Morgenausgabe Ar. 495 A 249 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf, monatlich 3,60 M. tdaoon 85 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich so Pf. Pouzeitungs» und 72 Pf. Postbestellac- dühren. Auslandsabonnement s,— M, Pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenport» 5.— M. Der.Vorwärts» erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und Im Kandel mit dem Titel T$er Abend" Illustrierte Sonntagsbeilage .Boll und Zeit". AeeUner Volksbla« Oonnersiag 22. Oktober 1931 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pf. Die elnfpalf. Nonpareillezeile 80 Pl. Reklamezeile 5,— RM„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tatif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Warte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm» im Hauptgeschäft Lindenftratze Z. wachen- täglich von 8Vz bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht de, Ablehnung nicht genehmer Anzeigen oor l Jentvaloegan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 iseruspr.. Dönhots(A 7) 293—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokraf Berlin. Vorwarts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkomo: Berlin 37 530.— Bankkonlo:BanrderArbeiler,'Ängeslellien und Beamten, Llndenstr.3 Dt.B.u.DiSc.-Ge>., Deposllenr.,JeruIaIevi«rStr.k5/öö. Willkür herrscht in Vraunschweig Das Verbot des„Volksfreund".— Klagges beschimpft die Arbeiterschaft. Das Reichsinnenministerium angerufen. Die Parade der nniformierken Bürgerkriegstruppen des Herrn Hitler in Braunschweig hat zu blutigen Zusammen- stoßen geführt. Die uniformierten Stoßtrupps des Faschis- mus sind in geschlossenen Gruppen über Arbeiter hergesallen. Sie haben die Arbeiterwohnviertel terrorisiert, sie haben Ar- bellerwohnungen zu stürmen oersucht. Sie haben sich Polizei- gemalt angemaßt. Sie haben unter Berufung auf ihren Minister Klagges die Polizei beiseite geschoben. Das Ergebnis: drei Tote, siebzig Schwer- verletzte, eine nicht feststellbare Zahl von Leichtverletzten. Was tut Herr K l a g g e s, der Mann, der für die öffent- liche Ruhe und Sicherheit in Braunschweig verantwortlich ist? Er verbietet den sozialdemokratischen Braunschweiger„B olksfreund" auf acht Wochen! Dies Verbot ist nicht Ausübung eines Rechts, fondern gröblicher Mißbrauch der Notverordnung des Reichs zu faschistischem Terror. Wenn die Bürgerkriegsbanden des Faschismus über die Arbeiterschaft hersallen, wird die Presse der Arbeiterschaft verboten. Die Dauer des Verbots zeigt den Willkürcharatter dieser Maßnahme. Noch mehr der Wortlaut der Begründung des Verbots, den wir an anderer Stelle abdrucken. Diese Be- gründung ist in ihrer unübertreffbaren Unehrlichkeit und in ihrem Zynismus gegenüber der Arbeiterschaft ein klassisches Dokument eines rein faschistischen Willkürregimes. Warum hat Herr Klagges den„Bolksfreund" verboten? Well der„Volksfreund" festgestellt hat, daß die uniformierten Hakenkreuzbanden, die über die wehrlose Arbeiterschaft her- gefallen sind, eine Generalprobe zum Bürgerkrieg veran- stallet haben! Das weiß heute ganz Deutschland! Kein anständiges re- publikanisches Blatt ist in Deutschland, das die Wahrheit dieser Feststellung nicht bestätigt. Aber Herr Klagges nennt das: ,chen tatsächlichen Ereignissen in keiner Weise gerecht werden". Trotz der drei Toten und siebzig Schwer- verletzten l Herr Klagges verbietet, weil ein Telegramm des sozialdemokratischen Ortsvorstandes von Braunschweig an den Reichsinnenminister feststellte, daß die Polizei die Sicherheit nicht gewährleisten könne. Drei Tote und siebzig Schwerverletzte— das nennt Herr Klagges Sicherheit und Ordnung I Herr Klagges verbietet wegen einer Ueberschrist„D i e Straßenschlachten". Der Polizeibericht von Braun- schweig spricht selbst vom„S t r a ß e n g e f e ch t". Wird Herr Klagges die Braunschweiger Polizei verbieten. Herr Klagges fühll sich schließlich verächtlich gemacht durch die Wiedergabe seiner Bemerkung, daß die National- sozialisten den marxistischen Mob in seine Schlupfwinkel zu- rückdrängen würden. Herr Klagges will nur gesagt haben, daß„der marxistische Mob s i ch i n s e i n e n Schlupfwinkeln zurückgehalten habe". Das ist die zynische Stelle dieser Berbotsbegründungl Dieser Mann, der in einem deutschen Lande Innenminister ist, nennt die Slrbeiterschaft„m arxistischer Mo b"! Er spricht von ihren„Schlupfwinkeln"— und er wiederholt diese schamlose, gemeine Beleidigung in einem amtlichen Schriftstück, das das Verbot eines Arbeiterblattes begründen soll. Begründen? Von Begründung ist hier keine Rede! Hier handelt es sich um einen Versuch, zu leugnen und zu unter- drücken, was in Braunschweig geschehen ist, um eine neue, überaus zynische und gefährliche Provokation gegen die Ar- beiterschast. Hier handelt es sich nur darum, mit sadenscheini- gen Redensarten das Gesicht der offenen faschistischen Willkür zu verdecken! Was am Sonntag in Braunschweig war, was diesem blutigen Sonntag vorangegangen ist. dos weiß ganz Otto Wels spricht in Braunschweig. Versammlung der republikanischen Organisationen. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Otto Wels, spricht am Sonnabend in der Braun- schweiger Stadthalle über die politische Lage. Die Versammlung wird von alle« republikanischen Organisationen der Stadt Braunschweig veranstaltet. Beschwerde gegen das Verbot. Herrn Klagges droht Schadenersahklage. Der Verlag des Braunschweiger„Volksfreund" hat gegen das Verbot sofort Beschwerde eingelegt. Die Beschwerde geht zunächst an das Braunschweigische Innenministerium, das verpflichtet Ist, sie innerhalb von fünf Tagen an das Reichsministerium des Innern weiterznleiten. falls es ihr nicht stattgibt. Die Beschwerde ist zugleich beim Reichsministerium des Innern eingereicht worden. Für den Fall der Aushebung des Verbotes wird Herr klagges für den Schaden verantwortlich gemacht werden. Deutschland. Wenn Herr Klagges glaubt, mit diesem Verbot die Wahrheit unterdrücken zu können, so irrt er. Er müßte einen sehr großen Teil der deutschen Presse verbieten. Er wird auch nicht erreichen, daß das Land Braunschweig, dies Land von 566 000 Einwohnern, als Oase gegen die Wahr- hell, die Wahrheit nicht erfahren darf. Er wird mit diesem Willkürakt nur eins erreichen: daß die gesamte deutsche Oeffentlichkeit klar und scharf erkennt, was in Braun- schweig i st. In Braunschweig ist das Innenministerium in der Hand eines Nationalsozialisten, der aus feiner Vergangenheit als ein Hasser der Republik und ihrer Verfassung bekannt ist. Dieser Mann hat der Front derHarzburgerReaktion Gelegenheit gegeben, auf braunschweigischem Boden ihre Kriegskundgebung gegen die Reichsregierung, gegen die Reichsverfassung und gegen die Rechte der deutschen Arbeiter zu veranstalten. Er hat es gestattet, daß zu dieser Kriegs- kundgebung der Feinde der Republik uniformierte Bürger- kriegstruppen aufmarschierten. Dieser Mann hat den unifonnierten Bürgerkriegsgarden des Izerrn Hitler in Braunschweig das olleinige Recht auf die Straße gegeben. Er verbietet systematisch alle öffentlichen Kundgebungen republikanischer Organisationen. Er handhabt die Notverordnungen gegen die verfassungstreuen Staats- bürger. Er begünstigt das freche, provozierende Auftreten der Braunschweig. 21.. Oktober.(Eigenberichl.) f Am Mittwoch hat der braunschweigische Raziminister klagges zu einem Schlag gegen den sozialdemokratischen ..v a i k s s r e u n d" ausgeholt, indem er ihn wegen der Bericht- erstattuag und der Kritik an den Vorfällen des letzten Sonnabend und Sonntag auf acht Wochen verboten hat. von dem verbot, das sich auf die Rotoerordnungen des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen stützt, werden auch sämtliche Kopfblätter des„Volksfreund" betroffen. Seine Begründung lautet: .„Der„Volksfreund" hat in seiner Nummer 239 des 6l. Jahrgangs vom Montag, den 19. Oktober, aus Anlaß des am 17 und 18. Oktober zu Braunschweig stattgehabten SA.-Ausmarsches der Nationalsozialistische» Arbeiterpartei eine ganze Reihe von M e l- düngen und Artikeln gebracht, die den tatsächlichen Ereignissen in keiner Weise gerecht werden, viel- mehr durch ihren aufhetzerischen und aufrührerischen Charakter die faschistischen Terrorbanden. Selbst der Pressedienst der Deut- scheu Volkspartei stellt fest, daß das Auftreten der national- sozialistischen Bürgerkriegsbanden in Braunschweig eine ein- Zige große andauernde Aufreizung, eine einzige Provo- kation ist! An dieser Provokation ist Herr Klagges, der Innen- minister, selbst beteiligt. Seine Worte vom„marxistischen Mob" und seinen„Schlupfwinkeln" müssen zornige Empörung der Arbeiterschaft hervorrufen. Die Terrorbanden des Herrn Klagges haben ihn sehr gut verstanden, sie sind' in die „Schlupfwinkel" des„marxistischen Mobs" gezogen, um dort Arbeiter niederzuschlagen! Dieser Mann als Innenminister von Braunschweig ist eine dauernde Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung! Nach der Kriegskundgebung der Bürgerkriegsparteien in Harzburg der Ueberfall der uniformierten Bürgerkriegs- truppen Hitlers auf die Arbeiterwohnviertel.von Braun- schweig— das eine wie das andere unter dem Regime des Herrn Klagges! Dieser Blutsonntog von Braunschweig, das ist das wirkliche Programm der Hitler-Partei, das sie in ganz Deutschland verwirklichen möchte. Ganz Deutschland unter einem Klagges, Sturm auf die Arbeiterschaft und ihre Wohnungen in ganz Deutschland, be- günstigt von einer Reichsregierung von Hitlers Gnaden. Die Terrorbanden vom Hakenkreuz haben in Braun- schweig eine Generalprobe gemacht, das Ergebnis lautet: drei Tote und siebzig Schwerverletzte. Herr Klagges hat die Generalprobe fortgesetzt, er hat einen terroristischen Akt gegen die Arbeiterpresse unter- nommen. Das Reichsinnenministerium steht nunmehr vor einer sehr ernsten Frage. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft ist voller Empörung über diese faschistischen Terrorversuche. Sie er- wartet vom Reichsinnenministerium, daß es in Braunschweig geordnete Verhältnisse herstellt, daß es sie schützt gegen einen Minister, der sie als„marxistischer Mob" beschimpft, und gegen die faschistischen Terrorbanden, die sie an Leib und Loben bedrohen. Sie erwartet vor allem, daß das terroristische Zeitungsverbot, dessen Charakter durch den Zynismus der Begründung hinlänglich gekennzeichnet ist, schleunigst ausge- hoben wird. Es darf kein deutsches Land geben, in dem das Recht und der Schutz der Reichsversassung für die republikanische Bevölkerung durch einen faschistifchen Minister praktisch außer Kraft gesetzt werden! Das Reichsinnenministerium steht vor einer sehr verantwortlichen und sehr ernsten Aufgabe! I äffeniliche Sicherheit und Ordnung aus das ernsteste gefährden. Aus der großen Menge der Artikel unwahren und aufwiegelnden I»- Halts möge» nur folgende herausgehoben werden: l Aus der ersten Seite i» der Mittelspolte wird behauptet, die tu Braunschweig mossierten Hatentreuzler hätten ihre Ucbermacht dazu benutzt, über die wehr- und schutzlose Arbeiterschaft herzufallen Das Wüten der Faschisten sei über Aufruhr und Landsriedensbrnch bei weitem hinausgegangen. Es sei eine Generalprobe zum Bürger- krieg gewesen. 2. Auf der dritten Seite des Hauptblattes ist ein Telegramm des Ortsvereins Braunschweig der Sozialdemokratischen Partei wiedergegeben.(Das Telegramm schildert die Straßciikäwpfe urto bittet um Schutz, da die Polizei die Sicherheit und Ordnung nicht aufrechterhalten kann.) 3. Unmittelbar darüber befindet sich ein Artikel mit der Ueberschrist„Die Straßenschlachien". Alle diese Behauptungen sind aus der Luft gegriffen und Klagges beschimpft die Arbeiter. Eine zynische Verbotsbegründung.- Klagges spricht von„marxistischem Mob". Japan lenkt ein. Briands Vorschlag grundsählich angenommen. Tokio, 21. Oktober.»Reuter.) ? a p c n i st bereit, den Rat vricinds anzunehmen und daraus zu verzichten, vor der Eröffnung von Verhandlungen eine ausdrückliche iluerkeuuung feiner Rechte ruf die waudsch'.rrischen Eisenbahnen durch China zu verlaugeu. Voraussetzung dafür ist. datz China bereit ist, akgemeiu und grundsätzlich die Verpflichtungen anzuerkennen, die sich aus den Verträgen ergeben. Gelingt es Lriand, Ehina dazu zu veranlassen, dies anzunehmen, so glaub« mau. daß damit ein großer Fortschritt erreicht und der weg zu den Verhandlungen freigemacht wäre. Chinas Vertrauen in den Völkerbund. Ranking. 21. Oktober.(Reuter.) In ihrer Antwort auf die Noten Frankreichs. Enzlands, Italiens, Deutschlands. Norwegens und Jugoslawiens, in denen die chinesische Regierung an den Kellogg-Pakt erinnert wurde, wiederholt das chinesische Außenministerium seine Anklagen gegen Japan wegen der Verletzung des internationalen Rechts durch die japanischen Angriffe auf Mukdcn und andere Städte in der Mandschurei. Die chinesische Regierung unterstreicht ihren Entschluß, den chinesisch-japanischen Konflikt vorbehaltlos dem Völkerbund anzuvertrauen. Sie gibt ihrem Willen Ausdruck, auf eine friedliche Lösung aller strittigen Fragen hinzuarbeiten. Tschiangkaischek bittet LlGA und England um Entsendung von Kriegsschiffen. Tokio, 21. Oktober. Nach einer Meldung aus Schanghai hat Marschall Tschiangkaischek an die Vereinigten Staaten und England die Bitte gerichtet. K r i e g s s ch i s s e nach Schan- haiguan zu entsenden, um einen drohenden Zusammenstoß zwischen japanischen und chinesischen Truppen zu verhindern. Der MWaff sbeirai der Reichsregierung. Die Ernennungen vollzogen. Amtlich wird mitgetellt, daß der Reichspräsident auf Vorschlag der Reichsregierung folgende Persönlichkeiten zu Mitgliedern des Wirtschaftsbeirats ernannt hat: Dr. Ernst von Borsig, Fabrikbesitzer in Berlin-Tegel, Dr. Brandes, Präsident des Deutschen Landwirtschaftsrates, Reichskanzler o. D. Dr. Cuno, Hapag-Hamburg, Gewerkschaftssekretär Wilhelm Eggert, Berlin, Gewerkschaftsführer Peter Graßmann. Berlin, Maurer- und Zimmermeister Robert Groß, Königsberg, Dr. Bernhard Grund, Präsident der Handelskammer Breslau, Kaufmann Dr. Albert Hackelsbergcr, Oeflingen in Baden, Papierfabrikant Georg Haindl, Augsburg, Wagenbaumeister Wilhelm Hecker, Präsident der Handwerks- kammer Düsseldorf, Gutsbesitzer Dr. Holtmeier, Lienen, Kreis Tecklenburg/Westfalen, Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Dr. Josef Jahn. Berlin-, Kaufmann Louis Körner, Berlin, Rittergutsbesitzer von Oppen, Präsident der Landwirtschafts- kammer Brandenburg, Bernhard Otte. Vorsitzender des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands, Berlin, Bankdirektor Dr. Robert Pferdmenges, Köln. Bäckermeister Ernst Pflugmacher, Magdeburg. Direktor der Commerz- und Privatbank Friedrich Rsinhart, Charlottenburg. Max Röfsiger, Vorstandsmitglied des Geworkschaftsbundes der Angestellten. Berlin-Zehlendorf, Dr. Schmitt, Generolliirektor der Allianz und Stuttgarter Vor« «in A.-G.. Berlin, Dr. Hermann Schmitz, Vorstandsmitglied der JG.-Farben- industrie A.