Morgenausgabe Nr. 481 A 245 4S.Zahrgang Wöchemlich 85 Pf., monatlich z�so M. (davon SS Pf. monatlich für Fustel- lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbeftelloe- bührcn. Auslandsabonnement 6,— M. pro Monat! für Länder mit ermäßig» tcm Druckfachenpvrto 5.— M. Der»Vorwärts� erscheint Wochentag- (ich zweimal. Eonntags und Montags einmal, die Abendausgabe fstr Berlur und im Handel mit dem Titel„Der Abends Illustrierte Sonntagsbeilage .Doli und Zeit". AerUner tSoWSblatt Gonnabevö 12. Ottober 1931 Groß-Äerlin 10 Pt- Auswärts 15 pf. Die elnjpolt.?ionpareillezet!e 80 Pf. Reklamezeile 5,— RM.„Kleine An- zeigen" dos fettgedruckte Won 2'q Pj. (zulassig zwei fettgedruckte Worte). ,edes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Won 15 Pf., jedes weitere Wort lOPf. Worte über 15 Buchstaben zahlen füt zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Abgelehnt wurden ferner die Misitraucnsanträge gegen die Minister Grocncr, Schiele und Stcgcrwald. der Antrag auf Jluflöfung des Reichstags und der Antrag auf Aufhebung aller Not- Verordnungen. Nach diesen Abstimmungen erklärten die Na- tionalsozialistcn und Teutfch nationalen, daft sie den Reichstag verlassen, da sie kein Interesse mehr an seinen Beratungen hätten. Tic sozialdemokratischen Zlnträgc zum Schuhe dcsTarif rechts und für z u s L h l i ch c.W i n t c r- Hilfe für die Erwerbslosen wurden von einer Mehr- hcit des gesamten Reichstags angenommen. Der Reichstag hat sich bis zum 3 3. Februar vertagt. * Der Ansturm des Faschismus ist abgeschlagen. Mit 25 Stimmen Mehrheit sind die nationalsozialistisch-kommu- nistisch-deutschnationalen Mißtrauensanträge gegen die Re- gierung abgelehnt worden. Die geschlagenen Parteien der Harzburger haben nach der Niederlage die Flucht er- griffen, sie haben abermals den Reichstag ver- lassen mit der Erklärung, daß sie an den Beratungen kein Interesse mehr hätten. Dieser Ausgang zeigt noch einmal, worum es gegangen ist. Die Jnflations- und Katastrophenfront wollte ihren Marsch auf Berlin unternehmen. Sie wollte Brüning stürzen, um freie Bahn für die Errichtung der nackten Diktatur der Scharfmacher über das arbeitende Volk zu haben. Sie wollte die Macht, nichts als die Macht, um sie gegen das Volk zu mißbrauchen. Diese Abstimmung sollte der legale Putsch der Faschisten werden, der den Staatsstreich nach sich ziehen sollte! Dieser Putsch ist abgeschlagen! Das ist der Sinn dieser Abstimmung. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in vollster Geschlossenheit und Einmütigkeit dafür Sorge ge- tragen, daß die Front der Harzburger nicht ans Ziel gelangte. Sie hat damit nicht das Vertrauen für die Regierung Brüning und ihre Politik ausgesprochen, sondern das schärfte Mißtrauen gegen das, was nach dem Sturze der Regierung Brüning gekommen wäre. Parlamentarisch bleibt der Faschismus weit vom Ziel. Rechnet man von den 270 Oppositionsstimmen die 78 Kom- munisten und die 6 Mitglieder der Rosenseld-Gruppe ab. so bleiben unter Berücksichtigung von fehlenden Abgeordneten höchstens 190 Stimmen für den Willen zum Faschismus übrig, also nur etwa ein Drittel des Deutschen Reichstages. Eine parlamentarische und außer- parlamentarische Gefahr bedeutet der Faschismus nur, weil die Kommunisten und neuerdings die kleine sozialistische Splittergruppe ihre Stimmen mit dem Faschismus gegen den Staat vereinen! Nach den Abstimmungen, die die Niederlage der Harzburger besiegelten, kam ein dramatischer. Augen- blick. Die Nationalsozialisten und die Deutschnationalen erklärten. wie damals am 10. Februar, ihren Auszug aus dem Parlament. Sie hätten der Regierung kein Ende bereiten können und darum setzten sie ihre parlamentarische Tätigkeit nicht fort. Für die Sozialdemokratie nahm darauf- hin der Abgeordnete S o l l m a n n das Wort, um vor dem Lande festzustellen, daß der Auszug der Nationalsozialisten lediglich eine Flucht vor den s o z i a l d c m o k r a t i- schen Anträgen sei. Die Nationalsozialisten wagten nicht, für die Aufrechtcrhaltung des Tarifrechts Schuh des Tarifrechis.— Zitsähliche Winierhilse für die Erwerbslosen! Im Reichstag hat die Sozialdemokratie bei den Abstim- mungen über die Anträge zwei große Erfolge zu verzeichnen. Eine Mehrheit des ganzen Reichstags hat die folgenden beiden sozialdemokratischen Anträge angenommen: Schutz des Tarifrechts. Der Reichstag verlangt von der Reichsregierung: „Alle Pläne und Forderungen auf Beseitigung oder Aushöhlung des Tarifrechts abzulehnen; insbesondere sind die Angriffe auf die Unabdingbarkeit des Tarif- rechts abzuwehren." Winterhilfe für die Erwerbslosen. Der Reichstag fordert die Reichsregierung auf, zum Schutze der notleidenden Bevölkerung gegen Hunger und Kälte eine Winterhilfe nach folgenden Gesichtspunkten durchzuführen: 1. Die Winterhilfe ist eine zusätzliche Naturalhilfe für alle Empfänger von Arbeitslosenunterstützung, Krisenunterstützung und Wohlfahrtsunterstützung, und zwar für die Zeit vom 1. November 1931 bis zum 31. März 1932. Sie besteht in der Belieferung mit Kartoffeln und Kohle. 2. Tie Naturalhilfe darf nicht zu einer Minderung der Geldunterstützung führen. 3. Die Naturalhilfe soll umfassen: g) Kartoffeln, l,5 Zentner pro Kopf der zum Haus- halt des Unterftützungsberechtigten gehörenden Personen, l>) Kohle, 29 Zentner für jeden unterstützungsbe- rechtigten Haushalt. 4. Tie Kohlensyndikate sind zu verpflichten, die Kohlen zu Preisen zu liefern, die nicht über dem Durch- schnitt der jeweiligen Exporterlöse liegen. 5. Tie Beschaffung von Kartoffeln sott in der Weise erfolgen, daß der Kartoffelmarkt entlastet wird und die Verluste bei der Rcichsmonopolverwaltnng für Brannt- wein möglichst verringert iverden." Schließlich ist der sozialdemokratische Gesetzentwurs, der die Aufhebung der augenblicklich geltenden Entschädigungen an Fürsten und st a n d e s h e r r- liche Familien fordert, in erster Lesung erledigt. Der zweiten Lesung widersprach aber Graf Westarp, so daß nach der Geschäftsordnung die zweite Lesung nicht mehr statt- finden konnte. und für eine Neuregelung der Fürstenabfin- düngen zu stimmen. Darum diese Flucht aus dem Parla- ment. Hatte doch auch schon Frick in seiner ersten Erklärung zur politischen Debatte auf alle außenpolitischen Forderungen der Nationalsozialisten verzichtet. Mit diesem Auszug war bei dem zurückgebliebenen Teil des Reichstages— über 400 von 577 Abgeordneten— eine sozialdemokratisch-kommunistische Mehrheit entstanden, mit deren Hilfe in erster Lesung das von den Sozialdemokraten eingebrachte Gesetz über die Neugestaltung der Fürstenabfindungen erledigt und ein kommunisti- scher Entschließungsantrag über die Streichung des Panzerkreuzers L angenommen wurden. Die nationalsozialistische Fraktion hat sich der verantwort- lichen Entscheidung über die Neuregelung der Fürstenabfin- dung durch die Flucht entzogen. Sie hat es nicht gewagt, ihre Bindung an die soziale Reaktion und an die M o n a r ch i st e n durch offene Abstimmung einzu- gestehen. Aber ineser Akt der Feigheit rettet sie nicht, er ist ebenso ein Schuldspruch gegen sie, wie es die offene parlamentarische Abstimmung gewesen wäre! Als es galt, die wirklichen Forderungen des Volkes zu vertreten, sind die Nationalsozialisten geflüchtet! Es waren die wirklichen Forderungen des arbeitenden Volkes, der großen Mehrheit des ganzen deutschen Volkes, die nun im Reichstag beraten und durchgesetzt wurden! Jetzt ging es um die großen sozialdemokrati schen Anträge: Schutz des Tarifrechts, zusätzliche Winter- Hilfe für die Erwerbslosen durch Zuteilung von Kartoffeln und Kohle. Bei der Entscheidung über diese Anträge hat die Front der Sozialreaktionäre von Harzburg ihre schwerste Niederlage erlitten! Die Abstimmung über beide sozial- demokratische Anträge hat ergeben, daß in diesem Reichstag eine feste Front für die Verteidigung der Arbeiterrechte gegen sozialreaktionäre Anschläge besteht, eine Mehrheit des Reichstags, auch gegen die Stimmen der Harzburger Parteien. Der Antrag zum Schutze des Tarifrechts wurde mit 319 gegen 80 Stimmen angenommen, der Antrag für die Winter- Hilfe mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der S2IP., der Komntumjkn, der Christlich-Sozialev und eines großen Teils des Zentrums, also ebenfalls von einer Mehrheit aller Reichs- tagsabgeordneten! Das ist die Antwort auf den Ansturm der sozialen Reaktion! Wir stellen vor dem ganzen Volke fest, daß d i e Nationalsozialisten, die in Harzburg gemeinsame Sache mit den Scharfmachern gegen die Arbeiterschaft ge- macht haben, vor dieser großen Entscheidung geflohen sind, um ihre arbeiterfeindliche Haltung nicht durch eine Abstimmung selbst an den Pranger zu stellen! Sie wollten den Forderungen des ganzen arbeitenden Volkes nicht zustimmen, sie durften ihnen nicht zustimmen, weil sie die Prätorianer der Scharfmacher sind! Mit der Annahme dieser beiden Anträge ist eine grundsätzliche Entscheidung über den Kurs, der in diesem Winter eingeschlagen werden soll, durch den Reichstag gefallen. Eine Mehrheit des Reichstags hat die Regierung Brüning toleriert, eine noch stärkere Mehrheit des ganzen Reichstags aber fordert von ihr Schutz des Tarifrechts und Winterhilfe siir die Erwerbslosen. Der Reichstag hat damit einen positiven Willen ausgesprochen. Die Reichsregierung wird sich diesem Willen nicht entziehen können! Es steht dahinter der Wille der Mehrheit des Reichstags, es steht dahinter der Wille der gesamten Arbeiterschaft, der Wille der Mehrheit des Volkes. Wir fordern, daß die Reichs- regierung an dieser Kursentscheidung fest- hält, daß sie diesen Mehrheitswillen respektiert! Der Vorstoß der Sozialreaktionäre von Harzburg hat eine Einheitsfront der Gewerkschaften aller Richtungen zur Verteidigung der Arbeiter- rechte zusammengeschweißt! Diese Front hat den Sturz Brünings verhindert. Wäre es nicht gelungen, so wäre keine Möglichkeit mehr gewesen, den Mehrheitswillen zum Schutz der Arbeiterrechte festzustellen. Sozialdemo- kratische Taktik hat diese Möglichkeit herbeigeführt, sozialdemokratische Taktik hat den positiven Erfolg über die Sozialrcaktion ermöglicht! Eine erste Schlacht gegen den Faschismus ist geschlagen. Jetzt heißt es weiterkämpfen! Die Sozialdemokratie ruft dem ganzen arbeitenden Volke zu: Her zu uns zum Kampfe gcgeo die soziale Reattion! Die entsche Im Reichstag sprach am gestrigen Nachmittag nach der mit großem Stimmaufwand vorgetragenen Rede des Kommunisten Dr. Neubauer Abg. ZNollath(WIrtschp.). Er verliest zunächst eine Erklärung, wonach heute die Sparmaßnahmen durchgeführt werden, die ver- spottet worden seien, als die Mrtschaftspartei sie vorschlug. Die- selben Leute, die so gespottet hätten, seien nicht die Männer des Vertrauens der Jugend und derer, die einen gründlichen Wandel fordern. Da wir aber nicht die unbedingte Sicherheit sehen, daß eine solche Regierung zum Gelingen führt, und da einem Versagen der nationalen Opposition als Regierung das Chaos folgen.würde, weshalb ja auch die Kommunisten dafür stimmen: da wir auf unsere vielen Fragen von den Deutschnationalen und den National- sozialisten eine volle Klarheit nicht erhalten haben, ohne das Aen- trum die nationale Front nur eine Minderheitsregierung wäre, sind wir gegen dieses System. In unverbrüchlicher Treue vertrauen wir auf den Herr» Reichspräsidenten, und im Vertrauen aus die Zu- sage des Reichskanzlers, daß eine grundsätzliche Aenderung in der Politik gegen den Mittelstand eintritt, werden wir dieses Kabinett tolerieren. Gegen den Vorwurf, des Deutschnationalen v. S t u b b e n d o r f f, daß die Wjrtschastspartei ihre Stimmen verkaufe— was Präsident Lobe sofort gerügt hatte— setzt sich der Redner mit großer Entrüstung zur Wehr. Dann zollt er Hitler, mit dem er gesprochen habe, die hohe Achtung vor einer unbedingten Ueberzcugung! Den höhnenden Faschisten hält er sehr bewegt vor, welches Opfer die Wirtschaftspartei mit ihrer Haltung bringe. Er appelliert im In- tercsse künftiger Bundesgenosscnschaft an den Anstand der Faschisten, erntet aber nur Schimpf und Spott.— Die als so genial ge- priesenen Konzerne haben sich als Kolosse auf tönernen Füßen er- wiesen: insofern ist es ein Zusammenbruch des Kapitalismus. Auch mir verlangen, daß man uns die vaterländischen Motive nicht abspricht. Die Nationalsozialisten verlassen jetzt den Saal, weil Reichskanzler Dr. Drüning das Wort ergreist. Er erklärt sich einverstanden mit der Beratung der Acnderungsanträge in einem Ausschuß und führt dann aus: Wir wollen, daß nicht die Klammern zerstört, werden, die unser Wirtschafts- und Finnnzgebäude zusammenhalten. Eine andere Ge- samtlösung ist in der Debatte der Regierung van keinem Partei- rcdncr den Regierungsvorschlägen entgegengehalten worden. Ich danke allen Rednern, auch dem Sprecher der Nationalsozialisten, für die Vornehmheit, mit der sie die Polemik gegen mich in der Reichstagsdebatte geführt haben. Wenn diese Besserung der politi- scheu Methoden auch in den Parteiversammlungen der kleinsten Orte Platz greifen würde, dann würden manche Maßnahmen über- flüssig sein, die wir nicht zu unserer Freude in die Notverordnung aufnehmen mußten. Es ist keine Freude, der Presse Zwangsauflagen zu machen. und ich wünschte den Tag herbei, wo es durch freiwillige Selbst- konlrollc der Presse möglich sein würde, daraus zu verzichten. Enttäuscht hat mich die Erklärung der Landvolkpartei, die trotz aller Liebenswürdigkeit mit der Mißtrancnskundgcbung gegen die Regierung schloß. Ich kann es vom Standpunkt eines Freundes der Landwirtschaft aus nicht verstehen, daß man so vorgeht gegen jemand, der immer auch in der Konsumcntenbcwegung mutig für die Landwirtfchast eingetreten ist. Das ist ein ganz historischer Fehler vom Standpunkt der Landwirtschaft aus. tBeifall.) Die Not- läge der.Landwirtschast ist zum großen Teil auf die gesunkene Kauf- kraft der Konsumenten zurückzuführen. Ohne das Vertrauen der Massen in die Maßnahmen der Regierung owc es tzns nicht lungen, die schwere B«tit«il#ris» ZU üderuurchen. � Wir. habcht j>»£>,. — das erwidere ich HkrNi Dinaekdey»emichk. dir Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenzuführen auf einer mittleren Linie. lRufe bei den Komm.: Hungerlinie!) Nein, nicht auf einer Hunger- linie. denn diese Linie würde letzten Endes durch die kommunistische Politik erreicht werden. So aber gehl es nicht, daß mitten in diese Verhandlungen hinein gutgemeinte Ausruic wirtschaftlicher Spitzenorganisationen hin- cinplahcn, die sofort zwei sich restlos verneinende Fronten her- beiführen. Das ist ja die Aufgabe dieses von Parteien abhängigen Ka- binetts, gemeinsam mit dem Wirtschaftsbeirat alles zu tun. damit nicht in diesem Notwintcr das deutsche Volk in zwei feindliche Heer- logcr gespalten ist. .Herr Dr. Dingeldey hat gefragt, warum ich in den letzten Monaten nicht in Versammlungen gesprochen habe. Ich habe es nicht getan, weil ich sonst vielleicht mit zu großer Schärfe mich hotte wenden müssen gegen die Intrigen und gegen die gehässige Politik, mit der gegen mich persönlich vorgegangen worden ist.!»d««. 