Morgenausgabe Ar. 521 A 262 4S.Z'zertungS' und 72 Pf.Postbestellac» bühren. Auslandsabonnement S.— M. pro Monat; für Lander mit ermäßig» lcm DruSs-chenporto 5,— M. Der»Vorwärts� erscheint wochentäz» lich zmeimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlm und im Handel mit dem Titel»Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeiiaa» »Voll und Zeit". � Berliner Vowsblatt Zrettag 6. November 1.9)1 Groß-Äerlin 1V pf. Auswärts 15 pf. Die eiuspalt. Normareillexeile S0 Nellamezeil« S,— RM.„Nleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort LS Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 12 Pf. Rabott lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort �b Pf». jedes weitere Wdrt!i)Ps. Wone über 15 Buchstaben zählen für zwei Wone. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zelle 40 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen- täglich von 8'/z bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht de: Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jenin- paihifche Menschen, und dann konnte er sie natürlich nicht wegschicken. Natürlich durften Sklarets Freunde in deren Autos oder in speziell für sie gemieteten Wagen fahren und Geschenke, die nicht selten vorher von den'Freunden bei Rotenhain oder sonstwo aus- gewählt worden waren, wurden ihnen ins Haus geschickt. Es war eben unmöglich, den wiederholten wunschäuhernngen zu wider- stehen. Mit den Geschäften hat das alles natürlich nichts zu tun. Es waren rein gesellschaftliche Angelegenheiten: Du mir. ich dir. Nicht ganz paßt zu dieser letzten Behauptung die unmittelbar dar- ausfolgende erregte Auslassung von Leo Sklarek. Aber Herr Vorsitzender, haben Sie solch einen Bertrag, machen Sie mit der Stadt Geschäfte, bestellen Sie einmal Waren, die von menschlicher Hand hergestellt werden, es ist inimer was zu mäkeln. Da sagte mir z. B. eines Tages ein Stadtverordneter, der Deutschnationale 1. habe wieder in der Stadtverordnetenversammlung über unseren vertrag gesprochen. Na, am nächsten Tage waren wir zusammen und er war still. Dann gab es einen Kontrolleur der Stadtbank. Hirsch. Cr, oder nach seinem Tode der Sohn, sollen den Sklareks ein Darlehen in Höhe von 50 090 M. gegeben haben mit einer Verzinsung von 2 Proz. monatlich. Der Sohn hob die 1090 M. monatlich prompt ob. Die 60 909 M. Darlehen sind aber nirgends in den Sklarekschen Büchern zu finden. Willi und Leo Sklarek wollen von dem ganzen nichts wissen: Max habe damit zu tun gehabt. In der Vorunter- suchung haben sie aber beide immer von„mir" gesprochen.„Natür- lich", meint Oberstaatsanwalt Steinecker,'„damals wußten Sie ja noch nicht, daß Max krank werden würde."„Nein", sagt Leo Sklarek,„um aus der Haft herauszukommen, hätte ich damals alles unterfchrieben, selbst daß ich der F r a u e n m ö r d e r von Düsseldorf bin." Hoch hinaus wollten die Herren Sklareks... lieber de» Bücherprüfer Berne berichtet der Angeklagte! Buchhalter Tuch. Herr Berne prüfte die Bücher in ganz eigen-' artiger Weise! Ex kam, begrüßte Herrn Tuch und— ging seiner Wege. Aber eiiiinal hat Berne mit ihm gemeinsam auf Veran- lassung von Willi Sklarek falsche Verniögensaufstellungen angefertigt, und zwar bei Kaffee und Kuchen.„Herr Tuch", ruft Willi Sklarek empört,„wie können Sie so etwas sagen. Sind Sie es nicht gewesen, den Max herausgeschmissen hat? Mußte nicht ich deshalb immer zu Max hinaufgehen,� wenn Sie etwas wollten? Und jetzt schieben Sie mir alles in die Schuhe." R.-A. Dr. P i n d a r greift ein: Sie wissen doch auch, Herr Tuch, wie herrisch und despotisch Max Sklarek war. Stimmt es nicht, daß er auch den Ehrgeiz hatte,'Reichstagsabgeordneter zu werden? Buchhalter Tuch bestätigt nicht nur das. sondern auch, dag Max Sklarek davon gesprochen habe, er würde demnächst Minister werden. Auch R.-A. Dr. B raub ach weiß seinerseits etwas zu diesem Ehrgeizkapitel des Max Sklarek hinzuzufügen: es sei ihm bekannt, daß der Vor- sitzende der preußischen Landtagsfraktion der Demokratischen Partei, Merten, Max Sklarek als Spitzenkandidat auf der demo- kratischen Liste kandidieren lassen wollte. In der Nachmittagssitzung kam der ehemalige Bürgermeister des Bezirks Köpenick, Kohl, an die Reihe. Es wird ihm vor- geworfen, daß er aus Zuwendungen für seine Verdienste um Kieburg zum Kauf eines Grundstücks mit einer Villa in Köpenick im Jahre 1924 von der Bankfirma Lewinski, Retzlaff u. Co. einen Kredit von 39 999 M. erhalten habe, mit denen in Wirklichkeit das Konto der BAG. belastet worden sei; daß er ferner, als er mit den Zinszahlungen an die Bankfirma in Rückstand geraten sei, ein Gartengrundstück dieses Besitzes einem von Willi Sklarek ge- stellten Strohmann verkauft und 15 999 M. erhalten habe. Weder Sklarek noch der Strohmann interessierten sich später für das Grundstück. Als aber das Bankhaus Lewinski in Konkurs ging, gab sich Willi die größte Mühe, daß das Konto Kohl aus den Büchern herauskam, was auch durch bestimmte Manipulationen gelang: das Konto von Kohls Schuld in Höhe van 39 999 M. war plötzlich beglichen. Kohl erklärt, in jeder Beziehung redlich ge- handelt zu haben. Er habe nicht gewußt, daß die BAG. mit den 39 999 M. belastet worden sei, daß der Käufer des Gartengrund- stückes bloß ein Strohmann sei usw. Als der Lorsitzende den An- geklagten Kohl wieder ein wenig zu scharf ansäht, ist er außer- stände, weiter zu verhandeln, und die Sitzung muß abgebrochen werden. Zum ersten Mal �Schwarze Kladde". Unter das Kapitel„Zuwendungen, fallen u. a. auch die 9999 M., die der dentschnationale Stadtrat Zange- m ei st er f ü r die Deutschnationale Partei erhalten Kaden soll— und zwar für den günstigen Einfluß, den er beim Grundstllckserwerb der Firma Sklarek beim Magistrat ausgeübt haben soll. Ueber weitere Zuwendungen' wird noch in den nächsten Sitzungen die Rede sein. In der gestrigen Sitzung tauchte auch die berüchtigte „Schwarze Kladde" auf. R.-A. Dr. Kurzig. Gäbels Ver- teidiger, ersuchte das Gericht, die Kladde zu den Gerichtsakten zu nehmen, zum Beweise dafür/ daß so und so viele Magistrats- beamt? direkt vvn Sklareks unter Umgehung der Kasse Anzüge be- .zogen hätten. Es könne deshalb dem Angeklagten Gäbel aus dem Bezug der Anzüge kein besonderer Vorwurf gemacht werden. Leo Sklarek erklärte, daß er und seine Brüder die Methode der Abgabe von Anzügen von Kieburg übernommen hätten, und der Staats- anmalt bestritt, daß die in der„Schwarzen Kladde" aufgeführten Zahlungen etwa nicht auch in dem Hauptbuch zu finden wären. R.-A. Dr. Kurzig wurde aufgefordert, seinen Beweisantrag schrift- lich einzureichen. Sieger Tietz-Broccardo. Das Ende der 6 Tage.— Die letzte Spurtstundc. Als gestern abend Ä.'i Uhr drei«chüsse in der Halle des Sportpalastes ertönten, und das Ende der l-lil-Stnnden-Fahrt anzeigten.. hatten T i e tz- B r o c- cardo das Rennen mit Rundenvorsprung' gewonnen. Tietz-Broccardo setzten gegen 22 Uhr zu eineni Borstoß an, in dessen Verlauf es ihnen gelang,«ine Runde gegen das gesamte übrige Feld aufzuholen, aliso allein die Führung zu übernehmen. Diese Position wußten die beiden Fahrer auch während der letzten Spurt- stunde zu halten. Die letzte Spurtstunde, die von 22 bis 23 Uhr ging, wurde, nachdem die Fahrer K r o s ch e l und Kroll in den Abend- stunden die Weiterfahrt krankheitshalber eingestellt hatten, und E h m e r und M a i d o r» eine neue Mannschaft bildeten, von neun Mannschaften bestritte». Sie verlief nicht besonders ausregend. Nur zweimal wurde je eine Runde gewonnen, und zwar von E h m e r- M a i d o r n und Petri-Manthey, also von Mannschaft«», die ohnehin keine» Einfluß auf de» Ausgang des Rennens mehr aus- üben konnten. Die Paare, die etwa den Spitzenreitern gefährlich werden konnten, wie die um eine Runde zurückliegenden Schön- G o e b e l und Charlier-Funda wurden von Tietz-Broccardo scharf beobachtet. Unter dem Jubel des Hanfes konnten, nachdem die Photographen ihre Pflicht getan hatten, die Sieger Tietz-Broccardo und die übrigen Teilnehmer der letzten Stunde blumcnbeladen die nun wirklich letzte Runde zri rücklegen. Das Ergebnis: 1. Tietz-Broccardo 198 Punkte. Eine Runde zurück: 2. Schön- Goebel 299, 3. Charlier-Funda 195 Punkte. Zwei Runden zurück: 4. Richli-Siegel 298, 5. Wambst-Wolke 144 Punkte. Drei Runden zurück: 6. Vulla-Mieihe 196, 7. Ehmer-Maidorn 156, 8. Rausch- Hürtgen 130 Punkte. Hechs Runden zurück: 9. Petri-Manthey 297 Punkte. Insgesamt wurden in 145 Stunden 3249,929 Kilometer zurückgelegt._ Variete im November. 3ede einzelne Nummer der Scala bringt gleich ein ganzes Massenaufgebot bester Artisten. Wenngleich das ganze Programm in diesem Monat im Zeichen des akrobatischen Tanzes steht, muß man doch bei jeder einzelnen Nummer die Bollkommenheit be- wundern, die dieser Zweig der Artistik bisher erreicht hat. Zwei der besten Vertreter dieser Gummimenschen sind B e r n t und Partner Diese plastisch elastischen Körperspiele sind von so aus- geglichener Schönheit, daß das Zuschauen eine ganz reine Freude ist. Vier U r b a n i s sind wieder zurückgekehrt. Zwei große und zwei kleine Kraftmenschen, alle vier originell und mit einem erst- klasstgen Repertoire Sechs Marvels bringen ein Tanzsextett. dem man nicht so recht folgen kann. Es ist ein zu große. Durch.. emander. Edith Davis und Beathe Bradna sind ebenfall» I vorzügliche Interpretinnen des akrobatischen Tanzes. Und auch die Mitglieder der Haijung-Truppe haben ihre Körper gut in der Gewalt, aber allzuviel der gleichen Art wirkt eben nicht mehr. Dagegen sind Walter und D a r e- W a h l zwei Exzentriker, deren man sich noch lange erinnern wird. Diese zwei lustigen Leute verwickeln sich zu einem fast unentwirrbaren Knäuel und treiben Allotria mit eigener Note. Chartons Marionetten sind bestimmt für jeden Besucher eine Quelle fröhlichsten Humors. Auch die Truppe Charles P e r e z o f f u. Co. ist in ihrem Jongleurakt noch immer so wirkungsvoll, wie wir sie schon oft gesehen haben. Der Sketsch Leo Morgensterns„Schwerarbeiter', an sich recht gut, gehört nicht auf die Varietebühne. Der Wintergarten hat ein Novemberprogramm von guter und solider Prägung, das sich erstaunlich schnell, in wenig mehr denn zwei Stunden, abrollt. Die beste Nummer des Abends sind Zweifel- los die zwei blutjungen Mexikaner Oloeras, behende, schnell, elegant und todsicher auf der Erde wie an der Bainbusstangc. Ihnen gleich zu setzen ist die B o n h a i r g r u p p e. aus alten Artistenblut emporgestiegen. Ihre ikarischen Spiele sind unüber- trefflich, ihre Beinarbeit von erstaunlicher, fast maschineller Prägnanz. Gastpn Palmer ein Jongleur, der so klug(oder gerissen) ist, die unausbleiblichen Versager mit allerhand lustigem Schnack zu umkleiden. Presto und Campo zwei brillante Parterrcakrobaten. Der eine eine melancholische Clownfigur mit Weltschmerz im Antlitz und verschmitzter Gelenkigkeit in den Beinen. Lucienne und Ashour Hockney ein kleines Tänzerpaar, gewissermaßen Riesen unter den Zwergen. Den kaum noch er- träglichen Apachentanz erneuern sie zu einer herrlichen Groteske. Der schönen Amerikanerin Florence Formans tänzerische Spezialität besteht darin, in ungeheurer Gelenkigkeit ein Bein wie einen rasend gewordenen Uhrzeiger zu drehen. Ihre tänzerische Ausdrucksfähigkeit ist begrenzt. Die vier Queens(Queen heißt Königin) sind zweifellos Königinnen des Steptanzes, den sie in einer in Deutschland unmöglichen Bollkommenheit mit den Sohlen herunterschnattern. »»» ...drnMmutm kochen und dmMmüen ziehm lassen> so schmeckt er jedem gut.» ftevolu iiozzsf elez» Arbellerwohltahrt und unnterhiife Die Berliner Winterhilfe trägt in diesem Jahre grund- sätzlich ein anderes Gesicht als im vergangenen Winter, wo sie lediglich eine Angelegenheit der freien Wohlfahrtspflege war. Die Sierbände der freie» Wohlfahrtspflege erhielten die eingegangenen Mittel bzw. das daraus gedruckte Ernährungsgeld nach einem unter ihnen ausgemachten Verteilungsschlüssel zugestellt und gaben es in ihren Geschäftsstellen an die Hilfsbedürftigen aus. Dabei konnte es geschehen, daß ein Hilfsbedürftiger, je nachdem er fein Mäntelchen nach dem Winde hängte, mehrfach von verschiedenen Stellen unter- nützt wurde, da eine einheitliche Uebcrficht über die Unterstützten nicht garantiert war. Da in den zwanzig Berliner Bezirken jeder der sieben Verbände der freien Wohlfahrtspflege eine Winterhilfs- stelle unterhielt, so tonnte es auch geschehen, daß ein Hilfesuchender an zwei, drei und mehr verschiedenen Stellen gewiesen wurde, ehe er den Verein fand, der ihm nach Konfession und Weltanschauung gemäß war. In diesem Jahre hat jeder Berliner Bezirk nur eine B e z i r k s w i n t e r h i l f s ft e l l e, die in enger Verbindung mit dem Bezirkswohlfahrtsamt in einem öffentlichen Gebäude unter- gebracht ist. Hier lause» die Unterstützungsanträgc aller bezirks- Zugehörigen Hilfesuchenden teils unmittelbar, teils durch die Ver- eine der freien Wohlfahrtspflege zusammen. Träger der Bezirks- Winterhilfe ist ein A ch t e r a u s s ch u ß, der sich aus den sieben Verbänden der freien Wohlfahrtspflege und einem Beamten des Bezirksamts zusammensetzt, also den Bezirksarbeitsgemeinschaften sehr ähnlich sieht. In fünfzehn Fällen ist der Vorsitzende ein Ver- rrcter des Bezirksamts bzw der Dezernent des Wohlfahrtsamts oder die Obersürsorgerin der Familienfürsorge, in zehn von fünf- zehn Fällen sind es Genossen und Funktionäre der A r b e i t e r w o h l s a h r t. In der Geschäftsstelle der Bezirks-. «ninterhilfe arbeiten fürsorgerisch ausgebildete Kräfte hauptamtlich. ihnen stehen regelmäßig Vertreter der Organisationen der freien Wohlfahrtspflege abwechselnd bei der Wahrnehmung der Sprech- stunden zur Seite. In den proletarischen Bezirken, wie Wedding, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Neukölln und Kreuzberg sind es Genossinnen(ein Genosse), die zum Teil aus der Wohlfahrtsschule des Hauptausschusses hervorgegangen sind. Eine einheitliche Kartei über die eingegangenen Anträge und die bewilligten Mittel ver- lündern Doppelunterstützungen, und eine enge Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtskommissionen und der Bezirksfamiliensürsorge er- möglichen ein methodisches fürsorgerisches Bearbeiten der einzelnen Fälle, denn grundsätzlich soll ein jeder Antrag wie ein Fürsorgefall erledigt werden. Die Unterstützung wird in Form von Crnährungsgeld bzw. Ernährungsgut- Scheinen ausgegeben, die teilweise für Personen ohne Haushalt als Küchenmarken gestempelt werden und in den städtischen und den Küchen der freien Wohlfahrtspflege als Zahlungsmittel gelten. Neben dem Ernährungsgeld werden Kleider und Naturalien zur