-G.. Verlin, Dr. Paul Silverberg, Köln, Otto Suhr, Borstandsmitglied des Wgemeinen freien Angc- stelltenbundes, Berlin, Generaldirektor Dr.. Albert Vogler, Dortmund, Fabrikdirektor Willy Mittle, Dresden. Der Reichspräsident hat gleichzeitig mit der Ernennung die Mit- glieder zu der ersten gemeinsamen Sitzung des Wirtschaftsbeirats und der Reichsregierung, an der auch Reichsbankpräside.it Dr. Luther und Generaldirektor der Reichsbahn, Dr Dorpmüller, teilnehmen werden, auf Donnerstag, den 29. Oktober, vormittags 11 Uhr. in sein Haus eingeladen. Diese Eröffnungssitzung wird unter dem Lorsitz des Reichspräsidenten stattfinden. ' Nach dem Briefwechsel des Reichskanzlers, mtt dem Reichs- Präsidenten soll der jetzt ernannte Wirtschastsbeirat zur Lösung lebenswichtiger Fragen in der Gestaltung der deutschen Wirt- schafts- und Sozialpolitik gelangen. Nach der Auffasiüng der Reichsregierung sind alle Kreise durch Persönlichkeiten oer-- treten, die Gewähr dafür bieten,„daß nebe» den großen gemeinsamen Interessen der gesamten Volkswirtschaft auch die Interessen der einzelnen Berufsstände und Wirtschaftsgebiete gleichwertig und mtt gleichem Nachdruck oertreten werden". Das Ergebnis, zu dem die Verhandlungen des Wirt- schaftsbeirats gelangen, wird entscheidend davon abhängen, in welchem Geiste die Reichsregierung selbst die Verhandlungen leiten und beeinflussen wird. Daß so zahlreiche Mit» glieder der.nationalen Opposition" dem Beirat angehören, die grundsätzlich nur soziale Reaktion will und gegen die die Reichs- regierung im politischen Abwehrkampf stehk, ist staatspolitifch he- denklich und wenig verheißungsvoll. kömren durch nichts bewiesen werden. Sie sind nur aufgestellt worden, um die Bevölkerung in Erregung zu versetzen und auf- zustacheln und gefährden dadurch die öffentliche Sicherheit und Ordnung in erheblichem Maße. Des weiteren findet sich auf der ersten Sette des Hauptblattes ein Artikel mtt der Ueberschrlft„Republikaner Braunfchweigs". In diesem Artikel wird ausgeführt, der Minister Klagges, der im Lande Braunschweig für Ruhe und Ordnung verantwortlich sei, habe es kürzlich in einer Nazi-Bersammlung als mit seinem Amte vereinbar angesehen zu sagen, daß die Nazis den marxistischen Mob in seine Schlupfwinkel zurückdrängen würden. Die Hitlerianer hätten in dieser aujreizenden Redewendung einen Freibrief dafür gesehen, daß sie in Braunschwelg wie die Vondaien hätten hausen dürfen. Auch diese Behauptung ist durchaus unwahr. Der Minister klagges hat entgegen der vom„Volksfreund" behaupteten Aeußerung lediglich die Redewendung gebraucht. der marxistische Mob habe sich in seinen Schlupfwinkeln zurückgehallen. Die entstellte Form, in der der„Volksfreund" diese Aeußerung ge- bracht bat, soll offenbar ausreizend wirken und den braun- schweigischen Innenminister in der öfsenllichen Meinung verächtlich machen und herabwürdigen, wie sich das aus dem ganzen Zu- sammenhang, in den diese Aeußerung im„Volksfreund" gestellt ist, aufs deutlichste ergibt. Mit Rücksicht auf diese fortgesetzten Verstöße gegen die oben in der Verbotsvcrfügung angezogenen gesetzlichen Bestimimingen ist das Verbot der Zeitung gerechtfertigt und die Bemessung der Vcrbotssrist auf acht Wochen angemessen. gez. Klagges." Dieses geradezu aufreizende verbot ist in keiner Weise fach- l i ch begründet. Für jede seiner Behauptungen hat der„Volks- freund" eine Reihe von Zeugen mit Ramea auf- marschieren lassen können, die bereit sind, ihre Aussagen zu be- schwören. Der„Volksfreund" hat sich lediglich aus Tatsachen geftühl und in objektiver Form zu den Vorgängen Stellung genommen. Aufruf der Staaispartei gegen Terror. Gegen Harzburg und Braunschweig. Der Vorstand der Deutschen Staatspartei erläßt einen Aufruf, i» dem es heißt, der Abstimmungsersolg des Kabinetts Brüning- Dietrich könne den erhofften Erfolg nationalen und wirtschaftlichen Aufstieges nicht haben, solange die Regierung es dulde, daß die todikale.t Parteien der Rechten und der Linken Aufzüge uniformierter Kampforganisationen im Lande rer- anstalten und politische Kämpfe mit tödlichen Waffen austragen. Unter dem Eindruck der Borgänge in Harzburg und Braun- schweig fordere der Borstand der Deutschen Staatspartei i'ie Regierung dringend auf, rücksichtslos alle Machtmittel dafür einzu- fetzen, daß auch alle anderen, wenn noch fo ausgefallenen Vsrdienstmöglichkeiten werden täglich rarer. Ost tomint es vor, daß einer, der körperlich nicht allzu stabil ist, feine Kräfte bei dem täglichen Broterwerb vollends verausgabt, so daß er Nicht mehr in der Lage ist. sein Studium zu bewältigen und auf diese Weise auch mal ein Semester verliert. Es ist ein schwerer wirtschaftlicher Kampf, den diese jungen Menschen, die meist aus Arbeiter- und Angestelltenkreisen hervor- gegangen sind, auszufechten haben, um sich das Wissen anzueignen, dos sie später einsetzen wollen für die Erringung des Sozialismus. Die höheren Giudiengebühren. Protest der sozialistischen Studentenschafi. vom Houptvyrsland der Sozialistischen Studentenschaft erhalten wir eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Das preußische Ministerium für Wissenschaft. Kunst und Bolls- bildung hat eine Erhöhung der allgemeinen Studien- gebühren von 83 aus 100 Mark pro Semester angeordnet. Die Notloge des preußischen Staates ist groß, und es ist a n z u- erkennen, daß es trotz der Finanzkrise bis heute gelungen ist, den wissenschaftlichen Betrieb der Hochschulen in vollem Umfang aufrechtzuerhalten. Die setzt vorgenommene Erhöhung der Ge- bühren bedeutet jedoch nur eine sehr geringe Entlastung des Kultusetats. Der preußische Staat zahlt im Durchschnitt für jeden Studenten im Jahr rund 1200 Mark. Es bedeutet also für den Hochschuletat kaum eine Entlastung, wenn setzt jeder Student 30 Mark mehr zur Deckung der dem Staat entstehenden Unkosten ausbringen muß. Es soll mit der Gebührenerhöhung nicht in erster Linie«ine Entlastung des Etats, sondern eine Abdämmung der Hoch- schulüberfüslung erreicht werden. Die Mehrzahl der jungen Abiturienten wird das Studium beginnen trotz der Erhöhung. Be- troffen werden nur die Arbeiterstudenten, die schon bei Beginn des Studiums mit jedem Pfennig rechnen müssen. Die Durchführung dieser unsozialen Maßnahme wird zweifellos eine Ber- schärsung des Kampfes der nationalistisch cingestellten Ttudemm gegen den heutigen Staat und seine Anhänger auf den Hochschulen in der Studenten- und Professorenfchaft zur Folge haben. Seil Jahren führen di« rechtsradikalen Studenten unter Führung der Nazi» und mit ihnen di« Kommunisten«inen erbitterten Kampf gegen die preußische Hochfchuloerwaltung. Selbst, verständlich werden di« Nationalsozialisten die Gebührenerhöhung zum Anlaß nehmen, um in ihrer bekannten üblen Art gegen Preußen zu demonstrieren. Es ist ohne weiteres klar, daß die schädigenden politischen Nachwirkungen den relativ geringen finanziellen Entlastungen des Etats in keiner Weise entsprechen. Woche stattfindet. AMnderungsyyrschläge vorlegen. Da? Ergebnis dieser Beratungen wird dann im Aufsichtsrat der BVG. die Grundlage für die endgültige Beschlußfassung sein. Nie fliegende Kiste. Wie ein Flugzugamateur sich zu helfen mußte. Der Besitzer einer Autoreparaturwertstätte in Troppan, Franz Kratochvil. ein begeisterter Flugzeugamateur, hat sich ein Flugzeug gebaut, das eine eigenartige Konstruktion ausweist. Der Rumpf des Flugzeuges besteht aus gewöhnlichen Latten und Kistenbrettern, auf denen ein Stück Leinwand mit Nägeln befestigt ist. Die Flügel sind durch Eisenstücke am Rumpfs befestigt und mit Nägeln angeschlagen. Als Flügel st ätzen dienen dünne Fichte nstämmchen. An Stelle der Stahlselle zur Führung des Steuers hat Kratochvil zwei Drähte befestigt, die er benützte wie ein Kutscher die Zügel. Den Propeller vex- fertigte er aus zwei Stücken Hartholz. Als da» Flugzeug anfänglich nicht das Gleichgewicht hielt, hals sich der ersindungs- reiche Flugzeugcrbauer damit, daß er an dem einen Flügel ein Brett annagelte. Bor kurzem unternahm Kratochvil mit seinem eigenartigen Flugzeug einen Flug nach Olmütz: es herrschte ein so ungünstiges Wetter, daß nicht einmal die Militärflugzeuge flogen. Als er in Olmutz eintraf, bemerkte er, daß das ganze Flugzeug verbogen war. und als er das Höhenfteuer in die Hand nahm, blieb es ihm in der Hand stecken. Er mußte das Flugzeug zerlegen und mit einem Auto nach Troppau zurückbringen. Kratochvil erreichte mit feinem höchst primitiven Apparat, der mit einem Ben z'in motor von 20 Pferdestärken versehen war, eine Stundengeschwindigkeit von 120 Kilometer und ein« Höhe bis zu 000 Meter. und Wohlfahrispfleger. Aus der Fülle der Zuschriften, die uuü unsere Publikationen über die Nazi-Kasernen und ihre Bewohner einbrachten, veröffentlichen wir die folgende Schilderung eines Wohlfahrtö- pflegerö über seine Begegnung mit einen, Nazi. In der Sprechstunde des Bezirksvorstehers erscheint ein Herr und gibt an, kein Geld mehr zun, Leben zu haben. Am Tage vorher habe er eine Anstellung als Reisender erhalten, und er brauche Geld. Da die vorgelegten Papiere die Aussagen be- stätigen, erhält er 10 Mark, um sich bis zur ersten Lohnzahlung über Wasser halten zu können. Am nächsten Tage ist der Herr wieder da. Er will wiederum Geld haben.„Wo sind die 10 Mark geblieben, die Sie gestern erhalten haben?" fragt der Bezirks- Vorsteher.„Die hat mir gleich der Wirt abgenommen, bei dem ich Schulden hatte, er hat schon vor her Tür auf das Geld gewartet!" ist die Antwort. Als der Bezirksvorsteher darauf erwidert, er könne kein Geld mehr geben und ihn an das Wohlfahrtsamt verweist, geht es los:..Ich war im Felde Offizisr. ich habe wegen politischen Vergehens schon zwei Jahre gesessen, ich werde mein Geld schon bekommen, ich war beim Stadtrat und besm Bürgermeister, ich habe gute nationale Freunde.. Der an- wescnde Wohlfahrtspfleger greift ein:„Run beruhigen Sie sich man. der Lorsteher kann Ihnen tatsächlich nur einmal Geld gehen. Kommen Sic, wir gehen in Ihre Wohnung, ich werde dort Ihre Berhältnisse prüfen und noch heute den Bericht für das Wohlfahrtsamt fertig machen." Auf unser Klingeln öffnet die Wirtin.„Wo haben Sie denn die Schlüssel. Herr X?" fragt sie.„Die habe ich bei meinem Freund liegen gelassen", antwortet er. Als wir aber allein in seinem Zimmer sind offenbart der Herr sein„Innerstes":.L» dem gegenüberliegenden Easö habe er 3 Mark Schulden gemacht und als Pfand die Schlüssel dort gelassen. Er wohn« hier seit drei Tagen, an Miete habe er 2 Mark angezahlt, sich aber 1 Mark wiedergeben lassen. Er sei Nationalsozialist, hob« gmc Verbindungen, im Sturmlokol 23(gemeint ist das Nazilokal in Her Kaiser-Friedrich-Straße 23 in Neuköllns habe er sich immer auf- gehalten und auch dort gegessen. Den Mustert öfter der Finna, hei der er vor zwei Tagen in Arbeit getreten sei. habe er schon per- setzt. Er habe mehrere Anzeige» wegen Zechprellerei." Plötzlich hält er inn« mit seinen Prahlereien und fragt:„Meinen Sie, daß ich noch Geld bekomme?" Auf die Antwort, daß dies pom Wohlfahrtsamt entschieden werde, entgegnet«r:„Ich würde mich sonst sofort im Bezirk Kreuzberg anmelden vnd dort«inen neuen Zlrtrag stellenl" Der Wohlfahxtspfleger verabschiedet sich und geht. Als er eine halbe Treppe runter ist, fommt die Wirtin nachgslauftn und fragt:„Wenn Herr I morgen ziehen muß, kann ich mir dann einen anderen vom Sturmlokak holen?" Di« Antwort de» Pflegers, daß er mit diesen Leuten nichts zu schaffen habe, macht die Frau stumm. So wird es gemocht. Kommunistische Beleidigungsprozesse am laufenden Lande. Das kommunistische.>,Borrsecho" brauchte«inen Sitz- redakteur. Natürlich mußte es ein Reichstagsabgeordneter sein; er war ja immun und konnte nicht festgesetzt werden. Sjerr Pap de wurde also Sitzredakteur. Nun konnte das„Volksecho" den Mund voll nehmen und schimpfen und beleidigen, so viel dos 5ierz be- gehxt«, und es legte sich natürlich keine Beschränkung auf. Da war es der Landrat von OstHaoelland. Siering, der angeblich„Nazt- mördern Vorschub geleistet" hatte,— hier passierte dem„Volksecho" «in Malheur: der Angriff galt eigentlich dem Landrat von West- Havelland, der Staatsminister a. D. S i e r i n g war aber Landrat von Oschaoelland—, dann wieder bestand der Magistrat von Templin aus lauter„Trotteln", der Bürgermeister Hölsinger sollte „Erwerbslose verhöhnt" haben, der Chefarzt des Krankenhauses Nauen Dr. Krone eine Proletarierin gegen ihren Willen operiert haben—„man geht ins Krankenbaus Nauen gesund hinein und komme krank heraus", hieß es: der Pfarrer Zech wurde als Lügner hingestellt, der Stadtrat von Guben war„gekauft". Polizeideamie waren Bestien und Polizeitosaken und dergleichen mehr. Hieben Privatbeleidigungsklagen wurden vor dem S ch v f- sengericht Berlin-Mitte verhandelt. Herr Papke war monatelang unauffindbar; die Hauptverhandlung iom,t« nicht durch- geführt werden. Schon am S. Oktober vorigen Jahres stand der Termin an, am 22. September erhielt Herr Papke die Ladung, am 27. trat er ober sein Engagement— wie sein Verteidiger Rechts- anwall Dr. Fritz Löwenthal dos nannte— nach Rußland an, ohne das Gericht davon in Kenntnis zu setzen. Auch sein Anwalt war nicht informiert morde». So blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als im April d. I. Haftbefehl zu erlassen. Als Herr Papke nach Absolvierung seines Engagements in Rußland nach Landsberg 0. d. Warthe, wo«r zu Hause ist. zurückkehrte, wurde er verhaftet. Der Staatsanwalt beantragte Strafen von einer bis drei Wochen Gefängnis, das Gericht verurteilt« den Angeklagten für sämtliche sieben Beleidigungsfälle zu Strafen, die zusammen zwei Wochen Gefängnis und tausend Mark Geldstrafe ausmachen. Wegen weiterer sechs Beleidigungen verurteilte dasselbe Schöffengericht den Angeklagten zu vier Wochen Ge- f ä n g n i s und 750 Mark Geldstrafe. . Zwei Verkehrsschupos überfahren. In den gestrigen Abendstunden wurden zwei Verkehrsschupos von Privatautos angefahren und erheblich verletzt. Der erste Unfall ereignete sich um 18 Uhr am Bahnhof Heerstraße, wo der Ober- Wachtmeister Riete seinen Dienst versah. Der Beamte wurde von einem in schneller Fahrt herankommenden Auto erfaßt und zu Poden geschleudert. Mit einem Rippenbruch mußt« der Verletzt- ins WUmersdorfer Hildegard-Krantenhaus gebracht werden. Dzr zweit« Unfall trug sich an der Ecke Kaiserdamm und Königsweg in Charlottenburg zu. Dort wurde der Polizeioberwachtmeister Heinz«, der auf der Straßenkreuzung das Bertehrssignal be- dient«, gleichfalls von einem Prioatauto angefahren. Mit erheb- lichen Verletzungen wurde H. von einem Kameraden fortgebracht. Vermißter Schüler- Seit dem t»- Oktober wird der ttsährig« Schüler Karl Stein der bei seinen Eltern in der Nu p piner Str. 1 wöbnte v«r° mißt. Der Junge ist 1,68 Meter groß, hat dunkelblondes links oe- fch-iteltez Haar und war mit einem Lodenmantel.. dessen Färb» nickit bekannt ist. einem braun-grauen Jackett, brauner Kiiiebose weihen, Sporthemd, srait.bxaunen«tutzen und braunen Halbschuhe� b«- kleidet. Nachrichten, die zu einer Ermittlung führen. erbittN die B-rmißtcnz-mral« im Poliz-ipräsidmm. � emn!t 0 Nr 495« 4S. Jahrgang ��6 ��OrtPOV�� Donnerstag. 22 Oktober 1931 Auch Frankreich voll in der Krise. 650000 Arbeitslose-2 500 ovo Kurzarbeiter. Die französische Republik, die bislang non der Wellkrise verschont schien und von den bürgerlichen Nationalökonomen als das klassische Beispiel für die Möglichkeit einer autarken (selbstgenügsamen) Wirtschast zitiert wurde, ist jetzt mitten>m Strudel der Weltkrise. L ö o n Blum schätzt aus Grund amt- licher Erhebungen im„Populaire" daß Frankreich am 1. August 650 000 Arbeitslose und 2 500 000 Kurzarbeiter zählte. Seitdem hat sich die Lage noch schnell verschärst. Während alle Länder der Well unter der Geißel der Wellwirt. schaftskrise litten, schien es, daß Frankreich dank seiner ausgedehnten Agrarwirtschaft e i n e I n s e l in der kapitalistischen Unordnung sei. Die Arbeitslosenziffern, die bis zum Frühjahr bekannt wurden. waren völlig irreführend. Sie gaben nicht den geringsten Anhaltspunkt für die wirkliche Situation, da die Statistik nur die Arbeitslosen bei den Unterstützungskassen anführte. Geradezu lächer- liche statistische Angaben<1484 Arbeitslose im Januar 1930 und 11 952 Arbeitslose im Dezember 1930) veranlaßten die französische sozialistische Partei zu einem Druck aus die Regierung zur Schaffung einer Statistik, die ein genaues Bild vom Arbeitsmärkt in Frankreich gebe. Das Nebeneinander'von privaten Stellennachweisen und staat- lichen Arbellsämtern, die von den Arbeiterorganisationen und Unter- nehmerverbänden gemeinsam verwallet werden, macht« eine zahlen- mäßige Erfassung der Erwerbslosen unmöglich. Frankreich kennt auch wie Amerika noch keine Arbeitslosenversicherung. Jetzt sind endlich wichtige Anhaltspunkte geschaffen. Das Arbeitsinspektions- und Bergwerkaufsichtsamt kontrollieren die ihnen unterstellten Betriebe mit Belegschaften von mehr als 100 An- gestellten. Die Belegschastszisfern der Jahre 1930 und 1931 wurden ins Verhältnis gesetzt und so die Arbeitslosenzahl errechnet. Kurzarbeiter Betriebe mit med: Beleaschaft Belegschaft Differenz-- berechnet ans dir als lvv Personen 1930 1931 Ardettslosc Belegschaft v 1931 1930 Pro,. Proz. 1 Jan 5 643 1887427 1806 649 80 778--4.4 252 831--14 I Mär; 8181 2842064 2688613 I53451--S.4 859352-32 1 Juli 8415 2831 394 2647563 188831--K.b 794 268= 30 1 Aug. 2 4o3 2814 752 2 596 752 218 694= 8,4 856 696=33 Läan Blum kommt im„Populaire" aus Grund dieser Ziffern, die dieser Tage in der„Boix du Peuple" veröffentlicht wurden, zu Resultaten, die aus die tatsächliche Lage in Frankreich ein hoch- bedeutsames Licht wersen. Die offiziellen Nachprüfungen bezogen sich nur auf die Betriebs, die mehr als 100 Arbeller oder Angestellte beschäftigen. Sie lassen also die Lohnempfänger, die in Betrieben mit weniger als 100 An- gestellten und Arbeitern arbeiten und jene, die daheim arbellen, außer acht. Die Frage, ob ein gleiches Verhältnis von Arbeitslosen in diesen beiden anderen Kategorien vorhanden ist, ist nach Blum zu bejahen.