Seien Sie nicht verdattert.... ich kann Ihnen helfen. Fahren Sie nach Ejub, am Ende des Goldenen Horns. Dort, jenseits des mohammedanischen Friedhofs— Sie müssen einen Berg ersteigen— lebt ein Mann namens Mahmut Pahiia. Oder er lebt vielmehr nicht; dafür aber seine Frau. Be- suchen Sie Frau Aohya; sie war vor Jahren Köchin im Serail des letzten Sultans. Ich schicke öfters Gäste zu ihr; sie spricht aus- gezeichnet französisch, sogar auch ein wenig deutsch. Frau Dahya kann Ihnen in ihren Erzählungen den alten Orient ausleben lassen." Ich ging zur Galatabrücke zurück, wo aus der rechten Seite die Dampfer anlegen, die das Goldene.Horn befahren. Hier drängte sich viel Volk; graubraun gekleidete Soldaten, ein schäbig aussehen» der Priester— das sind die einzigen Menschen, die hier noch einen Turban tragen dürfen. Jung-, völlig modern gekleidete Mädchen kicherten und knabberten türkischen Honig. Ein dicker Mann, dem der Fez sehr gut zu Gesicht gestanden hätte, las aus einer— natürlich in modernen Lettern geschriebenen— Zeitung. Cr legte dabei seine kurzen Beine übereinander; ich hatte Gelegenheit, blaue, im Konstontinopcler Warenhaus gekaufte kunftseidcnc Socken zu be- wundern. Der Mann saß nämlich auf einer Bank; er räkelte sich, als habe er allein die Veränderung des ganzen Orients bewirkt. Ich wandte mich dann dem anfahrenden Dampfer zu und beobachtete ein junges Arbeiterpaar, da» sich in nichts von den Arbeitern der großen westeuropäischen Städte unterschied. Als wir abgefahren waren, erschien aus der Höhe der Stadt links die Suseimanieh, die berühmt« Moschee� die der Agio Sophia an Schönheit nicht nachsteht. Vom Früchtebasar drang aufgeregtes Kreischen und der süßliche Geruch verwesender Nahrungsmittel. Der durchbrochene Aequadukt des Kaisers Valenz wurde sichtbar; er sah wie die Borte einer großen Spitze aus. Auf der rechten Seite des Wassers wurde die Front des Admiralitätsgcbäudes gerade von einer dünnen Sonnenschicht überzogen; dos war die I moderne Türkei in ihrer ganzen Pracht. Gerumpel schwamm hier im fauligen Hafenbecken; Schiffe und zerbröckelte Boote, die viel- leicht noch der Krieg zurückgelassen hatte. Die eisern« Bulgaren- kirche an der Station Feuer, ein Bild der Dllritigkeit, zog schnell vorbei. Wir hielten in Ejub, der letzten Station des Goldenen Horns. Ich ging langsam die staubige Landstraße entlang, bis ich an den Beginn des Friedhofs kam. Er liegt, wie alle mohammeda- nischen Friedhöfe, auf einem Bergesobhang;«r ist ziemlich ver- wahrlost. Auf jedem vorrevolutionären Grab steht eine Säule, und auf der Säule ist ein Fe; oder ein Turban nachgebildet. Der Fez, habe ich mir sagen lassen, war dos Zeichen der männ- lichen Würde. Was für eine Verehrung muß der Gazi genießen, daß er es wogen durfte, den Fez abzuschaffen. Es ist doch so, als hätte er allen männlichen Türken ihre durch viele Jahrhunderte garantierte Würde nüt einem furchtbaren Schlag genommen. Da- für haben die Frauen allerlei gewonnen. Na, ich werde die Frau Mahmut Yahya fragen, wie ihr in der neuen Freiheit zumute ist. Sic war Köchin bei dem letzten Sultan; sie muß allerlei gesehen haben. Während ich zwischen verfallenen Gräbern schritt, dachte ich nach, wie es möglich sei, daß eine Frau in der Küche des Sultans gearbeitst hatte. Konnten sich Frauen denn überhaupt frei bewegen zur damaligen Zeit? Ich bekam etwas Mißtrauen. Wenn man den Friedhof verlassen hat, koinmt ein Weg, an dem noch vereinzelte Gräber liegen. Dann zeigen sich die ersten Häuser des Dorfes, in dem Frau Tahya wohnen sollte. Die Hitze war jetzt drückend geworden; hier oben herrschte vollkommene Stille. Aus der schmutzigen Dorfstraße spielte, ganz sich selbst überlassen, ein Kind. Zwei Hühner flohen gackernd, als ich näherkam. Ueber- all sah man hier noch die alten hölzernen Haremsgitter, die jetzt offenbar als Sonnenschutz benutzt werden. Da sich kein Erwachsener zeigte, klopste ich entschlossen an eine Haustür; es kain ein alter weißbärtiger Mann, dem ich klar zu machen versuchte, was ich wollte. Aber er verstand kein Wort; er rief einen anderen Mann. der aber auch nichts begriff. Es kamen noch mehr Dorfbewohner. die alle nicht ein Wort verstehen konnten. In meiner Not schrieb ich schließlich den Namen„Pohya" auf ein Stück Papier. Einer war da, der lesen konnte; er machte mir Zeichen, aus denen ich entnahm, daß sich Frau Dahya nicht im Dorf befand. Ob sie über- Haupt je dort gewesen war, konnte ich nicht feststellen. Eine un- beschreibliche Wut auf meinen Hoteldirektor«rjüllte mich. Er hatte mich also diesen Berg bei der infernalischen Hitze erklettern lassen, ohne zu wissen, ob Frau Dahya wirklich dort wohnte. Wahrschein- lich lebte sie gar nicht.„Das ist mir wirklich sehr unangenehm". sagte der Hotclmann, als ich vor ihm stand und meinen Spazier- gang nicht gerade sehr freundlich erzählte,„ich hotte ganz ver- gessen, daß diese Person vor einiger Zeit von einem amerikanischen Filmunternehmer gemietet worden ist. Sie machen Aufnahmen auf der asiatischen Seite— in Tschengelköi glaube ich—, es gibt einen Film aus dem türkischen Mittelalter; es wird schwer sein, die Frau Pahya jetzt zu erwischen. Entschuldigen Sie bitte." Der Hotel- direktor überbot sich in Entschuldigungen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als sie anzunehmen. Ich hatte eine Verabredung mit einem Freund. Er ist ein langjähriger Kenner der Türkei. Auf meine Frage sagte er: „Sickzerlich waren außer den Odalisken auch Frauen im Serail des Sultans beschäftigt; ob in der Küche, weiß ich nicht. Wenn die Frau Pahqa von diesen Dingen etwas weiß, kannst du beruhigt nach Hause gehen."„Warum?" fragte ich erstaunt.