B 254 48. Jahrgang BERLIN Soimerstag 29. Oktober 1931 SrsckeiattSglich«nßerSonotagi. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW63,Lindenfir. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 tMyftotLffa Anzeigenprei«: Die einspaltigeNonpareillezeile 8« Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Verlag G.m. b.H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Oer Wirtschastsbeirai eröffnet Ansprache des Reichspräsidenten Zm Hanfe des R�chspräfidenlrn fand heute die erste Sihung des vmn Reichspräsidenten berufenen wirtschaftsbeirats stall, zu der sich außer den Mitgliedern des Mrtschaftsbeiral» der Reichskanzler und die Rcichsminister. der Reichsbankpräsidenk und der Generaldirektor der Reichsbahn eingesunden hatten. Reichs- Präsident von hindenburg empfing die Erschienenen im großen Saale des Präfidenlenhauses und begrüßte sie hier mit folgender Ansprache: Meine Herren! Es ist mir eine angenehme Pflicht. Sie— ehe wir an unsere ernst« Arbeit gehen— willkommen zu heißen und Ihnen für die Bereitwilligkeit zu danken, mit der Sie meinem Rufe Folge geleistet und Ihre Mitarbeit zur Verfügung gestellt hoben. Die schwere Krise der Weltwirtschaft und Deutschlands bc- sondere wirtschaftliche Bedrängnis erfüllen olle Schichten unserer Bevölkerung mit banger Sorge. Sic rütteln an den Grundpfeilern des wechselseitigen Ver- trauens und erschütter» die Zuversicht in die Erhaltung der Grund- lagen unserer Volkswirtschaft. Im Bewußtsein der Verantwortung, die ich vor dem deutschen Volle und vor meinem Gewissen trage, babe ich mich entschlosien, angesichts der außerordenllichen Wirt- schaftswirruis einen besonderen und außergewöhnlichen Weg zu beschreiten. Ich habe nach Vorschlägen der Reichsreglc- rung aus führenden Persönlichkeiten des wirtschaftlichen Lebens, aus den großen Wirtschaftsgruppen von Industrie, Landwirtschast, 5iandel, Handwerk und Kleingewerbe, aus Arbeitgebern und Arbeit- uchmern einen Wirtschaftsbeirat zusammenberufen und Sie. meine Herren, heute zu einer gemeinsamen Beratung mit der Reichsregierung zu mir geladen, um der Reichsrcgierung bei ihren Bemühungen um einen Weg zu helfen, auf dem die wirtschaftliche und soziale Not des deutschen Volkes zum Besseren gewendet werden kann. Niemaich von Ihnen wird verkennen, in welchem Maße die Lage Deutschlands durch weltpolitisch« und weltwirt- s ch a f t l i ch e Umstände bestimmt wird. Hier liegen die schweren und großen Ausgaben der deutschen Außenpolitik. Von Ihnen aber erwarte ich, daß Si« sich mit mir und mit der Rcichsregicnmg von dem unbeugsamen Willen beseelen lassen, wie auch immer die Eni- wicklung der Welt sein mag, aus der eigenen Kraft Deutschlands heraus von unserem Volke abzuweichen, was eigenes Handeln nur irgend abzuwenden vermag. Nur so wird eine Gruichlage geschaffen für die notwendigen internationalen Bemühungen zur Lösung der gesamten Weltkrise. Nur das Bewußtsein solcher Pflichterfüllung und äußerster Kraft- anstrengung wird unser Volk befähigen, in innerer Verbundenheit und init nationaler Würde das zu tragen, was sich an seinem Schicksal als unabwendbar erweist. Die Aufgabe, die Ihnen gestellt ist, kann nur bei richtiger Wertung der Wirtschaft- lichen Kräfte und in gerechter Abwägung wider- streitender Interessen gelöst werden. Ich erhoffe als Ergebnis dieser Zusammenarbeit wirtschaftlicher Sachverständigen und der Reichsregierung einen Ausgleich wirtschafts- und sozialpolitischer Gegensätze und eine Besserung der deutschen W i r t s ch a f t s n o t. Wenn diese schwere Aufgabe gelöst werden soll, darf jeder von Ihnen sich nur der Gesamtheit des deutschen Voltes und dem eigenen Gewissen verantwortlich fühlen, muß sich jeder innerlich loslösen von Gedanken an Gruppcninteressen und an Einzelrücksichten. Nur wenn solche Gesinnung Sie, meine Herren, erfüllt, werde» Ihre Beratungen den sittlichen Wert und die überzeugende Kraft besitzen, ohne die ein gesundes und lcbensstarkes Volk sich nicht führen läßt. Wenn das deutsche Volk durch die wirtschaftlichen und mora- lischen Wirrnisse und die Gefahren innerer Zersetzung hindurch zu besserer Zukunft gelangen soll, so ist hierfür Voraussetzung, daß die Führer der Wirtschaft zusammen mit der Reichsregierung einen klaren und zielsicheren Weg gehen Möchte Ihre Zusammenarbeit, meine Herren, Ergebnisse zeitigen, welche die Reichsregierung in den Stand setzen, auf Grund der verfassungsmäßigen und geschicht- lichen Verantwortung, die ihr die Pflicht der Führung zuweist, mir wirksame Maßnahmen zur Wiedergcsundung unserer Wirtschaft und zur Aufrechterhaltung des sozialenFriedens vorzuschlagen. Dieses Ziel fest vor Augen lassen Si« uns nunmehr an die gemeinsame Arbeit gehen!' Der Reichspräsident eröffnete dann im Sitzungssaale die erste gemeinsame Sitzung des Wirtschaftsbeirats und der Reichsregierung und erteille zunächst dem Reichskanzler Dr. Brüning das Wort. Der Reichskanzler legte in längeren Ausführungen die wirt- schaftkuhe Lage und die zur Besserung der Wirtschaftsnot in Frage kommenden Möglichkeiten dar. Schupo als Winderireundc Die Berliner Schutzpolizeibeamieu haben aus ihren bescheidenen Mitteln Beträge gesammelt, um rund 1000 bedürftig« Kinder im Laufe des Winters zu speisen. Unser Bild zeigt die Schupos in ihrer Arbeit als Kinderfreunde. 66 Labour gegen 469 Konservative Gnowden gehi ins Oberhaus.— Macdonalds Regierung wird umgebildet... London. 29. Oktober. fEigenbericht.) Ilm Augenblick sind nur uoch sieben Parlamentssitze nicht besolzl; meistens Aniversilälswahlkreise. in denen die schriftliche Abstimmung erst iu den nächsten Tagen zu Ende geht. Inzwischen Hot sich die INandaksziffer der Labour parly aus SS crhöhk, während die der Sonservativen jetzt nicht mit 422, sondern mit 469 angegeben wird. Nach den neuesten Berechnungen entfallen aus ein konservatives Parlamentsmitglied 28 200 Stimmen, während jeder Arbeiter- abgeordnekc im Parlament 149 000 Wähler vcrtritl. Mocdonold wird heute vom König empfangen werden. Damit nimmt die Kabinettsumbildung ihren Anfang. Snowden, der nicht kandidiert hat und schon insofern nach der englischen Der- sasfung nicht Minister bleiben kann, scheidet ans dem Schahamt ans und wird in den Lordfland erHobe». Als sein Nachfolger wird Neville Ehamberlain genannt. Führer der Parlaments- fraktion der Labour parly wird voraussichtlich Landsbury werden. Außerdem wird Scripps genannt. von den insgesamt gewählten zwölf weiblichen Ab. geordneten sind acht zum erstenmal in das Unterhaus ein- gezogen. Mit Ausnahme der Tochter Lloyd George?, die zu ihrem Valer zählt, sind alle weiblichen Abgeordnelen konservativ. Oaily Herald über die Niederlage. Loz�.on, 29. August. Zu dem Ausgang der Wahlen schreibt„Daily Herald' einen Leitartikel, in dem es die katastrophal« Niederlage der oppositionellen Zlrbeitcrpartei ohne weiteres zugibt: die Partei sei in jeder Hinsicht geschlagen worden, auf dem Gebiete der Organisation, der Propaganda und der Führung. Das Blatt ruft zu einer gründlichen Reorganisation der Parteimaschine aus und bemerkt, es sei in weitem Maße die eigen e Schuld der Arbeiterpartei, daß es so leicht falle, die Wählers hast in einen Zustand der Panik zu versetzen. Die Tories würden«nt- sprechend ihren Grundsätzen versuchen, die Probleme der Gegenwart mit den Methoden der Vergangenheit zu lösen: wenn das Land mehrere Jahr« unter dieser Torheit gelitten habe, werden die Tage der Arbeiterpartei kommen. Snowden über den Zusammenbruch. In seiner Kundgebung an das Volt sagt Snowden, daß Millionen Frauen und Männer für Kandidaten gestimmt, hätten, deren politische Meinung si« nicht teilten. Sie hätten dies mit dem einzigen Ziel getan, der Welt zu zeigen, daß England ent- schlössen sei, die Schwierigkeiten zu überwinden. Er bedauere den Zufammenbruch, den die Arbeiterpartei erlitten habe. Aber dies fei nicht das Ende der Arbeiterpartei, die sich wieder neu erheben werde unter neuen mnsichtigcn und mutigen Führern. Jedenfalls müsse die Partei die Ding« vom Stand- punkt des Staatsbürgers ansehen und nicht vom Standpunkt der I Klasse aus. Vorläufiges Endergebnis. An der englischen Wahl haben sich 21 560 000 von 30 260 000 Stimmberechtigten beteiligt, also 70 proz. Die„nationale Regierung" erhielt 14 250 000. davon die konservativen 11870 000, die nationale Arbeiterporlei 340 000, nationale Liberale 1 950 000 Stimmen. Gegen die Regierung stimmten 7 320 000, davon für die Labour p a r l y 6 blv 000 Wähler. Hanswurst jubelt. „Note?ahne" und englische Wahlen. Bei den englischen Wahlen haben offenbar die K o m m u- n i st e n gesiegt! So muß man glauben, wenn man die„Rote Fahne' vom Donnerstag liest, die vor Jubel über den englischen Wahlausfall ganz aus dem Häuschen ist. Allerdings haben es die englischen Kommunisten auf ganze 60 000 Stimmen(das find etwa drei auf je tausend abgegebene Stimmen!) und kein Mandat gebracht, aber darauf kommt es nicht an! Haupt- fache ist für jeden Komniunisten: die Arbeiterpartei ist ge- schlagen! Wenn es auch die Konservativen sind, die die Früchte davon ernten,— das tut der Freude keinen Abbruch. Vom „großen Strafgericht' kann man in der„Roten Fahne" lesen, von der„zerschmetternden Niederlage dieser Internationale der S o z i a l f a s ch i st e n und V ö l k e r b ü t t e l", von„Schritt- inachcrdiensten", die— nicht etwa Macdonald— sondern die Henderfon den Konservativen geleistet habe! Man begreift nur nicht, warum die l'A Millionen abtrünnigen Wähler der Arbeiter- Partei aus solchen Erwägungen konservativ stimmten, warüm aber kein einziger von ihnen zu den K o m in»nisten gegangen ist! In ihren ungezügelten Jubclausbrüchen über die Niederlage der Arbeiterpartei übertrifft die„Rate Fahne" sogar die Hugenbcrg- Presse um ein erkleckliches. Wie diese, verschweigt auch sie, daß infolge der lotterieähnlichen Ungerechtigkeit des englischen Wohl- rechtes diese Niederlage sich in Mandaten viel krasser ausdrückt, als in Stimniziffern. Im Gegenteil, die„Rote Fahne" besitzt die Dreistigkeit, umgekehrt zu behaupten: „Die vernichtende Niederlag« der englisckien Sozialdemokratie erscheint im Lichte der Stimmenzahlen noch viel lata- strophaler, als es schon die Dezimierung ihrer parlamentarischen Vertretung oerrät." Dos nennt man Gottvertrauen auf die Dummheit der Leser! immerhin ist die„katastrophale" SUmmenzahl der Arbeiterpartei mit ö,K Millionen aus? haar 100(einhundert) mal so groß al» die Slimmenzahl der englischen Kommunisten! Wie katastrophal muß es da um die Parteifreunde der„Roten Fahne" stehen! Der Jubel des kommunistischen Blattes über eine Arbester- Niederlage, deren Früchte allein die englischen Reaktionäre und Großkapitalisten ernten, bestätigt aufs neue, daß es den Kommu- nisten nur auf eines ankommt: nämlich aus die Schädigung und Vernichtung der sozialistischen Arbeiterbewegung. Die Bc- kämpfung des Kapitalismus ist ihnen darüber vollkommen gleich- gültig geworden, die überlassen sie den verhaßten Sozialisten! Hitler bei Schleicher. Ein streng legales Frühstück. Einiges Aufsehen erregte heute morgen die Mitteilung eines demokratischen Blattes, Adolf Hitler habe vor etwa drei Wochen bei Generalleutnant von Schleicher, dem Staatssekretär des Reichswchrministeriums, gefrühstückt. Das wird jetzt amtlich bestätigt mit dem Hinzufügen, daß— mit oder ohne Frühstück?