BERLIN Soimerstag 15. Oktober 1931 10 Pf. Nr. 484 B 242 48. Jahrgang e»schetat ttglich avb er Souutig«. Zugleich Abeodau«qabe de«.Vonvärt«'. BekUgSvreiZ beide Ausgaben 6b Pf.»rv Woche. 3,60®. pro Monat. Redatllon und Lroeduivn: Berlin SWos.LindenKr.S Fernsrrecher: Döndoff LA 7) 292—297 nVyfiOtUfa Sn»etseo»ret«:Dte einsoaltigeNonoareillezelle So Pf.. Reklameieile S M. Crmäßigun-'en nach Tari5. Poüscheckkontd: Vorwätts-Verlag G. m. b.H� Berlin Nr. 37 S3K.- Der Verlag behält sich bat Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Volkspartei unter Druck Die Krisenmacher fürchten sich- Wachsende Aussichten für Brüning Die heutige Sitzung des Reichstags dürfte eine Klärung über das Schicksal der Regierung Brüning bringen. Denn in der Fortsetzung der Debatte kommen nun jene Parteien zu Wort, deren Haltung bisher unbestimmt war. Der Be- schluß des Zentrums, unter keinen Umständen das in Harz- bürg in Aussicht genommene Rechtskabinett zu tolerieren, hat insbesondere in der Deutschen V o l k s p a r t e i ernüchternd gewirkt, zumal die..Germania' oerschärfend hinzu- fügt:„daß sich das Zentrum zu keinen Experimenten hergibt und daß etwa in dieser Richtung gehegte Hoffnungen voll- kommen fehlgehen'. Das ist eine unverhüllte Drohung mit der Auflösung des Reichstags, die nirgends so un- angenehm empfunden wird, wie bei den Freunden des Herrn Dingeldey. Um das Auseinanderfallen in drei Grup- pen zu verhindern, wird daher die Absicht, sich allgemein der Stimme zu enthalten, erwogen. Der Beschluß der Landoolkpartei gegen das Kabinett Brüning wird kaum restlos befolgt werden. Schon bei früheren Äbstim- nruugen gegen die Regierung gab es bei der Landvolkpartei Stimmenthaltungen. Die Wirtschaftspartei, dieser üble Jnteressentenhaufen, macht seine Haltung von der Sanierung der Genossenschaftsbanken, insbesondere der verkrachten Mittelstandsbank des Herrn Drewitz, abhängig. Besprechungen über die weiteren Arbeiten des Reichstags dürften erst im Laufe des heutigen Tages stattftnden. Man rechnet damit, daß der R e i ch s t a g e t w a bis z um Februar vertagt wird, damit die Regierung in der Zwischenzeit die Möglichkeit hat, Verhandlungen über die Reparationsfrage und die Verlängerung des Ab- kommens über die S t i l l h a l t u n g der ausländischen Kre- dite zu führen. Von den Parteien liegen etwa 200 An- träge v o r, die mit der Beratung der Regierungserklärung verbunden sind. Die sofortige Erledigung aller Anträge ist kaum möglich. Andererseits ist eine Reihe von Anträgen überaus dringlich und ihre sofortige Erledigung not- wendig. Das gllt zum Betspiel von dem sozialdemokratischen Antrag auf Einstellung der Entschädigungen an die Fürsten und von dem Antrag zur Schaffung einer zusätzlichen Winter- Hilfe für Erwerbslose und sonstige Bedürftige. Es wird des- halb angestrebt, diese Anträge sofort zu erledigen. Zur Erledigung der übrigen Anträge, die den Aus- fchüssen überwiesen werden, mühte die Reichsregierung, abweichend von ihrem bisher eingenommenen Standpunkt, sich mit dem Zusammentritt der Ausschüsse einver- standen erklären._ War Matuschka Weißgardist? Enthüllungen der Wiener„Arbeiter-Zestung". Wien. 15. Oktober.(Eigenbericht.) Die„Wiener Arbeiter-Zeitung" behauptet, daß Matuschka. der dringend verdächtig ist. die Eisenbahnattentate von Jüterbog und via Torbagy begangen zu haben, ein weißgardistischer Ossizier der berüchtigten hejjas- Landen in Budapest gewesen sei. die nach dem Stur, der Beta Shunschen Räteregierung die sürchlerlichsten Bluttaten In Ungarn begangen hoben. Matuschka hat es im Krieg bis zum Oberleutnant gebracht. Zur Zeit der Räte- regierung wurde er roter Oftizicr, lief aber sofort zu den weihen Bonden über, als horthy vorrückte. Er trat dann in das Mörder- delachemeot des Oberleutnant hesjas ein. Zm Oktober 19?! kommandierte er eine der Abteilungen, die im Auftrage von horkhy den Putschversuch Karls von Habsburg bei Bia Torbagy niederschlugen. Di« verschiedenilich in der Presse genannten Namen über die angeblichen Mittäter Matuschkas haben keine Bestätigung gefunden. Matuschka gibt an. daß er sich bei seinem Berliner Aufenthalt im April in einem Wochenendhaus bei Potsdam aufgehallen habe. Heber di« Lage des Grundstücks kann er angeblich keine genauen Mitteilungen machen. Di« Berliner Polizei geht jetzt allen Attentatsversuchen nach, die im April verübt worden sind, da die Möglichkeit besteht, daß auch hierbei Matuschka seine Hand im Spiele gehabt hat. WM ihr das noch einmal? VW" Äs« IHuHer für IMugenhergs ZBinnennmrk. Die ertappten Harzbnrgcr leugnen jetzt ihre Jnflationspläne. Vor wenigen Tagen erst hat Hugenberg in einer Programmrede im Berliner Sportpalast erklärt: „Aber es gibt einen anderen Weg. der unser Volk aus dem Elend herausführen kann. Nur die nationale Opposition kann ihn weisen und gehen. Kurz könnte man ihn mit dem Worte bezeichnen: Zurück zur Hclfferich-Mark! Zurück zu einem inneren Umlaufmittel, das unserer Wirtschaft eine unabhängige Grundlage der Ent- Wicklung gibt." Die Schaffung eines Binnengcldcs, für die sich Hugenberg einsetzt, bedeutet die Zerstörung der Währung, B i n n e n m a r k ist nur ein anderes Wort für Inflationsgeld, Binncnmark ist mördc- risches Gift fürs Volk. Hugcnbergs Binncnmark ist dasselbe wie der oben abgebildete, uns allen wohlbekannte Schein! Wer will das noch einmal? Hakenkreuz-Aengste. Wird ihr kommunistischer Verbündeter die Treue halten? Der„Völkische Beobachter' bringt einen„eigenen Drahtbericht' aus Berlin, worin man die interessante Mitteilung lesen kann,„daß es der SPD. gelungen ist, auf die KPD. dahingehend einzuwirken, einen Sturz des Kabinetts Brüning als„zur Zeit unerwünscht' zu verhindern'. Die KPD. habe sich bereiterklärt, durch provozierte Tumult« im Reichstag soviele Mitglieder der Fraktion ausschließen zu lassen, als zur Sicherung Brünings nötig seien. Daß dieser„Drahtbericht' eine der üblichen nationalsozialistischen Lügen ist, braucht nicht besonders betont zu werden. Es spricht aus ihr die Angst der Halenkreuzler davor, die kommunistische Fraktion könnte sich doch noch zu der Erkenntnis durchringen, daß das Zusammenstimmen mit den Nationalsozialisten und Deutsch- nationalen gegen die Regierung nach der Ijarzburger Tagung Verrat am Proletariat und Hilfsdienst für die brutalste Reaktion bedeutet. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung', das Organ der den Nationalsozialisten verbündeten Schwerindustrie, berichtet in ihrer Ausgabe vom Donnerstagnwrgen über Verljandlungen der Rechtsparteien miteinander. Es heißt dort:„So halle der Vertreter der Wirtschaftspartei Millwochvormlltag eine Besprechung mit Geheimrat Hugenberg, Mittwochnachmittag mit Adolf Hitler, der wieder in Berlin eingetroffen ist und im.Laiserhof' residiert.' Der große Adolf hat also seine Residenz, wie es sich für den Führer der nationalistischen„Arbeller'partei gebührt, im feudalsten Hotel der Reichshauptstadt aufgeschlagen Er wohnt nicht wie jeder gewöhn- lich« Sterbliche, sondern er residiert. Hüter wartet jetzt nur noch darauf, daß die kommunistische Reichstagsfraktion ausreichende Hilfe zum Sturze der jetzigen Regierung stellt. Denn dann kann er vom.Laiserhof' in das Kaiserschloß umziehen. Dos„Residieren" hat er schon gelernt, und Schwätzen kann er mindestens so gut wie Wilhelm der Letzte! Noch eineInflationspariei! Kommunistischer Milliardenzauber. Von Kurt Heinig. Die Rechnung der Harzburger Kapitalisten ist e i n f o ch, denn mit Reaktion und Inflation, mag sie nach der„Deutschen Bergwerkszeitung" als Zerstörung der Gewerkschaften, oder als Hugenbergs Binnenmark kommen, muß den Unter- nehmern und den Schuldnern das Leben leichter werden. Die Zeche hätten die Verkäufer von Arbeitskraft, die Gläubiger von Lohn und Gehalt mitsamt den Besitzern von Sparkassenbüchern zu zahlen. Die kommunistische Bilanzgebarung ist komplizierter. Wie sieht ihre Neuordnung der Reichs-/ Länder- und Kam- munalfinanzen, ihre Reform der Wirtschaft aus? Als urkundliches Materiol stehen uns einige Dutzend Anträge zur Verfügung, die von den Kommunisten eben im Reichstag eingebracht wurden. Sie sind bei den nachfolgenden Berechnungen und Zusammenstellungen die aktenmäßige Grundlage. Was bringen die Kommunisten den Arbeitern, Angestell- ten und Beamten, den Postlern, Eisenbahnern, in der Lohn- frage für Vorschläge? Sie beantragten: am 7. Oktober 1931 8.„„ 1 0.„„ Rcichstagsdrucksoche Nr. 1132 „ 1119 .. 1145 Rückoersetzung der Löhne usw. in de» Stand vom 1 Juli 1929 1. April 1930 1. März 1931 Wenn nach dem 17. Oktober mit Hilfe der Kommunisten die Kapllalnationalisten ans Ruder kommen, nach welchem Stand werden dann die Lohn- und Gehaltsempfänger bezahlt? Jeder frage in Betrieb und Werkstatt die Verehrer russischer Märchen... Bei der folgenden Berechnung der kommunistischen Reichstagsanträge gehen wir grundsätzlich davon aus, daß sie, soweit es sich um Streichungen handelt, nur die zweite Hälfte des laufenden Etatefahres treffen, der Haus- haltsplan ist ja schon seit dem 1. April im Gange. Weiter unterstellen wir, daß im übrigen sowohl auf der Einnahme- wie auf der Ausgabeseite alles weiterläuft wie bisher, soweit es durch jene Anträge nicht geändert wird. Es find also nur die Mehrausgaben, die bei etwaiger Annahme der kommunistischen Anträge entstehen würden, zusammengestellt. lieber die kommunistischen Deckungsvorschläge wird weiter unten noch zu reden sein. Einnahme- Ausgabeminderung Vermehrung Antrag Inhalt 2. Halbjahr fof. beginnend Nr. 193t/32 alles in Millionen Mark 1061 Streichung der 2. Notverordnung........ 650 650 1134 Sofortige Gsfamtaufhebung des Zolltarifs..... 1131 Außerordentliche Winterhilfe 1J20 Aufhebung der preußischen Sparverordnung.... 1130 Aufhebung des Hauszins- steuergesetzes..... 1111 Boller Lohn für alle Kurzarbeiter....... 1135 Neues Arbeitslofenversiche- rungsaesctz...... 1116 Neues Fürsorgegesetz... 1110 Uebernahme der privaten Wohlfahrt...... 1119 Lohn- und Gehaltserhöhung 1132 für Privatindustrie, Reich, 1145 Staat und Länder.., 1133 Landwirtehilfe 1. Rate. � 1127 Streichung der Bürger-, Ge- incindebier- und Getränke- steuer........ 1073 Ingangsetzung oller still- gelegten Betriebe... ' 1126 Streichung der Krisen-, Ledigen-, Umsatz-, Zucker- steuer....... Sonstige Anträge.... 500 400 500 100 1200 1400 1170 1500 4000 100 3500 30 500 200 weniger 3350 mehr 13 050 Zm zweiten Halbjahre des Etats 1931/32, also von heute an, würden 3.3 Milliarden Mark Einnahme gestrichen sein, über 6,5 Milliarden(ein halbes Jahr Ausgaben) Einnahmen müßten geschaffen werden, dazu müßten selbstverständlich auch die 3,3 Milliarden Mark Einnahmestreichung durch neue Ein- nahmen gedeckt werden. Es sind also für sechs Monate über zehn Milliarden Mark herauszuholen. Das ist etwa ebenso viel, wie wir jetzt insgesamt Reichseinnahmen haben. Auf ein Jahr umgerechnet, müßten in Zukunft 30 Milliarden statt bisher 10 Milliarden Mark Steuern aufgebracht werden. Wie machen das die kommunistischen Anträge? Das sieht etwa so aus: Die Ingangsetzung der stillgelegten Betriebe ist durch Einziehung aller Einkommen über 20 000 M., durch Einziehung allcrBer mögen über 500 000 M. zu bezahlen.