Morgenausgabe Tit. 509 A 256 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 3,60 zu. (haoon»5 Pf. monatlich für Zustellung in» Hau») im norcm» zahlbar. Pastbezua 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Pauzeitungs- und 72 Pf. Postbei'tellae» bührem Au-landsabannement 6,— Ä!. pro-Monat', für Länder mit ermäßig» tcm Drucksachenporta 5,— Di. Der„Vorwärts" erscheint Wochentag- lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Äbendausgade für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Sonntagsbeilage .Boll und Zeit". Aeeliner VolkSblatt Freitag )(). Oktober 19)1 Groß-Äerlin IT pf. Auswärts-15 pf. Die elnfpalt. Nonpareillezeile W Ps. Reklamezeile 5,— RM.„Kleine An» ?cigctt" das fettgedruckte Wort 25 Pf. tzuläfsig zwei fettgedruckte Worte), l'.-dcs weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche dos erste Wort K) Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wo««. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familienanzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochen- täglich von 89, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! JekttrKlovgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Lerlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 kfcrnspr.t Dönboff(A 7) 293—297. Tclegramm-Adr.: Sozialdemokral Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: BerlinZ? 538.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.u.Disc.-Ges., Depositenk., Jerufalcmer Str, C j/tw. Nochmals Lohnsenkung?! Schiedsspruch für Michsarbeiter: 4�Nroz. Lohnsenkung.— Die Konsequenzen. (4cftci:u abend ist von dem vom Rcichsarbcitsministcr eingesetzten«ondcrschlichtcr in dem Lohnkonflikt der Rcichsarbciter ei»«chiadssprnch gefällt worden, der die Löhne der Reichsarbestcr nochmals nm 4 X Prozent senkt. Die Reichsbahn hat den Zchiedsipruch abge» lehnt, der die bisherigen Löhne der Rcichsbahnarbeiter bis nach der Entscheidung über die Löhne der Reichs- arbeiter wieder in ftraft setzt. Tie Perhandlungen über die Erneuerung des Lohn- tarifs der Reichspo st arbeiter. die gestern statt- fanden, find gescheitert. Der Vertreter des Reichs- Postministeriums hielt an dein Abbau der Löhne ent- sprechend der llannvorschrift der Notverordnung fest. TaS Rcichspostministerium wird den«chlichter anrufen. Gescheitert find gleichfalls die Lohnverhaudlungen für die Gemeindearbeiter, die auch gestern statt- fanden. Am Ende der sehr langwierige» Verhandlungen erklärten die Vertreter der Gemeinden, das« an dem Lohnkonflikt nicht die Gemeinden, fondern das Reich die Schuld trage» Das Reich dränge darauf, daß ein nochmaliger Lohnabbau vorgenommen»verde, andernfalls würden de» Gemeinde» die Mittel zur Ans» balaneiernng des Haushalts verloeigert werden. Das find die Talsachcu. Sie stehen im Widerspruch zu den Er- klärungen, die der Reichskanzler und der Reichsarbeitsminister wiederholt abgegeben haben. Sie stehen auch im Widerspruch zu den wirtschaftlichen Tatsachen und zu den politischen und psycho- logischen Möglichkeiten. Es ist ohne weiteres klar, daß aus Grund des Schiedsspruchs für die Reichsarbeiter die jetzt darauffolgenden Schiedssprüche für die Arbeiter der Post, der Reichsdabn und der Gemeinden nicht anders ausfallen werden. Es ist nicht anzunehmen, dag der vom Reichsarbeitsminister ernannte Sondevschiichtcr den Schiedsspruch für die Reichsarbeiter aus einer persönlichen Laune heraus gs- fällt hat. Es liegt heute klar zutage, dag die ungeheure Schrumpfung der Wirtschaft eine Folge der Schrumpfung der Kaufkraft der Massen der Arbeiter, Angestellten und Beamten ist. Durch die fortgesetzten Betriebseinschränkungen steigt ständig der Anteil der fixen Gc- stehungskosten. Eine weitere Senkung der Löhne und Gehälter zieht «ine weitere Steigerung dieser Gestehungskosten nach sich und be- hindert den Abbau der Preise. Die Realtaufkraft muß also weiter sinken und die Krise tieiter verschärfen. Unvermeidlich ist auch, dag jede weitere Lohnsenkung zu schweren Loh»kämpfen führen muh. Die Senkung der Löhne, verbunden mit der überhandnehmenden Kurzarbeit, hat die Lage der Arbeiterschaft unerträglich gestaltet. Dazu kommen aber auch unvermeidliche politisch« Auswirkungen, deren Gefahren gar nicht überschätzt werden können. Die Reichsregierung wird im Angesicht dieser Konsequenzen ihre Entscheidung zu fällen haben.'' Ein sozialreaktionäres Bekenntnis. Oer Stahlhelm in der Front der sozialen Reaktion. Der �Deutsche", das Organ der christlichen Gewcrkschafteu. hat an Hitler Re folgenden drei, Fragen gerichtet, di« nicht oft genug wiederHoll werden können: „1. Herr Hitler, haben Sie fchweriitdustriellen Führern die Erklärung abgegeben, daß Sie mit Ihrer Partei gegen G c- werkschaften und Tarifverträge sind? 2. Haben Sie die Abficht, gemeinsam mit Herrn Hugeickerg nach den Rezepten von Hartz und Bairg die deutsche Sozial- Versicherung zu zerschlagen? 3. Halten Sie es mit den Pflichten einer Arbeiterpartei für vereinbar, wenn diese sich von sozialreaktionären Ar- beitgebern mit Geld unter st ützcn läßt?" Der„Deutsche" hat von der Hitler-Partei bisher statt einer Antwort nur Beschimpfungen gcerntct. Dafür antwortet der Stahl- Helm laut und eindeutig. In Rr. 44 von„Der Stahlhelm" nimmt der zweite Vorsitzende der Stahihelm-Selbsthilfe, Bernhard Rausch, dazu Stellung. Die Stahlhelln-Selbsthllse ist eine gewerkschaftsseindliche Gründung— darin liegt bereits Antwort genug. Aber weiter: auf die Frage nach der Gewerkschafts- feindlichkeit antwortet der Stahlhelm mit einer Verhcrr- lichung der Korporationen Mussolinis. Dos ist ein- deutig und klar, Auf die Frage nach der Gegnerschaft gegen die Tarifverträge antwortet eine wüste Beschimpfung der Lohnpolitik der Gewerkschaften und der ,T a r t f s ch r a u b e" und die Forderung einer„zeitgemäßen Reform des Tarifwcs e n s". Eine echt gelbe Antwort! Frage 2 nach der Stellung zur Sozialversicherung wird wie folgt beantwortet: Sozialreaktionär ist ferner das System der Sozialversicherung geworden, das die staatliche Zwangs- verfugung über mehr als den vierten Teil des Arbeitnehmereinkommens bedeutet. Durch ein soziales Sparsystem, wie wir es in unserer Stahlhelm-Selb st Hilfe als kleinen Ansah eingebaut haben, würde die große Masse der abhängigen Arbeiter und Angestellten aus der erstickenden Obhut eines bürokratischen. zum Selbstzweck gewordenen, sozialen Apparates erlöst werden, ohne doch schrankenloser Willkür, die vor Einführung der Sozialversicherung den Armen bedrängte, ausgeliefert zu sein." Der Stahlhelm bekennt sich laut zu den Rezepten von Hartz unb Bang, er null gemeinsam mit Hilgenberg, dessen eigens Wort- a htcr nxcöerhoä, die deutsche Sozialversicherung zerschlagen! Auf Frage 3 wird keine direkte Antwort gegeben, wohl aber eine indirekte, die für sich selbst spricht. Das Bekenntnis des Stahl- Helm eichet mit einer wüsten Klopffechterei für den Kapitalismus, wie sie in der„Bergwerks-Zeitung" nicht besser stehen könnte. Damll ist vollste Klarheit über die Stellung des Stahlhelm ge- schaffen. Er steht hinter der Sogiailreaktion von Harzburg, er bekennt sich als faschistische Organisation gegen die Arbeiterorganisationen und die Arbeiterrechte. Oie Arbeit des Wirtschastsbeirats. Fortsetzung der Beratungen. Der Wirtschaftsbeirat der Reichsregierung setzte unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten in einer Zwesten Sitzung om Dannerstagnachmittag die allgemeine Aussprache fort, wobei nach den Vorträgen der Münster die Mitglieder des Beirats selbst zu Worte kamen. Die Beratung wird am Freitag um 17 Uhr wiederum unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten fortgesetzt. Die praktische Arbeit des Beirats wird sich nach dem bisher vorgesehenen Pro- gramm weiterhin in drei Ausschüssen abwickeln Wirtschastsbesprechungen mit Frank eich Erste Beratungen in Paris in der zweiten Novemberhälfte. Nachdem die Mitglieder und Sachverständige� der deutsch- französischen Wirtschast skommission beidersells er- nannt worden sind, haben der Generalsekretär und der stellvertretende Generalsekretär der französischen Abteilung, Herr Coulondrc, bevollmächtigter Minister im französischen Außenministerium, und Herr Hoschiller am 28. und 29. Oktober in Berlin Ver- Handlungen mit dem stellvertretenden Präsidenten und General- sekretär der deutschen Abteilung, Herrn T r e n d el e n b u r g. Staatssekretär im Rcichswirtschaftsministerium, und Herrn Ritter, Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt gehabt, um das A r b e i t s- Programm für die Kommission auszuarbeiten. Die Kommission wird vier Unterkommisstonen bilden. Die deutschen und sranzöflschen Präsidenten und Generalsekretäre der Kommission sowie die Präst- denten der Untetkommissionen werden sich während der zweiten Novemberwoche in Paris zu einem ersten Gedanken- mistausch versammeln, um die Arbeiten auf die Unterkommissionen zu verteilen, die dann ihre Tätigkeit alsbald ausnehmen werden. Oynamii und Klassenkamps. Sinnlosigkeit der Terrormethoden. Die Verhaftung des kommunistischen Funktionärs U eberbrück aUns„Otto", bei dem zweieinhalb Zentner Dynamit, dazu ein ganzes Warenlager von Zündkapseln, Zündschnüren, Handgranaten und sonstigen Materialien der Sprcngstoffabrikation gefunden wurde, lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die grundsätzliche Frage des Terrors im politischen Kampfe. Natürlich sucht die KPD. in gewohn- ter Taktik Ueberbrück zu verleugnen! aber dieses Manöver ist diesmal besonders hoffnungslos, weil Ueberbrück szu seinen Sprengstofftransporten einen Ausweis der kommt,» nistifchen Zentrale bei sich führte. Vor dem Kriege galt in der Sozialdemokratischen Partei allgemein die Regel: Wenn jemand in Parteikreisen zur Bc- gehung von Attenwtcik, zu Sprengungen, oder anderen individuellen Terrorakten aufforderte, so entlarvte er sich damit als Lockspitzel. Und so war es auch. Von ein paar gefährlichen Psychopathen abgesehen, die es wegen ihrer geistigen Veranlagung auszuscheiden galt, wollten diese In- dividuen nicht der Arbeiterbewegung nützen, sondern ihre Ab- ficht war, in besonders heimtückischer Weise der Partei zu schaden. Sie heckten ihre mehr oder weniger blutrünstigen Pläne aus und suchten einfältige Gemüter zur Beteiligung zu verleiten, damit die Sozialdemokratie durch dieses Tun schwer kompromittiert werde„ Es sollte der Bürger- schreck erzeugt, der organisierte Klassenkampf vor der Oeffent- lichkeit in. terroristische Mordbrennerei umgefälscht werden. Diese Spitzel und ihre Auftraggeber wollten der Polizei und den Gerichten die nötigen Vorwände verschaffen, uin gegen die Führer und gegen die legalen Organisationen der Arbeitertlasse einschreiten zu können. Da aber die in der Sozialdemokratie damals einheitlich organisierte Arbeiter- schaft diese Manöver durchschaute und vereitelte, so brachten sie den Spitzeln und ihren Auftraggebern nur Hohn und Verachtung ein. Das hat sich aber geändert, seitdem die Kommunistische Partei die vor dem Krieg abgelehnten Methoden zu einem von ihr anerkannten K a m p stm i t t e l erhoben hat. Daß die offizielle KPD. mitunter vor der Oeffentlichkeit so tut, als kenne sie ihre illegalen Gruppen und deren Treiben nicht, ändert nicht das mindeste an der Tatsache, daß der illegale Apparat den eigentlichen Kern der Partei bildet, daß er über die Besetzung der Führerstellen in der Partei entscheidet, daß er die ausschlaggebenden Beschlüsse faßt, von denen die offizielle Mitgliedschaft gar nichts oder erst hinterher erfährt. So sind der mitteldeutsche A u f st a n d von 1921, der Hamburger A u f st a n d von 1923 in der Zentrale beschlossen worden. Ueber beide Ereignisse liegen unwider- legliche Zeugnisse vor, nicht von irgendwelchen Außen- stehenden, sondern von Kommunisten, die diese Aktionen in leitenden Stellungen mitgemacht und erst nach Mißlingen der Aufstände das Unsinnige und Verbrecherische ihrer Taktik begriffen haben. Wir erinnern an die Berichte der L e m k und B o w i tz k i, der militärischen Führer des mitteldeutschen Aufstandes, deren Aufzeichnungen seinerzeit bei Klara Zetkin gefunden wurden, als diese sie dxm Ekki über- bringen wollte. In Mitteldeutschlkt�) srnrde 1921 mit Dynamit engros gearbeitet. Es sind mindestens ein Dutzend Sprengungen vorgenommen worden� ein Teil der Urheber— sämtlich Kommunisten— erhielten schwere Strafen. Die Sache fing damit an, daß der Genosse„Hugo"(Eberlein) in Halle er- schien und den Auftrag erteilte, das Äunitionsdepot in Beesen und— zur Verschleierung der Urheberschaft— ein neu erworbenes Gebäude der P r o d u k t i v- G e n o s s c n- schaft(!) in die Luft zu sprengen. Als das mißlang, vielleicht weil es den Hallenser Kommunisten insgeheim doch zu einfältig schien, den Dynamitter?ar Msgoxechnet an G»- bänden der Arbeiterschaft zu beginnen, da tobte nach dem Bericht Bowitzkis Eberlstn, daß die„Illegale" in Halle total versaut sei, nicht inal ein anständiges Stück Zündschnur sei vorhanden.(Beim Anschlag auf das Genossenschaftsgebäude hatte die Zündung versagt.) Daß man Genossenschaften auch ohne Dynamit in die Luft sprengen kann, haben die Kommunisten in Halle später sehr gründlich bewiesen. Wer etwas über kommunistische Terrormethoden im Jahre 1923 erfahren will, dem empfehlen wir die schon mehrfach besprochene Schrift" des ehemaligen Terrorleilers Max Zeutsch-el. Sehr instruktiv wird dort die Bildung kleiner Terrorgruppen geschildert, die sich in Demonstrationen So war es in Braunschweig! Die Hitler-Legalitäi in der Praxis.— Die Wahrheit läßt sich nicht unterdrücken! M unschen und— plötzlich Ijeraortrefcrtb— einzelne Polizisten abzuschießen haben. Zweifellos sind solche Terror- gruppeu auch bei den jüngsten Polizistenmorden in Berlin am Werke gewesen. Fragt man aber nach dem Nutzen der Einrichtung, so fällt die Antwort völlig negativ aus. Gewiß sind in Mittel- deutschland ein paar öffentliche Gebäude, Amtsgerichte, Rat- Häuser, auch ein paar Fabrikantenvillen lädiert worden; gewiß haben die Terrorgruppen in Stettin, Berlin und anderswo einige Dutzend Polizisten und politische Gegner auf dem Gewisien. Aber die große politische Wirkung, die nach der Einbildung der Terroristen von solchen Taten ausgehen sollte, ist gänzlich ausgeblieben, wie jeder Vernünftige vor- aussehen konnte. Es fei nur daran erinnert, welch phan- tastische Hoffnungen seinerzeit an das kindische Siegessäulen- attentat von seinen Urhebern geknüpft wurden. Die Kehrseite der Medaille sieht man bei Zeutschel nur angedeutet. Wird einer der Täter gefaßt, so muß ihn die KPD. aus taktischen Gründen verleugnen und ihn für einen Spitzel erklären. Das geschieht mit der größten Kaltblütigkeit. Dutzende von begeisterten Anhängern der KPD. sind innerlich zerbrochen worden, als man ihnen in der Untersuchungshaft die Kommuniftenblätter vorlegte, die dies« subjektiv ehrlichen Fanatiker als gekaufte Spitzel und heimtückische Provokateure abtat. Natürlich steigt auch innerhalb der Terrorgruppen die Neigung, an Spitzel in den eigenen Reihen zu glauben. Einer mißtraut dem andern und das Ende sind Fememorde an vermeintlichen„Verrätern"(Fall Rausch). Die Terrormethode kann die eigenen Anhänger nicht begeistern, weil sie vor diesen selber mit dauernder Ver- schleierung und Ableugnung ihrer Existenz arbeiten muß. Aber auch der andere Zweck, den Gegner einzuschüchtern. mißlingt regelmäßig. Es ist eine kindische Unterschätzung des Klassengegners der Arbeiterschaft, wenn man glaubt, durch ein paar Explosionen oder Schutzmannsleichen das Bürger- tum ins Mauftloch zu jagen. Soweit wirklich ein Spießer- publikum hierdurch in Angst gerät, bewirkt man nur, daß es sich um so inbrünstiger an jene Gewaltpolitiker klammert, die ihm versprechen, mit Köpferollen und Hängen die Arbeiterbewegung zu erledigen. Zweifellos hängen die koinmunistische Terrorpolitik und das Anwachsen des Ratio- nalsozialismus auf das innigste zusammen. Der Umstand, daß es vor dem Kriege die Gegner der Arbeiterklasse waren, die Terrorakte zu provozieren suchten. um daraus den Vorwand für polizeiliche und gerichtliche Racheaktionen zu ziehen, sollte jedem Vernünftigen zu denken geben. Mit ihrem illegalen Apparat, mit ihren Dynamit- verstecken und Zünderfabrikationen arbeitet die Kom- munistische Partei auch hier dem Klassengegner in die Hände. Hinter dem Ganzen steckt der Irrglaube, der im Grunde die ganze kommunistische Politik beherrscht, daß das tollkühne Vorgehen kleiner fanatisterter Gruppen die Geschichte gestalte. Eine sehr unmarxistische Ansicht, der wir die marxistische Ueberzeugung gegenüberstellen, daß allein die Schulung uni> Erziehung der Millionenmasse die geschichtliche Aufgabe be- wältigen kann, zu der die Arbeiterklasse berufen ist. Was diesen Millionen heute noch in der Erkenntnis, im Wollen und in der Zielklarheit fehlt, das kann ihnen kein Spreng- stofflager, kein Knall der Explosionen ersetzen. Die Mordkolonne von Gelsenkirchen. Oie Verhasteten plaudern aus. Gelseakirchen, N. Ottober.(Eigenbericht.) Im Zujammenhang mit dem Schupomord in Gelsenkirch o n sind ii�wischen noch zwei Personen als Beteiligte an der Schießerei«rmittell und fe st genommen worden. Beide organi. sierte Kommunisten sind erheblich vorbestraft. Sie sind geständig. Die Mordgesellen geben an, mit einer Armeepistole und je 30 Schuß Munition ausgerüstet gewesen zu sein. Die Terrorgruppe hatte nach ihren Angaben u. a. auch noch den Auftrag, zwei Polizeioffiziere in Geilenkirchen und in Wanne-Eickel, die der KPD. unbequem waren,„umzulegen". Außerdem war be- absichtigt, die für den letzten Sonntag geplante später aber verbotene Nazikundgebung in Recklinghausen zu stören und in der Nacht heim- kehrend» Nazitrupps zu beschießen. Die Terrorgruppe lag zu diesem Zweck am Sonnabend in Alarmbereitschaft. Wenige Minuten vor dem Zusammenstoß der Terrorgruppe mit den Polizeibeamten wurden die Kommunisten von einem Mann auf die herannahende Polizeistreife aufmerksam gemacht und zwar mit dem Rot, nicht zu singen. Statt dessen verstärüten sie da« Johlen, um unter allen Umständen«inen Zusammenstoß zu provozieren. Nach der Tat untersucht« der Rädelsführer Klohs, der bisher nicht gefaßt werden konnte, die Pistolen seiner Komplicen, um festzu- stellen, ob auch„alle ihre Pflicht getan hatten". Werkspionage bei LG.-Farben. Vier kommuaistische Funktionäre verhastet. halle. 29. Oktober.(Eigenbericht.) In Bitterfeld sind dieser Tage, wie wir bereits berichtet haben, unter dem Der.dacht der Werkspionage mehrere K o m m u n i st e u festgenommen worden. Da» Polizeipräsidium Halle teilt dazu ergänzend mit: „Auf Grund vertraulicher Mitteilungen war bekannt geworden, daß Ansang diese« Jahres in Bitterfeld eine geheime Sitzung statt- gefunden hatte, in der von kommunistischer bzw. RCO.-Seite von Angehörigen der JG.