BERLIN Sienstag 20. Oftober 1931 10 Pf. flr. 492 B 246 48. Jahrgang ErscheinttSglich anßerEonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8t» Pf. proWoche, J.KOM. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSWss.Lindenftr.s Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 SfuUauiQajße xlei AnzetgenpreiS: Die cinspaltigeNonpareillezeile 8« Pf., Reklamezeile SM. Crmößigunoen nach Tar�. PvKscheckkonto: VorwärtS-Vcrlag G. m. b. H.» Berliu Nr. s? S3S.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Bürgerkrieg in Braunschweig Die Wahrheit über das Hakenkreuzverbrechen/ Mordsturm 33 wütet in Braunfchweig/ Reichsbanner zur Abwehr entschlossen Der Bundesvorstand des Reichsbanners«chlwarz» Rot-Gold teilt uns mit: Am 17. und 18. Oktober 1931 fand in Braunschwcig ein Treffen der Hitlerschcn SA. und SS. statt, worüber die Rechtspresse b«- geistert berichtet. Geflissentlich wird verschwiegen, daß es dabei zu wüsten Ausschreitungen und zu regelrechten Straßenkämpfen ge- kommen ist. Ilm der Wahrheit willen und um die wirklichen Absichten der Das dritte Todesopfer. Ein Arbeiter erstochen.— Neue schwere Unruhen in Wolfenbüttel. Brannschweig, 20. Cktober. lEigenbcricht.) �n Wolfcnbüttcl wurde ein Arbeiter von Nazis durch Stiche in den 5topf gctötet, das ist das dritte Todesopfer aus den Reihen der braunschwei- gischen Arbeiter aus Anlaß des Hakenkrcuzaufmarschcs. In SSolfeubüttel kam es infolge der neuesten Nazi» bluttat am heutigen Tage zn schweren Zusammen. st ö s: c n. chitlerschon Bürgcrkriogshordcn fostzustollon, ist os notwendig, auf folgendes hinzuweisen: All« republikanischen Veranstaltungen verfallen im Lande Braunschweiz seit langem behördlichem Verbot. Es ist bezeichnend, daß beispielsweise auch volksparteiliche Blätter bereits darauf hin- gewiesen haben, daß die einseitige Bevorzugung der Nationalsozialisten, denen jede Versammlung und jede Demonstration erlaubt wird, untragbar lväre. Die Stimmung in den Kreisen der brenmschweigischcn Republikaner, die an der Aus- Übung ihrer verfassungsmäßigen Rechte behindert werden, denen man nicht gestattet, fiir den gesetzmäßig sestgesteltten republikanischen Volksstnat auch noch außen hin zu demonstrieren, ist infolge der böswilligen Haltung der braunschweigischen Rcchtsrcgicrung und insbesondere des Nazimimstcrs Klagges außerordentlich erregt. Als nun der in Preußen und im Freistaat Sachsen verbotene„Mitteldeutsche Tag" der Nazis siir Braunschwsig erlaubt wurde, ist die Bundes- leitung des Reichsbanners am 8. Oktober an das Reichs- Ministerium des Innern herangetreten mit der Bitte, für eine gerechte Behandlung der verfassungstreuen Staatsbürger im Freistaat Braunschweiz einzutreten und zu erwirken, daß das Nazitreffen verboten werde, weil seine Veranstaltung böse Gefahren mit sich bringen würde. Im gleichen Sinne ist die Gauleitung des braunschweigischen Reichsbanners beim Rcichsministerium vorstellig geworden. Ohne Erfolg. Die Tagung wurde in Anwesenheit Hitlers abgehalten. Wie sehr die Besorgnisse der Reichsbannerführung berechtigt waren, geht aus den Vorkonmmissen hervor, die sich am Sonnabend und Sonntag in Brauirschweig abgespielt haben. Auf Grund ein- gehender, mahrheitsgetrencr Informationen stellen wir fest, daß die Nationalsozialisten zwei Arbeiter namens Fischer und E'ngelkc erniordet haben. Der Riörder des Arbeiters Fischer wurde festgestellt als der SA.- l«kann Heymann aus Plauen, der flüchtig ist. Der gleichfalls erstachen« Arbeiter tingelte hinterläßt fünf Kinder. Die Gesamtzahl der Sebwerverlcbten beträgt«2, die Zahl der Leichtverlebten läßt sich nicht feststellen, weil diese sich nicht in Krankcnhausbehand- lung begeben habe». Der ReichsbannermannWilhelmKohl meier kam am Sonnabend mit dem Fohrrad von der Arbeit nach Haufe. Di« Reichsbannerkokarde an der Mütze kennzeichnete ihn als Republi- kon-r. Er wurde i, o n 6 9 N a.z i? überfallen, mit Stahlruten, Schulterriemen und durch Fußtritte mitzhandclt, sein Rad demoliert, feme Mütze gestohlen. Der Arzt stellte vier Kopswunden uns lstortfetzung auf der 2, Seite.) Das Llnglück von Moni Cenis Drei weitere Todesopfer Herne, 29. Oktober. Das Grubenunglück auf der Zeche Monl Cenis Hot drei weitere Todesopfer gefordert. Zn der Nacht zum Dienstag starben von den insgesamt ZZ verlehtcn drei Bergknappen. Der Betrieb auf der Zeche wird bis aus das Anglücksrevier vollkommen durchgeführt. Lieber die Ursachen werden erst am Dienstag genauere Meldungen vorliegen. Das von der Explosion betroffene Flöz war bereits seit längerer Zeit in Kreisen der Bergarbeiter als schlagwetterhaltig bekannt. Daß die Explosion keinen so großen Umfang angenommen hat, wie diejenige vom 29. Junt 1921, bei der 83 Bergleute getötet und 72 verletzt wurden, ist auf die Gesteinstaubspcrrcr zurückzuführen, die sich diesmal sehr gut bewährt haben. Von den ins Krankenhaus eingelieferten Verletzten konnten bis zum Abend sechs nach Hause entlassen werden. Den übrigen noch im Krankenhaus Liegenden geht es den Umständen nach gut.— Viel besprochen wird das tragische Geschick des tödlich ver- unglückten Steigers Otto Schneider. Der Verunglückte hatte erst am letzten Sonnabend nach mehrjähriger Vorbereitung an der Bergfchule in Bochum die Betriebssührcrprüsung bestanden. Straßenbahn gegen Lastauto. Unglück in der Prenzlauer Allee. An der Ecke der Prenzlauer Allee und W i ch e r l. st c a ß e ereignete sich heule früh ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einer Straßenbahn der Linie 72 und einem Lastaulo. Dos Auto, das die Kreuzung zum Teil bereits passiert Holle, wurde von der Straßenbahn mit großer Wucht seitlich gerammt. Der Borderperron der Straßenbahn wurde zertrümmert. Der Führer, ein 31 Zahrc alter Mar Lehmann aus der Lemgorsiraße 4 in Weißensee, erlitt schwere Berlehungen: Lehmann fand Im Krankenhaus am Friedrichshain Aufnahme. Der Straßenbahnwagen mußte aus dem Verkehr gezogen werden. Durch den Unglücksfall cnlstand eine längere empfindliche Verkehrsstörung. Polizei darf sich nicht wehren Terrorakts der Hakenkreuzler auf den Dörfern. V r a u n s ch w c i g, 20. Oktober. sEigenberichi.) 3n Braunschweig entwickelten sich am Wonlag abend wieder an mehreren Stellen der Sladt Schlägereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Ein Lieferwagen, dessen Ehausseur ais Nolio- nalsozialist erkannt wurde, wurde angehalien. Dem Ehausseur wurden mehrere Kopsvcrleßnngen zugefügt. Polizei brachte ihn in Sicherheit. Ein Schuhpolizeibeamlcr. der sich am Sonntag gegen eine vielfache llebermocht von Nationalsoziali st cn wehren muhte, machte in der Notwehr von seinem Säbel Gebrauch. Aus eine Beschwerde der Nolio nalsozia- l i st e n wurde der Wann, ohne daß er gehört worden wäre, aus dem Straßendienst zurückgezogen. Zn der Umgebung Brounschweigs sind in vielen Dörfern Terrorakte durch Nationalsozialisten, die dort einquartiert waren, vorgekommen. Milde für die BürgerkriegsSanden. Hannover, 29. Oktober.(Eigenbericht.) Die Mehrzahl der am Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag von Braunschweig zurückkehrenden und von der hannoverschen Polizei wegen Verstoßes gegen die Notverordnung verhafteten 1ä9 Nazis wurde freigesprochen, mir wenige erhielten Geld- st rasen von 19 Mark. Seile«». krsiieisi«öSei»iHi6 heute Dienstag, 20. Okiober, ZO Uhr(Saaldffnung um 19 Uhr), In der ,. Neu gn Welt", Hasenheide Es sprechen zu dem Thema: f I Frauen im Kampf gegen die Not ü Franz Künstler, M.d.R- Toni Pfülf, M.d.R. Tony Sender, M.d.R. Mathilde Wurm, M.dJk.. Reritationen: Marl ha John, Friedet Hall.— Musik: Freie Musik- Vcreia und irelMldong de« ArbeUer-Tarn- und Sporlbosd«» das Mnslkkorps des Reichsbanner» Neukölln. Fehneneinmancfa der ArbeUersporllerinnen. Qenesslnnenl Sorgt für Massenbesuchs Die Verhandlung ergab, daß die mutigen Nazis ihre Ilnifarm während der Rückfahrt durch Mäntel und hochgeschlagene Kragen unsichtbar gemacht hatten. Der Vorsitzende betonte deshalb, das Verbot des Ilniformtragens besage lediglich, daß die Uniform nicht öffentlich getragen werden dürfe. Die Nazis hätten die Uniform auf der Rückfahrt unsichtbar getragen, sa daß sie siir Unbeteiligte von der Straße aus in den Autobussen nicht erkennbar gewesen wären. Herr Klagges hehi Berliner Schüler auf In Braunschweig ist noch nicht Unruhe genug! In den Berliner höheren Schulen wird von nationalsozialisti- scheu Schülern— selbst von zehnjährigen— ein Flugblatt des „Nationalsozialistischen Schülerbundes" verbreitet, das zu einer Schüleroersammlung auffordert, in der neben Herrn Goebbels der braunschweigische Minister für Unruhen Klagges sprechen soll. Der braunschweigische Innen mini st er unternimmt es also, die Schuljugend in Preußen gegen die preußische Regierung aufzuhetzen. Dies Unternehmen ist zum min- besten eine grobe Ungehvrigkeit und Taktlosigkeit des braunschwei- gischcn Innenministers. Schüsse in der Nacht. Schlimmer Ausgang einer Kneipfahrt. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm in der vergangenen Nacht die V i e r r e i s e zweier junger Leute in Vnchholz. Der 27johrige Richard M i l d n c r und der 24 Jahre alte Theodor T h n r n i c r trieben in Buchholz in der Trunkenheit aller- lci Unfug und feuerten aus einem Trommelrevalver mehrere Schüsse in die Luft ab. Eine Polizeistreife vermutete beschossen zu sein und nahm die Berfolgung der beiden jungen Leute, die in das Haus Schönhauser Straße 195 in Buchholz hineinliefen, aus. Die Beamten waren aber dicht hinter ihnen her, und als beide auf die mehrfachen Haltrufe nicht stehen blieben, gaben die Be- amten mehrere Schüsse ob. M'ldner und Thornier wurden von den Kugeln getroffen und lebensgefährlich verletzt. Durch dos Rettungs- omt wurden die Schwerverletzten in das Krankenhaus gebracht. Bei Mildner wurde ein Bauchschuß und bei seinem Freunde ein Brust schuh festgestellt. In den Taschen Thorniers wurde ein Trommelreooloer mit sechs leeren Hülfen gesunden. Eine genaue Untersuchung ist eingeleUet worden. Bürgerkrieg in Braunschweig. Sie Wahrheit über das Hakenkreuzverbrechen. (Fortsetzung von der I.Seite.) unzählige blutunterlaufene Stellen am Körper des Ucbcrfallencn fest. Der Rcichsbannermann Bitterlich mußte mit einem Oberschenkelschuß ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Lange Straße war überhaupt eines der Hauptziele der SA.-Horden. Tie aus verschiedenen Mordprozessen bekannte Ber- lincr Staffel 33 durchzog am Sonnabend unter Ab- singen aufreizender Lieder und unter Bedrohung der dort wohnenden Aeichsbannerkameraden die Straße. Wollkommandos versuchten, die Straße zu stürmen. Mit Revolvern, Dolchen und Knüppeln gingen die Rowdys gegen die Bewohner vor. Fast sämtliche Fensterscheiben in den Parterre- und Ersteetagewoh- nungen sind zertrümmert. Viele Türfüllungen eingedrückt. Am Sonntagmorgen durchfuhren vier mit Nazis besetzte große R e i s e w a g e n die Straße. Bon diesen Wagen aus wurde in die Wohnungen geschossen. Ein Wagen konnte mit Nummer I V 20 997 festgestellt werden. Bei einem Zu- sammenstoß zwischen SA.-Leuten und Bewohnern der Weberstraße forderten die Nazis die Bewohner auf, die Fenster zu schließen, andernfalls würde geschossen. In der Friesenstraße wurde am Sonntagmorgen versucht, das Haus Nr. 3 zu stürmen. Als die Polizei den Angriff abwehrte, gab der Nazi- jllhrer das Koinmando:„Hinten herum!" Darauf versuchten seine Mannen vom Schulweg aus in die Friesenstraße einzudringen. Aber auch hier wurden sie abgewehrt. Am Sonntagnachmittag überrannten Nationalsozialisten eine dünne Postenkette der Polizei, die den Ackerhof und die Schloßstraße abgeriegelt hatte. Der Naziminifter Klagges. angetan mit braunem Militärmautel und SA.-Müüe, unterhielt sich mit dem diensttuenden Polizeioberleutnant. Er war also Augenzeuge des rechtsbrecherifcheu Verhaltens seiner „rauhen Kämpfer". Als die Sache breuzlich wurde. zog er sich in den Torbogen des Marstalls zurück. Kurze Zeit daraus passierte ein Feuerüberfall der Nazis auf dem Klint. Dort wurden in den Häusern Nr. 2t, 30, 31 und 37 sämtliche Fensterscheiben und Fensterrahmen im ersten Ge- schoß zertrümmert. Hier rissen die Nazis auch das Straßenpflaster auf und bombardierten mit Pflastersteinen die Häuser. Durch einen solchen Stein- wurf wurde das dreijährige Kind Edith Knackstedt schwer ver- lebt. Ein ins Zimmer geworfener schwerer Stein traf die Kleine so unglücklich, daß sie böse Kopf- wunden erlitt. N c ich sb a nn crsp ortler, die aus dem Jahnplatz ein Handbalsspicl ausgetragen hatten, sahen sich mich Beendigung des Spiels in den Umkleideräumen von SS.