Morgenausgabe Nr. 539 A 221 4S. Jahrgang WSchmMch 88 Pf, mmtotna 3,80 Pi. (Nmon»B Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich so Pf. Polizeiwngs- unst 72Pf.Postbestellge- düstren. Auslandsabonnement s,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Druckfachenporto 8,— M. Per„Porwärts" erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montag« einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel.Der Abend' Zllustrierte Sonntagsbeilag» .Boll und Zeit'. p. NerUner Voltsbla« Dienstag tl. November 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die« ins p alr. Nonpa«tllezetle KV Pf. ...— Mes* weitere Wort 12 Pf. Rabatt IL Tauf. Stellengesuche das. erste Wort IS Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte übe» IS Buchstaben zählen für zwei Warle. Drbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Fainilien' anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft LindenstraheZ. wocheu- täglich von SV, bis 17 Uhr. 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Obwohl sie bei diesen Wahlen nicht nur ihre Stellung als stärkste Partei behauptet sondern auch noch einen neuen gewaltigen Auf- schwung zu verzeichnen hatte, hielt sie es für selbstverständlich, daß sie sich mit bürgerlichen Parteien in die Regierungsmacht teilen mußte, weil sie nur mit diesen Parteien zusammen die Mehrheit besaß. Ob dieses Verhalten der Sozialdemokratie richtig war oder nicht— mir halten es auch heute noch für richtig— steht nicht zur Debatte. Sicher ist, daß die Sozialdemokratie ihren Feinden nicht mehr Recht einräumen kann, als sie sich selber zugebilligt hat. Die Nationalsozialisten sind heute in, Aufftieg, sie sind in diesem Augenblick in Hessen, und ver- mutlich nicht nur in Hessen, die stärkste Partei. Wenn sie daraus das Recht ableiten wollen, Hessen, ja ganz Deutsch- lond allein zu regleren, so ist das Unsinn. Dieses Recht wird � ihnen nach den Gesetzen der Demokrate erst dann zustehen, wenn ihnen das Volk durch Mehrheitsentscheid den Auftrag gegeben Haben wird. Ein solcher Auftrag des Volkes liegt nicht vor. Auch in Hessen sind die Nationalsozialisten samt den ihnen nahestehen- den Gruppen in der Minderheit geblieben. Die Mehrheit der Wähler hat sich zu Parteien bekannt, die sich gegen den Faschismus und g e g e n die Harzburger Front erklärt haben. Für die Harzburger Front, einschließlich Volkspartei, sind 3�2 666 Stimmen abgegeben worden, gegen sie 442 767 Stim- men, das sind die des Zentrums und der links von ihm stehenden Parteien. Ein saschistisches Regiment in Hessen stünde im Gegensatz zu dem erklärten Willen der W.ä hler, es wäre unvereinbar mit den Gesetzender Demokratie. Ob man die Nationalsozialisten zur Regierung mit heran- läßt oder nicht, ist eine Frage nicht des Rechts sondern der politischen Erwägung. Eine Partei, die in der Oppo- sttion wächst wie ein Pilz im Regen, kann ebenso schnell wieder zusammenschrumpfen, wenn sie die Sonne der Regie- rungsmacht bescheint. Hätten die Nationalsozialisten in den letzten 13 Jahren auch nur den zehnten Teil der Verant- wortung tragen müssen, die die Sozialdemokratie getragen hat, so wäre wahrscheinlich keilte Spur mehr von ihnen übrig. Kein Wunder also, daß immer wieder der Gedanke auftaucht. die Abnutzungstheorie einmal an den National- sozialisten auszuprobieren. Unternommen werden könnte dieses Experiment nur vom Zentrum, denn ohne Zentrum gibt es keine Rechts- Mehrheit. Für das Zentrum wäre die Sache verhältnismäßig einfach, wenn die Nationalsozialisten eine Partei wären, die auf dem Boden der Verfassung und der Gesetze steht. Da s � aber die Nationalsozialisten eine solche Partei nicht sind, bringt jede Koalition mit ihnen die Gefahr eines A b- r u t s ch e n s in Staatsstreich und Bürgerkrieg mit sich. In Harzburg hat es ja die nationalsozialistische Führung offen ausgesprochen, daß sie Koalitionen nur schließen will, um im passenden Augenblick die Partner hinauszuwerfen und allein weiterzuregieren. Das ist ein prinzipielles Bekennt- nis gegen die Verfassung und für die Gewalt, ein Bekennt- nis, mit dem die Praxis der SA. nur allzu gut überein- stimmt. Gewalttat und Terror, verübt von den Banden Hitlers, nehmen im Lande überhand, eine Kapitulation der Staatsgewalt vor ihnen wäre gleichbedeutend mit dem offenen Bürgerkrieg. Wie soll der Staat das Verbrechen bekämpfen, wenn die Verbrecher in der Regierung sitzen? Es ist aber nicht nur das Zentrum, das schwere Ver- antwortung trägt. Auch alle die tragen sie, die links vom Zentrum stehen und die sich alle— von kleinen Splittern abgesehen— irgendwie zum Sozialismus bekennen. Während sich unter dem Deckmantel des Nationalsozialismus die bürgerliche Sammlung in ihrer reaktionärsten und brutal. sten Form vollzieht, hat man in Hessen vier proletarische Parteien aufmarschieren gesehen, zwei große und zwei kleine! 4 Ohne diese Zersplitterung der antifaschisti- schen Kräfte gSb«e» kein» faschistische Gefahr. Abschied von Friedrich Bartels. Trauerfeier des Landtags und der Partei. Die offizielle Trauerfeier. Di« offiziell« Trauerfeier für den verstorbenen Land- tagspräsidenten Friedrich Bartels begann pünktlich um 3 Uhr in der großen Wandelhalle des Landtages. Seit Sonn- abendnachmittag stand hier, unter ständiger Ehrenwache des Reichs- banncrs, der Sarg aufgebahrt unter Palmen und Lorbeerbäumen, flankiert von Leuchtern, deren brennende Kerzen dem würdig aus- geschmückten Raum ein feierliches Gepräge gaben. Die elektrischen Lampen waren mit Trauerflor umhüllt, die beiden großen Pfeiler in den preußischen Landesfarben schwarzweiß drapiert, während die große Mitteltür zum Sitzungssaal im Hintergrund des Sarges mit dem schwarzrotgoldenen Fahnentuch verhängt war. Schier unabsehbar ist die Fülle der Kranzspenden, die in dem Raum untergebracht sind. Zu Füßen des Sarges, hinter dem eine Abteilung des Reichsbanners steht und an dem während der Feier zu beiden Seiten je drei Amtsgehilfen die Ehrenwache halten, liegen die Kränze der preußischen Staatsregierung, der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, der Reichsregierung, des Senats der freien und Hansestadt Hamburg, des Partcivorstandcs, der Fraktionen der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei usw. Rings an den Wänden� meist geschmückt mit roten Schleifen, die letzten Blumen- grüße zahlloser Parteiinstitutionen und Körper- schaften, denen der Verstorbene angehörte oder Förderer war, und der verschiedenen Bezirksorganisationen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Fast ist die sonst so geräumige Wandelhalle zu klein, um alle Trauergäste zu fassen.'Neben der fast vollzählig versammelten sozialdemokratischen- Landtagssraktion sind Vertreter aller Frak- tionen— mit Ausnahme der Kommunisten und Nationalsozia- listen—, der sozialdemokratijä)« Parteivorstand mit dem Genosten Otto Wels und der Genossin Iuchacz, Abordnungen der sozialdemokratischen Rcichstagssraktion, der freien Gewerkschaften, die gesamte preußische Staatsregierung, das Präsidium des Landtages und für das Präsidium des Reichstags Genosse Paul'Lobe erschienen. Als Vertreter der Reichsrcgierung war Reichswehr- und Innen- minister Groener anwesend. Ferner sah man unter den Trauer- gasten den Berliner Oberbürgermeister Dr. S a h m mit dem Stadt- vcrordnetenvorsteher Genossen Haß. Der preußische Staatsrat war durch seinen Vizepräsidenten, den Frankfurter Bürgermeister Genossen Graes, vertreten. Außerdem sah man den sächsischen Gesandten Genossen G r a d n a u c r, Peter Graßmann vom ADGB., den hochbctagten Alterspräsidenten des Landtags Graf von Posadowsky, den früheren preußischen Finanzminister Dr. v o n R i ch t c r und den ehemaligen volkspartcilichcn Abgs- ordneten von E y n e r n. Auch das gesamte Beamten-, Angestellten- und Arbeiterpersonal des Landtages erwies dem dahingeschiedenen Präsidenten durch Teilnahme an dieser Feier die letzte Ehre. Ms die Witwe und der Sohn des Verstorbenen init den übrigen Familienangehörigen erschienen, ehrte die Trauerversammlunq den Schmerz der Hinterbliebenen durch Erheben von den Plätzen. Feier- lich inlonierte hierauf die Kapelle der Staatsoper unter Leitung von Fritz Zweig den Marsch der Priester ans der ,Lauberflötc'' van Mozart. Dann nahm das Wort Vizepräsident Baumhoff(Zentrum): Was wir seit Wochen in banger Sorge gefürchtet hoben, das ist nun schmerzvolle Wirklichkeit geworden: Friedrich Bartels, der Prastdent des Preußischen Landtages, hat ausgelitten: er ist für immer von uns gegangen. Im Frühling dieses Jahres konnte er in rüstiger Gesundheit sein 60. Lebensjahr vollenden. An diesem Geburtstag« nahm der Landtag um deswillen besonders freudigen Anteil, weil man die Hoffnung hegen zu dürfen glaubte, daß Friedrich Bartels auch die letzten Spuren einer früheren schweren Erkrankung, die ihn hart an den Rand des Grabes brachte, überwunden habe. .... Seine letzte Krankheit hat ihn über Nacht überfallen, hat ihn jah und unerwartet aufs Lager geworfen. Sie war schwerer, alz wir es zunächst geahnt haben, bis wir uns dann doch»in sein Schick- sal bangen mußten. Aber wir hofften mit fester Zuversicht, daß seine kräftige Natur und sein eiserner Wille zu lebe» stärker sein würden als die schleichende Krankheit, die seinen Körper zerwühlte. Das tückische Leiden hat über ihn gesiegt. Es hat sein Leben aus- gelöscht. Biel zu früh! Sein Heimgang hat Wunden geschlagen und Lucken geöffnet. Trauer und Schmerz erfüllt uns alle. Seine einsam gewordene Gattin, sein Sohn,-seine Familie— sie verlieren den Gatten und treusorgenden Familienvater, der sein schönstes Erdenglück in der Familie suchte und jand. Wir nehmen innigen Anteil an dem herben Schmerz, der seine Familie gc- trofjen hat. Um ihn trauert feine Partei, der er durch Jahrzehnte hindurch an verantwortungsvollsten Stellen mit ganzer Hingabe und lieber- zeugung gedient hat: mit schmerzlicher Wehmut nehmen Abschied van ihm die Beamten, die Angestellten»nd die Arbeiter seiner Ber- waltung, denen er allezeit ein gütiger, gerechter»nd sorgender Bor- gesetzter war. Tiefe Trauer erfüllt den Preußischen Landtag, in dem er ein leuchtendes Beispiel staatsbürgerlicher und vatcriandischer Pflichterfüllung war und dessen Präsident er seit fast 7 Jahren war. Wir haben einen Menschen van schlichter und edier Gesinnung, einen Mitarbeiter von ausgeprägtestem Pflichtgefühl, einen Freund mit lauterem und reinem Herzen verloren Am Beginn seines Lebens umgab ihn schlichte Einfachheit und die drückende Enge eines sorgenvollen Dasein«. Die schlichte Einfachheit hol Bartels sein ganzes Leben hindurch dcwahrl. Aber am Ende seiner irdischen Laufbahn sehen wir ihn hoch geachtet, in einflußreichen und vernntwortungsschweren Stellunge». Das alles ist ihm nicht durch Glückszufall in den Schoß gefallen, das alles hat er durch seine hingebende Arbeit, durch seine unermüdliche Pflicht- crfüllung, durch die Lauterkeit seines Charakters errungen, crdient. Seit fast dreißig Jahren stand Friedrich Bartels in der Oefsentlich- keit an sichtbarer Stelle, sei es im gewerkschaftlichen, sei es im poli- tischen Leben. Am Ende seines Lebens durfte er auf sein öfsent- liches Wirten mit Genugtuung und Befriedigung zurückblicken. Für Umgekehrt zu folgern— die Zersplitterung bringt dem Faschismus den Sieg— wäre gefährlich. Denn wahrschein- lich wird die Aufgabe, den Faschismus trotz der Zersplitte- rung zu schlagen, von der Sozialdemokratischen Partei gelöst werden müssen, weil eben die Zersplitterung nicht von heute auf morgen zu beseitigen ist. Eine Aeußerung zu diesem Thema, die Genosse Breit- scheid am Sonnabend in Darmstadt getan hat, wird in der Presse vielfach kommentiert. Es ist darum wichtig, ihren ge- nauen Wortlaut festzustellen. Breitscheid hat— nach seinen eigenen Mitteilungen an uns— in Darmstadt wörtlich gesagt: Wenn der Beschluß des Zentralkomitees in der KPD. tatsäch- lich Nachachtung finden soll, wenn die Partei tatsächlich auf die putschistische und terroristische Ideologie und Praxis verzichten würde, dann wäre damit wenigstens eines der zahlreichen Hindernisse beseitigt, die bisher einem gemeinsamen Kampf der Arbeiterklasse zur Abwehr des Faschismus im Wege stehen. Schon aus diesem Wortlaut ergibt sich, daß Breitscheid keineswegs alle Hindernisse gefallen, daß er keineswegs die antifaschistische Kampffront geschlossen sieht. Was zu allem Ueberfluß noch von Verhandlungen zwischen der Sozialdemokratie und der Kommunistischen Partei erzählt worden ist, beruht in allen Teilen auf vollkommen freier Er- findung. Auch wir haben die Erklärung der KPD.