Morgenausgabe Nr. 507 A 255 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf„ monallich 3.90 Dt (tauen 95 Pf. monatlich für Zuitel- lnng ins Haus) im voraus zahlbar Dostbezug 4.32 M. einschließlich SO Pf. Panzeitungs- und 72 Ps. Postbestellae- bühren. Auslanbsabonnement S.— DL pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenporto 5.— M. Der„Vorwärts" erscheint wochentäg» lich zmeimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlrn und im Sandel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage .Volk und Zeit" � T Aerttner Solksblatt Donnersiag 29. Oktober 1931 Groß-Äerliu 10 pf. Auswäris 15 pf. Sic etnfpalt. Nonpareillezeile 80 Pl. Rellamezeile 5,— RM.„Kleine An» zeigen" das fettgedruckte Wort 2b Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte). ledes weitere Wart 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erste Wort' 15 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf Familie»' anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen- täglich von 8�/2 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor t Sentrawvgan der SozialdemoSvatttche« Vavtei DeMftblandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 kiernlpr.. Dönhoff(A T) 292—297. Telegramm-Mr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 ö3K.— Bankkonto: BankderArbeuer.Ängestellten und Beamten, Lindenstr. 3 Dt B.u.Disc.»Ge>.. Depositenk., Ierulalemcr Str. KüiliS 6,6 Millionen Labour-Stimmen And nur 50 Mandate gegen 555!— Stimmen 1:2, Mandate 1:11. London. 28. Lktober(Eigenbericht). Tie„N ationale Regierung" erhielt bei den Wahlen nach dem Stand von 9 Uhr abends rnnd Ii Millionen Stimmen, die Opposition rund 7 Millionen Stimmen. Von diesen 7 Millionen Stimmen der Opposition brachte die Arbeiterpartei K.K Millionen auf. den Rest erhielt die Lloyd Eeorge- Eruppe. Auf die Macdonald-Gruppe vereinigten sich 3tt4t1v0 Stimme», auf die Partei des englischen Hitler. Sir Oswald Mosley. nicht mehr als 3<,, Ergcb- nifje ihrer Arbeit. Das reichhaltige Materiol, das die vielseitige pädagogische Arbeit der Schule beleuchtet, ist von Schüler» im Unterricht hergestellt. Die Grundlagen des pädagogischen Wirkens der Schule: ihre soziologische Einstellung, die Selbständigkeit der Schüler innerhalb der kollektiven Arbeitsweise werden klar zum Ausdruck gebracht. All« Abteilungen der vielgestaltigen Schule: Grundschule, Volke- schule, Aufbauschule und höhere Schule sind vertreten. Bildhafte, i» typographisch einwandfreier Form zum Ausdruck gebrachte Sta- tistiken geben Auskunft über die sozialen Grundlagen der Schule. Statistiken über die Wohnverhältnisse der Schüler, über die po- litische Zugehörigkeit der Eltern, die Berufe der Väter, über Ar- beitslosigkeit der Eltern, Schulgeldzahlung usw. sind nicht nur will- kommen« Usbungsarbeiten für den Schüler, sondern geben' wert- volle Ausschlüsse für die Organisation der Schule. Einiges aus der S ch ü l e r z e i t u n g, vor allem die ausgezeichneten Karikaturen, Arbeiten aus dem Werkunterricht, Zeichnungen, Plastiken und Photographien veranschaulichen die lebensvolle Unterrichts- und Erziehungsmethode der Schule. Das Mod«ll einer Bühne, Be- richte und Photos von Schüleraufführungen vervollständigen dieses Bild. Sehr interessant sind die Berichte der Schüler über einzelne Mahnung an Wiesen and Felder Um ihre Wiesen und Felder besorgte Grundbesitzer haben im pomin ersdien Lande die hier abgebildete Warnungstafel am Rande ihrer Besitzungen angebradit. Wehe der Wiese, die es nun nodi magen sollte, umherzulaufen! Unterrichtsabschnitte, die von Schülern aller Altersstufen vorliegen. Wer Zeit hat. darin zu blättern, wird Amüsantes und Lesens- wcrtes in Fülle finden. Sie machen den Schülern sicher mehr Freude als Untersuchungen über den Charakter irgendwelcher Li- teraturhelden, dem beliebten Aufsatzthema einer hoffentlich ver- gangcncn Epoche. Die größte Beachtung verdienen sicher die Kol- lektioarbeitcn, die die Ergebnisse von Studienfahrtcn zusammen- fassen. Die Ausstellung wurde im Beisein von. Kultusminister Genossen G r i m in e von Oberschulrat ch i l k e r crLfsnct/ Oberstudicn- direkter Genosse Dr. K a r s c n sprach einleitende Sätze über die pädagogischen Ziele der von ihm geleiteten Karl-Marx-Schulc. Arbeiierjunge interviewt Berlins Oberhaupt. Im Schulfunk der Deutschen Welle sprach der Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm zur Berliner Volksschuljugend. Das Mikrophon hatte den Oberbürgermeister in seinem Amtszimmer aufgesucht, und Magistratsschulrat Dr. Fischer hatte auch einen Schüler ans der 2. Aufbauklassa der 60. Volksschule in der Bergmannstrahe als Vertreter der Berliner Schuljugend mit- gebracht, der an den Oberbürgermeister verschiedene Fragen richtete. Zuerst gab Dr. Sahm einen kurzen Ueberblick über seinen Arbeitstag und skizzierte kurz die Tätigkeit der einzelnen Verwal tungszwcige. Auf eine Frage, ob er oft Besuch bekäme, wies der Oberbürgermeister auf den kllrzlichcn Besuch aus Paris hin; vorgestern seien erst Herren von der Moskauer Stadtverwal- tung dagewesen, und am Dienstag habe er mit dem italie- ,i i j ch e n Außenminister Grandi die Siedlungen in Tempelhof und Priß besucht. Im Rahmen des Gesprächs fäiilderte 5ann Dr. Sahm seine Fahrt mit dem Zeppelin über die Rcichehauptstadt und sein Zusammensein mit Dr. Eckener und plauderte anschließend über seinen Antrittsbesuch beim Reichspräsidenten von Hindcnburg. Auf eine Frage, die den Etat der Stadt Berlin betraf, gab der Ober- Bürgermeister dann einen ganz kurzen Ueberblick über die wirt- schasllichc Lage und Entwicklung. Zum Schluß streifte er dann noch die Ausgaben einer Sitzung mit den Bezirksbürgermeistern, die unmittelbar nach dem Rundfunkvortrag angelegt war Malufchka-„treuer Sohn der Kirche". Budapest, 28. Ottober.(Eigenbericht.) Oer Pfarrer der Heimotsgemeinde des Eisenbahnverbrechers M a t u s ch k a veröffentlicht in einem Budapester BlaU eine Er- klärung, nach der Matuschka nie Kommunist, sondern ein treuer Sohn der Kirche gewesen ist. Er habe der Pfarrkirche tost- bare Geschenke gemacht. Nur dem Einfluß eines dämonischen Weibes könne seine Wandlung zugeschrieben werden. Brutschrank des Todes Lokaltermin im Calmette-Prozeß � Erregte Auseinandersetzungen Lübeck. ZS. Oktober. 3m Calmettc-Prozeß fand am heutigen Mittwoch der angekündigte Lokaltermin im Allgemeinen S rankenhause statt. Es wurden sämtliche Räume des Laboratoriums in Augenschein gc- nommen. Dabei erNärle Professor Dr. Deycke die Technik der Herstellung von Kulturen und die Anlage der Brutschränke. Die Schwester und Professor Dr. Deycke bezeichneten es als unmöglich. daß eine Kultur im Brutschrank infiziert worden sein könne. Lei der Besichtigung kam es zu erregten Zusammen- stößen zwischen Professor Dr. Much und Prosesior Dr. Kalle. Letzterer stellte die Frage, ob nicht ein Prolokollbuch geführt worden sei. was Dr. Deycke verneinte. Schließlich kam aber eine ganze Reihe von Auszeichnungen zum Vorschein, in denen die Schwester die Kontrolle der BCG.-Kulturen und anderer Stämme genau ver- merkt hatte. Das Gericht beschloß, dieses Prolokollmalerial sicherzustellen. Die Besichtigung erfolgte in zwei Gruppen. Professor Dr. Deycke erläuterte in den beiden Laboratorien die Anlagen. Im „Kleinen Laboratorium" stand der große Brutschrank, gefüllt mit Hunderten von Ampullen. Er dient heute anderen Zwecken als damals. Seinerzeit standen auf der linken Seite die BCG.-Kul- turen. Andere Kulturen sind nicht im Schrank gewesen; nur ge- legentlich haben Kolben mit Darmbazillen dort gestanden, die Dr. Welcker zur Untersuchung benutzte. Auch das„Große Laboratorium" mit dem Brutsclirauk. In dem die humane Kultur auf flüssigen Nährböden wettergezüchtct wurde, ist eingehend besichtigt worden. Am Schluß der Besichtigung kani es dann zu den«regten persönlichen Auseinandersetzungen zwischen Piofessor Dr. Kalle und Professor Hans Much. Professor Dr. Deycke erhob gegen die Beschlagnahme des Protokollbuches Pro- tcst, weil sich unter diesem Material wissenschaftliche Arbeiten b:- fänden, die noch nickst veröffentlicht und die rein geistiges Eigcnktm seien. Der Vorsitzende schlug vor, daß zwei Sachverständige das Material überprüfen und eine Auswahl für das Gericht machen sollten. �____ Bersahren gegen Gprengstoffdieb. Voruntersuchung gegen Llebcrbrück eingeleitet. Wegen Verbrechens gegen das Sprengstossgeseh und Vorbereitung zum Hochoerrai ist gegen den Kommunisten Ueberbrück die Voruukersuchung erössoel worden. Vom Reichsgericht ist der bekannte Landgerichtedirekior Braune mit der Voruntersuchung bernislragk worden. Bisher haben die Verhöre des kommunistischen Funktionärs Ueberbrück, bei dem bekanntlich annähernd drei Zentner Spreng- stoff, SprsnMaterialien und stark belastendes Schristewiiaterial gefunden wurde, zu keinem Ergebnis geführt. Ueb-erbrück hüllt sich nach wie vor in Schweigen und gibt nur ausweichende Antworten. Die Polizeiaktion in der Provinz hat in Schleswig-Holstein und Schlesien zur Auffindung von kleineren Sprengstofsvorräten gc- führt. Die mehrfach aufgetauchte Nachricht, daß auch die.Frau des Kommunisten Ueberbrück als Mitwisserin in 5)aft genommen sei, entspricht nicht den Tatsachen. Gleichfalls wird von der Polizei die Meldung eines Berliner Blattes, wonach ein« Liste gefunden sein soll, auf der zahlreiche Brücken und Tunnels als„für eine Sprengung vorgemerkt" verzeichnet seien, als P h a n t a s i e p r o- d u k t erktärt. An der Meldung ist nach Angab« der Polizei kein wahres Wort. Wohnhaus ohne Ruhe Mieter des Hauses Richardstraße 35 in Neukölln vor Gericht WisSer Spielerrazzia im Friedn'chshain. Nachdem erst vor einigen Tagen im Friedrichshain mehrfach Spiolerrazzien erfolgreich durchgeführt und annähernd 10 Bank- Halter, die meist Erwerbslosen die letzten Pfennige abnahmen, fest- genommen wurden, ist gestern nachmittag abernials eine Razzia im Friedrichshain veranstaltet worden. Mehrere Bankhalter kann- ten festgenommen worden. Auch im Norden der Stadt treibt das SpiÄerunwejcn im h u m b o kdt h a i n wieder Blüte und die Polizei sollte dort weit häufiger energisch durchgreifen. Oemonsirationen vor dem Witte», auer Nathans. Vor dem Rathaus Wittenau in de? Charlottenburger Straße 3— 5, wo gestern abend die Bezirksversammlung des 20. Verwaltungsbezirks Reinickendorf tagte, kam es gegen 18 Uhr zu Erwerbslosend emonstrationcn.' Etwa 60—60 jugendliche Er- äocrbslose. die sich vorher in der Dunkelheit zu kleinen Trupps in dem naheliegenden. Park zusammengefunden hatten, zogen mit den lauten Rufen:„Hunger. Ozungerl",„Gebt uns Arbeit und Brot!" vor das Rachaus. Bevor es den Demonstranten gelang, in das Tachau» einzudringen, war die Polizei zur Stelle, die die An- sammlung zerstreute. Das Haus Richardstraße 33 in Neukölln macht in der Oeffentlich- keit immer wieder von sich reden. Seine Berühmtheit begann mit dem Augenblick, als sich in ihm eine Razikaserne etablierte. Die Mieter griffen zum Streik, um beim Wirt die Kündigung der Nazikaserne zu erzwingen. Dann folgte der gewaltsame T o o des Wirts; die Untersuchung hierüber ist noch nicht abgeschlosien. Und schließlich standen am Montag die Mieter des Hauses Richardstraße 32 vor dem Schnellschöffengericht wegen Teilnahme an einer nicht aiigemotdctan öffentlichen Versammlung. Mieterversammlung und öffentlich? Ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst? Das Gericht erkannte aber tatsächlich an. daß diese Mieterversammlung eine öffentlich« war. Und da» kam so. .. Der Mieterstroit war mißlungen. Es inangelte an Solidarität, der größte Teil der großen Mirttaserne mit ILO Parteien zahlte pünktlich die Miete; die Mielerversammiung beschloß, den Streik als beendet zu erklären, der speziell für den Streikzweck gewählte Mieteraus schuh löste sich auf. Wenige Tage darauf erhielten aber die Mieter neue Einladungen zu einer„Mieter" Versammlung. Die Handzettel waren nicht, wie früher, mit Maschinen- schrift gedruckt, sondern auf einem Abziehapparat hergestellt. Thema der Versammlung sollte sein; die Ausräucherung der � Nationalsozialisten aus dem Hause. Am 21. Oktober ver- � sammelten sich weniger als zwei Dutzend Mieter; außer diesen noch i etwa sieben Personen, in der Hauptsache junge Leute, die zum haust nicht gehörten, und auch ein gewisser M a s ch« k, l der in dieser Versammlung das große Wort führte. Die Polizei löste dies» Mieterversammlung als öffentliche politische V e r a n st a l t u n g auf und nahm die anwesenden 33 Personen fest. Ob es notwendig war, sämtliche Versammlungsteilnehmer zum Polizeipräsidium zu bringen und zwölf davon in Haft zu behalten. mag dahingestellt bleiben: jedenfalls erschienen alle 33 vor dem Schnellschöffengericht Neukölln. Vor Gericht bestritten aber die Mieter, sich strafbar gemacht zu haben, sie stellten den politischen Charakter der Versammlung in Abrede und behaupteten, lediglich in Wahrnehmung ihrar Mieter- interessen gehandelt zu haben; der Cinbcrufer der Versammlung wie auch der Vertsiler der Einladungen dazu sei ihnen unbekannt gewesen. Die nicht zum haüse Richarbstraß» 33 gehörigen Aug«- klagten wöllten rsiii zufällig in die PsrsaMMkUNg geraten sei». Der Staatsanwalt beantragte gegen 20 Angsklagis.je 10 Tage Gefängnis und gegen den 5iauptaiigsklagten Maschek, in dem er den Einberufer der Versammlung vermutete, 3 Monat« Gc- fängnis. Das Gericht sprach mit Ausnahme Mascheks sämtliche angeklagten Mieter aus subjektiven Gründen frei und verurteilte jenen zu-t Monaten Gefängnis. Als Begründung führte der Bor- sitzende aus, daß diese Mieterversammlung, zu der auch jeder Fremde Zutritt haben konnte, nicht mehr als geschlossene Var- anstaltung zu betrachten war, sie unterstand den Anforderungen der Notverordnung. Oer erste Schnee. Oer Winter rückt an.