Morgenausgabe Nr. 531 A 267 45.IcrSrh«itcr,Ängest-llt««»nd Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.u.DiSe.-Ge,., Dcpostienr.,AerilIaIeni«rStr.eöi«ii. Friedrich Bartels Genosse Friedrich Bartels ist gestern abend gegen 7 Uhr entschlafen. Wochenlange schwere Krankheit hatte ihn so geschwächt, das; ihm eine letzte Operation keine Rettung mehr bringen konnte. Viele qualvolle Wochen hat Friedrich Bartels mit dem Tode gerungen: ein schon schwach gewordenes Herz leistete Ungeheures im Widerstand gegen die zerstörenden Llrankheitsstaffe, die den Körper durchwühlten, ohne daß die Acrzte die Möglichkeit sahen, helfend einzugreifen. Als es endlich dennoch geschah, war es zu spät. Nun hat der All- bczwinger Tod ihn doch bezwungen, das widerstrebende Herz Hot seinen letzten Schlag getan. Im Feühiahr hatte Bartels das sechzigste Jahr seines Lebens vollendet, damals in anscheinend gefestigter Gesund- heit, nachdem er nicht lange zuvor erst eine schwere und lang- dauernde Krankheit überstanden hatte. Die neue Erkrankung, die im Herbst auftrat und ihn nun für immer von uns nahm, kam so heimlich, daß es schwer fiel, an ihren Ernst zu glauben. Als jedoch seine Ausnahme in das Sanatorium sich als not- wendig erwies und die ersten ärztlichen Mitteilungen über den Befund der Untersuchung herauskamen, mußte man da- mit rechnen, daß er bald Abschied für immer nehmen werde. Mit Friedrich Bartels geht ein schlichter Mensch, ein gerader Charakter, ein treuer Sachwalter der Partei von uns. Ihm hotte die deutsche Sozialdemokratie vor Jahren schon die Verwaltung ihrer Finanzen übertragen, ein vermrt- wortungsvolles Amt, für das ein besonders ruhiger, sachlich arbeitender Mann oonnöten war und ist. Ruhige Sicherheit und sachliche Nüchternheit waren Eigenschaften, die Bartels besonders eigneten. In dem kleinen oorpommerschen Städtchen Loitz geboren, hatte er nach dem üblichen Volksschulbesuch das Malerhandwcrk erlernt und mar dam; in die Fremde gezogen, wo er weitere Wirkung?- kreise suchte. In Hamburg wurde er, 33jährig. zunächst An- gestellter seiner Berufsorganisation, des Malcrverbandes. Dann berief ihn 19V6 die Partei als ihren Bezirks- sekrctär für Schleswig-Holstein. Seine Arbeit auf diesem Felde war nicht ohne Erfolg: gehörte doch sein Bezirk zu den norbildlickzst organisierten im ganzen Reiche. Im Jahre 1913 wählte dann der gleiche Parteitag, der Friedrich E b e r t als Nachfolger Bebels zum Vorsitzenden der Partei bestimmt hatte, den Genossen Friedrich Bartels als neuen. Sekretär in den P a r t c i v o r st a n d. So übersiedelte Bartels von der Wasserkante nach Berlin, wo er in den schweren Kriegs- und Nachkriegswirrcn unbeirrbar in aufopfernder Gewissen- haftigkeit für die Partei der Arbeit und ihre Einrichtungen wirkte. Diach der Revolution, als auch in Preußen das Drei- klassenwahlrccht durch das gleiche Wahlrecht beseitigt war, wurde Bartels in die verfassunggebende Landesversammlung und in der Folge selbstverständlich auch in den Landtag gewählt. Zwar gehörte er nicht zu den Oft- und Vielrednern, aber seine Meinung hatte im Rate Gewicht und sie wurde selten überhört. Seit einer Reihe von Jahren leitete er die Verhandlungen als Landtagspräsident in seiner schlichten Art, die ihm viele Freunde machte. Als Präsident des Landtags wird er bestattet werden, als Präsident eines Parlaments, um dessen Zusammensetzung in wenigen Mo- naten Kämpfe entbrennen werden, wie sie in solcher Heftig- keit wahrscheinlich seit langem nicht mehr erlebt wurden. Bartels hat in diesem seinen letzten Amte die Partei der Ar- beit und der Arbeiter so ernst und würdig vertreten, wie es seine ganze Art war. Es ist kennzeichnend für den Mann und die Achtung. die er einstößte, daß auch der bösartigste Klatsch der Nach- kricgSzeit nicht an ihn heranrsichte. Er hat im stillen gewirkt als- Vertreter der Klasse, die unter schweren Kämpfen sich erst die Gleichberechtigung im Staate hat erobern müssen und diese Gleichberechtigung nun wieder verteidigen muß gegen eine Flut des Hasses, wie sie selten erlebt wurde. Der Maler Bartels aus der pommerschen Kleinstadt war im Kampfe für seine Klasse und mit ihr gewachsen. Er blieb ihr verbunden in allen Aufgaben, die neue Zeiten und neue Verhältnisse ihm stellten: ein zielsicherer Freund und Führer, ein zuverlässiger Treuhänder der ihm anvertrauten Interessen, einer, der nie schwankte, wenn es galt, für die Demokratie und den Sozialismus die ganze Person einzusetzent Die Partei verliert in ihm einen der Treuesten unter den Treuen. Der Parteivorstand als Körperschaft besonders einen unermüdlichen Arbeiter und treuen Kameraden, die Gesamt- arbeiterbcwegung einen vorbildlichen Kämpfer für die Rechte und den Aufstieg des Proletariats. Auch der„Vorwärts" betrauert in Friedrich Bartels einen treuen Freund. Viele Jahre hindurch, bis die Krankheit ihn daran hinderte, wirkte er als Vertreter des Parteivor- standes an den Beratungen der Pressekommission mit, allzeit getragen von dem Bestreben, dem Zentralorgan und damit der Partei zu dienen. Die sozialistische Arbeiterschaft steht in Trauer an der Bahre des ausgezeichneten Mannes, des vorbildlichen Käme- raden und des kampferprobten Führers. Mit ihr trauert die Gewerkschaftsbewegung, der er durch viele Jahrzehnte ver- bunden geblieben war. Mit ihr trauert um ihn der große Kreis der Freunde aus der Internationale, die seine vor- nehme Würde und schlichte Sachlichkeit kennen und schätzen gelernt hoben. Am gleichen Tage, da man seinem und unseren: Freunde Hermann Müller«in Grabmal errichtete, schloß Friedrich Bartels den Lauf seines Lebens ab. Sein Andenken wird in der Geschichte der deutschen Ar- bciterbewegung fortleben als das eines der Besten, die ihr je gedient! Die Trauer der Partei. In ganz Verlin fanden gestern abend Vlitgliederoersanim- langen der Soztaldemokralsschen Partei stall. Ueberall, wo die Tranerkunds bekannt wurde, gedachten die Vorsitzenden der Verdienst« des verstorbenen Führers. So ehrten bereits viele Tauseadc von Berliner Genossen den dahingeschiedenen Landtaz»- prSsidente« Friedrich Bartels. Beileidskunögebungen. Der preußische Ministerpräsident Otto Braun hat an Frau Bartels folgendes Telegramm gerichtet: Zu dem unersetzlichen Verlust, den Sie durch das Hinicheiden Ihres von mir hochgeschätzten Herrn Gemahl, des Präsidenten d«s Preußischen Landtags Friedrich Bartels erlitten haben, spreche ich Ihnen und Ihrer Familie zugleich im Namen des Staatsministe- riums die herzlichste Anteilnahme aus. Der Verstorbene hat sich in seiner langjährigen parlamentarischen Tätigkeit und im politischen Leben um Volk und Staat hohe Verdienste er- warben, die ihm über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken sichern. An das Präsidium des Preußischen Landtags hat Otto Braun folgendes Telegramm gerichtet: Dem Präsidium des Landtags spreche ich zugleich im Namen des Staatsininistcriums zu dem Ab- leben des Präsidenten des Landtages Friedrich Bartels das herzlichste Beileid aus. Das Staatsministcrium wird der hohe» Verdienste des Verstorbenen um die parlamentarische Arbeit stet? dankbar gedenken. Der Ministerpräsident hat angearduct, daß der Preußische Landtag ab sofort bis zum Tage der Beisetzung und die Preußischen Zentralbehörden am Tage der Beisetzung Halbmast flaggen._ Preußen weiter voran! Dreizehn Jahre Freistaat am 12. November. 12. November 1° 18: Der alte Herr Dr. Fried- b e r g, Vizepräsident ve» Preußischen Staatsministeriunis, war nicht wenig aufgeregt, als am Vormittag des 12. No- vernber 1918 der Diener üe Tür vom Lorzimmer zu seinem Arbeitsraum aufriß und meldete:„Die Herren vom Arbeiter- und Soldatenrat sind da!" Hatten schon die vergangenen Tage nicht wenig an seinen Nerven gezerrt— obwohl ihm und seinen Beamten bisher kein Härchen gekrümmt worden war—. so hatte er doch jetzt eine schwere und historisch hoch bedeutsame Amtshandlung, seine letzte, zu begehen. Schmer- fällig stand der bald Siebzigjährige auf und erwartete die Ein- tretenden, die sich, voran die beinahe überlebensgroße Figur des Führers der preußischen Landtagsfraklion. Paul Hirsch. ohne viele Formalitäten in das AÜerheiligste begaben. Da war Otto Braun, der nach außen so kühle großgewachsene Ostpreuße, der doch so leidenschaftlich vorstoßen konnte, wenn er im Landtag als Anwalt des schwcrgeplagten und ent- rechteten Landarbeiterstandes in wuchtiger Anklage sein schwerwiegendes Material gegen die Regierung und gegen das ostelbische Junkertum in das Haus hineinschleuderte, da mar der alle Kämpe Adolph H o s f m a n n, neben ihm Ströbel und der schwarzbärtige Eugen Ernst, der Lr- ganisator der Berliner Arbsiterschaft und einst Kommandeur der köstlichen und auf Kosten der Berliirer Polizei viel bc- lachten Wahlrechtsdemonstration im Berliner Tiergarten. Man nahm Platz, aber da war nicht viel zu verhandeln. Die Dinge lagen allzu einfach. Vizepräsident Dr. Friedberg und sein Unterstaatssekretär, der alte Dr. Heinrichs, hatten nicht mehr viel anderes zu tun, als anzuerkennen, daß die „faktische Gewalt" in die Hände des Vollzugsrats, des Ar- beiter- und Soldatenrats, übergegangen sei. Das alles wurde fein säuberlich unter Assistenz des gleichfalls weißbärtigcn Bürodirektors, des nun schon unter der ßrde liegenden Gc- heimrats Riedel, protokolliert— es war, als wenn in diesen drei alten Beamten des gestürzten Regimes und in den fünf fchaffens- und tatsrohen Männern des Voltes sich die alte und die neue Zeit plastisch gegenüberständen. Die neuen Herren konnten sehr bald wieder gehen, und als am Nack)- mittag des gleichen Tages Paul Hirsch wieder im Amt er- schien, konnte er bereits von der dort wie sonst bei nur ganz feierlichen Anlässen in corpore versammelten Beamtenschaft durch Handschlag das Gelübde entgegennehmen, auch dem neuen Staat in Treue dienen zu wollen. Nach den alten Ministern fragte niemand mehr. Breiten dach war schon vor Wochen gegangen, Hergt, Drews und v. Eisen- hardt-Rothe hatten schon am 8. November ihre De» Mission eingereicht, ebenso wie die Mimster ohne Portefeuille, Graf von Rödern und von W a l d o w. Die übrigge- bliebenen Herren schieden nun ohne weiteres automatisch aus: Spahn, Schmidt, Fischbeck, dieser einzige, der als alter Freisinnsmann im ersten republikanischen Kabinett wieder auftauchte— und S ch e ü ch. 13. November: Ein A u f r u f der neuen Regierung fliegt ins Land hinaus. Er oerkündet, daß Preußen durch den Volkswillen zum Freistaat geworden sei und ein demokrati- scher Bestandteil der elnheitlichen Volksrepublik werden solle. Gleiches W a h l r e ch t der Männer und Frauen wird ver- heißen, Demokratisierung aller Verwaltungskörperschaften und uneingeschränkte Koalitionsfreiheit sür Staatsarbeiter und Beamte. Umgestaltung der Rechtspflege und des Straf- Vollzugs im Geiste der Demokratie und Sozialismus, Tren- nung von Kirche und Staat— jeder Satz ein Faustschlag in das Gesicht des alten Preußen, wie es von der herrschenden Junkerkaste künstlich konserviert worden war. 15. November: Das Abgeordnetenhaus, noch gewählt auf Grund des schändlichsten und ungerechtesten Wahlrechts, mit dem je ein freies und mündiges Kulturvolk sich zähnknirschend hatte abfinden müssen, wird a u f g e l ö st, und noch etwas anderes, was in Wirklichkeit erst ganz sichtbar und deutlich den ungeheuren Sieg neuer und fortschrittlicher Gedankeilgänge über ein durch seine Volksfeindlichkeit und Engherzigkeit von selbst entwurzeltes Regime demonstrierte: das Herrenhaus, diese eigentliche Machtzcntrale und stärkste Position des preußischen Junkertums, die Hochburg und der Schutzwall der Pairs, an der noch immer jeder frei- deitliche Ansturm restlos hatte zerschellen müssen, dieses Herrenhaus, das noch im Kriege verstanden hatte, zu osr- l?indern„ daß die in einem lichten Moment gegebene Oster- botschafb des Kaisers und Königs verwirklicht wurde und das dadurch sein altes und großes Schuldkonto bis zur Unerträg- lichkeit belasttet hatte, wurde abgeschafft, ganz einfach durch einen Federstrich beseitigt, ruhmlos, fang- und klanglos. Der Weg zum Lolksstaat war frei. Es folgten kurze, aber oftmals recht schwere und ver- Gitternde Kämpfe zwischen den beiden Richtungen in der neuen Regierung, bis endlich die Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratie aus all diesen Differenzen d-e Konsequenz ihres Rücktritts zogen und für die zurückbleibenden Mehrheits- sozialisten nunmehr die Möglichkeit geschaffen wurde, die Vor- arbeiten für die verfassunggebende preußische Landesversamm- lung zu leisten, die am 13. März 1919 zusammentrat und aus breitester demokratischer und parlamentarischer Grund- iage die endgültige verfassungsmäßige Regierung einsetzte. Das Preußen der Revolution war zum parlamentarisch regierten Frsistaat geworden. Was der junge Freistaat Preußen in diesen 13 Iahren geleistet hat, wird gewiß heute noch leidenschaftlich umstritten. Die großen republikanisch gesinnten Massen im Lande wissen, daß sie es Preußen verdanken, wenn wir die junge Freiheit gegen Putsche und andere Gefahren haben schützen können. So skeptisch und mißtrauisch, so besorgt und vielfach ab- lehnend die Massen der Republikaner vielen der in mannig- fachen Kriegen aufeinander folgenden Regieningen im Reiche gegenüberstanden, die die Zügel schleifen ließen oder zeit- meilig gar durch Mitarbeit antircpublikanischer Rechtsparteien zu Kompromissen über.Kompromissen gezwungen waren, so stark und zuversichtlich vertrauten sie auch in den kritischsten Zeiten darauf, daß in Preußen Männer saßen, von deren Zuverlässigkeit und Gesinnungstreue man felsenfest überzeugt sein konnte und von deren Wachsamkeit und Energie man er- warten durfte, daß sie nicht allein in Preußen fest die Zügel in der Hand behielten, sondern sich auch verpflichtet hielten, sich jeder gefährlichen Entwicklung im Reiche sofort entgegen- zustemmen. Es ist eine Ehrenpflicht der deutschen Republi- kaner, am 13. November vor allem den Mann, der erst als Landwlrtschaftsmmister und dann als Ministerpräsident in aufreibender, mühevoller, vor allem aber in ideenreicher, aktiver und aufs höchste verantwortungsbewußter Arbeit Preußen von Grund auf republikanisch konsolidiert und wieder aufgebaut hat, das zu danken, was er uns gegeben hat. Es ist vielleicht ein Glück gewesen, daß die deutsche Sozialdemokratie ihre stärkste Kraft, ihren klügsten, energisch- sten und besonnensten Politiker nicht ins Reich hmciugeschickt hat, wo durch die unendlichen Krisen und Wirrnisse nur ver- hältnismäßig wenig republikanische Aufbauarbeit geleistet werden konnte, sondern daß der Zufall, daß Otto Braun nicht der Roichstagsfraktion, sondern der kleinen sozialdemo- kratischen Gruppe im Preußischen Landtag angehörte, ihn für die andere Seite der Wilhclmstraße bestimmt erscheinen l'-sß. So konnte er, der aus seiner Kenntnis des deutschen Ostens und des rheinischen Industriegebietes, vor allem aher auch aus seiner tiefen Einsicht in die unheilvolle Großagrarier- Schiedsspruch gegen Eisenbahner. Nochmals Prozent Lohnabzug. In dem Lohnkonflikl bei der Reichsbahn wurde gestern nach- mittag unter Vorsitz des Schlichters Dr. Ivetten folgender Schiedsspruch gefällt: Die§§ 4 und 5 des Cohntarifs in der Fassung vom i. April 1931 werden mit Wirkung vom S. November 1331 ohne zeitliche Unterbrechung wieder in Kraft gesetzt, jedoch mit folgender Motz- gäbe: 1. Die Slundcngrundlöhnc des 24jährigen Arbeiters der Ortsklasse A ermäßigen sich in den Cohngruppcn 1 bis 7 um 4>- Proz., die anderen Sätze kürzen sich dementsprechend nach der bisherigen Schlüsselung. Soweit die Parteien nicht binnen zehn Tagen nach endglllliger Erledigung de» Schlichtungsverfahrens über die Errechnung der einzelnen Sähe einig werden, wird der Reststreit im Wege des Schlichtungsverfahrens erledigt. Cauffrist mit einmaliger Sündigung bis 31. INärz 1932. Er- klärungssrist Sonnabend, 14. November 1931, 12 Uhr. Dieser Lohnabbau nach Schema F ohne jeden Sinn und Verstand muß das gesamte Schlichtungswesen schwer kom- promittiercn. Lohnabbau von 4� Proz., obwohl die Eisen- bahner oft nickt mehr in der Lage sind, die Mieten für die bescheidenen Wohnungen zu zahlen, die die Reichsbahn für die Eisenbahner bauen hat lassen! Für die Eisenbahner gilt dasselbe wie für die Berliner Metallarbeiter. Eine Politik, die die unterste Grenze des Erträglichen unterschreitet, führt ins Verderben. Der Schlichter Ivetten hat von dem Schlichter Körner nichts gelernt! Ueber den Protest der Eisenbahner berichten wir an anderer Stelle. Die Gewerkslliaften werden den Schiedsspruch selbstverständlich ablehnen. Der Einheitsverband der Eisenbahner hat sofort seinen Beirat zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen. Sie treiben zum Bürgerkrieg! Ein Ha?enfreuzübersall auf einen sozialbemokraiischen Nedakieur versucht. Stuttgart, 11. November. fEigenberichl.) Die Ausschreitungen der Nazis werden auch in Württemberg immer unerträglicher. In Cudwigsburg drang ein Trupp nationalsozialistischer Rom- dys in die Geschäftsstelle der sozialdemokrati- schen„Neckarpost" ein und fragte die Düroangestellten nach dem Schriftleiter, den Candtagsabgeordneten S ch u l e r. Als ihnen die Antwort gegeben wurde, daß Schuler nicht anwesend sei. erklärte einer der Nazis:„Dann ist leider nichts zu machen, wir hätten ihn schon gestern haben sollen, wissen Sie nicht, wo Herr Schuler un» in die Quere kommen kann?" Ein Reichebannermann, der die Nationalsozialisten in die Ge- schäslestelle eindringen sah, verständigte sofort einige i« der Nähe befindliche Kameraden, die die Nationalsozialisten zur Rede stellten. Die Folge waren Auseinandersetzungen auf der Slrahe. Plötzlich wurden die Reichsbannerleule von etwa 30 auf Fahrrädern aus einer Nazlkaferne herbeigeeilte Nationalsozialisten m i t Schlagringen und Messern übersatten und ver- letzt. Als schlleßllch die Polizei auf dem Kampfplatz erschien, suchten die meisten Nalionalsozlaiisteu schleunigst das weite. Nur sechs Nazis konnten festgenommen werden. Mit ihnen mußten auch die fünf Überfallenen Reichsbonnerieute den weg zur Polizeiwache antreten. Nachdem die Nazis und Reichsbannerleute einem Verhör unterzogen worden waren, wurden sie auf freien Fuß gefetzt. Die Mobilmach unq der GA. Ehenmitz. ffc November.(Eigenbericht.) Di« Ortsgruppo Glauchau der Nationalsozialistischen Partei hat dieser Lage an ihre SA.>Müglied«r ein streng vertrauliches Rundschreiben folgenden Wortlauts ottschickt: .Ich mach« nochmals darauf aufmerksam auf die S A.- V« r. sammlungen zwecks„Alar m". Es Ist unbedingt notwendig. daß sich jeder SA.-Mann aufmacht und seine Siebensachen ein- packt. Es geht nicht an, daß er erst anfangen will, wenn es zu spät ist. Wer keinen Tornister Hot, nimmt den Rucksack oder einen Karton und packt sein D i e n st h e in d ein. Dienschosen müssen angezogen werden. Dabei ist notwendig, daß ein« alte Ar- b e i t s h o s e, die er dann wegwerfen kann, darüber gezogen wird und so ungesehen aus der Stadt herauskommt. Stellung?