1.14. Slrfo-Wan- dctttlta: öonntaa, 18. Okt->I>«r, ISonfinun« durch drn Wildpark iibrr dl- virsch- drunstwieft». RUcktchr durch Port Sanssouci. Ilidrungi Studi-nrul Nuitte. Uarth. Tr-lkvuntt»ahndok Wildpark 10.0» Uhr. tZldtedri Poisdamer Z-cn- liainhof 9.2ö Uhr. Tharlotcnburz ab«.10 Uhr) Rlilkfohrt eiwa 14 Uhr van Potsdam. Mitglieder frei. Sciste 30 PH JIr. 481• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 47. Ottober 4934 Metallmärkte unter Krisendruck Ihre Nolle als Stimmungsbarometer.- Erfolglose Kartellpolitik. Immer noch stab die Mctallmarkte. die Märkte sär Kupfer, Blei, Zink und Zinn, in besonderem Mahe„Stimmungs- barometer" der Wirtschaft. Die Preisentwicklung auf diesen Märkten liefert auch heute noch, auf lange Sicht gesehen, ein getreues A b- b i l d der K o n,j u n k t u r l a g e, obwohl im abgelaufenen Jahr- �ehnt die Produzenten immer wieder versucht haben, die Märkte und die Preise durch kartellpolitische Maßnahmen„in die chand zu bekommen". Und es ist auffallend, wie jeder kleinere oder größere Vorgang im Wirtschaftsleben sofort in den Metallpreisen zum Ausdruck kommt. Als H o o v e r feine berühmte rcporationspolitische Aktion in Gang setzte, da waren es zuerst(und allein!) die Melallmärkte, die die Hoffnung auf Erleichterung der wirtschaftlichen Situation sofort in einer regelrechten Hausse, in ansehnlichen Preissteigerungen ausdrückten. Die Aufgabe des Goldstandards in Englaird und die Entwertung des Pfundes führte sofort zu Preissteigc- rungen» für diese Metalle. Es setzte eine Flucht aus dem Pfunde ein, die füll in erhöhten Metallankäufen auswirkte— aber bezeichnend genug, obwohl die in(entwerteten) englischen Pfunden notierten Preise dauernd stiegen, blieben sie lange Zeit unter den Goldpreisen, wie sie vor Aufgabe des Gold- (tandards festgestellt wurden. Erst in den letzten Togen, seitdem der Wert des englischen Pfundes auf etwa 80 Proz. seines Gold- wertes einigermaßen stabil geblieben ist, find die Metall- preise in London so weit gestiegen, daß die früheren„Goldpreise" wieder erreicht und sogar teilweise etwas überschritten wurden. lind Anfang dieser Woche haben wir ja etwas Achnlichcs an den deutschen Metallbörsen erlebt. Nach dem vielfachen Jnflationsgeschwätz der letzten Wochen, besonders noch der berüchtigten Harzburger Rede des Herrn Schacht setzen plötzliche starke Käufe auf dem Berliner und Hamburger Metallmarkt ein. Als Käufer traten nicht allein die für gewöhnlich an diesen Börsen vertretenen Händler und Fa- vrikonten, sondern auch Leute„aus dem Publikum" auf, die zweifellos nach der Harzburger Tagung an die Möglichkeit einer Inflation glaubten und sofort eine kleine Flucht in die Sachwerte inszenierten. Da die Umsätze seit Monaten sehr l.ein sind, so daß sich jede unerwartete Nachfrage ziemlich stark auswirkt, konnte es geschehen, daß die deutschen Metallpreisc zwei Tage lang über den englischen Preisen lagen. In- zwischen hat man sich wieder beruhigt. Im allgemeinen wird die tage'auf den inlernatioyalen Meiallmärktcn dadurch gekennzeichnet, daß immer noch die Produktion die Nachfrage übersteigt, so daß die Borräte weiter ansteigen und emen immer stärkeren Druck auf die Preise ausüben. Die inter- nationalen Produz« ntenlartelle haben längst einsehen niüsien, daß sie sich durch ein Preisdiktat den Answirsungekk der Weltwirtschaftskrise nicht entziehen können! sie haben es aber nicht einmal fertig gebracht, ihre Mitglieder zur Einhaltung der B c- s ch l ü s s e auf Einschränkung der Produktion zu bringen. Ueberblickt man die Produktions- und Preisentwicklung dieser Metalle im letzten Jahrzehnt, so muß man eine stark« II« b e r- cinstimmung mit der Entwicklung der weltwirtschaftlichen Kon- junkturlage feststellen. Die große Krise des Jahres 19'21 prägt sich bei ollen vier Metallen in einem Tiefstand der Pro- duktion wie der Preise aus. Die Produktion weist dann lb i s zum Jahre 1929 einen dauernden Anstieg auf. um danach scharf abzusinken. Nicht ganz so gleichmäßig war die P r c i s c n t w i ck- I u n g: Blei und Zink weisen bereits im Jahre 192ö, Zinn im Jahre 1926 den höchsten Preisstand auf. während der Kupfer- preis, nicht zuletzt durch die Maßnahmen des Kupfcrexport- iartells in die Höhe getrieben, erst im Hochkonjunkturjahr 1929 den böchsten Stand erreicht. Bei allen Metallen ist seit 1929 ein Preissturz zu verzeichnen: am schärfsten aber war er bei Kupfer. Die jetzigen Preise für Kupfer und Zink sind die niedrigsten seil dem Jahre 1S00. wie die Metallgesellschast A.-G., Frankfurt, in ihren statistischen Zusammenstellungen festgestellt hat. Kaum ein anderes Gebiet der Weltwirtschaft hat gegenüber der Vorkriegszeit so gewaltige Strukturwandlungcn. eine, so starke Aenderung des Anteils der einzelnen Produktionslöndcr an der Gesamtproduktion aufzuweisen wie die Metallwirtschast. Der Krieg hat mit der Isolierung der einzelnen Volkswirtschaften bewirkt, daß die Verhüllung der Erze jetzt in großem Ilmsange in den über- seeischen Grubengebieken erfolgt. Die europäische Metallerzeugung hat dadurch einen Rückschlag erlitten, der nicht wieder eingeholt werden kann. So erfolgt jetzt die Verhüttung der Kupfererze ausschließ- lich an den Standorten der Kupfererzgruben. An der Förderung der Erze wie an der Produktion von Kupfer hat Amerika einen Anteil von mehr als 79 Proz. Europas Anteil an der Weltkupfcr- Produktion ist seit der Vorkriegszeit von 19 auf 12 Proz. g e- funken, während der Anteil Afrikas(Kongogebict) von 1 aus 19 Proz. gestiegen ist. Der Kupferbedarf Europas muh zu 89 Proz eingeführt werden. Aehnlich verhält es sich bei B l e i. Amerika hat seine Förde- rung von Bleierzen gegenüber der Vorkriegszeit soft verdoppelt und damit seinen Anteil an der Weltproduktion von Blei außer- ordentlich erhöht. Europa, das in der Vorkriegszeit in starkem Umfange eingeführte Erze verhüttete, war im Durchschnitt der Jahre 1999 bis 1913 mit 46 Proz. an der Weltproduktion von Blei beteiligt: im Jahre 1939 machte sein Anteil etwa halb so viel, nämlich 24 Proz. aus. Weil die Bleierze jetzt überwiegend ig Uebersce verhüttet werden, muh Europa jetzt die Hälfte� seines Bedarfs an Blei(1913 nur 29 Proz.) einführen. Bei Zink ist ebenfalls eine starke Ausdehnung der über- secischcn Hüttenindustrie festzustellen: doch werden immer noch in Europa neben den eigenen Erzen soviel eingeführte Erze ver- hüttct, daß der europäische Bedarf an Zink durch die euro- päische Produktion gedeckt wird. Aber der Anteil Europas an der Weltproduktion ist doch van 69 aus S1 Proz. zurückgegangen. Etwas anders liegen die Dinge bei Z i n n. Zinnerze finden sich fast ausschließlich in Asien(Maloicnstaaten, Siam, Niederländisch- Indien) und in Bolivien. Soweit die Verhüttung dieser Erze nicht in Asien erfolgt, wird sie in Europa(England) vorgenommen. Der europäische Anteil an der Weltproduktion von Zinn ist von 25 auf 32 Proz. gestiegen. Die große II m st e l l u n g in der Metallproduktion hat dazu ge- führt, daß die Gesamtproduktion im Krisenjahr 1939 noch u m« t w a 5 0 Proz. größer als in der Vorkriegszeit war. Der Aus« dchnung der überseeischen Industrie entsprach nicht eine cnt- sprechende Schrumpfung des Produktionsapparatcs in Europa: so- weit diese Ausdehnung in der Nachkriegszeit erfolgte, fiel sie mit einer Zeit guter Konjunktur zusammen. Diese Zeit der guten Konjunktur gehörig auszunutzen, schlössen sich die Produzenten zu Kartellen zusammen. Das internationale Kupfcrkartell brachte es fertig, den Kupserprcis von 14,4 Dal- l a r c e n t s je englisches P s u n d aus 24,4 Cents hinaufzutreiben: heute werden 7 Cents gezahlt. Die hohen Preise waren natürlich ein ständiger Anreiz zur Aus- dehnung der Produktion, was nach Ausbruch der Krise um so schärfer sich auswirken mußte. Die Vorräte an Kupfer stiegen von 41 999 Tonnen im Jahre 1928 auf 439 999 Tonnen im Scp- tembcr 1931: die Vorräte an Zink von 13 999 Tonnen im Jahre 1926 auf 147 999 Tonnen im Juni 1931: die Vorräte an Zinn von 14 999(März 1927) auf 53 999 Tonnen(Juni 1931). Diese Vorräte drücken um so mehr aus den Preis, als die Kartellmitglieder sich nicht an die Einschrönkungsvorschristen halten: denn jede Einschränkung bedeutet Verteuerung der Produktion, und viele Produzenten können auch bei den heutigen niedrigen Preisen noch rentabel arbeiten. Die Rupscrproduzenten halten noch in diesem Monat ein Konferenz in New?) c r k ab; es soll eine weitere Einschränkung der Produktion um 25 Proz. beschlossen werden. Das Z i n k k a r t e I l hat im August sogar eine 45prozentige Verminderung der Produktion beschlossen. Das Z i n n k a r t e l l will 29 999 Tonnen der Vorräte auskaufen, um den Preis zu stützen. An die Einschränkungsbcschlüfjc haben sich die Malaienstaatcn bisher nicht gehalten. Auch das Blei- k a r t e l l konnte bisher nicht Produktion und Verbrauch in Ein- klang bringen, geschweige denn eine Vorratsmindcrung herbei- führen. Die Wirtschaftskrise hat die Metallmärkte nahezu still- gelegt: die Umsätze sind ganz gering, die Preise sinken immer weiter. Und die Produzenten, die nun einmal ihre Anlagen sinn- l o s erweitert haben, bemühen sich vergebens, die Produktion dem Verbrauch anzupassen. Mit K a r t c l l m a ß n a h m e n, die stets das Weiterbestehen aller Mitglieder garantieren sollen, ist nichts zu machen. Ehe nicht die Krise eine völlige Stillegung der über- flüssigen Anlagen erzwungen hat, ehe nicht andererseits der Ver- brauch infolge einer Besserung der Konjunktur steigt, ist auch in der Metallproduktion mit einer Besserung nicht zu rechnen. Die Schweizer Handelspolitik. Vor den deuffch-schweizerischen Wirtschastsverhandlungen. Am Montag beginnen in Bern die Wirtschaitsverhandlungen zwischen der Schweiz und Deutschland über eine Revision des im Jahre 1926 abgeschlossenen Handelsvertrages. Die Ursachen dieser Verhandlungen gehen aus die noch und nach stärjscr weibenden K r i s c n c i n f l ll s s e in der Schweiz zurück. Die Verschärfung der Wirtschaftslage hat zu einem Herum- w.erfcn dcs handelspolitischen Steuers geführt. Die Schweiz fordert eine schärfere Begrenzung der ousländi- schen Einfuhr durch Kontingentierung und versucht, die in dem Handelsvertrag mit Deutschland bestehenden Bindungen zu revidieren. Die Schwei; versucht, die Berechtigung ihres Vorgehens durch den Hinweis auf die Entwicklung der Handelsbilanz mit Deutschland zu erbringen. In den letzten Jahren hat Deutschland im Handelsverkehr mit der Schweiz in der Tat eine ständig wachsende Aktivität zu verzeichnen gehabt, denn der Aus- fuhrüberschuß Deutschlands war von 1927 bis 1939 von 156,6 bis auf 372,1 Millionen Mark gestiegen. Allerdings hat' sich im ersten Halbjahr 1931 die Situation etwas mehr zugunsten der Schweiz verschoben. Nun ergibt allerdings die Gegenüberstellung der gegenseitigen Ein- und Ausfuhr kein richtiges Bild von dem, was Deutschland und die Schweiz gegenseitig im wirtschaftlichen Verkehr voneiu- ander haben. Man sollte in der Schweiz nicht vergessen, wieviel hundert Millionen jährlich der deutsche Frcmdenver- kehr in der Schweiz ausgibt. Wenn hierüber sichere Angaben vorlägen, so würde die deutsch-schweizerische Zahlungsbilanz zweifellos einen Aktwüberfchuß zugunsten der Schweiz ergeben. Die wirtschaftlichen Ueberlegungen. die von den zuständigen Schweizer Regierungsstellen über die Entwicklung des Handelsoer- kchrs mit Dcutschla»d angestellt worden sind, erscheinen demnach etwas einseitig. Im Interesse des gutnachbarlichen Verhält- nisies und der traditionellen Wirtschaftsbeziehungen ist aber zu hoffen, daß die Verhaiüilungcn zwischen Deutschland und der Schweiz nicht im Sande verlaufen und eine Kündigung des Hon- delsoertrages durch die Schweiz nicht vorgenommen wird. Äeutsch-jugoslawische Verhandiungen. In den letzten Tagen hoben in Berlin zwischen Vertretern des jugoslawischen Handelsministeriums und den zuständigen Reichs- stellen Besprechungen zur Vorbereitung von Verhandlungen über eine Zusatzoercinbarung zum dcutsch-jugojlawischen Handelsvertrag vom 6. Oktober 1927 stattgefunden. Bei den Besprechungen wurde las Programm für die in Aussicht genommenen Verhandlungen erörtert und die beiderseitigen Wünsche soweit geklärt, daß die Ver- Handlungen in einigen Wochen beginnen können. Das Ergebnis der Neichsbahnanleihe. Bisher 473,6 Millionen gezeichnet. Das bis Freitag nachmittag festgestellte Zeichunzsergcbnis auf die neue Reichsbohnanleihe beträgt rund 173,6 Millionen Mark. Es handelt sich dabei nur um Zeichnungen, die bis zum Ab- lauf der Steueramnestie am 15. Oktober getätigt wurden. Die allgemeine Zcichnungssrist läuft dagegen erst am 3l. Dezqpder dieses Jahres ob. Das Ergebnis der Zeichnungen auf die Rcichsbahnanleihc bis zum Ablauf der Steueramncstic Hot die Erwartungen über» troffen. Besonders am letzten Tage sind zahlreiche Zeichnungen aus hohe Beträge erfolgt und zwar überwiegend über Rotare. so daß es sich hier ganz offensichtlich um St?uersluchtgeldcr handelt. Trotz des niedrig erscheinenden Zinsfußes von 41- Prozent ist die tatsächliche Verzinsung der Reichsbohnanleihe infolge des gänzlichen Wegfalles jeglicher Steucrort sehr hoch. Sie erreicht bei . 