BERLIN Mittag 16. November 1931 10 Pf. )lr. 538 B 269 48. Jahrgang ErscheiuttSqlich außerSonntags. Zugleich saenbauigoie bei.Borwirt»'. Bezugtprei« für beide«»«g-bcii N Vf. pr» Wdche, 8,60 211. pro Mona! Cdaron 95 Vf. monatlich für Zustellung in« Hau«) im norau« lOWfcat. D 0 st b c i u g«,32 3R. einschließlich 60 Vf. Vostjeitungs- uud 72 Pf. Postbestellgebiidren. SftcUauigajße deh Unzeigeilvreis: Tke eins pattige Nonparekllejeile«0 Vf., Rettamezeile 5M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Borwärts-V erlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 ö3ß.- Der Verlag behätt sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 2 Fernsprecher: Dönhoff 7) 292—297 Die Landtagswahlen in Hoffen Nazi stärkste Partei— keine Regierungsmehrheit! D a r m st a d t, lö. November. lEigenbericht.) Das Ergebnis der hessischen Landlagswahlen ist das folgende. Es erhielten Stimmen: Rcichsiogswahl 1930 Sozialdemokraten.... lSS2S9 215747 Zentrum....... 112 440 104 246 KPD......... 106 775 84 518 Kommunistische Opposition. 14 954 Deutsche Dolkspartei... 18Z25 49 929 Deutsche Staatspartei... 10 793- Radikal-Demokraten.-- 4 617 38 829 Ehrifilich-Soz. volksdieast. 16 712 19 086 Volksrecht....... 1 789 4 702 hessisches Landvolk.... 20 766 57 575 Deutschnationale..... 10 857 11 902 Sozialistische Arb. Partei.. 8 l70- Rationoisozialisten.... 291 189 137 931 Die Mandate im neuen Landtag verteilen sich wie folgt: SPD. 15. Zentrum 10, Kommunisten 10, Kommunistische Parteiopposition 1. Deutsche Volkspartei 1. Deutsche Staats- partei 1. Christlich-Soziater Volksdienst 1. hessisches Land- volk 2. Deutschnationole 1, Sozialistische Arbeiterpartei 1. Rationalsoziolislen 27. * Die hessischen Wahlen beanspruchen deshalb größere Aufmerksamkeit als die vorhergegangenen Teilwahlen, weil die Wählerschaft des Landes Hessen in ihrer Verteilung der Par- tcien ein getreueres Bild der Wählerschaft des Reiches gibt, als Hamburg und Mecklenburg. In Hessen hat das Zentrum eine starke Stellung. Es wurde bei diesen Wahlen zum erstenmal die Probe gemacht, wie das Zentrum in der gegenwärtigen Situation abschneidet. Das Ergebnis hat im wesentlichen das Bild bestätigt, das die letzten Wahlen geboten hoben: Verluste der Sozial- demotratie, Gewinne von Kommunisten und Nationalsozia- listen, Zerreibung der bürgerlichen Parteien. Auch bei dieser Wahl ist der Einbruch der Nationalsozialisten in die marxistische Front nicht gelungen. Die Verluste der Sozialdemokratie, die etwa 20 Proz. betragen, sind ziemlich genau aufgewogen durch die Stimmengewinne der Kommunisten und der Stimmen, die auf die Splitter Kom- munistische Opposition und SAP. fallen. Diese Splitter- gruppen, denen eine selbständige Bedeutung nicht zukommt, schwächen lediglich die großen Parteien. Die Sinnlosigkeit der Spalterei tritt ganz besonders kraß zutage angesichts der Sammlung des Bürgertums hinter den hakenkreuzsahnen. Das Zentrum hat sich behauptet. Es hat seine Stimmen ziemlich genau im Verhältnis zur Steigerung der Wahlbeteiligung erhöht. Auch hier ist den National- sozialisten ein Einbruch nicht gelungen, obgleich auch gegen das Zentrum eine überaus heftige Agitation geführt wurde. Um so größer ist der Einbruch in die übrigen bürg er- l i ch e n P a r t e i e n. Die Volkspartei hat gegenüber den Reichstagswahlen zwei Drittel ihrer Stimmen verloren, was besonders schmerzlich für Herrn D i n g e l d e y ist. Ebenso verlieren Staatspartei und Radikaldemokraten, ebenso das hessische Landvolk, dem 37 000 Wähler von 57 000 glatt zu den Nazis übergelaufen sind. Die Deutschnationalen ver- lieren rund 10 Proz. Sie erleben eine Enttäuschung ihrer Hoffnungen. Sie hatten geglaubt, mit Hilfe des Stahlhelms namentlich in Rheinhessen einen großen Teil der Naziwähler für sich zu gewinnen. Das ist nicht gelungen. Sie haben abermals weitere Stimmen an die Nazis abgegeben: 291 000 Nazistunmen gegen 10 000 Hugenberg-Stimmen. Hitler 30mal stärker als hugenberg. Das ist eine bittere Pille. Die Nazis haben ihre Stimmenzahl um über 100 Proz. gesteigert. Sie haben die Landbevölkerung, namentlich die Kleinbauern, für sich eingefangcn und fast den gesamten Mittelstand. Fast gänzlich aufgesogen wurden von ihnen fol- Geseßeshüter „Achtung, da kommt ein Verdächtiger. Wir wollen ihn durchsuchen, ob— e r Waffen bei sich hat!" gende Parteien: die Deutschnationale Partei, die Deutsche Volkspartei, die hessische Landvolk- partei, die Volksrechtpartei und die Staats- partei. Alle diese Parteien bildeten bisher das Sammel- lager des bürgerlichen Kapitalismus, der kapitalistisch einge- stellten und kapitalistisch interessierten Gruppen. Die Deutsche V o l k s p a r t e i hat zum Beispiel von rund 50 000 Wählern bei der letzten Reichstagswahl 32 000, das heißt über zwei Drittel, an die Nazis abgegeben. Glaubt irgend jemand, daß diese bisherigen Wähler dieser Partei des reinen Jndustriekapitalismus plötzlich zu So- zia listen geworden feien? Die hessische Landvolkpartei, eine im deutsch- nationalen Fahrwasser segelnde Agrarpartei, war Vertreterin des typisch bäuerlichen Individualismus, des Eigentums- Prinzips in seiner krassesten Form. Von ihren 57 500 Wählern sind 37 000 zu den Nazis übergegangen. Sozia- listen? I— Die verhugenbergten Deutsch nationalen haben nur deswegen an die Nazis jetzt nur noch wenig ob- gegeben, weil das Gros ihrer Wähler schon vorher zur hessischen Landvoltpartei übergegangen war und über diese zu den Nazis gekommen ist. Ebenso wird niemand glauben, daß die bisherigen Wähler der„Volksrechtpartei", die bekanntlich die Auf- wertung der Inflationsverluste erstrebt und das Sammel- decken der ehemals wohlhabenden Rentner bildet, die sich nach Wohlstand zurücksehnen— daß diese etwa über Nacht Sozialisten geworden seien! Trotzdem sind von den 4700 Wählern dieser Gruppe 3200, also über zwei Drittel, zu den Nazis gewandert. Bon 39 000 Wählern der Staatspartei sind— selbst wenn man die Stimmen der Radikaldemokraten zu- rechnet— nur 15 000 übrig geblieben, also rund drei Achtel. Die übrigen fünf Achtel haben für die Nationalsozialisten ge- stimmt. Auch in Hessen wie sonst überall vollzieht sich die anti» sozialistische bürgerliche Sammlung unter der täu- schenden Firma der„Nationalsozialistischen Arbeiterpartei". Und auch dort ist die Frage akut geworden, ob das Zentrum diese bürgerliche Sammlung unter faschistischer Fülsnmg mitmachen will oder nicht. Nach der hessischen Per- fassung wird der Staatspräsident vom Landtag gewählt, er muß die absolute Mehrheit für sich haben. Werden nun die Nazis einen Zentrumsmann, wird das Zentrum einen Nazi zum Staatspräsidenten wählen? Oder kommt es wie in Sachsen und in Hamburg, wo die Zersplitterung der Parteien die Bildung einer neuen Regierung unmöglich macht? Die Mehrheit hat auch bei den gestrigen Krisen- und Verzweiflungswahlen die Harzburger Front nicht erreicht. Sie hat weder in Hessen, noch sonstwo die Aussicht, für sich allein die Mehrheit zu gewinnen, und sie wird wieder zer- fallen, ohne die Macht erobert zu haben, wenn die Kräfte des Widerstandes gegen sie stark bleiben. Kern dieses Wider- standes aber kann nur die Sozialdemokratie sein. Um sie müssen sich alle scharen, die nicht wollen, daß Deutsch- land faschistisch wird. Einzelergebnisse aus den Städten. Bingen: Soz. 971(1237), Zentrum 379<5(3656), Komm 467 (514), Komm. Opposition 59.(0), Volkspartei 278(633), Staatspartei 1.79(486), Christl.-Soz. 113(118), Landvolk 61(193), Dnat. 114(110), Nationalsoz. 1497(692). Darmsladt: S oz. 12465(15536), Zentrum 3344(3532), Komm. 6579(3987), Komm Opposition 236, Volkspartei 2789(9089), Stoatspartoi 935(3602), Rad.-Dcm. 849(0), Christl.-Sog. 1607 (1681), Dnat. 1377(1405), Soz. Arb.-Partei 366(0), National- soz. 25 832(13 141). Gießen: Soz. 4240(5040), Zentrum 988(925), Komm. 1879 (1730), Volkspartei 1038(2637), Staatspartei 524(1:500), Christi.- Soz 534(634), Dnat. 924(840), Soz. Arb.-Partei 161(0), National- soz. 9016(3714). Worms: Soz. 4895(5741), Zentrum 3217(3059), Komm. 6312 (5254), Volkspartei 2195(5253), Staatspartei 452(1597), Rad.-Dcm. 201(0). Christi.. Soz. 931(1114), Dnat. 552(770), Soz. Arb.-Partei 218(0). Nationotsoz. 10 580(5498). Osfenbach: Soz. 10163(15 740), Zentrum 5396(5392), Komm. 7043(10658), Komm. Opposition 9008(0), Deutsche Volkspartei 1235 (4099), Staatspartci 1038(2203), Rad.-Dcm. 176(0), Christi.-Soz. 928(0),Nationalsoz. 11 992(3790). Mainz: Soz. 18 040(25 400), Zentrum 18 516(15 714), Komm. 14 300(9278), Volkspartei 1709(3909), Staatspartei 1974 (8407), Rad.-Dcm. 271, Christl.-Soz. 2336(2337), Landvolk 363 (833), Dnat. 1567(1302), Soz. Arb.-Partei 1733(0), Rationaisoz. 24 001(12 011).__ Volksentscheid gescheitert. Antrag auf Auflösung des braunschweigischen Landtages abgelehnt. Braunschweig. 16. November. Am Sonntag sand in Braunschweig der kommunistische Volksentscheid auf Auslösung des Landtags statt. Nach dem auf die Landtagsauflösung gerichteten Volksbegehren der Kommunistischen Partei, das von dieser am 28. Juni d. I. erfolg- reich durchgeführt wurde, hatte das braunschweigische Ministerium erklärt, daß kein Anlaß zur Auflösung des Landesparlaments bestehe. Es kom daher zum Volksentscheid, der nun durchgeführt wurde. Bei einer Zahl von 352 724 Stimmberechtigten wurden abgegeben: 36 079 Ja-Stimmen 2 071 Nein-Stimmen 505 ungültige Stimmen zusammen: 38 655 Stimmen. Bon den Ja-Stimmen entfielen unter anderem auf Braun- schweig-Stadt 16 788, aus Wolfenbüttel 1425, auf Schöningen 1464 und auf Blankenburg 1006 Stimmen. Der Volksentscheid ist also negativ ausgefallen. Reichsbahn und Nazis. Eine Sensation, die dementiert wird. Ein Berliner Montagsblatt bringt heute unter der Ueberschrift: „Reichsbahngeldcr für Hitler" die Meldung, daß seit den Reichstagswahlen im September 1930 erhebliche Geldsummen von der Reichsbahnleitung an die Nationalsozialisten gezahlt worden sei«». Auch seien die SA.-Leute zu besonders ermäßigtem Preise seinerzeit zu den Tagungen nach Harzburg und Braunschweig von dar Reichsbahn befördert worden. Demgegenüber wird von amtlicher Stelle erNärt, daß diese ganze Meldung von Anfang bis Ende erfunden ist und jeder tatsächlichen Begründung entbehrt. Die Reichsbahn habe niemals Gelder für die Nationalsozialisten gegeben. Soweit diese in Sonderzügen nach Harzburg und Braunschweig befördert worden seien, hätten sie die gleichen Sondertarife gezahlt, die auch für andere Organisationen von der äußersten Rechten bis zu den Kommunisten vorgesehen seien. E>A.-Mißg«schick. Trotz der„Wache" wird gestohlen. Darmstadt, 16. November.(Eigenbericht.) Am Sonnabendabend sprach in Darmstadt ein schwedischer N a t i o n a l s o z i a l i st. Er hatte sein Auto mit seinem Koffer im hinteren Hofe des Darmstädter Braunen Hauses unter strenger Bewachung durch SA abgestellt. Der Koffer wurde ihm trotz der strengen Bewachung in der Nacht g e st o h I e n. Er wurde am Sonntag im Vorgarten einer Darmstädtcr Villc wieder aufgefunden, aber leer. Die Schlägerei von Neumünster. Zwei Kommunisten in Hast. Neumünster. 1k. November.