Morgenausgabe 7tr. 501 A 252 4S.Iahrgang 'TSochentNch SS Pf, monatlich 3,60 M. (hooon 85 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich SO Pf. Poftzeitungs- und 72 Pf.Poftbestella» biihren. Auslandsabonnement s,— M, pro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Druckfachenport» 5,— M. Der„Vorwärts� erscheint«ochentäg» lich zweimal. EonnMgs und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlu» und im Sandel mit dem Titel.Der Abends Zllustrierte Sonntagsbeilaar .Voll und Zeit". Berliner Volksblati Eonntag 23. Oktober 1931 Groß-Äerlin 15 Pf- Auswärts 20 pf. Die elnfpoft. Nonpareillez?ile 80 Pf. Retlamezeile 5,— RM.„«leine An- zeige»" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worre). ,edes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 1-� Buchstaben zählen für zwei Worte. Slrbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 50 Pf. Anzeiaenminohm« im Hauptgeschäft Lindenstraße�. wachen» täglich vop b'/z bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jentraloegan der GozialdemoSvaMchen Oartti Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 stcrnspr.; Dönhoff(A 7) 293—297. Telcgramm.Adr.; Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 SLK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Disc.-GeI.. Depositenk.. Ierusalemer Str. KS/KS. Die Kähnen hoch— trotz alledem! Braunschweig ist und bleibt roi! Braunschweig, 24. Okiober.((Eigenbericht.) Der hakcnkrcuzinvasion des oerigen Sonntag stellten am heutigen Sonnabend die Sozialdemokratie, die Gewerk- schaften und das Reichsbanner im größten geschlossenen Raum Braunschwe'gs. in der Stadthalle, eine gewaltige Kundgebung gegenüber. Der etwa 6000 Personen fassende Raum war wegeu Ucbcrfutlung polizeilich geschlossen, viele hunderte fanden keinen(Einlaß. Troß des schlechten Wetters hatte schon in den frühen Abendstunden aus ollen Stadtteilen eine große Völkerwanderung nach der Stadthalle ein- geseht. Das kampferprobte und disziplinierte Proletariat der alten unerschütterten sozialistischen Hochburg Broun- schweig war zur Stelle, um dem Führer der deutschen Sozialdemo- kralie, Otto w e l s, die Treue zur Partei zu geloben und neuen Kampfesmut zu empfangen.' Genosse Wels, bereits am Bahnhof vom Jungbanner würdig begrüßt, wurde beim Einmarsch an der Spitze der Jugend von den Tausenden stürmisch gefeiert. In seiner wieder- holt durch brausenden Beifall unterbrochenen wuchtigen Rede führte er u. a. aus: „Ihr, Braunschwciger, habt die„Morgenröte des Dritten ' Reiches" gesehen von Harzburg nach Braunschwcig. In Harzburg tos„faschistische Parlamenr zum Sturz der Regierung Brüning", hier der Aufmarsch von ,, sittlichen Erneuerern des kommenden Deutschland Adolf des Ersten", der durch Partisanentruppen der Arbeitcrbcvölterung den Sozialismus„einbläuen" und einschieben lassen wollt«. Hitler, der einst erklärte, daß seine Sturmabteilungen zur Sicherung der geistigen Aufklärung geworben seien, hat hier in Lraunschweig Feldstandarten geweiht mit dem Versprechen, es würde die letzte Weihe vor dem Siege sein. Er glaubte wieder einmal, seinem unvernünftigen Gefolge Versprechungen machen zu können, die er nicht erfüllen kann. Als vorsshender der Sozialdemokratischen Partei ist es mir ein Herzensbedürfnis, Euch. Brmmfchweigern. den Dank für Eure vorbildliche Haltung auszusprechen, die Ihr gegenüber den Lürgerkriegshorden gewahrt habt. Diesen Dank übermittle ich Euch zugleich für die Gewerkschaften r»d die anderen Arbeiterorganisationen, vor ollem aber auch im Rainen der Sozialistischen Arbeiterinternationale, die euren Kampf um Recht und Frerhe't mit ihren ganzen Wünschen verfolgen.(Stürmischer Beifall.) Der Rom« Braunschweig hebt sich heute wie«in leuchtendes Fanal am politischen Himmel ab, aus euch sieht die internationale Arbeiterschaft! Wels unterzieht die Wandlung der Nationalsozialistischen Partei unter dem Kommando ihrer Geldgeber einer Kritik, um dann fortzufahren: „Hitler, der einst auszog, das Kapital zu besiegen, beugt sich heute den Vörsenfürsten.„Rationalsozialistische Deutsche Ar- beiterpartei"— so viele Worte, so viele Lügen! In dieser Partei machen sich gedungene heerhaufcn von Lands- knechten breit, die gegen die Freiheit und gegen Sozialrechte ge- fuhrt werden sollen. Wir haben die Zeit noch sehr wohl in Er- innerung, da diese Leute, die heute das Wort von dem „m a r x i st i s ch e n Mob" sprechen, in Wahrheit in den Schlupfwinkeln saßen.(Sehr wahr!) Wenn diese Kreise heute uns Sozialdemolratcn Verrat vor- werfen, so deshalb, weil sie Dumme sangen wollen, die ihnen zur Wiedererlangung 1918 verlorengegangener Rechte gut genug sind. Nein, die Sozialdemokratie hat gewußt, warum sie nicht ihre Hand zum Sturze der Regierung Brüning geboten hat! deren Beseitigung zugunsten der hierauf lauernden Konter- revolution hätte den Bürgerkrieg für Deutschland bedeutet. Braunschweig sollte der Siegestag des Faschismus werden, Darum die Riesenoorbereitungen. Schon siegestrunken setzten sich die Braunhemden in Bewegung. Wehe, wenn sie ihren Sieg über die deutsche Arbeiterschaft in Braunschwcig hätten feiern können! Dann hätten zwar die Glaser hier noch bessere Geschäfte gemacht— aber wieviel Proletarier hätten dann wohl strack und starr gelegen! Jetzt wird vielleicht manch einer die Richtigkeit unserer Taktik erkennen, dem Faschismus den legalen Weg zur Staatsmacht zu ver- sperren. Nicht aus Vertrauen zu Brüning, sondern aus schärfstem Mißtrauen gegen das nach ihm Kommende tolerieren wir die gegenwärtige Reichsrogierung. Wir müssen uns bis zu jenem Tage durchschla- gen. an dem die politische D e r n u n s t in Deutsäsiand wieder eingekehrt isfe Hitler hat in Braunschweig an seine Mannen die Mahnung gerichtet, nicht die Nerven zu verlieren. Die Hakenkreuzler werden ihre Nerven bestimmt verlieren, wenn wir unsere Nerven behalten! Und wir werden sie behalten, weil wir auf jahrzehntelanger politischer Schulung und auf fest- gefügt« Organisationen fußen. Wir sind zusammengegangen durch Rot und Elend, wir haben tls Partei eine Kulturarbeit geleistet wie kaum eine zweite in der ganzen Welt. Richt Löhnung hat uns zusammengetrieben. nicht Abenteuersucht, sondern der selsenseste Glaube an, den Sozialismus. In zäher Energie werden wir den kampserprobten Weg weiterschreiten, wir werden die deutsche Arbeiterklasse über alle ihre Feinde zum Siege führen! Nicht endenwollender Jubel unterstrich den letzten Appell des Führers der Sozialdemokratie. Nach Wels sprachen noch für den Bundesvorstand des Reichsbanners höltermann aus Magde- bürg, der Führer der braunschweigischen Sozialdemokratie Dr. Ja s p e r, der scharf mit dem Minister Klagges ins Gericht ging. Dr. Jasper teilte unter anderem mit, daß am Sonnabend der haken- lreuzlerische Landtagspräsident Zörner die sozialdemo- kratische Fraktion gewaltsam aus einem ihr zustehen- den Zimmer im L a n d t a g s g e b ä ude entfernt habe, (Stürmische Pfuiruse.) Als letzter Redner sprach der Vorsitzende der Berliner Organisation. Genosse Künstler, der auf die be- sondere Verbundenheit der Berliner Genossen mit den Braun- schweizer Sozialdemokraten im Kampf gegen die braune Pest hinwies. Die Versammlung schloß mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratische Partei. Lavalö Gespräche in LlSA. Wochenend mit Giimson. Rem park. 24. Oktober.(Eigenbericht.) L a va l Hat am Sonnabendvormittag eine letzte Unter- redung mit hoover gehabt. Am Mittag war Laoal Gast des Schatzsekretärs Mellon, mit dem er anschließend eine längere Besprechung über finanzielle Fragen hatte. JJtach der Unterredung mit B o r a h ist Laoal nach dem Landhouse S t i m s o n s in Wood- ley gereist, wo er den Sonntag verbringen wird. Laval gegen Borah. Washington, 24. Oktober. Ministerpräsident Laoal hat gestern� bis Mitternacht mit Präsident hoover und Staatssekretär S t i m s o n verhandelt. heute morgen 8 Uhr(Ortszeit) verließ er das Weiße Haus, um in seinem eigenen Büro mit seinen Ratgebern zu sprechen und um nach Pari» zu telephonieren. Um l l Uhr(Ortszeit) wollte Laoal zu weiteren Verhandlungen mit hoover ins Weiße Haus zurückkehren. Den französischen Pressevertretern, die Laoal wegen Borahs Aeußerungen befragten, antwortete er:„Ich bin nicht nach Washington gekommen, vm mich mit Senator BoraH in eine Polemik einzulassen oder um dle Revision des Versailler Der- trags zu diskutieren. Regen Sie sich nicht über Aeußerungen eines Seüalor» cmj. die nvr dessen persönliche Meinung darstellen." Diese Aeußerung war nicht für die Veröffentlichung bestimmt, trotzdem erschien sie heute in der„Baltimore Sun". Staatssekretär S t i m s o n erklärte auf Befragen, er glaube, daß die für heute abend in seiner Villa angesetzte Unterredung zwischen Laoal und BoraH stattfinden werde: trotz des gestrigen Interviews, das BoraH den französischen Pressevertretern gegeben hat. Fortschritte/ aber noch Schwierigkeiten. Rem park. 24. Oktober. Wie die«Associated Preß" aus Washington meldet, haben Präsident hoover und Ministerpräsident Laoal eine Vereinbarung über die Koordinierung der hilfsmittel französischer und amerikanischer Banken zur Stabilisierung der Welllage erzielt. In der Besprechung der Kriegsschulden und der Reparation»- frage kam man ebensalls zu Fortschritten, jedoch sind Einzelheiten darüber uoch nicht bestimmt. Die ursprünglich für heute nachmittag 3 Uhr(Ortszeit) erwartete gemeinschaftliche Er- tiärung hoovers und Lcwals über das Ergebnis ihrer Bcsprechun- gen ist auf morgen verschoben worden, da die Formulierung des Textes gewisse Schwierigkeiten bereitete. Gotzendammemng. Schwarze Tage für Bankfürsten. (Zuklguki delirant roges, plectunUir Adiivi. Freie Uebersetzung: Was immer die Wiiisdiaflsfülirer felildisponiercn, das Volk muß es bezahlen. Das Kapital führt eine heftige internationale Agitation gegen den Sozialismus. An allen Ecken und Enden der Welt hört man predigen: an der Krise ist der Sozialismus schuld! Diese Propaganda geht von Deutschland aus. Sie stammt aus denselben Quellen, aus denen die innerdeutsche kapita- listische Propaganda flieht. Es ist die Methode: haltet den Dieb! Die deutschen Kapi- talisten und Wirtschastsführer— in keinem Lande der Welt gibt es den Typ dieses„Wirtfchaftsführcrs" nach deutschen Begriffen sonst— haben es sehr nötig, Sündenböcke zu suchen. Der große Wirtschaftskladderadatsch hat vieles ans Tageslicht gebracht, er hat selbst in die Geheimnisse der deutschen Schwer- industrie und der deutschen Banken hineingeleuchtet. Da muß gelogen werden! Herr Fritz Thyssen versteht sich ausgezeichnet auf diese Methode. Er hat an der C o l u m b i a- U n i v e r s i t ä t in New Pork einen Vortrag gehalten, der eine Berteidi- gungsrede für die bankrotten Wirtschaftsführer in Deutsch- land war. Nach jhm sind die Gewerkschaften schuld an der Krise. Sie haben den Arbeitern zu viel Lohn ver- schafft und zu hohe Sozialleistungen. Herr Thyssen geht aufs ganze: die deutschen Arbeiter sind überhaupt an allem schuld! Sie sind schuld an der Fehlrolionalisierung, an der Fehl- leitnng des Kapitals, hört man Herrn Thyssen, so müßte man meinen, daß an der Spitze der deutschen Großbanken Gewerkschaftssekretäre stünden und daß die deutschen Arbeiter nur Wünsche auszusprechen brauchten, damit sie in Erfüllung gingen mit Hilfe eines sozialistisch regierten Staates! Die Dreistigkeit dieser Propaganda ist eine Spekulation auf die Vergeßlichkeit. Die Herrschaften sagen sich: wer redet noch von Nordwolle, wer redet noch von Danatbank? Herr Thyssen deklamiert in New Pork:„Deutschland muß dem Sozialismus abschwören." Deutschland muß etwas ganz ande- rem abschwören und der Gang der Krise sorgt dafür, daß die Lügen der kapitalistischen Propaganda nicht in den Himmel wachsen können. Der Fall Schultheiß-Patzenhofer-Ost- werke schlägt diesen ganzen Schwindel zu Boden. In der Musterkarte der kapitalistischen Wirtschaftsskandale hat er seine besondere Nuance. Im Mittelpunkt steht ein typischer Gründer, Herr Katzenellenbogen, der in der Jir- flation den Ostwerkekonzern zusammengebracht hat, ein gänz- lich unorganisches Nebeneinander von Werken, die unter keinem Gesichtspunkt etwas miteinander zu tun haben, ein Warenhaus, wie in der Inflation viele entstanden und dann oergangen sind. Herr Katzenellenbogen, dessen finanzielle Transattionen in der Eroberung des Schultheiß-Kanzerns gipfelte, hält sich natürlich auch für einen Wirtschastsführer. Seine Kunst der Schiebung und Verschachtelung hat ihn unter den Generaldirektoren zuin großen Mann gemacht, bis der Schwindel zerplatzt ist. Daß dieser Mann stärker als andere den Inflationsbazillus im Leibe Hot, daß er stärker als andere den Gründungsschwindel und das Gründungsfieber zeigt, daß zur Fehlleitung von Kapital in den Iahren 1925 bis 1929 ge- führt hat, das ist die besondere Nuance. Das Wiederkehrende, Allgemeine an diesem Falle ist jedoch das Folgende: Herr Katzenellenbogen hätte niemals seine Transaktionen vornehmen können, wenn er dabei nicht B a n k h i l f e gehabt hätte, hier wiederholt sich, was iin Falle Nordwolle-Lahusen ganz ähnlich hervorgetreten ist. Auch dieser Fall ist wieder ein Fall Danat- dank, auch in diesem Fall tauchen die aus dem Fall Nord- wolle bekannten Namen auf. Auch in diesem Falle zeigt sich ein Bündnis der Banken mit kapitalistischem Raubrittertum. Wie Herr Katzenellenbogen den Schultheiß-Patzenhofer- Konzern erobert hat, das ist c i n S t ü ck k a p i t a l i st i s ch e r Piraterie, zu dem die Banken die Kriegskasten vorge- schössen haben, um sie dann von dem Unterlegenen wieder einzuziehen. Auch in diesem Fall zeigt es sich wieder, daß die Auf- sichtsräte bloße Dekorationsstücke, Körperschaften sind, deren Funktion lediglich im Bezug von Tantieme und Sitzungs- geldcrn besteht. In diesem Falle sind zwei Banken heroorragcnd bc- teiligt, die Commerz- und Privatbank und die Danatbank. Beide hoben gemeinsam den großen Aktien- foiif für Herrn Katzenellenbogen vorgenommen, dessen Risiko jetzt der Schulchoiß-Konzern zu tragen hat. Beide haben etwa 40 Millionen Mark Kapital für diese Transaktionen festgelegt, die volkswirtschaftlich nicht nur sinnlos war, sondern schädlich: denn es ist ein faules ynflationswarenhaus mit einem gc- sunden Betrieb verheiratet worden, zum Schaden des gc- sunden Betriebs. Beide Banken waren im Aussichtsrat ver- treten, und es sind bekannte Namen, die wir hören: Herr Jakob Goldschmidt und Herr Rein hart von der Commerz- und Privatbank. Der Schultheiß-Konzern aber arbeitete seit jeher mit der Deutschen Bank, und als deren Vertreter faß Herr o o n S t a u h als stellvertretender Vorsitzender im Aussichts- rat. Die Herren Goldschmidt und Reinhwrt haben Herrn von Staust einfach nichts gesagt, und Herr von Staust hat nichts gemerkt. Die Rivalität der Bankengruppen hat hier ein Schul- bcispiel gezeitigt, wie aus Gründen, die mit Volkswirtschaft- lichen Erwägungen nichts zu tun haben, und zu Zwecken, die mit volkswirtschaftlichem Nutzen noch weniger zu tun haben, eine gewaltige Kapitalzerstörung zustande gekommen ist. Die Herren G o l d s ch m i d t und Reinhardt haben den Aussichtsrat von Schultheist zu einer Höhle des Geheim- nisses gemacht. Sie haben sicherlich böswillig geschwiegen. Aber das ist noch keine Entschuldigung für Herrn von Staust, für den Mann, der nichts gemerkt hat. Schliestlich ist der stellvertretende Vorsitzende eines Aus- sichtsrats dazu da, daß er etwas merkt. Herr von Staust hat in dieser Affäre den Beweis geliefert, daß zwanzig Auf- sichtsratsposten, wie sie jetzt gesetzlich für einen Mann gestattet sind, immer noch viel zu viel sind! Welcher Lärm hat sich erhoben, als diese Bestimmung durch Notverordnung eingeführt wurde. Die Interessenten haben gefürchtet, dost nun manche Aufsichtsratsmitglieder etwas merken würden! * Noch viel größer war der Lärm über die Banken- kontrolle. Hier ist der schlagende Beweis dafür, wie notwendig sie ist. Der Zustand, daß zwei Bankengruppen an einem Unternehmen beteiligt sind, und dost die eine Gruppe nichts von den Verpflichtungen des Unternehmens gegenüber der anderen Gruppe weiß, schreit zum Himmel. Es. ist die Quelle der wüstesten Mistwirtschaft, der wildesten Kapitalverschleuderung. Diesem Zustand muß durch die Bankenkontrolle ein Ende gemacht werden, und hier ist ein Fall, wo die neugeschaffene Bankenkontrolle wirksam werden muß! Indessen ist es nicht die Aufgabe der Bankenkontrolle, nachträglich die Funktionen eines Untersuchungsrichters zu vollziehen, sie muß vielmehr von vornherein vorbeugend gegen derartige Schiebungen und Kapitalverwüstungcn wirken. Sic müßte nicht nur verhindernd, sondern aktiv eingreifend wirken, sie müßte an die Stelle der Schiebung die planvolle Kapitallenkung setzen. Der Fall Schultheiß bestätigt unser Urteil, daß die Bankenkontrolle in der jetzigen Form nicht genügt, daß sie vielmehr ausgebaut werden muß. Der Anlauf zur Reinigung, der noch dem großen Bankkrach unternommen wurde, darf nicht stecken bleiben! Die Danatbank arbeitet mit Reichzgarontie unter einem Reichskommissar— aber die alte Verwaltung führt nach wie vor die Geschäfte, als ob nichts gewesen sei. Wie sie sie führt — siehe Fall Schultheiß-Potzenhofer. Herr Jakob Gold- schmidt glänzt immer noch als Stern am Aufsichtsrotshimmel — siehe Fall Schultheiß-Patzenhofer. Die Dresdner Bank wird vom Reich finanziell be- herrscht,st. 'X.-..'ii-ü Wie Berliner Kinder den Leckerbissen„Hering" angeblich schon auf der Straße verschlingen Es ist das Unglück Berlins, daß diese Sladi, außerhalb ihrer Mauern, fortgesetzt mit Torgängen in Verbindung gebracht mini, mit denen es als Stadt gar nichts zu tun hat. Wenn eine Verordnung herauskommt, dann raunzt es von Tüntenhausen bis Gumbinnen:„Aha. das sind die wieder in Berlin, ausräuchern müßte man das Nest!" Leber Politik kann man noch diskutieren. Doch die unausgesetzte Verfemung Berlins wird ja noch mit viel billigeren Mitteln betrieben. Jetzt geht es hinaus in die Dörfer und Flecken: fünf Morde an einem 1 ag, dazu zehn Raubüber- fälle in Berlin! Nur noch Mord und Totschlag, eine schöne Hauptstadt haben wir. Daß aber in Berlin viereinhalb Millionen Mensdien zusammengepfercht hocken und bei den heutigen Zeilen einen verzweifelten Kampf um ihre Existenz kämpfen, das überlegt man sich nicht. Es gibt Branchen in Berlin, die sind tot, so tot wie die Wenzcslaus-Grube bei Neurode. Wer braucht heute noch einen Gürtler und wer braudit noch einen Stukkateur? Kaum jemand. Aus ist das mit dem Gipsputz der wilhelminisdien Zeit an den Bauten, und Kronleuditer werden heute serienweise hergestellt und gestanzt. Nimmt nun einer den Strick und hängt sidi auf, nadidem. er vorher noch überlegte, warum sollen die Kinder, diese armen Würmer ohne Zukunft weiterleben, idi nehme sie mit in den Tod. dann geht es hinaus in die Provinz:„Neuer Doppelmord in Berlin!" Das wäre— in dieser ungesdiladiten Form, die von den Ursadien einer Tat gar nidits wissen will— ungefähr dasselbe, als wenn sich die Berliner vor den Anhalter Bahnhof stellten und alle Reisenden nach Halle anhielten:„Um Gottesmillen, Sie wollen nach Halle fahren? Tuen Sic das nicht, da sterben Sie ja! Wissen Sic denn nicht, daß Halle an der Saale die höchste Sterblichkeit sziff er von ganz Deutschland hat? Das ist ja furddbar in Halle!" Dabei ist es in Halle so wenig furchtbar wie in Nürnberg oder in Flensburg, trotz der höchsten Stcrblichkeits- ziffer. Halle hat nur eine Universitätsklinik, wohin aus halb Mitteldeutschland nicht gerade Leute kommen, die nur einen Schnupfen haben, sondern Schwerst kranke. Und so hat Halle prozentual mehr Todesfälle als jede andere Die „irestellte' Devisenkontrolle Stadt, Kein Mensch zeigt mit den Fingern auf Halle, aber das sollte einmal in Berlin passieren. Export an Fälschungen. Das Beiandere ist nun, daß solche Borgiiiioie aufgebauscht Werden. Da werden nicht nur Tatfachen in schieier und einseitiger tform in die Welt hinausposaunt, sondern da wird direkt mit Fälschungen gearbeitet. Es herrscht geradezu ein Export an Fälschungen. Der berüchtigst« Fall passierte in der In- s l a t i o n. Man achtete damals, wie jetzt wieder, scharf-auf Devisen. Jetzt kam ein Mann und stellte ein Photo. Zog zwei Leute als Schupos an und ging mst den beiden in sein Stammcasä. Die Gäste, die für eine Stubenlage den Fez mitmachten, muhten alle ausstehen, die Hände hochheben, und dann visitierten die„Poli- giften" den Gästen die Taschen. Die' Szene wurde geknipst, und tinier die fertige PIzotographie wurde geschrieben: Devisen- r.ontrolle...in Berlin. Da� war estvas.jue�die amerikanische Sensalionspresse.' Mit Kußhand wurde das Bild genommen und ein. märchenhaft hoher Dollarbetrag für das Bild bezahlt. Dann saßen die Tonkees von New Dort bis Los Angelos und von Detroit bis Galoeston eines Morgens beim Frühstück, besahen sich den Schwindel und meinten, na, in Berlin, da herrschen ja schöne Zustände. In wenigen Wochen wird sich der Tag jähren, daß eine andere unverschämt« Fälschung aufgedeckt wurde. Wenn man bei jener merkwürdigen Devisenkontrolle immer noch sagen kann, die Kerle halten wenigstens eine Idee, dann muh man sich bei der anderen Fälschung nur an den Kopf fassen, daß es noch Redaktionen in der Welt gibt, die ihren Lesern so etwas vorzusetzen wagen. Wir nieinen die Photographie aus der in Moskau erscheinenden„Kam- somolskaja Prawda", zu deutsch: Jugend-Wahrheit. Dieses Blatt brachte ein Bild, unter dem geschrieben stand:„Die Polizei jagt eine Demonstration der arbeitenden Frauen in Berlin auseinander!" Das waren ganz seltsame„Ber- liner Arbeiterfrauen", die hatten allesamt lange weiße Gewänder an, wie sie Inderinnen tragen, und die preußischen Schutzpolizisten, die steckten in Uniformen, wie sie die indische Emgeborenenpolizci trägt. Es war also für jeden Menschen erkenntlich, daß es sich um ein Bild von den Gandhi-wirren Handell. Trotzdem wird runter- geschrieben: Schupo schlägt auf Berliner Arbcitersrauen ein. Oder etwas anderes. Es war am Tage der Beerdigung Gustav Strese- marais. Zur Sicherung der Absperrungen wurde beriltene Polizei eingesetzt, das heißt, die Reiter standen erst einmal ausgerichtet mit ihren Pferden im Tiergarten und warteten. Pferde und Reiter wurden photographiert, und nach einiger Zeit tauchte das Bild in einem toimnuniftischen illustrierten Blatt auf. Da wurde jedoch nichts niehr gejagt voin Begräbnis Stresemonns, sondern genau dieselben berittenen Polizisten ständen angeblich bereit, um in Düsseldorf über wehrlose Arbeiter herzufallen. Kein Wort ist davon wahr. Für die Schwarzwälder Stammtische. Es brauchen nicht immer gefälschte Photos zu sein, mit denen Berlin diss-miert wird. Druckbuchstaben machen es auch. So bringt das.Tagebuch"«ine Schilderung des„Schrnarzwäldcr Tageblatts" über den Kursürstendamm in Berlin. Hier heißt es über diese Straße im Berliner Westen:„...da macht sich am hellichten Tage schamlos in stinkige Wolken üblen Parfümdufles gehüll», das wider- natürliäüle Laster breit. Weibliche Pärchen wandeln innig um- schlungen aus und ab... und der Inhalt sämtlicher Hurenhäuser der Welt, van den Zeiten Kaiser Neros über die verderbte Epoche Vcnetiens bis zu den Lasterhöhlen Schanghais ist auf dies« Straße gespien!.. Larven der reinen Erotik! Um des Sexuellen willen entstellt, bis keine Aehnlichkeit mit menschlichem Antlitz mehr bleibt! Weiber, die sich die Augenbrauen abrasieren und die Strich«, die sie andeuten sollen, aus die Backen, unterhalb der Augen, ziehen... Hetären schrecken nicht davor zurück, die Gedanken mit dem Blut- rausch der verruchtesten und primitivsten Form des Liebeslasters zu verbinden, indem sie die Fingerspitzen blutig rot anmalen. Das ist der wahre Kursürstendamm!" Das ist eine Kostprobe von dem. was die Schwarzwälder Bauern über ihr« Reichslzauptstadt zu lesen kriegen. Der Reiseonkel vom„Schwarzwälder Tageblatt" ist in der Schule der„Süddeutschen Monatshefte" sehr eifrig gewesen. Nun stehen die Berliner Arbeiter dem Kursürstendamm mit einiger Reierve. gegenüber..Anders gejagt, sie gehen erst gar nicht hin, weil-sie dort nichls verloren haben. Am besten kennen ihn noch die Berliner Bauarbeiter, wenn sie dort ein Haus bauen oder einen Loden erneuern. Dann stehen sie in ihrem Arbeitskittel auf dem Leitergerüst und sehen sich den Betrieb mitunter von oben an. Und die Metallarbeiter, die auf dem Wedding wohnen und in Siemensstodt oder in Schöneweide arbeiten, die bleiben auf dem Gesundbrunnen, und es kommt ihnen nicht einmal der Gedanke, auf dem Kursürstendonnn zu promenieren. Schließlich tagen Ge- werkschastsoersammlungen auch nicht in der Nähe des Zoologischen Gartens, das wird in der Hasenheid« oder am Friedrichshoin ab- gentocht. Aber nun derartige Dinge über d«n Kursürstendamm zu erzählen, dos geht denn doch zu weit. Ebenso gut könnte man die Fragestellung umdrehen und fragen: wer geht denn da hin? Wir nicht. Wer bestimm!