„Wenn man aber der zweiten und dritten Kategorie gegenüber das gleiche Verhältnis zumißt, das aus der oben an- geführten Aufftellung. für die erst« Kategorie vorhandeu ist— das. heißt 8,4 Proz. völlig Arbeitsloser und 33 Proz. Kurzarbeiter für den verflossenen 1. August— so gelangt man zu folgendem Resullat: es sind mehr als 650 000 völlig Arbeitslose und 2 500 000 Kurz- arbeller für die Gesamthell der französischen Arbeiterschaft fest- zustellen." So Leon Blum. Die Statistik.und ihre Erwellerung durch Leon Blum ist durch die Entwicklung aber bereits überholt. Warum die Krise langsam kam. Für Frankreich war es bisher ein Vorteil, daß die In- dustrialifierung nicht den gleichen Grad erreicht hat wie in England und Amerika, daß also die international« Absatzkrise per Industrie dort nicht so katastrophal auf die Lage der Gesamt- Wirtschaft einwirtt wie in anderen Ländern. Ferner verfügen nicht imr der Staat, die Bank von Frankreich, die großen Privatbanken, sondern auch die industriellen Ilnternchmungen und die Mehrzahl der Bevölkerung über größere Reserven als andere Länder. Frank- reich hat auch das Geld wesentlich vorsichtiger angelsgt als z. B. Deutschland. Man hat Investierungen großen Stils nach Möolichtell v mieden. Der Vorteil einer solchen Jndustriepolllik war" eine g«, gere BerschuSmng der Unternehmungen, stall dessen das Vorhand sein größerer flüssiger Mittel. Em Nachteil war, daß die fran sisch« Industrie aus dem Wellnmrkt vielsach weniger wellbewerbss�)ig war. Einig« Jahre Halle es zwar gedauert, bis der französisch« Franken, der auf ein Fünftel seines Vorkriegswertes stabilisiert wurde, die entsprechende Anpaflung der Löhne, der Produktionskosten und der Warenpreise nach sich zog: dann aber ging die außerordentlich« Billigkeit französischer Waren, durch die ihnen viele Märkte geöffnet worden waren, verloren. Die Entwicklung im Jahre 19Z1. Die schnelle Verschlechterung der französischen Außenbandelsbilanz ist vielleicht die gefahrenreichfte Folge djßsej Um,.. In den ersten acht Monoten-des Jahres 1931 betrua der Wert der sran.;ösischen E i n s u h r 30,03 Milliarden Franken oeaenüber 34.99 Milliarden Franken in der gleiche» Zeit des Vorjahres. Der Rückgang betrug also 4,96 Milliarden Franken. Die Ausfuhr ist in dem angegebenen Zeitraum von 29,31 auf 20 97 Milliarden Franken zurückgegangen, d. h. um 8,34 Milliarden Franken. Der Ileberfchüh der Einfuh r b°lief sich in den erste» acht Monaten des V o r j a h r e s aus 5,68 Mill.art«n Fronren d h nahezu 1 Milliarde Mark. In der gleichen Zeit des Jahres 1931 betrug er aber bereits 9.06 Milliarden Franken oder etwas über ll-i Milliarden Mark. Die französische S t e i n k o h l c n s o rd e r u n g betrug.m ersten Halbjahr 1931 25.65 Millionen Tonnen gegenüber 27,17 Mit- lionen im ersten Halbjahr 1930. Der Rückgang betragt 5.6 P r° z. Die Roheisenerzeugung ist arbeitstaglich von 27 800 sonnen im Juli 1930 auf 21 900 Tonnen im Juli 1931 zurückgegangen; der Rückgang beträzt also 21 Proz. Di- arbeitstäst.che Ro hst ah l- e r z e u g u n g sank von 29 300 Tonnen im Juli 1930 aus 25 0M Ton- neu im Juli" 1931. was einen Rückgang von etwa lo Proz. bedeutet._ Besonders groß ist die Verschlechterung im B a u w e s e n Der' Bau"vn Wohnhäusern ging in den ersten sieben Monaten des Jahre oerglichen mit dem Vorjahre, um 42 Proz., der Bau von industi len Anlagen um 34 P r o z. zurück. Ve.„ültnlslnäßig gut steht noch die Elektroindustrie, die auf dem Stark» wie auf dem Schwachstromgebiet noch mnfangreiche Auftröge hat. Der AuÄxm de» Fernleitungs- und Lertellungsnetzcs für elektrischen Strom, die Errichtung von Wasser- kraftworken und vor allein der clektrizllätswirtschaftliche Ausbau in den französischen Kolonialgebieten wirkten hier günstig. Bereits im Juni dieses Jahres lag die industrielle Produktion Frankreichs mindestens mn 10 Proz niedriger als im Juni des Vorjahres. Im Bückgang der Eleklrizitätsverwendung spiegelt sich der Sonjunktnrumschwung sehr markant wider; im April lag die sranzösische Stromerzeugung um etwa 12 Prozent, im Mai dagegen schon um 17 Prozent unter den entsprechenden Zahlen für 1930. In den ersten neun Monaten des Jahres 1930 hatten die stebei, französischen Eisend ahNgesellschaften, bei denen der Eisenbahnverkehr Frankreichs im wesentliche» konzentriert ist, Cjn- nahmen in Höhe von 10,37 Milliarden Franken, das sind 962 Mil- lionen Franken oder rund 9 Proz. weniger als im vergangenen Jahr. Der Frachtverkehr läßt von Monat zu Monat weiter nach. Die lvellereignisse der jüngsten Zeit werden die französische Wirtschaft noch stärker beeinträchtigen. Die französischen Fabrikanten werden ihre Waren noch schwerer als bisher ins Ausland absetzen können. Eine besondere Erschwerung für die weitere Entwicklung ist das Umsichgreifen der B c r- trauenskrise auch tu Frankreich. Die Zahlungsschwierigkeiten bei zwei Pariser Großbanken haben im sranzösischen Publikum eine tiefgreifende Beunruhigung hervorgerufen: In großem Umfange werden jetzt auch in Frankreich von den Sparkassen und den Banken die Spargut- haben abgehoben, man hamstert statt dessen Bank- noten und, so weit dies möglich ist, auch Gold. Eine weitere große Schwierigkeit wird im konmienden Jahr der Staatshaushalt bereiten. Schon im laufenden Finanzjahr hat Frankreich einen versteckten Fehlbetrag, und im kommenden Jahr wird es zu einem offenen Defizit von mehreren Milliarden Franken kommen. Der Staat wird dann, entgegen seiner bisherigen Praxis, die Steuern auch auf Kosten der Wirtschaft erhöhen müssen. Es wäre eine Dummheit, wollte man sich in Deutschland darüber freuen, daß nun mich Frankreich seine Krise hat, und daß diese Krise ganz offensichtlich noch im Zunehmen begriffen ist Die nationalistische Hetzthese aber von dein durch Deutschlands Unglück im Wirtschaftsglück schlemmenden Frankreich ist erledigt. Geldhamstern in LlEA. Die New-�orker Banken verlieren in T Monaten k a3;« Milliarden Mark Oepositen. Angesichts der in den Bereinigten Staaten als Folge der Bankenkrise festgestellten Bargeidhamsterei dürfte der neue Aus- weis des Bundesreserveamtes interessieren. Ihm ist zu entnehmen, daß der Zahlungsmittelumlauf in USA. seit Ende Juli dieses Jahres um 600 Millionen Dollar und damit seit Jahresfrist um rund 1 Milliarde auf 5,13 Milliarden Dollar zu- genommen hat. In einem Kommentar zu diesen Ziffern bezeichnet das Bundesreserveamt diese Ausweitung im Hinblick aus die Ab- nähme der Warenumsätze und die Senkung des Preisniveaus als im höchsten Grade anormal. Das Bundesreserveamt veranschlagt die Bargeldhortung des Publikums mit etwa 1 Milliarde Dollar. Im Rahmen der allgemeinen Zunahme des Zahlungsmittel- Umlaufes ist übrigens in letzter Zeit auch eine erhebliche Steige- rung des Goldmünzenumlaufes zu verzeichnen er ist seit Anfang dieses Jahres um 24 Millionen auf 376 Millionen Dollar gestiegen. Diese Zahlen beweisen, daß das H a m st e r n v o u Goldmünzen bereits erheblichen Umfang angenommen bat, und liefern damit eine Erklärung für die von der New-Iorker Bundesreservebank soeben beschlossene Sperrung der Abgabe i on Goldmünzen Der Deposit« nbe st and der Rew-Dorker Banken hat sich in diesem Jahr«, namentlich in der letzten Zeit, infolge der Depositen- abhcbungen und Bargcldhamsterei des Publikums stark verringert. Den neuen Bankbilanzen ist zu entnehmen, daß der Doposttenbestaild der zehn größten New-Yorkcr Banken von 8163 Millionen Dollar zu Beginn des laufenden Jahres auf 7753 Millionen Mitte des Jahres und im Laufe des dritten Quartals 1931 weiter auf 7270 Millionen Dollar zurückgegangen ist. Diesen zehn Großbanken Und somit iü diesem Jahre Depositengelder im Gesamtbstrage von 893 Millionen Dollar oder rund 3,75 Milliarden Mark entzogen worden, wobei allein die Depositenabzügc im dritten Quartal 483 Millionen Dollar oder über 2 Milliarden Mark betrugen. New-�orker Zinssatz für französische Oepositen. Die New-Torker Banken haben sämtlich vereinbart, den Zinssaß für Depositen der Bank von Frankreich nicht über den gegen- wärtigcn Satz zu erhöhen. Zahlungseinstellung der Bayerischen Beamtcn-Genossenschafls- dank. Die Bayerische Beamten-Genosjenschaftsbank, München, Hot ihre Zahlungen eingestellt. Die Bank wird das gerichtliche Bcr- gleichsverfahren beantragen. Der Status, der von einem Treu- händer geprüft werden soll, ist»ach Erklärung der Bank bei einer einigermaßen angemessenen Beiwertung des Grundstücks als aktiv anzusehen. Der Grund für die Illiquidität des Instituts liege, wie gesagt wird, darin, daß seit den Bankjciertagen im Juli dieses Jahres�keinerlei Einlagen, aber sehr erhebliche Abhebungen er- folgten, die sich noch steigerten, als wiederholte Kürzungen und die Halbierung der Auszahlung der Bcanücngehältcr eintraten. Auch Aluminiumwaren-Zudustrie spürt die gesunkene Kaufkraft. Der Jnlaudsabsotz der Aluminiumwaren-Jndustric ist bis Ends August aus dem deutschen Binnenmarkt ganz erheblich ge- funken. Bei Haushaltswaren macht sich eine ausgesprochene Abwanderung des Konsums zu billigen Quali- täten bemerkbar. Die Politik dos Handels, die aus starke Lager- röumung gerichtet ist, hat die Abrufe bei der Industrie im«sep- -tcmber noch verringert, so daß eine nicht unerhebliche Vorratssteigs- rung eingetreten ist. Das Exportgeschäft hat sich noch gut gehalten und dürste mengenmäßig den Stand des Vorjahres er- reichen. Billige Massenware wird auch auf den Auslandsmärkten bevorzugt. So arbeiten Wirtschafisführer! Gesunde Zechen durch Kehlinvestionen erdrückt. Wir haben bereits vor einiger Zeit(vgl.., Vorwärts" Nr. 445 vom 23. September) auf die Mißwirtschaft im Bergbau- konzeru Ewald— König Ludwig hingewiesen, die cm Schulbeispiel für die in der Schwerindustrie übliche Finanzpolitik darstellt. Die Gewerkschaft Ewald war bis vor wenigen Jahren weiteren Kreisen der Oefsentiichkeit völlig unbekannt. Di« Aussaugepolitik dieses Unternehmens— die Angliederung der Gewerkschaft König Ludwig und Langenbrahm— hoben Ewald jedoch zu einem der mächtigsten Zechenkonzernc Deutschlands gemacht, dessen Syndikatsquote mit 7,35 Millionen Tonnen die zweite Stelle hinter der führenden' Harpener Bergbau A.-G. einnimmt, Bisher hatte Ewald als Gewerkschaft keine Bilanz veröffent- licht, so daß der jetzt vorgelegte Abschluß für 1930 die erste Jahres- biianz darstellt, die der Oeffentlichkeit Einblick in die Verhältnisse dieses Zechenkonzerns gibt. Der Eindruck der Ewald könig- Ludwige Lilauz ist, mit einem Worte, niederschmetternd. Bei Ewald sind kurzfristige Schulden von rund 42 Mll- lionen und bei König Ludwig in Höhe von über 38 Millionen Mark vorhanden. Demgegenüber belaufen sich die Forderungen bei � beiden GesellsckMen auf noch nicht 7 Millionen Mark. Inzwischen sind seit dem Bilanzstichtag vom 31. Dezember weitere Schul- den aufgelaufen, so daß die gesamte kurzfristige Versckuildung des Konzorns dicht an 90 Millionen herankommen kGrfte. hiervon sind etwa 70 Millionen Bankschulden. Die eigentliche Kraftquelle des Konzerns liegt in der Kohlenfördc- rung. Im vergangenen Jahr wurden bei den Zechen von Ewald � 2,39 Millionen Tonnen und bei König Ludwig 1,30 Millionen Tonnen Kohle zutage gefördert. Die Gesamtförderung belicf sich also im letzten Jahr auf rund 3,69 Millionen Tonnen. Inzwischen hat sich, wie die monatlichen Ausweise der Kohlenförderung zeigen, � die Situation im Ruhrbergbau ganz beträchtlich verschlechtert. Wenn man den Rückgang der Kohlensörderung bei dem Ewald- Konzern für 1931 aus etwa 20 Proz. bemißt, so wunde das stin das lausende Jahr nur noch eine Fördermenge von knapp 3 Mil- lionen Tonnen ergeben Rechnet man ganz vorsichtig eine jähr- liche Durchschnittsbclastung des Unternehmens mit Bankzinsen von 9 Proz., so machen allein die 70 Millionen Bank- ichulden eine Jahresbelastung von 63 Millionen Mark aus. Es würde also bei der reichlich optimistisch eingeschätzten Kohlenförderung von knapp 3 Millionen Tonnen für dieses Zahr jede Tonne geförderte Sohle mit 2.13 Mark vorbelastet sein, das sind mehr als 13 proz. der über- höhlen inländischen Kohleupreijc.' Diese verheerende Finanzloge ist die Folge einer sinn- u;.. planlosen Expansionspolitik, die feit füns Jahr«» der gesamten rheinisch-westfälischen Schwerindustrie ihren Stempel ausgedrückt hat. Ewald hat Ende 1928 eine neue Schachtanlage gebaut, die zu den teuersten und nwdernsten ihrer Art im Ruhrgebiet gehört. Im Juli dieses Jahres hat man di«le kostspielige Anlage aber wieder stillgelegt. Zugleich hat man bei König Ludwig eine neue Doppeischachtanloge errichtet, deren Förderung nur durch Ab- drosselung der übrigen bisher recht wirtschaftlich arbeitenden Anlagen voll in Betrieb erhalten werden tonnt«. Damit nicht genug wurde Ende 1928 noch eine große Stickstossabrik errichtet, die nach dem Kostenanschlag etwa 7 Millionen betrogen sollte. Der Bau dieses Werkes hat aber rund 17 Millionen, also weit mehr als das Doppelte, erfordert. Dieser gewaltige Betrieb, dessen Bau bereits in eine Zeit stark abklingender Stickstoffkonjunktur fiel, kann heute nur zu einem Drittel seiner Leistungsfähigkeit aus- genützt werden. Alle diese riesigen Reuaulagen sind mit kurzfristige Bankkrediten finanziert worden. Außerdem aber hat Ewald den Ankauf von König Ludwig gleich falls nicht aus eigenen Mitteln, sondern mit Bankgeldern bezahlt Trotz der damals phantastisch hohen Börsenkurse, die die Kuxe von König Ludwig aus 30 000 Mark je Stück hinaufgetrieben hatten, bezahlte Ewald seinerzeit etwa 45 000 Mark je Stück. Heute werden diese Kuxe etwa noch mit 10 000 bis 11 000 Mark das Stück be- wertet. Diese Kuxe stehen in der Bilanz mit 15 Millionen Mark zu Buche. Wieviel wird ihr heutiger Zeitwert noch betragen? Es zeigt sich hier bei Ewald mil erschreckender Deutlichkeit, wie an sich..gesunde Zechenbctriebe durch eine sinn- und planlose Expansionspolitik mit einer Schuldenlast behängt werden. die jede Rentabilität ausschließen,(jier liegt eines der Geheimnisse, warum die Schwerindustrie an der Ruhr von ihren Monopolpreisen inmitten der schärfsten Krise nicht herunter will und ein Anariss nach dem anderen aus die Löhne unternommen wird. Mit dem Schlagkvorl„Selbstkostensenkung" ist es der Schwerindustrie gelungen, die Regierung kür ihre Zwecke einzu- sanqen und zugleich von dem eigentlichen Krankheitefterd abzu lenken. Der Fall Ewald steh« nicht allein. D'e bevm siehenden Abschlüsse des Stahllrusts. der harpener Bergbau un' der anderen Montan konzerne werden ein ähnliches Bild wlgen. Der Schwerpunkt der deutschen Krise liegt in der oölli» w> rüttelen und dceorganisierten Schwerindustrie, und jede Krisen bekämpfuaq muß Stückwerk bleiben, wenn dieser am Mark der volkswi-ffthaft zehrende Srankhelksherd nicht rücksichtslos an». JebrcuuU wird. ütran MeUi iHt Bauer Giene hatte ein paar Äühe auf der Weide und sein slück Gemüfeland— da war es begreiflich, daß er eines Tages auf den Gedanken kam, auf irgendeine Weife müsse er noch etwas hinzuverdienen. Die Zeiten find nicht so, daß ein paar Kühe die Wirtschaft erhalten. Aber wie— wie sollte er die Quelle neuer Einnahmen finden? Er besprach sich mit seiner Frau. Und so kamen sie zusammen zu dem Entschluß, in der Zeitung der nächsten großen Stadt das ländliche Anwesen als Aufenthalt für erholungs- bedürftige Städter zu empfehlen. In ihrer Anzeige konnten sie stolz aus die eigene Milchwirtschaft hinweisen, und es dauert« nicht lange, so traf schon die erste Anmeldung ein. Hurra, der erste Besuch kam an! Dieser erst« Besuch war ein etwa dreißigjähriger Mann namens Nei,, Jürgen Nei. Er erzählte, daß er in seinem Beruf als Maler- gehilfe einen Unfall erlitten hätte; infolgedessen wäre ihm durch die Versicherung ein Erholungsaufenthalt von drei Wochen bewilligt worden. Und so sei er denn da. Die Geschichte, die ich hier erzähle, geschah in, Herbst. Die eigentliche Reisezeit war vorüber; je weiter die Zeit vorschritt, um so weniger war mit der Ankunft eines neuen Gastes zu rechnen. Auch Herr Nei, ein überaus redelustiger Mann, bedauerte das sehr, allein war ihm nun einmal nicht wohl. Da hielt er sich also an Frau Giene, und in ihr hatte er eine sehr freudige Gesprächs- Partnerin gefunden. Anstatt in der Sonne zu sitzen oder Spazier- gänge zu unternehmen, saß Herr Nei in der Küche auf einem Stuhl. Uni sich nützlich zu machen, half er sogar manchmal beim Kartofselschälen. Der Bauer, der immer mit einer kurzen Pseiie im Munde herumging, sah Herrn Nei in der Küche und sog an der Pfeife. Aber er sagte nichts. Vielleicht hätte er gern Herrn Nei ersucht, sich nicht so ausgiebig mit seiner Frau zu unterholten: die Folge davon hätte jedoch sein können, daß Herr Nei seinen Erholungsaufenthalt verlegte— und dies wollte der Bauer nicht riskieren Dos ging einige Tag« so. Dann kam ein zweiter Gasb. Dieser zweite Gast bin ich. Natürlich siel ich sofort dem redelustigen Herrn Nei in die Hände. Er sing damit an, daß er mir alles, was er und Frau Giene sich inzwischen erzählt hatten, wieder- erzählt«: daß es sich dabei um Personen und Verhältnisse handelte. die ich nicht kannte, tat seiner Erzählungswut keinen Abbruch. Gleich am Abend meiner Ankunft hatte er mich bereits so dumni geredet, daß ich mir als ein ganz besonders unerfahrener und zurückgebliebener Zeitgenosse erschien. Der Bauer Giene aber sah mit Wohlgefallen zu, wie Herr Nei seine Redelust an mir ausließ. Am ersten Morgen, nach'einer unruhigen Nacht, fand ich unten in der Stube des Herrn Nei bereits auf mich warten. Ein ge- waltiger Schreck durchfuhr mich. Das konnte ja eine schöne Er- holungszeit für mich werden! Ich fragte ihn, wie lange er hier noch auf Ferien bleiben würde?