Morgenausgabe Dienstag f®— �™« an9� In-�aÄ�SS■■ MM■fr■ B■■ Ii MWM? Auswärts 15 Pf. wng ins jiccis) im cocous zahlbar. WW W» Pailbezag 4�2 M. ewschließlich so Pf. ICJHH W H H~ VW W W �W i�-"// Zit«tnlpolt. Ncmpai-Ülr"«- M) ti|. ?'�i°rtunzs. imd?z Pf. Pastb-stella«. ���W f�WU WD IW WI �W H H w) H HB! /' Reblam-z-il« S.— RM.„Lileine Ä». kichr?n.Auslallbsab°nnemeMS.-Ä!. VWg l SB W■■■■■■■■■ l zeigen" da, se«gedru IzuWi« zwei iettgedm«te Warte». tem Drucksachenporta S,— M. WW I WM WM �W weitere Wart 12 Ps Rabalt It Tani. | BW � 7/ Stellengesuche das erste Watt 15 Pi, ■ U WBLv. �w/ �WS>/ BH jede« weitere Wort 10 Bf. Warte Sex„Saanortä- erscheint wochentäa. � Z' IM>' Buchstaben zädien für zwei Worte. l.ch zweimal. Sonntags und Montag, ZtO�i�V Arbeitsmarti Zeile 60 Pt fsomUien. unb"im SanMn 5ncha�tzetchäil ambe'niS"). wacheo- NW��-g-bSa-.-N?ViiIi?V SyDlEBDlalt s? �t... Ablehnung nicht genehmer Anzeigen Jentvawvgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 rmufpt.; Dönhotl(AT) 292— 297. TelcgrauiZN-Adr.! Sozialdemokrat Berlin. heule, morgen uud in de» salzenden Tagen wird über dos! Lohnniveau von mehr als Zwei Millionen'Arbeitern öffentlicher und privater Betriebe entschieden. Reben den Textil- j arbcilern. deren Lohntarife im ganzen Reich gekündigt sind, neben de» 600 090 Arbeitern und Arbeiterinnen der Metallindustrie, wo die Iroge der 40-Stunden-Moche zunächst beschlossen werden muß. che über die Lohnfrage beraten werden kann, befinden sich im Augenblick im entscheidenden Stadium die Verhandlungen über die Löhne der Reichsbahnarbeiter und der Gemeinde- a r b e i t e r. Die Bedeutung dieser Lohnverhandluvgen liegt nicht nur darin, daß es sich bei de« zwei letzten Gruppen um mehr als eine halbe Million Defchäfttgle, sondern vor allen Dingen in der Tatsache, daß es sich hier um Arbeiter öfsentlicher Betriebe handelt, aus deren Lohngestaltung die Reichsregiernng einen entscheidenden Einslutz hat. lieber die Verhandlungen selbst und über die Stellungnahme der Organisationen und die Stimmung der direkt betrosfenen Paris. 26. Oktober.(Eigenbericht.) Das Ergebnis der französisch-amerikonischen Besprechungen hat auch in hiesigen diplomatischen Kreisen große Enttäuschung hervorgerufen, obgleich man von vorn- herein keine übertriebenen Hoffnungen auf die Aussprache Laoals irnt Hoover gefetzt hat. Bor allem betrachtet man hier die Form, in der die Deutschland interessierende Frage der Reparationszahlungen in dem französisch- omeritanisthen Kommunique behandelt worden ist, als äußerst un- geschickt, wenn nicht als gefährlich. Aber man legt ihr nach genauerer Prüfung nicht die katastrophale Bedeutung bei, die man anfänglich aus den Erläuterungen der sronzösifchen Presse entnehmen mußte. Wenn es auch, so wurde dein Korrespondenten des„3 o.;. Pressedienst" in Paris von maßgebender scitc erklärt, selbstverständlich sei, daß Hoover und Lavol in Washington nicht d'c Ab- fchafsur.g eines internationalen Abkommens wie des Aoung.Planes beschließen konnten, so bedeute andererseits der Satz des Kom- iminiques, daß die Initiativ« zu einer Neuregelung der Regicrungs- fchulden von den interessierten europäischen Mächten im Rahmen des Joung-Planes ergriffen werden müsse, nichl, daß der Poung-Plan als solcher bestehen bleiben soll, sondern daß nur die Neuregelung gemäß den Bestimmungen des Poung-Plancs und nicht auf Grund von Znlervenlionen wie die Hoovers im Zuni in die Wege oeleikek werden soll. Wenn einmal die Verhandlungen darüber im Äonge seien, werde sich zeigen, daß der bisherige Zahlungsplan nicht aufrecht- erhalten werden könne. Jedenfalls erwartet man hier auf Grund der Washingtoner Be- schlnsie, daß die Reichsregierung in der nächsten Zeit einen Moratoriumsantrag siir die geschützten Zahlungen stellen wird, was automatisch die Einberufung des im Uoung-Plan vor- gesehenen Sachverständigen- Ausschusses zur Prüfung der deutschen Acchlungsunfähigkeit zur Folge hat. Die Sachoer- ftändigenberatungen dürften sich dann zu einer größeren internatio- nalen Konsereixz ent-mi ekeln. Es besteht, wie der Korrespondent des „s a z. P r e s s e d i e n st" ferner erfährt, Grund zu der Annahme, daß Frankreich dann bereit sein wird, abgesehen von der Ersetzung eines Teiles der Barzahlungen durch Sachlieferungen in eine herabsehung der Reparationszahlungen einzuwilligen. Ob auch eine Verringerung der geschützten Zahlungen in Frage kommt, wird von der Haltung des amerikanischen Kongresses bezäg- lich einer Herabsetzung oder Streichung der interalliierten Schulden abhängen. Nack) einer hier vorliegenden Meldung aus New Jork fall die Zahl der Anhänger einer solchen Maßnahme in einsluß- reichen amerikanischen Finanz- und Jndustriekreisen in letzter Zeit hedautend geAachsen fern. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Acbeilerschafl verössentlichen wir an anderer Stelle eingehende Berichte, wir wolle» hier nur aussprechen, daß es nicht genügt. j wenn die Reichsregierung erklärt, daß sie an dem Tarisrecht nicht rütteln lassen will und daß sie es ablehne, die Tarife nach den wünschen gewisser llnternehmerkrcise„elastisch" zu gestallen, wenn die Reicheregierung gleichzeitig zulätzl, veranlaßt oder sogar verlangt, daß die Löhne für Arbeiter in össenlüchen Betrieben in einem Zahr dreimal gekürzt werden, und zwar derart gekürzt, daß sie nach dem Eingeständnis der Reichsbahnverwaltung oft nicht ausreichen. um die Mieten In den eigenen Wohnungen der Reichsbahn zu zahlen, dann kommt das praktisch ungefähr auf die Erfüllung der Forderungen der Scharsmacher hinaus. Die schönsten Rede« gegen die Radikalisierung der Massen werden völlig entwertet durch Handlungen, die diese Massen zur Verzweiflung treiben müssen. Die Reichsregieraug muß sich bewußt sein, daß mit der Entscheidung in den Lohnkonflikten in der Zeit der schlimmsten Rot eine politische Entscheidung ersten Ranges ge- fällt wird Günstigere Berichte auch in Amerika. Washington, 26. Oktober. Der französische Ministerpräsident Lavol reiste heute früh nach Rem Port ab, wo er den letzten Tag seines amerikanischen Ausent- Halts bis zur Abfahrt am Dienstag früh verbringt. Der Washingtoner Korrespondent der„New Nark Times" de- tailliert diese Ergebnisse folgendermaßen: l. Die Vereinigten Staaten hielten sich abseits von der Regelung aller politischen Probleme Europas außer in Fällen politischer Spannung, die einen Krieg herbeiführen könnten. Man sei dahin übereingekommen, daß„Adjustierungen" solcher politischen Probleme hauptsächlich die Zlufgobe Frankreichs als der siärlsten Macht Europas feien. 2. In Verbindung mit der Zlusrechterhaltung des G o l d st a n- d a r d s werde besonders betont, daß Frankreich in den letzten Tagen Maßnahmen ergrifscii halte, um die G o l d a u s s u h r aus Amerika noch Frankreich zum Stillstand zu bringen. 3. Angesichts des unbedingten Fcstholtens Laoals au dem Voung-Plan werde eine weitere Behandlung des Reparations- Problems durch Ilitt'ersuchung der deutschen Zahlungsfähigkeit durch eine Kommission der BIZ. erfolgen, worauf die Vereinigten Staaten die frühere K r i e g s s ch u l d e n k o m in l s s i o n wieder zu neuen Verhandlungen über die Kriegsschulden ins Leben rufen würden. 4. Im übrigen betonten Hoover und seine Mitarbeiter in den Besprechungen mit Laoal, daß sie bereit seien, Deutschlands Erholung von der gegenwärtigen Depression zu fördern. Schließlich hätten die Besprechlmgcn über die Abrüstungs- frage sowie über die Frage der französischen Sicherheitsgarantien ergeben, daß sowohl Frankreich wie die Vereinigten Staaten ihren bisherigen Standpunkt aufrecht erhielten. Linkssieg bei den Generalratewahlen. Paris, 26. Okiober.(Eigenbericht.) Eme vom Innenministerium veröffentlichte Statistik über das Ergebnis der Wahlen zu den Provinziallandtagen (Generalräten) bestätigt, daß die Wahlen zu einem Sieg der Radi- t a l e n und der Sozialisten geführt haben. Nach der amtlichen Statistik haben die nationalistische» Parteien 23 Sitze in den verschiedenen Generalräten, d. h. 26.8 Proz. ihrer bisherigen Man- datc verloren. Die Radikalen haben 28 Sitze, d h. 5,5 Proz., und die Sozialisten 12 Sitze, d. h. 7,4 Proz., gewonnen. Der sozialistische Sieg ist in Wirklichkeit noch größer, da die Zahl der sozialistifchen Mandate vor den Wahlen vom Innenministerium aus durchsichtigen Gründen viel höher angegeben worden ist, als es den Tatfachen entsprach. Heizung ieden zweiten Tag. Die vor kurzem erlassene Ber- ordnung der Moskauer Stadtsowjets, wonach in der Sowjethaupt- stodt nur einmal in drei Tagen geheizt werden darf, ist wieder ausgehoben worden. Nach der neuen Verordnung darf in Wohn- Häusern, Krankenhäusern und Kinderheimen jeden zweiten Tag geheizt werden. Postscheckkomo: Berlin 37596.— Bankkonto: Baukder Arbeiter, Augcstcllien und Beamten, Lindenstr. 3 Dt.B.n. DiSe-Ges., Depositenk., Jerulalemer Sir. LSiL-i. Heute wählt England. Bürgerblock gegen Arbeiterpartei. Wahlen in Großbritannien sind nur zu verstehen, wenn man sich vorerst einen klaren Begriff von dem englischen W a h l s y st e m macht. Deshalb fei hier zunächst daran er- innert, daß es in England noch immer kein V e r- hältniswahlrecht gibt, sondern nach wie vor ungefähr das gleiche Wahlsystem wie für den Reichstag im kaiser- lichen Deutschland: also keine Kandidatenlisten, sondern durch- weg Einmännerwahlkreise. Das Unterhaus zählt 61S Abgeordnete, und es gibt etwa 606 Wahlkreise. Nur in einigen wenigen Fällen, in denen die Zahl der Wahlbercch- tigten ganz besonders groß geworden ist, hat man zwar nicht die Wahlkreise geteilt, dafür ihnen zwei Abgeordnete zuge- wiesen. Außerdem haben aus ältester Zeit die Universitäten das Privileg, besondere Abgeordnete ins Unterhaus zu ent- senden. Der entscheidende Unterschied zwischen dem früheren deut- schen Reichstagswahlmodus— dem übrigens der gegen- wärtige Wahlmodus in Frankreich sehr ähnelt— und dein englischen System besteht allerdings darin, daß es in England keineStichwahl gibt, sondern daß schon im ersten Wahl- gang nicht biet absolute Mehrheit entscheidet, sondern schon die relative Mehrheit genügt. Man hat das Wahl- system aus jenen alten Zeiten, in denen es nur zwei Parteien gab, die Konservativen und die Liberalen, einfach unver- ändert übernommen und wendet es in einer Zeit an, in der es zumindest eine große dritte Partei gibt, nämlich die Labour Party. Das verleiht den englischen Wahlen einen l o t t e r i e- artigen Charakter, der unseren Begriffen von Ge- rechtigkeit ins Gesicht schlägt und der nur durch das oft ab- sonderliche Festhalten der Briten an ihren längst überholten politischen Sitten und Einrichtungen zu erklären ist. Wie ungerecht sich dieses englische Wahlsystem auswirkt, zeigen deutlich die Stimmenzahlen und Abgeordnetenziffern der drei großen Parteien bei den zwei letzten allgemeinen Wahlen von Oktober 1924 und Mai 1929. Arbeiterpartei tzonservstive Liberale Stimmen Mandale Stimmen Mandate Stimmen Mandate 1924 3,5 Mill. 131 8 Mill. 412 2.9 Mill. 42 1929 8.36. 287 8,65.. 200 5.3.. 39 Die Leidtragenden dieser Wabslotterie waren un- zweifelhaft in den letzten Jahren die Liberalen, die mit Erbitterung feststellen mußten, daß das letztemal rund 90 000 Stimmen abgegeben werden mußten, um einen liberalen Ab- geordneten zu wählen, während bei den Konservativen 33 000 und bei der Arbeiterpartei sogar nur 28 000 Stimmen genügten! Es ist daher begreiflich, daß Lloyd George seine Tolerierung der Arbciterregierung von dem Versprechen einer Wahlreform abhängig mochte. Dieses Versprechen wurde ihm zwar schließlich gegeben, aber noch vor seiner Erfüllung ging die Labour-Regierung in die Brüche, so daß heute wieder einmal nach dem alten, ungerechten und überholten Modus gewählt wird. Die Bildung der sogenannten„Nationalen Negierung" unter Leitung des früheren Führers der Ardeiterpartei, Macdonald, bedeutete rein mahltcchnisch für die Arbeiteroppo- sition eine ungeheure Gefahr. Ursprünglich bestand jedenfalls bei den Regierungsparteien, das heißt vor allem bei den Kon- fervntiven und den Liberalen die Absicht, möglichst überall nur„stroi-istt fights" zu veranstalten, das heißt: Wahl- d u e l l e zwischen einem Kandidaten der vereinigten Re- gierungskoalition und einem Arbeiterparteiler. Durch das einfache Zusaminenaddieren der bisherigen konservativen und liberalen Stimmen hoffte man, zahlreiche Arbeiterabgeordnele zu Fall zu bringen, die im Jahre 1929 nur mit relativer Mehrheit gewählt worden waren. Indessen ist es schon unmittelbar nach der Auslösung des Parlaments wesentlich anders geworden. Die Kon- servativen, die in den Tagen der Bildting der„nationalen Regierung" des Lobes voll waren über die„vaterländische" Haltung der wenigen abtrünnigen Führer der Arbeiterpartei und der Liberalen, ließen nach der Verkündung des Auf- lösungsdekrets die Maske fallen. Mit unübertrefflichem Zynismus gaben sie plötzlich zu erkennen, worauf es ihnen allein ankam: die politische Verwirrung auszunutzen, um ihre absolute Mehrheit aus den Jahren 1924 bis 1929 wieder zu erobern und Schutzzölle als Allheilmittel gegen die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit durchzusetzen. Man stellte den liberalen Kandidaten die brutale Frage:„V?r- pflichten Sie sich ans den Schutzzoll? Wenn ja, dann wollen wir Sie in Ihrem Wahlkreis unterstützen, wenn nein, dann de- kommen Sie einen konservativen Gegenkandidaten auf die politische Entscheidung! Zum Lohnkonflikt bei der Reichsbahn und den Gemeinden. pariser Auslegung der Vereinbarung von Washington»— �oung-plan als erledigt betrachtet. Nase gesetzt!� Unter Führung von Sir John Simon kapitulierte die Hälfte der Liberalen vor diesem Ultimatum und oerleugnete damit den wichtigsten, traditionellen liberalen Grundsatz: den Freihandel. Ein anderer Teil sträubte sich gegen diese Erpressung und wurde dafür prompt mit einer konservativen Gegenkandidatur bestraft. Die Fanatiker des Schutzzolls unter Führung der beiden Zeitungskönige � Lord Beaverbrock(„Daily Expreß") und Lord Rothermere („Daily Mall") setzten bei der konservatwen Parteileitung durch, daß sogar dem liberalen Innenminister der„nationalen Regierung", Sir Herbert Samuel, ein konservativer Rwale in seinem Wahlkreis entgegengestellt wurde, well er die geforderte Bollmacht für den Hochschutzzollkurs nicht er- tellen wollte! Wutschnaubend erlebte der alte Führer der Libe- ralen, Lloyd George, den Zerfall seiner Partei. Als im August die Koalitionsregierung geblldet worden war, lag er gerade schwer krank in seinem Landhaus, so daß man damals feinen Rat gar nicht einholen tonnte, selbst wenn man es gewollt hätte. Als er wieder aktionsfähig wurde, war es bereits zu spät: der Auflösungsbeschluß war mit Zustimmung der liberalen Unterführer Samuel und Silnon ver- kündet worden, wobei der Simon-Flügel offen und vorbehält- los in das Lager der Konservativen eingeschwenkt war mit der Begründung, daß der Sozialismus der Haupt- f e i n d sei und daß es vor allem darauf ankomme, die Arbeiterpartei vernichtend zu schlagen. An der Spitze eines letzten Restes von Getreuen erklärte Lloyd George, daß er diesen Verrat an den liberalen Grundsätzen nicht mitmache. Weder den hundertprozentigen Renegaten der Simon- Richtung, noch den fünfzigprozentigen Renegaten des Samuel- Flügels würde er auch nur einen Pfennig aus dem liberalen Wahlfonds zur Verfügung stellen, über den er allein dispo- nicrt. Er, seine Tochter Megan, sein Sohn und noch zwei oder drei Freunde kandidieren selbständig und werden dabei von der Arbeiterpartei unterstützt. Dafür hat am Freitag Lloyd George zu einem großen Schlag ausgeholt: er ließ einen Redakteur des„Daily Herald" W. N. Ewer auf seinen Landfitz Churt zu sich kommen und gab ihm ein s e n- satioi\Llles Interview, das dank der Millionenauf- läge dieses Organs der Labour Party über das Wochenende in ganz Großbritannien wie eine Bombe einschlug. Auf die Frage des Berichterstatters, was er den liberalen Wählern anraten würde in jenen dreihundert Wahlkreisen, wo ein „straight fight" zwischen einem Arbeiterkandidaten und einem konservativen Kandidaten stattfindet, antwortete Lloyd George: „Wo es einen liberalen Freihändler gibt, der in der Frag« des Schutzzolls keine Mätzchen inacht(vbo does not play thc fool about Tarif ff.), würde ich natürlich für ihn stimmen. Aber wo es keinen liberalen Freihändler gibt, würde ich nicht im gering st cnzögern: ich würde für den freihändlerischen Kandidaten stimmen, gleichviel, welcher Partei er angehört" Man bedenke nun, daß die Liberalen vor zweieinhalb Iahren über fünf Millionen stimmen erhielten, von denen jetzt ein großer Tell in diesem Wahlkamxf völlig desorientiert ist- Den meisten wird zugemutet, den wichtigsten Programmpunkt der liberalen Weltanschauung über Bord zu werfen, indem sie chre Stimme einem Kandi- daten