BERLIN Montag s. November 19ZI 10 p?. Nr. 526 B 263 48. Lahrgang ErscheiuttSglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe de«„Vorwärts'. Beiugspreis beide Ausgaben 8ü Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindenstr.J Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 AnieigtUpreis: Die eiusxaltigeNonpareillti«ile 8o Pf., Reklamezeile s M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkontos Vorwärts-Derlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 37 S3S.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Verkehr weiter eingeschränkt! Acht Straßenbahnlinien sollen verschwinden/ Durchführung ab 1. Dezember Heilte«ittag hat der Aufsichtsrat der Berlluer Verkehrsgesellschaft«ach stundenlangen Beratungen, die nach Anficht der BVG. durch den Berkehrsrückgang not» wendig gewordenen Einschränrungsmatznahme» beschlossen. Die Beschlüsse stellen ein Kompromiß dar zwischen dem Direktionsvorschlag und dem EinschrLn- kungsprogramm des Verkehrsausschusses. Am schwerstem wird die Straßenbahn von den Maßnahmen be- troffen. Hier sind einige wichtige Verufsverkehrslinien eingezogen worden. Es erscheint zweifelhaft, ob es, wie von der BVG.-Direktion versichert wird, möglich sein wird, durch Umleitung von Linien und durch Schaffung eines stärkeren Einsetzerverkehrs besondere Härten zu vermeide«. Die Einschränkungen bedürfen»och der Genehmigung des Polizeipräsidenten. Mit ihrer Durchführung ab 1. Dezember muß die Oeffentlichkeit jedoch schon heute rechnen. Acht Straßenbahnlinien sollen verschwinden. Folgende Straßenbahnlinien sollen eingezogen werden: Linie 29, 48. 55. 66. 89. 115, 166. 184. Abgelehnt wurde die Einziehung der Linie 17, 43 und 199. An den Sonntagen werden die Linien 16 und 92 eingezogen. Veränderungen bzw. Kürzung der Linienführung für die Straßenbahn sind vor- gesehen auf der Linie 8, 12, 41, 141, 4.?, 96 und 92. Beim Omnibus werden eingezogen die Linien A 4 und A 28. Abgelehnt wurde die Einziehung der Linien A 1, A 22, A 24 und A 30. Veränderungen bzw. Kürzung der Linien- führungen beim Omnibus sind vorgesehen auf der Linie A 2, A 16 und A 31. Im Untergrund bahnoerkehr werden keine Veränderungen vorgenommen. Reichsbannermann niedergeschossen. Von Hakentreuzlern nachts überfallen/ Die Täter geflüchtet 3a der Nacht zum Sonnlag wurde auf den 27iShrigen Reichs- bannermann Karl U n g e r aus der Klopflockstraße ein hinlerhälliger Ueberfall verübl. linger befand sich gegen 1.45 Uhr aus dem heim- weg. Als ll. am Bundesratsufer entlang ging, fielen mehrere Rationalsoziallflen über ihn her. Einer der Burschen zog eine Pistole und schoß den Reichsbannerkameraden nieder. Rlil einem Oberschenkelschuß wurde der llcberfallcne ins Krankenhaus gebracht. Als die alarmierte Polizei am Talort eintraf, hallen die Rowdys bereits das weile gesucht. Die Nachforschungen der Beamten blieben bisher leider ergebnislos. Sechs Frauen überfahren. Schweres Llnglück an einer Haltestelle in Mariendorf. 3n Marlendorf ereignete sich an der Ecke Attila- und Schöneberger Straße in den späten Nachmitlagsstunden des gestrigen Sonnlag»'in schweres Verkehrsunglück. Eine Autodroschke geriet aus den Vürgerste'g und fuhr in eine wenschengruppe hinein. Sechs Frauen wurden überfahren und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Der Unfall ist nach den bisherigen Ermittlungen auf die Un- achtfamkeit einer Paffantin zurückzuführen. Die Betreffende lief direkt in die Autodroschke hinein. Um ein Unglück zu verhüten, riß der Ehausfcur das Lenkrad scharf nach links herum. Dabei geriet der Wagen auf\n Bürgeefteig und überfuhr sechs Frauen, die an der Haltestelle auf die Straßenbahn warteten. Die Verletzten wurden durch die Feuerwehr und den Chauffeur des Unglücksautos nach dem Lankwitz«? und Josephskrankenhaus gebracht. Zwei Tote auf den Schienen. An der Nuthebrücke zwischen Rehbrücke und Drewitz wurde heute früh auf dem Ferngleis die völlig zerftückelle Leiche eines Mannes gefunden. Von der Polizei wurde der Tote als der Maler Karl Bachler aus der Husarenstraße in Nowawes festgestellt. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht ermittelt werden. In der Nähe des Bahnhofs Trebbin wurde heute im Mor- gcngrauen von einem Streckenwärter die Leiche eines bisher um bekannten Mannes entdeckt. Dem Toten war der Kopf vom Rumpf getrennt. Nach dem Befund handelt es sich zweifellos mn Selbst- ward. Taxenchauffeur ermordet Auf der Bücher Straße bei Buchholz— Cine Spur der Täter In den frühen Morgenstunden des Sonntags ist wieder einmal ein Taxenchauffeur das Opfer eines schweren Verbrechens getvorden. Auf der B u ch e r Straße, kurz hinter B« ch h o l z, wurde die Citroen- taxe l A 31 102 verlassen aufgefunden. Zehn Meter da» von entfernt lagtotderChauffeurdesWageus. Der Ermordete ist der am 16. April 1907 geborene Kurt Pohl, der bei seiner Mutter in der Eintracht- straße 8 in Pankow wohnt«. Von den Mördern hat man noch keine Spur. Auf ihre Ergreifung ist eine B e- lohnuug von 1000 Mark ausgesetzt worden. Am Tatort. Die Straße, auf der das Verbrechen verübt worden ist, führt über den Ort Hobrechtsfelde noch Buch. Sie ist mit Kopfsteinen gepflastert und wird hauptsächlich zum Abfahren der Felbfrücht«, die auf den Rieselfeldern, die sich links und rechts von der Straße dehnen, benutzt. Der Wagen �ftand auf d�r rechten Seite, etwa 300 Meter von dem Vorwerk Sperlingslust, auf der Chaussee. Die linke Tür war geöffnet. Die Stadt-, Schluß- und Taxuhrlampen brannten. In dem Wagen selbst waren keine auffallenden Be- schädigungen zu entdecken. Der unglückliche Chauffeur Pohl lag etwa zehn Meter von dem Graben entfernt auf der steilen Böschung des Abzugsgrabens, der an der linken Seite der Straße entlang läuft. Das Gesicht des Ermordeten lag im Wasser, die Füße zeigten nach oben. Der Gerichtsarzt stellte folgendes fest. Die erste Kugel war an der linken Nasenwurzel eingedrungen und am rechten Hinterkopf in der Nähe des Ohres wieder ausgetreten. Da das Geschoß das Gehirn nicht berührt hatte, wirkte es nicht sofort tödlich. Der zweite Schuß hatte den jungen Mann in die rechte Brustseite getroffen und war dort stecken geblieben. Die Kugel hatte den dicken Pelz und die Kleidung durchschlagen. Eine Patronenhülse wurde im Wagen unter dem Sitz des Chauffeurs, die zweite auf dem Sommerweg, etwa zwei Meter vom Wagen Josef JCübbring Der Polizeipräsident von Dortmund, Genosse L ü b b r i n g, ist am Sonntagvormittag um 8 Uhr an den Folgen einer Lungen- entzündung gestorben. Lübbring war Mitglied der Nationalver- sammlung und der später gewählten Reichstage. Nur dem letzten Reichstag gehörte er nicht an. Lübbring würbe am 26. Juli 1876 in Ahrhaus in Westfalen geboren. Nach feiner Schulentlassung erlernte er das Maurerhand- werk, später wurde er Geschäftsführer des Maurerverbandes in Essen und Wiesbaden. Im Jahre 1911 fiedelte er als Bezirtsleiter des Bauarbeiterverbandes nach Königsberg(Pr.) über. Von 1914 bis 1924 war er dort Stadtverordneter. Noch der Revolution tan- didierte«r zunächst zur Nationalversammlung und später zum Reichstag. Im September 1919 wurde er zum Polizeipräsidenten von Königsberg ernannt. Von hier wurde er 1924 in der gleichen Eigenschaft nach Dortmund versetzt. entfernt, gefunden. Aus diesen Umständen ist der Hergang der Tat zu konstruieren. Die Mörder haben Pohl mit seinem Wagen aus der Straße halten lassen. Sie stiegen dann aus und Pohl beugte sich von seinem Sitze links hinüber, um das Geld in Empfang zu nehmen. 3n dieser Stellung muh dem Ahnungslosen die erste Kugel getroffen haben. Das Geschoß, das den Kopf durchschlug, ist rechts in den Türrahmen eingedrungen. Ob sich Pohl nun selbst aus dem Wagen begeben Kampf um den Lohn. Heute nachmittag schwere Entscheidungen. Ilm 2 Uhr heule nachmittag beginnen die Verhandlungen vor dem Schlichlungsausschuß über die vom VBM3. geforderte Lohnkürzung in der verliner Metallindustrie. Zu derselben Zeit beginne« im Relchsarbeitsministerium die Nachverhaadlnngcn über den von beiden Seilen abgelehnten Schiedsspruch, der die Löhne der Gcmeindearbeiter im ganzen Reiche um 4 ¥2 Proz. gekürzt wissen will. hat oder ob ihm die Mörder herausgerissen haben, läßt sich nicht sagen. Wenige Schritte vom Wagen ist er jedenfalls zusammen- gebrochen. Dafür zeugt die große Blutlache. Außerhalb des Wagens hat er dann den zweiten tödlichen Brust- schuh erhalten. Die Mörder packten ihn dann an den rechten Arm und schleiften ihn zu dem Graben. Sie gingen mit so roher Gewalt vor, daß der Arm ausgekugelt ist. An den Hülsen ist zu er- kennen, daß die Mörder eine 7,6ö-Pistole zur Tat benutzt hatten. Am Tatort wurden Suchhunde von der Mordkommission angesetzt. iDese führten einen Weg, der nach dem Bahn hos Karow führt. Es ist somit nicht ausgeschlossen, daß die Mörder nach der Tat diesen Weg eingeschlagen haben. Bon Sachverständigen, die sofort herbeigeholt wurden, ist die Taxuhr des Wagens sofort einer eingehenden Durchsicht unier- zogen worden. Die Fahne war auf Kasse eingestellt. Der Preis- anzeiger meldete die Summe von 3,15 M., das würde ungefähr einer Fahrt von 6 Kilometern mit zwei Personen entsprechen. Pohl war im ganzen etwa 28 Kilometer gefahren, da- von kommen 11 Kilometer auf Lehrfahrten und 17 Kilometer mit Gästen. Abzüglich der Summe, die die Uhr noch zeigte, mutzte er etwa 4,95 M. eingenommen haben. Bei einer Durchsuchung seiner Kleider fand man in der Iackettasche die Geldbörse, die etwa 20 M. enthielt. Zweifellos hatte er Silbergeld von zu Hause