-Farbenwerk« in B Uterfeld Aus- fünfte über die in den einzelnen Werken hergestellten Fabrikations- erzeugniss« verlangt wurden. Der Verdacht liegt nah«, daß diese Auskünfte im Interesse einer ausländischen Macht erbeten worden sind. Im Derfolg der Ermittlungen find vier Personen fest- genommen worden, und zwar der Elettriker Thiele, kommunistischer Kreisabgeordneter de» Kreises Bitterfald, der Tischler Zieger, kom- mmilstischcr Stadtverordneter in B>tt«rfeld, der Maurer Müller, kommunistischer Gemeindeoertreter in Greppin bei Bitterfeld, und der Ardeiter Gruner. Mitglied der RGO. Thiele ist zur Zeit Bor- sitzender de» Arbetterrats der IG- und Betriebsratsmttglied. kllinisterprästdent Otto Braun wird die Freitagsitzung des Preußenkabinetts zum ersten Male nach seiner Erkrankung wieder leiten. Er wird für Freitag nnttag in Berlin zurückenvarUi Die Bundeszeitung des Reichsbanners bringt in ihrer Nr. 44 nunmehr umfassende Feststellungen über die unerhörten Vorkommnisse beim Hitler-Tag in Braunschweig am IS. Oktober. Die Prcssesiellc des Bundesvorstandes betont dabei ausdrücklich, daß die Elnzelangabea durchweg auf cldestauglichea Er- klärungen beruhen. Gegenüber der überwältigenden Fülle von Material wirkt diebisherigebehördlicheZnrückhalkung allerdings peinlich. Das gesamte Material soll, wie noch mtlgeleil» wird, dem Reichsianeumiulsteriuw überreicht werden, wir lassen nachstehend eine Reihe von charakteristischen Einzelhelleu folgen, die das Treiben der Nazis grell beleuchten: Die Zeugin Frau B. bekundet, daß am Sonnabend, dem 17. Oktober, ein etwa SOjähriger Invalide, nachdem er schon vor dem Landeslrankenhaus ohne jeden Grund von umsor- nüerten SA.-Leuten angehalten worden sei, an der Tankstell« Celler Straße init Fau st hieben ins Gesicht tätlich miß- handelt wurde. Gleichfalls am Sonnabeiü» hörte der Zeuge Willi L. auf dem Hagcnmartt mit an, wie drei dort stehende Frauen sich über die Ungerechtigkeit unterhielten, die darin liege, daß in Braunschweig nur nattionalsozialistische Veranstaltungen genehmigt würden. Diese Unterhaltung muß belauscht worden sein. Plötzlich erschien ein mit sechs Nazis besetzter Perfonenkraftwagne. Die Insassen verließen den Wagen, rissen die Fronen an de« haaren und schlugen mit Stuhlbeinen, Gummiknüppeln und Peitschen auf sie ein. Ein Polizeibeamter, der eingreifen wollte, wurde ebenfalls bedroht. Inzwischen hatten sich noch mehr uniformierte National- sozialrsten eingesunden, die wahllos mit Schulterriemen und Stöcken auf die Passanten einschlugen. Ein älterer Herr erhielt eine Verletzung durch einen Schlag mit einem Stock, an dessen Spitz« sich ein Nagel befand! In der Wolsenbütteler Straße beobachtete Rudolf W., daß ein einzelner Radfahrer von einem mit SS.-Leuten besetzten Kraft- wagen verfolgt wurde. Ehe dieser Wagen noch heran war, sprang ein junger Mensch auf den flüchtenden Radfahrer zu und trat diesem ins Hinterrad, so daß er stürzte. Die SS.-Leute sprangen vom wagen, andere Nationalsozialisten eilten hinzu und warfen sich aus den Gestürzten. Als der Knäuel sich auslöste, lag der Radfahrer mit blutigem Gesicht und Kops aus der Erde. Der Zeuge W. und einige andere Passanten, darunter ein Mitglied des Jungdeutschen Ordens, halsen dem Mann auf und wurden dabei wüst beschimpft. In die Wohnung des Schneidermeisters K. wurde am Sonnabend mittag ein Holzknüppel geschleudert, der die Fensterscheibe zertrümmerte. Durch die Straße zogen etwa 30 uniform irrte SA.'Leule. die sofort riefen:„Straße freit Fenster zui Ohne ein Wort zu sagen, schloß der völlig unbeteiligte Bürger K. das Fenster. Trotzdem flog der Knüppel durch die Scheibe. Durch ein anderes Fenster seiner Wohnung wurde ein schwerer Milch- kannendeckel von etwa 83 Zentimeter Durchmesser geschleudert. Am Sonnabend abend eilte nach dem Zeugnis des Heinrich M. eine Rott« uniformierter SA--Leute. von Polizsibeamten gefolgt, mit dem Rufe:„Straße steil" durch die Kuhstratze. Der völlig unbeteiligte Zeuge flüchtete in einen Haussingang. Als er ihn wiedsr verließ. stürzten sich zwanzig Nazis mit dem Rufe:„Das wird er wohl fein!" auf ihn und schlugen ihn nieder. Am Kopf erlitt er eine zwölf Ienttmeler lange Schnittwunde und eine Anzahl loch- artiger Wauden. Eine Verletzung über dem linken Auge deutet auf einen Schlag mit dem Schlagring hin. Am Sonntag vormittag passierten sechs Reichsbanner- kameraden, von denen nur einer ein Abzeichen trug, durch die Wilhelmstraße. Ein Haufe« SA.-Leutc stürzte auf sie los upd befahl, die Häude hochzunehmen. Unter ständigen Drohuugea wurde» die Taschen durchsucht. Katzenellenbogen und Neinhart. Die Hakenkreuzkloake in Tätigkeit. Di«„Neue National- Zeitung", das Hakenkreuzblatt für Schwaben, beschäftigt sich mit Herrn Ä a tz« n« l l« n b o g e n. Sie nennt ihn einen—„sozialdemokratischen W i r t s ch a f t s- piraten" und erzählt: .Hinzu kommt, daß Katzenellenbogen als mit der SPD. sympathisierend— durch sozialdemokratische Freundschaften entsprechend lanciert wurde." Di« Methode der Hakenkreuzkloake ist sehr einfach: jeder groß« Betrüger und Bankrotteur erhall da» Etikett„Sozialdemokrat" um- gehängt. Nächsten» werden wir noch hären, daß Herr La Husen Sozialdemokrat sei! Dieser Katzenellenbogen ist bekannt'als Finanzier von Piscator, als zahlungskräftiger Gönner— auf Kosten anderer— von Salonkommunisten. Mit den So- zialdemokraten ist es also nichts, vielmehr sollten die Herrschaften vom Hakenkreuz ongestchts der starken Fluktuation zwischen Haken- kreuzlern und Salonkommunisten vorsichtiger sein! Was aber mm die Lancierung von Herrn Katzenellenbogen an- belangt, so mögen sich die Leute Hitlers an Herrn Reinhart halten Der stammt nicht aus Kro losch in. Nebenbei bemerkt, zur Belehrung der jungen Leute in der Hitler-Presse: die frühere Provinz Posen hat niemals zu Ostgalizien gehört. Herr Katzen- ellenbogen und Herr R« i n h a r t haben sich gefunden.auf dem Boden einer Schiebung. Herr Reinhart ist Arier, er ist deutfchaotional, bekannt als Scharfmacher. Kurzum, er Gtaatscheater. „Wallensteins Tod." Höchst« Dichtung. Bornehmst« Schauspielkunst. Regie, die dem großartigen Werke schließlich doch gerecht wird. Und man verläßt das Theatsr schwer beladen mit Freuden und großen Eindrücken. dl. H. Ein Nazimann schrie:„Ihr gehört doch nur zur Kommune!" Dana fiel die Meute über die Kameraden her und schlug sie blutig. Am Sonntag mittag wurde E r n st B. am Aegldicnmarkt von fünf oder sechs Natwnalsozialisten angebrüllt:„Verschwinde. du Hund!" Auf die Frage:„Warum'?" schlugen sie auf ihn ein. v. flüchtete in sein Haus. Er kounle aber die Hanslüre nicht mehr schließen. Die Nazis drangen ins Havsiuuere nach. Als E. V. die Korridortüre nach zu schließen vermochte, zerschlugen die Eindiinglinge die Fenster der Korridortür und versuchten die Tür aufzubrechen. Erich H. wurde am Sonntag auf dem Nachhausewege an der Ecke Stoben- und Dammstraße von Nationalsozialisten angehalten: „Hund, heb' deine Knochen hoch, du bist auch einer von der Kommune!" Sie visitierten ihn, traten ihm ins Gesäß, ließen ihn zunächst ein Stück Weges gehen, stürzten sich aber neuerlich auf ihn los. Man stellte ihm ein Bein, so daß er stürzte, trat ihm ins Kreuz. „Verstärkung" kam heran und beteiligte sich au der weileren Mißhandlung. Endlich befreite ihn ein Pollzeibeamter. Er mußte ins Landeskrankenhaus gebracht werden. Karl Sch. bekundet, daß Sonntag �nachmittags am Klint die Polizei von den Nazis überrannt wurde, National- sozialssten warfen mit Steinen in die Häuser, warfen und schössen. Das gleiche bekunden zahlreiche andere Zeugen. * Die Witwe Berta F.(04 Jahre all) und die Witwe Rosalia S.(70 Jahre all) wohnen in der M ö n ch st r a ß e. Als sie de» Krach auf der Straße hörten, schlössen sie Haustür uni> Fenster. Ein Schuß zertrümmerte das Fenster und die Glassplitter flogen den Frauen an den Sopf. Die Nazis erbrachen die Haustür. Mit der Bemerkung:„Das Haus ist rot vermerkt!" durchsuchten sie die Wohnungen. Max M. bekundet/ daß Sonnabend vormittags Nationalsozia- listen in die Lange Straße eindrangen, um sie zu stürmen. Sie waren mit Stuhlbein en ausgerüstet. M. flüchtete in sein Hans. Die Tür hiell den Fußtritten der Nazis stand. Bor Wuk zertrümmerten die„rauhen Kämpfer" allein in diesem diesem Hause sechzehn Fensterscheiben. Es wurde bei dieser Gelegenhell auch geschossen. „Es war ein schreckliches Bild, das sich uns bot." So berichtet .Hermann Br. über die Kämpfe in der Langen Straße am Sonn- abend. SA.-Leute und Anwohner in kämpfenden Knäueln. Einzelne Männer wehrten sich gegen ganze Rudel von Nazis, die in die Häuser eindringen wollten. Schüsse krachten. Fensterscherben klirr tm. Steine flogen, an einzelnen Stellen sah man dicht gepreßte Hausen mll geschwungenen Fäusten. Knüppeln, Latten, Ersenrohren. Kinderwagen lagen umgekippt auf der Straße, Kinder schreiend daneben. Frauen weinten und schrien nach ihren Kindern." Das ist nur cln Auszug! Es genügt, um zu zeigen, wie die organisierten Bürgerkrlegslruppeu des bis auf die Knochen legalen hltter in Braunschweig gehaust haben. Das Reichsbanner reinigt? In Bremervörde, wo das Reichsbanner am vergangenen Sonntag einen Deutschen Tag veranstaltete, schlug ein Reichsbanner- mann mehrere Fensterscheiben ein. Der betreffend« Reichsbanner- mann ist wegen dieser Handlungsweise inzwischen aus dem Reichsbanner ausgeschlossen worden. ist ein Freund und Bundesgenosse der National- sozialisten aus der Harzburger Front. DI« nationalsozialistische Presse aber darf das dreckigst« Geschäft für die Harzburger Front besorgen: sie muß zur Deckimg der bqn- krollen Wirtschastsführer ihre Kloake gegen die Sozialdemokratie entleeren. Hilters Doppelspiel. Amtlich vornehm— nichtamtlich dreckig. Das ganz« Doppelspiel der Nazibowegung ergibt sich aus dem„Nazi-Pressedienst". Dort steht in der Nummer vom 28. Oktober folgendes zu lesen: „Das führende Zentrumsblott, die„Germania", beschäftigt sich in ihrer Stummer vom 28. Oktober 19Z1 reichlich aufgeregt mit einem Aufsatz, der im„RSPD." kürzlich veröffentlicht war. Wir stellen fest, daß im„NSPD." nicht fetten Anschauungen vertreten worden sind und voraussichtlich auch noch weiter zum Aus- druck kommen werden, die nicht die Meinung des Vorstandes der NSDAP, widerspiegeln. Das trifft auch für den vorliegenden Fall zu. Es ist selbstverständlich, daß an dem. was unser Führer in seinem„Offenen Brief" an den Reichskanzler Dr. Brüning niebergeschrieben hat, in keiner wie immer gearteten Weise„gedreht und gedeuteit" werden kann. Um Mißverständnissen für die Zukunft vorzubeugen, wird der Inhalt des„NSPD." von nun an in einen amtlichen und«inen nichtamtlichen Teil gegliedert werden.' Für das, was im „Nichtamtlichen Teil" zur Veröffentlichung gelangt, kann die Reichs- tagsfraktion bzw. die Parteileitung eine Verantwortung nicht über- nehmen." In dem amtlichen Teil werden die Anbiederungsoersuche an die Regierung und die hinter ihr stehenden maßgebenden Par- teien fortgesetzt, in dem nichtamtlichen werden die Re- gierung und die betreffenden Parteien wie bisher beschimpft werden. Der Futterkrippe wegen spiell man amtlich legal und tut vornehm. Nichtamtlich wird weiter gehetzt, damll die Meute nicht merkt, was gespielt wird und wie sie verroten und verkaust werden soll. Eine Methode, die ebenso feige wie dumm ist. Immer noch Boltsfreund-Verbot? Drrnmschwelg. 29. Oktober.(Eigenbericht) Das Verbot des Braunschweiger..Volksfreund" und seiner Kopfblätter durch Nazi-Klagges hat zur Folge gehabt. daß die Abonnenten dieser Blätter sozialdemokratische Zellungen au« der näheren Umgebung Braunschweigs abonniert haben. Der Kreisdirektor in Holzminden hat deshalb tagelang Jagd auf die betreffenden Blätter machen und in dem Verlagshaus des Partei- organs in Holzminden h aussuchen lassen. Erst aus wiederhott« Be- schwerde wurde die Polizeijagd eingestellt. Das Abonnement der Leser des Braunschweiger„Bolksfreund" auf ein anderes sozial- demokratisches Blatt wird jetzt ungehindert erfüllt. Nr. S09. 4S. Jahrgang Freitag, 30. Okiober l9Zil Um die BVG. Aussprache im Stadtpariamen Die gestrige Stadtverordnetenversammlung brachte endlich einmal Sie in der Ocnentlichkcit seit langem qciührten Debatten über die Grundstücksankäufe anläßlich der Llntergrundbahn» bauten zum Abschluß?lus dem.lsaue ha ltrauch chuß berichtete Stadt- verordneter Schäfer(So,;.): Bei den ,�ir Verhandlung stehenden Grundstülkekausen handelt es sich um die Ankäufe, Sie in den Jahren 1926 bis 1930 nötig waren. Vor allem sei, so bc- tonte Schäfer, zu bedenken, dah bei Vahndauten, die die Hoch- und Untergrunddahngescllschaft begann, als sie noch im Privat- besitz war. städtebauliche Rücksichten nicht genommen werden brauchten. Das änderte sich dann allerdings, als die Bahnen in Stadtdeiitz übergingen. Insbesondere kamen für die Stadt so'che städtebaulichen Notwendigkeiten an der I a n n 0 w i tz b r ü ck e lind am Alexanderplatz in Betracht, wobei wiederum festzustellen ist, dah z. B. die Durchlegung einer neuen Straß,- zwischen dem Alexandcrplatz und dex Frankfurter Straße auch noch von der alten Hoelchahnaesellschaft geplant und durchgeführt wurde. Eine überinäßige Verteuerung der anzukaufenden Gnindstücke ist von der städtischen chochbahngesellschaft und den zum Zwecke des Ankaufs gebildeten Baugesellfchaften dadurch verhindert worden, daß man Strohmänner vorschickte. Insofern sei ast'o der Stadt kein Vor- wurf zu machen. Der Ankauf einiger Grundstücke am Molken- markt, über den ursprünglich auch eine Untergrundbahnlinie laufen sollte, ist seinerzeit auch vom Stadtbaurat Wagner warm «nipfohlen worden(demselben, der sich nach seinem Austritt aus der Soaiqkdemnkratifchcn Partei in Wort und Schrift scharf gegen die Grundstückstäusc gewandt hat. Red.). Der Bericht- erstatter erörterte dann in längeren Ausführungen die Notwendig- keit des Ankaufs der einzelnen Grundstücke und stellt« fest, daß vom üauehaltsausschuß in fast allen Fällen die Berechtigung und die Notwendigkeit für die Ankäufe anerkannt wurden. Jedenfalls wurden im Ausschuß Beanstandungen besonderer Art, so wie mair sie in einer gewissen wensationspresse bis zum lieber- öruß lesen konnte, nicht gemacht. Nach den Beschlüssen des chuushaltHausschussts ersordcrten bis zum 31. März 1930 die Grundstücksankäufe 162 Mill. Mark. Vom städtischen Grund- erwerbsstock weichen 93,5 Mill. übernommen. Davon werden 44,5 Mill. abgeschrieben, weil die Grundstückspreise jetzt anders sind als zur Zeit des Ankaufs. Der Verzluft wird von der Kämmerei- lasse getragen. Die Tiefbauverwaltung übernimmt für 31,8 Mill. Mark Grundstücke und schreibt davon 12.-3 Mill. ob, während die Berliner Verkehrs-Gesellfckmst 40.1 Mill. Mark übernimmt, wovon 17,9 Mill. auf ihr Grundstückskonto und 22.2 Mill. Mark auf die Bahnanlagen aller Art entfalleil. Die Verwaltung der Grundstück« ist bereits feit dem 1. Oktober d. I. auf die zuständigen Bezirke übergegangen. Schäfer betont« am Schluß, daß die Verab- schiedung der Vorlage dringend notwendig sei. weil auch die Stadt ein Interesse daran hat, die Grundstück« endlich aus den Händen der verschiedensten Gesellschaften m eigene Verwaltung zn über- nehmen. Damit würden dann auch die Stadtverordneten ern Mit- bestimmungsrechl in dreien Grundstücksangelegenheiten bekommen. Für che Sozialdemokratisch« Partei sprach Genosse Robin- so n die Zustimmung zur Vorlage aus unter der Voraussebung, daß Grundstücksveranderungen nur mit der Zustrmmung der Stadt- verordnetenversammlung vorgenommen werden dürfen. Robinson rechnet« im übrigen mit den Nationalsozialisten und ihren kommu- nalpdliti sehen Schandtaten gehörig ab. cherr Engel von den Nazis antwortete lehr erregt und laut in einer Sportval astrede. Die Borlage wurde schließlich nach den Beschlüssen des Aus- schusses angenommen. Für die Wiederaufnahme der Notstandsarbeiten zur Herstes- lung der Schmutzwasserleitung in Mahlsdorf wurden die Mittel vom Mogistrat angefordert, die Abstimmung über den •Grundstücke !" Abrechnung mit den Nazis Bau einer weiteren Volks-Dop pclschule in T e m p e l h o f wurde ausgesetzt. Zuvor gab Genosse F n u st den Kommunisten, die sich als besonders eifrige Befürworter des Schul- baues in«Temp?lhos aufspielten, noch einige Wahrheiten zu hören. Faust sagte, daß die Sozialdemokraten schon viel früher ols die Kommunisten die Schulnol in Tewpelhof enideckt! hätten, daß sie aber mit den Kommunisten auch jetzt einig wären in der Erkenntnis, daß die Stadt Geld für den von den Kommunisten geforderten großen Schiilbau nicht übrig hat Die Sozialdemokraten fordern vielmehr, daß eine Prüfung über bis nicht nackx Tempelhof zuständigen, dort aber zur Einschulung gekommenen Kinder vor- genommen wird dergestalt, daß die nicht»ach Tempelhos gehören- den Kinder ausgeschult werden. Auf diese Weise kann man Platz für etwa 129 Kinder schaffen. Die Sozialdemokraten for- dern auch weiter, daß für die kommenden Einschulungen eine Neu- einteilung der Schulbezirte vorgenommen wird, so daß i» die Tempelhofer Schalen tatsächlich nur Temvclhofer Kinder gehen Aus diesen Gründen werden die Sozialdemokraten den tommunistischen Antrag auf Neubau einer neuen Doppelschule ab- lehnen. Die Angriffe gegen Kämmerer Asch abgewiesen. Wie wir bereits in dem Bericht über die Stadtverordnetenver- sammlung in der vergangenen Woche mitteilten, wurde über die Angriffe, die gegen den Berliner Kämmerer Genossen Asch in der Berliner Boulevardpress« erhoben wurden, lang und breit debattiert. Dem Kämmerer mar zum Vorwurf gemacht worden, daß er un- rechtmäßig und zu oft nach Frankfurt a. M., seiner früheren Wir- kungsstätte, gefahren und daß er in Verlin zuviel in städtischen Autos gefahren fei. Die D c u t f ch n a t i o n a l e n und auch die K o m m u n i st e n hatten diese lächerlichen Angriffe zum Anlaß von Anfragen und Anträgen gemacht und ein Ausschuß mußte sich sogar in mehre-cn Sitzungen mit der Angelegenheit, die so recht das kommunalpolitischc Niveau dieser Parteien beleuchtete, befasien. Die Feststellung des Ausschusses, daß alle Angriffe gegen den Kämmerer unbegründet find, wurde gestern in der Abstimmung mit den Stimmen der So- zioldemo traten und der Mittclvarteien gutgeheißen. Der vom Aus- schuß angenommene Antrag, den Magijtratsmitgliedern jegliche Be- Nutzung der Dienstautos für andere als dienstliche Zwecke zu unter- sagen, wurde mit den Stimmen derselben Parteien abgelehnt. Di« Deutschnatwnalen, die Nationalsozialisten und die Kommunisten vereinigten sich dabei wieder einmal in trauter Gemeinschaft für den Antrag. Im Haushaltsausschuß hatte in der gestrigen Vor- mittogssitzimg der Oberbürgermeister erklärt, baß er auf Grund der Behauptungen des deutschnationalen Stadtverordneten v. Jecklin, der erklärt hatte, feine Informationen aus dem städtischen Finanzbüro erfahren zu hoben, sämtliche Beamte des FtNonz» biiros noch einmal eingehend vernommen Hobe. Auch dabei stellte sich heraus, baß die unverantwortlichen gehässigen Behauptungen des deutfchnaiionalen Herrn jeder Grundlage entbehren. Die Un'erjchlagungen bei der Straßenbahn Schönsichc. Der frühere Bersaltungsgehiljs Erich K o h n e r t aus Schöneiche w'.rd beschuldigt, 18 99 Mark, die er für Fahrscheinhefte der Straßen- bahn vereinnahmt hat, unterschlagen zn haben. Das Schössen- gericht verurteilte ihn deswegen zu vier Monate» Gefängnis. Di« vierte Große Strafkammer des Landgerichts II in Moabit hat in der Berufungsverhandlung das Urteil bestätigt. Tiefe Nacht. Draußen tnbt der Sturm. Er fegt Steine nnd Schindel von den Dächern, er pfeift und heult in den Wipfeln der Tannen. Bei jedem Windstoß klappern die alten Fcnsterkrcuze, und die Scheiben klirren, als wenn ver- zweifelte Hände sie hin- und herrissen. Drinnen in der Stube beugt sich die Theres mit er- mutigendsm Lächeln zu der Kranken nieder.