« Fremde. Die erzählen nachher auf ihrer Klitsch«:„Na, ich kann Ihnen sagen, in Berlin...!" Unverantwortliche Tatarennachrichten. Ein Berliner Journalist hat sich unlängst die Mühe gemacht. einige» Berliner Krisemnärchen riachzusorsche». Er recherchierte sorgfältig alle jene Tatarennochrichten, nach denen in jeder Tkacht tausend Obdachlose aus den Bänken des Tiergartens nächtigen, Scharen verzweifelter Studenten bettelnd von Sjans zu Haus ziehen, oder daß im„Alten Westen" hungert ein verkrachter Bankier sitzt, der seine Villa gegen freie Beköstigung bis ans Lebensende verschenken will. Nachrichten, nach denen im Osten der Reichs- Hauptstadt täglich Hauswirte ihre Häuser anstecken, weil sie ihren Vejf pfstchtn»ige(i, nicht mehr nachkommen können, oder daß derAn- drang, zux Univxrsilüt geradezu utigcheuer ist. närnfiih" vin' Mdu- schcn, die ihren Körper dor. Anatomie verkaufen wollen. Ist�eisttni Berliner Mittagsblatt hat er das Ergebnis seiner Nachforschungen veröffentlicht, kein Wort ist an dem ganzen Schwindel wahr! Die Parkwächter, die zusammen mit der Schutzpolizei nachts den Tier- garten anss strengste kontrollieren, wecken monatlich höchstens zehn „Pcnner". Die Studentenhilfe versicherte, daß kein Student bettelt: die Fechtbrüder, die sich als, Studierende bezeichnen, sind Schwindler. Kein Bankier aus der Tiergartenstraße sitzt hungernd in der Pförtnerloge, noch weniger will jemand seine Villa verschenken. Die Zahl der Brandstiftungen nimmt nicht zu, sondern ab, weder Feuerwehr noch Grundbesitzcrvereinc wissen etwas von abgebrannten Häusern im Osten der Stadt. Die Universität.kauft keine Menschenleiber. Roch etwas über die Bettler. Was wird nicht alles über lieiie sprangsioif-Funde in Benin. in der Laubenkolonie und bei einem 3n Berlin sind in den letzten Tagen, wie erst jetzt bekannt wird.> an zwei verschiedenen Stellen größere Menge» Spreng st osf beschlagnahmt worden. Ein Teil des Sprengstoffes lagerte an verborgener Stelle in einer Laobcnkolonie, der andere Teil wurde in der Wohnung des kommunistischen Funktionärs Kirch beschlagnahmt. Die Menge des gefundenen Spreagstosfes beträgt weit über einen Zentner. Außer dem reinen Sprengstoff wurden noch Borrichlungen zur Herstellung von Sprengkörpern sowie Sprenganweisungen entdeckt. Da der zur Kommunistischen Partei gehörende Funktionär Kirch, der seit den Iahren 1921 bis 192Z der Polizei bekannt ist, wurde zur Auisindung und Sicherung von Beweisspuren das kommunistische Parteihaus, das Karl-Liebknecht-Hans am Bülow- platz, gestern nachmittag einer Durchsuchung unterzogen. Die Durchsuchung war in den späten Abendstunden noch nicht beendet, so daß über das Ergebnis der polizeilichen Aktion näheres noch nicht mitgeteilt werden kann. Mehrere im Liebknecht-Haus Be- schäftigte mußten festgenommen werden, da sie sich den Anordnun- gen der Polizei widersetzten. Der gestern beschlagnahmte Spreng- stoff ist vor«inigen Tagen in zwei Kosfern nach Berlin geschafft worden. Räch den bisherigen Feststellungen stammt der Explosiostofs zweifellos aus D i e b st ä h l e n, die in mehreren Werken der Provinz in der letzten Zeit erfolgt sind. Gegen den festgenommenen Kirch ist ein Strafverfahren wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet worden. Ebenso wie die Berliner Polizei haben auch die Polizeibehörden in der Provinz an fünf Stellen zu gleicher Zeit Durchsuchungen kommunistischer Bezirkszentralen vorgenommen. Es handelt« sich dabei um Feststellungen, wie weit sich die Fäden der Sprengstoff- zentrale erstrecken und welchem Zweck diese Anhäufung diente, Bereits im vergangenen Jahre wurde von der Politischen Polizei ein kommunistisches Sprengstofflager entdeckt und ausgc- hoben. Damals konnten über zwanzig Personen, alles Mitglieder der Kommunistischen Partei, verhaftet werden. Die Kolonne ar- bcitete unter Leitung der Funktionäre Goth und Gutsche. Dem letzteren gelang es. rechtzeitig zu flüchten. Wie später ermittelt wurde, befindet sich Gutsche in Sowjetrußland. Sein Komplice Goth und die übrigen Mitschuldigen sitzen seit Monaten in Unter- suchungshaft: das Verfahren beim Reichsanwalt in dieser Angelegen- heit schwebt noch. Auch bei dieser Affäre wurden nicht nur in Berlin, sondern auch in Erfurt, Breslau usw, verschiedene Kommu- nisten festgenommen. Es wird vermutet, daß Kirch das Treiben des noch Rußland entflohenen Gutsche fortgesetzt, jetzt aber das- selbe Schicksal wie sein Vorgänger erlitten hat. Der nene Mobclbcmnstof f GIRHESI Anforderungen von Mustern Verden gern ausgeführt und nach Eingang der Aru frage erledigt. -ein Möbelbezugsl-off aus reiner Wolle- erweckt- den Eindruck des Selbsrgesponnenen und-gewebten und überhifft ff an Hatt-barkeil* alle Wirk-und Schlingen« gewebe/.PATENT GIBHES'inleressiert den Drosselung des Verkehrs? Das unmögliche Einschränkungsprogramm.- Berlin ist nicht Kölzschenbroda. Das in der Oesfenli-chkeit bekanntgewordene E i n s ch r ä n> k u n g s p r o g r a m m, das die Direklion der Berliner v e r- kehrsgesellschafl den» Anssichlsrat unlerbreitel hol. fordert zu schärfster Kritik und Abwehr heraus. Die»Durchführung dieses Programms würde für Berlin unerträgliche Berlehr-Verhältnisse schassen. Es soll anerkannt werden, dag das Berkehrsbe. d ü r f n i s als logische Folge der verschärften Wirtschaftskrise weiter zurückgegangen ist und dah die BVG. sich gezwungen sieht, ihren Apparat dem geminderten Verkehrsbedürfnis anzupassen. Aber die Durchführung des vorliegenden Einschränkungsprogramms würde zweisellos statt einer Besserung eine Verschlechterung auch der Finanzloge der Gesellschaft nach sich ziehen, weitere Einnahme- rückgänge wären die Folge. Unter welchen Gesichtspunkten einzelne Direktoren der BVG. die Verkehrsnotwendigkeiten in Berlin beurle'len, zeigt die kuriose Forderung, den Untergrundbahoverkehr in Berlin nachts um 12 Uhr einzustellen. Dieser Vorschlag mutet wie eine Schildbürgerei an. Das Einschränkungsprogrannn will nicht weniger als elf Straßenbahnlinien ganz einziehen und bei zwölf Linien starke, gleichfalls sehr verkehrsverschlechternd wirkende Ver- änderungen vornehmen. Im Omnibusverkehr sollen sechs Linien in ihrer Fahrstrecke verändert werdcn. Nach genauester Prüfung haben wir festgestellt, daß bei der Straßenbahn die Ein- Ziehung der Linien 17, 45, 48, 53, 66 und 199 unerträglich wäre. Hier handelt es sich um Linien, die ständig einen starken Berufs- verkehr zu bewältigen haben und durch andere Straßenbahnen überhaupt nicht oder nur sehr schwer ersetzt werden können. Zudem sind, wie wir festgestellt haben, diese Linien durchaus Wirtschaft- l i ch: rein äußerlich zeigt sich das schon in der Tatfache, daß sie fast nie ohne Anhänger verkehren. Auch gegenüber der geplanten Veränderung anderer Linien bestehen starke Bedenken. So soll auch die Linie 89 eingezogen werden, die bisher die einzige direkte Verbindung zwischen Lichtenberg und dem Halleschen Tor darstellte. Das Programm der BVG. spricht in einzelnen Fällen von der Möglichkeit, an Stell« der eingezogenen Linie» Einsetzer bis zum nächsten U-Bahnhof zu fahren. Hier bedarf eine Frage besonders der Klärung. Zst die BVG. dann auch bereit, einen neuen Fahrschein zu schassen, der ein unverteuertes llebersieigen von der Zu- bringerlinie zur U-Bahn gestallet? Sonst würde die genante Maß- nähme neben einer unerhörten Verkehrsverfchlechterung auch noch für viele Fahrgäste«ine neue Verteuerung bewirken. Falsch scheint uns auch der Vorschlag zu sein, die Omnibus- linien 1, 24 und 30 aus dem Verkehr zu ziehen. Die Forderung. die Befahrung dieser Strecke einzustellen, erscheint um so grotesker, als sie zu den rentabel st en Linien der BVG. gehören. Sie können nach unserer Kenntnis geradezu als Las sinanzielle Rück- grat des Berliner Omnibusverkehrs bezeichnet werden. Neben der untragbaren Verschlechterung der Berliner Vcrkehrsverhältnisie würde aber die Durchführung des Einschränkungsprogramms rund 2000 städtische Arbeiter brotlos machen. In diesem Fall« wäre es auch nicht mehr möglich, durch Arbeitszeitstreckung um Entlassungen herumzukommen. Wir halten es auch nicht für wahrscheinlich, daß die finanziellen Hoffmingen der BVG. durch eine Drosselung des Verkehrs Aussicht auf Erfüllung erhalten. Man muß sich von dem Trugschluß befreien, als ob bei Einstellung von Straßenbahnlinien alle bis- herigen„Stammkunden" der BVG. weiter treu bleiben werden und einfach von der Untergrundbahn und dem Oinnibus aufgenommen werden können. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, daß eine neue starte Abwanderung zur Stadtbahn einsetzen wird: viele Bc- rufstätige werden sich außerdem durch Anschaffung eines Fahr- rades„selbständig" machen. Berlin ist nicht Kötzschcnbroda. Der verkehr einer Weltstadt kann nicht einfach vmn griinen Tisch aus gedrosselt werden. Die Entscheidung über das Einschränkungsprogramm wird am Freitag im Aufsichtsrat der Berliner Verkehrsgesellschaft gefälli werden. Wir glauben schon heute zu wissen, daß die Mehrzahl der verantwortlichen Männer keine Neigung verspürt, den Verhängnis- vollen Vorschlägen der Direktion zu folgen. die Berliner Stromer zusammeirphantafiert! Die haben Klubs, die haben Vereine, die haben Satzungen, die halten Versammlungen ab, es fehlt nur noch ein«ingetragener Verein und«ine Extra- invalidenversicherung und Ersatzkrankenkasse für die Berliner Bettler. In Wirtlichkeit ist ein Bettler des anderen Feind, ältere Bettler machen einen großen Bogen um die Bettlerkneipen in der Nähe der Asyle, weil sie dort regelmäßig bestohlen werden und sich bei ihrer Gebrechlichkeit nicht mehr wehren können. Das ist die Solidarität der Bettler. Oder es kommt ein illustriertes Sonn- lagsblatt, das schreibt, es brauche nicht immer Kaviar zu sein, Hering schmecke auch. Dazu ist ein Bild zu sehen. Zwei Berliner Kinder sind in, Begriff, auf der Straße einen eben aus der Lake geholten Hering zu verschlingen. In der ganzen Welt, und am wenigsten in Berlin, essen die Kinder in dieser Art Hering! Den Rest hat die Sensativnslüsternheit bestimmter Blätter auf dem Gewissen. Da ringt ein über 66 Millionen großes Volk er- bittert um sein Schicksal, was macht das schon. Die„Liebes» abentener eines Vierzehnjährigen" sind wichtiger. Mit Großbuchstaben veröffentlicht. Der Leser macht sich seinen Vers daraus, nickt mit dem Kopf und stöhnt:„Ein Abgrund, dieses ganze Berlin!" Dabei steckt hinter der ganzen Sache nichts weiter, als ein etwas merkwürdiger Streich eines notorischen Herumtreibers. Unverantwortlich ist diese Sensationshascherei um jeden Preis und besonders verwerflich, wenn sie das eigene Nest beschmutzt. . Sie saen nicht, sie ernten nicht... aber sie leben herrlich auf Kosten der Summen. Einen überraschenden Ausgang nahm der Prozeß gegen den russischen Grafen Alexander von larnowsky, der kürzlich unter der Beschuldigung der Wechselfälschung und des Betruges ver- haftet worden war und der jetzt dem Schöffengericht Berlin-Witte zur Aburteilung vorgeführt wurde. Graf T a r n o w s k y ist den Berliner Gerichten nicht unbekannt. Er lebt seit 1914 in Deutschland. Durch Ausbruch des Weltkrieges konnte er nicht mehr nach Deutschland zurück. Sein Vater war der Direktor der Russisch-Asiatischen Bank und seine Mutter eine per- fische Prinzessin. Bis zum Ausbruch der russischen Revolution erhielt er über die spanische Gesandtschaft von seinem Vater monatlich 2666 Mark überwiesen. Als dann die Hilfsgeldcr nicht mehr fließen konnten, war er genötigt, seine Schmucksachen zu verkaufen. Er ist wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung. zuletzt mit einem Jahr Gefängnis, bestraft worden. Sehr dunkel sind seine Beziehungen zu einem Fabrikbesitzer G., mit dem er in Verbindung kam, als er auf Pfänder von diesem Geld lieh. Zwischen dem Grafen und dem kleinen Fabrikanten entspannen sich dann steundschaflliche Beziehungen. Der Kleinbürger fühlte sich hoch- geehrt, daß ein Graf in seiner Fanülie verkehrte. Graf Tarnowsky hat dann aber Wechsel auf den Namen seines Frcun- des ausgestellt und war von ihm wegen Wechselfälschung an- gezeigt worden. In einem früheren Prozeß gelangte das Gericht aber zu einer Freisprechung Taruowskys. Der Angeklagte hat dann aber wieder einen Wechsel über 666 Mark auf den Namen seines Freundes ausgestellt und wurde von diesem von neuem angezeigt. Er behauptete nun, daß G. damit einverstanden gewesen sei. Rechts- onwalt Dr. Herbert Fuchs legte dem Gericht Beweise dafür vor, daß G. nach erstatteter Anzeige noch monatelang Tarnowsky Geld gegeben habe und daß er ihm auch einen Brief geschrieben habe: .Lieber.Alex! Die Kriminalpolizei ist wegen der falschen Wechsel hinter Dir' her.' Sei aus der Hut.' Dem Johannes?' Väs"Gericht konnte angesichts des unseligen und jeder Motive entbehrenden Ver- Haltens des Belastungszeugen G. in diesem Falle nicht zu einer Verurteilung des Angeklagten kommen. Auch in den anderen An- klagepunkten, bei denen es sich um Zechprellerei handelte. war der Angeklagte vom Glück begünstigt. Er hatte in einem Hotel in der Albrechtstraße ein F e st c s s e n bestellt, bei dem es hoch her- ging. In großen Mengen wurden Kaviar, Hummern, Austern und die seltensten Delikatessen aufgetischt und es wurden 13 Flaschen Sekt getrunken. Als dem Grafen am Schluß des lustigen Abends die Rechnung über 666 Mark vorgelegt wurde, konnte er nicht bc- zahlen. Cr gab aber dem Gastwirt als Sicherheit Pfandscheine über zwei silberne Leuchter, die mit 1666 Mark beliehen waren. Nach der Behauptung des Angeklagten war der Wert der Leuchter weit höher. Die Verhandlung ergab aber, daß der Gastwirt die Pfänder „Lassen Sie mir die Kleine zufrieden", fiel nun Frau Loriot mit ruhiger Stimme ein..Kommen Sie, Kind, trinken Sie eine Tasse Tee auf den schlimmen Empfang hin, den Sie bei uns erlebt haben, und nachher singen Sie uns etwas Schönes vor. Uebrigens"— sie sprach laut und lebhaft— „ich habe eine große Bitte an Sie. Könnten Sie nicht unserer kleinen Germaine Musikunterricht erteilen? Mein Mann ist so sehr beschäftigt, außerdem ist er gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe. Wenn Sie sich wenigstens einige Monate ihrer annehmen wollten— bis dahin wird mein Mann vielleicht wieder mehr Zeit haben. Germaine ist, wie ich glaube, ein sehr talentiertes Kind, und sie ist auch trotz ihrer großen Leb- haftigkeit und gelegentlicher Trotzanwandlungen nicht schwer zu leiten. Ich werde sie gleich einmal holen lassen und Ihnen vorstellen." Sie drückte auf die Klingel und gab dem ein- tretenden Mädchen einen leisen Befehl. Loriot warf seiner Frau einen dankbaren, warmen Blick zu. „Ich fürchte, wir Künstler sind schlechte Lätcr", sagte er halb ernst, halb scherzend zu seinen beiden Nachbarinnen. „Darum ist es ein Glück, wenn wir Frauen finden, die unsere Mängel ersetzen können. Es ist kein Zufall, daß Beethoven,. Brahms, Liszt, Haydn, Bruckner unverheiratet geblieben sind." „Ach. lieber Herr Professor, Sie haben so viele große Musiker selbst gekannt, erzählen Sie uns doch davon, fiel nun die Jüngste in diesem Kreis, die 17jährige Lou Durville ein. Sie war französische Schweizerin. Landsmännin Loriots, und weilte nun als seine bevorzugte Schülerin einige Monate hier. Aber der Professor hatte'heute keine Ruhe zum Erzählen. Er schüttelte den Kops.„Ich hätte yiel lieber Lust, zu musi- zier?», was meinen Sie, meine Damen und Herren?" Und auf die allseitige Zustimmung hin: „Also, wer mit mir ist, der folge mir— wer aber lieber gedämpfte Musik hären will, der bleibe am Teetisch sitzen oder gehe in den kleine» Salon." hatte verfallen lassen müssen, weil er nicht die Mittel zur Einlösung hatte. Das Gericht war daher der Meümng, daß der Angeklagte nicht Schuld trage, wenn die von ihm gegebenen Sicherheiten aus- gesallen feien. T. wurde auf Kosten der Staatskasse freigesprochen und der Haftbefehl wurde aufgehoben. Graf Tarnowsky wird aber nicht auf freiem Fuß gesetzt werden, da die Staatsanwaltschaft in Plauen inzwischen gegen ihn einen Haft- besohl wegen großer Zechprellereien in Bad Bram- b a ch erlassen hat. fahrlässiger Schuhe. Zwei Personen angeschossen und schwer verletzt. Durch die Fahrlässigkeit eines jungen Mannes, der mit einer geladene» und entsicherten Pistole leichtsinnig umging, ist gestern nachmittag im Hcmsr M a TTtz TTttt st e■ 3~ fchwrrrs Unheil änge- richtet worden. Bei der 36 Jahre alten Frau Martha U. wohnt der 26jöhrige Maurer Wilhelm B e n tz zur Untermiete. Um 14.36 Uhr er- hielt B. den Besuch des im gleichen Hause wohnenden 28 Jahre alten Erich Holst. Im Laufe der Unterhaltung zeigte Bcntz seinem Be- kannten eine Pistole, die er, nach seinen Angaben, am Freitagabend auf der Straße gefunden haben will. B. ging mit der Waffe so ungeschickt um, daß sich plötzlich ein Schuß löste. Die Kugel drang Holst in den Oberschenkel. Als auf den Aufschrei des Ge- troffenen die Wirtin ins Zimmer eilte, sah sie ihren Untermieter mit der Pistole in der Hand neben dem Verletzten knien. In seiner Angst und Aufregung kam der junge Mann dem Abzug des Re- volvers abermals zu nahe und ein zweiter Schuß ging los, der die Frau in den Oberarm traf. Die Verletzten muhten Er schritt im Kreis seiner Gäste ins Musckzimmer und öffnete den Flügel. Frau Loriot löschte mit raschem Griff das helle Deckenlicht des großen weitausladenden Raumes. Nur die hohe Stehlampe mit dem großen, dunkelroten Schinn warf ihr Licht auf das tief gebeugte Gesicht des Spielers und die nervigen, schmalen Hände. Die Zuhörer saßen fast im Dunkel, nur die Zunächstsitzendeu waren er- kennbar. Jobanna Loriot ging leise hinaus und setzte sich auf die breite Chaiselongue des kleinen Salons, die gegenüber dem Komin stand. Müde schloß sie die Augen. Stark und zuversichtlich klang das Thema der Chaconne von Bach- Äusoni, sieghaft schwangen sich mächtige Akkorde, gewaltige Läufe in einem Aufschwung ohnegleichen zur Höhe einpvl, sanft und tröstend, kindlich und vertrauensvoll sprach tief verwurzelte Frömmigkeit zu ihr. Aber kein Klang erreichte die Seele der einsamen Frau im Nebenzimmer. Sie dachte an den Sohn, der todkrank lag. Der Arzt hatte ihr verbaten, sein Zimmer zu betreten, um den Schlafenden nicht zu stören. Er hatte ihm eine Einspritzung gegeben, und nun schlief Dolf seit Stunden. Noch bevor die Gäste kamen, war sie an seine Tür geschlichen und hotte seine Atemzüge gehört, die so seit- sam schwer röchelten. Unruhig stand sie auf. Eine entsetzliche Angst schnürte ihr plötzlich das Herz zu. Da öffnete sich leise die Tür. Germaine kam herein. Einen Augenblick blieb sie an der Tür stehen, dann ging sie auf den Zehenspitzen auf die Mutter zu, die ihr hastig ent- gegenschritt. „Was macht Dolf", fragte sie flüsternd. Das Kind sah die Mutter mit einem seltsamen, ver- schleicrten Blick an. Dann erwiderte es leise: „Er schläft— und soeben ist ein Telegramm gekommen, daß Professor Erb noch heute abend zur Operation ein- treffen wird." Die Mutier preßte beide Hände zusammen. Heute abend noch! Würde das die Rettung, die Genesung sein? Von neucin erfaßte sie das Gefühl einer grenzenlosen Angst,«ie atmete auf, als ihr Mann nebenan mit mächtigen Akkorden, die wie Orgeltönc durch die Räume klangen, schloß und bemühte sich gewaltsanl, den Gästen mit der alten Liebens- Würdigkeit entgegenzutreten. Aber die tödliche Blässe ihres Gesichtes ließ sich nicht wegwischen. „Wie geht es Ihrem Sohn? Hoffentlich fft er bald wieder gesund?" fragte Konzertmeister Falk, ein Kollege ihres Mannes an der Hochschule, halblaut, und auch die anderen Gäste wandten ihr betroffene und teilnahmsvolle Gesichter zu. ins Krankenhaus gebracht tvgrbc». Der leichtfertige Schütze wurde festgenommen.' Lotterie der Arbeiierwohlfahrt. Der Minister für Volkswohlsahrt hat im Einvernehmen mit dem Finanzminister, unter Einschluß der übrigen deutschen Staaten, dem Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt in Berlin die Genehmigung erteilt, zur Erfüllung seiner Wohlfahrtsaufgaben eine Lotterie zu veranstalten. Ziehungstage sind der 1 9. und 21. Dezember 1931. Lose sind zum Preise von 36 Pjennig pro Stück bei allen Kreisleiterinncn der Arbeiterwohlfahrt, den Vorwärt: expedittonen, den Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft Berlin Lichtenberg, den Firmen Singer, Wcctheim und Hermann Tietz zu haben. Raubübersall auf Bierkutscher. In Pankow ist gefterirNier 48Wrlge Vierfahrer der Engelhardt-Brauerei Eduard Bolz das Opfer eines verwegenen Ueber- falls geworden. In der Naumannstraße stieg ein Radfahrer von hinten auf den fahrenden Wagen auf und raubte die Geld- tafche, in der sich 1266 M. befanden. Als Bolz den Dieb festhalten wollte, wurde er von dessen Komplicen durch Drohungen in Schach gehalten. Die Täter flüchteten auf Fahrrädern und entkamen trotz der sofort ausgenommenen Verfolgung. Der Schriftsteller Karl Strecker aus ZAein-Machnow hat gegen das Urteil des Potsdamer Schwurgerichts Revision angemeldet. Der Reoisionsgrund wird darin erblickt, daß Strecker als Ange- klagter nicht das letzte Wort erhalten hat. Als er. zum letzten Wort zugelassen, weitersprechen wollte, erlitt er eine Herzaffektion, die ihn zu Boden warf. Inzwischen hatte sich das Schwurgericht zur Beratung zurückgezogen. „O Gott, ich hatte ja ganz vergessen, daß Dolf krank ist", sagte Lou erschrocken. Sicher hat ihn das Spiel gestört." Frau Loriot schüttelte den Kopf.„Beunruhigen Sie sich nicht", sagte sie beherrscht, ,T)olf schläft augenblicklich— ich hoffe, seiner vollkommenen Genesung entgegen", setzte sie mit gewaltsamem Lächeln hinzu. Aber Loriot sah plötzlich unruhig und schuldbewußt aus. „Ich glaube, es ist besser, wir verschieben die Kammer- musik auf die nächste Woche", sagte er zu den Gästen. Ich habe den berühmten Chirurgen, Professor Erb, heute tele- graphisch herübergebeten, da er auf meinen Brief nichts hören ließ. Ich nehme an, er wird unseren Dolf recht bald gesund machen." „Nach Ihrem herrlichen Spiel der Chaconne möchte ich auch heute nichts mehr hören. Das muß ich still in mir ver- klingen lassen", sagte ein blasser, junger Mensch, der sich imnier an Loriots Seite hielt. Es war ein Kaufmann, der seinem Beruf nachging, um seine Mutter und seine kranke Schwester ernähren zu können, und der nur in wenigen freien Stunden seiner Leidenschaft, der Musik nachgehen konnte. Die anderen stimmten ihm zu und rüsteten sich zum Aufbruch. „Sieh an, da ist ja auch unser Töchterchen." Loriot hatte das Kind, das sich ganz ins Dunkel gesetzt hatte, bemerkt und zog es ins helle Licht der Lampe. „Und hier, betrachte dir einmal deine künftige Musik- lchrerin— willst du dich mit ihr vertragen und ihr Freude machen?" jügte Frau Loriot hinzu. Gennainc sah prüfend zu der strahlenden Erscheinung des jungen Mädchens auf. Dann blickte sie mit trotzigem, verschlossenem Ausdruck vor sich nieder. „Willst du mir keine Antwort geben, Germaine!" sagte die Mutter mahnend.