- Leuten umstellt. Sie wurden bedroht mit den Worten:„Wer ein marxistisches Ab- zeichen trägt, wird niedergeschlagen." Als sie sich in den Umkleide- räumen einschlössen und die Tür sicherten, drangen die Nazis in einen Nebenraum ein, stahlen dort Werkzeuge und versuchten, damit die Türe zu erbrechen. Dabei wurden einige Reichsbonncrkameraden durch Glassplitter und Schläge mit Zaunlatten verletzt. An den Fahr- radern der Sportler zerschnitten die Rohlinge sämtliche Mäntel und Schläuche. Die Polizei war mancherorts dem Treiben der Ban- diten gegenüber einfach machtlos und wurde mehrfach stark bedroht. Der Herr Polizeipräsident aber befand sich nach einer aus seiner Privatwohnung erteilten Auskunft beim Vorbeimarsch der Hitlcrschen„Elitetruppen". Wie sehr die braunschweigische Polizei. deren höchster Chef der Naziminister Klagges ist, die Wahrheit ver- dreht, geht daraus hervor, daß Schriftleitungen der Berliner Blätter. die am Sonntag abend bei der Polizei anfragten, die Antwort erhielten, in Braunschweig sei alles ruhig. Aus der Fülle der unglaublichen Vorkommnisse seien für heute nur noch die folgenden zwei herausgegriffen: Als in der Fallersleberstraße ein Passant durch Messerstiche in Rücken und Kopf oerletzt wurde, und die Polizei den Täter fest- nahm, oersuchten die SA.- Leute, ihren Kameraden zu befreien. Das Reichsverkehrsministerium wird Veranlassung haben, sich uin den folgenden Vorfall zu kümmern: Während der Demonstration kreisten vier Flugzeuge über der Stadt Braunschweig. Eines davon trug an den Tragflächen die Inschrift:„Schlesien marschiert". Die Flugzeuge sollen der bayerischen Verkehrsfluggesellschaft gehören. Und dafür zahlt das Reich Subventionen! Diese kurze Uebersicht über die Vorgänge in Braunschweig beweist nicht nur, mit welcher Skrupellosigkeit die Pressebericht- erstattung iin Rechtslager frisiert wird, sie wt auch dar, daß die maßgeblichen Stellen des Reiches alle Veranlassung haben, schleunigst nach dem Rechten zu sehen. Es ist durchaus zu er- warten, daß diesen blutigen Ausschreitungen neue folgen. Das ist Bürgerkrieg' Alle Legalitätsschwüre Hitlers schassen die Tatsache nicht aus der Welt, daß seine Partei und seine SA. und SS. sich aus verbrecherischen Elementen zusammenseßen, die auch mit den ge- meinsten Mitteln des Terrors zu ihrem Ziele kommen wollen. Das braunschweigische Reichsbanner hat angesichts der ungeheuer- liehen Vorgänge einen Ausruf zur Sammlung aller Republikaner erlassen. Die Stärkung der Reichsbannerfront ist dringend geboten. Jede Regierung und jede Amtsstelle, die gegen das Wegelagerer- und Banditentum der Nationalsozialisten energisch vorgeht, darf der vollsten Unterstützung des Reichsbanners sicher sein. Wir erklären aber auch mit Bestimmtheit und Nachdruck, daß wir es keines- falls dulden werden, wenn politische Verbrecher auch weiterhin mit dem Schicksal unseres Volkes Schindluder treiben und mit den verwerflichsten Mitteln die Republik bekämpfen! Groeners schwere Aufgabe Kritiker links und rechts Die Ankündigung des neuen Reichsinnenministers und bisherigen Reichswehrministers Groener, er werde im Rot- falle vom Reichspräsidenten drakonische Ausnahme- bestimmungen erbitten, um Terrorakte gegen politische Gegner und blutige Auseinandersetzungen von Volksgenossen untereinander unmöglich zu machen, hat begreiflicherweise starkes Aufsehen erregt. Die„Rote Fahne" spricht von einem „Unterdrückungsprogramm gegxn den Kommunismus" und „ungeheuerlichen Androhungen des von der SPD.-Führung gestützten Generals". Nicht weniger schrill klingt das Echo aus der deutschnationalen Presse im Reich, besonders aus der „Pommerfchen Tagespost". Dieses Hugenberg-Blatt begnügt sich nicht damit, nach Kommunistenart zu schimpfen: es kün- digt bereits den offenen Widerstand an. indem es schreibt: Herr Groener, den man im November 1918 in wesentlich weicheren Konturen sah, ist jetzt aus einmal der starke Mann.... Glaubt Herr Groener, seine rasselnden Worte würden eine iiiuntere lleberwinterung fördern? Glaubt er die Radikali- sierung mit solchen Trompeten st ößen hinter Kasernen- mauern aushalten zu können? Er glaubt es wohl selbst nicht: denn am Schluß seiner eisernen Worte beschäftigt er sich niit den jugendlichen Er- werbslosen. Er wolle alles oersuchen, die Jugendlichen von der Straße wegzubringen, sie körperlich zu ertüchtigen und in ihrer geistigen Haltung wehrhast zu machen. Nun sind wir gespannt, was bei dieser„wehrhaften Winterhilfe" herauskommen wird. Meint etwa Herr Groener, die Jugend habe gerade auf ihn gewartet, um„geistig wehrhaft" gemacht zu werden? Die wehrhaste Jugend, die in den nationalen Verbänden und in der SA. marfchierk, wird aus keinen Fall von den Straßen verschwinden. Bei ihr verbindet sich wehrhafter Geist imd politischer Wille. Sie kann beides voneinander nicht mehr trennen. Wenn Herr Groener die Jugend nun mit„Wehrhaitigkeit" beglücken will. dann wirkt dies um so fataler, als er zur Begründung seines Wollens gerade die Notwendigkeit anführt, sie von der Straße weg- zubringen. Nur um die Jugend zu beschäftigen, sie wehrhaft machen zu wollen, das allerdings scheint uns ein fatales Mißverstehen der Wehrhaftigkeit zu sein. Die Jugend ist wehrhaft aus einem anderen Geist als aus dem offiziellen Staatsgeist. Weder mit harten noch mit milden Worten wird Herr Groener sie eines anderen belehren können. Herr Groener ist sicherlich klug genug, die enormen Schwierigkeiten seiner Aufgabe zu kennen. In konservativ gerichteten Kreisen begegnet man dem ehemals kaiserlichen Offizier, der die Ordnung der Republik schützt, mit doppeltem Haß. In weiten Arbeiterkreisen aber ist man der Meinung, daß von einem General Unparteilichkeit zwischen dem rechten und dem linken Radikalismus nicht zu erwarten sei. Der Erfolg oder Mißerfolg des neuen Reichsinnenministsrs wird in hohem Grade davon abhängen, ob es ihm gelingen wird, diese Meinung zu zerstören. Doch werden Worte dazu nicht genügen, sondern es werden handfeste Tatsachen not- wendig sein. Die Erklärung der„Pommerfchen Tagespost", die SA. werde von den Straßen nicht verschwinden, ist etwas groß- mäulig, denn infolge der Maßnahmen der p r e u ß i- s ch e n Regierung ist in den Städten von einer BeHerr- schung des Straßenbildes durch Hitlers Privat- t r u p p e n nichts zu bemerken. Ganz anders aber ist das in den Ländern, in denen das Zurschautragen der braunen Bürgerkriegsuniform gestattet ist. Die Zustände, die dort herrschen, müssen über kurz oder lang zu Zusammenstößen führen, weil sich die friedliche Bevölkeruna das heraus- fordernde Treiben dieser innerdeutschen Besatzungstruppen nicht gefallen lassen wird. Wenn Herr Groener die arbeitende Bevölkerung von seiner Unparteilichkeit gegen rechts und links überzeugen will, so wollen wir ihm gerne dabei helfen. Denn nur wenn das Volk glaubt, daß an der Spitze des Staates Gerechtigkeit herrscht, kann die Aufgabe, die sich Groener ge- stellt hat, gelöst werden und der Staat vor schweren Erschütte- rungen bewahrt bleiben. Gerne wollen wir diesen Glauben fördern, wenn die Taten danach sind! Die Reichswehr beschönigt Sie redet von ruhigem Verlauf— iroh der Opfer! Der angeforderte Bericht der Braunschweiger Regierung ist beim Reichsinnenminister noch nicht eingegangen, sondern lediglich eine telephonische Mitteilung des Braunschweiger Gesandten in Berlin über«in Ferngespräch mit seiner Regierung. Um sich ein unparteiisches Bild von den Borgängen in Braun- schweig zu yerschafsen, hat der Reichsinnenminister den G a r n i- sonältesten in Braunschweig, Oberst Geyer, nach Ber.lin berufen und nach einem Gespräch zwischen beiden hak Oberst Geyer einen Bericht schriftlich formuliert, der nach einer unwesent- lichen Einleitung über die erregte Stimmung in Draunschweig, das häufige Auftreten von Braunhemden auf den Straßen, Plakare und Zeitungsartikel vor dem Nazioufmarsch, folgendermaßen fort- fährt: „Da ich die Gewißheit hatte, daß die Polizei unter allen Um- ständen Herr der Lage bleiben würde, habe ich militärische Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen. Sie schienen auch jetzt nicht nötig, o b- wohl bekannt war, daß auch die Gegner der NS. Z u- zug von außen erhalten hatten und daß bereits SchlägereienmitVerletzungeneingetretenwaren. Am Abend des 17. Oktober marschierte ein Fackelzug von etwa 0000 NS. durch sehr viele Haupt- und Nebenstraßen. Niemand hatte Bedenken, auch Frauen und Kindern diesen Zug ansehen zu lassen. -In der Tat sind ern st hafte Zwischenfälle von nie- mandem berichtet worden. Ich selbst bin am Abend durch die Stadt gegangen und erst nach Mitternacht ohne jeden Zwischen- fall nach Hause gekommen. Am nächsten Morgen war eine Besichtigung der NS.-Kraftfahrstaffel und Standarten und dann von 12 bis 18 Uhr ein großer Umzug mit Vorbeimarsch vor Hitler am Schloßplatz. Am Abend war eine Hitlerversammlung. Sämtliche Veranstaltungen verliefen außerordentlich diszipliniert, wenn auch durch das damit verbundene lange Warten und durch gelegentliche Ueberfälle auf die NS. an einzelnen Stellen vorübergehend eine ge- steigerte Spannung entstanden sein muß. Auf der einen Seite, N i ch t v o n der NS., wurde teilweise das Pflaster aus- gerissen, um Steine zum Werfen zu gewinnen. Auf der anderen Seite wurden diese Angriffe be- antwortet durch Stürme, die sich auch auf Häuser erstreckten und die eine ganze Menge Fenster- scheiden kosteten. Am kritischsten war nach der Auffassung der Polizei der 18. Ok- tober zwischen 17 und 18 Uhr, die Polizei blieb aber in jedem Fall vollkommen Herr der Lage. Waffengebrauch soll in keinem Falle notwendig gewesen sein. Mit großem Erfolg wurde dagegen einmal ein Sprengwagen eingesetzt. Der ruhige Verlauf wird auch dadurch erwiesen, daß keinerlei Bedenken bestanden haben, auch am 18. Frauen und Kinder ausgehen zu lassen. sfflenn die Zahl der Verletzten bis Montag im ganzen zwe'i Tote und über 70 Verletzte erreicht hat. so ist das auf die überaus große Teilnahme an der Tagung und auf die allseitig gereizte Stimmung zurückzuführen. Ein Einsatz der Reichswehr war nach Lage der Dinge in keinem Falle notwendig Qezer, Oberst Dazu erklärt das Reicksinnenministerium, daß es noch den Be- richt der Braunschweiger Landesregierung abwarte, um sich dann sein Urteil zu bilden. Eine Klarheit darüber, ob man auch den an- gekündigten Bericht der sozialdemokratischen Landtagsfraktion dieser Urtcilsbildung zugrunde legen wolle, besteht nicht. Die immerhin bemerkenswerte Tatsache, daß das Reichsinnenministerium sich an den Rcichswehrkommandeur als Berichierstatter über die Vorgänge auf den Straßen halt, wird damit begründet, daß das Rcichsinnen- Ministerium eigene Beobachter im Lande nicht hat und auch in Brauuschweig nicht, und daß auch schon in srüheren Fällen bei der- artigen Vorgängen sowohl die höchsten örtlichen Reichsbeamten wie wahrscheinlich auch der Garnisonälteste um Berichte ersucht worden seien. Ob die offenkundige Milde des Reichswehr- obersten als Beurteiler gegen die Nationalsozia- listen nicht für das Ansehen der Reichswehr im Volke nachteilige Folgen haben kann, ist eine Frage, die selbst von weit rechts stehenden Persönlichkeiten entschieden bejaht wird! Sie wollien ungestört Terror üben! Wie die Hakenkreuzler provozierten. Aus Braunschweig wird uns berichtet: Sonntagmsttag versuchten die Nazis in größeren Abteilungen durch den Klint, die Ritter st raße und Kuhstraße zu marschieren. Auch Kraftwagen wurden hinter den Abtei- lungen verwandt. An der Ecke Ritterstraße und Klint kam es i n- folg« der unerhörten Provokationen der Nazis zu Störungen und Reibereien mit der Bevölke- r u n g, so daß die Polizei einschreiten mußte. Es gelang der Polizei zunächst, die Straße von den Nazis zu säubern mit dem Erfolg, das neue Abteilungen versuchten, einzudringen. Jetzt kam den in nur geringer Zahl anwesenden Beamten ein Ueberfallkommando zu Hilfe, das die Rittcrstraße und Kuhstraß« energisch räumte. Ein Nazimann sprang aus einem Kraftwagen und schrie in höchster Erregung in die empörte Menge hinein: „Wir kommen heute noch wieder und dann räuchern wir den Klint richtig aus!" Diese unerhörte Provokation hatte die ohnehin gereizte Bevölkerung in höchste Erregung gebracht Mst Stöcken schlugen die Gereizten auf den Provokateur ein, der schnell in den Wagen sprang und die Flucht ergriff. Eine Scheibe des Wagens wurde eingeschlagen. An der Ecke Taschenstraße und Langedammstraße kam es zu neuen Zusammenrottungen der dorthin