BERLIN Zreitag ö. November ISZI 10 Pf. Ar. 521 B 261 4S. Jahrgang Erscheint täglich außerEonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8a Pf. proWoche, 3,60 2?. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, kindenstr.z Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 ffibutaffa AuzeigtupreiS: Die einspaltigeNouparelllezeile 80 Pf., Reklamezeil« S M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwartS-Dcrlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 3? 636.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nickt genehmer Anzeige» vor! Die Mörder gestehen Drei Arbeitslose töten den Pförtnersohn 3« überraschend schneller Arbeit ist ez der Alordkom- Mission gelungen, das furchtbare verbrechen an dem lg Zahre allen Pförtnerssohn Willy Klrchert aus der Kösliner Straße 4 aufzuklären. 3n den frühen Morgenstunden des Frei. tag wurden die drei Täter verhaftet. Es sind ein ZI 3ahre alter Rudolf v a u m a n n aus der Kotonieflraße. fein gleichaltriger freund Fred hcrforth aus der Grünthaler Straße 77. der der ..Räuber" genannt wird, und der ebenfalls 21 Iahre alte Schlächter Eddi h o l l m a n n, der in einer Laube in der Röhe der Grünthaler Straße wohnt und von feinen Freunden.EM" gerufen wird. Alle drei sind geständig, die Tal nach längeren Beratungen und Veob- ochtungen ausgeführt zu habe«. Das Verbrechen hatte in der Gegend das größte Aufsehen er- regt. In Erkenntnis dieses günstigen Umstand es hatte die Mord- kommission bis in die späten Abendstunden hinein alle Mitteilungen aus dem Publikum am Tatort entgegengenommen. So war man allmählich auf einen b t stimmt e n Personen kr eis ge- kämmen. Unter anderem kam auch die Nachricht, daß ein Rudolf Baumann in den Nachmittagsstunden verschiedenen Freunden erzählt hatte, daß er bei einem„Ding" bcigewescn sei, wo einer eine P i st o l e gehabt habe. Auch zu Hause hatte er ähnliche Aeuße- rungen fallen lassen. Bekannte, die bald von dem Berbrcchen in der Kösliner Straße gehört hotten, bedrängten ihn mit Fragen und er gab zu, von der Bluttat zu wissen. Man brachte ihn zum Polizeirevier, von wo er der Mordkommission eingeliefert wurde. Einige Zeit versuchte er, Ausflüchte zu machen, schließlich aber räumte er ein, mit mehreren Freunden die Tal ausgeführt zu haben. Die Freunde, die er namhaft machen mußte, wurden noch in der Nacht herangeholt. Herforth war in feiner Wohnung und wurde aus dem Bett heraus verhaftet. Dann gingen die Beamten nach dem Laubengeländc. In der Dunkelheit wurde Hollmanns Laube ausfindig gemacht, die Tür leise mit einem Dietrich geöffnet und der Schlächter ebenfalls aus dem Bett heraus festgenommen. Die Burschen waren von ihrer plötzlichen Festnahme so überrascht, daß sie auch bald ein Geständnis ablegten. Alle drei find seit längerer Zeit arbeitslos und machen nur hier und da kleine Aushilfsarbeiten. Herforch hatte früher einmal in dem Hause Kösliner Straße 4 gewohnt. Er kannte die Gelegeicheit und beratschlagte mit Baumann und Hollmann, wie man sich des Miets- geldes bemächtigen könne. Sie wollten Kirchert erzählen, daß sie die Absicht hätten, den Verein wieder ins Leben zu rufen und daß fi« auf feine Mitgliedschaft großen Wert legten. Lange Zeit gelang es ihnen nicht, den jungen Kirchert allein zu treffen, weil auch seine Mutter ein instinktives Mißtrauen gegen die Freunde hatte und den Sohn nicht allein ließ. Als Herforth, der das Haus beobachtete, am Donnerstag melden konnte, daß Frau K. ausgeangcn sei, wußten sie. daß sie leicht in die Wohnung hineingelassen würden. Hersorth blieb wieder in der Nähe der Haustür, um seinen Freunden bei einer Flucht behilslich zu sein. Baumann und Hollmann wurden auch von Willi Kircher ohne weiteres eingelassen. Er führte sie ins Wohnzimmer und man sprach zunächst noch einmal über den Verein. Plötzlich versetzte Baumann dem Ahnungslosen einen Stoß vor die Brust. während Hollmann ihn von hinten mit einer Scheintodpistole auf den Kopf schlug. Dem überraschenden Angriff war Kirchert natür- lich nicht gewachsen. Er stürzte zu Boden und die rolzei, Burschen schlugen rücksichtslos auf ihn ein. Dann knebelten und würgten sie ihn mit einem Handtuch und legten ihn, als er still geworden war. auf das Bett. Baumann bewachte ihn, während Hollmann die Wohnung durchsuchte. Als er nichts finden konnte, rief er noch Baumann zu Hilfe. Inzwischen war der Ueberfallene wieder zu sich gekommen und war vom Bett aufgestanden. Sosort stürzten sich die beiden wieder auf den Taumelnden, schlugen wieder auf ihn ein und bearbeiteten ihn so lange, bis er sich nicht mehr rührte. Da sie befürchten mußten, daß Frau Kirchert nach Hause kommen würde, flüchteten sie aus der Wohnung, ohne etwas erbeutet zu haben. Eine vierte Festnahme. Als Vierter im Bunde wurde der Arbeitslose Fritz Boß fest- genommen, der in Jzern dringenden Verdacht steht, den drei cigent- lichen Tätern den Tip für die Tat gegeben zu haben. Bah bestreitet allerdings bisher jede Schuld. Klagges. iE/ „Also alles marxistischer Mob, der beim Zurücktreiben in seine Schlupfwinkel unsere tapferen Spitzel, Pardon, wollte sagen unsere tapfere SA., angegriffen hat und für einen andern büßen mußte." Mißbrauch der Osthilse. Deputationen bei Hindenbnrg.- Ausflüchte der Regierung 3n der heutigen Sitzung des volkswirtschaftlichen Ausschusses brachte Abg. S ch m i d l- Köpenick fSoz.) die Vorgänge in der Osthilfe zur Sprache. Er fragte an. wann die Reichsregierung der ostdeutschen Bevölkerung endlich die Wahrheil eingestehe» wolle, daß Mittel für die Csthilfe überhaupt nicht vorhanden seien. Die Ausschalkung der Preußcnkasse aus der Osthilfe, die bisher die kosten der Betriebskontrolle selbst getragen habe, erwecke die Befürchtung, daß anstatt Einsparung von verwailungsfpefen die Kosten erhöht würden, da sie durch Aebertragung auf die Jnduslriebank nunmehr aus den Mitteln der Osthilfe gezahlt werden muffen. Abg. Schmidt stellt die Organisation der Osthilfe, die durch das Eintreten der Jndustriebank eine starke Personalvermehrung er- fnhren hat und wesentlich größere Kosten verursacht als die noch bestehende Trcuhandftelle in Königsberg als besonders unwirtfchaft- lich hin. Auf eine weitere Frage, ob es wahr fei, daß der Aufsichtsrat der Jndustriebank, Siloerberg, mit Austritt drohe, falls der Landwirtschaft unter Ausschaltung der Jndustriebank ein Moratorium zugestanden werde, antwortete der Regie rungsver- t r e t e r, daß ihm davon nichts bekannt sei. Auf die übrigen Fest- stellungen des Redners, die mit statistischem Material belegt werden, daß die Zwangsvoll st reckungen sich nicht ver- mehrten, sondern ganz im Gegenteil einen Rückgang erfahren hätten, eine Verlängerung des Vollstrcckungsschutzcs jeder Vcrechti- gung entbehre, weiß der Regicrungsocrtreter nur mit der Slusslucht zu antworten, daß er im Augcicklick, da ein neuer Reichskoinmissar für die Oschilfe gewählt werden solle, auf olle diese Dinge nicht näher eingehen kann. Es seien aber über diese Frage Erwägungen gepflogen. Er will feststellen, daß die Oststelle es sich zur Aufgabe mache, Betriebe zu erhalten und Pfändungen nach Möglicheit zu verhindern, denn wenn Korn und Vieh dem Landwirt genommen würden, bestände überhaupt keine Möglichkeit mähr, Erträge abzuliefern. Abg. Schinrdt(So.z.) verweist demgegenüber mit Recht darauf, daß gerade aus den landwirtschaftlichen Kreisen ununtcrbroehcn Deputationen und Delegationen beim Reichspräsidenten vorstellig würden um Hilfe, und daß es leider an der nötigen Energis! fehle, hier einmal ebenso vorzugehen, wie beim Sozial- a b b a u vorgegangen worden sei. Abg. Ehrhardt(Z.) stellt ebenfalls fest, daß die Subocn» tiancn aus der Osthilse am meisten jenen zufließen, die fortwährend nach freier Wirtschast schreien. In bezug auf die„Westhilfe" machte der Regicruiigsvcrtretcr lange Ausführungen, die beweisen sollen, daß die Anträge van Landvolk und Nazi— diese waren nicht einnral im Ausschuß an- wesend— überflüssig sind, weil die Regierung sich längst mit der Lage der Landwirtschaft im Westen ausführlich beschäftige. Der Wirischastsbeirai. Sie Ausschüsse arbeiten. Der Stillhalte au sschuß des Wirtfchastsbcirats der Reichsrcgieruug hat feine Beratungen beendet. Am koinmenden Dienstag. vormittags treten die Ausschüsse für Pro» duktionskosten und Preise, sowie Kredit und Zins zu- sammen. Die Mitglieder des Wirtfäzaftsbeiraies sind auf diese beiden Ausschüsse zu gleichen Hälften verteilt. Sachverständige werden hinzugezogen werden. Rechtssturm gegen Brüning. Hugenberg und die Alldeutscheu schäumen vor Wut. Die scharfen Wendungen, die Herr Brüning in seiner Rede vor dem Parteiausschuß des Zentrums gegen die Rechte gebraucht hat. haben die Getroffenen in Aufregung versetzt. Die V o l k s p a r t e i hat sich noch gestern abend gemeldet, die Alldeutsche» folgen heute. Die„Deutsche Zeitung" ist maßlos erbost, daß Brüning die Schiebungen und Treibereien der Alldeutschen gegen ihn beiin richtigen Namen genannt hat. Sie schreibt: „Man fragt sich immer wieder, welche Absicht Herr Brüning eigentlich mit solchen Reden verfolgt, die die berechtigte E r rcgung weite st er Kreise nur steigern können, zumal die nichtssagenden Ver st ändigungs-Bekcnnt nisse, in denen sich der außenpolitische Teil der Brüning-Rede erschöpfte,' gewiß nicht geeignet sind, das Vertrauen zur Gesamtpolitik dieses Kanzlers zu stärken. Erst gestern haben wir an dieser Stelle betont, daß das Zentrum nicht Deutschland sei. Nach dieser Rede des Zentrumstanzlers in der Umrahmung durch Reden seiner Partei- freunde, in denen die Ucberheblichkeit des Zentrums auf die Spitze getrieben war, scheint uns nun wirtlich der Augenblick gekommen zu sein, wo dem Zentrum von der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes mit aller Deutlichkeit gesagt werde» muß, daß Deutschland keine Zentrumskolonie ist: Bis hierher und nicht weiter!" Die Herrschaften wollen ungestört sein, wenn sie geheime Organisationen zur Verdächtigung von Reichskanzler und zur Bestürmung des Reichspräsidenten schaffen. Der Hugenberosche„Tag" findet, daß Brüning mit seiner Rede „ernste und verantwortungobewußic Kreise des deutschen Volkes schwer beleidigt" habe. Er erinnert daran, daß die Zentrumspresse um den II. Juli herum den Hu g c n b e r.g- K o n z e r n angegriffen habe und schreibt: „Weiß der Herr Reichskanzler nicht mehr, daß aus tiefster nationaler Besorgnis wegen dieses parteipolitischen Vcrhetzungs- Versuches, der aus den Kreisen der Regierungsparteien kam, b e i den: Herrn Reichspräsidenten ein Schritt unter- n o.m men wurde? Kennt der Herr Reichskanzler nicht die Erklärung, die der Pressechef der Rcichsregierung in dieser An- gelegenheit dann abgegeben hat? Sie, Herr Reichskanzler, beanspruchen stets für sich selbst ein besonderes Maß von Ver- trauen, als ob Sie allen deutschen Volksgenassen geistig und moralisch vorgesetzt untren! Sie beanspruchen sür Ihre Pvlück und alles, was Sie reden, geradezu die Anerkennung der llu- fehlbarkcit. Wir fordern Sie hiermit auf, für Ihr« Behauptungen. die Sie mit Beleidigungen„Unanständigkeit, Brunnenoergistung" Nazifrechheit im Die Verteidigung bezichtigt C 3m helldors-Prozch erlaubte sich der nalionalsozialisli- sche Verleidiger Rechtsanwalt Dr. Ar ei hl er ungehörige Angriffe gegen den preuhifchea Minister des Innern Severing. Der Ver- lreter der Staalsanivaltfchafk wies die Angriffe scharf zurück. Im H e l l d o r f- P r o z e ß hat die Verteidigerbank heute einen Zuwachs erhalten. Der nationalsozialistische Reichstagsab- geordnete Dr. Frank II, von dem es hieß, er fei aus dem Prozeß endgültig ausgeschieden, ist heute höchstpersönlich anwesend, um auch sein nationalsozialistisches Pathos für die Unschuld der Angeklagten in die Wagschale zu werfen. Man kann sich lebhaft vorstellen, daß die Uebcrzeugungskraft seiner Rhetorik sich im direkten Verhältnis zu seiner Unkenntnis der Prozeßmaterie befinden wird. Die Verhandlung selbst beginnt mit der Verlesung der Berichts- gung des preußischen Innenmini st ers, die dem„An- griff" zugegangen ist: sie betrifft die Behauptung des oalioualfozialistlscheu Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Freißler, das preußische Innenministerium habe in einem Rundfunkschreiben angeordnet, daß in die SA.