BERLIN Aonnereiag 22. Sktober 1931 10 Pf. I»r. 496 B24S 4S Lahrgans erscheint tSgltch außer Sonntag«. Zugleich AbendaiKgabt de«.Vorwärts'. BejugSoreis beide Ausgaden 8ü Pf. rroWoche, S.6NM. pro Monat. Rcdakllon und Erredilion: BerlinSWW.Lindenstr.s Ferniorechcr: Dönhoff(A 7) 292—297 f,l£iH0aS& AnzeigenoretS: Die einspalttgeNonoareillezeil« So Pf.. Reklamezeile SM. Crmäßigun-en nach Tarif. Poftscheckkonto: VvrwärtS-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. S? S3K.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anjeigen vor! uftlärung in Braunschweia Gelbst der Konrektor Klagges kann sie nicht verbieten C.G. Braunschweig. 22. Oktober.(Eigenbericht s heute morgen wurden hier auf den Straßen mehrere tausend Exemplare des..vorwärts'" verteilt, die sich mit den V o r g ä n g e n in Lraunschweig und mit dem verbot des„volkssreund" durch den nationalsozialistischen Minister, den früheren, aus preußischem Schuldienst entfernten Konrektor Klagges beschäftigten. Die Verteilung erregte ungeheures Aussehen. Aus allen Straßen liefen die Menschen zusammen, um ein Exemplar des..vorwärts' zu erhalten. Besonders in den Arbeiterwohn st rahen. in denen die nationalsozialistischen Terrorbanden gehaust haben, und die überoll noch die Spuren dieser Brutalität zeigen, wurde die Verteilung mit lautem Beifall aufgenommen. Manche Arbeiter erfuhren erst durch den„Vorwärts' die Tatsache des Verbots des„Volksfreund'. Aus vieleu Arbeiterwohnungen hängen zum Zeichen der Trauer für die Ermordeten rote und schwarzrotgoldene Zahnen heraus.„Das ist richtig.'—„So hat es einmal kommen müssen', mit diesen und ähnlichen Zurufen wurden die Zeitungen in Empfang genommen. Die Tlachrichl von der Zeitnngsverleiiung ging wie ein Lauffeuer durch die Stadl. Bei der Verteilung wurden auch olle Strohenpolizisteu bedacht, die die ZeUungen mit großem Tatereste entgegennahmen. vor dem Arbeitsnachweis rissen sich die Arbeiter um die Zeitungen. Alle empfanden, daß damit Herrn Klagges gezeigt wurde. daß Braunschweig nicht allein auf derwelt ist und daß die Wahrheit sich ebensowenig unterdrücken läßt wie die gerechte Kritik au seinen Handlungen. Verkehrsunglück in Berlin NO. Zwei Lieferautos zusammengestoßen— Eine Krau getötet Mob! Als Beispiel des Geschmackes, der hohen Stellen ziemt, hat der Minister Klagges uns einen„Mob' beniemt. )ain gebracht, wo sie bald nach ihrer Einliescrung st a r b. Zwei weitere Verunglückte kamen wie durch ein Wunder mit geringfügigen Derletzungen davon. Die Schuld- frage ist noch ungeklärt.— Ein weiterer schwerer Zu- s a m m« n st o ß trug sich an der Ecke Tegeler Weg und Osnabrückcr Straße zu. Ein mit zwei Personen besetztes Motorrad fuhr mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Zlutodroschkc. Dabei erlitt der Führer des Rades, der 23jährige Wilhelin Przioda aus der Pestalozziftraße ö2a und feine 17 Jahre alt« Seide Schwester, die auf. dem Sozius faß, Beinverlctzungcn. wurden in das Westendkrankcnhaus übergeführt. Fünf Schwerverletzte in Wannsee. Auf der Berlin-Potsdamer Chaussee, unweit des Sanatoriums„Waldfrieden' in Wannsee, ereignete sich heute mittag ein surchtbares Autounglück, bei dem.S Personen zum Teil schwer- Verletzungen erlitten haben. Der Führer eines mit fünf Personen besetzten Privatautos versuchte in der Nähe des Sanatoriums einen vor ihm jährenden Autobus zu überholen. Dabei geriet er mit seinem Wagen zu weit aus die andere Straßenseitc, verlor die Gewalt über die Steuerung und raste gegen einen Baum. Durch die Wucht des Anpralles wurden sämtliche Insassen aus den Fahrdomm ge- schleudert, wo sie»üt schweren Verletzungen bewußt'.os liegen bliebe». Die Verunglückten, der Kapellmeister Thilo Runge aus der Guerickestraße 29, und die Musiker Peter K a m i s k i aus der Mainzer Straß« 16, Friedrich Stein aus der Dunckerstraße 51, Hans Bürkner aus der Frankcnftraße-7 sowie der Führer des Autos, Erich 9Lpnis aus der Perlebergcr Straße 4 wurden durch die Feuerwehr'in dos Potsdamer Krankenhaus transportiert. Bei zwei der Verletzten besteht Lebensgesohr. Crzieher Klagges „Die gegnerische presse wird verboten, bis sie von mir den g u t e n T o n gelernt hat." Tote und 65 Verletzte, die ein Krankenhaus aufsuchen mußten, sind das Ergebnis des Hitler-Tages. Beide Tote und die Mehrzahl der Verletzten sind keine Nationalsozialisten! Wir haben beobachtet, daß die braunen Prätorianer Hitlers bei den Schlägereien sehr oft die Angreisenden waren. Nicht das militärische Theater, nicht die Reden des verhinderten deutschen„Duce" sind das Wefent- liche dieser herausfordernden Reichsparade der brauen Massen, son- dern die Art und Weise ihres Auftretens in den Straßen Braun- schweigs. Aus Gründen der Objektivität soll zugegeben werden, daß Teile der braunen Demonstranten eine gewisse Disziplin besahen, was sich aber außerhalb der..ofsiziellen' Veranstaltungen dem nüchternen Beobachter zu sehen ergab, spottet jeder Beschreibung, gibt jedenfalls zu ernsten Besorgnissen um die Zukunft Anlaß. Die„Strafexpeditionen' in die Lanze Straße, in den Klint, in die Ritterstraße usw. waren vorbereitet. Man wollte ein- schüchtern und züchtigen! Unter dem Schutz der zahlen- mäßigen Uebermacht, unter einem gewissen Protektorat des Staatsorgans, das dem Reichsinnenminister versprochen hatte, für„Ruhe und Ordnung sorgen zu können", sind in Braunschweig Dinge geschehen, die einfach nicht vorkommen dürfen. Vor- proben für»»Dritte Reich'?— Der Terror gehl weiier. Die Polizei sucht— jetzt— nach Waffen I Braunschweig, 22. Oktober.(Eigenbericht.) Die Nationalsozialisten drangen am Bliltwochnachmitlag in die Geschäslestelle unseres Parteiblattes„Die Tagespost' in Helmstedt ein, bedrohten den Geschästssührer und versprachen, de« Redakteur zu verprügeln, falls sie ihn abend» fassen würden. Das Verbot des„Volksfreund" und seiner sämtlichen Kaps- blätter in Braunschweig hat eine begreifliche Erregung innerhalb der Arbeiterschaft ausgelöst. Am Donnerstag früh wurde ein Riesenausgcbot von Schutzpolizeibeamten in die A r b c i t e r st r a ß e n Woll- morkt, Bcckcnwerkerstraße, Radeklingt- und Weberstraße entsandt. Beamte des Landeskriminalpolizeiamts hoben sämtliche W o h- nungen der Weber st raße nach Waffen durchsucht. Der Polizeibericht gibt an, daß nach gewissen Personen, über die keine Auskunft gegeben werden könne, gesucht worden sei. Es wurde nicht eine Waffe gefunden,' während feit dem letzten Sonntag über Iis Zentner Waffen, Totschläger, Stahlruten, 5knüppel usw. auf der Polizeiwache lagern. Kohlen-Tonnen-poliiik. Genosse Dr. B r c i t s ch e i d schreibt uns: Ich habe in der Reichstagssitzung vom 14. Oktober erwähnt, daß die B e r g i n d u st r i e von jeder geforderten Tonne Kohle 50 Pfennig für politische Zwecke zur Verfügung stellt. Ich stützte mich bei dieser Angabe auf eine Information, die ich für uni so zuverlässiger halten mußte, als sie von einer Persönlich- keit in hoher amtlicher Stellung stammte. Dabei sei ausdrücklich bemerkt, daß dies« Persönlichkeit der Sozialdemokratischen Partei nicht angehört. Ich habe mich inzwischen überzeugt, daß die Information, so- weit die Höhe der Abgabe in Betracht kommt, unzutreffend gc- wesen ist. Es steht jedoch fest, daß ein« bestimmt« Abgabe nach Maßgabe der Anzahl gejördcrter Tonnen sür politische Zwecke er- hoben wird. Sie beträgt jedoch nicht 50 Pfennig pro Tonne, sonder» ist niedriger. Es wäre wohl nicht unbillig, zu verlangen, daß die- jenigen, die sich durch meine im Reichstag gemachte Darlegung ge- troffen fühlen, sich nicht darauf beschränken würoen, den von mir angegebenen Prozentsatz zu dementieren, sondern darüber hinaus erklären würden, weiche Beträge zu Lasten der Ver- braucher für einseitige politisch« Zwecke verwendet werden. K:e Gachversiändigenliste. Nur 3 Arbeitnehmervertreter in der deutsch-französischen WirtschastStommission. TiebenunddreißigNamen weist die Liste der deutschen Sachverständigen für die gemischte deutsch-französische Wirtschafts» tommission, die ihre Tätigkeit demnächst aufnehmen soll, auf. Es find dies fast ausschließlich Industrielle, Bankiers, Großagrarier, Ministerialbcamte und ganze drei Vertreter der Arbeitnehmerschaft, nämlich die Genossen Tornow vom ADGB. und Schweitzer vom Butab und der Hirsch-Dunckersche Gewerkschastsleiter L e m m e r. Dieses Mißverhältnis ist geradezu aufreizend. Die deutsche Arbeiterschaft muß den Eindruck gewinnen, als ob man ihr einige „Konzession-, schulzen" zugebilligt hat, um das Versprechen der Zu- Ziehung von Arbeitnehmerdelegierten formal zu erfüllen, daß ober im übrigen bei diesen Verhandlungen mit Frankreich die Groß- kapitalisten möglich st unter sich bleiben und ihre einseitigen Interessen wahrnehmen wollen. Wir hören allerdings, daß die Reichsregierung unsprünglich die Absicht hatte, doppelt soviel Arbeitnehmeroertreter und weniger Sachverständige aus kapitalistischen Kreisen zu benennen, daß ober auf französischer Seite der Wunsch geäußert wurde, die deutsche Liste der französischen möglichst anzupassen: und da die letztere zu- nächst nur einen Gewerkschaftsführer aufwies, im übrigen nur Industrielle, Großkaufleute und dgl., sei man diesem Wunsche ent- gegengekommen. Diese Erklärung vermag unsere Bedenken in keiner Weise zu beheben. S>-> beweist einerseits, daß die Regierung Laval, die zu- nächst von sich aus die Parole der Zusicherung von Arbeltnehmer- sachverständigen ausgegeben hatte, nicht willens ist, ihr Versprechen zu erfüllen. Sic zeigt aber andererseits, daß es auch auf deutscher Seite an der nötigen Energie gefehlt hat, um eine gerechte Vertretung der Arbeiterniteressen durchzusetzen. Es scheint, daß man sich den französischen Wünschen allzu schnell gefügt hat. weil sie durchaus nicht ungelegen kamen. Es wird nun amtlich betont, daß die Liste nicht endgültig und ausschließlich sei. Wenn dem so ist, dann ist zu fordern, daß bei etwaigen Ergänzungen, das schreiende Mißverhältnis einigermaßen ausgeglichen wird. Aazis stehlen Sprengstoff. Aufsehenerregender Fund unterm Rette. llleruigerode, 22. Oktober.(Eigenbericht.) Aus einem Sprengstofflager, das zu einem Steinbruchsbetrieb in Wernigerode gehört, wurden Anfangs dieses. Monats Vi Zentner Sprengpulver(70 Proz. Dynamit) gestohlen. Durch polizeiliche Ermittlungen konnte dasselbe bei einem jugendlichen Nationalsoziali st en unter einem Bett versteckt, sichergestellt werden. An dem Diebstahl sind acht Anhänger der revolutionären nationalsozialistischen Kampfgruppe festgestellt worden. Außerdem wurden zwei ausländische Militärgewehre beschlagnahmt. Die:n Wernigerode wohnhaften Täter sind mit Ausnahme von zwei Jugendlichen, festgenommen und dem Untersuchunsrichter zugeführt worden. Sie haben sich wegen schweren Diebstahls und Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz zu verantworten. Aoch längst keine Einigung in Genf. Japan lehnt alle Vorschläge ab Genf. 22 Oktober.