Morgenausgabe Nr. 493 A 245 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 3,80 9)U (davon 95 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. PoNzeiwngs- und 72Pf.Postbestellqe. bühren. Auslandsabonnement S.— At. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tcm Drucksachenporto S.— M. Der„Vorwärts� erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage „Volt und Zeit". Berliner VclftSblott Mittwoch 21. Oktober 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswäris 15 pf. Die e l n s p a l t. Nonpareillezelle 80 Pf. Retlamezeile 5,— RM.„Kleine An- Stellengesuche das erste Wort lb Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeiaenannahm» im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen. täglich von K»/z bis 17 Udr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentvawesan dev Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 �crnspr.. Dönhoss(A 7) 292—297. Telcgramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckronto:Berlln37SZS.— Bankkonto: BankderArbeilcr.Angestelllen und Beamien.Lindcnstr. 3. DI. B.u.Dtec.-Gel., Depositen!., Ierujalcmcr Str. KZ/Kö. Republik Spanien wehrt sich. Schutzgesetz von der Negierung eingebracht. Madrid, 20. Okkober. Am Dienslagnachmittag verlos der Ministerpräsident in der Ralionalversammlnng den Entwurf eines Republikschuh- gesehcs, dos noch im Lause des Abends zur Annahme gelangen soll. Das Gesetz sieht Gefängnisstrafen sowie Geldstrafen bis zu 10 000 Peseten vor. Außerdem ist die Strafe der Verbannung vorgesehen: für G e w a l t h a n d l u n g e n, die sich gegen die Republik richten, für Verbreitung falscher oder einseitig gefärbter Bachrichlen auch durch die presse, für Verherrlichung der monarchistischen Staalsform, für unerlaubtes waffenlragen, für Schließung von Industrien und Sperrung oller sonstigen Arbeitsmöglichkeiten(diese Bestimmung richtet sich vor allem gegen den Großgrundbesih, der unbebaut bleibt), für sämtliche Streiks, die nicht acht Tage vorher angemeldet sind, für ungerechtfertigte Preissteigerungen und für Nachlässigkeit der Beamten in der Pslichtersüllung gegenüber der Republik. Der Innenminister kann die Versammlungsfreiheit ausheben, Kundgebungen verbieten und Vercinsheime usw. schlichen. Lavals Programm für Washingion. Die beiden Hauptprobleme: Abrüstung und Schulden. Paris, 20. Oktober.(Eigenbericht.) Der Sonderberichterstatter der havas-Aaentur an Bord der „Z l c d e F r a n c e" äußert sich in einem Telegramm über das Programm der Aussprache zwischen Laval und h o o v e r, obgleich, wie der Korrespondent betont, die Gegenstände der Unterhaltung offiziell nicht bekannt seien. 3n der Abrüstungssrage sei die Haltung Frankreichs— so heißt es in dem Telegramm— in dem dem Völkerbund Rütte Juli überreichten Memorandum festgelegt. Zu weiteren Herabsehungen seiner Rüstungen sei Frankreich nur gegen„präzise Abmachungen über einen effektiven gegenseitigen Beistand im Angrissssalle" bereit. Eine Entwicklung in dieser Richtung scheine sich in amerikanischen Regierungskreisen bemerkbar zu machen. Amerika scheine jetzt zulassen zu wollen, daß der Kellogg- Pakt durch einen Konsnilaiivpakl verstärkt werde. Die Frage sei jedoch, ob die Washingtoner Regierung darüber hinaus auch das Prinzip der Sanktionen gegen einen Augreifer. selbst wenn sie auf finanzielle und wirlschastliche Maßnahmen beschränkt würden, anerkennen wolle. Aus jeden Fall könne man sicher sein, daß Laval in keiner Weise die nationale Sicherheit Frankreichs opfern werde. Was die interalliierten Schulden und Reparativ a e n anbetreffe, so werde Frankreich jedem Vorschlag auf Herabsetzung zustimmen, wenn es wenigstens einen Teil der ihm zukommenden positiven Reparationszahlungen behalte. Um ihre Vegleichung zu erleichtern, könnten S a ch l i e s e- rungen statt Barzahlungen geleistet werden, was znr Verringerung der Arbeitslosigkeit in Deutschland und Frankreich beilragen würde, indem die Sachiieserungen zu den großen öffentlichen Arbeiten verwendet würden, die die französische Regierung auszuführen beabsichtige. Aus diese Weise könnte Deutschland auch die kurzfristigen Kredite leichter zurückzahlen. Reich und Kommunen. Das ungelöste Finanzproblem. Tie Arbeitsgcmeinscliaft der kommu» nalen«pitzenverbände, der außer dem Deutschen Städtetag auch der Ncichsstädtebund, der Deutsche Land- kreistag und der Deutsche Landgemeindetag angehören. hat gestern in einer Pressebesprechung zu der Finanz- tage der Kommunen Stellung genommen. Dos Reich hat, wie Dr. M u l e r t vom Deutschen Städtetag ausführte, zwar einen Betrag von 170 Millionen für die Ec- meinden bereitgestellt, jedoch belasten die anderen in der Notver- ordnung vorgesehenen Maßnahmen der Reichsregierung die Kommunen aufs neue derart stark, daß diese 10-Millionen-hiife völlig illusorisch wird. So hat die Verkürzung der Unterstützungsdauer in der Ar- bcitslojenverstcherung um vier bis sechs Wochen zur Folge daß die Kommunen, die an der Krisenfürsorge mit einem Fünftel beteiligt sind, in den kommenden sechs Wintcrmonatcn zusätzlich mit ins- gesamt 30 Millionen belastet werden. Ferner gibt die letzte Rot- nerordnnng den Ländern das Recht, die Landesbcihilfen aus den ein- gesparten Beamtengehältern für die Itommuncn einzustellen. Preußen Hot von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht und ein gleicher Schritt der anderen Länder steht bevor. Hieraus er- wächst den Kommunen eine weitere Verschlechterung ihrer Finanzlage um mindestens 70 Millionen. Außerdem muß man damit rechnen, daß der geschätzte Jahresdurchschnitt von 1,25 Millionen Wohlfahrtserwerbsloscn im Winter erheblich Überschritten wird. Mo» rechnet jetzt bereits init 1,7 Millionen Wohlfahrtscrwerbslosen Ende Marz 1932. Diese verschärft« Situation auf dem Arbeitsmarkt wird die.Kommunalfinonzcn weitere 40 Millionen kosten. Auf der anderen Seite steht diesem unaushaltsamcn Anwachsen der Wohljahrtsausgaben ein Absinken der Ueberweisungssteuern und der eigenen Steuern gegenüber, das allein bei den Ueber- weisungssteuern auf 140 Millionen im laufenden Finanzjahr geschätzt wird Gegenüber dem Voranschlag vom Juli 1931 muß also mit einer weiteren Vergrößerung des Gcmeindedefizits von 40 Millionen aus dem Rückgang der Ueberweisungssteuern gerechnet werden. Zusammengenommen ergibt diese Aufstellung eine zusätzliche Belastung der Gemeinden»nd Gcmemdcvcrbönde von 205 Rüllionen, also etwa der gleichen Summe, mit der das Reich den Gemeinden bei gesprungen ist. Von irgendeiner tatsächlichen E n t l o st u n g durch da» Reich ist daher nicht die Rede. Im Gegenteil wird die für den 1 April 1932 beschlossene Senkung der Hauszinsstener neue Einnahmeverluste für die Gemeinden nach sich ziehen. Die Vertreter der übrigen Spitzenverbände unterstrichen noch- drücklich die Ausführungen Dr. Mulerts. Zusammengefaßt fordern die Präsidenten der vier kommunalen Spitzenorganisationeii, daß das Reich eine wirksame Entlastung der Gemeindesinanzen durchführe Das gesamte Defizit der deutschen Kommunen, das im Juli auf 800 Millionen geschätzt wurde, ist jetzt, nach Wzug der etwa 300 Millionen Mark Einsparungen und einschließlich der Hoch- schraubung der Bürgersteuer(Kopfsteuer) auf 400 bis 450 Millionen Mark zu beziffern, für die es bei Anspannung aller Kräfte keine Deckung gibt. Die vom Reichsfinanzminister Dietrich Anfang Oktober aufgestellte Behauptung, daß von den 53 000 deutschen Kommunen nur etwa 2000 bis 3000 notleidend wären, wurde ganz energisch zurückgewiesen. Mit dem nachdrücklichen Hinweis, daß die Gemeinden als der eigentliche Unterbau des Reiches gesund erholten werden müssen, wenn das gesamte Staats- gebäude nicht erschüttert werden solle, fordern die kommunalen Spitzcnorganisationen neben der finanziellen Entlastung durch das Reich die von ihnen wieder vertretene organisatorische Reform der Arbeitslosenhilfe durch Zu- sammenlegung von Krisenfürsorge und Wohlfahrtserwerbslofen und ein vorbehaltloses Zusammenarbeiten von Reich, Ländern und Gemeinden, um die Rot des kommenden Winters gc- meinsam zu überwinden. Moni Cenis. Sozialdemokratische Anfrage über das Gruben-llnglück. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Preußischen Landtag zu dem Unglück auf der Zeche Mont C c n i s folgende Große Anfrage eingebracht: „In der Riorgenschicht des 19. Oktober 1931 ereignete sich auf der 5. Sohle, westliche Abteilung im Revier 5. Flöz A der Zeche RIont Eenis Schacht 1/3 in Herne eine Explosion. Durch diese Explosion sind zahlreiche Bergarbeiter getötet und 22 verletzt worden. Unter den verletzten befinden sich eine Anzahl Schwerverletzter. die kaum mit dem Leben davonkommen werden. Aus diesem kataslrophenbetrieb sind von den Bergarbeitern wiederholt lebhafte klagen über das dort herrschende Anlreibesyslem geführt worden. Das Antreibesystem soll dort so stark gewesen sein. daß es den Bergarbeitern geradezu unmöglich gemacht wurde, die für die Grubensicherheil notwendigen Sichecheilsmaßnahmen zu befolgen, Wie von den Bergarbeitern glaubhast versichert wird, haben die höheren Angestellten dieses Werkes stets eine lebhafte Pro- paganda für den Stahlhelm und dos tzakenkrenz unter den Bergarbeitern betriebet,, aber die ootivendige Sorgfalt für die Grubensicherheil sehr vermissen lassen. Dieser Zustand hat zur Ansammlung der Schlagwetter und Anhäufung des Kohlenstaube» geführt und die Grubeugesahren reisen losten, die dann den Nährboden zu dieser Katastrophe abgaben. Wir fragen das Slaatsministerium. ist es bereit, zu prüfen: I. ob dos Antreibesystem dieses Unglück milverschuldel hol: 2. ob Schlagwetter oder Kohlenstaub den Nährboden für diese Sota- slrophe gegeben haben; 3. durch ivelchen Vorgang diese Explosion eingeleitet wurde und 4. was gedenkt da» Slaatsministerium zu tun, um solche Expiosionen unmöglich zu wachen." Wie macht man Inflation? Pläne der Industriediktatur? Von ILurt Heinig. Inflation und Diktatur wachsen auf einem Holz. Mit der sogenannten Binnenmark will sich die Jndustriediktatur bezahlt machen. Das ist der ganze Plan, und der Reichspräsident Hindenburg soll dabei die Dekoration abgeben... Jetzt schreien die Getroffenen und Geschlagenen, sie seien für Nerständigung und sie wollten keine Inflation. Am allereifrigsten betonen die Nationalsozialisten, daß ihnen Währungsexperimente ganz fern lägen. Sie hätten nie die Absicht gehabt, auch nur solche Ideen zu unterstützen. Diese Entschuldigungen klingen komisch, wenn man sich daran erinnert, daß die Nationalsozialisten in Harzburg die Prak- tiker der Inflation unterstützt haben. Was ist eigentlich Inflation? Die Menge der Geldzeichen, des Stllckgeldes(Noten und Metallgeld) steht in einem gewissen Verhältnis zur Menge der umlaufenden Ware. Dabei ist nicht entscheidend, daß, und inwieweit die Geldzeichen mit wirklichem Gold gedeckt sind, daß also der Herausgeber der Noten(die Reichsbank) eine entsprechende Menge goldenen Gegenwert in seinem Keller aufhebt. Das wichtigste an einer Währung ist das Vertrauen, das sie genießt. In der ganzen Welt will man wissen, wieviel Geldzeichen in einem Lande vorhanden sind(darüber berichten die Ausweise der Notenbanken), überall will man ermessen, ob die in einem Lande umlaufenden Geldzeichen in einem gesunden Verhältnis zum Warenhandel und damit auch zur Warenproduktion stehen. Wird die Menge des umlaufenden Stückgeldes geringer, weil viele Leute, die in ihrem Besitz befindlichen Geldscheine in Vertikos und Geldschrank einschließen, so erzeugt diese Verknappung an Umlaufmitteln sehr unan- genehme Folgen. Das deutsche Volk hat das erst kürzlich erlebt, als Sparkassen und Banken nicht genügend Geld zur Verfügung hatten. Steigt der Warenumsatz, so ist die Geld- schöpfung sehr einfach Auf der Grundlage der abgeschlossenen Warenbestellungen werden Handelswechsel aus- geschrieben, über die Banken und mit deren Unterschrift ver- sehen, kommen die Wechsel zur Reichsbank und werden hier gegen bares Geld ausgetauscht. Sowohl Knappheit der Geld- zeichen wie Vermehrung der Umlaufsmittel ist in diesen beiden eben geschilderten Beispielen ein normaler Vorgang. Beides kann in schwierigen Zeiten auch Reibungen ver- Ursachen, aber keines kann eine Inflation erzeugen. Was wollen aber die Nationalsozialisten und was will .Hugenberg? Beide wünschen eine Binnen mark, also neben unserer bisherigen international gültigen Mark soll für das Inland noch ein besonderes Geld geschaffen werden. Die Nazis haben nach ihrem Programm, nach ihren Vorschlagen im Reichstag und ihren sonstigen Aeußerungen die Absicht, drei Sorten neues Binnengeld zu schaffen— wenn sie au die Macht kommen. Sie wollen drucken: 1. Rcichsdarlehenskassenscheine, 2. Baumarkscheine, 3. sotten alle öffentlichen Schuldtitel in Zahlungsmittel umgewandelt werden. Die Rcichsdarlehenskassenscheine wollen die Nationalsozialisten auf die Art erzeugen, daß in Zukunft bei der Durchführung aller öffentlichen Aufgaben des Reichs. der Länder und der Gemeinden die Bezahlung durch zinslose Reichsdnrlehnskasscnscheine erfolgt. Man denke z. B au den Vau von Kraftwerken, Kanälen, Schulen usw. In allen diesen Fällen sollen die Lieferanten und die Arbeiter mit Reichsdarlehenskassenscheinen bezahlt werden. Die Bauaufgaben, die die Wohnungsnot uns immer wieder neu stellt, sollen auf die gleiche Art finanziert werde». Zu diesem Zweck zu gründende Bau- und Wirtschaftsbanken sollen Baumarkscheine ausgeben, die ebenfalls wieder jedem Handwerksmeister und jedem Arbeiter in Zahlung zu geben sind. Im übrigen sollen nach dem Vorschlag des national- sozialistischen Programmes die K r i e g s a u l e i h c st ü ck e und alle übrigen Schuldverschreibungen des deutschen Reiches und der deutschen Bundesstaaten, alle Eisenbahn- a n I e i h e» und die Schuldverschreibungen aller Selbst- verwaltungskörpcr, unter Aushebung der Zinspslicht, zu gesetzlichen Zahlungsmitteln im Nennwerte erklärt werden. Wie haben heute in Deutschland insgesamt etwa sechs Milliarden Zählungsmittel im Umlauf, ein bestimmter Teil davon ist von ängstlichen Leichen in den Strumpf gesperrt. Die fünf Milliarden, die im Kreislauf des täglichen Verkehrs sich bewegen, entsprechen der in der Krise zusammen- geschrumpften Wirtschaft. Kamen morgen die National- sozialisten an die Macht und ließe man sie an die Währung, dann würden durch die Umwandlung der öffentlichen Anleihen in gesetzliche Zahlungsmittel auf einem Schlag 2 5 Mil- liarden Mark neue Umlaufs mittel geschaffen. Dazu kämen die Baumarkscheine und die Reichsdarlehens- kassenscheine. Die Finanzierung des Wohnungsbaues er- fordert alljährlich durchschnittlich etwa drei Milliarden, die öffentliche Verwaltungswirtschaft hat in den jüngst ver- gangenen Iahren alljährlich etwa ebensoviel in Anlagen investiert. Wir hätten also sofort weitere sechs Mil- liarden Mark Papiergeld. Das Exempel ist sehr einfach. Neben den sechs Milliarden international gültiger Reichsmark hätten wir als Binnenwährung noch weitere 31 Milliarden N a z i- M a r k. Die Reichsdarlehenskassenscheine und die Baumarkscheine sollen nach dem nationalsozialistischen Jnflationsprogramm in jährlichen Raten getilgt werden. Aber in der Zwischenzeit würden sie neben den anderen Riesenmengen an Binnenmark vom Gewerbetreibenden und vom Lohnempfänger zum Bäcker, Schlächter und Hauswirt, von diesen zum Schuh- macher und zum Schlachthof und nicht zuletzt immer wieder zu den Arbeitern wandern. Wir würden alle wieder Millionäre werden, denn bei 37 Milliarden Mark Umlaufsmitteln kommen auf jeden Menschen, ganz gleich ob Kind oder Greis, zwischen övl) und 600 Mark an Zahlungsmitteln. Sie würden mit dem Wochen- lohn und mit dem Monatsgehalt ständig zirkulieren, also im Jahre viele Male gegenüber der vorhandenen Warenmenge in Erscheinung treten. Die Waren würden sich dadurch nicht vermehren, aber sie würden ihre Preisziffer ändern, wir hätten Inflation. Wer trägt die Kosten einer Inflation und wer hat davon den Vorteil? Zuerst gewinnen alle Schuldner, von den bis über den Hals verschuldeten Vereinigten Stahl- werken bis zur Dresdner Bank, die vom deutschen Reiche Geld geliehen bekommen hat. Alle Gläubiger hätten dito Schaden. Sie würden sich auf die Art zu retten versuchen, daß sie ihre Forderungen um soviel erhöhen, wie durch die Veränderung des Geldwertes auf der anderen Seite ihnen als Verlust entstanden ist. Der Wiedcrbeschaffungspreis seligen Angedenkens würde auferstehen, das heißt, die Preise würden steigen. Uebrig bleiben dann als die eigentlichen Verlustträger die Verkäufer von Arbeitskraft. An dieser Front käme es zur Auseinandersetzung darüber, wer die Zeche zu zahlen hat. Die Armen müßten zahlen. denn in der Inflation verlieren sie die letzte Kraft des Widerstandes. Die Harzburger Front bedeutete nicht, daß etwa nun Hugenberg oder Hitler an die Regierung sollten. An die Macht-wollen noch ganz andere Leute, die Truppen zu diesem Krieg dürfen die Stahlhelmer und die National- sozialisten sein. Die Generäle dieser beiden Mächte stritten sich untereinander, wer einmal regieren wird, sie sehen nicht, daß es eine dritte Macht ist, die herrschen will, das ist die industrielle Reaktion. Weil die Sozialdemokratiö gesehen hat, was hinter dem Kabinett Brüning aufmarschierte, deswegen kam es zur Entscheidung vom 16. Oktober. Die Front ist klar, es geht gegen Reaktion und Inflation. Braunschweiger Nachklänge. Hitler im Börsenhotcl mit Exfürfien einquartiert. Der R�ichsinncnminister hat in Sachen Brannschweig bisher cwe Entscheidung nicht gefällt. Es ist jedoch zu erwarten, dich er die blutigen Aorgänge i» Braunschweig zum Anlaß einer Maßnahme nehmen wird, von der das ganze Reich betroffen mied. Aber auch über diese durch Notverordnung zu verkündende Maßnahme wird die Entscheidung erst fallen, wenn der schriftliche Bericht der braunschweigischen Regierung über die Borgänge in Braunschweig im Reichsinnenministerimn eingegangen ist. Der Bc- richt wird für Mittwoch erwartet. Während der Hakenkreuzparade