„Da, trinket Sie c Schstickic von der gute Milch— frifchgemolke heut Abed— sowas Guts kriegst Sie in der Stadt net..." Sie streicht der Frau mit der breiten, warmen Hand über die Stirn.„Ja. die Eisebahn— sell isch au so e Teufelszeug— allerdings: Unfre Fraue fahre net mit der Bahn, und dene gehts oft au so. wie Ihne ietz! Cell macht die schwer Arbeit auf dein Feld un so... Aber wartet Sie es bißle, morge früh, wenn d' Sonn aufgeht, da habet Sie ihr Bücble im Arm. da könnet Sie lache:" Ueber das blaffe, verzogene Gesicht fliegt ein Heller Schein.„Wober wissen Sie denn, daß es ein Junge fein wird?" fragt sie leise. Die Theres lacht bebaglich vor sich hin.„Wer soviel in der Wachestub gewese isch. wie i. der kanns dc Frauc an der Nasespitz ablese! Un auf Ihrer Nase- spitz— i mill doch glei noch amal nachschaue, damit i nix Falsches sag"— die Theres holt umständlich ihre Brille aus der Tasche, putzt sie und setzt sie sich auf ,Za steht ganz deutlich: E Büeble!" Aber Frau Loriot lächelt trübe, obwol ihr der harmlose Humor wohl tut. „Ein Sicbenmonatskind!" Aber da ereifert sich die Theres.„A was. sagt sie wegwerfend, hier bei uns laufe viele Sicbemonatskinder rum un sin gsund und stark. Was i nach sage wollt» fügt sie ablenkend hinzu,„d' Germane isch bei der Frau Eamsert un schläft dort. Hier isch kein Ausenthalt für so e Kind! Und setz will i schnell noch ver- schiedenes reinhole..." Draußen aber klopft sie die Bäuerin mis dem Schlaf- zimmer.„Kreuzwirtin", sagt sie leise,„i weiß net, mir isch's ne geheuer. Losset Sie schnell onschpanne und den Doktor hole!"— * Die Sonne steht hoch und leuchtend am Himmel. Sie hat längst die Tauperlen getrocknet, die auf den Wiesen lagen, und die Tannenwälder auf den Bergen, hinter denen sie jeden Morgen heraufkommt, liegen voll und warm ihrem Licht preisgegeben.-Zarte, weiße Wolken stehen über den dampfenden Aeckern, auf denen tiefgebücktc Frauen und Mädchen ihre Feldarbeit verrichten. Bald ist Mittagszeit. Schon zerren die Gäule, die gewohnt sind, um eine bestimmte Stunde zurückzufahren, ungeduldig an ihren Halftern. In der Ferne erhebt sich eine Staubwolke. Ein Auto saust mit Höchstgeschwindigkeit in die Kurve ein und hält mit gewaltsamem Ruck. „Zum goldenen Kreuz, wohin!" schreit der Chauffeur aufs Feld hinüber. „Immer gradaus!" ruft die Kreszens zurück, die sich am schnellsten gefaßt hat. Aber als der Wagen im Augenblick verschwunden ist, brummt sie mißvergnügt vor sich hin:„Als ob mir net scho genug Staub und Dreck auf dem Land hätte! Solle in ihre Städt rumrase, soviel sie wolle, aber uns zufriede lasse, die verrückte Sommerfrischler!" Und die anderen nicken beifällig. Loriot läßt dem Fahrer kaum Zeit, zu halten. Er drückt ihm einen viel zu hohen Betrag in die Hand und eilt ins Haus. Es riecht nach Karbol und Berbandwatte, nach Aether und Weihrauch, eine Mischung, die ihm auf die Nerven fällt und Uebelkeit in ihm aufsteigen läßt. Oben auf der Treppe steht eine dicke, verweinte Frau mit einem Rosenkranz in der Hand. Halblaut murmelt sie eintönige Worte vor sich hin. Der Professor hält sich mit beiden Händen am Geländer. Betet die Frau für eine Tote? Ist er zu spät gekommen? Im gleichen Augenblick öffnet sich eine Tür. Germaine tritt heraus. Sie ist totönblaß und stürzt dem Vater schluchzend in die Arme. Im Nebenzimmer wäscht sich der Arzt die blutigen Hände, und die Theres trocknet sich den Schweiß von der Stirn. Ihr Gesicht sieht nicht mehr so zuversichtlich aus wie am Borabend, aber sie lächelt, als Loriot mit der Tochter an der Hand eintrstt. „E Büeble— wie i gsagt Hab!" Aber als der Professor ihr dankend die Hand entgegenstreckt, wehrt sie bescheiden ab: „Diesmal isch der Herr Doktor die Wehmutter gewese— wenn er heut Nacht net gleich komme war...!" Vielsagend wiegt sie den Kopf hin und her. Betrunkene Schimpsbolde. Alkohol entschuldigt immer noch viel. Der Dentist Bethmann und der Händler Rausch hallen an einem Sonntag schon frühzeitig eine Kneiptour unternommen und richteten in der Trunkenheit soviel Unfug an, daß sie eine Anklage wegen richestörenden Lärms, Hausfriedensbruchs, groben Unfugs, Beleidigung und Beschimpfung der Rcichsfarben erhielten. Ursprünglich hatte man sie trotz der Delikte mit einer einfachen Geldstrafe laufen lassen wollen, aber wenn sie auch Geld hotten, um sich zn betrinken, Geld zum Strafezah-len wollten sie nicht haben. Sie erhoben gegen den geringen Strafbefehl Einspruch, und so kam die Sache vor dem Schösseng-ericht Berlin-Mitte zur Verhandlung. In ihrer Trunkenheit waren die Angeklagten am Abend des Kneip- tages aus einem Polizeirevier erschienen und hatten stürmisch 59 Pfennig Fahrgeld verlangt, da sie ihr ganzes Geid ausgegeben hätten und nun nach Hause müßten. Es wurde ihnen bedeutet, daß die Polizei dafür kein Geld habe. Sie lärmten aber weiter und verlangten das Geld, denn— so grölten sie— wofür' zahlten sie als Staatsbürger ihre Steuern. Schließlich warf man sie hinaus. Nun taumelten sie nach Hause. Statt sich aber ins Bett zu legen und den Rausch auszuschlafen, trieben sie im Hause allerhand Allotria und klingelten die Hausbewohner heraus, bis man die Störenfriede auch hier an die Luft beförderte. Bei Durchsuchung ihrer Taschen fanden sie noch 69 Pfennig, die sie schlemiigst in Bier anlegten. Zum zweitenmal erschienen sie auf der Polizeinwche und verlangten wieder59Psennig. Man warf sie von neuem hinaus. Bethmann hängt sich draußen an die Glocke und klingelte ununterbrochen, bis ein Beamter herunterkam, um ihn wegzujagen. Darauf rief er:„Ihr sozialdemokratischen Lumpen und Strolchs mit Eurer Republik." Ein altes lateinisches Sprichwort heißt: in vino verilos. In freier Uebcrfetzung würde das heißen: Wenn einer be- trunken ist, kommt sein wahrer Charakter zum Ausdruck. Das scheint auch hier der Fall zu sein, als der betrunkene Dentist Lethmann und der betrunkene Händler Rausch die Polizei, die Republik und die Sozialdemokratie schmähten. Das Gericht halle natürlich Ver» ftändnis für den Zustand der Angeklagten und nahm als Miidernngs- grnud an, daß sie gehörig„einen sitzen" hatten. Deshalb wurde die Sache als eine„betrunkene Geschichte" behandelt und Bethmann er- hielt siir sämtliche Anklagepunkte zusammen insgesamt 69 Mark Geldstrafe. Rausch kam sogar mit nur 19 Mark weg. Z�eichSgesundheiisrai gegen Calmeiie. See Fortgang des Lübecker Prozesses. Lübeck, 29. Oktober. Bei Beginn der heutigen Verhandlung-kam es zu heftigen Z u s a m m e n st ö tz e N. Die Schwester Gertrud Hofs« mann behauptete, vom Vorsitzenden der Lübecker Elternschaft während der Hauptverhandlung arg bedrängt worden zu sein. Sie verneinte aber die Frag«, ob dieser sie zu einer falschen Aus sage unter Eid hätte beeinflussen wollen. Der Zwischenfall rief heftige Erregung hervor. Eine. Frage eines der Vertreter der Nebcpkläger war»abei.in. der allgemeinen Aufregmxg � unter � gegangen- Als sich bei Wisderaujrahnze der Frage Widexiptu-H-, erhob,'verlor dek Recht'SäNwallt'die Nkrvcn, riß sich die'An maus- robe hsrimter und erklärte, nicht mehr m> t a r b« i t e n zu wollen. Das Gericht beruhigte den Anwalt. Wichtiger für den Fortgang des Prozesses war die Aussage des Präsidenten des Reichsgefundheitsamtes, Dr. H a m e l. Er äußerte sich über die Stelliingnahm« des Reichsgesund- heitsamtes nnd des Reich sgcsundhcitsrotes zum Ealmette-Vcrfohren. Da sich Bestrebungen gezeigt hätten, das Ealmette-Derfabren in größerem Umfange in Deutschland anzn- wenden, Hobe das Lelchegesundhcitsaml empfohlen, das Ergebnis wcitcier Ilnlersuchunjen abzuwarten. Das Reichsgesundheitsamt Aber hie Kreuzwirtin, die an der Tür stellt, faßt ihren Rosenkranz fester. Sie weiß es besser, wer die Frau nebenan vor dem �Verbluten bewahrt hat. Der Doktor mit seinen Zangen und Messern— was hätte der vermocht, wenn nicht ein höherer Wille gewaltet hätte! Die allerseligste Jungfrau — sie ollein hat dos Wunder vollbracht. Istbrünstig drückt sie di« Perlen an die Lippen. Die ganze Nacht Hot sie wach gelegen und gebetet, Stunde um Stunde. Alles hat sie der Mutter Maria erzählt und o nhe im gestellt, bis sie Mutter und Kind in ihren allerheiligsten Schutz genommen hat. Tlbcr das braucht leiner zu erfahren— nur dein Hochwürdigen Herrn wird sie's wieder erzählen, wenn sie ihm die Kerzen bringt zum Weihen, die sie der Jungfrau heute Nacht gelobt hat. 8. „Und setz solls also bald heimgehe!" Die Kreuzwirtin wiegte bedauernd den Kopf. Frau Loriot lächelte.„Sie werden froh sein, wenn Sie uns los sind. Diesmal hatten Sie uns ja nahe�l ein Viertel- jahrl Und was haben Sic sich Sorgen und Mühe mit uns gemacht!" Die Kreuzwirtin wehrte bescheiden ob.„Der Herr Pro- fessor hats net lang hier ausghalte", sagte sie ablenkend. Er wohnt lieber drobe im Kurhaus. Wenn er an unserem Mischtes vorbeigange isch, dann hat er sich jedesmal die Ras zughalte!" Sie lachte. Mir gehts umgekehrt. Wenn i drin in der Stadt bin, dann halt i mir d' Ras zu, wenn die Autos vorbeirase, uN i bin froh, wenn i wieder in unser Tal komm!" Frau Loriot warf ihr einen warmen Blick zu.„Ich bin auch gern hier. Und wir werden auch nächstes Jahr im Sommer wiederkommen, denn so gut sind wir nirgends untergebracht wie bei Ihnen. Mein Mann braucht Menschen um sich, Leben. Anregung, aber ich lebe gern eine Zeitlang ganz für mich. Ich habe daheim gesellschaftliche Verpflich- tungen genug! Außerdem würde mich die Erinnerung, daß Dolf so gern hier war, immer wieder zu Ihnen zurück- bringen." Mit feuchten Augen sah sie vor sich hin. „Und d' Germänle hat sich ausgmacht!" Die Kreuzwirtin sah wohlgefällig aus dem Fenster hinaus in den�Garien, wo Germaine unter dem großen Apfelbaum saß. Sie sah frisch und blühend aus, und das armfreie, weiße Sommerkleid, über das die dunklen Zöpfe herabfielen, hob noch die gesunde, sonnenverbrannte Gesichtsfarbe. Behutsam schaukelte sie die alte, geschnitzte Wiege, in der ihr kleiner Bruder lag und schlief.(Fortsetzung folgt.) Hobe damit jenen Bestrebungen einen Riegel vorschieben wollen. Für die Untersuchungen sei eine besonder« Kommission vom Rcichsgesundheitsamt ernannt worden. Spoter habe der Rcichsgesiindheiterat eine Erklärung, durch die er von seiner Stellungnahme abgewichen wäre, nicht abgegeben. Aus Siesem Schweigen des Reichsgesundheitsamtes und des Reichsgefundheits- rotes konnte nach Ansicht des Präsidenten keineswegs der Schluß gezagen werden, daß sich der vorher eingenommene Standpunkt geändert hätte. Dos Schweigen sei im Gegenteil nur so auszu- fasse», daß man an dem Standpunkt, das Ealmette-Versahren nicht anzuwenden, festgehalten habe. Er sei ferner, so fährt chamel fort, auch dadurch u n a n- g«» e h m überrascht worden, daß man in Lübeck das• Ver- fiiluc» einpsohlen habe trotz Abratend des Reichsgefundheitsrates, und ohne doj; irgendeine Verständigung mit dem Reichs- gefuitdheitsamt und mit dein Reichsinnemninisteriuin enolgt sei. Man sei in Lübeck über die in der Stellungnahme des Reichs- gesundste itsrates ausgesprochene Sperre bezüglich des � Ealmette- Verfnhrens hinweggegangen. Die Verhandlung wird dann auf morgen. Freitag, vertagt. Wiedergeburt der Brotkarte. Schwache Hilfe für die Erwerbslosen. Um den Erwerbslosen ein. wenig hilfreich unter die Arme zu greisen, hat man die Brotkarte wieder ins Leben gerufen. Leider bringt ihr Besitz nur schwache. Hilfe, bringt sie doch nur einen Roch- letz von ganzen v i c r Pfennigen pro Brot und Kopf für eine Woche. Dotz trotz dieser kleinen Perbilligung der Brntpreis dann noch über dem Berkaufspreis einzelner Großbäckereien liegt, kommt daher, daß in der Zwischenzeit, nachdem dieser Preisnachlaß durch dos Reichsernährungsministeriuin festgesetzt wurde, verschiedene Groß- bäckereien ihre Preise heruntergesetzt hoben. Die Brotkartenousgabe ist seit dem 26. Oktober im Gang, vom 1. November an sollen dann auch noch Kartoffelkarten ver- teilt werde»! Quantum und Preis stehen noch nicht fest, da die Preiszisfer im Kartoffelhondrl eine schwankende ist! man rechnet ober mit der Abgabe eines halben Zentners pro Monat für de» Kopf, und der Preis soll pro Zentner um 1 M. gegenüber dem jeweils gültigen Perkaufspreis herabgesetzt werden. Ebenso ist eine K o h l e n v er b i l l i g u n g in Äussicht genommen. Das ostelbijche Brauilkahlensyndikat will der Stadt Berlin 600 000 Zentner Bei- tetts pro Monat zu verbilligtem Preis liefern; hier dürste der Nach- laß etwa IS Pfennig pro Zentner betragen. Die Lieferung von kostenlosem Heizmaterial ans die städtischen Gutschrine wird, genau wie im Vorjahre, gehandhabt werden, dach dürfte sich das Quan- tum in diesem Jahre auf eineinhalb Zentner reduzieren. Die Liefe- rvng oan freiem Heizmaterial kostet die Stadt Berlin immerhin 4 Millionen Mark, und so sah man sich im Zeichen der notwendigen Sparmaßnahmen gezwungen, das Quantum herabzusetzen. Im ganzen genommen bedeutet diese Naturalorrbilligung keine allzu großzügige Hilfsaktion des Kleinhandels seinen Verbrauchern gegen- über, doch haben wir ja längst mit Pfennigen rechnen gelernt, und so werden auch diese geringen Vergünstigungen stark in Anspruch ge- rwmmen, beispielsweise wurden bereits an 900 000 Unterstützungs- empfänger Brotkarten oerteill; gottlob muß mgn sich diese Karten nicht durch endloses Schlangestrhen erwerben, sondern sie sind für Unterstutmngsberecktiaten auf seinem zuständigen Wohlfahrts-, Dmgend- oder Arbeitsamt erhältlich. vi« Ausprägung von l?0 Millionen Mark neuer Sttbrnminzen genehmigte der Reichsrat-nsi seiner Bollstgung am Donnerstag, und zwar sollen für zusammen 30 Millionen Mark Zweimarkstücke und für zusammen 90 Millionen Mark Dreimarkstücke geprägt werden. 200 000 Mark unterschlagen. Ein Prokurist einer Warengroß- Handlung in Stettin hat durch private Spekulationen seine Firma um etwa 200 000 Mark geschädigt. Als das Vergehen aufgedeckt wurde,'erschoß sich der Defraudant. Seine Freundin nahm er mit in den Tod. Graf Helldorf in Nöten Er will nicht die Verantwortung für seine Mannen tragen Die Verteidigung im Helldorf-Prozeß kämpft verzweifelt gegen Ausjagen von Zeugen, deren Glaubwürdigkeit bereits in der ersten Verhandlung von niemandem außer der Verteidigung angezweifelt wurde— gegen die Auto-Zeugen! Das einzige, was die Angeklagten bis jetzt zugegeben haben, ist, daß sie in Zlutos resp. mst einem Motorrad die Kralvallstraßen hin- und hergependelt sind. Aber zu welchem Zweck'? Der Angeklagte Brandt nur, um sich die Gegend anzusehen; Helldorf und Ernst mit dem alleinigen Zwecke, ihre Leute aus der Gegend heraus- zuziehen. Was sollten sie denn mit den Gewalttätigkeiten und mit der Zerstörungswut der Demonstranten zu tun haben? Hat denn auch nur irgend jemand ihre Wagen zu dieser Zeit gesichtet? Bekunden nicht sämtliche Zeugen von einem Zeitpunkt, da alles bereits vorüber war? Wenn irgend etwas geeignet ist, gegen die Wohrhaftigkeit dieser Verteidigmigsausflüchte zu zeugen, so diese Behauptung. Sie fällt zusammen mit ähnlichen Behau p- tungen sämtlicher bereits in der ersten Perhairdlung verurteilten Kürfürstendamm-Krawallisten Auch sie beteuerten, mit den„Judo- Verrecke-Sckreiern", mit den Mißhandlungen und den Zerstörungen im Cafe Reimann nichts gemein gehabt zu hoben. Gleich Graf Helldorf, Ernst und Brandt pochten auch s i e auf den Umstand, daß die Polizei erst in einem späteren Augenblick in Aktion getreten ist und ihre Feststellungen treffen konnte. Aber so wenig das erste Gericht den SA.-Leuten geglaubt hat, daß sie mit den Gewalttätig- leiten nichts zu schaffen hatten, so wenig wird auch dieses Gericht den jetzigen Angeklagten darin folgen können, daß sie erst in einem späteren Augenblick aus dem Kurfürstendamm ausgetoucht sind. Zlls besonders gefährlich schätzten die' Verteidiger in der gestrigen Nachmittagssitzung die Aussage des Kaufmanns Deterding ein. Nicht mit Unrecht. Er war es ja, der, gemeinsam mit seinem Bruder. das Auto des Grafen Helldorf und seiner Genossen feststellen ließ. Er hatte Gelegenheit, die Tätigkeit der Autoinsassen unbemerkt zu beobachten. Der Zeuge Delerding war eigentlich der einzige, der bekundet hat, wie ganz allmählich nach einem vorher festgelegten Plane die Tiolicrnalsozialisten zu ihren Demonstrolionen und Exzessen auf dem Kursiirslendamm übergingen. Als er das erstemal den Kurfürstendamm entlang zum Halensee fuhr, bemerkte er unter den Passanten einzelne oder zu zweien und zu dreien gehende Leute, die in der Gegend offenbar fremd waren. Als er zurückfuhr, sah er sie bereits zu kompakten Gruppen zu- sammengeballt, hörte sie„Inda verrecke" und„Deutschland erwache" schreien. An der KLeuziing der Ioachimsthaler Straße und des Kurfürftendaimns beobachtete er, wie ein Polizeioffizier einem Auto etwa fünfzehn Meter nachlies und den Insassen des Autos etwas zurief. Das war die Begegnung zwischen dem Major Wegge und Gras Helldorf. Der Major kehrte auf seinen Standort zurück, Deterdings Auto holte Gras Helldorss Auto ein, und nun sah und hörte er, wie Demonstranten dem Auto zuriefen und wie aus dem Auto mit„Deutschland erwache" und anderen Zurufen erwidert wurde. Deterding folgte mit seinem Auto dem Helldorfschen Auto. An einer Stelle, an der der Wägen wieder zum Halten kam, traten Zwei Personen an ihn heran, der eine besser gekleidet, der andere schlechter. Gras Helldorf sagte zu den beiden etwas, was wie eine Anweisung erschien, und fuhr weiter. Bald darauf er- folgte die Zwangsstellung des Grasen Helldorf. Der Vorsitzende richtet an den Zangen eine Frage, die nicht ganz verständlich scheint: „Hatten Sie die Absicht, teilzunehmen?" Der Zeuge wundert sich. „Sie hatten einen Hammer herausgenommen und auf den Sitz gelegt."—„Ja", sagt der Zeuge,„zu meinem Schutz. An einer Stelle des Äurfürstendamms schien mir die Situation ganz besonders bedrohlich. Auch Autos wurden von den Demonstranten belästigt. In meinem Wagen saß mein Geschäftsführer mit ausgesprochen semitischen Gesichtszügen." Der Bruder des Zeugen Det«r- ding, ein junger Student, bestätigt dessen Bekundungen. Die Berteidigung versucht auch hier zwischen den Aussage»: der beiden Zeugen und derjenigen des Majors Wegge einen Widerspruch zu konstruieren: sie hat damit wenig Glück. lieber das Ä n t o des Angeklagten Brandt woiß viel Aufschlußreiches der Zeitungsverkäufer am Restaurant Ke»npiiiskn aus den: Kurfürstendanuu zu erzählen. Er hat den Wagen zweimal beobachtet. Das eine Mol bog er in die Fasavenstraße ein. Eine große Zlnzahl Demonstranten lief hinter dem nur sehr langsam fahrenden Wagen her. Aus dein Auto wurde plötzlich gerufen: „Los zur Gedächtnistirche" oder so was Aehnliches. Während der Wagen weiter fuhr, liefen die Leute in der befohlenen Richtung. Der Zeuge notierte sich die Nummer. Das andere Mal beobachtete er, wie der Wagen unmittelbar hinter dem Polizeiauto herfuhr. Es war so, als wollte er den Wagen im Auge bshalten. Auch eine andere nicht nninteresiante Bekundung weiß dieser Zeuge zu machen. Er hat immer wieder beobachtet, wie das EinHauen auf jüdisch aussehende Personen auf Anweisungen. bestimmter Personen erfolgt ist. Los auf die Juden, hieß es. Einer der Leidtragenden war v. o. der Inder R a m a n, der in der ersten Verhandlung nicht vernommen worden ist. Er war eben erst aus einem Vegetarismen Restaurant aus den Mrfürstendamm getreten— es war etwa 8% Uhr—, als ein„junger Herr", wie er sagt, mit Windjac� aus ihn zukam und ihm einen Schlag versetzte, daß er hinfiel. Ein Deutscher eilte ihm zu Hilsc, half ihm vom Boden aus und riet ihm, zur Polizei zu' gehen.