„Und willst du unserer lieben Freundin, Fräulein Düring, nicht die Hand geben?" Unsicher sah das Kind zu LoriM hinüber. Dann wandte es sich jäh um und lief aufweinend aus dem Zimmer. „Die Kleine hat das richtige Gefühl— ich kann diese Frau nicht verstehen", flüsterte Fräulein Holl ihrer Freundin ins Ohr, die beifällig nickte. Loriot aber lachte laut auf. „Sie ist mal wieder eifersüchtig", sagte er amüsiert,„ich kenne sie doch, sie will einzig und allem von mir Unterricht haben." Aber seine Frau schüttelte den Kopf. (Fortsetzung folgt.) Jlr. 501• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonntag, 25. Oktober 1931 Währungen in Bewegung. Seit zwei Jahren sind die Wahrungen von TS Ländern ins Rollen gekommen. Die internationale Krise der kapitalistischen Wirtschast hat die Währungen von mehr als 25 Ländern ins Rollen gebracht. Damit ist ein weiterer sehr ernster Unsicherheitsfaktor in den internationalen Wirtschaftsverkehr getragen. Die Abwärtsbewegung der ausländischen Valuten hat nicht gleichmäßig eingesetzt. Sie begann 1929 in überseeischen, vorwiegend südamerikanischen Ländern und blieb lange Zeit auf diese beschränkt. Das Abgehen Englands vom Goldstandard und der damit verbundene Sturz des englischen Pfundes hat dann, in- folge der weitgehenden Verflechtung des Pfundes im internationalen Zahlungsverkehr, eine weitere erhebliche Anzahl von Währungen mitgerissen. Die Liste der Geldentwertungsländer läßt unschwer drei Gruppen erkennen, für die jeweils besondere Ursachen für den Währungssturz vorliegen. Parikurs zur Mark Paraguay.... 9,995 Uruguay..... 4,34 Brasilien..... 9,592 Argentinien... 1,782 Venezuela.... 9,81 Australien.... 29,43 Bolivien..... 1 532 Island...... 1,125 Groß Brilonnien. 20,43 Irland...... 20,43 Vriti'ch Zndien.. 1,53 Britisch-Ostafrika. 20,43 Aegyplen..... 20,95 Palästina.... 20,43 Siam...... 1 ,857 Straite-Seltlements 2,38 Columbia.... 4,086 Ecuador..... 0,84 Beginn de» Adgleitens Anfang 1929 1929 Ende 1929 Anfang 1939 1930 1930 Mitte 1939 21. Sept. 1931 Schweden Norwegen Dänemark. Portugal. Kanada. Spanien. 1,125 1,125 1,125 0,186 4,198 0,81 28. Sept. 1931 23.; 22.. 23.. 21.. Letzter Rur» 0,053 1,399 0,26 0,98 0,605 12,40 1,21 0,74 16,46 16,40 1,20 16,50 16,86 16,40 1,58 1,90 3,25 0,66 0,98 0,93 . 0,93 0,15 3,77 0,38 Entwertnnz 44 Proz. 68. 49. 45. 25. 40. 20. 35. 20 Proz. 20. 20, 20. 20, 20„ 15. 20. 20. 21. 13 Proz. 18. 18. 20. 10, 54. Für die erste Gruppe, in der sich ausschließlich über- seeische, vorwiegend südamerikanische Agrarländer befinden, liegt die Ursache des Währungsverfall» in der allgemeinen Roh- st o f f- und Agrarkrise sowie der starken Auslandsverschuldung. Die währungspolitische Situation dieser Länder mußte sich in dem Maße verschlechtern, als die Erlöse ihrer fast rein agrarischen Aus- fuhr parallel mit dem Sinken der Preise für Agrarprodukte zurück- gingen. Der Ausfuhrrückgang 1928 bis 1930 beträgt wertmäßig z. B. bei Australien 35 Proz., Brasilien 34 Proz. und Argentinien 50 Proz. Die Währungskrise der übrigen Länder, die sich mit Ausnahme Spaniens, dessen Währung immer noch nicht stabilisiert ist. an den Sturz des englischen Pfundes anschließt, ist allein durch die englische Krise ausgelöst. Die Entstehungsgeschichte der englischen Währungskrise wurde vom„Vorwärts" früher aus- führlich gekennzeichnet. Zwischen diesen Ländern ist aber zu unterscheiden. Bei der einen Gruppe handelt es sich um unmittelbare Ein- flußsphären Englands, Teile des britischen Empire oder Länder, deren Währungen so eng mit der Englands oerknüpft sind, daß sie den Bewegungen des Pfundes zwangsläufig folgen müssen. Bei der anderen Gruppe— Schweden, Dänemark usw.— bestehen starke Handelsbeziehungen zu England, die diesen Ländern im Interesse ihres aktiven Außenhandelsgeschäftes die Anpassung ihrer Währung an die Pfundbewegung aufzwangen. Oer Belvettrust saniert. Kapitalschnitt auf ein Zehntel. Di« Mechanische Weberei zu Linden hat in ihrer Aufsichtsratssitzung am Sonnabend beschlossen, ihr Stammkapital in Höhe von 13,5 Millionen Mark im Verhältnis von 19: 1 aus 1,35 Millionen Mark zusammenzulegen. Das ist das Ende einer Entwicklung, die der Mechanischen Weberei Linden in der Pleite- serie von Favag bis zum Spritkonzern einen besonderen Platz sichert. Das Unternehmen, das baumwollene Samte(Belvets) fabriziert und das ein» der ältesten deutschen Aktiengesellschaften(Gründung m den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts) ist, wurde in der Ra- tionalisierungsperiode mit ihren steigenden Profitquoien von dem Ehrgeiz befallen, einen Belvettrust zusammenzuschwei- ß e n. Von Linden aus sollten die Belvetpreise diktiert werden. Rtan wollte das Veloetmonopol haben. Das hat man auch erreicht. Der Weg zum Belvettrust wird durch die Erwerbung der Belvet- fabrik M. Mengers Söhne in Berlin gekennzeichnet. Das war im Jahre 1926. Die Aktien standen schon sehr hoch. Die Mechanische Weberei Linden zahlle die Mengers in bar aus. Dann kam der Aufkauf der deutsch-böhmischen Veloetfabrik Fröhlichs-Sohn in Warnsdorf(Tschechoslowakei), die Erwerbung der Rheinischen Veloet- fabrik Neersen und die Uebernahme der Webereifirma D e m i s ch u. Engler in Zittau. Die Käufe erfolgten zu einer Zeit, wo die Aktien sehr hoch standen. Die Mechanische Weberei Linden mußte, um ihren Trust zusammen zu bekommen, Ueberpreise Dhlen. Viel Geld kostete auch der Ausbau der Absatzorganisation, besonders des Absatzapparates nach Nordamerika, wo man den Verkauf zu steigern hoffte. Alles das kostete Geld. Das Aktienkapital, das nach der Gold- bilanzierung im Jahre 1924 rund 6 Millionen Mark betrug, wurde auf 13,5 Millionen verdoppelt. Dazu kam die Aufnahme von A n- leihen. Obwohl in den guten Konjunkturjahren bei der Mechanischen Weberei Linden stille Reserven gebildet wurden— angeblich in Höhe von 50 Proz. des Aktienkapitals—, zeigte sich bald, daß die Eni- Wicklung über die Kräfte des Unternehmens ging. Man hoffte aber, mit den vorhandenen Mitteln über die schlimme Zeit der Krise hin- wegzukommen. Zu diesem Zweck ging man radikal an die Divi- dendenkürzung. Die Dividende betrug in den ersten Jahren nach der Stabilisierung 15 Proz.: sie wurde im Jahre 1928 auf 10 Proz. heruntergesetzt und fiel 1929 aus. Alles das half nichts, der K a- p i t a l s ch n i t t mußte vorgenommen werden und man hätte nur wünschen können, daß sich die Mechanische Weberei Linden, die sicherlich innerlich gesund ist, dazu früher entschlossen hätte. Der Schnitt ist sehr hart und legt den Akitonären starke Opfer auf. Im Grunde genommen ist es aber nur die Quittung für eine unzulängliche Geschäftsführung. Auch wird es nicht an Leute fehlen, die den„Marxismus" und die G e- s e l l s ch a f t e n für die Mißwirtschaft verantwortlich machen werden. Die Reichs-Elekirowerke in Schlesien. Die Elektrowefke A.-G.(Rcichs-Elektrowerke) hat mit der Stadt Glogau einen 30-jährigen Pachtvertrag abgeschlossen, durch den mit Wirkung vom 1. Oktober 1931 das Elektri- zitätswerk und das Gaswerk der Stadt in die Verwaltung der Elektrowerke übergeht. Die Tätigkeit der Reichselektrowerkc in Schlesien erfährt dadurch eine wesentliche Abrundung. Schieles Hungerpoliiik. Brotpreiserhöhung in Breslau. Die Bäcker und brotherstellenden Betriebe in Breslau werden ab Montag, den 26. Oktober, den Brotpreis um einen Pfennig je Pfund erhöhen. Diese Brotpreiserhöhung wird damit begründet, daß die mit der Aussuhr im Zusammenhang stehenden'hohen Roggen- preise in der letzten Zeit die Mehlpreise derart hätten ansteigen lassen, daß eine Preiserhöhung für Brot unvermeidlich sei. Der letzte Hochofen in Oberschlesicn stillgelegt. Die Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke A.-G., Glciwitz, sieht sich gezwungen, den letzten Hochofen aus der Julien Hütte, den sie noch im Betrieb hatte, vorübergehend stillzulegen, da sich bei allen Roheisensorten große Vorräte angesammelt haben, die erst wieder zum Teil geräumt werden müssen. Wie die„Schlesischc Zeitung" erfährt, soll der Hochofen voraussichtlich Ansang November bis zum Dezember dieses Jahres gedämpft werden.. Von der Stillegung werden ungefähr 200 Arbeiter beirossen. ichönes //ollkleid iv» Afqha- aino reine �olle,»ehr bel.Machoit mit zwel- farb.Weste Neuestos Wollkleid in Modefarben, f. d. Nachmittag ausprimaAfgho- laine, m. aparter Weste aus pliss. 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Es ist nicht ersichtlich, ob diese ver- hältnismähig günstigere Entwicklung mehr auf den stärkeren Anfall an Devisen insolgc des anhaltenden Exportüberschusses zu- rückzuführen ist oder auf die verschärften Strafandrohungen für Devisenhintcrziehungen. Dennoch ist das Resultat, daß sich die Devisenzugänge und-abgänge bei der Reichsmark erst knapp die Waage halten, angesichts der stark zusammengeschmolzenen Deckungs- referven des Notcniiistituts noch alles weniger als befriedigend, so sehr es schon ein Fortschritt sein mag, daß überhaupt zum ersten Male seit Wochen ein Stillstand der Devisenverluste fest- zustellen ist. Der Gold- und Devisenbestand der Reichsbank muß mit aller Gewalt aufgefüllt werden— nicht nur um das Vertrauen in die deutsche Währung zu festigen, sondern vor ollem im izinblick auf den Aj? l a u f der Still- halte- Vereinbarungen Anfang März nächsten Jahres. Sicher ist es umnöglich, bis dahin so viel Devisen oder Gold bei der Reichsbank anzusammeln, um davon auch nur einen größeren Teck der gestundeten Milliardentredite des Auslandes zurückzuzahlen. Aber die notwendig werdenden neuen Stillhalleverhandlungcn lassen sich von deutscher Seile dann mit ganz anderem Nach- druck führen und verbürgen auch viel mehr Aussicht auf Erfolg, n-cnn die Reichsbaak über einen ausreichenden Devisenstock zur Mäh- rungsverteidigung verfügt. Mit der nötigen Energie, ja notfalls mit rücksichtsloser Härte muß es m ö g l i ch sein, die deutschen Devisenreserven allein aus den Ausfuhrüberschüssen der vergangenen und kommenden Monate um mindestens eine Milliarde zu verstärken. Das ergibt sich aus der- bisherigen Entwicklung der Devisenbilanz: Der Exportüberschuß und damit der Ueberschuß inländischer Forderungen auf das Ausland(das find Devisen) betrug im Juli 265 Millionen, im August 34it Millionen und im September 387 Millionen Mark. Nun wird freilich der Anfall an Exportdevisen von der Außcnhandclsstatistik n i ch t v ö l l i g erfaßt, da die Handels- obschlüsse gewöhnlich mit ein- bis dreimonatigem Ziel oder mit noch längerein Termin getätigt werden. Daher kann sich das monat- liche Auskommen an Devisen auch nicht ohne weiteres mit den llinsatzziffern der Außenhandelsstatistik decken. Aber es kann sich dabei— wenn alles mit rechten Dingen zugeht— doch nur um Verschiebungen innerhalb der einzelnen Monate handeln: Das Gesamtresultat des Deoisenaufkommens bleibt im End- ergebnis davon unbetührt. Eher läßt schon ein anderer Umstand eine gewisse Verringerung des Devisenerlöses aus den Aussuhrüberschüsien erwarten: das ist die Tatsache, daß ein Teil der Aussiihrgeschäste auf der Grundlage von jetzt entwerteten Währungen(englisches Pfund, nor- dischc Krone usw.) abgeschlossen ist. so daß die tatsächlichen Erlöse noch Ablauf der cingeräuniten Kreditfristen um den Währungsverlust geringer erscheinen werden. Entsprechendes gilt auch von den auf Reichsmark lautenden G e s ch ä f t e il nN t R u ß l a n d. Alles in allem wird aber das Deviscnaufkcnnmen allein der Monate Juli bis September kaum viel weniger als eine Milliarde Mark betragen haben. Wo ist diese Milliarde des Juli-Seplembcr-Quarlals geblieben? Zur Reichsmark ist sie nicht gekommen: denn die Reichsmark hat im Gegenteil seil Ansang September bis Mitte Oktober noch 477 Millionen an Gold und Devisen abgeben müssen. Dabei werden Reparationen dank des Hoover-Feierjahrcs nicht mehr gezahlt und die Rückzahlung ausländischer Kredite ist nach dem Baseler Stillhalteabkommen bekanntlich eingestellt. Gestundet wurde uns in Basel freilich nur die Hauptmasse der kurz- fristigen Auslanökredite. Von den auf Mark lautenden Gut- haben des Auslandes war ein Teck sofort nach Inkrafttreten des Abkommens, ein anderer Teil in monallichen Raten freizugeben. Auf diesem Wege wurden bis jetzt etwa 350 Millionen Mark in Devisen abgezogen. Die Rückzahlung von Saisonkrediten und Börsen- leihgeldcrn kam hinzu und ebenso die Uebertragung der Erlöse aus den Wertpapierverkäufcn des Auslandes an den deutschen Börsen. Weitere Devisenanforderungen ergaben sich aus der Rückzahlung englischer und schwedischer Kredite, die durch die Ent- wertung dieser Währungen- den deutschen Schuldnern einen nicht unerheblichen Balutagewinn gebracht haben. Zu allen diesen zum Teck gegen die Absicht des Stillhalteabkommens verstoßenden Devisenabzügen kommen dann noch die regulären Zins- und Tilgungszahlungen für langfristige deutsche Anleihen im Auslande. Aber sämtliche legitimen und— gegenüber dem Baseler Abkommen— illegitimen Devisenabziehungen erreichen selbst bei großzügigster Schätzung sicher nicht die eine Milliarde, die allein der Ausfuhrüberschuß von drei Monaten erbracht hat. Für den Rest und den Derbleib der Seplember-Oklober-Derluste der Reichsbank in höhe von rund Milliarde findet sich keine andere Erklärung als die. daß in dieser höhe die Exportdevisen entgegen allen Deviscnnotverordnun- "gen im Auslande stehen gelassen wurden. Dieser Auffassung ist osfenbar in einem hohem Grade auch die Reichsbank. Sonst hätte sie nicht bei jeder Neuausloge ihrer Devisennotvcrordnungen(es sind schon sechs Auslagen) den Devisenablieferungszwang verschärfen müssen und neuerdings zu dem äußersten Mittel der Kreditsperre für säumige Dcoisenablicserer zu greisen brauchen. Mitte Oktober hat die Reichsbank angekündigt, daß sie jeder Firma die Kreditgewährung rundweg verweigere, die gegen die Devisenablieferungspflicht verstößt. Sie will sogar den Ankauf eine» Wechsels ablehnen, wenn auf ihm die Unterschrift einer Firma vor» komme, die als säumiger Ablieferer bekannt wird. Dieses Mittel— daraus wird man sich verlassen können—, wird wirksamer sein, als die Androhung von Zuchthausstrafen oder auch eine Kreditoerteuening. unter der Gerechte und Ungerechte zu leiden hätten. Aber es kommt daraus an. daß die Reichsbaak nicht nur droht, sondern auch rücksichtslos durchgreift. wo nur ein Beweis der Devisenhinterziehung erkennbar ist. Die Reichsbank verfügt durchaus über den technischen Apparat und über die notwendigen Unterlagen, um die Zurückhaltung von Exporterlösen mit ziemllcher Sicherheit feststellen zu können. Ein Netz von 455 Zweiganstalten, gelestet von Persönlichkeiten, die in jahrelangem Kreditverkehr mst den orts- ansässigen Unternehmungen den denkbar intimsten Einblick in die Geschäststätigkest und die Geschästsverbindungen ihrer Kundschaft haben, bietet die Gewähr, daß bei richtiger Organisation Devisenhinterziehungen von dem Ausmaß der letzten Monate nicht mehr möglich sein werden. In den regelmäßigen Devisenverkäufen der Monate vor der Julikrise haben die einzelnen Reichsbankanstalten einen ziemlich sicheren Anhalt für den Umfang der Auslands- geschäfte bestimmter Kunden, einen Anhast, der sich durch vertrauliche Nachforschungen unter Berücksichtigung der konjunkturellen Pro- duktions- und Absatzveränderungen zu einer ziemlichen Sicherheit über das nunmehrige Aufbringungs-Soll erweitern läßt. Dazu wäre frellich erforderlich, daß die bisherige recht starke Beschränkung der Handlungsfreiheit dir Pro- vinzdirektoren gelockert würde, um ein entschlossenes und vor allem schnelles Zupacken zu gewährleisten. Hinter der bitteren Not- wendigkeit, unter ollen Umständen die für Deutschland lebenswichtigen Devisen restlos zu erfassen, haben die Bedenken, die mst der Machtbefugnis einzelner Persönlichkesten über Sein oder Nichtsein verdächtiger Unternehmungen zweifellos verbunden sind, zurückzu- treten. Das Allgemeinwohl geht vor. Abgesehen aber davon, darf man erwarten, daß die Gefahr einer Existenzvernichtung bei Aufdeckung von Devisenhinterziehungen heilsam und abschreckend wirken wird und daß in vielen Fällen eine kurze Unterredung zwischen dem Laster der betreffenden Reichsbankanstalt und einem verdächtigen Devisenhamsterer mehr Devisen hervorzaubern wird, als alle Notverordnungen zusammen. Litis ist das auch nichi bekannt! Ein guter Witz der„Deutschen Bergwerkszeitung". In der„Deutschen Bergwerkszeitung" vom 22. Oktober lesen wir in einem Artikel„Die hohen Gehälter", der sich gegen einen Staatseingriff in die Ricsengehältcr der Privatwirtschaft wendet, folgenden Satz: „Uns ist es nicht bekannt, daß man jemals von industrieller Seite über die Zerstörung der Rentabilstät der Unternehmungen durch zu hohe Gehaltsforderungen leitender Persönlichkeiten geklagt hätte." Uns ist das in der Tat auch noch nicht bekannt geworden! Bankenwettlaus im Kriseukrach. Die New-isorker Aafional Eity Bank stockt auf. Die N a i t if Dan k, die jahrelang die größte Bank her Vereinigt« Staaten und der Welt gewesen ist und vor einiger Zeit durch die zum Rockefcller-Konzcni gehörende Chase National Bank verdrängt wurde, übernimmt die in New Port arbeitende Bank of America National Asso- c i a t i o n, eine der wichtigsten Banken der in Schwierigkeiten geratenen Giannini-Gruppe. Nachdem das Ncw-Borter Emissions- Haus sich in den Besitz der Transamerica Corp., der größten Dach- gesellschaft des Giannini-Konzerns, gesetzt hotte, ist also die National CUy Bank die zweite Nutznießerin dieses Konzernkrachs. Das Vermögen der jetzt aufgönommencn Bank of America beträgt nach der letzten Bilanz 338 Millionen Dollar, d. h. rund l,4 Milliarden Mark. Hierdurch steigt das gesamte Vermögen der National Citi) Bank auf über 2,3 Milliarden Dollar und beträgt jetzt nur noch rund 100 Millionen Dollar weniger als das der Chase National Bank. Als der italienisch-amcrikanische Finanzmann Giannini vor einigen Jahren auf die Bank of America Einfluß nahm, erregte das bei den Bankmagnaten New Porks erhebliche Mißstimmung, da eine solche Machtausdehnung des Emporkömmlings aus San Franziska höchst unerwünscht war. Ob auch die übrigen großen Banken der Giannini-Gruppe noch unter die Kontrolle der führen- den amerikanischen Großbänken kommen werden, ist noch nicht bekannt. Der letzte Zeichnungslag. Die Rcichsbahngesellschast WO mst, daß am Montag, dem 26 Ottober, die A ni n e st i c s r i st verlänge- rung abläuft, die es ermöglicht, steuerfreie Reichsbahn- a n l e i h e ohne steuerliche Nachteile zu zeichne». Diskontsenkuag in Zinnland. Die Bank von Finnland hat vom 2. Ottober ab ihren Diskont von 9 aus 8 Proz. wieder herabgesetzt. den sie bei der Preisgabe des Goldstandards vor wenigen Wochen entsprechend heraufgesetzt Halle. Rur Meistbegünstigungsvertrag mtk Ehst«. AI» vor wenigen Monaten die deutsche Regierung durch Notverordnung die Stick- stoffzölle erhöhte,«ine Erhöhung, die sich praktisch nur gegen die Einfuhr von Chilesalpeter richtete, kündigte die chllemsche Re- gicrung den deutsch-chilenischen Handelsvertrag. Von deui- scher Seite wurde damals behauptet, daß diese Kündigung unerheb- lich sei, da es sich nur mn Neufassung des feit 1865 bestehenden Handelsvertrages handele. Daß dem nicht so ist, geht daraus hervor, daß am 22. Oktober nur ein allgemeiner Meistbegünsti- gungsverträg abgeschlossen wurde. Die älteste Großbank Rumäniens, Marmorosch, die über Kapital und Reserven von insgesamt 327 Millionen Lei(8 175 000 Mark) verfügt, 25 Jnlandsfilialen und eine Zweigstelle in Paris unterhält. ist in Schwierigkeiten geraten und schloß auf Verlangen des Finanz- Ministers die«chalter für zunächst drei Tage. Inzwischen hofft die Regierung, die Verhandlungen mst der Nationalbant wegen einer Stützungsaktion zum Abschluß zu bringen. 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EamtUe Heinrich BaumVar: Nach lurzem ichwereni mit Se- dUid ertragenem Leiden verstarb am Mitlwoch unser herzensguler Baier, Schwiegervater und Sroßvarer Mhelm hvoieke im vollendeten 70. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinter- diiedenen Auguste Kfinlcke oebsl Kindern. Di- Einäscherung findet am Montag. 28. Oktober: 17'/, Uhr. imArnnatormm Baumschulenweg statt. rmm u Drtskrankenkasse derGQrtier xa Berlin, Oranleabtr. 139- Bekanntmachung. Am Montag, bern 2. Jtoocmbec 1931, bleibt da- Aasseniotal wegen Renovierung geschlossan. Berlin, den 23. Olioder 1931. Oer Vorstand. «.RSsener, O. Bi-rwirt, Borfißender Schristsührer. Waldpanellen- Auch ohne Anzahlung. D'iett vom Eigentümer! Sofort. Dauerlaub. o. Banzwang. KeineWertzirmacheit. Sl.Monatsratcn.qro v. I.S» an !Ie1llgg.Mezrllli" Uenz'g, nahe dem großen zeesener See 30 Minuten vom Bahnhos KOBlgevasterbanien Kurz vor Dorf Senzig am Wald- weg, der zur Siedlung führt: große» Schild! 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Zank und Haß könnte vermieden werden, wenn c�uch andere Hauswirte so menschlich empfänden und all den unverschuldet ins Elend geratenen Menschen ihr schweres Los ein wenig erleichterten. Vis bei der Devabeim-Hilfskasse vertuscht wurde. wer in der Verhandlung vor dem Schöffengericht Lerlin-Mitle gegen den Buchhalter der Hilfskasse der ILohl- fahrtsverbände. Villi k l a r h o l z, hoffte, die Oeffeullichkeit würde Klarheit darüber erhalten, wie es geschehen konnte, daß im Laufe von zwei Jahren eine halbe Million unterschlagen worden war, weshalb der vorstand, der hilsskasse diesen Unterschlagungsskandal vertuscht Halle, und in welcher Weise die unterschlagenen Gelder ver- pulvert worden sind, den erwartete bittere Enttäuschung. Es wollte fast scheinen, als sollte über die Geschehnisse bei der Hilfskasse der Christlichen Wohlfahrlsverbände nun das Mäntelchcn der chrlst- lichen Nächstenliebe gebreitet werden. Der Angeklagte Willi Klarholz, ein 40sähriger, gutgenährter Herr, vom Aussehen eines Küsters, machte nicht den Eindruck eines Menschen, der sich die Lage, in der er sich augenblicklich befindet, besonders zu Herzen nimmt. So eindeutig seine Erklärungen waren über die Art und Weise, wie er seine Veruntreuungen bc- gangen, so unglaubwürdig erschienen sie hinsichtlich dessen, wie er die veruntreuten Gelder verausgabt hat. Mag er noch so hoch gewettet, noch so teure Lokale besucht haben, 500 000 M. konnte er nicht in so kurzer Zeit durchgebracht haben. Es müssen eben Gelder beiseite geschafft worden sein. Daß ober keiner von seinen Mit- arbeitern den ungeheuren Aufwand bemerkte, und man sich mit der Erklärung zufrieden gab, er habe reich geheiratet, stimmt äußerst nachdenklich. Dem Finanzamt war der unglaubliche Lebensauiwand wohl aufgefallen, es bezifferte ihn auf 65 000 M., während Klarholz in Wirklichkeit ein Monatsgehalt von 500 M. bezog. Es wäre auch nicht uninteressant gewesen, etwas über die näheren Umstände zu erfahren, unter denen man bei der Hilfskaffe der Wohlfahrts- verbände beschlossen hatte, die ganze Angelegenheit zu vertuschen. Als man während Klarholz' Krankheit in seiner Buchführung Unregelmäßigkeiten bemerkt hatte— von einer Ausdeckung der Verfehlungen war noch gar keine Rede-s zog er es vor, nicht mehr zum Dienst zu erscheinen, und verabredete mit dein Geschäftsführer Liebchen ein Zusammentreffen aus dem Anhalter Bahnhof. Hier beichtete er ihm seine Unterschleise, legte ihm einen Zettel vor mit der Ausstellung sämtlicher veruntreuten Summen und erhielt von dem Geschäftsführer den Rat, über das Ganze Schweigen zu bewahren, Berlin zu verlasse» und sich, irgendwoandcrs ein neues moralisches Leben misznbouen. Liebchen stellte ihm später auch ein Zeugnis aus. auf Grund dessen er Arbeitslosenunterstützung beziehen koimtc. Erst als Liebchen einige Zeit darauf von einer Reise zurück- kehrte, machte er von den Veruntreuungen Klarholz' vier Mitgliedern UeMSolidaritätt Genossinnen und Genossen! Ein harter Winter steht uns bevor. Hunger und Not zermürben Millionen unserer Klossengenossen. Täglich vermehrt die Wirtschaftskrise das Millionenheer der Arbeitslosen. Schon oft hat sich die Solidarität der arbeitenden Massen in schwerster Zeiterprobt.— In dieserZeit desMassenelends rufen wir unsere Genossinnen und. Genossen zu einer � �' J>. e O e d.. sm v, w v.c C.