in Braunschweig wohnte Hitler im Börscnhotel. Gemeinsam mit ihm wohnten dort der ehemalige Groß her zog von Mecklenburg Friedrich Franz und der ehemalige Erbprinz von Waldeck und Pyrmont. Währeirddessen stürmen die Banden des Herrn Hitler und der Er- fürsten Arbeiterhäuser in Braunschweig. Der Mörder des Arbeiters Fischer in Braunschweig, der Nazi- mann Hey mann aus Plauen, hat sich angeblich in Ham- bürg der Polizei gestellt. Wie die im Fahrwasser der Harzburger schwimmende„Branschweigische Landeszeitung" erfährt, hat die Polizei direktion Plauen durch den Polizeirund- funk die Nachricht verbreitet, daß jener Heymann der Nazipartei niemals angehört habe. Zwar bemühte sich Heymann vor drei Wochen um die Aufnahme in die Partei, doch wurde er zurückgewiesen. Wieso dieser.Zurückgewiesene- in die Schlägerstürme der Nazis nach Braunschwelg geraten ist. verrät auch dix„Br. Landesztg.' nicht. Dafür sucht sie die Täterschaft Heymanns zu bestreiten. Sie gibt ein„Gerücht" wieder, wonach Fischer von— Kommunisten erstochen sein sollte! Friedrich Bartels schwer erkrankt. Der Präsident des Preußischen Landtags. Genosse Friedrich Bartels, ist schwer erkrankt Er mußte in ein Sanatorium übergeführt werden, wo die Aerzte eine eitrige Infektion feststellten, die die Nierentätigkeit bedroht. Gestern abend traten Schüttelfröste auf. die den Patienten sehr angriffen. Die Herztätigkeit, die anfangs sehr geschwächt war, tonnte wieder belebt werden. Heute vormittag treten die behandelnden Aerzte noch einmal zusammen, um eine genaue Diagnose festzustellen. Die Reichstagsabgcordneten Schneider und£emmer erklären zu dem Bericht über die Ergebnisse der letzten Abstimmungen im Reichstag, daß sie mit den übrigen Mitgliedern der staatspartei- lichcn Fraktion sowohl dem Antrag Breitscheid zum Schutz des Tarif rechts, wie auch dem Antrag Breitscheid zugunsten der Winterhilfe für die Erwerbslosen zugestimmt haben. Dr. Psrimer, Pulschführer a. D., erklärte einem Ausfrager in München, mit Hitler habe er nichts gemein. Nur als Rechtsanwalt habe er in München zu tun und um einige gleichfalls ausgerissene Putschisten zu sprechen. Statt der Zollunion ist jetzt eine vollständige Sperre des österrcichisch-reichsdeutschcn Geldverkchrs durchgeführt. Es soll da- durch die Balutaschieberei verhindert werden. Im Kampf gegen die Rot. Lteberfüllie Krauenkundgebungen der Berliner Sozialdemokratie. Als gestern um 19 Uhr der große Saal in der„Reuen Welt" für d>e öffentliche Kundgebung der Berliner sozialdemokratischen Frauen geöfsnel wurde, füllte er sich sehr rasch. Der Beginn der Versammlung war auf 20 Uhr angesetzt, aber schon kurz nach 19'A Uhr mußte die Polizei den großen Saal wegen Ueber- füllung sperren und der kleinere Saal wurde für eine Poralleloersammlung freigegeben. Die Berliner prole- tarischen Frauen wollten bekunden, daß sie treu zur Sozialdemo- kratischeu Partei stehen und sich durch keinerlei Lockungen von rechts oder links beirren lassen. Die Freie Musikvereinigung des Arbcitsr-Turn- und Sport- bundes und das Musikkorps des Reichsbanners Neukölln leiteten die Kundgebung ein. Mit stürmischem Beifall wurde der Fahnen- eimnarsch unserer Arbeitersportlerinnen begrüßt. Karl Litke sprach die einleitenden Worte, in denen er den ge- meinsamen Kampf für Freiheit, Gleichheit und Menschenrechte rühmte. In Ehrfurcht erhoben sich die Versammelten, als er der Opfer des Bergwcrkunglücks von Moni Cenis und der freventlich von Nazihordcn ermordeten drei Braunschweiger Arbeiter gedachte. Daim sprach Franz Künstler zum Thema »Krauen im Kampf gegen die Not." „Unser Kampf geht gegen die Sozialreattion. Mutige, von den Ideen des Sozialismus begeisterte Frauen stehen mit den mann- lichen Klassengenossen im Kampf gegen Hitler und Hugenberg, gegen die deutsche Konterrevolution. Denn der schwere Kampf, der auf wirtschaftlichem und politischem Boden ent- brannt ist, ist nicht allein eine Angelegenheit der Männer. Zum Kampf gegen die Herren- und Gewaltmenschen, gegen Faschismus und Diktatur sind Frauen und Männer,- Jugendliche und Alte be- rufen und verpflichtet. Das unverrückbare Ziel der Sogialdemo- kratie ist es, die Menschheit aus ökonomischer und politischer Knecht- schaft zu befreien. Frauen und Männer sollen einander ergänzen und stützen! Mehr als je ist Solidarität das Gebot der Stunde.(Stürmische Zustimmung.) Harzbnrg, die jüngsten Verhandlungen des Reichstages und vor allem der B l u t s o n n- tag von Braun schweig haben die drohenden Gefahren des Faschismus allen Proletariern gezeigt. Der Konterrevolution kann mit Erfolg nur eine einige und disziplinierte Arbeiter- schaft entgegentreten. Im Reichstag siird Hugenberg und Hitler ge- schlagen worden. Sie mußten die Koffer packen und abziehen. Als die Nationalsozialisten für die Arbeiterschaft ihre Stimme i-m Reichstag erheben sollten, da zogen zum zweitenmal ihre 107 Abgeordneten hinaus. Sic drückten sich vor der Abstimmung über die sozialdemokratischen Antrüge.(Pfuirufe.) Dem Austrage ihrer großkapitalistischen und monarchistischen Geldgeber folgend, durften sie nicht für die Erhaltung des Tarisrechts, für die Zusatzforderung Zur Erwerbsloseichilsc, für den Gesetzentwurf in der Frage der Fürstenabfindung stinunen. Niemals trat die Arbeiterseindtichkeit der Zlaziparlci so deul- sich hervor, wie in den letzten Tagen im Reichstag. Es steht fest: Adolf Hitler ist weiter nichts als der Vorgeschoben« der deutschen Schwerindustrie und der abgetakelten Generäle- und Exprinzen.(Stürmische Zustimmung.) Nicht Hitler-Geist, sondern Sozialismus soll"über Deutschland kommen. Alle Voller leiden noch unter der Ideologie des Hasses. Nur eine Industrie ent- wickelle sich in Europa in den letzten Jahren kort: die Küsfamgs- Industrie. Wir Vorkämpfer für den Frieden müssen vor allem für eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich eintreten. (Stürmische Zustiinung.) Im innerdeutschen Kampf« setzen wir der brutalen Gewall der Faschisten die organisierte Macht des Proletariats entgegen. Dabei werden in selbstloser Pflichterfüllung Männer und Frauen wetteifern!(Langanhaltcnde begeisterte Zu- stimmung.) Es war vielleicht ein Höhepunkt in dieser großen Kundgebung, alz nun der Schauspieler Heinrich Witte vom Staatsiheater zu hinreißenden Rezitationen das Wort nahm. Seme Leidenschaft machte noch einmal die Schrecken des Krieges lebendig, fein hinreißendes Pathos führte den ganzen Widersinn der kapi- talistifchen Wirtschaftsordnung vor Zlugen. Nach ihm, dem großer Beifall dankte, nahm Tom Sender das Wort:„Jeder Tag bringt uns aus irgendeinem Lande die Nach- richt von neuen wirtschaftlichen Komplikationen und beweist uns, daß die Erde bebt. Kräfte von unten drohen, Menschen, die nicht mehr glauben, wollen neuen Glauben gewinnen. Eine Ordnung, die den Arbeitslosen keine Arbeit gibt, die, während die Lägcr und Speicher gefüllt sind, Millionen hungern und darben läßt, muß noch der Anschauung der Massen dem Untergange geweiht sein. So ward das Sehnen nach Umänderung auch bei vielen erweckt, die an> sich nicht im Lager des Proletariats stehen. Mit ihnen aber treibt man schändlichen Mißbrauch. Wie die Geier stürzen sich die Faschisten auf sie und rufen: Der Marxismus ist schuld, folgt uns Nazis, folgt Adolf Hitler." Wem aber sollen sie folgen? Wir haben die Führer in Harzburg gesehen. Es sind alte Bekannte: die Prinzen der Fürstenhäuser, Herr von O l d e nb u r g- Janu- schau, Herr Geheimrat C l a ß vom Alldeutschen Verband, der Fürst Salm-Horstmar, Herr Alfred Hugenberg, der Inflations- gewinnler, und der jetzt aus fanatischem Ehrgeiz bei keiner reaktio- nären Beranstaltung fehlende Hjalmar Schacht. Es sind zum großen Teil dieselben Menschen, die uns im Kriege ins Unglück ge- stürzt haben. Was ihre Herrschaft bedeuten würde, das hak der 14. September in seinen Folgen bewiesen. Rund 4 Milliarden Mark Kapital wurden aus Deutschland abge- zogen, wodurch neue Hunderttausende arbeitslos wurden. Die Fähigkeiten der sogenannten Wirtschaftsführer haben wir bei dem Zusammenbruch der Bremer Wollemagnaten L a h u s e n zur Genüge kennengelernt. Als ihrem Sturze der Zusammenbruch der Danatbank und die Schwierigkeiten der Dresdner Bank folgten, haben die Wirtschaftsführer den Reichskanzler um Hilfe angefleht. In seiner letzten Reichstagsrede hatte Brüning gesagt, daß er, wenn man ihn zu sehr provoziere, noch mehr über die Wirtschaftsführer berichten könne. Er hat dies leider nicht getan.(Stürmische an- haltende Zustimmung.) Kaum aber hatte das Reich geholfen, da ging der Sturm gegen Brüning und vor allem gegen die Sozial- Politik wieder los. Die Sozialdemokratie hat sich dagegen gewehrt, weil sie weiß, daß der Ruf: Rieder mit dem Marxismus! in Wirklichkeit: Rieder mit der Arbeiterschaft bedenket. Sie kämpft gegen eine Inflation, gegen Binnenmark und Fedcrgcld, gegen einen weiteren Abbau der sozialpolitischen Errungenschaften und vor allem dagegen, daß in Deutschland jemals das Mord- gesindel von Braunschwcig zur Regierung komme.(Stürmischer Beifall.) Wir Frauen müssen in diesem Kampfe uns mit unseren männlichen Klassengenossen zusammen in die vorderste Front stellen. (Erneute stürmische Zustimmung.) Nachdem Genossin Kern zum Einttitt in die Sozialdemo- kratische Partei in flammenden Worten aufgerufen und ein Hoch auf die Sozialdemokratie ausgebracht hatte, sangen die Tausend« gemeinsam begeistert die Internationale. Die Parallelversammlung. Dasselbe Bild auch im kleinen Saal der Neuen Welt, wo die Parallelversaminlung stattfand. Vom Podium wehten rote Fahnen. Dicht gedrängt saßen die Frauen. Darbietungen des Musiikorps „Reichsbanner Neukölln" schufen die Stimmung für diese kund- gcbung. Mathilde Wurm cröfsnete dann die Versammlung, indem sie derjenigen Opfer der Arbeit und der Kämpfer um die Frechett gedachte, die erst in den letzten Tagen dahingegangen sind. Rezitationen, von Fried eü Hall packend vorgetragen, fügten sich harmonisch in den Rahmen dieser Kundgebung. Nach einer Ansprache des Genossen Künstler nahm Toni Psülf das Wort, um das schwere Schicksal der Proletarierin fett dem Krieg bis in die Zeit unserer entsetzlichen Wirtschastskrise mit all ihren Entbehrungen zu schildern. Wenn als Heilmittel aus dieser Not immer wieder der Ruf erschallt:„Sie Frau soll heraus aus der Wirtschast, zurück ins Haus," so kennzeichnet auch dies nur, wie nötig es ist, daß auch die Frauen sich in den Gewerkschaften organisieren und in den Rahmen der bestehenden Arbeiterbewegung einreihen. Mitschuld an den bestehenden Verhältnissen tragen die vielen Frauen, die jenen Parteien ihre Stimme geben, die für ihre Entrechtung auftreten. Wir Sozialdemokraten fordern: Umorganisation der Arbeitszeit, Aufrcchterhaltung der sozialen Gesetzgebung und Völkerverständi- gung! Wir lassen den Mann in dem Kampf gegen den Faschismus nicht im Stich. Und wir sehen über den eng begrenzten Horizont der trüben Gegenwart hinweg und wirken für eine bessere Zukunft für unsere heranwachsende Jugend. Wir lassen den Mut nicht sinken, denn wir wissen, die Zukunft gehört uns! Mathilde Wurm schloß dann die Persammlung mit dem Appell, nicht länger zu zögern, sondern sich der einzigen Partei an- zuschließen, die die Interessen aller Werktätigen vertritt. Begeistert stimmten alle Anwesenden in das Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie ein. Bei den Klängen unserer Jntcr- nationale fand auch diese Kundgebung ihren Abschluß. Aufforderung zur Meuterei! Neue Glanzleistung eines Hugenbergmannes im Landiag. In der Dienstagsitzung des Preußischen Landtags ge- dachte zunächst Vizepräsident Dr. von Sries der Gruben- t a t a st r o p h e aus der Zecke Moni Cents in Herne, die bis jetzt 12 Todesopfer und 24 Verletzte gefordert hat. Er spricht den Hinterbliebenen die Anteilnahme des Landtags aus und wünscht den Verletzten baldige Genesung. Das Haus hat sich zu Ehren der Opfer von den Plätzen erhoben. Im Anschluß hieran erklärt Ministerialrat Rolher vom Handels- mlnisterium, daß es sich bei der bedauerlichen Katastrophe nach den bisherigen Feststellungen um eine Schlagwetterexplosion handele. Ei» abschließendes Urteil über die Ursache könne in der verhältnismäßig kurzen Zeit noch nicht abgegeben werden, da die Untersuchung sich noch im Gange befindet.' Am Dienstagvormittag sei der Unfallausschuß der Grubenkommission zusammengetreten. Bis jetzt sei festgestellt worden, daß Kohlenstaub nur an einer Stelle mitexplödiert sei. In vorbildlicher Weise seien die Rettungsaktionen verlaufen. Dieses Unglück, das erste große seit 1925. bedeute einen bedauerlichen Rückschlag der Sicherheitsmaß- nahmen. Es werde aber Anlaß zur Prüfung der Frage geben, welche weiteren Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden sollen. Ohne Aussprache wird hierauf ein kommunistischer Antrag, der sich gegen die Schließung der Wenzeslausgrube in N e u r o d e wendet, dem Ausschuß überwiesen. Es folgt die Fortsetzung der großen politischen Aussprache über die Mißtrauensanträge und aller dazugehörigen pali- tischen Anfragen und Anträge. Da die Aussprache am Freitag bereits geschlossen wurde, sind nur noch die Schlußworte zu halten. Abg. Wollweber(Komm.) polemisiert gegen die Ausführungen der bürgerlichen Redner, besonders aber gegen die Sozialdemokraten. Nur die Kommunisten hätten als einzige Partei die Wirtschafts- katastrophe vorausgesehen. Sie seien auch heute noch die einzige Partei, die nach der Machtergreifung Arbeit und Brot in Deutsch- land schassen würden. Abg. Steuer(Dnat.) erklärt, die Polemik gegen die Harz- b u r g e r Tagung der nationalen Opposition beweise, daß die Par- tcien an diesen be st immendenFaktorderJnnen politik nicht mehr vorübergehen könnten. Daran ändere sich nichts, auch wenn hohe Staatsfunktionäre, wie der sozialdemokratische Debatte- redncr Oberpräsident Haas von Hessen-Nassau in einer Landräte- konferenz politisch andersdenkende Beamte, die sich am Volksent- scheid beteiligt haben, als üble Streber beschimpfe, die den Anschluß nicht verpassen wollten. Mit einer solchen Begriffsverwirrung, die Staat, Republik und Rcgierungskoalition durcheinanderwerfe, könne man sich nicht auseinandersetzen. Dasselbe gelte von Herrn Leinert, der von den Männern der Harzburger Front behauptete, daß sie die Inflation wollten, um von ihren eigenen Schulden herunterzu- kommen. Minister S c v e r i n g habe eine Rede Hugenberg?, in der dieser Ausführungen vor der Essener Handelskammer über den Unitarismus machte, falsch zitiert. Die weitere Aeußerung Severings, daß Wahlen die öffentliche Sicherheit gefährden, sei der Offenbarunaseid der Demokratie. Einer Regierung, die die Ver- fassung verletzt, fei die Polizei nicht zum Gehorsam verpflichtet. Weiter polemisiert der Redner gegen die Ausführungen des Zen» trumsabgeordneten Baumhoff, wobei er erklärt, daß die nationale Nr. 493* 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Mittwoch, 24. Oktober 4934 „Wehrsporf" der BUrgerhrie�banden. Nazi-Terror an der Nordbahn.— Nächtliche Schießübungen.— Vom„Geländespiel" zum Ucberfall. Clin Rahmen der fasrhistisehcn Vorbereitungen zur „Abrechnung mit diesem Systeni" spielt die in den 5t reis 'lkicdcrbarnim führende Nordbahn st recke eine besondere Rolle. Es handelt sich um die Gegend längs der Vorortbahn Vcrlin— Oranienburg. In diesem Gebiet wechseln militärische Aufmärsche des Stahlhelms mit Nachtübungen nationalsozia- listischer Sturmkolonncn; heute wird eine sozialdemo- kratischc Versammlung von zusammengeholten Terror- gruppcn der Hakcnkreuzler mit Stühlen und Viergläsern überfallen, morgen überrascht eine Motorrad-Abteilung der Hitlcrbanden ein kommunistisches Verkehrslokal und feuert Salve auf Salve in die betreffende Gastwirtschast. Dabei können sich die faschistischen Bürgerkriegsverdände auf ein offen mit ihnen sympathisierendes Bauerntu m stützen, wo- bei sie noch dazu die Gewißheit haben, daß sie bei bestimmten Amts- stellen, wenn auch subalternen, einer wohlwollenden Neu- t r a l i t ä t begegnen. Die republikanische Bevölkerung der Dörfer und Städte längs dieser Eisenbahnlinie und insbesondere ihr Bortrupp, die sozialdemokratische Arbeiterschaft, denken aber nicht daran, diesen Teil des Kreises Niederbarnim kampflos dem Faschis- mus zu überlassen. Vorerst ergibt sich in kleinen Ausschnitten das folgende Bild: Stahlhelm»erobert" Birkenwerder. In den ersten Vormittagsstunden des zweiten Oktobersonntags legten an der Havel bei Holzen-Neuendorf mehrere Dampfer an. Kolonnen uniformierter feldmarschmäßig ausgerüsteter Stahlhelmer uwren die Passagiere. Was nicht per Dampfer kam, zog per Bahn, Auto oder zu Fuß heran. Zuerst wurde die Gemeinde Birkenwcrder „erobert", dabei wurden Frauen und Kinder kurzerhand vom Bürger- steig gejagt— dann ging es zu dem ausgedehnten Gelände des Großbauern Sturm, der seine Wiesen an der Havel für die Bürgerkriegsübungen des Stahlhelm zur Verfügung gestellt lzattc. Ilm die Mittagsstunde war der Aufmarsch der 3000 Stahlhelmer beendet, eine ganze Reihe der Leute muh Hunger für drei gehabt haben, denn aus den Gulaschkanonen wurden nicht weniger als 4200 Essenportione» ausgeschenkt. Aus einem Hügel hatte man Zelte errichtet, hier residierte der Stab mit illustren Gasten: vorneweg Prinz Oskar, dazu General Reinhardt und der Herr Generaloberst Heye, vor einigen Jahren nach Ehef der Heeresleitung. Zwischendurch konzertierten die Stahlhelinkapellen, dann trieb man„W e h r s p o r t", und um 6 Uhr abends paradierten die Stahlhelmkolonnen vor chrer Führung. Schließlich wurden die Absperrungen des Stahlhelms(!) ausgehoben und mit klingendem � Spiel ging es zurück nach Birkcnwerdcr. Nazis»stürmen" Gut Schönwalde. Die nationalsozialistischen Sturmkolonnen bevorzugen für ihre Nachtübungen mehr die Gegend zwischen S ch ö n w a l d e und Schönerlinde: Orte, die etwas abseits von der Bahnstrecke liegen, östlich in Richtung Schönfließ— Mühlenbeck. Unlängst fand hier eine Üebung für 17 0 Unterführer der Standarte 4 statt. Nachdem man am Ehausseehaus Schönerlinde angetreten war, ver- anstackete man ein„Geländespiel" um das Gut Schönwalde. kvic die Indianer krochen die 170.Figuren bäuchlings über die Aecker. Auf seden Laut reagierte der auf dem Gut sitzende„Gegner" mit Blinkzeichen. Die Herren Sturm-, Sturmbann-, Trupp- und Scharführer stellten sich bei dem Beschleichen des Gutes übrigens sehr dreibeinig an,'denn sartgesotzt wurde geblinkt. Schließlich mußten die Leute bis fünf Minuten vor Mitternacht im Dreck liegen, ohne sich zu mucksen Als zweite Hebung wurde den Unterführern Zeltbauen bei- gebracht. Die SA.