Morgenausgabe Nr. 527 A 265 4S. Jahrgang WSchentlich 85 LZl. mimain* 3.80 TO. (davon»8 Pf. monatlich f&t Fustel- I lna ins Hans) im voraus»ablbor. Postbuuz M. einschließlich so Pf. Poftzeltuvgs- uni) 72 Pf.PostSestsIIas- diihren. Auslaudsabonnemem 8.— Dl. xro Monat: für Länder mit ermäßig» tut Trucksachenporto 9,— M. See.SonBärls* erscheint«ochentäa- lich zweimal Sonntags und Möntaq» einmal, die Abendausgabe für Setlm und im Kandel mit dem Titel.Ter Abends Zllustrierte SonntagsbcÜaa» »Boll und Zeit*. Berliner VollSvlatl Oiensiag 3.0. November 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Dienet» lpalt. Nori�areiltczetl« Ltt Ps. "„Kleine An- Wort 25 Ps. e Worte), icdcs ! Pf. Rabatt tt. Tons. Stellengesuche das erste Wort 1H Ps, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Reklamezeile 5,- z eigen" das fettgedruckte � �ulafstg zwei fettgedruckte? weitere Wort 12 Pf. Rob Arbeit», norkt Zeile 60 Pf.' anzeigen Zeile 40 Pf. W Familien» �.. Anzeigenannahm» im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen» täglich von 8V, bis 1? Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen oorl Aentvawrgan der sozialdemokratischen zSarlei Deutschlands Rodaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 s?enispr.: Dönhoff(A T) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Barlin. Borwärts-Verlag G. m. b. H. ?ostschclkkon!o:BerlinZ7ö?.S.— Bankkonto: BaiikdcrArbeiicr.Angelirvlcn und Beamtan, Lindenstr. 3 Dt. B. n.Disc.-Ges., Deposttcnk., Ieruiolemer Str. Kö'Kö. Weitere Lohnsenkung unmöglich Ein richtungweisender Spruch in der Berliner Metallindustrie. Bor dem Schlichtnugsausschutz wurden gestern die Verhandlungen über den Nenabschlntz des Lohn- tarifvertrages der Berliner Metallarbeiter fortgesetzt. Ihr Ergebnis war die Berkündung eines Schiedsspruches, wonach das Lohnabkommen unverändert verlängert wird und mit 14tägiger Frist erstmalig zum IB. Dezember kündbar ist. Die Erklärnngssrift zu diesem Schieds- sprach läuft bis zum 14. November. D« Borfitzende der Schlichkungskaunner, Gewerberat Körner, gab dazu die folgende Begründnng: Me Gefiehungskosten in der Berliner MelaMndustrie muffen wesentlich gesenkt werden, wenn insbesondere die auf die Ausfuhr angewieseneu Betriebe weltbewerbsfähig bleiben sollen. Es widerspricht aber der sozialenGerechligkeit, diese Senkung immerwiedernurvonder Lohnselle her vorzunehmen. Außerdem kann dieLebensmöglichkeitder Arbeiter bei der Bemeffvvg des Lohnes nicht unberücksichtigt bleiben. Jede gesellschaftliche Arbeil verlierl ihren Sinn, wenn die Erträge nicht wenigstens die zum Lebensunterhalt unbedingl notwendigen Ausgaben decken. Solauge die Lebenshaltung nicht durch eine Herabsetzung der Lebensmittelpreise wesentUch verbilligt wird, oder wenn das aus agrarpolitischen Erwägungen nicht erreichbar ist, solange nicht die M i e l e n g e s e n K t und die Tarife für die fiädüschen Unternehmungen, Gas, Waster, Elektrizität, Verkehr herab- gesetzt und die Abzüge für Steuern und Sozialversicherung verringert werden, ist eine weitere Kürzung der Bezüge der Arbeitnehmer nicht möglich. Bor allem muß die F a h r l von der Wohnung zur Arbeitsstätte und zurück verbilligt werden. ES ist ans die Dauer nicht aufrechtzuerhalten, daß der Facharbeiter sechs, der ungelernte Arbeiter acht bis zwölf und die Arbeiterin und der jugendliche Arbeiler lS Proz. und mehr ihres Nettolohnes hierfür aufwenden müssen. Grundsätzlicher Spruch. Die unterste Grenze des Lohnabbaus. Dieser Spruch und noch vielmehr die Begründung, die ihm beigegeben ist, ist von größter grundsätzlicher Bedeutung. Die Begründung spricht offen aus, was ein jeder Arbeiter, jeder sozial und gerecht denkende Mensch weiß: so geht es nicht weiter! Es muß ein Ende haben mit der Ver- elendung der Arbeiterschaft, wenn nicht die deutsche Wirt- schaft und das gesamte deutsche Volk auf immer schwersten Schaden davontragen soll! Sie spricht es deutlich aus, daß die Senkung der Pro- duktionskosten allein von der Lohnscitc her in die Katastrophe führt, in die Katastrophe des Zusammenbruchs der mensch- lichen Arbeitskraft. Dieser Spruch ist ein Aufschrei gegen die Einsichtslosigkeit und die Brutalität des Unter- nehmortums, das in grenzenlosem Lohndruck gegen die Ar- beiterschaft das einzige Heilmittel erblickt. Dieser Spruch ist richtungweisend! An diesem Spruch wird der Wirtfchaftsbeirat nicht vorbeigehen rönnen, wenn er das Lohnproblem erörtert. Mit einem Schlage wird der Vorhang vor der Rot der Arbeiterschaft hinweggezogen, wird aufgezeigt, was Lohnsenkung bedeutet! Die deutsche Arbeiterschaft ist das größte Aktivum der beut- schen Wirtschaft. Eine kurzsichtige, sozial ungerechte Lohn- senkungspolitik hat dies Aktivum auf das schwerste geschädigt — die Fortsetzung dieser Politik würde seinen Zusammen- bruch herbeiführen. An diesem Spruch wird die Arbeiter- schast festhalten gegenüber allen Versuchen, das Lohnniveau noch weiter herunterzudrücken. Die unterste Grenze ist er- reicht, wenn nicht bereits überschritten— bis hierher und nicht weiter! Mit Recht wendet sich der Vorsitzende des Berliner Schlichtungsausschusses an die Reich sregierung, die wohl immer erklärt, daß sie eine Senkung des Realein- kommens der Arbeiter, Angestellten und Beamten nicht wolle, aber bisher so gut wie nichts getan hat, um die g e b u n d e- nen Preise in Deutschland zu senken! Zu diesen gebun- denen Preisen gehören, soweit sie die Lebenshaltungskosten direkt berühren, nicht nur die Mieten, die Ausgaben für Steuern, Sozialbeiträge, Fahrtkosten, Gas, Wasser und Elek- trizität. Hier ist feit einem Jahr statt eine Senkung eine Steigerung der Lebenshaltungskosten eingetreten, und es droht jetzt eine weitere Verteuerung des Brotes. Räch den Erhebungen des Instituts für Konjunktur- forfchnng ist im ersten Halbjahr dieses Jahres das Einkommen der Arbeiter und Angestellten um etwa drei Milliarden gesunken. Dabei ist der Abbau der über- tariflichen Löhne und Gehälter nicht in Rechnung gestellt. Man dürfte kaum übertreiben, wenn man den Abbau der übertariflichen Löhne und Gehälter gleich groß setzt dem Abbau der Tariflöhne. In den Industrie- gruppen, wo vornehmlich in Akkord gearbeitet wird, ist dieser Abbau besonders stark und dürfte erheblich über den Abbau der Tariflöhne hinausgehen. Aber auch die Monatsgehälter der Angestellten, wie zum Beispiel im Berliner Einzelhandel, sind, soweit sie über den Tarif- gehöltern lagern, auf diese reduziert worden! Dieser uferlose Lohnabbau hat zu der a u ß e r o r d e n t- lichen Verschärfung der Wirtschaftskrise in Deutschland geführt. Der Beschäftigungsgrad in Deutschland ist ständig zurückgegangen. Das zeigt, wie ungeheuer die Kaufkraft in Deutschland zusammengeschrumpft ist. Eine Ueberwindung der Wirtschaftskrise auf dem Wege des Lohnabbaues ist also ein wirtschaftlicher Unsinn. Wie tief heute das Lohnniveau herabgedrückt worden ist, zeigt ein von den Vertretern dos Deutschen Metall- arbeiterverbandes zitierte Beispiel des Transport- a r b e i t e r s in der Berliner Metallindustrie, der ein Schwerarbeiter ist und dem nach Bestreitung der Ausgaben für Miete. Steuern, Sozialbeiträge, Fahrtkosten, Gas und Wasser, also Ausgaben, bei denen er nichts ein- sparen kann, eine Summe von 10 bis 12 Mark die Woche zur Bestreitung der Ausgaben für die Lebens- Haltung für sich und seine Familie bleiben. Daß unter diesen Umständen der Schlichter erklärt, und nach bestem Wissen und Gewissen erklären muß:„Diesen Lohn kann ich nicht mehr h e r a b d r ü ck c n"— ist der Aufschrei eines Gewissens! Sowohl der Reichskanzler wie auch der Reichsarbeits- minister haben wiederholt erklärt, daß die Senkung der Ge- stehungskosten nicht immer nur einseitig von der Lohnseite vorgenommen werden dürfe. Diesen Worten haben sie aber nicht die Tat folgen lassen. Der Vorsitzende des Ber- liner Schlichtungsausschusses wiederholt diese Worte, aber da er sie wiederHoll, werden sie z u r T a t. Die gesamte Oeffentlichkeit muß sich darüber klar sein, daß jede weitere Lohnsenkung nicht nur eine soziale Un- gerechtigkeit ist, sondern daß sie zur sozialen Katastrophe führt! Die Arbeiterschaft wird glles aufbieten, um diese Katastrophe abzuwehren. Schluß mit der Lohn- senkungspolitik! Wir sparen uns zu Tode. Das Einmaleins der Einschrumpfung. Von ißnton Erkelenz. Mit unserer Wirtschaftsvernunft haben wir es herrlich weit gebracht. Bor einem Jahr war es Mode darzulegen,. daß Lohnherabsetzung notwendig sei, um die Arbeitslosigkeit zu überwinden. Denn der Gesamtbetrag des ausgezahlten Lohnes oerteile sich bei niedrigeren Löhnen aus eine größere Zahl von Arbeitern. Lohnherabsetzung bringe also soziale Erleichterung durch Verminderung der Arbeits- lofigkeit. Die elementarste Einsicht in die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge sagte zwar von vornherein, daß diese An- nähme falsch sein müßte. Aber erst jetzt, nachdem durch Lohn- Herabsetzung weitere zwei Millionen Menschen arbeitslos geworden sind, findet der eine oder andere doch ein Haar in dieser Einschrumpfungspolitik. Die Finanz- Wirtschaft des Kabinetts Brüning begann vor zwei Jahren mit der Weisheit, daß das Reich 400 Millionen Mark beim Wohnungsbau sparen müsse. Nachdem durch diese und ähnliche Weisheiten inzwischen 80 Prozent der Bauarbeiter arbeitslos geworden sind, kommt man auf die Idee, 2S0 Mil- lionen Mark für die sogenannte Notansiedlung von hunderttausend Arbeitslosen auszugeben— ein Geschäft, das wieder mit einem großen Fiasko enden wird. In Deutsch- land mußte der Lohn abgebaut werden, um die Preise senken zu können, damit auf diesem Wege die Ausfuhr gesteigert werden könnte. Jeder Mensch konnte voraussehen, und manche von uns haben es in Reden und Aufsätzen vorher- gesagt, daß die anderen Länder sich ein solches Dumping nicht gefallen lassen würden, daß sie entweder auch die Löhne ab- bauen oder durch hohe Zölle sich gegen die deutsche Einfuhr schützen würden. Die angedrohte Kündigung des Schweizer Handelsvertrages zeigt, daß die unvermeidliche Folgerung aus diesem Vorgehen jetzt eintritt. Und wenn nächstens Eng- land den Schutzzoll einführt, dann werden wir erst recht er- fahren, welche Welle durch eine solche„Politik" mit in Be- wegung gesetzt worden ist. Blindheit ist heute Mode. Voraussehen, das tun, was eigentlich die Aufgabe des guten Geschäftsmannes und des guten Politikers ist, gilt heute als eine Sünde. So steht Deutschland, neuerlich auch England, unter dem Einfluß der Sparpanik. Es soll„gespart" werden, um die Haushalte auszugleichen, sowohl die öffentlichen als die privaten. Wenn man„gespart" hat, stellt sich heraus, daß Bilanz der Volksgesundheit. Eine Oentschrist und eine Anklage. Ebenso wie ein ordentlicher Kaufmann einmal in, Jahre ein« (Befamtbilanz seiner Verinögensstiicte aufstellt, die ihm zeigen soll. ob sein Uirternchmon gesund ist, muh der Staat auch über das wichtigste Gut des Voltes, die B o l k s g° su nd h e i t, ein« Bilanz ausstellen, dt« zeigen soll, ob die Staatspolitik ihrer Ausgabe, das Wohl der BevStterung zu fördern— und die Aoltsgesundheit ist der sichtbarste und unmittelbarste Ausdruck des Bolkswahles—, gerecht geworden ist. Diese Bilanz liegt jetzt vor, niedergelegt in der alljährlichen Denkschrift des Reichsgesundheitsamtes über die gesundheitlichen Verhältnisse des deutschen Volkes in dem Jahres- abschnitt bis zum August 1931. Vielleicht niemals zuvor— von den Kriegszeiten abgesehen— hat diese Denkschrift-ine solche Be- deutung erlangt wie In diesem Jahre Die schwere wirtschaftlich« und soziale Krise muß Wirkungen in der Volksgesundl)eit ausüben. Arbeitslosigkeit, Ernähruiiflsschwierigkeiten, die Wohnungsfrage. die L o h n k ä n, p f e.. all das hat Einfluß auf die Se- sundheit der arbeitenden Menschen. In der Denkschrift des Reichs- gesuitdheitsanites wird dies auch richtig erkannt. Während in den früheren Jahren solch ein Hinweis auf die Wirtschafts- und Sozial- Verhältnisse fehlte, wird diesmal dankenswerterweise hervorgehoben: „Es erscheint besonders geboten, di« augenblicklichen gesund- heitlichen Verhältnisse zu prüfen, um Atchaltspunfte für die Beurteilung der zu erwartenden gesundheitlichen Auswirkungen der Einschränkungen der zur Wohl- fahrt des Volkes beitragenden Aufwendungen zu ge- Winnen." Diesmal spricht das Rcichsgefundheitsamt ein Wort aus, das wir bisher leider vermißt haben: ..Tic Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähig- keit des Volkeä bleibt die wichtigste Ztaatsaufgabe." Wir wollen den wichtigste» Teil der Denkschrift vorwegnehmen. Wie wirken sich die Wohnungs-, Ernährungs- und Er- werbslofenverhältnisse airf die Volksgesundheit aus? Was die Wohnungen attbelangt, so gibt der„a l l g e- meine Wohnungsmangel Anlaß zu vielen hygieni- schen Beanstandungen". In den Großstädten lebten nur 73,4 Prozent der Bevölkerung in eigener Wohnung ohne Untermieter. Diese Verhältnisse dürsten sich im Jahre 1931 noch verschlimmert l>abcn. Es hat außerdem eine Verringerung der Vautätiglcit eingesetzt, die nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß die sinkende Kaufkraft der Bevölkerung die Bezahlung der hohen Mieten für die Neubauwohnungen unmöglich macht. Die Wohnungsverhältnisse sind also ein Passivposten in der Gesundheitsbilanz. Ueber die Auswirkungen der Crnährungslage macht die Denkschrift keine klaren Angaben, da es an„zuverlässigen Unter- lagen" sohlte. Es ständen zwar Lebensmittel In guter Beschafsen- Heft ausreichend zur Bersügung, aber, die. mehr.und mehr sich verschlechternden Einkommensvarhältnisse immer weiterer Schichten der Bevölkerung zwingen zu größter Wirtschaft- lichkeit nach Menge und Wohl der Lebensmittel. Wörtlich heißt es: Der allgemeine wirtschaftliche Rückgang wird zudem namentlich bei einem nicht geringen Teil der Be- schüftigungslosea und Unterstübungsbc rechtigten, nicht minder aber auch bei zahlreiche» vielköpfigen Ar- beitcrfamilien. auch nach der Seite der Ernährung hin sich nachteilig auswirken müssen."» Die Denkschrift stellt aus Grund von Statistiken aus 2090 Ar- beitcrsamilion fest, daß die durchschnittliche Ernährung in den er- faßten Arbeiterfamilien dem Nährwert nach ausreichet» und ge» nügend reichhaltig war, und erklärt weiter, es könne also nicht ge- folgert werden, daß die Bevölkerung etwa überwiegend nicht imstande wäre, sich ausreichend zu ernähren. Diese Folgerung ist überholt, da die Statistik nur bis zuin Februar 1928 reicht. Dagegen muß man folgenden Feststellungen voll und ganz zu- stiinmen:„Der Umstand jedoch, daß zur Zeit ganz« Vevölterungs- schichten nur bei schärfstem Rechnen und unter Ver- zicht aus manche liebgewordene Gewohnheit in der Ernährung wie auch im Verbrauch von Gennßinitteln und in den Aufwendungen für Erholung und Fortbildunz in der Loge sind, mit den noch verfügbaren Mitteln auszukommen, und daß tatsächlich überaus zahlreich« Familien nicht einmal mehr die Millcl aufbringen tonnen, sich auch bei bescheidensten Ansprüchen vollwertig zu ernähren, muß für die Gesundheitsbehörden der ernsteste Ansporn sein, diesem ausschlaggcbendeu Teil der Lebenshaltung der Bevölkerung und den hier drohenden gesundheitlichen Gefahren sein ganz besonderes Angenmerk zuzuwenden." Nur für die Gcsundheitsbchörden? Sollte nicht vielmehr der „ernsteste Ansporn" für die Regierung und namentlich für das E r- nährungsministerium vorhanden sein? Auch die Arbeitslosigkeit wird diesmal ausführlicher behandelt als sonst.„Es kann", so heißt es in der Denkschrift,„kein Zioeisel bestehen, daß sich in der steigenden Zahl der Ar- b e i t s l 0 s e n nicht nur eine gewaltige soziale und wirtschaftliche Not, sondern eine überaus ernste Gefahr für die Volts- gcsundheit offenbart, selbst wenn gesundheitlich ungünstige Folgen dieses Notstandes bisher in den statistischen Feststellungen über Erkrankungen und Sterbesälle noch nicht sichtbar geworden sind. Der Lebensstandard der Vollarbeltstätigen zeigte im allgc- meinen bis zum Jahre 1929, teilweise sogar bis 1939 eine aussteigende Tendenz, so daß zu Beginn der Wirtschastsnot ein erheblicher Teil der Bevölkerung dieser mit einer gewissen Reserve an gesund- heitlicher Wider st andskraft gegenüberstand. Unmittel- barer Mangel wird auch bei nicht wenigen Arbeitslosen eine gewisse Zeit hindurch durch Unterstützungen von Bekannten und Verwandten oder durch gelegentlichen tieinen Nebenerwerb ferngehalten. Aber all« diese Behilfsmögiichkeiten pflegen allmählich nachzulassen und schließ. Uch gänzlich zu versiegen. So stellt sich nach mehr oder weniger langer Zeit nur zu leicht ein Z u st a n d ein, bei den: die aus Unterstützungen und Renten ein- lommendcn Geldmittel jür eine zur Not noch hinlängliche Ernähninz ausreichen mögen, dagegen doch die Wiederanschaffung oder In- stands.etzung der durch allmähliche Benutzung unbrauchbar gewordenen Kleidungsstücke des täglichen Bedarfs nicht mehr gestatten. Das bedeutet aber nicht nur ein fortschreitendes Absinken des Lebensstandards breiter Volksschichten, sondern gleich- zeitig auch eine nicht zu unterschätzende Gefährdung der Volksgesundheit." Und weiter heißt es:„Demgegenüber treten gegenwärtig die Gefahren in den Vordergrund, die s ü r d i e V o l t s- gefundheit aus der steigenden Arbeitslosigkeit erwachsen. Aus ihr kann sich eine zunächst zwar erst langsam ein- setzende, allmählich ober schwer ausschaltend« Rückwärtsbewegung de? Gssundheitszustandes ergeben, vor allem, wenn der Volkskörpcr die Mittel zur Unterstützung der Arbeitslosen mit der Zeit nicht mehr in bor vollen Höh« auszubringen in der Lage sein sollte." Hört es, ihr Industriellen, cht Politiker, die ihr ständig mit der fixen Idee umgeht, di« Unterstützungen der Arbeits- losen müßten gekürzt werden! Hört es, ihr Aerzt«: Nicht ollein die Tumulte derer, die durch Mangel und Unzufriedenheit auf die Straße getrieben werden, bedrohen die Sicherheit der Bevölkerung. sondern ebensosehr die Krankheiten, die aus Entbehrung und Arbeitslosigkeit sich zwangsläufig e n t- wickeln. Wenn der Lebensstandard der Arbeitslosen wesentlich sinkt, vermindert sich auch der Wille und die Kraft dazu, das eigene Loben nach den van der Bevölkerung bisher willig aufgenommenen hygienischen Grundsätzen zu ge st alten. Hierdurch und durch das Knappwerden der Mittel für den hygienischen Lebens« bedarf verringert sich aber auch der Gssuirdheüsschutz gegen die uns nach wie vor bedrohenden Volkskrankheiten, die dann ihre frühere Gewalt über die verarmten wie auch die wirtschaftlich noch sichergestellten Teile der Bevölkerung wiedererlangen können." Diese eindringlichen Worte müssen ein Menetekel für olle die- jenigen sein, die die gesundheitlichen Gefahren der Zlrbeitslosigkeit leichtfertig unterschätzen. Hier geht es nicht um ein finanzielles Problem, sondern um das gesundheitliche Allgemeimvahi! Dr. Julius Moses. der Haushält weiter als je uou der Ausgleichung entfernt ist. Sofort taucht die verdrehte Idee auf. weiter zu„sparen", woraus man nach einem halben Jahr einsieht, daß der Aus- gleich noch unmöglicher geworden ist. Und so„sparen" wir uns alle gegenseitig zu Tode, machen uns alle arbeitslos, über- treiben dos Uebel, das schon aus verschiedenen Ursachen in die Welt gckoinmon ist, noch durch Sparpolitik. Machen wir uns das an einem praktischen Bei- spiel, das heute tausendfach im Leben vorkommt, zahlen- mäßig klar: ein Betrieb hat 1000 Arbeiter, die durchschnittlich täglich 5 Mark pro Kops verdienen. Bei voller Arbeitszeit gibt der Betrieb also für Lohn aus täglich 5000 Mark, wöchentlich 30 000 Mark, vierwöchentlich 120 000 Mark. Durch Lohnherabsetzung, sagen wir von 10 Proz., können also 12 000 Mark „g e s p a r t" werden. Das erscheint dem Unternehmer als ein gutes Geschäft. Er setzt also den Lohn herab. Was ist die Folge? Jede fünf Mark, die weniger in den Verbrauch eingehen, die also weniger verausgabt werden, man könnte auch sagen, die„gespart", d. h. dem Verbrauch entzogen, werden, machen einen Arbeiter für einen Tag arbeitslos. Durch die 12 000 Mark, die hier neu„gewart" werden, ent- stehen also 2400 Tage neuer Arbeitslosigkeit. Rechnet man für jeden Arbeiter 25 Arbeitstage im Monat, so werden allein durch diese Lohnherabsetzung etwa 100 Arbeiter neu ar- b e i t s l o s. Diese hundert haben einen Anspruch auf Unter- stützung aus der Arbeitslosenversicherung, aus der Krisen- fürsorge oder aus der Wohlfahrtspflege. Nehmen wir an, daß der Unterstützungsbetrag monatlich 80 Mark pro Ar- beitslosen beträgt, so kosten die hundert neu Arbeitslosen 8000 Mark Unterstützung im Monat. Arbeit können sie nicht dafür leisten. Wer aber muß die 8000 Mark aufbringen? In normalen Zeiten, wenn nur wenige Betriebe noch diesem Rezept„ sparen", verteilen sich diese Kosten auf die gesamte Wirtschaft und werden dadurch wenig fühlbar. In einer Zeit wie heute, wo die Sparpolitik alle öffent- lichcn und privaten Betriebe ergriffen hat, wo jeder zu „sparen" versucht, muß jeder Betrieb die Gelder für die Unterstützung der Menschen a u f b r i n g e n,. die er beschäfti- gungslos, unterstützungsbedürftig gemacht hat. In unserem Beispiel also: die 8000 Mark Unterstützung müssen mittelbar und unmittelbar getragen werden von den im Betrieb be- schäftigtcn tausend Arbeitern und Angestellten und von dem Unternehmer dieses Betriebes. Sie müssen das Geld auf- bringen entweder in Form erhöhter Betträge zur Arbeits- losenoersicherung oder in Form erhöhter Steuern und Ab- gaben. Die 8000 Mark gehen also von den Einkommen der noch beschäftigten Arbeiter wieder ab. Sic können ent- sprechend weniger verbrauchen, und es entstehen 1600 Tage neuer Arbeitslosigkeit, das heißt 64 Menschen werden neu arbeitslos. Sie haben wieder Anspruch auf Unterstützung: kostet 5120 Mark im Monat. Dieser Betrag muß wieder von den noch in Beschäftigung stehenden Arbeitern und dem Unternehmer des Betriebes aufgebracht werden. Die dadurch entstehende Verbrauchseinschränkung bringt wieder 1028 Tage neuer Arbeitslosigkeit, das heißt rund 4 0 neu e Arbeitslose— 3200 Mark für neue Unterstützungsvcr- pflichtungen. Man sieht, hier ist eine Schraube ohne Ends, denn �ngn könnte die Rechnung noch einige Stunden weiter fort- jähren. Ergebnis: der Betrieb„spart 12 000 Mark an Lohn. Die öffentlichen Kassen werden dadurch belastet mit mehr als 200 neuen Arbeitslosen, die im Monat rund 16 320 Mark an Unterstützung kosten. Aus diesem Zahlenbeispiel kann man schon sehen, weshalb die Hoffnung, die öffentlichen Kasten durch„Sparen" und Steuern zu sanieren, aussichtslos ist. Je mehr„gespart" wird, um so höher wird die Last. Aber die Auswirkung geht noch weiter vor sich. Von den in dem ge- dachten Betrieb Beschäftigten 1000 Arbeitern würde das Reich bei voller Arbeitsleistung im Monat etwa 6000 Mark Lohn- -st e u e r erhalten. Es würde außerdem durch vergrößerten Umsatz mehr Umsatz st euer usw. erhalten. Es verliert also durch die Lohnkürzung 6000 Mark Einnahme und muß gemeinsam mit Ländern und Gemeinden 16 300 Mark an Unterstützungen bezahlen. Wie sieht die Sache für den Unternehmer aus? Er„spart" 12 000 Mark. Aber auch hier gilt dasselbe wie oben. Wenn e i n Unternehmer so handelt, wird die Gesamt- Wirtschaft nicht wesentlich beeinflußt, und Absatz, Gewinn, Steuerleistung usw. der gesamten Unternehmungen bleiben ziemlich unverändert. In einer Zeit aber, wo jeder Unter- nehmer so„spart", muß jeder Unternehmer auch die Umsatz- einschrumpfung tragen, die er verursacht hat. Diese Umsatz- einschrumpfung tritt zwar nicht schematisch ein. Die Unter- nehmungen, die sogenannte Luxus- oder weniger lebensnot- wendige Waren herstellen, leiden mehr unter der Ein» schrumpfuiig als etwa die Bäckermeister oder die Kartoffel- Händler. Im ganzen aber muß di« Umsatzein- schrumpfung sich auf jeden Betrieb aus- wirken. Das bedeutet aber Steigerung der Pro- duttionskosten. Denn der verringerte Umsatz muß dieselben fixen Kosten tragen. Die Lohnherabsetzung, die ursprünglich gedacht wurde, um die Produktionskosten zu senken, st e i g e r t also in Wirklichkeit die Produktionskosten. Sie steigert, wie oben gesagt, auch die S t e u e r b e l a st u n g. Infolgedessen verschwindet in dem Betrieb der Gewinn. Da kein Gewinn da ist und der Umsatz sinkt, bringt der Betrieb für die öffentlichen Kassen weniger an Steuern auf. Der Unternehmer wird selber aber denken, daß er weiter„sparen" müsse. Er wird also auf den Gedanken kommen, die Löhne wieder herabzusetzen, um dieselbe Schraube wieder weiter zu drehen mit demselben Ergebnis wie oben. Man sieht, wir sparen uns zu Tode. Wir leben nämlich immer noch tn der Meinung, daß das. was für den einzelnen richtig ist, auch richtig sei für olle und für die Gesamtheit, wenn alle es tun. Wer feinen Lebensaufwand einschränkt und dadurch 50 Mark im Monat spart, hat wirklich gespart, vorausgesetzt, daß nicht alle seine Nebenmenschen ebenso handeln, vorausgesetzt also, daß im übrigen alles un- verändert bleibt. Sobald aber alle sa handeln, wird dieses Sparen zum Wohn sinn, es steigert bestenfalls den Geld- j wert. Dieser Wahnsinn trägt den wissenschaftlichen Namen „Deflation". Aber ein Irrenhaus bleibt ein Irrenhaus, welchen Namen man ihm auch geben möge. Einschrumpfung ist das altliberale Rezept für die Ueberwindung von Wirtschafts- krifen. Selbst der Altliberalismus aber hat dabei voraus- gesetzt, daß bei Einschrumpfung auch die Preise sinken. Senken sie sich in demselben Maße wie die Einkommen, so bleibt das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben gleich, und der ganze Prozeß wäre nur ein Umzug in eine niedriger« Preislage. Bei uns sinken aber nicht einmal die Preise. Infolgedessen bedeutet das ganze Verfahren eine tödliche Einschrumpfung des Wirtschaftslebens. Oer Wolf im Schafspelz. Hitlers SA. Nagt über Terror. Wie der nationalsozialistische„Angriff" mitteilt, wollen zwei SA.