BERLIN Sonnabend 24. Sktvber 1931 10 Pf. Nr. 500 B 250 48. Iahrgans erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Betugtoreis beide Ausgaben 8b Pf. proWoche, 8,so M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWss.Lindenstr.Z Fernsprecher: Dönhoff(.A 7) 293—297 iMuhotLffa Anzeigenpret«: Die einspaltlgeNonpareiUezeile 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G.m. b.H.. Berlin Nr. 87 536.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Aiesenskandal um Schultheiß Generaldirektoren und Banken als Schieber.- Mesige Verluste des Schultheiß pahenhofer- Konzerns. Aus der über den Verlauf der gestrigen Aufsichts» ratsfitzung der Sehultheitz-Patzenhofer Brauerei ausge- gcbencn Darstellung geht hervor, daß bei dem Unter- nehmen nicht allein aus der eben erst bekanntgewordenen Uursgarantie für die von dem Commerzbant und der Danatbank aufgekauften Schultheißaktien riesige Verluste entstanden sind. Es hat sich vielmehr die Notwendigkeit ergeben, auch die in der Bilanz vom llO.ZePtembcr 1930 mit 48,3 Millionen Mark bewerteten(Effekten und Beteiligungen auf die Hälfte ihres Wertes abzuschreiben. Außerdem sind auf die Forderungen der Dstwerle und ihrer Tochtergesellschaften weitcre8 Millionen Mark abzuschreiben, so daß sich für die dies- jährige Bilanz ein außerordentlicher Abschreibungs- bedarf von 32 Millionen Mark ergibt. Mit den ordentlichen Abschreibungen, die auf etwa 8 Mit- lioncn Mark zu schätzen sind, erhöht sich der Abschrei- bungsbedarf auf 40 Millionen Mark. Bestätigt wird die Verpflichtung der Gesellschaft, die von der Commerzbank und der Danatbank in den letzten zwei Jahren für Rechnung der Cstwerke gekauften Aktien abzunehmen. Cs handelt sich um etwa 14,3 Millionen Mark Schultheiß-Aktien nominal, die zu einem Turchschnittskurs von 283 Prozent gekauft wurden. Heute dürfte die Schultheiß-Aktie nicht höher als 00 Proz. bewertet werden, so daß aus der Aktienübcrnahmc e i n Verlust von 3 2,3 Millionen Mark entsteht. CS verlautet, daß die von der Commerzbank angekaufte« Aktien setwa 5 Millionen Mark) zu Ende 1931» die von der Danatbank angekauften Aktien letwa 10 Millionen Mark) zu Ende 1932 abzunehmen sind. Tie Abschreibungen und die Verluste aus der Kurs- garantie ergeben also eine Gcsamtbelastung für das Tchultheiß-Unternehmen von 72,3 Millionen M a r k. Dem gegenüber stehen der Bruttogewinn des abgc- lausenen Geschäftsjahres von 10 Millionen Mark, stille illeserven von etwa 20 Millionen Mark, die FusionS- reserve von 21 Millionen Mark und die offene Reserve von 8,0 Millionen Mark. Das sind insgesamt 0 3,0 Millionen Mark, die zum Ausgleich der Gc- samtbclaftung nicht ausreichen: es bleibt ein Vcr- l u st von etwa 7 Millionen Mark übrig. * Was das Aklienkaufgeschäfl besonders skandalös erscheinen läh». ist der Umstand, daß der Gesamlvorstond der Schuttheiß-Srauerei von dem Bestehen der Abnahmeverpslichlung bereits eine Woche vor der lehljährigen Bilanzsihung, also spätestens im November vorigen Jahres, erfahren haben soll. Der Gesomlvorsland beschloß damals, dem Aufsichlsrat keine Mille ilungzumachen. Daß einzelne Aufsichtsroismitglieder. nämlich die Derlreler der Commerzbonk und der Danatbank. ihren Kollegen im Ausjichlsrat diese Akliengeschäste verschwiegen haben. ist von uns bereits betont worden. So hoch diese Verluste auch an sich sind, so schlimm wie etwa bei Nordwolle wird es bei der Schultheiß-Braucrei bei einem Kapital von 75 Millionen Mark Stammaktien und 15 Millionen Mark vor- zugimklien nicht kommen. Die Folge dieser neuen hohen Der- pflichlungcn ist eine starke Illiquidität des Unternehmens, die dazu oeführt hat, daß die beteiligten Banken einen neuen Kredit von 10 Millionen Mark einräumen mußten. Zwei Vorstandsmitglieder, Herr Ludwig K a h c n e l l c n- bogen und Herr V e n z l i n, sind„auf ihren Wunsch ihrer Aemtcr enthoben worden: klls Vertreter des ilussichtsrats ist vor- läufig Herr Dr. Schifferer in den Vorstand entsandt worden. Der Schultheiß-Patzenhofer-Konzern erleidet durch eine Schiebung, die bei der Fusion mit den Ostwerken vor- genommen worden ist, eiuen gewaltigen Aderlaß. Der 3)er konnte lachen! Xudtrig Malstenellenbogen, der„Generaldirektor" des zusammengeschobenen Schultheiß- Ostwerke-Konzcrns, in heiterer Unterhaltung mit seiner Frau, der bekannten Schauspielerin Tills Durieux. heute, nachdem die Schultheiß-Kurse von den garantierten 285 aus höchstens 70 Proz. gefallen sind, ist auch ihm das Lachen verganzen. Vorläufig ist er von seinem Amt als Generaldirektor entfernt worden. Generaldirektor Katze ncllen bogen von den Ostwcrken hat 14�3 Millionen Schultheiß-Aktien aufkaufen laffen, um die Fusionierung erzwingen zu können. Diese Aktien sind Ende des Jahres zu bezahlen, und zwar zu einem Kurse von 283. Der wirkliche Kurs ist augenblicklich etwa 60. Zu bezahlen sind sie nicht von Katzenellenbogcn, sondern von dein fusionierten Konzern. In Wahrheit hat Herr Katzen- Achtung! Eisenbahner! FunKtioitärKonferenz findet umständehalber nicht erst am Montag! sondern schon am Sonntag, 25. Oktober, vorm. 10 Uhr, bei Draesel, Holzmarktstr. 72, statt. Einheitsverband der Eisenbahner Ortsgruppe Berlin. ellenbogen das Geschäft, das seine Machtgier befriedigen sollte, auf Kosten des Schultheiß-Konzerns gemacht. Er hat ihn erobert— mit den Mitteln des Eroberten.- Das sogenannte kapitalistische Geschäft, wie es hier in Erscheinung tritt, ist eine Intrige. Es geht dabei um Geld und Macht. Es gibt dabei nicht zwei Partner, die gleiche Werte tauschen, sondern zwei Partner, die einen Raub- zug auf dem Rücken eines Dritten unternehmen. Die beiden Partner sind Herr Katzenellenbogen und d i e Banken. Der Dritte— das sind in diesem Falle die Aktionäre von Schultheiß, und vor allem— die Arbeiter l Wenn das Kapital verspekuliert wird, schreien die Generaldirektoren nach Lohnsenkung! Diese Intrige stinkt zum Himmel, einzelne der Akteure haben sich dabei st r a f b a r gemacht. Größer als ihre Schuld im Sinne des Strafgesetzes ist ihre Volkswirtschaft- liche Schuld. Zur Befriedigung des Machtkitzels des Generaldirektors Katzenellenbogen ist ein Kapital von fast 40 Millionen Mark zu unproduktiven Zwecken festgelegt worden und nun zu fast zwei Dritteln verloren. Die Herren Generaldirektoren vernichten das Kapital, dann klagen sie über Kapitalmangel! Die Banken sekundieren dabei. Run weiß man doch, warum sie gegen die Bankenkontrolle wüten — sie fürchten die Aufdeckungen v o n S ch i e b u n g e n! Der Sturz der Aktienkurse hat diese Schiebung ans Tageslicht gebracht. Was wäre ohne den Kurssturz erfolgt?. Dann säße Herr Äatzencllenbogen noch in der Macht, er würde sich als großer Wirtschaftsführcr auf- blähen, und selbstverständlich über„marxistische Mißwirt- schaft" zetern. Die Bindung des Kapitals durch diese volks- wirtschaftlich übrigens völlig unsinnige Fusioniernng aber würde ebenfalls weiter bestehen. Wahrscheinlich hätte man dann in der nächsten Generalversammlung erlebt, daß die Verwaltung bittere Klage über Kapitalmangel geführt und damit Lohnsenkungsforderungcn begründet hätte! Daher kommt der Lohndruck. Daher kommt die Arbeits- losigkeit. Einer der Schuldiaen fleflop.en. von der Verwaltung der Schultheiß-Vahenhofcr Brauerei wirb milgeleill: Herr Ludwig kahenellcnbogen hat seine Aussichtsrots- mandale bei der Norddeutschen t)esc-Jndustrie, bei den Schlcsischen Porltand- Zementwerken, bei der A.-G. für Glasindustrie vormals Friedrich Siemens und bei der vliinchencr Löwenbräu 2l.-G. nieder- gelegt. Spannung im Reichsbahnbeirieb. Reichstagsfraktion und AOGB. beraten. Die Forderung der Reichsbahüverwallung, den Lohn der Ar- beiler um 3 und 4 Pfennig pro Stunde abzubauen, hat in den Reihen der Eisenbahner ungeheure Unruhe hervorgerufen. Aus ollen Bezirken liegen Proteste vor, die sich entschieden gegen jeden Pfennig Lohnabbau wenden und darauf hinweisen, daß das Schlimmste zu befürchten ist, wenn es nicht im lehten Moment gelingt, die Reichsbahnverwaltung an der Durchführung ihrer Absichten zu hindern. Der Vorstand des Einheilsverbandes der Eisenbahner Deutsch- lands sah sich daher heute veranlaßt, den ADGB. als die gewerkschaftliche Spitzenorganisation, sowie den Vorstand der soziäldcnio- kratischen Reichstagsfraktion von der Lage im Reichsbahnbetricb in Kenntnis zu sehen. Unter der Leitung des zweiten Vorsitzenden des ADGB. fand daher heule eine längere Aussprache statt, an der auch der Vorsitzende der SPD., Otto Mets, als Vertreter der Reickis- tagssraktion»eilnahm. Nach dem Bericht des Vorsitzenden des Ein- heitsverbandes, Scheffel, erklärten die Vertreter des ADGB. so- wie der Vorsitzende Wels, daß sie es als ihre Pflicht erachten, bei den zuständige« Regierungsstellen sofort vorstellig zu werden, um diese über die Lage ins Bild zu sehen und im Interesse der Eisenbahner zu wirken. Aus Grund der zugespitzten Situation hat der Vorstand des Einheitsverbandes telegraphisch die große Lohnkommission des Verbandes einberufen. Der Reichsarbeitsminister Hot den Schlichier für die Rhe'n- Provinz. Dr. 3 ö t t e n. als Sonderschlichter ernannt. Groener erklärt... Kein allgemeines llniformverbot geplant. Reichsinnemninister Groener läßt erllären, daß die Nachricht von einem bevorstehenden allgemeinen Demonstrations» und Uniform verbot lediglich Kombination sei. Er stehe aus dem Standpunkt, daß die bereits erlassenen Not- Verordnungen den Ländern weitgehende Handhaben gegeben haben, um Terrorakten und blutigen Auseinandersetzungen wirksam zu begegnen. Er werde se i n e Entschlüsse und weiteren Maßnahmen in dem Sinne seiner bereits bekannten programmatischen Aeußerungen gestalten, ihre Notwendigkeit und ihren Umgang eingehend s e l b st prüfen und sich dabei weder durch falsch« Nachrichten noch durch Angriffe der Press« hindern lassen. Das Problem von Washington Beratungen über Gchuldenminderung— Borah fordert Revision von Versailles VorspielzumOevaheim-prozeß Buchhalter unterschlägt 500 000 Mark. Einen Einblick in die merkwürdigen Vorgänge bei der Hilfskasse der Wohlfahrtsverbände, die schon kürzlich bei dem großen D e v a- Heim-Skandal berührt wurden, gewährt die heutige Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin- Milte unter Vorsilz von Landgerichlsdireklor Masur gegen den 40jährigen Buchhalter K l a r h o l z, der geständig ist, in den Zahren tSZb bis lg'S fast 5 WZ 000 Mark bei der Hilfskasse der freien Wohlsahrtsverbände veruntreut zu haben. Klarholz war vor einigen Iahren wegen Betruges zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten oerurtellt worden. Nach Berbüßung der halben Strafe erhielt er Bewährungsfrist und wurde als Buchhalter bei der Hilfstasse angestellt, die von fünf Verbänden der freien Wohlfahrtspflege gegründet worden war. Seine Stellung wurde bald sehr bedeutend. Nach kurzer Zeit erhielt er schon Handelsvollmacht. Cr hatte fast 4000 Konten zu verwalten, wovon die Hälft« Darlehenskonten waren. Er leitete auch in Ab- Wesenheit des Direktors Liebchen allein die ganze Hilfstasse. Während noch hie Bewährungsfrist für seine Gefängnisstrafe lief, begann er mit seinen Veruntreuungen, die jahrelang von niemandem bemerkt wurden. Zuerst ließ er in Abwesenheit des Kassierers von den Banken auf Schecks Geld abholen, das er für sich verbrauchte. Um die Belastungen auszugleichen, buchte er das Geld auf ein söge- nanntes„totes Kontos und zwar auf ein Anstaltskreditkonto. Dann trat er tnit dem Inhaber der Wechselstube am Zoo in nähere Verbindung und gab diesem Auftrag, Dollars zu kaufen. Die Gelder nahm Klarholz aus dem Fonds der Hilfskasse und belastete mit diesen Summen die Konten der verschiedenen evangelischen und katholischen Wohlfahrtsanstalten und Kirchenbehörden. Ordnungsmäßig wurden diesen Kontoinhabern Benachrichtigungen über diese Belastungen aus- geschrieben, aber Klarholz verstand es, diese Briefe in seinem Papier- korb oerschwinden zu lasten. Eng befreundet war der Buchhalter mit dem im gleichen hause iäligen Leiter der Abteilung„Auslandsanleihe des Zentral- ausschusses für die Innere Mission", dem im Devaheim-Prozeß angeklagten C l a u s s e n, von dem er sich Unterschriften aus fingierte Ueberweisungen geben ließ, um Ent< rKihnwn vom Postscheckkonto zu verdecken. Im Zlugust 1329 wurden die Verfehlungen des Angeklagten, der sich durch seine groß- artige Lebensführung und seine immensen Geld- ausgaben schließlich verdächtig machen mußte, entdeckt. Denn .Klarholz fuhr einen Horch-Wagen, der 26 000 Mark g e- kostet hatte und dessen Unterhalt