Morgenausgabe Nr. 535 A 269 4S. Jahrgang 5T-n(f;mtTidi Bo'JSf., BifnotftAS.eOS'U < davon 96 Pf. monalltch fi£c Inno Ins Haus) w> vorans»ahlldar. Postbozng 4.ZZ M. einschli-Krüh soPf. Pollzeiwngs» und 72Pf.PostbostoIIo«» d!idv-n.Auslond»abonnem«nt S.— S>i. pro Monat: für Länder lnit ermäßig» !em Pruckfachenporw 6.— M. Ter„PnOTärli" erschein! wochenläg» lich zweimal. Sonntags und Montag, einmal, die Ädendou�ade für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Per Lldend". Illuitriert« Sonntag-, bei lag» »Volk und Zeit". Berliner VoltSblatt Sonnabend 14). November 1031 Groß-Äerlin tO Pf- Auswärts 15 pf. Die ein) palt. Sxonpprctüejeile SO Pf. Neklamezeile 5,— RM.„Kleine An- Aei�eu" das fettaedruifie Wort 2o Pj. lzillossig?iwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort!2 Pf. Radqtt lt. Tauf. Stellengesuche das erste Wort 12 Pf, jedes weitere Wott 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. ganvlien« anzeigen Zeile 40 Pf. 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Er, sprach seine Z u st i m m u n g zu dem von Albert Thomas, dein Direktor des Fntcrnationalen Arbeitsamts ausgearbeiteten Plan für i n t e r- nationale öfl entliche Arbeiten aus und beschloh die Einberufung von Wtrtschafts- und Finanzsachverstänt d i g c n zur Beratung der durch diesen Plan gestellten Aufgaben. Die Sachverständigen sollen auch zur internationalen Geld- und .ft rcditkrise Stellung nehmen, um Wege anzugeben, die zur Ilcberivindung der Jirise führen können. Um in dieser für das Zveltproletariat so ernsten Zeit eine einheitliche Stellungnahme und ein gemeinsames Borgchen der Gewerkschaften aller Länder herbei- zuführen, erwog der Borstozid die Möglichkeit der Ableitung einer Ntcllkonferenz der Gewerkschaslen zur Beratung der Wirt- schastskrise und ihrer Bekämpfung. Der Dorstand beschloß, bei dem Amerikanischen Gewerk- s ch a s t s b u n d telegraphisch anzufragen, ob er gewillt sei, an ciuer solchen Äonfcrcnz teiznnehmen. ?n dem Telegramm teilt der Vorstand des JGB. mit, daß er die Weltivirtschaltskrise und die Mittel zu ihrer Ueberwinkning und zur Milderung ihrer Auswirkung auf die Arbeiterklasse besprachen und die Notwendigkeit erkannt habe, internationale Maß- nahmen zu ergreifen. Die unumgängliche Baraussetzung für eine erfolgreiche Aktion sei die Einheit der Kr äste der Ar be i t c r s cho j t der ganzen Welt. Deshalb schlage der Vorstand des BGB. vor, in der zwei teil Ianvarhükfte in Paris ein: Weltwirtschaftskonferenz oller nationalen Gewcrkschofts- zentrslen aliZuhaiten. um die Lage zu prüfen und ein gemeinsames Vergehen zu ermöglichen. Zu dieser Konferenz lädt der JGBi be- Hakenkreuzierror in Dresden. Auswärtige(SA.-Kolonnen an der Arbeit. Dresden, 13. November.(Eigenbericht.) In Dresden haben sich in den letzten Tagen tolle Zu- stände entwickelt. Es häufen sich die Uebergriffe der Hitler-Leute. In den Vororten liegen aus» w artige SA.- Abteilungen. Fortgesetzt werden auf der Straße friedliche Passanten belästigt. Wiederholt wurden Sozialdemokraten und Neichs- bannerleute überfallen. Flüchtende Einwohner wurden bis in die Hänser verfolgt. Am Donnerstagabend wurde ein Sozialdemokrat und Reichsbaanerkamcrad von einer Nazikolonne von 70 Mann, die znm Stnrm 30 gc- hören, auf der Straße überfallen. Mit einem Schlag- instrument wurde» ihm schwere Wunden am Kopf beigebracht. Oer schießende Amtsrichter. Difziplinarverfahrea mit Amtssuspension gegen Amts- gerichtsrat Sidon in Trier. Wie die republikanische Presse berichtet hat, ist in der Nacht vom 26. zum 27. Oktober 1931 aus die Wohnung des Gewcrkschafts- sekrctärs Jakobs ein Schuß abgefeuert worden. Der dringend- Verdacht der Täterschaft richtet sich gegen den Amtsgerichts- rat S i d o n, der angeblich sinnlos betrunken gewesen sein soll. Sidon war eine Zeitlang Mitglied der NSDAP. Wie der Landgerichtspräsident Dr. Braun-Friderici in Trier nunmehr der Republikanischen Beschwerdestelle Berlin mitteilt, ist „von dem Großen Disziplinarsenat beim Oberlandesgericht in Köln das förmliche Disziplinarverfahren eröffnet und die Amtssuspension verfügt worden". Eine Warnung an die Hitler-Partei. Magdeburg. 13. November.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratische Polizeipräsident hat an die hiesige L e i t u n g d e r NSDAP, folgende schriftliche Warnung ge- richtet: „5n letzter Zeit sind w i e d e rh o l t im Anschluß an ofsentlichs Versammlungen der NSDAP. Schlägereien vorgekom- men. bei denen fast durchweg SA.-Zlng-Hörige beteiligt gewesen sind. Diese Fälle hoben gezeigt, daß die NSDAP, ihre Aichanger ni-bt durchweg in der Hand bot und nicht daraus hinwirken kann, daß-in friedliches Auseinandergehen ihrer Anhänger noch Ber- sammlungsfchluß unbedingt gewährleistet ist: Sollten derartig« Bpr- fnJXfe sich wiederholen, fn wurde ich bis auf weiteres nicht m der Lage(da, öffeatßche Berjamwfzmgen der NSDAP, gewchlwze» sonders den Jlmerikanischcn Gewerkschastsbund ein und sügt hinzu, daß für den Fall des Zustandekommens dieser Konferenz auch die 'Aussicht bestehe, daß neben den meisten europäischen Gcwerkichaslszcnlralen auch die von Australien, Japan. Indien, Loteinamerika und Kanada daran teilnehmen würden. Der Borstnnd des JGB. bittet schließlich um ein« möglichst baldige Antwort. Nach Entzegennahine von Berichten I o it h a u x' und Scheven eis über die Gewerkschaftsbewegung im nahen Osten beschloß der Vorstand, das Sekretariat zu beauftragen, weiterhin die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in den in Frage kommenden Ländern zu versolgen und olle Maßnahmen zu ergreifen, um eine größere Einheit der Gewerkschaftsbewegung im nahen Osten herbeizuführen. Weiter setzte der Borstan-d die Tagungen für die nächste A u s s ch u tz s i tz>t n g bzw. die Kon- ferenz der internationalen Berufssckretariate fest. Sie sollen ain 12. Mörz 1932 und den folgenden Tagen in Bern abgehalten werden. Die nächste Zusammenkunft für jüngere Ge- werkschostsmitglieder wird i» den Tagen voin 21. lstg 30. Juli 1932 in II c o I e in Brüssel stattfinden. Eine Einladung der S a z i a l i st i s ch c n Arbeiterjugend- Internationale an das Komitee für Jugend- und Bildungs- srogen des Internationalen Gewerkschaftsbundes zur Teilnahm« am .Kongreß der Internationale sowie an einer internationalen'Aktion zugunsten von Frieden und Abrüstung wurde in zustimmendem Sinne beantwortet. Ein'Änschlußersuchen einer Landeszentrale in H ollä»d i sch_» I g d i« n, die 32000 Mitglieder zählt, soll in empfehlendem Sinne dem Ausschuß»nterbreitet werden. Die nächste Sitzung des Vorstandes des Internationalen GemerkschaitÄ'lliides findet am 1., 5.. und 6. Januar 1932 in Berlin statt. zu können. Ich glaube, daß diese Warnung genügt, um ihre An- bänger von Unbesonnenheiten und Reibereien mit politisch Llndcrs- denkenden fernzuhalten." Die Angstpsychose des Mordschützen. Lad Kreuznach. 13. November.(Eigenbericht.) Der Pfadfinöcrführer Zumsteg wurde von dem hiesigen Schöffen- gericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt,»»eil er einem Reichsbanner mann einen Bauchschuß und mehrere andere Schußvcrletzungen beigebracht hatte, so daß dieser mehrere Monate im Krankenhaus liegen mußte. Das Gericht glaubte dein Angeklagtelt, daß er in„?l n g st p s u ch a s e" gehandelt habe. Der Staatsamvolt hatte zwei Jahre Gefängnis beantragt. parieiiag in Oesterreich. In der Hauptstadt des putschlandcs Steiermark«!. Graz. 13. November.(Eigenbericht.) Am Freitag wurde hier der Parteitag der ö st c r r e i ch i- scheu Sozialdemokratie eröffnet. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei D e u t s ch l a n d s ist durch Friedrich Stampfer vertreten. Den Bericht der Porteivertretung und der Parlamentsfraktion erstattete'Abg. Dr. Deuts ch. Die Organisation hat sich trotz der schweren Krise gut behauptet. Vergebens sind Hakenkreuzler und Kommunisten gegen die Partei angerannt. Vielmehr ist die öfter- reichische Sozialdemokratie im letzten Jahre zu einer Massen- organisation geworden. In der Sitzung am Sonnabendvormittag wird Otto Bauer das Referat über die wirtschaftliche und politische Lage erstatten. Alfons verurteilt. Aberkennung aller Rechte durch Nationalversammlung. Madrid, 13. Naveinber.(Eigenbericht.) Exkönig Alfons ist von dem Siaatsgcrichtshof der Majestätsbcleidignng gegen das souveräne Volk und der militärischen Rebellion für schuldig befunden worden. Das Urteil lautet auf Aberkennung aller Rechte, Würden und Titel. Falls oer Exkönig nationales Gebiet betreten sollte, wird er auf lebenslänglich in Haft genommen werden. Sollte sein Er- scheinen den Bestand der Republik gefährden, so soll er hingerichtet werden. ', Die M ti ona l v a rso m m l il» g tritt in der nächsten Wache zu einer Geheimberotuüg über die.Anklageschrist und das.Urteil zusammen. Sobald die Rotionalversawmlung d-in Urteil zugestimmt Hot, ist es rnchi-skräftig. Der lebendige Hegel. Zumi oojöhrigen Todestag des grosienphilosophen Von Adolf Grimme. Es gibt zwei Möglichkeiten der Fortentwicklung großer geistiger Persönlichkeiten. Die eine: man beschäftigt sich mit Person und Werk literarisch, indein man sorgt, daß ihre Schriften immer wieder aufgelegt und in neuen Ausgaben gelesen werden können, indem man sie kommentiert, indem man sie interpretiert, indem man sie in den historischen Zu- sannnenhang einordnet, indem man sich kritisch und selbst- Vcnkcrisch mit ihrem Gedankengut auseinandersetzt, indem man von Generation z» Generation neu untersucht, was das Gestrige an ihnen sei und worin ihre bleibende Bedeutung b:- stehe, indem man sich also ihre Allgegcnivärtigkeit zum Bc- wußtsein bringt. Auf diese Weise bringt der schöpferische geistige Mensch der Vergangenheit auch über seinen Tod hinaus eine anregende und die Diskussion bestimmende Macht! aber diese ihre Macht beschränkt sich im wesentlichen auf den Bezirk der an ihr und ihrem Werk in besonderem Maße intcr- cssierten Gelehrten, Schriftsteller und Lieblzaber der von ihr aufgezeigten geistigen Welt und geistigen Werte. Die — ianer eines großen Mannes helfen so, daß sein Andenken nicht verlorengeht. Es gibt aber nach eine ganz andere Art der Fortwirkung eines Geifteshelden. Es ist die, daß er zu einer Macht wird, die einem Zeitalter das'Gepräge gibt oder die eine Gruppe von Menschen ersaßt und sie formt und ihr seine Züge in ihr geistiges Gesicht schreibt. Bei dieser Wirkung ist gar nicht einmal nötig, daß sich die Menschen dessen bewußt sind, wer eigentlich sie in ihrem Wesen geprägt hat. lind vielleicht ist das sogar der stärkste Beweis für die überragende Bedeutung eines großen Geistes, daß»an ihm eine menschen- bildende Macht und eine die Menschen einander verwandt- machende Kraft ausgeht, die anonym wirkt und nur dem Blick des betrachtenden Forschers die gemeinsame geistige Her- kunft verrät. Solch eine anonyme Kraft geht von Hegel noch heute, hundert Jahre nach seinem Tode, auf die breitesten Massen unseres Volkes aus, gewiß nicht unmittelbar, bestimmt aber mittelbar durch die Bäter der sozialdemokratischen Bewegung: Marx, Engels und L a f s a l i e. Dabei ist die Frage von geringem Gewicht, ob und inwieweit diese Theoretiker des Sozialismus auf des Meisters Worte ihren Schwur geleistet haben, wieweit sie ihn übernommen, imeweit sie ihn umgebildet, in welchen Punkten sie sich lediglich eine Anregung von ihm geholt, aber seine Gedankenmassen in eine selbst- gewachsene Richtung mcitergeleitet haben. Ist es nicht sogar die größte Verbeugung vor dem Genius eines Mannes, wenn man auch und gerade diese seine anonyme Erziehungskrast und Bildungsmacht mit Respekt und Ehrfurcht betont? Und ist es nicht beschämend, daß diese im eigentlichen Sinn- leben- zeugende und lebendig gebliebene Kraft des großen Mannes in vielen, in gar zu vielen Aufsätzen, Reden und Kimdgebun- gen dieser Wochen wenn überhaupt, dann nur nebenher er- wähnt wird, anstatt daß man ausgerufen hätte: Seht her, welch ein Mensch, der noch heute nach hundert Jahren mitten unter uns als einer der wesentlichsten Erziehungssaktoren einer ganz breiten Schicht unserer Nation lebt! Auch wer seinen Blick nur auf die erstgenannte Art, auf die literarische Art der Weitcrwirkung einer geistigen Persön- lichkeit richtet, müßte gerade diese Seite seiner Wirkung aus das ollerstärkste unterstreichen, es sei denn, man wolle bewußt darauf verzichten, die ganze Größe dieses Menschen, das Werk dieses Mannes, der doch einer der größten deutschen Denker überhaupt war, in seiner Ganzheit zu erfassen. Es heißt, Hegel verengen, es heißt, ihn vereinseitigen, es heißt, die Ge- schichte vergewaltigen, wenn man von dieser seiner anonymen Wirkung nur im Vorbeigehen oder überhaupt nicht spricht. Es ist, als wenn man den Hegelschen Satz, daß das, was ist, vernünftig ist, aller Vernunft und allen Tatsachen zum Trotz dahin umkehren möchte, daß nur das sein darf und nur das gewesen sein darf, was dem Privatintellekt als Aeußerung der Vernunft erscheint. Selbst angenommen, Marx und Engels und Lassalle hätten ihren Meister am Ende sogar in enrschei- dendcn Punkten mißverstanden, Hand aufs Herz: müßte man dann ehrlicherweise nicht wenigstens auch das zugeben, daß dieser gewaltige Denker auch nach durch die Seiten seines Werkes, die mißverstanden und umgebildet worden sind, stärker gewirkt Hot als die, die ihn„richtig" zu verstehen glauben, die aber für dies« Richtigkeit so oft den Kaüspreis gezahlt hoben, daß von ihrem Hegel-Bcrständnis auch nicht Die pariser Wirtschastsberatungen. Begrüßungsrede durch Laval. die leiseste Wirkung auf Leben und Charakter der Nation aus- gegangen ist. Wo war denn Hegel lebendig in der metaphysikfeindlichen Zeit der zweiten Hülste des 19. Jahrhunderts, wenn nicht in der Wissenschaft der Arbeiterklasse! Es ist nichts als eine schlichte historische Wahrheit, wenn man ausspricht, daß die meisten geistigen Führer des deutschen Bürgertums jener Jahrzehnte mit einem hochmütigen und abschätzigen Lächeln an der Leistung dieses großen deutschen Denkers vorüber- gegangen sind. Es ist nichts als die schlichte historische Wahr- heit, daß der große Trupp derer, die auf ihre wissenschaftliche Reputierlichteit Wert legten, es einfach nicht wahrhaben machte, daß Hegel auch noch ein« Gegenmartsbedcuwng haben könne. Man gab ihm seinen Platz in der Geschichte der Philosophie. Gewiß. Und man setzte ihn auf die Bank der Prominenten. Aber eben doch der Prominenten, die man nur noch rein historisch nahm. Im allgemeinen fürchtete man, sich selber lächerlich zu machen, wenn man sich hätte zu seinem Gedankengut bekennen und eingestehen wollen, daß es über Jahrzehnte hinaus, die seit seinem Tod verstrichen waren, möglich gewesen wäre, die nicht auszuschöpfenden und starken Denkimpulse zu nutzen, die in seinem Werke schlum- Merten. Er war dem Wissenschaftler— einige wenige ausgenommen— der schwarze Mann der Wissenschaft und ge- radezu ein Philosophenschreck. Und wieder ist es nichts als eine schlichte historische Wahrheit, daß im Gegensatz dazu im Denken der Arbeiterklasse die Verbindungsfäden zum Hegel- schen Gedankenstistem nie zerschnitten waren. Oder muh man erst daran erinnern, daß gerade M a rx in seiner Borrede zur 2. Auslage des„Kapitals" sich„offen als Schüler jenes großen Denkers" bekannt hat, und daß er die Notwendigkeit, solch ein Bekenntnis abzulegen, damit begründet hat, daß „sich das verdrießliche, anmaßliche und mittelmäßige Epigonen- tum, welches jetzt im gebildeten Deutschland das große Wort fuhrt", darin gefalle,„Hegel zu behandeln, wie der brave Moses Mendelsohn zu Lessings Zeiten Spinoza behandelt hat, nämlich als„toten Hund". Heute feiert man in Spe- zialiftenkreisen und in einem Teil der Presse als eine große Entdeckung, daß das Geistesleben der Gegenwart ohne Hegel geschichtlich nicht zu erklären sei, und daß auch sonst der alte Meister noch einiges für unsere Zeit Bedeutsame ergründet bade. Wir wollen uns freuen, daß auch da einmal wieder die verlorenen Söhne heimfinden zu ihrem Vater: aber wir wollen auch nicht unterlassen, eindeutig herauszusagen, daß es vom Standpunkt der Arbeiterbewegung aus gesehen einer Hegcl-Renaissance nicht erst bedurft hätte. In ihr war Hegel niemals tot. Er war in ihr so wenig jemals tot, daß es schon einiger- maßen seltsam anmutet, wenn man mit dieser Wiederent- deckung. Hegels den Versuch verbindet, mit eben diesem Hegel dem Teufel Marxismus zu Leibe zu gehen. Und es kann nur nützlich fein, in den Wein der Hegel-Zentenarbegeisterung wenigstens an dieser Stelle ein paar Tropfen„bitterer" Hegelscher Wahrheiten zu träufeln. Wenn man zu lesen be- kommt, daß Hegel den bösen Sozialismus verdammt haben würde, weil dessen letzter Kern wirtschaftlich«, also materielle Kräfte seien, dann müßte, es- zur Abwehr dieser Auffassung eigentlich genügen, auf das glänzendste und klarste Hcgel-Werk Kinzuweisen, auf seine„Grundlinien der Philisophie des Rechts". In Wirklichkeit war gerade Hegel mit der Tatsache der engen Wechselbeziehungen zwisckien Wirtschaft und geifti- ger Entwicklung vertraut und hat er in seinem„System der Bedürfnisse"— es ist wohl kaum übertrieben, wenn man sagt: fast alle Ansatzpunkte modernen sozialistischen Denkens bereits gegeben. Damit diese Behauptung nicht in der Luft hängt, mag wenigstens auf eins hingewiesen sein. 1896 ist in der„Neuen Zeit" eine fragmentarische Schrift von Friedrich Engels er- schienen, die sich mit dem Anteil der Arbeit an der Mensch- werdung und mit der Herausbildung und Entwicklung mensch- licher Gesellschaften besaßt. Dabei kommt Engels zu dem Er- gebnis, daß das, was man als die Enttierung des Menschen bezeichnen kapn, auf die Arbeit zurückzuführen sei und daß überhaupt erst die Arbeit die menschliche Gesellschaft heraus- bildet. Es ist reizvoll und lohnend, mit diesen Ausführungen zu vergleichen, was Hegel selbst über die Bedingungen der geistigen Entwicklung des Menschen sagt. Für ihn ist es keine Frage, daß es die materiellen, die wirtschaftlichen Be- dürfnisse sind und die daraus entspringende Arbeit, welche die geistige Entwicklung des Menschen und die kulturelle der Gesellschaft in ganz besonderem Maße vorantreiben. Zu je difserenzierterer Mannigfaltigkeit sich die Bedürfnisse und da- mit die Arbeitsweisen vervielfältigen, zu um so höherer Geistigkeit entwickelt sich nach ihm der Typ des gescllschaft- lichen Menschen. Und wenn Marx im„Kapital" immer wieder hervor« hebt, daß der Gebrauch und die Schöpfung von Arbeitsmitteln dem spezifisch menschlichen Arbeitsprozeß entspricht, daß die Reliquien von Arbeitsmitteln für die Beurteilung vergangener Gesellschaftsformationen von entscheidender Wichtigkeit seien, wenn er betont, nicht das unterscheide die goschichllichen Epochen, was gemacht werde, sondern w i e, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht werde, und wenn er letzthin in den 'Arbeitsmitteln nicht nur Gradmesser der Entwicklung der menschlichen Arbeitskraft sieht, sondern auch Anzeiger der ge- scllschaftlichcn Verhältnisse, in denen gearbeitet wird, so bringt es keine Jnterpretierungskunst der Welt zustande, zu leugnen, daß das alles mit Hegels Erkenntnissen zusammen- klingt. Denn schon dieser lMte in dar Teilung, Vervielfälti- gung. Verfeinerung der Arbeitsmittel bis zur Maschine hin Grundvoraussetzung des gesellschaftlichen Fortschreitens er- faßt. So erweist sich der. bittere„materialistische" Kern des Marxismus paradoxerwcisc als die Nuß in der Schale der „idealistischen" Soziologie Hegels, die in der Entwicklung der materiellen Produktion, letzthin in der Entwicklung der technischen Produktivkräfte, die doch wahrhaftig nichts IIn- geistiges, rein Dingliches find, eine wesentlich bestimmende Bedingung für die Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens sieht. Schließlich erleben wir heute tagtäglich die Richtigkeit dieser Erkenntnis, wenn mir schaudernd beobachten müssen, pari». 