„Weil sie ihre Memoiren schreiben wird—, der kannst du sicher sein. Und wenn sV achtzig Jahre, alt sein sollte."..' 3)ag allfpanifrtte S)rania Die ältesten spanischen dramatischen Dichtungen entstanden im Ausgange des 14. und 15. Jahrhunderts. Zunächst waren es meistens ungeschriebene Stücke, die auf d«n Jahrmärkten als kurze 5ianewurstiaden improvisiert wurden Außerdem fanden— wie auch in anderen Ländern— in den Kirchen fromme Spiele statt. Erst aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts sind einige Schrift- steller von etwas größerem Werte zu nennen: V i l l e n a und San- t i l l a n a, die zuerst ihre dramatischen Werte niederzuschreiben versucht haben. Der erste spanische Dramatiker, von dem uns eine kleine Sammlung dramatischer Dichtungen hinterlassen ist. war dann Juan de E n e i n a. Alle diese frühesten Versuche hatten jedoch nur eine geringe Eignung zur Aufführung. Im 16. Jahrhundert nahm dann die spanische Dichtung einen größeren Aufschwung. Zahlreiche Autoren schufen dramatische Werke, von denen die„C e l« st i n a oder Tragikomödie von Ealixtus und Melibea" eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, bis dann etwa um 1666 durch Lope de Bega und besonders C a l o e r o n der höchste Gipse! dramatischer Kunst in Spanien erreicht wurde. Lope de Bega hat sich als erster von den Formen der Tradition und den bis dahin geltenden Kunstregeln freigemacht und seine Gestalten mit ihren Leidenschaften, Gedankengängen und Anschauungen dem Leben seiner Zeit und seines Volkes entnommen. Im 17. und 18. Jahrhundert setzte dann ein allgemeiner Verfall der spanischen Dichtung ein. Vergeblich versuchten im 18. Jahrhundert noch einmal zwei Brüder M o r a t t n e eine gewisse Reforinierung des spanischen Theaters herbeizuführen. Vielleicht hat eist die gegenwärtige völlige gesell- schostliche und geistige Umwälzung des spanischen Volkslebens auch die Voraussetzung für eine Neubelebung der spanischen Dichtung, speziell des Dramas, bis zu dauernder internationoler Geltung ge- ichasfe»._ 3)ic Qabcl Vor mehr als 666 Jahren hielt die Gabel, unser unentbehr- liches Gerät zum Essen, ihren Einzug in Europa. Im Herbst des Jahres 665 vermählte sich ein Sohn des Dogen Pictro Orseolo mit der bnzantinischcn Prinzessin Argilo, einer Schwester des oft- römischen Kaisers. Während man bis dahin in Venedig die Speifei, mit den Fingern zum Munde geführt hatte, bediente sich die Prin- zcssin Argila zu diesem Zweck einer zweizinkigen Gabel und eines goldenen Löffels. Der Löffel war den Venetianern nichts Neues, wohl aber die Gabel. Die venetianischen Damen beeilten sich natür- lich, es der Byzantinerin gleichzutun, und wenn ihnen auch die Hand- habung der Gabel recht schwer siel, so bürgerte sich der neu« Brauch doch nach und nach in den vornehmen venetianischen Familien ein. Freilich fehlte es nicht an Spöttern und Todlern, de den Gebrauch der Gabel als einen schädlichen und lächerlichen Auswuchs der itolie. nischen Ueberfeinerung tadelten. Es dauerte viele Jahrhunderte, che die Ggbel von Venedig aus ihren Weg in das übrige Italien fand. Erst im Zeilalter der Renaifsance, etwa vom Jahre 1366 ab, wurde das Essen mit der Gabel in Florenz und in den anderen italienischen Städten Brauch. Wann sich die Gabel in Deutschland eingebürgert Hot. vermöge» wir nicht genau festzustellen In Frankreich wird sie zum ersten Male im Jahre 1376 in einem Verzeichnis des könia- lichen Silberzeuges erwähnt. Mode wurde aber dos Essen mit der Gabel in Frankreich erst um das Jahr 1556. Nach England brachte sie der Reifende Corgate direkt aus Venedig im Jahre 1668 J» allqe- meineren Gebrauch kam sie hier aber erst gegen das Ende des 17. Jahrhunderts. Aeußeruna über Ihre iluffassung von der bisherigen TSkig- keil des Sabmetts Brüning und Ihr Urteil über die Notwendigkeit eines Systemwechsels und Personenwechsels freundlichst zukommen lassen würden. wenn Sie meiner Bitte entsprechen, würde ich Ihre Antwort zusammen mit anderen, die ich gleichzeitig erbeten habe, dem Herrn vorlegen und gegebenenfalls meine bisherigen Darlegungen noch er- gänzen. Sehr verbunden wäre ich für den Bescheid, ob ich darauf rechnen kann, daß Sie meine Bitte erfüllen. gez. Fürst Salm-Horstmar.' Auf diese Weise ist ein Brief- und Telegrammsturm zu- lammengeschoben worden, der den Reichspräsidenten unter Druck setzen sollte. Die gleichen Leute, die im Kriege durch unverantworlliche Treibereien gegen das deutsche Volk ge- wirkt haben, sind heute die Repräsentanten der Harzburger Front! Ein alter Scharfmacher. Dieser Salm-Horstmar gehörte natürlich in der Monarchie dem Herrenhans an. In dieser Versammlung herrschte im allgemeinen bei aller reaktionären Gesinnung des Mels, der Bischöfe, Professoren und auch so mancher Oberbürgermeister und Gelchrten doch ein Ton vornehmer Zurückhaltung. Desto greller stach davon die gesuchte Derbheit und Schnoddrigkeit ab. mit der Salm-Horstmar besonders die Interessen der Hausagrarier vertrat und gegen die Arbeiterbewegung und Demokratie scharf machte. Man konnte deutlich beobachten, wie diese Ianuschauer-Weise gar vielen Standes- genossen des Horstmarers auf die Nerven ging. Zusätzliche Winterhilfe. Gutes Beispiel der Nheinprovinz. Eine der dringlichsten Forderungen der Sozialdemokratie ist die nach einer zusätzlichen Winterhilfe für Arbeitslose und sonstige Bedürftige durch die Lieferung von Sohlen und Kartoffeln auf Kosten des Reiches. wie berechtigt dieses Ansinnen ist, wird am besten dadurch be- wiesen, daß an einzelnen Stellen diese Forderung bereits aus eige- ner Kraft zu verwirklichen gesucht wird. So ist in der Rheinprovinz. wo die Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene durch den