(Antrag Nr. 1073 vom 15. Juli 1931). Die Streichung der Krisen-, Ledigen-, Umsatz- und Zucker- steuer wird— durch dieBcsteuerungderebenein- gezogenen Einkommen und Vermögen ge- deckt!(Antrag 1126 vom 8. Oktober 1931). Aber nicht genug: die�ingezogenen und dann noch einmal besteuerten hohen Einkommen werden zur Deckung— für gestrichene Kommunalsteuern— noch ein zweites Mal besteuert!(Antrag 1127, ebenfalls vom 8. Oktober 1931). Die Kommunisten bringen es also fertig, ein- und das- selbe Einkommen einmal wegzunehmen und außerdem zwei- mal zu besteuern. Wir sollen dem Auslande auch keine privaten Schulden mehr bezahlen(Antrag 1137 vom 9. Ok- tober 1931). Solchen Unsinn wagen nicht einmal die Nazis mehr vorzuschlagen, wohl weil sie inzwischen gelernt haben. daß unser Außenhandel aktiv ist(wir verkaufen mehr ans Ausland als dieses an uns). Unser gesamter Außenhandel rund zwanzig Milliarden Mark— wäre nach Annahme jenes Antrages sofort zerstört. Wir sollen die Subventionen an Danatbank, Dresdner Bank usw. zurückfordern. Das meiste davon besteht wie bekannt aus buchmäßigen Garantien und Bürgschaften. Würden sie zurückgezogen, hätte das Reich nichts eingenom- m«n. Aber mit den Banken würden die an ihnen hängenden Betriebe zusammenkrachen. Wir sollen alle Dividenden und Tantiemen enteignen. Bei Durchführung der obigen kommunistischen An- träge würde es gar keine mehr geben, zumal ja die höheren Einkommen und Vermögen auch schon enteignet wären und der Außenhandel aufgehört hätte zu existieren. Die Kommu- nisten meinen, man könne das Privatkapital also zweimal Wegnehmen... Wir sollen sofort den ganzen Reichswehretat streichen und den Großunteniehmungen die Lebensmittel, Kohlen, Bekleidungsstücke und Schuhlager wegnehmen.(Antrag 1131 vom 7. Oktober 1931). Meinen die Kommunisten, daß die Soldaten ohne Sold mit bittenden Händen dann zur Roten Hilfe kommen, und glaubt jemand,, daß man das gleiche Vermögen dreimal enteignen kann? Die kommunistischen Anträge sind stammelnde Gebete geistig Minderbemittelter an einen Götzen, er möge die An- träge erhören, damit morgen das Paradies auf Erden ent- stehe. So einfach ist es aber in der rauhen Wirklichkeit nicht. Die von rechts her aufgebaute Front des Klassenkampfes ist nicht mit papierenen Resolutionen und Illusionen umzuwerfen. Hier gilt es reale Macht einzusetzen. Das sind Sozialdemo- kratifche Partei und die Gewerkschaften. Die Kommunisten wollen mit Hugenberg und Hitler gegen das Kabinett Brüning stimmen. Meinen sie etwa, die Zu- kunft des deutschen Arbeiters fei dann gesichert? Lt<3A. verliert fast 2% Milliarden. Die Ziiesengoldverluste in den letzten Iahren. Jtem Jork. 15. Oktober. Der Gollwerlust der Verewigleo Staate« beträgt jetzt aooSherud 5S7 AUMoaeo Dollar, wovon der größte Teil während der letzten vier Vochen abgezogen worden ist. Damit haben die Vereinigten Staaten SO JJraj. des Golde, eingebüßt, das sie in den letzten zwei Iahrea empfangen hakten. Zu Gerü6)lcn. daß in Europa die Sicherheit des Dollars an- gezweifell wird, wird bemerkt, daß der amerikanische Gotdvorrat ncch immer 4l-- Milliarden Dollar übersteige, was eine SOprozentige Deckung des Notenumlaufs bedeutet. Die wahren Vaterlandsverräter. Gewaltige Kapitalfluchtbeträge in Holland.— Das Vertrauen in die deutsche Wirtschast wird zerstört. Die Thüringer Kammgarnspinnereien haben einen Bank- direktor a. D. nach Holland geschickt, um dort über Finanzie- rungsmöglichkeiten zu verhandeln. Dieser Vertrauensmann berichtet über feine Erfahrungen das Folgende: „Auf Grund der vorangegangenen Korrespondenz mit ver- schiedencn holländischen Firmen wegen Jnteressenahme in Form finanzieller Beteiligung oder käuflichen Erwerbs der Thüringer Spinnereien— und zwar Zunächst ohne Namensnennung— Hab« ich nach den hier gegebenen Richtlinien am 23. September 1931 die mündlichen Verhandlungen in Holland persönlich aufgenommen. Sämtliche Banken, auch Privatbankicrs, die ich in vorstehender Angelegenheit bearbeitete, erklärten bei Nennung der Firma..Nordwolle", irgendeine finan- ziellc Verbindung ihrer Kundschaft nicht empfehlen zu können. In Utrecht, dem Haag und besonders in Amsterdam spricht man sehr abfällig darüber, daß man in deutschen Regierungskreisen nach Ansicht der Holländer der„Rordwolle'-Affäre viel zu gleichgültig gegenübersteht. Der Direktor einer Großbank äußerte sich wie folgt: „Millionen und aber Millionen sind von den Denk- schen in Holland und taglich gehen noch Millionen Mark über anderes Ausland in Holland ein. Dabei geben wir keinen Pfennig Zinsen an die Deutschen und keinen Zcnt Zinsen an die Holländer. Wir sind sogar so weit, daß wir für das Behalten der enormen Geldmengen etwas berechnen! Die deutsche Regierung kounte mit dem Geld, welches sie sdie Holländer) gar nicht haben wollten, die ganze deutsche Wirtschast in Gang bringen." Die Abneigung der holländischen Banken war eine allgemeine, sowohl gegen alles, was mit„Nordwollc" zusammenhängt, als auch war sie darauf zurückzuführen, daß das Vertrauen zur deut- schen Wirtschaft infolge der Unterbringung ganz enormer deutscher Beträge in Holland sehr stark erschüttert ist. Dagegen war die Wneigung nicht darauf zurückzuführen, womit ich zun? Teil rechnen mutzte, auf die gerade in diese Tage fallenden englischen Währungsmaßnahmen. In Utrecht ist es inir gelungen, durch einen iltrechter Kaufmann. der auch bei einem thüringischen Jndustriewert großes Ansehen ge- nießt, ernstes Interesse zu wecken, und zwar bei holländischen Webe- reien. Es kommen drei Werke in Frage, von denen eines bisher nicht Abnehmer von„Nordwolle" war. Das Resultat meiner intensiven Bemühungen besteht darin, daß ick) an allen Bankstellen eine glatte Slblehuung erfuhr und lsdiglich drei holländische Webereien auf Grund meiner Ausfüh- rungen und unterbreiteten Ziffern sich nunmehr ernstlich mit der Angelegenheit beschäftigen." Die Wirtschaftsverbrccher vom Schlage der Lahusen und die Kapitalverbrecher— das sind die wahren Vaterlands- verräicr! Kein Geschrei der Harzburger Front gegen den „Marxismus" und gegen„das System" kann von der unge- heuren Schuld dieser Kreise ablenken! Die guten Patrioten gehen ihrem Kaiser nach. Der ist noch Holland desertiert— sie lassen ihr Geld nach Holland desertieren! Wirtschastsverbrecher vor Gericht Beginn des großen Kavag-prozesses ' Zraakfurt a. ZN.. 15. Oktober.(Eigenbericht.) Unter starkem Andrang von Publikum und auswärtiger Presse begann heute vormittag vor der Großen Strafkammer des Frank- furter Landgerichts der große, auf viele Monat« berechnete Prozeß gegen die Vorstandsmitglieder und Direktoren der Frankfurter All- gemeinen Versicherungs-Aktiengesellschast(F a v a g). Mehr als 100 Millionen Mark sind durch die leichtfertige und unlautere Ge- schäftssührung unwiderruflich verloren. Die unkontrollierte Schondwirtfchafl einiger großer„Wirkschasls- führer" steht unter der Anklage vor der devlfchea Oeffeullichkeit. Den Vorsitz des Favag-Prozeffes führt Landgerichtsdirektor Mcsserschmidt, die Anklage vertritt Staatsanwalt Meißner. Die Anklageschrift umfaßt 400 Seiten und baut sich auf einer Fülle wissenschaftlicher Gutachten aus. die ihrerseits mehrere Bände füllen. Auf der Anklagebank sitzen die Favagdirektoren L i n d n e r, Schumacher, Sauerbrey, Mädje, Fuchs und der stell» oertretende Direktor K i r s ch m a n n. Das Verfahren gegen den erkrankten Direktor Becker ist abgetrennt worden. Lecker erholi sich übrigens trotz des über sein Vermögen verhängten Konkurses in einem eleganten Sanatorium in Lad Nauheim für die Kleinigkeit von 60 Mark pro Tag. Der von allen Angeklagten als der Hauptschuldige bezeichnete G e- neraldirektor Dumke ist ein halbes Jahr vor dem Zu- fammenbruch der Favag gestorben. Die Anklage lautet auf Krediwetrug. Unterschlagung und Urkundenfälschung in zahlreichen Fällen. Nach Verlesung des Eräsfnungsbeschlusses erteilt der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Messerschmitt, dem ältesten Angeklagten, Direktor Lindner, das Wort. Ein mehr als 70jähriger Greis mit langem weißem Bart erhebt sich und gibt m kurzen Zügen feinen Lebens- lauf. 54 Jahre seines Lebens war er im Vsrsicherungsfach in führen- der und meist erfolgreicher Arbeit tätig. Im Jahre 1907 trat er in den Vorstand der Favag ein. Sein Einkommen betrug jährlich 30 000 M.; dazu kam jedoch eine Tantieme von 3 Proz. Erst auf ausdrückliches Befragen durch den Vorsitzenden n-nnt der angeklagt« Greis die Summe, die er im letzls« Iahre vor dem Ende der Favag als Gesamteinkommen bezog-n h?»: es waren 192 000 M.! Auch der angeklagte Direktor Schumacher ist 44 Jahre im Per- stcherungsfach tätig gewesen. Sein E i n k o in m e» betrug „nur" 175 000 M., dcx Syndikus der Favag, Äirschmann, war an der Tantieme nicht beteiligt, so daß er lediglich OOQOO M, Cim kommen hatte. Das Hauptinteresse der Vormfttogssitzung konzentriert sich auf den angeklagten Direktor Sauerbrey, dessen sem sationelle Flucht ins Ausland in feinem kurz oor d-r Pleite de.- Favag-Konzerns gekauften Privatflugzeug noch in Erinnerung ist. Sauerbrey wurde bekanntlich in Prag verhaftet und hat dort eine Strafe von 3 Monaten Gefängnis wegen Pahfälfchung verbüße u müssen. Sauerbrey hat sich in der Firma, zu deren Ruin er so außerordentlich viel beitrug, als Lehrling in die Höhe gedient und eine geradezu phantastische Karriere gemacht. Bereite mit 22 Jähret war er Prokurist der Fapag. Ein Jahr später gab man ihm die Leitung einer Filiale und als Merundzwanzigjähriger trat er in Vorstand der Favag ein. Sein Einkommen betrug im Zahrc 192S die runde Summe von 50 000 Mark. Der angeklagte Generaldirektor Mädje, dem sein Vorstandsposten an Gehalt und Tantieme jährlich mehr als 100 000 Mark einbrachten. läßt sich durch neun Anwälte vertreten. Sämtlich« Angeklagten er- klären, daß sie nichts Straffälliges unternommen hätten. (Die Verhandlung geht weiter.) Beschwerde über Magistrat. Beschluß eines Stadtverordnetenausschusses.- Wegen der Kleingärten. Ein Sladtverordnetenausschuh hat sich heute vormittag abermal» sehr eingehend mit einem Antrag beschäftigt wegen der lln- krastsetzung und Verkündung eines Ortsgefetzss über Reichsheimställen, Garlenbetriebe und Dauerkleingärten. Diese Angelegenheit schwebt bereits seit 1927 und ist bisher noch nicht vorwärts gekommen. Angenommen wurde heule ein Antrag, sich wegen dieser Sache über den Magistrat und den Oberbürgermeister bei der A u f- fichtsbe Hörde zu beschweren. Ein solcher Beschluß Ist bisher in den Annalen der Geschichte der Stadtverordnetenversammlung noch nicht vorgekommen. Die Fraktionen und das"Plenum der Stadlverordnelenoerfammluvg sollen sich mit diesem Be- schluß noch beschästigen. Ersaigl die Annahme de» Beschlüsse», dann soll der Antrag Im Ausschuß weiter beraten werden. Arme Hohenzollern! Man hat ihnen alles genommen! Dessau, 15. Oktober.