BERLIN Sonnabend 2. Aovember 1931 10 Pf. Hr. 524 B 262 4».LahrgÄNg ErscheiattäslichaußerSonntag«. Zugleich Abendautgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,60®. pro Monat. Liedaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Aateigenpreis: Die einspaltigeNonparcillezeile «o Pf., Reklamezeilt 5 M. Crmäßigun»en nach Tarif. Postscheckkonto: VorwartS-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 37 636.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Osthilfe- Agrarierhilfe! Treviranus verteidigt die Llnzulänglichkeiten seines Amts Zieichsmiuifier Treviranus übergibt am kommenden ITC cm- tag die Leitung der Osthilfe dem neuernannten Minister Schlange-Schöningen. Vorher noch hat Herr Treviranus vor der Presse die Osthilfe gegen die Kritik verteidigt, besonders auch dahin, daß dos Verfahren mit aller nur möglichen Schnelligkeit ge- führt werde. Treviranus wiederholte die bereits veröffentlichte Erklärung, daß im vollen Einvernehmen mit der preußischen Regierung die Schlange-Schöningen, der früher deutschnationole jetzige Landvolkabgcordnete, wurde zum Oschilfe-Kommissar und gleichzeitig zum Rcichsininister ohne Geschäftsbereich ernannt. Leitung allein auf die Reichsregierung übergegangen fei. Das Nebeneinander beider Regierungen in dieser Ner- maltung habe zu Berschleppungen geführt. Die Hauptmasse der Beschwerden treffe nur die Treuhandstellen für die Un, schuldung, die ober vollkommen selbständig seien, so daß die Reichsregierung nicht für die Entscheidungen der Treuhandstellen verantwortlich gemacht werden könnte. Die Angabe des„Vorwärts", daß 17 Millionen ver» pulvert worden feien, gehe durchaus fehl, denn auch diese 17 Millionen seien zugunsten der Gläubiger der Land- Wirtschaft verwendet worden, denen zu helfen ebenso ein Zweck der Osthilfe sei wie die Hilfe für die Landwirtschaft selbst. Diese 17 Millionen seien lediglich zur Auftauung eingefrorener Kredite verwendet worden. Zu einer sozialdemokratischen Anfrage im Preuhi- scheu Landtag erklärte 5)err Treviranus, mit dem Besitz des Herrn von Plehwe in Frauwitschken, diesem nördlichsten landwirtschaftlichen Besitz im ganzen Reiche, seien vierzig Land- arbeiterfamilien auf Gedeih und Vevderb verbunden. Die Ent- scheidung, wodurch eine Umschuldungshypothek von 86000 M. gewährt wurde, sei auch von den preußischen Mitzeichnern gebilligt worden und die preußische Regierung werde wohl die Anfrage auch nicht anders beantworten können. Neben verschiedenen Andeutungen über unsachliche Einwirkungs- versuch« und Vgl., Andeutungen, die gegen die preußische Beteili- gung an der Verwallung der Ofthilfe sich zu richten scheinen, erklärte Herr Treviranus unter anderem auch, daß die Preußenkasse zuerst k>0 Millionen zur Verfügung stellen wollte und schließlich nur S Millionen hergegeben hat. Doch waren diese Worte in ausführliche Betrachtungen über die allgemeine Wirtschaftslage so eingewickelt, daß es nicht schwer sein dürste, jede Absicht einer Kritik entrüstet zurückzuweisen. Auch Herr� Treviranus sagte, daß S4,ö Prozent der bewilligten Darlehns- onträge auf bäuerliche Betriebe entfallen, aber nur 59 ,5 Prozent der b«w illigten Dorlehnsbeträge. Helldorf-prozeß vor dem Ende Drohungen der Verteidiger— Der Vorsitzende bleibt milde Im Helldarf-Prozcß begann heute morgen der Naziabgeordnete und Rechtsanwalt Dr. Frank- München die sogenannten Ver- teidigungsreden für Helldorf und seine Führergesellen. Da Frank aber dem ganzen Prozeß nicht beigewohnt hat, so war scillb Rede eine einzige politische Schaumschlägerei. Man habe monatelang Stimmung gemacht, sagte er, um die Angeklagten zu Verbrechern zu stempeln. Gewisse Kreise setzen ja bei der SA. ohne weiteres die Neigung zum Verbrechen voraus. Der Berliner Polizeipräsident hat es sogar gewagt, die Nationalsozialisten als Staatsfcinde zu bezeichnen: er habe dadurch den Reichspräsidenten v. Hindenburg beleidigt, der den Führer der Nationalsoziali st cn, Hitler, empfangen hat! Lediglich die Presse war es, die die SA.- Führer als Verbrecher hingestellt hat. Ebensogut wie Graf Hell- dorf könnte irgendein Flieger, der aus Neugierde sich in der Höhe von 10 000 Meter die Vorsällc� auf dem Äurfürstendamm angesehen hat, wegen Land- resp. Luftfricdensbruch angeklagt werden. Mit solchen Mätzchen sucht Frank, der eben von der Verteidi- gung der nationalsozialistischen Meuchelmörder in Hamburg kam. den Ernst der Verhandlung ins Lächerliche zu ziehen. Frank schließt mit einem pathetischen Appell an das Ge- richt: Ist das heutige System nicht imstande, den Landfrieden auf- rechtzuerh alten, so hat es auch nicht das Recht, Leute wie diese hier auf die Anklagebank zu setzen. Der Boden, auf dem Sie sitzen, meine Herren Richter, ist derart aufgelockert, daß deutsche Sitte und deutsch« Kultur in höchstem Maße gefährdet sind. Der Nationalsozialismus ist der letzte Versuch, deutsches Menschentum zu retten. Wenn wir wollten, so könnte schon jetzt ein Sturm Deutschland durchsausen. Wir hoffen aber, daß das vermieden werden kann und daß wir auf legalem Wege unser Ziel erreichen. Staatsanwaltschaftsrat Dr. S t e h n i g: Der Verteidiger hat, als er darüber sprach, wie die Staatsanwaltschaft die einzelnen Vor- gänge auf dem Kurfürstendamm mit den Angeklagten Helldorf und Ernst in Verbindung gebracht hat, die Darstellung der Staatsan- waltfchaft als Stimmungsmache bezeichnet und dieses Ver- halten ungewöhnlich und ungebührlich genannt. Diese Charakterisie- rung ist beleidigend und an dieser Stelle unzulässig. Ich ver- wahre mich gegen den Vorwurf erstens wegen seiner beleidigenden Form, zweitens weil er sachlich unberechtigt ist. Wenn der Ver- Unglückliche Liebe. «n'l.ek /a£) Grelchev Hitler:»Er liebt mich- liebt mich nicht.. leidiger die Reichsgerichtsentscheidungcn kennen würde, so hätte er diese Charakterisierung unterlassen. Frank erklärt, daß er nicht die Absicht gehabt habe, die Staats- anwältc persönlich zu verletzen. Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß der Verteidiger sich nichts Ungebührliches habe zuschulden kommen lassen. Als zweiter Verteidiger spricht R.-A. Dr. Frcißler- Kassel. Er spricht nicht nur mit den Händen, sondern auch mit großem Stimmaufwand, mit Augcnrollc» und Gesichtsver- zcrrungen, so daß man zuweilen den Eindruck hat, er bekomme einen Tobsuchtsanjoll. Seine' Red« beginnt er mit:„Deutsches und des- halb hohes Gericht!" Er habe eigentlich nach dem maßlosen Un- nraß der staatsanwaltlichen Anträge ü b c r h a u p t nicht sprechen wollen: dann sei ihm aber eingefallen, daß sich in diesen Tagen der„Tag der fluchwürdigen Bonzen- r e o o l t e".jähr«, die die Grundlage zu dein heutigen System ge- legt habe. E« sei schon gerechlferligl, daß der eine oder andere Semit auf dem Kurfürstendamm eine Ohrfeige bekommen Hobe. Die Ereignisse auf dem Kurfürstendamm seien der preußischen Po- lizei sehr gelegen gekommen; sie habe hiermit ihren L o ck s p i tz e l n nachgeholfen. Die SA.-Führcr wissen, daß ihre Organisationen die diszipliniertesten im ganzen Deutschen Reiche sind. Das alles, trotzdem der Mitvcrteidiger Dr. Frank diesem spru- delnden Kasselaner hätte von den Nazimordbuben aus Hamburg einiges erzählen können! Der Vorsitzende hielt es auch diesmal nicht für erfordcr- lich, gegen die maßlosen Ausführungen des Verteidigers ein- zugreifen!, Statt seiner legte der Staatsanwaltschaftsrat Dr. Stehnig in seiner Replik gegen gewisse Behauptungen des Verteidigers Ver- Währung ein. Es fei zwar Recht jedes Bürgers, an den staatlichen Institutionen Kritik zu üben, es sei aber unstatthaft, die Lage des einen ProZeßbeteiligten dazu zu mißbrauchen, um über st a a t- liche Organe unwahre Behauptungen auszustellen. Unwahr sei aber die Behauptung, daß die Polizei mit Lockspitzeln arbeite. Ebenso unbegründet sei die andere Behauptung, daß die SA. die„dissziplinierteste Organisation" innerhalb Deutschlands sei. Es sei auch bekannt, in welch hohem Maße die SA.-Leute das Verbot, Waffen zu tragen, übertreten. Die Gereizt- heit in der SA. fei so groß gewesen, daß die Angeklagten mit der Möglichkeit einer Explosion hätten rechnen müssen. RA. Dr. Freißler erklärt, die Behauptung des Staats- anwalts von dem Uebertreten des Waffenverbots durch die SA.» Leute stelle eine Beleidigung der SA.- Arbeiter dar. Der deutsche erwachende Arbeiter, droht der Verteidiger, merke sich die Beleidigung, er werde sie nicht vergessen und er solle sie nicht vergessen. Nach dem Schlußwort der Angeklagten zog sich das Gericht zur Beratung zurück: das Urteil wird im Laufe des Nachmittags gefällt werden. Schönes Sonntagswetter. Größtenteils heiter und etwas wärmer. Unser Gebiet ist von dem Schlechtwettergebiet, das seit Tagen drohend im Westen Europas lagert, bisher verschont geblieben. Während an der französischen und englischen Küste schwere Unwetter mit orkanartigen Stürmen zu verzeichnen waren, hat sich das Wetter im ganzen Reich, entgegen den Voraussagen des Wetterdienstes, ausgezeichnet gehalteit. Das Tiefdruckgebiet, das sich über ganz Westeuropa erstreckt, ist nicht westwärts wcitergewandcrt, sondern stabil geblieben. Im Osten hat sich das bestehende Hochdruck- g e b i e t noch weiter verstärkt, so daß für morgen berechtigt« Hoffnungen auf einen schönen Herb st sonn tag bestehen. Schlimmstenfalls ist, nach der Voraussage des Amtlichen Wetter- dienstes, mit zeitweiliger Wolkenbildung zu rechnen. Die Ursache könnte darin liegen, daß unser Gebiet von kleineren Randstörungen, die aus dem Westen heranziel>cn, gestreist wird Die Prognose für Sonntag lautet: T�ils heiter, teils leicht be> wällt, keine Niederschläge und ansteigende Temperaturen. Heute mittag herrschten in Berlin 1Z Grad Wärme, die morgig« Tem- peratur dürste um dieselbe. Zeit etwas höher liegen. Molkerei als milchende Kuh! Genossenfchafi subventioniert nationalistische Organisationen Zu allem Ueberfluß hat seit«inigen Tagen auch G o l l n o w in Pommern seinen Skandal. Er ist sowohl für die Beurteilung der in den landwirtschaftlichen Absatzgenossenschaften herrschenden Zu- stände als auch der G e l d q u e l l e n der Rechtsorganisationen, de» sonder» der Nationalsozialisten, bemerkenswert. Der Skandal spielt in der Molkereigenossenschaft G o l l n o w Eine von der Generalversammlung gewählte K o m- Mission hat festgestellt daß mit dem GenossenschaftsvermSgen nicht so gewirtschaftet wurde, wie es nach Ansicht der Kommission notwendig gewesen wäre. Die Angriffe der Kommission richten sich hauptsächlich gegen den Direktor Meyer. Lhm wird vorgeworfen, neben semem Gehalt und seiner Tantieme noch Entschädigung für Aufwand und AutoHaltung und Vertrauensspesen bezogen zu haben. Es wird da« angesichts der gegenwärtigen geschäftlichen Lage als unzeitgemäß bezeichnet. Der schwerwiegendste Vorwurf, der dem Vorstand gemacht wird, ist, daß er Zahlungen als laufende Zuwendungen an die vevtfchaaklonale Volksparlei. an die NalionalsoziaNstische..Arbeitec"parlei. au den Landbund und au andere Vereine geleistet hat. Zu den Vorwürfen nimmt der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Koller in Kantreck in einer ausführlichen Abwehrschrift Stellung. Man merkt ihr das Bemühen deutlich an, den Vorstand nach Möglichkeit zu entlasten. Di« Zahlungen an den Direktor Meyer sowie sein« Eigenmächtigkeiten werden als ziemlich harmlos hingestellt, und von dem Schaden, der dadurch der Molkereigenossen- schast entstanden ist, wird erklärt, daß er nicht so groß ist. Die Er- klärung wird abgegeben, obwohl zu Beginn des Schreibens gesagt wird, daß auch die Molkereigenossenschaft durch dt« Eretgntsie der letzten Monate in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Die Be- hauptung, es seien Zahlungen an die Deutschnationale Loltspartei, die Nazipartet und den Landbund erfolgt, unterstellt er als wahr, betont aber ausdrücklich, daß die Z a h l u n g« n m, t G a- nehmtgungdesAuffichtsrats geleistet wurden! Er schreibt wörtlich: „Nur mit Genehmigung des Aufstchtsrat« find stich« Zahlungen an den Landbund, an die Deutschnational« Voltspartei, an die Nationalsozialistische Arbeiterpartei u. a. geleistet worden." Bezüglich de, Landdundes rechtfertigt er dir Zahlungen Mit folgenden bezeichnenden Ausführungen: „Er leistet schließlich dafür für uns alle Arbeit, indem er im Kampf für unsere Interessen die Führung Hot. Ohne eine solche Organisation können wir nicht sein, das weiß jeder Landmann!" Sehr richtig bemerkt der„V o l k s b o t e"(Stettin) dazu, daß sich die Erklärung noch hören ließe, wenn der Landbund wirk- lich die Jnteresienoertretung der kleinen Landwirte darstellen würde. Jnde» sei er ausschließlich für die Groß- agrarier da, wie jeder Landmann wisse. Ueber den Grund der Zahlungen an die Deukschnalwuale Volksparlei und on die Nazi» sagt von Köller in seiner Abwehrschrist kein SterbenswSrtckien. Wir möchten nicht wissen, was passieren würde, wenn einem Genossen- schaftsunternehmen der Arbeiterschaft ähnliches wie der Molkerei- genossenschaft Gollnow nachgewiesen werden könnte. Es wäre das «in« willkommen« Gelegenheit für die Nechtskreife, eine neue Hetz- welle gegen den„alles beherrschenden und alles ruinierenden Marxismus' in Szene zu setzen. So aber schweigt man oder man entrüstet sich höchstens über die Gehässigkeit des Gegners, dem nichts, selbst nicht einmal ein Korruptionsfall in einem von natio- nalen Männern geleiteten landwirtschaftlichen Genossenschaftsunter- nehmen heilig ist. Auf» neu« wird durch die Vorgänge in der Molkereigenossen- schast Gollnow auch die Nazipartei entlarvt. Diese Partei, die sich nicht scheut, sich als„Arbeiterpartei" aufzuspielen, lebt nicht nur von den Zuwendungen der Groß- und Schwerindustrie, sondern in nicht minder starkem Maße auch von Zuwendungen des Agrariertums. Oer süße„Studienrat". Sine Köpeoick-Komödie in Thüringen in 3 Akten. Personen: Ein Nazi-Speiseetshfindler, Em Sozialdemokrat Ein Amtsanwalt. 