(Eigenbericht.) Der Konflikt in der Mandschurei hat bisher noch keine Lösung erfahren. Am Mittwoch nachmittag hieß es, daß die Japaner ihre Bedingungen für einen Rückzug ihrer Truppen wesentlich zu- rückgesteckt hätten und die chinesische Regierung sich zu Abwehr- maßnahmen gegen den antijapanischen Boykott verpflichten wolle. so daß eine Einigung dicht bevorzustehen schien. Am Alend über- reichte der chinesische Delegiert« Sze Hein Ratspräsidenten Briand noch einmal neu« Vorschläge. Sie enthalten: die Forderung der sofortigen Räumung der besetzten mandschurischen Ge- biet« durch die japanischen Truppen, die Forderung nach der Ein- setzung einer neutralen Beobachterkommission, das Verlangen der Zahlung einer angemesienen Entschädigung an die Opfer des japanischen Einfalls und die Forderung nach der Ein- setzung einer st ä n d i g« n Kommission. Die zu dem Konflikt ausgearbeitete Entschließung des Völker- bundsrats, deren Inhalt dem japanischen Delegierten bereits priva- tun mitgeteilt wurde, hat Japan entschieden abgelehnt. Ein Beschluß des Völkerbundsrats nach Artikel 11 ist dadurch unmöglich, da zu einem derartigen Beschluß Einstimmigkeit gehört. In An- betracht dieser Situation besteht dke Möglichkeit, daß China in den nächsten Tagen eine Entscheidung des Rats auf Grund des Artikels lä des VAkerbundspaktes beantragen wird. Dieser Para- graph ermächtigt den Rat, auch unter Ausschluß der streitenden Parteien«inen Beschluß zu fassen. Antideuffche Propaganda— Von deutschen Industriellen in Amerika betrieben. Ikew Jork, 22. Oktober.(Eigenbericht.) In Amerika reisen zur Zeit wieder einige deutsche Wirtschafts- sührer herum, die, statt ihre heimischen Betriebe zu sanieren, nichts anderes zu tun haben, als öffentlich gegen die Republik, die Sozial- demokratie und die Gewerkschaften aller Richtungen zu Hetzen. Den Bogel hat bisher der nationalistische Industrielle Thyssen abge- schössen. Er erklärte am Mittwoch in New York auf einem Fest- essen, daß die Republik nicht die geeignete Staatsform für Deutsch- land sei und die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften für alle „sozialen Extravaganzen" verantwortlich zu machen seien. Thyssen bedauerte ferner den hohen Goldstandard der Reichsbant und deutete an, daß es notwendig sei. den Goldstandard in der gegenwärtigen Höhe aufzugeben. �Schließlich forderte er noch den Verzicht aus den polnischen Korridor. Der Industrielle Siemens trat für systematische Lohnkürzungen in Deutschland ein. Rachspiel zum Seemannsstreik. Die streikenden Seeleute vor dem Schnellrichter. Kiel, 22. Oktober.(Eigenbericht.) Vor Kiel-Holtenau trafen am Mittwochabend 3 0 deutsche Dampfer aus Leningrad ein. Es sind Schiffe, deren Be- satzung m dem russischen Hafen unter dem Terror russischer Kom- munisten meuterte. Bevor die Dampfer ihre Reise fortsetzten, wur- den etwa 120 Mann der Besatzung an Land gesetzt. Die Matrosen halvn sich vor dem Schnellrichter wegen Meuterei zu veront- warten. Das Sondergericht tritt heute in Holtenau im Hotel Jnter- national zusammen. Sklareks und „Oer Gistmordversuch"— D Henke morgen sollte im Sklarekprozeß der Komplex Stadtbank unmittelbar nach Beginn der Verhandlung zur Erörterung gelangen. Es war aber nicht so leicht, von den Stlarekoerträgen und Sklarek- lieferungen loszukommen. Eine Ueberraschung bot die Behauptung des angeklagten Buchhalters Tuch. Willi Sklarek sei es gewesen. in dessen Austrage er die Umbuchung der 200 000 Mark. die die VAG. der Firma Sklarek angeblich für die Kommissionsware schuldete, vorgenommen habe. Willi Sklarek bestreitet ganz entschieden, einen derartigen Auftrag erteilt zu haben. Max Sklarek müsse das wohl gewesen sein. Vorsitzender zum Angeklagten Tuch: haben Sie die Bücher geführt oder haben Sie nur die Bücher „umgeschrieben"? Als Einleitung zu dem Stadtbank-Komplex folgt zu Nr. 1 ein Geplänkel zwischen H o s f in a n n und Sklarek. Sklarek greist wieder den Bankdirektor Hoffmann an. Er wolle hier nur die Wahrheit sagen, er gehöre nicht zu den Menschen, die gleich dummen Jungen mit Namen hcrumschmeißen. Wenn man die Namen der prominenten Persönlichkeiten wissen wolle, die in Betracht kommen, so möge man nur bei seinem Bruder Max Sklarek den silbernen Pokal mit den eingravierten Namen beschlagnahmen. Wenn er sich bewußt gewesen wäre, etwas Strafbares begangen zu haben, so wäre er auf Pistian überhaupt nicht zurückgekommen. Man habe ihn wie einen Schwerverbrecher behandelt: es seien ihm in Moabit Handfesseln angelegt worden, man habe ihm„ver- giftete Pillen" ins Gefängnis geschickt. Vorsitzender: „Sie meinen wohl Pillen, die eine Hastunfähigkeit verursachen sollten? Die Pillen hatte ja die Wahrsagerin, Frau Seikller, von Kieburg bekommen. Sie hatte ja auch selbst etwas davon genommen und erklärt, daß das Herz hinterher wie wahnsinnig geklopft habe. Sie lebt noch heute, hoffentlich ist sie nicht gestorb«n-" Leo Sklarek läßt sich nicht davon abhalten, wenn auch ohne Namensnennung des Angeklagten Hoffmann, so doch für jeden verständlich, daß dieser da- mit gemeint sei, zu erzählen, wie H o s f m a n n s Frau sich mit Tragödie der Not. Verzweifelte Tat eines Rerliner Ehauffeurs. Das B«rlin«r Taxigewerbe ist durch die Wirtschaftslage und die hohen Steuern und Benzin preise in eine trostlose Lage geraten. Die Wagen warten stundenlang auf einen Fahrgast oder fahren leer durch die Straßen, um einen Kunden zu bekommen. Nur die neuen und modernen Wagen haben noch Aussicht, Fahrgäste zu bekommen, während die alten Taxis unbenutzt umherstehen. Die Einnahmen decken kaum die Kosten für den Brennstoff, an Verdienst und Steuerbezahlung ist überhaupt nicht zu denken. Jetzt hat sich wieder ein Vorfall abgespiett, der bezeichnend für die trostlose Lage der Taxis und Chauffeure ist. Ein alter Wagen hatte vier Stunden an einem Halteplatz g e st a n d e n, ehne einen Fahrgast zu bekommen. Die Wagen, die sich mit ihm angestellt hallen, waren längst davongefahren, neue Wagen gekommen, auch sie hatten schließlich Fahrten erhalten. Aber noch immer stand der alte Wagen und wartete vergeblich. Plötzlich stieg der Chauffeur, der schon fünfzehn Jahre im Fach ist, von seinem Sitz herunter, Holle einen schweren Schraubenschlüssel und begann, seinen Wagenzuzerschlagen. Die Fenster- scheiden fielen klirrend auf den Asphalt, die Karosserie wurde zer- schlagen, der Kühler zertrümmert. Hinzueilende Kollegen versuchten anfangs vergebens, den alten Fahrer von seinem Wahnsirmswerk abzubringen. Sie kamen in Gefahr, selbst getrossen zu werden. Erst nach geraumer Zeit gelang es, dem Chauffeur sein Instrument zu entwinden und ihn selbst zu überwältigen. Kurz darauf brach er bewußllos zusammen. Man schaffte ihn zu einer Unfallstelle, wo der Arzt einen Tobsuchtsanfall infolge völliger Neroenzerrüttung feststellte. Der Chauffeur mußte daraufhin in eine geschlossene Anstalt übergeführt werden. Der Wagen war so zugerichtet worden, daß er nur noch zur Verschrottung Verwendung finden kann. Die weiteren Untersuchungen ergaben, daß der Chauffeur in den letzten Tagen Tageskassen zwischen zwei und drei Mark gehabt hatte. An diesem Unglückstage hatte er in fünf Stunden Dienst ganze Pf. eingenommen. Oer Tod des Kindes. Die Mutter wegen Mißhandlung vor Gericht. Eine Mutter sitzt vor dem Landgericht l, eine blasse, schmal- brüstige Frau. Sie ist angeklagt, den Tod ihres zweijährigen Töchterleins Hildegard mit verursacht zu haben. Die 26jährige bestreitet nicht, ihr Kind gezüchtigt zu haben, es sei von Geburt jehr schwächlich gewesen, unsauber und ungehorsam. Den Tod des Kindes, den hat sie nicht verursacht. Rein, es ist an einer Lungenkrank- heit gestorben, ebenso wie die zwei anderen jüngeren Kinder. Auch sie selbst ist lungenkrank, lungenkrank auch der Mann---- Am 19. März wurde in das Spandauer Stadtkrankenhaus die zweijährige Hildegard eingeliefert. Sie starb, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben. Die Diagnose lautete auf Lungenentzün- d u n g. Das Kind befand sich in einem äußerst vernachlässigten, ja verwahrlosten Zustand, war in hohem Maße unterernährt, wies am Gesicht und am Körper«ine große Anzahl von blutunterlaufenen Stellen und Schorfen auf, die von Mißhandlungen herrühren mußten, der Rücken war durchgelegen, das Kind mußte schon sehr lange Zeit krank gewesen sein, ohne daß sich ein Arzt darum ge- kümmert hätte. Die Ermittlungen ergaben trostlose häusliche Ver- hältnisse. Frau N. hatte trotz ihrer 26 Jahre bereits fünf Kinder zur Welt gebracht, das achtjährige voreheliche wurde bei den Groß- eitern großgezogen, außer diesem befand sich nur noch ein vier- jähriges am Leben, die Mutter, tuberkulös und bascdowtrank, war wieder schwanger, der Mann arbeitsunfähig, erst vor kurzem aus dem Krankenhaus entlassen, lebte von seiner Wohlfahrtsunter- stützung. Die Nachbarsleute wußten zahlreiche Fälle von Miß- Handlungen der kleinen Hildegard zu schildern. Die Mutter schlug das Kind ins Gesicht, wenn es sich im Wägelchen aufrichten sollte, warf es auf den Boden, steckte ihm beim Füttern den Lössel so tief in den Hals, daß es sich erbrechen mußte und schlug es hinter- her, weil es sich erbrochen hatte. In der Gerichtsverhandlung bestätigten die Zeugen ihre Aussagen, die sie in der Voruntersuchung gemacht hatten Die Sachverständigen waren der Ansicht, daß auch die Vernachlässigung des Kindes durch die Mutter, das Fehlen der ärztlichen Hilfe, die Mißhandlungen, die Ihm zuteil geworden, den Tod der kleinen Hilde mit verursacht hätten. