Morgenausgabe Nr. 523 A 263 48.Jahrgang öchentlich) 85 Bf monatlid 3,60 gr. ( davon 95 Pf. monatlich für SuftelJung ins Haus) im voraus zahlbar Bostbezug 4,32 m. einschließlich 60 Bf. Bestzeitungs- und 72 Bf. Bostbestellge hithren. Auslandsabonnement 6,-. pro Monat; für Länder mit ermäßig. tem Drucksachenporto 5,- M * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„ Der Abend", Juſtrierte Gonntagsbeilage Bolt und Zeit". Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 7. November 1931 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einspalt. Nonpareillezeile 80 31. Reflomezeile 5,- RM. Kleine An zeigen das fettgedruckte Bort 25 Pf. ( zulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt It. Tarif. Stellengesuche das erste Bort 15 Pi, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zmei Morte. Arbeitsmartt Setle 60 Pf. Familien. anzeigen Zeile 40 ẞf. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, mochen. täglich von 8 bis 17 11hr. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Fernspr.: Donhoff( A 7) 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Der Romflieger abgeschossen? Aus Angst vor einem zweiten Fall Matteotti verheimlicht. Berbirgt das Geheimnis um das Ende Lauros de Bosis! ein Berbrechen? Dieses jungen italienischen Dichters, der am 3. Oftober über Rom flog und Hunderttausende von Flugblättern abwarf? Diese Frage mird nicht nur im Ausland gestellt, sondern nach unseren Informationen auch selbst in Italien. Man flüstert dort, Lauro de Bofis sei über dem Meere vielleicht schon über fran zösischen Hoheitsgewässern von einem oder zwei Jagdfliegern gefaßt worden, die zu seiner Verfolgung vom Flugplatz Ciampino bei Rom gestartet waren. Diese Jagdflugzeuge waren mit Maschinengewehren bewajjnet. Seit Monaten bereits hatten sie Befehl, fidh Tag und Nacht bereitzuhalten, um ohne Gnade jeden Flieger niederzufämpfen, der den Himmel Roms mit politischer Propaganda zit verletzen wage. Seit dem 3. Oktober, 9 Uhr abends, ist das Flugzeug de Bosis verschwunden. Falsche, oder in allen Teilen von den Beamten der faschistischen Propaganda hergerichtete Meldungen wollten an eine Landung de Bofis nahe der Küste Korfitas oder in Südflawien glauben machen. Man versichert uns jetzt, daß diese Nachrichten sämtlich einen einzigen Zmed haben: Die Wirklichkeit zu verbergen vor der ganzen Welt, die sich so tief erschüttert zeigte durch die kühne Tot des jungen Dichters und durch den bewunderungswürdigen menschlichen Charakter, den das von ihm hinterlassene Testament enthüllte. Die Wirklichkeit der Seit fast vier Wochen ist de Bofis still. Hätte er sich auf die eine oder andere Art retten tönnen, dann hätten seine Freunde in Italien oder im Ausland irgend etwas erfahren. Sie maren so überzeugt von seinem Tode, daß sie mit der Beröffentlichung des Testamentes nicht zögerten, daß er ihnen übergeben hatte ,, zur Beröffentlichung nach seinem Tode". Es ist sonderbar, daß auch nicht die geringste Spur im Mittelländischen Meere gefunden sein soll. Wäre de Bofis nahe der torsischen oder afrikanischen Küste untergegangen, dann mären bis heute Trümmer feines Flugzeuges gefunden worden. In Italien weiß man das alles, man weiß auch, daß die faschistische Regierung teinerlei Information über den Flug de Bosis von der franzöfifchen Regierung erbeten hat. Das Schweigen der Tatsachen und das Schweigen der römischen Regierung haben in Berbindung miteinander in Italien zu folgender Erklärung geführt: De Bofis sei von einem oder zwei Militärflugzeugen getötet worden, die ihn verfolgt hatten. Die Maschinengewehrschüßen der Flugzeuge mußten befehlsgemäß schweigen. Trümmer des Flugzeuges mit deutlichen Maschinengewehraid steinschüssen feien an der italienischen Küste gefunden aber auf höchsten Befehl heimlich nach Rom geschafft worden. Trotz des Wunsches Balbos, zu zeigen, daß seine Fliegerei" sich zu rächen, und den, der fie in einigen hundert Metern Höhe über dem Palazzo Chigi verhöhnte, zu strafen wußte, habe die Furcht, im In- und Ausland der ein Berbrechen beging, dás, fein Gefet bestraft, nännlich das der einen zweiten Fall Matteotti zu schaffen, dem Faschismus einen zweiten Fall Matteotti zu schaffen, dem Faschismus politischen Propaganda, entfett fogar den Faschismus. diefe Tattit des Schweigens ratfam erscheinen lassen. Ermordung eines Fliegers ohne Waffen, Ein Hungerschiedsspruch. aid elo Wo ist endlich die Grenze? Leipzig, 6. November.( Eigenbericht.) Für die weitsächsische Textilindustrie mit ihren Postscheckkonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B.n.Disc.- Ges., Depofitent., Jerusalemer Str. 65/66. Die Wahl in Jugoslawien Der parlamentarische Mummenschanz der Diktatur Von Hermann Wendel ,, Die Nationalversammlung besteht aus Abgeordneten, die aus freier Wahl des Volkes durch allgemeine, gleiche und direkte Abstimmung hervorgehen." Artikel 54 der jugoslawischen Verfassung. Wahlausfall in Jugoslawien? Aber die Wahlen zur Nationalversammlung oder Narodna Stupschtina finden doch erst am 8. November statt! Ganz gewiß, nur tut das nichts zur Sache, ihr Ausgang sieht schon heute fest. Und nichts sagt über Wattsystem und Wahlfreiheit in diesem Lande mehr aus, als daß man sich, ohne ein Prophet zu sein und ohne eine Widerlegung durch die Ereignisse befürchten zu müssen, über die Abstimmung des Volfes verbreiten kann, lange ehe der erste Wähler sich auf den Weg zum Wahllokal gemacht hat. Das Wahlergebnis? Hier ist's! Gewählt find alle Kandidaten der Regierung, sonst niemand! den Abbau der Diktatur ankündigte, die seit dem 6. Januar Als Anfang September ein Aufruf König Alexanders 1929 wie ein Sargdedel auf Jugoslawien lastete, war die Meinung nicht ganz ungerechtfertigt, daß unter dem Druck der Wirtschaftskrise und auf den Rat befreundeter europäischer Demokratien die Belgrader Machthaber wirklich einen Schritt in der Richtung des Konstitutionalismus getan hätten. Aber da die Einzelheiten der geplanten Neuordnung durchdrangen, wurde das Rüpelspiel offenbar, das hier mit einem im tiefsten Grunde echt demokratischen Bolke getrieben werden sollte. Ja, fast war das Neue schlimmer als das Alte. Denn eine unzweideutige, fauftehrliche, rohe Diktatur da weiß alle Welt, woran man ist. Aber das neue Regime zog lediglich über die brutalen Reiterstiefel des Kavalleriegenerals Schiwtowitsch bürgerliche Filzpariser, täuschte Verfaffungsmäßigkeit vor und blieb doch Willkür, sah wie Parlamerde. Die Beratung der Anfrage wurde vertagt, da man die mentarismus aus und war doch Dittatur. angefündigte Dentfchrift abwarten mill. Der Stand der Sozialgesekgebung. 200 000 clend bezahlten Arbeitern und Arbeiterinnen Der fozialpolitische Ausschuß erwartet Regierungsbericht. fällte der Schlichter für Mitteldeutschland nach zweitägiger Verhandlung einen Schiedsspruch, der einen weiteren Lohnabbau von 5 Proz. vorsicht. Alle bisher in der Textilindustrie gefällten Schiedssprüche hatten angesichts der Hungerlöhne, die jekt gezahlt werden, den alten Tarifzustand verlängert. Der Schlich ter Hauschild ist dagegen wohl der Ueberzeugung, dan Direktorengehälter in der Textilindustrie von 90 000 m. und mehr ganz in der Ordnung sind, aber Stundenlöhne der Textilarbeiter von weniger als 50 Pf. noch her untergesetzt werden müssen. Wo ist endlich die Grenze des Lohnabbaus? Schlange: Schöningen Reichsminister. Bugleich Reichsfommiffar für die Osthilfe. Der Reichspräsident hat den Reichsminister Treviranus und den preußischen Staatsminister Dr. h. c. Sirtfiefer ihrem Antrage entsprechend von den Aemtern als Reichskommissare für die Osthilfe entbunden. Auf Vorschlag des Herrn Reichstanzlers hat der Reichspräsident das Mitglied des Reichstages, Rittergutsbesitzer Schlange, zum Reichstommiffar für die Osthilfe und zugleich zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt. Preußen und die Osthilfe. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages am Freitag fündigte bei der Beratung einer tommunistischen Großen Anfrage über zu hohe Zinsforderungen bei der Verteilung von Reichs- und Staatsgeldern zur Entschuldung der Landwirtschaft in Ostpreußen ein Bertreter des Landwirtschaftsministeriums eine umfang reiche Dentschrift an, die demnächst dem Landtag zugehen und über alle Fragen der Osthilfe Aufschluß geben Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags hielt am Freitag eine Eizung ab, in der Petitionen beraten murben Am Schluß der Sigung richtete Abg. Schwarzer( Bayr. Bp.) an den Vorsitzenden die Frage, ob er nicht beabsichtigte, in Bälde den Ausschuß einzuberufen zum Zwecke der Beratung über den gegen wärtigen Stand der Sozialgesetzgebung. Der Redner vermies auf die Gerüchte über beabsichtigte große Reformen in der Sozialversicherung, die in den beteiligten Kreisen Beunruhigung hervorgerufen hätten und hielt es für notwendig, daß der Ausschuß über diese Fragen unterrichtet werde. Er beantragte, daß der Vorsitzende des Ausschusses mit dem Reichsarbeitsminister in Berbindung treten foll, um ihn zu ersuchen, baldigst dem Sozialpolitischen Ausschuß einen Bericht über den Stand der Sozial Derfierung zu geben. Inter 2blehrung eines weitergehenden Antrages der Kommunisten, schon in der nächsten Woche wieder zufammenzutreten, nahm der Ausschuß den Antrag des Abg. Schwarder an und beschloß, feine nächste Sizung am 26. November abzuhalten mit der Tagesordnung: Entgegenahme eines Berichts der Reichsregierung über den Stand der Sozialversicherung. Hoesch wieder bei Laval. Noch feine deutschen Vorschläge. Paris, 6. November.( Eigenbericht.) Der deutsche Botschafter von Hoesch hatte heute nachmittag eine neue Besprechung mit Laval und im Anschluß daran auf Veranlassung des Ministerpräsidenten eine längere Unterredung mit dem Finanzminister Flandin. Diese Besprechungen bildeten die Fortsetzung der am Dienstag begonnenen Verhandlungen über die Reparationsfrage. Irgendwelche tontrete Vorschläge der Reichsregierung hatte der Botschafter auch heute noch nicht ber franzöfifchen Regierung übermittelt. Zwei Bestimmungen der Wahlordnung vor allem vernichteten auch die bescheidensten Hoffnungen, die etwa Freunde der Demokratie an die Wandlung in Belgrad ge= fnüpft hatten. Einmal die Einschränkung, daß den Wählern nur Staatslisten, Listen für den ganzen Staat, unterbreitet werden, für die die aufstellende Partei in jedem einzel= nen Kreis zweihundertsechzig Unterschriften aufzubringen hat. Da die Slowenische Bolfspartei, die das Katholische, die Kroatische Bauernpartei, die das Kroatische, die Bosnische Moslempartei, die das Mohammedanische in ihrem Bro gramm und in ihrer Zusammensetzung betonte, die eine in rein orthodoxen, die zweite in rein serbischen, die dritte in rein christlichen Bezirken zur Beibringung dieser Unterschriften außer stande ist, vermag keine dieser Gruppen zu fandidieren. Das gleiche gilt für andere nicht regional oder fonfeffionell begrenzte Parteien wie die Sozialdemo= fratie, für die in den entlegenen Teilen Mazedoniens niemand aus Angst vor dem Gendarmen seine Unterschrift herzugeben wagte. In der Tat war innerhalb der dafür vorgesehenen Frist nur eine, die offizielle Lifte, die der Regierung eingereicht und genehmigt worden, an deren Spize Pera Schimtowitsch selber steht. Glorreiche Beiten, in denen den„ Volkswillen" ein Diktator ,, vertritt"! Die zweite Bestimmung, die den 8. November zum Tag einer schalen und frechen Posse herabwürdigt, ist die öffentliche Wahl. War schon vor der Diftetur bei der geheimen Abstimmung Wahlfreiheit hier und da ein sehr tautschufartiger Begriff, so macht die Deffentlichkeit des Botums die Wahl namentlich auf dem flachen Lande völlig von der Laune des Gendarmen abhängig. Hat Jugoslawien noch nie Balkanwahlen gekannt, diesmal. gibt es Balkanwahlen. Aber nicht nur, daß die Deffentlichkeit eingefchüchterte Wähler abhält, für die Opposition zu stimmen, sie zwingt auch alle Wähler, die gegen einen Druck von oben empfindlich sind, die von den Behörden gezwiebelt werden fönnen, ins Wahllokal, ob sie wollen oder nicht. Da primitiv vervielfältigte Flugblätter heimlich von Hand zu Hand gehen, in denen die früheren Oppositionsparteien, namentlich die Bäuerlich- Demokratische Koalition PribitRevolutionsfeier Montag, 9. November, 20 Uhr, Sportpalast, Potsdamer Str.72 schewitschs und M a t s ch e k s, zur Wohlenthaltung auf- fordern, drohen die Wohlmacher der Regierung in Verfamm- langen ganz ungescheut: Weh.« dem, der zu Haufe bleibt! Nichts falscher darum, als jene, die am 8. November ab- stimmen, mit den Anhängern des Regimes K ch i w k o w i t f ch gleichzusetzen oder zu glauben, sie hätten sich durch die Losung: Die Wahl ist ein Plebiszit für den Bestand Jugoslawiens! bewegen lassen. Freilich fehlt es nicht an Ueberläufcrn aus den früheren Parteien, die jetzt mit den Gewalthabern des Augen- Micks durch Dick und Dünn gehen. Juraj Demetrowitsch etwa, einst ein bewährter Führer der kroatischen Sozialdemo- lratie. dann nicht zu Kompromissen geneigter bürgerlicher Demokrat, danach Minister der Diktatur, kandidiert heute auf der Regierungsliste und orakelt, besserer Vergangenheit unein- gedenk:„Die Verfassung vom 3. September gewährt als Rahmengesetz außer der gesicherten Stetigkeit der Staatsein- richtung eines einheitlichen Jugoslawien genug Möglichkeiten für die Entwicklung unseres Volkslebens ohne zukünftige Cr- fchütterungen, und gerade darin liegt Sinn und Aufgabe unserer gesetzgebrtschen Aera". In Wahrheit wird sich olles, was in Jugoslawien zukunftsträchtig und entwicklungfähig ist, außerhalb dieses Scheinparlaments abspielen, denn die Mamluckenkammer Napoleons III. und die Duma Nikolaus II. wird ein Spiegelbild des Volkswillens und wie eine Gast- stätte der politischen Meinungsfreiheit wirken neben der Gendarmen-Skupschtina Schiwtowitschs, die in Europa überhaupt kein Gegenstück, außer in Italien hat. Allerdings wird das Belgrader Parlament auch ein Dutzend deutscher Abgeordneter aus dem Banat und der Batschka be- Herbergen, aber auch sie. als grundsätzlich loyale Untertanen auf der Regierungsliste gewählt, öffnen den Mund nur dann zu einem Nein, wenn es dem Herrn Minister genehm ist. Während in dem größten Teil der Tageszeitungen über die Wahlen in England weit mehr zu lesen steht als über die im eigenen Lande, da auch die Wahl„bewegung" weder Preß- noch Versammlungsfreiheit kennt, sucht die willfährige Presse des Regimes ihren Lesern beizubringen, daß fast„überall— siehe Italien, siehe Deutschland!— Parteien und Parlamentarismus im alten Sinn abgewirtschaftet hätten. Sie pergißt nur: Frankreich! In Frankreich steht, fast seit der großen Revolution überliefert, Parlamentarismus nach wie vor in Blüte, und an der französischen Republik müßte sich Jugoslawien um so eher ein Beispiel nehmen, als es nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich an Paris gebunden ist: eben erst wieder kam das jugoslawische Budget durch 3l)l1 Millionen in Frankreich gepumpter Dinars ins Gleichgewicht. Aber damit Jugoslawien dem französischen Konstitutionallsmus und Parlamentarismus nacheiferte, be- dürfte es eines ermunternden Winks mit dem Zaunpfahl aus Paris, und der bleibt aus, weil man anscheinend am Quai d'Orsay fälschlich glaubt, daß die nicht nur für Frankreich, sondern fürganzCuropawichtigejugoslawische S t a a t.s e i n h e i t mit der offenen oder verlarvten Bel- grader Diktatur stehe oder falle. Bor der Geschichte trägt darum die französische Re- gierung ein gerüttelt Maß B e r a n t w o r t u n g für die grausame Komödie, die, mit dem Volkswillen Schindluder treibend, vor dem 8. November, am 8. November, nach dem 8. November, in Jugoslawien aufgeführt wird. Zrancquis KonvertierungspSan. Schaffung eines internationalen Kreditinstituts. Varls. 6. November.< Eigenbericht.) Der belgische Fmanzmann Franc gut, der am Donnerstag aus Amerika zurückgekehrt ist, stattete am Freitag in Begleitung des hiesigen belgischen Botschafters dem Ministerpräsidenten L a v a l ewen Besuch ab, in dessen Verlaus er Laool seinen Plan betreffend Schaffung eines internationalen Kreditinstituts zur Umwandlung der Deutschland gewährten kurzfristigen Kredite in m i t t e l f r i st i g e im einzelnen auseinandersetzt«. Francqut ist der Ansicht, daß die ausländischen Banken im Februar«ine Ver- längerung der Kredite nicht bewilligen werden, was nicht nur zum finanziellen Zusammenbruch Deutschlands, sondern auch der anderen Länder führen würde. Die Entscheidung über die Haltung Frankreichs zu dem Plan Francquts soll nach dem.Jnttansigeant" im nächsten Ministerrat getroffen werden. Günstiger Eindruck der Kanzlerrede. Paris. S. November.(Eigenbericht.) Die Red« des Reichskanzlers vor dem Parteioorftand des Zentrums hat auf die französische öffentliche Meinung ein- schließlich einiger Rechtsblätter durch ihre Offenheit einen günstigen Eindruck gemacht. Der„T e in p s" schreibt, die Rede Brünings fei für die Eni- Wicklung der politischen Situation in Deutschland von große? Be- deuwng. Der Reichskanzler habe deutlich gegen die Möglichkeit eine» Eintritts der Nationalsozialisten In die Regierung reagiert, indem er mit Nachdruck darauf hingewiesen habe, daß dt« Rechts- Opposition sich während der Finanzknse nicht gescheut habe, durch eine jeder Verantwortung bar« Hetzkampagne das Vertrauen zu erschüttern. Das sei nickst die Sprache eines Mannes, der bereit ist, mit seinen Gegnern ein Bündnis zu schließen. Nicht weniger scharf habe der Reichskanzler gegen die Volkspartei Stellung g«- nommen. Diese Tatsachen würden wenigstens, einig« Klar- heil in die innenpolUisch« Lage Deutsckstands bringen, die durch die Agitation der Nazis und der Volkspartei in den letzten Wochen star't kompliziert worden sei. Der Reichskanzler sehe es als seine Aufgabe an, das Vertrauen wiederherzustellen und er sei davon überzeugt, daß eine ständige Agitation nicht zu diesem Ergebnis in einem Augenblick sichren kann, in dem große international« Ver- Handlungen im Gange seien. Das sei die Sprache eines Staats. manne?, der sich seiner Verantwortung bewußt ist und der einer unter ollen Gesichtspunkten furchtboren Loge j>ie Stirn zu bieten habe.•<. Zehn Zloty für Körperverletzung. Vor dem„Burggericht" in Myslowitz wurde In der Berufungsinstanz gegen den Vorsitzenden der Ortsgruppe Jmielin des Ausstündischenverbandes wegen schwerer Körperverletzung verhandelt. Der Angeklagte battc während des Waylkampfes einer deutschen Zellungsträgerin mehrere Paket« Zeitungen entrissen und die Frau so schwer mißhandelt, daß sie längere Zeit in ärztlicher Behandlung bleiben mußte. Für diese Tat erhielt der Aufständische nur eine Geldstrafe von zehn Zloty. Lrotpreisechöhung vertagt. Aus achi Tage.