— sogar zwei Unterredungen stattgesunden hätten Diese Unterredungen waren, so wird versichert, keineswegs geheim. Es waren dienstliche Gespräche, die mit Wissen der zuständigen Reichsstellen geführt und deren Ergebnisse auch diesen Stellen sowie dem preußischen Innenminister mit- geteilt wurden. Hitler soll erklärt haben, daß er jede Zersetzungs- tätigkeit in der Reichswehr grundsätzlich ablehne und daß er über» Haupt in seiner Partei niemanden dulden werde, der sich irgendwie illegal betätige. Es wird hinzugefügt, daß ebenso wie bei dem Empfang des „Ofaf" R ö h m durch General Schleicher im Mai dieses Jahres hiergegen gar nichts einzuwenden sei, da General Schleicher die dienstliche Pflicht habe, mit jedem zu sprechen, der sich mit einem politischen oder dienstlichen Anliegen an das Reichswehrministerium wende und den zu empfangen der Reichswehrministsr Auftrag gegeben hat. Oer Ausweis. „TKtit Fahne" bestätigt die Echtheit. Der gestrige„Abend" zeigte ein Faksimile des Ausweises, der bei Klaus Usberbrück, dem Organisator der kommunistischen Spreng- stofsabteilungen, gefunden worden ist. Der Ausweis trägt hen gedruckten Kopf des kommunistischen Zentralkomitees und die Unter- schrift des ZK.-Sekretariats mit Geheimzeichen Die„Note Fahne" antwortet darauf mit einem furchtbaren Geschimpfe, daß der„Vorwärts" ein„Polizeiorgan" sei.(Andere Blätter hatten den faksimilierten Ausweis bereits vor uns ge- bracht!) Mit keinem Wort jedoch bestreitet die„Rote Jahne" die Echtheit des Ausweises. Sie redet sich nur darauf heraus, daß der Ausweis angeblich „nicht im Karl-Liebknccht-Haus geschrieben" worden sei. Wo die Schreibmaschine gestanden hat, auf der der Ausweis getippt wurde, ist vielleicht wichtig für die Polizei, aber für die politische und moralische Beurteilung der Sache von keinerlei Belang. Hinter den WutausbrücDn und gewundenen Ausreden der „Roten Fahne" leuchtet nur um so deutlicher die Tatsache hervor, daß sie die Existenz des Ausweises und seine Echtheit nicht bestreiten kann. Reichspost-Verhandlungen gescheiieri! Oas Zieichspostministerium rast den Schlichter an. Nachdem am Dienstag die Organisakonsverlreler wegen der neuen Lohnregelung für die Postarbeiter eine Besprechung mit dem Reichspostminister gehabt hallen, begannen heute im Reichs. poftm'nisterium neue Lohnverhandlungeu. Der Vertreter des Reichspostmiuisteriums hielt entsprechend einem Beschluß der Reichsregierung vom 27. Oktober an dem Ab- bau der Löhne nach den Bestimmungen der Rotverordnungen fest. Die Organisationsverlreter lehnten jeden weite- reu Lohnabbau mit aller Entschiedenheit ab. Di? Verhandlungen waren dam't gescheitert. Das Reiche- Postministerium wird nunmehr den Schlichler anrufen. Die kneifenden Helden Planmäßigkeit der Kurfürstendamm-Krawalle zweifelsfrei erwiesen Vier Todesopfer am Bahnübergang. Automobil vom Personenzug überrannt. Troppau, 29. Oktober. Lei dichtem Rebel stieß gestern abend auf der Straße Troppau— komorau ein Automobil aus Troppau mit eine,« Personenzug zusammen. Die fünf Insassen des Kraft- wagens wurden sämtlich schwer verletzt, vier von ihnen sind nachts im Krankenhaus gestorben, auch der fünfte dürfke kaum mit dem Leben davonkommen. Wegen Bestechung verurteilt. In dem Prozeß wegen der Schiebungen beim Bezirksamt T e m p e l h o f, der mehrere Tage das Schöffengericht Tempelhof beschäftigt Halle, wurde der Sladtoberingenieur Wilke wegen passiver Bestechung zu zwei Blouaten Gefängnis unter gleichzeitiger Aberkennung der Zähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter aus die Dauer von drei Iahren verurteilt. Der Mitangeklagte Steinsetz- meistcr Emil Keller erhiell wegen aktiver Bestechung und damit verbundener Schädigung dos Magistrats Berlin eine Geldstrafe von 1400 Mark. Greisin durch Gas getötet. In ihrer Wohnung in der Lindenstraß« in Steglitz wurde heute früh die öäjährig« Witwe Christine Behrendt durch Gas vergiftet tot aufgefunden. Die Greisin ist nach den polizeiticher Feststellungen das Opfer eines tragischen Unglücksfalles ff worden. Die etwas geistesschwache Frau wollte sich offenbar Kaffee zubereiten, dabei ist die Flamme des Gaskochers aus noch unbe- kannten Gründen zum Erlöschen gekommen und die ausströmenden Gase führton in kurzer Zeit den Tod der Greisin herbei. Die spanische Rallonalversammlung beschloß das allgemeine. gleiche, direkte und geheime Wahlrecht als Lerfaffungsgrundsatz. Wählbar sind alle Staatsbürger über 23 Jahre, ausgenommen das aktive Militär. Im Prozeß Helldorf und Genossen wurde» heute morgen die Zeugen der Nazikrawalle aus dem Kurfürstendamm und die Opfer der Exzesse vernommen. Rechtsanwalt Dr. Apfel hat die Vorgänge von dem Ballon seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung Ecke Kurfürstendamm und Fasanenstraße beobachtet. 20 Minuten vor 9 Uhr hörte er lauten Lärm auf der Straße und sah aus der Richtung der Ge- dächtniskirche her eine Menschenmenge heranfluten, die er aus mindestens 1S00 Menschen schätzte. Die Leute wurden zweifelsohne dirigiert. Ganz besonders sielen ihm zwei junge Menschen auf, die in der Menge selbst gingen, fünf gut- gekleidete Herren standen etwa dreiviertel Stunde unten vor seinem Hause und unterhielten immerfort gegenüber der linken Ecke des Kurfürstendamms mit Hilfe zweier Patrouillen Verbindung. An dieser anderen Ecke stand vor dem Lokal Kempinski etwa 12 Minuten! lang ein Mann, der immerzu rief:„Juda!", worauf die Menge! auf einen Wink eines zweiten neben dem ersten stehenden Manne antwortete mit„Verrecke!" Der Mann rief daraus„Deutschland!", der andere antwortete darauf„erwache!". Gegenüber dem Lokal Kempinski, vor der chinesischen Gesandtschaft standen zwar zwei Polizeiposten, sie griffen aber nicht ein, wohl weil sie gegen di« große Mengen sowieso nichts hätten ausrichten können. Der Zeuge beobachtete auch, wie ein gulgekleideter Herr mit einem Blumenstrauß in der Hand j von 15 bis 20 Mann überfallen, über das niedrige Gilter in der Mitte des kursürstendamms geworfen und mit Jüßen getreten wurde. Vors.: Machten die Leute den Eindruck des üblichen Kur- fürstendammpublllums. Zeuge: Durchaus nicht! Der Kur- fürstendamm bot ein ganz anderes Bild. Während man sonst um diese Zeit gar keine Radfahrer und Motorräder sieht, wimmelle es geradezu davon. Die Radfahrer befanden sich die ganze Zeit in Verbindung mit den Fußgängern, es wurde hin und her gewinkt und hin und her gerufen. Ich habe lange mit mir gekämpft, ob ich mich als Zeuge melden soll, ich habe es anfangs nicht getan, weil ich nicht wollte, daß proletarische Angeklagte, einerlei ob von rechts oder von links, noch unter dem ersten Eindruck der Ereignisse und bei einer Stimmung, di« durch die Ereignisse unbedingt elne gereizte sein muß, der Strafe zugesührt werden. Wenn ich mich zur zweiten Verhandlung trotzdem gemeldet habe, so, weil ich sah, daß man nach dem Grund-! satz zu verfahren beabsichtigte:„Ihr laßt den Armen schuldig werden.'dann überlaßt ihr ihn der Pein!" Es wurde behauptet, die Exzesse aus dem Kurfürstendamm seien nicht organisiert gewesen. Das hat mich empört! In Wirklichkeit wurde verfahren nach dem Sprichwort: Jeig im Mute! Mar die Polizei nicht da. so wurde gejohlt. zeigte sich ein Polizeibeamter, so bog man sofort in eine Straße ein, etwa in die Meineckestraße, um dann durch die Lietzenburger und die Fasanenstraße wieder auf den Kurfürstendamm zurückzukehren. Ich sah auch ein rotes Auto dreimal an meinem Hause vorbeikommen, ich sah, wie Passanten in der Nähe vom Cafe Wien immerfort angerempelt und aus den Fahrdamm geschleudert wurden. Als ich zehn Minuten von meinem Balkon aus die Vorgänge beobachtet halle, erschien das erst« Polizeiauto mll 6 bis 8 Schupoleuten, es wurde ein junger Mann festgenommen, dann fuhr das Auto weller. Als immer noch kein« Polizei kam, rief ich— es waren bereits 20 Minuten vergongen— die Abteilung la an, ob man auf dem Kurfürstendamm nicht nach dem rechten sehen wolle. Vors.: Weshalb kamen Sie nicht früher auf die Idee, die Polizei anzurufen? Zum Beispiel sofort als Sie den Mann vor Kempinski bemerkt hatten. Zeuge: Ich werde ihn wohl erst später gesehen haben Nach der Räumung des Kursürstendamms durch die Polizei, 30 Minuten, nachdem ich meinen Bevbachmngsposten bezogen hatte, bot der Kurfürstendamm das übliche Bild, ab und zu sammelten sich noch einzelne Gruppen von Leuten, die„Deutschland erwache!" riefen. Vors.: Standen da aber immer noch die fünf Leute, die Sie für einen Posten hiellen, vor Ihrem Hause? Zeuge: Ja. Der Posten war nur kleiner geworden. Zeuge, Rechtsanwalt Mehring. der am 12. September übel zugerichtet worden ist(während der ersten Verhandlung lag er noch an seinen Verletzungen darnieder und war deshalb nicht in der Lage, im Gerichtssaal zu erscheinen): Etwa 20 Minuten vor 9 Uhr verließ er an dem Krawallsonnabend die Wohnung seiner Ellern Leibnitz-, Ecke Mommfenstraße, traf Ecke Giesebrechtstraße seinen Bruder und ging mit diesem den Kurfürsten- dämm entlang zum Gloriapalast. Er hörte irgendwo laut rufen, auch halle der Kurfürstendamm nicht das übliche Aussehen. Die Rufe wurden deutlicher, er dachte an eine polllische Demonstration, wollte umkehren, der Bruder beruhigte ihn aber. Er wurde von acht Personen in Sportkleidung überholt, härte deutlich Rufe „Deutschland erwache!", wußte nun, daß es sich um sine national- sozialistische Demonstration handle, und überlegte bei sich: Ich bin