— Herr Nei faßte diese Frage so aus, als ob ich fürchtete, er müsse allzubald wieder fort, so daß ich meinerseits dann seine liebenswerte Gesellschaft entbehren müßte. O, da beruhigte er mich gründlich. Noch vierzehn Tage würde ich ihn bei mir haben, sagte er. Und im Anschluß dar»n erzählte er mir noch einmal ausführlich— zwar hatte er es schon am Abend vorher ausführlich getan, aber diesmal war er eben noch aus- führlicher— die Geschichte seines Unfalls. Als er hiermit zu Ende war, erhob ich mich in der Absicht, mich von ihm zu verabschieden. Ich wollte einen Spaziergang machen, bis zur Fähre, vielleicht noch über den Fluß bis zur Mühle. Aber ich beging hie Unvorsichtigkeit, am Ende zu sagen: „Nun, heut« mittag sehen wir uns wieder, Herr Nei.. was Herr Nei prompt als einen schmerzlichen Verzicht'meinerseits aus seine angenehme Unterhaltung auslegte. Er erwidert«, sehr gern würde er mich bis zur Mühle begleiten, zumal mir der Weg doch unbekannt wäre. Auf dem Wege erzählte Herr Nei mir die Geschichte seiner ersten Lieb«. Als er damit fertig war, glaubte ich, damit wäre das Thema erschöpft. Nein, das war ein Irrtum. Jetzt fing er von seiner zweiten Liebe an. Aus der Fähre begann er die Geschichte von seiner dritten, bei der Mühl« war er schon bei der vierten. Und so ging es weiter. Ueber den ganzen Weg zurück erzählte Herr Nei sein gesamtes Liebesleben, das nun wie eine Sammlung auf- gespießter Schmetterling« vor mir lag. Anscheinend hatte ihn da« Erzählen besonders hungrig gemacht. Mit einer mörderischen Eßlust stürzte er sich über die Suppen- terrin«. Aus Dankbarkeit, weil ich ihm zugehört hatte, ließ er immerhin etwas für mich darin. Aber hatte Ihn seine Redewut ausgehungert, so hatte sie mich in eine bleierne Müdigkeit versenkt. Vor Ermattung fehlte mir der Appetit. Und als ich vom letzten' Gericht spärlich gegessen hatte, stand ich aus— ich wollt« umgehend in meinem Zimmer Schlaf, Erholung und Sammlung finden von dem Sturz der Liebesgeschichten, der über mich hergeprasselt war. Ich kam mir wie ein unglücklicher erlebnisarmer Waisenknabe vor, wenn ich an Herrn Reis reichentwickelten Lebens-Liebesroman dachte. „Gesegnete Mahlzeit", murmelt« ich und war an der Tür. Aber wer in der Hölle ist, entwischt nicht so leicht. „Einen Augenblick", rief Herr Nei und sprang auf,„ich habe Ihnen doch noch gar nicht den Schluß meiner letzten Sache erzählt!" Die letzte Sache war«ine Sache, die eigentlich noch schwebte. Es handelte sich um die Tochter eines Professors— ja, Herr Nei liebte es, hoch hinauf zu greifen, wenigstens in seinen Erzählungen »r- und er tat, als ob es eine besondere Gnade seinerseits wäre, wenn er sie, di« Tochter, zur Frau nehmen würde. Es war eine furchtbar krause Geschichte. Nämlich die Mutter, also die Frau des Professors, wäre sterblich in ihn, in Herrn Nei, entbrannt. Na, auf so was ließe er. Herr Nei, sich natürlich nicht ein. Aber was di« Tochter betras, so wollte ihr Vater, der Professor, gern einen Studierten als seinen Schwiegersohn sehen. Darüber zeigte Herr Nei seine berechtigte Entrüstung. Was hat die Liebe mit den» Studium auf der Universität zu tun? fragt« Herr Nei. Hier— und er schlug sich mit einer großen Geste aufs Herz—..hier muß es sitzen, hier muß es richtig sein— dann ist alles in Ordnung. Ich hatte genug. Für die Frau Professor, die der Redegabe Herrn Nei, scheinbar tiefste Sympathie entgegenbrachte, vielleicht weil sie ihrerseits von der gleichen leidenschaitlichen Sucht besessen war � für sie hatte ich ausrichtige Bewunderung. Nichtsdesto- weniger suchte ich jetzt den Hausherrn, den Bauer Giene. Ich erzählte ihm von meinem Leiden. Herr Nei mochte ein prachtvoller Mensch sein, ich wünschte ihm das Allerbest«— aber wenn ich auch mir«inen Tag länger bleiben sollte, so müßte ein Ausweg gefunden werden, ein Mittel, das Herrn Nei davon überzeugen würde, daß er ein Gift für inein« Gemütsruhe wäre. Und wenn die, Mittel in einer offenen Aussprache bestünde— es müßte crgrissen werben. Sonst— adieu. Der Bauer hatte mich stumm angehört. Er hatte mit dem Kopf genickt, an seiner kurzen Pfeife gesogen und vor sich hin aus die Diele gesehen. „Tsä". sagt« er dann und spuckt« aus.„mit unserem Nei, dot i»'ne»erkwürdige Sache. Erst hett hei alle»-m meine Frau vertellt— nn nu oertellt er Ihnen datselbe." ui: 3>ie ffiraune „Wir müssen jemanden finden", rief ich,.Her sich für mich opfert— und wenn wir ihm den Schaden vergüten müsien." „Da weiß ich ein ganz einfaches Mittel", sagte der Bauer langsam und sah vor sich auf die Siel«.„Wir machen unseren Herrn Nei verliebt." „So? Ist das aber so einfach?" zweifelt« ich;„läßt sich das so hurtig machen?" „Wo er doch den ganzen Tag lang den Kopf voll vdn Liebes- geschichten hat..." fuhr Giene fort.„Lassen Sie mich nur machen. Wenn er oerschossen i», läßt er Sie bestimmt in Ruh." „Das ist richtig!" rief ich erleichtert. Der Bauer nickte, von dem Gelingen jeines Plans scheinbar fest überzeugt. „Tjä", sagt« er, und zum erstenmal während dieser Unter- redung sah er mich richtig an,„für ein junges Mädchen sind alle Männer zu haben, wat? Sie wohl auch, na na?" „Wenn Sie nur die Sache mit Nei in Ordnung bringen"... schloß ich ab.„Das ist vorerst alles, was mein Herz sich wünscht." Am Nachmittag, beim Kasseetrinken, sing der Bauer an. Er sah mit uns am Tisch, erzählt« von den Nachbarn, und kam wie zufällig darauf zu sprechen, daß drei Höse weiter ein„ganz übernatürlich hübsches" Mädchen wohnt«,„die Braune". Sie habe noch immer den Herren aus der Stadt gefallen: und sie selber hätte auch Gefallen an ihnen gezeigt. Tatsächlich begannen di« Augen unseres Herrn Nei zu blitzen, seine Nasenflügel blähten sich außergewöhnlich. Sogleich ließ er sich noch mehreres über die Braune berichten, und der Bauer er- zählte verschiedene Sachen, die geradezu ausregend wirken konnten. Als ich mich später für einen Augenblick mit dem Bauer allein auf dem Hof befand, lachte ich ihm wie einem Mitverschworenen zu, weil Nei so ausgezeichnet und wunschgemäß auf den Leim ging. Aber der Bauer sah mir steif in die Augen und sagte: „Wat ich von der Braunen vertellt hebb, bat stimmt." Ich begriff nicht, weshalb er mich bei diesen Worten so ernst ansah.— Am selben Abend noch sollte ich's erfahren. Herr Nei, in seiner unerschöpflichen Redelust, erzählte mir während eines kleinen Abendspazierganges, den ich des Alleinseins €rich Wunler: Stefan Prus verstummte. Unerwartet war Alexander Gargin ins Zimmer getreten und sagte:„Stefan, du hast mir doch ver- sprachen, nicht mehr darüber zu reden. Warum hältst du dein Ver- iprecüen nicht?" Der Gefragte antwortete nicht. Unwillig aber--ief Ljuba, Alexander Gargins Frau:„Bin ich denn ein Kind? Du bemühst dich ängstlich, meine Nerven und mein Gemüt zu schonen und mir zu verheimlichen, was meine Brüder und meine Schwestern haben leiden müssen!" „Wozu kann es nützen, wenn du dir hiese Dinge anhörst und deine Seele mit Scheußlichkeiten belastest?" fragte Alexander mit müder Stimnie. Die sunge Frau sprang auf, glühend vor Erregung.„Meinst du, ich sei ein Stein?!" brach es aus ihr hervor.„O Alexander, du könntest mich aus eine weltabgeschiedene Insel setzen und mich mit himmlischer Musik, mit allen Herrlichkeiten der Welt betäuben, so würde ich dazwischen doch immer di« Todesschreie meines Volles hören!" Und leise, in furchtbaren Schauern bebend, fügte sie hinzu: „Man hat mein« Kindheit in einem Wirbel des Grauens ertränkt; ich kann mich nie mehr richtig lebendig suhlen, nie mehr meines Lebens froh werden." Als jetzt der Mann neben sie trat, sah sie eben so als aus wie er, der viel Aeltere, Vierzigjährige, merklich Alternde, der sonst neben ihrer jungen blühenden Schönheit wie der Vater, nicht wie der Gatte erschien. Er fetzte sich zu ihr und legte seinen starken Arm um st«. Prus erzählt« wieder. Wie unter einem Zwange gab er immer von neuem die gleichen Schilderungen, hartnäckig und stur, als müßte er die Bilder für alle Zeiten festhalten»nd in den furcht- baren Farbwirtungen vertiefen, unvergeßlich machen dem entsetzten Beschauer, so, wie sie ihm selbst unvergeßlich im Hirzen eingezeichnet waren Gleichermaßen unter einem Zwange lauschten die Zuhörer. Um ihre Seelen war der hypnotische Bannkreis de, Grauens ge- zogen, über dessen Peripherie sie trotz aller Anstrengung nicht hinauskonnten. Aber»Ine Erlösung hielt der grausame Chronist immer für sie bereit: auf st» warteten die Zuhörer jedesmal wie Ertrinkende. „Unbeschädigt an Leib und Seele kam P e t l j u r a, der Menschenschlächter, der die Juden masienweise und bestialisch hatte ermorden lassen, nach der Revolution noch Paris, wo er wie«in echter Spießbürger sich schlecht und recht seines Daseins freute. Hatte Iehova ihn vergessen, ihn. seine Schandtaten und das von ihm gemartert« Dolt?I— Eines Tages wollte er auf dem Boulevard St. Germaln ein Restaurant betreten. Da hielt ihn ein junger Mann an und fragte ihn:„Sind Sie Petljura?" Der vornehme, korrekt, wohlanständig und fast gutmütig aussehende Herr bejahte. Blitzschnell zog der junge Mann«inen Revolver und schoß auf ihn. Lautlos sackte Petljura zusammen und schlug mit dem durchlöcherten Kopf auf» Pflaster" Ein Ausatmen folgt», wie immer, nach diesen Worten des Er- zählers. die den blutigen Abschluß eines blutigen Dramas schil- derten. All« Anwesenden in dem großen Räume schwiegen und hingen ihren Gedanken nach. In den tiefen Falten von Alexander Gargin» zerrissenem und zerfurchtem Gesichte zuckte es. Die lange Narbe über seiner Wange siel nicht sehr aus. weil sie sich wie eine her vielen Gruben zwischen die Wülste legte. Dämmerung erfüllte das Kellergeschoß der Berliner Miet- tasern», in dem di« russischen Flüchtlinge oersammelt waren. Ihre Gedanken und Erinnerungen treisten hier wie überall und immer um den gleichen Punkt: die Judenpogrome, di« schrecklichen Metze- leten, denen st« vor knapp einem Jahrzehnt entronnen waren. Ge- zeichnet« und vom Schicksal Geschlagene, deren Geist und Herz sich nie wieder vom Spuk des Erlebten befreien konnten. Ihre Seele war für immer umdüstert. Ljuba verlieh da» Zimmer, um das Abendessen für die Männer zu bereiten. Man hörte st» in der Küche hantieren. Die brennenden Augen Ierzy Gerstnskis starrten aus dem Dunkel auf Alexander Gargin. Ierzy, der Bruder Ljubas, sprach selten und dann irr. wie im Fieber. „Ein Neiner Junge war ich" � begann„als ich die großen Iudenoersolgungen in Lodz erlebte. Ruhland hatte damals den Krieg gegen Japan verloren. Im Volke gärt« es. Di« Regierung suchte di» Wut de» Volke» von sich abzuleiten und warf ihr die Juden al» Opfer hin.— An einem Herbstabend, bei einbrechender Duntelbejt. zogen die gedungenen Mörder durch da» Ghetto und brachen wie dt» Wölf» tu unsere Hutten»in. Ei» trugen weite. halber unternommen und zu dem er sich rechtzeitig angeschloffeu hatte: Der Bauer habe ihm anvertraut, nur aus einem ganz bo- stimmten Grunde hätte er am Nachmittag so ausführlich von der Braunen erzählt— nämlich um mich, der ich ihm kein sicherer Gast zu sein schien, an den Ort durch di« Liebe zu fesseln. Der Bauer wollte seine Gäste so long« wie möglich beholten, und so habe er dies geschickte Mittel gewählt. Aha, der Bauer spielte also ein Doppelspiel mit uns beiden.— Ich sah meinen Herrn Nei von der Gest« an. Fast hätte ich Mitleid mit ihm gehabt. Wie der arme Mann, der selbst auf dem Honig- leim kroch, es sich angelegen fein lieh, mich zu warnen... „Also fallen Sie nicht auf den Trick hinein", sagte er eben. Mein lieber Nei, dachte ich für mich, vielleicht fürchtest du nur einen Konkurrenten in mir, einen Mitbewerber bei„der Braunen", den du durch deine— Warnung auf die einfachste Weise auszu- schalten gedenkst. Wenn ich an deine funkelnden Augen denke, mein lieber Nei, dann kommt mir diese Erklärung durchaus plausibel vor. Und in der Tat— wenig« Minuten, nachdem er seine... Warnung an den Mann gebracht hatte, empfahl sich Herr Nei. Er sagte, nun wollte er mich nicht länger mit seiner Unterhaltung langweilen(O, wie rücksichtsvoll! dachte ich)— und er verschwand in der entgegengesetzten Richtung. Es dunkelte. Die Sterne blühten gelb am Himmelsgewölbe, Stille und Frieden, mit schlürfenden Sinnen genoß ich die Ruhe, die an ineiner Seite herrschte: und das leise Wehen und die herben Gerüche der Nacht... Herrn Neis Reise ins Liebesabenteuer endete damit, daß der Vater„der Braunen", der gleichfalls aus Sommergäste erpicht war. den Vorschlag machte: Herr Nei sollte seine Ferientage bei ihm auf dem Hofe verleben... worauf er sogleich ein begeistertes„Ja!!" zu hören bekam. Der Bauer Giene. als er von dieser Entwicklung der Dinge erfuhr, vergaß an seiner Pfeife zu saugen. Seine Frau schimpfte ihn möchtig aus. „Dot hest du von deiner Schlauheit!" rief sie ihm zu:„wer zu klug is. is dumm."— Ich versicherte dem Ehepaar, daß ich für mein Teil ihnen treu bleiben würde, lind das war Trost und Beruhigung für sie. Herr Nei aber hat es bei„der Braunen" noch sehr weit gebracht. Er wurde zuerst ihr Liebster, dann ihr Bräutigam und am Ende ihr Mann. Und als das erste Kind zur Taufe getragen wurde— wissen Sic, wer da Pate und Patin war? Herr und Frau Giene. schwarze Mäntel und Masken vor dem Gesich« oder schwarze, über das Gesicht hängende Schlapphüte. Unter den Mänteln hielten sie lange scharfe Messer verborgen; damit erstachen sie alles: Männer, Frauen, Kinder. Unsere Eltern waren erschlagen. Ich hatte mich versteckt und auch die ohnmächtige Ljuba mit ins Versteck geschleppt. Da kam einer der Mörder ins Zimmer. In der Verzweiflung ergriff ich ein Küchenmesser, das ich zu mir gesteckt hatte, und warf es noch ihm." Ierzy hielt einen Augenblick inne und sprach dann heiser und eindringlich:„Wenn ich deine Narbe sehe, Alexander, dann muß ich immer an jenen Messerwurs denken." Alexander sagte nach einer langen Pause ruhig:„Diesen Vorfall will ich dir heute austlaren. Ein Freund von mir, der auch deinen Vater gut kannte, war Beamter des Gouverneurs von Lodz, der aus Veranlassung der Regierung die Pogrome stillschweigend duldete. Er beschloß, dein« Familie zu retten, es gelang ihm aber nur, dich und deine Schwester zu beschützen. Mit deiner Masse hast du chn und demnach den Falschen getrossen. Komm mit in meine Kammer: ich will dir sein Bild zeigen." E» klang wie«tn Beiehl. Ierzy sokgte dem Schwager. In der Kammer standen sich die beiden Männer allein gegenüber. „Du brauchst mir das Bild nicht zu zeigen," sagte Ierzy.