— Vorläufig kein starker Frost. lieber Berlin ging gestern nachmittag der erste störtere Schneefall nieder. Dichtes Schneetreiben setzte gegen 16 Uhr ein, bei 2 Grad Wärme zerrann der Schnee jedoch sofort zu Wasser und nur in den Parkanlagen hielt sich auf kurze Zeit eine schwache Schneedecke. Eigentlich war das gestern gar nicht der„erste Schnee", denn bereits vor einigen Tagen hatten die Straßen Berlins um 3 Uhr morgens ein weißes Kleid angelegt. Wenige Stunden später war die weiße Pracht allerdings wieder verschwunden und so haben die wenigsten Berliner von dem ersten Sendboten des bevorstehenden Winters etwas gemerkt. Der plötzliche Schneefall ist durch den Ausammenprall der über Mitteleuropa lagernden kallen Luft und einem aus der Mittelmeer- gegend heranfließenden Warmluftkörper verursacht worden. In Mittel- und Südostdeutschland kam«s vielfach zu Schneefällen. Die Schneedecke hat sich aber nur in den Bergen gehalten. Die Schneekoppe meldete gestern abend bei 6 Grad Kälte drei Zenit- meter Neuschnee.' Für die nächsten Tage ist mit veränderlichem Wetter bei ansteigenden Temperaturen zu rechnen. Rauvüberfall aufgeklärt. Oie Tat tn der Friedenstraße.— Drei Täter hinter Schloß und Siegel. In der Nacht zum Dienstag wurde auf ten 33jährigen Kaufmann Gustav S ch w i r s k e ein roher Raubübersall verübt. Sch. wuroe von drei jüngeren Burschen, als er sich auf dem Heimweg nach der Irledenstrahe befand, in der Nähe seiner Wohnung über- fallen und niedergeschlagen. Die Täter mußten schließlich von ihrem Opfer ablassen, als auf die Hilferufe des Maitties mehrere Passanten hinzueillen. Die Burschen versuchten in einem kurz zuvor gestohlenen Äuto zu entkommen. Aber nur einem glückte die Flucht; der 23 Jahre alte Erich P. und der 22 Jahre alte Paul L. konnten nach kurzer V«r- folgung festgenommen werden: Den dritten Komplicen, bor im Auto davongerast war, wollten sie nicht kennen. Gestern ist es nun Beamten des Raubdezernatz gelungen, auch diesen TA«? zu ver- haften. Es ist«in 23jähnger Alfred K. aus der Fehrbslliner Straße. K., offenbar der Anführer de» Trios, legte ein Geständnis ab. Danach hatten ste den Plan genau vorher durchgesprochen und den Kaufmann, der meist größere Summen kassierter Ge-der bei sich hatte, schon tagelang vorher beobachtet. Di« jugendlichen Räuber werden heute dem Richter vorgeführt. Aach Kreispruch Todesurieit. Im Wiederaufnahmeverfahren nach zehn Jahren. Torgau, den 28. Oktober. Das Schwurgericht Torgau verurtellte den Landarbeiter Franz Lehmann im Wiederaufnahmeverfahren wegen Raubmordes zum Tode. Vor zehn Jahren war der Bauunternehmer und Aufseher Paul Münchenberg bei Langengrasstiu im Kreise Schweinitz erschossen und der Lohngelder in höhe von 3 200 Mark beraubt aufgefunden worden. Der der Tat verdächtige, damals 23 Jahr« alte Lehmami mußte vom Torgauer Schwurgericht mangels Beweises frei- gesprochen werden. Jetzt, nach zehn Jahren, betrieb Lehmann, indem er sich des Raubmordes bezichtigte, das Wlederaufnahmeoer- fahren, um einen Freispruch wegen erwiesener Unschuld zu er- langen. Vor dem Landgericht widerrief' er die Selbstbezichtigung. Sein Alibiversuch mißlang jedoch, und das Gericht verurteilte ihn zum Tode. Aaubdezernai wird verstärkt. Die Häufung der Raubübersälle in der letzten Zeit hatte zu einer großen Ueberlastung des Raubdezernats im Polizeipräsidium geführt, dem bisher nur die Kommissare Mühlfriede l uiid Nebe mit 11 Assistenten angehörten. Zur Verstärkung des De- zernats sind jetzt die Kommissare Freiberg und Lietzenberg zugeteilt worden, zu denen im Bedarfsfalle auch noch der Kom- missar Fähndrich hinzukommen wird. Zu ihrer Unterstützung ist das Raubdezernat, das auch in größere Räume gelegt worden ist, durch fünf neue Kriminalassistente, i verstärkt worden. Für die Arbeitseinteilung ist ein besonderer Plan aufgestellt worden, noch dem jeder Kommissar ein besonderes Stadtgebiet Berlin zu bc- arbeiten hat. Reue Kurte der Arbeiterbildungsschulc. Am Freitag beginnen folgende Kurse: Seminar. Dr. Karl Schröder:„Die Literatur in der deutschen �Gegenwart." ivX Uhr. Lindenstr. 3, 2. Hot II, Zimmer 11.— Zentral« Kursus. Paula Ku r g a ß:„Die Frau in der gesellschaftlichen Krise der Gegenwart." 10« Uhr, Linden straße 3, 2. Hof II, Zimmer 13.— Einführnugskursc. 3. kreis weddiag. Dr. Kreyßjg:„Di« Entwicklunqstendenzen in der rapitalistischeu Wirtschaft." 20 Uhr, Lesehalle. Schönstedtsir 1 i. kreis Prenzlavcr Lecg. Lctur G o l d st e i n:„Sozialismus und Weltanschauung." 19« Uhr, Schule Danziger Straße 23. S. kreis Friedrichshaiii. Dr. G. S t o o l z c l:„Staat und Wirtschaft." 20 Ulzr. Schule Petersburger Straße i. 7. kreis Charlotlenburg. Dr. Olm München:„Warum sind wir arbeitslos?" 19« Uhr. Juaendheio- Rosinenstr. 4. 14. kreis Reuköllu. Dr. Arkadrj Gurland:„Die. geistigen Strömung« in der Arbeiteck«o«gyng." 20 Uhr, Zsiigend- hewt Lergftr. 23. Jlr. 507• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 29. Oktober 4934 Zndvstrieftandale und Wirischastspnifmg. Die �olle der Bankenireuhandgesellschasten. Wir erhallen folgende Zuschrift: Die Fälle häufen sich, wo infolge spekulativer Betätigung oder durch die Expansionswut und Großmannssucht der leitenden Organe große Gesellschaften und Äonzcrnc in Schwierigkeiten ge-- raten. Fast ausschließlich Hoden diese großen Unternehmungen der Kontrolle sogenannter Bankentrcuhaudgescll- s ch a f t e n unterstanden. Weshalb haben die Prüfungen nicht die Fehldispositionen aufgedeckt oder doch verhindert, daß fie solches Allsmaß wie die Nordwollc, Karstadt, Schultheiß usw. annehmen konnten? Gegen die Q u a l i s i k a t i n n an sich der großen Trem Handgesellschaften soll nichts gesagt werden. Es ist geschulles Per- fonal vorhanden! Bei den Prüfungen wird methodisch vorgegangen, und doch solche Resultate! Die Sache hat also einen Haken. Die Berichterstattung ist abhängig von den Jnter- essen und dem Willen der Bantengr Uppen. In den Redakttonszimmern der Großbanken werden die Berichte erst gründ- lich srüsiert und zusammengestrichen. Die Bonken verhindern durch ihre Machtstellung die Ent- wicklung unabhängiger Revisionsgesellschaften nach englischem Muster. Ein graßer Mißstand ist die in den meisten Fällen nur jähr- lich stattfindend« Prüfung. Es ist natürlich nicht möglich, die Bor- iälle eines ganzen Jahres bei einmaliger Revision gründlich zu durchleuchten. Die Prüfungsvermerk« unter den Bilanzen lassen denn auch oft ohne weiteres erkennen, wie solche„Revisionen" zu bewerten sind. Zum Beispiel: „Porstehende Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung haben wir(ich) geprüft und mit den Büchern der Firma I. übereinstimmend gefunden." Dieser„übliche" Vermerk läßt ersehen, daß die Bücher scll'st und die Belege, geschweige denn Verträge usw. nicht geprüft, daß eine rein formale, aber keine materielle Prüfung statt- gefunden hat Es wäre daher zu wünschen, daß den neu zu er- nennenden Wirtschaftsprüfern Gelegenheit gegeben wird, die zu be- arbeitenden Unternehmungen in kürzeren Zwischenräumen zu rem- dicren. Es ist bei einmaligen Revisionen ganz einfach nicht möglich, die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu prüfen, Verlustquellen, komplizierten Buchungen nachzugehen und hinter Vorgänge zu kommen, welche durch Vcrschachtelungen geschickt verschleiert werden. Zweck der Kontrolle soll sein, ein Ucbel zeitig zu entdecken und nicht erst dann mit der Feuerwehr zu erscheinen, wenn der Brand nicht mehr zu lokalisieren ist. Im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse wäre zu fordern: Neutralisierung oder Verstaatlichung der Bankentreuhond- gesellschaftcn. Oesters Prüfungen im Lause eines Wirtschaftsjahres, je noch Größe des Unternehmens durch Wirtschastsprüser. Den Prüfern sind Fachleute zur Beurteilung der wichtigsten Aktienwertc. wie Waren und Maschinen, beizuordnen. Eine eidesstattliche Erklärung der Vorstandsorganc. daß den Prüfern nichts verheimlicht und sämtliche Unterlagen, Derträge usw. vorgelegt worden sind. L., Treuhanddirektor. Oer Kall Ziemhart. Eine politische Verleumdungskampagne?— Ein berufener Wirtschastsführer? Die„Berliner Börsenzeitung" erklärt die in breitester Oessent- lichkeit erhobenen Vorwürfe gegen Herrn Reinhart von der Com- merz- und Privatbank als einen Akt planmäßiger Diffa- in i e r u n g, well Herr Reinhart„politisch und wirtschaftlich jenen .Kreisen fernsteh r, die in zwölfjähriger Tätigkeit Wirtschast und Staat herabgewirtschaftet haben". Sie verlangt, daß sich die !fteichsregierung und der Reichspräsident nicht davon abbringen lassen,„sich deu Rat einer Persönlich- keit zu sichern, deren nationalwirtschaftliche Einstellung vielleicht mit der Politik der letzten zipölf Jahre kollidieren, deren aktwe '.Mtarbeit aber für die künftige Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiches von besonderem Wert fem wird." Von einer planmäßigen Diffamierung zu sprechen entspricht der Einstellung der„Börsenzeitung". Wäre es so. so hätte die „Börsenzeitung" sich am wenigsten darüber zu beklagen; denn das wäre Ge i st von ihrem Geist. Es ist aber bisher noch nie- mandem eingefallen, andere Tatbestände zum Gegenstand der Vor- würfe gegen Herrn Reinhart zu machen, als wie sie in dem letzten Kommunique der Commerz- und Privatbank eindeutig zugegeben worden sind. Der Vorwurf absichtlicher Herabsetzung des Herrn Rcinhart zu politischen Zwecken ist also sinnlos. Es berührt aber ein öffentliches Interesse, nachdem Herr Reinhart einmal Berater der Reichsrcgierung sein sollte, wenn die„Börsenzcitung" die ganz besondere Qualifi- kation des Herrn Rcinhart für gesamtwirtschaftliche Interessen hervorhebt, und dazu dürfen einige Bemerkungen gemacht werden. Von einem besonderen Befähigungsnachwcis für die Wahrnehmung gesiuntwirtschaftlichcr Interessen kaim bei der Tätigkeit Reinharts im Falle Schultheiß sicher nicht die Rede sein. Herr Reinhart war nun bis 19ZS Leiter der Mitteldeutschen Kreditbank. Es ist nicht zuviel gesagt mit der Be- Häuptling, daß die Mitteldeutsche Kreditbant, als sie mit der Com- merz- und Privatbank fusioniert wurde, s o am Ende war, daß sich kaum jemand fand, der sie übernehmen wollte. Das geschah in einer Zeit, als die Banken in Ueberschüsien schwammen. Ucber 'Reinharts Quolisikation ist man in Bonkkreisen außer- ordentlich geteilter Meinung. Man kann da immer wieder hören, daß man viel weniger seine ilebcrlegcnheit als Kauf- manu als seine Robuschcit zu fürchten hat. In sogenannten Kon- sortialgeschäften war Herr Reinhart allerdings immer groß. Aber es würde sich wahrscheinlich für die Oeffentlichkeit lohnen, wenn die K o n s o r t i a l a k t e n einmal nachgeprüft werden würden, wobei wir nur an die Fälle der Niederlausitze? Bramikohlenkon- zerne und„Eintracht",„Ilse" erinnern wollen, und m den mit der �Zusatia" als Holdinggesellschaft der„Ilse" gemachten Geschäften würde man wahrscheinlich auch manche An- haltspunkte dafür finden, daß der Fall Schultheiß keine Ausnahme von der Regel ist. Man kann es auch nicht unbedingt als eine Qualifikation zum Wirtschaftsführertum betrachten, wenn es Herrn Rcinhart gelang. in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit rund 4i) Aussicht s- r a t s m a n d a t e zu erlangen. Auch hier sagt man in Bank- kreisen, daß Ehrgeiz und Machtwille viel größer waren als die bankmäßigen Notwendigkeiten für diese Aussichtsratstätigkeit. Es sollen Aufsichtsratspostcn bekleidet worden sein bei Gesellschaften. die nicht einmal ein Konto bei der Mitteldeutschen Kreditbank hatten, und wenn es richtig ist, was behauptet wird, daß zur Durch- führung übernommener Konsortialgeschäfte eigenen Bankkunden Kredite gekündigt worden sind, so wäre das auch kein Beweis für eine besondere Qualifikation zum Bankier. Unbedingt zwingend als Beweis für die Eignung zum Wirt- schaftssührer ist es auch nicht, daß Herr Reinhart in sozialen und Angestelltensragen als ein äußerst energischer Herr bekannt ist. Es gibt Leute, die sich dessen erinnern, daß Herr Reinhart, als er noch Bankangestellter mar, sehr rücksichtslos gegen die Ausbeutung der Angestellten durch die Bonkherren auf- zutreten wußte, und wenn wir Herrn Reinhart für seine Wand- lung auch keinen persönlichen Vorwurf machen— diese geht schließlich nur ihn selber an—, so ist eine solche Wandlung für das Bild eines Wirtschaftssührers doch nicht unwichtig. Und es scheint uns auch keine Empfehlung zu sein, daß Herr Reinhart in seinem Verhältnis zum Personal bei Abfindungen zu entlassender Angestellter die Abfindungssummen sich lieber vom Arbeitsgericht vorschreiben ließ, als den Weg der freien Vereinbarung zu wählen. wobei das mit der Erkenntnis und mit der Begründung geschah, daß bei freier Vereinbarung die Absindungen viel höher ausfallen würden. Für sich selbst freilich soll Herr Reinhart für den Fall eines eventuellen Ausscheidens aus der Eommerzbank recht- zeitig einen Vertrag gemacht haben, der ihm eine sehr erkleckliche Abfindung sichert. Das muß sogar nicht einmal ein Zeichen besonders großen Selbstvertrauens in seine eigenen bankmäßigen Qualitäten sein. Wir bedauern sehr, in unserem Urteil