sozialdemokratischeu Landrat und Reichslagsabgeordneten Gerlach geleitet wird, kürzlich beschlosien worden, allen arbeits- sähigen, aber zur Zeit arbeitslosen Schwerbeschädigten eine zusätzliche Winterhilfe zu gewähreu. Sie soll darin bestehen, daß im allge- meinen pro Familie 15 Zentner Kohlen und bis zu 5 Zentner Kar- löffeln gegeben werden. Den hilfsbedürftigen Witwen und Krieger- eltern soll, soweit die Mittel reichen, dieselbe Vergünstigung gewährt werden wie den arbeitslosen Schwerbeschädigten. hoffentlich ist das gute Beispiel der größten preußischen Provinz ein Anlaß zu ähnlichem vorgehen für die anderen Teile des Reiches. Verbilligung von Brot und Kohlen. Für Arbeitslose und Hilfsbedürftige. Der Reichsarbeitsmini st er gibt in einem Rundschreiben an die Sozialbehörden der Länder und an die Reichsanstalt für Ar- beitslosenocrsicherung das Ergebnis der Verhandlungen über die Ge- Währung von Sachleistungen für Arbeitslose sowie über Verbilligungsmaßnahmen zugunsten Arbeitsloser und und sonstiger Hilfsbedürftiger bekannt. Danach wird von einer«in- Zeitlichen Regelung der Sachleistungsfroge wegen der Verschiedenheit der örtlichen Verhältnisse abgesehen. Für die Regelung durch die örtlichen Fürsorgeträger werden jedoch bestimmte Grundsätze auf- gestellt. Die ollgemeine Belieferung mit Sachleistungen an Stelle von Barleistungen soll aus Brot und außerdem höchstens noch auf Kartoffeln und Brenn st off unter Einschaltung des Handels deschränkt werden. Mit Rücksicht auf die Erfahrungen der Kriegs- Wirtschaft werden die Fürsorgeträger nachdrücklichst davor gewarnt, die Sochlieferung in eigener Regie zu übernehmen. In Verhandlungen mit den Spigenvcrbänden der Industrie und des.Handels, mit den Kohlensyndikaten und dem Bäckergewerbe wurde eine grundsätzliche Einigung darüber erziell, daß an Ar- deitslose Lebensmittel und Brennstoffe verbilligt abgegeben werden. Der Rcichsarbeitsminister fordert die Fürsorgeträger auf, in Verhandlungen mit den örtlichen Organisationen der Wirtschast die Maßnahmen für die Arbeitslosen und andere Hilfsbedürftige ihres Bezirks im einzelnen zu regeln und dabei eine möglichst um- fassende Verbilligung anzustreben. Oeuisch-französisthe Kommission. Zouhaux und Ehevalme vom EGT. delegiert. Paris, Ii. Oktober.(Eigenbericht.) Der Verwaltungsausschuß des Allgemeinen G e w c r k- fchaftsbundes(EGT.) hat in einer Sitzung am Dienstag die Einladung der französischen Regierung, an den Arbeiten der deutsch-französischcn Wirtschostskommission teilzu- nehmen, angenommen, jia im Hinblick auf die Weltwirt- schaftskrise alle im internationalen Rahmen eingeleiteten Vorhand- lungen nur den Weg der Wiederannäherung zwischen den Völker., ebnen können, ohne die die erforderlichen internationalen Lösungen nicht durchzuführen sind". Der Ausschuß hat Iouhaux und E h e o a l m e beauftragt, die EGT. in der Kommission zu vertreten und die Grundlinien des Programms, dos sie verteidigen sollen, sowie d i e Haltung festgelegt, die sie in Ile b e r e in stimm u n g mit dem deutschen Gewerkschastsbund unter Obhut der Gewerkschaftsinternationale zu beobachten haben. Die Vertreter der französischen Wirtschaft und Finan.; in der Kommission werden am Mittwoch ernannt werden. Am Donnerstag tritt die französische Delegation zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der französische Botschastcr in Berlin. Fran?ois Poncet, der sich zur Zeit in Paris aufhält, wird dieser Sitzung beiwohnen. Am Dienstag hatte Ministerpräsident Laval eine Unter- redung mit dem Botschafter, um sich von ihm über die Lage in Deutschland und die Harzburger Kundgebung informieren zu lassen. Äesprechungen in Paris. pari,. It. Oktober.(Eigenbericht.) Der deutsche Botschafter von Hoesch hat dem ftanzöstschen Ministerpräsioenten nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub am Mitt- woch einen Besuch abgestattet. Gegenstand der Unterredungen war u. o. die möglichst schnelle Bildung und Ingangsetzung der deutsch- französischen Wirtschaftskommission. Am Dienstag hatte der Bot- fchaster eine Besprechung mit Berthelot. Generalsekretär des Außen- nünfttkriiim«, Gemütsmenschen. ,Oie Großindustrie braucht eben eine neue Inflation!" «-Aber die Sparer?" «.Die können wieder von vorn anfangen." Abrechnung mit der Reaktion. Brandmarkung der Harzburger im preußischen Landtag. Der preußische Landtag nahm zu Beginn der Mittwochsitzung zunächst die Ersahwahl für den Vizepräsidenten von Eynern vor. der sein Mandat niedergelegt hat. Gewählt wurde der volkspartei- liche Abgeordnete Dr. Böhm mit 2S0 Stimmen gegen den Kommunisten Kasper mit Zg Stimmen. Hierauf trat das Haus in die große politische Aussprache ein. Abg. Dr. von Kries(Dnat.):„Im„Deutschen Volkswirt" hat das bisherige Mitglied der preußischen Regierung Dr. Höpker- Aschoff den Plan entwickelt, durch eine Notverordnung nach Artikel �8 Preußen das Lebenslicht auszublasen. Ebenso ver- sojsungswidrig wie diese Absicht, für die die Regierung verant- wörtlich ist, ist die Nichteinberusung des Landtages durch den Präsidenten Bortals gewesen, obwohl mehr als ein Fünftel der Mitglieder sie verlangt hat. Die Mehrheit des Landtages bat sich hier'einer augenscheinlich oeriossungswidrigen Praxis der Reichs- togsmehrheit angeschlossen. Verfassungswidrig waren die Notverordnungen des Reichspräsidenlen und die daraus gestützten preußischen Notverordnungen, denn nirgends war die öffentliche Ruhe oder Ordnung gestört oder bedroht; im Gegenteil, das deutsche Volk zeigte eine wahre Lammesgeduld. Praktisch führen die uni- tarischen Pläne Höpker-Aschoffs und Luthers nur zur Neuauf- reißung der Mainlinie und zu den verbrecherischen Plänen des Rhein- und Ruhrstaates. Was Deutschland Kraucht, ist die muster- hafte Verbindung von Föderalismus und Unitarismus, die Bismarck vorgenommen hat. Wir fordern ein s e l b st ä n d i g e s Staats- ob erhaupt und eine Regierung, die vom Willen des Parlaments unabhängig ist. Wir fordern ein Zweitammer s y st e m. Wir sind erfüllt von glühender Liebe zu Preußen, aber wir müssen zurück ins alte Preußen. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Haas-Köln(Soz.): Die Rede des Juristen von Kries war ein vorweggenommenes Plädoyer für die Klagen, di« die deutschnationale Landtagssraktion beim Staatsgerichtshof eingereicht hat. Uns würde im gleichen Falle bestimmt von der Rechten entgegengehalten werden, daß wir mit unerlaubten Mitteln ein schwebendes Rechtsvcrfahrcn zu beeinflussen suchten.(Sehr gut! bei den Soz.) Zn seiner heftigen Polemik aegen den bisherigen Finanzminister hat Herr von kries gelassen dos große wort xeiprochen, Preußen sei die klammer gewesen, die das Reich zusammen- gehalten hätte. Jawohl, das neue Preußen, das Preußen Ollo Brauns.(Stürmischer Beifall link», lebhafter Wider- spruch rechts.) Mir war bisher gar nicht bekannt, daß im alten Reich jemals eine separatistische Gefahr bestanden hätte; wenn von Kries also Preußen als Klammer des Reichs gefeiert hat, kann«r nur das neue Preußen gemeint haben. Aber während dieses neue Preußen das Reich zusammenhielt, hat Herr Adolf Hitler am S. November Z923 seine Bürgerbräuhausrevolte gemacht, deren Gelingen unsehlbar den Separatisten zum Siege oerholfen hätte. Und während ich und meine politischen Freunde trotz oller Gefahr mit letzter Kraft für die Reichseinheit gekämpft haben, sind es rheinische Freunde der heutigen sogenannten nationalen Opposition gewesen, die 1923 da» Rheinland versacken lassen wollten. (Stürmische Zustimmung links.— Widerspruch rechts— Zurufe: Nomen nennen!) Ich werde nicht durch die Nennung der sehr bekannten und hervorragenden Namen alle Wunden ausreißen— ich brauche das nicht, jedes Mitglied des Hauses kennt die Namen. (Lebhaster Widersoruch rechts; Zurufe: Zentrumsnamen!) Sie suchen Ihre Schuld zu verkleinern, indem Sie Mitschuldige am- sühren. Aber den Separatismus niedergeschlagen haben mit uns die Mitglieder der christlichen Ge- werkschaften, und kein Lärm schafft aus der Welt, daß gerade die. die die Vaterlandsliebe sür sich allein pachten möchten, gegenüber dem Separatismus im Rheinland total versagt haben. (Große Unruhe rechts— ein Teil der Deutschnationalen oerläßt den Sitzungssaal.) Es liegen heute dem Landtag wieher eimnal vier Mißtrauens- antrage vor. Sie werden denselben Mißerfolg haben, wie ihre 21 Vorgänger seit Beginn dieser Session.(Heiterkeit.) Sie werden dieselbe Zlbfuhr erfahren wie der Volksenischeid des g. August. (Sehr gut! links und in der Mitte.) Nach diesem Volksentscheid haben sich bekanntlich die verbündeten Nationalsozta- listen und Kommunisten gegenseitig furchtbar beschimpft und sich gegenseitig die Schuld an der Niederlage zugeschoben. Ader weil sie alle zusammen schmählich geschlagen worden sind, haben sie sich nachher gewaltig darüber ausgeregt, daß die preußische Re- aierung gegen einzelne politische Beamte einge- schritten ist, die am Volksentscheid teilgenommen haben. Nach dem Aufruf der preußischen Staatsregierung unmittelbar vor dem Volksentscheid mußte es mindestens jedem politischen Beamten in Preußen klar sein, daß sie mit einer solchen Stimmabgabc gegen das Staatsintcresie handelten. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß die Beamten, die am S. August zum Volksentscheid gelausen sind, sich nur einen Freisahrlschein ins Dritte Reich sichern wollten. (Heiterkeit.) lins liegen heute noch eine ganze Anzahl von Antrag an gegen den politischen Terror vor, sowohl seitens cek Rechten wie seitens der Kommunisten. Aber wenn in den letzten acht Jahren in Deutschland im politischen Kamps über sünshunderk Rtenichen getätet und über Zwölfhuudert Menschen lebensgefährlich verletzt worden sind (stürmischen hört! hört!), dann tragen die Verantwortung dosür doch die Führer der Kommunisten und Nationalsozialisten, die unausgesetzt den Gewaltgeist predigen. Es ist einfach Heuchelei, wenn eine Partei, die planmäßig den Terror gegen Polizeibcamtc organisiert, nachher über„Arbeiter- morde" der Polizei �wehklagt. Wir haben für den ungeheuer schweren Dienst der Schutzpolizei alle Achtung und Anerkennung. (Lebhaftes Sehr wahr! links und in der Mitte.) Wir haben deshalb auch nicht gutheißen rönnen, daß in der preutzis6)cn Notverordnung die Schutzpolizei schlechter gestellt worden ist als die Reichswehr. Ebensowenig billigen wir an der Notoerordnung die ungleichen und ungerechten Gehaltskürzungen. Wir bedauern auch die sachlich keineswegs gerechtfertigten Eingriffe in die Selbstverwaltung der Gemeinden. Aber wir begreifen, daß die wirtschaftliche Notlage die preußische Regierung zu dieser Maßnahme gezwungen hat. Zu den Klagen, daß die heutige Republik und die heutige Regierung Redefreiheit und Pressefreiheit tosächlich aufgehoben hätte, ein paar Zahlen: In der Provinz 5?essen-!>tassau sind in den letzten fünf Monaten 1910 Versammlungen der Nationalsozialisten und 1130 Versammlungen der Kommunisten abgehalten worden; dazu noch 509 Ver- sammlungen aller übrigen Parteien einschließlich des Stahlhelms. Verboten wurden den Nationalsozialisten ganze 4 3 Ver- sammlungen und den Kommunisten ganze 7 2.(Zurufe bei de» Kommunisten.) Aufgelöst wurden bei den Nationalsozialisten IS Versammlungen, bei den Kommunisten 11. Das Geschrei der Kommunisten über ungleiche Behandlung war also voreilig.