geben sollen, der aktiv oder tolerierend dem Schutzzoll zum Siege verhelfen soll. In dieser Situation gibt ihnen der Mann, der seit einem Vierteljahrhundert die Gcschüke der Liberalen Partei geleitet hat, den Rat:„Wählt Ar- beiterpartei!" Die große Frage ist nun die, ob der bald 70jShrige Lloyd George bei seinen früheren Wählern noch den gleichen Einfluß genießt wie ehedem. Wenn ja, dann könnte sehr wohl der heutige Tag eine ungeheure Ucberraschung bringen. Die Rolle, die Macdonald, Snowden, I. H. Thomas und das Bäckerdutzend von sogenannten „nationale� Arbeiterkandidaten" in diesem Wahlkampf gespielt haben, ist auf das tiefste zu beklagen. Sie beweist wieder einmal, wie jeder Schritt abseits von der Parteiorganisation zwangsläufig zum Renegatentum und zur Selb st Vernichtung führt. Mit dem Tage, an dem sie sich von ihren bisherigen Freunden trennten, wurden Mac- donald und seine Gruppe zu hilflosen Gefangenen der Konservativen. Auf deren Drängen haben sie ohne Not einen Wahlkampf inszeniert, dessen einziger Sinn nur sein konnte, ihre eigene bisherige Partei vernichtend zu schlagen. Dabei ist das tatsächliche Ergebnis ihrer bisherigen Re- gierungstätigkeit überaus dürftig: angeblich um die englische Währung zu halten, zerschlugen sie die eigene Regierung auf Befehl der internationalen Finanz, die einen Abbau der Löhne und der Sozialpolitik als die unerläßliche Voraussetzung der finanziellen Sanierung bezeichnet hatte. Aber schon nach drei Wochen glaubten sie, das Pfund doch nicht mehr halten zu können, und stürzten kopflos in das Abenteuer der freiwilligen Entwertung. Seitdem wird das Pfund hin- und hergeworfen, die britische und intcr- nationale Wirtschast ist in ungeheure Verwirrung gebracht worden, der erhoffte Rückgang der Arbeitslosenziffern ist nicht eingetreten, dafür droht unaufhaltsam die Angleichung an die Weltmarktpreise, also die Teuerung, und zu allem Ueber- fstlß soll noch der Schutzzoll einen neuen internationalen Hexentanz des Protektionismus auslösen. Die Arbeiterpartei kämpft für die Sache der Arbeiter in der ganzen Welt. Sie wird, was immer der heutige Tag bringt, als mächtiger Faktor in der britischen und in der internationalen Politik weiterleben! Ruck nach links in der Schweiz. Die Kantonalwahlen. . Das endgiMge Ergebnis. der Schweizer Kanton- w a'h l e n lag auch am Montagabend noch nicht vor. Die Mandate dürsten sich jgioch ungcjähr wie folgt verteilen: Sozio läe m o- trgten, 49(bisher 50), freisinnige Demokraten 52(bisher 38), Katholifd�-Aonservative 45(bisher 48), Bauernpartei 30(bisher 31), Sozialpolititer, eine Mittelgruppe, 2(bisher 3), Liberal-Konseroatwe Profitschinderei bei Schultheiß. Wie sich die Banksürsten zu bereichern suchten.— Sogar kurzfristige Auslands- krediie verwendet. Der Banksnstandal um Schultheiß wird immer größer. Ins- besondere die Danatbank und die Commerzbant haben eine Profitpolstik betrieben, die auch für kapitalistische Begriffe un- würdig ist. Herr Katzenellenbogen hatte bekanntlich gleich zwei Bankkonsortien zmn Aktienaufkauf gegründet, deren Existenz und Tätigkeit sowohl vor dem allgemeinen Bankenkonsortium des Kon- zerns, als auch vor dem Aussichtsrat geheimgehalten wurden: Das eine mit der Danat und das andere mit der Commerzbank. Die GeHeimarbeit für Kahencllenbogen haben die beiden Banken sich aber sehr teuer bezahlen lassen und zwar aus dem Rücken de» Schulkheiß-Konzerns. Das Danat-Konsortium sollte sür 13,3 Millionen Mark Ostwerke- und Schultheiß-Aktien kaufen und zwar 00 Proz. aus Rechnung der Ostwerke und 10 Proz. auf Rechnung der Danat. Die Banken spekulierten auf eine Kurssteigerung. Sollte diese eintreten, dann sollte die Danat aber nicht nur 10 Proz., sondern 23 Proz. vom Gewinn bekommen und die Ostwerke nicht 90» sondern nur 75 Proz. Sollte ein Vertu st eintreten, dann war die Danat am Verlust überhaupt nicht beteiligt und der Verlust g-ing voll zu Lasten der Ostwerk c bzw. des Schultheiß-Konzerns auf. Auf olle Zölle aber' ließ sich die Danatbank, das heißt Hier her? Zakob Goldschmidt, einen Gewinn von 500 000 Mark garantiere«, gleichviel, was mit den Aktienkursen passiert«. Später wurde dann die Summe auf 375 000 Mark„entgegenkommenderweise" von der Danat herabgesetzt. Die Summ«, mit der Aktien gekaust wurden, wurde dann auf das Doppelte, also auf fast 27 Mill. Mark erhöht. Die Danat spekulierte aber keineswegs etwa mit eigenem oder deutschem/sondern mit ausländischem Geld. Die Verträge lauteten auf 5 bzw. 6 Millionen Dollar, für die Ostwerke- und Schultheih-Aktien gekauft werden sollten. Dasselbe kurzfristige Auslandsgeld, das uns seil Juli i« die sürchlcriichsten wirlschaflskrämpfe geworfen hat, weil es vom Ausland gekündigt wurde, war also der Danal willkcnnmea, um damit üble Profitjägerei zu treiben. Bei dem Tom merz- und Privatbank-Konsortium steht es noch übler. Als ob die Herren der Eommerzbank sich der Anrüchigkeit der Geschäfte vollbewußt gewesen wären, sind sie nicht selbst, sondern durch befreundete Auslandsbanken zum Aktienkouf auf die deutschen Börsen gegangen. Die Stroh- mann e'r waren die Amsterdamer Bank Hugo Kauf- mann und die Eidgenössische Bant in Zürich. Der Ber- mittler zugunsten Katzenellcnbogen bzw. zu Lasten des Schultheiß- Kostzers war die Commerz- und Privatbank. Natürlich wurden auch hier Balutafchulden«ingegangen, so daß auch hier Schultheiß-Aktien mit Kurzfristigen Auslands- gcldern gekausi wurden. Die Profitverteilung war aber noch ungisich«r. Ein eventuell ein- tretender Kursgewinn sollte zu KO Proz. an die Eommerzbank und ihre Hinterleute und nur zu 40 Proz. den Ostwerken bzw. dem Schultheiß-Konzern zugute kommen. Zunächst sollten Aktienwerte im Betrage von nur eine Million Dollar erworben werden, aber die Prositaussichten waren so oerlockend für die Commerzbank und ihre ausländischen Bankfreunde, daß schließlich für über 3 Mill. Dollar Ostwerke- und Schultheiß-Aktien erworben wurden. So wurde Katzenellenbogen für den Schustheiß-Konzern vom Commerzbank-Konsortium nist 13,8 und vom Danat-Konsortlum mit rund 31 Millionen Mark belastet. Dos waren die Summen, aus denen die beiden Banken sich ihre Profits schneiden wollten und die dann durch die Kursgarnniie zu Lyften des Schulchelh-Konzsrs, da inzwischen der Aktienkurs aus fast ein Viertel gestürzt war, die be- kannten Verluste von 30 bis 35 Millionen Mark herbeiführten. Im Inland und im Auslands hausiert jeder deutsche sogenannte Wirtschaftssührer mit dem Märchen,.staatliche„M i ß w i rt- s ch a f t" und„Marxismus" hätten die deutsche Wirtsl�ost und damit auch den deutschen Kredit ruiniert. Ist Herr Reinhard von der Commerzbank, bekannt als d e u t{ ch n a t i o n a l e r Scharfmacher, ein Marxist? Ist Herr G o l d f ch m i d t eins staatliche Institution? Herr Rsinhari und der Wirischasisbeirat Wird sich Herr Reinhart zurückziehen? Auch in der bürgerlichen Prcsie ist man der Aederzeugung, daß Herr Reinhart von der Eommerzbank durch den Fall Schnlkhelß so sehr belastet ist. daß er ai» Berater der Regierung nicht mehr in Funktion trete» kann. Die„Frankfurter Zeitung" äußert über die Mitgliedschaft des Herrn Reinhart im Ivirtschoftsbkirat die Erwar- tong.„daß Herr Rcinhart sich au» diesem Gremium zurückziehen wird, nicht etwa weil er einer der Fiaanzpsziler der„nationalen Opposition" ist, sondern weil die Enthüllungen in Sachen Schultheiß- Patzenhoser— Ludwig Kahenellenbogen dos Vertrauen in Herrn Rcinhart auch bei seinen bisherigen Be. wunderer« beeinträchtigt haben dürften. Wir glauben zu wissen, so schreibt die Franks urter Zeitung" weiter, daß min- dcstens das eine oder da» andere Mitglied des Wirischafl» beirotes überlegt, ob er unter diesen Umständen mit Herrn Rcinhart in der geplanten Wesse zusammenarbcilcn kann." (äußerste Rcchte) 5, oiellelcht sogar nur 4(bisher 6), Kommunisten 2 und 1 rechtsoppositwneller(bisher 2), wozu noch 1 oder 2 Wilde kommen. Die Sozialdemokraten verloren 2 Mandate, eines im Kanton Turgau und eines im Kanton Bern, der um 3 Mandat« weniger zu besetzen hat als bisher. Gewonnen wurden ein Nationalrats- mandat im Kanton Genf und im gleichen Kanton ein Ständerats- Mandat, das von dem Präsidenten des kantonalen Parlaments be- fetzt wird. Personell weist die sozialdemokratische Vertretung im Nationalrat keine erheblichen Veränderungen aus. Im Kanton Bern ist der Parteioarsitzende Ernst Reinhard, der 1028 nicht wieder- gewählt worden war, gewählt worden. Die s oz i a lde m o k ra« tische Stimmenzahl ist um n, ehr als 20000 ge- stiegen und reicht damit sehr nahe an die der größten Partei, der freisinnigen Demokraten, heran. Der Rückgang der Mandatszahl des Nationolrates um 11 geht also nahezu auf Kosten der bist* gerlichen Parteien. Die Sozialdemokraten haben, unter Be- rücksichngung der Mandatsherabsehung, 2 Mandate gewonnen und sind in 3 Kantonen, in denen sie bisher kein Mandat besaßen, knapp an die Mandatszahl herangelongt. Unter den bürgerlichen Parteien hat die Bauernpartei mit ihrer hochschutzzöllnerischcn Politik am besten aboeschnitien, während die Freisinnigen ständig im Rückgang sind. Obwohl der sozialdemokratische Erfolg nicht in Mandatsziffer» ausgedrückt ist, ist der Ruck nach links in der Schweiz un- bestreitbar. „Weiigehende Ltebereinstimmung." Zwischen deutscher und italienischer Regierung.— Das (Arandi-Kommumqu6. Amtlich wird mitgsteUt: „Anläßlich der Anwesenheit des italienischen Außenministers Crandi in Bertin haben zwischen ihm und dem Reichskanzler«in- gehende politische Besprechungen stattgefunden. Anknüpfend an den freimütigen Gedankenaustausch, den der Reichskanzler bei seinem Besuch in Rom mit dem Chef der italienischen Regierung vornehmen konnte, winden in diesen Besprechungen alle die großen politischen und wirtschaftlichen Probleme internationaler Art einer Erörterung unterzogen, deren Lösung von Tag zu Tag dringlicher wird. Bei der Aussprache, die in vollster Offenheit und in s r e u n d s ch a f t- sich st er Gesinnung geführt wurde, ergab sick) weit- gehende Uebereinstimmung in der Beurteilung der Lage und der Notwendigkesten, die sich aus ihr ergeben. Insbesondere kam auf beiden Seiten die Ueberzcugung zum Ausdruck, daß die wirksame Bekämpfung einer Krise, wie sie heute die West erschüt- tert, ohne eine planvolle Zusammenarbeit der beteiligten Nationen nicht mehr möglich ist und daß diese Zusammenarbeit, wenn sie zum Erfolge führen soll, auf gegenseitigem Vertrauen und gegenseitiger Achtung gegründet sein muß." Hakenkreuz gegen LandSuni�. Landwirtschastskammerwahlen in Pommern. In einzelnen Kreisen der Provinz Pommern haben am Sonntag die Wahlen zur Landwirtschastskammer stattgefunden. Di« Wahlen trugen durchaus politisches Gepräge, da die R a t i o n a l- s o z i a l i st e»überall Gegenlisten gegen den Landbund i aufgoftellt Haien. Der Wahlkampf vor überaus heftig, die National- soziolisten haben chre bekannt« Methode der Verleumdung und der Boschmutzmig diesmal gegen den Landbund und fem« deutschnativ- nalon Führer gerichtet. Das Ergebnis zeigt, daß die Rcw�nalsozccckcsten das Doppelte der Stimmen des Landbundes erhalten haben. Wie sagte Graf van der Gccktz in Hapzburg:„Wer die nationale Opposition spallet, ist ein Schuft." Prozeßbeginn in Warschau. Sit Anklage führt{sie Straftaten nicht einzeln auf. Warschau. 28. Oktober.(Eigenbericht.) Zlm Montag begann in Warschau der Prozeß gegen die Führer der Linksopposition. Die 11 Angeklagten wer« den van 19 Anwälten verteidigt, darunter die ersten Juristen Polen«. Die Press« ist nur in beschränktem Maß« zugelassen. Von über 50 Auslandsjournalisten wurden nur sechs Plätze im Gerichts- saal angewiesen. Die Verhandlung begann mit der Verlesung der An- klage gegen die Oppositionsführer. Die Verteidigung bemängelte sofort nach der Verlesung, daß die angeblichen Straftaten der ein- zelncn Angeklagten nicht gesondert aufgeführt sind, und be- antragte die Ueberweitzing des Prozesses von der Strafkammer in Warschau cur das Schwurgericht in Krakau, wo der den An- geklagten zur Last gelegt« Kongreß des Linksblockes seinerzeit stattgefunden hat. Das Gericht lehnte den Antrag ab, weil die angeb- liehen Pläne zum gewaltsamen Sturz der Regierung in Warschau und nicht in K-akau«nsgearbestet worden seien. Japaner gehen weiier vor. Reue Bahnlinie besetzl. London, 26. Oktober.(Eigenbericht.) In der Mandschurei haben die Japaner jetzt wiederum eine Bahnlinie besetzt. Der Schritt wird mit der erhöhten Aktivität chinesischer Banden in dem betreffenden Gebiet begründet. Die Bahn ist chinesisches Eigentum.. Die japanische' südmandschurische Bank»ich die Nokohaina-Specia-Bank besitzen jedoch Hypo- theken auf sie im Werte von 4,9 Millionen Pfund Sterling. Di« vonziger sozialdemokratische volkstaggfraklion hat die Auf- l ö s u n g und Neuwahl des Bolkstoges beantragt. Der Auf- lösungsbeschluß de, Parlaments bedarf der Mehrheit der Abgeord- netenzahl, das find 37 von 72. Die Linke verfügt über 26 Mandate. Die Unruhen aus Eqpcrn nehmen ihren Fortgang. Am Montag wurde in Cyreneia wieder ein Bischof festgenommen. Er soll einen Angriff gegen das englisch« Verwaltungsgebäude aitgeführt haben. In einem anderen Teil der Insel haben sich größere Atenschen- Mengen mft der Gewinnung von Salz beschäftigt und damit gegen die Monopolgesetzgebung oerstoßen. Es sind wieder vier Flugzeuge und Truppenoerstärkungen aus Aegypten nach Eypern entsandt worden. Zu der Daazig-poluischen Streitsache um den Hasen von Gdingen hat der Kommissar des Völkerbundes, Graf Bjavina, am Montag eine Entscheidung gefällt, nach der Nolen verpflichtet ist. den Dan- ziger Hafen voll auszunutzen Dies« Verpflichtung bringt aber keines- wegs die Nmwendigkeft mit sich. Aussührungsoerträge abzuichließen. Der Hohe Kommissar emvftehst den Parteien, in direkten Lcrhand- lungen zu einer Verständigung zu gelangen. Rr. SOZ» 4S. Jahrgang Ii* Dienstag, 27. Oktober 1931 Drei Zentner sprenostolf gefunden Genug um ein Stadtviertel in die Luft zu sprengen! Diü in« taufe des gestrigen Tages noch im Keller der Wohnung Ueberbrücks gefundenen Lprengflofsmengen wer- den aus annähernd einen Zenlncr geschäht, so daß dieses Sprengstofslager sich noch den bisherigen Zeststellungen ans rund drei Zentner Explosivstoffe belies, eine gan; ungeheuerliche Menge, genügend, um ein ganzes Stadtviertel in die tust zu sprengen. 3n den Kellcrräumcn fand man weiter Drahtrollen, Metallbehäller, die zur Herstellung von Sprengkörpern dienen sollten, eine behelfsmäßig hergestellte Handgranate. Aufschlag- und elektrische Zünder und joniliges Zubehör. Die Sprengstofsmengen haben zum Teil schon längere Zeit gelagert: sie stammen keinesfalls direkt aus den Aabrikcn, in denen sie hergestellt wurden, sondern müssen von Zechen- oder Steinbruchbetrieben entwendet sein. Untersucht wird auch in Anbetracht der Talsache, daß lleberbrück auf der Rückkehr aus Schlesien verhaftet wurde, ein etwaiger Zu- sammenhaug mit den kürzlich ausgedeckten Sprengstofsdiebstählen bei Vetershain. wo bekanntlich eine zu linksrajzikalen Kreisen der dortigen Segend in Beziehungen stehende Zamflie Bartels wegen des Verdachtes der Täterschaft verhaftet wurde. Die Durchsuchung des Liebknechl-Hanses in Verbindung mit den Sprengsiofs- Kunden bei lleberbrück snicht Kirch, wie irrtümlich am Sonntag mitgeteilt), hat gleichfalls äußerst belastendes Material zutage gefördert. Die Besetzung der Berliner stommunistenzenirale am Bülowplatz durch die Politische Polizei währte bis in die späten Abendstunden des(sonntags. Bis auf die Räume des ZK.