Ausgabe gelangen, deren Sammlung die Bezirkswinterhilfe bzw. die Achterausschüsse organisieren. Kleidersammlungen, rationell und im großen Stile durchgeführt, sind nur möglich mit Hilfe der städtischen Desinfektionsstellen und der Bezirkskleiderkammern, die die sachverständige Instandsetzung bewerkstelligen. Wenn die Arbeiterwohlfahrt der Berliner Winterhilfe ihre Mitarbeit zugesichert hat, so geschah das, weil in diesem Jahre d i e Grundsätze, die wir im vorigen Jahre bei ihrer Organisation ver- geblich bemüht waren, durchsetzen, in diesem Jahre befolgt worden sind. In enger Fühlung mit der öffentlichen Wohlfahrtspflege und unter Anlehnung an die bewährten Formen der öffentlichen Wohl- fahrtsarbeit kann in diesem Jahre in den einzelnen Bezirken zentral von einer einzigen Geschäftsstelle aus einheitlich gearbeitet werden. Durch die Mitwirkung der Arbeiterwohlfahrt wird die Möglichkeit gegeben, die Hilfsbedürftigen selbst, deren wir ja zahl- reiche in unseren Reihen haben, in der Winterhilfe zu vertreten. Die Tatsache, daß die Arbeiterwohlfahrt eine Selbsthilfeorganisation der Arbeiterschaft, man kann sagen, auch der arbeitslosen Masse ist, gibt ihr eine andere Stelle zu vielen Fragen, die andere Wohl- fahrtsvereine. die nicht von den Kreisen der Hilfsbedürftigen, sondern von bürgerlichen, teils wohlhabenden Kreisen, die für Be- dürftige außerhalb ihrer Reihen und ihrer Gesellschaftsschicht tätig sind, sehr selbstverständlich zu lösen sind. So ist z. B. für die Frage, ob wir öffentlich über den Rahmen der eigenen Mitgliedschaft hin- ans sammeln, eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung, da wir als Selbsthilfeorganisation der Arbeiterschaft in enger Solidarität mit allen Organisationen von sozialistischer Weltanschauung in einer Front stehen, die den Gedanken der Selbsthilfe des Proletariats und die Unabhängigkeit von Hilfsmitteln der bürgerlichen Klasse zum Grundgedanken ihres Aufbau- gemacht haben. Zn diesem Jahre hat in verlin nur die Berliner Winterhilfe die Erlaubnis, öffentliche Sammlungen zu veranstalten. Die Not der Zeit drängt nach einer möglichst starken Konzentration aller Mittel und Energien, die zur Linderung der Not der Arbeits- losen aufgeboten werden. Konzentration und Einheitlichkeit ver- langt eine rationelle Verteilung. Jede Sonderaktion oder Ab- splitterung schwächt die Aktionsfähigkeit einer Hilfsorganisation. Deshalb kann doch die genossenschaftliche und nachbarliche Hilse, die in unseren Reihen schon lange geübt wird, und zu der durch die Aufrufe zur Solidarität, die durch unsere Presse gehen, immer wieder aufgefordert wird, weiter bestehen. Die Winterhilfe stellt zahlreiche Hilfskräfte vor praktische Aus- gaben. Es müssen Anträge aufgenommen werden. Ermittlungen angestellt werden, in den Bezirksämtern, in den 5kleiderkammern sind Hilfskräfte notwendig, bei dem Verteilen, Auswiegen und Ab- holen von gespendeten Naturalien braucht man die guten Einfälle und Ratschläge praktischer Hausfrauen, Organisationen von Jugend- lichen arbeiten im Kurierdienst mit. Je nach der Beschaffenheit und den Arbeitsmöglichkeiten der einzelnen Bezirke werden wir unser Arbeitsfeld sehen und mitarbeiten. In den westlichen Bezirken setzen sich die Hilfesuchenden und die Hilfskräfte aus sozial anderen Schichten zusammen als tn den proletarischen Bezirken Berlins, in denen unser Einfluß größer ist und unsere Verbindung zu den arbeitslosen Massen wichtig ist. Würden wir in der Bezirkswinter- Hilfe dort fehlen, so würden gerode diejenigen Klassengenossen, die zu uns stehen, Hemmungen haben, sich an die W-nterhilfe überhaupt zu wenden, die für sie nur eine Angelegenheit wesensfremder Wohl- fahrtsvereine wäre. Paula Kurgaß. Marxismus in der Gegenwart. Im Rahmen der Veranstaltungen der Sozialistischen Studenten- schaft in der Hochschule für Politik sprach Genosse I. P. Mayer über„Die Gegenwärtigkeit des Frühwerks von Marx". Der Redner umriß im Ausgang seiner Betrachtungen den Stand der heutigen Marxforschung, die sich feit einigen Jähren besonders dem jungen Marx zugewandt hat. Aber in dieser Beschäftigung mit dem jungen Marx, so führte Genosse Mayer seinen Gedankengang weiter, liegt nichts Zufälliges, sondern wir sind erst heute imstande, aus Grund einer ganz bestimmte» Situation der europäischen Wissenschaft, die Frühschriften von Marx richtig zu verstehen. An einer interessanten Auseinandersetzung mit der überlieferten Frage- stcllung innerhalb des Marxismus selbst, ausgehend von Renner. Otto Bauer und Rudolf Hilferding, wies der Vortragende nach, daß auch der Marxismus von der allgemeinen Entwicklung der Wissenschaft nicht losgelöst werden kann. So zeigen sich im Äustro- Marxismus ganz bestimmte Züge der Marxschen Philosophie, und in Hilferdings„Finanzkapital" läßt sich in entscheidenden Punkten die Fragestellung der deutschen Soziologie nach 1900 aufzeigen. Diesem Marxismus gegenüber bedeutet der Rückgang aus das Werk des jungen Marx den Versuch, Einheit von Theorie und Praxis in einer Art Universalwissenschast zusammenzufassen, die man Soziologie oder Philosophie nennen könne. Genosse Mayer wies dann �noch auf eine von ihm im Marxchen Nachlaß aufgefundene Schrift hin, aus der diesc�Aus- fassung des Marxismus besonders deutlich werde. Diese Schrift „Nationalökonomie und Philosophie" soll demnächst der Oeffent- lichkeit zugänglich gemacht werden.— Der Hörerkreis folgte den anderthalbstündigen, gelegentlich recht schwierigen Analysen des Redners mit lebhafter Aufmerksamkeit, Die anschließende Dis- kussion gestaltete sich überaus fruchtbar. Vater Grunow 75 Jahre alt. Heute begeht unser Genosse Ferdinand Grunow, Straßmannstr, II, seinen 75. Geburtstag. Seit 48 Jahren Parteimitglied und Leser des„Vorwärts" ist er auch in der Maurerbewegung kein Unbekannter. Unter dem Sozia- listengesetz hat er schon für die Partei gekämpft und Vater Grunow ist auch heute noch in jeder Parteiveranstaltung zu sehen und bei jeder Flugblattverbreitung ist er noch mit dabei. Heute drückt auch ihn leider die Not der Zeit. Dem Jubilar gehört unser herzlichster Glückwunsch. Jnserat Serie: he O.' Ein Texf für Vsrwöhn und Anspruchsvolle! Das zusammenfassende Urteil des öffentlichen Waren Prüfungs-Amtes zu Berlin über den hier neben abgebil deten Mantel lautet: „Aus der gesamten Prüfung geht hervor, daß der übergebene Abschnitt Artikel 495 in Kette und Schuß als reinwollenes Streichgarn zu bezeichnen ist. Die Festigkeitszahlen des Stoffes sind hohe" So sieht also ein Mantel aus, und so ist er beschaffen, den Sie bei uns für den fast unglaublich erscheinenden Preis von Mark 39.50 kaufen können. Und nun stellen Sie sich bitte vor, welcher Art die Kleidung ist, für die wir mehr, also vielleicht 50.- oder 60.- oder gar 70.» Mark verlangen. Das ist in der Tat Kleidung, die selbst einem verfeinerten Geschmack und verwöhnten Ansprüchen vollkommen gerecht wird. Und die bei jedem, der mit ihr einen Versuch macht, die Überlegung auslösen wird;„Warum bin Ich schon lange dem Rufe gefolgt: Halloh!- Ich bin aus einer kernigen, vollschweren Shet- landware. Bitte beachten Sie die besondere Eleganz meines Schnittes.* Ich bin durch und durch einschließlich der Aermel mit guter Kunstseide gefüttert. Und mein Preis- bitte bewundern Sie das gebührend- Ist doch nur Oranlenftr.40 Aa OranltDplats Chaufteeftr.11 3 Könfsttraße 33 Sei* Stettiaer Oatwhot Am dHtwyo» AicxeodtrsUtt Nadidmä von Von und DUd»trtxinnt Sturm im Lalmette-Prozeß. Vie umstrittene Persönlichkeit des französischen Forschers. Lübeck. 5. Zlovember.(SigenbetichL) Zm Eolmekti' ZZrozeh teilte Obetftaafsanmall Dr. C l e a a u am Donnerstag mit, dah von Rechtsanwalt Dr. Cantor ein Antrag mit der Tendenz in Aussicht gestellt worden sei. dah die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen Dr. Alt starbt erweitern möge. Nach der Antlageschrist ist Dr. Altstaedt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverlehung bei Durchführung des tlalmette-Der. fohreus angeklagt. Durch die Erweiterung der Anklage fall Dr. Altstaedt zum varwurf gemacht werden, dah er sich der f a h r- lässigen Tötung und Sörperverlehung schon bei Einführung des Verfahrens schuldig gemacht habe. Rechtsanwalt Dr. Hoffmann, Verteidiger Dr. Altstaedt». erklärt, daß sein Mandant die volle Verantwortung für die Ein- führung des Calmette-Verfahrens übernehme und sich auch der erweiterten Anklage stellen werde. Rechtsanwalt Dr Wittern führt hierzu aus. daß dann gegebenenfalls auch die Anklage gegen Pro- feffor D e y k e auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung er- weitert werden müsse:„Wenn sich auch in der Literatur eine ganze Herde von Medizinern den Anschauungen Calmetles angeschlossen hat, so war es doch im Hinblick auf gegenteilige Forschungsergeb- niss», die bereits 1928 vorlagen, fahrlässig, die Herstellung des BCG. in diesem Umfang aufzunehmen" Auf die Frage des Bor- sitzenden, ob Dr. Wittern mit dem Ausdruck„ganze Herde von Medizinern" eine große Anzahl von Medizinern gemeint habe, formuliert Dr. Wittern, daß diejenigen Mediziner gemeint seien, die ohne eigene Untersuchungen und Forschungen das nachgebetet hätten, was ein Großer oder vielmehr ein Kleiner gesagt habe: „Mit seinem richtigen Namen heißt er ja gar nicht Calmette, sondern Calmon oder so ähnlich." Darauf erklärte Professor U h l e n h u t h: ,Lch kann es als Vertreter deutscher Wissenschaft nicht zulassen, daß ein so hoch- verdienter französischer Gelehrter in solcher Form abgetan wird. Ich halte es für meine Pflicht, mich im Namen der deutschen Wissen- schaft schützend vor Calmette zu stellen. Dr. Wittern erwidert in sehr erregten Worten. Er meint, wenn es auch sonderbar scheine, daß er sich als Vertreter der Nebenkläger einen Augenblick auf die Seite von Professor Deyke stelle, so scheine es ihm doch notwendig zu fragen, ob das Verhalten Calmetles eigentlich so sei, dah Deutsche sich schirmend vor ihn stellen mühten? Dr. Wittern will daraufhin den in deutschen Zeitungen veröffentlichten Brief Calmette-- vorlesen, der..eine scharfe Erklärung gegen die Pfuscherei eines deutschen Gelehrten" enthalte. Der Vorsitzende untersagt die Verlesung jedoch aus strafprozessualen Gründen. Erregt erklärt Dr. Wittern deshalb:„Da hört doch alles aus! Immer diese Rück- ficht! Das heißt Strafprozeßordnung und sonst dergleichen und ist doch alles nur ein Grund, sich vor Calmette zu stellen. Jetzt habe ich davon als Deutscher aber endlich genug!" Nur langsam staut die Erregung im Gerichtssaal ab. Es wurde dann noch von Rechtsanwalt Darboven der Antrag gestellt, Professor Friedmann als Zeugen zu laden. Konsumgenossenfchastliche Werbewoche. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine veranstaltet in der Zeit vom 8. bis IS. November 1931 für das ganze Reichsgebiet eine tonsumgenossenschastliche Werbewoche, die der Aufklärung über den hohen Wert der konsumgenossenschaftlichen Selbsthilfe dienen soll. 5 Millionen Derbraucherfamilien, d. h. also fast ein Fünftel der gesamten Bevolterung Deutschlands, stehen bereits im Lager der Konsumgenossenschaften. Das Heer der Mit- glieder. von denen die Genossenschaften getragen werden, soll durch die Reichswerbewoche vermehrt und vergrößert werden. Die ge- nossenschaftliche Werbung bedient sich aller Werbeformen: Millionen von Flugblättern gelangen in die Verbraucherhaushaltungen, der Wagenpark der Genossenschaften trägt Werbeplakate, die Schau- fenster der konsumgenossenschaftlichen Abgabestellen weisen Werbe- dekorationen auf, in Filmveranstaltungen werden die Er- folge der konsumgenossenschaftlichen Arbeit gezeigt, ein Rund- funkvortrag gibt Aufschluß über Wesen und Ziel der genossen- schaftlichen Gemeinschaftsarbeit. Tausende von ehrenamtlichen Funktionären werden, von genossenschaftlicher Ueberzeugung beseelt, die Werbung allüberall betreiben, in allen Fabriken und Werkstätten wird der Ruf erschallen: Hinein in die Konsumgenossen- schaften! Die Tore der Konsumgenossenschaften stehen allen offen, die willens sind, das Genossenschoftswerk zu fördern. Die Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend, die in den letzten Iahren ihre Mitgliederzahl auf 200 000 steigern konnte, erleichtert den Verbrauchern den Beitritt, indem für die Zeit vom 8. bis 3 0. November 1931 keine Auf- PreuOen oder Braunschweig! �Ws°zl«imch-Ar»eitmuMdGws.s� I S-»«infesOuasei Filz fcwfe Slutn-ir mir«n 603 SugtaMthetwcioi latlXf___&■ äM____1_______ Serlw SW«. Ltndsnfttcbe» Offentl. Kundgebungen Heute, Freitag, s. November, 20 Uhr, im Stadttheater Köpenick, Am Marktplatz. Ref.: Erich Kuttner, M.d.U Sonnabend, den 7, November 1931, 19« Uhr, im Realgymnasium, Tempelhof, Kal»erln-Augusta-Str.19.20 E« spricht Uandtagsabgeordneter Erich Kuttner Uber „Preußen oder Braunschweig'* EinwohnerTempolhofs, stärkt unsere Abwehrfront gegen Harzburg und Braunschwelg. Besucht die Kundgebung SesiaKtemoHratische Partei Deutschlands 13, Bezirk, 86. Abt. Tempelhof Reichsbanner Schwärs« Rot- eold Ortsverein Tempelhot nahmegobühr erhoben wird. Aufnahmen werden in den 382 Abgabestellen der Konsum-Genvssenschaft Berlin und Umgegend vollzogen: Auskünfte in genossenschaftlichen Angelegenheiten erteilen bereitwilligst das Personal und die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Genossenschast._ Kirchenaustritt. Das Äirchensteuerjahr geht im nächsten Viertel- jähr zu Ende. Wer jetzt austritt, braucht nur noch bis zum 31. März 1932 Kirchensteuer zu zahlen. Am Freitag, dem 6. November, 18 bis 20 Uhr, kann in der Freireligiösen Gemeinde Berlin, Pappel-Allee IS, gegen Vorlegung einer Legitimation und Zahlung einer Gebühr von 2 M. der Kirchen- austritt vollzogen werden. parieinachnchien fürGroß-Berlin stet» an da» Beztekasetretariat 2. Hof, 3 Steppen recht», ja richten Sinsendnngen für dtefe Slnbrik find S e r l t n SS es. Llndenstrah« 3, Beginn aller Veranstaltungen 19'/? Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heute. Areilag. S. Zlovember. t. Krei». U Uhr Cimetlislofcnjufcimmenlunft, Heim Waisenstr. IS. Bortraz Genossin Pollack. 14. Stai*. IS Uhr gusammenkunft der erwerbolosen Parteigenossen Böhmische Strah« i— 6. 32. Adt. SOVj Uhr Funkt ionärsitunz bei steomohardt, Paul.Ginzer.Ltr.«3. 34, Abt. 20 Uhr»nchtige Funitionärsizuna bei Eeidlix, Romintener Str. 7. 78. Abt. 20 Uhr, Lokal Naiho, Feuriq. Sckc Prinz-Georg-Etroße, Funktionär. sttzung. 90, Abt. Funktionärsitzling. Morgen, Sonnabend. 7. November. S. Krei». 19 Uhr Citznnn aller Iugenbbelräte und Leiter nan SSugereo- Arbcitekreisen. Litauer Str. 19. butzki, Sandiger Str. 4«. 