BERLIN Montag 26. Oktober 1931 10 Pf. 302 B 251 48. Jahrgang Ersckeinttäglich außerSonntags. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". BejugSpreis beide Ausgaben KS Pf. pro Woche, 8,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW6g,Lindellstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Anzeigenpreis: Die einspaltigeNvnpareillezeile S0 Pf., Reklamezeile s M. Crmaßigun en nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 3? S3S.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Lavals Heimreise Llnbefriedigendes Ergebnis der Amerikafahrt Der französische Ministerpräsident L a v a l tritt heute die Rückreise aus Amerika an. Herausgekommen ist bei seinen Unterhaltungen mit Hoooer so gut wie nichts. Drei Fragen standen im Vordergrund, die man mit den Schlagworten Weltwirtschaftskrise, Rcpara- t i o n e n und A b r ü st u n g bezeichnen kann. Was die erste dieser drei Fragen betrifft, so beschränkt sich das gemeinsame Kommunique auf einige allgemeine Redensarten über die Notwendigkeit, den Goldstandard aufrechtzuerhalten. Ueber die Reparationen heißt es: Hinsichtlich der zwischen den Regierungen bestehenden Ver- pslichtuiwjen erkennen wir an, daß vor Ablauf des H o o v e r* Moratoriums irgendein Abkommen darüber notwendig sein dürfte, durch das die Periode geschäftlicher Depression überbrückt wird, über dessen Einzelheiten und Bedingungen scdoch die beiden Regierungen alle Vorbehalte m a ch e n. Di« Initiative hierfür sollte baldigst von de» europäischen i Möchten ergriffen worden, die im Rahmen der vor dem 1. Juli 1931 bestehenden Abkommen hauptsächlich daran beteiligt sind. Das bedeutet die prinzipielle Aufrechterhaltung des Doung-Plüns, zugleich aber auch dos Eingeständnis, daß die Wiederingangsetzuna des Voung»Plans am 1. Juli 1932 praktisch ausgeschlossen ist. Darüber, was weiter zu geschehen hat, behalten sich die Regierungen alles vor. Ueber die Abrüstung wird gesagt: Es ist nicht unsere beiderseitige Absicht gewesen, unsere Regierungen bindende Verpflichtungen einzugehen, sondern eher durch die Entwicklung des Tatbestandes jedes der beiden Länder instandzufetzsn, wirksamer aus seinen: eigenen Gebiet zu arbeiten. Es ist unsere gemeinsame Absicht, daß die Konferenz für die Rüstungsbeschränkung nicht verfehlen wird, sich des Vorteils der sich ihr bietenden großen Gelegenheit zu bedienen, und daß sie imstande sein wird, ihre wirkliche Zlusgabe tatsächlich zu erfüllen, die in der Organisation einer festen Grundloge fiir dauernden Frieden besteht. Das heißt, Amerika ist nicht bereit, auf irgendeine der Bedingungen einzugehen, von deren Erfüllung Frankreich das Gingehen auf Abrüstungspläne abhängig macht. Es will nichts tun, um die angeblich noch immer nicht genügend gewährleistete„Sicherheit" Frankreichs noch weiter zu schützen. Das französische Abrüstungsmemorandum stellt aber verbesserte Sicherheit als Vorbedingung für jede künftige Abrüstung auf. Somit ist auch die Abrüstungskonferenz bis auf weiteres und vielleicht endgültig auf das tote Gleis geschoben. Die französische Oefsentlichkeit hat die Reise Lavals in wenig fröhlicher Stimmung begleitet, die sich von Tag zu Tag noch verschlechterte. Dazu hat das meiste das Auftreten des Senators B o r a h beigetragen, der in seiner tempe- ramentoollen Art eine Aenderung der deutsch-polnischen Grenze sowie der ungarischen Grenzen forderte. Diese Forderung hat in den interessierten Ländern einige Auf- regung hervorgerufen. Desto mehr Beifall fand in ihnen die Antwort Lavals, man könne nicht den Frieden Europos sichern, indem man die bestehenden Grenzen in Frage stelle. Der gutgemeinte Vorstoß Borahs hat schwerlich etwas genützt, er hat vielleicht eher die augenblickliche Verwirrung gesteigert. Durch das negative Ergebnis der Reise Lavals nach Washington wird die Notwendigkeit der d e u t s ch- f r a n- zö fischen Verständigung nur noch gesteigert und unterstrichen. Was fagt Paris? Paris, 26. Oktober.(Eigenbericht.) Die nationalistische Presse Frankreichs ist mit dem Ausgang der Besprechungen äußerst zufrieden. Der„Matin" bezeichnet ihn als den Sieg des gesunden Menschenverstandes, das„Echo de Paris" stellt mir Genugtuung fest, daß Laoal in den Frage» der oicherheit und der Landesverteidigung unnachgiebig geblieben ist, so daß Hoover und Stimson die von ihnen vorbereiteten Vorschläge erst gar nicht zur Diskussion gestellt haben. L e o n B l u m greift im„Popu- laire" Laval scharf an und erklärt, die Washingtoner Reise bedeute eine neue Enttäuschung, die ohne Zweifel viel bitterer als alle anderen verspürt werden würde. Der Schiedsspruch für den nlederschlesischen Steinkohlenbergbau, mit einer Lohnkürzung um 7 Proz. für die erwachsenen Arbeiter, wurde heute vormittag für verbindlich grflöri. Gemeindewahlen in Anhalt Die bürgerlichen Parteien ausgerieben Dessau, 26. Oktober.(Eigenbericht.) Lei den anhaltischen kreisiags- und Gemeinde- wählen erhielten bei einer Wahlbeteiligung von 85 Proz. die Sozialdemokratie 67 474 Stimmen, der Kali anale Block(volkspartei und Deutschualionale) 27 6l5 Stimmen, die Deutsche Staatsparlei 8634 Stimmen, die Kommunisten 29 390 Stimmen, die Aationalsoziolisien 76 430 Stimmen. Gsgemiber der letzten Reichstoaswahl bedeutet das einen S t i in m e n r ü ck g a n g der Sozialdemokraten, die, bei allerdings wesentlich stärkerer Wahlbeteiligung(93 Proz.), bei der Reichstags- wähl 84 979 Stimmen erhalten hatten. Die Kommunisten hotten bei der Reichstagswahl 23 742, die Nationalsozialisten 43 634, Volks- Partei und Deutschimtional« 50 800 Stimmen. Die Staats- partpi hat sich in Anhalt, ebenso wie vor kurzem in Hamburg, beträchtlich erholt. Bei der letzten Reichstagswahl zählte die Staats- Partei in, ganzen Lande AnHall 5026 Stimmen: gestern erhielt sie bei der soviel geringeren Wahlbeteiligung 8634 Stimmen. Freilich fällt sie trotzdem in den meisten Geineindeparla- menten aus, da die letzten Gemeindewahlen am 27.?kovember 1927 stattgefunden Hollen und ihre Stimmenzahl im Pergleich zu 1927 sehr erheblich gesunken ist. Die Mandotsverteilung in den Hauptstädten beweist, daß der Nationalsozialismus eine rein bürgerliche An- gelegenheit ist. Der beabsichtigte Einbruch in die Front der Arbeiterbewegung ist ihm, bis aui wenige Ausnahmen, nicht gelungen. Ja der hauplfladl Dessau hatten die Sozialdemokraten im alten Gemeinderot 14 und die Kommunisten 2 Sitze, im neuen Gemeindcrat hat die Sozialdemo- kratie 13 und die KPD 4 Sitze. Der Erfolg der Nationalsoziolisten ist ausschließlich auf Kosten der Deuts äz nationalen und der Volkspartei, zum Teil auch der Hausbesitzer, zustande gekommen. In Dessau saßen im alten Gemeindcrat auf der bürgerlichen Seite 11 Vertreter der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei, 4 Hausbesitzer, 3 Staatsparteiler und 2 bür- gerliche Mictervertretcr. Davon sind 2 Volkspartciler und 2 Hausbesitzer übrig gebliebenl 15 völlig neue bürgerliche Mandate haben die Nationalsozialisten bekommen. AehnTicho Ziffern liegen aus den übrigen größeren Städten des Landes vor. Dafür nur noch zwei Beispiele: In Bernburg saßen im alten Gemeinderat 11 Sozialdeinot raten und 4 Kom- iiuinisten, im neuen Gemeindcrat fitzen 10 Sozialdemokraten und 6 Koimnunisten. Im allen Gemeinderat waren 9 Stadt- verordnet« der bürgerlichen„nationalen Einhellsliste", 1 Staats- parteiler und 5 Mittelstämilcr, im neuen sind von den 9 Bürgerlich- Nationalen nach 2, von den 5 Nilllelständlern noch 3 übrig geblieben. Die Staatspartei ist verschwunden! Dafür sind 10 Nationalsozialisten eingezogen, also gleichgeblieben« Mcmdatszahl des Bürgertums mit dem einzigen Unterschied einer Umschichtung zugunsten der Nationalsoziali st cn! Ebenso in kölhcn: im alten Gemeindcrat 13 Sozialdemokraten und kein Kommunist. Im neuen Gemeinderat 11 sozialdemokratische und 2 kommunistische Stadtverordnete, also wiederum 13. Im ollen Gemeinderat 17 bür- gerliche Vertreter(Nationale Einhellsliste 13, Staatspartei 3, Nationalsozialisten 1), im neuen Gemeinderat setzen sich diese 17 Bürgerlichen zusammen: Nationale Einheitsliste 2, Staatspartei 2, Deutschnationale 1, Nationalsozialisten 12, wiederum das gleiche Bild. Für die Sozialdemokratische Partei darf gesagt werden, daß sie sich gut behauptet hat, wenn man berücksichtigt, wie sehr der ganze Wahlkamps ausschließlich aus ihre Kosten geführt worden ist. Sowohl die bürgerlichen Parteien, vor allem ihr„nationalsozialistischer" Vortrupp, als auch die Kommunisten, haben ihren Wahlkanrpf aus- schließlich gegen die Sozialdemokratie gerichtet, und da auch in Anhalt eine große Anzahl sehr notleidender Gemeinden mit großer Arbeitslosigkeit besteht, bedeuten die rund 70 000 sozialdemokratischen Stimmen einen wirklich überzeugten treuen Stanim von Wählern. Allgerncinpolitisch srellich muß gesagt werden, daß die meisten G em e i n d c r ät e, auch der großen Städte, arbeitsunfähig geworden sind, da auch hier die Kom- munisten nicht Arbeiterpolitik treiben, sondern mit den Faschisten vielfach zusannnengehcn werden. Oer iialiemsche Giaaisbesuch. Grandi in Verlin. ilillcr dem Schutz eines seit vielen Jahren nicht erlebten Polizei- ausgebotes ist der italienische Außenminister Grandi gestern früh aus dem Anhalter Bahnhos eingetroffen. Im Gegensatz zu de» Besuchen der englischen und französischen Minister war das Interesse der Oefsentlichkeit gering. Die Italiener verließe» nach der Be- grüßung durch den Reichskanzler den Bahnhos durch einen Seiten- ausgang. Nach den üblichen Besuchen und dem Frühstück beim Staats- sekretär des Auswärtigen Aintes folgten am Nachmittag Besprechun- gen. Beim Abendessen tauschten der Reichskanzler und sein Gast die offiziellen Trinksprüche. Brüning ging von seinem Besuch in Rom aus zollte dem„mit jugendlicher Energie" aufstrebendem italienischen Bolke ehrliche Bewunderung", in dem derselbe Lebens- wille herrsche wie bei uns und schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, jenseits der Alpen volles Berständnis zu finden für unseren Kampf gegen die wirtschaftliche Rot und für unser Streben nach Freiheit und Gleichberechtigung. Grandi übermittell« die Hoffnung seines Chefs Mussolini, es möge sich bald eine günstige Gelegenheit bieten, um der Einladung nach Berlin zu folgen und um persönlich die Unterredungen fort- zusetzen. Nach rednerischen Berbengungen vor Deutschland, seinem opfermutigen Volks und seiner Hauptstadt, feierte auch er die ver- ständnisvolle, vergangenen Hader bewußt ausschaltendne Zusammen- arbeit. In dem gleichen Sinne halten sich die Interviews und sonstigen öffentlichen Aeußerungen der beteiligten Staatsmänner. Hiiler will„Vofwärts"-Verboi. Feierliche Aufforderung an den Reichsinnenminister. Der„Völkische Beobachter" in München widmet einen großen Teil seiner Sonntagsausgabe dem„Vorwärts", den er einer„tolldreisten Schmähhetze gegen Minister Klagges" beschuldigt.