-Koionnen sollten lernen, sich von dem üblichen Schennenlagcr freizumachen. Ilm cinhalbzwci Uhr nachts hatte man glücklich drei Zelte ausgebaut, dazu gab es etwas Stroh und einige Zeit später lagen 170 Vorkämpfer für das Dritte Reich knicschlotternd und zähneklappernd auf nassem Stroh in den Zelten. Vor 6 Uhr wurde niemand aus den Zelten herausgelassen, wer es dennoch vcr- suchte, wurde von den Posten wieder in die Zelte zurückgetrieben. Um ö Uhr blies der Hornist zum Wecken. Anschließend wurden der Sturmbamrstärkc entsprechende Kochgräbcn ausgehoben und Unter- richt im Abkochen erteilt, um für gewisse Zwecke eine bessere Un- abhängigkeit der„Truppe" von der Gulaschkanone zu haben. Alles in allem eine durchaus seldmäßige Nachtübung, deren etwas burschkiose Schilderung niemals über den Ernst dieser Dinge hinwegtäuschen darf. Zurück zu dem an der Nordbahn gelegenen Hohen-Neucn- d ör f. Hier gibt es in einem Siedlungsblock merkwürdige Nazis. Es handelt sich teils um eine Gruppe russischer Flüchtlinge, teils um vertriebene G r e n z l n n d d e u t s ch e. Diese Russen haben 1920 während des Bürgerkrieges in der Sowjetunion eine nie ganz geklärte Rolle gespielt, jedenfalls ließ sie die Sowjctrcgierung trotz mehrfacher Bemühungen nicht wieder in ihre ehemaligen Wohn- gebiete bei Charkow. Zusammen mit den Grenzlandvertricbenen gehören sie heut: zu den Hohen-Neucndorser Nazis. Hierzu eine Zwischenbemerkung: zwei dieser Familien konnten ihre Söhne bei der Reichswehr unterbringen. Vermittler war der verstorbene erste Nazihäuptling von Hohen-Neuendorf, ein Mann namens Schnei- der, Architekt im Reichs-Marincamt, der seinerzeit wegen national- sozialistischer Umtriebe entlassen wurde. Es kann nun einem Beob- achter passieren— und die Fälle sind vorgekommen— daß sich Gruppen der Hohen-Neucndorser Nazis nur russisch unterhalten. Sic bilden sich scheinbar ein, außer den Flüchtlingen in der Siedlung spräche in ganz Niederbarnim kein Mensch russisch. Besonders gern spricht der Herr Adolf von K n a u t h, dessen Villa wir im Bild Berliner Verkehrssorgen. Neues Einsdiränkungsprogramm.— Vom Straßenbahn' zum U-Bahnvcrkehr. Die Derschärsung der Wirtschaftskrise Hot einen weiteren starken Einnah mcaussalt bei den städtischen Verkehrsmitteln bewirkt. Der Aufsichtsrat der BVG. sah sich daher gezwungen, zu einem neuen Einschränkungsprogramm der Direktion Stellung zu nehme». Das Programm will eine stärkere Benützung des Unlergrundbahnnches durch Einstellung von Straßenbahnlinien und Omnibuslinien erreichen. Es ist jedoch unverkennbar, daß die Verwirklichung des Programms für Berlin eine fühlbare Verkehrsverschlechterung bedeutet. Nach dem Bericht der Direktion hat der Tarif vom 1. Scp- tcmber dieses Jahres eine teilweise Umschichtung im Verkehr zur Folge gehabt Durch die Erhöhung des Umsteigetariss bei Straßenbahn und U-Bahn ging der Uebersteigcnerkehr in ähnlichem Umiang wie seinerzeit beim Omnibus zurück. Auf Grund der Er- gebnipe vom 1. bis 20. September dieses Jahres wurde festgestellt, daß die Ucbcrsteigefahrten von Straßenbahn zu U-Bahn um etwa 53 Proz., von U-Bahn zu Straßenbahn um 58 Proz. und die inneren Umsteiger aus der Straßenbahn um üb Proz. zurück- gegangen sind.- Die Benutzung der Sammeltarten. 5 Stück für 1 M. ist wider Erwarten hoch: sie betrögt bei der Straßenbahn 62 Proz. der Geradcaussnhrtcn (Fahrten auf Sammelkarten), bei der U-Bahn 64 Proz. der Gerade- aussahrten und Cinzelfahrten.« Die Einführung dieser Sammelkarten hatte die Wirkung, daß die U-Bahn schon heute stärker als vorher benutzt wird, da das ganze Netz der U-Bahn für 20 Pf. befahren werden kann. Der Vergleich zwischen dem Monat August und September (1. bis 20.) zeigt, daß bei der Straßenbahn'der Rückgang des echten Verkehrs rund 1 Proz., beim Omnibtls 14 Proz. beträgt, während bei der U-Bahn eine Zunahme von etwa 18 Proz. zu verzeichnen ist. Hierbei ist die saisonmäßige Steigerung von'August zu Sep- tcmber nach nicht berücksichtigt. Im ganzen genommen ist die Fahrtenzahl auf den drei Verkehrsmitteln um 2,5 Proz. gestlegen. Die Steigerung zwischen August und September beträgt im Durch- schnitt der letzten drei Jahre im allgemeinen rund 4 Proz., so daß sich der Berkehr. aus das gleiche Niveau zurückgeführt, um 1,5 Proz. verschlechtert hat. Bei der gegenwärtigen- Wirtschostsiogc ist mit einer weiteren Verschlechterung in den folgenden Monaten zu rechnen, um so mehr, als die Arbeitslosigkeit zum Winter sich wieder verstärken wird. Alle Einschränkungen, die seit dem Jahre 1930 vorgenommen worden sind, liegen in der Richtung, den Wettbewerb zwischen den drei Betriebsmitteln Straßenbahn, Omnibus und U-Bahn zu beseitigen, so daß allmählich hierdurch ein auf die Eigenart der drei Berkehrsnnttcl abgcstelltez Verkehrsnetz für das ganze Stadt- gebiet geschaffen wird. Es tst deabsichtigt, 1l Straßenbahnlinien ei». zuzieher/ und 12 Linien Zu verändern bzw. zu verkürzen. Hierzu tritt außerdem die Einstellung des Sonntagsbetriebs auf zunächst 3 Linien. Im Omni busbetrieb sollen 6 Linien eingezogen und bei 7 Linien Veränderungen vorgenommen werden. Die Zahl der Straßenbahnlinien würde sich dadurch von gegen- wärtig 82 auf 71 Linien verringern, 1929 waren es 92 Linien: die Zahl der Omnibuslinien geht von 43 auf 33 herunter. In den Einschränkun-gszahlen ist Rücksicht darauf genommen, daß durch den Ausfall von Linien vermehrt Einsetzer im Spitzeiivcrlchr gc- fahren werden müssen. „Aber du kamrst Dols �»och nicht in eine Linie mit Hans Harber stellen, Dalf, der so gern arbeitet und soviele geistige Interessen hat!" wandte sich nun Frau Loriot dem Gatten zu, ahnungslos, was sie damit anrichtete. Der Sahn warf der Mutter einen mahnenden Blick zu, aber es war schau zu spät. Wütend sprang der Professor auf und stieß brüsk die Tasse zurück, die sie ihm soeben reichen wollte, so daß der heiße Tee der zusainmenzuckenden Frau über beide Hände spritzte. „Herrgott im 5)immcl, nun sind wir ja schon wieder in Diskussion über die heranwachsende Jugend und ihre seelischen und körperlichen und wer weiß was für Störungen. Gibts denn auf der Welt nichts anderes mehr? Wollt ihr mich alle hier verrückt machen? Nichts als Familie, Familie, Familie. Da ist es kein Wunder, wenn ich mich nicht mehr konzentrieren kann, wenn ich mitten im Konzert versage. Der Satan hole die ganze Familie." Mit lautem Knall fiel die Tür ins Schloß, daß d>c Fenster und das Glasdach leise zitterten. Frau Loriot preßte die Lippen zusammen und drückte mechanisch ihr Taschentuch auf die verbrühten Stellen, deren feuerrote Male sich von der weißen Haut abhoben. Endlich blickte sie aus und sah� wie Hilfe suchend zu dem Sohn hinüber. Aber sie erschrak bis ins Innerste, als das juirgc Gesicht sie mit einem Ausdruck grenzenloser Berzweislung anstarrte. „Pater ist heute erregt, Juitgchen", sagte sie mühsam,„sieh mal. morgen ist das Konzert, das über seinen neuen Kontrakt entscheiden soll... Es wird schon wieder besser werden." Der Sohn öffnete ein paarmal die Lippen, aber kein Wort entrang sich ihm. Endlich erhob er den zusammen- gesunkenen Körper und trat auf die Frau zu. „Ja. Mutter," sagte er,„es wird schon wieder besser werden." ?. Die Nacht ist mondhell und sternenklar. Das Haus liegt dunkel und in tiefem Schlaf. Durch das Getreidefeld hinter dem Garten streicht der Svmmerwind, er bewegt leise die Nehren, die sich in leichten Wellenlinien kräuseln. Er fängt sich in den Sträuchern des Gartens und rauscht in den Kranen der alten Bäume. Schwarz steht der Wald in der Ferne. Eine junge Gestalt schleicht leise die Treppe hinauf bis zum Bodenraum. Sie zündet kein Licht an. Im Dunkel tastet sie sich vorwärts und holt etcvas aus einer Luke hervor. Dann stellt sie die Leiter an, steigt hinauf und öffnet eines der Dachfenster. Einen Augenblick bleibt die Gestalt still und unbeweglich und lauscht. Aber es ist alles ruhig. Nur die leise bewegte Luft summt in den Bäumen. Geräuschlos klettert der junge Mensch zurück, schleicht die Treppe hinab und öffnet vorsichtig eine Ziinmertür. „Schläfst du?" flüstert er kaum vernehmbar. Und dann, ctivas lauter:„Germaine?" Ein leises Auflachen, dann wird das Licht angeknipst: „Ich bin längst angezogen, Dolf", sagt die Schwester mit strahlendem Gesichtsausdruck/ ich konnte überhaupt nicht schlafen vor Freude." Der Bruder legt ihr die Hand auf den Mund und dreht das Licht wieder aus.„Sei bloß still. Kleines", sagt er mah- nend,„du weißt, wie leise Mama schläft. Sie bekäme einen Todesschrecken, wenn sie wüßte, was wir vorhaben." Er nimmt das Kind auf den Arm und trägt es vorsichtig zur Türe. Dann bleibt er stehen und horcht. Aber alles bleibt still. Leise schleicht der Junge mit der Schwester auf dem Arm den Korridor entlang bis zur Treppe. Hier setzt er das Kind ab und holt Atem. „Du bist doch mächtig schwer geworden in diesem Jahr", sagt er,„ich kann dich bald nicht mehr schleppen. Na. itun kannst du allein gehen, hier hört man uns nicht." Germaine macht die Situation großes Vergnügen, sie weiß nicht, wie sie ihre Freude äußern soll. Zärtlich streichelt sie die herabhängende Hand des Bruders.„Du bist der Aller- beste und der Allerklügste. Schnolfi", flüstert sie und preßt die Hand des Jungen an sich. Dann schleicht sie hinter dem Bruder die Treppe zum Boden in die Höhe. Dolf steht schon an der Leiter. Behutsam trägt er ein Rohr und einen Kasten in die Höhe und klettert hinaus. Dann kehrt er zurück und hilft der kleinen Schwester nachzukommen. Sorglich umfaßt und stützt er sie, bis sie beide auf dem flachen Doch stehen.! „Hier!" sagt er dann und deutet auf ein Gestell, an dem ein langes, bewegliches Rohr angebracht ist. Germaine bricht in einen leisen Ruf des Entzückens aus. „Dein neues Fernrohr, Dolfchen, und das hast du alles selbst gemacht." Behutsam streichelt sie das Gestell, soweit sie reichen kann. „Die Linsen haben mich mein ganzes Taschengeld gekostet und den Inhalt meiner Sparbüchse dazu", sagt der Bruder.„Aber selbst das hat noch nicht gereicht. Da habe ich denn dreimal in der Woche nach der Schule Privatstunde gegeben. Der dicke Hein, du kennst ihn ja, kapiert die Mathematik nicht. So bekam ich das Geld zusammen. Ilnd das Gestell habe ich mir an den freien Nachmittagen zusammen- gezimmert, ohne daß einer was inerkte." Germaine sieht in einem Gemisch von Staunen und Be- wunderung zu ihm auf.„Papa hätte dir sicher Geld gegeben,' Dolf!" sagt sie zögernd. Der Junge aber wendet sich ab.„Papa hat genug Aus- gaben für mich", erwidert er ausweichend,„ich will ihm nicht noch damit kommen. Und dann hätte er sicher auch gespöttelt über die Sternguckerei", setzt er langsam hinzu. Papa ist eben Musiker und kein Wissenschaftler, wie ich einer werden will. Aber nun sieh mal durch, Liebling!" Er richtet das Fernrohr nach dem Monde und hebt das 5tind in die Höhe. „Was du jetzt siehst, das sind hohe Gebirge, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann. Und hier"— er stellte die Linse schärfer ein—„das ist ein großes Gebirge mit Namen Kopernikus, zur Erinnerung an einen großen Astronomen. Kannst du den ungeheuren Ringwatl erkennen, der sich um das Gebirge herumzieht? Der ist etwa 12 OOl) Fuß hoch. Das ist ungefähr dreitausendmal so hoch als unser Haus..." Er stellt das Kind wieder auf den Boden und beginnt eifrig Zahlen in ein Heft zu notieren. Germaine aber ringt augenscheinlich mit einem großen Entschluß. Sie atmet tief auf und senkt den Kopf. Dann faßt sie den Bruder am Aermel.„Dols", sagt sie zögernd,„ich habe es mir überlegt, ich werde keine Aufwartefrau werden. Ich bleibe bei dir und helfe dir auf der Sternwarte. Oder kann ich nicht auch Astronom werden?" Aengstlich sieht sie zu dem Jungen auf. Der beugt sich nieder und küßt das kleine Mädchen.„Aber ja, Schwesterchen. natürlich kannst du das", sagt er lächelnd,„und du kannst mir dort sehr viel helfen. Es gab schon einmal eine berühmte Astronomin, Karoline Herschel hieß sie, die half auch ihrem Bruder ibr Leben lang, und sie hat viele Kometen entdeckt und ist sehr berühmt geworden. Ihre Tagebücher und Briefe ; stehen unten in meinem Bücherschrank. Daraus werde ich dir mal vorlesen. Ein solches Geschwisterpaar werden wir zwei dann auch. Ach, weißt du, Germaine, es ist noch so unge- steuerlich viel zu entdecken und zu erforschen. Ueberall sind Rätsel und Geheimnisse— wir raten und deuteln daran herum, aber mir wissen so wenig. Ach. vielleicht glückt es mir einmal, etwas zu erforschen, wovon wir uns heute noch keine Vorstellung machen können!"_..(Fortsetzung solgt.) mfeftergtSenf, nnt fernen Kumpanen rufffftfj. Ms Knauth fcfbfl angibt, ist er Balte und unterhält in der Bisinarckstrahe 1V/Z1 ein h o in ä a p a t h i s 6? e s Institut. Eden in jener gemieteten Villa. Uns interessieren nicht die Privatverhältnisse dieses Mannes, es scheint nur, dast der Villa ansangs ein anderes Schicksal als das eines homöopathischen Instituts zugedacht har. Der baltische Nationalsozialist von Knauth wollte nämlich hier ein Kranken- Haus eröffnen. In der Gneisenaustrahe in Berlin haben ja die Nationalsozialisten auch ein Krankenhaus. Diese Krankenhäuser passen zu den Nazikasernen wie die Faust aufs Auge. Die Behörden machten dem Mann jedoch einen Strich durch die Rechnung. Erstens lehnte das Gesundheitsamt der Stadt Berlin rundweg einen Vertragsabschluß ab. Zweitens erteilte die Baupolizei keine Genehmigung wegen Feuersgefahr. Drittens lehnte die Regierung in Potsdam die Einbürgerung dieses Mannes ab. Es ist anerkennenswert, wie die staatlichen Aufsichts- behörden diese Nazizelle im Keim e r st i ck t haben. Die für den Krankenhausbetrieb angeschafften Betten sind inzwischen meistbietend versteigert worden. Oer Keuerüberfall in Oranienburg. Desto rühriger sind die anderen Hohen-Neuendorfer Nazi-, deren Häuptling der'Assistent Jakobs vom Haupttelegraphenamt ist. Vor wenigen Wochen inszenierten sie im Hohen-Neuendorser Lokal„Fichtenhain" eine Saalschlacht. Sie versammelten sich vor- her in Stärke von etwa ZV Mann im Gesellschaftshaus und rückten zu einer von der Sozialdemokratie einberufenen Versammlung an, in der Genosse Z ö r g i e b e l sprach. In der Diskussion sprach der Nazi-Kreistagsa'ogeordnete K r e tz s ch m a n n, der erklärte,„man werde legal von Sprosse zu Sprosse emporsteigen, aber gehängt werde doch". Als er mit„Heil Hitler" schloß, rief die SA. „Stuhle h o ch I" und wie die Wilden ging es mit Stuhlbeinen und Biergläsern über die Versammlungsteilnehmer her. Erst das Eingreifen der Ortspolizei beendete die Saalschlacht. Das stärkste Stück der Nordbahn-Nazis war aber bisher der F e n e r ü b e r f a l l auf das Lokal von Lach in Oranienburg. In dieser Stadt waren Schlägereien zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten an der Tagesordnung. Nachdem die Nazis am jüdi- scheu Neujahrstag einen Fenstersturm gegen Wohnungen jüdi- scher Bürger unternommen hatten, Hollen sie am 24. September zu einem großen Schlage aus. Um st Uhr abends fuhr eine> M o t o r r a d- K o l o n n e vor das Lachsche Lokal vor,' hinterdrein noch etwa IM Nazis zu Fuß. Plötzlich krachten Salven durch die Nacht, die alle dem Lokal galten. Von einer Kugel getroffen, brach der Kommunist Lenz zusammen. Einige Tage später konnten berüchtigte Nazi-Schläger als Täter verhastet werden, darunter ein Nazi- Stadtverordneter ans Oranienburg und der Dentist Allmächtiger Dumcke. Der Favag-Gkandal.— Gelder sinnlos verpulvert. F r a ii k s u r l a. m., 20. Oktober. 