- ort ist soweit bekannt. Näheres erfährt Ihr in der Versammlung. Nun bllte ich Euch, wenn Ihr den Zettel gelesen habt, hat er sofort in den Ofen zu wandern und nicht erst mit herumschleppen. Also tue jeder seine Pflicht. Heil Hitlerl gez.: Bley. Zur Kontrolle sür die«ingepackten Tornister kommt in den nächsten Tagen ein Vertrauensmann." Auch dieses Rundschreiben in 5)itler-Deutsch zeigt, daß die Führung der Privatarmee des Herrn Hiller bei ihrem Anhang immtt wieder den Eindruck zu erwecken versucht, als ob es morgen oder übermorgen losginge. Waffenfunde bei Nationalsozialisten. Stettin, l l. November. Bei dem Führer des Sturmes 34 der£>A. der NSDAP., Geflügelsarmbesiher Hartwig Block in Bullerbruch und bei dem Ceiler der Sportschule der Nationalsozialistischen Deutsche» Arbeiterpartei. Schriftsteller hartseil in Garh, wurden einige Gewehre uud Pistolen sowie etwa 400 Patronen beschlagnahmt. Gegen Block und Hartstil sind Slrasversahren wegen Vergehens gegen das Ariegsrälegeseh vom 27. Iull 1927 eingeleitet worden. Klagges wird korrigiert. Oas Verbot des Braunschweiger„Volksfreund" als unbegründet aufgehoben. Auf die Beschwerde des„Volksfreund" in Braun- schweig, die gestern dem Reichsministerium des Inner» vom brannjchweigischen Innenminister zugegangen ist. hat der Reichsminister des Innern daS neuerliche Ver- bot des„Volksfreund" als unbegründet aufge- hoben. Oas soziale Mieirechi. Gchon Hemmungen bei der Vorbereitung. Am 9. und 10. November ist im Reichsjustizministerium mit Vertretern der Justiz-, Wohnungs- und Wirtschaftsrefforis der Länder die Frage der künftigen Entwicklung des Miet- rechts besprochen worden. Bekanntlich sieht die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember v. I. vor, daß vor Beseitigung der Wohnungszwangswirtschaft ein« Ausgestaltung der mietrecht- lichen Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches unter sozialen Gesichtspunkten ersolgen soll. Die für eine solche Regelung in Betracht kommenden Möglichkeiten wurden eingehend besprochen: dabei herrscht« lleberemstimmung, daß eine Neuregelung in jedem Falle neben den sozialen Bedürfnissen auch den wirtschaftlichen Notwendigkeiten sorgsam Rechnung zu tragen lzat. Im einzelnen gingen die Meinungen zum Teil noch weit auseinander: Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die An- gelegenheit wird nunmehr zunächst innerhalb der Reichsressorts weiter geprüft werden. Wirtschaft in Ostpreußen die Krebsschäden im Gefüge des alten Preußen erkannt und jahrzehntelang bekämpft hatte, nunmehr, indem er den alten reaktionären Kastenstaat Preußen neu organisierte und umformte, am besten auch am freiheitlichen Ausbau des Reiches und an seiner Sicherung mitwirken. Hier stand ein ganzer Mann auf dem richtigen Posten. Mit ihm und neben ihm haben viele andere Nützliches und zum Teil Großes gewirkt. Karl Seoerings Arbeit, die zeitweilig von Grzesinski zielbewußt und mutig fortgeführt wurde, ist als die des ersten volkstümlichen Polizeiministers in Preußen unvergessen. Konrad H a e n i s ch hat für Schule und Wissenschaft mit warmem Herzen und starkem Freiheitsdrang werwolle Pionierarbeit geleistet, Paul Hirsch klug und vermittelnd manches Positive vollbracht. der zu früh verstorbene O e s e r, der feine und feuerköpfiga Mendorfs und noch manche andere haben dem neuen Preußen ihr Bestes gegeben, aber die große Linie der kon- sequent durchgeführten, niemals abgebogenen Politik be- stimmte Otto Braun und hat sie in allen Fährnissen schwer- ster Wirtschaftskrisen, in den Zeiten, als der B e r l u st d e r Rheinlande drohte, in der allgemeinen Mutlosigkeit. der letzten Stadien des Ruhrkampfes wie in Dutzenden anderer gefährlicher Situationen, wo minder kraftvollere Naturen zurückgewichen wären oder doch den Kompromißweg der teil- weisen Resignation beschritten hätten, konsequent und mit der niemals verbohrten, sondern stets von intuitiver Begabung und Verstandesschärfe beherrschten Energie, die man an ihm schätzt, durchgeführt. Dieser Mann, der schon als ganz junger Kämpfer in der Arbeiterbewegung jahrelang seine karge Freizeit damit aus- füllte, auf dem Fohrrad durch Schlamm und Morast der oft- preußischen Landstraßen zu fahren, um trotz Gendarmengefahr und bissiger Hunde des Gutsbesitzers im kleinsten und abge- I legensten Dörfchen vor den Landarbeitern zu sprechen und sie ' ihrer trostlosen Lage durch den feurigen Hinweis auf die Kraft der Arbeiterbewegung zu stärken ünd aufzurichten. weiß zur Genüge, daß man den Feinden der deutschen Demo- kratle, der Junkerkaste Ostelbiens, nicht durch die berühmte noble Geste, die doch immer nur als Schwäche ausgelegt wird, sondern nur durch Kraft und Ausdauer und durch die richtige und energische Ausübung der Macht, der Staats- gemalt, imponieren kann. Der Freistaat Preußen tritt in das 14. Lebensjahr unter wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen ein, die in fast phantastischem Ilmfang schon von denen verschieden sind, die Otto Braun und seine Mitarbeiter am 12. November 1918 vorfanden. Es ist nicht zu Anarchie und Chaos gekommen, wie man prophezeite, aber trotzdem stehen wir durch das Ver- sagen des kapitalistischen Systems in schwerster Wirtschafts- not und hoch geht die Sturmflut sozialer und politischer Reaktion. Es ist all denen, welche nach wie vor in der repu- blikanischsn Abwehr- und Kampfbereitschaft Preußens die Hauptgewähr für die endgültige Sicherung und den sozialen und demokratischen Ausbau der deutschen Republik sehen, eine Hoffnung und eine Beruhigung, zu.wissen, daß an der Spitze der preußischen Staatsleitung mit Otto Braun nach wie vor ein Mann steht, der die besten Eigenschaften der deutschen Arbeiterschaft in sich verkörpert, der— rein menschlich gesehen eine Figur ist, zu der jeder, der ihn kennt, mit hohem Respekt und Sympathie aufsieht und der— politisch betrachtet — eine Führernatur ersten Ranges ist, die in ihrer Geschlossen- heil. Gradlinigkeit. Klugheit und Willensstärke uns die Bürg- schaft dafür gibt, daß Preußen sich erfolgreich den Kräften entgegenstemmen wird, die der Republik ans Leben und die Arbeiterschaft um die sozialen Fortschritts der Revolution betrügen wollen. Nr. 531• 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 12. November 1931 Siedler am Ende! Schwant er Erwerhsgä rtn ersiedlung im Sterben!—' Eine Warnung Bei Beendigung des Krieges verstandigten sich eine große Zahl erwerbsloser Gärtner, die auf dem Arbeitsnachweis täglich zu- sammenkamen, gemeinsam zu siedeln. Die Siedlungsgesellschast „Eigene Scholle" vermittelte ihnen Land auf dem aufgeteilten Rittergut Schwante, das ZZ Kilometer von Berlin, zwei Stationen hinter dem Borortendpunkt Velten liegt. Es handelte sich um Ackcrstücke von je fünf Morgen, die zu einem Viertel bar be- zahlt wurden', die übrigen drei Viertel sollten im Rentengutsver- fahren getilgt werden. Das Land, obwohl verwahrlost, war für Gärtncreizwecka nicht schlecht, es bestand bei hoher gelegenen Teilen aus Lehmboden, die lieferen Teile waren moorig. Jeder der Siedler war Jahre hindurch van dem Drang besessen, hier eine Siedlung zu schaffen, die vorbildlich für olle anderen der gleichen Art sein sollte. Während der ersten Jahre, wo die Gewächshäuser nach fehlten, gingen viele Siedler in Velten und Hennigsdorf auf Arbeit. Jeder verdiente Groschen wurde in der Wirtschaft verbaut, bis die Häuser in gemeinsamer Selbschilfe langsam entstanden. Jedes Jahr des Aufbaus wiegt schwerer als ein Jahrzehnt normalen Lcbens bei diesen Kalonisten. Nur ging der Weg nicht bergauf, sondern bergab. Auf einem zerfahrcirem Ackerwege gelangt man in das tiefer liegende Siedlungsgclände.„Neufchwantc" kündet ein Schild vorn- an, und es will besagen, daß hier ein Traum von ländlicher Ruhe und Gelassenheit sein Ende hat. Durch die Gärten, die von primi- tiven Hecken umgeben sind, findet man überall freien Zutritt zu den kleinen Siedlerhäusern, die, selten mit Ziegeln, nur mit Teerpoppe gedeckt sind. Kleine Feldzwickel tragen noch grüne Petersilie in großen Büscheln, sonst ist alles kahl und ab- geerntet. Da es Sonntag ist, sind wenig Menschen im Freien. Im ersten Siedlerhaus ist die Frau beim Wäschelegen be- schästigt. Während ihre zerarbeitetcn Hände mit den verkrümmten Fingern an den Falten der Wäsche zupfen, murmelt ihr Mund .zusammenhanglose und schwerverständliche Klage. Man versteht nur, daß seit Wochen kein Geld mehr im hause ist. Zm Januar soll der Besitz versteigert werden. Die Worte scheinen ohne inneres Echo gesprochen zu sein, als hätte sich zwischen ihrem Bewußtsein und dem ihr zugefügten Leid eine Scheidewand geschoben. Die Frau zeigt auf die Küchendecke, wo es durchregnet. Das Doch ist nicht mehr dicht: der Putz bröckelt von den Wänden, der Frost sprengt sogar die Backsteine auseinander. Dabei ist das Haus erst 1924 erbaut, dem Siedler wurde für teures Geld minderwertiges Ma- terial verkauft. Das Gewächshaus im Garten zeigt ebenfalls ärm- lichen Zuschnitt. Es besitzt keine Heizung. Die wenigen Blumen, die es noch enthält, werden bei den ersten Frösten verderben. Bald kommt auch der Mann auf dem Rad aus dem Dorf zurück. Not und Hilflosigkeit haben sich bei dem schwerhörigen alten Mann zu einem bodenlosen Haß verdichtet, der zur Gewalt greifen will, wenn man ihm im Januar das Haus versteigert. Der Siedler führt mich zum-Nachbar, der sich ein größeres Haus gebaut hat und zwei Gewächshausanlagen besitzt. Im Haus bat er zwei Mieter aufgenommen, während er sich mit einer kleinen Stube begnügt. Die Gewächshäuser liegen ungenutzt, denn es fehlt an Geld für den Ankauf von Koks zum heizen. Immerhin ist dieser Siedler, ein alter Afrikaner, der viel Praxis im Ertragen schwerer Dinge besitzt, verständig genug, die Ursachen des Zusammenbruchs feiner Existenz klar zu durchschauen. Er berichtet über die Ent- Wicklung der Siedlung folgendes: Durch unermüdliche Arbeit versuchten die Siedler, sich aus der furchtbaren Schlinge zu befreien. Sie haben von der Morgen- dämmerung an bis in die Nacht hinein geschuftet.„Mist gefahren und Unkraut weggeräumt haben wir noch im Dunkeln, dazu war uns die Zeit am Tage zu kostbar." Man probierte die denkbar möglichsten Arten der gcnosfcnschostlichcn Bewirtschaftung durch. Das Gemüse, die Erdbeeren u. a. wurde unter Ausschaltung des Händlers der„Gartenbauzentralc" in Berlin zum Verkauf über- geben, die sich mit einer Provision van 19 Proz. des Erlöses be- gnügt. Man führ auch selbst mit dem Korb nach der Markthalle, nur lohnte es zuletzt nicht einmal das Fohrgeld. Der letzterwähnte Siedler mit feinem größeren Betrieb hat in den letzten 14 Tagen 7,59 M. eingenommen, wovon noch das Fahr- geld nach Berlin in Abzug gebracht werden muß. Der vollständig gebrochene starke Mann mit den zerfurchten Mienen, der seine einzige Aufgabe nur»och darin ficht, sein Un- glück und das seiner Leidensgenossen durch Bittgänge zum Land- tag, zu den Gerichten und den Behörden abzuwenden, führt mich nun zu dem Vorsitzenden der Siedler, weil bei dem„noch Schlim- ineres" zu sehen sei. Dieser dritte Siedler, früher ein kühner poli- aus, es ist, als ob man in einen verwesten Körper hineinblickt. Wegen 29 M. rückständiger Gemeinde st«ucrn läßt der Amtsvorster pfänden. Man nimmt bei dem einen die Hühner, bei dem andern den letzten Kleiderschrank aus dem Haufe, einem dritten deckt man die Glosfenster seines Treibhauses ob. Vier Fenster, das Stück zu 1 M., find bei der letzten Auktion nur ver- kauft worden, weil keine Bieter vorhanden waren. Um ganze vier Markt, die nicht einmal im entferntesten die Unkosten der Versteigerung decken, wird ein wichtiges Betriebsmittel zerstört und eine Siedlerexistenz vernichtet. Wegen 299 und 399 M. Nerzugszinie.i kommt.Haus und Hof unter den Hammer... Im Januar wird dieses selbsferbaufe Siedlerhaus versteigert. Die Schuld besteht in 300 Mark rückständiger Zinsen. tischer Parteigänger, sagt resigniert, er hätte es sich nicht träumen lassen, wie es ihm einmal auf dem Lande ergchen würde. Mit eiserner Energie versuchte er in all den Jqhren sich dem Schicksal cntgegenzuslcimnen.. Alles ersparte und erarbeitete Geld hat er zur Vergrößerung und zum Ausbau seines Betriebes verwendet, zeit- weife hat er sogar mit Gehilfen gearbeitet. Heute ist auch er ganz- lich verschuldet, und der Gerichtsvollzieher hat alles im Haus unter Siegel gelegt. Aber ein Unglück kommt selten allein. In seinem haus ist der Schwamm, der schon an den Türen hinausfrißl und bereits die Bodentreppe erfaßt hat. Die aus Lehm gestampften Wände stehen zu tief in der Erde, denn während der Inflation gab es für arme Siedler keine Backsteine zu kaufen: die Wände mußten direkt auf das Betonfundament aufgesetzt werden. Der Eigentümer hat die Dielen herausgerissen pnd will den Fußboden zementieren, wenn er das Haus behalten sollte Ueberall riecht es muffig vom Schwamm, der im Holz sitzt. Es sieht fürchterlich Oer Neffe als Mörder. Vor Aufklärung des Mordes in der Stephanffraße.. Das verbrechen an der(30 Jahre allen Frau Marie Schimmelpfennig scheint jetzt seiner völligen Aufklärung ent- gegenzugehen. Nach den verhören der einzelnen Hausbewohner besteht kein Zweifel mehr, daß der Neffe als Täter in Frage kommt. Es ist der am Z0. Dezember 1310 geborene Kurl T h i e m e. Thieme läßt sich bei seinen Eltern, die in der Togostraße wohnen, schon lange Zeit nicht mehr sehen. Er hat ihnen zuletzt einen erheblichen Geldbetrag gestohlen. Als dieser verbraucht war, wandte er sich an seine Tante Schimmelpfennig, die ihm eine Zeit- long mit Geld und Lebensmitteln unterstützte. Die Tante war ungehalten über den Lebenswandel des mißratenen Neffen und weigerte sich schließlich, ihm weitere Opfer zu bringen. Zweifellos ist Kurt Thieme am Mittwoch vormittag mit der Absicht zu Frau Schimmelpfennig gekommen, wenn er wieder kein Geld erhalte, sich zu rächen. Die Untersuchung der Toten durch den Gerichtsarzt Professor Dr. Fränkel ergab, daß die Stiche wohl starke Blutungen zur Folge hatten, aber nicht tödlich gewirkt haben. Thieme hatte mit einer eisernen Rouleaukette seine Tante erdrosselt. Als man die Leiche anhob, wurde die Kette unter ihrem Körper gefunden. Der Tod dürfte demnach durch Ersticken eingetreten sein. Der Mörder konnte bisher noch nicht gefaßt werden. Die Kriminalbeamten stellten fest, daß Thieme etwa eine halbe Stunde »ach der Tat in einem Lokal in der Ouitzowstrahe mehrere Glas Bier getrunken hat. Da er im Besitze von etwa 299 Mark bareni Gelde ist, in anzunehmen, daß er nicht in Berlin bleiben wird. Großfeuer in Wannfee. Bootshaus niedergebrannt.- 50 Segelboote vernichtet. Durch ein Großfeuer wurde gestern nachmittag das sogenannte Alte Seglerhaus in der Großen Seestraße 24/26 in Vannsee völlig eingeäschert. Annähernd fünfzig Segelboote und erhebliche Mengen Seglerrequisiten sielen den Flammen zum Opfer. Das Alte Seglerhaus liegt am Rande des südlichen W a n u- f e e. Es ist ein langgestrecktes, zum Teil massives Gebäuhe, etwa 45 bis 59 Segelkreuzer und einige Motorboote WinterqstMi?� genommen haben. Aus»och nicht geklärter Ursache brach in dem Haus gegen 15.39 Uhr Feuer aus. Die Flammen fanden an den leicht brennbaren Booten überaus reiche Nahrung und griffen mit großer Schnelligkeit um sich. Als die Feuerwehr unter Leitung des Baurats Schäfer mit vier Zügen an der Unglücksstätte eintraf, brannte das ganze Gebäude bereits lichterloh. Ob- gleich sofort zahlreiche Schlauchleitungen eingesetzt wurden, konnte nichts mehr gerettet werden. Die Wehren mußten sich in der Haupt- fache darauf beschränken, ein Uebergreisen des Feuers auf benach- barte Bootshäuser zu verhindern. Der Schaden beträgt nach einer vorläufigen Schätzung weit über 199 999 Mark. „Germaine, ich bin nicht hierher gekommen, um meine Ferien in Genf zu verleben, sondern ich werde überhaupt nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Ich fühle mich diesem Sturm nicht gewachsen— ich kann da nicht mitmachen. Germaine, du weißt ja wohl, was im Balkan passiert ist, Deutschland ist an Oesterreich gekettet, ein Land wird das andere nach sich ziehen— und Deutschland wird der Mittel- punkt in diesem Kampf sein. G�rmaine— ich bin kein Kriegsmann— ich bin kein Held, will auch keiner sein. Ich liebe Deutschland— ja, mehr noch, es ist mir Heimat, geistige und seelische Heimat geworden. Daß Beethoven ein Deutscher char_ schon das allein verbindet mich unlösbar mit diesem Land, ganz abgesehen von allem anderen, durch das ich mich Deutschland tief verpflichtet fühle. Aber. Germaine, ich kann nicht kämpfen gegen Frankreich, denn ich bin Franzose, auch wenn ich Schweizer von Geburt bin. Ich liebe die französische Kultur, ich bin heimisch in der Geistesgeschichte dieses vielleicht verkanntesten.Volkes in Europa. Ich glaube, feine Tiefen, seine unterirdischen Quellen, seine ungeheure Fülle von Spannungen, von Energien besser zu kennen, als selbst die meisten meiner Landsleute, die seit Iahren glauben, Frankreich liege im Sterben•••"., 1... Germaine faßte immer noch nicht, was geschehen war. „Aber das gibt es doch nicht, Vater", sagte sie fassungslos, „Krieg zwischen Deutschland und Frankreich, das»st doch em- fach unmöglich."..,.... „Es ist möglich, Germaine, es ist mehr als das. es ist so wahrscheinlich, daß nicht mehr daran zu zweifeln ist. Liest du denn keine Zeitungen? Und redest du mit niemand? Man spricht ja von nichts anderem, als van dem österreichisch- serbischen Konflikt."..., „Unser Russe bat davon gesprochen, ja, aber niemand konnte das doch ernst nehmen. Es ist dach einfach nicht mag- lich. daß wir im zwanzigsten Jahrhundert einen Krieg erleben sollen— ich fasse das einfach nicht.. „Du wirst es fassen müssen, Germaine, die Tatsachen werden dich dazu zwingen! In der Politik gelten andere Gesetze als in der Literatur, Gesetze von einer grenzenlosen Primitivität... Denn wir leben noch in der Barbarei, Ger- maine, wir Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, wir sind genau so raubgierig, so egoistisch, so beutelüstern, wie unsere Borsahren es vor ein paar Jahrtausenden waren. Aber ich mache nicht mit bei diesem Beutefeldzug, ich kann es einfach nicht. Mich widert das an. Ich kann nicht schießen auf Menschen, die so unschuldig sind an diesem Krieg, wie ich selbst, und ich will nicht Werkzeug sein in diesem Wahnsinn." „Vater",— Germaine umfaßte seine Hand, sie schien jetzt erst alles zu begreifen—„um Gotteswillen— sechst- verständlich darfst du nicht mitmachen! Wie kannst du jemals kämpfen gegen Frankreich!" „Und wie kann ich jemals kämpfen gegen Deutschland! Germaine— das ist für mich das gleiche. Ich stehe zwischen beiden Ländern, weil beide meine Heimat sind, weil ich beiden unendlich viel verdanke. Darum bin ich hierhergekommen, Germaine. Ich habe schon mit meinem alten Freund ge- sprachen. Ich werde hier am Konservatorium unterrichten, vielleicht kann ich auch Vorlesungen halten— das wird man sehen. Einstweilen kann man nur abwarten und hierbleiben." „Und was wird aus Mama und Walter?" fragte Ger- maine leise. „Ich habe Mama gebeten, gleich mitzukommen, aber sie konnte sich nicht entschließen dazu. Sie will noch einige Tage warten, denn auch sie glaubt immer noch, daß sei nicht mög- lich, daß wir einen Krieg erleben sollen. Aber sie hat mir versprochen, in diesem Fall sofort alle Schritte zu tun, um das Haus zu verkaufen und wird dann mit Walter ebenfalls hierherkommen." Dunkler und dunkler wurde das Gewölk, das über dem See aufzog. Weißer Gischt lag auf dem Wasserspiegel. Wind- stöße jagten über die Wellen, auf deren Kämmen hungrige Mövcn ihr Spiel trieben. „Komm. Germaine!" Lorwt faßte die noch immer wie erstarrt Dasitzende am Arm.