ja kein Jude, habe keine feindlichen Beziehungen zu National- sozialisten, habe mich auch niemals gegen sie bloßgestellt, habe also keinen Grund zur Befürchtung, angegriffen zu werden. Kaum war der erste Trupp von Nationalsozialisten vorbei, als immer größere Trupps folgten. Es war schließlich ein« derart kompakte Masse, daß der Zeuge und sein Bruder aus den Rinnstein herabgedrückt wurden. Plötzlich löste sich ein 19jähriger Bursche von einem der Trupps und ging nun eine Zeitlang in engster Tuchfühlung mit dem Zeugen die Straße entlang. Der Bursche ließ nicht von ihm und starrt« ihm immerfort ins Gesicht. Der Zeuge sagte schließlich: Lassen Sie mich in Ruhe, ich bin ja kein Jude, was wollen Sie von mir? Im selben Augenblick gab der Bursche mit einer Trillerpfeife ein Signal, von allen Seiten liefen die Nationalsozialisten herbei, der Zeuge oersuchte sich im Laufschritt vor der Meute zu retten, er erhiell aber an der Ecke Knesebeckstraße einen Schlag gegen den Hinterkopf, zwei Burschen sprangen über das kleine Gitter in der Mitte des Kur- fürftendamms. schrien: Schießt doch den Judenhund, das Judenaas, nieder! Der Zeuge lief jetzt über den Fahrdamm zum Cafe Reimann, erhielt einen Schlag gegen die Brust, fiel zu Boden und fühlte nur, wie auf ihm herumgetrampelt wurde. Dann sah er, wie ein starker Mann mit Wickelgamaschen in einem braunen Jackett m>t Koppel die Leute mit beiden Armen fortstieß. Der Zeuge erhob sich, ging ins Cafe Reimann hinein und wurde gleich darauf von einem Arzt verbunden. Er hatte eine oofene wunde am Hinlerkopf, mehrere Beulen am Schädel und im Geflchk, eine Kontusion in der Brust und eine Schwellung des Blasengrundes. Er mußte zwei Wochen das Bell hüten und erhall sich auch erfi jetzt nur langsam von der leichten Gehirnerschütterung, die er davongetragen. Auf die Frage der Verteidigung und der Staats anwaltschaft erklärte er, daß er im ganzen Umkreise keinen Schupo gesehen hatte. Sein Bruder habe ihm hinterher berichtet, daß er von einigen Burschen festgehalten worden sei, und als er gebeten habe, laßt den Mann doch los. er ist mein Bruder, er ist kein Jude erhiell er zur Jntwort:„Was, du willst einen Judenhund verteidigen, er ist gar nicht dem Bruder!" Es folgen in ziemlich schneller Aufeinanderfolge di« übrigen Opser der Kurfürstendammexzesse, ihre Aussagen sind bereits von der ersten Verhandlung bekannt, man erhält auch jetzt wie damals ein anschauliches Bild von dem Wüten der Hitler-Mannen. Befoderns erwähnt zu werden verdient die Aussage des jüdischen Zeugen Nickel, der den Nationalsozialisten, die im Begriff wcireu über ihn herzufallen, zurief:..Ich bin Invalide", trotzdem aber e'?"m Schlag erhielt, daß er blutete. Für die Rädelsführerschafl des Stahlhelmführers Brandl • sind die Bekundungen des Zeugen Pavel von Bedeutung. In einem Zellraum von dreiviertel Stunden hat er den Wagen au« dem Kurfürstendamm dreimal beobachtet. Das Auto fuhr größten- teils sehr tangsam, die Autoinsassen— Brand und mll ihm drei andere junge Leute— wechselten Zurufe mit den Auto- i n s a s s e n: der Zeuge will einmal auch gemerkt haben, wie un- mittelbar nachdem der Wagen in die Fasanenstraße eingebogen war, von dort etwa 150 Nationalsozialisten herbeigestürzt kamen. Das Auto war dem Zeugen durch die einheitliche Kleidung der Insassen aufgefallen: er hat sich auch sofort die Nummer des Wagens notiert. Die Verteidigung oersucht, den Zeugen als unglaubwürdig hinzustellen, prüft ihn auf Herz und Nieren nach seiner etwaigen politischen Zugehörigkeit— er gehört aber weder zur Kommunistischen Partei noch zum Reichsbanner oder zur Sozial- demokratischen Parteil Sie forscht auch nach dem Anlaß, w e s- halb er sich selbst als Zeuge gemeldet hat. Antwort: „Well ich eben feststellen wollte, ob angesichts der Rufe, die ich aus dem Wagen gehört habe, zwischen diesem und den Demonstranten eine Verbindung bestand." RA. Dr. Freißler beantragt, den Freund des Zeugen zu laden, mit dem dieser angeblich für den Abend einen Kinobesuch verabredet hatte. Es soll auf diese Weise die Glaubwürdigkeit des Zeugen festgestellt werden. Gklareks Bestellzwang. Beschwerden über die unliebsame Konkurrenz. Zu der heutigen Verhandlung de« Stlarek-Prozesses wurde der iu der Anklage eulhalieue Vorwurf erörtert, daß die Angeklagleu Sklareks ihre Lieferungsberechligung bei den städtischen Stellen als Bestellzwang mit Hilfe der Angeklagten S a k o l o f f k i und Gäbet durchzudrücken versuchten. Am 1. Juni 1926 erging, wie der Vorsitzende feststellte, in diesem Zusammenhang eine Verfügung an di« Bezirks- ämter, daß sie von der KVG., die inzwischen die Sklareks über- nommen hatten, beziehen sollten. Einige Bezirksämter aber leisteten dagegen Widerstand mit der Begründung, daß sie mit anderen Firmen bessere Erfahrungen gemacht hüllen, als mll den Sklareks. Die Gebrüder Sklarek erfuhren hiervon und wandten sich sofort beschwerdeführend an den Magistrat, worauf durch Sakolofski eine erneute Verfügung erging, daß bei den Sklareks zu kaufen fei. Sakolofski stellte heute jede Pflicht- Widrigkeit in Abrede. Dem Angeklagten Sakolofski wird serner der Vorwurf gemacht, daß er das ihm übertragene Kontroll- recht des Magistrats über die Preise und Qualität der Sklarekschen Waren nicht genügend ausgeübt habe. Er verteidigte sich damit, daß ihm in zwei Iahren nur 17 Beschwerden zu Ohren gekommen seien, bei denen er zehn Fälle als begründet und sieben als unbegründet erachtet habe. Auf di« Frage des Vorsitzenden, wie er die Prüfung ausgeübt habe, erklärte er. daß er die Spanne zwischen Einkaufs- und Berkaufspreifen geprüft habe. Unter ziemlicher Heiterkeit der Zuhörer erklärte Sakolofski dann weiter, daß er in dem Schaufenster anderer Berliner Geschäfte sich die Preise angesehen und verglichen habe, worauf der Vor- sitzende meinte: Das kann man doch leine Prüfung nennen, wenn man sich die Schaufenster ansieht. Sakolofski: Ich befand mich doch bei den Sklareks in einem Geschäft, wo alles in Ordnung war. Die ganze Familie erschossen. Mann tötet die Ehefrau, seine drei Kinder und sich selbst. Finsterwalde, 29. Oktober. I« der Nacht zum Tonnerstag hat der 40 Jahre alte Kassierer der hiesigen Ortskraukenkasse, Richard Kneitel, seine Ehefrau und seine drei Kinder erschossen. Man nimmt an, daß er seiner Familie vorher ein Schlafmittel beigebracht hat. Nach der Tat hat sich Kneifel selbst erschossen. Ter Grund zur Tat ist bisher noch unbekannt. Feuer am Tiergarten. In den heutigen frühen Morgenstunden wurde die Feuerwehr nach dem Wohnhaus Siegmundshof 16, unwell des Bahnhofs Tiergarten, alarmiert, wo im Dachstuhl des Seitenflügels Feuer ausgebrochen war. Beim Eintreffen der Wehren, die unter Leitung des Oberbaurats Berg mit mehreren Schlauchleitungen in die Be- kämpfung des Brandes eingriffen, hatten die Flammen bereits ans eine Mansarden wo hnung übergegriffen. Zum Glück konme das Feuer an der gefährdeten Stelle abgeriegelt werden, so daß der größte Teil der Wohnung gerettet wurde. Nach mehr als drei- stündiger Tätigkeit konnten die Wehren wieder abrücken. Die Eni- stchungsursache des Brandes ist noch Gegenstand der kriminal- polizeilichen Untersuchung. Ein weiteres Dachstuhlbrand befchästigte die Feuerwehr heute mittag in der P l a n e t e n st r a ß e 1 in Neukölln. Zwei Löschzügc waren längere Zeit mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt. Der Ausfichtsrat. Herrn Rcmhart von der Kommerzbank zugeeigtiet. Komm, mein kleiner Bankdircktor, In mein Aufsichtsrätchen! Bist du kein sehr Aufgeweckter, Darfst du dich betät'gen. Erste Pflicht: Sei wie ein Blinder, Dem das Licht genommen. Denn sonst könntest du ja hinter Meine Schliche kommen. Zweite Pflicht: Sei wie ein Tauber, Gar nichts darfst du hören, Denn bei meinem fau'.en Zauber Sollst du mich nicht stören. Dritte Pflicht: Sei wie ein Stumm r Jeden Fisch beschäme... Du hast nur als tote Nummer Anspruch auf Tantieme! Wisse auch von den Krediten Nichts, die du gegeben... Führer Est du mit Meriten Dann im Wirtschaftsleben! llans Bauer. Katzenellenbogen im Verhör. Staatsanwalt interessiert sich für den Herrn Generaldirektor. Der bisherige Generaldirektor des Schultheiß-Patzenhofer- Konzerns, Ludwig Katzenellenbogen, ist am Mittwoch von einem Sonderdezernenten der Staatsanwaltschaft zehn Stunden vernommen worden. Die Vernehmung ging vor sich in Anwesen- heit des Staatskommissar- an der Berliner Börse, Ministerialrat Dr. Neufeld vom preußischen Hondelsministerwin. Die Anwesenheit Neufelds erfolgte, weil zu den Hauptpunkten der Beschuldigungen gegen Katzenellenbogen der gehört, daß der Prosekt vom Februar 193l zur Börsenoorführung der jungen Schullheiß-Aktien nicht aus die Aktiengeschäfte des Konzerns hingewiesen hat. Hitler seht die Polizei ab. Amtsanmaßung in Braun'chweig. Während des Hitlertages in Braunschweig hat der Hitlersche Schutz-Sturm(SS.) tatsächlich die Polizeigewalt ausgeübt. Hitlers Polizei hatte mit eigenen„Bereitschaften", eigenen„U e b e r- f a l l k o m m o n d o s" mit Kraftwagen und eigener„Kriminal» Polizei" einen regelrechten Dienstbetrieb eingerichtet. Mit den Herrschaften von der SS war nicht leicht auszukommen. Die legalen Kriminalbeamten z.B. konnten nicht, wie es ihr Beruf erfordert, sich überall frei bewegen. Der amtliche Ausweis als Kriminalbeamter genügte nicht, um die Nazi- obsperrungen zu passieren. Auch wer sich dienstlich als Kriminal- beamter auswies, wurde von der SS.-„Polizel" zurückgewiesen, wenn er nicht einen von der Nazi pol i ze i ausgestellten, vom Polizeipräsidium lediglich beglaubigten Hinweis vor- weifen konnte. Dieser Ausweis war folgendermaßen beschriftet: ■a SK-Treftm Vraunfchweig am 12. and 18. OKobct 1931 Paffierfchein Inhaber dieser Karte ist berechtigt, alle Absperrungen bei den Veranstaltungen des SA.-Treffens in Braunschweig am 17. und 18. Oktober 1931(ausgenommen die Hitler- Kundgebung in der Stadthalls) zu passieren. bfi (Handschriftliche Unterschrift) (runder Stempel) Freistaat Braunichwcig H Polizei Braunschweig Präsidium ASdKp. Aufmarschleitung Der Gruppenführer Nord. I. A.; Stüwer, Major a. D. Der SS.-Polizei Hitlers machte es einen Heidenspaß, Kriminal- beamte. die Dienst taten, zurückzuweisen, wenn sie„nur" auf ihren amtlichen Ausweis(rote Karte mit Blld) die Sperrketten passieren wollten-, die Veaniten mußten den SA.