13. November.(Eigenbericht.) Di« dciitsch-sranzösische Wirtschaftskommission trat am Freitagvormittag zum erstenmal im Festsaol das Innenministeriums unter dem Vorsitz des Unterftaatsselretärs G i g n o u x zusammen. Ministerpräsident L a v a l, der, ebenso wie Botschafter von Hocsch, dem Beginn der Sitzung beiwohnte, hieß die deutsche Delegation in«iner kurzen Rede willkommen und sprach den Wunsch aus, daß die Arbeiten der Komnnssion schnell zu k o n- kreten Ergebnissen führen mögen. Staatssekretär T r« n- delenburg dankte dem Ministerpräsidenten für seine Worte und gab im Namen der deutschen Regierung den gleichen Wünschen wie Laval Ausdruck. Anschließend begann«in allgemeiner Meinungsanstaiych über das Arbeitsprogramm der Kom- Mission. Nochmittags traten die deutschen und französischen Vorsitzenden der verschiedenen Unterausschüsse getrennt im Innen- Die Trauerfeier für Friedrich Barkels. Aebertragung durch Rundfunk. Die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Landtags tritt am Montag zu einer. Trauersitzung für Friedrich Bartels zusammen. Die Trauerfeier im Landtag am Montagnachmittag wird durch Rundfunk übertragen werden. Die nächste Plenarsitzung des Landtags, am 24. November, wird durch einen der Vizepräsidenten mit einem Nachruf für den verstorbenen Präsidenten eröffnet werden. Hierauf wird man zum Zeichen der Trauer die Sitzung um eine Stunde vertagen. -!- Zum Tode des Landtagspräsidenten Genossen Bartels hat Reichspräsident von Hindenburg dem Bizepräsidenten des Landtages sein herzliches Beileid ausgesprochen. Ferner hoben Beileidstelegramm« gesandt: Reichskanzler Dr. Brüning, Reichswehrminister G r o« n e r, Reichsminister S ch l a n g e- Schöningen, Reichstagspräsident Lobe, Staatssekre- tär Dr. Abb egg, Ministerpräsident Dr. Braun, Staatssekre- tär Dr.' W e i s m a n n, Polizeipräsident G r z« s i n s k i. Boye- rischer Landtagspräsident Stang, der Landesrat des Saargebiete-, der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, die sozlaldemo- kratische Relchstagsfraktion. die Fraktionen der Staatspartei und des Zentrums, dos Kartell der Republikanlschon Verbände, Ober- bürgcrmeister Dr. S a h m, Kultusminister Grimme und Handels- minister Dr. Schreiber. Außerdem liegen Trauerkundgebungen fast oller Parteien vor. Rosenberg und die Seinen. Aber der„IZorwörts" wird verurteilt. München, 13: November.(Ei gsndarlcht.) Das München« Amtsgericht verurteilte am Freitag die ver- aitfmortlichen Redakteure des ,. Barwärt»", des.�-Uhr-Msnd- blattcs", Berlin, und der..Münchener Post" wegen verleumderischer Beleidigungen des Nazi-Chefredakteurs Alfred R a s« n b e r g zu je 506 Mari Geldstrafe. Alle drei Zeitungen hatten iin Oktober vorigen Jahres aus dem„Nationalsozialist" Otto Straher» di« Behauptung übernommen. Rosenbcrg sei früher russischer Staatsangehöriger und während des Krieges in Paris im Sinn« der Entente tätig ge- Ministerium bzw. im Handelsministerium zusammen, um mit der Aufstellung des Programnis jedes Ausschusses zu beginnen. Stockung in den �eparationS-Vorverhandlungen. Paris. 13. November.(Eigenbericht.) Der deutsche Botschafter von H o e s ch hatte am Freitagvormittag wieder eine Unterredung mit Ministerpräsi- d e nt Laval, die sich auf die Reparationsverhandlungen bezog. Ein Fortschritt ist bisher nicht zu verzeichnen, da die fron- zösische Regierung weiter an ihrer Forderung betreffend Beschrän- kung der Bollmachten des Sachvcrständigen-Ausschusses aus die im Voung-Plan vorgesehenen Reoisionsmöglichkeiten festhält, während die Rsichsregierung fordert, daß die Sachverständigen auch die Zahlungsfähigkeit Deutschlands von neuem prüfen, damit ihre Feststellungen eventuell als Grundlage für die Ausarbeitung eines anderen Zahlungsplans dienen können. wesen. In der Verhandlung erklärte der Vertreter des Klägers, Rosenberg sei nur einmal in Paris gewesen und zwar im Früh- jähr 1914 zum Besuch seiner damaligen Braut. Die Verteidiger entgegneten, daß in der Behauptung überhaupt k c i r. e B c- le i d i g un g zu erblicken sei, denn als russischer Staatsange- höriger wäre in einer Betätigung sür die Entenl« nichts Ehren- rühriges zu erblicken. Auf die Frage, warum Rosenberg im übrigen nicht den„Nationalsozialist" als den Urheber der Behauptung ver- klagt habe, wurde keine Antwort gegeben. Aus einer gemein- samen Erklärung der Beklagten ging hervor, daß selbst in der Hitler- Partei lange Zeit Gerüchte über die dunkle Vergangenheit Rosen- bergs umgegangen sind. Auch der Reichstagsabgeordnete G ö r i n g hat einmal im Restaurant des Reichstages im Gespräch mit Freun- den erklärt:„Der Kerl soll endlich einmal sagen, wo er sich während des Krieges aufgehalten hat." Göring machte diese Aeußerung aus Grund einer Unterhaltung mit dem Münchener Prioatgelehrtcn Dr. H a n f st ä n g l, der als Zeuge in der Verhandlung folgendes aussagte: Bor etwa 9 Jahren Haber selbst eine Unterhaltung mit Rosenberg gehabt und aus dieser den Eindruck gewonnen, daß Rosenberg nach der Revo- lution in Paris gewesen sei. Ob es sich um die russische oder um die deutsche Revolution gehandelt habe, könne er heute � nicht mehr sagen. Er erinnere sich auch nicht mehr an die Aeuße- rung Rosenbergs, daß er während des Krieges in Paris war. Aus dem Wirffchastsbeirai. Es werden Leitsähe formuliert. Die aus den Mitgliedern des W t r t s cha f t s be i r a t s der Reichsregierung gebildeten beide,, Ausschüsse für Fragen der Produktionskosten und Preise und Fragen des Zinses und Kredits haben lhr« Gcneralausfprach« in einer Bormittags- und einer Nachmittagssitzung in der Reichskanzlei unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zu Ende geführt. D>« Reichsregierung wird nunmehr während der nächsten Tage unter Leitung der näcksitbcteiligten Rcichsminister in Einzel- befprechungen mit den Ausschußmitgliedern die F o r m u- lierung von Leitsätzen ober die Gestaltung des Wirtschast?- Programms vorbereiten. Diese Leitsätze sollen den beiden Ausschüssen, die nach dem Bußtag in der zweiten Hälfte der nächsten Woche wieder tagen, zur endgültigen Begutachtung vorgeirzt werden. wie das Versagen der Wirtschaft und die Desorganisation der Produktionskräfte rückwirkt auf die Höhenlage der Kultur. Mit alledem soll nicht gesagt sein, daß nun zwischen Hegel und Marx keinerlei Unterschied zu finden sei. Es besteht ein wesentlich Unterscheidendes zwischen beiden. Aber zu finden ist es an einem ganz andern Punkte. Es liegt weder darin. daß Hegels Dialektik von Marx fälschlicherweise auf die Wirt- lichkeit angewendet wäre: denn auch schon Hegel faßt die Dialektik als das Gesetz des realen Geschehens. Das Unter- scheidende liegt auch nicht darin, daß Hegel die geschichtliche Entwicklung im„absoluten Geist" gipfeln läßt, denn Marx' und Engels Wort vom Sprung aus der Notwendigkeit in die Freiheit erweist sich bei näherem Zusehen als sinn- verwandt, wenn nicht sogar sinngleich. Und auch nicht darin liegt das Unterscheidende, daß Hegel etwa den Widerspruch der bürgerlichen und proletarischen Klasse noch nicht erkannt hätte. Hegel hat ihn mit aller Deutlichkeit gesehen; aber er wähnt, die Möglichkeit sei gegeben, diesen für die moderne Gesellschaft grundlegenden Gegensatz zwischen der Thefis Bourgeoisie und der Antithefis Proletariat innerhalb dieser bestimmten Gesellschaft selbst aufzuheben. Hegel erkennt da- bei, daß die Entwicklung der Bedürfnisse und der Arbeit, daß die wachsende'Arbeitsleistung und Spezialisierung auf der einen Seite zur Folge haben eine vermehrte Anhäufung von Reichtümern in den Händen einzelner, auf der anderen die wachsende Not und Abhängigkeit der arbeitenden Klasse, die „unter daß Maß einer gewissen Subsistenzweise, die sich von selbst als die für ein Mitglied der Gesellschaft notwendige reguliert", herabsinkt. Einem Uebcnnaß der Armut zu steuern sei die bürgerliche Gesellschaft nicht reich genug. Auch Hegel sieht in diesen Erscheinungen die Dialektik der bürger- lichen Gesellschaft, und er meint, daß diese dadurch über sich hinausgetrieben werde. In diesem Punkte nun beginnt die Trennung in der Be- urtcilung der Verhältnisse zwischen Hegel und Marx, denn das, worin Hegel das Hinausgetriebenwerdsn, die Aufhebung der Widersprüche sieht, bedeutet keine Lösung der sozialen Frage. Außenhandel und Kolonisation. Beschaffung neuer Märkte, Auswanderung der überflüssigen Bevölkerung und Verwandlung dieser„Reservearmee" in bäuerliche Kolonisten und Siedler auf neugewonnenem Kulturboden, das alles mögen Ventile gewesen sein und bis zu einem bestimmten Grade noch heute fein für die dialektische Spannung in der Gefellschaft; im Grunde ober lassen diese Auswege das Problem ungelöst, weil ja der Prozeß der Entwicklung auf neuem Boden in derselben Weise wie früher wieder zur Eni- Wicklung der bürgerlichen Gesellschaft und damit zu der- selben sozialen Dialektik führen muß, die Hegel aufheben will. Für Marx und Engels dagegen ist die Ueberwindung des Widerspruchs erst dann vollzogen, wenn sich die ar- bettende Klasse die allein der Vergesellschaftung der Arbeit entsprechende planmäßige Bedarfswirtschaft als Grundlage einer neuen Gofellschaft erkämpft hat. Es wäre töricht und unhistorifch gedacht, wollte man Hegel zum Vorwurf inachen, daß er diese Lösung nicht ge- sehen habe. Obwohl sein Denken von der Idee des Absoluten her bestimmt ist, hat er sür sich niemals in Anspruch ge- nommen, daß nun gerade seine Perspektiven für alle Zukunft Gültigkeit haben. Schreibt er doch in bescheidener Selbst- beschränkung:„Was das Individuum betrifft, so ist ohnehin jedes ein Sohn seiner Zeit; so ist auch die Philosophie ihre Zeit in Gedanken erfaßt. Es ist ebenso töricht, zu wähnen, irgendeine Philosophie gehe über die gegenwärtige Welt hin- aus, als ein Individuum überspringe seine Zeit." Der Sozialist ist der Ueberzeugung. daß Marx und Engels für ihre und unsere Zeit, die hochkapitalistische Aera, den not- wendigen Schritt über Hegel hinaus zur be- ginnenden Tat gegangen sind. Ganz im Sinne ihres Meisters war ihnen die Vernunft die unendliche Mackst, die nicht so ahnmächtig ist, daß sie es nur bis zum Ideal, nur bis zum Sollen bringen könnte. Ihnen mar der Geist nie nur Quell der Theorie. Geist war ihnen im letzten nur dos. „was er tut", und das Denken hatte für sie nur Sinn, wenn es Wissen und Wollen zugleich ist. Und sie sind selbst nicht im Denken stecken gablieben. In ihrer Praxis haben sie den tiesstsn Sinn der Hcgelschen Dialektik erfaßt, der Dialektik. di« nicht nur eine Dcnkmethode. sondern die das Hinausgehen dos Denkens über sich selbst zum b e w u ß t e n V c r ä n d c r n d e r W e l t ist. Und so können auck) wir die Erinnerung an den großen deutschen Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel gar nicht besser bekräftigen, als wenn wir in unserem eigenen Verhalten und Tun die Wahrheit eine lebendige Macht sein und immer mehr werden lassen, die in Marx' Satz beschlossen liegt:„Die Philosophen haben die Welt nur ver- schieden interpretiert: es kommt ober darauf an. sie zu ver- ändern.� 7tr. 535» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 44. November 4934 Sklareks Decknamen-Buchungen Haben sie ihre Freunde geschmiert oder hineingelegt? IHon kommt im Sklarck Prozeh aus dem Slmuisn eigentlich nicht heraus: und man weih nicht wehr, was Dichtung und was Wahrheit ist. Je weiter, desto klarer wird aber dos eine: die Gebrüder Sklarek wollen mit der Wahrheit nicht heraus, und die Dichtung in ihren Aussagen wird von Tag zu Tag ossenkuudiger. Seit Togen besaht sich das Gericht mit den Zuwendungen an Gaebcl, Kohl und Dcgncr. Laut Büchern entsallen auf G a e b e l 27 700 Mark, aus K v h l 23 850 Mark, auf D e g n e r 76 583,50 Mark Zuwendungen in drei Jahren. Die Buchungen sind unter Deck- nawcn erfolgt. Gaebel heißt darin„Gabriel", Kohl—-„Läufer", „Haase" Köper", Degncr—„Dolch". Es sind immer runde Summen, in regelmäßigen Abständen als gezahlt eingetragen. Alle drei b e st r e i t e n ober, die Beträge ie erhalten zu haben. Sic hatten auch von ihrem Decknamen keine Ahnung. Sie begreifen nicht, was es mit diese» Buchungen aus sich haben könne, und sie führen in einzelnen Fällen mit Erfolg den Nachweis, daß sie die Summen gar nicht bekommen haben tonnten. Entweder hatten sie unmöglich mit dem Zweck der Zahlung etwas zu tun oder es müßten die Brüder Sllarek selbst gewesen sein, die das Geld für s i ch genommen haben. Der angeklagte Buchhalter Lehmann, der auf Anordnung der Brüder Sklarek regelmäßig die runden Summen bereitzustellen und hinauszuschicken hatte, kann nicht sagen. ob die Angeklagte» das Geld tatsächlich erhalten haben. Er muß zugeben, daß olles mögliche in den Büchern eingetragen wurde, uns daß es nicht ausgeschlossen erscheine, daß die Decknamcngelder in Wirklichkeit nur die Ausgaben der Brüder selbst zu eigenen Zwecken verdecken sollten. Leo und W-illi Sklarek mußten ja auch mehr als einmal bereits eingestehen, daß sie und auch Max auf den Decknamen„Dolch" oder„Gabriel" zum Beispiel Z e ch e k o st e n buchen ließen, blaß weil der eine oder der andere bei der Zeche von mehreren Dutzend Personen dabeigewesen war. Sie können natürlich nicht zugeben, daß sie wie auch ihr Bruder Max diese fiktiven Buchungen als Geschäftsunkosten oder Spesen vorgenommen haben, um ihre Privat entnahmen nicht allzu hoch erscheinen zu lassen— aus Stcuergründcn. So sind sie außerstande, ihre Freunde zu entlasten und müssen ihnen überlassen, sich zu verteidigen, so gut sie es können. Da ist zum Beispiel der Angeklagte Kohl. Als ihm vorgehalten wird, daß er meist runde Beträge von 100 bis 1000 Mark erhalten habe, ruft er in großer Erregung: Das ist ja Blödsinn, das ist eine Persidic, daß es so verbucht ist. Ich habe diese Beträge nie bekommen, die Wettgcwinne, die ich ausgezahlt erhalten habe, waren viel niedriger. Und er weist nach, daß z. B. für das Jahr 1923 ein Betrag verbucht ist als„R e i s e s p e s e n Läufe x" für München, obgleich, er. ist diesem Jahre gar nicht m. München g». wesen ist.•.•....... Das gleiche ist bei Deg'ner(Dolch) der Fall. Lehmaiin mußte für ihn am 1. jedes Monats 2000 bis 2500 Mark bereit halten. Er ist über die Behauptung der Anklageschrift, er habe das Geld e r- halten, nicht minder empört als Kohl. Und auch er kann nach- weisen, daß zum Beispiel eine auf Dolch eingetragene Buchung in Höhe von 0000 Mark gerade zusammenfällt mit einer Zahlung des Max Sklarek kür das Auto seiner Tochter. Degner bestreitet auch, als Sicherheit für ein Darlehen Akzepte in Höhe von 5000 M. ausgestellt zu haben. Nur zwei Wechsel habe er zur Begleichung einer Kleiderrechnung in Zahlung gegeben: mit den übrigen fünf habe-er nichts zu tun. Er bestreitet auch, gewußt zu haben, daß die Anzüge, die er zum Preise von 200 bis 250 Mark bei Sklarek bestellt hat, bei der Äleidcrsirnia Keller und Furch hergestellt wurden und 300 bis 400 Mark pro Stück gekostet haben. In zweiunddrci- viertel Jahren hat Degners Schneidcrrechnung 4000 Mark ausgemacht. Diese Beträge sind zu hoch berechnet worden, behauptet Degncr Der gleichen Ansicht sind auch Hoffmann und Schneider— auf Grund eines Gutachtens des gerichtlichen Sachverständigen der Handelskammer Das ist Theater, erklärt Sklarek, Hoffmann hat einen so wundervollen Frack bekommen, daß er darin wie ein junger Mann aussah". Am Montag werden die Zuwendungen an Schneider er- örtert werden. Am Donnerstag soll die Beweisaufnahme zu den bis jetzt erörterten Kapiteln der Anklageschrift beginnen. Hakenkreuz am Armenhaus. In einem pommerschen Dorf steht ein kümmerliches zerfallenes Haus,— wenn man überhaupt diese Kate, die aus Fachwerk dürftig errichtet ist und deren Lehmwänd« im Abbröckeln sind, ein Haus nennen darf. Das Dach weist Löcher, die der Regen des Sommers und der Schnee des Winters von Monat zu Monat vergrößern. Ein einziges Fenster, eine niedrige Tür sind zu sehen. Aber kein Gärtchen macht dieses Iammerloch der Armut auch nur ein klein Hegel und die Sozialdemokratie Die bereits angekündigte Ausstellung:„Hegel und die Sozial- demokr�ie" wird am heutigen 14. November, dem Todestage des Philosophen Hegel, im sozialdemokratischen Parteiarchiv. Lindenstr. 3, Hof 2, 4 Treppen, eröffnet. Die Ausstellung führt ihren Besuchern den Zusammenhang der sozialdemokratischen Lite- ratur mit den Ideen dieses Philosophen bildkräftig vor Augen. Die Literatur des deutschen Sozialismus über Hegel beginnt mit den Schriften der I u n g h e g c l i a n e r(Feuerbach, der Gebrüder Bauer, Arnold Rüge) und den Zeitschristen der„wahren So- z i a l i st c n(Der Gesellschaftsspiegel, die Rheinischen Jahrbücher. das Westfälische Dampfboot usw.). Der Geist des Junghegelianismus herrscht in der„Neuen Rheinischen Z e i t u n g". Die Reaktionsperiode 1849— 1861 bricht brutal die erste Blüte des deutschen Sozialismus. Mit Lassalle strömt dann der Geist Hegels wieder in die sozialdemokratische Literatur. Die unter Hegels Einfluß stehenden Flugschriften von Lassalle und über Lassalle sind in der Ausstellung in reicher Fülle vertreten. Eine förmliche neue Wiedererweckung Hegels bringt dann die Streit- fchrift Engel s' gegen Eugen D ü h r i n g. Stärkste Anregungen durch Hegel erhält Joseph Dietzgen. Mit dem Bernsteinschen Buch:„Die Boraussetzungen des Sozialismus" setzt eine fruchtbare Diskussion über Hegel, über seine Geschichtsauffassung und seine Dialektik ein. Diese Diskussion fördert eine reiche Literatur über die m a t e r i a l i st i s ch e G e- schichtsauffassung zutage(Kautsky, Clara Zetkin, Plechanow, Gorter). Zugleich bemächtigen sich Soziologen und H i st o- r i k e r der Forschung über die Beziehungen des Hegelianismus zum Marxismus. Wir nennen hier nur: Labriola, Belfort- � Bax, Tönnies, Vorländer, Max Adler, Pleng«, Koigen, Sombart usw. usw. Die Ausstellung ist vom 14. bis 22. November(inklusive) geöffnet, und zwar an den Werktagen von 9 Uhr ab. F ü h r u n- gen finden an diesen Tagen um 1.7 und 19 Uhr statt. An beiden Novembersonntagen ist die Ausstellung von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Fahrfwhlbenutzung ist ermöglicht. wenig freundlicher. Dort wohnt ein Dorfarmer. Der Krieg hat ihm die Glieder zerrissen, doch nicht nur er allein haust hier, auch seine Familie ist im 5ieim des Elends untergebracht. Ein seltsamer An- blick: Di« Außenwand der Kate ist v o n v b e n b i s unten mit Hak<«»r.»