34. Abt. 20 Uhr Ausspracheabend Arbeit, tat» junger Parteiget Italienischer Faschi-mu» und sein» Lehren, Litauer Str. 19. 4t. Abt. Alle Parteigenossen, welche Mitgli-der der 8. Berkaufosteve. Arndt. Itrahe, der Konsum, enossenschast Berlin sind, werden zu einer Werbeoer. anstaltung um ISUUHc eingeladen. Lokal: Luhe, Dergmannstr. 93. 44. Abt. Alabow.?a Udr im lllabower Hos MitgUederversammlung. f de« Genossen«ottlieb Rees«. M.«bi. Parteigenossen. Thema: isantmlung. Bortrag Vi Uhr, Blumenstr. 88, Ausgang 8, lat Otts Stab» spricht über„Für- 29 Uhr in den Hohenstausensalen. Stottbusicr Gamm, Geselliger Abend unter Mitwirkung der-GAS. und de» Boltechor» Reuthlln. 94. Abt. Funktionärsitzung bei Schräder, Steinmetzstr. 82. •k 19, Arei». Sonntag. 8. Rooeinber, n Uhr/ iin' bekannten Lokal, Fr-lsvorstand». sitzunz mit den Abteilungsleitern. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrl. 1. sirei» Mitte. Freitag, 1. November. IS' t Tr., 4. Auriusabend. Der«enosse V sorgeereiehung". 4. Stai» Prenzloneo Berg. Freitag, 4. November, M Uhr, Danziaer Str. 44, Zimmer 4, Sitzung aller Helfersinnen) der Arbeiterwohlfahrt. Erscheinen aller ist Pflicht. Arbeitsgemeinschaft der ttlnderfreunde(vroh'verlin. Staioleitersitzung heute ISVi Uhr in der Geschäftsstelle. Gruppe Martha Demmning: Freitag Lieheradend für alle Falten. tag Tresfpunlt 10 Uhr Falkenecke zum Filmmatince. Falken 10 licht 30 Pf., Eltern 50 Pf. mitbringen. Steel» Treptow: Sonnabend, 7. November, Werdefiier in her„Autoklause", Lohanniothal, Kriedrichstraße. Beginn 19 Uhr. Eintritt 20 Pf. Stinder frei. Programm: Gesang, Sprechchor, Lichtbilder, Auisprache. Sonn- Pf., Jugend» Sterbetafel der Groß-Berliner Partei. Organisation 17. Abt. Unser lieber Senoss« Daniel Wiering ist am 3. November im 81. Lebenojahr« gestorben. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Einäscherung findet am Sonnabend» 13Vz Uhr, im Skrematorium �SUmer». darf, Berliner Str. 101, statt. Zu, Reuolutioaeseier gm zu SO Ps. im öalretgitat zageden. S. November, im Sportpalast sind Tgrten 2n.Kommission werden die Sterten nicht Streichorchester«rpß-Berliu.«eddwa: Heut«.«» Uhr, Hobe» im Heim See» Ecke Turiner Straße.— Neukölln: Treiwunkt 19% Uhr Sprlitzar Str. öl d II: Kuu WWWU Heimabend.— Karlsho.....SSWWWWWWWWM| Wcrdefeier.— Kanlsdorf! Adolfstr. 25:„Novemberrevolution".— iv .____.. Kundgebung im Stadttheater.— Fiiedrichsfelde: imabcnd.— Karlshorft: Treskowallee 44: Generalprobe zur Süngeren.Arbeitsgemeinschaft sovrs: Falk« Ritte: Dossestr. 22: Äolchstohlllge". Lichtenberg.Rordwest: Dosfestr. 22: „Jugendgerichte".-- Hermedors: Rovnstrahe:„Tagespolitik".— Riluickeador!. Oft: Lindauer Straße:„Seruelle Fragen".— Wittenau: Hauptstr. 14:„Arbeiterdichter".— Riederschöuhausen: Lmdenstr. 47: Arbeitsgemeinschaft, M. Werdebezirl Oft«», Erwerbslose: Filmvorführung 15 Uhr Tilsiier Str. 4—5. Mitgliedsbuch mitbringen. Werbebezirk Neukölln: 14 Uhr, Ganghoferstraß«, kurze Besprechung aller Gruppenleiter und Ausgab« der Karten für den Kabarettabend. «erbebezirk Teltawkanal: Wochenendkursu» 1.19. November, Bilbung, schule West in Brieselong. Tresspunkt morgen 20 Uhr Bhf. Sütende- «erbebeztrk Reinickendorf: Sonntag tz�tz Uhr Vorstandssitzung mit den Bil- dunasobleuten und Jugendbeiräten. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung müssen beide Borsitzenden der Gruppen erscheinen.— Pünktlich 10>h Uhr, Wittenau, Sieu« Schule:„Die verschiedenen Parteien Deutschland»", II. Teil. «, Lindensir. 4. vorn 1 Tr.: Licht- eer". Referent Genosse Kurt Biging. Werbedezirl Kreuzberg: Sonntag, 20 Uhr, Lindensir. 4. vorn 1 Tr.: Licht bilderabend:„Pom Kaukasus zum Gelben"''""'~' Oos Spiel vom Warmwasser. Moderne Neklame hüllt sich in das Gewand belustigender Demonstration und erreicht so am besten ihren Zweck. Im Saol am„Märchenbrunnen"(Friedrichshain) veranstaltete der Haus- dienst der Berliner Städtischen Gaswerke einen lustigen Belehrungsabend über die Dorteile der Wormwofser- Versorgung im Hause, deren die Hausfrau durch Anschaffung des billigen Progasapparates(ILO M monatliche Miete. 60 M- Anschaffungspreis. zahlbar in Monatsraten zu 2 M-) teilhaftig werden kann. In einer launigen Bilderserie rollt da» Familienleben mit und ohne Warmwqsser ab: Hier ständiger Zank und Streit, weil morgens weder warmes Rasierwasser, noch der Kaffee zur Zeit zur Stelle ist, dort eitel Freude und Harmonie: Morgens kann sich die ganze Familie durch das Brausebad für das Tageswerk erfrischen und beleben, die Hausfrau wird allen Anforderungen pünktlich gerecht, der Haushalt erfordert zu feiner Betreuung weit weniger Zeit und Mühe, ryenn der Wasserhahn sofort warmes Wasser gibt. Darsteller, Autor und Komponist, alles liefert der Hausdienst aus den Reihen seiner Angestellten, daneben gibt es noch erHand praktische Demonstrationen im Koch-, Back- und Bratoersahren zu sehen._ „Geammaphou"—„Die Stimme seine» Herr»' bringt unter de» jetzt er. schienenen Neuaufnahmen der Serie„Vraun".Etik«tt»ine reichhaltige Schall Plattenauswahl in hervorragend guten Orchesterplatten und Gesangsaufnahinen, vor allen Dingen aber die neuesten Tanz, und Tonsilmschlager. Den Zeit. Verhältnissen angepaßt ist auch der billige Berkaufspreis von 2 Mark für diese Qualitätsplatte. Verantwortlich für Politik: Vietor Schiff: Wirtschaft:».»Nngelhöser; Gemerlschafisbewegun«: Z. Steiner: Feuilleton: St. John Schilowski: Lokales und Sonstig«»: tfrip Karstadt: Anzeigen: Tb.«locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag(8. rn b. Berlin. Druck: varwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Ca.. Berlin SW. 68, Linbenstraße Z. Hierzu S Beilagen. Mengenabgabe vorbehalten»Verkauf solange Verrat•Telefonische Bestellungen ab 5.00 M. unter FÖBSrwald 0012 werden prompt erledig« r < v KARSTADT FRISCHFLEISCH BUTTER UND EIER WURSTWAREN OBST U. GEMUSE FISCHE» DELIKATESS. RINDFLEISCH enfl... anPM.0.58 Felifrippe.. an pm. 0.68 M.. 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Schinken i/4 Pfd. 0.36 Kons.Rot-u.leberw.Pfd. 0.48 Landleberwurst. Pfd. 0.78 Jagdwurst...... Pfd. 0.92 Feine Leberw...Pfd. 1.15 CervelatundSalami Pfd. 1,24 Schlackwurst i. p. pfd. 1.38 Speck mager 1.05, feit Pfd. 0.88 Schinkenspeck Pfd. 1.38 Teewurst,"Ä 1.15 KOLONIALWAREN Blue rose Reis..Pfd. 0.25 Moulmain-Reis 5Pfd. 1,00 Burma-Reis...2 Pfd. 0.25 Auszugmehl..3 Pfd. 0.75 Bohnen........ 6 Pfd. 0.75 Linsen...... an 2 Pfd. 0.26 Eierbandnudeln Pfd. 0.40 Mischobst....an Pfd. 0.38 Katfee..... an pm. 1.80 Prinzenäpfel____ pfd. 0.1 0 Eß- u. Kochbirnen 3 Pfd. 0.20 Reinetten lancUb. 2 Pfd. 0.25 Arnoreften-Bim. 2 Pfd. 0.32 Erdnüsse........ Pfd. 0.25 Kranzfeigen____ Pfd. 0.30 Para u. Walnüsse.Pfd. 0.45 Rosenkohl..... 2 Pfd. 0.28 Rot-, Weiß- Wiriingkohl Pfd. 0.05 Goldparmänan.4 Pfd. 0.28 KONSERVEN Jg. Brechbohnen.9/tDs.0.75 Brechspargel»i't«!-Vi Dt. 1.00 Jg. Erbsen m>n«!...>iivt. 0.74 Jg. Erbsen m.<«>«...'/. Dt. 0.62 Jg.Kohlrabi vs. 0.38 Sellerie........>/, vs. 0.68 Pfirsiche gr.Fr..Vi Ds. 0.75 Reineclauden D». 105 HaUSh.-Mlschg...Vi Dt. 0.38 Kabeljau o.K.i.G.Ptd. 0.22 Rotbars O.K...... Pfd. 0.18 Fischfilet... an Pfd. 0.34 Heringe�rünanSPfd. 0.38 Karpfen, leb.. an Pfd. 0.68 Bücklinge... an Pfd. 0.24 CHsardinen VsCIubds. 0.25 Makrelen in Tom. Ds 0.50 Würstchen. 5 P.-Ds, 0.75 Brath eri n g e ,DL0,.r; 0.50 WEINE Bowlenwein l.».»», v l 2.90 Rheinwein.li.ib, 51.5.25 Zeller sehwra. Katz L 1.80, 5 L 7.75 Tarragona. l 1.00. 5 1. 4.75 Sornas.... l 1.10, 5 1 5.25 Johannisb.-W. L 0.7s, 5 L 3.50 Erdbeer-Wein L 0.7s, 5 L. 3.50 Grand Medac m. Fl. 1.20 Wermut. l ius, s i. 4.50 Umie c(m qtoße RdCORD l/£fl HIRMANNPLATZ DER KARSTADT- BAHNHOF Ln Genf wird erkläri: „Die japanischen Truppen sind unausgefeht mit der Räumung der Mandschurei beschästigi." Macdonalds neues Kabinett. Gir Lohn Simon Außenminister.— Aeville Chamberlain Schahkanzler. t o n d o a, s. November. lTigeubcrichl.) Die Zusammensetzung der neuen Regierung Zllac- douald wurde am Donnerstagabend bekanntgegeben. Die Kon- servatlven sind in dem neuen Kabinett noch stärker ver- treten al» in der ersten Regierung M a c d o n a l d. Die Ministerliste lautet: Autzenministerium: Sir Iohn Simon. Führer der liberalen Gruppe, die den Sonseroa- tioen am nächsten steht. Neville Ehamberlai». Raldwin. Sir Herbert Samuel, Snowden. Sir Samuel Haare, I. H. Thomas, Sir Philipp Cuulifs.Lister, Sic E. Hillou-Bonug. Ruucl man,- i-i Lord Hall shaM, Lord Londonderrq. Sir v. Syros-Mousell. Sir Donald Maclean. Sir Henry»alkerton. Sir 3ohu Gllmour. Ormsby-Gore. Lord Sankey. Schatzkanzler: Minister ohne Portefeuille: Sicherheilsminister: Lordsiegelbewahrer: Zndlenminlster: Minister für die Dominien: Kolonialministerium: Innenministerium: Handelsamt:- öriegsuüaist«:....... Luftminlster: Mariuemtuister: Krziehuugsminlsterium: Zlrbei tsmwisterium: Laudwirtfchastsmluister: OeffenMche Arbeiten: Lordkauzler: * Das neue Kabinett enthält 20 Namen, darunter elf Kon- servatme, vier dissidente Arbeiterparteiler und fünf Liderale, davon zwei, die der rechtsstehenden Simon-Gruppe ange- hören. Die Konservativen verfügen somit innerhalb des Kabinetts über die absolute Mehrheit, was frei- lich durchaus logisch ist, da sie im Unterhaus selbst über drei Niertel der Sitze verfügen. Sie haben es jederzeit in der Hand, den rein konservativen Standpunkt durchzusetzen und nötigenfalls eine Kabinettskrise zu provozieren. Am interessantesten ist natürlich die Ernennung des rcchtsliberalen Führers SirIohnSimonzumAutzen» minister on Stelle des anderen, etwas mehr linksgerich. teten Liberalen Lord Reading. Simon steht im 39. Lebens- jähr und ist somit wesentlich jünger als�der 70jährige Reading. Er hat den gleichen Posten im Kabinett Asquith während der ersten Kriegsjahrc 1915/16 bekleidet. Er ist aber nicht Diplomat, sondern Jurist von Berns und verteidigte erst dieser Tage als Rechtsanwalt den zu Gefängnis verurteilten Lord Kylsant. Er war der Vorsitzende der Untersuchungskommission in Indien, deren sehr umstrittener Bericht zum großen Teil von der Regierung freigegeben werden mußte. Die M a c d o n a l d- G r u p p e ist im Kabinett unoer- hältnismäßig stark vertreten, aber es ist erklärlich, daß Macdonald oenen wenigstens die Treue hält, die gemeinsam mit Um der Arbeiterpartei die Treue gebrochen haben. Rur der Iustizminister Sir William Jowitt. der sein Unterhaus- Mandat durch eigene Schuld verloren hat, well er nicht wagte, in seinem bisherigen Wahlkreis zu kandidieren, ist aus der Kabinettsliste automatisch verschwunden. Für den künftigen Kurs der britischen Innenpolitik ist allerdings die Besegung des Finanzministeriums durch N eoille Chamberlain die wichtigste Tatsache. Dieser ist seit jeher ein entschiedener Verfechter des Schutz- z o I l g e d a n k o n s. Er hat während des Wahltampfes in ausgesprochenem Gegensatz zu Snowden den Standpunkt ver- treten, daß im Fall einer konservativen Mehrheit die neue Regierung verpflichtet wäre, Schutzzölle«inzuführen. Mac- danalds Versuch, don gemäßigten Baldwin für das Schatz- kanzlsramt zu gewinnen, ist an dessen Weigerung gescheitert. Um nun die Wirkung der Betrauung Nevrlle Chamberlains einigermaßen auszugleichen, hat man das für Schutzzoll» fragen nächstbetsiligte Ressort dem Rechtsliberalen W a l t s r R u n c i m a n anvertraut, der den gleichen Posten in dem« selben Kriegskabinctt Asguith bekleidete, in dem Simon Außenminister war. Die sonstigen Ernennungen sind nicht besonders auf- fallend: Es handelt sich entweder um die bisherigen Minister, die im Kabinett beibehalten werden, oder um konservativ« Politiker, die in der einstmaligen Regierung Baldwin bereits ein Ministeramt bekleideten. Ausgesprochene Die-Hards, also extrem- konservative Männer, sind in der Regierung nicht enthalten, was als ein Zugeständnis Baldwins an seine Koalitionspartner auf- gefaßt werden kann. Immerhin ist es bemerkenswert, daß ein Bericht der„Telegraphen-Union" aus London die viel- sagende Bemerkung enthält, wonach die Wahl des Konser- vativen B e t t e r t o n zum Arbeitsminister den Rückschluß gestatte, daß„die Regierung den Erwerbslosen keine Zugeständnisse machen" werde! verkrag und die Berbkndlichkeitsertlärung, wenn auch in der Handhabung Aenderungen in mancher Hinsicht getroffen werden müßten. Darüber wird in der nächsten Woche im Unter- ausschuß des Wirtfchaftsbeirats gesprochen werden. Wir werden bestimmt über den Winter hinwegkommen. Wir müssen und werden dafür sorgen, daß das Volk nicht zu hungern braucht. Dann müht« es aber sonderbar zugehen, wenn wir nicht die Kraft aufbrächten, auch die übrigen Aufgaben bewältigen. Wir sind über den Inflations- und Etabilisationswinter 1923/24 auch nur hinweggekommen mit dem Belagerungszustand, und wenn alles hart auf hart geht, ist der gegenwärtige Staat noch lange nicht * am Ende seiner Kraft angelangt.(Lebh. Beifall.) Wenn unser Volt vor der klaren Situation steht, die ich gekennzeichnet Hab«, und wenn man dann vom Radikalisinus trotzdem die Zukunft eines Staates zerschlagen ließe, für solch« Kälber dürfte tat» sächlich der selb st gewählt« Metzger das Messer schleifen.