über die Wirtschasts- führerqualUäten des verantwortlichen Leiters der Eommerzbank anderer Meinung sein zu müssen als die„Börsen- zeiwng". Wir hätten unsere Meinung aber vielleicht für uns be- halten, wenn die„Börsenzeitung" es nicht für notwendig gehalten hätte, von einer planmäßigen Diffamierung zu sprechen und der deutschen Ocssentlichkcit Herrn Reinhart für alle Zukunft so nachdrücklich als wirtschaftliche» Berater und Helfer zu empfehlen. Englands Arbeitslosigkeit. Geringe Entlastung Mitte Oktober. Die Zahl der Erwerbslosen in England belief sich am 19. Ok- tober auf 2 237 878 Personen, was gegenüber der Vorwoche einen leichten Rückgang um 28 868 Arbeitslose darstellt. Im Vergleich mit dem Oktober 1930 ist die Arbeitslosigkeit um rund 540 000 Personen höher. Die Hoffnungen, die man in der englischen Wirtschaft an die Entwertung des Pfundes knüpfte, haben sich also auf dem Arbeits- markt bisher nur in geringem Umfang crfülli. Inwieweit die englische Exportindustrie die Abwertung des Pfundes in eine Ausfuhrprämie ummünzen und dementsprechend dci, Arbcitsmarkt eintasten wird, hängt von der Preisgestaltung auf dem In- londsmarkt ab. Aber auch hier dürften die Erwartungen nicht zu west gesteckt werden, denn die strukturellen Ursachen der seit fast zehn Jahren anhaltenden hohen Erwerbslosigkeit werden auch durch einen zeitweisen Exportaustrieb infolge der Wähningsentwertung nicht aus der Welt geschafft 3474 deutsche Millionäre. Und 447 Milliarden steuerpflichtiges Gesamivermögcn. Ueber den Stand des steuerpflichtigen Vermögens zu Beginn des Jahres 1928 macht jetzt die Zeitschrift„Wirtschaft und Statistik" eingehende Angaben. Der aktuelle Wert der Veröffentlichung leidet allerdings darunter, daß in den letzten Jahren infolge der Wirt- schastskrise«ine weitgehende 21 er mögensvcrschiebung und stärkerer Vermögcnsschwund staltgeiundcn hat. Bei der Be- urteilung der vom Statistischen Reichsamt erfaßten Ziffern über das steuerpflichtige Gcsamtvermögen muß serner die scharfe Cinschrän- kung gemacht werden, daß es sich um Steuervermögen han- dell, die bei d«r bekannten Steuerfcheu der besitzenden Klasse auch nicht annähernd dem tatsächlichen Bermögcnsstand in Deutschland entspreckcn. Das gesamte Vermögen, das der Vermögenssteuer(von 5»» Mark aufwärts) unterlag, belicf sich 1928 auf 117,3 Milliarden Mark, die von rund 2,88 Millionen Steuerpflichtigen versteuert wurden. Gegen 1927 ist eine Zunahm« der Veranlagungen von 18,3 Mil- tiarden und der Steuerpflichtigen um 335 308 Personen zu verzeichnen. Im Besitze natürlicher Personen befanden sich 77,3 Mil- liarden, also annähernd 66 Proz., und im Besitze nichtnatürlicher Personen(Gesellschaften uiw.) etwa 34 Proz. Bei den natürlichen Personen entfällt die überwiegende Mehr- heit der Steuerpslicktigen aus die kleinen Vermögeni-gruppcn bis zu 30 000 Mark. Es sind dies mehr als 81 Proz. sämtlicher Steuer- Pflichtigen. 2lus knapp 1000 Vermögenssteuerpslichüge entfällt ein Millionär bei den natürlichen Personen. Insgesamt gab es nach der Aufstellung der Vermögenssteuer im Jahre 1928 in Deutsch- land 3174 Millionäre. Hiervon versteuerten Z54S Personen ein vermögen von 1 bis 2,5 Millionen 446„.... 2.5 bis 5 lZt„„..„2 bis 10 49... über 10 Von diesen 49 letztgenannten Millionären mit mehr als 10 Mil- lionen Vermögen werden p l l c i n 8 9 9 Millionen Mark versteuert, also über 18 Millionen pro Person im Durchschnitt. Allerdings sind wir der Meinung, daß bei Offenlegung der Steuerli st cn und wirksamer Bekämpfung der Kapitalflucht so- wohl die Zahl der Millionäre wie auch die Höhe der versteuerte» Millioneiwermögen noch ein Bild ergeben würde, das sich mit dem vorliegenden auch nichl entfernt vergleichen ließe. Bemerkenswert stark ist der Auteil der mittelgroßen Vermögen' bei de» natürlichen Personen geblieben. So verzeichnet die Untersuchung rund 244 500 Person«» mit einem Vermöge» von 50 000 bis 230000 Mark. Der steuerpflichtige Betrag umfaßt annähernd 23 Milliarden Mark, also fast 30 Proz. des gesamten Stcuervermögens der natürlichen Personen. Bei den» i ch t n a t ü r l i ch c n Personen, also Aktien- gcsellsck-often und anderen Körperschaften, weist die Schichtung des steuerpflichtigen Gejamwermögens mit höher werdenden Vermögens- gruppen in den meisten Fällen auch ein Wachsen der Vermögens- antcilo. So einfallen auf die Gruppe der Vermögen über 10 Mil- lionen Mark allein mehr als 37 Prozent des G e s a m k v e r> m ö g e n s. Hierin prägt sich deutlich der scharfe Konzen» trationsprozeh in der Wirtschaft aus, der seit 1928 noch erheblich zugenommen hat. Konsumvereine im September. Die Armut der Verbraucher drosselt den Umsatz. Nach dem Septemberbcricht des Zeinrälverbandes Deutscher Konsumvereine hat sich der W o ch e n u m s a tz pro Mitglied in den von der Monatsstatistik erfaßten Vereinen im September gegen August von 6,47 Mark auf 6,51 Mark erhöhtz. Diese Cr- höhung bleibt weit hinter der im September üblichen Umsatz- stcigerung zurück, da im September Kartoffel- und Kohlcneinkäus« von den Mitgliedern erfolgen. Im vorigen Jahre betrug die Steigerung des Wochenumfages pro Mitglied gegen August noch 23 Pfennig, im Jahre vorher 40 Pfennig und im Jahre 1928 3-5 Pstnuig. Offenbar kann also auch die notwendige Winterverso Egling von den Mitgliedern jetzt nicht mehr durchgeführt werden. Gegenüber der gleichen ZejF des Borjahrcs ist jetzt ein wertmäßiger Umsatzrück- gong von 22 Prozent zu verzeichnen, der keineswegs allein auf die erfolgte Preissenkung zurückzuführen ist, sondern in sehr großem Umfange auf die Ä a u f kr a f tv er n i ch tun g durch Arbeitslosigkeit und Lohnabbau. Der Zentralverbar d Deutscher.Konsumvereine schreibt zu dieser Entwicklung:„Ein großer Teil der in den Konsumgenossen- schaften des Zentroloerbandes vereinigten 2Z«rbroucher empfindenden harten Druck der Wirtf'chastskatastrophe immer mehr in seiner vollen ß&fäti&chsJ. �st 1250 Gramm für 1000 5'/? Pfg. Zigaret Diese obere Gewichts-Grenze erreicht CIiüB Das ist das eine Merkmal und das andere: ClUB schmeckt ganz wunderbar und-- kratzt nicht. t schwere. Die Zahl der Konsumgenossenschaftsmi�lieder mit einem stark verringerten Einkommen nimmt täglich 5m Den meisten Häushaltungen fehlen die Mittel zur Deck u n g de« Winterbedarf« au Brennstoffen und Kartoffeln fast völlig. Vielfach rönnen nicht ein ms I die n a t> wendigsten Kleidungsstücke für die Wirr.t ermonate beschafft werden. Dieses trostlosen Vläld dgr zu- nehmenden Verarmung der beut fach«n Verbraucher spiegelt s i ch in dem Ergebn üs d�r kon- fumgenofsenschaftlichen Wochenumsa,tz erheb ung für den Monat September 1931 widetf" Solche Kritik der Tatsachen ist ve r nicht»» d gegenüber einer Politik, die Lohn- und Gehaltsabbau immer weiter fördern soll. Notwendige Erkenntnis für die Reiche- regierung und den Wirtfchaftsbeirat! Weitere Stillegungen bei Linke-hofmann in Breslau. Der Linke-Hofmann-Bu fch- Konzern in Breslau, das größte Metallunternehmen Ostdeutschlands, hat jetzt auch für feine Maschinenbetriebe Stillegungsantrag bei dem Regierungspräsidenten gestellt. Erst vor wenigen Wochen hat die Gesellschaft aus ihren Waggonbetrieben 1090 Arbeiter und 199 Angestellte entlassen.— Der Antrag auf Stillegung betrifft die Abteilunzzen KeFelbau, I Traktoren- .,h oben■■ machen und zur Stillegung zwingen. Die'Direktion von Linke-Hof mann, die sogar die Kühnheit besitzt, die Breslauer Metallarbeiter und Dieselmotorenbau. Natürlich Löh na", die das Werk an sind es wieder die konkurrenzunfähig löhne als besonders hoch hinzustellen, wird aber mit dieser wissent- lich unwahren Behauptung nicht viel Erfolg haben, denn die fchle- fischen Metallarbeiterlöhne haben einen geradezu sprichwörtlich schlechten Ruf. Karlellgericht und Goldfakturierung. Der von der Haupt- cmeinschaft des p eutf che n Einzelhandels mit bei dem Kartellgericht eingereichte Antrag, die Sperre gegen 11 Lieferanten zu genehmige», welche ihre Preise anders als in Reichsmark ohn« irgendwelchen Zusatz stellen, ist vom Gericht genehmigt worden. In der Begrünoung de» Kartellgerichts heißt es, daß diese Sperre nicht als unbillig angesehen werden kann, wenn durch das Vorgehen der Haupt- gemeinschaft die der deutschen Wirtschaft schäolichen Maßnahmen der betreffenden Firmen aufgehoben werden. 3 Prozent Dividende im Bergwerksmaschinenbau. Daß auch bei starker Drosselung der Produktion ein Unternehmen noch eine Dividende Herauswirtschastenkann, zeigt das Beispiel der führenden Gesellschaft im westdeutschen Bergwerksmaschinenbau, der Schüchtermann u. Kremer A.- G. in Dortmund. Bei diesem Unternehmen ist die Produktion gegen Ende des Geschäfts- jahres im Juni bis auf 49 Proz. gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres gesunken. Im Juli trat dann eine leichte Besserung bis auf Sö Proz. des Beschäftigungsgrades im Vorjahr ein. Trotz dieser gewalligen Produkt oneschrumpfung hat die Gesellschaft, die in den beiden vorhergehenden Jahren je K Proz. Dividende gezahlt hatte, für da» am 39. Juni abgeschlossen« Betriebsjahr 1935---1931«ins Dioidendenverteilung von 3 Proz. beschlofien. Dem Unternehmen ist es gelungen, durch schärfste Lagerräumung, die zu einem Abbau der Vorräte von 4,7 bis auf 1.9 Millionen führte, noch einen Rohgcwinn von fast 999 999 Mark und«ine» Rein- gewinn von rund 227 090 gegen 443 990. Mark im Vorjahr zu er- zielen. Die scharfe Lagerräumung hat die Bilanz stark verflüsfigt. 11 Proz. Dividende der Städtischen Werke Kassel. Der Auffichte- rat der Städtischen Werke A.-G.. Kassel, befaßte sich in seiner letzien Sitzung mit dem Abschluß für das Rechnungsjahr 1939— 1931 und beschloß, der Generalversammlung die Verteilung von wieder 11 Proz. Dividende vorzuschlagen. Deutsch-chilenischer Handelsvertrag vorläufig bis Zahresende. Der Handelsvertrag zwischen Deutschland und Chile, der gekündigt worden war, ist am 24. Oktober abgelaufen. Wie wir hierzu er- fahren, wird Sie Lauszeit des Handelsvertrag»« mit Chile vorläufig bis zum Ende d. g. verlängert, so daß bis dahin eine Aenderung der aus diesem Handelsvertrag bestehenden Zollsätze nicht eintreten würde. sse 3331 mein Kunde werden, weil Sie bei mir erstklassige Weine aller Art und Spirituosen zu allerbllllgsten Preisen erhalten. Echte deutsche Dessert-Obstweine, sQ8, Ltr. v. 0.72 an Echter reiner Tarragona„Special", süß, Liter 1.20 „ Malaga„Special", süss,„ 1.35 ,, feiner Griechenwein, sehr süß,„ 1,40 „ feinster Insel Samos.....„ 1.80 „ reiner Douro-Portwein....„ 2.80 „ Ital. Vino Vermouth, für d. IVIagen„ 1.15 ,, Pepsinwein, für Kranke..... Liter 1.25 „ süßer,reiner, weißer Bordeaux Vi Fl. 1.50 PrimaWeißweln„MarkeSUßkindSpeziaI",/i':l. O 55 Prima Pfälzer Weißwein...... 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Oktober Staatsoper unter£en Linden 20 Uhr Die ägyptische Helena StaitlidiaiBplellius üiadaninBiitL lOV: Uhr Wallensteins Tod Schiller-Theater Uurlottnbgn. 20 Uhr Die Heirat Tigl.Su Si 2U. LetzteSTage Bernard End Grace du Feye Ausiel u.Arthur 4 Bronetts ». veit. Atinkt. Paul Nikolaus konferiert. Lmsiiii-Theatei Dir. Dr. Roberl Kleir Weidentamm 0S4S, 2797 «Vs Uhr Der letzte Equipasew Homolka. Brausewatlar, Sand rock, Fallcanstein FunktionSrederVBMJ. Betriebe! Am Freitag, dem 30. Oktober 1931, 19,30 Uhr, in den ,,GermanBii>Prachtsälen'(, Chausseestr.110 Versammlung aller Funktionäre der VBMJ.-Betriebe Ordnung i Bericht von Ucw kslin vsrlrsnU luiegew mwU SteglMgigieahwie dazu. Funktionärausweis und Mitgliedsbuch legitimiertl Das Metaükartell. i.A.; Urich. TIsi. S u. 8iß— Sonntags 2, 5«. Bi5 ü- Nur noch 3 Tage: „GRÄFIN MARIZA" Vom 1�—15. November; Dia luftig. 