„Wir wollen rasch die paar Schritte zurückgehen und dann nach Genf fahren. Ich habe den Chauffeur warten lassen. Vielleicht sind bereits neue Nachrichten da— vielleicht sind die Würfel bereits gefallen!" * In ihrem altmodisch, aber behaglich eingerichteten Wohn- zimmer ging Fräulein Chalumeau etwas unruhig auf und ab. Es war' 11 Uhr vorüber, und noch immer war Germaine nicht zurück. Sie wollte zum Abendessen kommen— allerdings hatte sie wohl den Vater getroffen, der ihr nach Coppet nachgefahren war. Aber so lange auszubleiben, ohne ein Wort der Benachrichtigung? Außerdem hatte ihr auch Pro- fessor Loriot versprochen, am heutigen Abend ihr Gast zu sein, und Suzanne hatte in der Küche besonders eifrig ihres Amtes gewaltet, um die Pension ihrer Herrin in das beste Licht zu setzen. Fräulein Chalumeau schüttelte den Kopf. Aber dann setzte sie sich in ihre Sofaecke, ergriff ein kleines Büchlein, das die Heilungen in Lourdes mit großer Anschau- lichkeit aufzählte und begann zu lesen. Ein zweimaliges, kurzes Klingelzeichen! Das war Ger- maine. Rasch erhob sich Fräulein Chalumeau und warf einen kurzen Blick in den goldumrahmten Spiegel über dem Sofa. Auch Herr Loriot würde ja wohl die Tochter begleiten, und Fräulein Chalumeau legte großen Wert darauf, mit den Eltern ihrer Pensionäre in den besten Beziehungen zu stehen. Aber vor der Tür stand die ihr seit langem befreundete Schwester Henriette aus dem Krankenhaus St. Michel. Sie trug Germaines kleine Ledermappe in der Hand. „Wir wollen hineingehen", sagte sie leise, als Fräulein Chalumeau den unerwarteten Besuch erschreckt ansah, da das ernste Gesicht der Schwester ihr irgendein Unglück verriet. Im Wohnzimmer drückte sie die Freundin sanft auf das Sofa und setzte sich ihr gegenüber. „Fasse dich, Louise", sagte sie,„ich bin selbst gekommen, denn du wärest sicherlich noch viel mehr erschrocken, wenn du die Nachricht durch Fremde erfahren hättest. Germaine Loriot und ihr Vater sind bei uns eingeliefert worden. Der Chauffeur behauptet, auf Befehl von Herrn Loriot so schnell gefahren zu sein, daß er im entscheidenden Augenblick nicht bremsen konnte. Er ist in eine Barriere hineingerast. Das Auto hat sich überschlagen. Herr Loriot ist mir unter den Händen gestorben, er hatte schwere innere Berletzimgan. Der Chauffeur hat einen Beinbruch und Quetschungen. Ger- maine ist verhältnismäßig leicht verletzt, die Schulter war ausgerenkt, und sie hat starke Hautobschürfungen am ganzen Körper." „Es ist Gottes Wille, Louise, setzte sie mit. einem trösten- den Blick auf ihr Gegenüber hinzu, daran können wir nichts ändern. Ich habe sofort nach Deutschland telegraphiert, denn Germaine ist völlig fertig mit ihren Nerven. Ob Frau Loriot allerdings kommen kann, scheint mir fraglich, denn soeben ruft man auf den Straßen aus, daß Oesterreich den Krieg erklärt hat."(Fortsetzung folgt.) Erwerbslosenküchen in Berlin Frankfurt macht Schule �Erwerbslose helfen sich seihst Goebbels Wunschtraum. Was er sich vom Gerichtsvorsihenden sagen lassen mußte. In Moabit gab es zur Abwechslung wieder einmal Goebbels- Borstellung: der große Redner von Hitlers Gnaden im Sportpalast und großer Schweiger im Gerichtssaal fand plötzlich die Sprache wieder und mußte sich vom Vorsitzenden sagen lassen: Sie sind hier Angeklagter.... Pg. Dr. Goebbels war vom Schöffengericht Charlottenburg wegen öffentlicher Beleidigung des Professors der Technischen Hochschule Riebensam zu 3000 Mark Geldstrafe ver- urteilt. Am 18. Januar 1930, dem Reichsgriindungstoge, wurde in der Technischen Hochschule ein Flugblatt.Kommilitone», macht nicht mit" oerbreitet, in dem die Studenten aufgefordert wurden, sich der Reichsgründungsfeicr, auf der der große„Schauspieler Pro- sessor Riebensam", Sohn des jüdischen Getreidehändlers Chaim Riebensam, sprechen würde, fernzuhalten. Das Flugblatt war ver- ontwortlich mit Dr. Goebbels gezeichnet. Prof. Riebensam, der nebenbei gesagt, nicht Jude ist, stellte eine Beleidigungsklage, das Crgebnis war: blXX> M. Geldstrafe. In der gestrigen Berusungsoerhandlung brach Goebbels also sein Schweigen im Gerichtssaal. Cr erklärte, daß hier ein Miß- brauch mit seinem Namen vorliege, er habe von dem Flugblatt erst aus der Anklageschrift Kenntnis erhalten. Weshalb er in der ersten Verhandlung geschwiegen habe? Weil er von Ber- liner Gerichten in einer Weise behandelt worden sei, die allen bis- herigen Gepflogenheiten der Rechtspflege Hohn gesprochen hätten. Weshalb er sich nicht geäußert habe, als er die Anklageschrift er- hallen? Weil er wichtigeres zu tun habe, als Anklageschriften zu lesen. Wie seine Vcrmögensoerhältnisse seien? Cr sehe keinen An- laß sich darüber zu äußern, er sei unschuldig: halte dos Gericht eine Strafe für erforderlich, so mag es ihn zu Gefängnis verurteilen, damit dieser„Unfug auch praktisch durchgeführt" würde. Als dann Staatsanwaltschaftsrat Dr. Stecnig wissen will, ob der Drucker Findcise», der da» Flugblatt verlegt hat, auch vom Gau Berlin der NSDAP. Druckaufträge erholte, gerät Goebbels in h ö ch st e Er- r e g u n g: Was glaube eigentlich der Staatsanwalt, sollte etwa e r, der R e i ch s p r o p a g a n d a ch e s der NSDAP. Druckaufträge er- teilen. Und darauf wörtlich: Was denkt der Staatsanwalt, ich bin doch nicht Prokurist einer Firma, ich binFührerdergrößtcn Partei Deutschlands. Und der Vorsitzende: Bis jetzt habe ich nicht gewußt, daß Sie Führer der Partei sind. Der große Goebbels ganz kleinlaut: Wenig st ens in Berlin. Professor Riebensam, der in der ersten Instanz gegen dos Flugblatt ziemlich scharfe Töne fand und sich eben erst auf dem Korridor recht freundlich init Goebbels unterhalten hatte, nahm diesmal eine versöhnliche Stellung ein. Er meinte, daß das Flugblatt vielleicht auch nicht von den nationalsozialistischen Studenten hergerührt Hobe, da sich unter der Abordnung, die ihn aus Anlaß des Flugblatts vor der Reichsgründungsfeier aufsuchte. auch ein Vertreter dieser Studenten befunden habe. Im übrigen habe der„Angriff" seine Berichtigung angenommen. Das Gericht sprach Goebbels frei: es sei nicht ausgeschlossen. daß in diesem Fall mit seinem Namen Mißbrauch getrieben worden sei Wieder ein Raubüberfall. Die Täter bereits eine Gtvade spoter verhaftet. In den gestrigen Nachmittagsstunden versuchte der ZZjährigo Maler Hellmuth F. die Frau seines früheren Arbeitgebers, des Inhabers des Farben« und Topetengeschöftes Schöniierg In der P a'llk- S i n g e r- S t r. 103, niederzuschlagen. Der Bursche er. schien gegen 14,30 Uhr im Laden und wollte eine angeblich rück- ständige Lohnforderung kassieren. Als Frau Sch. ihn aufforderte, wiederzukommcit, wenn ihr Pia NN anwesend sei, fiel F. plötzlich über sie her und schlug sie mit einem harten Gegenstand zu Boden. Dann versuchte er, die La den lasse zu plündern. Die Uebcrfallen« setzte sich aber heftig zur Wehr und es kam zu einem erbitterten Handgemenge. Dabei riß Frau Schönberg dem Täter von seiner Joppe eine Tuchlosche ab. Dieser Stofsetzen wurde F. bereits knapp eine Stunde später zum Verhängnis. Mit einem Kom- plicen, dem 18jährig«n Alfred G.. der vor dem Geschäft Schmiere gestanden hatte, wurde er in der Frankfurter Straße von Beamten des Raubdezernates erkannt und festgenommen. Widerstand gegen die Staatsgewalt. KommunistischerLandtagsabgeordnster verurteilt/Kriminal- assi'stent und Stahlhelmmann. Der kommunistisch« Landtagsabgeordnet« Grosse stand vor dem Einzelrichier. Die Anklag« gegen ihn lautete auf Widerstand gegen die Staatsgewalt und Aufreizung zum Ungehorsam gegen polizeilich« Anordnungen. Am 2. Jum fand auf dem Alexander- platz eine konnnunistische Demonstration statt. Die Polizei schritt ein, die Demonstranten wurden abgedrängt,«in älterer Mann rief:„Nicht auseinandergehen, sie haben uns nichts zu sagen!" Ein Polizeiwochtmeister fordert« den Rufer auf, weiterzugehen, er ging nicht, d«r Beamte war gerade im Begriff, von seinem Gummi» knüppel Gebrauch zu machen, der Mann hielt den Gummiknüppel fest und wurde unter Widerstand zum Polizeiauto geschleppt, er legitimierte sich als Landtagsabgeordnetsr Grass« und ward auf dem Polizeiauto verstaut. Herr Grosse bestritt, die Meng« zum Unge- horsam ausgefordert zu haben, er wollte bloß interveniert haben, als die Polizeibeamten einen jungen Menschen mit dem Knüppel unter die Autos gejagt hätten. Herr Grass« hott« auch einen Zeuge» zu? Seite, der seine Darstellung bestätigen zu müssen glaubt«, die Aussagcn der Polizeibeamten ließen aber keinen Zweifel darüber, daß dieser Z«uge, gelinde gesagt, sich im Irrtum befinden müsse. Das Gericht verurteilte Grass« laut Antrag zu 7 Wochen Ge- f ä n g n i s. Am 22. März fand anläßlich des Volksbegehrens im Lust» garten«in« S ta h l h e l m ku nd g e b u n g statt. Di- Rede des Stahlhelmfülirers war zu Ende, das Publikum war im Begriff auseinanderzugehen, da hörten einige Polizeibeamte, wie ein Mann hinter Ihnen sagte:„Na habt Ihr die Rede gehört? Hoffentlich seid Ihr jetzt überzeugt!" Einer der Beamten meinte daM: Das geht Sie gar nichts an. Worauf der Mann sagte: Es piept wohl da? und dabei mii dem Zeigefinger nach dem Kopf zeigt-. D«r Polizeiwachtmeister Lang« forderte den Wann auf, mit zu? Wache zu kommen. Dieser leistete der Aufforderung leine Folg«, er wurde zun, zweitenmal aufgefordert, mit demselben geringen Er- folg. Da faßten di« Poltzeibeamten zu. der Mann stemmte sich dagegen, wurt« aber schließlich überwältigt und zur Polizeiwache gebracht. Dort weigert««r sich, eine Legitimation vorzuzeigen. Erst als inlt der Einlleferung ins Polizeipräsidium gedroht wurde, legte»r sein« Legitimationspapiere vor und«ntpuppte sich als Kriminalassistent Oder. Bor dem Schöftmgericht Berlin- Mitte spielt« er heute die gekränkte Unschuld: Er sei kein Stahlhelm- 3 ii Baums chuleuweg ist noch dem Muster der von Ernst Sahn im„vorwärts" beschriebeneu Frankfurter Erwcrbslosenküchen ein heim für die Arbeitslosen als ein Werk solidarischer Zusammenarbeit aller Volkskreise erstanden. Durch das Entgegenkommen städtischer Stellen und durch die llulerstühung verschiedener privater Firmen ist unter Milarbell von Verlrelern fast aller polltischen Parteien mit Unterstützung evangelischer und katholischer Kirchen- kreise der sozialdemokratischen Znitialioe schönster Erfolg beschiedeu. Um die Schaffung des Heimes hat sich besonders der sozial- demokratische Abgeordnete L« m p e r t verdient gemacht. Das Haus liegt in der Tivolistraße l7t> in Boumschulenweg. Die Räume sind von der Darmstädicr und Nationalbank zur Verfügung gestellt worden und die Bank hat sich auch bereit erklärt, di« Heizungskosten für den ganzen Winter zu übernehmen. Mehrere große freundliche Räume sollen verzweifelten Arbeitslosen das sehlende zu Hause ersetzen. Da gibt es ein schönes großes Lesezimmer für Jugend- liche, in dem auch alles Material für Schreibarbeiten vorhanden ist, daneben ist für die Alten ein schönes Wohnzimmer mit Sofas und bequemen Sesseln erstanden und für arbeitsfreudige Frauen stehen in einem anderen Raum Nähmaschinen und Zuschneidetische zur Verfügung. Das Materiol für die Arbeiten kommt kostenlos zur Verteilung. Es fehlt auch nicht an einen M u f i k r a u m, in dem sogar ein Klavier vorhanden ist. Die beiden größten Zimmer sind als Eßräume hergerichtet, der eine ist für die Frauen und Mädchen, der andere für die Männer bestimmt. Hier sollen be- besonders jugendliche Erwerbslose, die kein Heim besitzen, die Möglich- keil haben, an sauberen Tischen das Mfttagessen, dos für 10 Pfennig geliefert wird, einzunehmen In einem Nebenraum, der als K o ch k ll ch e hergerichtet ist, können sich die Gäste des Heimes selbst Kakao, Kaffee und Tee zubereite� auch hier wird alles Notwendige kostenlos verabfolgt. mann, Hab« sich harmlos mit feinen Bekannten unterhalten. Der Staatsanwalt beantragte zwei Monate Gefängnis. Das Gericht vertagte die Verhandlung zum zweitenmal: es sollen wieder neue Zeugen geladen werden... Philharmoniker— Sinfoniker. Städtische Zuwendungen in gleicher Höhe für beide Orchester Im Haushaltsausschuß der Stadtoerordnetenversamm- lung sind Neufestsetzungen für die seit Iahren an da» P h i l h a r- manische und das Berliner Sinfonieorchester von der Stadt gewährten Untcrftützungssummen getroffen worden. Nach dieser Neuregelung und nach den vom Magistrat festgesetzten Be- trägen wird am Schluß des Elaljohre» jede» der beiden Orchester ISO 000 Mark städtischer Subventionen erhallen haben. In einem Teil der bürgerlichen Presse wurde wegen dieser Neufestsetzung großer Lärm geschlagen, weil man in gewissen Kreisen glaubt, die Philharmoniker gegenüber dem Berliner Sinfonieorchester bevor- zugt behandeln zu müssen. Im Ausschuh haben sich die Sozial- demokraten besonder, für das Sinfonieorchester eingesetzt, weil es sich um die volkstümlich« Kunstvermittlung besondere Verdienste er- warben hat. Auf zahllosen Loltskunstoeranstaltungen haben die Mitglieder des Sinfonieorchesters mitgewirkt, während e» meist unmög- lich war, die Philharmoniker zu gewinnen. Außerdem war für die 5)aUung der Sozialdemokraten mitentscheidend, daß das Phtlharmo- nisch« Orchester laufend große Auslandstourneen unternimmt, die ihm erhebliche Summen einbringen. Freie Sozialistische Hochschule. Der nächst« Vortrag findet am kmnmepden Sonnabend, dem 14. November, 1914 Uhr. im Plenarsaal de, ehemaligen Herrenhaus«». Leipziger Straß« 3, statt. Es spricht der Genosse Prof. Dr. Stegfried Marck- Breslau anläßlich de, 100. Todestages 5z«gelz über das Thema: „Hegel und der ivifsenschoflliche Sozialismus". Karten zum Preis« von 50 Pf. sind nn Büro des Bezirksbildungsausschusses, der Arbeitersugeird Groß-Aerlin, de, Frauenbüro, der SPD. und des Bezirksausschusses für Arbeiterwohlfahrt, sämtlich Llndenstraß» Z, 2. Hof link», 2 Treppen, zu haben: ferner: Bank der Arbeiter, Erwerbslose kochen für Erwerbslose. Wie in dem ganzen Hause olle Arbeit von Erwerbslosen geleistet wird, so wird auch das Essen, das in der ehemaligen Städtischen Volksküche Iohonnischal, die das Bezirksamt Treptow dem guten Zweck dienstbar machte, von Erwerbslosen zubereitet. Das Essen wird jeden Mittag mit einem Wagen in großen Thermos- behältern in dos Erwerbslofcnheiin geschafft. Hier gelangt es zur Verteilung. Arbeitslose und Sozialrentner, di« noch ein bescheidenes Heim ihr Eigen nennen, können das Esten mit nach Hause nehmen. die anderen finden sich an der gemeinsamen großen Mittagstafel zusammen. Die Räume können 80 bis 90 Menschen aufnehmen, bei der Speisung werden jetzt 150 Portionen ausgegeben, man will die Zahl der Partionen jedoch ollmählich bis zu 400 steigern. Es ist schon jetzt gelungen, die Mittel, die durch Spenden und Samm- lungen aufgebracht werden, für fast den ganzen Winter sicherzu- stellen. Das schöne Erwerbslosenhaus ist täglich von 10 bis 20 Uhr durchgehend geöffnet. Vierzehn Heimleiter und Heimleite- rinnen sorgen für die notwendige Ordnung. Es ist erfreulich und erfüllt uns mit besonderem Stolz, daß sich in ganz besonderem Maße Angehörige der Sozialdemokratischen Partei für diese Zwecke zur Verfügung gestellt haben. Gestern wurde das Heim unter Anwesenheit des Bürgermeisters des Bezirks Treptow, unseres Parteifreundes Grunow. des Stadtrates K i ß n e r und des Stadtarztes Dr. Röder, die auch beide Sozialdemokraten find, seiner Bestimmung übergeben. Als Vorsitzender des überparteilichen Hauptausschusses, in dessen Händen die Betreuung des Ijcimes liegt, sprach Stadtverordneter L e m p e r t kurz über den Sinn und Zweck des Hauses. Die zahl- reich erschienenen arbettslosen Männer und Frauen, junge und alte, erquickten sich dann bei Kaffee und Kuchen. Anaeftellten und Beamten, Wallstraße 65-- Deutscher Holzarbeiter- verband, Runaestraße 30— Verlagsgejellschast des ADGB. Abt. Sortiment, Inselstraße Ka— Buchhandlumi I. H. W. DIetz, Linden- straße 2— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraßo, Ecke Luisenuser— Ziaarrengeschöft Harsch, Eitgelufer 24—25, Gc- werkschaftshaus— ZdA., Hedemannstroße 12— Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Drelbundstraße Z— Geschäftsstelle des Tourlstenvcreins„Die Naturfr«unde". Johannis» straße 15. Karten für Erwerbslose und Studenten zu ermäßigten Preisen an der Abendkasse._ Oer Schuß durch die Fensterscheibe. Sozialdemokrat durch Halsschuß schwer verletzt. Eine schwere Llullat, die zwei noch unbekannle Täler zu Urhebern hat, hat sich gestern abend in der Grünlhaler Straße obgcspiett. Durch das Fenster de» Lokals Grünthaler StraßcSZ.wodcr Zohlobend der 10. Abteilung stallfinden sollte, fiel ein Schuß, der den Bezirksführer Gen. 3 o d a r aus der Soldiaer Siraße 5 am halse so schwer verletzt, daß seine Uebrrführnng ln dos virchow-krankenhaus nokwendig wurde. Die Täler entkamen naertannl. Die gefährliche Kugel soll angeblich dem wlrl de» Lokals gegolten haben. Die Polizei ist mit der weiteren Untersuchung beschäftigt. Wie mis in später Nachtstunde mitgeteilt wird, konnte einer der Toter, ein Mann namens Krüger, von der Polizei ver- haftet werden._ Hundesteuer in Monatsraten? Die Berliner Organisation von Hnndefreunden„Mensch und Hund" veranstaltet Freitag, den 13. November, 20>4 Uhr. im„Nattonalhos". Bülowstr. 37, eine Versammlung aller Hundefreundc. um den Magistrat zu ersuchen, die Hundesteuer nicht wie bisher vierteljährlich, sondern monatlich entrichten zu dürfen. Eintritt frei! Schützo den Hai»! »tl»,» ib»« Sur0r. iroclca»»n fjgSSäjm Neue Preiskämpfe Die Konkurrenz der Brotfabriken Um den Kartoffelpreis Vielfach müssen in Berlin jetzt schon im November 4 0 Pf. für 10 Pfund Industrie- Kartoffeln bezahlt werden. Damit beginnen langsam die billigen Kartoffelpreise der vergange- nen Wochen aus dem Stadtbild zu verschwinden. Bei dem ge- schmälerten Einkommen der Berliner Bevölkerung wird diese Preiserhöhung für eines der wichtigsten Nahrungsmittel als außerordent- lich drückend empfunden. Di« Preisaufschläg« der Ladenhändler machen sich di« fliegenden Händler mit ihren Pferdefuhrwerken zu- nutze. Sie holen sich oftmals di« Kartoffeln direkt vom Bauern und bieten die Kortofteln unter Ausschaltung de» Zwischenhanoels für 30 Pf. j« 10 Pfund an. Noch schärfer tobt der Kampf um dt« Gestaltung de? Brot- p reit es in Beruft.' Man kann festftclleft, daß die Beschlüsse der Brotfabriten, die letzt« Preiserhöhung der Ladenbäcker nicht mit» zumachen, diesen di« Uebervortellung der Berliner Bevölkerung reichlich versalzen l>aben. Stichproben im Stadtteil Gesund. brunncn beweisen beispielsweise, daß um rund ein Viertel der dortigen Ladenbäckcr«s gewagt hat, den Preis für das Zwei«inhalb-Pfund-Brot auf 50 Pf. und den für das Dreieinhalb-Pfund-Brot auf 70 Pf. zu er- höhen. Die Mehrzahl der Bäcker beschrankt sich auf«inen Brot. preis von 48 bzw. 68 Pf. Hier im„hohen Norden" wirkt sich die Konkurrenz der Brotfabriken besonders aus, da die verschiedenen Großbäckereien fast in jeoer Straße«in« Filiale unterhalten. Nach wie vor ist die Preisstaffelung in diesen Filialen wi« folgt: Zweieinhalb-Psund-Brot_ 45 Pf., Dreieinhalb-Pfund-Brot— 65 Pf. »nd Fünf-Pfund-Brot~ 90 Pf- Gegen Vorzeigung des amtlichen Ausweises erhalten dt« Erwerbslosen dann außerdem noch j« Zw«I- einhalb-Psund-Brot 4 Pf. Rabatt, also«in Brot für nur 41 Pf. Unter dem Druck dieser Konkurrenz hat«in Ladenbäckcr in der Stetttner Straß« bekanntgemacht, daß«r an Erwerbslose«in Zwei- «inhalb-Psund-Brot schon für 40 Pf. abgibt. Selbst dos teure Landbrot vermag in diesem Stadtgebiet seinen 52-Ps.