(Lebh. Zustimmung.) Wenn dafür gesorgt wird, daß die Menschen nicht zu hungern brauchen, dann wird es auch möglich lein, äußerstenfalls mit dem Ausgebot aller st aat» lichen Machtmittel Ordnung zu schaffen. In der Diskussion polemisierte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschastsbundes Otte gegen die Rede Thyssens in Amerika. Rcichsminister a. D. Dr. W i r t h hielt eine normal funktionierende Demokratie für notwendig. Im Schlußwort sprach Dr. kaas über die bevorstehenden außen- politischen Verhandlungen: Langsam, langsam hebt sich der Vorhang zu Verhandlungen, die meiner festen Ueberzeugung nach entscheidungsvoller fein können als alles, was seit Versailles an den Tischen der Diplomaten verhandelt wurde. Wenn etwas heute die internationale Szene beherrscht, in einem Maße, wie man es vor verhöltnismäßig kurzer Zeit in manchen Kreisen noch nicht gehofft und erwartet hatte, dann ist es die Einsicht in die Tatsache, daß Versailles doch tat- sächlich ein verhängnisvoller, ein verunglückter Start zum so- genannten wettfrieden gewesen ist. Wir nähern uns langsam dem Augenblick, wo der innere Nonsens der sogenannten Friedensverträge durch einen drastischen An- ichauungsuntcrricht auch solchen greifbar wird, die sich bisher— sei es aus Unverständnis, sei es aus Gegemnteressiertheit— dagegen gesträubt haben. Und wem ist es zu danken, daß diese Cnt- Wicklung sich, wenn auch verspätet, wenn auch immer noch zu lang- sam im Vergleich zu dem Tempo unserer Ungeduld und unserer Erwartungen so vollzogen hat, wie sie sich heut« zu vollziehen be- ginnt? Hier liegt eine erste Frucht der geduldigen, besonnenen, zleloricntierten Außenpolitik im Geiste Brünings vor. Wir haben lange gewartet, es ist unendliche Zeit ungenutzt dahingegangen. Was soll geschehen, wenn noch weitere Monate. wenn noch ein weiteres Jahr dahingehen soll, ohne daß wir endlich wenigstens an der Pforte zu Totallösungen stehen, die den Völkern die Möglichkeit geben, zu glauben an ihre Zukunft, zu hassen auf ihren Aufstieg und dadurch die innere Kraft zu be- lommen für diejenigen Entschließungen, die die internationale Ko- operation von jedem einzelnen fordert. Die Volkspartei fühlt sich getroffen. Die Deutsche Volkspartei hat sich durch die Rede Brünings sehr getroffen gefühlt, namentlich durch eine im parteioffiziellen Bericht nicht enthaltene Aeußerung, daß der Beschluß der Volks- parlei auf Einberufung des Reichstags im Sommer Teutschland einen Deoisenverlust von 220 Millionen Mark on einem Tage gebracht habe, ferner durch Angriffe auf die Unternehmerpropaganda im Auslände. In einer Verlautbarung droht die Volkspartei: „Die Deutsche Volksportei denkt nicht daran, einer Ausein- andersetzung mit dem Reichskanzler aus dem Wege zu gehen, wenn er sie wünscht. Sie hat ihm gegenüber auch in dem Augen- blick des Ueberaangs zur oppositionellen Haltung und danach stets eine loyale Haltung eingenommen. Sie würde es be- dauern, wenn derartige agitatorische Angriffe erfolgt wären, die chi.. dl« Fortsetzung jener.Haltung. unmoKich machen njärdenF. Die Voltspartei ist in der Lage eines Halbstarken, der ständig ruft:„Fange doch an!" ohne den Mut zu haben, selbst an- zujangen. Hiiler wird degradiert. Oer Iaauschauer spricht ihm die sHegienmgSfähigfeit ab. Herr von Oldenburg-Ianuschau hat in Plauen eine Rede gehalten, m der er gegen Sozialdemokratie und Zentrum wetterte. Dann nahm er sich die National- j o z i a l i st e n vor: „Es sei ein« gefährlich« Verkennung der Tatbestände des wirk- lichen Lebens, wenn man aus der Befähigung, im nationalen Sinne mitreißend auf die Massen zu wirken, ohne weiteres die andere ableite, praktischer Ge st alter einer erfolgreichen Politik zu sein. Die nationale Zukunft erfordere, daß die G r e n- z e n klar erkannt würden, die jeder Organisation und Bewegung von Natur gesetzt seien." Hitler darf trommeln, mitreißen, agitieren— aber regieren darf er nicht. Das bleibt den Junkern und .Herrn Hugenberg vorbehalten. Sie glauben, daß Herr Hitler von Natur aus bestimmt ist, nurWerkzeugzu sein. Das ist die schallendste Ohrfeige, die Hitler seit langem erhalten hat!_ Siarhemberg will wieder puffchen. Oer Echvtzbund steht auf der Wacht. Wie«» 5. November. lEigenbericht.) Eine Wiener Korrespondenz teilt„von völkischer Seite" mit, daß Starhemberg für die Nacht zum 8. No- vember zum Zwecke eines Putsches einen Alarmbefehl ausgegeben habe. Er wolle R-ichsverweser werden und die Föderation mit Ungarn vorbereiten. Di« National- sozialisten hätte» sich dagegen gewandt. Starhemberg bestreitet diese Mitteilung. Der Republikanische Schußbund halt sie jedoch nicht für wn- glaubwürdig, da auch ihm seit einiger Zeit Mitteilungen über die Vorbereitung eines Heimwehrputsches zu- gegangen sind. Hilferding bei Laval. Und natürlich Verdächtigungen durch die Hugeuberg-Presse Der sozialdemokratische Reichstageabgeordnete Dr. Hilf er- ding wurde am Donnerstag in Begleitung des sozialistischen Kammerabgeordneten Grumbach von Ministerpräsident Laval empfangen. Die Unterhaltung bezog sich auf die Finanz» und Wirtschaftslage Deutschlands. (Spinale Kinderlähmung in Hage«. Bisher vier Todesopfer. 3a Hagen in Westfalen ist eine Epidemie. von spinaler Kinderlähmung ausgebrochen. Fünfzehn Kinder sind erkrankt,»ier find berett» gestorben. Herunter mit dem Brotzoll! Oie Brotfrage im vottswirtfchastlichen Ausschuß. Dem Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages lagen in seiner Donnerstagsitzung 16 Anträge vor, die sich mit den Verhältnissen in der Landwirtschaft befaßten. In diesen Anträgen wurde die Niederschlagung der Kredite und Zinsen, sowie die Einführung eine» Verwendungszwanges für verschiedene landwirtschaftliche Erzeugnisse verlangt. Im übrigen beschäftigten sich fast all« Anträge mit der Not der Landwirtschast Wenn die Forderungen in diesen Anträgen zur Durchführung kommen, dann würden dem Reich natürlich wieder erhebliche Kosten entstehen. Ohne den Antrag- stellern nahezutreten, muß gesagt werden, daß ein beachtlicher Toll dieser Antröge im wesentlichen aus agitatorischen Gründen gestellt worden ist. Durch Erklärungen der Reichsregierung wurde eine Anzahl dieser Anträge einfach als erledigt erklärt. Die sozialdemokratischen Vertreter benutzten diese Gelegenheit, um in eindeutiger Weise der Regierung zu sagen, daß hinsichtlich des Brolpreise« unbedingt die Gesetzesbestimmungen zugunsten der Verbraucher nunmehr durch;»- führen sind. Die Regierung, dos heißt das Reichslondwirtschaftsministerium, Theater am Kurfürstendamm. Ilse Langner:„Oie Hellige von USA." Heber die große Schwindlerin des Geistes ein« ehrlich« Repor- tage in zwölf Bildern mit viel Lärm und wenig Geist Darum großes Entzücken und Beifall für die Dramatikerin. dl. H. dürfe nicht glauben, daß sie eine Brotpreiserhöhung vermeiden könne durch schleppende Verhandlungen mit den Bäckermeistern, sondern es müßten die Zölle für Roggen herabgesetzt werden. Ein Antrag befaßt sich mit der Absatzförderung beim Schlachtvieh. Bei dieser Gelegenheit haben die sozialdemo- kratischen Vertreter auch darauf hingewiesen, daß das Reichs- crnährungsministerum die Pflicht habe, die Handelsspanne zu ver- ringern, damit die breiten Massen in den Genuß niedriger Fleisch- preis« kommen. Von einem Vertreter des Zentrums wurde gesagt, daß leider die Bevölkerung die beste Qualität beim Fleisch bevorzuge. Genosse Bergmann(Soj.) widerlegte die Behauptung und sagte mit Recht, daß Millionen sich heute gerne die Fleisch- und Speckwarcn minderer Qualität kaufen würden, wenn sie die nötigen Mittel besäßen. Vom Genosse» Baabe(Soz.) wurde die immer wieder aufgestellte Behauptung widerlegt, daß die Sozialdemokratie zu irgendeinem Zeitpunkt in bestimmter Form für einen Roggenprels in Höhe von 230 Mark pro Tonne eingetreten wäre, obwohl die Sozialdemokratie eingetreten Ist für einen angemessenen Schutz der landwirtschafllichen Produkte, selbstverständlich unter Wahrung der Verbraucherinteressen. Der Abgeordnete Ehrhardt sZ.) wies darauf hin, daß der hohe Zoll auf Roggen und Weizen auf die Dauer«ich so bleiben könne. Niemals hob« man früher angenommen, daß femals Zölle in solcher Höhe zur Einführung kommen würden. Gegenüber einer Bemer- kung de» Abgeordneten Drewitz(Wirtschp.), daß die wenige Pfennig betragende Brotpreiserhöhung doch nicht ms Gewicht falle, wies Ehrhardt(Z.) darauf hin. daß dies doch der Fall sei. wenn man an die Notlage und Arbeitslosigkeit der breiten Massen denke. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Sovomrt(Corrof« fätffiip Hehensmittel Frisch. Fleisch Gegfügei, WIM Obst u. Gemüse Odisen-Suppenfielsch Pfd. 0.58 Ochsen-Gulasch... Pfund 0.74 Ochsen-Roastbeef. Pfund 0.76 Ochsen-Sdimorbraten sefiier 0.84 Ochsen-Talg 0J2 Gehackt. 0.60 Kalbskamm...... Pfund 0.54 Kalbsbrust, BUdcen u. Blatt 0.60 Schweinebauch u. Blatt Pfd. 0.68 Schweinesdiinkenohn. ßige.0.76 Schweinekamm u.«Schuft 0.80 Sdtweinekoteletf Pfd. v. an 0.64 la Berliner Bratwurst Pfd. 0.98 Kahler..... Pfund von an 0.74 Tauben.... Stüde von an 0.75 Wolgahühner Pfund von an 0.78 Ungar. Puten Pfund von an 0.88 Gänsestückenfleisch Pfd.». 0.85 Fische Retbars ohna Kopf, Pfd. V. an 0.18 Kabeljau, Seelachs Pfd. v. an 0.22 Fischfilet...Pfund von an 0.34 Dorsch... 3 Pfund von an 0.25 Frische Bleie 2 Pfd. von an 0.28 Grüne Heringe 3 Pfd.». an 0.38 Schiele u. Karpfen leb., v.an 0.68 Kochbirnen.... 3 Pfuao 0.20 Eh- u. Kochäpfel 3 Mund 0.28 Jägeräpfel......«und 0.15 Boskop-Renetten 2 Pfund 0.35 Smyrnafelgen....... 0.30 Zitronen..... Duzend 0.25 Ret- Weih- Wirsingkohl Pfd.0.05 Möhren gewasdian, 3 Pfund 0.10 Rote Rüben.... 4 Pfund 0.1 5 Märk.RUbdien.. 3 Pfund 0.18 Sellerie...... 3 Pfund 0.18 Blattspinat..... 3 Pfund 0.28 Schwarzwurzeln. 2 Pfund 0.45 Konserven Sehn.- u.Br.-Bohn. 1.0.55 jg Junge Erbsen...... - mitlelfein 0.74 sehr fein Leipziger Allerlei..... Gemischt. Gemüse""l*1" Gemischt. Gemüse.fein Karotten Xk0.35kS Prinzeijbohncn.„ exfra fein s-5ö fein Pflaumen 0,58 ohne Sfein Mirabellen, Erdbeeren. Aprikosen.. halbe Frucht Ananas Hewaff....... 0.42 0.52 1.2S 0.78 0.90 1.40 0.80 1.38 0.72 1.10 0.95 1.35 Wurstwaren Hausmachsrsülze Pfd. 0.560.45 8!ut- U.Leberwurst(Halt. Art) 0,64 Dampf- u. Fleischwurst Pfd. 0.85 Landieberwurst Pfund f.fs 0.88 Jagdwurst....Pfund f.» 0.92 Feine Leberwurst Pfd.«.es 1.15 Zervelat u. Salami Pfund 1.28 Teewurst feine.... Pfund 1.32 Füefwurst....... Pfund 1.32 Zervelatwurst in P-Nd. i.s« 1.35 Speck fett v.en 0.88 mager V, 1»05 iiehinkenspede i-Pfd.-sick. 1.38 Gänsebrust geschn. 7. Pfd. 0.65 KSse Uo Fett Brlekäse.... Poriionsstüdc 0.20 Camembert 0.24 Harzerkäse ea. i-Pfd.-Paket 0.35 FeinkosikäsesSorf.,Scha(hf. 0.42 Blockkäse{.al'b'i�.Ä 0.58 Tilsiiar vom. 0.68 Brlekäse 0.70 Holländer u. Edamer vpfg; 0.68 Brafensdimalz■...Pfund 0.58 Margarine, Kokosfett pfg, 0.98 Moikerelbutter Pfund 1.12 Markenbutter... Pfund 1.42 Dän. Butter I a Qual.. Pfund 1.46 Mastgänse SÄ"*' 78.88.S8 pr. Enten u. Hühnes* Pfund(SM von an vyS£2t Pf. MirschfSeiscn Pfd. v.an Bagout Blatt tfidten Keule 20, 55, 68, 92 Pf. Pfund ven an klaff Rücken Keule 88 Pf. 1.36> 1.45 Kaninchen Pfund von an 85 pr. Wildschwein Blatt u. Rücken M O Pfund von an Pf. Theater, Lichtspiele usw. Staats % Theater Freitag, den 6. November staatsoper unter den Linden 20 Uhr Fürst Igor StaitLSdiauspieta Oendannen markt 20 Uhr Peer Gynl Schiller-Theater Ctvlifteiibin. 20 Uhr Das Hürnbergisth Ei T*J|. S a 81/2 Uhr Europ. Debüt: Waltsr DIRE WAHL Jlle OrlgiiwJ« sller Eirentrlker" h Urbanis TheOMarvels Chartons neue Marlomtten und weller» Sttrakt. Planetariam Tägl-auBer Montags Ä, 7, 9 Uhr Eine Filmfahrt In Die aiüen vorher Leiniomnii fl. SleiDenhtmniels ElatrliiB0.3U.6aPi. VoiKSDniine Theater am Bülavplatz S Uhr Das vierte Gebol StaatL Sdiiller- Theater 8 Uhr Das Nflrnberglsd] Ei Rose• l bester Grelle Frinkfarler StraSe 132 Tel. Weldiiel 1 7 3422 8.IS Uhr Frühling im Wiener Wald IWein Hut _ der Ist ein Wilke ist mein Mut und ist er nicht ein Wilke dann ist er nicht auelu Mut Winter * Garren* 9.15 Ulli Flora 3434 Haute erlauit GroßarCis unerhörtes Tempo Spitzenleistungen auf Jedem Gebiete, und Uber Gaston Palm er allein lacht u. tobt man 20 Minuten. sonnshenfl n. Snonlaa I« S Vorslallg. ASM. Oper Charlattenburg ßismarckstraOc 34 Freitag, 6. Novb. Turnus III Anfang 20 Uhr Macbeifi Ende gegen 23 Uhr SeuMiei lüeaiei S Uhr Gesdiiditen fos dem Wiener Wald von Oedön Horvath Regie; Heinz Hilgert Sonntag nadra. 4 Uhr Kabale und liebe Prcijje: 0�0 b. 7,50 M. Theater tm Aßmlralsoaiasi Täglich 87. Uhr Die Dubarry mit Gitta fiipar Preise v. 0,50 M an AiUbdineidca! Zentrai- f lieatei AIIc.)aKohstr.-3n-32 Täglich 87, Sonntgs-aUch 87- Scfawarzwald- mädcl Slarm. Daaill. Kiiol Jessel dirigiert Gutsdi Parlt.-Faut.B.SO Sonntag 3 Uhr Harry Gondy in �änsel o. Grete! Jad.Kmil erMIt alo Gnckauk metropoi-Theater Täglich 87. Uhr Sonntags 5 und 87. Die Bäume ven Hawai Operettev.Abraham Preise von 50 PI. an Sonntag>63 Uhr 0. Fledermaus Enlernallonaies Theater (Kleinet Theater) Unter den Liuden 44. 8.15 Uhr Fluchtvor Michael mit KlUy Aschen b»»l, In Vorbereitung: Aflentaoz von Vera Dero. | HUB NOCH 10 TAGE» j Wilke Milte fähren alle lelstangsfählgen Elnt-Spezlalgeschäfte Theater desWestens Täglich 87« Sonntag 5. und 57. Das Dreh lagderihans mit Maria Paudler Quttmann.Englisch Preise v. 50 Pf. an Sonntag 7-3 Uhr Viktoria und Ihr Husar Theater am Hsliendorfplab Täglich S�/z Uhi Nax Adalbert in. Der beschleunigte Personenzug av. uhr CASINO-THEATER«1/, uh. Lothringer Strohe 37. MiiiniiiHMiriiiMiiiiiiMiiiitMiiiiniiiUMiniiiminiiMiimnnmimi VolbBstllek mecRsr-Friize Dazu das Singspiel„Erwischt" and da* neae bunte Programm: Gutschein 1—4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteuil 1.— Mark. Sessel ILO Mark Reichshaiien-Theater tbtnds B Uhr. Sanntag nadimiltag 3', Uiir Stettiner « Sänger ,/jfPg Dl; neu« Burleske F«l„DerarmeKasemiru Hadimittags halbe Preise, volles Pragraw! Die Komüdie S1/* Uhr jemand Voa Franz Uolnai Regie: Gustaf GMgegs. KUiltirsicndamni- Tneaier 3ismarck 448, s1- Heute Urautführunr 77; UJir HisieiligeaiuDM. von Ilse Langner Reg. Ludwig Berger Musik Ernst Toch Sonuatiend uruj Sonntag oaclim.1/-! flir Sie i&m Keless mitlarmllaNovoina Preise: 2.50b.7,5ÜM KonsHmgenossenschaftliche Reichs-Weriiewoche durch Genossens' to " Un tren ortbtwiihrlen Ten U) »»SSSSS fficnaTTeh Hans Hoaaöer n. Fraa Die herzltchstea Glüdmünsehe zur SUberhochzelL vte P4LrteZgeao»»ea de« ve�lrh* �eperalch-ttSatgeatoL Am 2. Nov. verstarb im<4. Leben«- iahre nach lur.cm Stanfenlagec der Drechslermeister und Bezirlsvorstehe; Robert Berger Bio zum letzten Atemzuge war er der Sache der Soz:aldemo(raiie ergeben. Im Namen der Hinterbliebene» Fr«» Mathilde Berger, geb. Heins. Die Einäscherung erfolgt am?. Nov.. t8>- Uhr, im Krematorium Serichlstr. An die gesamte VerbraucherschaH an all® Arbeiter-, Angestellten- una Beamtenhaushaltungen ergeht die Mahnung zum Anschluß an die iHuisumgenossensctianiiciie uerorauoiierorgamsaiion Die Konsum-Genossenschaft setzt an die Stelle des privatwirtschattllchen Gewin'nstrebens den Gsmein- schattssinn, die auf gegenseitiger Hilfe beruhende Gemeinwirtschatt; sie schafft Mitbesitz und Einflußnahme auf die Wirtschaft. Verbraucherl Wirket in der Konsum-Genossenschaft für euer Wohl und für eine bessere Zukunft 1 Schließt euch an der MHW-SHMMUHMHfllHILlllWWH GegrMet 1899 200000 Mitglieder Aufnahmen werden in sämtlichen 382 Abgabestellen vollzogen; eine AufnahmegebQhr wird in der Zelt vom 8. bis SO. November nicht erhoben Plötzlich und unerwartet verstarb in der Nacht vom 3. zum 4. November am Herzschlag unser lieber Aollege P&ul Behrend im Alter non 46 Jahren. Er bleibt uns allen mioergetzlich. Die GeiegzSisD Her Orts- krairäenkasse Dir Oes Usorer- gevsrbe zu Berliu. 5>ic Beerdigung findet am Sonn- abend, dem 7. NoveuLber. mittag« 12 Übe. auf dem Friedhof in Berlin» Baumichulenweg, Kieihoizstraße, statt. KLEINE ANZEIGEN iiiinmiiiiiiiiiitiiiiimiiiiiiuiiiiiuiiiiiuimniiiiumiuiiii Ueberschriftswort 2&Pf>v THtwort12Pf. Wiederholungsrabati�OmafSProz, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz, 2000 Wort© 16 Proz, 4000 WortÄ20 Pror./ Stellongosuche: Uoberschriftswort 15 Pf.. Textwurt 10 Pf � Anzeigen, weiche für die nächste Nummer oestimmt sind, müssen bls4i/jl>hr nachmittags im Verlag, Llndenstr. 