3n dem Prozeß gegen die angeklagten Faoag-Direk- t o r e u kam es zu einer außerordentlich kennzeichnenden Episode. Der angeklagte Direktor ZNädje erklärte kaltblütig, daß er die Summe von 38 000 TIlark, die er zusammen mit Dumte und Becker als Sondervergütung erhalten hatte, total vergessen habe. 38 000 Mark verdient ein Arbeiter vielleicht in dreißigjähriger mühsamer Arbeit als Lohn. Herr Mädje kann sich an diese nur an drei Herren ge- flossene Summe beim besten Willen nicht erinnern. Der Auffichtsratsvorsitzende Hoff muhte im weiteren.Vprlauf seiner Vernehmung zugeben, daß er über die 100 000 Mark Provision an die Faoagdirektoren aus eigener Machtvollkommenheit verfugt habe, ohne ein weiteres Mitglied des Anfsichtsrates vorher oder nachher zu verständigen. Wie hörig dieser Aufsichtsratsvorsitzende seinem Generaldirektor gegenüber war, geht z. B. daraus hervor, daß er sich nicht erinnern will, daß Dumte ihn einnial angefahren hat:„Sie werden das nicht prüfen, sondern akzeptieren!" und als Beweis für die Unwahrscheinlichkeit dieses Vorfalls anführt:„Dumke hätte so eine linterredung nicht angefangen, und es dann einfach fallen gelassen." Also, Dumkes Wille war höchstes Gesetz Ein anderes Mal hat Hoff dem allmächtigen Dumke in aller Bescheidenheit die klassischen Worte erwidert:„Man wird doch noch etwas sagen dürfen!", Hinter dem Rücken dieser Puppe wurden die Betrügereien Dumtes und seiner Helfershelfer verübt. Daß in den Büchern Dutzende von fingierten Konten geführt wurden, konnte der Auf- sichtsratsvorsitzende nicht wissen, weil ihm diese Bücher nie vorgelegt wurden. Die Bilanzprüfung bei der Favag wurde nach der Bekundung Hoffs außerordentlich oberflächlich vorge- nommen. Die Sitzungen begannen um st oder 10 Uhr vormittags. Generaldirektor Dumke gab einen Bericht, einige Anwesende stellten Fragen, die Dumte beantwortete. Um 1 Uhr ging man zum gemeinsamen Mittagessen. Akten wurden, wie der Sachverständige durch eine Zwischenfrage ausdrücklich feststellte, niemals eingesehen. Wiehe aus Hohen-Neuenidorf. Auch in Lehnitz,»in« Hochkmrs der Faschisten, wurden Verhaftungen vorgenommen. Seitdem ist «ine LlbteUunz Schutzpolizei aus Potsdam in Oranienburg stationiert. da sich die Ortspolizei dem Bürgerkriegstreiben nicht mehr gewachsen zeigte. Oranienburg ist einer jener Orte, wo Landjäger sich durch Teilnahme am Volksentscheid offen zum Faschismus bekannten. Schießübungen in Bergfelde. Den nötigen Schießunterricht erhalten die nationalisti- sehen Burschen in Bergfelde. Hier existiert ein Schützenverein, der eine rein nationalistische Organisation ist. Ursprünglich hatle er seine Schießstände auf dem Maekerschen Gelände, als das Gelände aber verpachtet wurde, lehnte der Pächter eine weitere Beherbergung der Faschisten ab. Jetzt haben sie sich einen eigenen Schieß- stand errichtet. Die Führung in diesem Schießverein hat der Stahlhelm. Um die 12 Mann starke Ortsgruppe der Rational- sozialistcn schwebt ein geheimnisvolles Dunkel. Der Führer der Bergfelder Nazis, der Hilfsgerichtsvollzieher Schmerbach, wurde nämlich eines Tages von seinen eigenen Parteigeiwffen überfallen und halbtot geschlagen. In nächster Zeit wird zu diesem Ueberfall ein interessanter Prozeß steigen, wo sich Nazis gegen Nazis vor Gericht treffen werden. * Diese Vorgänge sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem fafchisti- scheu Treiben an der Nordbahnstrecke. Es geht nicht mehr, diese Dinge leicht zu nehmen, hier müssen die zuständigen Behörden mit eisernem Besen auskehren. Die Villa des Herrn Adolf von Knaulh in Hohen-Neuendorf. Hier sollte ein zweites Nazi-Lazarett entstehen. Es wurde aber nur ein„homöopathisdres Institut". Es war schon so, wie ein Beisitzer dazwischenwars:„Praktisch be- stand also die Tätigkeit des Aufsichtsrots in der Bekundung von Vertrauen In den Vorstand." In der Dienstagnachmittagsitzung wurde insbesondere die Vir- einigling der Favag mit der Versicherungsgesellschaft„Deutscher Lloyd" besprochen. Auch hier wurden sehr hohe Sondervergütungen gezahlt, und zwar an fünf Direktoren je 10 000 Mark, an drei Direktoren im ganzen 38 736 Mark. Begründet wurden diese Zoh- lungen mit„der großen Freude" über die geglückte Fusion. Zwei der Direktoren erhielten 10 000 Mark, obwohl sie an den Fu- sionsoerhandlungen in keiner Weise beteiligt waren, sondern„ledig- lich einen Anreiz erhalten sollten, um sich in der angegliederten Gesellscha't ihren Sparten eifriger zu widmen." Die Verhandlung wird am Donnerstagvormittag fortgesetzt. Beisetzung der Opfer von Moni(£enis. Ursache der Katastrophe: Schlagwetterexplosion. Dortmund, 20. Oktober. sEigenbericht.) Die katholischen Opfer des Grubenunglücks auf der Zeche Moni Cents in Herne werden am Donnerstagnachmittog um 15 Uhr auf dem Friedhos in B ö r n i n g beigesetzt, die evangelischen um 16 Uhr in Holthausen. Der II n f a l l a u s s ch n ß der Grubensicherheitskommission Dortmund hat am Dienstag die Grubenbaue befahren und fest- gestellt, daß es sich bei dem Unglück um eine Schlagwetter- e x p l o s i o n handelte, bei der auch Kohlenstaub mitgewirkt hat. Das Gestcinsstaubverfahren hat nach den Feststellungen des Aus- schiisses eine weitere Ausbreitung des Unglücks verhindert. Die Ursach» der Explosion selbst kann erst nach erfolgter Ausräumung der Unglücksstclle festgestellt werden. Bon den Schwerverletzten sind inzwischen drei g e- stör den, so daß sich die Zahl der Todesopfer auf fünfzehn erhöht. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Die Uebungsstunde findet am Donnerstag um iO'-; Uhr im Uebungssaal der Sophien- schule, Weinmeisterstr. 16/17, statt. Neues Gisenbahnatteniai. Katastrophe im lehten Augcublick verhindert. Prag. 20. Cltohcv. 1 Bei dem Streckenwärter der Gisenbahnbrückc, die bei Komorn über die Donau führt, erschien kurz vor Mitternacht ein Mann, der sich erkundigte, ob der intcr- nationale Schnellzug Budapest— Prag Verspätung hätte. Alb der Streckenwärter dann die Strecke abging, fand er auf der Brücke zwei auf den Gleisen liegende Stein- b l ö«k e von je etwa 7v Kilo Gewicht. Durch Lichtsiguale gelang eb dem Wärter, den Schnellzug im lebten Augen- blick zum Halten zu bringen. Tie ungarischen und tschechischen Grenzwachen wurden von dem Borsall be- nachrichtigt. Die tschechoslowakische Grenzwache hat bc- reits eine bestimmte Spur aufgenommen. Wie es zur Katastrophe kam. Erklärung des Angeklagten Kloh im Ealmctte-prozeß. Lübeck, 20. Oktober. Am heutigen 7. Lerhandlungstog« kam zunächst ein Schrei- ben des Schwedischen R« i ch s ge s u n dhe it s a m t s zur Sprache, in dem aus Wunsch des Gerichts mitgeteilt wurde, daß die Abgabe der Impfstoffe in Schweden, die zentral von einer Stelle aus erfolgt, durch ständige Tieroersuche kontrolliert wird. Der Lorsitzend« fragte Pros. Deycke. weshalb' solche Versuck)« nicht auch in Lübeck gemacht worden wären uns ob nicht dadurch der Fehlschlag vielleicht sich hätte früher feststellen lassen. Dr. Deycke erwiderte, er glaub« nicht, daß man den Fchlschlag früher hätte er- kennen können. Es Hab« sich ja in Lübeck nicht um eine Verunreinigung, sondern um ein plötzlich austretendes Gistigwcrden (spontane Virulenz) des BEG. gehandelt. Im weiteren Verlauf der Berhondlung begann das Gericht dann mit der Vernehmung des Angeklagten Prof. Dr. K l o tz, der betonte, daß er damals fest von der Unschädlichkeit des BEG. überzeugt gewesen sei. Allerdings habe er in der Sitzung des Ge- iundheitsrats leinen Zweifel darüber gelassen, daß der Nutzen der BCG.-Fütterung noch nicht bewiesen und daher proble- matisch sei. Die Fütterung sei nicht aus seine Vera Mail ung ge- schelzen. Dann erläuterte Pros. Klotz, wie die Entdeckung, daß die Ealmette-Futterung sehlgeschlagen sei, im Kinderhospital vor sich gegangen sei. In den Kinderhospitalen seien mit BEG. gefütterte Kinder erkrankt, jedoch ohne daß«in Zusammenhang mit der Fülle- rung festzustellen gewesen wäre. Am 24. und 22. April 1930 seien die ersten Bedenken aufgetaucht. Er, Prof. Klotz, sei von einem Eutiner Slrzt und von einer Lübecker Aerztin auf ganz besondere Merkmale hingewiesen worden, die sich bei den Kindern gezeigt hätten. Di« Sektion eines gestorbenen Stüdes am Tage daraus habe den eindeutigen Befund einer Fütteruugsluberkulose ergeben. Jetzt erst habe man Klarheit darüber gehabt, daß die Erkrankungen unter den Säuglingen im Zusammenhang mit der Ecckmelle.Filttc- rung standen. Professor Deycke habe sich dann mit ihm Ld« diese Tatsache unterhalten und man habe beschlassen, vorläufig da» Deycke- Muchsche partigen(Antituberkulose-Einspritzung) aufzugeben, um die Einwohner Lübecks nicht zu beunruhigen. Oer letzte Ausweg. Aus dem Teltowkanal wurden, wie wir berichteten, die zu- saimnengebundenen Leichen eines alten Mannes und einer alten Frau gelandet. Die zunächst Unbekannten wurden festgestellt als der 73 Jahr« alte Sozialrentner Artur Stracke und seine 68 Jahre alte Elzefrau Agnes, die in Lichterselde-West in der Karlstraß« 1/2 gewohnt hatten. Di« alten Leute hallen viel Kummer erfahren und aus diesem Grunde wohl beschlossen, ihrem Leben gemeinsam ein Ende zu machen. Freie sozialistische Hochschule. Es liegen nunmehr die ersten Vorträge in diesem Wüitechaib- jähr fest und zwar: Sonnabend, den 24. Oktober. 19� Uhr: Dr. R». dolf H i l f e r d i n g:„Die Krise der kopilolillischen Kredtiorgoni- salioa": Sonuabend, den 14. November, 19% Uhr: Prof. Dr. Sieg- fried Mark- Breslau zum 100. Todestag Hegels:„Hegel und der wiffenfchafMche Sozialismus": Sonnabend, den 5. Dezember. 10% Uhr: Prof. Leo Kestenberg:„Kunst und Wcltmischauuna". Die Vorträge finden im Plernirsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leip. ziger Straße 3, statt. Wie der Wäsche? Nehmen Sie zum Klarspülen der Wäsche immer einige Handvoll Sil, die Sie- kalt verrührt— dem ersten warmen Spülwasser beigehen. Dann geht das Spülen viel schneller. Die Ursache ist raangclhaK« Spülen: emgetiodirteter Seifenstaub. der im Gewehe verblieben Ut, verfliegt, wenn man die Wäsche aus dem Schrank nimmt und.auseinander breitet. Und Slehabcn immer mit wenig Mühe die schönste, gepflegte Wäsche! 51/7/* b Nr. 493• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 24 Oktober 1934 T Die Senkung des Zuckerpreises. Weniger erzeugen oder mehr essen?- Oer Antrag der Sozialdemokratie. Durch die mchrfoche Erhöhung des Zuckerzolles ist seit An- iang 1927 die Entwicklung der deutschen Zuckerpreise völlig von der Entwicklung der Weltmarktpreise unabhängig ge- worden. Seit dieser Zeit hält sich der Zuckerpreis in Deutschland ungefähr aus der g Kuchen Höhe. Die WeUnvrktpreise sind aber von 18 Mark auf K bis 7 Mark je Zentner gesunken. Eine Steigerung der Jnlandpreise wurde durch die Einführung cincs� H ö chst p re i s e s vermieden, der zunächst auf 21 Mark, dann bei der letzte, Zollerhöhung im Frühjahr 1930 auf Drängen der Sozialdeinodraljc nur auf 20,50 Mark festgesetzt wurde. Da bei einer Ueberschrchtung dieses Höchstpreises der Zollsatz sich auto- matisch senken, wotzurch die Zuckereinfichr steigen würde, hat sich die Zuckerindustrie selbstverständlich gehütet, den Höchstpreis zu überschreiten, so daß wir seit Anfang 1930 einen fast völlig stabilen Zuckergroßhandelspms haben. Für die Verbraucher freilich ist seit Zuli der Zucker um 6 Pf. je Pfund teurer geworden, da durch die Notverordnung vom 10. Juli die Zuckerstcuer verdoppelt wurdM:, um den Ftoanzbedarf des Reichs zu decken. Die Folge war, daß der Zuckerkonsum beträchtlich zurück- gegangen ist. Durch die für die deutsche Zuckerindustrie im Verhältnis zu den Weltinarktpreisen so günstig« innerdeutsche Preisgestaltung ist der Zuckerrüben-bau in den letzten Jahren ständig ausge- dehnt worden. Da aber der Zucker nicht billiger wurde, sondern �-ie Zuckerpreise sich stets knapp unter dem Höchstpreis hielten, blieb der Verbrauch hinter der erhöhten Erzeugung weit zurück. Ilm den Uebcrschuß unterzubringen, exportierte daher die Fuckerindustrie die Mengen, die sie nicht in Deutschland absetzen lonnte. Je stärker aber die Weltmarktpreise sanken und je größer der Anteil des deutschen Exports an der Gefanltproduktion wurde, desto größer wurden die Verluste aus der Ausfuhr und einen desto geringere» Gesamterlös konnte die Zuckcrinduftrie crzielen. Die Sozialdemokratie hat deswegen schon früher gefordert, daß der Höchstpreis gesenkt werden soll, um purch Derbilligung des Zuckers cineVerstärkung des inländischen Konsums herbeizuführen. Von einer solchen vernünftigen Zuckerpolitik ivolllen aber die landwirtschaftlichen Jnteressentenverbändc nichts wissen. Sie forderten vielmehr und erreichten es auch im Frühjahr 1931, daß die gesamte Zuckerindustrie zwangsmäßig zu- fammengeschlofsen und die Zuckerproduktion k o n t i n g e n- liert wurde. Das heißt, für jede Fabrik wurde auf Grund ihrer bisherigen Produktionsmenge ein Gnindtontingent bestimmt, so daß die tatsächliche Produktionsmenge jedes Jahr neu in Prozent- uitzen des Grundkontingents festgesetzt werden, kann... Hierdurch haben sämtliche bestehenden Zuckeriabrckes e i n Privileg erhalten. Der aufstrebende Zuckerrübenairbau in den bäuerlichen Gebieten Süd- und Westdeutschlands ist aber benachteiligt worden, weil er, wenn er seine Produktion ausdehnen will, erst das Kontingentsrecht von stillgelegten Fabriken, z. B. in Sachsen oder Schlesien, kaufen»ruß. Die Zuckerrübenproduktion ist ober in den bäuerlichen Gegenden viel billiger als in den Gegenden mit ausgesprochenen Großbetrieben, weil der Bauern- betrieb»nt seinen vielen Arbeitskräften für den intensiven Zucker- rubenbau besonders geeignet ist. Die vorgesehene Prodnkkionseinschränkung. Di« Zuckerproduktion ist nun für dieses Jahr auf vorläusig 05 Proz. des Grundkontingents festgesetzt worden. Es sollen also, da das Grundkontingeni 40,4 Millionen Zentner be-- lrägt, nur 26,3 Millionen Zentner Rohzucker erzeugt werden, wäh- rend die Produktion im Jahre 1930/31 annähernd 50 Millionen Zentner betrug. Durch diese Produttionseinschränkung erhofft man, Ii« Produktion mit dem Konsum in Einklang zu bringen. Dies wird aber auf K oft e n de r Kon su me nie n und der billi- ger erzeugenden Zuckerproduzenten erreicht, denn die Einschränkung der Produktion erfolgt gleichmäßig bei allen Erzeugern, sowohl bei den teuer produzierenden Zuckerrüben bauenden Großbetrieben wie auch in den billiger erzeugenden Kleinbetrieben. Um hier einen Ausgleich zu schaffen, hat die sozialdemokratische Fraktion im Reichstag beantrag». den ZuckerhSchstpreis auf 18 Mark zn senken. um so eine Ausscheidung der am teuersten arbeitenden Betriebe -u erzwingen und gleichzeitig den Konsum durch Verbllligung des Zuckers zu heben. Der Weg. den die Mehrzahl der Zuckerfabriken gehen will, durch Einschränkung der Produktion den hohen Zucker- preis zu halten, ist für uns ungangbar. In den Tropen entsprechen die Produktionskosten für Zucker aus Zuckerrohr ungefähr den heutigen Weltmarktpreisen. Würde also Deutschland seinen gesamten Zuckerbedarf durch Rohrzucker decken— eine derart gesteigerte Nachfrage noch Rohrzucker könnte bei der außerordentlichen Produktionskrast der tropischen Gebiete sehr bald befriedigt werden—. so würde der deutsche Verbraucher gewaltige Summen er- sparen. Der deutsche Zuckcrverbrauch beträgt ungefähr 30 Mil- lionen Zentner jährlich. Auf dem Weltmarkt kostet Zucker 1 Mark, während im Inland der Zuckerpreis ohne Steuer 20.50 Mark, also bald dreieinhalbmal so viel beträgt, würde der deutsche Zuckerbedarf im Ausland gedeckt, so brauchten nur 210 Millionen Mark hierfür ausgewendet zu werden, während die deutschen Verbraucher der deutschen candwirlschast für die gleiche Zuckermenge 015 Millionen Mark zahlen müssen. Trotzdem hat die Sozialdemokratie bisher noch nicht verlangt, daß der Zuckerbedarf Deutschlands auf dem Weltmarkt gedeckt werden soll, weil sie der Ueberzeugung ist, daß eine Aufgabe des Zuckerrübenbaus in Deutschland nicht im Interesse der gesamten Volkswirtschaft liegt. Der Rübenbau ist eine der stärksten Intensiv- kulturen und besonders i» den bäuerlichen Gegenden geeignet, den Boden in den Zustand der höchsten Fruchtbarkeit zu bringen. Außer- dem sind in der Zuckerindustrie große Werte investiert und viele Arbeiter beschäftigt. Diese Rücksichtnahme kann nur fort- gesetzt werden, wenn auch die Zuckerindiistric und die hinter ihr stehenden landwirtschaftlichen Organisationen erkenne», daß durch Hochhaltung der Inlandspreise und allgemeine Einschränkung der Produktion keine Lösung des Zuckcrproblcms erreicht werden kann. Die Produktion darf nicht dem durch die außerordentlich hohen Verbraucherpreise g e s ch r u m p f t e n K o n s u m angepaßt werden, vielmehr muß der Zuckcrpr�eis so niedrig wie möglich festgesetzt werden, damit der Zuckcrverbrauch gehoben und die Pro- duktion dort, wo sie mit niedrigeren Erzeugungskosten möglich ist, ausgedehnt werden kann. Dies kann aber nur durch die Sen- kung des Höchstpreises, wie es die Sozialdemokratie verlangt, erreicht werden. Die Forderung der Sozialdemokratie wird allein den volkswirtschaftlichen Notwcn- digkeiten gerecht. Moratorium für Hypotheken? Die Organisationen der Hausbesitzer, unterstützt von einigen industriellen Verbänden, bestürmen das Reichsjustizminifterium, um ein Moratorium für A u f w e r t u n g s h>) p o t h e k« n und sogar auch für die in der nächsten Zeit fällig werdenden neue» Gold- markhypothekcn zu erlangen. Im Peichsjustizministerium werden die Wünsche der Antragsteller gegenwärtig untersucht. Die Schutzverbände der Hypothckengläubiger haben gegen den Erlaß eines Moratoriums für Aufwertungs- und sonstige Hypotheken beim Rcichsjustizministerium protestiert. Es wird notwendig fein, daß die Reichsbehördcn diesen Anträgen mit der allergrößten Reserve begegnen. Leider gibt es in Deutschland Privatleute und Unternehmer genug, die die gegenwärtigen volkswirtschasllichen Schwierigkeiten dazu ausnutzen wollen, sich um ihre prioatwirtschastlichen Verpflichtungen zu drücken. Das Relchsjustizministerium wird alle Versuch«, zur Er- langung eines gesetzlichen Zahlungsaufschubes für neue Hypotheken— es wird auch von Jndustrieobligationeu ge- sprachen— ohne jede Diskussion abzulehnen haben. Es kann sich hier auch noch nicht um große Summen handeln, deren Mobilisierung unmittelbar gesamtwirtschaftliche Gefahren hervorruft. Besondere Gesichtspunkte sind bestenfalls bei jenen 1 bis 2 Mil- liarden Ende dieses Jahres fälligen Aufwertungs- Hypotheken gerechtfertigt. Die Summen sind groß, die Geld- beschaffung ist schwer, der Kapitalmarkt ist wenig ergiebig, das mangelnde Vertrauen kann erzwungene Zahlungen in unbilliger Weise verteuern und es können die Gesamtwirtschaft schädigende Wirkungen eintreten. W i e hier nun. mit größter Vorsicht und sehr kurzfristig— in Erwartung gesünderer Kredit- und Kapitalmarktverhältnisse— von Reichswegcn entgegenzukommen wäre und zwar auch nur dort, wo es sein muß. ist die alleinige Aufgabe des Reichsjustizministcriunis, die angesichts der gestellten Anträge zu prüfen ist. Steigende Kohlenförderung im September. Belebung durch das Hausbrandgefchäst. Der winterliche Hausbrandbedarf hat im Monat September die Kohlen- und Britetterzeugung etwas steigen lassen. Im Ruhr- bezirk wurden im September 0,99 Millionen Tonnen gegen 6,90 Millionen im August gefördert(8,01 Millionen«N September v. I.): in Westoberschlesien hat sich die' Kohlenförderung gegen August von 1,3 auf Ich Millionen Tonnen erhöht. Daß die Koks- erzeugung im Ruhrgebiet weiter von Ichö auf 1,47 Millionen Tonnen gesunken lst, läßt den sa i s o n mä ß i g e n Charakter der erhöhten Kohlenförderung klar erkennen. Im Ruhrgebiet waren im September rund 235 000 Bergarbeiter beschäftigt gegen rund 243 000 im August und noch 311000 im September o. I. Der Belegschaftsabbau übertrifft bei weitem den Produktionsrückgang. Die