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagten die Gtadtbank as Gchnststück im Gesängnis einem billigen Pelz nicht zufrieden geben wollte, wie er sich von Gerson einen Pelz im Werte von 2300 Mark kommen ließ. der schließlich von der Frau Hofsmann auch für gut befunden wurde. Im übrigen, erklärt aber Leo Sklarek, habe er niemandem in Ver- bindung mit geschäftlicher Tätigkeit Geschenke gegeben. Als Einleitung zum Stadtbank-Komplex komrnt auch die interessante Angelegenheit eines Schriftsatzes zur Sprache, in Schreibmaschincnschrist hergestellt, der für Leo Sklarek, Willi Sklarek und Lehmann bestimmt war und 18 Pundte betraf, die für den Komplex Stadtbant von Bedeutung waren. Alle drei saßen damals im Untersuchungsgefängnis. Dos Schriftstück sollte aus dem Büro eines Rechtsanwalts Bunge stammen. Die Angeklagten wollen von dem Schriftstück nichts wissen. Rechtsanwalt Dr. Julius Meier lacht:„Das Schriftstück habe mit dem Anwallsbttro Bunge nichis zu tun." Vorsitzender: Wissen Sie. wo es hergestellt ist?" Dr. Meier: Nein. Es ist festgestellt, daß keiner von den anwesenden Anwälten damit etwas zu tun gehabt hat. Es wird den Staddbankdirektoren H o f f m a n n und Schmitt vorgeworfen, sie hätten den Sklareks Vorschüsse auf Forderungen gegeben, die diese an die BAG. hatten. Es bandelte sich dabei um Lieferungen, die noch nicht ausgeführt waren. Die Sklareks zedierten ihre Forderungen an die Stadtbank, Kieburg erkannte, die Schuld der BAG. an Sklar«ks an. Die Angeklagten Hoff mann und Schmitt bestreiten, Vorschüsse gegeben zu haben, bevor die Lieferungen nicht erfüllt worden seien. Sie waren stets überzeugt, daß die Lieferungsangelegenhcit bereits voll und ganz reguliert sei. Vorsitzender:„Sie sollen aber z. B. bereits am 1. Oktober einen Vorschuß gegeben haben auf einen Auftrag, der erst am 8. Oktober erteill worden ist." Direktor Hosfmann bestreitet das. Willi Sklarek meint, daß der Auftrag vielleicht mündlich erteilt worden, nur feine schriftlich« Bestätigung spater erfolgt sei. Auf die Anregung des Rechtsanwalls Bahn stelll der Vorsitzende fest, daß sämtliche Aufträge, die die Sklareks von Kieburg für BAG. erhallen hatten, wenn auch nach mehrfachen Prolongierungen, o r d- nungsgemäß ausgeführt worden sind. wegen Körperverletzung mit Todeserfolg ein Jahr Gefängnis. Der Verteidiger bestritt, daß der Tod durch die Mißhandlungen verursacht worden sei und bat, die Mutter nur wegen Körperverletzung zu verurteilen: Das Gericht schloß sich jedoch der Ansicht des Verteidigers nicht an und verurteilte die An- geklagte wegen Körperverletzung mit Todesersolg zu neun Mo- n a t e n G e s ä n g n i s. In der Urteilsbegründung führt der Vor- sitzende aus, daß der bewußtlose Zustand, in dem das Kind im Krankenhaus eingeliefert worden sei, durch die Blutungen der Hirnhaut verursacht worden sei: diese Blutungen seien auf die Verletzungen zurückzuführen, die dem Kinde durch die Mutter zu- gefügt worden seien._ Oer Krach in der Wirischastspariei. Der ReichSausschuß einberufen. Der Vorstand der Wirtschaftspartei trat am Mittwochnachmitt'z im Preußischen Landtag zusammen. Er beschäftigte sich in der Hauptsache mit Fragen der Parteiorganisation. Es wurde beschlossen, den Reichsausschuh für kommenden Mittwoch nach Berlin einzuberufen. Reichstagsabgeordneter Mollath er- stattete einen Bericht über die Stellungnahme der Fraktion zum Kabinett Brüning. An der Sitzung nahm auch der ehemalige sächsische Staatsminister Dr. Weber teil, der bekanntlich sein Amt als zweiter Parteivorsitzender niedergelegt hat, nach wie vor aber dem Parteivorstond angehört. französische Anleihe für Jugoslawien. 300 Millionen französische Kranken. Wie amtlich in Belgrad mitgeteill wird, hat der jugoslawische Finanzminister in Paris den Verttag über einen Kredit von 3 0 0 M i l l. f r a n z Franken, der für den Staat bereits bei der jugoslawischen Nationalbank bereitgestellt worden ist, unter- zeichnet. Diese Anleihe vervollständigt das Programm für die e n d- gültige F i n a n z r e f o r m. Die in der letzten Zeit durch die Veränderungen in der Weltwirtschaft und aus dem Jnlandmarkt eingetretenen Störungen des Haushaltsgleichgewichts sind bereits durch die in den beiden letzten Monaten ergriffenen Maßnahmen zur Einschränkung der Ausgaben und Erhöhung der Einnahmen behoben worden. Der Ertrag der neuen Anleihe wird zur Vermehrung der Devisendeckung de» Notenumlaufs dienen. Goldflut in Frankreichs Häfen. Aus New York kommend, hat die„Europa" in Cherbourg LOO Millionen Franken Gold ausgeschifft. Ein Sonderzug mußte zusammengestellt werden, um diesen Goldsegen nach Paris zu schaffen. Am Dienstag und Mittwoch liefern die„Aquitania", die „Deutschland" und der„President Roosevelt" Goldsendungen von insgesamt über eine Milliarde Franken in dem genannten Hafen ab. Für Ende dieser Woche werden weitere Goldimporte erwartet. Metallarbeiterstreik in polen. s a t k o w i h. 22. Oktober. ver polnische wekallarbcilerverband hat aus Grund des ve- schlusses des Vorstandes zum Generalstreik aufgerufen. Erdbebenkatastrophe auf den Salomon-Lnseln London, 22. Oktober. wie erst jetzt bekannt wird, sind einem hefligeu Erdbeben aus den zentralen und östlich gelegenen Salomoninseln(polynesischer Archipel) 50 Menschenleben zum Opfer gefallen. IS Eingeborenendürser wurden vollständig zerstört. Seinen 75. Geburtstag begeht heute Genosse Ernst T ü b b e ck e, Hagenauer Straße 1. Seit 1876 Mitglied der Partei, gehört er nun schon seit fünf und einem halben Jahrzehnt zu den Kämpfern für den Sozialismus. Im fünften Wahlkreis der Vorkriegszeit hat er als Schriftführer der Partei mitgearbeitet, noch nach dem Krieg war er Bezirksführer und auch jetzt versäumt er keinen Zahlabend. Die Genossen aus der 28. Abteilung wünschen dem Jubilar jür seinen Lebensabend alles Gute und hoffen, ihn auch zu seinem sechzigjährigen Parteijubiläum begrüßen zu können. Arthur Schnitzler. Dem Gedächtnis eines Dichters. Was war das für eine Beglückung, als Arthur Schnitzler die „Liebelei" und den„A n a t o l" auf die Bühne brachte. Haupt- mann, auch Sudermann und Halbe hatten da: junge Mädchen aus dem Boll ganz tragisch aufgefaßt. Sie hatten den Instinkt, die � Freude am Ausleben des Sinnes, wie einen Fluch dargestellt. Sie hatt« erzählt, wie schwer, wie dunkel alles Leben dann fein wird, wenn das junge Mädchen aufwacht. Bei Schnitzler fehlen die Tra- gödicn nicht. Sie waren naturalistisch beobachtet. Es konnte auch nicht anders fein. Denn Schnitzler war ja ein Arzt, und er verstand sich auf das Trauerspiel des kleinen und großen Lebens. Aber feine Frauengestalten sind sanft. Selbst dann, wenn sie sich nach dem Tode sehnen, ist noch nicht alle Heiterkeit in ihnen eingeschlummert. Verzückt wollen sie sterben: nicht als Anklägerinnen der sozialen Ge- sellschaftsordnung, sondern in der Schönheit eines Engels, der zu- fällig entgleiste. Dos war der wienerische Naturalismus der Empfindsamkeit. Es war ein Naturalismus, der über die ganze Welt siegte und besonders ln romanischen Ländern verstanden wurde, wo man für den herben, sachlichen norddeutschen Naturalis- mus nicht viel Verständnis aufbrachte. „Anatol": Ein junger Herr, der nichts anderes zu tun hat, als sich der Liebe zu widmen, der eleganten Liebe wie der aus dem Volt geholten. Sein Sinnspruch:„Sie hat in meinen Armen ge- legen, sie ist heilig' Das ist Mut, das ist U e b e r m u t, aber es ist auch eine große Gutmütigkeit. Zwischen den Geschlechtern wird kein leidenschaftlicher Kampf ausgekämpft, sondern man verständigt sich in Zärtlichkeit. Manchmal geht hier und da ein Mensch in die Brüche, doch olles geschieht artig, manierlich und auch— operettenmäßig. Schnitzlers Sanftheit, die Anmut, mit der er Lebensrätsel löst, verrät stets, daß er sehr viel Musik im Blut hatte: eine leichte, schwingende, schwebende. Gehen, wie im„E i n s a m e n W e g". die Entwurzelten, die nicht mehr zur erdenfesten Gesellschaft gehören, gern in ein unbekanntes Jenseits, dann trällert es noch ein bißchen in ihrer Seele. Das Rachtigallmäßige, das Amselmäßige, etwas seltsam-kostbar zwischen den Zeiten Schwebendes ist das Wesen der Schnitzlerschen Weichheit. Dieser geduldige, schwermütig-froh« Menschengestakter starb in einer Zeit, in der— so scheint es— dieses milde Fühlen und Denken keinen Raum mehr hat. Und das ist das Unvergängliche an diesem Dichter: er hat eine Welt, die — wenn auch nicht immer und heut« nicht mehr die unsere— das Kulturgeschehen und die menschliche Entwüklung stark be- einflußte, in fester Prägung für die Weltliteratur erhalten, jenes wienerische und österreichische Wesen, das jammervoll und still ein- ging, hat er im letzten Augenblick seines Berklingens und Vergehens für die Nachwelt aufgezeichnet. Einmal wurde dieser milde, alles verstehende, alles verzeihende Dichter fast zum sozialen Ankläger. Das war damals, da er als Gegenstück zum„Anatol* das kleine Trauerspiel vom„Frei- wild" schrieb Der Dichter setzte die jungen und alten Herren, die die Mädchen aus dem Volk« in die Chambre separees und in die noch geheimeren Winkel locken, beinahe aus die Anklagebank. Aber das war nur eine Episode in dem Schnitzlerschen Schaffen. Im Grunde war er versöhnlicher. Er dachte, daß Jugend zu Jugend gehört. Nicht lange fragen, ob der strenge Paragraph des Sitten- und Justizgesetzes den Verführer bestrafen will oder ihn entschuldigen. Man las, man sah, aufgeführt im Theater, den „R e i g e n", ein Lebenstanz, und— trotz allem— auch ein wenig Totentanz der Liebe. Die Jünglinge und die Mädchen, sie geben und nehmen sich ohne viel Grübelei Alles ist natürlich: bejaht wird alles, was Sinne fordern, wenn nur Anmut regiert. Und gegen diese Anmut empörten stch die Mucker. Sie empörten sich besonders in Berlin und unternahmen gegen Schnitzler und seine Künstler einen Infamierungsprozeß. Es siegte glücklicherweise der Geist der Anmut. Und doch sehlle in der persönlichen Existenz Schnitzlers und in seiner Lebensauffassung nicht das Tragische in seiner Tiefe. Sein Patriotenstück vom jungen Medardus, der Oesterreich politisch freimachen will, zeigt einen Schwärmer, der fähig ist, sich auszu- opfern. Und es fehlen unter den Schnitzlerschen Menschen, die so liebenswürdig genießen und untergehen, auch nicht die Außenseiter. Ja, sie sind besonders rührend und besonders echt. Packt es die Melancholiker an der Donau, wie etwa den Leutnant G u st l und das F r ä u l e i n E l s e. die beide aus härterem Holze geschnitzt sind, dann steigen sie bis in den finstersten Abgrund des Seelen- fchicksals hinab. In Oesterreich war soviel Aufrichtigkeit nicht er- wünscht, als die Habsburger noch kaiserlich regierten. Gegen den Militärarzt Archur Schnitzler wurde ein Ehrenoerfahren ein- geleitet, weil er die k. k. Armee getränkt haben sollte. Oft sind die Schnitzlerschen Gestalten Doppelnaturen. Wesen. die sich komödiantisch beleuchten und dauernd behorchen. Das Schau- spielerische, das Tänzerische, die Natur des hochkultivierten Lebens- genießers war das Hauptproblem Schnitzlers. Er hörte die hundert Zwischentöne, die in zarten, empfindsamen Seelen erklingen. Er deutete sie aus seine weltmännische Art. So wurde er ein ochrist- steller des österreichischen Kosmopolitismus, eines Kasmopolitismus, der sich aus der Banalität hinüberrettcn möchte in die vertiefte und verfeinert« Seelenkunde. Und so deutete das Wert des Ver- storbenen hinüber auch in unsere Zeit, in der die Erforschung der Seele eine selbständige wisienschaslliche Disziplin geworden ist. Xsax Hochdorf. Das Dolksbildungsaml Prenzlauer Vera veranstaltet eine Wilhelm-Raabe-Gedenkseier am Freitag, dem 23. Oktober, Pasteurstr. 