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit dem Totschlag eines Nationalsozialisten hat die Polizei weitere Verhaftungen vorgenommen und so weit Geständnisse erzielt, daß die Täterschaft des Kommunisten Weißig als sicherstehend angenommen wird Ein anderer Kom- munist. der sich in Haft befindet, hat einen Eßlöffel ver- schluckt, um aus der Haft herauszukommen. Komplott in Spanien. Offiziere- Geistliche- Adlige. Madrid, 16. November. In den jüngsten 24 Stunden sind bisher 18 Verhaftungen vor- genommen worden. Die Beschuldigung geht auf ein m o n a r ch i- slisches Komplott gegen die Republik. Die Blätter melden, die Verschwörer hätten IVO 000 Peseten gesammelt, um damit Waffen und Munition zu kaufen. Unter den Verhafteten sind«in Kommandant, ein Mönch, zwei Kapitäne, ein Geistlicher, ein Jesuitenpater, ein Rechtsanwalt, fünf Studenten und drei Aristokraten. Die Polizei hatte Wind von einer Versammlung in einer Kirche bekommen. Sie fand auch wirklich zahlreiche Männer dort versammelt, die angaben, sie bewachten die Kirche gegen einen möglichen Angriff des Pöbels. Die Polizei gab sich aber mit dieser Erklärung nicht zufrieden und oerhaftet« die Männer. Sie machte sich dann an«ine genaue Durch- suchung der Kirche nach Waffen und Munition. Neue Ver- Haftungen sollen auch in der Provinz, vor ollem im Basken- lande bevorstehen. Kriedensruf der Frontkämpfer. Internationale Kundgebung in ZieltuS. Paris, 16. November. Di« in Reims weilenden Delegierten der Stuttgarter Vereinigung ehemaliger Frontkämpfer legten am Gefallenen-Denk- mal von Reims Blumenspenden nieder. Darauf wurden sie von dem Frontkämpferoerband von Reims im Rathaus empfangen, wor«, auch Delegierte der amerikanischen Legion, der Vize- Präsident der ö st« r r e i ch i s ch e n Kriegsverletztenvereinigung, d«r Vorsitzende der Vereinigung deutscher Kriegsoer'etzter, Pfand- ner, der Vorsitzende des italienischen Frontkämpferverbandes in Frankreich, Vertreter der britischen Frontkämpfer, des Reichsbanners und andere teilnahmen. In einer Ansprache erklärte der Führer der württembergischen Frontkämpfer, Katz» meier, daß die Tagung ein großes Ereignis für die künftigen Gensrationen darstelle. Die Friedenslieb« erfordere nicht nur Worte, sondern auch Handlungen. Bei einer anschließenden Kundgebung wurde folgende Eni- schließung angenommen:„Die ehema igen Frontkämpfer und Kriegs- opfer, die aus zahlreichen Ländern(Deutschland, England, Oester- reich, Vereinigte Staaten von Amerika, Italien, Portugal, Frank- reich) gekommen sind, stellen fest, daß ihre Anwesenheit d'e Hetzkampagne, die die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausbeuten möchte, um die Völker gegeneinander zu Hetzen, widerlegt und bekräftigen auf den kaum wiederhergestellten Ruinen des letzten Krieges ihren Willen nach internationaler Versöhnung und einem organisierten Frieden, der jedem Volk Sicher- heit, Gerechtigkeit und Solidarität gewährleistet." Außerdem wurde ein« Adresse an B r i a n d gesandt, in der erklärt wird, daß die ehemaligen Frontkämpfer und Kriegsopfer, die Verbänden mit mehr als acht Millionen Mitgliedern aus zwölf Notionen angehören, dem Völkerbundsrat ihre Anhänglich- kcit zum Ausdruck bringen und ihn auffordern, der durch den chinesisch-jopamschen Konflikt geschaffenen Drohung schleunigst ein Ende zu bereiten. China und Japan werden in der geeichen Kundgebung ermahnt, auf Grund des Kriegsächtungspaktes ihre Streitigkeiten friedlich zu schlichten. Die probe des Völkerbundes. Als Vorspiel zu der heute in Paris beginnenden Ratssitzung nimmt die französische Nationalistenpresse bezeichnenderweise die Partei Japans. Der Sozialistenführer L ä o n Blum dagegen kriti- siert im„Populaire" den Völkerbundsrat, dem es an Mut und Weitblick gefehlt habe. Blum erklärt, der Rat habe jetzt die Ehre und das Bestehen des Völkerbundes in seiner Hand. Wenn der Rat infolge der Regel der E i n st i m m i g k e i t bisher nicht» erreicht habe, so müsse er jetzt entschlossen mit dieser Regel brechen. Der russische Außenminister L i t w i n o w hat dem japanischen Botschafter gegenüber die Nachrichten über russische Hilfeleistung an die chinesischen Truppen als zweckbewußte Verleumdungen der Sowjetunion bezeichnet und weiter erklärt, eine Besetzung Tsitsikars durch japanisches Militär wäre eine Schädigung russischer Interessen, die mit gegenteiligen Versicherungen Japans bei Beginn seines Feldzuges in Widerspruch stände. Die Nonnibrücke ist wieder in japanischem Besitz. 500 Leben sollen dafür geopfert worden sein! Sozialistische Arbeit Oer Grazer Parteitag.- Arbeitszeitverkürzung in der Tschechoslowakei Der Parteitag in Graz ist zu Ende. Begonnen hat er am Staatsfeiertag des 12. November, als in allen Städten der Republik die Arbeitermassen aufmarschierten: in Graz sprachen zu ihnen Otto Bauer und Friedrich Stampfer, der die reichsdeutsche Sozial- demokratie vertrat. Die Eröffnungssitzung brachte zunächst nach den Begrüßungsansprachen die anfeuernde Rede des Partcivorsitzenden S e i tz. Dann hob Stampfer die große Bedeutung der Nieder- schlagung des steierischen Heimwehrputsches für ganz Deutschland her- vor, worauf der internationale Sekretär Friedrich Adler den An- geklagten im Brester Prozeß als Repräsentanten aller Opfer arbeiterfeindlicher Diktaturen Grüße der Sosidarität entbot. Ueber den Bericht des Parteivorstandes, den Julius Deutsch erstattete, sowie über das große Referat Otto Bauers ist bereits kurz berichtet worden. Ergänzend ist noch mitzuteilen, daß Bauer nicht nur allgemein den Staats- an Stelle des Privatkapitalismus als nächste Folgerung aus dem kapitalistischen Zusammenbruch for- derte, sondern ganz besonders verlangte, daß die oerkrachten Groß- danken dauernd unter die Herrschaft des demokratischen Staats gestellt werden, der sie sanieren mußte. Neben den gleichen Forde- rungen, die die Sozialisten aller Länder zur Milderung und Ueber- Windung der Krise vertreten, hatte sich Bauer auch mit den Lehren des Heimwehrputsches zu befassen. Hier sagte er unter dem stärksten Beifall, wenn in künstigen Putschfällen die Arbeiterschaft der ver- bindung mit ihren Zentralen beraubt sein sollte, dann komme es bei aller sonstigen Disziplin doch auch aus kühne Initiative an. die sich etwa auch der Schwerindustrie und des Großgrundbesitzes bemächtige und so den Putschisten ihre Sämpser entziehe und die Macht des Sozialismus vergrößere. Eindringlich warnte Bauer unter wiederholter Zitierung Lenins vor dem Irrglauben, es in der konsolidierten Staatsgewalt von heute so machen zu können, wie die Bolschewiki es 1317 in Rußland, dessen Volk bewaffnet war, dessen Armee durch gewaltige Niederlagen zcr- mürbt, von Sehnsucht nach Frieden und Land erfüllt. In der einstimmig angenommenen Entschließung des Partei- tags heißt es: In Oesterreich wird die Wirtschaftskrise verschärft durch das bürgerliche Regierungssystem, das der Wirtschaftskrise tatenlos gegenübersteht. Der Parteitag fordert im Namen der Opfer der Krise die ungeschmälerte Aufrechterhaltung der Arbeitslosen- Unterstützung und der Notstnndsaushilfe,' die Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden wöchentlich, gesetzliche Beschränkung des Doppeloerdienertums und obligatorischen Arbeitsnachweis. Der Parteitag erklärt, daß die Wirtschaftskrise nicht anders überwunden werden kann als durch den Uebergang vom Privatkapitalismus zum Staatskapitalismus. Der Faschismus ist nichts anderes als der versuch der Kapitalisten und Aristokraten, den Groll der durch die Krise des Kopitalismus verelendeten Massen vom Kapitalismus aus die Demokratie abzulenken, um mit der Demokratie die Bewegung, die Organisatioas- und Kampsessreiheit der Arbeiterklasse gewaltsam zu vernichten und dadurch die wankende kapitalistische Gesellschaftsordnung zu retten. Der Parteitag fordert die Arbeiterklasse auf, mit der Demokratie ihre eigene Bewegung, Organisations- und Kampsessreiheit mit allen ihren Kampfmitteln zu verteidigen, damit, sobald im Gefolge der Weltwirtschaftskrise die Stunde der Entscheidung schlagen wird, auch die österreichische Arbeiterklasse sie ausnützen kann zur Ueberwindung der bürgerlichen Klassenherrschaft im Staat und der kapitalistischen Herrschast über die Volkswirtschaft. Vom Sozialminister in Prag. Der Minister für soziale Fürsorge Dr. E z e ch führte im Budget- ausschuß des Abgeordnetenhauses aus, daß die heutige Wirtschafts- krise einen festen Wirtschaftsplan notwendig mache. Das Minisie- rium beabsichtige, eine Arbeitszeitverkürzung durch Einführung der 4Y-Stunden-Woche planmäßig herbeizufichren, damit die Maßregel nach allen Richtungen dem Wirtschaftsorganismus angepaßt werden könne. Alle Behauptungen über eine angebliche Bereitwilligkeit des Sozialministeriums, bei der Verkürzung der Arbeitszeit in eine Lohnherabsetzung einzuwilligen, seien schon durch den Inhalt der Vorlage widerlegt. Gegenwärtig seien die Kredite für die produktive Arbeitslosenfürsorge erschöpft, die Regierung habe jedoch Verhandlungen über neue Kredite eingeleitet. Das Ministerium bereite einen Gesetzentwurf über einen außerordentlichen staatlichen Notfonds vor, der auf der Zahlung von Beiträgen der D i e n st g e b e r und aus dem Ertrag bestimmter Zweckgebühren ausgebaut werden soll. Großfeuer in Stralau. 60 Boote verbrannt.— Tanzjaal eingeäschert. Durch ein Großfeuer wurde in der Nachk zum Sonnkag ein großer Tanzsaal des Restaurants Schwanenberg, der im Winter als Bootsunterstand dient, völlig eingeäschert. Etwa 2 4 Segelboote und 6 Motorboote wurden veruichtet. Gegen 3 Uhr wurde von Passanten im Saal starker Feuerschein bemerkt. Kurz darauf schlugen aus den großen Saalfenstern meter- hohe Flammen hervor. Die Feuerwehr rückte aus Großfeueralarm mit vier Löschzügen an die Brandstelle. Von dem brennenden Gebäude und den darin untergebrachten Booten konnte jedoch trotz aller Anstrengungen der Wehren nichts mehr gerettet werden. Das 25 bis 30 Meter lange Haus brannte bis auf die Grund- mauern nieder. Die Löschmannschaften mußten sich schließlich darauf beschränken, die durch Funkenflug gefährdeten angrenzenden Gebäude zu schützen. Nach mehrstündiger angestrengter Arbeit konnten die Flammen endlich erstickt werden. Die Entstehungsursachc des Schodenfeuers könnte noch nicht geklärt werden. Abenteuer mit Einbrechern. Eine Angestellte überrascht und geknebelt. Eine Diebeskolonue drang am Sounlagobend in das Geschäft von Waller Müller in der Schloßstraße SS ein. Sie überraschten die 2S Zahre alte Angestellte Toni Z o o a s. die in einem Zimmer neben dem Lager schläft. Als die Einbrecher sich entdeckt sahen, knebelten sie das Mädchen. Sie flüchteten dann, ohne irgend etwas mit- zunehmen. Um Mitternacht wurde das Ueberfallkommando Steglitz nach der Schloßstraße 96 gerufen. Im ersten Stock des Hauses liegt das Pelzgeschäft von Müller. Rechts neben den Lagerräumen liegt ein kleines Zimmer der Angestellten Jonas Die Beamten fanden das Mädchen mit einem Knebel im Münde halb ohnmächtig auf der Erde liegen. Als die Ueberfallene wieder zu sich gekommen war, gab sie folgende Schilderung: Durch Geräusche im Lager sei sie munter geworden. Sie hätte drei Männer beobachtet, die dabei waren, die Mäntel einzupacken. Durch den Fernsprecher habe sie das Ueberfallkommando herbeigerufen. Die Einbrecher hätten aber ihre Stimme gehört und wollten in ihr Zimmer eindringen, das sie abgeschlossen hatte. Die Diebe schlugen das obere Türfenster ein und drohten sie niederzuschießen, wenn sie nicht sofort öffne. In ihrer Angst gehorchte sie. Jetzt seien drei Männer eingedrungen, hätten sie niedergeschlagen und ihr ein gehäckeltes Deckchen als Knebel in den Mund gesteckt. Dann durchschnitten sie noch die Telephonleitung und flüchteten, ehe die Beamten vom Ueberfallkommando eintreffen konnten. Das Haustor müssen die Diebe hinter fich verschlossen haben. Das Schloß am Lagerraum zeigt keine Beschädigungen. Auf dem gleichen Flur befindet sich die Prioatwohnung eines Klavierbauers. Er glaubte zu der an- gegebenen Zeit undeutliche Rufe gehört zu haben, war sich aber nicht sicher, woher die Rufe kamen und kümmerte sich deshalb nicht darum. Da sie von ihrem Erlebnis stark mitgenommen war, wurde sie von den Beamten in das Krankenhaus in der Pfalzburger Straße gebracht. Die Beamten des Raubdezernats sind zur Untersuchung entsandt worden. Autoraserei im Suff. Zwei Frauen lebensgefährlich verletzt. ZnderGroßenFrankfurter Straße Ecke M e m e l e r Straße spielte sich in der letzten Nacht eine Schreckensszene ab. Eine Autodroschke raste aus den Lürgersteig und überfuhr zwei Passontinnen. Mit lebensgefährlichen Verletzungen mußten die verunglückten ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Das Unglück ist durch einen Betrunkenen verursacht worden, der dem Chaufseur mit dem Auto davon- gefahren war. Es handelt sich um einen 25 Jahre alten Schlächter Sch. aus Neukölln. Sch. hatte die Taxe in der Friedrich- straße angehalten und den Chauffeur aufgefordert, ihn nach der Insterburger Straße zu fahren. An der Kreuzung Tilsiter und Große Frankfurter Straße hielt der Chauffeur und verließ auf einen Augenblick den Führersitz, um sich nach dem weiteren Weg zu er- kundigen. Diese Gelegenheit benutzte Sch., um sich auf den Führer- ! sitz zu schwingen, den Gang einzuschalten und in rasendem I Tempo davonzufahren. Einige hundert Meter weiter ver- lor der Betrunkene die Gewalt über den Wagen und suhr auf den Bürgersteig. Zwei Frauen, die gerade die Unfallstelle passierien. wurden vom Auto erfaßt und überfahren. Die Verunglückten ei.