Kohlen-, Koks- und Preßkohlenbeständ« des Ruhrgebiets waren mit 11,04 Millionen Tonnen im September ebenso hoch wie im August. Auf einen Mann der Gesamtbelegschaft kamen 3ch3 Feier- schichten. Auch bei der Braunkohle zeigt sich eine saisonmäßige Besserung. In Mitteldeutschland wurden 8,33 gegen 7,43 Mil- lionen Tonnen Braunkohle gefördert, die Brikettherstellung erhöhte sich von 2,03 im August auf 2,29 Millionen Tonnen im September. Reichsbahn gegen Lastauto. Oer Reichsverkehrsminister ver teidigt dasKrastverkehrSgeseh Durch die Notverordnung vom 0. Oktober sollte der jahrelange Kampf zwischen der Reichsblchn und dem Autotranspori- gewerbe beendet sein. Die Durchführungsbc st immun- gen zur Notverordnung haben den Kampf in aller Schärfe neu entstehen lassen. Die neuen Bestimmungen werden am 1. November in Kraft treten. Danach ist jede Güterbeförderung durch Lastautos über 50 Kitomcter hinaus k o n z c s s i o n s p f l i ch t i g. Frei von jeder gesetzlichen Regelung ist also nur noch der Nahverkehr und da- neben der W e r k s v e r k e h r, d. h. die Beförderung von einem Betrieb zum anderen desselben Unternehmens auf eigenen Last- wogen. Autotransporte über 50 Kilometer hinaus dürfen nur noch zu den ge s e tz l i ch e n Frachtsätzen erfolgen. Zur Ermittlung dieser Frachtsätze hat die Reichsbahn ihre höchsten Tarife A und B zu einem Tarif znsammengcfaßl: die Güter dieser Klassen werden jetzt zu den früheren B-Tarisen, die um 3,0 Proz. gesenkt wurden, bc- fördert. Der Kraftverkehr muß alle Güter zu diesem AB-Taris mit einem Zuschlag von 5 Proz. befördern. Es ist also ein gesetzliches Frachtpreis- z w a n g s k a r t e l l für die ganze Güterbeförderung verordnet worden. Gegen diese Bestimmungen Hot der R e i ch s o e r b a n d der Automobilindustrie durch seinen Auioprcssedienst energisch Stellung genommen. Zunächst wird dagegen protestiert, daß die Ausführuugsbestimmungen erst z w e i W o ch c» v o r ihrem Jnkraft- treten veröffentlicht werden. Bor allem aber bezeichnet er die T a r i s b e st i in m u n g für unerträglich. Sic bedeute, daß der Lastwagcnverkehr in Zukunft auf die Beförderung billiger Massengüter verzichten müsse, da ja alle Güter dem AB-Tarif unterliegen, während die Reichsbahn für sie die niedrige n L- bis B-Tarife anwende. Dadurch verliere das Krcistoerkehrs- gswerbe etwa die Hälfte seines Geschäftsumfanges. Der Auto- Pressedienst bezeichnet es als grotesk, daß die um allgemeine Preis- senkung bemühte Regierung für den Transport höhere Preise vorschreibe, als sie das Gewerbe selbst fordere. Diesen Angriffen des Kraftvcrkchrsgewcrbcs antwortet der R e i ch s v e r k e h r s in i n i st e r Trcviranus in einem„E i n- f a ch h e i t!" überschnebenen Artikel. Das Ziel einer Neuordnung des Güterverkehrswcscns müßte die Bercinfachung sein. Deshalb habe die Reichsbahn ihre höchsten Tarifsätze gesenkt; gerade die Höhe dieser Tarife habe zu einer„Verkehrst nflation der Landstraße" geführt. Das habe zu einer unerträglichen Be- l a st u n g der Landstraßen und der Wegcbaupflichtigcn geführt. Außerdem sei die Konkurrenz unter den Frachtführern dank einer sehr entgegenkommenden Kreditpolitik der Auto- mobilindustric so stark geworden, daß die Einnahmen kaum die laufenden Ausgaben deckten, von einer Abzahlung der Schulden gar nicht zu reden. Zur wichtigen Frage der Beförderung von Massengütern führt der Reichsverkehrsminister aus. daß es„volkswirtschaftlich unverantwortlich wäre, wenn die Landstraßen weiterhin mit Massengüterfrachten zerstört würden, sür die der Kraftwagen nicht berufen sei und die die Selbstkosten des Kraftwagens nicht deckten, und wenn gleichzeitig der wertvollste Besitz des deut- scheu Volkes, die Deutsche Reichsbahn, durch solchen un- gesunden Wettbewerb der ihr nach gesunden volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten zustehenden Masfenfrachtcn beraubt werden sollte". Kanada verbietet Goidaussuhr. Die kanadische Regierung hat mit sofortiger Wirkung die Aus- fuhr von Goldmünzen und Goldbarren verboten. Das Verbot be- zieht sich in der Hauptsache aus die Produktion der Goldbergwerke, die bis auf weiteres der staatlichen Münze zugeführt werden wird. Es wird betont, daß aus der erwähnten Verordnung nicht gefolgert werden dürfe, daß Kanada den Goldstandard aufgegeben habe. Es handle sich sür Kanada nur darum, die ausländischen Geldgeber. insbesondere in den Vereinigten Staaten, entsprechend den Bedin- gungen der Anleihe, also gegebenenfalls in Gold, auszuzahlest. Eine Berichtigung. In Nr. 471 des„Vorwärts" vom 8. Oktober 1931 habe« wir unter der Ueberschrist„Viel Lärm um Stahjurter Ehemische" die Ansicht des Landeshauptmanns Dr. Easpary über das Bankhaus Gebr. Arons wiedergegeben, die er vor dem Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages in Sachen Landbank-Sanierung äußert«. Da» Bankhaus Gebr. Arons bezeichnet die Anficht, daß es an den von Cafpary als.Ltaubzug gegen die öffentliche Hayd" bezeich- neten Manipulationen beteiligt gewesen sei, alz unrichtig. Nicht widerlegt ist aber die Auffasiung Casparys, daß der Erwerb der Obligationen erst nach Bekanntwerden der öffentlichen Sanierungs- abfichten erfolgte. ftLedütfat •• in CliUB Packungen nicht irgendwelche«Zugaben suchen, denn was Sie für CliUB zahlen, ist lediglich der Gegenwert für eine— allerdings ungemein hohe— Zigaretten-Qualität. COJB 31 ist mild, sie kratzt nicht. IMax Siarihel: Z>SI AtSMpf oder: 3)ie£iebe hör ei nimmer auf Otto Mehnert war ein gutgewachsener junger Mann, eizi Kaufmann, um es ganz richtig zu sagen. Er lief schon viele Monate arbeitslos durch die große Stadt. Der Tag, von dem wir berichten, war nicht schön. Es stürmte, und aus schwarzen Wolken fiel ab und zu ein Regenschauer. Mehnert wanderte trotz des Regens durch die Stadt, er hatte keine Bleibe mehr und sehnte sich nach einem Dach über dem Kopf. Als er an einen' Friedhof vorbeikam, blieb er einen Augenblick stehen, starrte durch das schmiedeeiserne Gitter und dachte: „Die Toten dort, die Habens schon gut, aber noch besser wäre es, es auch so gut zu haben wie die Toten und dabei lebendig zu sein." Bon den Gräbern, von einem frischausgeworfenen Hügel her bewegten sich einige Leute nach der Straße. Vor ihnen gingen ernst und würdig zwei Musikanten. Das goldne Blech ihrer Instrumente schimmerte matt im Licht. Es regnete nicht mehr. Mitten auf der Straße beschleunigten sie ihre Schritte. Die kleine Trauergemeinde, Mehnert hatte sich ihnen unbewußt angeschlossen, auch in ihm war ja genug Grund zur Trauer, die kleine Trauergemeinde folgte den Musikern und steuerte zielbewußt die gegenüberliegende Kneipe an. Vor der Kneipe stellten sich die Musikanten wie zwei feierliche Posaunenengel auf und bliesen mit Andacht einen tragischen Marsch. Der kleine Zug in schwarz trauerte um den Buchhalter Emil Hecht, und am tiefsten trauerte natürlich die Natalie Hecht. Sie war erst 26 Jahre alt und hatte ein offenes Gesicht, das durch die Tränen ein wenig verschleiert war. Sie hing schwer im Arm ihres Bruders und Mehnert hörte sie auf die Behauptung ihres Bruders, heute sei ein verdammt schlechtes Wetter, antworten: „Das schon, da kannst du schon recht haben, Hans, aber es ist immer noch besser, als gar kein Wetter." Dieser Ausspruch heiterte Mehnert beträchtlich auf, und ehe er sich's versah, war er mit den anderen Leuten an den tragischen Trompetern vorbei in die Kneipe gegangen. Und dort wandte sich plötzlich der Bruder der jungen Witwe an ihn und sagte: „Das ist schön, daß Sie doch noch gekommen sind, Herr Scholz, bitte, nehmen Sie doch Platz. Wir wollen nach dem kleinen Imbiß die ganze Geschichte besprechen." Otto Mehnert wollte erst erklären, daß er nicht der Herr Scholz sei, daß er leider nichts zu besprechen habe, aber schon hatte sich der junge Mann dem Wirt zugewandt und bestellte eine Lag« Bier mit Kognak. Das Essen, sagte er, lyjirden sich die Herrschaften selbst aussuchen. Mehnert hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Alle setzten sich. Auch er setzte sich neben die beiden Trompeter, trank mit kummervollem Gesicht der jungen Witwe zu und bestellte Kalbsbraten. Die Aufklärung, dachte er, könnte nach der feierlichen Abfütterung erfolgen, das Bier und der Kognak hatten ihm schon ein wenig Mut gemacht. Eine neue Lage Bier kam auf den Tisch. Dann wurde» Zigarren herumgereicht. Mehnert wählte sehr bedachtsam und äugte durch den blauen Rauch zu dem jungen Mann, der ihn für einen Herrn Scholz gehalten hatte. Und als dieser junge Mann ausstand und nach dem allen �Titeln oorbehaltenen kleinen Ort ging, stand auch Otto Mehnert aus, verbeugte sich still vor Natalie Hecht und entfernte sich aus dem Lokal. Auf der Straße beschleunigte er seine Schritt«, grüßte mit der Hand nach den Toten hinüber, die für ihn so gut gesorgt hatten und malte sich aus, was wohl der Bruder zu der Schwester sagen würde, wenn die Rede auf den plötzlich verschwundenen Herrn Scholz kam. „Ist das ober komisch, wo ist denn nun eigentlich der Herr Scholz?" fragte der Bruder, aber die Schwester fand es gar nicht tomisch Sie sagte: „Wo wird er denn sein? Telephonieren wird er, Hans." Herr Mehnert ging satt und zufrieden durch die Stadt und suchte einen Freund auf, der noch ein Dach über dem Kops hatte. Und in derselben halben Stunde näherte sich der Vertreter der Lebensversicherung„Viva", Herr Artur Scholz, dem Tisch in der kleinen Kneipe und stellte sich mit einer eleganten Verbeugung vor. „Scholz? Scholz?" fragte der Bruder.„Ich höre immer Scholz, machen Sie sich dünne, Herr, ein Scholz ist schon da, er ist gerade telephonieren." Der Herr von der Lebensversicherung erstarrte. Und als er behauptete, er sei der richtige Scholz, sprang der Bruder auf. nahm ihn am Kragen und wollte ihn als Schwindler hinauswerfen. Frau Natalie griff in den Streit ein und verlangte die Legitimation zu sehen. Der Mann von der„Viva" überreichte sie mit einer neuen, noch eleganteren Verbeugung. Die junge Witwe prüfte die Papiere und sagte: „Ach, nehmen Sie doch bitte Platz, lieber Herr, es ist schrecklich, wie versucht wird, schutzlose Frauen zu betrügen." Sie warf ihm einen seelenvollen Blick zu, den er nur halb erwiederte, denn er war schon verheiratet. Der richtige Herr Scholz nahm Platz und durfte dann mit den anderen aus den falschen Herrn Scholz schimpfen. Von diesem denkwürdigen Tag« an ging es Otto Mehnert besser. Er hatte wieder eine Bleibe und freundete sich in den nächsten Tagen mit den Friedhofsbeamten an. Nun wußte er über Begräbnisse ganz gut Bescheid. Jetzt blieb er nicht mehr an der schmiedeeisernen Türe stehen, nun ging er mit an die Gräber, drückte den Witwern und am liebsten den Witwen die Hand, gab sich als Freund oder entfernter Verwandter aus, trottete mit edler Selbstverständlichkeit mit in die Eases oder Kneipen und labte sich an Speis' und Trank. Mit seinen Aeußerungen bei Tisch aber war er inmier sehr sparsam. Einmal aber mußte er reden, da traf er nämlich unter den Trauergästen die junge Frau Natalie Hecht wieder. Sie erkannte ihn nicht. Um seine Verlegenheit zu verbergen, drückte er ihr mit besonderer Herzlichkeit die Hand. Sic dankte mit einen seelenvollen Blick. Natalie Hecht hatte schon viele Male geseufzt, vor verschiedenen Männern geseufzt, aber heute erreichte ihr Seufzer doch sein Ziel: das Herz des Herrn Otto Mehnert. der in den letzten Monaten nur von den Toten gelebt hatte. Er wollte viel lieber mit den Lebenden leben, die junge Frau gefiel ihm sehr gut, und aus diesem Händedruck und Seufzer stieg, von der Schnur bitterer Notwendig- keit gehalten, ein bunter Drachen der Lieb« in die Lüfte. Herr Mehnert.und Frau Hecht, Tod und Hunger mußten kommen, um dieses Paar zu einen. Herr Mehnert und Frau Hecht heirateten in, nächsten Frühling. Der Bruder von Natalie kam mit Herrn Scholz zur Hochzeit. Sie lzatten sich nach dem peinlichen Zwischenfall angefreundet. Der Bruder behauptete beim Kaffee, Herrn Mehnert schon einmal gesehen zu haben, wo, könne er aller- dings leider nicht mehr sagen. Auch der junge Ehemann konnte es allerdings leider nicht sagen. Herr Scholz bekam einen neuen Austrag für sein« Lebensversicherung. Herr Mehnert löste seine Verbindungen zu den Friedhossbeamten. Seinem besten Freund aber, der ihm eine Bleibe gegeben hatte, vermachte er den Tipp mst den offenen Gräbern und Tafeln. Und als der arbeitslos wurde, füllte er den früheren Platz von Otto Mehnert erfolgreich aus. Auf dem Stobbenfänger Wiking i882 Aus dem Jtörfpiel Treibeis, ein Lebensbild von Zrilhiof'Hänfen in 12 Stationen" von Armin Wegner und Lola Landau (Harmonikamusik eines Matrosen und das Geräusch schleifender Messer.) Olaf: Da schleifen wir unsere Fangmesser und haben keinen Fang. Hans: Es kommt Wind, Jungens, wir können Segel setzen und mitten durchs Eis in die Nordbucht halten. B a l l o n g: Wind! Ucberschrei dich nicht, Hans, bei der Neuigkeit. Wenn du brüllen würdest, Robbe in Sicht, ja dann würde ich sogar meinen Kautabak in die andere Backe wälzen, aber so... Hans: So glänzt du im eigenen Speck, wie'ne Robben- schwarte, Ballong. Wenn ich dich nur nicht mal verwechsle. B a l l o n g: Hols der Teufel! Bis wir zu den Brutplätzen kommen, sind die Jungen Großväter geworden und auf Wanderschaft gegangen. Nicht wahr, Steuermann? Steuermann: Das kommt davon, wenn die Tonne an einem Sonntag gehißt wird. So ein Unverstand! Mit dieser Tonne werden wir niemals Glück l)aben. Olaf: Und besonders wenn in der Tonne eine Landratte Ausguck hält. Hans: Meinst du damit unseren jungen Passagier, den Nansen? Olaf: Ja, den meine ich, das Grünhorn. Sitzt neulich oben In der Tonne und kritzelt so vertieft an seiner Karte herum, daß er nicht mal sieht, daß ein Bär vor dem Bug sitzt. Hans: Aber dann war er auch unten wie der Blitz. Mut hat er und ein guter Jäger ist er auch. Olaf: M«in«thalben, aber über die große Wasserwacke sprang er nicht rüber, sondern watete durch wie'ne lahme Ente. Habt ihr sowas je gesthenü Hans: Davon schweig lieber, Olaf, er war flinker als du. Denn als du nachsprangst, sielst du ins Wasser. Ballong: Wie'ne tot« Klappmütze.(Gelächter.) Hans: Und den Bären hat e r geschossen, nicht du. Olaf: Meinetwegen, aber'n komischer Kerl ist er doch, so ein Studierter. In den Eingeweiden' von Vögeln und Robben wühlt er herum, daß einem übel wird... und neulich, denkt euch, da hat er Schlamm, richtigen Dreck auf dem Eise gefunden, und den schleppt er in seine Kabine als wenn's ein Schatz wär., Hans und Ballong: Schlamm? Dreckigen Schlamm? Hast du ihn gefragt, was er damit wollte? Olaf: Nein, wozu auch... Kapitän Krefting(von der Briiefce kommandierend): Alle Segel auf! Marssegel setzen! 2» Mann für die Marssegel! Holt auf! Kurs hart Südwest!(Man hört das Trampeln der Schritte.) Stimmen der Matrosen(durcheinander): Rühr dich, Ballong. dein Bauch ist im Wege. Halt die Taue fest! Steuermann: Das wird niemals' ein Fang, wenn die Tonne am Sonntag gehißt ist. Stimmen der Matrosen: Holt aus! Hans: Ein Lied dazu, dann geht es besser im Takt. Matrosen(singen und stampfen im Rhythmus des Taktes): Und wer zuerst im Tanze schritt, das war di» Jungfer Honten. tralala, tralala, tralala— ahoi! (Parodierend):* Und wer zuerst sich übergakr, das war der Junker Nansen, tralala, tralala— ahoi! (Gelächter.) Ballong: Jungfer Nansen heißt es, es ist doch seine Jungfernfahrt im Eismeer.