1. Akt: Vergangenem Sommer fand in Unterneubrunn in Thü- ringen, Kreis Hildburzchausen, eine Nozl-Dersammlung statt. Als Referent trat auf ein Studienrat Dr. Magnu« Werner- Weimar. Dieser Herr Nazi-Studienrat Werner führte in seinem Referat aus: „Die Sozialdemokraten haben Landesverrat betrieben." Ein anwesender Sozialdemokrat, Schreinermeister Adolf Lösch in Unterneubrunn, nannte daraufhin den Herrn Studienrat einen ge- meinen Verleumder. 2. Akt: Herr Studienrat Werner nimmt sich zwei Rechtsanwälte, die wegen öffentlicher Beleidigung gegen Lösch die Strafanzeige und den Etrafantrag erstatten. Auf den Strafantrag hin hat der Amts- amvalt, statt pflichtgemäß mangels öffentlichen Interesses den An» tragfteller auf den Weg der Prwatklag« zu verweisen, dt« öffenttiche Klag« erhoben. 3. Akt: Am Montag, dem 2. November 1931, fand vor dem Amtsgericht in Eisfeld Termin in der Beleidigungsklage statt. Und nun kommt da» Sonderbare oder besser gesagt Skandalös«. Die Staatsanwalt- schaft trat als Ankläger auf. Sie fetzte sich für einen Menschen«in, mit dem sie sich in einer anderen Gegelegenlheit beschSftigen lännte. Wer dieser Dr. Werner ist, da« teilte der Verteidiger de» Genosisn Lösch, Dr. R i t t w« g e r, dem Gericht mit. Danach ist dieser Herr Studienrat Dr. Werner weder Studienrat noch Doktor, sondern ein SpeiseeiKhilndler in Weimar. Er ist tschechoslowakischer Bürger und au« Preußen und Hessen ausgewiesen. Das Gericht in Limburg, welches Werner ein« Strafe auf- erlegte, versagte ihm die Bewährungsfrist mit der Begründung, daß seine politische Tätigkeit gewinnsüchtigen Absichten entspringe. Der Angeklagte Genosse Lösch wurde freigesprochen. Die Kosten trägt der Staat. Der Justizminister hat bisher noch nicht erkennen lasten, was er von dem Vorgehen des Amtsanwalts in Eisfeld hält. Das frei- sprechende Urtei-l des Gericht» dürfte vielleicht zur Klärung beitragen. Lehrfreiheit im Dritten l�eich. Gin Skandal in Wismar. In Wismar besteht ein« Jngenisur-Akademie, an der ein Dozent namens Dr. Weingarten als Direktor tätig war. National- sozialistische Studierende forderten, weil er jüdischer Abstammung sei, seine Entlassung und drohten, andernfalls die Stadt zu oerlassen. Der Stadtrat, der eine Schädigung wirtschaftlicher Interessen befürchtete— zumal die konkurrierende Stadt Oldenburg bereits alle Anstalten traf, um die Abwandernden aufzunehmen— ersuchte Dr. Weingarten, er möge stillschweigend zurücktreten. Dieser hat daraufhin seinen Rücktritt totsächlich vollzogen mit der Erklärung, er wolle dem Wohl der Stadt nicht im Wege stehen. Findet das Wismarer Beispiel Nachahmung, so wird in Zu- kunst der dümmste und rechest« Teil der Sludentenschaft zu b«- stimmen haben, wer an deutschen Hochschulen als Lehrer tätig sein darf und wer nicht. Wie man in inaßgevenden natimialsoziakrstischen Kreisen über die Freiheit der deutschen Hochschullehrer denkt, zeigt sich an der Art, in der»er„Völkische Beobachter" den Protest der 22 Theologie- Professoren gxgen den Skandal von Hall« behandelt. Unter der Ueberschrift„Pensionsreif" schreibt er: Diese Herren leiben osfeichar an Ueb eralterung und haben den Geest einer neuen Zeit noch nicht begriffen. Man soll sie pensionieren! Uns scheint allerdings auch, daß die Herren Professoren den Geist der„neuen Zeit", der mit dem Hakenkreuz heraufzieht, noch nicht begriffen haben. Sonst würden ste allesamt wissen, daß sie nur noch im Bunde mit den freiheitlich gesinnten Massen der fözialdemo- kroilschen Arbeiter ihr« eigen« Freiheit verteidigen können. Hugenbergs MSrtyrerkrone. Gewinnmachen unter Glyzerintränen. Herr Hugenberg hat an den Vorsitzenden dos Üandbank-Unter- suchungsausschusses einen Brief gerichtet, worin er nochmals feine Vorwürfe gegen den preußischen Staat wiederholt und der öffent- licheu Hand„Rücksichts. und Schamlosigkeit" vorwirft, weil diese den von Herrn Hugenberg für sein bankrottes Landbantunternehmen geforderten Preis von rund 1 Million Mark nicht hat zahlen wollen. Als besonders rühmlich preist es Herr Hugenberg, daß er durch«ine knifflig» Transaktion dann doch noch etliche 100000 Mark heraus- geholt hat. was von der maßgebenden staatlichen Seite, dem Land- wirtschaftsmiiiister, erst nach Kaufabschluß bemerkt wurde. Am Schlüsse rühmt sich Herr Hugenberg: Ich habe also in der Tat mit der vom Berichterstatter gerühmten Sturheit den Gesichtspunkt Privatwirtschaft« lichen Anstand«»(II) gegenüber der rücksichtslos lazialifierenden äffentlichen Hand(II) gewagt. Mit der gleichen Sturheit werde ich auch weiterhin grundsätzlich den nripatwirtschaftlichen Gesichtspunkt gegenüber der Unvernunft sozialisierender Tendenzen zu wahren suchen, solange ich es kann. Dann kann man nicht« machen. Herr Hugenberg ist und bleibt eben der„Prisatkapitallst". Von dem verkrachten österreichischen Konzernbeh-rrsch-r C a st i g l i o n t wird berichtet, daß er die Kunst besessen Hab«, immer im richtigen Augenblick Tränen zu vergießen. wenn man ihm nicht genug verdienen ließ. So versteht es Herr Hugenberg. sich öffentlich als Opferlamm hinzustellen, nachdem er einen guten Schnitj. gemacht und einige Hunderttausend Mark verdient hat. Wie ist hier die Sachlage? Für Hugenbergs bankrotte Landbank hätte kein Privatmann auch nur einen Pfennig hergegeben. Durch Ausnutzung des ö f f e n t- lichen Interesses, das der Staat an der Erhaltung der Siedlung hatte, gelang es Hugenberg. noch einen beträchtlichen Gegenwert für seine Aktien herauszuschinden. Nach Hugenberg folgt daraus, daß der Staat«tn Näuber und daß Hugenberg der In- begriff des Anstandes sei. Da Hugenberg aber ausdrücklich sagt, „des privatkapitalistischen Änstandes", so wollen wir ihm nicht widersprechen. Paul Vainlem'. sragzäsischer Kammer-, dann Ministerpräsident nach Herribt, Kriegsminister unter Poincarö, von Beruf Prosessor der Mathematik, Abgeordneter d»s SeinedepartsmentS, fetzt Siisährig, ist in BerKn zum Bestich wissenschaftlicher Institute eingetrofseu. QeneraldireMor Slimming, der Letter des Norddeutschen Lloyd, ist gestern an den Folgen «ine» Unfall« verstorben.— Stinuning wellte vor wenig«« Tagen bei Verwandten in einem Hamburger Borort zu Besuch und glitt dort in der Wohnung auf dem Fußboden au». Er erlitt ein« Gehirnerschütterung sowie ander« Verletzungen, die seine Ueberführung ins Krankenhaus notwendig machten. SA. als Werkspolizei? Falsche Gerüchte.— preußische« Znnenminifierium stellt richtig. Zu einer Berliner Korcespondinzmeldung, die im Westen er- hebliche Aufregung hervorgerufen und zahlreich« Eingaben an dt« preußische Regierung erzeugt hat, erklärt da» preußisch« Innenministerium, zugleich im Namen de« Reichswehr- und Innenministers, daß die Behauptung, Äroenir Hab« mit der SA. üder deren Verwendung als Wert»poliz«i oerhandelt. Grosner und Schleicher hätten Severing darüber unterrichtet, voll- kommen erfunden ist. Gerade der preußisch« Jnnemninlster hat immer wieder erklärt, daß«r sich gegen jede Art der An- maßung polizeilicher Recht« durch irgendwelche Verbände auf das nachdrücklichste zur Wehr setzen würde. Anstauung der eingefrorenen Kredite. Amerikanische Bankiers für Teilrückzahlung. New park. 7. November. Die Besprechungen der amerikanischen Großbanken über die Weiterführung des Stillhalteabkommens sind bereits in vollem Gang«. Man will versuchen, möglichst noch vor dem 1. Dezember eine Einigung zu erzielen, da die New-Iorker Finanzinstitute Be- denken tragen, den deutschen Banken vor einer Verständigung über die zukünftig« Behandlung der alten Kredite«eitere Akzept- kredite zu gewähren, die erst nach Ablauf der Stillhaltefrist fällig würden. Die Verhandlungen dürften sicherlich geraume Zeit bean- spruchen, um so mehr, als von deutscher Seite noch keine Vorschläge gemacht worden sind. Indessen kann man schon jetzt erkennen, daß die amerikanischen Banken auf die Rückzahlung wenigstens eines Teile» der kurzen Kredits drängen werden. Bei allem Verständnis für Deutschland« Notlog« scheint man hier zu glauben, daß die deutschen Schuldner Ende Februar mindestens 20 bis 25 Proz. der Slillhaltekredit» zurückzahlen können. Die Umwandlung der kurzfristigen Kredit« in langfristige Anleihen stößt hier auf entschiedenen Widerspruch, da sich die Banken nicht der Möglichkeit berauben wollen, die kurzfristigen Akzepte auf dem offenen Mark oder bei der Vundcsreservebank zu d i s- kontieren, wähcsnd es andSrorseits unmöglich erscheint, lang- fristige Anleihen beim Publikum unterzubringen. Reparationen und privatschulden gleichberechtigt. Paris. 7. November. Die einzige französische Zeitung, die die Auffassung der Reich«. regierung in der Reparationssragc richtig verstanden hat. ist das „Petit Journal". Es schreibt über die Rede Brünings:„Die Red« des Reichskanzlers hat vor allem das Verdienst, daß sie die Frage de? Reparationen und d«r Kredite in konkreter Weise auseinander- setzt und damit der zwischen den deutschen und französischen Zel- tungen eingeleiteten Polemik über das Vorrecht, da» entweder den öffentlichen oder den privaten Schulden zu gewähren ist, ein Ende macht. Brüning hat den Mut gehabt zu sagen, daß da» Problem der kurzfristigen Kredite nicht dem Reparationeprvblem entgegengesetzt werden könne, sondern daß beide Fragen gleich- zeitig und in demselben Geiste behandelt werden müsien. Es ist vor allem notwendig, daß Deutschland so schnell wie möglich aus der finanziellen Erstarrung herauskommt, die es de» Vertrauen» seiner Lieferanten und seiner Kunden beraubt. Es handelt sich nicht darum, die Reparationen den Privatkrediten zu opfern, noch die Kredite den Reparationen. Nur indem Deutschland alle seine Zahlungen selbst ln schwachem Maße wieder aufnimmt, wird es allmählich seinen Kredit wiederherstellen können. Das wird möglich sein, wenn einerseits die Gläubiger ihm mangels neuer Kredite Zahlungs- aufschub, Erleichterungen und Ersetzung der Barzahlungen durch Sachlikferungen gewähren und andererseits es selbst größte Spar» samteit übt und sich bemüht, in» Ausland geflüchtet« deutsche Kapi- talien zurückzuschasfen."