(Eigenbericht.) In Anhalt finden am 25- Oktober die Gemeinde» und Kreis, tagswahlen statt. Im Verlaus« des scharfen Wahllampfes hat sich am Mittwochabend in Dessau eine amüsant« Szene abgespielt. Als besondere Sensation ließen die Nationalsozialisten in Dessau den Hohenzollernprtnzen August Wilhelm als Redner auftreten. Die Sozialdemokratische Partei begegnet« dieser Ver- sommlung wenig« Stunden vor deren Deginn mit der Verteilung eines F km g b l a tt« s. in dem der soeben von unserer Reich?. tagsfroktion gestellte neue Antrag gegen die Fürsten, o b f i n d u n g wiedergegeben und der prinzliche Arbeiterredner ge, fragt worden war. wie er sich dazu stelle. Man hatte ihn weiter gefragt, ob er nur über die Not des Volkes reden oder ob er bereit sein werde, durch die Zustimmung seiner Arbeiterpartei zu bean- tragen, die Not praktisch lindern zu helfen. Auwi ging gleich zu Beginn seiner Red« auf das Flugblatt ein und erklärt«: „Was will man denn nun noch von uns haben, penen man schon alle? genommen Hot?" Daraus kann man also schließen, daß die nationalsozialistische sogenannte Arbeiterpartei gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmen wird, denn in Sachen Fürstenabfindung kann doch wohl der Hohenzollernprinz als Sachbearbeiter gelten! Selbstverständlich wird die Sozialdemokratie im anhaltischen Wahlkampfc dafür sorgen, daß dieser erstaunliche Hohenzollernausspruch zum geflügelten Wort wird. * Die Hohenzollern, denen man„alles genommen" hat, haben durch den Vergleich mit Preußen bekanntermaßen erhalten: 400 000 Morgen Land, 15 Millionen Goldmark Barabfindung, eine große Anzahl von Schlössern, städtischen Mietgrundstücken in bester Lage, Kunstgegenständen, Juwelen usw. Der Wert der Gesamt- abfindung wurde seinerzeit auf 120 Millionen geschätzt. Dies nennt der Auwi„Alles genommen". Und arbeitsloie SA.-Leute vergießen Rührungstränen! Oer Totschlag an per Hausangestellten. Dos Schwurgericht beim Landgericht II verurteilt« am Mittwoch den 44jährig«n Wagenwascher Fritz F r a ch, der in der Nacht voni 21. zum 22. Dezember des vorigen Jahres in der Barbarossastroße seine ehemalige Geliebte, die Zljährige Hausangestellt« Minna Krüger, durch Schüsse niedergestreckt hatte, wegen Totschlages zu 6 Jahren 6 Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte ebenfalls di« Mordanllag« fallen lasten und gegen Froch wegen Totschlags ? Jahre Zuchthaus beantragt.____ Explosion im(Steinbruch: Fünf Toie. Bukarest, 15. Oktober. jn einem Steinbruch in der Nähe von C e rn o w i h explodi'rtc gestern vorzeitig eine v Y a o m i l m i n e. 20 Arbeiter wurde» von den herabstürzenden Gestetnsmasten verschüttet: jz konnten lebe«!» geborgen werden, während fünf Arbeiter den Tod erllltea. 2. Tag Gklarek-Pwzeß. Neue Zusammenstöße.- Leo Sklarek gegen Bürgermeister Scholtz. Die heutig« Morgensitzung im Sklarek-Prozeß war mit heftigen Auseinandersetzungen ausgefüllt. Der Angeklagte Stadt- bankdirektor Hokfmann versucht seine ersten Aussagen über die Brüder Sklorek abzuschwächen. Die angeklagten Stadtoertreter be- mühten sich nachzuweisen, daß sie in ihrer Eigenschaft als Aufsichts- ratsmitglieder keine Beamten gewesen seien. Rechtsanwalt Dr. P j n d a r: Aus den Presseberichten über den ersten Berhandlungstag ist zu ersehen, daß die Auslassungen de? Ctadtbankdirektors H o f f m a n n mißverstanden worden sind. An- geklagter choffmann: Meine Beziehungen zu den Sklareks waren rein geschäftlicher Natur. Es wurde aber von den Stadtbank- direktoren gesprdert, daß wir zu unseren guten Kunden enge Be- zichungen unterhalten. Das war natürlich für mich eine große Belastung, da ich mich revanchieren mußte, cherr Leo Sklarek war ein außerordentlich guter Gesellschafter. Alan verbrachte die Zeit mit ihm sehr gern.(Sklarek will etwas dazu sagen.) choss- mann: Warten Sie doch, Herr Sklarek. Die Sklareks hatten stets unser größtes Vertrauen. Es verkehrten mit ihnen die promi- nentesten Persönlichkeiten. Wir bekamen auch pyn ihnen gute In- formationen, weil sie im Rathaus verkehrten. Ich glaube, durch meine Ausführungen den Persönlichkeiten der Brüder Sklarek in jeder Beziehung gerecht geworden zu fem. Vors.: Sie sprachen von Informationen aus dem Rathaus? Die waren wohl sehr wert- voll sü? Sie, weil sie sich auch auf Geholtfragen bezogen? Sie perkehrten sehr gern mit den Sklareks? Wie war es aber mit dem Nachtverkehr? Waren Sie auch zu diesem beauftragt? Hoffmann: Dos war höllzstens einmal. Bor f.: Einmal genügt. Hofs mann: Sie müssen aber die Sklareks kennen. Vors.: Dann mutzten Sie eben nicht mit ihnen zusammen sein. Leo Sklarek, ebenso erregt wie am ersten Tage der Verhandlung: Herr Hoffniann, wir haben Ihre Bekanntschaft me gesucht, Herr Kieburg hat Sie uns zugeführt. Ich war die ganze Zeit Ihnen gegenüber anständig. Rcun Monate habe ich meinen Mund gehalten,(für nichts saß ich im Gefängnis, kein einziges Mal haben Sie gezahlt. Das ist die Wahrheil. bin mit meiner Familie nach Misdroy gefahren, wer kam mir nach? Herr Hoffmnnn mit seiner Familie. Hoffmann: Es stimmt nicht, daß ich die Freundschaft der Brüder Sklarek gesucht habe. Die Einladungen sind von ihnen ausgegangen. R.-A, Dr. Pindox: Herr Hpffmann. ich habe hier einen Packen Vhqtographien, dies« allein genügen schon, um den Grad der Freundschaft festzustellen. Der Vorsitzende macht diesen unerquicklichen Auseinandersetzungen schließlich ein Ende. Die Fragen des Staatsanwalts Dr. Weißcnbcrg wenden sich einem anderen Thema zu. Sie jährten aber zu neuen heftigen Auseinandersetzungen. Der Staatsanwalt will wissen, ob Leo und Willi Sklarek bereits vor dem Kriege Offenbarungseid« ge- leistet haben. Die Berteidigimg beanstandet dies« Fragen: sie hätten mit der sache selbst nichts zu tun. Der Borsitzende stellt fest, daß Leg Sklarek diese Fragen bereit? am ersten Tage beantwortet hat. Staatsanwalt: Die Frage hat mit der Sache sehr viel zu tun. Di« Auklagc behaupket, daß die beiden Brüder Sklorek weder vor noch noch dem Kriege irgendein Vermögen besessen haben, und daß sie blotz durch den Velrug an der Kladlbank zu einem solchen gekommen seien. GacSel wird vernommen. Der Staatsanwalt will nun von den Angeklagten D e g n e r und Gasb«l die Frage beantwortet haben, ob sie sich in ihrer Eigenschast als Auf! ichtsratsmitglieder her ÄBG. als Beamte gefühlt haben, ob st« vom Magistrat in den Aufsichtsrat delegiert waren, ob sie auch gewußt haben, daß der Magistrat sie zu jeder Zeit zurückrufen konnte und sie verpslichtet' waren, dieser Aufforde- rup.g Folge zu leisten- Die Verteidigung beanstandet auch diese Fragen. Es sei verfrüht, si« zu stellen. Die Angelegenheit müsse im Nahmen des Gesamtkomplexes der Tätigkeit pop Gaebel, Degner und Kohl erörtert werden. Bors, zu Gaebel: Wollen Sie die Frage beantworten? Gaebel; Ich Hobe niir die Frag« früher vi« vorgelegt. Ich Hobe als Arbeiter meine Pflicht getan. Vors.: Sie haben aber vorgestern gesagt, daß Sie Beamter gewescn sind. Und wie war das, waren Sie delegiert vom Magistrat? Durste er Sie zurückrufen? Gaebel: Es stimmt- Ich war vom Magistrot in den Ausslchtsrat delegiert. Ob der Magistrat ein Rückberuftrngs- recht hatte, muß aus den Satzungen zu ersehen sein. Staatsanwalt- fchastsrot Dr. Weißenberg ftelu aus dem Gesellschaftsvertrag der KDG. fest, daß ein Teil d«r Aufsichtsratsmitglieder vom Magistrot bestellt wurde. Auf Anregung der Verteidigung beschließt das Gc- richt, schon jetzt den Obermagistratsrot Dropnwnn als Sachverständigen über Orgamsationsfragen des Magistrats zu hören. Der Sach- verständige ist der Ansicht, die Aussichtsratsmitglieder hätten«ine bcamtenähnliche Eigenschaft, sa daß sie die Interessen ihres Auf- traggsbers. und zwar des Magistrats, unbedingt wahren müßten. Es entwickelt sich ein langer Disput zwischen Berteidigimg und Staatsanwaltschaft. Die erstere steht auf dem Standpunkt, daß die Aufsichtsratsmitglieder sich bloß den Foiderungen d«s Handelsrechts zu fügen hatten, daß die Interessen der Gesellschaft durchaus nicht immer mit den Interessen der Stadt übereinzustimmen brauch- ten und daß allein schon der Umstand, daß laut den Satzungen des Gescllschastsvertrags der KBG. die Aufsichtsratsmitglieder ihr Amt niederlegen muhten, zu schließen sei, daß sie nicht als Beamte be- trachtet werden könnten. Leo Sklarek greift Bürgermeister Scholtz an. Es jolgt die Erörterung der Liquidation der KBG. Der Bar- sitzende stellt auf Grund von Zahlen fest, daß der Umsatz der KBG. und ihre Verschuldung an die Stadtbank von einem Jahr« zum anderen sprunghast gewachsen sei. Er sührt weiter aus: Laut Beschluß des Aujsichtsrats vom 4. September 1323 sollte der Ein- kauf der KBG. über die VAG. stattfind«» und diese sich von Stlarekts beliefern lasten. Die BAG. berechnete der KBG. die Ware mit einem Aufschlag des entstandenen Defizits, die ABG. erhielt das Recht, direkt von«klaret» zu kaufen. Die KVG. zahlt« im voraus, die Sklareks lieferten erst hinterher die War«. Di« An- klage leitet au» diesen Barauszahlungen den Borwvrs gegen den Angeklagten Kohl ab. daß er pslichtwidri gehandelt habe. Sklorek: Ich behaupte, daß die Bücher der VAS. gefälscht «mw. daß der Bürgerweisler Scholtz von der gesälschlia LUaaz Senvtuls gehabt und sie gutgeheißen hat. und daß er wünschte, diese Itaterbtlanz von uns saniert zu sehen. Bürgermeister Scholtz hak trotz seiner Kenntnis von den Fälschungen nichts unternommen, well er sürchtete, es könnte zu einem großen Skandal kommen: er wollte sie später politisch ausschlachten. Für oll« diese Behauptungen werde ich den Beweis erbringen. Ich bitte, darüber den Stadtamtmanu Schessler zu aern-hmew Der Reisekamerad H. L. Mosers Schuloper Als Genre ist die Schuloper längst legitimiert; dazu bestimmt, von Schülern einstudiert und aufgeführt zu werden, vermag sie zur Bildung musikalischer Jnteresten ungemein viel beizutragen, ist sie in der Lage, die Schulmusik zu ergänzen, zu fördern, zu krönen: jeder geeignete Versuch in dieser Richtung ist ganz außerordentlich zu begrüßen: ist es doch das höchste Ziel aller Musikpädagogik, der heranwachsenden Jugend die Musik so notwendig und unentbehrlich wie möglich werden zu lassen. H. I. Moser war wohl von solchen Erwägungen geleitet, als er die Schuloper„Der Reise- kamerad" verfaßte, die gestern in einer Veranstaltung der Staat- lichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in der Leibrnz-Ober- realschule in Charlottenburg zur Aufführung kam. Bereitwillig teilt er selbst mit, daß es chm um eine Art Gegenbeispiel zum „Jasager" von Brecht und W e i l l zu tun war: diesem Vorsatz ist er auch mit rühmenswerter Konsequenz treu geblieben. Ihm lag daran, die neue Gattung vom Odium der Aktualität zu befreien, die eben erst mühselig hergestellt« Verbindung mst dem Leben wieder aufzuheben, por allem aber, die neue Musik mit ihrer unleugbaren Vorliebe für den Jazz auszuschalten: zweifellos, um den Versuch zu machen. Zeitbedingte? ins Bereich des Ueberzeillichen zu heben. Ein auherordenllich dankenswertes Experiment, schon darum dan- kenswcrt, well es uns die wahre Natur, die Möglichkeiten und Grenzen so einer Schuloper in ungeahnter Schärfe aufzeigt und zur Klärung de? Situation in wünschenswerter Weise beiträgt. Hier ist