(Gelächter.) Hans: Sagt mal, was will er denn eigentlich einmal werden? Olaf: Ich habe den Kapitän neulich gefragt, und da hat er gesagt, der Nansen will Naturpsuscher werden. Hans: Da hättest du doch gleich fragen sollen, was er mit dem Schlamm wollte... Still, pst! Da geht Nansen mit dem Kapitän. Die stecken immer zusammen. Nan-sen: Glauben Sie nicht, Krefting, daß auch die Robben eine Schonzeit haben sollten? Krefting: Aber, lieber Nansen, wie können Sie nur so fragen. Die Robben liegen wie die Kaffeebohnen über das Ei» ver- streut. Nein, lieber Freund, unser Herrgott hat die Robben ge- schaffen, damit wir sie erbeuten sollen, und er wird schon dafür sorgen, daß sie nicht alle werden. Nansen: Und daß die Raubgier des Menschen immer eine gute Ausxede findet, Krefting... Aber heute habe ich eine un- blutige Beute gemacht. Sehen Sie nur, was ich auf dem Eise ge- sundcn habe. Krefting: Ein Stück Treibholz?.. Und das ist alles? Nansen(voll jugenMichem'Eifer): Ich habe es genau unter- sucht, offenbar eine Kiefernart. Wo kommt dieses Holz her? Zuerst dacht« ich, der Golfstrom hätte es aus Amerika angeschwenunt, aber jetzt glaube ich beinahe, daß das Holz mit dem Eise aus Sibirien hcrgetrieben ist... ist das nicht eine aufregende Entdeckung? Krefting(spöttisch): Ich kann das nicht so ausregend finden. Nansen: Nun lachen Sie mich wieder aus, Krefting. Das bedeutet doch vielleicht, daß es einen Strom im Treibeis gibt, der von Sibirien über den ganzen Nordpol führt. Krefting: Mein lieber junger Freund, mich geht nur ein Strom an, das Strömen der Robben. Für solche Phantastereien haben wir Seeleute keine Zeit. Nansen: Phantastereien? Aber das sind doch keine Phanta- stereien, Krefting! Krefting: Und wenn wir nun vor Grönland im Eise festfahren, was Hilst uns dann Ihr Treibholz? Nansen(entzückt): Dann gründen wir eine Kolont« rmd leben mst den Eskimos! K r e f t i n g: Sie sind ein unverbesserlicher Träumer, Nansen... ich muß auf die Tonne. (Lied der Seeleute): Und wer zuerst zum Tanze schritt, das mar die Jungfer Hansen, tralala... Nansen: Nun, Olas, sind Sie mir noch böse, daß ich Ihnen den Bären vor der Nase weggeschossen habe? Olaf: Hübsch war das gerade nicht von Ihnen, Herr Nansen. Nansen: Wollen wir's im ehrlichen Kampfe austragen? Im Fuchshaken werfen, Olaf? Ballong und Hans: Los, wir sind Schiedsrichter. Olaf: Mir soll's recht sein, aber sanft gehe ich nicht mit ihm um. Hans: Aus den Rücken legen, Arm« verhakt, los! (Geräusch der Kämpfenden.) Hans: Gib's ihm, Olaf: denk an den Bären. Ballong: Nansen, nur Mut, mach Schlamm aus ihm! Hans: Hoppla, Olaf läßt los. Nansen hat gewonnen. Nansen(lachend): Wer will noch, heran? Hans: Großartig! Ein Mordskerl dieser Nansen, der kann alles! Ruf von der Tonne: Robbe! Boote herunter! Alle Mann aus die Boote! (Große Erregung.) Alle durcheinander: Endlich kommen wir zum Fang... wo sind die Flensmesser?.. Boote herunter! Ich will in Nansens Boot! Ich auch! Nansen(mit klarer befehlender Stimme): Olaf, Hans, Ballong, in mein Boot. Wir rudern nicht zurück, ehe es nicht voll ist. Vorwärts! Matrosen(singen das Lied, das allmählich verhallt): lind wer zuerst im Tanze schritt, das war die Jungfer Nansen, tralala... Str. Jiurl Sloeriehe: �Oill Das erste Tier, das ich mir als Knabe zum Gesellschafter ein- fing, war ein munterer Igel, d«r dann wochenlang mein Zimmer- genösse war und mir in vieler Beziehung Unterhaltung und Zer- streuung gewährtes bis ich ihn schließlich der„Schmutzerei" wegen dem Zoologischen Garten zum Geschenk machen mußte, wofür dieser mir wenigstens freien Eintritt gestattete. Die Hauptnahrung des bald sehr zahm werdenden Igels bestand in Mäusen und Küchen- schaben, von denen es in unserer damaligen Wohnung nachgerade genug gab, aber der fleißige Stachelträger räumte gehörig mit ihnen auf, erwies sich also als sehr nützlich, obwohl sein nächtliches Ge- polter uns oft im Schlafs störte. Gestügelzüchter haben allerdings die.Erfahrung gemacht, daß der Igel bei Gelegenheit sich auch an Hühnerkücken vergreift, daß er also auf dem Gestllgelhofe nicht gltt zu dulden ist. Manche Uebel- taten, die dem Wiesel oder gar dem Iltis zugeschoben werden, dürften auf das Konto des Igele gehören. Auch den freilebenden Erdbrütcrn gegenüber dürfte er sich manche Untat zujchulden kommen lassen, die aber gegenüber seiner großen Hilfe im Kampfe gegen schädliches Ungeziefer kaum ins Gewicht fallen kann. Wir dürfen auch den Nutzen des Igels nicht unterschätzen, und namentlich irn Vernichten zahlloser Schnecken, Kerbtiere und Mäuse leistet er Groß- artiges. Dazu ist er auch ein fleißiger Schlangenbekömpfer, der selbst vor dem Kampf mit der giftigen Kreuzotter nicht zurück- schreckt und sich dadurch in schlangenreichen Gegenden hohe Verdienste erwirbt. Ein Tischler hatte unter dem Hol.z«, das auf seinem ringsum abgeschlossenen Hof lagerte, viele Ratten und Mäuse. Schon ver- schieden« Mittel waren versucht worden, die lästigen Nager zu» beseitigen. Fallen und Katzen wurden vergeblich zu Hilfe gerufen. Da brachte,, die Kinder eines Tages einen Igel heim. Er wurde auf den Hof gesetzt ui»d halte diesen in kurzem von allem Ungeziefer gesäubert. Nun stellte man ihm Kartoffeln und Brotstücke hin. Anfangs wagte er nur nachts hervorzukommen und sich zu sättigen, bald aber erschien er auch am lichten Tage. Allmählich gewöhnte man ihn, durch die Gosse in die Küche zu kommen und sich hier seine Mahlzelt einzuverleiben. Einmal hatte man nicht an ihn gedacht und das Gußloch war geschlossen worden. Hunger aber macht erfinderisch, unter Umständen sogar gewalttätig. Das Tier hatte versucht, neben dem gewohnten Wege sich einen neuen in die Küche zu graben, aber schließlich war die Mauer für seine Nase zu hart geworden. Dennoch wurde der Zweck erreicht. Durch die Wühlarbeit aufmerksam gemacht, öffneten die Leute gern wieder seinen Sonder- eingang zum Futternapf._ 3)ie gut beleuchiete Siilche Bis heute hat sich noch kein vollwertiger Ersatz für das Tages- licht gesunden, der im Hause zu Beleuchtungszwecken angewendet werden könnt«. Wir sind deshalb auf Gas und Elektrizität ange- wiesen. Das Gas als Beleuchtungsmittel wird allerdings durch die fortschreitende Elektrifizierung immer mehr verdrängt. Ein Kapitel für sich ist leider die Küchenbeleuchtung. Denn immer noch gibt es Küchen, in denen der Herd so ungünstig steht, daß die Hausfrau das Tageslicht ständig im Rücken hat, oder aber die elektrische Beleuchtung befindet sich nicht über dem Herd, so daß das Licht van vorn kommt, sondern die Deckenlampe ist so ange- bracht, daß sie Schatten wirst. Die Hausfrau hat also das zwcisel- hafte Vergnügen, bei der Zubereitung des Abendbrots ständig ihren Schatten an Herd und Wand betrachten zu müssen, Kochtöpfe und Speisen sind in mystisches Dunkel gehüllt, und es ist kein Wunder, wenn Speisen überkochen oder daneben gegossen werden, wenn Ge- richte anbrennen oder Zutaten nicht im richtigen Maß gegeben werden. Jede Hausfrau, die gezwungen ist. im Schatten zu arbeiten, kennt die schädlichen Wirkungen solch mangelhafter Beleuchtung aus das Allgemeinbefinden und besonders auf die Augen. Nur zu ost treten Schwindelgcfühl und Uebelkeit aus, und manche Augen- erkrankung, verbunden mit Kopfschmerzen und Schläfenstichen, ver- dankt ihre Entstehung der mangelhaften Küchenbeleuchtung. Lmmcr wieder müssen die Hausfrauen deshalb fordern, daß beim Bau und der Einrichtung von Wohnungen, nicht zuletzt aber auch bei der Beleuchtungssrage, der Rat und die Erfahrung tüchtiger Hausfrauen berücksichtigt werden. Auf jeden Fall Muß die Küche' so gebaut iein. daß das Tageslicht nicht aus den Rücken der am Herde hantierenden Frau fällt. Die Beleuchtung durch Gas oder elektrisches Licht aber muß entweder durch eine iibxr dem Herd angebrachte Lampe ge- schehen, die man mit bequemem Griff ein- und ausschalten tqnn. oder aber wenigstens durch einen Beleuchtungskörper, der nicht dauernd den Schatten der Frau aus den Herd wirst, also vorn oder seitlich angebracht ist. Gerade heute, im Zeitalter des Zusammen- arbeiten» von Hausfrau und Ingenieur, müssen sich die Frauen für dieses Ziel einsetzen, denn es ist von größter Wichtigkeit jür den Gesamthaushalt, wie die elektrische Anlage der Wohnung und vor allem die der Küche beschassen ist. m. Energildm DurdifOhrung des Notopfers Wohnungsbau erdroffelt. Auswirwngen der Notverordnung.— Herunter mit allen Mieten. In der„W o h n u n g s- W i r t f ch a f t", dem Fachorgan der Dewog. finden wir in Heft 20 eine eingehende Darftellnng der finanziellen Auswirkungen der letzten Notverordnung auf den Wohnungsbau. Eine Bilanz der Notoerordnungen vom 1. Dezember 1930, 5. Juni und 6. Oktober 1931 zeigt, daß der Wohnungsbau verloren hat bzw. verlieren wird: Im Verlauf der beiden Rech- nungsjalire 1930/31 und 1931/32 400 bis 495 Millionen Mark. Da 1929/30 noch 850 Millionen verfügbar waren, bedeutet dieser Betrag eine Einbuße um nicht weniger als 47 bis 48 Proz. Der Haus- besitz vereinnahmt 530 bis 625 Millionen Mark mehr. Diese Zahlen bedeuten in. diesem Rechnungsjahr: 770 bis 1200 Millionen Mark Umfatzausfall für das Baugewerbe und damit 80 bis 130 Mil- lionen Mark Steucrausfall. Hinter diesen Zahlen steht das graue Elend, Hunger und Not von einer Viertelmillion Menschen, die dauerarbeitslos werden, Not und Krankheit von Millionen, die in Miethöhlen vorzeitig sterben. Hinter diesen Zahlen steht ein gut Teil der deutschen Wirtschaftskrise. Die gleiche Nummer der„Wohnungs-Wirtschaft" bringt in ihrenr baugenossenschaftlichcn Nachrichlenteil äußerst aufschlußreiche Zahlen über das Mißverhältnis von Arbeitnehmcrein- kommen und N e u b a u m i e t e n. Die Dcnlsäirift einer gemein- nützigen Baugenossenschaft, deren Mitglieder zu 62 Proz. aus Ar- beitern, 20 Proz. aus Angestellten und 18 Proz. aus Beamten be- stehen, beweist die Notwendigkeit der S c n k u n g der Neubau- mieten aus der Tatsache, daß bei der Gesellschaft über 22 Proz. der Mieter ein Viertel bis ein Drittel des Einkommens, über 10 Proz. mehr als die Hälfte für Miete ausgeben müssen. Vom Reichsarbeitsministcrium werden Hilfsmaßnahmen gefordert, durch Verzicht auf Verzinsung und Tilgung der Hauszinssteuerhypochek, durch Erhaltung der Hauszinssteuermittcl für die Bau- und Woh- nungswirtschaft, durch Kündigungsschutz usw. den Mietern und damit den notleidenden Baugenossenschäften zu helfen. Berlin versucht anzukurbeln. An erster Stelle behandelte der Haushaltsausschuß der Stadtverordneten gestern die Dringlichkeitsvorlage des Magistrats, die eine Bllrgschaftsübernahme von 15 Millionen Mark durch die Stadt vorsteht, um Bauhypotheken zur Ankurbe- lung der Wohnungswirtschaft zu sichern. Zunächst war diese Bürg- schaftsüllcrnahme nur indirekt gedacht, indem die Stadt dem Reich gegenüber die Bürgschaftsverpflichtung eingehen sollte. Dann aber zeigte es sich bei den Verhandlungen über diese Bautredite, daß das Reich stch plötzlich überraschend als d e s i n t e r c s s i e r t er- klärte und eine Hereinnähme dieser Bauhypotheken für die Stadt nur durch die Uebernahme einer selb st schuldnerischen Bürgschaft den Hypothekenbanken gegenüber möglich war. Diesen Weg schlägt der Magistrat jetzt vor. An den Beratungen beteiligten sich der Magistratsdezerncnt Stadtrat Genosse Czeminski und Stadtkämmerer Genosse A s ch. die bei verschiedenen Einwürfen die finan- ziclle Wirkung der städtischen Bürgschaftsübernahme erläuterten. Nach einer sehr langen Aussprache wurde schließlich die Magistrats- vorläge angenommen. ' Neues Haus der Kinder. Kinderfürforge auch in schwerster Zeit. In Lichtenberg konnte ein neues üinderhans für heim- und Hortkinder seiner Bestimmung übergeben werden. Nach kurzer Begrüßungsansprache durch den sozialdemokratischen Bürger- meistcr Dr. S i g g e l gab Stadlrat Genosse Thurm einen Heber- blick über die Einrichtungen des neuen hanses. Ein Rundgang durch das Gebäude schloß sich seinen Ausführungen an. Der Plan zur Errichtung dieses neuen 5iauses liegt schon seit dem Jahre 1929 zurück. Damals ging die Gemeinnützige Baugesell- schaft Berlin-Ost daran, an der Hauptstraße große Wohnblocks zu errichten. Das Jugendamt trat mit der Gefellschaft in Verbindung mit der Absicht, gleichzeitig ein Kindertagesheim und ein Jugendheim mit bereitzustellen. Die Verhandlungen kamen auch zu einem gün- stigen Abschluß, doch mußte später aus Ersparnisrücksichten das Projekt noch eine wesentliche Vereinfachung erfahren. Auf die Mit- errichtung eines Jugendheims mußte gänzlich verzichtet werden. Im Erdgeschoß liegen die Wirtschaftsküche, die Heizungs- und Warmwasferbereitungsanlage, eine Badeeinrichtung, ein Speiseraum für die allgemeine Mittagsspeisung der Schulkinder sowie ein Jsolierraum. Das erste Geschoß enthält für die Gartenkinder 3 Auf- enthaltsräume, die Klosett- und Waschräume und ein Personal- Zimmer. Im zweiten Geschoß befinden sich für die Hortkinder 2 Aus- enthaltsräume, ein Arbeitszimmer, die Klosett- und Waschräume und ein Personalzimmer. Sämtliche Räume haben Zentralheizung und ein großer Teil auch Kalt- und Warmwasseranschluh. Bei der Er- richtung des Hauses ist darauf Bedacht genommen worden, daß die im 2. Geschoß liegenden Räume jederzeit als I u g e n d h e i m Verwendung finden können. Das Kinderhaus bietet Raum für 45 nicht- schulpflichtige Kinder und für 45 schulpflichtige Kinder. Der Er- ziehungs- und Verpflegungssatz ist äußerst gering. Er beträgt wöchenllich 70 Pfennig bis 3,50 Mark, je nach der wirtschaftlichen Lage der Eltern. Wo notwendig, werden Freistellen gewährt. Mit der Errichtung dieses Äinderhauses besitzt der Verwaltungsbezirk Lichtenberg 7 Rindertagesheime, 1 Tageskripp« und 2 Tag- and Nachtheime, in denen insgesamt 670 Kinder Betreuung finde». Wie all« Tagesheime, ist das neue Heim werktäglich von 7 bis 18 Uhr geöffnet Oic pariser Stadträte bei Severing. TX» praußrsch» Jmlinnünister S e v e r i n g empfing am Dum»- tag«n Präsidenten der Pariser Stadwerwalrung, Latour, sowie dessen Begleitung. Bei diesem Empfang« waren v. a. zugegen der kranzosrsG« Botschaster m Berlin. Franyois. Poncet. Ober- büroermeister Dr. S a h m mit anderen leitenden Herren der Berliner StadwerwaLANg, der Stadtverordnetenworsteher Haß. Vertreter de» Auswärtigen Amtes, der Oberprüsidsnt der Provinz Branden- bürg. Dr. Maier. der Polizeipräsident von Berlin, Grzefinski, wnd der Präsident des Städtetages, Dr. M u l« r t. Beendeter Schulstreik. Der Teilschulstreik in der 1 5. u n d lk«. Semeindeschute in Neukölln. Lessingstraße 30/35, tonte tu der Rütlistraße, ebenfalls in Neukölln, ist seit gastern ___■____■___________. ist zur Linderung der größten Not der Erwerbslosen dringend erforderlich.— Darum kaufe jeder unsere Sammelmarken schnell und in möglichster Höhe.— Wem keine Marken angeboten werden, der sende seinen Betrag auf das Postscheckkonto Berlin, Nr. 48743, an Alex Pageis, Berlin SW68, Lindenstraße 3. Blütenpracht in Gansjouci. Int stillen Park von Sanssouci gebietet der Herbst. Mit grobem Riittclbesen segt er das welke Laub von den Bäumen und Sträuchern und treibt es im tollen Wirbeltanz vor sich her; in Melancholie neigen die Weiden ihre Häupter und in den Wasserbecken haben viele müde Blätter einen srühen Tod gesunden. Und unaufhörlich rieselt vom undurchsichtig-grauen Himmel ein feiner Regen... ?lber inmitten dieser schwermütigen Sinfonie des Verblühens und Vergehens schlägt ein kräftiger, lebensvoller Akkord an. In den Gewächshäusern von Sanssouci keimt, knospet und blüht es an allen Ecken und Enden; ein schinaler Gong führt durch all diese farbenfrohe Blütenpracht, zu beiden Seiten neigen sich blütcn- schwere Bluinenköpse, mannshohe Farnen und Palmblätter dehnen und strecken ihre sattgrünen Blätter, hier ist's Hochsommer, schwel- lende Mittagsreise, ein Idyll, färben- und kraftstrotzenden Entsaltens. Ein Riesenhain hochgestieltcr, buntfarbiger Crysanthemen fesselt dos Auge; gelockte und ballartige, überdimensionale Bkütenköpfe stehen da dicht bei dicht. Viele und prächtig gezogene Cyclamen gibt es z-n sehen, in allen möglichen Farbschattierungen, vom schneeigsten Weiß, über die rosageüdertc Pflanze zum vielnnancigstcn Lila. Dann kommt man in die geheinmisnoll-schäne Märchenwelt der pflanzlichen Exoten, zu den Orchideen. Eine drückende Schwüle, eine eigenartig-seuchte Wärme, durchsetzt von allerhand Gerüchen, erfüllt den Raum, in dem all diese unwirklich schön geformten und gefärbten Blütengcbilde leben. Der Orchidcenhain zählt gegen 4000 Exemplare in mehr als 300 verschiedenen Sorten. Die Gewächshäuser sind vom 21. Oktober bis 3. November täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet: Eintritt für Crivachsene 50 Pf., Kinder 25 Pf. Der Not der Zeit entsprechend, müssen die anderen staatlichen Gewächshäuser goschlossen werden und der Pflanzungs- betrieb konzentriert sich nunmehr nur aus das Terrasiengelände von Sanssouci. Zuckerbläser, Kakaomaler und Schokoladenschnitzer. In der Lambrechtschen Konditorenschule in Wolfenbüttel geht myn neue, ollcrncuestc Wege: es ward aufgeräumt mit rosa geschminkten Glücksschweinchen, mit Tragantstuck und artigen Blumenkörbchcn. Großflächig, klarlinig erstehen Bauten ans Zucker- guß, Krokant, Waffelmasse und Marzipan. Diez alles stellt nabir- gemäß keine Tifchdekoration für den Hausgebrauch dar, sondern die Schiller wallen zeigen, daß auch ihr« Phantasie Schwung und Entfallungsmöglichkeit hat: praktisch gewcrtet, dienen all diese kunstvollen Dinge als wirkungsvolle Schaufensterreklame. Die Berliner Konditorcnfachschule zeigt aus der K o n d i t o r e n- messe, die jetzt wieder im Zoo eröffnet wurde, ebenfalls sehr hübsche, kunst- und geschmackvoll« Schülerarbeitcn. Aus flüssiger Kakaomasse erstehen holländische Hafenbilder, Landschaften und Genrebilder: die Plastilinarbeiten, die Vorstufe der künstlerischen Technik, zeigt hübsche Vlumengruppen, Porträts, stickcreiähiilichc Dekorationen in ganz feiner, nadelstichartiger Ausführung für Tor- ten. Viel Geschick, Geschmack und Mühe offenbart sich in all den verschiedenartigen Dekorationsoersuchen des handwerklichen Nach- wuchfes. Die Bäcker stehen mehr auf dem Boden der Wirklichkeit. Es ist für den Laien ein Unding, all die vielen Arten des Backens zu erfassen, die Materialuerwendung und Mischung, die lange oder kurze, die forsche oder sachte Backprozcdur. Di« Fachmesse bringt außerdem eine reichhaltige Schau sämtlicher Bedarfsartikel für Back- ftubc und Laden. Die Berliner Konditorenmesse, die in sämtlichen Ausstellungsräumen des Zoo stattfindet, bleibt bis zum Freitag ge- öffmt. Diszipliuarverfahren gegen Stadtamtsrat Schüttler. Auf Grund eines dem Oberbürgermeister über die Aussagen des Stadtamtsrats Schättler im Sklarek-Prozeß erstatte- ten Berichts hat der Oberbürgermeister angeordnet, daß gegen Stadt- amtsrat Schättler eine disziplinare Unersuchung cingeleiet wird, und ihm vorläufig die Amtsvcrrichtungen untersagt werden. Vorträge, Vereine und Versammlungen « Reichsbanner..Schwarz-Rol-Goid'. ketckiatti-stelle: Berlin& 14. Ccbaltianslr 87—38 put 2. Tc. Wouiiprftonb. Die lientigc(21.1 Zunglninncrführerflwnig fottt ou».— Nüttwuch, 21, ONohcr. Friedrichs dal",.ttamotobidinfi®oc(chou: 20 Mir MNliliedcrvrrsammlung Sei Nossuve, Rcvalcr Str. 10. Ächtung, nencs Mol! Wcdding(OttäDctfiii): 18 Uhr Pcrfoinmlnng oller crit'erbslosen Momcro. beu in der Äcschiiftsstelle, Restauro»! Eccooler, Cccftr. 02.— Donncriiog, 22. Oktodcr. Fricdrichshain(Ortsverein): 20 Uhr Antrete» ber gesomlc» Schuto (Zivil), Tnrnhallc Diestrlmcoerstr. 3—0. || Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Verlin. Geschäftsstelle: P. Schneider, Berlin NO. 55, hufelandstr. Zt. Vollschor Harmonie, SHartattcttlmrg. Donnerstag, 22. Oktober, _ XWi Uhr, Rltwirkunabci ber Baltsftlrsorgc in A liiert» FcstsSIen, Ber- liner Str. 88. Erscheinen Ist Pflicht.— Elternchar bcr weltlichen Schirl«», Dan- iiiger Straße: Sannabenb, 24. Oktober, 20 Uhr, im Sängerhcim, Lnchener Str. 8, Sicncralvcrsammlttng. lt. a. spricht Eenossc Kirch vom Bundesvorstanb über „Ziele unb Aufgaben des DAS.". Reichsbnnb der ZtriegsbeschSdigte», Kriegsteilnehmer nnd tiricgcrhinicr. bliebe»«», San Berlin, Ortsgruppe Rarbc» 14. Donnerstag, 22. Oktober. 20 Uhr. Cofino-Scftfäle, Poppelallcr 15, Mitglicberocrsommlnno. Referent Namerop Z.?illi Schnbcrt. Thema:„Streiflichter durch die InvaUbc». und Angestellten. Versicherung". Sazialistischcr Esperanta-Bund. Gruppe Reinickendorf. Ost jeden Donnerstag van 20—22 Uhr im Iugenbhcün Sir"---------------------•■- ' tag. Finkenkrug. Landsmannschaft der Schleswig-Lalsteiner. Donnerstag. 