abgedrängten Nazis, die hier den Führer des Ueberfallkommandos zur Rede stellten, weil die Polizei angeblich zu Unrecht auf die Nazies geschlagen hätte. Die Nazis(es handelte sich um sächsische Leute) hatten inzwischen einen Beamten und den Polizeiossizier photographicrt und drohten, den Offizier dem Ml- nister Klagges zu melden. „Bei uns in Lachsen gäbe es eine solche Polizei morgen nicht mehr! Geben Sie uns doch eine Stunde den Klint frei! Dann machen wir dort Ordnung und wir und Sie haben für immer dort Ruhe!" Schließlich gaben sich die Nazis zufrieden, nachdem sie die Dienst- nummer eines Beamten erhalten hatten. Ooppelselbstmord im Teltowkanal. Aus dem Teltowkanal zwischen der Ostar-Lange- und Emil-Schulz-Brllcke wurden heute mittag die Leichen einer Frau und eines Mannes geborgen: die Toten waren mit einem Strick zusammengebunden. Zweifellos handelt es sich um Selbstmord. Das Alter der Lebensmüden wird auf etwa 60 Jahre geschätzt. Die Kriminalpolizei hat die weiteren Er- niittelungen ausgenommen. Der heimwehrpukschist Pfriemer ist aip Montagmittag von Marburg an der Dran über Mailand,.Zürich und Friedrichshofen in München angekommen. Er reiste nach kurzem Aufenthalt mit bisher unbekanntem Ziel weiter. Zum Tode Edisans hat der Neich-präsilent an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ein Telegramm gerichtet, in dem er sagt:„Die dankbare Erinnerung an den großen Sohn Ihres Landes wird in Deutschland unveriöschlich fortleben." Hegel und Der 2. Internationale liegel-Kongreh wurde gestern vormittag in der alten Zlula der Universität, der alten Stelle Hegelschen Wirkens, eröffnet. Der Kongreß findet in Berlin statt, wo der große deutsche Philosoph vor nahezu 100 Jahren, am 14. November 1831, sein reiches Leben beschloß. Die Arbeit des Kongresses steht also im Zeichen einer Gedächtnisfeier. Den Vorsitz führt der verdiente Hegelforscher Georg Lassan, der nach einer kurzen Ansprache den Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden, der Stadt Berlin und der zahlreichen gelehrten Gesellschaften das Wort erteilte. Als Vertreter des preußischen Staatsministeriums ergrisf der preußische Unterrichtsminister, Genosse Grimme, das Wort zu einer kurzen Rede:„Heute Philosophie, heute ein philosophischer Kongreß? Ja, wenn überhaupt Philosophie, dann gerade in Krisen- Zeiten, wo die Grundlagen des Seins erschüttert sind und so zu neuer Problemschau zwingen. Eine Hegel-Renaissance ist heute nur in ganz begrenztem Sinne notwendig, denn die eigentliche Wirkung Hegels vollzog sich ununterbrochen. In die kritische Soziologie des deutschen Sozialismus— in Marx, Engels und L a s s a l l e— ist die philosophische Substanz des Hegelschen Werkes eingeströmt! diese Bewegung hielt Hegels Ideen selbst in einer Zeit lebendig, in der sich das Bürgertum dem plattesten Materialismus zugewandt hatte und Hegel als Unsinnschmierer brandmarkte. Hegel ist leben- digste Gegenwart; er hat den Primat der Allgemeinheit, des Staates gegenüber dem Individuum betont. Der Staat war für Hegel die höchste sittliche Kraft einer genossenschaftlich organisierten Gemein- schast. Dieser Denker hat nicht um des Denkens willen gedacht; Denken, Wissen ist für Hegel nur dann sinnvoll, wenn es zum prak- tischen Wollen führt. Der Sinn seiner Dialektik ist die bewußte Veränderung der Welt.* Professor K r o n e r- Kiel hielt die Fcstr�e:„Hegel und die Gegenwart". In seinen Ausführungen war allerdings wenig von der konkreten Situation der Gegenwart zu spüren. Der Redner wandte sich gegen die Berendlichung des Menschen. Gewiß habe jede Gegenwart das Recht, nach ihrer Bestimmung zu fragen, aber in der Ferage nach ihrem jeweiligen Sinn dürfe sie die Be- unsere Zeit sinnung auf die„Ewigkeit" des menschlichen Seins nicht außer acht lassen. Eine neue Metaphysik als Grundlage alles menschlichen Wissens und Seins sei das Gebot der Stunde. Dte intensive Beschäftigung mit Hegel müsse in diesem Zusammenhang besruchtend und zielgebend wirken. Von den Vorträgen der Nachmittagssitzung verdient wohl der von Professor H a e r i n g, Tübingen, die meiste Beachtung. Der Redner skizzierte mit der Sicherheit des Meisters den werdenden Hegel. In freier Rede stellte er in charakteristischen Zügen den um Systemklarheit ringenden Philosophen vor die gespannt lauschenden Zuhörer hin: schon der Jüngling Hegel bekundet einen starken Drang nach Erfassung eines ausgebreiteten Tatsachenmaterials, schon hier zeigt sich Hegels Tendenz zur Totalität, zu Allheit, zu einer uni, versalen Durchdringung der Natur und dem geschichtlichen Sein des Menschen. In seiner Tübinger Studentenzeit huldigt Hegel keines- wegs dem Kosmopolitismus, der damals von der französischen Rc- volution stark genährt wurde, vielmehr wandelt er diesen Kos- mopolitismus ins Nationale. Die Gleichheitsidee jener stürmischen Jahre ist ihm keine mathematische Gleichheit, sondern er versteht unter Freilfeit die grundsätzlich gleiche Möglichkeit eines jeden im Leben des Volkes. Diese unverkennbar praktisch Tendenz findet der Bortragende auch in den Studien Hegels, die er in den solgenden Jahren in Bern und Frankfurt treibt. Nach Frankfurt ging Hegel, um seinem Freund Hölderlin, dessen Schicksal ihn tief berührte, näher zu sein. Hölderlins einsamer Weg war Hegel Beweis für die innere Vermessenheit, die der einzelne dann auf sich nimmt, wenn er sich von seiner Umwelt trennt und sich über sie einseitig über- heben will. Heget vereinigt schon in diesen Jahren Theorie und Praxis, Denken und Sein. Auch im geistigsten Verhältnis des Menschen, der Lieb«, bedarf es des Körperlichen: Geist und Materie müssen sich durchdringen. In schwerem geistigem Ringen beginnt Hegel die Formung seines Systems, das er bis zu seinem Tode in immer feinerer Angleichung und Durchdringung der Wirklichkeit. in immer neuen Arbeiten entwirft. Prof. Haering spricht von zehn Systementwürfen in Hegels Werk, ein Beweis, wie Hegel bis zu seiner Vollendung ein Werdender geblieben ist. J. P. M. Die Favag-provisionen. Hunderttausende verschleudert. Am dritten Verhandlungstag des Zavag.prozesses beginnen die Zeugenvernehmungen. Der Angeklagte der Röchlingbank Waßmannsdorf bekundete, daß er zwar bei der Transaktion zwischen seiner Bank und der Favag die Verhandlungen "für seine Firma geführt, aber keine Provision erhallen habe, da er Angestellker war. Als zweiter Zeuge wurde der 64jährige langjährige Aussichts- ratsvorsitzende der Favag, Adolf Hoff. aufgerufen. Der Zeuge war 19 Jahre lang Mitglied des Aufsichtsrates, dessen Vorsitzender er im Jahre 1924 wurde. Er gibt an. daß er die Urkunden über Sie Provisionen in Höhe von 300 000 Mark ausgestellt habe, ohne zu wissen, daß davon 400 000 Mark an die Favag-Direktoren Dumcke, Becker, Schumacher und L i n d n e r gegeben werden sollten. Hoff gibt weiter an, daß ihm sogar einige Namen von angeblichen Berliner Herren, die eine Provision zu bekommen hätten, vom Generaldirektor Dumcke genannt worden seien. Zweite!- los hat der unterdessen verstorbene Generaldirektor Dumcke bei dieser Gelegenheit Betrug verübt. Ob der Angeklagte, Direktor Becker, bei dieser Unterredung dabei war, kann Hoff nicht mehr mit Bestimmt- heit angeben. Durch Fragen des Vorsitzenden und der Beisitzer wird dann im einzelnen festgestellt, daß der damalige Aufsichlsrotsvorsihende hoff, ohne jemals von den Verhandlungen im einzelnen erfahren zu haben, lediglich durch vorlagen von zwei Schriftstücken vor vollzogene Tatsachen gestellt wurde. Hoff beruft sich auf sein durch IOjährige Zusammenarbeit mit Dumcke gegründetes volles Vertrauen. Er hat sich auch über die Einzelheiten, wie die 100 000 Mark an die Favag-Direktoren ver- teilt werden sollten, nicht gekümmert. Vorsitzender:„Was hätten Sie getan, wenn Sie erfahren hätten, daß Sie über die Empfänger der 400 000 Mark getäuscht worden seien?" Zeuge Hoff:„Ich hätte mich mit den anderen Aufsichtsrots- Mitgliedern in Verbindung gesetzt." Auf die Frage, ob er willenlos alles unterzeichnet hätte, was der Generaldirektor Dumcke ihm vorlegte, bekundet der Zeuge, daß er einmal Widerspruch erhoben hätte, als Dumcke für ihn eine jährliche Entschädigung von 20 000 Mark beanspruchte, weil er auf seine ihm vertraglich zustehende Dienstwohnung ver- zichtete. Der Zeuge Hoff hat diese Summe für zu hoch erklärt, zum Schluß aber doch nachgegeben. Unter allgemeinem Lächeln begrün- dct Hoff seine Stellungnahme damit, daß man ihm bei der Ueber- nähme des Aufsichtsratsvorsitzes gesagt habe:„Als Vorsitzender eines Aufsichtsrates darf man nicht kleinlich fein!" Es wird dann noch festgestellt, daß der Aufsichtsrat der Favag zweimal im Jahre zusammentrat, manches Jahr auch nur einmal, — und daß dafür der Vorsitzende etwa 7000 Mark, im letzten Jahr sogar 20 000 Mark erhielt, während die einzelnen Aufsichtsratsmit- glicder im letzten Jahre 10 000 Mark und in den stüheren Jahren etwa 4000 Mark erhielten. Ein Beisitzer wirst hier ein:„Wenn man bei mehreren Ge- sellschaften Aufsichtsrat ist, vervielfältigt sich das?"(Heiterkeit.) Ltm ein soziales Mieirecht. (Z'ine Aussprache der sozialdemokratischen Mietervertreter Am Montagabend fand eine Versammlung der Zlbteilung Mielervertreter fowle aller sonst für das Miet- und Wohnungswesen interessierter Parteigenossen im Gewerk- fchaskshaus, Engelufer. statt. Genosse Landgerichtsdircktor Ernst Rüben sprach über Miet- senkung und Hauszinssteuerreform. Die Löhne und Gehälter, so führte er aus, sind stark gekürzt worden, aber die Wohnungen sind nicht billiger geworden. Daraus haben sich geradezu lata- ftrophale Zustände ergeben. Die Exmittierungen nehmen in einem erschreckenden Umfange zu. Die Wohlfahrt hat nicht die Mittel, um hier in genügendem Matze helfend einzugreifen. Die schlimmsten Zustände haben sich für die Mieter in Neubauwoh- n u n g e n ergeben. Hier sind Exmissionen nicht mehr Einzelfälle. Dadurch wird Tag um Tag immer größere Unruhe in die Reihen der Arbeiterschaft hineingetragen. Immer stärker wird der Wunsch, daß die Partei sich energisch mit der Frage der Mietsenkung befasse. Leider sind gerade die gesunden, lustigen Wohnungen nicht von denen bewohnt, für die sie gebaut sind. Der Arbeiter hat keinen Anteil an diesen Wohnungen, deren Mietpreise so sind, daß sie nur für eine kleine, gehoben« Schicht in� Frage kommen. Die Aermsten der Armen hausen in den allen Wohnlöchern. Aus diesen Verhältnissen ist«ine immer größere Un- zufriedenhell auch mit der Mieterpolitik der Partei entstanden. Der Redner weist den Vor�ourf der unzulänglichen Arbell entschieden zurück. Die Reingewinne sind für die Hausbesitzer am größten in den Kleinftwohmingen, außerdem werden die 17 Proz. für Reparaturen, die in der Miete stecken, von den Hausbesitzern fast gar nicht veraus- gabt. Es ist unerhört, daß die 130 Millionen, die aus der 20proze!lligen Senkung der Hauszinssteuer durch die Notverordnung den Hausbesitzern zugute kommen. Es wäre besser, wenn sie der notleidenden Mieterschaft zur Verfügung gestellt würden. Die Altbaumieten können nur dann gesenkt werden, wenn die Senkung nicht auf kosten der notleidenden Mielerschast, sondern aus kosten der Hausbesitzer erfolgt. Leider wenden sich notleidende Genossen von uns ab, weil wir ihnen unter dem Zwange der Verhältnisse zu� wenig helfen können, wenn es ihnen nicht möglich' ist, die Miete zu zahlen. Unter allen Umständen müssen Mittel gefunden werden, um die Mieten zu senken. Wir fordern deshalb auch die Reichstagsfraktion auf, auf diese Senkung hinzuwirken Unsere Aufgabe muß eine doppelte sein. Wir müssen den Wohnungsbau schon mit Rücksicht auf die Bauhandwerker fördern, aber andererseits müssen wir ver- hindern, daß die Not der Mieterschaft noch mehr steigt. Eine ausgedehnte Diskussion folgte. Die folgende Ent- s ch l i e ß u n g wurde«instimmig angenommen: „Die heutige Versammlung der Abteilungsmietervertreter Groß- Berlins begrüßt den Antrag der Reichstagsfraktion auf Bereit- stellung stärkerer Wohnungsbaumittel und auf Senkung der Neu- baumieten, verlangt aber ebenso entschieden, daß alles daran gesetzt werde, um der notleidenden Altbaumieterschaft zu helfen und die Senkung der Altbaumieten der Senkung der Löhne und Gehälter anzupassen. Die Zwischengewinne des Altbaubesitzes an der Hauszinssteuer sind im Interesse der Mietsenkung zu erfassen. Ferner ist durch gesetzliche Maßnahmen im Interesse der Linderung der Arbeitslosigkeit und der Erhaltung der Althäuser eine R e- paraturpf licht des Althausbesitzes im Rahmen der ihm für Reparaturen