«z»n.-k«-f»l»-iMiert..-,4D«: kennen ja die Sitte der Anhänger Hitlers, ihr Parteiabzeichen in Bedürfnisanstalten anzu- malen, und es ouf die Bürgersteige, an die Hausmauern und an die Bretterzäune zu schmieren. Bielleicht haben sie sich bei Nacht und Nebel auch an dieses jämmerliche Armenhaus herangemacht, um es mit dem Zeichen von Roheit und Dummheit zu verzieren. Freilich könnte ihre Schinutzfinkerei auch ejn Symbol dafür sein, daß die Herrlichkeiten des Dritten Reiches aussehen werden wie diese erbärmliche Kate eines Dorfarmen! Oder sollte aus der Verranntheit und Berhctztheit gewisser Kreise der pommerschen Landbevölkerung heraus der Bewohner selber sein dürftiges Heim verunstaltet haben. Dann weiß er nicht. daß die Nationalisten es waren, die vor 1914 zum Kriege hegten. Hakenkreuze an der pommerschen Armenkatc— ein bezeichnendes Bild! Kein Spendensystem mehr bei der Stadt. Eine amtliche Erklärung zum Sklarek-prozeß. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: „Zu den Ausführungen des Verteidigers Dr. Kurtzig im Sklarek- Prozeß wird amtlich mitgeteilt, daß ein Spendensystem in der Sladi Berlin nicht mehr besteht. Oberbürgermeister Dr. Sahm hat von keiner Lieferfirma irgendeine Spende jemals gefordert oder erhalten. Wenn in einem Werk, das mit Unterstützung amtlicher Stellen herausgegeben werden soll, Anzeigen enthalten sind, s« ist die Genehmigung zur Mitarbeit städtischer Dienststellen oder Beamten abhängig von einem Gutachten des Reichswirik- s ch a f t s m i n i st c r i u m s, das als Zentralstelle sür derartige An- geböte sür Reich, Länder und Städle bestimmt ist und dem die An- geböte nach einer Dienstblattverfügung der Stadt Berlin vom 13. Januar 1928 durch Vermittlung des städtischen Nachrichtenamtes zuzuleiten sind. Die Verfügung bezieht sich ausdrücklich sowohl auf WcrteDdie hie Hiädt oder ejne ihrer Dienststellen selbst heraus.- geben, wie--auch aus solche,- die in einein Privatverlag erscheinen." Explosion in chemischer Fabrik. Ein Arbeiter verletzt. In der Ehemischen Fabrik Dr. Henning m T e m p c l h o f, Komturstr. 12/13, ereignete sich gestern nachmittag eine folgenschwere Explosion, bei der ein junger Arbeiter, der 17 Jahre alte Fritz Thilo aus der Kaiscr-Friedrich-Straße 66 in Neukölln erhebliche Brandverletzungen erlitt. Die Ursache der Explosion, bei der sich ein Gemisch von Aether und Stea- r i n entzündete, konnte bisher noch nicht geklärt werden. Durch den Luftdruck wurden mehrer« Fensterscheiben zertrümmert. m Frau Loriot stand auf und trat neben die Tochter. „Germaine, mache es mir nicht noch schwerer, weiß Gott, es ist mir nicht leicht geworden, denn auch für mich sind das keine toten Gegenstände—. Aber es muß einfach fein, hörst du Germainc. mir können nicht so weiterleben. Mein Ver- mögen ist zu klein, um das Haus halten zu können, ganz abgesehen von deinem Studium und Walters Erziehung. Wir müssen mis einrichten. Ich habe einen Käufer für die Möbel gefunden— von dem Geld können wir Monate lang leben." „Monate lang! Und wenn diese Monate dann vor- über sind?"— Frau Loriot gab sich innerlich einen Ruck.„Es ist viel besser, du erfährst'jetzt alles auf einmal, Germainc. Du bist ja ein erwachsener, vernünftiger Mensch. Ich werde auch das obere Stockwerk vermieten. Wir haben völlig genug an den vier unteren Räumen. Die Miete, die ich für �das zweite Stockwerk bekomme, ist so hoch, daß ich nahezu den ganzen Haushalt für uns drei bestreiten kann. Das Ber- mögen können wir dann ganz für deine und Walters Aus- bildung verwenden, wenn nicht ganz böse Zeiten kommen. Dieser Krieg ist ja entsetzlich. Wer hätte jemals gedacht, daß wir das erleben müßten!" Sie sah die Tochter an. Aber Gennainc begriff immer noch nicht, was in ihrem Elternhaus vorgegangen war.„Du inußt vermieten. Mama, die Zimmer vermieten, in denen Vater sich so wohl fühlte—" Sie brach ab und schluchzte. Frau Lariot beugte sich zu ihr herab und legte den Arm un: ihre Schultern.„Ich weiß keinen anderen Ausweg. Germainc Ihr seid beide so begabt— es ist ganz selbstverständlich. daß Geld für eure Ausbildung da sein muß. Du brauchst noch drei Semester bis zum Staatseramen, du willst promovieren, und es ist auch richtig so. Walter hat puch drei Jahre bis zum Abitur, dann kommen acht Semester Technische Hochschule, aber das ist-dann nicht mehr so schlimm, denn inzwischen bist du längst fertig. Die paar Jahre werden wir schon durchhalten." „Und wer wird hier einziehen!" fragte Germaine nach langem Schweigen. „Es ist ein Ehepaar mit einem erwachsenen Sohn. Sie kommen aus Leipzig und wohnen zur Zeit noch im Hotel, bis ich hier alles in Ordnung gebracht habe. Der Mann ist Vertreter einer Fabrik." „Und diesen wildfremden Menschen willst du unsere Zimmer öffnen? Gibt es denn nicht hier am Ort jemand/ den wir kennen! Können wir denn nicht einen Lehrer an der Hochschule, der noch keine Wohnung hat, hier aufnehmen oder einige Musikstudierende?" . Frau Loriot lächelte trübe.:,Ach, Kind, ich muß ja leider sehen, daß das Vermieten auch lohnt! Was kann ich von einem Lehrer oder gar von den jungen Menschen, die noch nichts verdienen, verlangen! Aber dieser Herr scheint ein geradezu riesenhaftes Einkomtnen zu beziehen. Außerdem hat er mir einen glänzenden Vertrag gemacht. Ich bin berechtigt, ihm sofort zu kündigen, wenn er nicht die genaue Zahlungsfrist innehält. Der größte Teil unserer Möbel bleibt in den Zimmern, nur an Stelle des Danrenzimmers, dessen Mobiliar ick verkauft habe, wird ein Schlafzimmer eingerichtet. Der Sohn schläft in Walters Zimmer, der jetzt die große Kammer auf dem Boden bekommt. Herr Köchlin hat mir schriftlich zugejagt, die Möbel mit größter Schonung zu behandeln, außerdenr bezahlt er noch eine besondere, nicht unbeträchtliche Abnützungsgebühr außer der Miete. Ich bin also nach jeder Seite hin gesichert." „Und webhalb legt dieser Herr solchen Wert darauf, gerade bei uns zu wohnen! Für diese Summen kann er sich ja im ersten Hotel ein Appartement mieten. Ganz abgesehen davon, daß er sich mit seinem Rieseneinkommen eine eigene Villa bauen könnte!" fragte Germaine mißtrauisch. „Auch dos habe ich mich und auch ihn selbst gefragt Herr Köchlin hat mir erwidert, daß er hier fremd sei, daß er fürchte, man werde ihn frostig und ablehnend entgegen- kommen, sobald er geschäftliche und gesellschaftliche Verbin- düngen anknüpfen will. In diesen kleinen Städtchen herrscht ja noch ein eingefleischtes Mißtrauen gegen jeden, der nicht hier wenigstens ein paar Jahre verbracht hat. Und ich muß sagen, diese Erklärung hat mir völlig eingeleuchtet." Aber Gcrinärne erhob sich erregt.„Nein, Mama, da kann ich dir nicht beistimmen! Ich bin fast überzeugt, daß dieser Kerl einer jener Schieber ist, die aus diesem Krieg ihren Profit ziehen! Und daß wir mit unserem Namen und dadurch, daß wir ihm unser Haus öffnen, einen Schein der Ehrenhaftigkeit um fein Gewerbe legen, das ist noch viel furchtbarer, als daß deine schönen Möbel verkauft sind! Sind wir wirklich so arm geworden!" „Auch die Mutter erhob sich. Erschrocken sah sie die Tochter an.„Du siehst zu schwarz, Germaine! Wenn mir ein solcher Gedanke gekommen wäre, dann hätte ich diesen Ver- trag nicht unterschrieben, trotz ollem nicht! Aber die Familie macht einen sehr ehrenwerten und soliden Eindruck. So sieht doch kein Schieber aus, Germaine!" Aber die Erregung dieses Tages war für sie zu groß gewesen. Es war zu Ende mit ihrer Selbstbeherrschung, Fassungslos lehnte sie sich an die Tochter und weinte. „Was habe ich gelitten in diesen Tagen— aber es blieb mir keine andere Wahl mehr. Ich habe bei allem, was ich tat, an nichts anderes gedacht, als an euch--" Germaine saß in ihrem Zimmer. Sw hatte die alt- französische Graminatit vor sich liegen, aber sie war nicht bei ihrer Arbeit. Immer wieder dachte sie an das heutige Erlebnis, immer wieder sah sie die gebeugte Gestalt der Mutter, ihr verweintes Gesicht.„Ich habe immer- nur an euch gedacht...„Sie hatte in ihrem ganzen Leben immer an die anderen gedacht, niemals an sich. Es war ihr Wesen, ihr Weg, ihr Schicksal. Es war ihre Tragödie und ihre Er- füllung. Es klopfte dreimal. Dann steckte Walter seinen Kops durch den Tllrspalt. „Büffeln euer Gnaden!? Dann verschwinde ich sofort wieder!" Das Gesicht Germaincs belebte sich. Herzlich st:?ck!e sie dem Bruder die Hand entgegen. „Ich sah dich heute nachmittag, als du deni Ausmarsch der Ersatzkompagnie zuschautest. Ich bin ein paar Straßen mitgegangen, denn Professor Behm ist heute ausgerückt. Als Gemeiner, er sah schauerlich aus in seinen zu langen Hosen. Aber er war sehr vergnügt. Wir hatten von 4 bis 5 Schule, und so mußte ich wieder zurückrennen, sonst hätte ich dich trotz deines tiefsinnigen Gesichtes angerempelt. Germainc lächelte.„Ich habe dich in dem wohl- begründeten Verdacht, daß du diese Stunde geschwänzt hast, bloß um die armen Kerle zu sehen, die man' da wieder zur Schlachtbank führt."(Fortsetzung folgt.) Invalidenmarken gefälscht. Fälscher und Drucker festgenommen. Einem Gauncrkonsortium ist die Kriminalpostdienststelle jetzt aus die Spur gekommen. Noch längeren Beobachtungen ist es ge- luugen. mehrere Teilnehmer zn oerhosten, und die Druckerei ausfindig zu machen. Vor einigen Tagen wurde aus dem P o st a m t 1 7. in der Frucht st ratze im Osten Berlins van einem zunächst unbekannten Manne ein größerer Posten Invaliden marken ange- boten. Der Postbeamte erkannte, daß die Marlen gefälsch» waren und benachrichtigte die KriminalpostdienststeUe. Beamte, die sofort entsandt wurden, konnten den Arbeiter, den man solange hinge- halten hatte, beobachten. Er traf sich mit einem anderen Manne in einem Lokal und schließlich gingen beide nach der Köpenicker Straße. Die weiteren Ermittelungen ergaben nun jolgendcs: Im 5iousc Köpenicker Strotze 14.'i wohnte der Zeichner Friedrich(3 o t t l i e b, ein Mann von 43 Jahren, der ans Niirn- berg stammt. Bei ihm in Untcrinietc hauste der SO Jahre alte Kaufmann Traugott R i e ck. Beide hatten beschlossen, gemeinsam Jnnalidemnarken zu fälschen. Nachdem sie die Klischees angefertigt hatten, setzten sie sich mit dem Buchdrucker Robert Flügel in Verbindung, der in der Großen Frankfurter Straße eine Druckerei betreibt. Gestern abend griffen die Bcmnteil zu. Flügel und Gott- lieb wurden festgenommen. Rieck mar verschwunden. Die beiden Verhasteten legten noch kurzem Leugnen ein umfassendes G e- st ä n d n i s ob. Nach einem gemeinsam besprochenen Plane sollten zuerst 2000 Stück Marken hergestellt werden. Jedes Stück im Werte von 2 Mark sollte zu 1 Mark verkauft werden. Rieck wollte den Vertrieb übernehme». Man vertraute ihm zunächst 900 Marke» an. Der Erlös sollt« so geteilt werden, daß jeder 300 Mark erhielt. Rieck hat seine Komplicen betrogen. Mit dem Erlös ist er geflüchtet. Die restlichen 1100 Stück will Flügel verbrannt hoben. Er hatte Angst bekommen und wollte den Vertrieb nicht weiter betreiben. Nach Rieck wird noch gesucht. Gefährliche Geisteskranke. Wahnsinnige zündet ihre Wohnung an. In der Nacht zu Freitag wurde die Feuerwehr nach der N o st i z- straße 7 alarmiert, wo in der Wohnung der 49 Jahre alten Alma Schulz im 4. Stockwerk Feuer ausgebrochen war. Haus- bewohner wurden plötzlich durch gellende Hilferufe aus dein Schlaf geschreckt. Das Treppenhaus war von Rauchgasen er- füllt. Als mehrere Mieter der Bedrohten zur Hilfe eilen wollten, erhielten sie keinen Einlaß. Die Feuerwehr mußte die Wohnungs- tür einschlagen, um Frau Sch., die trotz schweeer Braudverletzungen den Beamten heftigen Widerstand entgcgcnsetzte, aus der brennenden Wohnung zu retten. Die Frau wurde in das Urbankrankenhaus gebracht. Nach den beendete» Löscharbeiten stellten die Feuerwehrleute in der Wohnung mehrere Brandherde fest. Danach hat die Unglückliche in einem Anfalle von Geistesgestörtheit das Feuer selbst angelegt. Ihre Untersuchung durch den Kreisarzt ist, sobald es ihr Zustand erlaubt, angeordnet worden. Um die gleiche Zeit hatte die Feuerwehr und die Polizei in der Sickingen straße 10 in Moabit einen Kampf mit einer Geisteskranken zu bestehen. Die lZOjährige Hedwig Schäfer erlitt gegen HS Uhr einen Tobsuchtsanfall. Sie öffnete die Fenster ihrer im 3. Stockwerk gelegenen Wohnung und warf unter lauten Schreien ihre Möbel auf die Straße. Auch in diesem Fall« mußten die Beamten ge- waltsam in die Wohnung eindringen und die Tobend« überwältige«. Zur Untersuchung ihres Geisteszustandes ist die Frau noch in der Nacht nach der Wittenauer Heilanstalt gebracht worden. Wieder Auioruf in Berlin. Inbetriebnahme in den nächsten Tagen. Der Stadtverordnetenversammlung ist in diesen Tagen die Vor- lag« über die allgemeinen Bedingungen für den A u t o r u f zur Beschlußfassung zugegangen, der in den nächsten Tagen wieder in Betrieb genommen wird. Der alte Autoruf ist 1928 stillgelegt worden. Es ist erst jetzt gelungen, die Wiederinbetriebnahme zu ermöglichen. Bon den zur Zeit in Betrieb befindlichen rund 7000 Kraftdroschken ist die über- wiegende Anzahl(SöOO) der Innung Vereinigter Droschkenbesitzer Graß'Berlins angeschlossen. Deshalb bietet das mit der Innung beabsichtigte Abkommen die Aussicht, daß der Autorufbetrieb ohne Schwierigkeiten wieder aufgenommen wird. Di« jetzt zu vereinbarenden Bedingungen unterscheiden sich von den früheren grundsätzlich in zwei Punkten. An Stelle des bis- herigen indirekten Systems— die Vermittlung erfolgte hier durch eine besondere Zentrale des Autornfs t- ist das direkte System, unmittelbarer Anschluß zwischen Fahrgast und Autorufsäule, ge- treten. Es werden hierdurch für den Betrieb weniger Kosten ocr- ursacht. Dann ist ober auch die Zahl der Autorussäulen wesentlich «ingeschränkt iporden, da die Erfahrung gezeigt hat, daß für die Innenbezirke kein Bedürfnis nach dem Autoruf vorhanden ist. Steine gegen Schaufenster. In der vergangenen Nacht betätigten sich wieder an verfchie- denen Stellen der Stadt jugendliche Burschen als F e n st e r st ü r m« r. In der S e y a e l st r a h e wurden drei große Schaufensterscheiben der dortig«» christliche» Buchhandlung durch Steinwürfe zertrümmert. Es wurden drei Täter beobachtet, die auf Fahrrädern flüchteteu. Zwischen 2 und 4 Uhr wurden am Kaiser- dämm etwa 10 Schausensterfcheiben eingeschlagen. Auch in diesem Fall« konnte» sich die Täter ihrer Festnahme durch die Flucht e»t- ziehen. Kirchensteuer und Kirchenaustritt. Wir entnehmen dem Freidenker-Pressedlenst: In Preußen ist die jetzt günstigst« Zeit zum Kirchenaustritt. Wird der Aus- tritt bis zum Ende Dezember vollzogen, so erlischt die Ber- pslichtung zur Kirchensteuerzahlung mit dem Ende des Kirchen- fteuerjahres, also am 30. März 1g32. Wer zwischen Januar und Marz des kommenden Jahre» austritt, ist noch zu einer dreimonatlichen Zahlung bis Ende Juni 1932 verpflichtet, während bei einem späteren Austritt für ein volles Jahr die Kirchensteuer» bezahlt werden müssen. Der Austritt kann entweder l o st e n l o s bei dem Amtsgericht des Wohnbezirkes erfolgen oder in Berlin gegen ein« Notariatsgepühr von 2 Mark in den Abendstunden bei folgenden Notaren: Montag und Donnerstag, 19— 20 Uhr. Berlin. Gneisenau- strah« 41. Dienstag und Freitag. 19—20 Uhr. Berlin. Groß« Frank- furter Str. 141: Sonnabend, 17— 18 Uhr. Charlottenburg, Rosinen- straße 4: Montag. Dienstag. Donnerstag und Freitag. 18—19 Uhr. bei Notar Appel, Reinickendorfer Straße 118. Persönliche Aus- weispapicre sind in jedem Falle mitzubringen. Jugend- l i ch c über 14 Jahre sind berechtigt, selbständig auszutreten. Strandgut im Freibad Wannsee Trauringe, Grammophonplatten und Gebisse sind abzuholen Die Badeocrwollung Wannsee hat einen Aufruf erlassen, demzufolge die in ihrem Fundbüro lagernden Objekte bis zum 20. Dezember abgeholl werden müssen: nach diesem Termin gelangen Kleidungsstücke an wohlfohrtserwcrbslose zur Verleitung: Wertgegenstande sollen taxiert und oersteigert werden. Das Fundbüro des Freibades Wannsee gleicht einem kleinen Kaufhaus: auf hohen Regalen ist da in großen Mengen alles auf- gestapelt, dessen der Mensch an irdischen Gütern bedarf. Da gibt es eine großangelegte B i j o u t e r i e a b t e i l u n g mit Anstecknadeln, Ketten, Uhren, Trauringen, einzelnen Maschettenknöpfcn und Zigarettenetuis: das Hauptlager, die Badeabtei- l u n g, enthält reichhaltige Kollektionen von Badeanzügen, Schuhen, Kappen und Bademänteln. Im Kleiderlager sind Männer- hüte in großen Mengen vorhanden, elliche Schuhe, hauptsächlich von Kindern, und auch sogar voll ständige Anzüge. Hier verhält sich die Sache so, daß Badende, die ihre Kleidungsstücke am Strande liegen ließen, den Platz auf der 1000 Meter langen über- füllten Strandfläche nicht wiederfanden. Die Berzweifelten kommen dann im Bodetrikot ins Fundbüro und melden ihren Verlust, worauf sie aus dem Vorrat der vorhandenen Fundgegenstäude, so gut es eben geht, eingekleidet werden. Wenn sie später ihre Sachen wieder crhalten, bringen sie die Ersatzgardcrobe zurück. Dann gibt es Brillengläser und Futterale— in einem solchen hat ein eifriger Briefmarkensammler schöne ausländische Briefmarken verwahrt—, Spozicrstöcke, Schirme, Taschentücher, Koffer, Taschen, Handtäjchchen mit voller Ausrüstung, Bürsten, Äinderspielzeug, Bücher, Büsten- Halter, Plattsußeinlagen, falsche Gebisse, Grammophonplatten und ein ganzes Arsenal von Schlüsseln. Fahrgeld gegen Pfänder. Zur Badezeit steht die Türe des Fundbüroe. überhaupt nicht still, und olle Skalen der menschlichen Temperament« offenbaren sich. Da stürzt etwas atemlos ein älteres Mädchen ins Bsiro und meldet den Dcrlust ihrer Zähne: nach ihrer Beschreibung händigt man ihr ein Gebiß ein, sie erkennt es als das ihrige und zieht freudestrahlend damit ab; nach wenigen Minuten erscheint sie wieder gesenkten 5)auptcs»nd meint in traurigem Tonfall: „Nein, es ist doch nicht das richtige, da sind ja drei Zähne zuviel drauf. Nun wird im Gebißlager writergesucht, leider ohne Erfolg. und mit fest zusammengepreßten Lippen zieht die Unglückliche wieder ab. Kindliche Vcrzwciflungsausbrüche über de» Verlust einer Schippe oder eines Eimcrchens sind schon eher zu lindern und bald versiegt der Tröncnstrom. Als einer der Beamten lange noch Badeschluß das Büro verläßt, steht am Ausgong«in kleiner Junge und heult aus Leibeslrästen:„Ach, ich kann ja gar nicht mehr nach Hause, ich habe mein Fahrgeld verlöre n", schluchzte er unter Tränen, und auch dieser Schaden ist bald wieder kuriert. Ucberhaupt fungiert das Fundbüro in der Badezeit so nebenbei als kleine Darlehenskasse, es kommt häufig vor, daß sich der eine oder der andere verausgabt oder seine Barschast verloren Hot und sich dos Fahrgeld pumpen muß: gegen ein kleines Pfand tut man dies gerne, unter diesen Pfändern befinden sich K o f f e r, Ringe, sogar einmal eine Z o o- A k t i e, die allerdings mit dem Betrage von 3 Marl belehnt wurde. Die ehrliche Finderin von 20 Grommophonplatten erbot sich als Finder- lohn vom Besitzer mittelst liebenswürdigen Schreibebriefes ein« svlche aus: ein dankerfülltes Autwortschreiben mit der gewünschten Beilage aus Hartgummi gelangte leider nicht in ihre Hände. ilSOv Fundsachen. Die Fundsachen, deren man in diesem Jahre über 1800 zählt, werden von Angestellten und auch von Badegästen abgegeben, beim täglichen Aufharken des Sandes findet sich auch aller- band, das Wasier spült viele im Wasser verlorene Gegenstände ans Ufer, ebenso die alljährlich vor Soisonbeginn vorgenommene Ge- neralreinigung de» Sandes durch Großsiebe. Als einmal ein wert- voller Schmuckgegenstand in Verlust geriet, für den eine angemes- sene Belohnung ausgesetzt war. wurde gleick) an Ort und Stelle durch das Personal eine erfolgreiche Suche vorgenommen. Meldet ein Besucher den Verlust eines Gegenstandes, dann wird nachgc- sehen, und er erhält Nachricht, ob das betreffende Objekt sich vor- gefunden hat. Bei Abholung hat er lediglich S Pfennig stir Porto zu bezahlen. Das Lager lichtet sich leider sehr spärlich und es sind manche Stücke darunter, dercn Fehlen für den Besitzer bestimmt sehr unangenehm ist. freie Seziaiistische Hochschule Heute, den 14. November, 19,30 Uhr im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses. Leipziger Str. 3, spricht Professor Dr. SIEGFRIED MARCK- Breslau anliRIich des 100. Todestages Friedrich Hegels über das Thema: „Kegel wd der idissenscnaliiiciie Soziaiiso»" Karten zum Preise von 50 Pf. sind an der Abendkasse erhältlich, ebenfalls ermäßigte für Erwerbslose und Studierende Füns Kinder getötet. Selbstmord des unnatürlichen Vaters. Wie«. 