zum Wechseln mitgenommen. Der 24 Jahre alte Kurt Pohl lebte zusammen mit seiner Mutter in der Eintrachtstratze 5 in Pankow. Er hat noch einen Druder, der ebenfalls Maschinenschlosser und Chauffeur ist, und eine verheiratete Schwester. Pohl hatte erst seit Mittwoch vergangener Woche feste Anstellung bei dem Fuhrunternehmer Scherwm in der Lankwitzer Str. 16 erhalten. Vorher fuhr er als Aushilfschauffeur. Am Sonnabend hatte er gegen 16 Uhr den fast neuen Citroen- wagen von dem Tageschauffeur übernommen. Dieser übergab ihm eine Kasse von 8 M. Die nächtliche Todesfahrt. Von der Mordkommission sind bereits eine ganze Anzahl Zeugen vernommen worden. Der Standplatz Pohls war an der Pankower Kirche. Als er gestern abend dort vorbei fuhr, sah er viele Kollegen warten, darum entschloß er sich nach dem Friedensplatz in Niederschönhaussn zu fahren. Als er dort hinkam, warteten nur zwei Droschken. Er stellte sich als dritter an. Gegen 23% Uhr war er erster geworden und bekam etwa zehn Minuten später eine Fahrt. Ob diese seine Todesfahrt war, läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Die Riesclwärter glauben gegen 142UhrSchussegehörtzuhaben. Im Gegensatz dazu, be- hauptet ein junger Mann, der mit seinem Fahrrade die Karower Chaussee wenige Minuten nach 24 Uhr passierte, er hätte den Wagen mit laufendem Motor an der Fundstelle stehen sehen. Einen Chauffeur hatte er nicht beobachtet. Zwei junge Frauen und zwei Männer, die den gleichen Weg etwa um 24.20 Uhr entlangkamen, wollen den Wagen ebenfalls beobachtet haben. Sie hätten weiter auf der Äarower Chaussee in der Nähe des Bahnhofs z w e l j u n g« Männer gesehen, die mit offenen Mänteln, anscheinend war ihnen vom schnellen Laufen warm geworden, auf den Bahnhof zugingen. Die Mordkommission ist nun bemüyt festzustellen, wo Pohl mit seiner Taxe nach 2Z� Uhr gesehen worden ist. Gemeindewahl an der Ltnterweser. Bürgerparteien durch Hitler zertrümmert. Bremerhaven, 9. November.(Eigenbericht.) Die hier am Sonntag abgehaltenen Stadtverordneten- wählen hatten folgendes Ergebnis: Stimmen Mandate 3974 zus. 1121 2830 1349 3035*) Sozialdemokraten.. 3809 12 Zentrum........ 385 1) Staatspartei....... 617 1/ Wirtschaftslistc...... 652 2 Nationalsozialisten.... 3098 9 Dcutschnationale..... 1291 4 Kommunisten...... 1867 5 Bürgerliche Vereiniguug.. 846 2 ") Einschließlich Dculschnationale. Die Sozialdemokratie verlor im Vergleich zu ihrer bisherigen Vertretung iin Stadtparlamcnt drei Mandate, die Wirtschaftspartei vier, die Staotspartci drei und die Bürgerliche Vereinigung fünf. Die Kommunisten gewannen drei Mandate, während die Ratio- nolsozialisten auf Kosten des Bürgertums neun M a>: d a t e e r z i e l t e n. Im Vergleich zu der Bllrgerschoftswahl 1930 hat die Sozialdemokratie ihre Stimmen behauptet. Aehnlich gestaltete sich das Wahlergebnis in dem zum Freistaat Bremen gehörigen Städtchen V e g e s a ck. Dort erhielten die S o z i a l d cm o k r a t e n 575(bei der Bremischen Parlamcntswohl 1930: 590) Stimmen und 4 Mandate, Kommunisten 245 Stimmen und 1 Mandat, Bürgerblock 427(3), Dcutschnationale 302(2), Nationalsozialisten 935(6). In Thüringen. Sonneberg. 9. November.(Eigenbericht.) Die am Sonntag hier abgehaltenen Kommunalwahlen hatten solgendes Ergebnis: Sozialdemokraten 5, Kommunisten 4, Nationaler Bürgerblock 2 und Nationalsozialisten 10 Mandate. Die bisherige faziolistisch-koimnunistische Mehrheit im Stadtparlament ist durch den Wahlausgang beseitigt. Hindenburg und der„Vorwärts". Wir haben uns alle geirrt. Der„Berliner Lokal-Anzeiger* glaubt einen besonders kräftigen Trumpf gegen den„Vorwärts" ausspielen zu können, indem er einige Urteile zitiert, die wir vor sechseinhalb Jahren über die Kandidatur Hindenburgs zur Reichspräsidentschaft gefällt haben. Nun hat der„Lokal-Anzeiger" soweit ganz recht, als sich jene Urteile als unzutreffend und alle Warnungen vor der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten als übcrslüssig erwiesen haben. Der gute„Lokal-Anzeiger" vergißt nur eines: Unsere Warnungen haben sich deshalb als überflüssig erwiesen' weil die th o s f n u n g e n, die der„fiotal-Anzeiger" auf Hindenburg als Reichspräsidenten gesetzt hatte, enttäuscht worden sind. Hatte der„Lokal-Anzeiger" damals mit seinen Hoffnungen recht, dann hatte der„Vorwärts" mit seinen Warnungen auch recht. Da aber die Hoffnungen der Rechten auf Hindenburg ge- trogen haben, erwiesen sich unsere Warnungen als überflüssig. W i r geben gerne zu, daß wir damals irrten. Will der gute ehrliche„Lokal-Anzeiger" nicht zugestehen, daß wir uns beide getauscht haben? KünstlicheVeränderungdesMarkweris? Ein deflationistisches Projekt. Die Kommissionen des Wirtschaftsbeirats treten heute wieder zusammen. Die„Montagspost" behauptet, daß ihnen bereits ein fertiger Plan einer neuen Notverordnung vorliege, der eine Preis- fenkung um 20 Proz. mit entsprechender Senkung aller Einkommen vorsehe. Ein«cht desl-ationistischer Plan mit allen seinen Gefahren. Der Preisabbau steht längst auf der Tagesordnung, und die Regierung hat feit langem Vollmachten, um ihn herbeizuführen— sie hat sie nur nicht angewandt! Dafür sind die Löhne gesenkt worden. Eine Preissenkung darf heute nicht der Anfang einer neuen Lohnsenkung sein, sie hat nachzuholen, was die Lohn- senfung vorgeleistet hat. Der Plan— falls er überhaupt vorhanden ist— entspringt mechanistischen und deflationistischen Vorstellungen, er würde für die Arbeiterschaft nicht minder gefährlich sein als die inflationistischen Projekte. Siedlung von Erwerbslosen. Oer Zieichskommissar vor dem iReichstagsausschuß. Der ncucrnannte Reich skonrmissar für Erwerbs- losen siedlung gab am Montagmorgen im Siedlungsausschuß des Reichstages die Richtlinien für die Schaffung von Klein- gartensiedlungen und Schrebergärten für Er- w e r b s l o s e bekannt. Die Richtlinien sollen bereits am Dienstag der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Von der sozialdemokratischen Fraktion gaben die Abgeordneten T e m p el und B i e st« r die Erklärung ab, daß die Sozialdemokratie die Oeffentlichkeit dringend davor warne, irgendwelche übertriebenen Hoffnungen aus den Gedanken der Erwerbslosensiedlung zu setzen. Im Rahmen dieser Einschränkung erklärten sie im allgemeinen ihre Zustimmung zu den beabsichtigten Maßnahmen. Sie beantragten, mehr als es in den Richtlinien vor- gesehen sei, den Gedanken der Schrebergartensiedlung zu fördern, um dadurch einer möglichst großen Anzahl von städtischen Arbeits- lose.-, helfen zu können. Gefordert wurden weiter klare Erklärungen darüber, daß den ausgesiedelten Erwerbslosen die bisherigen Unter- stlltzungssätze in vollem Umfange w e i t e r b c z a h l t würde.?. Endlich wurde verlangt, daß man von-dem Gedanken der Anwendung des freiwilligen Arbeitsdienstes auf die Erwerbsdosensiedlung abrücken möge, schon im Interesse der Pe- lel-mg des Bauhandwerks. Die Beratupgon werden vpraussichtlich Dienstag beendet warven. Sturmlauf der Eisenbahner Gegen die drohende Lohnkürzung Morgen vorinittag werden die Verhandlungen über die Kürzung der Reichseisenbahnerlöhnc wieder aufgenommen und durch einen Schiedsspruch beendet werden. Am Sonntag haben daher die Vertreter der freigewerkschaftlich organisierten Eisenbahner in den einzelnen Direktionsbezirken der Reichsbahn nochmals ihre warnende Stimme erhoben und ihre schweren Bedenken' gegen eine weitere Lohnkürzung in Eni- schließungen zusammengefaßt. Die Entschließung des Berliner Bezirks lautet: „Bezirksvorstand und Bevollmächtigte von 34 Ortsgruppen im Direktionsbezirk Berlin erheben namens der von ihnen vertretenen Mitgliedschaft entschiedenen Protest gegen die Lohnabbauplänc der Reichsbahn. Auch in dem angeblich hochtarifierten Direktions- bezirk Berlin werden f ü r s ch w e r ft e Arbeit(Bahnunterhaltung) noch Stundenlöhne von Sö Pf. gezahlt. Feierschichten in Werkstätten, Güterböden, Bahnbetriebswerken drücken das Gesamt- emkommen noch weiter herab. Eine derartige Bezahlung für eine verufsgrnppe. die täglich mit einem Fuß im Grabe, mit dem anderen im Gefängnis steht, der Leben und Gesundheit des reisen- den Publikums anvertraut ist, stellt eine Gefahr für den Reichsbahn- betrieb dar. Die Konferenz legt entschieden Verwahrung ein gegen Versuche, Tarifrecht und Sozialversicherung zu verschlechtern. Der Bezirk Berlin stellt sich geschlossen in die Abwehrfront und ist bereit, einem Aufruf des Hauptvorstandes zum Kampf Folge zu leisten." Der Bezirksbetriebsrat bei der Reichsbahndirektion Berlin hat in seiner letzten Vollsitzung zu dem beabsichtigten Lohnabbau Stellung genommen und erklärt, daß die Eisenbahner aller Dienst- zweige ihren Willen bekundet hoben, jedem Lohnabzug mit dem Hlittel des Streiks entgegenzutreten. Der Bezirksbetriebsrat fühlt sich verpflichtet, die Rcichsbahnvcrwaltung auf diese Stimmung hinzuweisen. Der Bezirk Sachsen hatte in seiner Konferenz in Dresden im Deutschen Hygienemuscum über 300 Delegierte aus dem Lande versammelt neben mehr als 1000 Funktionären und Mitgliedern der Dresdener Ortsgruppe. Das Referat hatte der Verbandsvorsitzende Franz Scheffel übernommen. In ihrer Entschließung bringen die sächsischen Eisenbahner zum Ausdruck,„daß ihre kärglichen Be- züge in ihren Familien dos größte Elend verursacht Kaden. Sie wenden sich mit aller Entschiedenheit gegen jede weitere Kürzung der Löhne im Reichsbahnbetrieb, da diese von jeher die schlechtesten innerhalb der in den öffentlichen Betrieben bezahlten gewesen sind. Die Eisenbahner betonen gegenüber der Reichsbahn, der Rcichsregie- rung und dem von dieser bestellten Sonderschlichtcr, daß e i n weiterer Lohnabzug, der für sie wirtschasttich einfach untragtfar ist, zu ernsthaften Auseinander setzun- gen führen muß, für die sie dann nicht verantwortlich gemacht werden können." Aus dem Dircktionsbezirk Kassel wurden uns u. a. Photographien von vier Eisenbahnern im Adamskostüm übermittelt. Drei dieser Männer im Alter von 40 Jahren haben ein Körper- gewicht von 50, 55 und 56 Kilogramm, der vierte mit 42 Jahren wiegt 57 Kilogramm. Der Bericht weist insbesondere auf die körperlich schwere gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit der am schlechtesten bezahlten Bahnunterhaltungsarbeiter hin. Die Eisenbahnarbeitcr erwarten vom Schlichter u n d v o ni Reichsarbeitsmini st er, daß die kärglichen Löhne nick»« noch weiter gekürzt werden. ..