(Heiter- kcit.) Ebenso sind bei der schriftlichen Propaganda noch nicht 10 Proz. der Flugblätter und Plakate beanstandet worden. Solche Freiheit gewährt die Republik ihren Todfeinden. Wenn diese einmal zur Macht kämen, wäre es mit der Redefreiheil. Dersammluagsfreiheit und VressefrelHell sofort au«, da würde der polltische Gegner an die wand gestellt.(Zuruf bei den komm.: Sie hängen wir am nächsten Baum auf!) Wer diese Absicht hat, heuchelt doch wirklich nur. wenn er sich über Freiheitsunterdrückung im Gcgevwartsstaat beklagt.(Lebhafte Zustimmung.) Der Kampf, der jetzt geführt wird, geht nicht nur um die politi- schen Freiheiten und Rechte, er geht vor allem um die wirt- schaftliche Lage der arbeitenden Massen. Gegen die Harzburger müssen Arbeiter, Angestellte und Beamte eine geschlossene Front für die Erhaltung der politischen Freiheiten und der sozialen Rechte, sür die Ueberwindung von Hunger und Not bilde».(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten, Lärm bei den Kommunisten.) Ihnen wäscht trotz allen Ge- schrreis kein Wasser die Schmach ab. daß Sie am 9. August die Ein- heilsfroat mit den Faschisten gebildet haben, wir aber bilden die Abwehrsront der gesamten organisierten Arbeiter-, Angestellten- und veamtenschask. und in dieser Front werden wir Staat. Volk nnd Vaterland retten.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Boumhofs(Z.): Harzburg war uns Fanal und Symbol. Die in den teuersten Luxusautomobilen nach Harzburg gefahren sind, trieb nicht der Hunger nach Brot, sondern der Hunger nach poli- tischer Macht. Ihr nationales Programm besteht darin, Kapital und Arbeit. Besitz und Armut bis zum Bürgerkrieg gegeneinander zu hetzen und das ver- trauen zur deutschen Währung zu untergraben. Die Großen in der Wirtschaft hoben mächtige Konzerne und Mammutbanten ausgebaut, aber es waren lauter Kolosse auf tönernden Füßen. Die Wirtschaftsführer schreien gegen die Büro- trotte und den Lersorgmigsstaot. Aber längst ist an Stelle de» wagemutigen Unternehmers der Generaldirektor, der Wirtschafts- beamte mN festen, nicht zu kleinen Bezügen getreten.(Sehr gut! links.) Und auch diese Wirtschaftsbeamten Hoben an die ewige Hochkonjunktur geglaubt.(Widerspruch rechts.) Sie nicht? Dann ver- stehe ich Ihre Bcamtenanträge aus den letzten Iahren nicht. Abg. Borrf[Dnat.s: Die haben wir ja nur gestellt, um Sie zu übertrumpfen! j Graste anhaltende heitcrkeil.f) Aber die Privatindustrie hat doch in wenigen Jahren 20 Milliarden in Ncuanlagen investiert und fchlinvesticrt.(Sehr gut! links.) Deutschlands Rettung beginnt mit der Abkehr von den politischen Schwadroneuren und den billigen Jakobs. Jeder deutsche Walzler sollte sich einmal eine Minute lang ruhig überlegen, ob er zum rcparatinnspolitischen Frieden und zum Wiederaufschwung der Welt- Wirtschaft leichter mit Brüning oder mit Hugenberg-Hitlcr kommt. (Sehr gut! in der Mitte und links.) Natürlich hat sich Brüning durch sein Borgehcn gegen den Aklienschwindcl und die Aufsichtsrate am Geiste von Harzburg schwer versündigt. Aber nach unserem willen sollte er gegen offensichtlich« llcbelstände der Wirtschast noch viel kräftiger vorgehen. Auch wir beklagen die diktatorischen Notverordnungen! aber was bleibt übrig nach dem völligen Versagen der Wähler und der Parla- mente? In.Harzburg sast�dcr Herd der Inslations- gefahr.(Lärm rechts.) Schreien Sic nicht so laut, sonst redet einmal der Reichskanzler über das, was in den vier Wänden seines Llmtszimmers sich zugetragen hat. Das Zentrum läßt an den Grundsätzen des Arbeits- und Tarifrcchts und an den Fundame nteir der Sozialgesetzgebung nicht rütteln.(Sehr gut! links.) Seien Sie gewiß, wenn Sic jetzt das Pulversaß zur Explosion bringen, auf dem wir alle sitzen, wird das deutsche Volk einmütig gegen die Hasardeure des politischen Fanatismus zusammenstehen.(Lebhafter Beifall in der Milte und links.) Innenminister Severins: Jäh hätte von der Opposition gern irgendeinen neuen Gedanken gehört, wie wir den drohenden Hunger bekämpfen sollen. Ich hätte sie gern beschäftigt gesehen mit der einzigen Frage, die es jetzt eigentlich gibt, mit dem Schicksal der W o h l s a h r t s- erwerbslosen.(Sehr gut!) Statt dessen hat sich die Opposition in künstliche Aufregung über einen alten Artikel des verdienten preußischen Finanzministers Dr. Höpker-Aschoff versetzt. Vater des Ilnitarismus ist doch nicht Höpker-Aschoff, sondern Hugenbcrg, der schon im Jahre l9l8 gefordert hat, man müsse das Durcheinander der Einzelstaaten vollständig beseitigen. Die Schwärmerei des Abg. von Kries für den Bismarckschcn Staat kann ich nicht teilen. Ich glaube, daß Friedrich III. recht hatte, der ihn ein künstlich gc- fcrtigtes Chaos genannt hat. Einer so ernsten Probe, wie sie die Republik lg2t und kSZZ bestanden hat, hätte des Bismarcksche Staat nicht standgehalten. Gegen eine Rückkehr ins alle Preußen wird sich das preußische Volk mit äuherster Entschiedenheit wehren. Die wieder- aufrichtung der alten Privilegien wird einem unbcngsamc» Widerstand begegnen. Die Klagen über die preußische Notoerordnung erscheinen mir berechtigt. Von meinepi Rcssortstandpunkt aus habe ich selbst noch mehr Klagen. Aber wir waren nicht Herr unserer Eni- s ch l i c ß u n g e ii. Die preußischen Gemeinden haben einen Fehl- betrag von ö00 Millionen. Hilfe konnte nur das Reich bringen. Die Reichsregierung war aber mit platonischen Er- klärungen der Sparsamkeit' nicht zufrieden, sondern hat den formu- liertcn Entwurf der Notverordnung von uns verlangt, und wir muhten ihn liefern: denn wir konnten die Wohlsohrtserwerbslosen nicht verhungern lassen. Das war nicht nur ein Akt der Volkssolidarität, sondern auch ein Akt staatlicher Rot- wendigkeit. Her« von Kries hat gemeint, keinerlei Unruhe häite gedroht. Aber ivenp z. B. Duisburg die Zahlungen an die Wohlfahrtserwerbslosen eingestellt hätte— und so war es am Tag vor der preußischen Not- Verordnung—, hätte dann von Kries für die Ruhe und Ordnung garantiert? Dankbar nehme ich von seiner Erklärung Kenntnis, daß die Gehorsamspflicht der Länder nur soweit geht, wie das Reich innerhalb seiner Zuständigkeit bleibt. Man kann ja nicht wissen, was für eine Reichsregicrung einmal kommt: auf jeden Fall will ich feststellen, daß auch die Opposition uns nur an verfassungsmäßige Weisungen des Reiches gebunden hält.