ch BERLIN Mttwoch U. Aovember « 1931 10 Pf. 7lr. 530 B 265 4». Jahrgang Erscheinttäglich außerSonntaqs. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts�. Bezugspreis für beide Ausgaben Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat (dat*en 95 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungsund 72 Pf. Postbeftellgebühren. nibwasfa Hniel»ettreii: D««»»allige tücnnatfülticilc 80 Tf., Wrtlamtjcile k> M. ermajijongcit nach Tarif. Bostscheckkonl»: Vorwärtt-V-rla, G.m.b.H., Berlin Rr. Z7öZ«.- Ter Berlag behält sich dai Recht der ilblehnung nicht genehmer ilnieige» ror! Redaktion and Exveditionl Berlin SWi«, Lindcnsir. Z Fernsprecher: Dönhoff~) 992—297. Besprechung Braun-Groener Lieber den Nundfunkkonflikt— Das Recht auf der Seite Preußens In der RuntfunkangelcgenHcit des Vortrages Hölter» »nann a»n Revolutionstag ist eine Besprechung zwischen dem Reichsmini st er Grocner und dem preusti scheu Ministerpräsidenten Braun der» adredet. Tie preußische Regierung ist überzeugt, daß bei dieser Besprechung sich herausstellen werde, wie die ganze Angelegenheit aufgebauscht worden sei. und daß gar kein Grund zu einem Zizonflikt vorliege, daß insbesondere die Acußerungen Höltermanns durch» aus nicht anfechtbar seien, sondern so einwandfrei, wie die Preußische Regierung meint. Außerdem stellt die preußische Regierung fest, daß die Zusammenseßung und die Tätigkeit der Ueberwaclzungsausschiissc auf Richt» linien beruht, die vom Reichsrat beschlossen worden sind, Preußen also für eine Acnderung gar nicht zuständig ist. Tas Reichsinnenministerium läßt in seinen weiteren Erläuterungen erkennen, daß der Rcichsinncnministcr besonderen Anstoß daran genommen Hab«, daß Hölter» mann erklärte, als Frontsoldat zu sprechen, aber den Frontsoldaten und auch dem Kriegsfreiwilligen Tr. Lud» wig Frank zu unrecht, ja sogar in— herabsetzender Weise unterschoben habe, ins Feld gezogen zu sein mit dem Willen, für ein anderes, demokratisches Teutschland zu kämpfen, das dem Krieg folgen müßte. Tatsache ist allerdings, daß sogar Wilhelm II. wäh- rcnd des Krieges in feierlichen Aeußerungen erklärt hat. die politischen und wirtschaftlichen Zu» stände müßten gründlich geändert werden und für das Dreiklasscnwahlrccht würde nach dem Krieg kein Raum mehr sein! Herr Ministerialrat Scholz hat in dem Rundfunkvortrag des Reichsbannerführer H ö l t e r m a n n den folgenden Absatz beanstandet: „Als im August 1914 in de» Kasernenhöscn die grauen Kolonnen zum Abmarsch an die Grenzen sich formierten, da stand am rechten Flügel eines badischen Landwchrregiments ein Kriegsfreiwilliger im Land» sturmaltcr. GS war der Arbeiterführer Ludwig Frank. Gr wollte nicht warten, bis zu dem Gestellungstag, der in seinem Paß verzeichnet war. Gr wollte die erste Schlacht mitfchlagen, er wollte dabei sein, wie er seinen Freunden sagte, dort, wo die Fundamente des neuen Staates gelegt werden." Herr Ministerialrat Scholz hat den Krieg überstanden, Ludwig Frank ist in den ersten Tages des Krieges ge- fallen. Herr Scholz will die Erinnerung daran verbieten, daß der Sozialdemokrat Frank als Kriegsfreiwilliger sein Leben geopfert hat. Wir überlassen die nachträgliche Zensur des Ueberlebenden an dem gefallenen Frontsoldaten getrost der Oeffentlichkeit, soweit sie nicht vom Haß gegen die Sozial- demokratie alle Vernunft und alle Scham verloren hat. Aber es geht hier um mehr als um einen Akt der Zensur! Es geht darum, daß Herr Scholz, ein Reichsbeamter, mit dieser Beanstandung das Opfer von Ludwig Frank herab- zusetzen versucht hat, und mit diesem Opfer die Opfer der sozialdemokratischen Arbeiterschaft! Aus welchen Motiven hat Herr Scholz diese Sätze sonst beanstandet? Etwa wegen der„Fundamente des neuen Staates?" Uns scheint, daß Herr Scholz ein Beamter des neuen Staates ist und den Eid auf ihn geleistet hat. Im übrigen: als 1813 das Volk aufstand, glaubten Leute wie Arndt und Jahn die Fundamente des neuen Deutsch» land zu sehen! S i e wurden um ihre 5)offnungen betrogen, und sie haben sich durch die folgende reaktionäre Epoche betrogen gefühlt, sich sechst und das Volk! Herrn Scholz scheint es zu gelüsten, den Reaktionären nach 1813 Konkurrenz zu machen. Wir drucken an anderer Stelle den Wortlaut der Rund» funkrcde Höltermanns ab, damit alle, die diese Rede nicht (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Hitlers Bürgerkriegsarmee Die SA. wird in Marschbereitschaft geseht In Hitlers Privatarmee gärt es. Darum Hitlers Braunschweiger Parole an die SA., eine Stunde vor dem Ziel die Nerven nicht zu verlieren, darum innerhalb der Leitung der SA. eine seltsame Geschäftigkeit, die bei den Prütoriancrn den Eindruck erwecken soll, als ginge es morgen oder übermorgen los. Was die Herrschaften zur Erweckung dieses Eindruckes alles anstellen, zeigt folgender Befehl des Osas-Stellver- treters an die CA.-Organisationcn: Bon OSAF. 4. Oktober 1931. Streng Vertraulich. 1. Die schon längere Zell vorgesehene Umorganisation der SA. ist nunmehr in Angriff. Besondere Aufgaben lassen den Zeitpunkt für geeignet erscheinen. In Gruppen- und U.-Gr.-Führerbcsprechungcn sind die näheren Gründe dargelegt. Als deren Folge wird angeordnet: a) Alle arbeitslosen SA.-Leute, die mindestens seit 1. Mai 1931 der SA. angehären, sind listenmäßig zusammengefaßt umgehend der Osaf zu melden. Spätester Termin 1. November 1931. Die Meldungen erfolgen ge-sondert für gediente und ungediente Leute. d) Di« noch fehlenden Ausrüstungsgcgenständc find sofort festzustellen und von der Zeugmeisterei anzufordern. Die ZM. sind angewiesen, von der bisherigen Zahlungs- und Lieserweise abz»- sehen und die Verrechnung direkt mit der Stuba.-Vcrwalwng vor- zunehmen. Innerhalb der nächsten 14 Tage sind Kleiderappelle an- zusetzen» in denen sich die Stubaf. von der Vollzähligkeit der Ans- rüstung überzeugen. Uebcr die ordnungsgemäße Durchführung ist auf dem Dienstwege zu berichten. c) Ab sosort gilt für alle SA.-Leutc folgender Befehl: Wer sich länger als drei Tage vom Standort seines Sturmes entfernt, muß sich von seinem Stiirni an den überweisen lassen, in dessen Standort der Ausenthalt ist. Ist ein Sturm dort nicht vorhanden, sa schließt er sich für die Zeit seines dortigen Aufenthaltes dem nächstgelegenen Sturm an. Die Stuf, sind dafür verantwortlich, daß die Kontrolle über diese Leute nicht verloren geht. Wer ohne Ueberweisung den Sturmstandort verläßt, ist aus der SA. aus- geschlossen. 6) Uniform- und Ausrüstungsgegenstände sind den SA.-Leuten sosort abzunehmen und zentral zu lagern.(Beim Stckf.) Die Gegenstände sind gesondert zu packen und mit Anschrift zu ver- sehe», lieber den Ort der Aufbewahrung ist den SA.-Leuten nicht Mitteilung zu machen. Die im Besitz der SA.-Lc»te befindlichen Fahrräder sind dein Stuf, zu melden. Fahrradtrupps werden dem dienstältesten Scharführer unterstellt. Die Stärke ist aus dem Dienst- wcge zu melden. 2. Uiulegung der SA. innerhalb des Siandortenbereichs. In einer demnächst swttsindendcn Führerbcsprechung werden die neuen Standorte der einzelnen Stürme geregelt. Diese Umlegung Hot nicht ständigen Wert und gilt nur auf besonderen Besohl. Es ist zu erreichen, daß im Falle einer Anordnung Stürme nur dort liegen, wo die SA.- Leute ihrem Be-: kanntenkreise enthoben sind. Die Erfahrungen der ersten Nachkriegsjahre lassen dies im Falle der Macht- ergreifung wünschenswert erscheinen. Die SA.-Leutc sind über diese Möglichkeit in varstchtigcr Weise zu unierrichten. SA.-Männer, die als unsicher gelten oder für besondere Aufgaben nicht geeignet erscheinen, sind zu beurlauben. Es ist nach dem Grundsatz zu ver- fahren, nicht die zahlenmäßige Stärke, sondern gewandte Aktivität ist für die Brauchbarkeit eines Sturmes maßgebend. 3. Versetzung zur SS. Von der SS.-L«!tmig werden de>�- nächst aus den Reihen der SA. im Einverständnis mit der Osaf, einzelne Leute zur SS. angefordert. Es sind solche Leute auszu- wählen, die zuverlässig erprobt und in der Lage sind, auf plötzliche Anforderung sosort ihren Wohnsitz zu verlassen. 4. In den Tagen vom 31. Oktober bis S. November 1931 finden im Gru.-Bereich Besprechungen statt. Anwesend sind die Stuf. Im Falle der Verhinderung durch Arbeit usw. wird ein anderer durchaus zuverlässiger Amtswalter entsandt. Tag, Ort und Stunde werden kurz vorher durch Sondcrbefchl bckanntgemacht. Die Kasten werden zur Hälfte von dem Teilnehmer und zur anderen Hälfte von der Stuf.-Kasse getragen. Auf vier bis fünf Tage Abwesenheit vorbereiten. 5. Mo.-Ra. sofort fertig machen. Abt. XI. Dieser Befehl an Hitlers Prioatarmee läßt die Frage auftauchen, wie lange die zuständigen Amtsstcllen die kriegsmäßig ausgerüsteten Prätarianerorganisaiionen der Nazis noch dulden wollen. Sind diese Organisationen etwa keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung? Bartels Zustand äußerst ernst. Heute morgen operiert. Der Zustand des seit vielen Wochen erkrankten Landtagspräsidenleu Bartels hat sich in den letzten Tagen stürmisch ver- schlechlerl. Aus dem Boden einer vom Darm ausgehenden schleichenden Sepsis entwickelten sich die Zeichen einer Bauch- fellenlzündung. Die. ohne große Aussicht aus Erfolg, heute ausgeführte Operation bestätigte diese Diagnose. Dieser Befund ist also, wie angenommen wurde, als Folge einer vom Darm ausgehenden schleichenden Sepsis anzusehen, lln Anbetracht der allgemeinen körperschwäche und der schlechten Herz- täligkeil und bei der Eigenart und Schwere des Grundleidens ist die Prognose als äußerst ernst anzusehen. Ztalienftieger verhaftet? Ein geheimnisvolles Flugzeug in Konstanz. Karlsruhe. 11. November.(Eigenbericht.) Auf dem zur Zeit nicht in Betrieb befindlichen Flugplatz in Konstanz landete dieser Tage die Zuukersmaschine D 21SS aus Berlin. An Bord der Maschine befanden sich Zwei Piloten namens Haefner und Graf de Looz, die einen Zentner antifaschistische Flugblötler mit sich führten. Beide wurden aus Anordnung der Staatsanwaltschaft in host genommen. Die pollzeiliche Untersuchung ergab, daß Haefner sich nicht im Besitz eines Flugzeugführers che ins befindet. Er will ihn in Tempelhof liegen gelassen haben. Sein Begleiter ist dagegen im Besitz eines Führerscheins, war jedoch ohne Reisepaß. haefner und de Looz geben an, in Berlin-Tempelhos abgeflogen und über Leipzig. München nach Konstanz gelangt zu sein. Allem Anschein nach wollte das Flugzeug von Konstanz nach Luzeru fliegen und von hier aus nach Italien. Eine Stimme Mehrheit für Klagges. Mit Hilfe des Ausschlusses eines Abgeordneten. Braunschweig. 11. November.(Eigenbericht.) In der heutigen Londtagssitzung erhielt der sozialdemokratische Mißtrauensantrag gegen den nationalsozialistischen Innen- minister Klagges 19 Stimmen der Antrag st eller, eines Kommunisten und des jnngdeutschcn Abgeordneten Schräder, während gegen das Mißtrauensvotum 20 Stimmen der Regierungsparteien abgegeben wurden. Die Mehrheit für die nationatsozialistischc rechtsbürgerliche Regierung ist also außer- ordentlich knapp. Ein K o m m u n i st fehlte, da er durch sein Benehmen Ausschluß von 8 Sitzungen erwirkt hatte. Oie städiischen Gehälier. vi« Gehaltszahlung für die städtischen Angestellten ersalg« n m 14. November, nicht wie vorher geplant, erst am 17. November. Arbeiterschast und Staat Karl Höltermann, Magdeburg Der zu Ihnen spricht, war Jahrgang 1894, war Frontsoldat und gehörte somit zu der Schützengrabengemeinschaft und Kameradschaft des Krieges. Und so wende ich mich heute an meine Kameraden aus den Schützengräben zuerst und bitte sie, mich anzuhören. An- zuhören, wie im Unterstand ein Kamerad den anderen hörte. Hört mich im Gedenken an die Kameradschaft von damals, so verschieden auch die Wege sein mögen, die wir politisch seitdem gegangen sind. Eine Bemerkung zuvor: in seinem Lustspiel»Die Journalisten- läht Gustav Freytag die Heldin Adelheid zu ihrer Freundin Zda also sprechen:„Wenn ich jemals in die Lage käme, einen Wann zu nehmen, ich würde ihm nur eine Bedingung stellen, die weise Lebensregel meiner Tante: Rauchen sie Tabak, mein Gemahl, soviel sie wollen, er verdirbt höchsten» die Tapeten, aber unterstehen Sie sich uicht, jemals eine Zeitung anzusehen. Da» verdirbt Ihren Cha- rakter.