beinahe mehr Mittel erforderte, als das reguläre Gehalt des Buchhalles ausmachte. Bezeichnender- weise war die erste Behörde, die auf Klarholz' Gebaren aufmerksam wurde, das Finanzamt, das auf Grund feiner großen Ausgaben gegen ihn ein Steuer st rafoerfahren einleitete, in dem der Buchhalter anstandslos eine Steuerschuld von 20 000 Mark bezahlte, so daß das Verfahren, bevor es zu einem Skandal führen konnte, beendigt wurde. Die jetzige Anklage gegen K. ist erst auf Gnind der Enthüllungen im Devaheiin-Skandol erfolgt, während damals, als die Unterschlagungen entdeckt wurden, die Hilfskasse wohlweislich gegen den ungetreuen Buchhalter nicht vorging. Gejm-Opposttion mundioi. Redezeit kann auf eine Viertelstunde verkürzt werden. Warschau, 24. Oktober. Arn Freitag wurde die Aussprache im Sejm über den Antrag des Regierungsblocks auf teilweise Abänderung der Geschäfts- ordnung fortgesetzt. Di« Opposition beharrte nach wie vor auf dem Standpunkt, daß der Regierungsantrag vor allen Dingen den Zweck verfolge, die Opposition völlig mundtot zu machen. Infolge der hartnäckigen Hallung der Opposition sah sich schließlich der Regie- rungsblock veranlaßt, geringe formelle Abänderungen seines An- träges vorzunehmen. So soll die Beschränkung der Redezeit bis zu 13 Minuten nicht durch die S e j m m e h r h e i t, sondern durch die jeweilige Entscheidung des S e j m m a r s ch a l l s erfolgen. Die Opposition ließ sich dadurch jedoch nicht beeinflussen und verließ kurz vor der Abstimmung geschlossen den Sitzungssaal, in dem nur der Regierungsblock und zwei Kommunisten verbliebui. Gegen die Stimmen dieser beiden Kommunisten hat der Regicrungsblock seinen eigenen Antrag angenommen. Nach der Abstimmung wurde noch eine Reche Regierungsvorlagen nach erster Lesung an die Ausschüsse überwiesen. Die Oppo- fition blieb bis zum Schluß der Sitzung fern. Da bis zum Augen- blick noch keine Beschlüsse der einzelnen Oppositionsfraktionen auf dauerndes Fernbleiben vom Sejm vorliegen, ist anzunehmen, daß sie in der nächsten Sitzung wiederum vollzählig erscheinen werden. Wie verlautet, haben die oppositionellen Mitglieder des Sejm- präsidiums zum Protest ihre Mandate niedergelegt. Zm Auto verbrannt. Zusammenstoß mit Güterzug.— Zwei Menschen getötet. Bochum, 24. Oktober.(Eigenbericht.) Am Freitagabend gegen 23 Uhr fuhr ein Auto, in dem vier Bochumer Geschäftsleute von einem Ausflug heimkehrten, in Dort- mund-Aplerbeck gegen einen Güterzug. Der Wagen wurde 130 Meter weit mitgefchleift und geriet dabei in Brand. Zwei Insassen wurden getötet, die anderen beiden schwer verletzt. Die Republik Ecuador hat einen neuen Präsidenten, den Konser- vativen Naftali Bonifa z. Gelegentlich der Wahlen kam es in dem Gefängnis von Guayaquil zu einem Aufstand der Gefangenen, wobei fünf Mann getötet und zahlreiche schwer verletzt wurden. Paris, 24. Oktober.(Eigenbericht.) Ueber die Unterredung Laoals mit Hoover, dem als amerika- nischer Dolmetscher der Unterstaatssekretär im Schatzamt Mills teil- nahm, ist noch nichts Näheres bekanntgeworden. Der Sonderbericht- erstatter des„Ercelstor" behauptet, daß die erste Unterredung im Weißen Hause einen optimistischen Eindruck hinterlasten habe. Es sei wenig Aussicht für die Erneuerung des Hoover-Moratoriums vorhanden, weil dadurch nur die politische und wirtschaftliche Un- sicherheit verlängert würden. Statt dessen käme die Möglichkeit einer Herabsetzung der interalliierten Schulden und Repa- rationszahlungen in Betracht. Laval halte allerdings an der Weiter- Zahlung der ungeschützten Annuitäten des Noung-Planes fest, aber durch eine Reorganisation und Verstärkung der Sachlieferun- gen sollten der deutschen Währung schädliche Barzahlungen ver- mieden werden. Die Meldung, die Pertinax dem„Echo de Paris" übermittelt hat, ist dagegen auf einen pessimistischeren Ton abgestimmt. Er ! telegraphiert, es sei äußerst gewagt, irgend etwas über das Ergebnis � der Besprechung vorauszusagen. Auf jeden Fall sei die amerikanische � öffentliche Meinung heftig gegen Frankreich gerichtet. Um die ' Vereinigten Staaten von einer Politik zu befreien, die fast allen französischen Interessen und Ausfassungen feindlich gegenübersteht, müßte ein Uebermensch im Weißen Haus wohnen, der sich von Laval überzeugen ließe. Es fei aber zweifelhaft, daß Hoover dieser Uebermensch ist. Diese pessimistische Stimmung ist vor allem auf die Erklärungen zurückzuführen, die der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Senats, Vorah, bei einem Empfang der französischen Presse abgegeben hat. Borah erklärte zunächst, er sei persönlich gegen jede Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten mit Europa. Er halte die Abrüstung Emopas für unmöglich, solange nicht der Versailler Vertrag abgeändert sei. Der polnische Korridor müsse verschwinden. Zu diesem Zweck sei eine Konserenz der interessierten Mächte einzuberufen. Auch das territoriale Statut Ungarns müsse Aenderungen unterworfen werden, denn es zwinge Rumänien und Südjlawien, ihre Rüstungen zur Bewachung der früheren ungarischen Provinzen aufrecht- zuerhalten. Weiter sprach sich Borah gegen die Verlängerung des Moratoriums aus. Statt dessen empfahl er die Annullierung der interalliierten Schulden und Reparationen mit Ausnahme der Summen, die zum Wiederaufbau Frankreichs und Belgiens nolwendig find. Er verurteilte auch jedes Sicherheitsabkommen und jede Verstärkung des Kellogg-Paktes, da er gegen die Anwendung von Gewalt zur Aufrechterhaltung des Friedens sei. Die Vereinigten Staaten dürften sich auch keiner wirtschaftlichen und finanziellen Mahnahme gegen Angreifer anschließen, da eine solche Initiative einer Kriegs- erklärung gleichkomme. Borah schloß wörtlich:„Die Abrüstung Europas wird nur in dem Maße möglich sein, in dem ein gerechtes territoriales Statut geschaffen wird, das den Wünschen der Völker entspricht." Pertinax wirft im„Echo de Paris" die Frage auf, ob dieser Presseempfang nicht von Hoover und Stimson organisiert worden ist, die damit zum Ausdruck bringen wollten, daß sie mit der Auf- fastung Borahs übereinstimmen. Ein derartiges Verfahren wäre um so unzulässiger, als Laval, der im Weißen Hause eingeschlossen ist, über diese Vorgänge nicht unterrichtet sei. Auf jeden Fall handle es sich um einen unangenehmen Zwischenfall, der zu den größten Befürchtungen über den Ausgang der Washingtoner Besprechungen Anlaß gibt. In bezug auf die finanzielle Angelegenheit meldet Pertinax, daß sie nicht Gegenstand eines besonderen Wkommens bilden würden. Es fei keine Erklärung über die Aufrechterhaltung der Gold- Währung vorgesehen, denn Amerika sei der Ansicht, daß der Dollar keineswegs gefährdet ist und sie die Hilfe des Auslandes nicht brauchen, um ihn zu stützen. Infolgedessen betrachte sie«ine eventuelle Zurückziehung der Auslandsguthaben als eine böswillige Handlung und hätte jede Erhöhung des Zinssatzes abgelehnt. Japan verlangt Garantien bevor es die Räumung beginnen will Genf, 24. Oktober.(Eigenbericht.) wenn die heulige vormillagsfilzung des völkerbundsrales nur ein einziges Ergebnis halte, so war es die Klarstellung der Doppelzüngigkeit der japanischen Politik gegenüber dem Ral und China. Einerseits wird ständig betont, Japan wolle China nicht mit militärischen Mitteln zu irgend etwas zwingen, auf der anderen Seile aber weigert sich Japan, feine Truppen auch nach Garantie der Sicherheit für Leben und Eigentum der Japaner tatsächlich zurückzuziehen, bevor nicht weitergehende Fragen über die Verträge und über die Zugeständnisse au Japan festgestellt worden seien. Der Abschluß der Ratstagung brachte unzweideutig die Meinung des Rates zum Ausdruck, daß diese zwiespältige Politik das einzige Hindernis ist für eine friedliche Regelung durch den Völkerbundsrat. In langer, eindringlich an den Japaner gerichteten Rede stellte Briand fest, der Text der Ratsentschließung habe den Vorzug der absoluten Klarheit, während Japans Gegenvorschlag Anlaß zu Miß- oerftändnisien gebe. Er appelliert an Japans erwiesene Treue zum Völkerbund. Man könne nicht auseinandergehen in so wichtiger Sache mit einem Text, der in der Oesfenllichteit eine Unklarheit zurücklasse. Artikel 10 des Völkerbundspakts garantiere die Unver- letzlichkeit des territorialen Bestandes der Mitglieder. Artikel 2 des Kelloggpaktes schreibe friedliche Mittel für die Lösung von Kon- flikten vor. Die öffentliche Meinung urtelle bestimmt, daß eine militärische Besetzung nicht zu den friedlichen Mittel» zähle. Man sei nahe an einer Uebereinsiimmung. Japan solle einen Ve- weis der Verständigung geben. Technische Räumunge- und Ueber- nahmeverhandlungen seien eme Frage weniger Tage. Deshalb appelliere er an Japan, sich dem Ratstext anzuschließen. Poshizawa antwortete: Die von Japan gewünschten Berhand- lungen gehörten in die Kategorie der technischen VerHand- lungssragen, die Briand selbst gestern ta seiner Schlußrede genannt habe. Die tieferen schwebenden Fragen müßten nach Rück- zug der Truppen verhandelt werden. Japan stimme im übrigen dem Abschnitt in der Ratsresolution zu, die den neuen Zusammen- tritt am 16. November bestimme. Darauf fragte Lord C e c i l direkt, warum Japan den klaren Ratstext über die Verhandlung?- fragen nicht annehme, wenn es nichts anderes wolle als was dort in zwei Artikeln gesagt sei. Der Rat müsse ganz genau wissen, Vergebliches Liebeswerben. Die Seydewitz.Versammlung wurde von Kommunisten unter blutigen Roh- heitsatten gesprengt. �Kreundschast!' was Japan wolle, sonst könne er keine Formulierung annehmen. Auffallend schroff gab der Japaner zurück, seine Regierung wünsche Verhandlungen zur Erlangung von Garantien für die Sicherheit der Japaner, ehe die Zurücknahme der Truppen erfolge. Cr hoffe, daß Lord Cecil damit zufrieden sei. Das rief Madariaga- Spanien auf den Plan, der Doshizawa offen vorwarf, sich sehr zweideutig ausgedrückt zu haben. Damit könne weder England noch Spanien zufrieden sein. Japan selbst habe als ständige Rats- macht das größte Interesse daran, so genau wie möglich zu erklären, ob die„fundamentalen Punkte" nichts weiter umfassen sollten als was mit der Sicherheit und der Räumung zu tun habe. Die Ler- Handlungen über andere Dinge vor vollzogener Räumung fei ab- solut unvereinbar mit den Pflichten des Rates. Lord Cecil fügte außcrordenllich ernst hinzu, daß der Völkerbundspakt die VerHand- lung von Vertragsfragen vor der vollzogenen Räumung nicht ge- stattet. Diese Fragen hätten nicht das geringste mit der Sicher- heit der Japaner zu tun. Wieder lehnte Poshizawa die Annahm« des Ratstextes ab, da sie nicht die Sicherheil der Japaner garantiere, für die Japan- Regierung verantwortlich sei. Madariaga wies es zurück, daß eine Regierung die Verantwortung für Untertanen habe, die in einem anderen Lande wohnten. Er sei äußerst befremdet über Japans Haltung in dieser Frage. Das Geheimnis Japans besage, daß die Sicherhest von der Beruhigung abhänge und die Beruhigung von weitergehenden Regelungen, die die Sicherheit überschritten. Vor Ablehnung des japanischen Vorschlages frage er, ob Japan nicht seinen Vorschlag zurückziehen wolle. Dem Ratstext könne«ine feierliche Erklärung beigefügt werden, daß am Tage der vollendeten Zurückziehung der Truppen die Verhandlungen über di« fundamen- taten Fragen beginnen sollten. Diese Erklärung würde«ine solche Beruhigung in der Mandschurei hervorrufen, daß die Zurückziehung der Truppen keinerlei Gefahr mehr für die Japaner bedeuten könne. Poshizawa sprach dem Rat das Recht ab, die Einzelheiten der fundamentalen Fragen zu diskutieren. Er könne daher Mada- riagas Vorschlag ebenfalls nicht zustimmen. Anschließend erklärte Briand rundheraus, es sei für den Rat unmöglich, fundamentale Be- dingungen in eine Resolution aufzunehmen, die er nicht kenne. Gleichfalls unmöglich fei es, diese Bedingungen nicht diskutieren zu dürfen. Er beantrage daher, die Sitzung auf 4 Uhr nachmittags zu vertagen. Unfreundliches Gonniagswetter. Begenfälle und weitere Abkühlung. Die Wetteraussichten für den morgigen Sonnlag sehen trübe au». E» ist mit Regenfällen bei weiterer Abkühlung und nörd- lichen Winden zu rechnen. Zur Zeit herrschen in Europa sehr krasse Temperatur- gegensätze. Aus dem Süden wird schönstes sommerliches Wetter bei 20 bis 25 Grad Wärme gemeldet. Im Norden dagegen, in ganz Skandinavien, hat der Winter seinen Einzug gehalten. Bei 13 bis 15 Grad Kälte sind überall starke Schneesälle, die zum Teil noch andauern, zu verzeichnen. Dos Regengebiet er- streckt sich über das ganze Reich. Es