- großzügigeil Hilfsaktion auf iiiiiiiimmnimiimnMimimiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiimiuiimimnmiiiinimiiiiiiiiniimiiimifliiiiiiiiiimiiniiimiiiimiir Der Bezirksvorstand hat bereits Sammelmarken an die Abteilungen versandt. Wir erwarten von allen unseren Genossen, die noch in Arbeit und Brot stehen, daß sie sich an dieser Aktion restlos beteiligen. An alle unsere Freunde, die nicht durch die Hilfsaktion in den Parteiabteilungen erfaßt werden, richten wir den dringenden Appell, Spenden auf das Postscheckkonto Nr. 48 743(Alex Pageis) einzuzahlen. Jede, auch die geringste Hilfe zur Linderung des Massenelends und der Massen not ist uns erwünscht. liebt daher Solidarität mit euren arbeitslosen Parteigenossen! iiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiniiuiiiiiiiininiJiiitiniiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiniiniiiiiiiiifiiiiiiinuiiiuituiiiiiiiuiifiNiiiiiiiiiMiiiii Oer Bezirksvorsland. des Aussichtsrats, dem Dr. Kremcr, Dr. Schiel und zwei Herren von der Karitas, Mitteilung.„Das war sa eine Vertuschung", meint der Vorsitzende.„Ja", sagt Herr Liebchen,„die veruntreute Summe entsprach aber der Höhe des Gefamtkapitals der 5)Ufskasse. Wenn es bekannt geworden wäre, so hätte bei unseren Sparern ein Run begonnen. Wir wären nicht in der Lage gewesen, die erforderlichen Gelder flüssig zu machen." Als dann der Devaheim-Skandal in die Oeffentlichkeit drang, begab sich Ktar- holz aus eigener Initiative zur Staatsanwaltschaft. Vielleicht fürchtete er. daß man bei neuerlicher Nachprüfung der Bücher der Hilfskasse doch hinter seine Unterschleise kommen würde. Denn die veruntreuten 500 000 M., die mit Hilfe irgendwelcher anderer Gelder gedeckt worden waren, hatten höchstwahrscheinlich ein anderes Loch verursacht. Die monatelange Bücherprllfung durch die Treu- handgesellschast hatte aber während der ganzen Amtszeil des Angeklagten nicht zur Entdeckung der Falfchbuchungen geführt. Dös Anstoltskreditkonto, das 16 Millionen Reichs- und andere Gelder betraf, blieb einfach unüberprüft. Die von Klarholz ausgestellten Schecks, mit deren Hilf« er die von ihm veruntreuten Gelder bei den Banken erhoben hat, wurden aber ohne weiteres von einem der geschäftsführenden Direktoren unterschrieben. j Für die Beschuldigung von C l a u ß e n. den Verfehlungen von Klarholz Vorschub geleistet zu haben, ergaben sich kein« Anhaltspunkte. Dem Gericht schien der Antrag des Staatsanwalts von 3 Jahren Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu hoch. Es begnügte sich mit 21- Jahren Gefängnis und belieh Klarholz seine bürgerlichen Ehrenrechte, da er angeblich durch die Fülle des Vertrauens, das ihm zuteil geworden, verführt worden sei. Das Betrügen'st innner noch vorteilhafter als tms Stehlen. Kurse der Arbeiterbildungsschule. Montag. 26. Oktober. Sinfü�tungsluift: 1. SUcia Mitte: Eottlicb Reese:„Die Einheit von Theorie und Praxis in drr Arbeiterhriocgung", 10U Uhr, Köllnisches Tymnafium, Nnsrlstraßc. S. Kreis Friedrichshain: Paul Bernstein:„Die deutsche Republik in Ncvolution und Gegenrevolution". Uhr. Jugendheim Tilstter Str. 4— S. 10. Krei» Zehlendors: Arthur',z Uhr, Linbenstr. S, 2. Hof II, Zimmer U. Dienstag, 27. Oktober. Zentrolkursus: KSlh« Kern?„Das organisatorische Leben der Sozialbe«». krati« in Bergangenheil und Gegenwart". 19 s-, Uhr, Linbenstr. S, Z. Hos ll. Zimmer 11. Sinfiihru«,sk«rse: 3. Krei, Weddina: Dr. I. Schlesinger:„Grund- begriffe der Wirtschaft", 20 Uhr. Lesehalle. Schönstedtstr. 1. 4. Krei» Prenzlaner Berg: Mathilde Wurm:„Die Frau in Wirtschaft und Politik". ISH Uhr, Schule Danziger Str. 38. 13. Krei- Tempelhof: Dr. Hans s p e i e r:„Das sozial« Antlitz Deutschlands nach dem Kriege". IS's Uhr, Lvzcum, Germania. Ecke Sögstraße. U. Krei« Neukölln: Dr. Ernst Bock:„Das Jahr 1SS1— Problem« der Außenpolitik", 20 Uhr, Jugendheim Bergstr. 30. 30. Kreis Wittenau: Dr. Arkodij(Surland:.JUassenIümpf um den All» tag". Reue Schule, Hauptstratzc. �. - Die Bibliothek der Arveitcr.Bilduoaskchplc, Linbenstr. 3, 3. Hof. Aus« LlBteppen, ist gcöstnel: Montag, Dienstag, �»uuoratog. greitag. von 4" Sie steht alle» Mitgliedern der Partei u:id EAJ. kostenlos zur Nächsten Donnerstag wieder Stadtverordnetenversammlung. Am nächsten Donnerstag, den 29. Oktober, findet wiederum eine ordent- liche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung stall. Die Vorlage über� die Grundstückskäuse anläßlich der Untergrundbahnbauten und über die Verteilung her dadurch entstandenen Kosten zwischen der BVG. und der Stadt, die längere Zeit in einem Ausschuß vorberaten worden ist, stehen auf der Tagesordnung, des weiteren mehrere An- träge in zweiter Beratung. Insgesamt umsaßt die Tagesordnung 16 Punkte. Georg Kunze geht um! In der 57. Abteilung, Charlottenburg, sammelt das e be in a l i g e Parteimitglied Georg Kunz« die Parteimitglicdsbüchcr von unseren Genossinnen und Genossen und versucht auf diese krumme Art und Weise neue Mitglieder zu gewinnen. Da dieser Trick auch in anderen Parteiabteilungen ver- sucht wird, warnen wir unsere Genossinnen und G c n o s s e n auf das nachdrücklichste, ihre Mitgliedsbücher abzugeben. AJbvnck« Fern e iii p fang' mit einem echten Telefunken-Apparat, dem 100000-fach bewährten 3-Röhren-Empfänger mit Selektions- Wähler ' TELEFUNKEN 33 fürW tebstlitrom nur RAI/— t.inscbließlicb Röhren für Gleichstrom nur RAI 109,— einscbließlicb Röhren Im Klang und im Äußeren ein Apparat für Anspruchsvolle. Darum einen ebenbürtigen Lautsprecher: ein ARCOPHON! Dieselben Empfanger erhalten Sie auch mit eingebautem Lautsprecher TELEFUNKEN DIE DEUTSCHE WEITMARKE Neuland steigt aus dem Meer. Siedlungen im Schwemmland des Irischen Haffs. Die„Nogathaffkampen", ein zirka 1500 Hektar großes Schwemmland an einem Aiündungsorm der Nogat ins Frische Haff, find in den letzten Jahren aus staatlichen Mitteln eingedeicht worden. Durch die Errichtung von Dämmen und Schöpfwerken zur Senkung des Wasserspiegels wurde die Gefahr der Ueder- schwemmnng beseitigt und fruchtbares Ackerland geschaffen. Auf einem 700 Hektar großen Teil dieses Schwemmlandes wurden A0 Bauern angesiedelt, die schon in diesem Jahre eine reichliche Futterernte hereinbringen konnten Ein anderer Teil des Geländes, der zirka 400 Hektar große � sogenannte„Wcstwtnkcl", ist ebenfalls eingedeicht und wird mit zirka 25 Siedlern besetzt werden. Wo eben noch Sumpf- und Wasservögcl und Wildenten nisteten, werden in kurzer Zeit schmucke Häuser sicher. Sobald der West- winket befiedelt ist, wird man weiteres Gelände für die Befiedelung erschließen, da man sich gerade an dieser Stelle und auf diesem Boden besondere Erfolge verspricht. Berufsschule in Notzeit. Berlins Stavtschulrat Genofie Nydahl sprach in der Sitzung der sozialdemokratischen Berufs- und Fachschullehrer über Volks- schul- und Berussschulprobleme der Notzeit. Eltern, Schüler und Lehrer ringen um den Bestand der Schule. Referat und Aussprache bewiesen, daß wir m einer Zeit stärkster Schulreaktion leben. Wie weit ist du Schulreaktion heute schon vorgedrungen? 100 unserer besten jungen Lehrer sind infolge der Sparmaßnahmen brutal aufs Pflaster geworfen und fallen der Wohlfahrt zur Last. Lebensfrohe Jugendkraft wird damit aus den Schulräumen ver- bannt. Klassenfrequenzen von 35 und mehr machen jeden prak- tischen Fachunterricht illusorisch und schließen eine erzieherische Ein- Wirkung auf die durch die Notzeit aufgepeitschten Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren fast aus. Wo bleibt bei diesen Fre- «suenzen neben der erdrückenden Stoffülle unserer„technischen Zeit" ein individuelles Eingehen auf die seelischen und materiellen Nöte unserer Jungarbeiter? Und das alles durch Drosselung einer Schule, durch die 90 Prozent unserer werktätigen Jugend geht. Da- bei„kostet" die Stadt Berlin ein Jungarbeiter 75 Mark, ein höherer Schüler 625 Mark und für einen randalierenden Studenten zahlt der preußische Staat gar 1400 Mark. Gibt es-bei allen zwingen- den Sparmaßnahmen gar keine konstruktiven Gedanken? Den Weg zeigte Genosse Stadtschulrat Nydahl in dem organischen Ein- heitsschulaufbau des sozialdemokratischen Schulprogramms. Moskau studiert Berlin. Die Vertreter der Moskauer Stadtverwaltung, die sich seit Anfang dieser Woche in Berlin befinden, wollen hier städtische Einrichtungen studieren. Von den städtischen Einrichtungen inter- essiert in erster Linie die Lösung des Berkelzrsproblems in Berlin, da Moskau die Absicht hat, eine Untergrundbahn zu bauen und seine Verkehreonlagcn entsprechund der Bevölkerungszunahme wesentlich zu vergrößern. Weiter haben die Gäste den Wunsch ge- äußert, die Wasserversorgung Berlins, den Straßenbau, die Straßenbeleuchtung, die Stadtentwässerung. Müllabfuhr und Etraßenreinigung sowie Siedlungen kennenzulernen. Aus der Partei. Dildungsveranstaltungen für Erwerbslose. Das Thema der C r w e r b s l o s e n s ch u l u n g steht im Augenblick im Mittelpunkt der volksbildnerischen Diskussion. Einen wertvollen Beitrag hierzu liefert der Fachbcarbeiter für Volks- bildungsfragen im Reichsministerium des Innern, Dr. V. Engel- Hardt, im Oktoberheft der„Sozialistischen Bildung". Ausgehend von der Rotlage der erwerbslosen Jugend schUdert"er besonders die Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung der erwerbs- losen Jugendlichen. Dos allgemeine Problem der Erwerbslosens6)ulung findet in dem im gleichen Heft veröffentlichten Bericht über die Rcichsbildungs- konferenz vom 3. Oktober eine eingehende Beleuchtung. Bon größter Aktualität ist ferner ein Artikel von K. Lowcnstein:„Mit der Partei für den Sozialismus"(in der Beilage„Sozialistische Erziehung"), in dem er im' Namen der sozialdemokratischen Lehrer und Liindersrennde in der entschiedensten Weise gegen die Absplitterungstendenzen Stellung nimmt. Dem 100. Todestage Hegels, am 14. November, ist ein Aufsatz van M. Lange:„Hegel und der Sozialismus" gewidmet, der gleichzeitig auch eine lleberficht der wichtigsten" einschlägigen Literatur enthält. Die Beilage„Bücherwarte" bringt u. a. Be- sprcchungen zahlreicher Kinder- und Jugendbücher. Zport. Rennen in Grunewald Sonnabend, 24. Oktober. Preis von Aachen. 1. Elsaß(Narr): 2. Rosenau: 3. Ostcrfreude. Toto: 34: lg. Platz: lg, 12: lg.(Zcrncr liefen: Rmufcs(4.). Ostkind. Preis von Äöln. 1. Tarquinius Superbus i�tarosta): 8. Gbazi: 3. Rochus. Toto: 36: lg. Platz: 16. 18, 55: lg. Ferner liefen: Reichs- mark lt.), Markgraf, Walzertraum, Laotse, Teutschc. Preis vom Drachenfels. l. Amön(Grabfch): 2. Auswahl: 3. FeNa. Toto: 88; 10. Play: 24, 23, 40: 10. Ferner liefen: Wratislavia(4.), PorcaS, Terwisch, Kruzitürken, Prinzessin Pmnpfia, Minncland, Epona, Posse. Preis vom Riederwald, l. Bolumnius(Pinter): 2. Faro.i 3 Jlos. Toto: 15: 10. Platz: 10, 10: 10. Ferner lief: Margherita d'Arczzo. Rhciuland-Preis. 1. Graf Jfolani(Printen«: 2. Avanti: 3. Orion. Toto: 12: 10. Platz: 10, 10: 10. Ferner lief: Lateran. Preis der Pfalz. 1. Janus(O. Schmidt); 2. Palastpagc: 3. Goliath. Toto: 20: 10. Tret liefen. Preis von Mainz. 1. Ad arenam(O. Schmidt): 2. Jambus: 3. Wunder- blumc; 4. Fiametta. Toto: 62: 10. Platz: 14, 14, 17, 15: 10. Ferner liefen: Fatinre, Dominikaner, Polydor, Steinfcld, Loc, Patriarch, Attache, Göttersage, Lysander, Tramonto. Vorträge, Vereine und Versammlungen »Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". SeschiiktZN-ll»: Rellin S 14 Sebaliianktr 87—38 So'?. Se Gaiioorstand. Jeden Dienstag findet in der Turnhalle Albrecht» straße 20 ab 28 Uhr ein Lchrkurlns für Gymnastik, Jiu-Jitsu und Dören statt.— Sonntag, 23. Oktober. Zriedrichshain(Vortrnpo): ll'/j Uhr Wcbcrwicsc(Normaluhr).— Montag, 26. Oktober. Zriedrichsboin lSnngba): Im bekannten Jugendheim Referat des Kam. Vreadcl:„Was lehrt uns Braun- fchweigZ"— Charlottenbnra, Kameradschaft Zoo: 20 Uhr Mitalicderoersamm- Iu»g bei Arndt. KantNr. 51. Referent Kam. Falk von der Ncpublikanischeu Beschwerdestelle:„Kampf um die Republik".— Dienstag, 27. Oktober. Kreis Süden: 20 Uhr Borstandssitzung im Gaubiiro. Prenzlauer Berg(Iungba): 20 Uhr Zusammenkunft an bekannter Stelle.— Mittwoch, 28. Oktober. Frlcd- richshoin: 19% Uhr im Jugendheim Ebcrtystr. 12 lSaal«. Zehlen, borf(Ortsverein): 20 Uhr Mitgliederversammlung Lokal Schneider, Potsdamer Straße. Winterfportabteiluag: 20 Uhr Klubabend im Kasino des Stadions an der Aous. Für uufsre Mitglieder Ping.Pong kostenlos.— Neukölln. Britz. 8. Kameradschaft, Zug Ebert: Montag, 2V. Oktober, 20 Uhr, Mitgliedcrversamm. lung bei Wescnick, Nogat str. 43— 44. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Derlln. Geschäslsslelle: P. Schneider. Berlin JXO. 55, huselandstr. 31. 4. Bezirk: Da der Freie Vollschor Tegel aus dem DASB. ausge- ---------- schieden ist, haben sich Parteigenossen entschlossen, einen neuen Männerchor zu gründen unter dem Namen Männcr-Chor„Liederfrennde" Tegel und Umgegend. Mitglied des D-ASB. Der Chor hält seine Uebungsstundcn jeden Montag von 20—22 Uhr bei �ewark, Tegel, Bahnhofstr. 1, ab. Allgemeine Wetterlage. ».Okt. 493-1 abds. 'f 7Ji' 7SV 0\«fken)os.O heiler. 9 dalb bedeckt 9 wolkig.« bedec K« Rege n�Grajpeln Schnee,5Neb8l,T.Gewikfec®Wndsfi!ie lieber Deutschland lag am Sonnabend ein ziemlich kräftiges Tiefdruckgebiet. Es brachte fast allgemein im Reiche aichaltendc Regenfälle. Bemerkenswert waren die Temperaturunterschiede, die im Bereich des Tiefs herrschten. In Sachsen und Süddeutschland wurden mittags trotz stärkerer Bewölkung 18 Grad gemessen. während im Nordwesten, Norden und Nordosten gleichzeitig nur 5 bis 8 Grad beobachtet wurden. Der Kern des Tiefs wird Nordost- wärts abziehen und am Sonntagmorgen etwa über dem nördliche» Polen und Litauen liegen. Wir müssen also damit rechnen, daß wir in den Bereich der Rückseitenströmung der Depression gelangen. -tz Wclteraussichlen für Verlin. Ncbergang zu veränderlichem Wetter mit zeitweise aufreißender Bewölkung, zunächst etwas bälge, später abflauende nordwestliche Winde: Neigung zu einzelnen Schauern.— Für Deutschland. Im Nordosten noch meist trübe und regnerisch, in Mitteldeutschland wechselnd bewölkt, vereinzelt Schauer, im Süden und Südosten veränderlich mit Abkühlung, im Westen und Nordwesten Beruhigung. Nachtfrostgefahr. Leifrcigsi' Sir.(Versand-AbL) Königstr. Rosenthaier Str. Moritzplatz Vorn 26. Olclob. tis 3. Nov. irti Miffel-LicMliof, Leipzig« Sftr. 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Bunt Porzellan Frühstücksgedecke 3 Telia, Blumendekor 0.45 0.60 Frühstücksgedeck, bunt, 3 Teile U«VO Frühstücksservice 5 Teile, für 2 Personen Katfeeservice.„, � 9 Teile, für 6 Person. 2.0Ü T afelservice« teil. 15.75 Tafelservice 4s Teil. 36.00 Tafelservice meite f. l2Perj� m.V, Goldhenkel Ooi.vv/ -t-, mit Goldrand rv ic J dSSe oder dekorier» blau Band mit Coldlinio Spelseteller"Viech" 0.60 Dessertteller.... 0.35 Salatiere....... 1.10 Bratenplatte.... 1.10 Sauciere...... 1.10 Maria-Weih zu Sonderpreisen Steingut Kaffee- od. Teeservice verschied. 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Am Sonnabendabend sprach Genosse chilferdmg für die„Freie Sozialistische chochschulc" im überfüllten Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses über das Thema„Die Krise der kapitalistischen ..Lreditorganisation". Wie es zu der heutigen Weltwirtschaftskrise gekommen ist. zeigte der Redner in weitausholenden, interessanten Darlegungen. Der heutige Zustand hat sich herausgebildet aus der zwangsläufigen Entwicklung des Kapitalismus zur„Herrschaft des Finanzkapitals" und zum andern aus der Unterbrechung der wirtschaftlichen Eni- Wicklung durch die„außerökonomische Gewalt des Krieges". In der Vorkriegszeit war der Kapitalismus in die Periode des (Imperialismus eingetreten. Die Konkurrenz, in früheren Zeiten das wesentliche Element des Kapitalismus, war durch eine Einigung der Unternehmen über ihren Anteil am Absatz weitgehend ausge- schaltet. Dabei hatten die Banken stark mitgewirkt, da sie durch hohe Kredite an allen Unternehmen interessiert, wemr man nicht sagen will— beteiligt waren. Der Kapitalismus hatte sich monopolistisch organisiert: er suchte durch Schutzzölle das Inlands- Monopol zu sichern und den politischen Einfluß der Staatsmacht für den Kapitalexport in fremde Länder auszunutzen. Der Krieg unterbrach alle wirtschafllichen Beziehungen zwischen den einzelnen Bolkswirtschaften. Aus dem Bestreben, die eigene Produktion kräftig zu steigern, folgte eine Erweiterung der Agrar- Produktion in aller Well und die Industrialisierung der Uebersee- länder. Technische Fortschrille kamen zunächst in den vom Krieg unberührten Ländern(Vereinigte Staaten) zur Einführung. Die europäischen Länder konnten sich erst nach Abschluß des Krieges und nach Ueberwindung der Währungswirren diese Fortschrille zu eigen machen. Die technische Umstellung brachte den europäischen Ländern in den Iahren tSSM und 1929 eine Inoestitionskonjunktur. Die wichtigste Ztriegsfolge aber war d i e Aenderung der Kreditbeziehungen zwischen den einzelnen Ländern. Dafür das eine Beispiel der Vereinigten Staaten: Im Jahre 1913 hatten die Bereinigten Staaten im Auslande Kapitalsanlagen in Höhe von 10 Milliarden Mark. Sie schuldeten aber an Europa 16 bis 20 Milliarden Mark. Nach dem Krieg« hatten die Vereinigten Staaten an die europäischen Regierungen Forderungen in Höhe von 25 Milliar- den, dazu private Forderungen im Betrage von 65 Milliarden Mark: dieser Summe von 90 Milliarden Mark Forderungen stehen nur 20 Milliarden Mark Schulden gegenüber. Wichtiger noch ist viel- leicht, daß die Kapitalisten ihre Gelder ans Ausland wegen der Unsicherheit nach dem Kriege nicht mehr wie früher langfristig, fon- dorn kurzfristig ausliehen. Diese Kapitalien wurden aber von den Schuldnerländern als Anlagekapital benutzt, also langfristig fest- gelegt: wie es ökonomisch nicht anders möglich war. In das Jahr 1929 fällt nun der Beginn der Weltwirtschafts» krife. Sie begann bei der Rohstoffprodukllon: die Preise für Metalle und andere Rohstoffe(Kautschuk), wie für Agrarprodukte, stürzten in nicht gekanntem Maße. Ganz Südamerika aber ist wirtschaftlich von der Ausfuhr dieser Rohstoff« abhängig. Mit dem Preissturz dieser Rohstoffe fielen die Einnahmen der südamerikanischen Länder, was nicht ohne Rückwirkung auf die Staatfinanzen blieb. Sehr bald konnten die Zinsen und Rückzahlungssummen auf die Anleihen nicht mehr gezahlt werden, was ein Ueberspringen der Krise auf die Gläubigerländer, in erster Linie England und Bereinigte Staaten, bedeutete. Nachdem die beginnende Krise ganze Länder(Südamerika, Süd- Osteuropa) ergriffen halle, oersuchten die Banken in aller Welt, ihre Kredite aus diesen Ländern zurückzuziehen. Das gleiche geschah. als nach dem Zusammenbruch der Oesterreichischen Credll-Anstalt das Mißtrauen in die österreichisch« und in die deutsche Wirtschaft . riesig anwuchs. Aus Deutschland wurden im Juni und Juli drei bis vier Milliarden Mark kurzfristige Auslandskredite abgezogen, bis das Stillhalteabkommen den Abziehunges ein Ende berettets. Dadurch konnten englische Banken beispielsweise ihr Geld aus Deutschland nicht zurückerhollen. Da Englands kurzfristig« Verpflichtungen(in erster Linie an Frankreich und die Boreinigten Staaten) um fünf Millionen Mark höher als sein« kurz- fristigen Forderungen sind, entstanden nunwehr Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Englands. Die Abziehungen kurzfristiger Kredite aus England führte dazu, daß der Goldstandard aufgegeben werden mußte." Und weil die kurzfristigen Schulden der Vereinigten Staaten an Frankreich, Schweiz und Holland um etwa i'A Milliarden Mark höher als die Forderungen an diese Länder sind, sind jetzt auch die Vereinigten Staaten in Schwierigkeiten geraten. Die Weltwirtschaftskrise hat also ihren Anfang und ihren Grund in einer Produktionskrise. Was die heutige Weltwirtschaftskrise so ungeheuer verschärft hat. ist die Tatsache des Zusammenfallens von Agrarkrise und Industrie krife. Wenn nun die Krise ins Sta- oium der Kreditkrif« eingetreten ist. dann deshalb, weil die finan- ziollen Verbindungen zwischen den Ländern sich gegenüber der Vor- kriegszell geändert haben, weil die Ausleihungen von Kapital nicht mehr langfristig, sondern kurzfristig erfolgt sind. Bei der Kreditkrise handelt es sich also in keiner Weise um einen Mangel an Zahlungs- milleln, wie es das Beispiel der Verewigten Staaten lehrt, die trotz niedrigster Zinsen und groß« Gold- und Geldsülle von der Krise nicht verschoill blieben. Es ist also auch völlig unsinnig, eine Krisenheilung durch Währungsexperimente, durch irgendeine infla- tionistifch« Vermehrung der Zahlungsmittel versuchen zu wollen. Eine Milderung der Kreditkrise könnte vielleicht erreicht werden, wenn Frankreich und die Bereinigten Staaten ihren Goldschatz benutzen würden, die kurzfristigen Kapitalverpflichtungen der Länder zu stabilisieren, das heißt in langfristige umzuwandeln. Siraßer will nicht enteignen. Verbeugung vor der„privatwirtschastlichen Energie". Wie lange ist es her. daß die Nationalsozialisten für die Eni- eignung des„raffenden Kapitals" schwärmten, ja daß sie sogar im Reichstag in Anllagsform die„Enteignung der Bank- und Börsen- forsten" verlangten! Am Freitag hat aber mm Gregor Straßer im Sportpalast gesprochen und die nationalsozialistische Forderung von gestern in aller Form widerrufen. Darüber berichtet der„Verl. Lokol-Anzeiger": Der Abgeordnete Straßer erklärte dann noch über die wirt- schaftspolllischen Ziele der Nationalsozialisten, daß der national- sozialistische Staat nicht enteignen werde. Er müsse mit der privatwirtschastlichen Energie arbeiten, ober die Wirtschaft im nationalsozialistischen Staat erhalte eine Verantwortung, die größer sei als jetzt., Dem„Berliner Lokal-Anzeiger" Hugenbergs scheint dieser Passus so wichtig, daß er die entscheidenden Wort« sogar in Fettdruck wiedergibt. Um so auffallender ist. daß man in dem viel ausführ- licheren Bericht de« nationalsozialistischen„Angriff" auch nicht die kleinste Spur von ihm erblicken kann. Ein Raliovalsozialist Präsident der bremischen Bürgerschaft. Die bremische Bürgerschaft wählte am Freitag an Stelle des von seinem Posten zurückgetretenen sozialdemokratischen Präsidenten Osterloh in der Stichwahl den nationalsozialistischen bisherigen BiZeprästdenten Dr. Backhaus zum Präsidenten der Bürgerschaft Braunschweiger Ordnung Am Hitler-Tag herrscht musterhaste Ruhe und Ordnuug. Auch der Kommandeur der Reichswehr kann keine Verletzung der Ordnung erblicken. Für das weitere, soweit es noch nötig ist, sorgt der Innenminister. Und nun ist bestimmt alles in Ordnung! Die im Dunkeln sterben... Grauenhaftes aus den italienischen Kerkern. Locaruo, 2i. Oktober.(Eigenbericht.) L au ro de Basis ist in der Helle gestorben,„unendlich Licht mit seinem Licht verbindend"— nur der weit« Himmel und das endlose Meer sahen sein Ende. Die Menschen sind erschüttert von solchem Sterben. Aber die Kämpfer gegen den Faschismus sterben nicht nur dieses leuchtenden Todes, dem die Welt ihre Aufmerksamkeit nicht versagen kann. Man stirbt unbekannt und unbewundert in der dunklen Enge der Gefängnisse, stirbt ohne den jähen Absturz aus der Höhe, langsam zu Tode gemartert. Und in seiner brutalen Gräßlichkeit ist auch dies ein Werben für ein Ideal, von dem sich die öffentliche Aufmerksamkeit um so weniger abwenden darf, als es sich hier um Verbrechen handelt, die der Faschismus hinter Gefänznismauern begeht.