-Organi- salionen Reichsbannerleute als Spihel oder als Lockspitzel entsendet würden. Diese Behauptung ist nach der Erklärung Se- oerings unwahr und frei erfunden. Staatsanwaltschaftsrat Dr. S t e h n i g, der die Erklärung zur. Verlesung gebracht hat, fügt hinzu, daß er die Berichtigung des' preußischen Innenministers zur Kenntnis des Gerichts gebracht habe, um über die Behauptung der Verteidigung, die ihre Beweisanträge ja zurückgezogen hat. volle Klarheit zu schaffen. Rechtsanwalt Dr. Freißler erwidert dem Vorsitzenden in seiner überlauten Art ungefähr so:' Das Regierungsprtvileg aus der zweiten Rotverord- nung ende an der Außentür des Gerichtssaals. Die Berichtigung des Innenministers bedeute nichts anderes als eine u n b e w i e- sene Behauptung, deren Richtigkeit von der Verteidigung b e st r i t t e n wird. Der preußische Innenminister brauche nur seine Beamten zu befragen, um sich davon zu überzeugen, daß die in seiner Erklärung aufgestellte Behauptung unwahr sei. Ein nationalsozialistischer Verteidiger sage stets die Wahrheit.(!!) Cr erfinde nichts frei, er prüfe die Quelle seiner Erkenntnisse. Nach Prüfung dieser Quelle erkläre die Verteidigung, daß ein Rundfunk- schreiben des Inhalts, wie sie es behauptet habe, existiere, im übrigen sei es nicht richtig, daß die Verteidigung die Beweisanträge zurückgezogen habe? sie habe sie als Eventualanträge auf- recht erhalten. HeMorf-Krozeß � p � � � 9£ Pf Staats an wallschaflsrak Stehnig erhebt Prolest, daß im Gerichts- saal von seilen der Verteidigung dem preußische« Innenminister vorgeworfen werden dürfe, daß er die Unwahrheit sage. Es wird dann der Kriminalkommissar F e i st e l vernommen. Der Vorsitzende teilt mit, daß die Aussagegenehmigung sich nur auf die Fragen 17 und 18 beziehe. Die Genehmigung zur Beantwortung der ersten sechzehn Fragen sei aus Gründen der Staatssicherheit verweigert worden. Frage 17 lautet: Ist es richtig, daß auf Grund der Bekundungen des Gewährsmannes Ansang Oktober 1931 in den Räumen der NSDAP, in der chedemannstraße eine Durch- suchung stattgefunden hat? Zeuge: Das ist nicht richtig. Die Staatsanwallschaft hatte den Antrag gestellt, ihr die Liste der SA.-Führer zu beschaffen. Darauf hat die AbteUung I A am 1. oder 2. Oktober die Liste der SA.-Führer angefordert. Anfangs wurde die Herausgabe der Liste zugesagt, hinterher aber nach einer Be- fprechung der Standartenführer die Herausgabe verweigert. Die Frag« t8 lautet: Ist es richtig, daß auf Grund der Bekundungen des Gewährsmannes bei den Standartenführern-Haussuchungen stattgefunden und Zwangsstellungen vorgenommen worden sind? Zeuge: Rein, auch das ist nicht richtig. Diese Haussuchungen haben auf Grund der Meldung eines Reporters stattgefunden. Die Vernehmung des Zeugen Feistel äst damit beendet. Nach erneuter widerspruchsvoller Vernehmung des Zeugen Kosmol juckt es dem Nazianwalt Dr. Freißler wieder einmal. Er erhebt sich, ein Berliner Mittagsblatt in der Hand, und gibt seine letzte Erklärung vor Schluß der Beweisaufnahme ab. In dem Mittagsblatt stehe, er habe Preußen angegriffen. Es fei ihm das selbst nicht im Traume eingefallen. Wie käme er überhaupt dazu, Preußen anzugreifen, das er als Staat im Sinne Friedrichs II. aufrichten zu helfen beitragen wolle. Er habe bloß gesagt, daß eine.Behauptung eines derzeitigen Mitglieds der preußischen Re- gierung in einem deutschen Gericht nicht als Beweis verwerket werden könne. Auch diese grobe Ungezogenheit des Verteidigers bleibt vom vorfitzenden ungerügt. Oer Staatsanwalt hat das Wort. Kurz vor>-13 Uhr erhält Staatsanwaltschaftsrat Dr. Steh- n i g das Wort zu seinem Plädoyer. Zum Nachweis der den An- geklagten inkriminierten Tatbestände schildert er ausführlich die Ereignisie auf dem Kurfürstendamm und zählt die Ucberfälle auf Passanten auf, die vor und nach 9 Uhr stattgefunden haben. zu unterstreiche« beliebten, unverzüglich der deutschen Oeffentlich- keit Beweis« zu l i e s e r n." Da wird gleich ein Beweis geliefert: Was ist das mit einer Intervention des Reichspräsidenten zugunsten des Hugenbergs- .Konzerns, dieser Kreuzspinn« der Reaktion, die über Deutschland sitzt? Darüber möchten wir gerne Näheres hören! Hoffentlich bleibt «s nicht bei dunklen Andeutungen. Herr Brüning sollte fest ins Wespennest greifen! Groener gegen Künstler. Nachklang zu den Neichstagswahlen. Am 7. September 1939— ein« Woche vor der Reichstagswahl— fand im Sportpalast eine sozialdemokratische Kundgebung statt, in der Genosse Künstler sprach. Am 8. September erschien darauf auch im„Berliner Tageblatt" ein Bericht, in dem unter anderem gesagt war, Künstler habe behauptet, daß in Berlin eine Konserenz getagt habe, an welcher Offiziere des Reichswehrmini st eriums und der russische Mili- t ä r a t t a ch e teilgenommen hätten, und zwar zu d«m Zweck, den „nationalen" Aufruf d«s kommunistischen Zentralkomitees vorzubereiten. Die„Rote Fahn«" übernahm die Sätze des Berichtes, um dann gegen Künstler in ihrer Art zu polemisieren. In dieser angeblichen Behauptung des Genossen Künstler erblickte der Reichswchrminister eine Beleidigung des Offizierkorps. Heute sollte deshalb vor dem Schöffengericht Schöneberg ver- handelt werden. Bor Eintritt in die Verhandlung richtete der Vorsitzende, Zlmtsgerichtsrat Ziegel, an die Parteien jedoch die Frage, ob die Angelegenheit nicht durch einen Vergleich aus der Welt zu schaffen sei, um so mehr, als sie bereits sehr lange zurück- liegt. Künstler erklärt: Ich habe eine derartige Behauptung, wie sie mir die Anklage zur Last legt, nie aufgestellt. Rechts- anmalt Landsbcrg: Der Angeklagte beabsichtigte später sowieso zu erklären, daß er die inkriminierte Aeußerung nicht getan habe. Vorsitzender: Vielleicht würde Herr Künstler seine Erklärung noch dahin erweitern, daß er auch keine Veranlassung gehabt hätte, eine derartige Aeußerung zu tun. K ü n st l e r: Ich habe selbstverständlich den Wunsch, mich hier ausführ- lich zu äußern. Ich möchte im Augenblick aber nur folgendes sogen: Als Rcichstagskandidat lzatte ich in jener Wahlversammlung allen Grund, über die Beziehungen zwischen Reichs- wehr und Roter Armee zu sprechen. Diese Beziehungen haben bereits in mehreren Prozessen eine Rolle gespielt und waren als bestehend zu betrachten. Meine Red« im Sportpalast ist aber im„Berliner Tageblatt" vollkommen irreführend wiedergegeben worden; allein schon die Ueberschrist des Berichtes im„Berliner Tageblatt" war im höchsten Grade irresühreud. So hatte ich zum Beispiel Heinz Neumann in meiner Rede überhaupt nicht erwähnt. Ich habe auch Herrn Olden vom„Berliner Tageblatt" das Manuskript meiner Rede überreicht, um ihm das Irrige des Berichts zu zeigen. Vorsitzender richtet nunmehr an den Vertreter des Reichswehrmürsteriums, Kapitän Goetting. die Frage, wie sich das Reichswehrministerium zu einem Vergleich stellen würde. Kapitän Goetting erklärte, er habe über das Thema mit dem Wehrminister nicht gesprochen. Vielleicht sage Künstler auch noch, daß er zu der Aeußerung keinen An- laß gehabt hätte. Rechteanwalt Landsberg: Künstler wäre vielleicht bereit, hinzuzufügen, daß die Aeußerung von ihm auch nicht getan werden konnte, weil er von solchen Vorgängen keine Kenntnis gehabt habe. Der Vorsitzende regt eine kurze Pause an, damit RA. Lands- berg mit Künstler Rücksprache Nehmen könne..Der Stoatsanwall bittet, die Verhandlung schon jetzt zu vertagen, damit die Angelegen- bot apf schriftlichem Wege erledigt werde. Der Vorsitzende bleibt ober bei seiner Anregung. Künstser erklärt nebenbei, daß er seinerseits«in persönliches Interesse an der Derhand- lung habe. Nach einer kurzen Pause gibt Rechtsanwalt Otto Landsberg fijr Künfller folgende Erklärung ab: Auf Vorschlag des Gerichts ist Künstler bereit, zu erklären:- Die mir zur Last gelegte Aeußerung lzabe ich nicht getan. Ich habe iu der Versammlung am 7. September lediglich über Be- zichungen zwischen Reichswehr und Roter Armee gc- fprochen, die früher bestanden haben. Ich konnte die Gegenstand der Anklage bildende Aeußerung auch schon deshalb nicht tun. weil mir Vorgänge derart, wie ist sie behauptet haben soll, nicht bekannt sind. Kapstän z. S. Gotting entfernt sich aus dem Gerichtsfayl, um mit dem Reichswehrministerium telephonisch Rücksprache zu nehmen. Nach seiner Rückkehr erklärt er folgendes:„Das Reichs- wehrministerium betrachtet die Erklärung des Herrn Künstler grundsätzlich für ausreichend und ist mit der Vertagung der Sache zwecks endgültiger Stellungnahme bezüglich der Rücknahme des Strafantrages einverstanden." Dos Gericht beschließt, die Verhandlung zu vertagen und die Akten der Staatsanwaltschaft zuzuleiten. Wenn die angekündigte Zurücknahme des Strafantragxs ersolgt, wird das Verfahren gegen Künstler eingestellt werden. Hilferding in Paris. lleberflüssige Aufregung in der Rechtspresse. Wie immer, wenn«in führender deutscher Sozialdemokrat sich im Ausland aufhält, wird diese Tatsache von den Hugenberg- Blättern mit unoerkennbar denunziatorischer Tendenz in großer Aufmachung mitgeteilt. Früher pflegte man in solchen Fällen sogar mit dem Wort„Landesverrat" zu jonglieren, jetzt ist man etwas vorsichtiger geworden, aber die Tendenz bleibt dieselbe. Hugenbergs„Nachtausgabe" teilt zunächst wahrheits- gemäß mit, daß HUferding wegen der Beratungen der Sozia- listischen Internationale nach Paris gefahren ist, fügt aber ein paar Verdächtigungen hinzu: „Es muß doch gefragt werden, in welchem Auftrog ixr Vertreter der Sozialdemokratie mit der französischen Regie- rung verhandelt hat. Jedesmal, wenn diplomatische Voroerhand- lungsn Deutschlands für eine wichtige Entscheidung in der Tribut- frage im Gange sind, findet stch ein Vertreter der Sozialdemo- kratischen Partei bei dem maßgebenden Minister des Landes, mit dem Deutschland in ernsten Auseinandersetzungen steht, ein. Es ist erinnerlich, daß in der letzten Zeit mehrfach durch solche Unter- redungcn fremder Minister mit Bertretern der deutschen Sozial- drmokrati« der Eindruck einer deutschen Nach- gie big keit(!) erweckt worden ist, durch den dann die Re- gicZmng schon festgelegt wurde. Hat etwa der frühere Reichs- finanzminister Dr. Hilserding im Auftrag der R-ichsregierung mit d«r französischen Regierung Verhandlungen geführt?" Es wird zwar noch nicht ausgesprochen, daß Hilferding den üblichen