„Ich weiß jetzt, wer der fremd« Retter gewesen ist. Verzeih mir. Alexanderl Jahrelang habe ich mich mit dem bösen Verdacht gegen dich getragen. Ich tonnte ja nicht ahnen, aus welchem Grunde du dich damals bei den Mördern befandest." „Du darfst mein Geheimni» nie preisgeben!" bat Alexander. „Denn wie könnte es Ljuba je oerwinden, d a ß ich mich überhaupt bei den Mördern befunden Habel Der Gedanke allein, daß ich deren Maske trug, wenn ich darunter auch mein Rettungswerk vollbrachte, würde sie mit ewigem Grauen vor mir erfüllen.. Der Sproki oder die Sprotte? Kieler Sprotten kennt jedermann. Donipfer und Eisenbahnen sorgen dafür, daß die Bewohner zweier Welten sich an der Delikatesse erfreuen können. Früher war das anders. Im Altdeutschen, Mittelhochdeutschen und Hochdeutschen bis zum legten Viertel des 18. Jahrhunderts kommt der Name „Sprotte" des schmackhaften Fischchens nicht vor. Der Binnen- länder nennt es die Sprotte, und man findet diese Form auch in fast allen Wörterbüchern. Der Niederdeutsche lagt aber der Sprotl, und diesem Sprachgebrauch folgen unter den Zoologen alle, die ihr Wissen nicht allein in der Studierstube, sondern� auch im Verkehr mit der Küstenbevölkerung erworben haben. Sproltensang wird auch an der französischen und englische» Küste betrieben, und der französische und englische Fischer fassen die Namen„I'esprot" und „sprat" männlich auf. Limee gab dementsprechend den Fischen den lateinischen Namen Clupea sprattus. Nur bei den Holländern ist sprot r eminiftum- Die Bezeichnung Sprotte ist zuerst im�Iahre 177.t in einer Uebersetzung von Limee»„Systerna nalurae" von Professor Müller in Erlangen ausgetaucht. Er hatte offenbar das Wort von der Mehlzahl„Sprotten" nach dem Vorbilde Motte. Flotte. Zotte usw. gebildet. Wo sag« man Alm. wo Alpe? Das Wort Alm, das auch dem Nichtkenner des Hochgebirges schon deshalb geläufig ist, weil es den Ort bezeichnet, wo es nach dem Lied„ka Sünd" gibt, ist zwar im allergrößten Teik'des Alpengebietes üblich, tritt aber im Allgau als Bezeichnung für hochgelegen« Hütten und Weideplätze vielfach hinter das Wort Alpe zurück. Um di- Sache zu klären, hat sich das bayerische Kultusministerium an die Wörterbuchkommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften gewandt, und diese hat sich gutachtlich dahin geäußert, daß es angezeigt sei, auf Karten und Wegweisern, in Fremdenführern und Veröffentlichungen für die Gegend von Sonthofen, Ämmenstadt und Oberstdorf sowie inner- halb des Regierungsbezirks Schwaben überhaupt das Wort Alpe dem Sprachgebrauch gemäß zu verwenden, daß aber in Veröffent- lichungen von mehr als lokaler Bedeutung das Wort Alm und seine Zusammensetzungen, wie Almwirtschast, Almweide usw.. zu ge- brauchen sei. llnverbrennbare Bäume. Zur Verhütung der großen schallen- reichen Waldbrände in den Vereinigten Staaten wird gegenwärtig in Amerika und in Frankreich durch die systematische Anpflanzung unoerbrennbarer Bäume ein neues und vollkommen sicheres Mittel ausprobiert. Einen solchen Baum hat man in dem Niauli. einer australischen Eutalyptusart gefunden, dessen Rinde aus überein- andergeschichteten vertrockneten, steinharten Blättern besteht. Die Zwischenräume sind lufthaltig, und das gummiartige Harz des Baumes erstickt jede Flamme, so daß der Baum so gut wie unver- brennbar ist. Breite Streifen dieser Niauli-Bäume. quer durch die Wälder gepflanzt, bilden einen vorzüglichen Schutz gegen das Um- stchgreifen von Waldbränden. In kanadischen und nordameriianischen Wäldern hat sich die Anpflanzung de, Niauli. der von großer Schön- Jett ist und selbst ln diesen Breiten noch ein« Höh» von fünfzig Itetern erreicht, schon stark eingebürgert und ois Braichschutz- Msttel außerordenUlch bewährt. Das neue Haus der EleMrotedmiker. Zu einem schlichten Festabend mit anschließender Führung und Besichtigung des neuen BDE.- Hauses in Charlotten- bürg, Bismarck st raße Ecke Krumme Straße, hatte �der Verband Deutscher Elektrotech niler eingeladen. Der Vorsitzende des Verbandes, Petersen, gab einen kurzen Ueder- blick über die Baugeschichte. Staatssekretär Dr.-Jng. e. K. Feyerabend überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Zuichs- und Staatsregierungen und der Behörden, die als Groß- Verbraucher der Elektrizität au den Bestrebungen des Verbandes besonderen Anteil nehmen. Er wies auf die Dienste des Verbandes der Deutschen Elektrotechniker hin und betonte, daß die Ziele des Verbandes sich in vieler Beziehung mit den Ausgaben des Staates deckten. Insbesondere habe der Verband in Deutschland pon vorn- herein die Führung auf dem Gebiete der elektrischen Sicherhetts- Vorschriften übernommen und dabei so Vorbildliches geschaffen, daß der Staat darauf verzichten konnte, auch noch dieses Gebiet von sich aus behördlich zu regeln. Er überbrachte zur Ausschmückung he» neuen Hauses Bilder von zwei Meistern der Elektrotechnik, pon Wilhelm Weber und jzermann von Helmholtz. In einem Licht- bilderoortrag berichtete der Erbauer des neuen Hauses Dr.-?sng. H e r t l e i» über seine Arbelt und begründete es, daß er gerade in der unmittetbaren Nachbarschaft des städtischen Opernhauses nicht nur der architektonischen Gestaltung, sondern auch der städtebaulichen Wirkung des neuen fünf Stockwerke hohen Hauses die größte Aufmerksamkeit schenken mußte. Neben der stark ausgelösten Front des Opernhauses habe er es für angezeigt gehalten, einen Bau von größter Schlichtheit hinzustellen. Er sührte sodann die Gäste durch die einfach und zweckmäßig gestalteten Räume. Helle Farben. lichte Tapeten, große Fenster, fliehendes Wasser in jedem Büro- räum zeigen, daß den hygienischen Forderungen, die gerade die BüroangesteWen an ihre Urbeitsräume stellen müssen, voll Genüge getan wurde. Auch vor dem Straßenlärm hat man das neue Haus und seine Bewohner zu schützen versucht, indem man sowohl die tragenden Pfeiler als auch die Wände mit imprägniertem Seegras isolierte. Die Fußböden aller Büros sind mit Korklinoleum bedeckt. Sehr geschmackvoll ist der Sitzungssaal in seiner Täfelung von im- gebeiztem Zedernholz. Er kann durch Klappwände in drei einzelne Säle unterteilt werde». Für die Regulierung der Heizung ist«ine Fernthermometeranlage eingebaut. Die Laboratorien und Prüf- stellen sind gegen früher bedeutend vergrößert und mit den mo- dernsten Einrichtungen und Maschinen ausgestattet worden. Ein Selbstfahrer erspart das Treppensteigen. Erwähnenswert ist endlich neben vielem anderen die sehr schöne Arbeit eine? Kunsthandwerkers, der das Portal des Hauses mit einfachen Mitteln künstlerisch gestaltete. 75 Jahre Äerein Deutscher Ingenieure. Der Verein Deutscher Ingenieure feierte in der Technischen Hochschule zu Charlottenburg das Fest seines 7zjährigen Bestehens. Professor Föttinger, der Vorsitzende des Berliner Brqlrksoersins. wehrte sich in seiner Kegrüßungsansprache. dagegtu. daß man den Techniker und die Technik verantwortlich mackie für die Rot der Zeit. Der Direktor der Technischen Hochschule, Pros. Tübben, wies auf die enge Verbindung der Hochschule mit dem BDI. hin. Z-chlrciche hervorragende Mitglieder hätten an der Hochschule gewirkt, viele ihre Ausbildung von ihr erhalten. Aum Schluß pries er den technischen Fortschritt al? den Wohltäter d«x Menschheit(der er zweifellos fein könnte, wenn er nicht in den Dienst des Fimmzkapltais gestellt würde; aber dos sagte Herr Tübben natürlich nicht). Berlins Oberbürgermeister. Herr Sa hm. der den Titel eines Dr.-Jng. ehrenhalber führt, übermtttelt« die Grüß« der größte» deutschen Stadt und erinnerte daran, daß tn« Entwicklung Berlins eng mit dem Ausbau der technischen Lehr- anstalten verknüpft ist. Nach anderen Ansprachen hielt Professor Dr. M a t s ch o ß den Festvortrag, in dem er vom Geist Sex In. Allgemeine Wetterlage. QvolkMtofcO Wrar.Odeib bedeckt Owoikig.dbedecIt�Regeiv&freupeln «febchT|jw«>t«e©WiinietiUe Ganz Deutschland wurde am Mittwoch von kalter Polarluft über- i tutet. Die Temperaturen stiegen meist nicht über 10 Grad- Nur m der oberrheinischen Tiesebene wilrden etwa 11 Grad gemessen. Im Norden und Osten sielen leichte Regenschauer. Zum Teil gingen auch schwach« Graupelschauer nieder. Der Süden de? Reiche? blieb im wslemUchen trocken. An den Küsten, veionders im Bereich der Dstl«». lüfte, herrschten noch stürmische Wind«. Setzt wandert pon vrantteich ein Hochdruckauelaufer nach Deutschland. Er brachte am Adeiw bereits dem Sildwesten ruhiges Wetter. Am Donnerstag durftt die Beruhigung über die Elbe nach Osten sortschmteu. Em« am Mttt. wach bei Island angedeutete Depression kann aber am Freitag o« uns schon wieder Bewölkungszunahme hervorrufen. * Welteroasjichten für Berlin: Zunehmende Beruhigung, viel) ach heiter, tagsüber kühl, nachts Frost.— Alle Deutschland: In West-, Süd- und Mitteldeutschland vorwiegend heiter und trocken, im Osten noch leicht veränderlich, im Nordosten noch einzelne Schauer, oll- gemein Windabnahme. genieurarteit sprach. Es genügt nicht, auf Afred Krupp und Werner Siemens hinzuweisen und an ihre Tatkraft zu er- inner». Krupp und Siemens sind die Vertreter zweier großer Zeitabschnitte. Krupp steht im Zeichen der Dampfmaschine. Sie- mens im Zeichen der Elektrizität. Die beiden große» Abschnitt.' einer aussteigenden Jnvestitionskonjunktur von 1843 bis 1873 und von 1695 bis 1914 mußten die von ihnen begonnenen Arbeit.'» bei genügender Tatkraft und geschickter Anwendung der zur Ber- sügung stehenden Mittel zum Erfolg bringen. Heut« genügen Aus- dauer und Gestaltungstraft, Mut und Zähigkeit allein nicht mehr um die Dinge zum Laufen zu bringen. Aber darin hat Matjchoß recht, wenn er behauptet, daß Technik sein wird, solange es Menschen gibt- Und auch wir wünschen, daß die Technik dazu beitragen möchte, Freiheft und wahre Menschenrechte zu erringen. Aufruf der Krüppel. Der Landesverband Berlin-Brandenburg des Reichsbundes der Körperbehinderten bittet uns um Lerössentlichung des folgenden Aufrufes: Der Selbsthilfebund der Körperbehinderten(Reichsbund Deutscher Krüppel) Landesverband Berlin-Brandenburg, E. B., Berlin SO. 16, Brandenburger Ufer 1. Fernsprecher Jannowitz 5753, in welchem sich die schwerstbehinderten Erwerbsbeschränkten zusammengeschlossen haben, ringt um seine weitere Lebensfähigkeit, die durch die heutige lchwer« wirtschaftliche Krise bedroht ist. Um für diesen Winter seinen Mitgliedern, den Aerinsten der Armen, helfend zur Seite zu stehen, ruft der Landesverband Berlin-Brandenburg E. V.. Brandenburger Ufer 1, die Oeffentlichteit zur Hilse von Geldspenden usw. aufPostscheckkonto; Berlin 118 7SZ. Ferner bitten mir alle uns noch fernstehenden Erwerhsbeschriinkten zwecks Aufnahme als Mitglied in unserem Bunde um Angabe ihrer Adressen, damit wir auch diese durch unsere Fürsorgeabtoilung betreuen können. Die Not des Alters- Ueber die Not der früheren Kapitalrentner unterrichtet« eine Aussprache im Reichswirtschaftsrot, die der Deutsche Rentner- b u n d veranstaltete. Diese durch das Jnflationsunrecht um Besitz und Vermögen gebrachten Menschen stehen jetzt in ihrem Atter ohne jeden Schutz und die Regierung persucht, statt des vom Reichstag schon mehrfach geforderten Rentnerversor�ungsgssetzes auf dem Wege der öffentlichen Fürsorge zu unterstützen. Die Fürsorgestellen lassen sich vielfach pon der Vorstellung leite», daß die früher Vermögenden und in ihrem Lebenszuschnitt äußerlich noch nicht ganz proletari- sierten Familien irgendwelche Werte im Strumpf versteckt halten. Soweit die Rentner noch über Hypotheken und anderen Besitz vor- füge», machen die Aemter die Ueherschreibung diese? Besitzes an das Fürsorgeamt für die Unterstützung abhängig. Auch die für Preußen angeordnete Anrechnung von Auswertungseinnahmen aus den Unterstützungsbeitrag zwischen gehobener und allgemeiner Für- sorge bringt einer große» Zahl von Kleinrentnern bedeutende Ver- schlechtemngen. In der Aussprache wurden von de» Vertretern der verschiedenen Ländergruppen Vorschläge kundgegeben, wie«in Rentnerversorgungsgesetz ohne Belastung des Rcichshaushalts durch- zuführen wäre, so u, a. der Vorschlag, diejenigen Mittel die aus den Hypothekenablösungen der mit HauszinssteuermUteln erbaute» Häuser flüssig werden, dem Versorgunasfonds der Rentner zuzu- führen. Einmütig wurde von den Vertretern der Rentner anerkannt; daß die Sozialdemokratie in den öffentlichen Körperschaften mit allen Mitteln die Not der Rentner zu lindern versucht. Da» neue Zirkuo-Vusch-programm steht im Zeiche» guter Tier- dressuren. Rudals Matth U? zeigt 14 prächtig« KLnigstiger. die sich so gesittet wie die zahmsten Katzen benehmen. Den Gipfelpunkt bildet ein tanzender Elefant im Tigerkäfig mit einem Tiger»!? Reiter auf seinem Rücke». Laslas Terrier-FußbaUmotch ist eine lustige Sache und der sehr sympathische Fred Petoletts beherrscht seine 15 Pferde mit einem Zügel nach allen Regeln der klassischen Reitkunst. Dann kommen putzige Zwerges«! und tanzende Kamele. und Elefanten, deren Meister Josef Haack ist. Im artistischen Teil des Programms sorgen die 4 G e r a r d s für tüchtiges Lochen. Einen Trampolinakt voller Komik und„Spring"lebendigkeit zeigen die 5 Flying Bawoards. 59 Saltos hintereinander, von einem Mit- glied dieser Truppe ausgeführt, sind gewiß eine anerkennenswerte Leistung. 3 Olympias sind ästhetische Kraftmenschen, deren Muskel- spiel man gern bewundert und 4 Cortys produzieren sich am Reck mit Sicherheit und Gewandtheit. Willy Tusso» hat das Talent, eine halbe Stunde zu unterhalten, ohne langweilig zu werden. Donnerstal lio-r für dem 33. Lktob der Inäend- Jm Bund der freien Schulgesillschesteu spricht Herpiann L a a s ch am m den, 33. Oktober, 8 Uhr abends, in den Räumen der Jugend- cnschenrechte, Monbiiouplatz 19, Eingang 4, über das Thema „Wird die Kulwrreqktion siegen?" Gäste herzlich willkommen. Ei-, R-chtnioti-.Phot-w-nderilng„Rund um die Gedächtnisl.rche' per. anstauet das Vallsbildunasamt Wilmessdars unter Leitung des sfachtedcers edicatict am Freitag, 23. Oltoder, 20' i Uhr. Treffpunkt: ffltünfcIb.Cckc(Rur- fUrstendamm E-te üoachipislhaler Sirahe). Teilnehmergebühr 00 Pf. 'Wa» TttstfeMÜ /"<<. /'W'/zH, 'Mt. j Jr J! .-SäSESaaS W lüu'tQYi-«!-'-'' \r» r>* VasrH M KrV ''W/m JiWn -tSwmiji! ZpSJBxrr Auf dem Wege zurArheii und nach voüende/em Tagewerk siromen Teusenäe fleißig ep Beplinep übep diese Brücke-Morgens w/@ dbends das gleicf) e Bild, dieselben Menschen und immer wieder die gleiche Cigs reite-. Berlins meistgerauchte Cigarette 0/m,- 3 Stück 10 tf Billiges Brot und billige Kartoffeln. Kartenausgabe der Berliner Winterhilfe. Vom 26. Oktober ab werden in den einzelnen bereits bekannt- gegebenen Geschäftsstellen der Berliner Winterhilfe bei den Bezirks- ämtern der Stadt Berlin Karten für verbilligtes Brot und ver- billigte Kartoffeln verausgabt. Di« Geschäftsstelle der Bezirkswinter- Hilfe Mitte, Berlin E. 2, Magazinstr. 6/7, 2. Hof 2 Tr. Zimmer 9, teilt mit, daß für den Bezirk Mitte die Ausgabe durch die Borsteher der einzelnen Wohlfohrtskommifsionen erfolgen soll. Die vom Wohlfahrtsamt regelmäßig betreuten Wohlfahrtserwerbs- losen und die laufend unterstützten Wohlfahrtscmpsängcr. Sozialrentner. Kleinrentner und die den Kleinrentnern gleichgestellten Personen können die zur Verteilung � gelangenden Karten bis zum 2 6. Oktober von den Wohlfahrtsvorstehern ab- hchen. Wohlfahrtserwerbslof«, die ihre Unterstützung in der Dienst- stelle des Wohlfahrtsamts Chausseestr. 42 beziehen, erhalten die Karten bei der Abhebung des Geldes in der Chausseestraße. Bezirkskonzert des Bezirksamts Kreuzberg. Am Freitag, dem L3. Oktober 1931, 26 Uhr, veranstaltet das Volksbildungsamt Kreuz- bcrjj im„Orpheum", Hasenheide, Eingang Gracfestraße, ein Sin- fonie-Konzert. Für die Veranstaltung ist das Berliner Sinfonie- orchefter unter Leitung von Generalmusikdirektor Dr. Ernst K u n- w a l d verpflichtet worden. Als Solist wirkt Godfried Zeelander tCello) mit. Das Programm umfaßt Werke von Berlioz, Saint- Saens- Lifzt und Tfchaikowsky Der Eintrittspreis beträgt 86 Pf., für Jugendliche S6 Pf. Eintrittskarte» find im Volksbildungsamt Krcuzberg, Gitfchincr Straße 44— 48, IlT, Zimmer 34, in den Zahlstellen und an der Abendkasse erhältlich. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68. Lindenstraß« 3. Groß-Berlin stet» an da» Bezirtisetretariat 2. Hof, L Treppen recht», zu richte» Veginn aller ivcranftaltungen t Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heute. Donnerstag. 22. Oktober. 2. Kreis. Kursus de» Genossen Bienstock:„Äeltwirtschast", Lcnezowsir. 21, Ecke Iagawstraße, Lalal Scholz(früher Bcrger). Morgen. Areitog, 23. Oktober. 4. Kreis. Kursus tSoldsteia:„Sozialismus und Weltanschauung�, Schule Donziger Str. 23. 12. Abt. 2l> Uhr gunktionärvcrsammluna bei Schmidt, Wielefstr. 17. 64. Abt. Die Genossinnen werden gebeten, an dem Kursus im Jugendheim Roflnenftr. 4 teilzunehmen. Freie Sozialistische Hochschule Sonnabend, den 24. Oktober� IÖV2 Ubr im ehemaligen Herrenhaus, LcipzigerStr. 