(Sehr gut!) Die Anfragen, ob Preußen die neue Notverordnung des Reiches gegen die Presse veranlaßt habe, beantworte ich mit einem glatten Nein. Mit dem Plan der Sondergerichte sind wir überhaupt nicht befaßt worden. Die Polizeibeamten werden wir in jeder Weise schützen, nicht nur an Leben und Gesundheit, sondern auch an der seelischen Festigkeit. Die Zersetzungstätigkeit der KPD. in der Polizei wird aufmerksam beobachtet.(Abg. Hosfmanni Es lebe der Streik in der Kaserne!) Das sind allerdings Hoffmanns Er- Zählungen.(Heiterkeit.) Es ist in den preußischen Kasernen kein einziger Zoll von Dienstverweigerung vorgekommen, und den verabschiedeten Polizeileutnant Giesecke gönne ich der KPD. zu ihrem Schcringer hinzu. »Heiterkeit.) In Harzburg wie vorher in Stettin hat Herr Hugen- bcrg erklärt, die nationalen Verbände würden Leben und Eigentum nur ihrer eigenen Anhänger schützen. Von dem Maße von Staats- gesinnung, das darin steckt, spreche ich nicht. Aber die preußische Polizei verzichtet ein- für allemal auf die Hilfe der SA., des Stahl- Helms und sogar des Herrn Hugenbcrg.(Große Heilerkeit.) Am liebsten wäre uns, wenn die ganzen Sclbstschutzorganisationen verschwänden. Selbstschutz ist nicht Schutz, sondern nur Beunruhigung und Gefährdung. Die staatlichen Machtmittel reichen durchaus aus. Aber wir sind nicht bloß auf Polizei und Reichswehr angewiesen. Der Republik stehen auch sämtliche Organisationen der Arbeiter, Angestellten und Beamten zur Verfügung. Die Waffen gehören nur in die Hand derer, die sie dienstlich zu führen hoben: ober die tiefere politische Einsicht, die festere Disziplin und der stärkere Zukunftsglaube oller organisierten Arbeitnehmer wird der Republik zum Siege verhelfen.(Stürmischer Beifall in der Mitte und links.) Abg. Schwenk(Komm.) begründet die Auffassung, daß der Ka- pitolismus dieser Weltwirtschaftskrise nicht mehr Herr werden könne, Hierauf vertagt das Haus die weitere Debatte auf Donnerstag 12 Uhr._ Ende des OanzigerHafenarbeiierstreiks Streikbeschluß der Weichsel-Holzarbeiter. Danzig. 14. Oktober. Der Hafenarbeiterstreik im Danziger Hafen ist heute, Mittwoch, beendet worden. Die Arbeiter haben sich bedingungslos d e m Schiedsspruch �unterworfen. Während der vierzehn-! tägigen Dauer des Streiks war Technische Nothilfe eingesetzt. Mit dem Ende dieses Streiks ist auch die ganze kommunistische Hafen- und Schifsahrtsstreikaktion erledigt— bis auf die deutschen Schisse in russischen Gewässern. Die Weichsel-Holzarbeitcr haben beschlossen, in den Streik zu treten. Von insgesamt 680 Arbeitern stimmten 403 für den Streik und 77 gegen den Streik, 200 Arbeiter enthielten sich der Stimme. 3n Ruhland begnadigt wurden 800 politische Gefangene, die 1027 bis 1029 zu Gefängnis wegen Sabotage und Gegenrevolutian verurteilt waren, meist Ingenieure und Fachleute. Bon der Amnestie sind Vertreter religiöser Külte ausgenommen. OMV. fordert 4O-Stundenwoche. Aichi Abbau des Lohnes, sondern der Arbeitszeii. Der Gesamlverband Deutscher wctallindustrieller hat an seine w'tgliedsorgonisalionen die Anweisung gegeben, sämtliche Tarlsverträgc zum nöchsimöglichcn Te-min zu kündigen. Dieser Anweisung ist auch Folge geleistet worden, so daß gegenwärtig für mehr als 600000 wctallarbeitcr die Lohnabkommen gekündigt worden sind. Der Zweck dieser Kündigung ist natürlich ein weiterer Abbau der Löhne, und zwar soll überall ein Lohnabbau von 1? Prozent verlangt werden. Der Vorstand des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes hat deshalb am 12. Oktober an den Vorstand des Gesamtoerbandcs Deutscher Metallindustriellcr ein Schreiben gerichtet, in dem er zu diesen Massenkündigungen Stellung nimmt.»In dem Schreiben wird unter Anführung 0er Statistik des ADGB. darauf hingewiesen, daß die Löhne in der Metallindustrie zu den schlechtesten aller Industrien und Berufe gehören. In dem Schreiben heißt es oann: „Es gibt keine Industrie und keinen Beruf, der an die Intelligenz und Lcistungsfähigkeik seiner Arbeiler höhere Ansprüche stell,. als dies in der Metallindustrie geschieht, und doch sind die Löhne der Metallarbeiter— gleichviel ob gelernte, angelernte oder un- gelernte— geringer, zum Teil sogar erheblich niedriger als in den anderen Industrien, wie die vorstehende Zusammenstellung ergibt. Der Einwand, daß etwa 73 Prozent der Beschäftigten in der Metall- industrie im Akkord arbeiten und deshalb höhere Berdicnste er- zielen, als sie sich aus den Tariflöhnen ergeben, beweist doch nur, daß 25 Prozent der Metallarbeiter, also Hunderttausende, nur Tariflöhne und damit Verdienste beziehen, die völlig unzureichend sind, Diese Hunderttausende werden beim Tariflohnabbau ganz furchtbar getroffen, besonders wenn beachtet wird, daß sie durchweg auch noch kurz, wöchentlich nur vier oder drei oder gar zwei Tage ar- bellen, und deshalb ohnehin eine außerordentliche Verdiensteinbuße erleiden." Wohl seien nominal die Löhne auch jetzt noch höher als in der Vorkriegszeit, jedoch müsse der Realwerl der Löhne in Betracht gezogen werden und außerdem die erhöhten Abzüge für Steuern und Sozialbeiträge, Es wird dann weiter daraus hingewiesen, daß die Löhne in der