ist auch noch nicht vorauszu- sehen, wann eine Aenderung eintreten wird. Eine weitverbreitete Depression, die mit ihrem Kern über Westdeutschland liegt und bis nach Frankrich reicht, ist die Ursache der Wetterverschlechterung. Vom Mittelmeer sind warme Luftkörper vorgedrungen und an der kühlen mitteleuropäischen Luft aufgeglitten. Die unmittelbare Folge sind die recht ergiebigen Regenfälle. Das Tiefdruckgebiet zeigt Neigung sich weiter nach Osten zu verlagern. Da gleichzeitig an der Rückseite des Tiefs nördliche Winde wehen, ist mit weiterer Ab- tühlung zu rechnen._ Gegen das Arteil des Schöffengerichts Mitte, das in dem Prozeß wegen der Erschießung des Polizeiwachtmc ister- Zönkert nur zwei Angeklagte wegen Vergehens gegen das Schußwafsengesetz zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und alle übrigen frs besprochen hatte, ist jetzt von der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt worden. Dsr Herr Gensrald.rektor... Ein oberfchlesifcher Kollege Kahenellenbogens. In der o b e r s ch l e s i s ch e n Industrie- und Handelskammer erörterte unlängst der zum Zentrum zählende Neichstagsabgeordnete Hartwig- Oppeln das Problem der Kapitalflucht. In Oberschlesien ist dieses Problem besonders interessant. Weiß man doch z. B. vom ehemaligen Generaldirektor der Schaffgottschen Werke, der ein Jahreseinkommen von mehreren hunderttausend Mark bezog, doß� er alsbald nach seinem Rücktritt von der Leitung der gräflich Schasfgottschen Verwaltung in die Schweiz gegangen und Schweizer Staatsangehöriger geworden ist. Trotz- dem fand natürlich bei den oberschlesischen Jndustriemagnaten Herr .Hartwig mit seinen Anklagen keine Gegenliebe. Das Oppelner Hugenberg-Blatt, das bezeichnenderweise den Lorstoß des Zentrums- abgeordneten als„völlig unmotiviert" bezeichnet, berichtet über das weitere folgendermaßen: Der Herr Reichstagsabgeordnete mußte sich von General- direktor Brennecke eine Lektion erteilen lassen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lieh und die ihm wahrscheinlich für immer den Mut nehmen wird, im Kreise von Wirtschaftsführern parteidemagogisch über die Wirtschaftsfragen zu sprechen. General- direktor Brennecke brachte zum Ausdruck, daß Schuld an dieser bedauerlichen Kapitalsverschiebung in das Ausland in erster Linie jene Kreise haben, die durch ihre Politik nicht gewillt sind, das Kapital in Deutschland zu schützen. Im übrigen, so führte er weiter aus, selbst wenn dieses Kapital nach Deutschland zurückkäme, würde es nicht zur Belebung der deutschen Wirtschaft verwandt werden, sondern wie das bisherige verwirtschaftet werden. Natürlich fand Herr Generaldirektor Brennecke mit diesen Worten bei seinen Standesgenossen brausenden Beifall. Wer ist dieser Brennecke? Er ist Generaldirektor der Oberschlesischen Berg- und Hütten- A.-G-, die vor fünf Jahren aus öffentlichen Mitteln mit insgesamt 46 Millionen Mark saniert werden mußte (ungeschützt!). 16 Millionen wurden davon als von vorn- herein verlorenes Darlehen gegeben, die restlichen 36 Millionen sollen nach zehn Jahren mit 1(ein) Prozent mnorti- siert werden. Zöas nun die„Derwirtschastung" anbetrifft, so hat der Staat das Geld unter der ausdrücklichen Bedingung gegeben, daß keine Betriebseinschränkungen, keine Stillegungen und keine Entlassungen erfolgen dürften. Trotzdem ist der wertvollste Be- sitz der Gesellschaft, die Abwehr-Grube in Nikolschütz, aus der Ee- sellschaft herausgelassen und dem Hauptaktionär Gras Balle» st r e m überlassen worden. Werke der Donnersmarck-Hütte, die vor der Verschmelzung um 36 Prozent Dividende ausgeschüttet hatten, wurden als unrentabel stillgelegt, Arbeiter und Angestellte nach dreißigjähriger Tätigkeit auf die Straße gesetzt. Aehnlich ging es mit der Julian-Hütte. Oberbedarf und Hegenscheidt sind Krämer- t c t r i e b e geworden. Taufende von Arbeiter sind seit der glor- reichen Leitung der Gesellschaft durch Herrn Generaldirektor Brennecke brotlos geworden und sollen der Gemeinde zur Last. Das verhindert aber nicht, daß der erfolgreiche Generaldirektor Brennecke ein Monats-(nicht Jahres-) Einkommen von 40 000 M. bezieht! Nachdem die 46 Millionen Mark Staatshilfe auf diese Weise zum großen Tell oerwirtschaftet sind, sieht man sich jetzt nach der Ost Hilfe um. Wieder soll Staatshilfe der retLnde Strohhalm sein, nach dem eine am End« ihres Lateins angelangt« Verwaltung greist. Das hindert aber nicht, daß die gleichen Herren Wirtschaftskapitane den Staat beschimpfen! Wem schenkt Dietrich Steuern? Oer Farbentrust steckt 2% M lionen ein. Ilse Avis, die parodistin. „Achtung! Aufnahme!" heißt die neue Parodie Kurt R o b i t s ch e k s. der hier für das Kabarett der Komiker und für Ilse Bois ein von Geist und Witz sprühendes Werk schrieb. Der Tonfilm ist diesmal das Opfer, das geschlachtet wird, der Tonfilm mit allen seinen Lächerlichkeiten und llebertreibungen. Mit ein paar Witzen umreißt Robitschek die Szene und gibt ihren Extrakt etwa die verlogene Süßlichkeit der Wiener Filmoperette oder den Kitsch eines amerikanischen Unterweltfilms. Unübertreff- lich die Persiflage gestellter Kulturfilme mit nackten Frauen und vertierten Männlein. In diesem Rahmen steht Ilse Bois, die geniale Parodistin. Aber ihr Spiel übersteigt die Parodie und wird große Gestaltungskunst. Ee ist gleichgültig, ob sie als Diva tobt und schmollt oder als holdes Wiener Kind vom Hofopernballett Pirouetten schlägt und auf Zehen- spitzen tanzt, ob sie als Happy-end-Braut mit maskenhaft starrem Lächeln einen Blumenstrauß an die Brust drückt, oder in der Rolle des Naturkindes hebräische Melodien vor sich hinbrabbelt, immer gibt sie mehr als diese Szene, sie trifft ein ganzes Genre. Eine Geste, ein Lächeln enchüllt das Wesen der Filmmoche.— t. Airium:„Zeder fragt nach Erifa". Der Titel ist sehr anmaßend, denn noch dieser Erika wird schwerlich alles fragen, zumal der Zuschauer gar zu viele Qualen erdulden muß, bevor das kleine Mädel aus dem Parfümerieladen den Herrn Baron heiratet. Bei stummen Filmen besaß der Regisseur Friedrich Z e l n i k, selbst wenn er Operette verfilmte, immerhin Charme. Jetzt schwankt er zwischen Operette und Lustspiel und läßt seine Schauspieler sich unendlich albern benehmen. Die einzig wahre große Geste erlaubt sich Adele S o n d r o ck, wie sie dem mit Spiel- zeugsoldaten spielenden General alles durcheinanderwirft und sagt: „Herr General, die Schlacht ist zu Ende." Sonst folgt eine Enttäuschung der anderen. Am schlechtesten schneidet der Star ab: denn Lya Maro kann nicht sprechen. Sie hat mit großer Mühe Sprechtechnik gelernt und zeigt diese durch diverse Mundvcrrenkungen dem Publikum. Es bleibt mithin nichts anderes übrig, als das Paar Mara-Zelnik als Opfer der fortschreiten- den Technik(in diesem Falle Tonsllm) zu buchen. s. Vrofefsor Ecouomo, der Erforscher der Kopfgrippe, ist in Wien an den Folgen eines Hirnschlages gestorben. Er war einer der bedeutendsten Hirnforscher unserer Zeit. Als m den Jahren 1918—1919 däe Grippeepidemie wütete, gelang es ihm, die entzündlichen Veränderungen im Gehirn zu entdecken, durch die die Krank- hsitserscheinungen verursacht wurden. Economo hat mit seiner Dar- stellung eines eigenen«chlafzentrums in unserem Zentralnerven- shstem, dem die Steuerung des Schlafmechanisnnis obliegt, der Wissenschaft unvergängliche Dienste geleistet. Mus'umSsiihrongcit. Im Rabmen der amtlichen Muleumssübrunacn werden stuechen: Sonntag, 25. Oktober, S Uhr, Dr. Blümel Über den klemen Frie4 den Pergamrrn im Pergamon-Mufenm: 10 Ubr Dir. Temmler über die deutsch« Kunst nach der Reformation im Deut- s ch° n M u s e u m: Dr. Waldschmidt über die Krischn siegende in der Kunst ,m Museum für Völkerkunde. Meisterwerke der Vildniekuust. Dl« Sond«rau4stellung: M e i st e r« werkederBildnizkunst im Saol der Rafsaeltcppich« de 4 Kaiser- -5 rieb Mus» um s wird vom 31. Oktober an geöffnet sein. Tie Ausstellung ist zuganglich an den gleichen Tagen und zu den gleichen Stunden wie das Kaiser-Friedrich-Muscum. Die Ausstellung wird die i Monate November und Dezember dauern.' Aus einer Meldung des„Berliner Tageblatts" geht hervor, daß das Reichsfinanzministerium dem deutschen Chemietrust der I G.- Farbenindustrie auf dem Verwaltungswege durch Erlaß bzw. weitestgehende Ermäßigung der inländischen Mineralölsteuer Millionenbctröge als Subventionen gewährt hat. Dieser Steuererlaß, der nach der Meldung des �„B.rliner Tageblatts" schon längere Zeit zurückliegt, ist vor der Ocsfentlichkeit bisher geheim gehalten worden. Das Reichsfinanzministerium hatte wohl auch guten Grund hierfür: denn schon die bisherige steuerliche Suboentionierung der inländischen Treibstofferzeuger, von der neben dem Benzolbergbau in erster Reihe die JG.-Farbenindustrie profttierte, hatte in der Oeffentlichkeit den schärfsten Protest hervorgerufen. Die Bcsteue- rung der inländischen Treibstoffe war trotz mehrfacher starker Zoll- erhöhungen für die eingeführten Treibstoffe außerordentlich niedrig gehalten worden, so daß heute das Leuna-Benzin bei dem offiziellen Steuersatz einen Zollschutz von etwa 309 Proz. genießt: dieser lief schon bei der bisherigen relativ geringen Benzinproduktion der JG. auf einen garantierten Mehrerlös(lies Subven- tion) von 15 Millionen Mark im Jahre hinaus. Nunmehr wird bekannt, daß die ZG. nicht einmal diesen gefetz- lichen. an sich schon viel zu niedrig bemessenen Steuersatz von 3,00 21k. je Doppelzentner oder Z,S0 ITC. je hektoliler zu entrichten brauchte, sondern daß der Steuersatz aus den Betrag von sage und schreibe 10 Pfennig je Hektoliter oder ein Zehntel Pfennig je Liter herabgesetzt wurde. Alan hat also bis fehl der JG. eine inländische gesetzliche Steuer eine ganze Zeitlang ohne jede Mitieilung an die Oesfenlllchkeil geschenkt. Die bisherige Erhebung einer Abgabe von ein Zehntel Pfennig pro Liter für JG.-Benzin— gegenüber einer Belastung von rund 17 Pfennig für jeden Liter eingeführtes Benzin— kann nur als Feigenblatt gekennzeichnet werden, das die Finanzbürokratie der fast völligen Steuerfreiheit für Leuna-Treibstoff umgehängt hat. Nunmehr hat man mit der JG. eine neue Regelung ge- troffen, wonach die JG. in Zukunft nicht mehr ein Zehntel Pfennig, sondern schon einen vollen Pfennig Steuer pro Liter Benzin zahlen soll; aber auch das ist nur etwa ein Drittel des gefetz- lichen Steuersatzes. Da indessen die JG. ihre Benzinproduktion gesteigert hat und in dem Halbjahr Oktober 1930 bis März 1931 mit einer Produktion von 80 000 Tonnen rechnet, sieht das Geschäft für die JG. wie folgt aus: Die JG. behält— zunächst für das laufende Halbjahr— neben der Subvention aus der Differenz zwischen Zoll und Ausgleichssteuer in Höhe von 15 Millionen Mark immer noch ein besonderes Steuergeschenk von 2�4 Millionen Mark. Man hätte erwarten müssen, daß die Regierung entsprechend den auch in bürgerlichen Blättern scharf vertretenen Auffassungen die enormen Subventionen für die inländischen Treibstofferzeuger abbaut, statt desien erhält die JG. durch vollen und auch jetzt ! noch weitgehenden Steuererlaß auf dem Verwaltungswege riesige . Steuergeschenke. Das Reichsfinanzministerium versucht, diese Subvention auf dem Verwaltungswege, die es jetzt zuzugeben ge- ! zwungen ist, mit seinen Vollmachten zum Steuererlaß aus Billig- i keitsgründen nach der Reichsabgabenordnung zu begründen. Dieser Steuererlaß aus Billigkeitsgründcn hat in der Verwaltungs- praxis aber bisher selbstverständlich nur dort Platz gegriffen, wo eine offensichtkiche Notlage der Steuerschuldner vorlag. Man wird schwerlich die JG. hier einrangieren können. Es ist eine durchsichtige Ausflucht, um den unerhörten Vorgang der neuen Subvenkionsgewährung auf dem Verwaltungswege zu bemänteln. Ganz abgesehen davon, daß das Verfahren zugunsten des JG.