BERLIN Montag 19. Oktober 1931 10 Pf. flr. 490 B 245 48. Lahrgang ErscheinttäglichaußerEvantag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 86 Pf. pro Woche. 3,605$, pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.Z Fernsprecher: Dönhoff(.A 7) 292—297 Allzetseapret«: Die einspaltige NonpareiUeieile 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Crmäßigunoen nach Tar<'. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G.m. b.H.. Berlin Vr. 37 626.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht aenehmer Anzeiaen verl Lückszeche Moni Cenis Neue Katastrophe: Bisher 9 Tote und 22 Verletzte geborgen! Blutsonniag in Braunschweig Hitler-Ausmarsch fordert Tote und zahlreiche Verletzte Essen, IS. Oktober. Der Zcchenverband teilt mit: Auf der �jeche Moni Kenia 1/3 ereignete sich in der heutigen Frühschicht gegen 8�- tthr im Revier 5 der westlichen Abteilung auf der fünften Sohle Flöz A eine Explosion. Der Umfang des Unglücks ist noch nicht genau zu übersehen. Bisher sind fünf Tote und neunzehn B erlebte geborgen. Die Rettungsgruppcn von den Zechen Rheinclbe, Konstantin, Erin, Shamrock sowie der Leiter der Hauptstclle für das Grubenrettungswesen, Berg- assessor Dr. Forstmann, sind zur Hilfeleistung einge- troffen und eingefahren. Vom Bcrgrevicr Herne sind Bergrat Tönis und Bergrat.Kunkel eingetroffen. Tie Direktoren der betroffenen Zeche sind gleichfalls einge- fahren. Bon der Schlagwetterexplosion auf der Zeche Mont Eenis sollen nach den bisherigen Erkundigungen zwei Reviere betroffen worden fein, während die Belegschaft aus den übrigen Revieren ausfahren konnte. Tie Rettungsmannschaften sind zur Zeit damit bc- schäftigt, in die betreffenden Reviere vorzudringen. In Bochum wurden bisher sechs Verletzte eingeliefert. Tic Umgebung der Zeche ist von Sch'ttzpolizeibeanttcn vollständig abgesperrt. Krankenwagen verlassen daS Zecheugelände, um die von der Explosion betroffenen Bergleute fortzuschaffen. Zur Zeit des Grubenunglücks auf der Zeche Mont Eenis waren 7v bis 80 Bergleute beschäftigt, über deren Schicksal man noch in« Ungewissen ist. Die Zeche zählt zur Zeit eine Belegschaft von 1800 bis 2000 Mann, die sich über drei Schichten verteilen. Neun Toie in Herne. Herne, 10. Oktober. Um 11�* tthr bringen ausfahrende Rettungsmann- schaftcn die Nachricht, das« das ganze Revier befahren sei und mit weiteren Opfern nicht mehr zu rechnen sei. Die Gesamtzahl der Opfer beträgt 0 Tote und 2 7 Vcr- letzte. Irgendeine weitere Gefahr für die Rettung»- Mannschaften, die zum geringen Teil noch unter Tage sind, und für die Grube besteht nicht. Vor zehn Jahren 83 Todesopfer. Die Zeche Mant Cenis war bereits einmal im Jahre 1921 der Schauplatz einer furchtbaren Bergwerkslatastraphe. Am 21. Juni traf aus Herne in Westfalen die Hiobsbotschaft ein, dcch in einem schlagwetterreichen Kohlenflöz eine Explosion erfolgt sei, die 83 Bergleuten einen entsetzlichen Tod brachte. Die Opfer waren zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, andere wurden durch die Gewalt der Explofion zerschmettert und furchtbar ver- stüinmelt. Die Auswirkungen des Luftdrucks waren so ungeheuer- lich, daß ein Bergmann, der etwa eine Viertelstunde von dein Un- glücksherd entfernt eine Maschine bediente, gegen einen Stempel geschleudert und lebensgefährlich verletzt wurde. Das Unglück war das größte, von dem der Ruhrbcrgbau seit der Katastrophe auf der Grube„Radbod" im Jahre 1911 betrosscn wurde. Fast schien es, daß außer den 83 Toten auch die übrigen in dem Ungliicksslöz eingeschlossenen 80 Bergarbeiter dem Tode geweiht seien. Unter größter Aufopferung drangen die Rettung?- «nannschasten aus den Nachbargruben in den zum Teil völlig ver- gasten Unglücksschacht vor. In stundenlanger Arbeit k o n n t e n d i e eingeschlossenen Bergleute ans Tageslicht gc- bracht werden. Leider«mißten noch einige von ihnen nach mehrtägigem schwerem Krankenlager ihr Leben lassen. Lediglich dem Opfermut der Retter war es in erster Linie zu danken, daß die Ueberlebcndcn aus dem Todesschocht geborgen werden konnten. Sie Ursache nie einwandfrei geklärt. Als Ursache wurde damals eine S ch l a g w e t t c r c x p l o s i o n mit nachfolgender Kohle n st aubexplosion vermutet. Nach einer anderen Version sollte die furchtbore Explosion durch unvor- sichtiges handhaben nüt einer Sprengpatrone entstanden fein. Die Untersuchungskommission hat darüber nie volle Klorb-it schlistcn können. Die Äataftropbc aob der s o z i a l d c in o k r a t i s ch e n Londtogsfraktion Veranlassung zu einer Großen Anfrage, s« der die Klärung des Unglücks mit allem Nochdruck gefordert wurde. Braun schweig, 10. Oktober. Der Aufmarsch der Hakenkreuzler unter Hitlers Führung hat, wie sicher vorauszusehen und in dem Telegramm an Groener auch schon angekündigt war, zu schweren Tumulten und Blutvergies, cn ge- führt. Z w ei Tote und mehr als sechzig Verletzte legen Zeugnis ab von der Kultnrmifsion der Hitlergarden. Die Nazis versuchten bereits am Sonnabend und während der Nacht zum Sonntag die Braunschweiger Arbeiterviertel zu terrorisieren. Sie dran- gen in die Arbeiterviertel ein, ivarfen Fenstescheiben ein und bedrohten friedlich des Weges gehende Bürger. Am Sonntag widerholtcn sie das Spiel. Trotzdem die Polizei die Straßen zu den Arbeitervierteln abgeriegelt hatte, gelang es cinigen Trupps im»ncr wieder, die Sperren zu durchbrechen. Stellenweise r i s s e n s i e d a s P f l a st c r auf, um mit den Steinen die Fensterscheiben ganzer Häuserreihen zu zertrümmern. Am Sonntagnachmittag fetzte die Polizei des Herrn Klagges gegen die Rowdys Sprengwagen und Panzerauto mobile ein. Bon den zahlreichen Verletzten wurden etwa 40 in die Krankenliäuser geschafft. Ein Arbeiter namens Fischer wurde von einem Nationalsozialisten Hcymann aus Plauen durch einen Herz st ich getötet. Die Zahl der Rowdys dürfte sich insgesamt auf etwa 30 000 bis 35 000 beziffert haben. Unter den verletzten Nationalsozialisten befindet sich auch ein Oberst a. T. Hoffmann aus Stuttgart. Walfss Büro meldet über die Straßenkämpse: Bei den Zusammenstößen anläßlich des SA.-Trefsens hoben insgesamt 50 bis 60 Beteiligte Verletzungen erlitten, van dcnei« einige schwerer Natur sind. Zahlreiche Personen wurden vorüber- gehend festgenommen, fünf oder sechs von ihnen werden dein Aintsgcricht vorgeführt werden. Bei Zusammenstößen am Nickelnkulk und in der Langen Straße«vurdcn viele Fe n st er scheiden zertrümmert. Ein Arbeiler. der einen Bauckischuh erhalten halte, ist in der vergangenen Nacht im Krankenhaus gestorben. Dainit haben die Zusammenstöße bisher insgesamt zwei Todes- o p f e r gefordert. Klagges ohnmächtig. Vraunschweig, 19. Oktober. fEigenbericht.) Der Orlsverenin Vraunschweig der Sozialdemokratischen Partei hat an den R e i ch s m i n i st e r des Innern wegen der neueste» Heldentaten der SA. in Vraunschweig folgendes»eitere Telegramm gerichtet: „3n Vraunschweig«oben Straßenkämpse. viele Ver- letzte liegen in den Krankenhäusern. Sleahenpslaster von kämpfenden Naticnaisozialisten ausgerissen. Fensterscheiben ganzer Slraßenzüge zertrümmert. Vraunschweigifche Regierung kann trotz übergroßer Anstrengungen der Polizei nicht Sicherheit und Ordmung aufrechterhalte n." OaS zweite Opfer. vraunschweig. 19. Okiober.(Eigenbcrichl.) Der Arbeiter E n g e l k e, der am Sonnlagabend von Nationalsozialisten durch Zwei Schüsse schiver verletzt wurde, ist in der Nacht zum Montag im Krankenhaus Marienstiit g e st o r b e n. Engclke erhielt u. a. einen Vauchschuß. Er ist das zweite Todesopfer de» SA.-Trefsens in vraunschweig. und Vater von fünf nnoersorglen Kindern. In den Krankenhäusern sind rund 70 mehr oder woniger Schwer- verletzte eingeliefert worden. Die Mehrzahl gehört republikanischen und Arbeiterorganisationen an, ein Zeichen, daß die beivassneten Hitlerhorden snstemotilch die ondersdenkende Beoöllerung überfallen haben. Die Empörung über die Terroralt« der hakenkreuzler ausschließlich in Arbeitervierteln ist groß. Die Arbeiterstroßcn zeigen noch heute die Spuren der Verwüstung und heftiger Kämpfe. Vielfach standen Arbeiter, einerlei ob Reichs- banner- oder Rotfronileute, zusammen inlt der Polizei in Abivehr gegen die.Hitlerbuben, die nicht dovor zurückschreckte», in die Fenster der niedrigen Häuser zu schießen, hinter denen in Betten und Wiegen kleine Kinder lagen. Mehrere Kinder und Frauen wurden durch eingeschlagene Fensterscheiben verletzt. Ganze Straßcnzüge waren terrorisiert. Die SA.-Leute schössen in die Häuser und zerstörten auf den Straßen die Lichtleitungen. Das Reichsbanner hat einen Aufruf erlassen, ivarin dem Nazi- innenministcr die Schuld für die blutigen Zwischenfälle zugemessen. wird. Klagges habe in össentlichcr Bersammlung das Wort ge- sprachen:„Der marxistische Mab müsse in die Schlupfwinkel zurückgedrängt werden." Diese A u f s o r d c r u n g hätte» die Nazis als Freibrief aufgefaßt. Der Polizeiimnister uud sein Polizeipräsident roaren taub gegenüber den Hilf«, g e s u ch c n oin Leben bedrohter Einwohner. Niemand in Broun- schweig versteht, worum der. vyn den Hitlerbonden terrorisierten Bevölkerung vom Reich keine Hilfe wurde. An den hitlcrparadcn nahmen übrigens mit Hakenkreuz- transparenten versehene Flugzeuge der Baizerischen Borke Hrsslugzcug-Gcsellsch oft teil. Hitler»vor dem Siege". Am Sonntagvormittog hat Adolf Hitler neue Fahnen seiner Terrorgruppcn„geweiht". Dabei erklärte er, es würden,«nie er hofft, die letzten Fahnen sein, die er„vor dem Siege" der SA. übergebe. Er hat aus den Tatsachen noch immer nichts gelernt, wenn er glaubt, daß er schon unmittelbar vor dem Siege stehe! Berhastungen in Hannover. Hannover, 19. Oktober.