-* Wozu bei der Reichsbahn Geld da ist, wurde beispielsweise in einer Borstondssitzung des von der Reichsbahn unterstützten Eisen- bahneroereins in K o t t b u s verraten. Der Sport- und Werkschul- leitor konnte berichten, daß die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngcsellschaft 1000 Mark für Sportzmecke zur Verfügung stelle, die man zum Bau einer Kegelbahn ver- wenden werde. Dos ist nur ein einziger der vielen von der Reichs- bahn unterstützten Wcrkvereine. Für welche Nebenzwecke die Reichs- bahn sonst noch Geld in Hülle und Fülle ausgibt, ist hinreichend bekannt. Mparaiions-Oämmerung Prophezeiung eines pariser Nationalistenblaites Paris, 9. Rooeinber.(Eigenbericht.) Es ist unzutreffend, dem jetzigen Besuch des Botschafters Fran- «vis Poncet bei Laval und Briand die Ueberbringung von be- stimmten Vorschlägen der deutschen Reichsregierung zuzuschreiben. Man kann überhaupt nicht von Vorschlägen sprechen, da Frankreich und Deutschland allein gar keine Beschlüsse über eine neues Zah- lungsregime fassen können. Es gilt zunächst nur einen Meinungs- auswusch über die Rolle des im Poung-Plan vorgesehenen S a ch- ver ständige na uss chll s s es, wobei sich Meinungsverschiedenheiten in der Auslegung. des§ 120 des Poung-Plans ergeben haben, die einer Klärung bddürfen. Das„Echo de Paris" behauptet, Deutschland werde in den nächsten Tagen bei der BIZ. die Einberufung des Sachverständigen- ausschusses beantragen. Der Ausschuß würde' sich hauptsächlich mit den Reparationen befassen: in der Frage der kurzfristigen Kredite würde er, wie im August, das Schiedsrichteramt ausüben, falls sich die Schuldner und Gläubiger nicht einigen. Das nationalistische Blatt sagt, Frankreich dürfe sich in bezug auf die Reparationszahlungen keine Illusionen machen. Deutschland betrachte sich als voll kam- men zahlungsunfähig und verlange nicht nur ein Mvra- torium für die geschützten und ungeschützten Zahlungen, sondern endgültige Annullierung der Reparationen. Deutschland rechne dabei auf die Unterstützung Englands, dessen Stellung sich seit dem Sturz des Pfundes geändert habe. England würde von Deutschland nur eulwerlete psundzahlungen erhalten, wahrend es seine Schulden an Amerika weiterhin in Sotddollars zahlen müßte. Daraus würde sich siir England ein Debetsaldo ergeben. Es habe also kein Interesse, die Reparotions- Zahlungen zu verteidigen. Leon Blum oerlangt im„Populaire" die gleichzeitige Lösung des Reparotions- und des Kreditproblems. Nur eine solche Lösung würde es vielleicht ermöglichen, den Reparationen noch einen zu bestimmenden Teil der verfügbaren Aktiven vorzubehalten. Wenn man die Kredite nicht konsolidiere, seien keine Reparationszahlungen mehr möglich und wenn man von voricherein die Reparationsschuld ausschalte, könne keine Konsolidierung der Kredite Zustandekommen. S. November. „Vorsicht, Nazi, da ist grad das Loch, in dem Ou vor L3 Iahren gesteckt hast!" Russischer NevoZuiionsiag. Friedensreden an Kapitalisten- Krieg derSozialdemokratie! Anläßlich des 14. Jahrestages der Sowjetrevolution verbreitete der Moskauer Rundfunk Sonderfendungen ii? beinahe allen europäischen Sprachen, dabei wurde deutsch bevorzugt. Die Erklärungen der Sowjetregierung sind bemerkenswert zurückhaltend und diplomatisch gehalten. Reichskanzler M o l o t o w sprach im Moskauer Rundfunk über die guten Beziehungen der Sowjetunion zu den kapitalistischen Regierungen, sogar Pilsudski-Polen sagte er milde Worte und sprach überhaupt nicht zum Welt- Proletariat. Eine Erklärung Stalins, die vargelesen wurde, wendet. sich bemerkenswerter Weise mit größter. Schärfe gegen die O p p o s i t i o n in seiner Partei: Noch immer beständen Ueber- reste der Opposition und sie mühten im nächsten Ächr liquidiert werden. Die Kulakenklass« hätte gerade jetzt bei der Gc- treideeinsammlung viel zu schaffen gemacht! Auch der Arbeiterschaft des Transportwesens, das wegen schlechter Organisation zurückbleibt, wurden am Staatsfeiertag scharfe Maßnahmen und Strafen angekündigt. Bertreter der KPD. ergingen sich in den wüstesten Be- schimpfungen der Reichs- und der Preußcnregierung. Der Bor- sitzende der KPD.-Delegation, sein Name wurde schamhaft ver- schwiegen, tobte besonders gegen die SPD.: man werde noch dieses Jahr olles daran setzen, in Deutschland zur Macht zu kommen. Dann aber werde man alles tun, um die Sozialdemokratie auf t s ch e k i st i s ch e Weise zu liquidieren. Aehnliche Drohungen ließen auch die anderen KPD.-Vergnügungsreisendcn vom Stapel. politischer Mord vor Gericht. Zuchthausstrafen für politischen Totschlag. Rcuruppin. 9. November. Das hiesige Schwurgericht verurteilte de» Kommunisten Plötz aus Wittstock wegen Totschlags in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung, wegen vollendeten Totschlags und wegen unbefugter Führung einer Schußwaffe zu fünf Jahren sechs Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte hotte am 2. August dieses Jahres bei«iner Schlägerei, die sich in Wlltstock nach einer nationalsozialistischen Versammlung entwickelt hatte, den SA.-Mann Rühmltng und den R e i ch s b a n n e r m a n n Runzler erschossen und den damaligen SA.-Führcr Haase durch einen Schuß schwer verletzt. Der Staatsanwalt hatte gegen Plötz acht Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust beantragt. Hiilermann und Messerheld. Ein Kommunist niedergestochen. Allenburg, 9. November.(Eigenbericht.) Am Sonntag wurde in Wintcrsdorf ein Kommunist von einem Nationalsozialisten mit einem stehenden Messer in den Unterleib g e st o ch e n. Der Kommunist wurde schwerverletzt ins Krankenhaus geschafft. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der nationalsozialistische Mörder wurde nach vollbrachter Tat von der Bevölkerung so zugerichtet, daß er ebenfalls ins Krankenhaus geschafft werden mußte._ 45. Abt. Die Funktionärsitzung fällt heute aus, dafür morgen, Dienstag, bei Thi�lert, Liegnitzer Straße, um 19 Uhr. Vetter für Berlin: Meist stärker bewölkt, keine erheblichen Niederschläge, mild, nach Südwest drchetibe auffrischend« Winde— Für Dcistschlartd: Im Osten trocken und vielsack) heiter, im Westen stärker bewvktt und windig, mit einzelnen Regensällen, im übrireu Reiche stark wolkig, aber kein« wesentlichen Niederschläge, Tempera- turen nirgends wesentlich verändert. Japans Krieg. Vriands Vorwürfe. Paris, 9. November.(Eigenbericht.) B r i a n d hatte eine lange und erregte Aussprache mit dem japanischen Botschafter 7) o s h i s a w a � der eine japanische Antwort Haus den letzten Brief Briands überbrachte, worin der Ratspräsident die japanische Regierung aufgefordert hatte, sich mit den chinesischen Zusicherungen zu begnügen und so schnell als möglich mit der Zu- rückziehung der Truppen zu beginnen. Briand sprach dem Bot- fchafter in ziemlich heftigen Ausdrücken sein Befremden über die Kämpfe cm Nonnifluß aus, d. h. in einer Zone, die etwa 609 Kilo- m c t c r von der Eiscnbahnzone, die Japan zu schützen hat. entfernt liegt. Der Vertreter Japans erwiderte, daß die ostchinesischc Eisenbahn am Nonnifluß mit japanischem Kapital erbaut sei, China keine der im Anleihevertrag enthaltenen Verpflichtungen erfüllt habe und Brücken sprengen wolle. Briand wies den Botschafter auf die inoralische Bedeutung der Rotsentschließung vom 24. Oktober hin und auf die heikle Lage, in die der Völkerbund gerate, wenn Japan auch auf der Tagung am 16. November unnachgiebig bleibe. Oer Krieg geht weiter. London, 9. November.