., Wieder nächtliche Schießereien. Hgkenkreuzler schießen auf Mitglieder eine« Sparvereinö. Im Südosten Berlins tn der Skalitzer Straße wucd-n in der vergangenen Nacht Mitglieder des Sparverein»„Südost", die sich gegen%12 Uhr nach einer Sitzung auf dem Heimweg« bc fanden, von Nationalsozialisttn Überfallen. Die Hakenkreuzler gaben auf die Sparoersinler, unter denen sich auch einige Frauen befanden, mehrere Schüsse ab. Der 23jShnge Arbeiter Jakob Arndt brach, von einer Kugel in die Hüfte ge- troffen, schwerverletzt zusammen. Stn andere» Bereinsmitglied wurde durch einen Streifschuß leicht verletzt. Die Schießerei hatte eine Polizetstreis« alarmiert, die sofort eingriff und n« u n H a k e n- kreuzler f« st n a h m. Bei der LeibesoifltatWn der Hitler- Burschen wurden zwei Mehrladepistolen und etwa 30 Schuß scharie Munition gefunden. Aus den Eigentümer de» Hauses Delbrückstraße 66 in Neukölln wurde gegen VtZ Uhr nacht» von einem noch unbekannten Täter ein Revolveranschlag verübt. In letzter Zeit war die Front des Hauses häufig von Schmierkolonnen bepinselt worden. Nachts stand der Eigentümer auf. um von feinem Balkon dt- Straße zu beobachten. Der Mann hatte kaum den Balkon betreten, als von der gegenüberliegenden Straßenseite ein Schuß abgegeben wurde. Di« Kugel ging dicht am Kopf de« Eigentümers vorbei und zer- trümmert« einen Blumentopf. Ein gewöhnlicher Selbstmord. AufNärung des Leichenfundes im Grunewald. Noch in der Nacht ist es der Reservemordkommrssion gelungen, die Persönlichkeit der Toten, die gestern Im Jagen 23 des Grüne- waSsorstes aufgefunden wurde, zu ermitteln. Es«st eine 67 Jahr« alte Frau Hedwig Banasch aus Lankwitz. Frau B.«ntser.it» sich am Montag aus ihrer Wohnung und wurde seit dem Tage von ihren Angehörigen vermißt. Ein A-rbrechen liegt nicht vor. Dle Untersuchung hat vielmehr ergeben, daß Frau B„ die seit langem schwer neroenlsidend war, selbst Hand an sich gelegt hat. Neben der Leiche wurden mehrere blutbefleckte Rasierklingen gefunden, mlt denen sich die Lebensmüde die tödlichen Verletzungen beigebracht hat._ Ningverein ausgehoben. „Atlantik" gegen„Junges Blut". Durch die Wachsamkeit der Polizei ist gestern nacht der be- absichtigt- Rachefeldzug eines Ringvereins gegen einen mißliebigen Konkurrenten verhindert worden. Einige Mitglieder des Vereins „Atlantik" hatten sich aus noch unbekannten Gründen dl» Haß dtr Kolonne, Lunge» Blut" zugezogen. Der Konflikt zwischen den beiden R>ngver«In«n hatte sich in den letzten Tagen so zugespitzt, daß dt« Atlantikleute mit einem„Rachefeldzug" rechnet«« und dar- um stets mit Pistolen bewaffnet ihr« Sitzungen in einem Lokal in der Gollnowstrah« abhielten. Dt« Polizei hatte von dem Vorgefallenen Wind bekommen und veranstaltete gester»«in« iib«r- raschend« Razzia. Alle Ausgänge des Lokals wurden durch Schupo- besetzt. Dreizehn Atlantikleute, von denen vier geladen« Pistolen in den Taschen trugen, wurden festgenommen., Lunge» Blut" Hot nun einen„Racheseldzug" nicht mehr nötig. Frage zum S. November. tji««... HUl«r übqrall. HUlsr vorne... Hitler hinten. Hitler, sag« uns bloß mal. Wo warst damals du zu finden?? Zeldts, Hugenberg und Schacht: Warum habt ihr eure Thesen Euch so spät erst ausgedacht? Wo seid damals ihr gewesen?? Damals, als die Front zerbrach, Bebten alle seinen Pinkel. Damals machten sie sich schwach, Damals saßen sie im Winkel. Industrie und Reaktion Und die Prinzen, die Perpfuschten: Keiner wagte einen Ton. Alle schwiegen, alle kuschten. Schnauze sprüht und Phrase knallt... Was sie heut für Mut besitzen! Tagt, wo war't ihr, als es galt, Deutschland vorm Zerfall zu schützen? Hans Bauer. Wochenschau der Konzerte Von Arnold Walter Boerner gegen Boeraer. Student von 1646 und Student von 1961. Der Zufall will e», daß der Führer der Hallenser Rodau- studenten den Namen Boerner führt, einen Namen, der schon vor Zeiten in der deutschen Studentenbewegung ein« Rolle gespielt hat. Im Jahre 1L4S war einer der wenigen echten RevoluttonSr«, die au« den Reihen der Berliner Studentenschaft hervor- gegangen sind, ein gewtsier Paul Boerner. Er hat uns dt« „Erinnerungen eines Revolutionärs" hinterlasien, die der Perlag von C. Haberland in Leipzig im Jahr« 1020 neu herausgebracht hat. Es ist bezeichnend, daß Paul Boerner als scharfblickender Demokrat in leinen Auszeichnungen von dem Radau st udenteNtum. das auch damals an den Universitäten geblüht hat. weit abrückt und es mit Worten kennzeichnet, die uns fast aktuell berühren. Lassen wir den Student von 1848 reden. Paul Boerner schreibt: „Das Volk sah mit Erwartung besonder» auf die Studenten. Leider war die Illusion, dort kräftige, feurige junge Männer zu finden, beklagenswert, aber tiefgegründet genug, um nicht so- bald auszuhören. Der Deutsche ist es einmal gewohnt, all sein bißchen Poesie auf den Studenten zu übertragen, ihn für den Träger der Begeisterung, für den Träger der Zukunft zu erklären. Bekanntlich entsprach der deutsche Student überhaupt, und seit 1820 besonders nicht mehr dem poetischen Bilde, das überall von ihm existierte. Das Privilegium hatte Ihn verknöchern lassen in einem Verbindungswesen, aus dem jede Spur von Poesie und Ritterlichkeit entflohen war. Die Roheit, Ungebildetheit war dieselbe geblieben, während alle anderen Stände rüstig fortschritten, besonder« der jung, Hand- werkerstand(gemeint ist in der damaligen Ausdrucksweise der A r b e i t e r st a n d. Red.) einen neuen, ungeahnten Aufschwung nahm... Es ist vielleicht bemerkenswert, daß die sogenannten kor- schen Kerle, welche fast immer die erste Rolle spielten, leb r wenig Talent zeigten, in einer oder der anderen Partei ihre Ansicht, mochte es sein, welche es wolle, zu verteidigen, sie mit ihren v-rbindungsgenossen zeichneten sich indeisen auf beiden Seiten durch unerhörten Skandal bei jedem mißliebigen Worte aus." Danach hat der Student Boerner von 1848 den Boerner von 1981 schon genau gekannt. Geändert hat dieser sich, wie man sieht. gar nicht. Auch ein Grund... Das„neue Material", auf Grund dessen die Hallenser Studenten gegen«in« Lehrtätigkeit Dehn« prolestitren. besteht nach Mit- leilung des hierin sicher unverdächtigen.Lokal-ANzeigers" darin. daß Dehn als Pfarrer der Reformationskirche in Berlin bei der Beerdigung der früheren Kaiserin gegen die Beteiligung seiner Kirch« am Trau«rgelSut— übrigens zusammen mit der Mehrheit seines Kirchenrats— gestimmt habe.— Danach wird man künstig am besten tun, in der Republik allen Republikanern die Lehrtätigkeit zu untersagen! * Dyr N e t t o r der Universität Halle erklärte, er werde der Forderung der Studenten nach Rücktritt vom Rektorat nicht ent- svrcchen. zumal die Entscheidung auch gar nicht von ihm, sondern von seinen Kollegen abhäng«. Der weiteren Entwicklung sehe er mit Ruhe entgegen. Professor Dehn werde seine Vorlesungen am Dienstag in der vorgesehenen Weise fortsetzen. Die verratenen GReichtfwehrleuinants. Oberleutnant a. O. Mendt gegen Hitler und Kraut IL In Otto Straßers„Schwarzer Front" gibt der Öberieut- nant a. D. Wendt«Inen interessanten Rückblick auf ven Ulmer R e i ch» w« h r p r o z« ß. Er«zählt, daß e, ihm und seinen Freunden vor dem Prozeß gelungen war. sührende Persön- lichkelten des Nationalsozialismus für di« Zersetzungsarbe't in der Reichswehr zu gewinnen. Nach der Verhaftung änverte sich da 6 Bild. Darüber erzählt Wendt wörtlich: Der Verteidiger Adolf Hitlers, Rechtsanwalt Dr. Frank ll. beschwor uns vor der Hauptoerhandlung, nur ja oichl die Partei 1« belaste«. Die Partei kam« nur dann vorwärtskommen, wenn aus ihr auch nicht der qermäst« B-rdacht einer illegalen Handlung läge verleibe Frank«ar e». der bei in Reichsgericht den Antrag stellte, daß Hiller als Zeug- vorgeladen wurde angeblich, um uns zu entlast«». in Wirklichkeit, um vor aller Wett seinen««ao- l i t ä t s s i d schwören zu können, unäi so kam es, daß Huler leine S1 and zum Schwur erhob... während broUtze» aus dem Reichsgerichtsplatz keine Anhänger uich die SA. unter d«N Rufen „Deutickland erwache— Nack)«",„Es lebe dl« natlcmalsozialiktssche Sewch"2 von der Polizei Mit Gummiknüppeln bearbeitet � Hitler ist seinem Schwur treu p-blieden. Er Hai den Kampf gegen die..Büra-GeneralM" eingestellt. Man kuhhaNbtlt mit den Männern, wegen denen wir>»« G*- s ä n a n i s achtn mußten, Ää&tii tntt Hämm�kstein m Kissingen— Hitler mit Schleicher auf Schloß Schwanenwerder. Man hat die bedauernswerte» jungen Leute denützl, dann ad«. als st« unbequem wurden, mit hörbarem Krach falle» gelassen. Uedarschrist: Deutsche Treue! i Wetter für Berlin, lZeberwIegenb wollig, kein««heblichen Niederschlag-. Aich. Aür Deutschland- Im Weste»-twos«<»«• rung. in Mitt-cheusschland meist wolkig, zeitweise-teas Regen. Im Osten noch Eüiiie Aenderung. las SUutifliuim-Programm ist K« iiuit 15. NoveLtb« Moderne Musik. Di« Internationale Gesellschaft sür neue Musik eröffnet« ihr zweites, wieder durch Rundsunk übertragenes, diesmal allgsmeln zugängliches Konzert mit einem Streichquartett von � Zlxthur Hart mann. Der Komponist, der sehr spät erst, als bereits Vierzigjähriger, feine Begabung entdeckt haben soll, bedient sich einer heute landläufigen modernen Tonsprache, der üblichen polyphonen Haltung und einer längst konventionell gewordenen Behandlung der Rhythmik, ohne daß er viel Eigenes oder Heber- raschendes zu sagen hätte. Die Ausführung des Werks durch das Strub-Quartett war ganz ausgezeichnet. Höhepunkt des Abends: bis Berliner Erstaufführung der bereits sieben Jahr« alten„Serenade" für sieben Instrumente und eine tiefe Männerstimme von Arnold Schönberg. Im Rahmsn ihres Stile ist diese Serenade, wie sämtliche Werte Schönbergs übrigen», mit allen Zeichen der Meister- schaft versehen: einheitlich in sich selbst, von unerhörter G-lchlossen- heit und konstruttioer Logik: all« Kräfte aufs Feinste und Subtilst« gegeneinander abgewogen: unnachahmlich in den Änstrumentations. «ffekten, die sich aus der Zusammenstellung von Mandoline, Gitarre, zweier Klarinetten und dreier Streichinstrument« ergeben— all dies aber eben nur im Rahmen diese« Stile, der trotz aller Kämpf«, aller theoretischen Auseinandersetzungen und praktischen Nach- ahmungen unfruchtbar und Problem geblieben ist. Eine Serenade mit Marsch, Menuett, Tanzszene, Lied ohne Worte?— Der Vergleich mit Bachs Menuetts und Gavotten drängt sich auf: hier wie dort spiegelt sich das Ursprünglich-Tänzerische in einem voraus- setzungsreichen späten Stil, der es läutert und vergeistigt, um es auf einer höheren Eben« gleichsam widerzuspiegeln. Bei Bach aller- Vings im Stil einer Epoche, die bei aller geistigen Potenz den Zusammenhang mit den in der Gemeinschaft wurzelnden musika- lischen Urtatsachen nicht verliert; bei Schönberg im Stil eine« Sin- zelnen, der Erfindung ein«««infamen Gehirn«, in einem Stil, der alles Klingende seltsam oerdichtet, der im Grunde gar nicht mehr Musik will im üblichen Verstand, eher«in Symbol für Musik, ein» Art geistigen Reflexes von Musik, sozusagen eine Musik höherer Ordnung. Ein extrem individualistischer Prozeß, der wohl seiner Natur noch immer auf«inen kleinen Kreis beschränkt bleiben wird. Wilhelm G u t m a n n, der das Petrarca-Sonett sang(den vierten Satz der Serenade), und Fritz Stiedky, der die Auf- sührung leitete, meisterten die Schwierigkeiten de» Werks. Schönbergs größter Schüler, Alban Berg, treibt die Ab- straktion durchaus nicht so weit! seine lyrisch« Suite sür Streich- quartett ist trotz aller Zwölftontechnik, bei allen konstruktiven Elementen kiangselig, farbig, kontrastreich, impressionistisch im Grunde, herrlich inspiriert und wirklich lyrisch: Baudelaire, Verlaine fällt einem ein... Unvergeßlich das dahinhuschende, fast unfaßbare seine„Wegro Mystertoso". Dos Kolssch. Quartett, dem die hervor- ragende Aufführung der lyrischen Suite zu danken war, spieUe da» gesamt« Programm(auch Mozart und Schubert) auswendig: und erreichte In vollendetem Zusommenspiei einen vorbildlichen Ausgleich zwischen formaler Strenge und rapsodischer Freiheit. Bela Bartoks kraftvolles und ungestümes Streichquartett op. 7 Nr. 1 brachte dos R o st a l q u a r t e t t zu Gehör, das unter einem Uebergewicht des Primgeigers, unter allzu großer Diskretion der übrigen Instrumente litt: Schubert wurden sie merkwürdig wenig gerecht. Meister des Ktarnero Wenn das Klaoierspielen heutzutage um soviel weniger göschätzt wird als früher, so ist dies nicht nur auf sin« unzweifelhafte Aende- rung des Klangideals zurückzusühren: nicht zum wenigsten sind jene zahllosen Pianisten daran schuld, die, meist im Besitz einer brillanten Technik, Konzert« über Konzerte geben, ohne daß sie im Grunde irgend etwa» zu sagen hätten. Die wirklichen Meister diese» Instrument», denen e» nicht ein Vorwand zu