(Eigenbericht.) Im Zusannncnhang mit dem Braunschweigcr Nazitreffen ver- hastete die hannoversche Polizei am Eonnabend und Sonntag 165 Nationalsozialisten«vegen Bcronstaltung verbotener Demonstrationen und Tragens verbotener Unisonnen. 119 Nazis werden heute dem Schnellrichter vorgeführt. Für die übrigen 46 ist noch der Jugeitdrichier zuständig, so daß sie dem Schnellrichtcr nicht vorgesührt werden konnten. Ein Gklavenhalier zitiert. Minister Magges und der wuchtige Schritt der SA. Dem SA.-Treffen in Braunschweig widincte der dortig« nationalsozialistische Staatsminister Dietrich Klagges im„Böl- tischen Beobachter" eine Begrüßung, in der es hieß: „Wem, der wuchtige Schritt eurer Stllrine durch Braunschiveigs Straßen hallt, werden die Sklavenhalter Deutsch- lanbs erzittern." Was sich dann tags darauf in Brannschwcig ereignete, schildert. die„B. Z. am Mittag" so: „An, Ackcrhof konnte sich der nationalsozialistische Innen- minister Klagges persönlich von der Brutalität seiner SA.-Leute überzeugen. Klagges. der gerabe einen Polizeiossizier über die Situation besragte, erlebte einen Sturmangriff seiner Leute, so daß er selb st in ein nahe gelegenes 5) aus flüchten in» ß t e." NeueNebellion in der Mrifchastspartei. Weil die lZsteichstagsfrattion nicht für Hitler stimmte. Dresden. 19. Oktober.(Eigenbericht.) Wie wir erfahren, ist nach der Abstimmung der Wirtschofts- parte i im Reichstag sofort ein« Wohlkreiskonfcrenz der Wirtschosts. Partei sür Ostlochsen zum Dienstag, für den Wahlkreis Chemnitz- Zwickau zum Dairnerstag«inberufen worden. Auch die Vertretung des Leipziger Kreises tritt demnächst zusammen. Aller Voraussicht pariser Gtadi Begrüßung der Gäste Der Präsidl'nt des pariser Stadtrats. Aran?ois Latour, traf heule vormittag, 8.35 Uhr, mit Begleitung auf dem Bahnhof Fried- richftrahe ein. Zum Empfang der französischen«Säfte hatten sich Oberbürgermeister S a h m, Stadtverordnetcnvorsteher f) o fz und Sladlbaurat Adler eingefunden. Nach der Begrüßung begaben sich die Gäste ins Hotel Adlon, wo sie während ihres Berliner Aufenthalts wohnen werden. Bei der Begrüßung der Mitglieder des Pariser Stadirats im Berliner Rathaus am Montag vormittag führte Obabürger- meifter Dr. S a h m u. a. folgendes aus: Meine Herren Kollegen aus der französischen Hauptstadt, ich bin Ihnen zu großem Dank verpflichtet, daß Sie die I n t i a t i o e für diesen Besuch ergriffen haben, dessen Bedeutung von mir im vollen Umfang gewürdigt wird. Denn Ihr Besuch wird von Ihnen gewollt und von mir an- gesehen als zielbewußte Fortsetzung des Besuches Ihrer leitenden Staatsmänner in Berlin. Nur internationale Solidarität kann uns alle vor dem Chaos bewahren. Paris und Berlin reichen sich heute die Hände in dem aufrichtigen und ernstgemeinten Gefühl, zu ihrem Teil dazu beizutragen, der Welt das Vertrauen zur Erlösung aus schwerster Krisis wiederzugeben. Nicht verzweifeln, sondern Hand in Hand zusammenarbeiten, das sei jetzt die Parole! Die Probleme der Verwaltung der Weltstädte, die Probleme von Paris und Berlin weifen auf den mannig'ichsten Gebieten vieles Gemeinschaftliche auf, und die eine Stadt kann von den Ein- richtungen der anderen lernen, gerade auf kommunalem Gebiet muß deshalb ein„Sich-kennen-lernsn" besonders fruchtbringend sein. Sie kommen, meine Herren, in Zeiten schwerster N o t für Deutsch- land und dessen Hauptstadt hierher. Wir müssen unserer Bcoölke- rung Opfer, Lasten und Entbehrungen auferlegen, die an die Grenze des Tragbaren gehen. Wenn Sie Gelegercheit nehmen werden, unsere Einrichtungen zu besichtigen, dann wird Ihrem sachkundigen Auge sicherlich nicht entgehen, wie hinter manch giänzenoer Fassade Not und Elend lauern. Wir können Ihnen in Not der Zeit zum Empfange keine rauschenden Feste bieten, aber nehmen Sie dafür die Gewißheit in Ihr Vaterland und Ihr schönes Paris mit, daß Ihr Besuch bei uns lebhafte Freude und Genugtuung ausgelöst hat. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß Ihr Besuch geeignet ist. die Beziehungen zwischen Paris und Berlin freundschaftlich zu gestalten. In diesem Sinne rufe ich Ihnen zu:„herzlich willkommen in Berlind Auf die Rede des Berliner Oberbürgermeisters erwiderte der Präsident des Pariser Stadtrates Francois Latour: Es ist schon lange unser innigster Wunsch, Berlin kennen zu lernen, das auf dem Gebiete der Kommunalwirtschaft in jeder Be- ziehung als vorbildlich gilt. Als Franzosen sind wir ganz besonders empfänglich für die Aufnahme, die Sie erst kürzlich den Vertretern unserer Regierung erwiesen haben. Gleichzeitig ist es mir eine besondere Freude, die Grüße der Stadtverwaltung Paris rate in Berlin im Berliner Raihaus. zu überbringen und den Dank auszusprechen für die Gastsrcund- schast, die Sie mir und meinen Mitarbeitern erweisen und deren hohe moralische Bedeutung von uns allen geschätzt wird. Der Empfang des Ehefs der Pariser Sladkverwallung und seiner Begleiter hier im Rathaus, in Gegenwart des französischen Botschoslers, beweist mehr als alle Reden es vermöchten den Willen zur gegenseitigen Verständigung aus sämtlichen Gebieten. Wir sind hierher gekommen, nicht nur, um spezielle Fragen zu studieren auf dem Gebiete des Verkehrs, des Wohnungswesens, der Versorgung der Großstädte, uns interessieren auch ganz besonders die sozialen Probleme Berlins und ihre Bewältigung, gerade diese Probleme, die jetzt von besonderer Wichtigkeit sind und die niemanden gleichgültig lassen können. Paris erklärt ihnen durch meinen Mund, daß die Notwendig- keit der Zusammenarbeit Frankreich— Deutschland in jeder Beziehung von uns erkannt wird und daß wir uns auch bemühen, unsererseits alles Mögliche zu tun. um diese Zusammenarbeit herbeizuführen. Eine klare Kenntnis der Geschichte zeigt uns schon aus der Ver- gangenheit wie unsere beiden Nationen schon so häufig auf dem Gebiete der erhabensten Gedanken zusammengefunden haben. Friedrich der Große, der Voltaire empfing, Emanuel Kant, der seinen täglichen Spaziergang unterbrach, um sich über den Stand der Einnahme der Bastille zu erkundigen, Beethoven, der seine Heldensinfonie dem jungen General Lonaparte wid- mete, Victor Hugo, Madame S t a e l, die den prophetischen Satz schrieb:„Die Uneinigkeit zwischen Frankreich und Deutschland le- deutet die Spaltung Europas." Auf unseren Universitäten lernen die Studenten die Geisteserzeugnisse Ihrer Dichter kennen und damit eigentlich auch erst recht Ihr Land begreifen. Sie lernen kennen das Deutschland eines Goethe, eines Schiller, Leibnitz, Wagner, des geistigen und' auch des organisatorischen Deutsch- land. Ich danke Ihnen allen, daß Sie trotz Ihrer vielen Arbeit Zeit gefunden haben, uns zu smpfangen und uns Ihre Stadt zu zeigen. Wir werden von diesem Aufenthalt die besten Erinnerungen mit uns nehmen und hoffen, daß dieser Besuch der Anfang wahrhast freund- licher Beziehungen zwischen unseren beiden Hauptstädten sein wird. * An dem Empfang nahmen außer den Herren Latour, Weiß und F a i l l i o t der französische Botschafter Poncet sowie von der Pariser Stadtverwaltung die Herren Georges G u i l l e t lOeffent- liche Arbeiten) und h. G i r a u d(Finanzen) teil. Anschließerch an den Empfang trugen sich die Herren in das Goldene Buch ein. Den Tisch, an. dem die Eintragungen stallfanden, zierte bereits die Bronze- sigur, die die Pariser Herren der Stadt Verlin zum Geschenk ge- macht hatten: sie stellt Etienne Marcel dar, der für Paris das Symbol kommunaler Freiheit ist. Er war deren eifriger Verteidiger als Chef der Pariser Stadtverwaltung im 13. Jahrhundert. nach wird Sachsen, wie schon die Amtsniederlegung des zweiten Vorsitzenden, Finanzministers a. D. Weber, zeigt, scharf gegen die Reich stagsfraMion der Wirtschaftspartci Stellung nehmen, um möglicherweise erneut aus der Partei aus- zutreten. GroßefSchweiger?-MemerGchwäßer! Herr v. Geeckt redet Llnsinn. Nach einem Bericht der„Tel.-Union" hat der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete und Ehrengast von Harzburg, Generaloberst v. S e e ck t, auf einer Vertretertagung der Volkspartei in Magde- bürg u. a. folgende Redcblüte von sich gegeben: Die Reichsregierung vertrete den Standpunkt von der Heiligkeit des Privateigentums, den Begriff von Treu und Glauben und den der wohlerworbenen Rechte. Der Träger des Kampfes gegen diese Begriffe sei aber die Sozial- d e m o k r a t i e, die eine Stütze der Regierung bilde und den Grundsatz„Eigentum ist Diebstahl" predige. Herrn v. Seeckt nannte man früher einmal einen„großen Schweiger". Seit der Mann sich der Politik ergeben hat, ist er leider nur noch ein kleiner Schwätzer. GemeindewahleninGchaumburg-Lippe Burgerparieien von Nazis aufgesogen. Bückeburg. 18. Oktober. Nach einer außerordentlich lebhaft verlaufenen Wahlbewegung erfolgte am Sonntag hier und in Stadthagen die Neuwahl der Stadtverordneten. Das vorläufige Ergebnis ist folgendes: Wahlkrawalle in England. Versammlungen der Renegaten gesprengt. London. 