• Don den politischen Gefangenen in Lncona haben die Familien s«'t zwei Monaten keine Nachricht mehr. Man weiß, daß sie in einen Hungerstreik getreten sind, daß bei der Ernährung mit der Sonde mehrere schwer verletzt wurden und daß die meisten. trotz ihres elenden Gesundheitszustandes, bei Wasser und Brot in Einzelhaft sitzen. Unter den Opfern befindet sich der kommunistische Abgeordnete March ioro und der Anarchist Boldrmi. In Trieft ist «in junger Arbeiter im Polizeigefängnis gestorben, Mario Orlando, an den Folgen der Mißbandlungen, durch die man ihm Geständnisse zu erzwingen suchte. Die Mutter wurde zuletzt zu dem Sterben- den zugelassen, der bis an den Hals zugedeckt war. Als st« ein wenig die Decken lüftete, sah sie den von Vunden bedeckten Körper des Sohnes und brach in furchtbare Verwünschungen aus. Man zerrte sie fort und ließ den sterbenden Burschen allein auf seiner Pritsche. Im berüchtigten Kerker Regina Coeli in Rom ist der Kommunist Amanzio Biagioli an den Folgen der Tortur gestorben. Besonders entsetzlich ist der Fall des jungen Anarchisten Doro Raspollini aus Spezia. Raspollini war noch ein Kind, als die Faschisten seinen Vater in grauenhafter Weise ermordeten: sie banden ihn an ein Auto und schleiften ihn durch die Stadt, bis er den Geist aufgab. Dies Bild grub sich in das Hirn des Knaben und als er siebzehn Jahre war. verschafft« er sich einen Revolver und schoß den Schuft tot, der das Auto geführt hatte. In Er- Wartung des Prozesses ist nun der Rächer seines Vaters im Ge- fängnis gestorben. Als die Verwandten sich zum Begräbnis ein- stellten, erfuhren sie, daß Raspollini schon begraben war. Mitge- fangene oersichern, er wäre unter der Folter gestorben. Andere haben die Schmerzensschreie gehört, die die Tante de» Anarchisten, die wegen Mitschuld oerhaftet ist, ausgestoßen hat. Das Entsetzliche ist, daß all die. die in der Untersuchungshaft gefoltert werden, nie wieder die Freiheit erlangen. Solche Zeugen dürfen nicht leben bleiben. Einige Schandurteile, die Verurteilung von Vinciguerra zu fünfzehn Jahren Zuchthaus, die Verurteilung Contrans zum Tode, obwohl für diese Urteil« kein Grund vorlag, erklären sich einzig daraus, daß diese Leute ge- foltert wurden und als Zeugen gegen das System beseitigt werden müssen. Warum treffen vor dem Ausnahmegericht immer die befand«? schwere Strafen, die in der Hauptverhandlung„Ge- ständnisse" der Voruntersuchung widerrufen? Weil es sich um 'Aussage,, handelt, die durch Mißhandlungen erpreßt worden sind. Mochte doch etwas von dem Interesse, das sich der Tat von Laura de Basis zuwendet, auch für dies« obskuren Opfer absallen! Und für die. die kein Meer mitleidig aufnahm, die lebendig den Schergen in die Hände fielen, wie Domenico Lovone, dem tu Genua ein« Bombe unter den Händen explodiert«, wobei er beide Arme j verlor. Di« Mutter wie« die von außen herbeietlenden Helfer mit der Bemerkung zurück, es sei nur eine harmlose Gasexplosion, und versuchte das weitere Sprengmateriol zu verbergen, ehe sie dem blutüberströmten Sohne zu Hilfe eilte. Dabei fand sie durch ein« zweite Explosion selbst den Tod. Der Sohn wurde verhastet,«eiler acht angeblich« Mitschuldige, darunter auch die Braut de» Bovone, eine Oesterreich«!» mit Namen Margaret« Bloha. Soll sich für diese Märtyrer keine Stimme erheben, nur, weil si« keinen Glorienschein, keinen Lorbeerkranz haben? Soll kein Interesse des Auslandes in das undekorative Dunkel der safchisti- scheu Gefängnisse dringen? Neuer Mussolini-Terror angekündigt. Gedenkfeier des Marsches auf Rom. Rom. 24. Oktober.(Eigenbericht.) In Neapel feierte der Faschismus in Anwesenheit Mussolinis den Tag. an dem vor neun Iahren am gleichen Ort der Marsch auf Rom beschlossen worden ist. In einer Rede erläuterte Mussolini die internationalen Ereignisse der letzten Zeit. Er beschäftigte sich besonders mit der politischen und wirtschaftlichen Krise. Bei de? Behondlung von Parteiangelegenheiten befohl er größte Streng« gegen alle Ueberreste des Anti- f a f ch i s m u s. Auf dem Bauche vor dem Schah. Wie das Auswärtige Amt»nationale" Würde wahrt. Unter den wenigen hundert Persern, größtenteils Studenten. die es in Deutschland gibt, wird eine Zeitschrist(„Pclar", der Kamps» »erbreitet. Ihre Aufgabe ist es, Aufklärung über die Diktatur- Herrschaft des Schahs von Pcrsicn zu verbreiten und für eine persische Republik zu werben. Dieses, in persischer Sprache gedruckte Blättchen ging dem persischen Selbstherrscher auf die Nerven. Er verlangte die Unterdrückung des Blattes und die Aus- Weisung des jungen Herausgebers. Er soll dabei damit gedroht haben, den neuen deutschen Gesandten in Persien nicht zu empfangen und seinen eigenen Gesandten zurückzurufen, wenn die Reichs- regierung seinem Wunsche nicht nachkäme. Nach einigem Hin und Her ist die Ausweisung dann auch erfolgt. Für diese Nachgiebigkeit werden die deutschen Handelsinteressen ins Feld geführt, die nicht hätten gestört werden dürfen. Dabei hätte Persien an dem Verlust des deutschen Absatzgebietes weit mehr verloren, als Deutschland an der persischen.(Deutsche Ausfuhr nach Persien 9 Millionen Mark, persische Einfuhr nach Deutschland 36 Millionen Mark im letzten Jahr.) Aber es hätte dem Schah sofort von vornherein klar gemacht werden müssen, daß es ein Afylrecht gibt und die Reichsregierung sich zur Unterdrückung der politischen Meinungsfreiheit nicht hergibt. Die Konsequenzen dieser Schwäche vor den Wünschen eines orientalischen Potentaten sind auch schon eingetreten: jetzt wird auch schon gegen deutsche Schriftsteller eingeschritten, weil sie Berichte über Persien und seinen Herrscher veröffentlichten. So soll die „München« Illustrierte Zeitung" erklären, daß sie mit einem bei ihr erschienenen Aufsatz von Leo Mathies sich„nicht identifiziert". Jetzt soll die preußisch« Polizei sogar die Aufenthaltserlaubnis für einen Offizier des persischen Kriegsministeriums erteilen, der nach Deutsch- land entsandt wird, um die hier lebenden Perser zu bespitzeln! Wir verwahren uns gegen diese Art, aus dem Ressortintereste an guten diplomatischen Beziehungen zum Pcrserschoh sich in die polizeiliche Aussicht über die Fremden hineinrede» zu lasten. Würden derartige Praktiken auch in anderen Fällen gebräuchlich, so hieße das, daß auf Wink« von Moskau, Warschau oder Rom hin. die russischen, polnischen oder italienischen Emigranten aus Deutschland auszuweisen wären! Der ganze Vorgang ist um so beschämender, als z. B. der Regierung Frankreichs gegenüber ein derartiges Verlangen vom Perserschah niemals auch nur gestellt worden Ist, obschon dort viel« Tausende von Persern lebe» und die dortige Propaganda bestimmt nicht mtt sanfteren Ausdrücken geführt wird. Der Landtagsabgeordnete der Wirlschaftsparlei im Wahlkreis Frankfurt a. d. Oder-Grenzmark, Buchdrmkcreibesitzer Lldolf L e o n- Hardt, hat, wie der Demokratisdhe Zeitungsdienst mitteilt, seinen Austritt aus d« Wirtschastspartci erklärt. Er ist der Deutschen Staatspartei beigetreten und so Mitglied der staat»- parteilichen Landtags sraktto» geworden. Krauenveranstaliungen. 2. flrcf«. Ä�ontag. 26, Oktober, im bekannten Lokal, erster Abend der Arbeitsgemeinschaft der Genossin SOlatbildc Wurm, M. d. R. 7. Arcis. Donnerc'toa. 29. Oktober, im Iuncndbeim«osinenstr. i,..Ehe und Familie in der sozialistischen Gesellschaft". Referent Dr. ö'vurt Löwenstein, M. d. R. 18. Ärois. Montay, 26. Oktober, in der Aula der 8. Weltlichen Schule. Park- straße, Werbcvcranstaltung. Sing- und Eprechchor der Äinderfreunde. Ansprache der Genossin Hertha Golthelf. Voltetänze, ynmnastifche llcbtnr gen de-., Freien Sportvereins Weißensee. Borfithtung des Films„Lohn- bnchhalter Kremke". Montag, 2v. Oktober. 3. Abt. Im Saal Z dca E>-w>'rlschaftsIia:iscs, Engclnfer, wichtiger Aussprache� abend. 4. Abt. 20 Uiir bei Brandis, Ctralaner Str. 10.„Wie stellt es mit der «bleichberechtiguna der Frau im Ztecht?" Referent?r. Alberl Baee, Rechtsanwalt??ie»siag, 27. Otlobcr, Besuch des Zrauexgcsangnijscs in der Bornimstrafte. 5. Abt. 20 Uhr im Rosenthaler L>of, Roscnthalcr Str. ii 12,„Bebel und seine Zeit". Referent De. Mar Schiitte. 7. Abt. 20 Uhr bei Pctran, Schlegclstr. 0,„Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung". Rcfercntin Hcunh Iabueznnsli. Die Mitgliedsbücher lind g»r Kontrolle vorgugcige». b. Abt. Bei Richert. Stcimnetzstr. lltia.»?ic Bedeutung des Konsums". Rcfs. retit ibe nasse Schubari. lt. Abt. Im Swinemiinder Sc!ellsa>!slia»s. Swinemiitider Str. 42,„Saus- tra» und Wirlschaftstrisc". Rcferentin Helene Schmih. M. d. i. 13. Abt. Bei Lenz. Demminer Str. Itt.„Bürgerliche und proletarische Frauen- bewrgnug". Rcfercntin Rora Henker Ib. Abt. Bei Leiischner, Ackcrstr. II».„Russische Probleme". Rcfercntin Margarete Schenkalowsti. 17. Abt. Bei klinge, Scllerstr. 14.„Zweck und Ziel der Kindcrfreundcbcwc- gu ng". Referentiii Martha Lehmatin. 18. Abt. Bei Sachse, Lindower Str. 2t,„Die Bedeutung des Konsums". Rcscrensin>S»noIsin Bicite. Ib. Abt. Fu der rote» Schule. Gotcnburger Str. 2,„Die Frau im neuen Rußland". Rcseren.tin Eisbeth Wrichmnit». 24. Abt. Bei Hei buhl i. Bangiger Sir. 46,„Strcifgiigc durch den Orient". Rcserrntt» Erna Biising. 24, Abt. 3. Kruppe. Bei Wengte. Carmen.Snlva-Etr. öl,„Auswirlung der Aiirtstskrise auf den Arbeitcrhanshatt". Reserenlin Elvira Kriiger. 23. Abt. Bei Schmidt, Kniprodestr. 100 Ecke Kurischc Straße, 1. Abend: „Tie organisatoriscktcn und progrommalischrn Ärundiagcn der Partei". Reserenlin Käthe Kern. 27. Abt. Bei Reeg. Sonncnburgcr Str. 1,„Was ist Sozialismus?" Rcse» renk Wilhelm Miethse. aa. Abt. Bei Seiftert, Vavvelollee 43,„Die Frau und die Wirtschaftskrise". Referentin Frida Gladosch. 32. Abt. Bei Schmidt. Fruchtstr, 3si->,„Politik und Wirtschaft im Zeichen der Krise". Referent Karl Drefsel. 33. Abt. Bei Wrrtalla. Hohcnlohcstr. 3,„Sozialistische Lebenogestaitung". Referent Alfred Donidrn. 34. Abt. Bei Rrumantt, biubrner Str. 4."',„Der Kampf der Sozia Idruio- kratic grgcn die Rroktion". Referent Genosse Hart'isch. M. d. L. 33. Abt. Bei Mitt. Boigtstr. 38,„Die Frauen und die Wirlschastskrise". Resrrent Georg Schul Hr. 36. Abt. Bei Busch, Tilsiter Str. 27,„Kampf der Sozialdemokratie gegen die Reaktion". Referent August Niemann, 37. Abt. Fn der Paßenbofer Brauerei, Landsberger Allee 2t'23,„Warum ge- hört die Frau in die Sozioldcmokmtischc Partei?" Rcferentin Gertrud Hanna, M. d. L, 38. Adt. In der Patzcnhoscr Brauerei, Landsberger Allre 24 2Z,„Der Kamps der Sozialdemokratie gegen die Reaktion". Referent Eenoffc Eduard Zachert. M. d. L, 39. Abt. In der Juristischen Sprechstunde, Lindensir, 3.„Was ist und was will der Sozialismus? Refcrentin Dr. Klara Hcnrique, 41. Abt. Bri Erdmnnn, Bellc-Alliance-Siraßc Ecke Bcrgmannstraßc,„Poli< tische Satire". Vortragender Hans Fuhrmann. 42. Abt. 20 Uhr bei Hiihlkc, Bcrgmannstr. 60,„Politische Zcitfragcn". Rcse, rcntin Paula Kurgaß. 43. Abt. Bei Krepp, Planufer 73/76,„Eegenwartsoufgabcn der Partei". Referent Mar Brinitzer. 44. Ab». Bei Ewald, Skolißcr Str. 126,„Klassenkampf und Demokratie". Refe. rentin Minna Todcnhagcn. 45. Abt. Bei Winczicr, Reichcnberger Str. 104,„Balksnot und Volksgcfund- keit". Referent Dr. Edgar Strisiver. 46. Abt. In der Schule. Gärlißer Str. 21,„Warum sind Millionen ohne Arbeil? Resercnt Hans Bauer. 48. Abt. Bei Tcßloff. Ritlerstr. 33,„Die Frau in Wirtschaft und Politik". Refcrentin Ella Kap. 31. Abt. Bei Schcllhase, Königin. Elisabeth. Str. 6,„Polksnot und Volks. gesundheil". Rcferentin Dr. Frida Alerandcr. 33. Abt. Bei Hanipel. Ufenau. Ecke Sichingenstraße.„Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den A rdci t-rhausha I t". Rckcrent Heinz Löwi. 32. Ad«. Bei Reimer. Wilmcrsdorfer Str. 21,„Arbeiterfrau und Sozial- dngienr". Rcferentin Renne Wcider. 67. Abt. 20 Uhr im Bahnhofsrestanrant Wurzbaehcr,„Unser Kampf gegen den K 218". Rcfercntin Dr. Käthe Frankcnthal. 69. bis 72. Abt. Bei Kulka, Laucnbnrger Str. 21,„Hausfrau und Wirtschafts. krisc" Refercntin Else Scheibenltuber. <9�. Abt. 20 Uhr im Ledigenheim«Frau und Sozialismus". Rcfercntin Dr. Luise Morgenstern. 89. Abt. Bei Ärommcck, Sondcrstr. 10,„Der Wert der politisch geschulten Fra» für Familie und Wirtsämsl". Referent Genosse John. Donncrstag. 20. Oltober, 10 Uhr, Besichtigung des Konsums. 91. Abt. Bei Grimm, Boddinstr. 10.11.„Der Kampf der Sozialdemokratie argen die Reaktion". Referent Robert Bceuer. 92. Abt. Bei Shmidt, Kaiser. Friedrich. Ecke Eldcstraße,„Böikerbund und Bältcruersländigung". Referent Hans Boldmann. 93. Abt. Im Jugendheim. Böhmische Straße,„Aus der Konfumbewegung". Referent Genosse Giltllcr. 95. Abt.«ei ffriedersdorf, Iägerstr. 3,„Wirtschaftskrise und Scsundheits. wefen". Referent Wilhelm Petersen. 96. Abt. In der Lesehalle. Slogat- Ecke Ilscstraße,„Kampf der Sozialdemo. lratic gegen die Reaktion". Referent Ernst Ncumann. 97. Abt. Bei Kutzki, Lcinestr. 1 Ecke Hermannstraßc, Wcrbeabcnd. Vortraaendc Friedet Hall. 98. Abt. Bei Teich, Kncscbcckstr. 135,„Hausbcsitzcrdiktatur oder Micterfchuß". Referent Otto Most. 99. Abt. Im Berfammlungskeller, Sanncmannftr. 40(das Haus wird um M Uhr geschlossen).„Wohlfahrtswescn und Iugcndpslcgc der Stadt Berlin. Refcmtt Stadtrat Schneider. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. 101. Abt. Im Bereinszimmer des früheren Rennbahnlokals George„Die orbeltende Frau in Rußland". Referentin Dr. Judith Grünfeld. ISS. Abt. Bei Haß, Baumschulenstr. 72,„Hausfrau und Wirtschaftspolitik". Refercntin Marie Kunert, M. d. R. 1V2. Abt. AfA.Hof. Im„Tivoli"(Inh. Falkenhagcn), 3leue Ärngallee 33, „ttapitallstlfchc Anarchre oder sozialistischer Aufbau". Referent Mar Sende. mann. 10«. Abt. Im..Waldkater", Stubenrauch- Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße,„Die Frau als Mutter und Erzieherin". Refercntin Maria Krifche. 108�. Abt. Bei Schulz, Hohcnzollernplatz 6, Heiterer Abend. Bortragende Margarete Fichtner. 114. Abt. Bei Hößel, Wühlifch- Ecke Gabricl-Max-Straße, Heiterer Abend. Vortragende Elfriede Wollmann. 117. Abt. 2v Ahr bei Brunn, Türrschmidtftr. 40,..Kapitalistische Wirtschafts- korrupt, on". Referent Dr. Hans Cohn. Sonnia?, 25. Oktober. 0.30: Funkffym,)a«;tik. Anschließend Frühkonzert. 8: Für den Landwirt. 8.55: Morgenfeier. Anschließend Glockengeläut des Berliner Doms. 10.05: Wettervorhersage. II: Fllernstundc. 11.30: Aus Leipzig: Bach-Konzert. 12.10: Sinfonic- konzert. 13.10: Jugendstunde. 14; Mandölinenorehcster-KonzcrL 15: Lin Mensch mit Büchern und Schallplatten 15; Bla.sorchcstcrkonzert. 17: Konzert. 18: Die Fürsorgerin und üic Not der Zeit. 18.20: Unterhaltungsmusik. 19.20: Tages- glosscn. 19.50: Sportnachrichten. 20: Aus Dresden:..La Boheme" von Puccini. 22.30; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Monfaj!, 26. Okfober. 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Die Frau in Irland. 15.40; Der Bauer der Gegenwart. 16.05: Zur Psychologie des Journalismus. 16.30: Wandlung der Musik- 17.10: Violine und Klavier. 17.30; Jugendstunde. 17.50: Bildungsmöglichkeiten für Werktätige. 18.15: Für und wider den§ 51. 18-40; M. M. Gehrke liest eigene Erzählungen. 19; Stimme zum Tag. 19.10: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15: Tanzabend. 20.50; Tages- und Sportnachrichten. 21:„Figaros Hochreit** oder„Der tolle Tag." Lustspiel von Beaumarchais. Danach Orchesterkonzert. Dienstag, 27. Oktober. 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Frauen untereinander. 15.40: Mohammedaner beten in acr Moschee. 16.05; Neue Schaffensgcbictc für den technisch Gebildeten. 16.30; Aus Leipzig: Konzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Bücberstunde. 18.20; Deutsche cnd italienische Volkslieder. 19: Stimme zum Tag. 19.10; Bühnennachweis und Stellenvermittlung. 19.35: Interview der Woche. 20: Aus Stuttgart;„Schwaben." 21.30; Tages- und Sportnachrichten. 21.4«: Orchesterkonzert. Mittwoch, 28. Oktober. 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 9; Von der Deutschen Welle: Schulfunk. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung. 15.40; ich komme soeben aus Spanien von W. M. Citron. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30; Jugendstunde. 16.50: Von der bildenden Kunst. 17: Religiöse Gemeinschaften neben den Kirchen. 17.25: Milderung der wirtschaltlichcn Krise durch veränderte Lebensweise, 17.50: Slawische Komponisten. 19: Stimme zum Tag. 19,(0; Kompositionen von Fritz Kreisler. 19.40: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15:„Ganz alltägliche Ballade'* von Alice Ekcrt-Rothholz. 20.20: Konzert. 21.40; Ausschnitt aus dem Fest der Sportpresse. 22: Zeitberichte. 22.50: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Donnerstag, 29. Oktober. 6.30; Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Durch Norwegens Fjorde. 15.40: Als junger deutscher Arbeiter in USA. 16.05: Jugendstunde. 16.30: Streichquartette. 17.30: Leo Lania liest eigene Prosa. 18: Unterhaltungsmusik. 19; Stimme zum Tag. 19.10: Chorgesänge. 19.35: Die französische Revolution und das alte Europa. 20: Bunte Stunde. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Sinfonickonzcrt. Danach Tanzmusik. Freitag, 30. Oktober. 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wcttcrmeldungeu für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Ehrenamtliche Kräfte in der sozialen Arbeit. 15.40: Aus der Naturgeschichte des Witzes. 16.05; Keine Skifahrt ohne Training. 16.30: Lieder verschiedener Völker. 16.50: Konzert 17.20: Jugendstunde. 17.40: Das neue Buch. 17.50: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 17.55: Der ausländische Student in Deutschland. 18.15: Der Hörer und sein Apparat. 18.30: Hegels Dialektik und Metaphysik. 19: Stimme zum Tag. 19.10: Gustav Stolze liest eigene Prosa. 19.30: Opercttcufantasien. 20.20: Julius Patzak singt. 20.50: Politische Zeitungsschau. 21.10; Aus Breslau:„Peru wird erobert." Hörchronik von Masseck. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.35: Stunde für die Winterhilfe. 24: Vom Berliner Sechstagerennen int Sportpalast 124. 13t 132. 159. 140. 143. 28. 47. 56. 74a. 84. 94. 107. 108. 116. 122. 122a 124a. 137. Abt. Bei Anders. Bahnhofstraße...Die Wirkung der Arbeitslosigkeit auf die Familie". Referentin Luise Kahler. M. d. L. Abt. In der Gemeinschaftsschule Bismarckstr. 11,„Die Sozialdemokratie im Kampf gegen die Reaktion". Referent Willi Wolff. Abt. 20 Uhr bei ttlug, Dorfftraße,„Äampf der Sozialdentokratie gegen die Reaktion". Referent Hanns£>. Äafiun. Abt. 20 Uhr im Jugendheim, Schönederger Str. 3.„Arbeiterdichtüng". Vortragende Leonis Brockmann. Abt. Bei Woitschach, Ernstftr. 1,„Kampf um die Umgestaltung des Ehe. rechtes". Referent Dr. Walter Gotthardt. Abt. 20. Uhr bei Schulz, Rordbohnhvf, Heiterer Abend. Vortragende Margarete Walkotte. Dienstag. 27. Oktober. Abt. 20 Uhr bei Kaufmann, Schönhauser Allee 151,„Alkohol und Nach- kommen schaft". Referent Dr. Drucker. Abt. 20 Uhr in der Schule. Waldemorstr. 77,„Die Bedeutung der Kon- iumgenossenschaft". Referent Genosse Schreiber. Freitag, 90. Oktober, 10 Uhr, Besichtigung des Konsums IN Lichtenderg. Treffpunkt 9 Uhr an der Hochdahn Kottbusser Tor. Abt. 20 Uhr bei Liersch, Kantstr. 62,„Bürgerliche und proletarische Feouendewegung". Neuwahl der Leiterin. >. Abt. 20 Uhr im Waldhaus, Spaudauer Straße.„Die politischen Etrö. mungen der Gegenwart". Rcfercntin Erna Magnus. Abt. 20 Uhr im Lindenhof, Wannsee,„Modernes Wohnen und Bauen". Referent Otto Most. Abt. 20 Uhr„Die Bedeutung des Konsums". Lokal Lehmann, Kaiser. WUhelm-Str. 297! l. Abt. Bei Kuhseldt. Selchower Str. 20.„Kampf der Sozialdemokratie gegen die Reaktion". Rcferentin Klara»Bohm-Sckiuch. M. d. R. Abt. 20 Uhr im Gcnicinschaftshaus Falkenbcrg Heiterer Abend. Vor» tragende Friedel Hall. Abt. Im Stadttheater Bortrag der Genossin Marie Jankowski. Abt. 20 Uhr bei Morr, Reue Bahnhofstr. 28,„Wirtschaftskrise und Haus- frau". Refcrentin Elfe Echeibenhuber. Abt. 20 Uhr bei Porath, Marzahner Str. ZI,„Arbeiterhaushalt und Notverordnungen". Refercntin Nora Henke. . Abt. 20 Uhr im Eaf« und Reftauraiit Biesdorf-Siid lInh. Kindscher), Köpenicker Str. 165/187,„Die Stellung der Frau in unserer Partei". Ncfcrentin Sennn Iaducznnfii. .. Abt. 20 Uhr bei Draber, llhlandstr. 18, Heiterer Abend. Vortragender Hanns H. Kamm. Abt. 20 Uhr im Bolkshaus, Scharnweberstr. III.„Grundgedanken des Sozialismus". 1. Abend der Arbeitsgemeinschaft. Refercntin Helene Michaelis. Soimaboiicl, 31. Oktober. 6.30; Funkgymnastik Anschließend Frühkonzert. 13.20: Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 15,40; Kampf um die Kultur im deutschen Staat 16.05: Schacbstunde. 16.30: Die Erzählung der Woche. 17:-Aus Leipzig: Konzert 17.15; Unterhaltungsmusik. 18.20: Zehn Minuten Film. 18.30: Für den Siedler und Kleingärtner. 18.45: Berlin als Unternehmer. 19: Stimme zum Tag. 19.10: Gottesglaubc unserer Zeit. 19.55: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20: Wovon man spricht. 20.30: Aus Magdeburg: Volkstümliches Jägerkonzert. 23; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik., Königswusterhausen Sonniag, 25. Oktober. 6.30: IJcbcrtragun? aus Berlin. 14: Weinlese und Weinprobe. 14.30: Heinrich Lerscb liest eigene Dichtungen. 19: Menschen«m Beruf. 19.20: Caruso und Schaljapin. 19.45: Der Hörer hat das Wort. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Montag. 26. Oktober. 16; Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin; Nachmittagskonzert. 17.30: Konzerte für zwei Violinen. 18: Stätten der Tragik. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Stunde des Landwirts. 15.30: Bilder vom heutigen Rußland. 20 Dcutschlandsendcr: Unterhaltungsmusik. 20.30: Aus Leipzig: Wunder des Vogelzuges. 21.15: Aus Leipzig: Militärkonzert. 22.15: Politische Zeitungsschau. 32.35: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Dicnslag, 27. Oktober. 16.30: Aüs Leipzig; Nachmittagskonzert. 17.30: Oucrschnitt durch deutsche Zeitschriften. 18: Der Staat und die Kinderreichen. 18-30: Der Lebens- und Gedankenkreis Wilhelm Dillheys. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Englisch für Fortgeschrittene. 19.30: Rundfunksingsiundc. 20.15; Katholizismus und die geistige Lage der Gegenwart. 21 Dcutschlandsendcr; Richard Wagner-Konzert 22.10; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.30: Volkstümliches Orchesterkonzert. 33.30: Tanzmusik Miflwodi, 28. Oktober. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Naestmittagskonzert. 17.30: Die Kunst der Fuge. 18: Arbeitslosigkeit und Lebenskunst 18.30: Hochschul- ft'nk. 18.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19i Stunde des Beamten. 19.30: Weltpolitische Stunde. 20 Dcutschlandsendcr: Aus Breslau: Bunte Reihe. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.15: Aus Köln: Uraufführung:„Das Bein." Groteskes Hörspiel nach Zschokke von Rcinachcr. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 29. Oktober. 16; Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Die Formenwelt der Technik. 18: Hochschulfunk. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55; Stunde des Landwirts. 19.30: Wert und Wirkung der Kunst. Anschließend Uebertragung aus Berlin, Freitag, 30. Oktober. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Hausmusik. 18: Volkswirtschaftsfunk. 18.30: Uebertragung aus Berlin. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.25; Die Welt des Arbeiters 19.50; Vorschau auf das Novemberprogramm. 20 Dcutschlandsendcr: Aus New York: Worüber man in Amerika spricht. 20.15; Aus Haniburg: Bunter Abend. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 31. Oktober. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit. 18: Deutsch für Deutsche. 18.20: Hochschul- funk. 18.45; Englisch für Anfänger. 19.10; Uebertragung aus Berlin. 20; Stille Stunde. Anschließend yebertragung aus Berlin. ZNiitwoch. 28. Oktober. 82. Abt. Siemrnsftadt und 32. Abt. Siedlung Zungiernheide. Ig Uhr im „Seidekrug", Inh. Rarsand.„SUunps der Sozialdemokratie gegen die Re- oktion". Referent Willi Wolfs. so. Abt. 20 Uhr bei Schabeiko, Weichsel. Ecke Donaustraße, Bunter Abend. Bortrageude Friede! Hall. 118. Abt. I0>,7 Uhr Besichtigung der Milchwirtschaftsbetrieb« r» Weißeuser, Giersstr. 1. Treffpunkt 10.13 Uhr vor dem Gebäude. 12«. Abt. 2t) Uhr bei Wiehe, Wilhelmstr. 40, Werbeveranstaltung unter Mitwirkung der SAI. Borführung von Lichtbildern. Ansprach« der Ge- nossin Friede! Schmiedel, Gesang. 121. Abt. 2» Uhr bei König, Tresckow.Allee.„Die Aufgaben der Fra» in der Wirtschaftskrise". Refercntin Hertha Evtthelf. Donnerstag. 29. Oktober. 68. Abt. 20 Uhr bei Sandmann, Westfälische Str.<2, �vaurudebe» tu Ruß- laud". Referentin Elsbeth Weichinann. 