(Eigenbericht.) Die chinesischen Truppen, die am Nonnisluh von den Japanern geschlagen wurden, stehen im Begriff, sich 7 Meilen südlich von Angangchi wieder zu sammeln. Man nimmt an, daß ein zweites Gefecht bevorsteht. In T i e n t s i n verübten Chinesen in den Fremdenvierteln Ge- walttötigkeiten gegen Japaner. Französische, italienische und ameri- konische Truppen haben den Schutz der Fremden übernommen.. Aus Mulden wird gemeldet, daß der japanische Konsul in Tsitsitar und mehrere Beamte seines Konsulats getötet worden sein sollen. Die Chinesen bestreiten das mit oller Entschiedenheit. Höllenmaschine im Blumenkorb. Tientsin, 9. November. Gegen den ehemaligen Kaiser von China wurde«in Attentatsversuch oerübt. Ein Chinese gab in dem Hotel, in dem der Exkaiser wohnt, einen Blumenkorb ab. Der Exkaiser entdeckte auf dem Boden des Korbes, unter den Blumen verborgen,«ine Höllenmaschine, die glücklicherweise nicht explodierte. Die Polizei hat bisher von dem mysteriösen Spender des Vlumcngebindes keine Spur entdecken können. Revision der Bombenleger. Verhandlungsbeginn vor dem Reichsgericht. Leipzig, 9. November. Die Revisionsverhandlung im Altonaer Bomb«nl«ger- prozetz begann heute früh vor dem 3. Strafsenat des Reichs- gerichts unter dem Borsitz des Reichsgerichtsrats v. Kienitz. In der mehr als zweimonatigen Verhandlung beim außerordentlichen Schwurgericht in Altona, die am 31. Oktober vorigen Jahres endete, waren gegen die Angeklagten zum Teil schwere Zuchthaus- und Gefängnisstrafen wegen gemeinschaftlich begangenen « Verbrechens gegen die ZZ 5 und 6 des Sprengstoffgesetzes verhängt worden. Es handelt sich um jene Bombenanschläge, die in verschiedenen Amtsgebäuden Ni«dersachsens und Holsteins von Hofbesitzern und anderen Personen in den Jahren 1928 und 1929 durchgeführt war- den sind. Von den 18 Angeklagten haben inzwischen 11 auf das Rechtsmittel 0cr Rcoisian verzichtet, darunter der 50 Jahre alte . Hofbesitzer Klaus Heim aus Sankt Annen, der das Haupt der Bombenleger war, an allen Attentaten entscheidend mitgewirkt hat und deshalb zu 7 Jahren Zuchthaus rechtskräftig ver- teilt ist. Die übrigen sieben Angeklagten sind der Schriftsteller Her- bert Bolck, die Hofbesitzer Vick, Lehmann, Holländer, Bossen, Ham- kens und der Kraftwagenbesitzer Wieburg. Die Rcvisionsbegründung stützt sich in materieller Hinsicht dar- aus, daß nicht die schweren Bestimmungen des Sprengstofgefetzes hätten Anwendung finden dürfen. Außerdem wird von den Ver- teidigern behauptet, die Angeklagten hätten sich in einem sogenann- ten übcrgcsetzlichen Notstand befunden, d. h. sie hätten die Straf- gesetze in so schwerer Weise verletze» dürfen, um sich selbst in ihrer drückenden Not zu schützen. Berliner Ginggemeinschast-1930 im Friedrichshain. Heute herrscht ein ganz anderes Leben als saust. Die Jugend hat die Oberhand und„fühlt sich". Namentlich die etwa 20 Jungen und Mädels, die das Schülerorchestcr bilden, kommen sich als ras Zentrum vor. Aber Spaß beiseite, es kann aus diesen paar Man- dolincn, Mundharmonikas und Geigen, bei sich so nett und lieblich ergänzen, ganz gut einmal Großes werden, nur ist es nicht so sicher wie ehedem. Sie denken jetzt mit der Raschhcit der Jugend:„Weg mit den langweiligen Klavier- und Geigen-Etllden und Finger- Übungen, her mit des Lebens grünem Baum!" Aber so sehr der Kern(nicht nur I ö 0 e, sondern auch der viel frühere D a l e r o z e sind die Väter) gesund und lebensfähig ist, so geistlos früher viel- fach Musik eingetrichtert wurde, so sehr ist vor Ueberschätzung zu warnen. Wohl arbeiten diese Schüler der weltlichen Schulen D i st« l m e y e rst r. 6 bei ihren frischen Liedern unter der energischen Leiluug H. T s ch ö p s mit voller Lust und Liebe. die Mondoline mit ihrer durchdringenden Melodie, die Mundharmo- nikas mit ihren hingebenden Gcjühlstönen, die Geigen mit ihrer großzügigen Durchführung(hier wäre frischer Zuwachs am»ot- wendigsten). Was man hört ist gut, ob aber daraus sich einmal eine größere Kunst entwickeln wird, muß die Zukunft lehren. Jedenfalls brauchte für sie der Vorsitzende Willi Brumm(der erst seit einem Jahr bestehenden Singgemeinschast) noch weniger um Nachsicht zu bitten, als für die großen Elternchöre, die bei allein soliden Können noch oft etwas flach in der Tongebung und schablonenhaft in der Nuancierung sich bewegen. Auch machen ihnen die modernen Kontrapunktiker(Lendvai) noch sehr zu schaffen. Aber Uthmanns„Der Freiheit mein Lied" war schon eine Tat. Frisch und begeistert singen die Kleinen. Ein guter Geist he-rütst im Saalbau, und der Vorsitzende des Elternbeirats, Markus hat recht, wenn er in einer Ansprache schon jetzt aus die ungeheure Wichtigkeit der weltlichen Einschulung im Frühjahr 1932 aufmerk- sam macht. kl. dl. Hermann Stehr, der große Erzähler, liest am 10. November, abends 8 Uhr, im Haus der Ingenieure, Friedrich-Ebcrt-Straßc 27, aus eigenen Werken. Im Institut für NieerrSlunde spricht Dienstag Prof. L. W c i Uhr, Pros. S a u e r l a v b t- Hamburg über ,„K ü n stl« r i s ch« Wechselbeziehungen zmiscben Ostasien und Europa im IS. Jahr- hundert", im Harnack-Haus. „Scheidung" von Siegfried Neu manu gelangt am 13. November. 20 llbr, als Mastiviel der Spielgcmeinschaft Berliner Schauspieler ü»„In t e r> nationalen Theater"(Klemes Theater) zur Aufsühruug. ß» Die Deutsche Welle brachte ein Lehrspiel„Drehet Schultz wirb gekündig t".©s führte den Hörer in eine Ar- beitsgerichtsDcrhandlung, der er bis zum Beginn der Urteilsbera- tung beiwohnte. Dann brach das Lehrspiel ab. Der Hörer sollte versuchen, zu einem eigenen Urteil zu kommen und er wurde ge- beten, dieses Urteil der Deutschen Welle mitzuteilen. In einer späte- ren Veranstaltung soll mit einer Besprechung der eingegangenen Urteile das Lehrspiel gewissermaßen seinen Abschluß finden. Zur Beurteilung des Lehrspiels scheint eine Veranstaltung in- teressant, bei der sich Sachverständige unter fachfundiger Leitung zur Fortsetzung der Arbeitsgerichtsverhandlung zusammengesunden hatten. Fast alle Haupt- und Ortsvorstände der Berliner Gewerk- jchaften hatten Vertreter zu einer Abhör stunde entsandt, die unter Leitung von Rechtsanwalt Dr. Ernst F r a e n k e l im Parteihaus Lindenstraße stattfand. Die Kritik der im Lehrspiel gezeigten Verhandlung, die aus dieser Hörgemeinschast hervorging, stellte sest, daß es überhaupt unmöglich sei, ein Urteil zu sällen, daß vom Ar- bettsgericht vielmehr die Beratung noch einmal aufgenommen wer- den müßte, da wesentliche Punkte der Verhandlung unklar geblieben seien. Vorsitzender, Beisitzer, die Vertreter von Arbeitgeber und Ar- beitnehmer hätten bei der Untersuchung der Frage, ob die Entlassung des Drehers Schultz zu Reckst bestehe, entscheidende Fehler begangen, so daß ein objektiv«inigennaßen begründetes Urteil sich nicht sprechen lasse. Für Hörer, die solche Arbeitsgerichtsoerhandlungen sonst nicht kennen, dürste es aufschlußreich sein, einige der erhobenen Ein- wände zu erfahren. Alle sachkundigen Anwesenden stimmten darin überein, daß aus der Verhandlung sich kein klares Bild dar- über ergeben habe, ob die Entlassung im juristischen Sinn« eine „unbillige Härte" darstelle. Die soziale Lage der sogenannten „Austauschpersonen", das heißt der Arbeiter, die eher als der Dreher Schultz für ein« Kündigung in Frage kämen, sei nicht hinreichend mit der des Gekündigten verglichen worden. Auch dessen Arbeits- leistung sei für das beratende Gericht nicht klargestellt worden. Ebenfalls hätte untersucht werden müssen, ob die Möglichkeit der Arbeitszeitverkürzung besteh«: denn wenn auch das Ar- beiisgerickst diese nicht an Stelle der Kündigungen oerfügen kann, so ist seine Einstellung zu diesem Punkt doch für die llrteilssprechung von Bedeutung. Die Verfasser des Lehrspiels, Ministerialrat Joachim und Ludwig Spitzer, kamen nach Beendigung der Aufführung in die Diskussionsstunde. Sie vertraten die Aussassung, daß in der von ihnen beabsichtigten Härphotographie diese Unzulänglichkeiten der Verhandlung hervortreten mußten, da sie sich eben häufig in der Praxis zeigen. Ministerialrat Joachim betonte, daß es die Hauptaufgabe dieses für die Deutsche Welle hergestellten Lehrspiels sein sollte, allgemeinen Anschauungsunterricht von einer Arbeits- gerichtsverhandlung zu geben, auch für solche Kreise, die von der Existenz der Arbeitsgerichte wenig oder gar nichts wissen. Hier könne man natürlich nicht juristische Präzisionsarbeit zeigen, sondern nur eine einigermaßen übersichtliche Skizze. Nach diesen Ausführungen wäre also anzunehmen, daß die Auf- sorderung an die Hörer, selber das Urteil zu fällen, in erster Linie deshalb erging, um ihr Interesse für die Sendung und für die später in Aussicht genommene Besprechung der Verhandlung zu wecken. Eine Teilnehmerin an der Diskussion, die das Lehrspiel mit einem nicht ganz klar formulierten Rätsel verglich, hätte dann mit ihrer Meinung im wesentlichen Reckst gehabt. Aber es scheint, daß die Verfasser hier sich selber Unrecht taten. Sie dürften doch kaum eine Irreführung der Hörer beabsichtigt haben. Ans der Perspektive der Hörspielverfasser erschien eine Urteils- bildung wahrscheinlich durchaus möglich, da sie ja mit den Lebens- und Arbeitsverhältnissen der von ihnen erfundenen Personen vertraut waren und sie diese Verhältnisse wahrscheinlich auch ursprünglich in ihrem Lehrspiel etwas deutlicher sichtbar gemacht hatten. Die Zusammendrängung der Sendung auf 30 Mimtten hat Berlin sendet Dreher Sdiuliz wird gekündigt fr vielleicht erst diesen durchaus unzureichenden Ueberblick für den Hörer ergeben. Allerdings wäre, wie ein Diskussionsredner wohl nicht ganz mit Unrecht ausführte, an einigen Stellen des Lehrspiels U e b e r- flüssiges einzusparen gewesen. Gelegentlich waren dem Hörspiel unsachliche Verzierungen aufgesetzt, die anscheinend die Handlung beleben sollten, sie in Wirklichkeit aber nur behinderten. Der Redner wies darauf hin und betonte, daß es statt dessen gerade für den Hörer, der dem Stoffgebiet des Lehrspiels völlig fernstehe, wichtig und auch sicherlich fesselnd gewesen wäre, einen Einblick in die menschlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu bekommen, die hinter solcher Arbeitsgerichtsoerhandlung stehen. Die Einschallung von Unterhaltungen der Beteiligten über ihre Arbeits- und Wirt- schaftslage wäre dafür notwendig gewesen. Vor allem vermißte er das Fehlen jedes Hinweises darauf, daß, wl« immer die Entscheidung des Arbeitsgerichtes falle, sie den Stab über ein Menschenschicksal breche. Der Hörer hätte in irgendeiner Form unmißverständlich darauf aufmerksam gemacht werden müssen, daß die Zurück- nähme der Kündigung des Drehers