„Schwere Verstöße gegen das Republikschutz- gesetz" werden uns auf das Konto gesetzt. Weiter ist die Rede von„unglaublichen Hetzartikeln",„Untexwühlungs- Politik",„Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ord- nung",„st a a t s a b t r ä g l i ch e r(!) und unanständiger Tonart" u. ä. Zum Schlüsse heißt es: Wir erheben deshalb vor aller Oefsentlichkeit die Frage, ob dem Reichsminister des Inner», der von sich aus jederzeit ein derartiges Verbot von der zuständigen Landcsbehörde verlangen kann, vom Inhalt der oben wiedergegebencn„Vorwärts"-Artikel etwas bekanill geivordcn ist. Wir fragen ferner, was das Reichs- i n n e n m i n i st e r i u m nach der Kenntnisnahme der erwähnten Hetzstellcn für Schritte zu unternehmen gedenkt, um die im Sinne der beiden Notverordnungen vom 28. März und vom 17. Juli 193l durch den„Vorwärts" begangenen politischen Ausschreitungen wirksam zu ahnden. Welche Wirkungen dieser Appell gehabt hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Wird man an uns die Auffordening richten, wir sollten uns in Zukunft, was„ftaotszuträg'liche" und anständige Tonart betrifft— den„Völkischen Beobachter" zum Muster nehmen? Knechte der Schwermdusirie. Empörung gegen die Hitler-Partei im Oeutschnationalen Handlungsgehilfenverband. In der„Deutschen Handelswacht" bespricht Max Habermann, Bermaltungsratsinitglied des Deutsch- nationalen Handlungscsehilfenoerbandes, das Bündnis, das Hitler in Harzburg mit Hugenberg geschlossen hat. Dieser Slrtikel ist um so bemerkenswerter, als Habermann mit Recht darauf hinweist, daß der Deutschnationale Hand- lungsgehilfenoerband bisher der national- sozialistischen Bewegung außerordentlich wohlwollend gegenübergestanden hat. Trotz- dem schreibt er: „Die nationale Opposition, wie sie bisher in Harzburg ausgetreten ist, bereitet uns eine schwere Sorge, weil sie die Gefahr deutlich macht, daß der nationale Sozialismus seinen Weg im Bündnis mit der sin st er st en. von der Schwerindustrie finanzierten sozialpolitischen Reaktion gehen will." Den Versicherungen der Nazis, daß sie nach wie vor für die Gewerkschaften und für das Tarifrecht eintreten, mißt Habermann keinen Glauben bei. Denn: „Bestehen bleibt freilich, daß im Hamburger Wahlkampf von der nationalsozialistischen Gauleitung ein übles Flugblatt gegen die Sozialversicherung veröffentlicht worden ist, in dem einfach behauptet wird, daß die Beiträge der Arbeiter für Berwoltungskosten, für Luxusbauten, für klotzige Bonzengehälter. für Scheinkranke und Drückeberger verbraucht werden. Solche übertreibenden Verallgemeinerungen kann nur ein grundsätzlicher Gegner der Sozialversiche- rung aussprechen. Und wenn man sich mit Hugenberg vcr- bändet, der durch seinen Funktionär als Ergebnis der Harzburger Tagung mi Reichstage sagen läßt,„die Arbeitslosigkeit kann sich nicht vermindern, solange wir eine Zwangsbewirtjchaftung der Arbeit haben mit dem Schlichtungswesen, den Schieds- sprächen und der Unabdingborkeit der Tarifverträge", dann ist der Schluß naheliegend, daß der Nationalsozialismus für diese Reaktion Handlangerdienste leisten soll." Zusammenfassend sagt Habermann: „Wer in Harzburg das Aufgebot an Jndustriesyridizi gesehen hat, muß annehmen, daß sich die Schwerindustrie mit ihren sehr handgreiflichen materiellen Interessen bei Hitler besser aufgehoben hofft, als bei der Regierung der Gewerkschafter Brüning und Stegerwal d." Nach dieser Kennzeichnung der„Harzburger" durch Habermann nimmt es sich wunderlich aus, wenn der Ver- fasser gleichzeitig eine Synthese Brüning-Hitler auf außenpolitischem Gebiete für möglich hält. Der„r e v o- lutionäre Nationalismus" müsse mit den ch r i st- lich sozialen Mächten zu einem geschlossenen Einsatz zusammengeführt werden. Diese leise Andeutung einer Möglichkeit läßt Hugenbergs Montagsblatt bereits zornig auffahren: Solche Gedanken wären nicht aufgetaucht, wenn nicht einzelne Führer der nationalsozialistischen. Bewegung vor und noch der Tagung in Harzburg in ihren Reden den E i n d r u ck erweckt hätten, als ob sie das von der Nationalen Opposition gemeinsam für eine bestimmte Wegstrecke aufgestellte Ziel des Sturzes des heutigen Systems in Deutschland nicht billigten. Wer die Führer ciuer Kampfgemeinschaft in herab- sehender weise angreift, muh sich nicht wundern, wenn der Gegner dieser Kampfgemeinschaft ihn schon als Bundesgenossen begrüßt. Die Harzburger bilden in mancher Hinsicht eine saubere Zunft. Aber was Habermann über ihre sozialreaktio- n ä r e Tendenz schrieb, das soll bestehen bleiben. Eisenbahner in Erregung Heute Verhandlungen um Lohnkürzung/ Warnung in lehter Stunde! Braunschweig in Birkenseld. Hakenkreuz-Taten nach berühmtem Muster. Ober stein. 26. Oktober.(Eigenbericht.) Am Sonnabend und Sonntag fand in dem Städtchen Ober- st e i n- J d a r, das in der oldenburgischen Enklave Birkenseld liegt, wo man kein Unisormverbot für die Nationalsozialisten kennt, ein Gautag der Nazis statt. Es nahmen etwa 4000 bis 5000 Anisormlerte daran teil. Um Cause des Sonnabend und Sonnlag stand Ober st ein, das sonst als republikanisch bekannt ist. unter einem beispiellosen Terror der Nazlbanden. An ollen Ecken und Enden der Stadt wurden am hellichten Tage Cente belästigt. Nach Eintritt der Dunkelheit gab e» zahllose lleberfälle. Blutüberströmt kamen Slraßenpassantea zur Polizeiwache. Gegen 9 Ahr abends wurde ein Ueberfall von ZZ Nationalsozialisten aus 4 Reichsbannerleute oerübt. hierbei wurde einem Reichsbannermann das Gesicht zerschlagen, ein anderer erhielt einen Dolch stoß in die Cunge. Er liegt hoffnungslos im Krankenhaus danieder. Zn der gleichen Nacht zogen hltler-Ceute in eine Gaslwirlschast und forderten die Gäste ans,«Hell Hitler" zu rufen. Als man dieser Anordnung nicht nachkam, siele« die Nationalsozialisten aus den Befehl:„Spaten heran», schlagt sie tot!" über die Gäste her. verletzten mehrere schwer und zertrümmerten die ganze Ein- richtung. Erst nach der Abreise der Nazi» am Sonntagabend trat wieder Ruhe ein. Schweizer Wahltag. Verluste der Mitte/ Behauptung der Linken. Zürich, 26. Oktober.(Eigenbericht.) Das Ergebnis des gestrigen großen Wahltages liegt bis aus die beiden großen Kantone Bern und Waaot vor. Im großen und ganzen sand ein deutlicher Ruck nach link» statt. Nach dem bis- her festgestellten Ergebnis— die Mandatszahl wird von 198 auf 187 herabgesetzt— gewinnen die Sozialdemokraten in Genf ein Mandat, büßten jedoch eins in Thurgau ein. Sie eroberten in Genf ferner ein Mandat im Ständerat.'Im Kanton Zürich ist die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen gegen 1928 um SOM gestiegen. was jedoch ein weiteres Mandat nicht bringt. Die frei- sinnigen Demokraten verloren bisher 5 Mandate und gewannen eins. Die Katholisch-Konservatwen verloren zwei Mandate und ge- wannen«in. Die Kommunisten behaupteten ihr einziges Manvat im Kanton Zürich und� behalten trotz Stimmenrückganges um 1400 ihr Mandat In Bafel-Stadt. Außerdem wurde der rechtsoppositio- nelle Kommunist in Schaffhousen wiedergewählt. Die Mitt-lgrnp. pe«. die Demokraten und Sozialpolitiker, sind erheblich g«. schwächt worden. Den Hauptteil der Mandatsminderung tragen die frerfinnigen Demokraten. heute vormittag begannen Im Reichearbeitsministerium die Schlichtungsverhaudlungen im Cohnkonflikl der Deutschen Reichs- bahn-Gesellschast. Den Verhandlungen ging eine Besprechung von Vertretern des Einheitsoerbandes der deutschen Eisenbahner mit Mitgliedern der Reichereglerung voraus. Diese Besprechung erfolgte auf Intervention des Bundesvorstandes des ADGV. und des Partei- vorstände» der Sozialdemokratie. Sie hatte den Zweck, die Reicheregierung über die außerordentliche Notlage der Rcichsbahnarbeiter zu inf.rinieren Wie erregt die Stimmung der Reichsbahnarbeiter über die neuen Lohnabbauanträge der ReichsbahnverwaUvng ist, bewies der Ver- lauf der Funktionärkonferenz des Einheit», erbandes für den Be- ; i r k Berlin, die am Sonntag vormittag in Draelels Festsälen abgehalten wurde Der Berliner Bevollinächriote Hahnebuth knüpfte in seinen einleitenden Worten an den Be- schluß jener glänzend oerlaufencn M tgliederverlammluirg des Ein- heitsverbandes vom 2. Oktober an, mit �ller Kraft einen weiteren Lohnabbau abzuwehren. Inzwischen haben sich die Dinge erheblich zugespitzt. Die Lohn- Verhandlungen vom letzten Donnerstag waren nur von kurzer D mer. da für die am Tarfvirtrag beteiligten Gewerkschaften die Lohnforderungen der Reichsbahn-Gesebschust undiskutabel sind. Darauf wandte sich die Hauptverwaltung an das Reichs- arbeitsminrfterium und erfucb.-e um die Einleitung eines Schlich- tungsoerfahrens,„damit eine Beunruhigung der Arbeiter vermieden wird". In Wirtlichkeit hat dagegen die Hauptverwaltung mit ihren unberechtigten Abbau-orösrungen erst die Unruhe in den Betrieb gelragen. Hahnebuth schilderte dann, wie aus den Werk- stättenbetrieben, der Bahnunicrhaltung, den Stromschienenkolonnen, den Güterumladehallen ständig Delegationen zur Ortsoer. waltung kommen und die Berbandsleimng beschwören, unter alle«» Umständen den geplanten Abbau abzuwehren. Hierzu erklärt die Ortsoerwaltung. der Eiuheilsoerband wird mit aller Kraft, die ihm zur Verfügung steht, den ihm aufgezwungenen Kampf führen. Apihsch vom Hauptoorstand des Einheitsverbandes erklärte, daß die Notverordnung, auf die sich die Reichsbahn-Gessll-fchast stützt, sie gar nicht verpflichtet, einen Lohnabbau durchzuführen. Die Arbeiter können sich außerdem noch auf Berichte der einzel- nen Reichsbahndirektionen an aie Hauptverwaltung be- rufen, in den klar zu lesen steht, da£j ein weiterer Cohnaöbau nicht mehr möglich ist. Dieses Zeugnis der Rsichsbahndirektionen ist deut- lich genug. Jedenfalls hat der Einheitsoeraand sofort alle Maß- nahmen zur Abwehr ergriffen. Er hat sich mir dem ADGB.-Bundes- vorstand und dem SPD.-Parteivorstand'N Leebmdung gefetzt; beide Instanzen erklärten sich sofort bereit, alles für die Eisenbahn- arbeiter zu tun. Zu heute, Montag, ist der lohnpolitische Auslchuß des Verbandes einberufen, um an den Schlichtungsverhand- lungen teilzunehmen, zum Dienstag ist der Verbandsbeirat telegraphisch nach Berlin berufen worden. Am Sonntag tagten in ganz Deutschland Konserenzen der betrofse- nen Arbeiter, um die Abwehr zu organisieren. Wie Apitzsch noch mitteilte, hat der Einheitsverband bei einer Berhandlung mit der Hauptverwaltung eine Anzahl Haushaltsrechnungen vc-n Eisenbahnerfamilien oorgelgt. Dabei wurden die Direk- toren ersucht, zu sagen, an welcher Stelle ein Abstrich noch möglich lst Die Direktoren fanden keinen Pfennig in den Rechnungen, der noch zu streichen gewesen wäre! Apitzsch gab zum Schluß der Auffassung des Hauptoorstandes Ausdruck: w'S die Entscheidung fällt, werden die Eisenbahner ihre Maßnah', i.