- 23jährige Hausgehilfin Else Schröder aus der Matternstraße!') ! und die 23 Jahre alte Arbeiterin Lücie Rautenberg aus d.r Eckertstraße 16, wurden durch die Feuerwehr ins Krankenhaus: � schafft. Der Unheilstifter, der nur mit Mühe vor den empö.len Passanten geschützt werden konnte, wurde festgenommen. Polizei studiert den Verkehr. Vor der Entscheidung über die Verkehrseinfchränkungen. Die Eulscheidung des Polizeipräsidium» al» der Aufsichtsbehörde über die vou der BVG. geplanten Verkehrs- eiuschränkungen ist für Mittwoch oder Douuerslag zu er- warten. Die Verkehrsbeamlea der Polizei sind noch immer an der Arbeit, um durch genaue Kontrollen festzustellen, wie sich der Verkehr in den betreffenden Stadtteilen und Slrahenzügeu augenblicklich abwickelt. Der Polizeipräsident will sich in seiner Entscheidung nicht nur auf die Berichte seiner Verkehrsdezernenten, sondern auch auf eigene Beobachtung stützen, und er wird deshalb in diesen Tagen selbst die wichtigsten Straßenbahn-, Autobus- und Untergrundbahnlinien zu verschiedenen Tageszeiten benutzen, um sich von der Stichhaltigkeit der aus den Kreisen der Bevölkerung vor- gebrachten Beschwerden, vor allem hinsichllich der Ueberfüllung einzelner Verkehrsmittel, überzeugen. Es läßt sich schon jetzt vor- aussagen, daß die Aufsichtsbehörde wohl gewisse Abänderungen des Einschränkungsprogramms verlangen wird, daß sie aber vor allem Maßnahmen zum Auffangen des durch die Umschichtung von Straßenbahn auf U-Bahn eintretenden Verkehrszuwachses fordern wird.» Gchupoorchester unter(Schillings. Wohlfahrtsveranstaltung desFrauenhilfsvereins derpolizei. Ein voller Erfolg, der hoffentlich in recht reichem Maße den Witwen und Waisen, denen diese Veranstaltung galt, zugute kommen wird, war das große Konzernt der Schupo in der K r o l l- O p e r. Als Wohlfahrtsveranstaltunz doppelt erfreulich wegen ihrer künst- lerischen Höhe. Freilich, wenn Kräfte wie Vera Schwarz, Mar- cell W i t t r i s ch, Leo Schützendorf, Rudolf von Laban, Marianne Winkel st ern, Paul G r a e tz und noch manch anderer am Bühnen- oder Fllmhorizont aufgehender Stern sich zur Ver- sügung stellen, dann muß schon etwas dabei herauskommen. Brav hielt sich daneben auch das Orchester der Schutzpolizei, das bei dieser Gelegenheit freilich von keinem Geringeren als Max von Schil- lings dirigiert wurde. Aber nicht nur auf der Bühne, auch im Parkett waren die Prominenten vertreten. In der ersten Reihe be- merkte man zwischen den preußischen Ministern Braun und S e o e r i n g friedlich den Reichsinnenminister G r o e n e r(er war in Zivil, also wohl nicht als Reichswehrminister anwesend), und dieses schöne Bild der Harmonie wurde noch dadurch besestigt, daß die Rundfunkübertragung des Programms sich vollzog, ohne daß es darüber zu irgendwelchen Konflikten zwischen dem Reich und Preußen kam! Dem Frauenhilfsverein der Polizei als Veranstalter gebührt voll« Anerkennung. Wetter für Verlin: Vorwiegend bewölkt bei langsam weiter sinkenden Temperaturen, keine erheblichen Niederschläge, schwach Lustbewegung Für Deutschland: Allgemein ruhiges, zeitweise auf heiterndes Wetter mit zunehmender Abkühlung. Vegners Glücksträhne. Stürmische Auseinandersetzungen im Sklarel-Prozeß. E» ist im Sklarek-Prozeh sozusagen schon festgelegtes Regle» menl geworden, die Sitzung beginnt mit irgendeiner Erklärung. heule morgen fühlte sich Willi S k l a r e k gedrängt, sein Herz auszuschütten: der Eindruck der letzten Verhandlungslage, als hätten er und Leo Sklarek die Decknamen ihrer Zrcunde dazu benutzt. eigene Gcldentnahmen zu verschleiern, ist ihnen in die Knochen gc- fahren. Also erklärt Willi Sklarek feierlich: sämtliche Kassenbelege, die auf Decknamen lauten, betreffen Summen, die die Eigen- tümer der Decknamen auch wirklich erhalten haben. Entweder waren es Gewinne aus Rennwetten oder die Gelder waren für wohltätige Zwecke bestimmt. Leo Sklarek schließt sich.der feierlichen Erklärung seines Bruders Willi an. Es mag vorgekommen sein, daß er die Gelder des Abends im Restaurant gegeben und sie erst am nächsten Tage buchen ließ. Was bedeutet das: im Restaurant? fragte der Vorsitzende. Sehr einfach! erwiderte Leo Sklarek. Man kam auf die Rcnnwechsel ,zu sprechen, und da sagte der eine oder der andere: ich war doch auch dabei. Was sollte ich da machen? Ich gab ihm dann etwas. In diesem Zusammenhange wiederholte Leo Sklarek zum xten Male, daß er niemanden gesucht habe, alle seien von selber zu ihm gekommen. Jetzt bricht der Sturm im Gerichtssaal los. Rechtsanwalt Dr. Puppe erklärt, er schließe sich dem Antrag des Rechtsanwalts K u r tz i g auf Ladung der in der Schwarzen Kladde genannten Persönlichkeiten an. Der Vorsitzende winkt ab: darauf käme er später zurück. Rechtsanwall Puppe will seinen An- trag begründen! Rechtsanwalt Bahn fällt ihm ins Wort, er bittet den Antrag abzulehnen: es seien hier schon genug Angeklagte. Der Verteidiger Puppe sollte hier doch nicht den Staatsanwalt spielen. Rechtsanwalt Puppe ersucht Rechtsanwalt Bahn, sich nicht in Dinge zu mischen, die ihn nichts angingen. Der Vorsitzende beschwichtigt, der Name Kirburg gibt aber Anlaß zu neuen Auseinandersetzungen. Der Angeklagte D e g n er ergrei-ft die Offensive gegen den ver- storbenen Geschäftsführer der BAG. Ä i e b u r g habe nach seinem Abbau von Degner 30 000 Mark verlangt, er, Degner, habe ihn an das Arbeitsgericht verwiesen. Darauf habe er verschiedene Sudelbriefe unter verschiedenen Namen an den Bürgermeister Scholtz, an Lange usw. gerichtet. Das Gericht wendet sich nun wieder den Zuwendungen zu, die Degner von den Gebrüdern Sklarek erhalten haben soll. Das Jahr 1927, sagt Degner, war eine Glücks st rähne für mich, ich wettete viel glücklicher als Leo Sklarek. Besonders ausgiebig be- schäftigt sich das Gericht mit der Degnerschen Wohnungseinrichtung, sie hatte 30 000 Marl gekostet. Di« Anklage nimmt an, daß die Gelder aus Degners Sklarek-Einnahmen herrühren. Degner be- hauptet, daß er von seiner Mutter verschiedentlich größere Summen erhalten habe, die Anklage bestreitet das. Sie führt u. a. an, daß eine Frau mit so guten Vermögensverhältnissen nicht R e i n m a ch e- frau im Rathaus zu sein brauche, während der Sohn im Auto angefahren kam. Das war ja eben der Grund, sagt Degner. wcs- halb ich Hintsr dem Rücken meiner Mutter darauf bestanden habe. daß sie abgebaut wurde. Es war nur eine Marotte der alten Frau. Ein Tafelservice für 12 Personen mit 77 Teilen hat Frau Degner von Leo Sklarek erhallen. Auch damit will der Ehemann n.chts zu tun haben. Severins über d.en Neittingstirg. Massenversammlung in Königsberg. Königsberg, 16. November. Minister des Innern Severing sprach am Sonntagabend in der Ctadthalle vor einer überfüllten Versammlung über das Thema „Unser einziger Rettungsring". Er lehnte es eingangs ab, Wunderdottoren-Rezept« zu geben. Der einzige Weg zur Rettung sei die Zusammenfassung aller Kräfte, um das daniederliegende deutsche Volk wieder zu einem geachteten Glied der Völkerfamilie zu machen. Der Minister berichtigte falsche Auffassungen und Dar- stellungen von der Haltung und Verantwortung der Sozialdemo- kratie gelegentlich der Nooember-Reoolution. Er verwies darauf, daß nicht die Nooember-Reoolution, sondern das Wasfenstillstands- verlangen der Obersten Heeresleitung schon im September 1918 zum Abschluß drängte. Gerade die organisierte Arbeiterschaft habe ein bolschewistisches Deutschland verhindert. Durch die Einführung des Achtstundentages sei die Einreihung der heimkehrenden Millionen in die deutsche Produktion möglich ge- wesen, und heute entspreche die Verkürzung aus acht Stunden schon nicht mehr den Forderungen der Rationalisierung. Die für die Er- starrung der deutschen Wirtschaft zu Unrecht verantwortlich gemachte Tarifpolitik der deutschen Gewerkschaften sei nicht „marxistisch": das Tarifwesen mit seinen Bindungen für Arbeit- nehmer und Arbellgeber sei eine bürgerliche Einrichtung. Der Mi- nister sieht in dem erhofsten wirtschaftlichen Aufschwung einen Bundesgenossen der Arbeiter für die Volkswirtschaft. Es sei besser, zerrüttende Lohnkämpfe zu vermeiden, als ganze Berufe zum Ruin zu e u � c n s Nöte seien die Nöte ganz Deutschlands, und Deutschlands Not sei eine Not der Welt. Deutsch- land ist. so führte der Minister weiter aus, auf sich selbst ange- wiesen und hat in der Welt keine Freunde. Will es aber durch eigene Kraft hochkommen, so heißt das, aus alle Illusionen von der Hilie der anderen verzichten. Erst wenn wir uns selbst helfen, werden uns andere helfen. Deshalb dürfen wir nicht eine' chinesische Mauer um uns ziehen. Im Wettbewerb mit dem Ausland« stehend sind wir auf das Ausland als Abnehmer für unsere Erzeugnisse angewiesen und ebenso aus die Rohstoffe der anderen. Haben wir doch nicht einmal die Schätze Ruhlands, und auch dieses weile Land kann nicht der Brücke zu den anderen entraten. Der Minister mahnte dazu, die deutsche Währung und Wirtschaft durch Pertrauen zu stützen und den Kreditinstituten nicht die Spargelder vorzuenthailen. Töricht seien die nationalistischen Revancheredensarten gegen Frank- reich. Sie erschwerten die Friedens- und Hilfsbereitschaft bei diesem Volke. Mit Recht sage das Ausland: Macht euren Frieden mit Frankreich, dann kann euch auch durch andere Völker geholfen wer- den. Deutschland habe das größte Interesse an einem guten Zu- sammenarbeiten mit Frankreich. Wir müßten eine Polllik treiben, die uns das Vertrauen der anderen Völker wieder zuwendet, und zu uns und unserer Leistungsfähigkeit müßten wir selbst Vertrauen haben. Dann würden wir die bitterernsten Monate, die noch kommen, überstehen. Der Minister richtete „an die vernünftigen Elemente in der NEDA P die Mahnung, diese Ueberlegungen zu beherzigen, und an die«pal- tungssreunde innerhalb der sozialdemokratischen Bewegung die andere Mahnung, zu bedenken, daß das alte Wort:„Proletarier aller Länder vereinigt euch" die Voraussetzung der Emigleit unter tzea Proletariern des eigenen Landes habe.. = CieHieOil Das männliche Sexualhormon chemisch uniersucht In diesen Tagen hat der Göttinger sshemtter Privatdozent Tr. A. P u t e n ä n d t als Ergebnis seiner Forschnngen mitgeteilt, daß er das mann» liche Sexualhormon tristallisicvt darstellen und seine Molckularformel ermitteln konnte. Man weiß seit langem, daß bestimmt« Drüsen eine innere Se- kretion haben, deren Produkte m die Blutbahnen übergehen und so physiologische Wirkungen hervorrufen. Es wurde bekannt, daß zum Beispiel olle Sexualvorgänge, also Wachstum, Entwicklung und Funktionen der Genitalorganc sowie die Ausbildung der sekun- därcn Geschlechtsmerkmale durch zwei verschiedene Sekret« angeregt werden. Diese Sekrete nennt man wegen ihrer anregenden Tätig- keit nach dem griechischen bormao, d. i. ich treibe an, ich rege an: Hormone. Die beiden für die Sexualvorgängc notwendigen Hormone sind das dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht gleiche sogenannte gcschlechtsunspezifische Hormon, das von dem 5)ypophysenvorderlappen(Hirnanhang) gebildet wird, und das bei beiden Geschlechtern verschiedene spezifische G e- schlechtshormon, das von den Geschlechtsdrüsen produziert wird. Ohne das Hypophysenhormon können die Keimdrüsen ihre Funktionen nicht ausüben. Das durch sie produzierte Hormon, das eigentliche Sexualhormon, regt die Entwicklung der geschlechts- spezifischen Merkmale an. Dr. Butenandt gelang es 1929 das von den weiblichen Geschlechtsdrüsen erzeugte Follikelhor- man, das sogenannte Progynon, chemisch zu erforschen. Durch die jetzt gelungene Untersuchung des männlichen Testikelhormons ist man dem Geheimnis der Geschlechter und damit der Entstehung neuen Lebens sehr nahe gekommen. Früher glaubte man, die Hormonsubstanz nur direkt aus Drüsenextrakten, besonders von Stieren, gewinnen zu können, bis S. L o e w e und C. Funk nachwiesen, daß eine große Menge des produzierten Hormons im Harn ausgeschieden wird. Auf diesen Arbeiten basiert auch die Mechodc Aschheim-Zondek zur Frühdiagnose von Schwangerschaften. Che man das weibliche Hormon, das Progynon, eindeutig darstellen konnte, wußte man, daß es während der Schwangerschaft in besonders großen Mengen abgeschieden wird und auf kastrierte Mäuseweibchen brunstbildend wirkt. Diese in der praktischen Medizin benutzte Tatsache ist bei Harnuntersuchungen als Erkennungsreoktion wichtig. Ihr entspricht> für das männliche Hormon das sogenannte Hahnenkammtest: bei jung kastrierten Hähnen unterbleibt die Kammentwicklung, die durch Hormoneinspritzung sofort behoben wird. In dem Labors- torium von Schering-Kahlbaum wurde von Professor S ch ö l l e r und Privatdozent Dr. G e h r k e ein Verfahren herausgebildet, nach dem aus Harn ein Rohöl als Ausgangsmaterial hergestellt wird, mit dem Dr. Butenandt seine chemischen Arbeiten beginnen konnte. Vor zwei Jahren stellte er die M o l e k u l a r f o r m e l des weiblichen Sexualhormons mit C,s1l»0, fest, wonach also 18 Kohlenstofsatome, 22 Wassorstoffatome und 2 Sauerswffatome«in Progynonmoleküle bilden. Als es Butenandt jetzt gelang, IS tausendstel Gramm des männlichen Sexualhormons kristallisiert darzustellen, einer Menge, die aus etwa 25 000 Liter Mäimerharn gewonnen wurde, fand er eine weitgehende Aehnlichkeit im Mole- kularaufbau, nämlich die Formel Beide zeigen einen chemischen Zusammenhang mit den Gallensäuren. Der che- mische Unterschied besteht darin, daß das weibliche Hormon durch eine Anzahl sogenannter Doppelbindungen ungesättigt ist und sauren Charakter hat, während das männliche durch weltgehende Sättigung neutral ist. Die Fachausdrücke„sauer" und„neutral" sind für den Laien ganz grob durch die Wirkung der Stoffe aus Lackmuspapier zu er- klären: eine Säure(z.B. Zitronensaft) färbt blaues Lackmuspapier rot, eine Lauge(auch Seifenwasser) rotes Papier blau, eine neutrale Lösung oerändert keine Prüffarbe. Und die Bezeichnungen„»?sät- tigt" und„ungesättigt" lassen