(Zentral-Komitee) ist das Liebknecht-haus gestern früh wieder freigegeben worden. Bei der Durchsuchung und Sichtung des verdächtigen Schriften- Materials und verschiedener Korrespondenzen wurden von der Polizei neue Spuren und hinweise auf geheime Spreng st oss- nester entdeckt. Es wurden in verschiedenen Wohnungen kam- munistischer Parteiangehöriger, deren Adressen im Interesse der Untersuchung von der Polizei zunächst noch geheim gehalten werden, größere Mengen Spreng st ofse und dazugehörige S p r e n g m a t« r i a l i c n beschlagnahmt. Weiter sind aus Grund der polizeilichen Aktion«ine Reihe von Verbindungsleuten und zum Teil auch die„Lieseranten" ermittelt worden. Die Fäden dieser Sprengstofs-Gruppe reichen bis nach Oberschlejien und S ch l« s w i g- h o l st e i n. Am Sonnabend haben in der Provinz verschiedene Durchsuchungen stattgefunden, über deren Ergebnis die Berliner Polizei jedoch noch keine ausführlichen Berichte erhalten hat. Mit weiteren Festnahmen der an dem Verschwörernetz be- teiligten Personen ist zu rechnen. Die polizeilichen Ermitt- lungen in Breslau, von wo lleberbrück mit den mit Spreng- stoff gefüllten Koffern nach Berlin kam, dauern noch an, wie natür- lich auch in Berlin die Untersuchung in dieser Affäre noch lange nicht beendet ist. An zuständiger Stelle neigt man zu der Annahme, daß lleberbrück, der übrigens schon aus früheren Iahren als söge- nannter„militärischer Obmann" bekannt war, mit der im Früh- jähr unschädlich gemachten Sprengkolonne Gutschc und Ge- nofscn im Zusammenhang stand, deren Ansührer Gutsche nach Ruß- land geflohen ist, während die übrigen Mitglieder der Kolonne in Leipzig in Untersuchungshaft sitzen, weil gegen sie ein hochver- ratsoersahren schwebt. Auch die sonstigen Sprengswff-Fund«, die in der letzten Zeit in Berlin gemacht worden sind, werden mit in den Bereich der Nachforschungen gezogen. * Im Flur des Hauses Große Frankfurter Straße tg wurde von Angestellten dos Juweliers Freundlich am gestrigen Sonntag ein Paket gesunden, das 150 Schuß Infanterie- Munition enthielt. Die Patronen wurden der Politischen Polizei übergeben. Die„laxe Praxis". Wichtige Sachverfiändigenaussage im ENarek- Prozeß. Zu Beginn der gestrigen Verhandlung im Sklorek-Prozeß, bei der die Angeklagten Gäbcl, Degncr, Schmitt nnd L u d i n g fchllen. ordnete der Vorsitzende, Amlsgerichlsrat keßner, an. daß sämtliche Angeklagten vom heutigen Dienstag ab aus Sicherheitsgründen, und zwar vermutlich um keinen Revisionsgrund zu schaffen, morgens an«Serichlsstelle zu erscheinen haben. Sie könnten dann eventuell fortgehen, wenn sie die Erklärung abgegeben hätten, daß sie sich freiwillig entfernten. Der Sachverständige für die städtische Verwaltung, Ober- magistrotsrat Dropmann, wurde dann über die Frage gehört, ob dos Abweichen von Beschlüsten d«s Magistrats und d«r Stadt- verordncteiwcrsanunlung zulässig sei, wie es durch den Vertrag mit ' den Sklarets betreffs Uebergabe der KVG. der Fall war. Der Sochoerstöndige hielt grundsätzlich ein Abweichen von Beschlüssen der städtischen Körperschaften für nicht korrekt und hielt es auch nicht für zulässig, daß einzelne Magistratsmitglieder sich über die Be- schlüise hinweggesetzt hätten und den Vertrag genehmigten. Seine weiteren Ausführungen waren für die Angeklagten Kohl und Sakalofski insofern günstig, als nach seiner Ansicht die Kämmerei- Verwaltung für die Ausführung der Beschlüsse verantwortlich sei. Vors.: Man muß also in der städtischen Verwaltung wohl zwischen dem unterscheiden, was sormal korrekt ist, und dem, wie es eigentlich in der Praxis ausgeführt worden ist. Es scheint da eine laxe Aus- fassung zutage getreten zu sein. S a ch v e r st.: Ja. es stimmt, es hotte sich eine laxe Praxis eingebürgert. Der Vorsitzende schnitt diese Erörterungen schließlich mit der Feststellung ab, daß es darauf ankomme, was sich der Kämmerer Kardiitg und der Syndikus Lange gedacht hätten, als sie den Vertrag, obwohl er den Beschlüssen zuwiderlief, genehmigten. Die weitere Erörterung galt zwei Nachtragsoerträgen, durch die die Sklareks durch die Angeklagten Kohl und S o k o l o f s k i weiter nach Ansicht der Staatsanwaltschait begünstigt worden sein sollen, was diese jedoch bestritten. Eine Pslichtwidrigkeit der beiden Angeklagten wirb auch darin erblickt, daß die Preise für die übernommenen Waren von der 5tVG. zugunsten der Firma Sklarek stark ermäßigt worden sind. Leo Sklarek erklärte in diesem Zu- sammenhang wieder, daß Kieburg ihn mit dem ganzen Lager der KVG. betrogen und übervorteilt habe, denn die Waren seien lauter Schund und Lumpen gewesen. Der Staatsanwalt meinte in diesem ZuscuwMnhange. es sei dapn doch eigenartig, weshalb die Sklareks Kirburg ein zinsloses Darlehen von löOOlk) Mark gegeben und anch noch bis zum November 1926 an ihn Zahlungen geleistet hätten. Zm übrigen seien die Behauptungen der Sklareks, daß sie kieburg betrogen habe, daß die guten Waren gegen schlechte vertauscht worden seien, völlig unbewiesen, ivas man Punkt für Punkt nachweisen werde. Leo Sklarek: Herr Kieburg hat sich von einem Berliner Trödler Anzüge für 8,3» M. gekauft, die er uns hingehängt hat. Davon steht nichts in der Anklag«. Vors.: Seien Sie doch zu- frieden, daß nicht alles darin steht. sHeitrrkeit.) Der Angeklagte K o h l vertrat die Ausfassung, die Interessen der Stadt gewahrt zu haben, nnd bestritt sehr entschieden, daß er die Sklareks mit dem Lager der 5lVG. übervorteilt hätte. Ein Posten Ware in Höhe von 80 000 Mark sei allerdings minderer Qualität gewesen und hätte eine bittere Beigabe zu dem Geschäft dargestellt. May könne sich ja aber nicht aus einem Geschäft nur die Rosinen heraussuchen. Ob wirtlich durch Kieburg Waren vertauscht worden seien, wisse er nicht, er habe nur einmal in einem Unterausschuß der Stadtverordnetenvei- sammlung davon gehört. Mehr Fahrgäste- weniger Geld Die neuesten BBG.-Verlehr6zahlen. Die neuesten von der Berliner verkehrsgesellschast ver- össentlichten Verkehrszahlen lassen zum erstenmal die Auswirkungen des am 1. September eingeführten Tarises erkennen. Im Monat September 19Z1 würden auf den Verkehrs- Mitteln der BVG. 71 808 760 Personen befördert.(Im A u g u st dieses Jahres 69S6A921.) Davon entfallen auf die Straßenbahn 43 819 578, auf den Omnibus 10 177 000 und auf die hl-Bahn 17 812182 Fahrgäste. Im gleichen Monat des Borjahres wurden 81 574196 Personen gezählt. Die Straßenbahn beförderte 52 699 367, der Omnibus 12 544 055 und die Ü-Bahn 16 330 774 Fahrgäste. Der Rückgang im Monat September 1931 im Vergleich zum September 1930 beträgt 12 Prozent. Für die einzelnen Verkehrs- mittel ist das Ergebnis folgendes: Bei der Straßenbahn minus 16,8 Prozent, bei dem Omnibus minus 18,9 Prozent und bei der Ül-Bahn eine Steigerung von 9,1 Prozent. Nach der Neueinführung des Tarifs vom I.September ab wurden 21594 320 Fahrten aus Soiumcl karten gezählt. Es ergibt sich auch bei einem Vergleich mit den Zahlen des Monats August 1931, daß nach der Einführung dieses Tarifcs 2244 839 Personen mehr befördert wurden. Der neue Tarif hat der BVG. einen nicht unerheblichen Zu- strum neuer Fahrgäste gebracht. Nicht gleichen Schritt mit der Er- höhung der Verkehrsziffern haben jedoch die Einnahmen gehalten. Hier ist ein weiterer Rückgang zu verzeichnen, die genauen Summen hat die Gesellschaft noch nicht bekanntgegeben. Die Tatsache des Einnahmerückganges bei gesteigerten Benutzungsziffern hat ihre Ursache in der Neueinfllhrung der Sammelkarten. die die Einzelsahrt bei Straßenbahn und E-Bahn aus 20 Pfennig verbilligt hat. Ge- rode die Sammelkarten aber sind es, die der BVG. viele verlor«,- gegangene Fahrgäste wieder zurückgewonnen haben. Die Verkehrs- gesellschaft hat sich mit der Einführung der Sammelkarten ein« neue Popularität erworben, die allerdings durch das Bekanntwerde» des unmöglichen„E i n s ch r ä n k u n g s p r o g r a m m s" schon in Gefahr ist, wieder verlorenzugehen. Oachstuhlbrand in Gchöneberg. Im Dachstuhl des Eckhauses Hauptstraße 11 und Borbergstraße in Schöneberg brach gestern nachmittag Feuer aus, das schnell um sich griff. Die Flammen hatten ihren Ausgang in einer Bodcnlammer genommen und waren auf ein Maleratelier, dos in einer Mansardenwohnung untergebracht ist, übergesprungen. Ein großer Teil des Ateliers mit vielen Arbeiten des Künstlers wurde vom Feuer zerstört. Zum Glück konnte der Brand verhältnismäßig schnell eingedämmt werden, so daß der größte Teil des Dachstuhls gerettet wurde. Die Entstehungsursache konnte noch nicht geklärt werden. Polizeipräsident Grzejinsti wird am Mittwoch, dein 28. Oktober, abends 8 Uhr. in einer gemeinsam vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten,-tcilnehmer und-Hinterbliebenen und dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstal- teten Versammlung in Wittenau sVereinshaus. Behnkc, Oranienburger Straße 88/89) über das Thema„Polizei und Wirtschaft" sprechen. „Gcrmaine ist in der letzten Zeit vollkommen verändert, ich beobachte sie schon seit Wochen und bitte Sic"— damit wandte sie sich zu den Gästen—„ihr Benehmen zu ent- schuldigen. Sie hängt unendlich an ihrem Bruder, und seit- dem er krank ist, leidet sie mit. Bei jeder Gelegenheit bricht sie in Tränen aus— sie ist nicht wiederzuerkennen." Draußen aber schob Fräulein Holl ihren Arm unter den ihrer Freundin und sagte zweifelnd:„Ich weiß nicht, ent- weder ist diese Frau eine stille Heldin, die ihre Rollä be- wundernswert spielt, oder aber sie ist ein wenig sehr dumm und noiv." Dia andere lachte laut aus:„Das Letztere, meine Liebe. das Letztere. Aber die Düring Haiden Profit davon— der kann keiner mehr am Zeug flicken!" Die letzten Gäste hatten sickz verabschiedet, nur Fräulein Düring war im Gespräch mit Frau Loriot noch einen Augen- blick zurückgeblieben. Ein plötzliches, betretenes Schweigen trat ein, als Loriot zu den beiden Frauen trat, und sich die drei Menschen unoermittelt ohne Zeugen gegenüberstanden. Dann brach Fräulein Düring mit raschem Entschluß die Stille und streckte ihrer Gastgeberin die Hand entgegen. „Wie soll ich Ihnen danken, verehrte gnädige� Frau", sagte' sie bewegt,„ich werde niemals vergessen, was vis heute für mich getan haben. Weim es noch den Klatschbasen ginge. dann säße ich schon morgen irgendwo, wo sich d'c Fuchse und die Hason gute Nacht sagen lind ich bin dock) so gern hier. Schelmisch blickte sie zu Loriot hinüber. Aber der Professor sah verschlossen vor sich nieder. Johanna Loriot drückte das junge Mädchen sanft in einen der großen Polstersessel nieder und setzte sich ihr gegenüber. „.Komm. Andre-", sagte sie rubig,„setze dich apch zu uns. wir wallen nun rasch alles ins Reine bringen, wie es nernünstige Menschen tun müssen." Dann ergriff sie die Hände des jungen Madchcns._.______;______ „Kind", sagte sie herzlich,„ich bin Ihnen niemals böse gewesen. Ich will auch meinen Mann nicht hier zu Hause einkapseln und ihn der Jugend, zu der er gehört, entziehen. Aber ich habe Pflichten gegen meine Kinder. Auf sie darf kein Makel fallen. Unsere Familienverhältnisse müssen nach außen rein sein— und auch nach innen." Ihre Stimme schwankte. Fräulein Düring beugte sich über ihre Hzand und küßte sie. „Gnädige Frau", sagte sie fest,„hier haben Sie mein Versprechen, daß ich mich nie mehr mit Ihrem Gatten heim- lich treffen werde— und wenn unser Zusammensein noch so harmlos ist. Denn das ist es in der Tat. Die alten Tanten sind bloß neidisch. Aber ich habe eingesehen, daß es besser ist, nicht in die Höhle dieser Löwinnen zu fallen." Sie lächelte spöttisch. Draußen klopfte es. Frau Loriot erhob sich.„Ich danke Ihnen", sagte sie schlicht,„und damit wollen wir die An- gelegenheit als erledigt betrachten." Sie schritt zur Tür, durch die hostig die Krankenschwester eintrat. „Fassen Sie sich. Frau Professor", sagte sie. als sie den jähen Schreck im Gesicht der Frau bemerkte,„aber das Befinden Ihres Sohnes säjeint sich leider etwas zu verschlim- mern. Ich habe soeben den Ar.zt telephonisch gerufen und damft seine Weisung befolgt, ihn von jeder Veränderung in Kenntnis zu setzen. Er wird jeden Augenblick hier sein—." „Sie unterbrach sich jäh, denn ein gellender, wilder Schrei drang durch den weiten Korridor herüber.„Das Kind", sagte sie entsetzt, während Frau Loriot hinausstürzte. Aber Germaine mar wie von Sinnen. Sie schlug wie rasend um sich, als sie die Mutter vom Bett des Bruders entfernen wollte. Verzweifelt schüttelte sie die Hand des Bruders, der unbeweglich in den Kissen lag. „Dolf, Schnolfi. Dolfchen, wach auf, wach auf!" Sie streichelte sein Gesicht imd küßte die tief eingesunkenen Wangen. Aber der Bruder rührte sich nicht. Beruhigend sprach der dazu kommende Arzt aus sie ein. Aber sie biß und kratzte jeden, der sie anfassen und vom Bett wegführen wollte, sie stieß mst Händen und Füßen um sich wie eine Verzweifelte. Dann richtete sie sich mit jähem Ruck auf. „Ihr seid schuld, ihr alle!" Mit überschlagender Stimme schrie sie es den Eingetretenen entgegen. Dann brach sie in Stiinipjctt zujarnrnrn. 6. Wieder ist die Nacht hell und sternenklar wie einst. Wieder summt der Nachtwind in Sträuchern und Bäumen. Mild und sanft streicht die Luft in leisen Wellen über den Garten. Im vollen Licht des Mondes liegt das kleine Land- haus. Loriot sitzt am Schreibtisch seines mit eingebauten Bücherschränken fast übermäßig belasteten Arbeitszimmers. Er hat ein schmales, schwarzes Heft vor sich und ließt. „... Papa hat Augenblicke, in denen er mich haßt, das fühle ich genau. Warum nur? Bin ich schon ein zu erwachsener Sohn für ihn, wird er älter durch mich? Oder ist es etwas anderes? Und doch liebt er mich wieder, ist von einer rühren- den Besorgnis, erfüllt mir jeden Wunsch, den ich ausspreche. Er mokiert sich über meine Liebe zur Astronomie und Mathematik— und doch hat er mir heute zum Geburtstag eine herrliche astronomische Bibliothek geschenkt. Was würden meine Kameraden in der Schule darum geben, wenn sie einen solchen Vater hätten! Nein, ich darf und will nicht un- dankbar sein." 24. Februar.„Heute ein herrlicher Tag. Die beste Mathematikarbeit geliefert. Professor Fiedler nannte mich einen genialen Kerl. Wurde an die Tafel gerufen, mußte selbständig Formeln entwickeln und der Klasse erklären. In meinem Kopf olles leicht und frei, wie noch nie, ich kann denken, denken, alles strömt mir zu. Der Ordinarius hat mir den großen Schulpreis in Aus- sich gestellt. Wie wird sich Papa freuen! Und Mamas Gesicht wird strahlen, und Germaine— die wird den ganzen Tag singen und Purzelbäume schlagen und vor Stolz auf mich nicht wissen, was sie machen soll." 11. Mai.. nein, ich finde keine andere Lösung, es gibt nichts anderes mehr. Ich bin krank, kränker als olle ahnen. Mein Gehirn funktioniert nicht inehr. Auch die Augen lassen täglich noch. Ich habe mich schon in die erste Bank gesetzt, aber selbst hier kann ich keine Zahl an der Tafel mehr erkennen. Wie soll das werden! Heute von Doktor Harber untersucht worden, er meint, es sei rein nervös, ich solle Sport treiben.. 28. Mai.„Ich muß mich damit abfinden, muß versuchen, das Schicksal, das mir beschieden ist, auf mich zu nehmen. Es ist kein Zweifel' mehr, ich bin gehirnkronk. Ich begreife nicht, daß keiner der Aerztc bisher diese Diagnose gestellt hat. Oder doch? Dielleicht haben sie nur den Mut nicht, mir zu lagen, daß ich vcrlorm bm../.(Fortjegung lolgt.j Frauenmord vor Ausklärung? Ein der Baodorfer Bluttat verdächtiger Pole festgenommen. Sie krimiaalpolizeiliche Suche nach dem Vasdorser Fraueu- inörder hat gestern zur Festnahme des mutmahlichen Täters gcsiihrt. Es ist ein Zljähriger Pole Guido D., der bei der ver- heirateten Tochter der Ermordelen in Schildow zur Untermiete wohnte. Nach den Feststellungen der Mordkommissar« Lobbes und Stiller geuxmn die Annahme, daß der Täter im Bekanntenkreis der Ermordeten zu suchen sei, immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Di« ganze Ausführung der gräßlichen Tat und die genauen Lokal- tenntnissc des Mörders gaben hier die ersten Anhaltspunkte. Der Festgenommene ist von Beruf Maler. Er ist aus Palen geflüchtet, um sich seiner Militärpflicht zu entziehen. Der Fcstgenoimnene hatte ' im Juli des Jahres an dem Haufe des Faltinfchen Ehepaares Arbeiten ausgeführt und dabei Gelegenheit gehabt, die Gewohnheiten der alten Leute genau kennenzulernen. Bei dem Schwiegersohn des Faltin in Schildow hatte der Pole ein Unterkommen gefunden. An dem Mordtage war der alte Faltin mit feinem Schwiegersohn nach Berlin gefahren und aus den Gesprächen in der Familie hat der Pols erfahren, daß die alte Frau tagsüber allein im Hause ist. Inzwischen ist auch festgestellt worden, daß D. in Schildow im Ofen Sachen ver- brannt hne Verlängerung der ArdeilszeU müßten 20 Milliarden heraus« geholt werden. Ferner müßte die Gewerffchaitsunterstützun� auf die Arbeitslosen- Unterstützung angerechnet werden.. Ein Arbeitsloser trat einem Kind brauche nicht mehr als l8,S0 M. pro Woche. Saisonarbeiter seien auszunehmen, damit ein wohlgenährter Maurer sich nicht auf Kosten der anderen Vorteile verschaffe." In der Aussprach« wies eine Schulärztin auf die EntkommunalisisrungÄisstrebungen im Heuwesen im Interesse der frei praktizierenden Aerzte hin: sie betonte ferner, daß die Ambulatorien bessere Behand- lungs Möglichkeiten böten als die frei praktizierenden Aerzte. Ein Vertreter der wirtschaftlichen Abteilung des Groß-Berliner Aerztebundes. erklärte, daß das Acrztehaus, um eine Politisierung zu vermeiden, politischen Parteien nicht zur Verfügung gestellt werde. Eine frei praktizierende Aerztin sprach sich für eine Zu- sairnnenarbeit mit dem Hartmannbund aus, weil sie die herbe Kritik nicht ganz teilen könne. Krankenhausjubiläum. Iiudolf-Mrchow-KrankenhauS besteht 25 Lahre. In Berlin begehen in diesen Tagen zwei große kranken« yäuser. das Rudolf« vlrchow«kr an keohaus und da» Krankenhaus Pankow, die Feier 25iShrigen Bestehens. Bis zum Jahre 1860 ist in den Berliner Berwoltungsberichten nichts von einem städtischen Krankenhause erwähnt. Berlin war zur Unterbringung seiner kranken Bürger auf die Charit« und einige charitative und private Anstalten angewiesen. Man war in der Miste des vergangenen Jahrhunderts etwas zögernd mit dem Bau von Krankenhäusern geworden, da allmählich ein völliger Umschwung in den Anschauungen über die zweckmäßigste Bauart von Kranken- Häusern eingetreten war. Man wollte abgehen von den vielstöckigen Anstalten mit meist schlecht belichteten zwischen den Krankensälen ge- legenen Korridoren und die günstigen Erfahrungen nützen, die mit luftigen und gut belichteten Pavillons und Baracken gemacht worden .waren. Nach diesem Softem baute die Stadt Berlin im Osten ihr erstes Krankenhaus im Friedrichshain, das im Jahre 1874 eröffnet wurde. So entstand im Westen das„Barackenlazarett" Moabit, aus dem sich das jetzige Krankenhaus Moabit entwickelte, im Süden (1890) das Urban-Krankenhaus und schließlich im Norden(1906) das Rudolf-Dirchow-Krankenhaus.