zufließenden Beträge einzuführen. Die geltende Befreiungsgrenze für den Erlaß der Hauszinssteuer für Minder- bemittelte ist aus mindestens 1300 Mark jährlich zu erhöhen." Golistenkonzerte. Konzertnickblick. Die Solisten leider am meisten unter der ungünstigen Situation unseres Musiklebens. Chor- und Orchesterkonzerte gewähren eine viel größere Anziehungskraft auf das große Publikum, sie sind schattierungsfähiger, abwechslungsreicher, nicht so sehr auf die In- dividualität eines Künstlers, nicht so sehr auf die Freude an tost- barer Vereinzelung gestellt, sie ermöglichen ein ganz anderes, ein ob- jektiveres Verhältnis zur Musik. Von den Solistenkonzerten, die überhaupt noch stattfinden können, widmen sich eine ganze Anzahl der Linderung der Not. Cläre D u x sang in der ausverkauften Philharmonie, von Blumen und Beifall überschüttet, zum Besten der Kllnstleraltershilse. Ihr nicht sehr ausdrucksvoller hochkultivierter Sopran ist keines Forte fähig und fp der Höhe ganz auf ihre Meisterschaft der Kopstön« an- gewiesen: das Piano aber tönt und nuanciert sich vielfällig und ge- schmackvoll, und so gelingen ihr die leisen Lieder am besten. Auch Ludwig Wullner widmet den Reinertrag feines Schubert-Zqklus, der die Müllerlieder, die Winterreise und Schwanengesang umfaßt, der Berliner Winterhllfe. Er ist kein Sänger im üblichen Verstand, kein kostümierter Kehlkopf: ein Rhapsode, endlich einer, der die unzähligemale gesungenen pro- sanierten und zersungenen Lieder von der Patina übler Er- innerung reinigt, der es in fast jugendlicher Leidenschaft zuwege bringt, sie gleichsam neu zu entdecken und in dramatischer Wucht neu aufzubauen. Wladimir Horowitz ist der erfolgreichste der jüngeren Pianisten: seine Konzerte haben immer noch sensationellen Charakter. Er ist ein impressionistisches Genie und verfügt über einen un- erhörten Reichtum an Anschlagstönungen, Farbennüancen und dynamischen Schattierungen. Leider geht er mit seiner nervösen ro- manischen Art Klavier zu spielen, mit seinem an Chopin und den Impressionisten geschulten Stil auch solcher Musik zuleide, die durch all das nur oerfälscht wird, die gemeißelt werden muß und nicht ge- tuscht oder aquarelliert, die einen geistigen Kern besitzt und nicht nur klingende Hülle. Beethoven oder Prahms zu gestalten geht einjach über seine Fähigkeiten— die ihn zu einem ausgezeichneten Jnter- preten der Chopin, Prokofiefs und Strawinfty macht. A.\V. „Schützenfest in Schilds." Titania. Als Komparse wird Siegsried Arno zum Wüstensohn heraus- geputzt. Da fein Pferd ihn abwirft, wird er von seiner Filmgesell- schast getrennt. Den müden Wanderer nehmen zwei Chauffeure auf, die mit dem Hcrrschastswagen auf Tour sind. Wider Erwarten werden sie in Schilds aufgehalten. Das Städtchen erwartet einen orientalischen Herrscher und da der Filmkomparse dafür gehalten wird, muß er alle Feierlichkeiten über sich ergehen lassen, bis der echte Herrscher kommt. Der spielt nicht etwa den Beleidigten, sondern schreitet gemeinsam mit dem Schwindler die Ehrensront ab. Man schuf für Siegsried Arno eine Bombenrolle. Er Hot recht gute Momente und unnachahmlich trägt er Fes und Krummsäbel. Daß Arno von Fritz K a m p e r s, Eugen R e x, Hans W a ß m a n n und Ida W ü st wacker unterstützt wird, versteht sich von selbst. Doch hat Adolf Trotz den krankhaften Ehrgeiz, ein Regisseur der Massen zu sein. Er packt den ganzen Film voller Aufmärsche. Sie ermüden auf die Dauer. Weniger wäre mehr gewesen. Die ganze Parodie wirkt schwach, schon darum, weil die Menschen sich im Leben noch weit grotesker und lächerlicher gebärden,—g. Carow spielt und dirigiert. Lachbühne Weinbergsweg. Ein mageres Handlungsgerüst, gezimmert aus ein paar Witzen, aus Situationskomik und etwas Rührseligkeit, erhält, wenn Erich C a r o w die Bühne betritt, plötzlich das Aussehen einer Charakter- komödie. Martin Locwes„Herz und Schnauze", ein Akt, der die Vergrätzung und Erweckung eines kleinen Kolonialwaren- Händlers schildern möchte, wird zum Gestaltungsoorwurf für einen großen Künstler, der ihn weit über das Niveau hebt. Carow schlurft in einem unwahrscheinlich abgetragenen Anzug herum. Alles bietet ihm Anlaß, sich fanatisch zu ärgern, er tobt und schimpft wie ein Berserker, aber dann bricht für einen Augenblick sein kindliches Herz hindurch. Er gleitet über ausgegossenen Essig aus, schlägt hin, springt wieder auf und entdeckt, daß das Glitschen ein ungetrübtes Vergnügen bedeutet. Das Gesicht strahlt, und er klatscht erfreut in die Hände wie ein kleiner Junge. Stumme, kurze Szenen werden zum Ausdruck eines impulsiven Küstlertums, aus dem die Leistung erwächst. Die Grenzen verwischen sich. Vieles geht bis zur grotesken Clownerie. So wenn Carow mit verknoteten Beinen auf der Trittleiter balanciert. Manches berührt fast das Tragische. Es gelingt Carow, in dem kurzen Ausschnitt die Quintessenz eines Lebens einzufangen. Die Episoden sind nicht ein- malig, man spürt die Verkettung, die ewige Wiederkehr, man sieht das trübselige Dosein dieses Männchens, man ahnt die Ent- täuschungen, die ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Und dieser große Gestalter zeigt sich noch von einer anderen Seite. Er dirigiert beim Beginn der Borstellung das ausgezeichnete Hausorchester von der Tell-Ouvertüre über einen Tango und Pas double zu einem Milttärmarsch. Das ist von stärkster Musikakität beseelt und von einer elementaren Freuds an groteskem Gliederspiel. P.Sch. proleiarischer Tanzabend. Die proletarisch« Tanzgruppe Otto Zimmermann. Leipzig veranstallete im Saal des Lehrervereinshauses vor den Mit- gliedern des Arbeiter-Turn- und Sportbundes einen Tanzabend. Otto Zimmermann stellte in einleitenden Worten seine Arbeit als einen Versuch dar, der nur einen Weg, kein erreichtes Ziel zeigen wolle. Es käme ihm daraus an, dem proletarischen Menschen die tänzerische Körperbewegung als Ausdrucksmöglichkeit proletarischen Erlebnis zu erschließen. Leider war es an den Darbietungen nicht nachprüfbar, ob die von Otto Zimmermann erstrebten Ziele auch nur erreichbar scheinen. Denn man sah keine proletarische Masse, sondern in allen Dar- bietungen nur Otto Zimmermann und zwei tänzerisch sehr gut geschulte Frauen. Daß alle drei, wie in den einführenden Worten gesagt wurde, keine Berufstänzer, sondern werktätige Menschen sind, ist nicht so wesentlich. Sie konnten keinen aktiven proletarischen Tanz zeigen, sondern nur Tanz für proletarische Zuschauer. Otto Zimmermann verbindet in einigen Darbietungen den Tanz mit dem gesprochenen oder gesungenen Wort. Daß Tanz und Gesang eine Einheit ergeben kann, leuchtet ohne weiteres ein, bestätigte sich auch in dem„proletarischen Foxtrott" und dem„Tanz der Jnter- nationale". Für die Möglichkeit einer Verschmelzung von Tanz und Wort blieben die Darbietungen allerdings den Beweis schuldig. Weder der„Tanz des Ebenbildes Gottes" noch die von stilisierten Körperwindungen umrankte„Rote Messe" von Arno Nagel wurden Ausdruckserlebnis. Ueberhaupt entgleitet der Tanzstil dieser Gruppe leicht in etwas kitschige Phrasen, wenn er sich in die Gebiete der Sentimentalität und des Pathos begibt. Das wurde am stärksten deutlich in der„Tanzenden Straße", die eine Fülle witzig und wissend gesehener Typen tänzerisch auflöste, aber plötzlich in diese durchleuchtete Wirklichkeit ein Blumenmädchen stellte, das jedem Vertiko zur Zierde gereicht hätte. Auf jeden Fall, trotz mancher unzulänglicher Programm- nummern, wurde der Abend ein starkes Erlebnis; denn er gab in den meisten Darbietungen doch das, was wir sonst in Tanz- gestaltungen meist schmerzlich vermissen: künstlerische Auseinder- setzung mit unserer Welt.— lr. »Wunder in Amerika." Im Mannheimer Nationaltheater wurde ein neues Drama von Ernst Toller und Hermann Kersten aufgeführt. Unter dem Titel„Wunder in Sl m e r i k a" haben die Autoren— offenbar durch den Lebensabriß Stefan Zweigs„Das Leben und die Lehre der Mary Baker-Eddy" angeregt— den Versuch gemacht, die Gestalt der Gründerin der„Ctiristian Grience" zu dramatisieren. Das Drama ist nicht einheitlich: bald Reportage, bald biologisierender, monologisierender Essay, bald auf Effekten ausgebautes Theater, läßt es di« letzte Geschlossenheit und Größe vermissen. Es bleibt trotz allem ein interessanter Versuch. TaS Recht des BeschlechtStrankcn mit Rückblick. Ilmblick und Ausblick unter Temonstration von einigen historischen Lichtbildern. Vortrag von Prof. Dr. Julius Heller aus Einladung der Ortsgruvpe Berlin der DGÄG. am Donnerstag, dem 22. Oktober. 20 Vi Uhr, im großen Sitzungssaal des Bolkswohlfahrtsministeriums, Leipziger Str. 3. Ein- tritt frei. 868000 Wohlfahrtserwerbslose Zunahme im Gepiember um 42S26, oder 5,5 v. H. Nach der Erhebung des Preußischen Statistischen Loirdesoints vom 30. September sind in Preuße» 840 zzg vom Arbeitsamt anerkannte Wohlsahrtserwerbslase bei den Bezirkssürsorgeverbünden gezählt worden gegenüber 806 600 am Ende des Vormonats, so daß sich im September eine Zunahme um 42S26 oder 3,3 Proz. ergibt, die etwas schwächer ist als der Zuwachs im August(33 626 oder 7,1 Proz.). Demnach entfallen auf 1000 Einwohner im Staatsdurchschnitt jetzt 22,2 Wohlfahrtscr- w e r b s l o s e. Gegen den Vergleichsmonat des Vorjahres hat sich die Wohl- fahrtserwerbslofenzahl um 401 923 oder 89,9 Proz. erhöht. Berück- sichtigt nian auch die 14 314 unterstützte» W o h l f a h r t s- erwerbslosen, deren Anerkennung durch das Arbeitsamt nur am Stichtage noch nicht ausgesprochen gewesen ist, sowie die 4 618 strittigen F ä l l c, so ist die Gesamtzahl der von den preußischen Bezirksfürsorgcverbäirden oder Gemeinden laufend unterstützten Wohlfahrtserwerbsloscn von rund 826 000 Ende August auf 868 000 Ende September angewachsen. Von de» Wohlfahrtserwerbslosen befanden sich 67 7!>0(im August 71 433) in Fürsorge- oder Notstandsarbeit. In den Stadt- kreisen ist der Zugang an Wohlfahrtserwcrbslosen lvährend des Berichtsmonats verhältnismäßig etwas stärker gewesen(plus 3,4 Proz.) als in den Landkreisen(plus 3,0 Proz.): innerhalb der Landkreise aber sind die kreisangehörigen Städte weniger betroffen (plus 3B Proz.) als die Landgemeinden(plus 3,9 Proz.). Neben dieser Zählung für Preußen nimmt der Deutsche Städte- tag eine solche der Wohlsahrtserwerbslosen in Städten mit über 25 000 Einwohnern vor. Herbstiagung in Gens. Auch die Mühlen des IBA. mahlen langsam. Die Herbsttagung des Berwaltungsratss des I n t e r n a t i o- nalon Arbeitsamtes, die dieser Tage in Genf stattfand, stand ganz im Schatten des A r b e i t s l o s e n p r o b l e m s. Die Arbeitergruppe hat sich von neuem für eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit eingesetzt. Infolge der Geschäftsordnung hatte jedoch ihr Wunsch, bereits auf die Tagung der Internationalen Arbeits- konferenz von 1932 die Frage der V i e r z i g st u n d e n w o ch e zu setzen, keine Aussicht auf Annahme. Sie machte deshalb den Vor- schlag, zunächst eine Regicrungstonfercnz unter Beteiligung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzuberufen, damit zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf dem Wege der Arbeitszeit- Verkürzung endlich auch international ein Schritt vorwärts getan werde. Der Vorschlag wurde jedoch mit 8 gegen 6 Stimmen a b- g c l e h n t. Dagegen hat der Vcrwaltungsrat eine von der fran- zösischen Ncgicrung stammende Anregung gutgeheißen, wonach der Direktor des Amtes noch vor Ende des Jahres den Arbeits- losenausschuß einberufen soll. Der Ausschuß wird u. a. auch die Frage der Arbeitszeitverkürzung prüfen und dem Verwaltungsrat, der am 13. Januar wieder zusammentritt, Bericht erstatten. Bis Januar soll der Direktor des Arbeitsamtes auch einen Bericht über die Möglichkeit einer internationalen Untersuchung der Arbeitsbedingungen in der Eisen- und Stahlindustrie vorlegen, damit der Berwaltungsrat die Durchführung einer Erhebung beschließen kann. Ebenso wurde das Arbeitsamt aufgefordert, bis zur nächsten Tagung des Rates einen Bericht über die Lage der Frauenarbeit fertigzustellen. Lohnkürzungen im Bergbau. Im Rheinland und in Niederschlesien. In den Verhandlungen im rheinischen Braunkohlen- revier vor dem Schlichter wurde vereinbart, daß die bis- herigen Löhne der männlichen Arbeiter über 18 Jahre um 3 Pf. gesenkt werde». Die übrigen Sätze der Lohntafel werden u m 3 Proz. gekürzt. Die Regelung gilt unkündbar bis Ende Februar 193 2. Für das nicdcrschlesische Bergbaurevier wurde am Montag mittag nach ergebnislosen Einigungsverhandlungen ein Schiedsspruch gefällt. Die Löhne und Lohntafeln des Wal- den burger und Neuroder Reviers vom 11.Februar wer- den ab 1. November 1931 um? Proz. gekürzt, mit Ausnahme der Löhne der Jugendlichen, der zweitjüngsten Gruppe der Lehr- linge und der Arbeiterinnen. Diese Verschlechterung soll bis 3l. Dezember gelten. Die Bergarbeiter werden diesen Schiedsspruch wahr- scheinlich ablehnen. 