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts- Filialen und -Ausgabestel©n abgegeben sein I tferHaute| Tapeten TzNat. AoTonie. ftrnSc 9. Teppichhan, Emil geffmc, Berlin, feit 49 Sah- ten nur Lranien» Droste 358. Aab» lunaserieichieruna ahne Aufschlag. Sve- »ialkataloa kokten. frei.» HiGidttiigsstacile. wascha usw. üEDtsüier Wlarligitei-Mi] Vcrvaltnngwielle BerUs Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Aollege. der Mechaniker Karl Stumpf gebaren am 22. April 1905, am 3. November gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 7. November, nachmittag« t Übt, von der Leichenhalle de» Neuköllner(öemeindelrtedhoies in Neukölln, Marienborfer Weg, au» siait. Nege Beteiligung wird erwartet via OrtsTCTvralhnig. «exia aetrngene, wirklich mit erhob ten« Lerrenanzitg« von ZV,— ant Win- een Aunden aueb terpaletol«. Allster: stahlungs- Erreichte. S, pelze. pelz«. steine wäre. Low: cht, straste Trepp«. Kerren» Damen. 59.— an. Lombard Leihhaus Prinzen. 31)»,»ine «an»anaiieren wenig geirageiw und neue ZackeUa» zöge. Emakingan- zstge, ssrackanzllge, Ulster. Paletoi«. sed« ltigur valsenb, H-rrenpelze.Damen, pelze,«norm billig. Leihhaus Friedrich. straste 2. Sallesches Tor. steine Lom. 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Am Dienstag haben zwischen öem Vorstand des Gesamt- oerbandes Deutscher Metallindustrieller und im chauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverban- des sowie Vertretern der Christsichen und Hirsch-Dunderschen Metallarbeiterverbände die angekündigten Verhandlungen über die Einführung der 4<1-Stund«n-Woche stattgefunden. lieber den Verlauf und das Ergebnis dieser Verhandlungen wird uns von gut unterrichteter Seite folgendes mitgeteilt: Die Verhandlungen verliefen anfänglich so, daß kaum ein posi- tives Ergebnis zu erwarten war. Der Borsitzende des Metall- arbciterverbondes Genosse Brandes begründete ausführlich die Forderung der Gewerkschaften auf Einführung der 40-Stlin>d«»- Woche. Die Arbeftszeit müsse der enorm gesteigerten Leistung der Arbefter angepaßt, die Arbeft auf eine größere Zahl von Ar- dcitern verleilt werden, damit endlich die entsetzlich hohe Zahl von Arbeitslosen vermindert werde. Die Einführung der-iOstündigen Arbeitszeit als Normal- arbeitszeit sei gerade in der Metallindustrie, die die ausge- juchtcsten Arbeftsmethoden Hab«, dringend notwendig und auch ohne nennenswert« Schwierigkeiten durchführbar. Werde die Arbeitszeit neu geregelt, dann müste aber dem Lohnabbau Einhalt ge- boten werden, denn der Lohn der Metallarbeiter, besonders auch der chilfsarbsiter, könne unmöglich noch tiefer herabgedruckt werden. Die Gegenargumente der Metallindustriellen gipfelten in der Erklärung, daß sie eine schcrnatischc Neuregelung der Arbeitszeit a b- lehnen müssen, chre Uifterverbände jedoch angewiesen hätten, der Frage der Arbeftszeitverkürzung näherzutreten. Zm Maschlnevban werde übrigens im Reichsdurchichnitl nur noch 39 Stunden wöchentlich gearbeitet. Die Metollindustriellen betonten auch, daß sie keine Gegner der Tarife, sondern sogar..tariffreundlich'" seien, nur dürften die Tarif- Verträge nicht zu Besoldungsordnungen werden. In der Loh n- frage könnten sie kein Entgegenkommen zeigen. Es blic- ben den Metallindustriellen nur die Löhue als Mittel zur Senkung der Gestehungskosten. Der Lohnstand müsse wieder auf den des Jahres 1927 gebracht werden.(In de» Bezirken München und Köln haben die Metallindustriellen einen»och größeren Appetit: dort fordern sie bereits die Wiedereinführung der Löhne des Jahres 1925. D. Ned.) Als die Verhandlungen nach diesen Erklärungen und einer mehrstündigen Aussprache auf dem toten Punkt angelangt waren und völlig ergebnislos zu verlaufen drohten, machte der Vor- sigcnde des Metallarbeitervcrbandes Genosse Brandes zwei konkret« Vorschläge. Der erste Borschlag ging dahin,«ine Vereinbarung zu treffen, wonach die«l-Slunden.Woche als normale Arbeitszeit auf Grund Äer industriellen Entwirklimg anerkannt wird. In den Betrieben und Werken, in denen noch länger als 49 Stunden gearbeitet wird, dürfen kein« Entlassungen vorgenommen werden, bevor nicht die Arbeitszeit auf 49 Stunden verkürzt worden ist. In den Werken und Betrieben, in denen bereits 49 Stunden wöchentlich oder noch weniger gearbeftet wird, soll so lange leine Erhöhung der Arbeitszeit über 49 Stunden vorgenommen werden, als noch Arbeitskräfte aus der betreffenden Industrie in größerer Zahl arbeitslos sind. Der zwefte Dorschlag zielte auf einen Wassenstillstand in der Lohnsrage hin. Diesen ziveiten Vorschlag haben die Metallindustriellen abgelehnt. Au dem ersten Vorschlag er- klärten sie, sie seien gewillt, über die Arbeitszeil ernsthast zu reden. Der Vorstand des Gesamtoerbandes Deutscher Metallindustrieller werde den Vorschlag eingehend beraten und in allernächster Zeit neue Verhandlungen führen. Die Ablehnung des zweiten Vorschlags nimmt dem ersten Vor- schlag einen wesentlichen Teil seines eigentlichen Wertes. Wie soll bei einer verkürzten Arbeitszeft der Arbeiter sich über Wasser halten können, wie soll die Wirtschaft wieder in Gang kommen, wenn die heute schon zum Leben völlig unzulänglichen, wirtschaftlich viel zu niedrigen Löhne noch weiter verkürzt wenden. Noch immer können die Unternehmer nicht begreifen, daß sie mit der Kürzung der Löhne den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Immerhin scheint selbst de» Metallindustriellen jetzt klar zu sein, daß auf lange Sicht— wenn überhaupt jemals wieder— die Wiedereinreihung der großen Masse der Arbcftsloscn in die Pro- duktion bei einer Arbeitszeit von 48 Stunden und darüber völlig a u s g e s ch l o s s e n ist. Die(Erkenntnis kommt reichlich spät, um nicht zu sagen zu spät. Bor einein Jahre allgemein durchgeführt, wäre die 49-Swnden-Woche eine Erleichterung gewesen, so- wohl für die Arbeiter, den Staat sowie für die Unternehmer selbst, well diese Maßnahme gleichbedeutend gewesen wäre mit einer Minderausgabe für Arbeitslosenunterstützung van annähernd einer Milliarde Mark jährlich. Heilte ist die Einführung der 49-Stunden- Woche nicht viel mehr als ein« Hoffnung. Gefahr in Verzug! Abwehrfront hen Gemeindearbeiter. Der Lohnkonflikt in den Gemeinden hat eine g c- fährliche Lage geschaffen. Ein Zeichen dafür ist der Verlauf der Beratungen zwischen den Freien und Ehristlichen Gewerkschaften der Gemeindearbeitcr und Strahenarbcfter, die am Donnerstag in Köln staftgefunden haben. Die„Kölnische Zeitung" sucht die Ver- antwortung für die Folgen des Schiedsspruchs schon jetzt den Ge- merlschaften auszuladen. Sic beschuldigt in ihrer Dannerstog-Abend- ausgäbe die Organisationen, daß sie die Erregung künstlich schürten. Das Unternchmerorgan hat eben kein Empfinden dafür, daß es nicht nötig ist, die Arbeiter aufzupeitschen, wenn man in einem Jahr die Löhne zum drfttenmal abbauen will und die gesamten Lohn- einbuhen bis zu 49 Proz. gehen. Dos Blaft befürchtet, daß ein Ausstand der Gemeindearbeiter sehr leicht auf andere Wirtschastsgruppen überspringen werde und fordert daher, daß über- stürzte Entschlüsse und voreilig« Maßnahmen verhindert werden. Die Unternehmerpresse hat in den letzten Wochen Tag für Tag zum Lohnabbau gedrängt. Nun es Ernst wird, scheint man selbst die Folgen endlich zu begreifen. Es ist auch höchste Zeit. * Der Schiedsspruch im Lohnkonflikt der Gemeindearbeiter stand gestern abend in einer stark besuchten Versammlung der Funktionäre der Berliner Kämmereiarbciter in den Wusikersälen zur Entscheidung. Der Bericht des Bevollmächtigten des Gesamt-Berbandes, Ge- uossen Schaum, über die Lohnverhaudlungen, insbesondere über die maßlosen Forderungen der Gemeinden, wurde oft durch stürmische Entrüstungsrufe unterbrochen. Lebhafte Zustimniung fand Genosse Schaum, als er den unhaltbaren Zustand krftisierte, daß die R c i ch s r e g i e r u n g in den Notverordnungen diesen Schlichtungsiiistanzen indirekt vorschreibt, welche Löhne sie den Arbeitern der Reichsbetriebe und der anderen öffentlichen Bc- triebe zuzusprechen haben. In der Versammlung war nur die einzige Auffassung ver- treten: der Schiedsspruch, der den Gcmeindearbcitern einen neuen Lohnabbau von 4M: Proz. aufzwingen will, ist nicht dis- k u t a b e l. Ebenso einmütig wies die Funktionärversammlung aber auch die von einem kommunistischen Redner vorgebrachte Empfehlung zurück,„Kampsausschüsse" zu wählen. Mit aller Deut- lichkeit wurde diesem Redner klargemacht, daß Streiks der Ge- meindcarbefter, wenn sie zu führen sind, nur durch die statutarisch dafür vorgesehenen Verbandskörpcrschaften geführt werden. Ein- stimmig nahm die Funktionäroersammlung zum Schluß eine Entschließung an, in der der Lohnabbauschiedsspruch a b g e- lehnt wird. Protest der Reichs- und Gtaatsarbeiter. Die Funktionäre der Berliner Reichs- und Staats- betriebe nahmen gestern abend in einer außerordeiftlich zahlreich besuchten Versammlung Stellung zu dem Schiedsspruch, der einen erneuten Lohnabbau von 4 bis 6 Pf. mit sich bringt. Die Ver- sammelten waren einmütig der Auffassung, daß dieser Schieds- spruch abgelehnt werden müsse, und daß es Aufgabe des Ver- bandsvorstandes, des ADGB. und der Rcichstagssraktion sei, sich mit aller Energie dafür einzusetzen, daß der Lohnabbau in den Reichs- und Staatsbetrieben endlich aufhören müsse, da heute schon einem großen Teil der Arbeiter es nicht mehr möglich sei, auch nur die notwendigsten Lebensbedürfnisse zu bestreiten. Ein« Eni- schließung in diesem Sinne fand c i n st i in m i g c Annahme. Ferner wurde verlangt, daß es Aufgabe der Regierung sei, endlich mit aller Energie dafür zu sorgen, daß auch die Lebensmittel- und Mietpreise dem verminderten Einkommen angepaßt werden müssen. Die Versammlung war sich auch darüber einig, daß die Durchführung des Schiedsverfahrens nichts anderes gewesen sei, als ein Herumdrücken des Finanzministeriums um die Verautworwug. Lohnvereinbarung bei Goldacker. Wie ein„revolutionärer" Streik geführt wird. Vom Gesamtverband wird uns geschrieben: Der von der RGO. bei der Firma Eduard Goldacker Nachfolger inszenierte„revolutionäre" Streik zeitigt immer tollere Blüten. Man bedient sich der von den Nazis eingeführten Kampsmethodeii des Schaufenstcrsturms, indem man die Schaufensterschechen der Filialen einwirft. Das koufmännische Personal wird in den Filialen auf das unerhörteste angepöbelt. Auch die übelsten Verleumdungen werden über die Firma ausgestreut. Wie die RGO.-Strcikstrategen in Wahrheit aussehen, dafür solgendes Beispiel: Per Goldacker wurden von jeher lieber stunden in reichlichstem Ausmaße entgegen den Bestimmungen der Arbeits- zeftoerordnung geschunden. Das Eingreifen der Gewerbeaufsicht war notwendig, ui» diesen tollen Zuständen ein Ende zu bereiten. Dadurch wurde einigen erwerbslosen Kraftwagensührern Arbeit verschafft. Die„Revolutionäre" sahen darin jedoch eine Schmäle- rung ihres Berdienstes, der bis dahin 89 bis 199 Mark pro � „Hans-18. 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Wieder ist es das Verdienst des Gesamloerbandes, daß die Firma ihre Abbaumaßnahmen bis auf 3 Mark zurückgeschraubt hat. Der Lohn beträgt danach K6 Mark für die Kraftfahrer pro Woche, liegt also immer noch 12 Mark höher als der vergleichbare Lohn des Berliner Einzelhandels. Dieses Verhandlungsergebnis lehnte die Belegschaft unter dem Ein- fluß der RGO. ab und stellte die Arbeit ein. Wie verantwortungslos hier mit der Existenz von Familien- vätern gespielt worden ist, spottet jeder Beschreibung. Bereits am zweiten Streiktage erschienen die..Streikführer" im Büro des Ge- samtverbandes und baten den Organisationsvertreter, sofort die i)irma aufzusuchen und die Wiedereinstellung sämtlicher Leute zu den vor dem wilden Streik von der Firma durch den Gesamtverband angebotenen Bedingungen durchzusetzen. Zwei RGO.-Streiktage genügten, um die Parole„Keinen Pfennig Lohnraub" zu vergessen. Ein Blatt mehr im„Ruhmeskranz" der RGO.-Streikführung, ganz noch den unvergeßlichen Mustern Blauband, Leiser, Efha-Werke usw. Nochmals 200000. Die Offensive der Textilindnstnellen. Die Textilindustrielleu wollen auf Anweisung ihrer Berliner L-ilung in Rheinland und Westfalen den Textilorbeilern das Arbeitsverhällnis kündigen. Sie wollen die Regierung in der Lohnfrage unter Druck sehen, obwohl noch keine Schllchtungsverhandlungen stattgefunden haben, von der Masscnkündigung würden mehr als 200 000 Mitglieder betroffen. Immer noch Lohnabbau. Vereinbarung in der schlesifchen Metallindustrie. Die Lohnverhandlungcn in der niederschlesischcn Metallindustrie sind jetzt zum Abschluß gekommen. Der Ver- band der Metallindustriellen Niedcrschlesiens, der das am IS. Dezember vorigen Jahres abgeschlossene Lohnabkommen zum 31. Oktober gekündigt hatte, forderte einen Abbau der Spitzen- löhne um 11 Pf. pro Stunde und der übrigen Löhne sowie der Akkorde im gleichen Verhältnis. Der Spitzenlohn der Facharbeiter beträgt in der niederfchlesischen Metallindustrie nur 79 Pf., sollte also auf 68 Pf. gesenkt werden. Die Gewerkschaften hatten die Wiederherstellung des Lohntarifcs, wie er bis zum 1 1. Dezember 1930 bestand, gefordert, das heißt einen Spitzenloho von 84 Pf. Nach langen Verhandlungen kam schließlich vorbehält- lich der Zustimmung beider Parteien folgend« Vereinbarung zu- stände: Don der nach dem 3. November beginnenden Lohnwoche an ermäßigen sich die Spitzenlöhne um 4l4 Pf. pro Stunde oder rund 5,7 Proz.. im gleichen Verhältnis auch die Akkorde mtd die übrigen Stundenlöhne. Die Kolonnenführerzulage von 3 Pf. bleibt unverändert bestehen. Bisher gewährte Leistungszulagen werden in prozentualer Höhe weiter gezahlt. Die Lehrlingslähn« sinken um einen Pfennig. Der Vertrag soll bis zun» 14. Januar 1932 Geltung haben. Das übliche Niveau. Einzelhändler als Lohndrücker. Im„Vorwärts" vom 3. November berichteten wir über die Absichten des Arbestgsberverbandes des Berliner Einzel- h a n d s l s, die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten des Einzelhandels um 10 Proz. zu senken. In diesem Zusammenhang erwähnten wir eine Rede des Dr. Tiburtius, Borstandsmitglied der Hauptgemeinschast des Deutschen Einzel- Handels, in der Industrie, und chondclskammer zu Berlin, in der er sich„für eine Senkung der gebundenen Grundstoffpreife ousgr. sprachen, unter denen er nor allein— man halt« sich fest!