— Die Bäcker warten inzwischen auf Gchieles Maßnahmen. Die Organisation der Berliner Bäckermeister hat gestern be- schloffen, am kommenden Montag die beabsichtigte Brotprel»- erhöhung noch nicht eintreten zu lasten. Sie wird aber nur auf achi Tage hinausgeschoben. Der Zweckverbaad der Bäckermeister Groß. Berlins erklärt dazu, daß er In der Zwischenzeit die dringende Einwirkung der verantwortlichen Stellen aus dem Getreide, und Mehlmarkt erwartet. Erklörungen des ErnShrungsmmisteriums. Auf Verlangen der Sozialdemokratie wurde gestern im V o l k s- w i r t f chF f t l i ch e n Ausschuß des Reichstag» die Brotpreis- frage zur Diskussion gestellt. Der Vertreter des Reichsernährungs- Ministeriums war gezwungen, zuzugeben, daß die Vorschrift des Gesetzes vom 28. März 1931 nicht erfüllt ist, wonach die Reichs- regierung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einer Er- höhung de, Brotpreises über dm Durchschnittspreis von Oktober 1930 bis März 1931 vorzubeugen hat. Di« vom Retchsermihnmgs« Ministerium dabei verwandte Statistik ist sehr unzulänglich. Darauf haben wir schon stüher hingewiesen. Dennoch mußte der Vertreter »es Reichsernährungsministers feststellen, daß der Reichsdurchschnitt im Oktober 193» je Kilo Brot 38,7 Pf. betrug, während er nach den Vorschriften des Gesetzes nur 37,9 Pf. betragen dürfte. Die Nicht- erfüllung gesetzlicher Vorschriften ist also durch einen Vertreter der Regierung selbst erhärtet worden. Den Eindruck einer so peinlichen Tatsache versuchte der Vertreter des Reichsernährungsmiiristers durch den Hinweis aus andere Bestandteile des damaligen G e s e tz e s. die nicht in zwingendem Zusammenhang mit der Bratpreisvorschrift stehen, zu verwischen. Dabei wies er auf die immer noch bestchmde Preisschere zwischen den Agror- Produkten und den für die Landwirtschaft not- wendigen Produktionsmitteln hin, ohne zu berücksich- tigen, daß der lebenswichtige Bedarf für die Landwirtschaft seit Jahresfrist im Preise sehr beträchtlich gesunlen ist. Er brachte es fertig, den indoxmäßig viel höher liegenden tatsächlichen Bttriebs- aufwand für landwirtschaftliche Produktionsmittel im ganzen Jahr 1931 den Agrarindex der vergangenen beiden Monate gegenüberzustellen. Mit einer solchen Argumentation konnte er natürlich um die selbst festgestellte Tatsache der Brotpreisüberhöhung nicht herum. Cr erklärte deshalb für die Reichsregierung. daß sie alle Bemühungen daraus richten werde, daß der im Gesetz vor. geschriebene Brotdurchschnittspreis erreicht wind. Das gelte ins- besondere von den Maßnahmen zur Brotverbilligung für die Er- werbslosen und für die Einwirkung auf die Bäcker, bei denen die Brotoerdien st spanne auch durch eine zu erwägende teil- weise Lockerung des Nachtbackoerbotes für Großbetriebe gesenft werden könne. Wenn dies nicht genüg«, seien weitere Rtaßnahmen vorgesehen, über die noch keine Mitteilungen gemacht werden können Der sozialdemokratische'Abgeordnete B n a d e verwies auf d>« Notwendigkeit, daß neben der Bceinslussung der Bäckcrspannc aus- ländisches Getreide'eingeführt werden müsse. Schwere Mandschureigefechte. Japaner rücken zur Gowjeieinflußsphäre weiter vor. Genf, 6. November.(Eigenbericht.) China richtet«inen Hilferuf nach dem anderen an den Völkerbund, um Intervention bei der japanischen Regierung wegen des weiteren Vorrücken« der japanischen Truppen in der Mandschurei. Japan antwortet mit trockenen Bestätigungen voller Entschuldigungen mit angeblichen Kämpfen gegen Räuber, die sofort von den schwersten Kriegshandlungen überholt werden. Faßt man die letzten chinesischen Noten zusammen, so ergibt sich daraus das folgende Bild. Die Brück« über den Fluß N o n n i, der die nord-mandfchurifche Provinz Hailunkiang vom erweiterten japanischen Interessengebiet trennt, ist im Kampf« des Gouverneurs von Hailunkiang Ma g«gen stregulär« Banden des General» Tschanghaipeng gesprengt worden. Die Japaner verlangten ihre Reparatur und die Zurückziehung beider kämpfe irden Parteien auf 19 Kilometer Distanz von der Brücke. General Ma zog seine Truppen nach Norden zurück und sagte die Reparatur zu. Angeblich dauerte sie den Japanern zu lange. In Wirklichkeit wollten sie den Bormarsch der unter ihrem Schutz stehenden trregu- lären Armee ermöglichen. Sie überschritten den Fluß und griffen Zusammen mit Tschang di« chinesischen Truppen mehrfach an. Be- sonders durch Artillerie und Flieger der Japaner hätten die Ch i- nesen Hunderte von Toten. Auch die Japaner hatten Verlust«, da sich die Chinesen zur Wehr setze» mußten. Der japa- nische Major Hayashi erklärte offen. Japan«erde di» politisch« Situation in Hallungkiang gewaltsam ändern, ohne Rücksicht auf die Ratsentschließung. Di« Lag« ist sehr gefährlich. Nördlich von Nonni weht über Tuang-Liao di« japanische Flagge. Andauernd rollen Berstärkungen in Panzer» z ll g e n mit viel Material nach dem Norden, Mit allen Mitteln suchen die Japaner die chinesischen Truppen zu provozieren. Selbst durch Angriffe japanischer Truppen, die In die Uniformen chinesischer Aufrührler gelleidet sind. Jeder geringste Zwischenfall muß das Vorrücken der Japaner über die unter russischer Verwaltung stehende ostchinesische Bahn bringen. Nur noch 70 Kilometer stehen die japanischen Truppen von Tsitsikhar, der Hauptstadt der Provinz Hailungklang entfernt, die in 639 Kilometer Luftlinie nördlich von Mulden und 400 Kilometer nordwestlich der Endstation der süd- mandschurischen Bahn liegt. Mostaus Ansicht. Moskau, 6. November. Die Sowjetblätter veröffentlichen Meldungen der Telegraphen- Agentur der Sowjetunion aus Mukdcn. Tokio und Schanghai, aus denen sie den Schluß ziehen, daß die Japaner die Okkupatwnszone in der Mandschurei immer mehr erweitern und immer weiter noch Norden vorschieben. Auf ein« Zurückziehung, wenn auch nur «ine» kleinen Teil», der japanischen Truppen könne man in Genf nur hoffen, weil man der wirklichen Lag« gegenüber di« Augen schließe. Tatsächlich würden die japanischen Truppen verstärkt. In den nächsten Tagen begibt sich wiederum ein EisenbaMregiment w die Mandschurei. Was die Flottenoperaüonen betrifft, so befinden sich bereit» 20 japanische Kriegsschiff» in chinesischen Gewässern. In den Kreisen der in Mulden lebenden Ausländer fei man überzeugt, daß die Japaner alles tun. um die Chinesen zu Angriffen und Attentaten herauszufordern, weil Japan neue Konflikte brauche, um das Verbleiben seiner Truppen in der Mandschurei zu rechtfertigen. ■......... Rückzug der Radaustudenten. Keine Demonstrationen mehr.- Letzt fordem st« Rücktritt des Rektors. Hall«. S. November.(Eigenbericht.) Im halleschen Universitätskonflikt ist am Freitagabend die Entscheidung gefallen. Es gab zwei Möglichkeiten: entweder Nachgeben der rebellierenden Studentenschaft oder Fort» dauer de» Kampfes in verschärfter Form bis zur Schließung der Hochschul«. Für fünf Uhr nachmittags war«in« Aussprache zwischen Pro» fesior Dehn und Vertreter» der Krawall-Studenten angesetzt. Im Anschluß an diese persönlich« Fühlungnahm« sollte«ine erweitert« Sitzung von etwa 100 Studentenvertretern stattfinden, in der der Rektor der Universität, der Dekan der juristischen sowie der Dekan der theologischen Fakultät den Streitfall klären sollten. Zu dieser entscheidenden Aussprach« waren die Studentenvertreter nicht nie vorgesehen erschienen. Dafür überreichten ihre Führer folgend« geschwollene Erklärung: ..Der Hochschulring Deutsche Art und die Deutsche Studenten- schaft haben beschlossen, die tn einer Besprechung mit seiner Magnifizenz vorgesehenen Zusammenkünfte nicht zu besuchen, da dt« Stu- Kenten ihrerseits glauben,«inen besseren Weg gefunden zu haben. Zur Beilegung de» Unioersttätskonflikts sehen die Deutsch« Gtu« dentenschaft und der Hochschulring nur einen Weg: den Rück- tritt des Rektors. Da der Herr Rektor schon lange nicht mehr das Vertrauen der Studentenschaft besitzt, fordert die gesamte(?!) Studentenschaft di« Wahl eines neuen Rektors, der den Wünschen der Studentenschaft mehr Verständnis entgegen- bringt. Nur auf dieser Basis scheint ihr die Einheit zwischen Lehrenden und Lernenden wiederhergestellt werden zu köttnen- Weliere Demonstrationen lehnen wir grundsätzlich ab, da uns das Wohl der Universität höher steht als die Lehrtätigkett eines in seinem Charakter und in seinen Anschauungen sehr fragwürdigen Dozenten. Den von unserer inneren Einstellung diktierten Kampf werden wir keineswegs aufgeben, sondern auf noch breiterer Basis mit allen uns zur Berfügung stehenden Mitteln weiterführen." Diese Entscheidung bedeutet einen glatten Rückzug de« Radau- studententums vor der Auwrität der Hochschulbehören. Inwieweit sich di«..Kampfzelle der NSDAP. Hochschul« Halle" dieser Erklärung ihre» Pg. Börner anschließen wird, muß sich in den nächsten Tagen gelegentlich der Vorlesung Dehns zeigen. Sollte dennoch der Versuch gemacht werden, die Skandalszenen„auf breiterer Basis" zu wieder- holen, so darf man vom preußischen Kultusminister und der Ünioersitätsbehorde erwarten, daß sie die nationalsozialistischen Flegel, die sich auf uns««» Hochschulen breitmache», energisch« anfassen, als dies bisher geschehen ist. Söst haben kein« Lust, weitere Unsummen auszugeben zur Züchtung von Feinden der Republik. Professorenerklärung für Dehn. Halle, S. November. Eine Erklärung, die von den Professoren der Theologie, Dr. Schmitz und Dr. Stählin, ausgegangen ist. hat die Unter- schrift von wetteren 22 Ordinarien gefunden. Di« Er- klärung lautet:„Die unterzeichneten ordenttichen Professoren der Theologie, verschiedener theologischer und politischer Ueberzeugung angehärig, fühlen sich verpflichtet, öffentlich zu erklären, daß sie jeden Versuch studenttscher Kreise, Dr. Günther Dehn an der akade- mischen Lehrtätigkett zu hindern, auf das schärfste verurteilen." Die Erklärung haben u. a. unterzeichnet: Rudolf Bultmann- Marburg, L. Evrdier-GIeßen, Frick-Marburg, Heiler-Marburg, Krüger-Gießen. Niebergall-Marburg, Hans Freiherr von Soden- Marburg. In einer besonderen Erklärung haben außerdem noch fünf Ordinarien erklärt, daß sie mit Dr. Dehn„persönlich und sachlich solidarisch" seien. Die Namen dieser fünf sind: Kork Barth- Bonn, Karl Ludwig Schmidt-Bonn. Martin Dibelius-Heidelberg. Otto Pieper-Münfter und Georg Wünsch-Marburg. Salles Gegenstück in Warschau. Warschau, 8. November. Di« judenfeindlichen Ausschreitungen an der Warschauer Universität haben heute sehr schwere Formen angenommen. Im Hofe der Universität kam es heute nachmittag zu blutigen Zusammenstößen zwischen christ- lichen und jüdischen Studenten, bei denen 13 Studenten ver- letzt wurden und ins Krankenhaus gebrocht werden mußten. Der Rektor der Universität unterbrach sämtliche Vorlesungen und drohte für den Fall einer Wiederholung der Ausschreitungen die Schließung der Universität und die Anullierung der Immatrikulation der neu aufgenommenen Studenten an. da die Hauptschuldigen an den Ausschreitungen dem ersten Unwersttätejahrgang angehören. Dia südischen Studenten haben Selbsthilsetrupps gebildet, um sich gegen die Angriff« der christlichen Studenten zu wehren. In der allgemeinen Verwirrung, die im Hofe der Universität herrschte, wurde auch die grau de, Rektors Lukastewicz von einigen Studenten, die sie für ein« Jüdin hielten, oerprügelt. vi« Hebung der Scapa-Flow-Sriegefchisfe. Die Firma, die seit sieben Iahren damit beschäftigt ist, die Schiffe der bei Scapa Flow versenkten deutschen Kriegsflotte zu beben, stellt die Arbeiten als unrentabel ein. Insgesamt sind 32 Schis, e gehoben worden. darunter sechs von 20 000 und mebr Tonnen. Ungefähr ein Dutzend Schiff», die in einer Tiefe von etwa 40 Meter liegen, sollen nicht geborgen werde». Nr. 523+ 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 7. November 1931 Strafanträge im Helldorf- Prozeßordtommiffion im Grunewald Frau aufgefunden. Drei Jahre Gefängnis für Helldorf und Ernst, zweieinhalb Jahre für Brandt wurde gestern abend nach dem Grunewaldforft alarmiert, wo in Staatsanwaltschaftsrat Herf beantragte zum Schluß seines| delte hier zwei Stunden íang hin und her, mechselte mit den DePlädoyers gegen die Angeklagten im Prozeß Brandt und Genossen monstranten Zuruse, unterhielt sich mit den jungen Stahlheimern, folgende Strafen: gegen den Angeklagten Brandt wegen schweren schickte sie aber nicht nach Hause, wie es seine Pflicht gewesen wäre, Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Aufrcizung zum Klaffenhaß sondern amüsierte sich köstlich" mit den anderen Autoinsassen über zwei Jahre sechs Monate Gefängnis und Einziehung die Borgänge auf dem Kurfürstendamm. Er hat somit die Gefeines Kraftwagens; gegen Graf Helldorf und Ernst unter walttätigkeiten nicht nur gebilligt, sondern sie auch zu Freisprechung im übrigen wegen der gleichen Delikte drei Jahre Los, zur Gedächtniskirche!" sich auch als Rädelsführer betätigt. fördern gesucht. Er hat durch den Zuruf aus seinem Auto: Gefängnis und wegen öffentlicher Beleidigung 300 Marf GeldDas gleiche gilt von Helldorf und Ernst. Als Graf Hellftrafe, erfahweise 30 Tage Gefängnis, mit der Maßgabe, daß die torf zum Afrikakasino in der Lüßowstraße im Auto vorfuhr, wußte Geldstrafe durch die erliffene Untersuchungshaft als verbüßt gilt; er bereits, daß auf dem Kurfürstendamm etwas los fei. Es kommt gegen Damerow, Schulz, Hell und Hagemeister wegen gar nicht darauf an, ob er und Ernst selber Gewalttätigkeiten beeinfachen Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Aufreizung zum Klaffenkampf je ein Jahr Gefängnis und Einziehung.des Motorrades des Damerow, gegen Samersti wegen derselben Delikte neun Monate Gefängnis. Dem Kaufmann Friedrich Deferding und dem Kaufmann Hugo Simon, die gegen Graf Helldorf und Ernst Strafanzeige wegen Beleidigung angestrengt haben, wird die Publikationsbefugnis im„ Berliner Tageblatt", in der Deutschen Allgemeinen Zeitung" und im„ Berliner Lokal- Anzeiger" zugesprochen. ** Nachdem Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ste enig die Planmäßigkeit der Aktion auf dem Kurfürstendamm nachgewiesen hatte, charat terisierte er die Art und Weise, wie diese Aktion zustande ge= tommen war. Es kann hier nicht von Zufälligkeiten gesprochen werden; es lag Verabredung vor, alles mar bis ins einzelne vorbedacht, auf verschiedensten Wegen gelangte man unbemerkt auf den Kurfürstendamm, mischte sich unter die Passanten, ballte sich dann unter gemeinsamer Führung zusammen, um planmäßig über mehrlose Passanten herzufallen. Kein Zufall auch, daß Mitglieder von menigstens 13 Stürmen, daß eine so große Anzahl von Führern anwesend waren. Die Aussage des Standarten führers Knippel darüber, wie ihn schon am Nachmittag der SA.Mamt begrüßte: Staff heute abend auf dem Kurfürstendamm, und die Befundung des Heimleiters Kosmol, wie er sich gefreut habe, daß die Juden verdroschen werden würden und vieles andere beweisen, daß zu der Demonstration auf dem Kurfürstendamm weitgehende Borbereitungen getroffen worden waren. Nicht ergeben hat dagegen die Beweisaufnahme, daß die Ausschreitungen auf dem Kurfürstendamm von der SA.- Leitung veranlaßt worden seien. Es fonnte auch nicht festgestellt werden, daß die SA.- Leitung vor dem 12. September von etwaigen Unternehmungen am 12. September auf dem Kurfürstendamm Kenntnis gehabt habe. Als festgestellt muß aber gelten, daß der Standartenführer Knüppel am 12. Septembe: dem Stableiter Ernst Mitteilung davon gemacht hat, daß am Kurfürstendamm etwas geplant sei. Es ist nicht anzunehmen, daß Ernst das vergessen haben konnte, da es in seinem Aufgaben freis lag, Helldorf von der Mitteilung in Kenntnis zu setzen. Graf Helldorf, mußte demgemäß spätestens um 6 Uhr von der beabsichtig ten Demonstration. auf dem Kurfürstendanim gemußt haben Der Tatbestand des Landfriedensbruches ist für sämtliche Angetlagten gegeben. Der§.125 StGB. hat zur Aufgabe, die öffentliche Ordnung, Sicher heit und Ruhe zu schützen. Sein Tatbestand erfordert, daß eine öffentliche Zusammenrottung stattgefunden habe und Gewalttätig feiten begangen worden seien. Es sezt durchaus nicht eine Billigung der Gewalttätigkeiten voraus. Es genügt, sich einer Menge anzuschließen, die Gewalttätigkeiten begehen könne. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Herf befaßt sich darauf mit den einzelnen Gruppen der Angeklagten. Zu allererst mit dem Jungstahlhelmführer Brandt. Als dieser in seinem Auto vom Hause abfuhr, mußte er, was auf dem Kurfürstendamm los sei. Er pen 18 Familie Soviet Roman von Elfe Möbus Der alte Herr stand auf und ging im 3immer auf und ab. Dann blieb er vor der Frau stehen. Frau Loriot, ich muß Ihnen eine Mitteilung machen. Gestern war auch Ihr Gatte bei mir, um sich meinen Rat zu erbitten. Aber auch mit ihm bin ich zu feinem Ziel gekommen. Er ist zwar mit der Scheidung einverstanden, sobald Sie es wünschen. Aber auch er hat fein einziges abfälliges Wort gegen Sie geäußert. Im Gegenteil. Er nennt Sie die beste, rücksichtsvollste Frau und Mutter. Er behauptet, niemals im Leben soviel Achtung vor einer Frau gehabt zu haben, wie vor Ihnen. Aber es scheint da wohl ein einziger Punkt zu sein, wo Sie beide nicht recht zusammenstimmen. Herr Loriot ist sehr heißblütig veranlagt, und Sie sind das Gegenteil. Aus dieser Verschiedenheit scheinen mir alle Konflikte Ihrer Ehe zu fommen." Frau Loriot sah mit geröteten Wangen vor sich hin. Ich habe drei Kinder geboren, und so darf ich wohl fagen, daß ich meine Pflichten als Ehefrau erfüllt habe." „ Ihre Pflichten, ja", erwiderte der Rechtsanwalt, für Sie sind es eben nur Pflichten gewesen das ist der Unterschied zwischen Ihnen und Ihrem Gatten. Berzeihen Sie, daß ich dieses Thema berührt habe, ich sehe es Ihnen an, wie unangenehm es für Sie ist. Aber das ist meiner Auffaffung nach der Kernpunkt, vor dent Sie nicht die Augen schließen dürfen." Ich will mein Bersagen in diesem Kernpunkt gern auf mich nehmen", erwiderte Frau Loriot bitter. ,, Unter Liebe in der Ehe verstehe ich etwas anderes." ,, Niemand macht Ihnen einen Vorwurf daraus, verehrte Frau Loriot", sagte der alte Herr. Auch Ihr Gatte nicht. Gerade auf diesem Gebiet müssen wir den Schuldbegriff überhaupt ausschalten. Ich verurteile meinen Mann auch keineswegs, denn ich fühle mich ebenfalls dazu nicht berechtigt. Aber meinen Kindern gegenüber habe ich die Verpflichtung, einzugreifen, Herr Rat! Wir leben nun einmal innerhalb einer fest Revolutions- Feier Die Feier findet Montag, 9. November, 20 Uhr, im SportDie 2. Refervemordkommission des Berliner Polizeipräsidiums dichtem Gestrüpp, am Rande einer Schonung die Leiche einer etwa 45 Jahre alten Frau gefunden wurde. Die Cage der Leiche und mehrere schwere Verletzungen geben dem Berdacht Nahrung, daß die Frau ermordet und dann in das Gebüsch geschleppt worden ist. Der Fundort liegt einige hundert Meter vom Jagdschloß Grunewald und vom Restaurant Paulsborn entfernt, am südlichen Ende des Grunewaldsees. Spaziergänger entdeckten gegen 16 Uhr die Tote. Die alarmierte Polizei stellte an der Leiche schwere Verlegungen fest. Zunächst glaubte man an einen Selbstmord; die Art der Verlegungen lassen aber auch auf ein Verbrechen schließen. Beide Schienenbeine und beide Pulsadern wiesen schwere Wunden auf. Außerdem wurde am Halse der Frau eine lange Rißmunde, die parallel zur Halsschlagader verläuft, festgestellt. Da bei der Toten keine Papiere gefunden wurden, gehen die Ermittelungen der Polizei zunächst darauf hinaus, die Personalien der Frau zu ermitteln. palast, Potsdamer Straße 72 statt mit folgendem Programm: Der Bubenstreich am Märchenbrunnen. Die Fahnen werden hereingetragen unter den Klängen d. Liedes: Viele sind stark! Dichtung von Grete Hartung. Musik von Kurt Manschninger. Gesungen von Chören des Arbeitersängerbundes. Das Orchester begleitet. Satz der fünften Sinfonie von Beethoven. von Otto Meier. So pocht das Schicksal an die Pforte. Erster Erinnerung und Mahnung. Ein Vorspruch. Dichtung GELÖBNIS! Weckruf( Marseillaise), bearbeitet von Heinz Tiessen. Sonnenhymne, von Mussorgski, bearbeitet von A. Guttmann. Chöre. Vorwärts zum Kampf, Rakoczy, Marsch von Berlioz. FESTANSPRACHE. RUDOLF WISSELL. Signale aus der sechsten Snfonie von Tschaikowsky. Aufmarsch. Vier Sätze aus dem Chorwerk von Heinz Tiessen für gemischte Chöre mit Orchester. Bergleute Schnitter Vorwärts wagen! Bruno Schönlank. Arbeit Wie lange noch Prolet. Ein Chorwerk für Sprechchor von DIE INTERNATIONALE. Gemeinsamer Gesang. mußDrei Schuljungen die Täter. Die Demolierung des Märchenbrunnens im Friedrichshain hat eine schnelle Aufklärung gefunden. Die Täter, die mehrere Figuren finnlos zerstört haben, sind jetzt als drei Schuljungen im die 161. Gemeindeschule in der Georgenkirchstraße besuchen. Alter von etwa 9 Jahren ermittelt worden, die Die schnelle Aufklärung ist darauf zurückzuführen, daß ein anderer Schulkamerad von der Tat der Drei gewußt und am gestrigen Freitagvormittag dem Klassenlehrer davon Mitteilung gemacht hat. Der Lehrer nahm die drei Schüler sofort in ein eindringliches Verhör, in dessen Verlauf sie gestander, daß sie am Dienstag unt 6 Uhr, als der Friedrichshain für den Publikumsbesuch geschlossen war, über einen Zaun in die Anlagen geklettert seien und mit Stöcken aus. Mutmillen die Figuren beschädigt hätten. Der Lehrer machte dann sofort der zuständigen Revierpolizei von dem Geständnis der drei Uebeltäter Mitteilung. Die drei Jungen werden der weiblichen Kriminalpolizei zum Zwecke der weiteren Ermittelungen zugeführt werden. Die Annahme, daß es sich um einen Racheatt von Glücksspielern handele, gegen die in der legten Zeit fast täglich Razzien unternommen worden sind, hat sich also nicht bestätigt. Schließung eines GA.