sich vielleicht an dem Beispiel des Kohlenoxyds erklären, das deshalb so giftig und ohne jedes Zutun wirksam ist, weil es„ungesättigt" ein Sauerstoffatom sucht und dieses eben dem Blut entzieht. Durch die Darstellung und chemische Analyse des männlichen Hormons ist der Anfang zur industriellen Herstellung und zur me- dizinifchen Anwendung gegeben. Diese dürfte in dem hochwertigen Ersatz der vielen„Geheimpräparats" bestehen, also tatsächlich ent- schlummernde Funktionen zu neuem Leben anregen, verkümmert« Entwicklungen fördern, Funktionsstörungen beheben und das All- gemeinbefinden ebenso günstig beeinflussen, wie dies durch das Pro- gynon bei Frauen der Fall ist. Aber das sind vorläusig Ber- mutungen. Die Tragweite der Arbeit Butenandts wird die weitere Forschung ergeben. Govcia We�I. „Die fremde Mutter." L-T. Kurfürfiendamm. Dieser Film, für die Amerikaner eine Sensation, für uns zu sentimental, ist für jeden ein Erlebnis. In einer der übelsten Hafenspelunken zieht«ine Frau das Kind einer Dirne groß. Diese Frau, grob bis zur gemeingefährlichen Roheit, liebt das Kind. Sie sagt ihm, daß seine Mutter gestorben ist. Die fremd« Mutter opfert sich auf für das Kind, und als die Dirne am Hochzeitstage ihr Kind erpressen will, da erschießt die Frau die Mutter. Zwei große Darsteller wachsen über sich selbst hinaus. Marie Dreht er ist als fremd« Mutter von unerhörter Eindrucksstärke. Dies« Frau ist eine ewig beißbereite Bulldogge, alles Weibliche ist bei ihr aus dem Gesicht uno den Bewegungen verschwunden, jede zarte Gefühlsregung scheint verschüttet, und doch zaubert die Liebe zu dem Kind««inen ganz feinen Glanz in ihre Augen. Wallace Beery ist der Freund dieser Frau. Ein Kerl, grobschlächtig, vollkommen massiges Fleisch und derbe Knochen, und doch steckt auch m ihm etwas von allerbester Menschlichkell. Gegen dies« beiden muß das Kind der Dorothy Jordan verblassen. Marjorie Rambeau ist gut als Dirne. Der Regisseur Georg« Hill gebraucht alles, was zum echten Filmreißer nötig ist: malerische Bild- Wirkungen, famose Milieuschilderungen, Spannung und Humbug. Das ist diese absonderlich« Mischung, die dem stummen Film, trotz schlechter Drehbücher, zum Welterfolg verhals. Dieser tönende Film wurde nicht für die deutsche Fasiung neu gespiell, sondern nur auf störendste Weise neu gesprochen. Di« Kulturabteilung zeigt„Das geheimnisvoll« Schiff", das stark interessiert, verwandell sich doch vor unseren Augen„Zähringen", das Zielschiff der deutschen Flolle, in ein Geisterschiff. Alle Mann gehen von Bord und dank der Technik erwacht dann das außerordentlich sein konstruierte Hirn des Schiffes, das sein Fernlenkboot völlig beherrscht. e. b. Herbsisonzert der„Solidarität". Das Programm, das der Männerchor„Solidarität 1893" bei seinem diesjährigen Herbstkonzert in der Staatlichen Hochschule für Musik zur Aufführung bracht«, war aufs sorgfältigste ausge. wählt und zusammengestellt. Tendsnzchöre, lyrische Chöre, Volkslieder und heiter« Chöre lebender Meister hießen die Gruppen, in die die einzelnen Chöre zusammengefaßt waren. Feines Stilgefühl unterschied den Vortrag jeder dieser Gruppen von dem der anderen: die lyrischen Chöre insbesondere(Werke von Schumann und Schubert) wurden in seltener Zartheit, in schön abgestuftem Piano gesungen, wie sie nicht oft zu hören sind. Der rein intonierend«, modulationssähige und klangschöne Chor wurde auch allen anderen Werken vollkommen gerecht und legte so von zielbewußter Arbeit, wie von der Tüchtigkeit seines Leiters, des Chormeisters Emil Thilo, beredtes Zeugnis ab. Zwischen den einzelnen Gruppen waren Werke für Fagott und Klavier— eine Sonate von Mozart, sowie Variationen über „O, du lieber Augustin" von Frehde— zu hören. Professor K r ü g e r- N y st e d t meisterte das schwierige, viel zu wenig be- achtete Instrument in vollkommenster Weis«. Alle Mitwirkenden sowie der anwesende Komponist Camilla Hildebrand(dessen Chor„Ständchen" aufgeführt wurde) r. freuten sich der lebhaftesten Anteilnahme des Publikums und größ- ten Beifalls.___ A- w-! „Innuii, die Aachbarn des Aordpols." Llfa-Pavillon. Ein Film ohne Liebe— das gibt es ja wohl gar nicht. Es ist zwar„nur" ein Kulturfilm, aber auch bei diesem sind wir schon daran gewöhnt, daß auf den Südseeinseln amerikanischer Flirt herrscht. Der Forschungsreisende L e d« n, dem wir ein sehr interessantes Buch über die Eskimos verdanken, hat auf seinen Forschungsreisen in Grönland und Nardkanada auch Filme auf» genommen: Leider ist ein Teil davon'bei einem Schifsbruch ner- loren gegangen, und so muh er sich zum Teil mit Produktionsbildern bchelsen. Aber was er uns über das Leben und Treiben jener Eskimos, die noch nicht von der Zioilisattoa überschwemmt iind, ig Wort und Bild bietet, ist wichtig genug. Diese Naturmenschen, die sich noch in Ostprönland und nördlich der Hudson-Bai vorfinden, haben noch heute dieselbe Kultur wie die Menschen Europas zur Zell der Eiszell. Aber bald wird davon auch nichts mehr vor- handen sein und so sind es Kulturdokumente von hoher Bedeutung, die uns Loden erhalten hat. Auch die Gesänge der Eskimos hat er aufgenommen. Seine Schallplatten vermitteln uns eigenartige Melodien. Wir sehen, wie die Eskimos mit dem, was die Natur ihnen bietet: Treibholz, Seehunde, Walrosse, Renntiere usw. sich zu be- helfen wissen. Sind ihre Gewänder nicht äußerst praktisch und hygienisch zugleich, da sie für Lustzufuhr sorgen! Prächtige Muster wissen sie zusammenzustellen. Aus Bein und Holz machen sie ihre Geräte bis zur Nähnadel. Ihre Kajaks sind die denkbar praktischsten Boot« fü-r ihren Fischsang, ihre Schneehütten genügen vollkommen für den Schutz gegen die Witterung. Ihre Kindererziehung zeigt, wie man durch das Spiel zur Arbeit heranbilden kann. Hütten- und Familienleben, Jagdszenen— sie sind Meister im Aeschleichen und harpunieren des Wildes— eigentümliche Sport- und Schimpf- duelle vervollständigen das reichhaltig« Bild, das uns Leden von diesem Urvolk entwirst. r. Tanzabend Ellinor Bahrdl. Ellinor Bahrdt war bei ihrem Auftreten im B a ch s a a l offenbar nicht ganz in Form. Sonst würde diese eleganteste Springerin der deutschen Tanzbuhne noch stärker gewirkt haben. Choreographische Sauberkeit und» gewissen- hafte tänzerische Ausführung sind ihre anerkannten Vorzüge. Üeiberraschend die Vielseitigkeit der Ausdrucksmittel. Weite Spannungen und prachtvolle umfassende Schwünge(„Aus dem Dunkel") wirken ebenso elementar und überzeugend wie die sicher pointierten Drehsprüngc eines„Allegro energico", die leichte, seine Fußaktion des„Rubato", die sanft auflodernden Rhythmen des„Intermezzo". Eine Künstlerin, die das Pathos einer Heroine mit der weltentrückten hauchzarten Poesie der lyrischen Tänzerin verbindet. Was ihr nicht liegt, ist auftrumpfendes Vorstoßen, Ausfallen, Schleudern, nament- lich der Arme und Fäuste. Das Publikum nahm die Darbietungen dieses schönen Abends mit sehr starkem Beifall auf. I. 8. haodschrtstenauistellung der Staatsbibliothek. Anläßlich der Jahresversammlung der Bibliophilen, die diese« Jahr in Berlin stattfindet, veranstaltet die Staatsbibliothek eine Ausstellung von 77 ihrer schönsten Handschriften. Es ist das erste- mal. daß sie eine derartige Auswahl nach rein ästhetischen Gesichts- punkten trifft und damit einem breiteren Publikum zeigt, welch ungewöhnliche Schätze auch aus diesem Gebiet sie oerwallet. Dank dem besonderen Entgegenkommen 0er Reichsdruckerei hat ein Kala- log der Ausstellung, der Dauerwert beansprucht, gedruckt werden können. Die deutsche Grönland-Expeditie« Proscssor Wegeners ist am Sonntag, von Kopenhagen kommend, aus dem Siettiner Bahnhof in Berlin eingetroffen. Außer den Angehörigen der E'peditions- teilnehmer hatten sich zahlreich« Vertreter wissenschaftlicher In» stitute und Organisationen zur Begrüßung der Expedition ein- gefunden. Neue Musik in Tokio. Professor Klaus Prtngsheim, der Dirigent der Kaiserlichen Akademie in Tokio, bringt in dieser Saison folgende Werke in Japan zur Aufführung: Strawinskys „iSinkoni« des psauwes", Kurt Wcills„Lindbergh-Flug" und „Der Jasager", Gustav Mahlers 5. Sinfonie: ferner im Rundfunk unter anderem die Ouvertüre zu„Neues vom Tage" von Hindemith. , Hamlet-Suite" von Tiefsen,„Hellere Musik" von Max Butting. Reinhardt inszeniert �ossmannö Erzählungen". Die Erstausiühnmg von„Hossmann« Erzählungen" in der Inszenierung Max Reinhardts wird Ende November im Grohen Schauspielhaus stattfinden. Die musikalische Einrichtung besorgt Generalmusikdirektor Leo Blech, die textliche Neubearbeitung stammt von Eugen Friedest und H. Saßmann. Die Erst- ausiührung findet als Fcsworftellung des Vereins„Berliner Presse" stati. Der Borverkauf beginnt Donnerstag. In der Gesellichast für empirisch« Philosophie spricht Dienstag, 20 Uhr, in der Schumannstr. Lt. Profcllor W. Dubislaw über:„A p r i o r r!- mus oder Empirismus". Ludwig Hardt gibt feine einzigen Abende in dieser Saison am Buh- tag und Totensonntag um 20% Uhr im Tingel-Tangel. BronISlaw Huberman spielt am Bußtag. 20 Uhr, in der Skala unter Mitwirkung von Siegfried Schulde und eines Kammerorchesters. Ausführungen der Singakademie. Die Singakademie bringt unter Lei- tung ihres Direktors Prosesior Georg Schumann am Bußtag Bachs s-woil- Meise und am ToteusonlUag Brahms Requiem, Nänie und Schlcksatsueo zur Ausjuhruug. Vorwärts trotz alledem! Unter diesem Motto veranstaltete am Sonntagabend im Saal- au Neukölln die Freie Gewerkschaftsjugend Berlin eine Feier, deren Hauptzweck war. den jungen männlichen und weiblichen Gewerkschaftsgenossen die Bedeutung des g. November 1918 für die deutsche Arbeiterbewegung vor Augen zu führen. Ausschnitte aus Werbefilmen der Gewerkschaften liefen auf der Leinwarch, die letzte Jahrzehnte vor der Jahrhundertwende wieder wach werden ließen, nicht wie sie der satte Spießer, sondern der damals noch recht- und machtlose Arbeiter durchlebte. Industrieanlagen schießen wie Pilze aus der Erde, zugleich ein Jndustrieproletariat züchtend, daß bei langer Arbeitszeit und karg- lichem Lohn ein Elcndsdasein fristet, das selbst nicht mit dem so bedauernswerten Schicksal der langfristig Erwerbslosen vergleichbar ist. Bilder aus dem großen Bcrgarbeiterstreik im Ruhrgebiet im Jahre 1889, aus dem Streik der Homburger Hafenarbeiter im Jalzre 1896 usw. zeigten rückschauend, wie sich aus den spontanen Abwehr- lämpfen der Arbeiterschaft heraus die freien Gewerkschaften ent- wickelten, die die Arbeiterschaft zu disziplinierten, klassenbewußten Kämpfern erzogen. Rezitationen und Sprechchorwerko vertieften die Wirkung der Bildstreiben, so daß den freigewerkschaftlich organisierten Jungen und Mädchen klar zum Bewußtsein kam. welche Bedeutung dem schweren Kampf zukommt, den die organisierte Arbeiterschaft gegen- märtig gegen alle Gegner der Republik führen muß, die zugleich die erbittertsten Feinde der marxistisch orientierten Arbeiter- schast sind „Warum nicht Sechsstundentag?" Voo der technischen Seite aus gesehen. In der„Bossischeu Zeitung"' vertritt der technische Direktor eines großindustriellcn Werkes seine Aufsossung zur Regelung der Arbeitszeit: „Warum wird nicht ebenso oft auf das einzige Mittel hingewiesen, das wenigstens im Prinzip die Arbeitslosigkeit in mäßigen Grenzen hasten und damit die Verminderung des Konsums verhindern konnte? Cs besteht in nichts anderem als in einer der höhercntwickelten Produktionstechnik und dem Zu- slrom neuer Arbeitskräfte angepaßten Verkürzung der Arbeitszeil. Statt dessen beginnen wir nur zögernd von einer gesetzlich fest- gelegten 40-Stunden-Wache für ausgesuchte Industriezweige zu reden. Ja, die I n d u st r i c k a p i t ö n e beschließen aus jeder Tagung in ihrer Weisheit, daß die Wirtschaftskrise nur durch Verlängerung der Arbeitszeit gelöst werden könne. Ist es denk- bar, daß sie' wirklich den Wald vor Bäumen nicht sehen? Sie lnöchten die ausländische Konkurrenz unterbieten. die sich doch mit der gleichen Waffe wehren würde. Die kurze Sicht dieses Standpunktes müßte ihnen nachgerade selbst klar- geworden sein. Ich bin überzeugt, daß die Verkürzung aus K> Stunden der Eirtwicklung schon nicht mehr gerecht wird. sa kommt in Deutschland zu der gewaltigen Steigerung der technischen Produktion ein Anstieg der Arbeitswilligen gegenüber dem Vorkriegsstand um etwa allst Millionen hinzu." Der Verfasser geht davon aus, daß der Vorstand des Internationalen Gemerkschaftsbimdes erneut die Forderung der 4st-«tundcn-Wache erhoben hat und hält cs für richtig,„daß für eine einschneidende Begrenzung der Arbeitszeit zwecks Aussaugung der Arbeitslosen eine internationale Vereinbarung anzustreben ist". Für Konzeniration. Oie Kommunolbeomtcn der Provinz Brandenburg. Die Tagung de? Provinzausschusses Brandenburg der Reichs- gewert schast Deutscher Kainmunolbcamten am Svnntag in Berlin war entsprechend ihrer