— die „überhöhten" Löhne lind Gehälter aufführte". Di« chauptgemein- schart des Deutschen Einzelhandels schickt uns darauf eine Be- richtigung. Da heißt es: „Herr Dr. Tiburtius Hot weder eme Lohnsenkung„vor allem" gefordert, noch eine schematische Lohn- und Gehaltssenkung, wie Ihrem Bericht«ntnonimen werden kann. In seinen mehrfachen Ausführungen in der letzten Zeit hat er«ine Senkung der Grundstosspreise als notwendig bezeichnet und in diesem Zu- sommenhang darauf hingewiesen, daß, neben anderen Unkosten- saktaren, auä) in verschiedenen Wirtschaftszweigen die Löhne und Gehälter dem jetzt üblichen Niveau angepaßt werden müssen. Er hat also keiner generellen Lohn- und Gehaltssenkung das Wort geredet, sondern einer durchaus individuellen Methode im Rahmen des gesamten Unkostenabbaus, dön er in den Vordergrund seiner Betrachtung stets gestellt hat. Ganz abgesehen davon, daß die etwas kurios abgefaßt« Be- richtigung im Grunde bestätigt, was sie bestreiten will, stellen wir fest, daß unser« Bemerkung sich auf einen Bericht stützt, der über die Rede des Dr. Tiburtius allen Zeitungen zugegangen ist. Im „Vorwärts" vom 7. Oktober wurde die entscheidende Stelle folgender- maßen wiedergegeben: „Notlvendig aber sei, die innerwirtschaftlichen Entscheidungen nicht weiter zu vertagen. Dazu gehöre die Anpassung der Grundstosspreise an das gesunkene Preisniveau: weiter sei die gleichzeitige Senkung von Zinsen, Frachten, Werks» tarifen und Löhnen unerläßlich." Was Dr. Tiburtius eigentlich gemeint hat, ist höchst mysteriös. Sicher ist nur, daß er und mit ihm offenbar die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels„die Löhne und Gehälter dem jetzt üblichen Niveau angepaßt" haben will. Was er unter dem„jetzt üblichen Niveau" versteht, sagt er leider nicht: desto deutlicher sagt es der Arbeitgeberverband des Einzelhandels für Groh-Berlin. Leider sagt lveder die Hauptgemeinschaft noch ihre Berliner Orga- nisation, wie durch diese fortgesetzten und geradezu uferlosen Lohn- senkungen die Kaufkraft und der Absatz gehoben werden können und wie man zu einer Ueberwindung der Krise kommen will, wenn man die Kaufkraft abdrosselt. Von der„Einheitsfront". Betriebsversammlung des Siemens-Echaltwerkes. Am Mittwoch tagte in Weidners Festsälen eine Betriebsver- sammlung des S i« m e n s- S ch a l t w e r t e s. Die den großen Saal bis auf den letzten Platz füllende Belegschaft war gespannt auf die mit ungeheurem Tam-Tam und allen möglichen Zauber- formeln seit Wochen angekündigten Künste der RGO., deren glor- reiche Führung allein den geplanten Lohnraub der Metall- industriellen zu verhindern imstande sei. Wie zu erwarten, nahm zum Bericht des Betriebsratsvorsitzenden über die Vorgeschichte der Tarifverhandlungen niemand der RGO.-Leute das Wort, Was ein forscher Kämpfer ist, der stellt zunächst mal den An- trag, als Korreferenten einem Mitglieds des roten„Einheitsver- bandes" den Zutritt und das Wort in der Versammlung zu ver- schaffen. Der Antragsteller hat im Vorjahre seinen Sitz im Arbeiter- rat mit der Begründung niedergelegt, daß er sich nicht mehr„als geeigneten Vertreter der Kollegen halte, weil er falscherweise Ueber- stunden gearbeitet habe in einer Zeit, in der viele Kollegen arbeits- los sind". Jetzt ist er der Sprecher der RGO. Der Betriebsratsvorsitzende Genosse M i e l k e mußte den auf- rechte» Kämpfern in Befolgung der Bestimmungen des Betriebs- rätegesetzes den Schmerz antun, selber ihr Licht leuchten zu lassen. Es war auch danach! Den Darlegungen des Genossen Maitz ahn vom DMV., der mit ernstem Nachdruck die Kollegen beschwor, der Dunkelmännersront der Harzburger Reaktion die wirkliche Einheits- front der Gewerkschaften aller Richtungen entgegenzustellen, wußten diese„Revolutionäre" nichts anderes als neue Verleumdungen ent- gcgenzusetzen. Einer dieser Helden hat sich bei dem Streik von 1924 als Streikbrecher betätigt. Den Vogel schoß ober ein Redner ob. der wieder einmal die SPD. für alles das verantwortlich machte, was sie nicht zu ver- hindern m der Loge war. Angefangen von Evas Sündenfoll bi? zum§ 218 und dem unvorschriftsmäßigen warmen Wetter im November gab es nichts, woran nicht die SPD. oder die Gcwerk- schaften schuld waren. Und dann kam der Trumpf, wörtlich: „Früher war es so, daß man zu den Gewerkschaften flüchten mußte, um Schutz vor den Arbeitgebern zu haben: heute dagegen muß man sich au die Arbeitgeber wenden, um Schutz vor den Gewerkschaften zu haben!" Wandnagel heißt der Mann. Schließlich glaubte noch jemand, der seinen KPD.-Äollegen als Spitzel verdächtig ist. sich in Erinnerung bringen zu irmsserrr■mdem er dem Genossen Mielke vorwarf, Polizei herbeigerufen zu haben. Er mußt« sich aber von dem„roten" Arbeiterrat Grohmann, ehemaligem Polizeiwachtmeister flies: Bluthund), bescheinigen lassen, daß die Polizei von sich aus jede Versammlung überwache. Nachdem sich so die Einigkeit unter den„revolutionären" Ein- heitsfrontschreiern Luft gemacht hatte, war es dem Genossen Maltzahn in seinem Schlußwort leicht, der Belegschaft eindringlich vor Augen zu führerr, wie man es nicht tnochen dürfe, um die dringend notwendige Einheitsfront zu schaffen. O Freie Gewertschafts-Iugend Aerlin Seiü- um 19V1 llbr tagen die(Snwpen:«dlushef: Druppenbeim tldlershof, Bi-marckstr.». iSplelabeni.— Rurdrinq: Jugendheim Sckiul« Sonnenkurger Etr. 20.„Völkerbund und Völkersrieden."— «eiuiSendars.Ost: Jugendheim Lindnuer Straß«(Jarncken). Heimbesprechung und Liederabenti.-v Süden! Jugendheim Wassertorsir. 9. Heimbesprechuna. Liederabend.— Tharlaitenburg! Jugendheim Spree sir. 30. Heimbesprechuna. Vcrbandsbucher und Heswaunweise mitbringen.— geppetinplaß: Pugendheiin Turiner Scke Seestraße. Heimbesprechung. Die Burschen machen den Abend gruselig.— Hermannplatzi Jugendheim Eauderstr. tl, Ecke Hobrechtstroße. Heimbesprechuna:.,K 218".— Treptow: Jugendheim glsenstr. 3(am Vadnhos Treplow).„Mit Buch und Schallplatten um die Reit.»'— RevkSNn: llugent. heim Treptower Str. 96. Wir diskutieren über„Äampf um Kitsch". Zuflendgruppe des Zentraiverbandes der Angestellten Heute. Freitag, sinden solgende Verunstaltungen statt: Südwest: Jugendheim Yorckstr. 11(3. Hof, Ouergcdaude 1 Treppe, Zimmer 5). Nlbeitsgemeinschast:„Einführung in die sostalistisch« Sebantenwelt". Leiter: Krause.— Heute tagt die„Berliner Druiterei. und Verlagsgesellschast N>. b. H." non 20—22 Uhr im Jugendheim Ebertystr. 12.— Unsere Photo. Arbeitsgemeinschaft lommt heut« um 20 Uhr im Berianüshause gusamme». Allgemeine Wetterlage. Sw»II-»i>lo� trennt, saßen Nacht für Nacht die Horchposten in ihren Lochern. Bei un» liefen schon feit cmige» Tagen Gerüchte um, daß wir in Kürz« einen Angriff unternehmen sollten. Die Front, die an dieser Stelle ein« Einbuchtung zeigte, sollte nach vor» ausgeglichen werden. Mit heimlicher Angst sahen wir alle dem Befehl entgegen. Wir waren so müde, so ausgepumpt von Hunger, Not und Eni- behrung-- so müde de» sinnlosen Morden» n»d der vergeblichen Hoffnung aus das Ende, das immer und iinmcr noch nicht kam! Ich war als Horchposten kommandiert Nachts um drei kroch ich durch d>n Halbmetertiefen Gang nach vorn, wo in einem Trichter der Kamerad wartete. Er flüsterte mir zu:„Drüben ist auch eben abgelöst worden!" Dann machte er, daß er fort kam. Ich richtete mich, so gut e» ging, ein, legte das Gewehr auf den Erdrand und starrt« in die Nacht hinaus. Eine halbe Stunde mochte vergangen sein, als ich plötzlich einen leisen Ruf hörte. Erschrocken fuhr ich zusammen und tastete nach den Handgranaten, die neben mir lagen. Es war so»»glaub- lich, daß jemand rief— hier rief, wo man jede Bewegung vcr- mied, um nicht den Gegner aus sich aufmcrksani zu machen und eine Handgranate herüberzudekommen.-- Ich lauschte atemlos— und da— einen Augenblick später— rief es wieder— rief e r, von drüben:„Camaracia— inon carna- radc allemnndl"--- Was ich in dieser Sekunde empfand, ist nicht mit Worten zu schildern. Wollt ihr es glaube», daß id, nach einer Handgranate griff, daß einen Herzschlag lang der Drill, dieser vierjährige, eiserne, bluttriefende Drill mich fast gezwungen hätte, jenen dort, der vertrauensvoll sein: Xamarada!" in die Nacht flüstert«, durch einen Wurf zu zersetzen, zu ermorden?--- Ich bezwang mich. Ich antwortete. Genau, wie er gerusen hotte, erwiderte ich: ,Ja, Kameradi"-- Und dann geschah das Wunder, das große, unfaßbare Wunder: Aus der Nacht, von jenem Unsichtbaren vor mir von meinem Feinde kam der Ruf, die Bot- schast:„Der Friede kommt, Kamerad Deutscher!"--- Weiter nichts— nur dies:„Der Friede kommt!" Richard hielt ein. Dann sagte er leise:„Id, schäme mich nicht, es zu sagen: Ich saß in meinem Loche und habe geheult wie ein Kind. Zwei Tage später erfolgte unser— vergeblicher— Angriff. Kurz darauf erhielt ich den Schuß, der meinen Arm kostete. Aber — könnt ihr jetzt verstehen, was es für mich bedeutete, als ich vor- hin jene Stimme wieder hörte?— Dasselbe, was ihn damals getrieben hat, sich in Todesgefahr zu begeben, um mir, dem Un- bekannten, sein tröstendes, hoffnunggebcndes„Der Friede kommt!" zuzurufen, ist es auch, das ihn heute vor dem Mikrophon sprechen läßt Zum zweiten Male hör« ich ihn aus dem Dunkel der Nacht sprechen, über eine Mauer von Unverstand und Hetzerei in beiden Ländern hinweg— seine Stimme, die zu Millionen Ohren Worte gegen den Krieg spricht!— Jetzt werdet ihr auch verstehen,' wcs- halb ich trotz allem, was wütende Reakton in beiden Ländern— bei ihnen wie bei uns— zu ihrer Verhinderug tut, d o ch an die Ver- ständigung, an den endlichen Frieden glaube, weil auch drüben die Stimme des I r i e d e n s, der M e n s 6) h e i t spricht!"— Freitag- 6. November 1931 £gun �rfedell: Sier Sänger in thule Utii dem soeben bei C. H. Beck-München erschienenen 3. lTchliiß.) Band von Egon FriedellS..Kulturgeschichte der Neuzeit". Cr enthält die Kullurentwicklung von ISIS bis zur Gegenwart. Die geistigen Ahnen Ibsens.sind in dessen eigenem Lande zu suchen: in dem Norweger Holberg und den Dänen Andersen und Kierkegaard. Holbcrg ist oft mit Moiiäre verglichen worden, den er an philosophischer Kultur und Eleganz der Form nicht entfernt erreicht, aber an Safiigkeit der Satire und Schars« der Feder- zeidpiung noch übertraf. Die Erinnerung an den sd�einbar Harm- losen Andersen mag im ersten Moment überraschen, ober nur so lange man vergißt, daß dieser Jugcndautor einer der tiefsten Menschendurchlc�chicr und stärksteil gestattenden Ironiker der Weit- litcratur gewesen ist. Zu Kierkegaard verhält sid) Ibsen etwa wie Wagner zu Schopenhauer, Hebbel zu Hegel, Shaw zu Earlyle, Sdstller zu Kani: er hat von ihm einen Teil seine» Jdeenrüstzeugs bezogen, wobei er bisweilen von dem schönen Vorrecht der Künstler Gebrauch machte, die Philosophen mißzuverstehen. Von großer. man möchte sage»: verkchrstechnischer Bedeutung war für die damalige nordische Dichtergeneration auch der Däne Georg Brandes, der, eine Art literarischer Kingmaker, mit starker Witterung für die treibenden Kräfte der Zeit dem gebildeten Europa die reiche Lii�ratur seiner Heimat ersd)Ioß und umgekehrt den Strom der europäischen Bildung nach Skandinavien leitete, freilich bei allem Geschmack und Anpassungsvermögen immer nur die oberen Schichten der Künstlerpersönlichkeite» berührend, indem er sich nie über das Niveau des feingeistigen Literaturessays erhob, das die Wunder der Tiefsee in gepflegten Bassins zur Schau stellt. Im übrigen läßt sid) die norwegische Literatur von der dänischen ebensowenig trennen wie die holländische Malerei von der belgischen. Norwegen gehört ganz zum dänischen Kulturkreis, dem es vom Ansang des sechzehnten Jahrhunderts bis zum Wiener Kongreß auch politisch eingegliedert war. Mehrere Jahrhunderte hindurch war im ganzen Lande die Sprache der Kirche, des Gesetzes und der Gebildeten das Dänische. und erst im neunzehnten Jahrhundert begannen Wiederbelebungs- versud)e durch Ausnahme von Elementen der norwegischen Volks- spräche in die dänische Schristsprache. Ibsen und Björnson schrieben ein norwegisch tingiertes Dänisch. In den„Kronprätendenten" sagt der Skalde Jatgcjr:„Kein Lied wird bei hellem Taglidst geboren." Von dieser Art waren die Lieder des Skalden Ibsen: geboren im Lande der Mitternachts- sonne, seltsam klar und düster, beschattet vom Gestern, erhellt vom Morgen, in doppelsinniges Zwielicht getaucht, dämmerig zwischen den Zeiten webend. So steht die Gestalt Ibsens vor dem staunenden Gedächtnis der Nachwelt: als die finstere Flamme des Nordens. der geheimnisvolle Sänger aus Thüle. Will man Ibsen katalogisieren, so muh man ihn zweifellos in. die Familie der Klassiker einreihen. Unter einem Klassiker ist nicht «in Dichter zu verstehen, der in bestimmten Formen schafft, zum Beispiel in Versfüßen, oder bestimmte Stosse bevorzugt, zum Be» spiel tragische oder antik«: sondern jeder Dichter, dessen Werte nicht bloß Produkte der Vitalität, des Erlebens und Erleidens, sondern auch der Rationalität, der planvollen Berechnung und«dein Be- sonnenheit sind, jeder Dichter, in dem Leidenschaft sich zur Wissen. schast geläutert hat,- ist ein Klassiker. Solch« klassisch« Werke sind alle uns bekannten griechischen Trauerspiele: Schöpfungen des ge- reifteften Kunstverstandes, sorgsam in allen Teilen durchkomponiert und abgewogen wie ein alter Tempel oder Altarschrein, vermöge der reichsten und sichersten Kenntnis des Handwerks, des Materials, der Gesetze und Proportionen: solche Werk« sind die Dramen Goethes und Schillers, Corneilles und Radnes, in denen alles fid) gegenseitig hebt, verdeutlicht, beschattet und beleuchtet, bis für jede Einzelheit eine vollendete Bühnenperspektive entsteht, und die Dia- löge Lessings und Molieres mit ihrer leichten und lichten, geglie- derten und geschlossenen Architektur. Der letzte Klassiker dieser Art war Henrik. Ibsen: der vollendetste, weil er der komplizierteste war. Von ihm gilt in noch höhcrem Maße, was Goethe von Shakespeare gesagt hat:„Seine Menschen sind wie Uhren mit Zifferblatt und Gehäuse von Kristall: sie zeigen nach ihrer Bestimmung den Lauf der Stunde an: und man kann zugleich das Räder- und Federwerk erkennen, das sie treibt." Ja: Ibsen sah durch die Menschen hindurch, als ob sie transparent wären, erkannte das verborgene Gerüst, das unsere Welt trägt, das stille 5)erz, das in ihr unermüdlich schlägt; sein Auge sandte geheimnisvolle X-Strahlen durch das dunkle Erdcngeschehen. ä)as Jlmvachfen der ttlenfchheil Die„Englische Statistische Gesellschaft" hat es unternommen, die Zahl der auf der Erde lebenden Menschen zu schätzen, und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß zur Zeit rund 2 Milliarden Personen auf ihr leben. Da man im Jahre 1831 die Bevölkerung der Erde auf 800 Millionen Menschen schätzte, beträgt also die Zunahme in den letzten 100 Iahren genau 1S0 Proz. Am weitaus stärksten ist die Bevölkerung Amerikas angewachsen, nämlich von 30 auf 240 Millionen, allerdings in der Hauptsache durch Einwanderer. Ebenso Australien, wo die Einwohnerzahl von 1 Million auf 10 Millionen gestiegen ist Die Annahme, daß es bald keinen Platz für die Menschen auf der Erde geben würde, ist verkehrt: die Men- schen sind nur ungenau verteilt. So können eine ganz« Reih« von europäischen Staaten sowie Japan ihre Menschenmassen bald nicht mehr ernähren, während andere Länder, in erster Linie die slld- amerikanischen Staaten und Rußland, noch viele hundert Millionen Personen aufnehmen können. Die Höchstzahl der Menschen, die auf der Erde Platz finde» können, wird auf S Milliarden Personen geschätzt.