44— 46. Mitwirkend«: Käthe Conrad(Klaoierj. Lekior Schröder(Vortrag und Rezitation). Hans Joachim Andrejen (Gesang). Beginn 20 Uhr. Wissenschast/ Weltanschauung Auseinandersetzung unier physikern In einem Vortrag zum Besten der Frauengruppen für soziale Arbeit führte Albert Ein st ein am Mittwochabend aus, daß die Ergebnisse der Naturforschung unsere gesamte Lebensauffassung außerordentlich beeinflussen, sowohl unmittelbar als auch mittelbar auf dem Wege über die Technik. Wir können uns heute kaum eine Vorstellung von der auf der Sklavenarbeit beruhenden alten Welt machen, in der nur eine kleine Oberschicht Träger aller geistigen Kultur war: das war auch noch vor wenigen hundert Iahren nicht anders, als fast jeder Mensch durch seine Muskelkraft in den Lebensprozeß eingereiht war. Die Entwicklung der Technik hat den Menschen von der schweren Muskelarbeit befreit in neuester Zeit aber zur erheblichen Störung des wirtschafllichcn Gleichgewichts und übermäßiger Arbeitslosigkeit geführt. Die Schuld daran trägt freilich nicht die Technik, sondern der Mangel an wirt- schaftlicher und sozialer Organisation. Daraus, wie hier zu helfen sei, wollte er nicht eingehen, sondern es dem Kollegen von der Technik überlassen. Der unmittelbare Einfluß der Naturforschung auf unsere Lebens- auffassung zeigt sich in unserem ganzen geistigen Verhalten. Seit Jahrhunderten, schon seit den Zeiten Newtons, galt als physi- kalisches Weltbild, daß die Welt aus getrennten Massen besteht, die durch den Raum hindurch aufeinander wirken und sich in ganz be- stimmtcr gesetzmäßiger Weise bewegen, so daß der Zustand zu irgendeiner Zeit die Ursache des darausfolgenden ist, der sich aus dem vorhergehenden berechnen und vorhersagen läßt. Diese Auffassung von der unbedingten Kausalität oder Determiniercheit alles Geschehens wurde auch auf das geistige und moralische Leben übertragen. Hierin besteht einer der stärksten Einflüsse der Natur- Wissenschaft auf unsere Lebensanschauung. Dringt diese Auffassung noch tiefer in das Bewußtsein der Menschen ein. so wird auch unser Verhalten gegenüber den Verbrechern sich ändern und der Be> griff der Strafe, der von dem des Rochegefühls begleitet ist, fallen müssen. Wer dies einfache physikalische Weltbild Newtons erfuhr zwei erhebliche Wänderungen. Durch die Arbeiten von F a r a d a y und Maxwell wurde klar, daß der Begriff von durch den leeren Raum wirkenden Kräften sich für das Gebiet der Elektrizität nicht halten läßt: man war genötigt, in den Zwischenräumen zwischen den Massen selbst Aenderungen, also rein räumliche Zu- standsänderungen anzunehmen, und kam so zu dem Begriff des Feldes, der von elektrischen Massen auch auf schwere Massen übertragen wurde. Die einheitliche Auffassung der realen Welt ging dabei verloren, indem neben den Massen nunmehr auch den sie um- gebenden Feldern Realität zugeschrieben werden mußte. Um wieder zu einer einheitlichen Auffassung zu kommen, versuchte man, die Massen, sowohl die elektrischen wie die schweren, als räumliche Stellen von stärkerer Intensität aufzufassen. Diese Versuche haben freilich noch nicht zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. Aber diese neue Auffassung rüttelte nicht an dem Begrisf des kausalen Geschehens. Das geschah jedoch durch die neueste Em- Wicklung, die auf den Tatsachen der Molekularphysik beruht, Durch die Arbeiten, vor allem von Schrödinger und H c i s e n- b e r g, wurde klar, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen zwei aufeinanderfolgenden Zuständen erfahrungsgemäß gar nicht festgestellt werden kann, und daher neigen die modernsten Physiker zu der Auffassung, daß auch die Theorie gar keinen kausalen Cha« rakter haben soll. Hierüber besteht allerdings keine Einigkeit, und Einstein selbst bekennt sich nicht zu dieser Auffassung, von der er annimmt, daß sie wieder überwunden werden wird. Freilich erkennt auch er an, daß keine Erfahrung uns nötigen kann, eine kausale Theorie zu verlangen. So hat die neueste Phase der Naturforschung die für das allgemeine Bewußtsein wichtigste Auffassung in Frage gestellt. Doch würde es abwegig sein, so schloß Einstem seine inter- cssanten Ausführungen, den Begriff der Kausalität auch für das Geschehen im Großen und im Leben der Menschen in Frage zu stellen, die Erfahrung zeigt vielmehr, daß dieser Begriff aus- reicht, um auch die geistigen' Vorgänge in den letzten Jahr- Hunderten zu erfassen. Erwin Schrödinger. der Nachfolger van Max Planck aus dem Berliner Lehrstuhl der theoretischen Physik, suchte dann noch näher den Standpunkt der nichtkausalen Physik zu be- gründen, die hier ein Dogma habe fallen lassen. Sie sei dadurch bescheidener geworden und hüte sich, etwa neue Dogmen an Stelle der alten ausgegebenen auszustellen. Professor Riebensa hm von der Technischen Hochschul«, der dann das Wort zu der im ersten Teck der Einsteinschen Ausfüh- rungen aufgeworfenen Frage nahm, wußte dazu allerdings nur zu sagen, daß man uMet Verzicht auf Rationalisierung und technischen Fortschritt zum früheren Zustand zurückkehren müsse. Wenn etwa in nur drei Stunden täglicherArbeit alles zum Leben Notwendige geschaffen werden könne, so sei das unhaltbar, weil die Menschen eben arbeiten müßten, um die Zell hinzubringen.' Daß geistige Beschäftigung mit Dingen, die über die Lebensnot- wendigkeiten hinausgehen, zu einer höheren Kullur führen werden, ja führen müssen, scheint diesem Kopf etwas ganz Unverständliches zu sein. Lt. Hegels System Abschluß des iniernationalen Hegel-Kongresses Schon in den Verhandlungen des zweiten Tages war die in- hallliche Vielseitigkeit des Hegelschen Systems deullich geworden. So sprach B a e r, Halle, über„lzegel und die Mathematik",- wober festgestellt wurde, daß trotz der Whängigkeit Hegels von den mathematischen Einsichten seiner Zeitgenossen er doch wichtige Erkenntnisse, die erst das fortschreitende 19. Jahrhundert im einzelnen aussprach, vorweggenommen hatte. Der letzte Ver- Handlungstag wurde eingeleitet durch ein Referat von Professor Ge utile, Rom, der.Hegels Verhältnis zum Staat" behandelte. Leider bediente sich Senator Gentlle der italienischen Sprache, so daß ich nicht beurteilen kann, ob er den faschistischen Staat in Italien als die„Verwirklichung der sittlichen Idee" be- trachtet.(Im übrigen darf man wohl anmerken, ohne der Well- geltung Italiens zu nahe zu treten, daß drei Kongreßsprachen. nämlich deutsch, französisch und englisch, eigentlich genügen sollten.) Dr. Lorenz, Göttingen, hiell eine scharfsinnige Vorlesung über „Hegel und das Prioatrecht". Professor G l o ck n e r, Heidelberg, setzte die Linie, welche die Welle und Umsassungskraft des Hegelschen Systems aufzeigen sollte, fort. Er sprach über„D i e Ae st hellt in Hegels S y st e m der Philosophie". Es war dem Redner ein leichtes, nachzuweisen, wie die Trennung der einzelnen„Gebiete" des Geistes dem inneren Sinn des Hegelschen Denkens widerspricht.„Die Wahrheit ist das Ganze", d. h. nicht nur, daß der Mensch in einer Gegenwart auf den Schultern der vorausgehenden Gegenwart steht, sondern es heißt auch, daß in einer bestimmten Epoche Wirtschaft, Rechts- und Staatsordnungen. Künste, Wissenschaften und Moral ein„Ganzes" sind. Niemand hat dies so tief aufgefaßt wie Hegels größter Schüler, Karl Marx, von dem allerdings aus diesem Kongreß sehr wenig die Rede war. Professor Stenzel. Kiel, hielt in der Nachmittagssitzmig einen außerordentlich lehrreichen Vortrag über„Hegels Auf- fossung der griechischen Philosophie". Hegel hat die unvergänglichen Leistungen- des griechischen Denkens in sein eigenes System eingearbellet, kein Philosoph vor und nach ihm hat die Tiefe und Bedeutung, namentlich des Aristotelischen Denkens so in seine eigenen Forschungen eingeschmolzen. Indem 5)egel aus die Grundlagen des europäischen Denkens zurückgrifs, erwies er sich als der europäische Phllosoph. der mll gutem Recht von einem inter- nationalen Kongreß gefeiert werden darf. Der Vorsitzende des Kongresses, Pfarrer G. Lassan, hielt das Schlußreferat über „Hegels Relrgionsphilosophie". lieberblicken wir kurz die Gesamtarbell des Kongresses. Gewiß wurden einzelne ausgezeichnete Vorträge gehalten, auch die Weste, die Universalität des Hegelschen Systems wurde den Zuhörern deullich. Aber war es nicht Hegel, welcher der Philosophie den Beruf zusprach,„ihre Zell in Gedanken gefaßt" darzustellen? Hegel hat diese Forderung für sein eigenes Denken vorblldlich verwirk- licht. Er, der große Philosoph des vollendeten F r ü h k a p i t a- l ismus, schloß wirklich seine Zeit ab, jedoch nicht, ohne ihr auch eine Aussicht der Zukunft zu weisen. Hegel kannte sehr wohl die elende Lage des damaligen Proletariats(man lese nur seine „Rechtsphilosophie), nur glaubte Hegel, daß Welchandel und Welt- verkehr den Gegensatz von Proletariat und Bourgeoisie aufzuheben vermöchten. Erst Marx deckte diese Lösung Hegels als eine falsche Lösung auf. Die wahre Ueberwindung der bürgerlichen Gesellschaft ist der einhellsstiftende Sozialismus Sehr wenig war auf diesem Kongreß von unserer Gegenwart zu spüren. Und doch hat eine Auseinandersetzung mit Hegel nur dami einen Sinn, wenn in dieser Auseinandersetzung die Fragen unserer Gegenwart mitschwingen. Unsere Philosophieprofessoren sind Beamte des Staates. Der Staat soll, im Geiste Hegels, der Allgemeinheit dienen. Somit muß auch die Philosophie i n der Zeit stehen, jede Frage, die sie auswirft, muß ihre Gegenwärtigkeit ausweisen Vernachlässigt die Philosophie ihre Gegenwart oder ver- liert sie sich in eine antiquarisch aufgefaßte Vergangenheit, dann muß sie es sich selbst zuschreiben, wenn sie ihre Berufung, ihre Be- deutung verliert.). L. Ick. Chorkonzert Fichte-Georginia. Der Männerchor Fichte-Georginia 1879, der Sonntag- nachmsttag st, der gut besuchten Philharmonie sein großes Können zeigte, ist einer der besten Chöre des Deutschen Arbeiter- Sängerbundes: sein vortrefflicher Leiter, Musikdirektor Wilhelm Knöchel, ist allen Arbeitersängern nicht nur als Chormeister, sondern auch als Komponist und Bearbeiter bekannt. Das Pro- gramm, das unter Hintansetzung jeder Betonung der Weltan- schauung des Arbeiters und seines Klassenbewußtseins nur auf reine Freude am Singen gestellt war, umfaßte ausschließlich wertvolle Werk«, die fast alle der Männerchorsammlung des Deutschen Ar- beiter-Sängerbundes entnommen waren: das ist keineswegs immer der Fall und als vorbildlich hervorzuheben. Der romantische Klang herrschte vor: wir hörten ältere und neuere Volksweisen aus aller Herren Länder, Sommernacht von Tiessen sowie drei Chöre von Knöchel nach Worten von Herman Läns. Besonders dankenswert waren das mit großem Beifall aufgenommene Echo von Orlando dt Lasso(das Eche wurde vom Freidenler-Doppelquartett unter Lei- tung von Rudolf Vahrs vorgetragen) sowie entzückende, selten ge- hörte Kanons von Haydn, Cherubini und Mozart, die allerdings sehr schwierig sind und nicht immer ganz gelangen. Das Eberl- Manz-Quartett(die Chormitglieder Manz, Theifen. Mag- dziarz und Kuthning) brachte einen Tango und einen Foxtrott von Nelson in der Bearbeitung von Knöchel zu Gehör, ohne daß es ihnen so recht möglich war, diese sehr schweren Stücke zu meistern und charakteristisch herauszubringen. Viel besser gelangen ihnen Weisen von Telemann, Janaczek und Röntgen. Zum Schluß sei noch Paul Leise erwähnt, der in verschiedenen Chören, vor allem in dem„Verstohlen geht der Mond aus" von Zuccalmaglio mit schöner Stimme das Tenorsolo sang. A.