nämlich eine Art Negativ geformt, ein Beispiel ge- geben, wie ein« Schuloper nicht aussehen sollte. An und für sich ist es ftellich perdienstlicher, etwas Neues zu schassen, alz nach der Schablone zu arbeiten, den„Jasager" etwa nachzuahmen: nur darf man wohl nicht so weit gehen, das Wesentliche einer Gattung sort- zulassen oder gar durch sein Gegenteil ersetzen zu wollen: man gerät sonst in Gefahr, ganz andere Resultate zu erhalten als man es beabsichtigte. Eine Schuloper hat nun einmal eine' künstlerische und eine pädagogisch« Seite, beinhaltet den Vorsuch, junge Menschen musikalisch zu aktivieren, Musik und Leben zu verquicken, vor allem: packende, lebendige, heutige Musik zu schreiben, und wäre es selbst auf die Gefahr hin, den Kontrapunkt ein wenig zu vernachlässigen oder gar Iazzrhythmen zu verwenden. Will einer all das nicht, dann wird das, was er schreibt, ein reines Kunstwerk, sofern er das Zeug dazu hat und den göttlichen Funken: niemals ober eine Schuloper. H. 3. Moser ist weder das eine noch das andere so recht ge» lungen. Er glaubt der Jugend, um die es ja hier ausschließlich geht, am ehesten nahezukommen, wenn er ein A n d« r s e n- M ä r» ch e n recht und schlecht dramatisiert und dazu eine Musik macht, die,„nehmt alles nur in allem", eine Suite im alten Stil ist. Wahrhaftig, eine Variationssuite im alten Stil mit Kanon, Doppelfug«, Passacaglia; offenbar in dem Glauben geschrieben, diese Formen geheiligter Tradition bärgen absolute Werte in sich, W»rt-, die doch wohl nur den Meisterwerken innewohnen, denen sie ent, lehnt sind, kaum aber ihren Nachahmungen, die seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts ja überhaupt stark an Kurswert eingebüßt haben. Wollte man nichts anderes, dann wäre es am besten, einfach alt« Musik aufzuführen. Mit Goethe zu reden:„Altes Fundament ehrt man, man darf aber das Recht nicht aufgeben, irgendwo wieder einmal von vorne zu gründen." Daran arbeiten wir ja alle, zn dem„Bon-vornc-Gründen". Ihm gelten die Sorgen. Mühen. Hosf» nungen und Verzweijlnngen der Musiker unserer Generation. Der Verfasser des„Reisekamerod" dagegen vindiziert sich nirgends dieses Recht, er erhebt erfreulicherweise nicht einmal den Anspruch.„Kpm- ponist im Hauptfach" zu sein: man kann chm daher die betrübend« Einfallslosigkeit seiner Musik gar nicht einmal so recht zum Borwurf machen. Hier wird die Gegenwart verneint, hier«erden die Gespenster der Vergangenheit beschworen und nur das Rötwendigste wird hier versäumt: an der Z u k u n f t zu arbeiten. Es ist schwer, zu glauben, das Erlebnis der Musik könne den jungen Leuten durch ein Gemisch nachgemachter Gregorianik und nachempfundendex Polyphonie ver- mittest werden. Um darauf angewiesen zu sein, so arm sind wir hoffentlich doch nvch nicht. Wieder hat Goeche recht, der alles wußte:„Was wäre das für eine Zeit, wo man die Begrabenen beneiden muß!" A,\V. Tanzschulen. W-nn man die Tanzschülerinnen nach bestandenem Examen sragk, wo? sie nun zu unternehmen beabsichtigen, so erhält man in neun von zehn Fällen die Antwort: Ich mache ein« Tanz- schule auf. Dabei nehmen die Beschäftigungsmöglichkesten für Berufstanzer immer mebr ab. Wer nicht ganz große Nummer ist, kann als selbständiger Solist nicht existieren, als Gruppentänzer wird er Beschäftigung, aber nur minimale Einnahmen haben, und die Opern bauen ihre festengagierten Tanzgruppen ab. Es bleiben nur die Varietes und Kabarells und die Kinotheater, die ihre Pausen mst Tanzaufführungen ausfüllen. Trotzdem ist der Tanz iwch immer die bevorzugte Modekimst und die Tanzbeflissenen hoffen auf Besse- rung der materiellen Existenzbedmgungen. Es ist ein» Lust, zu sehen, mit welcher Begeisterung die jungen Schülerinnen und Schüler sich aus ihren Beruf voxberesten. und mst welcher ziel- bewußten Sicherhest sie von den Echulvorstehern geleitet werden. Ich wohnt« jüngst einer Veranstaltung der S t« f f i- N o s s e n- Schule im Grunewald bei. Es waren durchaus nicht alles an- gehende Berusstänzerinnen, die ich dort sah. Aber durchweg waren oll« von dem gleichen Ernst und der gleichen freudigen Hingebung beseelt. Die Lehrmethode ist im wesentlichen di« bei ollen modernen Bewegungsschulen übliche. Ziel: Erweckung und Pflege des rhyth- mischen Körpergefühls, Befreiung des Leibes von Versteifung und Verkrampfung. Befähigung zum sichtbaren Ausdruck seelischer Vor- gänge. Das wertvollste Resultat ist vielleich das Glücksgefühl, das als Frucht dieser Hebungen und Fähigkeiten zurückbleibt. Daß dem werdenden Künstler nicht ein festgelegter Stil aufgedrückt, sondern nur das Material übermistest wird, mit dem er den eigenen persön- lichen Stst finden und gestalten kann, erscheint ml? als ein besonderer Vorzug der Stessi-Nossen-Schule. J. S. Arzt plus Pädagoge. Im Rahmen einer vom Berliner Verein für Schiügesundheits- pflege veranstalteten Vortragsfolge sprachen am Mittwoch im Hör- saal des Hygienischen Instituts Dr. Bruno Klopfer und Dr. H e i l b r o n n über die psychiatrisch-pädagogische Zusammen- arbeit ln der E l t e r n b e r a t u n g. Man hörte ein paar neue Wortprägungen und begegnete einigen beachtenswerten und gesunden Gedanken: aber es ergaben sich kaum wirklich neue Gesichtspunkte. Dr. Klopfer sieht die augenblickliche erzieherische Situation da- durch gekennzeichnet, daß an Stelle des familiären Einflusses in Gestalt der verschiedenen Formen der Jugendfürsorge immer stärker öffentliche Einflüsse treten. Er tritt dafür ein, daß bei dieser ösfent- lichen Erziehungsarbeit Arzt und Pädagoge, die im Jdealfall in einer Person vereinigt sind, aufs engst« zusammenwirken und daß diese Erziehungsarbeit sich nicht auf die Kinder allein, vor ollem auch auf die Erwachsenen erstrecke, deren schlechtes Verhältnis zueinander die Grundursache vieler seelischer Kinherdefette sei. Im übrigen wünscht er. daß die familiäre Erziehung mit ihrer nur ihr eigentümlichen persönlichen Note nicht ersetzt, sondern lediglich er- gänzt werde durch die ösfentliche Erziehung. Dr. H e i l b r o n n unterstrich von der medizinischen Seste her unter Anführung von Beispielen die Ausführungen Dr. Klopfers. Die Heranziehung des Arztes bei der Erziehung sieht er um deswillen für erforderlich, weil der Arzt bei den Erwachsenen mehr Autorstöt habe als der Pädagoge und weil er zuverlässiger als dieser sich auf dem Grenzgebiet zwischen bloßer Schwererziehbarkeit und tatsächlicher Krankheit auskenne. 3* der lebhaften Diskussion sprach unter anderem Stadtschulrat Nydahl, der sich für alle Anregungen dankbar zeigte, aber vor einer Gefahr der Z e r s p l i t t e r u n g auf dem Gebiet« der ösfent- lichen Erziehung warnte. TC. B. „Krühling im Wiener Wald." Äose-Theater. Das Singspiel handalt in der Aackhändelwst. d« sich durch Ruh«. Reisröck«. bunte Fracks und Gemütlichkest auszeichnet«. Jedenfalls stießen sich damals die Dinge nicht sa hart im Raum wie heut«. Man tanzt« Ländler. Walzer und nicht Trotts und Steps und fand Muße, über seine Gefühle nachzudenken. Ein richtiges Singspiel Hot Wien zum Hintergrund, und die Bersasser Beda und L u n z« r weichen von dieser goldenen Regel nicht ad und veranstalten auf der Bühne ein Gewimmel braver Menschen, die am Schluß alle lieb zueinander sind. Humor mischt sich mst Sentimentalstät, und selbst der menschen- feindliche Hoflieferant Müller findet noch ein spätes Glück, da» die Eisrinde um sein weiches Herz schmilzt. Drei Paar« umarmen sich beim glücklichen Ende. Das Ganze ist harmlos, heiter, besinnlich und bildet ein gutes Libretto für eine Musik, die die Tradition der Wiener Operette pflegt und mit süßer Melodik aufwarten kann. Beide Elemente vereinigt Leo Ascher, der die Premiere selbst dirigiert und das Orchester glänzen läßt. Ascher ist erfindungsreich in der Melodie. Darüber hinaus haut ex aber auch groß« Ensembles auf mit kunstvoller Stimm- führung. Di« Tradition der asten Operett« gewinnt hei ihm neues Leben, das unmittelbar den Hörer packt. Das Rose-Theater, das das Werk zum erstenmal in Berlin spiest, sorgt für ein« gepflegte Aufführung in einem schönen, deko, ratio«» Rahmen. Karl d« Vogt trstt als Operettensänger aus und verbindet eine charakterisierend« Darstellung mit rhythmisch� schwingendem Gesang. Erich Marx, der' neue Tenor, besitzt«ine" kultivierte Stimme und empfiehlt sickz als zurückhallender, dezenter Schauspieler. Die beiden stehen in dem bewährten Ensemble por Hans und Willi Rose, der Mikulski. Wilde, Hilde Hoser und Mar- tin Rosen, Beatrice Haager und Gerti Serskia sind Sou!>r«ste?V von Format.__ F. Seh. Die Berliner(Schauspielschule. Die Nachfolge der Staatlichen Schauspielschule, die auf Beschluß des Preußischen Landtags geschloffen werden mußte, übernimmt nunmehr die Schulstelle des Deutschen Bühnenvereins und der Ge- nossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen. Damit bleibt die Idee der unabhängigen Schauspielschule, die nach den wichtigsten päd- agogischen Prinzipien der beiden Theaterverbände geführt wird. erhalten. Die Leitung behält Professor Leopold Ießner, auch sonst wird sich die Berliner Schauspielschul» auf den Lehrerkms der früheren Staatlichen Schule stützen können. Die Aufnahme- Prüfungen finden am 26. und 87. Oktober statt. Anmeldungen bi» zum 24. Oktober an das Sekretariat: Berlin W. 62, Keithstraße 11, das auch nähere Auskünfte erteilt.. ?. Znicrnationaler Hegel-Songreß. Zum Gedenken an Hegels Todestag vor 100 Jahren wird in den Räumen der Berliner Nniversität vom 19. bis zum 21. Oktober per 2. Internationale Hegel-Konareß tagen. Er wird veranstaltet vom Internationalen Hegel-Bund, der"seinen Sitz im Haag hat. Am Montag wird vor- mittags jn der alten Aula die Eröffniingssitzung abgehalten werden, bei der der Vorsitzends de? Hegel-Bundcs, Professor K r o n e r- Kiel, einen Eröffnungsvortrag über Hegel und sie Gegenwart hält. Der Vertrag wird vom Rundfunk übernommen. Die Tage darauf sind Referaten über Hegelsche Philosophie bestimmt. Eine neue Ausskellnngsform bereitet der Generaldirektor der Staatlichen Museen vor. Meisterwerke aus den verschiedenen Museumsabteilungen sollen unter wechselnden Gesichtspunkten zu kleinen Eliteausstellungen vereinigt werden. Jede Ausstellung wird etwa zwei Monate dauern. Auf diese Weise wird das starre Gesüge der Museen gelockert, und erlesene Kunstwerke sollen zeitweis« her- ausgelöst werden, so daß sich das über Raum und Zeit Verwandt« tm Rahmen einer Ausstellung zusammenfindet. Diese Sonderaus» stellungen sollen schließlich auch das Publikum daran gewöhnen, wenige Werke eindringlich zu betrachten. Die Krammetsvögel werden geschützt. De? preußischen Verord- nung, die ein völliges Verkehrs- und Handelsverbot für Krqmmets- vögel erlassen hat. haben sich Sachsen, Württemberg, Baden. Aden- bürg, Anhalt, Lippe, Hamburg, Lübeck und Bremen angeschlossen. Völlig abgelehnt hat den Schutz für Krammetsvögel nur Braun- schweig. Mit den übrigen Reichslündern schweben noch Erwägung««. Kamera. Spnntag vorunttaa 11.30 mit zweite Matinee tx» RnCu« „30 Jahre d-ulfcher Film":„Tic Suffroqetlc" mit Ast» Nielsen Utü! „Tie Rache der Gefallenen mit Hans MherZ. lWasierseite). ist tagstch w?» 11—7 Uhr geöffnet. Eurrritl 80 Pf., für Leser unseres Blatts und Mitglied« von ttranenorganilatistren$0 Vf., für Erwerbslose 10 Vf. „Im«est«»«cht« Neue?" fijr die«Shuenaeuosienfchaft. Di» lstck- v-rsal-Filmaesellschaft veranstaltet für di, Bühnengenoilenschast am Sann- abend. 