- Heimes. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zur Bekämpfung politischer Ausmerkt haben, es genügt, daß fie mit Gewalttätigkeiten rechner ten. Ebenso wie Knüppel und Kosmol, die in dieser Weise die Demonstrationen auf dem Kurfürstendamm einschätzten, war auch ihnen die Einstellung der SA.- Leute bekannt. Sie haben sich sagen müssen, daß es bei einer Zusammenballung der SA.- Leute auf dem Kurfürstendamm zu Gewalttätigkeiten kommen müsse. Helldorf hat auch nichts unternommen, um schon am Nachmittag des 12. Septem- freitungen vom 6. Oktober 1931 ist das Sektions( SA.)- Heim der ber die geplante Demonstration zu unterbinden. Wenn diese Unterfassung für die Feststellung seiner Rädelsführerschaft vielleicht auch nicht ausreicht, so wird diese unter allen Umständen dadurch gefennzeichnet, daß er sie durch sein Erscheinen auf dem Kurfürstendamm psychisch stärkte, daß seine SA.- Leute den Eindruck haben mußten, die Gewalttaten würden von der SA.- Führung gebilligt. Staatsanwaltschaftsrat Herf beschäftigte sich darauf ganz fürz mit den übrigen Angeklagten, stellte fest, daß sie wußten, was auf dem Kurfürstendamm gespielt werden sollte, und sich des einfachen Landfriedensbruchs schuldig gemacht haben. Rechtsanwalt Dr. Boß bemühte sich, den Nachweis der Unschuld des Angeklagten Brandt zu erbringen; Rechtsanwalt Dr. Triebel tat das gleiche hinsichtlich der übrigen Angeklagten: Sie seien sämte lich freizusprechen. Die Rechtsanwälte Dr. Frank II, Dr. Freißler und Dr. Sad tommen heute zu Worte. Ob noch heute das Urteil gefällt wird, erscheint fraglich. gefügten Ordnung, auch auf dem Gebiet der Moral. Das Verhalten meines Mannes wirft auf uns alle ein trübes Licht. Unmöglich kann ich es fdyweigend dulden. Die Kinder haben durch ihre Erziehung in Haus und Schule die Werte Reinheit"," Treue", Wahrheit" als durchaus feststehende Werte tennen gelernt, an denen nicht gerüttelt werden darf. Wie soll das auf sie wirken, menn wir, ihre Eltern, ihnen das Beispiel geben, daß diese Werte nur relativ sind, daß wir sie nach Belieben umstürzen tönnen, sobald es uns past? Müssen die Kinder nicht den Boden unter ihren Füßen wanten fühlen, müssen sie nicht an sich und der Welt irre werden!" Sie Der Rechtsanwalt nickte. Shre Gründe sind durchaus anzuerkennen. Sie sehen die großen Gefahren, die aus solcher Ehe für Ihre Kinder erwachsen, ganz flar. Aber, liebe Frau Loriot, wenden Sie einmal den Blick von sich ab und schauen Sie hinein in die Ehen Ihrer Umgebung! Glauben Sie, daß das Ehen sind, in denen diese Werte absolute Gültigkeit haben? Ich tenne nicht eine ſtellen eben doch zu hohe Anforderungen stellen eben doch zu hohe Anforderungen denken Sie an Ibsens Brand, wer sich zu sehr an die Idee flammert, muß scheitern in der Wirklichkeit. Die Idee, der absolute Wert, kann nur Ideal, Antrieb, Ziel sein, nie Verwirklichung. Und vergessen Sie auch nicht die Werte, die Germaine und Walter ihrem Vater verdanken! Ihre Tochter hat eine außergewöhnliche Bildung erhalten, Sie geben selbst zu, daß Herr Loriot hier mehr getan hat, als er, felbft an strengstem Maßstab gemessen, verpflichtet war. Er unterstützt die Kinder, gibt ihnen geistige Anregung, läßt sie reisen. Er steht auf freundschaftlichem Fuß mit ihnen. Glauben Sie mir, das alles miegt schwerer als die paar kleinen Seiten fprünge, die sich jeder Künstler gestattet und nicht nur der und nicht nur der Künstler. Wir Männer find allzumal Sünder!" Er lachte. Ich glaube, verehrte Frau Loriot, Sie sehen aus Liebe zu Ihren Kindern und erlauben Sie mir, das auszusprechen aus einer uneingestandenen Eifersucht doch zu schwarz. Keine Frau und auch die beste, kann dieses Gefühl in fich zum Schweigen bringen, zumal wenn Sie den Mann liebt. Und nun hören Sie meinen Rat. Germaine macht im nächsten Jahr ihr Abitur. Schicken Sie sie dann ein oder zwei Jahre in die Heimat Ihres Mannes, wie Sie es schon lange vorhaben. Entfernt von Ihnen werden ihr die Vorgänge im Elternhaus in ganz anderem Licht erscheinen. Sie wird sich dann erst ganz darüber flar merden, wie unendlich viel sie Ihnen beiden verdantt, Ihr Junge aber das ist i Sektion Berlin- Reinickendorf- West, Sturm 42, auf dem Grundstück Berlin- Reinickendorf- West, Scharnweberstr. 101-104, geschlossen worden. Ausgenommen von der Schließung ist das Sektionsbüro und die zum A. Heim gehörige Küche.. Telephonräuber gefaßt. DELIAIA Die Ferniprechzelle am Küstriner Play wurde in den letzten vier Wochen ständig von einem Automatenmarder heimgesucht. Dem Täter fielen häufig Beträge bis zu 40 M. in die Hände. Gestern abend ereilte den Dieb unerwartet sein Geschick; er hatte wieder den Automaten erbrochen und war gerade beim Berstauen des Geldes rund 39 m.-, als Polizeibeamte hinzueilten und den Täter festnahmen. Es handelt sich um einen 23jährigen wohnungslosen Heinrich G. Die Post hatte in aller Stille eine Alarmleitung von dem Kiosk zum nächsten Polizeibüro legen lassen so ein lustiger, frischer Bengel geworden, noch gestern traf ich ihn, wie er mit Fröschen und Molchen beladen an meinem Fenster vorbeitrabte der macht sich zur Zeit noch keine Kopfschmerzen über das Eheproblem seiner Eltern! Ich habe Ihren Gatten auf morgen nochmals hergebeten, ich bitte Sie, ebenfalls zugegen zu sein, dann wollen wir in Güte alles besprechen. Ich werde dann auch gerade auf Ihren Haupteinwand, nämlich die seelische Schädigung Ihrer Kinder, großen Nachdruck legen ich weiß, Herr Loriot wird daran nicht leichtsinnig vorbeigehen. Und dann versuchen Sie es noch einmal! Reißen Sie Ihre Familie nicht auseinander. Ich habe schon manche Ehescheidung durchgeführt- aber immer habe ich die Kinder bedauert, viel mehr als die zwei Erwachsenen. Wie oft ist in den Kindern etwas totgeschlagen worden, das nie mehr zum Leben erwachte!" Forschend sah der Rechtsanwalt zu seiner Klientin hinüber, die blaß und mit zusammengepreßten Lippen vor sich niedersah. Endlich stand Frau Loriot langsam auf ,, Verschieben Sie die Aussprache um einen Tag" sagte sie endlich. Ich werde mir dann in aller Ruhe noch einmal alles überlegen. Morgen abend, spätestens übermorgen früh werde ich Sie anrufen und Ihnen meine Antwort sagen." 13. Ueber den blauen Fluten des Genfer Sees liegt leuch tender Sonnenschein. Dem wolkenlosen Himmel und der schimmernden Wasserfläche, die am Horizont in eine einzige Ebene zusammenfließen, entströmt ein Meer von Licht. Es hüllt das alte Genf in seine Strahlen ein, es gibt den grünen Barkflächen, den Landhäusern und Villen, den Mietstasernen und Baracken, den eleganten Strandcafés und den prunkenden Hotels, aber auch der alten Kathedrale und den winkligen Gassen Leuchtkraft und Festlichkeit. Das ist einer jener unvergleichlichen Tage, wie sie nur der Süden fennt. lleber allem liegt ein berauschender Duft von Jugend, von Lebensfreude. Man atmet ihn ein mit der milden, köstlichen Luft. Die breiten Verkehrsstraßen, die Boulevards, die gepflegten Restaurationsräume der großen, internationalen Lurushotels, die Cafés, die Landungsstege alles ist überfüllt von einer Menge lachender, festlich gestimmter Menschen. Pfeilschnell huschen die mouettes, die Möwen, zierliche, kleine Verkehrsboote, dahin, kreuzen geschickt zwischen Segelbooten und Dampfs schiffen hindurch. ( Fortsetzung folgt.) Lübecker Sektionsbefunde. Wichtiges Gutachten im Calmette- Prozeß. Lübed, 6. November.( Eigenbericht.) In der Freitagfißung erstattete Profeffor Schürmann fein Gutachten über die Sektionsbefunde der von ihm in Lübec sezierten Säuglinge. Nach Profeffor Schürmann ist in faft allen Fällen ein ficherer Beweis des direkten Zusammenhanges zwischen der Impfung und dem Tode erbracht. Als einer der Sachverständigen bemängelte, saß bei einigen Kindern der ursächliche Zusammenhang zwischen Impfung und Tod nicht mit hundertprozentiger Gewißheit ermielen içi, erwiderte Professor Schürmann:„ Wenn wir uns hier auf den Standpunkt stellen, daß nur das als bewiesen gelten soll, was mit hundertprozentiger Sicherheit bewiesen ist, dann gibt es in der hundertprozentiger Sicherheit bewiesen ist, dann gibt es in der Medizin mohl faum einen schlüffigen Beweis, ja, dann müßte heute noch die Calmette- Fütterung in Lübed weitergeführt werden. Dann ist durch feine Seftion hundertprozentig be wiesen, daß die Tuberkulose auf den in Lübed verausgabten Impfstoff zurückzuführen ist." " * Größte Erregung herrscht in der Lübecker Bevölkerung über ein äußerst geschmackloses Gedicht", das Rechtsanwalt Thiele Berlin in das Gästebuch der ,, Hansa Kogge" geschrieben hat. Das Boem lautet: Der Physilus Altstaedt sagt: wie Honig und Zudermasser, Quatsch, so schmeckt Calmette, Einschränkung durch Verkehrsrückgang? Verkehrsgesellschaft auf gefährlichem Wege Montag Entscheidung gepla In einer Pressekonferenz über die geplanten Berkehrs- infolge der Tariferhöhung von 20 auf 25 Bf. im Jahre 1930 fich einschränkungen äußerte fich geftern Bürgermeister auf 215 Millionen Marf erhöhten, während sie im laufenden Jahre Dr. Elfas in feiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aufsichts- infolge der sich immer mehr verschärfenden Wirtschaftslage so stark rates der BBG. über die finanzielle Lage der Gesellschaft. Seinen im Absinken seien, daß man für dieses Jahr mit einer GesamtAusführungen mußte man entnehmen, daß die leitenden Männer einnahme von 188 Millionen Mark rechnet. Die Tarifneuregelung der BBG. entschlossen sind, das Einschränkungsprogramm des Ber- vom 1. September dieses Jahres habe zwar eine Verkehrsbelebung, Febrsausschusses zu verwirklichen. Wir haben diefes Pro- aber auch eine Mindereinnahme hervorgerufen. Die Tarifmaßgramm start angegriffen und müssen unsere Kritik in vollem Um- nahmen der letzten beiden Jahre hätten zudem zu einer Erhöhung fange aufrechterhalten. Die Verwirklichung der vom Ausschuß ge- der Reiselänge je Fahrgast geführt, die bei Straßenbahn und machten Borschläge bedeutet für viele Stadtbezirke die Schaffung Omnibuffen zirka 20 Broz. ausmache. Berglichen mit dem Sepunhaltbarer Berkehrszustände. Wir haben nach- tember 1980 fei im September 1931 ein Berehrerüdgang gewiesen, daß zudem mit der Sparpolitit in erster Linie die r von 12 Broz. eingetreten, dem eine Einschränkung der Betriebsbeitergegenden beglüdt werden, während die westlichen Leistung von nur 6,4 Broz. gegenüberstehe, während dem EinBezirke fich starter Schonung erfreuen. nahmerüdgang von 15 Proz. nur eine Betriebskostensentung von 5,4 Broz. entgegengestellt werden könne. Wenn das jetzt dem Aufsichtsrat porliegende Programm zur Durchführung komme, dann würde sich die Betriebskostenfenfung auf 11,1 Proz. erhöhen. Die hauptsächlichsten Einschränkungen sollen bei der Straßenbahn durchgeführt werden und man will die Linien mit aus gesprochenem Berufsverkehr einziehen, obgleich viele der Streden fich als durchaus rentabel erwiesen haben. Wir verkennen die chwierige finanzielle Lage der BVG. durchaus nicht. Die un geheure Massenarbeitslosigkeit in Berlin ist jeder pierte Einwohner unmittelbar von der Arbeitslosigkeit berührt hat das Verkehrsbedürfnis start herabgemindert Die Berfehrsleistung fonnte nicht im gleichen Umfange abgebaut werden. Run glaubt man, mit einer rigorosen BerkehrsKomm hier her, sauf Schnaps um die Wette. Hör auf mit Versuchen an Menschen und Tieren, geh zur Kogge, fang an, den Schnaps zu probieren und lasse das dauernde Mittel"-Probieren. Denn hättst Du gekannt die Wirkung des Schnaps und des Köben, droffelung den Weg aus dem Dilemma gefunden zu haben. dann wären die 76 Kinder noch am Leben!" Rechtsanwalt Dr. Thiele und Frau Annemarie aus Berlin, zur Zeit Lübec. Herr Thiele hat sich durch diese mit feinem Umstand entschuld bare Entgleisung selbst gerichtet. Im übrigen schwebt gegen ihn wegen schwerwiegender anderer Dinge fowieso ein Berfahren por der Berliner Anwaltskammer. Ein Raubüberfall aufgeklärt. Grünwollener Schal als Berräter, In der Nacht zum 21. Juli diefes Jahres wurde wie crinnerlich in der er mannstraße 44 in Neukölln auf die 65 Bahre alte Bitwe und Hausbefizerin Therese Felste ein ungewöhnlich roher Ueberfall verübt. Mit stumpfen Werkzeugen schlugen die Räuber die betagte Frau nieder und raubten aus der Bohnung 600 Mart bares Gefd. Durch langwierige kriminalistische Klein. arbeit ist es Striminalkommissar Nebe und den Beamten des Raubbezernats jetzt gelungen, den Ueberfall aufzuflären und die vier Täter, die anfänglich leugneten, zu einem umfassenden Ger ständnis zu bringen. Die Täter, fast alles schwerbestrafte Leute, heißen Albert Kaltenbach. Ermin nispet, Richard Felig und Alfred Frante. Durch diese Ermittlung ist der Schwieger john der leberfallenen, Westermann, den die alte Frau zunächst gls beteiligt bezichtigt hatte, softständig rehabili liert. Diese Beschuldigung fand jetzt auch eine Erflärung: Kaliena bach sieht dem Schwiegersohn Westermann auffallend ähnlich. Kaltenbach tannte die finanziellen Berhältnisse der alten Frau und meihte Knispel in den Einbruchsplan ein. Gemeinsam Lundschafteten fie die Lage der Wohnung aus und rechneten damit, daß ihnen einige tausend Mark in die Hände fallen würden. Der Einbru gelang zunächst. Als die vier dabei waren, das Wohnzimmer zu Burchwühlen, kam die alte Frau, die die Geräusche gehört hatte, ins Zimmer und lief den Räubern gerade in die Arme. Man steckte ihr einen Knebel in den Hals, ließ die bewußtlos gewordene Frau liegen, wühlte weiter und fand im ganzen 600 Mart. Ein grünwollener Schal, den Kaltenbach hatte liegen lassen, wurde ihnen zum Verhängnis. Nach und nach wurden alle Beteiligten aufgespürt und festgenommen. Boruntersuchung gegen Mörder Reins abgefchloffen Die Boruntersuchung gegen den 23jährigen Maurer Ernst Reins und dessen Mutter, sowie die beiden Schwestern wegen des Raubmordes an dem Geldbriefträger Schwan steht unmittelbar vor dem Abschluß. Medizinalrat Dr. Dyrenfurth, der den Hauptangeklagten Reins auf seinen Geifteszustand unter fucht hat, wird in den nächsten Tagen sein bereits fertiggestelltes Gutachten, das, wie wir hören, zu einer Ablehnung des§ 51 kommt, dem Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Blant, ein reichen. Sofort nach Eingang des Gutachtens wird der Unterfuchungsrichter formell die Boruntersuchung abschließen und die Aften an die Staatsanwaltschaft II zur Erhebung der Anffage weitergeben. Die Hauptverhandlung soll noch vor Weihnachten stattfinden. Das Generalkonsulat der polnischen Republik weist darauf hin, daß die Räume des hiesigen Amtes am 11. November infolge des 13. Jahrestages per 28ledererlangung der Unabhängigkeit Bolens geschlossen bleiben. Bürgermeister Dr. Elsas erflärte, daß die Gesamtein: nahmen der BVG. von 204 Millionen Mart im Jahre 1929 Luft- Amphibium In den Vereinigten Staaten ist. kürzlich ein neuartiges Riesenflugzeug fertiggestellt worden, das Wasser und Landflugzeug zugleich ist. Es nermag 40 Passagiere und fünf Mann Besatzung zu tragen. Die Räder sind beim Wasserstart und bei der Wasserlandung ebenso wie in der Luft seitwärts aufgeklappt. Das riesige Flugzeug beim Probeflug über den Wolkenkratzern pan Nero York. Sänger stehen zur Partei! Tagung der Berliner Arbeiterfänger. Elfas berechnet das voraussichtliche Defizit unter Zugrundelegung des bisherigen Berfehrsrückganges pon 15 Broz. auf 105 Millionen Mart. Er lam dann auf den furzfristigen Kredit von 124 Millionen Mart zu sprechen, mit dem die BBG. noch immer belaftet ist. Man perhandle wegen der Umwandlung des Kredites in ein langfristiges Darlehen. Die Berhandlungen seien auch gussichtsreich, aber die geplante Regelung fei nur möglich, wenn die BBG. wieder mit der Rüdzahlung der geliehenen Gelder beginne. Es handelt sich bei den 124 Millionen um den Kredit, den die Danatbank der BVG. gewährte und der als ein langjähriger Investierungskredit gedacht war. Dr. Elfas schloß mit einem Befenntnis zur fommunaten Wirtschaft und betonte, daß alles getan werten müsse, um die Verkehrsgesellschaft, die an jich ferngefund fel, der Stadt Berlin zu erhalten. Bon besonderem Interesse waren noch feine Mitteilungen, daß man sich in den leitenden Kreisen der BBG. darüber flar sei, daß der augenblickliche Tarif so nicht gehalten werden tömme und daß man an einer 1 mbilbung des gegenwärtigen Fahrpreisfystems grbeite. Sm einzelnen ging dann Direktor 3angemailter auf die geplanten Einschränkungen ein. Er ist der optimistischen Auffassung. daß sich das Einschränkungsprogramm bei peitem nicht so latostrophal guswirken wird, als die Deffentlichkeit befürchtet. Er fprad) fogar pavon, daß feine empfindliche Beeinträchtigung des Berlehrs eintreten würde, Wie Herr Bangemeister zu diefer Auffassung an gesichts der Tatsache, daß neun Straßenbahnlinien und zwei wichtige Autobuslinien polllommen aus dem Verkehr gezogen werden follen, tommen tann, ift uns unerfindlich. In einem Schlußwort mies Bürgermeister Dr. Elias darauf hin, daß es Berlin mit seinen Berlehrsmitteln nicht anders gehe als ben meisten deutschen Großftädten, wo man zum Teil pen Berlehrsrüdgang in piel stärkerem Maße durch Einschränkungen ausgeglichen habe. Für den Berliner Berlehr sei die Dezentralisation der Siedlungen außerordentlich loftspielig geworben. Jede Außenlinie fei urentabel, ohne daß man sie nun deshalb einfach einziehen tänne. Grireulich mar, daß Dr, Elsas die Gelegenheit zu der Erklärung benutte, das Lohnnipeau der Arbeitnehmer der BRG, denen täglich das Leben Hunderttausender von Menschen anvertraut ist, dürfe nicht meiter gefenft werden. Der Aufsichtsrat der BVG.. der die letzte Entscheidung über das Einschränkungsprogramm zu fällen hat, tritt am Montag zufammen. Gaupereine haben sich auf den Standpunkt des Gauvorstandes gestellt; nur neun Chöre hätten sich mit den Spaltern folidarijd erflärt. Sie hätten fich damit außerhalb des Bundes gestellt, aber zahlreiche Mitglieder diefer Chöre hätten aus dem Gefühl der Bundestreue heraus diese Vereine verlassen, um sich anderen Chören anzufchließen. Bei der Konferenz der Bezirksporstände des Gaues Berlin und Umgegend vom Deutschen Arbeiter Sängerbund famen vor allem die durch bie Wirtschaftstage herpor fation tam in einer einstimmig angenommenen Resolution zum Der gefchloffene Wille zur Erhaltung der Einheit der Organigerufenen schwierigen Berhältnisse in den Bereinen und die Bestressation tam in einer einstimmig angenommenen Resolution zum bungen der Spalter zur Sprache. Ausdrud, in der die Konferenz die Maßnahmen des Gauvorstandes billigt, die im Interesse der Arbeiter- Sängerbewegung unbedingt ba er weder dem Proletariat in feiner Gesamtheit noch im Besonerforderlich waren. Der Austritt der Chöre sei bedauerlih, beren dem Arbeitergesang nüßen könne. Die Konferenz perurteile beshalb diese Absplitterung gerade in einer für die Arbeiterkulturbewegung außerordentlich schweren Notzeit. Sie erwartet von der organisierten Arbeiterschaft die sinmütige Ablehnung aller Spaltungsbestrebungen. Genosse Schneider legte in seinem Bericht dar, daß die Arbeiterchöre in der Notzeit pon heute mit den größten Schwierig: teiten zu fämpfen haben. In einzelnen Vereinen seien 60 bis 80 Proz. der Mitglieder erwerbslos. Das würde ausgenügt zu parteipatitischen Zweden. Erfreulich aber sei, daß die überwältigende Mehrheit der Mitglieder dieses Treiben ablehne. 