1 CAQDIU'r�(Iii O LJ VERTRIEB: MELABAT Z'GARETTENHANOELSQESCI. AZ£T ZI G« A R E4 T& INI- r~ M D K I r\• IVI• ö• n ZweiSNIEOERLASSUNS BERUNCS. NEUE PROMENADE C. TSl. C>_E L S<3 ESELLSCHAPT M-B-M 02 weiOENOAMM MOS einer Zeichnung von 100 000 Mark ewa 10 Prozent Effektiv- Verzinsung. Die Reichsbahn wird die aus der Anleihe fließenden Mittel für zusatzliche Aufträge oerwenden. Wie wir hören, ist in erster Linie daran gedacht, für Schienen und Oberbaustoffe Be- stellungen von etwa 80 Millionen an die Stahl- und Eisenindustrie sowie die Kleineisenbetriebe zu vergebe». Weitere 80 Millionen werden für den Einbau des Materials, Brückenreparaturen usw., hauptsächlich als Löhne für die Einbau- und Ausbesserung?- arbeiten verwendet. Inwieweit die Reichsbahnverwaltung bei der Auftragsoergebung den Fahrzeugbau berücksichtigen will, steht noch nicht fest. Bei der trostlosen Lage im Waggonbau und der Lokomotivindustrie, die in Masjenstillcgungen zum Ausdruck kommt, wäre es auch. im Hinblick auf den Zu st and des Wagenparks bei der Reichsbahn erwünscht, wenn auch diese Industriezweige mit ihrer hochqualifizierten Arbeiterschaft berücksichtigt würden. Neichsbank und Kreditgenossensthafien. Weitgehende OiskontierungSfordeningen. Westdeutschland ist die W e t t e r e ck c für die mittclständlerischen Kreditgenossenschaften und Genossenschaftsbanken geworden. Nach den Zusammenbrüchen in D a r m st a d t und ij ö ch st sowie einer Anzahl kleinerer Insolvenzen ist jetzt die Frankfurter Ge- nossenschaftsbank in Schwiexigkeiten geraten. Die Dresdner Bank wird das Institut mit allen Aktiven und Passiven übernehmen. Bei rund 4(500 Mitgliedern betrug der Kreditorenbestand IS Mil- lionen Mark, das Eigenkapital stellte sich auf 2,3 Millionen Mark. Die Schwierigkeiten dieser Genossenschaftsbank sind durch die anhaltend starken Abhebungen durch die Sparer und anderen Gläubiger verursacht. Schon vor der Iuli-Krise erreichten die Ab- Hebungen im laufenden Jahr etwa eine Million Mark. Nach den Zusammenbrüchen großer Kreditbanken hat die wachsende Illiquid!- tat zu verstärkten Abhebungen geführt, so daß die Bank der Situation nicht mehr gewachsen war. Im Einvernehmen mit dem Deutschen Genossenschaftsverband und dem zuständigen Revisionsverband wurde daher die Verschmelzung mit der Genossenschaftsabteilung der Dresdner Bank beschlossen. Diese Borgänge bei der Frankfurter Genossenschaftsbank fallen mit einer Aktion der Kreditgenossenschaften zusammen, die eine Rückendeckung durch die Reichsbank mit Hilfe vermehrter Wechsel- diskonlterung erstrebt. Es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß die Kreditgenossenschaften ähnlich wie Banken und Sparkassen unter dem Druck starker Abhebungen stehen, ohne in der Lage zu sein, ihre Vermögenswerte zu mobilisieren. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß zwischen Sparkassen und Kreditgenossenschaften Unterschiede vonsoentscheidender Bedeutung bestehen, daß eine allgemeine Reichsbankunterstützung durch erweiterte Diskontierungsmöglichkeiten gewissen Bedenken begegnen muß. Gewiß gibt es eine große Zahl von Kreditgenossen- schaften, die mit größeren Vermögenswerten im Hintergrund nur vorübergehend illiquide geworden sind, gewiß ist das Kreditgenossen- schastswesen im großen und ganzen noch als gesund anzu- sprechen, aber die Vorgänge der letzten l'A Jahre haben doch ge- zeigt, in welchem Umfang Kredite dieser Institute in genossenschafts- fremde Geschäfte gesteckt und verloren wurden. Die Zahl der Zu- sammenbrüche ist zwar im Vergleich zu dem Gesamtbestand noch gering geblieben, aber die bei den einzelnen Insolvenzen zutage getretenen Mängel in der Geschäftsführung und in der Kontrolle lassen es notwendig erscheinen, daß die Reichs- dank und Regierung nur unter sargfälliger Siebung und unter An- Wendung schörffter Sicherheitsmaßnahmen diesem Projekt näher- treten. Krisenverschärfung in Frankreich. Ein deutliches Bild von der rasch schlechter gewordenen Wirt- schaftslage Frankreichs geben die Produktionsziffern der 45 großen Elektrizitätsgcsellfchaften, die ins- gesamt etwa zwei Drittel der gesamten französischen Elettrizitäts- Wirtschaft umfassen. Im April betrug ihre Erzeugung noch 737, im Mai aber nur 710 Millionen Kilowattstunden. Die Aprilzifser lag um nicht ganz 12 Proz., die Maiziffer dagegen bereits um mehr als 17 Proz. niedriger als die Erzeugung im gleichen Monat des vergangenen Jahres. In dem stärkere» Rückgang spiegelt sich die verminderte Tätigkeit der Industrie anschaulich wider. Aus dem Trümmerhausen der Nordwollepleite. Die Kamm- garnspinnerei Kaiserslautern, ein zum Nordwollc- koiizern gehöriges und bis in die letzte Zeit gut beschäftigtes Unter- nehmen, hat jetzt die Grundlagen zu seiner Sanierung geschaffen. Man erwartet die Fertigstellung der Bilanz für das Geschäfts- jähr 1030 bereits im nächsten Monat, der die Einberufung der Generalversammlung auf dem Fuße folgen iriiirftc. Der Abschluß für 1931 soll bereits in den Elften Monaten des nächsten Jahres fertiggestellt werden.— Die Sanierung der Gesellschaft hat außer- ordentlich harte Maßnahmen nötwendig gemacht. Sa wird das Kapital von 4 Millionen auf 100 000 M., also im Verhältnis 40: 1, zusammengelegt, d. h. eine Tausendmark-Aktie wird a u f 25 M. heruntergestempelt. Zur Beschaffung neuer Ve- triebemittel soll sodann eine Erhöhung des Kapitals auf 2 bis 2,25 Millionen beantragt werden. Papierpri.Kuklion bleibt rentabel. Die Ammendorfer Papierfabrik A.-G. kann auch für das am 30. Juni zu Ende gegangene Gefchäftsjah'- 1030/31 auf ihr Kapital von 5 Millionen eine Dividende von 6 Proz.(i. V. 10 Proz.) zur Verteilung brin- gen. Die Gesamtproduktion des Unternehmens ist mengen- mäßig um 7 Proz. gegenüber dem Borjahr gesunken: da aber die Produktionsmöglichkeit durch weiteren Ausbau der Anlagen erhöht wurde, sind die Vorräte an Fertigfabrikaten gestiegen. Die Preis- senkung für den wichtigsten Rohstoff, Holz, brachte noch keine Scn- kung der Herstellungskosten, da große Rohstoffvorräte gehalten wer- den müßten. An den Holzbeständen wurden erhebliche Verluste er- litten. Trotz des rückläufigen Absatzes, trotz der Neuinvestitionen zeigt die Bilanz ein ähnlich günstiges Aussehen wie im Vor- jähre. Die Bankguthaben und Forderungen haben sich sogar noch etwas erhöht und sind niit 2,6 Millionen Mark doppelt so hoch wie die Schulden von 1,3 Millionen Mark. Zemenlabsatz bleibt auf seinem Tiesstand. Auch im September hat sich in der Z e m e n t i n d u st r i e die Lage nicht im geringsten gebessert. Der Absatz hielt sich mit 343 000 Tonnen auf dem Tiefstand des vorhergehenden Monats. In dem gleichen Monat der beiden vorhergehenden Jahre konnte der Gesamtabsatz noch 510 000 bzw. 728 000 Tonnen erreichen. Gegenüber dem September 1929 ist also der Zementabsatz im vorigen Monat um rund 53 Pro- zent gesunken. Frachlermähigung für Obstversand. Uni weitesten Schichten der Bevölkerung bei der diesjährigen guten Obsternte Gelegenheit zu aeben, sich für den kommenden Winter reichlich mit Ob st zu ver- sorgen, gewährt die Deutsche Reichsbcchngesellschast vom 1. Oktober bis 30. November 1931 für den Stückgutversand von frischen Aepfeln, Birnen und Plaumen(Zwetschgen) einen F r a ch t n a ch l a ß, der in den hauptsächlich für diesen in Frage kommenden Entfernungen und Gewichtsmengen ungefähr 30 Prozent beträgt. parteinachrichten für Groß-Berlin Nulendungou für diese Rubrik find V/jkAT /}i'tCt* �»an Bezirksfetretariat Berlin SWS», üwdensl-nze 3.»- Hof, 2 Treppen rechte, zu richten Beginn aller Veranstaltungen l stlb Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heute, Sonnabend. 17. Oktober: 7.»nd 8. Srei». Juristifchc Sprrchstnndc»cn 17—18 Zlhr i» Zogendheim Rasineustr, 4. GelegeiTheit zum Kircheuaustritt! 13. Kreis. 20 Uhr veraustaltet der Arbeiter-Turuvereia aitföfißch feiuds Stifungsfestes eine« geselligen Abend in Gshlkes Festsälen, Martendorf, L-Hau sseestr. 43. Eintritt 50 Pf. Dienstag. 20. Oktober, 20 llhr, Eröffnung einer Frauenabteilung in der Schule Mariendorf, Kurfürstenstraße« Die Genofssnuen und Genossen werden um rege Beteiligung gebeten. 37. Abt.-Arbeitsgemeinfckiaft der jüngeren Parteigenossen. 1-8 llhr Zusammenkunft im Jugendheim Ebertystr. 12. Bortrag des Genossen Erwin Oehl- fchläger. Alle jungen Parteigenossen von 18 bis 30 Iahren find dazu eingeladen. 103. Abt. Der Bolkschor Südosten feiert heute im Blumengarten fern SSjähriges Stiftungsfest. Da sich der Chor bei Parteiveranftoltungen zur Ver. fügung stellt, ersuchen wir die Genossen an der Veranstaltung teil- zunehmen. Abteilungsleitung. Eichwalde. 20 Uhr in Wittes Waldschlößchen öffentliche Kundgebung. Reichs- arbeitsminister a. D. Reicbstagsabgeordneter Dr. Rudolf Wissell spricht über das Thema:„Wer rettet das deutsche Volk?" Morgen. Sonntag. IS. Oktober: 8.«bt. 8>� Uhr Sitzung des Festausschusses.!>'- Uhr Festspielprabe in den Schwcdtcr Festfälen, Schwedtcr Str. 28. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. fireis Reukölln. Helserkreis. Wir gehen heute, Eonnabend, auf Fahrt. Treffpunlt 16>i ühr am Bahnhof Neukölln. Untosten 1 M. Am Montag ist ab 1« Uhr'Arbeitsstunde in der Baracke, Die Zahlung für unseren Fahnen. fonds mutz von allen Gruppen geleistet werden,— Gruppe Lichtlömpfcr. Jung. falken. Leute Fahrt zur Schwimmenden' Jugendherberge. Treffpunkt heute, Eonnabend, 15 Uhr, Bahnhof Reukölln, Äreuzberg. Gruppe Vctgmannstratze. Mittwoch, 21. Oktober, 20 Uhr, Druvvenyelfersttzung in de: sssorckstratze. Tharlottenburg. Kreishelferfahrt Sonntag, 18. Oktober. Treffpunkt 7Z� Uhr Bahnhof Jungfernheid«,.. Lichtenberg. Achtung! Sonntag, 18, Oktober, 18 Uhr, großer masperle» Nachmittag in der Schulaula Sieglriedstratze. Treffpunkt Jugendheim Gunier» straße um 1114 Uhr. Mitte trifft stch 14 Uhr„Rote Erde". Kreis Wcdding. Morgen, Sonntag, kommen alle Rote Falken ins Jugend. heim Schönstedtstr. 1. Lichtbilder der schönen Mark Brandenburg. Anfang 15 Uhr. �IlSozialifiischeArbetterjugendGroß-Verlin Hl Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendfekretariat H— LI— Hl Berlin EW 63. Lindenstratze 3 Die Wanderlcitcrkoufcrenz fällt am 21. Oktober aus, Kunst in dieser Zeit: 2. Abend der Sonderabtcilung der Volksbühne mutz am Sonntag ausfallen, da der Autor R, A. Etemmle von„Kampf und Kitsch" erkrankt ist. Nächster Termin wird an dieser ötelle bekanntgegeben. „Kamps und Kitsch", Sondcrvarstclluna der Volksbühne am 1. Novemher, 1ä Uhr, in der Volksbühne. Karten zu 30 Pf. find für Jugendliche zwischen 14 und 18 Iahren erhältlich. Heule, Sonnabend, 17. Oktober: Zehlendorf: Fahrt. I8Z2 Uhr Bahnhof Zehlenborf-Mitte,— Reuköll» IX: Fahrt mit der Kindcrfreundegruppe„Quelle", 17% Uhr Bahnhof Hermann- stratze. Unkosten IM.— Pankow lR..F.>: IS Uhr Funktionärversammlunq beim Genossen Boidke, Damerowstr. 61.— Lichtenberg-Nord: Parteifeier bei Tempel. Werbe bezirt Tiergarten: 18 Uhr pünktlich ll-ben neuer Kampflieder im Heim Lehrter Str. Irr— lg, Zimmer 2, Werbebezirt Obersprce und Reutölla: Arbeitsfahrt der Bihdungsausschüsse und der Werbeobleute, Treffpunkt 17 und 20 Uhr Bahnhof Neukölln. Werbebezirt Reinickendorf: Borstandssttzunq mit den Iugendberräten um 19Z4 Uhr in Reinickendorf. Ost, Lindauer Stratze. All« Abteilungsleiter müssen wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung vertreten fein. Morgen Bildungs- kurfus im Jugendheim Wittenau. Hauptstr. 13, 16 Uhr pünktlich. Bortrag: „Die verschiedenen Parteien Deutschlands". Redner: Paul Bernstein. Morgen, Sonntag, IS. Oktober: Humaunplatz: 16 Uhr Funktionärversammlung bei Karl Finning, Juncker- stratze 17.— B-liav: Fahrt. 7 Uhr Prenzlauer Allee Ecke Grcllstratze.— Sportpalast: Fahrt. 6z, Uhr Bahnhof Bülowstratze.— Halleschcs Tor: Fahrt. 7% Uhr„Rote Ecke", 8 Uhr WaNnfeebahnhof.— Südwest: Führung durch AÜ-Berlin. 8 Uhr Belle-Alliance-Platz. Wcrbcbezirk Prenzlauer Berg: Außerordentlich« Delegiertenkonferenz um 18 Uhr im Altersheim, Danzizer Str. 62. Unsere Antwort an die KPD. Staats Theater Sonnabend, den 17. Oktober Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Die EoltOliroDg aus dem wall SliatLUHKiiiita Gtodanaomirtt. 20 Uhr Peer Gpt Schiller-Theater Charlottsabnn. 20 Uhr Doktor Klaus IcaO T|gl.» o.li/tUhr Bernard EttS Grace da Faye Moeser Jose Autlel& Artimr 4 Bronettinsw. Paul Nikolaus konterten. Tltl. 8 u. SUUhr Sonnt. 2, 5, 815 Die Schlag.-Operette ,, Gräfin Marlza" 0f1g.4totter.|n«enl«ro. Reichshallen-Theater Uinb 8 Uhr, tartig nadunittag 3', Uhr Dos nene Programm der tettlner Die S Komiker ritton ernchmann rauar Nachmiitags ermäßigte Preise. inlernaltonaies Theater (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Bis Uhr: Fludii vor MMhael. Winker Quarren- 6.15 Ilde Flora 3434 Raudien erlaubt NidiaHs, Maria Ney, Napoli Handy- Bandy, Biwi£ Remo, Walter Carlos zeigt Rumba, 2 Alberto* usw. Sonnabend u. sennug 2 wopsmig sundh14 Uhr.« Uhr kleine Pr. WWWH ii/gun� Reskirant Berlins BETRIEB* N kempihskiHJ ROSE-THEATER Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 8.15 U. | Mittwoch, Sonnabend und Sonntag 6 u. 9 U. „Frühling im Wiener Wald" Singspiel von Dr. Leo Ascher. OraBe Frankfurter NtrnBe 1.34 j Vorverkauf Täglich 11—1 und 3—9 U. E 7. 3422, I Am.dmeidea! Irolral- Theater MteJakobstr.