19. Oktober. Am Sonntagabend sprach in einer Versammlung der„Neuen Partei" in Birmingham Sir Oswald Moslsy ver'äO'O Zuschauern. Als aus unbekannter Ursache die Lautsprecher ver- sagten, benutzten radaulustige Burschen diesen Zwffchenf>11, um die Versammlung zu sprengen. Die Versammlungshall«, in der kaum ein Stuhl heil geblieben ist, glich einem Schl.i.htfe'd Mos- ley mußte das Haus unter polizeilichem Schutz venasten Mehrere Personen wurden verletzt. Kolonialminister Thomas wurde in einer Versammlung der Nationalen Arbeiterpartei in Liverpool niedergeschrien. Die Acrsommlung muhte abgebrochen werden. Galopps Geschästsführung. Wie Gklareks das Defizit der BAG. gedeckt haben wollen Im Sklarek-Prozeh fuhr der Vorsitzende heule in der Erörterung der angeblichen„Löcher" in der üiebnrgschen Geschäftsführung bei der BAG. fort und in der Uebernahme des durch saloppe Geschäftsführung entstandenen Defizits durch die Brüder Sklarek. Oberstaatsanwalt Dr. Sleinecker gibt dazu sol- gende Erklärung ab: Es fei falsch, wenn in der Presse behauptet war- den ist. das Gericht habe das Vorhandensein dieser„Löcher" und die Talsache der Uebernahme der Defizits der Sklareks bereits festgestellt: es handle sich vorläufig lediglich um einseitige Be- Haupt uugeu der Angeklagten. handelte es sich hier in der Freitagsitzung bloß um die Ueber- nähme von zwei Defizitsummen in der höhe von 300 000 und 400 000 Mark, so muß man sich heute erzählen lasten, daß noch eine wci tere Defizitsumme von 440 0 00 Mark hinzukomme. Buchungen sind darüber weder bei den Brüdern Sklarek, noch in den Büchern der Kieburgschen BAG. vorhanden. Ueber die näheren Umstände, unter denen diese Uebernahme stattgefunden hat, können die angeklagten Brüder Sklarek nur sehr dürftig Auskunft erteilen. Wie immer, berufen sie sich auch in diesem Falle auf den Bruder M a x. Leo Sklarek will eine Photographie des Schuld- schein? der BAG. über 230 000 Mark gesehen haben— es soll sich auf das Defizit von 300 000 Mark beziehen. Gaebel, der diese Photographie gleichfalls gesehen haben soll, weiß von der ganzen Angelegenheit gar nichts. Wegen der 400 000 Mark will Leo Sklarek in Gegenwart von Kieburg im Amtszimmer des Stadtrats S ch ü- „ i n g verhandelt haben. Schüning soll gesagt haben, es darf ichts nach außen dringen, find Sie vernünftig. Kieburg kommt fort, kieburg blieb aber und Holle sich von den Sklareks immer neue Summen, angeblich zur Sanierung der BAG. Leo Sklarek behaupiel aber, daß er den größten Teil des Geldes in feine Tasche gesteckt habe. In summa summsrum waren es eine Million Mark, die auf diese Weise zu ihm hinübergeflosscn sind. Vors.: In den Büchern ist davon nichts zu merken, eine Million Mark war selbst für Sie keine kleine Summe. Sie haben sich aber darum nicht gekümmert. Allerdings stimmt es, daß man bei der Wahrsagerin Frau Seidler eine Abrechnung gefunden hat, in der von einer Million Mark, die Kieburg erhalten haben soll, die Rede gewesen ist. Weshalb haben Sie sich nicht von Kieburg losgemacht? Leo Sklarek: Herr Vorsitzender, es war wie in einer Ehe, in der man sich zwar von der Frau scheiden lassen will, von ihr aber nicht los kann. Der angeklagte Buchhcller Lehmann erklärt auf die Frage des Vorsitzenden, daß ihm bloß die Summen bekannt sind, die Kieburg im Jahre 192b erhalten hat. Sie machten nicht mehr als 30- bis 60000 Mark aus. Allerdings hat Kieburg auch in früheren Jahren Gelder bekommen. Als Rechtsanwalt Dr. Pindar sich auf Sklareks Zivilprozeß beruft, in dem angeblich festgestellt worden sei. daß die Angeklagten tatsächlich von der Stadt geschädigt � worden seien, erklärt der Vorsitzende, daß das n'cht stimme. Er habe sich mit dem Vorsitzenden der Zivilkammer in Verbindung gesetzt und sich von ihm sagen lassen, daß das Zivilverfahren mitten in der Beweisaufnahme abgebrochen worden fei, um den Ausgang des Strafverfahrens abzuwarten.„Natürlich soll, wie immer, zuerst alles in Moabit geklärt werden", sagt der Vorsitzende. Zu einem heftigen Zusammenstoß kommt es wieder zwischen dem Stadtbankdirektor h o f f m a n n und Leo Sklarek. Als ersterer wahrheitsgemäß die Behauptung widerlegt, er fei Leo Sklarek nach Misdroy nachgefahren und habe dort auf feine Kosten gelebt, wird Leo Sklarek wieder äußerst ausfällig und veranlaßt hoffmann zu dem Ausspruch: Lassen Sie doch diese Anpöbelsien, es ist doch unerhört._ Explosion in Biesdorf. Herd auseinandergesprengt.— Eine Frau schwer verletzt In der Fortuna-Allee 7 in Biesdorf ereignete sich heute mittag eine schwere Explosion, bei der die 47jährige Frau Hedwig h a r d o w lebensgefährliche Verbrennungen erlitt. Frau hardow wollte im Küchenherd mehrere alte Schachteln und Tüten verbrennen. In einem der Behälter muß sich ein Sprengstoff befunden haben, denn plötzlich erfolgte unter heftiger Detonation eine Explosion. Der Herd wurde ausein- andergerissen und eine Stichflamme schoß hervor. Frau h. erlitt schwere Verletzungen und muhte durch die Feuerwehr ins Hubertus- krankenhaus gebracht werden. Drei nächtliche Lleberfälle. Schwerer Kampf in einer Tankstelle. 3n der Rächt zum Sonnlag ereigneten sich in Berlin nicht weniger als drei lleberfälle. Der schwerste Ueberfall war der. der in Staaken aus eine Tankstelle ausgeführt wurde. An der Ecke der König- und Heerstraße in Staaken befindet sich eine Tankstelle, die von dem Wärter Ballenstedt versehen wird. Bei ihm weilte zu Besuch der Schneider Artur Kirsch, der am Kleinen Platz 16 in Staaken wohnt. Die beiden Männer unterhielten sich, als um 23.43 Uhr plötzlich die Tür ge- öffnet wurde und ein großer starker Mann eintrat. Sein Gesicht war durch eine Maske verhüllt, in der Hand hielt er einen'R e- v o l v e r. Er rief den Freunden das übliche„Hände hoch! Geld Herl" zu und richtete die Waffe auf den Tankwärter Ballenstedt. Diesem fiel es nicht ein, der Aufforderung Folge zu leisten, da er selbst ein kräftiger Mann ist. Er stürzte sich vielmehr auf den Räuber und geriet mit ihm in einen heftigen Ringkampf. In dem engen Raum stießen die Kämpfenden einander hin und her. Dabei löste sich aus der Waffe des' Räubers plötzlich ein Schuß und traf den Schneider Kirsch, der seinem Freunde\ ! beispringen wollte, in den linken Oberschenkel. Schwer blutend brach � Kirsch zusammen. Ballenstedt ließ einen Augenblick von seinem Gegner ab. um sich um den Verletzten zu bemühen. Der Räuber hatte wohl auch erkannt, daß er nichts erbeuten würde. Er zog es deshalb vor, aus der Tankstelle zu flüchten Ballenstedt ran.iie ihm nach, stürzte aber und mußte die Verfolgung aufgeben. Er alarmierte das Ueberfallkommando. doch konnten die Beamten in der dunklen Gegend den Wichtigen nicht mehr finden. Der zweite Ueberfall galt einem 23 Jahre alten Metall- dreher Johann Cziepluch, der in der Oderstraße in Lichten- b e r g wohnt. Cz. kam kurz nach 1 Uhr am Engelufer entlang und wollte nach Haufe. Drei junge Burschen sielen ihn hinterrücks an und schlugen aus ihn ein. Der Metalldreher setzte sich nach Kräften zur Wehr, weil er merkte, daß einer der Strolche seine Taschen nach Geld abtastete. Die Wegelagerer risien den Mann zu Boden, um ihn leichter ausrauben zu können. Zum Glück kamen Polizeibeamte auf die Hilferufe des Angefallenen herbei, und die Burschen flüchteten jetzt ellig. Einer konnte aber eingeholt und festgenommen werden. Erfolglos verlief auch der dritte Ueberfall auf den 30 Jahre alten Chauffeur Alfred Krüger. Dieser ging gegen 2 Uhr nachts vom Dienst durch die leere Kalckreuthstrahe nach Hause. Auch ihn fielen hinterrücks drei junge Burschen an und wollten ihn zu Boden ziehen. Krüger rief laut um Hilfe, und als sich Polizeibeamte zeigten, flüchteten die Täter und entkamen. Maiuschka paralyttker? Zusammenbruch nach dem Geständnis.- Ins Krankenhaus eingeliefert. • Wien. 19. Oktober.(Eigenbericht.) ver Eisenbahnverbrecher M a t u s ch k a ist am Sonntag in das Znquisitenspital des Landgerichts übergeführt worden. Uta- tuschka, der völlig zusammengebrochen ist, leidet n. a. an einer akuten Geschlechtskrankheit. Auch wird behauptet, daß er P a r a- l y t i k e r sei. Eine Ueberprüfung des Geständnisses hat ergeben, daß die letzten Angaben über feine Täterschaft bei den Eisenbahn- anschlügen bei A n z b a ch den Tatsachen entsprechen. Seine Angaben über die Anschläge bei Jüterbog und Bia Torbagy werden noch eingehend untersucht werden, um restlose Klarheit bis in die letzten Einzelheiten schaffen zu können. Die Angabe Matuschkas, er habe noch dem zweiten Attentat in Jüterbog in der Fabrik in Tatten- dorf mit einer Sprengpatrone Versuche unternommen, wobei etliche Fensterscheiben zersprungen seien, ist als richtig festgestellt worden. Z. kreis. Dienstag, 20. Oktober, 1914 Uhr, Mitgliederversamm- lung in der Hochschulbrauerei, See- Ecke Amrumer Straße. Refc- rent: Genosie Erich Nölting, M. d. L.:„Neue politische Fronten- bildung und der Kampf der Sozialdemokratie". 78. Abk. heute 20 Uhr bei hochgeschürz, Mühlenstr. 