Schultz die Kündigung eines seiner Kollegen, eben der„Aus- tauschperson", bedeute. Die sachkundige Hörerkritik, die an dem Lehrspiel geübt wurde, führte durchaus zu keiner völligen Ablehnung der Sendung. Gerade aus Gewerkschaftskreisen wurde der Wert solcher Lehr- spiele und auch der Wert des eben gehörten grundsätzlich anerkannt. Daß es sich hier um kein völlig befriedigendes Anschauungsmaterial handelt, war den Verfassern selber durchaus klar. Das Lehrspiel des Rundfunks steht noch in seinen Anfängen, und wenn auch schon manches sehr gelungene geboten wurde, so müssen doch für jedes neue Sachgebiet eigene Erfahrungen gesammelt werden. Es war be- sonders erfreulich, daß die Kritik dieses kritischen Hörerkreises in den sehr positiven Wunsch nach Ausbau dieser Lehrspiele ausklang. Zu unserer kürzlich an dieser Stelle geübten Krttik an den Oer Lohnabbau. Der Schiedsspruch für die Lüdenscheider Metall- i n d u st r i e mit einer Kürzung der Tarifstundenlöhne um 6 Pro- zent wurde in den Nachverhandlungen von beiden Parteien an- genommen. Für die Metallindustrie in Gladbach-Rheydt wurde ein Schiedsspruch mit(5 P r o z. Lohnkürzung gefällt. Die sozialen Zulagen bleiben unberührt. Im Siegerländer Lohnstreit wurde der vom Vertreter des Reichsarbeitsministers gemachte Vergleichsvorschlag angenommen, wonach die Löhne für den Siegerländer Bergbau um etwa ö,S Proz. und die für den Meggener Bergbau um 7 Proz. gekürzt werden. Der Schiedsspruch hatte eine geringere Kürzung vorgesehen. Amnestie! Wie Kommunisten sie auffassen. Dem jetzt in Paris abgehaltenen Kongreß der französischen kommunistischen Gewerkschaften lag der Antrag vor. von der Sowjetregiernng die Erlaubnis zur Rückkehr für die in der Verbannung lebenden oppositionellen russischen Revo- lutionöre zu verlangen. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Vergarbeiterführer Richards gestorben. London, g. November. Der Bergarbeiterführer Tom Richards ist gestern, Sonntag, einem Herzleiden in Cardiff erlegen. Richards, der ein Alter von 72 Jahren erreicht«, war bis Juli dieses Jahres Präsident des englischen Bergarbeiterverbandes. Rundfunk-Sonntagsprogrammen schreibt uns die Deutsche Welle: „In der Ausgabe des„Abend" vom 26. Oktober ist im Rahmen einer Betrachtung über das Soimtagsprogramm der Berliner Sender auch erwähnt worden, daß der Deutschen Welle gerade an Feiertagen besondere Aufgaben erwüchsen. Erfreulich ist es, daß gefordert wurde, dem Bildungsbedürfnis der Hörerschaft an Sonn- tagen mehr entgegenzukommen als bisher. Es ist wesentlich, daß sich der Verfasser„Tes" für die Forderungen der bildungshungrigen Hörer energisch einsetzt, denn dieser Teil, an den sich vornehmlich die Darbietungen der Deutschen Welle richten, ist gegenüber den Hörergruppen, die Unterhaltung und Zerstreuung fordern, ziöar in der Minderheit, aber für die kulturelle Arbeit des Rundfunks der durchaus wichtigste. Da die Mehrzahl dieser Hörer an den Wochen- tagen ihren Berufen nachgeht, ist es erklärlich, daß sie an Sonn- tagen ausgeruht und aufnahmebereit wertvollen Darbietungen folgen können. Aber ein Irrtum ist es, anzunehmen, daß die Deutsche Welle die Sendezeiten, die ihr an Sonntagen zur Ver- fügung stehen, nicht ihrer Wichtigkeit entsprechend ausfüllt. In sie fallen im allgemeinen eine Eltern stunde, weil gerade an Sonntagen mit Sicherheit damit zu rechnen ist, daß Vater und Mutter gemeinsam am Lautsprecher zu finden sein werden. Für den Werktätige» dürste die Stunde„M e n s ch e n im Berus", die ihm Einblicke in die verschiedensten Arbeitskreise vermittelt, wertvoll sein. Des öfteren nehmen auch bekannte Dichter und Schriftsteller an diesen Tagen das Wort. Diese wie auch andere Darbietungen sollen nicht nur belehrend wirken, sondern zu innerem Nachdenken und zur Besinnlichkeit anregen. Selbstverständlich wird auch einmal„leichtere" Kost geboten. Sie ist als natürlicher Ausgleich im Rahmen des Gesamtprogramms gedacht, in dessen inneren Aufbau sich auch die Sendestunden der Deutschen Welle an Sonntagen organisch eingliedern müssen." Zu Einzelheiten der Zuschrift wird gelegentlich noch ausführlich Stellung genommen werden müssen. Der letzte Satz scheint an den Ursprung der Mängel der Sonntagsprogramme zu rühren. Es geht allerdings nicht daraus hervor, welchem Gesamtprogramm sich die Sendungen der Deutschen Welle an den Sonntagen eingliedern müssen, aber es muß wohl angenommen werden, daß hier das des Berliner Senders gemeint ist. Die Forderungen zahlreicher Arbeiter- Hörer zielen aber gerade auf ein möglichst reichhaltig ausgebautes Sonntagsprogramm der Deutschen Welle, das sich nicht in die anderer Sender„eingliedert", sondern sie durch die an Sonntagen sonst meist fehlende gewichtige geistige Kost ergänzt. Des. Rundfunk am Abend. Montag, 9. November. Berlin. Lothar Philipp: Werkspionace. 1. Otto Jockl: Sonatine o. 21(Erstaufflhrung:). 2. Max Vredenburg: Aus ,,16 fünftönige kleine Klavierstücke44(Uraufführung). 3. Alice Jacob- Loewenson: Sonatine(Uraufführung). 4. Josef Achron: Aus der „Kindersuite44(Erstaufführung).(Alice Jacob-Locwenson, Flügel.) Lieder(Margarete Roll, Mezzosopran; Flügel: Wiest Herzberg de Haan). Persönlichkeit im Sport(H. A. Natau). Artur Holitscher: Knut Hamsuns Simplizisslmu«. Aktuelle Abteilung. Karl Höltermann, Magdeburg: Arbeiterschaft und Staat. Stimme zum Tag. Orchesterkonzert. Gastspiel der Gruppe Junger Schauspieler.„Die groQc Sensation4*, Hörspiel von Herbert Rosenfeld. Regle: Alfred Braun. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Hans Wenkc: Pädagogische Bücherstande. 17-30 Dr. Ernst Kamnitzer: Der Roman als Lebensdeufung- 18.00 Prof. Dr. Karl Victor: Die religiöse Dichtung des Barock. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft, 19.00 Landw.-Rat Dr. Hclmstädt: Steuerfragen der Landwirtschaft. 19.30 Landgcrlchtsdircktor Dr. Lehmann: Unser Recht in der Notzeit. 20.00 Königsberg; Ostpreußischer Dichterabend. 21.15 Leipzig: Sinfoniekonzert. Berantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Atueiaen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW 68, Lindenstrake 8. Sierzu 1 Beilage. 16.05 16.30 17.00 17.30 17.50 18.10 18.35 19.00 19.10 20.30 22.00 Oelfentliche Eisenbahner-Kundi für Sicherung der Existenz! Mittwoch, Ii. November Sintritt hat jeder aktive Eisenbahner. Eisenbahner-Personalausweis legitimiert ig 30 IndGE* WlSil" Einberuier: Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, ortsvarwaitung Berlin Berlin S 59, Hasenheide 1 08/1 4 g/�VvV�/g\ Theater, Lichtspiele usw. Steafs Ife Thealer Montag� den 9. November staatsoper Unter den Linden 20 Uhr; Geschlossene Vorstellung. Die EntlfltirDng aus dem Serail Kein Kartenverkauf StastLStaspleliiaus dudirmomarkt. 20 Uhr Valiensleins Lager/ Die Plccolomlnl «sin Kirtgnvukiui Schiller-Theater CMttnbir� 20 Uhr Das Nambergisch Ei inlernallonaies Thealer (Kleines Tbeaien Unter den Linden 44. 815 Uhr Fluch« vor M Ichael mit Kltty Anchenbach Morgen 8 Uhr The two Virtuos Winter - Garten• 8.15 Ohl flora 3434 fiaudien ulii 4 Queens. Gatton Palmer 2 Olveras 2 Hockneys a.» w. »v.uhr CASINO-THEAIER*;. ub. Lothringer Strafe 37. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiniiiiiiiiiiiniiiiitiiiiMiiiitiiiinfitnHmniifii VolkantUcli mecHer- Fritze Dazu das Singspiel„Erwischt" nnd du nene haute Programm! Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark Theater am Nollendorfplab Täglich»>/- Uhr Max Adalbert in Der beschleunigte Personenzug Theater im AdmlratSDalasi Täglich»>/, Uhr Die Dubarry mit Gitta Aipar Preise r. 0,50 M. an meiropoi-iheater Täglich 8 Vi Uhr Sonntags 5 und 8>i, Die Blume von Hawal Oparettev-Abrahatn Pili» von 50 Pt ai Rose. Theater Gnti Fnnkfirtir SM« 132 Irl. Wiiducl E 7 3422 8.15 Uhr Frübling Im Wiener Wald §iadi. Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Montag, 9. Novb. Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 20 Uhr DonPasquale Ende nach 22 Uhr Ii Vouubttline Thuter im Nlovplaiz 8 Uhr Das vierte fiebol Staat). Sthiller- Theater 8 Uhr Das Nflrnbergisdi El Staatsoper Unter den Linden 8 Uhr Die EntiQhrung aus dem Serail WM Theater 8 Uhr Besdildilen aas dem Wiener Wald von Oedön Horvath Bigia: Hiinz Hilpert Die Komödie 8V- Uhr Jemand Von PruM Uolnar Regie: Gustaf OiHadgens. IUI RuriDrstendamm Theater 8'/. Uhr Die Heilige ans 01A. von Ilse Langner Reg. Ludwig Berger AnasdmeldcB I Ztntral- ThMfei AlteJakob«tr.3o-32 Täglich 8«/j Lonnigs, auch 5"j Schwarzwald' m&dcl Stora, ÜHtl. Uiul Jessel dirigiert Gutsdi. Pafi-Faut.OiO Reichshallen-Theater Ibemls 6 Uhr. Sonntag nadnnittag 3'/, Uhr Stettiner Sänger Die neue Burleske „Der arme Kasemir" Hadunittags halhe Preise, volles Progranun! Theater desWestens Täglich 8'/. Sonntag 5 und 8Vi Das Drei' mfldenhaus mit Maria Paudler Guttmann. Englisch Preise v. 50 Pf. an »Wer§ ksm sind leroi wirk:_____ die KLEINEN ANZElüEN in derGesamt- aufläge des „Vorwlrfs- und trotzdem tibuiun «s«no ugungs Resfaurant Berlins BETRIEB KEMPIHSKiY>' UMoit?-: Wirfertigen elegante Anzüge und Mäntel aus mitgebracht.Stoff. für H 39.- einscbl. unserer sämtlichen Zutaten. RoBhaar- verarbeltuno. Garantie für graten Sita t Ans unseren«y R Mark Stoffen.. von« ä? an BerrenKietdcrAiKermoRd Eegr. 1919 Gebr. Piket Eair.1919 Klostsrstrane 6S. Berollna 0865 Osten: Frankfurter Alles 364 Watten; Budapaeter StraSs 15 Nordan: ChauetaettraBe 47, Laden Moabit: Solinger StraBa 8 Neukölln: PflUgeretraBe 26 Tampalbof: Kaiearin-Augusta-StraSs 71 ObertchBnawslda: EdleonetraBa 28 TIEINI SIHUFZINMER direkt ab Fabrik Engros Preise BERLIN O 34 Gebrauchte Büro-Möbel Lindenstrane 71 1 72 Hofspeicher. 