� Das Gelände des Krankenhauses, das eine der größten Anstalten der Welt ist und laufend von in- und ausländischen Acrzten und Berwallungsbeamten zu Studicnzwecken aufgesucht wird, umfaßt einen Flächenraum von 27,8 Hektar. Die Anstalt war unsprünglich für die Aufnahme von 2000 Patienten bestimmt, durch die Errichtung von Baracken usw. ist jedoch die jetzig« Aufnahmefähigkeit auf rund 2600 Kranke gesstegen. Das Krankeichaus besitzt fast alle Arten von Spezialabteilungen. Die Anstatt besitzt ein eigenes Wasserwerk und auch der Bedarf an Licht- und Kraststrom wird zur Hälfte aus einen, eigenen Elektrizitätswerk gedeckt. Wie groß der Personalbestand der gewattigen Anstatt ist. die gewissermaßen eine Stadt für sich darstellt. zeigen z. B. die Zahlen des Hell- und PIlegepersonals. So sind zur Zett vorhanden: 17 lettende Aerzte, 70 Ober-, Assistenz- und HUfs- ärzte, 49 Oberschwestern und-Pfleger sowie 493 Schwester und Pfleger. Für die gründliche Ausbildung des Krankenpflegepersonals besteht fest 1908 eine Pslegeschule, in der bisher 720 Schülerinnen und 100 S-huter � ausgebildet wurden. Während im Jahre 1907 nur rund 15 500 Kranke aufgenommen worden sind, betrug die Zahl der im Jahre 1930 behandelten Patienten rund 30 800. Öffentliche Kundgebung im 19. Kreis— Pankow Arn Mittwoch, dem 23. Oktober, 20 Uhr, im lokal „Schloß Schönhausen" in Niederschönhausen, Undensfr.11 Es spricht Reichstagsabgeordneter Anton Reißner über: Private W irtschaf t o der Sozialismus Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Die Kreisleitung. während sich der arbeitslose Mann bemüht. Arbeit zu finden, so können diese Leute ihre Kinder getrost dem Heim übergeben. Selbst- Hilfe innerhalb der Baublocks hat aber auch dazu geführt, daß die Ernährung für alle Arbeitslosen bis Frühjahr 1932 sichergestellt ist. Das Kinderheim selbst weist mit seinen hellen freundlichen und an- heimelnden Räumen alle Vorzüge der früheren von„Stadt und Land" erstellten Kinderheime auf. vergangenen Sonnabend mit eimr schlichten Feier" eröffnet wurdet In her Ansprache des Geschäftsführers Schadewald kam allerdinas «in starker Pessimismus zum Ausdruck, denn er meinte, daß es für längere Zeit nicht mehr möglich sein werde, derartige Helme zu hauen. Das Heim ist jedoch so gesichert, daß sein Betrieb auch in einer Notzeit nicht unterbrocken werden wird. Wenn also, wie es heute leider vtelfach nötig ist, die Frau einem Beruf nochgehh Ztäisel um das U-Boot-Lfaglück. Ist das russische Boot gesunken oder in Sicherheit? Moskau. 26. Oktober. Wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion mitteilt, ent« prechen die Rachrichten von dem Unkergang des sowjet- rassischen Unterseebootes nicht den Tatsachen. Durch den Zusammenstoß des ll-Vootes mit dem deutschen Dampfer»G r a« t i a" im Finnischen Meerbusen wurde das ll-Loot nur unbedeutend beschädigt, während der Dampfer ein kleines Leck erh'elt. Das Unterseeboot ist mit eigener Kraft nach Kronstadt zurückgekehrt, und auch der deutsche Dampfer hat ohne fremde Hilfe Leningrad er- reichen könne». U-Boot wie Dampfer benötigten nur unbedeutende Reparaturen. Im Gegensatz dazu wird aus Kopenhagen gemeldet, daß am Sonnabend um 14.38 Uhr die Funkstation eines Wiborger Dlat- tes SOS- R u s e des deutschen Dampfers„Gratia" auffing, der chnellste Hilfe erbat. Kurz vorauf stellte der Telegrophist fest, daß eine russische Küstcnslalion dem deutschen Dampfer verbot, weitere Mitteilungen zu machen. Dem Telegraphisten gelang es jedoch, weitere Einzelheiten aufzusangen. Danach ist das russische U-Boot plötzlich vor dein Steven des mit voller Kraft fahrenden deutschen Dampfers aufgetaucht. Der Dampfer konnte nicht mehr stoppen und ri ß das U-B oot auf, dassofort sank. Di« Besatzung des U-Bootes gilt als verloren. Der Dampfer„Gratia" war am 8. Oktober von Stockholm kommend in Leningrad mit Maschinen- tellen angekommen. Er befand sich jetzt mit einer Holzladung auf der Heimfahrt. Das U-Boot hatte an den russischen Flottenmanövern teilgenommen. Der Schöpfer der Berliner Ausstellungen geht. Der langjährige Direktor des Ausstellungs-, Messe- und Fremdenoertehrsamtes der Stadt Berlin, Dr. Schick, wird, wie wir hören, demnächst aus seinem Amte ausscheiden, um einer Be- rufung als ordentliches Vorstandsmitglied der Hotelbetriebs A.-G. Folg« zu leisten. Die von Dr. Schick im Jahre 1924 durchgeführte erste Fachmesse der Schuh- und Lederwirtschaft gab den Anstoß zur Begründung des Berliner Messeamtes, als dessen Leiter es Dr. Schick in achtjähriger zäher Aufbauarbeit gelang, das Berliner Ausstellungswesen zu dem heutigen hohen Stand erfolgreich weiter- zuentwickcln. Während Dr. Schicks Amtszeit wurden über 80 Aus- stellungsoeranstaltungcn, darunter solche größten Stils, auf dem gleichzeitig planmäßig ausgebauten Ausstellungsgelände am Kaiser- dämm mit guten Ergebnissen für Wirtschasts- und Fremdenverkehr zur Durchführung gebracht. Dr. Schicks Arbeit war zweifellos für die Entwicklung Berlins zur Ausstellungsstadt von grundlegender Be- deutung. Radfahrer vom Lastauto totgefahreu. An der Ecke Genter- und Ostender Straße geriet gestern nach- mittag der 4SjäHrige Bersicherungsbeamte Alexander Krüger aus der Ostender Straße 30 mtt seinem Fahrrad unter ein Lastauto. Sc. erlitt so schwer« Verletzungen, daß er ans dem Transport zum Virchow-Krankenhaus starb. WirtschaftSlrisc und Kouluwgiuoffcnschastcn. Zu dem Thema spricht dos nur gegen Warenbezugskarte. *«• „Dw Mespcn". das fliegende Kabarett im schubert-Saal (Bülowftr. 104), veronstallet am Donnerstag, dem 29„ 21 Uhr, ein« Sondervorstellung.Llabarettnachwuchs" In dieser Bor- stellung treten nur junge unbekannte Künstler auf. Die fünf erfolg- reichsten werden prämiiert. Das Publikum ent- scheidet. Karten 1 Mark. m Eatnreiner und §l6is tudt Gerade öieft Mschung schnmkt aber betaMtllch ganz besonders gut. Also- sÄyew�mftn.Ntie.mch ßibft mischen—es lohnt Wirklich/ Nr 503• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts OienStag, 27. Ottober 1934 Gefestigte Reichsbank. Wird die Oevisenflucht energischer bekämpft?- Die Banken Ende September. yiaä) dem Reichsbankausweis vom 2Z. Oktober ist die 3n- anspruchnohme der Reichsbankkredite in der dritten Oktoberwoche nicht unerheblich zurückgegangen, und der Abstuh von Devisen hat sich troh noch sortdauernder Rückzahlung von Markgulhabea an das Ausland, die ja auch in ausländischen Währungen erfolgt, fühlbar verringert. Gegenüber der Vorwoche sind die Bestände.an Handelswechseln um 139,8 auf 3666,9 Millionen gesunken, die Lombard- darlehen sind um 69,6 auf 133,3 Millionen und der Bestand an Reichsschatzwechseln um 2,9 Millionen auf den sehr geringen Bestand von 99 999 M. zurückgegangen. Zur Einlösung von Wechseln war offenbar bei den Banken auch zusätzlicher Geldbedarf vorhanden, woraus sich in erster Linie die Verringerung der fremden Gelder auf Girokonto um 66,9 auf 484,6 Millionen erklären dürfte. Da diese Abgaben auf Girokonto in Marknoten ausgezahlt werden, Hot sich der Notenumlauf weniger verringert, als die Äreditentlastung ausmacht. Der Umlauf an Reichsbank- noten ging um nur 133,9 auf 4372,8 Millionen, derjenige an Renten- bankscheinen um 3,2 auf 419,6 Millionen zurück. Bei Devisen und Gold zeigen sich nur noch verhältnismäßig geringe Ver- schiebungcn noch unten. Die Goldbestände nahmen um 11,-4 auf 1144,6 Millionen ab, die Bestände an deckungsfähigen Devisen nahmen um 4,8 auf 142,9 Millionen zu. Die Abnahme des Noten- Umlaufes war relativ und absolut erheblich stärker als die Ver- ringerung der Gold- und Devisenbestände: so konnte sich die Deckung des Notenumlaufes durch Gold und Devisen gegen die Vorwoche von 28,6 aus 29,4 Pro.;, verbessern. Als anormal sind in den jetzigen Zeiten im Reichsbaukausweis insbesondere drei Posten anzusehen: der wechfelbestand, der Ilotenumlauf und die sogenannte?loteudeckung, d. h. die Gold- und Devisenbestände. Man kann annehmen, daß die W e ch s e l b e st ä n d c im Aus- weis vom 23. Oktober um wenigstens rund 1Z4 Milliarde höher find, als stc in normalen Kriscnzeiten sein würden. Das hängt mit den Äreditabzügen des Auslandes zusammen, die in irgendeiner Form einen inländischen Ersatz zu schaffen zwangen. Die Tätigkeit der Akzept- und Garantiebank ermöglicht der Reichsbauk, teilweise unter öffentlicher Garantie(Danat, Dresdner, Sparkassen usw.), Wechsel hereinzunehmen, die sie sonst nicht ohne weiteres als jlrcditunterlage anerkennen würde. Beim Notenumlauf ist zu berücksichtigen, daß wahrschein- lich ein Betrag von mindestens einer Milliarde Mark in Deutschland nicht mehr bei den Banken und Sparkassen geHallen wird, sondern im Strumpf oder im Banksafe unter Zins- vertust gehamstept sind. Da deshalb der Geldbedarf nicht kleiner ist, dürfte der Noteiuunlauf um einen entsprechenden Betrag höher sein, als es notwendig wäre. Ein Tatbestand, der absolut un- gefährlich ist. well ja die Noten im Sparstrumpf oder im Banksofe als Geld nicht umlaufen. Der drille interessante Posten ist der Devisenbestand, der viel niedriger ist, als er angesichts der großen Aktivität unserer Handelsbilanz sein müßte. Wir haben am Sonntag aus die Not- wendigkell hingewiesen, mit viel größerer Energie die Devisen- flucht der Exporteure zu bekämpfen, als dos bisher von der Reichsbank geschehen ist. Hoffentlich erweist sich die Reichs- bankleitung, die als letzter Geldgeber heute eine fast unbeschränkte Machtvollkommenheit hat, in ihrer personellen Zu- sammensetzung nicht als zu schwächlich in diesem Punkte. Die Lage der Banken. Die Reichsbaok hat für Ende September die statistischen Ueber- sichten über die Entwicklung der deutscheu Banken verössentticht. Es ergibt fich. daß im ganzen die Einlagenvcrluste der deutschen Sanken auch im September noch augchalten haben, und daß von einer wirk- saweu Rlobillsieruug. von einem fühlbaren Austauen der lausend gewährten Bankkredite immer noch keine Rede ist. Bei den Berliner Großbanken ist die S u m m e d e r f r e m d e n Geld.er gegenüber Ende August weiter von 8969 auf 787Z Mll- lionen gesunken. Ende März betrugen die fremden Gelder noch 19 788 Millionen. Allein bei den Kreditoren der Großbanken zeigt sich also ein Einlogenschwund von rund 3 Milliarden Mark in sechs Monaten, der frellich in erster Linie auf die Kündigung aus- ländischer Kredite zurückzuführen ist. Bei sämtlichen Kreditbanken ist der Rückgang gegenüber Ende August von 19 492 aus 19196 Mil- lionen relativ noch erheblich stärker. Ende März betrugen die Ein- lagen noch 13 261 Millionen, so daß hier rund 3,2 Milliarden Kreditorenverluste dn Zeitraum eines halben Jahres festzustellen sind. Auf der Aktivseite der Bilanzen zeigen die Berliner Großbanken gegenüber Ende August eine leichte Steigerung der Wechsel- bestände von 1399 auf 1399 Millionen, gegenüber einem Bestand« von 2332 Millionen noch Ende März. Die Differenz dürfte in erster Linie zur Reichsbank gewandert fein. Bei sämtlichen Kreditbanken ist der Wechselbestand gegen Ende August von 2221 auf 2163 Mil- lionen gestiegen gegenüber noch 3979 Millionen Ende März dieses Jahres. Die Vorschüsse auf lagernde und schwimmende Waren, die in erster Linie für den Import und Export gewährt werden, sind bei den Berliner Großbanken weiter stark gesunken. nämlich gegen Ende August von 1467 aus 1283 Millionen(noch 1894 Millionen Ende März) und bei sämtlichen Kreditbanken von 1696 auf 1489 Millionen(Ende März noch 2297 Millionen). Gewiß hat der erhebliche Rückgang des A u ß c n h a n d c l s u m s a n g s in den sechs Monaten von März bis September diese starken Rückgänge m i t verursacht: es dürsten aber Kreditkündigungen des Auslandes auch jetzt noch hier eine sehr erhebliche Rolle spielen, da diese Außen- handels- seiner überstürzten Aufsauge- und Expansionspolitik zu spüren. Ur- sprünglich besaß der schwedische Trust als deutsches KugeUagerunter- nehmen nur die SKF. Normo in Stuttgart mit einem Kapital von 7,5 Millionen Mark. Dieses Unternehmen leitete der General- direkter Boeninger, der in dem Werkspianageprozeh Normo gegen Riebe eine sehr eigenartige Rolle spielte. Unter der Führung Boe- ningers hat die Normo in kurzer Zeck bis aus ein einziges Unter- nehmen die gesamte deutsche Kugellagcrindustrie aufgesaugt und in einer neuen Gesellschaft, Vereinigte Kugellagersabriken A.-G-. zu» sammcngcfaßt. Diese Konzeickration diente nicht wirtschaftlichen, sondern ausgesprochen machtpolitischen Zwecken, was darin zum Ausdruck kam, daß blühende Unternehmen mit großem Austrags- bcstand, wie Riebe und Karlsruher Jndustricwerke, kurzerhand stillgelegt wurden. Die überhastete Expansion, die wie im Falle Kahn-Riebc» werk sehr teuer bezahlt werden muhte, hat aber mit der Ver- schärsung der Krise sür den Schwcdenirust erhebliche Schwierigkeiten mit sich gebracht. Schon 1939 wurde ein Verlust von 779 000 M. ausgewiesen. Der Abschluß sür 1931 dürfte mit den notwendigen Abschreibungen cinci, hohen M i l l i o n e n v c r l u st ergeben. So hat sich die Verwaltung der Vereinigten Kugellagerfabrikcn A-G entschließen müssen, von ihrem 49-Millionen-Äapckal jetzt bereits durch Einziehung 19 Millionen zu streichen, um die e- warteten Verluste zu decken. Zunehmende Arbeilslosigkeit in den vereinigten Slaaien. Na., Schötzuno des Arbccksministeriun.s hat die Zahl der beschästigungs lesen Fabrikarbeiter im Monat September um 59 999 z u g«- n o m m« n. Sie sparen bei der Zahnpflege, wenn Sie die Chlorvdont-Zahnpaste verwende», denn ein« kleine Menge davon genSgt. Versuch überzeugt. Alten Sfe U 9öx MSioaL tsdtshaüMKÜats Stttäubmiuiaafc Lohnkonflikt und Reichsregierung ÄS muß endlich dem Lohnabbau eine Grenze geseht werden. ■nie Schlichtungsverhandlungen im Reichsbahnbetrieb .aben gestern mittag um 12 Uhr begonnen. Sie haben einen sehr scharfen Verlauf genommen und wurden gegen 2 Uhr abends auf heute mittag 12 Uhr vertagt. Tie bis- herigen Verhandlungeu fanden direkt zwischen den Par- teien statt. Tie Schlichterkammer ist noch nicht gebildet worden. Erst nach dem Scheitern der Parteiverhand- lungen wird die Schlichtcrkammer in Funktion treten. Wir stehen vor schweren Tagen. Schon in dieser Woche muß sich zeigen, wohin in der Lohnfrage die Reise gehen soll. Eine Reihe bedeutsamer Lohntonflikte drängt nach Entscheidung. Die Arbeiter des Reiches, der Gemeinden, der Reichsbahn und der Rcichspost stehen in Verhandlungen init ihren Arbeitgebern, und der Ausgang dieser Verhandlungen muß Klarheit darüber schaffen, ob der deutschen Arbeiterschaft der Hungerriemen noch enger geschnallt werden soll oder ob die Regierung entschlossen ist, jetzt endlich in der Lohnfrage den Arbeitern gegen- über Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu zeigen. Die Arbeiter sind im Lohnabbau weit jtber die Grenze des Er- träglichen mitgegangen, obwohl ihnen klar ist, daß nie mit Lohnab- bau eine Krise behoben werden kann. Es hat aber alles seine Grenze und deshalb ist der Alarmruf des Einheitsver- b a n d e s der Eisenbahner an den ADGB. und die sozialdemo- lratische Reichstagsfraktion ein sehr e r n st e s Symptom für die gesamte lohnpolitische Situation Der Verzweiflungsruf der Eisenbahner hat auch die Reichs- regierung auf die dem Reichsbahnberrieb drohenden Gefahren aufmerksam gemacht. Auf Einladung der Regierung fanden daher am Montag>n der Reichskanzlei unter Beteiligung der Gc- werkschaftsfpitzcn Besprechungen mit den Vertretungen der Eisen- bahnergewerkschaften statt. Diese hatten so Gelegenheit, den zu- ständigen Stellen die ungeheure Rotlage der Eisenbahner klarzu- machen. Sie führten den Nachweis, daß ein weiterer Lohnabbau im Neichsbahnbetrieb unerträglich sei. Sie machten darauf aufmerksam, daß einem großen Teil der Reichsciscnbahnarbeiter bereits seit längerer Zeit Lohn einbüßen von mehr als 20 bis 33 Prozent durch Lohnkürzungen und Feierschichten auferlegt worden sind. Ein- weitere Verschlechterung der Lebens- Haltung der Eisenbahner sei auch aus staatspolitischen Gründen vollkommen