-Passierschein vorzeigen. Ein Polizeihauptmann hat versucht, dagegen einzuschreiten. Er hat sich aber unter dem Hohngelächter der umstehenden Nazis von seinem Minister K l a g g e s belehren lassen müssen, daß die Polizei sich mit Anordnungen der Naziführung abzufinden habe. _ 101 vi t r. i ro i in;„auuiiiiii�c iraii Mitglieder 75 Vf., Nichmiitglieder 1 M. Kamera(Unter den Linden 14). Freitag bis Älontag Degeta. Gastspiel; Uraussübruna: Jackie Coogan WTomZawher. Jugendliche haben Zu- triti Borsührungen: 3, 5. 7 und 9 Uhr. Problematik der Hörgemeinschasten Bericht über eine Aussprache. Die Frage, ob Rundfunk-Hörgemeinschaften einen Sinn hoben, ob sie bei der Sendung bestimmter Darbietungen zur Vertiefung oder Verbreiterung des für den einzelnen möglichen Hörerlebnisses führen können, ist heute nicht mehr umstritten. Eine sachliche Um- grenzung des Aufgabenkreisss der Hörgemeinschasten gibt es jedoch noch nicht. Unter diesem Gesichtspunkt war eine grundsätzliche Aus- spräche von Bedeutung, die der Ausschuß für Rundfunk- hör stunden über proletarische Hörgemeinschasten veranstaltete. Die Diskussion ging von einem Vortrag aus, den Dr. A x e l N e e l s hielt über das Thema:„S ch a f f t H ö r g e m e i n d e n". Dr. Neels charakterisierte in seinen Ausführungen den Rundfunk, und zwar besonders die Deutsche Welle, als Volksbildungsinstrument. Die oolksbildnerischen Möglichkeiten scheinen ihm vor allem durch Ge- meinschaftsempfang auswertbar, den er nicht nur für die von der Deutschen Welle dazu vorgesehenen Zyklen, sondern auch für wesent- liche Einzeldarbietungen der verschiedensten Art empfahl. Die Aussprache ergab sehr interessante Resultate. Vor allem klärten sich die etwas verschwommenen Begriffe„H ö r g e m e i n- s ch a f t" und„A b h ö r st u n d e". Es zeigte sich, daß die auf ver- schiedsnen Gebieten volksbildnerisch tätigen Menschen je nach ihrer Einstellung etwas anderes darunter verstehen. Die Diskusston um- riß schließlich deutlich drei voneinander völlig verschiedene Arten von Hörgemeinschaften: die Hörgemeinschaft zur voltsbildnerischen Auswertung einer ausgesprochen wissenschaftlichen Sendung, die Hörgemeinschaft, die für den Rundfunk zur kritischen Stimme des Hörers wird, die aber gleichzeitig auch zum richtigen Rundfunkhören erzieht, und schließlich jene Hörgemeinschaft, die von den Rundfunk- gesellschaften in erster Linie aus werbetechnischen Gründen angeregt und geleitet werden. Mit dieser letzten Gruppe hat der Ausschuß für Rundfunkhör- stunden sich nicht zu befassen. Es handelt sich hierbei um ausgs- sprochene Untsrhaltungsabends, an denen aus Schallplatten und Funksendung en Programm zusammengestellt wird, daß an die geistige Mitarbeit der Hörer keine wesentlichen Anforderungen stellt. Ganz anders verhält es sich bei den beiden anderen Arten von Hörgemeinschasten. Für die sozialistischen Kulturorga- n i s a t i o n e n im weiten Umfange ist besonders die Schaffung sol- cher Hörgemeinschasten wichtig, die den Sendeleitungen Verständnis- volle Kritik der Darbietungen vom Hörer zu übermitteln vermögen. Es wurde in der Aussprache mit allem Nachdruck hervorgehoben, daß es Aufgabe der proletarischen Organisationen sei, die hinter ihnen stehenden Massen zum kritischen Verständnis der Rundfunk- Programme und ihrer einzelnen Darbietungen zu erziehen. Nur so ist es möglich, sinnvolle Massenkritik zu schassen und die Funk- Programme furchtbar zu beeinflussen. Es wäre unverzeihlich, wenn die Arbeiterorganisationen hier das Feld achtlos dem Klassengegner überliehen. Hörgemeinschasten oolksbildnerischen Inhalts sollten dagegen vorwiegend den Volksbildungsorganisationen überlassen bleiben. Einmütig kam die Auffassung zum Ausdruck, daß der Rund- funk Volksbildungsarbeit im tieferen Sinn nicht leisten könne. In seinen kurzen Vorträgen und Vortragszyklen, soweit sie sich in streng wissenschaftlichem Rahmen bewegen, kann er sich nur daraus de- schränken, sachliche Anregungen zu geben, die dann in anschließenden Kursen weiter verarbeitet werden können. Die bunte Zusammen- setzung schließt es aus, daß der Rundfunk etwa in der Art einer Volkshochschule das Bildungsbedürfnis des einzelnen erfassen und befriedigen könne. In der Aussprache wurde auch zu dem von der Deutschen Welle für den Gemeinschaftsempfang angesetzten Zyklus„Welt- anschauung und Gegenwart" grundsätzlich Stellung ge- nommen. Bedenken wurden laut wegen der Verwaschenheit der Themenstellung. Viele Diskussionsteilnehmer bedauerten, daß nicht eine enger, klarer umgrenzte Aussprachebafls gewählt worden sei, da es unmöglich scheine, drei Sprecher im Zeitraum von 45 Minuten über ein derart weites Gebiet so zu Worte kommen zu lassen, daß von ihrer Diskussion aus für die Hörer eine sinnvolle Weiterarbeit an dem Thema möglich sei. Wer die erste Sendung dieses Zyklus abhörte, die den Unter- titel„Protestantismus und die geistige Lage der Gegenwart" trug, muhte zu der Erkenntnis kommen, daß diese Einwände mindestens nicht ganz unberechtigt sind. Die Redner dieser Veranstaltung boten dem Hörer eine ausführliche Sonntagspredigt, eine in verkürztem Ausmaß und eine Reihe von Leitsätzen, die man als das Fazit dieser beiden Predigten ausfassen tonnte und die sich wie die Pre- digten durchaus im Gebiet des Metaphysisch-Religiösen bewegten, für den nicht religiösen Menschen also nahezu substanzlos und daher undiskutabel waren. Diese erste Veranstaltung war daher durchaus verfehlt, und zwar infolge der Themenstellung. Hätte man die pro- testantisch-religiöse Einstellung zu irgendeinem allgemein wichtigen Gegenwartsproblem darlegen lassen, so wäre von diesem Punkt aus ohne weiteres für jede richtig geleitete Hörgemeinschaft die Möglichkeit zu einer sinnvollen Weitcrarbeit und einer fruchtbaren Aussprache gegeben gewesen. Wurde aber das Thema absichlllch so wenig scharf umgrenzt gewählt, um den einzelnen Sprechern geistige Bewegungsfreiheit zu lassen, so wäre, um aus jeden Fall Leerlaui zu vermeiden, eine kontradiktorische Aussprache vor dem Mikrophon für jede Veranstaltung notwendig gewesen, die zwei entgegengesetzte Weltanschauungen gleichzeitig dem Hörer sichtbar machte. Da die Deutsche Welle ausdrücklich diesen Zyklus für den Ge- meinschaftsempfang herausgestellt und entsprechend dafür geworben hat, war diese Eröffnung besonders zu bedauern. Zahlreiche Gruppen werden sich zusammengefunden haben, die nach Abschluß der Dar- bietung hilflos die Unmöglichkeit einer Diskussion darüber einsehen mußten und die aus dieser Erkenntnis eine grundsätzlich ablehnende Einstellung zum Gemeinschaftsempfang ähnlicher Darbietungen über- Haupt gewannen. Das ist natürlich ganz falsch. Es wäre auch falsch, wenn die in solchen Abhörgruppen zusammengeschlossenen Hörer auf Grund dieser ersten Darbietung das Interesse an dem gesamten Zyklus verlieren wollten. Wenn die Redner der späteren Sendungen aus diesem Fehlschlag die notwendigen Konsequenzen ziehen und ihre Ausführungen freiwillig enger eingrenzen, als das die Themen- stellung der Deutschen Welle tat. so kann bei sachverständiger Leitung noch mancher fruchtbare Abend sich aus dieser Vortragsreihe ergeben. Tos. Aus Berliner Kunstausstellungen. Schrtiidt-�otttoff, Manolo, Eltan und Sola Schwarz. Bei Flechtheim(Lützowufer 13) sieht man den deutschen Maler Karl Schmidt-Rottluff und den spanischen Bildhauer Manolo. Von Schmidt-Rottluff sind neue Bilder au» den letzten Iahren da, di« eine bedeutsam« Wandlung in seinem Stil anzeigen. Seine Blldwirkung hatte er stets auf sehr reiner und starrer Farde und aus strenger Flächentektonit aufgebaut. Jetzt lockert er das Bi>d- gefüge zugunsten einer mehr naturhaftcn Darstellung und an Stelle der geistigen Bedeutung der Farbe treten ihre sachbezeichnenden Eigenischaften. Man hatte schon seit einiger Zeit bei Niercndorf Proben dieser neuen Weise in Gestalt von schönen Landschafts- aquarellen gesehen. Im Oelbild scheint die Wandlung noch nicht vollendet: sie erweckt den Eindruck von Unsicherheit. Die Kleinskulpturen von Manolo gehören zu den schönsten Werken moderner Bildnerei. Si« sind so selbstverständtich wie die Natur selber; eben weil sie nicht„naturalistisch" sind, sondern auf starke und natün'iche Weise den Mann, den Stier, den Frauenakt vereinfachen. Erdgebunden und schön, Produkte eines glücklichen Mittelmeergestades, stehen diese ringsum gerundeten, vitalen und wahrhaftigen Geschöpfe da: klein im Format, aber ii� der Gesinnung groß und von hohem Adel der Kunst. Diese Zklarheit der Form vermißt nian bei den Skulpturen von Benno E l k a rt(bei Hartberg, Schönebergcr Ufer 41). Ein Mar- mortorso besitzt relativ« Einfachheit und erscheint darum als das Beste: ein gewaltiger Bronzeleuchter mit 32 alttestamentarischen Figürchen ist aus religiösem Gefühl entsprungen und besticht durch ornamentale Verdienste. Das eigentlich plastische Werk, Bildnis- köpfe in Bronze, will allzu viel Physiognomisches geben und gleitet ins Unwahrscheinliche und Intellektuell-Verkrampfte. Einen liebenswürdigen und liebenswerten Eindruck macht die kleine Sanderschau von Sala Schwarz bei Goertel(Passauer Straße 2). Die malerischen Probleme ihrer Porträts und Landschaften sind unkompliziert und ihre Lösungen voller Anmut: ins- besondere weiß die jung« Künstlerin den Reiz junger Frauen mit ernschast malerischen Mitteln wiederzugeben. Ihre Federzeichnun- gen, freie Kompositionen ervegt«r Massen, verraten eine starte Phantasie und Kraft graphischer Versinnlichung. » Paul Cassirer, Vittoriastrahe 35, stellt zwei Prioatsammlungen aus, die im November bei Boerner in Leipzig zur Versteigerung gelangen. Die eine, aus dem Besitz des bekannten holländischen Rembrandtforschers Hofstede de Groot. enchält auserlesene Hand- .Zeichnungen von Rembrandt und anderen Holländern ! des 17. Jahrhunderts. Die Dualität der Zeichnung ist überall so i hoch, daß auch Maler dritten Ranges in vollkommener Meisterschaft ! erscheinen. Den mteresianteren Teil bildet die Sammlung Carl Sachs, die Graphit des 19. Jahrhunderts enthüll Franzosen über- wiegen: Möryon, Daumier, Millet, Forain. Toulouse-Lautrec, daneben vor allem Edvard Münch mit schönsten Blätter und Anders Zorn; Deutsche treten erstaunlicher- weise zurück. Auch hier ist die graphische Feinheit und der künst- lerische Wert ganz auserlesen. Schließlich sind noch einige herrlich« � Stiche von Schongauer und Dürer diesen kostbaren Samm- lungen gleichwertig angeschlossen. Es ist ein« irrige Vorstellung, daß man unter großer Kunst nur Malwerke versteht. Von Sammlungen der Graphik und Zeichnung, die mit so hoher Kennerschaft ausgesucht worden sind, wie diese, kann man tieferes Verständnis und mehr Genuß haben, als von ganzen Bildermuseen. Es kommt auf die Auswahl an; und in diesen ganz herrlichen Blättern steckt Hoheit und Sinn der ganzen Kunst. Man sollte diese Gelegenheit nicht versäumen. Bau! B. Sehmi.it. Technische Lehrgönae. Do- Außeninstilut der Technischen Hochschule, dessen Veranstaltungen ohne irgendwelche Formalitäten jedermann zugängllch sind, der glaubt, ihnen folgen zu können, beginnt seine Vortragsreihen mit dem Semesteranfang am 2 November d. I, und zwar: 1. Die technischen Grundlagen des Tonfilm»: 7 Doppelstunden Vertrag, Montags 18� Uhr, pünktlich, Aula der Technischen Hochschule. Beginn: Montag, 2. November.