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Aue der Zölle der Zuschriften, auf die wir noch eingehen werden, veröffentlichen wir den nachstehenden Brief eines jungen Landwirts, weil hier eine auch uns sehr wesentlich erscheinende Zroge au- geschnitten worden ist. Die beiden ersten Musterhäuser der geplanten Erwerbslosen- randsiodlungen, über die im„Ä 0 r w ä r i eV bereits mehrfach berichtet wurde, sind fertig, und man kann nach Stahnsdorf hinausfahren und sie sich ansehen. Vorläufig jedoch nur von außen, vom Gartenzaun aus, denn„das Betreten der Baustelle ist lin- befugten streng oerboten". Beide Grundstücke sind mit diesen V e r- b 0 t s t a f e l n gepanzert, und jeder an den Häusern interessierte Besucher— und es sind derer viele, die täglich hinausfahren— ist auf die Anwesenheit und das Wohlwollen des Mannes angewiesen, der das eine der Häuser als erster Siedler und Wächter mit seiner Familie bewohnt. Es wäre wirklich sehr schön, wenn so bald wie möglich allen und vor allem den Erwerbslosen selbst Gelegen- heit gegeben würde, die Häuser, die sie später bewohnen sollen, auch ron innen zu sehen! Nun zu den Häusern selbst: Sie sind vollkommen aus Holz erbaut, lind die Anordnung der Räume ist bei beiden fast die gleiche. Das tief herabgezogene Ziegeldach und die in einem dunklen Holzton gehaltenen Außenwände machen einen sehr sreundlichen Eindruck. Betritt man das Innere, so glaubt man sich fast in ein altdeutsches Bauernhaus oder in eine Skihütte oersetzt. Ein mächtiger Herd, dem man es wohl zutrauen kann, die Wohnräum« mit behaglicher Wärme zu erfüllen, steht ungefähr in der Mitte des Hauses. Di« Fenster sind extra klein gehalten, um nach außen eine möglichst geringe Abkühlungsfläche zu bieten. Auf den ersten Blick erscheint so dem unbefangenen und des Wohnens auf dem Lande unkundigen Städter alles sehr schön und gut, und der Mann, der in dem einen Häuschen wohnt, ist wirtlich ehrlich begeistert von seiner neuen Wohnung. Ob er es ober auf die Dauer bleiben wird? Warum ließ man in Stahnsdorf beide Häuser nur au» Holz ausführen? Warum wurde für das zweite nicht«ine andere moderne wärmefch ätzende und wärmespeichernde Bauweise gewählt? D!a Frage des Wärmcschutzes und der Wärmefpeicherunz * ist gerade bei diesen ungeschützt mitten in der freien Natu? stehen- den, allen Witterungseinflüsseii preisgegebenen Landhäuschen de- sondere in den Borbergrund zu stellen, zumal fast jeder Raum zwei Außenwände hat. We.'N in einem Holzhaas- der Ofen angesteckt wird, verbreitet sich fast augenblicklich eine behagliche Wärme. Aber ebenso schnell wie es warm wird, wird cs auch wieder kalt, sowie der Osen aus ist und feine Wörme abgegeben hat. Man hat des- wegen sehr groß bemessene, in der Mitte des Hauses gelegene Herde gewählt, die aus Ziegeln gefügt find und eine verhältnismäßig große Wäruwkapazität haben. ?tur hätte man bester einen Kachclhcrd einbauen sollen, der die Wärme auch noch lange Zeit hält. Gerade bei den hövscru der Erwerbslosen, die mit jedem Pfennig rechnen müssen, ist die Zrcge der Wärmeanhang von allergrößlcr Bedeutung. Man kann gewiß nicht mit gutem Gewissen behaupten, daß in Stahnsdorf diese Frage gut gelöst ist. Es ist eine Tatsache, daß nach Erlöschen des Ofens die Temperatur jedes 5)olzhauses schnell wieder sinkt. Diese Betrachtung soll zu dem Schluß führen, daß bclm Bau der Erwerbslosenhäuser nicht nur auf den W ä r m c s ch u tz des Hauses, sondern vor allem auch auf die Wärmeaufnahme- f ä h t g k e l t der Wände der größte Wert gelegt wird. Man kom- diniere einen gut wärmeausnehmcnden Baustoff als Ziinmerseite der Wand mit einer nach außen gelegenen Wärmeschutzschicht aus Holz mit irgendwelchem zwischen beiden liegenden Jsolations- Material. Man erreicht dann eine starke Ersparnis an Heizungs- kosten und braucht keinen so gewaltig großen Ofen. Die Häuser in Stahnsdorf heißen„M u st e r h ä u s e r". Man sollte sie lieber Probehäuser nennen und wirklich noch ein wenig probieren, ehe man sich zu einem„Muster" entschließt, nach dem gebaut werden soll. Die Erwerbslosensiedlung ist ein Unternehmen von großem Umfang und von so außerordentlicher Bedeutung, daß es der Zusammenfassung aller Kräfte und der ein- gehendstcn Prüfung aller Mittel bedarf, um den deutscheb Erwerbs- losen ein Zuhause zu schassen, in dem sie sich auch nach der ersten Begeisterung noch wohl fühlen. Die städtische Kleinsiedlung. .Heraus mit den Richtlinien und Gied'.ungsplänen. Amtlich wird mitgeteilt, daß der Reichskommtstar für vor- städtische Kleinsiedlung am 28. Oktober im Reichsarbcitsministerium Scharnhorststr. 35(Fernsprecher Norden L> 1 0011) seine Tätigkeit ausgenommen hat. Die Richtlinien für die städtisch« Klein- sicdlung und die Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose werden sofort nach Fertigstellung veröffentlicht. Die einzelnen Siedlungspläne sollen zur Beschleunigung des Aerfahrsns von den Gemeinden und Gemeindeverbänden oder von diesen beauftragten Siedlungsgesellschaften aufgestellt werden. Bei den lokalen Behörden soll auch die Auswahl der Siedler liegen. An diese Stellen hätten sich auch die Beteiligten zu wenden. Wir sind Ende Oktober. Es fällt schon Schnee. Es ist aller- höchste Zeit, daß den Gemeinden die Richtlinien an die Hand gegeben werden. Wenn nicht sehr schnell gehandelt wird, dürste es schwer fallen, im nächsten Jahre schon von den Gärten Erträge zu erzielen. Fortbildungskurse für Wirischastsprüfer. Der llmlliche Preußische Pressedienst teilt mit, Sag in der ersten Hälfte No- vtmbcr der erst« Kursus zur Ausblldung von Wirtschafts- Prüfern beginnen wird, der von der Handelehochschule Berlin in Verbindung mit dem Institut für das RcvifidNs- und Treuhandwcsen veranstaltet wird. Als Kursdauer sind 50 Stunden in Aussicht genommen, die on vier Wochentagen, und zwar von 1814 bis 20 Uhr in der Handelshochschule stattfinden werden. Die Teilnehmergebühr betrögt 75 Mark. Teilnehmerkarten können bis spätestens zum 30. Oktober beim Institut für das Reoisions- und Trsuhandwsscn, Berlin W8, Taubenstr. 34, bezogen werden. heule feiert die Goldene Hochzeit das Ehepaar Munneckc, Ka- meruncr Straße 50. Wir übermitteln dem Jubelpaar, das seit jeher treu den„Vorwärts" liest, unsere besten Glückwünsche. Ein Konzert in der Strasanstalt plötzcnsec. Am Sonntag ver- anstaltet der Ba»dznion-Musitv«rein„Andante" unter Leitung seines Dirigenten Walter Fischer ein Konzert für die Gefangenen der Strafanstalt Plötzcnsec. Siwtiivilnjen für dlese ZZubrl! swd « r r l> n SV es, Ctatcnttrufj« J. parieinachrichien für Groß-Berlin stets aii de» �ezlrfittCrctotiiit 2. Hof, 2 treppen rechts, z» richten Beginn aller Bernnstaltnngcn IttMi Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heule, Donnerstag, 29. Oktober: »..trete. Jtnetne Schröder pünktlich 19% Uhr in Heim Titstter Str. 4—5. (fioitnfie Schröder he>i«!,h-lt die SatipnBlifKiarn. 11. Sitcii. 16 Ubt bei Will. 3Rarlm.Siitt)cc.i3tt. tiO, Zufamnicntunfl der er- metbrlofett Partrigeiwsseii. Portrag de» Senoffrn Dr. Norbert Marr. hn Uhr Kursus des»Senonen Nopdtali im Reuen Rathaus, Zimmer 114. 15. Äteiä Treptow. Arbeitrröildungsschule. Der Kursus Auua Hario-h:„Die geistige" Rachtmittel de- Btirgertums- muh heute ausfallen. Rüchster Kur. iu-ofanb Donnerstag, 8. November. 20. MteU. Zufammrnfuuft aller eriorrbeloscn Genossinurn uod Senosien um 19 Uhr iu, Jugendheim der Reuen Schule in Wittenau. Hauvtsteahe. Robert Dreuer Ipticht. Zweiter Rachmittag fiir die Srwerbelose» in Reinickendorf. Oft, Baracke, Lindauer Strafte, 15 Uhe. CinsLheuug.«»spräche: Paul «eenstein. Zsiorgen, Areilag. 30. Okiober: 1. StciB. Areitaq spricht Ven-sil Engelbert Sraf. M.d. R., über englische «Ufteupolltit im»es-ngslaol der Eophienschnle, Deinmeifterstr. IN— 17. Dilultliche» StBmwcm um'«> Uhr crmünlcht. Erwerbsloienzusomwentunlt ■ um 11 Uhr im Heim Waiscnftr. 18.«io-iuuktnrbuicht. föenafie P-u! Sfecfifteio. 5.«61. ÄanElionätfiftimg bei Lukaschewski,. Georgenkirchstr. S8, 20 Uhr. 11. Abt. gemeinsamer Z-hlabend bci Niedrrstraft, Gmbcnct ticke Waldenser. 47. A�20 Ubr ffiinktionSrsihung bei W. Siofter. Ädwnitfce SU. 20a. 60.«tt. 1!) Uhr Äorsiantsftftu»». 20',ä Uhr t-tftunz(dra'.lichct Äbteilungs. fiinfti/mBr* km JäofflX'©iirftd). Arbeitsgemeinschaft der Aindcrfreunde Grost-Veriin. Areuzbrrz. Zusammeulunst der„Felo" morgen, Freitag, 10 Uhr, im Heim Dorckstr. 11. Treptow:«treishrlferjitzung Sonnabend,!!t. Oktober, pünktlich 19 Uhr, in der„Borwarts-.Svrdttfon, Treptow, eöroeftstr. 50. Hohenschönhausen: Heul« sind wie von 1? bis 10 Uhr im Jugendheim Zreionwalber t-tr. 6. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation tchlieftend erweiterte Vorsionki-nftuna ebendorl. 08.«vi. Zunttwniienhung bei Ronck, duliu-ste. 2ö....... 1«2.«bt. Uli. Uhr Lokal von(Schord, Banin.chuienstr. 6, R«ch«i»#gsMiitre. hatinnaostunde für die ermerbs lesen Bartelqenoste-. 117. Abt. Aunltioniirsttzung hei Älose. Alle.Zunilonara mut.en eescheinen. Sebr wichtig. 124. AM. 19 Uhr Funktion orsidung bei Anders. 12t«. Abt.«dh-l-n der FlugblSttrr. Araueaveraustalkung. in Lichten- 47.«dt. Sratta».«. Oltobor,««sichtiaun, d«»onsun'goiinlicknlchast in 8 d-rg um 10 Uhr. Treffpunkt 0 lEhr an der Hochbahn kbottbuis-a T«. Vezirksausschufj für Arbciterwohlfahrt. 1.«reis MMe. Freitag. 80. Oktober. IS-H Uhr. Dlumeuftr. 68. Ausgang 8, > z: unrfUsabend. Thuns:„Schönen und Te-chworene". Referent: Ce- Hoffe �teoemönn. Igl. Abt.«einuk«ahar(.a*[t. Die für-.onaerslaa, s. CUobtr, tM.Laltt- tjchBtTOTdietnraSe, or.aejiinbiate Arbeitervohl-ahri-öZunz betrifft nicht 0«B 20. Stets, sondern nur dm 13Z.«btrUang. 111.«dt. Unsere Genossin Böhm ist verstorben. Ehre ihrem. Andenken. Beerdigung heule, Donlirrstan. 2». Oktober, l.ä«t Uhr, von der Halle des Jen. tralfriedhofs Friearichsfelda aus. Sir bitten um rege Beteiligung. 128. Abt. Am Sonntag, dem 28. Oktdber, verstarb plZHIich und unerwartet unser Barlrigenossc Crnst Lankow. Ehre seinem Andenken. Einklscherung Frei- log, 80. Ottober, 17 Uhr, Ärrmatorium Gerichtstraftr. Rege Beteiligung er- wartet der Borstand. Vorträge, Vereine und Versammlungen ÜÜkJk Reichsbanner„Schivarz-Roi-Goik»-. Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebastiansir 87-83 Hol 2. Sc 4i!e/fjV\? Donnerstag. 29. Ottober. Lharlotteaburg.»omeradschast Witten» berg. 20 Übt tlamotadschastsversammlnug im Restaurant Skreds, Auasnurget Str. 23. Ächtung, neues Letal! Jungbanner. Achtung I Durch stalten Zuwachs neues, gröhe'res Jugendheim tu der Schule Ve.s>aloj,istr. 10: jeden Donnerstag um 28 Uhr. Erstmalig 29. Oktober Einweihung. Rrferrnt: .Namerao Prinz zu Löwenstein:„Jugend und Staat-. Sungba vollzählig er- scheinen. Ten:pelhas sOrtsveresnl 20 Uhr dei Bringet, Dorsllrafte, wichtige Ortsvereinsversnmmluug.— Freitag,:>0. Lltober. Pranzlaner Berg. Kamerad. schalt Senefelder Plag. 20 Uhr Mitgliodervrrsammlung der atuven Aame- laden Bei Heiles. Pckutow kOrtsvereinl. Gra»te.esahrer, Fahrgeld entricklteu. Äbsahit Sonnabend, 01. Oktober, td Uhr, Marttpi'oft Panlow. Rachzllaier iobren per Bahn.— Wedding(Ortsnerein). Donnerstag, 20. Oltoder, II», 8 Uhr. Rügliedrrversommlung in der chochschulbrauerri,«nnumrr Str. 31. Lichtbilder, Vortrag:„Reichsbanner marschdereit".„Spiel, Sport und Technik im AB." Referent: Kamerad Wrgnrr tLuöikontroUr). Schufoabtrilung in Bundes- tieidung um 18!- Uhr. � Wilmersdorf kOnsoeretn). Donnerstag, 29. Ottvder, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Aulka, Lauendurger Str. 21.— Pantow «Ortsvereinl. Donnooslaq, 29. Oktohee, 20 Uhr, alle Theoierspioler uod 6ta> listen bei Reiunonn, Riendolftr. 17 kgidilZ.— Tiergarten fIunada). Freitag, 2v. Ottoder, 20: Uhr. Heimabend bei Beisel, Bremer Strafte. Reserrni: Äame- rad Dr..gloft.— Licknenderq(Ortsuereinh. Freilag, 30. Oktober, 20 Uhr, haben Mitglieberversammlung in den betanntrn Lokalen die Äameradschasten GUstao Tempel, Rnmmolsdurg und Borhogen. Mohlsdors bei Ander«. Bortrog des Polizeihauptmann« Labuske. Erscheinen Pflicht.— Ru&rrrieqe. Freitag, 30. Ol. tobet, 21 Uhr. erstes stastenrudern bei Pirsch. Michoc.'kirchbritcke, Bogen 44. Je- giNn neuer Anfängorkurse. Ausnahme dortselbst. Deutscher Friedens buud. Donnerstag, 29. Oktober, 20 Uhr, im Restaurant „Zum Pazenhcser". Potsdamer Str. vAi. Herr Dr. Otto Epstein spricht llder tos Thema:„Döltkrug und WeUuot". Gäste willkommen. Esperauta-Sefellschakt Lhaeloltenbura. Montag, 2. November. 20 Uhr, Konditor»i aäoltcr, Cyarlottenburg, Biomarckstr. 114(ftnic), Rlubzimmer, Uebungs. und.chonveisstionsabend. h ««in Sozialistischer»azto. Siftunz Dienstag, S. Ravomder, llüfti Uhr, i» gahvärztcheats, Bukorvstr. 104. l 1 W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-V erlin Einsendungen fllr diese R Udrik Nur an das Iug,ndstketar!ai Berlin SW 63. Lind-nfteofte 3 Marten s仄Komps um»lisch" am kommenden Sonntag sind verglisfent Streichoechestee«rdft-Berli», Lichtenberg. Heute UebeN 19 Uhr bei« Genossen Heinz Lelms, Friedtichstr. öv, v. II. Heute, Donnerstag. 19� llhrz Sportpalast: Genthiner Str. 17. zimmer!>. Arbeitskreis: Was leisten die Gewerischaflen!«- Norden! vortzing. Ecke Graunstraße. Selmabend... Arn-. wolder Plag N: Rastrnburgrr Str. 16. Tagespolitik.— Falkplaß l: Sonnen- bürget Str. 20. Bom Kapitalismus zum Sozialismus, 2. Teil. Faltplaö Ii; FuuktionSrstftung beim Genossen Knodel.--- Sumanuplo»: Gleimstr. Sb�Sö. Arbeitsgemeinschaft, 2. Abend.— Nordosten ll: Danziger Str. 62. Bunter Abend.— Schöuhausee Dorstadt: Sounenburgei Str. 20. Dos Sozialistengeseft. 77»allesches Toe: Rorckstr. 11. Arbeiiogomeinschast.— Kasettheide: Urban. strafte 187. Arbeitsgenteinlchaft.— Südwest: Lindenstr. 4. Alt-Berliner Humor. — ltchineberq III! Hauptstr. lä. Tagespolitilcher Abend.— Westend: Sportplag Westend,(krlednisse im ScfSNgnis.— Gchöneweide I: Berliner Str. Sl. Tages. Politik. Werbrbezirk Tiergarten: 19',. Uhr wichtige Clngeprobe bei Schmidt, ZLiclcf. strafte 17. Werdebezlrk Weddino: Die siir heute angeseftte Borstandsstftuna fällt aus n»d findet am.kommenden Sonnabend um 1s Uhr im Ledigenheim(Sprech. stunde) statt. Alle Gruppen müsse» vertreten sein. A erb« bezirk Reulöllni Erwerbskasenzusammenkuntt 11�-14 Uhr im Heim Bergsir. 29. 20 Uhr Mädrltursus im Helm giethtnstr. D8. Genaksln Dt. Alexandre spricht. Spart. Abschied vom Grunewald am ZNiltwoch, 29. Oktober. Zgalnuß-Rennrn: 1. Bemlsta(Hill-rst 2. Rams-S: Z. Castor. Tow: 17:10. Platz: 11, 16, 12:10. Ferner liefen: Wassernymphe, Lysand-r, Post-- meistor, Schelm, Melusine. Wtlchsel-Rennen: 1. Feu-kzaul'-r(Prlnltn); z. Widerhall: 8. Tan Nl» titrdo. Tot«: 36:10. Drei liefen. (tiöblumen-Rennen: 1. Finmerfort sFchmlscb): 2. Pati: 3. Theseus. -t-oto: 54:10. Platz: 17, 14, 14:10. Ferner liefen: Bravo, Groll. Nero, Aarro. Herbstlaud-Peeis: 1. Alemannia iPrlntcn): 2. Roslfera: 8. Aroma. Toto: 37:10. Platz: 15, 20, 22:10. Ferner llcsen: Jmmerinein, Gala, Cobra, Kameradschaft. Wlutrr«Srch-n-Renn«n: 1. Manitoba(Starofw): 2. Sugwobl: 3. Anna. Dolo: 135:10. Platz: 21. 15. 