13. November. In Bernharb schlag in cberöster.reich tötete der Kleinbauer Scheibelhofer nach einem Streit mit seiner Frau, der ans einer geringfügigen Ur- fache heraus entstanden»var, seine fünf Kinder im Alter von neun Wochen bis sieben Jahren. Nach dieser furchtbaren Tat schnitt er sich mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Köfferchen mii Pistolen. SA-Märchen vor Gericht und ein Freispruch. Die wenigsten scheinen zu wissen, daß in Berliner Parts die scharfgeladenen Revolver auf den Wegen liegen. Sie gehören eben nicht zur Hitlerschen SA. Der Führer des Sturme» 7 Kraut und fein Truppfllhrer Martin fanden aber am 9. November im Kleinen Tiergarten gleich drei scharfgeladene Pistolen. Unmittelbar vor chnen hatten Unbekannte sie, in ein Papier ge- packt, fallen lassen: der Sturmsührer hob sie auf, übergab sie seinem Truppführer, damit dieser sie sofort zur Polizei bringe. Der Truppführer hatte aber«ine-arte Verabredung, die„Dame" führte ein kleines Handköfferdzen mit. er verstaut« darin die Pistolen: damit sie nicht klapperten, lagerte er sie weich zwischen einem Brotbeutel, steckte den Schlüssel zu sich und bat. das Koffer- che» bis zu seiner Rückkehr von der Sturmbannoersammlung aufzubewahren. Was geschah nun weiter? Gegen 10!� Uhr/beobachteten zwei Polizeibeamte, wie sich an der Ecke Strom- und Turmstrahe kleine Nazitrupps sammelten, auch Kommunisten waren dazwischen, besonder» auf- fallend benahm sich eine Gruppe von etwa acht Nationalsozialisten in der Nähe des Kommunistenvorkehrslokals. Als sich hie Beamten der Gruppe näherten, nahmen die jungen Leute Reißaus, die Ve- amten liefen hinterher, eine Polizeistreife eilte herbei, man rief „Halt", die Laufenden blieben stehen mit Ausnahme von einem, der im Sturmlauf durch die Essener und die Krefelder Straße, verfolgt vom Polizeibeamte», zum Bundesratsuser stürmte und schnell etwas ins Wasser warf. Der junge Mensd) wurde von der Polizeistreise zwangsgcstellt, der Polizeibeamte holt« den fortge- worsenen Gegenstand, der dos Wasser nicht erreicht hatte— e? war ein Köfferchen mit drei Pistolen drin. Der Zwangsgestellte, namens Friedrichs«», bestritt vor der Polizei, das Köfferchen fortgeworfen zu haben. Vor dem Schnellschöffengcricht gab er da» Leugnen auf, erzählte, daß«in snnger Mensch, den er mir dem Aussehen noch kenne, ihm dos Köfferchen Ecke Stromstraß« gegeben habe, mit dem Persprechen, es in einer Stund« wieder abzuholen:«r müsse zum Sturmabend. Was es enthalten hahe, fei ihm nicht bekannt gewesen, beim Heran- nahen der Polizei sei er davongelaufen, weil er gedacht habe, es könnten darin verbotene Schriften sein. Der Führer de« Sturme« 7 erzählte da» Märchen vom Revolverfund, sein Truppführer die Phantasie von setner Begegnung mit der„Dame'— da» Koffer- schlüsselchen hotte er noch bei sich. Wie da» Köfferchen von dieser geheimnisvollen Dame, deren Namen zu nennen der Zeug« sich weigerte. In den Besitz des Angeklagten gekommen war, interessierte weder das Gericht»och den Staatsanwalt. Dieser glaubte de» Tat- bestand des Verstoßes gegen di« Notverordnung über unbesugtes Führen van Waffen für erwiesen und beantragt« ein Jahr Ge- fängnis, das Gericht erachtete es nicht für erwiesen: das Aufbewahren von Waffen sei kein Führen von solchen, der Angeklagt» könnte wirklich geglaubt hoben, es befänden sich im Köfferchen ver- boten« Schriften und sprach frei. Der Staatsanwalt beabsichtigt gegen das Urteil B e- ruf un g einzulegen, Kraut und Marlin zur Verantwortung zu ziehen._ Chauffeurmord aufgeklärt. Geständnis des einen Täters. Dos verbrechen an dem ZZjährigen Chauffeur Vöhl, der in der Nacht zum vergangenen Sonnlag in Buchholz neben feinem Wagen erschossen ausgesonden wurde, ist durch da» Geständnis de» einen Talers in den gestrigen späten Abendstunden restlos geklärt worden. Der 21jährige Bäckereiarbestcr Hermann W i t t st o ck, der zusammen mit seinem Freunde, einem gleichalterigcn Arbeiter Ro h r b a ch, unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft fest- genommen wurde, hat bek einer nochmaligen Vernehmung ge» standen, zusammen mit R. das Verbrechen ausgeführt zu hob«». Sie besuchten am Sonnabend ein Kino in Berlin und kehrten abends nach Pankow zurück. Dort mieteten sie sich an der Kirche eine Autodraschkc. die von Pohl gesahren wurde. Aus der Chaussee zwischen Buchholz und Schönerlinde ließen sie den Wagen halten. Wittstock öffnete die rechte Tür und Rahrbach stieg links aus. Als sich der Chqusseur zur Uhr beugte, um den Fahrpreis abzulesen, schoß Rohrbach aus nächster Entfernung auf ihn. Der Schuß war aber nicht gleich tödlich. Der schwerverletzte Pohl eilte auf den Fahrdamm, wo er j a m m« r n d z u s a m m e n» brach Rohrbach schoß dann noch ein zweites Mal, was den Tod des Unglücklichen zur Folge hatte. Rovember-Keierstunde. Zu l�o hls darf Halle die 124. Abteilung zu einer Zlooember-Feierstunde eingeladen, die außcrordeulllch stark besucht und ein großer Erfolg für die Veranstalter war. Der Parteivorsitzende, Genosse 5) ans Vogel, gedachte zunächst unter Anteilnahme der Versammlung in ehrenden Worte» des Ab- lsbens von Friedrich Vartcls. Dann zeichnete er In großen Zügen die innenpolitische Entwicklung und unser« Stellung dazu seit 1918. „Auch heut« wie 1918 stehen Demokratie und Republik im Border- gründe des Kampfes. Der deutschen Demokratie und Republik haften große Mängel an, sie sind erfüllt vom kapitalistischen Geist, sie entsprechen keineswegs unserem Ideal von der sozialistischen Republik, bei uns ollen sind die stärksten Unzufriedenheiten heute vorhanden. Aber wenn es sich um die grundsätzliche Frage Diktatur oder Demo- kratie handelt, kann sich die Arbeiterklasse nur für Demokratie ent- scheiden. Wenn wir eine Regierung Hugenbcrg-Hitlcr zugelassen hätten, so wäre von den Errungenschaften von l9l8 heute nichts mehr vorhanden. Unsere Tolerierungspolitik ist kein Verrat am Klassenkampf, wir alle wollen den Soziali»mus, aber wir sind der Meinung, daß wir zum Sozialismus am besten auf dem Wege der Demokratie kommen. Wir wissen nicht, ob der Arbeiterschast der gewaltsame Weg erspart bleibt, wenn jedoch unsere Gegner zum offenen Angriff übergeh-n, sind auch stir uns die Grundsätze der Demokratie nicht mehr gültig. Und auch die Führung des außerparlamentarischen Kampfes wird dann bei der SPD. und den freien Aewerkjchasien liegen." Die Red« de» Genossen Bogel, die in einen Appell zur Einigkeit ausklang, wurde mit langdauerndem Bestall und Zustimmung auf-' genommen. Der Arbsitergefongoerein„Freiheit". Genosse Hos«, mann mit Rezitationen. Äindersreunde und SAJ. trugen zum Gelingen der kompferfülltcn Feierstunde bei. Zwolstausend Vudapeslee Häuser ohne Gas. Die Budapester Klempner- und Inftallateur-Innung stellte soeben fest, daß es in Budapest noch 12 000 Häuser ohne Gasleitung gibt. Ivt J-ti'itNt lät S-xtiatwilscnichait(inhet der nächst,«„„„r. wiiienichaftliche Sr-aeabend am Montoa. dem lg. November Zu Uhr. tut Ernst-Haeckel-Saat(In den Zelten Sa. CTmqanfl GnrtntiiPttal) statt. Unkostenbeitrag 20 Pf.. Erwerbslose 1v Pf. 8 wortenpomi' V Nr. 535• 48. Jahrgang 2. Beilage des Borwäris Sonnabend, 44. November 1934 Kartelle verlängern die Krise. Grundsahliche Bemerkungen zur Wirtschastspolitik. Professor M. 3. Bonn, der Rektor der Berliner handelshochschnle, verösfentlichl im„Dentschen Bolkswirl" vom lZ. Rovember einen Artikel„Solleklivbankerotl", der an den Znslalions-, Schnldenabwerlnngs- nnd Zinssenkungsplänen eine vernichtende Kritik übt. Einige grundsählich« Bemer- kungen über den Kollektivismus der deutschen Kapitalisten, wie er in Kartellen und Schuhzöllen sich auswirkt, scheinen uns gerade seht besonders beachtlich. Prof. Bonn schreibt: In den letzten Jahren hat von vielen Seiten ein leidenschast- licher Ansturm gxgen den Kollektivismus begonnen, der das Wirt- schastslcben mit seinen alles verflachenden Gleichmachungen verheere. Insbesondere wurden die Tarifverträge als schlimmstes Hindernis wirtschaftlicher Erholung bezeichnet, weil sie von dem Grundsatz ausgehen, Ungleiches gleich zu machen und dem Leiftungs- unfähigen das gleiche Entgell zu bieten wie den Leistungsfähigen. Rom individualistisch- philosophischen Standpunkt aus läßt sich manches für eine solche Auffassung sagen. Sie wird aber von den Leuten, die sie am leidenschaftlichsten vertreten, in ihren eigenen Angelegenheiten nicht angewendet. Sowohl bei Schutzzöllen wie bei Kartellen ist der Grundgedanke ein kollektiver. Sämtlichen Berussangehörigen, einerlei, ob sie es nötig haben oder nicht, wird aus Kosten der All- gemeinheit der gleiche Schutz zugebilligt, mit dem Ergebnis, dah Unternehmungen, die ohne einen solchen Schutz sehr gut aus- kommen können, auf Grund dieser Kollektivabmachungen eine zusätz- liche finanzielle Rente erhalten. Dieser vom Standpunkt der kapi- talistischen Wirtschaftsordnung besonders gefährliche Kollektivismus macht sich seit einiger Zeit auf einem Ge- biet gellend, das seiner innersten Eigenart nach das kapitalistischste ist: der Regelung des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. In der kapitalistischen Welt ist der Bankerott keine Zu- fallserscheinung, sondern ein notwendiger Regulator des ökonomischen Gleichgewichts. Er erfolgt nicht nur, wenn der ein- zeln« Unternehmer untüchtig ist, er tritt insbesondere in Krisen- ze i t e n dort auf, wo sich ein Mißverhältnis der verschieden.'» Zweige der Produktion entwickelt hat. Der Sinn des Bankerotts ist die Beseitigung überzähliger Unternehmungen und die Anpassung der Leistungsfähigkeit der Produktionsanlagen an den Bedarf. Je größer die Anlagekapitalien eines Wirtschafts- zweigss sind, desto kunjunkturempfindlicher ist er, desto unvermeid- licher ist aber auch der Bankerott zur Ueberwindung der Krise. Denn solche Unternehmungen können nur wirtschafllich produzieren, wenn sie in vollem Umfang tätig sind. Jeder Rückgang des Absatzes um ein paar Prozent erhöht die Kosten der verbleibenden Pro- duktion sprunghaft und e r s-ch w e r t dadurch die nötige Preis- Herabsetzung, die Vorbedingung zur Ueberwindung der Krise ist. Die Kartelle, die gerade in solchen Industrien besonders stark zu sein pflegen, sind daher die größten Hindernisse der Gesundung Die kartellmäßigen Bindungen, die jedem beteiligten Werk nur die Ausbringung einer Quote gestatten, erhöhen die Produllions- kosten und damit die P r e.i s e aller. Sie machen die Ausschaltung der überflüssigen besonders schwer und verzögern die Heilung der Krise, die nur eintreten kann, wenn die Gesamtproduktion auf die leistungsfähigen Werke konzentriert wird, die dann mit ganzer Ki oft und daher mit sinkenden Kosten arbeiten/ In dieser Tatsache liegt wohl der erheblichste praktische Unterschied zwischen T r u st und Kartell. Ein Trust, der seine Gesamtproduktion auf den bistungsfähigsten Betrieb konzentriert und die anderen stillegt, kann zur Ueberwindung einer Krise beitragen, Kartelle verlängern sie nur. 0 Ehrengerichte zur Wirtschastsreinigung? Ehrliche Bilanzen und Abschreibungen wären besser! Unter Vorsitz des Generaldirektors der Vereinigten Stahlwerke Poensgen befaßte sich die Industrie- und Handelskammer Düsseldorf mit den jüngsten Vorgängen in der deutschen Wirtschaft. Es sei der Eindruck entstanden, als ob unlautere und gewagte Spekulationen das Wirtschaftsleben beherrschten, und die schlechte Wirkung der Vorgänge sei nicht zu leugnen. Zur Beruhigung der Gemüter wurde festgestellt, daß es sich nur um vereinzelte Vorgänge handele. Gleichwohl konnte man nicht umhin zu bekennen, daß es.nicht genüge, durch allge- meine Erklärungen von solchen Vorgängen ab- z u r ll ck e n"'. Was aber schlägt die Düsseldorfer Industrie- und Handels- kammer positiv für die Hebung des Vertrauens in die deutsche Wirtschaft vor? Ehrengerichte! Ehrengerichte bei den Handelskammern, die den Begriff des„ehrbaren Kaufmanns" wieder Anerkennung verschaffen sollen. Wie das im einzelnen geschehen soll, bleibt leider Geheimnis. Wäre es nicht besser ge- wesen, die Düsseldorfer Kammer hätte ihren Mitgliedern zunächst einmal ehrliche Bilanzauf st ellung und das öffentliche Eingeständnis verlorener Kapitalien zur Pflicht gemacht? Freilich hätte man dann wohl sehr dicht vor der eigenen Tür mit dem Kehren beginnen müssen! Industriemacht Indien? Mahatma Gandhis(Sendung.— Aach dem konservativen Sieg in England. Mahatma Gandhi, der Führer der indischen National- bewegung, oerhandell in London immer noch über das politische Schicksal seines Landes. Sicher ist er ein konzilianter, ebenso sicher aber auch kein sehr angenehmer Verhandlungspartner für die Eng- länder; denn Gandhi will konkrete Erfolge mit nach Indien bringen und wird, wenn das nicht möglich ist, die Londoner Round-Table- lRunder Tisch)-Konfer«nz wieder verlassen. Unabhängigkeit Indiens aus militärischem und finanziellem Ge- biet, in steuer- und zollpolitischer Hinsicht ist das VerHandlungsziel der Inder in London: nur unter solchen Voraus- setzungen der Gleichberechtigung ist Indien nach Gandhis Worten zu einer„Partnership"(Partnerschaft) mit Grdßbritannien bereit. Der Wohlsieg der Konservativen wird den Erfolg der Verhandlungen nir Indien sicher nicht fördern. Das„Mutterland" und die Tochter. Großbritannien, das gegenwärtig noch das indische Reich kon- trolliert, hat auf einem Flächeninhalt von 250 000 Quadratkilometern rund 45 Millionen(Einwohmr. Britisch-Jndien ist mit 4,7 Millio- neu Quadratkilometer 19mal so groß und hat mit 351 Millionen Einwohner eine etwa achtmal so große Bevölkerung wie Groß- britannien. Seit dem Ausbruch des Weltkrieges erfuhr Indien einen grundlegenden Wandel: von da ab haben sich die Schwierigkellen zwischen England und Indien gehäuft. Schon vor dem Kriege entstanden in den Hauptzentren Indiens zahlreiche Fabriken, doch wurde damals die Eutwick- lung noch nicht recht ernst genommen. Für die wichtigsten industriellen Fertigerzeugnisse gab es keine Zölle, fast zwei Drittel der Einfuhr stammten aus England, die eigene Fabrikation war teil- weife mll drückenden Sondersteuern belastet. Die Stockung des Seehandels, die d e r K r i e g mit sich brachte. das plötzliche Ausbleiben der Fertigwarenlieferungen besonders aus GrohbrUannien, auch der Ausrüstungsbedarf sür die indischen Sol- baten führten zur Gründung zahlreicher neuer Jndustrieunter- nehmungen. Die Unternehmergewinne waren glänzend, es bildeten sich große Kapllalien, mit denen Handels- und Industriegesellschaften finanziert werden konnten, und gleichzeitig wuchs die Zahl der Arbeiter. Die durch den Wellkrieg verursachte Veränderung der wirtschaftlichen und sozialen Struktur Indiens ist nicht mehr wegzuwischen. Einige Zahlen mögen die Wandlung der Dinge veran- schaulichen. Die Zahl der B a u m w o l l s p i n d e l n wuchs von 1S13 bis 1029 von 6 auf 8.7 Millionen Stück. Die Kohlen förderung stieg von 16,5 Millionen Tonnen 1913 auf 22 bis 23 Millionen. Die Erzeugung der Rohseide hatte sich 1929 mit 1 120 000 Tonnen ver- sechssacht. Iutewebstühle gab es 1905 rund 21 000, bei Kriegs- ausbruch 35 000. im Jahre 1923 46 000 und heute über 50 000. Große Fortschritte brachte die Metallerzeugung. Die Roh- st a h l erzeugung wuchs 1913 bis 1029 von 63 000 aus 467 000 Tonnen, die B l« i gewinnung von 6000 aus 82 000 Tonnen. Insbesondere hat der Ausbau der Eisen- und Stahlwerke des Tat a- Konzerns zu einer empfindlichen Verringerung der bri- tischen Einfuhr an Metallerzeugnisfen gesührt. Ebenso leidet heute die brllische Textilausfuhr stark unter der Entwicklung der indischen Textilproduktion. Mehrsach erhöhte Zollsätze erschweren die eng- lische Einfuhr, die steuerlichen Sonderbelastungen der einheimischen Industrie dagegen sind gefallen. Bombay zählt heute rund 1 750 Fabriken, in denen etwa 366 000 Arbeiter beschäftigt werden. Hier- von entfallen rund zwei Drittel auf die Baumwollindustri«. Kol- kutta ist zum Zentrum der Iuteindustrie geworden. Großbritanniens Handel hat aber nicht nur durch die In- dustriatisierung Indiens im allgemeinen gelitten: auch nicht nur da- durch, daß Japan nnd Amerika die Bearbeitung des gewaltigen indischen Marktes vervielfachten. Großbritannien hat sich vielmehr am meisten dadnrch geschadet, daß es bisher nicht verstanden hat, die richtigen politischen Schlußfolgerungen aus diesem Struktur- wandet zu ziehen, wo Indien gegen ausländisches