- Ich werde sprechen, wie ich feit Ende des Krieges in Zeitungen schreibe. Wer also dem Tanlenglauben von Anuo dazumals anhängt und fürchtet, dag sein Charakter leide, wenn er einen Politiker höre, der schalte sich aus und verzichte, an der Gestaltung des deutschen Volkes Schicksal teilzunehmen. Er klage aber auch mcht, datz audere über ihn beschliehen. Der deutsche Arbeiter kann sich den Luxus eines Daseins ab- seits von der Politik nicht leisten. Wo auch" immer politische Ent- scheidungen gefällt werden,— immer wird der Arbeiter des Hirnes und der Faust an die Quellen der Erkenntnis zu dringen trachten. Als im August 1914 in den KafernenhSfen die grauen Kolonnen zum Abmarsch an die Grenzen sich formierten, da sland am rechten Flügel eines badischen Landwehrregtmentes ein Kriegsfreiwilliger im Landsturmaller. Gr war der Reichstagsabgeordnele und Arbeiterführer Ludwig Frank. Er wollte nicht warten bis zu dem Gestellungstag. der in seinem Pah verzeichnet war. Er wälle die ersten Schlachten milschlageu, er wollte dabei sein, wie er seinen Freunden sagte, dort, wo die Fundamente de» neuen Staates gelegt werden. Im ersten Gefecht seiner Kompagnie ist Ludwig Frank gefallen. Der Manu Ludwig Frauk ist tot. irgendwo in französischer Erde liegt er al» unbekannter deutscher Soldat zwischen Rnbekaunleu. Volltische Erkenntnis gewinnen erschien ihm wichllger als das Leben. Am Hause Seefahrt in Bremen steht eine lateinische Inschrift, die besagt:„Schiffahrt ist nötig, Leben ist nicht nötigt Plutarch, der Geschichtsschreiber des alten Rom, hat uns dies Wort über» liefert. Pompejus, der ein Aufseher war über das Getreidewesen— wir würden sagen: Ernährungsminister— fuhr mit Schiffen nach Afrika, um Rom mit Getreide zu versorgen. Als die Rückfahrt mit den beladenen Schiffen angetreten werden sollte, erhob sich ein so schwerer Sturm, daß die Schiffer die Fahrt nicht antreten wollten. Da sprang Pomoejus als erster in sein Schiff und rief seinen Kapi- tönen zu:„Schiffahrt ist nötig, Leben ist nicht nötig." Mit anderen Worten:„Abfahren mllsien wir jetzt, und wenn wir dabei auch unser Leben aufs Spiel setzen." So handelte Ludwig Frank. Und wo und wann auch immer deutsche Arbeiter versammelt sind, über ihnen steht dae Wort:„Politik ist nötig, Leben ist nicht nötig!" Wir sind Ludwig Frank gefolgt. Wir treten mit ihm in Reih und Glied, wir sind mit ihm marschiert, wir waren mit ihm dort, wo die Fundamente des neuen Staates gemauert wurden. Aber nicht deshalb, sondern für Deutschland schlechthin haben wir unser Leben eingesetzt. Unsere besonderen innerpolitischen Ziele verschwanden angesichts der Gefahren, die ganz Deutschland bedrohten. Es war damals unsere Ueberzeugung und blieb es, daß Drei- klassenwahlrecht und Herrenhaus nicht bestehen bleiben würden, daß dos Deutschland der Frontkämpfer nach dem Kriege ein frei- heitliches demokratisches Deutschland fein müßte und sein werde. Wir, d. h. wir deutschen Arbeiter, die wir uns als politische Ge- meinschaft empfinden, die wir«iües Geistes sind, wir haben sie mit- gemauert die Fundamente des neuen Staates und wir wissen, in den Mörtel ist gemischt das Blut von Hunderttausenden unserer Ge- fallenen. Wir sind ausgezogen, weil wir wußten, wer von uns zurückkehrt, der marschiert nicht zurück in das alte. sondern in ein neues Deutschland, in dem auch der Arbeiter«in vollberechtigter Staatsbürger ist. Wir wußten:„Der Krieg stellt eine Nation auf die Probe. Wir Mumien augenblicklich zerfallen, wenn man sie der atmo- spbärischen Luft aussetzt, so fällt der Krieg sein Todesurteil über alle Einrichtungen im staatlichen Leben eines Volkes, die keine Lebenskraft mehr besitzen." Dies ist. so lehrt uns der größte� Lehrer der Arbeiterschaft, die„erhebende Seite eine» Krieges". So war schon am 4. August 1914 gewiß, daß dem Arbeiter durch den Krieg die Gleichberechtigung in einem demokratischen Staate gegeben werde. Die Gestellungsbefehle waren, rückwärts gesehen, von der Geschichte ausgestellte Garantiescheine auf Gewährung demokratischer Rechte. Als die Mobilmachungsplakat« angeschlagen wurden, da war vom Schicksal bestimmt, daß VA Jahre später die Plakate über die Einberufung der Nationalversammlung an der gleichen Stelle kleben sollten. lind am 9. November 1918 geschah nichts weiter als ein Hinwegräumen der Hindernisse, die der endgültigen Der- einigung zwischen Staat und Arbeiterschaft auf der Grundlag« der Demokratie noch immer im Wege standcn. Revolutionen werden nicht gemacht und können nicht gemacht werden. Eine Revolution machen zu wollen, so hat uns ein Revo- lutwnär aus dem Jahre 1848 gelehrt, ist«ine Torheit unreifer Menschen, die von den Gesetzen der Geschichte keine Ahnung haben. Man kann immer nur einer Revolution, die schon in den tot- sächlichen Verhältnissen einer Gesellschaft eingetreten ist, auch äußere rechtliche Anerkennung und konsequente Durchführung verschaffen. Eben deshalb ist es ebenso unreif und kindisch, eine Revolution, die sich bereits einmal im Schoß«iner Gesellschaft vollzogen hat, zurück- zudämmen und sich ihrer rechtlichen Anerkennung widersetzen zu wollen. Die deutsch« Arbeiterschaft hat strenge Lehrmeister gehabt. In ihren Organisationen ist sie erzogen worden im Geiste de? Frei- Herrn vom Stein, der die Deutschen lehrte, daß„die Teilnahme an den Angelegenheiten des Ganzen der sicherste Weg ist zur geistigen und sittlichen Entwicklung", daß diese Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten„den Menschen der Selbstsucht«ntrllckt und Bm in das edle Gebiet des Gesamtwohls versetzt". Von Fichte hat sie gelernt, im Auge zu behalten, was Deutschland zu werden hat, daß sie Deutschland um dessentwillen lieben muß, was Deutschland werden muß und daß es ihr deshalb nicht gleichgültig sein dürfe, wer sie von außen und wer sie von innen beherrscht. Es ist ihr gelehrt worden, daß sie gelten lassen muß das Gesetz Salons, des weisesten Gesetzgebers des Altertums, da derjenige Bürger des Staates als ein Verräter des Vaterlandes zu betrachten ist, der in entscheidenden Fragen nicht Partei ergreift. Es war Ferdinand Lassalle, der staotspolitische Lehrmeister der deutschen Arbeiterschaft, der ihr zurief:„Nicht Partei ergreifen, d. h. in einer schmacbvollen Gleichgültigkeit gegen die höchsten Interessen die eigene Ruhe und Bequemlichkeit den gewaltigen Fragen vorziehen, von denen das Wohl und Wehe des Vaterlandes abhängt. Die Geschichte hat Verzeihung für alle Irrtümer, sür alle Ueber- zeugungen, sie hat keine für Ueberzeugungslosigkeit." Es war Lassalle, der wider eine Staatsausfassung donnerte, die am liebsten jeden Staat abschafft, Polizei und Justiz an den Mindestfordernden vergibt und Krieg durch Aktiengesellschaften betreiben lassen möchte. Und wider die Idee von der Nachtwächterrolie des Staates lehrte er der deutschen Arbeiterschast, daß«s Aufgabe und Bestimmung des Staates ist, die großen Kulturfort schritte der Menschheit zu erleichtern und zu vermitteln. Dies ist der Beruf des Staates, dazu existiert er, dazu Hai er gedient und dazu wird er immer dienen müssen. Es ist wider die sittliche Natur des Staates, ausschließlich die ungehinderte Selbstbetätigung seiner Kräfte jedem einzelnen zu garantieren. Wären wir alle gleich stark, gleich gescheit, gleich gebildet und gleich reich, so würde diese Idee als eine ausreichende und sittliche angesehen werden können. Da wir dies aber nicht sind und nicht sein können, so ist dieser Gedanke nicht ausreichend und führt deshalb in seinen Auswirkungen notwendig zu einer tiefen Unsittlichkeit. Denn er führt dazu, daß der Stärkere, Ge- scheitere. Reichere den Schwächeren ausbeutet und in seine Tasche steckt. Der deutschen Arbeiterschast wurde gelehrt, die Seschicht« als einen Kampf mit der Natur aufzufassen-, mit dem Elend, der Un» wissenheit, der Armut, der Machtlosigkeit. Die Freiheft— das ist die fortschreitende Vesiegung dieser Machtlosigkeft gegen Elend, Armut und Unwissenheit. In diesem Kampfe wäre nie ein Fort- schritt gemacht worden, wenn jeder einzelne für sich allein ihn geführt hätte. Der Staat ist es, welcher die Funktion Hot, diese Entwicklung der Freiheit zu vollbringen. Der Stäat ist uns eine Einheit von einzelnen in einem sittlichen Ganzen,«ine Einheit, welche die Kräfte aller einzelnen Millionen- fach vermehrt. Aus tiefstem Instinkt heraus empfinden die deutschen Arbeiter, die einzeln sür sich in hoffnungslos hilfloser Lage sind, diese Be- stimmung des Staates und müssen sich aus diesem Instinkt heraus zusammenschließen, um diese Entwicklung des Staates aus der Idee in die Wirklichkeit zu fördern. Nicht rückwärts— vorwärts heißt es den Blick wenden! Wir verstehen, daß Menschen, deren Weltbild seine entscheidende Form in der Zeit vor dem Kriegs erhalten hat, bis ins Innerste getroffen sind von dem Unglück des verlorenen Krieges, der fürcht-rlichen Heimsuchungen, die«in unerbittliches Geschick über uns verhängt bat. Denn:„Bei aller Unbill des Schicksals ist glucklich gewesen zu sein die unglückseligste Unglücksart." Der deutschen Arbeiterschaft ist die Zukunft des Volksganzen stets wichtiger erschienen als Einzelschicksale der Gegenwart. Aus ihrem Zukunftsglauben erwuchs ihr die Kraft. Not und Tod des Krieges zu überstehen und beizutragen, dieses prophetische Wort Lasialles zu erfüllen:.LLsnn Sie die Geschichte genau und mit innerem Verständnis betrachten, so werden Sie sehen, daß die Kulturarbeiten, die unser Volk vollbracht hat. so riesenhafte und gewaltige, so bahnbrechende und dem übrigen Europa vorleuchtende sind, daß an der Notwendigkeit und Unnerwüsilichkeft unserer nationalen Existenz gar nicht gezweifelt werden kann. Geraten w-r also in«inen großen äußeren Krieg, so können in demselben wähl unsere einzelnen Regierungen, die sächsische, preußische, bayerische zusammenbrechen, oder wie ein Phönix würde sich aus der Asche derselben unzerstörbar erheben das, worauf es uns allein ankommen kann— das deutsche Poll!" Das un sch ätz bare G u t der Reicheeinheit ist über Krieg und Niederlage gerettet morden und damit die Gründlage für die kommende neue wettpolilische Geltung Deutschlands. Ja, mie ein Phönix aus der Asche, so hat sich das deutsche Volk aus dem Zusammenbruch des Krieges erhoben. lind das verdankt Deutschland der Undeirrbarkelt, mit der die deutschen Arbeiter an der Demokratie festhiellen. Dort aus den freigeleoten Tiefen unseres Volkes strömte die Kraft, die uns die Einheit"als Volk und Staat erhielt. Es ist niemand anders als der jetzige Reichspräsident von Hin- denburg. der von Friedrich Cbert sprach:„Sein Mut. sein staols- männischer weilblick, sein Verantivorlungvgefühl. gepaart mit kennt- nis der Psyche der großen Masse, seine lautere vaierlandsliebc haben uns gcrellet." Was von Friedrich Ekert gilt, dos gilt auch von der deutschen Arbeiterschaft. Für sie gilt heute mie 1914 da?