unmöglich. Die Gewerkschaftsvertreter wiesen sehr ein- dringlich auf die akute Gefahr hin, die sich aus Verzweiflungsaus- brächen bei weiterem Lohnabbau iin Neichsbahnbetrieb naturnot- wendig ergeben müsse. Die Darlegungen der Gewerkschaften in der Besprechung mit der Reichsregierung blieben nicht ohne Eindruck. Mit Eindrücken allein ist es aber nicht getan Die Regierung inuh sich darüber klar sein, daß ihre Haltung nicht nur für den Lohnkonflitt bei der Reichs- bahn, sondern für die gesamte Lohnlage bestimmend wirkt. Sie kann den Unternehmern der Privatindustrie ein gutes und ein schlechtes Beispiel geben. Ein schlechtes Beispiel wäre nicht nur kür die augenblicklich schwebenden Lohnverhandlungen, sondern auch kür den Verlauf der Beratungen des Wirtschaftsbeirats, die am Donnerstag beginnen sollen, verhängnisvoll. Abwehrkampf der Gemeindearbeiier. Die Reichstarifkommissionen der Gemeinde- a r b e i t« r und kommunalen Straßenbahner, die gestern im Ler- bandshaus des Gesamtverbandes zusammentraten, haben die Lohn- abbauvorschläge des Reichsverbandes kommunaler und anderer öffentlicher Arbcitgeberverbändc Deutschlands e i n st i m m> a ab- gelehnt. Die Mitglieder der Rcichstarifkommissionen, die alle Bezirke des Reiches vertreten, berichteten über den entschieden st en Ab- w c h r w i l l e n der Gemeindearbeiter und Straßenbahner. Si- sind nicht bereit, kampslos eine weitere Verschlechterung ihrer Lebenshaltung auf sich zu nehmen. Der Lohnobbau zusammen mit den Arbeitsstreckungen haben vielfach das Lohneinkommen auf die Unter st ützungssätze der Arbeitslosenversicherung herabgedrückt So beträgt zum Beispiel das Bruttowocheneinkominen eines verheirateten Gcmeindearbeiters in Waldenburg i. Schl. 25,60 M. Zieht man hiervon die sozialen Beiträge, Steuern usw., die starren Ausgaben für Wohnung, Heizung und Beleuchtung ab, so verbleiben für die Lebenshaltung einer Familie ganze 14 M. pro Woche. Von diesem erbärmlichen Betrage sollen nach den Vor- schlögcn des Arbcitgebervcrbandes noch S Proz. abgezogen werden. Mit dem Wegfall der Lohnschutzllauscl für verkürzte Arbeitszeit reduziert sich dieser Lohn um weiter�5 Proz., so daß nach diesen Abzügen dem Arbeiter etwas über 10 M. pro Woche zur Bestreitung seines Lebensunterhalts verbleiben würden. Es ist daher selbstverständlich, daß der Gcsamtvcrband alle gewerkschaftlichen Mittel zur Anwendung bringen wird,»m an- gesichts dieser Hungerlöhne weiteren Lohnabbau zu verhindern. Die Front der Gewerkschasten. Scharfer Wind in Berlin-Brandenburg-Grenzmark. Die vierte Bezirkskonferenz des ADGB.-Bezirks Berlin- Brandenburg- Grenzm'.rk � in, Berliner Gewerlfchaftshaus, über deren ersten Berhanslungstag wir bereits berichteten, nahm am Sonntag den Geschäftsbericht des Bezirkssekretärs, Genossen Pallmershaus, über die Tätigkeit des Bezirksfekretariats in den legten drei Jahren entgegen.* Die Arbeitslosigkeit hat auch in diesem Bezirk einen nie gekannten Umfang angenommen. Von rund 270 000 Arbeits- losen Ansang 1923 stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 414 000 bis zum 1. Januar 1930 und auf 644 000 bis zum 15. Oktober dieses Jahres. Während in den Stammindustrien des Bezirks, wie zum Beispiel in der optischen Industrie, dem Bergbau usw., die Hoffnung besteht, daß bei«insetzender Konjunktur für die Ar- bester dieser Industrien auch wieder Beschäftigung vorhanden sein wird, sind in dieser Hinsicht für die östlichen Gebiete des Bezirks, besonders für die Metallindustrie im Osten, gar kein« Aussichten mehr vorhanden. Allein bis zum Jahre 1930 sind in 30 Orten des östlichen Gebietes des Bezirks über 100 Betriebe mit etwa 12 000 Beschäftigten gänzlich stillgelegt. worden. Einzeln« Orte, wie E h r i st i a n st a d t, D r i- s e n usw., find industriell völlig ausgestorben. Die Folge dieser Entwicklung ist«ine starke Abwanderung der Jndustriebevölkerung aus dem Osten, vor allem nach Berlin, und«ine weitere Zunahme des Elends in den Städten, wohin sich die Auswandernden ge- wandt haben. Die Krise hat sich zwangsläufig auch auf die Cigenbetriebe der Arbeiterschaft, insbesondere auf die 136 Baugesellschaften im Bezirk ungünstig ausgewirkt. Bei der Berichterstattung über die Tätigkeit der Gewerkschaften in den Körperschaften der Reichs an statt kritisierte Genosse Dolltnershaus besonders scharf die in personeller Hinsicht geradezu feindselige hallung der Reichsanslalt gegenüber dem„roten" Landesarbeitsamt Brandenburg. Wenn diese Schikanen, die sich in erster Linie gegen den sozialdemokra- tischen Präsidenten Brühl richten, nicht bald aufhören, werden di« Gewerkschaften Mittel und Weg- finden, die die Ruhe der verantwortlichen Herren in der Reichsanstalt empfindlich stören dürften, lieber die Vorsitzenden der Arbeitsgerichte im Bezirk sei nicht zu klagen. Lediglich über den Vorsitzenden des Landes- arbestsgerichts Frankfurt a. d. Oder, Landgerichtsdirektor Sie- wert, liegen bezüglich seinrr Vcryandlungsart und seiner Ur- teilsfindung berechtigte Klagen der Prozeßoertreter und Arbeit- nehmerbeisitzer vor. Die organisatorische Zersplitterung im Krankenkassen- wesen schreie zum Himmel. Im Bezirk gibt es zur Zeit Nicht weniger als 1178 Krankenkassen mit rund 2 580 000 Mit- gliedern. Don den 44 Gcsellenausschußmitgliedern der drei Handwerkskammern im Bezirk find zur Zmt 36 Freigewerkschafter. In der Bildung«, und Zugendarbeit sind in der Berichtszest sehr gute Fortschritte erzielt worden. Allein in Berlin wurden den freien Gewerkschaften im vorigen Jahre 6Z48 jugendliche Mitglieder zugeführt. Die Zahl der G c w e r k» schaftsmitglieder im Bezirk ist von 597 206 am 1. Januar 1929 auf 622 200 bis zum 1. Januar 1930 gestiegen, dann aber in- folge der Krise bis zum Anfang dieses Jahres auf 604 2(H gefallen. An dem Gefchäjtsbericht wurde keine Kritik geübt. In der allgemeinen Aussprache wurde vor allem für die Gewerkschaften betont, zur Erreichung ihrer Ziele und zur Erhaltung der Errungen» schaften der Arbeiter nötigenfalls auch die schärsstea außerparlamentarischen Kamps. mittel anzuwenden. Lebhast Klag« geführt wurde über die Ilse A.-G. und die Pfännerschafts-Braunkohlengrubcn, die die noch im Betrieb vorhandenen freien Gewerkschafter schikanieren und bei Neueinstellungen nur noch Stahlhelmer und Nazis berücksichtigen. Von den drei angenommenen Entschließungen wendet sich die erste gegen den freiwilligen Slrbeitsdienst und fordert dessen Beseitigung aus der Arbeitslosenversicherung. Die zweite Entschließung billigt die Beschlüsse des Frankfurter Ge- werkschaftskongrefses. Die dritte Entschließung wendet sich mit aller Schärfe gegen die reaktionäre Harzburger Front und gegen die verbrecherischen Bersuche, die freien Ge- werkschasten und ihre parlamentarische Interessenvertretung, die Sozialdemokratie, zu spalten. Dcr Bezirksausschuß, dem die Konserenz einstimmig den Dank für sein« Tätigkeit in den letzten drei Jahren aussprach, wurde mit Ausnahme eines freiwillig ausscheidenden Mitgliedes in feiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Das Washingtoner Abkommen. Spanien ratifiziert bedingungslos. Genf, 26. Oktober. Die spanische Regierung hat das Washingtoner Abkommen über den A ch t st u n d e n t a g ratifiziert und dem Völkerbundssekretariat mitgeteilt, daß die spanische Regierung auf den Vorbehalt der früheren Regierung verzichte, wonach Spanien die Konvention nur annehme, wenn sie von Deutschland, Frankreich, Grohbritan- nien und Italien gleichfalls ratifiziert werde. Der Stand der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens ist jetzt folgender: Ohne Vorbehalt haben ratifiziert Belgien, Bulgarien, Chile, Spanien, Grieäzcnland, Indien, Litauen, Luxemburg, Portugal, Rumänien und die Tichechoflowakei. Vier Staaten, nämlich Oesterreich, Frankreich. Italien und Lettland, haben unter dem Vorbehalt ratifiziert, daß anders Staaten, darunter England und Deutschland, gleichfalls ratifizieren. Das Jnternatwnale Arbeitsamt spricht gelegentlich der Ratifizierung Spaniens in einer Verlautbarung den Wunsch aus, daß Großbritannien und Deutschland ebenfalls bald der Kon- vention beitreten möchten. prolefi der Reichspofiarbeiter. Gegen weiteren Lohnabbau— für Tarifrecht. Am Sonntag waren in Berlin die Mitglieder der Reichs- abteilungsleitung sowie di« Bezirksleiter der R e i ch s a b t e il u n g Post und Telegraphie im Gesamtverband zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten, die sich mit dem Lohn- konslikt dcr Reichspostarbeiter befaßte. Wegen der außerordentlichen Bedeutung dieses Lohnkonstiktes nahm auch der Vorsitzende des Gesamtverbandes, Reichstagsabgcord neter Genosse Schumann, daran teil. Neben der. Notvcrordnungspolitik der Reichsregierung beschäftigte sich die Konferenz besonders mit den Maßnahmen des R e i ch s p o st m i n i st e r i u m s zum Aus- gleich des Haushaltes der Deutschen Reichspost, die auf die Lohn- Politik und die Arbeitszcitkürzungcn dcr Reichspost den maßgebenden Einfluß ausgeübt haben. Die Tagung protestierte entschieden gegen den durch die An- wendung des ß 6 der Notverordnung vom 5. Zum beabsichtigten Eingriff in das Tarisrecht der Beichspostarbeiler. Sie fordert- von der Verbandsleitung schärfste Abwehrmaßnahmcn gegen die un- erhörten Angriffe auf das Grundrecht der Arbeiterschast. Einipütig verurteilte die Tagung die im Zusammenhang mit dem K 6 der Notverordnung erfolgte Kündigung des Lohntarises der Reichspostarbeiter und den damit beabsichtigten weiteren Lohn- adbau. Sei den seht schon unzureichenden Löhnen der Reichspost- arbeiter und der dadurch bedingten kargen Lebenshaltung müsse ein weilerer Lohnabbau die schwersten Gefahren sür Familie, Betrieb und Staat zur Folge haben. Ebenso entschieden wandten sich die Konserenzteilnehmer gegen die Eingriffe in das Beamtenrccht durch die Notver- ordnung. Sie lehnten jeden Gehaltsabbau und jede Pensions- kürzung für die Beamten der unteren und mittleren Besoldung-- gruppen als untragbar ab. Die Haltung d'er Organisationsvcrtreter bei den Lohnverhand- lungen am 24. Oktober wurde einmütig gebilligt. Das Ergebnis der Beratungen der Konferenz wurde in einer Eni- s ch l i e ß u n g zusammengefaßt, die einstimmig angenommen wurde id zum Schluß an die Arbeiter der Reichspost appeMert. sich zu organisieren, da nur«ine starke und kampfbereit« Organisation ein weiteres Herabsinken der arbeitenden Klasse ins Elend verhüten kann.__ Beinebsratswahl bei AGG. Treptow. Seit zwei Iahren haben im Arbeiterrat di« Kom- mu nisten mit ihrem RGO.-Anhang die knappe Mehrheit. Wenn man zurückschauend die Tätigkeit dieser„roten" Mehrheit Revue passieren läßt, so ist Mu,. erstaunt über ihr« Fruchtlosigkeit. Wie überall, wurden auch in diesem Betriebe der Belegschast die tollsten Versprechungen von den KPD.-Leuten gemacht, um die ihnen oerhaßten Gewerkschaften zurückzudrängen. Forde- runaen wurden ausgestellt, zum Beispiel„2 0 Pfennig Lohn- erhöhung", die aber nie bei der Direktion verhandelt wurden. Die Führer dieser Revolutionäre, der kommunistische Stadt- oerordnete Wirsing, verschwand sang- und klanglos unter Mit- nähme von 1800 M. Abfindung, obwohl er vor Gericht großspurig erklärt hatte:„Ein Revolutionär läßt sich nicht abfinden." Seinen RGO.-Funktionären hatte er die Absindung verschwiegen. So ließe sich die Liste noch beliebig verlängern. In mehreren überfüllten Belegschastsoersammlungen der freien Gewerkschaften wurde überall mit Begeisterung di« Parole auf- genommen: Alle Stimmen der sreigewerkschaftlichcn Liste 1. be- ginnend mit den Namen Tunkowski, Leder, Freimut h. 5 PD. Metallarbeiter! Heute, Di«»«tag. t!>>-j Uhr, in den Sophien'Sälen, Snphienstr. 17—1«, Ber- I-mmlnna der SPD.-Meiollorbeitrr. Zoge-ordnnng: t. Reierot I Ärnn» Äänftlcr über:„SSeltwirttchaft-lrise, K-schi-m deutscheu«rbetterNaffe'. 2. Stellunglluh«« zur«enri ausweis ist mitzudriuzru. de,«euusseu u» und der Sampl her eralversammluag. Partei- Der ZraNiuuiuorstaud. Kreie Gewerkschafts-Lugend Berlin >iute, 19>« Uhr, tagen die Gruppen: Adlerihof: Sruppenheiin :dlershol, Bismarckstr. 1. Eine Gerichtssitzung.— SchSueweih«: 2u» gendheim Niederschöneweide, Berliner Ott. 31(Mädchenschule, im Keller). Eine Gerichtsverhandlung.— Pankow: Jugendheim Kissingenstr. 4t., Zimmer 5. Die Gewerlschaften in der Krise.— Sewcrkschastshaus: Engel. user 24—25, Saal It. Wer wir sind und was wir wollen.— Sedding: Jugendheim Willdenowstr. 5, 2 Treppen, Zimmer 11. Erlebnisse aus der Fremdenlegion.— Reu-Lichteaberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Gewerlschasi. liche Kaorpsmethoden.— Fraatfurter Nllec: Stadt. Jugendheim Litauer Str. 18. Lebrlingsschutz und Ledrlingsrccht.— Lichteuberg: Jugendheim Dossestr. 22. Die Mädels gestalten den Abend aus.— Ostend«: Jugendheim Karlshorst, Treslow- aller 44(Sant-Schule). Schon ab IS Uhr. Eine Arbeitsgerichtssitzung.— Treptow: Jugendheim SIsenstr. 3. Wir feiern drn 8. Geburtstag.— Steglitz: Jugendheim Flemmingstr. t4d. Kabarett auf Schallpkatten.— Landsberger Platz: Jugendheim des Ostens, Große Frantfurter Str. 18. Wettstreit zwischen Iunaens und Mädel».— Moabit: Jugendheim Bremer Straße. Bolkstänzr. — Spandau. Wilhelmstatzt: Jugendheim Sportplatz Seeburger Straße. Der Gewerllchaftslongreß.— Arnswaldcr Platz: Jugendheim Ehrlstburger Str. 14. Die Kirche und der Aberglaube.— Jugendoorstelluag der Bollsbühn« am Sonntag, dem 1. November, 15 Uhr.„Kampf um Kitsch." Karten sind in dcr Iugendzcntrale erhältlich. Preis 8V Pf. Iusiendoruppe des �entralverbandes der Anqestellten tK# Heute, Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Sptelabend.— Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18—13. Wir inszenirren ein Stegreifspiel:„Reichst-gssitzuna". — Der Sprech, und Bewegungschor übt ab 23 Uhr in der Turnhalle Baruther Straße 23.— Die nächste Vorstellung der Jugendvolksbühne ist am 1. oember. Gespielt wird:„Kampf um Kitsch" von Stemmle. Eintrittskarten zum Preise von 83 Pf. sind im Iugendsekrctariat zu haben. Mitgliedenrersaiviiiiluiig des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands Ortsgruppe Berlin Mitgliedsbuch legitimierti Berlin S 59. Hasenlteide, Nähe Hermannpiatz Es spricht Verbandsvorsitzender Franz Schefffely M. d. R.- Keiner fehle! T Genossinnen u. Genossen! Sonnabend, 31. Oktober u. Sonnlag, 1. November, von den bekannten Lokalen aus wichtige Flugblattverbreituns Dom kranken zum gesunden Zahn. Eitle volkstümliche Lehr- und Heilstätte. Lei der zahnleidenden, besonders bei der minderbemillelten Bevölkerung dürfte es großes Interesse erregen, daß der Reichs- verband Deutscher Dentisten, der rund% der Bevölkerung Deittschlands mit Zahnbehandlung versorgt, in Berlin, Linien- strahe 162, ein neues Fortbildungsinstitut, eine mo- dernst eingerichtete Ausbildungsstätte für Dentisten, eingerichtet hat. Interesse um so mehr, als hier eine Stelle geschaffen ist, die allen, die nicht in der Sozialoersicherung sind und kein Geld haben, eine Zahnbehandlung zu bezahlen, also den Aermsten der Armen eine vorbildlich« Behandlung völlig kostenlos bietet. Bei schmierigen Arbeiten, Goldkronen, Brücken usw. werden lediglich die Selbstkosten des Materials berechnet. Ein Rundgang durch das neue Institut führt in helle und luftige Behandlung-- räume und zwar zuerst in den Saal für konservierende Behandlung, in dem 17 nack) den modernsten Erfahrungen ausgerüstete BiHand- lungsstühle aufgestellt sind. Der alte mit Tretrad betriebene Zahn- bohrer, der Schrecken jedes Zahnkranken, ist verschwunden. Bs- sondere Räume sür Behandlungen mit Zahnersaß, sür Röntgen- ausnahmen, ein Laboratoriuni für alle erforderlichen technischen Arbeiten, ein Raum für Keramik und Porzellanarbcjtcn sowieDlkn großer Hörsaal mit einer reichhaltigen Sammlung von lR)r- Mitteln, einer Fachbiliothek und einer modernen Einrichtung für den chemischen und physikalischen Unterricht geben die Möglichkeit für ein« eingehend» sachliche Ausbildung des Dentisten. Diese Aus- bildung beginnt noch einer systematischen Auslese der sür den äußerst schwierigen Beruf Begabten mit einer 3jährigen Tätigkeit als Dentisten-Praktikant, der weitere 4 Jahre als Assistent folgen. Vom 5. bis 7. Berufsjahr muß der Dentistenassistent 2 Semester hindurch eines der vom Reichsverband errichteten und unterhaltenen Fortbildungsinstitute im Reich besuchen. Nach dieser 7jährig«n Bc- russoorbereitung erfolgt eine staatliche Prüsung. Das neue Institut wurde am Sonnabend eröffnet. Der aus diesem Anlaß im Hörsaal des Instituts abgehaltenen Feier wohnten u. a. zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden sowie viel« Dentisten aus Berlin und dem Deutschen Reich bei. Die Be- grühungsansprache hielt der 1. Vorsitzende des Reichsverbandes Deutscher Deutisten, Direktor K i m m i ch. Anschließend sprach dann der Direktor des Berliner Fartbildungsinstituts, Imming, der die Anstalt seit ihrer Gründung leitet, über die geschichtliche Ent- Wicklung dieser dentistischen Ausbildungsstötte. Jugendweihen der Sozialisten. Freidenker und Gewerktchaften Di» Anmaldungen für die Frühjahrssugendwechen 1332 bitten «vir, unter Zahlung der Emschreibagebühr von S0 Pf. sofort bei den -achstehend aufgeführten Anmeldestellen vorzunehmen-. lanwö}« Suyenvzenrrale. v». i", Engeivser**-..»,11. ma. pimmzz w* Inet ft— 17 Uhr. FreUaas S-lS Udr. sonnabends*—13 Uhr). Bollsteiu. •S. 14, Pnnsenflr. 