5 fßeitage Montag, 9. November 1931 HrrAbroil SfMauiOajße Ja{otuätü 3n diesen Tagen jähren sich zum dreizehnten Male die trüben Novembertage 1918. Ein Volk, ausgemergelt bis auf die Nnochen, brach zusammen; ein tjeer, das Erich Ludendorff zu Tode„siegte", wurde von der gegnerischen Uebermacht erdrückt... November 1918. Die Schuldigen flohen. Sie ließen Heer, Volk und Vaterland in der Stunde höchster Gefahr im Stich. Sie krochen in die Schlupfwinkel. heute aber sind sie wieder 250 000 Menschen gefressen! An der Somme gab es keine Schluchten, keine Bergwälder, wie bei verdun. platt wie ein Tisch dehnt sich dort die Ebene der pikardie. hier gab es an den englischen Frontabschnitten wenigstens nicht die weit ins Hinterland reichenden Feuerüberfälle, dafür lag hier auf den eigentlichen Kampfstellungen ein r a s e n d e r? e u e r o r k a n. der die Gräben wegwischte, die Unterstände zerstampfte und die kleinen Wälder zu Spänen hieb. Sieben Tage und sieben Nächte hielt das Trommelfeuer an, pausenlos lagerte es als feuriger Vorhang über den Infanteriestellungen, den befestigten Dörfern und den Batterien. Bevor am achten Tag der Generalangriff der englischen und französischen Infanteriemassen einsetzte, war das Leben in den zermahlenen vorderen Stellungen so gut wie erstorben... Dos war kein Kämpfen mehr, das war namenloses Leiden— Flandern 1917 ... wie die Somme-Schlacht. begann diegroßeFlan- dernschlacht von 1917 mit einem ununterbrochenen Trommelfeuer, das vierzehn Tage und vierzehn N ä ch t e so gut wie pausenlos anhielt. Die deutsche Artillerie wehrte sich bei ihrer starken zahlenmäßigen Unterlegenheit mit einem neuen gefährlichenGas, womit sie sich gegen die Masse der englischen Batterien behaupten konnte. Allein in der Woche vom 12. bis 19. Juli verbrauchte die Artillerie der deutschen Flandernarmee 582 000 Schuß, und in der darauffolgenden Woche, dicht vor Eröffnung der feindlichen Großangriffe, sogar 870 000 Schuß. Ver en-ylische Munitionsverbrauch wird auf das Vierfache geschätzt. Und dieser Hagel von glühendem Eisen ging auf eine Kampffront von nur 20 Kilometer Breite nieder... 9er„schwarze Tag*', 8. August 1918 ... Da brachte der 8. August,„der schwarze Tag in der Geschichte des deutschen Heeres", ein grausames Erwach e n. An diesem Tage wurde vor Amicns mit frischen englischen und kanadischen Truppen der Massentank- angriff von Villers-Totterets wiederholt. „Als sich der Abend des 8. August über das Schlachtfeld der zweiten Armee herabsenkte, war die schwerste Niederlage des deutschen Heeres seit Kriegsbeginn zur vollendeten Tatsache geworden. Die zwischen der Somme und der Avre vom feindlichen Angriff betroffenen Stellungsdivisionen waren fast r c st l o s geschlagen... Der Gesamtverlust ist auf 650—700 Offiziere und 26 000— 27 000 Mann zu schätzen. Bis zu elf Kilometer Tiefe erstreckte sich der feindliche Einbruch in die deutsche Front."(Keichsarchiv: Die Katastrophe des 8. August 1918.) Die Katastrophe vom 8. August 1918 bildete aber nur den Auftakt für das blutige Drama, das sich nun in rascher Folge abrollen sollte. Der Angriff vor Amicns war die Brandfackel, die von der Nordsee bis nach Lothringen die ganze w c st f r o n t in Flammen setzte. Es begann eine ungeheure Leidenszeit für die feldgrauen Männer. Es gab keine Unterbrechungen der Kämpfe mehr, keine Kuhe- paufen hinter der Front Es gab Truppenteile, die vom Sommerbiszumwaffenstillstandstageim November. also vier Monate, nicht aus den verlauften und verschmutzten Kleidern herauskamen, und die nur zu dem Zweck aus der Front herausgezogen wurden, um in andere brüchige Frontstellen hineingeworfen zu werden. Zwar konnten Durch- brüche der Entente mit vernichtender Niederlage im freien Feld immer noch im letzten Augenblick verhindert werden, aber die Kampftruppe schmolz in dem feurigen Kessel der ununterbrochenen Angriffe Armeen rapide zusammen... der vereinigten Ententc- Das Friedensangebot Die verzweifelten Bemühungen Ludendorffs, die Verantwortung für das deutsche Waffenstillstandsangebot von sich und der übrigen Heeresleitung abzuwälzen, waren klägliche versuche am untauglichen Objekt. Mit ehernem Griffel hat die Geschichte die Ereignisse jener Sturmtage 1913 festgehalten. die über das Schicksal des deutschen Volkes entschieden: Großes Hauptquartier, den I. Oktober 1918. Der Kaiserliche Legationsrat an Auswärtiges Amt. General Ludendorff bat soeben Freiherrn o. Grünau und mich in Gegenwart von Oberst Heye, Euer Exzellenz seine dringende Bitte zuübermitteln.daßunser Friedensangebotsoforthinausgeht. heute halte die Truppe noch, was morgen geschehen könne, sei nicht vorauszusehen... gez. Leisner. Der neue Keichskanzler, Prinz Max von Baden, verwahrte sich auf das energischste, den ersten Tag seiner Kanzlerschaft mit dem Friedensangebot herauszukommen, weil er mit Kecht die verheerenden politischen Folgen dieses Schrittes erkannte. Darauf kam am 2. Oktober folgendes Telegramm hindenburgs: Die Oberste Heeresleitung bleibt auf ihrer am 29. Sep- tember dieses Jahres gestellten Forderung der sofortigen Herausgabe des Friedensangebotes an unsere Feind« be- stehen... Noch steht das deutsche Heer festgefügt und wehrt sieg- reich alle Angriffe ab. Die Lage verschärft sich aber täglich und kann die Oberste Heeresleitung zu schwerwiegenden Entschlüssen zwingen. Unter diesen Umständen ist es geboten, den Kampf abzubrechen, um dem deutschen Volk und seinen Verbündeten nutzlose Opfer zu ersparen. Jeder versäumte Tag kostet Tausenden von tapferen Soldaten das Leben. gez. o. hindenburg, Generalfeldmarschall. ... Die Oolchstoßlegendc. die von der Erdolchung eines bis zum Schluß„siegreich kämpfenden Heeres" durch eine verräterische Heimat fabelt, ist. das beweisen diese durch nichts wegzuleugnenden historischen Tatsachen, nicht allein eine der gröbsten geschichtlichen Lügen aller Zeiten, sie ist vielmehr noch eine infame Beschimpfung des deutschen Volkes, das in den 51 Monaten des Weltkrieges wie kein zweites Volk der Welt Opfer gebracht hat... Die Sozialdemokratische Partei weiß, was für Deutsch- land und Europa bei einem künftigen Kriege auf dem Spiele Der 8. August„Der schwarze Tag in der Geschichte des deutschen Heeres" steht. Sie ist sich ihrer Verantwortung für das Schicksal der werktätigen Massen bewußt, die im Kriege die schwersten Blutopfer bringen und heute noch— 12 Jahre nach dem Weltkrieg— die ganze Last der materiellen Not tragen müssen. Die sozialistisch organisierten Massen sind sich völlig im klaren, daß ein künftiger Krieg noch viel ärger wüten würde als der Weltkrieg. Sie werden daher unter Führung ihrer Partei, unbeirrt durch die Hetze der Nationalisten, ihre ganze Kraft einsetzen, um Seite an Seite mit ihren Brüdern in den anderen Ländern eine Wiederholung dieses Massenmordens zu verhindern. Sie werden die Chauvinisten mit der potttifchen Waffe, die ihnen die Demokratie in die Hand gegeben hat, schlagen, und sich mit ihren Klassengenossen in der Welt an den Gräbern der zwölf Millionen Toten des Weltkrieges in dem Kuf vereinigen: Vie Waffen nieder! Nie wieder Krieg! „Proles" in der Neuen Welt Eine Bühnen� und Saalschau Mit einer sehr eindrucksvollen Werbeveranstaltung wartete gestern der Arbeiterspartverein„VsK. P r o l e s" in der Neuen Welt auf. Den zahlreich erschienenen Gästen wurden in iform von Bühnen- und Saalvorführungen Auaschnitte aus dem sehr vielseitigen, neuzeitlichen Arbeitersport geboten. Unter Be- gleitung eines guten Orchesters rollte ein zweistündiges, flott ab- gewickeltes Programm ab. Eingangs drückte ein symbolisch aufgebautes Bühnenbild in Ber- bindung mit einem Sprechwerk der Veranstaltung den Charakter einer Arbeiterveranstoltung auf. Nun ging es Schlag aus Schlag: Bald im Saal, bald auf der Bühne. Zuerst erfreuten die Kinder mit lustigen Spielen die Erschienenen. Darauf zeigten die Sport- lerinnen Körperschulung durch Gymnastik. Nachdem die Kinder die Beweglichmachung der Glieder durch Bodenturnen auf der Matte gezeigt hatten, sah man die älteren Sportler und Sportlerinnen in vielseitiger Beschäftigung mit dem Medizinboll. Im Anschluß zeigte eine mustergültige Barrenriege der Jungmädchen gutes Können im Turnen und eine flott und exakt durchgeführte Öaufschule belebte die Saalsläche. Neichen Beifall ernteten sodann die Kleinen mit ihren Singspielen. Sie waren bei der Sache und es machte ihnen Spaß, das sah man ihnen wirklich an. Blitzschnell verwandelte sich in der weiteren Folge der Saal in einen Turnsaal, im Nu war ein flotter Ilebungsabend im Gange, der mit mutigen Tischsprüngen seinen Höhepunkt erreichte Einen sehr guten Eindruck hinterließen die Aelteren. Man merkte ihnen die Tradition der Turnerei an. «elbst die Vierzig- und Fünfzigjährigen erwiesen sich als frisch und beweglich in einer neuzeitlichen Gymnastikvorsührung. Nun steigerte moderne Gemeinschaftsgymnastik der Männer und Frauen die Veranstaltung zu ihrem Höhepunkt. Proles ist hohe «schule, das darf man mit Fug und Recht behaupten. Sehr geschickt leitete man dann zum Massenschlußbild über. Die gut gelungene Veranstaltung dürste ihren Werbezweck für den Arbeitersport voll erfüllt haben. FfeUss-Xeute unter sich beim gestrigen Schwimmfest Der Arbeiter-Schwimmverein„H e l l a s" zeigte guten Schwimmernachwuchs bei seinem am Sonntag im Stadtbad Wedding abgehaltenen Bereinsschwimmfe st. Die Beranstaltung zeich- nete sich