101. Abt. Bei Pamp, Hassclwerder, Eck« Fennstraß«,„Die poki tisch- Mach!. Verteilung". Rcferentin Mathilde Wurm, M. d. R. III. Abt. 20 Uhr bei Hoffmann, Edclwcißstr, 3, Heiterer Abend. Bortragend« Friede! Hall. Briefkasten derNedaktiom . Gen. Oberschöneweide. Den Hauswirt müssen Sie verklagen. DK Älage können Sie zu Protokoll der Geschäftsstelle des Amtsgerichts erklären. Der Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff! Wirtschaft: S. Klingel höfer: Gcwcrklchaflsbcweguna: I. Steiner; Feuilleton: Dr. Job» Schikowski: Lokales und Sonstiges: Friß Karstädt; Anzeigen: Zb.«lockt! sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlaa S. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerci und Bcrlaasanlwlt Paul Singer u. Eo.. Berlin£33 68, Lindenstraße S. Hierzu 4 Beilagen. Nr. 501» 48. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Sonntag, 25. Oktober 1S31 Kampf gegen Sozialreaktion. Bezirkskonferenz der Freien Gewerkschasten. Im Berliner Gewertschaftshans begann gestern nachmittag unt.r Leit'ing der Genvsten Vollmershaus und He st schal d die mcrtc Bezirkskoiycrenz des ADGB.-Bezirks Berlin, Branden- ln>rg, Grenzmark eine Zusammenkunft der Vertreter von l 3 l Ortsausschüssen und fast 600 000 Gewcrkschaftsmitglie- dcrn im Bezirk, die nach dem Gcwcrkschaftskongreh abgehalten wird. Von den zahlreichen Vertretern der Behörden und befreundeten Or- ganifationen wurde bclanders herzlich der Vorsitzende des ADGB. Genosse Ocipart begrüßt. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache des Bezirksfekretärs Genossen Vollinershaus, in der er ganz besonders den Eozialreaktio- nürcn, die sich kürzlich in Harzburg ein Stelldichein gaben, den schärfsten gewerkschaftlichen Kampf anjagte, hielt der Leiter der Bundesschule des ADGB. Genosse Dr. S e e l b a ch ein Referat über die wirtschaftlichen Probleme der Gegenwart. Der Referent ging zunächst auf die Ursachen der gewaltigen Wirtschaftskrise ein, die zur Zeit die ganze Welt umspannt. Drei Ursachen sind für den Zusammenbruch der Wirtschaft zu nennen: der Weltkrieg, der technische Fortschrüt und die Schmie- rigkciten, die das Finanz- und Kreditsystem mit sich brachten. Die verheerendste Folge des Krieges ist die Verschärfung der Konturrenz- Verhältnisse für Deutschland. Die Kriegsschulden, vor allem die Re- parationcn, haben ebenfalls starke Rückschläge für die deutsche Wirt- schuft im Gefolge gehabt. Empfindlich gestört werden die Wirtschaftsbeziehungen ferner durch die neuen Grenzen, die Europa zerstückeln(Polnischer Korri- vor und vor allem Oesterreich) und die zur Zerstörung des inter- nationale» Vertrauens führen. Die Rationalisierung ist zwar nicht allein schuld an der Krise, sie hat aber die gegenwärtige Situation mit verschuldet, well die Wirtschaftler, die sie durchführten, nicht für entsprechende Absastmärkte sorgten. Die Rationalisierung war mit riesigen Investitionen verbunden, die infoige der Krise weder verzinst noch zurückgezahlt werden konnten. Großkredite der amerikanischen und englischen Finanz liegen deshalb in diesen Wirtschaftszweigen fest. Die Rohstoffländer, in denen zuerst die Krisenerscheinungen sichtbar wurden, waren in ihrer Kaufkraft ge- schwächt und schieden als Käufer auf dem Markt für Industrieprodukte mehr und mehr aus. Die Folgen davon waren Lohnsenkung. Ar- beitslosigkeit und dadurch weitere Einschrumpfung des Marktes für Fertigwaren. Die Krisenlage in einen, Land« verschärft jedenfalls die Krisen- läge in anderen Ländern, die bisher als unerschütterlich galten. Wege aus der Krise können von einem Land allein nicht gefunden werden. Die Selbsthilfebefirebungen der einzelnen Länder zerstören den internationalen Zusammenhang noch mehr. Lösungen von inter- nationalem Ausmaße sind deshalb unumgänglich erforderlich. Das Reparationsproblcm muß in vernünftiger Weise geregelt werden. Eine andere kapitallcnkuag muß eintreten. Produktionswandlungcn müssen sich vollziehen. Vor uns liegen Wirtschaftsaufgabc», wie sie noch keiner Zeit gestellt worden sind. Gewaltige Produktivkräfte drängen nach Absast. Die wirtschaftliche Situation zwingt zum sozialen Fortschritt. Der Weg geht in der Richtung einer großzügigen und planmäßigen Gestaltung der Wirtschast, die nicht von dem Geiste des privaten Erwerbs, sondern der sozialen Leistungen beherrscht ist. Anschließe»» umriß Genosse Schulz« vom ADGB. die Aus- aaoen, die den Gewerkschaften und ihren Funktionären aus den Beschlüssen des Frankfurter Gewerkschaftskongresses erwachsen. Er erinnerte insbesondere an die Beschlüsse des Kongresses, die auf die Eindämmung ocr Krise abzielen, wie z. B. die Forderungen nach Einführung der 40- Stunden-Woche, öffentliche Arbeitsbeschaffung usw. Ebenso unterstrich er die For- derungen des Kongreffs nach Aufrechterhaltung des Tarifrechts, den Ausbau des kollektiven Arbeitsrechts und des wirtschaftlichen Mit- bestimungsrechts der Arbeitnehmer. An dem geeinten Gewerkschafts- block aller Arbeitenden müssen die Anschläge auf die Cxistenzgrund- läge der Arbeiterschaft, die Angriffe der Harzburger Front zcr- schellen. Die Aussprache über die beiden Referate beginnt heute, Sonn- tagvormittag. Lohnabbau der Gemeinden. Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Die Lohnverhandlungen der Gemcindearbeiter und Straßen- bahner sind am Sonnabend nach zweitägiger Dauer ergebnis- los abgebrochen worden. Die Arbeitgeber forderten ab n. November einen Abbau aller Löhne um 9 Proz. Sie fordern weiter die Beseitigung der Lohnschutzklauseln bei verkürzter Arbeitszeit aus dem Frühjahrsabkommen d. I.' weiterhin sollten die Verträge mit monatlicher Frist kündbar sein. Die Arbeitnehmer vertraten die Auffassung, daß nach dem um- sangreicheu mehrmaligen Abbau im Lause dieses Jahres weitere Lohnkürzungen unerträglich sind. Sie lehnten mit aller Entschieden- heit jeden weiteren Lohnabbau ab. Die Arbeitgeber begründeten ihre Forderungen mit der t r o st- erklärten, daß so wenig wie die Gemeinden selber die Arbeitnehmer erklärten, daß so wenig wie die Gemoeinden selber die Arbeitnehmer der Gemeinden dafür verantwortlich zu machen sind. Die Gemeinde- orbeiter haben im Laufe dieses Jahres gewaltige Opfer gebracht und in sehr vielen Fällen>st infolge Arbeitszeilverkürzung und des doppelten Lohnabbaues der Lohn um 30 und mehr Prozent ge- fallen. Zehntausende Gemeindearbeiter und Straßenbahner haben Zlrbeitszeitkürzungcn von 4. 8. tö: ja. bis zu 24 Stunden auf sich genommen. Noch einer Feststellung des Gesamtverbandes, die sich auf zwanzig Großstädte mit rund 166 000 Gemeinde- a r b e i t e r erstreckt, betragen die Lohneinsparungen durch Verminderung der Belegschaften, Arbeitszeitverkürzungen und Lohn- kürzungen wöchentlich l 687 500 M. Im Iahresausinaß beträgt die finanzielle Entlastung in den zwanzig Gemeinden annähernd 88 Millionen Mark. Diese zwanzig Stadtgemeinden be- schäftigen etwa 50 Proz. der Gcmeindcarbeiter und Straßenbahner. Die gesamten Lohncinsparungen dürsten für die deutschen Gemein- den pro Woche mehr als 3 Millionen Mark betragen und sich im Iahrcsausmatz auf über 150 Millionen Mark beziffern. Bei einer Gefamtlohnfummc zu Beginn dieses Jahres von etwa 750 Millionen Mark bettagen die bisherigen Einsparungen rund 20 Proz. In Orten wie Berlin, Dresden. Hamburg und Frankfurt a. M. wird dieser Prozentsatz zum Teil erheblich überschritten. Für Berlin werden Lohncinsparungen von rund 25 Proz.. für Hamburg 26,4, für Dresden 26,4, für Frankfurt a. M. 22,4 und für Breslau 21,5 Pro.z. festgestellt. Di« Arbeitgeber waren nicht in der Lage, diesen Feststellungen zu widersprechen. Angesichts der ungeheuren Opfer, die die Ge- meindearbeiter und Straßenbahner bisher gebracht hoben, verlan- gen die Organisationen, daß Schluß gemach« wird mit weiterem Lohnabbau. Die Gemeinden beschwören durch ihre übersteigerten Forderungen ungeheure wirtschaftliche Kämpfe herauf. Bei Ab- lchluß der Lohnbewegung im August d. I. war einmütig bei allen Gemeindearbeitern die Auffassung, nun aber Schluß mit diesen Lohnabbaumethoden. Ungeheuerlich ist es. daß die Gemeindeverwaltungen in ihren Forderungen noch weit über das Maß der Forderungen von Reich und Staat hinausgehen. Die Berhandlungskommission hat die weitere Entscheidung in die Hände der R e i ch s t a r i f- kommifsion gelegt, die am Montag zu den Anträgen der Ar- beitgeber Stellung nehmen wird. Die weiteren Verhandlungen sind auf Donnerstag, den 29. Ottober, vertagt worden. Reichskonserenz der Kriegsbeschadigien. Protest gegen den Abbau der Versorgung. In der Aussprache wurde die Notverordnungs- Politik der Regierung in zum Teil sehr scharfen Worten kritisiert. Sonatspräsident Schulte- Holthausen erinnerte demgegenüber an die Bankenkrise im Juni und erklärte, damals habe man tagelang verhandeln müssen, um das Geld für die Auszahlung der not- wendigsten Renten zusammenzubekommen. Auch die Verwaltung sei sich der ungeheuren Not bewußt. Streiten könne man darüber, ob es richtig war, auch bei den Kriegsbeschädigten sofort Kürzungen vorzunehmen. Daran sei aber nicht die Verwaltung schuld, sonder» das sei eine sozialpolitische Entscheidung gewesen, für die das Kabinett die Verantwortung trage. Auch der Reichstag würde übrigens diese Maßnahme geschluckt haben. Einstimmige Annahme fand dann eine Entschließung, in der es heißt: „Bei Einttitt in einen weiteren horten Krisenwinier protestiert die Konferenz einmütig und nachdrücklichst gegen den seil zwei Jahren andauernden rigorosen Abbau der Persorgung und Fürsorge. Es bedeutet nur eine Verschiebung in der öffentlichen Ausgabenwirtschaft, wenn das Reich seine Pflicht zur sozialen Hilfeleistung dauernd auf andere Schultern, im besonderen auf die Träger der öffentlichen Fürsorge abwälzen oder die Pflicht der Allgemeinheit auf Kosten der Selbsthilfe der Organisationen vermindern will. Hier muß nicht nur ein unverrückbares Halt geboten, sondern mit allem Nachdruck verlangt werden, daß die antisozialen, gegen die Kriegsopfer gerichteten Einschränkungen ausgehoben werden und der Weg zu den erforderlichen und von der Volksvertretung und früheren Rcichsregicrungen oft in Aussicht gestellten notwendigen Verbesserungen der Versorgung und Fürsorge freigemacht wird. Der Rcichsbund wendet sich energisch gegen jene, die mit dem Gedanken einer neuen Inflation spielen. Sind Wittel zur Subvention von Großbanken, von Großgrundbesitz und anderen Stellen da. dann müssen sie auch für die Kriegsopfer zu beschaffen sein. Alle deutschen Kriegsopfer ruft die Konferenz auf, mit dem Reichsbund für seine hohen Ziele zu kämpfen, die er auf dem Boden der demokratischen Grundrechte des Volkes durchführen will." Die Verhandlungen der Konferenz des Rcichsbundes der Kriegsbeschädigten am Sonntag dienen inncrorganisatorisäien Fragen.___ Oer Lohnstreit bei der Reichspost. Sie Verhandlungen wurden vertagt. Das Reichspostministeriilm hatte die Tarisorganisationen zum gestrigen Sonnabend zu Verhandlungen über die Lohnregelung nach Kapitel 1§ 6 der Notverordnung vom 5. Juni eingelaoen. Der Vertreter des Reichsposiministeriums erklärte, daß die Reichsregic- rung beschlossen habe, den§ 6 der Notoerordnung für alle Reichs- orbeiter gleichmäßig anzuwenden, d. h. die Löhne auch für Reichs- postarbeiter würden 1 bis 4 Pf. zu kürzen sein und gleichzeitig würde der Kinderzuschlag für das erste Kind fortzufallen hoben. An Stelle dieser Kürzungen sei aber nach den Bestimmungen der dritten Not- Verordnung auch die Herabsetzung der Grundlöhne um 4!4 Proz. möglich, wobei der Kindcrzuschlag erhaltciz. bleiben würde. Die Organisationsvcrtrctcr protestierten gegen dieses Diktat der Reichsrcgicrung mit ollem Nachdruck. Sie lehnten jede Lohnkürzung ab und vertraten den schon schriftlich gestellten Antrag die augenblicklichen Löhne weiter zu gewähren, da die Rot- Verordnungen eine derartige Regelung nicht ausschlössen. Die Vertreter des Reichspostministeriums waren unter Berufung auf den Beschluß der Reichsrcgicrung zu einem Entgegenkommen nicht zu bewegen. Die Verhandlungen verliefen daher ergebnislos und wurden a u f M i t t w o ch, den 28. Oktober, vertagt. In der Zwischenzeit wollen die Vertreter der Tariforgani- sationen versuchen, mit dem Reichspostministcr persönlich zu verhandeln. Krisenunierstühung verlängert. Nur Bedürftige sollen unlerstüht werden. Amtlich wird mitgeteilt: Die Höchstdauer der versicherungsmäßigcn Arbeitslosenunterstützung ist bekanntlich mit Wirkung vom 5. Oktober 1931 ab aus 20 Wochen, bei berufsüblich Arbeitslosen aus l6 Wochen herabgesetzt worden. Zum Ausgleich hierfür hat der Reichsarbeitsminister nun- mehr die Dauer der Lkrisenfürsorge entsprechend verlängert, und zwar in der Weise, daß d i e Gesamt- Höchstdauer der versicherungsmäßigcn Arbeitslosenunterstützung und der Krisenunterstützung wie bisher 58 Wochen, bei über 40 Jahre allen Arbeitslosen 71 Wochen betragen kann. Bei der finanziellen Notlage des Reiches, der Gemeinden und Gemeindeverbänden mußte sichergestellt werden, daß nur wirtlich Bedürftige die Krisenfürsorge erhalten. Es war daher notwendig, die Bestimmungen über die Prüfung der Bedürftigkeit noch mehr als bisher der Regelung anzupassen, die in der öffcnt- lichcn Fürsorge gilt. Um eine möglichst zuverlässige Prüfung der Bedürftigkeit zu gewährleisten, sind über die Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsämtern einerseits, den Gemeinden und Ge- meindcverbänden andererseits neue �Lestimmungcn getroffen', auch ist die Entschädigung der Gemeinden sür ihre Mitarbeit bei dieser Prüfung allgemein festgesetzt. Di« neuen Bestimmungen werden in der Nummer 30 des Neichsarbeitsblattcs veröffentlicht. Sie treten am 9. November in Kraft. Schiedsspruch sür Hamburger Hasen. Gchichtlohn um 50 Pfennig gekürzt. Hamburg. 24. Oktober. Auf Antrag des Hafenbctricbsvereins wurde am 23. Oktober erneut über die Lohnrcgelung im Hamburger Hafen unter Vorsitz des Schlichters Dr. Stenzel verhandelt. Eine Einigung konnte trotz sehr langer Verhandlungen nicht erreicht werden. Es mußte deshalb eine Schlichterkammer gebildet werden, die mit Mehrheitsbeschluß einen Spruch fällte, wonach der Lahn sür die erste Werktagsschickst von 8,80 auf 8,30 Mark herabge- setzt wird. Diese Regelung soll vom 1. November bis Ende Februar 1932 gelten. Die Parteien haben sich zum 29. Oktober, mittags 12 Uhr, zu erklären. Joses Paech, einer der bekanntesten belgischen Gcwcrkschnsts- sührer, Sekretär des Metallarbeitcrverbandes der Provinz Bra- bant, ist im 63. Lebensjahre plötzlich g e st o r b e n. Er spielt« auch in der politischen Arbeiterbewegung Belgiens eine wichtige Rolle und war seit 1925 sozialistisches Mitglied des belgischen Senats. Ziemens 22 l)»? �eisokrsnsmpsängsk- süi' Ksai-fo. u. Großsenderernpfong Preis einschl. Röhren; für Wechselstrom mit Röhre REN 804 RM 97,50 mit Röhre REN 904 RM 96,-— für Gleichstrom RM 96,— Außer diesem Gerat führen wir weitere Empfönger sowie Lout- sprecher für jeden Bedarf und jeden Geschmack. Vorführung in Fachgesthaften Riesenskgl� R 180 SIEMENS& HALSKE AG. 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Das Etaatsmmisterium wurde gefragt, ob es bereit sei, sich dafür ein- zusetzen, daß im nächste:- Jadr keine ausländischen Wanderarbeiter mehr zugelassen werden, solange deutsche landwirtschaslliche Arbeitnehmer erwerbslos seien. Der preußische Landwirtschaftsminister erklärte, daß das Staatsministerium sich im Sinne der Kleinen Anfrage einsetzen werde Das Arbeitsamt Greifswald hat dieser Tage in einem Bericht mitgeteilt, daß auf verschiedenen Gütern die Versuchs- weise Einsetzung einheimischer Zuckerrüben- k o l o n n e n mit wechselndem Erfolg gelungen sei. Unbestrittene Erfolge seien zu erzielen gewesen, wo den vermittelten Arbeitslosen für den ganzen Sommer Arbeit gegeben worden sei. „Hier," so betont das Arbeitsamt,„wurde der Beweis er- bracht, daß die einheimischen die Leistungen der ausländischen Wanderarbeiter nicht nur erreichen, sondern auch zu übertreffen vermögen." Es geht also auch ohne Ausländer! Bei Bolle bimmelt ständig der Lohnabbau. Wir brachten kürzlich im„Vorwärts" die Mitteilung, daß die Direktion der Meierei Bolle den Lohnabbaufchiedsspruch des Schlichtungsausschusses angenonunen habe, jedoch unter der Be- dingung, daß sie im Schiedsspruch vorgesehene Laufzeit des neuen Lohnabkommens vom 3l. März 1932 auf den 31. Januar zurückdatiert wird Uns wird berichtigend mitgeteilt, daß die Direktion der Meierei Bolle die Abkürzung der Laufzeit sogar bis zur ersten Lohn» wache im Januar verlangt hat. Sie will also in wenigen Wochen schon wieder an den Löhnen der Arbeiter rütteln. Dies« Absicht geht übrigens auch aus dem Schreiben der Direktion an den Schlich- tungsausschuß hervor, in dem sie mitteill, daß sie dem Schiedsspruch zustimme,„trotz schwerer Bedenken wegen des zu geringen Lohnabbau« s". Die Meierei Boll« scheint sich mit aller Gewalt bei der Berliner Bevölkerung unbeliebt machen zu wollen. Alle vier Wochen Lohnabbau, bis das Personal noch Geld mitbringen muß, für die Ehre, hohe Gewinn« für die Aktionäre herauszuschinden. Berliner Gewerkschaftsschule. Die>5rcigniise auf dem Gebiete der Wirtschaft llberstiirzen fich. Vielelt S«. worlschaftzfunktionären fehlt die Zeit, sich mit allen wirtschaftlichen Fragen»er. traut zu machen. Lebendige Rede und Gegenrede informiert besser als alle Literatur. Das ist die Leitideee, die die Berliner Gewerkschaftsschule bewogen hat, Ausspracheabende über wirtschaslspolilische Fragen einzurichten. Im Mittelpunkt der Aussprachen steht die Weltwirtschaftskrise, ihre Ursachen und Auswirkungen. Die Leitung der Abende haben namhafte fflirtschaftstheoieliker Übernommen, so daß die Gewähr geboten ist, dasi bei wichtigen wirtschaftlichen Streitfragen auch der Standpunkt der gewerkschaftlichen Spigenorganisationen genügend herausgearbeitet wird. Leiter des ersten Abends ist der Genosse Dr. Otto E u h r. Jeder Abend soll noch Möglichkeit«in in sich abgeschlossene, aktuelle, Thema b-handctn. Diesen Aussvroch«abe>G-n liegt daher kein systematischer Lehrplan zugrunde, sondern das Thema des Abends wird immer durch die Ereignisse he» stimmt und kann mit den Hörern jeweilig vereinbart werden. Ron den Hörern n ird regste Mitarbeit verlangt und daher können nur solch» Genossen zugelassen werde», die bereits über gewisse wirtschaftliche Kenntnisse verfügen und die Einführungskurse schon mitgemacht haben. Die Ausspracheabende finden in regelmässigem vierzehntögigen Turnus SVO-Metallorbeiler! u-v.tnjGi. u-�r. 0,*JT\ U>i"J' iz-r HHV pw» W-5 IMVJl'JfCD. Arbeitacklaffe». 2. Stellv»a,ahw« zur Searrasversa-trwliuig. Baiöeiaustpei, ist«ilzaterngen. Der Zrutttnisverttawb. schal SBD�Zrallio» der jtrastag. Morgen, Montag. Zd Uhr. Gem-rk. eh bekannter ftsbau». Eingang V, Goal 5, Jugendherm. Aräktionsversammlung. SPZ>..Bvchdrll des Stadt. Fuhrparks, der Vezirksfpbrpark«. der Fuhrhol« l—t und der Hauvtwerkstatt. Dienstag, 27. Oktober. Zll Uhr, Parierresaal..Kackescher Hof", Rose.nthaler Str. in— 42, Frakliovsner. sammlung. Stadtverordneter Robinson über„Die städtischen Betriebe 1« Wir, Tages- rtläne". stau». und Verwaltungen. Siimpathisierrnd« können eingeiührt werden. Achtung, SPD�Genosse»»»»»arfia! ZIkittmoch, Z8. Oktober, 1« Ubr. im Lokal Schade, Versammlung oller SPD..S«noss«a mit Gästen. Tag ordnungc„Segen die Harzburger— für die Macht der Arbeitertlass Referent Karl Dressel. Der Frallionsoorstand »Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin 25. Oktober, Iugeadgrupp« der DMB.: Besichtigung des Per. ~"......~..... im Lus ugendgrupp arbeiter! IS Uhr Werbeoersammlung im Gewerischaftshaus.— Am kommenden I Sonntaa. HI.. � �.... gomon-Mufeums. Treffen Uhr Granitschal« Sugendgr»»»« de» Barbandes der Rahruagswittal. Lustgarten. und Getränke- Montag, Zß. Oktober, um 111 Uhr, findet im Zimmer 25 des Gewerkschoftshause» die Sigung der Kreisleiter statt.— Südtrcie: isz, Uhr im Zimmer 26. Kreis. leitersitzimg.— Mufikgruppe: Ab I!i Uhr im Zimmer 42 Semerkschaftshaus, 2 Treppen. Sugendgruppe des Zcntrawerbaades der Angestellten f&JJ Morgen, Montag, finden folgend« Veeonstoltungen statt: veddinq: Jugendheim Turrnee Ecke Eeeftrotze. Aussprach«:..Was geht in der Politik vor?" Leiter: Rachow.— Weisseuse«: Jugendheim Pistorrusstr. 24. Aussprach«:„Moderne Erziehung". Leiter: Weigelt.— Briss: Städtisches Lugendheim(Rathausl. Bunter Abend.— Urbau: Jugendheim Hobrecht. E-te Sonderftrasse.„Welche Bücher liest du am liebsten?"— Rordast II: Jugendheim Rcltendurger Str. 16, Zimmer 8. Wir üben neue Lieder.— Dir nächste Bor. fiellung der Lugendvoltsdühn« findet am 1. November statt. Gespielt wird „Kampf um Kitsch" von Stemmte. Eintrittskarten zum Preise von 66 Pf. sind im Lugendsckretariat zu haben. Parteinachrichten für Groß-Berlin «ial-nduuge» für»lese«Udrik stud ® c r l i u®2S 68, Lindeustrasse 3. stet» au da» Bezirksfekrctaria« 2. Hof, 3 Treppe» recht», zu richten Begiua aller Veranstaltungen ISi? Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Morgen. Montag. 26. Oktober. l. Krei». Kihuug dt» erweiterten Kvcisoorstandc» bei Dobrohlaw, Swine. müudcr Strasse ll. 4. Krei». Sihnna de« enaeren Kreisuorstaude»»it alle» Ubteiluua»leitrra Kreim Sissuna de« engeren Srcisnorstaude» bei Klug. Daazigee Strasse 71. 6. Krei». Sihuug de, Kreisvorstaube» mit AbtcilnnaslcUern bei Laudahn, Luif-uus»« 62 tWassertordrSae). 7. Krei». Erweitert« Dorstnndssihung. Zimmer I. Ig. Krei». 2« Uhr: bei Schnorre. Potsdamer Str. 3, Krrisuorstandssihuna. 17. Krei». Kreiivorstand an bekannt«» Stelle. 21. Abt. Funktionäriissung in der Geschöftsstell-, Utrechter Strasse 2U 61. Abt. 30 Ubr: Funltionörsihnng an bekannter Stelle. 45. Abt. Abteilungavorstandssissvng hei Zonekcit, Reickcnberger Str. 73a. Die Bezirlsführcr müssen bis Mittwoch die erwerbslosen Genossen beim Kassierer melden. 56, Abt. 20 Uhr: bei Beutel. Kaiser. Fm edruhnLtr. 63, Mitgliad-rp-rs-mmlung. Referent und Thema werden in oer Versammlung bekanntgegeben. Okssntlicks Xuncigsbung I im 1?. Xrsi»— ponlcow Am Mittwoch, dorn 28. Oktober, 20 Uhr, im Lokal „Schloß Schönhausen" in Niederschönhausen, Lindenstr. 1 1 Es spricht Reichstagsabgeordneter Anton Reißner über: PrivateWirtschaftoderSozIalismus Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Die Kreisleitung. 34. Abt. 30 Uhr: Zusammenkunft der fungen Partciaenossen. Lokal Schioder. Et-inmcssstr. 52. Diskussion über Arbeitsdeinktpflicht— freiwilliger Aroeits. dienst. 33«. Abt. 20 Uhr: Essung des Abtellungsvorslandes. I. uitd 3. Bezirksführcr in d«r Aalle am Hufeisen. 138. und 143. Abt. 20>/l Uhr: Zusammenkunft der iüngeren Parteigenossen im Jugendheim, Roonstrass« sFcucrwehrdepot). Surzreserate über die Pro. gramme der bürgerlichen Parteien.— Dienstag, 27. Oktober, 20 Ahr: im Jugendheim. Roonstrasse. Radio-Adhörabend der jüngeren Parteigenossen mit anschliessender Diskussion. Thema: Katholizismus und Gegenwart. Dienstag. 27. Oktober. I. Kreis. 14 Uhr: Erweröslosenzufammeukunft im Heim Waiseustr. 18. Sc- seliger Rochmittag. 4. Krei». 17 Uhr: Erwerb-loseozusammeukuuft im Altersheim. Danziger Strasse. Vortrag und Unterhaltung.— Igfh Uhr: Kurl»» Mathilde Wurm: Di« Frau tu Wirtschaft und Politik, Schul« Douziger Str. 23. 5. Krei«. 15 bi» 18 Uhr: Erwerbslosenzusammcnkunit im Heim, Tilsiter Strasse 4/5. Thema:„Der Frcdensaed-ake und leine neueste frauzesiiche Belsuchtunq". Rekerent Genosse Studieuasscssor Balte« Kuitt.— Rezitation iranzösischer Dichtunaea.— Genosse Ficsso bringt da»» noch bumoriftischc Darbietungen. Wir bitten»oserc crwcibsloscn Freunde um besouders starken Besuch.— 23 Uhr: im Lesezimmer, Schule Diestelmeyerstr. 3 6. Radia-Adhörstuodc. Thema: Katholizismus und Gegenwart. Genosse», bc- sucht diese Ausspracheabend«. Leitung: Genasse Lehrer Bancr. 6. Krri». Beginn de» Kursus Dr. Ott» Manchen pünktlich 13 fz Uhr au bc- kaunter Stelle. 13. Krei». Zusammenkunst der erwerbslose» Genossen. 13 Uhr. Untergrund- bahuhas lcmpclbos. zur Besichtiguug der Sebag. Siedlung Zebleudorl. 14. Krei». 