3, spricht Dr. RucSolF HilFerding, MdR., üncr „Die Krise der Kapitalistischen Kredltorganisatioir Kartenvcrkaufsstellen siehe unter Parteinachrichlen 61. Abt. Mitgliebernersammluug im Lokal Iagcrhäuschea, Lynarstrasse. August Niemann:„Zur politischen Lage". Sö. Abt. Sitzung des engeren Lorstandcs im Lokal Pommerening. 168. Abt. Mitgliedcrversamniluna der Freidenker bei Stippetohl, Schdncrlinder Straße 5. Bortrag:„Der internationale Freidcnlcrkongretz im Lickite der sozialistischen Bewegung". Sympathisierende sind eingeladen. Möglichkeit zum Äirchcnaustritt. 132., 133. und 133. Abt. Arbeitsgemeinschaft junger Parteigenossen! Treffpunkt 7?. Uhr Dahnhof Karow. Sonnabend, 24. Oktober. 15. SUeis. Konzert des Berliner Siufonie.Orchesters, Niederichöneweide, Ber- liner Str. 91(Kyffhäuser). Erwerbslose erhalten Freikarten in Treptow bei den Bezirksführcrn, in den anderen Ortsteile» bei den Obleute» der Bildungsausschüsse. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis. Freitag, 23. Oktober, 26 Uhr, im Bezirksamt Prenzlauer Berg, Danzigcr Str. 64, Ziinmcr 4, Sitzung der Arbeitcrwohlfahrt. Alle Helfer müssen erscheinen. 26. Kreis. Der engere Vorstand der Arbeitcrwohlfahrt sowie Abteilungs- leitcrinnen pünktlich IS Uhr, vor Beginn des Kursus, am Freitag, 23. Oktober, Schule Wittenau, anwesend sein. Areie Sozialistische Hochschule. Eintrittskarten zu 50 Pf. sind für den im lokalen Teil angezeigten Vortrag am kommenden Sonnabend an folgenden Stellen zu haben: Büro des Bezirks- bildungsausschusscs, LindeNstr. 8, 2. Hof, 2 Tr.. Zimmer 8; Buchhandlung I. H. W. Di-'ß, Lindenftr. 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritter. ftraße Ecke Lursenufer; Zigarrengeschaft Horsch, Engelufer 24—25, Gewerkschaftsbaus: ZdA., Hcdemannftr. 12: Verlag dos Vildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5; Arbeiterjugend Groß. Berlin, Lindcnstr. S. 2. Hof link, 2 Tr.: Deutscher Holzarbeitervcrband, Rungcstr. 30; Verlagsgesellschaft des ADGB., Abt. Sortiment, Inselstr. Ka: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65: Fraueitbüro des SPD., Lindenstr. 3, 2. Hof links, 2 Tr.; Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt, Lindenstr. 3, 2. Hof links, 2 Tr.: Ge- schäftsstelle des Touristenvercins„Die Naturfreunde". Oohannisstr. 15. Karten für Erwerbslose und Studenten zu ermäßigten Preisen an der Abendkasse. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Grosz-Berlin. Neulölln und Treptow: Beginn des Echulungsiursus für Falkcnführcr heute, Donncrstog, 26 Uhr. Baracke Ganghofcrstrasic. Sadenschönhausen: Wir sind heute von 17—16 Uhr Jugendheim Freien- waldcr Str. 6. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 36. Abt. Am 2V. Oktober verstarb unser langfähriacr Genosse Hermann D a r tz im 62. Lebcnsjabre. Ehre seinem Andenken: Einäscherung Freitag. 23. Oktober, 18s- Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um rege Be, teiligung. 41. Abt. Unser lieber Genosse A l f r c d B a u m g a r t ist am 19. Oktober im 2 t. Lcbensfahre verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Freitag, 23. Oktober, 17(2 Uhr, im Krematorium Gerichtstragc, statt. Um rege Beteiligung wird gebeten." W SozialiflischeArbelterjugendGroß-Verliv Einsendungen für diese Rubrik nur an da» Iugendsckretarial Berlin EW 68. Lwdenstraß« 3 „Kamps»m Kitsch", Sondervorstellung der Volksbühne für die arbeitende Jugend zwischen 14 und 18 Kabren, Sonntag. 1. November, 13 Uhr. U der Volksbühne. Karten zu 86 Pf. sind noch erhäMich.___.. VA.-Sitzung heute, 19 Vi Uhr, im Bortragssaol de» PB-. Lindenstr. 3. heute, Donnerstag. IS� Uhr. Sewerkschastshau«: Funktionärkonfercnz 26 Uhr Köpenicker Str.<2.— Sp»,t. palast: Gcnthincr Str. 7: Ardeitskreis„Utopolis".— Hnmboldtha,»: Putbuger Strafe 62, Baracke III:„Fürsorqeerziehuna".— Schonhanser Borstabt: Sonnen» burg-r Str. 26:„Jugend und Gesetz".— Hallesches Tor: Porckstr. 11: Arbeits- gemeinschait.— K-ttbussee Tor: Urbanstraße, im Straßenbahnerhaus:„Der Gewerkschaftskongreß in Frankfurt a.».— Südwest: Lindenstr. 4: Lichtbilder: „Jugendschutz und Iugendrecht".— Schöneberg Iii: Hauptstr. lö: Bunter Abend mit festem Programm.— Westend: Sportplatz Westend:„Erziehung zum Sozia- lisimis".— Rein icke ndors. West: Seide lstr. 1:„Englische Arbeiterbewegung". Werbe bezirk Neukölln: Spieltruppc 19'i Uhr Steinmetzstr. 114.— Mädel- futsus 20 Uhr.Heim Ziethenstr. 58.„Mädel und Bursche in der Arbeiter- fugend". Rcfercntin Genossin Dr. Alexander. Rcinickendorf-Ost: Sonntag Werbe- und Elternabend 18 Uhr Lindenstraße.— Niederschönhansen und Pankow: Sonntag Noter Jugcndtag in Cchildow. 14 Vi Uhr Kundgebung am Bhf. Schildow, 18!- Uhr Abcndfeier bei Pacthke. Katharinensec. Eintritt 36 Pf._ Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz- Rot-Oold". Geschö'tsstill-: Berlin S 14 Eebastianstr 37—38 Hot 2. Tr. Ortsvcreiu Kreazdcrg: Kamerad Alfred Baumgart ist verstorben. Die Einäscherung findet am Freitag, 23. Oktober, um 11% Uhr, im Krematorium Serichtstraßc, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Esperanto- Gesell schalt Eharlottcnburg. Montag, 26. Oktober. 26 Uhr, Konditorei Wolter, Eharlottenburg, Bismarckstr. 114.(Knie), Klubzimmer, Konver- sattonsabend. Gäste willkommen. Deutscher Fricdensbuab. Donnerstag, 22. Oktober, 26 Uhr, im Restaurant „Zum Patzenhofcr", Potsdamer Etr. 1Ä>. Herr Prof. Gumbel, Heidelberg, spricht über das Thema„Tolcrierungspolitik". ünglisti cornersatlonal Cluh lounded 1878. Meetings every Friday 8 p. m. Cafe König, Letpziocr Straße 117,118. Lecturer: Rektor Riese on: ,Frec- niasonry". Oucsts. Ladies and Gentlcrnen, arc welcome." WeihnachtsaussteNung bei Joseph. Die Weihnachtsausstellung unter dem Titel„T i e r f a n g in Afrika" befindet sich im 3. Stock des Kaufhauses Joseph- N e u t ö l l n und ist den ganzen Monat Oktober und auch im No- vember zu besichtigen. Der Besuch ist nicht nur für Kinoer lohnend, fondern auch für Erwachsene, auch wenn sie keine kleinen� Quälgeister bei sich haben. Es ist so ein Stück Jugend von Old Shatterhand, von Bumin, dem Löwenjäger und den Märchen kluger Marabus, dreimal jenseits von Politik und Alltag. P- LL--t—— r vL» L �-L-L- t-L 13 liisatsr, l-ichtspisie U5>v. Staats Thealer Donnerstag, den 32. Oktober staatsopor unter den Linden 20 Chr Die schalkhalle Wliwe Sliatlidijusjielhaas CndimieBiiiartL 26 Uhr l»lc nntUrliehe Toehter Schlller-Ttieater Cluiigtltnborg. 20 Uhr Die Heirat SCÄIA Hol. Su.«i/2 Uhr Beraard Elte Grace du Faye Moeser Joti Anstel& Arthur 4 Bronottsusw. Paul Nikolaus konferiert. plAza Die 8chlas:er*OperettD Gräfin Ittarizn von Emmerich Kilmin Original-Rotter-Inszenierung Täglich Keine Preiserhöhung S u. 814 Uhr Sonntags 2, 5. 8" Uhr «v.ubrCASINO-THEAlER�uh. Lothringer Strafe 37. »MIIMMtawlllllUiMiillllllllKIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIlUiiailtUlllillllllll Nor noch bis Freüa«: Oodo, das Öffentliche Aergernis Sonnabend zum I. Male: mecHer- Fritze Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur.SO Pf. PauteuII f.— Mark, Sessel 1.60 Mark 6.15 ühj Flora 3434 RaadiSD erlaubt Nldiollf. Marl» Ney» Napoli. Handy- Bandy» BUsi 2> Remo» Waller Carlos rcitft Rumba» 2 Albertos usw. siani. Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Donnerstag, 22. 10. Turnus I Anfang 20 Uhr Coppelia Josephslegende Ende geaen,23 Uhr VolKsbOhne Theater am BOlowplatl 8 Uhr Das vierte Gebot Slaall. Sdiiller- Theater 8 Uhr Die Heirat. Wim« iDeam Täglich 8 Uhr von Schiller Regie: Mai fleinhanst Die Kontödie l'h Uhr RücKkehr Komödie v.Oona'dSlevart Rezle; Duslaf üründgens, Kurlflrstendanim- Theater Bismarck 448/40 8-,. Uhr Die schöne Helena reo lacques Ollepballi Hagle; Max Relllharfli. Theater desWestens Täglich 8'/« Das Drel- maderihaas mit Maria Paudler Sonntag AVa Uhr Viktoria und ihr Husar Preise v. SO Pf. an Theater am Nollendorfplati Täglich SV.- Uhr Max Adalbert in;, Oer v..... beschleunigte Personenzug Ans.cfanclden! Zentral- Ilicatei AlteaakobstrJo-32 Täglich S'h Sonntag auch 5raBo l-'rankrui'tcr KitraUc I I Vorverkauf Täglich 11—1 und 3—9 U. E 7, 34 22. metropoi-meater Täglich 8V. Uhr Sonntags 4 u SV. U Die Blume von Hawai Operettev.Abraham Priis« 8.50-1».50 tfomiscna uper 8% Uhr T. ron zu vergeben Operette v.Neidhan Musik v. Witmann Leiu. Elster, Lilien. Preise; 0,50—7,- U. In jeder Torstellong; 22 Tiser, 2'i Elefanten, 235 Pferde Letzter Tag: 26. Oktober KRONE Kartenbest. Tel. Barwald 1919».6660. BETRIEB ,-*% KEMPINSKlHJ Perfdn. auf cä-Htnav tu J)adicjUand ptmr/StJ /uU! Jetzt ganz freigegeben 1 2. Woche! Im Westen nichts Neues! DEM ROMAN VON ERICH MARIA RE MARQ US TÄGLICH 6f 7,91« VORVERKAUF 12*2* BISHARCK 1580 MARMORHAUS PMO.: amv. P1CTUBES. PIUS.: URL UEMMLE Reichshallen-Theater ilnods 8 Uhr. Sonntag nadnmltag J* 7 Uhr Das nene Programm der Stettiner Die 3 Komiker Britton ornomann rauar Nachmittags ermiBigte Preise. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser herzensguter, hoffnungsvoller Sohn und Bruder Alkred Baumgart nach längerem schwerem Leiden im Hübenden Alter von 23 Jahren am 19. Oktoder sanft entschlafen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an FamUie Helnrid> Baamgert. Berlin, den 2t Oktober 193t. Willibatd-AIcris-Straßs 19. Die Einätcherung findet am Freitag, dem 23. Oktober, ITV'j Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstraße, statt. vzMes Metallarbeiter-leM VcrwalhragMicIlc Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Büchsenmacher Otto Müller geboren U Zult 1871, am 19. Oktober gestorben ist. Die Einäscherung findet Freitag. den 23. Oktober, 17 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstraße. statt. Am 19. Oktober starb unser Kollege, der Mechanilcr Alkred Baumgart geboren am 28. Mai I9V8. Die Einätcherung findet Freitag, den 23. Oktober, IT,'? Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstraße, statt. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lackierer Otto Greiz Ok- gebore» 25. März 186S. am 20. lobcr gestorben ist. Die Einäscherung findet Sonnabend. den 24. Oktober. 16 Uhr, im Krematorium Berlin. Serichtstr.. statt. Ehre Ihrem Anbentcak Rege Beteiligung erwartet Die Orbrcrwallnng DegtsdieilMllttites-Mnd Adi ungl Aditong: VenvallunftsmiUmeder! Am Freitag, bem 23. Ottoder 1931, (eine Sitzung der Mittleren Ort»- orrwaltnng. vir OritTerwaUm,». Morgen Freitag ood Sonnabend täglich von 1-7 Uhr. in Bcr>inkv24, O ran(r nbnrarer Str. 2 Slhallplatten Sprediapparaie �SchÄ Truhen, Schatullen(auch m. Geld- einwurf f. Oasluirie), Zubehörteile Harmonium* u»v. Streich- u. Zupfinatramenle freiwillig gegen bar. Ganstigste üelegenh Itaucbiflr Private.»- Weihaacbttgeichenke Kdgi'r Lacb, Versteigerer Tel.: Weidendamm 1890 Gewinnauszug I. Klaffe 38. Preubifch-Südbelltfche Staat s» Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboira Auf jede gezogene Rummer sind zwei_ gefalle«, und zwar jt einer auf die Lose m den beiden Adleilunge»' gleich dvh« Richer Gewdma R Ummer 1. Ziehungstag 21. Oktober 193t 3n der heutigen Bormittogsziehung wurdeu Gewinne Ober 300 Nu gezog-li 2©«tonmc zu t OOOOO W. 396259 2 Sewinne zu 50000 M. 87108 2 Gewinne»v 1 0000 W. 372596 2 Gewinne zu 5000 M. 216463 4 Sewinue zu 3000 W. 131420 35236Ö 4 Gewinne>, 2000 M. 93110 204949. � 26®ctotn«c ztt TOOO OT. 12359 12497 154076 173723 214639 238937 253296 25S621 29 1 4 V6'31 461 1 314942 333414 344802 38»twitine zu 800 ffll. 22690 47060 49588 61634 130274 159963 174498 179105 188907 216072 219526 228903 232899 277769 310986 359065 370512 394588 394653_ 48 ecBinnc jb 500 illt. 684 25144 83596 88585 100298 101936 124091 142078 152585 158705 175967 181929 206449 21 1033 218467 223089 240565 326658 332985 234285 342057 353399 256511 371061 lina. Kastanien. allee 56, an Fehr. bellincrstraße. vefügute i Linoleum Szillat, Kolon:«- straßc ll. »vnri ei» Erunsivalck Heule, 22» Okt., 2 Uhr Frels Ton Potsdam. KieidungsstocHo, u/ischo usw. «Benin getraaene Kaoalicraardcrobc »on Millionären. Acrzten, Anwälten. Fabelhakt billige Preise. Empfehle Taillermäntel.Pale tot». Fracks. Smo» kings. Gehrockan' züae. Hofen. Soort-. Gehpelz«. Gelesen. beitskäufe in neuer Garderobe. Weitester Wea lohnend. Lotbrinaerstraße 16. l Treppe. Roici. tbalcr Platz' Lindenstraße 71— 72. Schreib. tische 30,—. Stühle 3,— Negale 10— ap. im Hofspeicher. Röbel. Schräger nur noch Kastonienallec 43/1» Werbewochen. Da» ist PretssenknngÜk Preise wie me!— Schlafzimmer öidie 248.—, 36»,—, Nuß. 325,—, Po. III Birke Mahagoni Birnbaum W. 5S0,-. Spei. sczimmcr Eiche mit Glasoitrine 245,—. "jettcnjtmract 225<— lüchen in allen Farben 55�-, 90,—, 125,—. Anlleid«. schrank 77,—. Bit- cherschrant 25,—. Günstige Gelegen. heit fllrKafiakäufer. mvll« Batentmatratzen ..Brimissima". Me. talldetten Aufseae, matratze». Ehaiie- longue» Walter Staraarderstiaße «htzehn. KoinLad« bäum licrtc 4?n,~, 530,—, Zneückgesetztes Schlafzimmer, kom- plett 340,—: Speisezimmer, gediegene Ttschlcrarbert. run» der Tisch, Polster, stllhlc.»40,—; Her. renzimmer, hoch. modern, Nußbaum- türen, komplett 275,—.„Rekord". Neue Schönhauser vtraße 9. wirlasitgs und maschlosn fflUSIK Instruments Ilamenaen Schraubstöckr, Echlcifschelben. Treibriemen, Hol',» scheiden, Drehstroai- Motore, Kugellager, Werkzeuge zu Spottpreisen. Hausmann, Rittcrstr. IlVi iHautgesucnel Lintptanas. Mietpianos überaus preiswert. Pianofabrik Link. Drunnenttraßc 35' Hoslmaun.Piano» 810,—, aebrauchte 250,— an. Stets Gelegenheiten auch in Flügeln. Fo- brikgaranlie. Teil- zahlung. Alte?n. strumcnte Anrcch- nun«. Leipziger. straße 57 iSvittel- markt). j cinii ro-«:»''»! j stahaaebifie, Platinabkälle Qucdnibec Sinn* Metalle, Silber» schmelze Goldschmel. zerei. Ehristionot, Kövenlckerstroße 30. Halteftelle Adalbett. straße. miierricm| Technisch- Privat'chule?r. Werner, Regie- rungsbaumeiftcr, Berlin. Zieander- straße Z. Moschincu. bau, Elektrotechnik. Hochbau, Tiefbau» Steinmetzschusc. Heizungstechnik, Karofieriedau. Wo? finden Sie eine Auswahl von Zirka 300 Zimmern. Rur bei Moritz Hirscho- witz, Skalitzer Str.25, Hochbahn Kottbiisicr Tor. Größtes Mo- belhaus des Südosten». Andreas- straße 30, gegenüber Leiser.» Licht Licht Licht Elektrische Installation, Stube und Küche 33.—. 2 Stu- den und Küche 4l,— mit kompletter Zöh. lerstation Billige Beleuchtungskörper. Steigcleitung bi>. ligst. Kostenänschtag unverbindlich. John «. Co, Burgstr. 33. Ohne Cinschrcibegeld vermittelt Woh- nungsheld. Neue Königstraße acht- unddreißig, direkt Alcxandcrplatz._' BorderwohnnngeB, schein frei, einzimmerig 31.—. zweizimmcrig 30.