(Preis 12 M.) 2. Grundzüge der HöherenMathemaiik: 5 Doppel- stunden Vortrag, Freitags IS'/i Uhr pünktlich, alter Physikol. Hörsaal, Hauptgebäude. Beginn: Freitag 6. November.(Preis 5 M.) 3. Ausbildungskurse für Kon st rutteure auf schwcißtechnischem Gebiet(Schwcißtechnisches Kon- ftruieren): 4. doppelstündige Ausspracheabende an festzulegenden Tagen, 18 bis 20 Uhr. Allgemeiner Beginn: Freitag, S. November, 18 Uhr. Hörsaal 11 358.(Preis 25 M.) 4. Grundlagen der Statik und Dynamik: 5 Doppelstunden Vortrag im Dezember�Ianuar: Freitags. 18h- Uhr pünktlich: alter Physikol Hörsaal, Hauptgebäude. Beginn: Freitag. 11. Dezember.(Preis 5 M.) ■üd-Ua ! Dies* schöne Porzellan-Bonbonniere, gelallt mit köstlichen Pralinen ist unserl 'Weihnachts-Geschenk. Wir zeigen es Ihnen jetzt in unseren Schaufenstern. Sie werden sehen, wie praktisch es zu verwenden ist. Auch passt es zu unserem Kaffee- und Tee-Service aus echt bayerischem Qualitits-Porzellan. Leicht � 1/ Werkspionage bei LG.-Karben. Mer Kommunisten verhaftet. Bilteffeld, 29. Oktober.(Eigenbericht.) x)tc Verhaftungen am Dienstag erfolgten aus Anlaß einer auf- .eckten Werkspionage zugunsten Rußlands, die in den Betrieben er JG.-Forben feit längerer Zeit von mehreren Personen betrieben nurde. Sowohl in den Bitterfelder Werken wie in Leverkusen und in den Berliner Büros der JG. wurden verdächtige Beobachtungen gemacht und insgeheim fortgesetzt, bis sie sich auf einen bestimmten Personenkreis verdichtete. Verhaftet wurde der ehemalige Stadtverordnete Ziegler- Bitterfeld, der Führer der kommunistischen Krcistagsfraktion Thiele, Niemegk, das Kreistagsmitglied Müller. Greppin und Gruner, chammermühle. Sie wurden von dem Oberstaats- anwall Luther aus Halle eingsheird vernommen und dann abgeführt.| Es handelt sich hier nicht nur um Privatinteressen der JG.- Farben. Kennt ein anderer Staat die Fabrikationsgeheimnisse der JG., dann wird er die Waren selber herstellen lassen und sie nicht mehr aus Deutschland beziehen. Der Verlust des Absatzmarktes bedeutete in diesem Falle zugleich die Arbeitslosigkeit taufender deutscher Arbeiter. Freilich, für JG.-Farben war dies kein 5)indc- rungsgrund, Patente an Frankreich zu verkaufen. Die KPD.-Pressc sucht den Vorfall in Bitterfeld zu koinpcn- siercn, die„Enthüllungen über eine Wirtschafts- s p i o n i n", die zugunsten der JG.-Farben in der Sowjetunion tätig gewesen sei. Die Verwandte eines Aufsichtsratsmitglieds der JG. sei zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken in die Sowjetunion gereist und habe dort besonders geheime Mechoden der Land- Wirtschaft(!) der Sowjetunion ausgekundschaftet. Die Wachsamkeit der Sowjetwissenschafller habe verhindert, daß bei dieser Spionage nichts heraus kam. Besonders glaubhaft klingt diese Geschichte nicht. Metallschiedsspruch für Köln. Stundenlohn von 55 auf 80 Pf.„ermäßigt". Köln. 29. Oktober. Nach langen Verhandlungen fällte der Schlichtungsausschuß für die Kölner Metallindustrie einen Schiedsspruch. Der Lohn des Standardarbcitcrs ermäßigt sich hiernach ab 1. November von 83 auf 89 Pf. Das Abkommen kann erstmalig zmn 31. März 1932 gekündigt werden. lieber Annahme oder Ablehnung sollen sich die Parteieu bis Sonnabend erklären. Verantworil. für die Redattion: stich. Bernstein, Berlin:'Anzeigen: Tb. S lacke, Berlin. Perlag: Vorwärts Verlag G. m. b. 6., Verlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Vau! Einger& Co.. Berlin E3B 68. Lindenitrake 3. Sier»» 1 Beilaae. �(5efchäß$ Jtnjäger � (Qezirfc Horden- Cfien z UJ 5 X W 2 q; uj h- 2 D Z3 < CO w c/) O (n CJ < I o CO 2 UJ UJ a 01 »AUHUTTC ÜSERHM orann GmWWotail EitenwareDhandlung Berlin- MteiOensee Berliner Allee 20 LLER BERLIN SW 48/ WILHELMSTRASSE 106 FERNSPRECHER: AI JÄGER 6791 maierhotte Berlin G.m.b.H. VORMALS U ALEREISENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1SU NQ18, LANDSBERGER ALLEE38-3S FERNSPR: E 4 ALEXANDER C©2S— 30 ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG BERLINER ELEKTRO HUTTEH G.M.B.H. 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Sie tun empört, wenn man ihnen nichts abnimmt, und beleidigt, wenn man sie fragt, warum sie denn gerode Bilder inachten, wo es doch sicher noch andere Arbeit gäbe, die sich besser bezahlte. Einmal habe ich dabei allerdings zur Antwort bekommen:„Wissen Sie, einen Malerei- betrieb, wo man einen Gehilfen braucht? Ich bin im Augenblick bereit, anzufangen.* Doch auf eine solche Antwort kommen drei Dutzend andere:„Was, meinen Sie vielleicht, ich soll Wände an- streichen: erlauben Sie mal, ich bin Künstler.* Und dann führt er hundert Empfehlungen ins Feld und wartet mit anderen hundert Namen auf, die seine Werke airgeschafft: nur die ougenblick- liche Wirtschaftsnot zwinge ihn, seine Produkte selber anzubieten, sonst wäre das wahrhaftig nicht notwendig. Einem solchen Falle bin ich einmal nachgegangen, Er, der Künstler, war Angestellter in einem städtischen Büro gewesen. Wegen eines Beinschadens aus dem Kriege bezog er eine mittlere Rente. und Rente und Gehalt boten ihm imt seiner Familie, Frau und drei Töchtern, eine auskömmliche Existenz. Es gab nicht wenige Mit- menschen, die ihn beneideten Doch er selber war nichts weniger als zufrieden. Die zeichnerische Arbeit, die er an seiner Arbeitsstätte zu erledigen hatte, war ihm eine langweilige Aufgabe, eine mechanisch« Beschäftigung. Wenn er an seinem Zeichenbrett stand, benutzten seine Gedanken jede Gelegenheit,.zu entweichen, heimwärts zu cnt- fliehen in fein„A t e l i e r*. Dort lebte fein wirkliches Ich, dort konnte er schaffen, seine Ideen gestalten, wie er sich auszudrücken pflegte. Eines Tages war der Entfchluh gefaßt, nach manchen Anläufen jetzt endgültig und unwiderruflich: er kündigt seine Stellung und fegt das Ziel seiner Träume in die» Wirklichkeit um, er wird freier K ü n st l e r. Di« Tränen der Frau konnten ihn nicht hindern: vielleicht hatte durch den Schnrcrz auch ein klein wenig Stolz auf solchen Mann hindurchgeklungen. Nun hatte er Zeit, hatte Muße, sich ganz seiner Kunst zu hinzugeben: nichts mehr sollte ihn von seinem hohen Wege ablenken. Der Anfang seines freien Schaffens fiel in die Jahre noch der Inflation, des Schcinauffchwunges der Wirtschaft. Die Nieirschen begannen sich von Kriegs- und Nachlriegsentbehrungen zu erholen, besannen sich auf Bedürfnisse, die über die Notwendigkeiten des Tages hinausgingen, sie kauften auch Bilder, bunte Oelgeinälde be- sonders gen?, denn das sah gebildet und wohlhabend aus. Unser Malersmann nahm an dieser Entwicklung beglückt Anteil. Seine ernsten Hafen- und schwermütigen Heidebilder fanden Absatz. Bei Freunden und Bekannten begann es, und ständig weitete sich der Kreis seiner Verehrer. Die Tränen der Frau waren längst versiegt. Die frühere bescheidene Wohnung war gegen eine standesgemäße vertauscht. Die Kinder besuchten die höhere Schule. Ernste Kritiker wurden als Pessimisten ferngehalten: begeisterte Freund«, die die Kunstwerke überschwenglich lobten, waren bessere Gesellschafter. Dann kamen die ersten Anzeichen der W i r t s ch a f t s n o t, kamen verringerte Einahmen, kam Erwerbslosigkeit. Für den Bilderabfatz unseres Künstlers machte sich dieser Wandel schnell und deutlich bemerkbar. Aber noch fühlle er sich sicher.„Wir Künstler", so sagte er,„haben das Recht und die Pflicht, nur unserer Kunst leben: das muß die Gesellschaft anerkennen und uns unsere Existenz sichern." Doch die Einschränkungen wurden umfangreicher, die Not wuchs, und niemand konnte und wollte mehr Heide- und Hafen- bilder kaufen. So zog denn der einst so Stolze mit seiner Oel- gemäldesanmÄung von Schule zu Schule, von Büro zu Büro. Wenn ihm jemand etwas abkaufte, geschah es aus Mitleid. Er fühlte es und stellte seine Bettelgänge ein. Nun nagt die Familie am Hungertuch der Rente. Für die Miete sorgen ein paar alte Freunde. Der Mann ist mit der Menschheit zerfallen. Er kann es nicht fassen, daß«r, der Künstler, von der Gesellschaft behandelt wird wie alle übrigen Erwerbslosen und vielleicht noch schlechter Noch immer pocht er in Gedanken auf sein Sonderrecht, und er läßt sich durch nichts überzeugen, daß Rechte und Leistungen erkauft werden müssen, und daß nicht er. sondern seine Mitmenschen das letzte Urteil über sein Werk fällen. Die Frau ist am Leben verzagt. Die Haus- Wirtschaft zerfällt. Die Kinder— sie sind arg verschieden. Die ä l t e st e Tochter ist eine kleine nüchterne Persönlichkeit, wie es deren unter der heutigen Jugend erfreulich viele gibt. Sie fühlt sich dort von Brocke» mrd Geschenken leben, wo'ein vernünftiger Vater mit etwas mehr klarer Ueberlegung es hätte anders einrichten können. Sie sieht die Notwendigkeiten der realen Well mrd verachtet Menschen mll Hirn- gefpinsten. Sie versteht die Mutter nicht, die gleichsam in einen» Dämmerzustand dahinlebt und von sich keinerlei Anstrengungen macht, vielleicht mit Frauenart die Dinge neu zu formen. Diese Tochter hat nur eine Sehnsucht: den Airbruch des Tages, an dem sie Geld verdienen und über sich bestiimnen kann. Di« beiden jüngeren Mädchen, 13 und 15 Jahre alt. zeigen solche Empfindlichkeit nicht. Sie leben hier und dort bei Freunden und Bekannten der Eltern, lassen sich von diesem kleiden und von jenem mit auf Ferienreisen nehmen, ohne daß ihnen auch nur ein unbequemer Gedanke käme. Der Vater, der noch immer seine Zeit im„Atelier" zubringt und den Vorrat seiner Bilder ver- mehrt, soweit das Geld zu Farben reicht, steht ihnen über allem