6 Prozent statt 4 Prozent. In der Metallindustrie des unteren Lennetals. Dortmund, 20. Oktober. In dem Lohnstreit der Metallindustrie im unteren Lennetal wurde gestern unter dem Vorsitz des Schlichters für Westfalen zwischen den Parteien eine Vereinbarung erzielt. Danach wird der Schiedsspruch des Schlicht ungsausschusses Hagen vom 3. Oktober 1931 mit der Aenderung anerkannt, daß an Stelle von vier Prozent Lohnkürzung «ine solche von sechs Prozent tritt. Die Stahlwerke in Wissen a. Sieg haben am Sonnabend von 1000 gekündigten Arbeitern 800 entlassen. Die restlichen 200 Arbeiter werden ebenfalls nur noch kurze Zeit beschäftigt werden. von der Bank of United States, die kürzlich ihre Schalter schließen mußte, sind jetzt 28 Direktoren wegen betrügerischen Bankerotts unter Anklage gestellt worden. Auch der staatliche Treu- händer, der nach dem Zusammenbruch der Bank mit deren Liqui- dation betraut wurde, wird sich wegen Vernachlässigung der Amts- pflichten und Verdunkelung zu verantworten haben. Explosion im Gasschacht. Zwei Arbeiter getötet. Paris, 20. Oktober. 3n unmittelbarer Nähe des Eisselturms, wo Arbeiter mit der Ausbesserung von Gasleitungen beschöstigt waren, er. eignete sich gestern eine Gasexplosion, bei der durch eine 5 0 AI e t e r hohe Stichflamme eine Kraftdroschke verbrannt wurde. Der Ehansseur konnte sich retten. Wie havas meldet, sollen sämtliche Gasrohre in einem Umkreis von 100 Meiern zerstört worden sein. Die Explosion hat auch zwei INenschcnopscr gefordert. Soweit die Ursachen bisher geklärt werden konnten, wurde das Unglück dadurch hervorgerufen, daß ein Arbeiter mit u n g e- schügtem Licht den Stollen betrat, in dem kurz vorher ein Gasrohr undicht geworden war. Die Straße über dem Kanali- sationsstollen wurde aufgerissen. Aus dem aufgerissenen Loch brachen Stichflammen hervor, die einen dort zufällig parkenden Kraftwagen entzündeten. Dem Chaufseur gelang es durch einen raschen Sprung der Todesgefahr zu entrinnen, während mehrere Arbeiter von den Flammen ersaßt wurden und schwere Brandwunden erlitten. Der Boden über der Ka- nalisation war in einer Ausdehnung von nahezu 40 Metern aufgerissen, und die hcrvorlodernden Flammen er- reichten eine Höhe von 30 Metern. Ein Angestellter der Gaswerke, der sich an den Löscharbeiten beteiligte, erlitt eine Gasvergitfung und mußte in besorgniserregendem Zustand ins Krankenhans ein- geliefert werden. Der Kanalisationsarbeiter, durch de» das Unglück hervorgerufen wurde, ist wahrscheinlich bei der Annäherung an das undicht gewordene Gasrohr auf der Stelle getötet worden, wobei seine Leiche verbrannt sein dürste. Zeppslin in pernambuco gelandei. Sie dritte(Südamerikareise. New Vork. 20. Oktober.(Eigenbericht.) Das Lustschifs„Gras Zeppelin" ist in der Nacht zu heule gegen 1 Uhr in pernambuco gelandet. Das Schiff war am Sonnabend morgen in Friedrichshosen gestartet. Es hat seine Fahr« als» sahrplanmähig durchgeführt. Herr Regendanz teilt uns mit, daß nicht er, sondern sein ältester Slchn nach Harburg eingeladen war. Die Liste der Harzburger führte unter den„Wirtschaftssührern" auf: Bankier Regen- d a n z. Herr Regendanz legt Wert auf die Feststellung, daß er nicht zu Hitlers Bundesgenossen gehöre und Hitlers Wirtschaftsprogramm für undurchführbar halte. Universitätsklinik nicht geschlossen. Wegen häufiger Rückfragen bittet die Universitäts-AugenNinik, N. 24, Ziegelstr. 3/9, um Auf- nähme einer redaktionellen Mitteilung, daß ihr Betrieb von der eventuell geplanten Klinikschließung nicht betroffen und u n v e r> ändert weitergeführt wird. Wetter für Verlin: Kichler, veränderlich mit einzelnen Schauern und böigen nordwestlichen Winden.— Für Deutschland: llederall Abkühluna. Im Süden und Osten des Reiches stärkere, sonst meist leichte Niederschläge. An der Küste und im Nordosten ziemlich stürmisch. Lkr-ntworil tiir die Rcdattwn:»ich. Berastei», Berlin; Anz-iarn: Td. Stocke, Berlin. Berlaa: Borwörts Berlin,®. m. d. S.. Berlin. Druck: Borwärt» Bu». druckerei und Berlaasanlialt Paul Linaer& Co.. Berlin EW 68. Lindenttrake lt. Lierzu 1 Beiloae. PROGRAMM illr die Zeit vom 20. du 22. Oktober K I N O-7 A F E L PRO GRAM M für die Zeit vom 20. bis 22. Oktober Hl OQ Potsdamer Strafe 35 Lien Oeyers» Johaanes Riemann ir Sein Sdieidan�sgrond mit Paal Hörbiger, Julias Falkendein, Harry Halm W. 5. 7, 9 Uhr Rheinstralte 14 k�-eIcU Verlängert! Lien Devers. Johannes Riemann in Sein Scheidangsgrand mit Paal Hdrsiger« Julias Falkcn- s4ein# Harry Halm W. 5. 7, 9 Uhr Odcon, Potsdamer Str. 75 .? lustige Tage! Der Ball mit Dolly Haas, Rclnhold Schänzel W. 5, 7. 9 Uhr Turmstra�e 12 3 lustige Tage! Der Ball mit Dolly Haas, Reinhold 5 Corel W. 5. 7, 9 Uhr Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Max Adalbert in Mein Herz sehnt sich nach Liebe mit Santa Söncland, Marianne WinkcUtcrn Den ganzen Tag geöffnet! « wastan M Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretensir. Uraufführung!„Dienst ist Dienst" mit Lncie fcngiisdi, R. A. Roberts, Fritz Schulz Wochentags S.1S, 7.15, �is'uhr S Die Kamera �TJu Täglich 3, 5. 7, 9 Uhr Uraufführung des Russenfjltns: Die Affen von Suchom Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Zwei Menschen mit Ctnst. Fröhlich, Ch. Süss- Zwischen den Seilen W. 6.45 u. 9.00 U.l 4.45 U I Welt-Kino£0nnt ab Alt-Moabit 99 Tonfilmlustspiel Der ungetreue Eckehart mit Ralph A. Roberts. Lude Englisch Tonbeiprogramm Harlanoerr f"chartottewiswrg"E Kant-Lichtspiele Kanisir 54(an der Wilmersdorfer Str.) Max Hamen in Wer nimmt die Liebe erett? mit Jenny Jago W. 5, 7. 9 Uhr Germania-Palast Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 53/54 Harn Albcrs in Domben auf Monte Carlo mit Anna Sten, Heinz RQh- mann Woch. 5. 7. 9 Uhr ß Artushot Bahn" W. ab 6 30 U. Böhne Sonnt, ab 5 U. Perleberger Str. 29 Großtonfüm. Der Rauh der Mona Lisa mit Willy Ford— Tonbeiprogr.— Toawothe. Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 Sonnt. 3 U.]gd.-Vorst Jali 1914(Letzte Tage vor dem Weit brande) mit Basscrmann, George» ScfaOnzelp Abel. Jugendliche Zutritt > WilmersdorP"Hfc Atrium Bcba- Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Wocht 7 u. 9.15 bbd. u. Stg. 5, 7. 9.15 Weekend im Paradies mit Otto Waliburg, Cläre Rommer Tonfilmbeiprogramm Donnerstag: Uraufführung! Jeder fragt nach Erika mit Lya Mara g Schönelsarg H Titania Sdhönebg. UA Hauptstraße 49 Sonntags 3, 5. 7. 9 Uhr Tonlustspiel! Der Herr Finanzdirektor mit Max Adalbert, Elsa Brink— Tonbeiprogr amm Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochentags 7, 9 uhr Sonnab., Stg. ab 5 Uhi Der ungetreue Eckehari mit R. A. Roberts, SchnlZp Englisch— Beipr. g StwgUta fc Titania-Paiast �g.t.�u Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr Tonfilm- Uraufführung: Schötzenfeti In Schiida mit Siegfried Arno, Fritz Kampcrs, Ida WOst, Julius Falkenstein— Tonfilmbcinrogramm jugen fliehe haben Zutritt 81 ZehlendorF-Klltc G 7Mi Beginn täglich 5. 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: jugendv Der Kdoig der Nassataer mit Georges Millon— Beipxogr*— Wochenschau f S Marlcndorfer Woche mg. i IO � Arl Tonllchispiele 6V2, 9 Uhr Chausscestr. 305 So ab5U. Tonfilmoperettc: Frau in Gefahr (Opernredoutc) mit Liane Haid, Q. Alexander— Tonbeiprogramm > TGmp— hof Wochcnt 7. 9 Uhr Sonnt3U: Jugd.-V. Dorfstraße 22, Ecke Berliner Straße Sein Sdicidnngsgrand mit Lien Dcyers, Johannes Riemann Tonbeiprogramm Kurfürst Tlvnli Tägi.5.7, 9u. Stgs. 3Uhr; Jugendvorstell. Berliner Str. 97 Jugcndl. Zutritt" Hirsekorn greift ein mit Felix Bressart, Charlotte$usa -Tonbeiprogramm W Neukölln H Mercedes- Palast Hermannstr. 212. Woch. 6�2, 9, Stg. ab 3 Berge in Flammen mit Lais Trcnker Beiprogr.— Aasgcz. Bahncnschaa Jugendliche haben Zutiitt Primus-Palast so�llfsui Am Hermannplatz, Urbanstr /2!7ö Berge In Flammen mit L. Trenker Bühnenscfaaa— Jugendliche Zutritt! Kukuk Wochent. 6.45, 9 U. Sonntags 5. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 Stgs. 3 U. Jgdvorst. Großtonfilm: MlttcTnaditslIcbe mit Daniela Carola— Tonbeipiogramm P-vx-s-lci m* Wochent. 6.45. 9 U. CXCCISlOr sonnt. 3, 5. 7, 9 U. Kaiser-Friedrich-Stiaße 191 Bomben auf Monte Carlo mit Hans Albers, Anna 5iea— Tonbeiprogr. Stern, Hermanmtrafjc 49 Wochent. 6,45, 9 Uhr, Sonnt. 3, 5. 7, 9 Uhr Mein Herz sehnt sich nach Liebe (Hellscher) mit Max Adalbert Tonbe&programm Süden Th. am Moritzplatz Beg- Wo. 5. 7, 9, Stgs. ab 4.30 Uhr Die Frau, tob der man spriAi mit M. Christians, Si&we— Tonbeipr. Wochent ab b'.'j U. Sonntags ab 3 Uhr, Am Qörlitzer Bahnhof Bcrgtonfilm: Berge in Flammen mit Luit Trenker Bühne; liallenlsche Kapelle Jugendliche haben Zutritt! (FIora-Liditsp. ÄTI Tägl, 6V>. 8'., Sonnab. 5, 7, 9, Stg. 3, 5, 7, 9 Meine Frau— die HodistapIeriB mit Küthe von Nagy Nenes Kabsrett-Programm WeiOensee Filmeck W. ab 6 30" Stg. ab3U Luisen-Theater Rcichcnbergcr Str. 34 Die Sdblacfai von Bademflnde mit Max Adalbert« Fritz Sdinlz Ufa-Kabarett Nr. J Jugendliche haben Zutritt! Stella-Palast Köpenicker Straße 12—14 Wochtgs. ab 6»« U., Sonntags ab 3 U. Tonfilm-Volksstück: Er nnd sein Diener mit Oskar Sabo, Panl Henkels Auf der Bühne; Inlernalionalet Variete Jugendliche haben Zutritt! Deutsch- Amerik.Theater Köpenicker Str. 68 W. u. Stg. 5, 7, 9 u. Der Stordi streikt mit Slegfr. Arno Er oder 147 mit Harry Piei Südwesten Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W ab 5. So. ab 3 Uhr droßtonfilm: Im Geheimdienst mit Brigitte Heim» Willy Fritsdi Tonbeiprogramm— Tonwoche Film-Palast Kammersäle Teltower Str.' W. ab 5.30. Stg. ab 3 30 U- lOOprOr. Tonfilm: Kyritz- Pyrilz (Fidcle Sängcrfahrt) mit Adalbert» Hftrbiger— Grones Beiprogramm Neue Philharmonie Köpenicker Str. 96. Behncnt4aa Ariane mit Elisa heih Bergner, Rudolf Förster— Tonbeiprogramm Lichtspielhaus suVSi, l ü; Baumschulcnstr. 78 Sonnt. 2U: J.-V. Opcinrcdoote mit Liane Haid, Alexander— Besuch im Karzer Tonbeiprogramm T repto w- Sternwarte Sonnabend 8 Uhr, Sonntag 4, 6, 8 Uhr: Mit Byrd zum Südpol(Film) Die erste Ueberfliegung oes Südpols Merdostm „Elysium" Wo. 5,15, 7.00. 915. So 3.15, S, 7.15,9.15 u. Foxtonu oene: Wer nimmt die Liebe ernst? mit Max Hansen, J. Ingo BObnenscSss- Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Woch. 630, Sonnab. 5, Sonntags 3 Uhr Felix Bressarf in dem Tonlustspiel: Hirsekorn greift ein mit Rosa Valcfti, Albert Panlig Beiprogramm Gute Bühnen schau Jugendliche haben Zutritt! Luna=Palastsl0ncf,Ä Große Frankfurter Str. 121 Durchlaucht» die Wäscherin mit Hansi Niese— Bühne: Aitraktioncn Schwarzer Adler XhI"« Woch. 5. 7. 9. Stg. 3. 5. 7. 9 U Bomben aut Monte Carlo mit Hans Albers— Ton Wochenschau Viktoria-Theater Frankfurter Allee 48 W.5, So. 3 Uhr Des großen Erfolges wegen verlängert I Bomben auf Monte Carlo mit Hans Albcrs» Anna Sten» Heinz Rühmann Gutes Beiprogramm Babylon, am Bölowplatz Wochentags 5, 7, 9.10, Sonnt, ab 3 Uhr Büboenschau Purpur und Waschblau (Durchlaucht Wäscherin; mit Niese Kunterbunte Bühne M üeii'Uchtenbepg Kosmos-Lichtspiele Lückstraße 7u W. 5. 7. 9 Großtontilm Bomben aal Monte Carlo mit Hans Albers— Beiprogr. Babseasdtiii HnrmnniF* wochent 7 u 9u. narmome Sonm 5. 7 u. 9 u Langhänsstr. 23 1 T oofälme, Melaka. die Rose von Marakesöb Der erste Orig marrokkan. Tonfilm Pat nnd Paiataon als KunstsdiiUzea FriearichstcSdc Kino Busch Beginn!' 7h9Uhr Alt-Friedrichsfelde 100 proz. Tonfilm. Seine Frenadio Anette mit Lissi Arno. Lolte Lorrltig— Lost. Belpr. Woche Norden A 11. Müllerstraße 136. AihamDra Ecke Seestraße Wochert». 5, 7. 9 U., Sonnt 3, 5. 7. 9 U Um eine Nasenlänge mit Slegfr. Arno Tonbeipr. Tonwodie— Jugdl. Zutritt Pharus-Lichtspiele Müllerstr.142 W.5.7.9U.. Stg. 3.5.7. 9 U. Tonoperette Solang nodi ein Walzer von Strang erklingt— Der König der Spritscbmugglcr— Beiprogramm Pankow Palast-Theater Breite Straße 21 a W 7 u. 9. Stg. 5.7.9U. Gtoßtonfilm; Der Raab der Mona Uta mit Willy Forst. Gustav Gründgens, Rosa Valelti Tivoli Wochent. 7. 9 Uhr, Sonnt 5, 7. 9 Uhr. Berliner Straße 27 Gr. Bühueuschaa Die fidcle Sängerfahri mit Max Adalbert- Tonbeipiogramm Ab Donnerstag Bomben aut Monte Carlo mit Haut Albers ■■ Filmpalast Tegel � tt ochenc 6. Sonne 4>I« u lOhproz-Tonfilm; Das Liebeslied mit Renate Müler Die Mexikanerin mit Gast. Fröblic Hennigsaerr Filmpalast Beg. W. o, 8. 