Industriekapital Front gemacht hat, richtete sich die Abwehr In der Hauptsache gegen England. Der indische Warenboykott richtete sich immer gegen England. Dabei sind die Entwicklungsmöglichkeite« Indiens riesenhaft. Indien hat nicht nur einen Vorrat von fast 70 Milliarden Tonnen Steinkohle und mindestens 27 Millionen Wasserkraft- reserven— Indien hat auch gewallige Vorkommen von Eisen-, Mangan-, Blei- und anderen Erzen, die bisher nur zu einem kleinen Bruchteil erschlossen sind. Außerdem stehen einer werdenden in- dischen Industrie die Menschen überreichlich zur Verfügung. Angesichts der wirtschaftlichen Tatsachen und Entwicklungsmög- lichkeiten ist die Fragestellung der indischen Selbständigkell im Steuerwesen und in der Zoll- und Steuerpolitik von selbst gegeben. Wenn auch heute noch rund 250 Millionen Inder, d. h. rund 70 Proz. der Bevölkerung, von der Landwirtschaft leben, so verschiebt sich doch der Schwerpunkt der indischen Wirtschaftsentwicklung mehr und mehr in der Richtung auf die Industrie. Auch die Landwirtschast erhält ein immer stärkeres kapitalistisches Gepräges England wird sich nicht auf die einmal erlangte politische und milllärische Vorherrschaft in Indien beschränken dürfen. Es muß den Indern zeigen, daß es ihnen auf finanziellem und wirtschafllichem Gebiet etwas zu bieten hat. Es muß die Bereitschaft erkennen lassen, sich der wirtschaftlichen Verselbständigung des Riesenreichs nicht mehr länger mit Gewall- Mitteln der verschiedensten Art entgegenstellen zu wollen. Und diese Verständigungsbereitschaft wird in der politischen Verfassung Indiens deutlichen Ausdruck finden müssen. An diesen Notwcndigkellen wird auch die jetzige konservative Regierung Englands nicht vorbeikommen, wenn Crgland mit Indien Frieden haben und— wieder Geschöftc machen will. Die tage in der Schiffahrt. In einer Aussichtsratssttzung des Norddeutschen Lloyd in Bremen wurde mllgeteilt, daß das Ergebnis bis Ende September dieses Jahres verhältnismäßig befriedigend fei. Ohne die amerikanischen Freigabegelder werden die(Einnahmen allerdings nur die Ausgaben reichlich decken. Aus dem Zusammenbruch des Nordwolle-Konzerns würden dem Norddeutschen Lloyd im schlimmsten Falle Verluste in Höhe von etwa 2,5 Millionen Mark erwachsen In ketzter Zelt hat sich«ine leichte Belebung bei der Schisfahrt durchgesetzt, so daß der aufgelegt« Schiffsraum, der zeitweilig 210 000 Tonnen betragen hatte, ms auf SO 000 Tonnen zurückgegangen ist. Neuer Elektrizitätstarif. Oer Stromverbrauch per Berliner Haushaltungen. Die Direktion der Bewag beschäftigt sich mit Plänen, die Stromtarife in Berlin grundlegend zu verändern. Der bis- herige Tarif fetzt sich aus einer Grundgebühr und einer Arbeitsgebühr(jetzt noch 20 Pf. je Kilowattstunde) zusammen. Man möchte ihn ersetzen durch einen B l o ck t a r i f, wonach die ersten jeweils im Monat oerbrauchten Kilowattstunden verhält- nismäßig teuer find, der gesamte Mehrverbrauch aber wesentlich billiger sein soll. Die Grundgebühr fällt dann weg. Offenbar hofft man den gegenwärtigen Stromverbrauch bei dem einzelnen Abnehmer heben zu können. Die Pläne werden noch ernsthaft diskutiert werden müssen. Interessantes Material hierzu bringt das kürzlich erschienene Jahrbuch der Verkehrsdirektion, das die Bewag veröffentlicht. Dieses Buch enthält die Ergebnisse einer Erhebung, die die Bewag über den Stromoerbrauch von Wohnungen ver- schiedener Größenklassen durchgeführt hat. Die Zahlen beziehen sich auf Mitte 1929 und betreffen solche Wohnungen, die mindestens ein Jahr mll elektrischen Anlagen versehen waren. Nach dieser Erhebung beträgt im Durchschnitt bei Ein- und Zweizimmerwohnungen der jährliche Verbrauch 136, bei Dreizimmerwohnungen 178 bei Vierzimmerwohnungen 240 Kilo- Wattstunden. Im Vergleich mit anderen Hauptstädten der Welt ist der Verbrauch gering. Für Fünfzimmerwohnungen werden 325, für Sechszimmerwohnungen 473 Kilowattstunden angegeben. Erst bei der Siebenzimmcrwohnung wird mit 540 Kilowattstunden ein Verbrauchssatz erzielt, der dem amerikanischen Durch- schnitt(Haushall von drei bis vier Zimmern) einigermaßen ent- spricht. Für Achtzimmerwohnungen werden 643 und sür die noch größeren im Durchschnitt 912 Kilowattstunden ermittell. Obwohl diese Ziffern im Vergleich mit anderen Weltstädten sehr niedrig sind, bilden doch auch in Berlin die Haushal- tun gen heute schon eine sehr wesentliche Verbraucher- gruppe. Vom gesamten Stromoerbrauch Berlins kamen im Jahre 1929 526 Millionen Kilowattstunden auf Niederspannung?- ström(Strom für kleinere Abnehmer mit niedriger Spannung)). Fast ein Drittel dieser Menge wurde von Haushaltungen aufge- nommen. Unter den Haushaltsabnehmern bilden die Wohnungen mll ein bis drei Zimmern der Zahl nach die Hä.lfte. Sie ver- brauchen zusammen fast ein Drittel des überhaupt an Haushaltungen abgegebenen Stroms. Einschließlich der Vierzimmerwohnungen nimmt diese Abnehmergruppe etwa 57 Prozent des Haushalts- stroms ab. Man kann aus diesen Zahlen erkennen, daß schon heute auch die kleineren Wohnungen am Gesamtabsatz der Berliner Elektrizi- tätswerke einen erheblichen Anteil haben. Das Interesse der Bewag an einer besseren Ausnutzung nicht nur der Erzeugungs-, sondern auch der Verteilungsanlagen, d. h. an einem vermehrten Elektrizitätsabfatz, ist verständlich. Freilich sind Krisenzeiten ungünstig für Tarifänderungen. Auf alle Fälle muß vermieden werden, daß die kleineren Elektrizitäts- abnehmer durch den neuen Tarif bei gleichbleibendem Verbrauch etwa höhere Monatsrechnungen als bisher erhalten und auch im ganzen muh das Ziel eine wesentliche Verbilligung der verbrauchten Kilowattstunde fein.- Zölle durch die Hinteriür. Berschäriter Protektionismus in Frankreich. Die Schwenkung der französischen Handelspolllik zu einem ausgesprochenen Protektionismus wird nach den vorangegangenen Ein- fuhroerboten und Kontingentierungen durch eine neue Zoll- Maßnahme bestätigt. Allerdings findet durch die neue Maßnahme keine direkte Heraufsetzung der Zölle statt, sondern es wird der Waren- import sozusagen durch die Hintertür auf dem Verwaltungs- wege gedrosselt. So ist in dem neuen.Hauehalteentwurf für 1932 vorgesehen die sogenannte Einfuhr st euer ganz bedeutend her- aufzusetzen. Diese Steuer, die bisher mit 2 Proz. auf alle Waren erhoben wurde, diente dem Zweck, die auch in Frankreich erhobene inländische Umsatz st euer auch auf die ausländischen Fabrikate anzuwenden. In dem neuen Gesetzentwurf bleibt die Steuer f ü r R o h st o f f e mit 2 Proz. unverändert, dafür aber wird sie für Halbfabrikate auf 4 Proz. und sür Fertigfabrikate sogar auf 6 Proz. heraufgeschraubt. In der Praxis stellt also diese Steuererhöhung für Importe nichts anderes dar als eine allgemeine Heraufsetzung der Zölle für sämtliche Halb- und Fertigfabrikate. Deutschland wird als größter Lieferant Frankreichs diese Schwenkung in der französischen Handelspolitik scharf beobachten müssen und die deutsch-fran- zösische Wirtschaftskommission wäre unseres Erachten? die richtige Stelle, um hier auftauchende Streitfragen und Reibungen aus dem Wege zu schaffen. Finanzzölle für Niederländifch-Indien. Der holländische Kolonialminister hat einen Gesetzentwurf ein- gebracht, der eine Heraufsetzung der Einfuhrzölle Niederländisch-Jndiens vorsieht. In der Begründung heißt es, daß sich die Finanzen der Kolonie so ungünstig entwickelt hätten, daß neue Einnahmequellen geschaffen werden müßten. Ob durch die Aollerhöhung die infolge der zusammengeschrumpften Wareneinfuhr nach Niederländifch-Indien in Unordnung geratenen Finanzen sich bessern, muß bezweifell werden. Jedenfalls werden die neuen Finanzzölle, die den Import um dos Doppelte der bis- herigen Sätze belasten, sich kaum zu einer kräftig fließenden Ein- nahmequelle entwickeln. Leichte Besserung in der Textilwirtfchast. Der Bericht des Verbandes Deutscher Baumwollwebereien stellt für Oktober infolge des frühzeitigen Kälteeintritts eine leichte Belebung fest Auch die Befestigung der Baumwollpreise hat bierzu beigetragen Die Lagervorräte des Handels sind zur Zeit derart eingeschränkt, daß die geringsten Konjunkturschwankun- gen sich sofort bemerkbar machen. Allgemein gesehen hat aber der Handel die bisherige Zurückhaltung noch nicht aufgegeben. was sich besonders bei langfristigen Bestellungen, zum Beispiel für das Frühjahrsgeschäft, noch stark fühlbar macht. Auch bei den S p i n n e r e l e n hat sich infolge der gestiegenen Rohstoffpreise eine stärkere Derkaufstätigkeit durchgesetzt. Mengen- mäßig waren die im Oktober durchgeführten Abschlüsse größer als in den vorhergehenden Monaten. Der englische Wettbewerb bat sich im Oktober bereits stärker fühlbar gemacht, so daß ver- schieden« Feinspinnereien zu neuen Betriebseinschränkungen ge- zwungen wurden. Eisenbahner gegen Schiedsspruch. Dieser Schiedsspruch darf nicht Wirklichkeit werden! lieber den Lohnabbauschiedsspruch für die Reichsbahnarbeiter sprach gestern abend vor den Berliner Funktionären des Einheits- Verbandes der Eisenbahner Genosse A p i t s ch vom chauptvorstand dieser Organisation. Er legte den Funktionären dar, daß dieser Schiedsspruck) ein Ausfluß der augenblicklichen politischen Macht- Verhältnisse und der ungeheuren wirtschaftlichen Macht- stellung der Reichsbahn ist. Der Einheitsverband wird alle Kräfte aufbieten, um ZU verhiiten, daß dieser Schiedsspruch rechtskräftig wird. Dieser Schiedsspruch darf nicht zur Wirk- lichkeit werden, denn er bringt einem nicht unerheblichen Tell der Reichsbahnarbeiter, und zwar nicht etwa die kurzarbei- tenden, in der Entlohnung noch unter die Sähe der Erwerbslosenunterstühung. Der ADGB. hat sich wieder bereit erklärt, den Kampf des Ein» heitsverbandes der Eisenbahner gegen diesen skandalösen Schieds- spruch tatkräftig Zu unterstützen. Die Unterredung mit der Reichs- regierung, die auf Grund der Einschaltung des ADGB. zustande- gekommen ist, war allerdings nicht geeignet, bei den Organi- sationsoertretern die Hoffnung zu erwecken, daß den verantwort- lichen Stellen in letzter Stunde doch noch die Erkenntnis von der UnHaltbarkeit dieses Schiedsspruchs dämmert. Der einzige Erfolg der Besprechung war, daß der Reichsarbeitsminister am Montag nochmals mit den Vertretern der Reichsbahnarbeiter Fühlung nehmen will und bis zu diesem Tage keine Verbindlich- keitserklärung des Schiedsspruchs erfolgen soll. Die Lohnbewegung der Reichsbahnarbeiter ist s nur ein Ausschnitt au« der großen politischen und wirtschaftlichen Abwehrbewegung der deutschen Arbeiterschast. Erkennen das die Reichsbahnarbeiter, dann müssen sie daraus auch die Konsequenzen ziehen und ihre Aktivität gegenüber den wirtschaftlichen und politischen Gegnern in nächster Zeit so steigern, daß mit den Leuten, die die Arbeiterschaft auf die Knie zwingen wollen, wieder Fraktur ge» redet werden kann. In der Diskussion machte sich die Erregung der Funktionäre über den Schiedsspruch teilweise in so krassen Worten Luft, daß sich ihre.Wiedergabe leider verbietet. In keinem Augenblick der De- batte wurde jedoch die gewerkschaftliche Disziplin gesprengt. Die Aussprache klang jedenfalls wie das Grollen aus der Tiefe eines Kraters. Diese begreifliche Empörung fand ihren Niederschlag auch in der folgenden einstimmig angenommenen Entschließung: Die am 13. November 1831 stoUaefundene außerordentliche Funktionärkonferenz billigt namens der Mitgliedschaft die Ent- schließung des Verbandsbeirats, wonach der von dem Sonder- schlichter Ivetten mit Hilfe der Arbeitgeberbeisitzer gefällte Lohn- raubschiedsspruch selbstverständlich abgelehnt wird. Die Berliner Eisenbahner können sich sehr gut das selbstgefällige Grinsen jener hochbezahlten Direktoren vorstellen, die händereibend dem gequälten Arbeiter und Hilfsbeamten 4 bis ti Pf. Lohnkürzung die Stunde durch„Schlichtungs"automaten diktiert haben. Wenn auch der Lohnraub durch Befreiung von der Krisensteuer um 1 vom Hundert gemildert wird, so werden die Mitglieder der Ortsgruppe Berlin trotzdem jede Gelegenheit prüfen, die geeignet ist, durch vorbereitete oder plötzliche gewerk- sch östliche Aktionen den Streich der Hauptverwaltung heim- zuzahlen. Mit Stolz stellt die Ortsgruppe die in der Vergangenheit ent- wickelte Aktivität fest: sie wird nicht nachlassen und dazu beitragen, weiter« Massen des EisenbahNpersonolS in Bewegung zu bringen. Konflikt bei den Buchbindern. Furchibare Krise.— Siurheit der Ltniernehmer.— Verband bleibt stark. Wie fürchterlich die Krise auch Im Buchbindergewerbe wütet, ging aus dem Geschäftsbericht hervor, den der Bevollmächtigte der Berliner Ortsverwaltung des Verbandes der Buchbinder und Papiernerarbeiter, Genosse Jmhof, in der Generalversammlung dieser Organisation oM Donnerstag im Gewerkschaftshau, für das dritte Quartal gab. Danach hat sich die Zahl der arbeitslosen Berufs- angehörigen in Berlin im Laufe des Berichtsquartals Um 777 auf 3482 erhöht, wovon 4389 Berbondsmitglieder waren. 42 proz. der Mitglieder sind arbeitslos und 25 prvz. Kurzarbeiter. die in der Woche nur noch 8 bis 24 Stunden Beschäftigung hahen. Daß im Laufe des dritten Quartals in Bertin vier.größere Be- tri'ebd volFtandig und 19 Betriebe testweife st t t l g e k e gl wurden, zeigt ebenfalls, auf welchen erfchreckertden Tiefstand die Konjunktür im Buchbindergewerbe gesunken ist. Trotz dieser Tatsachen lehnen die Unternehmer nach wie vor die Einführung der Vierzig- stundenwoche hartnäckig a b. Obwohl die zentralen Lohn- Verhandlungen unteb dem Druck der Krise sehr schwer zu führen waren, gelang es dennoch, die Mit dem Arbeitnehmerverband der papierverarbeitenden Industriellen(Api) ünd dem Verband deutscher Buchbindereibesitzer(ADB.) abgeschlossenen Lohnabkommen unverändert zu verlängern. Mit dem Bund deutscher BuchbinderinNUngen war es däi gegen nicht möglich, zu einen, neuen Tarifabschluß zu kommen, so daß die Arbeiter und Arbeiterinnen>N den InnungSbetribben jetzt tariflos find. Die Innungsmeister wollen nunmehr die Beleg- fchaften zwingen, durch Einzelvereinbarungen in die Ab- fchaffung der Feiertagsbezahtuüg, sowie in einen Ab- b ä u des Spitzenlohnes von 1,07 auf 1 M. einzuwilligen. In den Kleinbetrieben mit nicht mehr als fünf Bejchästigien wollen die Unternehmer noch weitere 4 Pro.z. von den Löhnen abbauen. Infolge dieses Borgehens der Unternehmer kann es schon in nächster Zeit zu ernsten Arbeiletonflikken in den Betrieben des Bundes deutscher BUchbinderinnungen kommen. Von den örtlichen Lohnbewegungen führten die in der Etui- und Postkartenbranche zu Verlänge- rungen der Lohn- und Aktordtarife: in der L u x u s- blanche mußte ein Lohnabbau von 4 bis S Proz. in Kauf genommen werden. Der L o k a l k a s s e n b e st a n d, der vor einem Jahr Noch rund 70.000 M. betrug, ist im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Onartol Infolge der weiter gestiegenen Anforderungen um 7341 M. auf 26 913 M. zurückgegangen. Dieser Unhaltbaren rück- läufigen Entwvicklung dex Finanzen entsprang auch der Antrag der Ortsoerwaltung an die Generalversammlung, die Lokalbeiträge mit Ausnahme der niedrigsten Beitragsklasse ab 1. Januar um ö bis 20 Pf. pro Woche zu erhöhen, wenn nicht zu Anfang des neuen Jahres die LokaluttterstützUNgen um die Hälfte gekürzt werden sollen. Die Generalversammlung lehnte nach längerer Aussprache mit einer knappen Mehrheit diesen Antrag der Ottsverwaliung ab, ja daß ab Ii Januar die Kürzung der Unlerstützung aus Mitteln der Lokalkaffe erfolgen Muß. SiegerwaSd reformiert. Leistungelabbau in per Sozialversicherung. Die Vorschläge des Reichsarbeitsministeriums zur Reform der Sozialversicherung werden in der nächsten Woche das Kabinett beschästigen. Vorgesehen sind nicht nur organisatorische Veränderungen, sondern auch LeistungssenkungeN. Orgä- nisatvrlfch soll auch bei den BerstcheruNgsträgern durch rein gebietsmäßige Zusammenfassung von gleichartigen Kassen eine Berein- fachung durchgeführt werden. Eine Zusammenlegung von verschiedenartigen Versicherungen ist offenbar nicht geplant. Der Konflikt in der Maßschneiderei. Heute entscheidende Verhandlungen. Seit Monaten besteht in der Herren-Und Damenmaßschneiderei.ein schier unlöslicher Tariftonfltkt. Der Reichstarifvertrag wurde von dem Arbeitgeberoerband zum 31. Juli gekündigt, mit dem ausgesprochenen Zweck, das Positionsschema (d. i. die Atkordberechnungsgrundlage) um etwa 18 Proz. zu senken, nachdem schon im Frühjahr eine sechsprozentige Lohn- senkung im Lohnabkommen eingetreten war. Neben dieser Forde- rung wollen die Unternehmer die Anwendung eines Doppel- t a r i f s tariflich zugesichert haben, der von den Arbeiterverbänden aus tarifpolitischen und arbeitsrechtlichen Gründen abgelehnt wird. Die Beweglichkeit im Tarif für die Maßschneiderei ist jetzt schon so außerordentlich groß, daß die Einführung der Doppel- tarife nur bedeuten würde, daß dem Einzelarbeitsverhältnis jede arbeit-rechtliche Basis entzogen wird. Der Reichstarisvertrog für die Herrenschneiderei enthält sieben Reichslohn- t l a s se n, elf Städtegruppen, dazu noch in jedem Ort mehrere Ortslohnklassen, die im Stundenlohn bis zu 12 Pf differieren. In der D a m e N s ch n e i d e r e i soll nach den Wünschen der Unternehmer die Entlohnungsbosls nach bestimmter prozentualer Abstufung, die auf Beschäftigungsjahren aufgebaut Ist, der Lohnwillkür Platz machen. Reben diesen LohnbestimmUngs- fragen sollen auch die Urlaubs-, die Arbeitszeit- und andere Bestimmungen verschlechtert werden. Unter Professor Dr. Brahm wurde am 6 Augujt ein Schiedsspruch gefällt, der bis Zum 13. November 1931 ein Provisorium schaffte und die Vertragsparteien verpflichtete. die Anträge Zum Posiiionsschema zu verhandeln. Diese Partei- Verhandlungen führten nur zu einem Teilergebnis, so daß nach den Bestimmungen des Schiedsspruchs vom 6. August die Übrigbleibenben Streitfragen vor einer Schlichiungsin stanz entschieden werden sollten. Auf Wunsch beider Parteien hat sich auch diesmal Professor Brahn als Schlichter zur Verfügung gestellt. Am 10. und 11. No- vember tagten die Parteien im Reichswirtschaftsrat, ohne auch hier in den offenen Streitpunkten eine Annäherung zu finden. Nun- mehr wird die Schlichterkammer heute zusammentreten, so daß am Sonntag wlt einem Schiedsspruch zu rechnen Ist. Lteberstunden irotz Arbeitslosigkeit. Ausnahmerecht für Sngrosfchlächter. Man schreibt Uns: Die Schlachthos-Deputation hat im Auftrage des Magistrats die OeffnungszeiteN der Fleischgroßmarkthalle an der Landsberger Allee für hiesige ENgrosschlächter zum Einbringen von Fleisch und Zu Borarbeiten auf 4 Uhr früh festgesetzt. Da der Fieischhandel erst um 6.30 Uhr beginnt, dürsten viese 214 Stunden zu Borarbeiten reichlich genügen. Da nun 20 von etwa 800 EngrosschlächterstrmeN aus gewissen Gründen glauben, mit dieser Zelt Nicht auskommen