- Benzins volkswirtschaftlich und finanzpolitisch nicht zu rechtfertigen ist. müssen wir aber auch gegen das hier angewandte V e r- fahren des individuellen Steuererlasses gegenüber einem Großunternehmen schärf fte Verwahrung einlegen. Ein derartiges Vorgehen ist geeignet, die Grundlagen der gleich- mäßigen gesetzlichen Besteuerung zu zerstören. Wenn man Groß- Unternehmungen vom Range der JG., deren wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit über jeden Zweifel erhaben ist. auf dem Verwaltungswege Steuern und dazu noch indirekte Steuern erläßt, so wird damit einer uferlosen, unkontrollier- baren Subventionspolitik Tür und Tor geöffnet. Es ist unerträglich, daß in einer Zeit, in der aus Mangel an Geldern wichtigste ösfent- liche Aufgaben in geradezu gefährlicher Weise eingeschränkt werden müssen, Steuergeschenke an einzelne steuerpflichtige Unternehmungen gemacht werden, und daß wegen des Steuergeheimnisses die Oeffent- lichkett nur durch Zufall etwas von solchen Geschenken und Sub- vcntioncn erfährt. Ein solches System birgt die Gefahr in sich, auf Grund der Willkür der Steuerverwaltung zur Korruption zu führen. Auch bei dem Steuergeschenk on die JG. wäre es sehr wichtig, zu erfahren, wann es ge- währt wurde, d. h. ob es schon aus der Zeit des Reichskinanz» Ministers Dr. Moldenhauer stammt, der früher dem Aufsichts- rat der JG. angehörte, oder ob Herr Dietrich allein die Berant- wortung für dieses Geschenk trägt Wir fordern von dem Reichssinanzmini st er, daß er dieses nicht zu rechtfertigende Steuergeschenk zurückzieht und daß er gleichzeitig der Oeffentlichkeit eindeutig mitteilt, welche Sub- ventionierungen durch Steuernachlässe an Großfirmen sonst erfolgt sind. Wir fordern auch von dem neuen Rcichswirtschafts» m i n i st e r, daß er getreu der öffentlich verkündeten Einstellung der. industriellen Organisationen, aus denen er stammt, sich mit Nachdruck dafür-insetzt, daß diese Subvention der chemischen Industrie in der Form des Steuergeschenks unverzüglich rückgängig gemacht wird. Wo stehi der Kaiholozismus? Bericht über zwei Vorträge Die katholischen Akademiker haben den Dommikanargeneral P. Gilles eingeladen, über„Die aktuelle Krise des Gewissens" zu sprechen. Der gelehrte Sprecher hielt vor einem zahlreich erschienenen Publikum, unter dem sich auch der päpstliche Nuntius befand, in französischer Sprache einen meisterlich auf- gebauten Vortrag, in dem er eine Geschichte des europäischen Menschen skizzierte. Das Gewissen wurde von dem Redner als ein Zustand der Seele gefaßt, in dem der G e i st das Ucbergewicht und die Herrschaft über die Materie habe, während heut« dieses Ver- hältnis gestört und in sein Gegenteil verkehrt ist. Seit die kirchlichen Ordnungen des Mittelalters zunehmend durch weltliche Ordnungs- jystcme ausgehoben wurden, hat sich der Mensch immer mehr der Materie ergeben: diese Entwicklung gelte gleicherweise für die Individuen, wie für Familie und Gesellschaft. Die Individuen laufen auseinander, gegeneinander, well sie ohne innere Bindung sind, die Familie ist in bedrohlicher Aufhebung begriffen, weil Geburtenrückgang und Scheidungsmöglichkell der Ehe erschreckend um sich greifen: damit, so behauptet der Vortragende weller, sei die Gesellschaft schlechthin bedroht. Deshalb habe der Papst in seinem Rundschreiben über die Ehe ein deutliches Wort sprechen müssen. Die Gefährlichkeit dieser ganzen Entwicklung bekunde die Weltwirtschaftskrise, über welche die technische Vollendung unserer Zeit vorläufig scheinbar doch nicht Herr werden könne. Die Technik sei nicht mehr Dienerin der Menschheit, sondern ist Selbst- zweck geworden. Bei dieser Gelegenheit machte der Redner einige sehr interessante Bemerkungen über die Geschichte der Technik und ihre gesellschaftliche Funktion, aus denen man seine tiefe Vertrautheit mit diesem Gegenstand heraushören kannte. Die Weltwirtschafts- krife zeig« das Versagen der Wirtschaft— ein riesiges Arbeitslosenheer bei vollen Lögern und doch sei znm Beispiel soviel Baum- walle in der Welt vorhanden, daß all« Frauen der Welt mit zwei Kleidern versorgt werden kömtten, sogar mit langen. Die Aus- wege aus dieser Krise? Kein Notwnastsnms, der nur Grenzen kennt, kein Kommunismus, der keine Grenzen kennt, sondern ein auf entschiedener Friedensbercitschaft gegründeter Wille. Für dies« Verständigung, namentlich zwischen Deutschland und Frankreich, predige er und damit für den Frieden der Well. Es kann nur begrüßt werden, wenn sich auch die hohe Geistlichkeit mit in den Dienst so realer, politischer Notwendigkeiten stellt. 2. In einem Vortrag der katholischen Bolkshochschule sprach Pater Oswald von Nell-Breuning über die päpstliche Enzyklika von der sozialen Gerechtigkeit Quzärs- gesimo Anno). Der Redner gab eine sehr aufschlußreiche Aue- legung der päpstlichen Kundgebung. Die soziale Gerechtigkeit oder Gemeinschaftswohlgerechtigkeit fordere für den Ar- beiter gerechteren Lohn,«inen Lohn, der ihm und seiner Familie ein menschenwürdiges Dasein, Teilnahme an den Kullurgütern der Menschheit gestatte. Das Proletariat müsse entproletarisiert lverden, die gegenwärtigen Zustände seien sinnwidrig und wider- sprechen jeder Vernunft. Bemerkenswert scharf unterstrich das Referat die benifestäiidijch« Idee, wie sie in der Enzyklika aus- gesprochen ist. Nicht Klassen sollen sich in dem heute notwendigen Gesellschaktsneubau gegenüberstehen, vielmehr sollen die Berufs- stände wiederum Glieder einer organischen Gesellschaft werden. Wie dies heute konkret durchzuführen ist, bleibt allerdings dunkel. Aber eine entschiedene soziale Tendenz war der Grundton des Vortrags. Hoffentlich bleiben sich die geistlichen Herren und, was wichtiger ist, ihre polllifchen Vertreter, der Gefahr bewußt, die. wie das Betspiel des italienischen Faschismus lehrt, in berufsständischen Illusionen liegen. �_ M. „Oer Kongreß ianzi." llfa-palast am Zoo. Wähtead man sich in Wien über Rangfragen der Fürsten stritt, während man tanzte und das Netz der Reaktion spann, das die Völker Europas jahrzehntelang umstricken sollte, landete Napo- leon in Frankreich, und der Wiener Traum war ausgeträumt. Der Kongreß, das große Fest politischer Intrige, das Duell der beiden Meister Metternich und Talleyrand, flog auf, ein Menuett riß ab. Dem Film genügt es, daß auf dem Kongreß getanzt und geliebt wunde, daß es schon 1813 den Heurigen gab und daß die Hosoper mit wundervollen Balletts auswarten konnte. Die Ge- schichte dient als Libretto einer Operette und einer Tanzfurie, bei der Erik E h a r e l l seine dekorattoen Künste entfalten kann. Um tanzende Massen auf die Szene zu bringen, ist der Wiener Kongreß nicht notweiütig. Empirekostüme können auch bei anderer Gelegen- hell gezeigt werden. Aber man verspricht sich Erfolg, wenn ein rerliebter Herrscher austritt und bekannte historische Borgänge den Hintergrund bilden. Rur ein paar Bilder deuten an, in welcher Tonart auf dem Kongreß gegeigt wurde. Metternich durchleuchtet die Korrespondenz oder horcht die Gespräche ab. Geheimpolitik und Freude am intriganten Spiel, in dem die Völker gleichgültig bleiben. Innerhalb des rauschenden Tanzes entwickeln sich Ansätze zu einer Handlung. Zar Alexander,«in echter Operettensürst, knüpft zarte Bande mit einer Handschuhverkäuferin. Diese zarten Bande zerreißen bei der plötzlichen Abreise des Herrschers. Aber auf Handlung und Historie tommt es nicht an, sondern mir auf den dekorativen Rahmen. Erik Charell, der im Film debütiert, wertet seine Reoueerfahrungen aus. Das Blld ist stänoig rhythmisch bewegt. Das Auge wird von prunkvollen Aufzügen geblendet. Musik und Bewegung bilden«ine Einheit, durchdringen sich und steigern sich gegenseitig. Eharell versucht nicht, wie etwa Lubitsch,«in« Charakteristik der Masse, ihm genügt die Bewegung um jeden Preis, und in diesem Bc- wegungsfieber schreckt er nicht vor Geschmacklosigkeiten zurück, vor zuckrigen, kitschigen Gruppen, vor Stellungen, die on Marzipan. gebilde erinnern Hm über die Bewegung vergißt«r die Schauspieler. In Nebenrollen herrscht das gewohnte Schema, und F ritsch und Lilian H a r v e y ersticken im Konventionellen. Allerdings findet Fritsch Gelegenheit zu charakterisieren. Er. der Darsteller des liebenswürdig lächelnden Zaren, spielt auch den Doppelgänger, einen kleinen Osfizier, der den Zaren in unangenehmen Situativ- nen ersetzen muß. Hier zeigt es sich, daß Fritsch ein Gestalter werden könnte, aber diese Momente bleiben diesmal nur Momente. Allein Conrad B e i d t. der Metternich, wächst über das spielerische Niveau hinaus. Der skeptische Diplomat, der weltmännische Mephisto würde auch in einem Film, der die Hintergründe des Wiener Kongresses belichtete, eine ausgezeichnete Figur machen. Ein großer Aufwand ist vertan um nichts. Bewegte Ober- fläch« kennt man genügend. Charell hat Eulen nach Athen ge- tragen. Der Wiener Kongreß müßte anders behandelt werden. Leb. Kriegsopfer gegen Inflation Oemokraiie� nicht Bürokratie soll herrschen Das Landeshaus der Provinz Brandenburg in Berlin begann Sonnabend vormittag die 19. Reichskonferenz des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Krieger- Hinterbliebenen, der mit über 450 000 Mitgliedern größten Organisation der Kriegsopfer. An der Tagung nehmen mit Ausnahme des Reichsfinanzministe- riums Vertreter aller für Kriegsopferfragen zuständigen Behörden teil, u. a. auch das Reichsarbeitsministerium. Vom ADGB. ist Genosse Backhaus, vom AfA-Bund Genosse G ö r i n g und von der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktion Genosse R o ß m a n n anwesend. Der Vertreter des Rcichsarbeitsministeriums, Senatspräsident Dr. S ch u l t e- ch o l t h a u s e n, sprach sein Bedauern darüber aus, daß von dem schon sehr dürftigen Strauß von Anträgen, die das Reichsarb�itsministcrium auf Beseitigung der größten Härten der Rotoerorduung hinsichtlich der Versorgung der Kriegsopfer der Reichsregierung unterbreitet hatte, nur ein bescheidenes Blümchen übrig geblieben ist, nänilich die Aenderung des§ 62 des Reichsversorgungsgesetzes in der Form der Notverordnung vom 5. Juni d. I. Von beson- derer Wichtigkeit war seine Erklärung, daß sich die Reichsrcgierung klar darüber fei, daß ein weiterer Abbau der Versorgung der Kriegsopfer nicht mehr erfolgen dürfe. Der Vorsitzende des Kriegsbeschädigtenausschufses des Reichstages, Dr. Mumm, erhob in seiner Begrüßungsansprache unter lebhaftem Beifall der Konferenztellnehmer die Forderung, daß die Reichsregicrung endlich den einstimmigen Beschluß des Reichstags durchführe, wonach die durch das Ableben von Kriegsopfern frei werdenden Etatonsätze zum Ausgleich von Härten verwendet werden sollen. In seiner Eröffnungsrede wandte sich der 1. Vorsitzende des Reichsbundes, Genosse P f ä n d n e r, ganz entschieden gegen die Zaslationslreiber. Gerade die Rentenempfänger wüßten leider zu genau, was für die ärmsten Bcvölkerungskreise eine Inflation bedeutet. Ebenso energisch machte er gegen die reaktionären Kreise Front, die die Unterstützung der Opfer des Krieges als untragbare soziale Last Unterstützung der Opfer des Krieges als untragbar bezeichnen. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Referat des 2. Bundes- Vorsitzenden, Genossen N o a. An vielen Beispielen legte der Refe- rent dar, daß in den letzten 15 Monaten das Versorgungsrecht der Kriegsopfer durch die Notverordnungen derart v e r- f ch l e ch t e r t worden sei, daß die Reichsversorgung heute beinahe einem Trümmerhaufen gleiche. Durch die erste Notverord- nung wurde eine ganze Reihe von Rechtsansprüchen der Kriegs- opfer in Ansprüche umgewandelt, über die in letzter Instanz die Ministcrialbürokratie zu entscheiden hat. Die zweite Notverordnung hatte zum Ziel, den Iahresbetrag von 113 Millionen Mark beim Kriegsopferetat einzusparen. Anstatt aber die Renten gleich- mäßig zu kürzen, änderte man die sogenannten Ortszulagen um, die zum Ausgleich der Unterschiede der Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Wohnplätzen gewährt werden. Diese Maß- nähme hat stch besonders verheerend für die Kriegsopfer in den ländlichen Gemeinden ausgewirkt. So ist z. B. in der Ortsklasse I) der Verlust des Rentenempfängers f a st dreimal so groß als der des Renten- empfängers in der Sonderklasse. Bei den Lcichtbeschädigtcn ist eine völlige Verwirrung in der Rentenstasfelung eingetreten. Mit hilse der parlamentarischen Vertreter des Reichsbundes, ins- besondere durch die Bemühungen des Genossen R o ß m a n n, und der sozialdemokratischen Reichstogssraktion ist es gelungen, diese Notoerordnung zu ändern und einige Verbesserungen zu erreichen. Der Referent betonte zum Schluß die Notwendigkeit, die Rechtssicherheit dadurch zu stärken, daß soziale Gesetze nicht mehr durch Notverordnungen, sondern nur durch das Parlament oe- ändert werden. Zurück zum Parlamentarismus, zurück zu einer geregelten Verwaltung, in der die Demokratie und nicht die Bürokratie herrscht, ist jetzt die Hauptforderung der Kriegs- opfer. Die Kampffront der Nullen Neuinszenierung des kommunistischen„Einheizverbandes // Wir haben schon wiederholt festgestellt, daß die KPD. und ihre NGO. jetzt, da der Deutsche Metollarbeiterverband in ganz Deutschland in einer riesigen Lohnbewegung steht und bemüht ist, durch Einführung der 40-Stundon-Wochc wenigstens einen Teil der Arbeitslosen wieder in die Betriebe zu bringen, daß ausgerechnet in diesem Augenblick ein konzentrischer Angrisf auf den DMV. unter- uommen wird. Täglich kann man jetzt in der kommunistischen Presse allerlei Märchen lesen über die„Ersolge� des kommunistischen „Eircheizverbondes"' und die Verrätereien des DMV. Es lohnt nicht, auf diese Märchen einzugehen. Es genügt, wenn wir zwei Feststellungen machen: Einer llnterbezirksleiter- Konferenz für Berlin-Brandenburg, die dieser Tage stattfand, lag u. a. eine Entschließung des Zentralkomitees vor, in der ausgesprochen wird, daß die Kommunistische Partei bei Auslösung von wirtschofts- kämpfen völlig versogt habe. Wir haben dieser Selbstbezichtigung nichts hinzuzufügen. Die zweite Tatsache, die wir herausstellen möchten, ist eine Erklärung, die der Vertreter des„Einheizverbondes" Scholz in der Funktionärkonferenz in Haberlands Festjälen am 4. Oktober mochte. In seiner Rede erwähnt« er u. o., daß illegale Kamps- lcitungen aufgezogen werden müßten, die eine gewaltsame Auslösung von Streiks herbeizuführen hätten. Man müsse in ollen Betrieben Kompsausschüsse wählen, die Einberufung der Betriebs- und Arbeiterräte verlangen, Belegschaftsoersammlungen einberufen, IAH.