BERLIN Somierstag 5. November 1931 10 Pf. JIr. 520 B 260 48. Jahrgang Crsch eint täglich außerSonstag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. 3,605?, pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW6S,Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoffs� 7) 292— 2S7 AuttigcvpreiS: Die einspaltige Noupareillezeile 80 Pf., Reklamezeile S M. Crmäßigunoen nach Tarif. Postscheckkonto: VvrwartS-Verlaz G.m.b.H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! •.•>• Ausbeutung der Kranken Profitkampf auf dem Arzneimittelmarkt Wir hatten schon früher Gelegenheit, etwas von den Preis- gestaltungspraktiken der chemischen Großindustrie in die Oesfentlich- keit zu bringen. Das Wesentliche ist, daß hier die gleichen Kreise, die über die Höhe der Soziallasten klagen und den Abbau der Sozialversicherung verlangen, durch die gleichen Einrichtungen als Nutznießer ihrer Patente ungeheure Summen verdienen. Während überall von der Notwendigkeit des Preisabbaues ge- sprachen wird, soll hier durch eine scharse Kartellierung und ein planmäßiges Dumping gegen Außenseiter jede Preissenkung ver» hindert werden. Ganz besonders schlimm sind augenblicklich die Verhältnisse auf dem Insolin markt. Das Insolin wird aus der Bauchspeicheldrüse des Schlachtviehs gewonnen und ist ein un- entbehrliches Vehandliingsmittcl bei Diabetes(Zuckerkrankheit) geworden. Die Erfinder, zwei Professoren der kanadischen Universität Toronto, haben von Ansang an im Interesse der leidenden Menschheit aus jeden Uuhen und Gewinn aus ihrer Erfindung verzichtet. Um so verwerflicher sind deshalb heute die Kamps- Methoden der deutschen Insolin- H e r st e l l e r. Man muß berück- sichtigen, daß die Zuckerkranken Patienten bis an ihr Lebens- ende bleiben und daß in Deutschland durchschnittlich 180 bis 240 Millionen Einheiten Insolin pro Jahr verbraucht werden, daß serner keine Schwankungen aus dem Markte vorkommen, da die Zahl der Kranken fast. immer die gleiche ist und deshalb dte Reklame und sonstigen Spesen sehr gering sind. Der Kampf ist nun zwischen der Firma Seax einerseits, die das S c a x u l i n herstellt, das aber jetzt durch das Insolin- Prüfungskomitce die Berechtigung bekam, Jnsolin-Seax genannt zu werden, der Degewop und den anderen Firmen entbrannt. Der Slpothekenpreis sür die Jnfolinc dieser Firmen war vor einiger Zeit noch für 100 Einheiten duräischnittlich 2,80 M., während Sear in gleicher Güte die 100 Einheiten sür 1,50 M. lieferte. Schering und I G.- F a r b« n, die nur geringen Anteil an der Markt- befieferung haben, setzten dann plötzlich den Preis auf 2,10 M. herab. Jetzt wurde von ausländischer Seite der Vorschlag gemocht, alle Firmen einschließlich Seax zusaminenzusassen, um dieses gegenseitige Unterbieten abzustoppen. Diesem Borschlag schloß sich al>«r außer Sear auch die Firma Degewop nicht an. sondern sie setzte von sich aus den Preis auf 1,30 M. herab und hat sich verpslichtet, diesen Preis auf Jahre hinaus zu halten. Das sind die Apotheken- Verkaufspreise: die Apotheken-Einkaufspreis« betragen für 100 Ein- Heiken 1,06 M. und für 200 Einheiten 2 M. Schleuderpreise da- gegen wenden den Krankenhäusern gewährt. Diese bekommen jetzt die Krankcnhauspackungen mit 0,44 M. pro 100 Einheiten berechnet.„Wir müssen aber diesen Preis richtig verstehen", schreibt eine maßgebende Persönlichkeit,„daß nämlich dieses Verschenken eine Reklame bedeutet, denn hat ein Patient im Krankenhaus Info- litt 1 oder P erhalten, so wird er seinen Arzt, aus dem Kranken- Haus entlassen, veranlassen, ihm auch in Zukunft dieses Präparat zu verschreiben." So erfreulich aus>d«n ersten Blick dieses gegen- jeitige Unterbieten dem Kranken erscheinen könnte, so groß ist die Gefahr, daß der leistungssähigere Konkurrent, nachdem er durch sein Dumping den schwächeren zur Strecke gebracht hat, nachher als Sieger noch berühmten Vorbildern den Preis diktieren wird. Di« Negierung müßte im Interesse der Kranken preissenkend eingreisen. Was haben nun die Krankenkassen, auf deren Kosten diese Kämpfe auf dem Arzneimittelmarkt geführt werden, für ihre Mitglieder getan? Der Zuckerkranke ist ein chronisch Kranker und deshalb besteht bei ihm die große Gefahr der Aussteuerung, die gleichbedeutend wäre mit dauernder Arbeitsunfähigkeit und früh- zeitigem Tode, da wohl die wenigsten Patienten durchschnittlich 23 M. Insolin pro Monat aus der eigenen Tasche bezahlen könnten. Die Berliner Krankenkassen steuern deshalb ihre Zuckerkranken nicht aus, sondern lassen sie nach Ablauf der Behandlung-. Verpflichtung bei den srei praktizierenden Aerztcn in den Kassen- ambulatorien weiter behandeln. Diese Behandlung ist besonders wichtig, da die meisten Zuckerkranken durch die ständige Insolin- zusührung arbeitsfähig bleiben. Die Kosten für das Insolin trägt die Landesversicherungsanstalt: den Kranken, �üie nicht zur Landesversichcrungsanstalt gehören, wie Angestellte usw., ersetzt die Reichsversicherungsanstalt die Jnsolinkosten bis zu 25 M. pro Monat. Ferner haben sich die Berliner Krankenkassen die von der Firma Degewop garantierte Preisherabsetzung, die bis Ende 1034 festgelegt ist. gesichert. Das sind die Möglichkeiten, die die Krankenkassen im Jntwsse ihrer Mitglieder auszunutzen Ge- lcgenheit hotten. Eine 5?crobsctzung der Preis« kn der Zeit des so- genannten Preisabbaues— der Einwand, das deutsche isch'achtvieh sei nicht so ergiebig, ist ziemlich fadenscheinig— wäre eine der Aufgaben, die die Reichsrcgierung im Interesse der Volksgesundheit zu erfülle» hatte. Kulturpioniere. Ä-o ro-ien' »Mensch, der Weg ins Dritte Reich bekommt durch uns ein Kopfpflaster!" Oer Krawall in Halle. Oeffentliche Versammlung geplant. Halle, 5. November.(Eigenbericht.) Rektor und Senat an der Universität Halle beabsichtigen, die Studentenschaft über den„Fall Dehn" in einer großen öffentlichen Versammlung aufzuklären, soweit die Studentenschaft selbst die Gewähr übernimmt, daß diese Versammlung in Ruhe und Ordnung verläuft. Sollten sich dann trotz dieser Aufklärung weitere tumultartige Vorgänge abspielen, so dürfte das preußische Kultus- Ministerium eingreifen und die Schließung der Universität ver- anlasten.% Den Berliner zuständigen Stellen sind inzwischen Nachrichten darüber zugegangen, daß auch an anderen Universitäten rechts- radikale Studenten die Störung von Vorlesungen ihnen mißliebiger Professoren beabsichtigen. Gegenmaßnahmen der Behörden sind bereits in Vorbereitung. Berlin sorgt sür Oefierreicher. Wohlfahrtsempfänger werden nach wie vor unterstützt. Falschmeldungen eines Sensationsblattes. In einem Staatsvertrag zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich ist die Frage der Betreuung'Arbeitsloser geregelt. Arbeitslose ö st e r r ei ch i s ch e Staatsangehörige werden aus Grund dieses Vertrages wie Reich sangehörrge behandelt. Die Stadt Berlin hat es darüber hinaus als ihre Ehrenpflicht angesehen, auch die ausgesteuerten Erwerbslosen genau wie reichsdeusiche Wohlfahrtsunterstützungsempsängcr zu behandeln. Ein Berliner Sensationsblatt brachte nun heute vormittag die Nachricht, daß die Stadt Berlin durch die katastrophale Finanzlage gezwungen sei, die Zahlungen der österreichischen Wohlsahrtsunter- stützungsempfängcr einzustellen. Diese Nachricht hat in der öfter- reichischen Kolonie stärkste Beunruhigung ausgelöst, da mehrere tausend ihrer Landsleute durch eine solche Maßnahme dem schlimmsten Elend preisgegeben sein würden. Wie wir aus dem Rathaus erfahren, trifft die Nachricht in dieser Form in keiner Weise zu. Hoch wie vor ist die Stadl Berlin bereit, nach Möglichkeit jeden österreichischen Hilfsbedürftigen nach besten Kräften zu unter- stützen. Auch von der österreichischen Gesandtschast wird uns mit- geteill, daß von einem Brief von dem in dem betreffenden Artikel des Sensationsblattes gesprochen wurde, und in dem die geplante Maßnahme der Stadt Berlin mitgeteilt worden jein soll, nichts bekannt ist. Wie wir noch bei dem Bezirksamt Wedding, bei dem die meisten österreichischen Wohlfohrtsempfängcr versorgt werden, erfahren, ist erst vor acht Tagen von der Zentrale eine Verfügung herausgegeben worden, in der noch einmal betont wird, daß in allen Unterstützungsfällen Oesterreicher und Danziger wie Reiche-, deutsche zu behandeln sind. Natürlich läßt es sich nicht vermeiden, daß in' den einzelnen Fällen auch der österreichische Unterstützungz- empfänger genau wie der reichsdeutsche die allgemein im Fürsorge- ivesen angeordneten Sparmaßnahmen und Einschränkungen zu spüren bekommt. An dem Prinzip, daß der österreichische Erwerbslose genau wie ein Reichsangehöriaer behandelt wird, soll in keiner Weise etwas geändert werden. Es kann nicht genug verurteilt werden, daß sich immer wieder Sensationsblätter finden, die falsche, weite Volkskreise schwer be- unruhigende Meldungen veröffentlichen, ohne sich verpflichtet zu fühlen, vorher genaue Erkundigungen bei den städtischen Stellen über die tatsächlichen Verhältnisse einzuziehen. Kaas gegen die Koaliiionsgerüchte. Tagung des ReichSausfchufseS der Zentrumspartei. Der Reichsausschüß der Zentrumspariei trat heule vormittag 10 Uhr im Plenarsitzungssaal des Reichstages zusammen. Der Vorsitzende der Partei, Abgeordneter Kaas, eröffnete die Sitzung und wandt« sich mit großer Schärfe gegen die Koalitions- g c r ü ch t c, die, wie er sich ausdrückte, in jüngster Zeit von Kreisen außerhalb der Partei in der Ocffentlichkeit erörtert worden seien. Es seien keine Tatsachen eingetreten, die geeignet wären, an dem Beschlutz der Zcntrumssroktion des Reichstages, in der jede Tolerierung einer Rechtsregierung abgelehnt wurde, irgend etwas abzuändern. Es sei jetzt nicht die Zeit für derartige Koalitionsredereien, die schließlich nur geeignet wären, die Aktionsfähigkeit und Hairdlungsfrciheit der Reichsregierung zu schwäche» und zu hemmen. Es komme jetzt nicht auf Worte an. jondern auf Taten. Di« Ausführungen' des Vorsitzenden Kaas fanden aus der Ver- sammlung heraus außerordentlich starken Beifall. Sodann erhielt das Wort der Generalsekretär der Rheinischen Zentrums- partei, Rusfini-Köln, zu einem Vortrag:„Wie sieht die Partei die Tätigkeit des Reichskanzlers Brüning?" Die Ausführungen des Redners zeigten, daß die Wählerschaft des Zentrums nach wie vor gesonnen sei, sich vorbehaltlos und entschlossen hinter de» Reichs- kanzlcr Brüning zu stellen. Roch diesem Vortrag wird Reichskanzler Brüning sprechen, Darauf wird eine allgemeine Aussprache stattsindeu, die spätestens um 15� Uhr abgeschlossen sein soll. Brüning und die Wirischastspariei. Keine Unterstützung für eine Abstimmung. Die Reichsregierung dementiert kategorisch die immer wieder ausgestellten Behauptungen von einer Sanierung mittel st ändlcrischer Kreditinstitute durch Reichs- mittel im Zusammenhang mit der Abstimmung der Wirtschaftsparte: im Reichstag gegen die Mihtrauensanträge. Richtig sei nur, daß die Wirtschaftspartei in den Verhandlungen mit dem Reichskanzler auf die besonders schweren Folgen der Wirtschaftskrise für diese Kreditinstitute aufmerksam gemacht und Hilfe verlangt hat. Der Reichskanzler habe unter Hinweis auf seine früheren Erklärungen Berücksichtigung im Rahmen des Mög- lichen zugesagt: aber irgendwelche materiellen Leistungen im Zusammenhang mit der Abstimmung der Wirtschafts- Partei seien nicht«rsolgt. Groener, der Ooppelminister. Warum der Republikaner Spiecker gehen muß. Gegenüber Behauptungen eines demokratischen Blattes läßt Reichsinne»- und Wehrmiuister G r o e n e r erklären: Es ist un- richtig, daß alle vom Minister zu erledigenden Akten von General Schleicher oder nach seinen Vorschlägen erledigt iverdsn. Nur als er trank war, sagt die Erklärung weiter, hat der Minister d i e Akten für den Rcichsinnenminister sich in das Wehr- Ministerium bringen lassen. Seither aber versieht er die Geschäfte des Reichsinnenministeriums im Reichsinnemninisteriuim Auch dos bekannte Interview des WTB. mit Grocner habe nicht Schleicher, sondern Grocner vollkommen selbständig angefertigt, bei der endgültigen Fassung aber einige Aendcrungsvorschlägc des Staatssekretärs des Reichsinnenministeriums berücksichtigt. Wa« den Fall Spiecker anbelangt, so wind erklärt: Mi- Weltgetreidepreise steigen! Will Herr Schiele Millionen ans Ausland verschenken? uistcr W i r t h hotte im Ottoher 1930 den Ministerlallnrettar a. I». Dr. Spiecker für bestimmte auftrage aus Grund eines besonderen Vertrags eingestellt. Aus finanziellen Gründen hat Minister Groener beschlossen, mit den c t a t s m ä ß i g e n Beamten auszukommen, und daher dieses Verhältnis zu Spiecker nicht aufrechterhalten. Der Vertrag mit Dr. Spiecker laust noch bis Snde Dezember ö. I. Spiecker hat aber sich vorher beurlauben lassen. Demonstrationsverbot in Mecklenburg. (Sogar schon genehmigte Llmzüge verboten. Schwerin. S. November.