-Zentrale gegen den Terror als einen Fortschritt begrüßt; sie könnte in der Tat die allergrößte Bedeutung gewinnen, wenn sie den An- fang neuer Erkenntnisse darstellen sollte. So z. B. der Er- kenntuis, daß in der nächsten Zeit nicht die welirevolutionäre Offensiv«, sondern die Verhinderung eines faschistischen Re» gimes in Deutschland die Hauptaufgabe sein wird und daß die Nationalsozialisten die eigentlichen Feinde sind und nicht die Sozialdemokraten. Die Sozialdemokratie ist sehr wohl imstande, ihre ganze Kraft gegen den Faschismus zu konzentrieren, wenn man ihr nur nicht fortgesetzt in den Rücken fällt. Wie sie grundsätzlich zum Kommunismus steht, weiß alle Welt; sie braucht es nicht alle Tage zu wiederholen. Die Kommunistische Partei aber hat bisher vom Kampf gegen die Sozialdemokratie gelebt: sie hat bisher stets in der Sozialdemokratie den Hauptfeind ge- sehen und ihre Hauptaufgabe darin, zwischen Führer und Massen der Sozialdemokratie einen Keil zu treiben. Solange sie von solchen Lebensgewohnheiten nicht läßt, wirkt sie fak- tisch— sei es mit oder ohne Absicht— als Bundesgenosse nicht der Sozialdemokratie, sondern des Faschismus. Uns Sozialdemokraten kann weder das Triumphgeheul der Hakenkreuzler noch die Verranntheit der Kominunisten entmutigen. Eine Armee, die in gefährlichen Situationen den Kopf verliert, verdient nichts anderes, als geschlagen zu werden. Die Sozialdemokratie hat sich aber im Verlauf ihrer stolzen Geschichte iininer desto fester, desto unerschütterlicher gezeigt, je stärker der Feind und je größer die Gefabr war. Jetzt ist es ihre geschichtliche Aufgabe, für die Freiheit der ganzen Arbeiterklasse, ja des ganzen deutschen Volkes den Entscheidungskampf zu führen. Sie witd in diesem Kampfe die Bundesgenossen nehmen, wo sie sie findet, ohne etwas von ihrem Wesen und von ihren Grundsätzen aufzugeben. Denn f ü r dieses Wesen und f ü r diese Grundsätze kämpft sie ja, für Freiheit und gleiches Recht im Staat, für Volksherr- schaft und Ueberwindung der kapitalistischen Anarchie in der Wirtschast, für Demotrati« und Sozialismus! sich selbst hatte er nichts erstrebt, für seine Schutzbefohlenen alles und das beste. Das öffentliche politische Leben, in dem er seit zehn Jahren wirkte, war ihm kein Tummelplatz parteipolitischer Engherzigkeit und Feindseligkeit Es war ihm sein Wirkungsseld, von wo aus er mit sauberen Waffen den Kampf um die Gestaltung des staat- Hillen, wirtschaftlichen und soziologischen Lebens führte. Sein Kampf mar bestimmt und zähe, aber er hinterließ niemals persönliche Wunden. Er war ein Kämpfer, aber er war kein rauher Krieg er. er war ein ritterlicher Kämpfer, der ans seinem grundgütigen herzen heraus peinlich daraus bedacht war, seine Gegner nicht zu ver- wunden und zu kränken. '.Ritterlichkeit im politischen Kampfe, Achtung auch vor der Ueber- zeugung des ehrlich strebenden Gegners, das waren die Tugenden, die den toten Kämpfer und Politiker Friedrich Bartels auszeich- ucten. Friedrich Bartels trug die höchste Würde des Preußischen Landtages Nachdem er jahrelang mit Umsicht und Geschick den wichtigsten Ausschuß— den Hauptausschuß— geleitet hatte, wählte ihn der Landtag am 8. Januar 192S erstmalig zu seinem Präsi- denten. Fast sieben Jahre bekleidete er dieses ehrenvolle Amt. Es wurde ihm oft zur Bürde, denn die Feiten haben sich gewandelt, das parlamentarische Leben ist unruhiger und aufreibander geworden: und die parlamentarischen Lebensformen wurden härter und rauher. Das bedrückte ihn, ja er litt darunter, denn in seiner vornehmen Gesinnung sträubte er sich dagegen, glauben zu müssen, daß bei noch so tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten die Achtung vor dem lauteren Wollen des Gegners Schaden leiden müsse. Fast sieben Jahre hindurch führte Friedrich Bartels die Gc- schäste des Preußischen Landtags. Er führte sie mit Hingabe, mit Würde und mit Güte. Keiner wird ihm das Zeugnis oersagen können, daß er ehrlich bemüht war, immer und gegen jedermann hilfreich und entgegenkonimend zu sein. Auch in den schwierigsten Situationen war er redlich bestrebt, einen gerechten und befriedigen- den Ausgleich zu finden. Friedrich Bartels! Du wirst den Präsidentenstuhl des Hauses nicht mehr zieren, deine Zeit ist abgelaufen, du hast den Kampf beendet. Deine Mitarbeiter im Präsidium, die Mitglieder des Landtags, Führer des öffentlichen Lebens, deine Freunde und deine Unter- gebenen, sie stehen an deiner Bahre, um von dir schmerzlich Abschied zu nehmen. Mag dein irdisches Wirken beendet sein, aber es ist nicht aus-. gelöscht. Ueber dein Grab hinaus wird dein Geist überall da, wo er bislang wirken konnte, lebendig bleiben. Du warst dem Landtag ein weiser, ein kluger Führer, er dankt dir von herzen für dein nimmermüdes Schaffen und Sorgen. Du scheidest nun für immer aus diesem Hause, aber du bleibst doch bei,»ns, denn dein Andenken wird hier rein und in Frieden fortleben." Nun trat Ministerpräsident Otto Braun an das Rednerpult, um dem Verstorbenen für die preußische Staats- regierung folgende Gedenkworte nachzurufen: Für die preußische Staatsregierung trete ich an den Sarg des verstorbenen Präsidenten dieses Jzohen Hauses, um ihm Worte der Ehrung und des Abschiedes zu widmen. Noch vor nicht gar zu langer Zeit sahen wir ihn auf dem Präsidentenstuhl mit der ihm eigenen nüchternen Sachlichkeit und Güte die Geschäfte des Parlamentes leiten; heute birgt ihn der Schrein, in dem wir alle einmal den Weg gehen müssen in das Reich der Schatten, von wo es lein Wiederkommen gibt. Wie jetzt im herbst die Blätter abgestorben zu Boden fallen, so sank er dahin. Ein Leben voll Mühe, Arbeit und Sorgen, aber nicht ohne Ersolge ist abgeschlossen, ein Leben, das überwiegend dem Gemeinwohl geweiht war. Unsere heutige haßersüllte, unruhige Zeit zehrt stark an den Kräften der Menschen, die im Brennpunkt des öfsentllchen Lebens stehen. Immer mehr bildet sich dos Unwesen heraus, im Andersdenkenden, im politischen Gegner nicht den Volksgenossen. sondern den persönlichen Feind zu erblicken uich ihn mit ent- sprechenden Mitteln zu bekämpfen. Und das in einer Zeit, wo das deutsch« Volk alle seine Kräfte zusammenfassen müßte, um den furchtbaren Gefahren zu begegnen, die es bedrohen. Selbst unser parlamentarisches Leben ist vor einer betrübenden Ver» m i l d x r u n g nicht bewahrt geblieben. Das stellt an den Präsi- denten der Volksvertretung, der die Würde und das Ansehen dieser gesetzgebenden Körperschaft zu wahren hat. oft Anforderungen, die über die Kraft eines einzelnen gehen. Im Volk« ist vielfach die Auffassung oertreten, daß das Amt des Landtagspräsidenten ein vornehmlich repräsentatives Aint sei. Das ist ein Irrtum. In unserem republikanischen Staatswesen, wo die Staatsgewalt vom Volke ausgeht, ist der Präsident der in freier Wahl gewählten Volksvertretung ein überaus wichtiger Faktor des Staatslebens. Er hat nicht nur die Rechte des Parlamentes zu vertreten, sondern ihm liegt auch ob, ihre Wahrnehmung mit den Anforderungen der Staatsregierung in Einklang zu bringen. Friedrich Bartels, den strenge Sachlichkeit, ein unbestechlicher. auf Ausgleich gerichteter Charakter und ein gutmütiges Grundwesen auszeichneten, cht diesen schweren Aufgaben in seltenem Maße gerecht geworden. Ist«s ihm auch nicht immer gelungen, die ihm obliegenden Aufgaben zu aller Zufriedenheit zu lösen— welcher Mensch könnte das—, so muh doch anerkannt und hier an seinem Sarge aus- gesprochen werden, daß er stets von gutem Willen beseelt und in heißem Bemühen bestrebt war, sein hohes Amt zum Wohle des Volksganzen zu führen und nicht nur die Arbeiten des Par- lomentes, sondern auch die ollgemeinen Staatsgeschäfte zu fördern. So hat er Volk und Vaterland wertvolle Dienste geleistet, die in der neupreußischen Geschichte und vor allem in der Geschichte des Preußischen Landtags dauernd verzeichnet bleiben werden. Nun, da er von uns geht, nehmen wir. die wir mit ihm für das Wohl unsere» Volkes gekämpft und gerungen haben, in Weh» mut und Dankbarkeit Abschied und entbieten ihm unseren letzten stillen Gruß. Die Staatsregieruna wird dem Verstorbenen stets ein ehrendes dankersüllteg Gedenken bewahren. Beethovens Trauermarsch aus der dritten Sinfonie sEroika) erklang. Das war der Abschied von Friedrich Bartels aus dem chause, in dem er seit 1919 als berufener Vertreter der Sozial» demotratie und seit 1925 als Präsident gewirkt hat. Damit war die offizielle Trauerfeier beendet. In aller Stille wurde um 6 Uhr abends der Sarg nach dem Krematorium Gericht- straße übergeführt, wo er von einer Abteilung des Reichsbanners in Empfang genommen und aufgebahrt wurde. Die Feier im Krematorium. Vor dem Eingang zum Krematorium in der Gerichtstraße, in dem um 19 Uhr die Trauerfeter für Friedrich Bartels stattsindet. stauen sich schon lange vor Oesfnuvg der Tore die Freunde und Parteigenossen des Toten. Von den Mitgliedern des Parteivorstandcs, der fast vollzählig an der Feier teilnimmt, werden die Familien- angehörigcn geleitet. Der Sarg ist von Kränzen bedeckt. Ganz vorne liegen, mit roten Schleifen, dem treuen Kollegen gewidmet, die letzten Blumengrüße seiner Gewerkschaft, der Lackierer und Maler. Zu chäupten des Sarges stehen die Banner: Banner der Partei, des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und die Fahne des 13. Berliner Kreises, dem Bartels angehörte. Die Sozialistische Arbeiterjugend hat zu Ehren d�s Vorkämpsars des Sozialismus Hre Vertreter entsandt: ein Junge und etn Mädel hatten das rote Abzeichen zu Ehren de« Toten. Die Pommern, deren Landsmann Barkel« war, - 4 I und die Schleswig-cholsteiner, in deren Provinz er lange Jahre wirkte, sandten Delegationen zur Teilnahme an der Trauerfeier. Aber auch aus der Rheinprooinz und aus der Provinz Sachsen sind Delegierte erschienen. Das Reichsbanner stellt die Ehrenwache. Orgelmusik leitet die Feier ein. Dann folgt, vom Streichquartett des Berliner Sinfonie-Orchesters vorgetragen, das Adagio aus dem ö-Dur-Konzert von Mozart. Der Meinekefche Männerchor, umer Leitung von Georg Oskar Schumann, singt Lendvais„Ausklang". Otto Weis nahm sodann das Wort zu seiner Trauerrede:„Nun sind wir denn, Friedrich Bartels, mit Dir, unserem Freund, den letzten Weg gegangen. Zur ewigen Ruhe mußten wir Dich geleiten, der Du einer unserer Besten warst. Mit Deinem klugen Rat, mit der Gleichheit und Ruhe Deines Wesens halfst Du die Mauern unseres Organisationsgebäudes errichten, und jetzt, da Du nicht mehr bist, wissen wir alle, daß es echtes Gold ist, was wir an Dir verloren haben. Ganz gleich, ob uns Sieg oder Unglück traf, ün jeder Lage warst Du ein ganzer Mann. Vor chaß und Wahn bist Du nicht einen Schritt zurückgewichen. Stets bist Du als Kämpfer Dir gleich geblieben. So beklagen wir es denn gerade in der heutigen Zeit doppell und dreifach, daß wir von Dir Abschied nehmen müssen, denn es gilt jetzt, die Scharen neu zu