äO-JZ Täglich 8% Sonntag auch 5/« Uhr• Die schöne Helena »» ncoBB« onennafli Beule:(das Belohardt. metropoi-iheaier Täglich 8>/. Uhr Sonntags 4 u.SVg U Die Blume von Hawal Operettev.Abraham Preise 0.50-14.50 Komiscne oper d>- Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhan Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien. Preise: 0,50—7,- M. Planetarium Tägl�ußer Montags 3 und 9 Uhr Naha-Film 5 und 7 Uhr Simba-Film i. attitwon. Tortrig Theater im Admlralsoalast Täglich 8«/« Uhr Die Dubarry mit Gitta Alpar Preise v. 0,50 M. an Theater am Nollendorfplaü Täglich S'/n Uhr Sonntag nadim. 4 Obr Max Adalbert n; Der beschleunigte Personenzug Saurtq mdna, balbt Pr, I BtiBB-IliBatei Olr.Or. Robert Klein Wiidtndimm 0845. 2791. SV* Uhr Der letzte Equlpagew Homolki, Brausewetter, Sindreck, Felkeneteln )»Ohren. Filter, trsauieiie Prelellele nretis HoDiasktCo. Pumpenfabrik beruh ii aa Rainiindortar Str. 95 s In der Gesamtauflage 6«»•Vorwärts* sind beton der» wlrkee» Sonnabend nachm. 3 Uhr Halbe Preise f Erwerbslose, Kinder allein- rentner. vom Seitenrang an aufwärts abends7.45 Uhr Das grosse Programm Sonntag nachm. 3 Uhr Halbe Preise lür Kinder vom Seitenrang anlwärts abends7.45Uhr KRÖN Tierschan täglich O-l H Zirkus ist gutgeheizt »■/.uhrCASINO-THEATERb'/.uh. Lothringer Strafe 37. Nor noch wenige Aatführangen Dodo, das öffentliche Aergernis und das bunte Prooramm Für die Leser: Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur SO PI. Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark Die Gemeinwirtschaft IMIIMIIMHIHIIIIHIIimchllllllllUMMIIMIIMIMUlllMIIIIIIIHIIIMIIUI IlJha. In jedem Heft: Aktuelle Artikel, Umschau- Berichte, Besprediunqen. Vierteljährlich 3.— M. Drei- Kreit-Vorlag, Bed Dürrenbarg L Poll SR. 62. 31. Streieacfae gegen den Lehrer Ernst Schneller in Berlin-Niederfchöneweidr. wegen öffentlicher Beleidigung To» Schöffengericht Berlin-Mitte, Ab- ieilnng 208, in Berlin, hat am Ig. Mai 1331 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung zu einer Gtröngtiiefttafe von 3- drei- Monaten kostenpflichtig verurletll Sämtliche Exemplare der.Roten Fahne" vom Freitag, dem 24. Oltoder IS30. find einzuziehen, sowie die zu ihm Herstellung ersorberiichen Platten und Formen zu vernichten. Dem Beleidigten— Staateminister Severinq— wlrddie Befugnie zugesprochen. den enlslbeidenden Teil des Urteile binnen oier Wochen nach er olgter Zustellung des rechtslräiiigen Urleile je einmal in soll genden Zeitungen: „Rote Fahne", „Vorwärts" und in der „Deuifchen Allgemeinen Zeitung" an sichtbarer Stelle auf Kosten des Ange- klagten öffenilich belanntzumacheu. Das Urteil ist vollstreckbar. Oer Generalslaetsaewali bei dem Landgeridit I, fchrblUIßl Goldgrube! I-endceetbor mit Saal und Garten. welcher 2000 Personen»aßt, außerdem froßes Gast- und zwei Vereinszimmer. tallungen. m Gemllsegarten u. Bienenzucht, wegen Krankheit zu verkaufen Oft unt. F, US Haupiexp. d..Vorwärts". Die„Norddeutsche Zeltung1*, das Kommunistenorgan für die Wasserkante, Hamburg, bewirft in Ihrer Nummer vom 22. September wie zu erwarten, den Verfasset der Schrift „Im Dienste der kommunistischen Terror- Organisation" spaltenlang mit Dreck. Wir verstehen durchaus, daB der KPD. ob dieser sensationellen Tatsachenveröffentlichung derSchreck in alle Glieder gefahren ist. Es ist in der Tat eine Bombe geplatzt, und zwar mit einem nie geahnten Bombenerfolg! Von der ersten Massenauflage(am 19. September erschienen) in den ersten drei Tagen 60 Prozent verkauft! Da auSerdem das 160 Seiten starke Buch nur Mark kostet, wli Mark kostet, wird es bestimmt von Zehn tausenden gekauft und so in Massen dieWahrheit Uber den arbeiterfeindlichen Charakter der KPD. verbreitet werden. Zu beziehen durch die Buchhandlung J. H. W. Dietz Nach?., G. m. bD H» Abtlg. Sortiment, SW 68, Lindenstr. 2 sowie durch sämtliche„Vorwärt8"-Au8gabe8tellen und deren Botenfrauen Alte Pirks Im Berliner Horden. Pankow und Niederschön Hausen haben sich bis zum heutigen Tage � mit einem gewissen Recht den Ruf gewahrt, „Gartenstädte" zu sein. Außer den vielen, der Oeffenllichkeit nicht zugänglichen Privatparks liegen in Pankow-Niederschönhausen der alte Schloßpark, der Brose-Park, die Schönholzer H e i o e mit ihrem im Süden zum Volkspark umgestalteten Ge- lande und der anschließende Bürgerpark. Man erreicht diese Parks mit den Straßenbahnlinien 23, 24, 45. 47, 48, 51, 57, IIS und 199. Außerdem kann man die Omnibuslinien A 2 und A 9 benutzen. Die Eisenbahn fährt bis Pankow-Schönhausen bzw. Pan- kow-Nordbahn. Im Schloßpark zu Niederschönhausen stehen alte Eichen, hohe Weymuthskriefern, deren malerischer und Hoheit?- voller Anblick einen wohltuenden Gegensatz zu leichtgeschürzten Birken, weit ausladenden Kastanien und prächtigen Akazien bilden. Helle Rasenflächen schieben sich zwischen die ragenden Stämme, unter denen die sogenannte„Rssbe zahlfichte" Beachtung verdient: sie steht nördlich der Pank«, nicht allzu weit von der Schloßstraße. An ihrem Stamm kann man mit geringer Phon- tasie das alte, knorrige Gesicht des Berggeistes aus dem Riesen- gebirge entdecken. Wenige Schritte hinter diesem Baum liegt das alte Schloß, das von der Gattin Friedrichs II. bewohnt wurde. Lange Zeit war geplant, dieses einfache, aber in guten Proportio- nsn gebaute Haus für die Zwecke der Gemeinde Pankow zu einem Aolksheim umzugestalten. Der preußische Staat, der heute Schloß und Park von Niederschönhausen besitzt, hatte sogar der Stadt Berlin das Anerbieten gemacht, diesen wertvollen Besitz unentgelt- lich abzutreten. Mit Rücksicht aus die Bousälligkeit des Schlosses und die Unterhaltungskosten konnte dieser Plan nicht verwirklicht werden. Im östlichen Teil des Parks wurde in den vergangenen Notzeiten eine Laubenkolonie angesiedelt, ohne das Gesamt- bild zu zerstören. Mehrere Brücken führen über die Panke, die kurz vor dem Verlassen des Parts fast wie ein Gebirgsbach munter über ein kleines Wehr dahinrauscht. Das Schloß bildet den Abschluß einer Allee, die in westöstlicher Richtung nach der Strauchwies« führt und die nach einem Scherzwort ihren Namen von den Strauchräubern an der Panke erhalten hat. Nördlich vom Schloßpark Niederschönhausen finden wir kurz hinter der alte» Kirche auf der rechten Seite oer Kaifer-Wilhelm- Straße den kleinen, aber sehr sehenswerten Brose-Park wie einen versteckten Winkel aus vergangenen Tagen. Er wurde im Sommer 1931 der Oesfentlichkeit übergeben. Durch eine Garten- tür, die unauffällig in die Straßenseite eingefügt ist, gelangen wir in den Park, der eigenartig, geheimnisvoll, fast verwunschen an- mutet. Links von der Gartentür rankt edler Wein am Giebel eines ehemaligen Herrenhauses empor und umschließt ein blumen- geschmücktes Fenster. Es fehlt nur noch ein Mäachenkopf und ein Freier im altmodischen Gewand und ein Gemälde von Spitzweg ist vollendet. Nach dem Park hinaus läuft die Veranda dieses Hauses, deren Dach von vier schweren, aus 5lolz gefertigten Säulen getragen wird. Hohe Ahornbäume spenden dem Eintretenden Schatten, und hübsche Buchsbaumanlagen bilden gleichsam den Vorhof zu den Herrlichkeiten des Parks. Enge kleine Wege führen in das Innere. Sie find zuweilen von undurchdringlichen Mauern dichten Strauchwerks und düsteren Tannen eingerahmt. Niedrige Bänke sind für die Ruhebedürftigen da, auch in zierlichen Lauben darf man sich niederlassen. Kleine Serpentinen führen auf einen Hügel, und nach dem Ueberschreiten einer kleinen Holzbriicke erreicht man eine dieser Lauben, die ausschaut wie die Nachbildung eines vorgeschichtlichen Hauses. Eine ganze Reihe von freundlichen Wegen find durch Gitter, einige sogar durch Stacheldroht abgc- sperrt. Westlich voom Schloßpark liegen die prächtigen Anlagen des Bürgerparks, 0er durch zwei Brücken, die über die Panks führen, mit dem Volkspark Schönholzer Heide in Verbindung steht. Es ist ein Verdienst der selbständigen Gemeinde Pankow, daß sie den früher in Privatbesitz befindlichen Bürgerpark rechtzeitig für die Allgemeinheit erworben hat. Hier gibt es breite Rasenflächen und hübsche Blumenanlagen. Statuen aus der Rokokozeit, die aber fast durchweg von Wind und Wetter hart mitgenommen sind. finden sich hier und dort. Der Spieltrieb vergangener Zeiten ließ die Miniaturnachbildung einer Burg entstehen. und über eine kleine Schlucht, in deren Tiefe Wasser steht, führt eine hübsche Brücke hinweg. An dem Ausbau des Bolksparks Schönholzer Heide, den das Bezirksamt Pankow tatkräftig in Angriff ge- nommen hat, wird noch gearbeitet. Planschbecken, Sport- plätze, eine Rodelbahn, die der schlittenbegeistertcn Jugend im Winter zur Verfügung steht, schattig gelegene Bänke und schöne Wege wurden in die früher so ärmliche Kiefcrnheide eingefügt, so Saß hier ein wirklicher Volkspark, eine Wochenender ho- lungsstättc geschaffen wurde, wie man sie sich schöner nicht denken kann. So nehmen die Parks von Pankow-Niederschön- Hausen unter den Erholungsstätten innerhalb der Grenzen Berlins «inen hervorragenden Platz ein. Tragödie auf dem Ll-Booi. Der vergessene Mann auf Deck. London, 16. Oktober. Als gestern das britische Unterseeboot L 53 bei Uebungen in der Nähe der Insel Wight untergetaucht war, stellte es sich heraus, daß cm Mann der Besatzung versehentlich auf Deck zurückgelassen worden war. Der Kommandant ließ das Unterseeboot sofort wieder an die Oberfläche steigen und mehrere Stunden lang an der betreffenden Stelle kreuzen, ohne von dem Vermißten eine Spur zu entdecken. Kino-Freikarien für Arbeiislofe. Das gesamte deutsche Filmgcwerbc unter Mitwirkung der Cpitzcnorganisation der deutschen Filmindustrie, der Verbände des Thcaterbesitzes, des Verleihs und der Fabrikation haben sich in de» Dienst der Winterhilfe gestellt. Obwohl im ganzen Bereiche den Erwerbslosen bereits in er- heblichem Unifangc ermäßigte Eintrittskarten zur Verfügung gestellt werden, sollen darüber hinaus unentgeltliche Eintrittskarten durch die Wohlfahrtsämter an die besonders Bedürftigen verteilt werden. In Berlin ist es hierüber bereits zu festen Vereinbarungen zwischen der Berliner Winterhilfe, dem Magistrat der Stadt Berlin und den Wohlfahrtsämtern einerseits und den beteiligten Verbänden, näinlich dem Verband der Lichtspieltheater Berlin- Brandenburg e. V. und dem Schutzvcrband Deutscher Filmtheater e. V., andererseits gekommen. Hiernach stehen allmonatlich mindestens bOOOo Freikarten allein für Groß-Berlin zur Verteilung zur Verfügung. Die Behörden haben Maßnahmen getroffen, daß nur wirklich Bedürftige in den Genuß dieser Freikarten kommen und jeder Mißbrauch ausgeschlossen ist. Di« Spitzenorganisation hat Richtlinien für ähnliche Maßnahmen im ganzen Reich herausgegeben. ttdct fliegt wieder in Tempelhof. Die Direktion der Berliner Fwghafen-Gesellschaft veranstaltet am kommenden Sonntag, dem 18. Oktober 1931. um 15 Uhr, einen Flugtag, bei dem Ernst U d e t sein vollständiges Amerika- Programm zeigen wird. Darüber hinaus wird er auch die allerneueste Bodenakrobatik— wobei er z. B. mit der Tragfläche der Maschine' em Tafchentuch vom Rvllfektrrmfmmmt'— Berlinern vorführen. Zwischen den Starts- von Ud-t wird Runstflieger Weichelt, der den Berlinern durch seine wiedcrholten Kunstflüge kein Unbekannter mehr ist, ebenfalls eine Reihe von schwierigen Kunstflugfiguren ausführen.— Auch am Sonntag ist Gelegenheit zu verbilligten Rmrdflügen(7 M.) gegeben. Arbeilerbildungsjchule. In der Woche von, 19. bis 23. Oktober beginnen folgende Kurse: Montag, den 19. Oktober. Mitte. Gottlieb Rees«:„Die Einheit von Theorie und Praxis in der Arbeiterbewegung". 19.30 Uhr Köllnischcs Gymnasium, Inselstraße. Zehlendors. G o l d st c i n:„Glauben und Wissen". 20 Uhr Restou- rant Waldhaus, Epandauer str. 50. Steglitz. G u r l a n d:„Der Klassenkampf um den Alltag". 20 Uhr Lesesaal der Stadtbüchcrei, Gruuewaldstr. 2.— Mittwoch, den 21. Oktober. Adlershos, Allglienicke. Falkenberg. Dr. Otto München:„Sowjetrußland und die europäisch« Arbeiterklasse". 20 Uhr Radickestr. 10—11.—Don- n e r s t a g, den 22. Oktober. Wilmersdorf. Dr. Kurt Mendel- söhn:„Wirtschaft und Weltpolitik". 19.30 Uhr Viktoria-Luifeu- Schule, Uhlandstr. 91— 93. Allgemeine Wetterlage 46. CM 4934tabds. � •BS ar WbMtpkt «dlng.Kbeiteit'RegMi�&TiJpjln Ein ausgedehntes Hochdruckgebiet überdeckt jetzt Mitteleuropa und einen großen Teil Westeuropas. Im größten Teile Deutsch- lands herrschte daher ruhiges Wetter. Die Bewölkung war ober im nordwestlichen Teile des Reiches stark, da hier feuchte Seeluft eingebrochen war. Stellenweise kanz es auch zu leichten Sprühregen- fallen. Im übrigen Reiche war es heiter oder sogar völlig wölken- los. Die Temperaturen erreichten mittags 10 bis 14 Grad Celsius, sanken aber im Süden und Südosten zum Abend rasch auf 4 Grad Celsius. Das Hochdruckgebiet scheint ziemlich stabil zu sein, da. in seinem Bereich nirgends nennenswerter Luftdrucksall einsetzt. Auch die Depressionstätigkeit im hohen Norden beginnt langsam zu er- lahmen. Das Wetter wird also bei uns beständig bleiben. Wetteraussichten für Verlin. Beständig und bis auf Morgen- nebel ziemlich heiter, nach kalter Nacht am Tage mild.— Für Deutschland. Im Nordwesten und an der Küste meist wolkig, aber nirgends nennenswerte Niederschläge: im übrigen Reiche beständig und größtenteils heiter, nachts leichter Frost, Tagestemperatnren im ganzen etwas ansteigend. Borirage, Vereine und Versammlungen G Reichsbanner„Schwarz-Rol-Soid''. 1!»<3. 14. geSo1 SekchSktsIiellei Dnlin£ 14. ßcjoiliaiillt. 87—38. Hol 2.£t. -Sonntag, 1». CMobct, Mitte(Sungba). 7'; Ulir SDefffpunH?o1>«- bof Alerovderplotz. Zungboklcidurg, Morslbgopäck.— Montag. 1». VI- tob». Ziculalln-Britz. z, Äamcraifeljaft, 1. unfi 3. Zua. 20 Uhr MUgNeder. Bctfornmlung bei SihtBbet,£teinmetzstrage. Erscheinen ptlif"' llichi. «. Sonntag, 11 Uhr. Pappelallee lä, Portrog des rchllosi Mensch. Mittwoch, 21. Ollober. 