-Preis nicht m«hr ganz zu halten: ein Milchhändlcr in der Soldiner Straß« bietet das übliche Lonobrot für 45 Pf. an. Nickt übersehen werden darf auch die Brotoerkaussstclle eines Berliner Zeitungsverlages, wo an Erwerbslose ein Zwcieinhalb-Pfund-Brot für 38 Pf. ver- kaust wird. In Moabit kann man deutlich sehen: je weniger di« Kon, kurrenz einer in der Nähe befindlichen Brotsabrikssiliale drückt, desto teurer da, Bäckerbrot. Hier in Moabit hat übrigens der großer- Teil der Ladenbäcker die letzte Brotpreiserhöhung mitgemacht. Nur vereinzelt wird das Zweieiichalb-Pfuno-Brot noch mit 47 oder 48 und das Dreieinhalb-Piund-Arot mit 66 oder 67 Pf. abgegeben. Als wir vor einem Vierteljahr' Stichproben zu? Ermittlung des Brotpreises in Moabit machten, erwähnten wir eine Bäckerei in t«r Gotzkowskystraße, wo sich der Brotpreis in 45, 60 und 85 Pf. staffelte, bei Cen großen Brotsorten also noch unter dem Preis der Bratfabriken lag. Dieser Bäcker hat im Gegensatz zu seinen Kall«-- gen bis heule den billigen Pr«is beibehalten und erzielt dabei, wie der Augenschein lehrt, einen außerordentlich hohen Umsatz. Im Süden der Stadt ist das Bild ähnlich une in Moabit. Nur daß hier noch weit mehr Ladenbäcker di« Arotpreiserhöhung mitgemacht haben: fast allgemein müssen 50 bzw. 70 Pf. gezahlt werden. Allerdings fehlt auch hier nicht der groteske Zustand, daß zwei konkurrierend« Bäcker in einer kleinen Nebenstraße erhebliche Preisdifserenzen haben: nimmt der«ine 50»nd 70 Psi, dann ver gegenüberliegende Konkurrent 45 und 65 Pf. Allgemein kann noch gesagt werden, daß durch di« Konkurrenz der Brotfabriken auch der Schrippen preis gesenkt worden ist: fast überall sind die Bäcker gezwungen, 4 Schrippen für 10 Pf. zu, liefern. Nr. 53i• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 42. November 4934 Nicht viel dazu gelernt. Oer nene Gesetzentwurf über die Aktienrechtsreform. Als sich in den letzten Monaten die Skandale im Aktien- wesen häuften, entschloß sich die Regierung— nicht zum wenigsten dank der energischen Vorstöße der Sozialdemokratie—, die dring- lichsten Bestimmungen ihres Reformentwurfes vom vorigen Jahr mit einigen durch die neueren Erfahrungen gebotenen Aenderungen durch die Notverordnung vom 19. September in Kraft zu setzen. Alle übrigen Bestimmungen der Aktienrechtsresorm sollten auf dem Wege der ordentlichen Gesetzgebung erledigt werden. Nunmehr hat das Reichsjustizministerium den e n d g ii l- tigen Entwurf über die Aktien rechtsreform der Oeffentlichkeit vorgelegt, der alle Bestimmungen außer jenen ent- hält, die bereits durch die Notverordnung geregelt wurden. Der neue Entwurf lehnt sich, wie nicht anders zu erwarten war, eng an den alten Entwurf an. In einer Reihe von Punkten werden zwar Aenderungen gegenüber dem alten Entwurf vorgenommen, die meisten sind aber vom gesamtwirtschaftlichen Standpunkt nicht sehr wichtig. Die wichtig st en Verände- rungen des neuen Entwurfs sind folgende: Die Bestimmungen über den A u f s i ch t s r a t werden dadurch verbessert, daß entsprechend der sozialdemokratischen Forderung die Vekriebsratsmltglleder im Aufsichtsrat ausdrücklich als Teil des Aufsichtsrates bezeichnet werden. Außerdem wird ihnen, ebenfalls entsprechend unserer Forderung, das bisher vielfach von Unternehmungsverwaltungen und Ge- richten bestrittene Rechts gegeben, an den Generalversamm- lungen teilzunehmen.' Ueberdies sind sie von dem Stattfinden der Generalversammlung und ihrer Tagesordnung rechtzeitig vor- her zu verständigen. Hingegen verweigert auch der neue Ent- wurf den Betriebsräten das von der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion in ihrem Antrag vom 14. Oktober geforderte Recht, allen Sitzungen der vom Aufsichtsrat eingesetzten Ausschüsse beizuwohnen. Wird den Betriebsräten im Aufsichtsrat dieses Recht nicht gegeben, so bleibt der Umgehung der gesetzlichen Rechte der Betriebsräte durch die Einsetzung von Unterausschüssen des Aufsichtsrats weiter Tür und Tor geöffnet. Und es ist doch zur Genüge bekannt, in wie vielen Unternehmungen heute die Ver- tretung der Betriebsräte im Aufsichtsrat auf dem Papier steht, weil alle wichtigen Fragen dem Aufsichtsrat entzogen und Ausschüssen übertragen wurden, an denen die Betriebsräte nicht teilnehmen dürfen. Da» Recht der Aktienminderheil. Neu ist ferner eine Bestimmung, wonach eine Aktien- Minderheit, wenn sie 10 Prozent des Grundkapitals erreicht, * das Recht hat, einen Vertreter in den Aufsichtsrat zu entsenden. Sind mehrere Minderheitsgruppen vorhanden, so hat nur die stärkste unter ihnen das Vertretungsrecht. Mit dieser Be- stimmung will man offenbar die vielfach erhobenen Vorwürfe, daß der Entwurf des Reichsjustizministeriums die Recht« der Minder- heitsaktionär« noch immer nicht' genügend schützt und der Ver- waltungsdiktatur noch immer zu viel Spielraum lasse, be- schwichtigen. Man wird abwarten müssen, ob und wie sich das im neuen Entwurf vorgesehene Instrument der Minderheitsvertretung im Aufsichtsrat in der Praxis bewährt. Sollen durch die angeführte Bestimmung die Rechte der größeren Aktienminderheiten gestärkt werden, so würden durch eine andere Bestimmung die Rechte der kleineren Aktien- Minderheiten gegenüber dem alten Entwurf verschlechtert werden. Nach dem alten Entwurf konnte jeder Aktionär in der Generalversammlung Auskünfte verlangen und, wenn sie ihm verweigert wurden, die vorgesehene Spruchstell« anrufen. Nach dem neuen Entwurf hingegen ist dieses Recht an einen mindestens Iv-prozentigen Aktienbesitz geknüpft. Es ist nicht zu verstehen, warum diese Verschlechterungen vorgenommen'wurden, da ohnehin gegen den Mißbrauch des Auslunftsrechts genügende Sicherungen vorgesehen sind. An den gefährlichen Bestimmungen über die Stimm- rechtsapien wurde trotz der scharfen Kritik, die gerade dieser Teil des alten Entwurfs gefunden hat, nichts Wesentliches geändert. Ein gewisser Fortschritt besteht darin, daß bei nicht voll ein- gezahlten Aktien das Stimmrecht nur im Verhältnis des ein- gezahlten Betrages ausgeübt werden kann. Damit wird mit dem Mißbrauch aufgeräumt, daß Aktionärgruppen, die ihre Aktien nur zu V* eingezahlt hatten, doch das volle Stimmrecht, also in Wirk- lichkeit vierfaches Stimmrecht besitzen. Aber die Bestimmungen über die eigentlichen Stimmrechtsaktien bleiben unverändert, nur für die Uebertragung von Stimmrechtsaktien wird eine kleine Er- schwerung vorgesehen.(Nach dem alten Entwurf konnte sie mit ein- sacher Stimmenmehrheit beschlossen werden, nach dem neuen Ent- wurf nur mit der Mehrheit des bei der Beschlußfassung vertretenen Grundkapitals.) Damit würde der Skandal der Stimmrechtsaktien zunächst für drei Jahr« unverändert bestehen bleiben, und erst dann wäre die Möglichkeit geschassen, die Stimmrechtsattien abzu- schaffen, wenn die Mehrheit des Grundkapitals es beschließt. Es ist von den Vorkämpfern der Aktienrechtsresorm mit Recht betont worden, daß die ganze Reform ein Torso bleiben muß, solange man das wichtigste Instrument des Mißbrauchs der Verwaltungsmacht, die Stimmrechtsaktie, unbehelligt läßt. Wie richtig diese Auffasiung ist. ergibt sich daraus, daß nach der amtlichen Statistik von den an den deutschen Börsen notierten Aktiengesellschaften, am Kapital gemessen, bei etwas mehr als der Hälfte die verwallungsmacht durch Stimmrechtsaktien geschuht wird. und zwar besitzen diese Aktien im Durchschnitt das zehnfache Stimm- recht. Das bedeutet, daß bei der Hälfte der A k t i e n g e s eil- fchaften die Verwaltungen nur durchschnittlich ll» des Kapitals zu besitzen brauchen, um ihre Unternehmungen nahezu schrankenlos zu beherrschen. Daß daneben auch Fälle von hundertfachem und tausendfachem Stimmrecht vorkommen, ist bekannt. Andererseits hat sich immer wieder gezeigt, daß der „Schutz vor U e b e r f r e m d u n g", den die Stimmrechtsaktien an- geblich gewähren sollen, entweder«in sehr bedenklicher Schütz ist oder gerade in kritischen Situationen versagt. Denn niemand kann die Unternehmungsverwaltungen davor schützen,. eindringenden Unternehmungen ihre Stimmrechtsaktien zu verkaufen, natürlich mit einer besonderen Abfindung, während die übrigen Aktionäre das Nachsehen haben. Bekannte Beispiele sind die Fälle B a r o p e r Walzwerk und Eisenwerk Wülfel, jvo Vorzugsaktien einem inländischen Eindringling, und die Kammgarn- spinnerei Meeran«, wo sie einem ausländischen Ein- dringlich zu hohen Preisen überlasten wurden. Oder man denke an den Fall der bekannten Bleistiftsirma Faber, wo eine unfähige Verwaltung sich jahrelang mittels Stimmrechtsaktien an der Macht behaupten konnte und damit das Unternehmen an den Rand des Ruins brachte. Alle diese Mißbräuche will der neue Gesetzentwurf trotz der in den letzten Monaten gemachten Erfahrungen zunächst bestehen lassen. Demgegenüber verlangt der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, daß Stimmrechtsaktien nur mit Einwilligung des Relchswirt- schaftsministers geschaffen werden bzw. in Kraft bleiben dürfen. Rur wenn auf diese Weise die Kontrolle des Staate» bei der Anwendung des Mehrstimmenrechls eingeschaltet würde, könnte der Gefahr von Mihbräuchen wirklich gesteuert werden. Auch Bankenherrschafl über Depolaktien unverändert. Und ein weiterer schwerer Mangel des neuen Entwurfs ist, daß er sich ebensowenig wie der alte Entwurf an die Depotaktien heran- wagt. Es sollen also nach wie vor die Banken das Recht haben, das Stimmrecht für die bei ihnen deponierten Aktien aus- zuüben, das ihnen die Aktionäre in der Regel durch eine General- ermächtigung erteilen. Die Banken pflegen die ungeheure M a ch t f ü l l e �iber die Wirtschaft, die ihnen auf diese Weise er- teilt wird, gewöhnlich damit zu rechtfertigen, daß sie die Inter- essen der Aktionäre gegenüber den Verwaltungen der Aktiengesell- schaften wahren. Aber sämtliche Aktienskandale der letzten Zahre von Favag bis Schultheiß haben bewiesen, daß im Gegenteil die Banken mit ihrer erborgten Stimmenmacht in der Regel nur die Verwaltungen stützen, auch wenn sie noch so unfähig oder betrügerisch sind, oder daß sie sogar, wie im Falle Schultheiß, mit ihnen auf dem Rücken der Aktionäre zweifelhafte Geschäfte machen. Wo bleibt der Schutz der Aktionäre durch die Depotaktien der Banken in all diesen Fällen und in den unzähligen anderen Fällen, die der Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit entgehen, weil offene Skan- dale vermieden werden oder die Geschäfte„normal" laufen? In der Tat, die Banken haben sich des Rechts begeben, ihr Depotstimmenrecht mit dem Schutz der Aktionäre vor Verwal- tungsmißbräuchen zu rechtfertigen. Die sozialdemokratis-che Fraktion hat deshalb auch in diesem entscheidenden Punkt eine Vervollständigung der Aktienrechtsresorm verlangt, indem sie bean- tragt«, daß die Banken zur Ausübung des Depotstimmenrechts einer „für jeden einzeln«» Fall besonders auszustellenden schriftlichen Ermächtigung des Aktionärs für eine jede Generalversammlung" bedürfen. Auch der neue Entwurf über die Aktienrechtsresorm ver- dient also trotz seiner zahlreichen zweckmäßigen und einen gewissen Fortschritt darstellenden Bestimmungen nicht mehr als der alt« Ent- wurf und als die �llotverordnung, nur als erster Ansatz zu einer wirklichen Reform des Aktienrechts bezeichnet zu werden.' Die sozialdemokratische Reichstagsfrat» t i o n hat mit ihrem Antrag zur Ergänzung der Not- Verordnung den Weg gewiesen, auf dem sich eine durchgreifende Reform des Aktienrechts vollziehen muß. Nur wenn diese nun- mehr dem Reichstagsausschuß vorliegenden Anträge in den neuen Gesetzentwurf, eingearbeitet werden, wird er wirklich als umfastende Reform des Aktienwesens anerkannt werden können. Der erste Montan-Abschluß. Kleiner Reingewinn des Klöckner-Konzern. Von den großen ZNonlankonzernen an der Ruhr eröffnet der Klöckner-Konzern den Reigen der Jahresabschlüsse für 1930/31. Da Geschäslsberichl und Bilanz noch nicht vorliegen, läßt sich aus den bekanntgegebenen Ziffern noch kein abschließendes Bild gewinnen. Der Betriebsüberschuß ist von 35,6 auf 24 Millionen Mark gesunken. Zugleich haben-sich soziale Lasten vou 7,35 aus 6,44 und die Steuern von 7,34 auf 6,34 Millionen Mark verringert. In der fast 13prozentigen Senkung' der Sozialabgaben kommt nicht nur der Velegschaftsabbau, sondern zugleich die Lohn- s e n k u n g in Gestalt verminderter Beiträge zum Ausdruck. Dagegen sind die Lasten aus Anleihezinsen mit 3,34 gegen 3,38 Millionen Mark unyerändert hoch geblieben. Wie bei den anderen Montankonzernen sind asto auch bei Slöckner die fixen Kosten der wunde Punkt. Räch Kürzung der Abschreibungen von 10,3 auf 7L Millionen wird ein kleiner Reingewinn von 4915 Mark gegen 6,85 Millionen Mark im Vorjahr ausgewiesen. Auch bei den Maschinenbetrieben des Slöckner-Koozerns, der Humboldt- Deutz-Motoren A.-G., die im vergangeneu Jahr noch Dividenden von 5 und 10 proz. zahlten, ist ein kleiner Gewinn von 38 750 Mark erzielt worden. Es gibt noch Großverdiener. 40 proz. Kohlendividende/ Verstärkte Selbstfinanzierung Die Bubiag, Braunkohlen- und Brikettkudustri« A.-G., neben dem Petschek-Konzern und der Ilse eines der größten Unternehmen im ostelbischen Braunkohlenreoier, veröffentlicht jetzt Bilanz und Geschäftsbericht für das am 30. Juni beenoete Betriebssghr 1930/31. Das letzte Geschäftsjahr der Bubiag lag von Anfang bis End« in der verschärften Krisen per! od«. Bei den Gewinnziffern der Gesellschaft ist hiervon aber nichts zu spüren. Obwohl der Brikettobsatz um 7,2 Proz. auf 1,60 Mill. Tonnen, der Rohkohlenabsatz sogar um 37,2 Proz. auf rund 148 000 Tonnen zurückging, der Absatz an�Ziegelsteinen um 32,5 Proz. zusammenschrumpfte uno auch der Stromabsatz«inen Rückgang von 3,1 Proz. aufweist, sind die Betriebsgewinne mit 8,62 Mill. nahezu unverändert ausgewiesen; auch der ausgewiesene Reingewinn hält sich mit 2,33 Mill. auf der Höhe des vorhergehenden Jahres: Dementsprechend bleiben auch die Aktionärsgewinne mit einer Dividende von 10 Proz. unver- ändert hoch. Dieser sehr gute Krisenabschluß der Bnbiag ist im wesentlichen ans d'e großen Rationalisierungsgewinne zurückzuführen, da infolge anhaltender Leistungssteigerung der Belegschaften der Lohnanteil an den Produktionskosten ganz bedeutend gesenkt worden ist. Einige Ziffern mögen dies verdeutlichen. So lag die Kohlenförde- rung mit 4,70 Mill. Tonnen im Berichtsjahr um 15 Proz. über den Förderzifjern von 1924/25, während die Brikettproduktion mit 1,54 Mill. Tonnen die Fabrikation von 1924/25 noch um 18,5 Proz. überstieg. Demgegenüber ist die Belegschaft im letzten Jahre bis auf 3418 Mann abgebaut worden, so daß ihr Bestand um 2 0 Proz. niedriger ist als im Vergleichsjahr 1924/2S. Zu dem Thema Kapitalbkldung im Braunkohlenbergbau liesert der Bubiag-Abschluß neues Material. Obwohl die Gefell- schaft in dem schwersten Krisenjahr eine Konjunkturdividende aus- rechterhält, ist sie in der Lage, die seit Iahren betriebene Politik der Selbstfinanzierung noch zu verstärken. Seit der Stabilisierung sind die Abschreibungen, die zur Finanzierung von Neuanlagen dienen. Jahr für Jahr herausgeschraubt worden So stellten sich die Abschreibungssätze j« Tonne befördert« Rohkohle 1924/25 auf 41 Pfennig 1926/27. 57 1928/29. 66,6„ 1929/30 aus 68,8 Pfennig 1930/31. 80 Demgegenüber tritt sogar die Selbstfinanzierung innerhalb des Petschek-Konzerns und der„Ilse", die 1930 nur 68 bzw. 70 Pf. je gefördert« Tonne abschrieben, zurück. Bei einem Kapital von 20 Mill. Mark betragen die Abschreibungen bei der Bubiag in den letzten fünf Iahren rund 18 Mill., woraus die Steigerung des Substanzwertes bei diesem Unternehmen ersichtlich wird. Diese Ueberspannung der Selbstsinanzierung wurde auch auf allen Generaloersammlungen der. letzten Jahre kritisiert. In diesem Zusammenhang ist es noch notwendig, ein Wort zu den wirtschafts- und sozialpolitischen Anschau- u n g e n der leitenden Männer des Bubiag-Konzerns zu sagen. So erteilte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Dr. Oppenheim er, auf der letzten Generaloersammlung der Forderung eine« Aktionär«. auf Abbau der überhöhten Aufsichtsratstantiemen die ebenso pro- vozierende wie zynische Antwort: Man sei la der Verwaltung der Meinung, eine Tantiemensenkung könne erst in Frage kommen, nachdem eine Lohnsenkung erfolgt sei. Nicht weniger herausfordernd waren auf der gleichen Versammlung die Erklärungen, die Generaldirektor Büren zur. Preis- senkung abgab. Herr Büren hatte oie Stirn, zu erklären, daß die freiwillig«(!) Preissenkung am 1. November 1930— die in Wirklichkeit nur unter dem, Druck der Regierung erfolgt ist—«ine falsch« Politik der Produzenten gewesen sei. Wird die R e i ch s r« g i e r u n g aus solchen Beispielen lernen, daß von Wirtschaftsführern dieses Schlage« nur wenig Einsicht und wirtschaftliche Vernunft zu erwarten ist? In der Kartell- uno Preisfrage sollten die Konsequenzen daraus hart und unerbitt- lich gezogen werden. Der Konsum im Oktober. Die K o n s u mg enossenschaft Berlin und Um- g e g e n d hat im Oktober das zweite Hunderttausend der Mitgliederzahl überschritten. 1536 Haushaltungen schlössen sich im Oktober der Konsumgenossenschaft Berlin und Um- gegend an; die Zahl der Mitglieder hat 200 231 erreicht. Der Oktober-Umsatz betrug 5 776 791 M., wovon 4 298 604 M. auf die Lebensmittelabgabesiellen entfielen. Im Durchschnitts- umfatz je Mitglied zeigt sich gegenüber dem Vormonat ein Fort- schritt; der purchschnittsumsatz betrug im September 27,32 M., im Oktober 28,85 M. Eine allgemeine Umsatzbelebung ist nicht möglich, weil vermehrte Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in Verbindung mit Lohn- und Gehaltsabbau die Kaufkraft der Verbraucher immer stärker schwinden lassen. In der konsumgenossenschaftlichen Spar- lasse sind trotz aller wirtschaftlichen Hemmungen die Cinzgh» lungen im An st eigen begriffen. Während im September der Spareinlagenzugang 815 661 M. betrug, konnte im Oktober ein Zu- ggng von.1 180 504 M. verbucht werden. Im Laufe des Monats wurden 476 Sparkonten neu eingestellt. Leidet Ihr Haar an gespaltenen Spitzen? Das ist eine unangenehme Erscheinung, die anzeigt, daß Ihr Haar durch die Brennschere oder durch Waschen nnt ungeeigneten Mitteln aus- getrocknet, brüchig und spröde wurde. Pflegen Sie solches Haar regelmäßig mit Schwarzkopf-Extra und spülen Sie stets mir dem beigefügten„Haarglanz" gründlich durch, dann wird Ihr Haar wieder straff, elastisch und gesund— Sie merken es selbst an dem wundervollen Glanz. Dann könnm Sie es auch ohne Sorge wieder ondulieren lassen. Schwarzkops-Extra mit„Haarglanz" nnd Schaumbrille gibt es in 3 Sorten: für helles, für dunkles Haar und.