-n treffen! In der ausgedehnten sachlichen Diskussion kamen die Ver- treler aller Personalgruppen zu Wort. Sie erklären, daß die Reichibahnarbeiter am Ende sind, ein nochmaliger Abbau ist vir- erträglich. Es war erschütternd, wie der Vertreter> oni Stettiner Bahnhof mitteilte, daß in den letzten sechs Monaten 27 Kollegen die Räumungsklagen zugestellt wurden, weil sie ihre Mieten nicht mehr bezahlen konnten! Das sind nun Arbeiter, die noch in Lohn und Brot stehen. Besonders drückend ist die B e r s ch u I d u n g bei der Reichsbahn-Spar» und Darlehnskasse. Durch die ratenweise Rückzahlung der Darlehen gehen die Arbeiter mit Wochenlöhnen von 18 Mk. nach Hause. Um 1 Uhr mittags nahmen die rund 300 Funktionäre einstimmig eine Eni- s ch l i e ß u n g an. in der es heißt: „Trotz der Notlage der Eijenbahnarbeiter und-Hilfsbe imten mutet die Reichsbahn-Gesellschaft den Berliner Eisenbahnern eine neue Lohnkürzung bis zu 6 Pf. zu. Der Reichsdahn-Gesellschasl ist durch Vorstellungen aller Art bekannt, daß eine weitere Lohnminde- rung bei Aufrechterhaltung einer geregelten Haushallssührung ii- den Eisenbahnersamilien nicht mehr möglich ist. Schon jetzt sind große Massen der bei der Eisenbahn Beschäftigten in Schulden g e r a t e n, sie können ihre Mieten nicht mehr bezahlen. Die Grenze, wo die Armut zur Berwahrlosung treibt, wo der Hunger an der Tür llopft, ist erreicht. Die Funktionär« stellen vor der Oeffenllichkeit fest, daß die di- rekten Vorgefetzten in den einzelnen Dienststellen den Perjonalv«- tretungen zugegeben haben, daß ein Lohnabzug nicht mehr vcuret- bar.st. Die Funktionäre legen deshalb gegen jeden weilereu Cohnabbau schärfste Verwahrung ein. Mit Genugtuung nehmen sie Kenntnis, daß der Vorstand des Einheitsverbandes, die Spitzenkörperschasten des ADGB. und der Sozialdemokratischen Parter Deutschlands rechtzeitig über die Lage informiert haben. Die Eisenbahnerfunktionäre Berlins richten an die Regierung den dringenden Appell, auf die Reichsbahn einzuwirken in dein Sinne, daß Schluß gemacht wird mit dem Cohnabbau." Eine Reihe von Entschließungen im gleichen Sinne ist uns aus den verschiedensten Reichsbahndireltionsbezirken zugegangen. Die Magdeburger Entschließung wendet sich besonders gegen Herrn Böllers als Reichsbahnschlichter Die Entschließung aus dem Kristallpalast in Dresden erwartet, daß die angekündigten Lohnkürzungen nicht durchgeführt werden. Sie wendet sich zuin Schluß gegen das Treiben der RGO. und NSDAP. Die Eisenbahner dürfen nicht zur Verzweiflung getrieben werden! Die Kührer beim Nazi-Krawall Helldorf und Genossen vor Gericht vor dem Schöffengericht Eharlotkenbnrg begann heute nach den mehrfachen Vertagungen, unter dem Vorsitz des Candgerichtsdirektors Brenuhaufen, der Prozeh gegen die Rädelsführer beim Hakenkreuz- krawall am Kurfürstendamm, Graf Helldorf und Genossen. Di« Anklage gegen den„SA.-Führer Berlin-Brandenburg", Graf Helldorf, gegen seinen Stabsleiter Ernst, den Stahlhelm- führer Brandt und den Stahlhelmmonn Schulz lautet auf Aufreizung zum Klassenhaß, schweren Landfriedens- b r u ch und Rädelsführerschaft, gegen di« beiden ersteren außerdem noch auf unbefugten Waffenbesitz und öffent- liche Beleidigung: der Standartenführer Hell, der Sanitätstrupp- führer Samerski und der Standartenadjntant Hpgemeister hoben sich wegen schweren Landfriedensbruchs und Aufreizung zum Klassenhaß zu oerantworten, der Zeitungssahrer Damerow wegen Beihilfe. Aus der Vernehmung zur Person sind folgende Tatsachen von Interesse: der Stahlhelmführer Brandt tst zweimal vor- bestraft, einmal wegen Sachbeschädigung— er hat zur Ber- fassungsfeier des Reichsbanners einen vor dem Bahnhof in Leipzig errichteten Obelisk mit Hakenkreuzen und Stahlhelmen beschmiert,„was 150 M. gekostet hat", sagt er, und das andere Mal wegen Verstoßes gegen das Republik- schutzgefetz— seine Iungmannen haben das Lied von der Juden- republik gesungen— zu 200 M. Geldstrafe. Der Angeklagte Graf H e l l d o r f, im Krieg Offizier, hat nach der Revolution am Kapp- Putsch teilgenommen, er wurde im Jahre 1924 von der Hitter-Partei zum Landtagsabgeordneten gewählt und stcht seit«inigen Iahren Schulcheiß-Oämmerung Auch das ergiebigste Faß wird leer, wenn man es von allen(Seiten anzapft.' im Dienste der SA. E r n st hat in Wünsdorf die Sportschule besucht und war vom Magistrat als Spielleiter und Hitssiehrer aus städtischen Sportspieiplätzen beschäftigt. Als Stabsleiter der SA. hatte er ein Gehalt von 300 M. monatlich! Der Zeitungssahrer Damerow, 22 Jahre all, hat im Aller von 17 Jahren wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Betruges geringe Gefängnisstrafen erhatten. Schulz war Mitglied der Schwarzen Reichswehr, später Expedient des Fridericvs- Verlages. Hagemeister hat sich, wie er sich ausdrückt, an der „Niederschlagung der roten Soldaten" beteiligt. Hell war angeb- lich Mitglied des„Vaterländischen Hilfsdienstes" und auch im Ober- schlesijchen Grenzschutz tätig. Bei der Vernehmung zur Sache fragt der Vorsitzende: Wollen Sie uns etwas über Ihre Tätigkeit erzählen, über den Ausbau der Orgamfation der NSDAP, und dann über die Ereignisse am 12. September. H e l l d o r f: Di« NSDAP, besteht aus politischen Abteilungen und aus Schutzabteilungen, der sogenannten SA. Den politischen Abteilungen sind die SA.- Abteilungen angegliedert. Die Schutzabteilungen haben von unten auf folgende Organisation: Sturm, Standarte. Unter- g r u p p e. Ich bin Führer der Untergruppe Berlin-Brandenburg. Vors.: Sind Sie ein Osaf? Angeklagter: Nein, als Osaf wird eigentlich nur der oberste Führer der SA. bezeichnet. Ich hatte die SA. zu organisieren, sie zu beaufsichtigen, sie polllisch und wehrsportlich zu schulen. Das geschah auf Stunnabenden und Kameradschaftsabenden. Die Mllglieder der SA. wurden auf Führerschulen in die Provinz geschickt oder in die Hauptführerschule in München. Solange das erlaubt war. wurden Uebungsmärsche unternommen, die SA. hatte die politischen Versammlungen zu überwachen. Meine Aufgabe war es, sie dahin zu kommandieren. Vor f.: Wollen Sie uns schildern, wie Sie Ihren Tag ausfüllen? A n g e k l.: Mein Dienst beginnt um 9 Uhr in der Hedemann- strahe. Am Vormittag erledige ich mit meinem Stabsleiter Ernst di« laufenden Angelegenheiten, am Nachmittag empfange ich die Besuche einzelner SA.-Leute, abends besuche ich einzelne Sturmabteilungen. Vors.: Wollen wir nun auf den 12. September kommen. Sind von der Partei irgendwelche Anordnungen getroffen worden, die verhüten sollten, daß Vorgänge, wie sie bereits im vorherge» gangenen Jahre anläßlich der jüdischen Feiertage passiert waren. sich wiederholen? Der Angeklagte gibt keine direkte Antwort auf die Frage des Vorsitzenden, sondern erklärt: Im sei nicht be» k a n n t. daß im vorhergehenden Jahre etwa passiert sei. Vereinigung sozialdemokratischer Juristen. Heute abend 8 Uhr im Pschorrbräuhaus, Tauentzienstraße 13, Bortrag über die Funktion der Grundrechte im Ausnahmezustand. Referent: Genosse Dr. Martin Drath. Neue Marimu, Haba, Giernbe Die iniernationale Gesellschaft für neue Musik veranstaltete in den ihr liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellten Räumen eines ihrer Förderer, im 5?ause Ludwig Berliner, ein Konzert, das zum Teil auch durch Rundfunk übertragen wurde. Zur Vorführung gelangten fünf Stücke für Trio von M a r t i n u, reichlich durch- schnittlichs Musik der chindcmithnachfolgei Werke von Aloi Hab a für Viertelton-Klavier.— chaba war selbst anwesend und sprach einige Worte über den Stil in der Musik,— sowie das erste Quartett von Erich Walter Sternberg. Die Vierteltonmusik, einst die Hoffnung konsequenter Reizfanatiker, die neue Reiche der Subtilität. ja neue Erdteile der Musik entdeckt zu haben glaubten, ist nicht produktiv geworden und wird es wohl kaum je werden: Habas Kompositionen gar ser verzichtet bewußt auf den„wiederholenden Stil" in der Musik) scheinen uns völlig unverständlich. Das Quartett Sternbergs ist(wie die gegen Schluß eintretende Singstimme bc- weist) spätromantischc, übersteigerte Ausdrucksmusik, reich an Pathos, weniger reich an Einfällen: zweifellos aber eine begabte Arbeit und der einzige wenn auch spärliche Gewinn des Abends. In einem ausschließlich seinen Kompositionen gewidmeten Kon- zert der Funkstunde dirigierte Igor Strawinsky die„Welt- Uraufführung" seines Concerto für Geige und Orchester. Eine weitere Etappc auf dem Wege, den Strawinsky geht, der seltsam genug ist und fast paradox verläuft. Seine faszinierende Wirkung verdankte er seiner eigentümlichen Stellung als Sprachrohr, als Medium, als Vermittler einer Kraft, die viel stärker war als er, stärker als ein einzelner überhaupt sein kann— als Gestalter russischer Volksmusik mit all ihren fremdartigen Herrlichkeiten, ihrem rhythmischen Elan, ihrer tänzerischen Besessenheit, ihrer grellen Barbarei und ihrer byzantinisch-starren Feierlichkeit. Durch die anonyme Gewalt, durch die kraftvolle Brutalität des Erbgutes eines eminent musikalischen Volkes, mit einem Wort: als Russe entzückte er das seiner Vsrfcine- rung und Kompliziertheit müdgewordcne Europa, um dann... selbst Europäer zu werden, der Einwirkung europäischer Tradition Musik g, Sirawinsky, Honegger zu unterliegen und dem Zwang zur Auseinandersetzung mit euro- päischer Musik zu verfallen(das typische Schicksal der russischen Komponisten, dem nur Mussorgski entging)— einer Auseinandersetzung, die er von immer anderen Standpunkten aus, auf immer andere Stile bezogen, stets von neuem versucht. Die Titel der einzelnen Sätze des Eoncerto(Toccata, Aria, Capriccio) die Suitenform des ganzen, der Verlauf der Ecksätze, die Ornamentik der zweiten Aria,— all das legt die Vermutung nahe, daß hier die Nähe des 18. Jahrhunderts, die Nähe Bachs gesucht wurde. Erreicht wurde jedenfalls— dem tieferen Sinn nach— ungefähr das Gegenteil. Weit entfernt von schlichter Eeistigkeit, ist es eine winzige, amüsante, unerhört geistreiche Musik von genialem Raffinement, eine Musik mit tausend Pointen: und instrumentiert, wie nur Strawinsky instrumentieren kann. Es ist fast selbstverständ- lich, daß die Geige nicht wirklich führt, sondern ein konzertantes Instrument unter anderen konzertanten Instrumenten und von allen Teufeln der Virtuosität besessen ist. An Strawinskys früheren Werken gemessen, ist es trotz aller reizvoller Details und blendender Effekte ein Werk ohne rechts innerliche Kraft. Es wurde von Samuel Dusch ki n virtuos gespielt: Strawinsky dirigierte nach„Apolion Musagcte" in vorbildlicher Schlichtheit: endlich Petruschka. Ebenfalls mit dem Funkarchester(das sich seinen Gastdirigenten nicht immer ganz gewachsen zeigtl brachte Herrmann Schcrchsn im ersten diesjährigen Konzert der Volksbühne neuaufgefundeus Tänze von Schubert zur Aufführung, die Aton van Webern sparsam und geschmackvoll instrumentiert hatte, sowie(als Erst- aufführung) eine von Echcrchen ausgezeichnet geleitete Symphonie von Arthur Honegger, einem der berllhintcn„Sechs" der fran- zäfischen Moderne. Ein dreisätziges, großangelegtes, klangphantasti- sches Werk, das konsequente Polyphouie und symphonischen Aufbau mit Glück zu vereinen bestrebt ist: eine Musik, der die großen Linien wichtiger sind als die kleinen Effekte, die Ausdruck sucht und Ausdruck findet: gehaltvoll, ehrlich und schön ist..X. W, Favog-Direktor„strahlt". Humoristischer Zwischenfall in dem großen Betrugsprozeß. Frankfurt a. Zll.. 26. Oktober.