Metollindustric keineswegs starr sind und daß selbst ohne Tariflohnkündigung die Verdienste geradezu katastrophal gesunken sind. Es wird dann weiter darauf hingewiesen, daß die Löhne in England, in den skandinavischen Ländern, in Holland und der Schweiz höher sind als in Deutschland. Der Lohnunterschicd gegenüber Frankreich ist minimal, während er in den Vereinigten Staaten ungleich höher ist. In dem Schreiben heißt es dann: „Das sind die Löhne der Industrieländer, mit denen die deutsche Metallindustrie in schärfstem Wettbewerb steht. Die Löhne in Deutschland können also unmöglich ein Hindernis dieses Wettbewerbs sein. In der Metallindustrie Polens, der Tschechoslowakei, Ungarns sowie der westlich gelegenen kleineren Länder ist der Lohn etwas geringer als in Deutschland, dieses Minus wird jedoch mehr als wettgemacht durch die größere menschliche und maschinelle Leislungssähigkeii in der deutschen Industrie. Besonders um das erstere wird die deutsche Industrie von allen anderen Ländern beneidet. Bei den geringeren Löhnen der ge- nannten Länder ist übrigens wesentlich, daß sie dafür erheblich mehr kaufen können. In Prag ist zum Beispiel nach den Berechnungen des Internationalen Arbeitsamtes die Kaufkraft des geringeren Lohnes jetzt die gleiche wie die des Lohnes in Berlin, während vor einigen Iahren eine erhebliche Differenz bestand," Aus diesen Gründen weist der DMB, jeden weiteren Lohnabbau als unerträglich ab. Bei allen bisherigen Lohnobbaumaß- nahmen sei versichert worden, daß damit die Wirtschaft angekurbelt und die Arbeitslosigkeit zurückgehen würde. Das G e g e n t»e i l fei eingetreten und mußte eintreten. In dem Schreiben heißt es dann: „Bei nochmaliger gewissenhafter Prüfung der ganzen Ver- hällnisse sind wir erneut zu dem Ergebnis gekommen, daß nicht ein« weitere Schwächung der Kaufkraft durch Lohnabbau, sondern eine Reuregelung der Arbeitszeit gegenwärtig aus politischen, wirtschastlichen und sozialen Gründen unbedingtes Erfordernis ist. Die vorhandene Arbeit muß in allen Betrieben, wo nach über 40 Stunden gearbeitet wird, auf eine größere Zahl von Arbeitern bzw, Arbeiterinnen verteilt, vor allem das weitere Steigen der Arbeitslosenzisser verhindert und Arbeitslose wieder in die Produktion eingeschaltet werden. Nach der Statistik der Landesarbeitsäniter wurden Milte September in Deutschland insgesamt 4,3 Millionen Arbeitslose ge, zählt, davon aus der Metallindustrie allein 734 560. Der Anteil der Arbeiterinnen an dieser Zahl beträgt 44 350, Von den rund 600 000 Arbeitslosen männlicticn Metallarbeitern ist ein großer Prozentsatz hochqualifizierter Arbeitsträste, Für diese wächst mit der Dauer der Arbeitslosigkeit nicht nur die Gefahr der körperlichen und geistigen Demoralisation, sondern auch der Verlust der beruf- lichen Fähigkeiten.,. wit der Wiedereinstellung auch nur eines wesenllichen Teile» dieser Arbeitslosen in die Betriebe ist aber solange nicht zu rechnen, als die normale Arbeitszeit die 4Sstündige bleibt und darüber hinaus auch noch Mehrarbeit zulässig ist. Auf eine Wiedereinstellung Arbeitsloser wird selbst bei steigender Konjunktur nicht zu rechnen s«in, wenn die heute kurzarbeitenden Betriebe wieder zu der bisher in den Tarifverträgen üblichen Arbeitszeit übergehen. Die Betriebstapazitat ist in der Metallindustrie eine so hohe, daß auch bei höchster Koissunktur die 40-Stuiiden-Woche ausreicht." Notwendig sei eine Verkürzung der Zlrbeitszell aber auch, weil, wie eine Denkschrift des Verbandes der Aerzte Deutschlands auf- gezeigt habe. die Rationalisierungsmahnohmen außerordentlich gesundheitsschädlich gewirkt haben. Die Einwendungen der Unternehmer gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit seien nicht stichhaltig: „Bei einer Verminderung der Arbeitslosenzisser sinken aber nicht nur die Beiträge zur Ärbeitslojenoersicherung, sondern auch die Abgaben, die die Unternehmer und Arbeiter an Reich, Staat und Gemeinden zur Deckung der sozialen Lasten zu leisten haben. Durch gewisse betriebsorganisatorischc Maßnahmen dürste es sogar möglich sein, die Mehrkosten, die durch einen angemessenen Lohnausgleich bei der Verkürzung der Arbeitszeit entstehen, wieder hereinzuholen. Besonders bei den schlecht bezahlten Arbeiter- gruppen, die selbft bei jetziger Bollarbeitszeit ihre Familien kaum zu erhalten vermögen, ist ein Lohnausgleich nicht zu umgehen," Zum Schluß schlägt der Vorstand des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes vor, eine Aussprache zwischen Vertretern des Gcsamtverbondes und der Tarifgewerkschafken der Metallindußrie im � Hinblick auf eine Verständigung über eine Neuregelung der Arbeitszeit anzuberaumen. Gleichzeitig wird de? Vorschlag gemacht, die Verhandlungen über alle gekündigten Ver- träge auszusetzen und diese bis zu einer Entscheidung der zen- traten Stellen zu verlängern, Der Gesamtoerband Deutscher Metallindustriellcr, der in Worten immer von der„Volksgemeinschaft" spricht und dem es angbelich vor allen Dingen darum zu tun fei, die Arbeitslosigkeit einzudämmen, wird nun zu beweisen haben, wie er zu seinen Worten steht. Die meisten Tarife in der deutschen Metallindustrie lassen noch eine längere Arbeitszeit als die 48stündige zu, und erst in den letzten Tagen sind wieder Schiedssprüche erfolgt, die zum Beispiel im Hagener Bezirk eine Arbeitszeit von 52 bis St Stunden die Woche, und im Bezirk der Nordwest- gruppe eine noch längere Arbeitszeit zulassen! Und diese Arbeitszeit wird ausgenutzt trotz einer katastrophalen Arbeits- losigkeit, die die Betriebe und die noch Arbeitenden ungeheuer be- lastet und die öffentlichen Finanzen ruiniert! Wie lange noch soll dieser Skandal fortdauern? Kür die