63 öltion).— P. Dodrohlav, N. 87, Ewine. »Itndee Str. U oHcftautaut). »«twltanfl.lxiiitt T>«r<»r>«»: 6. Seffpl).«W. 21, Wilhrlm-haoener Etrahe 48(»Aorwärt�"- Spedition). SftcaUaBfl.lKitH«edding! P. Stoufe, 3). 65, Mllller. Site Utrcchter 6tra(jt k.dvorwtirls-.Sv-dition).— P.«roll. 3i. 65, lltradtcr Str. 21(Steftauvonl).— «. VnbttIToB, S. 31, Stralsund«« Str. 19(Schuhmachrrei».— P. Hönisch, N. 31, Wattstr.» k.,«orwiirts"�Sp«dtt>on).— H- Fischer, R. 20, Bastians, r. 7(„Bor. »Srt.-'.Speditionl. ««rwaltu»s»b«.irl Ptt.üaucr Bei«! W. Hofsmann, R. 6». Lnchcncr Str. 8 MteNaurant)— B. Döli. NO. 55. Immanuellicchstr. 24 t.Borii!iirta".Spcdition). _ s, Eerth, N. 113, Srrifcnhogrncr Str. 22(„'8orffläcts/,.(eprbltiDn). «-rn>altnng»d«zkl geied'ichidain: F Arndt. S 17. Marfuastr 36(„950t. _ 9» O. 34,«öniasberaer Sil 37(Bhato. (iRflltöutOJit)._ Biimaltnneidciitl«rru»d«rg! Co. Schmidt, 613. 61, Baervaldstrak». an der Snaisenaultra»«(?B°rmSits.SP-ditton).— Urban, SO. 3«,«ausitzcr Pias» 14 15 ( 3JotU)ärts".op«5ilioH).— P. 21«, SO. 36, Sauutmfttafcc»(Restaurant,. __-n.ujscher ITtridtntet■ Berdand(J. 95-, SB. 29, Gneis, naustr. 41(ge. öffnet 8—16 Ufit).— Eelrelariat der Fuaendivrili-n d>,r Saüalistcn uns Frei. iender Berlin- Siü. 66. Hindcnllr. 3. II. Hof. 2 Treppen link-, glmmer 2 (seöfsnet d— 17 lldr. Mlllwoch- und ffr-itag- 9—19 Uhr. Sonnadend- 9 die 13 Uht). Berwaltnnaebeiirl-darloltrudueg!.Borivärt-'.Spedltion Sharlollenbura. Seiendeimer Sir 1.»t— Frau Foachtmi«. Sbarlolllndurg.«aiserdamm 95. Singana RoznidstraKe<„B«rwärI--.Spedilioii), 14—1« Uhr.— Deutscher Ver. icdrübund, Lharlotlrnburg, Bayreutder Str. 31. Verwaltung- deürl Spandau:„Volksdlall'.Suchhandlung, Spandau. Pol-. damrr Straße. Berwaltnugebejiri Sllwrr�uri: Frau llngerrr. Vilmcrshorf. Hanauer �''Pcrw-ltnns-bei>el zrhlendorf: Lehrer«.(Zettl, Zehlcndork. WaldhIUcr. �fiMialtauaabejiil Schitnebrr«: Rathmann, Schön-Heeg. B-lüser LIr, 27 �Bor�rt-".SpldittonZ.- Frau«lawitter. Schöneberg. Äpoltel.Paulu«.Str. 7. "«��vng,l�i,'»�N«gIi»�F'"Hambur9. Stellt«. Schlohstr, 163.- Bilh. «»,.?�SleoU? Ninastr. 7, Grth. lii.- it. ochönivetter. Ltchterfelde-West. tbind ndukaW- 71-«onsum Ltnlwit,. itaiser.Wtlhelm.Ltr, 43._ «ecmottunaedcjitl Tewpel».,! Ftlr T«n.p«lh0f: Mar Giese. T.. Stost. b.nall? n«ich Alle T., Moltlrstr. 11.— Filr M a r i r n d o r s: An». Tibor. �»äi?-'rstr 31' I PaÄ Rathmann. M.. Prllhhstr. 16, III.- Filr M a r t e n. UX de-Fri» Wreuttch. M., Ädolsstr.!».- Für Lichtenrade: iiu.t �'tu', nm i tnna-dctirt Renlällm:.,®on»liri-*-8a,MH«n Neukölln. Sieg sei ed. rtrnX � lÄ« Uhr.—„Borwärlc'.Spedttiou Neukölln, Neckar,, r. 2, «18 Ukr�'- Parteibüro. Neukölln. Fuldastras;-(Fd-alraslaacl. Ausgana 5, lLo Übt~-X£Äti, Brih. Groß-Siedlunq. Linlnflstr. 56. Dcrwaltnngedcürl T'cptow:«. Meckeldurs,. Tr-vto«.»rachstr W(„Vor. wärt«-.aucbinoii)— ft. Bornmann, Baumschulenmcg,«aumschulenstr. 8« Mestm�ch- F.«aierdaum, Achlorshos, Ectanstr. 3(Restaurant).- Bader. OberschSnewetd«. Wtlhelmtncnhofstr. 17(Zlzarrenladen). , �____? W ,r Cfiy• Vf•m, Bohx.'dorf. Walterodors.r dir 100 (atcsiaarant).-- 3- Stall, Rahnedors, Forststr. 9.— F. eochade, Rahnsdor', Alllhlenwrz W richst M». 2i�n�' Ps-Zträ�-ÄI-Ra'�t«. O. U2, Sartnerstraße 6. vrrwaltuuaedeaiek B-istepsre: Walt« Iancll. Wrid-nsee. Pqrkstr. 15.- Otto Galla, Weidenl-e Lehderttr. 122.— Antan Wiese, Wlinensre, chehderstr. 2.— Adolf Brandt. Beihenfce. Porkstr. 63<8. Schult).- �mÄ�see' — Mmnin Frank«. Weistense,. Sedanstr. 23.- Otto Suhsahl. WJensee. Amalltnstr. 30._ Andrea» Hemel. Aeifiensee. Gädlerstr. 7. ff Weihensc«, P poriu-ftr.(02.— Marquardt. Hohenschönhausen, Berliner S.r.«q t Restaurant) Vamnaltunaadeetel Manlaw:-onsumnerla.'ifestcllen in Paulo»: iiollank, iwaiie 102, Verltn«. Str. 47, Breit. Str. 16.(lisüneenstrabe Brebmestrah,. Trellebor,« Straße. ZlSstermannstraßi-«OtlO.-mrcrkau(»stelle» in� Riede.. schonbsusen: K>4.— Tornow, Tegel. Schlicpcr. Sae Tresnom, fttaße. iür Teael. Borstswaide und HcUioenfe«. Außerdem nehmen alle Hauskassierer des �Deutschen Freidenler- Verbandes E. V.' Anmeldungen für dl« Jugendweihe»«mg«gen. Aus der Partei. Zurückgegebene yarieigelder. Die Aufforderung zur Unterschlagung von Parteigeldcrn, die Rechtsanwalt Eckstein in Breslau an die bisherigen Parteimit- gliedcr unserer Partei gerichtet hat. die zur Rosciiseld-Heydewitz- Partei übergetreten sind, ist vom Parteivorstond damit beantwortet worden, daß er die Betreffenden wegen Unterschlagung zur gericht- lichcn Verantwortung ziehen werde. In L ö b a u in Sachsen hotte der bisherige Partei kassier er Pfitzner zunächst die Aufforderung Ecksteins befolgt. Als ihm aber durch den dortigen Rechtsanwalt Genossen Dr. Schuster unter Strasondrohung die Auf- sordcrung auf Herausgabe des Partcimaterials zuging, Hai er sich doch nicht ans Ecksteins Versicherung verlassen,„er und Rosenseld seien ja Juristen und würden die Sache schon machen". Er hat vielmehr die Mitgliederkartei. die Beitragsmarken und zirka 300 M. Bargelo an den neuen Sekretär unserer Partei, Genossen Richter in Löbau, ausgehändigt. Das Büro der Internationale tagt zur Besprechung der wirt- schastlichen und politische» Ereignisse und der Probleme, die sie der Arbeiterbewegung stellen, am 31. Oktober und 1. November Im P a r i s e r Parteihaus. Auf der Tagesordnung steht auch die Ab- r ü st u n a s a k t i o n, die die SAJ. gemeinsam mit dem JEB- sührt und organisatorische Fragen. Zur Beratung über die all- gemeinen politischen und wirtschaftlichen Probleme können die Parteien außer dem ordentlichen Büromitglied weitere Delegierte entsenden. parieinachrichien�A�für Groß-Berlin Ginfeitbungcn für dies« Rubrik find Berlin SB 66, Lmdeoltraß» 3, c§ stets an das Bezirk, sekretoriat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richte» Beginn aller Veranstaltungen 19',? Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heule. Dienstag, 27. Oktober: 6. TIM. ffunttiontirkonicren, bei Dobrohlaw, Ewincmünd« Str. 11. 104-»dt. Lokal Pomp, paffclwcrdrrstr. 12, erste Zusammenkunft iunger Partei, genossen, Ärveilstrcis. 168. und 108a.»dt. Ärbeitskreiz funzcr Parteigenossen. 30 Uhr 2. Hörabend (Rundfunk).„Satdoltzismu» und geistige Lage". Anlchlieö-nd Di-tufston im Parteiheim Säpenick, Schloßstr. 27. Teilnahme kostenlo-. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen, ZNiklwoch, 28. Oktober, in nachstehenden Lokalen: 1«. fttti«. Die Mitglieder oller Abteilungen erscheinen heute schen um 10 Uhr in der Kundgebung im Lokal„Schloß Niederschönhausen", Nicderschon. hausen, Lindcnstr. 11. lt. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Lokal Mlchaekilrchplaß 1. Hein, r,ch.stalnbowi»: Zur politischen Lag«. 4.«dt. Zahlabenb bei BrauM». Strolautt Str. 19. Genosse Dr. Friedlander. «. Abt. 39 Uhr Echwadter Festsijlc, Echipedter Str. 23. Gustav Weber: Zagend und Partei. 7,»dt. Zahlabend la den bekannten Lokalen. 18 Uhr AunkttonSrstzong hei Arndt. Echrdderstr. 2. 6.»dt. Natünralhof, Illlmpftr. 37. Marie stunert, M, d, R.: Zur politischen Lag«. 10.»di. Paßenhofer, Turmstraße. Dr. Ri6)a:ö..Mjschler:. ZalchUiiui» in (tnropch'' 13.»dt. io mit FusarimenkSnf«'(vtt lüngen'Parr«>g«nas?r» bei Schmidt. «iclefstr. 17. 13. Abt. Die Bezirke Nr. 250, 269, 26Z, 266, westlich der Brunnenstraße, gehen »n sturkowski, Feldstr. 3. Die Bezirke Nr. 251, 232, 253, 254b, oftltch der Brunnenstraße, gehen zu Müsch, Brunnenstr. 140. Thema auf beide» Versammlungen: Aufgaben der Partei und Gewerkschaften in der gegenwärli. gen Krise. Referenten: die Genossen Norbert Morr und Klausner, M. d. L. 18,»dt. Zahlabend in den bekannten Lokalen. 10. Abt. Zahlabend in den bekannten Lokalen. Bezirk 829 jeßt bei Steffen. Prinzenallee 57. 2«. Abt. 29 Uhr Zahlabende: Bontkc, Schul» Ecke Chriftianiastraße. Stenzel, Schwedcnstr. 13. Wende, Koloniestr. 147. Pose, Koloniesir. 15. TUlner, Kolonie. Ecke Zechliner Straß!. 22. Abt. Mitaliederversammluna in der Hochschulbrauerei, Seestroß«. Refe- rent: Kurt Heinig, R. d. R.: Der Au-weq au- der Krise. 23. Abt. Mitgliederuersamnilung im großen Saal der Hochschulbrauerei, See. Ecke Amrnmer Straße. Referent: Genosse Engelbert Graf, M. d. R. Thcma: Wohin fichrt der Kapitalismus. 24.»dt. Zunge Genossen. 29 Uhr im Lokal oon Wenzk«, Carmen, Snlva. Ecke Hosemannstraße, spricht Genosse Kley iiber: Du neue Situation. 28. Abt. Zahlabend. Gruppe 1 bei Bogen, Schwedtee Straße. Referent: Mobr. mann: Die politische Lage. Gruppe 2 bei Weaer, Oderberger Str. 30. Vortrag: Partei, Wirtschaitskrise und Konsum. Gruppe 3 bei Kaufmann. Schönhauser Allee 17>l. Referent Ientbe Uber: Literatur des Sozialismu,. 89. Abi. Zghlabende in den bekannten Lokalen. SO. Abt. Vanaewerkshaus, Großbeerenftr. 06. Dr. Siegiried Rosenfeld, M. d. L.: Zur politischen Loge. 42. 31 bt. Bej Eeekok. WilliboId.Aleris.Str. 5. Hans Plettner: Partei und Reichsbanner. Zahlabende in allen Lokalen. Die Abteilungspersaminlung fällt ans. 43. Abt. Zahlabende in be» bekannten Lokalen. 4«.«bt. Zahlabende bei Adam. Lübbener Str. 39. Bradalla. Oppelner Str. 41. Cbivillkowski. Ärangelstr. 67. 47. Abt. Diskusstonsabeird in der Schul« Manteusselstr. 7, Zimmer 11, pt., Ern- aang 11. Margarete Sckienialowskn: Der Bnfbou der Partei._ 48.»dt, Dresdener Garten, Drradener Str. 45, Dr. Kurt Löwenstein: Zur paltttfcken Lage. 52.»bt. 29 Uhr Funktionärsshung bei Badi. Kaiserin.Augusta.Allee 52. 57. Abt. 2. Grupnc. 29 Uhr Funkrianärckhung bei Tdundck. Wielandstr. 4. 74, Abt. Parteimitglieder, fasern sie Mitalied der Konsumgenossenschaft sind, werden aebeten. sich an der großen Veranstaltulla der KGB. am 29. Ok- taber. lor? Ubr, im Lindenpark,»u beteiligen. Referent: Emil Buchholz: Wirtschaslskrise und Konlumgenessenschasten. 79.»bt.?9 Ubr Znsammenkunst aller jungen Parteigenossen de! Reimann, Sedanstr. 17. 83. Abt. Lichteelelder Festsäle, Zehlendarker Str. 5. Alfred Markwiß: Ntgfien. 86. Abt. 29 jlbe Zahlabende bei Merker, Schüßenstraße. Görlitz, Ehoussee- str-ßr 10. Donau, Frledenstr. 6. 8«. Abt. Bchinna. andere» Lokal! Rtckst bei Rohrmann, sendern Lokal »chiebert, Berliner Str. 112. Bernbarb Geeing. Sozialpolitik. 99. A8t Istngerengruppe. Sitzung der Bezirksjugendoertreter bei Schabeilo. Weichselsir. 5. 92. Abt. Junge Parteiaenossen im Jugendheim Treptower Str. 05. Dr. Gur- land: Di« Srnndsiitze der Sozialb-mokratie. 06.»bt. 29 Uhr Arbeitskreis junger Parteigenossen in der Lesehalle Nugat' Ecke Jssestraße. 90. Abt.»ckstnna. anderes Lololl NiGt im Bulchirua. sondern Lokal Becker, ckboasseestr. 07. Obierent: Gnsta, Bädtcke: Schal,»ab Kultarpolitik. 9»o. Abt. HO. Bezirk. Schule Vorchime- Allee. Reserentin: Lotte Lemke. ISO., 161. und 162. Bezirk Buckom-Ost. Rudower Str. 85. Referent: Stadt-> rat Schn-ider. 151. Bezirk. Bukchkrng. Refrrrnt! Stadtrat Zachem. Dhrma: Wie kommen wir über den Wtnt'r? 191. Abt. Umständehalber s'Nbet die Tunktranärsttzn-a nicht am Mittwoch, dem 36. OktoOer. landern am f-eitag. dem 30. Dllober, 29 Ubr. im Lokal Bim». Hallelweederftr.)'!. statt Am Mittwoch, dem 2». Oktober, keeiten sich alle aeb'itslosen Parteigenosse» um 1? Uhr im Lokal Pomp. Hassel- necbciftr. 12. 102. Abt. Restaurant Stadttbeater. Triedrichshagen. Marktplatz. Mitglieder- nersammlung des Deutschen ssreidenker.Berbandcs. Tagesorbnung: Der internationale Zreidenkerkangree im Sichte der sozialistischen Bewegung. Referent: Be»irkssekr>tur Paul Ostehlhese. 127. Abt. Be"ri Weiße Tande. Mitoliedernersammlnng im Lokal Rudk". Dingel- Nädter Str. 05 Fritz Schmidtchen: Die Borgänge in der Bariei. Tegel Hetlta»nsee T-aelo:t. M>Ialiedernersomin''ina im Lokal..Zum Schwan", Schartenberae? Skr. 31. Borlraa: Zweck und Ziele der Arbeiterwohsfahrt. Rkkrrent wird noch bekanntgeaeben. liga.»6«. Beteillanna an der»"ndaebnng dez Reichebnndeo der Krieg»- beschiidigten bei Debnke, Oranienburger Str. 33-60. Gengsse Grzessnski: Polizei und Wirtscho't. PezirlvmuoschuG für Arbcilcnvohlfahrl. 20. Kreis Reiatckeadoef. Donnerstag. 39. Oktober. lOth Uhr. im Bolksban». ScharnwoberstrnSe. glibelterwahlflhrtdsstzung. Helserslnnen) der öffentlichen Plohlfahrt beteiligen sich daran. Arbeitsgemeinschaft der üindersreuudc Grosz-Lerlin. Da» Semiaar des Genossen Kurt Löwenstein beginnt Donnerstag, 12. No- peuibr.«, 29 Ubr, IUI Rathaus Zleukölln. Eharlettendpoz»od Tier garte». DdMtrutgg, 29 Uhr, Kursus ü» tow Rostneuftr. i. SozialistifcheArbetterjugendGwß-Verün Einsendungen für diese Rubrik nur an da« tzuzeudfeiretgriai Perlin GW 63. Llndenstrah« 3 Die Karten s«r„Kampf«m Kitsch" f,»d nergriff««. heute. Dienstag, 27. Oktober. 19? 3 Uhr: Aeksnaplatz: Elisabcthktrchstr. 19. Heimabend.— Köllnischer Park; Waisen- strgße 18. Limtdildei! SAJ. und Freikörperkultur. Roscothalo« Barstadt: Eilsabethkirchstr. 10. Politische und sozial« Demokratie. Brunnenplatz: .mesenstr. 22. Air werben.— Gesundbrusuea 1: Gotenburaer Str. 2, Tages politische Frage».—--——------- idina......|_____________________■ — Wedding Nord: skuriner Ecke Seeftraße. Wer find wir?— Kruimplstz: Eonnenburger Str. 29. Lichtbilder: Fahrtenerlebnlsse.— Aruswalder Platz 1: Rastend, irger Str. 16. Die politische Lage.— Weißenj«! Parkslr. 36. Geschichte der Arberterbeweauna, t. Teil. Hasenheide: Wasserlorltr. 9.§ 218.— «openicker Biertel: Ärangelstr. 123. Die Wirkung der Krise.— Süden, Porck- s.ratze tt. Die Lugendbewegunge» Deutschland«, 2- Teil.— Südwest, Linden. stratje 8. Buchbesprechunge».— Westend: Spartplatz Westend. Verwahrloste Ougend.— Steglitz I: Albrechlstr. 47. Tagespolltische Fragen.— Nen-Tempel- h»s: Amsgenstraße. Sezuelle Fragen.— Britz, Ehausseestr. 48. Mitglteder- plrsammlung. Um die Einheit der Arbeiterklasse.— Renlöll» I; Hallrech Ecke Sanderstraße. Geschichte zum SPD.-Programm.— Neukölln Jl, Stein- Metzstraße. 94. Der Krieg in der Literatur.- Neuk-llu III: gielhenstr. 68. Liebe. Freundschaft, Kameradschaft.— Renkiilln IV; Kanner Straße. Geschick, le des modernen Kapttalismus.— Neukölln Vll, KMS. lO-Minut-n.Referate.- Reukälln Vlll, Rütli-Schule. Kommunalpolitik.— Neukölln IX; Schierkestr. 44. �'bettopcBtjinfchaft.— Neukölln Xt Bcrgstr. 29. Wirtschaft-Programm der KPD.>n Theoric und Praria.— Schöneweide I: Berliner Str. 31. Bursche und Mödel in der SAJ. Köpenick l: Grünauer Str. 5. Bunter Abend. Genosse Hosemann.— Karlehorst: Trcskawallee 44. Das Kommunistische Mani- fest. Beu-Lichtenberg! Gunterstr, 44. Gemeinschaftsleben in der Gruppe. Wirtfchastsleben.— Niederschönhausen! Lindeustr. 47. Selmabend.— Pantolo I und V; Eörschstr. 14, Wirtschaftssorinen. 8®®, Schöneberg: 17 Uhr Haupistr. 15, Wir und die Kirche. SSG. Wilmersdorf!>7 Uhr Wilhelmsano 123. ss 21«. EEG. Pankow: 13 Uhr, Kissingeiistr. 47. Warum feiern wir den s. I!o. rember? Wer de bezirk Tchöuebeeg: Mitgliederoerfammlung 10 f? Uhr Hauptftr. 15. Voriräge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner.Schwarz-Roi-Gotd'. Geschäklsstel,»: Berlin E 14 Sebastianftr 27-33 Hd' 2. Lr. Reiuickenderf lOrtsuerein). Mittwoch. 28. Lktoher, 19 Uhr. Verde- peranstaltung im Wtttenauer Äereinshou», Lokal Behnke, Oranten- burger Sir. 58~t!0._ Sozialistischer Ssperonto-Butzd. Neue Kurie beginnen: Oderschöneweide: MlUwoch, 2«. Oktober, Dugendheim Lavienerstraße, von l« bis 29 Uhr. Ol, der Blucherstr. 43. im Lokal von Buht, ab Moirtag, t. November. von 18 bis -9 Uhr. Kurfusgebühr! M.. für jugendliche 3 M.. Erwerbslose pro Abend 19 Ps. Kursusbuch 39 Pf. Geschäftsstelle: A. Sproeck, N. 58. Ehoriner Str. 45. Polizeispoetseerin Beelin« B.. Abteilung Einhkitsinrschrist. Regel. maßig, Anfänger-, Fartbtldunos- und Redeschrlftkurse, auch für Zivile, im Pvlizeischulgebäude, jzannoversmestr. 