„Bekenntnis" Karl Brogers, der ein Arbciterdiäster war und ein Dickster der Front- soldaten dazu: Immer schon hoben wir eine Liebe zu dir gekannt, bloß wir haben sie nie mft Namen genarmt. Als man uns rief, da zogen wir schweigend fort, auf den Lippen nicht, aber im Herzen das Wort: Deutschland. Immer schon haben wir«ine Liebe zu dir gekannt, bloß wir haben sie nie bei Namen genannt. Herrlich zeigte es aber deine größte Gefahr, daß dein ärmster Sohn auch dein getreuester war. Denk es, o Deutschland! Oer Rundfunkkonflikt. (Fortsetzung von der 1. Seite.) gehört haben, sich ein sicheres Urteil bilden können, ob sie Anlaß zu dem Einschreiten des Reichsinnenministers geboten hat. Die Stellen, die wir im Druck halbfett hervorheben, haben das Wutgehul der Rechtspresse hervorgerufen. Gründe... Was Hugenberg verbieten möchte. Die Unverschämtheit der deutschnationalcn Reaktion wird mit jedem Tag größer. Als die Schwindelhetze gegen den Hallenser Theo- logen Dehn kläglich zusammenbrach, faselte der stZokal-Anzeiger", daß � gegen Dehn„neues Material" vorliege. Und was war das? Dehn l>->be sich beim Begräbnis der ehemaligen Kaiserin gegen die B«- teiligung setner Kirche am Trauergeläut ausgesprochen! Auf dem gleichen Niveau, daß nämlich jeder Republikaner der davongelaufenen Monarchie nach wie vor tiesite Reverenz schuldig sei, liegen die Hetzaueführungen der Hugenberg-Presse wegen des Rundfunkvortrages Höltermanns zum 9. November. Im„Tag" wird der Konflikt damft begründet, daß überhauptiinMarxistes unternehmen durste, öffentlich den Tag der Schmach zu feiern. Wenn der„Tag" den 9. November als Tag der Schmach an- sieht, so hat er ja von seinem monarchistischen Standpunkt aus— die feige Flucht Wilhelms, die kampflose Kapitulation seiner Anhänger— vollkommen Recht. Warum ober die Republik verpflichtet sein soll, die Schmach der ausgerissenen Monarchie mit dem Mantel christlicher Nächstenliebe zuzudecken, ist uns unerfindlich.— Und worauf läuft die sachliche Kritik Hugenbergs an dem Bortrag hinaus? Man höre und staun«: „Der Reichsbannermann sagte wohl, daß für ein Deutschland schlechthin der feldgraue Arbeiter sein Leben eingesetzt habe, aber er entwertete diese Wahrheft mft der in diesem Zusammenhange blasphemifchen Behauptung, der Soldat habe damals die Ueberzeugung gehabt, daß das Dreiklassenwahlrecht und das Herrenhaus nach dem Kriege nicht mehr bestehen würde.„Unsere Gestellungsbefehle waren uns von der Geschichte ausgestellte Garantiescheine auf die Gewährung demokratischer Rechte." Also gegen garantierte politische Belohnungen ist das Volk von 1914 hinausgezogen? Eine dumm«, der Begriffswelt des Kon- jumvereins entsprungene Beleidigung." Der angebliche„Standpunkt des Konsumoereins" deckt sich auf- fällig mit dem Standpunkt, den vor und nach den F r e i h e i t s- kriegen von 1813/181S Männer vom Range eines Fichte, Arndt, Jahn eingenommen haben, wie ihn— damals— die ganze deutsche Jugend gefühlt hat. Der Philosoph Fichte schrieb vorahnend in seinem Bermüchtnis von 1813: Würde die Monarchie wiederum das Volk betrügen, würde alle Aufopferung von Blut und Begeisterung nur zur Wiederherstellung des alten Systems dienen, so bliebe dem Gerechten nichts weiter als aus- zuwandern! Wahrscheinlich hält der„Tag" den Philosophen Fichte deswegen für einen„Konsumvereinsbonzen". Daß das Dreitlassenwahlfystem mft dem Augenblick der Mobiii- sierung moralisch und faktisch erledigt war, hat das alle System selber zugestanden in der kaiserlichen Oster- botschost von 1916. Selbst Wilhelm und seine Berater glaubten, dem feldgrauen Arbeiter nicht zumuten zu können, sich für Dreiklassenwahlrecht und Herrenhaus zu schlagen. Und jetzt soll der republikanische Rund- funk kaiserlicher fein als der Kaiser, mon- archischer als die Monarchie? Eine Frechheit, wenn Herrn Hugenbergs Presie dies zu verlangen wagt! Wie Scholz Herrn Groener unterrichtete. Als vor fünf Jahren der Politische Ueberwachungsouoschuß für die Berliner Funkstunde in« Leben gerufen wurde, bestimmte das Reich al» seinen Vertreter den Deutschnationalen Scholz, die preußisch« Staatsregierung dl« Abgeordneten Heilmann und Riedel. In ähnlicher Weise wurden auch bei den übrigen Sendegesellschaften neben den Kftlturbeirätcn politisch« Koittrollorgon« geschaffen, die die Neutralität der Sendungen zu überwachen haben Beim Berliner Ueberwachungsausschuß wurde der Vorsitzend« in regelmäßigen Abständen gswechselt. Unter der Leitung der letzten beiden Reichsministcr Seoering und Wirth war Herr Scholz recht ruhig. Von seiner Arbeft hoben nur die Rundfunkredner selbst gemerkt, wenn nänrlich in ihren Manuskripten der Rotstift wütete. Seoering beförderte den damaligen Oberregierungsrat Scholz, der im Reichsministerium des Innern gleichzeitig Refereift für Rundfunkangclegenheiten ist, zum M'mistcriolrat. Seitdem hat Herr Scholz sich kräftig nach rechts entwickelt. Ebenso entgegenkommend verhielten sich auch stets die beiden übrigen Mitglieder im politischen Ueberwachungsausschuß. Als diesem das Höllermannfche Manuskript vorlag, wurden Aende- rungen vorgeschlagen, mit denen später auch Höllcrmann ein- verstanden war. Nur Scholz gab sich nicht zufrieden und erstattete dem Minister Groener Bericht. Der Minister crhiell die subjektiven Darstellungen eines seiner sehr weft nach rechts gerichteten Ministerialräte, der es nicht für notwendig erachtete, seinem Minister das kurz vor dem Vortrag nochmals geänderte Manuskript vorzulegen. Der Minister erhielt auch viel später erst das Protokoll der Sitzung, in welcher der politische Ueberwachungsausfchus den Vortrag des Genosicn Höller- mann behandelle. Wie lange will sich Herr Groener noch auf die Berichte seines Reserenten Scholz verlassen? Völkerbund gegen Japan. Oie Mandschurei von Japan„selbständig" gemacht. Genf, 11. November.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit der Zuspitzung des Konflikts in der Mandschurei spricht man in maßgebenden Kreisen des Völkerbund- fekretariats von der Einberufung«iner außerordentlichen Vökkerbundsversammlung. die spätestens Anfang Dezember stattfinden müßte. Insofern erwartet man, daß der am 18. November zu- samnuntvetend« Völkerbundsrat nur kurze Zeit tagt. London. 11. November.(Eigenbericht.) Mulden ist am Dienstag zur unabhängigen Provinz proklamiert worden. Die Vertündungszeremonie erfolgte in Gegenwart japanischer Offizier«, wie die Staaten- gründung überhaupt auf japanische Sinstüsse zurückzuführen ist. Frauenmord in Moabit. In der Küche erstochen aufgefunden. Im Hause Stephan st raße 1» wurde heute vor- mittag 11 Uhr Frau Marie Schkmmelpfeunig in der Küche ihrer Wohnung mit einem Messerstich im rechten Auge, durch de» auch das Gehirn verletzt wurde totaufgefundcn. Ob es sich um einen Raub- mr-rd oder um einen Mord aus anderen Motiven handelt, ist noch nicht bekannt. Die Ermordete ist die ghjährige Ehefrau des Kutschers S ch i m, m e l p f e n n i g. Das Ehepaar bewohnt im ersten Stockwerk des Ouergebäudes eine aus Stube und Küche bestehend« Wohnung. Sch hatte in den Morgenstunden die Wohmmg verlassen, um sich an seine Arbeitsstelle zu begeben. Die Tat ist offenbar zwischen 9 und 19 Uhr verübt worden. Nach dem ersten Befund hat es den Anschein, daß Raubmord vorliegt. Verschiedene Behältnisse waren aufgezogen und der Inhalt wild durcheinandergewühlt. Offenbar hatte es der Täter auf Ersparnisse, die er in der Wohnung vermuftte, abgesehen. Was geraubt ist, können erst die näheren\ Feststellungen und die Vernehmung des Mannes ergeben. Eine oberflächliche Besichtigung der Leiche ergab zunächst, daß der Mörder mit einem dolchartigen Messer auf sein Opfer eingestochen hat. Ein Stich ist in das rechte Auge und ein zweiter oberhalb der Nasenwurzel in den Kopf gegangen. Verletzungen am Schädel lassen ferner darauf schließen, daß Frau Sch. mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen wurde. i I» IDilna kam es vor dem Anatomischen Institut zu schweren Schlägereien zwischen Nationaldemokraten und jüdischen Studenten. Mit istöcken und Steinen schlugen die Gegner aufeinander ein. Ein nationaldemokratischer Student wurde durch einen Sieinwurf auf der Stelle getötet. Tie Universität wurde geschlossen. 16. kreis Köpenick. Die für Sonntag, den 13. November, vor- gesehene Führung durch den Reichstag kann wegen Verhinderung der Referenten nicht stattfinden. Sie findet bestimmt am Sonntag, dem 22. November, statt. Welter für verlin: Meist wolkig ohne wesentliche Nieder- schlage. Temperaturen im ganzen etwas niedriger. Schwache bis mäßige südlich- bis südwestliche Winde.— Für D?uljchlaud: Im Nordwesten noch unbeständig und windig, sonst im Norden und auch im Osten wolkig. Keine erheblichen Regenfälle. Kühler, Nachtfrost- gefahr. Im Süden stocken und ziemlich Hefter, nachts Frost. Sozialismus in Ein Oreigespräch u Der Ausschuß für Rundfunkhör st unden vcran- staltete gestern im Parteihaus in der Lindenstraße eine Abhörstunde, die vom Genossen Alexander Stein geleitet wurde. Abgehört wurde ein Dreigespräch der sozialdemokratischen Professoren Rad- b r u ch, T i l l i ch und Hendrik de Man. Genosse Rudbruch führte etwa folgendes aus:„Von dem Verhältnis des Sozialismus zur geistigen Lage der Gegenwart kann nicht gesprochen werden, ohne daß ausgegangen würde von seinem Verhältnis zur w i r t s ch a f t l i ch e n Lage der Gegenwart. Ist doch ein Grundgedanke der sozialistischen Theorie in ihrer marxisti- scheu Fassung, daß die Geisteslage von der Wirtschaftslage bestimmt werde. Man hat zur Rechtfertigung der kapitalistischen Wirtschast die Initiative des Einzelunternehmerz gepriesen— die kapitalistisch« Wirklichkeit aber zeigt mit ihrem immer fortschreitenden Uebergange aus den Händen der Einzelunternehmer in den Besitz van Gesell- Ichaften aller Art eben jene V e r b e a m t u n g, die ein häufig er- hobener Einwand gegen den Sozialismus war. Man hatte den Kapitalismus gegründet auf die Unbeherrschbarkcit wirtschaftlicher Naturgesetze, auf den Gedanken des freien Spiels der Kräfte— aber die kapitalistische Wirtschaft hat sich selber mehr und mehr Fesseln angelegt, die Konkurrenz ausgeschaltet, die Preise reguliert, sie ist zur gebundenen Wirtschaft geworden, zu einer p a t t i e l l e n Planwirtschaft, von deren Boden aus es nur noch schwer möglich ist, Argumente gegen eme universelle Planwirtschost, gegen den Sozialismus zu finden. Die werdende sozialistische Wirtschaft muß in einer zunehmen- den Sozialisierung des Denkens ihren Ausdruck finden, das folgt aus jener Grundlehre des marxistischen Sozialismus, die den mißverständlichen und so gern mißverstandenen Namen der materialistischen Geschichtsauffassung trägt. Dos Wesen dieser Geschichtsauffassung ist unendlich viel- seitig: bringen wir die Vielfalt auf Formeln, so ist die materia- listische Geschichtsauffassung zugleich Jdeologienlehre, Notwendig- kcitslehre und Klassenkampflehre. Karl Marx Hot aber den Klassenkampf nicht erfunden, sondern nur ent- deckt. Sozialistischer Aktivismus erschöpft sich nicht in dem blinden Mechanismus des Klassenkampfes. Dem werdenden Sozialismus entspricht das Ideal der Gemeinschaft. In ihm findet die gesellschaftliche Tatsache des Kollektivismus ihren ethischen Aus- druck, die das proletarische Grunderlebnis darstellt: denn durch nichts wird die geistige Gestalt des Proletariers so geprägt wie durch die erschütternde Tatsache, daß er fast nie ollein ist— nicht in der Arbeit, nicht in der Familie, nicht in seinen Vergnügungen. So kann die Kultur an den Proletarier als einzelnen unmittelbar über- Haupt nicht herankommen, kann der einzelne veredelt werden nur durch die Veredelung der Masse, der er unlösbar ange- hört; veredelte Massen aber nennen wir Gemeinschaft. Der kennzeichnende Zug der Gegenwartskultur ist der Eindruck des kollektivistischen Gedankens auf allen Lebcnsgebicten. Sozialistische Gemeinschaft will aber letzten Endes in und mit der Gegenwart id eine