zu können, erwirken sie von der Verwaltung der Halle die Erlaubnis, entgegen der bestehenden Verordnung, schon um 3 Uhr früh mit ihren Gesellen die Halle zu„Vorarbeiten" zu betreten. Daß diese Erlaubnis nur„ausnahmsweise" erteilt wiro, ist eine schöne Geste den Derwaltung, denn seit Monaten sind es jede Woche an mehreren Tagen dieselben Firmen, die dies«„Ausnahme" in Anspruch nehmen. Eine Notwendigkeit dazu liegt nicht vor, das beweist, daß die übrigen weit über 700 Firmen während der offiziellen Zeit ab 4 Uhr sehr gut mit ihren Bor- arbeiten fertig werden. . Es ist bekannt, daß die W o ch e n a r b e i t s z e i t e n der Arbeiter im größten Teil des Engroeschlächtergewerbes auch in der heutigen Notzeit noch zwischen 60 und 60 Stunden liegen. Die Be- schöstigten stehen unter schärfstem Druck der Meister, und wer .irtbelliert", Ueberstundenbezahlung fordert oder bei Kontrollen der Wahrheit gemäß auesagt, ist geächtet und auf dem Schiachthof als Arbeiter erledigt. Die Arbeiter sind deshalb gezwungen, den An- ordnungen der Engrosschlächtermeister, die ja auch heute noch Großverdiener sind, die Arbeit um 3 Ubb früh zu beginnen, Fplge zu leisten. Es ist festgestellt, daß dl« In Frage kommenden 20 Firmen durch den von der Derwaltung der Halle genehmigten Frühbeginn etwa 100 Gesellen eine Stunde länger beschäftigen, das ist Arbeitsmöglichkeit für 12 Arbeitslose pro Tag. die dann nicht aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden müssen. Der Facharbeitsnachweis, unmittelbar am Fleifch- großmarkt gelegen, ist ab 4 Uhr früh geöffnet und kann im Bedarfsfalls Hunderte von Arbeitskräften zur Aus- Hilfe stellen. Es ist auffallend, daß die Verwaltung des Fletfchgrohmarktes trotz aller Proteste der Arbeitnehmer- organifation jedem Wunsch der Engrosschlächtermeister nachgibt. Der arbeitslosen Gesellen hat sich deshalb berechtigt« Empörung bemächtigt und es ist ein Wunder, daß dies« noch nicht recht drastisch zum Ausdruck gekommen ist. Wie lange noch wollen die zuständigen Stellen, Schlacht- h o f- D i r e k t i o n und Deputation, die seit langem um Abhilfe angegangen sind, diesen Skandal noch dulden? Es ist höchste Zeit, einzugreifen Und diesem empörenden Zustand sin Ende Zu machen._ Kür die Knappschast. Der sieie und der christliche Bergarbeiterverband haben an den Reichsarbeiisminister eine Eingab« gerichtet, in der die E r h a l- tuNg der Reichsknappschast gefordert«vird. Sie bitten den Minister, batdigt mit ihnen die Hilfsmaßnahmen, die nach dem l. April 1932 eintreten sollen, zu beraten. Ausbeutung statt Ausbildung. Wie man Musiker„ausbildet". Vom Deutschen Mustkerverband wird uns geschrieben: Oft genug ist in den Fachblättern und Tageszeitungen darauf hingewiesen worden, daß die sogenannten Stadtkapellcn fLehrlingsbetriebe) nicht die geeigneten Ausbildungsstätten für Musiker sind. Wie solche Lehrlingsbeftiebe aussehen, zeigen die Berhältntffe in der„K u r t a p e l l t" des Kapellmeisters Beug in Bad Freienwalde. Diese Kapelle besteht aus 2 8bis 3 0 Lehrlingen, einem Korpsführer und einem Gehilfen. Für die Instrumente Viola, Cello, Baß, Oboe, Fagott, Horn, Trompete, Tenorhorn, Bariton, Posaune, Tuba. Schlagzeug, Klavier usw. sind Lehrkräfte nicht vorhanden. DiS Lehrlinge besuchen auch keine Fortbildimgs- oder Fachschule. Angeblich hat Beug von der Regierung in Potsdam die Erlaubnis erhasten, den wisienschafttichen Unterricht selbst zu erteilen. Er tut es aber nicht. Kann er es überhaupt? Daß der ganze Betrieb mehr auf Ausbeutung, als auf Ausbildung eingestellt ist, geht auch daraus hervor, daß Beug seine Lehrlinge im Frühjahr und Herbst, also in der schlechten Geschäftszeit, vier bis sechs Wochen nach Hause zu den Eltern schickt, um dadurch die Verpflegung zu ersparen. Werden die Iungens am Sonnabend öder Sonntag zum Spielen gebraucht, dann erhalten sie eine Karte, wo und wann sie zu musizieren haben. Am Montag dürfen sie dann wieder Zu den Eltern fahren. Im gnteresie der Lehrlinge und deren Estern muß von den Aufsichtsbehörden verlangt werden, daß sie den„Kurkapellmeister" Beug veranlassen, seinen Pflichten als Lehrherr gewissenhafter als bisher nachzukommen. Den Eltern kann aber nur immer wieder der Rat gegeben werden, vor Abschluß eines Lehroertrages bei der Berufsorganisation— dem Deutschen Musiker-Verband e, Berlin SW. 1 1, B« rn b.ttxgtx.■& t uxß e 19. Erkundigungen einzuziehen.~ Ist die Gewerbefreiheii schuld? Nein, aber die Lehrttngelzüchterei. .Die„HandwerksiZeitung" für den Berliner Kammerbezirk bringt Monatliche Ueberslchten Über djt wirtschaftliche Lage des Handwerks, die sich durch die Art der Beurteilung der Dinge mit- unter auszeichnen. Die Lage im B a N g e w e r ö e wird durch die Gegenüberstellung in„eine grelle Beleuchtung" gerückt, baß im Herbstquartal der Berliner Bauinnung nur 17 Lehrlinge ein- geschrieben werden konnten. Dagegen wurden. 40 0 Lehrlinge ausgeschrieben. Ob von diesen 400 jungen Gesellen auch einige Arbeit bekommen haben Und wieviele, steht leider nicht in dem Bericht. Es könnte die Lage der Bauarbeiter gut beleuchten. Im Friseurgewerbe hat man mittlerweile erkannt, daß die Vermehrung der Zahl der Arbeitslosen zU einem größerem Geschäftsrückgang führt. Geklagt wird über umfangreichere „Schwarzarbeit" und über„die marktschreierische Reklame, mit der Preisunterbietungen angekündigt werden". Ans Anger- münde wird besonders geklagt,„daß sich in immer größerem Umfange junge Gehilfen selbständig Machen Und die beim Lehr- meister geworbene Kundschaft im Hause besuchen, wodurch sich der Kundenkreis der alten Geschäftsinhaber lnimer Mehr verringert". Das kommt daher, weil die Meister vor der Einstellung von Lehr- lingen nicht danach fragen, wo diese Lehrlinge später bleiben sollen. In AngermüNde hat sich die Zahl der Ftiseurgeschäste von 1924 bis 1931 von 42 auf 60 vermehrt, die Zahl der tO G e- Hilfen— die Inzwischen einmal bis auf 18 gestiegen war— i>t wieder auf 10 zurückgegangen, die Zahl der Gehilfinnen von 3 auf 6 gestiegen, die Zahl der Lehrlinge je'doch von tz aui 4 4 männliche und von 2 auf 9 weibliche, also von 19 auf SZ. Das steht allerdings nicht in dem Bericht. � Achtung, SPD.-Buchdrucker! Sonntag, N> Ul>r. Gen , lung der Berliner Handseherverelnigung Im TluEHious, Ol 3 ist Pflicht aller Gpartenmitglieder der Amsterdam« ll ' richtung, Zu erscheinen.-------- 1« Wt, Eenetalversamm.!" Vbmstrahe. Es i --------- Gewcrlfchafts. t-i Der Fraktlansuorstand. �reie Gewerkfchafis-Iugend Verlin Heutt, Sonnabend: Fluahafeu! Jugendheim Flughafenstr.«ig Uebunas- abend.— Rordlrri«: Jugendheim Wtlldenowstr. Z, Rlntmet g alledem." Rezitationen, Musik, Sprechchor der „Vorwärts- trotz Verbindende Worte: Fritz Iuqendaruppe de- Zentralverbandes der Angestellten Sim�Ä � f,CUtC ab 19% Ubt tm Jugendheim der Schule Aga dir-„Panther" versteigert. «So geht der Ftuhm der Welt zugrunde. Wie uns aus Kiel gem-ldet wird, gab in einer öffentlichen Bcrsteigerung des ehemaligen Kanonenbootes„P a n- t h c r' eine Frankfurter Firma das Höchstgebot mit 37 262 Mk. ab. Das niedrigste Gebot lautete auf 3006 Mk. Di« Reichs marinelcitung in Berlin wird den Zuschlag zu erteilen haben. Da wegen der„n- günstigen Lage am Schiffahrtsmarkt keine Aussicht besteht, daß der „Panther" nach Umbauten in der 5)ondelsschiffahrt Verwendung findet, wird er wahrscheinlich abgewrackt werden müssen. Zweimal in der Geschiäztc des Wilhelminismus, da Deutsch- lcmds Zukunft auf dem Wasser lag, hat der„Panther" eine Rolle gespielt. 1902 kam es zwischen Deutschland und England auf der einen und der südamerikanischen Republik Venezuela auf der andern Seite wegen der Uebergrisfe der diktatorischen Regierung Eastra gegen Auslander zu einem ernsten Konflikt. Nach einem Ultimatum der beiden Mochte schickte Deutschland den„Panther" und zwei andere Äriegsschifse zur Blockierung der Küste. Vor der nenezoloni- scheu Hafenstadt Maracaibo erhielt der„Panther" Feuer, worauf die deutschen Kriegsschiff« die Stadt beschossen. Es war klar, daß gegen- über den beiden Großmächten dos schwache Venezuela bald nach- geben mußte. Historisch bedeutsamer ist dcr„P a n t h e r s p r u n g" von Agadir vom l. Juli 1911. In jenen Iahren des langwierigen Marokkokonsliktes mit Frankreich wurde unter dcr Begründung, daß sich im Süden Marokkos und besonders in dcr Gegend von Agadir unter den Stämmen gewisse für deutsche Firmen beunruhigende Gärungen zeigten, zum Schuß für Leben und Eigentum der Be- drohten ein deutsches Kricgsschiss. der„Panther", nach Agadir cnt. sandt. Dies, führte zum Wicderauslebcn des schwälendcn Marokkokonsliktes zwischen Frankreich und Deutschland. und dcr„Vorwärts" bezeichnete die Meidung van der Entsen- dung des„Panther" als eine Ueberraschung, die aber keineswegs a n g c n c h in sei. Mit seinen Warnungen vor einer hohlen Prestigepolitik hat er nur zu sehr recht behalten. Damals begrüßten die Alldeutschen den„Panthersprung". Jetzt ward der„Panther" versteigert. Die Zeiten wandeln sich... Härtet die republikanische Front. Der Z lisvercin Köpenick kIuna- Bannet) des Reichsbanners Schwarz-Rvt-Gold hat unter dcr Parole: „Stärkt unsere Krönt" am Tonntog, dem ld. November, nn Stadltbcater Köpenick, Kriedrichstr. 6, eine W c r b e v e r a n st a l t u n p. Rcsercnt:.Kamerad Brendel. Im Programm steht serner: 3 1 l in „Ter dun", Sprechchor und akniellcs politisches Theaterstück. Ansang L0 Uhr. Führuxgei, durch AU-Bertiu unter Mitwirkung de» Bczirkoamte» Mitte. Nächste Sichtung Sonnabenv. 14. November, l-Vj liiit, und Sonntag, t-z. N». nembcr, 10 Uhr, durch Rektor Michaelis. Treiiountt vor der Nikolai. Kirche, Poststroße. Der Reinertrag wird de: Berliner Winterhilfe gugefllht. Allgemeine Wetterlage. IANov. Ä Oyualktnlaa.O heiwr.ijhalbbtrlsckl »wolkig.abadeekt'RqeivAGraupeln iw«;»Nob«i,TGw*tet@WiiitoiU« Sinsendungeu für diese Rubrik sind Berlin SD KS. Lindeustraß» 3. parieinachn'chisn��Mfür Groß-Verlm stet, an da« B-zirkosekretariat i. ch-k. 2 Treppe» recht», zu rtchte» Beginn aller Veranstaltungen tg'Z Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe? heute, Sonnabend. 14. November: 7. und«. Neri«. Juristische Sprechstuude siudet»«» 17— l« Uhr im Jugend, .. ic"? 1'mtK Gelegruheit zum»irchenau-tritt! 1'»'chtenderg. Die erwerbslosen«Sevossc» haben tägliche Zusamme»' . sühlte in der Bibliothek Weichselstr. 28. Jeder Genosse ist willkommen- Ab«. Die Bezirkafithrer müssen sofort die Liste der Erwerb, losen beim Genossen Lehmann abgeben. Abt. Ächtung, Bezirkoführerl Die Erwerbolosenlisten stnd bi»-um o*'n" J"1*attu!rfi Srtiibenfit. 88, abzugeben. Spater eingehende Listen bnden keine Berücksichtigung wehr. Desgleichen alle anderen Mel. düngen,»bteilnngsuorstaudsfltzuog«m Mouiog, dem l». Nooember. 20'r, Uhr, an bekoguter Stelle. 11». Bbt. Die Eruppenkassterer werben daran erinnert, umgehend die er. werbsioscn Genossen zu melden, die Eintrittskarten für bis Sportpalast. «.5 il?.?"dzurechnen und Akontozahlungen umgehend zu leiste». : Wittenau. 2» Uhr Gründungsfest des Aulturkartell» Wittenau bei B-Hnke< Wittenauer Vereinshaus), Oranienburger Str. 88—88. starten bei den B-zirksführern und an der Abendkasse. Morgen, Sonntag, 15. November: lZ. strci, Dempechos. Sonntagnormittag Bestchttgung des Flughafen, unler »wnpeNof..Tturmvogcl'. Treffpunkt Sz. Uhr am Ringbahnhof 8. Abt. ist Uhr Funktianiirkonferenz bei Dobrvhlaw, öwinemünder Sir 11 Die Dezirisführer haben dir Parteibücher der Genossen, die für das Roti oprer in Frage kommen, zur stontrollr oorzul�en. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde(ßrofj-Bctlin. Weddiug! streishelferfabri Mittwoch. 18. November. Treffpunkt Mdmat. 8 Ubr U-Bahnhof Gesundbrunnen.„pun.l -MMW- Friedrich»h«i»- Arbsitolofe Helfer und Lehrlingc kännen zu MMfAW unserer heutigen streiofahrt kostenlos teilnehmen. Sprechstunde de, M. 4' Kre>»l«it«r» täglich 18-17 Uhr. Dienstag. 17. November, liw; Uhr. .als» l k„v kl 4->,,„ � ivn Csnlm.Td kl„7 74„ x e.mit.—..*.„x— Z ; streishelferfchung im Heim Diestelmenerstr..1—8. Mittwoch, tl. oember, 18 Uhr. Bolkstanzabend in der Schule Litauer Str. > irr � � �-e, l,„ � 1 ci.i' Iii««. � t.„ f lü. vv-: y—-__ fOj Donnerstag. Ist. Novembers Istos lihr,.�eishelsdrkursus�TiMter�Str". 4. Freitag 2a. November. 18 Uhr,.,Roter.stasperIc.Nachwittag" in drr Schulaula stoppen.' fita|c 76. Helfer stnd bereits um ISI, Uhr dort. Alle Helfrr nehmen an dcr Groß. Berliner Eingestünde teil. Sonntag, 22. November. 8V. Uhr, Treffpunkt zur strcisfahrt fSchnißelfohrt mit der FTGB.-Ost nach Grunewald, Schiesischer Bahnhof. Eingang Madajstraße. Die Gruppen treffen sich 8 Uhr an ihren Trrsfploßen. Wimpel mitbringen. Aasten für Nestfglkcn 10, für alle anderen 2st Pf.— Landsberger Plast! Tagungsort Dteftelmeyerstr. 5—8, 18— lgv Uhr Montag Basteln für alle. Dienstag Bunter Abend für Rote Falken und Jung. falken. Mittwoch Spielen für Restfalkcn. Rote Falken und llungfalken sehen -------og Basteln. von 18 bis 1» Uhr ..-— r üben für unseren Elternabend. streuzbergi strciohelserfahrt am Sonnabend, dem 14. November. Treffen Uhr vor dem Lehrter Dahnhof. Abfahrtselte. Nachzügler Sonntag 7 Uhr 17 rbcndört. HohcuschSnhansr»! Heute Fahrt mit dcr Gruppe Welßenscc nach Dubrow, bcrg. stostcn 1,2« M. Treffpunkt UVi Uhr Frrienwalder Ecke Berliner Straße. Sterbetafel der Groß. berliner Partei«Organisation � 88. Abt. Uuser Senost« Gustav Glap ist pISstlich verstarben. Di« Ein. aicheriing findet am Sonnabend, dem 14. November, 14 Uhr, im strematorium Wilmersdorf statt. Um reg« Beteiligung wird gebeten. SozlallstlscheArbetterjugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an da- Iugendsekretartat Berlin SW 88. Lwdenstraßc 8 Abt-ilnugaleite»! Reicht da» Dezemder.Programm ein: berücksichtigt bei dcr Referentenonsorderung die Feiertage. Beginn de» sestzelegteu Rcduerkurs», heute. püuUlich 1» Uhr, im Jugend. beim SW.. Lindenstr. 4. v. I. Der stursu« gliedert sich in zwei Abschnitte non je drei Abenden.») Vorbereitung eine» Bortrage»(Materialsammlung. Auf. bau. Manuskript, freie Redl). Leiter: Genosse Erwin Rarauordt. K) Sprit ausdruck und Stil lmit Beispielen und Uedungen). Leiter: Genosse Dr. Droi Zur Teilnahme berechtigt sind nur die bereit» gemeldeten Genossen. Weitere Anmeldungen rönnen nicht mehr berücksichtigt werden. Arbeit, gcmcinschoft Abraham tagt Montag wieder Im Lugendheim Porck' straße 11, Zimmer 3. heute. Sonnabend. 14. November. IS/- Uhr: sttllnischer Pork: Treffpunkt zur Fahrt noch Königswusterhausen Igv Uhr ---------------'-=---- g.—»ottbusser Tor: Urbanstr. 187. Ucbcn. .. 17 v Uhr Bortrag:„Wirlschosislehre". An, Reuiöll» I?: Beteiligung am Wochenenbkursu«. 18 Uhr Schiesischer Bahnhaf — Hollelche, To«! schließend Prpbe.- W���>���>W>��>�WWWW»»WW>WW> Bahnhof Neukölln.— Brist: Iüngerenfahrt. Treffpunkt 18 und 2st Uhr Bahn bos Neukölln.— Weddiug iR.,F.): Morgen Fahrt. Treffpunkt S'Uhr See. Ecke Rllllerftraße.— Spoetpaloft: Morgen Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Kulowiiraßc. Verb« bezirk«edding: 18 Uhr pünktlich Borstandsstjung fSprechstundr). IftV Uhr Bade» in dcr Gerichtstraße. Tamtonrkopelle. Der Uebungoabend fällt am Montal Werbe bezirk zialismus". 2st MWWWWWM»»>W»>M>WWdnng»abend an, und findet wieder am 28. November statt. renzlouer Berg: Süngerenkursu«:„Einführung in drn So. r. Danpger otr. 82, �. Baracke 3. Morgen Werbebezirk, mir _____-.>«»: Wochenenbkursu» in Roma«««. Thema:„Kultur- bolschewiomus". Referent: Genosse Dr. Otto Friedländer. Treffpunkt l8V Uhr Frucht. Ecke Madaistraße. Werbebezirk Neukölln: Wochenendkursus der Lungere,, in Brieselang. Re. ferent: Genosse Dr. st. Löwenstein. Treffpunkt 18 und 2fl Uhr Bahnhof Neukölln. Morgen. Sonnlag. l5. November: Weebebezirk Tiergarte»! Heimabend lShh Uhr Lehrter Str. 18-10. Reue stgmpilieder. Werdebeziel Weddiug: Lichtbilderabend 13') Uhr Willdenowstr. 8:„Dom Kaukasus zum Gelben Meer< Referent: Genosse ffuri Biging. Ab 18 Uhr Heimabend. Wcrbebezirk Preuzlauer Berg: Mitgliederversammlung 1» Uhr Donzigrr iotraue 82, Bliersheim.„Weltwirtschaftliche Fragen." Referent: Genosse Dr. Eubr. Werbe bezirk strcuzbero: 15 Uhr Lindenstr. 4.„Lugend und Partei." An, schließend Filmabend. Lindenstr. S, Bortragssoal des Partcinorstanbcs, II. Hof, 2 Treppe» links. Mitgliedsbuch mitbringen. Werdebeziel Westen: 8V Uhr Heivl in Eharlaitenburg, Rossncnstr. 4, stursu».-„Unsere kommende Arbeit". Leb» Gruppe muß mindestens durch zwei Genossen vertreten sei». Tempelhos: Fahrt noch Machnow. Treffpunkt 7 Uhr Frledrich.starl. Ecke Berit ner Slraße- Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gotd". Geschäft» si« l I»: Berlin S 1« EeboNiansir 37—38 Ho» 2. Tr Sonngbeab. 14. November. Köpenick kLungba). bv Uhr Treffstunkt -■"■•'T. Stodttheatcr Köpenick in Lungbannerkleidung mit Tornister. Ritte V-ungbai. Tresfpunkt zur Fahrt nach Köpenick 18 Ubr Bahnhof Börse, Luvg. honnerkleidung.— Sountag, 18. November. Rnberriegc. Im Bootshaus stöpe. DB"fss Uhr Ergönzungssport, 15 Uhr Mitzlledervcrsommlung des Zuges Zzöpemcr. Arbeiter- Samariter-Rund c. V.. Kolonne Berlin. Eeichoitsstelle: R. 24. Gr. Hamburger Str. 2g. Tel.: v> Norde» 3340. Der stursu» dcr Abteilung Wedding am Dienstag, 17. November, fällt aus und findet dafür om Donnerstag, dem 13. November, stot l. — Ausweis und Mitgliedsbuch Nr. 8stst, auf den Namen Erwin Reichwald lautend, find»erlorengegangcn. Die Papiere werden hiermit für ungültig erklärt. Finder werden gebeten, dieselben an den Bund abzuliefern. Mieternerbond Berlin, 8. Berw-ltuug-bezirk, E. B., So» Berlin im Bunde Deutscher MieUrvereine, Sist Dresden«. B., Berlin, O. 17, Große Frank, fnrter Sir. 14. 16. November, 13',: Uhr, in'„Frankfurter Hof", Frankfurter Allee 313, Protestkundgebung für Senkung der Mieten und Forderung des sozialen Mieirechts. Reserenton: Berbondevorsistende Poelk« und Fröhlich, Berlin. Reich«»erei»iguug ehrmaliger»riegogesangeucr E. B.. Drisgruppc Ber. lin-Rorden I. Geschäftsstelle: Mastin. NW. 8. Luisenstr. 58. Mitglledervcr, samo'lung mit Voriragsadend s Kamerad v. Lersner spricht) am Sonnabend, dem 14. November. 2st Uhr, im„Wöhlertgorten", Pflugstr. 0, Ecke Wöhlert. strnße. iWeihnachtispenden, Winterhilfe!) Vollzähliges Erscheinen oller Mi!- glieder ist Pflicht. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr. Pappelallee 15, Bortrag des Herrn K. Alflen; Grundfakloren der politisSfen Oelonomie. Harmonium: Aus .Preeiosa" i Weber,. Gäste willkommen. Berliner Typographische Gesellschaft. Am Dienstog, dem 17. November, 2ststj Uhr, sprickit IM Hörsaal der Staatlichen Sunstbidliothck, Prinz.AIbrecht. Straße 7». Professor E. R. Weiß über:„Maler und Buchkünstler— gestern l-nd heute". Gäste, sowie Mitglieder buchgewerblicher Berein« und deren Dom»» stnd zu diesem Bortrage ergevcnst eingeladen. Eintritt frei. Nachruf! Am 11. November, abend* 7 Uhr, verstarb nach langem schweren Leiden der Präsident des Preußischen Landtags Friedrich Bartels In ihm verlieren die Beamten, Angeatellten und Lohn- ompfänger des Landtags einen gerechten und treu für sie sorgenden Chef. Sein Andenken wird von uns in Ehren gehalten werden! Die Beamten, Angestellten und Lohnempfänger beim Preußischen Landtag Plötzlich und unerwartet schied unser lieber Mitarbeiter und Kollege, der Stereolypie-Hilisardeiter Kurt Pröbrlch im blühenden Atter von last 27 Jahren au» dem Leben. Wir verlieren in ihm»inen arbeit». ireudtgen. treuen Genossen, der ssch durch sein immer srenndliches Wesen und seine kiele Hilksdereliichast. durch seine telbltiole Tätigkeit tnr Dewerk- schaft und Partei viele Freunde er- worden hat. Wir werden ihm stet« ein ehrende» Gedenken bewahren Berlin, den l? Novemder 1381. vezldMleitllog uiiil Personal der Vorwärts- BudidruiKerei. Die Trauer-'cier findet am Monigg, dem 16. Nooember, 13 Ubr, in der Salle de» FemralsriedhoieS Friedriche- selbe statt. ISZI ___ Aiet- �Idiahrt Doppellose la»» RM. eerte una Llal« 30 mg. war» Stall Karten Für die Beweil, herzlichster Teil- nähme bei der Beerb gnng mitne» lieben Manne» lag« ich hiermit allen, die daran tetigenommen Hoden in»- besondere Herrn Stadtrat Günther tllr seine erbebenden Wort«, aus diesem Wege meinen herzlichen Dank. Witwe Mathilde Berger und Kinder Adifung 5 Zannaulsleller! Heute. Sonnabend, den>4 November 1331, ai-end, 7 Uhr, Im Lokai von Wollschiöger, Adalbrrtstraße 21 Sruppeii-VerHammloog. Wir erwarte,,, daß alle Kollegen er scheine». Mitgliedsbuch legitimiert. üle OrloverwaU-mf. Dauerwellen garantiert crsiKlassig, von 10 Mk. an FSrben naturgetreu, la. Ondulation Salon Schwiddcr Undensiraßq 9. 143639 Gewinn« und 2 Prämien Im Gesamtwert« von RM. SOO OOO Höchstgewinn auf«in Doppel- los Im Werte von RM. so OOO HÖohstgewinn auf ein Cinzel- loe im Wort« von RM. 30 OOO 3 Hauptgewinne Im Werte von Je RM. 20 000 2 Hauptgewinn© im Worte von Je RM. 15 OOO U. 5. W. U.S.W. mit mit 10 20 Uosen Losen 10 RM» RM. SdmtilchA Gewinn« werden auf Wonach mltoo Prozent ouegraohit, Lote ru haben bei den Kreisleiterinnen der Arbeiterwohlf»hrt, Verkaufsstellen der KonsumRenossenschalt, Vorwärts- Filialen. Wcrthelm, Singer« Herrn. Tiett Siegel und Ein unveröffenllichier ffirief W. Jßiebknechte. Uus den Publikationen Prof. Gustav Meyers über ixm jungen Friedrich Engels ist dessen leidenschaftliche Hingabe an die Hegelsche Geschichtsphilosophie bekannt geworden. Von Hegel übernahm Engels die Vorstellung, daß die Geschichte der Menschheit kein wüstes Gewirr sinnloser Gewalttätigkeiten, sondern ein gesetzmäßiger, in einem allmählichen Stufengang aufsteigender Prozeß vom Niederen zum Höheren sei. Die Weltentwicklung steuert nach Engels auf die Beherrschung der Natur durch die vergesellschaftete Menschheit los. Als Wilhelm Liebknecht bei dem Wiederabdruck des Engelschen „Bauernkrieges" in einer Fußnote bemerkte, daß Hegel dem großen Publikum als„Entdecker und Verherrlicher der käniglich-preußiichen Staatsidcc" bekannt sei, kanzelte Engels seinen langjährigen Kamps- genossen derart ab, daß dieser sich beschwerend an Karl Marx wandte. Der Brief Liebknechts hat diesen Wortlaut: Mittwoch. lZ. Mai 1870. Lieber Mohr! Gestern erhielt ich von Engels einen saugroben Brief, aus den ich im gleichen Stil antworten werde, mit einer mich als Schul- buben behandelnden Erklärung, die ich natürlich nicht aufnehme. Es ist wahrhaft abgeschmackt, wegen einer flüchtigen Note, wie die Aber Hegel, solchen Lärm zu schlagen. Daß Engels sie nicht ge- schrieben, weiß jeder, der Engels kennt, und niemand, der Engels kennt, traut ihm ein sacrilegc am Heiligen Hegel zu. Schon wenige werden sie überhaupt für ein sacrilexc halten. Ich habe nicht den Bildungsgang durchgemacht wie Eichels: ehe ich fertig war mit der Theorie, wurde ich in die Praxis hineinge- schleudert und führe seit 22 Jahren ununterbrochen ein richeloses, jede Muße ausschließende- Leben. Daß ich unter solchen Verhält- Nissen Hegel nicht so gründlich studiert habe wie Engels, versteht sich von selbst, ist aber auch keine Schande für mich. Und wenn ich diese Studien sogar ein bißchen verachte, so wird mir Engels meine Privatansicht lassen müssen Jedenfalls ist es unverantwortlich von ihm, wegen einer solchen Lauferei mich zu beleidigen, denn dies hat er getan. Sobald ich den Brief beantwortet, werde ich ihn Dir schicken. Seine Erklärung betreffend, werde ich sagen, daß die An- merkungen nicht von Engels sind. Das muß ihm genügen, wenn anders er nicht einen Skandal provozieren will Endlich dachte ich mit Euch im reinen zu fein, und da kommt nun dieser Brief... Auf dem Feld der Theorie lasse ich mich van Engels bescheiden, aus dem Feld der Praxis glaube ich aber etwas besser bewandert zu sein als er. Herzliche Grüße an Dich und die Deinen Dein treuer Library(Liebknecht). Meine Frau bedankt sich schön für die freundlichen Glückwünsche. Wenn ich den Kleinen taufen lasse, bekommt er auch Deinen Namen. Du verweigerst doch die Patenschaft nicht? Das wurde gleich nach der Geburt festgesetzt. Stich. Siuelfenbeck: AhsStoUhlopfermn Saloniki nach dem&iriius Als mir die Sache einfiel, dachte ich sogleich an Schreiber, meinen freundlichen Landsmann. Ich hatte ihn in der Bar des Hotels kennengelernt. Wir waren schnell ins Gespräch gekommen. Wie mir Saloniki gefiele?„O", sagte ich,„großartig... nur ein bißchen heiß..."„Hier in der Bar", sagte Schreiber,„ist nach- gewiesenermaßen der kühlste Ort in der ganzen Stadt: aber die Griechen ko-nmien dennoch selten hierher: sie sind die Hitze gewöhnt. Dafür aber um so mehr Engländer... sehen Sie, das ist ein An- gestellter von der General Mediterranean Compagnie." Schreiber machte aus seinen» Eckenkragen heraus eine freundliche Verbeugung nach einem typischen langen Englärider, der wiedergrüßte, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehinen. Nach einer Weile sagte Schreiber:„Da ist ja auch Kapitän Tilby von der ,City of Quebec'... Gute»» Tag, Ääpt'n", Schreiber stand auf und die Herren begrüßten sich. Kapitän Tilby mochte 50 Jahre alt sein: er hatte ein rotbraunes, . follcndurchfurchtes Gesicht: ein weißer Schnurrbart hing ihm über die Mundwinkel. Die beiden schüttelten sich die Hände: sie standen in der Nähe des Bartisches. Ich sah, wie Tilby meinen neuen Bekannten zun» Whisky einlud.-- Wie gesagt— Schreiber fiel mir ein, als ich mir die Kiste über- legte. Irgend etlvas mußte schließlich gehen. Schreiber hatte mir seine Anschrift gegeben: ich»»achte mich also sofort auf den Weg nach seinen Geschästsräumcn. Sie lagen, nüc ich nus meinem Notizbuch festskelltk, in dem Stadttrsl Salonikis, der sich Kälamärla nenn!.' Schreiber empfing n, ich aufs liebenswürdigste.„Aber natürlich. wird gemacht", sagte er, die Hönde reibend.„Ganz schönes Aben- teuer das... ich verstehe... ich verstehe." Er fuhr sofort mit seinen» Wagen zum Hafen, wo die„City of Quebec" seit zwei Tagen lag: sie lud mazedonssche Tabakballen. Ich wartete hinter dem Schreibtisch, ein Junge kam, brachte mir Kaffee und Zigaretten. Schreiber nahte sich mir strahlend:„Na... alles in Ordnung... Sic haben sich morgen früh um sechs mit Ihren Siebensachen an Bord eiiyusinden, wo Sie zuerst ein gewisser Bokes, ein Quartiermeister, dann der erste Offizier, ein Mr. Borden, empfangen wird. Das geht alles in Ordnung. Ich sagte:„Haben Sie auch Tilby nichts mit- geteilt?" Schreiber nahm zivei Finger zum Schwur hoch.„Nichts, nicht ein Sterbenswörtchen. Ich habe gesagt, Sie seien ein armer Teirfel, ein Deutscher, der unbedingt nach dem Piräus müsse, weil dort ein naher Verwandter gestorben sei." Schreiber war wirklich«in Prachtkerl: er teilt« mir flüsternd mit, bei ihm gäbe es das beste Bier ii» Saloniki. Er tat so, als vertraue er mir ein großes Geheimnis an: dann wollte er durch seinen Jungen «ine Kiste Stoff heraufholen lassen: ober ich drängte fort. Ich war etwas unruhig: ich mußt« mir noch genau überlegen, in ivelcher Auf- machung ich meine Rolle als Deckarbeiter auf der„City of Quebec" spiele»».wollte. Jin Hotel durchsuchte ich genau meine Koffer und entschloß mich schließlich, eine gute»veiße Hose, die ich mir früher einmal für eine Tropenreise hatte machen lassen, durch den Dreck zu ziehen. Das klingt etwas verwegen: aber ich führt« das»vörtlich nus. Ich packte die Hose unter den Arm, trat aus dem Hotel, vermied schlau die Aufmerksam- keit des ewig wachenden Schuhputzjungen und trat einige Schritte in die Hagia-Sophia-Straße. Hier zog ich mein« Hofe durch den Dreck, der dort in Haufen vorhanden war. Eine Bananenschale, wunderbar faulig, drückte ich auf meiner Hose ans und hatte dann herrliche Flecken. Dieselben Leiden mußten die Turnschuhe dulden, so lange, bis sich ihr blendendes Weiß in ein schinutziges Grau verwandelt hatte. Eine Frage beschäftigte»nich noch. Was sollte mit meinen Kofscru geschehen, die für einen Bmnmler bei weitem zu elegant waren? Ich entschloß uüch, sie nach Piräus vorzuschicken und nur ein Bündel zu behalten. Mit diesen, Bündel betrat ich am folgenden Morgen gegen S Uhr das Deck der„City of Quebec", die im Hafen von Saloniki lag, um sich ihren großen Bauch mit Tobak vollzuschlagen nird dann nach Amerika zu dampfen. Es wurde noch gearbeitet. Jch'bcobochtete, wie ein Offizier kam und mit den Stauern redete: es galt offenbar, das Tempo der Arbeit zu beschleunige»», um die rechtzeitige Abfahrt der „City of Quebec" zu sichern. Ich nahm einen breiten, sicheren Gang an und zog die Schultern etwas hoch, so daß ich wie ein erfahrener Seemann aussah. Meine Stromermütze hatte ich»nöglichst aus den Hinterkopf geschoben, um»nir ein kühnes und gleichgültiges Gesicht zu sichern. Obwohl mir das Herz ein wenig klopfie, ging ich ruhig über die Gangway, den Landungssteg, uird lies sogleich einem Mann in die Arme, der niema»rd anders als besagter Quartiermeistcr, der Hexr Bokes, sein konnte. Das Englisch, dos mir zur Verfügung stand, suchte ich durch malende Kieserbewegungen in unverfälschtes Anuri- kanisch umzuwandeln. Boles begrüßte mich mit ziemlich finsterem Gesicht, obwohl ich sogleich merkte, daß er Anweisung hatte, mich zu erwarten. Sei»»« Blicke sagten:„Aha..... so ein Drecksritze, der umsonst von Saloniki nach dem Piräus fahren will." Ich gab dem Quartiermeistcr das finstere Gesicht doppelt zurück, inndrin ich die Pfeif« gänzlich un- interessiert aus einem Mundwinkel in den anderen fallen ließ und mich nach den» Kapitän erkundigte. Darauf antwortete Boles nicht: aber er sagte, ich solle ihm folge»». Als wir beim Matrosenlogis, aitf dem Vorderdeck, angekommen waren, brummte er:„Kannst deine Lumpen hier ablegen, Junge. Fängst gleich die Arbeit an, verstehste. Brauchst nicht zu glauben, daß du hier als Passagier fährst." Ich nickte, so überlegen, wie es eben ging: dann räusperte ich mich gewaltig, spuckte über die Reeling und warf meine„Lumpen" mit der Bewegung eines Berufsboxers in die bestimmte Ecke. Ich bemerkte wohl, wie das Gesicht des Quartiermeisters sich aufklärte. Ich fahre lange genug in der Welt, »»m die primitiven Gemüter dieser Leute zu kennen. Boles dachte: „Aha... er ist zwar ein Bummler, ein Hobby, wie er im Buch steht, aber er ist ein Kerl..."„Komm her", sagte Boles nach- sichtiger.„Ich gebe dir einen Hammer in deine blutige Pranke... da kannst« mal'n bißchen Rost klopfen... verstehste. Hier, bei Luke zwei kannste anfangen. Du klopfst rund um die Spcigottei, herum. Mensch, streng dich an, sonst lassen wir dich hopps gehen, verstehste...?" Ich lachte nur. Der Hammer war sehr schwer: ich wog ihn in der 5iand, verzog aber keine Miene und ließ mich auf die Knie nieder, um die Arbeit des Rostklopfens zu beginnen. Ich hätte vorgezogen,„Farbe" zu„waschen", wie man sagt. Eine non diesen beiden Beschäftigungen konnte es ja schließlich nur sein. Rostklopfen ist ein« mühsame Tätigkeit: ich empfehle sie allen Freunden der Seefahrt: sie werden noch einiger Zeit dem Larck" rattentum einen Hymnus singen. Ueber mir wurden mit Geknatter die Tabakballen in den Rcuun gezogen. Die Männer brüstten, Glocken rasselten: das Zischen dos Dampfes aus den Winschen hörte sich an wie das Fauchen gereizter Tiere. Unterdessen stieg die Sänne höher, ich merkte es wohl. Mein Rücken begann zu glühen: mit entschlossenem Ruck streifte ich Jacke und Hemd ab.„Klopf, klopf", dachte ich,„bis du verrückt wirst." Ich hielt an und sah durch die Speigatt« aus den asphaltierten Hasenkai. Auf einmal hörte der Lärm auf: es dauerte noch eine Weile, dann klingelte der Maschinentelegraph:'•zwischen der„City of Quebec" und den Leuten, die am Hafen standen, erschien ein blauer Wasserstrcis, der sich schnell vergrößerte. Man rief uns gute Fahrtwünsche zu. Es können auch Flüche gewesen sei»»: ich verstehe zu wenig von diesen harten Lauten, um zu wissen, was sie bedeuten. Dann sagte jemand etwas neben mir: es war ein Matrose, der auch von Boles zun, Rostklopfen befohlen war. Cr fragte, woher ich käme und wohin ich wollte. Ich sagte, ich führe nach dem Piräus, weil jemand ans meiner Verwandtschaft gestorben sei. „In Ordnung", sagte er und begann seine» Hainmer zu schwingen. Wir schwammen jetzt schon eine Stunde: die Sonne stand zienüich hoch am Himmel, mein Rücken kam mir vor wie ein Sack glühenden Metalls. Mein Mitarbeiter klopfte, klopfte. Ick) klopfte auch; aber es war mir, als arbeitete der Hammer allein. Die Hitze machte mich ganz duinm: ich beschloß, mich dieser Arbeit auf irgendeine Weise zu entziehen. Einmal kam Boles und meinte, wir könnten frühstücken. Es gab Butter, Schinken und Brot und einen großen Topf Milch. Die Leute auf dem Schiff kümmerten sich nicht um mich: nur hin und wieder warf mir einer gleichgültige Blicke zu. Die Matrosen waren zum Teil tolle Gestalten: man hätte ihnen bei Dunkelheit nicht allein begegnen mögen. Sie hatten tätowierte Arme und Brüste. Rauchen im Dienst war streng verboten: aber dafür qualmte die Freivxcche, die sich auf einer Persenning herum- lüinmelte, so, daß es aussah, als hätten sich irgendwelche Urwald- menschen ein Feuer angemacht. Gegen Mittag, als ich— das Frühstück war längst vorbei— mich meiner Rostklopferei wieder hingab, erschien ein Mann mittlere» Alters, der durch drei golden« Armstreifen als erster Offizier ge- kennzeichnet war.„Wie heißen Sie?" fragte er. Ich nannte in ziemlicher Verwirrung meinen Namen.„Sie wollen also nach dem Piräus?"„Jawohl", sagte ich,„da ist jemand aus meiner Ver- wandtichaft gestorben, und da wollte ich..." Mr. Borden, der erste Offizier, lächelte höflich. „Da» Rostklopten sind Sie wohl nicht gewöhnt, was...?" Mich packte eine ungeheure Wut auf das Rostvapfen: ich sagte:„Nein, Mr. Borden." Mr. Borden, ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, lächelte noch heftiger: er lachte richtig, er meinte:„Wir haben uns das gedacht. Man braircht Sic»mr ein wenig von der Seite anzusehen, um zu wissen, daß Sie so schwere Hänrmer nicht allzuoft in der Hand gehabt haben. Ich möchte Sie bitten, an unserem Essen im Kasino teilzunehmen...." Das war das lustigste und angenehmste Essen, das ich seit langem auf Decksplanken zu mir genommen habe. Ich wurde von den Herren als gänzlich gleichberechtigt behandelt, obwohl meine Räuberkluft seltsam gegen die properen Uniformen der Offiziere abstach. Sie wollten alles aus mir herauszukriegen sicchen, was mich bewogen hatte, als Rostklopfcr von Saloniki noch dem Piräus zu fahren. Ich hielt mich an den Sterbefall, und sie waren höflich genug, nicht allzu genau nachzuforschen. Als ich mich im Piräus non meinen Wirten verabschiedete, wurde ich verschiedentlich non ihnen geknipst. Sollte einer von ihnen diese Zeilen lesen, wird ihm ein Licht aufgehen: Auf Wiedersehen, stolze„City of Quebec" Tabakballcngcruch, Rostklopferei und Kasinoesscn! IVlodssimieräE 3>erseymki: Tornehme Tertmndtfchafi In einem vornehme», Warschauer Restaurant saßen an einem Tisch drei junge Herren: Bajkiewicz, PaprcZlski und Glendzik. Sie aßen ein gutes Mittagessen, erledigten das Geschäft, dos sie zusammengeführt hatte, kramten allen Klarsch aus, tranken schwarzen Kaffee und Liköre und saßen dann da, denn keiner wollte aufstehen. Das Essen dauerte lange, und während desselben wechselten die Gäste an den Nachbartischen. Eine anmutige Blon- dine kam in Begleitui,g von zwei Herren. Glendzik durchbohrte sie mit den Blicken und wandle schnell den Kopf weg, als er dem Blick eines der Herren begegnete. „Sie ist hübsch," murmelte er schließlich halblaut. Papralski, der mit dem Rücken zum Saal saß, sah sich um, lächelte und tauschte einen Gruß mit einen» der Begleiter.der hübschen Blondine. „Wer ist das?" fragte Glendzik iiiteressiert. „Kennst du ihn nicht? Gras Herbowicz.", Als Bajtiewii:z,.,der bisher schweigsam und nachdenklich gewesen war, diese Auskunft erhielt, wurde er plötzlich lebhaft. Cr zuckte die Achseln uzjd lachte ironisch auf.« „Seit wann ist er denn Graf geworden?" „Er ist es immer gewesen." „J wo! Was sagst dg da! Vor dem Kriege hatte er keinen Groschen, war wohl Beamter bei der Polizei oder so. Weiß der Teufel, wie er zu Geld gekommen ist und sich jetzt a» die.Herda- wiczs heranschlängclt." „Ich habe gehört, er sei wirklich Graf." „Mein Lieber, dos muß ich doch wohl am besten wissen. Die Herbowiczs find nämlich sehr nahe Verwandte von mir." „Ach. so..." „Sehr nahe, mütterlicherseits." Ein leichter Nervenschock, den Bajkiewicz bekam, weil sich jemand unbcrechtigterweise einen aristokratischen Namen beilegte, half ihm ganz munter werden. Er sah auf die Uhr und stand rasch auf. „Ich muß gehen. Bleibt ihr noch hier?" „Noch ein bißchen." Als Bajkiewicz in der Garderobe verschwunden war, wandte sich Glendzik an Papralski und lächelte spöttisch. „Vielleicht ist dieser Herbowicz kein Graf. Ich weiß es nicht. Ich»vill nicht widersprechen. Aber dos eine kann ich dir versichern und beschwören, daß Bajkiewicz mit den Herbowiczs nicht verwandt ist. Das hat er alles nur gesagt, um vor uns mit somer aristo- kratischen Verwandtschaft zu prahlen. Aber da ist er an den Un- rechten gekommen, denn wir stammen aus derselben Gegend. Bajkiewiczs Vater war Apotheker in einer kleinen Stadt. Uebrigens ein sehr braver Mann. Aber mit der Aristokratie hatte er nichts zu tun. „Bajkiewicz ist ein Snob." G.'endzik zuckte ungeduldig die Achseln. „Darum handelt es sich nicht. Mich ärgert diese unser« bodcn- lose, unheilbare Dummheit. Ein großer Krieg hat die Welt er- schüttert. hat alles ins Wanken gebracht, nur die polnische Natur ist so geblieben, wie sie war. Uns impqnieren immer noch vornehme Verwandtschaften und Titel. Bajkiewicz ist ein sehr tüchtiger Mensch, ist intelligent� gebildet... Aber das genügt ihm nicht, und er muß sich an irgendwelche Herbowiczs klammern." „Du hast recht. Bei uns herrschen noch barbarische Vorurteile." Glendzik wurde immer lebhafter. „Ich z. B. habe keine Spur davon. Es gab einmal eine Zeit. wo ich in heraldischen Studien ganz aufging. Wir Gleiidziks haben ein eigenes Wappen. Und du mußt wissen, daß es einer der ältesten polnischen Wappen ist. Wenn es auf vornehme Verwandtschaft an- kommt, so bin ich mit der ganzen Aristokratie verwandt. Meine Urgroßmutter war eine Koniecpolska. Aber was hat das zu sagen! Ich bin ein moderner Mensch und kümmere mich nicht um solche Dumncheiten. Und deshalb lachen die Leute bei uns über mich und ziehen mich auf. Was für ein Krähwinkel!" „Ja, dos ist wahr. Wir sind von Westeuropa noch weit ent- sernt." „Wozu nach Westeuropa schweifen? Kannst du dir einen Tschechen vorstellen, der diesem Snobisinus huldigt?" „Ach, nein," erwidert« Papralski lebhaft.