(Eigenbericht.) Die mecklenburgische Rechtsregierung Hai heute ein Verbot für sämtliche Versammlungen unter freiem Himmel und für Umzüge erlassen. Es sollen auch diejenigen Kund- gedungen und Umzüge, die bereits für heute angesagt waren, wieder abgesagt werden. Das Ministerium hat zugleich das lom- munisttsche Orgart für beide Mecklenburg, die in Rostock erscheinende „Volksmacht', für die Zeit vom>3. bis 30. November»erboten. Einheitsfront SPO.-KPO. Ein Gefchicht, lögenhast to verteilen. Es ist doch gut, daß es eine Rechtspresse gibt! Aus ihr erfährt man immer das Allerneueste. Auch der Sozialdemokrat kann in ihr aufsehenerregende Neuigkeiten finden, die er in seiner eigenen Presse vergeblich sucht. Welcher Sozialdemokrat weiß z. B., daß es seit dem 29. Ottober sine sozialdemokratisch- kommunistische Einheitsfront gibt, die in einer Versammlung des Genossen Aufhäuser in Chemnitz gegründet worden ist? Und doch steht das jetzt breit und groß in der Presse der Harz- burger zu losen, besonders schön in Adols Hitlers„Völkischem Beobachter", wo man liest: „Die Ausrufung einer gemeinsamen marxisti- sch e n Front zwischen SPD. und KPD.— natürlich wieder unter alljüdischer Leitung— hat die mechanischen Spekulationen des Brllning-Systems endgültig zerschlagen. Die roten Brüder mit der gleichen Kappe reichen sich die Hände: Zwischen der wehrverräterischen Sozialdemokrahe und dem imperialistischen Kommunismus ist der letzte Unterschied verwischt. Der marxistische Volksoerrat hat ein Bündnis geschlossen gegen alles Deutsche. Mitleidlos beginnt sich Adolf Hitlers Prophezeiung zu erfüllen, daß DeutWond nur zwei Möglichkeiten habe, entweder nationalistisch zu werden»der bolschewistisch." Alle diese Deklamationen beziehen sich, wie gesagt, auf eine Versammlung in Chemnitz vom 2S. Oktober, in der Genosse Auf- Häuser gesprochen hat. Es ist also nicht uninteressant, einmal fest- zustellen, wie die„Vollsstimme", unser Chemnitzer Bruderblatt, über dieses epochale Ereignis berichtet hat. Nach dem Bericht dieses Blattes hat Aufhäuser in Chemnitz folgendes gesagt: ..Wir haben die antifaschistische Einheitsfront der Gewerkschaften gebildet. Nicht aus Liebe hat sich die Arbeitnehmerschaft zusammengefunden, sondern au» Klassenlogit. Das Rezept von Harzburg"heißt brutalste Sozialreattion. heißt Inflation. Die ganze Kraft unserer Abwehr liegt in der Stärke unserer Organ!- sationen. Die Kommunisten haben am lö. Oktober dem Faschismus mit zur Macht verhelfen wollen. Ihre Bütteldienste für den Faschismus wären dann mit dem Fluche der deutschen Arbeiterschaft beantwortet worden.(Stürmischer Beifall.) Wir operieren nicht mit Phrasen. Hart und entschlossen gehen wir unseren Weg für Recht und gegen Unrecht, für Frecheit und Brot, für den So- zialismus.(Jubelnder, minutenlanger Beifall.) Ueber' die folgenden Ereignisse berichtet aber die Chemnitzer „Dolksstimme" so: „In der Aussprache leierte ein Kommuni st sein Sprüchlein von der Einheitsfront herunter. Genosse Aufhauser blieb in seinem Schlußwort diesem Sowjet- jünger die Antwort nicht schuldig." So steht es in dem Bericht, den oie Chemnitzer„Voitsstrmme" om Tage danach veröffentlicht hat. Aber die Rechtspresse weiß es natürlich viel besser. Sie weiß, daß die Einheitsfront zwischen SPD. und KPD. unter alljüdischer Leitung Tatsache geworden ist. Wirklich ein Glück, daß es eine Rechtspresse gibt, sonst würden wir Sozialdemokraten ja gar nichts davon erfahren haben! Lm Suff vom Nock gefallen. Rationalsozialistischer Märtyrer! In Riesenaufmachunz brachte der„Völkische Beobachter" vor einigen Tagen die Nachricht, daß ein„Pg." aus Namslau dem „roten Terror" zum Opfer gefallen sei. Amtliche Nochforschungeu hoben ergeben, daß der Betressende, ein Landwirt und Mitglied der SA., zwar nicht dem roten Terror, wohl aber demAlkoHolzum Opfer gefallen ist. Er geriet nämlich, als er in sinnloser Trunkenheit mit seinem Fuhrwerk nach Hause fahren wallte, auf der Landstrahe mit drei jungen Leuten in Streit, die keiner politischen Partei angehören und eher nach rechts als nach links neigen. Als diese auf die An- pöbeleien des Betrunkenen nicht reagierten, drehte der SA.-Mann wütend um und suchte die drei im Galopp zu überfahren. Dabei gingen seine Pferde durch, und der Landwirt stürzte v o m B o ck. Die drei jungen Leute wollten ihn zum Arzt bringen, ober der Verunglückte weigerte sich hartnäckig, well der Arzt ein Jude sei. Die jungen Leute schafften den Verunglückten nun nach 5iause, wo sie von der Schwester des SA.-Mannes mit den Worten empfangen wurden:„Laßt ihn nur liegen, er ist so bloß besoffen." Tatsächlich hatte er sich aber bei dem Sturz vom Dock schwer verletzt und starb. Natürlich wird er auch weiterhin in der offiziellen Zählung der„vom roten Terror Gemeuchelten" als Märtyrer figurieren, ebenso wie mancher andere SA.-Mann, der seinen Tod alkoholischen Exzessen zu verdanken hat. Denn wie sollte sonst diese Liste die er- forderliche Läng« bekommen? Hakenkreuz über Handlungsgehilsen. Krach in einer Thiel-Versammlung. In einer Versammlung des Deutschnationalen Handlungs- gehiljen-Verbandes in Leipzig, zu der der Reichstagsabgeordnete Thiel als Redner angekündigt war, kam es zu stürmischen Aus- einandersetzungen. Eine Abteilung der SA. versuchte die Bersamm- lung zu stören und zog später unter großem Getöse ab. Thiel, der seine Abstimmung für Brüning rechtfertigte und Hugenbergs Politik als„sozialreaktionär" und„arbeiterfeindlich" scharf ablehnte, fand nach dem Bericht des„Deutschen" in der Versammlung, obwohl einige hundert Nationalsozialisten anwesend waren, einmütigen Bei- fall. Der Störungsversuch der SA. wurde auch von den national- sozialistischen Verbandsmitgliedern mißbilligt. Der DHV.. Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband, führt seinen Namen aus einer Zeit, in der»s dos Wort„deulschnatianal" als Parteibezeichnung noch nicht gab. Ursprünglich eine Unter- Au» Ehikago kommen alarmierende Nachrichten. An der gestrigen Weizenbörse brach kurz vor Schluß ein Ruu au», der von ffle- treidespetulanlen entfesselt wurde, vieweizeupreise gingen während der leßken paar Minute» um mehrere E e n k» h i n a u f. Der Tulilcrmin für Weizen, also der Preis für den Iuli nächsten Jahres zu liefernden Weizen erreichte einen Stand von 70% Cents pro L ushel gegenüber dem Rekordstand von 44 Cents am 5. Oktober. Innerhalb eines Monats ist also der weizcnpreis um 40,70 Mark je Tonne gestiegen, hier- durch und durch die Steigerung der Maispreise hat die amerikanische Getreideernte einen Wertzuwachs von 400 Millioaca Dollar erfahren. Zwar kommen die Farmer nicht in den vollständigen Genuß dieser Werterhöhung, denn ein großer Teil der Ernte ist bereits verkauft. Wird diese Auswärtsbewegung der Getreidepreise ober von Dauer sein? An der Lioerpooler Börse erfolgte gestern im Gegensatz zu Chikago kein Hausseetaumel, die Schlußkurse lagen sogar etlpas niedriger als am Vortage. Wenn auch die gestrige; Hausse in Chikago auf B ö r s e n m a n ö v e r wahrscheinlich zurück- zufjihren ist, so kann die allgemeine Steigerung der Getreidepreise im Laufe de. Ottober nicht bestritten werden. Manitoba-Weizen notierte Anfang Ottober im Hamburger Frei. Hafen 100 M. je Tonne, gestern 128, M. Dies« Preissteigerungen sind hervorgerufen durch die Verringerung der Anbau- flächen in Argentinien und Australien. Jetzt werden auch private Schätzungen über di« amerikanische Anbau- fläche verösfenllicht, nach denen diese nur 34,8 Millionen Acres gegen 42 Millionen Acres im vorigen Jahre beträgt. Alfa auch hier ist eine Verminderung der Anbauflüche um ein Sechstel er- stützungsvercinigung von stark gelber Färbung, Hot er sich nach dem Kriege gewerkschaftlichen Prinzipien genähert. Er ist jetzt den christ- lichen Gewerkschaften angeschlossen und finanziell eine ihrer stärksten Stützen. Er nennt sich, bei stärkster Ablehnung der Sozialdemokratie, „parteipolitisch neutral", seine Mitglieder zählen sich zu den ver- schiedensten bürgerlichen Parteien, neuerdings dem Zuge der Zeit folgend, vielfach auch zu den Nationalsozialisten. Daraus haben sich starke innere Spannungen ergeben. Denn die christlichen Gewerkschaften sind scharfe Gegner Hugenbergs und der Harzburger Front, die als Ganzes antigewerkschastlich ist. Die Anhänger Hugenbergs rühmen es ja auch als eins der größten Verdienste ihres Meisters, daß er die deutschnationale Partei von gewerkschaftlichen, das heißt ch r i st l i ch- gewerkschaftlichen Ein- flüsien befreit hat. Es ist also kein Zufall, daß der Vorschlag, die Front H u g e n- berg-Hitler durch eine Front B r ü n i n g- H i t l e r zu er- setzen, aus dem Lager der Christen und besonders aus dem Lager des DHV. gekommen ist. Die Nationalsozialisten kämpfen mit Hugen- berg gegen Brüning: den Christen steht aber ihr ehemaliger Se- kretär, der jetzige Reichskanzler, viel näher als der deutschnationale Großkapitaltst und Gewerkschaftsfeind Hugenherg. Der ReichsiagsabgeordNet« Thiel steht seit mehr als zwanzig Jahren im Dienste des DHV. Im Reichstag hat er zu der Minder- heit der ooltsparteilichen Fraktion gehört, die das Mißtrauen gegen Brüning ablehnte, und damit hat er sich in eine Reihe mit den übrigen christlichen Gewerkschaften gestellt. So richtet sich die natio- nalsozialistische Opposition im DHB. nicht nur gegen Thiel persönlich, sondern auch gegen die politische Gesamtrichtung der christlichen Gc- werkschaften., Ob es den Nationalsozialisten gelingen wird, wie die bürger- lichen Mittelparteien so auch die zu diesen Parteien stehenden G e- werlschaften zu einem Trümmerhaufen zu verwandeln, muß abgewartet werden. Ein Versuch dazu ist im DHV. in Leipzig ge- macht worden. Raubmord aus dem Wedding. Retinzehnjähriger erdrosselt aufgefunden. Cm verbrechen wurde heule millag im Hause Kosliner Straße 4 aus dem wedding. entdeckt. In der Wohnung seiner Mutter wurde dort der IS Jahre alte Fritz Sirchert tot aufgefnndeu. Am Kaps de» Toten wurden schwere Ver- lehungen festgestellt, die vermutlich von