Wichtigkeit recht zahlreich besucht. Der Vorsitzende des Pravinzausschusses, Genosse Martin Schmidt, Luckenwalde, erstattete den Geschäftsbericht, der einmütige Zu- stimmuirg fand. Der Vcrbandsvnrsitzende, Genosse G i l l m e i st e r, referierte über die Konzentrationsbestrebungen. Die Schicksalsver- bundcnheit oller Arbeitnehmer zwinge zu den notwendigen Konse- quenzen. Den gemeinsamen Angrifen. der wirtschaftlichen und politischen Reaktion müsse die Einheitsfront gleichgelagerter Gruppen entgegengesetzt werden. Nazis, Hugenberger, Stahlhelmer und Dingeldeyer wollen die Sozialdemokratische Partei und die freien Gewerkschaften zerschlagen. Ausgabe, auch der Beamten, sei es, Partei und Gewerkschaft ZU verteidigen und zu stählen. In der Aussprache wurde die Gefahr, die allen Zlrbeitnehmcrn durch Nazis und Genosse» droht, anerkannt und schärfstes Ent- gegentreten durch die Behörden gefordert. In seinen, Schlußworl forderte der Genosse Gillmcister die Anwesenden auf. sich tüchtig für die Ausbreitung der politischen und gewerkschaftlichen Organisation einzusetzen. E i n st i m m i g stimmte die Tagung der Bildung einer Reichs- gewerkschast Deutscher Kommunalbeamtcn und-angestellten i m G c- samtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und Verwaltungen zu. Rundfiink der Woche Rundfunk im Dienste der Jugend Aus Kreisen der sozialistischen Studentenschast wird uns ge- schrieben: Die Programme der einzelnen Sender des deutschen Rund- funks hoben sich im Laufe der Entwicklung allmählich darauf ein- gestellt, allen Schichten und Bildungskrcisen des Volkes mit ihren Darbietungen entgegenzukommen. Nur um die Jugend hat sich der Rundfunk nicht in dem erforderlichen Maße gekümmert. Wir haben die Märchenstunde für Kinder, wir hoben auch die sogenannte Jugendstunde, die ihrem Programm nach etwa aus Menschen zwischen 19 und 14 Jahren eingestellt ist. Aber für die Bierzehn- bis Zwanzigjährigen, d. h. gerade für die Menschen, die in das praktisch« Leben, in die Wirklichkeit des Alltags hineinwachsen, bietet der Rundfunk nichts. Diese Schicht junger Menschen muß sich, sofern sie an den Kulturbestrebungen des Rundfunks beteiligt sein will, mit dem Programm für die„Alten" abfinden, und man hat dieses bisher nicht um ein« Kritik, wie weit ihr damit gedient ist, gefragt: man Hot sie auch nicht zu eigener Gestaltung der gerode diesen Jugend- lichen siegenden Probleme, Lebens- und Berufsfragen, für den Rund- funk herangezogen. Und doch sollte man bedenken, wie wichtig es gerade für den Rundfunk als öffentlichen, politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kulturfaktor wäre, sich um die Menschen zu küm- mern, die im Interesse eines harmonischen Ausbaues des künftigen staallichen Lebens den Anschluß an das Volksganze suchen und finden müssen. Gerade in der politischen Gegenwart mit ihrer Zerrissenheit und Aufgewühltheit der jugendlichen Menschen, die sich in einem un- geistigen, unpolitischen Stroßenradikolismus Lust zu machen ver- suchen, wäre es eine Aufgabe des demokratischen Staates, mit positiver geistiger Hilfsbereitschaft und weitherziger Einräumung für jugendliche Selbstbetätigung der verworrenen Geistcsholtung der heutigen Jugend ausbauend entgegenzuwirken. So müßte z. B. der deutsche Rundsunk der in dos Berufsleben hineintretenden Jugend und dem zum Staatsbürger heranreifenden jungen Menschen Gelegenheit geben, zu allen Dingen des öffentlichen Lebens und insbesondere zu Fragen der Gestaltung seines eigenen Lebens von sich aus in Gemeinschaft mit älteren Genossen Stellung nehmen zu können. Was also not täte, wäre: Junge Menschen vor dem Mikrophon über ihre Berufswahl, über ihre Lehrzeit, über ihre soziale und politische Einstellung, über ihre Beziehungen, Ansichten und Wünsche in bezug auf kulturell« Fragen sprechen zu lassen. Eine Kritik, die aus dem Blickfeld des jungen Menschen selbst heraus geäußert wird, wird nicht nur fem« erzieherischen Werte für die Jugend sechst haben, sondern wird auch eine fruchtbare Kritik für alle kulturschopfcrischen Kreise des ganzen Volkes sein. Hinzu käme noch ein wesentlicher Vorteil für die Jugendlichen aus politischem Gebiet. Gerade hier ist die Notwendigkeit zur D e r- geistigung und Versachlichung, zur Loslösung von den Alltagsmethoden des Kampses mit Schlagring und Faust gegeben. Ganz abgesehen von dem ideenmäßigen Radikalismus, der im Lager der Nationalsozialisten und Kommunisten heute große Teile der Jugend anzieht, und den zu bekänrpfen sich die republikanische Front weit stärker als bisher zur Aufgabe machen mußte, ist es doch gerade die verhetzende, gewalttätige Form, die das politische Lebe» d-r jungen Menschen geradezu gemeingefährlich vergiftet hat. Das Temperament und die ehrliche Leidenschaft der Jugend darf gewiß nicht in dem Sinne zu einer verstandesmäßigen Beeinslistsung durch die Alten geführt werden, daß die Gegensätze vermischt werden: aber es muß für die Zukunft im Interesse der Jugend selbst erreicht werden, daß man politisch wieder mehr mit der Ueberzeugung und in ehrlichem geistigen Ringen zu kämpfen lernt, als den politischen Kampf aus den Schlagring und in nächtliche Keilereien verlegt. Hier könnte wiederum der Rundfunk ein wesentlicher Helfer werden, indem er junge Menschen oller Partei- und Weltanschau- ungen in Diskussionen zu je zwei, drei oder vier Teilnehmern unter sachlich neutraler Leitung eines jugendverstöndigen, älteren Menschen im R-chmen des Jugendfunks zu Wort« kommen ließe. Es müßte sich also in geistigem Ringen ein junger Mensnch gegen den anderen stellen, und unter dem Eindruck, daß olle Gleichberechtigten und Glcichstrcbcnden als Hörer daran beteiligt werden, aus den Weg neuen, fruchtbaren Politisierens geführt werden. Es ist dabei nickt nötig und auch gar nicht zu verlangen, daß die jungen Menschen vielleicht mit Rücksicht aus zuhörend« Aeltere formvollendete und inhaltlich unangreifbare Reden halten, sondern der Jugendfunk im politischen Sinne würde ein Stück jugendlicher Selb st- hilse und Selbsterziehungsorbeit fein. Wir haben in dieser Beziehung mit dem von dem Berliner Rundsunk eingerichteten sogenannten S t u d e n t e n f u n k, in dem Vertreter oller Richtungen miteinander diskutieren, die besten Erfahrungen gemacht. Wichtig bliebe noch die Frage der Leitung eines derartigen Jugendfunks und die Möglichkeit der Heranziehung aller, auch der nicht irgendwie orgopisierten jugendlichen Kräfte. Ferner müßte ein Weg gesunden werden, die stigkndlichcn Menschen, bevor sie an das Mikrophon treten, auf die Arbeit sachlich und menschlich vorzubereiten. Auch müßt« durch die Einrichtung von Abhör stunden durch die Jugendpfleg« die Möglichkeit einer weitgehenden aktiven Beteiligung der Jugend gegeben werden. Alle diese Fragen ließen sich vielleicht durch eine verständige und von dem Geist politischer Neutralität ge- trogene Zusammenarbeit zwischen den Rundfunkbehörden, den Jugendpflegestellcn, den Berufsschulen und dem Reichsaus- schuß der deutschen Iugendverbände lösen. Zunächst ist einmal die Frage des Jugendfunks überhaupt zu stellen und obzu- warton, wie weit trotz oder vielleicht gerade wegen der großen materiellen und geistigen Not unserer Gegenwart die herrschende Generation Zeit und Bereitschaft aufbietet, um der ihr nachfolgenden mit allen Mitteln zu helfen. Die Jugend selbst wird dafür gewiß donkbar sein, und der Erfolg dürfte durch eine fruchtbarere Entwick- lung der Zukunft des deutschen Volksstaates garantiert sein. Heinz Krüger. Rundfunk am Abend. Montag. 16. November. Berlin. 1C.00 Das zeitgemäße Gebrauchsgerät(Dr. Lötz). 16.10 Dr. L. Lubrany; Koustautuiooel. 16.30 Moderne Chöre. Berliner Punkchor. 16.50 1. Bacb; Pranzösische Suite E-Dur(Josef Wcgncr: PlögeD. 2. Schuberts Schumann(Eugenie Holzacb-Kyrian, Sopran; Flügel: Julius Bürger), 3. Mozart: Sonate Es-Dur(K.-V, 2S2)(Josef Wagner). 17.30 Mit Florett und Maske(S. Formstecber). 17.50 Die ChristengemeiDsebaft(Theodor Kappstein und Pfarrer Ollo PalmcrV, 18.15 Unterhaltungsmusik. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Unterhaltungsmusik 19.35 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19,40 Valcriu Maren; Karl voo Clausewitz(gest. 16. November 1831). ?0.10 Chopin: l. Ballade G-Moll. 2. Nocturne Dcs-Dur. 3. Walzer A-Dur. 4. Scherzo Cis-Moll(Simon Barer, Flügel). 20.40..Oberst Chabcrt," Hörspiel dichtung nach Honorc de Balzac. Bearbeitet von Alfred Mühr. Regie: Alfred Braun. 22.00 Wetter, Nachrichten, Sport. Tanzmusik. Königs u'usterhausciL 16.00 Lehrer H. Berndt: Bodenständige Unterrichtsgcs4alt»ittg. 17.30 Goethe und das deutsche Lied. 18.00 Prof. Dr. Karl Victor: Volkstümliche Dichtung des Barock. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Dr. Hünersdorf: Schafhaltung. 19;30 Dr. Mänchen-Helfcu: Die Nationalitäten im neuen Rußland. 20.00 Unterhaltungsmusik. e Buch Jakob von UexküU: Die JCebenslehrc Jakob von U c r f ü I T hat die Umrisse der Biologie, der Wisien- schast vom Leben, in einem kleinen, leicht lesbaren Buch zusammengestellt, das unter dem Titel„Die Lebcnslehre" erschienen ist.(Müller und Kiepenheuer, Verlag, Potsdam. 163 Seiten, ge- bunben 4,89 M.) Man merkt dem Buche an, daß cs von einem Meister seines Faches geschrieben und aus einem langen Forscher- leben erwachsen ist: gehört doch UexkiUl zu den führenden Forschern � der Biologie. Für Ilexküll ist die Wissenschaft vom Leben reine Naturwisseirschoft, die also nicht mit gedanklichen Spekulationen arbeiten darf: sie hat die Aufgabe, mit Hilfe des Experünents die Baupläne, die Entstehung und die Leistungen der Lebewesen zu er- forschen. In der Biologie bekämpfen sich zwei große Theorien: die mechanistische Auffassung glaubt, die Lebensvorgänge als mechanisch« Erscheinungen erklären zu können, die mir den Gesetzen der Physik uird Chemie unterworfen sind: die vitalistische Scbenscrklärung glaubt, daß in den Organismen nicht materiell« Faktoren wirksam sind. Heute ist die oitalistisch« Theorie im Vor- dringen. Uexküll ist ein entschiedener Anhänger dieser Richtung. Er sucht zu zeigen, daß die Entstehung und die Leistungen der Organismen nicht mft mechanischen Gesetzen zu erklären sind. Die für den Vitalismus sprechenden Argumente sind mit großem Gc- schick zusammengetragen. Mit besonderer Klarheit und Anschaulich- keit schildert Uexküll die schönen biologischen Experimente der lüng- sten Forschung. Das Buch verfolgt die Forschung vom Ausbau der einzelnen Zelle bis 311 den Leistungen der höchst organisierten Lebe- wcsen. Der Leser erhält so ein farbenreiches Bild der biologischen Wissenschaft. Uexküll zieht auch die weltanschaulichen Folgen, die sich aus seiner Lebenslehr« ergeben: die Welt des Biologen sieht anders aus als die des Physikers. Physik»nd Chemie suchen alles Ouali- tatioc in Quantitätsunterschiede aufzulösen, fiir sie gilt nur das Zähl- und Meßbore: die Biologie sucht gerade umgekehrt das Quali- tolivc in seiner Eigenart zu erfassen. Das Buch von Uexküll tonn als wertvolle Einführung auch dem Laien warm empfohlen werden. Dr. S. Weinberg. Verantworil. fiie die Redaktion: Stich. Bernstei». Berlin:«nzeizen: lti.»liMt«, «»tlin. Bcrlaa: Borwärt, Berta» G. m. b. S.. Verlin. Druck: Vorwärt, Buch. drucke«: und Derlaasanltalt Paul Sin»er& Ca Berlin Sffl 68, Sinienfttofte Z. SittU t Bellaae. Staats 1% Theater Montag, den 16. Novcmbct staatsoper Unter d. Linden 20 Uhr CBdüsism VontiUoiij Cavaiieria nuticana Bajazzi Uli» Kartrmrluaf Staatsoper m Plati der RtpnMik 20 Uhr 1001 Nacht StutLSdrauspielhiu! üniarnnmirtl. 20 Uhr Peer Cynt Schiller-Theater Qurigttnbaig. 20 Uhr 0a» Hßrnbergisch Ei Relchshallen-Theater M! 8 Öhr, Sonolig udraiittig I1, II» Stettiner Sänger Ol, neu: Borlcske ,0er arme Kasemir" lidiiiilftap talbi Pnist»alto öngwi«! Winter ■Carlen' Flora 3434 Saudi« 4 Queens. Gaiton Palmer Olveras 2 Hockney» inteinallonalef Theater i kleines Thealer) Uater den Linden 44. THclleh S'l, Uhr Gntspiil der Spislgraiiimfuft Birlinor Sduuspltler Scheidung ne ShgfM Ii« man d.— Regie: Heinz Stroux «KW BETRIEB■, KEMPIMSKIw' Stadl. Oper Charloncnburg Bismarckstraße 34 Montag, 16 Nov. Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 19.30 Uhr Hottmanns Erzählungen ende 22.30 Uhr Volksbtthne Tbatir in BBIowpliti 8 Uhr Der arllne Kahadn Der Kamraersanoer »all Ulillir-nntif 8 Uhr Das NBrnberglsdi Et Staatsopar Unter den Linden 8 Uhr Cavaiieria rastlcana Bajazzi Deotidies Theaiei R Uhr GesAlditen ms dem Wiener Wald von Oedön Horvath Fsgie: Heim Hilgert Die Komüdle 8Vi Uhr Jemand Tos Frau Bolnar Regie: Gustaf öMgent. mit Alk. B ssermann Rarfürstendamm Theater Bismarck 448/49 8V< Uhr von Ilse Langner Reg. Ludwig Berger Musik Ernst Toch Tlleiinll«: Agnes Sirau b Theater am Nollendorfplan Creeebloaeen S Freitag. TVi Uhr Pr«ml«r* fiasparone Margret Pfahl, Michael Bohnen, > Sleeak, my Sana. Srer Theater desWestens Täglich 8'lt Das Drei- maderllians mit Maria Faudler auttmann.Eng1isch Preise r. SO PI. an metropoi-iiHiatBr Täglich SV, Uhr Sonntags» und 8'lt Die Blume wen Hawai Operettev-Abraham Preise na 51 Pf. u AoMdraelden I «"•�taiiral-li. AlteJakobstr.30-32 lir a#d) wnig« Tnp! Sthwarzwald- enZdel Jessel dirigiert C«WLPrt.