___ Cocktail» sind keine modern« Erfindung. Ei« waren in Ainerika bereits vor hundert Jahren bekannt. Schon Captain Harryat, der bekannte Schriftsteller, der 1848 starb, erwähnt in einer Reisebe- sdireibung Cocktails und ihre Beliebtheit bei der amerikanifdien Ju- gend. Er sagt, catz der Knabe von 15 Jahren ein Mann sein wolle, in Kneipen geh«, Cocktails trinke, Tabak kaue und über Politik spreche. Auch in de» Romanen Thackerays und Hawthornes werden Cocktails erwähnt. Der Kork wird von der Korkeiche gewonnen, die in Südeuropa heimisch ist: die besten Qualität«» kommen aus Spanien. Die Rinde dieser Korkeiche ist sehr dick und setzt in jedem Jahre neue Schichten an. Alle acht Jahre fallen die Schichten vo» selber ab. aber die besseren' Qualitäten erzielt man, wenn d>c Rinde abgeschält wird, ehe sie von selber abfällt. Das hauplnahruugsmtttcl der Mensche» ist liidst Brot, sondern Reis, der mehr als der Hälfte der Bevölkerung der Erde fast als einzige Nahrung dient. Camilte d' Orange: ■* Wieviel Wlufik vet Wissenschaftlich erforscht müßte einmal werden, welchez Quantum Musik der Normalmensch täglich aufzunehmen imstande ist(ohne in die Luft zu gehen). In einem Zeilalter, in dem mein Nachbar um halb acht Uhr morgens seinem Lautsprecher Kriegs- marsch« entlockt und die nahen Laubenkolonisten sämtlich perfekt ausgebildete Grammophonspieler sind, müßt« sich diese Frage dod) eigentlich lohnen. Was das Frühkonzert meines Nachbarn betrifft, so wollt' id) es anfangs nicht glauben: ich blieb lange dabei, daß ich Gehörshalluzinationen hätte. Wer in aller Welt kann um halb acht Uhr morgens das Bedürfnis nach dem Brauimarsd) empfinden? — Schließlich fiel mir ein, daß es wahrscheinlich Leute gibt, die früher aufstehen als id).(Fassen Sie das auf, wie wie wollen.) Jedenfalls find diese Leute schon am frühen Morgen bei Braut- marsch und Ständchen. Und das macht mir das Leben problematisch. Früher passierte es höchstens jedem tausendsten Einwohner, daß ihm ein Heldentenor oder eine Primadonna die Nägel zum Sarge lieferte— heute ist die Reichspost, die ihr Poftillonhorn in einen Lautsprecher verwandelt hat, selber solch«in Lieferant. Und sie klopft ihre Nägel sicher und dauerhaft. Dies ist das Unfaßlichste, das jemals geschah: Daß eine Institution des Staates, der di« Ruhe als erste Bürgerpflicht proklamiert, selber um siebeneinhalb oder früher noch zu musizieren deginnt. Es muß sich wohl so�oerhatten, daß Ruhe zwar di« Pslidst des Bürgers— daß aber der wtaat eben kein Bürger ist. Also kann er sich? leisten. Man soll sid) an die Polizeivorschristen halten, die Polizei macht es schon richtig, nicht wahr? Ja, aber wenn wir all« Rechte aus- nützten, welche die Polizeivorschristen uns gestatten, dann können . wir das Dasein einander sein zur Holle machen, meine Lieben— dann nur zu. Es ist uns gestattet, unser ganzes Leben lang * ausschließlich Musike zu spielen, der Lautsprecher richtet sich strikte danach. Und wenn er nicht das Trommelfell durchbohrt— uiü» das tut er nicht, er ist vorsichtig, er bleibt lieber hart an der Grenze—, so ist es kein ruhestörender Lärm. Und dazu bedenke man, was von einer Serenade, die aus dem Lautsprecher kommt— und wenn Kreisler sie spielte—, nach ihrem Weg durch einige Wände übrig bleibt: Brummen und Jaulen. Wann konsumiert der Mensch von heute eigentlid) keine Musik? Ueberall ist er von ihr umblökt. Ich frage, ob das gesund sein kann? Möchten Sie.«inen Bekannten haben, der Sie täglich besucht, um den ganzen Tag lang zu quasseln und nichts als zu quasseln und zu musizieren? Solch einen Be- kannten habe ich, das ist meines Nachbarn Lautsprecher. Wenn mein Nachbar einmal genug haben sollte— bis jetzt ist es noch nicht so weit, er genießt das Leben—, so würde der Lautsprecher das Maul hatten müssen. Ja. und wenn ich genug habe? Wo bleibt hier die Freiheit? Wer leidet mehr: Mein Nachbar, wenn er keine Musik hört— oder ich, wenn er mich zum Mithörer macht? Ganz abgesehen davon, daß es mir nirgendwo weh tut. den Schlußchor der Neunten Sinfonie meinem Nachbarn die Cafe- musik erletzen zu hören— auf die er eigentlich gar nicht hinhört, aber die er nun einmal nicht missen will. Es ist so schön zu betrachten, wie alle Kinder Gottes vom Edelsten zu speisen bekommen, aber, igitt, sie müssen sid) glcid) überfressen und dem Rest der wahren Genießenden die Freude oerleiden. trägt der Wienfeh? Das Unglück zieht immer weiter« Kreise. Um mich vor dem Lautsprecher zu schützen, fang« ich gewiß noch einmal an Klavier zu spielen— auf diese natürliche Weise entstehen Weiterungen. Ein Ärönungsmarsch ist das Elend für zwanzig Hausparteien. Aber niemand muckt auf; niemand will sich oerkrachen: wissen Sie, dabei kommt nichts Gutes heraus; jeder fürchtet Schikane als Rache. Kind, es ist besser, sid) zu verhalten... So geht es weiter bis ins Grab. Hoffentlich haben die Würmer kein Kammerorchester. Das wäre ein Reinfall... Was aber meinen mustkeliebenden Nachbarn betrifft, so ist er durchaus nicht mein Nachbar. Er wohnt im anderen Hause und dort überdies ein Stockwerk tiefer als ich. Aber wie Einstein neulich so schön gesagt hat: Der völkerverbindende Rundfunk... Ja, er hat was Völkerverbindendes. Einer im nächsten Haus fitzt mir nun sozusagen direkt aus dem Ohr.(Damit auch alles zu seiner richtigen Wirkung kommt, hat der Hauserbauer von vornherein für die richtige Dicke— Dünne— der Wände gesorgt.) Das habe ich nun von der Völkerverbindung. Und dabei habe ich's heute noch relativ gut. Wie soll das aber werden, wenn die Liebe unter den Völkern noch größere Fort- schritte macht! Eine gewisse Art von Lichtreklame wurde untersagt, weil dein Auge schädlich: den Rodlern wurde ein schauriges Signalgeheul— den Automobilisten das deni Sinn nicht entsprechende Hupen ver- boten. Sie kümmern sid) zwar nidst um die Verbote, aber der Zeitungsleser liest befriedigt von Zeit zu Zeit, daß die Polizei einige beim Kragen ergriffen hat.(Diejenigen, die dich stören, sind es leider nie. das ist komisch.) Nur die Musike vegetiert ungehemmt in die Höhe und Breite. Eines Tages wird sich der liebe Gott im Himmel noch besdiweren. Alle Klagen über feine schlechteingerichtete Welt sind in der Tat lächerlich, solange die Menschen ihm iy. seine besten Absichten hineinpfuschen. Glauben Sie, der liebe Gott wüßte nicht ganz genau, weshalb er den, Menschen kein Klavier in die Wiege gelegt wat? Die Tiere kennen noch nicht solche Perocrsi- täten Sic haben ihr unantastbares Organ für die Stille. Außer dem Hund, der zum Radaumachen erst vom Menschen abgerichtet worden ist, kommt kein Vierbein auf den komischen Gedanken, aus der nachbarlichen Störung eine Kultur zu machen. Es� handelt sich eigentlich nidst um die Verteidigung des hei- ligen Schlafs, sondern vielmehr um die Abwehr des Angriffs ans die heilige Stille überhaupt. In einer anderen Zeit als dieser wäre es gestattet zu sage» daß die Musik der Stille die Unterhaltilng des Menschen mit Gott sei. Aber mit solchen Ausdrücken soll man besser warten, bis dafür wieder eine Konjunktur besteht, in den Cafes und in der Literatur, was übrigens gewöhnlich das gleiche ist. In. zeitgenössischer Sprache gesprochen: Mensch, du findest-ja. nir- gends'n Fleck, wo du mal so für dir hindusclii kannst— nich mal am Sonntag nich... nee. am Sonntag sogar am wenigsten.— lim die Sack)« von meinem musikeliebendcci Nachbarn zu Ende zu erzähle», muß ich nur iiod> sagen, daß er der Hauswart ist. Er oersorgt uns ulle mit Heizung und Liedern. Gott gebe dem Wann seinen Lohn dafür! '■'W-M p- mmm t''■ � • v:: HUMMSM 2�. � V-';•:•'. v«: �, i" '""-::V-'.'-•■- ■"./ 4'�-V< fVw":> - t � M.'■■jA-'n.-■■: 5;V4ä�*ww�•...;,V BHHgKSt iK*."'■•-•.l••..-'Vi»"••*■'«•..'>,•-.-.rtj--...,. �-v.'*< .' ,..;.''." V-• v•.,■ ,■;.v..:.:.V-..■- /-i■•'.'• WW»-..■>*"};■'"•■.v'■'.''•■,'''.• v■■■'- -■-. � j' .':':.'.-.-r-.2:■■"•■". v'-v k vJJt>-? V."■■ ..-•.--•;■• V•■•••■ täSUf-i'-.'..'>'.v.. j'A..•''• s;'.«...'-. i*-»r?rj»•'••«./•«s*'■•»-.• MMU H - � � m �ine l�oc�toptp�ramicle t)i8 in die Schneeregion— Könnten Sie sich die Abermillionen Töpfe und Gefäße vorstellen, die Woche für Woche mit Ata gereinigt werden, wirklich, es gäbe eine phantastische Höhe! Das zeigt aber, welcher außerordentlichen Beliebtheit sich Ata überall beim Putzen und Scheuern erfreut Und es zeigt weiter, welch ausgezeichnete Reinigungskraft In ihm steckt! Ata ist das gute Volksputzmittel von überlegener Güte und Billigkeit. Nur Pfennige kostet die handliche Streuflasche. Das sind Vorteile, an denen keine Hausfrau vorbeigehen kann. Werden auch Sie Ata-Freundin- Sie werden es immer bleiben! Hen kel's Putz- u nd Scheuerpu I ver Putzt und reinigt alles! Nehmen Sie zum Aufwaschen, Spülen u. Reinigen Henkels(JJ)!- Hergestellt in den Persilwerkea Die Konsumvereine werben. Verbraucher— schließt euch zusammen!/ Von v. Klepzig. Ms wichtigste Stützen der arbeitenden Verbraucher haben sich besonders in den Zeiten der Not die Konsumgenossen- schaffen erwiesen. Sie verdanken ja ihr Dasein der Wirtschaft- lichen Bedrängnis der Derbraucher. Darum fühlen sie sich auch verpflichtet, ihr« Versorgungseinrichtungen den vermögenslosen Ver» brauchern in den Zeiten der zunehmenden Verarmung mehr noch als sonst zur Benutzung anzubieten. Die Konsumgenossenschaften können und dürfen dies mit gutem Gewissen tun, weil sie hundert- fältig bewiesen haben, daß ihr Wirken nur dem Nutzen und Wohle ihrer Mitglieder, die doch die Besitzer der konsumgenosienschastlichen Betriebe sind, dient. Die Konsumgenossenschaften verbilligen ihren Mitgliedern die Lebenshaltung in einer sehr spürbaren Weise. Das weiß jede Haus- frau, die einmal einen Vergleich zwischen den Preisen und der Güte der von den Konsumgenossenschaften und vom Einzel- Handel belieferten Bedarfsgüter gezogen hat. I« kärglicher das Einkommen ist, desto stärker sollte deshalb der Drang zum Anschluß an die konsumgenossenschaftlichen Gemeinschaften sein. Schon jetzt haben sich die Konsumgenossenschaften ein recht ansehnliches V«rsorgungsgebi«t er- schloffen. Das Stück Verbraucherwirtschaft, das die deutschen Kon- sumgenoffenschaften des Zentralverbandes inmitten der kapitalisti- schen Wirtschaft errichteten, wird von 3 Millionen Verbraucher- familien getragen und gefördert. Aus freien Stücken haben sich die in dieser Gemeinschaft vereinigten Haushaltungen zusammengeschlossen. Sechs Millionen Väter und Mütter haben erkannt, daß die gemeinsame Güterversorgung für sie, für ihre Kinder und für alle anderen deutschen Verbraucher eine Notwendigkeit bedeutet. Die Mitglieder der Konsumgenossen- schaften wollen nicht nur sich selbst, sondern auch anderen helfen. Sie eifern und kämpfen für die Ausbreitung des konsumgenossenschaftlichen Gemeinschaftsgcdankens. Sie werben für den Anschluß der abseits stehenden Verbraucher an die Konsumgenossenschafts- bewegung, Sie sind die Jünger und Apostel einer besse- ren Wirtschaftswelt. Weder Lob noch Lohn winkt ihnen. Sie werben in dem Bewußtsein, der Menschheit einen Dienst zu erweisen, wenn sie das eigene Wirtschaftsreich der Verbraucher ver- größern helfen. Dieses Bewußtsein, diese Ueberzeugung sind für sie der Lohn, der reichlich lohnt. Die Konsumgenossenschaften wollen allen Verbrauchern das harte Los der durch die wirtschaftlich« Ungunst hervorgerufenen Verarmung erleichtern Helsen. Jeder Verbraucher, der ander Schaffung«wer gerechtere« lvirtschaftswelt mitarbeiten will, ist als Mitglied der Konsumgenossenschaften will- kommen. Dabei bieten weder religiöse noch parteipolitische Unter» schiede ein Hindernis. Für die Befriedigung des uneingeschränkten Eigennutzes und der hemmungslosen Selbstsucht ist jedoch w der Konsumgenosscnschaftsbewegung kein Raum. Sie wehrt vielmehr mit allen Kräften der wirtschaftlichen Ausbeutung der Schwachen. Das Banner der Konsumgenossenschaftsbewegung ist die Fahne der Brüderlichkeit und der Gerechtigkeit, das Wahrzeichen des Friedens. Die Not der Verbraucher ist groß. Nicht weniger groß und wichtig kst das Gebot, den Kreis der Mitglieder, also der Träger der Konsumgenossenschaften, zu erweitern. Aus Anlaß der für die zweite Woche des Monats November 1931 in Aussicht stehenden konsumgenossenschaftlichen Reichswerbewoche richtet der Zentral- verband deutscher Konsumvereine e. D. in Hamburg an die ihm noch fernstehenden Verbraucher die Aufforderung zum Anschluß an die Verbraucherbewegung. also zur Erwerbung der Mitgliedschaft in einer Konsumgenossen- schost des Zentraloerbandes. Die Aufforderung ergeht an alle Verbraucher in Stadt und Land. Ein jeder soll der vorkelle der konsumgenossenschafMchen ve- darfsversorgung leilhastig werden.