9, Frauen- abend. Referentin: Genossin Hermes. Thema: Mädchenfürsorgc- erziehung. Frauenkundgebung""wä Dienstag Ein Richter beleidigt die presse Toller Kreispruch— noch tollere Begründung � Ein Urteil, das alle bisher dagewesenen„Seltsamkeiten" unserer Justiz in den Schatten stellt, hat der Amtsgerichtsdirektor Tuntel in Rochenburg a. d. Fulda als Einzclrichter gestillt. Es handelt sich um einen der zahlreichen Prozesse, die der„Vorwärts gegen die von den Nazis systematisch verbreitete Ver- Icumbung führt, daß der Danatbankdirektor Jakob Goldschmidt dem„Vorwärts" Geld gegeben habe, wofür sich der„Vorwärts" habe verpflichten müssen, nichts gegen das Finanzkapital zu schreiben. In einer Reihe von Vorprozessen ist bereits rechtskräftig festgestellt worden, daß es sich bei dieser Behauptung um eine ausgekochte N a z i l ü g e handelt. Um so mehr sollte man erwarten. daß gegen die Personen, die sie trotzdem noch weiter verbreiten, strenge Strafen verhängt werden. Aber wer so denkt, kennt unsere Justiz nicht. Ein Landwirt Reinhold Claus in Asmushausen hatte am 2. April d. Z. in einer öffentlichen sozialdemokratischen Als die Kunde kam... die Juden schreiben solle. Aber auch darüber kommt cherr Richter Sunkel hinweg, indem er erklärt: Dem Zeugen Braunholz war es, als er die betressende Frage an den Angeklagten richtete, jedenfalls bewußt, in dem Angeklagten einen Menschen gegenüber zu haben, der die Tatsachen, über die er von ihm Auskunft wünschte, keinesfalls aus irgendwelcher eigenen Wissenschast, sondern höchstens aus den Zeitun- gen oder dem, was er in politischen Versammlungen gehört hatte, wissen konnte. Braunhohz weiß als politischer Versammlungs- redner auch sehr wohl, daß die einfachen Menschen sehr leicht alles das glauben, was sie in den Zeitungen lesen oder in Versammlungen hören. Wenn er deshalb die be- treffende Frage an den Angeklagten richtete, und der Angeklagte sie mit„Ja" beantwortete, und man selbst annehmen will, daß der Angeklagte damit habe zum Ausdruck bringen wollen, daß der„Vorwärts"-Verlag für die von Goldschmidt gewährte Unter- stützung seine Redakteure in dem gedachten Sinne verpflichtet habe, so wußte Braunholz und jedenfalls hat der Angeklagte nicht mehr mit dem„Za" gesagt, als daß er so etwas„wisse", d. h. aus den angegebenen Quellen wisse. Nun ist aber dieses„Ja" i n der Diskussion gefallen und die Diskussion dient ja der Auf- klärung von Zweifelsfällen.(!!) Damit liegt hier einer der„ähnlichen Fälle" des Z 193 StGB.(Wahrnehmung berech- tigter Interessen) vor. Der Angeklagte ist also freigesprochen worden: 1. weil es überhaupt keine Beleidigung ist, einer Zeitung nachzusagen, daß sie bestochen sei: 2. weil ein Nazi in der Diskussion alles straffrei wiederholen darf, was er in seinen Hetz- und Verleumdungsblättern gelesen hat. Aus dem Urteil muß man allerdings schließen, daß diese Sorte Presse auch die politische Lektüre des Amtsgerichtsrats Sunkel darstellt. Gegen diesen seltsamen Herrn ist die Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben. harzburger untereinander. In Mecklenburg droht eine R e- gierungskrise. Die Nationalsozialisten haben der Rechte- regierung die weitere Unterstützung gekündigt. Ein Mißtrauens- antrag der Nazis gegen die Rechtsregierung liegt bisher jedoch noch nicht vor. Kreistagswahlen in Frankreich. Lokalinteressen ohne politischen Grundzug Paris, 19. Oktober. �Eigenbericht.) Die Wahlen der Äreis- und Bezirkstage(GeneralrÄe) sind ruhig verlaufen, bis auf Lille, Dort übersielen Kommu- nisten einen sozialdemokratischen Umzug, schlugen mit Gummi- knüppeln auf die Teilnehmer ein und verlegten inehreie, schlleh- lich auch den sozialdemokratischen Bürgermeister, der:.-rbeigeei!t war, um Frieden zu stiften! Es ist vielfach ein zweiter Wahlgang am nächsten Soniriag erforderlich, bei dein die relative Mehrheit(höchste Slimmenz-hl) entscheidet. In Strahburg und Mühlhaustn sind die Sozialisten in die Stichwahl mit Heimatstreuen bürgerlich-klerikaler o�-r-- kommunistisch-oppositioneller Fakultät gedrängt. Im allgemeinen scheint die Zusammensetzung der Departe» ments- und Bezirksversammlungen eine wesentliche Aendcrung nicht zu erfahren. In einigen wenigen Wahlkreisen haben Rechtster und Radikale auf Kosten der Sozialisten gewonnen. L ö o n Blum ist im Wahlkreis Aude von seinem radikalen Gegner mit 112 Stimmen geschlagen worden, die sozialistischen Abgeo'dneren Baron. Lafaye, Audrand, Lizaire sind unterlegen, andere in die?t.''w hl gekommen. Bon sieben Ministern und Unterstaatssekretären, die kandidierten, sind sechs mit großen Mehrheiten wiedergewählt war- den. Wiedergewählt sind Herriot, Caillaux, Paul Boncour. Eheron, Steeg Loucheur und der im Oustric-Prozcß angeklagte frühere Justizminister P e r e t: sein Mitoiigeklagier Favre ist unterlegen. Laval unterwegs nach Washington. Paris, 19, Oktober.(Eigenbericht) Ministerpräsident Laval hat auf der Reife nach Washington an Bord der„Jsle de France" den mitfahrenden Journalisten er» klärt:„Alle Vorschläge für Hoooer, die mir in den Mund gelegt werden, entbehren jeder Begründung. Erst nach den Unterhaltungen in Washington werde ich die Stellung der französischen Regierung offiziell bekanntgeben können." Der Sonderberichterstatter des„Petit Parisien" fügt hinzu, in Washington würden gewissermaßen nur die Grundlinien festgelegt werden und erst später ein endgültiges Abkommen>> t Bet.'iigung der übrigen Nationen abgeschlossen werden. „Brüning gesiegt? Gut, tragen Sie Reisekoffer, paß und blaue Brille wieder auf den Boden und lassen Sie niemand vor. Ich fch.eibe jetzt einen Artikel über den Verrat der Sozialdemokratie!" Versammlung die Verleumdung gegen den„Vorwärts" wiederholt. Auf die von unserem Chefredakteur Friedrich Stampfer und unserem Geschäftsführer Theodor Glocke angestrengte Privatklage wegen Beleidigung sprach jetzt der Amtsgerichtsrat Sunkel in Rothenburg(Fulda) den Angeklagten Claus frei, und zwar— ohne jede Beweisaufnahme über den Inhalt des erhobenen Vorwurfs. Amtsgerichtsrat Sunkel hat nämlich in der Tiefe seines richterlichen Gemüts erkannt: die Be- hauptung, daß der Verlag eines Blattes Geld nehme, und daß der Redakteur dafür in einer bestimmten Richtung schreiben � müsse, sei gar nicht ehrverletzend, zum mindesten nicht � für einen Redakteur! Diese Urteilsbegründung, die alle deutschen Redakteure zu gesinnungslosen T i n t e n k u l i s stempelt, lautet wörtlich: Im Fall Stampfer war der Angeklagte freizusprechen, ohne daß es einer Beweisaufnahme bedurfte. Der„Vorwärts"-Verlag besteht als Gesellschaft m. b. H., gesetzlich vertreten durch seine Geschäftsführer, unter anderem den Privatklätzer Glocke. Die Redakteure stehen im Angestelltenverhältnis zu dem Verlag. Wenn nun der Verlag bzw. für ihn einer der Geschäfts- führer einem Dritten gegenüber gegen geldliche Unterstützung die Verpflichtung übernahm, bei der Veröffentlichung der von der Gesellschaft verlegten Zeitung gewisse Belange zu wahren, und er in Erfüllung dieser Verbindlichkeit den vom Verlag angestellten Redakteuren besondere Weisungen erteilte, so konnte darin für die Redakteure, die diesen Weisungen nachkommen, nichts Ehrverletzendes liegen. Auf Grund des Anftellungs- Vertrages sind die Redakteure verpflichtet, die Interessen des Verlages(l!) zu wahren und insbesondere die Richi- linien und Weifungen, die der ihnen vorgesetzte Geschäftsführer(I!) in bezug auf den zur Veröffentlichung zur Verfugung stehenden Stoff erteilt, zu befolgen. Wenn die Redakteure sich nun an diese Weisungen und Richtlinien hielten, handelten sie nur in Erfüllung ihres An- stellungsoertrages. Die Redakteure mögen so verpflichtet sein, unter Umständen gegen ihre Ueberzeugung zu schreiben, sie mögen schwere seelische Sonflikte durchmachen, es ist aber für sie nicht ehrverlehend, wenn jemand behauptet, daß ihr Verlag von dritter Seite geldlich unterstützt sei und sie sich deshalb ihrem Verlag gegenüber hatten verpflichten müssen, im gewissen Sinn zu schreiben. Aus diesem Grunde gelangt das Urteil zum Freispruch im Fall Stampfer. Man gewinnt beim Lesen den Eindruck, daß Herr Amts- gerichtsrat Sunkel aus der Höhe seines Richterstuhls in jedem Zeitungsredakteur nur einen bezahlten und meinungs- losen Kuli sieht, der sich willig nach den Wünschen seines Ver- legers richtet. Daß in der.sozialdemokratischen Presse der Vertreter des Verlages überhaupt nicht die redaktionolle Haltung mitzubc- stimmen hat, braucht ein Amtsrichter ja nicht zu wissen. Aber auch im Falle des Verlegers Glocke kommt dieser aus- gezeichnete Richter zum Freispruch. Die Behauptung, daß Jakob Goldschmidt dem„Vorwärts" Geld gegeben habe, damit dieser nichts gegen die Juden schreibe, sei— so sagt Herr Sunkel— nur eine Beleidigung für— Jakob Goldschmidt, und der habe nicht geklagt! Der Angeklagte habe ja nicht gesagt, daß der Ver- leger Glocke die Absicht Goldschmidts gekannt(!) habe. Nun hat zwar der Angellagt- Claus auf eine konkrete Frage des sozial- demokratischen Versammlungsreferenten, des Parteisekretärs Braunholz, ausdrücklich bejaht, daß er seine Behauptung so ge- meint habe, daß der„Vorwärts" für das Geld nicht gegen Lesser Ltry gestorben. Oer Maler der Großstadt. Am gestrigen Sonntag ist Vesser U r y gestorben. Es fehlten nur noch wenige Tage, so hätte er seinen 79. Geburtstag gefeiert. Er hat nicht viel Freude und äußeren Erfolg genossen, er führte ein Leben der Arbeit und oft des Hungers, und er war seinem Ideal bis zur letzten Stunde treu. In seinem Selbstbildnis aus den letzten Jahren, das unmittelbar nach schwerer Krankheit entstanden war, sah man die tiefen Spuren von den Erfahrungen eines schweren Lebens und unablässigen Ringens in ergreifenden Zügen eingegraben: es