„Ich konnte", so sagte der Inder in unbe- holfenem Deutsch,„aber nicht verstehen, weshalb hat geschlagen und fragte immer: Weshalb hat geschlagen? Da ist ern anderer Herr gekommen und hat diesen Deutschen geschlagen. Ich lief in das Lokal und bin dreiviertel Stunde später, obgleich Ich nur fünf Minuten entfernt wohne, per Auw noch Hause gefahren." Der Diplomingenieur Schlesinger befand sich in Beglei- tung seiner Frau und seiner Schwiegermutter. Eine Horde fiel über ihn her, die Schläge ha gelten auf ihn nur so nieder. Auch Frau und Schwiegermutter wurden geschlagen. Neben ihm fiel eine zweite Horde über einen anderen Herrn her. Der Mann rief: „Ihr Schweinehunde, laßt mich in Ruhe. Ich bin g a r k e i n I u d e." Es half nichts. Unterdes schlug man auf den Zeugen weiter ein, schrie dabei:„Verrecke du Aas, du verfluchter Jude". Selbst als ein Mann hinzukam und auf die Prügelhelden einredete:„Hört auf zu prügeln, es geht euch noch dreckig", ließen dies« vom Zeugen nicht ab. Erst als eine Pol'geistreife heranrückte, liefen sie auseinander. Der Zeuge trug allein im Gesicht vier Ver- letzungen davon. Schwer am Auge verletzt wurde der Student N e u f e l d; nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß sein zersplitterndes Augenglos nicht direkt das Auge beschädigt hat. Der Zeuge Reimann schilderte, wie fein Lokal zertrümmert wurde und wie der Rechtsanwalt Möhring blutend bei ihm Zuflucht suchte. Man begreift schon, weshalb Graf Helldorf und Genossen bis Verantwortung für diese Betätigung ihrer Mannen nicht über- nehmen wollen.„Ich dulde keine illegalen Handlungen" hat ja Herr Hitler neulich wieder dem General Schleicher erklärt. 2lfik zwei Millionen Fehlbetrag soll, wie aus Dresden ge- meldet wird, die Internationale Hygieneausstellung Dresden 1930/31, die über fünf Millionen Besucher hatte, odge- schlössen haben. Bereits im vergangenen Jahre schloß die Ausstellung mit einem nicht unbedeutenden Fehlbetrag ab. Kennen Sie unsere Preise f damkömen Sie leicht Seid mäenen Utsooß fhik Mhd KARSTADT �* V- BA.ELcrsoP KS t jrSB nAmrwor Alles, was Sie in nebenstehend abgebildeter Küche sehen(Einrichtgrig, Inventar, Lebensmittel), starnrnfaus denverschiedensn Abteilungen unseres Hauses. Wir haben sämtliche Preise dieser abgebildeten Artikel addiert und diese Aufstellung bei einem Notar in einem geschlossenen Dmschlog hinterlegt. Kenner der Karstadt- Preise, die dieselben richtig erraten, erhalten untenstehende Belohnungen. Die Bedingungen unseres Rekord-Preisausschreibens erhalten Sie während der ersten Rekordtage, also ab Freitag, dem 30. Oktober, an sämtlichen Kassen unseres Hauses. Ein 1. Preis: 1 Gutschein über.... RM. 150 Zwei 2. Preise: Je 1 Gutschein über.. RM. 75 Drei 3. Preise: Je 1 Gutschein über.. RM. 50 Vier 4. Preise: Je 1 Gutschein über.. RM. 25 100 5. Preise: Je 1 Gutschein über.. RM. 5 Sämtliche Gutscheine werden nur in unserem Hause bei Einkaut aller Ar Waren wie bares Geld in Zahlung genommen. Flugblattverbrettung Die Beteiligung aller Genossinnen und Genossen an der allgemeinen SM Sonnabend, 31. Oktober und Sonntag. 1. November, von den bekannten LokaSen aus, ist Parteipflicht! Sturm in Hohcn-Ncuendorf. Alle Einwohner gegen den Gemeindevorsteher. In der Berliner Nachbargemeinde H o h e n- N c u c n d o r f ist die Erregung der Einwohner über das unmögliche Verhalten des Amtsund Eemeindevorstchers Dr. Moritz bis zur Siedehitze gestiegen. Dieser Herr Moritz, der ein imtionaler Mann ist und der Volks- Partei nahe steht, mußte es hinnehmen, daß seine politischen Freunde, nämlich die volksparteil ichc Fraktion des Preußischen Landtags eine Meine Antrage einbrachte, wielangc die Preußenregicrung einen solchen Mann noch amtieren lassen will. In der letzten Gemeinde- rertretcrsitzung von Hohen-Neuendorf wurde von einem Gemeinde- Vertreter wurde von einem Gemeinderertreter, der nicht etwa einer radikalen Partei angehört, betont, daß niemand mehr für die Sicher- hcit des Dr. Moritz garantieren könne. Mitunter können die Gemeindevertreter— ob einstimmig oder mit wechselnden Mehrheiten ist gleichgültig— beschließen, was sie wollen, Dr. Moritz in seiner Eigenschaft als Amtsvorsteher führt einfach die Beschlüsse nicht durch, die Dr. Acoritz als Gemeindevor- sicher ausführen müßte. So wollen trotz der schweren Zeit Leute h Hohen-Neuendors bauen und die Gemeinde freut sich, daß da- durch Geld unter die Menschen kommt.. Es existiert zudem eine ministerielle Verfügung, wonach P a u g e s u ch e in jeder Weise l c s ch l e u n i g t werden sollen, llebcrdics haben die baupolizci- l'chen Vorschriften in letzter Zeit eine erhebliche Lockerung erfahren, um dem völlig daniederliegenden Baugewerbe wenigstens etwas Erleichterung zu schaffen. Nur Herr Dr. Moritz hindert das Bauen, niid alle Beschwerden bei der Aufsichtsbehörde fruchten nichts. Dos- halb wurde in der letzten Gemeindevertreterfitzung eine Ent- ichlicßung eingebracht, in der es heißt:„Bisher hat Dr. M. die Förderung der Bautätigkeit unterlassen. Alle diesbezüglich von ihm geführten Klagen sind verloren. Neuerdings verfolgt er eine andere Taktik. Er lehnt die Aushändigung der Baubewilligungsurkunde ab. Seine rechtlose Tätigkeit steigert er noch, indem er Baugcsuche, die der Zustimmung der Gemeindevertretung bedürfen, dieser gar nicht mehr vorlegt." Schließlich wird die Aufsichtsbehörde gebeten, acgen Dr. Moritz einzuschreiten. Dem Faß den Baden ausgeschlagen hatte das Verbot einer E r w c r b s l o s e n o e r s a m m l u n g. Die Hohcn-Neuendorfer i. rwcrbsloscn wollten in einer großen Versammlung zusammen- lammen und den Abbau der Unterstützungssätze besprechen. Dr. Mo- . ig verbot die Versammlung! Die Folge ist eine erhebliche Beun- > ihigung der Hohcn-Neuendorfer Erwerbslosen. Das Tollste geschah aber erst in der Gcmeindevcrtretersitzung. Als hier das Vcrfamm- luvgsnerbot zur Sprache kam, versuchte Dr. Moritz dem Redner das Wort zu entziehen, und als sich der den Mund nicht oerbieten ließ, rief Atoritz die Polizei in den Saal. Erst auf Intervention der sozialdemokratischen Gemeindeoertreter und nach einer Erklärung aller Gemeindeoertreter, daß sie allesamt die Sitzung verlassen würden, wenn die Pollzei im Saal bliebe, schickte Dr. Moritz die Polizisten wieder hinaus. Neuerdings hat Dr. Bioritz doch die auswärtigen Schulkinder. die in Hohen-Neuendorf zur Schule gehen, einfach nach Hause geschickt, well sie nicht mehr in Hohen-Neuendorf unterrichtet werden sollen. Für ihn ein Vorwand, um Lehrer abzubauen. Und zum Schluß holt dann Dr. Moritz immer die Polizei gegen die Einwohner, von denen er gewählt wurde und die er zu be- treuen hat. Jedenfalls ist es ein unerguickliches Verhältnis, das sich in Hohen-Neuendorf zwischen den Einwohnern und dem Gemeindevor- steher herausgestellt hat, und man versteht nicht recht, warmn man höheren Ortes diese Zustände nicht ändert, zumal es von allen Einwohnern von links bis rechts gewünscht wird. Waffenfund im Stahlhelmheim Wie der Bürgerkrieg vorbereitet wird. Wie berall in den verschiedenen Orlen, hak auch in Fürstenwalde der Stahlhelm seit einiger Zeit ein sogenanntes Stahlhelm- heim eingerichtet, dos sich aus bestimmten Gruden außerhalb des Stadlgebietes befindet. Die republikanische Bevölkerung war keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß dieses mit Hilfe des Luisen- Bundes ausgestattete heim der Vorbereitung des Bürgerkrieges dienen soll. Dem kosernenmäßig ausgestatteten heim stattete die Polizei am Donnerstag einen berraschenden Besuch ab und machte dabei wertvolle Jeststellungen. 3n dem Gepäck und in den Betten der im heim untergebrachten Stahlhelmec wurden mehrere S e l b st- l a d e p i st o l e n. ein größerer Posten dazugehöriger Munition und andere hieb- und Stichwaffen gesunden. Außerdem wurde festgestellt, daß einige der im heim untergebrachten Stahl- helmer, die zum Teil aus der Umgegend Berlins stammen, poli- zeilich nicht gemeldet waren. Die republikanische Bevölkerung erwartet. daß aus Grund dieser Feststellungen die Stahlhelmkasernen nicht nur in Fürstenwalde, sondern auch in anderen Orten vou den zuskäudigeu Behörden schnellstens geschlossen werden. Lokaliei min um Butterjahn. Aus Grund einer Verfügung des Reichsgerichtes fand gestern in Eharloitenburg ein überraschender Lokaltermin statt, der im Zusammenhange mit dem Wiederaufnahmeverfahren für den zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilten Walter B u l I e r j a h n steht. Heute morgen traf Reichsgerichtsrat Coe Uders überraschend in Verlin ei». Auf seine Veranlassung forderte die Kriminalpolizei Bnllerjahn aus, sofort nach Eharlottcichurg zu kommen, wo der Richter des Reichsgerichts in feiner Gegenwart verschiedene Fest- stellungen vornahm. Heute soll durch Augenschein festgestellt werden, ob Blcllerjahn auf dem Horstwcg auch wirklich gesehen werden konnte und ob er sich, falls diese Annahme zutreffen sollte, nicht auf dem Weg zu einer anderen Person als Leutnant I o st befunden habe. Internationaler Hoteldieb gefaßt. In einem Hotel in der Fricdrichftadt wurde gestern in der Person des spanischen Staatsangehörigen Eduardo B a r e l l i ein berüchtigter internationaler Hoteldieb verhaftet. Das„Arbeitsgebiet" des Spaniers erstreckte sich über den ganzen Kontineist. Er trat überall äußerst elegant ans und be- diente sich häusig zu seinen Verbrechcrtourcn durchaus zeitgemäß eines Flugzeugs. Im Juli des Jahres kam Barelli, der nur gc- brachen deutsch spricht, auch im Flugzeug noch Berlin, um hier eine Gastrolle zu geben. Er wohnte natürlich unter stets wechseln- dem Raulen in den. ersten Berliner Hotels und bcftahl die Hotel- gäfte, wo sich ihm dazu Gelegenheit bot. In kurzer Zeit sind dem Betrüger etwa 13000 M. in die Hände gefallen. Barelli stahl wir bares Geld und Schmucksachen. Der Bursche ist dem Richter vor- geführt worden. Gcfättgni� für Büchsentuachermeistcr Lahtc. Am 11. Juli mar in der Wohnung des Büchsenmachcrmoisters Rudolf Latzkc in der Auguststraße im Norden Berlins ein Waffen- lagcr beschlagnahmt morden. Vom Schnellschöffengericht wurde Latzke wegen Vergehens gegen§ 23 des Schußwaffengesetzes in Tateinheit mit Vergehen gegen§ 10 des Kriegsgerätegefetzes vom 27. Juli 1927 zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die zweite Große Strafkammer beim Landgericht I b e st ä t i g t« am Donnerstag das Urteil erster Instanz, ermäßigte ober die Strafe auf drei Monate Gefängnis. Wieder Razzia auf Glücksspicler im Fricdrichshaia. Gegen das immer wieder im Friedrichshain sich breitmachende Treiben von Glücksspielcrn fand am gestrigen Donnerstagnachmittag gegen Ii 2 Uhr wieder eine Razzia im Fricdrichshain statt. Dem schnellen Zugreifen der Polizcibcamtcn gelaug es, drei Buchhalter beim Glücksspiel zu überraschen, die dem Polizeipräsidium zugeführt wurden. Serie: ge '// ii M /in f/?. 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Vi Fl. 1,20 10 FL 11,50 Käse und Fette Allg.Stanqenkäse20n.pfd. 0,44 Allg.Stan jonkä8e»oiif«#.PW 0,78 Camembert voiif„ Schacht 0,18 Sahnenkäse so»/,...... ptd. 1,15 Steinbuscher voiifett Pfd. 0,68 Holländer/, Pnoht......... 1,15 Birnen Frucht............ 1 ,00 Weisse Bohnen..... Pfd. 0, 1 4 Grüne Erbsen........ ph.0,24 Gelbe Erbsen poliert, Pfd. 0,26 Burma-Reis.......... Pfd. 0,14 Eierbandnudeln..... Pfd. 0,44 Backobst......... Pfd. von 0,40 Aprikosen getrocku. Pfd.v. 0,60 Pflaumen getrocku., Pfd. von 0,24 Kolonialwaren Kakao lose, stark entölt.......... Pfd. von 0,58 Tee lose............ 50g von 0,36 Weizenmehl.......... Pfd. 0,22 Linsen................ 2 Pfd. 0,25 Viktoria-Erbsen.... 2 Pfd. 0,35 Kaffee frisch gebraunt, Ptd. 1,80, 2,20, 2,60, 3,00 Schweizerkäsel voiifett 1,0S HiKCinMen s0,12 WldscMn- Bfig blatt............. Pfd. von WjWM QWKoein- flgg rücken.......... Pfd. von IsjwM Kaninchen„..«o U andiusgeworien.. Pfd. von Vjw jf Kaninchen... and ausgeworfen. Ptd. von 0,68 Enten . Pfd. von Hüiiner... Htthnef""a.„0,S0 Gänsestiichen- fleisch........ Pfd von VßA Margarine �0,98 Zeiiungsverbot— Schadenersatz. Zwei llrteile gegen den Staat. Nationalsozialistische Zeitungen sind dazu da,„dieses System" mit allen Mitteln zu bekämpfen. Wenn sich„dieses System" gegen die systematischen Angrisse wehrt, suhlen sich die Nazis sreilich so gekränkt, daß sie zu den Gerichten„diAs Systems" lausen und dort �Schadenersatz fordern. Wie glänzend die Demokratie in Deutsch- land immer noch sunklioniert, konnten gerade ihre schlimmsten Heinde jetzt wieder feststellen i Die Gerichte sprechen den national- sozialistischen Zeitungen Schadenersatz zu, wenn diese von der Polizei megen publizistischer Ausschreitungen verboten wurden! Zunächst in Sachsen: Dort hat das Landgcri6)t Dresden Jicm Verlag des Hitlerblattes„Freiheitskampf" 25 000 Mk..Schadenersatz zugesprochen, well ein vom Dresdens Polizeipräsidenten ausgesprochenes Verbat des Blattes sachlich nicht gerechtfertigt wäre. Weil die Beamten angeblich die pflichtmäßige Sorgfalt hätten vermissen lassen, soll der Staat zahlen! Ganz ähnlich in Berlin: Hier war„Der Angriff" des Herrn Goebbels im Februar verboten worden. Die eingelegt« Boschwerde soll, so behauptet die Klage gegen den preußischen Staatssiskus, zunächst vom Polizeipräsidium, dann vom Ministerium des Innern über Gebühr verschleppt worden sein. Tatsächlich hat das Reichs- gericht damals das Verbot aufgehoben. Aber die Verbotsfrist war inzwischen längst abgelaufen. Jetzt hat auch das Landgericht Berlin — oertreten durch das Staatsministerium des Innern und das Polizeipräsidium— zum Schodenersatz an den Verlag verurteilt. Auch wir sind der Meinung, daß mit den Zeitungsverboten sehr vorsichtig umgegangen werden muß. wenn sie Überhaupt nötig sind. Aber es ist ein Zeichen für die Güte„dieses Systems", daß -'s sogar den Faschisten das gleiche Recht gewährt, das die Faschisten im„Dritten Reich" niemandem gewähren würden, der nicht ihrem System sich bedingungslos verschreibt. Hitler will Präsident werden. Er strebt nach höchsten Zielen. Die AP.-Äorrespondenz erfährt von bestunterrichteter Seit«: Bei der Tagung der..Rationalen Opposition" in Bad Harzburg wurde u. a. auch die Frage der bevorstehenden Präsident- schaftswahlen erörtert. Von deutschnationaler Seite wurden als geeignete Kandidaten die Herren Reichswehrminister a. D. G e h- l s r und Generaloberst a. D. von Seeckt benannt; G e tz l e r er- »reu« sich, so wurde betont, der Sympathien des Zentrums(nachdem er durch familiäre Unglücksfälle den Weg zur katholischen Kirche zurückgesunden habe) und der Reichswehr, vor allem aber mich der dem derzeitigen Reichspräsidenten nahestehenden Kreise. Bezüglich der Kandidatur S e e ck t s, dessen„nationale" Zuverlässigkeit an sich außer jedem Zweifel stehe, wurde vom Stahlhelm erklärt, daß sich das Zentrum nicht sür einen solchen Plan erwärmen ließe, daß man vor allem auf der äußersten Rechten und im Süden Dciitsch- lands die„bedenkliche Haltung Seeckts im Herbst 1922 gegenüber Bayern" noch nicht vergessen habe: das mache feine Kandidatur aussichtslos. Aon einer etwaigen Kandidatur Schachts wurde nicht gesprochen. Allgemeine Verwunderung erregte der Umstand, daß der bei *■ dieser Sitzung anwesende Adolf Hitler in geradezu ostentativer Form sich ausschwieg. Anläßlich der Führerbesprechungder R S D A P. in Braunschiv?ig am 18. Oktober aab er hierüber cm engsten Kreise die Erklaruirfl ab, er sei auf das tiestte empvrt� daß weder von den Deutschnationalen noch vom Stahlhelm auch nur davon gesprochen worden sei, ihm, Hitler, die Kandidatur anzubieten; wenn die Herren Hugenborg und Seldte sich heute ungestraft auf der Straß« zeigen dürsten, dann hätten sie dies ledig. lich ihm zu verdanken. Es sei an der Zeit, diese Herren einmal wieder daran zu erinnern. Das deutsche Volk verlange in seiner übarwältigenden Mehrheit als Präsidenten einen Mann, der ganze Arbeit leistet: und das deutsch« Volk habe— das bewiese die Geschichte der jungen NSDAP.— zu einem einzigen Menschen das Vertrauen, dieser einzige Mensch sei e r, der Führer der N«DAP. Die NSDAP, werde zu dem geeigneten Zeitpuntt mit dieser Kandidatur hervortreten: er fti überzeugt, daß der Kampf bereits im ersten Gange gewonnen werden könne, wenn jeder seine Pilicht wo. Im übrigen würde bis dahin auch das formelle Ledenten�d. h. die Tatsache, daß er. Hitler, nicht die deutsche Skaatsangehörigkeit besitze. i'choben: er würde f o r m e l l als Mitarbeiter Klagges in den braun- schweigischcn Staatsdienst übernommen, allerdings ohne seine Arbeitskraft der Bewegung auch nur für eine«-ekunde zu entziehen. Auf diesem Wege würde er mit sofortiger Wirkung die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben. Berleumbungen gegen Reichsbanner. Die täglich-„Angriff"-5üge. Unter der Ueberfchrist„Planmäßiger Reichsbannerterror— .IS Reichsjämmerlinge überfallen vier Nationalsozialisten— Die Hörsina-Danditen mit Revolvern bewaffnet" tischt der„Angriff" in Nr 193 vom 28. Oktober folgende Schaue rrnar auf: In der Nacht uim Dienstag dieser Woche seien in der Nähe des Oranienplatzes 33 Rsichsbannerleui« über vier friedliche Nazis hergefallen und mit Dolchen Schlagringen und Totschlägern aus sie eingedrungen, auch Revower seien gezogen worden. Ferner wird behauptet, von den von der Polizei Festgenommenen seien sechs vorbestraft und einer. der Reichsbannermann Reiff, sei mit der W° e in der Hand e; genommen worden. Diese..Angriff".Meldung ist. w.« wir estgestellt boben. vollkommen aus der Luft gegriffen. Die jungen Leute haben mit dem" Reichsbanner nicht das gerinqste zu tun. Sie sind Mitglieder eine» un politischen Geses- ligtcltsvercins und kanien von einer Geburtstagsfeier aus dem Lokal Habedank. Oranicnstr. 136. Sie wurden unterwegs v o n Nazis angerempelt und als„Lumpen" und„Straßcnräuber beschimpft. Es kam zu Reibereien, bei denen sich die An- gopöbeltc» zur Wehr setzten. Keiner von ihnen Hot Waffen im Besitz gehabt, ebenso ist es nicht richtig, daß die effsi.- genommenen sämtlich vorbestraft sind. Der Vorfall beweist«»= neut, mit welcher Gewissenlosigkeit der„Angriff" Meldungen vom Reichsbannerterror fabriziert! Nobelpreis für Medizin einem Berliner Gelehrten verliehln. Dein Prof. Otto Warburg vom Koiser-Wilhelm-Jnstitut für Biologie in Berlin. Dahlem wurde der Nobelpreis für Medizin und Physiologie für 1931 wegen seiner Entdeckungen über Namr und Wirksamkeit des Atmungsiermentes zugesprochen. Einkammersystem in Spanien. Di« spanische Rational- Versammlung hat nach Ablehnung eines Antrages Zamora auf Schaff ung eines Senats mit 140 gegen 9? Stimmen Artikel 40 ( der Verfassung angenommen, der die Schassung einer einzigen Kammer vorsieht und folgendermaßen lautet: Die verfassunggebende Gewalt geht vom Volke aus, das sie mittels der Wgeordneten» kammer ausubt. Gullivers Reisen. �edona/tf Macdonald: habe ihn so groß gefüttert. Ich fürchte nur, er gehorcht mir icht nicht mehr.