-Gruppen in den Betrieben aufziehen und die Er- wcrbslosen mobilisieren. Sllso das übliche kommunistische Theater, wenn die Gewcrkschastcn in einer ernsten Bewegung stehen. An der Rede interessiert uns jedoch folgende Erklärung: Scholz sagte, daß man olles daran setzen müsse, um den Deutschen Metall- orbeiterverband zur Aufnahme des Kampfes zu zwingen. D i e R G O. allein könne den Kampf nicht führen. Diese müsse alle Arbeit daraus richten, den- Deutschen INetollarbeiterverband zu zerschtagen. Der„Einheizverband" ist sich also seiner völligen Ohnmacht durchaus bewußt. In der KPD. weiß man genau, daß die RGO. unfähig ist, einen Kampf in der Metallindustrie zu führen, daß hierzu nur der DMV. fähig ist. Also— und das ist die typische kammunistijche Logik— muß alle Arbeit darauf gerichtet werden, den DMV. zu zerschlagen. So sehr sich die kommunistische Presse auch bemüht, den „Einheizverband" auszublasen, die Metallarbeiter wissen Bescheid. Die„Massenkundgebungen" der RGO. sind Pleiten. So fand dieser Tage für die Firma Z w i e t u s ch- Charlottenburg eine Belegschasts- Versammlung statt. Van den annähernd 700 Beschäftigen waren 12 Mann erschienen, davon waren 8 Anhänger der RGO. Sonntag steigt nun die„große" Kundgebung des„Einheiz- Verbandes". Da werden dann alle diese verlorenen Posten in den Metallbetrieben als„Delegierte" aufmarschieren und die kommu- nistische Presse wird ausrechnen, wieviel hunderttausend oder Mil- lionen„vertreten" waren. Da sich nur Nullen zusammenfinden, kommt es auf ein paar Nullen mehr oder weniger nicht an. Niemand wird mehr durch dieses Theater getäuscht, das das schon oft abgeleierte Stück wiederholt: Die Kampffront der Nullen. Angriff aus Gemeindelöhne. Unmögliche Forderungen. Di« Berhaadlunge« über di« Neuregeluug der Löhne der Gemeindearbeiter gestalte« sich äußerst schwierig. Die Vertreter der Gemeinden der» langen ans Grund des A 6 der Notverordnung, der als Kannvorschrift einen Lohnabba« von 1 bis i Pf. oder, nach der Notverordnung vom«. Qttober. von 4rX Prozent vorsieht. Damit noch nicht genug, verlange« sie die Neseitiguug der Lohnschu�klansel, wo- nach bei einer Verkürzung der Arbeitszeit aus 44«tun- den und darunter eine Lohnkürzung nicht eintrete« soll. Diese Forderungen sind so ungeheuerlich, daß sie fast nicht ernst genommen werden können. Es gibt nicht nur eine Rotlage der Gemeinden, es gibt auch eine Not- läge der Gemeindearbeiter. Ireigewelkschastlicher Sieg. Di� Tetrtebsratswahl bei der AEG. R c l a i s f a b r i k am Freitag brachte der sreigewerkschaillichen List« einen v o l l c n S i e g. Nach einem Wahikainps von großer Heftigkeit erhielten die freien Gewerkschaften 407 Stimmen und 7 Mandate, di« Gegner zusammen 150 Stimmen und 2 Mandate. Im Arbeiterrat haben die freien Gewerkschaften 7 Sitze, die Nazis 1 Sitz: im Angcstelltenrot freie Gewerkschaften 5 Sitze, Nazis 2 Sitze. Obwohl dieser Betrieb einmal eine Hochburg der RGO. war, ist von diesen Helden jetzt nicht mehr viel übrig: sie sind zum Teil bei den Nazis gelandet. Echte Bolksentscheidskommunisten. eBucA 3)cr[Krieg draußen/ der[Krieg drinnen „Gespenster am Toten Man n", erschienen im Gilde- Verlag. Köln, heißt das vorläufig letzte der Frontbüchcr, und P. C. E t t i g h o f e r ist sein Autor. Roch einmal zieht olles Grauen der Schlachten, olle Marter des Stellungskrieges an uns vorüber. Sperrfeuer wütet, Gasschivoden wöszen sich heran, Tanks brechen vor, Sturmangrisfe werden befohlen, in einem panzer- umgürteten Betonblnck, die Zuflucht einer Kompagnie, zischt ein Volltreffer, Flammenwerfer streuen den Berbrcnnungstod. Ettig- hofcr Hot, im Osten und Westen, olles Entsetzen des Weltkrieges uiid olle Variationen seiner Scheußlichkeit bis zur Neige gekostet und es ist ihm zuzugestehen, daß er ein packendes Bild von seinen Er- lebnissen entwirft, nichts beschönigt und nichts verheimlicht. Ein ehrlicher, wahrheitsliebender Tatsachenbericht vom Kriege: aber auch nicht mehr. Es fehlt dem Buche die dichterffche Kraft. Wahrheit wird gesehen durch die Augen eines Photographen und nicht durch die eines Temperamentes: aber im höheren Sinne sagt doch eben mir das Temperament die volle Wahrheit. Das Ewigmenschliche kommt zu kurz in diesem Buche, es fehlen die Reflerionen: Münder schreien auf in Todesnot, aber nicht Seelen. Die Personen, die der Autor einführt, wachsen einem nicht recht ans herz, nicht einmal der Elsässer Kicnz. dessen tatsächliches Geschick, bei aller Hingabe an die deutsche Sache, dauernd als unsicherer Kantonist beargwöhnt zu werden, im übrigen trogisch genug ist. Wenn es verständlich ist, daß die Frontsoldatenautorcn erst die Distanz eines Jahrzehntes abwarteten, bis sie Sammlung genug hatten, ihr ungeheuerliches Erlebnis zu Papier zu bringen, so weiß man doch nicht recht, warum auch Clara Visbig erst heuie zum Krieg das ihre sagt. In ihrem im Hesse u. Becker-Vcrlag er- schienenen, in OffiziersfamUien spielenden, Roman ,T> a s r o l e M e e r", geht es um den Krieg in der Heimat oder vielmehr: um einen engen Ausschnitt aus ihm, um den seelischen Reslex, den Schlachtseidtod und Schlochtselderblindung dreier junger Offiziere bei ihren Eltern, Frauen, Bräuten, Schwestern erzeugen. Wir werden in die sehr gesittete Atmosphäre des gehobenen Bürgertums geführt, dem die Treue zu Kaiser und Reich tief im Blute sitzt, hin und wieder läßt Clara Viebig aus den Tiefen des Volkes Rufe einer gemäßigten Unzufriedenheit aufklingen und ein leiser Zweifel an der Unantastbarkeit des Systems und der Gottgegebenheit des Krieges wagt sich schließlich sogar bis zu den herzen einiger Mitglieder unserer Osfiziersfamilien vor: ohne daß das aber schlimme Folgen zeitigte. Als olles zusammenbricht, schmiegen sie sich nur enger aneinander. Das feine, stille Buch einer seinen, stillen Frau: und wenn es mitten im Kriege erschienen wäre, so wäre ihm die Aktualität und auch der Mut nachzurühmen gewesen, gewisse Dinge zu sagen, die damals den Vorwurf des Defaitismus nach sich zogen. Hans Bauer. Sonnabend, 24. Oktober. B e r I i■. 16.05 Uaterhaltungsmusik. 17.45 Die Erzählung der Woche(Hermann Sinsfieimer). IXJO„Studenten diskutieren."„Deutschlands nationale Befreiung"(Leitung: Prof. Dr. Hermann Heller). 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Sonate für Klavier und Cello e-moll. op. 38, von Joh. Brahras.(Mag Baldner, Cello, und Bruno Eisner. riügcl.) 19.30 Sven Schacht: Seltsame Reisen. 20.00 Aktuelle Abtelluug. 20..*) Blasorchester-Konzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten Anschließend; Tanzmusik. Königs vnsterhansen. 16.00 Otto.Stolzenberg: In den Lehrwerkstätten einer Gewerbeschule. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Dr. Hans Maiut; Sind Zahnkrankheiten oniefäbrlich? 16.00 Günther: Deutsch für Deutsche. 18.30 Prof. Dr. Hermann Muckermann: Moderne Biologie und Christentum. 18.55 Wetter'für die Landwirtschaft. 10.00 EnKlisch für Anfänger. 19-30 Zeltspiegel. 20.00 Leipzig: Alte und neue Tanzmusik. Sonjitap, 25. Oktober. Berlin. 6.30 Funk-Gymnastik. 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 1J.10 Theater ara Bülowplatz; Siufonie-Konrert. Dirigent: Scberchen. I. Haydn; Sinfonie Nr. 95(0) c-nioll.?. Schnbcrt- Webern? Deutsche Tänze. 3. Honeggcr: Sfnfonie(Erstaufffihning).(Berliner Funk-Orchester.) 13.40 Märchen.(Tony Tctzlaff.) 1 1.00 Mandolincnorcljcster-Konzert. 15.00..Cin Mensch mit Büchern und Schallplatten."(Martin Paschke.) 16.00 Blasorchester-Konzert. 17.00 Kunstabend.(Veranstaltet vom Rcicbsvcrband Deutscher Kriegsbeschädigter und Krieserhinterbliebcner). 19.00 Ministerialrat Dr. Helene Weber, M. d. R.:..Die Fürsorgerin tirfd die Kot der Zeit." l�.�O Unterhaltungsmusik. 19.70 Tagesglosscn.(Alfred Kerr.) 19.50 Sportnachrichten. 23.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Tanzmusik. Könlgswuitnrbauscn. � 7.00 Hamburg: Bremer Hafenkonzert. 11.00 Dr, Bazan:„Elternhaus und Jugcndbtlnd-" 11.30 Bach-Kantaten. li.10 Kundgebung des Reichsverbandes der hcimallrcucn Ost- und WestprcuBcn. 13.00 Königsberg: Konzert. 14.00 O. L. Brandt: Weinlese und Weinprobe. 14.30 Hermann Röülcr über Edvard Welle-Strand, ein norwegischer Erzähler. 18.00 Mühlacker; Ein Ciesellschaftsabcnd. 19.00 Hans Gruner: Der Metallarbeiter. 19.30 Max Hochstcttcr: Caruso und Schaljapin. 19.45 Dr. Karl Würzburger: Der Hörer bat das Wort. 203)0 Leipzig: Stnatsoper Dresden:„La BohSrne." CeronhDOtxI. für die Redaktion: Aich. Beznstei», Berlin; Anzeigen: TH. Glocke Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstraste S Sierz» I Beilage. Sfaafs Tueafer Sonnabend, den 24* Okiober Staatsoper unter den Linden 20 Uhr O b e r o n Staaflitospietas Gwfammiiafkt. 20 Uhr Florian Geyer Schiller-Theater CMohnbinj. 20 Uhr HeLral inlernaf tonales thealer (Kleiaes Theater) Unter den Linden 44. 8.15 Chr Flucht vor Nichael mit Kltty Anehenhaeli KleinePreise 1 bis 4 Mark. Winter -Qcirren* 8.15 Uhr Flora 3434 Raudun erlaubt Nldioll*. Maria Ney. Napoli. Handy- Bandy, Bl»i£ Remo, Walter Carloi zeigt Romba, 2 Alberto* n»w. lonoabnil md Sonntag j» 2(orttiUoggiii «und 8" Uhr.« Uhr kleine Pr. j Resfauät Berlins! BETRIEB K KEMPIHSKlit,' »v.ubr CASINO-TBEATER81/« Lothringer Strafe 37. Heute zum ersten Male: Volknsttlck Weener- Frlize Dazu das Singspiel«Erwischt" and das neur bunte Programini Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur SO Pf. Fautcuil 1.— Mark. Sessel 130 Mark Slam, oper Charlottenburg Sismarckstiaße 3« Sonnabend, 24. 10. Turnus I Anfang IQ'/j Uhr Boflmanns ErzAlUaneen ende geeen 22'z U. VolKsbUtme Theater am BJIowplati 8 Uhr Das vierte Gebot I im-Tiieatei Dir. Dr. Robert Klein ViidniUnB 08«, 27SI. 8'/i Uhr Der letzte Equlpagetu Hamelka, Brautawattar, Sand- roek. Falkenstain (netropoi-lhBator Täglich 8'/« Uhr Sonntags 4 u. 6'u U Dia Blume von Hawal Operettev. Abraham fmt 1.5B-14JÜ Berliner VVlk-TriO Naakölla. Lehna tr 74;7SJ Theater im Admlraisoalast Täglich 8V« Uhr Die Dobarry mit eitta Aipar Preise v. 0,50 M, an Komische Oper 8-/- Uhr Thron zu vergeben Operette v.N'eidhan Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien. Preise: 0.50—7.- M Theater am Nollendorfplata Täglich sr.