28— 39, Montag-, Dienstags, Donners- tags und Freitag« um 1914 Uhr. Auskunft: Poltsetobersekretar Gustav Stein- thgl. Reinickendors-West, Spandguer Weg. Berliner Gesellschaft für öffentlich« k>ide Bänder, die der Herbstwind packt und in die Luft wirst. Sie tanzen vor den Fenstern, sie verhüllen die Eingangstür der alten Apotheke, ein spielerischer, schwankender, festlich lockender Vorhang. Der junge Mensch im weißen Apochekerkittel, der über Pillen und Schachteln gebeugt ein Rezept verarbeitet, steht in geheimnis- vollem Bunde mit den Mächten, die um das Haus am Marktplatz ihr Wesen treiben. Das bleiche Gesicht mit den dunklen Augen, dem gewellten, tiesschwarze» Haar gehört nicht hierher, in die kleine Stadt Krossen aii�der Oder. Dieser Künstlerkops hat irgendwo unter einer südlichen Sonne seine Heimat, an den Usern der blauen Adria, in den schmalen, musikerfülltcn Straßen Neapels oder an der festlichen Küste Capris. Es ist ein Mensch der Renaissance und des Barock, der da im Gewand des Apothekers arbeitet, und es gibt nur eine Erklärung und eine Antwort, die alles Fremdartige und Rätselvolle dieser Umgebung und seiner Menschen umfaßt: Hier war der älter« Bruder des jungen Apothekers, hier war— Klabund daheim-- Das letzte Geheimnis eines Menschen, einer schöpferischen Kraft ist uncnthüllbar. Weder Eltern, noch Bruder, noch Umwelt, noch Heimatstadt vermögen auszusprechen, was über die Bergänglichkeit hinweg wirkt, lebt, atmet, was nach im Tode die Kraft hat, Geister und Seelen an sich.zu reißen. Sie alle können nur«m paar bunte, leuchtende Farben aus der Palette mischen und einen Hintergrund malen, einen geheimnisvollen tiefen, vielfarbigen Hintergrund, der aber doch nichts weiter ist als eine Kulisse, ein spielerischer, schwankender Vorhang, der die letzte Tür verhüllt. Niemand kann die tiessten Fäden zwischen Baier und Sohn entwirren. Der Bater Klabunds— Krossens langjähriger zweiter Bürgermeister, nach dem die Dr.-Henjchkc-Straß« ihren Namen trägl — ein Mensch der Tat, der organisatorischen Kraft, der starken, geistigen Beweglichkeit: was mag von ihm auf den Sohn über- gegangen fein? Die Krossensr kennen die Werke des Vaters besser als die des Sohnes, und sie zählen eiftig aus, was sie ihrem Bürger- meister verdanken: Die Betriebswerke der Stadt, Gas, Wasser, Elektrizität, die Bauten der Volksschule und des Realgyinnasiums, der Volksbücherei, des Heimatmuseums. Sie können kein Ende finden und verstummen erst, wenn man sie nach den Werken des Sohnes fragt. Das Sicht- und Greifbare, das Festgefügte des Alltags steht ihnen näher als die luftige, nicht zu fassende Welt der Träume und Dichtungen. 5klabunds Mutter— zart und schmal imd still sitzt sie am breiten Tisch des blumengcjchmückien Zimmers. Immer wieder wandert der Blick hinüber zur Bronzebüste des Sohnes, während die Hände ver- gilbte Briefe und Bilder ordnen. Tann reicht sie eine alte Photo- grapbie herüber, auf der ein hübscher, kleiner, pausbäckiger Schlingel in die Weit lacht. Dos ist der kleine Alired 5)ens6,k«, als er noch nicht— Klabund war. Kiicderbriefe, Zettel, Hefte, eine humorvallss, kleines Schülermachmerk, eine winzige, vierseitige Zeitung als erst« journalistische Leistung— alles hat die Mutter in unerklärlicher Ahnung sorgsam aufgehoben und verwahrt. Bild fügt sich an Bild. allmählich koimnt etwas Reifes, Bewußtes in das junge Gesicht, die Schrift verliert das szaltlos-Kindlichc, aber in den Briefen an die Mutter bleibt er der zärtliche, anschmiegende, Nein« Junge. Nach dem Bilde der Mutter wählt er auch die Frau, das zarte, blonde Mädchen, das der Tod nach kaum einjähriger Ehe von seiner Seite reißt. Innerhalb weniger Tage verliert er Frau und Kind, es Ist der ftiräill'arstc Schlag, der aus sein Leben niederdröhnt. Die Briese an die Eltern sind Schmerzensschreie eines sell'st zu Tod« Getroffenen. Wie durch ein Wunder überlebt er diese Mvnate und rettet sich hinüber in Johre der Einsamkeit, in die nur rauschortig eiitstandene Werke.Höhepunkt« der Erfüllung bringen. Längst bat Klabund die klein« Stadt an der Oder hinter sich gelassen. Wohl kehr,«r mehrnwls zurück ins Elternhaus, die Reisemütze tief ms Gesicht gezogen, den Koffer an der Hand, wie ihn ein Bild zeigt, aber dann drängt es ihn wieder hinaus. Der Wanderer zwischen tausend Städten, Herzen, Seen sucht den Weg zu sich selbst, zu seiner künst- lersschcn Vollendung. Sie läßt Briefe und Bilder für sich selbst sprechen, die zarte, innerliche Frau, die zur Hüterin des Nachlasses ihres Sohnes be- rufen ist. Vielleicht ober sichtet sie in oller Stille dos unoeröftent- lichte Material Ulli» erfüllt die Amgobe der Mutter Anselm Feuer- bachs, Emil Gatts, Heinrich.Hertz': Und die Biographie Klabunds zu schenken, die uns immer noch fohlt. Denn sie, die Mutter, hat das Recht und die Kraft dazu. Hoch über den Mauer» der kleinen Stadt, auf dem Berg- friedhos, schläft er, der trunkene Sänger der Schönheft, unter allen, breitästlgen Stämmen und blühenden Beeten, unter dunklen Tannen und Lorbecr. Aber er ist nicht allein. Sie sind alle bei ihm, die Gefährten seines Lebens, das dunkelglühende Weinlaub wch die ziehenden Bogel, die weite Eben«, der strömende Fwß und die breiten, weißen Wolkenkähne, die zeitlos durch das. unendliche blaue Acht ste»er» einen Fuß über den Betkrand, ohne, unter wildem Gefche«, den Blick von der Viper zu wenden, er ergreift mit den Zehen seine Hausschuhe, nun sind wenigstens die Füße durch dos Leder geschützt. und während er auf den Boden gleitet, nunnft er das breite Kops- Polster mit, packt es in der Mitte wie einen Schild, den er auf den Gegner zermalmend zu stoßen gedenkt, deutlich hört er spitzes Gezisch, da er, noch immer schreiend, der Schlange näherkommt, sie zieht sich, den Kopf voran, schnell auseinander und sucht zu cm fliehen. Aber dw saust das Kissen gewaltig auf sie hinab, so daß nur der Kops dunkel unter der Leinwand hervorquillt, Wohle fühU. durch das dicke Polster hindurch, wie sich der sehnige Leib krainps- hast bäumt, er unterbricht jäh sein Geschrei und greift, indessen er auf dem Kissen kniet, zähnekirschcnd nach dem feuchten Genick. Da, ehe er zupackt, wirft sich ihm der Rachen der«schlänge entgegen, ein winziger Schmerz im Ballen des Daumens, der Moler brüllt von neuem auf. er preßt seine Finger wie stählerne Klammern in die schleimige Haut und löst sie erst, als er keine Zuckung mehr spürt. Aber' nun sinkt er unvermittelt in die tiefen Abgründe einer Ohnmacht, aus der er nicht früher erwacht, als bis Schläge an seine Haustür dröhnen und die Sonne wohltuend durch die Stäbe der Jalousie gegen seine Augen dringt. Er wirst seinen Morgenrock über und öfsnet der alten sizilianischen Frau, die starr zu seinem verstörten Gesicht ausblickt. Dann, als sie die tote Schlange sieht, schreit sie laut und will fliehen. Aber der Maler zieht sie ins Zimmer, bis sie vor dem Kadoocr steht, und endlich vermag sie, nach einem prüfenden Blick, Zu sagen: ,.b>oa c v clcnoso." „Rein, giftig ist sie nicht!" bestätigt Wahle— wie lächerlich dünkt ihn jetzt sein heimlicher Kampf und die betäubende Angst dieser Nacht. Er stößt die Jalousie auf, das Sonnenlicht fallt wie ein gelber Sturzbach in das Zimmer, der Maler dehnt die steif- gewordenen Glieder und fährt, in seiner Muttersprache, lachend fort: „Denn dafür bin ich in der Tat ein lebendiger Beweis!" Puck: Oianonen, 3iurgäfle, Mabeliau Lage ist Schicksal. Und so mußte denn aus dem friedlich hinter dem Elbdeich hindämmernden Bauern- und Fischcrstädtchcn Cuxhaven Deutschlands modernste Seescstung werden, als der Imperialismus des zweften Wilhelm nach der Seeherrschast grift. Wer Cuxhaven besaß, der besaß die Elbmündung und behcrrsch:e durch sie Deutschlands größten Handelshafen. Hamburg. Militärischcs Denken zog die Folgerung, zwischen Deich und Düne, zwischen den beiden Schenkeln des stumpfen Winkels, auf dem Cuxhaven zwischen Wattenmeer und Elb« liegt, Batterie neben Vofterie, Fort hinter Fort aufmarschieren zu lassen. Hinter Panzer, Erdwall unö Beton lag Rohr neben Rohr, vom leichtesten bis zum schwersten Kaliber. Eine Militäreisenbahn fuhr mitten durch alte Fischerviertel uno trostlose Bcamtcnhäuscr und Kasernen. Ilm die Stadt herum und bis in die Stadt hinein stand ein Drahtverhau von Warnungstafeln: Festungsgelände, Betreten verboten.. Photographieren verboten.. Zeichnen verboten. Wenn der rote Ball ani Mast hochgezogcn, wegen Scharfschießen gesperrt.... Das war das täijerliche Cuxhaven. Im Kriege wurde es vollends, trotzdem kein Schutz gelöst zu werden brauchte, zu einer belagerten Festung mit Zensur und Drahtverhauen, aufgerissenen oder gesperrten Straßen und zLpionenriecherei, Militärdiktatur und Hin siechen des zivilen Erwerbs. Hungcnolten. Krankheitsfleckcn gruben sich in das starre Kriegxgeficht der Elbefcstung. Und als der Zu sammenbruch da war, da schien auch Cuxhavens Schicksal besiegelt. Lage ist Schicksal. Jede neue Zeit aber ist neue Loge, birgr neue Möglichkeiten. Heute sind d>e Forts— soweit sie der Frieden bestehen ließ— lote Punkte im Leben Cuxhavens, stehen wie gigantische Hünengräber der Vergangenheit an Knick und Deich. Cuxhaven hat, seiner imperialistischen Ausgabe ledig, die Arbeit des Friedens entdeckt. Kurgäste und Kabeljau. Vad und Fische- rc: prägen heute das Gesicht der Clbmündung. Und es ist ein Ge- ficht, aus dem lebendige, hoffnungsvolle Augen schauen. Zwischen den beiden Biutbahnen Eibstrom und Eisenbahn ge- lagert, von ihnen mit feinen Seitenäderchen durchspült, liegen Fischereihafen, Fischhallen und Fischindustrie. Ja— Industrie: denn die hundert verschiedenen Formen, in denen verbraucht wird, was als Seefisch aus dem eisgekühlten Magen der schwarzen Fisch- dompfer gelöscht wurde, sind dos Produkt einer mit allen Hilfsmitteln modernster Technik aufgebauten Apparatur. Bückling« am laufenden Bande, Fischfilets und Fischkonserven, Lebertran und Fischmehl: a reiht sich Fabrik an Fabrik an den riesigen Auktionshallen, die nach dem Fischcreibajsin hin klaffen wie ein Nimmersattes Mmil, dem die 5?och>eedampser Bissen auf Bissen heranschleppcn. An die 150 Fisch dampscr, derbe, gedrungene Burschen, lächerlich klein für den Atlai:- tit, die Nordsee und das Weiße Meer, dem sie seine Fischherdcn eni- reißen, liegen in dem langen Schlauch des Fischereihafens. Mehrere taufend Familien leben im Rhythmus von Erfolg und Mißerfolg der Fangdampscr. Tausend« weiterer Familien erhalten Arbeit und Brot von Haien, Handel und Verarbeitung. Und jede Kabelja:!- saison, jede Heringssaison gibt Tausenden von Arbeiterin- neu aus dem Ruhrgebiet monatelang Brot in Cuxhaven. Drüben ober, jenseits des Binnendeiches, der die Hasenbassins umrahmt, den Eibseich entlang bis zum schwarzen Dreieck der Kug.'!. boke und dann am offenen Meeu, liegt das zweite Cuxhaven, das N 0 r d s c c b a d. Erst nach dem Kriege kam der Aufschwung, und das rote Cuxhaven, das role Hamburg, prägten das Bad Cuxhaven mit Kindererholungsheimen, Ferienheimen»nd anderem Beginn einer Gemeinschaftskultur. Di« Stadt, zwischen Fischerei und Bad, wachst und verjüngt sickv Gegen den verstaubten, häßlichen Kern der ehemaligen Beamten und Saldatenstadt stoßen Siedlungen und Wobnblöcke roter Klinker bauten in cwfachen. ruhigen Linien vor. Die sozialdemokratische Stodtverordnetensraktion— seit 1919 bis heute steigen die sozial- demokratischen Wahlzissern ständig in Cuxhaven, unberührt vom Rückschlag der letzten Jahre im übrigen Deutschland— war führend in der großzügigen Schaffung des neuen Cuxhaven. Bon der„Bau- Hütte" wurden die Wohnblocks geschaffen, die auch der ntchtsozia listische Kurgast bewundert, und am Hauptplatz der Stadt baut sich das Parteiblott, die„Alte Lieb e". ein neues.Heim von mooerner Zweckmäßigkeft und Schönheit. Das Meer als Medizin und als Jagdgrund hat das Meer o!s Tummelplatz grauer Panzerkolosse und als Schußfeld schwerer Langrohre übermunden. Der Kurgast und der Kabeijcui sind die lelens- srohcren Erben der alten Seefestung. Sieghaft überheulen die Sirenen der Fischdampfer die stummgewordenen Strandbatterie». Tag und Nacht pocht der Rhythmus harter Arbeit am Hafen, uns vraußen, am Strand« des Wattenmeeres, tummeln sich Großstadi- kinder und müde gearbeitete Erwachsene gesund._ j:eranlr.oc!l,» für Pollt:?:«Irt»»«.«Hm«lhofrr:• ee»ciuuq: Z ÄtuZciou; 3t. Zodu Lcktto!»»>>: Lelilcz und conftincs: gri» JUtitödt: fliiiciatn: Xk-®I#ckc; forntltdi in Z-crlin. •Bcrloo: Porwärlz Lctiaa ö. m. b.»..•■Bfrlin. SNurf: Vorwittts-Auchdtuckrrtl uni Luiaaranüatt'haut swaer n. to. BerUa«&&,»luocnuxcie 2. sccqx z scuafltx» Das Reichsbanner warnt! Konferenz der Führer des Zieichsbaaners. Am letzten Sonnnbenb«nd Sonntag waren in Biagdebnrg die leitende» Funktionäre des Reichsbanners zur Besprechung der Lage versammelt. Darüber übermittelt der erste Bundesvorfitzende, Lberpräfident C. Hörsing, der Presse folgende Erklärung: „In der am 24. und 25. ö. M. zu Magdeburg abgehaltenen Konferenz der Gauges6)äftssührer des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold konnte einhellig festgestellt werden, daß trotz der unoer- minderten Wirtschaftsnot seit dem unheiloollen Wahltag des 14. September ISN) das Reichsbanner sich innerlich und äußerlich dauernd gekräftigt hat. Der kameradschaftliche Zusammenhalt und der Opferwille der im Bunde zusammengeschlossenen republikanischen Kriegsteilnehmer und Kriegsteilnehmersöhne ist so fest und un- crschutterlich wie nie zuvor. Ebenso einstimmig mußten aber auch die Vertreter aller Gaue ernste Besorgnisse zum Ausdruck bringen. Das Bedauern, ja die Erbitterung ist allgemein, daß der verehrungswiivdigen Person des Herrn Reichspräsidenten ein Mann mit befleckter Vergangenheit wie A. Hitler nicht hat ferngehalten werden können. Immer noch mißt die Justiz mit zweierlei Maß. Daß im Lande Braunschweig zu Zehmausenden aus dem ganzen Reich zusammengeholte faschistische Gewalthauscn zwei Tag« lang dort eine Eewallherrschaft ausüben konnten und auch nach- rräglich nicht mit aller Entschlossenheit die notwendigen Konsequenzen daraus gezogen worden sind, beleuchtet die Verworrenheit der politischen Lage. Was sich in Vraunschweig tatsächlich abgespieU hat, werden wir in kürzester Frist durch unsere Bundeszeitungen und die Bundespressestelle der Oeffentlichkeit darlegen. Rur eines mächten wir heute schon hervorheben: pflichttreu bis zum Aeußersten, uilweise heldenhaft und völlig selbstbeherrscht war die Haltung der zahlenmäßig viel zu schwachen Landcspolizei Braunschweigs. Der faschistische Polizeiininister Klagges hat, während er die republi- kamsche Kritik mit rücksichtslosem Verbot umerdrückte, trotzdem die Polizeibeamten vor feigen und verleumderischen Angriffen der bolschewistischen Press« nicht geschützt Leider, muß aber festgestellt werden: Mehr oder weniger lassen es die R e i ch s r e g i e r u n g und selbst Landesregierun- gen, in denen die republikanischen Parteien das Heft völlig in der Hand haben sollten, am nötigen Selbstbewußtsein und Durch- greisen fehlen. Bünde und Organisationen, an deren einseitiger politischer Einstellung, ja an deren verfassuugsfeindlichem Grund- charakter heute kein Zweifel mehr erlaubt fein darf, werden teils vom Reich, teils von den Ländern subventioniert und zu Aufgaben herangezogen, an die man offene oder versteckte Feinde der Republik nicht heranlassen darf. Kräfte im republikanischen Lager, im be- sonderen im Reichsbanner, stehen zur Lösung aller Lebensfragen der Republik genügend und zu jeder Zeit zur.Derfügung. In solcher Notzeit hält es das Reichsbanner für seine wohl- verstandene vaterländische Pflicht, den eiserneu Zusammenhalt der in überparteilicher Form zusammengeschlossenen Kameraden un- bedingt zu wahren. Es liegen keine Anzeichen vor, daß Spaltungs-' versuche oder ähnliche parteipolitische Umtriebe unseren Bund gefährden können. Das vor Jahresfrist ausgesprochene Wort Carl Severings: ..Das Reichsbanner ist notwendiger denn je' ist nie wahrer ge- wesen als heute. Dessen mögen sich aber auch alle mitverantwort- lschen verfassungstreuen Personen und Organisationen bewußt bleibend Wenn von„Auflösung"'.„Verbot der Bundestrocht", „Demonstrationsverbot" für alle Verbände gesprochen wird, so ist dies, soweit es das Reichsbanner betreffen sollte, v-rant« wortungsloses Gerede. Eine Republik, die die demokratische Roth il sc ihrer Söhne nicht nutzbar zu wachen verstände, würde sich selbst aufgeben. Das Reichsbanner lehnt es mit aller EMschiedeuheit ab. mit halb- oder ganz- faschistischen, mit halb- oder ganzbolschewistischen Bünden oder Bewegungen in«inen Topf geworfen zu werden. Von allen verantwortungsbewußten republikänischen Parteien, Verbänden und ihren Führern verlangen und erwarten wir, daß sie sich geschlossen hinter uns stellen. Wir wollen als anständige Bürger der Republik die Republik schützen und werden uns durch nichts abhalten lassen, in der Stunde der Gefahr zur Stelle zu sein.' Von Kommunisten ermordet. Ein polizeiwachimeister in Gelfentirchen erschossen. Gelseutirchen. 