wuchtigen Schlägen mit einem stumpfen Gegenstand herrühren. Außerdem wie» der ha!» starke Würgemale auf. Nach dem erste« Befund scheint Raubmord vorzuliegen. Sämtliche Behältnisse in der Wohnung waren durchwühlt. Der ZuHalt lag zum größte« Teil ver- streut auf dem Fußboden umher. Di« Mordkommission ist bei Schluß de» Blatte» gerade am Talort mit der Aufnahme des ersten Befunde» beschäftigt. Einbruch im Kinnischen Generalkonsulat politische Motive oder gewöhnlicher Einbruchsdiebstahl? In den Amtsräumen des Finnischen Generalkonsul» in Berlin, des Rechtsanwalts Dr. Rudolf D i x in der P e h r e n st r a ß e 20 wurde ein Einbruch verübt, von dem es noch nicht feststeht, ob es sich um politische Täter oder um gewöhnliche Geldschrankknacker gehandelt hat. Als die Angestellten des Büros heute früh erschienen, fanden sie in den drei Vorderräumen, in denen die Konsulatsangelegen- I heiten erledigt werden, eine fürchterliche Unordnung, der G e l.b- schrank und andere �Behälter waren erbrochen und Konsulotsdokumente sowie sonstige Schriftsachen überall verstreut. Eines der drei Vorderzimmer hatte ein großes Loch in der Decke, durch das die Einbrecher vom Boden her in die im Obergeschoß liegende Wohnung eingedrungen waren, und zwar konnte weiter festgestellt werden, daß sie sich den Zutritt zuirt Boden vom Dach her verschafft hatten. Der Geldschrank war kunstgerecht ouf�e- knabbert worden, so daß kein Zweifel daran bestand, daß hier erfahrcye Spezialisten am Werke waren. Da aber auf- fallend wenig gestohlen und offenbar nur der Jnholl oller Behälter und Attenschränke sorgfältig durchsucht morden war, wurde zunächst die Politische Polizei von dem Einbruch benachrichtigt, deren Beamte ober im Verlaufe der Feststellungen an Ort und Stelle der Auffassung zuneigten, daß hier es sich doch wohl nur um einen gewöhnlichen Einbruch gehandelt habe. Allerdings muh folgt, die dem Weizenpreis sehr wohl einen weiteren Auffchwung geben kann. Bei Roggen und Gerste siud noch größere Preissteigerungen zu verzeichnen. weil der Weltmarkt für diese Getreidearten viel weniger umfangreich ist und infolgedessen bei Steigerung der Nachfrage sofort eine starke Erhöhung der Preise erfolgt. Ob also die letzte Preissteigerung om Chicogoer Markt berechtigt ist oder nicht, auf jeden Fall ist mit einem Umschwung am Weltgetreidemarkt zu rechne». Diese Veränderung ist für Deutschland von größter Wichtigkeit. Bei steigenden Getreidepreise« ist es nicht gleichgültig, ob der deutsche Zuschuhbedarf er st im Frühjahr gedeckt wird, wenn die deutsche Ernte gänzlich verbraucht ist, oder ob mit der Bedarfs- dockung schon jetzt begonnen wird. Denn im Frühjahr muß Deutschland seinen Gelreidezuschuß- bedarf zu einem viel höheren preise einkaufen, was natürlich für die deuksche Handelsbilanz einen unnötigen Verlust bedeuket. j Herr Schiele, dessen Steckenpferde die Abschnürung sämtlicher Aus- landseinfuhren ist, und der sich nicht genug für eine Devisenerspar- uis einsetzen kann, hat hier also die beste Gelegenheit seine Worte in Taten umzusetzen. Er kann der deutschen Volkswirt- fchaft Millionen ersparen, wenn er endlich seinen Wider- stand gegen die notwendige Futtcrgetreideeinfuhr aufgibt. Auch wird er jetzt noch die Roggenmengen, die notwendig sind, um diesen überhöhten Roggenpreis abzubauen, damit die nach dem Gesetz un- zulässige Brotpreiserhöhung unterbleiben kann, zu einem billigeren Preise noch einführen können, als wenn er noch mehrere Wochen zögert. Wir empfehlen daher Herrn Schiele dringend die Lektüre der internationalen Kurszettel, damit er sich ein Bild von der Lage am Getreidemarkt macht und dementsprechende Entschlüsse durch- führt! erst genau ermittelt werden, ob nicht doch bestimmte wichtige Dokumente politischer Natur entwendet worden sind oder ob man es vielleicht auf Paßformulare, Stempel und dgl. abgesehen hatte. Der Schuß auf die Geliebte. Verfahren eingestellt.- Seltsamer Ausgang eines Prozesses. In dem Prozeß gegen den Kaufmann Kurl M r o s o m s k i. der sich vor dem Schwurgericht II wegen versuchten Mordes zu ver- antworten hatte, kam das Gericht gestern abend nach zweitägiger Verhandlung zu einer Einstellung des Verfahrens auf Kosten der Staatskasse. M. wurde lediglich wegen Vergehens gegen das Schußwafsengeseh zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte auf seine Gellebte, die Hausangestellte S., einen Schuß abgegeben, nachdem er mit einer zweiten Frau ein Liebesverhältnis eingegangen war. Nach der Tat war Mrosowski, ohne sich um die in ihrem Blut liegende Frau zu kümmern, zu einem Tanzoer g nü g e n gegangen. M. hatte sich in der Dct- Handlung damit verteidigt, daß der Schuß versehentlich losgegangen sei und es sich nur um eine fahrlässige Tötung handele. In der Urteilsbegründung erklärte das Gericht, daß der Indizienbeweis nicht völlig habe geschlossen werden können, und daß man aus diesem Grunde die Behauptung, daß es sich um eine fahrlässige Tötung handele, nicht widerlegen könne, wenn die Aussage des Auge- klagten auch unwahrscheinlich sei. Der Angeklagte hätte allerdings die sittliche Pflicht gehabt, sich um die verletzte Frau zu kümmern. Wegen fahrlässiger Körperverletzung habe das Schwurgericht M. aber nicht verurteilen können, da dieses ein Antrogsdelikt sei und die verletzte Braut Mrosowskis einen Strafantrog wegen fahr- lässiger Körperverletzung nicht gestellt habe. Der Staatsanwalt hatte wegen versuchten Mordes 5 Jahre Zuchthaus beantragt. Aus der Giraße erschossen. Rene politische Bluttat in Treptow. Ein blutiger Vorgang, der in seinen Einzelheile« noch ganz nageklärt ist. spielte sich in der vergangenen Nacht in der G r a e h- strahe in Treptow ab. ver Zljährige Nationalsozialist Erwin Moritz an» der Siefholzstr. 8 wurde dort von zwei unbekannten Radfahrern erschossen. Aor dem Hause Graetzstr. 62 standen gegen%1 Uhr drei Männer, von denen zwei ein Fahrrad bei sich hatten. Wie Pas- santen aus einiger Entfernung beobachteten, unterhielten sich die drei offenbar ganz friedlich. Plötzlich krachten in kurzer Folge mehrere Schüsse. Einer der drei Männer brach mit einem Aufschrei zusammen, die beiden anderen schwangen sich auf ihre Fahrräder und rasten davon. Mehrere Passanten, die den blutigen Lorfall beobachtet hatten, eilten hinzu und bemühten sich um den Verletzten. Gleichzeitig wurde die Polizei alarmiert. Der Niedergeschossene, der 21 Jahre alte Erwin Moritz, der«inen Kopf- und Bauchschuß erlitten hatte, wurde ins Urban- Krankenhaus übergeführt, wo er bald nach feiner Einlieferung, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, starb. In den Jackettaschen des Getöteten wurden Ausweise gefunden, die seine Zugehörigkeit zur NSDAP, legitimieren. Wie wir weiter ermitteln konnten, gehörte der Erschossene früher einem kommunistischen Sportverein an. Vor kurzer Zeit trat er jedoch zur NSDAP, über. Die Beschreibung der Täter ist leider höchst mangelhaft. Man weiß bisher nur— denn mehr war in der Dunkechcit nicht zu erkennen—, daß beide Täter mit Wind- sacken bekleidet waren. * Zu einer blutigen Revolverschießcrei zwischen Kommuni st en und Hakenkreuzlexn kam es gestern gegen 23 Uhr in Alt-Moabit. Bon beiden Seiten wurden zahlreiche Schüsse abgefeuert. Zwei Hakenkreuzler wurden verletzt, einer von chnen so schwer, daß er in das Moabiter Krankenhaus gebracht werden mußte. Zwei an der Schießerei beteiligte Kommunisten wurden von Beamten des alarmierenden Ueberfollkowmandos fest- genommen. Die übrigen, etwa sechs bis sieben Personen, flüchteten und entkamen. Die Hamburger Bürgerschaft wählte den Sozialdemokraten Dr. Ruscheweyh im dritten Wahlgang zum Präsidenten, den Not.-Soz. H o l zm g» n zum ersten, den Staatsparteiler L a n d a h l zum zweiten Vizepräsidenten. Zuweutzs für die Staotsparlei. Die Preußcnfraktion der Deutschen Staatspartei beschloß in chrcr Sitzung am Mittwoch ein- stimmig die Aufnahme des früheren Abgeordneten der Wirtschofts- Partei, Buchdruckereibesitzer Leonhardt- Frankfurt/Oder. Schmutzige Kurfienwasche. Die Geliebte des Großherzogs führt Prozeß. Leipzig, 5. November. Der verstorbene Großherzog Adolf Friedrich V. von Mecklenburg-Strelitz hatte, als er noch Thron- ort roorter war, seiner(Beliebte n, der©räfin v o n B u b n a- Sitte, versprochen, ihr S Millionen Mark zu zahlen. wenn er zur Regierung gelange. Als diese Voraussetzung der Er- füllung des Versprechens eingetreten war, einigte sich der Groß- herzog mit der Gräsin aus Zahlung von vier Millionen. Nach dem Tode des Großherzogs wukden von den Erben zunächst Zinsen sür die Summe gezahlt, dann aber wurden nach Abzahlung von 7(50 000 Marl die Zahlungen eingestellt. Einen Rechtsstreit wegen hundertprozentiger Auswertung der Restsumme hat die Gräfin Bubna-Litie verloren. In diesem Rechtsstreit spielen Haupt- sächlich gewisse Briefe des Großherzogs, die von der Gräfin in London verwahrt werden, eine Rolle. Diese Brief, sollten der großherzoglichen Familie gegen die Zahlung der Restsumme zurückgegeben werden. Nun hat die grohherzogliche Familie gegen die Gräfin erneut Klage angestrengt, und zwar auf Zahlung von USVO Mark Kosten sür die Vorbereitung des Rechtsstreites, den George Jßausbury Der 72jähngc George Lansbury ist fast das einzige Mitglied der früheren Labourregierung, das bei den Wahlen ins Unter- Haus zurückkehrte. Er wurde jetzt von der Fraktion zum Vor- sitzenden und Sprecher im Parlament gewählt. Lansbury kam aus tief empfundener Religiosität.zum Sozialismus, Er ist im Proletariat des Londoner East End verwurzelt. Er war zeit seines Lebens ein Rebell gegen die Ungerechtigkeit der Gesellschaft. Er gründete 1912 den„Daily Herald" als Blatt der ent- jchiedenen Opposition. Als Minister gelang es ihm, die vor- nehmen Plätze Londons für die Arbeiterkinder zu öffnen und so Grünsiächen und Freibäder sür das Arbeiteroolk zu schaffen. die Gräfin verloren hat. Mit dieser Klage wurde die grotzherzog- liche Familie von dem Kammergericht Berlin abgewiesen. Der neun Zivilsenat des Reichsgerichts hat am Mittwoch auf die Reois an der großherzoglichen Familie dieses abweisende kammer- gerichtliche Urteil ausgehoben und die Angelegenheit zu neuer Per- Handlung an einen anderen Senat des Kammergerichts zurück- verwiese'». Die großherzogliche Familie, deren Antrag mit dieser Entscheidung stattgegeben wurde, hatte auch hier wieder, wie im Hauplprozcß, vorbringen lassen, daß die ganze Grundlage des Rechtsstreites eine Erpressung bilde, begongen durch die Drohung mit der Veröffentlichung der Briese, die in London lägen. Diese Drehung müsse als sittenwidriges Verhallen bezeichnet werden. Der ausgeknobelte Mßtrauensantrag. HugenbergS neueste große Aktion. Die Leute Hugenbergs haben angekündigt, daß sie gegen alle preußischen Dcinister reiheum Mißtrauensanträge ein- bringen würden. Sie haben mit großen Worten versichert. daß diese Uebung eine ganz große Aktion darstellen würde. Gestern hat der Landtag eine solche ganz große Aktion erlebt, er hat den Mihtrauensantrag gegen den Landwirtschasts- minister Steiger abgelehnt. Ganz große Altion? Ach nein, geschäftsmäßige Uebung. Die Herrschaften haben aber noch nicht genug, sie legen vielmehr Wert darauf, der Oeffent- lichkeit zu zeigen, daß sie ihre ganz große Aktion wie einen Bierulk behandeln. So haben sie die folgende Verlautbarung veranlaßt: ..Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. erfährt, wird die deutsch- nationale Fraktion des Preußischen Landtags in den nächsten Togen einen neuen Mißtrauensantrag gegen ein Mitglied des preußischen Kabinetts einbringen. Van den deutschnationalen Ver- tretern im Aeltestenrat ist der neue Mißtrauensantrag schon an- gekündigt worden. Gegen welchen Minister der Antrag eingebracht werden soll, wird noch nicht mitgeteilt." ' Das wer gestern am Nachmittag. Da wußten sie schon. daß sie Mißtrauen gegen einen Minister hoben würden, nur wußten sie noch nicht, gegen welchen. Am Abend war ihnen auch diese Wissenschaft' gekommen, und nun ließen sie mit- teilen, daß Kultusminister Grimme der nächste sein iDÜr£)c, Warum gerade Grimme? Sehr einfach: die Herrschaften haben ausgeknobelt, wer an der Reihe ist!- Gtandrecht bleibi in Krast. Krach im Budapester Parlament. Budapest, S. November.(Eigenbericht.) Im ungarischen Abgeordnetenhaus kam es beim Finanz. Erpose des Ministerpräsidenten zu stürmischen Zu- sammenstäßen mit de» Sozlaldeniolratcn. die ihm zuriesen. die Regierung Bcthlen sei für die Flnai�tatastrophe verantwort- lich. Auch der Innenminister wurde von den Sozialdemokraten stürmisch unterbrochen, als er erklärte, daß die Standrechts- Verordnung nicht ausgehoben würde. Diese Ankündigung der Regierung ist um so skandalöser, als das Eiandrecht unter beni Eindruck des Eiscnbahnattentats von Bia Torbagi verhängt wurde, in der Annahme, daß es sich um einen lomimiriftischen Terroranschlag handelte. Das Erbe des Schwarzen Katers AO Lahre Kabarett G» war in den Zeiten des großen Umzuges der Pariser Bo> heme aus dem Quartier Latin auf die romantisch« Höhe des Mont- martre. Als die alten, malerischen Straßen und Winkel des Quar- tier Latin unter der Spitzhocke dem Abbruch verfielen, fühlten sich die Männer der Zukunft mit den leeren Taschen, die angehenden Maler, Musiker und Literaten, nicht mehr wohl in dem entweihten Viertel und suchten sich ein neues Feld für ihr Künstlertreiben. Da eröffnete einer von ihnen, Rodolphe S a l i s, ein Maler, der seinen Beruf satt hatte, im November 1881, jetzt vor SO Jahren, 84, Boulevard Rochechouart, seinen in Erfolg und Ruhm bald zu ungeahnten Höhen wachsenden„Chat n o i r". Damit erblickte die Welt das erste„Cabaret artiftique". Jeden Freitag fanden in einem Hinterzimmer künstlerische Sitzungen statt. Das waren die Elite-Tagc. Die alten Zechgenossen Salis trugen neue Gedichte vor, sangen Eoupletz von unerhörter Bosheit, Rollinat trug Gedichte von Baudelaire und seine eigenen Dichtungen, sich selbst am Klavier begleitend, vor. Die namhaftesten Dichter von Paris arbeiteten am Programm mit. Salis muhte bald seine Kneipe vergrößern, deren Wände sich ollmählich mit Bildern von Meisterhand füllten, die er dillig genug sür ein paar „Bocks" erstanden hatte. Die Begeisterung erfaßte ganz Paris, nur ebeit das Viertel nicht, das Salis und sein„Schwarzer Kater" berühmt machte: die ..bull« sacre«". Denn der„Heilige Berg" war seit Jahrzehnten das Quartier von allerlei dunklen Existenzen, die sich durch die In» vasion des lärmenden Künstlervoltes verletzt suhlten. Es war schon mehrfach zu Reibereien gekommen, bis eines schönen Tages die vereinigten Zuhälter, Einbrecher und Dirnen des Montmartre dem „Schwarzen Kater" eine förmliche Schlacht lieferten. Salis siedelte mit seinem„Chat noir" in ein neues Heim in der Rue de Laval (heute Victor Masse) um. Seinem stets wachsenden Ruhm und ungeheurem Erfolg machte sein plötzlicher Tod 1897 ein Ende. Als Salis das alte Haus verließ, gründete an derselben Stelle Aristide B r u an t. bishin eine der besten Kräfte de»„Chat noir", das zweite bedeutende Kabarett von Paris:„Le M> r l i t o n", dem sehr bald der gleiche Erfolg und Ruhm wie dem„Chat noir" beschieden war. Eine seiner Entdeckungen war Ivette G u i l- b e rt. Nach diesen Erfolgen begann sehr bald die Industrialisierung des Kabaretts. Hunderte von Künstlerkneipen entstanden, einige ver- dienten manche Beachtung. Neues aber hat der Montmartre seit Salis und Bruant» Tod nicht geboten. Volle 20 Jahre währte es, bis der Ruf der Pariser Künstler- kneipen in deutsche Lande drang und zur Nachahmung anspornte. Im Januar 1901 eröffnete Ernst v. Wolzogen in Berlin sein „U e b e rb re ttl". Da« Neue zog, das Publikum stand Kopf. Doch dieser anfänglich« Erfolg wurde zum Fluch, er band die. Bewegung»- sreiheit des Geistes der Mitwirkenden und ließ keine weiter« Eni- Wicklung aus sich heraus zu. Obwohl solche Namen wie Otto Ju- lius Bierbaum, Liliencron, Otto Erich Hartleben, Hanns Heinz Ewers, Oscar Strauß. Leo Heller, Marcell Salzer usw. mit dabei waren, mußt« die Ueberbrettlbewegunz allmählich verflachen, weil das Publikum an gewissen nicht einmal zweifelsreien Produkten Gefallen fand und sich an ihnen festklammerte. Nach nicht ganz zwei Jahren zerfiel das verheißungsvolle Unternehmen. Zur gleichen Zeit mit''Wolzogens„Ueberbrestl" fanden sich in München unter der Leitung des Franzosen Ware Henry die „Elf Scharfrichter" zusammen. In der Schankwirtschast „Zum goldenen Hirschen" in der Türkenstraße schlugen sie ihr Zelt auf, elf Männer, die im Privatleben Maler, Dichter, Bildhauer, Musiker, Dramatiker, Rechtsanwälte waren, und sollten nun eine großartige Clownerie treiben, die Sünden der Gesellschaft an den Pranger stellen und geistige Exekutionen an den großen Sündern der Menschheit vollbringen. Leider fehlte Marc Henry das organi- saiorische Talent. Au? den„Elf Scharfrichtern", zu denen Frank Wedekind, Hans v. Gumppenberg, Paul Schlesinger, Willi Rath. Marys Delvard und eine Anzahl bekannter Künstler gehörten, wur- den allmählich ZS; sie spielten auf Teilung, machten Bankerott, dann schleppten sie sich mühselig mit neu aufgetriebenen Mitteln wieder weiter. Als sie sich selbst durch Gastspielreisen nicht sanieren konnten, sielen sie einander in die Haare, das war das Ende. Der moralisch« Erfolg Wolzogens und der„Elf Sdzarfrichter" war ei,, gewaltiger Ansporn für andere Literaten und Künstler. ähnliche Künstlerbetriebe zu gründen. Einer der ersten in Berlin war der Maler Max Tille, der in der Markgrasenstraße sein „Cabaret zum hungrigen Pegasus" aufmachte. Schon ehe Tille die Pforten seines„Hungrigen Pegasus" schloß, hatte sich von ihm einer seiner wertvollsten Mitarbeiter. Georg David Schulz, getrennt und in der Nähe des Theaters des Westens sein „Poetenbänkel zum siebenten Himmel" eröffnet. Liliencron gründete„Das bunte Brettl" und Hanns Heinz Ewers das„Berliner Sezessions-Theater". Auch „Die silberne Punsch lerrine" von Hans Hyans fand viel Beachtung. Und wenn man noch das„Cabaret zum Peter Hille" erwähnt, das zur materiellen Unterhaltung und der Per- ehrung des hungernden Peter Hille von Erich Mühsams jungem Künstlerkreis in der Weinstube Dalbelli in der Königin-Augusto- Straße gegründet wurde, im weiteren Reinhardts„Schall und Rauch" und Meinhard und Bernauers„Böse Buben", so haben wir so ziemlich alles aufgereiht, was etwas zu bedeuten hatte. Ihr Leben jedoch war meist von kurzer Dauer, auch die Akteure waren immer dieselben, die literarische und Künstlerjugend des damaligen Berlin. Mit ihrem Hinscheiden war die Helden- und romantische Zeit des deutschen Kabarett» vorbei. Jetzt kam die Parole:.Klamauk, Profit. Berlin wurde jetzt mit Kabaretts übersät, die die albernsten Namen trugen. Und was in diesen Kabaretts„Zum Nacht- omnibvs",„Zum Klimperkasten",„Zur Schminkschatulle",„Zum grauen Zylinder".„Zur grünen Minna",„Zum Nochtwandler- asyl" usw. usw. geboten wurde, das war geist- und trostlos im höchsten Maße. Einzig und allein in München blieb noch eine Zeitlang dos Kabarett im Sinn« der Pariser Urkünstlerkneipen erhalten. Diese Kneipe war der weltberühmt gewordene„S i m p l i z i s s! m u s". Seine Karriere begann, als Kathi Kobus, zuerst Kellnerin des Lokals, die Wirtin wurde. Nun wurde der Simplizissimus das Stammlokal der jungen Künstlersezession: Th. Th. Heine, Gulbransstrn, Max Daudenlhey, Franz Blei, die Kegelgesellschaft Max Halbes sah man fast jeden Abend im schmalen verrauchten Raum: die elf Scharfrichter traten auf der winzigen Bühne auf: Frank Wedelind. Robert Kothe sangen ihre Balladen zur Laute und Ludwig Schars für 5 Mark den Abend sein Lied:„Ich bin ein Prolet, was kann ich dafür". Einmal tanzte Isidora Dunean um 4 Uhr früh, barfuß im Griechenhemd, auf dem runden Marmortisch, den begeisterte Hände festhielten. Kathi Kobus war es, die Joachim Riugelnatz entdeckte und zum Hausdichter erhob, und noch viele andere junge Künstler wurden unter ihren Fittichen groß und berühmt. Später mußte auch der„Simplizissimus" von den Improvisationen aus Publikumsreihen, die oft sehr Originelles brachten, zum regulären Kunstprogramm übergehen. An Versuchen fehlte es aber auch später nicht, künstlerische Kabaretts im alten Stll zu gründen. Dr. Nikolas Arauyosi. Das Rätsel Kaspar Hausers gelöst? Ein„entscheidendes Zeugnis" zur Kajpar-Hauser-Frage legt Professor Eduard Engel jetzt in einem der Georg Westermann in Braunschweig erschienenen Buch„Kaspar Hauser. Schwindler oder Prinz?" vor. Es handelt sich um die Aussage einer Frau Marie Stählin in Ansbach, der Tochter des 188S in Bayreuth ver- storbenen Konsistorialrats Julius Schumann, der als Ansbacher Pri» maner mit dem geheimnisvollen Fremdling verkehrte, bei seinem Tode zugegen war, in der gerichtlichen Untersuchung aber nicht ver- nommen worden ist. Nach Frau Stählins Zeugnis hat ihr Bater ihr wiederholt erzähll. daß er den am Ort der Tat ausgefundencn Beutel, der in der Spiegelschrift geschriebene Andeutungen über den angeblichen Mörder enthielt, schon früher in Hausers Zimmer ge- sehen und daß er Hauser selbst einmal überrascht habe, als er sich in Spiegelschrist übte. Engel, der einen Zweifel an der Zuverlässig- keit dieses Zeugnisses für unmöglich erklärt, hält damit den Beweis für erbrocht, daß Kaspar Hauser selbst den allzugut geglückten'An- schlag gegen sich verübt hat und daß er. wenn auch kein absichts- voller, verschmitzter Betrüger, so doch ein durch die Leichtgläubigkeit und gelehrte Verranntheit seiner Umgebung in ein Leben der Lüge getriebener Mensch einfacher Herkunst gewesen ist. Seinen..ur- kundlichen Roman", der die ganze Geschichte Hausers nochmals darstellt und die von den Verfechtern der Legende vorgebrachten Gründe kritisch z-rpslückt. hält der Verfasser für den endgültigen Abschluß einer ein Jahrhundert lang währenden, in der deutschen Geistesgeschichte einzigartigen Verwirrung. Eine Fabrik der Bronzezeit. Der Boden Schweden» hat im vergangenen Sommer eine be- stmiers reiche Ernte an Altertümern vieler Art gespendet. Man hat neue Felszeichuungen. Runensteine, Gräber der Steinzeit und andere Funde gemacht, unter denen der bemerkenswerteste eine Gießerei der Bronzezeit ist, die in einem Hügel in der Nähe von Enloepmg In Mittel-Schweden freigelegt wurde. Solche vorgeschichtlichen Fa- briken sind sehr selten. Früher glaubte man. daß in diesen vorge- schichtlichen Zeiten jeder seine Werlzeuge und Tongesäße zu Hause selbst verfertigte, aber in neuester Zeit sfod einige solcher industriellen Mittelpunkte aus der Stein- und aus der Bronzezeit ent- deckt worden, die ein interessantes Licht aus die Herstellung und Handelsformen der Frühzeit werfen. In der Gießerei der Bronze- zeit wurden zahlreiche bronzene Geräte und andere Werkzeuge ze- sundcn. die zusammen etwa 5 Kilo wiegen: sie zeige», daß die Arbeit in dieser Fabrik mit großer Geschicklichleit ausgeführt wurde. Ein