wie bisher bei allen Hellas-Festen durch ein übervolles.Haus aus. In der Begrüßungsansprache wurde besonders darauf hinge- wiesen, daß auch die Freunde des Arbeitersports mit Ernst die poli- tische und wirtschaftliche Lage verfolgen. Der Kampf gegen den Faschismus müsse unter Führung der Sqzialdemokratie eine ge- schlossene Front aller Werktätigen finden. Das im Laufe eines Jahr- zehntes für die Arbeiterschaft und damit auch für die Sportler Er- rungene gelte es heute im schärfsten Kampfe gegen die Reaktion zu verteidigen. Vom Bezirksamt Wedding war Stadtrat Genosse F a b i u n k e erschienen, die Partei, Gewerkschaften und befreundete Organisationen hatten ebenfalls ihre Vertreter entsandt, um einen Einblick in die fchwimmerische Arbeit des Vereins zu bekommen. Ganz hervor- ragend war der von 20 Hellas-Frauen unter Leitung van O. Wolfs geschwommene Kunstreigen. Unter Mitwirkung des bekannten Kunst- springers Nachtigall zeigte die Riege vom 3-Meter-Sprungturm, daß auch auf diesem Gebiete des Schwimmsports im Verein tüchtig ge- arbeitet wird. Durch eine geschickte Zusammenstellung der Sport- Mannschaft kamen gute und spannende Kämpfe zum Austrag, die das Publikum mitrissen. Auch die Alten warben mit ihren Wasserscherzen recht nett. RettungsvorfüHrungen und die überaus große Anzahl der Schwimmschüler aller Altersklassen, die in diesem Jahre das Schwimmen erlernt haben, bewiesen, daß die volkstümliche Arbeit im Berein auf breitester Grundlage steht. In zwei sehr schnell durch- geführten Wasserballspielen zeigten die Mannschaften, daß, nachdem die Sportschwimmer des Hellas in Berlin unstreitbar die Spitze halten, in aller Kürze auch im Wasserball Ueberraschungcn nicht aus- bleiben werden. Kraulstaffk'l 10>'50 Meter: 1. und 2. Mannschaft totes Rennen, 5 Min., 24 Sek. 1. Mannschaft(Polte. KossutOa, Preuß, Inrkiwi�. Schmoll, Ortwig, Rybartschek, H. Schmidt, Garste, Ehrlich). 2. Mannschaft(Hornfeld, Drömert, Hinkelmann, Hensel. Äinzel, Arendt, Remmler, G. Schmidt, Schwandt. Flöther). — Erstschnninmen, Knaben: 1. Wekcl. 52 Set.: Mädchen: 1. K. Schulz,] Min. 6 Sek.: Jugend und Frauen: Wallaschervsci, 56 Sek.; männliche Jugend: 1. CTlasfcn, 59,4 Set.; Männer: 1. Bandekow, 50 Set.— Iugendschwimmen, 50 Meter: 1. Sommerfeld, 47 Sek.; 100 Meter: Wieczorkomski, 1 Min. 33,2 Sek.; Kraulsc inunen, 50 Meter: 1. Zimmer, 34,8 Sek.: 100 Meter: 1. Teste, 1:15 Min.; 2. Preuß, 1:16,9 Min.— Kindcrschwimmen, 50 Meter Brust (Mädchen): 1. Neubert, 50,8 Sek; Knabenkraul: 1. Chellmowski, 42,4 Sei; Knäbenbrustschwistlmen: 1. Köhler, 50,2 Sek.— Weibliche Lagenstaffel 3x50 Meter: 1. Mannschaft(Schöneberg, Aldag, Wilk ll). 2 Min. 19 Sek.— Männer- brustschwimmen 100 Meter: Mollenhauer 1:33,2 Mm.; Zohnke, 1 Min. 28 Sek.— Männertraulschwimmen 100 Meter, Klasse I. Schulze, 1 Min. 23.6 Sek. Klasse p: 1. Garste, 1 Min. 15,7 Sek.; 2. Prtischkow, 1 Min. 15.8 Sek.— Rücken-. schwimmen weiblich, 50 Meter: l. Aldag, 48,2 Sek.— Lagenstaffel 4x 100 Meter: 1. I. Mannschaft(Oestreich, Körner, Bohle, Preuschofs), 2:19 Min.— Teller- tauchen: 1. Teske, 5 T-Ner.— Streckentauchen für Frauen: 1. Hinkelmann, 25 Meter.— Rettungsschwimmen: I. Milleville, 59,4 Sek.— Wasserballspiele: Lugend gegen Männer:.ll 1: 4; Männer l gegen Männer n 8:6. Rosenthals erster Start Der Kraltsportabend beim jüngsten Verein Berlins Mit Ringen, Boxen, jheben und Jiu-Jitsu füllte am Wochenende der in R o s e n t h a l neugegründete Kraftsportverein R o f e n t h a l seine erste Sportveranstaltung aus. Die überaus zahlreichen Zuschauer bekamen einen erschöpfenden Einblick in den vielseitigen Uebuizgsbetrieb der Arbeiterath'eten. Die Berliner Ber- eine waren an diesem Premierenabend mit den kampfstärksten Mannschaften erschienen. Die violetten Rosonthaler wußten recht gut zu gefallen i was den jungen Kämpfern vorerst noch an Routine fehlte, wurde durch ehrgeizige und kraftvolle Gegenwehr weltgemacht. Der Kreisfportwart Hähne und der Boxspartenleiter Mehlbaum überbrachten dem jüngsten Verein die Grüße der Kreisleitung und übernahmen den Start der Wettkämpfe. Den Reigen der Wettkümpse eröfsneten die Boxer. Nach einem cinleitenden Jugendkampf folgten drei flotte Treffen der Fliegen- und Bantamgewichtler von Tegel und Rosenthcl. Die Mitglieder der Kreismeisterstaffel Poekern, Apiß und Walloscheck. die für die Endrunde um die Bundesmeisterschaft bestens gerüstet sind, zeigten an der Scheibenstange große Können; auch der Tegeler Patschonteck ubertraf sich selbst im Reißen und Stoßen. Der Mannschaststampf im Ri nge n Rosenthal gegen Tegel III wurde von den Rosen- thalern.mit 8: 6 Punkte» gewonnen. Den Abschluß bildete eine IIu-�ltsu-Demonstratton von zwei Tegeler Kursisten. Sponlich war d'cje Vcra-'stoltung ein groger Ersolg, auf den der junge Verein stolz sein darf. Ziclultatc im Bolen: Tböns-R. I'oxt« seinen Tegler Gegner nach Punkten ers� goschke-T. und F. THims-R. schieden ohne ein Ergebnis, ebenso schieden vchanardt-T. gegen F-rkenberg.R. George. R. wurde der Sieg iibee Lawecenz.T. zr gesprochen,-tlnß.T. und M. THSns-R. schieden mit einem Unentschieden.— t am Sonntag Ergebnisse im Ringen: Der Fliegengewichtler Schenk-R. besiegte Kolbe-T. in ber ersten Minute und im Bantamgewicht Meier-T. den E. Schenk-R. in der zweiten Minute. Der Federgewichtler B. Schenk-R. bezwang Schilling-T. in 15 Sekunden, die Leichtgewichte P. Schneider-R. und Milbrcdt-T. sowie die Mittelgewichte W. Schneider-R. gegen Lüth-R. erzielten keine Entscheidung. Der Halbschwere Dolzmann-T. siegte über Hillgeo-R. in der letzten Minute durch Ileberstürzer und O. Tifchler-R. verlor gegen Knorr-T. in der zweiten Minute die Punkte.. -ARdEITSU russmu Eintracht schlägt Lichtenberg 16:1 Wer da glaubte, beim Spiel dieser Mannschaften, eine Heber- raschuug zu erleben, sah sich getäuscht. Eintracht war den Lichten- bcrgeru technisch wie auch spielerisch weit überlegen. Nur die ersten 10 Minuten hatten die Eintracht-Leute bonge Minuten zu überstehen, die»an Lichtenberg aber nicht ausgenutzt wurden. Der fehlende Zu- sammenhang im Sturm ließ es zu Erfolgen nicht kommen. Anders dagegen bei Eintracht. Flache Kombination und schnelle Läufe der Außenstürmer schafften immer wieder Tormöglichkeiten, die aber am Torwart Lichtenbergs scheiterten. Eist in der 12. Minute tonnte der Linksaußen einen Ball, den der Torwart wieder fallen ließ, mühelos einsenden. Immer mehr wurden die Reinickendorfer überlegen, denn der Mittelläufer, der wieder seine alte Form gefuirden halte, diri- gierte den Sturm sehr wirkungsvoll nach vorn. Bis zur Pause lautete dann das Resultat 3:0. Die zweite Halbzeit begann für Lichtenberg sehr vielversprechend; Eintrachts Torwart bekam sehr viel Arbeit. Viel Glück stand ihm zur Seite, so daß es den Lichtenbergern nicht vergönnt mar, Erfolge zu erzielen. Die Reinickendorfer holten aber bald wieder auf. Noch dreimal konnten sie ersolgreich sein, Lichtenberg schaffte mir mehr ein Tor. Mit 6: 1 blieb Reinickendorf verdienter Sieger., Auch Liickomealde I wer apflm Luckonwaldc KT in großcr Schnhlaunc. Mit r>: n blich hic„erste" sicnrcich.— Spanhon 23 gewann zwar nur fnapp, aber hoch nerhient mit 2: t gegen Luckenwalhe V.— Britz 88 holte sich mit 2:0 gegen Hoppeggrten hie Punkte Lichtenberg Bezirk gegen Minerna Bezirk 0: 1. — Deutsch. Wusterhausen gegen Wacker 30 4: 1.— Eiche-Khpenick gegen Wilmers- her« 8:3.—{freie Schone gegen Borwärts Wedhinq n; 3.— Pankow gegen Teltow 3:9.— Butab Bezirk gegen Schöneberg 2:1.— Union-Tempelhof gegen Rat.Weitz 4: l.— Lichtenberg ll gegen Tarow 0:1t.— Minerna gegen Trebbin 2:4.- Zweite'Minnschaflen: Britz 8« gegen Soppegarten 7: fl,— chnnsa 31 gegen Pankow 3 1:1.— Pankow gegen Saronia 6:1.— Saxonia 3 gegen Vorwärts 3 4:3.— Eharloltenburg gegen Vorwärts 0 I 0. Jupend Mannschaften: Minerva und Rormannia standen sich im Entscheidungsspiel um die I u g e n d m e i st e r s ch a f t gegen- über. Die Neuköllner holten sich den Titel durch einen I; O-Sieg. ttaiicldsll und Hockey Durch den Sieg von 7: 3: 0) über FTGB.-Nordost Hot sich der derzeitige Kreismeister Volkssport Wedding die endgültige Füh- rung in der Abteilung A gesichert. Man kann wohl schon heute voraussehen, daß Wedding ohne Punktverlust die erst« Rund« be- enden wird, da dein Sieg am kommenden Sonntag gegen FTGB.- Osten nichts im Wege steht. Endlich scheint es soweit zu sein, daß andere Mannschaften ihre Spieistä�ke heben und dazu beitragen, daß die Mannschasten der 1. Klasse gleichwertiger werden. Wedding spielte sicherer und übersichtsvoller; die Angrisse rollen zwar eng vorgetragen auf des Gegners Tor, waren aber schnell und dadurch wuchtig. Sehr schlecht oesielen die Außenstürmer, da keiner den Platz innehielt. Die Hintermannschaft war schwächer als sonst, die Verteidigung gesiet am wenigsten.— Bei Nordost haperte cs an ver- schiedenen Stellen. Man vachte gar nicht daran, die Außenstürmer zu bedienen, gab viel zu weite Vorlogen, die niemals zur Verwen- dung kamen und das Spiel wurde zu sehr auf den Mittelstürmer zugeschnitten. Dem Gegner wurde das Abdecken ziemlich leicht ge- macht. Bei Nordost imponierte besonders die Verteidigung, die ein großes Spiel zeigte und dem Weddinger Sturm allerhand Schwierig- leiten machte. Borher spielten auf demselben Platz Volkssport Wedding 3 und FTGB.-Osten. Dieses Treffen entschied Osten mit 5:2 für sich. Eiche-Köpenick entschied das Spiel gegen Turn- und Sportoereini- gung Nowawes mit 5: 2 zu feinen Gunsten. In der Abteil una B konnte die FTGB.. Silben Eintracht-Mahlsboif erst nach vielen Milben mit 6:3 13: ll lchlo-ie». Im Tieffen FTGB.