(Eigenbericht.) Die Monlagsverhandlung des Frankfurter Favagprozesfes gab neue Aufklärungen über die großzügigen Betrügereien des verftor- denen Generaldirektors D u m ck e an seiner Gesellschaft. Obwohl die Favagbilanz im Jahre lN26 einen B e r l u st von 3 Millionen Mark auswies, spiegelte Dumckc aus Grund einer gesätschten Bilanz dem �ufjichisrat und seinen Mitdirektoren einen Gewinn von 1,8 Millionen Mark vor. Er behauptete sogar, daß dieser Gewinn eigentlich �.6 Millionen Mark betrüge, die andere Hälfte dieses Gewinnes sei Zur Stärkung der Favag als stille Reserve zurückgestellt. Der Aufsichtsratsvorsitzcnde Hoff unterzeichnete auf Grund dieser unwahren Angaben ein feierliches Dokument, in dem Herrn Dumckc üOtlOO Mark, den drei anderen Favag-Direkioren je 30 000 Mark Sondervergütung zugebilligt wurden als Ersatz für den Ausfall an Tantiemen in den Iahren 1924/25. Die in diesem Fall nicht angeklagten Direktoren Schumacher und Lindner be- haupten, guten Glaubens gehandelt zu haben. Das Groteskeste ist die Tatsache, daß die Auszahlungen an die Direktoren als Gutschrift für die Favag erschienen. Rechtsanwalt F ü r st, der Vertreter Saucrbrcys, protestierte �regt dagegen, daß ein Angeklagter zwei Rundschreiben an die Presse gerichtet habe, in denen er falsches Zahlenmaterial gegeben Und sich selbst als strahl'nd unschuldig hingestellt habe. Er legt dem Gericht eine Photographie eines derartigen Schreibens vor, «abei der Adressat unkenntlich gemacht ist. Rechtsanwalt Fürst kündigt an, ganz schonungslos vorzugehen, falls sich dieser Vorgang Zum drittenmal wiederhole. Schließlich nennt er auch den Namen: ie war der 74jährige Slngeklagte Lindner, der übrigens unter eines tiefer Schreiben mit Bezugnahme auf seine Person das Zitat gesetzt habc: Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen und das Er- haben« in den Staub zu ziehen. Der Verteidiger des Angeklagten Lindncr, Rechtsanwalt Eller, �utschuldigt Herrn ftindncr und erklärt, daß er selbst von diesem Schreiben nichts gewußt habc. Rechtsanwalt Fürst: Ich habe ohne weiteres angenommen, daß der Anwalt des Herrn Lindner nichts uen dieser Sache wußte, da er das„strahlende" Zitat, was wahrlich !ür einen Favagdircktor ungeeignet ist, nicht hätte passieren lassen. Große Akiiensälschung. Berliner Druckereien im Dienst einer Gaunergesellschast. Eine große Aktiensälschung ist bereits seit mehreren Wochen lüeoenstand einer eingehenben Untersuchung durch die Staatsanwalt- Ichaft. die Kriminalinspektion F. un-d die Ermittlungsabteilung der De-Di-Banken. Es handelt sich um Fälschungen von Aktien einer ssusländischcn Elektroindustrie. In dieser Angelegenheit sind bisher ficbrn Personen in Hast genommen worden. Die Untersuchungen !>nd noch nicht abgeschlossen. Großes Aufsehen erregte am Sonnabendabend die Durchsuchung einer Druckerei in der K u r s ü r st« n st r a ß e. Kriminalkom- nüstar Seifert und mehrere Beamte erschienen überraschend bei dem Drucker und durchsuchten das Geschüftslokal. Sic fanden Beweise dafür, daß in der Druckerei die gefälschten Aktien hergestellt worden sind. Aus die Spur der großen Slktiensälschung, deren Ilnisong, wie gesagt, noch Gegenstand der Untersuchung ist, kam man durch sol- genden Umstand: Eine Frau aus Berlin, die die Absicht hätte, eine Freindenpension zu eröffnen, benötigte dazu ei» größeres Darlehen Und wandte sich deshalb an einen Makler in Schöneberg. Dieser übergab ihr«in Aktienpaket einer ausländischen Elektrizitätsgesell- schnst. Die Empfängerin begab sich zu einer kleinen Bank im Zen- tru>n der Stadt und wollte die Aktien beleihen. Weil es sich um ousländische Papiere handelte, behielt sich die Bank eine Prüfung vor, ehe der Lombard vollzogen wurde. Die Prüfung, die bei 'incr Großbank mit einer Quarzlampe vorgenommen wurde, ergab, daß die Aktien gefälscht waren. Als die Darlehnssucherin nach iü'ei Tagen wiederkam, wurde sie angehalten und durch die Kriminal- holizei befragt. Die Frau Hot zvxisellos im guten Glauben ge- handelt und konnte das auch nachweisen. Sie wurde deshalb wieder entlassen, die 2lktien aber beschlagnahmt. Die Fälscher haben die Bogen selbst geätzt, das Wasserzeichen war ihnen jedoch mißraten und deckte die Fälschung auf. Wie raffiniert die Fälscher gearbeitet haben, zeigt folgendes: da ausländische Aktien nur zusammen mit einer Steuererklärung gehandelt werden dürfen, so hatten die Iii,'.- Icher auch dafür Sorge getragen, daß eine gefälschte Steuer- erklärung vorhanden war. Beschlagnahmt wurden zunächst 100 Stück zum Nennwert von je 100. Der Makler, der zur Rechen- Ichaft gezogen wurde, redete sich damit heraus, daß er das Paket von einem angeblichen Dr. Werner erhalten habe. Diese mysteriöse Person, lichkeit ist bisher nicht aufzufinden gewesen. Der D r u ck c re i b e s i tz c r Roy aus der Kursllrstenstraße Hot nach am Sonnabend ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er erklärt, daß er von dem Rittmeister a. T. Moritz Wolfs aus Pats- dam die Aufträge bekommen habe. Die zum Druck der'Aktien er- forderlichen Platten habe er später wieder an den Rittmeister zurück- gegeben. Wolfs ist auch die Person, die bei einer Bank in Berlin 191 Aktien mit 12 000 M. lzat beleihen lassen. Oer Winter rückt an. Erster Schnee in England.- Kältewelle droht. London. 26. Oktober. Schnee, Frost und eisiger Wind haben in England ihren Einzug gehalten. Der Sonntag war der kälteste Qktobertag in England in den letzten fünf Jahren, da die höchste Tagestemperatur nur acht Grad Celsius betrug. Im Kanal fiel der erste Schnee, der mit einem eisigen Nordwind und starkem Seegang verbunden war, so daß die Schisfahrt große Verspätungen erlitt. Der britische Ueber- seedampfer„Belgenland" traf init 18stündiger Verspätung aus New Park ein. Aus verschiedenen höhcrgelegencn Teilen aus England, Wales und Schottland, trafen die ersten Meldungen über erhebliche Schneefälle ein. Pablo Picasso. Zu seinem 50. Geburlstag. Der Ruhm Picaffos reicht schon über 20 Jahre zurück. Merk- würdigerweise ist es ein Deutscher, der 1905 die Malerei des Spaniers entdeckte und feinen Ruhm begründete, der in Paris lebende Wilhelm U h d c. Bielleicht liegt da ein innerer Zu- fammenhang vor, der auch uns Picasso wie einen Geistesverwandten erscheinen läßt. Obwohl er seit einem Menfchenaltcr in Paris lebt und zur franzöfifchen Kunst gerechnet wird, obwohl die von ihm be- gründete Anfchauungsiorm des Kubismus eine fast ausschließlich westliche Angelegenheit darstellt und in Deutschland am wenigsten Einfluß gewinnen konnte, spüren wir in dem wechselreichen Wer? dieses Malers den Hauch gotischer Gesinnung, von dem sein Entdecker Wilhelm Ilhde spricht. Damit ist vornehmlich das Kubistische gemeint, dessen komplizierte Zerlegungsform in der Tat mit gotischer Kon- struktian die geistige Grundlage gemeinsam hat. Man darf aber über dieser Formumwälzung, die Picaffos Werk feit 1908 gewesen, und die nicht aus der Kunst unserer Zeit hinweg- zudenken Ist, wenn sie unserem Gefühl wohl auch ewig fremd bleiben wird— man darf darüber sein früheres Werk aus der sogenannten blauen und rosa Periode nicht vergessen, durch die er zuerst berühmt wurde, die uns wahrhaft ans Herz greifen und die ein sehr frühes und klassisches Beispiel der„Ausdruckskunst" bedeuten. Damals hat Picasso das Elend und die Schwermut des Menschen in ergreifenden Gestalten dargestellt: Picrrots, Bettler und Erniedrigte aller'Art leben in seinen Bildern ein ebenso intensives wie unwirkliches Dasein, »nwirklich durch die suggestive Kraft der blauen Gesamttönung, aus der sie wie Schattenwesen einer niederdrückenden Welt hervortreten. Daß er Armut urch Unglück in Schönheit gekleidet und Tragik dadurch um so erschütternder gestaltet hat, bleibt ein unvergängliches Verdienst Picassos in seiner„blauen Periode". Sie wird uns wertvoll sein als Beweis, wie stark und stilschöpserisch has soziale Empfinden am Beginn der neuen Kunstepochc wirkte. Die Doppelseitigkeit im Wesen Picassos ist wahrscheinlich in seiner Herkunft aus Spanien begründet. Er ist in Mälaga am 23. Oktober 1881 geboren. Die spanische Kunst war seit jeher komplizierter Natur, seelische Inbrunst und romanische Form- Vollendung suchten in ihr sich zu vereinen. Daher stammt die ge- waltige Intensität der gotischen Kathedralen Spaniens, der Fana- tismus G r e c o s, die erschütternde Wahrhaftigki�t Goyas— und auf der anderen Seite die farmvallendete Noblesse von Vclazqucz und der spanischen Renaissance-Architektur. Picasso ist der Erbe dieser großen und merkwürdigen Tradition: er steht mit seiner vielseitigen Malerei zwischen den Rossen und erscheint uns darum vertraut und unheimlich zugleich, ein großer Künstler und ein zwiespältiger Mensch. Faul F. Schmidt. Konzert des Meinekefchen Chors. In der Staatlichen Hochschule für Musik Eharlottcnburg vcr- anstoltcte der M c i n e k e s ch e Chor am Sonntognachmittag unter Leitung seines Charmcisters Georg Oskar Schumann ein Konzert, das die Berliner Erstaufführung zweier Lendwaischer Chöre brachte. Das Programm des Konzerts war in jeder Beziehung reich- baltig. Es zeigte die künstlerische Spannweite des Chors. Von Pringsheims Zlrbciterlied bis zu Volksliedern reichte das Repertoire, und jeder Chor erhielt seine individuelle Ausdeutung. Der Meinekesche Chor ist ebenso stark in rein lyrischen Gesängen wie in Kompositionen, die bcn Rhythmus betonen. Hinzu kommt die Fähig- keit, wirklich klangschön zu singen und die gute Gliederung der Stimmen. Die beiden Lend maischen Ehörc„Ausklang" und„Zwei tiefe Wasser" erhalten ihre Note durch eine verdüsterte Stimmung. Besonders„Ausklang" bringt eine schwere, getragene Melodie, und hier zeigte sich die verinncrlichte Gestaltungsfähigkeit des Meinekeschen Chors. Die Lieder, die der Chor zum ersten'Mole vortrug, bedeuten einen verdienten Eriolg. Als Solist trat Wilfried Hanke, der erste Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters auf. Er ist kein leerer Virtuose, sondern ein beseelter Siinstler. Ein Lustspiel um George Saud« „Sie" und„Er", Llrauffühmng in Leipzig. „Sie u n d Er": das war einmal der Titel eines berüchtigten Buches der George Sand, in dem sie ihr'Verhältnis zu gern genialeren Alfred de Musset mitzbringend literarisiert hatte— der George Saud, die über hundert Bände geschrieben hat. Durch die sie ober weniger lebendig geblieben ist als durch die Liebcsbeziehungen zu Männern, die unvergeßlich sind. So hat sie nicht nur ihre Produk- tio» aug der skrupellose» Verwertung Der Liebe bestritten, sondern auch den Nachruhm.„Sic und Er": das ist nun ein„Lustspiel in drei Romanzen" von Philip M o c l l e r. das mit Hermine Körner als lebenskrästchcr George Sand am Leipziger Schauspielhaus zur Ausführung kam.