gliedern, weil in gewitter- schwangerer Zell die Nacht auf schwarzen Wegen geht. Aber trotz allem Irrwahn wird das Junge blühen, weil das Alte und Morsche versinkt. Gerade jetzt aber bist Du von uns gegangen. Lange Wochen hast Du mit dem Tode gerungen, bis endlich das treue Herz den Dienst versagte. Deine Kollegen im Parteivorstand und die Partei haben mit Dir fast den Letzten verloren, der schon in der Vorkriegszeit durch das Vertrauen der Genossen an ihre Spitze gerufen wurde. Die Partei übertrug Dir den Posten, der, besonders verantwortlich, ruhig und sachlich geführt werden mußte: die Finanzverwaltung der Partei. Deine innere Sicherheit, Deine klare Sachlichkeit haben Dich auf allen Deinen Wegen be- gleitet. Als Du aus der Enge Deiner pommerfchen Heimat den Weg in die Fremde gingst, als Du als junger Maler dort oben im deutschen Norden, in Hamburg, tätig warst, richtete der Blick Deiner Berufs- genossen sich bald auf Dich. Sie beriefen den 33jöhrigen zum Leiter der Berufsorganisation, bis dann die Partei daran ging, durch An- gestellte ihren Organisationsapparat auszubauen. Dich entsandte sie nach Schleswig-Holstein. Dort oben gibt es kein Dorf und keine Stadt, wo die Genossen Dich nicht kannten, und heute trauern diese Genossen mit uns. Organisatorisch aufbauend, agitierend und werbend warst Du für die Partei tätig. Stets warst Du bereit, ohne zu fragen, den Platz zu beziehen, auf den die Notwendigkeiten Dich beriefen. Des- halb lohnte die Partei Deine aufopfernde und unermüdliche Tätigkeit dadurch, daß sie Dich mit an ihre Spitze berief. Als ihren Vertrauensmann berief sie Dich in eine Stellung, in der Du Dir als Taktiker, als Organisator, als selbslloser Arbeiter, der vor keiner Aufgabe zurückschreckte, die höchsten Verdienste um die Arbcitersache erworben host. Gerade Dein« Ruhe zeigte Dich als einen Optimisten, den kein Mißgeschick viederbengk. Du vermochtest bei sedem Rückschlag, der im politischen Kampf nicht ausbleibt, durch Hinweis auf das hohe Ziel stets zu neuer Arbeit, zu neuem Angriff aufzumuntern. Dein ruhiges Temperament verband sich mit einem scharfen Blick für die Tatsachen und die Forderungen des Augenblicks und in der unerniüdlichen Beharrung bei dem einmal als richtig erkannten Ziel. Es drängt, sich uns das Wort von Jean Iaures auf,„daß es das Vorrecht der hohen und reinen Geister sei, die sich einer großen Idee ganz hingaben, niedrige Paniken ebenso wenig zu kennen wie das Faulbett des Siegestaumels". Trotz seiner Arbeit, so fuhr Wels fort, fand Friedrich Bartels stets Zeit zum Selbststudium und zur eigenen Fortbildung. Es war erstaunlich, wie groß der Kreis seiner Interessen auf diesem Gebiete war. Fast zehn Jahre gehörte Bartels der Hamburger Bürgerschaft an und oft genug hat er dort von der Tribüne herab für die Arbeiterschaft gefachten. Er war einer der Männer, die der kleinen sozialdemokratischen Fraktion in der alten Hamburger Bürgerschaft unter der Führung Otto Stöttens durch ihre rege Tätigkeit steigendes Ansehen verschafften. Nach dem Zusammenbruch des Jahres 1918 war er berufen, im Preußischen Landtag das ver- antwortliche Amt des Vorsitzenden des Haushaltsausschusies zu über- nehmen, bis er vor nunmehr sieben Jahren zum Präsidenten des Landtages gewählt wurde. Seine Verdienste als Präsident sind heute Nachmittag im Landtage gewürdigt worden. Und gerade politisch Andersdenkende bekunden, daß Friedrich Bartels wohl Gegner, aber keine Feinde hatte. Die Trauer um ihn ist groß, und viele Kundgebungen gelangten an uns, in deren Reihen der Tod in den letzten Jahren so reiche Ernte hiell. Wir richten den Blick zurück und denken der Männer, die mit Friedrich Bartels zusammen und vor chm in der Leitung der Partei waren. Noch ist dte Lücke nicht geschloffen, die Hermann Müllers Scheiden in unsere Reihen riß. Wir denken an Friedrich Ebert, an Molke nbuhr, an P f a n n k u ch. an A d o l f Braun, und wir wissen, welche eng« Freundschaft Bartels mit dem verstorbenen AdolfvonElm und Karl Legten, den Kämpfern seines Wahlkreises, verband. Was Partei und Arbeiterschaft an Bartels verloren, ist in den Worten, die wir sprechen, nicht auszudrücken. Als Organisator, als Agitator, als ein Mensch, der überall da. wo er tätig war, steigendes �eichstagsarbeii. Oie großen Ausschüsse tagen. Der Haushaltsausschuß des Reichstags nimmt am Donnerstag sein« Beratungen auf, die wahrscheinlich viel« Wochen dauern werden. Entsprechend dem Verlangen der sozialdemokra- tischen Fraktion wird der Ausschuß sich zunächst mtt den Anträgen auf Kürzung der hohen Pensionen beschäftigen und dabei gleichzettig den von der Reichsregierung Anfang dieses. Jahre« vorgelegten Gesetzentwurf beraten. Als Berichterstatter hierfür ist der sozialdemokratische Abgeordnete R o ß m a n n in Aussicht genommen. Einen weiteren wichtigen Gegenstand der Beratungen des Aus- schusses stellen die Anträge auf Abänderung der Not- Verordnung vom 6. Oktober dar. Hier liegt neben einem umfangreichen Gesetzentwurf der Sozialdemokraten auch ein Gesetz- entwurf der Bayerischen Aolkspartei vor. Ferner wird sich der Haus- hallsausschuß mit den Einsprüchen des Reichsrats gegen frühere Beschlüsse des Reichstags über die Einfuhr von Gefrierfleisch und die Erhöhung der Besitzsteuern zu beschäftigen haben. Daß die Nationalsozialisten sich an der Tagung des Haushalts- ausfchüsses nicht beteiligen werden, ist als sicher anzunehmen. Da- gegen schweben bei den Deutsch nationalen noch Erwägungen, ob ihre Teilnahme zweckmäßig sei. Bleiben Nationalsozialisten und Deutschnationale den Beratungen fern, dann verfügt der Aus- lchuß statt über SS nur noch, über 26 Mitglieder, von denen 0 auf Ansehen erwarb, steht er vor uns. Ihm etwas in die Hand geben. hieß, es ihm ans Herz legen. Sein unbestechlicher Gerechttgtettsfum sicherte ihm auch die Achtung des politischen Gegners. In einer Zeit, die den politischen Kampf in die Niederungen der Gaste herab- zog, wagten sich an seine makellose Persönlichkeit niedriger Klatsch und Verleumdung nicht heran. Innig und herzlich war sein Familiensinn. Sein Familienleben war vorblldlich und Frau und Sohn trauern mit uns. So nehmen wir denn Abschied von ihm in dem Bewußtsein, den guten Kameraden verloren zu haben. Wir sagen mit den Worten des Dichters: Denn er war unser bis zum Totenschrein, ür uns hat er gelebt, für uns gelttten, em Volke nur gehörte all sein Sein, Und für sein Bolk hat einzig er gestritten. Darum wird er in unfern Herzen leben, Mit ihm sein Wirten und mit ihm sein Streben. Friedrich Bartels, treuer Kämpfer, Genosse und Freund, ruhe in Frieden! Wieder singt der Männerchor. Ergreifend erklingt llthmanns „Du fernes Land". Unter Jndigs Leitung ertönt das Adagio aus dem C-Dur-Konzert von Mozart. Orgelspiel. Die Trauernden haben sich erhoben, die Fahnen werden geneigt, der Sarg versinkt. Gedenkfeier der Landtagssraktion. Die sozialdemokratische Landtagsfrattion ver- anstaltete am Montagnachmittag für den verstorbenen Landtags- Präsidenten Genossen Friedrich Bartels eine schlichte, würdige Ge- denkfeier. Die Mitglieder der Fraktion waren dazu fast vollzählig erschienen. Auf dem Platze des dahingeschiedenen Kollegen stand in schwarz verhüllter Vase ein prächtiger Strauß roter Nelken; der verwaiste Stuhl war mit Tannengrün geschmückt. Für den Fraktionsvorstand widmete Genosse Robert Leinert dem Verstorbenen folgenden Nachruf: Als mit dem Tode unseres Genosten Bartels die in ihm wütende Krankheit ihr Ziel erreichte, waren auch zugleich feine Hoffnungen zerstört, die er bis zuletzt hegte: sein Amt als Präsident wieder anzutreten, Denn er liebte dieses hohe Ehrenamt mtt all den Sorgen für die Beamten und Angestellten, denen er ein guter Vorgesetzter sein wollte und war, das ihm republikanische Würde verschaffte, das er auch nach außen hin mit der ihm eigenen Verbindlichkeit zur Geltung zu bringen wußte und das er mit überlegener Milde und Unparteilichkeit verwaltete. Seine Präsident- schaft hat ihm nicht die Feindschaft anderer Parteien, sondern höchste Achtung und Anerkennung erworben. Erst die Republik hat die Grundlage dafür geschaffen, daß ein Sozialdemokrat Präsident eines deutschen Parlaments werden konnte. Im Dreiklassenparlament der Vorkriegszeit waren die Monarchisten unter sich. Einer der damaligen Präsidenten durfte den Satz prägen, daß die Sozialdemokratie nie Subjekt, sondern nur Objekt der Gesetzgebung sein dürfe. Seitdem die Sozialdemo- kratie nach der Revolution mit an verantwortlicher Stelle steht, war auch die Garantie für eine objektive Handhabung der Präsidial- geschäfte gegeben. Friedrich Bartels brachte freilich nicht das mit, was früher für das hohe Amt des Präsidenten erforderlich war: Zugehörigkeit zum Adel und akademische Bildung. Dafür aber brachte er mtt die Erfahrung der harten Schule des Lebens. die jedem Sozialdemokraten seiner Generation, der als Führer tätig war, beschieden gewesen ist. Er entstammte einer vorpommerschen Häuslerfamilie, er war in der Kirche seines Heimatortes Loitz Chorsänger, und der arme Junge hat wohl damals selbst nicht geglaubt, daß er einmal eines der höchsten Aemter in der Sozialdemokratischen Partei und im Parlament erreichen würde. Er wurde Maler, ging auf die Wander- schaft, bis sich in Hamburg, sein Lebensweg entschied. Ein in. Hamburg ausgebrochener.Streik machte ihm.. das Verächtlich« des Streikbruches klar, er begriff die große Idee proletarischer Soli-. darttät, er wurde Mitstretter in der gewerkschaftlichen und sozial- demokratischen Front. So wurde er in jungen Jahren Funktionär der Arbeiterbewegung, wurde einer ihrer unermüdlichen Agitatoren und erfuhr das Schicksal so vieler anderer Vorkämpfer/ als die besitzende Klasse ihn mtt chrem Haß verfolgte. Llber die Arbetter erkannten sein Wirken an. sie schickten ihn 1994 in die Hamburger Bürgerschaft, er wurde Angestellter des Malerverbandes und 1996 für den Bezirk Schleswig-Holstein Parteisekretär. Sieben Jahre verwaltete er dieses Amt, bis er 1913 auf dem Parteitage in Jena zum Mitglied des Parteivorstandes gewählt wurde. Ueber sein Wirken in der höchsten Parteikörperschoft wird ein Berufenerer reden. Wir hier kennen seine Tätigkeit als Mitglied des Preußischen Landtags und als Vorsitzender des 5?auptaiisschustes, bis er 1925 als Präsident gewählt wurde. Nun hat der Tod dieses Leben- voller Arbeit und Erfolge abgeschlossen. Wenn wir ihm heute Tank sagen, so mag das ein Trost sein siir seine schwergeprüfte Gattin, ohne deren opferbereite Entsagung er hätte niemals so großes leisten können. Wir alle kennen dieses Los der Frauen von führenden Genosten und die Genossin Bartels mag in ihre Einsamkeit das Gefühl mitnehmen, daß sie mitgewirkt hat, das Leben eines so prachtvollen Menschen bis zu seinem Tode der Partei zu erholten. Einer nach dem anderen unserer Generation zieht ins Reich der Schotten. Er war der letzte der Sekretäre des Parteivorstandes aus der Vorkriegszeit. Ihm sind vorangegangen Ebert, Müller. Pfann- kuch, Gerisch, Adolf Braun, Molkenbuhr u. a. Möge der Tod dieser Führer für die jetzige und kommende Generation eine Mahnung sein, im gleichen Geiste zu wirken für unser Ziel, das Pro- letariat aus den Fesseln des Kapitalismus zu befreien, um das zu vollenden, was Friedrich Bartels zu schauen nicht mehr be- schieden war. Die Fraktion hörte den Nachruf zu Ehren des Verstorbenen stehend an. die Sozialdemokraten und S auf die Kommunisten entfallen. Diese Mehrheitsverhältnisse. die der wirklichen Zusam- mensetzung des Reichstags nicht entsprechen, oerlechcn natürlich den Berhandlungen des Hausholtsausschustes eine besondere polttische Bedeutung. Gleichfalls am Donnerstag treten der Verkehrsausschuß und der Wohnungsausschuß des Reichstages zusammen. Im Wohnungsausschuß werden erneut die Anträge über ein Wohn- Heimstättengesetz zur Beratung gestellt. Die Reichsregierung hatte ursprünglich ihre Teilnahme an diesen Beratungen abgelehnt mtt der Begründung, daß innerhalb der Reichsregierung selbst Er- wägungen über ein Wohnheimstättengesetz schwebten. Diese Er- wägungen haben jetzt zu einem Referenten-Entwurf des Reichs» arbettsministeriums geführt, der in der neuesten Nummer des Reichs- arbeitsblattes der Oeffentlichkeit unterbreitet wird. Nach Fertig- stcllung dieses Entwurfs hat jetzt die Reichsregierung gegen die Auf- nähme der Arbeiten im Wohnungsausschuß, denen auch der Entwurf des Arbettsministeriums zugrunde gelegt werden wird, keine Be- denk«n mehr. Sie wird deshalb auch bei den kommenden Beratungen durch ein Mitglied des Arbeitsministeriums vertreten sein, das aller- dings nach Lage der Sache an den Ausschußarbetten weniger aktiv. als beratend teilnehmen wird. In der nächsten Woche werden dann noch weiter« Reichstags- ousschüsse ihre Arbeiten aufnehmen. U. o. wird der Sozialpolitische 'Ausschuß wieder zusammentreten, um einen Bericht der Reichs- regierung über den Stand der Sozialoersicherung entgegen- zunehmen. 