wirkte rembrandtisch in geistigstem Sinne. So hat er sich niemals auch um Erfolg bekümmert, sich nie in eine Rubrik einsperren lassen: alle künstlerischen Eindrücke nahm er aus seinen vielen unruhigen Wanderfahrten in sich auf und verarbeitete sie, gab sich ihnen aber niemals gefangen, ein ewig Lernender und Wandelnder. Man kann ihn darum auch nicht zu den Impressio- nisten rechnen, obwohl er mit am frühesten ihr System sich an- geeignet hatte. Was Lesser Ury schon vor dreißig Jahren am bekanntesten gemacht hat, sind seine Berliner Straßenbilder, er hat die besondere Art ihrer flüchtigen, zauberhaften Lichtesfekte bis in die Gegenwart kultiviert und ist damit zu dem stärksten und lebendigsten Darsteller der Reichshauptstadt geworden. Es sind oft nur handgroße Pastelle, in denen er den Reiz des Augenblicks im Berliner Straßenbilde aufgefangen hat. Im letzten Jahrzehnt traten dazu die wunderbaren Ansichten von London, die künst- lerisch wohl noch eine Steigerung bedeuteten Sein Tiefstes hat Ury in Darstellungen aus dem Alten Testament gegeben, in denen sein religiöse» Gefühl sich aussprach. Cr ist am 7. November 1861 in Birnbaum(Posen) ge- boren, besuchte früh die Düsseldorfer Akademie, dann Brüssel, Paris und München und hat nach unstetem Wanderleben seit Ende der achtziger Jahre mehr oder weniger dauernd in Berlin gelebt. Paul k'. Schmidt. „Boheme". Städtische Oper. Eine Boheme der Trauer und der Tränen. Gewiß, es ist auch die Tragödie der Mimi des kleinen Grssettchens, das in Armut und Krankheit lebt und dann im Elend stirbt: für P u c c i n i aber(und das ist ausschlaggebend) sind es amüsante, Höchstens rührende Geschichten eines leichtsinnigen Kiinstlervölkchens. ist es die Welt des schönen Scheins und Vorwurf für Musik, Oper eben, die trotz aller veristischen Gesten von nackter Wirklichkeit sehr weit entfernt ist. die sich aussingt in lustigen und leisen, melancholischfüßen Melodien. Hans C u r j e l und Kaspar'Rehe r, Jnfzenator und Bühnenbildner der Neueinstudierung in Charlottenburg, versuchen die ver- logene Illusion zu zerstören, Wahrheit zu geben und das Libretto tragisch zu vertiefen— leider auf Kosten der Musik, die diese Illusion nicht entbehren kann, die diese tragische Vertiefung nicht erträgt. deren sinngemäße Existenz nur in der Ausgewogenheit des Heiteren und Traurigen gesichert ist. Eine überaus dürftige Mansarde im ersten und letzten Bild, im Schneeakt ein Prospekt, der die niederdrückende Atmosphäre der Großstadtperipherie einsängt— das waren stilistisch einheitliche und suggestive Bilder von naturalistischer Schärf«, die ein beachiens- wertes Eigenleben haben, ohne sich in den Organismus der Oper einzugliedern Neben guten Jnszenierungs- und Regieeinfällen standen auch recht fragwürdige— Lokomotivgepuste, ein anachro- nistischer Radler, der das Gelächter des Publikums erregte— war das nicht überflüssig? Heißt es nicht, dieser Oper die naiven, wirk- samen Kontrast« nehmen, wenn während des Tanzes der Freunde im letzten Akt das gespenstische Bild der Mimi sichtbar wird, die sich mit letzter Kraft zu ihnen schleppt? Die Szene vor dem Cafe Momus war mit Hilfe einer Wandeldetoration in das Cafe selbst verlegt: das hat sein Gutes und sein Schlechtes: sie wird zweifellos klarer, aber auch isoliert und still, abzeschnitten vom sprudelnden Leben— ein Element übirgens, das nicht nur diesem Akt, das der Aufführung überhaupt mangelte. Das Orchester, das Paul Brei- s a ch betreute, war von bemerkenswerter Delikatesse, sein, zart, farbig getönt: nur zu kontrastlos, ohne Schwung und TemperameM, zu langsam in vielem und gleichsam immer in Moll. Die Ioogün ist in Spiel und Stimme eine herrliche Mimi und keinen Augenblick sentimental: ganz außerordentlich die hingehauchte Süßigkeit, das rührende leise Verlöschen in der Sterbeszene. Koloman P a t a k y, ein ihr ebenbürtiger Rudolf: wie wohl tut in diesen tenorarmen Zeiten sein warmes, glanzvolles Organ, feine mühelos strahlende Höhe! Der Dritte im Bunde schöner Stimmen: Gerhard Hüsch als Marcel. Irene E i s i n g e r ist in Ton und Gebärde e-ne echte Musette: die anderen blieben im Hintergrund. Das 5)aus war aus- verkauft, der Beifall stürmisch. Arnold Walter. v Znstinki und Verstand. llfa-pavillon. Aus einer Reihe von Tierkurzsilmen Hat Professor Lampe einen großen stummen Film unter dem Titel:„Instinkt und Verstand" zusammengesetzt. Der Biidstreifen, der am Sonntag in einer Matinee im Ufa-Pavillon seine Uraufführung erlebte, stellt diese beiden psychologischen Begriffe nicht zur Diskussion. Das könnte er gar nicht, sondern er will den Zuschauer nur in die Nähe des Problems führen. Triebhaft baut der Biber seine Burg, der Storch sein Nest. Jnstinktmäßig werden immer wieder die alten Formen gewählt, instinttmähig vollziehen sich Nahrungssuche, Paarung, Aufzucht, aber wenn eine verhungerte Ratte ein Seil anspringt, das zu einer neuen Nahrungsstelle führt, so zeigt sich hier schon eine Kombinationsgabe, die über dem Instinkt liegt. An einer Füll« von Beispielen werden diese Tatsachen erörtert. Der Reiz jedes Einzelbildes bleibt bestehen, und die Menge des Stoffes ist vorbildlich klar disponiert. Instinkt und Verstand sind die beiden Pole der Stoffgruppierung, und innerhalb dieses Rahmens sieht man wundervolle Tieraufnahmen. Aufnahmen, die es in seinen ursprünglichen Aeußerungen belauschen, unverfälscht und ungestellt.— t. „Eine Reise in Krankreich". tlfa-palast am Zoo. Bei dieser Reise, die als Sonntagvormittagvorstellung gezeigt wurde, erwiesen sich der Regisseur Dr. Hans C ü r l i s und der Photograph Walter T ü r ck als ganz vorzügliche Reiseführer. Sie sehen Landschaft und sie sehen die Stadt, wie sie sich dem Land- schaftsbilde anpaßt. Das erlebt man an der Riviera, in Mentone, dieser ersten französischen Stadt, von Italien aus gerechnet, und in Nizza. Diese Bademetropole hat einen genau so schmalen und stein- reichen Strand, wie er manches Ostseebad unbeliebt macht, aber sie ist in eine Landschaft hineinkomponiert, deren Schönheit bezaubert. In Marseille sieht man die eigentümliche Fähre, die selbst dicht über dem Wasser schwebt, während ihre Pfeiler kühn in die Wolken ragen. In Avignon ist man mehr aufs Idyll eingestellt, wie die Wasser- mühlen an den Straßen bekunden. In Südfrankreich veranstaltet man bunte Volksfeste. Da werden in Arles von den Franzosen Stierkämpfe ausgeführt, in denen es gilt, den Äampfstiercn Ko- färben von den Hörnern zu reißen. In den Pyrenäen staunt man über die stufenförmig angelegten Dörfer, in denen, dank des milden Klimas, selbst in beträchtlichen Höhen noch Korn wächst. Den Ab- schluß dieser Filmreise bildet Paris. e. b. Georg Engel, der Vorsitzende des Verbandes deutscher Erzähler und Gründer des Verbandes des deutschen Schrifttums, ist im Alter von 65 Iahren gestorben. Er wurde vor allem durch seine Ro- mane„Der Reiter auf dem Regenbogen" und„Hann KlütH" bekannt. Auch einige seiner Dramen hatten Erfolg. Edison, der amerikanische Erfinder, dessen Tod kurz nach seiner schweren Erkrankung irrtümlich geinctdet wurde, ist am Sonntag im Alter von 84 Jahren gestorben. Die Beisetzung findet am Mittivoch in Anwesenheit Hoooers, Fords und zahlreicher anderer Industrieller und Bankiers statt.___ Theater in der klosterstrah«. Mittwoch. Donnerstag, Freitag, 20 Uhr, die ersten Vorstellungen des Goethe-Zyklus„F a u st". Eintrittspreis 1 M. Museum fiir Naturkunde(Invalidenstrahe tö). Am 21. und 28. Oktober, 18 Uhr. Prof. Solger: Die Eiszeit. Um 2l> Uhr. Professor B i ni m e r: Unerwünschte Eindringlinge in Deutschlands Fauna lun- entgeltlich). Herliiiausstellung des Vereins Berliner Künstler. Mittwoch Eröffnung in der Bellevuestr. 3: in der Tiergartenstr. 2a, Sonderausstellungen der Werke von Georg Lebrecht und des verstorbenen Robert E. Stübner. 4(>-ieilllllllllil>"IMIII»l Arbeitslosen, Vnt- schliessung..koste es, tvas es wolle, die Grube i n eigener N c g i e weiter fortzuführen. Das Ganze der Notschrei Bcrzweifcltcr, ein erdrückendes To- kumcnt deutscher Arbeitcrnot. Ein paar Bilder aus dem Nruroder Nevier mögen die Schilderung ergänzen. Der D-Zug ztoischen Berlin und den Bädern des Glätzer Berg- londes verweilt eine Minute in Neu r o d e. Schon wenn er über den 33 Meter hohen Viadukt kurz vor dem Bahnhof donnert, beugt sich der Reisende neugierig hinaus. Er ficht unmittelbar vor sich aus sanft ansteigenden Höhen die öffentlichen Gebäude der Stadt, weiter drüben auf dem entgegengesetzten Hügel den großen weißen Flügelbau des Knoppschaftslazaretts, schaut in Straßen hinein, die überall bergauf und bergab führen, und schließlich halten zwei Kirchtürme seinen Blick fest, die das Stadtbild weit überragen. Mit einer gewissen Befriedigung lehnt er sich wieder zurück.