11.30 Nbr abends, nn MarmarhouS, Kurküritendomni. eine FesUwr- swllmig de« Filmes„Im Westen nichts Neues" Ter Gesamtertrag der Bprstetlung wird tchnc Abzug den AohlsohrtSkasscn der Büknenaenosscn- schast zugeführt. Karten zu den narmalen BorstellungSpreisen im Marmor- hau». Lohnabbau— Entlastungen. Oer„Erfolg" des llnternehmerrezepts. Die Bergbaugruppe Hamborn der Vereinigten Stahl- werke hat wegen der anhaltenden Kohlenabsatzschwierigkeiten beim Regierungspräsidenten einen Teilstillegungsantrag auf E n t- lassung von rund Sl>l) Bergarbeitern gestellt, deren Kündigung am 15. Oktober erfolgen soll, so daß das Arbcitsver- hältnis Ende Oktober enden würde Die Kündigungen oerteilen sich auf alle Schachtanlagen der Gruppe in Hamborn, Duisburg und Dinslaken. Da Ende Oktober auch die Zeche R e u m ü h l 300 bis 400 Bergarbeiter entlassen will, deren Kündigung bereits erfolgt ist, wird die große Zahl der Duisburg-Hamborner Erwerbslosen ober- mols um 800 bis 900 vermehrt werde». Und zwar unmittelbar nach der..Senkung der Selbstkosten", der bei den Untertagearbeitern im Bergbau 10% Proz., bei den Uebertogearbcitern und dem technischen Personal 7 Proz. beträgt Dos ist die Probe aufs Exempel. Nur durch eine Senkung der Selbstkosten aus dem Wege des Lohnabbaus sei eine Wiederem- stellung von Arbeitern, eine Steigerung des Beschäftigungsgrades zu erwarten. So verkündeten und verkünden die Unternehmer, ollen voran die Herren Generaldirektoren der Bereinigten Stablwerke. Tie Reichsregierung hat den Herrschaften den Gefallen getan und vom 1. Oktober ab durch einen komplizierten Notverordnungsschieds- spruch nochmals die Löhne gesenkt, aber an der Arbeitszeit nicht gerührt. Die Wirkung dieser zum Ueberdruß nachgewiesen irrsinnigen Lohnpolitik ist unmittelbar: Ab 1. Oktober neuer Lohn- a b b a u, am 30. Oktober M a s s e n e n t l a s s u n g e n. Aber die verlängerte Arbeitszeit bleibt. Zwar ist das ein eklatanter Bruch eines bindenden Versprechens einer Reichsregierung! aber die bankrollen Wirtschafts- führer der Schwerindustrie verlangen ihn. Und die Rcichsregierunz wagt nicht, dagegen anzugehen. Wie hoch muß die Arbeitslosigkeit steigen, bis die Arbeitszeit verkürzt wird? Vereinbarung für die Mansfeld A.-G. Im Reichsarbeitsminiftcrium kam zwischen den zuständigen Behörden des Reiches und Preußens sowie der M a n s f e l d A.-G. und den Gewerkschaften nach langwierigen Verhandlungen folgende Vereinbarung zustande: Der zur Zeit noch lausende Tarifvertrag wird wie folgt geändert: 1. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1931 ab werden die Tariflöhne u m 10 Proz. gesenkt. Das bedeutet, daß der bisherige Ecklohn des Hauers von 5,70 M. auf 5,15 M. und der bisherige Lohnsatz von 4,80 M. auf 4,35 M. ermäßigt wird. Die Festsetzung der übrigen Tariflöhne errechnet sich in der bisher üblichen Weise. 2. Solange Arbeller des Kupfer- und Messingwerkes sowie der Zaiger-Hütte Feierschichten oerfahren und dadurch ein Lohnausfall im Monats- durchschnill von 10 Proz. und mehr entsteht, trill der unter 1. vorgesehene Lohnabzug n i ch t in Kraft Die Einzelheiten der Regelung bleiben den besonderen Vereinbarungen der Tarifparteien vor» behalten. 3. Die sozialen Zulagen bleiben in der bisherigen Höhe bestehen. 4. Diese Regelimg kann mit Monatsfrist, erstmalig zum 31 März 1932, gekündigt werden. Die Tarifparteien haben sich ein Rücktrittsrecht von diesem Abkommen bis Freitag 18 Uhr vor- behalten. Gegen den Berufsschulabbau. Protestkundgebung der Oiplomhandelslehrer. In einer öffentlichen Protestkundgebung am Witt- wach im Haus der deutschen Ingenieure nahmen die Diplom- Handelslehrer, die Träger der Blldung an den kaufmännischen Berufs- und Fachschulen, gegen die rigorosen Sparmaßnahmen Preußens Stellung und forderten Beselligung der Härten und ge- rechte Behandlung gegenüber den anderen Schulgallungen. Der Referent des Abends stellte in den Mittelpunkt seiner Aus- föhrungen die Bedeutung der Berufsschulen und den Sinn beruflicher Bildung gerade in wirtschaftlichen Notzeiten. Die Berufsschule gibt das theoretisch-praktische Fundament für die berusliche Ausbildung neben der rein praktischen Lehre. Darüber hinaus schafft sie in dauernder erziehlicher Arbeit die innere Einstellung zu Arbeit und Beruf, zu Wirtschast, Volk und Staat, ohne die ein bleibender Auf- bau nicht zu denken ist. Es bedeutet daher eine völlige Verkennung der gesamten Lage der Wirtschaft und des Volksganzen, durch rück- sichtslose Sparmaßnahmen die Grundlagen jeglicher Wiederaufstiegs- Möglichkeit zu zerschlagen. Besonders schwer werden die Anwärter getroffen, die, zur Enllasiung kommend, auf irgendeine Unterstützung nicht rechnen können und daher der Verzweiflung anHeim fallen müssen. Vertreter der Wirtschaftsverbände, der Angestelltenverbände, der Hochschule usw. betonten, daß sie sich dem Protest der Handels- schullehrerschaft anschließen. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, die die Forde- rungen der Diplomhandelslehrer ausdrückt und die mit de» Worte» schließt: „Eine verantwortungsbewußte Lehrerschaft wendet sich daher an das kulturelle Gewissen aller Kreise, insbesondere der Arbeitgeber» und Arbcituehmerschaft, und richtet an alle staallichen und städtischen Verwaltungsstellen und Körperschaften einen letzten Warnruf: Be- wahrt die Berufs- und Fachschule um chrer staatspolitischen und wirtschaftlichen Bedeutung willen vor ihrer völligen Zerstörung!" faschistisch« Arbeitslvs-nhilse. Die Arbeller und Angestellten der Mailänder Industrie haben zum Beweis ihrer Solidarllät mll der gesamten italienischen Arbellerschaft beschlossen, für die Dauer von 6 Monaten monallich den Lohn für eine Arbeitsstunde dem faschistischen B u n d e s s e k r e t a r i a t für die Winterhilfe und für die Unterstützung der Arbellslosen zur Verfügung zu stellen. Die Unternehmer wurden ersucht, diese Beträge bei der Lohnzahlung einzubehalten und bestimmungs- gemäß abzuführen. Die italienische Presse berechnet das Ergebnis dieses Beschlusses auf 3 bis 4 Millionen Lire. Kursusbeginn der Berliner Gewerkschaflsfchule. Seuie, Donnerstag, 15. Oktober, beginnen folgende Stuzfe:®. 1: Rational. btonomischrs Seminar. Lehrer: Max Pottlitzer. Unterricht-raum der Berliner Gewerkschaftsschule, Engelufer 24— 25, 2. Hof. 1 Tr. rechts.— SO. 1: Ein» fnhrungskurfus. Lehrer: Richard Schulze. Leibniz.Snmnafrum, Marianncir. platz 27—25.— SO. 4: Berufsschiitfal und Lebensgestaltung der arbeitenden Stau. Lehrer: Margarete Hartig. Leibniz-Gnulnasium. Riariandrenplatz 2?— 28. — SO. tZ: Die deutsche und internationale Sewerkschaftsbewegung. Lehrer: __ � � OnlTu.li'>7_ OSi_ iV 14- hogiene. Lehrer: Dr. qrrf. Norbert Marx. Scminarfaal des§i._ dnstituts. Dorothecnftr. 28a.— Hörergebtihr Tür jeden Äurfus flir ie 10 Abende 2 Mark, Jugendliche und Lehrlinge 1 Mark, Arbeitslose sind vom Beitrag befreit. Wetter für Berlin: Nachts klar mit Frostgefahr, am Tage wieder Bewölkungszunahme, aber immer noch sehr kühl Schwache Lustbewegung, keine Niederschläge.— Für Deutschlaad: Im Nord- osden vereinzell etwas Regen, sonst meist ruhiges Weller. Nachts vielfach Bodens: oft. Verantworil. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin: Anzeigen: Tb. Slocke. Berlin Beriaa: Vorwärts Verlag D. m. b.£>.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerci und Verlagsanftalt Taul Singer& Eo Berlin EW S8. Lindenftrasie 3 Hierzu> Beilage. ßefchäfite-JhtSeiger (ficzirfc Jlotden-Often OERMANIA-PRACHTSSLE C A tt L RICHTER Berlin na, Chausseesir.110-- uieidendaminBioau. bobo aale für Festiictakeiten, Kongresse usw. bis 1200 Personen fassend zu den günstigsten Bedingungen tt>2» Großgarage nordbahnhoi |. Maximilian Janischewski D C D 1 B fit! 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Instinkt ist es, wenn die Bienen ihre Königin dauernd mit Buttersaft versorgen, den diese in reichstem Maße der ihrem fast ununterbrochenen Eierlegen braucht, was d'-e fütternden Bienen natürlich nicht wissen können. Eine Instinkthandlung ist also eine feste, angeborene Reaktion, deren Zweck dem Individuum unbekannt ist, den es aber doch infolge eines a n- geborenen Automatismus erreicht. Instinkt ist eine u n- bewußte Zweckhandlung. Solche Fälle aus der Tierpsychologie sind es. die den Instinkt- begriff geschaffen haben. An sie denkt auch jeder, der das Wort Trieb oder Instinkt hört. Die griechische Philosophie hat den Instinkt- begriff geschaffen. In den Ansängen naturwissenschaftlichen Denkens tritt auch hier zum erstenmal das Problem auf, das ihm zugrunde liegt: Wie ist es möglich, daß die Tiere meist so zweckmäßig han- dein, während doch nur der Mensch die nötige Vernunft zu solchem Handeln besitzt? Mit dem Anbruch der inodernen Zeit wurde der Jnstinktbegrisf trotz aller tiesgehenden geistigen Wandlung im wesent- lichen unverändert übernommen. Nach Descartes ist das Tier durchaus als Automat anzusehen, und die von ihm ausgehende moderne Naturwissenschaft konnte daher den Instinktbegriff bei- behalten. Bezüglich der Anzahl und der Art der verschiedenen Instinkt- hat sich in der Wissenschaft keinerlei Einigkeit ergeben. Als Haupt- inftinkte werden gewöhnlich Selbftcrhaltung und Fortpflanzung oder Lrterhaltung aufgeführt. Aber in Wahrheit find diese beiden Begriffe gegenüber der Wirklichkeit viel zu grob. Tatsächlich decken sie nur eine Unzahl von Einzelin st inkten, wie beim Selbsterhaltungstrieb den der Flucht, des Angriffs, der Nahrungs- suche usw. In Wahrheit besteht also nur eine Unzahl von Emzel- instinkten, die man vom biologischen Gesichtspunkt aus freilich unter jene beiden großen Hauptgruppen subsumieren kann: aber daß SelbsterhoUung und Arterhaltung selbst unmittelbare Instinkte wären, davon kann gar keine Rede sein. Aber selbst diese erste Aufteilung der beiden Hauptinstinktc ergibt noch keineswegs die Summe aller in der Natur angeblich vor- tandenen. Hier findet sich vielmehr außerdem eine Unzahl von „Spezialin st inkten" bei jeder Gattung und oft bei den einzelnen Arten, Familien usw., die eine Zählung überhaupt gar nicht mehr gestattet. Die Blattlauskulturen gewisser Ameisen sind solche Spczialinstinkte, da hat serner eine Grab- w c s p e den„Instinkt", ihre Beute nur an den Fühlern, nicht etwa auch on den Beinen einzuschleppen: eine andere, jedesmal das Nest zu revidieren, bevor sie die Beut« einträgt, auch wenn sie es eben getan hat: und so ins Unendliche fort. Handelt das Tier nun anders, als es der Forscher im Interesse der biologischen Zwecke für nötig hält, so wird es gewissermaßen mit Vorwürfen, sogar moralischen, belastet. Solche Handlungen gelten dann als Abirrungen, Atavis- men, Perversionen usw. Statt die Bedingungen zu erforschen, unter denen sich das Verhalten des Tieres erklärt, setzt