26:10. ifctnoi Hefen: Fidelia. Marlmeisker. D-rwlfch, Rotkäppchen, Minneland, Amön. Wintcr-Preit: 1. Amalfi(Gradsch); 2. Kavallerist; 3. Rosmarin. Toto: 31:10. Platz: 23, 17:10. Ferner liefen: HerodiaZ, Makrele, Orion. Vololi-Rennen: 1. Rsranaen angelangt, lag linker Hand das Städtchen unter uns, die ersten Strahlen der Morgensonne vergoldeten das Kupfer- dach der Kirche und im Norden, weit, weit, wie ein Traum, hob sich die blaue Kette der Berge ans den Morgennebeln. Fritz ging voran und zerrte mich hinter sich her. Er konnte nicht wissen, was ich erlebte, denn für ihn war die Welt außerhalb der Fabrik nichts Unbekanntes mehr. Lächeln muß ich, wenn ich daran denke, daß nach etwa zwanzig Minuten Gehens meine Füße furchtbar zu schmerzen begawne», natürlich, well ich zum ersten Male Schuhe trug. Ich verschaffte mir Erleichterung und so kam es, daß ich an meinem ersten Schultage barfuß durch das Tor der«chule trat, die neuen Schuhe vorsichtig in der rechten Hand tragend.-- Mein Vater? Mein Vater hatte zwei Gesichter, ein gutes, mildes, und ein leidvolles, verzerrtes. Das eine oder andere leuchtet noch Heule ntanchmell, in meinen Träumen auf. In den frühesten Jahren, um die Zeit jenes bemerkenswerten ersten Schultagcs, war fein Gesicht noch freundlich, wenn auch ernst und verschlossen. Denn damals hoffte er noch auf bessere Tage. Denkt euch, ihr Jungen, er stieg aus dem Bett, ehe der erste 5)ahn gekräht hatte, und kam spät abends von der Arbeit heim. Niemals arbeitete er weniger als vierzehn Stunden am Tage, oft mehr, und der Lohn war so kärglich, daß wir ohne den Verdienst meiner Mutter verhungert wären, dabei war er Eisendrehrr und hatte etwas gelernt. Von Dämmerung zu Dämmerung sah ich das Antlitz meines Vaters ernst über mir leuchten, denn den hellen Teil des Tages verbrachte er hinter den Mauern des Maschinenhauses, unsichtbar für meine uird meiner Geschwister Augen. Heldenhaft kämpfte er ein Jahr um da-, andere und seine Wangen fielen ein und seine Augen trübten sich. Sein zweitgs Gesicht aber, das lcidooll verzerrte Gesicht des hemmungslosen Trunkenboldes, trat erst nach dem Tode meiner Mutter zutage. Mein Vater und die anderen waren durch die er- drückende Last der Sorge ums tägliche Brot und durch die Aus- Nutzung bei der Arbeit in einen gefährlichen Zustand der Gleich- gültigkeit geraten. Sie glichen Männern in einem finsteren, ge- schlossenen Raum, dessen Luft allmählich so verbraucht und dumpf geworden ist. daß sie dem Erstickungstod nahe waren. Aber keiner von ihnen fand die Kraft, ein Fenster aufzustoßen. Die Verhältnisse in jenem Winter waren unerträglich. Lohnabzüge und Teuerung. Die Geduld der Arbeiter war erschöpft. Sie wurden aufgerüttelt. Es kamen Nächte, die ich schlaflos in meinem Bette verbrachte, das Ohr an die Wand gedrückt. Denn im Nebenraum wurden laute, drohende Reden geführt und in den Pausen zwischen den Reden dröhnten die Fäuste auf den Tisch nieder. Dieses Nebenzimmer be- wohnte efn Freund meines Vaters und hier hielten sie ihre Versammlungen ab. Ich verstand die einzelnen Worte nicht, die sie sprachen, aber daß es um große Dinge ging, fühlte ich. Ich weiß, daß meine Mutter diese Nächte auch schlaflos verbracht«. Das mochte zum Tell auch in ihrer Krankheit liegen, die schnelle Fortschritte machte. Oft seufzte sie auf, wälzte sich im Bett von einer Seite aus die andere, sie muhte auf geheimnisvolle Weise fühlen, daß ich wach lag, denn es geschah, daß sie mich im finstcrn fragte: „Peterchen, schläfst du?" „Ja, liebe Mutter, ich schlafe", antwortete ich dann, um sie nicht zu erschrecken. Aber wir schliefen nicht in diesen Nächten. Im Nebenzimmer saß mein Vater mit den anderen. Ihre Stimmen rollten dumpf dröhnend durch die Wand und ihre Fäuste knallten auf die Tischplatte nieder. -- Eines Tages kam mein Vater früher als sonst und auf- geregt von der Arbeit heim. Neuerliche Lohnabzüge hatten bewirkt, daß die Arbeiter auf gemeinsamen Befehl alles stehen und liegen ließe» und die Fabrik verließen. Streik. Mehr noch. Denn die un- gebärdigen Köpfe wiegelten die Besonnenen auf. Und einen Tag später stürmte die Arbeiterschaft das Verwaltungshaus. Dieser Tag ist unauslöschbar in meiner Erinnerung eingegraben. Denn während mein Vater draußen vor dem Vcrwaltungshaus um Gcrcchtigk.it und menschenwürdigen Verdienst für seine Familie kämpfte, fiel meine Mutter daheim in ihrer Stube vorn über auf den Waschtrog. Ihre dünnen, weißen Arme baumelten rechts und links herab. Sie war tot. Meine drei kleinen Geschwister und ich schwiegen eine Weile, starr vor Entsetzen, und dann schrien wir auf, laut und furcht- bar, so daß die Nachbarsfrausn von allen Seiten herbeiliefen. An diesen» Abend kehrte mein Vater wie gesagt früher als gewöhnlich und zerfetzt und blutig heim. Dieser Tag erledigte meinen Vater. Sein zweites Gesicht be- herrschte ihn von jetzt an, er raufte und trank- und kümmerte sich nicht im geringsten um uns Kinder. Wir wurden verteilt an fremde Leute. Dann wuchs ich auf. Dann lernte ich die Arbeit kennen. Und dann kämpfte ich um mein Leben. Wenn die Dämmerung steigt Und die Sonne sich neigt, Dann kehren wir heim... Die Erinnerung an meine Kindheit hat dieser Vers ausgelöst. Heute Nacht, als ich am Bett meiner Frau saß, die nicht schlafen kann, weil sie das Fieber quält, sprachen wir von unseren Kindern. Von unserem Juugen, der in einem Sägewerk Arbeit hat, er ist ge- schickt und anstellig, von der Tochter, die demnächst einen Mechaniker heiratet. Wir werden allein sein. „Peter", sagte sie zu mir, denn sie sah. daß ich in tiefer Sorge vor ihr saß,„erinnere dich an das Schicksal unserer Eltern." So tröstete sie sich. Ich dachte mir: Wenn sie nur gciund wird, dann wollen wir weiter Lzand in Hand gehen wie bisher. Erzählte ich schon, daß der Mann am Schalter mich immer grüßt, wenn ich durch die Sperre gehe? Heute sprach ich den Arzt. Ich ging durch die lange Bauwallee, und richtig, begrüßte mich mein leuchtender Stern, als ich um die Ecke bog. »Ihre Frau wird gesund werden, die Gefahr ist vorbei." Und ich sah die vielen kleinen Einfamilienhäuser der Arbeiter mit chren winzigen Gärtchen und dachte daran, daß ein Menschenleben gerade hingereicht hatte, ein menschenwürdiges Leben zu erkämpfen. Es ist Sommer und die Bäume der Allee biegen sich im Winde hin und her, rauschen, und ihre Schatten tanzen über den Weg und über meine Stiefel. Vor und hinter mir gehen die Aeltercn, müde von der Arbeit wie ich, mit ernsten, gleichmäßigen Schritten. Und ein junger Kerl, der mir entgegenkommt, pfeift ein verwegenes, kleines Lied vor sich hin und hat die Mütze tief ins Genick geschoben. Ich kenne diese Melodie? Jetzt grüße ich den Gemüsehändler an der Ecke, er dankt mir freundlich. Wir schütteln uns die Hände, wie es unter alten Be- kannten üblich ist. Er sagt: „Wie geht es Ihrer Frau?" „Gut", sage ich...Gut!" sage ich, nein, ich schreie es.„Gut!" und ich wende mich eilig ab, denn dicke Tränen kollern nnr über die Wangen. Und das darf ein ernster, älterer Mann wie ick) doch nicht tun. weinen? Eine grüne Gartcntürc ist vor mir. Ich fasse die Klinke und öffne. Den Strauß gelber Blümchen, den ich am Steitiner Bahnhof gekauft habe, nehme ich behutsam in die rechte Hand. Ich komme mir vor. wie ein Bräutigam. Ein Fenster steht offen. Ich rufe laut: „Willkommen, Mutter!" Dann höre ich eine liebe, alte Stimm«, die mir antwortet. Die St'imme meiner Frau. Ich trete ein. Qermand: Swegier HUonolog Jim Dollardeen legte die Hände gottergeben vor sich hin auf den mit Photos, gebündelten Zeitungskritiken und Rellomeichlag- zeilcn überladenen Schreibtisch. Es waren wulstige, fettgcpolstertc. ungepflegte Hände. Dann mochten diese Hände eure schnelle Schwimmbemegung über die Tischplatte, so daß Photos, Briefe. Plakate rn wirrem Durcheinander auf den weichen Tcppich fielen. Jim Dollardeen hob die müden, schloffen, trägen Augendcckel und warf einen blitzschnellen Blick auf das vor ihm stehende Mädchen. Dieser Blick wurde von Jim Dollardeens Augennerven in das Gehirn projiziert. Das entschied: Nicht von der Hand zu weifen! Worauf die recht« Hand eine Bewegung machte, die man einladend nennen könnte. Nun setzte sich das Mädchen in einen der Gobelinsessel, setzte sich so, daß seine überaus wohlgejormten Beine zur Geltung kamen. Das Mädchen hatte Angst! Angst vor diesem als„Semiramis- kaifsr" bekannten Fleischberg. Sie war einen langen Weg durch viele Instanzen gewandert, bis sie sich dem dumpfen Flackern dieser tränigen, trägen Augen aussetzen durfte, einen langen Weg. vorbei an nüßmutigen Ballettmeistern, die sie an Regisseure weitergereicht hatten, vorbei an Hüftmesserinnen, die ihre Hüttweit«, Fesseln und Brustmuskeln prüften und dies« Masse diktaphonisch in ein Sekretariat durchsprachen. Das Mädchen war aus einer Schar schöner, junger Mädchen ausgesiebt worden. Es hotte alle Prüfungen be- standen. Jetzt stand sie hier vor Jim Dollardeen, dem Hern, des Semi- ramispalastes, unzähliger Schaubühnen, Tonfilm- und Revue- theater, vor dem Manne, aus dessen Mund ein einziges Wort ge- nügte, um ihre aufgespeicherten Hoffnungen zu vernichten oder sie zu einem glücklichen Menschen zu machen. Jim Dollardeen war kein Freund langer Worte. Jeder wußte es. Dieser speckige Fleischklumpen, dessen unförmig« Massen über den Schrcibtischsefsel quollen, war einer der größten Geldstampfer der Erde. Er nahm an und lehnte ab. Er zahlte oder zahlte nicbt. Man nannte ihn in eingeweihten Kreisen„Ibe cievil c>k suaesss" den Teufel des Erfolges. Von heute auf morgen schuf er Namen, Karrieren und ungeheuerliche Erso'ge, von einer Nacht zur anderen vernichtete er. was nicht stinen Erwartungen entsprach. Jetzt ließ er seine Blicke gleich Fangarmen das Mädchen ab- tasten und umkreisen. Das Mädchen hieß Eftelle. Der Name lag neben ihrer?lkt- � nnd Porträtphotographie und den Äammentare» all derer, deren\ Prüfungsstationen sie posieren mußte, vor Jim Dollaideen. Beide schwiegen. Beide dachten das ihre. i Das Mädchen: Wenn ich setzt etwas tage, verderbe ich vielleicht alles! Warum stieren die widerlichen Triefaugen mich so an...? Soll ich den Rock noch höher ziehen? Stimmt da etwas nicht am Ausschnitt des Kleides. Gefällt ihm das vorwitzige, schwarzseiden« Achsclband auf meiner weißen Schulter nicht? Warum spricht der quallige Mund nicht ein Wort, das mich erlöst? Was wird, wenn er mich abweist? Die kranke Mutter! Die kleine, hungrige Schwester! Und ich! Ja. ich! Blcibt denn nichts anderes mehr.. (Sie dachte diesen Gedanken nicht zu Ende.) Ihr Mund lächelte während dieser Gedanken verführerisch. Die blonde Locke siel vorschriftsmäßig in die Stirn. Und die Augen strahlten«in atropinleuchtendcs Funkeln. Der Mann dachte: Bielleicht ist die es gerade, die ich suche! Vielleicht ist die morgen der Star! Vielleicht wird diese Rächt hin- durch ihr Name und ihr Lächelgesicht von den Fassaden der Brvad- ways glühen. Vielleicht werden morgen Lautsprecher und Mega- phone ihren Namen fliistcrn und pasmmen. Vielleicht.... Mal sehen.... Jim Dollardem nahm mit einer unnachahmlich trägen Gebärde die zcrknautschte Zigarre aus dem Mundwinkel und sagte:„Ich kann Sic nicht gebrauchen!" Seine?ltigen waren jetzt seltsam fest und gläsern auf das Mädchen Cstelle gerichtet. Sie sahen, wie das vor dein Spiegel einstudierte Lächeln aus dem süßen Gesicht wich, sahen, wie ein hilfloser'Mund die Worte„Aber das ist doch nicht möglich!" zu formen versuchte. Sie sahen, wie eine seine, schmale Hand über die Stirn fuhr, wie um einen Alpdruck zu verscheuchen, tatsächlich aber die SUrnlocke sortfegte, so daß der erbitlerte Ausdruck in den Augen unter der hohen, reinen Stirn sichtbar wurde. Jim Dollar- dcens Augen sahen viel mehr: eine Wut erschütterte den schlanken Körper des Mädchens und verzerrt« das Gesicht. Alles wochenlang für diese Begegnung mit dem Semiramiskaiscr Angelernte, olle Posen, alle Lächcleien waren abgefallen. Die Augen ümkelten Haß. Unter dem schwarzseidcnen Achseldand lugte ein schmaleres, teerosengelbes hervor! Der Rock war verrutscht und über die Knie geglitten.... Denn das Mädchen Estelle wußte: Alles war vergeblich ge- wesen, alles.... Vergeblich hatte sie sich von allen möglichen Handlangern der Amüsiennaschinerie begutachten und weitcrfchleisen lassen, r«racbl!c') bntt? sie ihre pariümierte, gc'cilbte Haut zu Mark e getragen. Rur, um von dieser büsartigcn, widerwärtigen, schleimi- gen Oualle, von diesem unförmigen Koloß aus Menschensteisch und Fett, von diesem dreckigen Geldmacher Jim Dollardeen zynisch zu-> rückgewiesen z» werden in das Elend zwischen den Mauern hoher Stcinschluchten. Ein Haß packte st«. Eine ohmnächtige Will. Aus diese kiesigen Augen, auf die wulstigen Hände, auf die knautschenden Lippen. Ein jähes Verlangen, dem Mann da die feste, kleine Faust an den Schädrl zu hauen.... „Was wollen Sie denn noch hier?" kam es nun- vom Schreibtisch her.