-ftiit.l.- Thester im Admlralspaias Täglich 8", Uhr Die Dllbarry mit eitta tupar Pmuw.tjoM.tn *— Theater in der—. I Stresemannstr. I I Bergmann 2110 I Täglich R>fj I Dnhdi. Butk. Otto, I linferj. Schrott KodI In der SdUinge |jReg|c��JLichcJ •••••••••• Rose• Iheater Oroto Fnnklortor Stroto 131 l-l. Voidnol f 7 3427 8.15 Uhr Frühiing im Wiener Wald •>•••••••• rsSL�SIIttlillStlflh Wir fertigen elegrantn Anzüge und Mäntel aus mitgcbracht.Stofl- für M 39.- einschl. unserer»Emt- liehen Zutaten. RoBhaar- verarbaitung. Garantie für vvtrn Sit«! Aa» nnnerrn W? Mark Stoffen.. von# ar an BcrrenkietderAiilertidand «ur.mi Gebr. Piket Mr. 1>1< Klo.t.r.tr.na 68. Berellna OMS 0»Un; Frankfurt* All«, M4 Waoton: Budapaatar Straße Iß ■krt»"! ChaniMitraßa 47, Lada. Moabit; tallnpsr Straß« 9 Na kfitla; Ptiageratraßo 2ß Taaipalhef: Kalaprin-Auguata-ßtraßaTI ObaruMnaweide Edlaonpiraßa 28 Berliner mhlTlO ■•• t• 1 1•. W U]|S(tc. Einhelts verband d.Elsenbahoer Deutsdilands, Ortsornppe Berlin Am 18. iUoocmbcr vrrschiob unfer Mitglied Hermann Raether Tischler im RAM Schöneweide. Ehr« seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag. dem 37. November. IN/, Uhr. auf dem Friedhof Weißenfee, Lichtenberger Sträfie 130, statt. Rege Beteiligung erwartet nie Ortaverwaltang. Gebrauchte Büro-Möbel Lindenstraße 71/72 Hofspeicher. »v.ühr CASlNO-THEArER»«/. uk. Lothringer Straf« BT. ituiiiiimniuiniiimimniiiiiuiinuiiitiiitiiMiiiuinv— I nerKame| moDsi Patentmatrapen .Brimisfima" Mo. tallbetteu Auflege» matrahen Thaise» lonaue, Walter. Starparderstrafie achtsehn. steinLaden Linden strohc 71—72. Schreib. lifdK 30,- Stühle 3,—, Regale 30.— an. im Soflstidxc. itlusih Instrumente iiakpipn»». Mietvianos über. au» preiswert. jPianpfabrif Link. Btunnenfttal» 85• Nur nodi venige Anflfllirnngea mecher-Frttze Volksstück mit Direktor Han. Berg «Uro du boote NoveoobecPtogr. Qatcebe in 3-4Pertenea Parkett nor so PI fsatenfl t- bUrk, Seääcl u» Mark stahnaebifie. Blatinabtälle Du eckst lbet Rinn- Mitall«. Silber» schwelg«»aldschmel. Derer. Cbristionat. ftätwntdatBeafie 38. ZalttfWb (Beilage Montag, 16. November 1931 torAtonl SfwJauXQaße Ja{otteäsk A Görlitz an der Neiße Reportage über eine kleine Stadt Von 5. Pepper Soziologie eines Bahnhofs. Man kennt diese großen, schwarzen gewölbten Hallen mit den riesigen gelben Uhren, die ruckweise Zeit sressen, mit den Signal- stanzen und dem Schienenwirrwarr. So unterscheidet sich auch der Bahnhos von Görlitz in seinen Aeußerlichkeiten durch nichts von einem Bahnhof in Berlin. Nur, daß er vielleicht weniger verrußt und weniger schwarz ist. Und dem Berliner, der nach den schlesischen Gebirgen unterwegs ist, kommt es vor, als gehöre Görlitz noch eigentlich zu Berlin. Man hat zehn Minuten Auf- enthalt, dann geht es weiter. Und Görlitz liegt gerade noch weit genug vom Gebirge entfernt, um den Wunsch, aus der Ebene in die Berge zu kommen, noch zu steigern: man fährt durch. In diesem Bahnhof kreuzen sich wichtige Eisenbahnlinien. Hier trifft der Verkehr aus Sachsen mit dem aus Berlin zusammen. Wenn man die Frachtzüge mitzählt, so rollen täglich an die 13 0 Züge durch den Görlitzer Bahnhof. Er ist wie ein großes zuckendes Herz und die Stadt ist sein Körper. Durch den Bahnhof lebt und atmet sie. Es sind nicht die Fernzüge, die für Görlitz die größte Bedeutung haben. Sie wechseln nur Lokomotiven und fahren dann mit ihrer Menschensracht weiter. Bon diesen Reisenden steigt nicht oft einer aus. Es sind die Züge, die aus der näheren Umgebung kommen, die sich in Görlitz leeren und die am Abend gefüllt wieder abfahren. Daß diese Stadt in enger Verbindung mit dem umliegenden Lande steht, ist- bereits aus dem Leben des Bahnhofs sichtbar. Sie schickt Arbeiter in die Glashütten und Fabriken der um- liegenden Ortschaften. Bereits um fünf Uhr morgens verläßt der erste Arbeiterzug die Stadt. Eine Stunde später bringt derselbe Zug verschlafene Arbeiter von auswärts in die Stadt zurück. Metallarbeiter aus der Waggon- und Maschinenbau-A.-G., Angestellte, meistens Angestellte, viel kleine Verkäuferinnen. Es findet ein Austausch von Arbeitskräften statt. Viele Einträgerburschcn und Arbeiter der umliegenden Glasindustrie stammen aus Görlitz. Die Züge des Vormittags bringen dann Bauern, Männer und Frauen, die in die Stadt kommen, um Einkäufe zu besorgen. Hausfrauen aus den kleineren Ort- schaften, Händler und Schüler der höhe»en Schulen. Bis in den späten Nachmittag kommen die Züge in Abständen - � von ein und zwei Stunden. Vielfach sind es Pendelzüge, die nur zwischen K o h l f u r t und Görlitz verkehren, Züge, die not- wendig geworden sind aus den engen Beziehungen dieser Stadt mit dem Lande. Der Bahnhof ist vielleicht nicht der geometrische Mittelpunkt der Stadt, aber er ist das eigentliche Zentrum. Von dort aus ist Görlitz zu erfassen und das, was der Verkehr am Bahnhof zeigt, das findet sich im Innern der Stadt wieder. Berliner Strasse. Haupt- und Geschäftsstraße, die am Bahnhof mündet und in die Stadt hineinführt. Eine Straße mit Fuhrwerken, Automobllen und einer kleinen Straßenbahn, die in großen Abständen verkehrt. Im Aeußeren unterscheidet sie sich kaum von der Hauptstraße eines kleineren Berliner Vororts. Am lebendigsten sind die Bürger- steige. Sie sind d lernd belebt und vor den Schaufenstern stehen immer Menschen. Es liegt in dieser Straße ein Geschäft am anderen. Sie breitet chre Waren in großen Schaufenstern vor den auswärtigen Besuchern aus, die der Bahnhof in diese Straße zwingt. Und so ergibt sich die merkwürdige Zusammensetzung des Publikums dieser Hauptstraße, das zum größten Teil aus Kleinbauern und Arbeiterfrauen aus der Umgebung besteht, zu denen sich dann noch der Görlitzer Kleinbürger gesellt. Hier ist die Einkaufszentrale eines ganzen Londbezirkes. Den Bauern, die ihren Bedarf an Waren vielleicht einmal im Monat decken, sieht man es an, daß sie noch immer mißtrauisch sind gegen die städtischen Geschäfte, in denen sie so zuvorkommend bedient werden, daß sie gleich irgendeinen Betrug dahinter wittern. Sie sind meistens froh, wenn sie die Stadt am Abend wieder ver- lassen können und die Sicherheit des Auftretens finden sie erst wieder, wenn sie in chrem Dorf« aussteigen. Etwas anders die Hausfrauen aus den Jndustrieorten der Umgebung. Sie kommen auch, um einzukaufen, aber sie wollen nicht, daß man ihnen anmerkt, daß sie„vom Lande" sein könnten. Sie tragen chre besten Kleider und Hüte und gehen nach Erledigung ihrer Einkäufe ins CafS, wo sie sich über oie Kleidung anderer Frauen aufregen. Es ist die Lust an einem kleinen Abenteuer, die sie nach Görlitz zum Einkaufen treibt, denn die Waren sind in ihren Ortschaften auch nicht teurer. Sie kaufen bei Woolworth und in den Einheftspreisgeschästen allerlei Dinge, die sie nicht eigentlich dringend brauchen, sondern weil der Preis sie zum Kaufen lockt. Die Straße mit chren Schaufenstern und ihrer Reklame hält sie fest und bannt sie, und Görlitz besteht für sie nur aus Geschäften, in denen man billig kaufen kann. Und die Geschäfte wiedenim sind alle auf die Kundschaft vom Lande eingestellt. Die Spezialgeschäste haben eine Stammkundschaft, die ihnen mehr einbringt und um die sie besorgter sind als um die Görlitzer Käufer. Wie der Bahnhof ein Knotenpunkt von wichtigen Eisenbahnlinien ist, so ist die Stadt selbst ein Knoten- punkt im Geschäftsleben des ganzen Landbezirkes. Das Stadtbild. Das Flußbett der Neiße teilt die Stadt in zwei durchaus ungleiche Hälften. Nicht, daß auf der einen Seite ein ausgesprochener Jndustriebezirk wäre mit Schornsteinen und sonstigen Merkmalen von Werken und Fabriken, sondern es ist die ursprüngliche Alt- st a d t mit rein handwerksmäßigem Gepräge und das anschließende Geschäftsviertel, das diesem Teil der Stadt das Gesicht gibt. Auf dem anderen Ufer findet man weder Industrie noch Handwerk, noch größere Geschäfte. Es ist eine rein« Wohngegend und in diesem Stodttell beginnt auch die moderne S i e d l u n g s- tätigkeit, die hier eine neue Stadt geschaffen hat, die mit dem alten Görlitz nichts mehr gemein hat. Hier wohnen meistens An- gestellte und Beamte in schönen gesunden Häusern. Sie pflegen chren Garten und ihre Kakteen, es ist eine abgeschlossene Kolonie, die zum Leben der Stadt weniger Beziehung hat als die ent- serntercn Landgemeinden, die das Geschäftsleben stark beeinflussen. Einen ausgesprochenen Industriebezirk gibt es in Görlitz über- Haupt nicht. Die wenigen vorhandenen Fabriken verschwinden im Stadtbild. Viele sind geschlossen und bilden tote Gebäude- komplexe in toten Straßen. Görlitz ist«ine Stadt kleiner und mittelgroßer Geschäfte. Eine Stadt, die aus die Käufer aus den Dörfern des Landkreises angewiesen ist. Ihren Kern bildet die Altstadt mit krummen Gassen, schiefen Häusern, alten Türmen und schlechtem Pflaster. Noch gibt dieses olle Görlitz der ganzen Stadt chr Gesicht. Es ist ihr Mittelpunkt, die alten krummen Häuser sind bewohnt von Arbeiterfamilien, kleinen Gewerbetreibenden und Handwerkern. Etwas Mfttel- allerliches liegt in der Atmosphäre dieser Stadt. Es fehlt die Industrie. Nicht Schornsteine ziehen den Blick an, sondern Türme von Kirchen und Giebel von Häusern aus der Zell Jakob Böhmes. Gesund und schön sind die vielen Anlagen der Stadt, in die man hineingerät, ohne daß man sie sucht. Dort findet man zu jeder Tages- und Jahreszeit Spaziergänger, meistens alte und ältere Leute, denen diese Anlagen wie ein eigener Garten sind. Nirgends gibt es so wenig junge Menschen wie in Görlitz. Man braucht nur die Gegend der Geschäfte zu verlassen, um andauernd würdigen alten Herren und Damen zu begegnen, die Hunde au Leine führen oder sinnend ihres Weges gehen. Ein ausgesprochene Arbeitertyp fällt einem direkt auf. Görlitz ist eine Stadt kleiner Pensionäre und Rentenempfänger, eine Stadt von alten Leuten, denen es, wenn nicht gerade sehr schlecht, so doch kümmerlich geht. Und dies« schwarze Armee von Rentenempfängern, die zwischen den Plüschmöbeln einer gestorbenen Zeit lebt, gibt der Stadt diesen Ton von Gedäinpfthell, diese Stimmung eines Trauerhauses, in dem man sich nicht zu lachen getvaitt. Es sind Menschen, die nicht genug zum Leben und zuviel zum Sterben haben. Sie möchten nicht überflüssig sein. Aber sie smd es. Ihre Masse erzeugt eine Museumsluft. Verlassene Stadt. Jeden Abend nach Geschäftsschwß erlebt diese Stadt einen kleinen Tod. Die auswärtigen Besucher und Arbeiter fahren nach Haus, am Bahnhof flackert das Leben noch einmal auf. Die von auswärts kommen, die anderen gehen. Und das Innere der Stadt wird still. Es wird so still, daß die Schritte einzelner Passanten laut von den Häusern widerhallen. Einige Eafes sind bis in die Nacht geöffnet. Aber die Gäste sind zum größten Teil Auswärtige, die mit einem späteren Zug fahren. Die Kleinbürger schlafen, die Proletarier auch. Sie stempeln zum größten Teil und die Kneipen sind leer. Die Nächte dieser Stadt sind still und friedlich und ihre Türme sind mit den Sternen allein. ff Kolonialkunst" in Rom Gang durch eine faschistische Ausstellung Von Karl Moeller An dem Ausstellungspalast an der Via Nazionale in Rom ist am 1. Oktober die erste international« Kolonialtun st» ausstellung eröffnet worden. Mit vielen Fahnen, Weihrauch- kesseln und schwarzen Truppen wird nach außen hin die nötige Anziehungskraft ausgeübt. Die ganze Veranstaltung ist aus italienische Besucher eingestellt und soll für diese wohl eine Nach- ahmung der großen Parsser Schau sein. Trotzdem ist die Beschickung für eine international genannt« Ausstellung allzu bescheiden. Von einem umfassenden Bilde kann nicht die Rede sein, well die großen Kolonialländer überhaupt nicht vertreten sind. Es entzieht sich unserer Kenntnis, warum England, Holland. Portugal und Amerika, um die wichtigsten zu nennen, ferngeblieben sind. Aber gleichwohl, ob sie aus Abneigung gegen das faschistische System oder aus Ab- lchnung des kolonialen Kunstgedankens überhaupt unbetelligt blieben, so stellt man am Ende der Betrachtung als stärkstes Minus doch die enge Beschränkcheit des erfaßten kolonialen Raumes fest. Zumal ganze Erdteile, deren Kolonien in der Kunst wirtlich etwas zu sagen hätten, wie Indien. Australien und die Südseeinseln gänzlich unbeachtet blieben Demgegenüber nehmen die italienischen Kolonien allein mindestens neun Zehntel der Räume für sich in Anspruch, weshalb der leise Verdacht aufkommt, daß damit für die italienischen Betrachter die Vorherrschaft des Faschismus auch in kolonialer Beziehung bewiesen werden soll. In den ersten Sälen kommen