3u den Spaltungsbestrebungen wurde vom Gauvorjizenden mit. geteilt, daß nach den Vorgängen im Rheinland und eilichen an deren Orten des Reiches jetzt auch in Berlin 3ersplitterungsDerfuche eingeleitet worden seien. Durch die zu Pfingsten in Berlin erfolgte Gründung der Kampfgemeinschaft, einer fommunififchen Sonderorganisation, habe man Wege eingeschlagen, die mit der Einheit des Bundes nicht in Einklang gebracht werden fönnten. Dagegen habe man sich gewehrt, und 97 Bro3. aller Hundert Jahre Zeichenunterricht. Im Institut für Lehrerfortbildung in der Kloster der neuzeitliche Beigenunterricht aus. Er ist sicher straße 75 wurde eine von der Vereinigung für Zeichen- und Kunst- stärker psychologisch begründet. Der Gestaltungs- und Spieltrieb bes unterricht im Bertiner Lehrerverein veranstaltete 2 us ftellung Rindes ist seine Grundlage, Die Erzeugnisse dieses Seichenunter eröffnet, die die Entwicklung des Zeichenunterrichts zeigt. Es ist eine ungemein interessante Ausstellung, die die fofoffale Umstellung dieses Faches, namentlich in den letzten Jahren, zeigt. Oberstadtschutrat Genosse Rydahl sprach einleitende Eäge und betonte, daß diefe Ausstellung die erfte vorwärtsbringende Tat in der Zeit des Schulabbaues fet Bieder einmal zeige fich der babe bealismus des Lebvers. An einer Band fieht man als erstes Zeichnungen, die noch nach Borloge entstanden find. Diese Zeit reicht von etwa 1840 bis 1890. tachbem hic eftausstellung die aan Bonbon in den fünfziger fahren und später die non Bhitadelphia in den fiebziger Jahren gezeigt hatten, daß die deutschen Erzeugnisse weit hinter jenen anderer Länder zurüdstanden, so daß fogar das böse Bort nom deutschen Schund geprägt werden konnte, wandten die Behörden dem Zeichenunterricht größeres Intereffe zu unb fprachen ihm eine größere Bedeutung ixnerhalb der Schule zu. Das führte zu einer Aenderung der Methoden. Alle diese Bestrebungen find an Beispielen zu erkennen. Bon ganz anderen Boraussetzungen als der alte Zeichenunterricht - ornamentales and Zeichnen nach Gips- und Holzmodellen geht richtes find in letzter Zeit oft in Schulausstellungen gezeigt worden. Auch hier ist eine gute Auswahl zu sehen. Durch diesen Unterricht ist man zu ganz neuartigen pinchologischen und pädagogischen Erfenntniffen gekommen, Man hat nicht mit Unrecht darum den Beichenunterricht gfs Schwungrad der modernen Bad agagit" bezeichnet. Der früher technische Unterricht wurde aum unstunterricht. Er ist dazu berufen, die fünstlerischen Kräfte, die in jedem fchlummern, aur Entfaltung zu bringen. Er erfüllt also nicht nur eine rein erziehliche Aufgabe, sondern ist auch wirtfchaftlich von ganz hervorragender Bedeutung; denn die Aufgaben, bie die fchon genannten Weltausstellungen seinerzeit in der deutschen Erziehung aufbedten, fann er in ganz bervorragendem Maße zur Böjung bringen. Deshalb ist die Ausstellung au gleicher Seit ein Mahn- und Kampiruf gegen die Bestrebungen, den Zeichenunterricht gts überflüffigen Lurus in der Schule anzusehen, Ansichten, die durch die preußische Notverordnung mit ihrer tatastrophafen Kürzung der Zeichenstunden zum Ausdruck gekommen sind. Die Ausstellung ist täglich pon 16 bis 10 Uhr, an den Sonntagen pou 11 bis 13 Uhr zu hefichtigen Probealarm des Städtischen Rettunasamtes. Von der Rettungsstelle 6 der Stadt Berlin in der Cantianstraße tief gestern abend um 19 Uhr bei der Zentrale des Steilungsamtes in der Auguftstraße der Alarm ein:„ Maffenunglüc - entfenbet fofort 50 Sanitäter." Sofort begann das Telephon nach allen Seiten zu spielen. Die Arbeiterfamariter und das Rote Kreuz fowie die Feuerwehr wurden benachrichtigt und schon nach wenigen Minuten trafen die Helfer an der Unfallstelle ein. Was war geschehen? Der Leiter des Städtischen Rettungsamtes Dt. gener mollte die Bereitschaft der ihm zur Verfügung stehenden Rettungsinftitutionen bei großen Ungfüdsfällen erproben und hatte von der Rettungsstelle persönlich den Afarm gegeben. Dr. Agener, berbaurat Reinde von der Berliner Feuerwehr sowie einige Herzen von der Polizei waren mit dem Probealarm durchaus zufrieden. Alles tlappte ausgezeichnet. In furzen Abständen fausten die Autos des Rettungsamtes ein, dann folgten als erste Sanitäter eine Gruppe von 8 Mann des Arbeiter Samariterbundes mit sier Tragbahren. Bald darauf rückten auch die Kolonnen bes Roten Kreuzes mit Krantenbahren an. In rund 26 Minuten waren die angefarberten Hilfsmaßnahmen vollzählig zur Stelle. Hier und da ergaben fich nach fleinere Mängel, im großen und ganzen war die Kritik aber durchaus zufriedenstellend. Lufthania- Winterhilfe. Die Deutfce Buftberia veran staltet zugunsten der Berliner Winterhilfe am Sonntag, dem 8. Nopember, 11 bis 13 Uhr, im Atrium", Saiferallee 178/179, eine Filmmatinee. Ernst Udet, der deutsche Meiſterflieger, und Bolfgang B. Gronau, der einzige Pilot, der zweimal den Nordatlantit überwand, merden persönlich über ihre Erlebnisse erzählen und ihre Filme einleiten! Reben der Hölle vom Biz Balü" und den Stürmen über dem Montblanc" werden die besten Szenen der noch nicht zur Uraufführung gelangten.Fremden Bögel über Afrila" und des Grönlandfluges 1931" gezeigt werden. Nr. 523• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 7. November 1931 Wirtschaft und Bürgertum. Kariellherrschast und Mißwirtschast Zölle ohne Ende, Subventionen und derGeneraldirektorenundVanken, Liebesgaben für die Gwßagrarier, dieses System bringt unvermeidlich den Ofttin des freien Aktionärs durch Kursvernichtung der verarbeitenden Industrie durch teure Rohstoffe des Bankensparers durch Bankenpleiten des Handwerkers durch Kreditentzug der Kaufleute durch leere Ladentische des Beamten durch Gehaltsdrosselung des Bauern und Viehzüchters durch niedrige Stallpreise des Schweinemasters durch teure Futtermittel des Hühnerzüchters durch zu hohe Kosten des Gärtners und Siedlers durch schlechte preise und hohe pachten des ländlichen Handwerkers durch Auftragsmangel des ländlichen Kaufmanns durch Käufermangel Geht das Bürgertum mit den Arbeitermillionen, die allein die Privilegien der Großen bekämpfen? Das Bürgertum laßt sich von Hitler irreführen, der sich von den Großen subventionieren läßt. Ein Totentanz des Bürgertums! Filmkartell will Boykott. Gagenabbau und schwarze Listen. Die Spitzenorganijation der deutschen Filmindustrie hat aus ihrer Tagung am Donnerstag Beschlüsse gefaßt, die sich für die Ar- beltnehmer in der Jilmwirtschaft wie für die breiten Massen der Kinobesucher sehr einschneidend auswirken müssen. Der Zweck der Tagung war, gemeinsame Maßnahmen der Ver- bände zur Senkung der Produktionskosten zu schassen. Hierbei ist in erster Linie an ein« Senkung der Gagen gedacht, die bei der jetzigen Tonfilmproduktion gegenüber dem stummen Film um ein Mehrfaches gestiegen seien. Hierzu komme die Mehrbelastung lurch die Tonfilmapparatur und Lizenzen, die über 30 Proz. der Produktionskosten ausmachen. Die Spihenorganisat'on, in der samt- liche verbände der Filmwirtschast vertreten sind, beschlbß. daß künftig keine Filme in den verleih übernommen und in den Theatern ge- spielt werden, bei denen der Hersteller des F'lms sich nicht den Be. dingungen des Verbandes der Filminduslricllen über die herab- sehung von Gagen unterworfen und den Film unter Wahrung dieser Grundsätze hergestellt ha«. Sin derartiger Film soll durch die Spihenorganisal'on entsprechend.gekennzeichnet", also aus die schwarze Liste geseht werden. Die weiteren Beschlüsse richten sich gegen die„zu billigen" Theaterpreise", wie gegen überlange und überreichliche Darbietun- aen. Um hier eine.Preisstabilisierung" zu erzielen, sollen die Kinopreise in den einzelnen Bezirken überprüft und die.schwer schädigenden Mißstände" beseitigt werden. Zu d.iesen Sitzungen wird die Spitzenorgamsation einen.Kommissar mit Spezialooll- machten" entsenden. Wenn die Derbände der Filmwirtschaft ihr Krisenprogramm auf eine Erhöhung der Kinotheaterpreise abstellen, so werden sie sich bei dem Stande des gegenwärtigen Masseneinkommens über die Folgen wohl im klaren sein. Die Erzwingung eines allgemeinen Gogenabbaues— wobei es nach den bisherigen Erfahrungen sich überwiegend um den Abbau der kleinen und mittleren Gagen und nicht der Stargagen handeln dürfte— durch Androhung von Boykottmaßnahmen verstößt gegen das Kartellgesetz. Wird das Kartellgericht gegen diese Maßnahme mit der notwendigen Schärfe einschreiten?_ Englische Bankiers gegen Nordwolle. Schwierigkeiten bei Gründung der Neuen Nordwolle A.-G. Bei der Gründung der Neuen N o r d w o l l e- Gesellschaft haben sich erhebliche Schwierigkeiten ergeben, weil die in dem Zusammenbruch des Nordwolle-Konzerns hineingezogenen eng- tischen Banken gegen den Gründungsplan Einspruch erhoben haben. Der Protest der englischen Gläubiger richtet sich dagegen, daß zur Gründung der neuen Nordwolle vier betriebsfähige Unter- nehmen des ehemaligen Lahusen-Konzerns aus der Konturs- masse herausgenommen werden sollen, wofür die Gläubiger als Gegenwert keine Barzahlung, sondern Aktien der Neuen Nordwolle- Gesellschaft erhalten sollen. Die erforder- lichen Betriebsmittel für das neue Nordwolle-Unternehmen in Höhe von etwa 10 Millionen Mark werden von den beteiligten deutschen Banken vorgeschossen. Die Engländer vertreten nun den Stand- puntt, daß bei der gegenwärtigen Verschärfung der Wirtschaftskrise in Deutschland auch die Neue Nordwolle in Zahlungs- schwierigkeiten geraten könne, so daß sie in diesem Falle wiederum aus wertlosen Aktien festsähen. Diese Bedenken der eng- tischen Gläubiger sind in der heutigen Situation natürlich begreif- lich. Sie werden sich aber sagen müssen, daß bei einem Verkauf der einzelnen, als gesund anzusprechenden Textllsabriken des Lahusen-Konzerns zur Zeit so wenig herauskäme, daß sie als Gläubiger noch schlechter abschneiden würden als bei dem ersten Projekt. Die strittige Frage wird auf einer General» Versammlung, die noch im Lause dieses Monats stattsindet, entschieden werden. Konzeniration in der Ehemie. Dresdener Lingner-Werke verlieren ihre Selbständigkeit. Die Dresdener Lingner-Werke A,-G., die neben ihren chemisch-pharmazentischen Fabrikaten auch die bekannten Kosmetika wie Odol Zahnpasten usw herstellt und sich mit diesen Marken- artikeln einen großen internationalen Markt ausgebaut hat, geht setzt an die A-G. für Kohlentäure-Jndustrie. Berlin, über. Lange Zeit war schon bekannt, daß der Schering-Kahlbaum- Konzern ein Interesse an der Uebernahme der Lingner-Werke hatte. sedoch haben sich die Verhandlungen mit diesem Unternehmen zer- schlagen. Die A.-G. für Kohlensäure-Jndustrie wird die gesamten Anlagen der Lingner-Werke auf 20 Jahre pachtweise über- nehmen und dafür die Lingner-Aktien mit einer Dividenden- gorantie ausstatten. Da die Lingner-Werke mit ihrem Verhältnis- mäßig geringen Kapital von 6 Millionen stets sehr rentabel gear- bettet hoben und trotz der Verschlechterung der Konjunktur auch noch In den letzten beiden Jahren 7 und 8 Proz. Dividende aus- schütteten, ist mit einer Dividendengarantie von 7 Proz. zu rechnen. Auch das übernehmende Werk, die A.-G. für Kohlensäure-Jndustrie, hat in den letzten beiden Jahren bei 9 und 10 Proz. Dividende hoch- rentabel gearbeitet. Hinter der Verschmelzung der Lingner-Werke dürste die Commerz- und Privatbant stehen, deren leitender Direktor Kurt Sobernheim in beiden Unternehmungen als Aussichtsratsmitglied vertreten ist. Rußlands Außenhandel. Die Handelsbilanz mit 210,6 Mill. Rubel in den ersten S Monaten 1931 passiv. In den ersten acht Monaten 1931 stellte sich der Gesamt- betrag des russischen Außenhandels über die europäischen Grenzen und die Schwarzmeerhäfen nach vorläusigen Angaben aus 1079,8 Mill. Rubel gegenüber 1188,9 Mill. Rubel in den ersten acht Monaten 1930. Die russische Ausfuhr betrug in der Berichtszeit 434,5 Mill. Rubel gegenüber 550,9 Mill. Rubel in der gleichen Zeit des Vorjahres, die Einfuhr 645,1 Mill. Rubel gegenüber 638 Mill Rubel. Die Handelsbilanz war somit in den ersten acht Monaten 1931 mit 210,6-Mill. Rubel passiv gegenüber einer Passivi» tat von 87,1 Mill. Rubel im entsprechenden Zeitabschnitt des Bor» johres. ver Gesamtabsatz des rheiaisch-westsälischen Kohlensyndikats stellt sich im Monat Oktober auf 187 000 Tonnen arbeitstäglich gegenüber 184 000 Tonnen im September. Der Absatz in das un- bestrittene Gebiet stieg auf Grund von Hausbrand'bezügen von 87 000 Tonnen arbeitstäglich im September auf 93 000 Tonnen im Ottober, während der Absatz in das b« st r i t t e n e Gebiet von 97 000 Tonnen arbeitstäglich auf 94 000 Tonnen im Oktober zurück- ging. Die Haldenbestände haben sich auf 8,9 Millionen Tonnen verringert. Zugenommen haben die Kolsbestände, während für Kohlebriketts eine Abnahme sestzustellen ist. Einfuhrmonopol in Estland. Der Gesetzentwurf, durch den der Handel mit den wichtigsten Einfuhrartikeln, wie Getreide. Zucker, Salz, Petroleum. Steinkohle zum Staatsmonopol erk l ä r t wird, ist heut« vom Parlament endgültig angenommen worden. Die Regelung des Zugabewesens. Ein Gesehentwurs, der über das Ziel hinausschießt. Die Reichsregierung hat soeben den Entwurf eines Gesetzes über die Gewährung von Zugaben zu Waren oder Leistungen ver- öffenllicht und dem Reichsrat zugehen lassen. Der Gesetzentwurf enthält grundsätzlich das verbot des Anbietens und des Gewährens von Zugaben, wobei ausdrücklich hervorgehoben wird, daß eine Zugabe auch dann vorliegt, wenn die Zuwendung nur gegen ein geringfügiges, ofsen- bar nur zum Schein verlangtes Entgelt gewährt wird. Ausge- nommen von dem Zugabeverbot sollen nach dem Gesetzentwurf Reklamegegenstände von geringem Wert, die als solche deutlich gekennzeichnet sind, oder Kleinigkeiten ohne eigenen Derkehrswert sein. Ferner wird die Zugabe erlaubt, wenn sie in einem bestimmten oder auf bestimmte Zeit zu berechnenden Geldbetrag besteht(Rabatt- erlaubnis). Erlaubt ist ferner handelsüblicher Zubehör oder han- delsübliche Nebenleistungen, erlaubt ist die Zugabe in der Form der Erteilung von Auskünften oder Ratschlägen und in der Form der Abonnentenversicherung. Endlich soll die Zugab« dann erlaubt sein, wenn der die Zugabe Gewährende sich erbietet, an Stell« der Zugabe einen festen von ihm ziffernmäßig zu bezeichnenden Geldbetrag bar auszuzahlen. Daß sich im Zugabewesen Mißstände entwickelt haben, die im Interesse der Verkehrsehrlichteit und des Schutzes der Kon- sumenten von Ueberoorteilung eine Ausgestaltung der bisher gel- tenden gesetzlichen Bestimmungen gegen den unlauteren Wettbewerb erforderlich machen, ist seit Jahren von vielen Seiten hervorgehoben worden. Kreise des Gewerbes und des Handels wie auch die Konsumgenossenschaften haben gegen die Mißbrauche im Zugabewesen berechtigte Beschwerde erhoben. Der Gesamt- komplex dieser Fragen hat im Jahr« 1930 einen Ausschuß des Reichswirtschaftsrats beschäftigt, der nach gründlicher Prüfung einen sehr interessanten Bericht erstattet hat. Es scheint uns bedauerlich, daß der Entwurf der Reichsregierung sich nichk mit der Ausführung der Empfehlungen des Retchswirt- schastsrals begnügt. sondern im Entgegenkommen an Anträge, wie sie insbesondere von der W i r t s ch a f t s p a r t e i im Reichstag eingebracht sind, darüber hinausgeht und ein grundsätzliches Zugabeoerbot ausspricht. Der Bericht des Reichswirtschaftsrats hat in erster Linie gs- fordert, daß in Ergänzung des Gesetzes über den unlauteren Weit- bewerb die G r a t i s a n k ü n d i g u n g bei der Zugabenreklame eindeutig verboten werden soll. Cr hat die Auffassung abgelehnt, daß die Zugabenreklame ohne weiteres als eine unlauter« Ange- legenheit anzusehen sei und sich aus den Standpunkt gestellt, daß, wenn die Ankündigung von Gratiszugaben untersagt wird, bei der Zugabenreklame kaum noch größere Möglichkeiten zu un- lauterem Verfahren gegeben seien als bei anderen Reklamearten. Er hat weiter �den Standpunkt vertreten, daß die Fälle, in denen bei der Anwendung der Zugabenreklame die Zugab« nur gegen Ablieferung allzu zahlreicher Gutscheine verabfolgt oder die Vor- legung der Gutschein« innerhalb einer allzu knappen Frist von den Lieferanten gefordert wird, ein Einschreiten aus Grund des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb möglich und angebracht sei und daß es zweckmäßig wäre, wenn die Justizverwaltungen der Länder die in Betracht kommenden behördlichen Instanzen auf die Vor- folgung dieser Mißbräuche hinweisen würden. E» scheint uns, daß es richtig wäre, sich bei der Neuordnung des Zugabewesens an diese Richtlinien des Reichswirtschaftsrats zu hallen. Denn grundsätzlich ist nicht einzusehen, warum das be- sonderen Bedürfnissen angepaßte Zugabewesen als Reklamemittel, sofern es nicht unlauter gehandhabt wird, verpönt sein soll gegenüber anderen Re- klame arten, die natürlich die Produktions- und Vertriebstosten zu Lasten des Derbrauchers genau so erhöhen, wie es bei Zugaben der Fall ist. Wenn der weitergehend« Gesetzentwurf der Reichsregierung jetzt im Reichsrat und dann im Reichstag zur Verhandlung kommt, wird aber im besonderen auch die Frage zu ucktersuchen sein, ob der gegenwärtige Augenblick für einen Eingriff, wie er hier geplant ist, geeignet ist. Eine Reihe von Industrien sind in erheblichem Maße auf die Herstellung von Zugabeartikeln eingestellt. und es ist im besonderen in der keramischen Industrie, aber auch auf einigen anderen Gebieten, sehr zweifelhaft, ob der Umsatz, der von ihnen heute in Zugabeartikeln erzielt wird, einen Ausgleich durch andere Absatzwege erfahren würde. In den Kreisen dieser Industrien, die Wertreklameartikel erzeugen, im besonderen auch in den Kreisen der beteiligten Gewerkschaften, herrscht die Befürchtung, daß das Zugabeverbot gerade im gegenwärtigen Augenblick eine zusätzliche Arbeitslosigkeit von erheblichem Umfange hervorrufen würde. In dem Gutachten de» Reichswirtschaftsrats wird u. a. ausgeführt, daß allein 6000 bis 7000 Porzellanarbeiter für das Gebiet des Reklamewesens und der Wertzugaben beschäftigt seien. Dazu kommen ohne Zweifel einige tausend Arbeiter aus anderen Industrien hinzu. Es wäre sehr be- denklich, wenn. man einen in anderen Zeiten vielleicht leichter erträgllchen Eingriff in die Verbrauchsumschichtung gerade in einem Augenblick vornimmt, in dem der Arbellsmarkt so wenig Elastizität zeigt, wie es jetzt der Fall ist. Wir glauben deshalb, daß es bei den parlamentarischen Beratungen dieses Gesetzentwurfs daraus ankommen wird, gegenüber dem nicht hinreichend begründeten allgemeinen Berbot den gesetzlichen Eingriff zu beschränken aus die Bekämpfung ofsen- barer Mißbräuche, im besonderen aus das Berbot der An- tllndigung von Zugaben als Gratisleistungen, da selbstverständlich jede Zugabe wie jede andere Retlame im Normal fall« von dem Verbraucher in dem Warenpreis mitbezahlt wer'' muß. Xandflöraer: 3)ie QafSe der Schreiber Mem Freund Achmed fuchtelte mir aufgeregt mit einem zer- knitterten Kuvert vor der Nase herum.„Er hat geschrieben," stieß er ein über das andere Mal hervor,„er hat geschrieben, Allah möge ihn segnen." Der lächerliche Varl meines Freundes Achmed zitterte stark, well der gute Mann abwechselnd einmal mit dem rechten und einmal mit dem linken nackten Fuß auf die staubige Straße stampfte. Es war klar, daß sich Achmed über den Brief seines Vetters aus Kantarra freute, es war aber absolut nicht klar, weshalb er ihn mir vor der Nase hin und her schwang.„Achmed," sprach ich deshalb mit Würde,„Achmed, mätzige deinen Gefühlsausbruch, lies dir den Brief in aller Ruhe durch und verrate mir anschließend, was dir dein Vetter aus Kantarra schrieb." Achmed war sprachlos. „Ich habe Niemals die Striche des Bösen enträtseln können," stieß er nach einer Weile hervor,„ich bin ein armer Fellache. Ich bin zu dir gekommen, daß du die Gedanken meines Vetters vom Papier nimmst und vor mir ausbreitest. Du bist ein Weiser, du kannst lesen und schreiben." Jetzt war es an mir, sprachlos zu sein. „Achmed," sprach ich nach kurzer Sammlung.„Es ist mir nie möglich gewesen, aus euren verdrehten Strichen des Bösen klug zu werden. Ich habe mit Ach und Krach eure Sprache gelernt. Aber—* (und ich gab meiner Stimme einen wehmütigen Klang)„ich bin ein Landstreicher, ein Pilger vor dem cherrn, ein Student der Tippologie und Absolvent der Fechtakademie, der satt wird, auch ohne eure blöden Striche des Bösen. Geh zu einem Csfendi deines Stammes und laß dir den Schrieb entziffern." Achmed lieh verzweifelt den Kopf sinken. „Ich kenne zwar einen Effendi in Kairo, der den Brief für mich lesen würde, aber er hat gestern die Stadt verlassen." Achmed tat mir aufrichtig leid. Vielleicht stand iy dem Brief, daß er sich von seinem Vetter zwanzig Ziegen abholen soll. Oder zwei Kamele. Vielleicht auch eine Frau. Man konnte es nicht wissen. Vielleicht war Achmed schon jetzt ein reicher Mann, ohne daß er es ahnte. Der Mann, der mit der Karawane kam und den Brief abgab, war wortlos wieder verschwunden. Auch mir sank das Kinn auf jtrie Brust Dann sah ich meinem Freund fest in die Augen und sagte:„Wieviel Piaster hast du, Stief- söhn des Nils?" Achmed erbleichte. „Es geht gegen meine Prinzipien—" „Schweig!" donnert« ich den Unglücklichen an.