„Extra-Blond". wö't&iPHtymifi' M ftUtHo-ufPnuü' w Verschärfte Devisenbewirtschaftung. Oie 7. Oevisen-Notverordnung. �.rotz der bereits im September und Ottober mehrfach durch- �«führten Verschärfung der Deoisentontrolle hat sich doch gezeigt, daß auch die verschiedenen nachträglichen Verordnungen nicht alle Löcher für die Kapitalflucht oerstopft haben Der Kernpunkt der gestern im„Reichsanzeiger" veröffentlichten 7. Verordnung über die Devisenbewirtschaftung ist, daß nunmehr auch die Geschäfte mit Dollarbond» genehmigungs- pflichtig find. In Dollarbonds, also in deutschen Anleihen, die in Amerika aufgelegt sind, hatten in den letzten Wochen ganz beträcht» lich« Umsätze und dementsprechende Kurssprünge nach oben eingesetzt. die im wesentlichen durch deutsche Käufer an der New- Jorker Börse hervorgerufen waren. Nach der neuen Verordnung dürfen jetzt inländische Wertpapiere, die auf eine ausländische Währung lauten und an den deutschen Börsen nicht zum Handel zugelassen sind, nur mit Genehmi- g u n g der Stelle für Devisenbewirtschaftung erworben werden. Auch der Transfer der Erlöse aus ausländischen Effektenverkäufen, der den Devisenbestand der Reichsbank stark beansprucht hat, wird durch die neue Verordnung gesperrt. Hier zeigt sich, daß die von den Banken gegebene Zusage, ausländische Effettenaufträge abzulehnen, ihren Zweck nicht erfüllt hat. Schließlich fleht die neue Verordnung noch vor, daß auch der Kauf ausländischer Wertpapier«, die an deutschen Börsen notiert werden, in Zukunft von der Devisenstelle genehmigt werden muß.» Sonderverösfenllichungen des Spezial-Archio der Veulfäien -■■ HZ..-/..• i■• Wirtschaft. Im Verlag von R. u. H. H o p p e n st e d t, Berlin S! das sich schon durch da» ausgezeichnete„Grünbuch der deutschen Aktiengesellschaften" einen Namen gemacht hat, erscheinen soeben einige Sonderdarstcllungen über deutsche Großkonzerne: der A E G.- Konzern J931(2 Mark), der Siemens-Konzern 1931 (4 Mark), die Kali-Chemie A.-G.(3.S0 Mark). In sehr an» scbaulicher und lückenloser Darstellung werde» Aufbau. Arbeits- gebiete, Kapitalverhältnisse, Beteiligungen und anderes mehr be» handelt Ein umfangreiches Zahlenmaterial über Umsätze, Beschäftigte und Bilanzen, stets mit Vergleichsztffern für die Vorjahre, ist beigefügt. Es gibt kein besseres Jnformationsmaterial! All» gemeines Interesse aber kann die Sonderschrift ,fi Jahr« Deutsche Reichsbahngesellschaft"<2 Mark) beanspruchen. Sie informiert nicht allein über Ausbau. EntwiKlung, Statistik und Finanzen der Deutschen Reichsbahn: auch die wichtigsten Beltim- SsstSn-i abend, 7 Uhr, verschied mein herzensguter Mann, der gute Vater, Schwiegervater und Großvater Friedrich Bartels im 61. Lebensjahr Eine Herzlähmung beschloß sein Leben, das reich an Arbeit, Müh' und Kämpfen war! Im Namen der Hinterbliebenen Meta Bartels v-',■ fev- '■> mungen aus dem Reichsbahn-Gesetz werden mitgeteilt. Auch hier sind Vergleichsziffern für mehrere Jahre beigefügt. Jeder, der sich über die Lage der Reichsbahn ein Bild machen will, findet in diesem Heft die nötigen Angaben.» � Aus der Partei. Der parleilaq der Sozialdemokralischen Arbeiterpartei Deutsch. österre'chs tritt am 12. d. M., dem zuin Staotsfeiertag erhobenen Datum der Vertündung der republikanischen Verfassung, in Graz zusammen, also in der Hauptstadt der Steiermark, wo jüngst die Heimwehr erfolglos geputscht hat. Der Eröffnungssitzung geht«in« große Demonstration vorauf. Zu den Massen werd«n Otto Bauer- Wien und Friedrich Stampfer- Berlin sprechen, der den Parteivorstand auf o«m Kongreß unserer Bruderpartei vertritt. Allgemeine Wetterlage. 4934, abds. ®Milk«nJdk,(3 heirer.'O halb bedeckt ilk*),ebedeckt»RegBHAGr3upeln i5chneftBNBbeCRGawiftec®Win(tstille Das umfangreiche Tief, dessen Kern sich immer noch über den britischen Inseln befindet, oerflacht sich jetzt schneller. Die Warm- luft ist aus dem engeren Bereich des Tiefs verdrängt. Sie befindet sich nurstellenweise über Südeuropa und dem Balkan. Bei südweft- lichen Winden blieb das Wetter in Deutschland mild: Ist Grad Celsius wurden noch vielfach überschritten. Regenschauer kamen noch im größten Teile des Reiches vor, doch fielen nur vereinzelt«r- heblichere Regenmengen. Das britische Tiefdruckgebiet wird sich nach den herrschenden Druckänderungen noch etwa» nach Nordpsten vor» lagern, sich dabei aber jetzt schneller verslachen. Bei abflauenden Winden dürften die Temperaturen etwas sinken, da allmählich die Luftzufuhr aus nördlichen Breiten erfolgt. >» wettecaussichten für Berlin: Wechselnd wolkig, kein« erheb- lichen Niederschläge, Temperawren im ganzen etwas niedriger, ob- flauende südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden ruhiges, teils wolkiges, teils heiteres Wetter, bei wenig veränderten Temperaturen, in�Nord- und Mitteldeutschland etwas veränderlich, vereinzelt noch Schauer, etwas Temperaturrückgang, obslauend« Winde. Di« Firma ftaflcu«»Neegeschast®. nu b. H. hat der Deutsch«» Winter. hilf« Lebensmittel zur Beritiguna gestellt, und zwar in regelmäßigen Monat. lichen Zuwendungen, die>» der Hdl,« in iljrer Gesamtheit etwa Z0 Waggon au«. machen. Aus die BerNner Winterhilfe entfallen hiervon monatlich Lebensmittel im Werte von 1000 M.. Preuhifch-SUddeutsch-»lassenlottkrie. Die beiden Hauptgewinn« von i« 100 000 Reichsmail fielen in der am 2t. und 22. Oltoder stattgefunden»» Ziehung 1. ttlafsc 38. i2S<.> Lotterie gist Nr. 896 259 in den beiden Abtei- Ä8! und H. Die neben vielen anderen grSheren lasse fZtebung am 29. und 2l. November) bringt _______.. eren Treffern wieder 2 Kouptgewlnne. von IS 109 999 Reichsmark. Die« r n e u e ru n g der Lose zur 2.»Uass» muh plan. mäßig spätestens b t»« u m 1 3. November, l» U ift, bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie.Ewnahm, grfchehea. Fllr neu«im tretende Spieler sind noch stauflose in allen Abschnitte» zu haben. The/tUi CtchUpteU usw Li____ Lj.mui-i.au.i_,—'yyrrsjp K�f j' Sfaali Thealer Oonocrsiaa, den iz. November staatsoper Unter den Linden 19*/i Lihr.— UraaffObrunt Das Herz* Staatlidiaospielhaus UnuUmnuitl. 20 Uhr Wallenstßlns Ted Schlll�Theater ChuWWng. 20 Uhr me Berne sudü I NUR NOCH 4 TAdBI J GROSSES XrSCHAUSPiElH. TÄGUCH>1 fi UHR RE/. Uhr Die Dabarry mit Gitta Aipar Preise v. 9.59 M an infernafionales Thealer (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Morgen t Uhr Gutspwl dar Spiilgnnainsdiaft lartlier Sdnugialir Zum 1. Mate; SCtlBldUnfl nn Silj'rieil lleainiiin.— Regie: Heinz Stroux In Voibereliung: AFFENTANZ. Regle: Dr. Mannlng. Beteuc Auch bis zu 18 Monatsraten ttaddata* -Berlin W6. LeipziaerStr.122-123— Oarten- 9.15 llls flors 3A3A Haudien erlaebl 4 Queens Gaston Paimer 2 Olveras 2 Hockneys O.» w. SlädiaOper Charlottcnbur« Sismarcksttaße 54 Donnerstag, 12 Nv Turnus IV Anfang 29 Uhr Bohems hnde 22 Uhr Oearsdiis meaiei « Uhr GesdildKeD pus dem VleoerVald von Oedön Horvath Regie; Heinz Hilpert Voiusotthne Theater am BOlowplatt 8 Uhr Das vierte Gebol Die Komödie 8Vj Uhr Jemand Van Franj Holair Regia: Itetat Srtwlgtin KurlUrstenoamm- Theater Bismarck 448/4V 8V« Uhr von Ilse Langher Reg Ludwig Berger litalnlli: AgnesStraub Theater desWestens Täglich 8>,. Sonntag 5 und i'/i Das Drel- mäderibaas mit Maria Paudler Guttmann.Engllsch Prelafe v 5o Pf. an ,-Tteatir in I Stresemannstr. I Bergmann 21 10 1 Täglich an» 1 Datuti. Haai. Ott«. Unlmri. SOrott Kopl In der Sdmngc [ Regie; A. Licho| Anss dt neiden! AIleJakobstr.30-32 Sonntgs. auch S'i Scfawarrwald- mädel Shm. Cmil, SM Jessel dirigiert GntsdL Paitt.-Ftit.0J0 Mittwoch 4 Uhr Harry Oondy in asnseln. Bretel IriAiaiirUHiinCesdirek Stall. Sdtiller ..».vh- Dle Herde sodil meiropoi-Tneaier Täglich 8V« Uhr Sonntags 5 und Vu DI« Blume wön Hswai Operettev.Abraham Preise von 50 Pf. an Zch liefere basllr mein Zoln labat. Soclimeni «Pstfficu»-Ehag0 74 x>Shamuz>., Ö.S2 .»Rellöt., 088 - ftäller.„ 0.92 ovWolkenformer 0.39 ' roktiilLHauollatol. b.Wrlirufkatend. All. ius. Porto.> und verpait.0 sr«i nur ML«5. 5 0 Wenn®i« biet« An- nonce ausschneiden und heul« odienben. Wkia» Innen haben Sie in Z Taj das Patet u. läm.... sich llderzeuaen. wie gross die gfrsparniö ist. s-in Tabak direkt zu bestellen aus der RamttnWtlaMIi Weltruf E. Höllßr, Brodisai in Baden. Nr.;64. __ JUERGENS Alexanderplatz Neue Königstr.43 Reichshallen-Theater Adamk I mir. Senntag nadtmittag 3',»K Stettiner Sänger Ol« neue Burleske „DerarmeKasemir" Radunittags halbe Preita. vtllts Progniniiil HAffllAHD . i/gun� Restaurant Berlind BETRIEB KEMPIHSKIlJ DmitsilieillMatlielMiliiiiil FonKilonäre der BTfi. vounerakag. den 12. 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Die technischen Hochschulbauten der Gründerjohre um 188» an der Berliner Straße haben bisher zwei Erweiterungsstufen durch- gemacht. Die erste, um die Jahrhundertwende, bracht« den ersten Bauteil des sogenannten Erweiterungsbaues am Knie und die Der, suchshallcn an der Fasanenstraße. Die zweite Entwicklungsstufe sollt in die Kriegs- und Nachkrisgsjahre 1912 bis 1928. Sie war bedingt durch die Uebersiedlung der Bergakademie von der Jnvalidenstrahc und ihre Einbeziehung als selbständige Fochabteilung in den Organis- mus unserer Hochschule. Der gerade durch den Krieg so überstürzend woiterentwickelten Technik trug diese Erweit-rungsperiod« aber nicht Rechnung. Besonders litt darunter das Physikalische Institut. Und es stand fest, dalt ihm neue Räum« in nächster Nähe des Mutter- Hauses geschossen werden mußten. Man griff aus das benachbarte siskalischs Grundstück der Tiergartenoerwaltnng über, und zwar«nt> lang der Kursürstenallee, um dieses neue Institut von den Crschüttc- rungen und dem Lärm der Hardendergstras-c sowie den magnetische» Störungen der elektrischen Berkehrscinrichtungen dieser Straße frei- zuhalten. Betriebsfertig ist bis heute nur das Physikalisch« Institut, und es besteht die Absicht, wenn irgend die Mittel es gestatten, den restlichen Bauteil des Bauingenieur-Laboratoriums und das Institut für Bodenmechanik, für welches der Neichebahnsiskus einen namhaften Betrag zur Unterstützung bereitstellte, im kommen- den Jahre auf gleicher Grundlag« sertigzustellen. Die Mittel, die der Kostenanschlag vorsieht, belausen sich für die reinen Bauarbeiten auf rund 2,8 Mill. Mark. Die innere Einrichtung ist aus rund SSV 00V M. berechnet. Der Neubau wurde von der Preußischen Staatsbauvcrwaltung, deren Leiter der Ministerialdirektor Dr. Kießling ist, unter dem Referat des Ministerialrats Dr. S ch i n d o w- f k i von der Preußischen Bau- und Finanzdirektion geplant und ausgeführt. /—— � Gegen das Gehaltskürzungsdiktat. Im Sitzungssaale des Provinziallondtages veranstaltete der Laiüdcsvcrband Brandenburg des Zentralverbandes der Beamten und Angestellten der preußischen Proviirzialver- waltungen eine überfüllt- P r o t e st k u n d g e b u n g. die sich gegen die vom Oberpräsidenten angeordneten Gehaltstürzungen richtete. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde gegen dos vom Oberprösidenten aus Grund der Preußischen Spar- Verordnung erlassene unerträgliche Besoldungsdiktat Einipruch er- hoben. Der Landesverband sei in Uebereinsiimmung mit dem Preußi- schen Staatsrat der Auffassung, daß in der Preußischen Sparverord- vung eine große Zahl von Bestimmungen das Maß des zur B«- jeitiguvg des Notstandes Erforderlichen erheblich überschreit«, so daß diese völlig unvereinbar mit der Reichsverfasiung sei Die Herab stufungen hätten ein derartiges Ausmaß erreich», daß von fazialem Empfinden überhaupt nicht mehr die Rede fein könne. Der Landes- verband erwarte, daß in sinngemäßer'Anwendung der Entschließung des Preußischen Äindtoges vom 22. Oktober die unglaublichen Härten des Diktats der?luisichtsbehörd« wieder beseitigt würden. Entschließung der polizeibeomten. Der Erweiterte Borstand der Rcichsgewerkschoft Deutscher Palt zeibca mten nahm in seiner Tagung vom 11. No- vember«ine Entschließung an, in der es heißt: Die deutsche Polizeibeamtenschaft ist stet, bereit, ihr Test zur Stabilisierung der Berhältnissc in Deutschland beizutragen. Sie mutz aber jetzt feststellen, daß für die Polizeibeawtenschaft. auf der als Schützerin der Staatsautorttät und der staatlichen Sicherheit die ganze SAiwere der Zeit lastet, die täglich ihr Leben für de., Staat einsetzt und Opfer an Leben unb Gesundheit bringt, eine weitere Belastung durch neue Schmälerungen ihrer Rechtsgrundlage und Besoldung schlechterdings nichtmehrtrag- bar ist. Die Polizeibeamten fordern von der Reichsr-gierung und den Regierungen der Länder Anerkennung und Berücksichtigung ihrer schweren und gefahrvollen Aufgaben. Sie erklären mit allem Nach- druck, daß sie sich au« innerster Ueberzeugung zur Deutsche n Republiku n dihrerdemokratischenBer» sassung bekennen und alles, was in ihrer Macht steht, zum Schutz und zur Erhaltung des deutschen Bolksstaots tun werden. Havelpiraten stehlen Außenbordmotor. In der Nacht vom Sonntag zum Montag entwendeten Diebe, die mit einem Boot an der Hausbootes am Grunewaldturm heran- den Anlegesteg '' s en Außenbordmotor. fuhren, aus einem bicr besestigten Boot einen Z,ö LS„Efszett�- Erkenntlich ist der Motor an einem auf der Schwungscheibennabe unten ausgezogenen Rmz. Für zweckdienliche Meldungen, die zur Wiederbeschaffung führen und an den R e i ch s- wasserschutz Spandau zu richten sind, zahlt der Bestohlen« 2ö Mark. WM ElEfl� SozialisiischeArbetterjugendGroß-Verlin ii M. chland". lünttlich I E>n>cnt»»igen für tiUlf Rubrt» nur an das Iugendtekrelariat |-Berlin EW 68, Slndenftrafi« 3 Streichorchester«bcoh Berttn. Gruppe LIchtrnderg. Heute, 13 Uhr, Probe beim Genossen Äolrns, Frietrichstr. HO, v. II. ÄbteNuagsleit«! Reicht sofort do» Monotsprogromm für Bejembet ein. Bonft bei her Refetentenbcftellung an die Zeiertaae. Anmeldungen für ben Kursus des Bezirksaussthnffr» a««uhtag am Ueder. ftt müssen bis heut« eingereicht werden. Kosten einschließlich-Zabrgeln (Senoffc. Decker spricht Uber:„Die Ausgabe» der Arbeiterktnsse in Deutick Der sestgelegto Rrdnertnrsus beginnt am kommenden Sonnal ig.s, Uhr tm sugendhelm uindenstr. 5, r I, und findet dort regelmoßtg an sechs Abenden statt. Zur Tetlnahnie berechtigt sind nur die bereit» gemeldeten Genossen. Weitere Anmeldungen kättnen nicht mehr entgegengenommen werden, SunftioBörcctsomwlnng. Montag. J8. Aonember. 19VÖ Uhr, in der Au.» Aochstr. IZ.„Die Arbeiterklnsse im Komps gegen dt« Reaktion." Referent: Genosse Dr, cuht. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Heute, Donnerstag. 131- Ahr. Rar»««: Oathing. Sck« tttounstroh«. Arheiterfuhrer, 3. Teil.— Humau». platz: Gleunstr. Ztz-�Sb. Tagespolttik.—«rusmaldei Platz U« Rastenburgee Straße 16. Biktor.Adler.Medenkseier.— S-Uplatz I: Sonnenburger«tr. JO. Sie KP®, und ifju Politik.— Aordosten Ui Danziger 6«. 62, B. z. Tage». Politik.— Schönhauser Barstadt: Sonnen:durge- Str. 23. Da-> Pa-tf-iarcgrcmm der NSDAP.- stottSuIser Tor: Urboustr. 167. englische Ardeiierbewegung Köpenicker«tertek, Wrnngesstr. 13*. Heimabend.— Hosenheid«: Wassertor. ht.-. Südwest«»: Lindenstr.«. ��>»hnnz»Nag�v. --'l Hpori, M______«upd, lehr« de» Marri»mu»,'t. Dtzkl." M«i»iil»udoif,W«ft: H«td»lstr. 1. Kenolution. «orb«b»,irt Mitt«: stdptnicker Sir. 32. Borstandssttzung., �. Werdtdezirk Tiergarten: Erwerbslasenßusammenkunft um 16 Uhr Im Krim Prem er Str. 70. Werdebezirk Pr«nelau«r Berg: Ziebenburger Str. 16. 20 Uhr Semrrkschaf!». «ueschu�uttg. dedezirl Tempelhof: 3� Uhr Ermerbslosenjusommenkunfl in Tempelhos, Götzsteatze. —«desiri»«ulMn: Madelkuri»» tm H«tm Zusthenstr. b« um 20 Uhr.— erwerbslos«. Pünktlich 1Z Uhr Serzstr. Z». Desichtigung dar D««ag-Ä>l»stAll»nz im Qjtxopahaua. Einsendungen für dies« Rubrik sind Berlin S53 68, Linden strotz« 3, parteinachnchten�Nfür Groß-Verlm stet» an da» Bezirk»sekretartat 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richte» Fragebogen einsenden? Di« Abteilungstassierer werden nochmals daran erinnert, daß dt« Fragebogen wegen der Anzahl der Erwerbslose« unbedingt bis spätestens am j.8. November d. I. tn unseren Händen sein imissen.— Abteilungen, die dem nicht nachkommen, haben sich die daraus entstehenden Folgen selbst ziiznschreiben. I. A.: Alex Pag eis. «- Beginn aller Veranstaltungen IS�s Uhr. sofern keine besondere Zeitangabc! Heule. Donnerstag, 12. November. 3. Um», 16 Uhr im Jugendheim WU!de»awstr. 5 Zusamme-lu-st sämtliche» erwerdslosen Seuosfluucu und Geuosse». Vortrog de, Genossen Pool Bern- steiu. tl..streis. I« Uhr bei Bin, Martiu Lother-Slr. 6», Zusammenkunst akler«». werdslsseu»enosfiuneu und Genosfeu. Um 2« Uhr Im gleichen tzokol«ursv» de, Genossen Roohtoli. 18. JSrrt». Erwerbslose Parteigenosse»! US Uhr Znsommeukunst t« der Aale de» neuen Lmenm». Piftoejusstrahe. Referent: Genosse Dr. Salomou Schwär». Anschließend<17 Uhr) künstlerische Unterhaltung. 33. Adt. Die Betirksfiihrer haben sofort, soweit noch nicht geschehen, die Ar. beiislosen ihre, Bezirke» dem stasstorer mitzuteilen, spatesten» bi, 14. Ro. rembet. Desgleichen sind die Eportpalastkaiten obturechnen. dt. Foriseßung des Kursus Satloch:„? des Bürgertum» und der Kampf der Arbeiterklasse .Die geistigen Machtmittel '" In der Paradies klanse. !3I. und 132. Abt. Fortsetzung des Kursus des Bürgertums p'' Alt» Treptow 4—2). Morgen. Freitag. 13, November. 122. Abt. gusommenkuuft aller iuugeu Parteigepasfen»an 18 bi» 3» Türlischen Zelt, Breite Str.>4. Ernndungsuersammlung. Dr Schwarz: Aufgaben der iuugeu Seueratia» in der Partei. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. Jahre» im Solom»» Seminar für Wahlfahrtspflege. Donlierstag, 12. Ronember, 20 Uhr, N im Roten Saal der Kanimersäie, Teltower«Str. 1—4, Vortrag des®e. f3 Nossen Paul Gerlach-Düsseldorf, M. d. R., über:„Die Auswirkung S der sozialpolitischen Bestimmungen der Notoerordnungen auf die Wohl. sohrtopslege". Alle interessierten Genossensinnen) sind willkommen. is-i 3.#T5i» Wedding. Donnerotag, 13. Rovember, 13 Uhr, im ischrader-Eaal, Molplagueistr. 14, I. Kursusabend über Strafvollzug, Gefangenen, und Gut. lessenensürsorge. Leitung: Dr. Else Rosenfrld. Vereinigung sozialdemokratischer Zuristeu. »ousercn, am IZ. Ropemder pünktlich um 2« Uhr im Saal 3 d«, Pschorr. Hnuse», Tauentzieustr. 13. Schema; Dir Krise der Priuatrcchtsardnuug uud dir Wirtschastsuerfassung. Referent: RechtsauwaU Dr. Frau, Rcurna»». Zatrr. esüerU Parteigenossen, insbesondere aup den Kreise« der Geweitschastsfnotti»- rorr, al« Säfte willkawme». Arbeltsgemeinschaft der Siudersreuade Groh-Berlin. Im Raihan» Nenkäll» um 20 Uhr. Brieselang. Treffen Sonnabend. am Lehrter Bahnhof, Adsahrtsei rt. Honte Beginn de» Gemfi Kienzderg. Helforfahrt nai 14. Rooember, 17 Uhr, am Lehrter Bahnhof, Adfahrisette. Nach 'zler Sonntag, 7 Uhr, ebendorr. deuköllu. Heute, Donnerstag, besuchen alle interessierten Falken die Stodtbücheret Schonftedtstr. 10. Um 17 Uhr Leseabend. Der Rote Kasper bei den Neuköllner Falken. Margen. Freitag. in der Karl.Marz.Schnlr, Kaiser-Friedrich. Str. 227. Die Gruppen sind In der Nrihensolge zu den beiden Veranstaltungen eingeteilt. 1. Barstelliing l.h'Z Uhr: Fritz Reuter. Jungoolk. Hturmsalke, Aufbau. 2. Borftellung 17', Uhr: Kurt Sisver. Lichtkämpfer, Launolk, Apanti, Quelle. Alle Arbeiterkinder und Eltern find eingeladen. Unkosten 13 und 23 Pf. �aheufchönhoufru. 