sozialdemokratischen„Dolchstoß" der Rcichspolitik versetzt: dazu sind die Herren der Hugenbcrg-Presse zu vorsichtig, und sie überlassen es gern kleineren, unerfahreneren Provinzjournalistcn, konkrete Verleumdungen zu drucken, die gerichtlich zu fassen sind. Immerhin ist wieder«inmal-das Stichwort für eine neue Hetze gegeben. Im übrigen war Hilserding auf Beschluß des Parteioor- ftandcs nach Paris gefahren, um an den Verhandlungen der Jntec- nationale teilzunehmen. Einen Auftrag der Rcichsregierung hat er weder gesucht noch erhalten noch gebraucht. Wenn er die Gelegen- hcit benutzt hat, sich über die Auffassungen der französischen Re- gierung in wichtigen Fragen zu informieren, so war das durchaus zweckmäßig- Und außerdem war es eine Sache, die die Rechts- presse absolut nichts angeht. Die Schmugglerwaren. Falschmeldungen über eine Lebensmittelvernichtung. Entgegen Pressemeldungen stellt die Zollverwaltung fest, daß weder in Gelsenkirchen. noch sonstwo geschmuggelte Lebensmittel oder andere lebensnotwendige Waren, die den Schmugglern ,b- genommen und beschlagnahmt wurden, vernichtet worden sind. Das wäre auch noch den Richtlinien aus dem Jahre 1928 gar nicht zulässig., Sie sind jetzt den Behörden wieder in Erinnerung gebracht worden. Englische und deutsche Justiz. Fall Katzenellenbogen«Neinhart wird beschleunigt getlSrt. In unserer unter der obigen Ueberschrist in der heutigen Morgenausgabe erschienenen Notiz hatten wir an die Berliner Staatsanwaltschaft und an das preußische Justiz- Ministerium die Frage gerichtet, wann die verantwortlichen Justizbehörden in dem Fall Katzenellenbogen-Rcinhart endlich zu- greifen würdcn. Unsere Frage war von der Sorge geleitet, daß die Justiz- behärden diesen Fall wie einen gewöhnlichen Straffall behandeln würden, und daß infolgedessen seine Erledigung viele Monat« in Anspruch nehmen würde. Wie uns mitgeteilt wird, ist diese Vermutung unrichtig. Die preußischen Justizbehörden bearbeiten diesen Fall mit der größten Energie und dem größten Nachdruck. Es finden tagtäglich Vernehmungen der Haupt- beteiligten statt, so u. a. am heutigen Tage die Vernehmung de» Direktors der Darmstädter Bank. Jakob G o l d s ch m t d t. der sich Vernehmungen der anderen Beteiligten unmittelbar anschließen werden. Die Absicht der preußischen Justizbehörde ist, den Fall Schulthciß-Kotzenellenbogen so schnell wie möglich zu klären, um dem durch diese Vorgänge erregten Mißtrauen zu begegnen. Bankzusammenbrüche in Krankreich. Aus Frankreich werden an einem Tage gleich drei Van?» Zusammenbrüche gemeldet, ein Zeichen, daß Frankreich mehr und mehr die Wirkungen der Krise zu spüren bekommt. In Lyon muhte die älteste Bank Frankreichs, ein seit dem Jahre 164» bestehendes Prioatbankhaus, die Schalter schließen. Zu den Kunden der Bank gehören zahlreiche Seide nfabriken. Lyon ist der Mittelpunkt der französischen Seidenfabrikation. Die Verluste sollen sich auf 15 Mill. Franken(etwa 2,5 Mill. Mark) belaufen. In Paris ist die Bank Guet zusammengebrochen. Hier haben betrügerische Machenschaften eine Rolle gespielt. Die Verluste sollen 29 Mlll. Franken betragen. Der Inhaber ist wegen Vcrtrauensbruchs verhaftet worden. In St. E t i e n n e kam es zu einem Run der Kunden auf eine Bank: diese mußte infolge der starken Abhebungen die Schalter schließe». Abermals iMMH) M. Belohnung. Die Erschießung des Arbeiters Moritz. Die Suche der Polizei nach den Tälern, die in der Donners- lagnachl die löblichen Schüsse auf den 21 Jahre allen Arbeiter Erwin Moritz abseuerlcn. ist bisher ergebnislos geblieben. Der Vollzeipräfldent hat für die Ermittlung und Ergreifung der Täler 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. Moritz wurde in der G r o e tz st r a ß e unweit der K r ü l l- straße von zwei Radfahrern, mit denen er sich offenbar friedlich unterhielt, plötzlich niedergeschossen. Die polizeilichen Ermittelungen haben ergeben, daß an der Vorbereitung der Tat noch weiter« Personen beteiligt waren, die sich in der Um- gegend und in einigen Lokalen in der Nähe des Tatortes aus- gehalten haben.» Juwelen des Maharadscha geraubt. Im Wert von 200 Millionen Mark. London. 6. November. Der Maharadscha von Darbhanga, einer der reichsten Landbesitzer Indiens und ein Abgeordneter zur englisch- indischen Konferenz, wurde am Donnerstag das Opfer eines riesigen Diebstahls. Aus feiner Zimmerflucht in einem der bekanntesten Hotels im Westend von London sind auf unerklärliche Weise kostbare Iu- w e l e n im Werte von über 299 Millionen Mark gestohlen worden, und zwar unmittelbar, bevor er sich zum Empfang beim Königs- paar begeben wollte. Die Londoner Polizei ist der Ansicht, daß der Diebstahl von einer internationalen Bande ausgeführt worden ist, die durch die Anwesenheit zahlreicher indischer Fürst- lichkeiten nach London gelockt wurde. Explosion auf Schlachtschiff. Vier Mann getötet, zehn verletzt. Sa» Pedro(Kalisornien), S. November. An Bord des Schlachtschiffes„Colorado" ereignete sich während der Schießübungen bei der Insel Santa Rosa eine Ex- plosion und zwar in einem Geschützturm. Das hier liegende Hospi- talschiff erhielt die Nachricht, daß von der Besatzung vier M a n if sofort getötet und fünf wahrscheinlich lebens- gefährlich oerletzt seien. Weiter« fünf Mann seien schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich verletzt. Bauunglück in Nancy. Paris, 6. November.(Eigenbericht.) In Nancy stürzte am Donnerstag beim Abbruch eines Ge- bäudes der Landwirtschaftsschule eine 30 Meter lang- Wand zusammen- Drei Arbeiter wurden unier den Trümmern begraben. Einer der Verschütteten wurde nach kurzer Zeit als Leiche geborgen, die beiden anderen starben auf dem Transport zum Krankenhaus._ Fünf Tote bei einem Flugzeugunglück. Ein amerikanisches Verkehrsflugzeug der Flugstrecke W a s h i n g t o n— N c w P o r k stürzte am Donnerstag in der Nähe des Flugplatzes von Comden ab und verbrannte. Der Flug- z c u g f ü h r e r und vier Fluggäste sanden den Tod in den brennenden Trümmern. Mahatma Gandhi wird auf seiner Vortragstournee bei der Rückkehr von der Londoner Rundtisch-Konserenz wahrscheinlich am 24. November in Hamburg im„Tao-Kreis" sprechen. Die„Schwarze Kladde". Zusammenbruch des Angeklagten Kohl. Zu Beginn der heutigen Verhandlung des Sklarek-Pro- Resses überreichte Rechtsanwalt Dr. Kurtzig dem Gericht die sogenannte„Schwarze Kladde" und beantragte, wie be- reits gestern angekündigt, ihren Inhalt zum Gegenstand der Ver- Handlung zu machen. Zur Begründung betonte er, daß die „Schwarze Kladde" als Beweismaterial in der Privatklage des Re- dakteurs Dr. F r e y st a d t, genannt Frey, gegen den Oberbürger- meister von Magdeburg, den ehemaligen Stadtrat Reuter, benutzt morden sei. Die„Schwarze Kladde" sei von dem verstorbenen Di- rektor Kieburg selbst oder auf seine Veranlassung in der ehemaligen städtischen KVG angelegt und darin wurden Lieferungen an Per- sönlichteiten eingetragen, die in bevorzugter Weise bedient wurden. Alz die Angeklagten Sklarek die KVG übernahmen, hätten sie dieses System der direkten Belieferung einzelner Persönlichkeiten vorgefunden und es übernommen, und es sei daher nichts Ver- wunderliches und nichts neu Eingeführtes, wenn die Gebrüder Sklarek einzelne Persönlichkeiten direkt belieferten und die Zahlun- gen von ihnen direkt entgegennahmen. Rechtsanwalt"Vr. lzandsberg erklärte, daß in der Begrün- dung dieses Antrages mehr Dichtung als Wahrheit zu finden fei und betonte, daß Ms Gericht wohl wissen werde, wie es den AntraD zu UfeMeln fJaSV. �2 e o Sklarek: Jetzt sieht man ja, warum Bürgermeister Scholtz keine Anzeige gegen Kieburg erstattet hat, weil er nämlich selbst beliefert wurde. In der „Schwarzen Kladde" stehetz-noch vixl mehr Namen drin. Wenn der Staatsanwalt das für dann müßten nicht 13 Ange- klagte, sondern 163 hier sitzen. Die Staateanwaltschaft behielt sich ihre Stellungnahme zu dem Beweisantrag vor. Um über die Berhandlungsfähi gleit des Ange» klagten Bürgermeister Kohl zu entscheiden, wurde dann der Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Störmer herbeigerufen, der eine erneute Untersuchung Kohls für notwendig hielt, die im Be- ratungszimmsr des Gerichts stattfand. Die Untersuchung des Angeklagten Kohl durch Medizinalrat Dr. Störmer nahm über eine halbe Stunde in Anspruch. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erstattete Medizinalrot Störmer sein Gutachten, in dem er zu dem Ergebnis kam, daß Kohl unter einem schweren n e u ra st h e n i s ch e n Erschöpsungdzustand leid«. Irgendwelche organisch« Störungen lägen nicht vor. jedoch seien die Seelenreflexe enorm gesteigert, wie die ganze Depression auf seelischem Gebiet liege. Medizinalrat Störmer empfahl dem Gericht dann, Kohl für einige Tage von der Verhandlung zu dispensieren, damit er sich erst einmal richtig ausschlasen könne. Währen des Berichts lief Kohl plötzlich in höchster Erregung hinaus, so daß die Verhandlung unterbrochen werden mußte. Medizinalrat Störmer erklärte, daß er erst einmal einen Ruhe- zustand von drei Tagen für notwendig halte. Vor allen Dingen sei es notwendig, die Verhandlung abzubrechen, da sich Kohl in hochgradiger Erregung befinde. Amtsgerichtsrat Keßner setzte sodann die Verhandlung bis Dienstag vormittag 11 Uhr aus. Don dem weiteren Zu- stand des Angeklagten Kohl wird es abhängen, ob das Verfahren gccn ihn abgetrennt werden muß. Kundgebungsverboi in(Sachsen. Anlaß. Kommunistische Rundschreiben! Dresden, 6. November.(Eigenbericht.) Dia Nachrichtenstelle der sächsischen Regierung teilt mit. es sei bei einem kommunistischen Funktionär ein Rund- schreiben gefunden worden, in dem gesagt sei.«in roter Oktober in Deutschland sei nur möglich durch den Sturz des Kapitals »nd Diktatur des Proletariats. Dieses Ziel könne nur durch die bewaffnete Niederschlagung der Bourgeoisie und des Faschismus erreicht werden. Dann werde ausgeführt, daß die Arbeiter in der Sowjetunion bewaffnet seien und dazu aufgefordert, dem Beispiel des russischen Proletariats zu folgen. Die sächsische Regierung läßt dazu ausführen, der Inhalt des Rundschreibens rechtfertige die Annahme, daß die geplanten Nooemberkundgebungen der KPD. zum 14. Jahrestag der rulsischen Revolution dazu dienen sollten, den gewaltsamen Umsturz in Deutsch- land vorzubereiten. Die größeren öffentlichen Kund- qebungen seien daher von den Polizeibehörden im Emverstand- nis mit dem Ministerium des Innern auf Grund der Notverprd- nung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen verboten norden.__ Riesenembmch bei ZG.