\V. „Soviel Krach um Muckepick." Komische Oper. Das Theater für Kinder ist ehrlich bestrebt, seinem Namen gerecht zu werden. Man verschmäht den Vorhang, die Kinder sehen beim Eintritt in den Zuschauerraum sofort die offene Bühne und hernach dürfen sie beim Umbau sogar kommen und helfen. Die Kulissen sind einfach, man verzichtet völlig auf erborgte Pracht und sinnverwirrende Farben— oder Lichteffekte. M u ck e p i ck ist ein Hund, dessen Weste durch die Neugierde eines kleinen Schulmädchens verloren geht. Doch zum Schluß erscheint, nach vielen ergötzlichen und unangenehmen Zwischenfällen, Muckspick, angetan mit seiner Weste. Trotz der Aufregungen mannigfacher Art fällt kein häßliches Wort. Man ist besecll von der Lehre, der Gute. Tapfere siegt doch zum Schluß. Man über- windet das Mißgeschick, wenn man zusammensteht. Sehr nett ist auch die Rolle des Schupos, wird er doch zum Schutzengel der Kinder im Kampfe mit dem Verkehr. Muckepick erscheint selbst, recht brav und ein wenig ängsttich. Was versteht schließlich auch ein Hund vom Thcaterspielen! Sehr viel aber verstehen die Menschen davon: Rolf Wenkhaus, Inge Bartsch, Hans R a t h m a n n, Richard T o m a s e l l i, Herbert Nußbaum, Hedwig Schlichter und Walter Lieck.— a. Wie die Reichsbahn sparen kann Die heutigen Lohnverhandlungen gescheitert Die Verhandlungen über den von der Reichsbahuhauplverwal- tung verlangten Lohnabbau wurden heute fortgesetzt. Gleich zu Beginn der Verhandlungen erklärten die Vertreter der drei vertragsschließenden Organisationen einmütig, daß sie den Forderungen der Reichsbahnverwallung nicht entgegenkommen können. Die Rot der Arbeiterschaft vertrage bei dem jehigcn Lohnsland nicht den geringsten Lohnabbau. Daraufhin stellte der die Verhandlungen leitende Vertreter der Hauptverwaltung fest, daß die Verhandlungen unter diesen Umständen als gescheitert angesehen werden müßten: denn die Reichsbahnverwallung sei von der Ansicht durchdrungen, daß die Belriebslage der Reichsbahn einen Lohnabbau erfordere. Dabei werde nicht verkannt, daß jeglicher Lohnabbau die Arbeiterschaft hart treffen würde. wie wir hören, hat die Reichsbohnverwoltung bereits den Reichsarbeitsminisler ersucht, ein Schlichtungsversahren einzuleiten. Der Lohnkampf der Eisenbahner tritt in sein aktives Stadium. Die Reichsbahngesellschaft will die Ermächtigung der Notverordnung vom 5. Juni durchführen. Den Eiscnbahnarbeitern soll noch einmal ihr kärglicher Lohn um 4!4 P r o z gekürzt werden. Die Reichsbahngesellschaft will dadurch 38 Millionen Mark einsparen. Es ist wirtschaftspolitisch verfehlt, die Kaufkraft der Arbeiter aufs äußerste zu schwächen, zumal wenn die notwendige Ersparnis aus anderen Gebieten möglich ist. Wir verweisen dabei zunächst auf die korrumpierende Leistungszulage für Beamte. Die gesamte Beamtenschaft fordert selbst seit Jahr und Tag Beseitigung der Korruptionszulage. Die Einsparung würde 14 Millionen Mark betragen. Auch die Zuwendungen an den B a h n s ch u tz und die Teno können fortfallen. Die Einsparung ergibt hier 6 Millionen Mark. Ferner kann der Bau und die Unterhaltung von 174 Sportplätzen und 72 Turnhallen der gelben Werksportvereine bei �der Reichsbahn fortfallen. Einsparung mindestens 2 Millionen. Der Unterstützungsfonds für besonders beliebte Bedienstete muß wegen seiner unmoralischen Eigenschaft beseitigt werden. Einsparung 8 M i l- l i o n e n Mark. Der Herr Generaldirektor Dorpmüllcr hat das Wort geprägt, daß alle Eisenbahner zur Erhaltung des Unternehmens Opfer bringen müßten Es sei deshalb folgendes vorgeschlagen: Das Gehalt des Generaldirektors wird von 97 699 M. auf 75 999 M. gesenkt. Einsparung 22 699 M. Das Gehalt des stellvertretenden Generaldirektors von 62 599 M. auf 59 999 M. Einsparung 12599 M. Das von sieben Direktoren von 45 999 M. auf 35 999 M. Einsparung 79 999 M. Bei acht Abteilungsleitern von 27 999 M. auf 29 999 M. Einsparung 56 999 M. Bei 29 Präsidenten von 23 999 M. auf 15 999 M. Einsparung 232 999 M. Bei 25 Bizcpräsidentcn von 29 999 M. auf 12 999 M. Einsparung 299999 M. Bei 62 Direktoren von 29 999 M. auf 12 999 M. Einsparung 469 999 M. Bei 196 Abteilungsleitern bei den Direktionen von 17 999 M. auf 19 999 M. Einsparung 74 2 9 99 M. Bei 43 testenden Beamten von 15999 M. auf 9999 M. Einsparung 258 999 M- Die 289 leitenden Beamten könnten von den vom Berwaltungs- rat der Rcichsbahngcsellschaft festgesetzten Gehältern bequem 2 962 199 M. zugunsten der kärglichen Arbeitcrlöhne opfern.(Wenn sie wollten!) Es könnte so die Summe von rund 33 Millionen Mark eingespart und damit den Erfordernissen der Notverordnung für die Reichsbahngescllschoft Rechnung getragen werden. Jede weitere Lohnkürzung bei den'Arbeitern ober muß zu stärksten Störungen im Reich sbahnbetricb führen. Die gesamte Oeffenllichkeit würde dadurch betroffen. DesHalt hat die Oeffentlichkeit die Pflicht, laut und deutlich ihre war- nende Stimme zu erheben und mit dem Borstand des Einheit?- Verbandes zu erklären:„Hände weg vom Lohn der Eisenbahner!" Welker für Verlin: Fortdauernd sehr kühl. Bewölkungszunahme ohne erhebliche Niederschläge, schwache westliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen und Norden Deutschlands zunehmende Be- wölkung, aber nirgends erhebliche Niederschläge, im«üben und Südosten des Reiches trocken und heiter, überall sehr kühl mit vcr- breiteten Nachtfrösten. eBuch -Drei Wosmosbändciieit Bon den Kosmosbändchcn�) liegen mir drc, vor: Kurt Floerickc: Wisent und Elch. Zwei urige Recken. Hanns Günther: Jin Reiche Röntgens. Eine Einführung in die Röntgentechnik. R. h. France: Korallcnwelt. Der siebente Erdteil. Dem Naturfreund können die Bündchen mit gutem Ge- wissen empfohlen werden. France führt den Leser durch die wunderbare Welt der Korallen und der korallenähnlichen Kallalgen, eine über die Erde viel weiter verbreitete und viel mannigfaltigere Welt als man gemeinhin glaubt. Sehr lebendig und anschaulich ist die Darstellung Günthers von der Röntgentechnik, ihrer gleich nach der Entdeckung der Röntgen- strahlen einsetzenden Entwicklung, die in sachkundiger Hand ihre Gefährlichkeit vcnneideii gelehrt und in den modernen Röntgen- instituten zu komplizierten Maschinen für die allcrvcrschiedensten Anwendungen, außer in der Medizin in den verschiedensten Industrien und Kunstgewerben, geführt hat. Nicht so uneingeschränkt kann das Bändckzen von Floericke gelobt werden. Zwar ist auch hier die Schilderung der Geschichte und der Lebensweise der beiden im Aussterben begriffenen pracht- vollen Tierarten eine anschauliche und lebendige und den Tierfreund sicherlich erfreuende. Aber Floericke hätte es vermeiden sollen, die historischen Verhältnisse und politischen Unruhen und Wirren, deren Verlauf manchniol zur Vernichtung der Tierbestände beigetragen hat, lediglich unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten und seiner Vorliebe für das Alle und Gestürzte dabei Ausdruck zu geben, so zum Beispiel, wenn«r auf die„herrlichen Zeiten der baltischen herrcnjägcr" zurückblickt, welche das Elchwild in vernünftiger schonender Weise jagten, und im Gegensatz dazu von der„sinnlosen Vernichtungswut, der kulturfeindlichen Böswilligkeit und unglaublichen Niedertracht der bolschewistischen Horden" spricht. Ganz abge- sehen von der Schiefheit seiner kulturhistorischen Urteile verringerte Floerickc durch solche Entgleisungen den Wert seines Büchleins. Dr. Bruno Borcliarckt. ») KoSmoZ, Gesellschaft der Naturfreunde. Stuttgart, Franckh'sche Ver- lagSbuchhandlung. Jeder Band drosch. 1,25 M. geb. 2 M. Veranlworil. Kit die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin: Anzeigen: Td. Sliul«, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. UI. b. L.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanftalt Paul Einger& To. Berlin CW 68. Lindenstraste Z. Lierzu I Beilage. �(Befchäfts-Jlnjeiger t (Bezirk Jtorden-Cften Friedrichshagener Baugenossenschaft £.6. ülbr M.B.H. i Mi(i!<,ann Bufler-Heinze fe, 134, Heneltr Str. 50. funspr. toiäsladt ZlZII ZI 1 „ Filialen las allen Sladllellen Hoch- u. Tiefbau BERLIN- FRIEDRICH SHAG EN» KLUTSTR. 8 Eduard Busse G.m.b.H. BwIIb MS. T«oelu Str. 13 s s- Ferural: Wetmio# D8. 05T3 Bauhiempnerei- DadieindediDng Gas-, Wasser-, desnndhellsledinfsdie Anlagen VltKC /«» HAUS bin dUTIH OU*llT**t*l GrünfiraBe 23/241 Oiöpenick am Schloßplatz Fleisch Wurst Willy Hanka billig Brnnnen«tra$e 121-122 gyt 0) C 3 E E M RESTAURANT MÜNZHOF Münzstr. Ecke Dragonerstr. Warme Köflie ♦ bot gepflegte Biere ♦ Uli 12 Uhr mittags Kopzert Saalban u. Anssdiank der Hodisdinlbranerel N 65, Amrumer Sir. 31. Helnridi 5 dir, der. Am Virchow-Krankhs Säle f. 