anderer Fund, der von einigen Arbeitern in der schwedl- scheu Provinz Soedermanland gemacht wurde, brachte die Waren eines umherziehenden Händlers aus der«teinzeit ans Licht. E» waren iichigraue Feuerft-inäxtc von sehr schöner Arbeit, die etwa 4500 Jahre alt sind. Da solcher Feuerstein nur im Süden Schwedens und nicht i» Sodermanland vorkommt, so war der Händler mit feinen Aextsn augenscheinlich aus einer Handelsreise begriffen, um die kostbaren Pelze der Jäger in diesem Waldgebiet gegen seine Steinäxte einzutauschen: er mag wohl diese Waren im Boden vor- graben haben, um sie wieder abzuholen, und kam dazu nicht mehr infolge seines Todes. Wettbewerb für ein Hetne-Denkmal. Der Ausschuß für die Errichtung eines Heine-Denkmals in Düsseldorf hat einen beMerb ausgeschrieben. Zum Wettbewerb zugelassen sind all« Künstler, soweit sie jn Düsseldorf ansässig oder geboren sind oder seit mindestens 1. Januar 1930 in Düsseldorf ein Atelier unterhalten. Außerdem sind zur Beteiligung eingeladen: Prof. Albiler-Dresden. Prof. Bleeker-München. Pros. Kalbe-Berlin und Prof. Schorfs- Berlin. An Preisen stehen zur Berfügung: Als 1. Preis die steber- tragung der Denkmalsausführung, nl, 2. Preis 2ö00 M., als 3. Preis 1500 M.. als 4 Prei? 1000 M. Entwürfe müssen bis zum 1. Mai 1932 bei der Verwaltung des Kunstpalastes in Düsseldorf, Hof- gartenufor 4, abgeliefert sein. Anschluß Amerikas an die Börner Konventkon. Wie aus Washington berichtet wird, hat die amerikanische Regierung jetzt be- schlössen, sich der Berner Konvention zum Schuge des geistigen Eigentums anzuschließen. Eine entsprechende Gesetzesvorlage wird dem amerikamschen Kongreß demächst vorgelegt werden. Reue Riesensterne entdeckt. Das amerikanische Haoard-Obser- valorium hat zahlreiche neue Riesensterne entdeckt. Sie wurden in der sogenannten Magellanic-Wolke aufgefunden, die zu den cyt- fernteren Milchstraßen gehört. Einige dieser Sterne sind ISOmal so groß wie unsere Sonne und haben«inen 400CH)mal stärkeren Glanz als diese. Man kann aus dieser Entdeckung gewisse Ver- mutungen über die Ausdehnung und Beschaffenheit dieser Miläi- straßen ableiten. Die nächste lßremiere der Volksbülm« bringt am 13. November Arthur SchnitzlerS Groteske„Der grüne.Kakadu" und FraN! Wedekinbs „D c r Kammersänger. Spielleitung: Günther Stark. Die?. Tanzmatl»«« der Voltsbühne bringt wiederum das Austreten des Javaners Raben M a L I s d i a n a. Sie findet Sonntag, 11.38 Mir, im Theater am Vülowplatz statt. Platzkarten?,—. 3,— und 4,— Mark. Die„Berliner Siuaegemeinschost>830". Milolicd hes 2ASB.. ver- onstaltot am 8. November 19Si tut Saalbau JrrodrlchSbain ein Konzert unter Mitwirkung der 58. und 181. weltlitbc» Sckiulon. Tic Leitung Hot Musiklehrcr H. Tschope. Karten bei ollen Mitgliedern, an der Ahendkasie »nd heim Borsitzenden Will' Brunn, O. 34, Posener Str. SV, zu baden. Tos Thalia-Theater eröffnet Sonnabend unter neuer Leitung mit der Operette„Die C z a r d a s f ü r st l n" von Kalman. DI« Deutsch« Künstl-rbilse bat nach pierzchntogigem Bestehen bereits «yOO M. zur Verteilung gebracht. Zu« Gedächtnis Leiser UrtzS. Am 7. November, dem 70. GeburtStage des vor kurzem verstorbenen Künstlers, erpfsnet die Kunstsammlung her Jüdischen Gemeinde eine Gedächtnisausstellung, die zum ersten Male dos gesamte graphische Werk und Zeichnungen urtz» zeigt. Die Ausstellung ist bis zum S2. November täglich von 10—14 Uhr unentgeltlich geöffnet. Au» der Volls-Musikschule der Musikanten, jlde. Die VaikSiMusikschtile der Musikantengijbe führt Montag, 9, November, mit dem staatlichen Seminar sür Volks»nd Jugendniusikpllege im Rathaus in llbarlotten- dura da» Puppenspiel„Der ergebene g r e u n d" von Oskar Milde aus. Ltm das Los der Kriegsopfer. Gautag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten. Der Gau Berlin des Reichsbuudes der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und kriegerhinterbliebencn veranstaltele im Sladtverordnelensihungssaal des Rathauses Berlin seinen 12. ordentlichen Gautag. Reben 150 Delegierten aller zum Gau Berliu gehörenden Ortsgruppen sah man zahlreiche Gäste und Behördenvcrtreter. Der Geschäftsbericht des Gauoorstandcs wurde einer eingehenden Diskussion unterzogen. Im Mittelpunkt der Erörte- rungen stand das Kapitel Versorgung, Fürsorge und V e r- sorgungsrcchtsprechung. Obwohl auch seitens der Regie- rungen immer und immer wieder die Reformbedürftigkeit der Vcr- sorgung und Fürsorge anerkannt werde, stehen die Taten der Re- gierung hierzu im schrofsstcn Widerspruch und bedeuten weitere Verschlechterung. Mit dem Erlaß und der Durchführung zahlreicher Notverordnungen sind Eingriffe von unerhörten Ausmaßen auf dem Gebiete der Versorgung und Fürsorge der Kriegsopfer erfolgt. Die Anrechnung der Rente bei den crwerbs- losen Versorgungsberechtigtcn, Anrechnung des aus öffentlichen Mitteln bezogenen Einkommens auf die Rente, Anrechnung des Ein- kommcns der Kinder auf die den Hinterbliebenen zustehende Zusatz- rente, Berücksichtigung eventuellen Einkommens der Ehefrau bei Gewährung der Zusatzreixle an die Beschädigten haben schwerste Ge- jährdung der Lebenshaltung aller Kriegsopfer mit sich gebracht. Die die Kriegsopfern gesetzlich garantierte gehobene Fürsorge besteht fast nur noch dem Namen nach. Tiefste Erbitterung muß die Behandlung der Kriegereltern hervorrufen, die durch die Maß- nahmen der Rcichsregierung bitterster Verzweiflung ausgesetzt wer- den. Die Beschneidung der Rechtsmittclmöglichkeiten ist nur ein wei- tcres Glied in de? Kette der Entrechtung der Kriegsopfer. Eine Resolution, die diese Forderungen unterstreicht, fand einstimmige Annahme. Die am Schluß der Tagung vorgenommene l Wahl des Gauvorstandes ergab mit nur einer Acndcrung die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder. Wctler für Berlin. Noch ziemlich mild und wechselnd bewölkt, keine erheblichen Niederschläge.— Für Deutschland. Im Südwesten und Süden meist bewölkt und zeitweise regnerisch, im Osten noch heiter, im übrigen Reiche vielfach wolkig und im Nordwesten noch etwas Regen. U eberall für die Jahreszeit mild. Gelbe auf der Neiieliour. Sie besuchen Großhandelsfirmen. Der„Arbeitsausschuß deutscher Verbände" unterhält eine be- sondere Vertriebsabteilung. Welcher Art die Geschäfte dieser„Vcrtriebsabtellung" sind, dafür folgendes Beispiel: „Zu uns kamen heule zwei Herren vom Arbeitsausschuß deutscher verbände, vertriebsableiluog. Berlin S1D. 48, Wilhelm» straße 131/132, um von uns einen einmaligen Beitrag für ihre Organisation zu erbitten"— heißt es in dem Schreiben einer Groß- Handelsfirma, worin um Auskunst über die Farbe dieser„Organi- sation" gebeten wird, da sie der Firma völlig unbekannt ist. So„arbeiten" die Gelben. Es geht ihnen nicht gut, den „Wirtschaftsfriedlichen", da„die Industrie" gerade genug zu tun hat, um die Geldbedürfnisse der Nazis zu befriedigen. Wir würden die Herren auf ihren Bettelfahrten nicht stören, wenn sse nicht die Unverfrorenheit besäßen, sich als Arbeiterorganisationen auszugeben. Auf der Gwfe der Gelben. „Revolutionäre" betteln bei Unternehmern. Der kommunistische Einheitsverband der Bergarbeiter, Ortsgruppe S u l z b a ch, Saar, hat vor einiger Zeit an den Schichfabrikanten Bata in Zlin in der Tschechoslowakei folgendes Schreiben gerichtet: „Im Auftrage des Einheiisverbandes gestattet sich der Unter- zeichnete, Ihnen crgebcnst folgendes vorzutragen: Durch die augenblickliche wirtschaftliche Krise sah sich die Direktion der Dillinger Hüttenwerke gezwungen, einzelne Betriebe einzustellen und ungefähr 300 Arbeiter fristlos zu entlassen. Um die katastrophale Lage dieser entlassenen Arbeiter zu mil- dern, die von fast jeder Unterstützung entblößt sind, möchte der Ein- hcitsverband, der augenblicklich auch zu einer fördernden Unter- stiitzung nicht in der Lage ist, Sie bitten, in irgendeiner Weise diese in ihrer Existenz bedrohten Arbeiter zu unterstützen. Der Einheits- verband bittet die werten Herren, sich dieser Bitte, die nur einem idealen Zweck dient, nicht zu verschließen, und dankt Ihnen im vor- aus für ihre Bemühungen." Immerhin, die„revolutionäre" RGO. unterscheidet sich insofern von den„nationalen" Gelben, als sie ihre Bettelei im„internatio- nalen Maßstabe" betreibt. Wo ist die Grenze? Wie weit sollen die Löhne„ermäßigt" werden? Die deutsche Arbeiterschaft hat«in außerordentlich großes Interesse daran, einmal, vom Herrn Reichsarbeitsminister Stegerwald zu erfahren, wie weil der Lohnabbau noch gehen soll, bis zu welchem Niveau die Löhne herabgcdrückt werden müssen, um ihn zufrieden zu stellen. Dock) selbst die Unternehmer möchten darüber einige Gewißheit hoben, um siä) nicht erst Umwege zu machen bei der „Lohnermäßigung". Der Bund deutscher Betonwerke«. V. Hot unterm 19. Oktober an das Reichsarbeitsimnisterium folgendes Schreiben gerichtet: „Mit Schreiben vom 16. Oktober 1931 ist die Allgemein» Verbindlichkeitserklärung des Lohnabkomenens für ge- werbliche Arbeitnehmer in Zementroaren- und KunststeiNbetricbe» abgelehnt worden. Wenn die Ablehnung den Sinn haben soll, daß die Vertrags- Parteien veranlaßt werden, in neuer Vereinbarung die Löhne noch weiter herabzusetzen, so wird dieser Weg— vorausgesetzt, daß er gelingt— solange ohne Erfolg bleiben, als die Unorganisierten inuner noch in der Lage sind, auch die neuen Löhne zu unterschreiten. Wir nehmen daher an. daß das Reichsarbeilsministerium gewisse Lohngrcuzen bezeichnen kann, bei denen die im Schreiben vom 16. Oktober 1931 geäußerten Bedenken nicht mehr vorliegen, bei denen also«ine Allgemein- Verbindlichkeit erfolgen würde. Für eine baldige Mllteilung dieser als angemessen angesehenen Lohngrenze wären wir verbunden, damit wir sofort mit der Gegen- partei in Verhandlungen eintreten können." Auch„Der Proletarier", das Organ des Verbandes der Fabrikarbeiter, der Kontrahent des Lohnabkommens im Betongewcrbc, richtet an dos Reichsarbeüsininifterium die Frage, „wo die unterste Grenze sein soll, bei der zwischen den Tarif- Parteien festgesetzte Lohntarife der. Gnade gewürdigt werden, oer- kindlich erklärt zu werden." Berantworil. für die Redaktion: Rich.»ernstein. Berlin: Anzeiacn: Zh. Slocke. Berlin. Lerlaa: Vorwärts Verla»SCHILL£8 BERUN-C54 eOSENTVftlER-STSäSSCS Ftrer: 0 1 Honin 7S42 ). Andermann Ges. m.b.H. 1134. Menelei Str. 50. Firaspr. lioigslidt 3200/91 Eiergroßhandel Import Export W> Eisenwarenhandiung KtfpenlcK,sciiioBstr.i3 Nusiker-Festsäle Inhaber: P. Schönherr, Kaiser-Wiihelm-Str. 31 Empfehle meine Säle, Vereinszimmer ___ zu Festlichkelten und Versammlungen AutgustfsCraCle 24-25 Bühlers Ballhaus Tiftzlllcin Clardiens Wftiwenlxill j- I I Leander-Bad Neanderstraße 12 Greogarage Ifordbahnhof J. Maximilian Janischewski BE DI Ibl m Rfi Eberswalder Str. 14— 15/) Minute vom DEKialle I*. W©, Oderberger Strafe 19\ Nordbahnhof Garagen:: Tankstellen Werkstatt _ Tag nnd Nadit rfefiffnet— Telephon; P. 4, Humboldt 2887 RESTAURANT „MONZHOF" M ü n z s t r. Ecke Dragonerstr. 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Soll er die über- schauende Kenntnis der Gesellschaft, der geistigen Werte, das selbständige Urteil haben, das ihn zum Pslcgen und Erziehen jener Gesamtheit von Menschentum und Mensäienkrästcn befähigt, die zu ganzem und vollem Menschentum gehört? Für ein Volt, das um seine Zukunft wirklich kämpfen will, das sich nicht einfach willenlos den Gewalten der Entwicklung unter- werfen will sollte diese Frage beantwortet sein.