„Sie" ist immer George Sand, aber„Er" wechselt in jeder Romanze. Am Ende des ersten Aktes geht sie mit M u f i c t. Dem Lyriker, nach Venedig. Am Ende des zweiten mit dem Arzt P a g e l l o nach Paris und im dritten mit Chopin, dem größten ihrer Liebhader, nach Mallorca. Andere illustre Geister auf der Szene: Franz L i s z t und Heinrich Hein e, auch sie Freund« der Emanzipierten. Mit solchen Figuren läßt sich gut ein bedeutsameres Lustspiel mit geistreichem Dialog und amüsantem Bohememilicu schreiben, es lebt vom Glanz und Der Resonanz dez Genies, und so hat Philip Moellcr auch einen stattlichen Erfolg gehabt. Der dramatische Nutznießer— bei weitem nicht der erste— Hot sich ziemlich genau an den historischen Gang der spannenden Ereigniii« gehalten, und viele Zuhörer werden nicht ahnen, daß trat; äußer- ticher Aehnlichkcit die wirklichen Vorgänge gar nicht munter waren, sondern zu einem großen Teil TragöSien, die Körper, Gemüt und Geist anis tiefste erschüttert haken. Iloinrieh Wiagayd. Gloria-palast:„Ewiges Hellas". Der Manuskriptschrciber Karl Friedrich Schneider und der Photograph Karl W e l l e r t haben eine sehr gute Kenntnis des alten Hellas und eine innige Liebe zu ihm. Doch können sie ihr Wissen gerade nicht zündend mitteilen, sie tun es bedächtig und peinlich genau. Das alte Griechenland war einst der Lehrmeister des'Abendlandes und es ist, trotz seiner bewegten Buntheit noch heute Abendland durch und durch. Es hat eine Jahrtausende alte Geschichte und die Erinnerung an sie blieb dem Volke in mächtigen Ruinen erhalten. Man Hütet sie als Zeugen vergangener Prack't und nicht weit von ihnen weiden Ziegen. Wir sehen, daß in Thessa- loniki, der Hauptstadt Mazedoniens, in der jüngsten Vergangenheit fleißig gebaut wurde; ganze Stadtviertel sind neu erstanden und desto altertümlicher wirken die byzantinischen Kirchen und die Bc- sestigungsonlagen von ehedem. Unweit des Olympos, am Rande der THessalischen Tiefebene, gewahren wir bei Kolobako die Meteora- ielsen, auf denen Klöster thronen. Zu einigen von ihnen wird der Besucher noch heute mittels Stricknetzcs in die Höhe gezogen. Aber man steht auch sonst noch sehr viel primitives, namentlich an Acker- baugeräten. Doch ist die Natur sehr ergiebig, sie schenkt dort frei- willig sehr viel, was unter unserem Himmelsstrich erst mühsam er- arbeitet werden muß. Zlthen, die Hauptstadt Griechenlands, hat sich völlig modernisiert, trotzdem gibt ihr natürlich die Akropolis das Gepräge. Unter den vielen Städten, die wir auf dieser Filmreise durchstreifen, sehen wir auch Kalamata, den Hauptausfuhrhafen für Bananen, Zitronen, Orangen, Olive» und Feigen. Die letzteren werden bestimmt nicht nach den neuesten Erkenntnissen der Hygiene aneinandergereiht.b>� Berlin. Zieriao: Vorwärts Verlag®. m. 6. 6.. Berlin. Druck; Vorwärts Buw- fci'udterci und Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW 68. Lindenstrake» Hierzu 1 Beilage. Nachruf Am 23. Oktober d. J, verschied unser früherer 1 Geschäftsführer, Herr Paul Driesch im Alter von 76 Jahren. Der Verstorbene hat von 1895 bis 1923 die Geschäfte unserer Kasse in Treue geführt. Wir werden sein Andenken in Ehren hallen. Berlin-Niederschönewcide, den 2» Oktober 1931 Der Vorstand und die Verwaltung der Allgemeinen Ortskrankcnhasse für Berlin- Adlershof und Umgegend. Die Trauet feie r findet am Mittwoch, dem 28. Oktober, 17 Uhr, im Krematorium Baum- schulenweg statt. liaafe TSiealer Montag, den 26. Oktober staatsoper unter en Linder. 20 Uh'; Geschlossene Vorstellung Sin Maskenbali Kein Kartenve kauf Sta.V.Sctiauspielliaus isndarmsnmarki Uhr Das yCvnbargisch Ei Kein KaitenV* 1 Schiller-Theater .hariotteabur; 20 Uhr Dte VoiitsbQitne Theater am Bülnwplctz 8 Uhr SMs vierte Ledvi Staatl. Sdiiller-iheatei 8 Uhr Die Heirat. Steesissjüsr Unter den Linden 6 Uhr maiom Charlottenbun; Oismarcksttaße 34 Montag, 26. Okt. Vciksvorsteliung Kein Kartenverkauf Anfang 20 Uhr Der Freisctiütz Lnde gegen 23 Uhr I mm-TiiealEi Dir.Dr.Robert Klein Weidscdannr Cä'.S, 2737 8V« Uhr ßer letzte erzmvsZeru Homoika, Srausewetter, San« rock, Haikenstein Theater am Nüllendorfplau Täglich öVs Uhr Hax Adalbert in: Der beschleunigte Personenzug| Koriii rssendanun- Theater Bismarck 448/4"» SV« Uhr Die schöne Helena >on lacguesOtlenDadi Heute: Max Relnhardi. Oemsdm M\t\ Täglich 8 Uhr von Schiller Regia: Max Reinhardl Reichshallen-Theater Itods 6 Öhr, Sonntag nachmittag ZU, Utu Stettiner Sänger Die neue Burleske wv�ss„Der armeKasemir" Hadimittags lialhe Preise, volles Pragranmi! «Ww! feupng� Restauföui Berlins Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 8.15 U. Mittwoch, Sonnabend und Sonntag 6 u. 9 U. „Frühling im Wiener Wald" Singspiel von Dr. Leo Ascher. 4Croßo Vrnnkfurtor SitrnDe Vorverkauf Täglich 11— l und 3—9 U E 7, 3422. irietropoi-iheater Täglich 8'/« Uhr Sonntags 4 u. SVt U Die Blume von Hawai Opcrettev.Abraham Preise 0.50— 14.50 Theaier im Aslmiralsoalas! Täglich 89« Uhr Die Dnbarry mit Gitta Aipar Preise v. 0,50 M. an Komiscüe oper 8>/s Uhr Thron zu vergeben Operette v.Ncidhart Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien. Preise: 0.50-7,- M. Die Komödie Heute UrauitOtfuug: 7Vä Uhr Jemand Von Franz Moluar Regie: Gustaf Crünitgens. 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Sessel 1.50 Mark Berliner[Ilk-TriO MeuhOllii.«»[jahnitr 74(7fU I uoritöüiel moDei 3 Beten tmntiali» .Btimtflima". M-' toübetten ülufled'' matroltcn. Chahe- lonaucs Wainr, etarnatbcrfttaRe aditjehn. NeinLaden. ginbenBrafie 71-72. edrrttO" tisch« 30,-, eiUfl18 3.-. Regale 10.' an. im Sorfoejaw� Wo? �. Kausen Sie Ilm Möbel(tut und billig? Im gr»ßt->' Mbbelchaua beaSOv- often Moritz Hirsche- witz. Tfalitzerstr. 25. Hochbahn Kattbusfet Tar,■änbtecaftt. SIL gegenilber Leiser. musiK instrumenta n «» i Linknlanoa. Mietuianoa übet" aua oreiawerv SSiannfabtil SsnL Brunnenkrache 35 | Kamgesucne] Zadna«bisse, Vlatinabialle Quecksilber .metalic, Silbc� schwere Golbsckin�' Aerei. Cbrisliono� KSvenickerftrake Haltestelle halber» föellage Montag, 26. Oktober 1931 SprÄbmid ShnLuiigaße Ja hburdfö (piCoi SeAonver: Srgeßnu&c eineb ö&tasicH�tuqes y�ie unsere„�reundseftaft" sank Soeben trifft der erste ausführliche Bericht über das Schicksal der Flieger des Deutfch-Chincfifchen Freundfchastsflugcs ein. Flug- kapilän Bertram wollte mit S ch o n g c r, deui früheren Leiter der Verlchrsfliegerfchule in iviünchcn, und K l a u s m a n», einem erfahrenen Afienfliegcr, zum erstenmal nnt einem Waffcrflugzcug den fernen Osten erreichen. ?izagapakam, 26. September. (Per Flugpost via Kalkutta.) Ein steifer Südwestwind half uns im Hafen von Co- ivmbo aus dem Waffer. Drei Ehrenrunden über den englischen Kriegsschiffen, eine über dem Deutschen Konsulat, dann geht's der Küste entlang nach Norden. Unter den tiefhängenden Wolken ist es scheußlich böig. Wir entschließen uns daher, durch dieselben nach oben durchzustoßen und erhalten dort in 1266 Meter Höhe einen ruhigen Flug. Ueber die Inseln der Adamsbrücke erreichen wir den Südostpunkt Vorderindiens, Calintare, gegen QVj Uhr, und folgen der fast gradlinig nach Norden verlaufenden Küste nach Madras. Der Südwestwind will uns dauernd von der Küste abtreiben. Bei schönem Wetter haben wir Madras erreicht. Es bietet ein hübsches Bild von oben. Schöne große Häuser und große Grünflächen im Stadtinnern muten europäisch an. Im kleinen Außenhafen liegt unser« Boje. Die Landung ist tadellos, wir werfen Anker. Wie überall ist auch hier alles bereit, der englische Hasenkommandant, die deutsche Kolonie— und unser Betriebsstoff. Die deutsche Kolonie begrüßt uns an Bord und ist sehr traurig, daß wir nicht länger verweilen können. Auch Herren des englischen Fliegerklubs begrüßen uns, sie waren zu unserem Empfang auf- gestiegen, hatten uns aber nicht ausfindig inachen können. N.ach l�stündigem Aufcnchalt inachen wir von dem Motorboot, das uns als Boje diente, los und wollen ziemlich tief hinaus aufs freie Meer, da der Wind ablandig war. Draußen herrschte ziemlich starker Seegang. Der Start war dadurch ziemlich erschwert und wir kamen noch gerade rechtzeitig vom Wasser frei, um den vor uns liegenden Hindernissen in scharfer Linkskurve ausweichen zu können. Der Südwestwind war ziemlich stark und trieb uns nun schön vor sich her, das Wetter war gut, nur im Osten gefiel es uns nicht so ganz. Da braute sich etwas über dem Golf von Bengalen zusammen. Da es aber nicht in unserer Flugrichtung lag, nahmen wir hiervon nicht allzu viel Notiz. Bei uns blieb das Wetter zu- nächst noch unverändert, der Wind nahm zu und brachte uns rasch vorwärts: an der Küste stand schwere Braudung. Die See sah trotzdem noch ruhig aus. Die 686 Kilometer lange Strecke von Madras bis V i z a g a p a t a m mußten wir bei den herrschenden Windverhältnissen in 4 Stunden bewältigen können. Dreiviertel der Strecke hatten wir zurückgelegt und hielten uns nun dichter an Land, ft das Detter über See einen unfreundlichen Charakter onnahrpenden und Südosten standen schwarze Wetter- wände imdeizpeiij. gen Gewittern, deren Lage jedoch ziem- lich unverändert blieb, so daß wir hoffen konnten, den Hasen noch rechtzeitig zu erreichen. Die Küste, die wir aufmerksam studierten, bot keiuerlci Schutz und lag in schwerer Brandung. So kamen wir bis dicht vor unser Ziel. Nur noch 5 Minuten... da brach das weiter über uns los! Wer einen Monsumsturm noch nicht mitgemacht hat, macht sich keinen Begriff von seiner Heftigkeit. Die Einleitung war ein Wolkenbruch, der sich über uns ergoß und der uns auf eine Flug- höhe von 86 Meter über das Waffer zwang: noch hatten wir etwa 1 Kilometer Sicht und konnten erkennen, daß die Wolken an der Bergküste aufsaßen und die ungefähre Stelle der H a f e n e i n- fahrt verschlossen. Parallel zur Küste flogen wir weiter mit heftigen Gewitterböen kämpfend, und sichteten einen vor Anker liegenden Dampfer, der etwa 1 Kilometer vor der Küste, der Hafeneinfahrt gegenüber, lag. In diesem Augenblick setzte der Sturm mit voller Wucht schlagartig ein. Das schwarze Gewölk über uns verdunkelte den Himmel, obwohl es noch eine Stunde vor Sonnenuntergang war, wurde es fast völlig Nacht, die Sicht war auf wenige Meter herabgesetzt. An ein Weiter- fliegen war unter diesen Umständen nicht mehr zu denken, eben- sowenig an ein Umkehren, wir wären gegen den Sturm nicht vor- wärts gekommen und hätten auch an der Küite südlich von unserem Standpunkt keinen Schutz gefunden. Ebensowenig war ein Ein- fliegen in den schmalen Hasen möglich, da die Dunkelheit, die tief- hängenden Wolken und die hohen Berge diesen Versuch, unmöglich machen mußten. Wir hielten Kurs, ängstlich aus den Dampfer bc- dacht. Plötzlich tauchten aus der Dunkelheit seine Lichter aus. Scharf an seinem 5)eck vorbei, eine Kurve gegen den Wind und im Schutz des Dampfers landen! Nur Sekunden blieben für Ueber- legung und Ausführung. 