einer Art von Mrobatik, sondern eine Äelegenheit unter anderen bedeutet, gute Musik zu machen, haben immer noch ihr begeisterungsfähiges Publikum. So E l l y Ney, der von den zartesten Schattierungen bis brausenden Klangungewittern olle Register zur Aerfllgung stehen. die voll Leidenschaft, voll Wucht und Größe spielt, ein Teusel an Temperament und doch geistig überlegen, zweifellos dl« bedeutendste Pianistin: so G i e s e k i n g in seiner fast Unheimlichen Erhabenheit über all« technischen Problem«, in seiner kühlen, stilsicheren, sachlichen. immer interessanten Art. in seiner glasklaren Manier, Bach zu spielen oder In seiner berühmten Auadeutung Debussys. So Edwin Fischer, der diesmal nur Beethoven im Programm hatte und ihn, den Blick ganz nach innen gerichtet, schlicht, edel, einfältig im schönsten Sinn zu gestalten wußte. So endlich Frederic Lamond, der vornehmste, geistigst« und tiefste von allen. In einem von Gatz geleiteten Konzert der Bruckner- Vereinigung(in dem des Meister« erst» Sinfonie zu hören war) spielte er unter enthusiastischem Beifall der ausvertausten Philhar- monie Tschaikowskys B-Moll-Konz«rt, spielte e« intensiv und extensiv zugleich, verinnerllcht und doch mit aller leidenschaftlichen Kraft, allem Schwung und allem äußerlichen Glanz dieser hinreißenden slavischen Musik. Arnold Waltor Zweimal Krihi Maffary. Deutsches Künstler-Theaier:„Nina". Wer es noch nicht weiß, erfährt aus Bruno Franks Komädie „Nina", daß es im Film»inen eigentümlichen Beruf gibt, das Double, den Erfatzschauspieler, der immer dann einzuspringen hat. wenn die Aufnahme sür das Original zu uninteressant, zu an- strengend oder zu gefährlich wäre. Nina Gallas, der gefeierte Film- stor, hat«in solches Double, die ärmliche, stets geduckt« Poldi Stadter. Sie hat Ninas Gesicht, Figur, Hallung und auch ihr« Stimme. Poldi Stadler ist ihr so ähnlich, daß sogar Ninas Mann mitunter glaubt, seine Frau vor sich zu haben. Das Ist ihm unheim- lich, und überhaupt droht die ganze Ehe durch den unruhigen Filmdetrteb zerstört zu werden. Äpr kauler Rollenbesprechungen. Proben und Anproben, Autogrammpertellungen kommt Nina nicht zu sich selbst. Sie faßt also den heroischen Entschluß, sich ganz vom Fllm zurückzuziehen. Aber wie soll die Filmgesellschaft ohne sie weiter bestehen? Da macht sie dem Regisseur den Vorschlag, ihr Double Poldi Stadler ganz an Ihre Stelle treten zu lassen. Das gewagte Experiment gelingt, das Filmpublitum jubelt der StMer genau so zu, wie der echten Nina Galla«. Bruno Franks Komödie ist von der ersten bis zur letzten Szene amüsant und spannend, sie zeigt uns den Filmrummel von einer originellen Seit» aus. Vor allem aber bietet sie den Anlaß, Fritzi Mossarq tn zwei verschiedenen Rollen glänzen zu lassen. Tatsächlich stellt sie zwei grundverschiedene Persönlichkeiten dar: al« Nina Gallas ist sie eine vornehm zurückhaltend«, liebenswerte und liebenswürdige Frau, als Poldi Stadler ein munter drauflos schwatzender Trampel. Großartig, wie sie sich aus ofsener Szene von der kleinen Komparsin zur künftigen Filmdiva wandelt, wie aus einem ge- tretsnen Geschöpf plötzlich ein aufgeblasenes, unsympathisches Wesen wird. Unvergleichlich, wie sie zum Schluß als arrivierter Filmstar »vr lauter Pvrnehmgetu« ihr Deutsch vergißt, aber im entscheidenden Moment mit ihrer wahren Natur herausplatzt. Merkwürdig, daß die Massary die Stadler besser gestaltet als die Rollo der gefeierten Filmdiva. Leiher sehen wir den prachtvollen Anton E d t h o f« r in sehr bescheidenem Nahmen al» Nina Grallos Mann. Ottv W a l i b u r g ist der aufgeregte, in allen Sätzen gerecht« Film- regisseur. Er bringt mit seiner göttlichen Kvmik die heitere Note in die spannende Komödie. Das Publikum ist von Fritzi Massarys Kunst hell begeistert. Der. Tochs Musik zur„Heiligen aus LlGA." KurfürstenSamm-Theater. Von dem, was wir an Ernst Toch sonst sp schätzen, von seiner DifferenzisrUnqskunst, seiner kvmpvsstorssch-n Geschicklichkeit und Instrumentierungsvirtuosität ist da wenig zu m-rken. Gewiß, e» ist Gobrauchsmusil, was er schreibt:«ine Musik also, die kein« Prätentionen hat und nicht Musik an sich sein will, die al» Funktion der Handlung ein- und überleitet, verbindet, unterstreicht— trotz des Gebrauchswerts aber hätte getrost mehr von Musik dabei sein können. Die Heilige aus USA. Ist ein schwaches Stück: Tvchs Musik ungefähr das. was man ein„starkes Stück" zu ncNncn pslegt. Sie erstickt in ihrer undifferenzierten Unisvrmität, ist unbeschreiblich äußerlich, grell, voll gesuchter Dissonanz und bei all dem reizlos—- wo« also ist sie eigentlich? Biel Lärm um nichts. A. W. Die neue palucca. In Ihren Tänzen gestattet st« sich selber. Es ist die liedens. würdige, srohüche, anmutige, schlichte, ehrliche Persönlichkeit, di« in bewegten Körp-rrhythm-n zur Erscheinung lammt. Die kühnsten technischen Wuitdor wirk-» bei ihr als Notwendlgkesten seelischen Ausdrucks. Wer Palu-ca, die KünstttriN, tanzen sah, dir meint auch den Menschen Palucco zu kennen. Den sonnigen, bezaudernd liebenswerten Menschen, dessen Werk uns über Erdenstaub erhebt, irdisch« Sorgen verscheucht und Blicke in toincrc Sphären erschließt. An ihrem jüngsten Abend im B a ch- S a a l ist nun Palucca aus dem Rahmen der subjektiven Persönlichkeitswirkung hinausgetreten. Sie hat ihr Feld erweitert. Hat ihr« Individuellen Ausdrucksinittel in den Dienst objektiver Gestaltung gerückt. Nicht im Sinne virtuoser „Berwandlungsfähigkeit", sondern als di« groß« Künstlernatur, der nicht» Menschliches fremd ist. Es«ntstanden drei klein« Dramen. oder vielmehr drei dramatische Szenen. Im„Dunklen Zwang" schwere albdruckartige Traumstimmung, sehr fein ohne GIpselung in statter Linie sich hinziehend und in besreienvem Aufatmen aus- klingend. Im„A p a s s i o n a t s" ein hahee« Lied der entsesselten Leidenschaft, jauchzend, wirbelnd, stampfend, wvn hinreißender Kraft und Wucht, eine der gewaltigsten Schöpfungen de« modernen Tanze«. Dann al, Vchlußaktord«In„Fernes Schwingen",«in zartes Wehe», hin und her. begleitet»s» sanften abendlichen Glockenklängen. Kies, drei Meisterwerk« sind als Komposition und Tanzleistung Gipfel im Schaffen der großen Künstlerin, Markstein» eine» neuen Entwicklungsganges, Wegwesser zu l)vchst«n Zielen..f. 8. „Gin ausgekochter Lunge". Universum. Wenn man aus einen Rummel geh», kann man allerlei erstzden. Zwei jungen Menschen, die sich in einer Bude einem Hypnotiseur zu'r Verfügung stellen, wird suggeriert, daß sie miteinander ver- heiratet sind. Dadurch taumeln sie von einer unmöglichen Situation in die andere, bis sie erweckt werden und ihr Leben wieder in den bisherigen Bahnen verläuft. Der Regisseur Erich Schön sei per hat ossenbar mit Natiz- block und Bleistift bewaffnet, sich fleißig alle Film« angesehen, um sich jede ulkige Situation aufzunotieren Aus ihnen mochte er einen neuen Film. Der Zuschauer über wird nicht froh bei der Revue abgebrauchter Mätzchen. Manche Szenen sind nicht nur unappetit- lich. sondern widerwärtig. Siegfried Arno spielt di« übliche BambenrvU«. Man scheint Sur Zeit ja keinen lustigen Film mehr ohne Arno drehen zu können. lber kann man immer mit denselben seelenvollen Blicken und den gleichen Mundwinkel-, Hand- und Beinbewegungen wirken? Im ganzen Film Ist Paul W e st e r m e l- r als Bierkutscher der einzige. der ein klein wenig gestalten darf. Auf der Bühne sieht man Grazina, die ihren Körper fast unglaublich deherrscht und glnks und Ayres. drei Rollschuh- läufer von großem Können und Wagemut. e. st. Ann!« Befatil im Sterben. Die Führerin der englisch, Indischen Thcosophenbewegung, di«»4iährio« Annl« Besant, liegt im Sterben. veit Tagen schon nimmt sie keine Nahrung mehr zu sich. Im Glauben an die Se-lenwanderung«rklärte sie ihren Freunde», daß sie als einfacher Hindu wiederkehren Und Indien helfen werde. Ihr« Lehr«,«in Gemisch aus indischer und christlicher Religion« hat in angelsächsischen Ländern dank ihrem mystischen Einschlag Verbreitung gefunden. Die Prophetin, die schliehiiw in Indien selbst eine Schul« gründete, hat einen sungen Inder Krischnamustt al« künstigen Heiland aufgezogen. Er hat sich indes für diese Roll« Nicht al» befähigt erwiesen. In Indien hatte«nnit Befnnt als Apvstalin der indischen Freiheitsbewegung starten Einfluß. Duvivler» Pläne. Der Regisseur des Films„David Gelder" sprach sich bei einem Presseempsang über seine Welleren Pläne aus. Er will in Berlin für die Tobis einen neuen Film drehe». In dem zwei jimge Deutsche zwei Franzosen gegenübergestellt werden. Jeder redet in seiner Landessprache. Es wird also ein doppelsprachlickzer Film. Mus-amSsSheung-». Sonntag. 10 Uhr, Prof. llupth über L ä t« K» t k w i, Im Kichferstichkabl»««: Prof. Posi über Atmdrust><» d Püchse im ZeuahsüSi Dr. Bauinonn über di« Erlebnisse de» Angola-Expevition im Museum sür Böllerlunde. Im oesfinp-Theater findet Sonntag, J6 Uhr, eine Stachmtltags- Vorstellung von Sberrissz„Dt e andere Seile statt. In der Poltsbiihnc findet Montag die Lp. Äüfsühruug von Änzen» gntdcrs Bolkzstück„Das v i s r, e G« d o siaw Der pnetic AtasovIeaSend in der ÄrtiiJ-O« lind«! Senviag, A Ubr, unter Leitung Paul SKeinftfUtg» statt. Das fiovzer» wird, voiz dem Orchester erwerbsloser Musiker bestritten. Solisten stnd ÜÄafjiida Solöatini(Strien von Weber und Verdi) und der PictiUt IsehanneS Strauß(cuMoll-Konzert Beethoven). Die Lohnabbauwette rollt Reichsbahn/ Nordwest/ Ruhrbergbau/ Metallindustrie Slullgart, 7. Novcinber.(Eigenbericht.) „er Schlichtungsausschuß in Stuttgart hat nach einer außer- ardenllich bewegten Verhandlung für die württembcrgische Metall- industrie einen Lohnschiedsspruch gefällt, nach dem sich die tariflichen MtndestlShne in allen Ortsgruppen um fünf Pfennig pro Stunde verringern. Im gleichen Verhältnis ändern sich auch die Akkordsätze. Die übrigen Bestimmungen des seitherigen Lohn- abtommens, das erstmalig am 15. Februar 1932 gekündigt werden kann, bleiben in Kraft. Die Erklärungsfrift der Parteien läuft bis zum 12. November. * Die ersten Partciocrhandlungen zur Neuregelung der Lohn- und Arbeitszeitabkommen in der Eisenindustrie Nordwest beginnen am 16. November. Die Parteivcrhandlungen für den Ruhrbergbau werden im zweiten Drittel des Monats stattfinden. Zum Lohnkonflikt bei der Reichsbahn. Maßnahmen der Eisenbahner. Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands hält am Sonntag in seinen Verbandsbezirken wichtige Konferenzen ab. Auch in Berlin tritt der Bezirksvorstand mit den Bevollmächtigten der Ortsgruppen des Gesamtbezirks zusammen. Den leitenden Funktio- nüren werden genaue Informationen erteilt, damit der Verbands- apparat allen Eventualitäten der nächsten Tage gegenüber gerüstet ist. Die Lage ist ernst. Mögen die maßgebenden Stellen bei ihrer Entscheidung darauf Rücksicht nehmen. * 3m Lohnkonslikt bei der deutschen Reichsbahn nehmen die Lohnoerhandlungen am Dienstag, vormittags 10 Ahr, im Reichs- arbeitsministerium unter Vorsitz des Schlichters Dr. 3 oetteu ihren Fortgang. Doppelter Lohnabbau. Reichsregierung übertrifft Privatindustrie. Für die Werft- und Marinearsenalarbeiter in Kiel war bereits im Frühjahr der Lohn um 3 bis 6 Pfennig und darüber pro Stunde gekürzt worden. Im Zufancmenhang mit der allgemeinen Neuregelung der Löhne der Reichsarbeiter waren auch von der Reichsmarineleitung auf Grund der Notverordmmg Ver- Handlungen angesetzt worden. Die Marineleitung stellte sich dabei auf den Standpunkt, daß die Löhne der ihr unterstellten Arbeiter entsprechend den Bestimmungen der Notverordnung gekürzt werden müßten. Auch den Marinearbeitcrn war also eine Lohn kür- zung um 4,5 Proz. angekündigt worden. Ntan verstän- digte sich jedoch dann dahin, die Verhandlungen zunächst auszusetzen, bis die Regelung bei den Reichsarbeitern vorliege. Jetzt sind nun plötzlich die Organisationen erneut von der Marimleitung zu Ver- Handlungen geladen worden, und in diesen Verhandlungen wurde ihnen nun auf einmal mitgeteilt, daß der frühere Stand- punkt der Marineleitung keine Geltung mehr haben könne, weil unterdessen für die Seeschiffs- werften der L o�n um 10 Proz. gekürzt worden sei. Die Marineleitung verlangt also 10 Proz. Kürzung wie bei den Seeschiffswersten und darüber hinaus noch die in der Notoerord- nung vorgesehene Kürzung von 4,5 Proz. Sllle Einwände der Organisationen und alle Hinweife auf das seinerzeit gegebene Ver- sprechen wurden von den Vertretern der Marineleitung unberück- sichtigt gelassen. Ein brutaler Vorstoß gegen Treu und Glauben! Schiedsspruch bleibt unverbindlich. 