die Länder Frankreich, Belgien und Dänemark zur Geltung, worin vielleicht auch eine absichtliche Auswahl liegt. Franzosen und Belgier treten im nördlichen Afrika und im Orient, auf deren Darstellung sich die ganze Ausstellung im wesentlichen beschränkt, als Nachbarn und Widersacher der italienischen Kolonien auf, während sich das dä- nifche Grönland außerhalb des italienischen Jnteressenkreises befindet und wohl mehr der bunten Fremdartigkeit halber auf- genommen worden ist. Was es bei den erfaßten Böllern an kolonialer Kunst zu sehen gibt? Belgien und Frankreich bieten Bilder und Modelle von pompösen Gouvernementspalästen, süßen Landschastsgenren und Darstellungen aus dem Leben der weißen Beherrscher des Landes. Werke von älteren Malern, die weder im Stoff noch in der Arbctt besonderes zu sagen haben, sind aus den Museen geholt und hier ausgehängt worden. Von den künstlerisch Großen, Delacroix und Rodin, sind nur unscheinbare Kleinigkeiten zu sehen. Kunst oder Kitsch? In noch verstärkterem Maße wird diese Linie in den vielen italienischen Sälen fortgesetzt. Die Technik der Ausstellenden ist weder besser noch schlechter als in einheimischen Galerien. Es bandelt sich bei den Bildern wohl meist um Ergebnisse kurzer Reisen. Nach altbewährtem Muster werden Landschaft und Menschen in einen schönen Rahmen gebracht, stimmungsvolle Stilleben aus dem starken Gefühlsleben des Südens genommen, wobei augenscheinlich auch der Eros eine starke Rolle spielt. Nicht selten wird das Werk des Faschismus in den Ko- lonien gezeichnet: Gewaltige Parteihäuser am Rande der Wüste, daneben auch hier schon das Cosa del Ballila, das Erziehungshaus des faschistischen Nachwuchses. Bei den Photos überwiegen Bilder von Mietkasernen, feudalen Hotels und Viertel der neuen, faschisti- schen Kolonisten. Vom Leben der Eingeborenen, von ihrer sozialen Lage erfahren wir so gut wie nichts. Dagegen gibt man für die Wiedergabe der neuen, römischen Ausgrabungen in den Kolonien einen wellen Raum.frei. Kein Wunder, hier ver- sucht Mussolini künstlich ein Vorbild zu schaffen: das alte, römisch« Weltreich, dessen Erneuerung der Faschismus bringen soll. Zur äußeren Belebung und um die Zugkraft zu erhöhen, hat man eine orientalische Händlergasse aus Tripolis nach- geahmt, in der von schönen Italienerinnen Teppiche, Parfüm, Lippenstifte, kunstvolle Lederkissen, Kaffeemaschinen und anderer Tand iür billiges Geld sellgeboten werden. Manche Verkäufe- rinnen werden dabei so zudringlich, daß man kaum ohne Rosenöl oder ein Riechwasser herauskommen kann. Damit wäre das Wesentliche, das man bei einer flüchtigen Betrachtung festhält, über die Kunst in dieser Ausstellung gesagt. Sie hat so wenig mit dem Wesen der fernen Kolonien zu tun, wie dgren Beherrscher ein Recht auf den Besitz haben. Wo bleiben, wenn man schon auf die Darstellung des alltäglichen Lebens in den fremden Ländern verzichten will, dessen Kenntnis für die Euro- päer viel wichtiger wäre, die Kunst der Eingeborenen, die Masken, Tänze und Kultdarstellungen der Neger, ihre primitiven Zeich- nungen und ihre Götzenbilder? Die Werke der Europäer aus den Kolonien, die In dieser immerhin gfloß aufgemachten Ausstellung aufgespeichert sind. können nur wenig interessieren. Zudem erscheinen auch sie noch gesiebt, auf kolonialbejahende, heiter-schöne Sachen beschränkt. Ich habe keine einzig« Aeußcrung über die großen Katastrophen gefunden, die rein menschlicher Art oft genug unter den weißen Kolonisten ausbrechen. Demgegenüber verdient die Ausstellung Dänemarks in zwei winzigen Zimmern in jeder Beziehung ein Sonderlob. Auf einer gemalten Karte Grönlands werden durch Figuren und Zeich- nungen Wirtschaft, Natur und Menschen des Gebietes dargestellt. Vorzügliche Photographien zeigen das wirkliche Aus- sehen des Landes und den harten Kampf der Menschen gegen die Natur. Walfischfängerausrüstungen, Darstellungen der Eisbären- jagd und ein kleines Kanu geben neben vielen schönen Handarbeiten Dinge aus dem Alltag der Grönländer wieder. Hier werden tat- sächlich eigene Arbeiten der Kolonie ausgestellt, wenn man Grön- land überhaupt als solche bezeichnen will. Das wahre Gesicht. Aber kommt es denn daraus dem Urheber der Ausstellung, der vom faschistischen Kolonialinstitut nicht allzu weit entfernt sein dürfte, überhaupt an? Es scheint vielmehr, als ob die ganze Aus- stellung dazu aufgemacht ist, dem Ualienischen Volke den kolonialen Gedanken schmackhaft zu machen. Wohl nicht durch Zufall dominiert in der Veranstaltung die für Italien so wichtige Kolonie Tripolis, feit deren Einnahme' im Jahre 19lt nunmehr gerade zwei Jahrzehnte vergangen find. Der Faschismus rühmt sich ja nicht ohne Grund, neue Wege der Kolonialpolitik gefunden zu haben. Er hat die Eingeborenen großzügig enteignet und das freigewordcne Land faschistischen Kämpfern geschenkt. Nicht mehr durch Bestechung der einheimischen Führerschicht, der Khadis, wird die Bevölkerung im Zaum gehalten, wie es früher üblich war, sondern durch offene Gewalt mit Hilfe der militärischen Macht. Die beiden Zimmer, die darüber einen kleinen Aufschluß geben, sind wohl die wichtigsten, aber leider am wenigsten beachtet. Die Besucher freuen sich vielmehr über orientalische Musik, schöne Schmuckstücke und anderen Tam-Tam. Hier aber zeigt sich die nackte Wirklichkeit. Mit verschiedenfarbigen Glühbirnen wird an einer Wand die Ausbreitung des Flugzeugnetzcs und die Ausdehnung der M i l i t ä r st r a ß e n in Tripolis dargestellt. Das find die neuartigen Unterdrückungsmanöver. Die allen Forts mit ihren kostspieligen Garnisonen hat man zum großen Teil auf- gegeben. Dafür kommen die viel gefährlicheren Waffen der Mo- torfahrzeuge auf dem Lande und in der Luft. Noch im Jahre 1920 gab es nur 80 Panzerautos mit 320 Mann Besatzung in Tripolis, während es jetzt S89 Pan�erautos mit 1015 Mann sind. In kürzester Zeit kann so eine kleme, aber desto gefährlichere Truppe an einen Unruheherd gebracht werden. Und bei dieser Gelegenheit entpuppt sich allerdings, was mrn- tt» Lande des Fascio unter.Lolomalkunst" versteht. 99 Schritt um Schritt Die grofje Bühnenschau der Freien Turnerschaft Grofj-Berlin Wenn man auf der Straße sieben schlanke, ranke Mädchen trifft. die in einer Reche untergefaßt, im strammen Gleichschritt einen» gemeinsamen Ziel zustreben, so kann der Gleichschritt und das Ziel nur etwas mit Sport zu tun haben. Gestern traf der Berichterstatter aus seinem Wege zum Wintergarten solche marschierenden Mädchen und sie zeigten ihm den Weg zur großen B ä h n e n» schau der Freien Turnerschaft Groß-Berlin. Es war immerhin ein riskantes Unternehmen, in der heutigen Notzeit einen Saal von den Dimensionen des Wintergartens zu mieten, riskant wegen der Menschenmenge, die ihn zu fällen nötig ist, aber auch wegen der auf einer mit allen technischen Hilfsmitteln ausgerüsteten Bühne zur wirkungsvollen Darstellung nötigen Pro- grammnummern. Die Freie Tnrncrschaft, Berlins größter Arbeiter- turnverein, hat gestern gezeigt, daß man sich sehr wohl zur Werbung auch direkter Theater mit Erfolg bedienen tann. „Schritt um Schritt!" hatte man als Motto auf das Programm gesetzt. Schritt um Schritt sollte gezeigt werden, wie Arbeitersporller, beim Kleinkinde be- ginnend, ihr« Anhänger schulen und erziehen. Zu einem älteren Sportfilmstreifen spielt das Orchester des Vereins die Stradella- Ouvertüre 1328 turnte und fportelte man noch so, wie es die Lein- wand zeigte, dann zeigte sich die FTGB. persönlich im lichter- blendenden Wintergarten. Ein vierjähriger Knirps steht einsam aus der Luhne und spielt mit einem Ball seinen„Sport". Seine Vereinskamc- raden gesellen sich zu ihm, alle spielen, nur das feingemachte Stadtkind, von der Mutter sittsam an der Hand geführt, darf nicht mittollen, es könnte das gute Kleid beschmutzen! Die Mama entfernt sich erbost, dem träumenden Kind gaukeln Kobolde und Elflein frohe, lustige Spiele vor. Indianer und Trapper liefern sich einen echten Jungenkampf, plötzlich ist die Riesenbühnc voller spielen- der Kinder, die singen was sie können und was sie wollen: „Wir sind ausgegangen, den Sonnenschein zu fangen!" Sonnenschein und Luft und Licht und Freude! Alle suchen und fangen sie den Sonnenschein— auch das feine Stadtkind. So sollst du, Kind, Arbeiterkind aus dem Hinterhaus, spielen und tollen und froh sein. Nächstes Bild: Jugend springt, Hupst, balgt sich auf Matten, das es nur so eine Art hat. Zweckgymnastik muß der Erwachsene treiben, wenn seine Glieder des Tages Arbeit steif machte, Zweckgymnastik, die— man sah das gestern im Winter- garten— auch beim Rhythmus eines Fojstrotts betrieben werden kann. Weiter: Weshalb sollst du, mutiger Jüngling und Mann, nicht deine schwierigen Uebungen am Reck, am Barren, am Pserd lernen und machen. Dos kannst du Jungmädchsn und Frau auch, die FTGB. zeigte es. Allerlei Tänze schlössen den ersten Teil. „Kote Kebelteo." Was das vernunftgemäße Turnen und Sporteln überhaupt soll, welchem Endzweck es dient, das zeigte der B e w e g u n g s- ch o r im nächsten Abschnitt des Programms. Erde, Wasser, Feuer, die Elemente wirken um den Menschen herum. Im monotonen Rhythmus der rationalisierten Arbeit erschlafft Körper und Geist, quälenden Ketten gleich trägt der Arbeiter dumps sein Los.„Rote Rebellen" rufen ihm das erlösende„Komme zu uns" zu, doch noch kämpfen Unwissenheit, Stumpfheit, aber auch Angst und Verrat gegen die Emanzipierten. Erkenntnis flammt auf. die früh zum Denken gezwungenen Kinder singen begreifend: „Wenn wir einmal groß geworden dann gehörn uns die Maschinen und wenn wir die Hebel fähren werden sich die Kräfte rühren!" Noch steht Wissen gegen geistige Finsternis, aber dann, als der Führer der Rebellen die rote Riesenfahne hißt, dann ist der Zu- sammenschluh unter dem Siegsbanner des menschheitumfassenden Sozialismus da. Der gemeinsame Gesang der Arbeitersport- Internationale mit dem Text von Fritz Wildung vereint Dar- steller und Zuschauer. Es war ein schöner, erhebender Mittag, den die FTGB. ihren Freunden bot. Kleine Regiesehler, die man vielleicht in die Formel zusammenfassen kann:„Schritt um Schritt— aber ohne rechtes Tempo", wird selbst die Leitung bemerkt hoben. Bei der nächsten Bühnenschau auf einer so schwer zu handhabenden Bühne, wo Be- leuchter, Kulissenarbeiter und Vorhangleute wohl einen internatio- nalen Artisten, aber keinen Arbeitersportler auf den ersten Anhieb zu bedienen oerstehen, wird man vieles besser klappend und schneller vor sich gehend sehen. Das muß die Leitung der Bühnenschau— wir dürfen den Genossen Stephan nennen— versprechen, dann wird das Ricsenhaus wieder so voll sein wie gestern. Dann kommt auch wieder der Berichterstatter, der gestern sehr lange auf seine Platzanweisung warten mußte. bl. FSC. lud ein zu einem grüßen Schwimmfest Die Freien Schwimmer Charlottenburg wickelten gestern ein Schwimmfest ab, zu dem nicht weniger als 22 Ver- eine Meldungen abgegeben hatten. Ein sehr guter Besuch und scharfe Wettkämpse waren das Kennzeichen des Tages. Die sportlichen Leistungen standen aus hoher Stufe und fanden ihren Ausdruck in den guten Zeiten, die geschwommen wurden. In den Wettkämpfen der.�.-Klasse kam es wie erwartet, zu scharfen Kämpfen zwischen den beiden Rivalen Hellas und E h a r- lottenburg. Hellas ließ in den beiden Staffeln, der Iv mal Sv-Meter-Bruftstaffel und in der Lagenstaffel, Charlottendurg hinter sich. Die Bruststafsel sah am Start Charlottenburg im Vorteil. E. Grühn, der beste Crawler des Bundes, schwamm als Schlußmann die 109 Meter in 1: 04 Minuten, eine ausgezeich- nete Zeit, trotzdem mußten sich die„Schlorrndorfer" mit Handschlag geschlagen bekennen. Unerfreulich war der Verlauf des Springens. Ein neues Dreimetersprungbrett, nicht ganz einwandfrei, hinderte die Springer an der vollen Entfaltung ihres Könnens. Die zweite Ueberraschung gab es im Crawlschwimmcn über 200 Meter der /»-Klasse. Ernst Grühn, Frohn-Neukölln, Polte- Hellas wendeten die ersten Bahnlängen gleichzeitig, bei 100 Meter ging Grühn in Front, tapser klammerte sich jedoch Polte an und ließ Grühn nicht davon, bei der letzten Wende lag sogar Polte etwas vor. Dann ein Kops-an-Kopf-Schwimmen der beiden. Totes Rennen war das Ergebnis. Zwar hatte der Charlottenburger schon die schwer« Lagenstaffel hinter sich, aber trotzdem muß er sich in Zukunft vorsehen. So sicher wie die letzten zwei Jahre der Crawl- schwimmsieger immer Grühn hieß, geht es nicht mehr, in dem jungen talentierten Hellenen Polte ist ihm ein guter Gegner ent- standen, und man darf schon heute aus das Abschneiden der beiden bei der Kreismeisterschast am nächsten Sonntag gespannt sein. D i e Zeit mit2:31 Minuten für 200 Meter wäre Bundes- rekord, jedoch entspricht die Charlottenburger Hall« nicht ganz den Bundesoorschriften. Franz Grühn gewann das 200-Meter-Brust- schwimmen für Charlottenburg in 3: 05, S Minuten und entschädigte sich für sein Versagen bei der Lagenstaffel. Krienke-Lichtenberg und Wagnitz-Hellas kämpften im zweiten Lauf Kops an Kopf, der erste erreichte mit geringem Borsprung im blendenden Stil als erster das Ziel. Recht gut« Zeiten erreichten auch die Jugend schwimmet und die Männerin der S-Klasse. Im Jugendbrustschwimmen erzielte Salbach, FSGB.