5?undert Meter vom Dampfer entfernt setzen wir aus. Das erste Anwässern ganz weich. Jetzt erst erkennen wir zweierlei: die Stärke des Seegangs und die zur Windrichtung quer gehende schwere See. Die See hatte keine Schaumköpse gehabt, so daß wir mit verhältnismäßig ge- ringem Seegang gerechnet hatten: nun sahen wir ganz schwere Wellen mit tiefen Tälern auf uns seitwärts zurollen. Das folgende Wellental riß uns vom Wasser weg, sofortiges kurzes Gasgeben half nichts mehr, der nächste Wellenberg faßte unseren linken Schwimmer und drückte uns mit der rechten Fläche ins Wasser. wobei der rechte Schwimmer brach. Der Ansturm war nicht heftig gewesen. Verletzt war niemand. Nun hieß es flink sein. Bor- t r a m und Klausmann kletterten auf den linken Flügel, der schräg nach oben aus dem Wasser ragte, um mit ihren Körpern ein Gegengewicht gegen die sich schnell vollsaugende rechte Fläche zu bilden und so das Flugzeug möglichst lange zu halten. Indessen rutschte ich in die Kabine zurück, warf den Kameraden Schwimm- westen und Tau zu, faßte den leichtesten Koffer und stopfte in ihn schnell noch eine Handvoll wichtiger Papiere, schoß L e u ch t- signal« und befestigte den Koffer an einer abgebrochenen Schwimmerstrebe. Das Wasier erreichte schon die Kabine, nun wurde es auch für mich höchste Zeit, um zu den anderen zu klettern. So saßen wir einige Minuten beisammen, das Tau hallen wir an dem Flächengrisf befestigt, um ein eventuelles Abschleppen vor- zubereiten. Vom Dampfer aus näherte sich auf unser Not- signal ein Rettungsboot, schwer gegen die See kämpfend. Hunderte von Cingeborenenbooten halten sich dickt an den Dampfer geschmiegt, nur-in einziges von. ihnen versuchte uns zu Hilfe kommen. Der Seegang trieb uns immer weiter vom Dampfer ab, das Rettungsboot kam nur sehr langsam heran. S bis 10 Minuten nach der Landung war die Kabine voll Wasser, woraus das Flugzeug sich überschlug. Wir konnt.n uns nicht mehr halten und flogen im Salto ins Wasser, doch gelang es uns, au die obenbleibsnden Schwimmer herauzukom- inen und uns an denselben festzuhalten. Der eine Schwimmer war noch fest mck dem Flugzeug verbunden, der andere hing nur noch an sen Drahtseilen am Rumpf. In dieser recht ungemütlichen Situa- tion, bei der keiner ein Wort über die Hauptgesahr, die Haisische, von denen es im Gols von Vengalen wimmelt, sprach, warten wir das Herankommen des Rettungsbootes ab. Es rudert mit aller Kraft, wird aber hilflos herumgeworfen. Endlich, endlich sind sie heran, einer nach dem anderen wird von kräftigen Fäusten gepackt und an Bord gezogen. Endlich können wir ausatmen, wir sind in Sicherheit. Auch der kleine Koffer hat sich oben gehalten und wird ausgenommen, noch ein paar trefbenbe Gegen- stände:«in Paket, ein Luftkissen, unsere kleine Reserveapotheke. Mehr ist nicht zu sehen. Zu einem Versuch, das Flugzeug selbst abzuschleppen, ist das Rettungsboot zu klein, so bringen uns unsere Retter zunächst einmal zu dem englischen Dampfer, wo uns der Kapitän freundlich aufnimmt und uns zuerst einen ordentlichen Wisky«inflößt und uns in trockene Kleioer aus einem Schrank steckt. Nun kommt der Hafenmeister mit einer Dampspinasse längsseits und meine Kameraden und einige Offiziere und Mann- schastcn des Dampfers fahren nochmals zum Flugzeug, um zu ver- suchen, es zu bergen. Um es abschleppen zu können, hätte man Taue um Rumpf und Flächen legen müssen, was bei der Nacht. dem Seegang und ohne Taucher— sie weigerten sich wegen der ge- rade an dieser Stelle besonders großen Haifischgefahr— unmöglich war. Die Nacht verbrachten wir an Bord des Dampfers, der in der schweren See heftig hin und her rollte. Der Sturm nahm noch zu, er heulte sein Lied über oem Grab unseres Flugzeugs, über dem Grab unserer Hoffnungen. Am nächsten Morgen war alles vorbei, vom Flugzeug nichts mehr zu sehen, nicht das kleinste Stück wurde an Land getrieben. Da unser freund- licher Dampfer am Morgen in See stach, wurden wir an Land ge- setzt. Da stehen wir nun schiffbrüchig, verlassen. Alles hatten wir verloren, was wir nicht auf dem Leibe hatten. Der gefischte Kosser cnthiell neben den Dokumenten nur ein paar Toilettensachen. Nun begann das Spießrutenlaufen durch oie neugierigen Eingeborc. neu: damit der Humor nicht zu kurz kam, kam unser Betriebs- stofflieferant und erkundigte sich, wo und wann er tanken könne. Da haben wir doch herzlich gelacht. Im übrigen war der Mann rüh- rend um uns besorgt. Er brachte uns zum Seeblickhotel, wo wir einige Tage abwarten wollten, ob von dem Flugzeug nicht ooch noch etwas zu retten wäre und wo wir die Verbindung mit der Welt wieder ausnahmen. Traurig für uns war es. daß sich keiner derEuropäervonVizagapatam unserer an- nahm, sie mußten sich doch unsere Lage vorstellen können. Nur unser Hindu kam und stand uns unentwegt mit Rat und Tat zur Seite. Am 27. September wurden wir von unserem freundlichen Hindu zur Bahn gebracht und fuhren durch das weite fruchtbare Land in 26stündiger Fahrt nach Kalkutta, wo wir die Abfahrt des im Hafen liegenden Dampfers der Hansalinie abwarteten, der uns in unsere Heimat zurückbringen wird. Wenn wir auch Schifsbruch erlitten haben und unser fernes Ziel nicht erreichen konnten, so haben wir doch keinen Grund zur Nieder- geschlagcnheit. Aus unserem Flug von Berlin bis Vizagapalam, bei dem wir in elf Flug- und zwei Rasttagen eine Strecke von über 11 666 Kilometern zurückgelegt haben, hatten wir reichlich Gelegen- heit gehabt, Erfahrungen zu sammeln und hatten manchen schweren Strauß mit Wind und Wetter ausgefochtcn, in dem sich unser Flug- zeug glänzend bewährt hatte. Gegen Naturgewalte» jedoch, wie dieser schwere Monsumsturm, der uns kurz vor unserem Tagesziel erreichte, ist man machtlos, und man muß seinem Schöpfer dankbar sein, wenn man wenigstens sein nacktes Leben retten kann und so- mit die Gelegenheit behält, seine Erfahrungen der Zukunft dienstbar zu machen. ClC't4'£Ct m Es gibt Krankheiten, bei denen der Schwerkranke selbst seinen Zustand am spätesten erkennt. So war es mit dem Kapitalismus. Rings um ihn stürzte alles zusammen, Millionen Opfer siele»... Nur der Kranke' und Schuldige selbst fühlte sich gesund! Da aber kam die Krise der Bank von England. Bank von England, das ist nicht nur irgendeine Bank in irgendeinem europäischen Lande. Das Pfund ist nicht irgendeine Währung.„Bank von England": das war ein Begriff, ein heiliger Begriff des Kapitalismus. Slurz des Pfundes? Viele Währungen begannen zu wackeln. Ganze Länder wurden von einer neuen Krise ergriffen. Es war, als ginge ein Erdbeben durch die Hochburgen des internationalen Kapitalismus. Es war, als beginne der Kranke selbst seine Krank- heit zu erkennen... Ueber Nacht kam die Krise der Bank von England und über Nacht stürzten Begriffe zusammen und da? Lächeln aus den Lippen vieler Bankdirektoren in aller Welt erstarb. Valuta war keine Valuta mehr! Am ruhigsten und gefaßtesten nahm der E n g l ä n- der s e l b st seine Krise aus. An der Riviera und in den Luxus- bändcrn Europas verschwanden zwar aus einmal die angelsächsischen Gesichter, ober immerhin wurden Menschen, die innerhalb einer Nacht ein Viertel ihres Vermögens verloren hatten, nicht hysterisch. Nur eins brachte die Engländer auf: wenn in den großen Hotels und Reifebüros überhaupt keine Pfunds angenommen wurden. Jeden Kurs wollten sie annehmen. Es war eben ein Unglück, daß „old England" überfallen hatte. Aber die„temperamentlosen" Eng- länder wurden aggressiv, wenn man ihndn am Schalter sagte: „Pfund, leider unmöglich." Schlimmer wie alle Verluste war diese Beleidigung. Man fühlte die Weltmacht, das Weltansehen Britanniens wanken. Man muß es den Engländern lassen: selbst die Nichtstuer unter ihnen wissen, was ihre Pflicht ist. Leer, verlassen sind die Promenaden an der Riviera. Ein Hotel nach den anderen geht pleite. Schon erklären die großen Modesalons in Paris, die nur von England lebten, ihren Konkurs und mondäne Tanz- lokale in Paris müssen sich auf französische Bescheidenheit umstellen. In der ganzen Welt merkt man. daß es England schlecht geht. Jnflationsangst in Skandinavien. Kronen stürzen. Noch vor drei Monaten war der deutsche Tourist in diesen Ländern ein mitleidig belächeltes Geschöpf. Zog man seine paar Mark heraus, dann blickte vom Kellner bis zum Bankdirektor alles geringschätzig herab. Zeiten ändern sich: heute ist der deutsche Tourist ein valutastarker, ein gcrngeschener Gast. Behutsam und mit Respekt wird jede Mark in Empfang genommen. Man beginnt sogar um den deutschen Touristen zu werben, bc- ginnt auch in diesen Ländern zu verstehen, daß ein valutaschwachcr Mensch auch ein Mensch ist. Das wirkt sich im geschäftlichen Leben aus. Englische und skandinavische Firmen, die sonst Kredite für die „armen" Länder Europas ablehnten, sind jetzt selbst zu den Valuta- schwächsten entgegenkommend. Mit der Würde eines Armgewordenen unterschreibt man die neuen Bedingungen. Nur einmal sah ich einen Engländer die Fassung verlieren. In einem Wiener Witzblatt stand folgendes: „Der österreichische Schilling bittet uns um die Feststellung, daß er mit der englischen Münze gleichen Namens nicht identisch ist!" Ich fand den Witz gut und zeigte ihn ohne jeden boshaften Gedanken einem Engländer. Dieser bekam Tränen in die Augen, zerknüllte die Zeitung und sagte:„Gemein." Da verstand ich erst, was diesen Menschen die Krise des Pfunds und der Bank von England war... Auch in Amerika hat diese Krise die größte wirtschaftliche und psychologische Wirkung. Die amerikanische Industrie hat England verloren und ist für Geschäfte in anderen europäischen Ländern zu haben. Psychologisch Hot der amerikanische Kapitalist durch die Pfund- krise seinen ganzen Halt verloren. Auch für ihn war der Pfundkurs ein heiliger Begriff. Man beginnt in den goldschweren Kreisen der Bereinigten Staaten an eine Krankhcst des Kopitalismus zu glauben. Auf einmal blickt man mißtrauisch aus den Dollar. Es ist eine Tatsache, daß das Vertrauen zum Dollar in Amerika durch den Pfundsturz einen schweren Schlag bekonunen Hot. Zum ersten Male sieht man in amerikanischen Blattern Artikel:„Amerikaner bleibt im Lande!"—„Amerikaner, dieser Winter ist nicht für Reisen!" Man versucht sich auch dort umzustellen. Man denke, sogar einige große Bälle der oberen Fünfhundert wurden abgesagt; Mr. und Mrs A von der T-Bank haben sich entschlossen anstatt acht nur vier Wochen im Luxusbad Miami zu oerbringen! So„hart" sind selbst die Großen von der Krise an- gefaßt! Manche Dollarkönige haben ihren Schwiegersöhnen, ehe- maligen russischen Prinzen, wegen ihrer zu großen Unkosten„die Stellung" gekündigt. Durch die Krise wird manche Krone vom Kops mancher Dollarmillionärin verschwinden müssen... d)as(föueß der großen tßfiemißer Der jetzt vorliegende zweite und, vorlausig wenigstens, ab-- schließende Band des groß angelegten Werkes Das Buch der großen Chemiker, unter Mitwirkung nomhafter Gelehrter herausgegben von Dr. Günther Bugge(Band II, 558 Sellen mit einer Bibliographie und 78 Abbildungen. Verlag Chemie, Berlin. Preis geb. 32 M.) umfaßt die während des 16. Jahrhunderts ge- borcnen und bereits aus dem Leben geschiedenen großen Chemiker, es gibt somit die Lebensbilder der bedeutendsten Chemiker von Licbig, Wähler, Dumas, Bunsen bis zu van' Hoff, Emil Fischer und dem erst vor vier Iahren gestorbenen Soante Arrhenius. Noch Lebende sind nicht aufgenommen, doch sind über einige die wichtig- sten Daten in Fußnoten angegeben. Bei der erstaunlichen Entwicklung der Chemie ist die Auswahl der großen Persönlichkeiten immer schwieriger geworden, und ge- radczu unmöglich wäre es, in dieser Beziehung es allen recht zu machen. Der Herausgeber betont denn auch, daß in der getroffenen Auslese kein endgültiges Werturteil enthalten sein soll, zumal der zeitliche Abstand zu manchen der behandelten Forscher noch zu ge- ring ist, um eine ganz objektive Würdigung ihres Lebenswerkes zuzulassen. Bei der großen Bedeutung, welche die Chemie auch für die Medizin gewonnen hat, ist die Aufnahme Paul E h r l i ch s, der zuerst durch