—, orciziwmcrig, Bad, 05-—, Hanvert, Ratzbachujer 4. MgierungspräsidenigegenKrankeukasse Oer Vorstand der Allgemeinen Ortslrankenkasse Äreslan suspendiert. Die Rechtspresse bringt in sensationeller Aufmachung die Nachricht, daß der Vorstand der Allgemeinen Orts- krankenkasse der Stadt Breslau seines Amtes ent- i) o b e ii worden ist. Dabei wiederholt sie die früheren Be- yauptungen über„sozialdemokratische Mißwirtschaft" in einer Form, als ob es sich um neuere Vorkommnisse handelt. Sie sucht nach einer Gelegenheit, die Aufmerksam- keit von den Skandalen um Raiffeisen und Nordwolle durch einen Angriff auf die Krankenkasse abzulenken. Ueber die Vorkommnisse in Breslau erhalten wir folgende sachliche Darstellung: Durch eine Revision des Versorgungsamts Breslau wurde ermittelt, daß der Leiter der Abteilung„Versorgungswesen" bei der Kasse die Abrechnungen nicht ordnungsmäßig aufgestellt hat. Er begründete das damit, daß der Kasse viele Auf- Wendungen sür Kriegsbeschädigte erwachsen, ohne daß dies aus den Belegen ersichtlich ist. Es wird auch behauptet, daß der Ab- teilungsoorstehcr einem Arzt zu Unrecht Zahlungen angewiesen hat. Der Abteilungsvorsteher und die sonst an der Angelegenhett Be- teiligten wurden verhaftet. Es schwebt das Untersuchungs- verfahren. Ein Angestellter der Kasse behauptet, er habe dem Verwal- tungsdirertor mündlich über die Manipulationen des Ab- teilungsvorstehers berichtet. Die von dem Verwaltungsdirektor ver- langte schriftliche Darlegung soll niemals an die Verwaltung gelangt sein. Infolgedessen sah sich der Direktor außerstande ein- zugreifen. Außerdem wird dem Verwaltungsdirektor der Ankauf von Schreibtischen vorgeworfen, die aber in Wirklichkeit durch die Baukommission in seiner Abwesenheit bestellt wurden. Wegen dieser Dinge ist der Verwaltungsdirektor zur Disposition gestellt worden. Die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit � ist im wesentlichen� da- durch erregt worden, daß die Kasse in Zahlungsschwie- r i g k e i t e n geraten ist. Der Kassenvorstand hatte im Jahre 1S29 einen Erweiterungsbau des Verwaltungsgebäudes be- schlössen und hierfür die Genehmigung des Versicherungsamts erhalten. Im Verlaufe des Baues stellte sich heraus, daß der Baugrund sumpfig war; infolgedessen wurden sehr kostspielige Gründungsarbellen erforderlich. Die Besitzer der anliegen- den Grundstücke strengten Schodenersatzprozesse an. Die Kasse war gezwungen, große Entschädigungen an die Anlieger zu zahlen und einige der angrenzenden Grundstücke zu erwerben. Die Kasse wäre sicher in der Lage gewesen, die notwendigen Gelder aufzubringen, wenn nicht inzwischen die Wirtschaftskrise ihre Finanz- grundlagen erschüttert hätte. Eine Folge der Wirtschaftskrise ist auch, wie bei allen Kassen, ein starker Mitgliedcrrückgang. Die an sich erforderliche Entlassung von Angestellten wurde dadurch vermieden, daß die Arbeitszeit herabgesetzt und die Gehälter erheblich gekürzt wurden. Der Kassenvorstand Halle den ersten Verwaltungsdirektor zur Disposition gestellt und den zwellen wegen Uebcraltcrung pcn- sionicrt. Zwei Vorstaudsmiiglieder. je ein Vertreter der freies und der christlichen Gewerkschaften, wurden mit Zustimmung der Arbeit- geber mit der vorläufigen Wahrnehmung der Leitung beaustragt. hiergegen protestierten die Angestellten der Kasse. Sie forderten das Eingreifen der Regierung...... Das Verstehe rungsamt hat den: Vorstand ausgegeben, � die Finanzen der Kasse in Ordnung zu bringen. Das war nur durch eine Bellragserhöhung möglich Der Ausschuß der Kasse hat die vorgeschlagene Beitragserhöhung jedoch abgelehnt. Das Versicherungsamt war genötigt, die Beitragserhöhung anzu- ordnen. Der Borstand Halle auch sonst alle Vorkehrungen ge- troffen, um eine allmähliche Gesundung der Äassenfinanzen herbei- zuführen. Wenn er seines Amtes enthoben worden ist. so ist das zweifellos auf das Eingreifen des Regierungspräsidenten zurückzusühren. Und es ist bezeichnend, daß sowohl die Brcslauer wie die Berliner Rechtspresse bereits am Dienstag Mit- teilungen über die Amtsenthebung des Kassenvorstandes bringen konnten, obwohl der Beschluß des Dersschsrungsamtes über die Amtsentsetzung e r st a in M i t t w o ch von dem Oberbürgermeister unterschrieben und den Vorstandsmitgliedern persönlich über- geben wurdet Eine Behördenstelle muß also unter Bruch des Amtsgeheim- nisses Nachrichten an die Rechtspresse gegeben haben. Gegen die Anordnung des Bersicherungsamts wird der Kassenvorstand den im Gesetz vorgesehenen Beschwerdeweg beschreiten, da die Ver- fügung offensichtlich jeder Rechtsgrundlage entbehrt. Richtig ist aller- dings. daß der Kassenvorstand auf einen ihm vom Regierungs- Präsidenten vorgelegten Fragebogen mit 1A Fragen nicht in allen Fällen die Antwort gegeben hat, die der Regierungspräsident viel- leicht erwartete. Die Rechtspresse spricht von„sozialdemokratischer Miß- Wirtschaft". Die Mehrheit des Kassenvorstandes besteht aber nicht aus Sozialdemokraten. Die christ- lichen Gewerkschafter und die Arbeitgeber haben zu- sammen die Hälfte der Stimmen im Kassenvorstande. All« entscheidenden Beschlüsse, namentlich der Baukommission. find stets mit den Stimmen der Arbeitgeber gefaßt worden. Der Kassenvorstand mag die wirtschaftlichen Möglich- keiten, vor allen Dingen die Entwicklung der Wirtschafts- krise nicht richtig eingeschätzt haben. Das aber als„sozial- demokratische Mißwirtschaft" zu bezeichnen, ist eine bös w i l l i g e V e r d r e h u n g, wie sie in der Rechtspresse nicht gerade selten ist. Sozialistischer Wahlerfolg inKrankreich. Bei den Generalratswahlen. Varls. 21. Oktober.(Eigenbericht., Nach einer vom Innenministerium veröffentlichten Statistik über die Wahlen zu den Generalräten sind von 89 Senatoren, die Kandidaten waren. 82 am Sonntag gewählt, einer ist geschlagen worden. Ueber die übrigen sechs entscheidet die Stichwahl am nächsten Sonntag. Bon den 181 Kandidaten aus der Abgeord- netenkammer ssind 137 wiedergewählt worden. 2S sind unter. legen. Die restlichen 19 kommen in die Stichwahl. Von den s o- z i a l i st i s ch e n Kandidaten sind alle Senatoren gewählt, neun Ab» geordnete dagegen geschlagen worden: sieben Abgeordnete kommen in die Stichwahl. Wenn der Prozentsatz der nichtgewählten sozialistischen Ab- geordneten auch ziemlich hoch ist, so hat die sozialistische Partei nach dem jetzt vorliegenden genauen Wahlergebnis Im allgemeinen doch nicht schlecht abgeschnitten. Bisher befaß die sozialistische Partei in allen Teneralräten Frankreichs 127 Vertreter- Bei den Wahlen am Sonntag sind 102 Kandidaten wfcdergewöhll und Kavag- Direktion „Das war ein Bombengeschäft! Sa muß die Gesellschaft den Gewinn mit uns Direktoren teilen. Das hier ist für uns!" „Halt, meine Herren— und was bleibt für die Gesellschaft?" „Züchtig, die Gesellschaft!- Herr Müller, hier sind 20 Mark auf Sewinnkonto zu verbuchen!" Landtag und Grubenkatastrophe. Beratung sozialdemokratischer Anträge. Der Preußisch« Landtag arbeitet gegenwärtig mll graßer In- tensität den vielartigen Beratungsstoff aus. der sich während der Sommerpause angehäuft hat. Am Mittwoch hatte er sich zunächst mll der Notverordnung zu beschästigen, die durch eine Reichs» und Staatsgarantie in Höhe von je 129 Mil- lionen die gefährdete Landesbank der Rheinprovinz stützt. Die agrarischen und großkapitalistischen Kreise, die kein Wort dagegen gesagt haben, daß das Reich den Zusammenbruch der Danat- dank und der- Dresdner Bank verhütet hat, fanden diese Einsetzung erheblicher Staatsmittel sür ein öffentlich-rechtliches Bankunternehmen unerhört und die osthilfegesegnelen Ostelbier protestierten laut lärmend da- gegen, daß man gerade der Rheiaprovlnz eine solche Garantie zuteil werden ließe. Es kam darüber zwischen den Rheinländern der Zentrums- und Staatspartci und den Ostelbiern der Deutschnationalen und der Bolkspartei zum Ausbruch saftiger Liebenswürdigkeiten. Die Abstimmung wurde wq �DtpjMsiög. verschoben, wo auch oie enlschei, denden Abstimmungen über die Mißtrauensvoten und die gesamte Regierungspolitik stallfinden. Ebenso erging es der neuen Notverovdnung. die die direkte Wahl der Magistratsmitglieder in Schleswig-Holftein zeitweilig aufhebt. Die von den Kommunisten gefordert« Einsetzung eines Unter- suchung sausfchusses über die Hintergründe des Freispruchs von Hugo S t i n n« s jr. wurde gegen die Stim- men der Antragsteller abgelehnt. Für die Sozialdemokratie brachte dabei Genosse Kuttner zum Ausdruck, daß dieser sehr merkwürdige Freijpruch gegenwärtig in zahlreichen Strafuntersuchungen und Disziplinarverfahren nachgeprüft wird: sollten dies« nicht die erforderliche restlos« Klärung bringen, werde die Sozial» demokratie im Parlament nachhelfen. Aber gegenwärtig sei«in solches Vorgehen verfrüht. Kultusminister Genosse Grimme hat im vorigen Jahre den Mißbrauch der Schule zur kolonialen Propaganda untersagt. Gegen diesen Erlaß waren die Rechtsparteien Sturm gelaujen und der Uitterrichtsausschuß halle eine Nachprüfung der ministeriellen Verfügung gefordert. Redner der bürgerlichen Par- teien setzten sich auch jetzt nn Landtag lebhaft für den kolonialen Geist ein. Die Kommuni st en aber verteidigten nicht etwa Grimmes Erlaß als mit ihren.Ausfassungen übereinstimmend und griffen auch nicht etwa die bürgerlichen Parteien wegen ihrer Ko- lonialbegeisterung an, sondern ihr Ausländer beschimpsie— die So- zioldemokrgtie. weil sie nichts gegen die Kolonialpropaganda an den Schulen unternähme. Gegen solche Berraunthcit und Verbohrtheit ist man leider völlig machtlos. Zunr Schluß begann das Haus eine Aussprache über Antröge der Sozialdemokratie zur verbesse- rung der Grubensicherheit. die Genosse Otter begründete. Die vorgestrige. Katastrophe auf Mont Cenis mit ihren 17 Toten hat diesen Anträgen, die seinerzell nach Alsdorf und Cschweiler gestellt waren und seitdem im Ausschuß durchberatcn worden sind, eine traurige Aktualität gc- geben. .Abg. Otter(Soz.) führte aus: Die, Anträge, die wir seinerzell nach den Grubenkätastrophou in Alsdorf und aus Eschweiler Reserve zur Verschärfung der Grubensicherhellsbestiminungen eingebracht haben, sind im wesentlichen vom Ausschuß gutgeheißen morden. Es handelt sich um eine einheitliche Bergbau- ordnung für alle Arten des Bergbaus, um die Einführung des Gesteinstaubverfahrens in allen Steinkohlen- reoieren, die Einführung von Fahrbüchern der Gruben- sicherheitskoiltrolleurc, um den Oberbergämtecn die Nachkontrolle zu erleichtern, um den erhöhten Kündigungsschutz der S ichcrh ä it s k ö nt r o l l eu r e, um strengere Vorschriften zum Slusbau der toten Orte usw. Die vorgestrig« Katastrophe auf Mom Eenis mll chren 17 Toten beweist aufs neue die Notwendigkeit rascher und durchgreifender Maßnahmen auf dem Gebiete der Grubensicherhe.it. Entscheidend ist dabei der Kampf gegen das f u r ch t b o r e A n t r e i b« r s y st e m, das bisher eine genaue Be- folgung der Bcrgvauvorjchriften praktisch unmöglich macht. Die Debatte soll am Donnerstag nach der großen Abstiinmungs. schlackst fortgesetzt werüen. Außerdem werden an diesem Tag« die vorliegenden Anträge aus Aufhebung der Immunität entschieden. 24 Sitze neu gewonnen worden, so daß die Partei schon nach dem ersten Wahlgang über 126 Sitze verfügt. Da bei der Stichwahl sicherlich noch zahlreiche Kandidaten durchkommen werden, dürsten die Wahlen zu den Gcncralräten für die Sozialisten mit einem Gewinn abschließen. Arthur Schnitzler gestorben. Aus Wien wird gemeldet, daß Arthur Schnitzlcr gestern 19�4 Uhr einem Schlagansall erlegen ist. Schnitzler machte nachmittags ein,n Spaziergang. Als er in seine Wohnung zurückkehrte, stürzte er, vom Schlag gerührt, zu- sammen und starb, ohne dos Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Mll Arthur Schnitzlcr ist einer der gefeiertsten Dramatiker und Novellisttn unserer Zeit dahingegangen. Im Blütezellalter des Realismus, in den neunziger Jahren, gehörte er zu den meist- gespielten deutschen Theaterdichtern. Wer damals eine Schnitzlcr. Aufführung im Brahnffchen Deutschen Thealer erlebt hat, wird die Eindrück« nicht wieder vergessen. Bon den norddeutschen Naturalisten untenschied ihn eine ausgesprochene Wiener Not«. Eine weich« und dabei oft spielerische Behandlung der Pro- bleme ließ ihn als spezifisch österreichischen Dichter erscheinen und es ist bezeichnend, daß seine Werte, die dem Wiener Milieu entstammen, und auch solche, die erst in den allerletzten Jahren er- schienen sind, zumeist Bilder der Zeit aus des Dichters jüngeren Jahren geben. Einer viel sorgloseren und unbekümmerteren Welt, als es die heutige ist, eines satten und dabei schöngeistigen Bürger- tums, an das soziale Probleme selten herantraten. Nur auenahms- weise hallen seine Werte in«inen schrillen Ton aus. Meist ver- klingen und verdämmern sie. Schnitzler war oip 13. Mai 1862 in Wien geboren als Sohn eines bekannten Halsarztes und Professors der Wiener Universität. Er hatte gleichfalls Medizin in seiner Vaterstadt studiert und war bis 1893 Assistent seines Daters gewesen. Seine militärische Charge als Rcgimenlsarzt wurde dem Dichter wegen seiner Novelle nant Gustl" strafweise aberkannt. Als Mitglied des„jungen Wien" sympathisierte er-lebhaft mll der sozialistischen Bewegung: gar nicht selten la» er jugendlichen Arbeitern und sozialdemokratischen Organi- I sot innen in Wien aus seinen Werken vor. Schnitzler wäre im Mai nächsten Jahres 70 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlaß waren in mehreren Wiener Theatern Festoufführuirgen Schnitzlerscher Stücke geplant. Spaltung mit Hinterlist. Keine Erfolge der Seydewihe in Hessen. Frankfurt a. ZN.. 21. Oktober.(Eigenbericht.) Als Spitzenkandidaten zu den hessischen Landtagswahlen stellte die„Landeskonferenz" der Spalter den Redakteur Ohlhof auf. Als Ohlhof nominiert wurde, war er noch Mitglied der Sozial- demokratischen Partei und Mitglied der Re- daktion der sozialdemokratischen..Mainzer Volkszeitung". Am Montag wurde Ohlhoff fristlos ent- lassen, da er gegen sein« Redallionstollegen rätlich ge» worden war. Jetzt fordert Ohlhof in Flugblättern zum Eintrllt in die Spalterpartei auf. Die geringe Zahl von 16 Austritten aus dem Sozialdemokralischen Verein iu Mainz beweist, daß die Arbeiterschaft ein derartiges Doppelspiel ablehnt. Außer Ohlhof ist inzwischen noch einem anderen Doppelmitglied das Handwerk gelegt worden. Der sozialdemokratische Provinziallandtagsabgeordnetc Schweig aus Ob er ur se l bei Frankfurt, der als Vorsitzender des sozialdemo- kratischen Unterbezirks noch vor wenigen Tagen flammende Aufrufe gegen die Spalter mit seinem Namen unterschrieben halle, wurde durch einen glücklichen Zpfall beim Vertrieb des Organs der Spalter erwischt. Als er sein Spiel, in der Sozialdemokratie gegen die Sozialdemokratie zu arbeiten, durchschaut sah, erklärte er seinen Austritt. Schober wird bleiben. Die Großdeutschcn haben am Mittwoch beschlossen, sich m.i t dem Vizekanzler und Außenminister Schober solidarisch zu erklären Von dem Sei"'�'"' der Ehristlich-Sozialen waren gegen Schober wegen seiner Außen- Politik verstärkte Angriffe erhoben worden. Das Ziel, ihn zu stürzen, dürste nach der Solidaritätserklärung der Großdeutschcn für Schober kaum noch gelingen. Herunter mit der Maske! Der Betrug der Nationalsozialisten. „was tut der„Unternehmer", der„Ausbeuter" und „Blutsauger" in der Ausdruckswcisc der Arbeiterschaft?... Er versucht durch möglichst geringe Lohnzahlung und durch Verwendung m'nderwerligea Materials einerseits und hohe preise andererseits einen möglichst hohen Prosit für seine Tasche herauszuschinden. Ihn kümmert nicht die Aot seiner Arbeiter...." Diese Säge sind zu finden aus Seite 46 des von dem national- sozialistischen Führer und Programmtheoretiker Gottfried Feder herausgegebenen„Programms der NSDAP, und seine wcltanschau- lichen Gedanken", das in Hunderttausenden von Exemplaren ver- breitet worden ist. Sie sind ein Musterbeispiel für die verlogene Nazipropaganda. Sie sind die„s o z i a l i st i s ch e" Maske, die die Nationalsozialistische „Arbeiter"-Partei mit den vielen auswechselbaren Masken aussetzt, wenn sie zu dem„Arbeitertum" spricht, wenn sie den radikalen Kapitalistenfresser mimt, wenn sie antikapitalistische Hetzreden vor Arbeitern und Angestellten hält, um ihre schimpfliche Stellung als Soldknechl des inlernationalen Kapitalismus zu vernebeln. Diese Sätze gehören ebenso zur Tarnung ihres wahren Charakters, wie die von der Münchener Reichsleitung der Nationalsozialisten gelieferten Flugblätter, die die Nazi- b e t r i e b s z c l I e n in die Betrieb« schmuggeln müssen. Die Schlag- Zeilen dieser Flugblätter schreien:„Fort mit den Ausbeutern!",„Die Ausbeutung der Arbeitskraft im kapitalistischen System ist unbe- streitbar...",„Die Finanzhyänen, Bank- und Trust- und Kon- zernfürsten, sie sind die wahren Ausbeuter der Volkswirtschaft, sie diktieren dem schaffenden Volke H u n g c r I ö h n e und.Hunger- p r e i s e". Das ist die„s o z i a l i st i ich e" Maske der„Arbeiter"- Partei. Ihr wahres Gesicht trägt sie zur Schau, wenn sie die Gelder der Industriefürsten in Empfang nimmt. Herr Hitler schreit dann nicht: „Nieder mit dem Kapitalismus!",„Nieder mit dem kapitalistischen Unrecht!" Herr Hitler schmettert dann nicht mit Lautsprechern in die Welt hinaus:„Die Wirtschaft hat nicht den Bank- und Börsensürsten, den Trust- und Konzernkönigen zur Ausbeutung und Ausraubung durch hohe Dividend«» zu dienen," wie er es in seinen Flugblättern für das„Arbeitertum" tut. Herr Hitler redet dann nicht von der Abschaffung des„arbeits- und mühelosen Einkommens", von der „Brechung der Zinsknechtschaft" oder von der„Verstaatlichung der Trusts und Banken". Dann erklärt er wie seine Parteifreunde im Reichstag:„Wir«rkennen die gesellschaftliche Bedeutung der Ban- kiers an, die nicht beseitigt werden sollen.... Sie haben gar keinen Grnnd, uns sozialistische Tendenzen zu unterschieben... Bor den wissenden Geldgebern erklären die Herren Nazis lächelnd:„Unser Sozialismus ist nur Mittel zum Zweck, um an die Massen heranzukommen". Die kapitalistischen Geldgeber sind Geschäftsleute. Sie werfen ihr Geld nicht zum Fenster hinaus. Sie schließen Verträge mit Garantien ab. Weil solche Verträge abgeschlossen sind, deshalb wird der„Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften, auf