Menschengewimmel. Sic vergießen bei seinen Ieremiaden bittere Tränen über die Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit der Welt. Durch die Schule quälen sie sich schlecht und recht, ohne sich einen Gedanken über dys Später zu machen. Muß der Erzieher nicht Angst haben, daß hier Menschen heranwachsen ohne Kraft und Hall? Erwerbslosigkeit ist ein Ungemach, an dem die davon Betroffenen völlig»mschuldig sind. Hier jedoch war es Unglück durch Unvernunft, wenigstens für den denkenden Betrachter. Daß hier Kinder Entbehrungen leiden müssen, ist tief bedauerlich: aber tragisch ist es, daß sie aufwachsen in einem Leben, das sich in Welt- f r e m d h e i t abspielt und in dem Alnrofcnempfangcn zur Selbst- verständlichkcll geworden ist. Es ist das keine Ställe zur Erziehung wirklichkeitsnaher Menschen und damll für das Leben brauchbarer Menschen, wenn.das/ Elternhaus den.von außen gegebenen Reali- toten aus dem Wege geht, desrvegen aus dem Wege geht, weit es glaubt, einen Anspruch aus eine Sonderbehand bcng durch die Ge- sellschaft zu haben. Eineii solchen Anspruch darf wohl niemand stellen und heute in der gehäuften Allgenrcirmot am allerwenigsten. Wer ein Sonderdasein führen will, nrag das tun; aber er soll dann seine Millneirschen nicht behelligen, sondern er soll zeigen, daß er auch Sonderkräste besitzt, das Leben auf seine Art zu meistern. SZto Förster: Märchmspiete unö Pädagogik Auf den Spielplänen der Berliner Theater erscheinen alljährilich bei Eintritt des Herbstes die Ankündigungen verschiedener Märchen- spiele. Vorwiegend beherrscht werden die Spielpläne von Werken nach Mottoen überlieferter Märchenschriftsteller. Die moderne Pädagogik lehnt mit Recht dieses alte Märchen ab. well das ; ind in einer Zeit übersteigerter Technik wenig Sinn und Ver- , ändnis für die Unmöglichkeiten dieser Bühnenvorgänge auf- d.ingen kann. Neben den» alten Märchen sehen wir mehr oder weniger ernsthaft« Versuche auf dem Gebiet des modernen Spieles. Als«in sehr glücklicher Erfolg in dieser Richtung sind die vielen Aufführungen von„P e t e r ch e n s M o n d f a h r t", dem„Neugierigen Sternlein* und ähnlichen Märchen anzusehei». Hierbei wird dem gesunden Empfinden des Kindes der heutigen Zell insofern Rechnung getragen, als sich ihm die u.r- wahrscheinlichen Vorgänge auf der Bühne schließlich doch n>»r als ein Traum oder Phantasiegebilde offenbaren, ganz im Gegensatz zu der Strukllir des alten Märchens, das keine Deutung der eben gesehenen, unerklärlichen Geschehnisse zuläßt. Weitere Versuche nach der realistischen Seite hin»voren bisher mehr oder weniger zum Scheitern verurteilt. Als völlig verfehlt muß z. B. auch das sogenannte Stück für Kinder„So viel Lärm um Muckepick" angesehen werden. Hier ist rveder der phantasievollen Märchenwelt, noch den Bestrebungen realistischer Darstellung ein Dienst erwiesen. Wollte man das letztere, so hätte man den schweren, verantwortungsvollen Dienst des Verkehrsschupo nicht in ständigem Essen und Schlafen und gelegentlichem Geplauder mit Kindern oortäufchen dürfen. Man sollte sich weiter darüber klar sein, daß Verkehrskenntnisse nicht von der Buhne eines Theaters mittels grotesker Pappfahrzeuge und theatermäßig aufgemachter Signallaternen zu vermitteln sind. Man kann ferner- hin durchaus auch dem Kinde verständlich wirken, wenn man die reine Bühnensproche gebraucht und nicht einen bis zum Frivolen gesteigerten Berliner Dialekt. Was man in diesem Stück an Kraft- ausdrücken hört, übertrifft bei weitem den Horizont des unbehütetcn Kindes vom Wedding oder aus der Ackerstrahe. Man sollte sich fernerhin davor hüten, bei einer Heranziehung des Kindes zum Mitspielen nur immer die Verschwcigung von Tat- stichen und das Betonen von Unwahrheiten zu verlangen. Es dars . ier mit Recht gefragt werden,»varuin sich die Verfasser derartiger Kinderstücke nicht mit der Bitte um Mitarbeit an pädagogisch ge- schulte Kräfte wenden. Ganz zweifellos hätte aus dem erwähnten Stoff ein Werk geschaffen werden können, das neben künstlerischen auch sittliche»»nd cry.herifchc Werte vermitteln konnte. Wir lehnen das alte Märchen ab, iveil die Vorftellungsuxlt des heuti- gen Kindes keinen Raum für greifbare Unwahrscheinlichreiten hat. Es muß. aber verlangt werden, daß in der Neugestaltung des Kinderspieles unglückliche Experimente zum Schaden unserer Kinder vermieden werden. Dr. Maria Faßbtnöer: Straße« ohne 4tade , Hans Schulze will Arbeit haben, verdiene»», zu Hause wieder abgeben wie stuiher. Er will wieder ein onstäirdiger Mensch werden. Er will nicht mehr unterschlagen, nein, er will das nicht mehr tun. Er ist ja wieder zu Hause. Vater hat ihn aufgenommen. Ueber das Geschehene wird nicht mehr gesprochen. Jetzt soll es anders werden. Hans wollte sich einmal satt essen, mal kaufen, was er wollte— Buletten, Würstchen, Puffer, ins Kino gehen, auf den Rummel Das Geld war bald alle, und dann— ja dann— wandern durch endlose Sttaßen, kall und fremd, die harte Bank im Tiergarten— Alex— Pollzei. Ja, es war nicht schön. Aber jetzt ist er wieder zu Hause, und Herr L-ukel vom Jugendamt will sich auch um ihn kümmern. Hans ist froh. Er hat Glück gehabt. Er hat Arb e it bekommen. 18 Mark die Woche. Hans ist fleißig. Er schuftet. Die Tage vergehen schnell— die Wochen. Am Tage saust Hans auf seinem Dreirad durch die endlosen Straßen Berlins — am Abend ist er müde— todmüde— er will nichts mehr. Er braucht nichts mehr. Nur schlafen— nur schlafen. Was soll er auch onfangcn. Niemand hat für ihn Zett. Keiner spricht mit ihm. Vater arbeitet den ganzen Tag. Am Abend nimmt ihn Partei und Gewerkschaft in Anspruch. Mutter ist obgcspanirt._ Sie ist krank, muß auch noch verdienen und schwer arbetten. Die Schwester geht oft am Abend tanzen. Hans ist allein. Hans ist einsam. Er ist zu 5)ause, aber doch fremd. Er hat keine Freude am Lebe,». Cr schuftet, er arbeitet, er müht sich— aber wozu? Es reicht gerade, um nicht zu verhungern— und vielleicht für ein Paar Schuhe. Kino. Rummel, Tanzen— daran ist nicht zu denken. Hans packt wieder die alte Sehnsucht. Einmal heraus, weit weg, die Welt sehen, im v-Zug fahren. Geld haben. Hans hat w i e d e r G c l d u n t e r s ch l a g e n. Er weiß nicht, wie es geschah. O-Zug Hamburg. Das Glück dauert nicht lange. Eines Tages war Hans in der Anstalt. Hans Schulze ist jetzt ein„verwahrloster" ' Jugendlicher. Er hat unterschlagen, er hat sich herumgetrieben und muß erzogen werden. Hans soll sich bessern. Hans ist nur ein Proletarierjunge. Nicht für ihn ist das V-Zug-Fahren, Weltansehen. Geldausgeben Hans hat zu arbeiten, tagein— tagaus, für 18 Mark die Woche. Am Abend, ja— da kann er froh sein, daß er ein Bett hat. Die Gesetze muß man kennen und achten— sie schützen den Besitz, sie schützen die Satten vor den Hungrigen, allein darf man sich nichts nehmen, jedem sein Teil— dem einen viel, dem anderen wenig. Hans wollte a»»ch das Leben ein bißchen genießen Dafür mußte er in die Anstalt. In der Anstalt ist es kalt und öde. Ein Tag vergeht nach dem anderen. Was wird denn besser gemacht? Wozu wird man erzogen? Gibt es nachher Arbeit? Gib» es Freude? Jung sein? Nein!— � Nachher ist es viel schlimmer. Da läuft man mit dem Stempel „F ii r f o r g e z ö g l i n g" herum. Mensch zweiter Klasse— ausgestoßen— da hat man's noch schwerer. Und hält man dich einmal für einen Menschen zwetter Klasse, da»»»» wirst du es auch» Es geht abwärts! Hans Schulze, du willst wieder anfangen, du willst trotz allem noch ein anständiger Mensch werden? Du willst aus der An- statt heraus, du willst wieder frei sein? Aber es ist vorbei mit dir. Du bist drin— die Maschine der Ordnung hat dich erfaßt und hott dich fest. Sie läßt nicht locker. Du host keinen eigenen Willen mehr.— Du hast es nicht verstanden, ein gefügiges Mitglied der Kefellfchast zu fein. Du wirst jetzt erzogen! Auch wenn es nichts Z/nutzt— denn Ordnung muß sein. Hans Schulze, der Proletarierjung« aus der Frankfurter Straße, du führst einen sinnlosen Kampf! Dein Weg führt zu kemem Ziel— deine Straße endet nicht— aber du gehst nicht allein, init dir gehen tausend Ringende, Verzweifelte, junge Wen- sehen— sie marschieren hungrig, zerlumpt und hoffnungslos. Sie suchen Leben und Freude. Aber die Straßen sind long, endlos lang. Sie haben kein Ende, solange das System, ,Per Zustand der Ordnung", Selbstzweck ist. Wir wissen, daß auch für diese Jugend einmal„der Weg ins Leben" führen wird. Soweit der Inhalt dieses erschütternden Buches von Justus Ehrhardt.„Straßen ohne Ende"(Agis-Verlag, Berlin) ist die Geschichte des unbekannten Grohftadtjungen Hans Schulz«. Eines von vielen. Justus Ehrhardt, in» Landesjugendoint Berlin, einer von den vielen, die sich mühen, die aber auch— und das ist dos Ent- scheidende— klar erkannt hoben, daß der wirtschaflliche Rahmen unseres Zusoinnrenlebens grundlegend geändert werden muh, wenn diesem Proletarierjunge» Hans Schulze wirklich geholfen werden soll. Und es muß ihm geholfen werden... Und ihr alle, ihr juirgcn und alten Proletarier, für die das Buch geschrieben wurde: Ihr dürft daran nicht vorübergehen, hier ist eine Aufgabe: Straßen ohne Ende... Elfe Modus: Arbetteebilöung m Velgie« Der Bildungsausschuß der Sozialdeinokratischen Partei hat ein Abkommen'mit den belgischen Genossen getroffen, nach dem auf jeder Reise eine Anzahl deutscher Sozialisten in der Arbeiter- Hochschule untergebracht wird, die in einem stillen, alten Part in der Vorstadt Uccle in Brüssel liegt. Hier gewinnt der Besucher einen Einblick in einen Teil der Bildungsbestrebungen, die sich aus den bescheidensten Anfängen mit Hilfe großer, selbstloser Opfer der belgischen Arbeiterschaft sich heute zu einer beachtenswerten Höhe entwickelt haben. In dieser Schule, die ursprünglich ausschließlich Führerbildungsstätte sein wollte und sich erst allmählich auf eine breitere Basis stellte, ist heute noch der Weg zu erkennen, den die gesamte proletarische Bewegung aller Läirder gehen mußte, um zum Bewußtsein ihrer selbst zu gelangen und die trostlosen kulturellen und politischen Zustände der 8ller Jahre des vorigen Jahrhunderts zu überwinden. Aber ein solcher Besuch in Uccle kann nur einen Ausschnitt geben und nur einiges aus den Bestrebungen der belgischen Kullur- bewegung zeiget». Deshalb wird ein in den letzten Monaten er- schienenes Buch vielen deutschen Genossen besonders willkommen sein, denn es