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Dem aufmerksamen Beobachter werden die Spuren der Wirt- schatfskrise im Berliner Straßenbild nicht entgehen. Wohnungen und Läden sind in Masse zu haben; totaler Ausverkauf wegen Ausgabe des Geschäfts ist nicht selten zu lesen. Nur e i n Geschäft scheint zu blühen und sich mehr und mehr auszubreiten: die Leihbibliotheken. Der Sekretär der Gesellschaft für Volksbildung, Fritz Stach, hat sich die Mühe gemacht, SV solcher Geschäfte in den verschiedensten Stadt- teilen Berlins auszusuchen. In Heft 7 der Zeitschrist„Volksbildung" gibt er von dieser Streife ein anschauliches Bild. Er hat festgestellt, datz alle diese Bibliotheken entweder einem einheitlichen Groß- unternehmen oder mindestens einem gemeinsamen Verband an- gehören oder daß sie Einzelgeschäste sind, bei denen die Leihbibliothek � mit Papierhandlungen, Zigorrenläden usw. verbunden ist. Die Schau- sensterauslagen gleichen sich sehr. Die„Bauchbindensprache" domi- niert; deutlichere Töne noch reden die grellen, bunten Titelbilder. Abenteuer- und Kriminalgeschichten, Sittengeschichte und Sitten- romane, Gutes und Minderwertiges wird in wüstem Durcheinander zur Schau gestellt Je nach dem Stadtteil ist die Aufmachung mehr oder weniger reißerisch, je nach der zu erwartenden Kundschaft wird Klasienkamps, Revolution, Verbrechertum, Geschlechtsleben, Liebe, Gesellschaftsstandal in den Vordergrund gerückt. Die Geschäfts- Inhaber lassen sich nicht lumpen; wie im Kolonialwarenladen bei einein Einkauf von bestimmter Größe eine Tafel Schokolade zu- gegeben wird, so ist es in einzelnen Leihbibliotheken üblich, daß der fleißige Leser sein 20. oder 25. Leihbuch umsonst lesen darf, oder daß derjenige, der bereits am nächsten Tag sein Buch umtauscht, 5 bis 10 Pfennig zurückvcrgütet erhält(ausgenommen ist Sonntag). Ja, eine Leipziger Leihbibliothek bietet erwerbslosen Abonnenten ein Mittagessen für 20 Pfennig an. Nach den Feststellungen Stach? ist die Kundenzahl dieser Leihbibliotheken erheblich: ein kleiner Laden im Berliner Osten gibt bekannt:„rund 4000 Bücher im Umlauf". Auf alle Fälle scheint sich das Geschäft vorläufig zu rentieren. Im vorigen Winter tauchten auffällig viele dieser Ge- schäfte auf; sie überdauerten den Winter und sind noch heut« da. Die Leihgebühr beträgt 10 bis 20 Psennig pro Woche im Durch- schnitt: bei Neuerscheinungen steigt sie, am höchsten steht die Erotik im Kurse; sie kostet bis 2 Mark. Wie ist dieses rasche Anwachsen der Leihbibliotheken zu erklären? Es hangt sicherlich mit der großen Arbeitslosigkeit zusammen, die viele Menschen zu unfreiwilliger, schwerer, unerträglicher Muße zwingt; es hängt.zweifellos damit zusammen, daß die Erwerbs- tätigen sich vielfach die gewohnten Zerstreuungen, Theater, Kino, Konzert, nicht mehr leisten können und das Buch ihre einzige Ab- Wechselung und Zerstreuung ist. Man braucht sich also keinen Illusionen hinzugeben: man braucht nicht zu glauben, daß hier ein , ungeheurer Bildungshunger erwacht ist. Das starke Lesebedürfnis ist � zimt guten Teil U n t e rha ltu n g s b edür f n i s: das Buch dient als Zeitvertreib, zur Ausfüllung leerer Stunden,«säst Surrogat. Ader dennoch eröffnen sich hier außerordentliche Möglichkeiten. Menschen, die nie zum Buch gegriffen haben, die nie Zeit oder kaum jemals Lust dazu hatten, kommen in Berührung mit diesem Zaubcrmittel, v das fo gute und so schädliche Wirkungen ausüben kann. Und wie wird dieser Augenblick, der die Möglichkeit bietet, in größerem Umfang stuchtbare Beziehungen zwischen Mensch und Buch her- zustellen, genützt? D a s K a p i t a l erkennt die Ebance; es befriedigt das LessbeMirmis und hat dabei felbstoerstäichli.t sen Gewinn im Auge. Also wird das angeboten, was vielen wolh.zefällt, was reizt-, was lockt, was niederen Instinkten entgegenkommt.-Es wird keines- wegs nur Fragwürdiges, Minderwertiges angeboten: sondern schlechte und gute Bücher treten nebeneinander aus. Und gerade diese Mischung, dieses unterschiedslose Nebeneinander von gut und schlecht ist g e f ä h r l i ch. Di« Tatsache, daß hier für wenig Geld sich jeder, a-uch der Jugendliche, nach Herzenslust Geschmack und Gemüt »erderben kann, hat die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich gezogen: in Zeitungen und Zeitschristen wird aus die drohende �.Seuche", aus die„Bollsgefahr" hingewiesen. Der Minister des Innern hat die Pokizeiverwallung aufmerksam gemacht:„lieb Vater- land, magst ruhig sein", es ist alles in bester Ordnung. die Volksbüchereien werde« abgebaut: Während sich diese„Seuche" ausbreitet, vollzieht sich in aller Stille der Abbau einer öffentlichen Einrichtung, die dazu beitragen könnt«.>cr aus dem starken Lesebedürfnis sprechenden geistigseelischen Rot erfolgreich zu steuern, der Abbau der Volks« büchereien. Die Volksbüchereien haben sich im alten Deutsch- land nicht der Gunst der Obrigkeit erferut; nur in bescheidenem Maße fanden sie öffentliches Interesse. Das deutsch« Volksbüchereiwesen stand weit hinter dem anglo-amerikanischen zurück. Im neuen Staate wurde manches Versäumte nachgeholt: nach der Stabilisie- rung setzte ein allgemeiner Ausschwung des Volksbüchereiwesens in Deutschland ein. Es wuchs nicht nur in die Breite, es gewann auch an innerer Kraft. Mit verhältnismäßig geringen Mitteln wurden hier öffentliche Einrichtungen auf- und ausgebaut, die weite Kreise erfaßten, viel weitere, als etwa vom Theater und von den Museen erfaßt werden.. Die Volksbüchereien standen und stehen allen offen, in erster Linie aber denjenigen, die nicht in der Lage sind, sich Bücher zu kaufen oder teure Leihbibliotheken zu benützen, denen die wissen- schastlichen Bibliotheken verschlossen sind. Sie sind als Stätten der Auswahl und Vermittlung wichtig fiir alle die, die sich in der Fülle der Literatur nicht selbst orientieren können, ganz besonders auch für die Jugendlichen. Das Prinzip der Auswahl unter bildungs- pfleglichen Gesichtspunkten und das Prinzip der individuellen Bücher- Vermittlung, das sind die Faktoren, die die Volksbücherei von jeder, auch von der besten Leihbibliothek unterscheiden. Mit der Durch- führung dieser Prinzipien erfüllt sie eine wichtige Ausgabe im Dienste der Erwachsenenbildung: sie ist neben der Volks- Hochschule ihr Hauptträgcr. Die deutschen Volksbüchereien sind immer stark in Anspruch genommen worden, sie hätten, wenn ihnen mehr Mittel zur Ver- sügung gestanden hätten, eine weit ausgebreiteter« Tätigkeit ent- falten können. Ihre Statistiken beweisen, daß das Lesebedürsnis immer da war. Zeitweilig, so in den Anfängen des Radio, trat es etwas zurück, aber trotz gelegentlicher Schwankungen hat es sich immer wieder geltend gemacht und in der starken Benutzung der Volksbüchereien feinen Ausdruck gesunden. Der Massenansturm, den die deutschen Volksbüchereien seit 1920 erleben, übertrifft jedoch weit alle bisherigen Benützungszahlen. Verdoppelung der Leserzahlen seit 1928, Steigerung der Entleihungen um 20 bis 60 Proz., in einzelnen Fällen sogar Zunahmen von 80 bis 100 Proz., das ist das Bild, das die Statistiken bieten. Woher kommt dieser enorme Zulauf? Er ist ebenso zu er- klären, wie das Zlnwachsen und die starke Benutzung der Leih- büchereien. Die Erwerbslosen strömen in die Volksbüchereien, in manchen machen sie 40 bis 60 Proz. der Leser aus. Die Oede ihrer müßigen Stunden bedrückt sie:„die Decke stürzt ihnen überm Kops zusammen", sie wollen sich ablenken. Die einen wollen aus diesem grauen Alltag fliehen, sie lesen Abenteuer und Reisen,. anderen wollen diesen grauen Alltag ändern, sie lesen politisch und sozialwissenschastliche Werke. Wieder andere wollen sich ir ihrem Beruf fortbilden oder sich für einen anderen Beruf vor bereiten: sie entleihen die entsprechende Zweckliteratur. Aber nicht nur durch die Erwerbslosen werden die Anforderungen ai die Volksbüchereien so außerordentlich gesteigert. Viele Erwerbs tätige. Beamte. Lehrer, Aerzte und andere, die sich früher Bücher kaufen konnten, sind dazu nicht mehr in der Lage: sie benützen die Volksbücherei. Die wissenschaftlichen Bibliotheken sind überlastet. ihre Bestände sind nicht im Verhältnis zur Zahl der Studierenden gewachsen; also versuchen manche Studenten ihr Heil in der Volks- bücherei. In den modernen Schulen ist die Arbeit weit mehr als früher auf eigene Lektüre der Schüler abgestellt. Die Schulbüchereien sind keineswegs so ausgestattet, wie es die moderne Schularbeit ver- langt: also kommen die Schüler in die Volksbücherei. So von allen Seiten bedrängt und in An- spruch genommen, müßte die Volksbücherei, um diesen erhöhten Anforderungen zu genügen, weit größere Mittel haben als früher. Was geschieht statt dessen? Die ohnehin unzureichenden Mittel der Volksbüchereien werden rigoros beschnitten. Im Berliner Volksbüchereiwesen betrug die Anschafsungssumme für Bücher im Jahre 1930 217 410 Mark. Diese Summe ist 1931 u m 50 Proz. gekürzt worden. Während sich die Zahl der Leser gegenüber dem Jahre 1928 um 93,9 Proz., die Zahl der Ent- lcihungen um 77,8 Proz. erhöht hat, wuchsen die Bücherbestände in der gleichen Zeit nur um 14 Proz. Im Jahre 1928 standen pro Kops des Lesers 9.5, im Jahre 1930 nur noch 5,7 Bände zur Ver- fügung. Wie verhängnisvoll sich die Kürzungen des Jahres 1931 ausunrken werden, ist danach ohne weiteres klar. Wenn auch die Büchercietats in anderen deutschen Großstädten nicht so stark be- schnitten worden sind wie in Berlin, so werden doch von allen Stellen erhebliche Kürzungen gemeldet. Herabsetzung der Mittel bei Steigerung des Betriebes bedeutet aber für die Volksbüchereien, die ja Verbrauchsbüchereien sind, daß die rasch zerlesenen Bücher nicht ersetzt werden können, daß die Substanz schwindet. Also Versall in kürzester Zeit! Und das geschieht, obwohl überall von der geistigen N o t h i l f« für die Erwerbslosen gepredigt wird. Es werde» Eingaben gemacht, um neue Einrichtungen für solche Nothilfe zu fordern: aber die Einrichtungen, die da sind, werden vernachlässigt, werden dem Versall preisgegeben. Wir schreien nach der Polizei, um die verheerenden Wirkungen der Leihbibliotheken cinzudämnien. Wir werden im Jahre 1932 große Goethc-Feiern haben, es werden schöne Worte von der deutschen Kultur geredet werden: aber die Stätten, die der Pflege deutscher Kultur dienen, lassen wir ver- kümmern. Das Her; im kaffmfchraak Gefprüch mit dem„Studenteovater" Dulsberg Das Zeiürqlorgan der rechtsradikalen„Dellischen Studenten- schalt",„Der Student", veröffentlicht in seiner letzten Nummer«in „Gespräch mit dem Studentenvatcr", das sein erster Redakteur, der in der Hochschulpolitik sattsam bekannte Hermann Proebst mit dem Industriellen Karl Dulsberg aus Anlaß seines siebzigsten Geburts- tages geführt hat. Dieses Interview plaudert so manches aus, was für die Kulturpolitik der Schwerindustrie wertvoll erscheint, und was daher wichtig ist, auch in Arbeiterkreifen bekannt zu fein. Wir erfahren, daß Duisberg. der den Vorsitz im Reichsverband der Deutschen Industrie niedergelegt hat, soweit wie möglich olle Aemter aufgeben will, aber der Studentenarbeit will er sich noch mehr widmen als zuvor. Diese Arbeit erscheint zu wichtig, als daß er sie aufgibt, ist doch die Beeinflussung der Studenten für die In- dustrie mit ein Mittel zur Aufrechterhaltung ihrer Vormachtstellung. „Mein Herz ist im Kassenschrank in Dresden eingeschlossen", erzählt der„Studentenvoter", und deutet damit an, daß zwischen der deutschen Industrie und dem Deutschen Studentenwerk in Dresden engste, freundschaftlich« Beziehungen bestehen. Dieser Ausspruch wiegt mehr als alle Beteuerungen des Studentenwerkes, das sich immer als überpartciifche, völlig neutrale Oorganifation ausgibt, jedoch mit unendlich vielen Beziehungen der Industrie und ihren Kreisen verbunden und dienstbar ist. Wir glauben gern, daß der Geschäftsführer des Deutschen Studcntenwerkes, Herr Dr. Schairer, mit dem ehemaligen Vorsitzenden des Rcichsverbandes der Deutschen Industrie gut zusammenarbeiten konnte. Ajs ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist von uns trotz oller gegeistciligen Dementis der sogenannte Amerika-Werkstudentendienst stets bezeichnet worden, eine Einrichtung, die deutsch« Studenten aus ein bis.zwei Jahre in amerikanische Werke vermittelt, damit sie dort„gute Wirtschaftsorganisation" kennenlernen. Geheimrot Duisberg sagt, daß ihn, an diesem Werkstudentendienst sehr gelegen ist.