5 Pfennig Lohnkürzung Herrn Etegerwald zu wenig. Der Reichsarbeitsminister hat den Antrag der Gewerk- sch aften auf Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs für die Holzindustrie im Rheingebiet abgelehnt. Der Schied's- spruch sieht eine Kürzung des Spitzcnstundenlohns von 1,11 Mark auf 1,06 Mark vor. Bei 44stündiger Arbeitszeit macht die Lohnkürzung wöchentlich 2,20 Mark aus. Die Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung bc- deutet eine Ermunterung der Unternehmer, die Löhne noch fester hcrabzudrückcn. Soziale Ltmschichtung. Ein Dreigespräch im Rundfunk. lieber das Thema„Soziale Ilmschichtung" unterhielten sich vor dem Mikrophon der Deutschen Welle in der„Stunde des Arbeiters" Betriebsingenieur Hermann Waschow vom AfA-Bund, Erich Lübbe, Vorsitzender vom Gesamtbetrlebsrat von Siemens, und Helmut D r e y e r vom DHV. Es würde eine Klarlegung der Frage versucht, wie weit für den einzelnen Arbeiter und Angestellten die Rationalisierung den Arbeitsvorgang mechanisiert und auf- gespalten habe. Vom Standpunkt des Arbeiters stellte Genosse Lübbe fest, daß die Ueb erficht über den Arbeitsprozeß dem einzelnen nahezu völlig genommen worden fei. Er bezweifelte, daß es sich für um- fangreiche Angestelltengruppen anders verhalte. Helmut D r e y e r stimmte insofern zu, als er diese Folgen der Rationalisierung bei Buchhaltungs- und statistischen Arbeiten im wesentlichen bejahte. Das Fortschreiten dieses Rationalisierungsprozesses, der bei der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage, wie Ingenieur Waschow betonte, vielfach zu verschlechterter Wirtschaftlichkeit der Be- triebe geführt hat, ist, darüber waren sich alle drei Redner einig, nicht aufzuhalten: wohl aber kann dafür gesorgt werden, daß er sich tn gesunden Bahnen entwickelt. Arbeiter und Angestellte sind heute nicht nur ihrer gesell- schastlichen Stellung, sondern auch ihrer Tätigkeit nach einander viel näher gerückt,«ls sie es vor Beginn der Rationali- sicrungsmaßnahmcn waren. Die gesetzlichen Sicherungen sind jedoch für beide Gruppen wesentlich verschieden geblieben. Waschow meinte, daß es heute für den ä l t e r e n A n g e st« l l t e n vielfach noch schwerer sei als für den gleichalterigen Arbeiter. eine neue Stellung zu finden, daß also schon aus diesem Grunde ein stärkerer Kündigungsschutz für ältere Angestellte verständlich sei. Außerdem sei aber die festere Bindung des Angestellten an seine Stellung aus der historischen Entwicklung des Arbeiter- und Angestelltenrechts zu erklären. Der Arbeiter wünschte für seine Ar- beitskämpfe freie Hand: der Angestellt« wollte in erster Linie Be> rufssicherheit. Lübbe betont«, daß es immer der Wunsch der Arbeiterschaft ge- wesen sei, die gleiche r e 6? t l i ch e Stellung wie die Angs- stellten zu erreichen, nicht auf dem Wege des Abbaues der Ange- stelltenrechte, sondern durch Verbesserung der Rechte der Arbeiter- schaft. Bei den Arbeitskämpfen hat die Arbeiterschaft sich immer für die Rechte der Angestellten eingesetzt. Allerdings gebe der gegenwärtige Krisenzustand zu manchen besonderen Schwierigkeiten Anlaß, die aus der Spannung zwischen dem Arbeiter- und dem Angestelltenrecht hervorgehen. Ein Keil ireibi den andern. Aus H e r d o r f wird berichtet: Durch die Stillegung des Stahl» werkbetriebs in Webach ist die Friedrichshütte gezwungen, den gesamten Hochofenbetrieb Endo November stillzulegen. Damit fällt auch für die angeschlossene Grube San Fer- n a n d o der Absatz fort, so daß diese gleichzeitig stillgelegt werden muß. Ob der Betrieb der alten HerdorferHütte weitergeführt werden kann, ist noch nicht entschieden. Der Arbeiterschaft beider Betriebe, über 450 Mann, ist gekündigt worden. Theater der Woche. Vom 8. bis 16. November. Volksbühne. Theater am BiUawvlatz- 8. bis 12. Das vierte Sebal. Ab 18. Der grüne Kakadu.— Der Äamuiersiiager. 8., lV/3 Uhr, Tanzmatinec: Raden Adas Iadjana. Skaalslheaker. Staatsoper Unter de» Linden: 8. Carmen. S. Cntsiihnm- aus dem Serail. 10. Butterfly. 11. Rigoletto. 12. Das Herz. 18. Die schalkhafte Witwe. 1«. Bohem«. 15. Walküre. 16. Cavalleria Rustieana. Bajazzi. Stadlische Oper Charlottendurg: 8. Aida. S. Don Pa-auale. 10. Butterfly. IL Coppelia. Iosephslegende. 12. Bohem«. 13. Soldaten. 14. Die Afrikanerin. 15. Carmen. 16. Hoffmann» Erzählungen. Staatliches Schauspielhaus: 8., 12. und 15. Wallenstcins Tod. 0., 10. und 14. Wallensteins Lager.— Piccolomini. 11., 13. und 16. Peer Gynt. Schlller.Theatcr, Charlottendurg: 8. und 15. Die Heirat. S. und IL Das Rilrndergisch Ei. 10., 12., 14. und 16. Die Herd« sucht. 13. Dr. Klaus. Theater mik festem Spielplan: Kurs grsieodamm- Theater: Die Heilige aus USA.— Deutsches Theater: Ge. schichten aus dem Wiener Wald.— Die Komädie: Jemand.— Somisch« Oper: ?ur aold'nen Liebe.— Somödieuhaus: Liebling Adieu.— Deutsche« Künstler. Theater: Nina.— Theater des Westeus: Das Drcimäbcrlhaus.— Nctropol. Theater: Die Blume vou Hawai.— Theater im Admiralspalast: Die Dubarrn.— Grohe, Schauspielhaus: Im weihen Riiffü.— Lessing.Theater: Die Waterloo. Drücke.— Theater am Rollendorsplatz: Der beschleunigte Personenzug.— gcutral.Theater: Schwarzwaldmädel.— Reue» Theater am goo: Der Fehltritt einer Frau.— Die Tribüue: Jung« Liebe.— Rase-Theatcr: Frühling im Wiener Wald.— Castuo-Theater: Mecker-Frihe.— Plaza: Der Soldat der Marie.— Wintergarten, Seala: Internationales Pariet«.— Reichshallcu- Theater: Stettiner Sänger. Theater mik wechselndem Spielplan: Theater ia der Stresemouastrahe: Bis 8. Sch weiß etwas, was Du nicht weißt. 9. Geschlossen. Ab 10. Kopf in der Schlange.— Lustspielhaus: 8. Die verspielte Frau. Ab 9. Ist denn das so wichtig?— Theater in der Kloster- ftraße: 8. Die Büchse der Pandora. 9. und 10. Faust. Ad 11. Di« Gartenlaube. Nachmittagsveranstaltungen: Volksbühne. Theater am Bülowplatz: 8. und 15. Kampf um Kitsch.— Deutschi» Theater: Kabale und Liebe.— Komische Oper: 8. und 15. Zur gald'nen Liebe.— Deutsche, KLnstler»Theater: Das Konto iL— Theater«es Westen«: 8. und 15. HV- Uhr: Viktoria und ihr Husar. 17 Uhr: Das Drei. mäderlhaus.--- Metropal.zhrater: 8. und 15. 14>d Uhr: Di« IZkedermaus., 17 Uhr: Die Blume von chawai.— Großes schaulpielhaua: 8. und 15. Im weißen Röss'l.— Lesstng.Thrater: 8. Die andere Seite.— Zentral. Theater: 8. und 15., 15 Uhr, und 11., 16 Uhr: Hansel und(Bretel. 8. und 15., VP; Uhr: Schwarzwaldmädel.:— Reue» Theater am Zoo: 8., 11. und 15. Könsel und (Bretel. 14. Rotläppchen und der Wolf.— Rosc-Theater: 11.. 14 und 15., 15 Uhr: Frühling im Wiener Wald, lä., 15 Uhr: Schneewittchen und die sieben Zwerge.— Theater iu der Klosterstraße: 9. und 19. Minna von Barn- Helm. 11. Hansel und Gretel. 14.,>6 Uhr, und 8. und 15.. 15 Uhr: Ztot. titppchcn.— Wintergarten. Seala: 8., 14. und 15. Internationales Taricte.— Reiche hallen. Theater: 8. und 15. Etcttiner Sänger. Erstaufführungen der Woche: Montag Luftspielhaus:„Ist d e u n d a s so wichtig?� Dienstag schiller.Theater:„D i« Herde s u d) t."— Theater iu der esemauuftraße:„D c r~~" 1 1 n g e." iie Gartenlaube." Stresemauuftraßc:„Der Kopf i n d« r E Mittwach Theater iu der Kloftcrstraße:, Danuerstag Staatsopcr:„Das Her z." Zrcitag Slädtilchc Oper:„Soldat« n."— Volksbühne: Kakadu."—„Der Kammersänger." „Der grüne cBuch Sostialistnus als Aufgabe Keiner Gegenwart in der Geschichte der modernen sozialen Be- wcgung war es so unmittelbar zur Aufgabe gemacht, in der sie umgebenden Wirklichkeit die Ansätze sozialistischer Gestaltung auf- zuzeigen und mit aller Entschiedenheit diesen Sozialismus zu wollen. Die Zielsetzung des Sozialismus ist seit Marx geklärt, so viel sie auch mißverstanden und bekämpft worden ist. Aber diese Zielsetzung muß in die heutige Wirklichkeit aufgenommen werden, selbst wenn sich dann auch herausstellen sollte, daß die„Befreiung des Menschen", die vom Heute aus in Angriff genommen werden kann, im Hinblick auf das Endziel erst ein Anfang zu nennen ist. Die Idee des Sozialismus zielt auf eine neue Stufung der mensch- lichen Kultur; sie kann nur erreicht werden, wenn die heutige Krisis des Kapitalismus in eine sozialistische Ordnung mn gebaut werben kann. Dieser Umbau ist nur möglich aus einer klaren Vorstellung des„ganzen". Carl Landauer unternimmt in seinem Buch „Planwirtschaft und Berkehrswirtschaft"(Verlag Duncker und Humblot, München und Leipzig 1931) den ebenso kühnen wie geistvollen Versuch,„das sozialistische. Wollen, das eine politische und geistige Realität ist,...mit den Ergebnissen der modernen Wirtschaftstheorie zu konfrontieren". Zunächst analysiert er die Umrisse der kapitalistischen Berkehrswirtschaft des europäisch-amerika- Nischen Kulturkreises, deren antiproduktive Tendenzen scharfsinnig aufgezeigt werden; im Anschluß an diese Analyse ergibt sich, daß ein planwirtschastlich regulierter Kapitalismus keine Lösung der bcutigen kapitalistischen Krise bedeuten kann, eine solch« plamv irisch östliche Regelung..kann höchstens ein Uebergangssystein darstellen. das notwendigerweise wenig befriedigend sunktiomert und dessen Brauchbarkeit sich abnützt" Die Frage der Wirtschaftsordnung mutz grundsätzlich gestellt werden. Landauer entwirft dam, auch konsequent die..Grundzüge einer sozialistischen Wirtschaftsordnung", an der dann die heutigen sozialistischen Möglichkeiten gemessen werden.„Es gilt für die Sozialisten zu wissen, wie man Sozialis- mus schafft... Könnte heute ein klares Programm sozialistischer Aktion gezeigt werden, ein Programm, das den Augenblicksforde- rungcn cincn Sinn gäbe, der über den Augenblick hinausführt, dann würde das einen gewaltigen und wahrscheinlich entscheidenden Zu- wachs an politischem Einfluß der sozialistischen Parteien in allen Kulturländern bedeuten." Vielleicht ist die Prograinmatik, die Landauer entwirft, noch nicht genügend bis zur letztmöglichen Konkretion vorgetrieben— die große Gefahr jeder Pro- grammatik—. aber sein Buch ist ein ernster Versuch einer gesamt- wirtschaftlichen Orientierung des Sozialismus, die sich nicht in Cinzelproblemen verliert. Deshalb darf es auch im Rahmen einer kurzen Anzeige unterbleiben, auf die Fragwürdigkeit von einzelnen Thesen näher einzugehen Landauers Arbeit muß jedem S o zral i st e n dringend zur Auseinandersetzung und Klärung seines politischen Wollens empfohlen werden. J. P. Mayer. Sonnabend, 7. November. Berlin- 16.05 Unterhaltungsmusik. 17.50 Zehn Minuten Film. 18.00 Willy Biedermann: Jugend, Beruf. Politik. 18.25 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30 Die Erzählnng der Woche.(Erich Franrcn.) 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Franz Schubert: Sonate B-Dur.(Johannes StrauC, Flügel.) 19.45 Pohl: Sozialpolitische Umschau. 20.00 Wovon man spricht 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswustcrbauseij. 16.00 Prof. Dr. Alfred Weber: Wirfschaftsvcrpflichtung und staatliche Bc- sonderung. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Dr. J. Kroncr: Rheumatismus als Volkskrankhcit. 18.00 Günther: Deutsch für Deutsche. lb.30 Prof. Dr. Leisegang: Die Denkformen des Menschen. 1�.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Dr. C. Schweitzer: Was ist Wahrheit? 20.00 Lehr spiel vom Arbeitsgericht von Ludwig Spitzer. Regie: Dr. Karl Würzburger. 20, JQ.Wien: Europäisches Konzert; Franz L.ehär,>.: Sonntag. 8. November. Berlin. 6.30 ronkevmnasUk. 8.00 Für deo Landwirt. 8.55 Uoreenfeier. 10.05 Wettervorhersase. 11.00 Feierstunde. Veranstaltet vom Arbeilcr-Kultur-Kartell QroB-Berlin. 12.00 Konzert. 14.30 Ania Simon: Märchen. 14.50 Mandollncnorchcster-Konzcrt. 15.20 Aktuelle Abteiluni. 16.10 Ruffby-Spicl Tennis-Borussia— Slavia Prafi. 16.30 Julian Landau liest eigene Lrzählungcn. 16.55 Johann und Josef Strauß. 18.30 Dr. Siegfried Nadel; Vom Balkan(mit Schallplatteubeispielenl. 1S.55 Pfltzuer-Licder.(Deila Reinhardt, Sopran. Flügel: Der Komponist.) 19.20 Julie Leipiiger-Stettcuhclm. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Tagesglossen(Alfred Kerr). 