-Leute vom Reichspräsidenten empfangen werden. Der Reichspräsident soll sich, so fordern sie, dafür einsetzen, „daß dem mörderischen Treiben verbreche- rischer Elemente ein Ende gemacht werd c." Anlaß dazu ist die Ermordung eines SA.°Mannes durch Kommunisten. Was tut die SA. Hitlers dafür, daß dem mörde- tischen Treiben verbrecherischer Elemente ein Ende gemacht werde? Sie hat in Braun schweig zwei viehisch« Morde begangen. Sie überfällt täglich Republikaner, die dem Mord- treiben von Faschisten und Kommunisten voll Entrüstung gegenüberstehen. Was unternimmt dieParteidcsHerrn Hitler? Herr Fr ick hat Zehntausende von Arbeiterfunktionären an Leib und Leben bedroht. Unter diesen Zehntausenden sind viele Frontsoldaten. Ihnen droht Frick mit den SA.— mit den jungen Burschen, von denen der größte Teil nie eine Front gesehen hat, weil sie beim Kriegsende noch Kinder waren. Zu der Drohung des Mannes, der den Krieg in Pirmasens verlebt hat, gegen Frontsoldaten aus der Arbeiter- schaft, die im Kriege ihr Leben eingesetzt haben, kommen die dauernden Deklamationen vom Köpferollen, vom Aufhängen, vom Ausrotten, die ein jeder nationalsozialistische Führer nach dem Vorbilde Hitlers gebraucht. Sollen wir noch von der Rolle der SA. am Kurfürsten- dämm reden? Die Terrorbanden der Hitler-Partei wollen dem Reiche- Präsidenten gegenüber die Maske der anständigen Leute vor- nehmen. Aber die Fratze des blutigen faschistischen Terrors sieht zu deutlich hinter der Maske hervor! Hitlers Giraßenbanden. Köln, 9. November. Am Sonntag wurden in der Militärringstrahe in Köln 39 Mitglieder der Hitlerjugend festgenommen und der politischen Abteilung vorgeführt. Wie die Polizei mitteilt, haben die Festgenommenen Passanten ohne Grund mißhandelt. Kleppers Rachfolge. Die präsideatschast der prevßenkaffe. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist Präsident Klepper anläßlich seiner Ernennung zum Finonznunister aus seinem Amt als Präsident der Preußischen Zcntralgenassenschaft-. lasse ausgeschieden. Der neue Präsident der Preußentasie wird auf Vorschlag des Finanz Ministers vom preußischen Staatsministerium ernannt werden. Ir. S27» 4S. Iahrgong 3301(050 ��6 Dienstag, �0. November �93� Die abgebaute Straßenbahn Ersatz durch Umleitung und Einsetzer Einschränkung bedeutet Verteuerung Ter Beschluß des Auffichtseals der Berliner Ver- kehrs-A.-G., die Straßenbuhnliuieu 2$, 48, 55, 66, 86, 115, 168 und 184 sowie die Zlutobuslinie« A 4 und A 28 einzuziehen, bedeutet für viele Ttadttcile ab 1. Dezember eine starke Bcrkchrsvcrschlechterung. Zudem bedeuten die nach Meinung der BVG. im Interesse der Wirtschaftlich- keit des Unternehmens und als Kolgc des starken Ber- kehrsrückganges notwendig gewordenen Maß- nahmen für viele Fahrgäste, die sich gerade aus Arbeiter- kreisen rekrutieren, eine erhebliche Verkehr sver- t e u e r u n g. Die eben erst eingeführte ungemein schnell populär gwordene Tanimclkartc geht mit der Linien- cinziehung für viele Berufstätige wieder verloren. Die bisherigen Stammkunden der abgebauten Linien sind ge- zwungen, zukünftig einen Umsteiger zu lösen, was eine Verteuerung von 10 Pf. pro Fahrt bedeutet. Der Auf- sichtsrat hat sich bemüht, besondere Härten durch groß- zügige Linienumlegungen zu vermeide». Man versichert außerdem, daß der Berufsverkehr durch Schaffung eines starken VinseKverkehrs gegenüber den bisherigen Zuständen gefördert und nicht gedrosselt werden soll. Wir erwarten, daß dieses Verspreche» nicht auf dem Papier stehen bleibt. Der Verkehrsabbau ist nicht geeignet, die Berliner Verkehrs- 2L-G. populär zu machen. Der.Vorwärts� hat die ver- schiedencn Einschräukuugsprogrannne scharf kritisiert und durch sein« Kritik erreicht, daß einige wesentliche Verbesserungen gegenüber den ersten Plänen durchgesetzt werden konnten. Wir holten na 6) wie vor den Beschluß des Auffichtsraics für eine gefährliche Maßnahme, eine Verkehrskalastrophe jedoch, wie viele der privalwirkschasl dienende Blätter behaupten, bedeutet der Beschluß nicht. Die Berliner Bevölkerung vergiht über di« durch die Mrtschast-nvt bedingten Maßnohmen nicht, daß die großzügige Vereinheit- l i chu n g des Berliner Berkehrs die kommunalpolitisch« Großtat der Sozialdemokratie ist. Dieses im Interesse des Gemeinwohls geschaffene Werk wird unter allen Um- ständen v«rt«idigt werden, weil eine Auseinartderreißung der großen Gesellschaft«in Derkehrschaos bedeuten würde. Es ist lein Zufall, daß groß« Weltstädte jetzt daran gehen, ihr Verkehrs- netz nack)«dem Berliner Muster aufzubauen. Die Berliner aber sehnen durchaus nicht di« Zeiten wieder herbei, da man, um bis nach Tegel mit der Straßenbahn zu gelangen, von drei ver- jchie denen Straheichahngesellschojtcn Fahrscheine lösen mußte. Ersatz für die eingezogenen Linien. Wir geben nachstehend ein« genaue Aufstellung, wie sich die BVG. den Ersatz für die«ingezogenen Linien vorstellt: Linie 29: Ersatz soll in Tegel durch Verlängerung der Linie 2 5 vom Sporrplatz bis Tegel, Hauptstraße, und ob Neue Schönhauser Straße, Ecke Müuzstraße, bis Britz, Gradestraß« durch die Linie 49 geschafftn werden. Linie 49 wird zwischen Görlitzer Bahnhof und Oranienplatz ausgegeben. Neue Führung der Linie 49: Buchholz-Britz, Gradestraß« über Pankow, Berliner Straße, Schönhauser Allee. Neue Schönhauser Straße, Alexander- platz, Neanderstraße, Prinzenstraße, Moritzplatz, Oranienstraßc, Dresdener Straße, Kottbusser Tor, Hermannplatz, Hermann- bis Gradestraß«. Linie 27 wird von Britz, Gradestraß«, bis Buckow verlängert. Linie 4S: Für diese Linie wird die Lim« 47 bis Nordend ver- längert. Linien 55 und öö: Für die 55 soll die Linie 64 zukünftig ab Spandau in Abständen von zehn Minuten mit der Führung ab Wittenbergplatz bis H a l l e s ch e s Tor gefahren werden. Von dort wie bisher die Linie 66 bis 5) o h c n s ch ö n h a u s e n, Falken- berger Straße. Linie 89 wird im Westen durch die Linie 62 ersetzt mit der Führung ab Pariser Straße über Kaiserallee, Joachimsthaler Straße, Kantstraße, Suorezstraße, Schlohstroße, Spandauer Straße bis Kömgin-Luise-Straß«. Linie ll5: Ersatz im Süden von Bergstraße, Ecke Knesebeck- straß« bis Krairkeichaus Buckow durch Linie 15. Im Norden wird die Linie von Will)elmsruh zurückgezogen und der Endpunkt nach Teichstraß« verlegt. Linie 21 übernimmt ab Hermannplotz über Berliner Straß«, Bergstraß«, Knesebcckstraß«, Mariendorfcr Weg, Gottlieb- Dunkel-Straße bis Neukölln, Gemeindefriedhof. die Führung der Linie 115. In Moabit wird die Linie 2l von der Königsoammbrück« bis Wilhelmshavener Straß« zurückgezogen. Die Linien 168 und 184 sollen durch die Linien 68 und 84 er- setzt werden. In den Hauptverkehrszeiten sollen auch hier Einsetzer in stärkerem Maße gefahren werden. Verkehrsabbau in allen deutschen Großstädten. Der«durch das dauernde Anwachsen der Massenarbeitslosigkeit bedingt« katastrophal« Verkehrs rückgang zeigt sich nicht mir in Berlin. Die V«rkehrsnnternehmungen aller deutschen Großstädte haben schwer unter dieser Erscheinung zu leiden, ileberall mußten Einschränkungsmaßnahmen getroffen werden, um di« städtischen Verkehrsunternehmungen in ihrer Wirtschnftlichkeit zu erhalten. Es ist«in schwacher Trost für den Berliner, wenn er erfährt, daß ber Abbau des Verkehrs in den anderen Städten bereits in weit stärkerem Ausmaß vorgenommen worden ist. Fast all« Städte bleiben mit ihren Maßnahmen weit hinter dem prozentuoien Ver» kehrsrückgang zurück. Nur Leipzig und Nürnberg haben ihren Verkehr etwas stärker eingeschränkt, als der Verkehrsrückgang tatsächlich ist. Berlin marschierte mit seinen Maßnahmen bisher hinter Breslau, Köln, Chemnitz, Düsseldgrf, Dresden, Dortmund, Magde- bnrg, Bremen an elfter Stell«. Stach den Berechnungen der BVG. wird durch Sie Durchführung der Einschränkungsmaßnahmen Berlin nunmehr an die sieben!« Stelle vorrücken. Der Auf sichtsrat erteilte gestern seinem Aorsitzenden, Bürgermeister Dr. Elsas, noch besondere Vollmachten für di« Verhandlungen iibex die Unnvandlung des kurzfristigen Danat- bankkredites von' 124 Msllionen in«in langfristiges Därlehen. Neuer Maffenprozeß Anfang Dezember. Im Helldorf-Prozeh hat jetzt auch Rechtsanwalt Dr. Sack für die Verteidigung Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichts Charlottenburg eingelegt. Beide Kurfürstendamm- Prozesse, also die Sache Schuster und Genossen und der Fall Brandt, Helldors und Genossen, in denen die Berufung der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung schweben, werden vor- ausflchtlich Anfang Dezember in gemeinsamer Verhandlung die Be- rufungsstrafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz von Land- gerichtsdirektor Ohnesorge beschäftigen. Es wird also zu einem neuen Massen prozeß kommen, in dem die ganzen Borgänge am Kurfürstendamm noch einmal aufgerollt werden müssen. Soda statt Gold. Russische Gauner betrügen Kaufleute um blSOOO Mark. Einen schweren Beinfall erlitten ein Charlottenburger Kaufmann und sein Geschäftsfreund aus Görlitz: beide gingen ein paar ganz gerissenen russischen Gaunern auf den Leim und wurden um bare 15 990 Mark betrogen. Ein Kaufmann aus der K r» m m e st rä ß e in Charlotten- bürg lernte in einem Lokal zwei Russen kennen, die ihm anoer- trauten, daß sie im Besitz größerer Mengen Goldes seien. Unter vielen Schwierigkeiten hätten sie es fertig gebracht, goldene Zehn- und Zwanzigmarkstücke und goldene Rubel- stücke aus Rußland nach Deutschland einzuschmuggeln. Ihr Gold- schätz hätte mindestens einen Wert von 40999 bis 45999 Mark. Da sie nach Kanada reisen wollten und schleunigst Bar- geld brauchten, wären sie bereit, ihren Schatz für etwa 2 9 999 Mark zu verkaufen. Der Kaufmann, der selbst nicht ge- nügend Bargeld zur Hand hatte, benachrichtigte seinen Freund iu Görlitz, der mit 13 599 Mark nach Berlin kam. 1599 Mark wollte der andere zugeben und für 15 999 Mark sollte nun das Goldgeld erworben werden. Bei einer erneuten Verabredung brachten die beiden Russen Proben mit. Die Kaufleute ließen die Goldstücke prüfen, die sür echt befunden wurden. In der Wohnung des Ber- lincrs sollte der Kauf vor sich gehen. Die Russen brachten aber nur zwei Pakete in einem kleine» verschließbaren Körbchen, die reftlichcn zwei wollten sie für sich behalten, weil die� Berliner ja nur 15 99!) Mark zahlen wollten. Nach längerem Feilschen versprachen s>: schließlich die beiden letzten Pakete zu holen. Die vier Pakete. in denen, wie sich die Kauslcute überzeugt hatten, tatsächlich Gold war, wurden in den Koffer eingeschlossen und die 15000 Mark in Papier eingewickelt dazu getan. Der Koffer sollte solange in der Wohnung bleiben, bis die Russen mit den beiden anderen Goldpaketen zurückgekommen wären. Vergeblich warteten nun de� Berliner und der Görlitzer Kaufmann, die Russen kamen nicht. Als ihnen die Sache schließlich unheimlich wurde, öffneten sie die Pakete und fanden in einem Paket statt des Goldes— Soda und in den drei anderen Paketen Nägel. Das Päckchen, in dem ihr Geld eingewickelt war, enthielt nur Papierschnitzcl. Die Kri- minalpolizei sucht jetzt die fingerfertigen Nepper. Erfolgreiche Hehler und Stehler. Seit einigen Tagen wurde in verschiedenen Lokalen i» der Gor- mannstroße ein lebhafter 5)andel mit Schirmen, Seide, Stossen usw. beobachtet. Die auffallend niedrigen Preise verrieten, daß hier Hehler um jeden Preis ihre„heiße" W a a r e absetzen wollten. Kriminalbeamte beobachteten die Gegend und ermittelten als di! Ihändler die beiden Russen Weinstein und Beidjer. Als ihre Be- hausungen in der Wallner-Theater-Straße durchsucht wurden, fand man darin ein Warenlager, das einen Wert von mindesten» 12 999 Mark darstellte. Wahllos hatten sie von Ein- brecherkolonnen alles zusammenzekauft und betrieben nun mit dem Diebesgut einen schwunghaften Handel. In di« Silberwarenfabrik von L i p p k e in der Fried- richstraße 39/49 in Weihenfee drangen Einbrecher ein und stahleu sür etwa 19999 Mark Waren.— In ein Konfektionsgeschäft in der Alexanderstraße 68/69 drang eine andere Kolonne ein und erbeutete für etwa 8999 Mark Seide, Samt u. a. m. Die Beute wurde in einem Auto fortgeschafft.— Wohnungseinbrecher konnten in der Akdnsseldcr Straße 39 für etwa 7999 Mark Silber, Pelze u. a. in. ungehindert fort- schleppen. „Und in Professor Ballon bist du auch nicht ein bißchen verliebt?" Mit lachenden Angen zwinkerte Mennie Irma zn. Ueber Gcrmaines Gesicht schoß plötzlich eine Blutwelle. Aber dann saß sie ruhig vor sich hin.„Professor Ballon ragt natürlich geistig weit über die jungen Studenten hinaus, wie das nicht anders sein kann. Er gibt mir oft wertvolle Winke für das Studium, und ich bin ihm dankbar, wenn er sich mit mir unterhält. Er ist in diesem einen Jahr für mich eine Art Gradmesser geworden, an dem ich mich selbst und meine Umgebung messe—" ,F)u wirst ja schon wieder rot." Irma lachte aus vollem Halse.-. „Aber Germaine, das schadet doch nichts, du tust ,a gerade, als sei das ein Verbrechen, sich zu verlieben!" fiel Mennie begütigend sin. Aber Gennaine schob heftig ihren Teller zurück,„Es ist eine Gemeinheit von euch, das zu sagen. Professor Ballon ist längst verheiratet, er hat Kinder—" „0 Gott, was nehmt ihr Deutschen das Leben ernst— dagegen sind wir schwerfälligen Holländer ja noch leicht und graziös. Du hast unsere harmlose Neckerei wohl schon als Anklage wegen Ehebruch aufgefaßt!" Irma schüttelte mit konlischcm Entsetzen den Kopf. Nun lachte auch Germaine.„Ihr hobt ganz recht, sagte sie,„für uns wird das Einfache zum Problem. Und Liebe und Ehe sind siir mich schon von Jugend an Probleme ge- wesen", setzte sie mit einem fremden und abwesenden Ge- sichtsausdruck hinzu. Aber dann stand sie, bevor die beiden anderen iwch etwas erwidern konnten, entschlossen auf. �„Kinder, draußen scheint die herrlichste Sonne, und ihr seid mir noch einen Bummel durch die Straßen und den Park schuldig. Wir wollen gehen!"— 14. Seit Wochen hatte es nicht geregnet. In den staub- ersüllten, schmutzigen Straßen fuhren die Sprengwagen, und hie Bürgcrsieige vor den Häusern der Genfer WtjtM per» wandelten sich immer mehr in ossene Werkstätten. Schuh- macher und Schneider, Korbflechter und Bürstenmacher, Näherinnen und Flickerinnen— die ganze hohlwangige, bleiche Schar der Heimarbeiter hatte die glühende, unerträg- liche Hitze in den engen Wohnungen auf die Straße gesÄzeucht. Da saßen sie nun, Stuhl an Stuhl, eng an die Haus- wände gepreßt, und die barfüßigen Kinder fanden es unter- haltend und vergnüglich, mit großen und kleinen Gießkannen. mit Karaffen und Töpfen Wasser zu holen und es zur Lin- derung der heißen, staubigen Lust auf den glühenden Stein zu gießen, der es sofort begierig aufsog. Auch über dem Genfer See, der wie eine milchige, ver- schwimmende Fläche unbeweglich und dumpf dalag, lastete diese schwüle, von Spannungen erfüllte Atmosphäre. „So muß die Stimmung sein, bevor eine Revolution ausbricht", sagte Germaine halblaut zu ihrein Vordermann. Sie hatte mit einigen Teilnehmern des französischen Se- minars einen Ausflug nach Coppet, zum Wohnsitz der Frau von Stael, unternommen, und nun schlenderte man in zwanglosen Gruppen vor dem Schloß herum und wartete, bis die gerade stattfindende Führung beendet war. Der Angesprochene wandte sich um. Es war ein junger Russe, der einer nihilistischen Studentengruppc angehörte und auf den Tag brannte, an dem er sein Studium hier beendet hatte, um in seine Heimat zurückzukehren. Germaine hatte ihn oft scherzhast mit„Genosse" angeredet, und in den Dis- kussionen waren sie manchmal hart aneinander geraten, wenn der heißblütige, ganz im Banne seiner Idee stehende Russe nicht das Geistesleben, sondern die Politik als die große, schaffende Kraft des Staats- und des Einzellebens er- klärte. Auch jetzt sah er sie erwartungsvoll an, gespannt aus irgendeinen Angriff. Aber Gennaine trat ein paar Schritte abseits, so daß sie von den übrigen etwas entfernt standen. „Ich hatte gestern abend ein seltsames Erlebnis", sagte sie.„Sie wissen, ich habe einen miserablen Ortssinn, und ich finde mich in dem Gossen- und Stttißengcwirr auch heute noch nicht zurecht. Gestern ging ich nach der Vorlesung noch etwas spazieren, ich muß wohl in Gedanken gewesen sein, denn plötzlich fand ich mich in einer mir ganz unbekannten Gegend. Gerade kam ein Arbeiter von einem Neubau die Straße herüber, und ich fragte ihn nach dem Weg. Er hatte die gleiche Richtung, und so gingen wir einige Straßen neben- einander. Es war ein junger Italiener, er hatte Frau und Kind daheiin gelassen und arbeitete hier den Sommer über. Es war ein sehr höflicher und unaufdringlicher Mensch, und so erzählte ich ihm auch von meiner Heimat, von unserer Kleinstadt und von meinem Swdium hier. �........ Das alles spielte sich in wenigen Minuten ab. Als ich aber dann in die Elektrische stieg, da sagte er:„Was Ihre Pension und Ihr Studium täglich kostet, dazu noch Ihr Taschengeld, das Ihnen die Eltern sicherlich schicken— sehen Sie, dafür muß ich mit Frau und Kind daheim eine Woche, ach, oft genug noch viel länger leben." Er sagte das ohne jede Gehässigleit, ohne Neid, so wie man eben eine Tatsache, die sich nicht hinwegleugneu läßt, konstatiert. Er stand mit abgezogener Mütze, als ich ihm die Hand gab, und lächelte freundlich beim Abschied. Aber eben deswegen muß ich heute den ganzen Tag daran denken." Der Russe zuckte die Achseln.„Sie tnn ja, als ob Sie gestern zum erstenmal in Ihren 21 Jahren gemerkt hätten, daß es sowas wie Klassenunterschiede gibt, daß sich die nach dein Ebenbilde Gottes geschaffene Menschheit sehr deutlich in Reich und Arm unterscheiden läßt?" Etwas verwundert sah er in ihr nachdenkliches Gesicht. „In der Theorie habe ich das natürlich gewußt, aber ich weiß nicht, in der Praxis habe ich diesen Gegensatz noch nie- mals so scharf gesehen wie gestern. Dieser Mensch hat plötz- lich einen Vorhang vor meinen Augen weggezogen, und nun ist mir, als ertönten überall Hilferufe, Klagen, Schreie des Entsetzens, die ich nie gehört habe. Gewiß, ich habe zu Hause in unserer Umgebung auch Armut und Elend gesehen, aber das war nicht so schlimm, da konnte man hingehen und etwas helfen und trösten, dann lachten sie alle und freuten sich. Aber ich glaube, es gibt noch ein anderes Elend in der Welt, ein Elend in riesigem, unerhörtem Ausmaß, an dem die Hilfe des einzelnen abprallen muß, so hart, so grauenhast, so riesengroß ist es." Leidenschaftlich und entflammt erfaßte der Student ihre beiden Hände:„Sie gehören zu uns, Germaine, Sie hoben das tiefste Wesen des Klasienkmnpfes ersaßt und ausge- sprachen. Nicht Einzelhilfo mehr, Gnadengeschenke, Almosen — wir wollen die Organisation der Masse, die Befreiung der Unterdrückten durch sich selbst, durch eigene Kraft! Wir wollen nicht mehr Einzelne sein, sondern Gemeinschaft! Kommen Sie zu uns, kämpfen Sie mit uns!" Aber Germaine schüttelte den Kopf.