„cha! Wähnst du, ich will dich in schnöder Gier um deine Piaster bringen?! Ist das tiefe Freundschaft? Du beherrschst die Gepflogenheiten des Bösen besser als wir weisen Giaurs. Achmed——" Meine Stimme brach. .Lehn Piaster," murmette der Fellache.„Und du willst sie nicht—?" „Nein," sagte ich,„aber zehn Piaster— ein schönes Stück Geld. Gehen wir damit in die Gasse der Schreiber." Achmeds Gesicht hellte sich auf.„In die Gasse der Schreiber," stieß er hastig hervor.„Jawohl, sie sollen uns den Brief enträtseln!" Wir überquerten den glühenden Place of Egypte, bogen in krumme Gassen ein, überquerten ander« Plätze und näherten uns dem Europäeroiertel. Dann standen wir hinter der riesigen Haupt- post und vor der Gasse der Schreiber. Das ist die seltsamste Straße in Kairo. Sie ist sehr schmal, und weil in den kleinen Buden, du rechts und links ohne Zwischenräume ausgebaut sind, achtunggebietende Ee- lehrte sitzen, die die geheimnisvollen Striche auf den Papieren ont- rätseln können, herrscht in der Gasse ein ehrfürchtiges Schweigen. Selbst die vorwitzigen Araberjungen oerstummen, wenn sie ihre Esel vorbeitrieben, und werfen scheue Blicke aus die hockenden Gestalten mit den langen Barten. Auch bei uns war die Stille achtunggebietend, als wir am Ein- gang der Gass« standen. Kaum aber hatte Achmed, den Brief in seiner Hand schwingend, die Gasse betreten, als ein Höllenlärm über uns hereinbrach. Die Neränderung war ungeheuer. Die Lang- bärtigen schrien wie die Verrückten, tanzten herum, schlugen sich die Fäuste vor die Brust, rauften sich die Haare und führten ansonsten die seltsamsten Tänze aus. Und alles nur wegen Achmeds Brief. Mein Freund blieb ob de« Lärms verwirrt stehen und blickte ratlos von einem Gelehrten zum anderen. „Koinm zu mir, Glücklicher," schrie einer, der sei,« hundert Jahre bestimmt auf dem Buckel hatte,„komm her, Sohn des Nil- gottes, ich werde dein teures Schreiben enträtseln." „Ha, ha," kreischte ein anderer los, indem er beschwörend die Hände hob.„Glaub' es mir, junger Hengst, geh nicht zu ihm. Sein Vater ist ein Mistkäfer und er versteht vom Lesen soviel wie ein Schwein vom Singen! Komm zu mir, ich werde--" „Willst du diesen dreisten Wüstenfloh noch länger anhören. kühner Jüngling? In seinem stinkenden Rachen wohnt die Pest. Du wirst am Hauch des Todes hinwelken. Deine Athletengestalt wird zusammenschrumpfen—!" Achmed war als Kind stark rachitisch und die Krankheit hatte ihre Spuren an seinen behaarten Beinen hinterlassen. „Zerstampfe den lügcnreichen Skorpion mit den herrlichen Säulen deiner Beine," schrie es von irgendwo her— „Zertrete ihn—" „Komm zu mir—!" „Ich bin der größte Gelehrte--!" „Ich--!!" Achmed blickte hilflos auf mich. Ich nahm ihn resolut am Arm und führte ihn an die Bude des lautesten Schreiers. Es war ein uraller Greis, an dessen Kinn sich eine sibirische Flechte verirrt hatte, welche täuschend einem strubbligen Bart ähnelte. Im gleichen Mo- ment verstummten die Gelehrten und achtunggebietende Stille senkte sich wieder auf die Gasse der Schreiber. Derjenige,"dessen Mutter soeben des Beischlafes mit einem Hunde beschuldigt wurde, unterhielt sich lächelnd mit demjenigen, der die ungeheuerliche Beschuldigung kaltschnäuzig hervorgestoßen hatte. Der Greis mit der sibirischen Flechte nahm den Brief, wog ihn eine Weile hin und her und öffnete schließlich das Kuvert. Darob entfaltete er mit feierlicher Miene das braune Stückchen Packpapier, welches die Botschaft von Achmeds Vetter enthielt und begann be- dächtig zu lesen. Schon gleich zu Anfang begann er dabei zu schmunzeln. Je weller er las, desto lustiger wurde er. Schließlich konnte er sich nicht Mehr halten vor Lachen und schlug mit der Hand auf die mageren Schenkel. „Was schreibt er?" fragte Achmed zitternd vor Erwartung. Aber der Alte gab keine Antwort und lachte weiter. Achmed hüpfte von einem Bein auf das andere. Was schreibt er? Was schreibt er? Sag es. Aller, was fchrerbt er?" Die Neugierde war zur Siedehitze gestiegen. „Ein sehr wichtiger Brief." Der Alte kraute sich die Flechte. „Trage chn vor," flehte Achmed. „Natürlich werde ich ihn vorlesen," sagte der Alle.„Aber erst mußt du fünf Piaster zählen." Achmed hiell sich an mir fest.„O, Allah, raube deinem Schänder die Zunge," sang er.„Fünf Piaster? Ich will mich sofort in deinen Burnus oerwandeln, wenn ich mehr als zwei Piaster besitze!" Der Alte blickte auf den Brief und lächelte. Er lächelte zehn Minuten später, als er vier Piaster einstrich, ebenso. Dann begann er zu lesen.„Achmed, Allah'möc>e dich segnen. Der Nil gab uns eine gute Ernte. Allah schenkte mir noch einen Sohn. Ich habe meinen Erdnußacker verkleinern müssen. Der große Stier hat sich am Göpelwert das Bein gebrochen. Einen Mond später werde ich nach Mekka pilgern. Friede sei mit dir— dein Vetter Jussus." Der Alle verstummte. „Lies weiter—" drängte Achmed. „Weiter?" Der Alle macht ein dummes Gesicht.„Der Brief ist zu Ende." „Was--»> Achmed schlug sich die Faust vor den Schädel und sprang einen Meter hoch. Auch ich war wütend.„Warum hast du denn beim Lesen so blöde gelacht, alter Drecksack—?" schrie ich. „Schweig, Giaur!" brummte der Zllte und lehnt« sich zurück. „Vier Piaster," wimmerte Achmed,„er hat uns betrogen, der eienfc« Schafsrotz." Dann wurde fein'Gesicht pfötztich dunkelrot. „Der Hauptschuldige aber ist Jussus! Er hat mich um die Piaster gebracht. Ich will nichts von seinem Stier wissen. Warum schreibt er die Striche des Bösen, he?" Sein Kummer ging mir zu Herzen. „Ich werde ihn beleidigen. Ich werde es ihm heünzahlen." Achmed kam ein« Erleuchtung-..Aller," wandte er sich an den Schreiber,„kannst du meine Gedanken auf das Papier malen, fo daß er es lesen kann?" „Ja," sagte der Alte,„fünf Piaster." Achmed schwankte. Dann gab er sich einen Ruck und diktierte dem Weisen einen Brief, daß sich mir die Haare sträubten. Cr zieh chn der fürchterlichsten Todsünden und prophezeite ihm ein quäl- volles Ende. Darauf, brachten wir den Brief auf die Post und bc- zahlten einen Piaster für die Briefmarke. „So, du Schafsrotz," murmelte mein Freund Achmed, ols wir durch die grellen Straßen nach Hause pilgerten,„dir werde ich helfen, mich um vier Piastor zu bringen." Ich weiß aber bestimmt, daß er nicht glücklich war. SHoland WlartvHas: 3)er ffieUungsring Es war kein Sturm, nur das gewohnte Herbstwettcr, und unser Kasten stampfte wacker und ruhig. Ein wenig schaukelte er, und die Wellen kamen oft mit spritzender Gischt bis an die Reeling. Die meisten unserer vornehmen Passagiere lagen unten in ihren Kabinen. Alle Deckstühle waren leer, aber als ich den Kops ein wenig rück- wärts wandte, saß da doch noch einer und blickte über die See. Es war ein hagerer Mensch in einem dunklen Wettermantel. Die Sportmütze war weit über die Stirn gezogen. So konnte ich nur Nase und Mund erkennen Mir war, als hätt' ich den Fremden schon einmal gesehen, aber das war ja ganz natmlich, denn wir aßen wohl zusammen im gleichen Speisesaal, und es war lächerlich, daß mich sein Anblick beunruhigte. Plötzlich zuckte der Fremde auf. Sein dunkelbraunes, südliches Gesicht ward ein wenig blasser. Doch er hielt sich gut und schien nicht seekrank zu werden.„Ich will Ihnen einen Tip geben", sagte ich,„einen ausgezeichneten Typ. Sehen Sie dort den roten Rettungsring am Geländer? Wenn es Ihnen wieder die Kehle zuschnürt, dann blicken Sie nur ganz fest in den Kreis des Rettungsringes! Das ist eine ausgezeichnete Selbsthypnose. Es hilft Ihnen bestimmt." Da er nicht antwortete, nur dankend mit dem Köpfe nickte, fügte ich hinzu:„Das ist übrigens das einzig Gute, was ein Rettungsring bei solchem Wetter leisten kann. Zu etwas anderem langt es doch nicht, wenn es auf Windstärke g zu geht." Der Fremde jprang aus, stand mit einem Satz neben mir.„Glaubst du? Ich weiß es besser." Ich hörte seine Worte kaum: zu groß war mein Verwundern. „Giovanni?" In meiner Frage lag Freude und Erstaunen. Er nickte und rcichlc mir die Hand. Ich ließ mich von ihm aus dem tiefen Sessel hochziehen.„Giovanni' Also, das muß gsseierr werden! Komm, wir trinken einen Whisky, oder zwei. Doppelt hätt besser." Er zögerte.„Werden viele unten sein, an der Bar?"' „Jetzt? Kein Mensch. Aber warum?" „Ich bin lieber allein." Wie traurig klang seine Stimme! .fiör mal, Giovanni", sagte ich, als wir die schmalen Stiegen abwärts stolperten,„wie kommt's, daß ich dich nie bei Tisch gesehen habe?" Er wartete mit der Antwort, bis wir den schmalen Gang erreicht hatten.„Ich esse in meiner Kabine." Ich nickte verstehend. In Wahrheit begriff ich nichts: Giovanni hatte bisher kein Talent gezeigt, den Einsiedlerkrebs zu spielen. Die Bar war leer, und als wir bei unserem Whisky saßen, oerschwand auch Bobby, der Mixer.„Also, Gio— ich hob das Glas, ihm. zuzutrinken, und wußte im gleichen Augenblick: Giovanni war ja tot. Schon feit vier Wochen Abgestürzt auf der Flucht vor den Aeroplanen des Dutt und im Mittelmeer ertrunken. So hatte es in den Zeitungen gestanden: so sagte es auch der Text des Radiogramms, das ich oben in meiner Funkerbude selbst aufgc- nommen hatte. Der Text des Telegrammbandes zuckte wieder vor meinem Geiste auf:„giövauni broiri, der am montag mit einem spathcindecfcer über rem aufgetaudit war und flugblätter gegen den duce und gegen den faschismus abgeworfen hatte ist bei seiner flucht über das mittelmeer abgestürzt und vermutlich ertrunken stop der dampfer ßmne der navigazione ilaliana fand miftwoch treibende trümmer der brosisdien maschin« stop von brosl selbst fehlt jede spur auch ward seine leidie bisher noch nicht geborgen." Das Glas war mir aus der Hand gefallen. Ich starrte Gionamü an. Mll einem leisen, traurigen Lächeln schob er mir seinen Whisky zu.„Trink: mir scheint, du kannst chn jetzt besser gebrauchen als ich." Ich leerte das Glas Schließlich flüsterte ich:„Aber Giovanni, bist du nicht.?" Ich wogic dos Wort nicht zu nennen. Er tat es statt meiner.„Tot? Ja, du hast recht: ich bin tot. Und nun nenn' mich auch nicht mehr Giovanni! Ich heiße jetzt Paolo, was ja auch ein ganz nellcr Name ist Für die Welt bin ich tot. Es kann mir nur lieb sein, wenn ich's bin." Ich sprang aus, lief ein paarmal durch den leise schlingernden Raum, tastete nach einer Zigarette, und als ich am hohen Tische des Keepers stand, mixte ich mir selbst einen Whisky. Ich nahni nur wenig Soda: es war unschätzbar gewesen. jetzt betrunken zu sein. Aber ich war verteufett nüchtern und drüben, l die Zigarette zwischen den nervösen Lippen, saß Giovanni, nein, Paolo Als ich das Glas geleert und mich wieder in meinen Sessel geworfen hatte, begann Giovanni, ohne daß ich ihn gebeten hatte „Das meiste weißt du, nicht wahr? Weißt, daß ich in Paris ein Flugzeug gekauft hatte, daß ich zehntausend Flugblätter unsrer Emigrantenpresse mitnahm und am hellen Mittag über Rom auf- tauchte?" Ich nickte.„Sanft wie Taubenschwärme tanzten die Flug- blätter abwärts. Aber zum Teufel, es waren keine Tauben: es stand viel darauf, was mit Adlerfedern geschrieben zu sein schien. Ich umkreiste den Palazzo Chigi und hätte lieber Bomben an Bord gehabt als Papier. Ich flog nach den Arbeitervierteln und den Elendsquartieren. Dann sah ich, daß man mich bemerkt hatte. Zwölf, fünfzehn Maschinen drehten sich empor. Ich mußte wenden. Nordwärts ging es nicht: auch die Flucht nach Osten hatten sie mir verlegt. West und Süd blieben. Das hieß: das Meer. Auch gut. denk' ich. bis Korsika wird das Benzin noch langen. Sie hebten mich: aber als ich erst über dem Wasser war. da drehten sie bei. Ich rase weiter, nehme kein Gas weg, Hab' nur einen Gedanken: bis Korsika muß es langen. Daß es nicht langte, das weißt du auch wieder aus den Zeitungen. Also— abwärts." Giovanni machte eine Pause. Als er weitersprach, schien es, als habe er ganze Sätze seiner Erzählung nur in Gedanken be- richtet.„Das schlimmste war die Nacht und der Durst. Die Nacht verging, doch der Durst blieb. Es war Sturm aufgekommen. Mein Wrack sackte immer tiefer, und es konnte nicht mehr lange dauern, bis es völlig versank. Nun, und dann kam der Dampfer. Ich schrie und winkte. Erst als er beidreht und ein Motorboot klar macht, sehe ich, es ist ein Italiener, ist die„Fiume". und es wäre besser gewesen, ich hätte nicht geschrien und nicht gewinkt. Bis auf zwanzig Meter kommen sie zu mir. Dann halten die Brecher sie auf. Am Heck steht einer, der sieht aus, als ob's der Duce selber war. Er hat ein höllisches Grinsen um die Lippen, und als er den Rettungs- ring wirft, ist's, als würfe er einen Lasso. Ich weiß, das ist der erste Ring einer Kette: das ist die Rache, ist ewiger Kerker. Dennoch saß' ich ihn. streif' ihn über, und wie sie eben anziehen drüben im Boot, reiß' ich mein Messer hervor, kappe mit einem Hieb das Seil und springe ins Wasser. Im Boot schreien sie. Der Kerl, der den Ring geworfen, brüllt aus den Mann am Steuer ein:„Avanti! Avant!!" Da seh' ich durch das Glas der grünen Wellen, wie der am Steuer leise lächelt und mir zuwinkt mit einer knappen, vor- sichtigen Bewegung. Sie folgen mir nicht, sie können es nicht. Etwas muß nicht in Ordnung sein. Wie hieß es in meinem Flugblatt? „Zerstört die Maschinen, zertrümmert die Motöre. brecht das Steuer!" Ich treibe weiter, und nun ist das Motorboot der„Fiume" schon ganz klein geworden. Zwei Stunden später überrennt mich fast der messerscharfe Bug»ines spanischen Torpedobootes. Dann aber sieht man mich und wieder schwirrt ein Ring durch die Luft. ein Rettungsring, und an seiner Leine halt' ich mich fest, eisern fest, noch als ich längst aus dem schmalen Deck stehe und der Kapitän mich hält, weil ich taumle.— O wir kannten uns gut, dieser Kapitän und ich. Aus Paris. Es war noch gar nicht lange her, daß auch er Emigrant gewesen. Geflüchtet vor Primos Rache. Aber jetzt war dort der Diktator tot und der König verjagt und mein Kapitän zurückgekehrt in Heimat und Amt. Er hat mir den Paß besorgt auf den Namen, unter dem ich hier nach Santiago dampfe. Und Giovanni ist tot.. „Es lebe Paolo!" sagte ich und hob mein Gla?. Jlaififchanbeter Bon einem Häuflein Menschen, die den Haifisch als ihren Gott verehren, erfährt man jetzt durch die Entdeckung eines amerikanischen Missionar«, Dr. E. F. Fox, der auf seinen Fahrten nach der Insel Tugi kam, einem kleinen Eiland im südlichen Stillen Ozean, das zur Salomon-Gruppe gehört. Der kleine Fleck ist auf den«chissahrts karten als Santa Anna oerzeichnet, galt aber dtsher für unbewohnt. Fox stellte nun fest, daß hier Vertreter einer polynefilchen Rasi- leben, die auf einer sehr niedrigen Kulwrstufe stehen. Er war der erste weiße Mann, der jemals die Insel betrat, und die Eingeborenen staunten ihn an. als ob er aus einer anderen Welt käme. Sie führten chn in ihr Dorf, wo er eine seltsame reichgeschnitzte Stange fand, eine Art Totem in Gestalt eines Haifisch? mit einem Kanu und einem Fisch auf dem Rücken. Fox erfuhr dann weiter, daß die Insulaner den Haifisch als ihren Gott verehrten und ihm Opfer darbrachten. Der Leib des hölzernen Haitotems war hohl und mit den gebleichten Schädeln vieler Generationen von Häuptlingen an- ge ulkt. Bevor der Missionar nach Neuseeland weiterfuhr, wohnte er den Zeremonien bei. die sie vor dem Totem vollziehen. Die Wilden sind fest davon überzeugt, daß die.Haie, die ewig nach Menschcnfleisch hungrig sind und schon so viele der Ihren verzehrt haben, mit ihnen in einer geheimnisvollen Verbindung stehen. Einzelne Zluserwählle glauben, eine übernatürliche Macht zu be- sitzen die sich vom Väter auf den Sohn vererbt. Diese Auserwählten, die nach ihrem Glauben die Seelen mit Haifischen austauschen, sind ihre Priester, und unterhalten sich täglich mit den Beherrschern des Meeres, die ihnen gehorchen müssen und ihre göttliche Gewalt auf sie übertrogen.___ Bickens geheimes Arbeilsstimmer Wie sehr Dickens in den letzten Iahren seines Lebens unter seiner Berühmtheit zu leiden hatte, und wie er nur durch ein geschicktes Versteck zum Schassen kam, zeigen die Erinnerungen des einzigen noch lebenden Dieners des Dichters. George Chapman Woolley. der dieser Tage seine goldene Hochzeit feierte. Der Greis, der noch jetzt als Gärtner tätig ist, wurde bei dieser Gelegenheit ausgefragt und erzählte von seiner ersten Stelle:„Ich war' 17 Jahre, als ich nach Gads Hill Place kam. dem Hanse, in dem Dickens so viel« Jahr« gelebt hat und auch gestorben ist. Ich wurde nicht nur zu Gärtnerdiensten verwendet, sondern hatte auch manch andere Ausgaben. Auf der Straße warteten stets Haufen von Menschen, die den großen Dichter sehen wollten. Sie konnten beobachten, wie er in den Garten ging, aber daß er aus dem Hause heraztskam, sahen sie niemals, denn er verschwand. So standen sie und warteten sie, während Dickens unierdessen auf der anderen Seite der Straße eifrig an seinem letzten Buch schrieb. Das geschah auf jolgende Weise. Einige Verehrer hatten Dickens ein schönes Häuschen aus der anderen Straßenseite gegenüber seinem Helm gebaut: Dickens hatte sich einen unterirdischen Gang unter dem Rasen seines Gartens anlegen lassen, der unter der Strohe hindurchführte und in einem geheimen Zimmer endete, in dem er ungestört arbeiten konnte. Eine meiner Aufgaben bestand nun darin, jeden Morgen in das Häuschen gegenüber zu gehen und das Zimmer für den Dichter herzurichten. Es mußte immer alles blitz- blank und sauber sein, denn Dickens trug sehr feine Kleidung. Sein Lieblingsanzug war ein« schwarze Samtjacke mit gestreiften Bein- kleidcrn. Bevor er seinen unterirdischen Gang antrat, lies er jeden Morgen fünf- bis sechsmal durch den Garten, um sich einige Bewegung zu machen, gefolgt von seinen zwei Lieblingshunden, die hinter ihm hertollten und bellten." Die Rinde der Birke wiro in steinarmen Gegenden beim Wegebau verwendet, da sie wegen ihres Holzreichtums fast unverweslich ist. Im Spiegel der Not. Was Kleingewerbetreibende aus Arbeitervierteln zu erzählen wissen Trügerische Hoffnung auf den Damenfalon. Auch der Friseur, den ich besuchte, nannte als Gefchäfts= rüdgang die traurige Ziffer von 40 Proz. Er und mancher seiner Kollegen hatten gehofft, sich durch die Einrichtung eines Damentäuscht. Die hohe Erwerbslosenziffer gerade auch bei den Arbeite Salons durchhelfen zu können. Die Hoffnung hat affzuoft ent rinnen und weiblichen Angestellten hat dazu geführt, daß auch hier fehr oft zur Selbsthilfe geschritten wird. Der Geschäftsinhaber Ratten daran gefnabbert hätten um mich in Nahrung und Brot meinte drastisch: Und wenn das Haar auch aussieht, als wenn die 34 feben, dazu reicht eben das Geld nicht." Mancher Friseur hat Die sonnigen Lage, die uns ein freundlicher Herbst beschert,| mahnwißigen Wirtschaftsordnung heraus den Säuen vorgefeßt. Die werden, wenn man durch ein Groß: Berliner Arbeiter, Moltereibefizer jollen jest an Wohlfahrtsempfänger den Liter Milch viertel geht, perdüstert durch das Straßenbild, das sich dem für 20 Bf. abgeben, dagegen fträuben sich aber die Unverständigen Auge bietet. Bielleicht macht die erschütternd große Zahl vor allem unter ihnen. auch junger Menschen, die man in einem von Woche zu Woche ftärker werdenden Ausmaß das Straßenpflaster treten sieht, den bedeutsamsten Eindrud. Es sind die schier unzähligen Arbeiter und Arbeiterinnen, die unter dem furchtbaren Zeichen: erwerbs: los stehen. Das hat in den letzten 1½ Jahren ein grauenvolles Tempo angenommen. Das unverkennbare Bemühen dieser von der großen Krise am heftigsten geschlagenen Menschen, durch irgend mögliche Sauberkeit der Kleidung über das Elend der Wirklichkeit hinwegzutauschen, schafft die eingefallenen Backen und den Blic, der vom Hunger