— Wöhrend in allen Völkern der Welt bis nach Indien, China und Japan die Förderung der Voltserziehung eines der wichtigsten Probleme ge- worden ist, sollte das Volk, in dem die Volksbildung eigentlich ihre Heimat hat, sie gleichgültig zu einem wirkungslosen D'ril, wieder absinken lassen?— Es gibt ja Menschen, die sich das so vorstellen: Einige führende Familien, deren Glieder gut ausgebildet werden. Unter ihrer Leitung— ehrfürchtig aufschauend zum Glanz dieser industriellen Herrscher— die großen Massen— möglichst dumpf, möglichst willig sich führen zu lassen.— So wird ein großes Volk und eine große Zukunft.— Daß dies Zukunftsbild selbst vom kapitalistischen Standpunkt aus eine Torheit ist, sollte jeder wissen, der � weiß, wie sehr die komplizierte Maschine und das komplizierte Rechenwesen und Betriebssystem immerhin geistige Kräfte nötig hat, sollte aber auch jeder wissen, der aus der Ge- schichte weiß, wie rasch„führende" Hcrrschcrfamilien ihr bißchen Verstand verbraucht haben. Was soll aus Völkern werden, die auf sie angewiesen sind und das Werden geistiger Kraft und Selb- ftändigkeit aus den Massen abstoppen? Für die Sozialisten aber ist Zentrum alles seines Denkens dies, daß man nicht genug geistige Regsamkeit, Entwicklung aller Kräfte, Bildung des ganzen Menschentums den Volksmosien bringen kann. Daß dies da ist, dies geweckt wird, ist ein entscheidendes Stück der Zukunft. Der Sozialismus muß damit rechnen können, daß geistige Kraft und eigener Wille in den Massen lebt.— Er hat den Volkscrziehcr nötig, der selbständig denkt und urteilt und Selb- ständigkeit weckt. Kampf um die geistige Höhenlage der Voltsschul- lehrerchstdung ist. Kampf um den Sozialismus. . II.- Man hat nach der Revolution die Pädagogischen Aka- d e m i e n gegründet. Man wollte damit die Lehrerbildung frei- machen von jener Erziehung des Lehrerseminars. Mechanisch und innerlich gebunden lehrte diese vor allem eine geschickte Methode des Unterrichts und gab Stoff und Gedankenwelt, die ebenso einfach und geschlossen weiter zu unterrichten waren. Das Lehrerseminar war die echteste Erziehungsanstalt der königlich preußischen und kaiserlich deutschen Kulturanschauung Run schuf man Anstalten, deren Grundgedanke war eine Er- Ziehung des zukünftigen Lehrers zu selbständigem Urteil, selbst- ständiger pädagogischer Erkenntnis von Ziel, Wesen und Ausgabe, von Kräften in Kind, Familie, Gesellschaft und Erziehung, mit denen zu rechnen mit denen zu kämpfen sei. In allen Dingen sollte der zukünftige Lehrer mit eigenem Verstehen und Urteil, mit eigenem selbständigen pädagogischen und wissenschaftlichen Gewissen seine Arbeit tun können. Lehreroerein und Sozialdemokratie standen auf dem Standpunkt, daß man um dieses eigenen selbständigen Urteils willen die Lehrerbildung auf die Universität legen müsse. Es war ein Kompromiß, daß man das nicht tat, sondern eigene An- stalten gründete. In der gegebenen Sachlage aber hatte das� Kompromiß sein Gutes. Es stellte die Aufgabe neben den in den Standesnorurteilen der vergangenen Zeit stark befangenen und in einem abstrakt wissenschaftlichen Betrieb schwer gehemmten Universi- täten eine neue gleichwertige Methode der Einführung in wissenschaftlich vollwertige Bildung zu schaffen, frei von diesen Hemmungen und Beschwerden, ganz eingestellt auf die Vorbereitung zur wichtigsten Arbeit, die es auf geistigem Gebiet geben kann, der Erziehung der Kinder des Volkes. Es wäre sicher zuviel gesagt, wenn man behaupten wollte, den Pädagogischen Akademien ist es gelungen, dies Ziel zu erreichen. Sie arbeiten an diesem Ziel und arbeiten mit verschiedenem Erfolg daran. Aber das muß gesagt werden, sie arbeiten eifrig, mit der Energie neuer, junger Anstalten, in denen große Hoffnungen und Ziele lebendig sind. Sie sind im Begriff, sich als ein neuer, lebensvoller Typ der Hochschule neben die anderen zu stellen. Und das Geschlecht junger Lehrer, das sie aussenden, darf sich in seiner menschlichen und wissenschaftlichen Haltung und seinem Arbeitseifer. seinem Zukunftswillen sehen lassen. Ganz große Hoff- nungen sind da— und es besteht die Gefahr, daß man sie erstickt. III. Gewiß, die Akademien selbst werden. an manchem Punkt froh sein, wenn man chnen noch weitere und größere Arbeitsmöglich- leiten schaffen möchte. Aber ist daran im jetzigen Augenblick zu denken?— Jetzt geht es darum, zu erhalten, was geschaffen ist, diese Form wissenschaftlicher Arbeit und Erziehung zu erhalten, die im Geiste der Republik gebildet, den Weg zu neuen, zukunftstarken Möglichkeiten zeigt. Man denkt an vorübergehende Schließung der Akademien.— Wissenschaftliche Ar- beit aber kann keine Unterbrechung vertragen, sie muß weitergehen, sich weiterentwickeln können. Wird heute abge- brachen, so muß später ganz von Anfang an wieder alles aufgebaut werden und viele Jahre von Arbeit und Leistung sind völlig ver- loren. Man könnte den Gewalten, die olle wissenschaflliche Arbeit irgendwie in den Dienst vergangener Geistesart und aristokratischer Lcbensouffasiung stellen wollen, keinen größeren Gefallen tun, als wenn man die wissenschaftlichen Arbeitsstätten beseitigte, die ihrer j Entstehung nach und ihrer Arbeit nach Träger eines anderen wissen- schafllichen Geistes sind, fein müssen. Es sind pädagogische Akadc- mien, Anstalten, in deren Mittelpunkt die Frage steht, wie erziehen wir die Kinder des Volkes zu vollem Menschentum. Der Zwang dieser Frage erzwingt eine Einstellung, die allem Aristokratismus anderer Bildungsidcale tödlich ist. IV. Man fragt oft, was aber nützten oder nützen diese Akademien unserer sozialistischen Bewegung?— Für wissenschaflliche Arbeitsstätten gibt es nur die Frage der Wahrheit und Wirklich- keit, nicht die Frage der Partei oder dieser oder jener Wirtschaft- lichen Bewegung.— Wer aber weiß, wie gcwisscnhast die Päda- gogischen Akademien auch das verfolgen, was im gesellschaftlichen Leben für das Kind förderlich oder gejährlich ist, wie gewissenhasf sie fragen, wozu wird das Kind erzogen und was erwartet es draußen im Leben, welche Lcbensmöglichkcitcn hat die Familie, wie wird sie gefördert und was zerstört sie, der weiß, wie sehr alle rein wissenschaftlich sachlich arbeitende Pädagogik Bundesgcnossin derer ist, die sich über die Schäden dieser heutigen Wirtschaftsweise keine Illusionen machen können, die rücksichtslos um eine Umge- stoltung kämpfen müssen. Nirgends ist es so deutlich wie hier: Der Sozialismus kann den Pädagogischen Akademien ruhig sagen: Arbeitet ganz sachlich, ganz wissenschaftlich, aber wirklich sachlich und wissenschaftlich auf eurem GebietI Je mehr er sie so arbeiten läßt und darin fördert, desto mehr werden sie seine Bmides- genossen sein. Sie werden um so wirkungsvollere Bundesgenosicn sein, je deutlicher ist, daß sie es nicht aus irgendwelcher Partei- nähme heraus sind, sondern eben weil sie sachlich und nüchtern pädagogisch arbeiten und um des Kindes und der Familie Lebens- interefsen kämpfen. Der Sozialismus soll aber auch wissen, daß er— wie mit jedem Abbau der Volksschule und ihrer Arbeit, so auch mit dem Abbau der Akademien eine der entscheidenden Positionen aufgeben würde, in denen um die Zukunft der Gesellschaft ge- rungen wird. Es sind noch wenig Stätten da, an denen um die Gestaltung neuer Geistigkcit gerungen wird Man unterschätze nicht diese/ die arbeiten unter der Leitung der Frage, wie erziehen wir die Kinder der Voltsmasscn zu ganzen, wirklich ganzen, unzer- drückten Menschen.— W o diese Frage brennt, ist man Bundesgenosse derer, die die ganze Gesellschaft zu einer Heimat unzerdrückter Menschen ge st alten wollen. Kinder erober« die Weit halbes Jahr ÄrbeitSschule/ Von Wolf Hanert Vor dem Krieg« hott« die Schule nur das politische Vor- zeichen der Kaisertreu«. Und das war so eindeutig und selbswer- ständlich, daß geschäftstüchtige Politiker darüber das Mäntclchen d«r Neutralität hängen konnten, ohne daß die Mehrheit der Erzieher das merkte. Die heutige Schule wird erst jetzt langsam von der Revolullonierung der Geister ersaßt. Und da reihen vielerorts chaotische Zustände ein, die sich kennzeichnen durch Systemlos, gkeit und ein« vollkommen falsch verstandene politisch« Er- Ziehung. Viele verstehen darunter nur das bequeme Mittel des parteipolitischen Bauernsanges über den Weg der weltanschaulichen Beeinflussung. Und ihre Erziehungskunst ist so billig wie nur mögllch: die Seele der Jug«nd wird durch Anwendung von Terror oder rauschhaften Geschwafels unter Druck gesetzt, um gläubig oder /omantisch begeistert das Ideal des Erziehers für dos einzig richtige ziV halten. 1-------' / Solche JuLend nmß äsoziah unduldfain und der aufbauenden Arbeit abgeneigt sein. Solch« Schule ist nicht modern, sondern ist die Dogmenschul« des finstersten Mittelalters, nur mit der frischen Farbe eines neuen„Dolksbeglückungsideals" übertüncht. Die moderne Schule, di« den Gehalt der heutigen Zeit mit neuen Unterrichtsformen erarbeitet, sieht anders aus. Sie ist nüch- tcrn, arbeitsam, ohne Phrasen, wissenschaftlich, sie leistet Aufbau- arbeit für die Gemeinschaft, sie ist kurz gesogt Erzichungs. funttion der Gesellschast. Und si« ist dabei«in« frohe Arbeitsstätte der Jugend, die in ihrer Organisation sich ganz den kindlichen Lebenäußerungen anpassen muß Die politische Erziehung der neuen Schule besteht in einer gegenwartsbetont« n, lebensnahen Unterrichts- arbeit. Den ganzen Ballast einer ül«ralterten Kultur mit chren kbensfremden Weltanschauungsdogmen, ihren Wunschbildern und blutigen Idealen wirst sie über Bord und stellt die Erziehungsarbeit bewußt in die Gegenwart. Das gesellschaftliche Leben wird grund- legend von der Wirtschaft gestaltet, deshalb ist Wirtschastskunde das Zentralsach des gesamten Unterrichts. Und da die kapitalistische Wirtschaft eine klassengespaltene Gesellschaft geschaffen hat, ist die dialektische Betrachtungsweise ausschlaggebend für die Gestaltung der Unterrichtsform. Solche Schularbeit übermittelt gediegene Kenntnisse, die der junge Mensch im Leben später gut gebrauchen kann. Sie beschwert das Gedächtnis nicht mit unnötigem Kram, sondern schafft die not- wendigen Grundlagen für die spätere Weiterbildung. Sic will den sozialen Menschen crziehen helfen, der sich für die Auf- wärtsentwicklung der Menschheit einsetzen wird. llcberraschungen im Sprccwald. Wie sieht die eigentliche Unterrichtsarbeit dieser Schulen aus? Ein Beispiel aus einer Berliner weltlichen Schule: In den Oster- ferien waren viele Kinder von den Wohnhöhlen der Stadt in die luftigen Lauben der Schrebergärten übergesiedelt und hatten sich dort bei der Bearbeitung des„Feldes" betätigt. Andere halsen auch in den Ferien bei dem Gemüsehändler oder waren sonstwie an kali- fornisch«n Aepfeln und holländischen Gurken interessiert. So grup- pierte sich bei Besprechung des neuen Arbeitsplanes das Interesse um die drei Schlagwörter: Bauern, Landwirtschast, Ge- müsehandel. Als Hauptthema wurde gewählt: Wie wird di« Großstadt ernährt? Die Kinder sammelten Beobachtungsmaterial in der Zentral- Markthalle, auf dem Wochenmarkt, in den Obstgeschäften. Die Klasse wanderte nach dem Rieselgut Bvddinsfolde, sah sich die Landwirt- schaft und die Gemüsetreiberei in der nächsten Umgebung Berlins an, arbeitete im Schulgarten. Die Diskussion über die einzelnen Arbeiten der Kinder riß di« Problematik des ganzen landwirtschaftlichen Fragenkreises auf: Ein- fuhr an Obst und Gemüse und der