planmäßige chemische Arbeit ein spezifisches Heilmlltcl geschaffen hat und geradezu als Begründer der Chemo-Therapie an- zusprechen ist, wohl felbstverständlich. Auch die Ausnahme von vor- wiegend um die chemische Technik verdienten Männern wie Heinrich Coro und Adolf Frank, dürste bei der innigen und immer noch zunehmenden Verknüpfung der Chemie mit der Technik kaum Be- denken erregen und aus Widerspruch stoßen. Wie schon bei der Besprechung des ersten Bandes vor einem halben Jahre(im„Vorwärts" vom 19. April 1931) bemerkt wurde, wollten der Herausgeber und feine Mitarbeiter in diesem Werk« „eine einheitliche Sammlung von innerlich zusammenhängenden Bio- graphien(Lebensbeschreibungen) schaffen, die den Leser— möglichst ohne ihn durch Wiederholungen zu langweilen— durch die ganze Geschichte der Chemie führen soll." Wie auch schon bei der Be- sprechung des ersten Bandes betont wurde, ist die Erfüllung dieser Absicht in reichem Maße geglückt, wenn auch bei der großen Zahl der Mitarbeiter nicht alle einzelnen Lebensbeschreibungen von gleichem Wert sein können. Ganz besonders gelungen scheint mir die von Paul W a l d e n herrührende zusammenhängende Darstel- lung des Lebens von Lothar Meyer, Dimitri Mendel? je ff und William R a m s a y. der Begründer und Weiterbildner des periodischen Systems der Elemente, an welche Waiden noch einen Abriß der geschichtlichen Entwicklung dieses für die Wissenschaft so bedeutsam gewordenen Systems angeschlossen hat. Dr. Bruno Borcbaxdt. Die Arbeiter-Rasenspiele Fußball/ Handball/ Hockey I Nachdem am letzten Sonntag bei den Fußballspielen über Adler 08 so einwandfreien erkämpften Sieg der Köpeniiker Eiche, glaubte man bestimmt nicht an eine Niederlage in Teltow, Ilm so größer ist die Ueberraschung, daß Eiche verlor— verdient verlor. Den Köpenickern wird das zur Lehre dienen, daß das Spiel erst beendigt ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift.— Die zweite Ueberraschung ist die Niederlage, die Lichtenberg I von Lucken- walde III einstecken mußte. Ueberraschung ist eigentlich etwas viel gesagt, nachdem man die Leistungen der Lichtcnbergcr gesehen hat. So etwas von Hilflosigkeit ini Sturm sieht man wohl selten. Auch die Läuferreihe zeigte Leistungen, wie man sie von einer Mann- schaft der Krcisk'asse nicht erwarten kann. Hinzu kommt noch, daß die Luckenwaldcr sich einen Lautsprecher mitgebracht hatten, der ohne Netzanschluß vom Beginn des Spieles bis zum Schlußpfiff hervorragend funktionierte. Besser wäre es allerdings, er schwiege im Interesse der Bewegung Etwas hart ging es im Spiel Butab gegen Pankow zu, das die Pankower nur knapp mit 3:2 für sich entscheiden konnten. Cintracht-Reinickendorf schlug Spandau 25 wie erwartet glatt mit 6: 1, trotzdem die Spandauer bei Beginn des Spieles stark im Borteil waren. Mit der Länge der Zeit kamen die Reinickendorfer aber immer wehr auf, so daß der Sieg nicht mehr in Frage ge- stellt war.— Adler 08 und Weihenfee trennten sich im Gesellschafts- spiel mit 3: 2 für Adler Weitere Resultate! Blankcnliurg gegen Eintreckt-Reinickendorf Bezirl g: Z. (sintradit.Spaniiau befestigte seine führende Stellung im Z. Bezirk durch einen einwandfreien v: l-Eieg Uber Brieselang. Butab Bezirk mußte in Werder einen Punkt lassen, da sich Werder 88 sehr wehrte. Mit I: 1 endete der Kampf. Wilmersdorf gelang es, gegen Minerva 28 mit 6: 2 zu gewinnen. Echllneberg und Voltssport Neukölln trennten sich 1; 3. Lichtenberg II gegen Wacker 30 S: 1. Union 28 gegen Saxonia Ii: 2. Eintracht-Spandau 2 gegen Eladow 6: 2. Wacker 30 gegen Südost 1: 3. Blankenburg 2 gegen Pankow 3 3:1. Volks. sport Neukölln 3 gegen Wilmersdorf 3: 4. Sintracht-Spandau 3 gegen Südost 2 3; 2. Adlershof 03 Bezirk gegen Freie Scholle 3: 3. Adler 3 gegen Freie Scholle 2 3:0. Wilmersdorf 2 gegen Frohe Stunde 1: s. Wilmersdorf Jugend gegen Nowawes 0: 3. Sintracht Jugend gegen Staaken 0: 1. Handball Die Sesirigen Spiele Fast alle Spiels der Arbeiter-Handballer hatten unter den ungünstigen Bodenverhältnissen zu leid«n, so daß die Leistungen sehr litten. Daß es Volkssport Wedding 3 fertig brachte, die Freie Turnerschaft Velten 4:3(2:1) abzufertigen, ging ganz gegen alle Erwartungen. Es ist gar nicht zu verstehen, daß Velten von der sonst üblichen Spielform soviel eingebüßt haben soll. Bor allem fehlt jegliches Verstehen, das als Voraussetzung gilt, um Erfolge zu er- zielen. Für Wedding bedeutet dieser Erfolg ein erhebliches Plus, um vom Ende der Tabelle zu verschwinden. Im nachfolgenden Spiel konnte der Kreismeister Volkssport Wedding gegen die Turn- und Sportvereinigung Nowawes ein 10: 2- (K: 1)-Ergebnis, ganz wie erwartet, herausholen. Wedding spielte eine Klasse für sich und gab das Spiel nie aus der Hand. Vorzüglich arbeitete vor allem die Stürmerreihe. Im übrigen muß aber auch die gute Ballbehandlung und das vorbildliche Zuspiel aller anderen Spieler erwähnt werden. Für Nowawes gilt es bedeutend ruhiger zu spielen und die Neroosilät zu beseitigen. Die FTGB.-Osten war gegen„Eiche"-Ki)penick von Anfang an überlegen. Das erzielte Resultat 11: 3(5:2) entspricht ganz dem Spielverlauf, doch für die erste Viertelstunde muß die Gleichwertigkeit von ,, Eiche" anerkannt werden. Osten war durch Schnelligkeit und größere Sicherheit über- legen. In einem sehr überzeugend und zweckmäßig durchgeführten Spiel verstand es die FTGB.-Oberspre«, den Arbeiter-Sportverein Schöneberg 6:1(3:1) abzusertigen. Eigentlich ist auch dieses Resul- tat als eine Ueberraschung anzusehen, denn nach den sehr mangel- haften Leistungen des Vorsonntags konnte man Oberspree kaum einen Sieg zutrauen. B-,irk-N-ssc vst-n: FTDB..Adlcrshof— TSV. K-ulsd-rf 3: 11<2: 0). ;. Wildau— FTGB.-Slrnlau 2; 3{1:__2). Eiche-Wilhelmshagen— TSV. Kauls __________ Kanu. Union 3: 1 II; Ol. brauen:~" Spott.<£Iub 0: 0. dorf 2 2: 9(2: 4). Eiche. Bohnsdorf— FTGB.-Ostcn 2 6:3'(?;1). Freie Foli. bootfohrer— Freie Kanu. Union 3: 1 sl: 0>. Frauen: FT. Wildau— Athletik. Bc'irk-Iiasic Norden: FTEB-Nardring 2— FSV. Neinickendorf 1:4<1:1). FTGV.-Nordost 2— Arbeiter-Spartvereiu Rot-Wciß 4:1(2: 1). FT. Friedrichs. thal— FTE>B..Ras°nthal 9:4<ä: 3). Sport-Elub SO-FSV. Tegel 2 0:2 (l: 0). BSV. Wedding 2— FTSB.-Nardring 3 2:3(2: 1). FT. Friedrichs. thal 2— Freie Schwimmer Eharlattenburg 3:2(3:1). Frauen: FTGB.» Nardring- FT. Hennigsdorf 2:3(2:1). Jugend: FTGB.-Nordring— FTSB.. Nordost 2:0<2:0). Bczirksklasse Süden: FTGB..Lallkw!tz— Teltow 3:7<2:3). Frauen: FTGV..Lankwitz— Teltow 0:0. Jugend: Teltow— FTGB.>Südcn 2: 3. Hockey Bei den sonntäglichen Serienspielen konnte der Athletik-Sport- Club dem Arbeiter-Sportverein Rot-Weiß 2 mit einem 3: 1-Sieg die Punkte abnehmen. Der Sieger überragte besonders in der Läufer- leihe. Der Arbeiter-Sportverein Rot-Weiß 1 siegte nur knapp gegen den Sportverein Moabit 12:1 und lieferte ein wenig überzeugen- des Spiel. Die Moabster hatten reichliches Schußpech und waren be- sonders in der Nachpausenzeit im Feldspiel die besseren. Die Freie Turnerschaft Groß-Verlin-Tempelhof 1 mußte vom Volkssport Reu- kölln-Britz 1 eine empfindliche 1: S-Riederlage hinnehmen. Unsicher- heit der Tempelhofer Verteidigung auf dem nassen Boden und dazu eine unaufmerksame Läuferreihe, machten den Neuköllnern den Sieg leichter, ohne die Leistung des Siegers herabzusetzen. Der Freie Hockey-Club Spandau 1 siegte trotz nassem Boden in beständiger Form über die Freie Sporwereinigung Pankow mit 5: 1 Toren. In dcn weiteren Spielen stegie der Arbeiier-Sportverein Echöneberg» Friedenau 07 1 gegen dcn Äthletik.Sport-CIub 2 mit 2: 0. Freie Turner Groß- Berlin-Tempelhas 2 gewann gegen Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Osten 1 mit 4: 0. Frcicr Hockep.EIilb Spandau 2 und Tennis.Rat 2 trennten sich 3: 2. Im Frauenspiel Volkssport Neukölln-Vriß gegen Freie Sportvereinigung Pankow kam es zum unentschiedenen 1: 1. Leebsiage- Auftakt Richli-Schöa gewinnen die„3 Stunden"! Nach der vor acht Tagen erfolgten matten Premiere, folgten gestern die traditionellen.,3 Stunden" im Sportpalast. Der Mann, der in dieser Saison die Kabinenseite unter seiner Fuchtel haben soll, Karl Saldow, hatte sich von der Premiere bis gestern mit der Rolle als sportlicher Leiter vertrauter gemacht! er war redlich bemüht, einem vollen Hause etwas zu bieten. Und dieses Bemühen war erfolgreich. Auch die Direktion war„bemüht". Sie konnte sich der Tatsache nicht oerschließen, daß die Besucher einen Anspruch auf eine geheizte Halle haben und ließ, im Gegensatz zum Eröffnungstag, etwas Dampf durch die Röhren...» Im Mittelpunkt der„Dreistundenfahr� standen R i ch l i- Schön, die auch dann mit unerhörter Wucht ihren Sieg sicher stellten. Ihre zu fürchtenden Gegner waren Rausch-Hürtgen, die sich erst allmählich, aber sicher einfuhren, und dann Tictz mit Buschenhagen, Oskars nun schon berühmte Pechsträhne zeigte aber auch hier, daß sie immer noch da ist. Die Walkes gaben das Signal zu einer Jagerei, die von wenigen Unterbrechungen abgesehen, schier kein Ende nehmen sollte. Sie übernahmen für kurze Zeit allein die Führung, bis dann das Bild kaleidoskopartig wechselte. Immer wieder wurde vorgestoßen: da ging Rausch ab, dort flitzte Richli heran, während Tietz erst etwas später seine Zeit ge- kommen sah. Das waren die Mannschaften, die den Ton angeben konnten. Alle anderen waren wenig oder gar nicht zu fürchten. Ehmer- Kroschel, die in der ersten Hälfte des Rennens die Starken markierten erlahmten schließlich und placierten sich im Gesamt- klasieinent mit zwei Runden Rückstand hinter den Walkes. Als nach etwa 90 Minuten der Stand des Rennens bekanntgegeben wurde, bildeten Richli-Schön, Tietz-Buschenhagen, Rausch-Hürtgen und Ge- brüder Wolke die Spitze Weiter ging die Hätz, die einmal Richli- Schön allein an die Spitze brachte. Das sie dort nicht lange allein blieben, dafür sorgten der braoourösfahrcnde Tietz und Rausch- Hürtgen. Bis Tietz' Pechsträhne einsetzte. Er stürzte und die glänzende Position dieses Paares war erschüttert. Alle ihre Be- mühungen, wieder zur Spitzengruppe aufzurücken, blieben erfolg- los, so daß nur Richli-Schön und Rausch-5iürtgen das Ende unter sich auszumachen hatten. Insgesamt wurden 128,447 Kilometer registriert. Ergebnisse: 1. Schön-Richli 36 P.; 2. Rausch-Hürtgen 19 P.: eine Runde zurück: 3. Tietz-Buschenhagen 60 P.: 4. Kroll- Maidorn 29 P.; 5. Gebr. Wolke 26 P.: 6. Ehmer-Kroschel 18 P.; drei Runden zurück: 7. Petri-Manthey 69 P.; 8. Lehmann-Wissel 18 Punkte. Aufgegeben: Dorn-Engelmann, Miethe-Krüger und Schenk-Piano. Arbeiter-Wasserball �lcme-Iächtenberg 4: 3 Charloitenburg-Freiheit 11:1 Möwes Sieg gegen die gut zusammenspielenve Sieben der Lichtenberger war nickst sehr überzeugend. Lediglich die bessere Hintermannschaft Möwes entschied das flott geführte Spiel. Möwe spielte wohl taktisch überlegen, kam jedoch in der ersten Halbzeit öurch Schußpech um viele Chancen. Abwechselnd nutzten beide Mannschaften Freiwürfe und danach Durchbrüche zu je 2 Toren, denen Lichtenberg dann kurz vor der Pause durch ein schönes Zu- spiel zum linken Stürnier den Führungstreffer folgen ließ. In der 2. Halbzeit zeigte Möwe das bessere Stehvermögen und kam durch gute Durchbrüchs der schnellen Verteidigung zum Sieg. Bei beiden Mannschaften war dar Spiclaufbau gut, ez mangelte lediglich an präziser Zusammenarbeit der Stürmer. Eine recht gute Partie lieferte der Neuling der �.