20.30 Wiederholung des Funk-Potpourris London— Berlin. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswustcrhausen. 7.00 Haniburg: Bremer Hafenkonzert. 11.30 Bach-Kantaten. 14.00 Werner Rautenberg: Elternschaft nnd Sparmaßnahmen der Schulen. 14.30 Werner Brink: Der Bauleiter. 16.30 Dr. Herbert Rosenberg; Luther und die deutsche Musik. 18.40 München: Alte Meister der Orgel. 19.10 Moidi Jokl: Orflncr Tee. Chinesisches Hörbild. 11.35 Heinr. Lersch liest eigene Dichtungen. Auslührlidies Programm im„Arbeiterlank". Bcranimotil. lllr die Nrdakiion: RIch. Bernstein, Berlin; Anzeigen: TH. Glocke, Beelin. Veelag: Bnemäets Veelaq ffi. m. b. S.. Beelin. Druck: Botmätts Sud). deuckeeei und Serlagsonftal, Paul Singer& Co.. Berlin SW 88. Lindenkrake 3. Hierzu 1 Beiloae. Sfaals Theafer Sonnabend; den 7* November Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Der{liegende Holländer Staatl.Stospielhaos GtidamnauttL 20 Uhr Wallensfeins Laoar/ Ule Piccolomini Schiller-Theater Chirlttlntar� 20 Uhr Das Nürnbergisch Ei Reichshailen-Theater Abends 8 Ohr. Sonata) udunitlag Z', Ohr Stettiner Sänger Di: neu- Burleske „Oer arme Kasemir* HadbiiHteai lato» Praha. wllis Pnigranml IU Sonntag, denSJovember nachmittags 2 Uhr HAUSmAND Restaurant Berlins BETRIEB KEMPlHSKlM inlernatlonales thealer kleines Theater) Unter den Linden 44. 8 15 Uhr Flucht vor Michael mit Kitty Ascbeiibaeh In Vcberebung: iOenau von Vera Bara. Slädf.oper Charloltenburg Bismarcksttaße 34 Sonnabd., Novb Turnus III Anfang 20 Uhr Boltöme Ende nach 20 Uhr VoiKsbiiime Theater am BBiowpIati 8 Uhr Das vierte Gebof StaatL Sdiiller- Theater 8 Uhr Das Nflrnbergisdi El Rose- Theater (nSe Frukterter Strato 13? Iii. Weidiul E 7 J4Z2 6 und 9 Uhr FrUhling im Wiener Wald Theater am Nollendorfplab Täglich S1/« Uhr Sonolag nadim. 4 lldr Max Adalbert in: Oer beschleunigte Personenzug St. naenm kl. Preise «v.uhr CASINO-THEATER»1/. uw Lothringer Strafte 37. HiiiMiiiNniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiiuiiiiiiiiuiiiiiiiiiiMie Volksstück Btecher- Fritze Dazu das Singspiel„Erwischt" und du neue bunte Programm! Outschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pt, Fauteuil I.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Adolf Boese Uhrmacher und Juwelier NW 40, Alt-Dioablt III. TOL Moabit£272 Reichhaltiges Lager in Uhren. Juwelen. Gold-, Silberwaren und Bestecke. Preiswerte Geschenkarllkel für(ede Gelegenheit. Reparalurwerksfalt für Uhren und Goldwaren, erstklassig und bllltg. Tasehen-Chren.... Mk. S.öO Ai-mbaad-rbren... Becker.......' s.g» � Salon-lhren..... 28.00 �8 Für alle Waren wird Garantie oelelstet. {Beilage Sonnabend, 7. November 1931 SprKSM StuUaul&i&e sf* Kr.' uy'Srib QevbesLjel U&wmann'M.oslav: Die d.ev Weehe: Wiewivd. mem Wiedel* l&b&MdiffT Für einen, der einmal versehentlich für wt erklärt wurde, ist eZ gar nicht so leicht, wieder zu den Lebendigen gezäblt zu werden. Tas mußte besonders ein gewisser Alexander Szabo in Ungarn er- fahren. Alexander Szabo betrat das Meldeamt in Koloszvar. Er wandte stch bescheiden an den diensttuenden Beamten:«Verzechen Sie, können Sie mir sagen—* Der Beamte blickte unwillig über die Brillengläser, legte seufzend die Frühstücksstulle aus der Hand und unterbrach ihn: „Zunächst Ihren Namen, bitte." „Alexander Szabo. Ich möchte gern in Erfahrung bringen—* „Ihre Wohnung?" „Entschuldigen Sie, aber das tut hier wirklich nichts zur Sache. Ich Der Beamte richtete sich drohend auf.„Wollen Sie vielleicht einem altgedisnten Beamten beibringen, was was zur Sache tut, hö? Was ich frage, tut immer was zur Sache, verstanden?!— Also, wo wohnen Sie?" „Hier nirgends. Ich bin vor einer halben Stunde mit dem Zuge angekommen. Ich bitte Sie ja auch nur—" „Haben Sie früher hier gewohnt und wo?" Alexander Szabo nannte eine Straße und eine Hausnummer. Cr hatte sich in fein Schicksal ergeben. Der Beamte kramt« eine Viertelstunde lang in Mappen und Büchern: dann sah er den Un- glücklichen drohend an: „Sie belügen mich, Herr! Sie existieren ja gar nicht! Sie sind ja tot!" Alexander Szabo sank auf einen Stuhl und fragte verdattert: „Ich? Tot? Also wirklich, das ist mir neu. Also wirklich, das hat mir noch keiner gesagt. Da steht man nun vor Ihnen und ist dabei wt— komisch. Wie denken Sie sich denn das eigentlich...?" „Ich habe gar nichts zu denken, ich habe ungarischer Beamter zu sein, verstanden? Jedenfalls steht hier in den Akten: Gefallen in Rußland am 17. September 1916." „Ich bin doch aber gar nicht gefallen! Ich war in russischer Gefangenschast und konnte erst jetzt zurückkehren!" „Das geht mich gar nichts an. Ich habe mich an das zu halten, was in den Akten steht. Für mich sind Sie wt. Bitte, Ab- teilung 37, dritter Gang vierte Tür links geradeaus, Bestattungs- und Friedhofsamt, falls Sie eines unnatürlichen Todes gestorben sind, Zimmer 38. Ich selbst bin für den Verkehr mit Toten nicht t zuständig. Mahlzeit." Alexander Szabo war wirklich schon leichenblaß geworden. Er hall« aus dem Meldeamt lediglich die jetzige Adresse seiner Frau erfahren wollen, und jetzt war er plötzlich tot. Nach kurzem Schwanken begab er sich ins Zimmer 38. Hier erklärte man ihm etwas höflicher, denn man war ja zu- ständig, daß er irgendwelche Papiere beibringen müsse. Ja, die habe er in Rußland verwren. Dann müsse er sie sich wieder verschaffen. Wie, sei seine Sache. Mahlzeit. Alexander erfuhr die Adresse seiner Frau von einem Einwohner der Stadt— allerdings auch, daß sie sich inzwischen wieder ver- heiratet hatte. Nichtsdeswweniger eilte er zu ihr. Sie spielte mit drei ihm unbekannten Kindern und sagte ihm nach der ersten Aufregung: „Also, Alexander, es ist nett, daß du wieder da bist, und ich wünsche dir viel Glück in der Heimat. Aber vor der Behörde be- stättgen. daß du es bist, das kann ich nicht. Denn dann würde ich ja in Bigamie leben. Und sieh mal. mich jetzt von meinem Mann trennen, wo wir drei Kinder haben— du wirst selbst einsehen—" „Das verlange ich ja gar nicht!" sagte Alexander kleinlaut. „Das ist sehr lieb von dir. aber die Behörde würde es ver- langen." Sie erhob sich und sprach fest und deutlich:„Alexander, ich erkenne dich nicht. Wiedersehen." Alexander war in der harten Zeit der Gefangenschaft ein ein- sichtiger Mensch geworden und verstand seine Frau. Er suchte sich anderweitige Hilfe und ermittelte einen Pfarrer, der ihn in Barazdin, woher er stammte, getauft hatte: dieser Pfarrer war geflohen, als seinerzeit die Serben anrückten, und halte die Kirchen- bücher mitgenommen. Er lebte in Budapest. Dieser Pfarrer war ein merkwürdiger Mann: er glaubte Alexander alles aufs Wort. ohne nach Papieren zu fragen, und stellte ihm eine Abschrift des Taufscheins aus. Mit diesem unschätzbaren Dokument bewaffnet, eilte der amtlich Tote nach Koloszvar zurück. „Getauft", sagte der Beamte, nachdem er den Schein überflogen hatte,„getauft kann jeder werden Aber woher soll ich wissen, daß Sie geboren sind? Sie müssen sich vom Standesamt in Barafzdin einen Geburtsschein besorgen. Vorher ist nichts zu machen. Alexander überschritt heimlich die jugoslawische Grenze, denn Varaszdin war inzwischen jugoslawisch geworden, und ein Visum hätte er als Toter nicht bekommen,— und wurde in Varaszdin vorstellig. Beinahe hätte ihm der dortige Beamte den Schein gegeben— dann aber fiel ihm etwas ein:„Halt! Wenn ich Ihnen den Schein ausstelle, sind Sie jugoslawischer Staatsangehöriger. Dann müßten wir Ihnen ja hier Arbeit und Unterstützung geben— tut mir leid! Kann ich angesichts unserer infolge der Arbeitslosigkeit im eigenen Lande erlassenen Bestimmungen leider nicht machen. Beschwerde- recht haben Sie. Fahren Sie nach Beograd!" Alexander sagte etwas auf russisch, was der Beamte leider ver- stand, saß seine acht Tage wegen Beamtenbeleidigung ab und ließ sich nach Ungarn abschieben. Nachdem er sich«in halbes Jahr kümmerlich durchgeschlagen batte, erfichr er, daß der Manu seiner Frau plötzlich gestorben war. Er schrieb ihr sofort, und ein Jahr später heirateten sie— zum zweiten Male: der gute Pfarrer in Budapest nahm die Trauung vor. Für die Behörden blieb er wt. Er übernahm das Geschäft seine» 2«» und Zwischengänzer» und lebte zufrieden— bis auf die unglückselig« Tatsache seines amllichcn Totseins. Er versuchte, sich seine MUitärpapierc zu verschaffen. Die hätte er auch bekommen, weim er— den Geburtsschein gehabt hätte... Inzwischen war es ss weit, daß das älteste der Kinder von der Bürgerschule in Koloszvar aufs Gymnasium in Budapest kommen sollte, denn es war ein sehr gewecktes Kind. „Wie alt ist dein Vater?" fragte es der Schulleiter. „Mein Vater ist tat. Ich habe einen Pflegevater." „Und wie all ist dein Pflegevater?" „Der ist auch tot." „Ich denke, du hast ihn noch? Und er hat doch auch, wie ich hier sehe, den Aufnahmeantrag unterschrieben?" „Trotzdem!" sagte das Kind. Es kam nach Koloszvar zurück mit einem Schreiben des Direktors: es möge wiederkommen, wenn die Familienverhältnisse geklärt seien. Die FamllienoerhAtnisse waren nicht zu klären, und das Kind konnte nicht aufs Gymnasium. Jetzt wurde es dem toten Pflegevater zu bunt. Gerade lag vor ihm eine Aufforderung des Finanzamts, schleunigst seine Steuern zu zahlen. Er teilte dem Finanzamt mit, daß er als Leichnam keine Steuern zu zahlen brauche. 5iochachtungsvoll... Das Finanzamt schrieb umgehend zurück, ihm wäre das ganz egal, es nehme es von den Lebendigen und von den Toten. Ihm aber wäre das nicht egal erklärte Alexander. Da ließ ihn das Finanzamt zum Offenbarungseid laden. Das Gericht erklärte, daß im Gesetz der Fall der Eidesablegung durch Tote nicht vorgesehen sei, und——» und erklärte ihn umgehend für lebendig! Alexander Szabo, der wieder zum Leben geoffenbarte, schrieb dem Finanzamt einen tiefgerührten Dankbrief. Was nicht ihm und nicht seiner Frau, nicht dem Pfarrer und nicht seinem Kinde ge- lnngen war— das Finanzamt hatte es geschafft! Denn ein Finanz- amt, das seine Steuern eintreiben will— das schreckt vor nichts zurück, vor gar nichts! (In Ungarn selbstverständlich— nur in Ungarn!!) Nsz» IMaLvsch ins'Nichis Soxiale Sludtie/ Von Friedvich Fichinek&v Eine kleine stille Straße ün Westen... villenartige Häuser mit Vorgarten... vornehme Ruhe... Stille der Geborgenheit. Ein kleines Palais, ohne übertriebenen Prunk, unauffällig, schlicht in der Häuserzelle... das Tor aus Glas und Schmiedeeisen... ein freundlich nickender Portier, rund und behäbig... mll Backen- bart als Franz Josef I. Jetzt durch den Flur... über den Hof ... über die praktikable Treppe des Hinterhauses... Luft von Amtsräumen schlägt einem entgegen. Ein kurzer, schmaler Korri- vor, in den: tagsüber immerzu das elektrische Licht brennt. Es sieht hier gar nicht so unfreundlich aus... weiß gestrichene Helle verbrellende Türen. An den Wänden buntfarbige Plakate:„Besucht die österreichischen Salzkammergutseen!"„Herbst in Tirol."„Wien. das Zentrum des europäischen Fremdenverkehrs."