-Ober. lvree gegen Valkssport Neukölln silhrte Boltssporp bei der Pause mit 4: 0 auf Grund des ichntzkräftigen Sturms. Dann ging Obcrlpree ans sich heraus und gewann lchlietzlich 6: 3. Wie erwartet, tonnte dir ASV. Schöneberg die Lvckcnwalbcr Sportler 0: 3<4: l) besiege». * Die gestern ausgetragenen Hockeyspiele verliefen ohne Ileberraschung. Auf dem Platz in der Schönhauser Allee standen sich ASB.-Rot-Weiß 1 und FHE.-Spandau I gegenüber. Spandau war in der ersten Spielhälfte stets überlegen; nach der Pause findet sich Rot-Weiß besser und siegte schließlich 3: 0. Im Polkspark Mariendors schlug Tempelhof 1 ASB.-Rot-Weiß 2 sicher mit 5: 0 (2: 2). Auf dem Ostplatz standen sich Tennis-Rot 1 und VfL.-Ost- riag 2 gegenüber. Ostring spielte nur mit neun Mann und Tennis- Rot konnte dadurch mit 3: 1 das Spiel für sich entscheiden. Der ASE. verlor gegen den Sportverein Moabit. Weitere Resultate: FTGB.-Tcmpelliof 2 gegen Tennis-Rot 2 3:1 n: 0).— Tennis-Rot 4— SB. Moabit 3 1:2(0:1).— ASE. 2— SB. Moabit 2 0:4(0:2).— FSV. Pankow 1— MTB. Bernau 13:1(2:0).— FSB. Pankow 2— MTV. Bernau 2 2: 3(1: 0).— ASV. Rot-Weiß— Tennis- Rot 3 0:0.— Frauen: ASV. Rot-Weiß— FSV. Pankow 2:0(0:0)._ VfL. Ostring— Tennis-Rot 2 1:0(0: 0). Freie Segler feiern 30 Jahre Freier Segler-Verband Im Sommer haben die Segler nicht viel Zeit zum Feste feiern. Wenn da der Mnd einigermaßen geht, und es nicht gerade Bier- strippen regnet, werden die Lappen hochgezogen und hinaus geht es aufs freie Wasser. Aber die Freien Segler in Berlin haben es nicht vergessen, daß ihre Organisation in diesem Jahre 30 Jahre alt wurde; so haben sie denn am Sonnabend im Saalbau Friedrichsyain bei einer glänzend ausgezogenen Veranstaltung nachgeholt, was sie im Sommer versäumten. Im vollsten Flaggenschmuck prangte der Saal, als schon vor acht Uhr die ersten Besucher erschienen. Eine Stunde später herrschte bereits eine so beängstigende Fülle, daß viele recht oft durch den Saal kreuzen mußten, um schließlich in irgendeiner Ecke noch einen Anlegeplatz zu erwische». Das Programm für das Segler-Wochen- ende im November hatte man aus eine tünstlerifch hohe Stufe gestellt, dabei brachte das Festkomitee neben einer guten Kapelle auch das altehrwürdige und auf den Kähnen so beliebte Schifferklavier sallerdings gespielt von dem Charles Grell-Akkordion-Trio) zum Vorschein. Die Iungmannen sprachen einen vom Iugendleiter Sachs verfaßten Prolog und machten dabei ihre Sache sehr nett— fast so nett wie an Großschoot und Fockleine. Den Höhepunkt des Festes bildete die Aertcilung der von Peter Jensen sehr hübsch entworfenen Plaketten an die Mannschaften, die während der Verbandswelt- fahrten in der verslofsenen Saison glücklicher als die Abgehängten gewesen waren. Die Mitwirkung des Neuköllner Sängerchors sei auch hier dankbar anerkannt. Di« Wintersportabteilung und die Ruderriege des Reichs- v a n» e r s und der Berliner Tennis- und Wintersportklub „Cchwarzrotgold" hatten ihre Mitglieder und Freunde zn einem Gesellschaftsabend in den Ulop eingeladen, aus dem man allerlei bekannte Republikaner treffen konnte. Die Anwesenden waren wieder einmal, wie schon oft in diesen schönen Räumen, in dem Gedanken versammelt, auch bei Spiel und Sport und sogar bei den 5klängen guter Kapellen die Republik nicht zu vergessen. vss„Internationale" im Lunabad Den von der Interessengemeinschaft der bürgerlichen Berliner Schwimmvereine im Lunabad vorbereiteten internationalen S ch w i m m w e t t k ä in p f e n war ein großer Ersolg beschieden. Den erwarteten Höhepunkt bildete das abermalige Zusammentressen des deutschen Rekordmannes Deiters(Köln) mit dem ungarischen Meister S z e k e I y im Kraulschwimmen über 200 Meter. Von riesigem Beifall angefeuert ging Deiters vom Start weg im Höllen- tempo los. Die erste Wende vollführte er mit Szekely noch fast gleichzeitig, doch dann war der Ungar dem kräftigen Armzug von Deiters nicht mehr gewachsen. Bei 75 Meter wendete Deiters schon zuerst, um von da ab bis zum Schluß immer um ungefähr eine Körperlänge vux dem Ungarn zu liegen. Deiters siegte schließlich in 2:2l,(5, der Ungar benötigte 2:23,6. Das Schwimmen von promi- nenten Sportlern aller Sportarten startete Boxweltmeister Schmeling mit einem sehr lauten Schuß. Ueberlegen gewann sodann die deutsche Meisterin S u ch a r d dos 200-Meter-Brlistlchwimmen vor Hölzner, die zum Schluß noch di? deutsche Strommeisterin Mehlig hinter sich ließ. Am zweiten Tage kam der deutsche Meister Deiters zu einen, neuen Erfolge, diesmal über 400 Meter. Ersrenlich ist die gute Haltung der Berliner, von denen Haberer nicht weit hinter dem Kölner znrückblieb. Mit dem erwarteten Sieg des ungarischen Studenten-Weltmeiskers Szekely endete das lOO-Meter-Kroul- schwimmen, in dem der Berliner Priewe bei 80 Meter noch in Führung log. Sehr gute Leistungen bekam man auch im K» n st- springen zu sehen. Bei den Herren setzte sich Esser- Iserlohn durch, bei den Damen Scholz. Springturnier als �Vinter bilte Dos Pserdespringturnier. das vom 8. bis 15. November in der AutoHalle am Äaiserdamm stattfindet, von dem man erhofft, daß es wieder viele Fremde unid somit erweiterte Verdienst- Möglichkeiten noch Berlin bringt, steht ganz im Zeichen oer Winterhilfe. Man rechnete in Anbetracht der schweren Zeit mit ungefähr 500 Meidungen, dach sind 1250 Nennungen«in- gelausen. Namentlich die deutschen Pfevdezuchtgebiete Ostpreußen und Schlesien, die im sportlichen Wettbewerb zeigen wollen, was sie leisten können, sind stark vertreten. Alle Reineinnahmen des Tur- niers kommen der Winterhilfe zugute, ferner werden im Rohmen des Turniers, aber als gesonderte Hilfe, eine Tombola und ein Kabarett veranstaltet. Es werden auch Geldsammlungen stattfinden, die jedoch niemals eine aufdringliche Form annehmen sollen. Jimmy Walker, der Bürgermeister von New Port, hat, um auch auf seine Art und Weise der deutschen Pferdezucht und der Berliner Winter- Hilfe zugleich zu helfen, einen Ehrenpreis gestiftet. Ain Sonntag, der als Vertreter der Polizei unter den Zufehauern den Polizeipräsidenten Grzefinsti, Vizepräsidenten Dr. Weiß und den Kommandeur Heimannsberg sah, begrüßte Oberbürgermeister Dr. S a h m die Teilnehmer. Der Abend brachte dem Polizei- Hauptmann Weikinn zwei schöne Erfolge; denn er konnte sowohl Haust III wie Maat fehlerfrei über den Kurs bringen. In den Pausen spielte eine Militärkapelle, die sich, da die Veronstyltung stn Zeichen der Winterhilfe steht, kostenlos zur Berfügung gestellt halie. Sonntagssport von uberall Ein großer Teil der Rennfahrer, die am Donnerstagabend erst in Berlin das ß-Tage-Rennen beendet hatten, sind am Wochenende schon wieder in den verschiedensten Städten Deutschlands auf den Winterradrennbahnen tätig gewesen. So gelang es der zusammen- gebliebenen Mannschaft Schön-Goebel in einem 2-Stunden- Mannschaftsrennen in Münster-Westfalen zu siegen. In Breslau bestritten R i ch l i- B u s ch e n h a g e n ein lOO-Kilameter-Rennen. an dem sich außer ihnen noch Siegel-Fundo, Kroll-Maidorn, Ehmer- Kroschel und Tietz, also fast das halbe Berliner 8-Tage-Feld, be- teiligten. Richli-Buschenhagen konnten das Rennen in 2:11,37 Stunden und 10 Punkten nach Hause fahren. Wambst und Broecardo, ebenfalls in Berlin erst sertiggeworden, gewannen in Paris ein lOO-Kilometer-Mannschastsrennen in 2: 13,57,8 Stunden und 52 Punkten. Hertha schlug den Club S: 4. Mit dem 1. FC. Nürnberg trug Hertha BSC. gestern in Berlin ein Freundschaftsspiel aus, das von über 25 000 Zuschauern besucht war und Hertha 6: 4 siegreich sah. ?ln die Teilnehmer der Ski-Trockenkurse. Der vom 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes und dem Tvuriftenverein„Die Natnrsreunde" veranstaltete Ski-Trockenkursus in der Turnhalle Gatenburger Str 2, mußte der zahlreichen'Anmeldungen wegen geteilt werden. Die für Donnerstag, 12. November, bestellten Teil- nehmer müssen schon Dienstag, 10. November, 19 Uhr, erscheinen, da die Turnhalle an Donnerstagen nicht freizubekommen war. Mitt- woch, 11. November, 20 Uhr, beginnt in der Turnhalle der Schule Waldemarstr. 77 der zweite Kursus. Der Einfllhrungsvortrag sür den Ski-Trockenkursus in Lichtenberg wird Donnerstag. 12. Rovem- ber, im Jugendheim, Gunterstr. 44, gehalten. Rechtzeitige Anmeldung ist sehr nötig. Das H a l l e n t r a i n i n g für Eis-Hockey findet jetzt jeden Mittwoch, ab 20 Uhr. in der Turnhalle Greifen- Hagener Str. 58, statt. £udnig Seuevbiu-hs Philosophie S. Rawidoiviez veröffentlicht im Berlage Reuther und Reichard, Berlin, eine umfangreiche Monographie, die der Dar- stellung von„Ludwig F e u e r b a ch s Philosophie" ge- widmet ist. Das sorgfällig in den Quellen fundierte Werk analysiert nicht nur die Philosophie Feuerbachs, sondern umreißt auch d'.e Stellung des namentlich für die Geschichte des Marxismus so bedeutsamen Denkers in der deutschen Geistesgeschichte. So wird besonders das Berhältnis Feuerbachs zu Hegel ausgezeichnet auf- gezeigt. Auch der Einfluß Feuerbachs auf das Denken von Marx und Engels wird mit aller wissenschaftlichen Umsicht dargelegt. Nur sind hier die bisher gedruckten Quellen nicht ausreichend; nameut- (ich Marx hat sich in einer bisher ungedruckten in seinem Nachlaß ausgefundenen Schrift wohl am ausführlichsten über Feuerbachs Bedeutung für sein Denken ausgesprochen. In dieser Hinsicht wird also Rawidowicz seine Ausführungen nach dem Erscheinen dieser Schrift von Marx nach ergänzen müssen. j, p. Mayer.