� Macdonald erweitert dieRegierung Gnowden wird Lord und bleibi im Kabineii. (London, 29. Oktober(Eigenbericht). A.» Tonirerstag fand die erste Sitzung des eng- tischen Kabinetts nach den Wahlen statt. Es wurde die Notwendigkeit der Umbildung des Kabinetts bzw. einer Erweiterung besprochen. Eine Entscheidung wurde jedoch noch nicht gefällt. Es verlautet, dasi S n o w d e n als Lord im Kabinett verbleiben und eines der Ministerien übernehmen wird, das von einem Lord bekleidet werden kann. Die konservative Presse triumphiert immer noch über den Sieg. Trotzdem gibt man auch bei den Konservativen zu, daß weniger mehr gewesen wäre. Die parlamentarische Opposition(setzt 61 Stimmen gegen 330 der Regierung) ist von Rcgienmgsseitc in- zwischen zur Pi i t a r b e i t an den bevorstehenden„Ü berpartei- lichen" Aufgaben aufgefordert worden. Der„Daily Herald" nimmt diese Aufforderung wohlwollend entgegen und sagt, daß sich die Labour Party in der Opposition auf keine kleinliche Partei- Zänkerei einlassen und die Reglcrungsvorschläg« lediglich auf ihren Wert hin prüfen werde. Am Donnerstag trat an der Londoner Börse ein starker Rückschlag ein. Auch dos Pfund notierte erheblich schwächer. Um diesen Glückwunsch nicht zu bene-den. London, 29. Oktober. Der frühere spanische König Alfons ist in London ein- get'.osscn und stattete am Donnerstag Macdonald in dessen Amtswohnung einen Besuch ab, um ihn zu dem Wahlergebnis zu beglückwünschen. Iuhiläum der„Krankfurter Zeiiung". Die akademische Feier. Frauksuct o. 2R.. 29. Oktober. • Di« aus Anlaß des TZjährigen Bestehens AerSiFrankfurter Zeitung" und des lOOsahrigen Geburtstags ihres Begründers. Leo- pold Sonnemann, heute veranstaltet« akademisch« Foier gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Die Zahl der her- vorragenden Persönlichkeiten de» öffentlichen Lebens aus Politik. Wirtschaft, Wissenschast und Kunst, die sich zu der Feier angemeldet hatten, war so groß, daß der ursprünglich für die Deranstaltung vorgesehene Saal der Loge Karl sich als zu klein erwies und der groß- Saal des Palmengqrtens in Anspruch genommen werden mußte. Die Reihe der Reden eröffnete der Vorsitzende des Auf- sichtsrats der Frankfurter Sorietäts-Druckerei, Oberpräsident a. D. Dr. S ch w a n d e r. der besonders des verstorbenen Friedrich Payer gedachte, welcher ein Menschcnalter hindurch die„Frank- furter Zeitung" mit Rat und Tat betreut habe und um Geist und Leben des Plattes und seinen Dienst am Gemeinwohl unermüdlich bemüht gewesen sei. Der Redner erinnerte daran, daß Sonncmann aus Gründen der Ueberzeugung das Unternehmen ins Leben rief. Die„Frankfurter Zeitung" werde immer für den Volks st aat eintreten, den wir brauchten, um das neue Deutschland aufzubauen. Aus Anlaß des Jubiläums ist eine Sonderpublikation der Handelsredaktion der„Frankfurter Zeitung" mit dem Titel:„Nach- lriegskapitalismus" erschienen. Dos stattliche Heft schildert die Entwicklung der letzten Zeit in einer für jedermann anschaulichen Weise unter Ansiihrimg zahlreicher Beispiele. Auch das Stadtblatt der „Frankfutter Zeitung" hat eine Jublläumsausgabe herausgegeben, die in zahlreichen Aufsätzen und Bildern die lokalgeschichtliche Eni- wicklung der„Franksiitter Zeitung" schildert. Giaaisrai und Gparverordnung. Er lehnt seine Aerkleiaenmg ab. Der preußische Staatsrat stimmte in seiner heutigen Sitzung dem Ausschußantrag aus Ablehnung des Gesetzentwurfs über di« Zusammensetzung des Staatsrats ein- stimmig zu. Noch diesem Sesetzentwyrf sollte der Staatsrat be- beutend verkleinert werden. Im weiteren Verlauf der Staatsratssitzung wurde serner ein Aus- schußantrag über di« preußisch« Sparnowerordwmg einstimmig an- genommen: diesem Antrage zufolge hall der Staatsrat an seiner Aussaflung fest, daß die preußische Sparperordnung neblt Durch- sührungsbesiimmungen dem Staatsrat vpr Erlaß zur Anhörung häti« vorgelegt werden müssen. Im Ausschußantrag werden vier Punkte der Sparverordnung als klärungsbedürstig aufgeführt: 1. Zellpunkt des Inkrafttretens der Beschlüsse der Verwaltungsorgane. 2. di« Frage, ob und van welchem Zeitpunkt ab die Ruhegehallsempfängor unter di« Verordnung fallen. 3. Gülligkell der Bastimmungen über Nebenbeschäftigung bei den Gemeindebeamten und 4. Gülligkell der Bestimmungen über di« Ausgleichszulagen auf die Gemeinde- banllen und-angestelllen. sowie aus die Mitglieder der staotlichen und gemeindlichen Bühnen und Orchester. Oer Reichskommissar für Kleinsiedlung. Er hat seine Tätigkeit aufgenommen. Amtlich wird mllgetellt: Der R e i ch s t om m issa r für die vor städtische Kleinsiedlung Hot am Mittwoch seine Tätigkeit aufgenommen. Die Amtsräume befinden sich im Reichsarbeilsmuüsterium. Berlin NW 40. Schanchorststr. 33, Telephon Norden(v 1) 0011. D>« Richtlinien für di« Durchführung der vorstädtischen Kleinsiedlung und die Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose werden sofort nach Fettigstellung verössentlicht werden. Die Aufstellung der einzelnen Siedlungspläne wirb im Interesse möglichster Beschleunigung des Verfahrens durch die Gemeinden und Gemeinde- verbände oder die von diesen beauftragten Stedlungsgefellschastejz, in deren Händen auch die Auswahl der Siedler liegt, erfolgen. Es liegt deshalb im I illere sie aller Beteiligten, sich nicht un- mittelbar an den Reichskommissar, syndepn an di« oorgenamllea Behörden zu wenden, denen die Richtlinien für das Verfahren bald zugehen werden. Ende sines Gkandalmacheks. Stahlhslm-Monn erschießt sich nach großen Betrugereien. Waldenburg. 29. Oktober(Gigenbmcht). Der Waldeuburger Konkursverwalter und H a u p t m a n n a. D. S a ch j e, ein führender Stahlhslmmann, hat dieser Tage seinem Leben ein Ende gemacht. Er hat sich nach großen Betrügereien er- schössen. Vor einigen Monaten wurde von Sachse ein«„nationale" Wochenzeitung„Die Ostfront", Organ des Stahlhelms, gegründet. Die Zeitung entpuppte sich bald als S k a n d a l b l a t t e r st e n Ranges. Sie sah ihre Aufgabe hauptsächlich darin, das Privat- leben sozialdemokratischer Partei- und Gewerkschaftsführer nachzu- forschen. Völlig unerwartet hat sich'Sachse nun dieser Tage erschossen. Eine Untersuchung ergab, daß er sich schwere Versehlungen im Amte hat zuschulden kommen lassen. Vorläufig wurde festgestellt, daß er «inen Betrog von 20 000 M. durch Bücherfälschungen und gefälschte Koilloauszüge unterschlagen hat. Wahrscheinlich hat Sachs« mit den unterschlagenen Geldern die Stahlhelmzeitung gegründet. Brester Prozeßführung. pilsustski will die Anqeklagien beschimpfen. Warschau, 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht) In dem Prozeß gegen die Oppositionsführer kam es zu scharfen Zusammenstößen zwischen der Verteidigung und dem Vorfitzenden, der allen Angeklagten immer wieder das Wort entzieht, so. bald sie über Brest Litowsk sprechen wollen. Der mllangetlagte Eisenbahnfllhrer, Abg. M a st e k, wurde am Donnerstag sogar von der Verhandlung ousgeschlossen, weil er nach der Wortentziehung einen Zwischenruf machte. Die Anwälte protestierten vergeblich gegen Einschränkung der Vetteidigung.' Es verloutet, daß PUfudsti. der überraschend schnell aus Rumänien zurückgekehrt ist. in diesem Prozeß als Belastung?., eng« auftreten will, was erfahrungsgemäß ihm mir dazu dienen soll, die wehrlosen Angeklagten wüst zu beschiiryifeiv 4- Der sozialistische Antrag auf Gewährung der Selbst» Verwaltung an die ukrainischen Gebiete Polens wurde im Sejmausjchuh abgelehnt. Auf Eypcru dauern di« Unruhen an. Der Minister für die Kolonien, Thomas, hat an den Generalgouverneur der Infel ein Telegramm gesandt, m dem«r diesem zur Bekämpfung der lln- ruhen freie Hand gibt. Der Minister teilt in dem Telegramm zugleich mit, daß die Verfassung der Infel von der englischen Regierung bald gemeinsam mll dem jetzigen Gouverneur r e v i» d i e r t werde.» Schwere Unruhen m hoiländisch-Guyanxi. In d.r nieder- ländisch-westindischen Kolonie Paramaribo kam es zu schweren Arbeitslosenuuruhe». WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Seufeft(D&rftrti (Billige JßehensmSttel Frisch. Fleisch Konserven Ochsen-Suppenfleisch Pfd. 0.60 Ochsen-Gulasch... Pfund 0.74 Ochsen-Roastbeef. Pfund 0.78 Ochsen-Schmorbrafen schier 0.84 Ochsen-Roulade... Pfund 0,?8 Ochsen-Talg 0.35 Gehadct.0.60 Kalbskamm...... Pfund 0.58 Kalbsbrust, ROeken u. Blatt 0.64 Hairjmel-Vorderffeisch Pfd. 0.68 Schweinebaudi u. Blatt Pfd. 0.70 Schweineschinken ohn. Bige.0.78 la Berliner Bratwurst Pfd. 0.98 Kaller mDd gesalzen, Pfd. v. an 0.74 Schn�u. Br.-Bohn.l. 0.69 jg. Junge Erbsen fein.... Kaiserschoten....... Leipziger Allerlei..... Gemischt. Gemüse Karotten.�„men 0.Z8 Kohlrabi u. Spinat.... Sellerie In Sdreiben, gerippt Bruchspargel dünn..... Bruchspargel stark..... Stangenspargel mittelstark Stangenspargel extra stark Dose 0.4Z 0.98 1.45 0.78 1.00 0.85 0.42 0.68 1.25 2.10 1.90 2.45 Obst u. Gemüse Kochbirnen.... 3 Pfund Musüpfel...... 3 Pfund Jügetäpfel...... Pfund Graue Renetten. 2 Pfund Tafelbirnen..... Pfund Zitronen..... Dutzend Feigen Ce"opph/kei 0.22 Pfd. Almeriawein.... Pfund 0.20 0.20 0.15 0.35 0.20 0.25 0.30 0.32 Ret- Weil�- Wirsingkohl Pfd.0.05 Möhren gewaschen, 3 Pfund 0.10 Rote Rüben.... 4 Pfund 0.20 Mörk. Rübchen.. 3 Pfund 0.18 Wurstwaren Hausmachersülze Pfd. 0.560.48 ! peck Wurst(Thür. Art,) Pfund 0.85 Dampf- u. Fleischwurst Pfd. 0.85 Landleberwurst Pfund 1.1s 0.88 Schinkenpolnische.Pfund 1.04 Mettwurst(Braunschw. Art) 1.04 Feine Leberwurst Pfd. ms 1.15 Zervelat u. Salami Pfund 1.28 Teewurst feine u. grobe, Pfd. 1.32 Filetwurst....... Pfund 1.36 Zervelatwurst in Fetfdarm 1.33 Schinkenspeck i-Pfd.-stck. 1.38 Frische Blut- U.Leberwurst 0.72 Raiicherwaren Geflügel� Wild Fettbüdclinge Pfund von an 0.25 Schellfische. Pfund von an 0.40 Makrelen.. Pfund von an 0.40 Flundern... Bund von an 0.26 Käse u. Fett _ Camembert« Portionen o.« O.iO Ramadou halbfett.. stock 0,22 Harzerkäse ca. i-Pfd.�aket 0.35 Feinkostkäse 6 Sort.,Schacht. 0.42 Margarine, Kokosfett p,d. 0.98 Molkereibutter Pfund 1.4« 1.16 Markenbutter... Pfund 1.48 Wolgahühner Pfund von an 0.80 Gänsestüdcenfleisch Pfd.v. 0.85 ». qastreift u. aus- a j Kaninchen|eworfn Pfd.v. an V.sa Fische Dorsch....Pfund von an Rotbars ohn. Kopf., Pfd. v. an Schelllisch.. Pfund von an „..0. Kopf, gz. Fische Kabeljau Pfund von an Fisdlfilet... Pfund von an Grüne Heringe 3 Pfd. v. an Bralschollen.. 2 Pfd. v. an 0.16 0.20 0.22 0.25 0.36 0.44 0.38 Mastgänse SS?;."?.- 78.88.98 pr. Enten u. Hühner Pfund IS O von an �3 Cr Pf« Hirschfielscn ptd. v. an Ragouf Blaff Bücken Keule 35, 60, 72, 96 p Frische Ananas Pfund von an Pf. Schweizerkäse bayr., vollfett 4 Pfund von an 1 1 5 Leb. Schleie u. Karpfen Tf Pfund von an M qjr Pf. Stadl. Oper Charlottenburg Bismarckstiaße 34. Freitag, 30. Okt. Turnus Ii Anfang 20 L'hr Macbeth Ende gegen 23 Uhr Voiusbtlttne Theater am BQIowplatz 8 Uhr Das vierte Gebof infernalfoRales Thealer 1 Kleines Theater) Unter den Linden 44. Henfe 81r Ihr Les Romanesques \b morgen täglfeh 8' 1 Ihr Fluchtvor Michael mit Klfty Asrhcnbarb Für dir oiclcn Beweise Heralichrr Seth nähme bei der Elndicheriing meines Heben Mannes, unteres guten Satire Wilhelm KQnldfe tagen mir allen Verwandten und Be» fannfen, insbesondere den©enoften der 10-3. Abteilung und- dem-Manier- verein„Uif-ie-Po po" unseren aus- rtanigstcn Dank. »iillUZlk iigniSik unH Kinder. Tagt. 5 u 8<, U Letzte Tage Bernard F.tte Orace du Faye Autstel u. Arthur 4 Bronetts a. weit. Attrakt. "Pähl Nikolans konferiert. I mm-Tueatei »■/.ührCASINO-THEATERs./.üh. Uir.Dr.RoberlKIcin IScidiüdantni 0846, 2707. 8'/. 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AnfwertniigiHfordorDneeii haben Mitglieder, die ror dem|..Tannar I»IS«■Inatelreten sind nnd j l»t« Ende f'.»23 Ihre Belti-Bge l.ozalilt halten. 1'-Kit veraihhe rte, die in der Zeit von 1927 bis jetzi Ihre Anibnertuns nchon emplauscn haben, erhalten keine mehr; Ersehelnen daher zweeklo*. Oer VerstaiMl. ■ßfißahreiplM Von Dr. A. Jugow. 128 Seiten. M. 1.75 Dieses soeben erschienene Buch zeigt vorzüglich die Lage der russischen Wirtschaft und untersucht die Möglichkeit der Erfüllung des Plans. Mit ausgezeichnetem Material aus sowjetamtlichen Quellen und einem Nachwort von Th. Dan. Zu haben in der Buchhandlung J. H. W. Dietz Nachf. G.m.b.H. Berlin SW68, Lindenstr. 3 u.sSmtl. Vonvärts-Spedit. 5!r. 509* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag, 30. Okiober �934 Thyssens Amerika-Legenden. Die Gozialdemokraiie soll die Neniabilitai des Giahlirusts zerstört haben. lllon muß Legenden auch dann noch zerstören, rscnn fle schon zehn Tage all sind, und wenn diese Legenden eine Deutschland schädigende Wirkung im Ausland haben, dann müssen sie auch dann zcrslörl werden, wenn sie von einem * so kleinen Sohn eines bedeutenden Vaters flammen, wie es Herr Irih Thyssen ist. Herr Frijz Thyssen hat cm 21. Oktober in der amerikani- schcn Columbia- Ilninersilät einen Aortrag über Deutschlands Wirt- schaftslage und die Wege zur wirtschaftlichen Wiederherstellung ge- halten, der geeignet ist, das Ansehen der deutschen Republik auch materiell im Ausland empsindlich zu schädigen. Er hat untierhüllt die demokratisch-republikanische Entwicklung in Deutschland seit 1918 für die deutsche Wirtschastskrise verantwortlich gemacht und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Deutschland geradezu zum Aus- gangspunkt der Weltkrise erklärt; er hatte den für einen„Patrioten" merkwürdigen Geschmack, unmittelbar neben dem Ver- s a i l l e r Friedensvertrag den Einfluß der Ge- werkscha'ften und der Sozialdemokratie auf die Staatspolitik den amerikanischen Finanziers als entscheidende Ursache der deutschen Wirtschastsschwierigkeiten zu denunzieren; er appellierte aus diesem Wege in kamn verhülller Weise an die inier- nationale Solidarität des Kapitalismus zur Beseitigung der deut- schcn Gewerkschaften und des Sozialismus in Deutschland, ein Appell, der bekanntlich im Falle der englischen Labourregicrung vor dem Pfundsturz zur Kreditblockade geführt hat. Zur Begründung seiner These hat Thyssen drei konkreie Behauptungen aufgestellt: Erstens seien in Deutschland die össenllichen Ausgaben von 1315 bis 1330 oom 7,5 aus 30 Milliarden Mark gestiegen. Zweitens müßten als Folge davon beispielsweise die vereinigten Stahlwerke ou Steuern und sozialen Lasten pro Tonne Stabeisen sechsmal soviel zahlen, als in'Amerika gezahlt werden muß. Das feien, so heißt es in dem Vortrag wörtlich,„die lchten, die legalisierten Auswirkungen der sozialen Revolution in Deutschland". Drittens hätten Sozialdemokratie und Gewcrkschasten die Voraussehungen der Rentabilität in der deutschen Privatwirtschaft zerstört. Alle drei vehauplungen sind Zrrcsührungen der amerikanischen Oefsenklichkeit, sind kredit- und wirtschaftxschädigend für Deutsch- land und erweislich unwahr, hinsichtlich der Entwicklung der ösfentlichcn Ausgaben l>at Thyssen für dos letzte Borkriegssohr 2,3 Milliarden Mark verschwiegen. die an sozialen Leistungen zum vergleich für das Jahr 1930 mitzurechnen gewesen wären. Die seit 1913 eingetretene Geldentwertung ist internationaler Natur und hat mit dem Einslutz der Arbeiterschaft in Deutschland nichts zu tun. 1930 war die Kaufkraft des Geldes noch um 30 Praz. geringer als 1913. Damit erhöhen sich die vergleichbaren Ausgaben im Jahre 1913 bereits von 10 auf 13 Milliarden Mark. Im Jahre 1930 dürsten die gesatntcn össenllichen Auegaben, wenn man schon eSuzialversiche- rungen mit einrechnet, nicht 30, sondern nur etwa 27 Mil- liarden Mark betrogen haben. Das von Thyssen behauptete Berhältniz 7,5 zu 30 Milliarden verändert sich infolgedessen schon in das Verhältnis 15 zu 27 Milliarden. In den 27 Milliarden ist aber noch die gesamte innere und äußere Kriegslast mit 3,5 Milliardcu eiühalten, die mit den innerpolltifchcn Machtverhältnissen in Deutschland noch 1918 nichts zu tun haben und sicher nicht vom„Sozialismus" verschuldet sind. Weiler befinden sich darin sait ebenso viele Milliarden, die den durä, die Inflation enteigneten 3 Millionen de uZ- schcn R e n t n c r f a vt i l i e n HSute gezahlt, werden müssen. Für die Jnslatioi, sind aber die Herren um Thyssen viel mehr ver- antwortlich als irgendwelche anderen Kreise in Deutschland. Endlich sind im Jahre 1930 rund zwei zusätzliche Milliarden für die ver- mehrte A r b c i t? l o s i g t e st gezahlt worden, die cinc Folge der Weltwirtschaftskrise sind. Dabei ist aber noch nicht bcrücksickztigt, daß von 1911 bis 1924 die öffentlichen Ausgaben absolut vernach- lässigt worden sind, so daß sich die öffentlichen Leistungen»och der Inflation automatisch erweitern muhten. Dennoch spricht Herr Thyssen von einer Mehrausgabe von 22,3 Milliarden Mark als den legalisierten Auswirkungen der sozialen Revolution in Deutschland. Thyssen erweckt in unerhört fahrlässiger Welse den Eindruck einer furchtbaren' Verschweodungswirtschaft, ein Eindruck, der sich unbedingt kredilschädigend für Deutschland auswirken muh. Die Behauptung Thyssens, daß pro Tonne Stabeisen der Deutsche Stahlverciu mit Steuern und Soziallasten sechsmal so hoch belastet wäre als die amerikanischen Stahlwerke, ist ln geradezu grotesker Weise unrichtig. Die Ziffern, die wir im folgenden geben, sind de» Geschäfts- berichten der Vereinigten Stahlwerke selbst und den Geschäfts- berichten der ll n i t e d States Steel Corp., dem grötzien .amerikanischen Stahltrust, für die Jahre 1929 und 1930 entnommen. Wir stellen zunächst nur die Steuerlasten der beiden Trusts in ihrem Verhältnis zum Umsatz an konzernfremde Käufer einander gegenüber. Bei den vereinigten Stahlwerken betrug 1373 der Umsatz 1445 Millionen, die Steuerlast betrug 61,6 Millionen Mark, das sind 4,3 Proz. vom Umsatz. 3m 3ahre 1330 betrug der Stahlvereinsumsatz 1261 Millionen, die ausgewiesenen Steuern betrugen 61, S Millionen Mark, das sind 4.3 Proz. vom Umsah. Bei der United States Steel Eorp. ergab sich 1323 ein Umsatz von 380 Mit- Conen Dollar und eine Steuerlast von 55 Millionen Dollar. Die Skeuetlast betrug also Im Verhältnis zum Umsah 5,6 JJroz. 3m 3ahre 1330 betrug der Umsatz des amerikanischen Trusts 767 Millionen Dollar, die Steuerlast betrug 48 Mittionen Dollar oder 6.2 proz. des Umsatzes. 