-j Uhr Max Adalbert Der Täglich 8 Uhr von Schiller Regia: Mai Beinhanit Die Komödie SV: Uhr Moigu litit; luffOhmng ROckhehr JomMiii.Diiialii Stewart »«Ii«: total faUg«. Rnrffirsteod Theate Bismarck 4 SV« Uhr Die sehe Halen föeilage Sonnabend, 24. Oktober 1931 OfrjUtPtid Stininiikgnäe*tti linoafA Geschichte öer Woche üntons seltsame Geschichte Von Gerhart Herrmann Mostar ?as nicrkwütdige Erlebnis eines Arbeitslosen beschäftigte kürzlich die Berliner Polizei. Anton sitzt ganz vorn an der Tür, wo es schön ungemütlich ist. und wo es hübsch zieht,— obwohl das Lokal sehr lang und schmal ist, und obwohl Anton um die Stunde, zu der er hier auf- tauchte, recht gut auch weiter hinten noch einen Platz bekommen hätte. Aber er hat sich nun mal hier vorn niedergelassen, weiß der Teufel weshalb, vermutlich wollte er ursprünglich nur eine einzige Molle trinken oder einen einzigen Korn— wird schon so gewesen sein, ist ja immer so. Kein Mensch weiß ja heutzutage, wo was hingeht, wenn was anfängt— na also! Ileberdies ist Anton ganz ohne Gesellschaft, hat sich ganz alleine besoffen, ist auch was wert— was muß zum Beispiel der dicke Mann am Nebentisch, der vor einer Stunde etwa, in einem massigen Pelz gehüllt, hcreinwankte— also was muß fo'n Mann alles für seine beiden Kumpane bezahlen, mit denen er trinkt... Eine wohlbekannte Melodie reißt Anton aus seinen selbstzu- friedenen Gedanken. Sie kommt aus den heiseren Kehlen zweier Straßensänger, die sich in der Tür aufgestellt haben. Anton packt die unwiderstehliche Luft mitzusingen. Er gröhlt los:„Waldäsluhuhust, Waldäsluhuhust—" Der Dicke am Nebentisch unterbricht ihn wütend:„Paß doch ufs'n Text uff, olle Schnapsnase! Js doch'n janz andara Text, Mensch!" Anton klappt erschrocken den Mund zu und hört hin, und ihm wird ganz schwiemelig vor Traurigkeit: denn dies ist doch das Lied, was sie jetzt in Berlin auf allen chöfen singen, was die schöne, alte Melodie von der Waldeslust und den trübseligen, neuen Text hat: Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkeit, Oh, wie bringst du uns so weit! Trotzdem wir stempeln jehn, Js von Arweet nischt zu sehn— Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkeit, Oh, wie bringst du uns so weit..■" Der dicke Pelzmann, anscheinend ein Viehhändler vom Lande, das sieht man am grünen Hut, den er aufbehielt— ja, der ist ganz gerührt, und er läßt den Sängern zwei Mollen bringen. Anton zwar ist auch gerührt, aber außerdem ist er plötzlich ganz grau vor Er- schrecken: aus den tiefsten Windungen seines bierdurchnebelten Hirns taucht irgendwas auf, irgendwas schrecklich Böses und Wahres, das er hier drinnen vergessen wollte, vergessen hatte— schnell bestellt xr ein neues Glas. Die Straßenmusikanten fahren indessen fort: f.Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkeit.., Verflucht! Das will er heute nicht hören, das kann er heute nicht aushalten! Glatt nicht aushalten! Der Viehhändler, jreilich, der guckt wie gebannt auf die Singenden, aber einer, dem's selber so geht... Denn, um die Wahrheit zu sagen: Anton hat das ganze bißchen Wohlfahrtsgeld. das er heute mittag bekam, vertrunken, es reicht gerade noch für die letzten Gläser, die er jetzt rasch bezahlt. War ja nicht richtig, gewiß nich, wovon soll er nu leben, war ja aber sowieso zum Leben zu wenig... tonnte einfach nich mehr, mußte den ganzen Jammer einmal, ein einziges Mal vergessen, so war das... also Schluß! Anton stürzt die letzt« Molle runter, da ist die selige, herrlich vergeßliche Stimmung schon wieder da. gotl- scidank— er reißt den Mantel vom Hafen, der hinter ihm hängt. und segelt aus der Kneipe: niemand beachtet ihn, der Wirt nicht, der Picke nicht, Herrgott, wcnns einem ginge wie einem von den beiden. na. aus der Traum, der Suff jedenfalls ist schön für arm und reich. ist immer schön... das Lied von der Arbeitslosigkeit verhallt hmler der Tür, die Straße lärmt und brodelt... Bis hierhin war Anton die Sache klar. Was aber nun kam, das war keine Geschichte mehr, das war einfach ein Märchen, seltsam und beglückend, wie nur Märchen sind... „Mensch, Justc da biste ja endlich! Tag. Iustav! Nu komm man, Justavchen, komm! Hier jleich jejenüber jibts een Toppken. sar ick dir, Iustav...".,, Und Anton fühlt sich plötzlich untergefaßt, warm und herzlich. von zwei Sellen sogar: so viel er noch erkennen kann in seinem Zustand, handelt sich- um zwei nette, stämmige junge Leute: schon schleppen sie ihn ab. er will mit stammelnder Zunge erklaren, day er gar nicht Gustav heiße,,.der» Anton, aber er kommt nicht dazu. man steht bereits in einer anderen Kneipe, es gibt la hier am Alex aenua davon, und feine Begleiter bestellen Bier und Korn und agen Prost, und Anton-Justav trinkt... Wahrhaftig, die beiden sagen noch immer Iustav zu ihm. aber Anton ist so weit, daß er seine eigenen Vornamen nicht mehr auseinanderhalten kann, kann ia auch s-in daß er Gustav heißt, is ja auch'n ganz schöner Name, und warum soll man den netten Leuten nicht das Vergnügen lassen... k Und es macht ihnen sichtlich Vergnügen, den beiden, sie lasien sich nicht lumpen, sie bestellen und bestellen und bezahlen»nd bezahlen. und Kneipe und Leben und Welt werden immer schöner sur Anton. Auch zu präpeln gibt's ein paarmal. Bockwurst mit Salat „nd Bouletten. na wunderlmr! Dann geht's in die nachite Kneipe. die liegt in einer dunklen Seitenstraße, so hübsch schummnq.st s da drin und so schön leer, und es gibt einen Schnaps, der hat s in sich, das kann man wohl behaupten, und es wäre noch eine ganze Welle so weiter gegangen, wenn nicht-- Wenn nicht sich plötzlich die Tür geöffnet hatte, und wenn in dieser Tür nicht dieselben beiden Strahensänger erschienen waren, die Anton vorhin schon gehört hat. Sie stellen sich hin und beginnen zu singen, und Anton will es verhindern, er weiß ia. was kommt ober seine Bewegungen sind zu verschwommen und seine Zunge ist zu schwer, die beiden können nicht wissen, was er will, und mir»' geht's los:> „Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkcii, Oh. wie bringst du uns jo weit! Vom Loosen immaßu Jehn kaputt ooch uirsre Schuh. Arbeitslosigkeit--" Oa ist's mit Anton zu End«, nnt einen, Vial. Da ist olles wieder da. was morgen fein wird: irres, vergebliches Rennen noch Arbeit, Hunger, Kälte. Verzweiflung... da ist doM Märchen zu End«, es war ja wunderschön, daß e? so was gibt, daß«ildircmde � Leute kommen und einen unterfassen und sich«in Vergnügen daraus wach»",«wen armen Arbeitslosen einzuladen— aus und vorbei... �lba LustävkvU" läßt sich der eine der beiden Wohltäter vcr- nehmen, als die Sänger das Lokal verlassen haben,„aber lieba Iustav! Wat weenste denn so! Det braucht dir doch nich zu rühren." „Wie— wieso denn— wieso denn nich—" schluchzt Anton in erwachender Hoffnung: will man hier vielleicht was für ihn tun? Ihm vielleicht sogar— Arbeit geben?" „Na", meint der zweite und streicht mit prüfender Hand über den Aermel seines Mantels,„na weeste, Iustav, et kann eenen doch nich schlecht jehn, der son scheenen Pelz an hat...!" Pelz...? Wieso Pelz...?" Anton besitzt lediglich einen uralten, jammervoll zerschlissenen, lächerlich dünnen Mantel. Den will er sich nun ansehn, blickt an sich herunter,— und wird rot und blaß und verliert fast die Sprache: er hat wahrhaftig einen Pelz an, einen dicken, warmen Pelz...! „Wie— wie ick", stottert Anton,„also, wie ick in den Pelz hier jekommen bin— det— det weeß ick bei Jett nich— det—" „Biste denn nicht Viehhändler, hö...?" unterbricht ihn der erste rauh. Und der andere beschwört ihn:„Iustav, besinne dir! Du bist doch een reicha Viehhändler, Mensch!" „Erstens bin ick nich— bin ick nich Iustav, sondern man bloß Anton, un zweetcns— un zweetens bin ick kecn Viehhändla, sondern man bloß a— arweetslos..." „Wat? Wal...?! Un dazu ham wa den dicken Kerl aus Frankfurt ausbaldowert, det du ihm den Mantel klaust un wir uff dir rinfallen...?! Warte, Freundchen, warte ma!" Und auf den Tisch des Lokals fliegt das Geld für die Zeche, und Anton fühlt sich gepackt, gar nicht mehr herzlich und warm, und durch die Tür auf die Straße geschleppt, die dunkel liegt und einsam— und dann hageln die Schläge und Knuffe und Püffe, und dann fliegen die Haare des Pelzes, und dann wird es Nacht mn Anton, der fühlt gerade noch, wie man ihm den Pelz vom Leibe reißen will, hört gerade noch ein halb geflüstertes, halb gerufenes:„Tcilachen! Pollcnte!"— dann weiß er nichts mehr.<. Anton wird geweckt. Fühlt sich durch einen Schupo von einer Pritsche hochgezogen. Starrt schmerzenden Kopfes in einen grauen Morgen, der durch das Fenster des Polizeigewahrsams kriecht. Drinnen in der Wachtswbe steht der dicke Mann, der gestern abend am Nebentisch des Lokals faß, in dem Anton zuerst zechte. Er hat Antons fadendürren Mantel an und sieht darin aus wie ein hilfloser Clown. Wie Anton den erblickt, kchrt blitzartig die Er- innerung zurück— die Erinnerung an alles, an das Elend und an das Märchen und dann die Prügel und wieder an das Elend... Man zieht ihm den Pelz aus, den er noch anbehalten hatte, und langsam kommt sein ausgemergelter Körper unter der dicken Um- hüllung zum Vorschein, und langsamer noch kommt aus seinem stotternden, fast weinenden Munde die Geschichte dieser Nacht: das Verwechseln des Mantels, die Wut der betrogenen Betrüger... „Der Pelz", sagt der Viehhändler,„der Pelz is ja nu hin. Es war man bloß ein alter Schafpelz, Wert unter Brüdern vielleicht noch sieben Mark. Aber daß ich zivölfhundert Emm in der Brief- tajche hatte, das stimmt. Un daß mir der arme Kerl sozusagen un- freiwillig das Geld gerettet hat, das stimmt ooch. Er hat meine Dresche gekriecht, sozusagen— er Hot for mir den Blitzableiter ge- spielt, jawoll... Na, un wo die Sache so liegt, können wir ihm denn nich lochen lassen, Herr Kriminaler...?" Der Wachthabende bedauert. Anzeige müsse ja nun wohl erstattet werden. Aber es würde schon gut ausgehen. „Na, denn will ick ihm wenigstens die Lebensrettungsmedaille verleih'n", sagt gutgelaunt der Handler und zieht einen Zwanzig» markjchein.„Un außerdem schenke ick ihm den Pelz!" Aber da greift Anton(chlennicht nach seinem alten, dürren Mantel.„Det Ield nehm' ick jernc, Herr, dank ooch scheen. Aba vom Pelztragcn ha'ck nu jenuch! Nich um de Welt...1" Und seither, und besonders feit das Verfahren gegen ihn wegen Geringfügigkeit niedergeschlagen wurde— seitdem gibt's einen merkwürdigen Arbeitslosen in Berlin. Wenn der auf den Häfen das Lied von der Arbeitslosigkeit singen hört— dann fühlt er noch den Beulen und Flecken, die noch nicht ganz verschwunden sind, hüllt sich in seinen dünnen Mantel und sagt laut: „Jmma noch bessa als wie Viehhändler...!!" Und die das hören, die halten ihn für nicht ganz richtig: und ein Märchen— ein Märchen ist somit am Ende doch noch draus geworden. Herbstvisite« Gm Verlmer Runögang/ Von Heinrich Hemmer „Es ist Herbst, die Blätter fallen", besingt(etwas schmalzig) ein altes Wiener Lied die Vergänglichkeit irdischer 5ierrlichke>ten— und der Refrain:„Wenn die Schwalben wiederkommen, die wer'n schaun" wurde seinerzeit gleich auf die unmöglichsten und anzüg- lichsten Metamorphosen angewendet, denn große wirtschaftliche und politische Sorgen hatte oder machte man sich damals nicht. Seit- dem hat die Welt das Gruseln kennengelernt. In keinem Herbst war die allgemeine Ungewißheit so groß. Ich hatte in einem amerikanischen Magazin einen Stoßseufzer gelesen:„cirewned in oil". Man schwimmt im Ursprungsland in eben demselben Oel, das für unsere schwereren Autos so kostspielig kommt, daß man sie jetzt zu Schleuderpreisen verkaufen muß. Ein Faß Erdpl kostet drüben halb so viel wie ein anständiges Beefsteak (und auch im Hamburger Hofen, höre ich, nicht mehr als 6 Pfennig) ,. i ich legte das Blatt beiseite, über dem mir die Messe in den Sinn gekommen war und lenkte meine Schritte nach den Kaiser- d a m m h a l l e n. Welcher Wandel! Als ich bei der vorigen Automesse ebenfalls mit jchneenassen Schuhen hier eintrat, standen stolze vom Straßen- leben unberührte Debütantinnen vor reservierten Kausherrennischen. Nun werden einem solche noch immer unnahbar aussehende Schöne mit mehr oder weniger„bewegter" Vergangenheit, ober blitzblank aufpoliert natürlich, wie Ladenhüter angeboten:„Was kann ich Ihnen verkaufen, mein Herr", klang es bedienungsbereit an mein Ohr. Ein Luxusford: ein vornehm gleißender Lincoln stand vor mir, der einer eminent-prominenten Schauspielerin saure 32 Mille gekostet hatte. Und für dreizehn, vierzehn solcher Billcttchen, wenn ich sie zufällig gerade bei mir hätte, soll die Chose mir gehören. So gut wie neu: nur 8000 Kilomctcrchen herumgetrudelk. und im mattroten Innern noch von der Besitzerin duftend, die sich etwas verkleinert hat— in bezug auf Pferdekröfte. Ein hochmütiger Packard steht wie vom Schicksalsblitz in seiner Lebcnsfahrt eingeholten stumm daneben, und um und um stehen lauter hochhcrr- schaftlich durstige Bcnzinschluckcr, die der Marktpreis des drüben in Sintfluten springenden Orks Herren- und brotlos gemacht hat... Der Aussteller, nach der Frage: ob ich wisse, daß ich bei der ersten Firma sei. ließ mich, den Moschinendeckel indiskret in die Höhe ziehend, einen Blick in die Eingeweide werfen. Ich sollte mich überzeugen, daß Herz und Nieren der schönen Amerikanerin in Ordnung seien. In meiner Verlegenheit kräuselte ich die Stirne und tat un- mäßig fachmännisch. Glaube er, ich wisse nicht, daß die neuzeitlichen Errungenschaften der Medizin heute auf das Auto angewendet werden, fragte ich den bedauernswerten Mann, der mich: mich als Käufer ausersehen hatte. Nur eine Röntgenisierung könne mich von der Solidität des Achsenknochengerüstes überzeugen. Und was die Motorlunge anlangt, die muß, das ist jetzt das Neueste, unbedingt mit dem 5) ö r r o h r abgehorcht werden. Können sich nicht schleichende TBC.