„Was Ihnen längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. das ist für mich fremd. Ich habe noch nichts gesehen von der Wirklichkeit, von der unmittelbaren Gegenwart, obwohl ich mir bis heute einge- bildet habe, auch die dunklen Tiefen und Abgründe zu kennen. die das Leben manchmal vor uns aufreißt. Ich stehe erst am Anfang--" (Fortsetzung folgt.) Matufchka ohne Reue. Ein Brief des Verbrechers an seine Frau. Wien, 9. November. Ein heutiges Morgenblatt veröffentlicht einen Brief, den der Eisenbahnattentäter Matuschka aus der Gefängniszelle an feine Frau gerichtet hat. Matuschka zeigt in dem Brief keinerlei Reue über seine Taten, denen 24 Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Cr schreibt, daß er eine große chauptverhandlung über die Attentate in den drei Ländern wünsche. Nur so könne die ganze Welt auf seine Rede hören. Nur so könne er für die Attentate Genugtuung geben. Matuschka teilte in dem Briefe weiter mit, daß er mit der Abfassung eines Films beschäftigt sei. der den Titel führen soll: Der Kaiser als Bauer! Er bittet feine Frau um Zusendung einer elektrischen Toschenlampe und eines Glasprismas, zwei Gegenstände, von denen er sich, wie er angibt, in der chauptvcrhandlung die größte Sensation verspricht. Er bete den ganzen Tag sllr Frau und Tochter. Er lese wöchentlich das Kirchenblatt, das ihm zugeschickt werde. Der Brief schließt mit dem Ausdruck größter Zärtlichkeiten. sür feine Angehörigen. Oas Reichsbanner mordet nicht. Aber der„Angriff" sagt die Unwahrheit. Die Pressestelle des Reichsbanners Berlin teilt mit: „Die Gewissenlosigkeit, mit der die Nationalsozialisten ver- lemnden, spricht aus folgendem Beispiel: Der„Angriff" veröffentlichte in Nr. 202 vom 7. November eine..Totenliste Ber- l i n e r Nationalsozialisten", in der an dritter Stelle aus- geführt wird:„Karl Renz, 21. Februar 1g2ti vom Reichsbanner in Alt-Larrdsbcrg ermordet." Wir stellen dieser Behauptting gegen- über den T a t b e st a n d fest: Am 21. Februar 1326 fand in einem Lokal in Alt-Landsberg ein Vergnügen eines Gesangvereins statt. Während der Aeranstal- iung wurde auf das Lokal ein Schuß abgegeben und darauf die Fensterscheiben eingeworfen. In begreiflicher Erregung begaben sich die Teilnehmer des Vergnügens auf die Straße und gerieten dort mit einem Trupp Nationalsozialisten in eine Schlägerei, bei der der Nationalsozialist Renz tödlich oerletzt wurde. In dem folgenden Gerichtsverfahren ist auch nicht die Spur eines Beweises dafür erbracht worden, daß Renz von Rcichs- bannerleuten verletzt worden ist. wohl aber sind eine Anzahl Nationalsozialisten wegen Laadfrledeasbruches verurteilt worden. Angesichts dieses einwandfreien Tatbestandes stellen wir fest, daß die gemeine Beschuldigung gegen das Reichsbanner vom„Angriff" AU Propagandazwccken erfunden wollen ff't und Überkassen daz Ur» teil über ein derartiges Verfahren der Oeffentlichkcit." Krieg und Kriede. Ein Vortrag des Bischofs(Schreiher. Auf der achten Reichstagung des Friedensbundes Deutscher Katholiken sprach am Sonntag im Herrenhaus der Bischof von Berlin Dr. Christian Schreiber über das Thema „Krieg und Friede". Nachdem der Redner versucht hatte, die Voraussetzungen sür einen„gerechten, erlaubten" Krieg darzulegen, kam er auf das viel« nwralischc und materielle Elend, das jeder, auch der„gerechteste" Krieg iiu Gefolge hak. zu sprechen und leitete hieraus die Notwendig- keit aller Friedensbestrebungen ab. Sie zu unterstützen, kennzeich- nete er als Pflicht aller sittlichen Menschen. Ueber die Kriegsschuld- srage sagte er:„Wäre es nicht endlich an der Zeit, unter die Ver- g a iigcn he it, in der wohl auch jeder unserer Ankläger ein Schuldkonto hat, den großen Strich des Vergessens und Vergebens zu setzen? Äst es angesichts der Rot in Europa und der ganzen Welt nicht vor- dringlich, an der Wiederherstellung des wahren Friedens auch unter Opfern zu arbeite«, besonders aber an einer Versöhnung und Ver- ständigung zwischen Deutschland und Frankreich, und, wie ich bewußt hinzufüge, auch zwischen Deutschland und Polen? Ferner sind wichtig der Ausbau des Völkerbundes und die gleich- zeitige allgemeine Abrüstung. Di« stärkste Sicherheit des Staates liegt nicht in Festungen und Kriegsschiffen, sondern im Friedensgcist der Menschen und Völker untereinander. Diesen Geist zu hegen, ist die Aufgab«. Zum Schluß seiner Ansprache lehnte Dr. Schreiber einen„negativen Pazifismus" ab. Am Sonntagabend veranstaltete der Kongreß des Friedensbundes Deutscher Katholiken eine öffentliche Kundgebung, die gleichfalls im Herrenhaus stattfand. Es sprach der Dominikauor-Patcr Franziskus S t r a t m a n n vom Reichsparteiausschuß des Zentrums über„Katholizismus a n d M i l I t a r i s m u s". Cr sagte:„Das militaristische System ist ein« Ueber st eigerung des militärischen Gedankens. Aus dem Dienst am Volke wird ein Herrschen überdasVolk. Der militaristisch« Zustand besteht in dem Ucbermaß der militärischen Einrichtungen, die sich zu einem Alpdruck für die ganze Wett ent- wickelt haben. Die ollgemeine Wehrpflicht stand im Dienst einer Politik, die keineswegs das Wohl des ganzen Volkes auch nur be- zweckte.� Schließlich ward der Militarismus Werkzeug hauptsächlich wirtschaftlicher Interessen." Scharf geißelte der Vertreter den inter- nationalen Rüstungskapitalismus. der sich der Abrüstung noch mehr widersetze als das Militär selbst. Der Katholizismus müsse zu all diesem in schärfstem Gegensatz stehen. Deutschland könne unsterblichen Ruhm vor der Geschichte erwerben, wenn es aus der erzwungenen Abrüstung eine freiwillige macht und die unvergleich- liche Auesicht, den Rüstungswahnsinn zu zerstören, nicht durch eigene Aufrüstung unwiederbringlich vernichtet. Generalsekretär Lenz nannte in seinem Vortrag Neues Helden- tum den modernen Krieg sinnlos, unmenschlich, fast immer ungerecht in seinem Ursprung und abscheulich in seinen Mitteln.— Bei der Besprechung der politischen Lage sagte der Redner, daß man bei aller Ehrfurcht vor der Staats- rutorität scharf beobachten werde, wie sich die Vcroindung zwischen Wehr- und Innenministerium zum Wohle des Volkes und zur Wahrung staatlicher Hoheit auswirken werde. lodesurieii für Klndesmsrdenn. Prozeß nach eil Jahren.- Vierjährigen Hellen mit Kieesaiz vergfflet, Ungetreue Beamte. Vier Beantte der Sparlasse des Landkreises Guben wurden wegen Untreue und passiver Bestechung zu Gesang- nisstrosen von zwei Monaten bis zu einem Jahr sechs Monaten verurteilt. Di« Tat der SSjährigen Berta K l a n n— die Anklage spricht von Mord— liegt elf Jahre zurück. In Westpreußen ging deutsches Gebiet an Polen über, die Bewohner verließen die Heimat- liche Scholle, sie flüchteten in Rocht und Nebel. Auch die Gebrüder Friedrich und Rudolf Klann kamen im Februar 1920 nach stundenlangen Märschen durch Kälte und Schnee mtt Frauen und Kindern aus Graudenz in das Flüchtlingslager bei Ham- m e r st e i n. Die Familien hausten gemeinsam in einem kleinen Raum. Der kleine Willi des Rudolf Klomi starb unmittelbar nach der Ankunft in Kzammerstein, die Frau Friedrich Klanns war krank, erlitt eine Fehlgeburt, der vierjährige Sohn Fritz, ein schwäch- liches rachitisches Kind hatte schwer« Durchfälle. Er beschmutzte sich, bekam vom Vater unmenschliche Prügel und war allen zur Last. Der Vater meinte eines Abends, wenn das Aas doch krepieren wollte, der Deibel sollte ihn holen. Als der Kleine sich nachts wieder beschmutzte, brachte ihn der Onkel Rudolf in den kalten Vorraum und legte ihn hier in eine 51iste. Am nächsten Morgen badete ihn Tante Berta im kalten Wasser, etwas später gab sie ihm Kaffee mit einer Messerspitze Kleesalz, in wenigen Minuten war der Kleine tot. Jahre vergingen. Der Tod des Kindes schien vcrgesien. Nur die jüngeren Mitglieder der Familie, die heranwachsenden Söhne der Brüder Klanns sprachen miteinander darüber und eines Tages kam die Tat zur Kenntnis der Polizei. Die SSjährige Berta Klann wurde verhaftet. Ja, sagte sie, ich habe dem Kind Kleesalz gegeben, weil ich es nicht mehr mit ansehen konnte, wie es litt. Und dann bezichtigte sie ihre Schwägerin der Anstiftung. Diese be- strttt voll Entrüstung, von dem Ganzen etwas gewußt zu haben. Später sagte Berta Klann, sie habe das Kind nicht töten wollen, sondern nur nach kränker machen, damit die Eltern, die den kleinen Fritz schlecht behandelten, ihn ins Krankenhaus brächten. Bor dem Landgericht III blieb sie gestern bei dieser letzten Behauptung: die Bezichtigung ihrer Schwägerin nahm sie zurück. Entlastet wurde sie gewissermaßen durch die Aussag« des jetzt 2Ijährigen Max Klann. des Bruders des verstorbenen Fritz. Er war damals 12 Jahrs alt, weiß aber heul« noch, wie er den Fritz nach seiner Rückkehr aus der Schule wimmernd und halberfroren in der Kiste liegen sah, wie er den Kleinen ins Zimmer nahm und die Tante chm den Kaffee gab, an dem er später verstarb. Als er röchelt«, rief Tante Berta: schnell Milch. Hatte sie also den Kleinen dach nicht töten wollen? Daß der Bater die Kinder, auch den kleinen Fritz, schwer mißhandelte, ist richtig. Er, der Max, ist wegen der Mißhandlungen früh aus dem Cltcrnhause gegangen. Am Tag« vor dem Tode des kleinen Fritz hat der 12iährige Max auf Befehl der Tante Weidenruten besorgen müssen, mit denen das vierjährige Brüderlein verprügelt wurde. Die Mutter hat nach dem Tode des kleinen Jungen bitterlich geweint. Die Aussagen der Eiltern des kleinen Fritz hinterließen einen zwiespältigen Eindruck. Man konnte sich nicht des Gefühls er- wehren, daß sie um die eigenartigen Umstände, unter denen ihr Junge gestorben ist. wohl gewußt haben mußten. Als der zwölf- jährige Max den Vater zurief: Fritz ist tot, da erhielt er zur Ant- wort:„Gott sei Dank, daß er nun erlöst ist": und die Mutter, die bereits seit zwei Tagen von ihrer Krankheit ausgestanden war, hat nichts davon gemerkt, daß der.Kleine im kalten Raum in der Kiste log. Die Beziehungen der Eheleute Rudolf und Berta Klann werden aber schlaglichtartig durch einen kleinen Zwischenfall er- hellt. Als Rudolf Klann umzog, fand er unter dem Kissen seiner Frau die Tüte Kleesalz.„Aha".sagte er.„das wollte sie mir eingeben, jetzt werde ich ihr eingeben." Der Bruder Fritz entriß ihm die Tüte: Rudolf erzählte ihm aber bei dieser Gelegen- heit, daß er die Frau bereits zweimal im Verdacht gehabt habe, sie hätte ihn vergiften wollen. Der Sachverständig«, Medizinalrat Dr. Frommer, fand keine Veranlassung, der Angeklagten die Ueberlegungsfähigkeit abzu- sprechen. Der Staatsanwalt beantragte wegen Mordes Todes- strafe. Rechtsanwalt Dr. Müller-Strohmeicr plädierte für fahr- lässige Tötung. Die Angeklagte habe ihren Neffen nicht töten wollen: hätte sie sonst gerufen: Schnell Milch? Das Gericht ver- urteilte die SSjährige Berta Klann wegen Mordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Das Gericht, das seinem Urteil die ursprüngliche Aussage der Angeklagten zugrunde legte, glaubte nicht ander? als auf Mord er- tennen zu können. Bei einer Tat, die elf Jahre zurück, liegt, und begangen wurde unter den besonderen äußeren Um- ständen und besonderen seelischen Verhältnissen, unmittelbar nach der Flucht aus Gpauden;, erscheint dieses Urteil In keiner Weise gerechtfertigt. Die Gnadeninstanz wird hier eine Kor- rektur schaffen müssen. Eine befristete Begnadigung zu etwa 10 Jahren Zuchthaus wäre bestimmt am Platze. Bei guter Führung würde dann diese jetzt SSjährige auch zu einem noch frü- Heren Zeitpunkt das Zuchthaus verlassen dürfen. Gegenrevolution brüstet sich. Schlägerei im Potsdamer Stadiparlament. Zb der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung kam es Zreitag zum erstenmal zum Tumult und zu einer Schlägerei, ver deutsch- national« Hetzer Dr. Averduvk gefiel sich den ganzen Abend in Aemereden gegen die Sozialdemokralen, nachdem er nicht lange vor- her Hitler herbeigesehnt hatte. Das versetzte die Sozialdenwkraten begreislicherweis« in Erregung, der sie sich vor der Tribüne Luft mochten, indem sie ver- langten, Averduni sollte seine provozierenden Warte zurücknehmen. Do? paßte den Deutschnatitmälen nicht, die Heiden Stadtverordneten Oppeln von Bronikowski und K l u k u s, die sich deutsch- nationale„Arbeiter" nennen, stürzten sich aus den sozial- demokratischen Stadtrat S ch u ch m i l s k i, der sich gor nicht an Zwischenrufen beteiligt hotte, indem sie ihren Fäusten Betätigung schafften. Herr Averdunk hatte sich unterdessen verdrückt und hetzte hinter der Front in den Bänken der Stadtverordneten weiter. Dies« Stunde war kein Ruhmesblatt für die„Gesellschaft von Potsdam". Den 5)auptpunkt bildete die Aussprache über die Rede des Oberbürgermeisters in der letzten Sitzung. Bekanntlich hat sich Potsdam, die bürg«- und biersteuerfreic Stadt, große Lorbeerkränze ums 5)aupt gewunden, und es galt zu sogen, aus welche Weise Potsdam in die Lage gekommen war, solche Ber- günstigungcn sich zu erlauben. Der Oberbürgermeister trat selbst auf den Plan, um dem Berliner Stadtkömmerer Asch zu erwidern: für die Sozialdemokraten sprach der Stadtverordnete Dr. Müller. Der gestrige Tag war aber auch der Tag der Erwerbslosen. Die Sozialdemokratie hatte einen Erfolg. Sie konnte eine Debatte erreichen über die Mahnahmen zur Linderung der Rot. Die Ant- wort des Magistrats zeigt, daß manches getan werden wird. Die Sozialdemokraten sagten, was dazu noch getan werden muh. Der Apparat ist angekurbelt und— Potsdam hat Geld. Jetzt muß es sich zeigen, ob man in dem Potsdam der Lorbeerkränze und der Selbstbeweiräucherung auch noch etwas übrig hat für die Aermsteu in der Stadt._ Jugendliche Banditen im �adiogefchäst. Zwei junge Burschen drangen gestern abend kurz vor Laden. schluß in das Radiogefchäst von Paul Röll in Pankow, Siub- nitzstraße 27,«in. Einer der Täter war mit einer P i st o l e. sein Komplice mit einem starken Knüppel bewaffnet. Unter der Aufsoi'derung, die Hände hochzuheben, verlangten die jugendlichen Banditen die Herausgabe«der Kasse. Der Inhaber des Geschäfts tat so, als ob er der Aufforderung nachkommen wolle, griff in die Schublade, zog aber statt des Geldes einen Revolver hervor. Jetzt bekamen es die Beiden mit der Angst zu tun, liefen davon und entkamen. Die Räuber waren etwa 20 bis 24 Jahre alt und machten einen heruntergekommenen Eindruck. 5 OOO 000 Berliner fuhren Dampfer. Nach den vorläufigen Zusammenstellungen der beiden größten Dampferoerkehrsunternehmen. der Stern- und K r e i s s ch t s f» fahrt und der Reederei Nobiling, wurden im Lause der diesjährigen Sommersaison auf den Gewässern der Spree und Havel insgesamt: etwa drei Millionen Personen mtt den Dampfern der beiden Gesellschaften befördert. Die Sterndampfer befördertsn in Richtung mall) Potsdam, Werder und Ferch etwa 1,16 Millionen, auf dem Tegeler und Heiligen See 270 000 und auf der Oberspree und der Dahme etwa 122 000 Personen- Bon den rund 1,S Millionen Fahrgästen der Nobiling- Dampfer entfielen dagegen SSO OOO aus O b e r s p r e c und D o h.m e und ISO 000 auf die Havelgewässer. Erschlagene Arbeiter im Steinbruch. Fünfzehn verschüttet, sechs als Leichen geborgen, Pirmasens. 0. November. Ein furchtbares Unglück ereignete sich am Montag nachmittag in einem I'.ahe bei Houenssein gelegenen Steinbruch. Dort wurden Felol�rengüngen vorgenommen.'Einer der Sprcngschüsfr' ging zwar los, brachte ober den Fels nicht sofort zum Fallen. Als sich vier Arbeiter der Sprengstelle näherten, löste s i 6) plötzlich der Felsen und begrub die vier Leute unter sich. Die Bergungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Es ist kaum anzunehmen, daß die Verunglückten lebend geborgen werden können. Nach weiteren Meldungen scheint das Unglück größeren Umfang zu l>ahen als die erste Nachricht erkennen lieh. Es sollen 1? Per- sonen verschüttet, davon bereits 6 als Leichen geborgen worden sein.__ 18 Kommunisten festgenommen. Am S.November, abend? gegen HlO Uhr, war eine in Hei- ligensce eingesetzte, aus zwei uniformierten Beamten bestehende Polizeistreife in der Kirschallee von Kominunisten beschossen worden. Im Lause der Ermittelungen ergab sich, daß«ine Slnzahl von Kommunisten In Hennigsdorf und N i e d e r- N eu c n- darf anläßlich einer Versammlung der NSDAP, in 5)cil'gcnsce zusammengezogen waren und euicn Ilcversall beabsichtigten. Am Sonntag fanden daraus in Hemiigsdors und Niedcr-Neuendorf 5z aussuchungen, statt, in deren Verlauf 18 Personen in chzast genommen worden sind. Sämtlich« festgenommenen Personen werden dem Dernehmungsrichtcr wegen Mordversuchs und Landfricdensbruch? vorgeführt werden. Die Deutsche Lufthansa haste zum Besten der Winterhilfe im Atrium in der Kaiscrallce eine große Filmmatine« veranstaltet. Gleich zu Anfang wurde den zahlreich Erschienenen eine Ent- täuschung bereitet. Der berühmte Flieger Ernst Udet, den zu hören viele gekommen waren, verzichtete aus eine Anregung der Leitung der Veranstaltung in, wie uns schien, allzu großer Be- scheidenheit aus seine Ausführungen, während sein Kollege Wols- gang von Gronau wenigstens ein paar Minuten plauderte. So schön und so großartig dann die Bruchstücke der verschiedenen Filme waren, Udet in den Tonfilmen„Die weiße Hölle von Piz Palü" und„Stürme über dem Mont Blanc", und Gronau in seinem Grön- landsilm. diesmal kam es dem Publikum doch bestimmt auf die beiden kühnen Männer selber an, und da hätte man lieber den italienischen Balbofilm ganz streichen sollen, ehe man einer Per- sönlichkeit vom Rang Ernst Udets zumutete, seine Ausführungen so zu kürzen, daß sich das Anfangen gar nicht lohnte und der Flieger überhaupt nicht sprach. Hoffentlich bekommt das Berliner Publikum Ernst Udet bald einmal selber zu hören. Wetteraassichlen sür Berlin: Meist bewölkt, später aufkommende Regenneigung, weiterhin mild, auffrische nde, nach Südwest drehende Winde.— Für Deutschland: Im Osten noch trocken und heiter, im mittle«» Teil des Reiches zunehmende Bewölkung, später auch etwas Regenneigung, im Westen wolkig bis bedeckt, allgemein mild. "v.V''*.>» 90JlAynd50j$ -"TYlimAu/cu�erM Z*SA 50 A ~ M. i r �jJncL SÖA 3fr. 527* 48. Zahrgans 2. Beilage des Vorwärts Oiensiag, lv. November 4934 Was wird mit der Kleinsiedlung? Auch da wird sehr mii Wasser gekochi. Zm Relchslagoauoschvh für laudwirtschafl. liche» Sledluagswefen naanle gestern der neu- ernaanle Stadlstedlungskommistar Dr. Saahen die geringe Zahl von 20 000 Erwerbslosen, die durch vorslädlische Slein- siedlung gestützt werden sollen. Fürsorge für 200 000 Erwerbslose. das war die Ziffer, die der aus„seinen Gedanken- stolze Reichsfluanzminisler Dietrich bei der Geburl der Idee nannte. Als di« ersten Nachrichten über die Ansiedlung von Erwerbs- losen in vorstädtischen Kleinsiedlungen veröffentlicht wurden, ent- stand bei vielen Arbeitslosen di« Hoffnung, hierdurch ein« Existenz- Möglichkeit oder mindestens eine Existsnzerleichterung zu finden. Wir haben gleich vor übertriebenen Hoffnungen gewarnt und dar- auf hingewiesen, daß unter den herrschenden Verhältnissen nur ein- geringe Anzahl von Arbeitslosen«ine Heimstätte erhalten könnten und daß dies« Stadtrandsiedler auch stets auf Unterstützung ange- wiesen bleiben, solang« sie keinen anderweitigen Erwerb finden. Denn zur Deckung des Nahrungsmittelbsdarfs oder gar zum Ver- kauf von Gartenerzeugnissen reicht eine I-Morgen-Tiedlung nicht aus. Auch ein« Vergrößerung der Siedlungen auf 8 oder 3 Morgen hilft nichts, da die Marktpreise für alle die Gartenerzeugnisse, die ein solcher Siedler liefern kann, derartig billig sind, daß er nie sein Leben von ihrem Verkauf fristen kann. Dazu kommt, daß, je mehr es solche Kleinsiedler gibt, die ihre Erzeugnisse verkaufen wollen, desto stärker die Preis« fallen. Schon jetzt leiden die ge- schulten Errverbsgärtner Not, wieviel mehr dann die ungeschulten Siedler. Also erst« Voraussetzung wäre, kein Fortfall und keine Minderung der Unterstützungssätze für di« Siedler, die er- werbslos sind. lieber die Absichken des Regierungskommisiars hört man: Der Boden soll von den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden, denen auch di« praktische Durchführung überlassen werden soll. Als Reichsbeihilfe sollen für den Hausbau 2300 Mark und für di« Kleingärten je 100 Mark gegeben werden. Im ganzen stehen SO Millionen Mark zur Verfügung! vorläufig sollen monat- lich 8 Millionen Mark aufgewandt werden, wovon mindestens 10 Prozent, also 800 000 Mark, für die Schaffung von Klein- gärten Verwendung finden. Hierdurch könnten also im Monat 8000 Kleingärten und 2880 Stadtrandsiedlungen errichtet werden. Dies ist nicht viel bei 5 Millionen Arbeitslosen. Würden 30 Prozent der vorhandenen Mittel für die Errichtung von Klein- gärten verwandt, so können 24000 Kleingärten und 2210 Stadt- randsiedlungen geschaffen werden. Im ersten Fall also erhalten 10 880 Erwerbslose eine Beschäftigung«nd die Möglichkeit, einen Teil ihres Nahrungsmittelbedarfs im eigenen Garten zu decken, im zweiten Fall dagegen sind es 26 240 Erwerbslose, also zweieinhalb- mal soviel. Alerkwürdig wieder die Idee, die Errichtung der Siedlungsbauten durch freiwilligen Arbeitsdienst vorzunehmen! Wir können nicht entschieden genug davor warnen, diesen Weg zu beschreiten. Nicht nur läuft der freiwillige Arbeitsdienst auf eine Lohndrücker«! hinaus. � Die Errichtung von Häusern durch Laien ist auch teurer, selbst wenn sie gar keinen Arbeitslohn er- halten, als durch Facharbeiter. Gedacht ist daran, in Fabriken maschinell hergestellte Häuser aus Holz oder anderem Material zu beschaffen, die der Erwerbslose dann selbst ausstellen soll. Mit den 2500 Mark sollen also nur die Materialien und die Löhne in den Fabriken bezahlt werden. Die Löhne auf der Baustelle sollen fort- fallen. Dies ist aber undurchführbar, denn ein Haus muß auf Beton oder Mauerwerk fundamentiert sein. Ebenfalls müssen Herd und Schornstein gemauert werden, was wieder gelernte Arbeitskräfte verlangt. Dasselbe gilt für das Eindecken des Daches und anderer Facharbeiten. Würde man die Aufstellung der Häuser in der geplanten Weise durchführen, dann müßten die anzusiedelnden Erwerbslosen auf den Kreis gelernter Bauarbeiter beschränkt werden. Also Hände weg vom freiwilligen Arbeitsdienst! Auch ist es eine Illusion, anzunehmen, daß man größere Sied- lungen ohne Zufahrtswege und ohne Beleuchtung errichten kann. Zluch die Wasserversorgung spielt eine wichtige Rolle. Aus gesundheitlichen Gründen dürfen Flachbrunnen z. B. nicht in der Nähe von Rieselfeldern gebohrt werden. Tiefbrunnen kosten aber bekanntlich viel Geld. Dennoch darf nicht auf Kosten der Ge- sundheit der Siedler beim Brunnenbau gespart werden. Schließlich sind auch die Verkehrsverhältniss« wichtig: sowohl der Stadtrandsiedler wie der Kleinsiedler müssen schnell und billig von ihrem bisherigen Wohnsitz zu dem Gartenland kommen können. Muß der Kleingärtner die Fahrt von seiner Wohnung zu seinem Garten und zurück bezahlen, so ist es für ihn billiger, dsn Kohl oder die Kartoffeln einzukaufen. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden, kann aus dem Siedlungsplan für Erwerbslose etwas werden. Der Reichskommissar wird seine Absichten also korrigieren und erweitern, Illusionen über Arbeitsdienst aber begraben müssen. Außerdem: Wann endlich wird etwas getan? Skandale um Lingner-Werke? Ein Großaktionär, der mit Betriebskrediten spewlieri. Vor einigen Tagen berichteten wir. daß die Dresdener Lingner- Werke A.-G.