7tr. 539* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 47. November 4934 Löh soll Klarheit schaffen. Vor der Vernehmung des Nagistrats Im Sklarek-Prozcf;. Nach einem ZNonak Sklarek-Prozeh ist«an endlich so weit, die Z engen znm ersten UbfchnUt der AnNage vernehmen zn können. Am Donnerstag beginnt ihr Aufmarsch. Etwa 60 Zeuge» enthält die vorläufige Liste des Vorsitzenden. Es werden ihrer mehr werden. Als erste sollen sämlliche Älagistratsmitglieder vernommen werden: der Oberbürgermeister Löh. Bürgermeister Scholh. der frühere Kämmerer Dr. Kar ding, der jetzige Sur- germeister L a a g e. die Stadträte weege und Zangemeister. Generaldirektor Schöning von der vehala, Stadtschulrat Ily- dahl nnd der frühere Geschäftsführer der KVG. Rovarra. Der Vorsitzende gibt bei Mitteilung seiner Dispositionen unter anderem die folgende bedeutsame Erklärung ab: Ich habe mich bis jetzt dagegen gesperrt, daß in diesem Stadium der Verhandlung Namen von Leuten hineingezogen werden, deren Aulammenhang mit dem Prozeß aus der Anklage nicht ohne weiteres sichtbar ist. Ich bin aber gewillt, jetzt bei Eintritt in die Veweisausnajime sämtliche Magistratsmilglieder zu vernehmen, um über die Hintergründe der Sklarek-Affäre Klarheit zu schassen. Di« Herren vom Magistrat sollen hier sagen, was gespielt worden ist. Oberstaatsanwalt Dr. C t e i n ä ck e r widerspricht nicht der Ver- nehmung dieser Zeugen, wendet sich ober gegen die vom Rechts- onwalt Dr. Kurtzig überreichten Beweisanträge, da er der Ansicht ist. daß sowohl das„S p e n d e n sy st e m" des Magistrats als auch die ,.S ch w a r z e K l a d d e"' für die Verteidigung des An- geklagten Gaebel ohne Bedeutung seien. Insbesondere die „Schwarze Kladde", die gewisiermaßen in einen Kinderschreek und in einen Popanz ausgeartet sei, stelle durchaus kein G e- heimbuch der städtischen KB G. dar, sondern ein ordnungs- mäßiges Geschäftsbuch, das neben Namen von Magistratsmitgliedern auch solche kleiner Beamten enthalte, die von Kieburg beliefert wurden. Die Verteidiger der Angeklagten Eklarek, die Rechts- anwälte Julius Meyer l und Dr. Nübell unterstützten aber den Antrag des RA. Dr. Kurtzig im Interesse ihrer Klienten: Es sei von großer Wichtigkeit, durch die Vernehmung der„Schwarze- Kladde"�eugen den Nachweis zu führen, in welch ein korruptes Kieburg-Milieu die Angeklagten hineingeraten seien. Der Vorsitzende schlägt ein Kompromiß vor, er macht die Verteidigung darauf aufmerksam, daß die entsprechenden Fragen an die bereits geladenen Zeugen gestellt werden könnten und man dann im Laufe der Bs- weisaufnahme sich darüber schlüssig werden könne, ob noch weitere Zeugen benötigt werden.— Die Nachmittagssitzung war mit Er- örterungen über die Zuwendungen an Kohl und Schnei- der ausgefüllt. Kohl behauptete, die Sklarekjchen Kleiderlieferungsn bezahlt zu haben. Willi Sklarek erklärte aber, daß. wenn in den Büchern keine Preis« stehen, diese auch nicht berechnet werden sollten. Leo Sklarek wirft Kohl vor, er habe gewußt, in welcher Weise die Firma Sklarek durch Kieburg betrogen worden sei. Kohl habe immer wieder gejagt: Seid ruhig. es: wird. jchonchejjer werden. Er, Leo Sklarek, wolle aber jetzt alles sagen und niemanden schonen. Es gibt, so ruft Leo Sklarek aus, auch jetzt noch S t a d t b a u r ä t-, deren Frauen an Unternehmen beteiligt sind, die von der Stadt Millionenaufträge erhalten. Der Angeklagte Schneider, früher Bürgermeister vom Bezirk Berlin-Mitte, hat sich eingehend über seine Vermögensver- Hältnisse zu äußern. Außer seinem Gehalt in höhe von l5l)0 Mark hatte die Frau noch Zuschüsse in höhe von 500 Mark. Die Brüder Sklarek lernte Schneider auf einem Fest des Reichsverbandes der Eafehausbesitzer durch dessen Präsidenten Stüber kennen. Sie wurden ihm als angesehene Kaufleute und als Mitglieder ange- sehener Klubs vorgestellt. Schneider suchte Max Sklarek mehrmals in der Woche im Büro auf und duzte sich schließlich mit allen drei Brüdern. Irgendwelche Zuwendungen erhalten zu haben bestreitet er: auf Deranlasiung von Max Sklarek, der unter Berufung auf seine Beziehungen zu Tuchlieferanten ihm die Anzüge mit 25 bis 30 Proz. billiger liefern wollte, entschloß er sich, seine Garderobe bei der Firma Sklarek zu bestellen. Schneider will sämtliche Garderobe bezahlt haben. Die Preise seien durchaus angemesien gewesen. Daß für ihn bei Keller und Förch genäht worden se«, habe er erst von dem Konkursverwalter erfahren. Die Preise, die diese Firma den Sklareks berechnet habe, seien übermäßig hoch gewesen und als solche von den Sachverständigen der Handels- kammer anerkannt worden. Das Geld habe er stets Mar Sklarek gezahlt. Lehmann behauptet ober, die Summen seien nicht durch die Bücher gegangen und das sei nur so zu erklären, daß entweder Leo Sklarek das Geld nicht abgeführt oder Schneider nicht gezahlt habe. Es liegen die von Schneider beglichenen Rechnungen vor. heute wird die Vernehmung des Angeklagten Schneider fort- gesetzt. Es weiden die Geld Zuwendungen an ihn zur Sprache kommen. Neuer Geist in neuen Schulen Rückschritt und Reaktion möchten toieder in unseren Schulen Einzug halten. Not und Sparwut sollen ihnen die Wege bereiten. Nodi aber lebt der neue Geist! Unser Bild zeigt einen schönen von dem Bildhauer W. E. Schade gesdiaffenen Wandbrunnen in der neuen Volksschule i n W eißensee. Die Schule, deren klare und ruhige ArdiitektUr und innere Gestaltung oorbildlidi genannt werden kann, hat auf dem Hof einen zweiten, von dem gleichen Künstler gesdiaffenen Brunnen erhalten, der die Bildwerke zweier Fohlen zeigt. Reins unter Mordanklage. Hastbefehle gegen die Lhauffeurmörder. Di« Voruntersuchung gegen den Mörder Ernst R e i n s wegen des an dem Geldbriefträger Schwan im Frühjahr verübten Raub« nwrdes steht unmittelbar vor dem Abschluß. Staatsanwaltschaftsrat Dr. höfer ist bereits mit der Fertigstellung der Anklageschrift betraut. Die Anklage wird gegen Ernst Reins auf Mord und Raub lauten, gegen seine ältere Schwester Sophie auf Beihilfe und gegen die Mutter auf Hehlerei bzw. Begünstigung. Dagegen wird beantragt werden, die jüngere Schwester Jenny, die bereits vor einiger Zeit aus der Haft entlassen worden ist, außer Verfolgung zu setze». Nach Zustellung der Anklageschrift werden die Akten sofort der Strafkammer zur Eröffnung de? haupi- versghrens zugeleitet werden. Das sehr untfangrciche Gutachten des Gerichtsarztes, Medizinalrat Dr. Dyrenfurth, bejaht bei sämtlichen Angeklagten die volle Verantwortlichkeit und verneint die Anwend- barkeit des � 5l. Wie die Justizpressestelle mitteilt, hat der Vernehmungsrichker im Polizeipräsidium gestern gegen die Arbeiter W i t t st o ck und R o h r b a ch hastbefehle wegen des dringenden Verdachts erlassen, den Droschkenchauffeur Pohl auf der von Buchholz nach Sperlings- lust führenden Chaussee ermordet zu haben. Ferner hat der Ver- nehmungsrichter gestern Haftbefehl gegen T h i e m e erlassen, wegen des dringenden Verdachtes des Diebstahls und des Mordes an seiner Tante Frau Schimmclpfennig. Thermometer in der Bauchhöhle. Sensationeller Zund bei einer Obduktion. Aleserih, 10. November. In der Landesheil- und Pflegeanstalt Mcseritz-Obrawalde wurde bei der Obduktion eines verstorbenen Geisteskranken in der Bauch- höhle«in Fieberthermometer gefunden, das als Ursache einer tödlichen Bauchsellentzündung angeschen werden muß. Nach dem Befund hatte das Thermometer schon längere Zeit im Körper gelegen. Bei der Entdeckung des Fieberthermometers brach der die Leichenässnung leitende zuständige Oberarzt diese sofort ab und benachrichtigte die Staatsanwaltschaft Meseritz, in deren Gegenwart und in Anwesenheit des zuständigen Kreisarztes dann die Sektion zu Ende geführt wurde. Es ist vor- läufig noch ungeklärt, wie der Geisteskranke zu dem Thermometer gekommen ist, da eine sosort vorgenommene Revision ergeben hat, daß von den in der Landcsheil- und Pslegeanstalt vorhandenen Fiebermessern keiner fehlt. Die weitere Untersuchung des eigen- artigen Vorfalls liegt in den Händen der Staatsanwaltschaft Meseritz. Autounglück auf Hamburger Chaussee. Oer todbringende Sommerweg. Ludwigslust. 10. November. Auf der Hamburg-Berliner Chaussee ereignete sich ein schwerer Autounfall. Der Reisetinobesitzer Bramstedt aus Rostock befand sich mit seinem Kinowagen auf der Fahrt von Ludwigslust nach Kummer. Infolge einer Reifenpanne kam der Wagen ins Schleudern, geriet auf den Sommerweg und stürzte um. Die im Wagen sitzende Cousine des Besitzers, Anneliese Bramstedt, geriet so unglücklich unter das Auto, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Fahrer wuxde leicht verletzt. Das Reichsbanner Schwarz-Rol-Gold des Ortsoereins Neukölln-Britz veranstaltet am Mittwoch(Bußtag) 10 Uhr in der „Neuen Welt", 5iasenheide, gemeinsam mit dem Arbeiter- Athletenbund eine Veranstaltung unter dein Titel„Sport und Technik"— Artisten-Wettstreit. Die Veranstaltung soll einen Aus- schnitt aus dem Wirken der Organisation geben. Aber der Junge schüttelte den Kopf.„5ch werde niemals anders denken. Und sobald ich genommen werde, gehe ich mit! Ich war schon vorige Woche bei Major Stetten vom Bahnhofkommando, und er hat mir versprochen, ein Wort für mich einzulegen, und Er brach ab, denn das Gesicht Germaines wurde von einem so jähen Entsetzen überflutet, daß auch er erschrak. Sie sprach kein Wort, sie preßte nur ihre beiden Handflächen an einander, in einem grenzenlosen, gewaltsam hervorbrechen- den. stummen Schmerz, der hilflos nach Ausdruck suchte. Dann stand sie auf und wandte sich zum Fenster. Auch der Bruder stand einen Augenblick stuntm. Er fühlte den Schmerz, den er der Schwester zufügte, in diesem Augenblick wie eine schwere, drückende Schuld. Aber dann legte er den Ann um Germaine„Aber so schnell geht das doch nicht, Schwesterchen, liebes, ich bin ja noch gar nicht genommen, ich bin ja auch noch zu jung. Bis ich dran komme, da vergehen noch viele Wochen und Monate. Bis dahin ist der Krieg schon beendet. Jetzt schon um meine Heldenleiche zu weinen, das ist doch wirklich ein bißchen früh!" Cr schüttelte die Schwester ein wenig, als sie noch immer wortlos stand.„Aber Germaine!" Germaine rührte sich nicht. Wortlos starrte sie vor sich hin. Walter ließ von ihr ab und folgte ihrem Blick. Aber draußen war nichts zu erkennen. Garten und Felder, olles lag in tiefem Dunkel. Endlich wandte sich Germaine ihm zu.