5 t g. 4X 6ta 83,< Berliner Straße 59 lOOpror Tonfiln FarbrmoneroEhlm: Der Jazzkönig mit Paul Whiteman— Haas in alß Gasse- mit Haas Albers, Adalbo (Beilage Dienstag, 20. Oktober 1931 OfvjUwnit ShAJaui&xße Je* loTWasA fingeslellle/ KlassenbewuBtsein Die EingliederungderAngestelltenindiesozialistesche Bewegung ?n unserer Zeit nimnrt die Angestelltenfrage in der Ocffcnt- lichkeit etwa das Interesse ein, wie in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die„Arbeiterfrage". Die Gründe und Anlässe sind im wesentlichen die gleichen: ungeheures Anwachsen und Verelenden der betreffenden Schicht. In den Griindcrjahren riesiges Ausdehnen des Industrialismus, damit wachsend die Masse der Industriearbeiterschaft, Zusammenballung in den Industriezentren, die zugleich auch Zusammenballung van Not und Elend werden. Das bürgerliche Gewissen regt sich zaghast, man befaßt sich, besonders in akademischen Kreisen, mit der Lage der Arbeiterschaft, man versucht das Leben des Prole- tariats aus seinem Miterleben kennen zu lernen. Kathedersozialismus entsteht: im katholischen Rheinland beginnt K etiler seine Tätig- keit. Vor allem aber: die Arbeiterschaft nimmt ihre Inter- essenvertretung selbst in die Hände, die Partei bildet sich, aus den zünftlerischen„Fachvereinen" entstehen die Gewerkschaften,— der Kampf zwischen Kapital und Arbeit beginnt. „Stehtragcnprolctaricr". Die Entwicklung der Angestelltenbewegung zeigt ein fast gleiches Bild. Als Karl Marx das„Kapital" schrieb, konnte er die Angestellten noch als die„Unteroffiziere des Kapitals" bezeichnen, ihre gesicherte Position, die gegebenen Aufstiegsmöglichkeiten, bei vielen die spätere Selbständigkeit durch Uebernahnie des väterlichen Geschäfts usw. trennten sie von der Arbeiterschaft und stellten sie auf die Seite des Kapitals. Und die ideologische Trennung Angestellte— Arbeiter wurde von der großen Masse der Angestelltenschaft noch aufrechterhalten, als sich die soziale Position der beiden großen Arbeitnehmergruppen bereits weitgehend angeglichen hatte. Aber der Angestellte, obgleich im allgemeinen sozial in nicht besserer Lage als der Arbeiter,„fühlte" sich als etwas Besseres, die Art seiner Tätigkeit, das immer noch etwas patriarchalische Verhältnis zum„Chef" ließ ihn sich nicht in die Gemeinschaft seiner Klassengenossen einordnen. Die Arbeiterschaft betrachtete die Angestellten als dem Prole- toriat zugehörig, die Interessen vor allem der unteren Angestellten- schicht durchaus als denen der Arbeiterschaft gleichgesetzt. In der etwas spöttischen Bezeichnung„Stehkragenproletarier" kam diese Ansicht der Arbeiterschaft ebenso treffend zum Ausdruck wie die Hemmung der Angestellten, sich zum Proletariat zu rechnen. Von der Unternehmerseite wurden die Angestellten gerne als ein„neuer Mittelstand" angesehen. Der alte Mittelstand wurde durch die wirtschaftliche Entwicklung fortgesetzt zurückgedrängt und verkleinert, der kapitalistischen Konzentration erlagen die kleinen selbständigen Existenzen immer mehr— gleich- zeitig jedoch entstand eine Schicht unselbständiger Berufstätiger, die nicht Arbeiter waren, und von der man glaubte, daß sie sich als ein i � Puffer zwischen Unternehmertum und Prole- t a r i a t schieben werde. Man erwartete auch gleichzeitig, daß »dieser„neue Mittelstand' die Oberschicht der Arbeiter in sich auf- nehmen werde, um so zwischen dem Proletariat und den übrigen Klassen eine Verbindung herzustellen und den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit mildern, die ständige Gefahr für den Bestand der kapitalistischen Wirtschaft verkleinere. Selbstverständlich waren diese verschiedenen Ansichten über die Rolle der Angestellten in der Gesellschaft, als„Teil des Proletariats" oder als„neuer Mittelstand", die in der Zeit vor dem Kriege ent- standen(vergl. Lederer-Morschak, Der neue Mittelstand), auch- innerhalb der Angestelltanschaft selbst lebendig. Ein Teil bezog bereits vor dem Kriege seine eigentliche Kompsstellung an der Seite des Proletariats und gestaltete seine Interessenvertretungen sreigewerkschaftlich nach dem Vorbild der sozialistischen Arbeiterschaft. Die entgegengesetzte Gruppe fühlte sich selbst als neuer Mittelstand und suchte sich mit betonter und ausgesprochener Entwicklung einer st ändischen Ideologie in das Bürgertum einzugliedern. Eine mittlere Schicht versuchte eine Position zwischen den Klassen einzunehmen, ohne sich nach der einen oder anderen Seite zu entscheiden. Diese Schicht interessiert uns heute besonders, denn die Stellung „zwischen den Klassen", die man von gewisser Seite gerne von der gesamten Angestelltenschaft erwartete, ist heute mehr denn je fragwürdig geworden. Die Entwicklung der Wirtschaft zu immer höherer Organisationsform hatte ein ungeheures Anwachsen der Angestelltenfunktionen zur Folge, so daß sich i n d e n l e tz t e n z w e i Jahrzehnten die Zahl der Ange st eilten in Deutschland mehr als verdoppelte. l907 wurden m Millionen Angestellte gezählt, 1925 stellte man 3)1 Millionen fest, und man kann heute wohl noch ein paar Hunderttausend zu dieser Zahl zurechnen. Während im Jahre 1907 ein Angestellter « erst aus jeden 10. Arbeiter kam, steht heute bereits neben jeden, fünften Arbeiter ein Angestellter. Ein Wendepunkt. Das Anwachsen der Angestelltenschaft ist begleitet von lim- ständen, die ihr Schicksal dem der Arbeiterschaft völlig angeglichen haben. Auf dem 3. AfA-Kongreß 1928 stellte Dr. Otto Suhr fest, daß die Zahl der Angestellten im 19. Jahrhundert pro- gressio der Akkumulation des Kapitals gestiegen sei. Erst der Rationalisierungsprozeß der Jahre 1925 bis 1928 brachte einen Wendepunkt in dieser Entwicklung.„Der- selbe Prozeß, der sich seit 100 Iahren innerhalb der Arbeiters hast vollzieht, beginnt jetzt auch in der Angestelltenschaft. Im Jahre 1926 ist eine industrielle Reservearmee der Ange- st e l l t e n entstanden, die in Zukunft ständig die Lage der Ange- stellten beeinflussen wird." Diese Entwicklung ist von der Ocffentlichkeit und vatllrlich zu allererst von den A-nacstelltenverbänden nicht unveobuchtet geblieben. Wir besitzen die grundlegenden Arbeiten Emil Leoerers, der AfA-Bund und angeschlossene Organisationen habe» ausgezeichnete Erhebungen über die Lage der Angestellten veröffentlicht, und vor einiger Zeit hat der Hirsch-Dunckersche„G e w c r k s oh a s t s b u n d der Angestellten" einige Schriften herausgegeben, die sehr zur Bereicherung der Angcstelltenliteratur beitragen.(„Die wirt- scbaftliche und soziale Lage der Angestellten; Ergebnisse> nd Er- kenntnisse aus der großen sozialen Erhebung de? Gewerkschasts- bundcs der Angestellten. 334 Seiten. Mar R ö> s i g e r, Der Angestellte von 1930." Epochen der Angcstelltcnbewcgung, bear- � ütet. vom GdA.-Archio. Sämtlich im Siebcn-Stäbe-Bcrlag er- gencn.) „Epochen der Angestelltenbewegung" ist eine Geschichte des GdA. und seiner Vorgängcrverbände, das Buch geht jedoch über den Rahmen einer bloßen Werbeschrift hinaus und' bringk manches Material zur Geschichte der Angestelltenorganisationeu. Mit der Veröffentlichung der großen, etwa 150 000 Angestellte erfassenden statistischen Erhebung über die wirtschaftliche und soziale Lage der Angestelltelt hat sich der GdA zweifellos ein Verdienst erworben. Diese Erhebung umfaßt wohl alles, was man über das soziale Sein des Angestellten wissen muß. Zweck und teilweise auch schon Ergebnis der Erhebung werden im Vorwort so formuliert:„Wir wollten einen umfassenden Einblick in die sozialen Lebensverhältnisse der Angestellten tun, weil kaum ein anderer Stand so an allgemeiner Unterbewertung leidet wie der Angestclltenstand, und weil sich die Oeffentlichkeit ein ganz falsches B: l d über Einkommen, Aufstiegsmöglichkeiten und den wirtschaftlichen Lebensraum der Angestellten macht. Früher nahm der Angestellte so etwas wie eine— wenn auch bescheidene— Mittelstellung zwischen Arbeitgeber und Arbeitern ein. Früher gab es auch noch in höherem Maße die sogenannte Dauer- oder Lebensstellung, bestanden noch Reste eines individuellen Mit- arbeiterverhältnisses.—„Heute hat sich das alles einschneidend gc- ändert. Der Angestellte ist in seinem Einkommen bis unter die Linie des gelernten Arbeiters herabgedrückt, die Tendenz zum Großbetrieb hat die Zwischenstellung des Angestellten wesentlich verändert." Erkenntnisse. Diese Erkenntnis der„wesentlich veränderten" Lage der An- gestellten kommt besonders deutlich in dem Buche von Max R ö s- s i g e r zum Ausdrucks Der Sozialpolitiker des GdA. schreibt sein Buch„bewußt vom Standpunkt des Angestellten aus gesehen", er versucht, ein klares Bild von der gegenwärtigen Lage der Ange- stellten zu geben und gleichzeitig einen Weg zur Ueberwindung dieses Zustandes zu finden. Den Kapitalismus— wenigstens in seiner jetzigen Form— lehnt Rössiger ab, und mit seiner Forderung, daß„die Wohlfahrt der Masse des Volkes Inhalt der Wirtschaft" werde, umschreibt er mit anderen Worten das Wirt- schaftsziel des Sozialismus. Das Wort„Sozialismus" fürchtet Rössiger jedoch ebenso wie das Wort„Proletariat", und diese Geistes- Haltung, die sich darin offenbart, macht sein Buch typisch für weite Kreise der Angestelltenschaft. Man stellt die Verelendung fest, man erkennt die gemeinsainen Interessen von Arbeitern und Ange- stellten— aber man fürchtet sich vor de» Konsequenzen. Aus der Erkenntnis der Gemeinsamkeit der Interessen entstand das Klassenbewußtsein des Proletariats; die A n g c st e l l- t e n sind heute noch zum größten Teil belastet mit Ressentiments, sie wollen keine Proletarier sein, weil sich darin, nach Rössiger,„die Hoffnungslosigkeit" ausdrückt,„ohne Systeinivcchsel. d. h. ohne Ersar, der sogenannten bürgerlichen Ordnung durch eine sozialistische, zu einer besseren gesellschaftlichen Ansehung und einer entsprechend höheren Bewertung zu gelangen." Zu der Erkenntnis des klassen- bewußten sozialistischen Proletariats, daß sich seine Lage endgültig nur durch die Ueberwindung des Kapitalismus ändern läßt, ist Rössiger, der hier als Sprecher für Viele auftritt, noch nicht durchgedrungen. Die Reaktion auf ihre verschlechterte Lage ist bei vielen— besonders den jungen— Angestellten der Nationalsozialismus, bei Rössiger zeigt sich die Verschleierung des Bewußtseins darin, daß er den verschwommenen Begriff des „Arbcitnehmerbewußtseins" schafft. Inhaltlich bedeutet dieses„Bewußtsein einer großen Arbcitnehmersolidarität" das- selbe wie„Klassenbcwußtsei n", aber dieses Wort de- deutet auch gleichzeitig den im Kapitalismus notwendigerweise vor- handenen Gegensatz von Kapital und Arbeit, und es ist darin auch gleichzeitig die Erkenntnis von der Ueberwindung dieses Zustandes im Sozialismus ausgedrückt. Vor beiden Schlußfolgerungen schreckt Rössiger jedoch zurück. Obwohl eigentlich das ganze Tatsachenmaterial seines Buches ein Beweis für den unüberwindlichen Gegensatz von Kapital und Arbeit ist, und obwohl er all- Gefühlsduseleien von Werksgcmeinschaft usw. ablehnt, ist seine Forderung doch nicht der Sozialismus, sondern die „Demokratische Wirtschaf t". Der Forderung der Wirt- schaftsdemokratie, von den sozialen Gewerkschaften als Gegenwarts- fordcrung und Weg zum Sozialismus aufg-ftellt, entkleidet er ihre sozialistische Zielsetzung und glaubt nun mit dieser Auch-Wirtschafts- demokratie den Ausweg gefunden zu haben. Aber da er die Eigentumssrage völlig unberührt läßt, heißt das nichts weiter als: es bleibt alles beim alten. Max Rössiger und mit ihm leider eine große Zahl Angestellte in der Sackgasse! Aufgaben. Und hier beginnt unsere Aufgabe. Die Angestellten sind auf dem Wege fortschreitender Erkenntnis ihrer wirklichen Lage, bei vielen endet dieser Weg vorläufig in einer Sackgasse, wie wir hier gesehen haben; bei anderen führt er zu einem falsch verstau- denen Sozialismus, ihr antikapitalistisches Gefühl wird in ein antisemitisches umgebogen, ihr beginnendes Klassenbewußtssni zu einem übertriebenen Nationalismus mißbraucht— sie werden ein Opfer des Nationalsozialismus. Wir können nicht warten, bis sie selbst den Ausweg aus der Irre finden, bis sie etwa von einem durch ihre Unterstützung zur Macht gelangten Fischismus dessen wahre Funktion als Schützer des Kapitals erkennen— unsere Arbeit muß heute be- ginnen. Die freien Angestelltengewerkschaften arbeiten seit lange.,, Seite an Seite mit den sozialistischen Arbeitergewerkschasten. die Bedeutung der Angestellten für die sozialistische Bewegung muß vom Arbeiter heute m seiner ganzen Größe