„Ich dachte, Neurode sei nur so ein Dorf." Und es scheint, als habe die flüchtige Kenntnis eines kleinen, nicht unfreundlichen Städtchens auch sein Gemüt beruhigt, das sonst die Begriffe N c u r o d e und Elend unmittelbar zu verbinden gewöhnt ist. Ganz anders sehen die Dinge selbstverständlich aus für den, der in täglicher Arbeit dauernd mit den Menschen dieser Gegend in Berührung kommt. Er begreift bald, daß hier eine Aufgabe vordringlich ist: Innere Hilfestellung! Hier gilt kein: Ich habe nicht Zeit! Mit Redensarten, die gut klingen und nichts bringen, ist hier der Bevölkerung nicht gedient. Die Menschen werden nicht sagen, was sie gegenüber einer solchen Haltung empfinden: aber das Ergebnis wird je länger je mehr eine tiefe Mißstimmung sein. Die Tür zum Zimmer des Angestellten der Arbeiterbewegung muß hier immer weit geöffnet sein: ein williges Ohr für alle Nöte, die oft aus der Unbeholfenheit der Menschen heraus noch verschärft werden und die unbedingte Bereitschaft, m hundert kleinen Dingen nach bestem Können zu helfen, das sind die Erfordernisse der Arbeit, die hier geleistet werden muß. Vielleicht läßt sich das Wesen eines Gebiets, eines ganzen Be- zirks am besten aus seinen Menschen erfassen. Das Leid eines Alten. Ausgemergelt sitzt er vor mir, ein ehemaliger Berg- mann, jetzt lange Invalide. In seinem'Gesicht liegt noch die geisterhafte, blauwciße Farbe jener Menschen, die ihre Arbeit fern dem Licht tun müssen. Krummgezogen gehen die Beine mühsamen Gang: die Hände zittern immer wie in Angst. Matte Augen suchen einen Halt in der Außenwelt. Man nennt ihn allgemein den„Pfarre r", weil ihn die 5)ofsnungslosigkeit seines Lebens zwar von der Kirche fort, aber zu einer persönlichen Gott- a u f s a s s u n g trieb, die er mit gläubiger Inbrunst predigt. Ein Gespräch über Politik beginnt: der Mann will Gewißheit. Cr sucht ein Ende für den dornenreichen Weg, den er kaum mehr gehen kann. Klarheit, wo der eigene Blick sich trübt— das ist sein Wunsch. Und Erleichterung, indem er von seinen Sorgen erzählen kann, die ihm im gleichen Augenblick ein anderer mit tragen hilft. Der Schwiegersohn ist entlassen: kurz nachdem er geheiratet hatte. Die Wohnung für 15 Mark hat ihm der Alte gemietet: auch die wenigen Möbel' hat er bestellt. Ein Kind wird erwartet.„Die Mädel haben.doch nu mal das Alter, man kann sie nicht anbinden." Nun gibt es zehn Mark Wohl- fahrtsunter st ützung. Ganz« drei Wochen haben dem Schwiegersohn dazu gefehlt, wieder Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung zu haben. Einer zweiten Tochter geht es ähn- lich—„wie soll ich, an dem nun alles hängt, mit meinen 62 Mark Rente im Monat für diese Verpflichtungen aufkommen?" Was soll man tun? Der Mann hosfr, vertraut. Die Not ist gewaltig und der Möglichleiten zu helfen sind so wenige. Man wird nächstens mit der Gemeinde Fühlung nehmen und in diesem Fall etwas herauszuholen versuchen. Winterhilfe in Form von Brot, Kohlen und Kartoffeln wird sicher überall gewährt.„Und reicht es nicht auf Mehl, Margarine, Fett— komm herein! Einen bescheidenen Betrag wird man innncr locker machen können." Müde geht der Mann: Sorgen drücken, die ihm niemand ab- nehmen kann. Aber er ist ein wenig aufgerichtet. Schon der Wille, zu verstehen und zu Helsen, bedeutet viel für den Ver- zweifelten. Tragikomödie um c i n e n I u n g e n. Von seiner Mutter wußte man zwar, daß sie„nicht ganz richtig eingesackt" war. Sic schimpfte grundlos zum Fenster hinaus auf Paisairten.: sie schrieb Karten beleidigenden Inhalts an alle Welt. Aber trotzdem übt sie die Vormundschaft über ihren Jungen aus. Dos wurde für den Burschen fast zum Verhängnis. Der Junge hotte sich eine Spritztour nach Breslau geleistet, ein wenig dabei gemogelt und war so zu einem Zu- sammenstoß mit seinen Lehrmeistern gekommen. Die Mutter sollte einmal erscheinen, lehnte das in nicht eben feiner Form ab. Un- willig sagte der Meister, wenn die Mutter so wenig Wert auf Zu- sammenwirken lege, solle der Junge auch wegbleiben. Der Bursche saßt das als Kündigung auf und führt in einer Beschwerde schwerstes Geschütz gegen die Meister auf, in deren„menschen- unwürdigem Betriebe" er nicht länger arbeiten könne. Es kommt zur Verhandlung vor dem„Schlichtungsausschuß für Lehrlings st reitigkeite n". Die Herren, die hier zu Gericht sitzen, sind voller bürgerlicher Würde und stecken bis obenhin in alten Autoritätsbegrifsen. Der Junge weiß nicht, welche Gefahr ihm droht. Er möchte in eine andere Lehrstelle, die heute schlechterdings nicht zu schaffen ist. Der Knoten kann entwirrt werden, indem längst beigelegte alte Streit- fachen ausgeschaltet werden und die vom Lehrling mihoerstandene mutmaßliche Kündigung als das erkannt wird, was sie war: Eins Aeußerung des Unmuts der Lehrherren. Die wären dann auf die notwendige Vervollständigung der Lehre deutlich hinzuweisen: ein guter und angesehener Vormund, der persönlichen Einfluß geltend machen könnte, würde der Angelegenheit für alle Zukunft einen erträglichen Lauf geben können. Der Vorsitzende betont mit Fleiß die oft stark über- tricbenen Ausdrücke im Beschwerdcfatz des jungen Burschen: er sucht heraus, was ungünstig für die Beurteilung des Beschwerde- führers sein könnte. Gründe für eine Kündigung sind vorhanden, wenn man sie finden will. Und sie werden gesunden, falls der Junge darauf besteht nicht mehr in die Firma zurückzukehren. Dann sieht er völlig mittellos, ein ungelernter Arbeiter ohne jeden Unter- stützungsanspruch, auf der Straße. Die L e h r m e i st e r: Einer immer sehr im Vordergrund, sehr auf die Betonung der einwandfreien Moral bedacht, obwohl auch in seiner Jugend mancher Spritzer auf die scheinbar so reine Weste gekommen ist. Der andere, eigentliche Lehrmeister still, un- beHolsen, sichtlich gütiger und versöhnlicher, aber immer im Schlepp- tau des dreisteren Bruders. In der letzten Minute ist man um die persönliche Vertretung des Jungen dngegangen worden: hier heißt es lavieren, die Eitelkeit und das Selbstbewußtsein kleinstädtischer sjonoratioren nicht zu verletzen, alles, was nicht unmittelbar mit dem vorliegenden Fall zu tun hat und für den Jungen ungünstig werden könnte, auszuschalten und ein Ziel geschickt und verbindlich anzusteuern: Der Junge muß in seine Lehrstelle wieder hinein; die Ausbildung muß in Zukunft gediegener werden. Es gelingt: die Herren klappen die Akten mit einem Seufzer zu Noch nie hatten die Lehrmeister mit irgendeinem Jungen eine solche Auseinandersetzung: einzig dieser war„ruppig". Seit zwei Jahren brauchte der Ausschuß nicht zu tagen, und heute waren gleich zwei Fälle hintereinander zu erledigen. Zum Schluß fehlt es nicht an guten Ermahnungen. Als man mit dem Jungen diesem Stück Mittelalter entflieht, wo der Hauch de? veränderten Zeit noch kaum hingelangt ist. gibt es nur eine„Ermahnung" für ihn: Sie ergibt sich aus klarer Besprechung des ganzen Sachverhalts und weist den Weg zur Ver- nunft. Andere Menschen im rechten Augenblick hätten die ganze Tragikomödie überflüssig gemacht. Was brachte der Arbeitersport? Schwimmer und Turner in der Halle/ Fußball, Handball, Hockey/ Abfahren der Havelruderer Nachdem vor acht Tagen die Knaben und Mädchen des Bezirks Lichtenberg der Freien Turnerschaft Groß-Berlin ihre Künste gezeigt hatten, waren es am Sonntag die Frauen und Männer. Das wohlausgsstaltete Programm dürfte seine Werbekraft nicht verfehlt haben. Schon der Einmarsch aller Teilnehmer zeigte, daß hier wirklich etwas Gutes geboten werden sollte. Unter den Klängen der Sportinternationale von Rosebery d' Arguto mar schierten die Teilnehmer in die festlich geschmückte Halle. Vor- sitzender Kasel grüßte in einer kurzen Ansprache, die den Zweck und das Ziel des Arbeitersports beleuchtete. Den unter den Wirtschaft- lichen Verhältnissen Leidenden, den Arbeitslosen, die Möglichkeit'zu geben, unter gleichgesinnten Kameraden den Körper zu stählen für den täglichen Kampf, das soll die Aufgabe der Bewegung sein. Gleichzeitig beglückwünschte er den jetzt 25 Jahre im Arbeiter-Turn und Sportbund tätigen Genossen Tiebel. Dann wechselten in bunter Reihenfolge Freiübungen der Männer und Frauen, Singspiele der Frauen und Iungmädchen, so- wie Geräteturnen der Meisterriegen. Ein Kopsballspiel der Hand- baller zeigte, daß es unter den Handballern auch gute Kopftechniker gibt. Große Heiterkeit löste das Tauziehen der einzelnen Abteilungen aus. Den Höhepunkt bildete zum Schluß ein Tauziehen zwischen der stegreichen Frauenmannschaft und den Männern. Hier mußten die Männer erkennen, daß man die Frauen zu Unrecht das schwächere Geschlecht nennt, denn langsam aber sicher wurden die Männer hingezogen und nicht mehr gesehen. Der Nachmittag dürste zur Werbung für die Bewegung viel beigetragen haben. Schwimmfest in Neukölln Das von der Gruppe Neukölln der Freien Schwim- rncr Groß-Berlin im Stadtbad Neukölln veranstaltete Schwimm fest war gut besucht. Eröffnet wurde das Fest mit der Ist X öst-Meter-Stafette für Niänner, die Hellas von Anfang an sicher führend vor Möwe und Neukölln gewinnen konnte. Das lstst-Meter-Crawlschwimmen sah Pritschow-Hellas vor Ludwig- Lichtenberg als Sieger. Das-�-Schwimmen in derselben Schwimm- ort gewann Grün-Charlottenburg vor Richter-Freiheit. Die Rettungsvorführungen der Altersriegen uird der Kunstreigen, ge- schwömmen von den Frauen der Gruppe Neukölln, ernteten reichen Beifall. 10 mal 50 Meter Crawl-Stafette: 1. Kellas 5:17,7; 2. Möwe 5:28.— Mädchen-Lagenstafette, 3 mal 50 Meter: I. Union 2:17,9; 2. Lichtenberg 2:20,6. — Frauen: 1. Hellas 2:09,8; 2. Neukölln 2:11,2.— lOO-Meter-CrawIn für Männer. Alasse B: 1. Hellas 1:14,2; 2. Lichtenberg.— 2. Lauf: 1. Charlotten. bürg 1:06; 2. Freiheit 1:06,8.— Klasse A: 1. Grühn. Charlottenburg; 2. Richter- Freiheit.— 8 mal 100 Meter Bruststafette für Männer; 1. Hellas 12:07,4; 2. Neukölln 12:13,9.— 6 mal 50 Meter Bruststafette für Frauen: 1. Hellas 5:04,4; 2. Neukölln 5:05,6.