„Ich weme nicht. Walter", sagte sie mit einer unnatürlichen Ruhe,„aber ich weiß, ich fühle es— der Krieg, wird nicht zu Ende sein. Ich habe Dolf hergeben müsien— Vater ist tot— nun wirst auch du gehen. Dem Untergang entgegen—" 18.. v Auf dem großen Platz vor der Unwersitöt standen Gruppen junger Menschen zusammen. Andere promenierten jjn lebhaftem Gespräch hin nnd her. Da und dort Uniformen, feldgrau, mit dem Eisernen auf der Brust, Urlauber oder leicht Verwundete, die alte Freunde begrüßten oder ein paar Vorlesungen hörten. „Es ist ejnfach alles Quatsch hier, was ihr macht! Wenn ich wirklich heil zurückkomme— diese Museumskaserne hier sieht mich bestimmt nie wieder. Jahrelang Lautgesetze und Lautverwandlungen pauken, gotisch, althochdeutsch, alt- nordisch, mittelhochdeutsch, altenglisch, altfranzösisch— ja alt, alt! Daraus kommt's hier an! Ich sattle um und werde Mediziner, das hat noch Hand und Fuß! Aber eure däm- lichen Handschriften, aus denen einem der ganze Aktenstaub der Vergangenheit entgegenströmt— ich danke!" Der junge Feldgraue paftte wütend den Rauch aus seiner Pfeise. Sein Freund legte den Arm um seine Schultern.„Recht hast du. Fuchs, mir stehts auch hier oben! Draußen gehen Welten in Trümmer, die ganze Eide brennt, und wir sitzen hier über unseren Scharteken, und die alten Kracher, die uns das Zeug vorkauen, tun noch, als sei das die tiefste Weisheit des Lebens! Wie bin ich bloß auf die blödsinnige Idee gekommen, Philologie zu studieren!" Er faßte den Kommilitonen am Arm und schlenderte langsam mit ihm auf und ab. Die Zurückbleibenden setzten das Gespräch fort.„Na- türlich haben sie recht. Aber lieber Gott, man wäre schön dumm, in einer anderen Fakultät von vorne anzufangen, jetzt, nach vier Semestern! Da ist's auch nicht bester!"— „Mein Bruder studiert Chemie— na, der muß erst Formeln ochsen! Da herrscht bei uns das reinste Pa- radies!"— „Na, und erst Jus— dann schon lieber Philologie!" Es klingelle. Langsam ging man auseinander und trat in die Universität ein. „Auf nachher!" „Was hast du denn jetzt? Ich gehe zum„Titurel"!" „Na. viel Vergnügen, ich lasse mir die Vorläufer Shake- speares servieren!"— „Warte auf mich am Lehrsaal 16, bei uns dauerts immer länger. Der Froschkopp kann sich nicht trelmen—" Man verstummte, denn die Tür des Dozentenzimmers öffnete sich, und ein kleiner dicker Herr mit einem großen Bücherpack unter dem Arm trat heraus. Die Studenten ver- schwanden in ihr« Hörsäle. -'s Schon fast halb zwölf. Germaine bog um die Ecke der Universttätsstraße und sah zu der alten Kirchenuhr auf. Nein, da hatte es wahrhaftig keinen Zweck mehr, ins Kolleg zu gehen.„Der ältere Minnesang"— na. darüber wußte sie ja nun bald Kescheid— außerdem stand alles fast wörtlich- im„Grundriß". Eventuell pumpte man sich ein Kollegheft. Ja, wenn es die Vorlesung über die Renaissance oder Balzac oder Bergson gewesen wäre! Aber so hatte sie den Morgen zum Klavierspiel verwendet. Immer stärker fesselte sie die Musik, immer schwerer wurde es ihr, sich davon loszureißen. Ja, heute verstand sie Vater, der sich mit aller Macht dagegen gesträubt hatte, daß sie als Kind schon Unterricht erhielt. Sie hätte niemals von der Musik lasten können, das wußte sie jetzt. Germaine ging langsam hinüber zu den Seminar- gebäuden. Am besten, sie setzte sich noch eine Stunde oben hin und las die Saga von Grettir, dem Geächteten, zu Ende. Sie hatte gestern damit begonnen und stand sofort wieder unter dem Eindruck dieser realistischen, herben Erzählung?- kunst, sobald sie nur daran dachte. Da bekam man einen anderen Eindruck von den idealen, blonden und blauäugigen Germanen, wie man sie sich auf der Schulbank gedacht hatte. Das war eine harte, blutige Zeit gewesen, da droben auf der kleinen Insel. Das war eine Welt, in der die Menschen Eis und Feuer gleichzeitig in sich bargen, wie die isländische Landschaft, eine Welt der Grausamkeit und des Todes, der Gier nach Besitz, des unbändigen Stolzes, aber auch der Seelengröße und der Geschlossenheit. Menschen, die einem plötzlich ganz nahe dünkten, als hätten sie nicht vor Jahrhunderten gelebt, denn waren ihre Leidenschaft, ihre Sehnsucht, ihr Egoismus, ihre Liebe, ihre Furcht nicht dem verwandt, was man selbst in sich fühlte? In Gedanken ver- funken ging Gennaine die Treppe hinauf, die zum Genna- Nischen Seminar führte. „Das ist doch Germaine Loriot!" Ein großer, junger Mensch, der eben die Treppe herunterkam, blieb stehen und lachte über das ganze Gesicht. Ueberrascht streckte ihm Germaine die Hand entgegen. ,„KurtI Wo kommst du bloß her! Studierst du denn auch hier?" Der junge Mann schüttelte lachend den Kopf.„Gott behüte! Ich bin bloß ein paar Tage zu Besuch bei meinen Verwandten. Heute wollte ich unseren Schulkameraden Hei- mich hier treffen, aber wir müssen uns verfehlt hoben. � Ich suche ihn wie eine Stecknadel überall. Statt dessen trest ich dich— no, ich habe nichts gegen diesen Tausch einzuwenden." (Fortsetzung folgt.) Don Juan im Seifenladen. Massen-Rendezvous der Paddelbräute- Fingierter Einbruch Der ISjährige Handlungsgehilfe Kurt L. war von der s>-irma, bei der er gelernt hatte, zum Leiter einer Filiale ihres Seifengeschäftes in der Borfigstraße eingesetzt worden. Zu den Kunden gehörte der schon erheblich vorbestrafte Maler Richard P., der dem jungen Manne Damenbekanntschasten vermittelte. Die beide» gaben ein Inserat auf, in dem sie die Bekannt- jchaft einer Paddelbootbegleiterin mit eigenem Boot suchten. Es meldeten sich auch nicht weniger als neunzehn anschluß- lustige Mädchen, die alle zu derselben Stunde zum Rendezvous cm Bahnhof Friedrichstraße bestellt wurden. Die beiden Freunde kamen auch hin und sahen sich das Treiben an. Da ihnen aber keine der erschienenen Frauen gesielen, meldeten sie sich nicht, sondern verschwanden wieder, fanden aber anderweitig reichlichen Ersatz und in dem Hinterzimmer der Filiale wurden zur Tages- und Nachtzeit tolle Feste abgehalten. Der lgjährige Filialleiter entnahm die Mittel hierfür aus der Ladenkasse und beschenkte seine Freundinnen in freigiebigster Weise mit Seifen und Parfümerien aus den Lagerbeständen. Am 12. Oktober sollte eine Inventur- aufnähme stattfinden und die Unterschlagungen wären her&us- gekommen. L. verabredete mit seinem Freunde P. in der Nacht einen Einbruch vorzutäuschen. P. hatte einen guten Freund, den Installateur B., der dafür gewonnen wurde, nachts in den Laden zu gehen und dort einen Einbruch vorzutäuschen Borher hatte aber L. noch die Ladenkasse im Betrage von 3 am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1930/31 Der Konzern Gute-Hoffnungs-Hlltte befindet sich im Besitz der Familie Haniel. die in der wilhelminischen Aera geadelt auch in die hohe deutsche Diplomatie und Verwaltungsbürokratie eingedrungen ist. Dieser Familienkonzern besteht aus der Gute-Hoffnungs- Hütte A.-G., Nürnberg, einer reinen Verwaltungsgesell- schast, in der der gesamte Konzernbesitz zusammengefaßt ist und ans dem schwerindustriellen Vesitzblock. der Gute-Hoffnungs-Hlltte A.-G. in Oberhaufen. Der Abschluß dieses von dem Scharfmacher Paul R e u f ch geleitete Unternehmen interessiert naturgemäß in erster Linie Man muh bei der Kritik der jetzt vorliegenden Bilanz aus den überraschenden Beschluß des Aufsichtsrats zurückgreifen, der vor einem Jahr, also schon mitten in der Krise,«ine Heraufsetzung der Dividende von 7 auf 10 Proz. vorsah. Diese in der ge- samten deutschen Schwerindustrie einzigartige Dividendensteigerung blieb solange ein Rätsel, bis gewisse Dinge Aufklärung in das Dunkel der Beratungszimmer brachten. So fiel diese Dividenden- steigerung gerade in eine Zeit, in der einige Mitglieder der Familie sich stark für freigewordene Aktien des Unternehmens zu inter- essteren begannen. Mit der Dividendenerhöhung aber wurde der Wert der Aktien ganz beträchtlich gesteigert und die Interessenten mußten schon tief in den Säckel greifen, wenn sie ihre Aufkäufe fortsetzen wollten. Andererseits wäre eine andere Gruppe der Familie abgesprungen, wenn nicht der Anreiz dieser außergewöhnlich hohen Aktionär-gewinne sie gehalten hätte. Diese Gruppe ging aus nichts anderes aus, als ihren ins Ungeheuerliche gesteigerten Luxus- bedarf— wie den Bau einer kilometerlangen Parkstraße für die Schloßherrfchaften— durch willkürlich heraufgesetzte Dividenden- Zahlungen zu befriedigen, llnler diesem Druck beschloß der Aussichks- rat gegen jede bessere wirischaskliche Einsicht jene sensaiionelle Divi- dende von 10 proz. inmitten einer schweren Krise. Der Wahnsinn dieser Politik zeigt sich jetzt. Im letzten Jahr sind Produktion und Absatz zusehends zusammengeschrumpft. Die Roheisenerzeugung wurde um 38,8 Proz. auf 0.62 Millionen Tonnen, die Stahlproduktion um 39,3 Proz. auf 0,60 Millionen Tonnen und die Walzwerksfabrikation um rund 40 Proz. aus 0.43 Millionen Tonnen gedrosielt. Zugleich gingen Kohlenförderung auf 3,16 gegen 4,14 Millionen Tonnen und Koksproduktion von 1,14 auf 0.77 Mil- lionen Tonnen zurück. Dementsprechend schlecht sind die Betriebs- ergebnisse. Obwohl die Abschreibungen um die Hälfte gekürzt sind — 3,0 gegen 6,3 Millionen—, wird ein Verlust von rund 3 Mil- lionen Mark ausgewiesen, der sich bei normalen Abschreibungen (Durchschnitt der beiden vorhergehenden Jahre) auf säst 5,6 Mi!» lionen, also fast auf 10 Proz. des Akticnkavitals erhöht hätte. Auch die Finanzlage ist scharf angespannt. Glichen sich im Vorjahre Schulden und Forderungen noch mit je 61 Millionen aus. so stehen jetzt 83,1 Millionen Schulden 66,3 Millionen Forderungen gegen- über. Wieviel von den Schulden auf Bankkredite entfallen, wird schamhaft verschwiegen. Wie diese enorme Schuldenlast an der Rentabilität des Betriebes zehrt, erhellt daraus, daß die Zinsen, die bei dem gegenwärtigen Stand des Reichsbankdiskonts mindestens 7,8 Millionen jährlich erfordern, über 800 000 M. mehr ausmachen als die im letzten Jahr gezahlten Steuern. Der Gesamtumsatz ist von 213,1 auf 142 Millionen Mark zurück- gegangen. Lohn- und Belegschaftsabbau von 28 857 auf 22 753 Mann haben aber zugleich zu scharfer Senkung der Lohn- und Ge- Haltskosten von 84,2 auf 63,2 Millionen Mark geführt. Steuern und Sozialabgaben gingen von 18,1 auf 15.7 Millionen Mark zurück. Wenn die Verwaltung in ihrem Bericht bei derart schlagenden Zahlen behauptet, das Verhältnis zwischen Lohn und Preis sei immer noch gestört, d. h. die Löhne seien zu hoch, und zugleich der Regierung vorwirft, daß ihre Wirtschaftspolitik auch die„Erlangung einer bescheidenen Rentabilität" verhindere, so wirkt dieser Vorstoß im Hinblick aus die L u x u s d i v i d e n d e des vergangenen Jahres als eine glatte Provokation. 40 proz. Lahmeyer-Oividende. Elektrowirtschast verdient noch gut. Immer mehr erweisen sich die B e r s o r g u n g s b e t r i e b e als diejenigen, die am wenigsten unter der Krise zu leiden haben. Die Elektrizitäts-A.-G. vorm. W. Lahmeyer u. Co., Frank-furt, kann für das am 30. Juni zu Ende gegangen« Geschäftsjahr 1930/31 immerhin 10(im Vorjahr 12 Proz. Divi- dende zahlen. Der Reingewinn ist nur von 2,45 auf 2,1 Mil- lionen Mark bei einem Aktienkapital von 18 Millionen Mark zurück- gegangen. Dieses Unternehmen ist für die Elektrizitätsversorgung Süddeutschlands von großer Wichtigkeit: es ist unter anderem an.den Lechelektrizitätswerten, an den Mainkraftwerken, an dem Kraftwerk Altwürttemberg, an der Thüringer und an der Bayerischen Elektrizitätslieferungsgesellschaft beteiligt. Außerdem beherrscht es einige Verkehrsunternehmen. Von Wichtig- keit ist, daß diese Gesellschaft der Stützpunkt des Rheinisch» West sälischen Elektrizitätswerkes(RWE.) für seine Elektropolitik in Süddeutschland ist: das RWE. besitzt drei Viertel des Lahmeyer-Kapitals. Maschinenindustrie meldet weitere Verschlechterung. Nach dem Oktoberbericht des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten sind Inlands- uns Auslandsgeschäft im ver- gangenen Monat noch weiter eingeschrumpst. Das gilt sowohl für Aufträge als auch für Anfragen. Bei den R u s s e n g e f ch ä f t e n sei wegen der Finanzierungsschwierigkeiten eine Stockung einge- treten. Das Auslandsgeschäft habe unter den Auswirkungen des englischen Pfund st urzes zu leiden und unter der Tatsache, daß das Währungsrisiko bei ausländischen Geschäften durch das Fehlen des Devisenterminhandels nicht abgedeckt werden könne. Rußland-Aufkrag für Ostsee-wersk. Die Neptun-Werte, Maschinenbau- und Schisfswerft A.