des Magens und der Seele spricht, nicht aus der Welt. Die abgetretenen Abfäße laffen fich nicht perbergen, und auch die mühseligen Flicken an der Jacke sind beredt. Aber das Straßenbild im Arbeiterviertel zeigt noch mehr. Da sind die Frauen, die im zerschliffenen Handtäschchen framen, um die paar Pfennige, die just für das Billigste reichen, zusammenzufragen. Da ist weiter die ständig wachsende Zahl der bettelnden, mit Schnürsenkeln oder Streichhölzern handelnden, fingenden und auf verstimmten Instru menten musizierenden Menschen. Die Not der Zeit wird aber viels leicht am deutlichsten, wenn man in die Betriebe und die Bücher der Kleingewerbetreibenden hinein schaut. Nicht allein, daß die Läden der Fleischer und Kolonialmarenhändler, der Friseure und Bäder, der Gastwirte und Schuhmacher eine erfchredende Leere aufmeisen, nicht allein, daß man immer weniger Geschäftsfuhrwerke auf den Straßen sieht, legien Aufschluß gibt erst eine direkte Aussprache mit dem Kleingemerbetreibenden. Lassen wir Menschen und Zahlen sprechen! Der Schuhmacher erzählt. den Ein alter Schuhmacher berichtete: ,, Seit ich meine kleine Bude habe, war gerade zur Herbstzeit immer Hochbetrieb in Reparaturen. Seit zwei Jahren hat sich das polkommen geändert. Ich arbeite hillig und bin Fachmann in meinem Beruf, aber selbst gute billige Arbeit fann heute nicht mehr bezahlt werden. Es tommen noch nicht halb so niel Menschen wie früher. Wenn nicht die Be: stellungen von der Wohlfahrt wären, die mich noch tatsächlich über dem Wasser halten, dann wäre es noch viel schlimmer, uns ich müßte auch noch meinen lezten Gesellen entlassen. Sehr viel Erwerbslose gehen heute baran, die Stiefel selbst zu befohlen. Da mill man den Gang zum Schuhmacher ersparen, weil man eben tein Geld hat. Das geht auf Rosten des Oberleders, denn ein richtiger Handwerker muß Fachkenntnisse und das richtige Hand: richtiger Handwerker muß Fachkenntnisse und das richtige Hand: wertszeug haben. Doch erst wenn der Stiefel beinahe ganz faput ift, wird der Weg zum Schuhmacher angetreten." Knochen, Knochen, Knochen! Ein Schlächtermeister, der feit Jahren in der gleichen Gegend einen sehr sauberen Laden besigt, sagte, daß der geschäft liche Rüdgang fid) auf nahezu 50 Broz. beläuft. Die Klage lautet: 2ftfe wolfen nur billige Waren. Mehr als 90 Bf. oder höchstens 1 Mart dari in den allermeisten Fällen der Einkauf nicht fasten. Weil das Geld zum Fleisch nicht reicht, werden so große Majjen an nochan perlangt, mie fie überhaupt taum zu befaffen find. Unser Bertauf an Fleisch ist durchschnittlich um 30 Broz. gesunken." Kein Geld für Brot! Gehen wir unfern Rundgang fort! Ein Bädermeister hat einen Rüdgang von 50 Broz. zu nerzeichnen, der bei Kuchen und sonstigen weißen Badmaren jogar bis zu 60 Broz, geht. Wir zitieren, was er uns mörifich sagte: Was ich früher in einer Woche an Kuchen verkaufte, vertaufe ich jetzt in drei Monaten." Wer erinnert sich hierbei nicht angesichts der Einstellung deutscher Wirtschaftsführer um Schacht und Bögler an das Wort der Königin Marie Antoinette von Frankreich, die, als sich die große Revolution durch Hungerrevolten anfündigte, fagte:„ Die Leute haben fein Brot? Warum effen sie denn feinen Kuchen?" Früher war das sogenannte Schsthaden beliebt: man brachte den angerührten Teig zum Bäcker und ließ ihn dart backen. Das ist heute, wenigstens in den Arbeltervierteln, faft ganz vorbei. In einer Molterei bieß es, daß täglich 40 Liter Milch übrigbleiben, die der Besizer, wie er fagte, netgedrungen, zur Ber: fütterung an feine Schweine verwendet. Belch ein Widerfinn! Auf der Straße, auf beengten Höfen und in stidigen Wohnungen hausen bedürftige Kinder, und die Milch wird aus den Gefeßen" einer Ueberflüssige Schulen. Folge des Geburtenrüdgangs während des Krieges. Die Schuldeputation hat in ihrer Sigung am Donners tag die bereits seit 14 Tagen norberatenen Zusammenlegungen und Schließungen von Boltsschulen der inneren Bezirke angenommen. Es handelt sich um Schulen mit nur acht bis zehn, in einzelnen Fällen fogar nur fünf bis sieben Klaffen. Zum Teil merden Schulen wie die 74. und 79. Schule in der Bappelailee su einer Schule) aufammengefaßt, zum Teil werden Klassen anderen Schulen anges gliedert, die damit aufgefüllt werden. Die Maßnahme ist nat wendig geworden, weil die Zahl der Bolfsschüler pon Jahr zu Jahr zurückgeht, eine Auswirkung des Geburtenrädganges während des Krieges. Die Lehrer werden nach wie vor an ben einzelnen Schulen beschäftigt bleiben. Für die überzähligen Rektoren ist jederzeit eine Weiterbeschäftigung möglich, da in Berlin rund 50 Rettorenstellen frei sind. Bei der Zusammenlegung pon Schulen fall in weitestgehendem Maße darauf Rüdjicht genommen werden, beß für die Schuffinder feine fängeren Schulwege entstehen. Das Waffensterben der Ulmen. Dar Utmanirantheit, die in allen Zeilen der Stadt un gezähtie Ulmen( Rüstern) Bestände befallen hat, sind auch im Berwaltungsbezirt topenid eine große Menge Bäume zum Opfer gefallen, Einen besonders starten Befall zeigen die Straßen bäume in der Raulsdorfer Straße in Köpenid. Bedauerlicherweise kann ein Teil der Bäume nicht mehr gerettet werben. den Berkehr eine Gefahr besteht und außerdem ein weiteres Da für Umsichgreifen der gefährlichen Krankheit mit allen Mitteln ver hindert werden muß, müssen die abgestorbenen Bäume im Laufe des Feierstunde im Rundfunk veranstalt.vom Arbeiter- Kultur- Kartell Gr.- Berlin 1. Arie. Georg Fr. Händel Quartett: Herbert Zydatis( 1. Violine), Alwin Deterding( 2.Violine), Herbert Lehmann( Cello), Kurt Zydatis( Bechstein- Flügel) 2. Das wahre Reich der Freiheit Karl Marx Vorspruch, gesprochen von Albert Florath 3. Elegie Quartelt 4. Arthur Crispien: Säen und Ernten 5. a) Chinesisches Arbeiterlied Peter Tschaikowsky ... Kurt Kläber b) Lied der Arbeit( Karl Bröger). Hans Ziegler Sprechchor für Proletarische Felerstunden, Leitg Alb. Florath Sonntag, den 8. Novemb., 11-11.30 Uhr vormittags, im Berliner Rundfunk den Erwerbslosen verbilligte Preise eingerichtet. Notzeit erzwingt Motmaßnahmen, und es ist tatsächlich so, daß durch diefes Berhalten die Geschäftsinhaber in der Nähe der Arbeitsnachweise und im Bereich der Berliner proletarischen Wohnviertel in rund 400 Fries feurgeschäften 750 Gesellen beschäftigen können, die sonst ermerbslos mären. Der Goffwirt foll pumpen! Allgemeine Wetterlage. 6.Nov. 1931, abds. 755 750 5 斤 740 740 746 760 Madrid 750 755 760 765 0 Lening 5 726 10780 € 5 O 6 H 765 Owolkenlos, heiter, halb bedeckt Owolkig, bedenkt Regen.& Graupein Schnee, Nebel, GewittecWindstille Die Wetterlage hat sich in den letzten Tagen grundlegend mp gestaltet. An Stelle eines fräftigen Tiefdrudgebietes über dem Nordmeer ist nach starkem Prudenstieg über Nordeuropa eine Brüde hohen Drudes getreten, die vom russischen Hoch nach Grönland reicht. Heber Skandinavien fcheint fich ein felbständiger Hochbrudfern entwidein. Die Sjobaren haben dabei eine nord- südliche Richtung erhalten und die Winde haben nach Südosten gedreht. den öftlichen Zeilen des Reiches beginnt hereits die Zufuhr ist ein Teillies über Mittelfrankreich maßgebend. Os bat am Freitag fühlerer tontinentaler Luftmaffen. Für unsere fünftige Witterung der westlichen Reichshälfte bereits Bempftung, gegen Abend in Südwesten leichte Regenfälle gebracht. Da anzunehmen ist, daß es in seiner bisherigen Bewegung nach Osten beharrt, mird das Better in unserm Bezirt allmählich stärker pon ihm beeinflußt merden. Wetterausfichten für Berlin: Meist stärker hemölft, später langaftliche winde. Für Deutschland: In her jübmeſtlichen Hälfte fam auffonymende Regenneigung; ziemlich fitht; bittige vis fidvielfach frühe und regnerisch: im übrigen Reiche nach vorwiegend traden und im Nordosten ziemlich heifer, Temperaturen allgemein nur menig perändert. SA Sosialininde Arbeiterjugend Groß- Berlin Ein Softmist erzählte, daß die Abgaben an Steuern und einen Mongt die Summe erreichen, die früher ein ganzes Jahr sanftigen staatlichen oder kommunalen Berpflichtungen heute für beanspruchte. Demgegenüber ist aber der Umfag um die Hälfte zurädgegangen. In Geschäften, bei denen in besseren Lagen vielleicht zwei Kellner und eine Röchin tätig maren, ist heute fein einziger Mensch mehr angeftellt. Der Mann besorgt die Wirtschaft vorn im Geschäft, die Frau steht in der Rüche; oft helfen arbeitstofe Söhne aber Töchter mit. Für die Einstellung auch nur eines Angestellten, so heißt es, reicht es heute bestimmt nicht mehr. Das allerschlimmste ist, daß sehr viele Gäste auf Bump essen und triglen möchten." Nicht felten fommt es vor, daß Gäste, die ichon längere Zeit dem Wirt bekannt sind, eines guten Tageslicht. tommen, Bare auf Ware bestellen und dann zum Schluß erklären: Heute muß angefchrieben werden, ich habe lein Geld. Der mahnende Spruch an der Wand mit dem Feuerwehrmann an der Pumpe und den Worten: Hier wird nicht gepumpt!" findet zum Leidwesen des Wirtes feine Beachtung. Ueberall alja das gleiche Bild! Der Kleingewerbetreibende leidet Mot, meil die Boltsmassen, meil Arbeiter, Angestellte und Beamte Not leiden. Die Not der Arbeiterschaft ift die Net des Kleingewerbes. Leider wird dies von vielen Bertretern des feinen Mittelstandes nach immer nicht erkannt. Man fchimpft auf die Rechte für Arbeiter und Angestellte und verwünscht die gesamte Sozialgeleggebung, meil man die Richtigkeit des ab gemandelten alten Sprichwortes nicht erkannt hat. Hat der Arbeiter Geld, Hat's die ganze Welt! Man falgt der Wirtschaftspartei mit ihrem reaktionären Kompottellerhorizont oder gar dem Hitler, dem Berbündeten des aus der Schwerindustrie hervorgegangenen 5ugenberg. Politische Einsicht müßte aber gerade den Kleingewerbetreibenden in das Lager der Sozialdemokratie führen, weil nur sie durch ihren Kampf gegen die Möte des Arbeiters und Angestellten auch die rechtverstandenen Intereffen des Kleingemerbes pertritt. Herbstes und Winters gefällt werden. Die erkrankten Bäume sollen vorläufig nur start zurückgeschnitten merden, um fie nach Möglichkeit zu retten. Führungen durch Alt.Berlin unter Mitwirkung des Bezirksamts Mitte. Nächste Führung Sonnabend, 7. Nopember, 15% Uhr, durch Rettor Michaelis. Treffpunkt vor der Nicolailirche, Boststraße. Der Reinerteag wird der Winters hilfa sugeführt. Aus der Partei. Fortschritte der Jugendbewegung in Schweden. Stockholm, 6. November.( Eigenbericht.) verband, der in diesen Tagen einen von mehreren hundert Dele Der schwedische sozialdemokratische Jugend. gierten und einer größeren Zahl ausländischer Gäste besuchten Konge ut Stocholm abhäft, tann auf eine außerordentlic 93, folgreiche Berbetätigteit in den letzten Jahren zurückbliden Dem Berband, der nor einem Jahrzehnt zur sozialisti fchen Erziehung der schwebijchen Arbeiterjugend ins Leben gerufen murde, find gegenwärtig 1106 3meignerbände mit zufammen 63 000 Mitgliedern angeschloffen. Wie grps die Berbetraft piefes Jugend verbandes it, geht daraus hermor, daß die Mitglieherzahl feit dem lepten Rengren im Sahre 1928 um 22 000, alip u in über 50 gestiegen i Den Kern des Berbandes biben die jungen In buftriearbeiter, die zur Seit 56 Braz der gesamten Mitgliedſchaft ausmachen; 40 Brez der Mitglieder des Berbandes find im Aller an 15 bis 20 Jahren. Der jozialdemokratische Sugendperband, der heute einen politischen Machtfaktor syften Ranges in Schweben bar stellt, hat in seinen Anfangsjahren einen schweren Kampf gegen die fiegreich hervorgegangen, während sie tommunistische Jugend tommunistischen Jugendverbände geführt. Er ist aus diesem Stampf bewegung in Schweben heute mur noch eine geringe Anhängerschaft zählt, Einsendungen für diese Rubrit aus an das Jugendfekretariat Berlin SW 68, Sindenstraße 3 Streichorchester Groß- Berlin: Morgen, 1714 Uhr, Hauptmitgliederperfomnts Jung, Ballsbühne, Eingang Sinienstraße. Das Erscheinen aller Genessen ist Am Montag, 9. Nopember, fallen alle Gruppenveranstaltungen aus. Unfere Genojen beteiligen fich an der Revolutionsfeier der Partei im Sportpalast. Alle Fahnen werden mitgebracht. Die Fahnenträger haben freien Eintritt. Heute, Sonnabend: Schönhauser Vorstadt: 19 Uhr Sozialistenede", morgen 914 Uhr ebendet. Franzniederlegung am Grabe Hugo Haafes. Brig: Fahrf. 18 Uhr Sohn, Ecke Rudower Straße. Berbebezirt Mitte: Rüpenider Gir. 02, 18 Uhr: Funktionärsigung. Berbebezirk Ziergarten: Borstandssigung 18 Uhr beint Genossen Schlegel, Jagamit. 4. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Süngerenfurfus: Einführung in den Sozialismus, 20 Uhr, Danziger Str. 62,.. Werbebezirk Schöneberg: 18 und 20 Uhr Treffpunkt Bhf. Schöneberg, margen 7 Uhr ebendort: Bildungsschufturfus in Briefelang. Berbebeziet Teltowlanal: 20 Uhr Bhf, Südende: Bildungsschulfurfus in Briefelang. SIEMENS 0 10 20 30 40 50 60 70 80 100 110 120 130 140 Siemens 35 Der Europa: Empfänger mit doppelter Entdämpfung und beleuchteter Riesenskala. Preis einschl. Röhren: für Wechselstrom RM 216, für Gleichstrom RM 235, Außer diesem Gerät führen wir weitere Empfänger sowie Lautsprecher für jeden Bedarf und jeden Geschmack. Vorfügung in Fachgeschäften Riesenskala macht den empfang leicht R 182 SIEMENS& HALSKE AG. Wernerwerk, Berlin- Siemensstadt Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3. a für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern feine besondere Zeitangabe! Heute, Sonnabend, 7. November: 7. nnd 8. Arcis. Juristische Sprechstunde findet heute von 17-18 Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4 statt. Gelegenheit zum Kirchenaustritt. 6., 14. unb 15. Abt.( soweit sie im Bereich der 1. Abgabestelle der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend liegen). Die Genossen werden gebeten, fich am Sonntag, 8. November, 8% Uhr, bei Obigla, Stralsunder Straße 10, zwecks Werbearbeit in der Reichs- Werbewoche einzufinden. 24. Abt. 3. Gruppe: 17 Uhr Flugblattverbreitung von Köhler, Greifswalder Straße 80. 85. Abt. Anschließend an die öffentliche Rundgebung erweiterte Vorstandsfizung, Lokal Linde. 86. Abt. 18 Uhr Funktionärsigung bei Görlig. 99a. Abt. Revolutionsfeier in der Schulaula Chausseestraße. Der junge Chor", Sprech- und Bewegungschor. Festrede: Genosse Kurt Löwenstein. Unkostenbeitrag 30 Pf. Erwerbslose und deren Frauen freien Eintritt, Beginn 20 Uhr. 102. Abt. Baumschulen weg. Flugblattverbreitung 15 und 17 Uhr vom Lokal Haß und Neu- Tivoli" aus. Bezirksführer laden ein. Sonntag, 8. November: 1. Kreis. Alle SPD.- Mitglieder, die ihre Waren von der 55. Abgabestelle der Ronsumgenossenschaft, Fehrbelliner Straße, bezichen, treffen sich Sonntag zur Agitation Swinemünder Str. 11, bei Dobrohlaw. 5. Kreis. Filmmatinee des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege, Bezirk Friedrichshain, um 11 Uhr in den Comenius- Lichtspielen, Memeler Straße 67. Film: Die 2. Arbeiter- Olympiade in Wien". Eintritt 50 Pf. Erwerbslose und Jugendliche 30 Pf. 30. Abt. Werbeaktion für die Konsumgenossenschaft! Die Parteigenofsinnen und genossen, Reichsbanner- und Sportgenossen sowie SAI. treffen fich um 9 Uhr im Lokal von Walter König, Zelter- Ede Dunderstraße. Reftlose Beteiligung ist Pflicht. Theater, Lichtspiele usw. Staats Theater Sonnabend, den 7. November Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Der fliegende Holländer Staatl.Schauspielhaus Gendarmenmarkt. 20 Uhr Wallensteins Lager/ Die Piccolomini SCALA Tägl. 5 u. 81/2 Uhr Europ. Debut: Walter DARE WAHL ,, Die Originale aller Exzentriker 4 Urbanis The 6 Marvels Chartons neue Marionetten und weitere Attrakt. Schiller- Theater Charlottenburg. 20 Uhr Das Nürnbergisch ΕΙ Städt. Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Sonnabd., 7. Novb. Turnus III Anfang 20 Uhr Bohème Ende nach 20 Uhr Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr PLAZA Das vierte Tägl. 5 u. 8.15 U. Sonnt. 2, 5 8.15 Die lustige OPERETTE: Der Soldat der Marie" Gebot Staatl. Schiller- Theater 8 Uhr Das Nürnbergisch El Theater Deutsches Theater desWestens 8 Uhr Geschichten aus dem Wiener Wald von Oedon Horvath Täglich 8% Sonntag 5 und 8% Das Dreimäderihaus mit Regie: Heinz Hilpert Maria Paudler Morgen nachm. 4 U. Guttmann. Englisch Kabale und Liebe Preise v. 50 Pf. an Preise: 0,50 b. 7,50 M. Sonntag 23 Uhr Viktoria Die Komödie und ihr Husar 812 Uhr Jemand Von Franz Molnar Regie: Gustaf Gründgens. Rose- Theater Große Frankfurter Straße 132 Tel. Weichsel E 7 3422 6 und 9.15 Uhr Kurfürstendamm Frühling im Theater 8 Uhr Wiener Wald metropol- Theater Die Heilige aus USA. Täglich 84 Uhr von Ilse Langner Sonntags 5 und 8% Reg. Ludwig Berger Die Blume Heute und morgen von Hawai nachm. 24 Uhr: Operettev.Abraham Die schöne Helena Preise von 50 Pf. an mitJarmilaNovotna Sonntag 23 Uhr Preise: 2,50 b. 7,50 MD. Fledermaus Theater im Ausschneiden! Zentral- Theater Admiralspalast Täglich 84 Uhr AlteJakobstr.30-32 Täglich 81/2 Sonntgs. auch Schwarzwaldmädel Storm, Gondi, Nicol Die Dubarry mit Gitta Alpar Preise v. 0.50 M an Jessel dirigiert Planetarium Gutsch. Park.- Faut. 0.50 Sonntag 3 Uhr Harry Gondy in Hänsel u. Gretel Verläng. bis 15. Nov. Tägl. 3, 5, 7, 9 Uhr Eine Filmfahrt in Winter Garten 8.15 Uhr Flora 3434 Rauchen erlaubt 4 Queens.Gaston Palmer 2 Olveras. 2 Hockneys u. s. W. Sonnabend u. Sonntag je 2 Vorstellg. 4 u. 8.15 Uhr. 4 Uhr kleine Preise NUR NOCH 9 TAGE! GROSSES TAGLICH REGIE: I'm SCHAUSPIELH. 8. UHR CHARELL Weissen Rösse DER WELTERFOLG! Sonntag nachm. 3 Uhr billige Preise. Reichshallen- Theater Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittag 3/2 Uhr Stettiner Sänger Die neue Burleske Der arme Kasemir" Nachmittags halbe Preise, volles Programm! Bist auch 95. st. Um 10 Uhr erweiterte Borstandssitzung in der Glashaffe, Sermannstraße 199. 106. Abt. Die Genofsinnen und Genossen beteiligen sich an der Werbefeier der Kinderfreunde in der Autoklause. Friedrichstraße. Beginn 19 Uhr. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Kreuzberg: Alle Gruppen gehen morgen, Sonntag, ins Planetarium. Bir schen einen Film In die Alpen" und den Sternenhimmel. Eintritt 20 Pf. Karten bei den Helferv. Beginn der Veranstaltung 9% Uhr. Rottbusser Tor: Wir treffen uns Sonntag 8% Uhr am U- Bahnhof Oranienplag. 40 Ps. mitbringen. Reukölln: Treffpunkt zum Besuch des Planetariums Sonntag 8% Uhr am Rathaus Neukölln. Einzelne Karten sind noch am Treffpunkt zu haben. Eintritt 20 Pf Köpenick, Jung- und Rotfalten: Gonntag, 8. November, Wanderung nach den Müggelbergen. Treffen 7 Uhr am Dahlmizer Plaz. Zurid gegen 13 Uhr. Friedrichshain: Sonntag, 8. November, treffen sich alle Gruppen um 10 Uhr an ihren Treffplägen. 10 Pf. mitbringen. Dienstag, 10. November, Kreishelfersigung, Jugendheim Diestelmeŋerstr. 5. Beginn pünktlich 19% Uhr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 1088. Abt. Unsere Genossin Martha Lemte, Borgmannstr. 4, ist im Alter von 68 Jahren am 4. November verstorben. Ehre ihrem Andenken! Beerdigung Montag, 9. November, 16 Uhr, Friedhof Köpenick, Rudower Straße. Um Beteiligung wird gebeten. Vorträge, Vereine und Versammlungen ASB Arbeiter- Samariter- Bund e. B., Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: N. 24, Gr. Hamburger Str. 20. TeL: D 1 Norben 3340. Montag, 9. Rovember: Weißensee: Lokal Bohacer, Wilhelmstr. 29. Wedding: Lokal Duwe, Schulstr. 109. Köpenid: Lotal Hinge, Schönerlinder Straße. Bohnsdorf: Lokal Heimann, Waltersdorfer Str. 100. Sienstag, 10. Rovember: Friedrichshagen: Lokal Busch, Tilsiter Str. 27. Wilmersdorf: Lotal Rcoiß, Holsteinische Str. 60. Schöneberg: Lotal Gehrke, Chersstr. 66. Treptow: Lotal Grach- Ede Wildenbruchstraße. Hermsdorf: Schule Freiherr vom Stein- Straße. Donnerstag, 12. November: Charlottenburg: Internationales Theater ( Kleines Theater) Unter den Linden 44. 8.15 Uhr Flucht vor Michael mit Kitty Aschenbach In Vorbereitung:. Affentanz von Vera Bern. HAUS VATERLAND KURFURST 7460 Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI 8 Uhr CASINO- THEATER 81% Uhr Lothringer Straße 37. Volksstück Mecker- Fritze Dazu das Singspiel ,, Erwischt" und das neue bunte Programm! Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteuil 1.