„Ich benkc doch, wir sind fertig!" Das hätte Jim Dollardeen nicht sagen dürfen, denn nun ivar es um des Estellemädchens Beherrschung geschehen! Mn veuenden Lippen trat sie vor ihn hin. Schrie ihre Rot und ihre Aerzwciflung aus sich heraus. Dann sagte sie, als ihre Erregung an der stoischen Apathie des Semiramiskaisers zer- splitterte:„Jetzt wissen Sie wenigstens. Mister Dollardeen, daß es nicht nur Figuranttnnen uno andere Puppen gibt, die man nicht gebrauchen oder in klingende Münze umsetzen kann!" Jim Dollardeen hatte sich erhoben. Sein schwerer Körper schob sich asthmatisch keuchend vorwärts, ganz dicht an das Mädchen „Sehr gut", sprach der Mund,„ausgezeichnet, nieinc Verehrte! Wären Sie wohl fähig, den genauen Wortlaut Ihres herrlichen. erregten Monaloges einer Sekretärin zu diktieren? Sie mcroen nämlich diese Szene an vierhundertsiebenundzwanzig Abenden aui der Bühne des Semiramis im Rahmen einer Rieienichau spielen. Hals und Beinbruch, liebes Kind! Toi! Toi! Toi!" eru* xrug,'Die Sterne keimen Die modernen Wisienschastler sind doch die reinsten Tausend- künstler! Bellachini haben sie jedenfalls schon hundertmal in den Schatten gestellt. Es gibt keine noch so schwierig« Zlusgabe, an die sie sich nicht heranwagen, und die sie nicht durch unermüdliche und zähe Arbeit lösen oder wenigstens der Lösung nahebringen. Die dunklen Tiefen der Meere werden mit Hilfe kunstvoller Apparate mit ebensolcher Selbstverständlichkeit durchforscht wie der irdische Luft- kreis bis zur Stratosphäre und noch höher hinauf. Selbst die Geheimnisse. der Sternenweli, der unvorstellbar fernen Welten, bleiben dem Forscher nicht mehr verborgen. Es gibt zahlreiche kniisiiche Methoden und äußerst komplizierte Apparate, um auch die Natur und Beschaffenheit von Himmelskörpern, die von Menschen niemals erreicht werden können, zu erforschen. Bei den erstaunlichen Ergeb- nissen, die bereits durch die unermüdlichen Arbeiten der Wiiseiiich>sii- ler erzielt wurden, sind wir ja schon einigermaßen an Ueberraschun- gen gewöhnt, und deshalb überrascht es uns auch nicht allzu sehr, wenn wir die kühne Behauptung hören: Die Stern« heize»! Freilich sei gleich vorweg bemerkt, daß trotz der Heizkrast der Sterne leider keine Veranlassung zu der Annahme besteht, daß da durch etwa die Kohlenpreije sinken könnten. Die Wärmestrahlung. die die Erde von den fernen Sonnen erhält, ist ganz außerordentlich gering. Die Messungen dieser verschwindend kleine» Wärncemenge» werden besonders in Amerika mit Hilfe der gewaltigen, auf hohen Bergen befindlichen Spiegelfernrohre angestellt. Das Meßinstrumen- selbst, mit dem die Wärmestrahlung der Fixsterne sestgestellt wird, ist das sogenannte Thermoelement. Das ist durchaus keine neue Erfindung. Aber neuerdings ist es so außerordentlich vervallkonnn nct worden, daß es heute ein regelrechtes Wunderwerk an Klcinhcil und Feinheit ist. Das Thermoelement ist so konstruiert, daß ein elektrischer Strom entsteht, wenn Drähte von verschiedener Bc- schaffenheit, z. B. Kupfer und Eisen, zu einem Stromkreise zu- sammengclötet sind und die eine der Lötstellen erwärmt wird. Die neuesten dieser Elemente, die am Fernrohr, benutzt werden, weisen keine Lötstellen mehr auf und sind so hergestellt, daß«ine außer- ordentlich dünne Nickelschichr zum Teil Mit einer ebenso dünnen Kupfer- und zum anderen Teil mit einer Chromschicht bedeckt ist. Durch Erhitzung verschmelzen die Schichten ineinander. Da es sich herausgestellt hat, daß die Empfindlichkeit der Elemente mit ihrer Kleinheit wächst, io wiegen die wirksamen Teile, wie Drähte.'Aus- fangplättchen usw., nur noch den tausendsten Teil eines Wasser- tropfens: dos ist etwa V» bis Hz» Milligramm. Die emzelncn Metall streifen sind bei den neuen amerikanischen Thermoelementen ein Zehntausendstel Millimeter stark. Auf diese Weise sind verschiedene interessante Berechnungen und Vergleiche möglich geworden. Die von einem Stern 13. Größe aui ganz Deutschland, das einen Flächeninhalt von rund•470 000 Quadratkilometer hat, ausgestrahlte Wärmemenge ist der Wärmeenergie gleich, die die Sonnenstrahlen ans die Obersläche eines Zylinderhutes ausüben. Die Wärmemenge, die wir von der Riesensonne Arktnr, einem Stern erster Größe im Stcrneubilde des Bärenhüters, zugc- strahlt bekommen, g-tt als die größte„Hitze", die wir überhaupt von den Fixsternen erhalten. Sie beträgt ungefähr 11,4 Milliardstel derjenigen„Wärme", die eine Kerze auf eine Entfernung von einem Meter hin zu erzeugen vermag. Lei dem schönen, hellen, bläulich weiß sunkelnden Stern Wega in der- Leier ist es sogar nur 3,1 Mil- liardstel der erwähnten Kerzenwärm«. Zusammenfassend kann mau also sagen, daß ein Streichholz, das in der Mitte des Berliner Rat- Hauses angezündet wird, die äußersten Ecken und Winkel dieses ansehnlichen Gebäudes immerhin noch mehr erwärmt, als von ollen Fixsternen zusammen die Erde geheizt wird. Bei nahen Welt- törpern, wie z. B. Mond und Mars, kann man sogar mit Hilfe des winzigen Therinoclcmentes, das in eine luftleere Glasröhre cingebaur ist, die Temperatur einzelner Gebiete auf der Oberfläche feststellen. Beim Mond sind die Temperaturen einzelner Gegenden ziemlich genau bekannt. Auch vom Planeten Mars sind schon Zeichnungen angefertigt worden, die außer de» verschiedenen Marslandschasten zugleich Angaben über die festgestellten Temperaturen der einzelnen Gebiete enthalte». Es ist eigenttich kein Scherz mehr, wenn man sich heute vorstellt, daß«in Astrophysiker, der sein gewaltiges Fernrohr auf den Platteten Mars gerichtet hat, sich nach forgiältiger Unter suchung mit dem Thsrmoclcmcnt mit dem ernstesten Gesichte von dcr Welt zu seinem Assistenten wendet und sagt:„Tatsächlich Herr Kollege, die Marsbemohner haben in diesem Jahre einen seh» strengen Winter!"_ 3n Aegypten gibt es noch heute Brunnen van genau der gleichen Form, wie sie vor 3000 Jahren in Gebrauch waren. Mau sab solche Brunnen schon auf Ausstellungen au? dem ägptischen und assyrischen Altertum. Dies« Brunnen sind ein Pumpemipparat. der nur aus einer Wippstange besteht, an deren einem Ende ein Ton- geiäß mifgehängt. ist. Durch Wippen der Stange senkte sich das, Geiäß in den Nil, und das Wasser kann aeschöpit werden. Diese; Wasser wird auch zum Berieseln, der Felder benutzt. Oelgewinvvng au» dem Meeresgrund? Dv» Tatsache, daß da. Quellbett der meisten Oclfeldcr ursprüirglich schlämm ig war,„er- anloßte Dr. Parker vom Amerikamschen Petroieumwstitut, Unter suchnngen von Schlamm nnd Sand aus dem Meeresboden an der kalifornischen Küste vorzunehmen. Bei der Destillation von Meeres schlämm gewaiiil«r kleine Oelmenzen. allerdings nur fünf bis zehn Prozent der Menge, wie sie den gewöhnlichen Oelfeldern ontnvinme» wird. Er will seine Untersuchungen fortsetzen. Wenn der Regen in großen Tropfen Ml. sind die Wolken sehr weit von der Erde ciirternt. und der Schauer zieht raich vorüher. Feiner Regen kommt uns niedrigziehenden Wolken, die sich meist nicht sehr schnell bewegen, so daß insolgedefsen dar Regen länger anztchattcn pflegt. Reichsbanner wehrt sich. Zurückweisung von Verleumdungen�- Eine Oenkschrist über Brauafchweig. Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz» Rot- Gold teilt uns mit: „Seit dem Hitler-Tag in Braunichweig steigern sich die systematischen Bestrebungen der Rechtspresie, das Reichsbanner zu verdächtigen. Die Ankündigung, daß der Bundesvorstand das von ihm über die Braunschweiger Vorgänge gesammelte Material den zuständizen Regierungsstellen und der Oeffentlichkeit übergeben wird, hat im Rechtslager sichtliche Beunruhigung hervorgerufen. Um die Wirkung dieses Materials abzuschwächen, werden in den letzten Tagen geflissentlich Nachrichten verbreitet, daß es in Bremervörde, Reich enbach(Schiesien), P« i tz usw. zu Ausschreitungen des Rcichsbaimers gekommen fei. Di« Bundes- leitung hat in jedem Falls eingehende Erkundigungen eingezogen und iestgsstellt, daß es sich bei den Behauptungen der Rechtspresse um üble Tendenzmache handell und daß es nirgendwo zu den behaupteten Ausschreitungen gekommen ist. Es haben sich lediglich einige kleinere, durch nationalsozialistische und komtnunistische Provokationen hervorgerufen« Zwischen- fälle ereignet. Mittlerweile ist nun die Nummer 44 der Bundes» zeitung„Das Reichsbanner" erschienen, die einen Teil des über die Vorgänge in Braunschweig gesammelten Materials enthüll. Der Bundesvorstand wird sämtliche Bekundungen, welche eidlich erhärtet werden können, dem Reichsinnenminister in Form einer Denkschrift zuleiten." Angeblicher„Terror" in Bremervörde. Ein rechtsstehendes Montagsblatt brachte unter der Ueber- schrift:„Schwere Ausschreitungen des Reichsbanners.— Die Bevölkerung von Bremervörde terrorisiert.— Zahlreiche Verletzte" einen Drahtbericht seines Korrespondenten aus Bremen über das Reichsbannertreffen in Bremervörde am 2 5. Ok- t o b e r. In diesem Bericht wurde, wie schon aus der zitierten Ueber- schrift hervorgeht, eine Darstellung gegeben, wonach sich das Reichs- banner schwere Ausschreitungen habe zuschulden kommen lassen. Es wurde u. a. auch behauptet, daß die Ortspolizei und die Landjäger vollständig.machtlos gelttsen seien, und daß erst auf dringendes Er- suchen die zuständigen Stellen sich entschlossen hätten. Polizei aus Wesernnmde nach Bremervörde zu schicken. Wie der Amtliche Preußische Pressedieisst mitteill, hat die sosort angestellte amtlich« Untersuchung Feststellungen ergeben, die zeigen, wie einfeuig und übertreibend der Bericht der genannten Momagszeihmg gehalten ist. . In dem amtlichen Bericht heißt es: „Am gestrigen Sonntag fand in Bremervörde ein Reichsbanner- i reffen statt, zu dem etwa ZlXO Mitglieder des Reichsbanners er- schienen. Infolgedessen wurde vom Landrat zur Verstärkung der zunächst zusammengezogenen Landjägerei- und kommunalen Polizei- beamten Schutzpolizei aus Wesermünde herbeigerufen, die bereits vorsorglich bereitgestellt worden war. Die Landjägerei- und kommu- nalen Beamten waren jedoch durchaus Herr der Lage; die Schutzpolizei brauchte nicht einzuschreiten, zumal das Reichsbam�r gemäß Dereinbarung mit dem Landrat feine Mit- glieder sofort nach erfolgtem Umzug« durch die Stadt in geschlossenen Gruppen wieder abbesörderte."......... Gegenüber der Meldung von..zahlreichen" Verletzten wird fest- gestellt, daß etwa vier bis sechs Personen— überwiegend Mitglieder des Sta�helms— mißhandelt und leicht verletzt wurden, wo- bei es sich jedoch nur um tätlich« Auseinandersetzungen geringeren Umfang» handelte, die auf vorhergehende Hänseleien hin erfolgteil. Auch die Behauptung de« Berichts der Montogszsitung, daß die Geschäftsstelle der Nationalsozialisten von einem Reichsbannertrupp gestürmt worden sei, trifft nicht zu. Stach den amtlichen Feststellungen wurde lediglich ein« Fensterscheibe des nationalsozialisti- scheu Parteibüros von einem Reichsbannermann mit der Faust ein- geschlagen, der sich hierbei die eigene Schlagader stark verletzte und von einem Arzt verbunden werden mußt«. All« Übrigen Behauptungen des Montagsblattes Über„schwere Ausschreitungen des Reichsbanners" treffen nach den amtlichen Fest- stellungen nicht zu. Kommunistische Mörder verhastet. Oer Mord an dem Polizeibeamten Riederwerfer aufgeklärt. Bochum. 28. Oktober.(Eigenbericht.) Der Mord and«m Polizei beamten Niederwerser ist bereits aufgeklärt worden. Fünf Personen, sämtlich Funktio- näre der KPD., konnten als Täter und Mitglieder einer Terror- oruppe festgenommen werden. Zwei der Täter, darunter der. Haupt- täter Kloß, sind noch flüchtig. Die übrigen tonnten oerhaftet werden. Die Feststellungen der Polizei ergaben, daß die KPD. am Sonn- tag abend eine größere Anzahl von Mllgliedern, insbesondere die Mitglieder des Kampfbundes gegen den Faschismus, im kommu- mstischen Vollshaus in Gelsenkirchen kampfbereit versammell hatte. Planmäßig wurden regelrechte Patrouillen in die Stadt geschickt, politische Gegner zu beobachten. Kloß rüstete mehrere kommunistische Funktionäre mit Armeepistolen ans und begab sich mit ihnen aus die Straße, wo kommunistische Kampslieder und Rufe Jzcil Moskau" und„Rot Front" angestimmt wurden. So wurde der Zusammenstoß mit der Polizeistreife herbeigeführt, der dem Oberwacht- meister Niederwerfer da» Leben kostete. Der H a u p t s ch u tz e mar Kloß. Zwei seiner Komplicen wurden bei der Schießerei ver- mundet und zu einem kommunistischen Samariter geschleppt, der sie verband. Einer unbetelligten Frau wurden die später verpackten Waffen als„Wechnachtspaket" übergeben. Diese schenkt« das Paket einem Freunde, der die Massen in seinem Keller unter Schlamm- kohle vergrub. Die Kriminalpolizei hat das Versteck aussindig ge- .nacht und die Waffen und 200 Schuß Munition beschlagnahmt. Gleichzeitig wurden auch zwei Mitglieder der KPD. festgenommen, die derselben Terrorgruppe angehören und nachweislich in den letzten Tagen im Witlerhaus in Geilenkirchen mehrmals die Fensterscheiben eingeworfen haben. Der Haüpttäter Kloß ist e l f m a l w e g e n M e u t e r e i. E i n- bruch. Zuhälterei und Körperverletzung erheblich oorb e straft. Auch die anderen Mordbuben sind schwere Jungen. Kabinettsaussprache über den WirtschafiSbeirai. In Vorbereitung der am Donnerstag vormittag unter dem Vorsitz des Reichspräiidenten stattsindonden ersten Sitzung des Wirtschaftsbeirates hielt das Reichskabinett am Mittwoch nachmittag ein« mehrstündige Besprechuno ab. Die Sitzung war gegen 20 Uhr beendet.» Verkrachte Adlige. Nachdem Grai Helldorf sei» ererbtes Gut»erwirischastet hatte, wurde er Kührer in der Berliner RSvAP. Früher schob die Familie— Aber jetzt stehen zu ihrer standesgemäßen Versorgung sie nach Amerika ab,wofie gottlob die Führerposten der nationalsozialistischen-.Arbeiter- Seschirrwäscher wurden, parte»" zur Verfügung. Bauernbank zusammengebrochen. Oie Bank des Herrn von Loe und des Herrn von Lueninck. Die Rheinische Bauernbank A.