(Fabrikant auch von Odol) von der Aktiengesellschaft für Kohlensäure-Industrie-Berlin übernommen werden wird. Bei den Lingner-Werken rebellieren gegenwärtig die Aktionäre. Sie fürchten, bei den in Gang kommenden Ge- schäften über die Löffel halbiert zu werden und— packen aus. Vorläufig handelt es sich um Gerücht«, die aber ernster Natur sind. Die Lingncr-Werke hatten danach einen Großaktionär, di« S t e r n b e r g b a n k in Amsterdam, die u. a. auch Grund- stücksinteressen in Rheinland und Westfalen besitzt. Nun wird bc- hauptet, daß die Lingner-Werke einen größeren Kredit, der immer- hin einen erheblichen Teil ihres Aktienkapitals ausmacht, von der Sächsischen Staatsbank in Anspruch genommen haben. Das Ge- rücht geht dahin, daß man der Sächsischen Staatsbank den Glauben beigebracht Habs, dieser Kredit sei für die Tochtergesellschaften der Lingner-Werke bestimmt. In Wirklichkeit soll dieser Kredit an den Großaktionär, di« Sternbergbank, gegangen sein, die ihn für ihre Gr und stücksinteressen, also zu einem Zweck, der mit den Lingner-Werken gar nichts zu tun hat, benutzt haben soll. Der Großaktionär hätte also die Finanzkrast der Lingner-Werke unbe- rechtigterweise angespannt, zum Schaden des Unternehmens und zum Schaden der übrigen Aktionäre. Außerdem sollen durch die Sternbergbank überteuert« Kredit« aus die Lingner-Werke abgewälzt worden sein. Wenn das zutrifft, hat ein Großaktionär feinen Einfluß bei den Lingner Werken mißbraucht in einer Weise, die die Interessen der Aktionäre ernsthaft angeht und sür die sich auch die Staats- a n w a i t s ch a f t interessieren muß. Autokonzeniration marschiert. BMW. vnd Oaimler-Benz arbeiten zusammen. Die Meldung eines Berliner Blattes, daß der Abschluß einer Interessengemeinschaft zwischen Daimler-Benz und den Bayeriscken Motorenwerken bevorstinide, wird von den beteiligten Stellen in dieser Form bestritten. Nicht abgestritten wird dagegen, daß beide Gesellschaften be- stimmte Verkaufsabmachungen getroffen baben und auch eine ge- wisse Betriebszusammenarbeit besteht. Unter an- dercm liefert das größte Daimler-Werk in Sindelfingen bei Stutt- gart die Karosserien für den neuen BMW.-Kleinwagcn. Wie man die Art des jetzigen und künftigen Zusammengehens zwischen Daimler und BMW. auch bezeichnen mag, an der Totsache, daß die Autokonzentrotion marschiert, mird auch die Entgegnung der Verwaltungen nichts ändern. Im übrigen werden di« A u f f i ch t s- r a t s s i tz u n g e n. hie heute und morgen bei beiden Gesellschaften stattfinden, eine Klärung der Situation bringen. Jedenfalls ist nicht zu erwarten, daß mit dem großen Zusammenschluß in Sachsen zwischen Horch, DKW., Wanderer und Audi die Konzentration in der Automobilindustrie bereits beendet ist. Werksverkäufe bei Aordwolle. Sehr spärliche Mitteilungen in der Generalversammlung Der erste Schritt in der Bereinigung des Rordw olle-Kam- plexes ist getan. Die Togo-A-G., in der die Webereibelriebe von Nordwolle zusammengefaßt waren, wird noch Mitteilungen in der geoeraloersammlung ihre Wert« inM.-Gladbach und in Gera an die Be rliner Textilfirma Gebrüder Ber- glas veräußern. Das wird praktisch so vor sich gehen, daß eine neue Gesellschaft(ihr Name steht noch nicht fest) mit einem Aktien- kapital von 5 Millionen Mark gegründet wird. Die Hälfte des Kapitals erhält die Firma Berglas für Einbringung ihrer Botriebe in diese Gesellschaft. Die Toga-A.-G. erhält für ihre beiden Werke in M.-Gladbach und Gera 1,5 Millionen Mark Aktien. Den Rest des Kapitals von 1 Million Mark übernimmt Gebnider Berglas gegen Barzahlung. Die Aachener Betriebe der Toga, gegen deren For�- führung die Konkurrenten vor einiger Zeit lauten Protest erhoben, werden also nicht von der neuen Gesellschaft übernommen. Was mit ihnen geschehen soll, ist bisher nicht bekannt. Ilebcrhaupt waren die Mitteilungen auf der Generalversammlung der Toga in ehr als spärlich, obwohl man doch alle Ursache hätte, die Oeffentlichkeit hinreichend zu informieren. So wurde gesagt, daß ein Teil der Vorräte und Außenstände der Toga auf die neue Ge- sellschaft übergingen— ein wie großer Teil, zu welchen Bedingun- gen, wurde nicht verraten. Dabei ist der Posten Vorräte mit etwa 9 Millionen Mark in der letzten Toga-Bilanz der wichtigste— und auch der unsicherste gewesen. An der Tatsache, daß das ganze Toga-Kapitol(15 Millionen) verloren ist, dürfte sich nichts ge- ändert haben. Forlgesetzte Getreidehausse in Ehikago. An der Ehikagoer Ge- treidebärje stiegen die Geireidepresie weiter. Der Weizen erreichte einen Preis, wie man ihn jeit Frühjahr nicht mehr erzielt ljat. In vielen Kreisen hält man die seit Ende voriger Woche anhaltende Preissteigerung für das erst« Anzeichen zu einem Nachlassen der Weltwirtschaftskrise.— Vorausgesetzt, daß nicht reine Spekulations- manöver vorliegen. Vertrauensbrücke von Amerika. Die amerikanische Beteiligung an der Berliner Handels- Gesellschaft. Durch Vermittlung des Hamburger Bankhauses War- bürg C o. ist dieser Tage ein Aktienpaket der Berliner Handels- Gefellschaft in amerikanische Hände übergegangen. Wieviel Aktien hierbei amerikanisch geworden sind, ist nicht bekannt: es wird mir mitgeteilt, daß es weniger als ein Viertel des Aktienkapitals (28 Millionen Mark) ist. Der Vorgang ist in der Hauptsache deswegen von außerordent- lichem Interesse, weil in der gegenwärtigen Zeit eine amerikanische Kapitalbeteiligung an einer deutschen Großbank ein deutliches Vertrauenszeichen gegenüber der deutschen Wirtschaft be- deutet. Die Berliner Handcls-Gesellschaft ist keine Depositenbank und besitzt nicht wie die übrigen Graßbanken ein Netz von Filialen, sie ist vielmehr eine Geschäftsbank, deren Verwaltung und Geschält in der Hauptsache auf ihr Berliner Haus konzentriert ist. Gleichzeitig hiermit verengern sich die Beziehungen zwischen der Berliner Handels-Gesellschaft und dem Bankhaus Warburg & Co., und es ist wahrscheinlich, daß ans dieser engeren Zusammen- arbeit später auch einmal kapitalmäßig Schlußsolgerimgen gezogen werden. Die Gruppe der Aktienerwerber wird zwar in den. bisherigen Mitteilungen nicht genannt, doch handell es sich zweifellos um die dem Hamburger Bankhaus geschäftlich sehr nahestehende Gruppe Kuhn, L o e b& Co., eins der wichtigsten amerikanischen Finanz- Häuser. Die Mitinhaber der genannte» Hamburger Bank, Dr. Fritz Warburg und Max M. Warburg, sind die Brüder von zwei Ge- schäftsinhabern des New-Aorker Bankhauses Kuhn, Laeb& Ca.. Paul M. und Felix M. Warburg. Das Bankhaus Kuhn, Laeb & Co. hat sich im Weltkrieg, wenigstens in der ersten Zeit, an den großen Kriegsanleihen an England und Frankreich nicht beteiligt. Nach der Stabilisierung der Mark wurde von dieser Bank eine ganze Reihe Anleihen an deutsche Unternehmungen und Gemeinden vergeben. Eine besondere Bedeutung hat di« amerikanische Beteiligung an der Berliner Handels-Gesellschaft für die S t i l l h o l t u n g der ausländischen kurzfristigen Kredite. Die Kapital- beteiligung an der Handels-Gesellschaft sichert dieser sicher für den Rückzahlungstermin im Februar 1932 die Hilfsstellung amerikanischer Bankgruppen und schaltet Schwierigkeiten sür den Fall der Rückzahlung weitgehettd aus. Als Beispiel sollte der Fall Handels-Gesellschaft die Aufmerksamkeit der Reichs- regierung finden. Schleuderpreise für Schalsplattenapparate. Die große Zahl von Zusammenbrüchen in der Schallplatten- Industrie hat zu einer Ueberschwemmung des Marktes mit Schallplatten und Apparaten geführt, worüber Industrie und Handel leb- Haft Klage führen. So werden z. B. aus dem Lagerbestand der„Deutschen Uliraphon A.-G.-, der sich auf etwa 2 Millionen Mark stellt, zur Zeit größere Mengen Grammophonapparate zu 148 Mark zum Ber- kauf angebaten, während sie früher 6 0 0 Mark g e t o st e t haben. Da viele Händler noch einen Lagcrbestand von Ultraphonapparaten bei Einstandspreifen von 400 Mark besitzen, sind die Lageroer- l u st c entsprechend groß. Auch die Tendenz, die Preise weiter abzu- bauen, hat die Lage des Handels nicht verbessert, da bei der allgc- meinen Geldknappheit die Umsatzsteigerung ausbleibt. Wenn die Lage in der Schallplatteninduftrie und beim Handel sich jetzt derart verschärft hat, so liegt die Schuld bei diesen Stellen stlbst. In den guten Konjunkturjahren bis 1929 hat die Industrie trotz der wiederholten berechtigten Forderung der Oeffentlichkeit auf Preissenkung an ihren unsinnig hohen Preisen sestgehalt«, und dementsprechende Rekorddividenden von 15 und 20 Proz. ausgeschüttet. Auch der Handel hat nicht daran gedacht, im Interesse der Erhaltung der Konsumkraft die hohen Gewinnspannen etwas zu verringern. Den Klagen der Schall- plattcninduftrie und des Handels muß man bei der Verschärfung der Absatzkrise daher entgegenhalten, daß sie jetzt damit gestraft werden, womit sie gesündigt haben. kohlensyndikal senkt die Umlage. Das R h e i n i f ch- W r st- sfclische Kohle nsy ndi k a t hat die Umlage der Zechen, die zur Finonziening der Berlusterporte dient, von 3,62 auf 3,51 M. je geföpderte Tonne Kohle herabgesetzt. Di« Grünbe zur Er- Mäßigung>der Umlage liegen in der Verringerung der am Pfund- basis abgestellten Berkaufsmengen, die eine entsprechende Verinmde- ning der Währungsverwste zur Folg« hatten. Außerdem hat sich bei dem Absatz das Verhältnis zwischen bestrittenem und unbestrittenem Gebiet zugunsten des letzteren verschoben. Mussolini macht SlaMapitalismus. Gtaaiskonirotts über die Industrie. Kam, 9. November.(Eigenbericht.)) ver Ministerrat hat am Montag eine weilgehend« San- trolle de» Staate» über dt« Industrie beschlossen. Der erste Schrikt dazu geschah dieser Tage durch die fiaal- liche Stühungsaklton bei der größten Aktienbank Italien!,, der Bonca Eommerclale Itoliana, als sie ihren gesamten Besitz an Iudustrieakliea abstieß. Am Montag wurde ein halb- staatliche» Kredit luflilul gegründet, da» den Industrie- besitz jener Großbank ausnimmt üud darüber hinaus alle« anderen Industrien Kredite gewährt und sich an Ihnen beteiligen kann. Das Anfangskapital von einer halben Milliarde Lire wird laut Minifle- rlolverordnung von halbamtlichen Instituten aufgebracht. Innere Anleihen, die staatlich garantiert werden, sollen diese» Anfangs- kapital schnell auf fünf Milliarden Lire erhöhen. Da» neue Kredit- institut steht unter der dtrekken Kontrolle de» Finanz- Ministerium». Do» bedeutet polltisch die Unterstellung de» Industriekapital» unter die völlige und dlrekle Abhängig- keit vom Staok, zumal keine Van? von Vedeutnug künstig mehr Industrien finauzicreu kann und dafür nur da» halbstaatlich« Kredilinstilu« in Frage kommt. Mussolini ist also gezwungen, in großem Maßstab« zum Staatskapitalismus überzugehen. Den Musfolinj-Ver- ehrern unter den deutschen Großunternehmern werden jetzt«in bißchen die Augen emsgehen. Nicht über ihren Heros Mussolini. Der wollte ehrlichen Kopitaliswus mit den italienischen Kapitalisten. und zwar sehr gründlich auf Kosten der italienischen Arbeiter machen. Aber über die Unverbrüchlichkeit der Wirlschaftsgesetzc, über die sich auch Mussaliiii nicht hinwegsetzen konitto. Der arbeiier. und volksfeindlichst« Diktator Europas muß vor ihr kapitulieren, der ttalienische Zerstörer des Marxismus muß ssch vor der „marxistischen" Zwangsläufigkeit der Ding« beugen, weil mit ufer- lose» Jndustricssibventionen, uferlosen Staatsschulden und uferloser Arbeiterbedrückung jede Wirtschaft zugrunde gehen muß. Aber der neue ttalienische Staatskapttalismus wird auch nur auf neue Schulden de» Staates gebaut sein, so daß die un- vermeidlich werdende Finanzkris« des Staates Italien auch dem faschistischen System in absehbarer Zett ein Ende setzen werden wird. Xirtlich empfohlen zum Schutz gegen RASTTUlSiW Mcht Löhne, preise senken! Professor Aermberg über Wirischastsautarkie. Im Mittelpunkt des zweiten Lerhandlungstages des Verbands- tages der frcigewerkschastlichen Bankangestellten stand ein Referat des Professors Hermberg:„Deutsche Selbsthilfe in der Wirt- schaftskrise?" Der Referent beleuchtete das Problem der Wirtschafts- a u t a r k i e, das jetzt von bestimmte» Kreisen als ein wirksames Mittel zur Behebung der Krise in Deutschland propagiert wird. Das, was in Deutschland als„nationale Selbsthilfe" gefordert wird, käust darauf hinaus, Deutschland vom Weltmarkt unabhängig zu machen, vom Ausland bezogene Ware» selbst herzustellen, um dadurch für die deutsche Arbeiterschaft neue Arbeitsmöglichteiten zu erschließen. Diejenigen, die die Einfuhr beschränken wollen, vergessen aber, daß durch die Beschränkung der Einfuhr zwangsläufig auch die Aus- fuhr zurückgehen muh. Das muß, wiederum ein S ch w i n- den der Arbeitsmöglichkeiten zur Folge haben, die sich durch die deutsche Ausfuhr ergeben. Die Ausfuhr beträgt immerhin etwa 45 Proz. der gesamten deutschen Produktion. Wenn in den letzten drei Vierteljahren ein U e b e r s ch u ß der Ausfuhr über die Einfuhr von rund 2 Milliarden Mark erzielt wurde, zeigt dos, daß ein nicht unerheblicher Teil der deutschen Arbeiterschaft durch die Ausfuhr noch Beschäftigung hat. Es wird weiter behauptet, daß durch die Abhaltung Deutsch- lands voni Weltmarkt auch die vom Weltmarkt herkommenden trisenosrschärfenden Einflüsse ausgeschaltet werden und dadurch die Krise in Deutschland behoben werden kann. Auch dabei übersteht man, daß die Krisen im kapitalistischen Wirtschaftssystem wurzeln, ein wirtschaftsautoiwmes Deutschland ober immer noch ein jkapitalisttsches Deutschland bleibt. Schließlich erklären noch die Vertreter der Wirtschastsautartie, daß mit ihrer Einführung eine Planmäßigkeit in der beut- schcn Wirtschaft herbeigeführt werden soll. Diese Planmäßigkeit wäre durchaus begrüßenswert. Sie kann aber nicht erreicht werden durch eine Einengung des Wirtschaftsraumes, sondern durch eine E r- Weiterung des Staatenraumes. Infolge der Wirtschaft- lichen Verflechtung der Staaten miteinander kann eine Planmäßig- keit der Wirtschaft nur durch eine Vergrößerung des Staatenraunres erreicht werden, was von einsichtigen Wirtschafts- und Staats- Politikern schon seit längerer Zeit propagiert wird. Die deutsche Selbschilf« kann nur darin bestehen, die b e sonderen Erschwernisse zu beseitigen, die auf Deutschland lasten. Welche Kräfte in dieser Richtung anzusetzen sind, zeigen die Tatsachen, daß erstens in keinem Lande der Welt eine so starke Produkkions. cinschränkung zu verzeichnen ist wie in Deutschland, daß zwei- teus in keinem Lande der Well die preise so wenig gesunken sind wie bei uns, und daß drittens in keinem Lande der Welt die Ausfuhr so wenig zurückgegangen ist wie in Deutschland. Hieraus ergibt stch ganz eindeutig, daß der Binnenmarkt nicht aufnahmefähig genug ist. Durch eine allgemeine Preissenkung muß neue Kaufkraft freigesetzt, muß die Absatz- Möglichkeit auf dem Binnenmarkt erweitert werden. Nutzlos ist ein solcher Versuch allerdings, wenn er auf Kosten der Löhne und Gehälter gemacht wird, weil dadurch keine neue Kaufkraft frei wird. Die Preissenkung muß auf Kosten der Gewinne geschehen. Bei der Preisbildung muß die denische Selbsthilfe einsetzen. Aufgabe des Staates ist es daher, nicht noch künstlich die Preise zu stützen und dadurch die Preissenkung zu hemmen. Das ist jedenfalls neben der Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Lasten, der Herbeiführung der politischen Entspannung durch internationale Verständigung die wichtigste Forderung, die zur Bekämpfung der Krise in Deutschland zu erheben ist. Alles andere, was über die Wirtschaftsautarkie geredet wird, ist nur nationaler Selbst- betrug. Eine Entschließung, in der die Forderungen der freien Gewerkschaften zur Bekämpfung der Krise noch einmal klar umrissen werden, wurde von dem Verbandstag einstimmig angenommen. Nach der Erledigung zahlreicher Anträge und anderer organisatori- scher Fragen fanden die Neuwahlen der Verbandskörperschaften statt. Zu Geschäftsführern wurden fast einstimmig die Genossen Marx und E m o n t s wiedergewählt. In den Zeiüralvorstand wurden u. a. auch sämtliche Betricbsratsvorsitzenden der Berliner Großbanken gewählt. Als Verbands- Vorsitzender wurde der Betriebsratsvorsitzende der Danatbank, Genosse Mohr, einstimmig wiedergewählt. Zum Vorsitzenden der Zentralverwaltung wählte der Verbandstag einstimmig den Genossen L o e f n e r, Betriebsratsoorsitzendcr der Berliner Stadtbank. Geheimnisse. Zur Reform der Sozialversicherung. Die Pläne des Reichsarbcitsministeriums über die Reform der Sozialversicherung werden, sobald das Kabinett dazu Stellung ge- Nammen hat, mit den Gewerkschaften besprochen werden. Ihre Ber- öffenllichung ist für Ende November vorgesehen. Einstweilen hüllt sich das Ministerium noch in Stillschweigen. Nur die dem Reichs- arbeitsminister nahestehende Presse bringt einige Andeutungen über die geplante Verwaltungsvereinfachung. Danach soll die Absicht bestehen, durch Zusammenlegun- gen SO La nd esv c rsi ch e rung s a m t e r�zu schaAn. Deren Aufgabe sei die Betreuung aller Zweige der Sozialversicherung, mit Slusnahme der A n g e st e l l t e n v e r f i ch e r u n g. Diese 20 Landes- versichcrungsämter würden direkt dem Reichsarbeits- Ministerium u n t e r st e h e n. Eng verbunden damit sei eine Vereinheitlichung des Beitragszwangs, der für die Krankenkassen, die Jnoalidenvcrstcherung sowie die kleinen ge- werblichen und landwirtschaftlichen Unfallversicherungen bei den Krankenkassen zusammengefaßt werden soll. Das Ministerium hat es bisher vermieden, zu diesen Andeu- tungen etwas zu sagen. Zweifellos sind diese Andeutungen nicht aus den Fingern gesogen. Die Stellen, die nicht dicht hielten, haben auch die Pflicht, Klarheit zu schaffen. Bis jetzt hat nur Bayern praktisch einen Schritt zur Verwaltungsvereinfachung in der Sozialversicherung unternommen. Es hat per Verordnung bestimmt, daß ob 1. Ja- nuar die Zahl seiner Landesversicherungsanstalten von 8 auf 6 vermindert wird. Zusammengelegt werden die Landesversiche- rungsan stalten von Niederbayern und Oberpfalz sowie die von Ober- und von Mittelsrankem Das ist zunächst nur ein sehr kleiner Schritt. Für Bayern würden zwei Versicherungsanstalten vollauf genügen. Eine kräftige Zusammenlegung der Zahl der Landesversiche- rungsanstalten ist notwendig. Ebenso auch eine Vereinfachung in der Abwicklung der Rentenstreitig leiten bei Einsprüchen. Diese Aufgabe soll, wie verlautet, in erster Linie durch die Schaffung besonderer Kommissionen gelöst werden, in denen Ar- beitgsber und Versichorte Sitz haben sollen und nach deren ein- stimmigen Entscheidung kein weiteres Rechtsmittel mehr in An- fpruch genommen werden könnte. lieber die Notwendigkeit der Vereinheitlichung des Beitrags- einzugs besteht kein Streit mehr. Die Frage ist nur, wie und auf welchem Wege diese Vereinheitlichung erfolgen soll. Der Einzug über die� Post, der bisher bereits in einigen Sozialversiche- rungszweigen erfolgte, hat sich bewährt. Die zweimalige Verrechnung im Monat ging glatt und prompt vor sich. Auch arbeitet die Post am billigstem In Gewerkschaftskreisen befürwortet man daher sehr üark ein« Vereinheitlichung des Beitragseinzugs auf dem Wege über dt« Post. Oer Bogen überspannt. Die Christlichen rebellieren. „Der Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften, schlecht in seiner heutigen Nummer m a.: „Das große Heer der Arbeitslosen sowie die vielen llitorgani- stccfen lassen jeden offenen Kampf erfs ein großes Risiko erkennen. Hlvzu kommt, daß die unheilvolle parteipolitische Zerrisseicheit der Arbeitnehmer die Abwchr riesig erschwert. Immerhin wäre es sicher in bestimmten Berufen und Revieren zu Abwehrkämpfen gekommen. wenn das staatliche Schlichtungswesen hier nicht hemmend gewirkt hätte. Für die Funktion des staatlichen Ächlichtungswesons, möglichst '.ikbeitskämpfe zu vermeiden, haben wir Ms größtes Verständnis gehabt. Wir haben aber kein Verständnis dafür, wenn die Schlich. iungsinstanzen jetzt vielfach ohne jede Hemmung Löhne und Gehälter ans niedrigste Stufen drücken. Sicher ist der Währungszerfall in aude- ren Ländern hier nicht obiu! Einfluß gcbliebcm Aber was wir lohn- politisch gegenwärtig erlebe», geht weit über das Maß des Ertrag- lichen und Notwendigen hinaus. Selbst Arbeitnshmergruppen. die infolge niedrigster Verdienst« nur noch ein kümmerliches Da- s e in fristen können, müssen weitere Lohnsenkungen ertragem Zwar wird seit langem immer wieder davon geredet, daß der Reallohn der Arbeitnehmer nicht weiter sinken dürfe. Aber dabei bleibt es im wesentlichen. Ein« Reihe wichtiger Faktoren der Lebenshaltung thronen entweder unerschüttert aus stolzer Höhe oder sind nur wenig gesenkt worden. So aber geht ee nicht weiter. Es ist ja ganz nett und auch richtig, wenn gesagt wird, das deutsche Volt müsse in dieser Zeit seine Nerven behalten. Aber die Arbeitnehmer sind auch nur Menschen; Unmenschliches zu tragen widerstrebt der Statur. Das Reichsarbeitsministerimn ist bisher in punlto Lohnabbau nicht kleinlich gewesen. Mit der dem Arbeitsminister eigenen Energie und Unerschrockenheit hat dieser i auch Lohnpolitik Int„großen Rohtncn" zu mächest versucht. Aber sein« nächsten Ministerkollegen sind ihm hier nicht gefolgt. Diesen ist es nicht eingefallen, auch nur einen Teil der Stegerwaldfchen Energie aufzubringen, um auch die Warenpreise so zu senken, daß der Arbeitnehmer mit seinem ver- minderten Verdienst nicht total verelendet. Die Arbeitnehmerschast hat bisher mit Genugtuung die wiederholten Erklärungen des Reichsarbeitsministers begrüßt, wonach er den Kern des Tarifoer- träges und des Schlichtungswesens erhallen will. Er muß jedoch auch dafür sorgen, daß dieser„Kern" schließlich nicht so bitter wird, daß er für die Arbeitnehmer ungenießbar ist. Der Arbeitsminister kann nicht damit rechnen, noch weiterhin Verständnis für die Lohnabbauflut zu finden(von einer Welle kann man jetzt nicht mehr reden), wenn hier nicht eine ganz radikale Aenderung eintritt." Diesen Ausführungen haben wir nichts hinzuzufügen. Der Reichsarbeitsminister handelt in einer Weise, daß selbst seine treuesten Freunde und Gesinnungsgenossen rebellieren. Der Bogen ist überspannt. Vergebliche Nachverhandlungen. Llm den Lohn der Gemeindearbeiter. Gestern fanden im Reichsarbeitsministermm die Nachverhand- lungen über den Schiedsspruch statt, der die Löhne der G«- ineindearbeiter und Straßenbahner nochmals um 4'/i Prozent abbaut. Nach sechsstündiger Dauer wurden die Ver- haMungcn ergebnislos abgebrochen. Die Entscheidung liegt jetzt bei Herrn Stegerwald. Die Entscheidung darüber, ob er, der sich öffentlich in feierlicher Form gegen einen zweiten allgemeinen Lohnabbau ausgesprochen hat, jetzt den dritten Lohnabbau innerhalb eines Jahres sanktionieren wird. Rückblick der Fabrikarbeiier. Sie trotzen der Krise. Am Sonntag gab der Bevollmächtigte, Genosse Rücker, der Generalversammlung der Berliner Fabrikarbeiter Rechenschaft über die Tätigkeit der Ortsverwaltung für das 2. und 3. Quartal 1!)Zl. Rücker gab einen Ueberblick über die Mitgliederbewe» gung und die finanzielle Entwicklung der Zahlstelle fest dem Jahre 1S26, dabei an Hand umfangreichen statistischen Materials aufzeigend, daß der Verband bis zum Beginn der Krise an Werbekraft nicht verloren habe, sondern ständig an Mit- gliederzahl zugenommen hat. Dieselbe aufsteigende Tendenz zeigt auch die finanzielle Entwicklung. In der Zeit vom Jahre 1S26 bis zum 3. Quartal d. I. sind in Berlin insgesanll 