-Mitte, mit 1:27 über 100 Meter eine gute Zeit vor dem Wittenberger Teikner, der 1:30 gebrauchte. Mit nur einer Zehntelsekund« Unterschied schlugen die Jugendcrawlschwimmer im 100-Meter-Schwimmen ans Zielband. 1:16,9: 1:17: 1:17, 1:17,2. Die Bruststaffel siir Ruderer und Kanufahrer gewann der FTGB.-Kanubezirk sehr sicher gegen die Freie Rudervereinigung 1913. Die Frauenlagenstaffel holten sich die Neuköllner. Im ersten Wasserballspiel ließ die Charlottenburger zweite Mannschaft gegen die �.-Mannschaft von Union nach der Halbzeit viel am Zusammenspiel vermissen, und so errangen die Unionspieler einen 9: 5-Sieg. Das Hauptinteresse galt dem Spiel des Bundesmeisters Charlottenburg I gegen die gute Hellas-Mannschaft. Bei Halbzeit stand es 9:3 für Charlotenburg. Charlottenburg erreichte schließlich ein 12:6-Resultat. Männerbruststafitte, 10 mal 50 Meter: 1. Hellas«:21,5: L. Charlotten. Iiuta 6:30.— Nnabenbruftschwimmen, 30 Meter, intern: 1. W. Daase 46; 2.». Scheibwat 50.— Mannerlagenstafette, 3 mal 100 Meter lohne Seite): ch, cibl Männerkirustschwimmcn, 200 Meter, Klasse A; I. Krühn. Charlottenburg, 3:05,5; 2. Nrienke, Lichtenberg, 3:07,1.— Miinnerbruststatettc für Ruderer und Kanu- sahrer, 1 mal 50 Meter: l. FTGB. Kanu 2:49: 2. FRB. 1913 2:34 S.— Fraucn- brultschwimmen für weibliche Ruderer und jtanufahrer, 50 Meter: 1. Meyer, Aittenberge, 56,0; 2. Auster, Wittenberge, 58,7.— Anabenerawlschwimmen, 50 Meter: 1. Radünz, Friedrichshain, 37,8; 2. Dilsner, Charlottenburg, 38,0. — Iugendbrustlchwimmen, weiblich, 100 Meter: 1. Bock, Fallensec; Chring. Hausen, Union, 1:45; 2. Weber, ssreiheit, 1:47,5.— Iugendlagenslasctte, männlich, 4 mal 100 Meter: 1. Lichtenberg 2:31,8; 2. Hellas 2:34.— Männer. crawlschwimmcn, 200 Meter, A lasse A: 1. Grühn, Charlottenburg; Polte, tellas, 2:31,0; 2. Frcchn, NeulSlln, 2:40,7.— Frauenbrustschwimmen, 100 Meter, lasse B: 1. Aithn, Charlottendurg. 1:50: 2. Laczinil, Charlottenbura, 1:52,6.— Männererawlschwimmen, 100 Meter, Masse B: 1. Drämert, Hella», 1:14,1; 2. Gernaroh, Charlottendurg, 1: 1 6,3.— Mannervabdelstafette, 4 mal 25 Meter: 1. Charlottendurg 2:32.2; 2. Mitte 2:45.— Wasserdallsviele, Männer, Klasse A: Union gegen Chorlottenhurg 0:5<8:4); Hellas gegen Charlottenburg 6:12(3:9). Arbeitcr-Wasserball-Scric Union— Berlin XII 7:4/ Mowc-Frciheif 6: 1 Noch dem überlegenen Sieg im Spandauer Blitzturnier ist die Niederlage, die Berlin XII am Wochenends im Lunobad von Union hinnehmen mußte, empfindlich. Union nutzte den Vorteil, zuerst in der flachen Seite des Bassins zu spielen, sehr geschickt aus. Unions Stürmer wurden von der gegnerischen Verteidigung nicht gut abgedeckt und kamen trotz langsamen Spiels fast immer frei- stehend zum Schuß. Berlin XII war lediglich nach einem Freiwurf einmal erfolgreich, gegen fünf Treffer von Union im ersten Spiel- abschnitt. In der zweiten Spielhälfte wurde das Zufammenspiel von Berlin XII besser, doch wurde durch den bekannten Mangel an schwimmerischer Schnelligkeit manche gute Chance versiebt. Bei etwas härterem Spiel kam Union durch gleichbleibende, taktische Ueberlegenheit zu zwei weiteren Erfolgen, während Berlin XII mit einigen genau placierten Schüssen auf 4:7 herankan. Flott gekämpft wurde im folgenden Spiel zwischen Möwe und Freiheit. Die Spielweise von Freiheit hat sich gebessert. Möwe zeigte sich von der besten Seite, spielte ein einfallreiches Spiel, bei dem auch der abschließende placierte Torschuß nicht fehlte. Zu Beginn drängte Freiheit stark, doch setzte sich Möwes Spielerfahrung langsam durch, und wuchtige Durchbrüche von Verteidigung und Verbinder brachten das Freiheittor wiederholt in Gefahr. Typisch die Angriffe von Möwe, die, tadellos angelegt, fast stets zum Er- folg führten: Alleingang aus der Abwehr heraus bis zum gegne- rischen Tor mit folgendem Schuß oder Abgabe an den besser postierten Stürmer im Fall des Angegriffenwerdens. Freiheit ver- stand nicht, diese Taktik Möwes zu durchkreuzen, wird ober gewiß manches gelernt haben. Freiheit schoß sein Ehrentor aus dem Ge- dränge von dem Möwe-Tor in der ersten Spielhälfte. lich, 1« bis 18 Jahre: 1.»uttig, Mäwe, 1:16.0; 2. Schräder. Freiheit, 1:17.— yQRBEfTEH rüSSBALL Sonniogs-Uebcrraschungen Der gestrige Sonntag brachte für die Favoritenmannschaftcn unangenehme Ueberraschungen. So mußte Adler 98, die führende Mannschaft der Abteilung B, mit 4:1 geschlagen die Heimreise nach Luckenwalde antreten. Hertha 11, der glückliche Sieger, spielte allerdings wie aus einem Guß.— Lichtenberg I besann sich wieder einmal auf seine frühere Form. Gegen den Spitzenverein der Ab- teilung A Luckenwalde I reichte es zum unentschiedenen 1: 1- Resultat. Damit steht Luckenwalde und Eintracht-Reinickendorf punktgleich. In einem richtigen Arbeitersport demonstrierenden Spiel siegte Eiche-Köpenick über Teltow mit 6: 2. Bis zum Seitenwechsel war der Sieger noch nicht vorauszusehen, lautete doch das Resultat bis dahin erst 1: 9 für Eiche. Nach dem Wechsel machte sich jedoch eine kleine Ueberlegenheit der Köpenicker bemerkbar. In der 6. Minute beging der Teltower Torwart, der jahrelang beim Handballspiel im Tor stand, den großen Fehler, einen hohen Ball nicht zu fangen, sondern abzuklatschen. Dem nachfolgenden Mittelstürmer Köpenicks war es ein leichtes, den Ball über die Linie zu befördern. Zwei Minuten später verhängte der Schiedsrichter Über Köpenick einen Elfmeter, der vom Mittelläufer Teltows mittels„Pieke" unhaltbar eingesandt werden konnte Die Teltower rissen sich nun zusammen. Es war immer noch die Möglichkeit vorhanden, den Köpenickern den Vorsprung abzujagen. Uneinigkeit und das Fehlen jeden Zusammen- Hangs im Sturm oerhinderte aber sichere Erfolge. Dann stellte � Eiche wieder das Resultat auf 3: 1. Noch einmal kamen die Tcl- tower etwas auf, als es dem Linksaußen gelang, eine Flanke von rechts unhaltbar einzusenden. Damit war e? aber auch mit ihrer Kunst vorbei. Eiche übernahm nunmehr das Kommando. Erfolge verhinderte jedoch vorläufig immer wieder die sicher arbeitende Ver- teidigung Teltows. Erst in der 27. Minute gelang es dem Mittel- stürmer, bei einem Gedränge vor dem Tor den Ball zum vierten- mal über die Linie zu befördern. Fünf Minuten später stellten die Teltower durch ein Selbsttor das Resultat auf 5: 2. In einem Gesellschaftsspiel konnte Pankow-Nieder- schönhausen der Reinickendorfer Eintracht ein 1:1- Resultat ab- trotzen.— Eintracht Bezirk gegen Kladow 2:1.— Karow gegen Pankow 3 9:3.— Lichtenberg I Jugend gegen Normannia 1: 3. — Eintracht-Reinickendorf gegen Normannia 2 6:2.— Lichtenberg 2 gegen Wilmersdorf 3: 9. Kleiner Sport von überall Rugby auch im Arbeiler-Turn- und 5 portbund. Das vor kurzem offiziell in den Spielbetrieb des Arbetter-Turn. und Sport- bundes auigenommene Rugbyspiel nahm mit der ersten Veranstal- � tung in Hannover-einen guten Ansang. Nach eifrigem Training standen sich die Mannschaften vom Arbetter-Rugby-Klub Hannover- Linden und vom Nordstädter Fußballklub gegenüber. Die Nord- städter gewannen mit 8: 3. Dem Spiel wohnten 699 Zuschauer bei, darunter Vertreter des Stadtamtes für Leibesübungen und der Sozialdemokratischen Partei. Präger Arbeiter- Schwimmer als Gäste in Breslau. Das Hallenschwimmfest der Freien Schwimmer Breslau verlief sehr erfolgreich. Vor ausverkauftem Haufe wurden ausgezeichnete Leistungen geboten. Ein besonders scharfer und technisch sehr guter Kampf war das Wasierbollspi'el Breslau— Prag, das die Breslouer knapp mit 8: 7 gewannen. Im 199-Meter-Kraulschwimmen be- legte der Prager Bizeck den ersten Platz in 1:93,1, zweiter wurde Werner. Breslau, in 1:97,3. Die 6><59-Meter-Kraulstafette ge- wann Breslau, Prag kam auf den zweiten Platz. Parleigenöslische Autofahrer treffen sich Bußtag, 18 Uhr, zu einem Kaffeestündchen im„Schweizerhäuschen" in Nedlitz. Es wird erwartet, daß alle Auto- und Motorradfahrer am Bußtag ihren Wagen nach Nedlitz steuern, weil es schon lang« der Wunsch Partei- genössischer Autolenker ist, sich mit Gesinnungskameraden zu treffen. Fahrstraße: Charlottenburger Chaussee— Heerstraße, Chaussee nach Potsdam. Günstige Porkgelegenheit. * Tennis-Borussia besiegt Viktoria mit 19: 9 Toren! Eine Riesen- Überraschung gab es in der vierten Hauptrunde um den Berliner Fußball-Pokal der" bürgerlichen Vereine, die am Sonntag er- ledigt wurde. Das wichttgste Spiel der Runde, die Begegnung zwischen Tennis-Borussia und Viktoria im von 12 999 Besuchern gefüllten Poststadion endete mit dem sensationellen 19: 0>(3: 9) Siege der Tennis-Borussen. Dülberg-Grimm in Ehikago in Front. Mtt einem«indrucks. vollen Siege der Mannschaft Dülberg-Grimm endete das erste dies- winterliche Sechstagerennen in Chikago. Während Grimm schon im März d. I. mit dem Schweizer Richli als Partner in Chikago gewonnen hatte, konnte der Dortmunder Franz Dülberg jetzt seinen> fünften Sechstagesieg feiern. 199-kilometer-Gehen in Mailand. Ungeheure Anforderungen an das menschliche Leistungsvermögen stellte das 199-Ailometer- Gehen, das am Sonntag unter starker Beteiligung mit Start und Ziel in Mailand zum Austrag kam. Als Sieger aus dem Weit- bewerb ging der bekannte italienische Geher Rivolta hervor, der die 199 Kilometer in 11:59:57.2 bewältigte. Oer DRAC. diskutiert Einen Diskussionsabend veranstaltet der republikanische Deut- s ch e R e i ch s- A u t o- C l u b am 29. November, 29.39 Uhr, im großen Saal des Jngenieurhauses. Das Thema des Abends lautet: „Der Kraftfahrer und sein« Richter." In Form einer offenen Aus- spräche zwischen in Verkehrssachen tätigen Richtern und Staats- anwälten und den Kraftfahrern sollen die aktuellen Fragen der Rechtsprechung erörtert werden. Für die Kraftfahrer spricht der Präsident des DRAC., Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt. Von der Justiz werden u. a. Staatsanwaltschaftsrat Lettner, der Verkehrs- dezernent der Berliner Staatsanwaltschaft. Amtsgerichtsrat Neuen- dorss und Amtegerichtsrat Tietz als Verkehrsrichter das Wort nehmen._ Subctoetctn Collegi». Sugtaflfflanberung nach Bernau. Treffpunkt bcr Fubwandcrcr 7>A Uhr Vorortbahnhos Scsundbrunncn. Radfahrer TZH Uhr Stcttincr Bahnhof. Ruder-rrcin Vorwärts. Treffpunkt zur Buhtagswanberung 8 Uhr Schle- sifcher Bahnhof, Sübfeite. Fahrt nach Rubersborf unb Erkner. Arbeiter. Schwimmncreia»reuzberg. Treffpunkt zur Duhtagop-rtie'% Uhr Sörlitzer Bahnhof. Uebungsabenbe nur Freitags ab IS Uhr Baerwalbstrahe. Freie ttaau-Union Groß. Berlin. Dienstag, 17. November, lOVj Uhr, Be-' such ber Photoausstellung bei Naturfreunde, Johannis str. 15. Bußtag, 15 Uhr, Abt. Havel gegen Abt. Oberspree. Plaß neben Bootshaus :uhlhcibe.- Arbeitcr>Nchtbild»B»ab. Dienstag, 17. November, 20 Uhr, Sitzung aller Bereinsoorstände im Verlag Der Neuen Gesellschaft, Alexandrinenstr. S7e. Touristcnverciu„Die Naturfreunde*. Dienstag, 17. November, 20 Uhr. Abt. Friedrichshain: Frankfurter Allee 307. Sozialogische Entwicklung der Mark Brandenburg.— Friedenau: Offenbacher Str. 5». Neue Lieder.— Humboldt, Hain: Willdenowstr. 5. Proben siir den 19. November.— Norden: Sannen- burger Str. 20. Wunderglaube in Wirklichkeit(Dr. Schutte).- NeulSlln: Ar. beitsgemeinschaft. Flughafenstr. 68. Die Frau in der heutigen Gesellschaft.— Wedding: Willdenowstr. 5. Bater Zille.— OberschSncwcide: Laufener Str. 2. Politische Satire.— Osten: Ebcrtysir. 12. Unsere Weihnachtsfahrt.— Fahrten, berichte.— Donnerstag, 1». November, 20 Uhr. Abt. Lichtenberg: Gunterstr. 44. — Weißsnfee: Pistoriusstr. 24.— Neukölln: Bergstr. 20. Die sozialistische Be bei Wcißenberger, Freiligrathstr. 0.— Südwest: Porckftr. 11. Buntes Allerlei.— Tiergarten: Lehrter Str. 18— 19. Naturwissenschäftlichcr Vortrag.— Roscnthaler Porstadt: Weinmeisterstr. 16— 17. Mitgliederversammlung.— Na, turkundliche Abteilung: Iohanniostr. 15. Arbeitsabend. Gäste sind zu allen Veranstaltungen herzlich willkommen. A2V. Rot-Weiß. Uebungsabenbe Dienstags und Freitags 20 Uhr Ibsen. straße 17. Bußtag B-reinsfahrt. Unterwegs traditionelle- Fußballspiel Hand- boller— Hockiper. Treffpunkt IM Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Mittwoch. 25 Zio. vcmber, lOVs Uhr, Versammlung bei Ufert, Dleimstr. 56. Ciaz-lmitglied-r ber Ruderer»nd«onufahrcr im 1.«rei«. Bußtaa Grüne. waldtour. Treffpunkt Bhf. Pich-l-berge, 10 Uhr. 0 3 nur Schfin Oberhemden /Kragen Aufgabe SchQnhauser Allee 117 Schönhauser Allee 117/ Landsberger Allee 39 Sonderangebote in Trikotagen Strümpfen/ Strickbekleidung/ Handschuhen B I e y I e• Kl e I d u n g zu O rl g I n al p reise n