-G. w Köln, die Filialen in Bläuchen-Gladbach und Cleve unterhält, hat sich genötigt gesehen, ihre Schalter zu schließen und das gerichtliche Bcrgleichsverfahren zu beantragen. Die Rheinische Baueri.bank ist ein nicht unbedeutendes land- wirtschastliches Bankinstitut der Rheinprovinz, das auf Aktiengrund- läge stand und dessen Kapital sich teilweise in der Hand der Führer der rechtsradikalen rheinischen Bauernbewegung, teilweise aber auch öffentlicher Banken besand. Im vorigen Jahre war schon ein Ver- tust vom 460 000 Mark zu verzeichnen. Das Kapital wurde aus ein Drittel zusammengelegt und dann wieder auf 1)4 Millionen Mark erhöht. Schon in der vorjährigen Generalversammlung wurde scharfe Kritik an der Geschäftsführung und an der Höhe der Handelsunkosten geübt. In hohem Maße verantwortlich für die Geschästsfüihrung waren die rechtsradikalen Bauern- führer von Loe und Freiherr von Lueninck, die nacheinander den Posten des Aussichtsratsdorsitzenden bekleideten und zugleich Präsidenten der rheinischen Landwirtschaftskammer waren. Die Versuche, die Bank zu sanieren oder stützen zu lassen, sind gescheitert, da man auch bei den unter den jetzigen Verhältnissen da- für in Frage kommenden zentralen Bankstellen in Berlin das Unter- nehmen nicht mehr für kreditwürdig und sanierungsfähig hielt. Hugenbergs Grundgedanke. Eisenbartkur auf Kosten der Arbeiterschaft. Der Wahlausfall in England hat Herrn Hugenberg so i begeistert, daß er. in den deutschnationalen Mitteilungen seinen„Grundgedanken der Rettung" verkünden läßt. Dieser I Grundgedanke ist sehr einfach: alle laufenden inneren Schul- den sollen in Tilgungsschulden verwandelt und zugleich konvertiert werden. Die Dr.-Eifenbart-Äur, die das Hilgen- bergsche Dezemberprogramm der Landwirtschaft zugedacht hatte, soll auf die gesamte Wirtschaft ausgedehnt werden. Auf dieser Grundlage will Hugenberg die Rentabilität wieder herstellen. Aber wie? Durch eine Wahlschlacht gegen die Sozialdemokratie. Er deklamiert: „Die Politik unserer Machthaber einschließlich der Regierung Brüning und ihrer Anhängsel hat die Rente vernichtet— ganz im Sinne des sozialdemokratischen Hasses gegen das, was Marx den „Profit" nennt. Sie hat damit auch die Gtäubigerlapitalien ver- nichtet." Deutschland muß seinen Sozialismus zerbrechen, dann wird alles gut werden— so predigt er—, über Einzelheiten brauche nicht geredet zu werden. Diese Einzelheiten, die hinter diesem Programm unausgesprochen stehen, sind für Hugenberg auch nicht weiter von Belang— es sind das absolute Elend der Arbeitslosen und der absolute Hunger der Arbeiter. Keine Einigung mit der Schweiz. Wird der Handelsvertrag gekündigt? Die Situation bei den deutsch-schweizerischen Handelsvertragsoerhandlungen hat sich erheblich zugespitzt. Das Reichs- kabinett hat nunmehr beschlossen, die Forderungen der Schweizer Regierung auf Einjührung bestimmter Zollkontingente im Handelsverkehr mit Deutschland abzulehnen. Die Entscheidung der deutschen Regierung ist im wesentlichen durch den Standpunkt beeinflußt worden, daß bi« ausländischen Schulden und sonstigen Verpflichtungen Deutschlands nur mit Hilfe der Ausfuhr abgedeckt werden können. Im übrigen hat eine weitere Forderung der Schweiz die Lage insofern erschwert, als künftig die Schweizer Schuldner die deutschen Warenlieferungen nicht an die deutschen Gläubiger, sondern an die Schweizer Nationalbank zahlen sollen, die mit diesen Zahlungseingänzen Schweizer Forderungen an Deutschland aufrechnen soll.— Die Stellungnahme der Schweizer Regierung zu der Antwort Deutsch- lcmds ist noch unbekannt. Es muß aber damit gerechnet werden, daß die Schweiz zum näckistmöglichen Termin, dem 1. November, den Handelsvertrag mit Deutschland kümdigt. Oer Krach in der Wirtschastspartei. Oer VeichöauSschuß für die VeichstagSfraktion. Der Neichsausschuß der Wirtschafispartei ist am Mittwoch mittag im Reichstag zusammengetreten, um zu der Haltung der Reichstags- fraktion bei den letzten Abstimmungen im Reichstag und zu den organisatorischen Schwierigkeiten Stellung zu nehmen, die sich daraus in einigen Ortsgruppen der Partei ergeben haben. Ueber die Sitzung wird folgender Bericht ausgegeben: „Der aus ollen Teilen des Reiches stark besuchte Reichsausschuß der Wirtschastspartei»ahm in seiner Sitzung am Mittwoch Kenntnis von den Gründen, die die Haltung der Reichstags fraltion bei den Abstimmungen im Reichstag bestimmt haben. Cr überzeugte sich, daß die Haltung der Reichs tagsfraktion von der Rücksicht auf die well- politische, innenpolitische und die wirtschaftliche Eesamtlage vor- geschrieben war. Der Reichsausschuß erwartet, daß die Fraktion ihre Bemühungen um die Bildung einer von allen nationalen Kräften des Volkes getragenen Regierung fortsetzt und sichtbar« Maßnahmen zur Belebung der. schwer daniederliegenden deutschen Gesamtwirtschaft durchsetzt. Die Abstinunung ergab, bei einer Stimmenthaltung, daß der Reichstagsfraktion das volle Vertrauen für ihre Hallung. bei der sie das Vaterland über die Partei stellte, aus- gesprochen wurde." püf tröfft— König von polen! Qebennanas Enthüllungen unterdruckt. Warschau. 28. Oktober.(Eigenbericht.) Die Prozeßberichte über die Gerichtsoerhandlung gegen die ehe- maligen Gefangenen von Brest-Lllowsk werden jetzt wegen ihres tiefen Eindrucks auf die polnische Oeffenllichkell von der Polizei systematisch zensiert. Vollständig unterdrückt wird z. B. die Erklärung Liebermanns, er besitze Bemeismaterial dafür, daß die Pilsudfki-Anhänger die Ausrufung der Monarchie in Polen vorbereiteten. Dieser Prozeß soll durch seine strafrechtlichen Folgen Anwendung des zaristischen Majestätsbeleidigungsrechts auf den Schutz des Staatspräsidenten— zweifellos auch ein Schritt zur Umgestaltung der Rolle des Staatsoberhauptes im monarchistischen Sinne sein. In der heutigen Verhandlung kamen zunächst die beiden letzten sozialistischen Angeklagten, Dr. P r a g i e r und Zlbgeordneter C i o l- kosz, zu Wort. Während Pragier sachlich den Rechtskampf des Parlaments gegen die finanzpolitischen Mißbräuche des Pilsudski- Regimes schllderte, beschäftigte sich Ciolkosz in einer überaus wirk- samen Rede mll den angeblichen Umsturzoorbereitungen der Sozialisten.„Dw Veranstaltungen, die die Anklage als staatsgefährlich ansieht, waren polizeilich angemeldet und öffentlich plakatiert. Hätten wir eine wirkliche Revolution gemacht. so wäre dieser Prozeß nicht möglich. Die Sozialistische Jnter- nationale, deren Verbindung mit den polnischen Sozialisten vom Staatsanwall als verdächtig hingestellt wird, hat sich von jeher für die polnische Unabhüngigkell eingesetzt, und ihre polnischen Mll- glieder, die schon von Wilhelm Liebknecht und August Bebel in ihrem nationalen Freiheitskampf unterstützt wurden, lange ehe Pilsudski auftrat, sind stolz auf die Zugehörigkell zu dieser Organisation und übernehmen die Verantwortung dafür," Die Anklage macht Ciolkosz auch eine vor Berliner Sozialisten gehaltene Rede zum Vorwurf, in der er sich für eine Gretjz- änderung ausgesprochen und damit Landesverrat begangen haben soll. Er kann aber durch ein rechtskräftiges Urteil nach» weisen, daß er sich für die- deutsch-polnische Verständigung ohne Grenzänderung aussprach. Als Ciolkosz aus Brest-Litowst zu spreche» kommt und darauf hinweist, daß er dort in seiner Ehre als Frontoffizier beleidigt wurde, droht Ihm der Vorsitzende mit Wortentziehung.„Aber selbst Räuber und Mörder, die von der Polizei mißhandelt wurden, dürfen sich darüber bei Gericht beschweren", antwortete er.„Wo sollen wir denn Gerechtigkeit suchen, wenn nicht vor Gericht?" Der Vorsitzende entzieht ihm das Wort. Dann kommt der frühere Ministerpräsident W i t o s zu Wort, ein gemäßigter Bauernführer, der nachweist, wie fern der Gedanke an gewaltsamen Umsturz lag. Das polnische Landvolk sei durch die parlamentarische Demokratie zur Wahrnehmung seiner Rechte und zur Einordnung in das Staotslsben erzogen worden. In der Diktatur aber fühle sich jeder Dorspolizist als kleiner Diktator. Wenn der Staatsanwalt Anklage wegen Umsturz erheben wolle, so gehörten nicht die Führer des Linksblocks, sondern ganz andere Leute aus d'-- Anklagebank. VBML. behält sich alles vor. Ein Vorschlag Ltrichs.— Freitag Antwort. Gestern nachmittag wurde zwischen dem verband Berliner -letallinduslrieller sVvZNZ.) und den Vertretern des Metall- .artells über den Zleuabschluß des Lohnlarifvertrags der Berliner Metallarbeiter oerhandelt, der von den Metall- industriellen zum Zl. Oktober gekündigt worden ist. Die Verhandlungen wurden auf Freilog vertagt. Die Metallindustriellen hatten zugesagt, den Gewerksdhafts- Vertretern in diesen Verhandlungen ihre Forderungen zu unter- breiten. Die Metallindustriellen wollen einen neuen wesent- lichen Abbau der miserablen Löhne, was sie gestern ganz offen zugaben. Sie fanden aber in den zweistündigen Ver- Handlungen nicht den Mut, diese Forderungen bekannt- zugeben, weil sie offenbar selbst das Gefühl hatten, daß die For- derungen das Licht der Oeffenllichkeit zu scheuen haben. Die Metall- industriellen erklärten, daß sie unbedingt die Gestchungs- kosten herabsetzen müßten, deren„wesentlicher Bestandteil" die Löhne seien. Sie gaben zu, daß es noch andere Möglichkeiten der Senkung der Gestehungskosten gibt, es aber nicht in ihrer Macht liege, von diesen Möglich kellen Gebrauch machen zu können. Sie stellten an die Gewerkfchaftsver- I treter die Frage, ob sie bereit seien, freiwillig in ernste Der- Handlungen über einen Lohnabbau einzutreten. Der Sprecher des Metallkartells, Genosse U r i ch, gab seiner j Verwunderung darüber Ausdruck, daß die Metallindustriellen auch � heute noch mit ihren Forderungen hinter dem Berge halten. Nach-! dem den Berliner Metallarbellern die schon so niedrigen Tariflöhne in diesem Jahre bereits um 8 Proz. gekürzt worden sind, die übertariflichen Löhne und Akkorde noch viel st ä r k e r könne ihnen ein wellerer Lohnabbau nicht mehr zugemutet werden. Genosse Ilrich erinnerte die Metallindustriellen an die Argumente, die sie bei den Lohnverhandlungen im vorigen Jahr zur Be- gründung ihrer damaligen Abbauforderungen ins Feld llihrten. Die Metallindustriellen oertraten damals die Auffassung, daß die Durchführung des Lohnabbaues die Wiederbelebung der Konjunktur w der Metallindustrie und die Einstellung von taufenden Berliner Metallarbeitern zur Folge haben müßte Auf dem Arbeitsnachweis der Berliner Metall- industrie waren im September vorigen Jahres 51 000 arbeitslose Facharbeiter eingetragen, jetzt dagegen f a st 7 0 0 0 0. Der Metall- arbeiterverband hat auf Grund dieser Entwicklung die Forderung auf Einführung der 40-Sluuden-Wochc erhoben. Aus diese Forderung gingen die Metallindustriellen cbcr mit keinem Worte ein. Die Vertreter des VDMJ. i.aben dem Genossen Urich auf die Frage, ob die 25 Direktoren von Siemens immer noch ein Einkommen von 12� Millionen Mark im Jahre haben, die nichtssagende Antwort, daß auch die Ein- kommen der Direktoren, die sich im wesentlichen nach den Gewinnen der Betriebe richten, beträchtlich gesunken seien. Die mehrmals ge- stellte Frage, wieviel Lohnabbau die Mstallindustriellen r erlangen, wichen die Unternehmer beharrlich al«£ Dramatisch gestalteten sich die Verhandlungen, ols der Wortführer der Verhandlungskominission des VDMJ., Generaldirektor K r c m m e n e r, die Feststellung treffen wollte, daß die Verhandlungen als gescheitert zu betrachten seien, weil die Gewerkschasksoerlreter über einen Lohnabbau nicht mit sich reden lassen wollen. Genosse Urich machte in diesem Augenblick einen Vorschlag, Die Metallindustriellen hätten erklärt, daß es ihnen nur darauf an- komme, die Gestehungskosten zu senken. Der Wirtschasts- beirat der Reichsregierung soll in erstes Linie nach Mitteln und Wegen suchen, die Gestehungskosten in der deutschen Wirtschaft j�u senken. Er schlage deshalb vor, die Ergebiniie der Beratungen des Wirtschaftsbeirats abzuwarten und den Lohntarif um ein od�r zwei Monate zu verlängern. Die Lohnkommission des VBMJ. erklärte darauf, lie würde diesen Vorschlag einem größeren Gremium ihrer Verbandsmitglieder unterbreiten und dem Metallkartell am Freitag Nachricht über die Stellung des VBMJ. geben. Eine Konferenz der Funktionäre des BBMJ.-Betriebe am Freitag in den Germaniasälen wird sich eingehend mit dem Ver- Handlungsergebnis beschäftigen. Scheffel vor den Eisenbahnern. Oer Lohndruck ist uneriräglich geworden. Gestern abend nahmen die im Einheitsoerband der deutschen Eisenbahner organisierten Berliner Reichsbahnarbeiter in einer Mitgliederversammlung in Kliems Fcstsälen zu dem Lohnkonflikt mit der Reichsbahn Stellung. Den Bericht von den Verhandlungen gab vor der überfüllten Versammlung der Verbands- Vorsitzende Genosse Scheffel. Er sagte in seiner anderthalb- stündigen ausgezeichneten Rede, daß die Reichsbahn nie ein gering zu schätzender Gegner gewesen sei, aber diesmal hat es doch der äußersten Anstrengung bedurft, um— wenigstens vorläufig— das Schlimmste abzuwehren Tagelang ist verhandelt worden, und immer wieder versuchte die Reichsbahn den Gewerkschaften klar- zumachen, daß die Eisenbahner sich angesichts der Mindereinnahmen mit einer Lohnkürzung einverstanden erklären müßten. So groß, wie es die Reichsbahn hinstelle, seien die Mindereinnahmen rar nicht. Scheffel verwies auf das o o v e r- F e i e r j a h r und auf den Ertrag der jüngsten Reichsbahnanleihe. Aber der Einheitsoerband wich in keinem Stadium der Verhandlungen von seinem Grundsatz ab, keinen Pfennig Lohnabbau kampflos zuzugestehen. Der Einheitsvsrband ersuchte auch die Reichsregierung, allen ihren Einfluß bei der Reichsbahn aufzubieten, um nicht die Lawine ins Rollen zu bringen, von der man nur den Ansang kenne, aber nicht das Ende. Die Gewerkschaften haben gegenüber den 37 Tabellen und Anlagen, mit denen die Reichsbahn vor dem Schlichter operierte, nachgewiesen, wieviel die Kollegen draußen schon eingebüßt haben. Sie führten an, daß 58 000 Arbeiter der Ausbesserungswerkstätten seit 1930 nicht weniger als 27 Proz. ihres Einkommens eingebüßt hoben, die 35 000 Kollegen aus den Betriebswcrkstätten und der Güterabfertigung sogar 34 Proz. und die 95 000 Bahnunter- haltungsarbeiter, die am schlechtesten bezahlt werden für ihre schwere uud gefährliche Arbeit, selbst diese haben noch!2,6 Proz. e-noebüßt. Trotzdem bestand die Reichsbahn auf ihrer Forderung von A'A Proz. Lohnabbau. Als die Eisenbahner den Reichsbahndirektoren ent- sprechend antworteten, erklärten die Vertreter der Hauptverwaltung brüsk: ohne den Schlichter und ohne die Notverordnung hätten sie noch höhere Abbauforderungen gestellt! Sogar eine Vertagung der Verhandlungen lehnte die Reichsbahn ab. Die Gewerkschaften haben dem gefällten Schiedsspruch Zuge- stimmt. Eine andere Haltung zu dem„Stillhalteabkommen" wäre ein schwerer taktischer Fehler gewesen, der sich auch in matcrieller Hinsicht gerächt hätte Donnerstag läuft die Erklärungsfrist ob. Stimmt die Reichsbahn nicht zu, was möglich ist, muß die Ter- bindlichkeitserklärung auch des vorläufigen Spruchs erfolgen. Bleibt die verbindlichkeilserklärung ans. dann haben ob 4. November die deutschen Eisenbahner die Hände frei.