erkannt werden. Das große Reservoir der sozialistischen Bewegung ist heute die verproletarisierte Angestelltenschast. gelingt es uns, sie in ihrer Masse in die sozio- listische Bewegung einzugliedern, wird der Vormarsch des Prole- tariats unaufhaltsam sein. Richard Junge. Wien- SiocKholm Maro. Slarrmann- Hunger M. d. R. Fortschritt oder RQckfall der Frauenbewegung! Zwei bedeutsame internationale Frauenkongresse haben kurz nacheinander die um den Fortschritt kämpfende Frauenwelt in Spannung versetzt: der Internationale Sozialistische Frauenkongreß in Wien und der kürzlich beendete Inter- nationale Kongreß der Open-door-Bewegung in Stockholm. Beide Kongresse in der Zielrichtung der entschiedensten Verteidigung der Rechte der erwerbstätigen Frau, des Rechtes auf Arbeit, auf gleichen Lohn für gleiche Leistung, aus gleiche Berufs- ausbildung. Aehnlich auch be: beiden die Ausdehnung der Problem- stcllung auf die Lage der Landfrauen. Nur in Stockholm borte man merkwürdigerweise nichts von dem großen in Wien ausgiebig behandelten Fragenkomplex der Stcllung der Frau als Hausfrau und Mutter. Zeugte das schon äußerlich von ge- wissen Verschiedenheiten, so um so mehr die sich in den internen Verhandlungsergebnissen widerspiegelnden Auffassungen über die zweckmäßigsten Mittel der Aktion. Der Wiener Kongreß sprach sich mit allem Nachdruck für, der Stockholmer gegen den Mutterschutz aus. Der Widerspruch in dieser für uns Sozialisten so sunda- mentalen Frage allein muß genügen, uns mit der aus der öürger- lichen Frauenbewegung Englands und Amerikas hervorgegangenen Open-door-Bewegung eingehender zu beschäftigen. Wir haben in Wie n energisch dagegen protestiert, daß noch immer Jahr um Jahr Tausende von proletarischen Müttern kapitoli- stischer Ausbeutung zum Opfer fallen, weil sie ohne ausreichenden gesetzlichen Schutz gezwungen werden. Mutter zu werden, ohne daß die notwendigen sozialen und gesundheitlichen Vorbedingungen erfüllt sind. In Wien ist den Sozialistinnen der Parlamente aller Länder zur Pflicht gemacht worden, sich mit aller Kraft für die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über die Frauenarbeit vor und nach der Niederkunft in allen Staaten einzusetzen. Mit Empörung haben wir in Wien sestgestellt, wie viele Frauen heute noch in der Landwirtschaft ohne den notwendigen Schutz der Sozialgesetzgebung arbeiten müssen. Und an die proletarischen Frauen aus dem Lande erging von Wien aus der Ruf, sich in Fachverbänden und in den sozialistischen Parteien zu organisieren, um gemeinsam mit allen sozialistischen Frauen der Welt den Kampf für ausreichenden Mutterschutz, sozinlen Schutz und Frauenrecht zur Verbesserung der Lebenslage, der eigenen und der ihrer Familien führen zu können. Miß M c. M i l l a n. die die Open-door-Togung in Stock- h o l in erösfnete, forderte ihre Anhängerinnen auf, sich als„moderne" Frauen gegen solche„Rückständigkeiten" wie das Washingtoner Zib- kommen über den Mutterschutz zu wenden. Miß Edith R) d g e r s bezeichnete als Sekretärin des Opcn-door-Büros in. Genf das Internationale Arbeitsamt in Genf als„Open-doors größten Gegner", dessen Wirksamkeit man genau verfolgen und abwehren müsse. In einer Stockholmer Resolutivn werden die erwerbstätigen Frauen aufgefordert, sich nur solchen Fachverbänden anzuschließen, die sich nicht für das Verbot gewisser Frauenarbeiten(in gesund- heitsschodlichen Betrieben. Nachtarbeit usw.) einsetzen. Den Land- a r b e i t.« r i n n e n wird, empfohlen, gegen olle Forderungen des Internationalen Zlrbeitsamts auf Begrenzung der Arbeitszeit zu kämpfen. Eine Rundfrage in den Südstaaten der amerikanischen Union(!). habe ergeben, daß die Frauen einstimmig ein Verbot der Nachtarbeit ablehnten. Auch sei cs„moderner" gedacht, der Frau ollein die Entscheidung darüber zu lassen, wie lange sie vor oder nach der Niederkunft Arbeit oder Unterstützung erhalten wolle. Also hinweg mit allen Forderungen, allen Rechten, die die sozialistische Frauenbewegung in zähem Kampf zum Schutz der Frau und Mutter errungen Hot. Warum? Nach Ansicht der Open-door-Anhängerinncn verhindern sie die volle G l e i ch st e l l u n g zwischen Mann und Frau. Das scheint beachtenswert. Die vermeintliche Richtigkeit dieser Argu- mcntation wird aber umgestoßen, sobald man sich nur darüber klar wird, daß„gleiches Recht" für Mann und Frau niemals auch „Gleichmacherei" in allen äußerlichen Lebensbedingungen voraus- setzen kann. Gerade das ist aber die falsche Voraussetzung der O p e n- d o o r- A r b e i t. die dazu führt, daß sie letzten Endes statt einer Befreiung der Frau gerade das diametrale Gegenteil erreichen, muß. Die Open-door-Auffassimg ist i n d i v i d u a l i st i s ch-l i b e r a l i- st i s ch. Sie geht außer von der falschen Grundeinstellung von der allen Tatsachen widersprechenden Meinung aus, daß der„freie Wille" jeder Frau den„freien Arbeitsvertrag" ermögliche. Man sollte diesen Frauen bessere historische Kenntnisse zutrauen, als daß sie den längst im 19. Jahrhundert widerlegten Glauben an den „freien Arbeitsvertrag" des Arbeitnehmers im 20. Jahrhundert noch einmal aufwärmen. Davon/daß in Wirklichkeit Arbeitgeber- maßnahmen, Konjunkturen, Krisen, Erwerbslosigkeit oder Verdienst- ausfälle des Mannes die Frau von heute erbarmungslos in einen unfreien Arbeitsvertrag zwingen, daß deshalb unsere Forderun- gen auf staatlichen Schutz vor willkürlicher Ausbeutung der Frauen- arbeit zu Recht bestehen, davon wissen die Open-door-Frauen an- scheinend nichts. Auch davon, daß die Arbeitszeit der Fabrik- arbeiterin wie der Landarbeitcrin durch die zusätzliche Arbeit in Haus und Familie erheblich länger ist als die des Mannes. Wie stellt man sich dort den Arbeitstag der Frau erst nach Ab- schaffung des Nachtarbeitsvcrbotes vor? Die Folge wäre, daß die ärmsten unter den Proletarierinnen den Rücken noch tiefer beugen, in noch größeres Elend hinabsinken müssen, wie es in der furcht- baren Zeit des Frühkapitalismus der Fall war. Der Standpunkt der alten Suffragetten Englands und Amerikas, Gleichheit als Individualismus in Reinkultur, feiert hier feine Auf- erstehung. In völliger Unkenntnis der realen wirtschaftlichen Ver- hälmisse spielt die Open-door-Bewegung den von der Schwer- Industrie geführten Regierungen die Mittel in die 5iand, die gegen- wältige lirisenzeit zum weiteren Abbau der sozialen G e- s e tz g e b u n g zu benutzen. Solange sie nämlich nur Proklamationen verfaßte, war sie bedeutungslos. Jetzt aber, das hat Stockholm ge- zeigt, bemüht sich die Open-door-Bewegung mit verschärfter Energie, Einfluß auf die Gesetzung in den Einzelstaaten, auf die Regelung internationaler Abkommen(Genfer Arbeltskonferenz 1931!) und auf die Frauenbewegung in ollen Ländern zu erholten. Damit wird sie zur reaktionären Gesa Hr. die es mit ollen Mitteln nbzu- wehren gilt.„Open-danr" heißt„offene Tür". Sorgen wir dafür, daß sie nicht zur hinterrücks geöffneten„Falltür" werden kann, durch die hindurch unsere Frauenbewegung einen Rücksturz um mehr als 100 Jahre erleben würde. Fischer gegen den Wassersport Man sperrt Gewässer, um Entschädigungen zu erhalten 5ur den Kampf der waflersporwereine aller Arken gegen die in lehler Zeit sich wieder Häusenden Anträge der Fischerei- organisalionen aus Sperrung von Gewässern geben wir hier das einschlägige Material. Auf Betreiben der Fischerorganisationen gehen bei den preu- ßischen Bezirksausschüssen sortgesetzt Anträge auf Schließung von Gewässern ein. Wenn der zuständige Bezirksausschuß die Schließung genehmigt, dürfen Zufluß und Abfluß zu den Gewässern durch Einbauten für den Durchzug der Wanderfische gesperrt werden. Mit der Umwandlung eines offenen in ein„geschlossenes Fischerei- gewässer" sperrt der Fischereiberechtigte aber auch dem Wasser- verkehr die Durchfahrt, verboten ist dann das Baden und Befahren. Hierin zeigt sich erst der beabsichtigte Zweck der Wasser- sperrung. Eine Fischabwanderung wäre ohne Sperrung schon durch Legung von Aalkörben und wechselseitiger Ausstellung von Flügel- reusen, Garnsäcken und halbseitigen Fischwehren zu verhindern. Dabei könnten die Engpässe sogar die ergiebigsten Fangstellen sein. Die Jungsischabwanderung läßt sich durch Schließungssperren doch nicht vollständig verhindern. Daß die Fischsperren für die Fischer nachteilig wirken, beweisen die Fischer jedesmal, wenn andere, Nicht- sischereiberechtigte, Schleusen, Wehr«, Triebräder und andere An- lagen errichten. Sie fordern dann Entschädigungen, die so hoch oder noch höher sind, als ihr ganzer Fischereiertrag. Wegen des Fisch- etnsatzes könnten die Fischer Vereinbarungen unter Mitwirkung ihrer Organisationen treffen und dadurch die vermeintliche Benach- teiligung einzelner Fischer wieder ausgleichen. Für die Fischerei ist die Schließung der Gewässer nicht notwendig. Sie richtet sich vielmehr gegen die erholungsuchende Großstadtbevölkeruvg und bezweckt die Ausbeutung durch sachlich nicht begründete Ab- gabenzohlungen, indem die Fischereiberechtigtcn(Pächter und Eigen- lümer) die Wasserbenutzung nur gegen Zahlung einer Gebühr er- louben. Zur Eingewöhnung sind die Sätze zuerst gering, wird das Recht zur Abgabenerhebung aber erst anerkannt, dann treten je nach dem Geldbedürfnis der Wasserherrcn Erhöhungen des Wasserzolls ein. Die Gewäflerschließung ist gleichzeitig eine Art Wasser- grundstücksspekulation. Es schweben bekanntlich Pläne genug über die zukünftige Verbauung der Gewässer zum Hochwasserschutz, zur Kraftgewinnung, Landes- cntwässerung, Bewässerung, Aufspeicherung und zum Wasserverkehr. Bei der Verwirklichung solcher Pläne können die Herren eines ge- schlössen«« Fischereigewässers für das Recht, einen Fluß oder See zu sperren, Entschädigungen nach der jeweiligen Konjunktur verlangen. Sonst würde ihr Fischereirecht nur vom offenen auf das bebaute Gewässer übertragen oder höchstens der etwaige Wegfall des Fischereirechts entschädigt. Grundsätzlich fordern die Fischereiberech- tigten als Angehörige der„notleidenden Landwirtschaft" bei allen Wasserbauten große Entschädigungen, auch wenn sie nicht mehr fischen und auch, wenn sie keinen Schaden haben. Sie wollen sich auf Grund ihrer Rechte höhere Einnahmen auf Kosten anderer ver- schassen, ohne f i sch e n z u brauchen. Bei Anerkennung eines Schließungsanträges wird also die unlautere Spekulation begünstigt und der zeitgemäßen baulichen Wasserausnutzung werden Hinder- nisse bereitet. Den Schließungsanlrägen wird leider oft stattgegeben. Behörden und Amtsstellen unternehmen dagegen nichts, Einsprüche privater Interessenten gehen selten ein und werden dann meistens nicht berücksichtigt. Hierbei stellt sich ein Mangel des Wasserrechts heraus: Den Fischereiberechtigten teilen die Behörden jedes Bau- vorhaben gleich nach erfolgter Anmeldung mit, veröffentlichen sie auf Kosten des Bauvorhabenden in den Fischereizeitschristen und fordern die Fischer zum Widerspruch heraus. Die Sperranträge der Fischer bekommen die Zeitschristen und Organisationen der cnt- rechteten und geschädigten Wasserinteressenten nicht mitgeteilt. Die Fraktionssekretäre der politischen Parteien müssen sich hier einen Vormerk für ihre Materialiensammlung zum Reichs- und preußischen Wassergesctz, die in Vorbereitung sind, machen. Zu fordern ist die gleichmäßige Anwendung des Wasser- rechts. Die Behörden müssen als Schützer des öffentlichen Rechts gegen die Einschränkung und Aushebung öffentlicher Rechte eintreten. Die Wasserpolizei hat nach den einfachen Vorstellungen gewöhnlicher Staatsbürger die Aufgabe, die Einschränkung und die Hinderung des Wasserverkehrs nicht zuzulassen. Sie versäumt etwas, wenn sie durch Unterlassung des Einspruchs den Wasserverkehr sperren läßt. Hierbei ist der Verkehr und das öffentliche Wohl zu vertreten. Die Wasserstraßenverwaltungen sind auf Betreiben der Schiffahrtsorgani- sationen bemüht, den Sportverkehr von den Hauptschiffahrtslinien nach den Rebengewässern abzulenken. Dazu müßten Gewässer er- schlössen, statt versperrt werden. Lei richtiger Wahrnehmung des Derkehrsrechls muß sich die Wasserpolizei gegeu jede Wassersperruug wenden. Im öffentlichen Wohle liegt es, daß sich die Großstadtbcvölke- rung beim Wassersport erfrischt, statt ihre Freizeit in städtischen Lokalen zu verbringen. Man wende nicht ein, sie könne sich ge- nügend in Wald und Flur erholen, denn auch dort wird sie als Schädiger der Landwirtschaft angesehen. Um dem Wassersport das Benutzungsrecht des Wassers zu erhallen, ist eine gemeinschaflliche Bekämpfung der Sperrungsanträge auch in der Oeffentlichkeit notwendig. Beim Bekanntwerden eines Wasserschließungsanlrages muß der örtliche Wassersportoerein oder das Arbeitersportkartell sofort Einspruch anmelden. Auch ist der kommunale Dezernent für Turnen. Sport und Körper- pslege zu einem Einspruch anzuregen: Material zur Begründung des Einspruches kann auch noch nach Ablauf der Einspruchsfrist an den Bezirksausschuß eingereicht werden. Die Organisationen liesern hierzu Informationen. Für Schwimmer, Ruderer und Kanufahrer kommt dafür in Be- tracht der W a s s e r s p o r t a u s s ch u ß des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig, Fichtestraße 36, für Segler der Freie Segleroerband, Karl Pähl in Berlin-Grünau, Iägerstraße 18, und für die Arbeitersportkartelle die Z e n t r a l k o m m i s s i o n sür Arbeitersport und Körperpflege, Berlin W 57, Bülowstraße 29. Die Organisationen brauchen auch Mitteilungen und Berichte über Ge- wässersperren, um Materiol für Anträge an die Regierungen und Parlamente zu haben. -�merUca 10:6 geschlagen. Eindrucksvoller Sieg der deuisdien Amateurboxer Den bürgerlichen Boxamateuren blieb es vorbehalten, der Riesenarena in der Potsdamer Straße gestern abend«in überfülltes Haus zu verschaffen. So wurde der erste Länderkampf Deutschland— Amerika im Amateurboxen nicht nur ein Publikums-, sondern auch ein sportlicher Erfolg. Vertreter der amerikanischen Botschast und der deutschen Behörden weilten unter d�n Besuchern. Der Länderkampf endete mit dem Resultat von 10:6 für Deutschland. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache, der die National- Hymnen beider Länder folgten, nahmen die Kämpfe mit dem Fliegcngewichtstreffen zwischen B u r n s und Ball ihren Anfang. Der sehr wendige Amerikaner errang über Ball einen klaren Punkt- sieg. Diese ersten Punktverluste glich Z i g l a r s k i im folgenden Kampf wieder aus. Er beherrschte seinen amerikanischen Gegner B e l o i s e von Beginn an und siegte trotz einiger schwacher Mo- mente in der letzten Runde verdient noch Punkten. Einen un- erwarteten Ausgang nahm die Begegnung.im Federgewicht zwischen Hchleinkofer und Pacino(Amerika). Der draufgängerische Amerikaner schlug in der Hitze zu tief und mußte disqualifiziert werden, da Schlemköfer unfähig war, weiter zu boxen. Vielleicht zeigte die beste Leistung des Abends der Polizist Donner im Leichtgewichtskampf gegen S a l e k. In flottem Tempo ging es über die Runden, in denen Donner stets dominierte. Sei« Punkt- sieg war überzeugend. Der Weltergewichtler Kurth wurde über den durchaus ebenbürtigen Amerikaner Craootta.zum Punkt- fieger erklärt. Ein Urteil, das zum Widerspruch herausforderte, ein Unentschieden wäre besser am Platz« gewesen. Den zweiten Sieg für Amerika holte der Mittelgewichtler H o u g h, ein Negerboxer, gegen Rennen- Köln heraus. Gleichfalls mit einer Disquali- fikation endete das 5)albschwergewichtstr offen zwischen M e l h a m und dem deutschen Meister P o l t e r. In der zweiten Runde mußte Polter nach anfänglicher Ueberlegenheit auf einen Rechten bis 8 zu Boden. Er überwand den Schwächemomcnt überraschend gut, lan- dete aber kurz darauf einen Tiefschlag, so daß er sofort disquali- fiziert werden mußte. Den Schluß der Veranstaltung bildete der Kampf der Schwer- gewichte S a t h e r gegen den Berliner Koloß R a m e k. Schon nach der ersten Runde brach der Ringrichter den Kampf zugunsten des Deutschen ab, der Sather mehrinals zu Boden geschickt und ihn völlig groggy geschlagen hatte. Eispremiere im Sportpalast Weltmcistcrin Sonja Henie.— Eishockey BSC. gegen Frankreich Die Berliner Eissport-Saison wird heute, Dienstag, und inorgen, Mittwoch, mit einem guten Programm eröffnet. Ganz besonderes Interesse wird der Start von Weltmeisterin Sonja Henie erwecken, die an beiden Togen aus dem Eise erscheinen wird. In London, Southampton, Paris jubelten ihr Zehntaujende zu, und man Halle den Eindruck, daß es ihr auch jetzt wieder ge- lungen ist, ihr großes Programm der Vorjahre noch zu überbieten. Das Eishockeyspiel führt den Berliner Schlilljchuhklub gegen eure französische Auswohlmannschast, die so stark zusammen- gestellt ist. wie es sich nur irgend ermöglichen ließ. Wen« auch Quaglia durch seine Verletzung an der Berliner Reise verhindert fft, so bedeutet der Kernpunkt der Mannschaft, der aus dem Meister- teom von Ehamonix übernommen ist, daß die Franzosen alles versucht haben, ihre stärksten Waisen ins Treffen zu führen. Ein großer Teil der jranzöstschen Spieler u. o. Eouoert, Haßler, Simond, Murphy sind bereits aus ihren früheren Berliner Starts bekannt, haben zum Teil sogar schon einmal in Berliner Farben gespielt. Vor allem Simoird und Haßler haben sich hier auf dem Eise des Sportpalastes außerordentlich bewährt. Im Berliner Tor soll Lincke erscheinen. Das wäre mit Ausnahme von Davidojf, der für Strobl «inspringt, dieselbe Mannschaft, die in England und Paris sich mit wechselndem Erfolge schlug. Diese Reis« des BSC. war in erster Linie als Training gedacht, und man darf feststellen, daß die BSC.« dank dieser Trainingsmöglichkeit bereits heute die Sommer- paus« überwunden haben. Das Programm beginnt um 20)4 Uhr. Ringen um die Kreismeistersdiaft Die Serien-Mannschaftskämpfe im Ringen um die Kreismeister- schaff des Arbeiter-Athletenbundes wurde am Sonntag im Brandenburger Volkshaus sortgesetzt. Die beiden Staffeln der Vereine„S a x o«"-Brandenburg und„A l t- W e d d i n g" trafen in dieser Serie erstmalig aufeinander; in allen sieben Klassen gestal- teten sich die Kämpfe außerordentlich interessant. Die Berliner Mannschaft, die Anfang des Jahres die Brandenburger knapp schlagen tonnte, mußte sich diesmal mit einem Unentschieden bc- gnügen. Der Berliner Federgewichtler Danneberg unterlag gegen den Brandenburger Fricke beide Male in den ersten Minuten. Im Bantamgewicht trennten sich Kohn(Br.) und Lorenz(A.-W.) im ersten Gang unentschieden: in der Wiederholung siegte Kohn durch Aufgabe. Der kampferprobte Schlichtenberg(A.-W.) bezwang Berger(Br.) trotz tapferster Gegenwehr in der ersten Kampfhälfte. Die Kämpfe der Leicht- und Mittelgewichte Ernst(Br.) gegen Wutzke(A.-W.) und Dekmann(Br.) gegen Bennien(A.-W.) ver- liefen ohne Ergebnis. Der halbschwere Hoelzke(Br.) rang mit Michael(A.-W.) erstmalig unentschieden, in der Rückrunde siegte M. in der letzten Minute durch Armzug am Boden. Die Schweren Fischer(Br.) und Rosenkranz(A.-W.) rangen in beiden Runden ohne Ergebnis. Das Gesamtergebnis ergab somit«inen Punkt» gleichstand von 14: 14 Punkten. Den nächsten Kampf in den Serienkämpfen tragen am Freitag die beiden ersten Mannschaften des Vereins„Tegel 99 der Turnhalle Graf-Roedern-Korso aus. in Bei den Vorkämpfen um die österreichischen Bezirksmeisterschaften im Stemmen stellte Hangl- Wien zwei neue internationale Rekorde für das Leichtgewicht auk. Hangt erreichte im rechts frei Stoßen 95 Kllogromm und im beidarmig frei Stoßen 129 Kilogramm. „EUd«�-B»h»»d»rs. B-rsammlunft der Männer heute, DienUdfl, findet nicht statt. Dafür Freitag, 23, Oktober, im«üpenidcc Stadtthcater um 20 Uhr Ecneraloetfammluitg. Narte» bezirk Treptow. Mittwoch, 2l. Oktober, beginnt der Esperantokursus um 19% Uhr im Jugendheim Oberschoneweidc. Sturmvogel, Ortegruppe Reukölln. Britz. Mitgliederversammlung 21. Ok- tober, 20 Uhr, bei Schröder, Steinmetzstr. Z2. Gcsinnungssreunde al» Gäste willkommen. £ Buch Oofeph Conrad„S)ie Stellung" Die Meere zwischen Australien, den Sundainseln und der Straße von Malokka sind der Schauplatz der Handlung. Es ist die Zeit, da die Welt noch nicht unter Trusten aufgeteilt war und aben- teuerlichen Naturen, die die Zwangsjacke der Zivilisation verab» scheuten, Rauw zu einem selbstherrlichen Leben bot. Einer dieser Ahasver des Ozeans ist Kapitän Lingard, der Held des Romans „Die Rettung" von Joseph Conrad(Verlag S. Fischer, Berlin). Seine Fahrten fallen aus das Jahr 1860. Es geht um große Dinge. Lingard will für den Freund, den malaiischen Fürsten Hassim. den verlorenen Thron wiedererobern. Zwischen den beiden Männern besteht eine romantische, fast mystische Freundschaft, aber im letzten Augenblick bricht nach jahrelangen Vorbereitungen das Projekt zusammen, da Lingard mit sich selbst uneinig wird und seinen Zielwillen spaltet. Eine Frau ist in sein Leben getreten, eine Engländerin der regierenden Klasse. Lingard verliert den Freund und die Frau. Er steht ausgebrannt da. Lingard ist ein Repräsentant des Conradschen Abenteurertyps, einer in der Reihe d« Marlowes, Heyfts oder Nostromos. jener Ungezügelten und Besessenen, die unbewußt einen erfüllenden Inhalt ihres Lebens suchen und von phantastischen Ideen getrieben werden. Abenteurer, des Bluts. Entwurzelte aus dem gesellschast- lichen Boden. Sehnsüchtig« nach der blau«n Blume des Wunders, Wirklichkeitsmenschen den kleinen Sachen, den Anforderungen des Berufs gegenüber, aber darüber hinaus Träumer, die scheitern, wenn ihre Träume Tatsachen werden sollen. Zwei beherrschende Gefühl- haben in der Brust dieser Männer nicht Platz. Sie verlieren in demselben Moment ihre instinktive Sicherheit, werden schwankend und versäumen die Tat. Joseph Conrad gestaltet problematisch� Abenteuver. Ihre see- lisch- Haltung ist ihm wichtig« als das äußere Geschehen. Hier in der„Rettung" wie auch in seinen anderen großen Romanen sieht er die Handlung von innen, zeigt er zuerst die Gedanken- und Gc> fühlskomplexe, aus denen die Tat entsteht, deckt er auf, wie sich tu- Ereignisse im Hirn der Menschen spiegeln. Der todliche«stoß kommt von außen. Der Traum hält der Wirklichkeit nicht stand. Die Vorgänge sind von zwingender Dramatik, von schicksals» Haft notwendiger Verknüpfung. Die Menschen fühlen sich darin «ingesponnen und sehen keine Möglichteff der Flucht. Dies ist der Kern Conradscher Dichtung, der Kern der„Rettung" wie der des „Nostromo" und des„Sieg". Mit genialer Technik verflicht Eon- rad die beiden Welten und läßt sie sich gegenseffig durchdringen. Der geborene Pol« meistert die Erzählertradition seiner Wahl- Heimat England, die unaufdringliche Art. entscheidende Ereignisse vor- zubereiten, die kühl beherrschte Geste, die über die wahre Natur der Gefühle täuschen möchte. Felix Lcderret. Dienstag, 20. Oktober. Berlin. 16.05 Mopart eniblt tein Leben(Dr. Erich fortner). 16.50 Dr. Ueberau errählt. 17.10 Naturphilosophiscbe Werke der Gegenwart.(Am Mikrophon: Prof. Dr, Walter Dubislav.) 17.40 Arthur Holitscher: Oacar Wilde and sein Kreis. 18.05 Eine halbe Stunde Peter Kreuder. 18.35 Heutige Lyrik(Karl Rauch). 10.00 Stimme aum Tag. 19. 10 Mandollnenorchester-Konzert. 10.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Dichter für und gegen die frangösische Revolution.(Zusammenstellung: Dr. Eberhard Meckel.) 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Guarneri-Ouartett. I. Haydtt: Streiehflnartett G-dnr. op. TT, Nr. 1; 2. Debussy: Streichquartett g-moll. op. 10. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhauseii. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.40 Mersmann: Musik in der Einheit der Künste. 18.00 Harry Stolzmann; Vom Kaufmannslehrling zum Kaufmannsgehtlicn 18.30 Prof. Dr. Georg Misch: Wilhelm Diltbey. 18.55 Welter lür die Landwirtschaft 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. U'-SO Gedanken zur Zeit. 20.15 Leipzig: Mandolinenkonzert. 21.40..Ein Tag im Leben eines Ministers." Lehrspiel von Max Burg(Regie: Dr. Konrad Dürre). Sfaals Theafcr Dlensiag, den 20. Oktober staatsoper unter iren Linden IO'/j Uhr— Deutsche Urauffahrung Die schalKhafie Witwe StastLStapielhans GandarmeDinarkt 20 Uhr Die naifirlicfae Tochter Schiller-Theater Charlottenbnri. 20 Uhr Die Helral «v-uhr CASlNO-THEATERsv- m» Lothringer Strafe 37. iiiiiMiinMiiiiiiMMMMiiiminiiiiiimtiMMNnniiiiitifiiiumiiiimii Nor noch bis Freilag: Dodo, das öffentliche Aergernis Sonnabend zum I Male: Weener- Fritze Outschein 1-4 Personen. Paikett nur 50 Pf, Fauteuil 1.— Mark. Sessel ILO Mark Reichshallen-Theater Abeads 8 ühr, Sanntag nadunittaz 3", Übt Das neue Programm der Stetti n e r Die 3 Komiker r 1 1 1 o n ornemann r a u a r Nachmittaes ermäBigte Preise. Winter *Qcirrerv 1 8.15 llbf Flora 3434 flaute erlaubt Nidaolls. Maria Ney, Napoll. Handy- Bandy, Btul Zt Remo, Walter Carlos zeigt Rumba, Z Albertos uttr. SlädLOper Charlottcnburg BismarckstiaBe 34 Dienstag, den 20. 10. Turnus I Anfang 20 Uhr Bohdme Ende gegen 22'5 U. f nsecate im vorwärts , ichern Erfolgt VoiusbOtme Theater an BDlowjIal: 8 Uhr Das vierte Gebot Staatl. Sdiiller- Theater S Uhr Die Heirat.