Abhörstunde allen jeden einzelnen leben, sozialistischer Kollektivismus ip Wahrheit kollektiver Individualismus, der die Tal fache der Masse in sich aufgenommen und verarbeitet hat. Sozialis- mus ist letzten Endes Individualismus. Im Gegensatz zu der irrationalen Zeitmode ist der Sozialismus weiter eine Fortsetzung und Fortbildung des Rationalismus. Im Gegensatz zu nationalistischen Zeitströmungen bekennt sich der Sozialismus, da seine letzte Verwirklichung nur in der W e l t- Wirtschaft möglich ist, zum Internationalismus, zu einer Internationale, die die Nationen nicht verneint, sondern in sich aufnimmt. Schließlich ist Sozialismus im Gegensatz zu allen kulturpesst- mistischen Zeitströmungen Kulturoptimismus." Genosse Tilllch wandte sich vor allen Dingen gegen die ratio- nalistische Auffassung des Sozialismus, die aus Radbruchs Dar- legungen hervorgehe. Auch der Vernunftglaube sei ein Glaube. Man könne Tatbestände wie Blut, Rasse, Nation, Führerrum nicht rational, verstandesmäßig beherrschen. Der Sozialismus würde den Menschen verstümmeln, wenn diese irrationalen Mächte nicht in das Wesen des Menschen einbezogen würden. Dies sei die Aufgabe des religiösen Sozialismus. Anschließend wandte sich Hendrik de Man sowohl gegen Tillich wie gegen Radbruch. Man dürfe weder einseitig den Rationalis- mus, noch den Irrationalismus vertreten. Letzterer sei konservativ und wirke im Sinne einer romantischen Mystik. Glaube und Wirk- lichkeit haben beide ihr Recht. In seinem Schlußwort wies Genosse Rodbrvch nochmals auf den rationalen Charakter des Sozialismus hin; er wandte sich ent- schieden gegen jene Zeitbestrebungen, die den Menschen den irrationalen Mächten ausliefern wollen. Der Sozialismus dürfe sich Blut, Rasse, Nation nicht unterwerfen, sondern diese Mächte müssen erst nor der Vernunft gerechtfertigt werden. Die anschließende Diskussion beschäftigte sich zunächst mit der pädagogischen Zweckmäßigkeit solcher Sendungen. Es wurde von mehreren Seiten auf die gedanklichen Schwierigkeiten des Referats und der Gegenäußerungen hingewiesen: auch sei die Thematik vielleicht zu umfassend gewesen. Endlich wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Gesprächscharakter bei solchen Sendungen stärker herausgearbeitet werden muß. Alsdann eröffnet« Genosse Stein die inhaltlich« Aussprache über das Gehörte: es erwies sich als überaus zweckmäßig, vorher die Eedankenführung der Redner noch einmal zusammenzufassen. In der Diskuffion vertrat vor allem Genosse Braunthal die Auffassung Radbruchs, während Genossin Hirsch sich gegen den überbetonten Rationalismus Radbruchs wandte. Theorie und Praxis müssen— dem ursprünglich«» Sinn des Marxismus entsprechend— mehr ineinandergefügt werden. In seinem Schlußwort betonte Genosse Stein mit Recht, nicht in gelehrten, methodologischen Auseinandersetzungen zu verweilen, sondern in einer fortwährenden Durchdringung der Gegenwart die Praxis des Sozialismus zu bewähren. J. P. M. Kunst in Berlin. Schreiner in der Zuryfreien. In der gegenwärtig achten Reihe der Sonderausstellungen in der Ärryfreien ragt die große Kollektion Carl Moritz Schreiners aus Düsseldorf turmhoch heraus. Es ist ein durchaus plastisches Talent, sehr stark und entschieden in der Kunst der Vereinfachung. Man spürt, wie ihn bestimmte Eindrücke eine � ganze Zeitlang ausschließlich gefesselt und zu mannigfachen Lösungen gedrängt haben. So gibt es eine Serie erstaunlicher Katzen, be- deutend im Ausdruck vitaler raubtierhafter Spannungen m diesem göttlichen Geschöpf: eine Serie von Pferden, die den plastischen Reichtum ihrer Körper mit großer Kraft herausholen: Aktfigurcn junger Weiber, die mit Nachdruck die Funktion des Sitzens und Sichgenügens variieren: junge Menschen mit jungen Tieren, zu einer Lebenseinheit zusammengeschweißt: und Bildnisköpf« von ge- drungener Gültigkeit des Physiognomischen. Endlich noch Zeichnungen und Aquarelle, di« die gleiche tektonische Gsschlossenheit der Form und also Monumentalität besitzen. Ein starker Charakter und bc- deutender Bildner. Brücke-Graphik. Das Kupfer st ichkabinett im Neuen Museum(1l) bis 3 Uhr) hat feine Schätze an Graphik der Dresdener„Brücke" aus- gestellt. Es sind zum Teil ganz frühe und seltene Sachen dabei, aus den Brücke-Mappen von IM? bis 1912. die man damals für 12 Mark Jahresbeitrag bekommen konnte, und alles In allem eine sehr schöne Sammlung von Blättern Kirchners, Heckels, Schmidt-Rottluffs, Otto Muellers und P e ch st e i n s, denen sich die von Nolde noch anschließen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten«ine erstaunliche Blüte graphischer Kunst erlebt. und die Brücke-Leut« waren die tonangebenden Führer. Allerdings war es eine Graphik von ganz wesentlich anderer Art, als frühere Jahrhunderte sie kannten: höchstens könnte man einiges von Alt- dorfer. Huber, Urs Graf zum Vergleich heranziehen. Der große Anreger neuer Formen war Eduard Münch, der der Graphik völlig neue Weg« gewiesen hat. Ueberblickt man die Sammlung des KupfersUchkobinetts, so wird man finden, daß zum wenigsten Kirchner mit seinen außerordentlich reichen, geistbeschwingten, tief erregenden Holzschnitten und Lithos sich ebenbürtig neben den gs- walligen Norweger stellen kann. Ludolf Iacobi. Von den Elnzellollekt tonen, die man hier und da ficht, ist die von Rudolf Jacob, im Verein BerlinerKün st lerinnen. Schöneberger Ufer 38, die lobenswerteste. Er zeigt da» Ergebnis iiüenfwer Anregungen durch die Außenwell, in Form von starken und bedeutenden Arbeiten. So war es mit Steinschönau und anderen böhmischen Dörfern, die er im Winter sah, so mit der unauffälligen märkischen Landschaft von Eichhorst am Südende des Worbellinsees, so zuletzt mit dem Fjord von Oslo, wo er den letzten Sommer zubrachte. Die unter sich sehr verschiedenen und nur in der Aet ihrer Einsamkeit verwandten Landschaften regten Iacobi jedesmal zu gesteigertem Schaffen an, und jedesmal war es eine neue und reifere Art von Uebersctzung des Naturbildes in bewegte und malerffche Form. Die Schönhell der stärksten Bilder liegt aber gar nicht in den Reizen der Landschaft, sondern in ihrer persönlichen und lebhaften Deutung durch Farbe und räumliche Darstellung. Paul F. Schmidt. Auch ein Miliiärfilm. »Liebeskommando" im Atrium. Wenn der Cpnferencier Fritz Grünbaum, der Witzbold Roda Roda, dessen„Feldherrnhügel" in, ollen Oesterreich verboten war, und der geschmackvoll« Regisseur Geza von Bolvarq sich zusammentun, um«inen österreichischen Kadettenfllm starten zu lassen, so wird die Sache sicher witziger, weniger aufdringlich und milllärfrvm oerlaufen als bei den üblichen Kasernenschwänlen. Aber K ans unkturan Passung bleibt«s doch, und zur Verherrlichung des k. k. MWSrs dient«s doch und verstaubt genug auch. Trotzdem: diese unmögliche Geschichte von dem weiblichen Kadetten, der drei Jahr« in der Wiener Mllllärakademie an Stelle des inzwischen Musik studierenden Bruders diente, ist amüsanter, kultivierter und Harmloser als der landesübliche Kommißschwindel. Die Geschichte ist angeblich wirklich passiert, jedenfalls könnte sie beinahe wahr- scheinlich wirken in dieser Besetzung. Der Kadett ist Dolly Haas, und Sie ist so knabenhast-lausbubig, frisch und natürlich, daß man willig ihren Streichen und Abenteuern folgt. Zum Schluß kommt natürlich alles an den Tag, und«ine kaiserliche Hohell muß dann für das End« sorgen. Sie kriegt ihren Oberleutnant, der ihr weibliche» Herz bezwungen hat. Gustav Fröhlich ist so fesch, so bezaubernd wie nur je, und auch di« anderen Mttspielenden vom jüngsten Kadetten bis zum General, der noch auf Sellenweg« geht, haben die recht« Tonart und Laune. Gesungen und musiziert wird in der süß-scntiwentalen Wiener Weis(nach den Äomposllionen von Robert Stolz). Die Wiener Rote des Milllarsilms mag noch so nett sein— trotzdem: jort mll dem Plunder!— r. �Oie Pranke." Titania-Valafi. Der Zuschauer hat fast der Reihe nach auf jede der handelnden Personen Verdacht, bis der Schluß die Klärung bringt. Ein ent- jprungener Zuchthäusler ist der Täter. Er treibt Werkspionage und macht sich seine Dahn durch Morde frei. Wie«s aber möglich war, daß ein entflohener, steckbrieflich gesuchter Sträfling ausgerechnet der Propagandachef einer wettbedeutenden Automobilfirma wurde, das bleibt ungeklärt. Nun, das Publikum nimmt von vornherein einen Kriminalfilm nicht ernst, ebensowenig wie der Regisseur 5>ans S t« i n h o f f es tat. Er will gar nichts eigenes schaffen, er hat bloß das Bestreben, sich der heute modernen Serienproduktion einzufügen. Manche Szene ist freilich nicht gelungen. Es konmll z. B. gar kein Grauen nach einem Mord auf. gabelhaft sind die Bilder vom Automobilrennen. Man sieht Auf- nahmen in Äurnen. wie sie bisher in einem Spielfilm wohl noch nicht gezeigt wurden. Ueberhaupt ist in rein technischer Hinsicht manches lobenswert. Charlotte Susa spielt in ihrer üblichen Manier die schon- Frau. und Fritz R a s p macht sich so unsympathisch wie möglich, um den Verdacht der Zuschauer aus sich lenken. Hans R e h m a n n ,st e,n frischer, lieber Junge und Peter Voß.Iock Mylong-Minz. Erich K est in sowie Karl Goetz sind gewandte Vertreter ihrer Rollen. Eugen Klöpfer hat in Anbetracht seines Können» zu wenig zu spielen und Oskar S i m a muß als Polizeikommissar gar zu dumm reden. c- h- Segel-Feier i»»er Serüve: Nniversität. Tie Berliner Universität veranstaltet aus Anlas! des 100. Todestages Hegel! eine Feier Sonnabend, 12 Uhr, in ihrer neuen Aula. Sprechen werden: Prof. Eduard Spranger, b Prost Erich Kaufmann und Prof. Ziellchold Seeberg. Skandal im Schiller-Theater. (Fred Reumeyer:„Sie Herde sucht". Ein aufregender und bebrückender Abend im Schiller-Theater. Fred Zteunieyers Schauspiel„Die Herde sucht" schildert das Auf- keimen einer religiösen Sekte, di« Wiedererweckung finstersten Mittel- allers mitten in der Gegenwart. Der Werkmeister Otto Grünhut ist eine Art Epileptiker. In einem Anfall überkommt ihn der unab- weisbare Drang, seine Kräfte auf Kranke zu übertragen und ihre Heilung zu versuchen. Seine Ekstase steckt die gesamte Umgebung an. Die Bewohner des Elcndequartiers, in dem er haust, geraten in einen Zustand der Verzückung. Sie sehen im Werkmeister ihren Heiland und nennen ihn Vater. Da er ins Gefängnis kommt, wird er für sie zum Märtyrer. Sic veranstalten Bersammlungen,„Bater- abenbe": die religiös« Sekte ist im Entstehen. Dabei ist Otto Grünhut der Geschobene, der Aulrieb zur Bewegung erfolgt durch eme düster- energische Proletaricrin, die alte Frau Kohle, die ihm ihren Willen aufzwingt. Ihr genügt nicht mehr der bescheidene Rahmen, in dem der Dater seine Kronkenheilungen durch Handouflegen durchführen will. Sie gründet eine Organisation mit Büro und Schreibmaschinen und Plakaten und einer Zeitung. Otto Grünhut ist dabei nur fünftes Rad am Wagen, die Bewegung wächst, während er schon längst ins Dunkel zurückgesunken ist. Die 11 Bilder des Schauspiels lasten schroer auf den Zuschauern. Sie fühlen sich angewidert von dem plötzlich einsetzenden Tanz religiös Besessener, von den Zuckungen und dem Geschrei in Ekstase geratener Menschen. Die Szenen sind so gespenstisch, daß sie un- wahrscheinlich und unglaubhaft wirken. Und das ruft den Wider- spruch der Zuschauerschaft hervor. Mitten in die Szene platzen Pfiffe, Gelächter, höhnische Zurufe. Das Publikum hält diesen Gespenstertanz für ausgcklügelle Theatermache und denkt nicht daran, daß es so etwas tatsächlich gibt. Die Weißeuberg-Sckte, die christliche Wissenschaft und das religiöse Kurpsuschertum blühen, trotz oller Fortschritte unseres Jahrhunderts. Es ist kein Zusall, daß die Dramatiker sich mit diesem Vorwurf beschäftigen. Vor noch