< Stürmische Zurufe: Es wird auch Zeit!) Vertrauen und Einigkeit ist weiter das Gebot der Stunde. Vis- her ist unser Erfolg nur ein moralischer, der aber bei der Macht der Reichsbahn auch etwas wert ist. Unbeschadet dessen geht der Lohnkampf weiter. Nach dieser ersten Etappe gehen wir gerüstet cknd vertrauend aus unsere Kraft in den E n t s ch e i- dungstampf.(Stürmischer Beifall.) Aus der Diskussion war ersichtlich, daß die Erregung der Eisen- bahner durchaus nicht abgeebbt ist. Die Arbeiter aus den Betrieben erklärten, daß man, wenn nötig, auch zur Waffe des Streiks greifen müsse, um sich vor der Reichsbahn Respekt zu verschaffen. Zum Schluß der glänzend verlaufenen Versammlung wurde eine Entschließung angenommen, die mit Genugtuung von dem „Stillhalteabkommen" Kenntnis nimmt und die Eisenbahner auf- fordert, mit größer Aufmerksamkeit �die weitere Entwicklung des Lohnkonflikts zu verfolgen und alle Energie zur Verteidigung ihrer Lebensinteresien aufzuwenden. Wo bleibt das Tarifrecht? Reichsarbeitsminister unterstützt Angriffe darauf. Die generelle Ablehnung der Allgemeinverbindlich- teitserklärung der Bauarbeiterlöhne für alle Bezirtslohn- gebiete hat, wie nicht anders zu erwarten war, die Unternehmer angriffslustig gemacht. Ihre Rechtsaelehrten find auf den Gedanken gekommen, aus der Haltung des Ministeriums nun gleich einen allgemeinen Zwang zu neuen Lohnoerhandlungen für das ganze Reich abzuleiten. Sie wollen sich dabei auf eine Protokoll- nötig zum Reichstarifvertrag für Hoch-, Beton- und Tiefbauarbeiter stützen, in der es heißt, daß,„wenn für einzelne Orte oder für einzelne Gebiete nicht die Allgemeinverbindlichkcit ausgesprochen wird, nochmals über die Löhne oerhandelt werden soll". Die Unternehmer möchten diese Protokollnotf; jetzt gene- r a l i s i e r e n und zu einem neuen Angriff aus den Lohn der Bauarb eüer benutzen. Und das. obwohl die Löhn« im Bau- gvwerbe bis zum 2. März 1932 tarifvertraglich geregelt sind. Vom Reichsarbeitsmini st erium sollte man erwarten, daß es entsprechend den Erklärungen seines Ministers als Hüter des Tarifrechts die Tarifverträge schützt. Von einem solchen Schutz ist jedoch wenig zu merken. Im Gegenteil: es leistet den Unternehmern für ihre tarifwidrigen Bestrebungen Vorspann: denn es hat an die Gewerkschaften ein Schreiben gerichtet, in dem es um Verhandlungen bittet, weil„aus der Ablehnung der Allgemein- verbindlicherklärung der Bezirkslohn-Tarifoerträge des Baugewerbes sich Schwierigkeiten ergeben haben". Also zunächst lehnt man die Forderung der Bauarbeiter aus Allgemeinoerbindiicherklärung der Löhne ab und dann wundert man sich, daß sich„Schwierigkeiten" ergeben. Will man die bis zum März 1932 geltenden Tarifverträge torpedieren? Will man das wirklich, obwohl die Gewerischaften den Unternehme rverbänden wie den Behörden sehr nachdrücklich erklärt haben, daß das Begehren der Unternehmer nichts anderes ist als Tarifbruch? Alle Bau- arbcUcroerbäude find einmütig der Auffassung, daß gerade in dieser Zeit die tariflichen Vereinbarungen unter allen Umständen respektiert werden müssen und daß es Pflicht des Arbeüsministeriums ist, da- für zu sorgen, daß Tarifrecht Tarifrecht bleibt. Das Ministerium scheint anderer Auffassung zu sein; denn es hat bereits Besprechungen zur„Fe st legung neuer Löhne im Baugewerbe" anberaumt. Diese Vorgänge zeigen mit aller Klarheit, daß nicht nur die Interessen der Bauarbeiter, sondern grundsätzlich bedeutsame Interessen der gesamten Arbeiterschaft auf dem Spiel stehen. Die Gefahren, die das gesamte Tarifrecht be- drohen, werden durch die Haltung des Reichsarbeitsministeriums nicht vermindert oder abgewehrt, sondern erst heraufbeschworen. Krümpersystem und RuhrbergHau. Zechenbesitzer lehnen ab. Essen, 28. Oktober.(Eigenbericht.) Die VeschäftigungÄage im Ruhrkohlenbeigbau wird immer katastrophaler. Ende September waren noch 235 000 an- gelegte Arbeiter vorhanden. Als arbeitsuchende Berg- a r b e i t c r wurden zur gleichen Zeit im Ruhrgebiet 103 000 gezählt. Im September wurden jedoch arbeitstäglich zirka 3 2 0 0 0 Feierschichten eingelegt. Ohne Feierschichten hätten also weitere 32 000 Mann entlassen weiden müssen. Das bedeutet, daß rutzd 200 000 Mann genügen, um die absetzbaren Kohlenmengen zu fördern. Die Bergarbeiter-Gewerkschaften hatten gefordert, durch eine Neuregelung der Arbeitszeit eine gerechtere Ver- t e i l u n g des Arbeitsquantums herbeizuführen. Der nächste Weg dazu wäre eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit. Unter- nehmer und Schlichter waren jedoch dafür nicht zu haben. Run besteht aber noch eine ander« Möglichkeit zur besseren Ver- teilung der Arbeitsmenge durch Arbeitszeitverkürzung. Sie liegt in dem sogenannten K r ü m p c r s lM c nr. Was versteht man darunter? Kurz gesagt eine Auswechselung der Belegschaften zugunsten der Arbeitslosen. Auf den nicderschlessschen Steinckohlengruberr, wo man dieses Krümpersystem beispielsweise schon teilweise eingeführt hat, ist em Siebentel der Belegschaft mehr angelegt als man beschäftigen kann. Infolgedessen arbeitet der einzelne Berg- arbeiter sechs Monate. Im siebenten wird er beurlaubt. Im Zeitraum von 14 Monaten ergeben sich demnach für jeden Bergmann 12 Arbeitsmonate und zwei Urlaubsmonat c.* Während der beiden Feiermonate erhält nun der einzelne Arbeiter seinen tariflichen Urlaub und sür die übrige Zeit Arbeits- losenunterstützung. Da diese Unterstützung ohne die übliche Karenzzeit, also ohne Wartezeit, sofort gewährt werden kann, er- müßigt sich der Unterstützungssatz aus die Hälfte d-r üblichen Zahlung durch die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung. Ueber diesen Vorschlag wurde gestern in Essen verhandell. Die Zechenbesitzer lehnten ein Eingehen auf den Vorschlag ab. Eine Minderung der Arbeitslosigkeit interessiert die Herren nicht und für das moralische und materielle Elend der Arbeitslosen fehlt ihnen jedes Verständnis._ Fockenberg zum Beamtenabbau. Auswirkungen der Politik der Notverordnungen. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes. Genosse Falkenberg, sprach am Mittwoch in der„Stunde des Beamten" der Deutschen Welle über das Thema„Die Beamten in dem Parteiprogramm". Durch die Revolution von 1918 waren die Fesseln gesprengt worden, die bis dahin die deutsche Beamtenschast m polittscher Un- freiheit geHallen hatten. Eine politische Willensbildung wurde für die Beamtenschaft jetzt nicht nur möglich, sondern sogar zwingende Notwendigkeit. Sie stand vor neuartigen, umfassenden Aufgaben, an deren Lösung nur auf dem Weg polttischen Denkens und Handelns herangegangen werden konnte. Die Sonderstellung der Beamten im Staate veranlaßt« alle politischen Parteien, ihr Programm durch ein besonderes Beamtenprogramm zu ergänzen: denn Sicherung und Ausbau der Beamtenschaft ist für jede Partei wichtig, die damit rechnet, einmal zur Macht zu kommen und dann selbstverständlich auf einen gut funktionierenden Bcanüenstab nicht verzichten kann. Falksnbcrg legte dar, wie jede Partei, die ihren Grundsätzen gemäßen Forderungen auch in ihrem Beamtenprogramm zum Aus- druck bringt, aus der Erkenntnis heraus, daß alle Beamtenfragen auch politische Machtfragen sind. Leider unterliegt ein Teil der Beamten noch den Hemmungen jener Einstellung der Beamtenschaft vor dem Krieg«, die sich heute als H i l f l ö s i g k e i t gegenüber allen politischen Fragen auswirken. Diese Beamten lassen sich durch Phrasen der radikalen Parteien einfangen, weil ihnen die polllische Erkenntnis mangelt, die die Wertlosigkeit solcher Versprechungen erkennen läßt und die zu eigener Mitarbeit an der Verbesserung ihrer Lage und am Aufbau des Staates führt. Falkenberg betonte, daß die Notverordnungspolitik, die erhöhte Unsicherhett in wette Kreise der Beamtenschaft getragen habe, die polllische Halllossgkeit beachtenswerter Teile der Beamtenschaft erkennen habe lassen. Die politischen Parteien dürsten ober nicht tatenlos zusehen, wie«in Teil der Beamtenschaft im Radikalismus zu oersinken droht. Eine Revision des Beamtenprogramms wird vielfach unerläßlich sein, um der ver- änderten Lage der Beamtenschast gerecht zu werden, daneben ober auch wellgehende politische Erziehung, die der Beamtenschaft jähr- zehntelang gefehlt hat._ OerGchiedsspruch imGasiwirtsgewerbe Die Entscheidung fallt in den Betrieben. Am Dienstagvormillag waren die Bertteter des Zentral- Verbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestelllen im Berliner Gewerkschaftshaus versammelt, um zu dem Ergebnis der Perhand- lungen vor dem vereinbarten Schiedsgericht Stellung zu nehmen. Die Forderung der Fünftagewoche wurde bekanntlich abgelehnt und ein Spruch gefällt, der eine weitere Lohnkürzung für das Bedienungspersonal um vier bisacht Proz. und für das übrige Personal um zwei bis fünf Proz. vorsieht. Eine Entscheidung über Annahme oder Ablehnung dieses Schiedsspruches wurde noch nicht getroffen, um den Belegschaften der Großbetriebe Gelegenheit zu geben, ihre Meinung dazu zu sagen. Der Vorsitzende des Berliner Zweigvereins. Genosse Schneider, saßt die Auffassung der Delegierten dahin zu- sainmen, daß die Generalversammlung den Verbandsinstanzen die Vollmacht erteilt, an der Hand der Abstimmungsergebnisse aus der Versammlung und aus den Betrieben die nötigen Maßnahme« zu ergreifen. Achtung, Fliefenseger! Die Lohnoereinbarung für Fliesenleger ist abgelaufen, eine neue Vereinbarung konnte noch nicht herbeigeführt werden. Die Fach- g r u p p e n der Fliesenleger im Deutschen Baugewerksbund und im Zentraloerband der christlichen Bauarbeiter sowie die Freie Vereinigung der Fliesenleger ersuchen daher die Fliesenleger, falls ihre Firmen an sie herantreten, um zu veranlassen, zu billige- ren Stundenlöhnen oder gar im Akkord zu arbeiten, dies abzulehnen und ihrer Organisation sofort davon Mitteilung zu machen, damit die vertragschließenden Organisationen unverzüg- lich die übrigen Maßnahmen ergreifen tonnen. Za�Freie Getverkschafis-Iugenö Verlin teilte, 19'.4 Ahr, tagen die Gruppen: Köpenick: Jugendheim Grünauer traße 5(Nähe Bahnhof Spindlersfeld). Bunter Abend.'— Gejuni- drunnen: Jugendheim Note Schule, Gotenburger Str. 2. Der Fünf. jahresplan.— Sckönhaufer Tor: Jugendheim Tieckftr. 18(Feuerwehrhau?). Heimbesprechung. Wir lernen neue Lieder.— Tempelhof: Gruppenhcim, Lyzeum Germaniastr. 4— 6. Der Zugang zum Jugendheim erfolgt durch den Eingang auf der Hinteren Seite der Schule, Götzsiraße.— Südosten: Reichen- bcrger Srr. 86(Fcuerwehrbaus). Wie steht die Jugend zu Alkohol und Nikotin? — Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Besprechung einer Theaicrgruppc. — Staaken: Jugendheim, 17. Volksschule, Gartenstadt, Kircholah(Endhaltc- ftellc Autobus 31). Warum Gewerkschaftskongres?— Reu-Lichteabcrg: Iu- gendheim Gunterstr. 4t. Mädels zeigt was ihr könnt.— Landsberger Platz: Gruppenheim Diestelmcnerftr. 5. Die Organisation der Schutzpolizei.— Lichten- borg: Jugendheim Hauffstraste, an der Lessingstraße. Wir baden Hubertusstrane. Treffen 18*4 Uhr.— Frankfurter Allee: Jugendheim Tilsiler Str. 4—>. Die Mädchen gestalten den Abend aus.— Schöneweidc: Hasselwerderstr. 1. Liederabend. Insendoruppe des' Zeniralveröandes der Angestellten hänfen:______________„ WWW__„.—-____ gejtzltung.— Cftcn: Iugendhsim dir Schul- Litau-r Str. 18. Aussprache. abend Uber:„Unser- Slcllung als Jugend ,» Altohol und Nikotin".— Treptow! Jugcndbcim Elsenstr. 3. Arbcitsgemeinschast:„Der Lehrlinz im D-trieb". Leiter: Gichner.— Die Freie Anzestelltenbant e.(6. m. b. S. tagt heute non 20 bis 22 Uhr im Berbandshaus.— Die nächste Vorstellunz der Iugcndvolksbithne findet am 1. November statt. Gespielt wird..Kamps um Kitsch" von Etemmlc. Eintrittskartcu zum Preise von 80 Ps. sind im Jugend- sclrctariat zu haben. L-r-ntwortlick für Potitit:«ietor Schill: äbittichoil:®.»Ijazrihjj,«. Eewerkichallsb-wegiinz: b Ttetner: FeuUleton: Dr. Zohn Schitowoli: Lokales uud Sonstiaes: Frist Karstadt! Anzeigen: Th. fflloie; sämtlich in Petrin. B-rlaz: Varwaits-Berla- S. m. b.£>.. Seilen Druck:?erwärts.?uchdruckerel und ZZerwasauftalt D-Ui S'nqer It. To. Berlin EL 88. Linden straie 3. Kicrz« 2 Leüageo,