deutsche Geldmarkt, die enge Verbindung von Industrie und Landwirtschaft auf Grund der natiirlichen Tetlung der Produktivkräste, ihr« notwendige Zusammen- arbeit in der tzerstellung gesellschaftlicher Warenwerte, Hebung der landwirtschaftlichen Produktion durch Einschaltung industrieller Warenwerte, Intensivierung der Bodenbearbeitung, Zuchtwahl und bessere Pflege der Pflanzen, Rationalisierung der landwirtschaftlichen Arbeit. Die Problem« wurden in ihrer einfachsten Form erkannt. Zu ihrer weiteren Bearbeitung unternahm die Klasse eine acht- tägige Studienfahrt nach dem Spreewal d- Dos Erlebnis war ein Zusammenbruch der Bilder. bogenromantik vom Spreewabd:.Das ist ja gar kein rich- tiger Wald. Und die Fließ« sind so klein und dreckig. Di« Leute gehen gar nicht in Tracht und sehen so abgearbeitet aus. Die müssen schwer arbeiten. Und dabei sind sie so arm, daß si« nicht einmal die Pferde beschlagen lassen können." Die Armut der Bauern, das war das Stichwort für die nächsten Untersuchungen. Berechnungen ergaben, daß der vom Er. zeuger erzielte Preis so gering ist, daß der Stundenlohn des Bauern unter 10 Pf. liegt. Der Zwischenhandel drückt dey Markt- preis der landwirtschaftlichen Produkte und erzielt auf Kosten der unterbezahlten bäuerlichen Arbeit«inen Mehrwert. Im nächsten Standquartier kam eine neue Entdeckung hinzu. Nicht alle Bauern waren arm. In jeoem Dorf gab es wohlhabend« Hüfner und arm« Kossäten und Büdner. Fast das ganze Wiesen- gebiet des Obersprecwaldes gehört dem Grafen von Lübbe- n a u. llnd-die- Bstrern-erklärten, daß sie in manchen Jahren nicht sovrel ernten. wie die Pacht ausmacht. Das ist moderne Leibeigen- schaft, Sic wir noch besser kennen"lernten aii der Deputatarbekt auf den großen Gütern. Am anderen Tage«ine neue Ueberraschung. Ein Jung« halle die Ergebnisse des Dorfes bei der letzten R« i ch s t a g s w a h l festgestellt: 121 Nazis, 23 Sozialdemokraten, 1 Kommunist. Und nun erhob sich aus der Perspektive des Bauernkrieges von 1528 die Frage: Warum wenden sich di« Bauern nicht gegen den Agrarkapitalisinus, statt noch seine Partei zu wählen? Die Volks- kundl«r gaben aus ihren Beobachtungen die Erklärung: der pol i- tisch« Konservativismus erklärt sich aus der verzögerten Kulturentwicklung. Die landwirtschaftliche Produktionsform ist noch fast die gleiche wie vor 200 Jahren. Der 14-Stunden-Tag und Kinderarbeit sind an der Tagesordnung. Wir fanden Bauern- Häuser ohne Brunnen. Wir sahen Schnitter, die bäuchlings das Wasser aus dem Fließ tranken, in das vorher die Abwässer geleitet wurden. Typhus und Tuberkulose sind im Spreewald zu Hause. Und so erschien der ganze Tamtam, der um die Wenden- kultur von einer bestimmten Presse gemacht wird, als Geschaftl- huberei einer reklamesüchtigen Fremdentndustrie. Die alte T�cku gehört als serviler Abklatsch einer höfischen Kultur mit ihren Marterinstrumenten ins Museum. Bei Webern und Spinnern. In K o t t b u s gingen die Kinder mit den Arbeitern in die Webereien. Beim Portier standen sie an der Kontrülluhr, die auf die Minute anzeigt, wann der Arbeiter den Fabriksaal betritt oder verläßt. Am Webstuhl verfolgten si« den Zähler, der jeden Schuß notiert. Sie erkannten, wie das Risiko der Produktion auf den Arbeiter abgewälzt wird; denn notwendige Reparaturen bei der Arbeit bekommt er nicht bezahlt, weil dann der Zähler still steht. In der Spinnerei bedient ein Mädchen die Riesenmaschine von Nll Spulen. Das sind Slll) Spinnräder: das bedeutet 1 für 300 Spinnerinnen. Di« Kinder wußten nun, was Rationalisierung durch Maschinen heißt, sie erkannten nun die Quelle der Ar- beitslosigteit. Für 1000 Knoten bekommen die wendischen Teppichknüpferinncn 13 bis 18 Pf. Welcher Freindenführer spricht von dieser Wendenkultur im Dienste amerikanischer Milliünär« � was wir nach Hause brachten. Mit gefüllten Notizbüchern kamen die Kinder wieder zu Hause an. Jeder war von seinem eigenen Jnteresscnkreis vorgedrungen in die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge des Spreewoldes. Es wurde keine bestimmte Meinung eines Lehrbuches auswendig gelernt, sondern jeder beobachtete selbst den Pulsschlag der zentralen Zelle, der Produktion. Die Kinder sahen, wie mit dem Produktionsprozeß der Reichtum der kapitalistischen Führerschicht, die knappe Lebenshaltung der Arbeiter und Bauern, die Arbeitslosigkeit und die reaktionäre Wendenkultur zusammenhingen. Sie haben mit neuen Menschen gesprochen und gefühlt und so ein neues Stück Schicksal der arbeitenden Klasse erlebt. Leider fehlten Zeit, Geld und die organisatorischen Mög- lichkeiten, um di« Kinder auch einmal mitarbeiten zu lassen. Dieses Erlebnis der durch die Produktionsverhältnisse gegebenen inneren Verbundenheit mit der Arbeiterklasse eines anderen deutschen Land- striches ist zugleich ernste vaterländische Erziehung. Diese auf der Grundlage des Studiums der Wirklichkeit gelöste Spannung zwischen Kind und Welt gibt dem Einzelnen durch da? Erlebnis der Gemeinschaft diejenigen ethischen Werte, durch tue«r fähig wird, an der Höherentwicklung der Melischbeit kollektiv m- zuarbeiten. Maczynski schwer gestürzt! Beste Mannschaft ist dadurch gesprengt/, Heute Schluß des 6-Tage-Rennens Die letzte Nacht sollte der kleine tapfer fahrende Maczynski nicht mehr mit bestrcitcin Maczynski, der gerade in dieser 145- Stunden-Fahrt sein großes Sechstagekönncn hundcrtsach unter Bc- weis zu stellen vermochte, tot in den gestrigen Nachmittagsstunden einen sehr bösen Sturz, schlug das Gesicht auf, so daß es oft genäht werden mußte und mußte dann aufgeben, Damit wurde eine der interessantesten und gefährlichsten Mann- schosten zerrissen. Sein verwaister Partner F u n d a hatte Glück im Unglück. Der Belgier Dencef stellte die Weiterfahrt ebenfalls ein. Charlicr-Funda bildeten eine neue Mannschaft, die sich recht bald und recht gut verstand! Noch Maczynskis Sturz setzten sofort Tietz-Broccardo zym Vorstoß an, den sie erfolgreich beendeten. Der allein fahrende Funda, der noch nicht mit Charlicr zusammengetan war, wehrte sich nach Kräften, tonnte aber den Einzug dieser Mannschaft in die Spitzengruppe nicht oerhindern. Auch Schön-Goebel und Richli-Siegel nahmen diese Gelegenheit wahr, mehr nach vorn zu gehen. In den Abendstunden ging es ruhig zu. Erst nach der Iv-Uhr- Wertung wurde es lebhafter, als Rausch-Hürtgen zu jagen begannen und damit das Signal zu einer Rundcnhatz gaben, die vorerst nicht abzureißen schien. Daß hierbei der Unfug der kampflosen Rundcngewinnc wieder besonders in Erschei- nung trat, sei nur nebenbei erwähnt. So konnten die um vier Runden zurückliegenden Wambst-Wolkc leicht zur Spitze ausschließen. Gleich darauf folgten ihnen Richli-Sicgcl und etwas später auch Eharlier-Funda. Während sich Charlier-Junda an der Spitze halten konnten, fielen Wambst-Wolke und Richli-Siegel später wieder eine Runde zurück.'Schön-Goebel, die anfangs zwei Runden zurück- lagen, machten schließlich eine Vcrlustrunde wieder gut. Auch Rausch- Hürtgen und nicht zuletzt Bulla-Miethc zeigten sich im Verlauf der letzten Nacht von der angriffsfreudigcn Seite, die sie dann etwas niehr nach vorn brachte. Bei Eintritt der Neutralisation um 6 Uhr waren 29.Z1,6bll Kilo- meter zurückgelegt, der Stand des Rennens folgender: Broccardo-Tietz 153 Punkte. Funda-Charlicr 153 Punkte. Eine Runde zurück: Schön-Goebel 237 Punkte. Richli-Siegel 234 Punkte. Wambst-Wolke 76 Punkte. Zwei Runden zurück: Rausch-Hllrtgen 97 Punkte. Drei Runden zurück: Bulla- Miethe 169 Punkte. Vier Runden zurück: Ehmcr-Kroschcl 83 Punkte. Acht Runden zurück: Pctri-Manthey 226 Punkte. Kroll-Maidorn 155 Punkte. Heute abend um 11 Uhr ist die Fahrt aus. Wer sie gewinnen wird, steht noch völlig offen. Arbeitersport-Allerlei „ProIcs"-Bühnenschau Der Verein für Körperkultur„Prolcs", Mitglied des Arbeiter Turn- und Sportbundes, veranstaltet am Sonntag, 8. November, eine groß angelegte Saal- und B ü h n e n s ch a u in der Neuen Welt. Revucartig, d. h. nicht im strengen Sportsestspicl, werden die Ausführungen in der Saalmitte und auf der Bühne vor sich gehen. Unter dem Motto„Proles ruft" leitet ein Bühnenbild die Veranstaltung ein. Dann folgen Kinder, Jungmädchen, Männer, Altersturnerinnen und-turner. Nicht nur einzelne Mitglieder des Vereins, sondern die Masse soll wirken und für die Arbciter-Turn und Sportbewegung werben. Manche neue Anregung wird wieder gegeben werden. Eine gewaltige Schlußszene beschließt das Pro gramm. Beginn der Veranstaltung 15.39 Uhr. Nachdem Tanz. Eintritt 1 M. Jugendliche Bundesmitglicder gegen Ausweis zahlen 69 Pf., Erwerbslose gegen Vorzeigung der Stempelkarte 69 Pf. Karten sind zu haben bei den Mitgliedern, im Sportoerlag Königs berger Straße 7, und in der Geschäftsstelle des Vereins Karl Kien- bäum, Naunynftr. 6. Neue Ucbungsstättcn der FTGB. Immer wieder sieht sich die Freie Turncrschaft Groß-Berlin veranlaßt, neue Uebungsstätten einzurichten.. So eröffnet der Bc zirk Lankwitz heute Donnerstag eine Jungmädchen-Abteilung in der Turnhalle Schulstraße in Lankwitz. Uebungszeit: Donnerstags 29 Uhr. Auch im Bezirk Süden ist der Uebungsbctricb erweitert. Als neue Abteilung turnen in der Turnhalle Bergmannstr. 64/65 die Frauen Dienstags und die Männer Donnerstags 29 Uhr. Der Bezirk Buch hat nach Benutzung der neuen Turnhalle in der Ltnpenhafstr. 1! bedeutend an Mitglieder gewonnen. UebuNgszeiten füz Kinder, Frauen und Männer: Freitags von 18 bis 29 und 29 bis 28 Uhr. Im Bezirk K a r l s h o r st ist am 3. November ein« Abteilung für Frauen über 25 Jahre eröffnet worden, die Diens- tag» 29 Uhr in der Turnhalle Römerring übt. Die Gründungsoer- fainmlung des neuen Bezirks in Lichtenrade ist am 29. No- oember. Der Bezirk Mitte hat den Monat November als Werbe monat erklärt. Im November wird kein Eintrittsgeld erhoben. Uebungsftätte in der Turnhalle Gartenstr. 197, Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags. Schwerathleten in Rosenthal. Am Sonnabend, 7. November, feiert der dem Arbeiter-Athletenbund angehörende Kraftsportoerein Rasenthal im Lokal Dittmann in Rosenthal-Dorf sein Gründungs- fest. Um 29 Uhr werden die Boxer das Programm eröffnen mit Einleitungskämpfen zwischen Tegel, Rosenthal und Alt-Wedding. Im Ringen findet ein Mannschastskampf zwischen Roscnthal und Tegel III statt. Dann werden die Gewichtheber sich zeigen. Den Abschluß wird eine JIu-Jitsu-Demonstration bringen. Räch den Kämpfen Tanz. Die Straßenbahnlinie 23 fährt bis Rofenthol. Lernt Ziu-llitsu! Der bundestreue„Arbeiter-Athletenverein, Tegel 1899", beginnt Dienstag, 19. November, wieder mit einem Kursus für Anfänger. Parteigenossen, Gewerkschaftler sowie Sport- ler sind.zur Teilnahme eingeladen. Der Unkostenbeitrag ist für Nichtmitgileder 1,59 M. und für Arbeitslose 9,75 M. Anmeldungen werden Freitag und Dienstag in der Turnhalle Graf-Roedern-Korfo, Tegel, entgegengenommen. Die Ucbungsabendc finden jeden Diens- tag statt. Zu Fortsetzung der Serienringkämpse ringen Freitag, 6. No- vcmber, 19'A Uhr, in der Turnhalle Utrechter Str. 39/31 die Ver- eine Alt-Wedding If gegen Tegel II. Der Ruderverein„Vorwärts" bittet uns mitzuteilen, daß Frei- tag, 6. Nooeniber, 19 Uhr, der neue Ruderkursus in der Ruder- anlage im„Vorwärts"-Bootshauz, Oberschöncweide, Wilhelmstrand, beginnt. Partei- und Gewerkschaftsgenossen, die Interesse am schönen Rudersport im Kreis« Gleichgesinnter haben, können sich am genannten Tage im Bootshaus einfinden. Alles Näher« dortselbst oder schriftlich durch Gustav Rücker, Weißensee, Rennbahnstr. 