12346 neue Mitglieder dem Verbände zugeführt worden. Die oufjkeigelch« Ten- denz hörte naturgeniöh mit Begmn der Krise auf; trotzdem sind noch im letzten Quartal über 100 Neuaufnahmen gemacht werden. Weiter konnte Rücker berichten, daß es dem Verbände gelang, trotz der Krise hei gutem Organisutionsverhältni» für oerschieden» Gruppen den lohnabbauwütigen Unternehmern«in Hall zu ge» bieten- Durch liwochigem. heldenmütig geführten Kampf ist es den Niedorlehmer Kaltsand st einarbeitern gelungen. den Abbau ihrer Akkorde und Löhne, der bis zu 25 Prozent geplant war, abzuwehren. Ebenso scheiterte ein solcher Vorstoß in der S ch a l l p l a t t e n i n d u st r i e. Rücker konnte schließlich feststellen, daß die Organisation o» » Festigkeit, innerer Seschlossenhekt und Kampfesfreudigkell nichts ein» gebüßt habe. Daß es vor allen Dingen jetzt darauf ankomme, die Schwierigkeiten des kommenden Winters zu überwinden, um dann im Frühjahr mit neuen oereinten Kräften an die Gewinnung neuer Mitglieder zu arbeiten. Alle Diskussionsredner unterstrichen die Ausführungen Rückers und gelobten, der Organisation die Treue zu halten und alle ihre Kraft dem Auf- und Ausbau des Verbandes zur Verfügung zu stellen. In den Ganoorstand wurden die Genossen Rücker, Prinzkc, Breitkreutz, Albrecht und Louis gewähll. Oer starke VBMI. machtlos! Kann kein Mitglied zur Tariftreue bewegen. Ein Prozeß gegen den VBMJ.. der seit Jahr und Tag beim Arbeitsgericht Verlin schwebte, ist jetzt durch Urteilsspruch beendet worden. Es handell sich um einen Vorgang, der sich umnillelbar nach dem Streik in der Berliner Metallindustrie ab- spielle, der vor einem Jahr durch einen Schiedsspruch zum Abschluß kam. Dem Schiedsspruch zufolge nmßten die Streikenden wieder eingestellt werden, bevor betriebsfremde Arbeiter beschäftigt wurden. Gegen diese Bestimmung hat die Firma Admos G. m. b. h. in Oberschöneweide verstoßen. Sie hat neben 31 Streikenden 39 Bs- triebsfremde eingestellt. Für die Arbeiter, die aus diese Weise gemaßregelt wurden, hat der Deutsche Metallarbeiierverbaad eine Schadenersatzklage gegen den VBWZ. eingereicht, mit der Begründung: Der BBMJ. als Tarifkontrahent des DMA. war verpflichtet, dafür zu sorgen, daß sein« Mitglieder den Schiedsspruch erfüllten. Da er das hinsichtlich der Firma Admos nicht getan hat, muß er den betreffenden Arbeitern, die zum größten Teil heut noch arbeitslos sind, den durch die Arbeitslosigkeit cnt» standenen Schaden ersetzen. Das Urteil des Arbeitsgerichts sagt, die Finna Zldmos habe dadurch, daß sie die Streikenden nicht wieder einstellte, Tarisbruch begangen. Wenn auch, wie der Vertreter des VBMJ. betonte, die Mitglieder nicht zum unbedingten Gehorsam gegen die Verbandsleitung oerpflichtet seien, so schließe das nicht aus, daß der vvMZ. gegen die Firma scharfe Maßregeln ergreifen könnte. Ein energisches Auftreten, etwa der Ausschluß der widerstrebenden Firma, wäre notwendig gewesen. Die Firma hätte sich aber— wie ihr Geschäftsführer als Zeuge bekundete— auch durch die schärfsten Maßnahmen des VBMJ., auch nicht durch einen Ausschluß, bewegen lassen, ihr Verhalten den Streikeirden gegenüber zu ändern. Demnach Halle also selbst das schärfste Eingreffen des VBMJ. den Schaden von den nicht wieder eingestellten Arbeiten! nicht abwenden können. Eine Schadenersatzpflicht des UBM?. besiehe somit nicht. Die klage wurde abgewiesen. Hoffentlich dürfte das Urteil in der Berufungsinstanz korrigiert werden, denn da der VBMJ. gegen sein tarrfbrüchiges Mllgllcd nicht die schröfften Maßnahmen angewandt hat, die das Urteil selbst als notwendig bezeichnet, ist er für die Handlungen des Mit- gliedes mitverantwortlich._ Streik bei Borsig beigelegt. . Heute Wiederaufnahme der Arbeit., Wie erinnerlich, haben etwa hundert Former der Firmck Borsig vor einigen Tagen ohne oorherige Verständigung des Deutschen MetallarbeUerverbandes die Arbeit niedergelegt, da die Firma die Absicht hatte, verschiedene Akkörbäbzüge zu machen. Di« RGO. versuchte wohl mit den üblichen Methoden die Kampffront zu verbreitern, ohne aber sonst auch nur einen Versuch zu machen, die Forderung der Arbeiter praktisch durchzusetzen. Da sich unter den Streikenden auch eine große Zahl von Mitgliedern des Deutschen MetallarbeUerverbandes befand, die sich an ihre Orgaui- sation wandten, verhandelte diese zunächst mit dem VBMJ. und dann mit der Firma selbst. Bei diesen Verhandlungen gelang es, die Akkordabzüge zum großen Teil wieder rückgängig zu machen. Di« Streikenden beschlossen gestern daraufhin, heute früh wieder die Arbeit aufzunehmen._ Beiriebsraie im Bankgewerbe. Frisierte Zahlen des Dankbeamtenvereivs. Der Deutsche Bankbeamten-Berein(DBD.) hat der Oeffentlich» kell vor kurzem eine Aufstellung über die Verteilung der Betriebsratsmandate im Bankgewerbe auf die ein- zelnen Gewerkschaften übergeben, die zu dem Schlüsse kommt, daß 72 Proz. der Betriebsräte zum DBB. und nur ein Zehntel dieser Zahl dem Allgemeinen Verband der Deutschen Bantange st eilten, der freigewerkschaftlichen Bankangestellten- organisation, angehören. Diese Ausstellung des DBB. ist eine grobe Irreführung der Oeffentlichkeit. Wie jedem bekannt, ist die Größe der Betriebe im Bankgewerbe völlig verschieden. In Berlin und in wenigen anderen Großstädten ist das Bankgewerbe konzentriert; hier sitzen Zehn- tausend« von Ango st eilten, während im Reich- zwar viele Betriebe sind, aber jeder naturgemäß nur mit erheblich ge- ringerer Belegschaft. So beschäftigen die vier Berliner Groß» danken allein etwa 13000 Angestellte, d. h. von den Angestellte» wm&m! ...oft ist£3 nichts rniiteB als Herste�" rvhs Herste, die emfach gebrannt ist, Veriangm Sieifetows?/ Vann haben SienchtigmAch- fcjfte-miö jtoar den feinsten.den es überhaupt gibt... der Großbanken Men fit VerNn mehr al« eln Drittel, und von der gesamten Bankangestelltenschast etwa ein Viertel. Nach dem Betrieösrätegesetz besteht der Betriebsrat bei einer Belegschaft von 20 Arbeitnehmern aus drei Mitgliedern, d. h. aus je 7 Stimmen entfällt bereits ein Betrieb-ratssttz. In einem Groß- betriebe, wie dem der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft in Berlin dagegen mit fast 7000 Angestellten besteht der Betriebsrat nach dem Betriebsrätegesetz nur aus 21 Mitgliedern, d. h. hier müssen für jeden Betriebsratssitz 334 Stimmen abgegeben werden. Nun ergibt sich aus der Statistik des DBB. selbst, daß er bei seiner Aufstellung so gut wie ausschließlich die a l l e r k l e i n st c n Betriebe herausgegriffen hat. Der DBB. will nämlich nach seinen eigenen Angaben mit seiner Statistik 2440 lausmännischc Betriebsraksmitglieder in fast 1000 Betrieben erfaßt haben. Da die Mindestzahl eines Betriebsrats drei Betriebsrotsmitglieder umfaßt, ergibt sich hieraus eindeutig, daß sich der DBB. gerade die ollerkleinsten Betriebe für seine Statistik herausgesucht hat. Wie irreführend die Statistik des DBB. ist, wird am beut- lichsien durch folgende Tatsache veranschaulicht: In den vier Ber- liner Großbanken hat der Allgemeine Verband 3S Betriebsrats sitze, der DBB. 12. Diese eine Tatsache beweist ein- wandfrei, daß die Veröffentlichung des DBB. über die Stärke der Vertretung der verschiedenen Gewerkschaften im Bankgewerbe ein plumpes Agitationsmanöver ist, das bei Kenntnis der Zusammen- hänge eigentlich keiner Widerlegung bedürft«. Für die Alien. Die Krise verlangt schwere Opfer. Daß die freien Gewerkschaften im allgemeinen bis jetzt den außerordentlichen finanziellen Anforderungen, die infolge der langanhaltenden Krise an sie gestellt werden, gewachsen waren, ist ein Beweis für die Stabilität ihres finanziellen Unter- b a u e s. Unerschöpflich sind freilich die Kasten der Gewerkschaften auch nicht. In verschiedenen Verbänden ist schon seit Monaten der Zustand vorhanden, daß die Ausgaben die Einnahmen stark überwiegen und zur Aufrechterhaltung der Unterstützungseinrichtungen ganz beträcht- liche Summen aus dem Verbandsvermögen genommen werden müssen. Das ist seit einiger Zeit auch bei der I n o a l i d e n u n t e r- stützung des Verbandes der Buchbinder der Fall. Diese Organisation hat die Invalidenunterstützung schon in der Vorkriegs- zeit eingeführt. Bis Ende 1918 hatte diese Sonderunterstützung schon den ansehnlichen Betrag von 600 000 Mark als Reservefonds an- gesammelt, der aber durch die Inflation auf 6800 Mark zusammen schmolz. Auch jetzt ist für diesen Unterstützungszweig bereits wieder ein Reservefonds von 675 000 Mark aufgespeichert worden. Durch das ständige Ansteigen der Zahl der invaliden Mitglieder des Verbandes, verbunden mit der großen Arbeitslosigkeit, droht dieser Fonds aber in absehbarer Zeit vernichtet zu werden. Zur Zeit übersteigen die Ausgaben für die Jnvalidenunterstützung im Verband der Buchbinder die Einnahmen um fast 160 Proz., so daß von der ausgezahlten Jnvalidenunterstützung nur noch zwei Fünftel durch Beiträge und der Rest durch Zuschüsse aus dem Reservefonds aufgebracht werden. Der Verbandstag im Mai nächsten Jahres soll die Invaliden- Unterstützung neu regeln. Um aber diese Einrichtung zunächst intakt gu halten, schlägt der Derbandsvorstand den Mitgliedern vor, sich durch eine Urabstimmung dahin zu entscheiden, daß die Bei- träge zur Jnvalidenunterstützung ab 1. Januar 1932 verdop- p eX t werden. Die Annahme dieses Vorschlages würde allerdings immer noch einen Zuschuß von etwa 25 Proz. der zu zahlenden Unterstützungen aus dem Reservefonds erforderlich machen. Di« Ur- abstimmung soll in der Zeit vom 22. November bis 5. Dezember durchgeführt werden. Der Vorstand des Buchbinderverbandes er- wartet von den Verbandsmitgliedern, daß sie in ihrem eigenen Interesse das von ihnen gewünschte Opfer bringen. Tarifforderung als Entlassungsgrund. Das Arbeitsgericht erteilt eine Lettion. In einer Berliner Schuhfabrik leitete ein Angestellter fest Iahren eine Abteilung. Der Mann wurde untertariflich bezahlt. Um nicht seine Stellung zu verlieren, schwieg er dazu. Dann wurde aber der Werkmeister krank und der Angestellt« mußte neben seinen eigenen Arbeiten auch die Vertretung des Werkmeisters übernehmen. Nun verlangte er. man möge ihm in Anbetrocht feiner besonderen Leistungen endlich das ihm zustehende Tarifgehalt zahlen und auch feine neue Tätigkeit als Werkmeister berücksichtigen. Darob Entsetzen in der Direktion. Das Verlangen des Ange- stellten wurde in einem Schrewen als„unberechtigte Anmaßung* bezeichnet und der Mann wegen Wahrung feiner berechtigten Forderung fristlos entlassen! Der Zentraloerband der Angestellten nahm sich nun der Sache an und vor dem Arbeitsgericht mußte sich, der Unternehmer dazu bequemen, die Nachzahlung des zu wenig gezahlten Gehalts anzuerkennen. Di« Kündigung wurde jedoch aufrecht- erhalten. Und mm erteille die Kammer dem Unternehmer eine verdiente Lektion. Die Firma wurde zur Wiederein st ellung des Angestellten und tarifmäßiger Bezahlung oder zur Zahlung einer angemessenen Entschädigung verurteilt. In der Urteilsbegründung wies das Gericht die Aeußerung der„unbe- rechtigten Anmaßung* entrüstet zurück und führte aus, daß jeder von dem ihm zustehenden Recht Gebrauch machen könne. Das muß ins- besondere für Forderungen aus dem Arbeitsverhältnis gelten. Wer fein Recht geltend macht, verletzt dadurch niemand, und wer sich auf die ihm tariflich zustehenden Rechte beruft, verschafft nur dem übergeordneten Willeiocher Tarifvertragsparteien Geltung! t�reie Gewertschafts-Ittaend Verlin tr.utc um 19!4 Uhr tanru blc Sruppev: Moabit: Jugeudheim Brornor tiaßr. Elm Eerichtsverhandlung.— Sldler-Haf:(Enitipänlifin Ab.ers- Hof, Bisrnarckstr. 1. Werbkäbevd.— Schioewcw«: Jugendhriin Nieder- schörtemeid«, Hasselwerderstrotz-(Madchanschale, Im Keller). Der 9. November. ~ Dantom: Jugendheim.«irssnzenstr. 4S, Zimmer S. Lichtbilder: Bändern und Schauen.— Eewerlschastahau«: Tngelufer 24—25, Saal U. 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Henko-BleichsodaistdasrichtigeMitfel, hartes Wasser in weiches zu verwandeln und es zum Waschen brauchbar zu machen. Manche Mark Haushaltsgeld sparen Sie, wenn Sie jedesmal vor Bereitung der Waschlauge einige Handvoll Hehko im kalten Wasser des Wasdikessels verrühren. m Hcnkozu«.« Hchko macht das Wasser weich, präduiger Schaum Hcnko macht es regengleid). Ohne Hcnkozusalz; wenig Schaum Was sich seit über 50 Jahren bewährt bat, m u B gut sein! Nehmen Sia�umAuIwascJien�Spüiej). ujict, ßjsinlgen H.enkeJs M H 76/ 37 b NqP» einfenbungen für diese Rubrik find Berit» GW SS. Lwdenstratze 3. parSeinachrichien�M�fürGroß-Verlm stet» a» da« Bezirkesekretarlat k. Hof. Z Treppe» recht». H» richte» Zum Notopfer für die V'rwerbslosen wurden-jiXi Mark aus der Kasse der Betriebssraktion des Bezirksamts Prenzlauer Berg an die Bezirkstasse abgeführt, worüber hierdurch mit bestem Dank quittiert wird. I. A.: Alex Pagets. «- Beginn aller Beranstaltnngen IS1/», Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heule. Dienstag, lO. November: L ftcct». Heute spricht Maihilde Wurm Uber:„Die Frau i» Wirtschaft und Politik" in der Schule Danziger Str. A. Frauen und MZnner sind herz- lich willkommen. Mitgliedsbuch als Ausweis mitbringen. S.»reis. Arbeiterbildungsschule. Radio.Abhiirabend in der Schul« Diestel. inenerstr. b— 0, Lesezimmer, 1. Stock. Thema: Sozialismus und Gegenwart. Leitung: Genosse Lehrer Bauer. U. Nreis. 15 Uhr Böhmische Str. 1— 6 Zusammenkunft erwerbsloser Parteigenossen und Parteigenossinnen. 10. Abt. 20 Uhr Funktionärsitzung. 41. Abt. Funktionärsitzung fällt aus, dafür Mittwoch. Ri. Abt. 4. Bezirk. 20 Uhr im Restaurant Pommerening, Berliner Str. IM, Ecke Viktoriastratze. Ji�e 14- Reserent: Dt Alfred Korach. Zur politischen Lagt 3-> Abt. Baugewerkshaus, Großbeerenstr. 90. Dr. Franz Neumann: Staat, Wirtschaft und Politik. Um l8hh Uhr ebendort Funktionärsttzung. 00». Wt. Zahlmorgc». 5 Uhr im Lokal Heinrich. Friedrichstt 212. Georg Maderbalz. M. d. 8.: Branuschweig und Prenstrn. . 19, lI?t Fnnktionärsitzung an bekannter Stellt Um 20 Uhr Zahl- abend« in den bekannten Lokalen. ih SJ?* Za�abende in den bekannken Lokalen. 1?' Zbt- Zahlabende in den bekannten Lokalen. 4t Abt, schulaula Mariannenstt 47. Stadtverorduet» Hermann Amb«g: Kommunalpolittsche Toqessragen. 45. Abt. Gruppe Rüden: Forster Dereinshau», Forster Str. 9. Thema: Kultur- abbau und Sozialismus. Refnent: Friedrich Krllg«. Gruppe Hoch: Wienziers, Reichenberger Etxaße. an der Glogau« Straßt Reserent: Dr. Walter Krotoschin«. Thema: Faschismus od« SoziaNsmu»? Gruvve schwarz: Lokal Miunig, Lauscher Sit 40. Gerhard Ott: Die politische Lage und dl« Aufgaben der Sozialdemokratie. Gruppe Holstein: Friedens. «Ute,«wwr Sie. 27.«a, ScharNWt: S» BtOtom wech» ö€mf dbtiuitmig. 47. Abt 82. 83. Stadtbezirk: Rorarin», Adalb-rtstt 19. 0?. Bazdck: Li«, Raunonstr. 9. Karl Hetzlchold:„Der Mut zur Wahrheit". 93. Dezirk: Siede». topf, Muskauer Str. 35. Hermann Schweikardt:»Die kvmmuualpolitische Lage". lüL— 105. Bezirk: Lehmann, Zcughosstraße. Ecke Muskauer Straße. Gustav Hädicke:»Deutschland und England". 99., 190, Bezirk: Taube, Mauteufsclstr. 8. Johannes Gott:»Schule in Rot". 48. Abt Zahlabeiche in den bekannten Lokalen. 52. Abt 20 Uhr bei«osfle. Kaiserin.Augusia.All» SU Genosse Lübbe:»Di- russische Planwirtschaft»nd der Sozialismus". 52» Abt. Großsiedlung Iungsernheidt Sommer, Ronnendammallee 87. Paul Iudrian:„Politische Tagesfragen". 53. Abt Zahlabend« in ben bekannten Lokalen. 54. Abt 6.. 7. Bezirk: Jugendheim, Rosinenstt 4. V ortvag ttba.Konsmn". 5. Bezirk: Müller, Franklinstraße.- 50. Abt. 20 Uhr 1, u. 3. Gruppe: Liersch,«antstt 02. 2. Gruppe: Juskowlack, Holtzendorffstr. 20. 57. Abt. 20 Uhr bei Thunock. Wiclandstr. 4. gahlabend der 8. Gruppe. Gen. Günter, Neukölln:„Die Segemvartskrise des Kapitalismus, die Kämpfe des Proletariats und der Weg dec Sozialdemokratie". 2. Gruppe bei Thunack, Wieiandstr. 4. Gen. Pfarrer Bleier:„Ursache und lleberwindung der Parteitrise". 1. Gruppe bei Arndl, Kantstr. 51. Genosse Fritz Zachow: »Soziale Not— Soziale Hilfe"._ 58. Abt. Ronkchaus, Rautestr. 4, vorn 4 Tt, Dr. Käthe Frankenthal, M. d. L.: „Die nächsten Aufgaben der Partei". 59. Abt. 20 Uhr Neuer Ratskeller. Dr. Julius Moses, M. d. st:„Zur poli. tischen Lage". 0t Abt. 8. Bezirk: Lokal Staat, Streitstraße, Ecke Württrmbergstraße. Ref. Sottlieb Reese. �._ 68. Abt. Sandmann, Westfälisch« Str. 42. Richard Meier:.Dlktawr.Inflatl-n". 72. Abt. gahlabend fällt aus. Alles beteiligt sich an«reismitgliedcrversamm. lung. Siehe Einladung. 74, Abt. Siedlung. Waldbaus, Spanbauer Straßt Gen. Zettel:»Annäherung»- bestrebuugen Frankreich-Deutschland"._ 74. Abt. Schneider,„Schwarzer Adler", Potsdamer Str. Dr. Ott» Benecke: „Fraickrcilh und die deutsch« Politik". 74b Abt. 20 Uhr Stockmaun. Machnow« Str. 2. Achtung, L»kalä»ber»ng! Franz Klühe:„Politische Propaganda". 70. Adt. Schilling, Königen-Luise-Str. 42. Arthur Rachow. 77. Abt 20 Uhr bei Will. Martin-Luther-Sir. 09. Hans Francke: �ndividualis. mus— Kollektivismus— Sozialismus". 78. Abt. Der gahlabend des 1, und 2. Bezirks findet gemeinsam bei Wandtie. Bahnstt 25, 20 Uhr, statt 3. und 4. Bezirk wie üblich in den bekannten Lokalen. 79. Abt 20 Uhr Zahlabeude in den bekannten Lokalen. 79» Abt. Ledigenheim. Enthstr. 37. Rlax Brinitz«:„Politische Tagesfragen". 80. Abt. 20 Uhr im Hclmholtzgyumasiiun. Rubensstraße(ZeichenfaaÖ, Abtei- lungsversammlung. Bortrag:„Bodenreform— Mieterrecht und Mieterschutz". Ref. Architekt Gen. Most. 8t Abt. 20 Uhr 1.— 3. Bezirk: Klabe, Handjerpstr. 00/61. Dr. Guski:„Justiz. keife". 4., 5. Bezirk: Baginski, Stubenrauchstraße, Ecke Taunusstraße. 6. Bezirk: Kotz. Buflngstraßr. 82. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen für all« Bezirke. Aussprache über die gegenwärtige politische Lage. 83. Abt. Zahlabende für West: Hindenburgdamm. Ecke Roonstraße, bei Rohde. Ost: Bubrick, Lorenzstraßc. Si!d: Fritsch, B«Iiner Stt I23b. Gen. Walther: »Sozialpolitische Tagesfragen". 8t Abt. Lehinann, Kniser-Wilhelm-Stvaß« 23/31. Dr. Fritz Eroner:„Die De- deutung der englischen Wahlen". 85. Abt. 12. und 13. Bezirk: Birkenwäldchen, Montruffelstvaße. Hans Bauer: „Proletariat und Eirafrecht". Echöneberger Straß«. Görtlitz, _ Klaußner, M. d. L.:.Preußen als Bollwerk gegen die Reaktion". 89. Abt. Groinmeck, Sanderstr. 10. Dr. Gotthardt Eberlein:„Soziologie der NSDAP.". Zahlabende in den bekannten Lokalen. 90. Abt. Alle Bezirke in den bekannten Lokalen. 16.. 26.. 27. Bezirk: Gen. Otw Bach. 25., 34. Bezirk: Gen, Kelch. 29., 29» Bezirk: Gen. Otto Lahn. 49,. 61. Bezirk: Gen, Hanneinann. 0t Abt. Abteilungsversammlung im K-rlsgart-n. Referat des Gen. Karl Llike, M. d. 31., über:„Die politische Loge", 92. Abt Die gablabend« der folgenden Bezirke finden pünktlich 20 Uhr statt 51,, 58. u. 60. Bezirk: im Iäqcrheim, Wildcnbruchsir. 83.„Die Arbeiter. bewegung nach den: Kri-ne". Gen. Willi Wolfs, 52.. 53. u. 57. Bezirk: bei Schikorro Nchflg., Schandoner Str. 1...Wohlfahrtspflege". Genosse Schneid«. 54. u. 55. Bezirk: bei Gauter Zichflg.. Harzer Stt 83..Der Kampf gegen die Reaktion". Gen. Jürgens«». 56. Bezirk: bei Fischer. Heibetberger Str. Zi.„Der Kampf gegen die Reaktion". Gen. Julius Echem. 59., 81. u. 82. Bezirk: bei Äolff, Kaiser-Friedrich-Str. 173.„Der Kampf gegen die Reaktion". Gen. Dr. K. Herz. 62., 63. u. 79. Bezirk: bei Simon, Berthelsdorscr Str. 9. Gen. Ehristian Mäll über:„Der Kampf gegen die Reaktion". 80. u. 83. Bezirk: bei Schwabe. Rosegger-, Ecke Wllhelm-Busch-Straße.„Wirtschaftsdemokratie oder Wirtschaftsanarchie". Gen. Ft Slume. 87. u. 89. Bezirk: bei Schneider, Rosenftr. 7.„Der Kampf gegen die Reaktion". Gen. Fr. Rettig. 93. Abt 83. u. 105. Bezirk: bei Schumann, Treptower Sir, 90. 84., 86. v. 103. Bezirk: bei Damm, Sertzbergstr. 22. Ref. Gen. Schinke. 104. 111. u. Il4. Bezirk: bei Stolz. Böhmische Str. 43,44.„Umwälzungen in Wirtschaft und Politik". Referentiu Käthe Kern. 106.. 107. u. 110. Bezirk: bei Ein- lopf, Kaiser-Friebrich». Ecke Mareschstraßt 108. u. 109. Bezirl: Biirwinkel. Genosse Stetier: Kräfte, die im Stillen Wirten". 112. u. ItZ. Bezirk: bei just, Niemrtzstr. 19. 115. Bezirk: bei König, Kanner-, Ecke Elster. strotze, 116. u, 117. Bezirk: bei Warnstedt. Thüringer, Ecke Kanncrstraßc. 91. Abt 40., 69. Bezirk: Lokal Kuhfeld, Lichtcnrader Str. 58. Helene Schmitz, M. b.£.:.Preußenpolitik". 42., 06. Bezirk: Lokal Lenk, Selchowerstr. 6. 67., 68. Bezirk: Lokal Breucr. Eckrillerpromenade 39. 71.. 94., 95. Bezirk: Lokal Schröder, Etciumetzstr. 52. 97., 98. Bezirk: Lokal Äwesta, Okerstr. 15. 70. 93., 96. Bezirk: 8 Tage später 95. Abt. 1. Viertel: bei Keuich, Jägerstr. 10.„Moderner Strafvollzug". Ref. Gen. Lewinsti. 2. Viertel: bei Klei», Prinz-Handjern-Str. 3t. Ref. Gen. Kelch:„Ursachen der Wirtschaftskrise". 3. Viertel: bei Haas«, Steinmetz. steche 78.» Kinderfreundcbeweguug Im Kulturkampf". Ref. Gen. Lücke. 4. Viertel: bei Griegcr, Lessingstr. 9.„Wirtschaftskrise und Proletariat". Ref. Gen. Raujoks. 96. Abt. Meisels Festsäle, Jonasstraße. Ref. Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. 98. Abt. 135., 144, u. 145. Bezirk: Lokal Wanzlick, Oberlandstr. 1.„Politischer Sturm über Deutschland". Ref. Gen. Horus. 137., 138. Bezirk: Lo'al Rudolph, Hermannstraße, Ecke Knescbeckstr. Thema und Referent werden am Zahlabend bekanntgegeben. 136., 139. bis 143. Bezirk: Lokal Teich, Knefebeckstr. 135.„Politische Lage". Res. Georg Maderholz, M. d. L. 99. Abt. 156.. 159. Bezirl: Tristram, Bürgerftr, 48/49. Alfred Markwitz:»Zur politischen Lage". 147. u. 148. Bezirk: bei Rambaw, Britz, Ehausseestt 10. 132. u. 153. Bezirk: Berfammlungsraum Hanncmannstr. 40. 154. u. 155. Bezirk: in der Halle Hannemannstr. 46, Jdealplatz. 160. Bezirk' Buckow- West: bei Dirscher, Buckow, Ehausseestr. 12. Ref. Gen. Robinson: »Finanzlage Berlins". 99» Abt. 149. Bezirk: Schule, Parchimer Allee. Ref. Friedrich Gütiler. 150.. 161.. u. 162. Bezirk: Wolf, Lokal Buckow-Ost, Rudow« Str. 35. Ref. Gen Äirchmaier:„Die Konsumgenossensihaft in der Krise". 151 Bezirk: Lokal Buschkrug. Fritz Ohlig:„Politische Grundbegriffe". 160. Abt 20 Uhr Versammlung im Lokal Ruppert, Neuköllner Straße„Poli. tisch« Lage und die Arbeiterschaft". Ref. Gen. Günther, Neukölln. 101. Abt. Zahlabend« in den bekannten Lokalen. Lokal Groctzstr. t Referent Hans Eohn. 192. Abt. Lafol Borgmann. Baiunfttmlenstraße. Ref. Sen. Henke. Reu-Tipoli, Neue Krugallce. Ref. Valentin Hartig. Thema in beiden Versammlungen: „Die Geld-, Kredit, und Bankenfraqe in der Gegenwart". 103. Abt. 1., 2., 3. Bezirk: Knappe, Westendstt 18. Ref. Gen, Beyer. 4. 5 Bezirk: Schulz, Edifonstr. 37. Ref. Gen. Mommer. 0., 7., 8. Bezirk- Eipel, Wilhelmiuenhofstr. 25. Dt Walter Groß:»Die nächste Generation — unsere Aufgaben und Verpflichtung". 9., 10. Bezirl: Trompter. Luisen. straße 1. Ref. Gen. Johanns«». II. 12. Bezirk: Emmerich, Wilhelminen. Hosstraße 67. Rudolf Äallner:»Kommunale Stenerfrogen". 