17—19 Uhr Basteln in der Freirnwalber Straßeh Uchr. im Krematorium Gerichtstratze. Rege Beteiligung wird erwartet. 16. Abt. Unser Genosse ssrankl, Brunnenstr. 78, ist plötzlich verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, ll'ch Uhr, Krematorium Serich:. straße. Rege Beteiligung ist erwünscht, 38. Abt. Am 8. November verstarb im Alier tum 64 Jahren unser Genasse Bruno Echmitto, Polisadenstr. 37. Ehre seinem Andenken. Beerdigung Do». nerstag, 151, Uhr, Petri. Kirchhof. 33. Abt. Genossin Johanna Mielentz ist im 73, Ledenosahr nach schwerer Krankheit am 3. November gestorben. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 12. November, 13 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt. Um reee Beteiligung bittet der Abteilungsvorstand. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz- Rot-Gold". SeschäMssteltei Berlin 6 14. Eebastianstr 37—38 Hol 2. Tt Freitag, 13. November. Tiergarten. 3. Kameradschaft. 23 Uhr Kawe- radschastsoeriammlung bei Rickert, Stetnmetzstratze. Neferai: Di-e vember, 23 Uhr, Turnabend Friedrich, m der Ti urnhalle Diestelmeyerstr. 5— 6.— Wedding lOrtsverein)..Kamerad Emil Frank ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Sin, »scherung Donnerstag. 12. November. ll'/J Uhr, im Krematorium Gerichtstratze. Rege Beteiligung wird erwartet._ Bollschor„Harmonie", Charlottenburg. Donnerst« Uebungsstunde des gemischten Ehore». Freitag, lbztz oa, 13« Uhr. M. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin. Gefchästsslelle: P. Schneider, Verttn NO. S5. hnfelandstr. ZI. Uhr. ______ l____ W, WWWWMW änner» chor, Generalprobe und Konzert in der Hochschule. Sonntag, Ii", Uhr, ge- mischter Ehor.„Märkischer Saal", Rathau«, Berliner Straße.— 3. Bezirk. Sonnabend, 14. November, 23 Uhr, bei Meier, Pankow, Breite Sir. 14, Aus. schußsitzung. Borher Filmvortrag der Volkssürsorge, auch für nicht belegierte Mitglieder._ Deutscher Friedeosbnud. Donnerstag, 12. November, 23 Uhr, im Restaurant „Zum Patzenhofrr", Potsdamer Ett. 123». Herr Rechtsanwalt Dr. Tichauer spricht über da» Thema:„Siaatenbund— Völkerbund— Menschheitsbund". Arbeiter.Abstineuteu.Buud, Bezirk Ariedrichshain. Zusammenkunft am Don- nerstag, dem 12. November. 20 Uhr, im Jugendheim Dtesiolmeperstr. 5(weltliche Schule). Ausspracheabend(Genosse Hohelsel). Deutsche Landsmaauschast der Provinz Posen, Groß. Verlin, E. B. Monal». sitzung om Donnerstag, dem 12. November, 20 Uhr, in der Kindl-Brauereio BerNn.Reukölln, Hormannstr. 214�219. Bund für Mutterschub. Wilmersdorf, Uhlandstr. 143. Telephon: Oliva 2358. Auskunftsstelle: 13—13 Uhr außer Mittwochs. Seim für werdende Mütter und Wöchnerinnen. SSualinasnest. Ehe- und Sexualberatungsstrlle: Freitags 10—20 Uhr. Alle Auskünfte und Beratungen kostenlos. Sport. Rennen zn Strausberg am Mittwoch, lt. Rovember. 1. Rennen: 1. Edelstein(öaufert; 2. stiefln«: 8. Notenstein. Toio: 51:10. Platz: 19, 20, 20:10. Ferner liefen: Mandarine, Pedrillo, Eilbrief, Flugholdo. 2. Rennen: 1. Wotan(Schreier): 2. EhMaf. 3. Garde. Toto: 50:10. Platz: 15, 19, 13:10. Ferner liefen: Bereitice. Ario, Tana, Namscs, Lim- purg, Wand«. 3. Rennen: 1. Borgia(Wolff): 2. KrieflZspiel: 3. Barfuß. Toto: 67:10. Platz: V 16, 13:10. Ferner liefen: Eoeur d'Almee, Paroli, Ko«, Schäferburg. 4. Renne«: 1. Törin(Mesa); 2. Eilflufl: 2. Jlsha: 4. Marbod. Toto: 92:10. Platz: 25, 47, 37, 30:10. Ferner liefen: Fidutz, AnwniuS, Suhle, stSohlauf, Tiedrick, Karpothe, Rentmeister, Simson, Tassilo, Unfug. 5. Rennen: 1. Note Nelke(Buschke): 2. Marloniud: 3. Fascist. Toto: 30:10. Platz: 14, 16, 16:10. Ferner liefen: Gesolci, Äermak, Jnftruetor, Quo vadis, Amara. 6. Rennen: 1. stlmönenwarte lWolff): 2. Eroica; 3. La Margna. Toto: 36:10. Platz: 15, 15. 20:10. Ferner liefen: Stallievling. Steinseld, Hella. ötrigat« 16, Togmatiker. ;igat« 16. Togmatiler. D appelwette: Borgt« Törin 754:10. ««.MkMkiSW IIMtzllllkst kMzrtnilttn I»,N 1! M. (nlinll 2 fittjadnnirti Werte),- Stillnj«»*! in 1. Wort(feltsiiiniit) Ii Pf., j?dfi»«im» Wert 10 Pf. Wtrt««tt milir ■ls Ii luhitilin liitW» für mi Werte. *el4e ttr 41« muMlaat siil«lh»n tzb spltestm PI, Uhr iiit'eittep In der heoRt-lrpetlill« ch, »onrirts. UnMiit'iSi J. rirstgebee wrten.Oieulbe iilwedintiginn nennt |l;, Uhr hlt udun. S to eoenttriraAn jeäfflel. tfername| Linoleum Szillot, Kolonie- stratze 3. NieiiiungsstUciu. wasctia usw. 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Sie merkt auch genau, daß die Menschen, zwei riesige Kopse, die sich von Zeit zu Zeit über den Mkenanslauf beugen, über sie lachen, und gewiß erinnert sie sich dumpf, daß früher Küken anbers aussahen und daß sie nicht mit so vorlaut langen Schnäbeln zur Welt kamen wie alle dies« kleinen gelben Tiere, die doch wahr- haftig unter ihren Federn aus Eiern, die sie mit Fleiß und weit über ihre Zeit hinaus bebrütet hat, herausgekrochen sind. Aber daß der Mann und die Frau zu allem anderen nun noch drei fremde braune Tiere zu ihren Kindlein setzen wollen, dos er- laubt sie nicht, das duldet sie nicht. Mit einem zornigen Tack hackt sie nach den bräunlichen Entlein, wenn sie nur in die Nähe kommen, und während sie sich von den gelben Kindern gefallen läßt, daß sie alles und jedes untersuchen und selbst Mutters Kamm anpicken—> bei den drei dicken dunklen Kindern beginnt der Betrug, das weiß die kluge Glucke genau, und betrügen läßt sie sich nicht. Und wenn die freundliche Frau sie zehnmal die gute, die liebe, die zutrauliche, die freundliche, die allerbeste Glucke im ganzen Hühnerhof nennt, so hackt sie jedesmal um sich, wenn die Herrin niederkniet und die drei braunen Entlein sanft in ihre Nähe zu schieben sucht. Und der Mann guckt die Frau an und die Frau den Mann, und es dauert sie um die drei bräunlichen Entlein. Natürlich hat die Frau schuld.„Hättest du gewartet und sie über Nacht unter- gesetzt, hätte das dumme Tier am Morgen nichts mehr vom Unter- schied gewußt." „Aber die drei sind doch braun, das hätte sie so oder so ge- merkt." „Ich sag dir, die ist viel zu dumm, um gelb und braun zu unter- scheiden, die merkt bloß, daß du die drei schon dick gefüttert hast und daß sie größer sind als ihre acht Gelben. Deshalb will sie sie nicht." „Und ich sog dir—", aber ich muß hinzufügen, daß dieses Mol der Mann recht hat, soweit ich's beurteilen tonn. Die ganze Verwirrung ist nämlich die: Da hat die Hausfrau eilig bei den Nach- barn ein paar Enteneier zusammengekauft, als das gute, wackre, zahme schwarze Huhn glucken wollte. Und man hat lauter Eier von weißen Enten bekommen, nur der Gemeindevorsteher hat natürlich braune gehabt, und wahrscheinlich waren sie angebrütet. Kürz: just die drei braunen Entlein sind zwei Tage zu früh ausgeschlüpft. Und die Frau auf dem Hof wollte klug sein und hat. sie rasch fort- genommen und sie in einem Korb am Herd verwahrt, bis die anderen Eiülein ausgeschlupft wären. Aber nun hat die Glucke ihre Erstgeburt vergessen, sie will die fremden Tiere nicht. Was ihr sonst unter den Flügeln hcroorschlüpfte, ist goldgelb, wenn's auch die verwünschtesten Schnäbel Hot, mit denen jeweils Küken zur Welt ge- kommen sind. Immer wenn die Frau die drei braunen Kinder in die Nähe schiebt, plustert die Alte die Flügel auf und läßt ein Schnarren hören— sie ist sehr kampflustig und läßt und läßt und läßt sich nichts vormachen noch unterschieben. Mann und Frau gehen also auf Beratung aus. Sie versuchen es mit gutem Zureden bei einer anderen Glucke, die vier junge Puter hat, die doch auch bräunlich und kaum größer als junge Enllein sind. Wer die Alte läßt sich nichts weismachen. Sie gluckt einmal, da sind die vier kleinen Puten blitzschnell unter ihren Flügeln und die drei Entlein stehen dumm da, bei der Hausfrau haben sie's nicht gelernt, lind die Alte poltert und droht, da kriechen die drei schüchternen braunen Entlein in den letzten Winkel. Ob man sie bei den Gänsen hochkriegt? Aber die kleinen Gössel haben ein ausgesprochenes Standesgefühl. Kaum sind die fremden Entlein unter ihnen— nach einer künstlichen Verwirrung, mit der die Hausfrau es zu vertuschen suchte—, da schieben sie ihre kurzen dicken Köpfe vor wie olle Leute ihres Schlags, und wenn sie auch knapp piepen können, wie alle Dreitägigen auf dem Hof, sie lassen sich's nicht gefallen, mit diesem Volk verwechselt zu werden, der Hochmut ist ihnen gewissermaßen eingeboren. Mann und Frau stehen wieder rotlos, genau wie die drei braunen Enllein rallos vor ihren Füßen stehen. Was tun? Bei richtigen Hühnerkükcn wagen sie schon gar nicht vorzusprechen, und dos Mädchen in der Küche ist auch nicht freundlich und behauptet, sie hätte schon dreimal den Korb mit den Entlein umgeworfen. Und das nächste Mol geschähe gewiß«in Unglück. Sie ziehen also den Kalender zu Rate und erfahren, daß die nächsten Entlein erst in acht Tagen schlüpfen, da sind die drei braunen schon Riesen. Und der Mann klopft der ratlosen Frau milleidig auf die Schultern und unterdrückt eine Bemerkung, als wenn er sich's gleich gedacht hätte. Und dann springt er mit drei Sätzen zum Stall.„Der Habicht", schreit er nach und kommt mit einem Gewehr heraus und muß noch einmal ins Haus, weil er die neuen Patronen noch im Schreibtisch liegen hat. Bis er wirklich geladen hat, ist der Habicht längst weiter- gestrichen. Die Frau war stehengeblieben. Sie hatte die Augen Nur auf die Glucken und das kleine Volk oller Art gerichtet und die Schürze b/t die Hand genommen, als könnte«an damit«inen Habicht nee, scheuchen. Wer sie sah zugleich wie ein Wunder: Im Augenblick, mo der Schollen des Habichts über den Hof strich, waren olle Küchlein unter ihrer Mutter, und alle Glucken lagen nill gespreizten Flügeln und kampfbereit in Sand und Gras und ließen gesträubt kleine zornige Laute hören oder kollerte» oder schrien vor Zorn und Angst. Und die drei braunen Entlein, die doch von der Welt und von Feind und Tod noch nichts wußten, härten dos Schreien, sie bc- sannen sich nicht, sie huschten, ohne zu fragen, blitzschnell unter die nächst« Glucke und gcradeswcgs zu ihren gelben Geschwistern. Und wic's vorüber ist, brauchen Mann und Frau sich nicht mehr die Köpfe zu zerbrechen, kommen unter den schwarzen warme» Gluckenflügeln zuerst acht gelbe Entenküchlein heraus. Und als allerletzte und als sei's immer so gewesen, drei bräunliche. Und die Glucke tuckt und gluckt noch vor Aufregung und erzählt den Menschen gräßliche Geschichten von Habichten und Raubgetier und was man so von Nachbarinnen hörte. Und sie gluckt zwischendurch und warnt auch die Kinder und hat ganz vergessen— wirklich sie hat's vergessen, worüber Mann und Frau sich Sorgen machten. Sie pickt und ruckt und lehrt alle Kindlein Korn von Sand zu unter- scheiden— acht gelb« und drei bräunliche. Nur dann und wann hält sie noch erregte lange Gespräche von Raub und Mord und Habicht und wie sehr sich olle Kinder rechtzeitig wahren sollen. Erich Sachfenröder: 3)as 3)orf ächtel einen Ulen/clieti Ich hatte schon lange dkn Wunsch, sie kennen zu lernen und mit ihr zu sprechen. Denn allmählich begann ich der selbstgewählten Einsamkeit müde zu werden. Der Himmel, der Wald und die Heide schienen mir einen Tag wie den andern, die ewigen Gespräche über die Wettcraussichten des morgigen Tages erfüllten mich mit Wider willen und ich mußte an mich halten, um nicht loszufchreien aus Wut und Langweile. Ich lebte eine halbe Stunde vom Dorfe entfernt in einem Hause, das von zwei Familien bewohnt war. Von meinem Fenster aus konnte ich auf das Schumannsche Grundstück sehen und auf das Haus in der Mitte, das hinter Bäumen versteckl stand. Ich sah oft Anne arbeiten, sie war groß und kräftig und sie ging hinter den Kühen am Pflug wie einer von den jungen Burschen. Wenn ich am Wend mit meinen Wirtsleuten auf den steinernen Treppen der Haustür saß und Anne ging drüben vorüber, dann sagten sie: „Da geht die Anne,— na, sie kann ja nichts dafür", aber sie sagten das so, als könne die Anne doch etwas dafür. Und dann erzählten sie mir die Geschichte von der alten Schumann, die angeblich ihren Mann umgebracht habe, niemand wußte darüber genaues, ober jedenfalls war der Mann eines Tages verschwunden. Erst hieß es, er sei verreist, als er nach Wochen nicht zurück kam. kümmerte sich der Landjäger um das aufkommende Gerücht von der Ermordung und schließlich saß die Alte ein paar Wochen in Untersuchungshaft in der Kreisstadt. Wer erfahren hat man nichts, Schumann blieb verschwunden, die Frau kam wieder und bewirtschaftete ihr Grund- stück mit chrem Sohn, den man den Dummen nannte, weil er einen Sprachfehler halle. Das Mädchen, die Anne, war damals erst acht Jahre alt und ging in die Dorfschule. Das wußte ich alles ganz genau, als ich sie plötzlich an einem Sonntag traf.. Sie kam mir auf einem Hcidewegc entgegen, ein Kleid di.irchqus städtischen Ursprunges faß nicht übel auf ihrem Körper,-sie war nicht dick, aber etwas zu massiv und zu kräftig für ein junges Mädchen. In der Hand trug sie einen Zeichenblock, wir kamen gleich ins Gespräch und ich war erstaunt, worüber sie Bescheid wußte. Sie hatte Bücher gelesen und darüber nachgedacht JlugueHe Qarnier: jfrns£ehrmäd Als Gabriele in die Nähe der Rolandstraße kam, in der sie wohnte, holte sie aus ihrer Tasche ihr billiges Kämmchen. Sie glättete und zupfte die Haare zurecht. Gern hätte sie sich die ver- weinten Augen mit kaltem Wasser gekühlt. Hoffentlich würden Sofie, Marguerite und Iuliette nichts merken I Heute Morgen war sie als Lehrmädchen in einem großen Schneideratelier angetreten. Mit klopfendem Herzen war sie in den Raum gekommen, in dem wohl dreißig Näherinnen beisammen hockten. Die älteste— Fräulein Laura—, eine mit ungewöhnlich brummiger Miene, hatte gefragt:„Wie lange willst du noch so herumstehen? Schnell! Nimm den Hut ab! Du mußt uns ein Stück Stoff aus Abteilung C holen! Gebt ihr eine Probe!" Ein junges Mädchen reichte ihr, ohne aufzublicken, ein Stück Stoff. .�Verstanden? Aber schnell!" Gabriele preßte ihre Hand um das Stoffstückchen und lief, ohne nähere Auskunft zu fordern, davon. Wo war die Abteilung C? Auf der schrecklichen Hintertreppe des großen Hauses traf das Kind niemandem. Schüchtern stieß es mehrere Türen auf, wie aus Zufall— und schloß, sie sofort erschreckt. Da war's gewiß nicht. Sie stieg eine Treppe hinauf, wieder herunter, und in einem Seitengange stand sie plötzlich vor„Abteilung C". Gabriele wollte eintreten. Da bemerkte sie, daß sie ihre Probe verloren halle. War sie ihr aus der Hand gefallen, als sie die schweren Türen öffnete? Sie lief die alten Wege zurück, ver- irrte sich und stand endlich wieder in Fräulein Lauras Bereich. „Das hat ja lange gedauert! Wo ist der Stoff?" Die Kleine verlor sich in konfusen Erklärungen. Es dauerte eine Weile, bis man sie verstand. Alles grinste.„Du bist mir ja ein Schlaukopf!" Das Kind nahm alle Kraft zusammen, um Haltung zu bewahren. Das Herzchen brach ihm beinahe. „Schneidet ihr noch ein Stück vom Saum ab! Aber jetzt nimm dich zusammen!" Der ganze Vormittag verging mit Hin- und Herlaufen. Man schickte sie zur Stickereiabteilung, zur Pelzabteilung, zur Plissee- brennerei. Kaum zurückgekehrt, mußte sie wieder losrennen. Aller guter Wille verflog bei dem Spott der Zlrbeitcrinncn.„Host du auch nichts verloren?" Sie begann, die Gesellschaft hier zu lassen. Sie bedauert«, die Schule verlassen zu haben. Hätte sie es dieses Jahr geschafft, so ging sie� gemütlich weiter zur Schule mit Sofie. Marguerite. Iuliette. Sie hätte Pause mit den Großen, die nicht mehr spielen, sondern würdig untergehakt auf'dem Hofe promenieren. Mit Erleichterung sah sie den Tag zu Ende gehen. Als die Uhr schlug, sprang sie die Treppen hinab, die sie Morgens mit schwerem Herzen hinaufgestiegen war. Di- Untergrundbahn brachte sie in ihre» wtadlleil. Sie legte sich eine prächtige Geschichte zurccht... Die Freundincn umringlen sie:„Was hast du getan? Hast du gearbeitet?" Bevor sie anfing, fragte Gabriele:„Wo ist Mutter?" „Noch nicht von der Wäsche zurück." Mutig setzte die Kleine sich auf den Rand eines Parterre- fensters. Die Fragen bestürmten sie:„Hast du feine Leute gesehen?" Nun machte Gabriele die Erfahrung, was ein Lehrmädchen für einfache Schulkinder bedeutet. Sie riß den Hut vom Kopfe und jauchzte:„Ihr habt ja keine Ahnung!" „Erzähle!" Sie säjöpfte tief Atem. Nach allen Mißlichkeiten erfand sie einen herrlichen Tag.„Immerzu kamen Kunden, daß man gar nicht wußte, wo einem der Kopf stand. Ich brauchte nur der ersten Näherin die Fäden zuzureichen und manchmal eine Nadel einzu- fädeln. Die Näherin ist eine mächtige Frau. Sie war gleich furchtbar nett zu mir..." „Glückspilz!" „Die Salons sind wunderbar: seidene Tapeten mit blauem Himmel und Engeln darauf. Die Damen warten auf die Anprobe. Lauter Prinzessinnen, Fürstinnen..." Sofie fragte spitz:„Eine richtige Prinzessin hast du gesehen?" „So wie jetzt dich." „Hat sie was gesagt?" „Sie hat nach meinem Vorname» gefragt und ob ich Ge- schwister hätte. Sie hat mich gestreichelt und zu Fräulein Laura gesagt: Aus der wird noch was!" Das erregte die Kinder mächtig. Sofie, die Hübscheste von allen, ein rotblonder Wuschelkopf fragte:„Und die Kleider?" Das Lehrmädchen hob die Augen, die so viel geweint hotten, schwärmerisch zum Himmel empor:„Blaue, grüne, rote-- alle aus Seide." „Oh!" „Perlen, Schleier, Blumen. Für die Marquise einen silbernen Spitzcnrock, für die Herzogin ein modefarbencs Sammetcope, für die Baronin ein Brokatmlltzchen. Ich sah noch lange nicht alles. Es war erst der erste Tag—" Gabriel« sah die Mutter mit dem Waschkorb kommen.