„Ganz besonders wertvoll erscheint mir die Schule der amerika- nischen Werke wegen des guten Be rhältnisses zwischen Arb« i tg e b e r und Arbeitnehmer, zwischen Vorgesehken und Untergebenen.� Das also erstrebt der deutsche Industriell.'! Damit deutsche Studenten lernen, wie zwischen Arbeitgeber und Arbestnehmer das Berhältnis van Vorgesetzten zu Untergebenen erreicht wird, deshalb hat er sein Herz in den Kassenschrank in Dresden einschließen lassen und das Studentenwerk ist ihm zu Diensten! Selbstverständlich begrüßt der Herr Geheimrot auch das Wlrk- studcntentum, denn eine praktische Werkarbeit ist für jeden Studen» ten nützlicher als das verhängnisvolle Staatsstipendiatentum, bei dem eventuell«ine Beziehung zur Republik eintreten könnte. Der Kampf der rechtsradikalen Studentenorganisationen gegen die Studentenhilfe des Staates gewinnt hierdurch eine neu« Beleuch- tung. Dabei vergessen diese Herren geflissentlich, daß jeder Student ein„Staatsstipendiat" ist, denn ohne die Steuerkraft des Volkes wäre die Unterhaltung der Hochschulen gar nicht möglich. Die Betonung der praktischen Werkarbeit der Studenten gibt aber auch zu denken, angesichts der Bemühungen der rechtsradikalen Studentenorganisationen über den Weg des freiwilligen Arbeits- dienstes, die Arbeitslager einzurichten. Auch das Deutsche Stu- dentenwcrk beteiligt sich an dieser ihm völlig fernliegenden, höchst auffälligen Tätigkeit. Sollte dos im Kassenschrank eingeschlossene Herz des Industriellen«inen leisen Wunsch geflüstert haben? Die verantwortlichen Vertreter der Arbeiterschaft täten gut, hier ein-- mal nach dem Rechten zu sehen, denn es dürste der Partei und d«n Gewerkschaften nicht gleichgültig sein, was hier zustande kommt. Die Frage nach der„Deutschen Studentenschaft" ist nicht leicht zu beantworten, seufzt Herr Proebst. Natürlich, denn wie soll man verbergen oder erllären, daß die Korporationen in dieser radi- kalen Stuüentenorganisation ihren Einfluß völlig verloren haben, daß Hitler die.Deutsche Studentenschaft" beherrscht und über die beiden nationalsozialistischen Vorfitzenden kommandiert? Soll man dem alten Bmschenschaftler erzählen, daß es auf dem Grazer Studententag einen Bombenkrach gegben hat? Lieber nicht! Also spricht man Dgrüber hinweg und erzählt„von der Wehrarbeit und der Hochschulrefor m*. zwei Dinge, die nur für einen rechtsradikalen Hochschulpolitiker in einem Zusammenhang stehen. Diese Aeußerung ist aber bezeichnend! Sie erinnert uns an die Schießübungen und den Wehrsport dieser Studentengruppen, an die „Forderung zur Hochschulreform", Studenten im Giftgas- krieg auszubilden, an die vielen diesbezüglichen Vorstöße der Nationalsozialisten. „Als aber die Rede auf das Preußische Kultus- niinisterium kommt, beginnt ein allgemeines Schütteln des Kopfes." Hier liegt ja die Wurzel so vieler Qual für diese Herren, hieran ist so manches kühne Traumgebilde zerschellt! Die studentische Selbstverwaltung„ist für die Hochschule und die Studenten das einzig Richtige", sagte der„Studentenvater". „Die Gründung der Deutschen Studentenschast durch die Kriegsstudenten war ein erhebendes und großartiges Ereignis, vorbildlich für alle Zukunft." Warum hat nur das Preußische Zkültusminsterium diese wunderbare Organisation der Selbstverwaltung aufgelöst und dadurch die„Deutsche Studentenschaft" zu einem rechtsradikalen Privatverein gemacht, der mühsam um seine Existenz kämpft? Ge- wiß, die Herren von rechts wollten der republikanischen Minderheit nicht das gleiche Recht zugestehen, sie wollten auf den, Boden der gesetzlich geschützten Selbstverwaltung gegen den Staat, ihren Be- schützer, kämpfen und sie wollten sich vor allem nicht nnt den sozio- listischen Studenten Oesterreichs an einen Tisch setzen. Kann man es arischen Studenten verdenken, daß sie„3uden"(lies Sozialisten) als nicht gleichberechtigt ablehnen? Das preußische Kultusministe- rium ist mit seiner Forderung nach dem gleichen Siaatsbürgcrrecht undeutsch und muh heftig bekämpft werden. „Glauben Sie, Herr Geheimrat, daß die Studentenschast über die bestehenden Schwierigkeiten in Preußen hinwegkommen wird, und daß ein verträgliches Verhältnis zur Regierung hergestellt werden kann?" Die Antwort des Großindustriellen ist mehr als eine Stellung- nähme in hochschulpolitischen Fragen, sie ist ein Programm gegen die Regierung Preußens, ein Kampfruf gegen die Republik.„Auf der einen Seite ist der Wille vorhanden, auf der anderen Seite anscheinend nicht. Der sozial! st is che Staat hat. wie es scheint, kein Interesse daran, sich mit der Studentenschaft zu vertragen. Wenn es einmal zu Friedensoerhandlungen mit dem Staat kommen sollte— ich bin jeden Augenblick von ganzem Herzen bereit, die Vermittlung zu übernehmen. Aber ich fürchte— sie wollen nicht." Man muß sich die Worte des Industriellen, der von den rechts- radikalen Studenten als ihr„Studentcnvater" gefeiert wird, merken: man muß vor allem aktiver werden, um der ständig wachsenden Hochschulreaktion energisch entgegenzutreten. Auf den Hochschulen wird mit Hilfe der Industrie ein Faschismus großgezogen, gegen den die Republik viel zu tolerant ist l Die Arbeiterschaft sollte diesen Zuständen größte Aufmerksamkeit schenken! Arkeiter-Handball und-Hockey Die Serien gehen weiter Am Sonntag sind beinahe alle Handballmannschaften der 1. Klasse beschäftigt. Lediglich FTGB- Süden und Volkssport Neukölln pausieren. In der Abteilung A wird die FTGB. Osten im Spiel gegen„Eiche" Köpenick auf dem Platz Laskerstroße am Bahnhof Ctralau-Rummelsburg um 9.50 Uhr den Sieger stellen. Volkssport Wedding 3 wird sich seinem Gast, der Freien Turnerschaft Velten, in den Nehbergen beugen müssen. Beginn des Spiels 10 Uhr. Anschließend um 11.10 Uhr treten dann Volkssport Wedding und Turn- und Sportvereinigung Rowawes auf den Plan. Bei dieser Begegnung wird sich der Kreismeister Wedding mit ent- sprechendem Torunterschiel» durchsetzen. Der sich bisher gut behaup- teten FTGB. Nordost wird es auch diesmal aller Wahrscheinlichkeit nach gelingen, über die Freie Turnerschaft Hennigsdorf auf dem Platz Schönhauser Allee um 12.45 Uhr zu triumphieren. In der Abteilung B ist der Ausgang der Begegnung FTGB. Oberspree gegen ASV. Schönebcrg sehr ungewiß. Wir geben Schönebcrg eine kleine Chance. Das Spiel beginnt um 16 Uhr in der Wuhlheide 254.— Sehr ungünstig sieht es für Lucken- walde Sport in dem Spiel gegen Volkssport Wedding 2 um 16 Uhr in Luckenwalde, Platz Hetzheide, aus.— Noch ein interessantes Spiel wird sich in der Paarung FTGB. Nordring mit Eintracht Mahls- dorf um 16 Uhr auf dem Platz Schönhauser Allee abwickeln. Wenn man noch in der vorigen Serie beide als durchaus gleichwertig de- zeichnete, so kann man heute der FTGB. Nordring ein Plus ein- räumen Durch einen Sieg würde sich Nordring gut placieren und eventuell schon die Mitbeteiligung an der Abtellungsmeisterschast sichern. Bon der Z. ÄlaRe amvWjten wir folgende. Spiel«>un> Kesuch: Kejiitlrfliiis« pflau: FTGS.-.'liilewbo, gegen TSV. Aaulsdorf um 10 Uhr In dcv Wühl. -.....-j------------- af--- it 15 Uhr i» ____----- 1 gegen FTGB. Lichlenberg um 1« Uhr in siichtcliau. 77 9eG?n BfL. Ostring um 15 Uhr in Richterwald«.— Bezirk». Ikasse Osten: Frauen. FTGB. Osten gegen Eintracht Mahladors um iSV* Uhr auf dem Plah Laskerstraste.— Eiche Köpenick gegen Rowawes um 11 Uhr auf _,i.«... � �....... l?»«». Stca. gegen Slthletik- iGB. Nordring 2 gegen FSB. Reinickendorf»m önhaufcr Allee.— FT. Friedrichsthal gegen FTchB. Sportverein Moabit gegen Volk», dem Eiche-Platz,»cndcnschl-ßftr-tze.— FTSB. Adler-Hof gegen lau um» Uhr auf dem Plag Wuhlheide 251.— FT. Wildau- Sport-Slub um 15 Uhr in Wildau. oabu gegen FTEB. Norden Z B«z>rk»Ilaff, Norden: 14.55 Uhr auf dem Platz i Rosenthal um 15 Uhr in Friedrichsthal.______________ frort Wedding 4 um 15 ih Uhr.— FTSB. Norden I gegen___ um 9 Uhr im Humboldihain.— FT. Schmante gegen-215«. Roi.Weitz um 15 Uhr.— Frauen: FTSB. Nord ring gegen FT. Hennigsdorf um 15 Uhr.— FT. Betten gegen Voltssport Wedding um 15 Uhr in Velten.— AGB. Wedding gegen Vollssport Wedding um 15 Ufr Plötz Rehberge. Bezirksklafl« Westen: Turnersch Brandenburg, 1. Bezirk, gegen Ro. wawes 2 um 1«Zj Uhr.— Turner....it. 2. Bezirl, gegen Freiheit Rathenow um 15.40 Uhr.— FT. Nauen gegen FT. Bornstedt um 15 Uhr in Nauen. Bezirksllallc Eitdea: ATD. Nuhlsdorf gegen ASV. öchöneberg 2 um 15.50 Btzr in Ruhled erf.— MTV. Epercuberg gegen Berlin 12 um 15.IN Uhr in Epercnberz.— FSV. Fichte gegen ZdA. um 11 Uhr Platz Äatzbachstratze.— FTSB. Lankwitz gsgc» FT. Teltow in Lankwitz um 11 Uhr.— ATB. Schenken. borf gegen FTGB. Friedenau um 14 Uhr in Schenkendorf.— Frauen: Luckenwalde, Platz Hetzheid«: Luckenwald« B gegen Luckenwalde I um lll Uhr: Luckenwalde l 2 gegen Luckenwalde K um 10.50 Uhr; Luckenwalde D gegen Luckenwalde C um 11.40 Uhr.— FT. Zehlcndorf gegen V-Ikifport Nenlölln um 15 Uhr in Neukölln.— FSV. Fichte gegen FTS7 Platz Katzbachstraße. Süden um 10.10 Uhr Nack) den Beschlüssen des Bundes-Handballspiel-Ausschusses des Arbeiter-Turn» und Sportbundes treten grundlegende Aenderungen in der Frage der Handball-Bundesmei st ersch ästen in Kraft. Die Bundes-Handball-Meisterschaft für Männer, die bisher alle zwei Jahre durchgeführt wurde, findet künftig jährlich statt. Dagegen ist die Austragung der Handball-Bundesmeistcrschaft für Frauen und die Bundesmeisterschaft in Raffball, Faustball und Tennis abgelehnt worden. Ende Mai 1932 soll in Wien em Länder-Handballspiel gegen Oesterreich ausgetragen werden, und in der Zeit vom 5. bis 12. Juni wird die Schweizer Handball-Länder- Mannschaft in Hannooer, Bremen, Bielefeld und Minden spielen. Beschlossen wurde ferner die Beteiligung an den Tennis-Länder- wettkämpfen vom 9. bis II. Juli in Riga, an denen außer Lett- land und Deutschland auch Dänemark und Oesterreich beteiligt sein werden. Hockey Arn kommenden Sonntag, dein 25. Oktober, kommen folgende S e r i e n s p i e l c zum Austrag: In Spandau auf dem Cxcr empfängt der dortige Freie Hockcy-Club 1 die Freie Sport- Vereinigung Pankow 1. Beide Mannschaften dürften eiiLinteressantes Spiel zeigen, wobei Spandau zumal auf eigenem Platz einen Vorteil hat. Beginn 13 Uhr. Der Arbeiter-Sportvereln Rot-Weiß 1 und der Sportverein Moabit 1 treffen sich in der Stralauer Allee. Wenn auch Rot-Weiß als Favorit startet, dürften sie erst nach dem Schlußpfiff den Sieg ernten. Jedenfalls bringt Moabit alles mit. um ebenfalls siegen zu können.