„Die herrliche grüne Steiermark." Hotels mit allem Komfort, den unser Zeit- alter seinen verwöhnten Zettgenossen zu bieten vennag, preisen sich da an. Es sieht in diesem kurzen, schmalen Korri vor wie nach Ver- kehrsbureau aus. Das machen die hübschen Plakate. Hin und wieder kommt jemand und fragt einen der Herumstehenden nach der Paß, und Visumstelle. Das stärkt die Annahme. Ein Kursbuch aber liegt merkwürdigerweise hier nirgends auf. Und was sind das für Leute, die da eng nebeneinandergedrückt auf der Bank sitzen und nur selten und sehr gedämpft sprechen? Ich höre hin: österreichischer Dialekt. Mir fallen die großen, dick ge- packten Rucksäcke auf. Sie müssen gewiß sehr schwer sein. Auf sie gestützt: Füße, die in boxcalfenen,«isenbeschlagenen Schuhen stecken. Manche sehen schon recht ausgetreten und dünnschalig aus. Viel Swub liegt darauf. Staub, wie er die Landstraße bedeckt, jene Heerstraßen, die wie Hauptarterien den Körper des Kontinents durchlaufen. Am Sohlenrand klebt alter hartgewordener Kot. Das sieht beinahe genau so aus wie bei den großen eleganten ix-LL-igen Tourenwagen, die im Tag so chre paar hundert Kilometer„machen". Staub mid Kot der Landstraße. Jetzt sehe ich mir die Gesichter der Menschen an, deren Schuhe einem so manches verraten. Jung sind die Kerls, verdammt jung, keiner über die Milte der Zwanzig. Und doch sehen diese Gesichter gar nicht mehr so jung aus. Da sind Falten in die Haut gekerbt, hart«, wie mit einem Messer geschnittene Falten, kreuz und quer, parallel nebeneinander laufend, dann wieder sich überschneidend, genau so wie die vielen breiten staubigen Landstraßen, die durch den Kontinent laufen, genau so. Diese Gesichter mit ihren Furchen und Wülsten sehen wie Boden- reliefs aus. Und da fehlen auch nicht die Seen. Sie sind zwar nicht so schön ultramarinblau wie auf den Bodenreliefs in der Schule— oder gar in Wirklichkeit die Seen des Salzkammerguts — sondern sie sehen recht trübe und matt aus: die Augen dieser Menschen. Ihr Blick ist gleichmäßig ruhig, es ist aber weniger Ruhe als Müdigkeit, fast übernächtig blicken diese Augen— und immer geradeaus, als sähen sie fern am Horizont«in Ziel, das unter allen Umständen erreicht werden muß. Die Jungens da... an den Wänden die Plakate... die prallen, schweren Rucksäcke. Erste oberflächliche Vermutung: Tou- risten. Aber um diese Jahreszeit? Und da erinnere ich mich, daß ich mich auf dem österreichischen Generalkonsulat be- finde, und daß das hier kein Fremdenverkehrsbüro ist— trotz der Plakate. Aus einer Tür schlüpft ein junges Mädchen. Ihr Gesicht ist freudig. Sie spricht zu den Iungens auf den Bänken in unver- fülschtem österreichisch-wienerischem Dialekt mit jener lärmenden, überspru-delnden Lebhaftigkeit, wie sie nur dem Völkchen an der Donau zu«igen ist: Lebhaftigkeit der Romanen, Slawen, Magyaren Und mit einer alles überstrahlenden Glückseligkeit«rzählt sie, daß ihr der Konsul eine Schlafstelle angewiesen hat und auf der man ihr außerdem zweimal in der Woche eine Mahlzett verabreicht — die übrigen Tage zwar ist sie aufs Hungern gesetzt, aber das „schenieri" sie„gar nix", sie wird schon durchkommen, nur nicht den Mut verlieren! In emigen Wochen gcht sie nach England, dort hat sie schon eine Stellung, es kommt nur darauf an, bis dahin durchzuhalten. Und dann ist sie draußen. Zurückbleiben ihr Lachen, ihr Optimismus, der den anderen hier Wartenden genau so gut bekommt wie eine warme Brühe auf nüchternem Magen. Die müden, schlaftrunkenen Gesichter erhellen sich. Der eine oder ander« richtet sich auf, streckt sich, bringt seine Knochen in Ordnung, geht auf und ab. Es wird Zeit zum Auf. bruch. Man muß weiter. Dies« Rast hier im Korridor ist nur dazu bestimmt,, um vom Konsul ein Nachtquartier angewiesen zu bekonnnen und ein« Unterstützung(die eine Reichsmark nicht über- steigt). Denn sie sind nicht die einzigen, die da täglich tn dem Vorraum warten. In einem Monat sind es Hunderte, in einem Jahre Tausende— und Oesterreich ist ein armes Land. Was treibt diese Jungen auf die Wanderschaft? Abenteuer? Romantik? Nichts von alledem. Dies« Gesellen wandern nicht, sie marschieren, auf den Rücken den Tornister gepackt, der die letzten Reste von Habe und Bodenständigkeit enthält. Genau so marschierte der Frontsoldat... Landstraßen lang... immer vorwärts... fraß Staub, Dreck und Kilometer... marschierte immerzu... Wohin? Keiner wußte es. Vielleicht dem Feinde entgegen?... Sicher. Aber das war egal. Man marschierte, weil man mußte und dachte nicht daran, wohin. Vielleicht ins ... Nichts. Und wieder marschieren junge hoffnungsvolle Menschen kreuz und quer durch Europa. Wohin? Dem Feind entgegen?.Sie suchen Arbeit. Sie fanden keine in der Heimat. Die Fremd« wird ihnen helfen. Die Fremde ist immer besser als die eigene Heimat. So denken sie und bauen auf das Vertrauen, das sie in das fremde Land setzen.... Nur ganz wenige von ihnen finden Arbeit. Aber dies« Menschen sind so von Zuversicht auf den Zufall, auf das Glück erfüllt, daß sie nicht so bald eine Enttäuschung von ihrem langen und beschwerlichen Wege abbringen kann. Es liegt in diesem Durch-die-Well-ziehen so etwas wie Selbstverständlichkeit, eine Aktivität, die passiv ist. Sie sind nicht darauf aus, das Leben zu erobern, sie lassen sich«her von ihm erobern. Ihr Marsch ist Verzweiflung— eher Gleichgültigkeit, dos letzte Stadium von Verzweiflung. Genau so wie damals in den Iahren 14, 15, 16... Da tritt ein Mann ein. Cr sieht aller, abgekämpfter, müder aus als die anderen. Er fragt die Jungen, wohin sie wollen, und sie fragen ihn dasselbe. Er sagt, er komme aus— gleichgültig von wo— er will jetzt zurück, in die Heimat. Er wird mll Fragen bestürmt, ob und wo er Arbeit gefunden hat. Der Mann nickt ein Ja... genug Arbeit... jetzt will er wieder Heini... zu seiner Familie. Und das olles glauben ihin die Hoffnungsreiche». Es fällt ihnen gar nicht ein, daß dieser Mann aus demselben Grund« hier ist wie sie... um ein O b d a ch... um ein Essen... um eine Mark... Nur auf dem umgekehrten Weg« wie sie, aus dem Marsch zurück in die Heimat, die er wie alle hier nnt denselben 5ioffnungen verlassen hat, um nach soundso viel Jahren genau so... Aber darüber spricht er nicht zu den anderen. Vielleicht, um sie nicht zu entmutigen, vielleicht aber schämt«r sich auch. Er, der alles gut hinter sich gebracht hat, kann den anderen so manchen brauchbaren Wink geben. Die Jungen hören ihm auf- merksam zu, wie Schüler ihrem Lehrer. So ziehen dies« Menschen, meist junge, voni Süden zum Nordeck und umgekehrt, nach Westen, nach Osten, immer kreuz und quer durch die Länder Europas. Landflüchtige, an Fernweh leidend, nach Arbeit und Brot suchend. Es ist eine wahre Völkerwanderung angebrochen. Ein Wandern von Menschen, für di« es nirgendwo Platz gibt. Die Ueberzähligen. Der Menschenüberschuß, der sich auf den Marsch ins Nichts macht, ins Nichts deshalb, weil dieser Marsch gewöhnlich dort endet, von wo er seinen Ausgang ge- nommen hat, in der Heimat, am Arbeitsnachweis Friedvicb Nietzsches Nacblaß Das Werk Friedrich Nietzsches mag noch so umsttitten sein— Nietzsches scharfe Ablehnung des Sozialismus ist bekannt—, dennoch gehört es zu den bedeutendsten Denkmälern der deutschen Geistesgeschichte.' Die zweibändige Ausgabe der nachgelassenen Ar- betten Nietzsches, die Alfred B ä u m l e r in der Sammlung der Taschenausgaben des Verlages Kröner(Leipzig 193) je Band 3.76 Mark) herausgibt, stellt das Verständnis der Nietzschcschen Philosophie vor völlig neue Zusammenhänge. Der Leser nimmt un- vermittelt am Arbeitsprozeß dieses rastlosen, das Leben in immer neuen Anläufen deutenden Denkers teil. Von den..Unzeitgemäßen Bettachtungen" bis zum letzten Werk des einsamen Denkers, dem „Willen zur Macht", vereinigt die Nachlah-Ausgabe Entwürfe. Vor- arbetten, erste Niederschriften, Pläne, die den bekannten, von Nietzsche selbst veröffentlichten Werken erst den rechten Hintergrund und gelegenllich auch erst den substanziellen Zusammenhang geben. Darüber hinaus stellen diese Bände«inen sehr wesentlichen Bei- trag zur Psychologie des philosophischen Schaffens dar.— a— Arbeitersport und 9. November Hiedsx jährt der Tag der Revolution van 1318. da die Throne zusammenbrachen und die Generale und alle die Gewaltigen des Wilhslminismus mit Pässen der sozialistischen Regierung Ebert> Aaase In» Ausland flohen oder sich im Inland kiiinmcrllch und kläglich verkrochen. Wa? aber hat die Revolution vgm November 1318 mit den Arbeitersportlern zu tun? Mancher wird diese Frage stellen, aber sie muh mit den zwei Worten beantwortet werden: Sehr viel! Sport ist revolutionär im besten Sinne de» Wortes, und es ist nicht unnütz, den Blick in die Geschichte bis ins fernste Altertum schweifen zu lassen Der Gewalcherrscher van Persien sandte seine Aeere 433 vor Christus gegen das vom demolratischen Athen gs- führte Griechenland. Bei Marathon kam es zur Schlacht, und das lhcsr des persisckzcn Feldherrn wurde von den Kämpfern der Iths- Nischen Freiheit geschlagen. Ein Sportler, ein Läufer, über- brachte dem Volk von Athen in dem historisch gewordenen Marathon-Lauf die Siegesnachrtcht. Hinsinkend unter der Anstren- gung dieses Laufes, vermochte er noch den Bürgern Athens die wenigen Worte zu melden, daß die Freiheit über die Tyrannei gs- siegt habe. E» ist interessant, daß in den republikanischen Zeiten des gs- waltigsten Weltreiches im Altertum, im alten Rom, die körperliche Tüchtigkeit in hohem Ansehen stand. Als der Cäsarismus und mit ihm der Byzantimismus. die Anbetung der Gewalt, kam, da schrieb Roms Dichter Horaz:„Es gibt Leute, denen es Freude macht, mit dem Nennwagen den Staub bei einem olympischen Wcttkampf auf- gewirbelt zu haben." Er aber, der Dichter Horaz, in der Regie- rungszeit de? Kaisers Augustus, bekennt sich zu der Freude, seinen Gönner, den reichen Kapitalisten Mäcenas, anzuhimmeln und ihm knechtische Huldigungen darzubringen. Das Kaiserreich Rom brüllt: „Brot und Spiel!" und hat seine Gladiatoren, sein« bezahlten Kämpfer. Lesen wir in Friedrich Halms„Fechter von Raven n a" nach! Der Sohn Hermann des Cheruskers, Thumelikus, spricht: „Ich bin ein Fechter, will'«in Fechter sein!" Wir haben da im Rom des wahnsümigen Kaisers Caligula ein Spiegelbild des von wahrer körperlicher Ertüchtigung auf bloße Erwerbssklaoerei erniedrigten Professtonalismus, de» der Anhänger wahren Volkssports nur allzu oft an den Pranger stellen mußte. Das kaiserliche Rom versank, es kam das Mittelalter mit all seinem Dunkel und all seiner Unduldsamkeit. Die Schäden, die es brachte, sind noch heute nicht beseitigt. Wir wissen, welche Kämpfe gerade die Arbeitersportler mit den Dunkelmännern, den prüden Sittlichkeitsaposteln auszufechten haben. Auch heute noch wollen sich gewisse Kreise nicht nach den Worten der Schrift aus Römer 12 Vers 15 richten:„Freuet euch mit den Fröh- l i ch« n!", und sie scheinen Matthäus schlecht zu kennen, der schreibt, daß die Starken des Arztes nicht bedürften, sondern die Kranken. und daß man jungen Wein nicht in alte Schläuche fassen soll! Dies gerade am Gedenktage der Revolution von 1318 aus- zusprechen, scheint uns, wenn wir an gewisse Ereignisse denken, die sich in den letzten Jahren abspielten, recht notwendig. Ist e» aber nicht sehr viel mehr als ein Zufall, daß in der großen französischen Revolution ein Danton krühererSport- l»r war? Lese man in Büchner» unvergänglichem Werke nach! Den geschniegelten, parfümierten und geradezu auf Stelzen einher- schreitenden Aristokraten jenes Hofes, dessen Königin sich immer nur als Sproß des Hauses Habsburg, unter keinen Umständen aper al»„französische Bürgerin" sühste. mußte es natürlich widerlich fein, wenn plötzlich das Volk im einfachen Gewand« des Sportlers sich meldete. Di« preußische Geschichte«eist nach den sogenannten Be- freiung»kriegen von 1813— 1815 dem Sport, der sich damals noch Turnen nannte, eine besondere Bedeutung zu. Dl« sungen Men- schen, die sich 1813 zum Kampfe gegen Napoleon zusammenscharten. waren Demokraten. Sie wollten kämpfen für ein freies Deutschland nach innen und außen. Ihnen lag nichts an der Dynastie Hohenzyllern in Preußen und an den durch Na- poleon zu Königen erhobenen Fürsten von Sachsen, Württemberg und Bayern. Die Lützower Jäger stritten unter schwarzrot- goldenen Zeichen, und ihr Wollen und Kämpfer war auf ein einiges deutsches Reich gerichtet. Jahn war Vorkämpfer der Turner. Geben wir über das, was ihm nach dem Wiener Kongreß al» Dank pon den Hohenzollern zuteil wurde, einem wirklich un- verfänglichcn Zeugen das Wort: Das Konversationslexikon von Blockhaus, 1332 erschienen: sogt: Durch sein freies und offenes Wesen der herrschenden Reaktionspolitik gegenüber geriet er in den Verdacht eines D e- m a g o g e n, und es erfolgte die Schließung der Turnplätze. Jahn selbst wurde am 14. Juli 1813 verhaftet, zuerst nach Spandau, dann nach Küjtrin gebracht und hierauf 1823 vor eine Jmmediat- kommlsfion in Berlin gestellt. Bis zur Entscheidung als Festungs- gefangener in Kolbcrg unter Aufsicht gehalteu, wurde cr 1824 zu zweijähriger Festungsstrase verurteilt, 1825 indes freigesprochen. Dennoch untersagte man ihm. seinen Aufenthalt in einer llnivcrsi- täts- oder Gymnasialstadt und innerhalb 13 Meilen von Berlin zu nehmen. Er wählte Freyburg an der Unstrut zum Aufenrhalts- orte, wurde aber 1828, weil er der Jugend durch demagogische Umtriebe ein gefährliches Beispiel gegeben haben sollte, nach Cölleda oerwiesen. Erst 183S gestattet« man ihm, nach Freyburg wieder zurückzukehren, wo cr auch blieb" Aber dos ist kein Einzelfall. Als Napoleon gestürzt war, setzte dem Versprechen der Gekrönten zuwcher die Reaktion ein. die jede freiheitlich« Bewegung zu unterdrücken bemüht mar. Neimen wir Namen: Der siegreiche Generalstabschef Blüchers, G n e l s e n a u, wurde, well er im Verdacht liberaler Gesinnung stand, überwacht, ein A r n d t � ein Grimm, ein Fritz Reuter stehen auf den schwarzen Listen der deutschen Reaktion, deren Hauptträger Metter- «ich und Friedrich Wilhelm von Preußen und deren Gefolgsleute die Könige vpn Hannover und Sachsen, die Großherzöge und Fürsten de? deutschen Bundes waren. Die Revolution von 1848, die den Volksausbruch gegen dies nlederträchtige und verräterische System darstellt, hatte keine» Erfolg. Aber es zeigte sich auch in dieser gewaltigen Vplksbew«- gimg, daß die Sportler und Turner in vorderster Reihe standen 1848, als der Hohenzollernkönig Friedrich Wilhelm IV. sich vor dem deutschen Banner Schwarzrotgold, gs- horsam dem Rufe:„Hut ab!" beugte, floh der spätere Kaiser d«» Sozialistengesetzes, der Prinz von Preußen, unter dem Namen Leh- mann nach England- Er kehrte zurück, um sich in Baden den Schandtite! des Kartätschcn-Prinzcn zu erwerben. 