2b. Oktober. Als heule früh kurz nach Alilternacht zwei Gelsen- kircheucr Polizeibeamte bei einem Slreisgang eine Gruppe von etwa 10 Männern, die kommunistische Lieder sangen, zur Ruhe aufforderleu. wurde ihnen zugerufen:„3hr blaue» Hunde habt uns nichts zu sagen!" Die Polizeibeamlen wollte» die Per- sonalien der Ruhestörer feststellen. Die Kommunisten sprangen zurück, riefen„heil Moskau!" und„Rot Front!" und gaben auf den Polizeioberwachtmeister Nieder- werfer mehrere Schüsse ab. so daß er sofort zu- sammenbrach. Aiuh der andere Polizeibeamle wurde b e- schössen, ohne jedoch getrosten zu werden. Cr beschoß die Angreifer: es scheint, als od einer der Angreifer getroffen worden ist. Riederwerscr, der Schüsse in den Bauch, in die Brust und in die Mirbelsäule bekommen hatte, wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort ist er heule vormittag gestorben.. Die Polizei hat heute nacht ein« Akftoa gegen dos komm»- ■rnstifch? Bolkshaus in Geljenkirchen unternommen. Es wurden zehn Manu angetroffen, die anscheinend als Kommando für lleberfällc bestimmt waren. Das Bolkshaus wurde polizeilich geschlassen. 4C Personen sind bisher festgenommen worden. De? Ermordete war Neichsbonnerkamerad. Das Reichsbanner teilt mit: Während der Ausübung feines Dienstes wurde zu Geilenkirchen in der Rächt vom«sonntag auf Momag unser Kamerad Polizeioberwachtmeister Guido Riederwerfer, der seit Gründung dem Reichsbanner angehörte. du?ch«inen konunu- ■nistifchcn. Terrortrupp Überfallen und durch fünf Revoloerfchüsse zu Boden gestrockt. Kamerad Ztisderwerfer ist wenige Stunden später seinen schweren Verletzungen erlegen. Frank Molnar:„Jemand". Komödie. Ganz dünner Molnar. Bassermann und Frau Mo l- nar-Daroas sind ganz unglücklich und beschämt, und drücken das, was im Textbuch nicht gedruckt steht, gewaltsam zum Eifaig. Schultheiß-Versand. täzimuMBC In den nächsten Tagen soll das Schultheißbier in dieser Form ausgefahren werden. GA.-Führer Helldorf vor Gericht. Die Ausreden der Führer der Kurfürstendamm-Krawalle. Der erst« Tag im Graf-Helldorf-Prozeß brachte nur die Ber- nehmung der Angeklagten: Natürlich sitzen sie sämtlich unschuldig vor Gericht. Es genügt aber, sich das Beweisergebnis der ersten Verhandlung gegen die Kurfürstendamm-Krawallisten in Er- innerung zu rufen, um diese llnschuldsbeteuerungen richtig«inzu- schätzen. Der Graf war selbstverständlich vom ersten Augenblick seiner Ankunft' auf dem Kurfürstendamm an krampfhast � bemüht, seine. SA.-Leute wegzubringen. Von Planmäßigkeit keine Spur. Und das, obgleich er. selbst um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche herum drei seiner Standartenführer traf, obgleich der angeklagte Sturmbannführer Hell den Kurfürstendamm in einem Auto abfuhr und der angeklagte SA.-Führcr vom Sturm 3, Schulz, auf einem Motorrad die Krawallstraße dahinsauste. Graf Helldorf versucht, auf das Gericht einen guten Eindruck zu machen. Illegale Demonstrationen feien den SA.-Leuten aufs strengste verboten. Standartenführer und SA.-Führer seien dicht befugt. Demonstrationen anzukündigen. Tun sie das, so werden sie beurlaubt oder ausgeschlossen.„Ich bin muh selbst von der Obersten Führung in München beurlaubt worden", sagt Graf Helldorf."„Als ich am MoNtäg, dem 14. September, in München zur Führerb«». sprechung«intras, richtete Osäs Oberst Röhm an mich die Frage/ ob ich an der Sache beteiligt sei Ich verneinte das. Oberst Röhm wollte Einzelheit» wissen und fragte, ob ich eine Untersuchimg eingeleitet Hab«. Ich erklärte, daß ick) dazu noch keine Gelegenheit gehabt hätte, weil ich zur Führersitzung mußte. Oberst Röhm be- fahl mir, unmittelbar noch meiner Rückkehr nach Berlin, die Unter- suchungen«inzuleiten. Auf Grund eines Schreibens vom 21. September der obersten SA.-Führung aus München bin ich angesichts der Pressemeldungen bis auf weiteres beurlaubt worden." Also Graf Helldorf ist beurlaubt: von irgendwelchen Er- gebnissen einer Untersuchung hinsichtlich der Standarten-, Sturm- und Truppführer, die an den kursürstendamm- Krawallen beteiligt waren, hat man nichts gehört. Die Beurlaubung des Grafen Helldorf war wohl nichts anderes als eine Geste der Bestürzung bei der Obersten Führung, daß die Legalität der NSDAP, in Berlin derart kompromittiert werden konnte. Graf Helldorf oersuchte auch in anderer Weise gut abzuschneiden: Er habe bereits, als er in der Nacht vom 12. bis zum 13. September auf dem Polizeipräsidium festgehalten worden sei, seinen sogenannten „Stabsleiter" Ernst beauftragt, an den Major Wecke, der ihn auf dem Kurfürstendamm aufgefordert hatte, sich„fortzuscheren", einen Brief zu schreiben, in dem sein Bedauern über die Vorgänge auf dem Kursürstendamm ausgedrückt und die Schuldlosigkeit der SA.- Führung an den Exzessen beteuert werden sollte. Diesen Brief fand man im Stenogrammheft des Ernst: er hatte ihn nicht abgeschickt. * Im übrigen schilderte Gras Helldorf seine Dienstfahrt am 12. September ähnlich wie in der ersten Verhandlung, also, wie er im Auto des bereits verurteilten Kühne in Begleitung des gleichfalls bereits oerurteilten Leiters der Stabswache Gewehr und des Angeklagten Ernst zuerst zum SA.-Lokal des Sturmes 15 in der Lützowstraße gefahren ist und dann zum Vcrkehrslokal des Stirtmes 45 in der Steinmtzstraße. In der Lützowstraße fand er angeblich nur ganz.wenige SA.-Leute vor. Der herbeigeholte „Sturmadjutant" wußte ihm nur zu berichten, daß die SA.-Leute zum Kurfürsten dämm gegangen seien. Auf Helldorss Frage, zu welchem Zweck, will er von dem SA.-Mayn keine „genügende Antwort" erhallen haben. Vors.: Fiel Ihnen das nicht auf? Angekl.i Jg. Vors.: Was mochten Sie nun, um sich Klarhell darüber zu verschossen. A n g e kl: Ich fuhr zum K u r f ü r st c n d o m m. Ecke Joachims- thaler Straße und Kursürstendamm sah ich eine größere Menschenmenge von etwa 1000 Personen, ich hörte„Deutschland erwache" rufen, ich erkannte auch einige SA.-Leute an der Kleidung. Vors.: Also mußten Sie sich sagen, das sind meine Leute! Wurden Sie auch begrüßt? Angekl.: Ja, mit Handgruß und mll Hellrufen. Ich fuhr darauf in Richtung Kaiser-Wtlhelm-Gedächtnis- Kirche und am Bahnhof Zoo., vorbei wieder zur Joachimschaler Straße. Ich verließ mein Auto und wollte versuchen, die SA.-Leute wegzuschicken.(In der ersten Verhandlung hat der Graf Helldorf als Zeuge die» angebliche Motto für seinen Spaziergang nicht angegeben!) Vors.: Warum wollten Sie sie wegschicken? Angekl.: Well ich es für meine Pflicht hielt. Vors.: Weshalb haben Sie dies nicht bereits früher getan? Sie hatten ja schon Haufen von SÄ.-Leuten gesehen, auch„Deutschland erwache" war gerufen worden. Angekl.: Ich wollte mich noch weiter orientieren. Ich ging noch einmal in Richtung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, traf in der Tauentzienstraß« den SA.-Führer Sander und gab ihm den Auftrag, die SA--L«ute, sosern er sie erreichen sollte, wegzubringen in der Richtung zu» Wittenbergplatz. Vors.: Wes- halb taten Sie das? Angekl.: Weil ich es für notwendig hielt. Es kamen gerade Polizeiverstärkungen an, ich wollte Zusammen- stöße oermeiden, die Menge wurde von der Polizei in die Ranke- straße gedrängt, und da ich nun nicht mehr in der Lage war, selbst die SA.>Leute zu erreichen und nicht von der Straße weggeprügelt werden wollte, bestieg ich wieder mein Auto. Vors.: Wie hoch schätzen Sie die Zahl der SA.-Leute: Angekl.: Auf 500 bis 600 Mann. Es waren, ober noch Angehörige anderer vater- ländischer Verbände dabei, so z. B. vom Stahlhelm. V o r s.: Und wie hoch ist die Zahl sämtlicher SA.-Leute in Berlin? Angekl.: 8NV0. Auf die Frage des Rechtsanwalts Triebe! wird festgestellt, daß Gras Helldorf rein äußerlich u. a. auch an seinem Abzeichen an der Mütze als SA.-Führcr kenntlich war. Staatsanwallschaftsrat Dr. Stehntg: Hatte der Angeklagte den Eindruck, daß es sich auf dem Kurfürsteichamm um eine plan» mäßige Durchführung hattdelle? Angckl.: Den Eindruck Halle ich nicht. Staatsanwalt: Hat der Angeklagte Ueber» legungen darüber angestellt, warum sich gerade um diese Zeit IM) SA.-Leute als Publikum angesammelt hallen? Angekl.: Ich glaube für diese plötzliche Demonstration zwei Ursachen finden zu können: einmal kann das ein Wert von Lockspitzeln gewesen sein, die sich in großen Mengen in unseren Reihen befinden; eme andere Möglichkeit wäre, daß der Plan in den SA.-L«ut«n selbst entstanden ist, hervorgerufen durch dauernde rücksichtslose Unterdrückung durch die Behörden; unsere Leute werden täglich verwundet und getötet, die Verbrecher werden nicht gefaßt, dagegen weitdet sich die Polizei mll Gummiknüppeln gegen die SA.-Leute. Das hat eine äußerst starke Berbllteruiig uud Verzweiflung zur Folge; von dieser Verzweiflung gepackt, sind wohl die SA.-Leute zum Kursürstendamm gegangen. Vors.: Ja, glauben Sie nicht, daß die Demonstration von irgendeiner Seite dirigiert worden ist? Angekl.: Von leitender Seit« und von den Standartenführern nnter keinen Umständen. Weder die Standartenführer noch die Sturmführer sind dazu befugt. Zur Demonstration bedarf es einer Genehmigung der oberen Leitung. Der Plan, der vielleicht in den Köpfen einzelner SA.-Leute aufge- taucht ist. hat sich dann bei der allgemeinen Nervosität in Berlin gleich einem Lauffeuer unter die SA.-Leute verbreitet. Staats- a n w a l t: Welche Maßnahmen hat der Angeklagte am nächsten Tage getroffen, um die Ursachen der Demonstration zu klären? Angekl.: Ich war am nächsten Tage mit den Vorbereitungen zur Führertagung in München beschäftigt. Der„S t a b s l e i t e r" Ernst bestötigic im großen und ganzen die Aussagen seines„Vorgesetzten". Auch der angeklagte Stahl- helmsührer Brandt erzähste wenig Neues. Der Vorsitzende will von ihm wissen, von wem der Angeklagte die Mitteilung erhalten habe, daß am jüdischen Neujahrstage auf dem Kurfürftendamm Demonstrationen beabsichtigt seien. Der Angeklagte möchte darüber nichts aussagen, um niemanden zu belasten.„Sie brauchen ja keine Namen nennen", meint der Vorsitzende. Brandt: Wenn ich an- gebe, von wem ich von der beabsichtigten Demonstration erfahren habe, dann müßte ich ganze Organisationen belasten. Jedenfalls habe ich von keinem maßgebenden höheren SA.-Führer die Mitteilung erhalten. Vors.: Vielleicht von einem unteren Führer? Brandt: Darauf möchte ich meine Aussage verweigern. Die Vernehmung der übrigen Angeklagten gestaltete sich verhältnismäßig kurz. Der Führer des Sturmes 8, Schul z„ log am 12. September krank zu Bett. Von einem Freund wurde ihm er- zählt, daß auf dem Kurfürstendamm Schlägereien tm Gange und daß einige SA.-Leute hingelaufen feien. Er ersucht« dos frühere Mitglied der NSDAP., den angeklagten Zeitungsfahrer Dame- r o w, dessen Motorrad er des öfteren benutzte/ ihm zum Kurfürsten- dämm zu fahren. Hier, hörte er im Chor„Juda verrecke!" rufen: es war ihm ohne weiteres klar, daß das Spitzel fein müßten: der Ruf„Juda oerrecke" fei durch eine mündliche stillschweigende Vereinbarung zwischen den Führern verboten; er werde nur noch von Provokateuren angewendet.— Der angeklagte Zellungssckhrer Damerow bestätigte die Aussagen des Schulz: dieser habe ihm nur gesogt, da auf dem Kurfiwstendamm eine Schlägerei sei, soll er seine Leute von der Straß« holen.— Per Sturmbannführer Hell erzählt, daß er mit dem Auto des Stoßtruppführcrs Samersky, den er unterwegs traf, zum Kurfürftendamm gefahren fei. Auf dem Kurfürstendamm war eigentlich nichts Auffälliges zu sehen. Vors.: Wissen Sie nichts davon, ob zwischen Goebbels, den wir hier als Zeuge hären werden, und Gros Helldorf eine Besprechung über den jüdischen Reujahrslag stattgefunden hat? Angekl.: Nein/ Vors.: Ist Ihnen bekamit, ob ein Befehl von Mund zu Mund gegangen ist? Angel l.: Nein. Die nächste Sitzung findet heute, 9 Uhr, statt. J* dk IL L Tarluof umit Vorrat HMgtn abgäbe rortehtÄ. f halte aar Dlaaatag n4 Hittveeb. Fleisch a. leichtrerderbliche Waren sind va« Versand ausgeschlossen. Zesandeng ren Fische,Räucherwar. •Rotbars im ganzen, Pfd. 0,22 •Schellfischi- ganz., Pfd. 0.22 •Seelachs ohne Kopf, im ganzen Pfd. 0,20 •Kabeljaugr.,aK, Lg., w. 0,28 •Kabeljaufilet.... Pfd. 0,42 Bücklinge....... Pfd. t. 0,28 Seelachs geranch.. pfd, 0,48 Schellfisch geräach.,Pld. 0,42 Rotbars gerincliert, Pfd. 0,50 Makrelen gciinciL, Pfd. 0,38 'In allen Hdusern ausser Andreesstr 'Labende Karpfen A 7E l'fd. von W|#«# Wurstwaren HausmachersDIze Pfd. 0,48 BauernleberwurstPw. 0,85 Jagdwurst......... Pfd. 0,98 M ettWU rst Bnonscfm.ArLPfd. 0,98 Fetter Speck..... Pfd. 0,92 Magerer Speck..Pfd. 1,15 FeineLeberwurstPfd. 1,18 Kolonialwaren Linsen........... 2 Pfd. 0,25 Viktoriaerbsen 2 Pfd. 0,38 Geisse Bohnen..Pfd. 0,14 Burmareis......... Pfd. 0,14 Pflaumen getr, Pfd. tob 0,28 Mischobst....Pfd. von 0,40 Weizenmehl.. Pfd. von 0,22 Kaffee-Ersatz-Mischung 40°/, Pfd. 1,10...20"/„ Pfd. 0,64 Ausserdem Frisches Fleisch Schweinebaucho,B.1Pfd.O,70 i Kalbsbrust a..RBckna, Schweineschinken i, Pfd. voo 0,70 mit Bein nnd Blatt... Pfd. 0,76 Suppenfleisch Pfd. V. 0,64 Schweinekamm j Bratwurst BerLAn, Pfd. 0,88 u.-Schutt, obneBLniage, Pfd. 0,84 Hammelvorderfl. Pfd.v 0,68 SchwernekotelettPM.r 0.88; Schmorfieischo.i:,Pfdv. 0,88 Eisbein iMpifzh.,ge?.,Pfd 0,60 j Rinderbackere». huPH. 0,48 Rückenfett] Schweineköpfe bratfertig, o. Schwarte, Pfd. 0,78[ mit Backe............. Pfd. 0,38 Kalbskamm o.B., Pfd.v. 0,60■ Rinderleber geir, Pfd. 0,93 Gänse . Pfd, von 0,84 Suppenhühner nie frisch......... Pfd. von WflO Wildgnlasch von 0,98 Wiiifragoutpfd.v 0,38 Rebhühner„«r Refrcien......... Stück UyOw Wolgahühner gefroren..... Pfd. von 0,84 Käse und Fette Molkereibutter...Pfd. 1,18 iiierf.MarkenbutterPfd. 1 ,50 Marg.u. Kokosfett ZPid 0.75 llob.B.Brafen-SchmalzFfd.0.58 Edamero.Boiiäad.,40°/o.Ptd 0,70 StelnllüSCb.<>-Briekl9elvi)ll'.Ptd.0.72 Harzer.............. Pfd. 0,35 Eier............. 10 stuck 0,72 Konserven>/, vo-e Schnittbohnen 1...... 0,60 Junge Erbsen fein..... 1,10 Junge Erbsen mitteit. 0,80 Junge Erbsen........ 0,65 Spinat.................. 0 45 Karotten geschnitten.. 0,40 Pflaumen o.6t.a,M,nLSt 0,65 Kalif. Pfirsiche....... 1,20 Lebenemittein bei Bestellung, y. 5,00 an 1 Gemüse und Obst Kochäpfel....... 3 Pfd. 0,20 Kochbirne«.... 3 Pfd. 0,20 Goldparmänen...Pfd. 0,15 Bananen......... 3 Pfd. 0,76 Rotkohl, Weisskohl, Wirsingkohl....... Pfd. 0,05 Märk. RUbchen 3 Pfd. 0,20 Sellerie gewaseh 3 Pfd. 0,22 Blattspinat.... 3 Pfd. 0,28 Oeu!scher'" Weinbrand Jamaica-Riim-Verschnitt 4fP l't Flasche S Flaschen 4,00 18,75 l'ieise ohne Hasche �_ Warme Unterkleidun ä Schlflofer 1.65. 1,95 fein gewirkt, mit 4 nr Beinen, Band trager oder Vollachsel... 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Dreherinnen u. Rundsdiieif er Tagesordnung: Vortrag:.Die gegenwärtige Lage in der Metallindustrie- Ohne Mitgliedsbuch und Slemocltartc, ins der die VerufstugehSrigleit»u einer der obigen Gruppen tzeroorgeht. leinen Zulri«._ Aditunü» Belriebsraie! Sit Betrtebsrale-Zetisdrrist Str. 20 th erschienen und kann gegen Vorzeigung der Leqttimalionsfarie des Betriebsral>-»Ob» monnes im Berbandshanse, Ziimner 3 bis 4 Uhr. Freitag, bis 7 Uhr werden. Die Orlsvei waJlnBg. Am 24. Oflober venchicd mein 1 lieber Mann, unser guter Bater.\ Schtviegeivatcr und Erohoaier Hart Ivette im 78. Lebensjahre. In tiefem Schmerz Wilhelmine Noelle und Kinder. Die Einäscherung findet am Dan- nerstag. dem 23 Oitober. lt.:, m)t im Krematorium SerichlstraKe 37 statt Am 25. Oflobet erlöste der Tod unsere iicde Mutter, Schwieger. u.Grotzmnlter Nwaa Wasekomlli im 7 t Lebensiahrc von langem, quäl- vollen, mit nnen blicher Gedui d e rtrage» neu Leiden.— Um stille, Beileid Mlten Fritz Waichowsfl, Marie Krnschel geb. NLaichamsfi. Hilde Waschamrki cd. Solz. Willi»rujchel n. b Enkelkinder Tranerseicr: Freitag. 23. Oftober. l7V„ Uhr. im Krematorium Gcrichtstraße. LeiiNes UlsIIssdeiles-M�i! VerHrn1taag»»telte Berli» Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht. L daß unser Kollege, der Ardeiler krikäried HedSlIcke geboren 17. Aoril 1872,' am 13. Ot-■ tobet gestorben ist. Die Deeibir.uug findet Dienstag. den 27. Ofloder, nadimiitags 8 Uhr. non der Leichendalle des Heillg-Kreuz Kirchhofes in Mariendorf, Eisenacher Elraße, ans statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 21. Ofiobct verstarb unser] Aollege, der äßet�eugmadjer Paul MÜH geboren am 19 Juni 1872. Die Beisetzung tzat bereits stai gefunden. Ehre ihre» Andenken! Die OrkverwalhiBg. i KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiitiiuiiiiiniiimiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiinuiuiiiiiiiiiüiiiiii Preise: überschriPtswert 25 Pfennig, Textwort 12 Pfennig Wicderholungsrabaft: 10 mal 5 Fror., 20 mal©dar 1000 Wort© Abschluß 10 Fror., 200U Worte 15 Fror., 4000 Worte 20 Proz. ✓ Stellenges u che« Oberschriftswort 15 Ff., Textwort 10 Pf. ✓ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4Va Uhr nachm. im Vorlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein ueritfuie Sinai cum Szillat, Kolonie- (trage 9. KieiiiungsstcsKe. lüäscne usui. Wenig attraaene Kavalieraarderobe oa n Millionären. Äerzten. Anwalien. Fabelhait billia« Preise. Empfehle Taillcnmäntel.Voic» tots. Kracks. Smo- kings. Gehrockan» zllae. Kosen. Sport., Gehpelze. Geleaen. beitsfänfe in neuer Garderobe. Weite. sicr Wea lohnend. Lothrinacrfirafie 36, i Treppe. Rosen tbaler Blak' Rehselb. 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