— Spielbeginn 15 Uhr. � an n«. v. Gruppe spielen im Bolkspark Mariendorf die dortige FTEB Tempelhos 1 i»gen Volkssport Neukölln-Britz I. Beginn 1514 Uhr.- Arbeiter- SKort.Vereul Rot.Welß 2 und der Achletik.Sport.Elub 1 treffen in der Schön. l>°uler-ellee um 1214"br zusammen._ Grvvpe c. FTGB. Tempelhof 2 geqen FTGB. Osten 1 UNI 15 lihr Bolkspark Mariendorf.— Freier Hocke n.Elud (rnnuhkiii 2 utth 9 um mz. ifj... � at- Sonnabend ob 151-z Uhr auf dem Platz in der Wiefem'traße Ecke Ponkstraße. Interessenten für den Hockeysport sind zu dem Sonn- abend. 24- Oktober, erstmalig stattfinde rii>«n Trainingstag gern gesehen. Sonstige Auskunft bei Heinrich Schirmer N31, Graun- straße 7 und Martin Seydel, N 65, Lütticher Straße 5. Vereinigung Pankow um 14 Uhr>m Volkspark Mariendorf Hockey beim ASv. wedding. Die Hockeyabteilung des ASV. Wedding hat ihren Betrieb wieder aufgenommen und trainiert jeden Kleiner Sport von überall Die Deutjchlandsreisc der französischen Arbeiterboxer. Nach den Niederlagen der Gäste in Bremerhaven, Braunschweig, Staßfurt und Bernburg verloren sie auch in Görlitz, und zwar mit 11:3 Punkten, in Liegnitz mit 10: 4 und in Weißwasser mit 9:5.— Weshalb Holl man sie nicht zu einem Kampfabend nach Berlin? Der Arbeiter-Sportverein Moabit bietet Tennisinterefsenten für den Monatsbeitrag von 3M.(hierfür werden Platz, Bälle und Trainer gestellt) Gelegenheit, diesen schönen Sport zu treiben. Auch im Bezirk Tiergarten besteht«ine Tennisabteilung. Als wohl«in- zigem Arbeiterverein ist es dem Sportverein Moabit in diesem Winter möglich, in einer Halle mit Naturbodcn und Beleuchtung zu spielen. Außerdem stehen den Mitgliedern alle anderen Abteilungen des Vereins ohne besonderen Beitrag offen. Interessenten in Moabit. Hansaviertel und Umgebung wenden sich schriftlich an Erich Frey, NW 87. Huitenstr. 70. Die Arbeiterkeglcc de« Gaues Berlin-Brandenburg haben für die nächste Zeit folgende Veranstaltungen beschlossen: Dienstag, 27. Oktober. 16% Uhr, Frauenkegeln im Cafe„Venezia", Berlin SW. 68. Lindenftr. 114. Der Start ist nur in leichten Turn» oder Badeschuhen gestattet. Ab 19 Uhr Aussprache über Gründung einer Fraueniegelabteilung.— Am 31. Oktober fährt eine Berliner Gruppe in Stärke von 2S Keglern mit Frauen nach Stettin zum Städteksgelkampf Berlin— Stettin am 1. November. Weitere Teilnehmer melden sich beim Gautechniker Willi Schick. Berlin-Spandau, Hamburger Str. 119.— Am 15. November erstes Treffen über 100 Kugeln im Ausscheidungskegeln zur Bezirksriege im Äeglerheim „Mittelpunkt der Erde", Berlin-Oberschöneweide, An der Wühl- Heide 152/154.— Das zweite Treffen über 100 Kugeln findet am 13. Dezember im Keglerheim Beelitzhof(Bahnhof Nikolassee) statt. Startzeiten werden den Bereinen noch bekanntgegeben. Nament- liche Meldungen vereinsweise an den Bezirkstechniker Georg Valdauf, Berlin S14. Kommandantenftr. 65. Au allen Beranftal- tungen sind Freunde des Kegelns herzlich willkommen. Kegelsport- liche Auskünfte erteilt der 1. Gauvorsitzende Karl Schilling, Berlin- Spandau, Zeppelinstr. 20a(C 7, 2237). Die zweite Bolstandsveransiollung der Trabrenu-Gefellschasl Ruhleben folgt Freitag, 23. Oktober, auf der Bahn zu Mariendorf. Die Rennen beginnen wieder um 16 Uhr. Hein Müller, der deutsche und Europameister im Schwergewicht. zeigte gestern in Köln, daß er doch noch boxen kann. Gegen den 21 Pfund schwereren Franzosen Griselle halle er stets die Ober- Hand. Der Punktsieg des Deutschen war wohl schwer errungen, aber doch verdient. Eine halbe Million Dollar für einen Boxkampf. So hoch ist die Forderung des Exchampions Dempfey. die er für einen Kampf gegen Schmeling stellte. Sein« Tournee durch Amerika brachte mir eine Einnahme von 230 000 Dollar. Wie er nun dazu kommt, für einen einzigen Kampf die horrend« Summe von 500 000 Dollar zu oerlangen, ist wohl sein Geheimnis. BSC. gewinnt wieder S: 2 Di« französische Eishockey-Nationalmann» f ch a st mußte auch in ihrem zweiten Berliner Gastspiel gestern im Sportpalast eine Niederlage hinnehmen. Der Berliner Schlittschich-Club mit Linke im Tor siegte mit 8: 2(2: 2, 4: 0, 2:0) Toren. Zunächst zeigten sich die Franzosen von bedeutend besserer Seite als am Vortage. Nach dem Führungstreffer von Iänecke erzielte Simon den Ausgleich und durch Reilly gingen die Gäste sogar mit 2:1 in Front. Aber noch vor der ersten Pause Holle Iänecke den Borsprung der Franzosen wieder auf. Im zweiten Spielabschnitt waren die technisch besseren Berliner klar überlegen, sie erzielten durch R. Ball(3) und Korff(1) vier weitere Tore, denen sie in den letzten 15 Minuten noch zwei Treffer durch Brück und Iänecke folgen ließen. Alles in allem stand aber auch dieses zweite Spiel Berlin— Frankreich nur auf mäßiger Stufe. Lediglich im letzten Drillel wurde» der Kampf sehr schnell und interessant durchgesührt.— Den größten Beifall des wieder gut besuchten Haufes erntete Weltmeisterin Sonja H e n i'e. Es bedeutet immer wieder einen Genuß, sie in ihrem Element zu sehen. statt, der von der Jugend des Arbeller-Schwimmklub„Neptun» ausgeführt wird. Die Jugend tritt diesmal mit einem ganz neuem Programm vor die Besucher. Neben lustigen Tänzen, heileren Rezitationen, guter Musik steht die Aufführung eines proletarischen Bühnenwerkes. Dieser Abend soll den Eltern und Erziehern der Kinder zeigen, daß man neben Sport auch gemeinsame und kulturelle Arbeit leisten kann. Der Eintritt ist frei. .Ardeüterlrildung und Arbeitersport. Das Arbeitersportkartell Breslau bat das erste Vreslauer Lichtspielhaus„Proleton"(Proletarische Tonfilmbühnc) eröffnet. Aus einem ehemaligen Tanzsaal ist ein allen Anforderun- gen der Neuzeit entsprechendes, etwa 600 Personen fassendes Lichtspieltheater entstanden. Die Ursachen zur Schaffung dieser Kultur- stätte liegen in der arbeitersportfeindlichen Einstellung der Breslauer Kinobesitzer, die es berells 1925 ablehnten, den Film von der 1. Arbeiterolympiade in Frankfurt a. M.„Die neue Großmacht" aus- zuführen, lieber den Weg von Filmvorführungen des Arbeitersport- kartells im Gewerkschaftshaus ist das neue Arbeiterlichtspielhaus ent- standen. Zur Eröffnung wurde der Kulturfilm„Geheimnisse der Natur" und der Großfilm„Affäre Dreysus" gezeigt. Zur finanziellen Sicherstellung des Arbeiterlichtspielhauses durch den gesicherten Be- such der Vorführungen ist die ins Leben gerufene Lichtspielgememde aus 8000 Mitglieder angewachsen. Es wird nicht gesch'afen! Die Rennfahrer gegen Scchstagepausc Der von der Berliner Presse fast einmütig gemachte Vorschlag. beim bevorstehenden 26. Berliner Sechstagerennen die Akteure mährend der Vormittagsstunden von 6 bis 12 Uhr. der Zeit der sogenannten Neutralisation, schlafen zu lassen, ist nicht auf frucht- baren Boden gefallen. Nicht nur die Veranstaller, sondern auch der Bund Deutscher Radfahrer und vor allem die Rennfahrer selb st haben sich dagegen ausgesprochen. Die in d-r Deutschen Rennfahrer- Bereinigung zusammengeschlossenen Berufs- fahrer hielten mit ihrem Vorstand eine Sitzung ob, in der von den für das„26. Berliner" engagierten Fahrern und auch von solchen Fahrern, die schon Sechstagerennen bestritten haben, eingehend das Für und Wider der sechsstündigen Ruhepause besprochen wurde. Die allgemeine Ansicht ging dahin, daß die Einführung einer derartigen Pause die Grundsätze eines Sechstagerennens erschüttern würde, denn für das Publilum ist ja die Voraussetzung die außergewöhn- liche Leistung des Fahrers bei dieser Art von Veranstaltung. Leitflnnöc für Nord- und Südgrnppe im 4. Beziek: Sonntag, 25. Oltoder, ab«v- Uhr. in d-r Turnhalle der Mittelschule in Schöneberg, Räthrrstraß« lNähe' U.Bahnhof Stadtpare und Hauptstraße). Ärbcrtsplan. Musttturuen: Lotte Stellmacher, Äinderlurneu: Otto Schiftau, eine Stund« nach dem„Bor- turner": Mar Stellmacher. Otto Schiltan. Aedeitcr-Lichtbild-Bund,«rbritigemeinschast Berlin. Alle angeschlossenrn Verein- und Gruppen besuchen Freitaa, 25. Oktober. 10 Uhr. das Polizei. Institut für Technik und Rerkehr. Friesenstr. 16, Endhaltestelle der Linie 24. Deteiliauno kostenlos. W«.„Fcaternitai", Berlia-Erkner. Sitzung Freitag, 25. Oktober. Fallen. stein, Oberbaumdrücke. Mitglieder, auch mit Boot, werben ausgenommen. Gitsle willkommen. Donnerstag, 22. Oktober. Berti». 16.05 Werner littlc liest neue vicdtunxeo. 16.50 Konrert. 1. Mozart; Oairiett B-dur(K. V. SM); 2. Beelhoven: Ouertert P-Dur, op. 59(Schneiderhaa-Ouanttt). 17.50 Merltwördige Fragen(Proi. Dr. Hans Rcichenbach). 17.50 Die Heilsarmee(Theodor Kappstein und Henry Bower). 18.15 Prof. Dr. Wilhelm Waetzoldt: Von der bildenden Kunst. 15.30 Altenglische Arien und Lieder.(Charlotte Jaeckel. Sopran. Arn Flügel; Julius Bürger.), 19.00 Stimme rum Tag. 19.10 Räuscher: Zeitungsschau. 21.00 Tages- und Sportnachrichten 22.20 Musikalische Sonderveranstallung. Musikalisches Fnnkportr»!. Igor Strawinskv.(Am Mikrophon: Dr. H. Cnriel.) AnschlieSend: Tanzmusik. KonigsTusterhanse«. 16.00 Reg. Rat Dr. W. Scheilberg: Regelung der Fremdsprachen hl der höheren Schule. 17.50 Prof. A. Lodewycky: Deutsche Arbeit in Australien. 18.00 Prof. Dr. v. Müller: Deutscher Charakter und deutsche QeschtcMc. 15.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Dr. Weinmüller; Wintereier-Erieugang. 19.30 Wien; Funkkabarett. 21.15 Prof. Dr. August KorU; Goethe und»eine Zeit. Sdi wimmerjugend in Weifsemec Heute um 19% Uhr findet in der Aula der neuen weltlichen Schule in Weißensee, Parkstraße, ein bunter Werbeabend mm in Freitag, den 23. Oktober oacbnilttags 4 Ubr Zur Einführung verkaufe Posten zum Teil recht wertvolle Ulster/ Paletots/ Anzüge Stück für Stück Mark*5— HaOanztlgc staunend bllUg; Spengler. Hodihaus Berollna (Bahnhof Alexonderp'alz) Schwerhörige Mren soton wieder mit dem ärztlich empfohlenen 0BI6INA!.. ABDITIS. APPABAT mii Bencsicm Kieinnorer. — Noch Besseres gibt es nicht!— Oenisdie Akustik Usdialt i.bj. Aelteste u. führende Spezialfabrlk Verkauf n. Vorführung: Berlin-Wlmertflort. fflotzstr. 43 Benin. Kiotterstr. 44 Reiniekenaort-oti, Brienzer str.a Verl Sie Hauptkatalog 16 kostenlos Auf Wunsch Zahlungserleichterung Stadt. Oper Cbnrlottenburg Sismarckstraße 54 Donnerstag, 22. 10. Turnus 1 Anfang 20 Uhr Coppelia Josephslegende Ende gegen 25 Uhis Restaurant„GroB-Berlin" Alezanderplatz. � Unsere Spezialitäten- / 5! 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