Arbeiislosen. Anweisungen der Zieichsanstali. Zur Durchführung der neuen Bestimmungen der N o t v e r» ordnung über den Arbeitslosen schütz hat der Präsi- dcnt der Reichsanftalt jetzt feine ersten Anweisungen herausgegeben. Er teilt darin mit, daß eine Entscheidung des'Vorstandes der Rcichs- anstalt, inwieweit die Arbeitslosenunterstützung in S a ch l e i st u n- gen bestimmter Art gewährt werden kann, in Kürze herbeigeführt werden soll. Ebenso bleibt es besonderer Anordnung vorbehalten, zu bestimmen, wie zu verfahren ist. wenn ein Arbeitsamt sich für die von ihm unterstützten Personen an Maßnahmen von Gemeinden und Fürsorgetröger» beteiligt, die eine Erhöhung der Kauf- traft der Unter st lltztcn durch Ausgabe von Gutscheinen oder Bezugsscheinen bezwecken, die zum verbilligten Lebensmittel- oder Brennstoffbezug berechtigen. Der Präsident hat keine Bedenken dagegen, daß die Arbeitsämter sich schon jetzt an Verhandlungen der Gemeinden oder Bezirkssürsorgevcrbände beteiligen, die solche Maßnahme» zum Ziel haben, Zur Begleichung des Mietzinses für die Wohnung des Arbeitslosen an den Vermieter dürfen keine Unterstützungsbeträge mehr gezahlt werden. Der Präsident bittet, das tunlichst schon bei der ersten Zahlung nach dem Inkrafttreten der Verordnung zu berücksichtigen. Dos Inkrafttreten der meisten Bestimmungen ist auf den 12. Ol- tober festgesetzt und zwar unter Anwendung auf laufende Unter- stützungsfälle. so daß die Verbesserungen auch den unter den schlechte- reu gesetzlichen Bedingungen arbeitslos Gewordenen zugute kommen. Die bisherigen Unterstützungen dürfen bis zum 7. November weitergezahlt werden. An allen Zahltagen, die nach dem 7. November liegen, wird nur nach den neuen Sätzen gezahlt, Oie Verhandlungen bei der BVG. Mittwoch sind zwischen dem Gesamlverband und den übrigen Toriforganisationcn mit der Direktion der BVG. die Verhandlungen über den Neuabschluß des Lohntarifvertrages für die Verkehrs- arbeiter fortgesetzt worden. Der Lohntarif ist bekanntlich von der Direktion der BVG, zum 30, September gekündigt worden. Trotz mehrstündiger Verhandlungen war eine Einigung noch nicht zu erzielen. Die Parteien vereinbarten, in den nächsten Tagen zu neuen Verhandlungen zusammenzukommen. Sind die Löhne bei Bolle zu hoch? Schlichtungsausschuß will weiter drücken. Am Dienstag nahmen die Funktionäre der freigcwerkfchastlich organisierten Arbeiter der Meierei Bolle zu dem S ch i e d s- f p r u ch Stellung, der am Freitag voriger Woche vom Schlichtung?- ausschuß gefällt worden ist. Obwohl die Löhne in diesem Betriebe im Laufe dieses Jahres schon mehrmals gesenkt worden sind, die Löhne der Kutscher z. B, bis zu 1 3 14 Pro z., hat sich der Schlichtungsaiisschuß für eine nochmalige Senkung der Stundenlöhne von 3 14 b i S 5 P f. ausgesprochen, Uebcr diese unverständliche Haltung der Schlichtungsinstanz waren die Funktionäre stark empört. Mit Recht wurde von ihnen betont, daß die Löhne in der Meierei Bolle schon so niedrig sind, daß man sie nicht noch mehr herabdrückcn kann. Die Handwerker haben einen Stundenlohn von 1,05 M., die Kutscher 07 Pf., die Meiereiarbeiter 90 bis 05 Pf. und die Arbeiterinnen 58 bis 66 Pf. Einstimmig beschlossen die Funktionäre die Ablehnung des Schiedsspruches, für den die Erklärungsfrist bis zum Montag läust. Die Direktion der Meierei Bolle Hot sich bis jetzt zu dem Schiedsspruch noch nicht geäußert. zKm'e Gewerkschafts-Iuaend Berlin 6ciitr, JOVa lihr, tagen die Gruppen: Köpenick: Jugendheim Grünauer Etrasie � lNähe Bahnhof Spindlersfcld). Bunter Abend.— Gesund- brnnncn: Jugendheim Rote Schule, Gotenburgcr Str. 2. Areismit- gliedervcrsammlung. � Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 18(Feuer- wehrhaus). Bcwegungsgcsetze der kapitalistischen Wirtschaft.— Tempelhos: Giuppcnhcim Luteum Germaniastr. 4—6. Der Zugang zum Jugendheim er- folgt durch den Eingang auf der Hinteren Seite der Schule Götzstraße. Berliner Gröhstadtleben.— Südosten: Reichenbcrger Str. 66(Feuerwehrhaus). Wir tonfilmen.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— 1Ü. Besprechung einer Theatergruppe.— Staaken: Jugendheim der 17. Volksschule, Gartenstadt. Kirchplah(Endhaltestelle Autobus 31). Jugend und Serualfragen.— Reu- Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Kämpfer im Gefängnis.— Lands- bcrger Platz: Gruppenheim Diestelmeyerstr. 5. Wir lesen aus„Bub und Mädel".— Lichtenberg: Jugendheim Hauffstratze, an der Lefsingstraße. Müssen die Gewerkschaften parteipolitisch sein?— Frankfurter Allee: Jugend- heim Tilsiter Str. 4. Nationalsozialismus.— Schöneweide: Jugendheim Niederschöneweide. Berliner Str. 31(Mädchenschule). Bunter Abend.— Jugend- Vorstellung der Volkskühne:„Kampf um Kitsch" am Sonntag, dem 1. No- uember, 13 Uhr. Karten in der Iugcndzentrale erhältlich. §Iuqendqruppe de«! Zeniralverbandes der Angestellten Heute. Donnerstag, fallen alle Gruppenabende, die Funttionärver» sanmilung sowie der Arbeitsabcnd der Uebungsttrina aus. All« Zu. gendinitglicder beteiligen sich an der anhcrorbcntlichru Iugeubmitglikberversamm. lnng im großen Eitzungssaal des Bezirlsamtes Kreutberg. Borckstr. 11, Hof. gcbaude, Beginn 20 Uhr. Zutritt haben außer den Iugendfunktioniircn nur Jugcndmitgliedcr unter 18 Jahren, die sich als solche durch Porzxigen ihres Perbandsduches ausweisen. Verantwortlich ssir Volitik: Victor Schill! Wirtschaft: KliagelhSseri Dewcrrschaflsbrwegunq: I. Steiner: Z-euilleton: Dr. Zahn Schilowsli: Lokales und Eoilstigss: Krig«arstödt: Anteiaen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Dorwärts-Verlaa G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlaasanstolt Paul Sina« u. Co.. Berlin ED tzS. Liitdeirfrraße 8. Jtteet«: Beilage«.