-G., in Rostock, haben von der Russischen Handelsvertretung einen Auftrag auf 3 Spezial-Trans- vortdampfer erhalten. Die Dampfer werden eine Tragfähigkeit von je 1600 Tonnen und 1000 PS Betriebsstärke haben Die Werft ist durch diesen Auftrag in die Lage versetzt, 600 bis 800 Mann neu einzustellen und bis zum Mai zu beschäftigen. der in der Weslenlasehe ff desinfiziert Kols und Mundl Die Lohnabbaumaschine. Textilarbeiter und Z�eichsarbeitsminister, Wo liegt das Existenzminimum? Bei den Beamten hat man als Schutzgrenze ein Einkommen von 1S00 M. pro Jahr festgelegt. Darunterliegende Einkomme» dürfen vom Gehalts- und Lohnabbau nicht berührt werden. Nach der fächfifchen Beamten- ordnung fallen in diese Befoldungsgrenze Streckenwärter, Waldhüter usw. In der fächfifchen Textilindustrie aber kann ein Baum- wollweber� d. h. ein Facharbeiter, bei voller 48stündlger Arbeitszeit etwa 1000 bis IlOO TO. netto im Jahre verdienen. Somit liegt dieser Facharbeiter bereits <00 bis 500 M. unter dem Existenzminimum des für die Beamten festgelegten Einkommens. Trotzdem hält Stegerwald es für berechtigt, auch diesen Textilarbeitern 5 Proz. abzuziehen. Der Lohnabbau im Frühfahr dieses Jahres, der 5 Proz. für Frauen und 6 Proz. für Männer betrug, wurde damit begründet, daß ihm der Preisabbau auf dem Fuße folgen wörde. Die Indexziffer ist jedoch in dem gleichen Zeitraum, für den die Löhne um 9 und 6 Proz. gekürzt worden waren, nur um 2,6 Proz. gefallen. Trotzdem hält der Reichsarbeitsminister eine abermalige Senkung um S Proz. für richtig. Und nun die tatsächlichen B e r d i e n st e in Westsachfen. Sie fehen noch viel trauriger aus. So wurden z. B. in der Woche vom 24. bis 30. August dieses Jahres von Webern und Weberinnen Wochendurchschnittsverdienste erzielt, die sich zwischen 2,95 bis 18,10 Mark bewegten. Gardinenweber, hochqualifizierte Facharbeiter, vcr- dienten in der Zeit vom 6. Juli bis 23. August Wochenver- dienste von S,40bis17Mark. So und ähnlich liegen die Verdienste aus der ganzen Linie in der sächsischen Textilindustrie. Die Verdienste der Facharbeiler in der Baumwollindustrie bei Vollarbeit liegen zum Teil noch unter den Bezügen der Krisen- Unterstützungsempfänger in der gehobenen Krisenfürforgc, wenn man in Parallele stellt einen verheirateten Mann mit Frau und Kind. Die Anträge der Gewerkschaftsvertreter, zu prüfen, ob nicht andere Sparmöglichkeiten vorhanden feien, fanden keine Beachtung, obwohl der Nachweis erbracht wurde, daß Betriebe mit 800 Arbeltern und einer Jahreslohnsumme von 121388? Mark 12 leitenden Angestellten im Jahre 442 000 Marl an Ge> hältern zahlen Wenn nur die ersten vier Angestellten auf ein Jahresgehalt von je 24 000 Mark gestellt würden, ergäbe dieses für den Betrieb eine Ersparnis von 2 22190 Mark. Das wäre gleichbedeutend mit einer Ersparnis von 19,3 Proz. der Jahres- lohnfumme der gesamten Arbelterfchaft. Man brauchte in diesem Falle nicht den Lohn des Arbeiters um S Proz. zu kürzen, fondern könnte sich den„Luxus" erlauben, die Löhne sogar noch um 14,5 Proz, zu erhöhe n. Es wurde weiter nachgewiesen, daß Betriebe mit ISO Arbeilerinnen und Arbeitern vier Direktoren durchschleppen, wovon keiner ein Jahreseinkommen unter 30 000 vkark hat.' Die Begründung der Berbindlichkeitscrklärung läßt er- kennen, daß die Entscheidung in völliger Unkenntnis des wirklichen Tatbestandes getroffen wurde. So wird der Beweis der Arbeitnehmer, daß der bisherige Berdienft des Boll- arbeiters in der Baumwollindustrie zum Teil bereits unter dem Existenzminimum liegt und die Lohnsenkung ihn noch weiter hinab- drücken muh, in der Begründung mit folgenden Sätzen behandelt: „Diese Behauptung wäre vielleicht richtig, wenn man von den Lohn- sätzen bei Arbeit im Cinstuhlsystem ausgehen würde Tatsächlich ist die Industrie aber fast restlos zum Mehrftuhlsyftem übergegangen, wodurch die tariflichen Löhne, die auf das Einftuhlsystem abgestellt sind, wesentliche Zuschläge erfahren." Daraus ist zu erwidern: entweder haben die Sachbearbeiter das, was die Unternehmer ihnen unterbreiteten, als wahr und das. was die Arbeiter ihnen sagten, als unwahr unterstellt: oder aber sie find in der Berichterstattung dem Minister gegenüber leichtfertig über die wirkliche Sachlage hinweggegangen. Tatsache ist, daß die Mehrstuhlabkommen seit dem Frühjahr von den Unter- nchmern aufgekündigt sind. Es besteht auch jetzt noch ein t a r t s l 0 s e r Z u st a n d. War dieser Umstand dem Minister nicht bekannt, als er feine Entscheidung fällte? Wenn ja, wie konnte er sich auf etwas stützen, was tariflich gar nicht geregelt ist? Hieraus geht hervor, mit welcher„Sorgfalt" und mit welcher„Gewissen- haftigkeit" diese geradezu ungeheuerliche Entscheidung getroffen wurde So ist Deutschland nicht zu retten, Herr Reichsarbeitsminister! Reichsbahn- Schiedsspruch verbindlich. Wie zu erwarten war. Im Lohnstreit bei der Deutscheu Reichsbahn-Gesellschaft wurde am Montag der Schiedsspruch vom 11. Tlovcmber vom Reichs- arbeilsminister für verbindlich erklärt. Wie zu erwarten war. Oer Konflikt in der Maßschneiderei. Zentrale Verhandlungen gescheitert. In dem Tariskonflikt der Herren- und Damenschneiderei ist in den am Sonnabend zu Ende geführten Verhandlungen kein Resultat erzielt worden. Ein Einigungsvorschlag des Unparteii- schen Dr. B r a h n wurde von beiden Parteien abgelehnt. Der Reichstarifvertrag ist am 15. November abgelaufen. Infolge des Scheiterns zentraler Verhandlungen ist nun der Tarifkonflikt in die Tarif ort«— über 200— verlegt worden. Betroffen werden von dem Konflikt etwa 40 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Der Einigungsvorschlag sah außer verschiedenen weiteren Der- schlechterungen im Positioneschema für die Herren- und Damen- schneidere! noch den Doppeltarif für die Herrenschneiderei oor. Bon den Arbeitervertretern wurde der Borschlag vor allen: deshalb abgelehnt, weil sie gegen die Einführung des Doppeltarifs sowohl grundsätzliche wie arbeitsrechtliche Bedenken haben. Bei Einfüh- rung des Doppeltarifs würde die hiervon betroffene Arleiterschaft noch»ine weitere Lohnkürzung um 15 Proz. hinnehmen müssen. Das würde bedeuten, daß die Arbeiter, die nach dem Doppeltarif arbeiten müssen, nach der erfolgten Kürzung im Lohn und den Kürzungen im Positionsschemo ein« 25- bis 30prozentig« Lohn- kürzung zu tragen hätten. Die Unternehmer lehnten den Borschlag ab, weil er ihnen in materieller Hinsicht noch nicht weit genug ging. Der Arbeitgeber. verband erwartet vor allem eine Aurückverfetzung einer großen An- zahl von Städten in eine niedrigere Städtegruppe. Eine Bittschrist. Stahlhelm, Zechenbesiher und das„System". Hagen, 10. November. Der Landesführer des Stahlhelm, Weftmart, TO a h n k e n, richtete an den Zechenverband in Essen folgendes Schreiben: „Die Zechen des Ruhrgebietes haben die allgemeine Kündigung mit dem Zweck der Lohpherabfetzung ausgesprochen. Dieser Weg zur Rettung der Wirtschast ist rettungslos. Die Herab- drllckung der allgemeinen Lebenshaltung der Nation nur zum Zwecke der Aufrechterhaltung eines sinnwidrigen Systems der Kreditwirt- fchaft und einer dem Arbeitnehmer nicht wirklich helfenden Sozial- Politik ist sinnlos, und eine Politik, die die Befreiung nicht bristgen kann, rechtfertigt nicht die ungeheuren Opfer, die nur für ein« wirk- liche Befreiung der Nation Gewinn haben können. Die Unter- nehmer werden dadurch gegen ihren Willen zum Zwangsvollstrecker zugunsten der Tributwirtschast unserer Feinde, zugleich aber auch zum Werkzeug des klasfentämpfenschen Marxismus, der sich immer mehr in den Gegensatz zur eigenen Arbeitnehmerschaft drängt und insbesondere die Kluft gegenüber der deutschen Arbeiterschaft ver- tiefen möchte. Deshalb richtet der Landesverband an die Mitglieder des Zechenvcrbandes den dringenden Appell, den Weg zur Rettung nicht mehr in der bisherigen Richtung zu suchen, sondern in dem klaren und eindeutigen Kampf um die grundsätzliche Aenderung eines für das gesamte Volk verderblichen Systems." Die braven Stahlhelmer, die als Kumpels schuften, merken schließlich auch, daß der„Komps gegen das System" in Wirklichkeit mit Stockfchlägen auf den Magen des Arbeiters geführt wird. Und der Magen eines Stahlhelmmannes reagiert darauf genau so wie der Magen eines Marxisten. Daran ändern weder Stahlhelm- paraden etwas noch Nachtübungen. Die Zechenbesitzer aber werden den konfusen Brief de« Stohlhelmsührer« in den Papierkorb werfen und weiter gegen das„System" der hungrigen Prolstariermagen kämpfen. Krankenkassen und Aerzte. Der Entwurf zu einer Vereinbarung über die Neuregelung der Beziehungen zwischen den Krankenkassen und den A e r z t en wird nicht als freies Abkommen in Kraft treten können. Von den Spitzenoerbänden der Kassen haben nur der Hauptverband deutscher Krankenkassen und der(christliche) Gefamtverband den Vereinbarungsentwurf angenommen. Die Innungskrankenkaffen, die Betriebs- und die Landkrankenkaffen haben ihn abgelehnt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird nun der Reichsarbeits- minister eingreifen." Weihnachtsgratifikation. Textilgroßhändler fordern sie von ihren Arbeitern. Am Freitag verhandelte der Gesamtverband mit dem bekannten Syndikus Dr. Engel und seinem Stabe über den Neuabschluß des Lohnabkommens der Arbeiter im T e x t i l g r 0 ß h a n d e l, das wie alle anderen Lohntarife im Berliner Großhandel zum 31. Oktober zum Zwecke des Lohnabbaues gekündigt worden war. Kurz und bündig fragte man die Gewerkschaftsvertreter, ob sie grundsätzlich bereit seien, in einen Abbau der Löhne um 6 Proz. einzuwilligen. Die Gewerkschaftsvertreter wiesen dieses Ansinnen natürlich zurück. Sie erinnerten die Unternehmeroertreter daran daß man in früheren Jahren den Handelsarbeitern wegen der erhöhten Anforderungen ihrer Arbeitskraft vor Weihnachten Gratifikationen gezahlt habe. Sie könnten es nicht ver- stehen, wie man jetzt, wo die Arbeitskraft der noch im Betriebe stehenden Arbeiter bis zum äußersten ausgenutzt wird, kurz vor Weihnachten von diesen verlangt, s i£ sollten eine Gratifikation den immer noch gut verdienenden Textilgrohhändlern geben. Der Lohn der Arbeiter im Textilgroßhandel fei im April bereits um 3 bis 5 Proz gekürzt worden: die jetzigen Löhne von 40,50 TO. für ledige und 41,50 TO. für verheiratete Arbeiter lasten auch nicht den geringsten Abbau mehr zu. Die Verhandlungen scheiterten infolge der Hartnäckigkeit der Unternehmer. Kaum 24 Stunden nach den Verhandlungen, am Sonnabend, gingen den Arbeitern einzelner Firmen schon R 0 h r p 0 st b r i e f e zu, in denen ihnen ihr Arbeitsverhält- n i s aufgekündigt und die Weiterbefchäftigung nur dann in Aussicht gestellt wird, wenn sie sich mit einem Sprozen» tigen Lohnabbau einverstanden erklären. Auch der Dr. Engel wird noch einsehen müsten, daß man die Geduld der Arbeiter nicht zu sehr auf die Probe stellen darf. Es ist schon mancher forsch« Reiter vor dem Ziel aus dem Sattel gerutscht.._ Die Handsetzer im Elendsjahr. Verhinderung weiteren Lohnabbaus gefordert. Die Berliner Handsetzervereinigung des Buchdruckerverbandes hielt am Sonntag im Klubhaus. Ohmstraße, ihre diesjährige G c- neralversammlung ab. Der Borsitzend« der Vereinigung, Genosse Pietsch. hob im Geschäftsbericht