-Keime in diese fürchterlich wogende Lunge eingeschlichen haben und sich später entwickeln...? Man kann nicht vorsichtig genug sein heutigentags... Ich bejah mir noch einige andere erwerbslose S0 bis 200?8, drückte mein Bedauern darüber aus, daß der„schönste deutsche Wagen", der von 40 auf 2l herabgesetzte Mercedes-Benz, sich auf Probefahrt außer Hauses befände, schnüffelte an den Namen „Chrysler"(sprich nicht Krislcr) und„B u i k" herum, besah mir Riesenlastquetschkästen, die eine Elefantenherd« zermalmen könnten, und schusselige kleine Lieferwagendinger... und ebenfalls zu dreiziffrigen Preisen angebotene Miniaturcabriolets.. und noch vielem, vielem, zum Schluß einen noch der Avus schmeckenden B u g o t t i, der mich an eine sonderbore Feststellung crimierte, die ich an einem heißen Sommertog zwischen Dornengestrüpp cinge- klemmt gemacht hotte. Daß nämlich derselbe Autolärm, der einen im Arbeitszimmer sämtliche Flüche der Welt entlockt, dort draußen, mit hundert multipliziert, zur Sensation, zum Symbol unerhörter Menschcnleistung wird: so daß alles aufjauchzt, wenn sie vorbei- gedonnert kommen die großen Brummer. Dann winkte icli dem stolzen Stand ein geniertes Lebewohl zu(„ich werde sehen") und ging in Ermangelung des Trambahngeldes zu Fu ß nach Halensee. Im herabprasselnden Hagel sielen mir unterwegs die sich schließlich auch auf die Abnutzung des menschlichen Organismus übertragen lassenden Worte eines Toxbriefes ein:„Unter Berück- sichtigung des allgemeinen Zustand«?, des Alters, ersichtlicher Mängel und anderer den Wert des Objekts beeinflussender Umstände..." Was ist man schließlich noch wert, auch der Mensch, domo sspiens: weniger alz das abgefahrenste Auto, nämlich 0,00. Aber in Halensee, in einem warinen Bücherzimmer voll frisch- abgestaubter Autoren, wieder gutbürgerlich zuredstgepoppell, cm paar Mark in die Tasche sdiiebend, sich den Butterbemmel-Sahnentee- nmnd wischend: da beginnt dos Leben neu zu pulsieren. Interview- bereit schlenkert lässig im kardinalroten Morgenanzug, der frisch aus M e n t o n e cingetrosfene Sohn des Hauses, ein jugendlicher Hoteldirektor, auf und ab— als sei es weiter nicht der Rede wert, daß er schon eine Stütze des elterlichen Hauses geworden. Und was das(sranzösifchc) Mentone betrifft, so gibt es dort sowohl deutsche als auch englische Kurgäste aber kein« Spur von einem französischen— und Deutsche gibt es um so mehr, je schlechter es Deutschland geht. Was aber nun die Hoteldirigiererei betrifft, so siel mir während des Fragens ein, daß diese zwischen Kriminalpsychologie, Salon- diplomatie und Hauspolitik heruinpendelnde Tätigkeit aus Globc- trotterersahrungen her überbekonnt ist— und daß das, was man weiß, erst wieder interessant wird, wenn man vergessen Hot, daß man es weiß. Wahrscheinlich habe auch ich viele Interviews als interessante Neuigkeit gelesen, weil der Tatbestand so ins Sensationelle verzerrt war, daß ich ihn bei der Lektüre gar nicht wieder- erkannt hätte. Das Interview griff jetzt auf die von einem Wiener Reinhardt- Gastspiel zurückgekehrte Tochter des Hauses über, eine junge Künstlerin, die englische Werke übersetzt, aus französisch FUmtexte synchronisiert und als deutsche und englische Schauspielerin erfolgreich ist, ihrerseits die elterliche Familie stützend, die in dieser Zeit glücklich zu preisen, wo, wenn das Geld zum Teufel gegangen, die Hauptsache ist, daß noch Kräfte da sind, daß wieder Kräfte da sind. Ja— Wien? Daß das Publikum heute in Berlin spontanerer Bc- geisterung sähig ist als in der alten Theaterstadt an der Donau(was ich noch vor zwei Jahren anders konstatieren konnte), erfuhr ickz wehmutsvoll mit der wehmutsvollen Begründung, daß sie eben schon zu lange gewährt und sich ins Herz cingefressen hat, die graue Zeit der Not. Der traurige Wandel der Zeit hat auf den Volts- charakter abzufärben begonnen, und wenngleich es noch immer zahlreiche scharmante und gefällige Leute gibt, so obwallet doch die Stimmung des Mißvergnügens. Ein Allerseelentagswind der Bitternis weht durch die Straßen, deren einstmalige Fröhlichkeit uns das Kino taktloserweise so oft und so kitschig vor Augen führt. Nein, auck) in den Geschäften ist man gegen die Fremden, die man dach braucht, nicht gerade entgegenkommend. Man bedankt sich nicht wie in Berlin in einem guten Geschäft auch für ein kleines I-Mark-Sträußchen, und zuschicken soll man für 2 Schilling auch noch etwas? Vergeblich warf ich ein, daß weanern Könnende für jedes Geld etwas erreichen können... Auch zu deutschen Schauspielern, erfuhr ich, verhält man sich wenig freundlich in einer Stadt, die doch ihrerseits so viele ihrer Kräfte nach Berlin importiert, denen sich hier kameradschaftliche Hände entgegenstrecken. So ist das Leben: geht's einem schlecht, so wird man leicht kleinlich und mürrisch und verdirbt sich sein Los noch mehr. Verkaufte Radmeisterschaften? Hatten Sawall und Müller sich besprochen? Das„Kölner Tageblatt" berichtet in'der Nr 253 vom :,i Oktober über eine fast unglaublich klingende Angelegenheit, die sich bei der Austragung der diesjährigen deutschen Rad- Meisterschaft und bei der W e l t m e l st e r s ch o f t zugetragen haben soll. Nach dem Bericht des„Kölner Tageblatts" sind die Siege beider Meisterschaften, die bekanntlich beide von Walter Sawall gewonnen wurden, erkauft worden. Zn der„Deutschen Meisterschaft" sollte Möller von Sawall lOOll Mark für die„freundliche hilsc" erhalten haben, während für die Weltmeisterschaft ein Kaufpreis von 4000 Mark vorgesehen war. Borgesehen war! Nach dem„Kölner Tageblatt" klappte nämlich die Sache nur bei der Deutschen Meisterschaft, bei der Weltmeisterschaft ging's schief Verabredete Zeichen, die während des Wettkampfes gegeben werden sollten blieben aus Sawall wußte nicht, woran er war. fuhr nun energisch auf eigene Faust und gewann die höchste Würde, die der Radsport zu vergeben hat,„ohne Möllers sreund- liche Hilfe". Möller aber bildete sich ein, geholfen zu haben, und verlangte nun von Sawall die 4000 Mark, die Sawall nicht zahlte Möller macht Radau, die Abmachungen kommen dadurch ans Tages- licht Beim Sportausschuß des Bundes deutscher Radfahrer läuft zum Fall„Möller— Sawall" eine Anzeige ein. Der Sportausschuß untersucht und gibt folgenden offiziellen Bericht heraus: „Bon Köln kam die Mitteilung, daß zwischen den Berufs- fahrern Walber Sawall und Erich Möller Abmachungen geldlicher Natur bestanden hätten, nach welchen die Deutsche Meisterschaft in Wuppertal und sogar die Weltmeisterschaft in Kopenhagen als unreelle Ergebnisse anzusehen seien. Der Sportausschuß des BDR. Hot sofort die beteiligten Fahrer nach Berlin geholt. Die Vernehmung Möllers ergab einwandfrei, daß er in Krefeld mit einem Herrn, aber keinesfalls in der Form, wie es in der Nachricht nach Berlin gemeldet wurde, gesprochen hat. Der Renn- verlauf dcr�Deutschen Meisterschaft in Wuppertal, die im Bei- sein des Sportausschusses der meisten Rennbahnbesitzer und VDR.-Mitglieder stattfand, war derart einwandfrei, daß keiner der Anwesenden über die Reellität im Zweifel sein konnte. Krewer, der als Erster vom Start gegangen war. verlor die Spitze, war lange Zeit Vierter und konnte sich schließlich nur mit Mühe den dritten Platz sichern Die Welt Meisterschaft in Kopen- Hägen wurde vor den kritischen Augen der UCI.-Mitglieder ent- schieden. Wenn Möller als Vertreter Deutschlands so gefahren ist, daß in erster Linie die Person gegen die Interessen des Landes lurückzutreten hatte, so hat er nichts weiter als die Pflicht eines deutschen Landesvertreters erfüllt. Auch hier konnte v o n« i n e r Abmachung keine Rede sein." Wir können es uns ersparen auf diesen Bericht, der schließlich alles in schönster Ordnung findet, näher einzugehen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der Gewährsmann des„Kölner Tageblatt? die Kundmachung des Sportausschusses stillschweigend hinnehmen wird. vielleicht össoet aber auch krewer. der, soweit die deutsche Meisterschaft ia Frage kommt, von dem Laufen einer Abmachung zwischen Sawall und Möller unterrichtet gewesen sein soll, seinen Mund! D i e Tatsache, daß verhandelt wurde, muß auch der Bericht des Sportausschusses zugeben. Daß vorläufig nicht mehr Licht in diese Angelegenheit getragen wurde, ist im Interesse des deutschen Rad- sports nur zu bedauern. Sport am Sonntag Arbeiler-Masterball-Vorschau. Kann Möwe die Lichtenberger schlagen? Das ist in dieser Serie ein« berechtigte Frage. Die Lichtenberger zeigten sich in ihren letzten Spielen verbessert und dürften für die schnellen Möwe-Leute einen schwer zu schlagenden Gegner abgeben. Das Spiel findet heute. Sonnabend, 21�- Uhr, im Lunabad statt. Völlig ungleich ist die Spielpaarung des Sonn- tags. Die vor kurzem zur /�-Klasse aufgestiegene Freiheit-Mannschaft hat die spielstärkste Mannschaft Berlins, Charlottenburg, zum Gegner erhalten und wird eine hohe Niederlage hinnehmen müssen. Es wäre besser gewesen, den Freihcit-Leuten in ihrem ersten Spiel, das sie in der.�-Klasse absolvieren, zunächst eine schwächere Mannschaft gegenüberzustellen. Beginn des Spiels 20� Uhr. Saalfest bei Solidarität! Heute, Sonnabend, findet in der „Neuen Well" das 27. Stiftungsfest der Ortsgruppe Groß-Berlin statt. Geboten wird: Reigenfahren, Radball und Radpolo. Zur Abwechslung norden auch dieses Mal die Rennfahrer mehrere Hometrainerrennen fahren. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr. Anschließend Tanz. Der Eintritt beträgt sür Erwachsene 1 M., für Jugendliche und erwerbslose Mitglieder und Gäste 50 Pf. Alle Sportfreunde ladet die Ortsgruppe zu diesem Abend ein. Arbeiterschach in Chorlolleuburg. Die Abteilung Charlottenburg der Freien Arbeiter-Schachvereinigung Groß-Berlin veranstaltet am Sonntag, ab 15 Uhr, bei Waller, Bismarckstr. 57(Ecke Kaiser- Friedrich-Straß?). einen Werbetag mit folgendem Programm: Wett- tompi der Abteilung Charlottenburg gegen Eggersdorf, Simultan- Vorstellung an 20 Brettern von F. Bogt, ab lg Uhr Blitzturnier. Gästo herzlich willkommen: sie können sich an den Veranstaltungen beteiligen.— Ebenfalls morgen, um 10 Uhr vormittag, wird in der .�-Gruppe die 2. Runde der Mannschaftswettkämpfe unter Teilnahme folgender Abteilungen gespielt: Prenzlauer Berg gegen Treptow, bei Pahst, Stargarder Straße lg; Lichtenberg 1 gegen Weißensec, bei Sanier, Gärtnerstr. 33: Humboldthain gegen Kreuzberg, bei Müsch, Brunnenstr. 140: Wedding gegen Friedrichshain, bei Herms, Müllerstr. 2fi. Frauen-Iverbeturnen der FTGL.-Süden. Es besteht heute kein Zweifel mehr darüber, daß Leibesübungen der wichtigste Teil der Körperpflege sind. In besonderem Maße gilt das für die Frau. Für jede Frau müßte es selbstverständlich sein, durch Turnen, Spiel und Sport sich ihre körperliche Frische und Beweglichkeit so lange wie irgend möglich zu erhalten. Wie man das tut, zeigt die zwslle Frauenabteilung der Freien Turnerschaft Groß-Berlin, Bezirk Süden, anläßlich ihres einjährigen Bestehens in einem Werbeturnen am Dienstag, 27. Oktober, in der Turnhalle Bergmonnstr. 