„Da kommt Mutter." Alle erhoben sich. Man geleitete sie wie eine Königin zur Treppe. Als Gabriele hinaufgestiegen war, neigte sie sich über das Geländer und spitzte die Ohren! was die da unten wohl redeten. „Habt ihr gehört? Sie kommt sich schon mehr vor als wir!" „Kein Wunder! Bei dem Glück!" Die kleine Schwindlerin atmete auf. Wie das tröstet«! Leu schrecklichen Tag hatte sie nun ganz vergessen Freude durchdrang sie: Man beneidete sie. Ilnd aller Mut kehrte ihr zurück, als sie Iuliette weiter sagen hörte:„Jetzt fehlt mzr noch, daß sie sich einen Geliebten nimmt und sich„Gaby" nennt." und sich überhaupt mit vielen Dingen beschäftigt. Ich konnte mein Erstaunen schwer verbergen. „Woher wissen Sie das alles? Das sind doch Dinge, über die man in der Stadt spricht, aber hier--." „Ja, Sie haben recht, aber ich lebe im Winter in der Stadt. Im Wintersemester besuche ich in L. die Kunstschule und im Oktober werde ich wieder hingehen, ich zeichne." „Und wie sind Sie darauf gekommen?" „Es ist schwer zu sagen. Vielleicht weil ich als Kind sehr ein- som war. Sie haben doch von der' Geschichte gehört--?" Ich nickte nur, denn es war mir peinlich, einzugestehen, daß ich die Mordzerüchtc sehr gut kannte. Bildeten sie den Gesprächsstoff, der seit zehn Iahren im Dorfe und auch bei meinen Wirtsleuten nicht versiegte, im Gegenteil eher von Jahr zu Jahr anschwoll und den Sommergästen in immer neuen Versionen aufgetischt wurde. „Natürlich kennen Sie das alles, jeder weih es ja. Damals, als es begann, verstand ich nichts davon. Es fing damit an, daß der Lehrer in der Schule mich öfter ganz merkwürdig ansah und die Kinder sich van mir absonderten. Bis eines Tages einer von den Jungens zu mir rüberschrie:„Wo habt ihr denn euren Vater vergraben?" Alle sahen mich an und als die Schule aus war, ging ich nicht den gewöhnlichen Weg auf der Landstraße noch Hause, sondern hinter dem Dorfe auf einem Feldwege. Ein paar Tage später führte man meine Mutter ins Kreisgefängnis. Ich wußte von nichts, aber ich erfuhr nach und nach alles in der Schule, die Kinder schrien mir ins Gesicht, daß meine Mutter eine Mörderin sei und das sei ein« Schande und sie dürsten überhaupt nicht mehr mit mir reden, ihre Eltern hätten es verboten. Sie spielten nicht mehr mit mir und auch die Alten im Dorfe sähen mich immer so bös« an, als wollten sie mich schlagen. Als ich nach ein paar Wochen meine Mutter von der Bahn abholte, drückte nian sich an den Fensterscheiben die Nasen'platt, dos ganze Dorf war erstaunt, daß sie wiederkam, denn man hatte sie schon auf dem Scheiterhaufen oder am Galgen enden sehen. Wir waren fortan geächtet, in der ersten Zeit bekamen wir selbst beim Krämer nichts. Man wandte sich von uns ab wie von Aussätzigen und die Dorfburschen warfen uns mit Wissen und zum Vergnügen aller nachts die Fensterscheiben ein. Sehen Sie, damals begann ich zu zeichnen, zuerst so, wie alle Kinder schließlich anss Papier kritzeln. Wer ich drückte in diesen Zeichnungen mein« Gedanken aus, und ich rächte mich an den Kin- dern und den Erwachsenen damit, daß ich sie am Galgen baumelnd malte oder das Dorf in Flammen aufgehen ließ. Wenn mir einer ein böses Wort sagte, dann brachte ich ihn am Nachmittag auf Papier und es fehlte ihm ein Arm oder ein Bein oder ich machte ihm einen Buckel. Das war meine Rache." „Nun, und später?" „Solange ich zur Schule ging, wurde es wenig besser. Man beschimpfte mich nicht mehr, aber ich konnte mit den anderen Kin- dern nicht mehr sprechen. Ich war schnell älter geworden und ich mußte auch immer daran denken, daß ich dem einen ein Bein, dem anderen einen Arm abgenommen und anderen ein Gesicht ohne Nase gegeben hatte. Ich sprach nicht mit ihnen, und ich spreche auch heute nicht mit den Leuten im Dorf." „Aber wie können Sie dann hier leben?" „Im Winter bin ich in der Stadt. Aber im Frühjahr muß ich daran denken, daß jetzt der Schnee aus den Feldern schon lange weggeschmalzen ist und die Tannen junge Triebe ansetzen. Dan» fahre ich hierher und arbeite und alles ist wie es immer war. Der Sommer geht mit viel Arbeit schnell vorüber: wenn ich Zeit habe, zeichne ich, damit die Hände nicht steif werden, oder ich gehe hier spazieren. Denn ich liebe diese Heidewege, feit meiner Kindheit gehe ich hier oft allein. Aber jetzt muß ich geherj, ich will melken. Leben Sie wohl." Ich sah ihr nachdenklich nach. Sie ging fest und selbstbewußt, sie war stärker als das Dorf gewesen. Andere hätte diese Aechtung oertrieben oder sie wären zugrunde gegangen. Sie hatte der kollek- tiven Bosheit und Dummheit standgehalten sind sie überwunden, Aber seit diesem Tage sah ich das Dorf'mit anderen Augen an. Hinter jeder Fensterscheibe spürte ich böswillige Gemeinheit. bereit, sich auf Schuldige und Unschuldige zu stürzen. Der dörflich- stille Friede war für mich verschwunden, ich fichlte mich von dumpf brütender Bosheit umgeben und wenn ich ein paar Leute zum Schwatzen zusammenstehen sah. mußte ich an dos Opfer denken, über das jetzt vielleicht das Vcrdammungsurtcil gesprochen wurde. Ein paar Tage später reiste ich ab. Die Baumwolle der alten Aegypker— dl« beste der Well. Als man kürzlich auf der Unioerfitot zu Illinois durch Bestrahlung Untersuchungen an einem von einer altägyptischen Mumie stanunen- den Baumwollstoff vornahm, zeigte sich, daß heute auf der ganzen Erde keine Baumwolle zu fwden ist, die sich an Qualität mit dieser mehr als 2000 Jahrs alten Baumwolle messen kann. Die Unter- suchung ergab, daß die Zellulosebestandteile in der altäpyptischen Baumwolle viel weicher und elastischer waren, während gleichzeitig der Faden«ine festere und regelmäßigere Spannung aufwies als die besten der heute gepflanzten Sorten. Man muß jedenfalls an. nehmen, daß dieser Zuchterfolg'nur auf Grund einer ganz beson- deren, heute aber leider längst vergessenen Behandlungsweije der Baumwollpflanze erzielt werden konnte. Slam ist dos einzige Land der Erde, in dem der Monarch noch absolut, also ohne Verfassung und Parlament, regiert. Auto, ade! Goebbels privatauio würbe gestohlen «-Mein Auto gestohlen?! La soll mir gleich der ganze nationale Sozialismus gestohlen bleiben!' Gotteslästerung? Was ein Zwickauer Gericht unier„Gotteslästerung" versteht. Die Sache der Demokratie. Die geistigen Wurzeln des Rnndfunk-Konflikts. Ministerialrat Scholz Hot dem staatsparteilichen Ab» geordneten Riedel in der Angelegenheit des Rundfunk» konflikts den folgenden Brief geschrieben: „1. Die Behauptung, ich hätte den Vortrag(5)öltermanns) �.offenbar völlig mißverstanden", weise ich zurilck. Klar war und ist mir vielmehr, daß das Manuskript des Vortrages in seiner mir zur Prüfung vorgelegten Fassung Ausführungen enthielt, die von weitesten Kreisen der Frontkämpfer als eine Verletzung ihrer Ge- fühle empfunden werden mußten. 2. Unrichtig ist ferner Ihre Behauptung, ich hätte ein Zitat streichen wollen, das die Teilnahme des Abgeord- ncten Frank am Weltkriege vaterländisch begründete. Die Streichung habe ich im Gegenteil deshalb gefordert, weil die von mir beanstandeten Worte den Anschein erweckten, als hätte Frank, der nach allgemeiner Kenntnis aus durchaus patriotischen Gründen ins Feld zog, dies aus parteipolitischen Mo- t> o e n g e t a n.?ch habe meine Bedenken zurückgestellt, als Herr .Heilmann darauf hinwies, daß es sich um die wörtliche Wiedergabe einer Stelle aus einem Briefe von Frank handele." Herr Ministerialrat Scholz hat, wie dieser Brief be- weist, weder Verständnis für die Persönlichkeit und die Motive eines Ludwig Frank, noch für die deutsch« Demokratie, noch dafür, in welchem Staate und unter welcher Aerfassung er lebt. Die Darlegung der Motive Ludwig Franks hat kein anderer als Frank selbst erschöpfend und eindeutig gegeben. Hier ist sie: Am 2 8. Juli 1914 sprach Ludwig Frank in einer Friedenskundgebung der Mannheimer Sozialdemo- kratie: „Ist Deutschland für den Krieg gerüstet? Heer, Waffen und Kriegzschatz sind vorhanden. Aber ein sehr wichtiger Teil der 'Rüstung ist vernachlässigt. Ich möchte es die psychologische Rüstung nennen. Die Regierung hat versäumt, durch eine vernünftige freiheitliche Politik im Innern die Klassen des Volkes zu einer nationalen Einigkeit zusammenzuschweißen. Man hat den Sozialdemokraten, also dem dritten Teil der Ration, die Gleichberechtigung versagt. Es sei nur erinnert an die Verurteilung der Leute, die das Charlottenburger Denkmal bepinselt haben und zu je anderthalb Iahren Gefängnis verurteilt wurden, während Studenten für schlim- meres Tun mit geringen Geldstrafen wegkommen. Und wie hat man die Arbeiterjugend verfolgt. In Braunschweig hat man sogar den Arbeiterkindern verboten, in den herzoglichen Wäldern frisch« Luft zu schöpfen, und in Sachsen nimmt man den Gewerkschaftlern durch die Streitverordnung das Koalitionsrecht. Leute, die so etwas tun, benehmen sich, als wollten sie den deutschen Arbeitern den kisten Funken von Vaterlandsliebe im Herzen ersticken. Sie schwächen die Wehrkraft des Reiches und müssen sich also den Vor» murs des Vaterlandsvcrrats gefallen lassen. Wir vaterlandslosen Gesellen wissen aber, daß wir, wenn auch Stiefkinder, s o d o ch Kinder Deutschlands find, und daß wir uns unser Vaterland gegen die Reaktion erkämpfen müssen. Wenn ein Krieg ausbricht, so werden also auch die sozialdemo- t ratischen Soldaten gewissenhaft ihre Pflicht erfüllen." Aus einem Brief von Frank an Friedrich Stampfer �oom 29. August 1914: „Mein Motiv war, durch die Tat zu zeigen, daß unser Beschluß vom 4. August nicht äußerem taktischen Zwang, sondern einer in- ivc-i c a 9lp t w c n itat e.it-ctüspronj,. baß es uns, olfg. intt.dCT Pflicht vor Verteidigung der Heimat bitter ernst ist." Aus einem Brief an Südatum vom 31. August 1914: „Ich lasse mich nicht davon abbringen, daß in diesem Krieg die Grundlagen für einen unabsehbaren Fortschritt gelegt werden." Was soll demgegenüber das kleinliche Gemäkel um „patriotische" oder.parteipolitische Motive"? Es ging Lud- wig Frank um die Sache der deutschen Demo- kratie, er war«in besserer Patriot als die reaktionären Hurrapatrioten, er wollte den Staat und die Arbeiter zu- sammenbringon, die die Reaktion auseinandergerissen hatte! In der"Tat, er ist nicht„für den König oon Preußen" ins Feld gezogen, sondern Vaterland und Freiheit waren für ihn untrennbare Begriffe. Es scheint, daß man in reaktionären Amtsstuben von heute so wenig Sinn für die Verbundenheit von äußerer und innerer Freiheit hat. wie nach 1813! Im Kriege selbst ist die Wucht des demokratischen Gedankens selbst bis in die höchsten Amtsstuben gedrungen! Daß ein Volk, das ein Volksheer bildet, nicht in den Fesseln eines Obrigkeitsstaates gehalten werden kann, dämnrerte selbst Wilhelm II.! In seiner Osterbotschaft vom Jahre 1917 hieß es: „Bei verschiedenen Anlässen haben Sie dargelegt, in welchem Geist« die Formen unseres staatlichen Lebens auszubauen sind, um für die freie und freudige Mitarbeit aller Glieder unseres Volkes Raum zu schaffen.... Roch stehen Mil- lionen Volksgenossen im Felde, noch muß der Austrag des Meinungsstreites hinter der Front, der bei einer eingreifen- den Verfassungsänderung unvermeidlich ist, im höchsten vaterländischen Interesse verschoben werden, bis die Zeit der Heim- kehr unserer Krieger gekommen ist und sie selbst am Fortschritt der neuen Zeit mitraten und mittaten können.... Nach den gewal- tigen Leistungen des ganzen Volkes in diesem furchtbaren Kriege ist nach meiner Ueberzeugung für das Klaffen- Wahlrecht in Preußen kein Raum mehr." Die Sache der Demokratie und die Sache Deutschlands sind untrennbar verknüpft! Die Demokratie ist die Grundlage des Staates von heute, der nicht der Staat Wilhelms II., sondern der Staat des deutschen Volkes ist. Aber der Freiheitswille der sozialdemokratischen Arbeiterschaft im Kriege, das Bekenntnis zur Demokratie, das Bekenntnis zum Staat von heute— das ist für einen hohen politischen Be- amtcn des Staates von heute— eine„parteipolitische Angelegenheit", die Andersdenkende verletzen könnte! Giudenienmut— iji Jena. Oer Rückzug zum Lichtenhain«? Vier. Am Mittwoch veranstaltete ein Teil der Korporationsstudenten der Universitäten Jena, Halle und Leipzig auf dem Marktplatz in Jena eine Kundgebung gegen Rektor und Senat d»r Universität Hall«. Die Kundgebung klang in einer.Lampfansage" aus gegen die, die„der Kriegsdienst. Verweigerung Rechte einräumen", gegen die, die diese Leute schützen und stützen und gegen die Kulturpolitik des preußischen sozialdemo- kratischen Kultusminister Grimme. Die deutsch« Jugend werde— so schloß der offizielle Redner—„aus den Trümmern des von den Rovember-Verbrechern von 1918 geschaffenen Systems" ein Vaterland errichten. Zwickau, 11. November.(Eigenbericht.) Am 12. November findet vor dem Gericht in Zwickau die Fort- setzung der Berusungsverhandlung gegen den Redakteur W a l t h e r Victor vom„Sächsischen Volksblatt" stall, der vor diesem Forum nach anfänglicher Freisprechung und erfolgreicher Revision der Staatsanwaltschaft wegen„Gotteslästerung" zu vier Mo- naten Gefängnis verurteilt worden war. Der Anklage liegt eine im„Sächsischen Volksblatt" veröffent- lichte Satire zugrunde, in der ein sterbender Zuchthäusler seinen Anstaltsdirektor und Gesängmsgeistlichen rechts und links von sich Platz nehmen heißt und dann zu ihnen sagt:„Nun kann ich be- ruhigt sterben Unser Jesus starb ja auch zwischen zwei Halunken." Die StaatsanwaUschast glaubte' daraufhin die Gotteslostening kon- struieren zu müssen, obwohl in Wirklichkeit nur eine scharfe Satire gegen den Strafvollzug vorliegt. Bereits in der e r st« n Berufungsvsrhandlung konnte der Angeklagte nachweisen, daß die Anekdote, die er nicht als Ver- sasser, sondern lediglich als verantwortlicher Redakteur zu ver- antworten halle, die Neufassung eines ganz alten Scherze» sei. So erzählt man sich in Süddeutschland im Volke seit Jahr und Tag die Geschichte vom„Pfeffer vo Stella sei letzter Stroich", in der genau der gleiche Vergleich zur Anwendung ge- bracht ist. Auch in einem vom Christlichen(!) Verlags- haus Stuttgart G. m. b. H. gedruckten Buch ist diese Anekdote enthalten. Der Pfefser ist ein alter Uebeltäter, der stets mll Be- Hörde und Geistlichkeit in Konslikt lag und beim Sterben ganz wie jener Volksblatt-Zuchthäusler den Pfarrer und den Schultheiß kommen läßt, die rechts und links neben ihm sitzen müssen, worauf dann Pfeffer vo Stella sagt: „Wenn setzet goht en d' Ewichkeit, Noka-n-i-ei verdcrba! Jetzt goht mrs wia am Heiland no, Dear Hot oo müassa zmischa so Zwe Uebeltäter sterba!" Als Staatsanwalt und Gericht die Rezitation dieses Gedichts vernommen hatten, vertagten sie schleunigst die letzte Verhandlung, die nun ihren Fortgang nehmen wird. Immerhin hat diese Ver- tagung dazu beigetragen, daß noch weiteres Material zum Thema „Zwischen zwei Halunken" bekannt geworden ist. So wurde zum Beispiel in einer Kritik der Gotteslästerungsanklage gegen Victor in Das geheimnisvolle Flugzeug. Die Verhaftungen von Konstanz.— Flug über Italien geplant? Konstanz. 11. November.(Eigenbericht.) Auf dem hiesigen, zur Zeit außer Betrieb befindlichen Flugplatz wurde aus Anordnung der Staatsanwaltschaft ein aus Berlin ftam- mendes Flugzeug beschlagnahmt. Die Führer der Ma- schine, ein Viktor H a e f n e r aus Berlin und ein belgischer Graf de L o o z, wurden in Polizeihast genommen. Das Flugzeug war bereits Ende der vergangenen Wo6)e in Konstanz eingetroffen. Am Sonntag wunde die Maschine mit schwerem Gepäck beladen, das hauptsächlich aus a n t i f a s ch i st i- s ch e n Flugblättern in italienischer Sprache bestand und in einem Auto mit französischer Kennummer nach Konstanz gebracht morden war. Als das Flugzeug dann nachmittags starten wollte, ereignete sich ein leichter Unglücksfall. Die Maschine stellte sich auf den Kopf, so daß der Start verschoben werden mußte. Das Gepäck wurde deshalb wieder ausgepackt. Am Montag wurde der Start schließlich oon dem Bezirksamt Konstanz untersagt. Die beiden Flieger, die angeblich bestrebt waren, sich einer Kontrolle zu ent- ziehen, wurden festgenommen. Unterdessen war da» Gepäck mit dem gleichen Auto, das es herangeschofft hatte, au» dem Hotel der Flieger wieder abtransportiert worden. In Freiburg wurde der Wagen später von der Polizei angehallen und durchsucht. Die Insassen, drei antifaschistische Italiener, die in Frankreich leben, wur- den verhastet. Die Behörden nahmen auf Grund des Gepäcks an, daß die Flieger van Konstanz aus antifaschistische Flugblätter über Italien abwerfen wollten. Die Flieger und die Automsassen be- der Presse eine Anekdote aus dem 17. Jahrhundert wiedergegeben, wonach einmal Ludwig XIV., der Sonnenkönig, ei» Kruzifix durch sein Lorgnon in Augenschein nahm, von dem rechts und links die Porträts ihrer Allerchrisilichsten Majestät und das seines Kriegsministcrs Louvois hingen, wobei er in die Worte aus- brach:„So erfahre ich endlich die Namen der beiden Schacher, in deren Mille Christus gekreuzigt wurde." Eine andere und insofern interessante Entdeckung, weil sie dem sozialen Schrifttum entstammt, wurde aus dem Auslande mit- geteill. Es handelt sich um den böhmischen Volksdichter und Sozialistcnsührer Joses Schiller(184ö bis 1897), dessen gesammelles Dichtwerk in Reicheillierg 1928 neu erschienen ist. Darin findet sich «in Gehjcht ,�De.r.storb eind.i.H.p astv ogel", in dem ein. reicher Tunichtgut, der zum Starben kam und sich ähnlich wie der Volk«- blall-Zuchchäusler in diesem Fall« dem Doktor der Recht« und den Pfarrer ans Sterbebett kommen ließ. Gagen beide hall««r aus irgendwelchen Gründen einen rechtschaffenen Haß. Das Gedicht schildert nun, wie die beiden in der Hossrning, es gäbe etwas zu erben, erschienen, umständlich dos Bctt des Sterbenden in die Mitte rückten, damit sie auch nur gut rechts und links von ihm Platz nehmen könnten, und dann heißt es: „Nun nahten die letzten Minuten heran, Da sagte der Psoffe, der geizige Mann, „Wer wird Eure Reichtümer erben?" „Ihr nicht", sprach der Kranke,„doch laßt das Geplärr. Denn ich will ja jetzt nur wie Christus, der Herr, So zwischen zwei Spitzbuben sterben." Man sieht, der Verfasser der Anekdote, deretwegen Victor nach der Meinung des Zwickauer Gerichts vier Monate Gefängnis wegen Gotteslästerung abbüßen soll, hat seinen satirischen Beitrag nicht gerode selbst erfunden. Nachdem aber weder er noch die früheren Benutzer des biblischen Vergleichs in Anklagezustand versetzt wurden, sondern nur der aus lokalön Gründen mißliebige sozialdemokratische Redakteur, nachdem sogar ein christlicher Verlag die Sachs für harmlos genug hält, um den Vergleich mit den zwe« Schachern erneut zu verbreiten— das Buch mit der schwäbischen Volksanekdote ist erst nach dem Krieg erschienen!—, muß man wohl oder übel zu der Ueberzeugung kommen, daß es sich hier um einen der üblichen Tendenzprozesse einer im Sinne der Kultur- reaktion handelnden Prooinzjustiz handelt. streiten dos. Festgestellt ist bisher lediglich einwandfrei, daß die be- teiligten Ausländer im Besitz falscher Pässe waren. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschkossen. Sozialisten feiern Waffenstillstandstag. L6on Blum gegen Verschleppung der Abrüstung. In Paris, London und anderen Hauptstädten der ehemaligen Entente wurde der Wafsenstillstand durch Truppenparaden und oll- gemeines schweigendes Stillstehen gefeiert. Die Pariser Sozialisten veranstalteten in einem Kino eine große Kundgebung für Frieden und Abrüstung. Leo» Blum stellte fest, daß im vergangenen Jahre die Idee der Abrüstung einen Rückschlag er- fahren hat und bekämpfte die These der Regierung, daß die Ab- rüstung von der erhöhten Sicherheit abhängig gemacht werden müsse. Die Sicherhell wird eine Folge der Abrüstung sein. So- lange die Nationen gerüstet sind, wird keine wahre Schiedsgerichts- barkeit möglich sein, wie der chinesisch-japanische Konflikt gezeigt habe. Das Schicksal der Abrüstungskonferenz wird durch die fron- zösische Kamm erwähl im nächsten Jahre entschieden werden. „Wir wollen— so schloß Blum— das gegenwärtige Deutschland und das gegenwärtige Frankreich annähern, aber nicht «in imaginär«» Deutschland und Frankreich." Di« Regierung der USA. gibt bekannt, daß sie ihre Haltung zu den Ereignissen in der Mandschurei nicht ändert. Japan kann somit ungehindert seinen Raubkrieg gegen China fortsetzen. Bier japanisch« Kreuzer sind nach Port Arthur entsandt. Dekretierung des Hungers. Siegerwald hat die Verantwortung. Die Ztachverhandlungcn über den vom Schlichler für Milleldeutschland Dr. Hauschild für die T c x t i l i n d u- slrie Weslsochsens gcsälltcn Schiedsspruch finden heule im Reichsarbeiksminislerium statt. Eine Einigung über diesen Spruch ist ausgeschlossen. Soll cr trohdem verbindlich erklärt werden? Die Gewerkschasleu verlangen ein neues Dcrsnhrcn mit einem neuen Schlichter. Der Schiedsspruch für Westsachsen will sämtliche Tariflohne zu- nächst bis Ende des Jahres um 5 Proz. kürzen. 