20 Uhr, Lichlr- M'-g y-NeiitW" v-n- fyeinftii«. Gäste willloininen. Jieirelintöse Gemeinde. TZetcn ffl. Sijchier: Per futä..... büäetanttfaigt-�ain Segelflng l�iiearklMl�.N>m O»ranslug. Gäste wilHomnien. Bereinigung der Urennde von Religion und Pitlkersrieden. Genosse Psarrer i Bleier spricht am kommenden Sonntag, dem 18. Slloder, 18 Uhr, im Rahmen einer religiösen Feierstunde in der Trimtätiskirche, Charlottenburg, übet das Thema:„Die Treue im Kleinen". Elpernntn-Sesellschaft Chnelottendurg. Montag. IS. Oktober. 20 Uhr. Aon- ditorei Wolter, Charlottenburg, Pismarckstr. 114 siinie), Klubzimmer, Uebungs. und Zlonversationsobend. Mieternerband Berlin, S. Berntaliungsbezirk,<£. v. Sa» Berlin im Bunde Deutscher Mieternereine, Sih Dresden®. B. 19. Oktober. ISVj Uhr, in Schntidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. ZSa, große Protestkundgebung für Senkung der Mieten und Forderung des sozialen Mietrechts. Referenten:- Landesverband- ucrsttzender Eramsr, Rechtsanwalt Preuß. Bund Entschiedener Schulreformer. Oeffenlliche Persammlung Dienstag, 20. Oktober. 19' j Uhr, Aula der Hohenzollern. Oderrealschule. Berlin. Schöne» berg. Pelziger Str. 48, Elke Eisenacher Straße.„Der Durchbruch des Lebens durch die Schule." Referent: Martin Luserke. Fithrnng durch eine Blumengärtneeei. Eine der beliebten Führungen durch Blumengärinereien, die Gartendirektor Lesser als Dozent der Humboldt-Hoch- schule noruimmt, findet an diesem Sonntag durch d«e Gärtnerei Otto Plah. Chärldttenburg, am Bahnhos Iungsernheidr, statt. Treffpunkt 10 Uhr vor der Gärtnerei. Dir gezigien Pflanzen werden besprochen. Sorten während her Führung erhältlich. Ktäw Ameigatx Unvkungsv&ii und btllt& a>erd*>ir*tewWE TS Pf., ,Z»»., Wich« 10 9 V. TO»cknr 1000 Wort- Absehlu« 10«. TOOO Wort« 1t«.«OOO Worte 30« »♦•»«WOMKl-n U»«e»«**rt«m«ort 15 to»fwort 10 Kk. Atinohme durch d«0 Vorl««, ItnOcnrtr. J(•»9 bi* 5 Uhr�uodiomMiih« Vorwort» fllielen u. Ko»9»b«»'«tt»» Reudau-Wohnung 2 zz. 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Und sie kennen mich alle, mcjne Freunde von der Landstraße: die Wcgcwärter! challo, Max — heißt es, mal wieder aus der Tour bei diesem Wetter, sage ich: so recht«in Wetter nach meinem Geschmack— Stunn und Regen, mal'n bißchen Sonne, mal'n bißchen Hagel— frei durch die Welt — Ann in Arm mit allen Vagabunden: mit Walter von der Silber- weide, mit Hutten, Litaipe, Villon, Peter Hille, Ulenspeegel und Göß Goethe— Sturm, blase ins Jagdhorn— wir jagen die grauen Büffel, die da in großen Heroen über den Himmel traben: die Wi—®a— Wolken! Und die Trägheit jagen wir, die Trägheit der Gedanken und des Blutes, Jäger sind wir: unseren Pfeil— jeder Rückstänoigteit mitten ins Herz! Wie schön es jetzt im Herbst auf der Chaussee ist. die Apset- bäume hängen voller braunroter Früchte, an den Bogclbecrbäumen blitzen die dichten reifen Korallenbüschel. Blaue Perlen: Zwetschen. Und der Duft der gelben Birnen. Durch die Tannen geht ein tiefes Geharfe. Im Cichwald rören die Hirsche. Raben wandern durch die Luft, nordhin— südhin aber fliegt der spitze scharfe Keil. die wilden Schwäne. Mein Grashüpfer, singe, das Leben ist schön — heute sind wir glücklich, in diesem Augenblick genießen wir das Leben— frei, froh, gemeinsam! Alles, was da ist auf der Welt, bildet eine große Solidarität— wenn das Herz die Bindung voll- bringt. Tag, Genosse Straßcnwärter— na, ist die Laune günstig? Noch Freude am Leben? Ei, gewiß. Und wir kommen ins Gespräch, den Buckel gegen oen stürmen- den Wind— pummpumm: da fallen zwei Aepfel. Frage her— Frage hin. Wie der Winter wird— soll ich sagen: ja: hart wird er, der Winter, die Armen werden den Hungernemcn noch etwas anziehen müssen— aber schließlich, im Krieg war's noch schlimmer. In den Parlamenten, unsere Genossen— sind nicht stumm! Sie kämpfen um die Sozialrcchtc des Proletariats. Ein Auto— rrrr, c-s hält: Max, steig ein! Nö, nich in die Tüte, zu Fuß will' ich laufen— was Hab ich von der Sauserei, und ich sage nicht gern danke! Auto— ab! Genosse Stroßenwärter, leb wohl— und er präsentiert, mit der blanken Schaufel. Ich weiß, er ist ein treues Berbandsmitglied, jede Frage ist da über- flüssig. Uebngcns, sie sind alle organisiert, im Gcfamtverband, meine Freunde und Kameraoen von der Chaussee. Horch«, der Ruf des Nußhähers— vom Waldrand her: nö, Herr Häher, ich gehe nicht an deine— Nüsse, streite du mit der Eichkotz. Es Fällt ein wenig Regen— Kragen hoch— und es wird eins gepfiffen— Kopf gegen den Sturm. Weiß und rot hüpfen die Straßensteins vorbei— es geht um die Kurve! Und da stehe ich schon wieder bei einem dritten Kollegen, bei einem anderen Straßenwärtcr, oben am Bergbuckel, wir haben uns ein wenig unter die breiten Schirme der Kiefern gestellt— des Regens wegen— aber hinten wird der Himmel schon hell— Silber taucht unterm Grau auf, am Himmel, der Sturm zerhackt die Wo!- ken— der Himmel wird ballig und würfelig— tschiii, saust der Weltenwind durch die Kiefern, die Stämme leuchten orangen. Und er fragt mich, Kollege Strahenwärtcr: Max, is das wahr von Spanien? Jawohl, Spanien hat sich zur„Arbeitcrrepublit" erklärt. unter sozialistischer Führung. Und den Krieg hat dos. ipa- Nische Parlament als Unkultur für immer aus der spanischen Politik verworfen— nicht mehr Krieg als setzte Abrechnung— sondern Verständigung über Streitfälle. Ja, Spanien— uns beiden leuchten die Augen vor Freude— als nächstes kommt Italien dran. Der Mussolini wird dem Alfonso nachmarschieren. Hoo— der Sturm— tschiii— evviva Italia libera! Freie Chaussee. Freie Straße für alle Völker! Adjes, Genosse— grüße mir dein Dorf. Und Treue zum Verband! Natürlich— immer. Weiter wandere ich— glücklich durch Sturm und Wetter. Das if der Chauffee Tal, die alte Römerbrücke. Der Strom, schokoladenbraun, vom vielen Regen. Und ein weißrotes Dorf— die Gänse schnattern mir nach— im Wirtshaus'ncn Schnaps— und weiter, weiter, weiter. Das Blut treibt, ich kann nicht rasten—— wenn der Sturm geht, dann will das freie Blut mit. Umleitung. Die Chaussee. Auto links'rum! Ich ober gehe gerade aus. Die Straße ist aufgerissen, sie wird betoniert. Eine Betonkolonne ist bei emsiger Arbeit. Amerikanisches Tempo. Ei, Gewitter— wird denn die Treiberei auch auf der Chaussee Mode? Nö, es is nur van wegen dem Akkord. Gut, aber macht draus keinen Mord. Bleibt immer würdevolle freie Menschen. Treibt euch nicht selber an— aus Akkordsucht! Und nun stehen sie alle um mich herum— die Betonarbeiter von der Chaussee— seid ihr denn auch vom Verband, Freunde? Verband, Verband, ja, früher mal, und dann— wir sind, doch vom Dorfe. Und wenn ihr zehnmal vom Dorfe seid— dann habt ihr nicht weniger Solidaritätsinteressen als die Arbeiter in der Stadt. Der da sympathisiert mit Hitler— ein bißchen höhnisch ivard das gesagt— und er wird knallrot, der so Betupfte, er sympathisiert -- is nich wahr, is nich wahr— sagt er, ich war nur aus Neu- gierde auf der Versammlung— und zum Zeichen, ich gehe in den freien Verband! Di« anderen sagen auch Ja. Die zwei Vorarbeiter kenne ich— sie sind aus der Stadt, längst organisiert— gewiß, sagen sie: Wir bringen Aufnahmescheine mit— für alle! Und unter Sturm und Reden schwätzen wir noch ein Weilchen — dem Akkord zum Trotz. Unsere Sprache und unser Gefühl deutet und sieht die große Arbeitcrarmee auf dem Vonnarsch— die siebenmal Hunderttausend freien Arbeitssoldaten, vorneweg rote Welten- banner— die Armee der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs marschiert— hin zur Million Mitgj'ieder! Werben, werben, Genossen— die Arbeiter der Chaussee gehören zu uns: alle, alle! Ja, wir kommen. Die Hand zur Treue: dreihigmal fühle ich den Druck. Adjes, Frei-Deutsch- land! Und wieder wandere ich, einsam und doch nicht einsam— Frau Einsamkeit ist die geschwätzigste Gefährtin. Einsam bist du den Menschen am allernächsten. Der Sturm geht klatschend über die kahlen Aecker— aus der Höhe klingt der scharfe Schrei des Ha- Vichts. Blaue Meisen pfeifen ganz leise im Tannenstück— kaum hörbar unterm Sturm. Es duftet nach Thymian und Schafgarbe — die bunten Kräuter der Chaussee. So viel Schönheit ist da. Nachmittag. Ich bin naß. Wieder: Umleitung! Chausseeban. Diesmal ein Teerstllck. Unten wird Schotter neugelegt. Hallo— guten Tag zur rechten und linken! Wir kennen uns— ja, altargani- fiertes Chausscevolk, hier brauchst« nicht werben. Hier steht roter Granit. Die Dampfwalze— Maschinist und Heizer— ja. ich stelle mich mit ihnen gegen das Feuer— ich bekomme heißen Kaffee— wir stopfen die Pfeifen, wir reden: von England und Indien, von Bra- silien und Kanada und Texas, von Börsen, Gold, Gandhi, Kaffee, Weizen und wolle und Lahuscn reden wir— Proletaen von der Landstraße— durch Verband und Partei aber zu wissenden und kühn wollenden Menschen erzogen— mit Interesse an Weltwirt- schaft und Völkerpolitik! Leise zischt die Lokomobile, das Blutvcntil der Dampfwalze— der Regen klatscht aufs kleine Wellblcchdach— eng aneinander haben wir uns geschmiegt: in Sturm und Wetter ein ll eines Häuschen pulsierenden Lebens— Sozialisten und Kämpfer, interessiert an allem Menschlichen. Walter van der Silber- iveide singt uns sein Volkslied—„Unter den Linden, auf der Heide!" Hutten-trumpft auf:„Ich Habs gewogt!" Litaipcs freie Chinalieder. Revolte gegen die Kriege! Villon, der Pariser Re- bellcnfängcr um Anno 1450. Peter Hille, der Philosoph der Land- straße, halber Romantiker— halber Carmagnole. Und der Ulen- speegel is hier— mit Schellenkappe und Dudelsack, die Weisheit im Narrenkleid. Und da— Handschlag— der Götz, der junge stürmende Goethe: der Straßenläufer, auch er ist bei uns— alles Brüder der Chaussee— alles, was frei im Herz und in der Seele ist— das horcht mit uns auf den Choral des Sturms. Genosse: drei Schippen Kohle ins Feuer— die Dampfwaize! 3rHsB Wiefenberger: iß II III Wir hatten am Tage vorher die Schokoladenfabrik in Saalfeld besichtigt und waren erstaunt über die riesenhaften Anlagen und großen Bauten, über den Mechanismus, der täglich Zehntausende von süßen braunen Schokoladentafeln zur Welt bringt. Am Nach- mittag hatten wir das herrliche Schwarzatal durchwandert, ein Bad in der kristallklaren Schwarza genommen, und einige Stunden später wackelte die Bimmelbahn mit uns von Schwarzburg nach Neuhaus. Bei eintretender Dunkelheit wurde der Rennstieg über- schritten, und spät am Abend stiegen wir in das Tal hinab, wo vereinzelte Lichter die Häuser von Lauscha erkennen ließen. Wir waren stark ermüdet; aber der Gasthof lag oben auf dem Berge. Noch eine dreiviertelstündige Wanderung bergauf mußten wir. also in Kauf nehmen. Ein regnerischer Tag ist angebrockzen. Unsere Gastgeber haben uns gut bewirtet. Wir sind überhaupt erstaunt icher das muntere rege Leben im Gaschof. Schon ganz früh sind die„Roten Falken" aus Sonneberg gekommen, es wimmelt von ihren blauen Kitteln, und das lustige Gezwitscher ist im ganzen Haus zu hören. Dann steigen wir ins Dorf hinab. Ein feiner Sprühregen rieselt hernieder. Das trübe Wetter, die grauen Schieferdächer der Häuser unten im Dorf und die mit Kiepen beladen«» Männer und Weiber, die heute am Wochenende wohl einkaufen wollen, erzeugen eine seltsam gedrückte Stimmung. Auch durch das Hochzeitspaar, das eben aus der auf halber Höhe des Berges liegenden Kirche koimnt, wird dieser Eindruck nicht beseitigt. Im Gegenteil, man kommt zu dem Ergebnis, daß das Kennzeichen der Armut und der Not nicht immer die schlechte Kleidung und die schlechte Ausmachung zu sein braucht. Auch diesem Brautpaar hastet etwas an, was man überall hier vorzufinden glaubt und was im Grunde Aermlichkeit und Not zu sein scheint. In den Fenstern sieht man überall Glasfigurcn. Spielzeug usw., das zum Berkauf aushängt. Die Geschäfte scheinen alle an einem bestimmten Platz zusammengelegt worden zu sein. Dort ist die Filiale einer Kolonialwarcn-Großsirma, und etwas abseits liegt das Grünkramgefchäft. Mehr scheint außer dem Bäcker und dem Friseur nicht vorhanden zu sein. Eigentlich besteht das Dorf nur aus drei Straßen. Eine liegt im Tal, und die beiden anderen führen auf die Berge hinauf. Wir stehen jetzt im Tag auf der„Geschäftsstraße". Die Männer und Weiber mit den Kiepen scheinen auch hier das Straßenbild zu bc- herrschen. Wir fragen noch der Glasbläserei. Es ist wieder ein gutes Stück Weges bergaufwärts. Nach der Besichtigung der großen Schottschen Glashütte iu Jena ist man auf diese Glasbläserei hier Qlasbläferdorf oben im Gebirge etwas gespannt. Auf dem Wege kommen wir mit einem Heimarbeiter ins Gespräch Er zeigt uns feine Erzeugnisse, meistens Christbaumschmuck, und klagt uns feine Not. Schon immer wurde die Heimarbeit im Verhältnis zur Fabrikarbeit schlecht bezahlt. In den großen Bläsereien wird das Glasmaterial für die chemische Industrie usw. hergestellt, während sich der Heimarbeiter auf kleinere Gegenstände wie Spielzeug usw. beschränken muß. Und wer kaust heute Spielzeug und Christbaumschmuck? So kommen wir in die Bläserei. Ein mäßig hoher Raum und entsetzliche Hitze empfängt uns. Sämtliche Männer arbeiten mit entblößtem Oberkörper. Wir gehen von Ofen zu Ofen, in deren Nähe die Glut fast unerträglich wird. Diese hohen Temperaturen sind nötig, damit die flüssige Glasmasse geschmeidig bleibt. Hier werden lange Röhren für physikalische Zwecke hergestellt. Ein Ar- beitcr nimmt'zunächst die Flüssigkeit aus chrem Behälter und be- fördert sie auf dos Blasrohr. Schon springt ein zweiter Arbeiter hinzu und erfaßt mit seinem Blasrohr ebenfalls die Glasmasse. Beide Arbeiter eilen, damit die Masse nicht vor der Formung früh- zeitig erkaltet, schnell in einen langgestreckten Gang. Während der eine stehen bleibt, läuft der andere den Gang entlang, und so wird die Masse auseinandergezogen. Durch Schwenken und Blasen