22. Oktober. 20 Uhr, im Dresdener Ganten, Dresdener Str. 43, Generaloersammlung. Geschijfiliche Dätterlungen. Ausnahma neuer Mitglieder. Deulsdier Metallarbelter-TeM Verwallungsslelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Dreher liarl Neuer geboren 27. Oktober 1863, am 18, Oktober gestorben ist. Die Einlischerunz findet Donners- lag, den 22. Oktober, mittags 12 Uhr, im Krematorium Berlin, Gericht- stroßc, statt. Am 18. Oktober starb unser Kollege, der Dreher «Julius Leiser geboren am 10. August 1LS3. Die Einlilcherung findet Donners- tag, den 22. Oktober, nachm. Z Uhr, im Krematorium Berlin, Gericht- stroßc, statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung wird erwartet. Die Orisvervalinng BERLIN O 34 Lhl Jll iJ.fc Die Gemeinwirtsctiaft iiiiiMiiiiiinuuiniiiiiUiiiiiuiiiiiuuiiniuiiniuiiiuuniiiiiiiiiiiiii UJhg. In jedem Heft: Aktuell© Artikel Umschau• Berichte, Bespredivngen. Vierteljährlich)."> M. Drei-Kreis-Verlag, Bad Dürrenbarg Der gute KapUdn K s» Iii J*K alf«t Inden raelate« 7t- | UOUlUll£Ul.gtrniiganiM erblltl. C. Höcker, Berlin illmsliderger straltt 22. ssmad. 386} original- Beloma ratantmatratzan/ Runeoanan mit oeiam a- Federung Pairnl-Drehbett(D.R-P-)«4»<ärll<- ci» Satt, sowie das neue Holobett mit Betern a-Fedcranl sind vollkommr« grr«Q,chlo,!— Sei» EisUcge». Für •chverste BeUehug. Uabcrail erbdlü. 20 Jahre Oarantte- "r�tJ Kinder wöllen Kinder sein, und so ein kleines Malheur wird immer einmal passieren. Wie klein es in Wirklichkeit ist, das werden Sie erst verstehen, wenn Sie sehen, für wie lächerlich wenig Geld Sie bei uns gute, schöne Kinderkleidung bekommen können. Machen Sie einen Vewueh- — ift K1H PiSWisie 0CZI 0ran)enttr.40 Ab OrinlcapllO giautteettr.113 Könisttrafie 33 iHB SAckM»»,>M>I>W IwniblH«>HMKll1l» parteinachrichten ffIMsür Groß-Berlin kixscndungen für diese Rubrik sind\\ stets an das Bczirkzsekrctarla« Berlin SW SS, Lindcnstraße 3, 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen l 9Vj Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heule, ZNillwoch, 21. Oktober. 6. Kreis. Zu der heutigen Kreisfunktionärkonferenz bei Rabe, Aichtestr. 2!), find auch die ehrenamtlick) tätigen Genossen(Be�irktZvorstehcr, Wohlfahrts- kommissionsmitglicdcr) zur Teilnahme verpflichtet. Mitgliedsbuch als Ausweis. V. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen bei Dobrohlaw, Swinemiinder Straße 11. 7. Abt. Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft junger Sozialdemokraten bei Schnitt, Borsigstr. 31b. 3S. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Parteigenossen bei Ricbcrgall, Carmen- Sylva-Str. 22. Genosse Hans Cohn:„Das Heidelberger Programm". 38. Abt. Für die heutige Mitgliederversammlung Saalkontrolle durch Bezirk 157— 158. i£. Stunde vorher. 90. Abt. Bezirk Kl:"Zahlabend bei Ramm, Erkstr. 10. Ernst Neumann:„Die politische Lage". 97. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Genossen in der Schule Mariendorfer Weg. Morgen. Donnerstag, 22. Oktober. 7. Kreis. Eltcrnkundgebung im oberen Schiller-Saal(Schiller-Theater), Bis- marckstr. 110.„Die Wirkungen der Notverordnung auf Schule und Haus." Referent Rektor Genosse Fr. Schmidt. Einbcrüferin: Die freie Schnl- gemeinde. 11. Kreis. IK Uhr Zusammenkunft aller erwerbslosen Genossinnen und Ge- »offen bei Will, Martin-Lnthcr-Str. 09. Um 20 Uhr ebenfalls bei Will, Martin-Luther-Str. V9, 2. Kursusabcnd Raphtali. IZ. Kreis. fl'Ä Uhr Zusammenkunft der erwerbslosen Genossinnen und Genossen im Jugendheim Tempelhof, Germaniastr. 4(Eingang Götzstraße). Ebenda am Freitag, 23. Ottober, 20 Uhr, Beginn des Kursus Dr. Hans Spcier: „Das soziale Antlitz Deutschlands nach dem Kriege". 20. Kreis. 15 Uhr Zusammenkunft aller erwerbslosen Genossinnen und Ge- nassen im Jugendheim der neuen Schule in Wittenau. Genosse Stadtvcr- ordueter Walter Rcinhold spricht über„Siedlungs- und Kleingartenwesen". Wir bitten um recht rege Beteiligung. 20. Abt. Der für Donnerstag geplante Ausspracheabend der jüngeren Partei- genossen fällt aus. 20. Abt. Funktwnärsitzunq bei Beinlich. 33. Abt. Versammlung aller in der Wohlfahrt und Iugendpslegp tätigen Ge- nassen bei Wertalla, Hohenlohestr. 3. Referent Genosse Dr. Schloß:„Die Grundlagen der Arbeiterwohlfalnt". 35. Abt. Die Funktionärversammlung findet erst Donnerstag bei Lemble, Schreinerstr. 38, statt. 41. und 42. Abt. Freidenkergcnosscn der 18. Zahlgruppe kurze Besprechung bei Höhlke, Bergmannstr. 60. 101. und 102. Abt. Besucht den Kursus der Arbeiter-Bildungsschulc von 2V bis 22 Übe bei Falkenhagen, Neue Krugallce 33. Besonders die Erwerbslosen sind dringend eingeladen. Kein Bcrzehrzwang. 108a. Abt. Achtung! Die Funktionärsitzung findet nicht bei Schulz, sondern bei Klose, Mahlsdorfer Str. 1, statt. Freitag, 23. Oktober. 3.»teis. Der stutfus des Genossen Dt. Kreyßig:„Die Gntwicklunpstendenzen der kapitalistischen Wirtschaft", sindet vom tommcnden Freitan, 23. Oktober, ab in der weltlichen Schule, Zimmer 11, Panl- Ecke Ricscnftrasie, statt. Die Geuassinnen und Genosse» werden gebeten, sich recht zahlreich zu be, teiligcu. Hargcbiihr 2 SW., Erwerbslose kostenlos. Frauenveransialtungen. 13. Abt. Freitag. 23. Oktober. 19',; Uhr, bri Höhcl, Putlitzstr. 10.„Die■Frau im Parlament." Referentin Helene Schmitz, M. d. L. 27. Abt. Freitag, 23. Oktober, lv Uhr, Bestäitigung des Konsums während der Arbeitszeit. Treffpunkt pünktlich 9 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. 80. Abt. Heute, Mittwoch, 21. Oktober, 20 Uhr, im Helmholtz-Gpmnasinm, Rubensstr. 74, Lichtbildervortrag:„Mutter oder Madonna". Referent Gr- nasse Großmann. 103. Abt. Heute, Mittwoch. 21. Oktober, 20 Uhr, bei Schmidtbauer, Bismarck- straße 74.„August Bebels Bedeutung für die Frauenbewegung." Referent Genosse Reese. Bezirksausschuh für sozialistische Bildungsarbeit. 7. Jliiis. Freilag, 23. Okiober, um 20 Uhr, Kursusbegiun Dr. Otto Mönchen: „Sowjetruhland, der Fünfjohresplan und wir". Reger Besuch der Partei- genossen ist erwünscht. Arbeitsgemeinschaft der Sindcrfrcunde Grosz-Verliu. Arenzbcrg:»IrcioveranstaUung für Fallen ab 17 Uhr im Heim Urban- strahe 137. Singe- und Tanzkreis. Mitte, Mattcotti: Freitag, 23. Oktober, Vollversammlung der Roten und Jungfaiken. Schönedcrg: Alle Helfer kommen heute zur(äroh.Bcrlincr Helferverlamm» lung. Auswctse mitbringen. Donnerstag, Illtch Uhr, Krcishclfersitzung in der weltlichen Schult, Fcurigstr. 7. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 128. Abt. Unser Genosse Eugen Hoff m a n n, Kaiser-Fricdrich-Str. 68, ist am Sonntag im Alter von 50 Iahren verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Donnerstag, 22. Oktober, 19 Uhr, Krematorium Geri6)tstraße. RV�gVozialistischeArbeiterjugendGroß-Verlin l�tz I hJ m Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugcndlekretarial Berlin SW VS. iündenstrahe 3 Die Wenberleitcrlonscrcnz findet beute nicht statt. Feeiensadet IM: Heute, tit'.i Uhr, Photoaustausch, Heim Ticikstr. 18. Streichorchester Groh-Berlin, Genppc Lichtenberg: Heute, 20 Uhr, beim Genossen Bob::. Lichtenberg, Frirdrichstr. 57; Gründung und einige organisa- torische Angclegcnhrilc». Jntcrcsssrrt« Genosse» ssnd eingeladen. „Zlamps nm Sitsch", Sondervorstellung der Volksbühne sllr die arbeitende Jugend zwischen 14 und>8 Jahren, Sonntag, t. November, 15 Uhr, in der Pviksbühnc. Sorten zu 80 Pf. sind nach erhältlich. heute, Mittwoch. ISMi Uhr. Gesundbrunnen IT: Bortrag fällt aus. Freitag, 23. Oktober, Koloniestr. 8.— Arnimplatz: Alle älteren Genossen um 20 Uhr bei Goldschmidt: Kursus der jüngeren Parteigenossen.— Andreasplatz l: Litauer Str. 18: Funktionär- sitzung.— Andreasplatz R. F.: Brommystr. 1: Funttionärsitzung.— Tempelhof: Götzstraße:„Führer der Gegenwart".— Lichtenrade: Röonstraße:„Sexuelle Fragen".— Bohnsdorf: Wachtelftr. 1:„Tagespolitische Fragen".— Friedrichs- Hagen: Friedriäistr. 87:„Tagespolitik".— Lichtcnberg-Mitte: Dossellraße:„Die politische Lage in England".— Reu-Lichtenberg: Gunterstr. 44: Heimabend.— Karow:„Zum Pankgrafen":„Was ist Marxismus?"— Pankow R. F.: Kisfingenstr. 48:„Moderne Selbsterziehung".— Adlershof: Bismarckstr. 1:„Ent- stchuna der Erde".— Falkenbcrg: Jugendheim: Ausspracheabend. SSG. Eharlottenburg: 18 Uhr, Rosinenstr. 4: Arbeitsgemeinschaft. Werbebezirk Tiergarten: Beteiligung an der Freidenkerversammlung 10' 2 Uhr Arminiussäle, Bremer Ctr. 72. Singetreis bereits IS'* Uhr cbcndort, kleiner Saal. Wcrbcbezirk Neukölln: Sprechstunde von 18— IO'/j Uhr Ganghoferstraßc. Jeder Gruppenleiter muß anwesend sein. 19 Uhr Funktionärversammlung (Politische Information), Kanner Straße. 8port. Rennen zu Karlshorsk Dienstag, 20. Oktober. Thuliichigut-Iagdrcnncn.- 1. Paroli(R. Edcr): L. Tasso II:!!. Exusu. Toto.' 13: 1U. Play: 13, 26:10. Ferner Uesen: Ilvs(i.), Eilbrief(gef.), Dejaucira sgef.l. Preis von Langeburg. 1. Priester(Häuser)! 2. Garde: 3. Heidekönigin. Toto: ll>:10. Play: 16, 51, 20:10. Ferner licscn: Zicichcnbach(4.),. Trochac, Tauber, Mormone, Blauer Bogel, Eilslug, Gallio, Elbrus. Gilbhardt-Jagdrcnncn. l.r Zarcnkind lTr Licbrechtl: I.)' Porgio lv. Bieberstein): 3. Monte Godollo; 4. sithcinarl. Tow: 16: 10(»sarcnkind), 25: 10(Borgia). Play: 14, 27, 35, 20: 10. Ferner licsen: Mandarine, Zell.-Quo vadis, Pigue-Bubc, Sans Parcil, Äallschalc, Girigarc XVl, Schäfcrburg, Adler von Bavcrn. Totes Rennen, Okiobcr-Flachrcnnen. I. Helgolönder iQchmc): 2. Hmiding: 3. Siesta. Taio: 62: 10. Play: 28, 73, 34: 10. Ferner liefen: Meute(4.), La Margna. Gulbrand. Manneetrcue, Annan, Aqnilon III, Liebhaberei. Quast-Fagdrcnncn. 1. Lagina IBismarkt: 2. Lorenz: 3. ilermak. Toto: 47: 10. Play: 19, 22, 26:10. Ferner licien: Nebelhexc(<.), Torn II (gef.). Merkur 11. Immortelle, Amaro(gef.). Preis von Zteincck. i. Sergeant tMiischen)-, 2. Hochwald, als 1. disqu.: 3. Qptant. Toto: 165: 10. Play: 46, 24, 56: 10. Ferner liefen: Soldat 14.), Encrgos, Parzenländer(gef.), Tana(gef.), Königssoime, Rentmeistcr, Idee lgef.), Goldbarsch. Preis von Stutgarlcn. l. Lcdina32 Täglich 842 Sdiwarzwald- mädel Ckrisll Storni. Uirry Goodi GutsdiCui Parkett SO Pf. KUBiEaNZtlGEN lelisiMllfi. Fellgedrudcfes Wort 25 Pf. (lulässig 2 fetlgedrudte Worte).— Stellengesudie das 1. Wort(fetlgednidit) 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte mit mehr ak 15 Budistiben zahlen für zwei Worte. Anzeiget), wcldie für die nädisi? Hümmer bestimmt sind.mässeD bis spätesteas Vh Uhr nadiniittags in der Haept-Eipeditico des Vorwärts, Lindunstraße 3, abgegeben werden. Dieselbe ist wodientags von morgens 81. 2 Uhr bis nadim. 5 Uhr onunterbrodtto geöffnet. Planetarium Tägl.außer Montags 3 und 9 Uhr Maba-Fiim 5 und 7 Uhr Simba-Füm a. astronon. Vortrag Einziadaslehende 6*5 oes__ 22 Tlper •�4 Elefanten 235 Pferde in Jeder Voretcllung Täglich abends 7.45 Ubr Heute Mittwoch S Vorstellung. nachm. 3 Uhr, abends 7.45 Uhr KRONE Un widerruf lieh letzter Tag Montag:. 2«. Oktober «WW bnugungf Restauant Berlins Zirkus ist gut geheizt Reichshallen-Theater Ibesdi G Uhi, Sonotag Bädunittag 3'/. Uhr Das nene Programm der „Stettiner Die 3 Komiker , r i 1 1 o n ornemann I r a u e r Nachmittags ermäßigte Preise. B! | uerltöule Lesen. eiserne, jeder Art, Teiizabiung, trano portable Kachel üsen, Badewannen, Kesselöfen,«och. Herde, Repara luren. Die alle Firma Semmler u. Llonberg, Dresde nerstrafte S8.___ J Tapeten Szillat. Kolonie strane 9. fHlsldungsslünHo. uiasche usw. Damenmäntel 6,—, 12,—, Frauen Mäntel 16.—. 21,—, entzüitende Winter Modelle, große Pelz. kragen, Beiours. Mäntel 29,—, 39,—, 49,— Schmechet, Kipsstraße 15, Bist. Börse. MSV8I ROSE-THEATER Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 8.15 U, Mittwoch, Sonnabend und Sonntag 6 u. 9 U „Friihling im Wiener Wald" Singspiel von Dr. Leo Ascher. rolle Frankfurter JSfraüe 1 SÄ | Vorverkauf Täglich II— I und U. E 7, Berliner IIlk-TrlO H C U k 6 1 1 O. Lahnatr 74/76J Betten-Fairst Berlln- NrakOUo Hermann- straße 3? Bcrlln- Tompclho: Berliner Gegründet 1%8 Straße 132 Tclcpbmu f i NcsUUin 1414 Paten tmatraken „Ptimiffima". Sie. tallbetten Auklcae. matraften. Sbaiie» wuaiies Walter Etaraarberstiasie achtzehn. Keiiwaden Lindensteasie 71-72. Schreib. tische 30.—. Slübie 3,—, Regale 10,— am im Hoisprichek. Kereenzimmer 290.—» Klubtische 1l>4>0. Riesenan�- wabl. Teilzabliing Namerling, Kasta» nienallee 50, an Fehrbellinersiraße.' Metallbettstellen� Patentnw tragen. Äuflegematra�en, Fabritpreise. Me. tallbettstellenfabrik Äolzmarktstr. 53. Deschaitsschlui, Uhr. MliZIIs- INZlkUMSss!« llinkpiano». Mietviaiias überall» preiswert. Pianofabtil Link. Brunnenkrage 35.' rotippgagp Gebrauchte Faberäder. 15,—. 20.— 25— 30,—. Machnow Weinnieisterstr. 14 Fabriknrue Fabr. räder. 30,—, 39.—. 45.—. Machnow. Wein» meifterstrasie 14 Ballonräder wegen ootflcfditiltc, itet Saison viel bil» liger. Ballonräder ieftt 45,—, 55,— 05,—, Ballonräder Marke Brennador, 75,—. Bailonräder. Marke Stern. 75,—. 85,—. Original Ar. cana» Ballonräder ieftt 95.—. 140.-. 12'),—. Machnow. Weinmeisterftr. 14. Zngcndeädee, grösile Auswahl, 35. 40.—. 45. 50.—, 55.—, 05.—. Machnow. Wein. meifterstr. 14 200 prima Markenräder mit Torpedosreilaul und prima Bere! kung. in Lack und Nickel, elwao de schädigt. Stück nur 45,— und 55.— Machnow, Wein meisterstrafte 14. Uöl'- mielungen [ wctinungsn Tanschlos! l-Zimmer-Wohnung Neukölln 25,—, 2 Zimmer» Wohnpng Friedenau 48,—, 2- esimmrr- Wohnung Gaudnstraftr 50,—, 2-Pertriebs.2l..G. Kvitbusserdamm Z0-iQ F 3 64855• Zabnaebisse, Platinablölle Oueckülber Rinn inetalle, Silber. kchmelze Goldschmel. zerci. ilhriina.iai Köpeiiickcrstrosie 39 chaltestell«-Ada'.verv iwodniings'slizcili Hunderte Tauschwohnunoen sofort greifbar. Haupert, Maizbach- user 4.____ Renbauwohnunfl. 2 Zimmer. Bad. Lopgia, Quadrat. meter, 60.— Mark. petzen Altwobnunp sofort tauschen. Friedrichsfelde, De!- brückstroße 17. Waßnunqstausche erledigt schnellstens Heli. Alexander- straße 14h. Ecke Schicklerstraße. c niieisesuche Beamtenchepaar sucht Stube, Küche oder Kochstube. Haupert, Mapbac!/- ufer 4, Neukölln 27ü9 IllMIlMMll kinderlieb, erfahren in Nähen und Handarbeit, etwas Kochen, sucht Stel- lung in Haushalt. Aufragen bei Sim- mcl. Kleinbcereu- straße 28, Bepg- kauinü oGOX Opposition Bei den Neuwahlen eine Loge schaffen müsse, die sie vom Zemrum unabhängig macht. Abg. Dr. Voelitz(D. Vp.) verlangt noch einmal Nachprüfung und Aenderung der preußischen Notverordnung Einen dahingehen- den Antrag müßte der Landtag mit Mehrheit annehmen. Die Not- Verordnung zeige schulpolitisch auch nach den Auffassungen des Zentrumsredners eine nicht zu verkennende sozialistische Tendenz. Die Angaben des Kultusministers über die Zahl der abgebauten Studienassessoren seien nicht zutreffend. Seine Fraktion roerdc der Aufforderung des Ministers nachkommen und im Aus- ssthuß bessere Vorschläge machen. Abg. Greßler(St.-P.) erklärt, daß die Fürstenabfindung der heutigen Notlage des Staates entsprechend neu geregelt «erden müsse. Er hoffe, daß sich dafür eine Mehrheit von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken finden wird. Damit schließt die Aussprache. Die Abstimmungen finden nicht wie vorgesehen am Mittwoch, sondern erst am Donnerstag, 14)4 Uhr, statt. Es solgt die Beratung des kommunistischen Urantrogs auf Ein- fetzung eines Ausschusses zur Untersuchung der Verhältnisse in den Fürsorgeanstalten. Abg. Schulz-Nsukölln(Komm.) begründet den Antrag mit der Schilderung der Zustände in den Anstalten Scheuen und Ricklingen. Das Wohlfahrtsministerium spreche wahrhettswidrig von Einzel- fällcu. Die sozialdemokratische Stadträtin Weyl sei durch Vertuschen der Zustände in Sckieuen mitschuldig. Abg. Frau Wessel(Z.) erklärt, daß der Vorredner vcrallge- meinert habe. Auch das Zentrum habe Wünsche nach Reformen. Aber die kommunistische Verhetzung in den Anstalten mache oft die mühseligste Erziehungsarbeit zunichte. Fürsorgeerziehung habe mit Politik nichts zu tun. Der Fall Scheuen beweise, daß Auswahl und Ausbildung der Erzieher das wichtigste ist. Den Kommunisten sei es nicht um Besserung der Verhältnisse in den Anstalten zu tun, sie wollten nur politisches Kapital aus den Mißständen schlagen. lGroßer Lärm bei den Kommunisten. Rufe: Gemeinheit! Unver- schämtheit! Jesuitin! Abg. Kasper wird zweimal zur Ordnung gc- rufen.) Aba. Frau Wachenheim(Soz): Wir stellen fest, daß in allen von den Kommunisten vorge- wagenen Fällen entweder gerichtliche Verfahren abgeschlossen sind, in denen die Schuldigen bereits abgeurteilt sind, oder daß andere Verfahren noch schweben. Die sozialdemokratische Fraktion hat keine Ursache, der Einsetzung eines Ausschusses zuzu- stimmen, der nur untersucht, was von anderen Instanzen bereits festgestellt wurde. Sie hat sich immer für die Aufklärung und Abstellung von Mißständen eingesetzt und nur auf ihre Initiative hin konnte der Fall Ricklingen vor dem Parlament aufgeklärt werden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im Fall Scheue», der von allen Sozialdemokraten bedauert wird, sind nach den gerichtlichen Feststellungen von den zuständigen Organen längst die erforderlichen Konsequenzen gezogen worden. Die sozialdemokratische Fraktion wendet sich nicht gegen die politische Aufklärung schlechthin oder gegen die Zugehörigkeit zu einer poli- tischen Partei, sie wendet sich aber gegen die systematische Aufhetzung der Zürsorgezöglinge durch kommu- nistische Zellen zu Gewalttaten gegen die Anstaltsleitungen, die immer mit Tragödien für die Zöglinge enden muß. Nicht mit Untersuchungs- ausschüssen ist da etwas zu erreichen, sondern nur durch Reformen, für die die Sozialdenrokraten kämpfen, und zwar mit dem Erfolg, daß der Wohlfahrtsminister die bessere Aufsicht der Anstalten durch die Fürsorgeerzichungsbehörden sowie die Einschränkung der Arbeitszeit, Aufhebung des Schweigegebotes, des Dunkelarrestes und des Kahlscherens angeordnet hat. Außerdem steht die Zusammen- arbeit zwischen Fürsorgeerzichungsbehörden und Jugendämtern und bessere Regelung der Erzieherausbildung bevor. Die Hauptmängel der Fürsorgeerziehung liegen im R e i ch s r e ch t, das die Jugendwohlfahrtspflege auseinanderreißt, ..die schwer Erzieh baren zusammendrängt uird damit ihre Erziehung noch weiter erschwert.