- Mark, Du schon Mitglied im Bücherkreis? Nein??? Dann lies das Nachfolgende und Du kommst zu uns! Denn. Sessel 1.50 Mark Der Bücherkreis a.m.b.N. Berlin SW 61 ist die auf Solidarität gestellte und ohne Gewinnabsichten arbeitende Buchgenossenschaft der sozialistischen Arbeiterbewegung mit der Aufgabe, dem werktätigen Volke, für billiges Geld, in Inhalt und Ausstattung gleich vorzügliche Bücher zu bieten. Kein Eintrittsgeld! 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Täglich 8 Uhr Planetarium Sonntag nachm. 4 Uhr am Zoo Max Adalbert Sonntag, den 8. November. in: Der 11.30: Matinee beschleunigte Filmfabri in Personenzug die Alpen St.nachm.kl. Preisel Eintriuspicis 80 Pr für die neuerschlossene Siedlung Schönefelder- See bei Rudow 100 Bauparzellen, netto Bauland ohne Bauzwang Trotzdem pro qm nur 1.75 Verkauf Sonnabends ab 12 Uhr, Sonntags ab 10 Uhr, Restaurant Grümmer, Rudow, Neuköllner Straße 389 Endhaltestelle der Straßenbahn 47 Abgabe von Straßenland Keine{ Bezahlung der Straßenbefestigung Bezahlung der Messungskosten Gesellschaft für Siedlung und Parzellierung Berlin W. 35, Steglitzer Straße 64. Telephon: Lützow 501. ZIEHUNG Jugendheim Rosinenstr. 4. Bankow: Jugendheim Aiffingenfraße.. Freitag 13. Rovember: Tiergarten: Lotal Malloned, Litbeder Str. 3. Kreuzberg: Lokal Strepp, Am Urban 20. Steglig: Lokal Rohde, Lichterfelde, Roonftr. 39. Tempelhof, Lofal Lindifch, Mariendorf, Königstr. 44. Adlershof: Sanitätsbaracte Adlershof. Lichtenberg: Lokal Geipfe, Kronprinzenstr. 47. Montag, 16. November: Neukölln: Lokal Sauer, Pannierstr. 54. Freitag, 20. November: Mitte: Schule Gipsstraße. Sonnabend, 21. November: Prenzlauer Berg: Lokal Hoffmann, Lychener Str. 8. Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands, Gau GroßBerlin. Geschäftsstelle: Berlin W. 57, Bülowstr. 49, redier Seitenflügel. Sonnabend, 7. November. Wedding 11: Lokal Fuhrmanns Bierhallen, Graun- Ede Demminer Straße, 17 Uhr. Referent: Gauleiter Kollege Voigt. Kreuzberg IV: Schulaula Gneisenaustr. 7, 16 Uhr. Vereinigung der Freunde von Religion und Völkerfrieden. Revolutionsfeice cm Sonnabend, 14. November. 23 Uhr läuft der Tonfilm ,, Westfront 1918" in Charlottenburg im Kino Schlüter- Theater", Schlüterstr. 17( nahe Kanistraße). Die einleitenden Worte spricht Genosse Pfarrer Bleier. Karten sind int Torverkauf( Einsendung von 60 Pf. plus Rückporto) bei Billy Schönherr, Stegliz, Schönhauser Str. 14, Gartenhaus, 1 Tr. Pfarrer Bleier spricht aut Tommenden Sonntag, 8. November, 10 Uhr, im Rahmen einer religiösen Feierstunde in der Trinitatiskirche, Charlottenburg, Karl- August- Blak, über das Thema Was sagt das Christentum den Menschen, die Zukunft wollen?" Im Institut für Serualwissenschaft spricht am Montag, 9. November, 20 Uhr, im Ernst Haeckel- Saal( In den Zelten 9a, Eingang Gartenportal) Dr. F. Abraham über Frauenkrankheiten, unter besonderer Berücksichtigung der weiblichen Geschlechtstälte im Hinblick auf Ehetauglichkeit". Unkostenbeitrag 40 Pf. Erwerbslose die Hälfte. Eine billige Kaufgelegenheit für den Winter bietet die soeben vom Schuhhaus Leiser veranstaltete aus und leberschuh= moche( vom 6. bis 13. November einschl.). 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Lebensjahre unser Kollege, der Tiefdrucker Hermann Bartsch Der Verstorhene war immer ein guter Kollege und Mitarbeiter. Wir bedauern den Tod dieses Kollegen und werden sein Andenken stets in Ghren halten. Berlin, den 7. November 1931. Das Personal der Phönix Illustrationsdruck u. Verlag G.m.b.H., Lindenstr. 3 Die Einäscherung findet am Montag, dem 9. November, 16 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Einheitsverband d. Eisenbahner Deutschlands, Ortsgruppe Berlin Der Mitgliedschaft zur Nachricht, daß unser Kollege, der Pensionär Hermann Beetz früher Borschloffer im Werk Berlin. am 4. November gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Montag, dem 9. November, 15%, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um zahlreiche Beteiligung bittel Die Ortsverwaltung Preise: überschriftswort 25 Pfennig, Textwort 12 Pfennig Wiederholungsrabatt: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. 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Uts Katechismus für Gewissensfragen der betrogenen Denaheim Sparer erscheint soeben ein Schriftchen Devaheim, Innere mission und Kirche", bessen Berfasser der Generalsuperinten dent Dibelius und der Pastor Schumacher von der Inneren Mission Frankfurt find. Neu an diesem Trattätchen ist der Versuch, im Rahmen moralinsaurer, welischweifiger Salbadereien über die„ Bermeltlichung unseres gesamten Lebens", dem repu blikanischen Staat die Schuld an der rechtsrabital- christlichen Mißwirtschaft der Inneren Mission aufzubürden. So heißt es: Die Zeit nach dem Kriege hat aus dem Zentralausschuß für die Innere Mission etwas anderes gemacht. Da fam die staatliche Wohlfahrtspflege mit ihren neuen Anforderungen an alles, was auf dem Gebiete der Wohlfahrtsarbeit geschah. Da kam das Geld, das man mit vollen Händen ausgeben zu dürfen glaubte, obwohl man eben den größten aller Kriege verloren und die schlimmste aller Inflationen durchgemacht hatte. Der Staat aber be. gnügte sich nicht damit, in der Wohlfahrtsarbeit selber etwas zu leiften. Er begann auch, die freie Wohlfahrtspflege zu kontrollie ren und sie unter Forderungen zu stellen, in einer schlechthin unerhörten Weise.(!).. Das Reich gab Jahre hindurch Millionen beträge für die freie Wohlfahrt und leitet sie durch die Spitzen. verbände meiter. Bann märe früher so etwas erhört gewesen?" Die Geschichte einer siebenjährigen beispiellofen Lotterwirtschaft auf Kosten des Staates, der Schädigung von taufenden Gläubigern und gläubigen Sparern, der Berheimlichung dieser Mißwirtschaft vor der Deffentlichkeit und dem Staatsanwalt sie verwandelt sich unter der Feder des Generalsuperintendenten Dibelius in die rühr. felige Moritat der Verführung weitobgewandter Arbeiter im Weinberg Gottes durch den neuen Stapt und die freieren Berhältnisse nach 1918! Wenn hier etwas unerhört" ist, so ist es diese Art Geschichtsflitterung, deren Arroganz wenig mit dem von Dibelius viel berufenen christlichen Geist der Innerlichkeit und Schlichtheit" gemein hat. Aus den dürftigen attenmäßigen Darstellungen des Pastors Schumacher ist hervorzuheben, daß elf Großgrundbesitzer bei dem Devaheim- Konzern Entschuldungsverträge in Höhe von je 500 000 m. abgeschlossen hatten, mit denen fie billige Großdarlehen auf Kosten der kleinen Sparer zu erlangen hofften. Unter ihnen befand sich Die„ Generalverwaltung des preußischen Königshauses". Dle Dresdner Bant war noch großzügiger. Sie ließ durch eine Tochtergesellschaft, bie Immobilienverwertungs- A.- G. ( 3vag), Entschuldungsverträge über 11 Millionen Mark abschließen. Bahrlich auch fein Ruhmesblatt in der Geschichte dieser Großbant! Man kann den Ausführungen von Dibelius ferner entnehmen. daß die Kirche nach wie vor nicht daran denkt, für die Verluste der Depaheim- Sparer einzustehen. Evangelische Kirche und Innere Mission stehen zusammen in dem Gebet: Gebet[ part Geld!" Ein Devaheim Anwalt des Amtes enthoben. Mühlheim- Ruhr, 6. November.( Eigenbericht.) Der in die Devaheim Affäre verwidelte Rechtsanwalt und Notar Dr. Brandes ist vom Disziplinarsenat des Oberlandes gerichts Düsseldorf seines Amtes als Rotar enthoben worden, nachdem ihn schon der Anwaltsverein Mühlheim an ber Ruhr aus der Berufsorganisation ausgeschloffen hatte. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat die Boruntersuchung gegen Dr. Brandes eröffnet. Zur Sehe gegen Hansmann. Der Beleidiger in der zweiten Inffanz verurteilt. Düsseldorf, 6. Nopember.( Eigenbericht.) Am 29. Auguft war der Düsseldorfer Referendor und Jugend führer des Stahlhelm, Gisevius, megen Beleidigung des Banbraies Hansmann- Schwelm 3 300 Mart Geldstrafe verurteilt worden, meil er, angeblich um Hansmann zur Klage zu zwingen und den Mahrheitsbemeis dafür antreten zu können, daß Hansmann in einer Bersammlung in Nierenhof im April die bekannten Aeußerungen iber die Frontsoldaten getan hätte, diesen ein Schwein und ein Miestnieh dazu genannt halte. In der heutigen Berufungsverhand lung wurde Gifevius in zwei Fällen wegen formaler Beleidigung 311 je 75 Mart Geldstrafe verurteilt. Die Berufung des Staats anwalts und des Nebenflägers Hansmann wurde verworfen. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, daß das Gericht den Wahrheitsbeweis für erbracht hält, daß Hansmann die Aeußerungen getan habe. Er habe aber nicht die Front foldaten beleidigt, sondern, weil er vom Militaris mus gesprochen habe, das System treffen wollen. Die gefallenen Ausdrücke, die er infolge eines Zwischenrufes gemacht habe, seien cine Entgleisung. Ein Blick in den Reichstag. Ein Spiegelbild der Reichstagsverhandlungen. Die Uebertragung der Reichstagsreden durch Rundfunk ist be dauerlicherweise an dem Widerstand der Deutschnationalen und Kommunisten gescheitert, obwohl sich Genoffe Löbe sehr dafür ein gefeht hat. DNBP. und KPD. wissen, warum sie den Rundfunk hörern die Wiedergabe vorenthalten wollen. Ihr Widerstand soll ihnen diesmal jedoch nichts nußen. Im Auftrage des Parteivor stanbes ist soeben ein Meines Büchlein von 48 Seiten erschienen, bas sich Briglichter aus dem Oftober Reichstag 1931" betitelt und für 20 Bf. in den Buchhandlungen erhältlich ist. Diese intereffante Schrift enthält genau nach dem amtlichen Stenogramm zitierte Stellen aus den Reden aller Parteirichtungen, die martantesten Aeußerungen der Partei und Regierungsvertreter find im Wortlaut, mit all den stenographisch aufgenommenen Zwischenrufen ufm. aufgenommen und ergeben im Gesamten ein höchst lebendiges Bild der Verhandlungen.. Zum Barfißenden der französischen Radikalen wurde auf deren Barteitag Herriot durch Zuruf gewählt. Der bisherige Br figende Daladier und der frühere Justisminister Reno ult murden zu Ehrenvorsitzenden gemählt. Zuvor hatte Dalabier bie Höhe des Militärbudgets fritisiert und mehrere Rebner unter startem Beifall Wahlabkommen mit den Sozialisten im zweiten Bahlgang gefordert, Eine Entschließung verlangte u. a. die Staatskontrolle über die Wirtschaft, die unternationale Herablegung der Arbeitszeit, nationale und internationale öffentliche Arbeiten zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit, internationale wirtschaftliche Bu fammenarbeit und internationale Währungssolidarität. In der Barlier Sowjethandelsvertretung hat ber als Sady verständiger der elektrotechnischen Abteilung beschäftigte Dipl.- Ing. Falt, Schmager bes Botschafters Dowgalewsti, der Rückberujung nach Moskau nicht Folge geleistet und ist aus der Handelsvertretung ausgeschieden. Der Sauberungsaftion sind der Leiter der Einfuhr abteilung, Renfin, und der Leiter der chemischen Abteilung, Grünberg, zum Opfer gefallen. Sie haben den Befehl, innerhalb Dreier Tage nach Mostau abaureifen. Erpreßte Zeugenausfagen. Enthüllungen im Warschauer Brest Litowst- Prozeß. Warschau, 6. November.( Eigenbericht.) fchen Mehrheit bewohnten Landesteilen Oftgaliziens mit den Stimmen der Regierungs- und Rechtsparteien gegen die Stimmen der Sozialisten und der nationalen Minderheiten abgelehnt. Die Weitervernehmung der Belastungszeugen im Prozeß gegen die Oppositionsführer hat fachlich auch weiterhin fehr menig in die Beweisaufnahme gebracht. Dagegen haben die Aussagen der von felfen der Anklage herbeigeholten Zeugen fenfationelle Enthüllungen über die Methoden der Vorunterfuchung gebracht. Fast einstimmig erklärten sämtliche Zeugen, daß ihre Aussagen vor dem Untersuchungsrichter entweder erzwungen waren oder überhaupt nicht von ihnen flammten. Man habe ihnen nur die bereits fertig vorliegenden Aussagen" zur Unterschrift vorgelegt, die sie zu unterschreiben gezwungen waren. Der Staatsanwalt versuchte, diese Bernehmungsmethoden auch in den Gerichtssaal zu übertragen, indem er einem der Zeugen drohte, ihn wegen falicher Aussagen vor Gericht zu stellen. Diese Drohung des Staatsanwalts rief unter den Angeklagten und auch im ganzen Saal einen Sturm der Entrüstung hervor. Fast alle Belaftungszeugen mit Ausnahme der Polizeibeamten und machten Aussagen und wußten nichts Beschuldigendes gegen die Spigel widerriefen ihre vor dem Untersuchungsrichter geAngeklagten vorzubringen. Polnische Sozialisten für Efrainer. In der Sejmsizung am Freitag wurde der sozialistische Antrag auf Errichtung der Autonomie in den von einer utraini. In der vorangegangenen Debatte machten die Regierungs- und Rechtsabgeordneten den Sozialisten den Vorwurf, daß der Antrag auf Bestellung von Berlin eingereicht worden sei, unb daß er die separatistischen Tendenzen der Utrainer förbere.„ Wer Diese Bestrebungen unterstüßt so schloß der nationaldemokratische Abgeordnete seine Rede dem werden wir an die Gurgel ( pringen." Der sozialistische Fraktionsführer Niedzial. omfti wies darauf hin, daß das ukrainische Problem in Bolen nur durch die Hinzuziehung der Ukrainer zur Mitarbeit an dem Aufbau der von ihnen bewohnten Territorien gelöst werden könne. Jeder Versuch, fie au affimilieren, sei schädlich und gefährlich. Der ukrainische Redner stellte feft, daß Oftgalizien bem polnischen Staat set, daß dem unkrainischen Bolte die Autonomie gewährt vom Botschafterrat nur unter der Bedingung einverleibt worden merde, was auch der damalige Sejm bestätigt habe, ohne daß jedoch dieser Bertrag bisher erfüllt worden ist. Die Regierungsmehrheit ist über alle Argumente der Sozialiften und Utrainer brutal hinweggegangen. Zur Diskussion des Wirtschaftsbeirats. Das Thema Produktionstoffen und Löhne am Beispiel der Eiſenindustrie. in den besten Jahren nicht möglich ausnußen fonnte, war fie auch in der Lage, ihre Auslandsanleihen zu verzinsen und dazu den Attionären eine angemessene Dividende zu vergüten. Seitdem aber die Nachfrage, vorwiegend infolge einer starren Preis. politit stetig zurückgeht, hat sich die Ausnutzung der Kapazität bis auf 50 Broz. vermindert. Die Berringerung des Lohnkontos durch Maffenentlassungen von Arbeitern hat zwar eine Entlastung der variablen Soften mit fich gebracht, ist aber nicht imstande, die Roffenfrije" zu beseitigen. Vielmehr bildet hier die Höhe der firen Kosten, Der Generaldirektor Mag Haller vom Siemens- Konzern führt die jehlge Wirtschaftskrise eindeutig auf Ueberproduktion zurüd. Die eine der neugebildeten Kommiffionen des Wirtschaftsbeirats hat das Thema Produktionskosten und Preise zu behandeln. Starte Kräfte wollen immer noch Kostenfenkung durch weiteren Lohnabbau. Das Beispiel der deutschen Eisenindustrie zeigt die Falschheit des Weges. Der Verfasser steht selbst in der Berwaltung" der Eisenwirtschaft. Es ist sehr wenig überzeugend, wenn der Vorwurf der Ueber. produktion, den man mit Recht der Industrie macht, mit dem Bemerten abgetan wird, daß dann ja nur die Produktion einfrise zu beseitigen. Dagegen muß festgehalten werden, daß die in gefchräntt zu werden brauche, um die Ursachen der Wirtschafts dustrie ihre Produktion ohne Verluste einfach nicht ohne weiteres einschränken fann, weil sie ihre Produktionsmittel unter 3uhilfenahme DDR Breistonventionen feit Jahren fo übermäßig aufgebläht hat. Deshalb ist es müßig, das einzige Heilmittel aus der sogenannten Rrife allein in der Senkung des Roften fattorsohn zu suchen. Das So mußte bie Hütte Ruhrort- Meiderich, ein an sich möre basselbe, als wenn ein infolge unmäßigen Lebensmanbels au rentables Wert, ihre Pforten schließen, damit ihre Produktion auf grunbegehender Mensch einer geringfügigen äußeren Berlegung bieden teuren Anlagen ber August- Thyffen- Hütte fortgefeht werden Schulb an feinem unvermeidbaren Tobe geben wollte. Dafür das Beispiel der deutschen Eisenindustrie. Es war eine Bermessenheit anzunehmen, welche durch die enorme Kapitalausweitung entstanden ist, das aus. fchlaggebendfle Gefahrenmoment. Daß die ganze Inveftitionspolitik nur unter dem Schuße von Preiskonventionen durchzuführen 50 Proz. ftillftehen, bilden sie eine unerträgliche Belaffung der inwar, ist bekannt. Wenn die modernen Maschinenanlagen zu duftriellen Selbfitoffen. tonnte. Die Gründe, marum gerabe bas frachtengünstige, am Rhein gelegene erf Ruhrort Meiberich daran glauben mußte und nicht pielleicht bie Dortmunder Union, ist eine„ t nterne Angelegen heit des Borstandes der Bereinigten Stahlmerte. Große Telle Sapazitätsausweitung größten Ausmaßes angelegt wurden und eine Produktion schufen, die in feinem Verhältnis zur Nachfrage und zum Bedarf fleht, find als unproduktiv zu bezeichnen. Aus diesem Grunde ist auch die Schwerindustrie uncenfabel geworden. daß der Verbrauch an Gütern proportional der Erzeugung ins under Kapitalmengen, die in der Produktionswirtschaft für diese endliche steigen würde. Die Argumente deutscher Wirtschaftsführer, daß 3. B. der Eisenverbrauch in Deutschland niedriger liege als in Amerifa und deshalb noch gesteigert werden könne, maren nichtig, weil das durch Krieg, Inflation und Reparationen aus geppmerte Deutschland weitgehend fonjum unfähig geworden war und gar nicht mit Amerifa verglichen werden konnte. Die deutsche lleberproduction iſt baher zum größten Teil felbst perfchuldet Durch die Kriegsrüstungen zur höchstmöglichen Broduktionssteigerung gezwungen, hat sich die Industrie verleiten laffen, auch in den Nachkriegsjahren ihre Kapazität beizubehalten, mobei ihr die Inflation zu Hilfe tam. Die Inflation brachte feine Bernichtung von Vermögenswerten per Salbo mit sich, sondern nur deren Berschiebung aus den Händen der Bargefbinhaber, Sparer und Rentner, zugunsten der Sachwertbefizer, die ihre Schulden billig Ins wurden. Zur Rationalisierung läßt sich nicht verheimlichen, daß vor allem die westdeutschen Wirtschaftsführer trog ihres zur Schau gestellten Pessimismus und ihrer sonst so prophetischen Gabe einen Mangel an wirtschaftlicher Ratio"( 3. B. Erzverträge) bewiesen haben, der sie zu völligen Fehldispositionen führte. Sie waren in der Hoffnung auf eine beffere Zukunft von einem wahren Gründungs- und Umgründungsfaumel erfaßt, obmohl sie mußten, daß die 3npeftitionstapitalien ausländischer Herkunft maren, ebenso daß bie Berbrauchssteigerung in den Jahren 1927/28 durch Anleihen gefördert war und nicht in den Jahren 1927/28 durch Anleihen gefördert war und nicht unbegrenzt dauern fonnte. Dieje Spekulation à la hausse beginnt fich nun zurachen. Solange die Industrie aus den eben erwähnten Gründen ihre Kapazität zu 80 Pro 3. mehr war auch der Eifenindustrie prozeß der überdimensionierten Wirtschaft beendet ist und bis ProEs wird jedenfalls noch lange dauern, bis der Niedergangsa buftion unb Berbrauch wieber einigermaßen normal werden, falls nicht eine staatliche Wirtschaftstontrolle schon eher Mandel schafft. Daß auf dem Wege dieses Reinigungsprozeſſes in erster Linie in der Zoll- und in der Preispolifit weitgehende Coderungen eintreten müssen, liegt klar auf der Hand. Die Eiſenindustrie hat ihre Rationalisierungsgewinne fapitalis fiert. Sie hat nicht aber bie Breissenfung und Absatzsteigerung sich babei zum Ziel gefeßt. Diese Art der Rationalisierung hat zum großen Teil mit die Arbeitslosigkeit z. B. in der Schwerindustrie verschuldet. Wenn die Schwerindustrie behauptet, daß ihre Rationalisierungsgewinne durch zu hohe 2öhne" wieder aufgegehrt wurden, so ist das eine offensicht liche 3rreführung der Deffentlichkeit und tann burch nichts bewiesen werden. Eine weitergehende Bublizität mürde das Gegen teil bieser Behauptung zutage fördern. Die Cilentonzerne find seit Jahren von der Psychose um fangen, daß eine Kostensentung durch Lohnabbau das hauptsächlichste Mittel zur Beseitigung der Krise barstellt, und sind immer noch nicht bereit, ihre eigenen Sünden einzugestehen. Die Unternehmun gen für die Gutmachung ihrer Sünden heranzuziehen, wird die beste Form der Produktionsfostensentung sein, die der Wirtschaftsbeirat empfehlen tann. Mohammedanerrevolte in Kaschmir. Interſtügt durch ihre Glaubensgenoſſen in Britiſch- Indien. Seit Reppite geführt. Die unzufriedenen Mohammedaner werden Gegen einen Hindufürffen. London, 6. November,( Eigenbericht.) Die Misstimmung, die unter der zu 90 Prog. mohamme danischen Bevölkerung das indischen Fürstenstaates Rasch mir gegen die herrschende Hinduflaffe und gegen den Hindufürsten Sir Hari Singh feit langem besteht, hat jetzt zum Ausbruch einer Deutsches Künstler- Theater. Bruno Frant:„ Rina". Ein intereffanter und eigenartiger Romöbienftoff: ber große Filmstar Nina zieht sich ins Privatleben zurüd, an ihre Stelle tritt ihr Double, die Ersaßschauspielerin und erntet bie Lorbeeren der echten Nina. Paraderolle für die Massary, die den echten und den falschen Filmstar spielt. Sie wird vom beifallsfreudigen Bubli tum noch lange nach dem Fallen des sifernen Borhangs gefeiert. Dgr. längerer Zeit gingen Gruppen von Mohammedanern über bie Grenze von Kaschmir, um die Mohammebaner in Kaschmir gegen die Regierung zu unterstützen. Dabei fam es in den legten Tagen zu blutigen Unruhen. 