ent- steht nun das Glasrohr. Die Arbeit ist anstrengend und gesundheitsschädigend. Vor allen Dingen wird die Lunge durch das Blasen stark in Mitleidenschast gezogen. Es wird im Akkord gearbeitet. Der Bruttolohn steigt selten über 45 Mark. Wir müssen bald wieder ins Freie. Die Temperatur ist für uns nicht länger zu ertragen. Draußen rieselt noch immer der feine Regen herab; aber wir fühlen uns trotzdem sicher und geborgen. Die ersten Spuren des Elsenbeins und seiner Verwendung lassen sich bereits in der Steinzeit nachweisen. Man hat wenigstens Stein- zeitwerkzeuge mit Nadeln aus Elsenbein gefunden, ferner Mammut- stoßzähne, auf die mit spitzen Steinen Zeichnungen eingeschnitten waren. Die ältesten Gebrauchsgegenstände aus Elfenbein, und zwar Nadeln,, kleine Figuren, Toilettengegenstände, Büchsen und Dosen, fand man in den Pyramidengräbern, deren Alter mit absoluter Sicherheit auf 1100 vor Christi Geburt zurückzuführen ist. Auch in der Bibel wird das Elsenbein erwähnt, insbesondere im 1. Buche der Könige, wo von dem„elsenbeinernen Thron" berichtet wird, den sich König Salomo anfertigen ließ. Wahrscheinlich sind die in den Pyramidengräbern gefundenen Figuren aus Elfenbein Götterbilder. Auch andere Völker als die Aegyptcr fertigten aus dem kostbaren Material Bi'der ihrer Götter an. Die höchste Lebensdauer einer Palme beträgt 250 Jahre, a™» Tiere gaffen uns an! Immer wieder wird die Jugend auf die Ameise als leuchtendes Beispiel des Fleißes hingewiesen, und diese betriebsamen Tiere scheinen sich solcher Ehrung vollaus bewußt zu sein. Denn ihr Ge- haben entbehrt nicht eines gewissen Exhibitionismus. Sie wissen, daß sie beobachtet werden, und ich tann den Verdacht nicht los- werden, daß sie sich, wenn ihnen niemand zusieht, genau so wie Menschen dem Müßiggang ergeben. Professor Leonidas Schwumpf zum Beispiel berichtet, daß die blaugetupste Tonaquil-Ameise ihre ganze Zeit damit verbringt, von Dattelpflaumenbäumen die Rinde abzuschälen und sie in die Erde zu vergraben. Der Gelehrte erzählt, daß er zu diesem Schlüsse gelangt sei. nachdem er mehrere Stunden auf einem Baume gesessen und eine Tanoquil-Ameise durch ein Fernrohr betrachtet hatte. War nun Professor Schwumpf in der Tat berechtigt, eine solche Behauptung aufzustellen? Nein! Ich möchte wetten, daß die blaugetupste Tanaquil-Ameise. nachdem der Professor nach Hause gegangen war, sich gesagt hat:„Gott sei Dank, daß dieser langweilige Bursche mit seinem Fernrohr endlich ver- schwunden ist!", und daß sie dann den Rest des Tages hindurch keine Arbeit mehr angerührt hat. Ein richtiges unvernünftiges Tier sieht weit lieber einem Men- schen bei der Arbeit zu. als daß es selbst arbeitet, wodurch bewiesen erscheint, daß es doch nicht so unvernünftig ist. Wenn man auf der Landstraße eine Panne erleidet, dann werden sofort die Pferde und Kühe aus den benachbarten Wiesen mit dem Grasen aufhören, uni die Bemühungen, den Wagen wieder in Gang zu bringen, zu be- trachten. Kein Zweifel, daß sie die Lebensgewohnheiten des sonder- baren Wesens Mensch betrachten! Besonders Pferde legen ein un- verkennbares Interesse für das Leben und Treiben der Menschen an den Tag. Dieser Umstand dürfte auch die Erfindung der Scheu- klappen notwendig gemacht haben. Das Interesse der Pferde für Motorräder und junge Damen auf Fahrrädern ist so lebhaft, daß sie sich nur schwer dazu bewegen lassen, an jenen vorbeizugehen. Die Pferde pflegen vielmehr einen temperamentvollen Bogen zu machen, um die sonderbaren Erscheinungen besser betrachten zu können. Sehr verbreitet ist die Meinung, daß Flora und Fauna der Waldeinsamkeit die dichterische Inspiration beflügeln, und— wenn man den Illustrationen unserer verbreiteten Zeitschriften»nd Maga- zine glauben darf— alle unsere literarischen Größen allsommerlich in den Schoß der Natur zurückkehren. Ich kann aber nicht glauben, daß sie ihre unsterblichen Werke wirklich in der Wald- cinsamkeit schaffen. Nehmen wir zum Beispiel an. daß Sie selbst während Ihres Sommerurlaubs plötzlich von«chrcibwut befallen werden. Sie entschließen sich, in irgendeiner idyllischen Umgebung ein Sonett niederzuschreiben, nehmen Ihre Füllfeder, ein paar Blätter Papier und stürzen sich in den Wald. Nach einer halben Stunde gelangen Sie an eine Lichtung, die Sie als idyllisch bc- zeichnen zu können glauben. Sie setzen sich auf den Boden, schrauben Ihre Füllfeder aus, legen das Papier auf Ihre Knie und schreiben das Wort„Sonett" nieder. Dann betrachten Sie aufmerksam eine verrostete Sardinenbüchse im Gestrüpp und fahren fort: „O, düstre Größe dieses alten Ahorns..." Aber der Boden ist sehr hart. Vielleicht wäre es erträglicher, sich aufzustützen. Sie stützen sich aus den rechten Ellbogen und die Sonne scheint Ihnen in die Augen. Sic rollen sich aus den Bauch, nehmen ein neues Blatt Papier und schreiben: „O. düstre Größe dieses alten Ahorns, Wie sehr gleichst du..." Die Schnalle Ihres Gürtels übt einen stets unangenehmen Druck auf Ihre Eingeweide aus Nu» stützen Sie sich für eine Weile aus Ihren anderen Ellbogem Nach einer halben Stunde haben Sie den alten Ahorn in eine alt?' MchV abgeändert, weil sich sonst kein vernünftiger Reim finden, läßt, und leichter Kopfschmerz macht sich bemerkbar. Sie kriechen in den Schatten und lehnen sich gegen einen Baumstamm. Aber hier gibt es Mücken und Stechfliegen. Sie be- geben sich daher wieder in die Sonne und lehnen sich gegen einen Stein. Roch bevor Sie den passenden Reim auf„Eiche" gesunden haben, entpuppt sich dieser Stein als der Privatbesitz einer Kolonie zwar kleiner, aber betriebsamer Ameisen. Eine van ihnen, die Vor- kämpferin ihres Stammes, klettert an Ihrem Rücken empor, schnür- stracks der Spitze Ihres linken Ohrläppchens zu. Beim Versuche, den Vorposten in die Flucht zu schlagen, fällt Ihnen die Füllfeder auf den Stein. Während Sie die auseinandergebrochenen Teile zusammenlesen, trägt Ihnen ein Windstoß das letzte Blatt Papier davon. Nun ist nichts mehr zum Schrechen da— auch wenn Sie etwas zu schreiben hätten. Sie können wieder nach Hause gehen. Das Sprichwort„Geh' zur Ameise, du Fauler, und lerne von ihr!" enthält, wie jeder Faule weiß, einen höchst überflüssigen Ratschlag. Man braucht sich vielmehr nur irgendwo in der freien Natur nieder- zusetzen, und die Ameise wird schon von selber kommen. .(Berechtigte Uebersetzung von Leo Korten.) 3)as Uleer der Heger Zwischen dem 10. und 20. Breitengrad liegt das Karibische Meer. Es wird im Norden von den schönsten Inseln der Welt bc- grenzt: Kuba. 5iaiti, Jamaika, Portorico. Im Westen liegt die zu Mexiko gehörende 5ialbinscl'Aukatan und serner die Republiken Honduras, Nicaragua, Costarica, im Süden Panama, Columbien, Venezuela, Brasilien. Zahllose britische, französische, Nordamerika- Nische Besitzungen liegen im Gebiet des Karibischen Meeres, das man als das Mittelmeer der Neuen Welt bezeichnen kann. Es ist nun merkwürdig, daß die Vernegerung dieses großen Siedlungsraumes offenbar in vollster Entwicklung ist. Nichts scheint den Prozeß aufhalten zu können. Einzelne heroische Bemühungen werden als hoffnungslos beurteilt. So hat die Dominikanische Rc- publik(auf Haiti) strenge Borschristen gegen die Negereinwanderung erlassen. Das„Schwarze Haiti" auf der gleichen Insel, eine selb- ständige Republik, hat aber 100 Einwohner je Ouadratkilomeler, während das zu 75 Prozent weiße Domingo nur 20 Einwohner je. Quadratkilometer hat. Der Drang nach Domingo ist also natur- gegeben. Aber so ähnlich steht es rings um das ganze Karibische Meer.-Es wird kein Jahrhundert vergehen, bis dort der weiße Mann ganz zurückgedrängt sein wird. Es wird dann der ganze mittlere amerikanische Kontinent von St. Louis am Mississippi bis zur Nordküste von Südamerika ein schwarzer Erdteil sein. Tropische Pjlanzenwell ans den Güterbahnhosen. Eine botanisch- wissenschaftliche Untersuchung der Umgebung der Güterbahnhöfe des rheinisch- westfälischen Industriegebietes hat 672 verschiedene tropische und subtropische Gewächse ergeben, die mit Warensendungen ein geschleppt und in der Umgegend sich eingebürgert haben. Besondere Klcttensamen südafrikanischer, südamerikanischer und australischer Pflanzen haben Wurzel gesaßt, die aller Voraussicht noch mit Woll- sendungen eingeführt worden sind. Andere Pflanzen stammen aus Vogelfuttersendungen, und mit Miesmuscheln sind Salz- und Strand- pflanzen eingeführt worden. Eine Reihe Gewächs« aus den lüd- lichen Wittelmeergebieten sind mit Fruchttransporten in die Um- gebung der Güterbahnhöfe gelangt. der Debatte hat gezeigt, daß die Nationalsozialisten alles, was sie außenpolitisch gefordert haben, verraten. Vor einem Jahr haben sie hier beantragt die Aufhebung des Versailler Friedens, die Ein- stellung der Aoungzahlungen und ein Ultimatum an Frankreich wegen Verzicht auf die Reparationsleistungen. In der Erklärung Fncks ist kein Wort von diesen Forderungen enthalten. Jetzt gehen sie aus dem Parlament hinaus, weil sie sich vor jeder verantwort- licken Abstimmung über Fragen der Außenpolitik feige vor dem gesamten Volk drücken. Hitler hat eine Erklärung aus dem Braunen Haufe an Vertreter der ausländischen Presse versandt, die der vollständige Nachweis dafür ist, daß die Nationalsozialisten, 'einmal zur Macht gekommen, sofort kriechen werden vor den aus- ländischen Kapitalisten, denn ihr ganzer Kampf gilt der Vernichtung der Rechte der deutschen Arbeiter. (Stürmische Zustimmung links.) Der Auszug der Nalionalsozialisien erfolgt serner. weil sie unter dem Befehl ihrer Geldgeber nicht wagen dürfen, hier im Reichstag für die Aufrechterhaltung des Tarifrechts zu stimmen, für unseren Antrag, der die Reichsregiemng ausfordert, alle Pläne abzuweisen, die aus die Zerschlagung des Tarifrechts hinauslaufen, (Lärmende Zwischenrufe der Koinmunisten.)— Ihr habt in Rußland die Löhne schlimmer abgebaut als der reaktionärste Unternehmer in Deutschland— für diesen Antrag dürfen die Nationalsozialisten nicht stimmen, ebensowenig für den weiteren sozialdemokratischen Antrag. der eine Neureg elungder Fürstenabfindungen unter Berücksichtigung der allgemeinen Notloge fordert. Auch die national- sozialistischen Wähler sind empört über die Art der Fürstenabfindung, über die Gerichtsurteile, die im Interesse der Fürsten gesällt�worden sind. Aber wie kann eine Partei öffentlich zu dieser Frage Stellung nehmen, deren Führer ja nur eine elende Marionette ist in der Hand der abgedankten Fürsten und Standesherren.(Lebhafte Zu- stiinmung links.) Wir stellen diese Flucht der Nationalsozialisten vor der Verantwortung fest. Wir scheuen unö vor diesen Herren nicht. Wir führen den Kampf mit den Na- tionalsozialisten ebenso im Parlament wie draußen. Darum sage ich: Diese Flucht der Nationalsozialisten nach der Niederlage der Harzburger Front beant- Worten wir mit der Losung: Nieder mit dem Faschis- mus, vorwärts für ein Deutschland der Demokratie! (Lebhafter Beifall der Soz.— Lärmende Zurufe der Komm.) Präsident Löbe: Da in dieser Dobatte die beteiligten Parteien gesprochen haben, schließ« ich sie, denn sie kann nicht endlos fort- gehen. Abg. Torgler(Komm.): Nach dem Auszug der Faschisten ist nun eine Mehrheit vorhanden für die Annahme einer ganzen Reihe von Anträgen, die noch vorliegen. Hoffentlich wird nicht durch eine Ver- tagung des Reichstages auf den St. Nimmerleinstag wieder die Möglichkeit zur Ausnutzung dieser Mehrheit beseitigt. "Nach Ablehnung einiger weiteren kommumstischen Anträge in gewöhnlicher Abstimmung tritt eine einstündige Pause bis 2 0% Uhr ein. Um 20 Uhr tritt der Aeltestenrat zusammen, um über den Tag der nächsten Vollsitzung zu beschließen. * Zwanzig Minuten nach 20 Uhr wird die Sitzung wieder auf- genommen. Zunächst werden verschiedene sozialpolitisch« und wirt- ichastliche Anträge Ausschüssen überwiesen, darunter auch zahlreiche lozialdemokratische und kommunistische Anträge, wobei die Kom- n'unisten in einigen Fällen sofortige Abstijmrmng fordern und die Usberweisung an Ausschüsse als Verschleppung bezeichnen. Der kommunistische Entschlicßungsantrog, den Betrag für die Panzerschiffneubauten für ftinderfpeisungen zu verwenden, wird mit 208 Stimmen der Sozialdemokraten, SAP. und Kommunisten gegen 191 Stimmen der bürgerlichen Parteien angenommen. Der sozialdemokrakischc Gefetzentwurf betreffend die Fürsten- •jt absindung wird ohne Ausschußberalung in erster Lesung an- s,. genommen, der sofortigen zweiten Lesung widerspricht Abg. Graf W e st a r p lVolkskons.) und hat damit Erfolg, da die zweite Lesung nicht auf der Taxesordnung sieht. Abg. Graf Westarp(Volkskons.) widerspricht auch der zweiten Lesung" eines kommunistischen Gesetzentwurfes auf Offenlegung der Steuerlisten. Darauf wird II e b« r- w e i s u n g an den Haushaltsausschuß beschlossen, wie übrigens auch für viele Anträge. Angenommen wird der sozialdemokratische Antrag aus Winter- und Raturalhilfe für alle Unterstützungsempfänger. Zwischendurch gibt es Erörterungen darüber, ob Entschließungen, die Bereitstellung von Mitteln fordern, nicht unter die neue GeschäftsordnungÄ>estinrmung fallen, wodurch Beschlüsse auf Mehr- ausgaben erschwert sind. Dabei wird auch, wie Präsident Löbe als Ansicht der Juristen mitteilt, festgestellt, daß der Reichstag der Regierung nicht Aufträge, erteilen dürfe. Der kommunistische Antrag, die Harzburger Führer zu ver- hasten, wird gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Die sozialdemokratischen Acndcrungsanträge zu den Rot- Verordnungen gehen an den Haushaltsausschuß. Der sozialdemokratische Antrag, die Regierung aufzufordern. alle Angrisse aus das Tarisrecht abzuweisen, wird in nament- licher Abstimmung m>l Zig gegen 80 Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen. Desgleichen der sozialdemokratisch« Antrag auf Einbringung eines Gesetzes über die Besteuerung der Auswanderer. Dann wird eine lang« Reihe Anträge zugunsten der Beamten und der Winzer erledigt. Der Einspruch des Reichs- rates gegen den Reichstagsbeschluß betr. Gefrierfleisch- einfuhr geht an den Haushallsausschuß, nachdem der Kommunist Torgler sofortige Zurückweisung dieses Einspruches gefordert hatte, damit nicht wieder ein halbes Jahr vertan werde. Um 22 Uhr wird ein Bericht des Wohnungsausschusses über den Mieterschutz in Verhandlung gezogen. Berichterstatter Lipinski (Soz.) schlägt vor, die Regierung zu ersuchen, eine Aenderung der Mictengesetzgebung zu unterlassen, bis das soziale wietrecht gesichert ist. Die Regierung scheint tatsächlich eine solche Aenderung durch Notverordnung zu beabsichtigen. Der Autrag des wohnnngsausschusies wird angenommen. Die Genehmigung zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Abg. Dr e w i tz(Wp.) und eines selbst beantragten Disziplinar- Verfahrens gegen den Abg. Dr. Baabe(Soz.) wird auf Wunsch dieser beiden Abgeordneten erteilt. Präsident Löbe: Wir stehen vor einer längeren Vertagung(Zuruf der Komm.: Bis 1910!), die Regierung hat gebeten, daß mir uns bis in den Februar vertagen, unter anderem wegen wichliger Verhandlungen mit dem Stillehallekonsortium. Abg. Torgler(Komm.) beantragt, die nächste Sitzung am Dienstag abzuhalten. Abg. Ersing(Z.) beantragt, den Präsidenten zu ermächtigen, die nächste Sitzung einzuberufen, aber nicht vor dem 23. Februar. Der Antrag Torgler wird abgelehnt, der Antrag Ersing an- genommen. Räch 22)? Uhr ist die kurze Oktobcrtagung des Reichs- toges beendet. Reuer österreichischer Fimmzminister. Der Bundespräsident hat den Abgeordneten des Nationalrates Dr. Weidenhöffer, zum Finanzminist««euunul. Die Gewerkschafisfwni. Was auch kommt, sie steht! ' Amerika am Ratstisch. Aber nur im Hinblick auf den Kellogg-pakt. Gens, 16. Oktober.