-Farben. Wert der Beute: Lleber 40000 Marl. Ein großer Einbruch wurde am Donnerstag abend bei der Azela-Kunstseidensobrik. elner Zweiguieder- lasiung der ZG..Farbea. in der hauptflr. g/13 in .Lichtenberg verübt. Das ausgedehnte Fabrikgelände stößt mit einer Seite an die Svrer Don dem nahegelegenen Flußbad Lichtenberg müssen die Cüibrechcr auch herangekommen sein. Ihr schweres Gerät schleppten sie bis zu dem Haus«, in dem außer Wohnungen die K a, i e n- und Kontorräume untergebracht sind. Mit Nachschlüsseln össneten sie und stiegen bis zum 1. Stock in den Kassenraüm empor Mit dem Sauerstoffgeblase össneten sie-men G-ldschron v.e schnitten nur das Schloß heraus. In den einzelnen«tahstachern fanden sie 21 000 M a r k L o h n g« ld- r und sogenannte Gold- P l o t i n b i s« n Diese befinden sich auf Rahmen und enthalten 10 Proz. Platin und S0 Proz. Gold. Jeder einzeln« Rohmen is wieder in Zellophan eingepackt. Von diesem.wertvollen Material erbeuteten die Diebe für 20 000 M... Di« Knacker haben sogar noch Zeit gehabt, ihr gesamtes Gerät abzumontieren und wieder mitzunehmen. Wieder Raubüberfall. Sin Schwerverlehter in der Inselstraße aufgefunden. An der Ecke der Znselstraße und des Wassergrabens in Ali.Aerlin wurde von Passanten ein wann mit schweren ver- lehungen hilflos ausgesunden. Man brachte ihn noch dem Dethauiea. Krankenhaus, hier wurde er als der S0 Jahre alte Buchhalter S p a n k y festgestellt. Zwei junge Burschen hatten ihn in der Jnselstroßc angefallen und versucht, ihm Brieftasche und Uhr zu rauben. Als«r sich heftig wehrte, stachen sie mit Messern auf ihn«in und brachten ihm«men tiefen Stich an der rechten Kopfseite bei. Es gelang ihnen dann nur, die Uhrtettc abzureißen und damit zu flüchte». L.Langner: Die Heilige aus LlSA. Kurfürstendamm-Theater Als Mary Baker Eddy 1916, 96 Jahre alt, starb, hinterließ sie «inigen Millionen amerikanischer Bürger die„christliche Wissen- schaft" und einige der größten Kirchen der Welt, religiöse Riesen- stalle, die für 5066 Personen zu Boston, New Bork und Chikago ihr zu Ehren erbaut wurden. Schon zu ihren Lebzeiten wurde sie verehrt als heilige Mutter, genau so wie der heilige Bater in Rom. Bis zu ihrem 46. Lebensjahr war die heilig« Mutter krank, ihren Verwandten eine Last, ihrer Umgebung«ine lächerliche Figur. Dann ließ sie sich auf der Tragbahre zu einem Magnetiseur schleppen, der sie wieder auf gesunde Beine und besonders zu einem herrlichen Verstand brachte. Mit diesem Verstand benebelte sie ein ganzes Volk von Kranken und Unglücklichen, denen st« ein- redete: der Mensch stammt von Gott. Da Gott vollkommen und also niemals krank ist, kann auch sein edelstes Geschöpf, der Mensch, nicht krank sein. Der Mensch braucht nur den Gottesglauben, da- mit er imrch den Geist geheilt wird von allen seinen Gebrechen. Mary Baker ließ sich dies« Himmelsmedizin sehr gut bezahlen, so gut, daß sie in Palästen hauste und eine Brillantentrons auf dem Schlauköpfchen und ein Diamantenkreuz auf der Prophetenbrust tragen konnte. Nicht nur fanatische und rheumatische Bettler, sondern auch Millionäre, die durch ihre Gallensteine Galt näher gebracht wunden, spendeten für die heilige Mutter. Es schadet« der heiligen Mutter nichts, daß der Humorist Mark Twain ihr an den mageren, doch zähen Leib und an den Schwindelgeist rückte. Sie machte 56 Jahre lang den Korryphäen der Medizin Konturrenz. Als sie zusammenklappte, stellten ihr« studierten Feinde, die Aerzte, fest, daß sie«in Bombenweib gewesen war. Annie Besant, Erbin ihres Geistes und Vermehrerin ihres Geldes, regiert heute noch immer über unsere fünf Erdteile, nicht nur in angelsächsischen Pro- vinzen, sondern auch zum Beispiel in unserer Stadt Berlin, wo die Anhänger der christlichen Wissenschast für die heilige Mutter den Rest ihres Portemonnaies opfern. Gewaltig ist das Geheimnis solcher Verführerin, die Stumpf- sinn und Uebersinn mit Raserei mischt. Oder es ist gar kein Geheimnis, findet man sich mit der Erfahrung ab, daß unsere Erde zu gleichen Teilen bevölkert wird von unkurierbaren Narren und vernünftigen Leuten. Dieser Stoff bietet Gelegenheit zu einer Posse oder zu einer theatralischen Parade. Ilse Langncr liefert das Textbuch zu der Parade, zu einer augenfälligen Revue des Hümbugs. Sie versucht erst gar nicht, was reizvoll, was wertvoll gewesen wäre, die seelische Durchleuchtung der listigen Mary Baker. Das tiefere Wort, das auch der Verrücktheit gerecht wird, das Dichterwort, das Raserei und Gerissenheit in das sittliche Rechen- exempel einstellt, findet sich nicht zu ihrem Theatertalent. Darum versucht sie auch gar nicht, Seelisches zu begründen. Bleibt also nur oas Jahrmarkttreiben, das die schaulustigen Theatergäste be- wundern. iBIeibt also nur das Geistlose, das sich dem mystischen Geiste vorlagert. Die junge Dramatikerin ist innerhalb dieser Geistesarmut eine tüchtig« Frau. Ereignisreiche Reportage knallt durch ihre zwölf sehr geräuschvollen und bewegten Theaterszenen. Wenn Mary, weißgekleidet und strahlend im Brillantschnmck, von der Kirchenkanzel predigt, wenn sie im Sterbezimmer ihres Gatten schreit:„Einen Arzt,«inen Arzt!", und wenn die Frommen beten, um den Sterbenden aus Todesklauen zu reißen, dann ist Leben auf der Bühne. Es ist das Leben, das geladen ist mit dem Theatergeist, den Ilse Langner heute schon bewältigt. Der Regisseur Ludwig B e r g e r hilft der Szenenstellerin, auch die dekorative Musik, von der der Tonfachmann noch sprechen soll. Was wäre übrigens dieses flache Bühnenwerk ohne Musil? Eine leere Maskerade. Selbst Bergers Filmmätzchen, die an Piscators erste Schliche«rinnern, einen dummen oder gar nicht vorhandenen Text aufzuplustern, kommen wieder. Wirtungen des Wortes ver» sagen. Herhalten müssen die anderen Künste, besonders die mimische und rhetorische Kunst von Frau Agnes Straub. Geschmeidigkeit im Körper, der noch gelähmt erscheinen soll, rollt sie sich am die Bühne. Sie sticht mit den Augen und mit der Stimme. Instinkt» mäßig oder als genaue Beobachterin trifft sie zunächst das Fahrig» flattrige der Hysterikerin. Hierauf erwacht sie, und alles gewinnt Umriß und feste Gestalt, ihr Gehen und ihr Reden. Es wird ein großartiges, hinterlistiges und besessenes Reden, ein Schmetiern. ein Schmeicheln, ein Heucheln von Glut, die eigentlich doch nur Methode und Kaltblütigkeit ist. Schließlich sinkt sie als Greisin in sich zu- fammen, ganz ausgebrannt. Doch sie will nicht hiftss sterben. Nur, weil sie nicht mehr flammen darf, löscht sie sich selber aus. Die große Darstellerin hilft der kleinen Dramatikerin. Geringere Episodenrollen sind nicht schlecht verteilt. Reben Steelmann.'dem hypnotisierenden Quacksalber, besonders Bri» gifte H o rn e y, die Darstellerin der feurigsten Missionarin, die sich entschließt, der heiligen Mutter die Unsterblichkeit zu sichern. Brigifte Horney ist eine interessante und melodiöse Schauspielerin. Nax Hodidorf. Gin französischer Spitzenfilm. „David Golder" im Mozartsaal. Bloß zwei deutsche Militärfilme, die die Vorzüge des Kommisses ins rechte Licht rücken sollen, sind diese Woche in Berlin urauf- geführt worden. Wir haben unsere Leser absichtlich mit der Wieder- gäbe-dieser Propagandafilme verschont. Wer sich noch durch solche albernen Verherrlichungen des Militarismus gesangennehmen läßt, dem ist nicht zu helfen. Glücklicherweise werden sin Ausland hin und wieder noch Filme produziert, die nicht bloß der seichten Unter- Haltung dienen, sondern durch ihren Gehalt öffentliches Interesse verdienen.„David Golder", der bereits in einer Prefseaufführnng vor Monaten gezeigt wurde, gehört dazu. Es ist erfreulich, daß er nunmehr auch dem großen Publikum.zugänglich wird. Man bat die französische Fassung beibehalten, ober in sehr geschickter Weise deutsch« Titel eingefügt. Di« Festaufsührung, der auch der französische Botschafter bei- wohnte, gestaltete sich zu einem großen und wohlverdienten Erfolg. Man hatte der Vorstellung festlichen El>arakt«r verliehen: Herr Dr. Otto Grautoft sprach über die völkerverbindende Rolle des Films: Joseph Schmidt sang«ine Arie, und zum Schluß wurde der Regisseur Duvivier lebhaft gefeiert. Es ist die Tragödie des Reichtums, die nach einem auch ins Deutsche übersetzten Roman von Irene Newirowjky filmmäßig ge- staltet ist. David Golder, der alz anneö Iudenjunge au« Südruß- land nach Paris übergesiedelt und jetzt nach vierzig Iahren ein Fürst der Börse geworden ist, weiß wohl die Millionen zu erraffen und auch über die Leichen seinev» Freunde hinwegzuschreiten, aber das Leben wird ihm nicht hold. Seine Frau betrügt ihn ofsenkundig mit irgendeinem Grasen da unten in Biarritz, alle Welt nutzt ihn aus. und auch sein süßes Töchterchen,«in nichtiges Luxusgeschöpf. umschmeichelt ihn nur, um Geld aus ihm herauszulocken. In grandiosen Szenen, die trotzdem nichts als Bilder der Wirklichkeit sind, oersteht es Dummer dos Schlaraffenleben einer verkommenen Gesellschaft anzuprangern, die nichts als Ausbeutung und Genuß kennt. Ohnegleichen und wahrhaft ergreifend wird der Kantpf zwischen den' Eheleuten geschildert: der schwerkranke Golder wird von seiner Frau erpreßt, ihr sein Vermögen zu verschreiben. Die niedersten Instinkte der Geldgier werden hier wach, und der Kampf der Geschlechter wird mit Strindbergscher Schonungslosigkeit geführt. Go'der hat es satt, der Narr der anderen zu sein:« liquidiert Geschäfte und Besitz. Aber das raffiniert« Spiel seines Töchterchens stimmt ihn um. noch einmal zu einem großen Coup auszuholen. Der Löwe zeigt seine Pranken im Kamps mit den Sowsetvertretern um russische Oelkonzessionen. Er siegt, stirbt aber dann bei der Heimkehr auf einem Dampfer inmitten seiner südischen Volks- genossen, die, wie er einst, ausziehen, um das Geld zu erobern. Harry B a u r hat wesentlichen Anteil am Erfolg, sein Golder ist keine Karikatur, sondern ein Stück echtes Menschenleben. Frei- lich, der Schluß mit seiner gesteigerten Sentimentalität, der fast wie eine Heroisierung des großen Börsenrassers wirkt, verstimmt ein wenig. Hier würde Kürzung nützen. AmH die Darstellerinnen der genußgierigen Frau und Tochter sind große Leistungen. Di» Milieuschiloerungen de-, Films sind ganz auf der Höhe, besonders das Luxusleben in Biarritz ist markant getroffen. Stark wirken durch den Kontrast ein paar entzückende Idyllen aus der Land- schaft und der Arbeit der einfachen Bauern. D. Arm wie eine Kirchenmaus. Gloria-palast. Hinter der Schreibmaschine sitzt Susi Sachs, das brave Mädel. Sie arbeitet als Privatsekretärin des Chefs, eines Chefs, der nicht nur österreichischer Baron ist, sondern auch mächtige Bankkonzerne dirigiert. Für seinen schönen Kopf, von ergrautem Haar einge- rahmt, schwärmen die Frauen. Cr ist ein idealer Don Juan, sie eine Perle an Tüchtigkeit und Arbeitsfanatismu?. Warum sollen beide am Schluß nicht heiraten? Der strahlende Gralsritter belohnt Treue und Hingebung. Eine Idealvorstellung erfüllt sich, und für c i n Wesen wird auf angenehm« Art die soziale Frage gelöst. Ein Lustspiel, das grobe Effekte vermeidet. Es spiegelt eine verlogene Welt, aber die Spiegel sind wenigstens intakt. Die Handlung an sich nicht spannend, wird durch Typen und Intermezzi belebt und in der Grundlage verbreitert, und der Regisseur Richard Oswald hat für dieses Nebenbei eine außerordentlich glückliche Hand. Trotz pompöser Dekorationen stellt Oswald das Ganze auf kammcrspiel- artige Wiriungen und läßt selbst in den lomischen Chargen sehr diskret spielen. Innerhalb einer typischen Lustspielhandlung treten Menschen auf, die die Merlmale ihres Berufs an sich tragen und in das Märchen Wirklichkeit hineinbringen. Grete Mosheim ist weit van jeder Süßlichkeit entsernt und hat sogar den Mut wie manche großen amerikanischen Darstelle- rinnen, sich häßlich zu machen. Man glaubt ihr die Energie, die Tüchtigkeit, man glaubt chr vor allem die Sekretärin. Kultiviert und unaufdringlich, als Lebemann mit leicht melanchvlischein Augen- ausschlag ist der Banldirektor Edthofers. Hörbiger und Hans Thimig, der ein starkes Talent für die Groteske entfattei, spielen Leute aus der Welt, in der man sich nicht langweilt, und Fritz Grünbaum wimmelt als kleiner, vom Leben vergessener Buchhalter herum als eingetrocknetes, verschimmeltes Männchen. Eine große Leistung. Der Film müßte i,, den letzten Teilen gekürzt werden. ?. 