hervor, daß die Weltkrise dem abgelaufenen Bereinsjahr den Stempel eines Elendsjahres aufgedrückt habe. In Berlin find insgesamt 2813 Handsetzer arbeitslos, 37,5 Proz. arbeiten verkürzt. Die Handsetzer sind von der Krise am härtesten betroffen. Lohnabbaubestrebungen traten bei den Handsetzern erst in letzter Zeit häufiger in die Erscheinung. Zu den L 0 h n v e r h a n d l u n g e n hat die Vereinigung einen Antrag gestellt, in dem die Verhinderung jedes weiteren Lohn- abbaues und die Einfuhrung der 40-Stunden-Woche mit einem gerechten Lohnausgleich gefordert wird. Der M i t g l i e d e r st a n d ist auf 2610 zurückgegangen, mit- verurfacht durch die Hetze der RGO. gegen die Vereinigung. Es ist notwendig, daß sich die noch fernstehenden Handsetzer der Sparte anschließen, das gilt besonders für die jungen Kollegen. Pietsch mahnte zur Einigkeit und Geschlossenheit auch für die Zukunft. Der Kassenbericht ergab«inen Bestand von 5357 Mark. Nach kurzer Aussprache wurde der bisherige Bor- st a n d mit dem Genossen Pietsch als 1. Borsitzenden gegen nur drei kommunistische Stimmen wiedergewählt, ebenso der Vertreter für den Gauvorstand und die einzelnen Kommissionen. Auf ein st immigen Beschluß der Versammlung erhalten die arbeitslosen Handsetzer zu Weihnachten Gutscheine zu je 5 Mark zum Einkauf bei der Konsumgenossenschaft. Vereinsmittel- lungen beschlossen die von gewerkschaftlichem Solidaritätsgefühl getrogene Versammlung. Sammlung aller Kräfte! Die Wirkung ver Zerfpliiterung. Im Zusammenwirken mit den übrigen freigewerkschaftlichen Angestellten- und Arbeiterorganisationen ist es de*: ZdA. gelungen, den Notverordnung en einige Giftzähne auszubrechen. Wenn die Erfolge, die auf diesem Gebiet erzielt wurden, nicht über- wältigend waren, dann lag es daran, daß die gewerkschaftlichen und vor allem die politischen Machtverhältnisse durch die politifche Kurz- sichtigkeit breiter Schichten der Arbeiterschaft so zuungunsten der werktätigen Massen verschoben wurden, daß eine wirksamere Ver- tretung ihrer Interessen einfach unmöglich gemacht wurde. Wenn es trotz dieser Erschwernisse gelang, die Angriffe aus das Tarifrecht abzuschlagen, die auch gegenüber den Behördenangestellten, insbs- sondere gegenüber den Angestellten der Reichspost gemacht wurden, ist das immerhin ein Beweis, daß die Gewerkschaften noch längst nicht ohnmächtig sind. Was es auch für die Dehördenangeftellten bedeutet, organisiert zu sein, hat sich in letzter Zeit gerade bei einzelnen Gemeinden des Regierungsbezirks Potsdam gezeigt, wie Genosse Lach« am Sonn- tag in einer Konferenz der Behördenangestellten dieses Bezirks ausführt«, wo es infolge der organisatorischen Schwäch« der Ange- stellten nicht gelang, zu Tarifabschlüssen zu kämmen. In diesen Gemeinden konnte die Verwaltungsbürokratie ungehindert ihren Abbauwünfchen wie überhaupt ihrer Arbeiterfeindlichkeit freien Lauf lassen. Sammlung aller Kräfte und Stärkung der gewerkschaftlichen Front muß auch für die Behördenangestellten in dieser schweren Zeit die Losung sein. Das ist keine leere Mahnung, sondern eine Forderung, die erfüllbar ist, was am besten daraus hervorgeht, daß im Gaugebiet Berlin-Brandenburg des ZdA.«m letzten Jahr trotz der Krise über 400 neue Mitglieder gewonnen werden konnten, darunter auch eine beträchtliche Zahl von Behördenangestellten. In der Diskufsion wurde die Tätigkeit der Organisation, ins- besondere ihr zäher Kampf gegen die Notverordnungen, vollkommen anerkannt. Alle Diskussionsredner waren sich einig in der Auf- fassung, daß angesichts der immer anmaßender werdenden sozialen und politischen Reaktion die Kräfte für die Agitation oerdoppelt und verdreifacht werden müssen._ ftrcic Gewerkschafts-Iugend Berlin ciitc um 19;i Uhr tagen dl« Otimpcn: Spandan-DUHelmstadt: Suacnd. Eil» Sportplatz SeiburgEi Straße.„Sine Fahrt durch die Marl Brau- denburg."— Ädlcrshaf! Gruppenheim Udlershaf, Biamarckstr. 1. Di»- lulston-abend:„Burschen und Mädels in der ff® 3."— Schönrwcide: Jugend- Vint Niederschiweweide, Hasselwerderstraße.„Sin Tag im Gefängnis.-_— "'ffingenftt. 48, Zimmer 5.'' lanlnni: Jugendheim Riffingenftc. 48, Zimmer 6.„Srilas Vater hat das Wart."— Gewcrkschastshaus: Engelufer 24—25, Saal 11.„Bei uns ist's lustig." — Arnswaldee Platz: 3ugendheim Ehristburger Str. 14.„Rund um die Erde." — Wedding: Ougendheim Willdenowstr. 5, 2 Treppen, Zimmer 11. Eltern- abend— Werbeabend.— Reu-Lichtcnberg: Jugendheim Dunterstr. 44. Licht- bildervortrag:„Berufskrankheiten— Dewerbehpglene".— ffranlfuttcc Allee: Ltiidt. Jugendheim Litauer- Str. 18.„Gewerkschaften und R®O."— Lichtenberg: Jugendheim Dassestr. 22. Die Burschen gestalten den Abend au».— Ost- endet Jugendheim stailaharst, Treskawalle« 44(ftantschule), schon ab 19 Uhr „Sinn und Unsinn der Mode."— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 8(am Bhs. Treptow).„Das Abwehrpragramm der Gewerkschaften."— Landsberger Platz: Jugendheim Landsberger Str. SD. Wir fingen und spielen.— Steglitz: Jugend. heim fflemmingstr. 14b.„Der Gewerkschaftskcngreß Frankfurt a. 39."- Moabit: Jugendheim Bremer Straße. Lustiger Abend. F) Iuaenvoruppe des Zenlralverbanves ver Angestellte- Heute, Dienstag, finden folgend» Veranstaltungen statt: Lichtender Jugendheim Sunterstr. 44. �Arbeitsgemeinschaft:„Demokratien ui- Sprech, und Bewegungschar ilbt ab 20 Uhr._____________. — starten zur Jug-ndnarstellung der Volksbühne am 6. Dezember zum Preii von 80 Pf. sind im Iugendsekreiariat zu haben. Immer weiße Zähne hat man bei ständigem Gebrauch von Ehlorodoni- Zahnpaste unier girichzeiiiger Benutzung der praftischen Chlorodoni-Zahnbssrste sSpezialfchnilif. Versuch tiberzeugi. Hilten Sie sich „nr billiaen. minderwertigen Nachahmungen. Ms 1 fydsckmt gM jede Umhüllung der Ser-Packung von MAGGT Fleischbrüh Würfeln, — auch wenn sie hoch nicht mit Gutschein-Aufdruck versehen ist— Ss gelten aber nicht als Gutscheine die Umlegestreifen der einzelnen Fleischbrüh■ LUürfeL - A Notleidende Landwirte? Eine lehrreiche Gerichtsverhandlung gegen den Syndikus einer landwirtschastlichen ilnternehmerorganisation. Wie wenig berechtigt mitunter das Gerede von der Not der Landwirtschaft, d. h. der landwirtschaftlichen Unternehmer, ist. zeigt«[ich vor einigen Tagen bei einer Verhandlung vor der Berufungsstrvflammer des Königsberger Landgerichts. Vor den Gerichtsschranken stand der Syndikus und Geschäftsführer eines Kreislcmd Wirtschaftsverbandes Kl. wegen schwerer Untreue und Unterschlagung. Die Verfehlungen werden darin erblickt, daß er in seiner Eigenschaft als Vormund Gelder, die seinem Mündel gehörten, für sich verbraucht hat. Zahlungen, die an ihn gemacht wurden, hat er für den Bau eines Hauses verwandt. Die Höhe der veruntreuten Summe wird auf 5000 Mark beziffert. Bei der Verhandlung stellte sich heraus, daß der Angeklagt« bis zum vorigen Jahr ein Monatsgehalt von 1022 Mark bezog. In- zwischen ist ein Abbau auf SOS Mark pro Monat«rfolgt. Außer- dem besitzt der Angeklagte nach seinen eigenen Angaben eine Villa im Werte von 25 000 Mark und ein 7Z00 Quadratmeter grrkes Baugelände. Der Herr Vormund war in erster Instanz zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Strafe konnte durch Zahlung einer Geldbuße von 300 Mark umgangen werden. Damit begnügte sich der Angeklagte aber nicht. Er legte vielmehr Berufung ein, weil ihm die Strafe zu hoch erschien. In der Berufungsoerhandlung kamen auch einige Landwirte als Zeugen zu Worte. Sie gaben ihrer Verwunderung über das Ver- halten des Herrn Syndikus Ausdruck. Schließlich erklärten sie, daß es ihnen ein leichtes gewesen wäre, dem Angeklagten zn jeder Zeit mit ein paar tausend Mark unter die Arme zu greifen, llnd der Syndikus des Landwirtschaftsoerbandes war sogar bereit, noch viel mehr solcher in jeder Beziehung gewichtigen Männer dem Gericht vorzuführen. Er beteuerte, daß nur Männer in Frage kämen, „iiie auch wirklich was haben". Das Urteil lautete auf neun Monate Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe. Unter Not der landwirtschaftlichen Unternehmer stellen wir uns die Unmöglichkeit vor, die dringendsten finanziellen Verpflichtungen erfüllen zu können. Daß dem so ist, hat dieser Prozeß wohl kaum bewiesen._ Bezirkstag Teltow-Beeskow. Im Berliner Gewerkschaftshause fanden sich die Delegierten der sozialdemokratischen Ortsvereine in den Kreisen Teltow und Beeskow zu einer Unterbezirkstagung zusammen. Nach der Ehrung Friedrich Bartels', der Spitzenkandidat des Unterbezirks für den Preußischen Landtag war, nahm die Konferenz ein Referat des Genosien Dr. Julius Moses über„Die politische Lage" entgegen. Lange genug habe die Republik Geduld gezeigt; jetzt müsse damit Schluß gemacht werden; ein Verbot der nationalsozialistischen Mordzentralen ist zu fordern. In schwerster Zeit kämpfe die Sozial- demokratie weiter für Demokratie und Sozialismus. In der ausgedehnten Debatte kam die Treue der Sozial- demotraten des Unterbezirks für die Partei zum Ausdruck. Im weiteren Verlauf der Konferenz wurden die nächsten agitatorischen Arbeiten der Partei besprochen: einmütig war man der Auffassung, baß die Versammlungstätigkest noch gesteigert werden müsse. Zflnf Atonale Gefängnis für einen Glücksspieler. Mit Recht n gen...... WWW fein Unwesen getrieben hatte, acht Monate' Gefängnis zudiktiert. M»le»d»»g«> fOx diel« Siodrtk ft»d v e r U» SS«, Linden stratz« 8, parieinachrichien für Groß-Berlin stet» an da* Bezirkslerretartai !. Hof, 2 Treppe» recht»,»» richte» Heut ist der letzte Tag zum Einsenden der Fragebogen?— Es fehlen noch sehr viele davon.— Die säumigen Kassierer werden deshalb nochmals zur Einsendung derselben"aufgefordert. I. A.: Alex Pagets. -i> Beginn aller Beranstaltnngen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe? Heule, Dienstag. 17. November. & Sttis. Bersammlimg der>S»aere» Parteimitglieder i» Schmidt» Sesell- schaft-hau». Fruchtste. Z8a. 1. Referat de»»enollea Dr. Ott» Friedländee. Thema:„Außenpolitik- Sozialdemokratie und Deutschoatiouale Partei'. 2. Bussprache. IS. Kreis. Lieder, sab guustadeud 20 Uhr in der Aula der Darotheeuschule, Aöpcuick, Berliner Straße. Wir bitteu um«echt rege Beteiligung. 15. Abt. Zusammenkunft der Iugendgruppe im Restaurant Hetdekrug, Bernauer Ecke Etrelider Straße. 55. Abt. 10. ffituppt; Zahlabend um 20 Uhr bei Sichtig, Schloßstr. 45. Bor- trag:„Soziales Steuerrecht'. Referent Genosse Dr. H. strüger. 12. Abt. Abteilungeversammlung bei Rosenau um 20 Uhr. Thema:„Allgc- meine Diskussion Uber die'politische Lage".■ 78. Abt. Zulammenkunst der iuugeu Genossen bc> Christ, Ebersstr. 40. Max Hepdemann:„Unser Kampf gegen den Faschismus". V«. Abt. 13 Uhr. Schul« Mitrietid orfer Weg, außeiordcntlrch« Abteilungsvcr. sommluny. Referent Geuosse BiSrlel:„Wirtschast-krise und Selbsthilfe- organisation". Morgen, Mittwoch, IS. November(Bußtag). 17. Abt. 8� Uhr Bahnhof.Wedding Treffpunkt der Parteijugend zur Herbst. Wanderung. Zusammenlunft bei Klinge fällt aus. 20. Abt. 19 Uhr Politisch'sstirischer Abend(Mustk,»esaug, Reuue. Rezita. tiauen) i» der Aula der Roten Schule, Sotenburger Straße. Gast« wi». 28. Abt!'� Arbeitsgemeinschaft junger Parteimitglieder veranstaltet im.Lokal von Grunewald, Kameruner Str. 19, einen Bunten Adend. Beginn 18 Uhr. 24. Abt. Di- Gruppe iungcr Parteigenossen veranstaltet im November: I. Mittwoch fBußtaq)-in- Hcrbstwandcrung. Treffpuntt 8 Uhr Bahnhof Prenzlauer iiillee. 2. Donnerstag. 19.,-tn-n Ausspracheabend Uber das Thema„W-hr-erbände und Sozialdemokratie". Refereiit Genosse paubach. Versammlungsraum: Wenzke, Carmen-Snlva» Ecke Hosemannstraße. 27. Abt. Kreis jilngerer Parteigenossen: 8 Uhr Wanderung durch den Krämer. Treffpunlt Bahnhof schljuhauser Allee.„. 