3n den beiden 3ahren haben die deut- scheu vereinigten Stahlwerke, am Umsah gemessen, also l.Z Praz. weniger Steuern bezahlt als die United States Steel Corp.! Nimmt man au— was aber nicht richtig ist—, daß die United States Steel Corp. überhaupt keine sozialen Lasten zu zahlen hat. dann erhöht sich die Belastung der Bereinigten Stahlwerke, gemessen am Umsatz, auf 8 bzw. 9,2 Proz. Der Deutsche Stahlverein wäre also mit Steuern und Soziallasten immer nur um die Hälfte stärker belastet als der amerikauische StahUrust. Herr Thyssen hat sich also einer zwölffachen Ue b e r.t r e i b u n g schuldig gemocht. Damit nicht genug. Wenn nämlichjauch der amerikanische Stqhl- trust.mit Sirziallastcy w-niger belastet.ist. so sst.dgr Lohn ante il an der Produktion ln den Bereinigten Staaten u n v e r g l c t ch i ich höher. Während er bei dem Deutschen Stahloerein(Löhne und Gehälter) nur 32 Proz. beträgt, erreicht er bei dem amerikani- schcn Stahltrust 4 6 Proz.?'Der deutsche. StahUrust zahlte seinen Arbeitern nach seiner eigenen Feststellung in den Jahren 1929 und 1930 im Durchschnitt nur 2 50 0 Mark, der amerikanische Stahl- trust dagegen 1800 Dollar oder rund. 7500 Mark, das heißt das Dreifache! Der anterikanischc Stohllrust hat also im Ergebnis sehr viel größere Personallastcn und Steuern zu tragen als die Lcreinigten Stahlwerke. Nun ist weiter zu berücksichtigen, daß die Soziallasten beim Kohlenbergbau notwendigerweise besonders hoch sind; der Kohlenbergbau spielt aber bei den Bereinigten Stahlwerken eine viel größere Rolle als bei dem omerikantschci� Stahltrust, denn dieser tauft den größten Teil seiner Kohle. Außerdem erzeugt die United States Stcal Corp. dreimal soviel Stahl als der Ruhrtrust. Ein sachgemäßer Vergleich erfordert also wegen der großen Rolle des Kohlenbergbaus beim Stahloerein noch einen ent- sprechenden Abschlag auf die genamcken 8 bzw. 9,2 Proz. Ein fach- gemäßer Vergleich hätte es auch verboten, wie es Herr Thyssen ge° macht hat, die deutsch« Steuer- und Sozialbelastung einfach auf die dreimal so große Stahlmcngc umzulegen, die der amcrita- nische S t o h l t r u st erzeugt. Das genaue Gegentell von dem, was Thyssen behauptet hat, ist also wahr. Herr Thyssen wäre ober ohne solche Finten bei seinen Taschenspielerweisheiten nicht zurechtgekommen. Die dritte Behauptung, der Einfluß der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften hätte die Rentabilität in Deutschland zerstört, ist ebenso erweislich falsch. Der Beweis soll am Beispiel der Vereinigten Stahlwerke selbst geführt werden. Der Umsatz der Bereinigten Stahlwerke ist 1930/31 gegenüber dem Vorjahr von rund 1260 auf rund 840 Millionen Mark g«- funken. Die gesamten Betriebskosten csttschließlich Löhne und Gehälter dürften auf etwa drei Viertel des Vorjahres gesunken sein, so daß ein Bruttoüberschuß von 90 bis 100 Millionen Mark gegen 260 Millionen im Vorjahr vielleicht zu erwarten ist. An Zinsen, Steuern, sozialen Altswendungen und Abschreibungen— Abschreibungen in der Höhe von 80 Millionen Mark wie im Borjahr gerechnet— dürften 210 bis 220 Millionen erforderlich sein. Es wäre für 1930 also vielleicht mit einem Verlust von etwa 120 Millionen bei den Bereinigten Stahlwerken zu rechnen. Kann ein solcher Verlust, nachdem Löhne und Gehälter im ver- gangenen Jahr wahrscheinlich um etwa ein Fünftel gesenkt worden sind, den Gewerkschaften und der Sozialdemo- kratie zugeschrieben werden? Jedes Kind muß das verncinenl Aber freilich, Herr Thyssen muß fremde Kräfte sür die Unrentabililäl seines Konzerns verantwortlich machen. denn die wahren Ursachen der Unrentabililöt liegen bei den Gründern und Leitern des Slahloereins selbst. Herr Thyssen darf ja nicht zugeben, wenn er heute mit Trauer und Empörung auf einen Kursstand von zuletzt 16 bis 20 Proz. der Stahlvereinsaktien schaut, daß bis zum 3ahre 1342 auf jeder 3ahresbilonz noch ein 3ahresoerlust von 15 Millionen Mark aus den schwedischen Erzverträgen lastet. Er darf nicht zugeben, daß sür wert- lose Beteiliguugskäufe, die freilich die Herrschast auf dem deutschen Eisenmarkt sichern sollten, noch in letzter Zeit 30 Millionen verschleudert worden sind. Er darf nicht zugeben, daß die 400 Millionen Rcuinvestitionen seit der Gründung des Stahlvereins zu einem großen Teil falsch angelegt wurden. Und Thyssen muß auch an der Feststellung seines eigenen Generaldirektors Dr. Vögler vor dem Enqueteausschuß vorübergehen. daß der Slahlverein von allem Ansang an Überkapito- l i s i e r t war. weil man den Gründergesellschostcn Kapital- Zusammenlegungen bei der Gründung ersparen wollte. Das sind die wahren Ursachen der U n r e u la b i lll ä< des Stahlvereins! Ueber diese wahren Ursachen aber nnlet Hinweis auf den Sozialismus und die Rolle der Gewerkschaflen in Deutschland sowie auf Kosten des Ansehens und des Kredits der deutschen Republik dasAnslandlrrezusühren.wlecs Herr Thyssen versucht hat. dazu gehört eine Art Verantwortungsbewußtsein, dessen heute scheinbar nur noch ein deutscher Großkopitolist von„echt" nationaler Gesinnung sähig ist. 90 �ugpumps brsirn Nubuk mit braun Boxcalf, neuartige GUrtel- S c n n a 1 1 e, aucbLack mit S a m t c a 1 f Etwas ganz Apartes: Hochseschlossene Trotteurschuhe mit überwurflasche oder neuartiger Gürtel-Schnalle und bequemen Absätzen Sportmodell, Mocassin. dunkelbraun Bo xcall Eine komplette Fussbehandluns 90 Pf. Reparaturen: SlSilÄ A Kein Moratorium. Jiur Erleichterungen für Aufwertungshypothekeu. Von den Jmeressonten war Stimmimg dafür gemacht worden, den Fälligkei tstermin der Zlufwertungsdypothken, der durch das letzte Zlufwortungsgesetz auf den 1. Januar 1932 angesetzt worden war, zu verschieben, soweit es nicht schon durch private Ver- einbarungen oder die Elitscheidung der Aufwertungsstclle geschehen ist. Zur Begründung wurde die schwierige Lage des Kapital- marlles angeführt, die eine Ilmschuldung von Hunderten von Mil- lionen in diesem Augenblick ungeheuer erschweren müsse. Und diese Begründung erschien in der Tat stichhaltig. Jetzt stellte sich ader bei einer Besprechung der beteiligten Aruppen im Rei6?sjiistizministsrüim heraus, daß die Schwierigreiten von den Interessenten übertrieben worden waren. Offenbar sind schon so weitgehend private Vereinbarungen erfolgt, daß nur mehr ein verhältnismäßig geringer Betrag für die Umschuldung oder Rückzahlung in Frage kommt. Der Gedanke eines a l l g e- meinen Moratoriums für die Aufwertungshiipothten wurde daher endgültig fallen gelassen. Statt dessen einigte man sich darauf, haß in einer R o t v e r- o r d n u n g, die denmächst erscheinen dürfte, die Schuldner, die die Frist zur Stellung eines Antrages auf H i n a u s s ch i e b u n g der Fälligkeit der Aufwertungshypotheken bei den Aufwcrtungsstellen versäumt haben, unter gewissen Bedingungen noch nachträglich zur Stellung eines Antrages berechtigt werden und daß von den Aufwcrtungsstellen bereits erledigte Anträge unter den gleichen Be- dingunagen einer Nachprüfung unterzogen werden können. Es ist zu begrüße n, daß die kümmerlichen Rechte, die die Aufwertungsgefetzgsbung den Jnflationsgeschädigten ge- geben hat, nicht durch ein allgemeines Rückzahlungsinoratorium aber- inals geschmälert wurden. Für die nachträgliche Verlängerung der Frist zur Anrufung der Aufwertungsstellen werden auch die Auf- wcrtungsgläubiger angesichts der inzwischen eingetretenen schweren Äreditkrise Lcrständnis ausbringen. 'Nachdem aber nun für die Aufwertungshypothelen eine Lösung gefunden wurde, die der Billigkeit entspricht, muß gefordert werden, daß auf keinen Fall den Wünschen der Interessenten aus der Industrie und dem Hausbesitz nachgegeben wird, die für die am 1. Januar 1932 fälligen Aufwertungsobligationen und für die in den nächsten Monaten fällig werdenden Goldhypo- t h e k c n aus der ersten Nachinflationszeit ein allgemeines Moratorium verlangen. Diese Wünsche sind um so unberechtigter, als es sich nur um verhältnismäßig niedrige Beträge Handell und als die industriellen Schuldner der Aufwcrtungsobligationen ohnehin schon bei der Zlufwertungsgesetzgebung wesentlich besser weggekommen sind als die Schuldner der Aufwertungshypothelen. Der Auf- wertungsfatz für Obligationen wurde bloß auf 15 Proz. festgesetzt, für Hypotheken dagegen auf 25 Proz. Soll jetzt abermals für die paarJnduftrieunternehmungen, die am 1. Januar 1932 Aufwertungsobligatimien zurückzuzahlen haben, eine Extrawurst gebraten werden? Was geschieht im März-19521 Ablauf des Stillhalteabkommens.— Ein Vorschlag von Or. Schmitz. Das Stillhalleabkommen für die deutschen kurzfristigen Auslandsschulden läuft am 1. März 1932 ab. Alle Welt weih, daß Deutschland auch dann nicht in dcrLagc sein wird. in kurzer Zeit alle kurzfristigen Kredite zurückzuzahlen. Für die Ilaberwindung der bevorstehenden großen Schwierigkeiten macht Dr. S.chmitz von der I G.- Färb eu ind u str i e«inen Bor- schlage der eine Lösung durch Eilst chaltuvg her Bank für Internationalen Zahlungsausgleich(BIZ.) vorsieht. Die BIZ. soll, da die Goldvorröte zur Abdeckung der mter- nationalen Verpflichtungen nicht ausreichen, Goldbonds im Betrage von etwa 5 Milliarden Mark ausgeben. Da- von mühte der Hauptbetrag als langfristiger Kredit au die Reichsbank gegeben werden, damit sie befähigt würde, einen großen Teil der kurzfristigen Kredite ans Ausland zurückzu- zahlen und der deutschen Wirtschast eine Umwandlung der kurzfristigen Verschuldung in eine langfristige zu ermöglichen. Die Goldbonds müßten von allen Notenbanken wie Gold in Zahlung genommen werden. Die Schaffung der Goldbonds könnte in zwei Formen erfolgen. Einmol könnten die Notenbanken ein Abkommen treffen, daß sie die ungedeckten Goldbonds der BIZ. als langfristige Verschuldung der BIZ. anerkennen und daß sie sie jederzeit statt Gold in Zahlung nehmen. Die Rsichsbank hätte die als Kredit übergeben«» Bonds an die BIZ. mit etwa 4 Prozent jährlich zu verzinsen und mit 1 oder 2 Prozent jährlich zu tilgen; die Reichsbank hätte also diesen lang- fristigen Kredll in 41 bezw. 28 Jahren an die BIZ. zurück- gezahlt. Wenn aber das allgemein« Mißtrauen die Ausgabe ungedeckter Bonds nicht zuließe, dann sollten die Länder mit Goldüberfluß einen Teil ihres Goldes, der zur Noten- deckung nicht benötigt werde, also nutzlos in den Kellern der Banken lagert, an die BIZ. übertragen.Auf Grund dieses Gold- bctrages hätte die BIZ. dann gedeckte Goldnoten auszu- geben. Die Reichsbank hälle den als Kredll in Anspruch ge- nommenen Betrag wie oben zu verzinsen und zu tilgen; die BIZ. könnte die Hälfte der vereinnahmten Zinsen, also etwa 2 Prozent, an die Länder weiterleiten, die das Gold der BIZ. zur Verfügung stellten. Eine so'niedrige Berzinsung sei ange- messen, da das Gold in den Kellern der Notenbanken ja über- Haupt keine Zinsen bringt. Es ist kein Zweifel, daß Deutschlands Gläubigerländer an der lleberwindung der Rückzahlungsschmierigkeiten s o stark interessiert sind, daß sie der Verwirklichung eines brauchbaren Vorschlages keine Schwierigkeiten machen sollten. Die Erklärung eines Moratoriums durch Deutschland müßte die Gläubigerländer ebenso schädigen wie Deutschland selbst.— Wir werden auf diese für Deutschland lebenswichtige Frage noch zurückkommen. Jlmt Verluste bei Zeche Ewald. Schweigen auf der Generalverfammwug. Auf der Gewcrkenversammlung der Zechengewerkschast Ewald. die einer Generaloersanmllung bei Aktiengesellschaften entspricht, er- klärte der Vorsitzende der Grubendirektwn, daß man auch für 1931 mit größeren Verlusten rechnen muß. Bis Ende Sep- tembcr betrage der reine Betriebsverlust bereits 400 000 Mark. Besonders enttäuschend sei der Betrieb der neuen Stickstoffabrik, die nur zu reichlich einem Drittel ihrer Leistungsfähigkeit, also nur mit 8000 Tonnen Stickstoff ausgenutzt werden könne. Der Grubenvorstand von Ewald baut also mit dieser vorherigen Verlustanzeige für den kommenden Abschluß des Jahres 1931 be- reits vor. Acußerst bezeichnend für diese Generalversammlung, an der 125 Gewcrke(Aktionäre) teilnahmen, ist, daß nur zwei Gewerke wegen der beispiellos leichtfertigen Expansions- und Ausbaupolitik der Direktion einige Fragen stellten. Die Grubendirektion, die für' die starke Ileberschuldung des Ewald/König-Ludwig-Konzerns in erster Linie verantworllich ist, hatte natürlich kein Interesse, auf die Fragen näher einzugehen, wie man an«ine Konsolidierung oder 'Abdeckung der phantastischen Schulden von annähernd 90 Millionen herangehen soll. Die Ewald-Zechen könnten heute zu 100 Prozent ihrer Leistungssähigkell ausgenutzt fein, auch dann wäre an eine Rentabilität des Unternehmens nicht zu denken, da jede Tonne geförderter Kohle mit den zinsenfressenden Bankschulden zu schwer vorbelastet ist. Metallindustrielle wollen Krieg. Jtichi Arbeiiszeiikürzung/ die Löhne sollen nochmals gekürzt werden. Als auf Anweisung des Gesamtverdandes Deutscher Metall- industrieller für etwa 600 000 Metallarbeller im Reich die Lohn- tarife zum Zwecke des Lohnabbaus gekündigt wurden, richtete der Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes an die Spitzenorganisationen der Metallindustriellen das Ersuchen, in zen- trale Verhandlung über die Einführung der 40-Stunde»-Woche ein- zutreten und die Unterverbände des Gesamtverdandes Deutscher Metallindustrieller anzuweisen, die gekündigten Lohntarise bis zum Abschluß dieser Verhandlungen zu verlängern. Wir haben den westnllichen Teil dieser Eingabe veröffentlicht. Der Ge- samtverband Deutscher Metallindustrieller hat die Eingabe mit einem Schreiben beantwortet, aus dem mit aller Deutlichkeit hervor- geht, daß die NIetallinduftriellen nach wie voi eine Arbeitszeitverkürzung ablehnen und einen weiteren erheblichen Abbau der Metall- arbeiterlöhne durchführen wollen. Die Metallindustriellen erklären zwar, in einen„Meinungsaustausch über die Arbeitezail frage" eintreten zu wollen, obwohl nach ihrer Auffassung.chie Gründe gegen eine schematische vertragliche Ein- sührung der 40-Swnden-Woche nach wie vor bestehen und außer- dem der Gesamtverband Deutscher Metallindustneller nicht ohne weiteres in der Lage ist. seine Bezirksverbönde durch zentrale Abmachungen zu binden". Daraus geht deutlich hervor, daß die Metall- industriellen die Arbeitszeitoerhandlungen nur führen, um den Schein zu wahren. Das Entscheidende und zugleich auch die beste Erklärung für die Haltung der Berliner Metallindustriellen in den Lohnverhandlungen am Mittwoch ist folgende Stelle in dem Ant- wortschreiben des Gsfamtoerbandes: ..Wir vermögen indessen nicht elnzuseheu, weshalb die van unseren Bezirksverbänden gekündigten Lohntarifverträge bis zum Abschluß der Aussprache über die Arbeitezeitstage verlängert werden sollen, da die beiden Fragen miteinander unmittelbar nichts zu tun haben. Unsere 2ezirk?oerdände waren gezwungen, die eohntarifvrträge z« kündigen, um eine frühere Senkung der Gestehuugskostea durch einen weiteren Abbau der Löhne herbeiführen zu können. Daß durch eine Arbeitszeitoertürzung eine Verminderung der Gestehungskosten nicht erzielt wird, braucht wohl kaum näher bewiesen zu werden." Die deutsche Wirtschost liegt den Metallindustriellen also immer noch nicht tief genug am Boden. Ihr Bestreben ist es an- scheinend, daß noch mehr Konzerne zu Bruch gehen. Wirtschaftlicher Selbstmord ist offenbar der Leitstern dieser„Wirtschastsführer". Der Behauptung des Metallarbeiterverbandes, daß selbst ohne Kürzung der Tariflöhne bei voller Arbeitszeit die Verdienste in der Metall- industrie katastrophal gesunken seien, halten die Metallindustriellen entgegen, daß nach ihren Feststellungen„die tatsächlichen Durch- schnittsverdienste der im Stücklohn arbeitenden Metallarbeiter im gewogenen Rcichsdurchschnitt bis zum März d. 2. um 7.2 Proz. gefnukru sind". Nun schreiben wir jetzt nicht mehr März, sonderen bereits Ende Oktober. Zum anderen aber geben die Metallindustriellen in ihrem Schreiben selbst zu, daß die Akkordverdienste im Durch- schnitt mehr abgebaut wurden als die Tariflöhne. Daß bei den Arbeitercntlassungcn zuerst die weniger leistungsfähigen Ar- bciter entlassen wurden, was durch die Durchschnittsoerdicnste günstig beeinflußt wurde, verschweigen die Metallindustriellen. Und schließ- lich sprechen die Erhebungen des Metallarbeiterverbandes dafür, daß bei den Feststellungen des gewogenen Reichsdurchschnilts der Akkord- Verdienste der Metallarbeiter entweder die Waage der Metalt- industriellen nicht gestimmt hat oder sie sich in den Gewichten ver- griffen haben. Noch diesem Antwortschreiben, ist es klar, daß die Metallindustriellen eine friedliche Verständigung nicht wollen. Wunschträume der Reaktion. Wie das Wafserbouamt Halle die Krise löst. Dia Bauunternehmer hatten am 24. 8. w einer Eingab» an. öffentliche Stellen zu einer.Bauwirtschaftsaktion" aufgefordert, um die Wirtschaft„anzukurbeln". Die leitenden Herren des Wasserbau- amtesHallea.d. S. setzten sich hm und schrieben darauf an die Unternehmer. Die„Deutsch« Tiefbau-Zestung" vom 17. Oktober druckte dos Schreiben schmunzelnd ab. Da heißt es, daß„der Herr Borstand des Wasserbauamts Holle a. d. S. von dem Tatsachen« Material und den Gedankengängen mit Interesse Kenntnis ge» nommen habe". Der Vorstand fordert dann„in Anlehnung an die Tatsache der Golddeslation, die die Preise(angeblich) rückgebildet habe, so daß der Lebensmitlelindex auf 100 Proz. des Standes um 1913 stehe, alle Arbeiter- und Angestellt enlohnbezüge auf den Stand vom 1. Juli 1914 herabzusetzen." Das bringe, BESSER E S S EN» W E NIGER D A F ü R A U S G E B E N D U R C H K AR ST A D T- 1 EB EN S MI TT El ■ I.■■■,_'■•'■■__.•.■,. �>;_____:_ r,e FRISCHFLEISCH Ochsenfleisch O-Suppenosisch pm. 0.53 O-Fehlrippe.. pfd.0.63 0~Boastb«of m. Kn. PM. 0.78 O-Schmoroaudi pm. 0.88 O-Roulctde... pm.0.98 O-Rumstealc. pm. 1.28 O-Fiiet....... pm. 1.48 Schweinefleisch Filet.......... pm. 1.48 Karboncde an pm. 0,1 Kamm u.Schufl-PM. 0.84 Schinken m.Bain pm.0.78 Bauch........ pm. 0.70 Kalbfleisch K-Schnitzel.. pm. 1.70 K-Rolibraton. Pfd. 1.1 8 K-Vordar«»i«). p«. 0.98 KcßBer Pfd. 0.74 GEFLÜGEL Hirschkeule an Pfd. 0.96 Hirschblatt. an pm. 0.60 K!rschragoutanPM.0.35 Gänsekeule an pm. 1.33 Gönsestcckenfl. Pfd. 0.8Q EMPFEHLENSWERT Berl. Mettw..pm.0.80 Bierwurst....pm.0.98 Braunschwg. pm.0.98 Bücklinge..anPM.0.25 Flundern____«and 0,28 Spickaale.. an pm. 2.1 0 28arHambaclu«arg mJC 0.85 30er Uns.— Von England her dringen jetzt mild« ozemüsche LpschMen ostwärts vor, deren Front bereits bis nack Mutelenglantz gelangt ist. Im Laufe des Freitag dürste unser Bezirk von ihnen überströmt werden. Sn>>n'ö� t. Annemliir.»reis Süden tZiadfv). 7 Uhr Antreten RonluiMprwnuuitit. PrenUnA-1 Dcrg. Äaincradlchnlt Ballan. Ztame. ftsahend, nerb'uite» niit Tanz, in den UnionsfettsSlen, Greifzwalder Zemi>clh»t------------ CidlUtfrlbe-Ost, Sammelplode und.seilen d««-meradich-ft« durch Cm. lrdungen genau deochtcir Äaherspartabtsllnng. ZuiZ Oberfprec. Fauftballwett- «viele 1y Uhr R-ichs!>-nnerst-dwn.?iuderrieae. Adrudern nach der Alten B-r. liner Schweiz. Antreten l'f-i Uhr. Ad 18 Uhr im Soolshaus gesellige, Bei- sanimenl-in. Säfte nnlllamwen._____* Zentrsweeian» der Arbeitainoaliden»«i Mii-un Dentschlande,®«« «Berlin. Geschaltistelle: Berlin Ä. öl. B'Uowstr. 49. Freitag. 30. Ottober. Orte.. nruupe Mahlodorf: eolol Schlics«, Mohlsdorf, Sönowcr«o.tr. 183(ll Uhr).- Sonnabend. 31. Ottoder. Ortsqruppe Mahlodorf.Slld! Lolal Nasse Ecke, Hope- mäer Allee HO(17 Uhr). Referent:'lollege Filchbach. Tnoogr-phiichee Orchester, pirigeut Cr'ch Gutzc.i. Uebungsssunden i«de» Freitäg non 20'? stio 22'-! Udr im Sdcalkastno. Neukölln. Reichselstr. S. Blaser und Streicher willkommen. Achtung! Heute Generalverlammlung anschließen». SieiSoia-tell Neuul-lU.««rli°.Ostc». övnMa,, 1. November. 10-lS Uhr sslreisschie.ßen aus dem Sportploß Friedrich, felde. 