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Wohlfahrtsminister hat beim Reichsminister des Innern die Herabsetzung der Lebensaltersgrenze der zu Erziehenden durch lllot- Verordnung beantragt. Ganz"abgesehen von den Zweifeln in die verfassungsmäßige Berechtigung eines solchen Vorgehens muß ich feststellen, daß eine Herabsetzung des Alters in der Fürsorgeerziehung nur dann möglich ist, wenn für einen Ersatz der jugendlichen Maß- nahmen gesorgt ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Meine Fraktion wird sich von dem kommunistischen Vorgehen fernhalten, dafür aber mit aller Energie für die Modernisierung der Fürsorgeerziehung weiterkämpfen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag der Kommunisten wird abgelehnt. Hierauf bringt Abg. Otlcr-Bochum(Soz.) eine große Anfrage über das Grubenunglück auf Zeche Wont Cenis ein. In der Anfrage kommt zum Ausdruck, daß auf der Unglücks- zeche ein solches Antreibersystem herrscht, daß die Berg- urbeiter die nötigen Sicherheitsmaßnahmen nicht haben durchführen können.(Hört! hört! links.) Auf der anderen Seite habe aber die Direktion dieses Bergwerks Gelder in erheblichem Um- fang für den Stahlhelm übriggehabt.(LÄchaftes hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Otter beantragt, die große Anfrage sofort auf die Tagesordnung zu setzen und ohne Aussprache dem Äusschuß zu überweisen. Abg. Borck(Dnat.) bezeichnet die große Anfrage der Sozial- demokraten unter großer Unruhe der Linken als eine Unver- schämtheit. Abg. Schwenk(Komm.) widerspricht der Ausschußberatung. Der Aeltestenrat habe beschlossen, alle Anträge und Anfragen über das Grubenunglück am Mittwoch bei der Frage der Grubensicherheit mit zu behandeln. � Das Haus beschließt, die sozialdemokratische große Anfrage am Mittwoch mit zu behandeln. Nächste Sitzung Mittwoch, 12 Uhr. Tagesordnung: Anträge und Anfragen über das Grubenunglück. Optimismus in Genf. Japan mit Zuziehung Amerikas einverstanden. Gens, 20. Oktober.(Eigenbericht.) Die optimistisch« Beurteilung der Ratsmitglieder hat sich noch verstärkt, da die günstigen Wendungen in der Haltung Japans in der Mandschurei bestätigt wurden. � Das japanische Außenministcrium gibt offiziell bekannt, Ver- Handlungen zwischen dem japanischen Botschaiter in Washington und Staatssekretär Stimson hätten alle Mißverständnisse über die Be- rufung des Gesandten Gilbert in den Bölkerbundsrat aufgeklärt. Japan hat sich mit dieser offiziellen Verlautbarung mit der Berufung Gilberts einverstanden erklärt. Das Washingtoner Staatsdepartenunrt hat an die Regierungen von Japan und China gleichlautende Noten übersandt, in denen auf die Verpflichtungen des Kelloggpaktes hingewiesen wird. „Die schalkhaste Witwe". Linden-Oper. Eine komische Oper von Wolf Ferrari, deren matter vorgestriger Musik, der ein über die Massen langweiliges Libretto zu- arunde liegt, alle handwerkliche Meisterschaft des Komponisten nicht viel HUft. Die Aufsühruna. die Leo Blech leitete, war aus- gezeichnet. A. W. Meistersinger, Aki III Drewitz:„Um Himmels willen, was geht da vor? Bäcker, Schneider, Schreiner— alte Zünfie prügeln sich, ein Meister verdrischt den andern?- Das ist ja genau wie in der Wirtschaftspartei!" Moratorium Gerüchte über russische In der nordischen Presse haben in den letzten Tagen Gerüchte über eine bevorstehende Zahlungseinstellung Rußlands zirkuliert. Die Berliner„Germania" will wissen, daß diese Gerüchte auf einer sehr ernsten Grundlage beruhen. Nach dem genannten Blatt handelt es sich uin eine akute Jinanzkrise von bisher nicht dage- wesener Schwere, die sehr leicht zur Zahlungseinstellung führen kann. An deutsche Firmen sind in der nächsten Zeit etwa 500 Millionen Mark zu zahlen, an amerikanische etwa 2Sll Millionen. Die dazu nötigen Devisen sind nicht vorhanden, da im dritten Jahr des Fünfjahresplans der Devisenbedarf ungeheuer gestiegen ist. anderer- feits durch das Sinken der Preise für den Export die Devisen- beschaffung erschwert ist. Die mit diktatorischen Vollinachten be- trauten Kommissare M i k o j a n und R o s c nh o lz haben den Handelsvertretungen ausgetragen, ein bestimmtes Kontingent von ausländischen Zahlungsmitteln aufzubringen, soweit ihnen das aber nicht gslmgc, für die Fehlbeträge Schuldenprolongation bei den Gläubigern zu erzielen. So werde es schließlich von d«* Prolon- gationsbereitschast der Gläubiger abhängen, ob sich aus der gegen- wärtigen Zahlungsstockung eine Zahlungs einstsllung entwickele. Die„Germania" sieht als Folge einer solchen Zahlungsein- stellung den„Zusammenbruch des ganzen kommunistischen Wirt- schaftssystems" voraus. Diese Voraussicht braucht sich jedoch keines- wegs zu erfüllen, da Rußland schon wiederholt gezeigt hat, daß es, sei es auch unter allerschwcrsten Opfern für die Massen des Bolkcs, zu einer Art„nationaler Autarkie" fähig ist. Der Fünsjahrcsplan würde sich allerdings nicht ausführen lassen, wenn Rußland seinen Kredit einbüßte und aus dem Ausland nichts mehr geliefert erhielte; denn Rußland ist zur Ausführung des Fünfjahresplans noch sehr stark auf Auslandslieserungen angewiesen. Ein Scheitern des Fünf- jahresplans könnte kaum ohne politische Folgen bleiben. Ob aber diese wirklich bis zum Zusammenbruch des kommunistischen Wirt- schaftssystems führen müßten, steht noch dahin. * Zu dem Artikel der„Germania" wirv von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß die Nachrichten über Prolongationen von Rußland-Wechscln jeder Grundlage entbehrten. Bisher sei kein einziger Fall bekannt geworden, in dem eine derartige Prolongation beantragt worden sei. Die Zahlungen, die Sowjet- rußland in den nächsten Monaten in Deutschland zu leisten habe, seien so gering, daß sie nicht zu einer Zahlungseinstellung führen könnten. Größere Beträge würden erst ab April nächsten Jahres fällig. Richtig sei hingegen, was ja auch bekannt sei, daß Ruhland mengenmäßig seine Ausfuhr infolge des Absinkens der Preise steigern müsse und daß dies bisher noch nicht ick vollem Umfange geglückt sei. Weiter wird darauf hingewiesen, daß auch die Verhandlungen, die in der letzten Zeit zwischen dem Berliner Auswärtigen Amt und der Sowjetbotschaft gesichrt worden seien, keinen Anlaß zu diesen Gerüchten gegeben haben könnten. In diesen Perhand- lungcn sei russischerseits dem verständlichen Wunsche Ausdruck ge- geben worden, die im letzten Jahre wertmäßig zurückgegangene Sowjetausstchr nach Deutschland wieder zu erhöhen, um durch eine Steigerung der Menge den Ausgleich im deutsch-russischen Waren- verkehr herbeizuführen. Wester hätten die Russen in den VerHand- lungen bestimmte Wünsche bezüglich der deutschen landwirtschast- lichen Zollgesetzgebung geäußert, wie sie auch von anderen Staaten geäußert worden seien. Diese Verhandlungen könnten zu den Gc- rächten kcjnerlei Anlaß geben. Welchen Zweck der Artikel in der „Germania" versolge, sei völlig unerfindlich. Aus Kreisen des Rußlandhandcls wird gleichfalls bestätigt, daß die Behauptungen des„G«nnania"-Artirets die Dinge zum größten Teil unrichtig darstellten. Der Betrag, der in diesem Jahre abzn- decken sei, reiche nicht im entferntesten an die Summe von S Millionen heran. Die ab April nächsten Jahre? fälligen Beträge bei deutschen Firmen beliescn sich auf etwa 400 Millionen Mark. M i t Prolongationswünschen sei bisher an keine deutsche Firma herangetreten worden. Sowjetboykott gegen Amerika? Zu der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Handels- beziehungcn stellte emc ofjiziöse Sowjetradiosendung fest, daß die Sowjetunion noch immer sehr die Handelsbeziehungen mst Amerika b r a u ch e. Leider hätten verschiedene Industriezweige in der Sowjet- union völlig versagt, so daß größere Maschinenbestcllungen nach für Moskau? Amerika hätten gerichtet werden müssen. In der letzten Zeit ober waren durch die Bremsarbeit amerikanischer Banken die Sowjet- kredite innner schwerer zustande gekommen, so mußten z. B. einig« große Bestellungen in der letzten Woche liquidiert werden. Der Sowjetsprecher griff mit größter Schärse die Amerikaner an und sagte, daß hier nur eins zu tun sei, die V c r h ä n g u n g des Boykotts über jede Geschäftsverbindung mit Amerika. Man wolle die Handelsvertretung Amtorg in Amerika stark verkleinern und überhaupt keine Jndustriebestellungen nach den Vereinigten Staaten mehr richten. Von gut informierter amerikanischer Seite hören wir dazu, daß große amerikanische Jndustrievertretungen in Moskau ihre Büros ausgeben und die Angestellten entlassen, da von einem lohnenden Sowjetgeschäft und einer Geschäftsverbindung mit der Sowjetunion nicht., mehr zu sprechen ist. Mitteleuropäische Politik. Darlegung des Ministers Benefch. Prag. 20. Oktober.(Eigenbericht.) Außenminister Dr. B e n e f ch führte im auswärtigen Ausschuh u. a. aus: „Unsere wirtschaftliche und politische Lage ist nicht so schwierig, wie die anderer Staaten. Die Teilnahme der Sozialisten und der Deutschen an der Regierung hat zur Konsolidierung der Verhältnisse beigetragen. In d.cr Z o l l u n i o n s s r a g e wurde der tschechoslowaiische Standpunkt respektiert. In allen mittel- europäischen Angelegenheiten läßt sich ohne Einoernehmen der drei interessierten Großmächte Deutschland, Frankreich und Italien, sowie ohne oder gegen die Tschechoslowakei nichts Posi- t i v e s tun. Die Kleine Entente kann zur Grundlage einer guten Zusammenarbeit aller in Mitteleuropa werden. Sie ist besonders in der jetzigen Zeit der wirtschaftlichen Störungen bereit, mit allen Nachbarn zusammenzuarbeiten. Unsere Pflicht ist es, Ungarn in seinen heutigen Schwierigkeiten die Hand zur Mitarbeit zu reichen, und wir tun es gern. Die kleineren mittel- europäischen Staaten müssen in dieser schweren Zeit Wege zur Zusammenarbeit und Annäherung suchen. Die Großmächte sollten dazu einträchtig behilflich sein. Wir haben aus wirtschaftlichen Gründen ein Interesse daran, daß es sowohl Oesterreich als auch Ungarn gut geht. Unser Verhältnis zu Deutschland ist unverändert gut. Mit Sowjetrußland werden wir einen Handels- vertrag abschließen. Was die Abrüstungskonferenz anbetrifft, so bin ich im ganzen Optimist, obwohl die Verhandlungen schwierig sein und vielleicht ützer das weitere Schicksal der Weltpolitik entscheiden werden. Es wäre wenigstens ein Teilerfolg gesichert, wenn die Vereinigten Staaten, England und Frankreich ein festes, gemein- fames wirtschafts- und finanzpolitisches Programm für die nächste Zeit schaffen würden." Der Tschechoslowakischen Republik geht es bei aller Ar- beitslosigkeit und bei aller Niedrigkeit-der Gehälter, Löhne und Unterstützungen wirklich ganz erheblich besser als seinen deutschen Nachbarstaaten im Norden und Süden.— Deshalb nämlich, weil das tschechische Volk von Grund auf d e m o- k r a t i s ch und größtenteils f r e i g e i st i g und ganz u n- m o n a r ch i st i s ch und unmilitaristisch ist. So können dort Faschisten und Pogromhetzer nichts werden, und höchstens in der deutschen Minderheit einigen Anhang gewinnen, der aber bedeutungslos bleibt. Diö Sicherheit der demo- kratischen Entwicklung und das Fehlen der Mazedonisieruno durch täglichen Banden- krieg bewahren die Tschechoslowakei auch in der Wirtschafts- krise vor so schweren Erschütterungen des in- und ausländi- schen Vertrauens, wie sie Deutschland der Hakenkreuzschande Deutschösterrelch der Heimwehcpest verdankt! Der Regierungspräsident von Trier. Saaße», ist als Reichs- kommissar für�die Erwerbslosensiedlungen in Aussicht genommen, der Abgeordnete Schlangc-Schöningen als Reichskommissar für die Ost- biise. Auf die Zusammenlegung dieser beiden Kommissariate in einer Hand hat man verzichtet. Die Not der Eisenbahner. Nochmals Lohnabbau?— Llnmöglich! Von der Ortsgnippc Berlin des.Einhe!tsverbai«des der Eisen- dahner wird uns geschrieben: Die Berliner Eisenbahnarbeiter und.-Hilfsbeamten erholten einen durchschnittlichen monatlichen Nettoverdienst von 167,35 2)1. Mit diesem Betrag sollen ihre Familien in Berlin auskommen. Dabei ist zu bemerken, daß von großen Gruppen dieser Betrag noch nicht einmal erreicht wird. Die Lebenslage unserer Berliner Kollegen ist, wie in Hunderten von Schreiben der Ortsoerwaltung Berlin des Cinheitsvcrbandes mitgeteilt wird, geradezu trostlos. Ein weiterer Abzug des Lohnes ist unmöglich zu ertrogen. Die Forderung der Reichsbahnhauptverwaltung würde sür die Berliner Eisenbahner solgende Auswirkung haben: Die Handwerker in den Lohngruppen I bis III bekämen einen Lohnabzug von 5 und 6 Pf. die Stunde, die Ungelernt cn in den Lohn- gruppcn IV bis VII von 4 und 5 Pf. die Stunde. Diese ungeheuer- lichc» Zumutungen begründet die Reichsbahnhauptvcrwaltung damit, daß ein Fehlbetrag von über 600 Millionen Mark zu vcr- zeichnen sei. Kein Zweisel, die Deutsche Reichsbahn hat infolge der Wirt- schastskrise Miiidercinnahmen, die sich infolge eines für die Eisen- bahn ungünstigen Wettbewerbes anderer Verkehrsmittel noch ge- steigert haben. Regierung und Parlament, die Oeffentlichkcit und das ganze deutsche Volk haben ein Interesse daran, daß die Deutsche Reichsbahn mit ihre,» Anlagewerl von 26 Milliarden nicht vor die Hunde geht. Deshalb werden alle Anstrengungen gemacht, um der Reichsbahn, die gleichzeitig der größte Kunde für viele Wirt- schostsuntcrnehmungen in Deutschland ist, unter die Arme zu greisen. Es ist aber die Frage zu stellen: „kann die Reichsbahn nicht in anderer Weise als durch Lohn- abbau ihren Etat balancieren?" Die Reichsbahn hat auf Grund der Ersparnisse aus den Repa- rationszahlungen in diesem Jahre zu ihren Gunsten zu buchen 450 Millionen Mark. Sie hat von der Reichsregicrung für«in Beschasfungsprogramm bekommen 100 Millionen Mark. Sie hat auf Grund der steuerfreien Reichsbahnanleche erhalten 175,5'Millionen 'Mark, und, da die Zeichnungssrist bis zum 26. Oktober verlängert ist, wird sie höchstwahrscheirllich noch mehr Geld erhalten. Die Reichsbahn hat noch eine weitere Möglichkeit, ihre Finanzen zu verbessern: Die Notoerordnung vom Oktober über den Kraft- wage»verkehr bringt ihr unzweifechast Einnahmequelle!� deren Erträgnisse noch gar nicht abzusehen sind. Mit den vorstehend angegebenen Einsparungen an Reparations- zahlungen, den Zuwendungen für Beschaffungsprogramin und Reichsbahnanleihe, den zu erwartenden Mehreinnahmen aus der Oktoberverordnung ist die Reichsbahn sehr wohl in der Lage, ein großzügiges Beschasfungsprogramm durchzuführen und den Lohn der Eiscnbohnarbeitcr und-Hilfsbeamten weiter zu zahlen. Die an der Reichsbahn interessierte Wirtschaft könnte sofort entsprechende Jluftröge erhalten, und ein neuer Impuls und Optimismus könnte durch die deutsche Wirtschaft ziehen. Die Vertreter der Reichsbahn beriefen sich in ihren Verhandlungen mit den Gewerkschaftsvertretern auf die 2! o t v e r o r d n u n g, die der Reichsbahn das Recht gibt, 4,5 Proz. vom Lohn abzubauen. Die Rolverordnung verpflichtet nicht dazu. Diese Notverordnung, soweit die Tendenzen des Lohnabbaues dabei in Frage kommen, ist unter dem Druck der Reaktion zustande ge- kommen. In der Notverordnung vom 7. Oktober ist im Kapitel III des fünften Teiles die Rede von der Herabsetzung übermäßig hoher Dien st Vergütungen. Die großen Gehälter der höheren Rcichsbahnbcamtcn find aber ausdrücklich von der Anwen- dung der Notoerordnung ausgenommen! Da man glaubt, die völlig lnrzureichendcn Löhne der Eisenbahner abbauen zu dürfen, erinnern wir an diese Gehälter. Es erhalten: der Generaldirektor der Reichs- bahn 97600 Mark,rupve des �entralverbandes der Angestellten Heute, Mittwoch, folgende Beranstaltungen: Gefnndbrunnen: Jugend- heim Schonstedtftr. l. Vortrog:„Rcligioil und Sozialismus". Referent: Bernstein.— Rordoft I: Jugendheim Danzigrr Sir. iü«Baraitc 3). Vortrag: „Das Deutsche Reich ist eine Republik". Referent: Läwi.— Reinickenbors: pligendheim Litauer Str. i tBararkei. Lcseabend.— Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule»astamenallee si. Aussprache.„Was brachten»ns die lehtcn Tage in Wirtschaft und Politik?" Leiter: Dr. Most.— Tkrakan: Jugend. heim der Schnlc tboßlcrstr. Sl. Aussprache iider„Gewerkschastssragen der Gegenwart". Leiter: Weisstock. Oberspree: Ricderschdneweide. Berliner Str.:.l : Schule!, Eingang Hasselwerderstraßc. Arbeitsgemeinschaft:„Sinsuhrung in die sozialistische Gedankenwelt". Leiter: Solz.—»övcnick: Jugendheim Dahiwißcr Straße 13 tGasanftalt am Bahnhos Bäpenicki. Leseabcnd.- Rentöll«: Jugend, heim Böhmische Str.>— t. Ecke.«tanner Straße. Allerlei«tartcnspielc.— Sudost: Jugendheim wrangelstr. lZt!. Arbeitsgemeinschaft:„Die erwerbstätige Jugend im Wirtschofiskomos". Leiter: Diederich.— Schäncbcrg: Iugendh-iu, Hnupl- jtraße r>«Hosgebitud«. öachsenzimmer». Hcimbcsvrechung.— Eh-rlottcnburg: Zugendheim Smeihageustr. 4.„Ein Tag auf dem Arbeitsgericht." Leiter: Decker. — Spandau: Zugendheim Lindcnufer l. Borlrag:..Erlebnisse eines Piloten". Referent: Licbig. Potsdam-Rowawes: Jugendherberge in Rowawcs, Priester» straße. Ernstes und Heiteres.— Die„Bersichcrungsgcscllschast Sorgenfrei A..S." tagt um 16 Uhr im Lerbandshaus. Zimmer 27.— Sportabteilung: Uebungs. abend ab 20 Uhr in der Stäbtischen Turnhalle Prinzenstraße.— Die nächste Vorstellung der Zugendnaltsblchnc iindet am 1. Rvnember statt. Gespielt wird ,, stampf um stitsch" nan öiemmle. Eintrittskarten zum Preise non 80 Pf. sind im Zuacndsekretariot zu haben. Verantwortlich tiir Politik: Lictor Schiit: W:rtschaftt S. Rltiigelhöser: Sewerkichattsbewegung: 5 Striner: Feuilleton: Dr. Job» Schikowsli: Lokales „nd Soilftiacs: Frist ttarstädt: Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlaa: Botworis-Berlaa G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlaosanftalt Paul Singer u. Co. Berlin GW SS Lindenstraße 3. Hier,» 2 Beilage». Gurgle ohne Glas und Wasser!