man einen komplizierten und weit hergeholten Zweckbegriff voraus und glaubt mit diesem als oberstes Gesetz den Tieren Zensuren erteilen zu dürfen. Betrachten wir eins der genannten Beispiele. Warum also brütet der Vogel? Weil er einen„P f l e g e i n st l n k t" oder „B r u t i n st i n k t hat. der ihn zwingt, so zu handeln? Genau- Betrachtung zeigt etwas ganz anderes. Zu einer bestimmten Zeit, die in die Brutperiode sällt, zeigen sich bei den meisten Vögeln, sei es Weibchen oder Männchen, die sogenannten B r u t f l e ck e. Diese an der Bauchseite gewöhnlich durch Ausfallen der Federn gekennzeichneten Flecke stellen eine Art Entzündung dar, die wahr- scheinlich durch hormonale Vorgänge gekennzeichnet ist, wie ja auch der ganze Vogel sich zu dieser Zeit in einem Zustand erhöhter Wärme befindet. Der Vogel hat nun offenbar durch das Sitzen auf den Eiern eine angenehme Empfindung an diesen Brutflecken, die allgemein durch die Berührung mit runden Gegenständen, vielleicht in Verbindung mit einer von ihnen ausgehenden Kühlung ausgelöst wird. Es brauchen also gar nicht die eigenen Eier zu sein, auf denen das Muttertier sitzt, es können auch fremde, ja überhaupt irgendwelche runden Gegenstände sein, wie Steine oder Eiscnkugeln! Das beweist deullich, daß von einem„Brut- instinkt" keine Rede sein kann, sondern nur von einem durch den Brutsleck ausgelösten Drang noch dem Sitzen auf irgendwelchen passenden Gegenständen. Das Tier„brütet" auch nur so lange, w:e dieser Reiz andauert, ohne Rücksicht darauf, wie weit die unter ihm liegenden Eier ausgebrütet sind oder noch Wärme bedürfen. Es . kommt auch nicht selten vor. daß bei starker äußerer Wärme dem Vogel das Brüten bei seinem ohnehin heißen Zustand unangenehm ist: so hat man beobachtet, daß in Treibbeeten oder Treibhäusern meist gar nicht gebrütet wird, ebenso vielfach nicht in den heißen Zonen, wo manche Vögel nur während der kalten Nacht auf den Eiern sitzen. Dies- psychologisch verständlich- Handlungsweise ist ober auch biologisch zweckmäßig, da ja in diesen Fällen die Eier von der Umgebung so viel Wärme erhallen, daß ein Be- brüten nicht notwendig ist oder doch nur nachts. Was folgt aus diesem Beispiel? Das äußere Handeln der Tiere ist niemals durch angeblich angeborene Mechanismen blind geleitet, sondern folgt in ganz natürlicher W-ise aus- schließlich dem Prinzip von Lust und Unlust. Grund- sätzlich ist dies Prinzip durchaus autonom. Es kümmert sich in keiner Weise um irgendwelche anders geartete Ziel« als die seiner Eigenbefriedigung, also auch nicht um biologische. Es ist der große Irrtum der Instinkllheorie, paß sie rein biologischen Wesens ist und die Psyche als unter dem biologischen Zweckprinzip stehend ansteht. In einer großen Reche von Fällen besteht nun aber eine Art von „präformierter Harmonie" zwischen dem psychologischen Lustprinzip und dem biologischen Zweckprinzip. Sehr häusig sind die subjektiven Ziele, die Luststrebungen des Indwidaums, gleichzeitig auch biolo- gisch zweckmäßig. Dieser P ä r a l l e l i s m u s der beiden Prin- zipien spielt ja in der Natur die größte Rolle. So führen im all- : gemeinen Lüstsuchcn und Unlustvermeiden zu Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Wohnungssuche usw. andererseits zur Vermeidung von Gefahr und Tod, Aber diese pröformierte Harmonie besteht keineswegs immer. Nicht selten vertragen sich beide Prin- zipien nur schlecht miteinander oder gehen direkt auseinander. Die Schmeißfliege, die ihre Eier, durch den Geruch der Aospflanze„vir- führt", in diese hineinlegt,„statt" in den Körper eines toten Tieres, handelt ihrerseits vollkommen normal. Von einer„Instinkt- abirrung" ist gor keine Rede. Wohl aber ist die Natur so angelegt, daß die Fliege in gewissen Fällen getäuscht wird, was für ihre Brut verderblich, für die Pflanze ober nützlich ist. Dies aber sind die Prinzipien, noch denen sich sämtliche tierischen Instinkte ohne Rest auflösen lassen. Immer ergibt sich das biologisch Zweckmäßige durch ein natürliches Produkt aus ollen wirkenden Faktoren. Diese sind zunächst das Bewußtsein des Organismus, das auf Grund von Reizempfindungen, von Lust und Unlust also. so sinnvoll handelt, wie es ihm nach Maßgabe seiner psychischen Fähigkeiten möglich ist. Als höchst wichtige Folgerung� ergibt sich also hier das Vorhandensein von Bewußtsein bei sämt- lichen Organismen, denn es läßt sich zeigen, daß schon die Protozoen genau noch dem gleichen Prinzip der Sinnreaktion handeln. Das zweite bestimmende Hauptmoment der Handlung ist die phy- fische Konstitution, endlich das dritte die äußeren Verhält- nisfe, die Umwelt, in deren Rahmen allein die Fähigkeiten des Tieres sich auswirken können. Das sind die natürlichen Haupt- foktoren, aus denen sich in ebenso natürlicher Weise jede tierische Handlung ergibt. Nirgends aber gibt es einen angeborenen, starren Reaktionsmechonismus. Dieser müßte bei den ewig wechselnden Situationen des Lebens direkt zum Untergang des Organismus führen, statt daß er seine Erhaltung sicherte. In Wahrheit ist alles tierische und menschliche Handeln grundsätzlich variabel und in diesem Sinne frei, es beruht eben auf dem jeder neuen einmaligen Situation sich sinnvoll anpassenden Wägen und Wagen der Psyche. Di*. II. Bebmann: Das Tier and die Porseiiaiig Ueberall in unser Dasein hinein ragt das Tier, hinein- gestellt in unseren Kosmos, untrennbar verknüpft mit unserer Existenz, in der Gesetzeskette der Natur ein Glied, gleich uns. In das Leben des primitiven Menschen tritt das Tier als Feind oder als Nachbar, für unser Zeitalter der Wissenschaft ist es außerdem noch neutrales Objekt der Forschung. Die Wissenschaft braucht das Tier zur Entwirrung der Gesetze, die auch den Menschen betreffen, sie studiert an ihm die Natur, ober sie studiert auch die Natur um das Tier und hilft wieder dem Tier, sich in der Atmosphäre der Zivilisation zurechtzufinden, die der Mensch, oft ohne Rücksicht auf das„Natürliche", geschaffen hat. So sind unter den Instituten, die der freien wissenschaftlichen Forschung gewidmet sind, eine groß« Anzahl dem Tier gewidmet, dem Tier als Objekt der Noturgefetzlichkeit und dem Tier als Subjekt, als Glied der irdischen Gemeinschaft allqr Lebewesen. Wenn imKaiser-Wilhelm-Institut für Biologie die L«bensgesetzmätzigk«iten des Tieres«rforfcht werden, so sind es die Gesetzmäßigkeiten alles Lebendigen, nach denen die Wissen- schaft sucht: in den Instituten für Vererb ungs- f o r f ch u n g interessiert die tierische Erbgesetzlichkeit nur so weit, als das Tier zum Nutzen des Menschen wieder Zuchtobjekt werden soll, oder als aus der tierischen auf die menschliche Erborganisätion geschlossen werden kann. Die eigentliche Tierwissenschast, die Zoologie, ist heute längst zur Teildisziplin geworden, dafür findet man ganz neue Formen der Tierforschung, die ganz aus das Tier als lebendiges Wesen gerichtet sind. So ist in Hamburg im Anschluß an das dortige Aquarium mit Unter- stützung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und' der Notgeineinschaft Deutscher Wissenschaft ein Institut für U m w e l t f o r s ch u n g gegründet worden, über das in dem ausgezeichneten Sammelwerk ..Forschungsinstitut«, ihre Geschichte, Organisation und Ziele", Paul Härtung, Verlag, Hamburg, Dr. Fr. Brock berichtet. Umweltforschung als Wissenschaft vom Verhalten des Tieres, geht in Deutschland auf die Forschungen von Prof. Jacob v. U e x k ü l l zurück. Wenn wir das Tier in seinen Lebensäußerungen beobachten, so sehen wir zunächst nicht viel mehr, als daß es scheinbar plan- volle und scheinbar sinnlose Handlungen nebeneinander ausführt. Wir versuchen System in die Lebensäußerung-n des Tieres zu bringen, aber wir bringen zunächst nur unsere eigxne menschliche Logik kritisch an das Dasein des Tieres. Der I n st i n k t- begriff— der heute schon kritisch erschüttert zu sein scheint— ist eine Frucht der Ueb-rdeckung der tierischen Existenz mit mensch- licher Vernunft. Wir machen das Tier zum Automaten, in dem ein übertierisches Uhrwerk unbarmherzig und wesenlos wirkt: der I n st i n k t! Beim Menschen suchen wir diesen höheren Trieb vergeblich, er ist scheinbar schlechter ausgerüstet als das Tier, das mechanisch richtig handelt, wo der Mensch sich trotz oder wegen seiner Ver- nunst irrt. Die moderne Tierpsychologie— die vor- läusig noch als Zweig der allgemeinen, d. h. der menschlichen Psychologie betrieben wird— versucht ohne einen solchen Auto- matenmechanismus auszukommen und das Tier als handelnde Individualität zu erkennen. Die Umweltforschung geht hier voran, indem sie das Tiersüljekt mit den Vo:gSngen und Erscheinungen seiner Umgebung zu einem einheitlichen Plan zu verknüpfen sucht, der wieder die. dem oberflächlichen Beobachter nur teilweise zweck- mäßig erscheinenden Bewegungen und Handlungen in einem sinn- vollen Zusammenhang bringt. Die Umgebung des Tieres verhält sich zu feiner Umwelt— sagt Uexküll— wie das Wasser, das unseren Durst stillt zu dem H'O(chemische Formel für Wasser) des Chemikers. Die„Umwelt" liegt nicht so offen da. wie die Faktoren der„Umgebuna", es bedarf eingehender Forschung und sorgfältigen Studiums des lebenden Tieres, um das Tier aus ihr zu begreifkn. Beispiele für angewandte Umweltforschung bieten die moder- nen zoologischen Gärten. Früher machten die Tiere in ihnen den Eindruck lebenslänglich verurteilter Verbrecher. Sie saßen in Käsigen, herausgerissen aus ihrem Lebensraum und in eine völlig wesensfremde Umgebung versetzt. Hagenbecks Tierpark in Stellingen war. der erste Versuch, die Umwelt vom Tier aus aufzubauen und ihm möglichst viel von dem zu geben, was seine Existenz in der Freiheit ausmacht. Mit den Kulissen allein ist es aber noch nicht gatan, vor allem dann nicht, wenn dies« Kulissen vornehmlich dazu dienen, dem Beschauer die natürliche Umgebung des Tieres vorzutäuschen. Die Umwelt muß dos thtige Tier zeigen. Wenn auch dL> Tierforschung noch in ihren Anfängen steht, so läßt sich doch schon klar der Weg erkennen, der zu einer Eni» r ä t s e l u n g des Tieres führen kann. Er weist über das Tier hinaus mitten hinein in die Frag«, aus welchen Gründen überhaupt Lebendiges lebt und handelt. vr. 1«. Ulbert: Barbaren nnd KnltnrTÖlker unter den Tieren Daß Ameisen sich Blattläuse und andere Insekten als„Milch- kühe" halten, ist wohlbekannt. Wie organisiert ober die Vieh- Haltung der Ameisen ist, daß sich sogar Stallwirtschast und Weidewirtschaft urtterscheiden lassen, das konnte die Zoologie erst in neuester Zeit durch mühevolle Versuche feststellen. Wie bei den menschlichen Hochgebirgsbewohnern beginnt im Frühjahr der Austrieb auf die„Weide", d. h. auf die grünenden Sttäucher und Bäume. Eine Ameise begleitet die Blattlaus und bewacht sie bis zum Eintritt der Dunkelheit, dann treibt sie sie wieder in den Bau hinunter. Von Zeit zu Zeit melkt die Ameise auch ihre„Kuh", die bekannllich ein bei den Ameisen außerordenttich beliebtes Drüscnsekret absondert. Werden die Nächte wärmer, so bleiben die Blattläuse nachts im Freien, wie die Kühe auf der Alm. Die Ameisen� kriechen jedoch