(Eigenbericht.) Amerika nahm am Freitag zum ersten Male an den Verhandlungen des Rates zur Beilegung des Konflikts in der Mandschurei teil. Es ist durch seinen Generalkonsul in Genf, Gilbert, vertreten. In der Freitagnachmittagssitzung des Rats begrüßte B r i a n d das Erscheinen Gilberts und bezeichnete es als ein weltgeschichtliches Ereignis von großer Tragweite. Gilbert oerlas dann unter tiefster Stille des überfüllten Saales eine amerikanische Botschaft, wonach sich die amerikanische Regierung mit Maßnahmen, die der Rat auf Grund des Völkerbundspaktcs vorschlagen könne, nicht befassen werde. Aber der K e l l o g g- P a k t sei in der Meinung Amerikas ein Instrument zur Verpflichtung der ganzen Welt zur friedlichen Regelung von Konflikten. Die Verbindung zwischen Völkerbund und dem Kellogg-Pakt sei daher gegeben zur gemeinsamen Beratung des vorliegeirden Falles. Die Mitglieder des Rates b e w i l l k o m m- netcn darauf Amerika am Ratstisch. Rur der Vertreter Japans blieb stumm. Nach Gilberts Dank für den Empfang wurde die Sitzung vertagt. Am Sonnabend beginnen die geheimen Verhandlungen unter Teilnahme des amerikanischen Vertreters über ein vorläufiges Kompromiß. Oer Kompromißplan. In maßgebenden Völkerbundskreisen besteht nach der Hinzu- Ziehung der amerikanischen Regierung die Absicht, eine endgültige 1 Beilegung des japanisch-chinesischen Sireitfalls in der Weise herbei- -zuführen, daß der Rat gemeinsam mit der japanischen Regierung f e st e F r i st e n für die Räumung der besetzten Gebiete in der Mandschurei festsetzt. Zur Durchführung der Räumung soll eine internationale Kommission ernannt werden, die jedoch lediglich die Ausgabe haben soll, den Schutz des Lebens und des Eigentums der japanischen Staatsangehörigen im Räumungsgebiel zu übernehmen. Eine Kontrolle über die Durchführung der Räumung durch die japanischen Truppen selbst soll jedoch un» bedingt vermieden werden. Man hofft, auf dieser Gnindlag? zu einem baldigen Abschluß des Strcstfalls zu gelangen. Austritt Japans aus dem Völkerbund? Tokio. 16. Oktober.(Reuter.) Man spricht hier von der Möglichkeit des Austritts Japans aus dem Völkerbund: man ist stark enttäuscht durch den Beschluß des Völkerbundsrats, trotz der japanischen Bedenken, die Vereinigten Staaten zur Teilnahme an der Behandlung der mandschurischen Angelegenheit einzuladen. Von maßgebender Seite wird erklärt, die Regierung habe eine derartig« Maßnahme moch Nicht erwogen,' und es wird die Hofsnüng' ausgesprochen, daß der Völkerbund nach reiflicher Ueberlegung die Berechtigung des japoni- schen Standpunktes anerkennen werde.(?) -i« Nach dem Statut würde der Austritt Japans erst in zwei Jahren wirksam werden. Bis dahin halle Japan allen Pflichten eines Völkerbundsmitgliedes nachzukommen. Oie politische Debatte im Landtag. Abstimmung über die Mißtrauensanträge am Mittwoch. Im weiteren Verlaufe der gestrigen großen politischen Aus- spräche im Landtag nahm ferner das Wort Abg. von Detten(b. k. F.), der einleitend betont, daß er auf die Gründe seines Ausscheidens aus der Fraktion der Wirtschafts- Partei, den er zusammen mit dem Abgeordneten Dr. Rhode voll- zogen hat, nicht eingehen wolle. Jedenfalls hätte die Entwicklung ihnen beiden recht gegeben. Es käme alles darauf an, den Marxis- mus restlos zu beseitigen. Abg. Slendel(D.Vp.): Die Teilnahme der Volkspartei am Volksentscheid sei gerechtfertigt gewesen. Abg. Falk(Staatsp.) erklärt, daß die preußische Notverord- nung durch die Reichsverordnung veranlaßt sei. Jetzt könne es sich nur darum handeln, Härten abzuschwächen. Die Not der Gemein- den werde vom Reich offenbar noch nicht in ihrer ganzen Größe erkannt. Abg. Sickhössel(Dnat.) kritisiert noch einmal� die Sparmaß- nahinen auf dem Schulgebiet. Die evangelischen Schulen seien zu- gunsten der katholischen und jüdischen benachteiligt worden.(Zuruf des Abg. Dr. Ausländer(Komm.): Schäbiger Judenhetzer! Ord- nungsruf!) Abg. Müller-Hessen(Kamm.) beschwert sich über die Hetze, die von den Nazis bis zu den Sozialdemokraten gegen die Kommu- nisten getrieben werde. Die Rede Eeverings sei eine Cntlastungs- ofsensioe für den Blutterror der Faschisten gewesen Am Tage der Abrechnung werde das Proletariat nicht die Schmach des Systems Seoering vergessen.(Die Kommunisten rufen dreimal Nieder! und bringen ein dreifaches„Rot Front" aus.) Abg. Dr. Graf von Posadowsti-wehner(Volksrechtsp.) fordert eingehende Untersuchung, um die Urheber der Inflation festzustellen. Nach einer Rede des Abg. Hoffmann-Münster(Dnat.), der die Sparmaßnahmen an den Hochschulen kritisiert, wird die Aussprache geschlossen. Vor schwachbesetztem Hause beantragen die Oppositions- Parteien, mit den Schlußworten erst am Dienstag zu beginnen. Das Haus beschließt dementsprechend. Räch sie Sitzung: Dienstag 12 Uhr. Tagesordnung: Schlußworte zur polllischen Aussprache.• Die Abstimmungen über die Mißtrauensanträge finden am Mittwoch statt, t Voltsbühne. Anzengruber:„Das vierte Gebots Großer Ocstorreichischer Abend in der Volksbühne. Die Niese, die Werbezirt, Forster und M e i x n e r, olles österreichische Anzengruberspieler. die außerordentliches Interesse erwecken. M. H. Appell an Groener. Gegen faschistische Mißwirtschast in Vraunschweig. Die Sozialdemokratische Partei, Ortsgruppe Braun- schweig, und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund in Braunschweig sandten am Freitagabend folgendes Tele- gramm an den Reichsinnenminister: „In Braunschweig sind alle öffentlichen Aufzüge republikanischer Lrganisationcu verboten. Brau»- schweigische Regierung hat jedoch für Sonnabend mnd Sonntag Aufmarsch von 30 000 SA.-Mannschaften gestattet. Polizei läßt bewaffnete Hitler-Lente gewähren. Vom brannschweigischen Innenminister kann Schuh der friedlichen Bevölkerung nicht erwartet werden. Erbitten sofortiges Eingreife n." Die Nazis im Reichstag haben den neuen Reichsinnen- minister Groener soeben, gemeinsam mit den Kommunisten, ihr schärfstes Mißtrauen ausgesprochen. Herr Groener hat in Braunschweig Gelegenheit zu zeigen, ob dieses Mißtrauen be- rechtigt ist. Künstagewoche in der Tschechoslowakei. Von der Regierung beantragt: Und bei uns? Prag, 16. Oktober.(Eigenbericht.) Die tschechische Regierung hat dem Parlament einen G c. schentlvnrs zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorgelegt. Der Entwurf sieht die Einführung der Fünftagewoche ohne Kürzung der Löhne bzw. Gehälter vor. An Stelle der bis- herigen IS-Stunden-Woche tritt eine lOstündige Arbeltswoche. Auch in den Betrieben, in denen noch 6 Tage gearbeitet wird, darf die Arbeitswoche nicht mehr als 10 Stunden betragen. Bekanntlich ist die tschechoslowakische Regierung eine Koa- l i t i o>r s r e g i e r u n g,* in der die tschechischen und die deutschen Sozialdemokraten mitwirken. ver Zaaduufall. Zu der Notiz:„Feme in der Hitler-Partei, Anschlag auf den Verlagsdirektor des„Völkischen Beobachters", in Nr. 162 des„Vorwärts", schreibt uns der genannte Verlagsdirektor Aman» aus München, es sei unrichtig, daß auf ihn ein planmäßiger Anschlag verübt wurde und daß er durch Schüsse aus dem Hinterhalt verletzt wurde. In Wirklichkeit habe er einen Jagd uns all er- lillen. Unrichtig sei auch, daß er zu Hstler in schärfstem Gegensah stehe, vielmehr stehe er zu diesem in einem tameradschaftlich-sreunt> schaftlichen Verhällnis. Oer Weg ins Nichts. Die Lohnpolitik der deutschen Textilindustriellen. Ludwigshafcn. 16. Lktober. l Eigenbericht.) �cr Sehlirhtungsausschust Lndwigshnsen fällte heute einen ein st immigen«chicbsspruch. wonach der bis- herige Lohntarif für die pfälzische Textilindustrie u n- verändert bis 3t. Dezember 1631 verlängert urird. Dos ist nunmehr der dritte Schiedsspruch in der Serie der Lohnkonflitte in der Textilindustrie. Wie die beiden vorhergehenden Schiedssprüche, wovon der für die L a u s i tz e r T u ch i n d u st r i e om Montag vor dem Schlichter für Berlin-Brandenburg zur Ent- scheidung über die Verbindlichteitserklärung steht, sind auch für die Pfalz sowohl die Anträge der Unternehmer auf Lohn- obbau, wie die der Arbeiter auf Wiederherstellung der Löhne vor dem letzten Lohnabbau abgelehnt worden. Die Unternehmer sind schematisch im ganzen Reich mit den Kündigungen der Lohntarife vorgegangen. Abgesehen von den Textilbezirken Nord- und Südbayern sowie dem schlestschen Textil- bezirk sind jetzt überall die Tarife gekündigt. von diesen Sündigungen werden rund SOOOCH) Zlrbeilskräfle betroffen. Der Höchststand der Belegschaftsstärke lag bei etwa 9SOOOO: sie ist auf rund 700 000 zurückgegangen. Auf Schlesien, Nord- und Süd- baycrn entfallen in der Textilindustrie etwa rund 100 000 Arbeits- kröfte. In der kommenden Woche beginnen die Verhandlungen für die große Textilindustrie in Sachsen, und zwar am Dienstag in Chemnitz für Westsachsen und am Donnerstag in Dresden für O st s a ch s e n. Für Ost- und Westsachsen fordern die Unternehmer den Abbau der Löhne um 12 und II Vi Proz., obwohl dort die Löhne notorisch besonders niedrig sind. In den sächsischen Glattwcbcreien sind sie sogar noch niedriger als in Schlesien, was schon allerlei besagen will. Die Textilindustriellen haben mit den Elcndslöhncn der Arbeiter Schindluder getrieben. Sie hoben die riesigen Uebergeminne, die ihnen diese von den staatlichen Schlich- tungsinstanzen festgesetzten Elendslöhne mühelos in den Schoß warfen, in halsbrecherischen Spekulatwncn und in eine Fehl- rationalisierung verschwendet, die ungeheure Kapitalien zerstört haben. Hunderttausende zur Arbeitslosigkeit verurteilten und die noch Arbeitenden bei niedrigsten Löhnen zu einer mörderisch intensiven Arbeit zwingt. Die Zusammenbrüche riesiger Konzerne, wie die von N o r d w o l l e und B l u m e n st e i n, mit ihren katastrophalen Auswirkungen für die gesamte deutsche Wirtschaft haben die verheerenden Folgen der bisherigen Lohnpolitik mit erschreckender Deutlichkeit aufgezeigt. Im Arbeitgeberverband der Textilindustrie hat man aber immer nach nicht umgelernt. Ob- wohl gerade in der Textilindckstrie trotz der unfähigen Wirtschafts- führung der Beschäftigungsgrad sich zu bessern beginnt— die Kurzarbeit geht zurück und die Bollarbeit nimmt zu—, wird immer wieder der Abbau der Löhne verlangt. Selbst die bisher leider gegenüber Unternehmerforderungcn so nachgiebigen Schlichtungs- inftanzen scheinen diesen Weg ins Nichts nicht mehr mitmachen zu wollen. Es ist auch höchste Zeit zur Umkehr. Sollen etwa die Löhne so weit gedrückt werden, daß die Arbeitenden ganz allgemein gezwungen werden, die Hilfe der Wohlfahrtspflege in Anspruch zu nehmen? Llm die Vierzigstundenwoche. Verhandlungen im graphischen Gewerbe endgültig gescheitert. Das Reichsarbeitsministerium hat am 11. Oktober mit den Arbeiter- und Untcrirehmerorganisationen des graphischen Gewerbes nochmals über die Einführung der Vierzig- stundenwoche oerhandelt. Auch diese Verhandlungen verliefen, wie bisher olle Besprechungen und Verhandlungen im graphischen Gewerbe und mit den übrigen Spitzenverbänden der Industrie ergebnislos. Als Verhandlungsgrundlage dienten die Durchführungsbestim- mungen zur Notoerordnung vom S. Juni d. I. Donach kann mit Zustimmung des Reichsrates für einzelne Gewerbe, Gewerbe- zweige, Verwaltungen oder Gruppen von Arbeitern, die nach der Fassung der Arbeitszeitoerordnung vom 11. April 1927 vorgesehene Arbeitszeit durch eine Verordnung der Reichsregierung auf 40 Stunden wöchentlich herabgesetzt und die Zulässig- keit von Mehrarbeit von der Genehmigung der zuständigen Gewerbeaufsichtsbchörde abhängig gemacht werden. Diese Er- mächtigung der Reichsregierung erstreckt sich aber nur auf Betriebe. in denen in der Regel mindestens zehn Arbeiter oder Angestellte beschäftigt werden. Die Durchführungsbestimmungen sehen weiter vor. daß der Unternchmer berechtigt ist, im Verhältnis zur Verkürzung der Arbeitszeit auch die Löhne oder Gehälter herabzusetzen. An diese Bestimmungen hält sich auch der Referentenentwyrs, der im Reichsarbeitsministerium