10t Abt. 20 Uhr bei Kubat, Brllckenstt 13. Max Gillmeisterl„Neue Fronten im politischen Kampf". 105. Abt. Ratskeller. Bismarckstr. 28. Stadtverordnete Minna Todenhagrn: Gj» Arbeiterwvhlfahrt". 106. Abt Auioklause, Friedrichstroß«. Vortrag d« Genossin Elsbeth Weichmann 107. Abt. gobian, Alt-GIienicke. Max Schindler:„Sozialistische Bildungsarbeit in England und Deutsihland". 108. Abt. /Köllttische Vorstadt! Bei Etivpekohl. SckiönerRirber Str. 2 Licht- d'ldervortrag:„Die n«un Heiligen".—(Alt- und Kietzvorstadt! Bei Schulze, Müggelheimer Str. 12, llfermann:„Stehen wir an ein« Zeiten. wende?" 106» Abt Bolksschule, Borgmonnstraß«, Zeichensaal. Erich W-ndick«:„Da, Kon- kovdat."— Lokal Klose, Mahlsdorfer Str. 1, Dt Norbert Marr:.Die Wahlen in England und die Wirtschaftskrise." 108. Adt EtaSttheater, Marktplatz. Dr. Richard Lohmann:.Der Kamok der Stadt Berlin geoen die Finanz not" 110. Abt. Werner, Kövenicker Str, 122, Bernhard Krüger:„Wirtschaftskrise und die Zusammenbrüche der Wirtschaftskonzernc." III. Abt Seimann, Wältcrsdorfer Str. IM, Zahlgbenb. 11t Abt.„Logenkastno", Knorr-Promenode 2, Dr. Richart Mischl«:„Die polt- tische Lage." 115. Abt Zahlabeude in den bekonnten Lokalen. 116. Abt Äula der«nabenmittelschulc. Markstraße, Etadtvat Eugen Ztosemonn: „Die Lehren der englischen Wahlen." 117. Abt Zahlabend« finden in folgende» Lokalen statt: Gruppen Selchow, Dietrich und Ramv bei Sievert: Gruppen llnzner und Dähring bei Brunn; Gruppen«otSe at VStsAtm W*WbJ 1----------------- Etädt Flußbad. Emil Barth:»Politische. Tagesfragen.": Grupv»„ am Donnerstag bei Dzuga.— Peraa�igel Frettag, 30. Rvvewbey, Abteilungsversammlung in.Kern» Festsälen". 119. Abt W-gn-r. Frankfurter Allee 236.— Älucke, EcheksSstr. 1«.— Lokal Schmidt, Landsberger Chaussee 11- 126. Abt Rcinhold. Wilhelmftr. 38. Paula Kurgaß:.Wohlfahrtspflege." 121. Abt. 20 Uhr, König, Trcskowallec, Stadtverordneter Paul Robinson:„Auf- gaben der Kommune in der heutigen Zeit." 122.«bt_ Poratb..Marzahner Str. 31, Oswald Zienau:»«rrtschaft mtd Leben 122» Abt" K!ndscher, Köpenicker Str. 165— 167, Bruno Majonuek:„Svwjeb- russische oder faschistische Diktatur?" 123. Abt.„Schützeuklause". Hönower Stt 5, Brktor«rüg«:.Unsere Wirtschaft». und Finanzpolitik." 12t Abt. 20 Uhr Rcvolutioosseicr im Greßen Saale de« Lokal, Aich«,, Pah». Hosstraß- 35—37. Festrede Partei-orsttz-nd-r San» Bogel, M. d. Zt Ferner wirken mit: Arbeiter-Sesangaerein„Freiheit", Mitgl. d. DASB.: Geuosse Hosemann rezitiert: SAZ. Mahlsdors und»indersreunde Mahlsdors. Eintritt frei!— Zahlabend bei Draoer, Uhlandstr. 13, Stadtrat Carl Wermuth: »Probleme der Weltwirtschaft." 125. Abt. 1. Unterabt.: Stärte, Tassowstr. 16— 2. llnterabt: Gallas, Lehber. straße 122— 3. Unterabt.: Czerniewfkl. Roeickestt 173— 4. Uuterabt.: Fitz. ner. Pistoriusstr. 103— 5. Unterabt.: Schönstr. 59 sEcke Große Seeltraß«!— 6. Unterobt.: Donnerstag. 12. November, bei Peters, Lichtenberger Stt 12. — Jn sämtlichen Zahtabenben wird über die Genossenfchast als Wirtschaft». faktor gesprockien. 127. Abt.„Berliner Hof". Berlin« Sir. 93. Aefereut und Thema werden noch bekanntgegeben._ 128. Abt. 1. Bezirk: Noatt. Kaiser-Friedrich-Str. 53. Ref.: Alfred Flotau.— 2. Bezirk: Griffel, Kaiser-Friedrich-Stt 15, Genosse Melzer:„Erwerbslosen- fragen."— 3. Bezirk: Ködert. Berliner Str. 86. Ref.: Margarete Schenka- lowski.— 4. Bezirk: Fulde. B«liner Str. 97, Ref.: Günther Joachim.— 5. Bezirk: Wedlet Berliner Sit. 104.— 6. Bezirk: Heinz«. Kissiugenstr. 46. 7. Aezick: Bader, Kifsingeustr, 4,— 8. Bezirk: Grass«. Kissingenstr. ll.— 9, und 10. Bezirk: Lehmann. Mühlen- Eck« Maximtltanstraße. 129. Abt. l. bis 4. Gruppe:„Eängerhcim". Florastr. 93, Sein., Löwi: �!st Hitler legal?"— 5. bis 8. Gruppe:„Türkis-hcs Zelt", Breite Straße. Dr. Reinhard Strecker:„Weltkrise und Sozialismus."— Mandel. Galeuusstraße, Genosse Dobderan:„Kampf um die Republik." 136» Abt. Schulz, Tiniusstr. 60. Referent und Thema w«den noch bekannt- gegeben. 13t Abt Großer Saal des Lokals„Sansfouei". Nordend. Sats«.WiIbelm. Straße. Joseph Busch:„Krise. Arbeitslosigkeit und Partei." 132. Abt. Dorsstt 2 bei«lug Lichtbildervortrag des Genossen Wilbrandt:.Agrar» 133.«dt' Kaehnc, Berliner Str. 39, Theodor«otzur:„Zur politischen Lage." 134, Abt. 1. und 2. Bezirk: Lokal„Zur Bahn".— 3. Bezirl: Sonnet, Ref.: Pforrstädt-Pankow. 135. Abt. Lokal Pankgrascnstr. 3 R-volutionsseiet Ansprach« Rektor Walter Fische«:„Ric wieder Bölt-imord!" Unter Mitwirknag der»rbeitersänger; Volkstänze der Zugcad asm 138. Abt Zahlabende in den bekannten Lokalett Die Bezirksführer laden da- 137.«bt"se-se. Berliner Str. 73.—„Volkshaus". Scharnwederstt 114.— Mal- 138. Abt. Ä�o�att»", Auguste-Viktoria-Str. 34. Paul Haase-Frahnau: „Wirtschaftlicher Nationalismus." 139. Abt„Alter Krug", Hauptstr. 14. Otto Albrecht:„Die Erwerbslosenstedlung." l40. Abt. Woitschach, Ernststr. I, Mar Hrnbemann:„Was ist und was will der Sozialismus?"— Porteiangelegenheiten.— Gäste können eingeführt werden. 146» Abt 20 Uhr bei Heese. Berliner Str. 73. Erich Schmidt:„Partei— Jugend— Sozialismus," Gäste tonnen eingeführt werden. 14t. Abt. Hoffmanu, Edclweißstr. 5, Stadtverordneter Robert Rohde:.38» NM Sozialismus und nicht Kapitalismus?" 143. Abt. Jarius, Fürst. Bismarck-Straße Ecke Hubertusstraße, Dt Solomon Schwarz:„Die Beitwirtschaftslrife und die Eowjet-Uniou." Bezirksausschuß für Arbeiierwohlfahrl. D Seminar für Wohlfahrtspflege. Dannerstag, 12. November. 26 Uhr, H f. im Roten Saal der.Kammersäle. Teltower Etr. I— t Vozirag des fl !A Genossen Paul Gerlach, M. d. R., Düsseldorf, über:„Die Auswirkungen A' W der sozialpolitischen Bestimmungen der Notverordnung aus die Wohl,.y fahrtspftege". Alle interessierten Genossen(in»en> sind willkommen. 7.«reis Eharlotteadur». Frettag, 16, Nonember, 20 Uhr, Jugendheim Rosincnstr. 4, witzung der Arbcttcrwohlfahrt. Winterhilfe. 10. Krris Zehleädarf. Dienstag, 10, November, 20 Uhr, bei Wilhelm Schnorrer, Zehlendorf, Potsdamer«tt 3, 2. Kursusabend. Referent: Genosse Dr. Schloß. Thema:„Die Auswirkungen der Notverordnungen auf die Für- s orgepflichtverorduung". Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Verlin. Friedrichshaia. Alle Jungsalken und Rote Falken kommen heut« zur Rev». lutionsgedcnkstunde mit ihren Eltern und Freunden in» Jugendheim Eberty- straße 12. Mittwetb Restfalken Heimabend. Jungsalken und Rot« Falken Balk». tanz Litauer Straßt 5 Pf. mitbringen. Reaiölla. Zu unserer Revolutionszedenkstunbe heute, Dienstag. 1714 Uhr. in der Schuir Donaustr. 126 kommen alle Jungsalken- und Roten-Faliev Gruppen in Falkenkleiduna und mit Wimpel. Kurt Eisner: Wir treffen uns heute um 17 Uhr am Hcrtzbergplatz. Gruppe Steglitz. Rote Falken und Iunsfallen Dienstag, 17 Uhr, Albrecht- straße 47. Kasperletheater. Rote Falken Freitag, 18 Uhr, Aussprache: Der Rote Falke in der Schule. Gruppe Lichterselde. Rote Falken und Jungsalken: Wir besuchen die Kehlen. dorier. Treffpunkt 16>� Uhr vor der Obcrrealschule. Jungsalken und Nestfalken: Freitag, 17— l8lh Uhr: Neue Gesellschaftsspiele. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei-Organisation 46. Abt. Am 6. November ist unser Genosse Willi Molzow, Teltower Straße 49. im Alter von 35 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken. Ein- äscherung flndet am Dienstag, dem 10. November, 19 t/h Uhr, im Kremalorium Gerichtstraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Kinderparadies bei Wertheim. Schade, dah der Weihnachtstnann so qar kein Betriebskapital mehr zur Versügunq hat und der weihnachtliche Wunschtraum des Kindes mit dem Bewundern all der ausgestelllen Herrlichkeiten feine Erfüllung finden muß. Alf-o, es heißt wieder einmal: Be- wundern, ohne zu begehren! Wertheim hak in seiner diesjährigen Weihnachtsschau üi s einem Hause Leipziger Straß« unter der Devise„Sport uns Spiel im Pnppenland� wirklich Graßartiges geleistet. Prachtvolle, künstlerisch gestaltete Figurinen. denen eiii kunstvoll eingebauter Mechanismus Leben verlieh, zeigen in einer bunten Bilderreihe allerlei Lustiges aus dem Zllltag der klenien Leute. Da ist«rstmal das Milchporadies, allwii das milchige Naß nie alle wird. Dann gibt es einen lustigen Kaff« c'- klatsch■mit Z o o b e s u ch. Ein Sportplatz im Riesenformat vereinigt flink« Hockeyspieler, kühne Roller und Skiläufer. Auf den Maskenball gibt es kokett«, lorvengefchmückte Dämchen und ja,;,- beschwingte Musikusse, uns über all dem fröhlichen Geschehen schwingt ein überdimensionaler Weihnachtsmann seinen vollen Galensack. Dom� Morgen bis zum Geschäftsschluß schiebt sich eine dicht« Schlang« schaulustiger die Kojen entlang, bewundernde und entzückte Rute werden laut und das sehnliche Wünschen, das keine? hört und sieht, formt sich im Herzen derer, für die der große Auf- bau erdacht ist_ De» Grnabsatz„Qualität über alle«" hat die Raqgi-Gesellschaft auch hei Einführung ihrer Präwien für die fleißige Verwendung vern. Maggis Erzeug. Nissen gelten lassen. Die einzelnen Gegenstände sind durchaus praktisch und oualitati» wirklich gut. Die Haussrauen werde» ihr« Freud« daran haben. Da üd-rdies bei der vielseitigen Derwendung von Maggis Erz-ugnisse» un Haushalt schnell die nötig« Anzahl Sutschew« beisammen ist, lvhut tt st», diese zu sammeln. Das Erbe seiner Vater in Form schöner weißer Zähne kann man , durch regelmäßiges Putzen mit Chlorodont-Zahnpaste bis ins hohe Alter erhalten. Versuch überzeugt. Hiilen Sie(ich vor billigen, minderwerilgen Nachahmungen, denn für das Edelste was Ei« besitzen, die Zähne, ist da- Best« gerade gut genug. g-ätz- TtacJppccht Jede Umhüllung eines MAGGI-Suppen-Würfels gilt- auch wenn sie noch nicht mit Gutschein-Aufdruck versehen ist- als 1 Gutschein. Schätze im Keller. Fröhlich sein ohne Alkohol. (Ein Sonntagsbesuc� bei einer Freundin, die vor kurzem von l sieht, daß auch der Apfelwein gar nicht so harmlos ist, wie man ihren Eltern ein Stückchen Obstland in Blankenburg übernommen und deren Mann mit dem Sohn sich darauf mit vieler Mühe ein Häuschen gebaut haben, brachte mir ein freundliches und lehrreiches ' Erlebnis. Noch Besichtigung im Häuschen und Gärtchen führt mich die Freundin in den Keller. Da stehen Gestelle mit Gläsern mit allerhand eingekochtem Ob st und Beeren. Auf einer Seite ist ein Lattengerüst mit Frischobst, jede Sorte für sich gelagert. Daneben Fruchtsäste und verschiedene Sorten O b st wc i n. Das ist alles unvergoren, also alkoholfrei, sagt sie. Seit sich Frit, den„Haus-Moftmax* angeschafft hat, wird unser Obst nur noch alkccholfrej verwertet. Nebenan in der Wohn. küche sind die Männer gerade mit dem Pressen der Aepsel fertig geworden. An der kleinen Keller befindet sich ein Auslauf» Hahn, durch den der Most gleich in die Flaschen abfließt.„Sehen Sie", sagt dcr Mann,„die frischen Früchte haben sich durchgesetzt. Wir haben gelernt, das Obst als unentbehrlichen Bestandteil der täglichen Ernährung anzusehen. Frischobst gehört wie F r! f ch. gemüse auf den Tisch, wenn wir die Kulturkrankheiten, unter denen so viele leiden, vermeiden wollen. Obst ist kein Luxus, auch im Arbeiterhaushalt. Enthält es doch viele der wichtigsten Aufbau- stoffe und ist auch Nervenspeise." Oampfentsastung im kleinen Haushalt. Was ich an dem Tage in diesem Kleingärtnerhaushalt gelernt habe, läßt sich ohne viele Kosten im Proletarierhoushalt gut verwenden. Eine Kelter, wie sie dieser Mostmax und ähnliche dar- stellen, kommt natürlich für den einzelnen nicht in Frage. Aber jede Hausfrau kann im einfachen E i n m a ch e t o p f sich leicht Obstsait herstellen durch Dampfentfaftung. Das wird folgendermaßen gemacht: Man füllt den Einmachetopf handhoch mit Wasser, stellt auf eine Unterlage(umgestülpten Teller) einen kleineren Topf zum Auffangen des Saftes hinein und breitet ein feines Seihtuch, trichterförmig eingedrückt, über den Topfrand. Darüber kommt ein gröberes Mulltuch zur Auf. »ahme de, Obstes. Beide Tücher werden durch Bindfaden um den Topsrond festgebunden. Nun schüttet man die Früchte, gut zer» lleincrt, leicht gezuckert, darauf. Darüber kommt ein Bogen Per» gamentpopier und zum Schluß der Topfdeckel. Die Enden der Tücher werden kreuzweise über dem Deckel verknüpft. Nun stellt man den Topf auf den Herd oder Gaskocher. 1 bis IX Stunden läßt man die Früchte so entsaften, füllt dann den gewonnenen Soft heiß in gut gewaschene Flaschen, verschließt dies« rasch mit ge- brühten neuen Korken und läßt sie, auf dm Kopf gestellt, in einem Korbe abkühlen. Noch einigen Stunden verschließt man sie noch. rnals mit Siegellack oder Paraffin. Dann werden sie liegend an einem kühlen Ort aufbewahrt. Bequemer ist die Softgewinnung durch den Dampffruchtsaftapparat, wie er in unserer Konsumgenossenschast für 11 bis 12 Mark erhältlich ist. Besonders gehaltvolle Säfte lassen sich auch auf folgende Weise durch Kaltpressen herstellen: Das Obst wird zerkleinert, ge» nfohlen und roh gepreßt. Der gewonnene Saft wird nach Beliehen gezuckert und am besten über Nacht durch ein Tuch abgeseiht, in Flaschen gefüllt, verkorkt und v a sl e u r l s t e xt, d. h.: im Wasserbad auf 70— 75" Grad Celsius erhistt, nicht gekocht! Zu obigen Verfahren eignet sich jedes reife Obst, auch Rhabarber, nicht aber Apfelsinen und Zitronen. Von A e p f e l n, die für diesen Zweck in erster Linie in Frage kommen, nimmt man am besten die billigen Sorten, die sog. Wirtschaftsäpfel. Zitronen- und Apfelsinensast. Zitronen und Apfelsinen, die man wohl das gaiye Zahr über kaufen kann, sollte man doch zu den Zeiten, wo sie billig oder in großen Mengen abgerieben billig beim Feinbäcker zu haben sind, verarbeiten und den Saft als Vorrat wegstellen. Sind sie doch als E-rfrischungsgetränk und Fiebermittel von hohem Wert. Zitronensaft auf Vorrat wird folgendermaßen her» gestellt: 50 Zitronen werden ausgepreßt, dcr Saft sorgfältig durch» geseiht, mit 3 Pfund Zucker gesüßt, in Flaschen gefüllt und bis zu 80 Grad Celsius erhitzt. Apfelsinensaft auf Vorrat: 20 Apfelsinen, 3 Liier Wasser, k Pfund besten Zucker, 130 Gramm Zitronenstein. Die Apfelsinen werden abgerieben, das'Abgeriebene, mit einem Viertel des Wassers bedeckt, bis zum nächsten Tage stehen gelassen. Ein weiteres Viertel des Wassers kommt auf den Zitronenstein, der Rest wird über den Zucker gegossen und öfters umgerührt, damit er sich gut auslöst. Noch 24 Stunden, wenn alles gut gelöst ist, werden die abgeriebenen Apfelsinen vorsichtig auf der Zitronen- presse gepreßt, der gelöste Zucker mit dem Zitronensaft vorsichtig gemischt, die abgeriebene Schale durch ein Haarsieb dazugetan, alles übrige vermischt und durch ein loses Seihtuch gegossen, in saubere Flaschen gefüllt, verkorkt und versiegelt. Ein Eßlöffel da- von genügt für ein größeres Glas Orangeade.— Für größere Haushaltungen oder Kleingärtner ist die Anschaffung einer Obstkelter sehr zu empfehlen, die unter dem Namen„Mastmax" in drei verschiedenen Größen auf den Markt gekommen ist. Mit solcher Kelter läßt sich das Obst gleich zentner- weise rasch und sauber verarbeiten, was bei der garungslosen Obst- softgewinnung von größter Bedeutung ist. Bei der reichen Obst- ernte dieses Herbstes wird so ein billiger, gesunder Haustrunt gewannen, der den Kampf mit dem Bier, allen alkoholhastigen Getränken, besonders ober vergorene», d. h. alkoholhaltigen Obst- weinen(namentlich die Beerenweine sind wegen ihres starken Alkoholgehalts sehr gefährlich!) erfolgreich bestehen wird, mich hm- sichtlich der Billigkeit. Millionen Hekloliter Traubenmost. Da, er ihnen auch an W o h i g e s ch m a ck für jede unoer- dorbene Zunge, besoickters der Frauen und Kinder, überlegen ist, begreift es sich, daß der alkoholfreie Obstmast sich in gesunden und kranken Tag«« immer mehr den Platz im Arkeiterhoushalt er- vbert, der ihm zukommt. Wir sehen auch, daß die Industrie be. ginnt, sich diese Vorteile in großem Maße zunutze zu machen. Werden doch schon ganze Brauereien auf diese gärungslose Sastoerwertuvg umgestellt, lind im Weinland Frankreich ist sie für 4 bis 5 Millionen Hektoliter Traubenmost, das ist das Doppelte der ganzen deutschen Weinernte, ws Auge gefaßt. Sie verdient das auch im vollen Maße durch die Erhaltung der hohen Nährwerte der frischen Frucht, die sonst dem Bergärungsprozeß fast vollständig zum Opfer fallen. Ein einfaches Beispiel: Fruchtzucker ist in unvergorenein Apfelsaft in 11,95 Hundertteilen, in gegorenem aber nur in 0,95 Hundertteilen enthalte». Alkohol hingegen ist in vnoergprenem Apfelsaft überhaupt nicht, in gegorenem aber zu 5,3 Prozent. Man oft glaubt. Die Beerenwein e aber steigen mit ihrem Alka- holgehalt bis zu 16 und 18 Prozent, unterscheiden sich also kmim mehr von leichten Likören, was sie als Haustrunk, namentlich für Kinder und festliche Anlässe, leicht verhängnisvoll macht. Was aber kann und sollte geschehen, um diese köstliche Gabe de? Natur ollen so bequem und wohlseil als möglich zugänglich zu machen? Es ist klar, daß die größten Apparate am rationellsten arbeiten: ihre Anschaffung geht aber über die Kraft des einzelnen hinaus. Darum zum Schluß die Anregung: Auch hier ist es Au f- g a b e d e r Gemeinschaft, diese Sache im großen zu betreiben, wie das schon in manchen Gegenden, vornehmelich der Schweiz, aber auch schon in Deutschland geschieht. Ländliche Gemeinden und Genossenschaften in Gegenden mit billigem Obst, in der Großstadt aber die Kleingärtnervereine und vor allem die Kon- sumgenossenschaften müßten die besten Apparate beschassen und ihren Angehörigen zur Verfügung stellen oder selbst die Ver- sastung im großen in die Hand nehmen. Bessere Gesundheit, fröh- liche Kinder und die Vermeidung so mancher häßlichen Begleiterscheinungen des üblichen Obstweingenusses(Werder!) würden es ihnen lohnen. �ettlca Xatrsnsteiv. Eine neue Straße im Rieseugebirge. Kürzlich ist der erste Bauabschnitt der neuen Entlastungs» straße von H irschb«rg nach Schreiberhau dem öffentlichen Berkehr übergeben worden. Die neue Straße begimit in Gotschdorf an der Abzweigung aus der Straße Reibnitz— Gotschdorf— Warm- bnmn und endet vorläufig im Dorfe Kaiserswaldou. Für Fußgänger und Radfahrer hat die Straße besondere Weg« erhalten. Sie führt durch landschaftlich hervorragend schöne Gebietsteile des Riefen- gebirges und entlastet die alte Zackentalftraßc Hirfchderg— Worm- brunn— Schreiberhau. Der aus Sachsen und der Provinz Branden- bürg dein Riesengebirge zuströnwnde Verkehr wird durch die neue Straße abgefangen und Schreiberhau zugeleitet. Vorirage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Goid". DesckjSttsftell»: Setiin 6. 14. ScbaManltt Si— 38 Hol 2. Tr, Wedding(Ottsocrcin). Dionowg, 10. November, 15 Uht, Secfornm. lunfl der ctwctdslosen Samctaben. 1. Nameradschatt bei Kopp» rasch, PinctaplaK 8. 2. und 3. Namerabschaft bei Reutzncr, Sccstr. 82.— Neu- l»llp-B«>S IVortrupp). Mittwock», 11. November, l!> Uhr, Heimabend im Su» «enbbeim Berastr. 29.— Feiedrichshain sIungba). Douner-tag, 12. Navcmber, 20 Uhr, Vflichtturuen in bekannter Turnhalle.— Voranzeiac. Kreutberg sOrtzvereinl. Connabend, 21. Noveinber, Oiepudlilauischez Hcrbstiest im Clou, Mauerstr. 82. Festredner: Kamerad Dr. Breltscheid. Karten zu 1 M, bei den Fnnktionilreu und im Ganbliro erhältlich. Keine Abendtasse.— Zjchtenbcr» ILrtZvercln>. Dienstag, 10. November, 19'� Uhr, grostr Fnnktionärvcrsamm- lung bei Klose, Eitel- Ecke Nupprcchtstraße. Erscheinen Pflicht. Strasse 28—30, 2, schriflkursc Stock, Regel. ncrstago und >W>M., Hannoversch« Zimmer 10. Anfänger-, Foribildungo- und Rede. Lehrgang flir Helfer drr Alkoholkrankciifllrsorgc, Referenten: Dr. Kaasc, Dr. Landee, Dr. Drucker, Fllrsorger Riidebusch, Dr. Bvrnstci», Dr. Zorn. bomicz, Dr. Löwenstein, Dr. Lubinfti, Kurt Baurtchter u, a. Teilnahme kosten. loa. Teilnebmeranmeldungeii a» den Auaschussschrifttpart, Gciiofseu Wilhelm F. Fourneo, Berlin N. 63, Scllerstr. 33. Arbeiter-Radio-Bnnd Deutschland!- c. V„ Bezirkogruppe Berlin. An. fchrift; B. Voigt, O. 17, Hohciilohcstr, 18. Freitag. 13. November, 20 Uhr. tbcsundbrunncn: Lokal Wstnzbcrg, Stettincr Etr. 52.„Wie erhöh« ich die Trennlchärke meines Emplängero," Referent: Genosse Schmidt.— Lichtenberg: -.....—.......... tffti--------- r------- r■..... Dienstag, 10. November, 20 Uhr. Prenzlauer Vcrg: Lokal Klug. Danziger Strasse 71.„Welche Antennen wähle ich?" Referent: Eenosse Hänsle. Reichsbund der Kriegsicschädigte». Ortsgruppe Westen. Mitglicderver. sammlung um 20 Uhr im Schubert-Saal, Biilowstr. 104. Bericht über den Santag, Bereinigung ehemaliger Kriegsgcsangeuer, Berlin. Süden. Donnerstag, 12. Rotte mjber, 20 Uhr, bei Krtiger, Grimmstr. 1. Der Berliner Zither-Elud übt jeden Dienstag um 201/, Uhr im Elubhaus, Ohmstr. 2. Berei» der Rrppruer. Sonntag, 15. November, 18 Uhr, Clubhaus, Ohm, strassc 2, Monatsvcrsanimlung. Ardeitcr-Radio-Bund und Deutsche« Freidcukerbuad. Achtung, che. nossinnen aind Eenosse»! Am DiensFog, dem 10. November, lgil Uhr, finden die schon bekannten Rundfunk-Hörstunden an folgenden Stellen statt: Vorwärts. Eiebäude. Lindenstr, 3, II. Hof. 2 Tr. links. Jugendheim Neukölln, SJüh. mische Str. 1—5. Jugendheim Berlin S. 50, Porckstr. II, Raum 4. Schule Berlin NO. 18, Diestelmryerstrasse. Jugendheim Berit» N. 58, Sonnenburgcr Strasse 20. Jugendheim Svanbou, Lindenufer 1. Jugendheim Weissensce, Parkstr. 38, Jugendheim Lichteubcrg, Eunterstrasse. Jugendheim Pankow, Eörschstr. 14. Das Thema lautet:„Sozialismus in dcr Gegenwart". Die Leitung i» den Abhörstunden haben Genossen iibernommcn, die mit der Materie gut vertraut stnd, um eine fachgemässe Diskussion pflegen zu können. Wir ersuckp» um zahlreiche Beteiligung. Eintritt frei. Slfc Ulöbus: 3)er Weg über die Qrenme Grau und farblos hingen in« Schatten des einbrechenden Abends vor dem Fenster. Eine dünne Rauchfahne schwang sich aus dem Kamin und legte sich schläfrig über das alte, moos- bewachsene Dach. Die breiten, dunklen Äest« der Eiche, die das niedere, tieine Fenster halb verdeckt«, ließen keine Helligkeit mehr durch. Rur seitwärts krochen noch Lichtstrahlen in den Raum. Sie glitten über den blau- und rotbemalten Schrank und blieben auf dem blankgescheuerten Tisch liegen. Die Hände der alten Frau fuhren unruhig über das rat- gewürfelte Federbett..Ich find' keine Ruh' im Grab", sagte sie hastig. Dünn und klanglos schwang die Stimme durch das ärmlich« Zimmer. Die Blicke des Sohnes, der am Tisch saß, blieben an den ab- gekehrten, verarbeiteten Händen hängen, die sich ineinander ge- krampst hatten.