in den Bau hinunter: sie brauchen anscheinend zum Schlafen ein Dach über dem Kops wie die Menschen. Noch verblüffender sind die„kulturellen" Leistungen mancher tropischer Ameisenorten. So haben sett Jahrtausenden die M c s s o r- a m e i s e n einen besonderen Ruf, von denen schon König Salomo berichtete, daß sie Korn eintragen und daraus ihre„Speise" beretten. Im Orient können diese Ameisen, die ernten, was die Menschen gesät haben, recht erheblichen Schaden anrichten, so daß schon im Talmud Vorschriften und Anweisungen über die Aufsuchung und Zerstörung von Ameisennestern zu finden sind. Aus langen Straßen eilen dicht gedrängt die Tierchen vor ihren Nestern hin und her, wie ein Perlenband glitzern solche Ameisen» straßen in der Sonne. Stets sind die zum Nesteingang marschieren- den(leinen Lastträger mtt einem Samenkorn beladen, das sie mit ihren Mundwerkzeugen hallen. Gräbt man on den Eingängen zu einer solchen Ameisenstadt, so findet man verhältnismäßig dicht unter der Oberfläche zunächst Vorratskammern, in denen die eingetragenen Materialien vorläufig aufgestapelt sind, unter denen sich auch Unbrauchbares, wie Schneckcnschalen usw., findell Dann erst erfolgt die eigentliche Sortierung, wobei die Ameisen ihr Getreide„dreschen", d. h. die harten Spelzen abstreifen. Die so vorbereiteten Körner kommen dann in die ttefer gelegenen eigent- lichen ,L o r n s i l o s". Die weitere Verarbeitung bedeutet aber wohl ein Höchstmaß an tierischer Zivilisation. Die Anreisen zerkauen nämlich in stundenlanger Gemeinschaftsarbeit die Körner und beretten sich auf diese Weise das sogenannte„A m e i s e n b r o t", das teils sofort verzehrt, teils für späteren Gebrauch aufbewahrt wird. Dieser Kau» Prozeß ist mit einer Art Gärung verbunden, bei der mit Hilfe des Speichelzusatzes Zucker aus der Stärk« der Getreidekörner gebttdet- wird. Die Ameisen benutzen also— wenn auch ohne sich deffek� bewußt zu sein— eine chemische Reaktion zur Verbesserung ihrer Nahrung. Die Ameisen stehen also noch ihren organisatorischen Leistungen im Tierreich auf einer besonders hohen Stufe, vielleicht auf der höchsten, wenn man von den Bienen absieht, die in bezug auf Arbeitsteilung und Gesellschaftsordnung wohl unerreicht sind und als das führende„Kulturvolk" unter den Tieren angesehen werden dürfen. Die Bienen haben eine streng geregelte Lausbahn, welche von jeder Arbeitsbiene absolviert werden muß. Mit Wachs- zellcnreinigen fängt es an, Reinemachefrau ist der Bienenberuf der ersten Tage. Noch drei Tagen schon, wenn sie körperlich genügend entwickelt ist, wird die Biene H i l s s- a m m e und muß die älteren Larven mit Blütenstaub und Honig füttern. Für die jungen Larven ist sie erst im dritten Stadium reif, wenn ihre Kopsspeicheldrüsen groß genug sind: sie ist nun Brut- a m m e und füttert die werdenden Bienen mit Futtersast, den sie selbst erzeugt. In diesem Lebensabschnitt darf die junge Biene auch die ersten Ausslüge machen und ihren Orientierungssinn üben. Bauarbeiter»» ist das nächste Stadium der Bienenkarriere. Mit Hilfe ihrer inzwischen entwickelten Wachsdrüse hat sie die Zellen zu erneuern und den Bau zu vergrößern. Damit hat die Biene nun die höchste Stufe des Innendienstes erreicht. Sie wtrd mit dem Abschluß dieses vierten Lebensabschnittes in den Außendienst versetzt und hat— etwa vom 20. Tage ihres Daseins ab— Blütenstaub zu sammeln und in Honig umzuwandeln. 15 Tage dauert durchschnittlich diese höchste Stufe der Bienenkarriere, mit 35 Tagen hat die Sommerbiene im allgemeinen ihr Leben vollendet. Interessante Experimente, die besonders der Berliner Zoologe Professor Rösch angestellt hat, beweisen übrigens, daß sich die Biene dem Zwang irgendeiner gegebenen Situation sofort anpaßt und auch von einer höheren sozialen Stufe wieder in eine frühere zurückkehrt, wenn es die Erhaltung des Bienenstaates erfordert. Wenn es sein muß, überspringen auch junge Bienen einige Stufen der normalen Laufbahn, um etwa sofort zum Honigholen über- zugehen, wenn die Honigsammlerinnen weggefangen werden und nicht zurückkehren. Eine erstaunliche Leistung der Bienen ist die Temperaturrcgulierung ihres Baues im Winter. Sie fitzen bekannt- lich im Winter nicht einzeln, sondern zu vielen Tausenden eng zu- sammengedrückt und hallen sich so gegenseitig warm In der Mitte dieses Haufens herrscht dann eine relativ hohe Temperatur, die nach außen hin allmählich abnimmt. Sinkt nun die Lufttemveratur er- heblich, so werden die„Randbienen" allmählich kalt, die Bienen ge- hören ja zu den wechselwarmen Tieren. Nun machen sich die äußeren Bienen genau so warm, wie wir Menschen es tun würden: sie nehmen Futter zu sich, lausen hin und her und schwirren mit den Flügeln, bis sie wieder die genügende Temperatur haben. Gegenüber diesen Leistungen der„Kulturvölker" unter den Tieren sind die Fähigkeiten der E i n z e l t i e r e der Herdennomaden, wie z. B. der wilden Pferde, Büffel usw., fast„barbarisch" anzusehen. Sie ziehen umher, haben weder eine feste Wohnung, noch eine Andeutung von Arbeiteiellung. Sie sind die Primitiven unter den Tieren. Den Uebergang bilden vielleicht die paarweise in Nestern und Höhlen wohnenden Tiere, die Vögel und gewisse Nage- ttere, von denen einzelne durch eine besonders kunstvolle Bauweis« berühint sind. Was aber diese Fähigkeiten der Tiere bedeuten, sich z» organisieren und gewisse Fertigkeiten zu pflegen und zu vererben. die selbst uns Menschen als Kunstfertigkeiten erscheinen, woher sie stammen, ob aus jahrtausendjähriger Erfahrung oder aus e'— Instinkt, wird erst ein« künftige Tiersorschung klären. Er ist da— der„rote Sportorden"! Moskau hat ihn gestiftet Wic Hitler der deutschen Seilcrlnnung aufhelfen will, indem er die Marxisten aufhängen statt erschießen lassen will, ist jetzt„Rot- spart" dabei, der deutschen Blechindustrie aus die Beine zu helfen, indem es einen„Roten Sportorde n" gründet Darüber weiß das Nachrichtenblatt des Deutschen Reichsausschusses für Leibes- Übungen folgendes zu berichten: „Cm internationales proletarisches Sportabzeichen. Die deutschen Kommunisten bemühen sich in den letzten Monaten immer stärker, unter dem Stichwart„Rotsport" eine rein kommu- nistifchc Sportbewegung auf die Beine zu stellen. Sic benutzen dazu all die Mittel, die von der van ihnen so stark herabgesetzten un- politischen Turn- und Sportbewegung seit Jahren als erfolgreiche Werbung anerkannt sind. Jetzt haben die Frührcr der kommu- nistischen Sportbewegung endlich auch das deutsche Turn- und Sport- abzeichen„nocherfundcn". Die letzte Tagung der Roten Sport- Internationale hat». n. beschlossen, zur Hebung des durch- fAnittlichen Leistungsstandes olle Mitglieder der kommunistischen Sportorganisationen einer ständigen Leistungsprüsung unter Ein- führiing eines Leistungsbuches, in"dem die sportlichen Leistungen des einzelnen beglaubigt werden, zu unterwerfen. Im Zusammenhang damit wird ein „inlernalionalcs prolelarischcs Sportabzeichen" herausgegeben. das derjenige erhält, der auf den verschiedensten sportlichen Gebieten eine gewisse Durchschnittsleistung erreicht--„und der über ein bestimmtes Wissen über die Hauptfragen der proletarischen Klassen- bewegung verfügt"! Man ist erstaunt. Denn„Rotsport" sagt dem „faschistischen Sport", wic die Kommunisten die unpolitisch« Turn- und Sportbewegung zu bezeichnen pslegen, nur Mängel und Korruption nach. Die von uns geschaffenen Einrichtungen scheinen aber wie mau sieht, doch der Nachahmung wert zu sein: nur daß der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen mit den Prüfungen für seine Abzeichen keine„Gesinmingsprüfung" verbunden Hat." Dem Kenner der Moskauer Geistesrichtung im Sport kommt diese Wandlung ihrer deutschen Anbeter nicht überraschend. Di« Russen haben es von jeher als eine Hemmung empfunden, daß sie nicht mit den bürgerlichen Sportverbänden des Auslands zusammen- arbeiten dursten. Immer micdcr ist der Versuch gemacht worden, die Blockade, in die sie wegen der notwendigen Rücksichtnahme aus ihre deutschen Anhänger gekommen waren, zu durchbrechen. Letzthin erst wieder durch ihre Jühlungnahmc mit den Tschechen. Jetzt scheint man soweit zu sein, daß die Maske abgcworscn werden kann. Die deutsche Bewegung ist gespalten, und die Anhänger Moskaus sind Mitglieder der Maskauer Intcrnotianale. Jetzt befiehlt Moskau, und in Berlin hat man zu gehorchen. Wie immer, so werden auch jetzt die Berliner Mamelucken die Knute küssen und aus der Not eine Tugend machen. Man wird sie bald provalotarish mit dein Sowjetsportl'lech hcrvmlonien sehen. Es geht doch nichts über die Diktatur des Tscherwonzen. „Rotsport" auf dem Bauernfang. Das Agrarprogramtn der Kommunisten. An dem gleichen Sannlog, an dem die»ereinigte Reaktion in Harzburg ihre schmetternded Fanforen blies, hat au6? In Berlin ein Stürmchan im Wasserglas« die Welt erschüttert. Hier hatte der kommunistische Sportvcrband seine Mannen aus dem ganzen Reiche versammelt. Die Zahl war immerhin recht stattlich. allein aus Berlin waren 42 erschienen, aus dem Reiche 100 Delegierte. Es wurdest die üblichen Resolutionen geschluckt, nur ein Teil der Sachsen zeigte sich obstinat. Schließlich ließen sie sich aber be- tölpeln, und es war großer Jubel ob dieser Bekehrung. Bon Bedeutung war der Beschluß, sich der Moskauer Sport- internationale nun auch formell anzuschließen. Zehn Pfennig muß jedes Mitglied jährlich für diese Ehre bezahlen. Zum Schluß sang man die Internationale, und die Weltrcvolutio» war wieder einmal auf den Marsch gebracht. Mit welchen demagogischen Mitteln die„Roten" Sportler or- beiten. davon legt ein Rundschreiben Zeugnis ab, das die Ajander- sparte im Rheinland an ihre Ortsgruppen versandte: Darin heißt es: „Betrifft: Landagitation und Treffahrt. Wir dringen als Kommunisten dem arbeitenden Bauern im Augenblick der Machtergreifung sofortige und vollständige Schuldenfreiheit. Wir Kommunisten bringen dem arbeitenden Bauern im Augenblick der Machtergreifung sofortige und vollständige Steuer- sreiheit. Wir Kommunisten bringen dem arbeitenden, dem landarmen und londhungriaen Bauern im Augenblick der Machtergreifung den Grund und Boden, den er zu seiner Sichcrstellung braucht, und den wir den Großgrundbesitzern mit Hilfe unserer Diktatur ab- nehmen werden. Wir denken nicht daran, das Arbcitseigentum des werktätigen Bauern, sein Ackerland, sein ehrlich verdientes Hab und Gut, sein Bauernchlus, sein Bieh, sein Inventar, seine Werkzeuge und Ge- röte anzufassen. Daß unser kommunistisches Agrarprogramm, die Befreiung der Arbeiter und Bauern, aber nur in einem Sowjet- deutschlaiid der Arbeiter und Bauern verwirklicht werden kann, das müssen wir Proletarier der Stadt unseren geknechteten Brüdern auf dem Land selbst sagen..." Mit solchen verlogenen Agiiationsphrasen, in denen alles ver- schwiegen wird, was unter der Knute Stalins der Bauernbcvölkerung Rußlands angetan worden ist, glaubt man jetzt bei uns den Bauernfang betreiben zu können. Und behauptet von sich, kein tLmmunistischcr, sondern neutraler Sportvcrband zu sein. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wic. Hoch die„rote Sporteinheit" Bor einiger Zeit machte die Meldung die Runde durch die Sportpresse, daß eine klassenbewußte, ganz rare sowjetrussische Fußballmannschaft gegen eine Berufs fußballmannichait, die als sehr national verschriene Präger„Sparta", spielen sollte. Selbstverständlich hat Moskau diese Spiele streng nach den Gesetzen der roten Sportinternationale genehmigt. Da kam die -..Fisa"(Föderation der Iuternationolcn(bürgerlichen) Fußball- aisoziation) dazwischen. Aus einmal war es mit der Salidarität der Kommunisten mit den Tschechen vorbei. Rußland gehört nämlich nicht zur„Fifa", und die in Frage kommenden Instanzen lehnten aus ihrer letzten Tagung in Gens den Antrag Rußlands zur Spiel- Genehmigung ab. Sparia hatte auch die Absicht, in die Sowjetunion zu fahren, um sich dort feiern zu lasse»: aber auch dieser Antrag wurde einmütig abgelehnt. Wie stellen sich aber nun die dreimal revolutionären Sportler dazu? Allen Vereinen des Arbciter-Turn- und Sportbundes ist es verboten, gegen Vereine,.die außerhalb des Bundes stehen, zu spielen, selbstverständlich also auch gegen bürgerliche Vereine. Es bleibt der.„Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit" vorbehalten, die Traditionen des Arbeitersports zu verleugnen. Diese ganz« pseudorcoolutionäre Gesellschaft beschimpft die Sportler im Arbeiier- Turn- und Sportbund täglich als Renisionisten und.Handlanger des .Kapitals, verbrüdert sich aber im gleichen Augenblick mit den Klassen- feinden der?lrbeiter. Wahrlich, die kommunistischen Sportler hätten in Harzburg eine gute Figur gemacht. Gemeinsam geübt hatte man ja schon beim Volksentscheid! Ärhelterhandbal! und Hockey. lieber den Ausgong der Begegnungen im H a n d b q l l am kommenden Sonntag läßt sich heute schon etwas Bestimmte? sogen. In der I. Klasse, Abteilung A. gilt die Freie Turncrschait Velten im Spiel gegen die Freie Tiirncrschaft Hennigsdorf in Hennigsdvrs, Gemcindesportplatz, um 15 Uhr, als Favorit. Dasselbe gilt für FTGB.-Nordost, die um 16.10 Uhr in Nowames. Priefterweg, gegen die Turn- und Sportvereinigung anzutreten ha». In der?l b- teilung 8 hat der ASB.-Schöneberg im Spiel gegen Volkssport Neukölln auf dem Urbanplatz um 16 Uhr wenig Aussichten, denn die Leistungen des letzten Sonntag konnten nicht üb/rzeugen. Vorher um 15.10 Uhr, tresfcn auf demselben Platz die FTGB.-Süden und die Lvckcnwolder Sportler zusammen. Hier wird Süden den Sieger stellen. Etwas schwieriger läßt sich der Ausgang im Spiel Eintracht- Myhlsdorf gegen FTGB.-Obcrspree beurteilen. Beide können das um 16.10 Uhr an der Hönower Chaussee beginnende Spiel gewinnen. Von den»Zvielen der 2. N l o l s r lohnt eo sich, folgende Spiele anznsedcn: Bezirtetlasir Vstea. FT. Erkner— priesen., Zurstenwalde um ISH Uhr in Erlner an» Dlimerinfee. TwV..Nanlodorf— F?KA..KaumschuIenweg um Iii Ul>r in" Ä Sulsdorf, Ditrerstrasie. Diese beiden-Zpiele diirfttn de» endgültige» ÄUS- schlag um die Fllhrung in der Gruppe gebe». Zur Zeit sind Ertucr und Naulo. dorf ungelchiggcn.— Grunpe H: Freiheit. Fichte»au— iZT. Wildau in Fichtenau um iü Uhr. FTGV.. Lichtenberg— Athlctik-vport.Elub um U).20 Uhr im Llchtcnderger Stadion. VfL. Snring— Frei« Sport-Verrinigung Slrauobera um Uhr im Lick>lenverger Stadion.— F r a u c» t Turn,»nd Sporlvereini. guna Nowawcs—Eintracht. Mahlsdorf um lü.til Uhr in Nowawes. TSV. «aulsdorf— ZTl»B..Osten um>0 Uhr in»aulsdorf. FTGB.. Lichtenberg— FTSV. Vuumschulenwrg um l.u.ZO Uhr im Lichtenberger Stadion. oezirksllafsc?!ard«n: Freie Sport, Vereinigung Tegel— MTV. Bernau um BSV. Rot-Wrisi-ASV. Diedding um«u Uh? Platz 14 Uhr am Wasserturm. an der Schönhauser Ällrc. LTGB.-Vordrn III— Sporlvercin Moabit um 14.20 Uhr im Sumboldthoin. FTGB.-Norden I— Freie Turnerschafl Schwante um 14 Uhr im Humboldthain.— Frauen: Freie Turnerschaft Velten— FTGÄ.» Nordost um ll Ulir In Velten. Bezirlsilassc Westen: TSV. Nowawes 2— Turnerschaft Brandenburg 2. Bezirk um lä Uhr. Freie Turnerschalt Vornstedt— Turnerfchaft Brandenburg 1. Be» »Hl um 15 Uhr auf dem Bornstedtcr Feld. FTSB-Spanbau— Freie Turner» lchaft Raurn um 15.10 Uhr Platz Seeburger Strasic. B«»irl»llass« Stiden: FTGB.-Sstden 2— MTV. Sperenderg um 14.40 Uhr dem Urdonplatz. Freie Turnerfchalt Wilmersdorf— ATB. Nuhlsdorf um NZ4- Uhr auf dem Eieerovlatz. ZdA.— FTGV..Lankwitz um 10.50 Uhr auf dem Dominirusplatz. FTGB.»Friedenau— FS'V. Fichte um 15.30 Uhr Platz Offen» dacher Stcasie.— Frauen: Luckenwalde v— Luckenwalde l. Avterlung um 14.Uhr. Luckenwalde 1. Abteilung 2— Luckenwalde N um 10 Uhr. Lücken» wuld, O— Luckenwalde A um 10.50 Uhr. Alle Spiele in Luckenwalde, Kttzhkibe. — Gruppe V: ASV. Schönebcrg— FTGB.-Slldcn um 10 Uhr Platz Rubens. lUasie. Bollsspart Neukljllir— Freie Turnerschaft Zehlendorf um 11 Uhr Platz 6 im Neukilllner Stadion. FSV. Fichte— Freie Turnerschaft Wilmersdorf UNI 1Z Uhr Platz ssatzoachstratze. Hockey Am kommenden Sonntag finden die Serienspiele eine gute Förderung, sind doch oll« Mannschaften der Gruppe A und B mit Ausnahme von Bolkssport-Neutölln im Komps. Gruppe A: Aus dem Platz Pankow, Kissingenstraße, spielt die Freie Sportoereinigung Pankow 1 gegen Arbetter-Sporwersiu Rot»Weiß 1: die Pankower dürsten sicher« Verlierer sein. Spleldeginn 10.30 Uhr. Tennis-Rot l und Freier Hockeykiub Spoirdau 1 treffen sich um IS Uhr in Rummelsburg. Laskerstraß«. Das Spiel wird das größte Interesse des Tages beanspruchen. In der Spielerform vom letzten Sonntag hat Temas die größer« Chanoe. Spielbeginn 15 Uhr. Im Lichtenberger Stadion kommen VfL.-Ostring 2 und der Sportverein Moabit 1 zusammen. Die Moabiter müssen gegen- liber den letzten Spielen ganz andere Leistungen zeigen, wollen sie als Sieger aus diesem Spiel hervorgehen. bn Gruppe o empfängt der Athlrtil.Sport Elub 1 die Freie Turner» ichaft Groh-Berlin-Tempelhos l auf Platz Ost um>1 Uhr. Das Spiel ist offen, doch hat Tempelhof den gjinstigeren Start. Arbeiier-Sport»Verein Rot. Weitz 2 und VfL. Ostring 1 spielen um 14 Uhr in der Schönhauser Allee. Hier durite dem ftrrisweister Ostring der Sieg nicht zu nehmen sein.— Gruppe Männer-Turnnerein Bernau und Freier Hockey. S lud«pandau 2. l» Uhr in Bernau. Tennis-Rot? und FTGB.»Ostrn I um I.V. Uhr Platz Ost.— Gruppe v: Freie Sportvereinigung Pankow— Atklrtil.Sport.El'ib 3 um st Uhr in Pankow.— A6B. Schöneberg.Friedenau 07 gegen Voltssport Neukölln- Britz 2 um 13 Udr in Schöneberg, Rubrnoftraße.— Gruppe E: ASV. Rot, spiel: DsL. Ostring Z— SV. Moabit 2, 15 ilhr. Prolefomcher Tanzabend Die bekonnte Tanzgruppe Otto Zimmermann-Leipzig wird aus Veranlassung des 1. Kreise« im Arbeiter-Turn- und Sportbund am Montag, 19. Oktobers im Lehrervereinshaus in Berlin. Alexander- platz, einen proletarischen Tanzabend oeranstalt-n. Für Berlin «erden diese Tanzdarbietungen etwa» ganz neues zeigen: Gie bringen Wege zu einer neuen, zeitgemäßen Festkultur. Der Börner- kauf von Eintrittskarten— Erwerbslose und Jugendliche 40 Pf., Erwachsene 15 Pf— findet statt: Kreisgeschäftsstelle, Elsasser Straße 86— 88; Bundesfiliale, Königsberger Straße ö; FTGB.-Ge- schäftsstelle, Lichtenberger Straße 3, sowie im Lehrervereinshous. Außerdem sind Karten an der Abendkasse zu haben. 800 M. für einen Fußball. In London trugen Jockeys und Boxer ein Wohltätigkeitsfuhballmatsch aus, an dessen Ende der be- nutzte Fußball versteigert wurde. Er brachte 800 M. ein. Der bürgerliche Deutsche Reicheausschuh für Leibesübungen hat dem Reichspräsidenten v. Hindenburg die Adlerplakette des DRA. verliehe». Immer mehr schnappen ab. Oer österreichische Hauptverband für Körpersport als olympisches Komitee hat in seiner gestrigen Sitzung einen Beschluß gefaßt, in dem es heißt, daß er die Mittel zur Beschickung der olympischen Spiele in Los Angeles 1932 nicht aufbringen könne. Das bedeutet, daß Oesterreich an den olympischen Spielen nicht teilnehmen wird, Arbelter-Turn. nub Sportbunb, 1. im,,. Zufamm-nturnrn aller grubt«?« Gerätciurner Freitag, 16. Ollobrr, 20 Uhr, Turnhall« Lllilicher Sir. 4. Berliner iochwimmvereia,.Freiheit" tst07. e. L. Referoierte Badeabrnbe Montags 20U Uhr und Donnerotags Ist Ilhr Oderdergrr Str. 58- Radfahrer,„Solidarität". Touren Sonntag, 18. Oktober. 1. Abt.: Alpen- berge, Start 15 Uhr Kroll, Blllowstr. 55.— 2. Abt., Kraftfahrer: Sperenderg. Start S Uhr: Radfahrer: Zossen Uder Mittenwalde, Start 10 Uhr, beide Rhooe, Dieffendachfir.!>!.— 6. Abt.: Birkenwerder: Waldfchlötzchen, Start 8 Uhr Z-l», Kopenhagener Str. 17.— st. Abt.: Etreifzllgr durch den Strausberger Forst. Start« Uhr Schreiber, Triftstr. 66.— Ad». Friedrichshai» taemifchtel, Krati» fahrer: Ziel am Start um 8 Uhr: Jugend: Rund durch den Grunewald, Start st Uhr: Radfahrer: ebenso, Start 12 Uhr, alle P-t«rsburg-r Platz.— Eharlolten» l urg: Branbenöurg. Start 7 Uhr Reimer, Wilmersdorfer Str. 21.— Lichten- betg: Kalkberge, Start S Uhr Senkel, Odersir. 18.— Weißensee: Kaulsdort-Slld. Start Ist Udr Antonplatz— Neukölln: Rundfahrt Grunewald, Start 18 Uör Sohenzollernplatz.— Reinickendorf: Quer durch die Iungiernheide, Start 12 Uhr. ailschüetzend t4>., Uhr Generalversammlung. Neumann, Provinzstr. 108.— Obcrfriibncmcibc: Arnsfelde bei Schneider, Start 33 Uhr Emmerich, Withelminen- bofstrasie 64.— Rennfahrer Bcrlin.Mitte: Trainingstour, Start 6 Uhr Bbf. Treptow. molder L a ll c A b t e i l u n a s h un a erT 20'*13 b r. 2. Abt.: 21. Oktober, Lock, Schdnleinftr. s.— 3. Äbt.-"3. Oktober. Forster Percinshaus. Forster Str. 9.— V. Abt.: ZU Otto- der, Schreiber, Tristsir. 68.— Lichtenberg: 21. Oktober, Henkel, Obecstr. 18.— Moabit' 22. Okiober. Schmidt, Wiclefstr. 17.— Wilmersdori: 21. Oktober, O Straf, Detmold« Str. 52.— Schöncbcrg: 21. Oktober, Edert, Ebersstr. 18.— stcglin.Lichlcrfelde: 21. Oktober, Schulz, Birkbufchstr 00.— Reinickendorf: 21. Otlober, Rrnmann, Provinzstr. Ist«.— Mablsdorf: 20. Oktober, Anders. Bahnhofstr,.17. Zu allen Pcranstaltungrn find Gäste gern gesehen; Reuaus» «r.«., Freitag, 16. Oktod» 20 Ilde. Übt der gesamte EpielmannsKUg mit Instrumcntem im Eporthaus. Dircksenstr. 3. Dienstag, 29. Oktober, beteiüqt suh der gesamte Svielmannszug an der Frauen- kundqebung dcr Partei in der Neuen �Welt beim Fahneneinmarsch der Arbettor- sportierinnen. Antreten liebungostunden: Bläserabterlung mannszug jeden Fre.itag 2V Uh werden aktive und passive Mitglieder aufgenommen. Voilssport«eukölln-BriK. 2. Männeradteilung: Uebungsabend fallt heute i.cqen Busöikrug Versammlung9 Alcxanderplalx. Unsere Speelalitäten Groß-BerlinerSuppentellsr 40 Pf. Löffelerbsen mit Spitzbein 40 Pf. Stammessen 60 und 90 Pf. Bn» Irl.«Ige Zaberefing.— Jeden Abend Madk. »v.übr Ub. Lothringer Sirahe 37.. iiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiitiiiniiiiiiiittiiiiHiiM Nor noch wenige Aufführungen Dodo, das 8ff entliehe Aergernis und das bunte Programm Für die Leser: Outschein 1-4 Personen. Parkett nur SO PL Faufeuil 1.— Mark. Sessel ISO Mark uerKame c OIODII Äfichtn , sviegel» schränk« 106.—. Nie» s-nauswadl. Teil» »ahlung. Samer- ling. Aalianitn. alle« 56. r-chnifch« Privalschule De Berner, Regio. rpntzsbaumalstti. Brrlm. R«ander. straß« z. Maschinen. bau,