„Schließt euch zusammen, denn nur vereint könnt ihr die Tlol der Zeiten bannen!" Cnglisch-iialienischer Finanztrust. Ausverkauf der italienischen Großindustrie? Dieser Tage wurde in Rom eine englisch-italienische Gesell- schaft von riesenhaftem Ausmaß gegründet. Das Kapital des neuen Trustes soll nicht weniger als 5 Milliarden Lire betragen, wovon 4 Milliarden von einer englischen Gesellschaft, die unter Führung der Westminister Corporation steht, gezeichnet wer- den, die restliche Milliarde von einer italienischen Gruppe. Das genannte Kapital entspricht rund 1 Milliarde Mark. Zweck dieser Gesellschaft ist es, die engüsch-italienischen Geschäftsbeziehungen zu fördern, ferner sollen industrielle, Bergwerks- und Elektrizitäts- Unternehmungen in Italien finanziert werden. Der Name der Gesellschaft lautet Societä Finanziaria Anglo- Jtaliana. Von den Unternehmungen, denen sie ihre Finanz- Hilfe zukommen lassen soll, wird sie als Gegenwert hypothekarische Schuldscheine erhalten. Der Trust soll zwei Tochtergesellschaften bekommen: eine für die Finanzierung des Exports und«ine zweite für Finanzierung von«lektrizitätswirtschastlichen Unternehmungen. Diese zweite Ge- sellschaft, deren Name Societ» Anglo-Jtaliana di Elettricita lautet, wird«in Aktienkapital von 500 Millionen Lire erhalten(rund 100 Millionen Mark), wovon ein Fünftel, also 100 Millionen Lire, sofort eingezahlt werden soll. Zweck dieser Gesellschaft ist die Finanzierung von Elektrizitätswertbauten, und zwar sowohl von Wasserkraft- wie von Wärmekraftwerken. Die Gründung zeigt einerseits den außcrordenllich starken Kapital- und Geldbedarf Italiens, andererseits eine interessante und auch politisch sehr bedeutsame Anlehnung der italienischen Wirtschaft an die englische Finanz. Möglicherweife handelt es sich zum Tell um die Umwandlung eingefrorener kurzfristiger Verpflichtungen italienischer Gruppen gegenüber englischen Banken. Die Gründung ist ein neuer Beweis dafür, daß das faschistische Italien auf die Finanzhilfe der Londoner Banken angewiesen bleibt. Der Kall Kappel. Schuldige Direktoren und Aufsichtsräte. Die Maschinenfabrik Koppel in Chemnitz veröffentlicht jetzt ihren Jahresabschluß per 30. Juni 1931, der einen Verlust von 3,65 Millionen bei einem Aktienkapital von nur 3,6 Millionen aus- weist. Das gesamte Kapital dieser Gesellschaft, deren verantwortliche Verwaltungsorgane die Osffentlichkeit niemals über Schmierig- ketten bei dem Unternehmen informiert haben, ist also sozusagen über Nacht verlorengegangen. Inzwischen ist durch den Bericht des Konkursverwalters herausgekommen, daß der leitende Direktor Otto sich schwerer Vergehen, wie Bilanzfälschung usw., schuldig gemacht hat, so daß die Staatsanwaltschaft bereits eingegriffen hat. Aus einem Bericht, den der beschuldigte Direktor Otto inzwischen an das Chemnitzer Amtsgericht eingesandt hat, geht aber hervor, daß alle seine Maß- nahmen mit Wissen und auf Anregung des Aufsichtsrates erfolgt sind. Bei dem bevorstehenden Prozeß wird sich also neben dem angeklagten Direktor Otto auch der Aufsicht-rat der Maschinen- fabrik Kappel zu verantworten haben. Auf der bevorstehenden Generalversammlung, die im Zeichen des eingeleiteten Konkurs- Verfahrens steht, werden die Aktionäre die Regreßpflicht der Auf- sichtsröte zur Debatte stellen. Die Belegschaft hat die ganze Last dieses neuen Wirtschaftsverbrechens bereits zu spüren bekommen. Bon den 600 Arbeitern und Angestellten sind 550 entlassen worden und nur knapp ein Zehntel steht noch in Arbeit.- Abwehr der Geflügelzüchter. Gegen Schieles Getreidepolittk. Die Getreidepolitik des Reichsernährungsministers Schiele, die einzig und allein die Interessen der Großagrarier im Auge Hai, wirkt u. a. verwüstend aus die Geflügelhaltung. Das Futtergetreid« wird durch die Schielesche Politik überteuert und macht die Betriebe unrentabel. In dieser Saison mußten in der Mark Brandenburg allein 60 Proz. der Geslügelsarmen schließen. Unter Eindruck dieser Entwicklung haben sich die drei O r g a n i- sationen der Geflügelzüchter, der Reichsverband der Erwerbs- und Nutzgeflügelfarmer. Sitz Leipzig, der Verband der Geflügel- farmsiedler, Sitz Berlin und die Interessengemeinschaft Branden- burgischer Geflügelhaller, Berlin, zu einer Arbeitsgcmein- schaft zusammengeschlossen. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft soll ein Einheitsverband unter dem Namen Reich svcrband der Erwerbs- und Nutzgeflügelfarm er-Leipzig hervor- gehen. Bevollmächtigter der neuen Organisation ist Otto Soalseld. Berlin, Schöneberger Straße 13. Interessenten erhalten bereit- willigst jede gewünschte Auskunst. Y und die D E U TS C H E S C H U H A. G. Grosse 20-25 Modell 3661-00 Unseren Kleinsten diese bequemen Stiefelchen, welche dos Wochstum des Kindef- fusses nicht hindern. eröffnet am 7. November, in BERLIN, 5.90 im Norden: im Osten» Chausseestrasse 22,- Frankfurter Allee 54, zwei weitere Verkaufsstellen. 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Bemerkenswert ist dabei, daß auch Sowjetrußland in den Weltkartellcn mit internationalen Kapltalistengruppcn zusammenzuwirken beginnt. Ein Welt-plaiin-Spudikai. Dieser Tage wurde in England eine Gesellschaft unter dem Namen Consolidated Platinuins Ltd. gegründet, die künftighin in der Weltversorgung mit Platin ein« Monopolstellung einnehmen wird. Dos Interessanteste an dieser Gesellschaft ist die Beteiligung Sowjetrußlands, das bekanntlich an an- deren internationalen Syndikaten noch nicht beteiligt ist, wenn man von dcr Milwirkung Rußlands an einzelnen Bsnzintonventionen (Deutschland. England usw.) absieht. Di« in England jetzt nerigegründete Gesellschaft hat große Sauf- vertrüge in der Absicht abgeschlossen, die aufgekauften Platimnengen wieder zu Merkausen, so daß auf diese Weise der Platinver- trieb Rußlands, ganz Kanadas, Südafrikas und auch Kolumbiens großenteils von ihr kontrolliert wird. Die russische Platinproduktion stellte vor dem Kriege 7776 Kilogrnnnn, etwa 95 Prozent dcr Wcltproduktion, dar. Sie ist in den Kriegs- und Ztachkriegsjahren stark zurückgegangen, stieg aller- dings in den letzten Jahren wieder stark an. Im Jahre 1929 betrug sie 3100 Kilogramm und machte immer noch die Hälfte der Welt- Produktion aus. Eine starke Steigerung zeigten Kanada und Südafrika, deren Produktion von 7 Kilogramm vor dem Kriege auf insgesamt 1526 Kilogroiym gestiegen ist. Die Produktion Kolumbiens stieg von 167.Kilogramm 191Z auf 1418 Kilogramm 1929. Daneben spielen noch Japan, die Vereinigten Staaten Austra- lien und Neuseeland eine kleine Rolle als Rohplatinliefe- ranten. dock) betrögt die Gesamtproduktion dieser Länder gegen- wörtig kaum mehr als 30 Kilogrannn jährlich. Tatsächlich ersaßt die englische Syndikatsgesellschast also an- nähernd die gesamte Weltproduktion. Unter den be- teiligten Firmen finden sich die russische in Berlin arbeitende Edel- metallvertricbs A.-G., die kanadische Mond-Nickel Co.(Britischer Ehemietntst): an südafrikanischen Gesellschaften die Johannesburg Consolidated Investment Co. und die New Consolidated Gold Fields Co., ferner die kolumbische Gesellschaft Minera Choco Pacifico. Wie die Gründer des Syndikats erklären, ist eine Erhöhung des gegenwärtigen Platinpreises nicht beabsichtiat. Sobald sich die Konjunktur bessert, wird man wahrscheinlich hierüber anders sprechen. Hauptzweck der Syndikatsgründung ist die Vermeidung des weiteren Preisrückganges, der sonst infolge der verminderten Platin- bedarss eingetreten wäre. Das neue Wel<- Aluminium-Monopol. Wie wir schon mitteilten, wurde in Basel mit einem Aktien- kapital von 35 Millionen Schweizer Franken die A l l i a n c« Aluminium Compagni« A.-G. gegründet: es bestätigt sich nunmehr, daß man in dieser Gesellschaft eine Weltorgani- s a t i o n zu erblicken hat, in der säst die gesamte Aluminimnerzeu- gling monopolisiert worden ist. Die w i ch t i g st e Erscheinung ist die Mitwirkung der Aluminium Ltd. in Toronto, der kanadischen Tochtergesellschaft des amerikanischen Aluminiumkonzerns(Mellon-Konzern). Schon vor einigen Monaten fanden, wie wir schon früher berechteten, in Paris Verhandlungen zwischen den europäi- schen Alurninuiingesellschasten und der Mellon-Gruppc statt: damals wurden Meldungen über die Erzielung eines Einvernehmens dementiert. Daß die Verhandlungen jedoch fortgesetzt wurden, war um so wahrscheinlicher, als Ende des laufenden Jahres das Aluminiumkartcll, das die großen europäischen Produzenten um- faßt und rund die shälfte der Weltproduktion in sich vereinigt, ab- lausen wird. Eine Verlängerung in der gegenwärtigen Form er- schien aitgesichts des Wettbewerbs mit den Amerikanern nicht zweck- mäßig. Schon vor einigen Wochen wußten denn auch amerikanische Zeitungen zu melden, daß das europäische Kartell nicht verlängert werden soll. Es scheint nunmehr festzustehen, daß an die Stelle dieses Kartells etwa die jetzt gegründete Alli- ance Aluminium Co. treten wird. An dieser Gesellschaft sind neben dem kanadischen Unternehmen alle Partner des jetzigen europäischen Kartells beteiligt, darunter auch die Vereinigte Aluminiunuverke A.-G., die zum Biag- Konzern gehört, also ein Unternehmen des Reiches ist. Schon aus diesem Grunde hat die O e f f e n t l i ch k e i t ein Recht, zu wissen, was eigentlich der Zweck der neuen Gründung ist und mit welchem Betrag« die deutsche Gesellschaft sich am Kapital des Baseler Unternehmens beteiligt. Nach den bisherigen Mitteilungen soll die neue Firma als Pro- pagandaorganisation für vermehrte Aluminiumverminderung tätig sein, gleichzeitig aber auch die Preis« regeln und die Absatzgebiete unter die hauptsächlichste» Produzenten abgrenzen. Die neue Ge- sellschast würde also ein« ähnliche Funktion ausüben wie dos Jnter- nationale Glühlampenkartell in Genf, durch das bekanntlich die Glüh- lampenversorgung fast dcr gesaniten Erde monopolisiert worden ist. Daß die Vereinigten Staaten sich nicht unmittelbar an dieser Gesellschaft beteiligen, sondern daß an Stelle der Aluminium Co. of America die kanadische Aluminium Ltd. interessiert ist, hängt damit zusarmnen, daß infolge der amerikanischen Gesetzgebung amerikanische Firmen sich nicht an internationalen Syndikatsorgani- sationen beteiligen dürfen. Wahrscheinlich werden sich auch die Preis, und Absatzregelungcn nicht aus das Gebiet der Vereinigten Staaten beziehen: offenbar tebb der nardamerffanffche KonSneut der Aluminium Co. of America und deren kanadischen Tochtergesell- schasten vorbehalten bleiben. Einschränkung der Kupfererzeugung? Die in diesen Trg-n in New Pork versammelle Konserenz von Vertretern oller großen Kupfergesellschasten der Erde scheint zu ocm Ergebnis zu führen, daß di« Weltkupfcr- probultion stark gedrosselt wird. Das Interesse der einzel- n en Kirpfergesellschafien an einer solchen Drosselung ist an sich sehr verschieden groß. Am stärksten ist es naturgemäß bei solchen Firmen, die mit hohen Selbstkosten arbeiten und daher wenig weltbewerbsfähig sind. Am vorteilhaftesten in dieser Hinsicht steht die belgische Gesellschaft Union Miniere du H a u t- K a t a n g a, die die Kupfer. erze des Kongostaates ausbeutet. Ihre Kupferproduktion stieg von 7500 Tonnen im Jahre l913 auf 140 000 Tonnen 1930. Nun- mehr hat sich der jetzt in New Park anwesende Delegierte dieser Kongo-Gesellschaft bereit erklärt, erneut eine Produktionsdrosselung um 25 Proz. durchzuführen, nachdem eine erhebliche Einschränkung des Betriebes schon vor einigen Monaten beschlossen worden war. In diesem Falle würde die Leistungsfähigkeit der Katango-Gescll- schaft nur zu 40 Proz. ausgenutzt sein. Die übrigen Kupfergesellschaften scheinen dem belgischen Vorschlag, eine allgemeine Einschränkung der gegenwärtigen Pro- duktion um 25 Proz. durchzuführen, sympathisch gegenüber- zustehen, so daß man schon jetzt mit«iirem solchen Ergebnis der Kupferkonferenz als sicher rechnen kann. Di« Kupferkönige glauben, daß eine solche Maßnahme ausreicht, um das Verhältnis zu An- gebot und Nachfrag« wieder so zu bessern, daß di« Preise steigen können. Man hat hierbei aber offenbar übersehen, daß die Nachfrag« bei einem erneuten Anstieg der Kupferpreisc noch stärker zurückgehen wird. Die Kupferproduktion der Welt haste ihren Rekord- stand im Jahr« 1929, wo sie 1,89 Millionen Tonnen betrug. Im Jahre 1930 ist sie auf 1,57 Millionen Tonnen zurückgegangen. Für das laufende Jahr kann mit einer Produktion von etwa 1,30 Mil- lionen Tonnen gerechnet werden. Sollte der neue Drosselungsplan verwirklicht werden, so kann man damit rechnen, daß die Welt- kupferproduktion trotz der gewaltigen Ausdehnung des Kupfer- Verbrauchs, besonders für die Automobil- und die Elektroindustrie, unter den Stand der Vorkriegszeit sinken wird. Im Jahre 1913 hatte die Weltkupferproduktion 1,02 Millionen Tonnen betragen. Gegen ungerechtfertigte Vermittlungsgebühren. Das Reichsarbeitsmini st erium teilt mit: „Dem Reich sarbeitsmimster ist bekannt geworden, daß in«in- zclnen Fällen Landarbeiter, die den Bau eines Eigen- heims beabsichtigten, dritten Personen für den Hinweis auf die Förderung des Landarbeitcrwohnungsbaus mit Reichs- und Landes- Mitteln der wertschassenden Arbeitslosenfürsorge Vermittlungsgebühren haben bezahlen müssen. Der Reichsarbeitsminister hat daraufhin die Landesregierungen gebeten, Vorkehrungen zu treffen, um eine derartige AusnutzungderArbeiterzuverhindern und ihnen anheimgestellt, zu prüfen, ob nicht ganz allgemein solche Anträge abzulehnen seien, an deren Zustandekommen außer den Berfahrenskrägern Vermittler gegen Entgelt mitgewirkt haben." RseNs "Amurlachs£«ir, i. g., m». 0,45 'Schellfisch i. ganzen, PM. 0,32 'Seelachs sr.o.nopO.g.i'ii>«> 0,22 •Kabe ijau gr. o.ü�i.g.. Pfd.*. 0,22 •Fischfilet........ Wd. ron 0,34 tirUne Heringe...3pu v«-» Kalif. Stangenspargel.. 1,98 Pfefferlinge............... 0,90 Junge Erbsen fein........ 0',93 Junge Erbsen mitteUdn., 0,74 Junge Erbsen............. 0,58 Spinat...................... 0,4� Karotten geschnitten....... 0,38 Sellerie...»................ 0,68 Ananas s8(5bctb.i,J5,2Scheib.0,40 Pfirsiche Fracht......... 1,15 Erdbeeren................ 1,10 Birnen Frucht............ 0,90 Aprikosen■/.. Fracht....... 0,88 Pflaumen ohne Stein...... 0,72 Pflaumen mit Stein........ 0.58 Käse und Fette Camembert toIU, sdueht 0,18 Harzerkäse........... Pfd. 0,32 Tilsiter ToUfett.........Pfd. 0.68 Steinbuscher ToUfeu Pfd. 0,68 Holländer«ov....... Pfd. 0,68 Edamer40»(0.......... Pfd. 0,68 Briekäse ToUfett....... Pfd. 0,70 Müneter-KäseToUfo« Pfd. 0,84 Bratenschmalz...... Pfd. 0,58 Kokosfett SPid. 0,98, a pm. 0,65 dllerfaiaata dautacha Menbutter Pfd. 1)42 Konfitüre Btoer c«. s pm. Johannisbeer.......... 1,10 Aprikosen................. 1,10 Kirsch, Orange, Erdbeer1,25 Kolonialwaren Weisse Bohnen... apfd. 0,25 Linsen.......'......... a kfd. 0,25 Viktoria-Erbsen.... a Pfd. 0,36 Grüne Erbsen........ Pfd. 0,24 Brasilreis.............. Pfd. 0,20 Bruchmakkaroni..... Pfd. 0,42 Eierbandnudoln..... Pfd. 0,40 Weizenmehl.......... Pfd. 0,22 Pflaumen gatrockn-.Pfd.von 0,24 Backobst......... Pfd. tob 0,38 Birnen getrocknet....... Pfd. 0,58 Aprikosen getroekn, Pfd.T. 0,60 Kakao lose, stark entölt.......... Pfd. Ton 0,54 Kaffee frlech gebrannt, PM.t. 1,80 apfd-T. argarme 0,65 nolkerelbutta�l.lZ Kassler / mild, Pfd. Ton 0.74 ohne Eippen............ Pfd. 1,05 SdiweizerkSse TOlllett, Pfd.Ton 1.05 Rohschmalz m 0,55 Roastbeef"Sfc 1,18 Kaffeemlschung n« 40°t Bot» an PW 1,10, 20»(,Pld. Wjl# W Oderbrucher g\ Mastgänse s 11,7 S 284 Frisches Fleisch Kafbekamm o. Betig. pm-t. 0,54 Euter................... m 0,84 Kalbsrücken Od.-Brust Hammel-Tordodiatook, m t. 0,68 KalbÄle" biVV�a„r' SchweinebauchaBtg. Pfd. 0.68 schwer, ganz od. geteilt, Pfd.T. 0,70 Schweine8Chink.«i«Bai«.PU.0,72 Kalbskotelett.... Pfd. Ton 1,24 Schweinekotelett Pfd-T. 0,84 Kalbsschnitzel..Pfd. tob 1,70 Eisbein mitSpiiih,gep„Pfd.T. 0,56 Kalbsrouladogerout. Pf