nicht acht Tagen sah man im Theater am Kurfürstendamm„Die Heilige von USA.", ebenfalls ein Sektcnstück, und andere Dramen über dasselbe Thema liegen den Bühnen vor. Fred Neumeyer macht nichts anderes, als eine Zeiterscheinung zu beleuchten und schafft damit wirkliches Zeittheater. Indem er die Hoffnungslosigkeit der Proletariermasse» darstellt, versucht er die Gründe für das Entstehen solcher Bewegungen aufzuzeigen. Die Herde sucht nach dem neuen Heiland, der sie aus dem Elend herausführen soll. Im Schauspiel entwickelt der Autor zuweilen eine starke dichterisch« Kraft, doch bleibt er im ganzen im Episodenhaften-sttecken und vermag den letzten Grund für das Aufkeimen des religiösen Wahnsinns nicht völlig aufzudecken. Dadurch wird das Schauspiel verworren— nicht verlogen. wie es im Vorbericht heißt. Noch düsterer als der Vorwurf ist Jürgen Fehlings Inszenierung. Fast alle Bilder spielen in einem Halbdunkel, das die Zuschauer die Vorgänge auf der Bühne nur ahnen läßt. Fehling zerdehnt auck, die Akte. Der rasende Auftrieb, in den die ersten Bilder gerissen werden, verebbt zum Schluß, und auch die Dar- stcller scheinen müde zu werden. Bernhard Minetti. der Werk- meister Grünhut, ist eine fast überirdische Gestalt, die zwischen Besessenheit und unentschlossener Schwäche wechselt, Maria Koppenhöser, eine beängstigende Fanatikerin, der man den Einfluß auf die Massen glaubt. Der Schluhbeifall war stark umstritten, das Publikum macht offenbar den Dichter für eine Zeiterscheinung verantwortlich, die er nur schildern und vor der er warnen will. �rvst Oesner. „Kopf in der Schlinge". Theatsr in der Stresemannflraßc. Was ein Star wirklich wert ist, wird sich jetzt zeigen, da die Schauspieler auf Teilung spielen. Der Kollektivgedank« marschiert. Aber der Schauspieler allein ist im Theater nicht ausschlaggebend, es kommt darauf an, was er darstellt. Die Wahl, die dos Kollektiv„Alter Schauspieler" getroffen hat, ist nicht erfreu- lich. Ob Kollektin vder Direktor, der Weg zum Drama wird nicht beschritten. Bielleicht finden die wirklichen Dramatiker keinen Verlag oder Mäzen, der die Aufführung finanzieren hilft. Der Berfasser ist selbstverständlich ein Engländer. Es scheint augenblicklich aus nicht ersichtlichen Gründen ein« dringende Not- wendigkell, �doß die in Berliner Privattheatern aufgeführten Stück- englischen oder amerikanischen Ursprungs sind. Die Qualität recht-. fertigt diese Wahl nicht. John B r a d l« y s„Kopf in der Schlinge" bildet keine Ausnahme. Es geschieht folgendes: Dom Staatsanwalt Dearden, der einen Mörder auf Indizien hin zum Tode verurteilt hat, wird am eigenen Leibe von seinem Freunde, dem Polizeikapitän Masan, auf ziemlich ungeschlachtete Weise beigebracht, daß Indizien nicht zu stimmen brauchen. Mason konstruiert schnell einen Fall, in dem Dearden zum Mörder gestempelt wird. Der dritte Akt bringt die Auflösung. und der bekehrte Staatsanwalt legt gegen das von ihm gefällte Urteil in letzter Minute Revision ein. Aus einem Saulus wird ein Paulus. Im Kriminalroman eines Fletscher oder Wallace werden solche Dinge subtiler behandelt. Hier sieht man zu häusig die Drähte, an denen die Personen zappeln. Der Verfasser will«in spannendes Stück schreiben und braucht als ernsthafte Folie den Kampf gegen den Indizienbeweis, das ist geschickt und auch gesinnungstüchtig, doch der Bekehrungsprozeß schließt sich nicht psychologisch einwandfrei. Die Umkehr wirkt wi« aus der Pistole geschossen. Bradley bleibt völlig im Aeußeren stecken. Seine Figuren sind nichts weiter als rohe Skizzierungen. Sie benehmen sich, wie es die Handlung im Augenblick erfordert, und sprechen Phrasen, die als gesellschaftliche Konventionen gellen sollen. Früher spielte man derartige Stücke auf Vorstadtbühnen. Jeder Schauspieler mit Routine und einem Minimum an Be- gabung kann diese Rollen immerhin überzeugend darstellen. Man kehrt zurück zum leerlaufenden Virtuosentum, da diese Stücke keine tiefere Durchdringung, keine schöpscre Gestaltung verlangen. Dem Berliner Schauspieler fehlen die großen Aufgaben. Deutsch, Otto Schroth, Käthe Haak, Olga Limburg spielen sehr kultiviert und vor- nehm und steigern sich hin und wieder zu einem gedämpften Affekt. Eine glänzende Oberfläche, hinter der nichts steckt. F. Sali. wie es gemacht wird. Unter diesem Titel hatten wir hier vor Monaten ein Verfahren der„Aktionsgemeinschaft für geistige Freiheit" gegeißell, sich Unterschriften für ihre Auf- rufe zu beschaffen. Die Aktionsgcmcinschast sandte uns daraufhin eine Berichtigung, die sich ausjDiuge erstreckte, die wir nie behauptet hatten. Im Oktoberheft der„Stimme der Freiheit" wird daraus ein« große Affäre konstruiert. Trotzdem bleiben wir bei unserer Meinung, wollen aber gerne feststellen, daß wir niemals behauptet haben, die Aktionsgen, einschaft wäre ein« kommunistische Gründung oder würde von diesen unterstützt. Di« S»»ft«lluna„Da! zeiigemäh« GebrauchSgerät" im Lichchof be! Museum!. Prinz Aldreibt-Str. 7. beginn, Sonnabend, 11 Ubr vormittags. Der EröffnungSakt, bei dem Minister Grimme eine Ansprache hält, wird durch Rundfunk Übertragen. Dr. Max Terl seht am Sonnabend, 8 llhr, im Hörsaal des Kunst- aewerbeinuseum!, die Reihe dev von der Volksbühne veranstalteten Licht- bildervorträge über die Lunstschätze Frankreichs und Flandern! fort. I zBuch Aus dem SßeHaller Eduard VII. Eduard VII. war nur neun Jahre König, aber da seine Regie- rung den Uebergang und die Vorbereitung zum Jahrhundert des Weltkrieges bildete, werden seine Jahre in der englischen Geschichte ein eigenes Kapitel bekommen. Es sind die Jahre des inneren Verfalls der viktorianischen Epoche und das Borspiel zu den Ereig- nissen, aus denen ein neues, ganz anderes britisches Imperium, als es das viktorianischc war, hervorgehen wird. Nach 1918 schien das englische Weltreich auf der 5)öhe seines Triumphes zu stehen. Wäre das so geblieben, dann würde das Zeitalter Eduard VII. weit in das zwanzigste Jahrhundert hineinreichen. Es ist aber anders gekommen. Deswegen erscheint dieses Zeitalter als ein Uebergang. Traditionen, die Jahrhunderte alt sind, sind in diesem kurzen Zeit- abschnitt noch ungeinein lebendig, sie sind es ja auch heute noch, aber eine neue Generation wächst heran, die in starker Opposition zum Ucberkommcncn steht. Früher sind die zweiten Söhne des englischen chochadcis die Reservearmee gewesen, aus der die großen englischen Abenteurer, Politiker, Organisatoren hervorgegangen sind. Dem ersten Sohn des Hauses fiel nicht nur das Vermögen und der Grundbesitz, sondern auch die Pflicht zu, dieses übernommene Gut zu wahren und zu vererben. Ein Roman der Zeit, in der gerade der Erbe des Titels und des Vermögens gegen olle Traditionen frondiert, deren Garant er sein soll, stellt also den Uebergang einer alten Zeit in die neue dar, deren Werden voll von Ucbcr- raschungen ist. Es ist eine Frau des englischen Hochadels, W. Sackville- West, die in einem Roman„Schloß Chevron"(S. Fischer Verlag) diese Rebellion gegen das englische Traditionsgut darstellt. Die Verfasserin sieht und erlebt den kritischen Gegensatz zwischen zwei Generationen, der in einer Schicht doppelt stark wirkt, die solche Gegensätze sonst stets kunstvoll überwunden hat Eine solche Tradition hält sich auf der Basis eines unbestrittenen Reichtums durch ein Sittengesetz, das bedingungslos geglaubt wird, durch eine fest geprägte Stufenleiter von Würden, deren höchste ebenso wohl tut wie die niedrigste. Zu einem solchen Toryadcl gehört eine bürgerliche Uniwelt, gehören Pächter und Bauern. Hauspcrsonol, Lehrer, Geistliche, Künstler, die olle diese Welt kritiklos bejahen, sich ihr einordnen und ihren Weiterbestand wünschen. Besonders reiz- voll schildert Sackville-West die Spiegelung dieser Würden in der Bedientenwelt. Wie es auch hier an der Tafel ein Oben und Unten gibt, vererbt vom Schloßvcrwaltcr bis zur Kommerjungfer, bis zu den Kutschern und Hirtenjungen. So stark die Autorin von der Nichtigkeit dieses ihres aristo- kratischen Milieus durchdrungen ist, cF gelingt ihr nicht, wirklich starke Motive für die rebellierende Gegenwclt zu finden. Die Liebesgeschichten, durch die der junge Lord geht, sind zu belanglos, um seinen Wandel erklären zu können. Viel stärker als das Rebellierende schildert Sackville-West das Nachgiebige dieser neuen Jugend. Sie erliegt dem Zauber einer dekorativ hinreißend prunk- vollen Welt, aber man sieht nicht, wo die Kräfte herkommen, die ihr ein Recht geben, dagegen zu rebellieren. Es müssen Tatsachen in dieser Welt vorhanden sein, die diese Rebellion erklären, die der Roman aber weder enthält noch erkennen läßt. Die starke Figur eines Südpolforschcrs, ein snobistisches Spiclobjekt für die Mutier, der Briesgeliebte der Tochter, der heimlich verehrte höhere Mensch, der in Lord Sebastian den Geist der Rebellion gelegt hat, erscheint nur am äußeren Rand des Romans statt in seinem Inneren zu explodieren. Der Roman selbst ist eine sehr farbige, wenn auch cbcrflächliche Schilderung dieser Welt, die, in Hunderten Romanen schon beschrieben, hier in einer neuen kritischen Spiegelung wieder vor uns auftaucht, uns fesselt durch die unbestreitbare Stärke der gesellschaftlichen Kräfte, uns anzieht durch die traditionelle Erzählungs- kunst und gesellschaftliche Gewandtheit des englischen Romans. belix Stössinger. Mittwoch, 1 t. November. Berlin. 16.05 Aktuelle Abtcilunc. 16.30 Der unbekannte Haydn. Dir.: Edvard Pendler. 17.30 Gregor Jarcho liest eigene Arbeiten. 17.50 Ingenieur J. Bochmcr: Eine Viertelstunde Technik. 18.10 Klavlervorträge: 1. Matyas Selber: Kleine Suite. 2. Pritg Renter: Kleine Suite, op. 16. 3. Fritz Schreiber: Klavierstücke, op. 32. d. Francis Poulcnc: Novellettcs(Maria Proclß, Flügel). 15.35 Aktuelle Abteilung. 10.00 Stimme zum Tag. 19.10 Heitere Vorträge. 20.00 Breslau: Hörspielauftrag der Schlesischcu Funkstundc:.. und dennoch leben vir!" 21.10 Tages- und Sportnachrichten. 21.20 Konzert für Violine und Orchester. D-Dur, op. 36 von Peter Tschai- kowsky.(Tossy Spiwakowsky; Berliner Funkorchester.) 22.00 Zeitberich l.„Wie nennt Spanien seine Staatsform?" Bearbeitet von Actualis. 22.40 Wetter- und Sport. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Min.-Rat Dr. Tb. Stolze: Sparmaßnahmen im Mittclscbulwesen. 16.30 Haniburg: Konzert. 17.30 Dr. Friedrich Welter; Das Quintett(Mitw.: Steiner-Quintett). 15.00 Prof. Dr. von Geramb: Volkskultur in Oesterreich. 18.30 Prof. Dr. W. Jäger: Antiker Geist und Gegenwart 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Dr. Völtcr, Dr. Richhardt: Auswirkungen der Notmaßnahmen auf'das Beamtenleben. 19.30 Hans Hirschstein: Die Börse in der Wirtschaftskrise. 20.00 Langenberg: Musikalisches Durcheinander. 22.00 Räuscher; Zcitungsschau. Derantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. bruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer ü: Co.. Verlin EW 68. Lindenstraße 3 Hierzu 1 Beilage. 9 Theater, Lichtspiele usw. Sfaals fe Thealer MtMwoch, den II. November staatsoper unter een Linden 20 Uhr R i g o I e i t o StsatLSduuspiete Gudarmeomarkt. 20 Uhr Peer <3ynt Schiller-Theater Chariottanbarz. 20 Uhr Das NQrnbergisch Ei Reich shalien-Theater Ms 8 Uhr, Sonntag nadimittag 31/, Uhr Stettiner � Sänger Die neue Burleske �„Der arme Kasemir" Nadiimtfags halbe Preist, volles Piogramm! Inlernaiionales Theater (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Ocuchlosscn wegen Vorbereitung zu flttentanz .1 Akte von Vera Bern mit Hedwig TVangel u. M. Ad. v. Schlettow Deufoüier Metallarlieiter-YüM Vcrwaltangsslclle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Wickler Albert Fenzel geboren 10 März 1877, om 8. November gestorben ist. Ehre seinem anbenfen! Die Einäschernng findet Donners» lag. den>2. November, 17>/i Uhr. im Krematorium(Serichtstraße stall. Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortjvcrwaltnng Winter ♦ Garten' 18.15 Uhr Flora 3434 Uauhea erlaubt 4 Queens. Gaston Palmer 2 Olveras. 2 Hockneys O«» W. WMMWM Rose- Idealer OreSe Fraikfurltr StraBi 132 Tal. WM E 2 3122 6 und 9 Uhr FrQtillng Im Wiener Wald Theater im Admiralsealasi Täglich S'u Uhr Die Dubarry mit Gitta Alpar Preise v. 0.50 M an Planetarimn Verläng, bis 15. Nov. Tägl. 3, 5, 7, 9 Uhr Eine FUmfahrt in Die Alpen vorher Oetradilnng d. sierasnlilraniels Eintriiij30,3ü.on Pt. meiropsMüealer Täglich SV. Uhr Sonntags 5 und 8V. 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I Beilage Mittwoch, 11. November 1931 SivAbnid SfuUauifa£e dei l£ra>aWi Mit Hochseefischem im Eismeer Eine Reportage--- Von Dr. Erich Dautert Laut tutend schiebt sich unser tleiner, schwarzer Fischdampscr aus der engen Einfahrt des Cuxhavener Fischereihafens. Draußen aus der Elbe brummen die Sirenen der ein- und aus- fahrenden Dampfer Antwort. Unter Volldampf fahren wir die Elbmündung abwärts. Als das Leuchtfeuer von Helgoland in Sicht kommt, ist es bereits Nacht In Abständen von etwa zwei Sekunden zuckt es als weißer Blitz am Horizont auf. Wir dampfen südwestlich an der Insel vorbei. Das Leuchtfeuer hinter uns wird t immer schwächer, schließlich ist es ganz verschwunden. Das Meer und der nächtliche Himmel gehen ineinander über. Drei Tage lang dampfen wir durch die Nordsee und , am Morgen des vierten Tages schiebt sich bereits die erste lange Dünung des Nordallantik unter das Schiff und rollt es auf die Seite. Wir steuern Nordwest in den atlantischen Ozean hinaus. Die Sonne versinkt frühzeitig, das Meer wird dunkel und schließlich tiefschwarz. Die Sterne stehen hoch und glitzernd an dem weiten, schwarzblauen Himmel. Im Nordosten erscheint ein blasser, leuchtender Streifen über dem Horizont. Er hängt schief in der Luft, wie ein verirrter Schein- werfer. Seine Kanten beginnen grünlich zu glitzern, dann ist er wieder verschwunden. Gegen Mitternacht erscheint der ganze nord- östliche Himmel wie von einem grünlichen Dunst erfüllt. Allmäh- lich ballt sich die Helligkeit über uns im Zenit zusammen und Plötz- lich erglänzt ein wcißgrünes, glitzerndes Band von Nordost noch Nordwest über die ganze Breite des Firmaments. Wie ein un- geheurer, leuchtender Bogen steht er zitternd und wogend über dem schwarzen Meer. Dann schießen lange, glitzernde Strahlen über den Himmel bis zum Horizont hinab. Zitternd läuft glänzend grünes Licht an ihnen herab. An einigen Stellen staut es sich, darunter verblassen die Strahlen und verschwinden. Der Rest hängt flimmernd am Himmel, nach unten scharf abgeschnitten und triefend von Licht. Dann schießen neue Strahlen in Bündeln und Gruppen hervor, wandern durcheinander, verblassen und leuchten von neuem auf. So steht der ganze Himmel in flimmerndem Nordlicht. Am nächsten Tage beginnt das Barometer rapide zu fallen. Am Abend heult der Sturm bereits im Takelwcrk und unser kleines Schiff tanzt wie eine Nußschale auf den Wellen. Hoch und dunkel kommen die zackigen Wasserberge durch die Dämmerung heran- Jl gezogen und werfen sich unter donnerähnlichcm Krachen über dos Schiff.. Das ganze Deck versinkt in weißem Schaum und zuweilen rollt das Schiff fo stark ans' die Seite, daß eine Reling tief im i gurgelnden Wasser verschwindet. Nach einer Reise van sechs Tagen erreichen wir endlich unser Ziel, eine etwa dreihundert Meter tiefe Bank zwischen Island und Grönland. Weit hinten am Horizont sieht man den tausend Meter hohen, dunklen Felsen von Kap Nord, der fast senkrecht aus dem Wasser aufsteigt. Noch am selben Abend wird gelotet, und dann wird dos Netz ausgesetzt. Longsam dampft das Schiff vorwärts und zieht das Netz hinter sich her, das in einer Breit« von ungefähr dreißig Metern den Meeresboden hinter sich abfegt und olles hinein- sammelt, was dort liegt. Nach zwei Stunden wird das Netz heraufgeholt. Es wird mit der Dampfwinds am Mast hochgc- zogen und dann unten aufgemacht. Etwa hundert Zentner Zische klatschen aus das Deck. Di« Männer stehen bis an die Hüften in großen, zappelnden Fischen. Da gibt es schieferblauc, schlanke Köhler und oliv- farbene Kabeljaus, schimmernde Rotbarsche und über meterlange Schellfische. Riesige, buntgcstcckte S e c w ö l s c sperren ihre gewaltigen Rachen mit den großen Zähnen weit aus- einander und man muß sich hüten, mit den 5)änden dazwischen zu kommen. Einer erreicht mit dem weit aufgerissenen Maul eine Planke und beißt sich dort fest. Das Holz knirscht unter der Gewalt der Kiefer. Ein mächtiger, über einen Meter langer Heilbutt schlägt so wild um sich, daß zwei Mann nötig sind, um den Riesen zu über- wältigen. Sie schlitzen ihm den silbcr glänzenden Leib auf und reißen die Eingeweide heraus. Das faustgroße Herz zuckt noch lange auf den Planken und der hohle Leib des mächtigen Fisches schlägt kraftvoll um sich, bis die Leiber der anderen ihn unter sich begraben. Mit den Fischen sind viele bunte Tiere vom Meeresgrund mit heraufgekommen, lleberall liegen opfelsinenroto S e e st e r n e und gelb und purpurrote, vielarmige S o n n e n st e r n e. Große gelbe, braune und violette Krabben laufen über die zuckenden Fische und auf dem Deck liegen mächtige Klumpen abenteuerlich geformter, bunter Schwämme und kunstvoll verzweigte Bäumchen von K o- rallentieren. Ein großer, glasig durchsichtiger Tintenfisch entleert seinen Tintcnbeutcl. Die dunkle, blauschwarze Flüssigkeit fließt über die Planken. Langsam verschwindet der Haufen der Fische unter den Händen der arbeitenden Männer. Sie stehen jetzt fuhties in einem Brei von Eingcweiden und Blut. Aus der anderen Seite des Decks liegen die offenen Leiber der ge- schlachteten Fische in hohem Haufen. Sie werden lange und sorg- fältig unter dem kräftigen Wasserstrahl eines Spritzschlauchcs ab- aewaschen und kommen dann unter Deck auf Eis. Inzwischen sind zwei Stunden vergangen. Das Netz wird wieder heraufgeholt und eine neue Ladung Fische prasselt auf das Deck. Diesmal ist als Sensation ein riesiger, über fünf Meter longer Haifisch gefangen worden. Er hat große Löcher in das Netz gerissen, so daß ein Ersatznetz hervorgeholt werden muß. Einige Matrosen machen sich sofort daran, dos Netz zu flicken. Als die Eingeweide über Bord geschippt werden, sammeln sich ungeheure Schwärme von Seevögcln um das Schiff- Zu Tausenden und aber Tausenden wirbeln sie in der Luft •i durcheinander, und das Wasser ringsum ist dicht mit ihnen bedeckt, soweit das Aug« reicht. Die heiseren Schreie der Lachwöoen und das Schnattern der Sturmvögel erfüllen die Luft mit einem dumpfen Brausen. Dos Fischen geht ununterbrochen weiter, Netz aufholen, Schlachten, aufholen und wieder schlachten. Es ist jetzt M i t t e r- nacht, und die Männer sind nun schon über dreißig Stunden ununter- brachen an der Arbeit. Das Netz ist schon wieder zwei Stunden draußen und muß ein- geholt werden. Müde und abgespannt waten die Männer durch die Fische an die Reling. Ihre rotgefrorenen, halberstarrten Hände greifen in die Maschen und langsam, Meter um Meter wird das Netz heraufgezogen. Das Schiff rollt Hin und her, und eine Welle klatscht gegen die Reling. Das bittere, eiskalte Seewasser schlägt in die vor Kälte aufgerissenen Gesichter. Dos Salz brennt in den Augen, die Lider oerquellen und das Weiße färbt sich blutigrat. Es dauert sehr lange, bis dos Netz herangeholt ist, denn die Be- wegungcn der Männer sind schwach und kraftlds. E'ner rutscht auf dem schwankenden Deck aus und fällt hin. Langsam und ungeschickt vor Müdigkeit steht er aus und torkelt wieder auf seinen Platz. Das ganze Borderdeck ist jetzt bis hinauf zur Reling mit Fischen bedeckt. Beim Rollen des Schiffes glitscht ein Teil des letzten Fanges wieder über Bord. Endlich gibt der Ka- pitän Befehl, aufzuhören. Die Männer kriechen aus ihren steifen, triefenden Oelmänteln und werfen sich in die Kojen. Als der Koch mit dem Essen kommt, schnarcht alles. Wenn man dreißig Stunden ununterbrochen in Sturm und Kälte auf dem schwanken- den Deck steht, ist der Schlaf stärker als der Hunger. Nach knapp sechs Stunden Schlaf sind wieder alle Mann an Deck an der Arbeit. Dos Netz' ist wieder ausgesetzt. So geht es einige Tage weiter. Der Nebel zieht in dicken Schwaden heran und in wenigen Augenblicken sind wir eingehüllt. Man kann von der Brücke kaum bis an die Spitze des Schiffes sehen. Der Kapitän steht auf der Brücke und starrt in den Nebel. Sein Gesicht ist grau und eingefallen. Die Augen sind glasig und wie tot unter den verquollenen Lidern. Cr steht die dritte Nacht ohne zu schlafen hier oben und bedient das Steuerrod selbst. Alle Mann, auch die Steuerleute, sind auf Deck und schlachten Fische. Gegen Mitternacht dröhnt plötzlich die Stimme des Kapitäns heiser und«üfgercgt über das Deck. Alles läuft durcheinander und vom Hinterschiff hört man dumpfe Hanunerschlöge. Die Stahl- troffen, an denen das Netz hängt, werden durchgehauen. Die Maschine beginnt Volldampf zu arbeiten. Mit hellem Knall reißen die Drahtseile durch und das große Netz verschwindet auf Nimmerwiedersehen in der Tiefe. Dos Schiff kommt mit einem Ruck in Fahrt und dreht bei. Dann poltern einige kleine E i s st ü ck c gegen die eiserne Bordwand und gleich darauf erhält das Schiff einen mächtigen Stoß. Es hebt sich vorne etwas hoch und beginnt sich dann langsam auf die Seite zu legen. Die Fische aus dem Deck glitschten über die Reling in das Wasser. Die Männer klammern sich irgendwo fest, einer steht an der Reling bis über die Hüften im gurgelnden Wasser. Dann ertönt vom Steven ein dumpfes Poltern und das Schiff kippt wieder zurück. Es schwankt noch ein paarmal hin und her und gleitet dann wieder vorwärts. Unter ohrenbetäubendem Quietschen und kreischen schiebt sich ein hoher Turm von übereinandergeschobenem Treibeis an der Reling entlang. Einige große Brocken poltern mittschiffs auf Deck. Dann ocr- schwindet das Eis hinter uns in der nebligen Nacht. In atem- loser Spannung dampfen wir ganz langsam durch den Nebel weiter. Nach einer Weile poltern wieder einige Brocken gegen-die Bord- wand, aber dann geht es glatt weiter. Wir sind glücklich ent- kommen. Es ist eine überaus gefährliche Sache für einen Fischdampfer, in das Treibeis zu geraten. Mit unheimlicher Schnelligkeit schließt sich das Eis um das Schiff zusammen und läßt es nicht wieder los. Dann bleibt oft nur kurze Zeit, bis die, Eismassen das Schiff zerdrückt haben. Es ist vorgekommen, daß auf diese Weise d r e i F i s ch d a m p f e r hintereinander abgesunken sind, die sich gegenseitig zu Hilfe kommen wollten. Nur ein ganz kleiner Teil der Mannschaften kannte sich im Boot über das Eis noch Js- land retten. Von diesen erreichten auch nur fedjo Mann, teilweise mit crsrorencn Gliedmaßen, menschliche Siedlungen. Als die Sonne aufgeht, sind wir schon ein gutes Stück nach Süden gedampft. Die Eisbrocken, die auf das Deck gc- stürzt find, können vier Mann nicht anheben. Sie werden zerschlagen und über Bord geworfen. Weiter unten im Süden setzen wir noch einmal das Netz aus. Es gibt hier nur wenige und schlechte Fische, aber mir haben jetzt auch schon genug erbeutet. Rund dreitausend Zentner Zische liegen, nach Arten geordnet, unter dem Deck auf Eis: Kabeljaus. Schellfische, Plattfische, Köhler, Langfische und Rotbarsche. Uebcr zehn Tage schaukeln wir jetzt schon auf den Wellen unter Island. Dann nehmen wir Kurs nach Slld-Osten und treten die He i m r e i s c an. Ein anderer Fischdampfer kommt uns entgegen. Der Sturm muß ihn schon tüchtig