5eli. Das empfindliche Pflanzenherz. Aus der indischen Hauptstadt Kalkutta hat uns der indische Forscher Sir I. C. B o s e die Kunde eines pftanzUchen schlagenden Herzens übermittelt, das in der innersten Schicht der Rinds seinen Sitz hat, und das mit dem tierischen Herzen eine weitgehende?lchnlichkeit ausweist. Unter normalen Berhältnissen zieht es sich in gleichen Zwischenräumen zusammen, um sich dann wieder auszudehnen. Seme Tätigkeit nachzuweisen, gelang mittels sinnvoll gebauter Apparate auf mehrfache Weile: erstens konnte man durch mehrmillionenfache Vergrößerung feine Schläge un- mittelbar sichtbar machen, und serner erzeugen jene Schläge des Pflanzenherzens meßbare elektrische Stromstöße, ähnlich wie sie die Zusammenziehunaen der tierischen Muskeln begleiten. Die große Aehnlichkeit des. Pflanzenherzens mit dem Tierherzen erhellt schon aus der Tatsache, daß die gleichen Stoff« aus beide die gleiche Wirkung ausüben: Kampfer und Moschus regen die Herztätigkeit an, Morphium und Bromkali vermindern sie,— bei den Pflanzen genau so wie beim Tier. Neuerdings hat der indische Forscher noch eine andere hochbedeutende Beobachtung gemocht, indem er die Ein- Wirkung elektrischer Ströme auf den Pflanzenorganismus prüfte. Dabei stellte sich heraus, daß die Pflanze weit empfindlicher gegen eiektrifche Reize ist als der Organismus des Menschen und der Tiere. Funkentelegraphische Signale, wie sie von unseren drahtlosen Stationen ausgclandt werden, wurden z. P. von den empfindlichen -Mimosen deutlich wahrgenommen, und zwar in der Weis«, daß schwache Stromstoße das Wachstum der Pflanze beschleunigten, während starke Reiz« die entgegengesetzte Wirkung ausübten. Der schnellste Eisenbahnzva. Ein neuer Weltrekord der Ge« schwindigkeit eines Eisenbabnzuges wurde dieser Tage von dem „Cheltenham Flyer" ausgestellt, dem Schnellzug, der zwischen Twin- aon und London oerkehrt. Er hat die 124 Kilometer lange Strecke von der Kopfftation bis nach dem Londoner Padington-Bohnhpf in genau 66 Minuten zurückgelegt. Stellenweis« wurde ein« Stunden- geschwindigkeit von 136 Kilometer erzielt. Eine riesige Menschen- menge erwaxtetc den Zug bei seinem Einlaufen in die Bahnhofshalle und begrüßte ihn mit großer Begeisterung. Bisher hielt den Re- kord der Schnelligkeit mit 166 Kilometer in der Stunde cin Zug der Kanadischen Pazisikhphn. Die Bekämpfung des Analphabettsmu» in Spanien. Welch« Anstrengungen die spanisch« Regierung macht, um den Analphabetis- mus wirksam zu bekämvsen, geht aus einer Erklärung des Unterrichtsministers Marcellino Domingo hervor. D«r Etat seines Ministeriums wird sich gegenüber dem Verjähr um 166 Millionen Peseten erhöhen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß im Jahre 1932 766g Schulen gebaut werden. Da im Jahre 1931 bereits eine große Anzahl gebaut ist, wird sich die Zahl der spanischen Schulen in einem Zeitraum von zwei Iahren um 14 666 erhöht haben. VoNKbiihnr:?ln den nächsten Soimtag.Nachmittaacn regelmäßig zu bedeutend ermäßigten Preisen Stemmles„Kampf um Kitsch". Im Theater in der Ttresemannstraß« spielt Ansang November iaS Ensemble Berliner Schauspieler unter Leitung von A. E. Licho. Recretlundliche Virträge: Das Institut für Meereskunde veranstaltet auch in diesem Winter Pom 16. November ab regelmäßig Dienstag» offen!- liche Lichtbildervorträge, in denen die verschiedensten Probleme der Meere». sorschung, Polarsorschung und Schissahrt behandelt werden. EintriltSkartev 56 Psennig. Die Reichsmanneleiiuug. Das Mindeste: i3 Pfennig tStundenlohnkürzung. Im Frühjahr dieses Jahres hat die Reichsmorineleitun�g eine Lohnkürzung um 3 bis 6 Pfennig durchgeführt. Auf Grund der Notverordnung vom 6. Juni verhandelte sie am 10. Oktober mit den Vertretern der Werftarbeiter und der Arbeiter des Marine- arsenals in Kiel. Es drehte sich darum, eine Lohnkürzung nach§ 6 der Notver- Ordnung entweder in der ersten Fassung mit Fortfall der ersten Kinderzulage vorzunehmen oder aber nach der zweiten Fassung mit iVi Prozent Lohnkürzung. Die Verhandlungen wurden aus- gesetzt bis die Reichsarbeiterlöhne verkürzt seien. Es bliebe dann nur noch übrig, den Organisationen mitzuteilen, in welcher Form die Lohnkürzung vorgenommen werden soll. Münd- liche Verhandlungen seien überflüssig. Um so mehr waren die Organisationen erstaunt, als sie plötz- lich zum 4. November zu neuen verhaadluugea geladen wurden. Die Marincleitung erklärte ihnen, daß der frühere Standpunkt gegenstandslos geworden sei, weil inzwischen der Lohn für die Seeschifsswerfen um 10 Proz. gekürzt wurde. Die sparsame Marinelcitung begnügte sich jetzt nicht mehr mit «kner Lohnkürzung von 4'/? Proz., forderte vielmehr einmal die gleiche Kürzung wie bei den Seeschiffswerflen um 10 Proz., dar- über hinaus aber die Kürzung von 4 Vi Proz� insgesamt also 14'- Proz. Lohnkürzung, eine Kürzung des Stundenlohns um 13 Pfennig. Alle Einwände der Organisationen und auch der ch in weis auf das seinerzeit gegebene Versprechen wurden von den Ler- tretern der Marincleitung glatt brüskiert. Wohl fetten wurde in so brutaler weise gegen Treu und Glauben verslohen wie bei diesen Verhandlungen. In einer ge- radezu höhnischen Wesse wurde von den Vertretern der Marineleitung erklärt, daß die 13 Pfennig Lohnkürzung das win- desle darstellen, was sie fordern müsse. Selbst noch weitere Kürzungen darüber hinaus feien nicht ausgeschlossen. Wer hat die Herren Geheim- und Ministerialräte in der Reichs- marine zu diesem provokatorischen Auftreten ermächtigt? Was sagt die Reichsregierung und was sogt der Reichswehr- minister zu diesem Gebaren? Wetter für Verlln: Meist stärker bewölkt, später langsam auf- kommende Regenneigung, ziemlich kühl, östliche bis südöstliche Winde. — Für Deutschland: In der südöstlichen Hälfte trübe und regnerisch, im übrigen Reiche noch vorwiegend trocken und im Nordosten ziem- lich heiter. Temperaturen im allgemeinen nur wenig verändert. Sireik bei Borfig. Endlich hat die KPD. einen Metallarbeiterstreik. Seit Wochen arbeitet die KPD. mit chrer NGO. daran, die Berliner Metallbctriebe streikreif zu machen. Jetzt haben bei Borsig etwa 100 Kernmacher und Putzer die Arbeit niedergelegt, weil ihnen die Akkordpreise gekürzt wurden. Der Verhandlung� weg wurde nicht beschritten, der Mctallarbeitervcrband nicht zuvor verständigt. Die KPD. rechnet damit, diesen Teilstreik auszudehnen. Wenn die Unternehmer die Akkordsätze fortgesetzt Willkür- lich kürzen, dann wird es der KPD. ziemlich leicht gemacht, ihre Nachläufer zu wilden Streiks zu treiben. Für die beteiligten Arbeiter kommt jedoch bei solchen Aktionen kein Vorteil heraus. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. V-r-ntworil. für die RcdaNwn: Stich. Bernftei». Berlin: Anzeiaev: Zb. Sl-a«, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. K.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Perlogsanftalt Paul Singer 6- So., Berlin SB W, Lmdenltrabe Z. Hierin 1 Beilage. vis Wahrheit im Lohnstreit der Fa. Eduard Goldacker Nachff. G. m. b. H.! Wir zahlen unseren Kraftfahrern gemäß Tarifvertrag mit dem Qesamtverband einen Wochenlohn von RM 66.— bei Sstündiger Arbeitszeit. Dieser Lohnsatz ist um RM 1 2.— höher als die Lohnsätze der Kraftfahrer des für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrages für den Berliner Einzelhandel. Die Warenpreise sind dessen ungeachtet nach wie vor die niedrigsten bei bester Qualitätl Denkende Hausfrauen, laßt euch nicht beirren! Kauft bei Eduard Goldacker Nachf. (Inh. Gusowski& van Groenenbergh) G.m.b.H., Berlin-Hohenschönhausen, Industriebahnhof o-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom o. bis 9. November Karlanderf »rlendorfcr VTochenla. mlictatepiclo G'/t, 9 Uhr 305 So: ab 5 ü. [: Harra ein Junge mit Robort«, 31. Adalbert ogramtn T»mp«lhof t Wo. 7. 9 IT. So. 3, 7. 9 ü. ■ Sonnt. 3 U.: Jgd.-Vorst. 22. Ecke BerliDer StraBe Alexanderplatz mit beorae, 3Iaria Bard ogramm Tägl. 5. 7. 9 Uhr. Sigs. 3 Ühr; Jugcndvorsfetl. 97. naslkche GrolHonfittn: : In« l,eben oe ramm Neukölln B 's-Falast 212. Woch. SV». 9. St*, ab 3 Uj: Berlln-Alcxsndcr- ieorar«, Bard— Bcipr. cnschau— Soont. 8. 11., ,al. Konr. Da|os Bela Psv/svdtf Woch.6.30 U, ralasi 5oaot�b3D. imabends 5 Uhr xmplatz, Urfcaristr. 72/76 noßc Russen tonlilm; : Inn lieben amm— Btthnen«chaii Wochent.€.45, 9 ü. Sonntags 3, 5, 7, 9 U. amm 92 c.iduiiASfisrund Beyer« •nkabarett IV r. 2 Wochent. 6.45, 9 U. ' Sonnt. 5, 7, 9 U. ) Ulir J'Ugend-Y�rsbcIhmg Lcbt-StraDe 191 n Flammen(Marokko) nc Dietrich SU Stella-Palast Köpenicker Straß« 12—14 Wochtgs. ab 6Vs U., Sorartags ah 3 U Der monrancnlalc Russen-Tonfilm: Bor Weg: in« Leben Tonbeiprejrram-n BOhnenschan /// *rmannstraße49 5, 9 U., Sonnt. 5. 7. 9 U. ) Uhr Jugend- VorsleUntig t Dienst mit Ralph. A. Fritz Schulz, Lucio — Tonbeiprofframm chau iüdw'et't'en M ele Südwest W. ab 5. So. ab 3 Dbr piäl: IVasrnl&n.e mit Siek- »— TonbelprogTamm haben Ztrtrilt. 'ast Kammersäle | W. ab 5.30, St;, ab Z.Z0I7. [r»t In Schild» of ramm— Tanwoebe Deatsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68 Beg. 5, So. 2,30 J.-V, Tonfilm: Berlin Ale»anderplatz mit Heinrich Georg:« Gutes Tonbeiprofiramin Neue Philharmonie Köpendckcr Straße 96, Jugendl. Zutritt Um eine Kascnlänn:© mit Slegrfr. Arno, Lucie KnirlUeh Bciprogrramm— Btthnenschau W Baumachulenwaa M Lichtspielhaus sviS.9u. Baumschulenslr. 78 Sonnt. 2 U.: J.V. Romben auf Honte Carlo mit Hann Albcr«, Anna Sten Belprogrramm— Woche Flora-Lichtspiele Sonnab 5, 7, 9, Sts.3,5,7,9 Beree in Flammrn mit Cul» Trenkcr Dciprocrampi— Jugcndl. Zutritt. ■ o»*«"■ Germania-Palast Frantlurtcr Alice 3H Woch. 6.30. Sonnab. 5, Soonla� 3 Ehr Bühncncaatapicl: Schäfer« weltberfthmte IAH. putaner-Berne. 30 Zwerge. Große Orcheter— FllmtoU: Der schönste Stummfilm: Da» tanzende Wien mrl I/y» Mar«. Luna-Palast ScnntTaba�lhr Große Frankfurier Str. 121 Tonworhc Toirtroehe: Weekend im Paradlj« mit Wallhargr, Bammer Bühne: Ilaria Siey Schwarzer Adler aiÄ W. 5, 7. 9 Uhr, S. 3, 5, 7. 9 Uhr Die Schlacht ran Bademünde mit M»* Adalbert— Tan- kabarett Nr. 3— Jugcndl. Zutritt Treptow-Sternwarte Sonatacs 4, 6, 8 Uhr Sonnab. 3 u. 8 Ubr Tiere aehen dleh an. Der große Tiertilm taa Paul Etpper „Elysiam"- \V. 5.15, 7.00. 945. So. 3.15, 5. 745. 945 U. Der erste große RuaseBtomliliu: Ber Weg In« Leben rSäklbM n p Ivia n Viktoria- Theater Frankfurter Allee 18 W. 5, 7, 9, So. 3 Uhr Blenat I»« Blenat mit Ralph A. Roberts, Fritz Schulz Babylon, am Bülow'plätz Wochentags 5, 7, 9. 10, Sonrt. ab 3 Uhr Russen-Tonfilm: Der Weg in« Leben Bühne: Val.Schumafcoff, Balalaika ���uTuchtenbeTj� Kosmos-Lichtspiele Lflckstraße 70 W. 5. 7, 9. S. 3. 5. 7. 9 U. Hlraekern greift ein mit Felix Breasar*— Bühne: Gaateplal der großen Jazzkapelle de« Cald»m Za» weioensee Hnrmnni/» Wochent. 7 u. 9 u. iiurmoiiie Sonnt. 5, 7 ll. 9 u. Uangbonsstr. 23 Tonlustspiel: Der Liebesarzt mit Harry Liedtke, Dinu Gratia, Schulz— Tonbeiprogramm W vrietirlchafnldR W Kino Bäsch?. 