15 Uhr: Böhmische Str. 1—6. Zulammeukunit der«rwerbslolc» Parteigenossen und-geuassinne». Parteibuch»ud Stempelkarte ist«itzn- bringe».— 13 Uh«: euarrer Kreisnorstand und Abtcilunasleite, im Partei- bür». 16.«reis. fPilbnugaausIchuss). 23 Uhr: 2.«örabrud sRuudsunkl: K-td-lizis. MUS»ub Srgrnwart- im Parteiheim, Köpenick, Schlossstr. 27. Teilnahige taste»!«». 18. Krei». 22 Uhr: Kreisvorstandssissung, bei Ragel, Pistoriusstr. 27. 13. Abt. 20 Ubr: Funktionarsissung bei Stein, Solfteiner Ufer 14. 28. Abt. Funktionarsissung bei Rechenberg. 23. Abt. Fnirktionärsissung bei Kissmann, Prenzlauer Allee 18S.— Mittwoch: Zahlabend in dem bekannten Lokal. 33. Abt. Funktionärkonferenz bei Pobst, Lpchener Strasse 100. 41. Abt. Funktillniirbesprechung bei Schult. 43. Abt. 20 Uhr: Funltionärtonferenz bei Krepp. Planufer 75/76. 117. Abt. Mitglieder der Konsumgenossenschaft der 29. und 183. Verkaufsstelle. Versammlung: Schule, Lückstr. 68. Mitgliederversammlungen und Zahlabende Mittwoch. 26. Oktober, in nachstehenden Lokalen. 5. Krei». Kreismitgliederversammluva in de» Andreosfefttälen, Andrcasftr. 21. Tage«rdnuug: 1. Bortrag de» Partewarsissevdcn Ott» Bcl». M. d. R. Thema: Die wirtschaitliche und politische Lage und die Stellung der Partei. 2. Diskussion. Di» Bezirkstührer laden«in. Partcimitgliedsbuch ist mit- zubringen. Krrisvorstand und Abteilunasleiter lammen riuc Stunde»or- '' Rit........... 12, 14. 15. 17. 13. 21. 24. 25. ». 57. 2*. 31. 33. 41. 43. 45. 51. 56. 81. 83. 8«. 93. 11». 134. 1C3. her, zweck- kurzer Ritteilung, dortselbst zusammen. . Krei». Ausspracheabend über da« Thema: Demokratie und Arbeiterklasse. Rescreut Genosse Diederich. 23 Uhr bei Schulz, Birkbuschstr 83. Alle iuter. «Isiertea Genossen sind«iugel-den.— Dienstag, 27. Oktober. 23 Ubr. Lianna dr» Kreis-Bildungsausschusse« bei Seuosftu Ricssel. Stcvbanstr. 34. Abrechnung d«r BroschSren. . Abt. Zahl, und Diskussionsabenö her Husenbach, Perleberzer Straße 64. Referent Genosse Hans Schmidt. Abt. Zahlab«nde in den bekannten Lokalen. Abt. Lokal Rulch, Bruniienstr. 140: Referent Georg Slaussner. M. d. L.— Lokal Kurkowsii. Feldstr. 8: Referent Dr. Norbert Marc.— Thema in beiden Versammlungen: Aufgaden der Partei und Gewerkschaften in der gegenwärtigen Krise. «dt. Aula der katbolischen Schule. Müllerstr. 158/15». Eck« Triftstrasse. Genossin Schulze-Säverniss: Dos erwachende Asien— Freiheitskämpfe in Zndien und China. Abt.. Bezirk 815. Lokal Wiemer. Eoldiner Str. 8. Eduard Fächert. Vbl*. �Zohw!beadc�in�n�beiannteu Lokalen,— Die Bezirksführer Iahen «in. Die Mitgliedern»rsanrmlung fällt aus. ___ Sartenfaal b-s Saalb-zu Frmdrichsbgin: Elana Bobm�chuck. M. d. R.: zur positischen Lag«."■ tibi. Di« Gruppenvarsammlungen in diesem Monat müssen umständehalber ausfallen. Abt. Schönhauser Festfal«. Schönhauser Alle« 128. Otto Maier, M. d. 2.: Preußen und bi« politische Lag». Abt. Lokal Zanüke, Kagenauer Str. 5. stirt» Dendicke: Rerrgip, und Er. »iebung,— Lokal M-oss. Prenzlauer Alle» 232. Vektor Krüger: Zur polt- tismtm Abt. 20 Uhr: Zahlacheud« in der bekannten Lokalen. Die BrlirksMerer laden dazu ein. Abt. Baugewerkshaus, Srossheerenstrasse 96. Dr. Siegfried Rokenfelb, M. d. L.: Die politischen Aufgaben her Partei. Abt. alen. .. Kablabend» in den bekannten_____... Abt. Zah lobende: Bezirk 125: Onkal Ad», Fichtesir. 24. um 20 Uhr. DIoj Kendemann: Zur politischen Sag«.— 20 Uhr. Bezirk 123: Lokal Franken- häufen, Zahnsir. 18. Rektor Walter Fischer: öekulfragen. Abt. 19 llbr: Abteilung sversaunnlung Schulaula Reichenberger Strasse. Referent Genosse Franz Sünstler, M. d. R.: Welchen Ruhen bot das Prole- tariat pon der wirtschaftlichen Verständigung mit Frankreich? Abt. Znhladende mit Bvrtvaa in den hetannten Lokalen. Abt. Diskusstonsabcnd bei Franzen. Kalckreuthftr. 5. Settlieb Reese: Marrismu, und die geqenwärti.'e Taktik der Partei. Abt. Gesellschaftszimmer des Ratskellers Friedenau, Am Lauterploss. Käthe Kern: Die wirtschaftliche» und politischen Kräfte der Geaennxrrt. Abt. Licht». ricloer Festsäl«, Zehlendorfer Str. 5: Mitgliederversammlung. Referent und Thema werden noch bekanntgegeben. Abt. Lokal Rohrmann. Silbertstr. 19. Bernhard Görina: Sozialpolitik. Abt. Lokal Buschkrug, Rudower Straße. Gustav Hädicke: Schul, und Kulturpolitik. Abt. 20 Uhr: Arbeitskreis junger Parteigenossen bei Klucke, Scheffelftr. 10. Abt. Lokal Köpfert, Am Bahnhof. Bernhard Krüger: Zur politischen Lage. Abt. Am Mittwoch, dem 21. d. Mts. hat der Kursus de» Genassen Dr. Män- che» über Sowjet-Rnssland begonnen. Es wird nochmals darauf bin- gewiesen, daß am Mittwoch. 28. Oktober, noch weiter« Hörer aufgenommen werden. Ort: Ablershof. Radeckcstr. 14. Scmeiirdehaus. Donnerstag. 29. Oktober. 8. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Parteigenossen im Zugendbeim. Gen- thiner Strasse 17. Genosse Walter Raue: Was leisten die Gewerkschaften? 133. Abt. siiung« Genossen. Zugendheim, Schöneberger Strasse. Baracke. Aussprache über die Winterarbeit. Freitag. Z0. Oktober. I. Krei». Georg Eugelbert Graf, R. b. spricht über euglisch« Ausseupolitik i» Gefaagsaal der Svphienfchule. Sciumeister Str. 16/17. Wir laden dazu ein. Der Kreisbildnug-aueichuss. 5. Kreis. töVl- Uhr im Seim Tilsiter Str. 4/5: Liebtbilderporträge für Er. werbslas«. 1. Bartrag:„Wie B�ac eutsteh«»", mit Lichtbilder». Referent Genosse vb-rftudieurat Dr. W-rderman». E» folge«: 6. November:„Wie Berg, peraeheu". Geuoss« Werdermann. Freitag. 2». Roxember:„Seluud. beit»vflege". ei» parleiaenolsilckr'r Arzt. Freitag, 27. Rauember:„Welt- Wirtschaft im Lichtbild", Genosse Sachse. Freitag, 18. Dzcmber:„Ein Soieael der Weltliteratur". Genosse Knauls. All« Vorträge und Lichtbilder- voisühruoge» kost«»!»?. Parteibuch legitimiert. Sonnabend, 31. Oktober. 5. Krei«. Bilduuaaausickuß: Sihuva bei Reifch. Kadiner Sir. 13. Sonntag. 1. November. 4. Kreis. 11 Uhr: Filmwatinee im Slnsinm. Dauziaer Strasse, Ecke Prenz. laner Allee. Thema: Wir bauen»ine neue Well. 2 Filme. Eintritt«. karten zu 53 Pf. bei allen Bezirksführcr». Lezirksansschug für Arbeiicrwohlfahrt. Seminar iür Wohlsahetapilege! Der Kursus„Berwaltungsfrageu der Wohl» sohrtspflege". Referent Genrsse Dr. Hanisch, beginnt Dienstag. 27. Oktober. 20 Uhr, in der Wohlfahrtsschule de» SauptousschussiS für Arbeiterwoblfahrt. Berlin, Belle-Allianee-Blah 7, vorn 4 Treppen. Donnerstag. 28. Oktober. 20 Ubr: im Portragssaal de» ZdA.. Hedemannstr. 12. Kursus de, Genossen Dr. Ernst Haas«:„Psvchologie und trbücher der Arbeitrrwohlsahrt 1931 können von den Kreis, und »bteUunasleitunge». soweit sie noch»icht abaeholt sind, obgebolt werde» IM Sekretariat. Lindenstr. 3. 2. Hos, 2 Treppe», in der Zrit von 9—5 Uhr. mSa- liehst au de» Sprechltnndeutaa«»»-»tag. Mittwoch und Freitag. 7. Krei», Eharkottenbnrg. Dienstag. 2/7. Oktober, 79'» Mr. h» Zugeuttejnz, Rastnenür. 4. Eihung der Arbeiterwodlfobrt und aller in der Wvblfabrt--. Pflege tätigen Genossen. Vortrog der Genossin Paula Kurgaß:„Erwerbslosen- not und Winterhilfe". 3. Krei». Wilmersdorf. Donnerstag,»9. Oktober. 20 Uhr: im Viktoria» garten. Wilhclnisane. Vortrag des Genossen Dr. Evindler über„Winterbilfe". Lnteressicrtc Genossinnen und Genossen sind dazu eingeladen. 13.«reiz, zetzlevdors. Dienstag, 27. Oktober. 20 Uhr: bei Schnorrer. Zchlcndorf, Potsdamer Str. 3. erster Kursusahend üb?r„Die Auswirkungen der Notverordnungen auf die Fürsorgepflichtverordnung". Referent Genosse Gott- fchalk. 14. Krei», Rcutölln. Montag, 26 Oktober. 18 Uhr: im Parteibüro. Fulda. strassc. Sihung der Arbeiterwohlfahrt. Besprechung über die„Winterhilfe". Die Sprechstunden der Arbciterwohlfahrt finden statt jeden Mittwoch oon 5—7 Uhr in der Fuldostrassc im Parteibüro. Antröge auf Winterhilfe können dort gestellt werden. 18. Krei«, Pankow. Dienstag, 27. Oktober. 1914 Uhr: im grossen Sissungs- saal, Rothaus Pankow. Genosse Stadtrat Burlhardt spricht über„Die Aus- gaben der kommunalen Woblfahrtspslegc". Genosse Krüger über..Die Durch. führung der Winterbilfe im 19. Bezirk". Erscheinen aller ist Pflicht. 6. Krei«, Krcuzberg. Dienstag, 27. Oktober, 18 Uhr: bei Krüger. Grimm- strassc 1. Kreioausichusssissung. 23. Kreis, Reinickendorf. Montag, 26. Oktober. 20 Uhr: im Tegeler Jugendheim. Sitzung des engeren Borstondes mit den Abteilungsleitern der Arbciterwohlfahrt. Sozialistische Studentenschaft Deutschlands und Oesterreichs Ortsgruppe Berlin. Sprechstunden im„Bund". Berlin NW 6. Albrechtftr. 11 fGartenhans Iii. Ortsgruvpcnvorstand und Vorstand der Sektion Universttät: Dienstag. Mitt- woch, Freitag, Sonnabend von 14 bis 16 Uhr.—«tudienberatung der philosophischen Fachschaft: Montag. Mittwoch von 10 bis II Uhr, Dienstag, Freitag von 12 bis 18 Uhr.— Studienberatung, der iuristifchen Fachfchoft: Dienstag von 1614 bis 1714 Uhr. Freitag von 17% bis 18% Uhr. Montag. 26. Oktober. Die Rote SpieUchar übt um 10 Ubr im Heim der SAZ., Lindenstr. 4. Freitag, 36. Oktober, Ausspracheabend über Harzburg und die Front der Gewerkschaften, 20 Ubr im Bund. Referent wird noch bekanntgegeben. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfrcnnde Groß-Berlin. Fröhliche Helserschan", Sonntag. 1. November, ab 16 Uhr, im Kasinosaal der Freireligiösen Gemeinde, Pappelallec 15. Mitte: Achtung! Falkenröte! Das Kreisfaltenparlament tagt Montag, 26. Ottober, von 18 bis 18.80 Ubr im Heim Elifabethkirchstr. 18, nicht in der Landsberger Strassc. Matteotti: Die Elternoersammlung wird auf Donnerstag, 29. Oktober, verlegt, im Heim Elifabethkirchstroße. Montag. 26. Oktober. Jung. fallen.4 und 0. Lesen und Erzählen. Dienstag, 27. Oktober, Rote Falken. Ncstfalken: Spiel- und Liederabend. Freitag, 80. Oktober, Turnen.(Tum- kl-idung mitbringen.) Weddiug: Montag außerordentlich« Kreishelfersitzung im Musikzimmcr der Schule Putlbusser Str. 8. Partei und SAJ. Ausweise mitbringen. Reuköllu: Morgen, Montag, Arbeitsstunde in der Baracke Ganghoferftraßr, ab 18 Uhr. Lichtkämpfer: Morgen Elternversammlung in der Baracke Gang- Hoferstrasse, 20 Uhr. Tagesordnung: Neuwahl des Elternobmanns. Fricdrichshain: Dienstag, 27. Oktober, 1N/< Uhr, K.-H.-Heim, Dieftelmeyer- strassc 6. Mitgliedsbücher vorlegen. Ntittwoä>, 28. Oktober, 18 Uhr, Bolls- tanzabend für Rot- und Iungfalken, Turnhalle Schule Litauer Ott. 18. Margarete Wcngels: Dienstag und Freitag 18—19.80 Uhr, Heim Tilsiter Str. 4, für alle Falken. Landsberger Platz: Montag Basteln für alle. Dienstag Bunter Abend für Rote und Iungfalken. Kreuzberg: Kreishelfersitzung Dienstag, 27. Oktober, 20 Uhr, im Heim Wassertorstr. S. Donnerstag, 29. Oktober, Falken-Bolloersamuilung. Rare Falken 18 Uhr, Iungfalken 17!4 Uhr, beide im Heim Wassertorstrassc. Sruppc Südwest und Bcrgmanustraßc: Elternabend am Dienstag, 27. Oktober, 20 Uhr. Voickstr. ll. Lichtbilder und Aussprache über dos Thema:„Iundg und Mädel". Referent Genosse Hans Weinbergcr. Tempclhof uud Marieudorf: Dienstag, 27. Okt., 20 Uhr, Kreisckternabend im Lokal von Pommcrening, Tempclhof, Berliner Str. 100. Lichtbilder über Kinderfrcundebewcgung. Ref. Gen. L. Knaucr. Alle Helfer treffen sich 19.12 Uhr daselbst. Hohcnschönhausen: Montag, 26. Okt.. von 17—18 Uhr in der Schul- baracke Dingelstädter Strasse. Seid pünktlich. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 132. Abt. Am 21. Oktober verstarb unser Genosse Wilhelm K sin ecke im Aller von 77 Jahren. Trauerkeier Montag. 26. Oktober. rr,4 Uhr im Krematorium Baumfchulcnwcg. Zill' »vi SozialistischeArbetterjllgenöGroß.Verlm Ewsendungen für dies« Rubrik nur an das Iugendfetretariat Berlm SW 68, Lindenstraße 3 Arbeit-gemeiuschaft Abraham: Die für heute angesetzte Arbeitsfahrt kann erst am l. November durchgeführt werten. Die bereits erfolgten Anmeldungen bleiben bestehen. Treffpunkt am 1. November, 814 Uhr, Bahnhof Rahnsdorf. Rundschreiben folgt. heute. Sonntag. Hallesche» Tor: 16 jlhr„Rote Ecke".— RenISll» N und X: Sternwetz str. 114: -.Abend. fGrupp« X; 8 Uhr Rwgbhf. Neukölln. 80 Pf.)— jUjäiäx 11: mielen in der Känigsheide. 9 Uhr Hertzberaplatz(Kihef). 20 Uhr Dravev- Abend, Treptower Str. Ob— 96.— Reuköllu VlI: Lanötagsbesschtiaung. 3 llbr KMS. 19 Uhr Elternabend. Kanner Strosse.— Britz: 9 Uhr WälSchen., OnN-f. Bröstg�Strass«. Werbung. 19 llbr Sbausseestr. 48: Lunter Abend. Di« Spiel. truppi Neukölln wirkt mit.— Svortpalast: 10 Uhr Sülowstraße.— Reiuick«»- dorf-vst: Livdauer Strasse, 18 Uhr: Werde, und Sllternadend. Eltarn und Parle, genossen stud herzlich«inaeladen.— Befteud: Sporwlatz Westend: Wiener «Send.- Adlers hol: Bi,marckiir. l: Smmobend.- TigeU Bahnhofstr. 15: Heimabend.— Dittenan: Hauptitr. 13: Haimadend. «srhedezirt Preuz lauer Berg: Be'eiligunz am Roten Jugendtag in Schildow. 9 Ubr Schildow. Autobushaltestelle. Folkentracht. Radfahrer 7% Uhr Schönhauser Alle« Eck« Danziger Straß« sNorwalnhr). Berbebezirk Lichtenberg: Arbeitstag. 9 Uhr Karlshorst. Tresko walle« 44. Wrrbebezirk Reivickeodorf: Wir beteiligen uns geschlossen an der Beran- stoltung der Gruppe Reinickendorf-Ost, 1714 Uhr Heim Lindaner Straße. Musikinstrument« mitbringen. Abt. Niederfchöuhanse» und Pank«»: Roier Jugendtag i» Schildow. 14>z Uhr Kundgebung am Bhf. Schildow. Morgen. Montag. Ahr. Sousa: Bochumer Str. 8b: Heimabend.— Moabit 1: Waldenser Str. 26: Arbcilsgerichtssiuung.— Moabit II: Lehrter Str. 18—18:„Der Arbeiter und die Wirtschaft".— Sportpalast: Senthiner Str. 17:„Alkohol und Nikotin".— Falk- platz I: Sonnenburger Str. 20:„Unsere Stellung zur KPD."— Zeltplatz ll: Sonnenburger Str. 20:„Kommunistische Katastrophenpolitik".— Aumaunplatz: Gleim str. 33—85: Politisch. satirischer Abend.— Rardostc» 18: Danziger Str 62: „Tagespolitik".— Audreasplatz ll: Brommvstr. I:„Karl Marx".— Hallefche, Tor: Borckstr. ll:„Komeradschaft, Freundschaft, Liebe".— Luileustabt: Wassertorstr. 9:„Die Konsumgenossenschaften".— Lichterseld«: Albrechtftr. 14»: Funk. tionärversommlung.— Baumschulcnweg: Ernslstr. 16:„Unsere Satzungen".— Johannisthal: Besuch des Fraucnabends.— Schöneweide N: Berliner Str. tzl: Arbeitsgemeinschaft.— Treptow: Wildenbruchftroße:„Sexuelle Fragen".— Friedrichoield«: Gunterstr. 44:„Moderne Literatur".— Hermsdorf: Roonstrasse: Vorstanbssiuung.— Lichtenberg- Nordwest: Beteiligung am Fraiienabend bei Borss. Möllendotfstraße.— Neukölln X: Beteiligung am Frauenabend, Leine- «crdcbezirk Bedding, Towbourkapelc: llebcn, Seestr. 84. Die Otog, das grosse Teppich, und Sardinen.Epezialhau, in der Leipziger Ecke Markgrafenstrasse, bat im Oktober einen Sonderverkauf veronstaltet. mit welchem fte wieder einmal Zeugnis von ihrer außerordentlichen Leistungsfähig. keit abgelegt hat. Bei einer feilen reichen Auswahl sowohl in ihrer Teppich-. Läuferstolk., Dekoration«, und Möbelstoff., als auch in ihrer SaröinenabtrUuvg hat die Otaa durch einen radikalen Preissturz ihre Preise trotz der von ihr geführten hochwertigen Qualitätswaren der heutigen Wirtschaftslage so günstig ovgepasst. daß«o einem jeden möglich ist, durch einen Einkauf bei dieser Firma mit wenig Geld zur Verschönerung seines Heimes beizutragen. Ei» besonder, den heutige» Bertältuissr» angepaßter sehr preiswerter Radioopporat ist der 3.Röhren. Empfänger Telefunken 83. dessen Preis infolge ein entsprechendes Modell zur Verfügung fleht. Mit diesem Empfänger hat man immer die Auswahl unter mehreren Programmen und ist nicht nur aus den nächsten Ortoscnder beschränkt, ohne daß man eine Hochantenne braucht. Der Name der Weltfirma Telefunken ist die Garantie für technische Höchst. leistuna. Es sei in diesem Znsammenhang nur daran erinnert, daß Telefunken nicht nur Rundfunkempfänger, sondern auch Großsender baut: Die b�'e» im Bau befindlichen neuesten Großsender Berlin und Hamburg sind Telefunken. Sender. Du»ud die..Urania"! Werter Leser! Du findest heute in deiner Zeiiung einen Prospelt der„Urania" beigefügt, den wir besten« zu beaäiten bttten. Drei Fragen werden gestellt, alle aus der wichtigen Erkenntnis heraus, dotz erfolgreiche und zielbewußte fortschriitlich-ireiheitliche Betätigung wissende Menschen braucht. Mensckzcn, die für den Gang der Entwicklung Verständnis baden und sieb durch entsprechende natur- und gesellschaftswrss-nschaftlilb« Schulung den richtigen Blick für die Möglichkeiten der Durchführung der histori. schen Aufgab« der Arbciterklasse im Tageskomps verschaffen. Die„Urania" Hr. beigaben kann sie laufend über die Forschungsergebnisse in Ratur. und Gefell. fchaftswiss enschaft berichten und auch systematisch in ollgemeinoerständlichee Weis« wichtige Fragen mnsassender kläre». �arumSorge•jjjjjj Trinken Sie den coff einfreien und völlig unschödUchen Nr. 501 ♦ 4S. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Sonntag, 25. Oktober 1931 Stichard Siuelfenbeck: 9n der Warfeüler Jolieiie Ich habe den Mann noch sehr Mit im Gedächtnis; es mag jetzt �iwei Jahre her fein; ich wollte das Chauteau d'Jj besuchen, und als ich, von dem einladenden Gebrüll der Schiffer umtobt, einen Kahn bestieg, fiel mir ein junger Mann auf. Das war ein Mensch von fünfundzwanzig Jahren, groh, überfchlank, mit strohblonden Haaren und zartem, sehr sein geschnittenem Gesicht..Leiner aus Süd- tKintreich", dachte ich sofort. Der junge Mensch trug einen sehr schöbigen Anzug, die Hose hatte ein Loch, die Schuhe waren Fetzen; die Feinheit seiner Gestalt und die Vornehmheit seiner Bewegungen standen in auffälligem Gegensatz zu seiner Ausmachung und seiner Tätigkeit. Die Schiffer liehen ihn schweigend gewähren, als er das Boot losmachte: er half mit der Geste des vollendeten Kavaliers einer alten Dam« im letzten Augenblick über den Laufsteg; dann schwang er sich mit seitlichem Schwung, der seiner Gewandtheit alle Ehre machte, ins Fahrzeug. Der Bootsführer sah einfach über den Menschen hinweg. Der kauerte sich ans Heck, umklammerte mit beiden Arme seine Beine und sah in die Weite; er hatte stahlblaue Augen. Jemand warf ihm eine Zigarette zu; er dankte mit gnädigem Kopfnicken, Holle aus schmierigem Hosenbund eine Schachtel Streich- Hölzer und zündete sich die Zigarette an. Am Ehateau d'Jf sprang er als erster an Land, glitt aus, benetzte sich die Fühe mit Seewasser, lächelte und wieder betätigte er sich helfend. Die alte Dame, eine spitzenbehängtc Südiranzösin, pensionierte Lehrerin aus Avignon, hatte eine so schnelle Zuneigung zu dem Blonden gefaht, dah sie nur von ihm gestützt werden wollte. Als wir wieder im alten Hafen von Marseille waren, gab jeder einige Münzen für den Helfer. Später überlegten wir uns, was das für ein Mensch sein könnte. Wir schätzten: Ein Stromer, ein Strandläufer, wie es deren viele in den Hafenstädten Europas gibt. Dann vergaßen wir ihn schnell. Gestern bin ich durch ein besonderes Erlebnis an ihn erinnert worden. Es kann gar kein anderer sein; Victoria hat mir ihn so genau beschrieben, dah jeder Zweifel ausgeschlossen ist. Ich kam gestern mit dem Dampfer„Patris II" hier an; ich bin ein alter Kenner Marseilles und hohe deshalb nicht nötig, mir die Sehenswürdigkeiten der Fremden zu Gemüte zu führen. Es genügt, dah ich die Lungen vollnehme von der aus Austern, Tang und Schiffs- taucndüftrn geschwängerten Luft; dann gehe ich natürlich einmal über die Cannebiüre, die Wunderstrohe, und begrüße die bekannten Kaffeehäuser, an deren Tischen ich manche Stunde verbracht habe. Einmal fahre ich auch um die Eorniche, lasse mir den Mistral um die Stirn Welzen und kaufe dem Pistazicnverkäuser an der Rond Point eine Düte ab; oder ich trinke ein Viertel Rot bei„Sindbad dem Seefahrer". Das sind olles Dinge, die unerläßlich find und erledigt werden miisien. Dann aber wende ich mich entschlossen vom offiziellen Marseille ob, schlendre den Boulevard de la Republiquc liinauf und tauche im Hafenviertel unter. Man muß an der Ozeanien-Bar vorbeigehen und dos Viertel zu erreichen suchen, das binter der Kathedrale liegt. Dort drängen sich die Häuser zusammen; man muß um die Gemüsekörbe turnen und den Muschclverkäuse- rinnen aumveichen. Die Häuser sind so alt, daß man sie teilweise mit großen Holzpfostcn stützen mußte. Hier gibt's Pferdeschlächtc- reien; traurige Pferdeköpfe hängen in die Straße und lassen sich von necigierlZcn SpaVcrgängerir besehen. �Gestern war'schlechtes Wetter: der Mistral hatte Regen mit- gebracht: ich sah einige Spahis, die sich ganz in ihre ungeheuren Mäntel verkrochen halten. Vor den Autos der Rue de la Republique hatten die Drecklachcn aufgespritzt, ober hier hinter der Kathedrale war Ruhe. Di« Häuser stehen so nahe zusammen, daß ein großer Mann mit ausgebreiteten Armen sie auf beiden Seiten glei'l'zeitig berühren könnte. Weiß Gott, was sich hinter diesen blinden Scheiben abspielt! Abends, wenn man friedlich über die Cannäbiere geht, wird man von den Anreißern schöner Mädchen hierher gc- wiesen. Es werden auch Filme empfohlen, die die Polizei nicht sehen darf. Hier irgendwo liegt der Kristallpalace; wo, wie man sagt, viele neugierige Damen aus Amerika frohe Stunden verleben. Gestern zankten sich in der Rue de fEocche zwei Regertrimmer; sie schrien in gutturaler Sprache auseinander los; kein Mensch wußte warum; während die Gemüsefrauen ruhig ihrem Geschäft nachgingen und schmutzige Kinder im Straßenkot wühlten. Ich stand wie die anderen und sah mir den Trimmerstreit an; sie brüllten noch immer, aber plötzlich blitzte etwas sehr Helles in der Luft.„Sie stechen sich!" schrie eine Frau mit piepsiger Stimme. Der Ruf„Polizei" gellte durch die regengesüllte Lust. Da sah ich Victoria. Daß sie Victoria hieß, hat sich erst später herausgestellt: eine Frau erschien, schlank, schwarzhaarig. Sie bc- wegte sich tanzend und singend aus einem der dunklen Hauseingänge heraus. Ihr Haar war glatt gescheitelt und hatte zwei Knoten über den Ohren; ein großer Kanmi stand über dem Hinterkopf. Das Ganze sah aus wie eine spanische Tänzerin. Jetzt erhob die Frau die Arme, ich hörte das trockene Knallen der ÄastagneUen. Der Körper drehte sich und die Füße bewegten sich im Takt auf dem trostlosen Pflaster der Rue de l Evöche. Als das Interesse der Leute sich der Frau zugewandt hatten, begann sie mit gellender Stimme ein neues Lied. Sie tobte sozusagen, sie stampfte mit den Füßen und schrie so laut, daß sich die Fenster öffneten und immer mehr Neugierige zusammenkamen. Ich fragte ein altes Weib, wer das sei; sie zeigte auf ihre Stirn:„Eine Wahnsinnige, Monsieur." Ich ging näher heran, um mir die Tänzerin anzusehem Nun fällt man natürlich als Fremder in der Ioliette mif, mag man sich noch so echt zurechtmachen. Die Leute, denen Höflichkeit angeboren ist, machten mir bereitwillig Platz; es bildete sich eine kleine Gasse. Es geschah nun etwas Ungewöhnliches. Victoria, die während des Tanzes bemerkt hatte, daß da jemand stand, der nicht alle Tage herkommt, hielt einen Augenblick an. Sie stoppte den gellenden Gesang und senkte- die kastagnettenbewehrten Arme. Dann schritt sie auf mich zu, ergriff blitzschnell einen Knopf meines Mantels und suchte mich in den freien Kreis zu ziehen. Ich faßte ihre Hand, wollte sie abschütteln, aber es gelang mir nur schlecht; wir balgten uns. Die Leute traten weit zurück, und es muß ein ungewöhnliches Schauspiel gewesen sein, das wir da geboten haben, Victoria und ich. Die Trimmer, die ihren Streit ausgegeben hotten, wollten sich totlachen. Sie gaben der Vermutung Ausdruck, es handele sich um den Gast eines Mädchens, der sich um die Bezahlung drücken wollte. Die ganze Szene hatte sich in westlicher Richtung fortbewegt, so daß wir plötz- lich an der Ecke des Boulevard des Domes standen. Hier gibt es viele Taxen; in plötzlichem Entschluß rief ich:„Auto!"; knirschend hielt ein Wagen vor uns. Ich drängte Victoria hinein. Mit einem Ruck entfernten wir uns von der Menge, die uns fröhliche Grüße nachsandte. Die Geschichte Victorias könnte zwei dicke Bände füllen; ich will hier nur wenige ihrer eigenen Worte wiederholen, weil sie Bezug nehmen auf den jungen Mann, von dem ich anfangs ge- sprachen habe.