-Klasse, Frei- heit, seinem großen Gegner Charlottenburg. Bon Beginn an spiel- ten die Frecheitleute schars auf Deckung und damit vorerst Durch- brüch« der Charlottenburger verhindernd. Charlottenburg ließ sich anfangs von dem Eifer des Gegners verblüffen und kam nur mit einige Mühe zum Führungstor. Mit dem Wiederanwurf Freiheits ging der Freiheit-Mittelftürmer gut durch und erzielte nach Zuspiel in allerding« regelwidriger Weise das Ausgleichctor. In der Flzlge i machte sich der Mangel an Spielerfahrung bei Freiheit bemerkbar ! uno Charlottenburg erhöhte leicht auf 6: 1 zur Paus«. Im 2. Spiel- ! abschnitt spieste Freiheit oft stark körperlich, was dem Spiel eine ! harte Note verlieh. Charlottenburg blieb taktisch klar im Vorteil ! und kam durch überzeugende Leistungen aller Spieser zum vcr- l dienten Sieg. Trotz der hohen Niederlag« hat die Freiheit-Mann- � schaft in diesem ersten Spiet gezeigt, daß sie zu kämpfen oersteht und für viele Mannschaften einen schweren Gegner abgeben wird. Zwei Feste Bei Solidarität und beim Sturmvogel Die Ortsgruppe Grpß-Berlin des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bundes„Solidarität" hatte ihre Mit- glieder und Freunde am Sonnabend in der„Neuen Welt" ver- sammelt. Das 27jährige Bestehen der Gruppe sollte festlich be- gangen werden. Gauleiter Seeger schilderte in kurzen Zügen das Werden der Gruppe: Treue der Partei im Interesse der gesamten Arbeiterschaft, das war das Ziel. Da stellte sich aber ein neues Hindernis entgegen: Dem Äerein wurde die Jugend genommen. Durch die Politischertlärung des Bundes versuchten die damaligen Gewalthaber das stolze Gebilde auseinanderzureißen. Doch nach dem Kriege ging man mit doppelter Kraft an den weiteren Ausbau der Bewegung. Die Inflation bildete ein westeres Hindernis. Nur durch die Hilfe der ausländischen Genossen war es möglich, sich zu halten. Jetzt blickt der Bund auf über 350 000 Mitglieder, er ist somit die größte radsportliche Organisation der Welt. Mit einem begeistert aufgenommenen„Frisch Auf" schloß Seeger seine Aus- sührungen. Dann wechselten die Farben- und Kunstreigenfahrer mit den Radball- und Radpolospielcrn. Zum Schluß wurde ein 20-Kilo- meter-Mannschaftsrennen auf der Bühne ausgetragen, bei dem die Mannschaft Krause-Gersitze mit 20 Punkten siegreich blieb. Die zweite Mannschaft Hoffmann-Kowalski war durch Radschaden kurz vor Beendigung des Rennens stark benachteiligt. Immer mehr gewinnt di« jüngste Sparte der Arbeitersport- bewegung, der„Sturmvogel", an Boden. Erst vor einem Jahr gründete sich die Gruppe Treptow und schon am letzten Sonnabend konnte sie ihr selb st gebautes Segelflugzeug taufen. Nach einer Bauzeit von neun Monaten— in der Hauptsache beteiligten sich die Erwerbslosen des Bereins am Bau— wurde die Maschine hergestellt. In seiner Taufrede führte Zimmermann vom Hauptoorstand aus, daß der Flugsport, dem sich der Sturmvogel widmet, für die Verbrüderung der Völker wirken soll. Nicht Mord- waffe, sondern Friedenbringer soll er sein. Die Maschine wurde auf den Namen„Güntl)er Plüschow", des Borkämpfers für die friedliche Betätigung des Flugsports, getauft. Der gemeinsame Ge- sang des Deutschlandliedes schloß die eindrucksvolle Feier. Noch lange blieben die Mitglieder mit ihren Gästen zusammen, tauschten Ccdanken und Erfahrungen aus und schwangen das Tanzbein. Skiirockenkurse veranstaltet auch in diesem Jahr wieder der republikanische Deutsche Wintersport-Verband. Kursuzgebühr ein- schließlich Leihskier S M.. für Jugendliche, in Ausbildung Begriffene und Erwerbslose 2,50 M. Der Kurses beginnt mit einem Ein- leitungsvortrag am 13. November. 20 Uhr, in Klubheiw der sport- lichen Bereinigung Israel, Poststraße 26. Der Verband veranstaltet auch in diesem Winter praktische ipkikurse und Weihnachtereisen nach der Hohen Tatra(16 Tage einschließlich aller Unkosten 135 M., nach dem Riesengebirge 10 Tage einschließlich aller Unkosten etwa 70 M.). Anmeldungen und Auskunft beim Sekretariat, Berlin, Markgrafenstraße 22, Telephon Dönhoff 621, sowie beim Ein- leitungsvortrag. Naturfr eunde-T agung Der Reichsausschuf; war in Würzburg zusammen Dieser Tage trat tn Würzburg der R e i chsa u s s chu ß der deutschen Naturfreunde zusammen, um zu der Eni- Wicklung der deutsch«» Reichsgruppe seit der vorjährigen Reichs- Versammlung und zu der gegenwärtigen Lage der Rcichsorganisation Stellung zu nehmen und Schlüsse sür die zukünftige Arbeit zu ziehen. Die Rcichsleitung hat in der Berichtsperiode nach dem B c- r i ch t des Vorsitzenden ihr Hauptaugenmerk darauf gerichtet, die zahlreichen Beschlüsse der vorjährigen Reichsoersammlung durchzu- führen und die Reichsorganisation zu fördern. Infolge dez Aus- fchlusies derjenigen Ortsgruppen, die den Boden der Satzungen und Beschlüsse verlassen hatten und den Zwecken der KPD. dienten, hat sich der Bestand an Ortsgruppen etwas oermindert. Er b«trägt aber immer noch nahezu 1000. In zahlreichen Fällen konnlen an Stelle der 50 ausgeschlossenen Ortsgruppen neu« Ortsuereine gebildet werden. Der Förderung der verschiedenen Sparten hat die Reichsleitung erhöhte Aufmerksamkeit zugewen- det. Die Zahl der Untergruppen hat sich gegenüber den Vorjahren wiederum erhöht! es bestehen über 400 Führergruppen, denen die Aufgabe zufällt, die Wanderungen durchzuführen, nahezu 10 0 Gruppen, die sich besonders der Natur- und Volks- künde widmen, 350 Jugcndgruppen und ungefähr eben- soviel Winters portgruppen. In mehr als 100 Orts- gruppen haben sich die Wasserfahrer zusammengeschlossen zur Pflege des schönen Wasserwanderns. Die Aahl der Photo- gruppen beträgt nahezu 300. In rund 400 Ortsgruppen haben sich Musikgruppen gebildet. Außer diesen Fachgruppen be- stehen in zahlreichen Ortsgruppen Abteilungen für Gymnastik, Volkstanz und Wcgmarkierung. ' Die Noturfreunde-Reisebüros und Wander auskunfts stellen befinden sich in guter Entwicklung: mit de: Durchführung der sämtlichen deutschen Olympia-Sonderzüge haben das Zentrolreisebüro der Naturfreunde in Nürnberg und die ort- lichen Reisebüros und Wanderauskunftsstellen gezeigt, daß sie in der Lage sind, den größten Anforderungen zu entsprechen. Nach der geführten Wanderstatistik wurden von den Ortsgruppen im letzten Jahr nahezu 50 000 Wanderungen durchgeführt, an denen sich rund 800 000 Perjonen leteiligten. Gerade diese Zahlen lassen erkennen, daß sich die Tätigkeit der Naturfreunde aus die breite Masse erstreckt. Die M i t g l i c d e r z o h l konnte trotz der Ausschlüsse beinah« gehalten werden: dies ist ein Beweis dafür, daß diz Mitgliedschaft trotz der Not der Zeit treu zur Organisation steht. Die Reichsleitung berichtete dann über die Durchführung der- jenioen Beschlüsse der letzten Reicheversammlung, die sich aus die Abwehr der Wühlereien der KPD. bezogen und die Erhaltung der Einheit und Festigung der Organisation zum Zweck haben. Damit wurde für die Zukunft verhindert, daß gewissenlose Elemente der Natursreunde-Bcwegung Wander- und Ferienheime und sonstige Vermögenswert« entziehen. In der anschließend an die Berichte stattgefundenen Aussprache wurden die Arbeit der Reichsleitung gutgeheißen und zahlreiche An- regungen und Vorschläge für den weiteren Ausbau gemacht. Die im August des nächsten Jahres in Hamburg stattfindende Hauptoersammlung des Cesamtvereins und die Reichs- Versammlung der deutschen Ratursreundebcwegung waren Aecestz stand eingehender Berälungcn. Die Reicheleitung und der Arbellc- ausfchuß in Hamburg wurden beauftragt, vie weiteren Borarbeiten für die Durchführung dieser großen Veranstaltungen in Angriff zu nehmen. Für das mit diesen Tagungen vcri undene interna- tionale Naturfreunde- Treffen sind eine Anzahl Sonderzüge aus allen Testen Deutschlands vorgesehen. Südlich vom Schliersee hat die Reichsleitung einen Platz zum Bau eines Naturfreundehauses erworben, für das auch die Pläne bereits vorlagen. Die bestehenden Natur- freundehäuser haben unter der Wirtschaftskrise sehr zu leiden, weil die Arbeiterschaft infolge Kurzarbeit und Erwerbslosigkeit nicht mehr in der Lage ist. diese 5)äus«r so zu besuchen, wie dies in früheren Iahren der Fall war. Die Zahl der Uebernachtungen ist um ein Beträchtliches gesunken und damit gehen auch die Ein- nahmen entsprechend zurück. Die Naturfreundchäuser sind deshalb heute mehr denn je auf den Besuch der gesamten, noch in Arbeit stehenden Arbester- und Angestelltenschast angewiesen, und es wird an sie die dringliche Bitte.gerichtet, diese Stätten der Erholung sür das werktätige Boll für Wanderungen und Ferien in Anspruch zu nehmen und durch den Besuch zu unterstützen. 25 0 Wander» und Ferienheime verteilen sich auf die schönsten Punkte der deutschen Landschaftsgebiete. kleiner Sport von überall herlha-BSE. wieder geschlagen. Der deutsche Meister der bürgerlichen Fußballbewegung scheint in einer schweren Krise zu stecken. Gestern konnte Hertha auch gegen Südstern nicht gewinnen. Angebliche Verletzungen hinderten die Vereinskanonen am Er- scheinen. Mit 2: 0 eroberten sich die Südsterne, die sehr frisch und unternehmungslustig spielten, die Punkte.— Da Minerva gegen Meteor sicher mit 6: 1 gewann, wird den Plötzen seern di« Ad- teilungsmeistcrschaft wohl nicht mehr zu nehmen sein. Dadurch ist es für Hertha mit der Beteiligung an den Spielen um die„Deutsche" vorbei. Amerikas Amaleuiboxer erneut in Kopenhagen siegreich. Auch bei ihrem zweiten Start in Kopenhagen hinterließen die amerika- nischen Amateurboxer einen ganz vorzüglichen Eindruck. Nachdem sie am Freitag eine dänische Auswahlmannschaft mit 12: 4 Punkten geschlagen hatten, siegten sie diesmal gegen eine andere dänische Stoffel mit 10: 4 Punkten. DR!t..Amaieure im Spockpalosi. Bevor am Freitag die Be- rufsfahrer auf die 145-Stunöen-Reise geschickt werden, setzt die Orts- grkippe Berlin der Deutschen Radsahrer-Union den Radsportfreunden Dienstag, 27. Oktober, noch einen Renntag vor, der für die Amateure die erste und letzte Möglichkeit zur Aktion in dieser Saison bedeutet. Der Beginn der 8 Vorläufe zu dem einleitenden Mal- fahren über 1000 Meter ist auf 19,45 Uhr festgesetzt. 50 Fahrer steigen hier in die Pedale, von denen die ersten zwei vier Zwilchen- laufe bestreiten und die Sieger dieser dann um den Sieg kämpfen. Das nächste Rennen, ein 20-Nundenpunrtefahren, ist der Jugend vorbehalten. Weiter folgen ein 50-Rundenpunkte- und ein Aus- scheidungsfahren, mit einer Besetzung von je 20 Fahrern. Und endlich ein Zwei-Stunden-Mannschaftsrennon nach Sechs-Taoe-Art, das 12 Paare am Start vereinigt. ST®«.,«ejitl«eilen Heute 20 Uhr, B-zirtaaersammlung bei Rickert. St«nm-»str. 33-,- �,>-t»arlaharst. G-mibungsrersammIuna der Frauen, abteiluna in der Nennbahn. Quelle, Treslowallee 97, 23 Uhr Lille interessierteu Frauen sind eiuaelaben, «rbeiter-Schilhenbuad. Dtenstaq. 27. Oktober, Igxx Uhr. Ortsaruppen. mitglieberveriammlung der Heims, Müller» Ecke Schulstraße