9 uhr Alt-FriedrichsfeJde lOOpror. Tonfilm: Elisabeth von Oeaterreleh mit LU Oagovri*. P. Otto, Ida Wüst— Beiprogr. Norden AIL~~.L~~ Mffllerstraße 136. Ainamora Ecke Seestraße W, 5, 7, 9 Uhr, S. S. 5, 7, 9 Uhr Keine Feier ohne ülej-er mit Siegfried Arno, Lncie Englis.-h Tonbeiprogramm Pharas-Lichtspiele Müllcrslr. 142 W.5.7.9U.. Stg. 3, 5. 7. 9 U. Oer erste große Russeai- Torrülra; Der Wca in» Leben Tonbeiprogramm (Erwerbslos« nur bis 3 Uhr) Pankow Palast-Theater Breite Straße 21a. W. 7 u. 9, Stg. 5. 7,91 Großtonülm: Sein Scheldunifj Arund mit Llen Beyer», Jol Riemann— Tonbeiprogrami Tivoli Wochent. 7, 9 U. Sonnt. 5, 7, 9 U. Berliner Str. 27 Gr. Btthnenschau Solang: noch ein Walzer von Strauß erklingt mal Gustav Fröhlich— Tonbeiprogramm Große Btthnenschau Filmpalast Tegel Wochent. 6, Sonnt. 41/*U. lOOproz.Tonfilra Der Storch streikt mit Siejgfr. Arno, Schulz— Wir schalten um auf Hollywood �,�rn" Wo. 6. 8.30 Uhr IxOSmOS Htthnc So. 4.15, 6.30, 8.45 HaupUtr. 6 Zwei Tonfilme: Hirsekorn snreift ein mit Felix Bressart H. Lloyd, halt dich fest Juä endliche haben Zutritt » Hiinlaadorf M Filmpalast u r Berliner Straße SO lOOpror. Tonfüm; Sensehen hinter Gittern mit Heinrich Geerge, Dlta Parte, Dtefil mmra K I *r Vellage Freitag, 6. November 1931 SprNb-nd Sitä/auUaäa xtu totiawHi Wie gehen die Qefchäfte? Sine kHslige Umfrage/ Ton Meinrich 9£emmer Jeremias im Schlafrock. „Man hört nur von Abbau, Konkurs und Selbstmord," sagte der kleine, dicke Herr, sich so gemüllich in einen Klubsessel sinken lassend, wie ich es bei keiner noch so guten Konjunktur imstande wäre,„und kein Mensch weiß, was der nächste Tag bringen wird." i Es ist eine prima-prima Firma(soweit heute, wo man überall ron Pleite spricht, so etwas existiert), bei der mein Freund kürzlich sein 25. Jubiläum feierte-, und er hat sich bei dieser Gelegenheit(die Firma staunte über soviel Idealismus) ein Oclgemälde, eine Oase .. von Dritt, gewünscht, die nebst anderen ncuerworbenen Kunst- werken die Wand des ebenfalls pruna Speisezimmers ziert, in dem nichts an schlechte Zeiten gemahnte: nichts, außer der von mir heraufbeschworenen Konversation. Die Firma meines Freundes, erfuhr ich als Aus- und Umfrage („Wie gehen die Geschäfte, Herr Nachbar?") unterwegs, ist nicht von jenen mir bekannten eine, die ihre älteren Angestellten, um dem Kündigungsschutz zu entgehen, knapp vor denu zehnten Dieustjahre entläßt— sie zahlt im angenehmen Gegensatz den Abgebautwerdcn- müssenden sechs Monate ohne Arbeit eine Pauschale aus, damit sie etwas unternehmen können— dann gehen aber meistens diese kleinen Unternehmen pleite. Die mühsam ergatterte Kneipe der Versorgung schmeißt wn... auf dem Zigarrenlädchen der Sehn- sucht verliert man so regelmäßig seine kleine'Abfindung, daß die Behörde ihn oft gar nicht erst genehmigt mid selbst die Lizenz für das so sicher scheinende Mtlchgeschäftchen mag vorenthalten werden. „Trinken Sie doch Ihren Chartreuse, mein Lieber, und ver- suchen Sie mal diese Zigarre.— Tja, also haben sich(wollen Sie noch etwas wissen?) nebst den die Straßen in zunehmendem Maße balkanisierenden fliegenden Läden(schlechte Zeichen!) allerhand zeit- gemäße kuriose Berufe herausgebildet... abgebaute Bank- b e a m t e versuchen z. B. als Sochverwolter für Inkasfobüros faule Forderungen einzutreiben: aber die Forderungen sind meist so ober- faul(gut, die Zigarre, wie?), daß sich die Leutchen für nichts die Stiefelsohlen ablaufen. Kennen Sie die modernen„S a n i t ä t s- röte"? Die verschreiben(guter Rot ist wirklich„teuer") als Satrapen von Sanierungsbüros krankenden Wirtschaftskörpcrn mehr oder weniger wirksame Heilmittel, und wenn nichts Hüft, sucht man die Krankheitsherde, die Gläubiger auf und legt ihnen ans -Kerz, sich mit 30 Proz. oder so zu begnügen, sonst kommt der Tod herbei, und sie können über alles das Kreuz machen.— Wie gefällt Ihnen die Velasquez-Kopie da oben? Sie wollen noch etwas hören?— Aus dem„Asyl der Ordrelosen"(der Fondsmakler der Börse) rekrutiert sich die Schar der Privatdiskonteure. Die 21 oder 28 Monate laufenden Rusienwechsel, womit man drüben zahlt, werden(weil sie nicht mehr ;' garantiert, nicht mehr durch Banken diskontierbar sind— denn der Fünfjahresplan des außerkapitalistischen Reiches hatte die normal funktionierende Kapitalwirtschaft der übrigen Welt zur Voraus- sctzung)— werden nur mehr von privaten Geldgebern(die diese Herren„an der Hand" haben) akzeptiert... allerdings zu einem jährlichen Zinssatz von etwa: 35(I) Prozent. Ja, ja: die Industrie macht schlechte Geschäfte... auch die Engländer werten nicht auf, für jede 2iZ kriegen wir nur 16 Mark! Sehen Sie mal an: man hat mir ohne jede Bestellung ein Originallos mit einem blanken Glückspfennig zugeschickt... nehmen wir's zusammen. Greifen Sie rasch zu, mein Lieber, die Geschäfte sind schlecht!" Das ist der Unterschied(dachte ich): der eine kauft sich ein Lotterielos, well die Geschäfte schlecht gehen und der andere kann sich aus eben diesem Grunde keines kaufen. Welch eine Welt von Unterschied, ob man mit vollem oder leerem Magen über die schlechten Geschäfte spricht(beredt ist man auf alle Fälle nur mit vollem Magen). Die empörtesten Proteste, die prägnantesten Formulierungen— vernahm ich sie nicht aus dem Munde von Herrschaften, die mit unverminderter Selbstverständlichkeit in ihr Luxusauto steigen: und hart die Türen gegen die Welt zu- klappen? Wenn die Geschäfte schlecht gehen, muß es wohl des- wegen nicht notwendigerweise auch dem Geschäftsmann schlecht gehen! Die schon mehr als schlechte Geschäftslage ist das Objektive: unberührt davon ißt, raucht, trinkt man in alt- gewohnter Weise und schwärmt von Malern, die(wenn auch nicht der Orlik) vor lauter subjektivem Elend zu gar keiner Objektivität kommen „Adjüs," sagte ich gerührt zu dem mir voll mitleidiger Güte die Hand hinstreckenden Freunde, als im boudoirgleichen Schlaf- zimmer, wo eine Dioa-Atmosphäre von Lia-de-Tutti-Fruttis mir *'• entgegenschlug, das Telephon bimmelte,„ich wünsche Ihnen einen prima-prima Abschluß, mein Lieber." Ein Sechskagerennen mit 12 000 Eidechsenfellen. ..... einen prima Abschluß, mein Lieber" und begab mich um- fragenderweise wieder zu E. S. E. S., der, wie wir alle, zu wenig oerdient, und an einen neuen gestreiften Anzug ebenso wenig hätte denken können wie an einen getupften Winterniantel(von einem Motorrad gar nicht zu sprechen), besitzt jetzt alle diese Herrlichkeiten... Warum? Nur weil sich der bleiche, junge Verkäufer eine Woche krank gemeldet und während dieser Zeit wie ein rasender Vertreter am Rhein her- um gesaust ist: einen Posten abstoßend, wie man sagt; einen Posten Ware natürlich(von anderen Posten wird man von selber abgestoßen). Es traf sich nämlich, daß ein auswärtiger Freund des wirklich sehr blassen, aber strebsamen jungen Mannes, ein arabischer Franzose mit einer Geschästskarte zu ihm ans Lager gestürzt kam. daraus zu lesen stand„M a i s o n R. C u i r s et, Peaux des Reptile s" Er ist Vertreter, jener, von einer' Pariser Reptllienfellfirma(die Reptilien sind jetzt modern: drum wird chnen die Haut abgezogen), aber eine Sendung„Kalkutta": d. h. indischer Eidechse, die er nach Deutschland hatte kommen lassen, war nicht mustergetreu gegerbt, nicht negerkopfbraun, wie es die elegante Berlinerin verlangt, sondern eine Schattierung Heller, so �«sie es die elegante Berlinerin nicht verlangt... was tun? Der Zoll nach Frankreich rein, zum„Maison", beträgt 28 Proz., die Berliner Prooisionäre setzten nur geringe Eidcchscnmcngcn ab— was tun, nom de Dieu! Eine leise Röte überzog E. S.'s bleiches Antlitz: er dachte daran, wie er un gestreiften Anzug und mit dem karierten Mantel zwischen sehnsüchtigen Berlinerinnen mit leerem Soziussitz herum- motorcn würde— und sprach:„Wir fahren nach der Rhein- Pfalz." Dort stammt er nämlich her, E. S., und ich und die meisten deutschen Schuhe stammen auch dort her und E. S. packte die Eidechsen aus großen Koffern in kleine, und mit Pinkeln und Paketen fuhren die beiden über Frankfurt nach Pirmasens, direkt in das Zentrum der deutschen Schuhwarenfabrikation. Pirmasens war schon in meinen jungen Jahren von Kopf bis Fuß auf Schusterei eingestellt, aber es waren klobige, harte Stiebel, die man in kleinen Werkstätten so solide fabrizierte, daß man drin nicht umfallen konnte... heute aber, au allen Ecken und Enden der buckeligen, nach Leder riechenden Stadt stehen ungeheure Fabrik- anlagen, 40, 50, alle erdenklichen Arten von Schuhen werden aus ollen erdenklichen Arten von Leder, jedoch der Geschäftsloge ent- sprechend„billig, billig und n o ch m a l billig" hergestellt. Hinter Glastüren, die den Blick in Mafchineusäle öffnen, erscheint der Einkaufs-, wenn nicht gar Generaldirektor, beschaut die indischen Eidechsen, runzelt die Stirne, weil sie immerhin etwas teurer als Imitationen sind, die man heute zum gangbaren Schuh- prcis von 6, 7 Mark verarbeitet... lauft wenig, zahlt wenig. E. S. und der Herr vom Maison sausen mit ihren Eidechsen von früh morgens bis spät abends herum. Hügelauf. hügelab, Direktor ja, Direktor nein, bis draußen in der großen L.... n Fabrik vor der Stadt, wo 8000 Händepaore beschäftigt waren, und jetzt, nach einer Stillegeperiode sind's wiederum 2500... ober Eidechsen, aus Indien, wenn sie auch nicht mal ne Mark kosten, man traut sich nicht ran, also gehts weiter, im Schneegestöber, mit den sonn- gewohnten Häuten: nach Kaiserslautern, nach Zwei« brücken, nach(im kleinen Grenzverkchr rutscht man durch) Saarbrücken. Es war nichts Erbauliches, was ich da von der Stinunung im Saargebiet zu hören bekam... von drüben wird man hofiert und von hüben: wie wird man bei Grenzabsperrung und Kundschafts« vcrluft die Lasten tragen können? Die indischen Eidechsen aber wurden bis Ende jener Woche in der allerdings gar nicht mehr„fröhlichen Pfalz"(wo man noch 11 Uhr kaum noch jemand auf der Straße sieht)„abgestoßen" und allerhand zarte Zehen werden diesen Winter in Eidcchsenhäutcn stecken und sie noch auf andere Weise abstoßen. Den genauen Preis verschweigt allerdings Herr E. S., dafür erzählte er gerne noch einiges von dem für diese Zeiten ganz ungc- wöhnlich lebendigen Frankfurt und dessen ersten Hotel, das sich sehr vernünftigerweise auf„billig, billig und nochmals billig" ein» gestellt hat und Komfortzimnrcr mit fließendem Wasier und Früh« stück zum Einheitspreis von 3,50 M. anbietet und ständig besetzt hat— die anderen Häuser sind leer. Nach allem, was mir aber eine Dame aus der Berliner Luxus- lcderbranche erzählt, hätte es den indischen Eidechsen passieren können, daß sie zu D a m e n h a n d t a s ch e n verarbeitet worden wären, deim diese Firma, vor der alle Reptilien und sogar Haifische und Strauße und Lamas erzittern müssen— denn sie zieht fast jedem(Tier natürlich) die Haut ab— vergrößert, gerade augenblicklich, schier ins Ungemessene... Damcnhandtaschen sind denn auch eines der allerunentbehrlichsten Dinge der Well Meine Umstage erstreckte sich aber auf noch viele bedeutende Persönlichkeiten, wie Auktionäre, Wanzenvertilger und Bauch- schnellensabrikanten, und... wie heißt es in alten Romanen:„De? Graf legte feine Hand auf die Friedhofsmauer und sprach: Fortsetzung folgt." Cliriflus am 9ireim Qeorge Qrofm und der Siaateanivali Der II. Siräfsenäl des R e i ch s g e r i ch t"?' beschäftigte' sich gestern zum zweitenmal mit der Schwejk-Mappe des Malers George Groß, dessen Zeichnung„C h r i st u s mit der Gas- m a s k e" noch Ansicht des Staatsanwalts den Tatbestand der Gotteslästerung erfüllen soll. Im Gegensatz zum ersten Spruch des Reichsgerichts, der der Berufung des Staatsanwalts stattgab, wurde diesmal die Revision der Staatsairwolrschost verworfen, der F r e i s p ru ch Gros,;' nud seines Verlegers Wieland Herz- sclde durch das Straf kammerurteil von 1030 also bestätigt und „Bilden Sie sich ein, Christus in Ihrem Sinne um- gekrempelt zu haben?" „Zu, Za,! die Kosten der preußischen Staatskasse auferlegt.'Allerdings wurde andererseits auf Einziehung und Unbrauchbarmachung des Chri st usbildes erkannt. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß George Groß bei Konzeption seiner Zeichnung weder den Willen noch das Bewußtsein gehabt habe, Angehörige der christlichen Kirche durch die rohe Form der Darstellung verletzt zu hoben. Zum ob- jektioen Bestand der Gotteslästerung gehöre ober dieses Bewußt- sein. Dieser Satz der Begründung erklärt den Zwiespall im Urteil: Anerkennung des Freispruchs auf der einen, Vernichtung des Kunst» werks auf der änderen Seity. Das Reichsgericht sieht in der Zeich- nung an sich eine erregende Darstellung, erkennt aber an, daß Gros; eine Gotteslästerung ferngelegen Hot. Man kann deshalb, mag der zweite Spruch des Reichsgerichts auch einen großen Fortschritt bedeuten, das Urteil nicht ohne Wider- spruch hinnehmen. Wenn man George Gros; als ernsten Künstler anerkennt, wenn man den sittlichen Ernst seines„Christus mit der Gasmaske" bejaht, darf der Einspruch einzelner Dunkelmänner nicht genügen, um ein Kunstwerk wie dieses, dssien Anklag« gegen die (gerade im Sinne Christi) Unsittlichkeit des Krieges jeden ernsten Menschen erschüttern muß, der Vernichtung preiszugeben. Ein unwürdiger Kampf, ein Kampf, der drei Jahre gedauert hat, nimmt damit ein Ende. Na-lzdem Grosz und Herzfelde vor dem Charlottenburger Schöffengericht verurtellt worden waren, endete der Prozeß in der Berufung vor der Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdircltors Dr. Siegert mit einem Freispruch, der den Staatsanwalt zu einem Appell an das Reichsgericht oeranlaßte. Als das Reichsgericht der Berufung statt- gab und die Sache an die Strafkammer zurückverwies, erklärte sich Langerichtsdirektor Dr Siegert zunächst für befangen, um dann in zweiter Verhandlung auf Grund der Gutachten eine Reihe von Sach- verständigen, deren Sachkenntnis und sittlicher Ernst nicht ange, zweifelt werden konnte, zu einer nochmaligen Freisprechung zu ge- langen. Die Staatsanwallschaft gab nicht nach. Sie appellierte ein zweites Mal an das Reichsgericht und mußte sich nunmehr be- stätigen lassen, daß ein ernster Künstler auch dann nicht Freiwild ist, wenn er gewissen Kreisen auf die Nerven fällt. Der Reichsanwalt als Vertreter der Revision fordernden Staatsanwaltschaft gebrauchte in seinem Plädoyer die bezeichnende Wendung, der Groszsche Christus sei deshalb für den flüchtigen Be- schauer verletzend, weil«r van der traditionellen Darstellung ab- weiche. Ein Mensch, dessen Gesicht mit einer Gasmaske bedeckt sei, sehe abstoßend aus. Wir wollen dem Reichsanwalt nicht unterstellen, daß er das Urteil flüchtiger Beschauer für maßgebend hält. Auch er ist sich wohl bewußt, daß es das Wesen jeder großen Kunst ist, daß sie von der Tradition abweicht und sich ihre eigenen Gesetze schafft, und die sittliche Schuld von George Grosz ist es sicherlich nicht, wenn der moderne Krieg in Giftgas und Gasmaske sich selbst ein Symbol geschaffen Hai, wie es grauenhafter und abschreckender nicht gedacht werden kann. Im übrigen steht die Darstellung von George Grosz so ver- einzelt nicht da, wie unsere heutige Staatsanwaltschaft es anzu- nehmen scheint. Der Christus am Kreuz, den wir hier veröfsent- lichen, und der sich in gleicher Weise gegen den Krieg wie gegen den preußischen Militarismus wendet, stammt aus der 70er Jahren. Der bekannte französische Karikaturist Faust in hat ihn gezeichnet. Die Darstellung war in Deutschland nicht unbekannt. Damals aller- dings hat man nichts davon gehört, daß die Staatsanwaltschaft wegen Gotteslästerung und wegen Verhöhnung des Preußentums eingeschritten ist. Anton Wildgans amlsmüde. Die Generalintendanz der öfter- reichischen Vundestheater teilt mit: Infolge der erneuten Angriste gegen feine Direktionsführung hat Anton Wildgans fein früheres Rücktrittsangebot erneuert und abermals die schon nach Ablehnung des ersten Angebots ausgesprochene Absicht kundgetan, seinen Ver- trag als Direktor des Burgtheaters stir dos Ende der laufenden Spielzeit zu kündigen. Er erklärte hierbei weiter feine Bereitwillig- keit, schon vor diesem Zeitpunkt von seiner Stelle zu scheiden, soball» ein geeigneter Nachfolger gesunden sei. V Arbeiter-Rasenspiele am Sonntag Fußball/ Handball/ Hockey Am kommenden Sonntag gibt es sowohl in der Fußball- Kressklasse wie auch in den Bezirken interessante und wichtige Treffen. So stehen sich in Lichtenberg mn Bahnhof Strolau- Rummelsburg Lichtenberg 1 und E i n t r a ch t- Reinickendorf gegenüber. Die Reinickendorscr werden sich von Lichtenberg den Weg zur Abteilungsmeisterschaft nicht verlegen lassen. Trotzdem müssen sie auf der Hut. sein, sonst kommt es schließlich anders als beim letzten 2: 1-Sieg in Reinickendorf.— Spandau 25 sollte gegen Luckenwalde V in der Seeburger Straße in Spandau zum Erfolg kommen.— Im Neuköllner Spielpark treffen sich aus Platz 7 Minerva 28 und Trebbin. Ob den Trebinern hier wieder ein Sieg beschieden sein wird, ist sehr fraglich. Auf heimatlichem Boden waren die Neuköllner stets schwer zu schlagen.— Im Stadion am „Faulen See" in Weißensee wird das ausgefallene Serienspicl zwischen Adler 08 und Wcißensee gespielt. Die Adler-Leute werden sich sehr vorsehen müssen, wollen sie die Punkte für sich buchen. Weitere Spiele: Lichtenberg II gegen Karow. Oberspree gegen Herzfelde. Osten gegen ASV Neukölln. Britz 88 gegen .Hoppegarten. Wildau gegen Frohe Stunde. Lichtenberg Bezirk gegen Minerva Bezirk. Südost gegen Kogel. Eiche Bezirk gegen Eiche 2. Deutsch-Wusterhausen gegen Wacker 30. Eintracht Bezirk gegen Saxonia. Eiche-Köpenick gegen Wilmersdorf. Zehdenick gegen Blankenburg. Weißenfee Bezirk gegen Wansdorf. Freie Scholl« gegen Borwörts. Hansa 31 gegen Adler 08 Bezirk. Drewitz gegen Staaken. Elstal gegen Werder. Jeserig gegen Trechwitz. Tempelhof gegen Brück. Woltersdorf gegen Ruhlsdorf. Treuen- brietzen gegen Jüterbog. Zweite Mannschaften: Oberspree gegen Herzfelde. Osten gegen ASV. Neukölln. Britz 88 gegen Hoppegarten. Südost gegen Wacker 30. Südost 3 gegen Schweifsternc. Baumschulenweg Segen Frohe Stunde. Friedersdorf gegen Rormannia 3. Zehdenick gegen Blankenburg. Hansa gegen Pankow 3. Pankow gegen Saxonia. Freie Scholle gegen Lychen. Teltow gegen Friedenau 3. Teltow 3 gegen Friedenau 2. Schönebcrg 3 gegen Schöneberg 2. Luckenwalde III gegen Niemegk. Hertha gegen Löwcndorf. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften 11.30 Uhr. Zweite Männermannschaften 12.45 Uhr. iiUJincUoßMi/ Der Arbeiter-Handball- Kreismeister„Volkssport Wedding" hat die ausgerückte FTGB-Nordost, zur Zeit wohl der stärkste Widersacher in der Abteilung A. um 15.10 Uhr in den Rehbergen zu Gast. Weddings Sieg würde die endgültige Führung in der Abteilung bedeuten. Bereits um 14 Uhr spielen auf demselben Platz Volkssport Wedding 3 und FTGB.-Osten. Bei dieser Be- gegnung wird sich Osten einen deutlichen Sieg holen. Ungewiß scheint uns der Ausgang im Treffen Eiche-Kopenick gegen Turn- und Sportvereinigung Nowawes um 15 Uhr auf dem Eiche-Platz, Wendens chloßstraße, zu sein. In der Abteilung IZ wird Eintracht-Mahlsdorf«in sehr offenes Spiel gegen die FTGB.-Süden führen. Süden fährt mit voller Zuversicht um 15.10 Uhr nach Mahlsdorf, Platz an der Hönower Chaussee. Um 10.45 Uhr messen FTGB.-Oberspree und Volkssport Neukölln auf dem Platz an der Wuhlheic« 254 ihre Kräste. Reukölln müßte gewinnen, doch Ober- spre« hat eine Verbesserung erfahren, die nicht unberücksichtigt bleiben darf. Dein ASV.-Schöneberg räumen wir im Spiel mit den Luckenwalder Sportlern auf dem Vereinsplatz in der Rubens- straße um 15.10 Uhr ein Plus ein, das zum Sieg reichen sollte. Bezirl»ll»fle Ost«»: AT. Erkner gegen FTGB. Miershof 13�4 Uhr um Dämmerihsee.— Friesen-gürstenwalde gegen Euhe, Köpenick u um IMi Uhr ,.— Eich-.Aohnsdorf gegen TS«. Kaiilsdorf UNI u> Uhr in Bohnsdorf.— .......S>.(�Y..T. llf,-„i. 1.1...-I.l ,1, IS.il.0 in Platz Schar nuiederstraßc.— ATD. Altruppin gegen ASV. Wedbing um tt Uhr in Altruppin.— FT. Schwante gegen Sportverein Moabit um tö Uhr. Gruppe Eberswaldei Niederfinow gegen Sparta-Lichterfeldc um tö Uhr.— JT. Finow gegen FT. Eberswalde um 1ö Uhr.— FT. Schwedt gegen FT. iuowsurth um IZ Uhr.— Frauen: Bollssport Wcdding gegen FT. Velten um t-l Uhr Platz Rchberge.— FT. Hennigsdorf aegen ASV. Redding in Hennigsdorf um 15 Uhr.— FSV. Reinickendorf gegen Volkssport Wcdding II um 13 Uhr. Bezirksklaffe Westen: FTSV. Spandau gegen Turnerschaft Vrandcnbura. Bezirk, um 15.10 Ubr Seedurger Straße.— FT. Nauen gegen Turnerschaft Vrandcnbura. 3. Bezirk, um 15 Uhr. BcAirtsklafse Süden: Berlin Uli gegen FT. Wilmersdorf um 10 Uhr im -- i.. u£.. r s.—. i r aaaa v» tt'T I.—■., a rn Ii 1 r rin Stadion Lichterfelde.— ASV. Schönehera II gegen FTGB. Süden n um U Uhr.— FTGB. Lankwitz gegen FSV. Fichte um 10.20 Uhr in Lankwitz.— Teltow gegen FTGB. Friedenau um 12 Uhr in Teltow.— Frauen: Luckenwalde A gegen Luckenwalde B um 10 Uhr.— Luckenwalde C gegen Lucken, walde, I. Abt.. um 10.50 Uhr.— FT. Fehlendork a-gen FT. Wilmersdorf UN! ItU Uhr.— FSV. Fichte gegen Volkösport N-Ulöll» um 18 Uhr Platz Katzdachstraße. Hockey Zu den fälligen Serienspielen treffen sich Tennis-Rot I und Verein für Leibesübungen Ostring II auf Platz Oft. Oftring hatte in letzter Zeit wenig erfolgreiche Spiele und dürste auch gegen Tennis-Rot unterliegen. Spielbeginn um 15 Uhr. Der Arbeiter- Sport-Verein Rot-Weiß spielt gegen den Freien Hockey-CIub Span- dau I auf dem Platz in der Schönhauser Allee. Bei Rot-Wciß klappt in letzter Zeit nicht alles und so dürften die Spandauer dies- mal eine Chance haben. Beginn 15 Uhr.. In der anderen Gruppe treffen sich die FTGB., Tsmpelhof l, und der Arbeiter-Sport-Ver- ein Rot-Weiß II im Bolkspart Mariendorf. Auch hier wird Rot- Weiß den Verlierer abgeben. Beginn 12Fl- Uhr. Zum Pflichtspiel treffen sich der Athletik-Sport-Club I und der Sport-Verein Moabit I auf dem Platz Ost um 10Vst Uhr. Die Moabiter sind gut im Zug. � 3b»er Gruppe O spielen FTGB., Tcmpelhof II und Tennts-Ro« II um 15 Uhr im Volkspare Mariendorf.— Kruppe v: Arbeitersportverein Rot-Weiß III und Tennis-Rot III liefern sich um 12vii Uhr in der Schönhauser Allee das fällige öerier r";*T �----- co~i et— cnwr*;«- ttt 12! i Uhr auf und Tennis-Not Srcisfrauenlreffe« des 1. Kreises. Am Somitag, 8. November, findet ein Kreisfrauentreffen statt. Der Treffpunkt aller Sparten ist um 930 Uhr am Bahnhof Erkner, von wo eine schöne Wände- rung unternommen wird. Gegen 131§ Uhr Eintreffen im Gesell- sck'afishaus Kalkberge. wo eine Kaffeetafel stattfindet. Die Vereine melden sofort die Teilnehmer an der Tafel und am Mittagessen an die Bezirksleiterinnen. Frauen, die die Wanderung nicht mitmachen können, fahren bis Friedrichshagen, dann Straßenbahn bis Kalr- berge. Post. Vereinswimpel mitbringen. Die Rückfahrt erfolgt vcm Friedrichshagen._ KiBderlciter und Hell« der Rordgrupp« im«. Bezirk. Sonntag, 8. Slo. uc-nbcr Grupp-nlehrstuicki- in Turnhalle Neukölln. Leistngftraße 38(10 Mi- nuten'vom U-Bahnhof Boddin- oöcr� Bergstraße) von 8 bis 13 Uhr! an- schließend Sitzung im Voltssporlheim, isonnenplatz(5 Minuten vom Bahnhof S'' sVc'lc' Kanu'-Uv bin Groß-Berlin c.