„Die Tschechen sind moderne Menschen."- „Na, aber gehen wir." „Gehen wir." Gle>»dzik und Papralski gingen noch verschiedenen Richtungen und verabschiedeten sich vor dein Restaurant. Ueber Papralskis Gesicht huschte ein unbestimmtes Lächeln. Nachdem er einige Schritte gegangen war, traf er einen guten Bekannten, Milkicwicz, und nahm ihn am Arm. „Ich werde Ihnen was Amüsantes erzählen. Und es ist charakteristisch." „Nun?" „Ich habe soeben mit Glendzik und Bajkieivicz zu Mittag gespeist. An einem Nebcntisch faß Graf Herbowicz. Er soll kein Graf sei», ober daraus kommt es nicht an. Da erzählte Bajkiewicz uns nun, er sei mit den Herbowiczs verwandt. Als Bajkiewicz gegangen war, ließ Glendzik eine ganze Predigt vom Stapel über unseren dummen Adelssnobismus. Und alles nur, damit ich erfahren sollte, daß die Glendziks eine der ältesten polnischen Famllien seien. Ich hörte nur geduldig zu. Beide sind ja vernünftige Leute. Und wertvoll« Menschen. Nun erklären S'-r mir diesen Größenwahn. Würde es mir jemals einfallen, zu behaupten, daß die Papralskis Grafen sind? Und dabei sind wir es.... Ganz unbestreitbar. Aber mein Urgroßvater war ein Patriot und wollte nicht, daß die Russen ihm seinen Titel bestätigten. Deshalb hoben wir keinen Wert darauf gelegt." lÄns dem Polnischen von IT. Wishclm Chrisliani.) B-raMworlliib Mr Politik: Btrt« Schill: JSirticheit:® ftNnqcHäfrr ©fnifrkidxjfteSfU-eqiinq:?. Sttinfr: ffiMiDt'-m;: z>r. Zotn SÄikowoki- Lokal:- Fr,»,«arftZdt: Än�eiuen: Th. Sl-ckr:-ömllich in Berlin. B-rla«: Berwärls-B-rl-a?>• m l>. s.. Berlin,»ru«: B-nwärl-.Buck-driz�l-rn und Berlazsanstolt Daul Sinarr u. C».. Berlin SB«. Lindenlirase 0. Klrrz» 3 Bcilaqr». Der Kampf um Hessen. Wie stehen die Fronten? Von Carl Mierendorff-Darmstadt. Die Hessemnahl vom 15. November steht ganz im Zeichen großer machtpolitischer Auseinandersetzungen. Bis ins �tleinste obcrhessische Dors hinaus beherrscht die Reichspolitii das Feld. Allgemein besteht das Aesühl: Diesmal handelt e<5 sich nicht bloß darum, einen neuen Landtag nach Darmstadt zu schicken. Dementsprechend haben olle Parteien von links bis rechts das schwerste Geschütz zur Eroberung des Hessen- landes ausgcboten. 13 Parteien mit nicht weniger als 3t)t) Kandidaten kämpfen um die 7» Atandate, aus denen sich verfassungsgemäß der Hessische Landtag zusammensetzt. Die W i r t s ch a f t s- partei fehlt darunter. Sie ist infolge inneren Zankes zu spät am Start erschienen und kann deshalb nicht mitkonkurrie- rcn. Die Nationalsoziali st en, die ebenfalls bis zur letzten Minute um die Mandate feilschten, laufen als Liste 13. Symbolischer konnte man kaum zum Ausdruck bringen, daß sie das Unglück des deutschen Volkes sind. Infolge eines(von . ihnen verschilldeten) Formfehlers laufen sie obendrein noch- mals als„Liste Adolf Hitler", die nicht weniger als fünf Tierärzte enthält, wohl zum Zeichen dafür, daß Hitler mit .Hessen eine Pferdekur vor hat. Unter den aussichtsreichen Kandidaten der Naziliste befindet sich ein einziger Arbeiter. Er ist der Konzessionsschulze gegenüber dem Pg. Grafen S o l in s- L a u b a ch, der ebenfalls auf der Liste steht, da er sich als Kreislciter Hitlers in Oberhessen und als„Arbeiter" für das Dritte Reich zur Sicherstellung seines 23 000 Morgen großen Familienbesitzes besonders aktiv betätigt, genau so wie zahlreiche andere hessische Standesherren. Die SAP., die wohl glaubte, die Gelegenheit zum ersten Wahlsiasko raschestens erfassen zu müssen, ist vorsichtshalber mit der kommunistischen Opposition einen Rückversicherungs- vertrag in Gestalt der Listenverbindung eingegangen. Man sagt hier, daß sie sich SAP. genannt hätte, um zum Ausdruck zu bringen, daß sie die Saboteure der Arbeiterbewegung seien. Einen Anhaltspunkt für den Stand der Fronten gibt das Ergebnis der letzten Reichstagswahl. Zur Ergänzung sei hinzugefügt, wie sich dieses Reichstagswahlergebnis auf die Mandatsverteilung im Landtag ausgewirkt hätte, wenn gleich- zeitig zum Landtag gewählt worden wäre. Mandilt»velt«i' Nc>ch»!ags- w-hl luna-uf Grund U.®«pt.l930 b.SleiHstaßemaDl. stJÄ« Stimmberechtigte... 931 700"KFeat™ �ndi-gs Abgegebene Stimmen. 717 100 Kommunisten..... 84 500 8 4 Sozialdemokratie�... 215 700 22 24 Staatspartei..... 38 800 3 5 Zentrum....... 104200 10 13 Denische Volkspartei.. 49 900 5 7 Dculjchnaiionale.... 11 900 l Landbund...... 57 500 5 9 Volksrechtspartci... 4 703— 3 Ehristlichioz.Volksdienst. 19 000 1— NSDAP....... 137 900~ i*""T"" Wirtschalispartei.... 17 000 1— Kommunistisch Opposition—— 3 Eine Anführung der Stimwziffern der letzten Landtags- wähl vom 13. November 1927 erübrigt sich. Die Verhältnisse haben sich in dieser Zeit viel zu stark verschoben. Damals konkurrierten nur acht Parteien, die Nationalsozialisten über- Haupt nicht. Der eine Mann, den sie trotzdem im letzten Land- l ag haben, der bekannte A n t i s e m i t Dr. W e r n e r- B u tz-- hoch, ist als Ueberläufer von den Deutfchnatwnalen zu ihnen gekommen. Die KPO. entstand auch durch Abspaltung der TPD. erst im Landtag. Vor allen Dingen aber war bei der Landtagswahl 1027 die Wahlbeteiligung äußerst schwach. Sic betrug nur 54,5 P r o z., was einen Tiefen- rekord in Deutschland darstellen dürfte. Die hohe Mandats- ziffer der Sozialdemokratie(24) fußte daher auf einer Stimm- Ziffer von nur 157 000. Nach dem Wahlergebnis vom 14. September hätte bei gleichzeitiger Landtagswahl das Verhältnis zwischen der Weimarer Koalition einerseits und dem Nazi-Kozi-Block ein- schließlich aller übrigen bürgerlichen Gruppen anderseits wie 35 zu 35 gestanden. Es wird niemand behaupten wollen, daß Visses Ergebnis am 15. November wieder erreicht werden könnte. Die Frage ist, wie groß die Bcrschicbimg sein wird, vie inzwischen eingetreten ist. Das Wa h l e r g e b n i s v o m 14. S e p t e m b e r war auch für die Sozialdemokratie in Hessen außerordentlich günstig. Sie hatte schon viel früher als in anderen Teilen des Reiches den Kampf gsgen die Nationalsozialisten aufgenommen. Das Ergebnis dieser Alarmierung der Masten war ein Zuwachs von fast 25 000 Stimmen, während sonst die Partei fast überall im Reiche Stimmen verlor. Andererseits haben aber auch die Nationalsozia- listen damals in Hessen besonders schlecht abzc- schnitten. Sie rechnen deshalb jetzt auf einen Riesenerfolg. Ihr Traum, daß sie 300 000 Stimmen erhalten und dann mit Hilfe von Hugcnberg eine absolute Mehrheit haben würden. dürfte jedoch auch von dem größten Pessimisten für eine Illusion gehalten werden. Sie bauen dabei darauf, daß sie ihre Organisation in Obcrhessen erst seit der Reich-tagswahl lichtig aufgebaut haben und daß Rhcinhessen übcrbaupt erst seit der Rheinlandräumung für sie offen ist. Das gleiche gilt vom Stahlhelm. In der Tat haben die Nationalsozialisten in Rhein- und Obcrhessen stark an Boden gewonnen. Die Zeche zahlt der Land b und. dem nur die alten Bauern treu bleiben werden. Jedoch hat auch der t a h l- Helm Rheiichessen und Obcrhessen inzwischen zu seiner Do- näne gemacht, was Herrn Hugenberg zugute kommen dürfte, zumal in diesen zwei Provinzen die Wahlbeteiligung 1930 teilweise beträchtlich schlechter war als in Starkenburg. Mehr als anderswo fällt die Entscheidung in Hessen i u s dem flachen Lande. Darauf bauen die National- fozialisten. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung wohnt in Gemeinden der Größcnklasie von unter 100 bt» 2000 Ein» Die Mordzentrale Mensch, stimmt det, wat der»Beobachter" schreibt? die GpO. um Arbeet nachfragen!" „Habick och schon jedacht. Leider isses Schwindel." Denn tonn' wia ja mal bei wohner, fast 55 Proz. in Gemeinden der Ärößenllasse von unter 100 bis 5000 Einwohner. An der Zahl der Stimm- berechtigten gemessen heißt das: mehr als die Hälfte der etwa 950 000 Stimmberechtigten wohnt in Ortschaften mit weniger als 3000 Stimmberechtigten. Ganz plastisch wird das Bild, wenn man nach der Zahl der Gemeinden geht. Hessen hat etwa 1000 Gemeinden. In 40 davon(den größeren und kleineren Städten) wohnt die Hälfte der Bevölkerung. Die andere Hälfte verteilt sich auf die verbleibenden 960 Gc- meinden. . Der Wahlkampf stellt als ausgesprochener Kleinkamps an die Parteiorganisation gewaltige Anforderungen. Das Schick- sal der kleinen bürgerlichen Parteien, die zum Teil ohne jeden organisatorischen Rückhalt dastehen, ist mit dem Auftreten der Nationalsozialisten besiegelt. Aber auch die S o z i a l d e m o- kratic hat keinen leichten Stand. Ist doch, ver- glichen mit Lzamburg, das an Einwohnerzahl Hessen etwa gleichkommt, der Organisationsgrad der Sozialdemokratie in Hessen viel geringer. Bon den 215 000 Wählern sind in Hessen nur 26 000 organisiert(gleich 12 Proz.), während es in Hamburg mehr als 75 000 sind(etwa 30 Proz.). Und dies hei der Verteilung bar Mitgliedschaft aus sehr viel mehr Gemeinden in dem räumlich viel weiteren Land! Die größte Unbekannte bei dieser Wahl bildet aber wie überall seit dem Auftreten der Nationalsozialisten d a s H e e r der N i ch t w ä h l e r. Wie viele von ihnen werden, von Wirtschastskrise und Demagogie in Bewegung gebracht, dies- mal an die Wahlurne kommen? Bei der Reichstagswahl 1930 betrug die Wahlbeteiligung 79,4 Proz. Sie kann diesmal leicht auf 85 oder sogar auf 90 Proz. ansteigen. Das heißt, es würden dann 60 000 b i s 120 000 Neuwähler(seit- hcrige NichtWähler und Jungwähler) an die Wahlurne gehen. Auf welche Seite werden sie sich schlagen? Ihre Z u- neigung zu den extrenren Parteien ist bekannt. Sie können das Wahlergebnis überraschend beeinflnssen. An- genommen, daß die Nationalsozialisten die Hälfte der Neu- Wähler erobern und außerdem den bürgerlichen Parteien vielleicht die Hälfte ihrer Stimmen von der letzten Reichstags- wähl abnehmen, so würden die Nationalsozialisten ähnlich wie in den anderen Ländern bei einem Ansteigen der Wahlbeteist- gung auf 85 bis 90 Proz. schon aus diesen Gründen ihre Stimmenzahl um 50 Proz. vermehren können! Der Kampf der Sozialdemokratie wäre leichter, wenn wir nicht durch das Verhalten der Kommunisten zu einem Kampf gegen zwei Fronten gezwungen wären. Die KPD. hat in Hessen genau so wenig einen Parteiapparat wie anderswo. Aber ihr Kampf gegen die Sozialdemokratie ist hsi-hchh nicht. weniger fanatisch. Die Not der Arbeitslosigkeit tritt in Hesten auch auf dem stachen Lande viel stärker in Er- scheinung. Die zalillosen kleinen Gemeinden von Rheinhessen. Starkenburg und Oberhessen sind nämlich nicht reine Baueni- bärfer, sondern auch Wohndörfer für die Bau- arbeiter, Steinarbeiter und auch Fabrik- a r b e i t e r, auf denen die Arbeitslosigkeit ganz besonders schwer lastet. Unser Kampf gegen den Faschismus ist deshalb in Hessen ein Ringen mit der KPD. um jede Arbaitcrftimmc im letzten Dorf, ein Kampf gegen Wortradikalismus und Kampfesmüdigkeit, um den Masten zu zeigen, daß Hitler der Marfd) nach Berlin bereits am Rhein und Main verlegt werden muß- Gchiedsspruch Macdonalds? Hindus und Mohammedaner können sich auf Indien- konferenz nicht einigen. Landen, 13. November.(Eigenbericht.) Die Jndicnkonfercnz ist am Freitag mit einem Mißerfolg zu Ende gegangen. Der Premierminister mußte als Vor- sitzender des Mindcrheitenausschusses feststellen, daß eine Einigung über die Frage der Beteiligung der verschiedenen Minderheiten an der Zentral- und Provinzialverwaltung nicht erreicht werden konnte und daß damit die Aufgabe der Konscrenz, nämlich in gemeinsamer Arbeit zwischen Vertretern Indiens und Englands eine f r c i h e i t- lichere Verfassung für Indien herzustellen, ungelöst bleiben müste. da die Lösung der Minderheitenfrage die absolut notwendige Voraussetzung für eine selbständige Verfassung In- diens ist. Was soll nun geschehen? Der Premierminister schlug vor, die Berichte der Unterausschüsse in wenigen Tagen einer letzten Volksbühne. Schnihler- Gedenkfeier. Franz Werfe! hält dem toten Dichter die Gedenkred«. Dann führt man den„Grünen Kakadu" auf. Man schließt mit W e d c k i n d s Einakter„Der K a m in e r s ä n g« r". Auch eine Ehrung für den Toten, dessen Witwe gerade klagt, daß sie ganz von der Mitwelt vergessen wird. M.II. Städtische Oper. „Soldaten." Zu dem berühmten im Grund« unkomponi erbaven Stück von Lenz schrieb Manfred Gurlltt eine reichlich sterile Musik, deren einzige» Verdienst darin besteht, da» Drama so ziemlich un- angetastet zu lassen. Der Erfolg der Aufführung war lediglich der in vielem ansechtbaren, aber hocksinteressonten Inszenierung zu danken, für die Ebert und Reinting verantwortlich waren. JLW, Vollsitzung der Konferenz vorzulegen und stellt für diese Ge- legenheit eine abschließende Erklärung der Regierung über ihre Jndienpoiitik in Aussicht. Nachdem es nicht gelungen ist, zu- sammon mit Indien eine Verfassung auszuarbeiten, bleibt nur die Möglichkeit, daß die britische Regierung eine solche Verfastung ein- führt, die freiheitlich genug ist, von Indien angenommen zu wer- den, und die gleichzeitig die Rechte Englands soweit wahrt, daß die Konservativen im englischen Parlament sie billigen. Eine solche Verfassung müßte natürlich einx Lösung der Minderheitenfrage ein- schließen, welche den Frieden in Indien sichert, Ist eine solche Lösung überhaupt zu finden? Bereits vor fünf Wochen hatten die Hindus und Moslems den Delegierten erklärt, daß sie zu keiner Einigung gelangen tonnten. Das kürzlich erreichte Abkommen zwischen den Moslems und kleineren Minderheiten hatte vorübergehend Hoffnungen erweckt, daß nun doch noch eine Einigung zwischen Moslems und Hindus herbeizuführen sei. Dos hat sich als unmöglich erwiesen, da das Abkommen die von der Majorität, nämlich den Hindus, auf» gestellten Grundsätze völlig ignoriert. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der indischen Delegierten tritt angesichts des völligen Scheiterns dafür ein, daß der Premierminister selbst einen Vermittlungs» Vorschlag zur Lösung der Minderheitenfrage vorlegt. Hat' die englische Regierung einen Vorschlag, der Aussicht hat, angenommen ZU werden, in Bereitschaft und will sie die Verantwortung dafür übernehmen? Macdonald scheint zu zögern. Es ist verständlid,. denn er hat nicht nur mit den indischen Nationalisten zu rechnen. die den Minderheiten kein Recht auf Indien zubillige, sondern auch mit den Nationalisten im eigenen Land, die Indien keine Freiheit gönnen. Volksbegehren in Sachsen. Di« Kommunistische Partei hat mehr als 1 000 Unterschri ften von Stimmberechtigten für ihren Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrensüberdie Auflösung des Landtags beigebracht. Damit hat sie die gesetzliche Voraussetzung zur Zulassung eines Volksbegehrens erfüllt. Das Gesaintnünisterium hat deshalb die Zulassung des Volks- begehrens beschlossen und die Cintrogungssrist mif die Zeit vom 2. bis 15. Dezember 1931 festgesetzt. ChinakonfNN und Auswärtiger Ausschuß. Di« kommunistische Reichstagssraktion hat in einem Schreiben an den Reichstagspräsi- deuten Löb« die Einberufung des Auswärtigen Aus- s chu ss es beantragt. Sic verlangt eine Stellungnahme der Reichsregieruna zum japanisch-chinesischen Krieg und zur Haltung de, Döllertod» in diesem Konflikt. � Tkedlev, Lickispiclc usw. j Sfaafs Tlteafer Sonuabcjad, dco 14. NoTcrobcr Staatsoper unter Pen Linden -.......29- L'hr.- Boheme Stutlidiauspidliaus Geodamtninarirl. 20 Uhr Wailensteins Lager/ Die Plccolomloi Schiller-Theater Charlotlnhurj. 20 Uhr Reichshallen-Theater Ibnils 6 Uhr, Scnnlag nadirailtsg 3'/, Diu Stettiner Sänger Oii neue Burleske Der arme Kasemir" Kidimitiags hallit Preis«, volles Programm I infernallonales Thealer iKIeines Theater) Unter den I Inden 04. THsrltoh S'i I hr Castspi«! Der Spialgemtiosdiaft Berlloer Sdiaospitlsr Scheidung von Siegfried — Regie: Heini: Slroux PLAZA Slädf.Oper Charlottenburg ßismarckstraße 34 Sonnabend, 14. Nv. Turnus IV Anfang in.JO Uhr I»ic Afrikanerin. Ende gegen.'3 Ulir Volksbühne Theater an DDIovplatz 8 Uhr Der grüne HakaAu Der KammersfineBr Staat!. Schiller-Theater 8 Uhr Die Herde südii Beaisöios Idealer 8 Uhr Gesdiiditen?üs üem Wiener Wald von Oedön Hotvath Segle: Heior Vilpert Die Komödie SV- Uhr Jemand Von Frau Molnar Segle: Guslal GiDodgeos. mit AIP. Bässermann Kuriarstendamm- Theater Bismarck 44S/4Ii SV't Uhr OieHelligeaDsDSA. von Ilse Langner Reg. Ludwig Berger Musik Emst Toch TiWrellt: AgncsSlraub Tifll. 5 u. 8— Sonntags 2. 5 u. Iis u, Morgen letrterTag! ..OER SOLDAT OER MARIE" Hontag, 16. X I. Premiere: DAS DREIMÄDERLHAUS »■.Uhr CAS1 NO-THEATER»•/. uh. Lothringer Strab«?7. ii iiiii im kmiiLi tfii itliiTi'M i|iii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiniiiiiiiiitii iiiii Nur nodt wenige AnlfOhrongen mecKer- Fritze VolkssiDck mit Direktor Hnn» Kcrg dam das honte Novcmbcr-Progr. Gutschein 1-4 Personen. Parken nur SO Pf. Eautcuil I.— Mark. Sessel ILO Mark Tigl. S u. Ii/- Uhr Europ, Vebut: Welter OIRE WAHL „Die Onqmalc ailtr tirestrik«" 4 Urbanis Tha6Marvels Chartons n.u. MarlsDenu ii4«elter«»ftrjlrt. Rose- Theater GreBe Frankfurter SlraBe 132 Tri. WelAwl E 7 3422 6 und 9 Uhr Frühling im Wiener Wald Theater am Nollendorfplat) Vorlehte taislellungl 8'/- Uhr Max Adalbert in: Der beschleunigte Personenzug metropoiitieater Täglich 8Vi Uhr Sonntags 5 und 8>/< Die Blume von Hawai Operettev.Abraham Preise«od 50 Pf. en Sonntag'43 Uhr Fledermaus Heule, Sonnabend, nachm 3 Uhr: Große Kinder- Vorstellung mü amcrwÄhlicm Variete, and MlmprogramnL. SL0 u. 8.15 Uhr Da* gr. Abendprogramm mit Maria Ney» Ulli Flohr und weitere» Attraktionen im Bfibnenteil.— Im FUmtcil; INGAGI der groBe Sensatioos-Tonnim W'n*«r ■ Garten- 8.15 Diu Flore ZM SeudieD edeuht 4 Queens. Gasion Palmcr 2 Olveras. 2 Hochneys O.» W. Sonnabend und Sonnttg ji 2 Vorstellungen 4 Uhr u. 8.1S Uhr. I Uhr kleine Pr, Wählen SieS den kürzesten Weg UORiHersteilenllrehtzuinllerliraucher Wir verkaufen; Herren-Stoffhosen....... von 1.90an Herren-Manchesterhosen„ 3.75„ Herren-Anzüge............. 18.50.. 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