zur Frage der Arbeitszeitverkürzung ausgearbeitet worden ist. Die Organisationen der graphischen Arbeiter hatten dem Reichsarbeitsministerium einen Gegenentwurf unterbreitet, der darauf abzielt, den besonderen Verhältnissen im graphischen Gewerbe bei der Arbeitszeitverkürzung Rechnung zu tragen. Von den Gewerkschaften wird vor allem gefordert, entgegen den Be- stimmungen der Notoerordnung vom S. Juni und deren Durch- führungsbestimmungen. die Vierzigstundenwoche auch in den Be- trieben einzuführen, in denen weniger als zehn Arbeiter oder Angestellt« beschäftigt sind, da etwa ein Drittel aller graphischen Betriebs in Deutschland solche Kleinbetriebe sind. Hinsichtlich der Einführung der Vierzigstundenwoche verlangten die Gewerkschaften, daß die Unternehmer verpflichtet werden, entsprechend der Verkürzung der Arbeitszeit auch neue Arbeitskräfte ein- z u st e l l e n. Sie forderten weiter, daß der ausfallend« Arbeits- lohn zu 10 Proz. von den Unternehmern und zu 60 Proz. von den Arbeitern getragen werden soll. Obwohl zur Zeit etwa 31 Proz. der Buchdrucker erwerbs- l o s sind und rund 15 Proz. verkürzt arbeiten, wandten sich die Unternehmer ganz entschieden gegen jede Verpflichtung zur Neueinstellung von Arbeitskrästen und gegen jeden Lohnausgleich. Sie lehnten auch das kleinste materielle Opfer in der Frage des Lohnausgleiches ab. Ihr Hinweis, daß heute noch in den Betrieben des Verviel- fältigungsgewcrbes zu viel Arbeitskräfte seien, wurde von den Gewerkschaftsvertretern mit der Tatsache widerlegt, daß heute die Unternehmer in der U e b e r st u n d e n b e w i l l i g u n g schon wieder viel anspruchsvoller geworden find. Alle halbwegs entbehr- lichen Arbeitskräfte sind aus den Betrieben entfernt, so daß bei dem geringsten Arbeitsanfall Ucberstunden verlangt werden. Sowohl die Vertreter des Buchdruckgewerbes als auch die aus dem Steindruck-, Schriftgießerei-, Chemigraphie- und Buchbinder- gewerbe verschanzten sich hinter der Frage des Einstellungszwanges und Lohnausgleiches, um eine„Begründung" für ihre grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber der Verkürzung der Arbeitszeit zu haben. Uebereinstimmung, allerdings aus entgegen- gesetzten Gründen, herrschte bei beiden Parteien am Schluß der Besprechungen lediglich darüber, daß der vorliegende R e s e- rentenentwurf in keiner Weise seinen. Zweck erreichen kann. Der Buchdruckeroerband richtet in seinem Verbandsorgan an den Reichsarbeitsminister den Appell, falls er wirtlich etwas Posi- tives zur Entlastung des Arbeitsmarktes im Vervielfältigungs- gewerbe und damit zur Entlastung der Arbeitslosenversicherung tun will, an den Abänderungsvorschlägen der Gewerkschaften nicht achtlos vorüber zu gehen. Auf jeden Fall muß der Reichsarbeits- minister jetzt handeln. 3n Bereitschaft sein ist atles! Sie Einheitsfront der Gewerkschaften bleibt. Wohl ist der erste Sturmangriff der Harzburger mißlungen, aber die Gefahr für die Grundrechte der Arbeiterschaft ist keineswegs überwunden. Die Einheitsfront der Dingeldey, Hugenberg, Hitler und Seldte, um mit Hilfe der KPD. den Faschismus zur Herrschaft zu bringen, bleibt bestehen. Somit ist auch noch nicht gebannt die Gefahr für das Tarifrecht, für die Existenzgrundlage, für den Einfluß der Gewerkschaften auf die Ge- staltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterschaft. Solange große Teil? der Arbeiterschaft hinter den Notionalsozia- listen herlaufen, die mit der schärfsten Sozialreaktion gemeinsame Sache machen: solange Hunderttausende und Millionen von— mit Recht— unzufriedenen und verbitterten Arbeitern für die KPD. stimmen, die rücksichtslos olle Feinde der Demokratie und der Republik unterstützt, solange besteht höchste Gefahr. Mit Recht schreibt deshalb der„Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften unter anderem: „Das geschlossene Auftreten der Gewerkschaften hat seine Wirkung nicht verfehlt. Die Harzburger Stürmer sind unsicher ge- worden. Viele van ihnen stockten plötzlich, als die Gewerkschaften verstärkt in ihr Blickfeld traten. Sie sind nervös geworden, sie ahnen, daß die Macht der Arbeitnehmer jede politische Taktik, auch die ihre, jäh durchkreuzen kann. Die bisher im Reichstag gehal- tenen Reden der Vertreter der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei ließen erneut deutlich erkennen, daß der Kampf der sogenannten nationalen Opposition sich in erster Linie gegen die lebenswichtigen Interessen der Arbeitnehmer richtet. Die Vertreter der Nationalsozialisten waren vorsichtiger, aber wahrscheinlich auch nur deshalb, weil sie mit Rücksicht aus ihre Anlstinger unter den Arbeitnehmern vorsichtiger sein müssen. Aber das offen zur Schau getragene sozialreaktionäre Gesicht der beiden genannten Parteien beschattet auch das Antlitz der Nationalsozialisten stärkstens. denn mit dieser reaktionären Gesellschaft haben sie e i n e Front gebildet... Es gibt Leute im Loger der Reaktionäre, die den ängstlich ge- wordenen Gesinnungsgenossen einzureden versuchen, die Macht der Gewerkschaften sei heute nicht mehr so groß, ihr Einfluß sei stärkstens geschwunden, auch seien ihre Finanzoerhältnisse nicht so günstig. Es ist nicht das erstemal, daß derartige Rechnungen sich hinterher als grobe Fehlrechnungen erwiesen. So wird es auch in diesem Fall sein Noch hoffen wir, daß es nicht so weit kommt, daß die gewerkschaftliche Macht mit allem Nochdruck ein- gesetzt werden muß. Wird sie aber eingesetzt, dann werden ihre Gegner ihr blaues Wunder erleben... Unser Eindruck ist der, daß die Regierung, abgesehen von den Maßnahmen, die durch die realen, oft recht grausamen wirtschast- lichen Verhältnisse diktiert wurocn, mehr als notwendig vor der Revolverpolitik der Schwerindustriellen und Großagrarier zurückgewichen ist. Es muß deshalb auch der gegenwärtigen Re- gierung mit allem Nachdruck asfenbar werden, daß die Gewerk- schasten keine Neigung hoben, über das wirtschaftlich zwiw- gende notwendige Maß hinaus die Arbeitnehmer zu belasten. Mit dem Bekenntnis der christlich-nationalen Arb«itnehm«r zur Volks- gemeinschast ist nicht die Verpflichtung verknüpft, sich von Leuten Riemen aus der Haut schneiden zu lassen, die fortgesetzt wider den Geist der Volksgemeinschaft sündigen." Dazu röni»en wir erklären, daß innerhalb der Spitzenorgani- sationen der freien Gewerkschaften Uebereinstimmung be- steht mit den anderen Gewcrkfchaftsrichtnngcn in der Beurteilung der Lage. Wepn der„Deutsche" seinen Artikel überschreibt: „R ü st e t auf jeden Fall"— so hat er der Auffassung sämt- licher gewerkschaftlicher Spitzcnorganisationen treffend Ausdruck j gegeben. Tarifrechi und Noiverordnung. Die Behördenangestellten minderen Rechts. Wie uns vom Zemralverband der Angestellten mitgeteilt wird, bringt die Aenderung der Notverordnung vom 5. Jun, hinsichtlich der Angestellten der öftenllichen Verwaltung zwar eine Klarstellung. ab» keine Aufhebung der bisherigen Eingriffe in das Tarifrecht, ebensowenig wie sie weitere Eingriff« verhindert. Der Absatz 1 des§ 7 Kapitel I des II. Teiles schreibt». a. für die Angestellten, deren Bezüge bei Ländern, Gemeinden und öffent- lich-rcchtlichcn Körperschaften tarisvcrtraglich geregelt sind, vor, daß ihre Bezüge auf das Maß der Reichsangcstellten herabgedrückt werden müssen. Die Notverordnung vom 7. Oktober erweitert sogar den Cingrisf in das Tarifrechi dadurch, daß die öffentlich-rechtlichen Körperschaften nun- mehr überhaupt erst unter diese Bestimmung gebracht werden, während sie in der Verordnung vom 5. Juni 19-31 fehlten. Die unterschiedliche Regelung der Tarifverträge in Ländern und Ge- meinden ist sachlich bisher durchaus gerechtfertigt gewesen. Es könnte der Einwand erhoben werden, daß ja die Gehälter der Reichsangestellten tariflich vereinbart seien und daß demzufolge ein« Hcrobdriickung auf ein bereits bestehendes Tarifniveau keinen wesentlichen Eingriff in das Torisrecht bedeute. Demgegenüber muß ausdrücklich festgestellt werden, daß auch in das Tarisrccht der Reichsange st eilten bisher schon eingegriffen wurde und weiter eingegriffen wird. Die neue Notverordnung be- stimmt u. a. wiederum, daß die Kürzung der Bezüge der außer- planmäßigen Beamten(Diätare)..entsprechend" auf die Ange- stellten im Dienst des Reiches einschließlich der Reichspost ange- wandt werden müsse und daß, soweit bei den Länderbeamten ühn- lichc Kürzungen der Diäten erfolgen, dies zwingend auch für die Angestellten gelten muß. Von einer Beseitigung der Eingrifft in das Tari'recht kann also nicht die Rede sein. Was sich hier das Reich erlaubt. ermuntert naturgemäß alle übrigen Unternehmer, die gleiche Be- ftitigung der tarifrechtlichen Grundlagen auch für ihre Angestellten und Arbeiter zu fordern. Gasiwirisgehilfen fordern Fünftagewoche. Der bisherige Tarifvertrag ist noch in Kraft. In der Funktionärversammlung der Hotel-, Restaurant- und Caftangestellten am Montag im„Hackeschen Hof" teilte der Ber- liner Vorsitzende, Genosse Schneider, einleitend mit, daß die angesetzten Verhandlungen wegen Neuabschluß des om 2. Oktober abgelaufenen Lohntariss in letzter Stunde abgesagt wurden und daß die Arbeitgeber durch ihren Syndikus angewiesen worden seien, die geltenden Arbeitsbedingungen nicht zu kündigen, so daß also die Bestimmungen des bisherigen Lohntariss bis auf weiteres in Kraft bleiben. Der Bericht über die Bezirkskonferenz in Stettin ergab, day sich die Zahl der Z w e i g v e r e i n e im Bezirk Brandenburg. Oft- mark, Mecklenburg und Pommern von 10 auf 2 0 erhöht hat. daß aber infolge der immer noch recht großen Fluktuation die Mtgliederzahl nicht dementsprechend zugenommen hat. Mehr noch als bisher müsse auf die Gewinnung und Erhaltung der jugend- lichen und weiblichen Mitglieder geachtet werden. Bei der Tarifbewegung in Berlin sowohl als auch im Bezirk soll unter allen Umständen versucht werden, die Vierzig- stundenwoche auch sür das Gastwirtsgcwcrbe zu erreichen, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß es dadurch ge- lingt, einen Teil der Arbeitslosen wieder in die Betriebe zu bringen: denn selbst in der Hochsaison, den letzten Sommermonaten, blieben noch 25 Proz. der gastwirtschaftlichen Angestellten arbeitslos. Durch die bisher in diesem Jahre durchgeführten 7 0 B e w e- gungen war es möglich, die Lohnkürzungen auf 6 bis 7 Proz. im Durchschnitt zu beschränken, während sich die Forderungen der Unternehmer auf 25 bis 30 Proz. und noch darüber hinaus de- liefen. Gegen eine zweite Lohnabbauwelle wird sich der Verband mit aller Entschiedenheit zur Wehr setzen und unter Umständen auf einen Tarif verzichten, wenn derselbe nur dazy Lienen soll, die Handhabe zur Verlängerung der Arbeitszeit Zu bieten. Auch die stritte Durchführung des Achtstunden- tage s im Gastwirtsgewerbe würde schon zur Entlastung des Arbeitsmarktes beitragen. Die letzte Bezirkskonferenz hat gezeigt, daß der früher oft zu- tage getretene Gegensatz zwischen Berlin und„Provinz" jetzt glück- lich überwunden ist._ Die englische Arbeiislosenstaiistik. Vom„Daily Herald" angefochten. London, 16. Oktober. Das Arbeitsministerium gibt bekannt, daß die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Großbritannien am 5. Oktober 2 791 5 20 betragen habe. Das bedeute eine Abnahme von 33 252 gegenüber der Vorwoche. Der„Daily Herald" bemerkt hierzu, daß die Abnahme der Erwerbslosenzahl um 33 252 leider nur in der Statistik stehe und nicht den Taisachen entspreche. Als Erklärung für diese Behauptung führt das Blatt an. daß die Regierung Schritte getan habe, um die Erwerbslosen von den Unter st ützungs- lassen fernzuhalten. So seien in der vergangenen Woche die Zahlungen an viele Taufende von Personen eingestellt worden. Die wöchentlichen Ausweise des englischen Arbeitsministeriums seien daher keine zuverlässige Quelle mehr. Die Nachforschungen hätten ergeben, daß tatsächlich bei keiner der Schlüsselindustrien eine Besserung des Arbeitsmarktes zu verzeichnen fei, außer im Kohlen- bergbau, wo die geringe Besserung jedoch saisonmäßigen Charakter habe._ „Wirtschaftskrise und Aerztekammerwahl." Die unter diesem Thema von der Liste freigewerkschastlicher Aerzte einberufene Ver- sommlung findet nicht im Aerztehaus, sondern im F e u r i ch- Saal, L ü tz o w st r. 76(Tel. Kurfürst LI. 6159) am Montag, dem 19. Oktober, abends 20% Uhr, statt. Kursusbeginn der Berliner Gewerkschaftsschule. Am Sonnabend, dem 17. Oktober, beginnt folgender Ztursuo: C. 11: Zu. ocndkursus für FGI. und AfA-Zungendfunktionäre im Buchbinder, Sigungz. saol, Engelufcr 24— 2Z, Aufgang C, 3 Treppen. $ Freie Gewertschafts-Iugend Berlin Heute. Sonnabend, Mädchenkurfus:„Die Frau alz Staatobürgerin" im Volkzhauz Nalkberge. Treffen: Gruppe I um 17 Uhr. Gruppe n um t» Uhr. Schlesifcher Bahnhof. Glaskuppel. Die Gruppe Iii trifft sich am Sonntag, dem iS. Oktober, 7'7 Uhr.— Die nächste Iugcndvorilcllung der Bolkelitlhne:„Kampf um Kitsch" findet statt am Sonntag, dem I. No. nember, l.j Uhr, im Theater am Biilowplatz. Karten stnd in der Jugend- zentrale erhältlich.— II. Abend:„Kunst in dieser Zeit". Veranstalter: So». derabteilung der Volksbühne im Biirgerfaal des Rathauses. Königstraße, findet am Sonntag, dem IS. Oktober, 20 Uhr, statt. Heinz Martin und Robert Stemmle fIunglehrer) sprechen. Käte kühl singt:„Kitsch", der Händeische Kinderchor:„Kamps". Eintritt 40 Pf., Erwerbslose 20 Pf. @Iu6endgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Der Singe krei» übt heute ab 10% Uhr im Jugendheim der Schule i&tt. 18. Verantwortlich sstr Polltck:«>et»r Schiff: Wirtichast:®«»»a.i>.äi.,. Gewerkichaftsbeweguna: b. Steiner: Feuilleton: Dr. Zoh, Schikoweii-?�� und Sonstiges: Feig K-rftödl: Anzeigen: Td. Stocke: sämtlich in ReeUn Berlag: Borwärt». Berlaa S. m.b. S.. Berlin. Druck: Borwärt».Vuchdrn�eeel und Berüutsau statt Paul u. �Berten