«. Sonntag, 8. November. Wanderung ..Rundum die Mliggelberge'. Treffpunkt: Endhaltestelle Straßenbahn in Schmöckwitz, Abmarsch 10M Uhr,� Montch. �.ݰmb«� Betml�un�d« Start: 13 Uhr e. Start 10 Uhr. fahrt �iaÄ�chir?chgar'tsn"",K-llers Satdburg"(am Bahnhof). b-f Kroll Bülcwftr ZS— 2. Abt.(Kraftfabrer): Kofener Berg Radfahrer: Falkenhorst. Start: 13 Uhr. Beide bei Rohd«, Dietfenbachstr 33- 8. gibt.: Mahlsdorf- Süd. Drüaer. iptart 13 Uhr Mar»annenplotz. 6. Abt.. Kiel am S'art. Start 12>* ilhr gelt, Kopenhagen« Etr, 17.— Abteiwng '�Deutsch« Arbeiter-Kegler-Vund. Sonntag 8 November. 11 Uhr. bei Wirse. Iß: Wallftr. 1, Sitzung dos technischen Ausschusses einschließlich der Vemns- tochniker._ WV..,F?aternitas". Sitzung Freitag, „Falkenstein". 6. November, im Restaurant fällige Serienspiel. Tennis.Not IV und � Sportverein Moabit III_ spielen um —" P la ____ W........ ot i..____ m— Hü—— und Freie Sportvereinigung Pankow um 14 Uhr in der Schönhauser Allee. VfL. Ostring und Tennis-Rot Ii um 14 Uhr Platz Mariendorf.— Außerdem kssiflk.,»,»» Atvtnm CTJf f}/¥t+f»3TrtT Cff?.(CI*» rtY-4i»Tl1 f* TT rtftrtPll ltz Oft.— Ja der Gruppe V, Frauen, spielen Tennis-Rot l III um 1« Uhr auf Platz Oft. Arbeitcrfportvercin Rot-Weiß P>......-.......- spielen noch in einem Pflichtspiel Athletik-Sportelub Ii gegen Sportverein Moabit 11 um 9 Uhr Platz Ost. Da» Fußballspiel in der SASI. Nach den letzten Erhebungen des Fachausschusses für Fußball der Sozialistischen Arbeitersportinternationale wird das Fußballspiel in 16 Landesverbänden gepflegt, und zwar in Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Estland, Finnland, Frank- reich, Lettland, Niederlande, Oesterreich, Palästina, Polen, Schweiz, im Deutsch-Tschechischen Arbeiler-Turn- und Sportvcrband, in Ungarn und im Nordamerikamschen Arbeiter-Turn- und Sportbund. Der deutsche Arbeiter-Turn- und Sportbund nimmt unter ihnen mit 140 000 Fußballspielern den ersten Platz ein. Als die Verbände mit den spielftärksten Mannschaften gelten Deutschland und Oesterreich Ueber vorzügliche Spielstärke verfügen auch der dcutsch-tschechifche Verband, Ungarn und Palästina, denen sich Polen, England und Finnland anschließen. Das Fußballprozramm der SASI. hat durch die gastfreundschaftliche.Mitwirkung des mit der SASI. sympathisierenden norwegischen Arbeitersportbundcs eine eingenehme Bereicherung erfahren. Don norwegischen Fußball- spielern, die auch am 2. Arbeiterolympia in Wien teilnahmen und Trostrundensieger wurden, kann das beste Urteil ausgesprochen werden. W arum Hertha-BSC. verlor £in Prominenter über Herthas Abstieg Einer unserer Mitarbeiter nahm Gelegenheit, einen promi- nqnten Spieler des bürgerlichen Fußballklubs Hertha-BSC. über die Ursachen, des plötzlichen Zusammenbruchs der Mannschaft zu befragen. Es ergab sich dabei folgendes Gespräch: „IPie erklären Sie den Formrückgang der Mannschaft, nachdem sie die deutsche Fußballmeisterschaft errungen hatte? Man könnt« die Frage mit wenigen Worten abtun, käme dann allerdings in den Verdacht, nicht der Wahrheit gemäß zu berichten. Schon oor dem ersten Spiel um die deutsche Fußballmeisterschaft wurden einige Spieler, die schon jahrelang in vor Mannschaft wirkten, durch jüngere Kräfte ersetzt. Bei den entscheidenden Kämpfen mußte allerdings immer wieder auf die altbewährten Kräste zurückgegriffen werden, da es sich stets herausstellte, daß der Ersatz doch nicht die notwendige Spielerfahrung besaß, die ersorder- lich ist, solche Spiele zu bestreiten. So kam die zweite deutsche Meisterschaft heran. Auch hier zeigte es sich, daß gerade die älteren Spieler die Besten sind. Nach der erzwungenen Sommerspielpause räumte die Bereinsleituug aus. Von der ganzen Mannschaft, die die Meisterschaft erspielte, blieben nur nach vier Mann übrig: die anderen wurden durch Spieler aus den Junioren- bzw. aus den unteren Monnschoftcn ersetzt. Da der Mannschaft kein« Zeit zu Uebungsspielen blieb, ging es mit der verjüngten Mannschaft so- fgxt in die neue Serie. Daß eine Mannschaft, die sich gegenseitig noch gar nicht kennt, dem Gegner nicht den Widerstand entgegensetzen kynn, der von ihr oerlangt wird, ist wohl selbstverständlich. So kym es, wie es kommen mußte: die Mannschaft verlor«in Spiel ngchjiem anderen. Erst jetzt hat sie sich gefunden: der Beweis ist der Sieg vom letzten Sonntag gegen Wcdding mit 7: 2. Na, dieser Sieg ist doch nicht so überzeugend für eine sichtbore Formverhesserung. Wie stehen Sie nun zu den Meisterschaftsspielen? Wir haben uns damit abgefunden, daß wir in diesem Jahre in die Spiele um die Meisterschaften nicht eingreifen können. So stiel steht allerdings fest, daß der voraussichtliche Meister der Ab- tcilung A,� Mincroa, von uns beim nächsten Tressen bestimmt ge- schlagen wird. Und im nächsten Jahr ist auch Hertha-BSC. wieder Sa. Darauf können Sie sich bestimmt verlassen."?. Z. Ein gutes 6-Tagc-Rcnncn ging gestern zu Ende Sellen ist der Ausgang eines Sechstagerennens in Berlin so offen gewesen wie bei dem gestern abend beendeten. Sellen ist auch bei einem Sechstogerennen so viel gejagt worden, selten sind so viel Runden verloren gegangen und wieder gewonnen worden. Es war eins der interessantesten Rennen. Daß schließlich T i e tz- B r o c c a r d o die Scchs-Tage ge- Winnen tonnten, war ebensoviel Zufall wie Verdienst. Wäre der kleine Maczynski nicht durch den bösen Sturz um die Früchte seiner gemeinsam mit Funda geleisteten Arbeit gekommen, so hallen Tietz und sein Partner bestimmt nur den zweiten Platz belegen können. Sell langer Zeit halle Tietz, der immer noch der erklärte Liebling der Berliner Radsportfreunde ist, wieder einmal einen erstklassigen Portner erhalten, der nicht immer wieder das einriß, was Tietz vorher aufgebaut hatte. Es war nicht immer bloß Pech, wenn der Berliner früher an dritter, vierter, fünfter Stelle die Rennen beenden mußte: hätte er in früheren Jahren bessere Partner be- kommen, so wäre er sicher öfter als Sieger zu sehen gewesen. Ganz große Arbeit leisteten M a c z y n s t i- F u n d a, die sich damit in die erste Reihe der deutschen Eechstagofahrer geschoben haben. Ein Sechstagerennen ist zu Ende, das trotz der wirtschafllichen Not dem«Sportpalast gute Einnahmen, den Radsportfreunden guten Sport gebracht hat. Was der Spidiernring heute bietet Das Programm für den heute 20 Uhr im Ständigen Ring in den Spichernsälen stattfindenden B o x k a m p s a b c n d bringt zwei internationale Begegnungen über je 8 Runden: im Mittelgewicht kämpfen An kl am und der frühere Amatcur-Europa- Meister E a n e v a- Italien, und Richter- Dresden geht mit dem italienischen Weltergewichtler B c c ch c t t i in den Ring. Eingeleitet wird der Abend mit zwei Vierrundenkämpfen zwischen Hennig und Aust sowie zwischen Näujocks und Drekopf, den Schlußkampf be- streiten die Leichtgewichtler Paulke-Bremen und Seißler-Berlin. Griechifche Qcfchidile Im Herder-Verlag in Freiburg erscheint in dreißig Bänden eine„Geschichte der führenden Völker", die von Heinrich Finke. Hermann Junker und Gustav Schnürcr herausgegeben wird. In dieser Reihe schrieb Professor Helmut Berve im 4 und 5. Band die„Griechische Geschichte", deren erste Hälfte(Bon den Anfängen bis Perikles) nunmehr vorliegt.(308 Seiten, mit zwei Plänen und neun Tafeln, Kart. 7,50 M-, Leinen 9,50 M.) Die Betrachtung ist neuartig. Don einer knappen, aber umsafsenden Darstellung des Raumes und seiner Gesetzmäßigkeiten und Möglich- testen ausgehend, baut Verve die griechische Welt auf. Er sieht den Ablauf des Historischen synthetisch, empfindet Wirtschaft, Politik, Kunst, Religion, Lebensformen als ein organisches Ganzes und oersucht, das geschichtlich Bedeutsame aus dieser organischen Einheit zu oerstehen und darzustellen. So strebt er danach, aus dem äußeren Verlauf die seelische Grundhastung zu erschließen, die in den einzelnen Epochen dem griechischen Menschen eigen war und bis in die Gegenwart hinein in Philosophie und Kunst das Donken und Werten der Menschen beeinflußt hat. IV. T. Freitag. 6. November. . B e r 1 1■- 1(5.05 Dr. Mayer. Jenar Fluszeusmiodcllsport. 1T.30 Uhren ohne Ticktack.(A. R. EmO 17.50 Das neue Buch.— 18.00 Walter Niemann: KompoRitioncn.(Flüzel: Der Komponist.) 18*30 D. Dr. Lasson: Hegel als Geschichtsphilosoph. 19.00 SUmme zum Ta*. 19.10 Räuscber Zcitunasscbau. 19.30 Festkonzart. 20.10 Pitt und Fox, von Friedrich Huch.(Manuskriptbearbcitunc: Friedrich Buscfaell.) 21.10 Tages- und Sportnachrichten. 21.20 Orchcstcrkoiuert, Dir.: Bruno Seldlcr-Winklcr.(Funk-Orchester.) 22-15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Simon Goldberg, Violine und Dr. V. Ernst Wolff. Flügel, spielen für die Berliner Winterhilfe. Konzert. Königswusterbansen. 16.00 Oberschulrätin Dr. Hildegard Wegschcider: Alkoholfreie Jugenderziehung. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Mersmann: Hören musikalischer Formen. 15.00 Dr. Fritz Tänzler• Das Unternehmertum in der Wirtschaftsnot. 13.30 Von Berlin: 2u� Erinnerung an Hegel. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Wissenschaft!. Vortrag für Aerzte. 19.30 Büro und Fabrik(Dreigespräch).(Ing. Hermann Waschow, Erich Lübbe. Helmuth Dreycr.) 20.00 Langenberg; Heitere Stunde. 21.00 Mühlacker; Sinfonickonzert. Sfaals Ä Theater FreiUt, ckeo 6. Nortmbrr Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Fürst Igor StutU Ctgdimnnirkl. 20 Uhr Peer Cynt Schiller-Theater Cbirlottnteij. 20 Uhr Das NQrnbergisth Ei Reichshallen-Theater Ucnils 8 8dl. Sonntag nadmiittag 31/, Uhr Stettiner Sänger Die neue Burleske „OerarmeKasemlr" Hadunlttags balbi Prain. rolles Fragfamnil Abends 8 unr. iu Von» it iiime Tbeat» am Bölowplatz 8 Uhr Das vierte 6ebol Staatl. Sdiillti-Mr 8 Uhr Das Nfirnbergisdi Ei Stauf. Oper Charlottenburg Bismarck« trade 34. Freitag, 6 Novb. Turnus III Anfang 20 Uhr Hacbefh ende gegen 23 Uhr Rose-Theater Cnll« Frwlbirlr Sin#« 13? W. Wtidiul C 1 342? 8.15 Uhr Frühling im Wiener Wald sv. uhr CASINO-THEATER»'/. Ui« Lothringer Strafe 57. IIIMIIIIIIIMIIUMMIIIIIIIfllllllllllllllMi Volkssttlek mecHer- Fritze üazu das Singspiel„Erwischt" and das neue banie Programm.' Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteuil 1.— Mark, Sessel ILO Mark 19.- Wln'ar.Mäntel fesche Form, reine Wolle Frnucn-MAntel«SäJ größte Welten 49.— 39.—£5*.— ledan• Mänt«! 47 50' In allen Weiten 39.— 23.— Bf* Maßanfertigung besonders für stärkere Damen Damtamflotel• Fabrikation und Handlung Ds»ul 85 5*1* Rauterstr. 63 SF'CSI ÜB eiHiuB3%«.Kais..Friod-Str. Dnd ift Dein Erlaub nom fo Klein, Im CateSdiöncbcra mutzt Du Sevelen lein! Inhaber: Wolfgang Crange. Haupt/ trasic 23/24 Lichterfelder Festsäle Zetalcsnalorfer SOrcmde 5 OcdFsonom Oddo Sdaiiiin� Telephon: ticlnerfelde 0 3 1145 festsälB far 1500 Personell mit lodera eingeridttefen Böta fflr Veran- staitongen jeder Art/ Hotoitssäle /Veieinszirainer für 20 bis 330 Personen /