fügt die Einzelerfahrungen in ein großes Ganzes ein und gibt einen Ueberblick über den gesamten Werdegang und den heutigen Stand der belgischen Arbetterbildungsbestrebungen. (Dr. Wilhelm klein, Arbetterbildungsbestrebungen in B«l- gien. Quelle und Meyer, Leipzig.) Eine Fülle von Material ist hier gesainmelt und verarbeitet worden. Das Buch ist von der Schriftenreihe„Arbett und Sozialpolitik" erschienen, die vom Sem»- nar für Gewerkschaftswesen der Unwersität Münster heraus- gegeben wurde, es ist also aus sehr gründlichen wissenschaftlichen wie praktischen Studien heraus erttstanden. Da das Semmar sich dos Ziel gesetzt hat, nicht nur das Gewerkschaftswesen, sondern auch die allgemeine soziale Lage des Arbeiters zu studieren, ist da- Ivll Seiten zählende Werk zu einem wertvollen Versuch einer durch- aus objektiven Darstellung belgischer Verhällmsse geworden. Wenn man die heutige Zentralisation der Bildungsarbett in Belgien, den Zusammenschluß von Partei, Gewerkschaften und Ge- nossenschaften zu einem festgefügten Ganzen mtt den Verhältnissen früherer Jahrzehnte vergleicht, dann wird einem erst der tiefgreifende Unterschied zwischen einst und jetzt in seinem ganzen Ausmaß be- wüßt. Noch in den 8<1cr Iahren hatte Belgien eine Arbetterschaft, die teilweise weder lesen noch schreiben ko»ritte und vielfach der Notwendigkeit der Volksbildung fremd und verständnislos gegen- über stand. Vandcrvelde erlebte in den Ansängen seiner Bil- dungsarbeit oft, daß bei künstlenschen Veranstaltungen oder Vorträgen viele Genossen die Kunst als„frivole Erholung für die Reichen" bezeichnete»». Die ausübenden Künstler ober gallen als unnütze oder sogar schädliche Müßiggänger, die sich von ehrlicher Arbeit drücken wollten. In jahrelanger, intensiver Aufklärungs- arbeit durch Broschüren, Werbeschriften, Vorträge und Kurse wurde gegen diese primitive Anschauung, die dem damaligen Bildungs- Niveau des belgischen Arbeiters entsprach, Front gemacht, bis sich langsam eine tiefgreifende geistige m»d seelische Wandlung vollzog. 5) e u t e gibt es in Belgien, wie in Deutschland auch, Orts- und Bezirksausschüsse der Bildungszentrale in Brüssel, die wie ein enges Netz das ganze Land überziehen. Die Auss<)andl>aller und Hockeyspieler stark ein, weil sie sich auch in yeroorrogendcm Maße an den Waldläufen beteiligen. In der 1. Klasse, Abteilung A der Handballer, stehen folgende Begegnungen auf dem Programm: FTGV.-Osten mutz nach Velten fahren und sich der dortigen Freien Turnerschaft um 10 llhr stellen. Dem Siege Ostens steht nichts im Wege, da Velten sehr unbeständig ist. Die Turn- und Sportvereinigung Nowawcs wird von der Freien Turnerschaft Hennigsdorf um 15 Uhr besucht. Den Gästen räumen wir auf Grund ihres besseren Mschneidens in den letzten Spielen ein Plus ein. In der Abteilung B bestreiten FTGB.-Süden und Volkssport Neukölln den Abschluß der Wald- laufe in Zehlendorf, Sportplatz Spandauer Strotze. Dem mehr- jährigen Mitanwärter auf die Kreismeistermannsäzaft FTGB.- Süden dürfte der Sieg nicht schwer fallen. Beginn 15 Uhr. In der Bezirlsklasse Osten sind alle Spiele otaclcgt worden.?a. oeqen spielt in der B e* i r l s kl a s s s Norden im Sesestschaftsspiel Evort- Club 30 2 geaen Frei« Tnrnerschast Friedrichotdol 2 um 10 Uhr auf dem Platz Schönhauser Allee. Anschliegend um 11.10 Uhr treten die ersten Mannschafleu an.— Be�irtsklasse Westen: Turncrschaft Brandenburg, 1. Bezirk, gegen Turnerschaft Brandenburg, 2. Bezirk, um 1« Uhr auf dem Bercinevlatz.— Veziriaklass« Silben, Frauen: Luckenwalde 1, Abteilung 1, 2. Mannschaft, um 10.10 Uhr, Platz in der Hetzheide. FT. Fehlendorf gegen FT. Wilmersdorf um 15 Uhr Platz Zehlendorf, Spandauer Stratze.- Hockey In folge des Kreiswaldlaufes fallen alle Serienspiele der Spitzengruppe A und B aus. Lediglich ein W e r b e f p i e l findet im Rahmen des Waldlaufes auf dem Sportplatz Rehberge zwischen den Dereinen T«nnis-Rot Grotz-Berlin&r.d Arbeiter-Sport-Verein Rot-Weiß statt. Beide Mannschaften gehören zur Spitzengruppe. Serienspiel« finden statt in der 0> r u p p e>7 zwischen dem Miinner» Turnverein Bernau 1 und Tennis.istot Groß-Berlin 2 in Bernau um la Uhr cm Wasserturm. Beide Mannschaften bringen cin achtbares Kannen mit.— lS r u p v e 0: Freie Sportvereinigung Pankow 2 spielt gegen den Arbeiter. Sportverein Schdncderg. Friedenau 07 1 in Pankow, Aiffinaenftraße, um 2 llhr. Frauen zruppe: Tennis-Rot Z gegen Freie Sportvereinigung Pankow um 10 llhr und Tennis-Rot 1 gegen Tennis.Rot 2 um 11 Uhr auf Platz Ost am Phf, Stealau-Rummeloburg. Ferner spielen noch im Pflichtsvicl Freie Sport. Vereinigung Pankow l und Freie Turnerschafl Grotz-Berlin-Osten um 15 llhr auf Platz Ost, Önskerstraße. Außerdem Tennio.Rot Z und 1 um l?'v Uhr auf dem gleichen Platz._ Ein kleines Fest Der„weibliche Süden" turnt cin Jahr In der Turnhalle Bergmannstraße 65 herrschte am gestrigen Abend ein Mordsbetricb: zahlreiche Gäste, Photographen und eine Eastkapslle der SAJ. hatten sich eingefunden, um den ersten Geburtstag der zweiten Frauenabteilung der Freien Turnerschaft Groß-Berlin-Süden festlich zu begehen. Es präsentierte sich da zwar keine Monstremamischast, trotzdem zählt man voll Stolz bereits über 50 Mitglieder, was bei einer Gründungsbelegschaft von vier Weiblcins im Vorjahre schon immerhin einen erfreulichen Fortschritt bedeutet. Ein flotter Marsch der Kapelle bildete den Auftakt, dann zog unter Gesang die Turnerschaft ein. die Vorsitzende hielt eine kurze, herzliche Begrützungsanspracbe, di« gleichzeitig einen Weckruf an all jene enthielt, die da auf Bänken und Stühlen saßen und sich die Sache bloß aus der Beebachterperspektive besahen. Weder Alter, noch schwere Berufs- oder Haushaltsarbeit wird als Hindernis an. gesehen, die Alten sollen sich, wenns auch schwer fällt, Kuochen und Gelenke lockern und Berufs- wie Hausfrauenorbeit sind noch lang« kein vollwertiger Ersatz für systematische Körperbewegung, denn sie stellen ja meist eine ganz einseitige Tätigkeit dar, die einen Teil zu viel, die andere Teile dagegen zu wenig in Anspruch nimmt. Nach- dem auch noch der Bezirksvorstand ein paar liebenswürdig auf- munternde Worte gesprochen hatte, rollte ein außerordentlich ab- wechslunxsrciches Programm gymnastischer und rhythmischer Hebungen ab. Zur Entfaltung der werblichen Grazie sah man sehr hübsch erdachte Hebungen, deren jede gymnastisch-stilisierte Tanz- schritte enthielt. Da gab es den Rheinländer, den Scherenschleifer nach der Melodie des Juxgrafen von Luxemburg, ein flottes Polka- hüpfen, Walzer, Schottisch und Krakowiak. Das kostete schon aller- Hand Schweiß und Muskeltraining, aber ebenso frisch»nd lebendig wie es nach außen wirkte, macht es sich naturgemäß im ganzen Organismus der Ausübenden angenehm bemerkbar, häufig noch im Oktober oder bei günstiger Witterung sogar im November im Dienst belassen werden würden. Die in Berlin tagende Reichsarbeitsgemeinschast der Fahrzeug- bcsitzer-Verbände Deutschlands hat daher beim Reichsfinanzminifter den Antrag gestellt, daß künftig mit Rücksicht auf die wirtjchaflliche Notlage auch monatliche Steuerzahlung zugelassen wird. Es ist zu erwarten, daß diesem Ersuchen entsprochen wird, zumal da auf diese Weise nicht nur die gesamte Wirtschaft gefördert werde, sondern auch die dem Reich zufließende Kraftfahrzeuge steuer sich bedeutend erhöhen würde.» Ahersturner zeigen sich Nachdem jetzt die Veranstaltungen der A l t e r s r i e g e n im Arbeiter-Turn- und-Sportbund auch im gesamten Bundesgebiet durchgeführt werden, nimmt die Bewegung festere Formen an. Regelmäßige Hebungsabende bringen ein gewisses System in den Hebungsplan. Ein ständig erscheinendes„Mitteilungsblatt" infor- miert über alle Vorkommnisse(Termine, Hebungsstätten usw.) und veröfsentlicht jetzt auch das vollständige Programm zur großen Werbeoeran staltung Sonntag, 1. November, 141- Hhr. An diesem Tage werden in der großen Turnhalle Ppinzenstraße die Altersriegen Groß-Berlins zeigen, wie „Mutter und Vater" Leibesübungen treiben. Die größte Berliner Turnhalle in der Prinzenstraßc mußte gewählt werden, weil die bedeutendsten Vereine mit besonderem Programm auftreten werden. Männer und Frauen im vorgeschrittenen Alter zeigen Turnen und Gymnastik, Spiel und Tanz genau so wie einst die Kinder und Jugendlichen, nur dem Alter angepaßt in entsprechender Form. Alle erwachsenen Partei- und Gewerkschaftsfreunde, besonders die Aslteren, sollten den Besuch dieser Veranstaltung nicht versäumen, der Eintritr ist frei,_ SV. Miove schwimmt am Sonntag Am kvwmenden Sonntag hält der Arbeiter-Schwimm- H e r b st s ch w i m m f e st ob. Alle Berliner Arbeiter-Schwimm- H erb st sch w i m m s est ab. Me Berliner Arbester-Schwimm vereine haben zahlreiche Meldungen abgegeben. In der Haupt- staffel werden sich die Mannschaften des Veranstalters und der Freien Schwimmer Groß-Berlin, Gruppe Neukölln,«inen scharfen Kampf mit einem sehr knappen Ergebnis liefern, ASV.-Neukölln wird gemeinsam mit dem Veranstalter gymnastische Vorführungen zeigen. Abschließend kommt cin Wasscrballspiel der Vereine SV. Freiheit und SV. Möve zum Austrag. Autarnodikste�zer künftig monatlich? Infolge der allgemeinen Notlage melden zahlreiche Kraftfahr- zeug-bisttzer ihr Fahrzeug für den Winter, in dem-sie ez glauben entbehren zu können, bei der«teuer ab. und zwar geschieht dies meist schon zum 1. Ottober, um so die Steuer für das letzte Viertel- jähr zu � sparen, die bei einer späteren Abmeldung voll entrichtet werden mußte. Die Steuerbehörde kommt dabei um manche schöne Einnahme, weil di« Fahrzeuge bei monatlich zu entrichtender Steuer Entlarvte EüZner �Vie aus I4 0C0— 50 000 wurden Nach eineinhalb Jahren ist durch das Erfurter Amtsgericht fest- gestellt worden, daß die Oesfentlichkeit durch die kommunistische Presse über die Zahl der Teilnehmer am Reichstreffen des KPD,- Sportverbandes Pfingsten 1930 in Erfurt arg belogen wurde. Mit dem Reichstreffen wollte der KPD.