— Springen für Männer: 1. Greuling-Lichtenberg, 86 Punkt«, Platzziffer 3; 2. Köhn-Oberfpree 30,66 Punkt«, Platzziffer 6.— 8 mal 50 Meter Crawl-Stafette für männliche Jugend: 1. Hellas 3:342; 2. Neukölln,— 10 mal 50 Meter Bruststafette fiir Kinder: 1. Neukölln: 2. Lichtenberg.— 3 mal 100 Meter Logenstasette für Männer: 1. Hellas I 3:55,1; 2. Hellas It.— Lagenstafette, 6 mal 50 Meter, männliche Jugend: 1. Hella» 4:02,6; 2. Neukölln.— Wasserball: Jugend Charlottenburg gegen Neukölln 8:3(5:0).— Männer: Hellas l gegen Neukölln 13:2(4:2). Arbeiter- W asserball-Serie Die erwarteten Favoritenerfolge stellten sich bei den Spielen am Sonnabend im Lunabad ein. Spandau sicherte sich-urch einen klaren 5: 2-Sieg über Charlottenburg 2 den endgültigen Aufstieg zur-�-Klasse, Di« erste Spielhälste vertief ausgeglichen. Char- lottenburg vermocht« mehrere günstige Momente nicht auszunutzen und mußt« sich mit einem unentschiedenen Hatbzeitresultat von 1: 1 begnügen. Nach der Pause wurde hart gespielt und die Spandauer erreichten durch bessere Spielauffassung ein« Ueberlegenheit, die bis zum Schluß anhielt und ihnen den verdienten Sieg einbrachte. Das folgend« Spiel zwischen Charlottenburg 1 und Union verlief bis zum Seitenwechsel sehr interessant. Union deckte gut ob und kam nach zwei fabelhaften Anfangserfolgen Charlottenburg? zum verdienten Ehrentresfer. Dann legte Charlottenburg ein scharfes Tempo vor, dem die Union-Leute nicht gewachsen waren. Das Spiel lag zumeist in der Union-Hälfte, jedoch zeigt« der Union- Tormann teilweise«ine erstaunliche Abwehrleistung, die leider keine verständnisvolle Ergänzung bei der Verteidigung fand. Die weite- rsn zwei Tore, die den Charlottenburgern bis zur Pause gelangen, waren verdient. Die zweite Spielhälste sah ein zusamnienhang- loses Spiel von Union, bei dem Charlottenburg verhältnismäßig wenig Mühe hatte, weitere sechs Tor« zu erzielen. Union ließ sich in der zweiten Spielzeit stark von der Ueberlegenheit der Charlottenburger verblüffen und hätte auch seinerseits bei gejchick- terem Zusammenspiel einige Erfolge landen müssen. Das für Sonntag in Aussicht genommene Treffen zwischen Charlottenburg und Neptun siel infolge Behinderung der Neptun-Leute aus. SaisonsdiluH auf der Havel Am Sonntag beendeten die Ruder- und Kanuoereine des Arbeiter-Turn. und Sportbundes auf der U n t e r h a v e l die dies- jährige Fahrsaison durch ein wohlgelungenes A b s a h r e n. Punkt Ist Uhr zogen die Freien Schwimmer Charlottenburg mit ihrem stattlichen Kajakgeschwader an den in Flaggengala be- findlichen Bootsplätzen der Reichsbanner-Wassevsportabteilung, des Rudervereins Butab und der Freien Kanu-Union in Tieswerder vorbei und gaben damit den Auftakt zum Beginn der letzten Fahrt. In Zweierreihen ging es abwärts die Havel, auf dem Stößensee formierten sich die Boote zu Viert und bald war auch das Collegia- Heim in Gatow erreicht, wo der gemeinsame Treff war. Schließlich trafen auch die Kanu-Union, die Butab-Leute und die Reichsbanner- Wassersportler ein. Nun ging es in geschlossener Fahrt unter Führung der Charlottenburger an den verwaisten Wochenendplätzen vorbei, havelabwürts. Verlassen sind die schönen Havelufer, das bunte Leben in den Zeltstädten ist erloschen. In der Höhe der Lindwerderinsel trennten sich die Ruderer von den Konufahrern. Zurück geht es bei stärker werdendem Wind und Wellengang. Vorbei am Grunewaldturm, an Schildhorn über den Stößensee ins Gemünd« und auswärts nach Tiefwerder. Die Paddler, die etwas früher eintreffen, machen noch einen Abstecher durch den..Spreewald", den Jürgengraben, der sich uin Tiefwerder herumzieht. Gleichzeitig treffen nun auch beim Einbiegen in den alten Havelarm die Ruderer ein. In kurzer Ansprache aus dem Boot heraus spornt Szumann die Bootsfahrer zur neuer Arbeit an. Noch lange waren TeUnehmer und Gäste bei fröhlichem Zu- sammensein beim Linden-Krause in Gatow und in den Bootshäusern der Vereine zusammen. » Frauentreffen in Summt Ein Tag, der so recht zum Wandern lockte, führte gestern alle Jungmädchen- und Frauenabteilungen des„Volkssport Neu- kölln- Britz" hinaus in den herbstlichen Wald. Die Früh- wanderer durchstreiften in den Vormittagsstunden die nördliche Um- gebung, um sich mit den Nachzüglern gegen Mittag in Summt im „Haus am Summier See" zusammenzufinden. Es war eine über- aus lustige Schar, die sich da draußen ein Stelldichein gab. Gesellig- keit und Frohsinn waren die Tageslosung, und das muß man den Voltssport-Frauen schon lassen: sie verstanden es meisterlich, alle Teilnehmer in fröhliche Stimmung zu bringen. Gymnastik und Turnen, Tanz und Spiel, dazu neu« wirkungsvolle Sondervorfüh- rungen füllten das Nachmittagsprogramm. Erfreulich ist, daß sich an diesen jährlichen Herbsttrefsen besonders die Frauen im reiferen Alter sast vollzählig beteiligen. Solch ein Tag in fröhlicher Ge- meinschaft hilft wieder über ein reichliches Quantum Alltagssorgen hinweg und läßt die Nöte des Werktages wieder leichter ertragen. -ARBamH TUSSBALL Eiche schlagt Adler 08 mit 3: 1 Daß man die Berliner Fußballmeisterschaft nicht beim Spa- zierengehen gewinnen kann, sondern daß darum gekämpft werden muß, mußte gestern Adler 08 erfahren. Durch den vor einigen Wochen errungenen 9: l>-Sieg über die Köpenicker fühlte sich Adler vollkommen sicher. Doch gestern kam die Enttäuschung. Als das Spiel unter einem Ersatzschiedsrichter— der angesetzte zog es vor, nicht zu erscheinen— begann, glaubte wohl noch niemand an einen Sieg Eiches. In der 29. Minute schickte der linke Läuser den Ball spitz nach vorn, der Mittelstürmer schoß schars aufs Tor, und bevor es sich der Adler-Torwart versah, lautete das Resultat 1:9. So Proletarischer Tanzabend 3m Cehteroereinshaus findet heule, Montag, um 29 Uhr. ein Tanzabend der an der Bundesschule in Leipzig wirkenden Tanzgruppe Otto Zimmermann statt. Cr bringt Darbietungen im Sinne einer neuen, proletarischen Festkultur. Eintritt 75 Pf. und 49 Pf. blieb es auch bis zur Pause. In der zweiten Spielhälfte glaubte man Adler wieder in Front zu sehen, hatten sie doch Sonne und Wind als Bundesgenossen. In der 12. Minute konnte der rechteLäufer einen Strafstoß scharf zum Ausgleich einsenden. Dann kam durch ein Mißverständnis der Adler-Berteidigung Eiche wieder in Führung. In der 25. Minute verhalf der Torwart den Köpenickern zu einem billigen Erfolg. Einen vom Halblinken geschossenen Ball sah er schon neben dem Tor ins Aus gehen Doch plötzlich drehte sich der Ball und landete im Netz. Damit war für Eiche der Sieg sichergestellt. Wohl hatte Adler noch des öfteren Tormöglichkeiten, die Latte oder die Pfosten waren aber stets die Retter in der Not. Adler hat durch diese Niederlage den ersten Punktverlust erlitten; wird es auch der letzte sein? Auch Lichtenbera I sah sich bei der Pause gegen Pankow ebenfalls ohne den angesetzten Schiedsrichter schon als Sieger. Führten sie doch zu diesen Zeitpunkt bereit» mit 4:1. Nach dem Seitenwechsel zeigten die Pankower I«doch wieder den gleichen Elan und den Kampsosmut, wie am letzten Sonn, rag gegen Luckenwalde l. Immer mehr wurden die Lichtenberger zurück- gedrängt, bald hieß e» 4:3. Dann kamen die Lichtenberger wieder mit 5:3 weiter. Pankow gab sich aber noch nicht geschlagen. Im Endspurt langte es dann auch noch zum Unentschieden. Mit 5:5 teilten sie die Mannschaften in die Punkte.— Nicht so sicher, wie man annahm, gewann Luckenwalde l gegen Butab, denn vier Elsmeter, von denen drn verwandelt wurden, verhallen den Luckenwaldern zu ihrem 7:l.Si«g.— Rormannia hatte gegen ASB. Neukölln nicht viel zu schlagen: 8:0 hieß e» hier am Schluß.— Schöneberg gewann gegen Friedenau 5:1.— Wilmersdorf gegen Minerva 3:2.— Oberspree und Hoppegarten trennten sich unentschieden 2:2.— Britz 88 gegen Storkow 2:1.— Baumschulenweg gegen Schweissterne 7:1.— Eintracht. Reinickendorf gegen Alemannio-Karow 11:1.— Zweite Mannschaften: Oberspree gegen Hoppe- garten 3:3.— Wilmersdorf gegen Minerva 4:2.— Porwärt«. Wedding gegen Eintracht-Reinickendorf 4:2.— Vorwärts 3 gegen Wilmersdorf 4:2.— Butab gegen Drewitz 3:4.— Südost gegen Frohe Stunde 3:1.— Britz 88 gegen Storkow 2:1.— Jugendmannschasten: Wilmersdorf gegen Minerva 0:2.— Ztormannia gegen Staaken 1:2.— Eintracht gegen Vorwärts 0:2.— Lichten- berg gegen Brandenburg 2:0.— Lichtenberg II gegen Brandenburg 0:3. Die Handballspiele In Mahlsdorf standen sich zwei junge Mannschaften in„Ein- tracht" und FTGB.-Oberspree gegenüber. Oberspree tonnte bisher noch kein Spiel in der 1. Klasse gewinnen, besaß aber diesmal die Voraussetzungen dazu. Zudem spielt Mahlsdorf zur Zeit schwächer und gibt dem Gegner durch zu weites Aufrücken der Verteidigung viel Chancen. Warum es Oberspree nicht schaffte, ist nicht klar. Lag es etwa daran, daß die Meinung herrschte: Mahlsdorf war bisher immer besser und gewann immer in der Bezirksklasie? Jedenfalls lautete das Endergebnis 6:3(2:2) für Eintracht. Eine eigenartige Spielauffassung zeigten TSV.-Kaulsdorf und FTGB.