„Damals vor zwei Jahren", sagte Victoria,„waren die amerikanischen Schisse hier. Sie werden sie gesehen haben, mein Herr, kleine, graue Boote; sie lagen im alten Hafen. Wir kamen von der Ioliette, um uns die Schiffe anzusehen, ich und einige Mädchen, die in der Rue de la Major wohnen. Wir sind alle sehr neugierig, und wenn wir was Schönes sehen können, scheuen wir keine Fpßsohlen, mein Herr. Gleich links gegenüber dem großen Hotel ist ein Eoquillage- Händler, der Lemonnier heißt. Sie kennen ihn natürlich nicht, aber ich begrüßte ihn damals an dem Tage, als ich den Grafen W. kennenlernte. Der Graf W. ist ein 2pjährlger blander Mann.(Victoria beschrieb mir den Mann, der sich als Helfer bei meiner Bootsfahrt nach dem Ehateau d'Jf betätigt hatte.) Er ist Schwede; seine Ber- wandten haben große Güter in diesem Land und sind sehr reich. Gustav wurde aber entmündigt, weil er sich mit Frauen herumtrieb und sich alle- Tage vollsoff. Das- koiivleit-die Verwandten nicht leiden und deshalb gaben sie ihm kein Geld mehr und entmündigten ihn. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, was das heißt, mein Herr. Gustav wollte unter diesen Umständen nicht mehr in Schweden bleiben: er machte sich auf die Wanderschaft, und nachdem er in Deutschland. Ihrem Vaterland, eine Zeitlang geblieben war, kam er nach Marseille. Marseille ist eine schöne Stadt, wie Sie wissen: ober es ist nicht leicht, in Marseille zu leben. Gustav ist gar nickst ans Arbeiten gewöhnt: er lag im Hafen herum und begann bei den Bootsfahrten zu helfen. Manchmal gaben ihm die Fremden einige Münzen: die vertrank er dann später in den Kneipen der Ioliette. Anfangs haben ihn die Bootsführer oft geschlagen und fortgejagt; da er aber immer wiederkam, haben sie ihn schließlich gewähren lassen. Als die amerikanischen Schiffe hier waren, habe ich Gustav kennengelernt. Er stand da und guckte wie wir alle; qber ich sah gleich, daß er nicht aus Marseille war. Ich wußte gleich, daß er was Feines war. Er nahm meinen Arm und wir gingen in das Cafö, das neben dem Bazar des Docks liegt. Hier beschlossen wir zu heiraten. Gustav liebte es, wenn ich ihm etwas vortanzte; ich konnte vor zwei Iahren noch gar nicht tanzen, da aber Gustav immer von mir verlangte, ich solle tanzen, brachte ich es mir bei. Ich habe eine Freundin, die in einer Bar am Börsenplatz tanzt. Zu der ging ich und fragte sie um Rat. Sie war gleich bereit, mir zu helfen. Sie müssen wissen, daß wir Mädchen untereinander sehr freundschaftlich verkehren. O ja, wir wissen, daß uns alle das gleiche Ende erwartet und deshalb sind wir gut miteinander. Ber- stehen Sie das, mein Herr? Gustav wollte, ich solle ihm spanische Tänze vortanzen. Spanien, sagte er, ist ein Land, wo immer die Sonne scheint und wo die Leute deshalb gut tanzen können. Gustav war sehr einfach in seinen Gedanken, niüssen Sie wissen, mein Herr; aber er war auch sehr liebenswert. Ich richtete mich nach allen seinen Wünschen, und was Sie heute in der Rue de l'Evcche gesehen haben, war nichts anderes als so ein Tanz, wie ich ihn Gustav oft vorgeführt habe. Nun wollen Sie noch wissen, weshalb ich durch die Straßen tanze und so laut schreie, daß die Leute aufmerksam werden. Mein lieber Herr, daß ist leider sehr einfach. Ich war mit Gustav sehr, sehr glücklich— so glücklich, wie überhaupt nur ein Mädchen der Ioliette sein kann. Aber vor einem Vierteljahr hat sich Gustav mit seinen Verwandten wieder ausgesöhnt und er ist nach diesem verfluchten Land zurückgefahren, wo keine Sonne scheint und die Leute nur mit Regenschirmen umhergehen. Ich tanze, weil ich das gelernt habe und weil mir das Erleichterung' schafft. Ich bin sehr unglücklich." Ich habe nicht den Eindruck gehabt, daß Victoria wahnsinnig ist. Ich könnte sie täglich wiedersehen und der Sache auf den Grund gehen; ich bin ja schließlich auch aus einem nordischen Land; aber ich glaube, es ist doch besser, wenn ich mich auf die Strümpfe mache und ein Land weiterziehe. 3)er Weiße Tod Wer hat nicht geschimpft über die Flicgenplage im Sommer? Und doch sind im Herbst aus einmal alle Fliegen verschwunden. Der„Weiße Tod" hat sie hinwcggerasft. Wir sehen im Frllhherbst noch einige unbeholfen an den Fenstern sich herumttimmeln. In den Fenstermschen und an den Wänden aber beobachtet man sitzende, tote Fliegen mit weißlichem Staubhof umgeben. Die Füße sind weit abgespreizt und liegen lose aus der Unterlage, während der Rüssel fest an ihr haftet und die ganze Fliege trägt. Der „Weiße Tod" ist eine tödliche Krankheit, die jedes Jahr im Herbst die Stubenfliege befällt, auf andere Fliegen ansteckend wirkt und epidemisch auftritt, so daß zahlreiche Tiere zugrunde gehen. Die Krankheit wird von einem mikroskppisch kleinen Pilz, dem Fliegen- töter(Ewpusa muscae) hervorgerufen, der in der Leibeshöhle der Stub.enfliege lebt. Die Entwicklung dieses merkwürdigen Pilzes wird im Oktoberheft, mit dem die bekannte Fachzeitschrift„Mikro- kosmos" ihren 25. Iubiläumsjahrgang beginnt, eingehend geschildert. Daß übrigens diesem Pilze im Sinne der modernen biologischen Schädlingsbekämpfung auch eine praktische Bedeutung zukommen kann, geht aus der Anregung des Verfassers hervor, solche Pilz- sparen in Großkulturen künstlich zu züchten zu versuchen, um die aufdringliche Fliegenplage durch zeitlich unabl>ängige Sporen- bespritzung los zu werden. Es wäre dadurch unserer notleidenden Landwirtschast ein großer Dienst erwiesen und gereichte zum all- gemeinen Zvohl der Menschheit� Zur Verwirklichung dieses Problems kann aber jeder Naturfreund beitragen. Wie irägl der Wiarder ein Mühnerei? Daß Marder sowohl als auch der Iltis große Liebhaber von Eiern sind und nicht nur zum Hühnermord, sondern auch zum Eierraub manchen Hühnerhof aussuchen, ist bekannt. 2)ie Räuber vgrzchr.en abxr. ihre Bezste nicht immcsc ginOrt und Stelle, solcher» die Tiere nehmen ihren Raub auch mit sich fort. Wie ttogt'aber mm der Marder ein Hühnerei? Auf diese Frage gibt A. Usinger iin �Deutschen Jäger" auf Grund langjähriger Erfahrungen sowohl in freier Wildbahn als auch im Gehege Auskunft. Marder wie JUis verstehen ein unter dem Hals eingeklemmtes Hühnerei niit einer geradezu verblüffenden Fertigkett fortzuschaffen, natürlich nur in verhältnismäßig langsamem Tempo und nur so weit, als keine Hindernisse, wie Gräben oder Mauern überwunden werden müssen. In diesem Falle nimmt der Marder seine Beute behutsam in den Fang, um sie aber sofort wieder unter den Hals zu klemmen; wenn das Hindernis überschritten ist. Gelegentlich— ob das nur als Spielerei geschieht oder auch zum Zwecke des Fortschafiens, läßt Usinger dahingestellt— rollt der Marder das erbeutete Ei nach rückwärts gehend nur zwischen den Vorderpranken fort; es scheint aber bei dieser Art der„Verfrachtung" immerhin viel spielerischer Trieh mitzusprechen, darauf deuten auch die tollen Sprünge, welche die beobachteten Räuber gelegentlich dabei vollführen. Illisse im Gehege sah Usinger auf Stunden sich spielerisch mit Hühner- oder Taubcnciern beschäftigen. Im Falle des Bruches verzehren die Räuber ihre Beute an Ort und Stelle. Im königlichen Palais ia Berlin gab es unter Wilhelm I.»och keine Badewanne. Wenn der alle Wilhelm baden wollte, mußte eine Wonne aus einem benachbarten Hotel geliehen werden. VericaufssteHen w »Na« Stadtteifea thuhe * gafef Schttadron: död*. •• Die vierzigjährige Wäscherin Marin Berger hat sich �stcrn bei der Reichsbrücke in die Donau gestürzt. Die Leiche , wurde spät abends geborgen.(Zeitungsnotiz.) Gestern hat mir schon Franz Berger sc», die Wäsche gebracht. Slomisch, ungelenkig. Die Riesenarme mit dem Paket von rosa Fluß- papier starr vorgestreckt. Weit vor der Brust. Dann hat er mit der großen, roten Arbeiterhand die Rechnung aus der Brusttasch« gekramt: „Herr Doktor, bttt' schön, Sie Wissens doch. Meine Frau... Ja... Na.'S wird schon stimmen.. Do. Die Rechnung. Sie hat den Zettel noch selbst geschrieben. Alles in Ordnung. Sicher. Herr Doktor. Müssen's jetzt eine andere nehmen.'S ist halt ge- schehen. Aus. Kann man sagen..." .Aber warum denn, um Gottes Willen? Was war den»? Was sür Grund?" „'S war wegen dem Franzel. Wegen unserem Bub'..." Di« harte breite Stimme steigt plötzlich hoch und bricht jäh gläsern klingend in einem Girier ab. * Franzel... Ach, der... Ja. Ich erinnere mich... Am Sonntag. Abends. Auf der Tranchahn. Die Bergers kam«n gerade vom Slusjlug. Der Bub war mit. Der Franzel. Schon eingeschlafen. Kopf und Hände auf dem Schoß der Mutter. Die Allen... Voller Stolz. Sie zeigten auf die Gyinnasiasten- nnitze des Buben. Schwarzer Samt mit rotwcißer Borte: „Unser Franzel... Er geht schon ins Gymnasium..." „Ins Gymnasium..." Franzel... Eine leichenblasse gefurchte Stirne, darunter wie unter Flor die aufgeschwollenen Augenlider blauschwarz eingerahmt von breiten Ringen. Hinter dem schütteren, sahlblonden Schläfenhaar die großen, abstehenden Ohren. Wachsgelb. Eine bleiche lange schmale Hand hängt schlaff herunter und die dürren Beine wackeln im Rhythimis der Fahrt in dem dunkelblauen Jnstitutshoserl wie zwei trockene Stöcke. Die Atemzüge rasseln, rasseln aus der eingebrochenen Brust heraus, der Bub krächzst im Schlaf.„Die Luft tut ihm gut." sagt die Berger.„Krank?"„Oh, nein. Gott behüt'. Bisscrls schwach. Bisserl Husten..." * Der alte Berger steht noch da. Stimm. Den kurzgeschorenen, grauen Schädel weit vorgeneigt.- Wie einer, der sich sehr, sehr schämt. „Was war dem mit dein Franzel?" Der alle Berger hebt den schweren Kopi Ganz starr kommt es aus ihm. Gehackk. Wie eine Behauptung. Gegen einen großen, mächtigen inneren Einwand: „Ge— stör— den. Auch. Vorige Woche. Tot." „lind deshalb... Die Frau..." Berger nickt. Lange Pause. Dann crzähll er. Langsam ringen sich Worte herauf. Wie aus einem Brunnen. Ganz, ganz tief. Wie aus einem nu'ihseligen Leben. „Das... Das hat sie gleich niodergsriffen. Sie hat's nicht ausgehallen. Das nicht... Sie lft da gleich nntgestorben... Das ander«, die Donau, das war ja schon nur so... Am Sessel, wie's da gesessen ist, war's ja schon tot. Die Maria.. Sie häkt' ja gar nicht waschen brauchen. Ich verdien' aj schön.'Alles wegen dem Buben. Hören's, Herr Doktor, das war so ausspekuliert, alle zwei haben wir das ausspekuliert, gleich wie der Franzel aus die Welt kommen ist. Kein Kind ntehr: nichts mehr. Der Franzel wird ein Herr. Ein Rechtsanwalt. Oder ein Direktor. Wird nicht ge- treten. Kein Bettler. Kein Arbeiter. Herr Davor, ich br väifi einmal mehr in den Verein geangcn. Allein, allein muh man sich herauswurfteln. Aus der Armut. Aus dem Drcckleben... Zlllein. „Im Kind, im Franzel, müssen wir heraus, brauchen keineu Verein." hat die Maria gesagt. Verehrt hat sie den Franzel, sag' ich Of>nen. wie er ins Gymnasium kommen ist. verehrt wie einen Gott, wie das Allerheiligste, wie das Allerschönste, wie alle, all Sehnsucht im Herzen. Schaun's Herr Doktor, unsereins... Wir haben ja doch auch eine Sehnsucht. Zu was Besserem. Das haben wir alles hinein- gelegt, alles, alles, in den Buben. Die Frau... Die Frau l.nt überhaupt nichts mehr gegessen. Die Mehlspeis« von den Wasch- tagen, wo sie die Kost in feinen Häusern hatte, hat's in der Früh nach der Nachtarbeit immer dem Franzel gebracht. Sich nichts, mir nichts, nur ihm. Bis zum letzten Bissen. Schulgeld, Bücher, das Gewand, alles fein, wie ein Millionärssohn... Und dann... Dann hat's ihn angefallen.„Proletaricrkrankheit", hat der Me dizinalrat gesagt... Di« Maria ist zum Professor gegangen... Was? Proletarierkrankhcit? Dann ist's sehr schnell gegangen mit ihm. Paar Monat. Aus war's. Alles umsonst.'S ganze.'S ganze Leben.„Proletarierkrankheit." Kein Herr geworden. War halt ein Prolet. Der Franzel..." eike: SUmen Sie richtig? Man sollte glauben, daß es die einfachste Sache von der Welt sein müsse, sich zu setzen oder zur Ruhe hinzustrecken.'Aber das ist keineswegs der Fall. Sitzen und Liegen sind nicht etwa an- geborene Funktionen des Körpers, die jeder Mensch in der richtigen Weise ausführt, sondern die meisten Menschen sitzen und liegen falsch, d. h. verkrampft, mit angespannten Muskeln, oder zusammen- gedrückt, mit hohler Brust und rundem Rücken oder gar zusammen- gerollt wie ein Igel. Du staunst, liebe Lcscriiy und schüttelst etwas ungläubig den Kopf! Vielleicht bist du der Ansicht, daß es sich hier um die neueste Modelaune handle, die auch das Einfachste zum Problem mache, oder d» verbindest mit dem Begriff des Sitzens den weniger an- genehmen des—„Sitzenbleibcns"... Aber dn wirst bald eines Besseren belehrt werden, wenn du dir einmal Skulpturen der Antike aufmerksam betrachtest, wenn du dir genau anschaust, wie griechische Männer und Frauen zu sitzen und zu liegen pflegten. Der Unterschied fällt sosort ins Auge. Völlige Gclöstbcit des Körpers, eine ungezwungene, natürliche Haltung der Füße, eine mühelos atmende Brust— und niemals ein vorstehender Bauch! 'Vergleichen wir damit die Art des heutigen Stubenhockers, zu sitzen und zu liegen, dann werden wir ganz von selbst die Forderung on uns stellen, wieder richtig sitzen und liegen zu lernen. Wenn du also, liebe Leserin, in den nächsten Tagen zu einer befreundeten Familie zu Besuch kommst und du findest die Familienmitglieder nebeneinander flach auf dem Rücken liegend am Fußboden, so erschrick nicht etwa und rnse nm Hilfe, weil du annimmst, es sei ein Unglück passiert, sondern tue desgleichen, denn es gibt kein SnfMn einem maiuriichen See JCerbflabend Daß du von allen wunderbar gerühmten Landschaften der Welt an diesem goldenen Abend die um dich leuchtende aufgesucht hast, wird dich big ans Ende deiner Tage niemals gereuen. Denn hier wird unverfälscht und ungeprägt von Bädelern das Gold der Einsamloit gezaubert, auf dcy Wassern, im Laub der Bäume und am Himmelsrande. Ganz in der Ferne noch in den Fenstern einer Bauernhütte. Die Wanderschaft, die dich hierher geführt, war eine Gnade. Sie durchwob den Tag wie eine Melodie, und diese Melo- die war volksliedhast namenlos und erfüllte die Ebene, die stille, weltferne, in der schon Bäume und Blumen wie lebendige Wesen wirken(sie haben ja auch Seelen), und in der ein plötzlich vom Walde her erscheineirdes Reh wie eine Braut sich naht sür diese Träumergestalt, in die du heute versunken bist. Nun aber ist es gar Abend. Im Herbst. Eines klaren Sonnen- tagss flammendes Ende. Da gelangtest du an den See. Es gab keine Menschen auch hier. Du warst der einzige, dem die Pnade -zuteil wurde, diese güldene Landschaft mit königlicher Seele zu beherrschen. Denn du trugst eine Krone. Draußen in der Welt hast du dich noch nie so gekrönt gefühlt von deinen Erfolgen oder gar deinen Triumphen. Was sind das auch für Begriffe: Erfolg-- Triumph-- Sag ein einziges Mal aus von ihr allein erfüllter Seele: Abendsonne! und du trägst die Krone von Märchengold. So ist es. Da rasen und jagen die echt geprägten Herrscher des Geldes und der Welt nach dem Glück, sie können sich alles -leisten, sie hätten auch mit ihrem Auto hicrhersahren können. Aber was tun sie, wenn ihnen die Gnade fehlt? Du fühlst dich unendlich beglückt, auserwählt zu sein, an diesem stummjubelnd-goldenen Abend vor diesem See zu rasten, fern von dem lächerlichen Getöse, das jene Betriebsamen in der Welt da draußen machen. Nicht daß dich der Gedanke adelt, du seiest als Dichter von Rang vom Schicksal aueerwählt, dies zu erleben, um mit dem darüber Niedergeschriebenen dich zu brüsten. Ferne, wie ferne schläft auch die betriebsame Feder. Welch lächerliches Ding ist ein Federhalter hier, und wie soll das gedruckte Wort diese goldene, unsagbar stille Welt umprägen, anders als wenn es eine Musik des heiteren Schweigens und des stummen yubels gäbe? Es gibt sie. Hier webt sie. Aber wir haben kein Organ für sie. Das Ohr h ö r t die Ewigkeiten wandern. Der Mund schmeckt das Gold der Sonne. Und ein Entzücken breitet sich über die ganze Haut, die in Schönheit badet. Was kann ein Wind für ein herrlich Wert der Unendlichkeit sein. Er ist das Zarteste, was es zu denken gibt, so ein sanfter Abendwind, aber feine' Gewalt koiiultt aus den Ewigkeiten, denen er entsteigt. So kräuselt sich der See vor ihm, von Ewigkeiten berührt. Es ist ja gar nicht so einfach, zu erklären, daß so und glicht anders sich Wellen formen müssen. Warum so rührend schön, wie es heute vor deinen Augen geschieht? Und warum zittert dem Jjerz mit? Ja, und da stehst du am Ufer und bist ein Baum. Ein Baum ist mehr als ein Mensch, weil er weiser ist und keine Erfolge haben will. Weil er i st. Schicksalhast. Unendlich einsam. Ungelangweilt. Ganz in sich hineingehorcht. Er weiß das Jahr in seiner Fülle zu schätzen, und dem Stürmen des Winters gibt er sich ebenso ohne Fluchgcdanken hin, wie seine Hingabc an die Dinge etwa wüchse, wenn Sommer und Sonne ihn kost. Gewiß, wenn du lange mit einem Baum zusammenlebst, kannst du merken, wie er manchmal seine Zweige hebt und betet. Durch seine Blätter geht das zärt- lichste Lächeln der Welt. Heute abend hast du Zeit. Und die hundertjährige Eiche ist wieder einmal golden geworden. Wie langweilig wäre einem Menschen dieser einfache Wechsel der Jahreszeiten. Aber haben wir überhaupt noch Jahreszeiten mit den Bäumen und Tieren? Wollen wir nicht alles überwinden und im Frühling Herbst fabrizieren, im Winter Sommer? Wir ertragen nichts mehr. Diese Stunde am abendlichen See aber trugst du. Und sie trug dich. Du hattest plötzlich Wurzeln. Du ruhtest aus Siehst du. sagte die große schöne Welt, man muß nur einmal stillstehen. Ganz still in der Stille Dann ist bei all der Krankheit eurer Seelen alles Heilige wieder da. Und du nahmst ein Boot und fuhrst hinaus. Was dann kam, wußtest du nicht mehr. Und nur dies Präludium konntest du not- dürftig niederschreiben. Alles ward mehr als Wald und Himmel und See und Seele. Es geschah Unbeschreibliches. Manchmal wurde dir noch bewußt, daß Wind ging. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Erst als die Sonne längst gesunken war, stiegst du ans Land. Und der Mond lachte, und du schrittest durch die Nacht. Wenn 5)äus«r kamen, flohst du sie mit ungeahnter junger Kraft. Du trugst die jul'ekKden Schätze deiner Seele durch das Land, bis der Morgen graut«. Dann stiegst du doch in die Eisenbahn und wurdest langsam wieder zivilisierte Maschine. Die lachte: Mensch, was war dir nur? Und in dir weinte es. Aber du warst zu feige, zurückzukehren und für immer al» Mensch so zu leben wie ein abendlicher Baum am weltverlorenen See. besseres und einfacheres Mittel, um wieder richtig sitzen und liegen zu lernen. Aber Spaß beiseite! Ist es nicht ein häßlicher Anblick, unsere Kinder auf den Schulbänken sitzen zu sehen, wie sie sich heute noch in den meisten Schulen erhallen haben? Steif, unbequem mit hochgczogencn oder hängenden Schultern, beugen sie sich über Hefte und Bücher, die entweder zu hoch oder zu niedrig vor ihnen auf den Bänken liegen. Und kommen die Kinder nach Hause, dann sitzen sie meist aus den gleichen Stühlen wie die Erwachsenen, also viel zu hoch— die Betten aber sind in den meisten Fällen zu kurz, vor allem in Arbeiterfamilien, in denen gespart werden muß. Die Ausgabe für ein Erwachscnenbctt ist zu hoch, und so schläft der Heranwachsende immer noch im Kinderbett, obwohl er sich darin niemals ausstrecken kann. Und dann wundert sich die Mutter, wenn. das Kind morgens müde und unausgcruht ist, unlustig und unfähig zur Arbeit... Ja, das Sitzen und Liegen ist ein sehr ernstes Problem, denn keiner Mutter kann es glcichgüllig sein, wenn die Kinder dauernden Schaden davontragen, wenn sich Rückgratverkrümmungen, schiefe Schultern, Unterleibsleidcn, nervöse Störungen einstellen. Jede Mutter hat deshalb das Recht, zu fordern, daß der Lehrte'" Kinde eine andere Bant zuweist, wenn es seiner Größe entsprich zu hoch oder zu niedrig sitzt. Sie hat aber auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß das Kind zu Hause ebenfalls bequem sitzen und liegen kann. Es ist sehr ersrculich, daß heute bereits Aerztc, lf.ajmfer und Innenarchitekten gemeinsam daran arbeiten, möglichst zweckmäßige und gesunde Sitz» uird Licgemöbel aus den Markt zu bringen. Ein Besuch der Ausstellung„Vom Sitzen und vom Liegen", die zur Zell i» Berlin stattfindet, gibt einen interessanten Einblick in die Cr- gcbnisse dieser Gemeinschaftsarbeit. Die neueren Möbettypen, die hier gezeigt werden, sind außerordentlich praktisch. Da sind breite. bequeme Liegestühle aus Stahl und Holz, da gibt es die elosttschen modernen Ruhebetten, die aus England herübergekommenen „Couchs", die am Tage zum Ausruhen einlade» und gleichzeitig jedes Zimmer gestalten. Helle freundliche Blumenmuster schmücken sie:r- däs.Auge erfrischt sich, an ihren Farben. Nachts aber werden aus--der. Äpscnumhllllitng Decken' und KopstisW ausgepackt, und die Couch verwandelt sich in ein„richtiges Bett" zum Schläfern Auch die modernen Sessel und Ruhestühle beruhen auf dem Prinzip völliger Elastizität. Rückenlehne und Sitz bestehen aus elastischen Bandfedcrn, deren Material erstklassig ist. 5)ier wie bei den modeimen Matratzen, die ebenfalls aus auswechselbaren Einzclsedcrn bestehen, ist auch die Mottenge fahr so gut wie unmöglich gemacht, denn es gibt ja weder Seegras noch Werg oder sonstiges Füll- Material. Die von einer dünnen Baumwolldecke umhüllte elastische Stahlfeder ersetzt jede Polsterung. Weich, angenehm, behagllch sitzt es sich in diesen Stühlen, die hygienisch und ästhetisch gleich ein- wandsrei sind. Auch die neuen Typen der Stahlnwbel haben sich bedeutend verbessert. Gewiß wird es gegenwärtig leider nur sehr wonigen Arbeiter- samilien möglich sein, sich eine moderne, elegante Couch für etwa 200 M. zu kaufen, und auch die Ruhe- und Liegestühle werden nur teilweise erschwinglich sein. Trotzdem aber sollte jede Frau sich diese neuesten Typen, wo inuner sie Gelegenheit dazu hat, gründlich ansehen und sie ausprobieren, bevor sie irgendeine Anschaffung sür den Haushalt vorsieht. Denn wenn sie auch nicht das Beste und Eleganteste kaufen kann, so wird doch durch eine solche Besichtigung unter allen Umständen verhütet, daß hygienisch Minderwertiges für nicht immer billiges Geld gekauft wird. Es ist ein Unsinn und eine Verschwendung, in einen Arbeiterhaushalt unzweckmäßige Ruhe- und Sitzgelegenhelten zu bringen, nur damit etwas dasteht. Gerade der Arbeiter und feine Familie müssen Gelegenheit haben, sich da- heim zu entspannen, und wenn man weiß, daß ein Sechzigjährigcr etwa 200 000 Stunden sitzend und liegend oerbracht hat. dannjvird einem auch die Bedeutung des richtigen Sitzens und Liegens erst klar. Wir stehen heute in den Anfängen des Arbeitersports, der das Körpergesühl auch in denen weckt, die tagsüber in Fabriken und Betrieben stehen müssen. Nun ist ee on der Zeit, noch einen Schritt weiterzugehen und dieses Körpergefühl auch im Arbeiter h a u s h a l t zu seinen Rechten kommen zu lassen. Der größte Goldschah. Die größte Goldreserve der Welt bc- findet sich in New'Zork in den Kellergewölben der Federal-Reseroc- Bank. Diese Keller liegen in einer Tiefe van t8 Metern in den Felsen der Halbinsel Manhattan und sind von einer runden Stahl- tiir, die zwei Nieter breit und fünf Zentimeicr dick ist, abgeschlossen. Tag und Nacht wird der Goldschatz van zwöli Mann bewacht, und zum Oeffnen der Tür sind�zwöls BeanUe notwendig, von denen 'jeder einen andersgeforimcn Schlüssel hat..Wenn irgend etwas nicht in Ordnung ist, ertönen zahlreiche Schelsen und andere Alarmsignale. I erJetUfaZag verkpmml! Aul demLahnyok in Lubsreit-Znttepoüte brannten vor einigen Monaten 2 r.ageryäuler mit aUen darin deklndlichen Sutern nieder. 2lerumän.VaYn-u.LoUbehürden bertvetgerten jeden Achadenertat?. Vir haben an untere Verücherten Gnttchädtgung in Getamthühe von so 000 NM. gezahlt, c Wie grotz mögen die veriultc der vielen Firmen geiveten lein, die nicht kür den Tand- transponberllchert waren? Gehören Ate;u ihnen? Sann lchüt?en Ate üch xufcünktig durch eine Transportvervcherung bei uns: miM? UND VEfiTSI CH£RUNC TUTTGARTER VEREIN ♦AKIIEN-CESE II SCHAFT 'Jen T«Ä uhlen«if n unecic Venkhencs *00Q00 Rntbrnark. JeJt Mi nur*- Nacht- rncldee nun un» «•»«<1 Schaden. JtJt Jriire Fjmitu ist bei uns versichere. 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