-Sport- verband den Nachweis liefern, daß er dieselben Massen auf die Beine bringen kann wie der Arbeiter-Turn- und-Sportbund bei seinem 2. Bundesfeft in Nürnberg 1929, dem Fest der hundert- taufend. Das Treffen in Erfurt ist im Vergleich zum Bundesfest in Nürnberg sehr dürftig ausgefallen. Trotzdem schrieb das kommunistische„Thüringer Bolksblatt" von„weit über 50 000 De- monstranten". Die sozialdemokratische„Tribüne" in Erfurt teilte mit, daß es nur14100 gewesen seien, und auch dos waren nach nicht einmal alles Sportler. Darauf wurde der Redakteur der„Tri- büne", Seidel, und die„Tribüne" im„Thüringer Bolksblatt" mit Ausdrücken beschimpft, wie„Schwindel-Seidel, der arme Tropf von Redakteur, infamer Schwindler, Verräter an der Arbeiterklasse, Tribünenschwindel, Seidelsche Lügenbeutelei, Verbrechen an der Arbeiterklasse, infame Schreibweise der„Tribüne", Schmierfink" und mit noch anderen Ausdrücken. Gegen den verantwortlichen Redakteur des„Thüringer Volksblatts" wurde Klage angestrengt, die mit ssiner Derurteilung zu 80 Mark Geldstrafe wegen übler Nachrede und Berbreitung nicht erweislich wahrer Tat- fachen endete. Festgestellt wurde, daß die vier Demonstrationszüge beim Reichstrsffen insgesamt 14S00 Teilnehmer auf- wiesen, die von 12 Polizeibeamten gezählt wurden. Daß die De- monstranten nicht nur Sportler waren, sondern sich auch aus allen möglichen und unmöglichen kommunistischen Parteinebenorgani- sationen zusammensetzten, das hatte das„Thüringer Volksblatt" in seinem Bericht vom Reichstresfen selbst zugegeben. So endete der geplante große Schlag des KPD.-Sportverbandes gegen den Arbeiter-Turn- und-Sportbund mit der gerichtlichen Bs- stätigung, daß die Oesfentlichkeit über die Teilnehmerzahl von kom- munistischer Seite her schwer belogen worden war. Kleiner 5port von überall Frauenturnen in Karlshorst. Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin oeran-staltet heute die Gründungsversammlung einer Ab- teilung für Frauen über 25 Jahre in Karlchorst. Frau Sinneker spricht über den gesundheitlichen Wert des Sportes für Frauen. Die Versammlung beginnt um 20 Hhr in der„Rennbahnquelle", Karlshorst. Treskowallee 97. Der„Arbetlcr-Sport'verein Rot-Weiß" ladet ein. Der kürzlich gegründete Arbeitcr-Sport-Derein Rot-Weiß hat den inneren Aufbau des Voreins jetzt beendet und ladet alle Interessenten und Freunde des Arbeitersports zu den Uebungsstundsn ein. Der Der- ein hat spielstarke Hockey- und Handballmannschasten für Männer, Frauen und Jugend. Eine Gruppe von Wintersportinteressenten 1 betreibt Eishockey, Kunst- und Skilauf Für alle Mitglieder ist die Gymnastik und der Lauf die Grundbedingung zur Körperpfleg«, was ! Dienstags ab 20 Uhr in der Jbsenstr. 17(nähe Bornholmer Straße) für Männer in der oberen Halle, für Jugendliche in der unteren Halle und für Frauen Freitags ob 20 Hhr getrieben wird. Das Lauftraining im Freien findet Freitags gemeinsam von der Halle aus statt. Aufnahme und Auskünfte in der Halls oder bei Georg Krüger, Berlin N. 113, Bornholmer Str. 91. Durch die jetzt erfolgte Gründung eines neuen Srafksport- Vereins in Rofenlhal sind die Reihen der bundestreuen Arbeiter- Achletonvereine dos 4. Kreises(Berlin und Brandenburg) wiederum verstärkt worden. Nur kurze Zeit nach der Gründung von Kraft- sportoereinen in Hennigsdorf und Teltow hat jetzt der jüngste i Verein des Kreises feinen Hebungsbetrieb eröffnet. Heute herrscht j auf den Trainingsobenden bereits ein frischer Sportbetrieb. Der � Verein betreibt vorerst Ringen, Boxen und Heben und nimmt gern republikanische Sportler und Genossen in seine Reihen auf. Die Nebungsabende finden jeden Donnerstag um 20.30 Hhr im Lokal von Dittmann, Rosenthal II(Endstation der Straßenbahn 23), statt. Anfragen an Wilhelm Schröder. Rosenthol II, Siedlung Tasche, Parzelle 22. Bereits am 7. Noventber tritt der Derein mit einer Werbeveranstaltung an die Oesfentlichkeit. Die Berliner Vereine haben ihre Mitwirkung bereits zugesagt, so daß die Zu- schauer interessante Wettkämpfe zu eruwrten haben. Europameister Pistulla erkrankt. Ganz überraschend kommt die Nachricht von der plötzlichen Erkrankung des Halbschwergewichts- europameisters Ernst Pistulla. Der populäre Berliner Berufsboxer mußte sich in die Psychiatrische Klinik der Berliner Charits begeben, wo die Aerzte eine linksseitige Störung des Zentralnervensystems feststellten. Wenn auch Pistullas Zustand zu Besorgnissen keinen Anlaß gibt, so werden doch viele Wochen vergehen, che er wieder im Ring erscheinen kann. keine Einreiseverweigerung für Schmeling. Das Washingtoner Arbeitsministerium bestreitet, die N«w>Borker Hafenbehörden an- gewiesen zu haben, Schmeling die Einreise zu verweigern. ZISP.-I»p»ndleit«r. auch Saite, gemeinsamer tteffounö zum Fugeudleiter. lutfu» in Rildccsdori Sonnabend,«1 Oltoder. 17 Uhr. Bahnhof Stralau. Rummetsdurg. Fahrgeld und Uedernachtung 1 M. Schlafsack mitbringen. Aaldlaus in den Rehberge». Trcfspunlt filr die Kamofrichter de» 2. Bezirks 11 Uhr, Zimmer 5, UmIIeidehaus im Stadion Nehborgc. Startnuminernausaape um 11 Uhr. Start zum Lauf um 15 Uhr. Narlellbezirk Treptow. Montag. 2. November, 20 Uhr, Sitzung bei Pamp, Niederfchoneweid«. Hasselwerderiir. 12, Arbiitcr-Schatzenbnud, Abteilung Dedding. Jeden Donnerstag Turnabend Trift. Scke Miillerssraße. obere Turnball». ..Solidarität",»raitfahur! Sonntag. 1. Nvueml'er. Abfahren. Treffen der Mitglieder mit Familie» 11 Uhr bei Zehlendorf, Mitte, Karlftr. 1?. Dazu ltarten! Abt. lireuzbeta: isih Uhr Zieichenberger Str. Ol.— Abt. Fried' richessain: 10 Uhr Lani-soerger Platz. Ab!. Tempclhof.Mariendorf! 18 Uhr Kurfiirsien. Ecke Schtitzenssraße. Freie«allrrsahrn„«Ilswärt»", u SB. Sonntag, 1. November, 9 Uhr, Arbeitsdienst im Bootsbau». «18. vstring, e. P. Heute. 20 Uhr, Hocken- und Hondballverfammlung bei Wegp.ei. Frankfurter Allee 285. Uebungsabende leben Dtenetag und Frei- tag, lOv» Uhr, Turnhalle ZZealapmnassum an der Parkaue. Ä«« unruhige China M a n a b e>1 d r a Nath Roy, ein indischer Revolutionär, der jetzt in Bombay im englischen Kerker sitzt, gibt in seinem Luch „Revolution und Konterrevolution in China"(So- ziologische Vcrlogsanstalt, Berlin) eine von der offiziellen sino- logischen Wissenschaft abweichende Darstellung des ostasiatlschcn Riescnreiches. Roy schaltet bewußt alle idealistischen Auffassungen aus und gelangt nur auf Grund der materialistisch-dialektischen For- schungsmethode zu einer Erklärung aller Bewegungen und Ent- Wicklungen der chinesischen Geschichte. Der Verfasser ist einer der Begründer der kommunistischen Internationale, war für sie in Indien, Mexiko und auch in China an führender Stelle konspirativ und offiziell tätig und ist heute aus der dritten Internationale wegen rechter Abweichung ausgeschlossen. Seine politische thaltung nach dem Ausschluß entspricht etwa der Haltung der deutschen Brandler-Opposition. Hm die Ereignisse der letzten zwanzig Jahre in ihrer historischen Bedingtheit verständlich zu machen, greift Roy bis in die graue Hrzeit zurück und erklärt das einmalige historische Phänomen China, für das die idealistische Geschichtsforschung keine Parallelen zu ziehen weiß und das sie so gerne zu antiinarxistischen Beweisführungen benutzt, aus dem ursprünglichen Mangel Chinas on landeigenen Zugtieren. Eine Epoche nach der anderen aus den Jahrtausenden chinesischer Geschichte nimmt Roy unter die scharfe Brille Methodik! dabei gibt er nicht nur das hinter seiner Mauer abgeschlossene China, sondern auch die jeweilige europäische Macht- lerjlechtungen und ihre Wirlungen auf das Reich des Himmels. Bei allem Respekt das dem Leser das gründliche Wissen des Autors abnötigt, wird ihm die Royfche Darstellung dennoch einiges durch ihren Mangel an Farbe und Plastik schuldig bleiben: dem angehäuften wertvollen Material könnte durch anschaulichere kon- kreterc, sinnfälligere Beispiele zu sehr viel mehr Lebendigkeit vor- Holsen werden. Erst wenn Roy zu selbsterlebten Zeitläuften kommt, gewinnt seine Schilderung an Wärme und Kraft. Dann werden uns die vor- wirrenden Silbenbündcl der chinesischen Namen zu saßbaren, scharf differenzierten Realitäten und die Klassenkräfte, die sich hinter ihnen verbergen, liegen vor unseren Blicken, so übersichtlich und klar wie ein Aderngcflecht, das der Anatom bloßgelegt hat. Das Kernstück des ganzen dickleibigen Wertes ist die Wrech- i.ung mit der Politik der Komintern und mit ihren Emissären und eine Kritik an den politischen Wirkungen und Ideologien Sun- jatsens, der der kapitalistischen Entwicklung in China den Weg bc- leitete. Besonders wichtig erscheint uns die Durchleuchtung der englischen und anderen europäischen Machtkämpfe in Ehma. Die ausgezeichnete, klare und sorgfältige Hebcrsetzung Paul Frölichs. Fußnoten, eins Geschichtstabelle, eine Karte und ein Namenregister geben dem Wert wissenschaftliche Brauchbarkeit. Georg Schwarz. Donnerstag, 29. Oktober. Berlin. 16.05 Wie segelt der Vogel? ODr, W. Hirsch) 16.30 l. Haydn: Ouarteö B-Dur, op. 75, Nr. 4.!. Schubert: Ouartett G-Du op 151(Kolisch-Ouirtett). 17.30 Leo L»nia liest eigene Pros». 13.00 Unterhaltungsmusik. 19.00 Stimme zum Tag-. 19.10 ChorgesJnge.(Berliner Lehrer-Oesangvereiu E.V.; Dir.; Prof. Hu RüZcl.) 19.35 Prof. Dr. FriU Härtung: Die französische Revolution und das alte Europi 20.00 Bunte Stunde. 71.00 Tages- und Sportnachrichten. 71.10 Sinfonlekonaert. 72.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Konigswusterhausen. 16.00 Kurt Herbert; Aus der Arbeit der ländlieben Fortbildungsschulca. 17.30 Dr. Wilhelm Lotr: Die Eorraenwelt der Technik. 18.00 Müller: Deutscher Charakter, deutsehe Geschichte. 10.30 Spanisch für Eorlgesehrittene 18.55 Wetter für die Landwirtschait. 19.00 Rcg.-Rat Dr. Sachtleben: Eorstscbädlicbe Schmetterlinge. 19.30 Dr. Mag Osborn; Die Architektur. Seine goldene Hochzeit begeht heut« das Ehepaar M u n n e ck e. Kameruner Str. 26. Genosse Munnecke ist seit 1907 Parteimitglied und seit 1903 gewerkschaftlich organisiert. Der Druckereibesiher Moritz Rosenthal. Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, bittet uns, mitzuteilen, daß er nicht identisch ist mit dem im Sklarek-Prozetz mehrfach genannten früheren Stadtverordneten Moritz Rosenthal. Wetter für Berlin: Teils wolkig, teils heiter ohne nennens- werte Niederschläge. Schwache Lustbewegung, kühl.— jür Deutsch- land: Nur im Nordosten noch stärkere Bewölkung mit einzelnen Schauern. Im übrigen Reiche meist trocken, zeitweise heiter; überall kühl. ma?.oser Charlotleppurt BismorcksttaOe ti Donnerst., 29 Okt. Turnus II Anfang 19-iO flu Carm@n ssnde geaen 71 Uhr Restaurant„Groß-BerlSn" AlexenderpUtp. Unsere Spealalititen: � Oroß'BerlinffrSuppvnteller 40 Pf. löffel«pb*«n mit Spitzb«in 40 Pf. Stammessen SO und 90 Pf. EntklanU« Zobereltang.— jeden Abend Mnstk. 4