18 Uhr Pr«s»crt«>lung und 4. Etistungsscst in Tempel, F-ftsälen. Friebrtchsseldc, am U-Bahnhos. Legen liie ttei'idurg-Li'euneekwkiges LeektSon, gegen lnsletion u. öörgesld'ieg! visnstsg,«isn 3. Hovvmdsr, 20 vkr in kolgsnaen hostslsn: «seirsset-ev i-iof, Rossntliulsi' Straße 40— 41 Moabiter Geselfschaftshaus, Wictefstraße 24 Kochschulbrauerei, S<-estraße, Ecke Amrumer Straße Swinemünder Gesellschaftshi-us, SwinemUndei Straße 42 Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16—23 Neue Welt, Hasenheide Türkisches Zelt, Charlottenburg, Berliner Straße 53 Viktoriagarten, Wilmersdorf, Wilheimsaue 114—115 Hohenzollernschule, Schönebg., Beiziger, Eck&Eisenach. Str. Lichterfelder Festsäle, Lichterfelde, Zehlendorfer Straße 5 Gohlkes Festsäle, Mariendorf, Chausseestraße 43 Spreegarten,'reptow, Alt-Trep ow 9 Aula des Reform-Gymnasiums, Lichtenberg, Parkaue, Ecke MöliendorfstraSe Schloßpavillon, Weißensee, Berliner Allee 205 Hubertus-Festsäle, Reinickendorf-Ost, Provinzstraße 64 Freitag, den 6. November: Stadttheater, Köpenick, Friedrichstraße 6 Redner; Clara Bohm-Schuch, Robert Breuer. Wilhelm Dlttmann, Dr. Hamburger, Gertrud Hanna, Emst Hallmann, Kurt Heinig, Marie Juchacz, Franz Künstler, Erich Kuttner, Karl Litke, Dr. Kurt Löwenstein, Otto Meier, Dr. Julius Moses, Erich OÜenhauer, Tony Sender. Fernersprechen inden Kundgebungen; Otto Grotewohl, Wolfgang Bartels, Paul Junker, Hans Reinowski aus Braunschweig Nutendnugen für diese Rnbrtl find Serli»£23 SS, Lindeustraße 3, Groß-Berlin stet» an da» Bezirkasckrrtariat 2. Hof, 2 Treppen recht«, zu richten ' Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heute, Frei lag. 30. Oktober: 4. fttcr*. ftutfii« Soldstein über Sozialirt»»« und Weltanschaa-ag i» bei «Schule Daiüizer Str. 27. 7. SreiF. 20 Uhr Surs»« Dr. Manchen: Eowjetrnßlaad, der Ftlnsiahreeplan und wir. Lngcadhcii» Nnsinensrr. 4. Alle Gcnosscn find zur Teilnahrae ciageladen. 14.»reis. 13 Uhr ssrmrrbslofenzusawmenkvaft Im Keim Böhmische Str. 1— S. Parteibuch jft mitzubringen. 23. Abt. Die Arbeit«seme.inichast i unzer Parteur.itgliider peranssallet im gelben Saal. der HvHschiübrlruerer. eingn lizerarischcn Mbenb. Bortragendsr: ilnigi»-El>.s»bctb»Str. S, Sasperle-Var. stellung und Borführunoe» der Fnlkcu. zu der die Siuber der Partei. genossen eiuzelobe» ssnd. Eintritt 20 Ps. sür groß und klein. I. Abt. Die Mitglieder treffen sich zur FlugblatwerbrcUung um 18 Uhr oder Sonntag um 9 Uhr bei Hilfmet, Wilsnacker Str. 31. 2t. Abt. Ab 18 Uhr von solgenden Lokalen au«: I. Gruppe: R°«n«r, Owmanueltirchstr. 29. la. Gruppe: Ablschliiger, Wino- Elte Chrisiburger Straße. 2. Gruppe: Heibußki, Danziger Str. 4«. 3. und 4. Gruppe: äöhler, Greifswalder Str. 80b. 20. Abt. Flugblattverdreitung ab 10 Uhr bei Beinlick,.«eißenburger Str. 1. 27. Abt. Äreis siingerer Parteigenossen. 20 Uhr bei Afert, Gleimstr. LS. Pott. tisch-satiris6)er Abend. Nachdem bleiben wir noch zusammen. 30. Abt. � Ab l? Uhr. Sonntag ab 9 Uhr. Flngbl-tt-erbreitung von den be. knnnteli gahlabendlokalcn aua. 37. Abt. 17 Uhr Flugblattoerbreitung von bekannter Stelle. Eriverbolose u. In. gendlichc Helsen. 19 Uhr Arbeitsgemeinschaft der jüngeren Parteimitglieder non 18 br» 30 Jahren und SA 3. im Jugendheim Ebertnstr. 12. Leitung: Grwln Oehlschlager. 48. Abt. 18lö Uhr bei Äeller, Fürstcnstr. 1, Abrechnung mit dem Abteilungs. kassirrer. 33. Abt. Ab 17 Uhr gemeinsame FlugblattverbreUung in den bekannten Lokalen. 34. Abt. Flngblattnerdreitung von 18 Uhr, Sonntag von 9 Uhr,»on den bekannte» Stellen. 38. Abt. Treffpunkt znr Flugblattoerbreitung im Lokal Franzen, Äalckreuth. straße S, ad 18 Uhr. 78. Abt. Am Sonnabend non 18ih Uhr, am Sonntag ad 9 Uhr, Flugblatt. Verbreitung vo» den bekannten Zahlabendlokalen olls. Fllr den 4. Bezirk bei Christ(früher Langhans), Soerssir. 40. All« Parteigenossen sind per. pflichtet zu erscheinen. 93. Abt. Die Bezirkdsührer laden die Genossen zur Zlugblattverbreituug von den bekannten Stellen auo ein. SO. Abt. Die Bezirksfühter holen die Flügblätter von 10 bis 18 Uhr von der„Borwärls"-Speoitlon ab. 103. Abt. Ab 18 Uhr in de« bekannten Lokalen Flugblattoerbreitung. 100. Abt. 18',b Uhr bei Blochwitz, Park. GLkc Herrenhausstraße, Flugblattver. breitung. Um IlliH Uhr ebendort wichtige Funktionärsitzung. 119. Abt. Sonnabend Funktiorrärsitzung. 128.'129. Abt. Die Freie Sportvereinigung hat im Pllnlgrafen, Schloßstrahe, ihr Herbstoergnügen. Die Parteigenossen und-genofssnuen werden aus» gefordert, die Veranstaltung zu unterstüßen. Beginn 20 Uhr. 131. Akt. 20 Uhr wichtige Funktionärsitzung bei ZUlndt, am Friedensplatz. 130. Abt. Alle Dezirksführer stehen ab 10 Uhr zur Flugblattoerbreitung in den bekannten Lokalen zur Verfügung. Sonntag, 1..November: 4.»reis. 1t Uhr im Elystnm, Prenzlauer Allee Ecke Danziger Straße, Film. Matinee:„Wir bauen eine neue Welt-. Zwei Filme mit mnjilalischcr Be. gleitnaa. Karten z» 30 Ps. an der Kasse. Freikarten sind nicht mehr narhande». Alle nicht»erkaufte» Karte» sind die Sonntag, t0>: Uhr, i» Elqfinm abzurechnen. 7. Abt. Arbeitsgemeinschaft junger Sozialdemokraten. Wanderung nach Aohcneuendorf— Frohnau. Treffpunkt 10 Uhr Stcttiner Vorortbahnhos. Rückkehr etwa 17 Uhr. Fahrgeld 30 Pf. Arbeitsgemeinschaft der Sindersreunde Grost-Berlin. Helserpersammlnng am 4. Renember NM 1ÄU Uhr im Bezirksamt»reuz- bcrg. Thema: Die FusamnienarbeU mit der SAJ. Die Werbebeztrksleiter nehmeir daran teil. Wir bitten euch um rege Beteiligung. Wedving: Die bestellten Karten sür die Helscrschau sind abzuholen. Kinder. land 1932 ist eingetroffen. Friedrichshai». Gruppe Morlha Deuunning. Sonntag, 9 Uhr, Helfersitzung beim Genossen Paul Krause, Kochhanstr. 12. Gruppe Paul Singer. Wir tagen im Jugendheim Brommiiftroße 1. Montag Restsalkc». Mittwoch alle. Donners. tag Inngsalken und Freitag Rote Falken. NenISll». Der Falkerat tagt am Montag, dem 2. Nollember, 18 Uhr, in der Baracke Eanghoferstraße. Helferkreis. Treffpunkt zur Helferschau Sonntag, IbVi Uhr, am U-Bahnhof Rathans. Ausweis mitbringen. Srnppensiihrer. Die Monatsberichtsbogen müssen Montag in der Arbeits« stunde abgegeben werden. Lichtenberg. Freitag, 30. Oktober, tagt das Falkenparlament um 17 Uhr nn Heim Gunlcrstraße. Sonntag, 1. November, treffen sich die Helfer zur Helscrschau um lös, Uhr am Hochbahnhos Danziger S trage. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisatioa 23. Abt. Unsere Henossin Frieda Friedrich, Bristolstr. 3, ist am 24. Oktober rcrstorbcn. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung Freitag, 30. Oktober, lOzj Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Uui rege Beteiligung bittet der Abteilungsoorstaud. 84. Abt. Unser Genosse Paul Bendir ist am 20. Oktober im Alter von 86 Jahren verstorben. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Einäsche. rung Sonnabend, 31. Oktober, 16 ii Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Bei. liner Straße. Wir bitten um rege Beteiligung. � s Sozialistische Arbetterjugend Groß-Berlm Emsendungei, sür dies« Rubrik nur an das Iugendsekrctariat Berlin SB 08. Lindenstraß« 2 Die Karten sür„Kamps um Kitschs päd»ergrifse»! Streichorchester Groß. Berlin: Probe heute. 20 Uhr, im Heim See. Ecke Turiner Straß«. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich am Sonio, lag an der Flugblattoerteilung der Partei und stellen sich'' Lokalen zur Verfügung. Heute. Ireikag, 19>- Uhr: Arknnaplatz: Elisabelhkirchstr. 19. Monatspolitik.—<4c»crischaitsh»ue: Lopenicker ütr. 92. Mitgliederversammlung.— Källnischer Park: Waisenftr. 18. Lichtbilder: SAS. und Freikörperkultur.— Rascnthaler Lorstadt: Elisabeth. kirchstr. 19. Politische geitungoschau.— Zentrum: Landsberger Str. so. Revo- lution von 1918.— Hansa: Lochumc« Str. Lb. Heimabend.— Moabit?: Waldenserstr. 20. Einführung in den Marxismvo, 1. Teil.— Moabit M: Bremer ES. 70. Warum muß sich der Jugendliche vrganistereu?— Arn«. . litcher Prenzlauer .... 0es«tz.— Weißens«: Parkstr. 36. Arbeitsaemelnschast, 2. Teil.— Badreasplatz I: Brominyitr. 1. Die Arbeit der SPD. seit 1918.— Stralaucr Viertel: Goßlerstr. 01. Bererduna.— Warschourr Viertel: Besuch der Gruppe Stralautr Biertel.— Haseuheilie: Funktionär. sitzung Wastertorstr. 9.»immer 2.— Süden: Porteiveranftaltung.— Schöne. lera Ii Hauptstr. Iö. Ueken.— Schaneberg lll: Houptstr. 13. Fnirktionärsitzung. — Schäneberg 17: Hauptstr. 13. Humor auf Schallplatten.— Eharlattenourg. Süd: Goethestr. ll. Gelbe und Nazigewerkschafte».— Mariendars:?llie Schule. Dorfstr. 7. Kirche und Faschismus.— Neukölln r>: Steinmctzstr. 94. Ber» suche der Reaktion zur Konterrevolution.- Neukölln Hl: Fielheustr. 58. Tages, Politik.— Neulöllu IV: Konnte Straße. Heimobend.— Neukölln V: Kaiser. Friedrich-Str. 4. Funktionärsitzung.— Neukölln VI: Treptower Str. 96. Au». spräche über das Novemberprogramm.— Reukölln VHj KZllS. Tagespolitik.— Neukölln VIU: Rütli»Schule. Arbeitsoemeinschaiü— Neukölln Ü: Schierke. straße 44. Heimabend.— Neukölln X; Bergstr. 29. Arbeitsgemeinschaft.~ Neukölln XI: Flughafenstr. 08.-Arbeitsgemeinschaft.— zeblenders:«Schule Schliefsen- straße Ecke Boclckestraße. Heimabend.— Schönewcidc II: Berliner Str. 31. Mitqliederversammlnng.— Treptow: Elsenstr. 3. Warum muß ich mich geweekl Ichasltich organisieren?— Friedricksselde: Gunterstr.(4. Mitgliederversamm- luvg.— Karlsharft: Trcskowalle« 44. Sozialtamus, Kommunismus, Anarchis. mus.— Lichtenbeeg-Mittc: Dossestr. 22. Unsere Aufgaben und Fiele.— Lichtenberg-Nordwest! Dossestr. 22. Unsere Stellung zu Alkohol und Rtkoliu. — Wittenau: Hauptstr. 13. NGO. und freie Gewerkschafteil. Werbebezirk Wedding: Bildungokursuo: Die wirtschaflliSie und politische Entwicklung Deutschlands seit 1914. Heim See- Ecke Turiner i-iraße(29 Uh:>. Alle Gruppen müssen erscheinen. Preazlaucr Berg: Sonntag, 1. November, UU Uhr, Altersheim Danziger Straße 62 Lichtbildervortrag:„Born Kaukasus zum Selben Meer". Einiriit frei. Referent: Genosse Eurt Diging. Die Schwanejeldsch« Sterbekasse Rr. 32 fordert im Anzeigenteil auf, Auf. wertmigsansprüche bis zum 31. 12. 31 zu stellen. UNSERE N DAMEN-, HERREN», MÄDCHEN« UND KNÄBENSCHUHEN ftt. WERTHEIM latofttr Str.(VenMd-Abt.) Küntotr, Botsnthalcr St». JCedgS Wilmersdorf er Str. 54 a■ Steglitt. Schloßstr. 100■' Warf ella d'Jlrle: Jßied des Cannes ohne ffieine Ich bin der Man» ohne Beine und verbringe meinen Tag auf dem Boden kauernd in der so'mnsten Straße der Stadt. Von den Gärten des Bosporus bis zur Moschee darf niewand auf dieser Straße um Almosen bitten. Einmal hat es Ali versucht, der Blinde. ober ich habe gleich Carlito geschickt, ihn wegzujagen.- Nicht, daß ich etwas gegen ihn hätte, aber, wenn ich einem die Erlaubnis gebe, dann will sie morgen ein anderer, einer mit einem Bein oder ein xbcliebigcr Krüppel. Zum Glück hat Corlito ein paar tüchtige Fäuste, um incine Rechte durchzusetzen. Stark ist er und kann mich auf dem Arm in mein Zimmer trogen und mich in meinem Wägelchen hermnfaliren, bis ich müde werde. Schön ist das, so durch die großen Straßen zu fahren I Corlito sagt immer, ich sollt« dann auch betteln, da würde ich mehr zusanuncnbringen als am ganzen Tage. Aber ich mag nicht. Ich strecke mich bequem im Wagen aus und freue mich, von oben auf die Leute zu sehen, die vorüderkommen. Es gibt so viele schöne Dinge im Leben. Die Läuse suchen und sie dann zerquetschen— knock—, oder sich im Feuer wärmen, wenn es kalt ist... aber am schönsten von allem ist es, die Menschen anzuschauen, die vorbeigehen. Carliw sagt, ich täte ja den ganzen Tag nichts anderes, mw das ist richtig, ober es ist schon eine ganz andre Sache, wenn ich sie so von oben aus meinem Wägelchen besehe, lind, wozu sollte ich mehr verdienen? Och bekomme ohnehin genug imd brauche inich vor den übrigen Bettler» nicht zu fürchten, wo der alte Oman tot ist und ich einen Platz geerbt habe, hier, neben dem schönsten Palast der Stadt. 0m Sommer trägt mich Corlito nahe an dos Gartentor, weil dann die große Palme mich vor der Sonne schützt. 0m Garten ist ein kleiner See und rings herum andere Palmen und blühende Bäume. Ganz berauscht wird man van dem Blumen- geruch, abends, weim die Sonne untergeht. Hinter dem kleinen See ist das Haus, ganz weiß, mit einer runden Kuppel und Eisengittern vor den Fenstern. Manchmal halte ich mich an den Stangen des Tores und schaue hinein. Dann vergesse ich, um Almosen zu bitten, ixlxr mein Teller stillt sich trotzdem. Es gibt sogar Leute, die mir Sachen schenken. Einmal l)at mir eine Frau— dos ist schon zum Lachen— Taschentücher geschenkt. Och Hab sie Carlito gegeben. Der spielt manchmal den feinen Herrn und dann bringt er es fertig, sich jeden Tag die Läufe abzusuchen. Da merk ich dann gleich, daß wieder ein neues Weibsbild aufgetaucht ist. Ein Glück hat der Mensch mit den Weibern! Die Negerin mit den schmalen runden Gelenken und dem gefärbten Mund war ganz verrückt nach ihm. Bis in meine Wohnung ist sie gekommen, um ihn zu suchen. Och Hab sie weggejagt wie eine Diebin. Dann I)abe ich sie zurückgerufen imd ihr Geld versprochen, aber sie hat nicht gewollt, das Luder. Als Carliw nach Hause gekommen ist, hnl»c ich ihm gesagt, daß er die ganze Nacht aus dem bloßen Fußboden schlafen soll. Dos tue ich immer, aus Rache, wenn ich erbost bin. Ucbrigens, wenn er auch im Bett schläft, weich hat cr's nicht. Wenig Stroh und schon ganz zerdrückt. Och selbst habe zwei schöne weiche Matratzen, wie ein König. Gelegen- heitskauf. Da war ein Levantincr, der übers Meer mußte, weil ihm hier der Boden zu heiß war. Och glaube, er hatte jemand umgebracht. Carlito möchte eine von den Matratzen, er sagt, ich brauche nicht zwei. Aber ich tue, was mir paßt, und er hat den Mund zu halten, denn er weiß sehr wohl, daß ich Dutzende sinden lami wie ihn, die mich im Wägelchen nach Hause bringen und mir de» Wein und Tabak kaufen, und er fände in der ganzen Stadt niemand, der ihm zu essen gäbe. Darum hat er solche Angst, daß ick, krank werde und sorgt, daß ich mich im Winter nicht erkälte.. Wenn ich merke, daß er zu fidel ist, tue ick. als hätte ich Stiche in der Schulter imd fange an z» husten. Dann wird er gleich ernst, und er würde di« schönst« Frau der Stadt lausen lassen, um mjch zu pflegen. Aber im Frühling und im Sommer ist der Kerl nicht zu holten. Ganze Nächte bleibt er weg. Dann schlafe ich auch nicht, und wenn ■tx heimkommt, aus den Fußspitzen, um mich nicht zu wecken, dann kriegt er es zu hören: ..Dieb, schuftiger Halunke, pack dein Bündel und scher dich weg!* Einmal habe ich ihn bei den-Haaren gepackt und Hab ihm eine ganze Handvoll ausgerissen, als märe es Werg, lind er winselte: „Och tu's nie wieder. Das ist das letztemol. Schuld ist nur die verwünschte Hexe." _ 3ch haue ihn. verwünsche ihn. sog ihm Schimpfwörter, dann orehc ich ihm den Rücken und stecke dos Gesicht unter die Decke Aber schließlich halte ich es doch nicht aus und sage ihm: „Erzähle!" Dann er zählt er. Carlüo ist ein Dummkopf. Wenn ich ll,m nick» zu essen gäbe, müßte er verhungern. Er ist faul und feig, weim auch stark wie ein Biitfel. Er ist so alt wie ich, sttmundzwauzig Oahre, aber hat noch nie etwas in seinem Leben verdient. Och Hobe ichon ass� kleiner Oungc gearbeitet und das Geld regnete nur so in meinen Teller. Och war das einzige Kind ohne Beine in der ganzen �wdi. on konnte sich meine Mutter Nacht für Nacht' batrinken. Ehe sie abends wegging, wickelte sie mir die.Haare um Haarnadeln, damit ich am nächsten Morgen Locken hätte, und die Engländerinnen sagten: „Welch schönes Kind! Wie schade!" und photogrophierten mich. Carlito hat nie einen Heller verdient, kapiert nichts, versteht teilte Arbeit. So ei» Halb Wut mit großen Kalbsaugen und niedriger Scmi. lind die Weiln-r, wie toll... Eines Tages schmeiße ich ihn heraus und nehme mir«inen Alten, der die ganze Nach» hustet und schnauft... Oder, pxu'n ich einen Blinden finden könnt«... dem würde ich doppelt soviel geben, wie Carlito... Einen Blinden, der nichts sel>«m kann. Dem wurde ich alles erzählen, welche Farbe die Dinge haben und wie man sich freut, wenn man sie ansieht... bis er gelb wurde und schrie: „So ljalte schon den Mund...." Aber es hat keinen Sinn, sich das auszumalen. Die Blinden sind selbständig, verdienen aus eigene Faust, d'e kann man nicht einfach mieten, wie einen Carlita. lind außerdem konnte mich ein Blinder nicht in der Stadt henimiahren und könnte nicht abends mit mir Karten spielen. Manchmal sitzen wir bis zwei oder drei Ilhr nachts, schwatzen und trinken und lachen über die Leute, die einem Almosen geben. Man muß schon sagen: dümmere Menschen kann man sich nicht vorstellen. Da kommt einer, und man sieht, er hat Eile, und bleibt stehen und sucht das Geld, und sucht und sucht, oder ein anderer st schon über die Straße hinüber und lehrt pläßlich um, als hätte er Gewissensbisse... „Armer Esel!" Was anderes kann man sagen über jemand, der sein Geld so wegwirst, ohne Grund? Und je ärmer sie find, je schlechter angezogen, um so mehr geben sie. Und dann sagen sie noch: „Betet für mich." Als ob ich so dumm wäre, meine Zeit zu verschwenden mit dem Beten für sie. Och will nicht sagen, daß ich keinen(Aauben Hab». Das verhüte Allah! An Feiertagen bin ich der erste, der Carlito in die Moschee schickt. Und Mein dqrf er mir dann nicht irücken, hschst«r». daß ich ihm von mchnem etwas gebe, wann ich nicht damit fertig «verde.... Nein. nein, an Allah glaube ich. Wenn, ich wanchmÄ lästerlich rede, so. ist dos.Gewohnheit, und wenn ich einen Europäer um Christi Willen uni Almosen bitte, so bringt es das Geschäft mit sich. Aber ich glaube an Allah und den Propheten, und ich muß über die Legte lochen, die sagen, wenn es einen Gott gäbe, so müßte die Welt besser gemacht sein. Gewiß, für manche Kleinigkeiten mag das stimmen. Och hätte zum Beispiel die Wanzen nicht geschasten, aber auch die haben ihr Gutes. Wenn man sie fängt, ist das schon ein Spaß. Aber das sind Lappalien. On allen wichtigen Dingen ist die Welt gut gemacht. Das läßt sich in zwei Worten beweisen. Och sehe mir Tag für Tag die Leute an, die durch meine Straße gehen: den Briefträger, der die Briese bringt, den Rabbiner, der in die Synagoge geht, den Europäer, der zur Bank zieht und die Lippen bewegt, währeird er rechnet, den Neger, der sich einen Turban gekauft- hat, damit man glauben soll, er wäre ein Türke. Und die verschleier- tcn Frauen mit dem gelassenen Schritt und die europaisch Gekleideten, di« schnellfüßig norftb««S«n. Zste«in« geh« zu den Säften am Bosporus, die andern kommen vou da, schleppen die Füße und sind blaß, weil sie unnutz gewartet haben und blicke» Mit Neid aus jedes vorübcrgelzende Paar. Manche sehen gar nichts uud weinen, und immer steigt ihnen ein langsüßigcr LeoaMiner nach... verflucht, immer muß ich von Füßen und Beineu reden, als ob es gar uichls anderes auf der Welt gäbe!... Und all diese Leute, die aus den Straßen herumlaufen... wie hasse ich die, wie beneide ich die.... * Aber davon wollie ich ja nicht reden. Dos heißt, cigenllich.doch. gerade davon: daß ich nämlich diese Leute hasse mW beneide, und doch mein Leben nicht mit ihrem tauschen möchte, nicht einer von ihnen sein möchte. Und auch keiner von ihnen möchte sein, was ich bin. Das Mädchen, das von den Gürten des Bosporus kommt und blaß ist, weil es vergebens gewartet hat, schaut wohl mit Neid auf die andere, die leichten Schrittes daherkommt und möchte wohl für eine Minute diese andere sein, aber sie möchte nicht ihr Schicksal für immer mit dem der anderen tauschen. Denn olle sind voll Neid und begehren das, was sie nickst haben, aber darum möchte doch keiner nicht er selbst sein, ein anderer werden, eines anderen Schicksal leben. Denn