seine an Hitler gerichtete Frage, ob er mit der Schwerindustrie im Bunde stehe, nie eine klare Antwort erhalten. Der„Deutsche" hat ein besonders großes Interesse an einer direkten klaren Antwort, weil es. wie er selbst betont, im christlichen Lager Mitglieder gibt, die mit Hitler sympachisieren. Er hat deshalb Hitler genaue Fragen vor- gelegt. Eine klare Antwort auf die vom.Deutschen" gestellten Fragen müßte die NSDAP, sofort als Lügenpartei vor aller Welt entlarven. Für den denkenden Arbeiter ist jedoch die Selbstentlarvung der hillerpartci bereits in Harzbnrg erfolgt. Die sozialreaktionärc Gönnerschaft der Nationalsozialisten aus dem Lager der Generaldirektoren und Bankgewaltigcn. die Herren Poens- gen. Schlcnker, Middendorf, Schacht usw. saßen ja in i t Hitler in H a r z b u r g am gleichen Tisch. Hitler, der Führer, unter- zeichnete dort mit allem, was in Deutschland reaktionär ist, das Manifest der„Nationalen Opposition". Bedarf es da noch einer besonderen Antwort auf die Fragen des„Deutschen"? Das wahre Gesicht der nationalsozialistischen„Arbeitsr"-Partei wurde zynisch in Harzburg gezeigt. Gegenüber dem Treiben abzcfeimtcr Betrüger kann nichts an- dercs helfen als ra st lose und furchtlose Aufklärung. vor allem in den Betrieben. Arbeiter, reiht den Betrügern die Maske herunter! Zieichsanfialt hat Zeit. Anordnung und Durchführung sind nicht dasselbe. Wenn die verschiedenen Notverordnungen Verschlechte- r u n g e n der gesetzlichen Bestiinmungen für die Arbeitslosen brachten, so war die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar- bcitsloscnvcrsicherung immer sehr schnell mit der Einführung der Verschlechterungen in der Versicherung zur Hand Diesmal hat die Notoerordnung nach langen Kämpfen der sozialdemokra- tischen Reichstagsfraktion einige wenige Verbesserungen ge- bracht. Bis heute, mehr als 14 Tage nach Berkündung und Ver- öfsentlichung der Notverordnung, hat man es noch nicht einmal für notwendig erachtet, Ausiiihrungsverordmingen an die Arbeitsämter zu erlassen, damit endlich die durch Gesetz anerkannten Härten der älteren Notoerordnungen beseitigt werden. Aller- dings sieht die Rotverordnung vom 5. Oktober als letzten Termin, an dem die Umrechnung erfolgt sein muß, den 7. November vor. Das Verhalten der Reichsanstalt mutet um so merkwürdiger an, weil sie seinerzeit z. B. die Verlängerung der Wartezeit— also eine Verschlechterung für die Llrbeitslosen— bereits vor dem fest- gesetzten Termin angeordnet hat. Mehrere Millionen wurden dadurch den Arbeitslosen entzogen. Lzeitte liegt es umgekehrt und wiederum „spart" die Bürokratie Millionenbeträgc, indem sie die Berbesse- rungen den Arbeitslosen möglichst lange vorenthält. ' Aus den Arbeitsämtern spielen sich dadurch täglich unliebsame Szenen ab, weil die Arbeitslosen die in der Presse verösfentlichten Erleichterungen auf ihren Unterstützungssall angewandt wissen wollen, während die Angestellten ohne Ausführungsbestimmungen trotz Kenntnis der neuen Bestimmungen laufende Unterstützungs- fälle nicht umrechnen dürfen. Am meisten geschädigt.werden durch diese Maßnahme die Rcichsversorgungsrcntner, denen noch immer statt von 2ö Mark von tö Mark ab die Rente auf die Arbcitslostnuntcr- stütznng angerechnet wird. Begreift man in der Reichsanstalt nicht, daß man schon aus psychologischen Gründen nicht länger die Durchführung hinaus- schieben darf? Wenn die letzte Notverordnung Härten beseitigt hat, doim geschah dies, weil man sie für u n e r t r ä g l i ch hielt. Glaubt der Vorstand der Rcichsanstalt, daß diese Hörten erträglicher werden, wenn man ihre Beseitigung anordnet, aber nicht sofort durchführt? Blaffer Tleib. 3m Hause der Gehängten spricht man vom Strick. Den Harzburgcrn ist die Einheitsfront der Gewert- s ch a f t e n sehr übel bekommen. Es ist daher natürlich und be- greislich, daß die Reaktionäre jetzt aus die Gewerkschaften besonders schlecht zu sprechen sind. Das Verbindungsblatt zwischen Hitlcrianern und Hugcnbergcr», die„Deutsche Zeitung", veröffentlicht in großer Aufmachung deshalb, nach einigen ebenso lächerlichen wie phantasievollen Behauptungen über die freien Gewerkschaften, folgende„Bombe": „Gewisse Aeußerungen lasse» darauf schließen, daß man be- absicbtigt, für die gewerkschaftliche Sanierung öffentliche Mittel anzufordern. Ob dabei die finanzielle Unterstützung unmittelbar oder durch einen größeren Kredit an die„Arbeiterbank" oder durch sonstige Unterstützung der„Eigenbetriebe• der Arbeiterschaft" gewährt werden soll, sind Fragen von untergeordneter Bedeutung. Es erscheint zweckmäßig, aus Bestrebungen dieser Art rechtzeitig aufmerksam zu machen, da es sich bei den freien Gewerkschaften um einseitig sozialdemokratische Gebilde handelt, deren öffentliche Förderung aus Mitteln der Steuerzahler noch über dos jetzt schon unerträgliche Maß hinaus aufs schärsst« abgelehnt werden muß." Dazu erklären wir: An dem ganzen Gerede ist nicht ein Wort wahr. Es gibt weder„Bestrebungen" noch„Absichten". geschweige denn eine Notwendigkeit, die Arbeiterb.nnk oder andere Einrichtungen der freien Gewerkschaften aus öffentlichen Mitteln zu unterstützen. Aus den Unterstellungen und Andeutungen des deutschnationalen Naziblattes spricht nichts anderes als der blasse Neid seiner Geldgeber und Gesinnungsfreunde, lieber diesen ichwebt drohend der Pleitegeier. Sie haben Angst, daß von den wunderten von Millionen, die aus öffentlichen Mitteln den Groß- agraricrn,„Bonksürsten" und Schwerkapitalisten zugeflossen sind und noch zufließen, etwas abgezweigt werden könnte. Die Gewerkschaften und ihre Unicrnchmungcn sind nicht pleite wie der ostprcußische Großgrundbesitz oder die Großunter- nehmen vom Schlage der Favag, der Nmdwolle und der anderen öffentlichen Geldnehmer in Bank, Industrie und Handel. Bevor die bankrotten Subventionsschlucker andere verdächtigen, sollten sie zunächst den stinkenden Unrat, der bergehoch vor ihrer eigenen Tür liegt, wegzuräumen versuchen. Sie würden mit dieser Reinigungzprozedur so viel zu tun haben,' daß ihnen für Jahre keine Zeit bliebe, gegen andere haltlose Verdächtigungen zu lanziercn. 4ö-Giunden-Woche. Einführung in der Tschechoslowakei geplant. Prag. 2l. Oktober. Das Ministerium für sozial« Fürsorge hat einen Gesetz- entwurf ausgearbeitet, durch den das Gesetz über die achtstündig« Arbeitszeit dahin abgeändert und ergänzt wird, daß in gewissen Betrieben di« 4l)stllndige Arbeitswoche ein- geführt werden soll. In Bergbaubetrieben wird nach dem Entwurf die Arbeitszeit nicht länger als 1 Vi Stunden täglich und ZI Vi Stunden wöchentlich dauern dürfen. Die ununterbrochene wöchentlich« Arbeitspause soll 36 Stunden betragen. Das Ministerium erwartet die baldige Verhandlung seirnr Vorlage und erhofft, daß die Verkürzung der Arbeitszeit nach vor der Verabschiedung des Gesetzentwurfes im Wege von Uebcreinkommen eingeführt wird. Die Tschechoslowakei hat bekanntlich längst das Washingtoner Achtstundenobkommcn ratifiziert, das vor 42 Jahren beschlossen nnirdc. In Deutschland sind wir noch nicht dazu gekommen. 6-Tage-Woche in Münchner Brauereien München, 21. Oktober.(Eigenbericht.) Die M ü n ch e n e r B r a u i n d u st r i e hat mit ihrer Ar- beiter- und Angestelltenschast eine Arbeitszeitverkürzung vereinbart. Für die Angestellten wurde die Arbeitszeit auf t4 Stunden und für die Arbeiter durch die Ilmwandlung des Mittwochs in«in?n Feiertag auf 40 Stunden herabgesetzt. Die Arbeitszeitverkürzung, die bereits in Krajt war, wurde verursacht durch den Rückgang des Bierkonsums ayf rund 30 Proz. ?2-Giunden-Woche bei der Reichsbahn. Die Regierung muß endlich durchgreifen. Bon einem Eisenbahner, Vorsitzender eines Betriebsrats, wird uns geschrieben: Es dürfte in der Oessentlichkeit noch unbekannt sein, daß es bei der Reichsbahn noch Dienstpläne gibt, die z w e i u n d s i e b z i g- stündige Dienstzeit vorschreiben. Der Lohn dagegen ist ein sogenannter S ch i ch t l o h n und baut sich auf eine vier- undsünszigstündige Arbettszeit auf. Wie sieht nun ein solcher Dienstplan aus? Im Dienstplan sind cntbalten: Die einzelnen nach Minuten berechneten Arbeits- Vorgänge: eine ein- bis zweistündige Mittags- oder Nacht- pause, die sehr häusig auch s o r t f ä l l t: der verbleibende Rest von teilweise sogar Halden Minuten(!) wird als„Dienst- b e r« i t s ch a f t" gerechnet und zur H ä l s t e als Arbeitszeit gewcrtet. Es ist nicht Schuld des Dienstleiters, wenn auf seinem Dienst- Posten die Arbeitsvorgänge sich nicht geschlossen hintereinander ab- spielen: aber er muß beständig zur Stelle sein, denn jeden Augen- blick kann in seinem Dienstbezirk eine ihn betreffende Diensthand- lung sich abspielen. Außerdem sehen die Dienstleiter und deren Vertreter die Dienstbcreitschaft so gern, daß sie jeden Eisenbahner aus dem Aufenthaltsraum herausholen, mit ihm einen Dienstgang durch seinen Bezirk machen, etwas suchen und natürlich auch finden. Bon der Bereitschastszeit bleibt dem Bediensteten nicht mehr viel übrig, so daß er ein« wesentlich höhere Dienstzeit hat als sein Dienst« plan vorsieht. Da die Gewerkschaften bei der Kündigung des Arbeitszeitab- kommens eine Verbesserung der Arbeitszeiten nicht erzielen konnten, ist es jetzt höchste Zeit, daß die Regierung aufgefordert wird, wenig- stens für stationäres Personal Acndcrung der Dien st plane von der Reichsbahn zu verlangen. Die große Mode. Steindruckereibesiher wollen erheblichen Lohnabbau. Bei dem zweiten Lohnabbau wollen die Steindrnckerei- b e s i tz e r natürlich auch nicht fehlen. Der Schutzverband der Stein- druckereibesitzer hat dem Verband der Lithographen und Steindrucker den Lohntarif für das Lithographie-, Ofsjet- und Steindruckgewerbe zum 31. Oktober gekündigt und„eine Revision der Löhne mit der Maßgabe, daß ein den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Ke- werbes entsprechender erheblicher Lohnabbau vereinbart wird", beantragt. Auch den Steindruckern und Lithographen ist genau so wie den Buchdruckern durch das Reichsarbeitsministerium vor kaum einem halben Jahr ein Abbau ihrer Löhne aufgezwungen worden, lind genau so wenig wie bei den Buchdruckern durch den Abbau ihrer Löhne das Buchdruckgewerbe wieder in Gang gekommen ist, ist das durch den Abbau der Steindrucker- und Lithographenlöhne im Stein- druckgewerbe der Fall gewesen. Hier wie dort ist vielmehr die Arbeitslosigtett welter erheblich g e st i e g e n. Der Borstand des Verbandes der Lithographen und Steindrucker hat den Unternehmern in seinem Verbandsorgan die eindeutige Antwort gegeben:„Ein Lohnabbau kann nicht vereinbart werden." Lohnabbau nach Maß. Volle will eine Extrawurst. Im Gegensatz zu den Gewerkschaftsfunktionären des Betriebes hat<>ie Direktion der Meierei Bolle den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusscs vom 9. Oktober natürlich angenommen, wonach die Löhne sämtlicher Meiereiarbciter um 3)4 bis S Pfennig pro Stunde herabgesetzt werden sollen. Obwohl die Löhne in der Meierei Bolle seit Anfang dieses Jahres um S Proz., bei de» Kutschern sogar bis zu XZVs Proz. abgebaut worden sind. sagt der Schiedsspruch der Direktion insofern noch nicht zu. als er die Laufzeit des neuen Lohnabkommens bis zum 31. März 1932 festsetzt. Sie hat den Schiedsspruch nur unter der Bedingung an- genommen, daß die Geltungsdauer nur bis zum 31. Januar 1932 geht, ihr also in vier Monaten der Weg zu einem neuen Lohn- a b b a u schon wieder offen ist. Freilich müßte Bolle dazu eine besondere Notverordnung erwirken. Die Direktion der Meierei Bolle wird wahrscheinlich beim Schlichter die Berbindlichkeitserllärung des Schiedsspruches in der von ihr gewünschten Form beantragen. Aschinger als Oikiator. Rücksichtsloser Lohnabbau. Für das Personal des A s ch i n g e r- K o n z e r n s ist ein lOprozentigcr Lohnabbau angeordnet worden mit der Begründung, daß der Lohntarif am 2. Oktober abgelaufen fei. Ein solches Versahren entbehrt jeder Rechtsgrundlage, denn das Arbeits- Verhältnis ist nicht gekündigt worden. Die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß finden erst am 22. Oktober statt. Diese Ber- zögorung des Tarisabschlusses ist nicht Schuld der Gewerkschaft. Die Unternehmer haben am 4. September den Lohntarif gekündigt, aber erst am 5. Oktober, also nach Ablauf des Tarifes ihre Forde- rungcn zum 2lbschluß eines neuen Abkommens überreicht. Niemand kann annehmen, daß der neue Tarifvertrag nach dieser Verzögerung der Verhandlungen rückwirkend in Kraft gesetzt wird. In einem Anschlag hat die Aschinger A.-G. angekündigt, daß sie spätere Differenzen, die sich aus dem neuen Lohittarif ergeben sollten, zurückzahlen würde. Im Gegensatz zu dieser Erklärung wurde von dem Personal bei der Auszahlung eine Ausgleichs- q u i t t u n g verlangt. Aschinger, dessen Gesellschaft schließlich ein Unternehmen ist, das von den großen Bolksmasien abhängt, würde besser und klüger handeln, sich nicht als Diktator des Lohnabbaues aufzuspielen._ AEG./Rs., Drontheimer Slraßc. Heute findet in der Zeit von 11 bis 16 Uhr die Bctricbsratswahl statt. Die Nazipartei glaubt, auch in unserem Betriebe, das Dritte Reich ausrichten zu können. Seht euch diese Jammergestalten einmal näher an. Keine Stimmenzersplitterung, olle Stimmen für Liste 4 der freien Gewerkschaften. SPD..S!aschi»e»sej,-r: Sonntag. W Uhr. wichtig- B-spr-chung im M eaot 3 dc» K-w-rllchnfi.-haul-». v-giiimation ist unbedingt crforder. f lich. Zablrcichcs Erscheinen wird erwartet._-. SPD.-Betrieb« srattion beim«c,irt-amt SchSnebcrg. Freitag, t 1 20 Uhr. Lokal Will. Schäneberg. Martin-Luther-Str. tig, Fraktlonover.! sammlung. Hans Boncr iibcr„Die politische Situation". t�reie Gewerkschafts-Lugend Berlin Heule, um lOU Uhr, taaen die Gruppen: Aöpeni«: tlugendhein, Griinaucr Str.:> l»abc Bahnhof Spindler-seld)..„Eine Ärbeitsgericht«. sltzung."- Ges»»dbrui>»c«: vugendheim Rolt Schule,� Sotenburger Straße 2. Literarischer Abend:„Von Heine bis Tucholski".— Schonhaoser Tor: Jugendheim Tiechtr. Ig»Feuerwebrhauss.„Dcwcrtlchastllchc Orgamsationr-- forme:,."— Icmpelhos! Eruppenheim Ln»«um Germaniastr. 4—<5. Der Zugang zum Jugendheim ertolgt durch den Eingang aus der Hinteren Seite der Schule. Giihstrahe).„Die Wirtschaslstrise, ihre Ursachen und ihre Auswirkung."— Südostra: Reichenberger Str. 06(Feucrwehrhaus).„Zeitungsrundschau."— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— lO.„Nationale und internationale Et» werkschastsdewegung."— Staaken: Jugendheim 17. Volksschule, Gartenstadt, .«Urchplatz, Endhaltestelle Autobus 311. Freidenker und Bibel."—«eu-Lichten. dcrg: Jugendheim Guntcrstr. kl. Lichtbildervortrag:„Vom Eindaum zum Ozeanriesen".-- Landsberger Platz: Grupprnheim Dicstclutencrstr. ü. Lieder» und Brlkstanzabend.— Lichteubcrg: Jugendheim Hauff, an der Lessingstratze. ..Mit Büchern und Schallplatten rund um die Welt."— Schönewcidc! Jugend» heim Hasselwcrdcrstr. t, Schule). Tanzabend.— Zrantsurtcr Allee, Jugend» heim Tilsitcr Str. 4— ä. Dunschabend mit Hosemann.— Die erwerbslosen Mit» glieder der Bezirksjugendgruppen treffen stch morgen, Freitag, 23. Oktober, am Planetarium, Jaachiinsthaler Straße. Besuch der Filmvorführung. ZlNlahme kostenlos. Fahrgeld wird zurückerstattet. jtx 3oaendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten JBrJi Heute, Donnerstag, finden folgende Veronstaltungen statt: Norden: Jugendheim Lortzingstr. 19...Sport, Gymnastik»Ich Feeitärpertnltnr im Dien'te der Gelnadhrit."— Pankow-Niederschenhausen: Jugendheim Görsch» slraßc>4 kgreßes Zimmert. Aussprache:..Dir und unsere Gegner".— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. IS. Arbeitsgemeinschasl:„Jugend und Nnttur". Letter: Poiemann.— Treptow: Jugendheim Elscnstr. 3. Arbeit?. gemcinschaft:„Der Lehrling im Arbeitsrecht". Leiter: Girßner.— Die„Freie Ängestelllenbant«. S. m. u. H." tagt heute von 20—22 Uhr im Verbands- houlc.— Die nächst« Vorstellung der Jugendvolksbühne findet am 1. November statt. Gespielt wrrd„Kampf UM Kitsch" von Stemmlc. Eintrittskarten zum Preise von 30 Pf. sind im Jugendsekretariat zu haben. Verantwortlich kilr Politik: Vielor Zchiik! Dirtlchakt: G.»livgelh ler- Gewrrischaitsbripeaung: st Steiorr! FeuillechN: Dr. John Schikowski- Lokole» und Sonstiaes: Kritz Karftödt: Anzeigen: Th. Sloäc: sämtlich IN Berlin Verlag! VorwärtS'Verlaa G.m.b.H.. Belli». Druck: Vorwärts-Buchdruckerci und Verlaasanstalt Paul Sinaer u. Co. Berlin SD 08 Lindenktrake S Hierzu 2 Beilage». ".JSÄ. Gn