5 Proz. Kürzung von welchen Löhnen? Was die Textilarbeiter pro Wache als Verdienst mit nach Haus« bringen, das ist schon kein Lohn mehr, das sind nur noch Bettelpfennige. wocheaverdienste zwischen 2Z5 Mark und 10 bis 12 Mark— sind das etwa noch keine hungerlöhnc? Bei ZZ Mark liegt fast überall der 5) ö ch st l o h n. Dann geht es steil herunter zu 12 Mark, 10, g, 8 Mark, 4.80 Mark. 4,70 Mark. Z,7S Mark bis herunter zu rund 3 Mark! Diese erbänn- lichen Verdienste sind selbstverständlich eine Folge der Kurz- arbeit. Aber für den Textilarbeiter ist das Entscheidende, was cr am Ende der Woche summa summarum nach ollen Abzügen auf die Hand bekommt. Die Löhne der Textilindustrie noch einmal um 5 Proz. senken, das bedeutet nichts anderes, als die Leute gemalt- fam aufreizen. Selbst Quolitätsorbeitcr, zum Beispiel die Gardinenweber, also 2lrbeilskrösle. die vor dem Krieg Z5 bis 40 Mark verdicnken, müssen jchl mit 20. 16. 10 und S Mark nach Hause gehen. Das Reichsarbeitsministeriuin wird von den Textilarbeiter» mit Protesten, Bitten und Beschwörungen bestürmt. Die von dem vor- gesehenen neuen Lohnabbau Bedrohten kämpfen buchstäblich um ihre nackte Existenz Daß das wilde Streikmonövcr. wie es von der REO. in Leipzig inszeniert wurde, aus den Reihen der Ber- zweifelten Zulauf erhalten muß, versteht sich von selbst. Die Stadt Leipzig hat sich durch ihren Oberbürgermeister ebenfalls an das Reichsarbeitsministcrium gewandt und auf die aus der Verzweiflung der Textilarbeiter drolzenden Aolgcn nachdrücklichst aufmerksam gemacht. Zündstoff liegt ja genug an allen Ecken und Enden. Nicht nur in der Tcxtllindustrie ist die Arbeiterschaft durch den Lohnabbau und durch nach so manch andere Dinge bis aufs Blut gereizt und in höchstem Maße erbittert. Wäre der Arbeiter nicht gewerkschaftlich geschult und dadurch ein nüchter- ner Rechner, er hätte längst alles kurz und klein geschlagen. Oder soll er ruliig bleiben, wenn immer nur unten abgebaut wird! Trotz der Notlage der Textilindustrie werden noch Direktoren- gehälter von 90 000 Mark und darüber gezahlt, und zwar nicht nur in Einzelfällen. Zn einem Betrieb mit einer Belegschaft von 800 Arbeitskrästen beziehen 12 leitende Angestellte über 400 000 Mark an Gehältern. Wenn man die Gehälter der vier höchstbezahltcn aus 24 00V Mark — das wäre immer noch ein Ministergchalt— kürzen würde, dann könnte man damit einen Betrag einsparen, der etwa 20 Proz. der Gesamtlohn summe des Betriebes entspricht. Eine Berbindlichkcitserklärung des Textilschiedsspruchs für West- sachsen ist in diesem Augenblick einfach unvorstellbar. Jedenfalls würde sie zu dem Alarmruf des Schlichters in der Lohnbewegung der Berliner Metallindustrie, der vor der Fortsetzung des bisherigen einseitigen Lohnabbaus dringend gewarnt hat, passen wie die Faust aufs Auge. Protest der Estenbahner. Riesenkundgebung in der„Neuen Welt". Unablässig strömten gestern abend die Berliner Reichs- bahnarbeiter in die vom Einheitsverband der Eisenbahner nach der„Neuen Welt" einberufenen öffentlichen Versammlung. Mehr als 4000 zornerfüllte Reichsbahnarbeiter folgten mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen des Berliner Bevoll- mächligten des Eiichcitsverbandes der Eisenbahner, Genossen 5z a h n c b u t h, der nicht nur die augenblickliche lohnpolitische Situation im Reichsbahnbetrieb umriß, sondern aber auch mit wenigen aber prägnanten Sätzen die allgemeine politische Situation aufhellte. Mit stürmischem Beifall quittierte die Versammlung die Ver- sicherung des Referenten, daß die denkenden Arbeiter den„Sozia- listen" nicht ins Garn laufen werden, die den 5)arzburgcr Reak- lionären Bütteldienste leisten. Genosse Hahnebuch beleuchtete dann kritisch die Pcrsonalpolitik der Reichsbahn. Während die Zahl der höheren Beamten im Reichsbahnbctrieb in den letzten Jahren verdoppelt und verdreifacht wurde, hat man bei den unteren Beamten und den Arbeitern Einsparungen über Einsparungen ge- macht. Trotz der weitgehenden Vcrdienstschmälcrungcn, die die Rcichsbahnarbeiter schon durch Lohnabbau, Feierschichten usw. er- litten haben, besitzt die Reichsbahnhauptverwaltung die Stirn, über den Rahmen der Notoerordnung hinaus einen nochmaligen Abbau der Löhn« um 9 Prozent zu verlangen. Die Ausgaben siir Korruptionszulagen, für den Bau und die Unterhaltung der Sportplätze und Turnhallen der gelben Werkvcreine, für den Unterftützungs- sonds zugunsten besonders beliebter Rcichsbahnangehöriger, die zusammen die ansehnliche chöhe von rund 30 Millionen Mark cr- reichen, sind aber für die Reichslmhnhauptverwaltung ein Blüm- chcn Rühr-mich-nicht-an. Was macht es ihr auch aus, wenn selbst höhere Beamte der Reichsbahn in Berlin erklären, daß sie es für unmöglich halten, daß man die Löhne der Rcichsbahnarbeiter noch mehr drücken könne! Wenn die Reichsbahnhauptvcrwaltung glaubt, sie könne ihren Arbeitern das Unmöglichste aufzwingen, dann soll sie nicht vergessen, daß die Grenze des Erträglichen auch bei den Reichs- bachnarbeitern einmal ein Ende hat. Angesichts der Zwangs- läufigen Verbundenheit von Preisen und Löhnen kann es solange keine Debatte über die Herabsetzung der Reichsbahnarbeiterlöhne geben, bis die Bemühungen der Reichsregierung zur durchgreifen- den Preissenkung auf allen Gebieten einen Erfolg gehabt haben. „Eisenbahner zum Einheitsvcrband" ist die notwendige Konsequenz aus dem Verhalten der Reichsbahnhauptvcrwaltung. Die imposante Kundgebung wurde wirkungsvoll umrahmt durch Darbietungen des aus arbeitslosen Musikern des Deutschen Mu- sikerncrbandes gebildeten symphonischen Blasorchesters Groß-BerUn unter Leitung seines Dirigenten Artur Jandcr. Neform der„Reformen"? Die Reichelanstalt und ihre Aufgaben. pie Arbeitslosen kommen jetzt endlich— nach fünf Wochen!— in den Genuß der geringen Beträge, die durch die Notnerordnung vom 5. Oktober in Milderung der Härten der Nowerordnung vom 5. Juni ihnen zugebilligt wurden. Der bedeutsamste Bortest dieser Notoerordnung ist die Hinaufsetzung von 15 ouf 25 Mark monatlich der Sozialrenten, die bei dem Bezug vvn Unterstützung nicht an- gerechnet werden. Es lohnt wolst nicht, wird man einwenden, darüber nochmals zu reden, daß ein Arbeiter fünf Wochen warten muß, um vielleicht statt 12 Mark'13 Mark die Woche Unterstützung zu bekommen. Aber abgesehen davon, daß eine Mark sehr viel Geld ist für den, der nur 12 Mark Unterstützung bekommt, lohnt es sich, einmal darüber zu reden, ob es notwendig und unvermeidlich ist, zwischen Berordnung und Ausführung so lange Fristen einzuschieben-, vb es notwendig und unvermeidlich ist, Reichsanstalt und die vvn ihr Betreuten in einen feindlichen Gegensatz zu bringen: ob es not- wendig und unvermeidlich ist, die Rcichsanstalt zu dem besten Agitator der KPD. zu machen. Die Reichsanstalt und das, was man gemeinhin als„hohe Bürokratie der Rsichsanftalt" bezeichnet, sind nicht die Haupt- schuldigen an den unhaltbar gewordenen Mißständen. Im Anfang stand die Agitation der Vereinigung der deutschen Arbest- geberverbände gegen die sogenannten Mißbräuche in der Arbeits- losenversicherung. Die Sckmuermärchen, die von der Vereinigung in die Presse lanciert wurden, sind zwar nie nachgewiesen worden oder haben sich als maßlos übertrieben herausgestellt: ober man trug der Stimmungsmache Rechnung und begann zu„reformieren". Das Resultat: es gibt heut« keinen Menschen mehr, der ohne Hilfe von Spezialisten Bescheid weiß in den Jrrgängen der Gesetze, Rot- Verordnungen, Ausfülirungsbestimmungen, Verfügungen, Entschei- düngen des Rcichsvcrsicherungsamts und der Praxis in den Arbeits- ämtern selbst. Der Arbeitslose sollte wissen, wenn er zum Arbests- amt geht, was er zu tun und auf was er Anspruch hat. lind wenn er es nicht weiß, sollte er es an Hand einer kurzen An- leitung erfahren. Er erfährt ober nur auf dem Arbeitsamt, wo er von Büro zu Büro gejagt wird, daß kein Menjch ihm eine autoritative Auskunft zu geben vermag. Man hat den Berwaltungsapporat immer mehr„verfeinert". Resultat: die Errechnung eines llntcrstützungssotzes erfolgt fünf- mal. Ilm zu verhüten, daß ein Arbeitsloser nicht etwa 50 Pfennig zuviel bekommt, wird(in den Berliner Arbeitsämtern) die Errechnung, die an Hand von Tabellen von einem Angestellten vorge- nommen wird, viermal nachgeprüft. So wird gespart. Der gesund« Menschenverstand, die cinsochsten Grundregeln der Sparsamkeit, die Erfahrung lehren, daß eine einmalig« Nach- Prüfung genügt. Dies ist eine Tatsache unter Hunderten, die wir unmöglich olle anführen können. Darf man hassen, daß man im Vorstand der Reichsonstalt aus den unhaltbar gewordenen Zuständen endlich die längst fällige Nutzanwendung zu ziehen entschlossen ist? Generalkündigung im Ruhrbergbau? Heute beschtieften die Zechcnbesifter. Essen. 11. November. Die„kölnische Bolkszeilnng" bringt in ihrer Mittwochabend- ausgäbe eine Meldung, noch der der Zechenverband beobsichligl, der gesamten Belegschaft des Buhrbcrgboues vorsorglich am 15. zum 30. November zu kündigen, und zwar deshalb, weil ein rechtzeitiger Abschluß der Verhandlungen vor Ablauf der geltenden Lohnordnung, also bis zum 30. November, nicht zu erwarten fei. Die Telegraphen-Union meldet dazu, daß über di« ans der Kündigung des Lohnabkommens sich ergebendrn ZNaßnahmen nur eine Generalversammlung des Bergbouvereins Beschluß fassen könne. Eine solche Generalversammlung des Bergbouvereins ist nun für Donnerstag einberufen worden. Empörung der Gemeindearbeiier. Stürmische Szenen in Köln. Köln, lt. November.(Eigenbericht.) Die Gemeindearbeiier in Köln nahmen am Dienstagabend zu der Lohnkürzungsaktion Stellung. Die Versammlung des Gesamt- Verbandes verlief ä u h e r st stürmisch. Nur mit Mühe könnt« der� Vertreter des.Hauptvorstandes. P o l e n s k e- Berlin, feinen Bericht zu Ende geben. In der Aussprache wurde die Verbands- leitung scharf kritisiert. Mehrsach wurde der Streik verlangt. Beim Schlußwort des Referenten kam es zu so st ü r- mischen Tumulten, daß der Redner nicht weitcrsprcchen konnte. Der Vorsitzende schloß deshalb die Versammlung, die ahne Beschluß auseinanderging. Am Miltwochmorgcn versuchten ebenso wie am Dienstag RGO- Leute, die Stroßenluihner wieder zum Ausstand zu bewegen. Wieder kam es aus zwei Straßcnbohnbösen zu erregten Ansammlungen. Mehrere Straßenbahnzügc wurden mit Steine beworfen und be- schädigt, so daß die Wogen ausgewechselt werk-en mußten. Der Ver- kehr konnte jedoch aufrechterhalten werden. Kommunistische polittk. Lm Osram- Betrieb. Am 6. November brachte die„Rote Fahne" rine..revolutio- närc" Reportage aus dem Osram-Werk A, worin der„resormistischc" Betriebsrat zunächst beschuldigt wird, die»E i n h e i t s s r o n t a b- gelehnt" zu haben. Das Gegenteil ist richtig. Die Splitter- organisotion. genannt'„Einheitsvcrband der Metallarbeiter", hatte beim Betriebsrat beantragt, sofort«ine gemeinsame Belegschafts- Versammlung einzubcnisen, um eine gemeinsame Kampsessront her- zustellen. Der Betriebsrat hat der Sektion dieses„Eiuheits- perbandes" mitgeteilt, um eine machtvolle Kampffront zu ermög- lichen, müsse der EVMB. sofort seine Auslösung he- schließen und olle seine Mitglioder schnellstens der Kampffront der freien Gewerkschaften einreihen. Der E i n h e i t s o e r b a nd war es, der diese einzig mögliche Kampffront abgelehnt Hot. Den„SPD.-Jesuiten" wird weiter vorgeworfen,„die Eni- lasfung der beiden Wcrtführer der Opposition, der Kollegen Röhl urad Martha Langer," verschuldet zu hoben Beide sind Zusammen mit 24 orderen Beschäftigten wegen Arbeitsmangel entlassen worden. Der?lrbeitirrot lehnte allerdings den Einspruch der beiden gegen ihre Entlassung ab, weil sie die An», l gkeichsqnilkung unterschrieben haben. Ein« kommunistische Bezirks« verordnete, di« als Betriebsränn kandidierte, müßte eigentlich wissen, was ihre Unterschrift unter die Ausgleichsquittung bedeutet. Der Arbeiterrot erklärte sich bereit, wegen der von den Be- schmerdeführern geltend gemachten Notlage über«ine Ent- schädigung mit der Direktion zu«rhandeln. In dem Antwort- schreiben behaupten die beiden, daß der Arbeiterrat Hand in Hand mit der Direktion arbeite.„Wir lehnen es mit größter Enischiedcn-. heit ob, daß Ihr zu Euren Freunden, zur Direktion geht und um. eins Entschädigung für uns bittet." Sic feien zur Denunziation aufgeiordcrt worden, durch folgende Stelle in dem Antwortschreiben des Arbciterratsi „Falls Du in der Lage bist, uns sozial Bessergestellte zu nennen, die an Deiner Stelle emlaiscn werden sollen, und ebenso un? direkte Beweis« für ein« Maßregelung bringen kannst, sind wir gern bereit, nochmals mit der Direktion über diese Wieder- Einstellung zu verhandeln." Die.Massenkämpfer" verlangten ober vom A r b e i t c r r a t, daß cr van sich aus sozial Bessergestellte angeben sollte, die an ihrer Stelle entlassen werden konnten. Ein„rater" Betricbsrotskansidot hatte schon vorher im Betrieb angekündigt, daß die kommunistische Zell« beschlossen habe, keinen Einspruch gegen die Entlassungen ciiyzulegen, sondern„den weißen Terror" mit„dem roten Terror" zu beantworten. Es sei schon in allernächster Zeit damit zu rechnen, daß Sommer- feld, Am hoff und Schelme in einem Krankenhaus landen würden. Di« Zelle lzoite wegen dieser Dinge eine Betricbsvcr« s a m m l u n g einberufen. Sie war von 22 Personen, worunter 11 Betriebsfremde, bei etwa 3500 Beschäftigten, besucht. Durch Schaden wird man klug. Die KpO. hat bei Goldacker ausgespielt. Die in den wilden Streik gehetzte Belegschaft der Firma Eduard Goldackcr Nachfolger ist jetzt zu der Einsicht gc- kommen, daß sie einen schweren Fehler gemacht Hot, als sie sich der „Führung" der unverantwortlichen und nur auf die Verfolgung kommunistischer Parteiintercssen eingestellten RGO.-Häuptlinge anvertraute. Noch andcrthalbwöchigcr Kampfdauer Hot sich die ühcr- große Mehrheit der Streikenden von der RGO. obgewandt und den Gesamtverband beauftragt, zu versuchen, die Folgen diese? gewissenlos entfachten Kampfes von den Streikenden abzuwenden. Die während des Kampfes von den Streikenden, besonders aber von ihrer Führung so viel geschmähten„Sozialfaschisten" haben sich den Wünschen der Streikenden nicht verschlossen und sich bemüht, ihnen den alten Arbeitsplatz wieder zu verschaffen. Ihre Bemühungen waren nicht ohne Erfolg. Die Firma Goldacker sagte den Vertretern des Gcsamtverbandcs Verhandlungen zu, wenn die Streikenden für die Dauer der Verhandlungen die offenen Kampfhandlungen(Streik- postenstehcn usw.) einstellen. Gegen zwei Stimmen beschlossen die Streikenden, diesem Verlangen nachzukommen. Die dann vom Gesamtverband ausgcnommcnen Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß bereits heute, Donnerstag, ein Teil der streikenden Belegschaft die Arbeit wieder aufnehmen kann. Der überwiegende Teil der heute noch nicht wiedereingestellten Streiken- den soll in kurzer Zeit wieder in den Betrieb zurückkehren käuiicu. Als dieses Verhandlungsergebnis von den noch im Kampf Befind- lichen angenommen wurde, legte die RGO.-Streikleitung, die den Kampf wohl zu beginnen, aber nicht zu beenden verstand, ihre Führung nieder, was die Streikenden nicht mit Trauer erfüllte. Damit sind die Differenzen bei der Firma Eduard Goldackcr Nachfolger>;n d g ü l t i g b e ig« l e gl. Alle Kampfhandlungen, d e jetzt noch etwa von Betriebsfremden vorgenommen werden, erfölgen gegen den Willen der bisher Streikenden nnd wer- den von ihnen in keiner Weise gebilligt, noch gedeckt. Bein'ebsräiewahlen im VersicherungsaeWerbe Di« Reichsfochgruppe Versicherungsongcstellte im Zentral verband der Angestellten gibt folgendes Ergebnis der diesjährigen Betricbsratswahlen im Vcrsichcrungsgewcrbe bekannt. (Die Zahlen beziehen sich auf die bis jetzt crjaßtcn lll Betriebe mit 19 000 Angestellten.) Jnsgesam: wurden in diesen Betriebe» 504 Bctriebsratsmitglieder gewählt, die sich wie folgt oerteilen: Pro-. Zentralverband der Angestellten..... 229 Sitze— 40,60 Allg Verband der Vcrsichcrungsangestellten l40.— 24,82 Gcdog................. 92„= 16.31 GDA................. 53.= 9.40 Unorganisierte.............. 45„= 7,98 RGO.•............... 3.= 0,53 NSDAP................. 2.= 0,36 Die überragende Stellung des ZdA. geht daraus hervor, dnß er in 27 Betrieben.mit 66 Betriebsrotsmitgliedern den Betriebsrat ollein stellt. In weiteren 21 Betrieben besitzt cr mit 80 von 118 Sitzen die Mehrheit. Freie Gewerkschafts-Zugend Berlin teut«. lf)UUf)r, tagen die Gruppen: 5tL»e»ick: Jugendheim Grünauer traße 7� sRahe Bahrchaf Spindlersfeld). Was ist SozialismusV— Gc- svndbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotendurger Str. 2. Zehn- Minuten-Referate, Fahrte nerlednisse..— Schönhauser Tor: Äugendheim Tieck- srraße 18 tFeuerwehrhaus). Wir klagen unseren Tariflohn ein.(Eine Arblits- gerichtssitzung.)— Tempelhof: Gruppenheim. Lhzeum Germar inflr. 4—6, Der Zugang zum Jugendheim erfolgt durch den Eingang auf der Hinteren Sei.e der Schule. Gotzstrahe.-Nonemderstürms.— Südosten: Reichendorger Str. h. fFeuerwehrhaus). Die öffentliche Wirts6)aft.— Moabit: Jugendheim Lehrt or Straße. 18—19. Was brachte der neue Reichstag.— Staaken: Äugendheim der 17. Volksschule. Gartenstadt, Kirchplak(Endholtestelle Autobus 31). Di? Zungen f üeftitigftTflfcr-— Schönewkidr: Ri-drrschonewcide, Hasselwerdrrstrage iMüdcte'.- fri-ult. im SeUft). Dir or!>e» bedrn(Ganghofersiraße).— ftranüuetec ÄN.": dugendheim Tilsitcr Str. 4. Mit Buch und Schallplatte»in dir iErhr.— Ost- cnbp: rtufleutcheim starlshorst. Trcslotvallke 44(Äant-Schulc). Berliner Humor. — I»g«»dgri>ppr»rs Ueibonk« der Rahrnaasmiitel und Eeträniearbc'irr: Ougrndli-im Neue SchSnliauser Str. 4— ö. Thomas Morus nnd dcr utopische Sozialismus.— z-orndgruppc de« DBBB. Jugendheim Scbastianstr. r)7— ÜV Tretet Spielabrnd.—?ag-ndgruppc des Dentlchrn Tertilardctter.Berdandes: .'uaendheim Engelufrr 24— 25, Aufgang U. Proletarische Jugriidbewegnng (Aurzreferatei. @Iusicndsirllppe des Zentralverbondeö der Angestellten Hcnte, Donnerstag, finden folgende Beranstaltunaen statt: Norden: nugendheim Lorhlngstr. ld. Vortrag: Die deutsche Renolution nan 19!N. Referent: Liiwi.— Pnakow.Nlrderschijnhanse»: Jugendheim Görschstr. II lgroße« Zimmer). Arbeitsgemeinschaft: Similhrung in die sozialistische Gc. danienwelt". Leiter: Huhn.— Oft»»: Sugendheim der Schule Litauer Str. Ii?. Nevolutionsgedenlabend.— Treptow: Jugendheim Clfenstr. 5. Ardeitsgemein- lckaft: Dürfen Lehrlinge Mitglieder einer Gewerlfchait fein? Leiter: Barr.— Die Freie Angestelltendank e. G. nt. b. K. tagt hrnte van Zl) bis 22 Uli: Im Berdandshaus.— Heute findet die Iugendiimlitanärversammlung um il) Uhr im kleinen Sitzungssaal unseres Berbändahaulca statt. Berantwartlich für Politik: Btctor Schiff: Wirtschaft: S. Kling-lhäser: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schiiawoli: Lokales und Sonstiges: Fritz»arftädt: Anzeigen: Th.«loike: sämtlich in Berlin. Verla«: Borwärts.Berlna ffi. m b. K.. Berlin. Druck: Borwärls-Buclidruckerel und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SB.«8, Lindonstrasto 8. Hier,» 2 Beilagen. Sie sparen bei ber Zahnpflege, wenn Sie die Cblorodont-Zabnpasf« verwenden, denn eine lleine Meilge davon genilgl. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich not billigen, minderwertigen Nachahmungen.