„Ich kann dir mein Wort nicht geben", sagte er gepreßt,.denn ich weiß nicht, ob ich's halten kann. Siehst ja selbst, wie's hier geht." Die alte Frau antwortete nicht. Rur ihre Hände verrieten, wie es in'ihr aussah. »Ist sa auch mein Wunsch immer gewesen, daß du neben dem Vater liegen sollst. Aber sag selbst, wo soll ich's Geld hernehmen, um dich auszukaufen von der Gemeinde? Wer hier stirbt, der be- kommt seinen Plaß hier aus deni Friedhof. Aber geh, mußt net an den Tod denken, Mutterl, hast noch Zeit genug!" Er beugt« sich über sie. 2lber die Frau hatte sich der Wand zugedreht. Sie antwortete nicht. Der Sohn stand noch einige Augenblicke und horcht« auf die unruhigen, stoßweisen Atemzüge. Dann ging er mit gesenktem Kopf hinaus. Die Frau im Bett warf sich stöhnend hin und her. In dem müden, des Denkens ungewohnten Kopf jagten die Gedanken im Kreis. „Ich find' keine Ruh'....", sagte sie mit trockenen Lippen vor sich hin. Dann richtete sie sich halb aus und versuchte, den letzten schmachen Lichtstrahlen zu folgen. Dort drüben, über dem Berg, lag der Friedhof ihres Heimatortes, auf dem sie alle begraben lagen, mit denen sie einmal vereint fein wollt«. Der Mann, der Bruder und die beiden Töchter. Aechzend legte sie sich in die Kissen zurück. Leise öffnete sich die Tür. Ein blasse z, dünngliedriges, kleines Mädchen kam herein und ging mit scheuem Lächeln auf das Bett der Großunittcr zu.»Sollst dir kein« Sorg' mehr machen, läßt dir der Vaterl sqgen, und gleich morgen früh geht er zum Amtsvor- stehe r. Ui� sollst nimmer ans Sterben denken." Die Älte schien die Worte nicht zu hören. Aber plötzlich öffnete sie die Augen und sah das Kind an.»Ich denk net ans Sterhe-i, Annerl", sogt« sie fast heiter.„Ich denk an was anderes. Un!� jetzt geh schön zum Schlafen." Di« Nacht war kolt und regnerisch. Die Wetterfahne drehte sich kreischend nach Nordwesten und überließ sich dann den, Sturm. der immer stärker aufkam. Er fegte über das breite Stoppelfeld und schlug die morsche Fensterlade dröhnend an die schlecht über- pinselte Kalkwand. Dann packte er die Haustür und versuchte, sie der kraftlosen, gebückten Gestalt, die sie geöffnet hatte, zu entreißen. Kurz und scharf schlug der Hund an, aber dann kroch er schweif- wedelnd herbei. Di« alte Frau kraute ihm mit zitternder Hand das Fell.„Braus Hunderl!" Daim schlich sie gebückt über den Hof. Di« Loiidstraße war aufgeweicht. In dicken Klumpen heftete sich der Lehm an die Sohlen. Die Alte keuchte. Aus ihrer Stirn standen dicke Schweißperlen. Hinter der Sägemühle öffnete sich«in breiter Fahrweg, der sich im Dunkel des Wald«s verlor. In den Wipfeln und Aesten pfiff und sauste es. Klatschend schlug ein Tannenzapfen in die Wasser- lache mitten im Weg. Die alte Frau bebte am ganzen Körper. Der Schweiß rann ihr in Strömen über das Gesicht. Das waren die Waldmänner, die in den Sturmnächten hier ihr Wesen trieben. Auf schäumenden Pferden rasten sie über den Wald und peitschten nnt den Roßschweifen die tief geduckten Baumwipfel. Krampfhast umklammert« sie den Krückstock und hastete bergaufwärts. An der Kreuzung der drei Tannen blieb sie endlich stehen und knüpfte sich das Kopstuch fest, dos ihr der Sturm herabgerissen hatte. Dann lehnte sie sich an den harzbedcckten Stamm. Eine tödliche Schwäche kroch in den Beinen herauf und«in« schwere, dunkle Hand rührte an ihr Herz. „Nein, nein____" Mit übermenschlicher Kraft zwang sie die Füße zu ihrem Dienst und keuchte vorwärts. Farnkräuter und Pilze strömten ihren Duft aus. Ein weicher Hauch von Wärme und Wasser lag in der Luft. Da unten mußt« schon der See liegen. Die alt« Frau atmete tief auf. Bald war die Grenze erreicht. Von den Zweigen tropft« Nässe herab und durchdrang die Kleioer bis auf die Haut. Der Waldboden wurde locker und sumpfig, er schwankte und gurgelt« unter dem Fuß. Schwer und pfeifend ging der Atem durch die Lungen. Aber die Alte hastete vorwärts wie im Fieber. Wieder faßte die schwer« Hand nach ihrem Herzen, ober diesmal war sie kalt wie Eis. Noch eimnal raffte sie sich zusammen. Taun>elnd ging sie«in paar Schritte vorwärts. Dann brach sie am Fuß einer alten, ausgehöhl- ten Weide zusammen. Als sie wieder zu sich kam, war es Morgen. Der Sturm hatte sich gelegt und es hatte ausgehört, zu regnen. Aus dem feuchten Boden stiegen dünne Nebel. Am Himmel standen groß und glänzend die Sterne. Mit einem Schlage kam ihr das Bewußtsein. Eine Welle des Entsetzens slutete über ihr Gesicht. Dann um klammerte sie den Weildenstamm und versuchte, die eiskalten, steifen Glieder auf den Boden zu stellen. Mit fieborglühenden Augen taumelte und kroch sie vorwärts. Schritt um Schritt. Wenige Meter vor ihr mußten schon die Felder beginnen. Es kannte nicht mehr weit fein. Ein schmaler Wiescnpfad führte hindurch. Schneller, immer schneller begann die Frau zu laufen. Es wurde ihr plötzlich ganz leicht und frei. Wie rasch die Landschaft voriiberglittl Unmittelbar vor ihr waren schon die ersten Häuier zu sehen, und dort— dort ragten wohlvcrtroute Kreuze auf, alt, windschief, verwaschen van Regen und Sturin.-- Aber da merkte sie endlich, daß sie gor nicht mehr ging, sondern daß jemand sie trug. Ein fester Arm umschlang ihren Körper, und als sie ihren Kbps zurücklegt«, fand ste Holt an einer breiten Bnist. »Ist schön, daß du mir entgegengekommen bist, Mann", sagte sie, es war zu weit für mich....." Als die Sonne aufgegangen war, kam«in kleiner Trupp singen- der, junger Menschen den Wiescnplan entlang. Aber sie blieben bestürzt stehen, als sie mitten auf dem Weg, wenige Schritt« über der Grenze, die leblose Gestalt einer alten Fron liegen sahen. Un- schlüssig und slüsternd umstanden sie den bewegungslosen Körper. »Sie muh einen schönen Tod gehobt bobcn", sagte der eine. »Sic sieht so glücklich aus. Wir wallen sie hinaustragen ins Dorf." Die alte Frau aber lächelte so geheimnisvoll in sich hinein, wie ein Mensch, der für sein armes, bedeutungsloses Leben eine» Sinn und ein Ziel gefunden hat. 3)r. Paul Grabein: 3>er Alle mm täerye und die AHaUinen Die mohammedanische Mördersekte der Assassincn und ihr Ober- Haupt, der gesürchtete„Alte vom Berge", die zur Zeit der Kreuz- zllge auch dem Abendlande durch chre Bluttaten bekannt wurden, haben es zu einer Weltberühmthcit, oder besser gesagt, Berüchtigung gebracht, die selbst im Laufe von neun Jahrhunderten nicht verblaßt ist und ihren Namen noch heutzutage mit einem unheimlichen Zauber umsponnen hält. Sie haben die Phantasie nicht nur des Morgenlandes lebhaft erregt, was die Niederschläge in dem Märchen von„Touscndundeine Rocht" bezeugen, sondern ebenso die der europäischen Völker und auch hier Eingang in die Literatur ge- funden. Sie sind Gegenstand zahlreicher Romane geworden, so z. B. auch in Gustav Freytags„Ahnen" in dem Bande„Die Brüder vom deutschen Hause". Es soll hier in die Geheinmisse dieses länderumspannende» politischen Mörderbundes hineingeleuchtet werden, und zwar auf Grund des sachkundigen Berichtes eines zuverlässigen zeitgenössischen Zeugen, des bekannten venezianisihen Weltreiscnden des 12. Jahrhunderts Marco Polo, der Jahrzehnte hindurch am Hofe des großen Mongolenkaisers Kubloi-Khan lebte und in seiner berühmt gewordenen Reiseschilderung auch den Assassincn ein Kapitel widmete. Der Name Assassinen kommt von dem arabischen Wort „Haschaschin", das sich im Munde der europäischen Kreuzfahrer in Assassin wandelte: er bedeutet„Hanfesser" und enthält somit eine Anspielung auf den narkotischen Rausch, der— wie wir sehen werden— eine verhängnisvolle Rolle bei dem dunklen Treiben dieser großen Mördergenossenschaft spielte. Sie wurde im Jahr« 1081 von einem Scheich Hassan ibn Sabbah aus der Gegend von Teheran gestiftet, der eine Anzahl von Jünglingen um sich sammelte, die sich„Fidawi", d. h.„die sich Opfernden", nannten und gefügige Werkzeuge in der Hand ihres dämonischen Meisters wurden. Der Kreis dieser Jünger wuchs mächtig an: er betrug zur Zeit seiner größten Macht schätzungsweise an 60 000 Pcvsonen, und die Sekte brcstete sich von Persicn bis nach Syrien und ins Gelobte Land aus. Ihr Oberhaupt nannte sich„Scheich ul Dschibel", d. h. der „Alte vom Berge", nach der uneinnehmbaren, schloßähnlichcn Berg- festung Alamut in Persien, die der Vorort dieses Mörderbundes war. Die Assassincn bekämpften die islamischen Gesetze und Herrscher. Daher suchten sie zunächst Beziehungen zu den christlichen Kreuz- fohrcrn, deren Kampffront ja die gleiche war. Aber bald ergaben sich Konflikte, und nun wurden sie die grimmigen und heimtückischen Feinde der Kreuzfahrer. Unter ihren Dolchen fielen viele von ihren Anführern, unter anderem auch zwei mit geschichtlich be- rühmten Namen, Raimund I., Graf von Tripolis, und Konrad, Markgraf von Montserras und von Tyrns. Die Kreuzfahrer hatten bereits in Palästina und Syrien von einem„Allen vom Berge' gehört, aber dieser war nur der Führer eines Zweiges der großen Sekte, der auf einer Bergveste im Libanon hauste. Man wußte nicht, daß das eigentkiche Oberhaupt des Meuchlerordens weitab in Persien, eben in Alamnt, saß. Hiervon sowie von der Organisation des Geheimbundes erhielt das Abendland erst durch den Bericht Marco Polos Kenntnis, der IlSö erschien lmd bald größtes Augehen erregte.. Seine Schilderung kam den meisten Zeitgenossen höchst wunderbar und kaum glaubhaft vor: ober sie ist durch die moderne Geschichtsforschung durchaus beglaubigt worden und somit als zuverlässige Quelle anzusehen. Noch der Darstellung Marco Polos Hot der Scheich Alo-Cddin in einem hochgelegenen Gebirgstnl einen herrlichen großen Garten anlegen lasten, in dem die köstlichsten Früchte und die duftigsten Blumen, die man sich nur denken kann, wuchsen. Paläste von mannigsacher Größe und Form waren in mehreren Terrassen übereinander in diesem Park aufgebaut, geschmückt mit reichsten Zieraten von Gold, mit Gemälden und reichen Seidenstoffen. Man sah in diesen Gebäuden viele Springbrunnen mit klarem Quell- masser, aber auch solche, aus denen Wein, Milch und Honig floß. In den Palästen waren die schönsten Mädchen und Frauen, die des Gesanges kundig waren, auf allerlei Musikinstrumenten spielen konnten, bezaubernd tanzten und sich auf alle Künste der Liebe verstanden. Angetan mit reichen Kleider», sührtcn sie ausschließlich ein Leben der Freude, und die Gärten und Pavillons ertönten ständig von ihren, hellen Lache» und luftiger Musik. Ihre Auf- seherinnen und Dienerinnen aber wurden innerhalb der Gebäude eingeschlossen gehalten und dursten sich nicht sehen lassen. Der Grund, weshalb der Fürst einen solchen zauberischen Garten Halle herstellen lassen, war nach Marco Polo der folgende: Mohammed Hot denen, die seinen Geboten folgen, die Frcichen des Paradieses versprochen, wo jede Art sinnlichen Genusses in Gesellschaft schöner Frauen geboten ist. Nim wollt« der Fürst seine Anhänger glauben machen, daß auch er ein Prophet sei, dem Mohammed ähnlich, und daß er gleichfalls die Gewalt habe, diejenigen in das Paradies zu bringen, die er in seine Gunst aufnahm. Damit aber niemand ohne seinen Willen den Weg in dies herrliche Bergtal finden konnte, ließ er an dessen Eingang ein festes, uneinnehmbares Schloß errichten, durch das man nur auf einem geheimen Wege in den geschilderten Park mit all seinen Freuden gelangen konnte. An seinem Hofe hielt der Fürst eine Anzahl junger Leute von 12 bis 20 Jahren, die er aus den Einwohnern der benachbarten Gebirge auswählte. Sie mußten besonders kricgstüchtig, verwegen und entschlossen sein. Diesen Jünglingen erzählte er täglich j» über- zeugender Weise von dem vom Propheten verhießcnen Paradiese und von seiner Macht, sie in dieses einzuführen. Zu dieser Suggestion mit Worten traten ober noch ander«, wirksamer« Mittel. Zu ge- wissen Zeiten ließ er nämlich zehn oder zwölf Jünglinge Tränke von einschläfernder Wirkung geben. Verwandt wurde zi, diesem Zwecke offenbar das aus der Hanfpflan�e hergestellte Haschisch oder ein damit gemischter Trank, wie er als„Bang" noch heut« im Orient genossen wird und vielfach zu Bluttaten führt, zu dem sogenannten Amoklaufen. Sobald die jungen Leute in einen todesähnlichen Schlaf versunken waren, ließ der Scheich jeden einzeln in einen der Pavillon« des Gartens bringen. Wenn sie hier aus ihrer Betäubung erwachten, wurden ihre Sinne berauscht von all den Herrlichkeiten de-? Paradieses, die ihnen vorher so oft mit glühenden Farben ge- schildert waren und die sie nun leibhaftig vor sich zu sehen wähnten. Da waren reizende Mädchen und Frauen, die sangen, spielten und sie durch chre Liebkosung«« berückten. Auch bediente» ße chre Süste mst den köfllichsien Speisen und herrlichen Weichen, M« sie, trunken vor Wonne, zwischen Springbrunnen von Milch, Honig und Wein, sich wirklich im Paradiese glaubten und sich von dessen Freuden gar nicht mehr trennen wollten. Vier oder fünf Tage lang ließ man die jungen Menschen dieses Leben genießen, dann wurden sie, auf die gleiche Weise wie vor- her, wieder in Schlaf versetzt, aus dem Garten gebracht und nach ihrem Erwachen vor den Fürsten geführt. Aus seine Frage, wo sie gewesen seien, antworteten sie mit tiefster Uederzeugung:„Iin Paradiese, durch die Gnade Eurer Hoheit!" Und dann erzählten' sie vor dem ganzen fürsllickien Hofe, der ihnen mit Staunen und Neugier zuhörte, von dem Außerordentlichen, das sie gesehen und erlebt hatten. Der Fürst wandte sich dann an sie und sagte:„Wir haben die Versicherung von unserem Propheten, daß der, der seinen Herrn verteidigt, in das Paradies kommen wird, und wenn Ihr treu meinen Geboten nachkommt und gehorsam meinen Befehlen seid, so wartet Eurer dies glückliche Los!" Hingerissen von dieser Zusicherung, schätzten sie sich alle glück- lich, die Befehle ihres 5)errn zu empfangen, und eiferten danach, in seinen, Dienst zu sterben, um bald der verheißenen Wannen für immer teilhaftig zu werden. Sa geschah es— führt Marco Polo weiter aus— daß. wenn irgendeiner der benachbarten Fürsten, oder wer sonst, ihres Oberhaupts Mißfallen erregt hatte, dieser ihn durch die von ihm erzogenen Meuchelmörder töten ließ. Keiner schrak zurück, sein eigenes Leben daran zu setzen, das er gering schätzte, wenn er nur die Befchl« seines Herrn ausführen konnte. Auf diese Weise wurde die Tyrannei des„Alten vom Berge" furcht- bar in allen umliegenden Ländern. Das Treiben der Assassinen, deren Sekte fast zwei Iahrhund-r-e lang bestand, wurde dem ganzen Orient verhängnisvoll. Das Reich der Seldschuken wurde durch ihre unablässigen Fehden und Morde schwer erschüttert und seinem Verfall nahegebracht. In Persie:,. das damals noch zum Machtbezirk des Mongolenreichs gehörte. machte im Auftrage des Großkhans dessen Bruder Hulaga 1236 der furchtbaren Mördersekte ei» Ende» indem er ihren Hauptsitz. eben das Bergschloß Alamut, nach dreijähriger tapferer Berteidi- gung aushungerte und zerstörte. Der„Alte vom Berge" und alle seine Anhänger wurden getötet. Noch heute sind die lleberreste dieses Assossinenschlosses erhalten, wenn sie sreilich auch nichts mehr ahnen lassen von der einstmaligen Zauberpracht seiner Anlagen und geheimnisvollen Einrichtungen. eftf* zff*•frttucc» Xichiwangel der Siubenpflansen Wer möchte wohl, wenn er sich als Großstädter die Freuden eines eigenen Görtchens versagen muß, darauf verzichten, sich nicht wenigstens am Fensterbrett oder Balkon eme kleine grüne Oase in die Stauomüste seines Wohngchäuses zu schaffen, und seien es nur ein paar Pelargonien, ein Staehelkaktus, eine Azalee, ein Topf voll Zierspargel oder ein E'cuftock! Wie es Hausfreunde unter den Tieren gibt, gleich den 5iunde!,. die dem Menschen überallhin folgen. auf die Hochebene Tibets und Perus und in die eisige Polarnacht Grönlands, wo sie kaum die ihrer Art zusagenden Lebensbcdin- gungen finden, so begleiten auch einige Pflanzen den Menschen in seine dunklen..Wohnhöhlen", die gewiß nicht geeignet sind, einen, nur durch das Licht lebenden Geschöpf als dauernder Aufenthaltsort zu dienen. Einzelne Gewächse, so namentlich der Lorbeer und die mit unserem heimischen Maiglöckchen noch verwandte Schild- blum«, welche aber die wenigsten der Blumenfreunde unter diesem �, Namen kennen, da sie die Gärtner als.Xspielistra verkaufen, sind in ihrem Lichtbcdars so anspruchslos, daß man sie auch in eine völlig dunkle Zimmerecke stellen kann, ohne daß sie eingehen. Der Lorbeer erträgt sogar monatelang völlige Dunkelheit ohne wci- tcren Schaden. Neben diesen„hartlaubige»" Gewächsen gibt es aber auch andere, die sich keineswegs in unsere Stube bequemen wollen. Schon die Kapuzinerkresse(I»apaoolilm) verkümmert, wenn sie. nicht unmittelbar am Fensterbrett steht: ihre von Natur aus langen � z und dünnen Blattstiele strecken sich durch Wachstum unwahrschein- lich lang und halten die merkwürdigerweise in der Mitte an ihr angewachsene Blattscheibe mit einer wahrhaft sehnsüchtig anmuten- den Gebärde gegen dos lichtspendende Fenster hinaus. Sie beweisen damit, daß die Pflanze den Lichteinfall wahrnimmt und in ihrem Wachstum ein Mittel besitzt, um ihre Lebenslage durch Bewegung. durch Ortsveränderimg zu verbessern. Dem Gärtner war das von jeher bekannt: er nannte eine solch«, durch das„Streben" nach besserer Beleuchtung zu Übermäßigen, Wachstun, angeregte, ge- wohnlich auch durch mangelnde Blattgrünbildung blasse und chrer natürlichen Form entkleidete Pflanze„vergeilt" und wußte sehr gut. warum er ein- erfolgreiche Zimmcrblumengärtnerei eigentlich nur in Glashäusern mit Oberlicht unternehmen wollte. Die meisten der von Blumenfreunden gepslegten Zimmerpflanzen sind mehr oder minder vcrgcilt und verraten ihren Liehthunger zumindest durch ihre einseitige, von der Fensternähe bestimmte Gestalt. Sehr viele mid gerade die schönsten Gartenblumen eignen sich daher aus ihrem großen Lichtbedürfnis gor nicht für die Stubenpflege, und so zeigt uns schon die erste Betrachtung unseres Blumenfensters das große pflanzengeographische Gesetz: Das Licht regelt die Verbreitung der Pflanzen. Es ist freilich nicht der Lichtmangel allein, der eine Menge von Pflanzen untauglich zu unseren Stubengenossen macht. An sich ist cr wohl der wichtigste Faktor, denn wenn der Wiener Botaniker I. Wiesner herausgefunden hat, daß IX Meter von einem Fenster in einer Stadtgafsc entfernt nur ein Sechzigste! der Licht- menge herrscht wie auf einer Wiese in, freien Felde, so verrät das Beleuchtungsverhältnisje, die in der Natur fast niemals an vege- tationsrcichen Orten vorkommen. Denn selbst am Boden des dichten Tarnicnwaldes herrscht noch ein Dreißigstel der Lichtmenge, die eine Wiese trifft, und es ist jedermann, der auf seinen Spaziergängen' auch nur ein wenig aus die Natur achtet, bekannt, wie pflanzenlecr das Waldcsinnere unter den Bäumen eigentlich ist Moderne Verkehrsregelung in England. Während in früheren Iahren für Automobile beim Befahren von Landstraßen, besonders in den viehreichen irischen �nd schottischen Gegenden, eine Kenntlich- machung durch rote Fahnen Vorschrift war, soll vom britischen Berkehrsminifterium setzt bestimmt werden, daß Viehherden bei Tag durch einen Mann mit roter Fahne, bei Nacht mit roter Laterne begieilet werden sollen. Zur Regelung des Riesenverkehrs in den Londoner Straßen sind kürzlich Flugzeuge in den Dienst der Verkehrspolizei gestellt worden, die aus rodiotclcgraphischem Wege der Stroßenpolizei Verkehrsstörungen melden. Der reichste oller indischen Fürsten, der Rlzam von Haiderabad, besitzt in seiner Edelstcinsammlung den größten Smaragd, der je gefunden wurde. Aus diesem Stein ist ein lebensgroßer Papagei geschnitten worden. Zunahme der Großstädte. Im Jahre 1900 gab ez auf der Erde 278 Großstädte, jetzt gibt es über 400. Jcrllttiü'orlliÄ f»? IVitiV Vu:-, Schi»!« rUchou: MinacI&iifCf Gcwerttitafjsbkw-aimm 3. et'intr; ffcjillclo.t: Et. z»,!, Fsstomsli-"akalr» und s-nsti«'-:»ritz s.tftndt! A-udne»: 3*.«loch; fänriid m S-d i Verla«: VarwijrU'.Berlag(6. m b. H.. Berli». Druck: Lorwür �Vu�ruUerei uud Berlagau-llalt--..Merlin � Hugenberg pocht aus'Ookumente Hitler am Seil der sozialen Reaktion. ytad) der Harzburger Tagung ist den Nationalsozialisten in« Verbrüderung mit dem Prwatkapitaltsten Hugenberg peinlich ge- worden. Ihre Führer erklärten der beunruhigten Anhängerschaft, � daß die Nationalsozialisten Herrn Hugenberg ähnlich zu behandeln � beabsichtigten, wie Mussolini die bürgerlichen Parteien Italiens: Man würde sich seiner zum Stege bedienen und ihm dann einen Fußtritt geben. Mit dieser— für ihn wenig schmeichelhaften— Auffassung hat sich Hugenberg am Sonntag in einer Darmstädter Versammlung der. DZtVP. auseinandergesetzt. Nach dem Bericht seiner Konzernpresse äußerte er dabei: Wir haben auch nicht dt« Absicht, wie es irgendwo einmal von nationalsozialistischer Seite liebenswürdig angedeutet ist, u n s als„M i s ch m a s ch" zu fühlen, als Vorspann benutzen und dann— dabei wurde als Muster Mussolini genannt— einen Fußtritt gebe» zu lassen. Fassen Sie das bitte als jugendlichen Ueberschwang auf. entfalten Sie richig denselben jugendlichen Ueberschwang. Sollten in dieser oder jener Beziehung Meinungsverschiedeicheiten und Schwierigkeiten entstehen, so wird das gemeinsame Interesse zur Sache und zum Vaterlande den Ausweg weifen. Herr Hugenberg nimmt die Nationalsozialistische Drohung nicht schwer. Das ist um so beachtenswerter, als er in der gleichen Rede das Wesen seiner Partei noch einmal dahin definiert hat, daß die Deutschnationalen„nicht Sozialisten, sondern ausgesprochene Anhängerder Privatwirtschaft find'. Aus der Geringschätzung. mit der Hugenberg die nationalsozialistische Drohung auf- faßt, geht hervor, daß die Schwerindustrie sehr wohl darüber unter- richtet ist, daß es mit dem„Sozialismus" der Nationaffazialisten nichts auf sich hat, daß dieser vielmehr ein auf die Massen berechnetes Täuschungsnianöver ist. Herr Hugenberg scheint dafür nicht nur Garantien, son- dern auch Dokumente zu besitzen. Er führte aus: „Wie steht es mit der nationalen Opposition? Ist sie sich einig? Oder läuft sie wieder auseinander wie nach dem Poung- Plan-Volksbegehren? Ich will Ihnen ganz offen darauf ant- warten. Ich glaube es zu können. Denn ich bin derjenige ge- wesen, der beide Male zur Zusammenarbeit gedrängt hat. Ich bin nicht ohne Dokumente über die Sachlichkeit und den Eifer dieses Bestrebens.'* Gr pocht also gegenüber Hitler auf die Papierchcn— das läßt tief blicken! Der„Völkische Beobachter* antwortet auf diese Red« sehr unwirsch. Zusammenfassend wird den Deutsch- nationalen gesagt, gewisse Kreise bei ifjnen hätten noch nicht be- griffen, daß sie sich erst hinter dem. Rücken der kämpfenden Braunen Front wieder hätten sammeln können, und schließlich bekömmt so- gar Herr Hugenberg höchst persönlich noch eins aus- gewischt:„Es macht sich nicht gut, wenn angesichts solcher Tatsache unter dem Druck zu spät Gekommener auch Hugenberg öffentlich über unser„Iugendüberschäumen* spricht. Aus den Worten etwa eines Dr. Stadler erheb« sich eine hoffnungslose Vergmfung vergeblichen Ausspruchs auf Geltung. Zum Schlüsse heißt es in dem Artikel wörtlich:„Wir hoffen, daß Hugenberg gegenüber gewissen Herren in seinem Lager den Ton findet, den wir zu erwarten berechtigt sind.* Waffensunö in Naumburg. Eine neue Belastung für den Stahlhelm. Naumburg o. d. S.. g. November.(Eigeavericht.) ?