durchgeschüttelt haben, denn sein Schornstein ist bis oben hinauf mit weißen Salzkriftallen bedeckt. Wir benachrichtigen ihn, daß wir im Norden schon Treibeis an- getroffen haben. Nach ochtundzwanzig Tagen kommt die Kugelbake von Cuxhaven in Sicht und laut tutend schiebt sich unser Dampfer wieder in den Fischereihafen. Am anderen Tage werden die Fische ausgeladen und vcrauk- tioniert. Dann bringt sie die Eisenbahn schnell in alle Teile von Deutschland und am Mittag des nächsten Tages können sie schon gekocht oder gebraten auf dem Tisch stehen. Großstadt und Landschaft Eine Betrachtung»—» Von Jochen Klepper Di« Großstadt steht außerhalb jeder landschaftlicheii Beziehung. Jhr«m Bilde, ihren Lebensformen, ihrem ganzen Sinne nach ist sie international, mag auch das basondcre Gepräge unleugbar sain, das schließlich alle Großstädte, wie New Bork, Paris, Petersburg, Ber- lin, London und Rom haben. Das wesenhaft Großstädtische muß trotzdem überall gleich sein. Mode und Schlager in ihrem Verhält- nis zu Tracht und Volkslied leihen«in Beispiel. Jede Bewegung nun, die durch Flucht aus der Großstadt und dem materiellen, ma. schinellen Leben eine neu« Existenz beginnen will, muß in sich selbst zusammensinken. Man kann sich mit dem, was da ist, auseinander- setzen, nicht ober es wegleugnen. Eine Tatsache, die wir ohne lauge liebe rlegung hinnehmen müssen, scheint aber nun einmal zu sein, daß unsere Einstellung zur Landschaft die Gehobenheit oder Nieder- geschlagenheit auch unseres großstädtischen Lebensgesühls entscheidend bceinslußt. Das Wochenend allein tut es hier nicht. Die Begrisfe Land und Landschaft sind gegeneinander abzugrenjen. Jedes Land birgt die Möglichkeit, Landschaft zu werden. Wie eine Tonfolge erst durch dos Hinzukommen eines seelischen Moments zur Melodie wird, so wird auch das Land zur Landschaft, wenn«ine Seele die Besonderheit eines Landes ihrer Eigenart verwandt empfindet und somit Land und Seele als den- selben Gesetzen unterworfen erkannt werden. Die Tönungen der Tages- und Jahreszeiten, Formen und Farben des Landes werden in der Seele zu einer als natürlich empfundenen Einheit: Land- s ch a f t. Die Landschaft wiederum prägt die Formbegriffe des Men- schen und beeinflußt so sein Gestalten der Erdoberfläche. Man braucht nur an die Beziehungen zwischen Landschaft und A r ch i t c k- tur zu denke», an das organische Wachsen der Pyramiden aus der Nillandschast, der Tempel inmitten der Berge Griechenlands, der romanischen Burgen und der gotischen Dome auf westdeutschem oder französischem Land. Man braucht sich nur der Bauernhäuser jeder Gegend von eigenem Charakter zu erinnern, die wie ein Stück Land- schaft selbst sind. Der Primitive und dos Kind erleben die Landschaft nicht subjektiv. Sie leben einfach mit dem Land. Aber auch fast alle die, welche ihr Leben auf dem Lande verbringen und vom Lande leben, sind unbewußt und selbstverständlich durch Mühe, Sorge und Freude mit der Scholle verbunden. Die Verbundenheit des Kulturmenschen mit der Landschaft ist dagegen ein M i s ch g e f ü h l, ist voller Weh- mut um ein verlorenes Paradies uns voller Sehnjucht, es wieder zurückzuerhalten. Die Medereroberung erfolgt in der äthetsschen Pe. lrachtung der Landschaft. Es ist eine nicht mißzuvcrfteheude Tot- fache, daß die Landschaftsmalerei in dem Maße Bedeutung erlangt, in dem die Großstadt sich entwickelt. Homer und das N i b e- l u n g e n l i e d etwa kennen keine Naturschilderung. Die höfische Dichtung des Mittelalters wählt die Natur als Untergrund für die Worte der Minne. In der Heiligcnmalerci bleibt die Landschaft mehr zufälliges Dekor. Erst Humanismus und R c- n a i s s a n c e machten für die Entdeckung der Landschaft bereit. Im l7. Jahrhundert beginnt der Europäer die Landschaft als unbe» wußten Teil feiner Seele zu verlieren. Und von dieser Zeit an wird die Landschaft zur ästhetischen Erscheinung, ja, der Begriff Landschaft taucht eigentlich erst jetzt auf. Die Geburtsstunde der Landschaftsmalerei war gekommen. Im 18. und 1!). Jahrhundert ging mit dem Wachsen der Städte und der Zunahme der Industrie ein immer größerer Volksteil der Landschaft verloren. Auf olle Weise suchte man sich die Landschaft zu ersetzen. Denn mit der „gewohnten Landschaft" war die Heimat verloren. Das Bürgerhaus mit feiner Ordnung und seinem Schmuck sollte für Wald und Hügel und Acker eintreten. Die Art, in der man die mittelalterliche Stadt, die Stadt der Renaissance und des Barocks zum zweckdienlichen Räum gestaltete, gab der Stadt immer noch ein landschaftliches Gepräge, wenn nun auch schon das Künstliche und KünsUerischs der Anlage den Abstand zur natürlichen Landschaft am sinnfälligsten bewies. Die Landschaft selbst wurde allmählich durch das An- organische zerstört. Antennen. Tankstationen, Schienenstränge, Telegraphenstangen waren an der Meeresküste und im Hochgebirge die gleichen. Fabrikschornsteine dieselben in Glasgow und im Wuppertal. Im Impressionismus wurde aber gerade die Schönheit der Bergwerke und der Wolkenkratzer, der Eisenkonftruktionen und Betonbauten entdeckt. Der Expressionismus hatte die Welt der geschichtlichen Erscheinungen überhaupt ins Einmalige, Begriff- liche übertragen und sich somit zu der Einheit zwischen Elektrizität-- wert und Wassermühle gewaltsam hingesteigert. Ein weiterer Schritt war, daß man die geheime Verwandtschaft des Materials entdeckte— das war eine deutliche Etappe in der Entwicklung eines neuen Landschaftsgefühls. Di« moderne Kunst begann hier von der Zivilisation des Erdbodens wieder zur Landschaft hin- zufinden, ohne sich romantisch rückwärts zu wenden. Die Landschaft beginnt damit wieder in der Großstadt aufzustehen, ohne nur mit einer schmerzlichen Resignation in gärtnerischen Anlagen angedeutet zu werden. Wehrsport in der DT.? Die«Deutsche Turncrschafl" ertüchtigt die Jugend militärisch Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß die vom Turn- kreis Bayern der Deutschen Turnerschaft herausgegebenen grundsätzlichen Richtlinien für ein P f l i ch t t u r n j a h r, mit Aus- bildung im K a r t e n l e f e n", G s l ä n d e k u n d e und Klein- kaliberfchiehsn, eine planmäßige Ausbildung h a l b m i l i- t ä r i s ch e n Charakters ist. Wir haben Aufklärung verlangt, zu welchen Zweck denn das Pflichtturnjahr gedacht ist, und welche Jugend damit bedacht werden soll, die der Deutschen Turnerschaft, oder allgemein die des ganzen Reiches? Die Leitung der Deutschen Turnerschaft hat dazu keine Stellung genommen. Dafür bringt die „Deutsche Turnzeitung" in Ltr. 44 einen Artikel der reaktionären „Leipziger Neuesten Nachrichten" über„Ein turnerisches E i n j ä h r i g e n- I a h r?", in dem es am Schluß zu den grund- sätzlichen Ansichten des unter Führung des ehemaligen Reichswehr- Ministers Geßlcr stehenden bayerischen Turnkreises heißt: „Die anderen aber— und erfreulicherweise sind sie immer noch in der erdrückenden Uebcrzahl— weiden mit ganz� be- sonderer Spannung abwarten, mit welchen konkreten Vorschlägen der Turnkreis Bayern herauskommen wird. Seine grundsätz- lichcn Ansichten haben bereits die Z u st i m m u n g der vor kurzem in Würzburg versammelten Männerturnwarte der Deutschen Turnerschaft gefunden. Die Sache marschiert also. Hoffen wir, daß sie möglichst bald spruchreif sein wird." Es heißt aufzupassen, in welcher Form unter Mithilfe der ach so„unpolitischen" Deutschen Turnerschaft eine neue Hilfstruppe der Reaktion erstehen soll. Besonders in Verbindung mit der von der Deutschen Turner- schaft geplanten Einführung eines Pflichtturnjahres ist es notwendig zu wissen, daß der I u g e n d a u s s ch u ß der DT. auf seiner letzten Sitzung in Kassel in einem Beschluß festgelegt hat, daß nichts gegen die Bildung von Wehrriegen in den DT.- Vereinen einzuwenden ist. In Verbindung hiermit ver- dient weiter Beachtung, daß sich nach dem Willen des DT.-Jugend- ausschusfes die Iugendabteilungen und Iugendgruppen außer ihren regelmäßigen turnerischen Veranstaltungen verpflichten sollen, noch einen anderen festen Arbeitsplan durchzuführen, der u. a. die Pflege von kurzen, st raffen Märschen mit und ohne Belastung bei allmählicher Steigerung von Dauer und Geschwindigkeit ver- langt. Ist das nicht eine zum Programm des Pflichtturnjahres paffende militärische Ergänzungsarbeit? Die Begeisterung für das Dritte Reich nimmt in der Deutschen Turnerschaft immer greifbarere Formen an. Auch in der Tschechoslowakei? Wie wir erfahren, hat das tschechoslowakische Parlament vor, ein Gesetz anzunehmen, das die körperliche Erziehung aller Bürger vom K bis 24. Lebensjahr zur Pflicht macht. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn der Gesetzentwurf nicht vorsähe, daß- außer den Schulen, der Militärverwaltung und den staatlichen Einrichtungen für Körpersport nur„u n p o l i- tische" Vereine sich mit der körperlichen Erziehung beschäftigen dürfen. Soll das heißen, daß nun die sozialistischen Turn- und Sportorganisationen der Tschechoslowakei ihre Tätigkeit aufzugeben haben? Bei der gegnerischen Einstellung, die die Befürworter dieses Gesetzentwurfes gegenüber dem stark aufwärtsstrebenden Arbeitersport in der Tschechoslowakei haben, muß mit einem Anschlag gegen die Arbeitersportbewegung gerechnet werden. Die Arbeitersportbewegung wird sich, vereint mit den übrige, r sozialistischen Kulturorganisationen gegen einen solchen Anschlag zu wehren verstehen, dessen sind wir gewiß. �ie ist doch die Einheitsfront Neue Beweise für die Verbrüderung der Kommunisten mit den Bürgerlichen Vor einiger Zeit konnten wir die Mitteilung machen, daß die „Rote Sportinternationale" und in der Hauptsache die sowjetrussrsche Sektion mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln versucht, mit den bürgerlichen Fußballoerbänden Spiel« auszutragen. Ein starkes staatspolitisches Interesse steht da- hinter. Di« internationale Organisation der Bürgerlichen, die „Föoeration internationale Fußballassoziation", kurz die„Fifa" ge- nannt, hat aber bisher alle Spielabschlüss« der Russen»nt den, tschechischen Verband und dem Berufsfußballverein Sparta-Prag nicht nur nicht genehmigt, sondern sogar streng untersagt. Jetzt kommt plötzlich die Meldung aus Moskau, daß eine türkische Nalionalmannschasl im Moskauer Dynamostadion gegen eine sowjetrussische Elf spielte. Hat sich die„Fifa" selbst revidiert oder wurde dieses Spiel hinter ihrem Rücken ausgetragen? Oder hat man die Russen jetzt doch in die„Fifa" aufgenommen? Oft genug haben ff« ja darum nächge- sucht. Wie stehen aber die„roten Einheitssportler" zu dieser per- bürgerlichten Einheitsfront? Nachdem vor einiger Zeit das Ehrenmitglied der Roten Armee D y u d a den Weg ips bürgerliche Fußballager gefunden hatte, folgte ihm jetzt Lehmann, ebenfalls„Ehrenrotarmist", nach. Dauda ging zu Viktoria 89, Lehmann zu Union-Oberschöneweide. Ha r t w i g, genannt Knuppe, kam um die Ehrenmitgliedschaft: er landete beim Aolershofer Vallspielklub. Alle drei Spieler waren bisher Mitglied im kommunistischen Fuhballverein Berlin-Lichten- berg I. So stellt man die Einheitsfront her! Wo Moskau liebt, können die deutschen Kommunisten nicht hassen. Auch nicht in L ö b a u in Sachsen, wo die Lehrer zu ihren Trainingsspielen für die Lehrerwettkämpfe Gegenmannschaften brauchten und sie zweimal in kommunistischen Fußballvereinen fanden. Die Kommunisten spielten mit den der Deutschen Turner schaft angehörenden Lehrern, verloren dabei tüchtig und grüßten auf das Gut Heil! der Lehrer mit ihrem klaffensporllichen Rot Sport! Auch in Leipzig ist die Sehnsucht der Kommunistensportler für die Bürgerlichen groß. Dort organisiert sogar die Leitung des k o m m u n i st i s ch e n Sporwerbandes wochentags Treffen, in denen mit den bürgerlichen Ligakanonen frisch, fromm, frühlich, frei drauflosgespielt wird. Sonntags find die Ligaspieler wieder in ihren bürgerlichen Vereinen Hahn im Korbe und werden dafür Montags vop der bürgerlichen Presse mit Lob überschüttet. Und die„Rot-Sportler" bilden sich was darauf«in, wenn sie mal wachen- tags mit ihnen spielen können. In D« u b e n bei Dresden haben die Kommunistensportler ge- treu den Anweisungen, die sie von ihrer Reichsleitung erhielten, nnt bürgerlichen Fußballspielern gemeinsam« Sache gemacht und zu- sammen gespielt. Dabei ist es recht„volksgemeinschafllich" zuge- gangen, so paß das bürgerliche Lokalblatt voller Entzücken dazu schrieb:„Es wurde gleichzeitig der Beweis erbracht, daß Sport mit Politik nicht das gering st e zu tun haben braucht. Es ging so friedlich wie nirgends sonst zu." Wir l>alwn bisher in der„Roten Fahne" und in den Münzen- berg-Blättern vergeblich auf die Bekanntgabe dieser Bereinigung von kommunistischen und bürgerlichen Sportlern, diesen„Todfeinden des Proletariats", gewartet. Ein Nlün�enherg- Journalist Er kann schrriben rechts und auch links Die Berliner Münzenberg-Preffe, die unter neutraler Firma die Politik der Kommunistischen Partei zu vertreten hat, hat seit einiger Zeit eine Gehilfin erhalten.