1500 Mann englischer Truppen, und zwar nur aus Engländern bestehende Formationen, die an der Grenze bereitgestellt worden waren, haben die Grenze überschritten, um bem bebrohten Herrscher zu helfen. Die Einwanderung von Mohamme banern nach Raschmir ist in Britisch- Indien verboten morden. Hari Singh hat eine Untersuchung über die Gründe der mohammedanischen Unzufriedenheit angeordnet. Die Regierung hofft bald wieder Herr ber Lage zu fein. Oberleutnant a. D. Schulz- Feme- Schulz teilt mit, baß er am Sonntag, bem 3. November, die provozierenden SA..Trupps in Stalan nicht geführt habe, ba er im Kreise Königsberg/ Nm. ge wesen sei. Ein jüdisches Ansiedlungsgebiet hat die Sowjetregierung in Birobischtan( Otsibirien) zur Verfügung gestellt. Eine Anzahl Titoutfcher Juben hat sich aur uswanderung borthin entschloffen. Die Politif des Gegenteils. Stegerwalds Reden und Taten. Der Reichstanzler und der Reichsarbeitsminister haben auf der Tagung des Ausschusses der Zentrumspartei ihre politischen Handlungen verteidigt. Der Reichstanzler prach vor allem über die Lohn und Sozialpolitit, der Reichsarbeitsminister über die Innenpolitik, nebenbei aber auch über die Fragen, für die er befonders zuständig ist. Der Reichstanzler hat besonders auf den Prozeß der Schrumpfung der Kauftraft hingemiesen und gejagt, daß dieser fich nicht in der bisherigen Form fortsetzen dürfe. In der Vergangenheit seien die Laften nicht gleichmäßig verteilt morden. Es müßten wohl Sparmaßnahmen getroffen werden, diese dürften aber nicht zu einer derartigen Verschlechterung der Lebenslage und der Kauffraft der breiten Schichten der Bevölkerung führen, daß auf der anderen Seite wieder ein neues Loch aufgemacht werden müßte. Wohl müsse man die Selbsttosten senten, aber unter diesen dürfe man nicht einseitig das Lohn= problem verstehen. Würde immer nur ausschließlich die Kauf fraft der Bevölkerung zusammengepreßt, dann müßten sich daraus die schwersten Folgen auch für die Landwirtschaft und den Mittelstand ergeben. Der Reichsarbeitsminister dagegen war der Meinung, daß der Reallohn bei vermindertem Nominallohn wohl bestehen bleiben müßte, daß es aber nicht richtig sei, wenn man annähme, die Arbeiterschaft hätte. die größten Opfer gebracht. Wohl seien die Löhne im letzten Jahr um etwa 2 Milliarden ge türzt worden. Wenn man aber nach dem neuen Attienrecht die Bilanzen der Aktiengesellschaften aufstellen werde, dann würde fich daraus ergeben, daß von den 24 Milliarden, die in unseren Aktiengesellschaften angelegt sind, faum mehr als 10 Milliarden erhalten bleiben würden. Wir wissen nicht, welchen Zeitraum der Reichsarbeitsminister im Auge hat, wenn er vom legten Jahr spricht, wo die Löhne um 2 Milliarden zurückgegangen feien. Bielleicht meint er das Jahr 1930 und läßt das Jahr 1931, das Jahr eines beispiellofen Lohnabbaues, außer Betracht. Das Institut für Konjunkturforschung errechnet für das erste Halbjahr 1931 den Einkommensausfall der Arbeiter und Angestellten gegenüber dem ersten Halbjahr 1930 auf annähernd 3 Milliarden. Das Nominaleinkommen sei noch stärker gesunken. Dabei ist die Einkommensminderung der Beamten noch nicht berechnet, die für das Jahr 1931 auf 750 Millionen geschätzt wird. Der Reichss arbeitsminister stellt also die Einkommensminderung der Arbeiter, Angestellten und Beamten erheblich niedriger hin, als sie tatsächlich ist, während er im voraus berechnet, wie hoch die Kapitalminderung vielleicht sein wird, wenn die Bilanzen Rauffraft weiter drosseln! Gehen die Geschäfte zu gut? Am Donnerstag fandan die Gehaltstarifnerhandlungen mit dem Arbeitgeberperband im Berliner Einzelhandel statt. Die Einzelhändler forderten cinen 2b bau der Gehälter um 10 Bro3. Sie waren aber nicht in der Lage, diese Forderung auch nur einiger maßen glaubhaft zu begründen. Die Bertreter des 3d2. miesen darauf hin, daß die Not der von jeher schlecht bezahlten Angestellten des Einzelhandels außerordent lich groß ist. daß ferner die Unternehmer durch brutalen Berfonal- und Gehaltsabbau eine mehr als ausreichende Untoftenrechnung herbeigeführt haben. Aus diesen Gründen und quá im Hinblick auf die bevorstehenden Haupteinnahmemonate des Einzelhandels sei wirklich fein Grund vorhanden, für einen weiteren Abbau der Angestelltengehälter. Die Gemertschaftsvertreter schlugen den Unternehmern vor, das Gehaltsabkommen unverändert bis zum 31. März 1932 zu verlängern. Die Unternehmer erklärten furz und bündig, daß fie feine Bollmacht hätten, über diesen Borschlag zu verhandeln und brachen die Verhandlungen ab. nach dem neuen Aftienrecht aufgestellt werden. Ganz richtig be merkt dazu der ,, Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften: Hier sagt der Minister etwas, was die Arbeitgeber selbst noch nicht zugeben wollen, mindestens ziehen sie nicht die Kon sequenzen daraus. Sie machen heute noch trampfhaft auf Grund der alten Basis ihre Selbst kosten. Rechnung auf. Im übrigen tann nach unserem Dafürhalten die Frage des größten Opfers nicht beantwortet werden, mie Stegerwald dieses versucht. Nach dieser Methode wäre es theoretisch möglich, daß, selbst menn die Arbeitnehmer gar feinen Cohn mehr erhielten, die Aktiengesellschaften noch größere Opfer brächten. Mit Recht fragen die Arbeitnehmer: Wer hat die stärksten Einbußen an Ernährung und Kleidung erleiden müssen? Wenn es um Leben und Sterben des deutschen Bolkes geht, dann ist die Frage des größten Opfers mit dem Grade der Einengung der Lebensmöglichkeit verbunden. Jede andere Betrachtungsmethode lehnen wir ab." Schließlich meint der Deutsche", daß der Reichsarbeitsminister zunächst dafür sorgen müsse, die Voraussetzungen zu schaffen für den Teil seiner Rede, wo er sagte, daß der Reallohn bei vermindertem Nominallahn bestehen bleiben müsse. Hier sei noch viel Berjäumtes nachzuholen. Dieser Meinung schließen wir uns an. Der Reichsarbeitsminister hat die Gewohnheit, in Reden anzutündigen, was er alles tun werde, um das wiedergutzumachen, was er getan hat. Noch niemals war die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe eine so ungeheuerliche, als seit Herr Stegerwald angekündigt hat, daß er eine halbe Million Bauarbeiter wieder in Arbeit bringen würde. Wir fennen fein Land und feine Epoche, wo der Reallohn fo sehr gesenkt worden ist, wie es durch die Schiedssprüche des Reichsarbeitsministers in diesem Jahr geschah und weiter geschieht. Der Abbau der Arbeitslosenversicherung läßt sich nur noch vergleichen mit dem Abbau, der durch die Inflation herbeigeführt worden ist. Und wenn schließlich der Reichskanzler davon spricht, daß die Tarifverträge elastisch gestaltet werden müßten( wie es die Unternehmer verlangen), so ist das längst Dorweggenommen. Alle zwei Monate werden die Löhne nach unten revidert. Kaum ist ein furzfristiger Schiedsspruch verbindlich erklärt, so wird er auch schon wieder von den Unternehmern gekündigt. Man hat darüber hinaus in die bestehenden Tarifverträge der Gemeindearbeiter eingegriffen, und jetzt will man dasselbe bei den Bauarbeitern tun. Der Reichsarbeitsminister hat sich vor wenigen Wochen gegen eine zweite allgemeine Lohnabbauwelle ause gesprochen, um furz darauf die dritte Lohnabbauwelle in Gang zu setzen. Die Folgen dieser Politik zeigen sich jetzt schon so far, daß es überflüssig ist, besonders darauf hinzumeisen. Es ist nunmehr in Berliner Schwer und Leichtfuhrgewerbe hinsichtlich der Löhne ein tarifloser Zustand eingetreten. Nach den bisherigen Erfahrungen mit den Fuhrunternehmern ist damit zu rechnen, daß sie versuchen merden, ihre Forderungen durch ein Diftat in den Betrieben durchzusetzen. Der Gesamtverband ist nicht gemilt, ein derartiges Dittat hinzunehmen. Sollte der Versuch gemacht werden, den Lohnabbau diktatorisch durchzuführen, werden die Arbeiter im Einvernehmen mit der Organisationsleitung die Arbeit in den betreffenden Betrieben einstellen. Allzu scharf macht schartig. Gegen die Lohnabbaupolitik. Stellungnahme der Berliner Eisenbahner. Die Ortsgruppe Berlin des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands nahm in ihrer Generalverfammlung am 5. November Stellung zum Wohnkonflikt der Reichs, Staats- und Gemeindearbeiter. Die bisher gefällten Schiedssprüche, die in keinem Falle die Zustimmung der Gewerkschaften gefunden haben, übertreffen in ihrer Auswirtung zum Teil noch die Vorschriften der Notverordnung. Es besteht kein Zweifel mehr, daß diese Lohnabbaupolitit zu den verhängnisvollsten Folgen führen muß. Da zu ermarten ist, daß das für die Eisenbahner durch Schiedsspruch getroffene Lohnstillhalteabkommen in den nächsten Tagen mieder Gegenstand von Erörterungen wird, find die Mit Wie mir erfahren, haben die Unternehmer bereits den Schlich tungsausschuß angerufen, der auch schon zum Dienstag normittag 11 1hr die Parteien zu Berhandlungen geladen ist. Eben fails am Dienstag um 2 1hr beginnen vor dem Schlichtungsausschus die Verhandlungen zur Beilegung des Lohnfireites der Handelsglieder zu höchster Aufmerksamkeit anzuhalten. arbeiter im Einzelhandel, von denen die Unternehmer gleichfalls einen Abbau der Löhne um 10 Broz. verlangen Die Eile der Unternehmer, mit Hilfe des Schlichtungsausschusses möglichst schnell zu einer Neuregelung der Angestelltengehälter und Arbeiterföhne zu kommen, läßt erkennen, daß ihnen offenbar menig daran liegt, die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf fich zu ziehen. Denn ihre Forderung, die auf eine weitere Drosselung der Kauffraft hinausläuft, läßt annehmen, daß sie der Meinung sind, ihre Geschäfte gehen zu gut. Was allerdings im Widerspruch steht zu ihren sonstigen Klagen. Der 3d. hat zu Dienstagabend, 20 Uhr, die Funktionäre der Angestellten des Einzelhandels zu einer Konferenz in seinem Verbandshaus in der Hedemannstraße eingeladen. Die im Gesamtverband organisierten Handelsarbeiter nehmen am Dienstag um 19% Uhr in einer Branchenvollversammlung im Gewerkschaftshaus zu dem Ergebnis der Schlichtungsverhandlung Stellung. Konflift im Fuhrgewerbe. Schlichtungsverhandlungen gescheitert. Die bisher von der Verbandsführung getroffenen Maß nahmen murden gebilligt. Die Ortsverwaltung wird ersucht, die Aufklärung über die gespannte Situation bei allen Eisenbahnern in geeigneter Weise weiter zu betreiben. Mit Genugtuung wird zur Kenntnis genommen, daß am kommenden Sonntag die Bevollmächtigten aller Ortsgruppen des Reichsbahnbezirks Berlin zu einer organisatorischen Besprechung eingeladen sind. entlassen würde, häufig nach nicht allzu langer Zelf ber Ermerbo Lofigkeit grundfäßlich von den Meistern abgelehnt wird, da diese dann seiner handmerflichen Fertigkeit mißtrauen. Es ist wesentlich, daß diese Kurse in allererster Linie der praftischen Berufsfortbildung dienen. Ihr Bert mird auch von den Jugendlichen voll gewürdigt; der 3udrang zu ihnen ist oft zahlreicher als die verfügbaren Pläge. Mehr theoretisch eingestellte Kurse finden geringeres Interesse. Der Vortragende hob hervor, daß man die besten Erfahrungen bei frei. williger Beteiligung gemacht habe. Verhältnismäßig schmer feien solche Jugendlichen zu erfassen, die bereits längere Zeit arbeitslos find. Sicher liegt das, mie Dr. Wiedwald betonte, zum Teil daran, daß diese jungen Menschen dem strengen Arbeitszwang bereits entfremdet sind. Doch ob nicht vielleicht noch stärker in dieser Interesselosigkeit sich die Hoffnungslosigkeit dieser Jugendlichen auspricht? 4000 Metallarbeiter ausgesperrt. Bei acht Firmen in Köln a. Rh. Köln, 6. November.( Eigenbericht.) In der Kölner Metallindustrie sind heute morgen bet acht Firmen, darunter die großen Werte Humboldt Deutsch. motoren, rund 4000 Arbeiter ausgesperrt worden, weil es zu feiner Berständigung über die Attordiäße gekommen ist. Der ab 1. November gültige Schiedsspruch setzt die Tarifftundenlöhne um 6% Proz. herab. Die Unternehmer wollten aber die Affordsätze über die Säße des Schiedsspruches hinaus teilweise um 25 Proz. fenten. Sie hatten deshalb die Arbeitsverträge mit den Aktordarbeitern gefündigt und die Arbeiter als entlassen bezeichnet, die feine neuen Arbeitsverträge eingehen wollten. In einer großen Anzahl Kölner Werfe ist es dagegen zu einer Verständigung zwischen Arbeitern und Unternehmern über die Akkordsätze nach den Sägen des Schiedsspruches gekommen. Unerträglicher Lohnabbau. Poftarbeiter fordern Anwendung der schärfften Mittel. Auch die im Gesamtverband organisierten Reichspost arbeiter des Oberpostdirektionsbezirts Berlin haben den Schiedsspruch, durch den ihre Löhne um 4½ Proz. abgebaut werden sollen, in einer überfüllten Funktionärversammlung abgelehnt In der Aussprache wurde vor allem auf die hohen Mieten und die nach wie vor stabil bleibenden Preise hingewiesen, die schon jegt den Reichspostarbeitern nur noch eine färgliche Lebenshaltung gestatten. Hinzu komme noch, daß der größte Prozentsaz der Reichs poftarbeiter in Berlin seit Wochen verkürzt arbeite, wodurch sich ihr Wochenverdienst um etwa 20 Pro3. vermindert hat. Der neue Lohnabbau ist unerträglich, weil eine weitere Einschränkung der Lebenshaltung einfach nicht mehr möglich ist. Einmütig wurde die Forderung erhoben, endlich mit dem Lohnabbau Schluß zu machen. Käme die Regierung nicht bald selbst zu der Erkenntnis, daß ihre Lohnpolitik die Arbeiterschaft zur vollständigen Berelendung und damit zur Berzweiflung bringt, dann müssen die Spigenförperschaften der Gewerkschaften und der Partei die denkbar scharfsten Mittel anwenden, um der Regierung diese Erkenntnis beizubringen. Diese Auffassung fand ihren Niederschlag in einer einstimmig angenommenen Entschließung. um den Schiedsspruch für Speichereibetriebe. Ueber den Schiedsspruch für die Berliner Speicherei und Hafenarbeiter ist auf Beschluß einer Branchenvollversammlung am Mittwoch und Donnerstag in den Betrieben eine llra b stimmung durchgeführt worden. Der Schiedsspruch sieht, wie im ,, Borwärts" bereits mitgeteilt wurde, gegenüber dem bisherigen Manteltarif u. a. eine ungünstigere Regelung der Arbeitszeit und eine Verschlechterung der Urlaubs- und Krantenlohnbestimmungen vor. Die Urabftimumung hat zwar die Ab. lehnung des Schiedsspruchs, jedoch nicht die statutarisch notwendige Dreiviertelmehrheit für einen Streit ergeben. Voraussicht lich wird der Verein der Speichereibetriebe beim Schlichter den Antrag auf Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs stellen. Militärmusik nach wie vor. Kein Erlaß des Reichswehrminifters. Einer Berliner Nachmittagsblatt brachte am Donnerstag die Nachricht, daß nach einem Erlaß des Reichswehr. ministers, den dieser vor kurzer Zeit sämtlichen Truppenteilen zugehen habe laffen, von der Kommandantur Berlin sämtliche Ber träge über Ronzertieren von Militärkapellen mit Privatpersonen, Etablissements usm. gekündigt morden seien. Weiter hieß es, daß die Kommandantur diesen Schritt mit der Erwerbslosig feit gerade unter den Berufsmufitern begründet habe. Leider ist diese Nachricht von A bis 3 erfunden. Wie wir hierzu von der Hauptgeschäftsstelle des Deutschen Musikerverbandes erfahren, find die bisherigen alten Bestimmungen in feiner Weife geändert worden. Die Konkurrenz der Militärmufiter mufifer mirtlich Zeit, daß das Reichswehrministerium der ungeheuren Not der Berufsmufifer Rechnung trägt und die Militärtapellen von öffentlichen Darbietungen gegen Entgelt zurückzieht. 300000 Arbeitslose werden fortgebildet geht also meiter. Es wäre im Intereſſe der erwerbslosen Berufs Das Problem der arbeitslosen Jugend. Ueber Die Betreuung der arbeitslosen Jugend" sprach im Brogramm der Deutschen Welle Dr. Wiedwald. Seine Ausführungen gaben einen Ueberblick über die Erfahrungen, die im vergangenen Winter auf diesem Gebiet gesammelt worden sind und die in diesem Jahre weiter nutzbar gemacht werden sollen. Die lleberführung arbeitsloser städtischer Jugend in landwirtschaftliche Arbeitszweige war in begrenztem Maße möglich. Ferner war man bemüht, durch jugend pflegerische Maßnahmen den jungen Menschen GelegenStunden mit nugbringender geistiger Anregung und Sport auszu füllen. Vor allem aber wurde versucht, den jugendlichen Arbeitslosen Möglichkeiten zur beruflichen Fortbildung zu er schließen. In der Zeit vom 1. Januar bis Anfang April d. J. murden murden etwa 120 000 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren, darunter 30 000 weibliche Erwerbslose, folchen Fortbildungskursen zugeführt. In diesem Winter werden es rund 300 000 fein. Facharbeiter, faufmännische Angestellte und Ungelernte werden durch diese Kurse erfaßt. In dem Lohnkonflift mit der Berliner Fuhrherrenheit zu geben, wenigstens einen Teil der endlosen arbeitsleeren innung wegen der Neuregelung der Löhne haben Ber handlungen vor dem Schlichtungsausschus stattgefunden, die aber gescheitert sind. Die Fuhrunternehmer hatten bekanntlich einen Abbau der Löhne um 16 bis 22 Pro 3.(!) gefordert, obwohl die Löhne der Arbeiter des Fuhrgewerbes schen Anfang d. 3. um etwa 12 Broz. gejenkt worden sind. Die Fuhrunternehmer bestanden hartnädig auf ihren unverschämten Abbauforderungen. Auch in der Schlichtungskammer waren die Gegenfäße der Beisiger nicht zu überbrücken, so daß ein Schiedsspruch nicht zustande tommen fonnte. Es ist zwar von dem Borsigenden des Schlichtungsausschusses den Parteien ein Vergleichsvorschlag unterbreitet worden, der einen Abbau der Löhne um durchschnittlich 10 Broz. por: fieht. Selbst dieser unerhört horte Borschlag ist von den Unter nehmern als nicht meitgehend genug, von den Arbeitern aus ent gegengesegtu Gründen felbstverständlich abgelehnt morden. Für die jugendlichen Facharbeiter gilt es besonders, Berufsfenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Wie nötig solche Maßnahmen sind, erfuhren die Hörer des Berliner Senders vor längerer Zeit aus einem Gespräch, das jugendliche Ermerbstoje vor dem Mitrophon führten, und in dem ausdrücklich hervorgehoben wurde, daß der Jugendliche, der oft bath nad Beendigung der Lehrzeit Aus München tommt allerdings die erfreuliche Nachricht, daß die dortigen Militärmusifer von sich aus, aus sozialer Einsicht nicht mehr spielen werden. Vielleicht weist dieser beachtliche Schritt der Münchener Reichsmehrmusiker den Berliner Stellen den Weg, der endlich beschritten werden muß. Arbeitsausschuß Deutscher Verbände" Mit der Ueberschrift Gelbe auf der Betteltour" wurde im geftrigen Abend" die Geldsammlung der Vertreter der Bertriebs. abteilung" des Arbeitsausschusses deutscher Verbände beleuchtet. Die Republikanische Beschwerdestelle teilt uns hierzu mit, daß es sich bei diesem Arbeitsausschuß nicht um eine wirtschaftsfriedliche", sondern um eine politische Organisation handelt, die sich einseitig mit der Kriegsfuldfrage befaßt. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Der Singelreis übt heute ab 19% Uhr im Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Verantwortlich für Tolitif: Bretar Schiff: Wirtschaft: 6. Aliagelböfer: Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton: Dr. John Shilomsti; Sotales und Sonstiges: Fris Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag Gm b. S.. Berlin. Prud: Borwärts- Buchdruderci und Berlegsanstalt Taut Singer u. Co... Berlin SW. 68, Sinbenstraße& Siers 2 Bolleges.