5)cute singen die Arbeitersportker: Frisch heran, Brüder, hört ihr das Klingen! Freiheitslieder vergangener Zeit! Freie Turner von Hanau sie singen, Die bei Rastatt dem Tode geweiht! * Menschen vergehen. Zeiten verwehen! Der November 1318'1zgt einen Schlußpunkt gesetzt: Der Willielmimsmus mar fortgefegt, und auch der Arbeitersportker konnte aufatmen. Vorher war cr unter- drückt, war. wie die Phrase des amtlichen Lexikons lautet,„für politisch" erklärt. Jetzt war er frei. Er konnte sich betätigen, wie er wollte. Er konnte sich die Ausdehnung gewinnen, über die er heute verfügt. Das ist das Bcrdicnst der Revolution von 1918. Das ist für den Arbeitersport die Grundlage geworden für eine wahrhaft weitgreifende Betätigung im Dien st e de» Prole- t a r i a t s. Aber diese Möglichkeit legt ernsteste Pflichten auf. Es kann, wenn man zum Arbeitersportler am 3. November spricht, unmöglich nur über errungene Rechte die Rede sein. In jedem Arbeiter- sportler muß das Wort lebendig werden, das ein großer Denker sprach: Inhalt unseres Lebens find nichterfüllte Wünsche, sondern erfüllte Pflichten! * Revolutionsgedenktag! Er kann nicht siir uns be- deuten, daß wir uns ausruhen auf errungene» Rechten, er zeigt einzig für uns die Pflicht, daß wir werbend wirkeo für den Sozia- lismus, für die Befreiung der Arbelkerklasie. Dieses Ziel kann mir erreicht werden durch den Kampf in der Sozialdemokratie. Gerade an diesem Gedenktag« muß offen gesagt werden: Der Arbeiter- sportler ist in erster Linie Sozialdemokrat. Nur wenn er das er- kennt, kann der Sang Wahrheit werden: Brüder, zur Sonne, zur Freiheitt Sport am Sonntag ..Vroies-.Bühnenscha-L. Der Verein für Körperkultur„Proles", Mitglied des Arbeitsr-Turn- und Svortbundes. veranstaltet am Sanntag eine groß angelegte Sool- und Bühnenschau in der Neuen Well. Nevueartig. d. h. nicht im strengen Hpprtfestspiel, werden die Ausführungen in der Saalmitte und aus der Bühne vor sich gehen. Nicht nur einzelne Mitglieder des Vereins, sondern die Masse soll wirken und für die Arbeiter-Turn- und Sportbewegung werben. Manche neue Anregung wird wieder gegeben werden. Ein« gewal- tige. Schlußszene beschließt das Programm. Beginn der Ber- anstaltung 15.33 Uhr. Nachdem Tanz. Eintritt 1 Mark. Jugend- liche Bundesmltgkieder gegen Ausweis zahlen 83 Pf., Erwerbs- lose gegen Vorzeigung der Stempelkarte 63 Pf. Schwimmfest beim ASB. Hellas. Am Sonntag um 15 Uhr hat der Arbeiter-Schwimmverein Hellas fein internes S ch w i m m f e st im Stadtbad Wcdding, Gerichtstraße. Es gilt einen Ueberblick zu geben über die geleistete Sommerarbeit. Recht zahlreich ist die Beteiligung beim Erstschwimmen für Mitglieder, die im Sommer das Schwimmen erlernt haben. Wettkämpfe für Kinder und Jugendliche, Stafeitenschwimmen, Tauchen, Rettung?- schwimmen. Schauspringen und ein 23er-Kunstreigen der Frauen- abtoilung werden gezeigt. Die Wettkampfmannschaft de»'Vereins, die sich auf allen Berliner Festen als sehr sportstark erwiesen hat, wird auch im internen Rahmen spannende Kämpfe liefern. Den Abschluß dy. Festes bildet ein Wasserballspiel der k-Mannschaften. Alle Freunde des Arbeitersports sind herzlichst eingeladen. Unkosten- beitrag 3,53 Mark. Kinder und Erwerbslose 3.25 Mark. Zilmmalinee im Bezirk Fricdrichbhain. Das Bezirkskartell Friedrichshain veranstaltet morgen, Sonntag, 11 Uhr, in den Eomeniue-Lichtspielen, Meweker Straße 8?, eine Filmmatinee. Nachstehend das Programm: Werbefilm der Voltsfürforge. Ansprache des Sportgen. Bürgermeister Mielitz. Film: Der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund„Solidarität" Di» 2. Arbeiter-Spartolympiade in Wien. Die Wintersportolympiade in Mürzzuschlag. Der neueste Film der Arbetter-Turn- und-Sportschule:„Ein Besuch im Bund«»- Haus in Leipzig!" Eintritt 53 Pf., Erwerbslos« und Jugendliche 33 Pf.. Kinder 13 Pf. 30 Zahre Freier Scglervcrband. Zur Feier feines 30jShrigen Bestehens versammelt der Frei« Segleroerbond heute Abend Mit- glieder und Freunde im Saolbau Friedrichshain zu einem Kunst- abend. Beginn 23 Uhr, Eintritt 1,53 Mark—„Schwarz-Rot- Gold", der Berliner Tennis- und Wintersportklub und die Winter- spart- und Ruderabteilung des Reichsbanner» laden zum Be- ginn der Wint-rsaison zu einem Gesellschostiabend mit Ball in den Ulaz, Alt-Moabit 4/13, ein. Schwerokhleken in Rosenthal. Heute, Sonnabend, begeht der neue bundestreue Kraftsportverein Rosenthal im Lokal von Diti- mann in Rosenthal-Dorf seine Gründungsfeier. keine Arbeiker-Wasserballsplele. In dieser Woche fallen die Wasserballserienspiele wegen einer groß angelegton bürgerlichen Veranstaltung im Lunabad aus. «- Bvndeomelslerschaslen des Freien keglerbundes Deutschlands. Heute und morgen findet das 13. Bundesfest des Freien Kegler- bundes Deutschlands im Parkrestaurant Berlin-Südende statt. Im Vordergrund der Veranstaltung steht die Austragung der B u n d e s- Meisterschaften. Auf den 16 Bahnen starten die Kegler aü- allen Gauen Deutschlands um die Meisterschaft auf Bohle. Asphalt, Schere und Figuren. Gleichzeitig kommt der im Jahr« 1327 von der Stadt Kiel gespendete Wanderpreis innerhalb der neuen Bundes- riege zur cndgüttigen Austragung. Die gesellig« Veranstaltung sieht in sämtlichen Sälen des Parkrestaurants ein ausgezeichnet«S:.Pxgi gramm vor. Trabrennen zu Alariendorf. Ein interessantes und obwechs- lunqsreiches Programm kommt nwrgen in Mariendorf zur Entscheidung. Den Höhepunkt bildet der Preis von Berlin,«we über 3333 Meter führende Stsherprüfung. Die Rennen beginnen um 14 Uhr. �rdeiterringer im Kaitopf Ali« Wcdding siegt über Tegel Die zweite Mannschaft des bundestreuen Sportklubs„Alt- Wedding 8 3" kannte ihren ersten Start um die Kreismeisterschaft im Mannschaftsringen gleich zu einem Siege gestallen. Die leichtere Staffel der„Sportvereinigung Tegel 33" mußte eine 12: 16-Puntt-Niederlage hinnehmen. Die Tegler, die nur mit sechs Kämpfern an den Start gingen, unterlagen in der Vorrunde mit 5: 3 und konnten die Rückrunde mit 7: 7 Punkten beenden. Im Fliegengewicht gingen die Punkte kampflos an Mltritz-W, der Bantamgewichtler Schlickeisen-W siegte dank seiner überlegenen Ringkunst in beiden Treffen über den jugendlichen Kraste-T. Das Ringen der Federgewichte Müller-W und Dalge-T endete erstmalig mit dem Siege von M. in der 6. Minute, in der Wiederholung stellte der Tegler in der 4. Minute durch einen Aufreißer den Gleichstand her. Zu zwei überzeugenden Siegen kam A. Münnke-W über Mil- bredt-T. In der ersten Begegnung siegte der Weddinger durch Eindrücken der Brücke in 3.37 Minuten und kam mit dem gleichen Griff nach 6 Minuten nochmals zu emem Schultersieg. Im Mittel- gewicht hatte Babbel-T gegen B. Münnke-W in beiden Runden alle Vorteile des Kampfes und zwang M. in 4,46 und dann in einer Minute die Niederlage auf. Di« Halbschweren Flack-T und Boni- kowski-W trennten sich beide Male mit einem Unentschieden. Der Schwerste Hildebrandt-T war Gast-W überlegen. Aus einer Arm- fesselung am Boden verlor G. die Punkte an seinen Gegner-, im Schluhkampf konnte der Weddinger seine Schulterniederlage bis in die letzte Kampfhälfte hinein verlegen. Im Spicbernring. Nach vierzehntägiger Pause wurde im Ständigen Box- ring in den Spichern-Sälen die Serie der Veranstallungen mit einem Kampfobend fortgesetzt, in dessen Mittelpunkt zwei deutsch. Italienische Begegnungen standen. Der Hauptkampf zwischen dem früheren Amateur-Europameister E a n e v o und dem Berliner Mtttelgewichtler 51 n k l a m enttäuschte etwas. Der Italiener war genauer und diktierte auch meist das Tempo, trotzdem verkündeten die Richter nach Ablauf der acht Runden nur ein Unentschieden. Einen sehr lebhaften Bertauf nahm das Weltergewichlstreffen zwischen Paul Richter-Dresden und Becchetti-Italien, das der Sachse verdient nach Punkten gewann. Zum Schluß artet« der Kamps etwas aus. Beide ließe» sich mehrfach Regelverstöße zuschulden kommen, überdies wurde Becchetti wegen Haltens verwarnt. Das .Lome ke-di" von Richard Naujocks verunglückte. Der früher« deutsche Leichtgewichtsmeister, der feit Iahren nicht im Ring x«- standen hat, wurde van Drehkopf-Düsieldorf sicher nach Punkten geschlagen. Im einleitenden Bantamgewichtetressen siegte Hennig- Berlin gegen Aust-Berlin nach Punkten. Mit dem gleichen Er- gebnis war im Schlußkampf der Leichtgewichtler Seißler-Berlin über Paulke-Bremen erfolgreich. Flugsport bei den Kommunisten Jaspers, der Führer der westdeutschen Spielleute de-; kom- munistischen Spartverbandes und eine besondere Oppo-Glanz- nummer,. ist vom KPD.-Sportverband wegen angeblich„unprole- tarischem Verhallen" ausgeschlossen worden. Bor ihm flog in West- deutschlano der Athletenleiter Mucha, dann der Samartterleiter Emons, zwischendurch der Redakteur de, westdeutschen KPD.- Sportblattes, S ch a b r o d. Die Brüder in Moskau werden sich bald einen Zeppelin für Gesellschoftsfahrten anschaffen können. Sonntag. 5. N«e-mb«i, 10 Uhr. auf Schi-ß. stand Fri«drtK»fttde. Am Uppstollwdg, Bmidesftauenschieß-» ii»«leinlaüber. Luitdllwle und_, ASV. Nrulödu. Lgartabteil»»«. Eonntaq, 8. Siovtmber, Waldlauf tm Spottpnil Reulölln. Umlleibeloinl Ätil«r,(imfer Ltrastd 8». Dprt Ettif %J.O Uljz. Mittwoch, 20 Uhr, Hallclltraimnz, TnrrchaSe Wrisoftratze 20. Arcic Turu-isch-ft Groh-Borliii. Am 9. Slooembtt find tu fi-afintntraart (ur R-volutionsfiirr im Sportpalast um U Uhr omrefeni. Sintritiotarien worden an der Aassensperre ausgegeben. Lrwerbolof« erhalten Fahrgeld- vergiitung. Seder Vejir! stellt die angefordet- Zahl der Mitglieder, v-jirks. «ahnen mitbringen. Sportkletduna mit Brrstadzeichrn Schmarjwrih oder Pegirtsfarben. Buir? Gilden: Mitgliedernersamn-lung Sonnabend. 7. Nr. pemder,]9V. Uhr, Weichsclstraße g. Turnen 6k 1. Frcneaabteiwng fallt wegen der Ac»o!utionsfet-r aus. lve�ir« Buch. Sonntag, S. Aovember, Uig Uhr, erstes Fugballspiel am Bahnhof Buch. UmNeidelolal: Sonnet. Schanwalder Etrahe. Bezirk Norden lU. Sonntag, 0. November, Nicae.:» Wanderung nach Larg-dorf. Lokal Sanschow,„Friedenereichr". Sintrefse» der Riegeu 14 Uhr. Nachzügler 12,30 Uhr Bahnhof Eefundbrunnen. «udcroerein BorwSrto. Sonntag. S. November, Frauenfabrt. Treffpunkt hht Uhr, Krkner-Bahnsteig Stralau-Nummeloburg. Fahrkarten bis Srkner. Zindrrnrrew Sollegia. Freitag, 0. November. Vortrag: Neu« Frstkultai. Sonnabend, 7. Novemler, Ruderanlage Tiergarten. Tienstag, 10. Novcviber. Barstand-figuna. Arbeiter. Lichtdilli.Bulld.«rdeitsgemeiafchast Berlin. Sonnabend, 1. Ro- veinbet. iO�O Uhr. Filmadend im Bortragoiaal des Parteiporstandes, Linde».- ftrage 3, 2. Hof links. 2 Treppen link«...Der Film von einst und heute". Eintritt 0,30 R.— Freie Phatovereinigung. Sonntag. P. November, littst 548 Uhr, Bahnhof Putligstraße. Besichtigung der Fencrwochc Spandau, Trist- straße 8—0, dann weiter nach Skadow. Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die BCrcmlfien- umdSterteclioss® für diasOemiselie iSeisSi etn» Katar« 1994«getf rtande« upiwiaim mjmsmmmma*»«■-•«tatzartelsSar KrP®U»ta«*««5>........■»«■■■■im—.......■m— am«ataras B