jeder ist so gemacht, daß er nur seinen Weg gehen kann. Darum sage ich. daß trotz der Wanzen die Weisheit Allahs un- endlich ist. Jubiläum der„frankfurter Teilung 'Zum hundcrlUen Qeburlslage Sounenianm Zum 29. Oktober, zum 7Sjöhrigcn Oubiläum der „Frankfurter Zeitung", hat diese Zeitung ein« an historischen Erinnerungen reiche Oicklläumsnummor herausgebracht. Persönliche Glückwünsche haben ihr zugesandt: der Reichspräsident, der Reichskanzler Dr. Brüning, der preußische Mliiistcrpräsidcnt Otto Braun, der preußische Kultusminister Grimme, der hessische Mmistcr der Finanzen Kirnbergcr, der württenckergische Finanzminister Dr. Mayer, der Völkerbund, der Oberpräsident der Provinz Hessen- Nassau Haas, der Oberpräsident der Rheinprovinz Fuchs, der Bürgermeister Frankfurts Graes, der Oberbürgermeister Granzin (Ofsenbach), der Oberbürgermeister Dr. Heimerich(Mannheim), der Präsident des Deutscheu Städtetagcs Mulert, die Direktion der All- gemeinen Elektrizitätsgesellschaft, der Börsenvorstand zu Frank- furt a. M.. die Reichsürbeitsgcmeinschast der deutschen Presse, der Prcsiechcf der Reichsregierung, der Verein der ausländischen Presse in Berlin. Unser Genosse Ministcrpräsidcnt O. Brau» hat in seinem Glück- wünsch mit Recht die Bedeutung der„F r o n k s u r t« r Z e i- tung" für die Aktivierung der südwe st deutschen Demokratie hervorgehoben. Und dieses historische Verdienst muß in erster Linie dem eigcnslichcn Schöpser der„Frank- furter Zeitung" Leopold San»«mann zugesprochen werden, dessen hundertsten Geburtstag am 29. Oktober die bürgcr- liche Demokratie Deutschlands festlich begangen hat. Die deutsche Sozialdemokratie hat wohl manchen harten Strauß mit der„Franksurter Zeitung" durchgefochten, aber niemals hat sie verkannt, daß diese Zeitung im«Somps gegen die reaktionären Möchte des sozialen und politischen Beharrens ihren Diann gc- standen hat. Der Führer der doutschen Sozialdemokratie, August Bebel, hat bis ziu» Eisonachcr Kongreß 1869 an der Seite Sonne- manns gestanden,&»r für die Politisierung und Demokratisierung der deutschen Arbciterbildungsvereine unermüdlich gearbeitet hat. Und was lange Oahrc die Arbeitsgemeinschaft zwischen Bebel und Sonneinann aufrechterhalten hat. das war das tiefe Ber- ständnis Sonnemanns für die drängenden Fragen der. Sozialpolitik. Sonnemann hat niemals an die Weisheit von St. Manchester geglaubt, und ganz norurteilsftei legte er sich für die Fortbildung der Sozialpolitik, für die Staatshilfe ein, als sich das liberale und demokratische Bürgertum noch leidenschaftlich für die bloße„Selbschilse" im Sinne Schulzc-Delitzschs ereiferte. Ein großer Tell der Bebelschen Memoiren ist den Beziehungen Bebels zu Sonnemann gewidmet. Aus den von Bebel abgedruckten Briefen Sonnemanns spricht ein ehrlicher fester Wille, die Arbeiter- schutzgesctzgebung und die B c r s i ch e r u n g auszugestalten. Rechtzeitig erinnert Professor Gustav Mayer in der„Frankfurter Zeitung" an die Bestrebungen Sonnemanns, eine'Arbeitslosen- Versicherung auf kommunaler Grundlage zu schaffen. Sonnemann hat. auf dem Eisenachcr Kongreß 1869 den ochriti zur sozialen Demokratie nicht tun können. Scharf wandte er sich gegen eine Arbeiterklasscnbcwcgung. Die sozialdemokratische Presse konnte in ihrem haften Existenz- kämpfe lange Zeit an eine selbständig« Ausgestaltung des Nachrichtendienstes gar nicht denken. Sie schöpfte daher ihre Onformotio- nen vielfach aus der„Frankfurter Zeitung", di« Sonueman»— hier ist die vielgebrauchte und mißbrauchte Wendung wirklich am Platze_ durch umfassende Auslandskorresfumdenzen zu einem wirk- lichen„Weltblatt" fortgebildet hotte. Zu dem Stab der Redakteure und Mitarbeiter der„Frankfurter Zeitung" hat die toozialdeiiio- kralle viele tapfere und fedcrgewandte Männer gestellt. Wir er- wähnen hier nur: Bollmar, Bahlteich, Ed.«ack, Karl Hirsch, Wae Quarck usw. Die Gattin von Karl Marx hat übrigens an der„Frankfurter Zeitung" im Feuillctontcil mitgearbeitet, lind Marx unterhielt sich 1875 eingehend mit Sonnemaim aus seiner Rückreise �o» Karlsbad nach London.„Sonnemann ist«in Weil- mann", so schrieb Marx an Friedrich Engels, Lein man jedoch das Bewußtsein seiner Wichtigkeit ansiebt. Er setzte mir i» längerer Unterredung auseinander, sein Hauptzweck sei, das Kleinbürgertum in die sazialdcmokratischc Bewegung zu ziehen. Die Finonzkrair seines Blattes liege darin, daß es dos anerkannt beste Börsen- und Handelsblatt von Süddeutschland sei. lieber den Dienst, den ieine Zeitung als politischer Kolporteur der Arbeiterpresse liefere, sei er völlig im klaren." Die wertvollsten politischen Dienste leistete übrigens di«„Frank- furtcr Zeitung" der Sozialdemokratie unter dein Sozialisten- gesetz. Vergebens hatte sich der. Polizeipräsident von Wnrmb mn, das Verbot der„Frankfurter Festung" durch das Sozial ftten- gesetz bemüht Die„Franksurter Zeitung" brachte ein wuchtiges Änklagematerial gegen dos Polizeiregime Bismarcks— ein Anktaae- material, das die sozialdemokratische Presse der damaligen Zeil nicht bringen konnte, wollte sie nicht dem Fallbeil des Sozialisten gesetzes zum Opfer fallen. Heute müssen wir Sozialdemokraten, die wir oft unsere Wasnn mit der„Franksurter Zeitung" gekreuzt haben, offen die Ve r d i e n st e dieser Zeitung um die politische Neugestaltung Deutschlands eingestehen. Paul Kampflmcyer. 1t aller Anafole Verfielt: Siücher auf dem Scheilerhaufen Der Gesetzgeber hat zu allen Zeiten gegen Bücher oder Druck- schriften gekämpft, die ihm mihliel'ig waren. Dabei ist es in früheren Zeiten zu Maßnahmen gekommen, die uns heute manchmal nicht nur brutal, sondern vor ollem absurd und albern erscheinen. Beliebt waren absolute Hinrichtungen von Büchern. Die Haupt- rolle spielte dabei der öffentlich vom 5)cnker angezündete Scheiterhausen, dem zuweilen nicht einmal Autor und Drucker entgingen. Di« llrtellc waren in den seltensten Fällen von einem Gerichtshos gefällt. Die absoluten Herrscher joner Zeitalter erließen zumeist Dekrete, aus Grund deren der Hcnkm sofort zum Strafvollzug schreiten konnte. . 0m Jahre. 1529 erschien in Neapel ein aufsehenerregendes Buch non Gir.olamo Morbini, betitelt„R p v e l l a c". Seine Sprache, ein ungemein fafllges Latain, etwa gleichrangig der Derb- Heft cfties Rabelais, dazu sein alles andere als moralischer Onhalt. nerhinderten eigenartigerweise nicht, daß es unter dem Privilegium von Kaiser und Papst gedruckt wurde. Lickerarhiswrisch interessant ist es durch die Tatsache, daß der ftalicnische Novellist Strapa- r o l a. dem niemals das geistige Eigentum eines anderen heilig war, auch hieraus eine Anzahl seiner Geschichten gestohlen hat. Aber weder der Name des weltlichen noch der des geistlichen Herrschers vermochten das Buch zu retten. Eine Anzahl Spitzen und Anspielungen darin verletzten die patriotischen Herzen der nca- politanischen Sladtväter: man fällte ein Urteil, und der Scharsrichter verbrannte feierlichst alle erreichbaren Exemplare. Durch das hübsche Titelblatt eines anderen Buches.„2 i e Prinzessin Mvlaharvs, Adrianopci bey Thomas Franco 1734". fühlte sich die französische Regierung geärgert und übergab dem Henker das Buch für den Schefterhaufen, weil— wie es im Urteil heißt—„darunter unter dem bloßen Namen eines Romans ein rechtes Monstrum verborgen wäre, welches alle Prinzjpia der Lernunft und Religion oerwirft und die abscheulichste Gotteslästerung bis auf unsere allerheiligsten Geheimnisse ausspeft." Verletztes Sittlichteftsgefühl gab in England den Anlaß, die „Memoires of a Woman of Pleasure"(Erinnerungen einer Lebe- dame), deren erste, oft rechtmäßig und noch öfter unrechtmäßig nachgedruckte Ausgab« 1794 erschien, als„überaus obszön und voller Onsamwn"•ji verbrennen, mährend man den Verleger, den Buch- Händler Drobutter, zum Sckandpsahl verurteilte. Syipx begegnan wir aych wohl£Km ersten Fall, da das.Verbot eines Buchas für den Zlzftdr finanziell« Vorteil« bracht«(«in Fall, der haute an der Tages- Ordnung ist, nur in anderer Weise. Das Verbot eine» Beft« ist «in Neklamernfttel zur Förderung de» Absatzes anderer Bücher des- selben Verfassers). John C l e l a n d, ein früherer Konsul, hatte dieses Manuskript aus Geldmangel geschrieben und verkaust. Er fand für sich den Richter milder gestimmt als für sein Werk. Du durch den Prozeß die Aufmerksamkeit aus seine Armut gelenkt worden war, erhielt er eine lebenslänglichc Rente, die ihm ein ein- faches, aber nicht armseliges Leben sicherstellte. Om gleichen Oahre schasste sich der österreichische Kaiser ein mißliebiges Buch durch ein Dekret vom Halse. Das Werk war klugerweise unter einem Pseudonym erschienen: sonst hafte es seinen Verfasser das Leben kosten können. Es nannte sich„Historisch Gco- graphisch« Beschreibung des Königreiches Böhmen, von Rochezwang von Osecern" und enchiclt„gottlose Ängrifsc gegen das Haus Oester- reich, besonders in der Erbfolge gekrönte Häupter und erlauchte Kaiser". Der jlaiser verfügte, das Wert sollte Lfsentlich verbrannt und der Name des angeblichen Verfassers an de» Galgen geschlagen werden.___ •ftic läugile'Miiiigcbrüelic Die neue George-Washington-Brücke über den Hudsonsluh. die vom oberen Manhattan nach Fort Lee in New?)erscy führt, wurde von den Gouverneuren von New 7)ork und New Jersey dieser Tage , eröffnet. Gegen 30 000 Personen wohnten der Feierlichkeit bei. Die ersten, die die Brücke«on der New-Jorkcr Seite her über- querten, waren zwei Schuljungen aus Rollschuhen, während von der New-Jersey-Seite her ein Ehepaar mit einem Baby im Kinder- wagen den Zug ausührte. Die neue Brücke ist die längste 5iängc- brücke der Welt: die Lauge des Hauptbogcus beträgt l'i2S Meter, der Fahrweg liegt 80 Meter über dem Fluß. Die Tragepseiler steigen mehr als 200 Meter über das Wasser empor. Die Brücke kann jährlich von 30 Millionen Fahrzeugen benutzt werden. Sie ist in 41- Oahren mit einem Kostenaufwand von 60 Millionen Dollar gebaut worden, der bis zum Oahre 1950 durch die Abgaben abgedcckr sein soll. Die Brücke ist so konstruiert, daß sie mit einem" Doch versehen werden kann, wenn sich das Bedürfnis dafür herausstellen sollte. � Der M lchoerbrauch in dxn europäischen Ländern ist bei weitem nicht so groß wie in Ame.ika. Die Amerikaner trinken pro Kovi Otwa doppelt so viel Milch wie die Cure-paer. Di« Schweden aller. diväs Hecken einen noch hnlvren MEchverbranm „Pom-Sitzrp«od vom Ciegen". D«e in dem-)(-+, f,.r rn-«-. H"« hm1«"Ä edmann und Weber. Fftedftch-�bm-t�tr«. so schreien die gllt bezahlten Herren des Wafferbauamts Halle an die Unternehmerverbändc»fast eine Halbierung der Bemarbeiterlöhne oder für Halle einen Facharbeiterlohn von 0,S0 M., für Berlin von - kanunen fallenden Helferinnen im Angestelltcnocrhältnis. der Siche- rung der Weiterbeschäftiguirg und der Sicherung aller sonstigen aus den einzelnen Bestimmungeu des Tarifvertrages sich ergebenden Ansprüche für vollbeschäftigte Helferinnen bestehen. Der genaue Wortlaut des Zlbkommens nebst Erläuterungen ist im Ortsbüro des Zentral Verbandes der Angestellten, Sekretariat der Sektion Poftangestelltc, erhältlich und kann von den Verbands- mitgitedern zwecks schleuniger Bekanntgabe in sämtlichen Bebrieben und Aemtern abgeholt werden. Die von der Postnerwaltung ge- forderten Einzelvereinbarungen müssen in jedem Falle mit den Bestimmungen dieses Abkommens übereinstimmen. Sollten sich aus der Durchführung des Abkommens, das zur Vermeidung von Entlassungen abgeschlossen wurde. Schwierigkeiten ergeben, so wende man sich unverzüglich an den zuständigen Tarif. konrrahenten, dem Zentralverband der Angestellten. Solidarität uoh Geschtoffenheit. Krise uad Lohnkampf bei den Lithographen. Die Solidarität der Berliner Lichographen gegenüber ihren arbcüsGsen Kollegen ist geradezu bewunderungswürdig. Seit län- g-rcr Zeit schon zahlen sie neben ihren nicht geringen Verbands- beitragen Ertrabeiträge. deren Höhe nach ihren Ber- diensten bemessen ist und die restlos für Sonderunter- st ü tz u n g e n an die aus der Arbeitslosenversicherung ausgesteuerten Berbandsmitglicder verwendet werden. Die Zuwendungen sind in der letzten Zeit zwar nicht mehr sehr hoch gewesen— fünf Mark monatlich für Ledige und zehn Mark für Verheiratete—, well zur Zeit etwa 3 0 Proz. der Mitgliedschaft erwerbslos i st: sie haben aber doch vermocht, die Verbandstreue der arbeits- losen Mitglieder hochzuhalten. Der Generalversammlung am Dienstag im Gewerkschattshaus lag ein Antrag des Ortsvorstandes vor, die Extrabeitröge auch in den Winternwnaten zu erheben. Ohne jede Debatte stimmte die Generalversammlung diesem Antrag einmütig zu. ebenso einem weiteren Antrag, daneben noch eine freiwillige Sammlung in den Betrieben zugunsten einer Weihnachtsunterstützung der er. wcrbsloscn Derbandsmitglieder zu veranstalten. Im Mittelpunkt der Generoloersammlung stand ein ausgezeich- neter Vortrag des Verbandsvorsitzemden Genossen Haß über..Di« Krise des Kapitalismus". Der Führer der„Opposition" der Berliner Lithographen und Steindnuker versuchte zwar in sachlicher, aber trotzdem nicht überzeugender einstündiger Gegenrede die Wirtschaft- lichen und politischen Argument«, die Genosse Haß für die Taktik der Gewerkschaften ins Feld geführt habe, zu entkräften. Seme nur auf Schlagwortwtrkungeu abgestellte Rede enthielt aber auch nicht einen brauchbaren Hiiuveis, wie die furchtbar« Wirtschaftskrise durch die Arbeiterschaft ollein wirksam bekämpft werden könne. In der Versammlung wurde schließlich noch mttgetellt. daß die Lohnoerhandlungen im Steindruck- und Lithographie- gewcrbe am Montag gescheitert sind. Die Vertreter des Ber- lwndes der Lithographen und Steindrucker haben den Forderungen der Unternehmer auf l2 Proz.(!) Lohnabbau«in glattes Nein entgegengesetzt. Die Unternehmer wollen nunmehr dos> Reichs. orbeiisministerium anrufen. Einigung mit der Trumpf-Gchotolade. Der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, Orts- -upp« Berlin, teilt mit, daß unter Mitwirkung des Ortsausschusses " hen Gewerkschastr'-—'""*1"A m"'- __ ,.__„___________ v, J11 einer C ■tretenen Streitigkeiten führte. -uuwui, iciii mir, ouy ururc uw crlin des Mgomemon Deutl'chen Gewerkschaftsbundes eine Aus- räche mit der Zrumpf-Schokotade zu einer Emigung über die auf. �etenen Streitigkeiten führte. Damit sind alle Differenzen mit der Firma beigelegt. Spaltung, Streik/Zusammenbruch Aus der kommumstischen„Gewerkschaftsarbeit. Zu Anfang dieses Jahres bekam die„revolutionäre" Oppo- sition von der KPD. den Befehl, die F l e i f ch e r f e k t i o n der Berliner Ortsgruppe im Berband der Nahrungsmittel- und Ge- tränkearbetter zu spalten. Obgleich die Gruppe Wurst- und Konservenfabriken vor einem Lohnabbaukampf stand, machte die RGO. ihren neuen Laden auf. Als Zweck wurde an- gegeben: Bekämpfung und Zerschlagung der freien Gewerkschaften, insbesondere des Verbandes der Nahrungs- mittel- und Gctränkearbeiter. In Wort und Schrift wurden die Einrichtungen des Verbandes, feine Mitglieder und Führer in der üblichen„revolutionären" Art bekämpft. Als dann Ende September die entscheidenden Verhandlungen mit dem Verband der Berliner Fleischwarenfabrikanten und den Esha-Werken geführt wurden, glaubte die RGO. die Betriebe so weit„sturmreif" gemacht zu haben, daß unter Führung der RGO. der Streik gegen den Verband durchgeführt werden konnte. Die Bewegung ist zu Ende. Dem Verband ist es gelungen. alle Anschläge auf den Manteltarifvertrag obzu» wehren. Der geplante Lohnabbau von 20 bis 43 Proz sowie die Schaffung neuer Lohngruppen konnte verhindert werden. Wenn immer noch ein hoher Lohnabbau von 9 Proz. durch Ver- bindlichteitserklärung hingenommen werden mußte, fo deshalb, weil die RGO. durch ihre Spaltung die Stoßkraft der Be- schästigten geschwächt und die Angriffsstärke der Unternehmer ge- hoben hatte. Von der RGO. ist nach dem Lohnabbaukampf nur ein kläg- licher Trümmerhaufen übrig geblieben. Ein einziger Streiktag der RGO. hat über 200 Opfer gekostet. Wenn die RGO-.„Führer", nachdem die Unternehmer es rund- weg ablehnten, mit ihnen„reformistisch zu kuhhandeln", schon nach acht Stunden den Streik„abwürgten" und ihre Anhänger Hals über Kopf bedingungslos in die Betriebe fügten, so zeigt dos, wie leichtfertig und verantwortungslos jie diesen Streik angezettelt hatten. Dabei kann die RGO. nicht mehr als sechs Mark Streikunterstützung die ganze Woche zahlen. In der Beitragsfrage macht sie allerdings den billigen Jakob. Bei dem Streik in den Esha-Werken wurde der„refor- mistische" Grundsatz, daß die Mitglieder in geheimer Abstim- mung mit Mehrheit den Streik zu beschließen haben, oerlassen, well das offenbar nicht„revolutionär" ist. Der Vertrauensmann der RGO. forderte in der Frühstückspause die Belegschaft ein- fach auf,„Solidarität" mit den in den wilden Streik getretenen Belegschaften der Firmen R. Hanka und W. Ziegler zu üben. Als die freigewerkfchaftlichen Arbeiter dieses RGO.-Theat-r nicht mitmachen wallten, wurden sie als„Streikbrecher be- schimpft. Bei der Firma Robert K o s ch w i tz aber, wo der Vor- fitzende der„Opposition" als Betriebsratsvorsitzendcr arbeitet, hat die RGO. auf ihre eigene Streikparole gepfiffen. Gewerkschaftsmitglieder, die sich nicht nach den gewerkschafts- feindlichen Parolen der RGO. richten, sondern nach den Beschlüssen chrer Organisation, werden aber als Streikbrecher und„verkommene Elemente" beschimpft. Die RGO.-Leute jedoch, die sich über die Frühstücksparolen ihrer RGO. hinwegsetzen, werden wegen„Un- entschlossenhett" getadelt. Die 200 Gemaßregelten aber, die sich durch die Phrasen der RGO. beschwatzen, in den wilden Streik hinein- und aus der Arbeit heraustreiben ließen, machen der KPD.- RGO. wenig Kopfzerbrechen. Die höhere Gewali. Der Sturm vertrieb das Schnellgericht aus Holtenau. kiel, 29. Oktober.(Eigenbericht.) Stürme in der Ostsee verspäteten das Eintressen der letzten Dampfer aus Leningrad. Am Dienstag traf nur der Dampfer „Rheinland" s!, Ecke Sodrechtstroße. Hosemann kommt.— Reukölln: Jugeubheim Bahnsjr. 1375. Schaliplattenabenb. Zugendgruvpe des Zeniralverbandes der AngefteMe» Heute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Südwest: In. '«> gendheim Tlarckstr. ll(2. Hof, Quergebäube, 1 Treppe, givimcr 5). Hcut' lagt uns fingen und fröhlich sein.— Heute tagt die Berliner Bruaerei, und Bottagsgesellschaft Nr. b. K. von 20 bis 22 Uhr im Jugendheim Ebertv, straffe-12.— Unsere Photo-Arbeitsgemeinschaft kommt heute um 20 Uhr im Berbaudshaus zusammen. S ICK-lfV Mengenobgoba vorbabaltan Verkauf sovreit Vorrat Wir bringen in diesen Wochen wohifeiie Waren aus fast allen Abteilungen die sich durch ihre Preis- Würdigkeit schon jetzt zum Einkauf für das Weihnachtsfest ganz besonders eignen I Kleiderstoffe Woll-Crepe de Chine l-1 0 TwSsd'FrSSCO dankbare Kleiderware, neue Muster, Mtr. 1/63 Diagonal ca. 95 cm breit, moderne Farbföne........ Meter 2/45 Afghalaine ca.]OOcmbrvguteKleiderware,mod.Farfaen,Mtr. 3/50 rlamingo schwere QuaütSt, grosse Farbenauswahl... Meter 3/60 Mantelstoffe 3/75 Seide und Samt Rippensamt neue Druckmuster..................... Meter 0/9ö Pannette kunstseidener Waschsamt, fesche Muster..... Meter 1,7 5 Kleidersamt Köperqualitat, neue Farben........... 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