« Naumburg a. d. S. wurde von Beamten der welßeufelser Schutzpolizei in der großen, zur Zeil leerstehende« Möbelfabrik Fcrdtnaud Schneider ei«»mfougrcichc« Waffeuloger ausgehoben. Außer mehreren schweren und leichten Maschinengewehren wurden«ine große Anzahl Militärgewehre Modell SS und mehrere 10 000 Schuß Munition beschlagnahmt. Die Firma Schneider ist mit allen reakkionären und uirslürzlerischen Pläne, die je in Naumbvrg gespukt haben, aufs engste verbunden. Der Schwiegersohn Schneiders, der bekannte Marineoffizier Villmar, ist vor Jahren wegen Hochverrats(Belelllgung am Sapp-Pulsch) zu einer mehrjährigeo Gcsängnikstrafe verurteilt worden, wurde aber kurze Zeit nach dem Urteil aus dem Gefängnis befreit und floh nach Italien, wo er sich zur Zeit noch aufhalten soll. In letzter Zeil wurde in der Schneiderschea Fabrik dem Jung stahl Helm, der sich vor allem aus Schülern des Nanmburger Domgymnasium» zusammensetzt, theoretischer und praktischer Milltärunterricht erteilt— offenbar ganz im Sinne der Lehrer des Domgymnasiums, von denen sich viele politisch staatsfeindlich betätigen: den Gym- nasiasten erlauben sie. hakenkreuzgeschmückt in der Schule zu erscheinen. In der Schneiderschen Fabrik ist auch die Stahlhelm- küche untergebracht, die im vorigen Jahr eine städtische Subven- tton in höhe von 1000 M. aus Steuermillelu erhielt. Der Gedenktag der Revolution. Gewaltige Kundgebung im Berliner Sportpalast. KPO. und Reichswehr. 40 Zerfehungsschriften festgestellt.- 26 Verteiler verhastet. Vom Reichswehrministerium wird mitgeteilt: In den letzten Monaten hat die von komiwmistischer Seite gegen die Wehrmacht gerichtet« Zersstzungstättgtcit außerordentlich an Umfang und Intensität zugenommem. Seit Mitte Juli des Jahres find nicht weniger als vierzig verschiedene kom- munistische Zersetzungsfchristen sowie zahlreiche Plakate und Zettel der gleichen Art in mehr als 200 Fällen in Tausenden von Exem- plaren durch die Kommunisten in den Kasernen verbreitet oder einzelnen Soldaten zugestellt worden. In allen Fällen wurde das Material den Borgesetzten abgeliefert. Außerdem konnten 26 Zettelverteiler im gleichen Zeitraum von der Truppe ans frischer Tat ertappt und der Bestrafung zugeführt werden. Ein Erfolg ist der kommunistischen Zersetzungstätigteit nach wie vor nicht beschieden gewesen. Die Zahl der Fälle, wo Soldaten einer Bcinflussung unterlagen, ist verschwindend gering. Die Truppe wird auch än Zukunft allen weiteren Zerfetzungsoersuchen mit größter Aufmerksamkeit und Energie entgegentreten. Zur energischen Abwehr der gesteigerten Zersetzungstätigke t der KPD. enthält bereits die Notverordnung vom 6. Oktober 1931 erheblich verschärfte Strafbestimmungen. Vor dem Reichsgericht in Leipzig lausen zur Zeit zahlreiche Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Der Zustand des Landtagspräsidenken Bartels hat sich nach vorübergehender Besserung wieder verschlechtert: es haben in der letzten Zeit mehrfach Konsultationen der Professoren Sauer- bluch. Max Zondek und Hennann Zondek am Krankenbett statt- gesunden. Die Rcvoluiionsfeier, die von der Sozialdemokratischen Partei gestern um 20 Uhr im Berliner Sportpalast veranstaltet wurde, war mehr als eine Stunde des Gedenkens. Die lausende Berliner Arbclter, die gekommen waren, gestalteten sie zu einer feierlichen Bekundung des Sampfwilleus und des Sekeulllnifses Zur Partei der Arbeit, zur Sozial- demokratie. Es ist das gleiche Erlebnis, das wir gerade iu den letzten Sampfmonalen gegen den Faschismus bei allen großen Veranstal- lungen der sozialistischen Berliner Arbeiterschaft mitgemacht haben: schon eine Stunde vor Beginn strömten die Menschen heran, um 193* Uhr war der Znuenraum, waren der erste und der zwelie Rang beseht, nud die noch in immer neuen Scharen kamen, muhten hinauf nach oben. Aber schon nach fünfzehn Minuten war auch hier kein Platz mehr zu haben. Eins aber unterscheidet die Sund- gebung der Sozialdemokratie von den Veranstaltungen der radikalen Parteien grundsätzlich, und gerade das wurde gestern wieder offen- kundig. Da ist kein siedender, überhitzler Fanatismus, kein Lärm, keine Ekstase, da braucht kein Theater gemacht und kein Radau ge- schlagen zu werden, da ist die organisierte Masse schlechlweg, ziel- bewußt und kampfesmutig, stark und geschlossen in sich, da ist der feste Block, an dem sich der Gegner den Schädel einrennen muß. weil wir ihm organisatorisch, weil wir ihm geistig und sitllich über- legen sind. Das macht die Kundgebungen der Sozialdemokratischen Partei immer wieder zu einem starken und bleibenden Erlebnis. He Die Musik setzt'ein. Grete Hartnngs. Dichtung„Viele.sind stark" erklingt nach der Musik von Kurt Manschninger. Die Chöre des Arbeitcr-Sängerbundcs und des Arbeiter-Sinfonieorchesters wirken zusammen. Stürmisch begrüßt, nahen die Träger der roten Banner, an der Spitze die Sportler, im leichten Sportkleid, Burschen und Mädels, Alte ünd Junge im strammen Schritt, dann die Jugend, mit dem jüngsten Jahrgang der Schulentlassenen an der Spitze, und zum Schluß Bannerträger der Parteisahnen, in deren Reihen wieder der Veteran mit dem Nachwuchs Seite an Seite schreitet. Der ge- waltige Raum bietet ein herrliches Bild: an den Wänden, an den Säulen, von den Ballonen das rote Ehrcntuch dos Sozialismus und mahnend die Bilder der Vorkämpfer Marx und Engels, Bebel und Liebknecht. Wissells Festansprache. Von stürmsschem Äeifall empfangen, nahm Reichstagsabgeord- neter Geiwsse Rudolf W i s s e l l das Wort. „Wenn es nach den Beschlüssen der Harzburger vom 10. Oktober ginge, dann hätten wir in diesen Togen Reichstagswahlen. Vor dreizehn Jahren freilich waren die Herren unsichtbar geworden wie ihr oberster Kriegsherr. Als damals, 1918, der Herbststurm die morschen Thron« umstürzte, waren wir Zeugen eines Ereignisses von wellhistorischer Bedeutung. Ebenso bedeutsam aber ist der Herbst 1931, der durch ein wirtschaftliches Erdbeben die ganze Well erschüttert. Zwischen dem Herbst 1918 und dem Herbst 1931 besteht ein ursächlicher Zusammenhang. Dieselben Ueberpatrioken, die heute die Harzburger Front bilden, hatten bis kurz vor dem Zusammenbruch aus einen Gewalifrieden gehofft, der dem Feinde nur die Augen ließ. damit er weinen könne. Als dann seae. die weluSa sollte», Sieger waren, erwarteten sie ein blaues Münder, das rächt kommen konnte. Da» Morden auf, über und unter der Erde, auf, über und unter dem Wasser, bei dem der Schnitter Tod nicht mehr mit der Sense, sondern mit Mord'.naschinen in Sekunden und Minuten Tausende nieder« streckte, ging zu Ende. Aber die Zell, da die Flugzeug« mit den Menschen darinnen als lodernde Flammensäulen niederstürzten, als in den Gräben und Trichtern Hunderte und aber Hunderte lebendig begraben waren, als auf dem Wasser die Menschen glühend vor- brühten oder im lll-Boot erstickten, scheint von weiten Kreisen vergessen zu sein. Bergessen das Meer von Tränen, vergessen Schrecken, Nöte, Leiden und Aengst«, vergessen Grausamkellen und Unmenschlichkeiten, die uns damals mit Entsetzen und Erbarmen er- füllten. Wir erlebten 1918— physisch, moralisch und psychisch-- einen dreifachen Zusammenbruch. Der physische Zusammenbruch ward offenbar, als die Heeresleitung den Reichskanzler Max von Baden zum Erlaß der Waffenstillstandsbitte zwang. Es herrschte ein« Moral mll doppellem Boden. Die Ströme roten warmen Menschenbwtes draußen wandelten sich den Kriegsgewinnlern da- heim zu Strömen glänzeirden, gleißenden Gewinnes. Die Seelen aber brachen zusammen, well Mütter und Bräute, Väter und Kinder des Liebsten beraubt wurden! Nach einem verbrecherischen Dauer- mißbrauch durch jene, die sich heute wieder Führer nennen wollen. erfolgte der Zusammenbruch. Damals, als niemand mehr da war. haben wir Sozlaldemo- kraten das Reich gerettet.(Stürmische Zustimmung.) Ms die Armee zerschmettert und der Kaiser und Kriegsherr schmählich geflohen war, logen die Zügel am Boden. Wir Sozial- demokraten hoben sie auf und übernahmen die Verantwortung. Wir schufen die Verfassung der Republik, die für uns ebenso wie der Friedensvortrag von Versailles kein letztes Wort ist. Wenn diese Uebernahme der Verantwortung in schwerster Zeit ein Vor- brechen ist, nun gut! Wenn andere die köpfe der Männer rollen lassen wollen, die dieses verbrechen begingen, dann warnen wir sie: sie könnten sich die köpfe einrennen.(Stürmischer Beifall!)* Wissell behandelte dann den schweren Herbst 1923 und verglich ihn mit dem Herbst von heute. Der versagende Kapitalismus hat sich einen Stoßtrupp geschaffen im Nationalsozialismus. Durch ihn will er die Dummheit mobilisieren, um das, was die Arbeiterschaft errang, rückgängig zu machen.(Sehr richtig!) Wir haben etwas erreicht: Arbeitsrecht, Schlichtung und Mitbestimmung der Arbeiterschaft waren in den'Bürostuben der Kaiserzeit unbekannt. Wer die Errnngenschastcn leugnet, würde die Vernichtung sozialer Rechle spüren, wenn Hitler und Hugenberg zur Machi kämen. Die feste Ueberzeugung vom Bestände der sozialistischen Idee bannt unser« Zweifel und steigert gerade in der Notzeit unseren Kampfesmut. Parteien, die dem Kampfe ausweichey, schwinden dahin. Wir werden nickst ausweichen!(Begeisterte Zustimmung!) In unseren Herzen ist der Idealismus lebendig, bei uns Ist die stärkere geistige und moralische Kraft. In.Beharr- lichkeit gehen wir den Weg weiter, der zum Sozialismus und zur Befreiung der Arbeiterklasse führt. Unser der Sieg trotz olkodem! (Wissell wird«in« langanhällende Ovation gebracht.) Die künstlerische Umrahmung. Bor einem Wald von roten Fahnen erklingt als feierlicher Auf» takt Beethovens Schicksalslied, der erste Satz der S. Sinfonie unter Georg Oskar Schumann, der die musikalische Gesamtleitunz der Feier inne hatte und diese Aufgabe bewunderungswürdig löste, vom Berliner Sinfonieorchester gespielt. Nach dem zündenden, von Otto Meier gedichteten„B o r s p r u ch* folgten „Weckruf* von Tießen mit der immer wieder hinreihenden Melodie der Marseillaise sowie Mussorgskys„Sonnenhymne*, beide Ehöre van Mllglledern des A r b e i t s r s ä n g e rb u nd es den gemischten Chören: Vollschor Moabit, dem Jungen Chor und Hör- monie-Eharlottenburg— ausgezeichnet gesungen: dann der Rakoczy» Marsch von Berlioz als großartige Einleitung der Festansprache. Nach der Ansprache: der drllte Satz von Tschaitowskys 6. Sin- fonie: vier Sätze aus Tießons„Aufmarsch*, der sich im ungeheuren Raum aufs schönste bewährt«: endlich„Wie lange noch Prolet?*, «in Chorwerk für Sprechchor von Bruno Schönlank. Der von Albert Florath geleitete„Sprechchor für Proletarische Feier- stunden* sowie die Einzelsprecher Victor Behring und vor allem und ganz ausgezeichnet Martha John verhalfen der Dichtung zu wirkungsvollster Wiedergabe. Die von Tausenden begeisterter Menschen gesungene„Inter« nationale* beschloß die Feier: eine Feier von kraftvoller Ein- heillichkeit und herrlicher Geschlossenheit. Macdonalds Gmldhall-Rede. Deutschlands Verhältnis zur Welt muß„überholt" werden. London, 9. November. Auf dem allsährlichen Guild hall- Bankett, das der Lord-Mayor von London zu Ehren der Regierung und des diplo- matischcn Corps veranstaltet und dem in diesem Jahr besondere Bedeutung wegen der jüngsten Wahlen zukam, hielten mohrer« Kabinettsmitglieder, darunter Macdonald, polittsche Reden. Der Ministerpräsident betonte zunächst den„nationalen* Charakter seiner Regierung, die aus mehreren Parteien bestehe. Sodann führte er aus: „Die Wirtschaft Europas müsse geregelt und ratio- nalisiert werden. Vorher kann keine Nation in Europa eine Grundlage für stabile wirtschaftliche und industrielle Bedingungen finden. Die augenblicklich« Lage Deutschlands im Verhältnis zn dem übrigen Teil der Welt müsse der Gegenstand einer völligen.Aeberholung* werden, bei der Deutschland selbst ein williger Mitarbeller sein müßt«, und endgültige Vereinbarungen müßten erzielt werden, die erträglich und durchführbar seien, die nicht in ihrer Auswirkung zu immer größeren finanziellen und Handelsschwierigkeiten führten: die ferner nicht verhinderten, daß der internationale Austausch der Waren und Dienste in normale Bahnen zurückkehre. Macdonald fuhr fort: Wir haben den völligen Zusammenbruch der Doktrin nationaler Wirtschaft- lichcr Selbstgenügsamkeit erlebt, und wir haben den Historikern und den Wirtschaftlern oller Zeiten Material für viele Studien über die Unwirksamkeit und Unzulänglichkeit dieser Doktrin geboten. Sodann � ermahnte Macdonald dqs englisch« Volt, chm und seiner Regierung Zeit zu lassen, denn die Krise könne nicht von heute auf morgen erfolgreich überwunden werden. Das wichtigste Problem sei die Herstellung des Gleichgewichts im Etat. Bezüglich der Stabilisierung des Pfundkurses erklärt« er: „Wir haben die Absicht, sobald es die Umstände zu» lassen, Maßnalzmen zu treffen, durch die die englische Währung unbedingt aus einer solchen Basis stabilisiert wird, die sie von spekulativeu Bewegungen oder Tages- gefchehnisseo unabhängig macht. Schließlich sagte er bezüglich der Abrüstungskonferenz, diese länne vcn den gegenwärtigen Vcrhällnissen in der Welt nicht los» g e l ö st werden. Die englische Regierung werde bis zum äußersten an einem Erfolg der Konferenz arbeiten. Sie werde auch die Einladung vsr Kanadischen Regierung zu der Wirtschaftstonserenz des englischen Weltreiches annehmen. Er Hab« den zuständigen Minister ersucht, die verschiedenen Dominien zu besuchen, wodurch es ihm möglich werde, oic allerbesten Insor» matione» aus eigener Anschauung zu erhalten. England müsse hart arbeiten und zähen Unternehmungsgeist aufbringen. Macdonald schloß, wenn man der Well zeigen wolle, was nationale Ein- h e i t bedeutet, so könne dies nicht etwa an einem Tage oder in einem Monat geschehen, und zwar durch die Arbeit des gesamten Volkes. Aus den vorangegangenen Reden sei noch die Mahnung des Kabinettsmllglisdes Lord Sankey zu verzeichnen: „Seid britisch und kauft britische waren!" Das wird den anwesenden Vertretern des diplomatischen Korps be- sonders angenehm in den Ohren geklungen haben, namentlich dem französischen Botschafter de Fleurtau, der im Namen des diplo» matifchen Korps vorher einen Trinkspruch gehalten hatte. Diese Mahnung richtet sich nämlich nickst zuletzt gegen die französischen Luxusartikel, die durch besonders hohe Prohibitivzölle bekämpft werden sollen. Der preußische Wohlfahrtsminister Hirtfiefer feiert sein zehn» jähriges Amtsjubiläuni. Hirtfiefer, der den, Zentrum angehört. stammt aus der Arbeiterschaft. Er hat im Amte Verständnis für die sozialen und polittschen Nöte der deutschen Arbeiterschaft gezeigt und sich als aufrechter Republikaner Verdienste«rworben— damit zugleich den Haß der Gegner der Republik. Der Haß hat Ihn so wenig wie anders republikanische Staatsmänner auf seinem Wege aufgehalten. Schlauge-Schöntugen vereidigt. Der Reichspräsident empfing gestern den neu ernannten Reichskommissar für die Osthilfe, Reichs- minister Schlange-Schöningen, zur Vereidigung. Hieran sckstoß sich«in Vortrag des neuen Reichskommissars über die Reuorgani- fation der Osthikfe und die nunmehr in Angriff zu nehmenden Ar- beiten. Der komnwnlstisch« Reichslagvobgeordnete Schlosser wurde an, Montag vom Schnellrichter in Stuttgart zu drei Monaten Gefängnis verürteilt. Schlaffer hatte am Sonnabend in einer kommunistischen Bersannnlung entgegen dem polizeilichen Verbot eine Rede gehalten. V*rtuf«mlf r>int llMgfoik|«k« TtrttHlt Suppenfleisch Md. TOB 0,58 NolKerelbutfer pm.1,14 Margarine od. so**»»»« am 0,98 Sprotten Kitt" c» M lP/M. 0,70 Schweineköpf«•Amurlachs 0,45•Kabeljaufilet.... m 0,30 Schweineschinken mit B»eko.......;.....Pf40,38»Kabeljaur�t.ii,f«. 0,20«Grüne Heringe 3 Pfd. 0,55 mit Bein od.-Bittt, pfd tob 0,76 Bratwurst BerLATt,Pi4 0,84«Seelachs Bücklinge....... Pfd. r. 0,30 Schweinekamm oder. Kalbskamm o.B,PfiT. 0,58 gr, oimeKopf. igaes, Pfd.0,16 Scheli'fischgeTBBch.,Ptd. 0,40 •Sek iitt, obDo Beilage, pii 0,84 Hammelvorderfl.?•'<.* 0,68•Schellfisch—___ Pfd. 0,22 Rotbars geräneh... Pfd. 0,38 Schweinekote'ett Pili. 0,88 Rinderlunge....... Pfd. 0,32.Rotbars........... Pfd.0,18 1. rt«, Hn».mtr A.drNMir. Rückenfettbr»tfertjp.'d.0,68 Rinderherzen....Pfd. 0,44 Eisbein i».»pttrt.,fep,Pfd.0158 Rinderbacken» Kt, p«. 0,44 hsse lina Fette Schweinenieren Pfd. 0,74 Rinderleber frieeii.p«. 0,98 Alierfeinste deutsche -imkcuvfcit Flfhck a. kMrtferigrbliefce Vartn siad ftii Varttfid avsgnahlaiMB. Zosendatg von Lebtatmiittln bar Bo�dinog. f. 5,00 1 Fische und Räucherwaren___ Mastgflnse Pfd. ron 0,78 Wurstwaren Mettwurst EruBMbrJitPId. 0,92 Markenbutter..... Pfd. 1,42 Jagdwurst......... Pfd. 0,92 Dänische Butter Pfd. 1,44 FeineLeberwurstPfd. 1,15 Pfd. 0.68 Zervelat od.«aiawl, Pfd. 1,24 iPfd o'20 Märk, Rübchen... Pfd. 0�06 Harzer Käse..... Pfd. 0,32 Fetter Speck.....Pfd. 0,88 Möhren gswMci, 3 Pfd. 0.10 FrUhstQckskäso_____ Magerer Speck..Pfd. 1,05 L I n s• n ANA 0,28 Viktoria< » Pfd. 0,35 Obst und Gemüse GrosseKschäpfel Pfd. 0,1 2 Rosenkohl...... aprd.0,25 �'"' Kochbirnen.... s Pastorenbirnen..Pfd. 0,10 se/iepie g«wMdh�8 Pfi o!l 8 �bf,«.......... 3 s«ek 0,25 Schinkenspeck... Pft Üiä HaMnkSpfa...... m 0'10 Grünkohl----«40,07 Konserven ,lD� Kolonialwaren GemOeeerbsen....... 0,62 Apfelmus ufeifaitt*... 0,56 Bruclireia...... 2 Fla. o,SB Mi.ch.b.t......... m0,38 SÄÄSä. 0.«■-W Tafalrols......... Pfd. 0,20 Kaffee-Ersatz-Mischung Karotten gwcimittem... 0,38 Pflaumen oima stdu.. 0,72 Weisse Bohnen 2Pfd. 0,25 40� m f.to... 200!. Pfd. 0,58 Spinat—-............ 0,42 Birnen weit«, � Fnebt 0,90 Hühner m.-» Pfd. von 0,74 Hühner Pfd. TOB 0,78 gofrorm Hirschblätter Pfd. TOB 0,58 Wohlfeilen Wochen! 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Viidntl E 7 3422 8.15 Uhr Frfiliiing Im Wiener Wald Theater desWestens Täglich 8»/i Sonntag S und II« Das Drei- müderiluiiis mit Ma»la Paudler fiuttm arm. Englisch Preise v. 50 PL an VoiKsbiUute Ttnater an Mnlal: 8 Uhr Das vierte fiebof Stull, sdiithf-ltatir » Uhr Die Herde sodil siam. Oper Charlotten borg Bismarcks trabe 54 Dienstag, 10. Korb. Turnus IV Anfang 20 Uhr Madame Butterfly Ende gegen 22J0 U. OeotsdiH meatei 8 Uhr Eesmieten ans dem wiener Waid von Oedön Hoiväth Bajle; hin Silpart Die Komödie 8';< Uhr Jemand Tod Fnmi MoUai Sagte: Sutif erOadgaiL RnriOrstendamm Tbealer Bismarck 448/4". S'h Uhr aieHeiligeainOU. von Ilse Langner Weg. Ludwig Bierger tittBka: AcnitStruu SÄ Reichshallen-Theater Ikmb I Uhr. tauttag udmittag 3'/, üb Stettiner « Sänger \ TjflS Die neue Burleske „Der arme Kasemlr" Uateittig» daiha Pia«, wlto Pragramiiil �rCÄSlP-THEÄTER»v. uw Lothringer Strake»7._ i nwteewswiwm 111 Ii i ii um 1 1 Ii 1 1 miikiaia ata na um n marwiwwwfim Volksstllek wecHer-FPitze Daten das Sindspiel„Erwischt" ond das ncoe oaade Progr.mml Outschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 PI. Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1 50 Mark Inlernalionaieü Tlicafer (kleines Theater) Unter den Unden 44. Geneblossen w�.n Vorbereitung zu »nentanz 3 Akte TON Vera Bern mit Hedirlg Wmngel n. H. Ad. Y. Ochlettow MWUW iiigungf Rgsfaußnt Berlins BETRIEB KEMPIHSKI PhÜ&armonle 8 Uhr üDfuDie-RoDiert d.Plillharmon.Orcta. Dir. Prof. J. Prü.er Könnt ttr FISb-Miho (f. Thntn) SiolottiiUf.B PitMHgio-Uilknnki. Eintritt 1 M. Planetariom Verläng, bis IS. Nov. Täßl. 3, 5, 7, 9 Uhr Ose Hlmfahrt in Die Alpen uortiir bstrioutuia d. Steffliitlamoli tistritt so, s 9, iton. Theater an NoUeodorfpUb Letzte SVoeke! Täglich 8>T Uhr Nax Adalbert in: Der beschleunigte Personenzug AzMdmcidcz I MbU. AtteJakobstrJMZ Sonntgs. auch S'/z Schwarrwald- m&del Stirn, Outi. 18 tri Sessel dirigiert UutaiL Pait-Fat. DiO Mittwoch 4 Uhr Harry Oondy In H&dsrI o. firetel Jid.Rind eriiilt«in vnckmlc ffr. it-ta 3S31e,6Verein8ziffliner zu Versammlurigeri mid Festlichkeiten Dauerwellen garantiert erstklassig, von 10 Mk. an Flrfccz zatzrgeim, la. OzdalaMoz Salon Sdiwidder Lindenstraße 9. KoDf in der SdUInpe, jRegi��i�LichoJ Thealer im idmlralsgalasi Täglich 8'/« Uhr Die Dabarry mit Bltta Aipar Preise t. 0,50 M an ��Gegen Husten Hol8«rkalt,BronchialkataiTh,Kouch- huaton. aäihmatischa und Stickhustenanfälle, Verschlaimung der Luft- und Rachenwege, Beschwerden der Atmungsorcane, u. Grippehat sich Hennlgson's anfälle Primussin »all 20 Jahren hervorragend bewährt Da Unttl. empfohlen, ist Primussin das Hustenmittel mit Erfolg f. Erwachs. u. Kinder. Preis pro Flasche 2.50 Rm. 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Onkel und Schwager. der Kellner Braun im Atter von 57 lehren am 7. November nach kunem schweren Leiden verstorben ist. Emma Braan geb. Koofz und Kinder. Berlin. N 68, Genter Straße 6. Die Beerdigung findet am It. d. ¥■, 15 Ohr, atrf dem Friedhof in der Barfusstraße statt ZIEHUNG 19. UND 21. DEZEMBER 1931 t AritdkmoSdfiüiri Stil DOPPELLOSE lo- RM. P'ORTO UND LiSTE 30 Pf«. EXTRA 143 89« GEWINNS UND 3 PRÄMIEN IM GESAMTWERTE VON RM. SOOOOO HÖCHSTGEWINN AUF EIN DOPPELLOS IM WERTE VON RM. 60000 HÖCHSTQEWINN AUF EIN EINZELLOS IM WERTE VON RM. SOOOO 2 HAUPTGEWINNE IM WERTE VON JE RM. 20000 2 HAUPTGEWINNE IM WERTE VON JE RM. 15000 u. s. w. u. s. w. � W** M ab 10 Lomr S RM. ■H 20 Losa« 10 RM. samtlich* Gewinnewerden aufWunech mit 90 Prpzent ausgezahlt. Losa eu haben bei den Kreisleltorlnnen der Arbelterwohltehrt, Verkaufsstellen d*r Konsumgenossenschaft, VorwÄrts- Filialen, Werthelm, Singer und Hermann Tieta. schwrrrm Herzleiden 7. Zlavanb» Alle» Freunden unb Belcnirten die traurige Mttteilung. daß mein« liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger- Mutter unb Sraßmulter Marie Meyer nach langem im 80. Leben-jaHre am 7. sanft enischiase» ist. Ivlloe Meyer Otto Meyer CILre Meyer Helinnt Meyer Die Einäscherung findet Donners- tag. den 12. Nooemder, nachmittags 17|5> Uhr, im Krematorium Gericht. stratze 37'38 statt. Lon Blumenspeuden und Beileids- besuchen bitte Adstanb tu nedmen. vöMei Uetallailieiter-VerliaiKl VcrwaltwBgMtelle Berits Todesanzeigen Den Nilgliedern jnt Nachricht, daß unser Solleze, der Schlosser Paul �lulle geboren 5. Oftober 1874, am 7, Zio- vember gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch. dem II. Zloormber. nachm.>/,Z Uhr, von der Leichenhalle des allen Ieru» salemer stirchhoies in Berlin, Berg- mannstraße aus statt. Am 7. November starb unser Aollege, der Schlosser Efrust Müller geboren am 91 August 1876 Die Einäscherung findet am Niit- woch, dem>1. November, nachmittags '.'.4 Uhr im Atemalorium Derichl- ftraße statt. Ehre ihrem Aadenfenl Rege Beteiligung erwartet vle Ort»Terwslinsg. einMilzmiisno d.ElsBnöaöner Dentsdilends. OrfsomppsEerlia Der Mitgliedschaft(tut Nachrtchi, dag unser Aollege, der Pensionär Ott« Kistow frsther Schmied im 44. Lebenslahre am ß. November gestorben ist Ehre seinem Andenken. Die Einäsiherung findet Mittwoch. de» II. November- I7>/, Uhr, im Aeematotium JSUmctsöorf, Berliner Llraß«, statt. Um gahlreiche Beteiligung biftei DI« Ortsrerwelfang I