-Baumschulenweg, die sich 2:8(1: 5) fiir Vaumschulenweg trennten. Kaulsdorf drückt und geht in Führung, dann wird dauernd daneben geworfen. Baumschulenweg kam durch schlechte Abwehr zum 2:1, ja, bald 4:1. Leider setzte sich der Schieds- richter nicht energisch genug durch, um die Spielweise der Mann- schaften im Rahmen zu holten. Bei den folgenden Durchbrüchen schnitt Vaumschulenweg weit glücklicher ab. Tonst spielte» noch in bn 1. Klasse, Abteil»«» A; Hennigsdorf wartete mit einer Ueberrnschung auf und siegte über die Freie Tnrnerschast Velten 4:1. Auch in der Abteilung B fehlte keine Ucbcrraschung. so scheint es unglaublich, daß der ASV. Schöneberg Ven Volkssport Neukölln 4:3 bezwang.— Programm- mäßig verlief die Begegnung ZTDB. Süden gegen Luckenwalde Sport, wobei Süden Im Klassenunterschied mit 14:1 den Sieg an sich brachte.— Be-irk». (2:1).— TSV. Kaulsdorf gegen FT. Wildau 3:7(2:3) Hockey kreismeister VfL. Ostring geschlagen. Die Sensation der gestrigen Serienkämpfe war das Spiel des Meisters Verein für Leibesüibungen Ostring gegen den Arbeiter-Sportoerein Rot-Weiß. Die 2. Mannschaft von Rot-Weiß konnte, angestachelt durch den ersten Torerfolg, die Mannschaft des Gegners so durcheinanderwirbeln, daß sie mit 3: 1 Toren den Platz verließ.— Tennis-Rot 1 und der Freie Hockey-Club Spandau trennten sich nach spannendem Kampf un- entschieden 3:3, nachdem die Spandauer bereits 3:9 in Führung lagen. Die Freie Tnrnerschast Groh-Berlin-Tempelhof konnte nach großer Anstrengung einen knappen 2:1- Sieg über den Athletik- Sport-Club davontragen. Der Sportverein Moabit 1 siegte über den Verein für Leibesübungen Ostring 2 mit 5: 2 Toren, nachdem bis zur Pause das Ergebnis mft 1: 9 für Ostring stand. Arbeiter- Sportverein Rot-Weiß 1 und Freie Sportvereinigung Pankow trennten sich S: 1. Weitere ZiesnUate: Athletik-Spori-Club Ii gegen Freie Sportvereinigung Pankow 3:2.— Der Arbeiter-Svorioerein Sihoneberg 07 konnte wli einem weiteren Sieg von 4:1 über Bolkslport Neukölln-Britz bestehen.— ASB. Rot- Weiß III und Tennis-Rot IV 2:2 und BfL. Ostring IN gegen Sportverein Moabit 11 0:0.— In der Frauengruppe siegten die Volkssport Neukölln-Britzer 2:0 über BtL. Ostring, Frauen.— ASV. Rot-Weiß und Tennis-Rot i trennten sich unentschieden 0:0 und Tennis-Rot II und Freie Sportvereinigung Pan. Die R.ä«ter rollen Kampftreudige Ausländer im Sportpalast Um es vorweg zu nehmen: einen besseren Besuch dürften die Finanziers des Sportpalastes zu Beginn der Winterfaifon kaum erwartet haben. Tribünen und Ränge waren nahezu ausverkauft! Schade, daß das volle Haus verhältnismäßig wenig zu sehen bekam. Das Hauptrennen der Premiere bildete ein 699-Runden- Mannschaftsfahren, das elf Paare, darunter drei aus- ländische, am Start sah. Von einer recht aktiven Seite zeigten sich die Ausländer, deren eine Mannschaft als erste einen Runden- gewinn vollzog. Nachdem mehrere Vorstöße negativ verliefen, gingen Jan van Kempen— Braspcnning davon, um nach kurzer Gegenwehr des übrigen Feldes allein die Führung zu übernehmen. Später oersuchte auch Tietz, der gestern als Geburtstagskind mannigfach geehrt wurde, sein Glück in der Flucht, um aber wieder beigeben zu müssen. Mit mehr Ersolg arbeiteten die Belgier Buysse— van Buggenhout, die im Verlaus der 2S-Kilometer-Wertung zur Spitze aufrückten. Dann wurde es ruhiger im Felde. Ein mehrmaliges Pfeifkonzert mußte zu Beginn der zweiten Hälfte der 699 Runden erst in Szene gehen, ehe stärker zugetreten wurde Da gingen Kroll— Maidorn aus sich heraus, um nun als erstes und einziges deutsches Paar in die Spitzengruppe Einzug zu halten. Nachdem noch die wiederholt vorstoßenden Franzosen Guimbretiere— Peix ihr Bemühen, eine Runde aufzuholen, mit Erfolg gekrönt hatten, waren die Ereignisse so ziemlich all«. Lediglich in der Schlußwertung gab es noch einige Kampfesmomentc. Hier stritten ziemlich heiß Kroll— Maidorn und Buysse— van Buggenhout um die den Sieg entscheidenden Punkte. Schließlich waren die Gegner mit je 36 Punkten punktgleich. Da beide Mannschaften sich im letzten Spurt nicht placieren konnten, Kroll— Maidorn jedoch im vorletzten Spurt vor Buysse— van Buggenhout ein kamen, proklamierte der Rennausschuß die Deutschen als Sieger. Dritte wurden Jan van Kempen— Brafpenning vor Guimbretiere— Peix. Alle anderen Paare lagen eine Runde zurück. Die wiedervereinten Ehmer— Kroschel, bei der Vorstellungsrunde lebhaft begrüßt. während des Rennens ob ihrer Tatenlosigkeit entsetzlich oerkohlt, wurden letzte... m i. Dem langen Rennen voraus ging ein 1 9 9- R u n d e n. Einzelfahren, das, nachdem Feder feinen Rundengewinn ein- gebüßt hatte, Bruno Wolke in Front sah. Ergebnisse! 100 Runden Civzelfahren: 1. B. Wolke 23:37,6. 16 Punkte; 2. Kubn. 8 Punkte; 3. R. Huschte. 8 Punkte: 4. Schwemmler. 8 Vuntte.- 100 Kilometer Mannschasisrennen: l. Kroll-Maiborn 2:15:29,8, 36 Punkte, 2. A. Bunsse-van Buggenhout. 36 Punkte: 3. San van Kempen-Drasp-nning. 23 Punkte; 4. Suinibretikre-Peir, 17 Punkte; eine Runde zurück: 5. Tietz. Gaebel, 30-Punkte; 6. Lehmann-Wissel, 23 Punkte; 7. Funda-MaeznnM, 23 Punkte, 8. Petri-Manthey, 15 Punkte; 9. Slegel.Thierbach, 8 Punkte; 10. Gedr. Nickel, 5 Punkte; 11. Chmer-Kroschel, 4 Punkte. Wandern und Sammeln 10 Jahre Naturfreunde in Köpenick Aus Anlaß ihres 29jährigen Bestehens veranstaltet« die Orts- oruppe Köpenick des Touristenvereins„Die Naturfreunde" im Jugendheim. Dahlwitzer Straße, eine Werbeausstellung. Da bietet sich dem Beschauer ein prächtiges, lebensfrohes Bild von freudigem Genießen und Schaffen in den kurzen Feierstunden werk- tätiger Menschen. Den Ehrenplatz in der Ausstellimg nimmt natürlich die photographische Schau ein, die in vortrefflich gelungenen Bildern all die schönen, unvergeßlichen Eindrücke der Wanderfahrten festhält- Da sieht man hübsche schwedische Bauerichäuschen, malerisch gelegene Tiroler Hütten. Bilder aus dem schönen Schwarzwald und der Mark Brandenburg im Blütenzauber des Frühlings, in satter hochsommerlicher Mittagsreife oder im schneeigen Frostkleid des Winters. Umrahmt und belebt wird die Landschaft von den sröh- � lichen Menschen, die braungebrannt vom Sonnen- oder Gletscher- brand die herrliche Natur genießen. Es guckt aber nicht ein jeder bloß ins strahlende Firmament, da gibt es eifrige Sucher, die aller- Hand Interessantes und Lehrreiches aufstöbern, pflücken, sangen und ausbuddeln. Der Botaniker findet seltsam« Gräser und Halme, cr entdeckt einen 79jährigen Fliederstamm, seltene Hölzer und ricsen- haste Kienäpfel. Auch den Pflanzenschälllingen rückte er zu Leibe, indem er sie fängt und an den Pranger stellt, den Maikäfer, die Kommaschildlaus und noch andere Missetäter: der Käfersammlec durchbohrt geliebte und gehaßte Tiere mft der Stecknadel, das gleiche tut der Kollege von der Schmefterlingsfatullät. Aber auch an den Abenden im Heim wird allerhand geleistet, da sieht man weibliche Geschicklichkeitsprüsungen, hübsche Häkel-, Stick- und Strickarbeften. Die Kreideschnitzer haben mit viel Geschick die alte Rahnsdorfer Mühle und das Köpenicker Wappen plastisch festgehalten. Lebens- und Schajfenssreude spricht aus oll dem Gebotenen, Körper und Geist suchen und finden Freiheit zur Entfaltung. Die Ausstellung bleibt bei freiem Eintritt bis einschließlich 23. Oktober geöffnet. Hlemer Sport von überall Hertha-VSC. geschlagen. Den gestrigen Sonntag mußte Hertha-BSC. mit zwei Verlustpunkten bezahlen. In Spandau traten sie mit der kompletten ersten Mannschaft an und verloren mit 2:3. Die technisch« Ueberlegenheit Herthas glichen die Spanvauer durch Eifer und größere Schnelligkeit aus. Bis zur Pause führte Spandau bereits mft 4: 1. Nach dem Wechsel war Hertha wohl.zeitweise überlegen, konnte jedoch gegen die zäh vcr- teidigenden Spandauer nicht aufkommen.— Auch Tennis-Borussia hatte einen schlechten Tag: gegen den VfB.-Pankow nur unent- schieden 1: 1 zu spielen, deutet auf eine schlechte Verfassung der Tennis-Mannschast. Sawall Letzter in Zürich. Auch im Radsport gab«s eine Ssn- sation. Der Weltmeister Sawall muhte sich b«im Schluß-Derby in Zürich mit dem letzten Platz begnügen. Allerdings hatte er sehr unter Raddefekten zu leiden. Der Kölner Krewer konnte b«ide 39-Kilom«ter-R«nnen für sich entscheiden. Atbcilet-apotiofrcin SchSveberg-Fricd«»»» 07. Hcbungäftätten; Montags Srotlabcni», Donnerstags Turnhalle Pelziger Straße. Jungmädchen: Dien». tag» Uhlandichule, Kolonnenftraße. Frauen über 25 Jahre: Donnerstags Turn. Halle Ebersstraße. Freitag in der Mittelschule Rätherstraße, Nnmnastik. und Volkstanzabend. Alle Uebungszeiten 20 Uhr. in der Mittelschule Ratherstraße, am Stadtpark _________„_jenb. Alle Uebungszeiten 20 Uhr. Mädchen und Knaben Donnerstag» 18 Uhr Ebersstraße. Schwimmabteilung im Stadtbad Schöneberg Dienstags 19 Uhr, Freitags 20vi Uhr. Fußballabteiluna toat jede» Freitag 21 Uhr bei Hochgelchur», Miihlenstr. 9. Hockepspieler trefsen sich Frei- tag» 20 Uhr bei Brulich, Rüben». Ecke Wexstraße. Beide Abteilungen nehmen noch Spieler auf. Handballinteressenten melden sich Donnerstags Turnhalle Beiziger Straße. Auskunft erteilt M. Stellmacher. Golßstr. 45-Ulittme-fi 21. Otlober, 191/, Uhr. im Pieeadilli, Ebersstr. 80, Vereinsversommlung Mit. gliedsbuch als Ausweis mitbringen. Freie»asserfahrer„Aufwärts", e. B. Dienstag. 20. Oktober 20 Udr Monatsversammlung im„Seeadler", Seefit. 02. Gäste inllllamm-n' Arbeiter-Lichtbild-Bunb, Arbeitsgemeinschaft Berlin Sißung Dienstag, 20. Oktober, 20 Uhr, im Verlag„Der Reuen Gesellschaft» Alerandrinenstr 37 Wasserballspieler� Alle Wafserballangelegenheiten sind bis auf weUer?» mU Hermann Massow, Spandau, Vruderstr. 29, zu regeln.