25. Reiseteilnehmer-Tressen des TV.„Die Ralursreuade". Nach Beendigung der Sommerreisen treffen sich die Reiseteilnehmer 'Sonntag, 8. November, 16 Uhr, im„5)eideschlößch«n" in Tegelort. Vorher werden sechs Wanderungen gemacht. Die Teilnehmer treffen sich: geht's l«s. Führ«: Walter Tcßlcr.— 10 Uhr Bahnhof Waldmannslust, End. Haltestelle her«8. Wanderung Uber Freie«chollc. Waldschlucht. Hermsdorfcr und Tegeler Wald. Führer: Fritz Blitz.— Uhr Iohannisstist. Endhaltestelle der l'-t. Wanderung durch den Spandauer Stadtforst. Führer Richard Walter. — 11 Uhr Bahnhos Tegel. Wanderung Uber die Ruienbergc, die Lehmkuten» berge, Tegeler Forst. Führer: Emil Rudolph.— Das Hcideschlötzchen ist direkt zu erreichen mit der Linie 28. Di« Ratursreunde-Organisatioa in llugsflawien aufgelöst! Was die jugoslawische Arb«iterschast von der Verfassungsgebung durch den König zu erwarten hat, spiegelt sich in der Auflösung der Naturfreundi-Organisation durch die Staatsbehörde wider. Diese Kv�turorganisation ist aufgelöst worden, weil sie bei einem Landes- treffen ein Bekenntnis für ihre internationale Spitzenorganisotion. oen Touristcnoerein„Die Naturfreunde", und für den Sozialismus ablegte. Es ist so, wie wir bald nach der Verfassungsgebung be- richteten, daß sich an der Diktatur in Jugoslawien nichts geändert hat. Für die Furcht der Machthaber ist die Auflösung der Natur- srcunde-Organisation ein aufschlußreiches Zeugnis. Deutsche Arbeiterboxer in Norwegen und Dänemark. Ein« kampfstarke Auswahlmannschaft des Deutschen Arbeiter-Zlthseten- bundes trug in Oslo gegen den norwegischen Arbeiter-Sportbund einen Länderkampf aus und verlor'mit 6: 19 Punkten. Der folgende Kampf gegen die StädtemanNfchoft von Lilleström endete mit 6: 6 und der Kampf gegen die Etädtemannschaft Motz mit 6: 4 für die deutschen Boxer. Auf der Rückreife kämpften die deutschen Boxer in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und ge- wannen mit 11: 3 Punkten. 46 000 Marie gab der ATSB. für Lehrgänge aus Besonderen Ausdruck findet die Leistungsfähigkeit des Arbeiter- Turn- und Sportbundes in der Unter- stügung, die er den Teilnehmern an den Lehrgängen seiner B u n.d e s f ch u l c gewäyrt. Jeder zu den Lehrgängen zugelassene Bewerber erhält vom Bund dos Fahrgeld für die Fahrt nach Leipzig und zurück, freies Unterkommen und sreie Verpflegung im eigenen Bundcsschulgebäude, sowie kostenlosen Unterricht aus allen Gebieten, die die Lehrpläne der einzelnen Lehrgänge entHallen. Da,;u gehören auch die Vortroge von Wissenschaftlern, die spart- ärztliche Untersuchung, und die Lehrmittel, die den Kursisten bei ihrem Weggang von der Vundesschule mitgegeben werden. Im Jahre 1939 wurden an der Vundesschule 19 Lehrgänge mit 621 Teilnehmern aus Bunbeskosten, durchgeführt, für deren Teil- nehmer der Bund allein 29 099 M. an Fohrgeld und 12900 M. für Verpflegung auszahlte. Hinzu kommen noch 4999 M. für Gast- lehrer, ferner die Bezahlung der sportärztlichen Untersuchungen, Lehrmlltel, Wäjch« und Lohnersatz für die zu den Pflichtlehrgängen geholten Funktionäre, so daß für die Lehrgangsteilnehmer im Vorjahre insgesamt über 46 999 Mark aus- gegeben wurden. Nicht mitgerechnet sind die Gehälter der zwölf festangestellten Lehrer, die neben den Lehrgängen an der Bundes- schule Lehrgänge in den verschiedensten Teilen des Bundesgebietes leiten, und darüber hinaus an zentraler Stelle in Leipzig sür die technische Fortbildung der Bundesbewegung arbeiten. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund e. V. steht somit mit seinen Leistungen siir die technische und kullurelle Höherentwicklung auf dem Gebiete der Leibesübungen unerreicht da. XDa kann selbst die Deutsch« Turnerschaft, die angibt, über i'A Millionen Mitglieder zu haben, also noch einmal soviel wie der Arbeiter-Turn- und Sportbund e.V., nicht mit. Die an den Lebrgängen der„Deutschen Turnschule' in Berlin teilnehmenden DT.-Mitglieder haben für«inen wöchentlichen Lehrgang 12,59 M. und sür einen zweiwöchentlichen Lehrgang 25 M. Lehrgebühr zu entrichten. Im kommunistischen Sportverband werden nach einem Rundschreiben der westdeutschen Landeslellung von jedem Teilnehmer an einem Kursus sogar 35 M. verlangt! ouristcnocrcin„Sic Slatucftcunbc", Zentrale Wie». Freitag, 6. !r, 20 Uhr. Abt. Charlottenbürg, Sprerstr. 80. Scichiifilichcs, En>gian„. Falibootabteilung: Iehannisstr. IS.— Abt. Britz: Etzauffccftc. 48. Seschaft. liches.— Jugendgruppe Humboldthain: Bank. Ecke Wiesenstratze. Hochwild im deutschen Wald.— Abt. Treptow: Elsenftr. 8. Fünfiahrcsplan.— Abt. Lichtenrade: 10 Uhr bei Dehlam, Bahnhof. Ecke Soltzstratze.— Abt. Bineta- platz: Lortzing- Ecke Sraunstratze. Revoluttonoseier.— Abt. Südost: Wrang« l stratze 128. Gedanken über Revolution.— Abt. Schönhauser Borstadt: Rastrn. Abt. Südost: Wrangel, ...»user Vorstadt: Rast«». burger Str. 18. Rcvokutionafeser.— Photo, Osten: Franksurter Allee 807. Porträtaufnahmen.— Photo, Neukölln: Bcrgftr. 20.— Rontag, 0. Navember 2# Uhr. Pbotogemeinschaft: Johanniestr. IS.»esckiästliches.— Malzen- em, schast: Wränge i ffr. 128.- Die Obleute-Sitznng der Juzenbgruppen fallt Man. tag, 9. November, aus.. Solidarität, Araftfohrer. Touren für Sonntag. 8. November. Abt. Frieds richshain: Ziel am Start. Start 10 Uhr Landsberger Platz.— Abt. Norden: Uedersee. Naturfreundeheim. Start 0 Ubr Sceftr. 82.— Abt. Tenlpelhdf.Marien. darf: Ziel am Start. Start 8 Ubr«urfürstcn. Ecke Schützenstratzr.— Ver. sammlungen: Abt..Ireuzderg:«. November. 20 Uhr. Reichcnbcrger Str. 01.— Abt. Friedrichsbain: 0. November, 2V Uhr, Etranodergcr Str. 8.— Abt. Norden: 8. November, 20 Uhr, Sceftr. 82.— Abt. Eharlottenbnrg: ti. November, 20 Uhr. Wilmcrsdorsrr Str. 21.— Ahl. Tempclhof.Mariendors: ä. November, 20 Uhr, UUtkürsten- Erle Schützenitratze. Freie Faltboatfahrc- Berlin E.«. Donnerstag, S. November, 20 Uhr, Gc. fainiveranftallung in de» Unions.Festsäle», Gr-iiswalder Str,'221. Filmvoriraz Friedrich Beigelt:„.0reu» und quer dnrch USA." Gäste willkommen. Grupveu obende fallen aus. Sonntag, 8. November. Gruppe Norden. Führung durch Großkraftwerk stlingenberg. Treffpunkt 0Zi Uhr am Werkeingang. Buch llalionalismtis undJmpenalisnws Der Socictäts-Derlog in Franksuct am Main legt ei» Buch von Hans Kohn vor,'" das in sozialistischen Kreisen weiteste Beachtung verdient.(Nationalismus und Imperialismus im Vorderen Orient, 465 Seiten, brosch. 19 M., Ganzleinen 12,59 M.) Der Verfasser hat seit 1925 im Orient als Korrespondent einer großen Zeitung gelebt, er Hot vorher durch jahrelange Arbeit in London und in Rußland gerade die Mächtegruppen und Jntcr- essen kennen gelernt, die im Vorderen Orient aufeinanderprallen. So hat er einen tiefen Einblick in die politischen und wirtschaftlich- gesellschaftlichen Verhältnisse des nahen Ostens erhallen, von denen «r schon in seinem ersten Orientbuch„Geschichte der nationalen Bewegung im Orient" berichtet. Das vorliegende Buch verfolgt die großen Umwälzungen vom mittelaiterlich-vorkapitolistischen Feudalismus zur neuzelllich-bürgcr- lichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, der die Völker des erwachenden Morgenlandes gegenwärtig unterworfen sind. Es zeigt die Jnteressentämpfe der europäischen Großmächte durch ihre Kapitalsfestlegung im Orient, verfolgt die daraus wachsende Industrialisierung in Aegypten, Palästina und im Irak, sieht das erste Aufzucken des Sozialismus in der islamischen Welt, schildert die Kämpfe und die Seßhaftmachui� der Wüstenvölker und die Emanzipation der mohammedanischen Frau. Damit wird dem Außenstehenden eine Weit erschlossen, die wohl in naher Zukunft auch über das weitere Schicksal Europas mitentschieden wird. Aber ebenso wichtig wie die Erkenntnis dieser weltgeschichtlich bedeutsamen Borgänge im Vorderen Orient erscheint für den deutschen Sozialisten die Darstellung des Nationalismus, aus der er wertvolle Schlüsse für die Beurteilung des deutschen Nationalis- mus ziehen kann. Hans Kohn versteht es meisterhaft, aus dem Ablauf der politischen und wirtschaftlichen Vorgänge im nahen Orient die ideologische Grundhaltung der beteiligten Kreise auszu- zeigen. Wir sehen, wie das Bürgertum in erwachenden Staaten zwangsläufig nationalistisch und radikal auftreten muß, will es sich gegen das Feudaisysteni behaupten. Wir sehen aber zugleich, daß ein in seiner Frühzeit radikales Bürgertum im höchsten Maße konservativ und reaktionär wird, wenn es einmal zur 5)errschast gelangt ist. Aus dieser jeweiligen Haltung erwachsen für den politischen Kampf bestimmte Formen der Taktik und des Verhaltens, die dem deutschen nationalen Bürgertum, zu eigen sind wie jedem Nationalismus. Imperialistisch« Gewaltpolitik ist eine außen- politische Folgeerscheinung dieser nationol-reaktionären Gruna- hallung, wie umgekehrt die Freihcitsbegeisterung für alle Vh�es der natiärtalliberalen Grundhaltung des jungen Bürgertums enl- sprach. In dieser kritischen Betrachtung des Rationalismus liegt der politische Wert des Buches ebenso wie in der gründlichen Dar- stellung des Machtkampfes im Vorderen Orient. Willidm Tietgens. Donnerstag, 5. November. Berlin. 16.05 Willy Saclisc liest Geschichten von der See. 16.30 8olls(enltonzSrf.. 17,30„Thoaterbrand von 1845".(Dr. W. Benjamin 1 17.50 Theodor Kappstein:„Ernste Bibelforscher, Irainsianer. Adventisten". 18.15 Lieder.(Prof. Ludwin Mantler, Baß. Fliieel: Bruno Sejdler-Wiiiltler.) 18.30„Studenten diskutieren".„Die Jueend und die Krise der internationalen Versftnditunt".(Li;.: Prof. Dr. Emil Dovifat.) 19.00' Stimme aum Tai. 19.10 Moderne Chore. 19.20 Unterhaltungskoniert. 20.30..Rückblick auf Schallplanen"(Oktober). 21.00 Tales- und Sportnachricfaten. 21.10 I.„Michelanielo", Oper von Nicolo Isouard. 2.„Lconore". Oper von Pierre Caveam. 22.30 Sportpalast: Die letzte halbe Stunde vom Sechstaierennen. Tanzmusik. 0.30 Berün-Witzleben: Nachtkonzert. Könlsswusterbausen. 16.00 Kurt Riemann; Pädagoiischcr Fachbericht. 17.30 Dr. Amniann; D>e Schweiz und das Minderheitenproblem. 18.00 Dr. Oscar Ooetz: Theater. 18.30 Spanisch füc Fortceschrittenc. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 10.00 Gartenbaudirektor Musielik: Obst- und Gemüsebau. 19.30 Dr. Wiedwald: Die Betreuung der arbeitslosen Jugend. Schwerhörige üftren«olon wieder mit dem ärztlich empfohlenen OBIftDUL- aUülTTB. APPARAT mit neneftem HictaiMrert — Noch Besseres gibt es nicht!— Deulsthe Rkostik Geselisdiaft m. b. K. Aelteste u. führende Spezialfabrik Verkauf u. Vorführung: Beritn-WilnMrsdarf. mmzKr,«3 Berlin. Kiosterstr.«« Reinlchendorf-OM, Brienzer Str.« Verl. Sie Mauptkaulog 16 kostenlos I Auf Wunsch Zahinngserleichterung Sinais fe Theaicr Ooanentag, des 5. November staatsoper untar den Linden 20 Uhr Oer Troubador StaitLSdaiispleltuiis Gtidimomirtt 20 Uhr tfallBDSteins Tod Schiller-Theater Qurlittntini. 20 Uhr sie üeiral VoiKsDtUine Thufei an Bülowplatz 8 Uhr Das flcrle Gebot Staat!. Sdrillar-Mer 8 Uhr Die Heirat. Siadtoper Charlotieoburg BIsmarckstraBe 34 Donnerst., 5. Novb Turnus III Anfang 19-10 Uhr Bottmanns Erzauinngen Ende geg 2230 Uhr Reichshallen-Theater Unili I Uhr, Samtig nadmittag J1/, iltit Stettiner Sänger Die neue Burleske „Der arme Kasemlr" Hadwiitlags halba Prtiat. totlki Prograauii I Re�ai» Berlins Theater am Nollendortplati Täglich 8", i Uhr Max Adalbert In. 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