„Neue Montags- Zeitung" nennt sich das neue, von dem kommunistischen Reichs- tygsabgeordneten Münzenberg herausgegebene Blatt. Ihr muß natürlich der Sport ebenso als Mittel zum Zweck dienen, wie der „Well am Abend". Aber die Berliner Kymmunistenfportler werden dabei nicht froh, denn die Sensation ist in den Münzenberg-Blättern Trumpf, und davon bietet der bürgerliche und der Berufssport eben eine Fülle. Man kann sich aus den Sportseiten der beiden Blätter davon überzeugen. Münzenberg bedient sich dabei nicht etwa der kritischen Mitarbeit van Berichterstattern de» KPD.-Sporkerbandes. Münzenberg-Blätter haben ihre Cigenberichlerstatter, Leute vom „Fach". Es gehört zum politischen Geichäst der Münzenbergschen Skandalblätter, über die„reformistische Sportbürokratie", diese „Sozialfaschisten im Arbeitersport" ordentlich herzuziehen. Doch wer schreibt darüber für klingende Münze in diesen Blättern fach- und fachkundig? Darüber gibt der Hauptschriftleiter der„B e r l i n e r F u ß b a l l w o ch e" in Nr. 44 ö vom 4. November in einer Abwehr von Angriffen in der„Neuen Montags-Zeitung" gegen den Verband Vrandenburgischer Ballspieloereine wie folgt Auskunft: „Noch weniger lohnt sich das bei Herrn„T h y m i a n", dem forschen Fußballmitarbeiter der„Neuen Montags-Zeitung", der ebenfalls nicht in der Lag« ist, wenigstens einigermaßen sachlich zu referieren und es liebt, seinen Ruf durch am laufenden Band fabrizierte Geschmacklosigkeiten immer noch schlechter zu machen. Herr„Thymian" hat es nötig, polemisierend große Bogen zu spucken. Er, der es fertig bringt, in einem parteipolitisch ge- bundenen Montagsblatt, das aus seiner Ablehnung des söge- nannten bürgerlichen Sportes kein Hehl macht, als„T h y m i a n" zu schreiben, zur gleichen Zeit aber sportjournalistische Mitarbeit an einem hiesigen Abendblatt entgegengesetzter Richtung zu leisten, dessen Verlag in dem besagten Montagsblall fast �Nummer für Nummer angegriffen wird! Ich sagte Ihnen schon einmal, Herr „Thymian"-Bühle: lieber den Geschmack läßt sich nicht streiten, also lasse ich es in Zukunft lieber. Und wenn Sie weiter wie ein Köter bellen." Uns kümmert nicht was die„Neue Montags-Zeitung" mit dem Verband Brandenburgischer Ballfpieloereine hatte, uns interfsiert nur, was für einer Sorte Hauptmitarbeiter sich dieses„revolu- tionäre" Blatt bedient. Und so etwas macht tüchtig mit in „Einheitsfront". Wie die in der Praxis aussieht, hat die„Fußball-! wache" geschildert. Die Arbellersportler ober lasse man damit in Frieden. Eine nicht minder interessante Sportpersönlichkeit rms dem Münzenberg-Lager ist Herr Nathan, mit dem wir uns eiu andermal beschäftigen werden. BeDirksriegenkegein der Arbeiicrkcglcr Am Sonntag, 15. November, treten die Arbellerkegler des Bezirks Berlin zum ersten Treffen um die Feststellung der Bezirks- riege an. Der Kampf geht über 100 Kugeln in die Vollen(4 Bahnen je 25 Kugeln) und findet im Keglerheim„Mittelpunkt der Erde" in Oberfchöneweide, An der Wvhlheide 152— 154, statt: zu erreichen mit Straßenbahn 87, 187, 95 bis Oberfchöneweide, Wasserwerk, oder mit Stadtbahn bis Wuhlhsi.de(Sadowa) und 15 Minuten Waldweg durch das Ostendgestell. Startzeiten:„Kampfhähne" 9 Uhr, „Freie Schwimmer"-Spandau 9.50 Uhr,„Vorwärts" 10.20 Uhr, „Hohe Konte"-Eichwalde 11.30 Uhr,„Zu spitz" 12 Uhr,„Frei weg" 1925 12.40 Uhr,„Knorke" 13.50 Uhr.„Rührige Mannschaft" 14.40 Uhr,„Frei Holz"-Spairdau 16.10 Uhr,„Frei weg"-Branden- bürg 17.30 Uhr. Ab 14 Uhr je eine Dahn für Gäste- und Frauen- kegeln. Nach Schluß des Kegelns geselliges Beisammensein. rkotoamsteHiing der Naturfreunde Vom 15. November bis einschließlich 6. Dezember zeigt die Photogemeinschaft des Touriften-Vereins„Die Naturfreunde" in den eigenen Räumen, Berlin, Johannisstrahe 15, ihre Photo- Jahresschau. Bei dem allgemeinen Interesse, daß heute der Photographie entgegengebracht wird, ist der Besuch der Ausstellung sehr lvhnenswert. Sie ist geöffnet werktags von 10— 21 Uhr, Sonntags von 10— 20 Uhr, Unkostenbeitrag 10 Pf. Wer fährt mit den Naturfreunden? Die nächste Wanderung, die die Führersektion des Touristenoereins„Die Naturfreunds" Sonntag, 15. November, veranstaltet, führt durch das Stromgebiet der wendischen Spree. Treffpunkt 9 Uhr Wendenschloß, an der Endstation der Straßenbahnlinie 83.(Anschluß in Köpenick, Stadt- bahn.) Rückfahrt von Müggelheim mit Autobus 43. Fahrgeld 60 bis 80 Pf. Gäste herzlich willkommen. Frei« Tm-nerschaft Grog.Beult». Zur Wintergartenprob« ftud alle Teil» »chmer heut-, Mittwoch, zg Uhr, in der Turnhalte Prinz-nstraß«. Ausgabe der Teiluehmertarten. Di« Eintrittskarten müssen Eonnahend, 14. November, in der Geschäftsstelle abgerechnet werden.— Beeirt Lichtenderg: Donuerstoa. 12. Nooember, 20 Uhr, im Bereinslokol, Fuitltienärsitzung.— ttonubezirt: 12. November, 2l> Uhr, Mitgliederversammlung im Falkensterner. „Solidarität", Srastsahrer. Touren für Sonntag, lö. November. Ab! Friedrichshain: Ziel am Start 10 Uhr Landsberger Platz.— Abt. Norden: Ziel am Start 13 Uhr Sreftr. 62.— Abt. Temo.'Ihof.Mariendorf: Ziel am Start U> Uhr Ztursürsten» Ecke Schützenstratze.— Tauren sür Bußtag. Abt. Tempel- Hof. Mariendorf: Ziel am Start ll> Uhr Kurfürsten- Ecke Echützenstraße. Frei« Faltbaotsahrer Berlin, e. B. Zusammenkünfte Donnerstag, 12. Na- vemder, 20 Uhr. Gruppe Norden: Jugendheim Willdenowstr. ö, Zimmer 3: „Kabarett auf Schallplatten".— Gruppe Nordosten i Jugendheim Chiistdurger Straße 14:„Novemberftiirms". Mustl, Rezitationen, Ansprache.— Gruppe Sud- estln: Neues Jugendheim, Große Frankfurter Str. 16, Zimmer S, Lichtbildervor. trag Fritz Böttcher:„Moldausahrt". Gäste überall willkommen.— Montag, 16. November. Funktionärkonferenz.„Zur Linde", Uferstr. 13. Sportverein Moabit, Tennisabtcilung. Am 17. Noocmber deainnt das Hallentraining im ehemaligen Siemens-Debäud«, Franklinstraß«(an der March. drücke). Gespielt wird jeden Dienstag von IS— 22 Uhr. Auskunft bei Erich Freu, Berlin NW. 67, Huttenilr. 70. Sportvercia Moabit. Bußtag Sternwanderung nach Niederneuendorf— Pavenberge. Treffpunkts der Abteilungen werden auf den Uebungsabenden belanntgemacht. Jeden Donnerstag Badeabend, Turmftraßs, 20� Uhr. Ardoiter-Phota-Dilde Berlin. Donnerstag, 12. November, 20 Uhr, Jugendheim Wassertorftr. 9, Lichtbildervortraa des Genossen Neumann:„Richtiges Photogravhieren". Arbeit, r-Phota-Gilb» Lipdcnhaf. Donnerstag, 12. Noven,. Bhota-Brreiniaiiag. Pank- Eck- Wielen: ____»is-Rot Sroß'Berli». e B.,«bt. Rculäll«. Donnerstag, 12. November. Mitgliederversammlung. Eofe Reinhardt, Hasenheide Z7, 20 Uhr.„Revolution-. feier". Funktionär« IdU Uhr. Einzclmitglicder der Ruderer»ab Kaanfahrrr im A.-T.- n. Sp.-B. Donners- tag, 12. November, SO Uhr, Versammlung. Äreisgeschäftsstelle. Elsässer Str. 86,66. Sine Maadlcheinsahrt des ASV. Schäneberg.Friedenau 07 am 14. November wird alle Sparten und Freunde des Arbeitersparrs vereinen. 2014 Uhr Abfahrt van der Obcrbaumbrücke mit dem Salondampfer„Eolnmbus". Bis 5 Uhr früh Tanz im Restaurant„Ncu.Heringsdorf". Es spielt die Kapelle Jezewski vom Deutschen Mulikerverband. Der Dampfer ist gut geheizt. Fahrtdauer etwa zwei Stunden. Fahrpreis und Tanz 1,60 Mark. Karten am Dampfer erhältlich. her. 20 Uhr. Belvrechung bei Senchoz. Enthstr. 42.'— Frei« Donnerstag. 12. November, 20 Uhr, Phnsilzimvrer der Schul« straße. Sta Rät sel= Ecke des„Abend" lluvliulillnmluluulummmmovnuimunnmmmnmnllliokamalmuuumlttluiiu! Kreuzworträtsel K" m sa® hb w u " I i I> K Waagerecht: 1. Getränk: 3. Teil des Weinftocks-, 5. Kröte: 8. Tier: 10. Blutbahn: 12. Seuche: 14. Lebenshauch: 17. Kellnerin Zahl: 21. Nahrungsmittel: 22. Lasttier: 23. Fluß in Italien: 24. Fell: 26. Getränk: 27. Teil des Hauses: 29. Märchenperfon: 30. Teil des Jahres: 32. türkischer Aufseher: 33. Note: 34. Teil des Baumes: 35. Ticrwohnung: 36. Naturerscheinung: 37. englisches Getränk: 39. Titel: 41. französischer Artikel: 42. fruchtbarer Wüsten- landsttich: 45. Insektenlarve: 48. weiblicher Vorname; 49. Baum: 51. Ungeziefer: 63. Frucht: 54. Tier: 55. Ruhepause; 56. Salz- wasser: 57. altrömisches Gewand.— Senkrecht: 1. Handwerks- zeug: 2. Gefäß: 3. weiblicher Vorname: 4. Stadt in Holland; 6. Wundmal: 7. Stadt in Böhmen; 9. nordische Gottheit; ll. Göttin; 13. männlicher Borname: 15. Getränk: 16- Fluß in Tirol: 18. Hoher- Priester: 20. Fluß in Thüringen; 22. Wasservogel: 23. Stoßdämpfer: 25. Erfrischungsgetränk: 26. Ueberbleibsel: Z8,Vogel: 31. Weissagung; 34. Verkaufshäuschen: 37. Körperteil: 38. geographischer Punkt: 40. männlicher Vorname: 41. rumänische Münze; 43. weiblicher Vorname; 44. Haustier: 46. Bergtrift: 47. Schaden: 48. deutscher Fluß: 49. Gewohnheit; 50. alles Maß; 52. Ruhebett. H. S. Silbenrätsel. Aus den Silben au ber beu bim chil de den du«« e e eis frau frie ga ger ha haar han he i im im in ke ksn korb la land loc lock men ment ne ni no rei rich ron ru sche send so sta stein strie tau te tel oe ver sind 17 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, eine be- rühmte Parole ergeben(ch= ein Buchstabe).— Bedeutung der einzelnen Wörter: 1. Vorort von Berlin: 2. russischer Komponist und Klaviervituose: 3. Landschaft in der Tschechoslowakei: 4. Gerät zur Bienenzucht: 5. preußische Provinz: 6. Familienglied: 7. Ge- samtheit gewerblicher Betriebe; 8. Zahl; 9. Fluß in Frankreich; 10.' natürlicher Schmuck; 11. Hilfsmillel zur Krankenpflege: 12. Nebenzweig der Landwirtschaft: 13. Frankenkönig: 14. mantelarttger Ueberzieher: 15. Baum; 16. Figur aus„Wallenstein": 17. Letzter Will«.— bw.— H. S. Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Silbenrätsel: 1. Paier: 2. Neinhold: 3. övid: 4 Lede- baur: 5. Ebert; 6. Trave; 7.Antenne: 8. Nndrigo: 9. Inge: 10. Einigkeit: 11. Rennbahn: 12. Algier: 13. Langmut: 14. Lpfl teric: 15- Ehre; 16. Rheumatismus: 17.Lcrchc: 18. Asche.— „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Schieberätsel: Der Bücherlreis. Füllrätfel: 1. Erinnerung: 2. Verfassung; 3. UeberbreUI; 4. Jnterlaken; 5. Westerland: 6. Ehamberlin; 7. Muttererbe: 8. Kö- nigsberg: 9. Sekundaner. Schnockcnrätsel. Senkreckit: 1. ff-,; 3.(tzou; 4. Holm; 6. Rune: 7. Hameln; 9. Kanonen: 10. Barbaren: 12. Drehorgel: 13. Heckenrose.— Waagerecht: 2. Au: 4. Hag; 5. Mohn: 7. Husar; 8. Norden; 10. Bangkok: 11. National; 13. Hermandad: 14. Epidermis. Kapsel rätsel: Schmück««dich nicht mit anderer Berdievsh,