65/68. Alle Frauen und Mädchen sind herzlichst eingeladen. Eintritt frei. Zwölf Paare in den„Drei Stunden" des Sportpalastes. Dl« Besetzung des Drcistunden-Rennens am Sonntag ist jetzt komplett. An den„Drei Stunden" nehnien viele Fahrer und Paare teil, die auch für das Sechstagerennen gewonnen worden find. Für dies« Teilnehmer gelten also die„Drei Stunden" als Vorprüfung. Es starten zwei ausländische Paare, eine gemischte Mannschaft und neun rein deutsche. Nachstehend die vollständige Starterliste: Ray- naud— Dayen, Deliegc— Haegelsteen, Richli— Schön, Tietz— Buschen- hagen, Kroll— Maidorn, Miethe— Krüger, Ehmer— Kroschel, Rausch— Hürtgen, Petri— Manthey, Schenk— Mandelkow, Gebrüder Wolke, Engelmann— Dorn. Beginn 20 Uhr. wer die 2. Berliner Automesse noch nicht besucht hat, sollte sich diese Gelegenheit, auch wenn er noch nicht ernsthafter Kaufinteressent ist, nicht entgehen lassen, da die Ausstellung endgültig am 25 Oktober, 19 Uhr, geschlossen wird. Vor dem Frühjahr 1932 ist keine Berliner Automesse zu erwarten, da in den Kreisen des Reichsoerbandes des Kraftfahrzeughandels und-gewerbes beschlossen worden ist. die Auto- messen nur zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, zu diesen Terminen aber als regelmäßige Veranstaltung, abzuhalten. Bis gestern, also in sieben Tagen, sah die Automesse 17 500 Besucher, und van den ausgestellten Kraftwagen und Motorrädern waren über 140 bis dahin verkauft. Rennen zu karlshorsi. Der vorletzte Renntag des Jahres auf der Karlshorfter Bahn wartet am Sonntag noch mit einem hoch- interessaitten Programm auf. Den Höhepunkt bildet das Jagd- rennen der Dreijährigen. Di« Rennen beginnen bereits um 13 Uhr. Groscurlh-Rennc» zu Mariendorf. Nach den beiden Notstands- renntagen wird das ofizielle Programm am Montag, 26. Ol- t o b e r fortgesetzt. Als Hauptnummer kommt das dem Andenken des kürzlich verstorbenen Oberlandstallmeisters gewidmete Gros- courth-Rennen zur Entscheidung, die letzte klassische Zwei- jährigcnprüfung des Jahres. Die Rennen beginnen um 16 Uhr. Arbeit erringer im Kampf Tegel I schlagt Tegel II Den gestern fälligen Serienkampf im Ringen um die Kreismeisterschaft trugen die beiden Mannschaften der Sport- Vereinigung„Tegel 1899" unter sich aus. Einen ganz überzeugenden Beweis ihrer. Kampfstärke erbrachte die erste Mannschaft mit einem hohen Punktsieg(22: 6) über die Zweit«. Im Fliegengewicht gingen die Punkt« an Kloß(Tegel 1), da der Gegner Krüger(Tegel 2) mit Uebergewicht antrat. Die größer« Routin« des Bantamgewichtlers Milbredt(1) kam in beiden Treffen gegen Kraske(2) zu einem Erfolg. M. siegte in 6,10 Minuten durch Eindrücken der Brück«, und in der Wiederholung fing er seinen nicht schlechten Gegner in der fünften Minute ab. Die interessante Begegnung Hartmann(1) gegen Dalge(2) brachte spannende MomeMe im Bodenkamps: die erst« Runde endete offen, im zweiten Kampf konnte H. noch 5 Sekunden vor Ablauf der Kampfzeit den kräftigen Dalge mit einem Armzug am Boden auf die Schullern zwingen. Der Ersatzmann in der ersten Staffel erreichte über W. Milbredt(2) einen schönen Doppelerfolg. Erst nach langen prächtigen Gegenangriffen kannte Höhne(1) den Mtttel- gcwichtler Babbel(2) in der. 9. Minute durch einen plötzlichen Auf- reißcr eine Schulterniederlage beibringen: die Rückrund« brachte keine Entscheidung. Der.Leitlupenringer" Rasentreter(1) ging diesmal mehr aus sich heraus und konnte in beiden Runden schnelle Schultersiege über Flock(2) erreichen. Flack erlog in der ersten Runde einem kraftvollen Ueberstürzer, und der Ausheber in der zweiten Runde bracht« schon in der dritten Minute den Erfolg. Der sympathisch« Schwergewichtler Hildebrandt(2) heimste die Punkte ohne Kampf«in. Am S o n n t ag vormittag, 10 Uhr, ringen im nächsten Serien- kämpf die beiden ersten Mannschaften der bundestreuen Arbeiter- Athletenvereine„Alt-Weding" und„Sparta"-Neukölln um die Punkte. Die Kämpfe werden in der Turnhalle Utrechter Straße ausgetragen. Jtaspers schlaft Walter ko. Im Hauptkampf der wieder gut besuchten Freitagsoeranstaltung im Ring in den Spichernsälen standen sich die beiden Schwergewichtler Hermann Jaspers- Stettin und Karl Walter- Berlin gegenüber. Der mit frischen Siegeslorbeeren aus Paris zurückgekehrte Stettitzer siegte in der fünften Runde entscheidend. Der Kampf enttäuschte, denn Walter hielt dauernd. In der ersten Runde war Jaspers ein leichter Tiefschlag unter- laufen, der ihm eine Verwarnung einbrachte. So recht nach dem Geschmack des Publikums war das Halbschwergewichtstreffen zwischen H ö lzl-Hamm und V o g e l- Berlin. Mit größter Er- bitterung wurde die ganzen acht Runden über gekämpft und schließlich trennten sich die beiden Gegner unentschieden. Im ein- leitenden Mtttelgewichtstreffen siegte K r a y d a- Hagen über K i a u s ch° Berlin nach Punkten. Ein vorzeitiges Ende nahm auch der Schlußkampf des Abends zwischen den Mittelgewichtlern A n k l a m- Berlin und S k i b i n s k i- Bochum. Auf schwere Magentreffer mußte der Westdeutsche in der dritten Runde mehr- mals zu Boden gehen und wurde auch schließlich ausgezählt. Amerikas Boxer schlugen Dänemark. Die amerikanischen Amateurboxer, die in. Berlin trotz der 10: K-Niederlage durch Deutschland einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen haben, tonnten ihren zweiten Europastart zu einem Erfolge gestalten. Vor allerdings nur wenig mehr als 1000 Zuschauern trafen die USA.-Leute am Freitagabend in Kopenhagen mit einer dänischen Staffel zusammen, die sie mit 12: 4 Punkten schlugen. Oer Tanz als Fcstkuliur Die Bundes schule des Arbeiter-Turn- und Sportbundes gibt„M c r k b l ä t t e r" heraus, die über alle Gebiete der Leibe?- Übungen und des gesamten Organisationslebens informieren. Diese Merkblätter, richtiger gesagt Hefte, sind unentbehrliche linterlagen für alle Lehrgänge, 0>e>e Arbeitersportler abhalten. Die Veran- stalter von Kurjen in den einzelnen Kreisen, Bezirken oder Gruppen sollten sich dieser Einrichtung noch mehr als bisher bedienen. Unter den zulebt erschienenen Heften sind die drei Ausgaben: Der Sprechbewcgungschor, 1. und 2. Teil, und das allerneuefte Heft: VomSpiel des Kindes zum Sprechbewegung s- ch o r ganz besonoers zu erwähnen. Dies« drei Hefte, die das Gebiet der neuen Gestaltung unserer Festkultur streifen, wurden bearbeitet von Otto Zimmermann, dem Leiter sür Sprech- und Bewe- gungschor an der Bundesfchule in Leipzig. In einzelnen Abschnitten behandelt Zimmermann in ausführlicher Weise Theorie und Praxis des Sprech- und Bewegungschors. Die einzelnen Hefte, teilweise mit Bildern ausgestattet, bringen neben vielen Anweisungen und Bei- spielen auch das Chorwerk„Der große Marsch" von Max Bartel mit genauen Angaben über die Ausführung dieses Wrkes. Die Hefte sagen in klaren, deutlichen Ausführungen alles, was der Leiter und Funktionär über Gestaltung und Aufbau wissen muß. Zimmer- mann behandelt: Atmen und Sprechen, Plastik und Klangfarbe des Sprechens, Tonstärke, Dynamik, Tempo, Melodie und Rhythmus so ausführlich, daß es dem ernsthaften Freund des Sprech- und Be- wcgungschors möglich ist, danach zu arbeiten und zu unterweisen. Die Arbeiter-Turn- und Sportschule in Leipzig, Fichtestraße 32—34, gibt gern jede weitere gewünschte Auskunft nicht mir über diese hier erwähnten drei Hefte, sondern auch über die ganze Reihe der bisher erschienenen Merkblätter. O. S. wie schafft mau schnell spielfähigca Rasen? Bor dieses Problem sah sich die Verwaltung des Stadions in Wien gestellt. Jetzt Hot man beschlossen, eine Fläche von 2000 Quadratmetern zur Reserve für beschädigten Rasen zu schaffen. Sollte es sich nun herausstellen. daß einige Stellen der Rasenfläche beschädigt sind, so geht man in die„Fabrik" und holt sich neuen. In wenigen Stunden ist die Spiel- fläche wiederhergestellt. FTGZ., Bezirk Eharlotteuburg. Sonntag, 25. Oktober, 17 Uhr, Mitglieder- Versammlung oller Abteilungen im Tiirtilchen Zelt, Berliner Str. 5ll. Ab 20 Uhr Beisammensein mit Güsten. Freier Sportverein Siciaickendors-West, Montag, 2S. Oktober, 20 Uhr, oci Sridlitz, Scharnwcder. Ecke Eichbornstrahe, Mitgliederversammlung. Referat: „Jugend und Arbeitersvort". lS Uhr Funktionürllhung. pleichsbanurr-Rudercr. Am Vi. Oktober deginnt«in neuer Anfängerkursu» im Rudern, und zwai in der Aastenanloge Pirsch, An der Mlchaelkrrchbrilcke sBahnhof Ionnowitzbriickel. Ausser der Ausbildung für Anfänger findet auch eine Weiterbildung der Fortgeschrittenen statt. Republikaner, die Interesse am Rudersport Häven, werden gebeten, dort zu erscheinen. Freie Schwimmer Ch-rlotteabnrg, Aauuabteiluag. Sonntag, 25. Oktober, 9 Uhr, Arbeitsdienst für alle im Bootshaus, löandbollsshung 1« Uhr ebenda. Bs«. Oftring e.«. Morgen, 8H Uhr, Treffpunkt Stralau. Rummeloburg ium Waldlauflraintng in Zlopenick. Jeden Dienstag und Freitag ISzh Uhr lebungsabend Turnhalle Realgvmnastum, Parkau«. Volkssport Reutölla-Brlk. 2. Maaaerabtritung. Sanntag, 25. Oktober, Faustballwettspiel auf dem Sonnenvlatz. Trefspunkt 9 Uhr Buschtrug. Freie Photvpereinlgnng Berlin. Sonntag, 25. Oktober, Fahrt nach Buch— Schönwaldc. Trefspunkt 8 Ubr Bahnhos Gesundbrunnen. AS«. Wedding. HockevstNuna Mittwoch, 28. Oktober, 20 Uhr, Wlesf». Eck« Panlstrake. Gäste herzlich willkommen. Reue RaStbodcniend«. Die Werbeobende vom Bund der tiärverkultur- schule Adolf Koch(im Verband Bolksgelundhcit e. V.) waren so erfolgreich. daß vom M-ntag, 19. Oktober, ab Racktiabeabende im Stadtbad Zllitt«, Gartenstr. 5, nach folgendem Plan regelmähig statttinten: Montag, 185l bi« 20' � Uhr. Freitag, 19»: bi« 22 Uhr. Die Untoftensähe de. tragen einschliesslich Gvmnastlkiinterricht sür Bollverdiener H) Ps., für Arbeit». lese und Jugendliche 20 Pt. Kinder in Begleitung Erwachsener sind frei. Teil. nahweb-rcchtiqt find die Mitglieder der Ireien Gewerkschastcn, de, Kartell, für Arbeitersport und Sijrperpflcge sowie Parteimitglieder. Dauerauswcise sind an den Badeabenden und im Schulbür», Friedrichstr. 218, erhältlich.— Film-Matinec der Sprperkultueschulr Adalt»och. Sonntag, i. Rovember, im Uhr, werden in einer Veranstaltung im Primus-Balost. Reukälln,»er. mannplas», zwei psnchologisch« Grvssfilm« in ungekürzter Fassung vorgeführt. Die Filme„Da» Erwachen der Seele- und„Eo ist da» Leben-- werden jedem Sozialisten«ine Fülle neuer Erkenntnisse vermitteln,»arten(1 M. einschlieft» lich Steuern) in der Dieg. Buchhandlung, LIndenstr. Z, und im Schulbüro, Friedrichstr. 218, gegen Borlegung von Au»weis«n. Theater der Woche. Dom 25. Oktober bis 2. Rovember. Volksbühne. Theater am Bülawplag! Da, vierte Gebot. 25. 11% Uhr. I. Konzert: Da» Berliner Funk-Orchester. Staatstheater. Oper Unter den Linde»! 25. Fürst Igor. 28. Ein Maskenball. 27. Eormen. 28. und 2. Zigeunerbaron. 29. Dre ägyptische Helena. 80. Eavalleria rusttcana. Bajozzi. 81. Oberon. 1. Die schalkhafte Witwe. Schauspielhau» am Seudarmeumarlt: 25., 28., 30., 31., 2. Peer Synt. 28. Da» Nürnbergisch Ei. 27., 29., l. Wallenftein» Tod und Piceolomini. Schiller. Theater: 25., 28„ 81., 2. Dr.»lauss. 28., 29. Die H-iror. 27.. 80.. 1. Da, Nürnbergisch Ei. Städtische Oper, Eharlattcuturg: 25,, 8l. Boheme. 28. Der Freischütz. 27. Coppelia, Josephslegende. 28. Hoftmann» Erzählungen. 29. Earmcn. 80 Macbeth. 1. Die Afrilanerin. 2. RigoleUo. Theater mit festem Spielplan: »ursürstenda mm. Theater! Die schäne Helena.— Deutsche» Theater: Sabal« und Liebe.— Die»awädi«! Ab 28. Jemand.— Theater am Rollcudorfplass! Der beschleunigt« Personenzug.— Theater ia der Strcsrmauustrah«! Ich weiss etwa,— wo» du nicht weisst...—»omädieuhoua: Liebling adieu.— Grosse, Schauspielhaus: Im weissen Röss'l.— Theater des Aestcv»! Das Drei. mäderlhaus.— Komische Oper: Zur goldenen Liebe.— Deutsche, Snastler- tbeateri Der Kapitalist.— Lessina. Theater! Die Waterloo. Brücke.— Zentral- Theater: Schwarzwaldmädel.— Melroool. Theater: Die Blume von Hawai.— Reue« Theater»w Zoo: 25. Der Schrecken der Garnison. Ab 28. Die Tugend. yrinzesstn.— Die Iribüue: Die Watcrloo.Brllite.— Rose-Theater: Frühling im Wiener Wald.— Eafiua-Theatcr: Wecker. Frisse.— Theater iu der Klostcrstra'ie: Bis 28. Büchse der Pandora. Ab 27. Faust.— Theater im Admiralspalast: Die Dubarrn.— Pla»a: Bi, 81. Gräfin Moriza.— Wintergarten, Skala: Intet. nationale» Variete.— Rcichshallcn, Theater: Etettiucr Sänger. Rachmittagsveranstaltungen Bolksbübue. Thrater am Bütomplgtz: 25., I. Kampf um Kitsch.— Grosses Schauspielhaus: 25.. 1. Im weissen Räss'I.— Theater des Westens: 25-, 1. Viktoria und ihr Husar.— Deut, che,«iiastlertheatei: 25., l. Dos Konto X.— zeutral-Thealer: 25., 1. 15 Uhr. Fridolin im Märchenland. 171', Uhr. Schwarz, waldmädrl.— Metropal- Theater: 25., 1. Di« Blume von Hawoi.— Rene» Theater am Iao: 25., 28., 1. Hansel und Grete!.- Rpsr Thcater: 28., 31., 1. 18 Uhr. Frühling im Wiener Bald. 1. 15 Uhr. Schneewittchen und die sieben Zwerge.— Theater ia be««lpfterstrossc: 25., i. 17 Uhr. 28.. 8i. iü Uhr. Hansel und Gretel. 28., 27. Faust. 2. Weh dem, der�lügt.— Plaza: Gräfin Mar:za.— Wintergarten: 25., 81., 1. Internationale» Variete.— Skala: Internationale» Bariet«.— Neichshallea-Theater: 25„ 1, Stcttiner Sänger.—»omilche Oper. 25., 1. 18 Uhr. Zur goldene» Liebe. 28., 81. 18 Uhr. Soviel»roch um Muckcpick. Erstausführungen der Woche: Montag.» o m ö d i«: Jemand.— Reue» Theater am Zoo: Le Romancsque.— Dieu»tag. Staolsthcater: Wallensteins Lager. Viccolo. mini.— Doaaerstag. Staatstheater: Wallenstein» Tod. Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die _______________________________________ DeiaMsdae I_____ an» Jlnlar«; I0S4 rUnd«« mwmmmuammmammmmmamwm(■.■«•»KgertcBalvr ErMnKzB«<»•■•, 1 mmmmmmtmmmmmmmmm In» JnBar« 1894 aHBdrUnvflcsi die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspfllchtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet ■9«ail|>*verw