33. Abi. Besichtigung der Bundesschule de« ADGB. Bernau. Anschließend Wanderung noch Ucßdorf. Treffpunkt Uhr Bahnhof Warschauer Brücke. Unkosten etwa 1,50 M. 90. IL ABL Schwerhbrsg«. 77 Uhr, Llubeiistr. 4, vorn 1 Dr., AMgNederversaw». luug. Bartrag des Genossen Hann» H. Kamm. Sympathisierende Pub ei»- geladeu. Abt. Jllugereagruppe: Bußtag treffen wir uns um 10 Uhr an der Apotheke am Hermannplatz Ecke Kaiser-Friedrich-Straß« zur Fahrt nach dem Grüne. wald. 32. Abt. Junge Parteigenosse»: 20 Uhr Ztevolutiou-fei-rstuude im Jugeub. beim Bergstr. 29, Saal 1(nicht, wie erst»ngegede», Jugendheim Treptower Straß«), itraß«) 89:.. Abt. zur 104. straße 12, schon um 13 Uhr. 140a. Abt. Beteiligung an der Totenfeier des Reichsbundes der Kriegsbefchädig. ten. Treffpunkt: 12% Uhr in Borsigwalde, Schubart. Ecke Spandauer Straße, oder Uli Uhr auf dem Wittenauer Friedhof. 20. Kreis Donnerstag, IS. November. iunstbLh: West, Borsigwalde. Tegel, Freie Scholle. Wäidmaunslust und Hermsdori kommen diesmal«ach Reinickeudorf-Ost. 3. Abt. Arbeitskreis im Heini Genthiner Str. 17.„Der Weg zum Sozialis. mus". Referent Dr. W. Pähl. ZZ. Abt. 18 Uhr Adtcilungsvorstandssitzung, 20 Uhr Abtellungsfunktioiiär» Versammlung bei Lemble, Echreinerstr. 38. Ol. Abt. Arbeitskreis Jüngerer Genossen: Lokal Flughafenstr. 48. Referat: „Sozialismus und Religion". Referent Genosse Otto Gallonska. 34. Abt. 20 Uhr Zahlabend bei Kwella, Olerstr. 15. Fritz Schröder:„Lohn. abbau und Schlichtungswefe»". 124z. Abt. 20 Uhr bei Draber, Uhlandstr. 18, Funktionärsitzuug. Arauenveranstaltungen. 7. Abt. Mittwoch, 18. November, im Jugendheim Rosinenstr. 4. wichtige Funktionärinnenkonferenz. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. 17. Kreis. Der Beginn der Arbeitsgemeinschaft über..Sozialversicherung" muß umständehalber vom 19. November verschoben werden. Nähere Mitteilung erfolgt noch. 54. Abt. Der Frauenabend am 18. November fällt wegen des Bußtages au». Dafür beteiligen sich die Funktionärinnen an der Kreisfunltionärinnen. sitzung. Näheres siehe Kreisnvtiz. 110. Abt. Donnerstag, 19. November, 20 Uhr, bei Werner, KSpenicker Str. 125. Reierentin Luise Arndt:„Frauenarbeit in der Gemeinde". 114. Abt. Donnerstag, 19. November, Besichtigung des Konsums. Treffpunlt 10 Uhr vor dem Eingang Rittergutstraße. l22z. Abt. Heute, Dienstag, 17. November, 20 Uhr, im Cafe-Restaurant Bies. dorf.Süd, Kövenicker Str. 165—167. Referent Nora Henke:„Sozialismus in der Familie". Sozialistische Studenkenschaft Deutschlands und Oesterreichs Ortsgruppe Berlin. mann, liehe Bedeutung".— Donnerstag, 19. November, 20 Uhr, im Bund, Marxistische Arbeitsgemeinschaft, Leiter Dr. Denicke:„Erörterungen soziologischer und ökono- Mischer Theorien des Marxismus". Beständige Teilnahme ist erforderlich.— Freitag, 20. November, 20 Uhr, Echinkelplatz, Hochschule für Politik, Arbeits» Sonnabend, 21. November, Ausspracheabend unserer Genosstnuen wird ver» schoben. Näheres am Brett. Arbeiterbildungsschule. Arbeitskreis Abraham. Tresfpuukt zur Fahrt»ach Erkner am Bußtag 814 Uhr Bahnsteig Stralau-Ruwmelsburg i» Richtung Erkner, 1. Richtraucher. wageu. Arbeitsgemeinschaft der kiuderfreuude Groß Berltu. Mitte: Dienstag, 19<4 Uhr, Kreiselternabend in der Aula der weltlichen Schule Augustr. 67. Thema:„Die Spaltung der Partei s und deren Auswirluna bei den Kinderfreunden. Referent Genosse i Max Schmidlbauer. ,, Kreuzberg, Kottbusscr Tar: Morgen, Mittwoch, 18. November, «S Fahrt nach Finkenkrug. Treffen 8 Uhr Falk-n-cke. Essen und Becher mitbringen. Kosten 70 Pf. Cbarlotteuburg, Rote Falken: Treffen zur Hof Westend. Iungfalken: Treffen zur Fahrt Unkosten 1:10 M. fahrt nach Lehnitz 17 Uhr Bahn» ------------" 17 Uhr. vahnhof Iungfernheide Sterbetafel der Groß«Berliner Partei«Organisation 55. Abt. Unser Genosse JosefIentsch ist im Aller von 62 Jahren per. starben. Ehre seinem Andenkenl Einäscherung Donnerstag, 19. November. I6U Uhr. Krematorium Wilmersdorf, Berliner Str. 100—161. Um rege Be- tcivgung wird gebeten.... IW Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendieketariat Berlin SW 68. Lindenstraße 3 B.-A.'Sitzuug Donnerstag, 19. November, 19>4 Uhr, im Boriragsfaal. Heute, Dienstag. iQVi Uhr. Arkonaplatz: Eltfabethstr. 19: Hofemann-Abend.— S-werkschaftshans: Kopr. nicker Str. 92:„Das Neueste vom Neuesten".— Kölluifcher Part: Waifenstr. 18: „Tagespolitik".■ Brunoeuplatz: Pank. Ecke Wiesenstraße:„Die Gescküchte der Revolutionen".— Gefnaddeuitneu I: Gotenburger Str. 2:„Karl urib Wilhelm Liebknecht".— Humbolbthain: Putbusser Str. 8:„Kameradschaftsehe".— Leopoldplatz: Willdenowstr. 5:„RGO. und frei« Gewerkschaften".— Webding R. F.: Willdenowstr. 5:„Tagespolitik".— Weddiug-Nord: Turiner Ecke See- Weißeufee: Parkstr. 86:„Bub und Mädel".— Söpeuicker Viertel: Wränget. straße 128: Uebungsabend.— Süden: Borckstr. 11: Lichtbilder:„Erlnneruugeii in Wort und Bild".— Hafeaheide: Wassertorstr. 9: ,,Die moderne Arbeiter. beweguna".— Südwest: Lindenstr. i:„Unsere Eelbsterziehung".— Schöne- borg V: Hauptsir. 15:„Die Partei einst und setzt".— Charlottenburg: Rosinen. straße 4: Ar! abend Antilriegs, ialiste». rbciter. Chausseestr. 48:„Tagespolitil".— Treptow: Elsenstr. 8: Z-itungsdislussion.— Karlshorst: Treslowallee 44:„Wissenschaftlicher Sozialismus".— Hermsdarf: Rconstraße: lO-Minuten-Referatr.— Reinickendarf.Oft: Fahrt nach Werder a. d. H.: Treffpunkt W% Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Unlosten 2 M.— Tegel: Bahnhosstr. 15:„Wie stellen wir uns den sozialistischen gurunftsstaat vor?'�— Buchholz! Blankenburg, ffiif f elfte. 17:„Der Beruf und wir".— Rieberschön- Haufen: Lindenstr. 47:„Cnglische Wahlen und Arbeiterpartei".— Panlow I und U: Görfchstr. 14:„Geschichte der Arbeiterbewegung".— Helmholtzplatz: Danziger Str. 62, Baracke III: Vortragsabend. ZNorgen, ZNittwoch. Falkplatz k: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Schönhauser Allee.— Helmholtzplatz: Fahrt nach Erkner usw. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee. 1 M. Un- kosten.—«euköllu IV: Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr Bhf. H-rmannstraße. SSG Schöaeberg: 17 Uhr, Hauptstr. 15:„Warum fordern wir Sozialismus?" Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz- Rol-Gold". Delchäktsstell» Berlin S l4 Sebastianstr 87—88 Hot 2. Tr Dienstag, 17. Nopember. Friedrichsbain(Ortsoerein): 20 Uhr Sitzung der Kameradschaft Stralau bei Wertalla, Hohenlohestr. 8. Weddiug fOrtsverein): 15 Uhr Verfammluna der erwerbslose» Kameraden: l. Kameradschaft und 4. Block bei Koprafch, Binetaplatz 8; 2. und 8. Kamerad. schast bei Reußner, Seestr. 62. Prenzlauer Berg(Ortsoerein): Sameradschaft». Versammlungen in den bekannten Lokalen.— Mittwoch, 13. November. KKS Mitglieder: Uedungsschießen: 1. und 2. Abt.: Abl-".......- brunnen; 3. und 4. Abt.: Abfahrt 8 Uhr U-Bhf. . oztz Uhr U-Bhf. Gesund. er- und Levpoldstraße. Männerchor Friedrichshain. Extraübungsstunde Schule -■-" ohe Nim Deutscher Arbeiter- S ängerbund. Gau Berlin. Geschäftsstelle: p. Schneider, Berlin NO. SS, huselandflr. Zt. chtungl Heute, Dienstag, 20 Uhr, rankfurter Alle- 87. Bußtag, 19 Uhr, .es Erscheinen Pflicht. Karten gerechnet.— Der Männergefaua- ._____,...___... Dienstag, 17. Dezember, Saal- bau Friedrichshain, fein 6. Stiftungsfest, verbunden mit Künstler, und Speziali. tätenabend. Als Galt wirkt der Männergesangverein der Hallefchen Straßen. bahner aus Halle a. o. S. mit. Liga�für Mutterschutz und faziale� Familienhygieae e. �v., Gruppe Süd.' Unsere Beratungsstelle Berlin C. 2, Breite Str. 7,'ist außer Montags von 15 bis 17 Uhr auch Mittwochs von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Ferner findet am Dienstag, dem 17. November, 20 Uhr, im Lokal Otto Pinger, Tempelhof, Dorf. straße 50, ein Vortrag mit Lichtbildern über 6 218 oder Empfängnisverhütung iR-f-rent: Fr. Martin) statt. Der Berliner gither-Club übt jeden Dienstag um 2012, Uhr im Clubhaus, Ohmstr. 2. Mietcrverbanb Roscnthal, Bund Deutscher Mi-terv-reine«. B. Oeffentliche Protestkuiidgebung am Dienstag, dem 17. November, IS'ä Uhr, im Lokal Mauthep(Paulinenhof). Rofenthal, Hauptstraße. Deutscher Arbelter-Mandolinisten.Buud, Ortsgruppe Moabit, eröffnet am Sonnabend, deni 21. Ziovember, 16 Uhr, in Berlin NW., Berlichingcnstr. 3, Logenheim, einen' Mandolinenunt-rrichtslursus für Kinder und Jugendliche. Unterricht kostenlos. Sturmvogel. Flugverband der Werktätigen, e. B., B-'irksarupp« Ost. Sitzung am Dienstag, dem 17. November, 26 Uhr, im Revaler Vereinshau», Revaler Ecke Simon-Dach-Straße Bauabende Montag bis Freitag von 19 bis 22 Ubr, Sonntag von 9 bis 13 Uhr. Jugendheim Sportvlatz, Hauffstraße. Polizeifportoerein Berlin e. B., Abteilung Cinheitskurzschrift. Regelmäßige Uebungsabende, auch für Zivil, im Volizeifchulgebäude, Hannoversche Str. 28/80, 2. Stock, Zimmer 10. Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitag» von 10>/3 Uhr bis Olli Uhr. Anfänger,, Fortbildimg». und Redefchriftkurfe. Freireligiöse Gemeinde. Mittwoch. 19 Uhr, Pappelallee i5. Lichtbildervor» trag des Herrn Dr. F. Sibiff: Die Wandlunge» der Koltesvarstellungen. Landomanufibaft der Schleswig-Holsteiner zu Berlin. Geschäftsstelle S. 14, Prinzenstr. 61. Mittwoch, 18. November(Bußtags, 19 Uhr, großer Saal des Dresdener Gartens. Dresdener Str. 45, Kullurfilm-Vorführung:„Das Gr- tränk der Millionen". Mieteruerein des Groß-Berliner Westens, e. B. Freitag, 29. November. 29VL Uhr. im Viktoriagarten. Wilmersdorf, Wilhelmsaue 114— 115, äffentliche Mieterverfommlung. 1. Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Goctzel, spricht über „Die Mietsenkung und Srbaltung des Mieterschutzes". Die Mieterschait steht infolge der Höhe der Miete vor dem Zusammenbruch, wenn nicht schleunigst' durch Notverordnung, diesmal zugunsten der Mieter, eingegriffen wird. Deutsch- Sraphvlogische Studie»gefellfchaft. Vortragsabend mit Lichtbildern Mittwoch. 18. November. 20 Uhr, in der Aula der kaufmännischen Berufsschuir, Eeorgenstr. 30—31(am Bahnhof Friedrichstraße). Allgemeine Wetterlage. >I6.Nov.493'l,abds. JwefkonloLO hotar.O haß bedeckt (wolkig,•bedeckteR�ef�Graupoln hnot5Nebol,TGewiftet@Wioiteille Deutschland liegt im Bereich einer kühlen nördlichen Luft- strömung. Die Tagestemperaturen überschritten nur ganz ver- einzelt 7 Grad. Nur am Oberrhein, wo es heiter war, wurden m mehr als 10 Grad gemessen. Im Bereich der Ostseeküste fällt etwas Regen. Das europäische Hoch, dessen Kern mit 780 Millimeter über Lappland liegt, hat seinen Einfluß weit nach Südwesten ausgedehnt und söebt mit einem Hoch in Verbindung, das zwischen Spanien und den Azoren lagert, lieber Polen und dem westlichen Rußland ist eine Depression zu erkennen. Sie füllt sich zwar aus, ward aber dabei ihren Einfluß etwas nach Westen ausdehnen. ijc Welleraussichlen für Berlin: Bewölkt bei weiter sinkenden Temperaturen, keine � erheblichen Niederschläge, leichte nördlich« Winde.— Für Deutschland: Im Westen und Süden teils heiter, teils wolkig, Nachtfröste, in Mitteldeutschland bewölkt bis trübe und sehr kühl ohne nennenswerte Regenfäll«, im Osten bei zeitweise frischen nördlichen Winden einzelne Niederschläge, sehr kühl. ZUNTZ cTEE eine oin�lnp Zigarette treffsicher zu beurteilen. Aber rauchen Sie einmal den ganzen Tag nur CliUB.dann werden Sie erst merken, wie mild und wunderbar diese fabelhafte 5% Pfennig- Zigarette ist. ; maxDoriu: Wir find 9>rovinm... Die Prinatbahir Schmalspurig. Drei grüne Wägelchen. 'n Lokomotiochen. Weißer Qualm,'n Pfiff. Ilnd— halt! Steigt niemand aus? Nö. Und die Frachtgüter? Js nix da. Traurig! Kall weht der Wind vom Gebirge herab— halb Schnee, halb Regen. Zlm Tslegraphenmast.fitzt ein Rabe— wie er schreit: Grab, Grab, Grab— ja, die schöne Sommerzeit ist dahin,'s wird Winter. Und dann sitzen sie alle im Wartesaal— die lieben Genossen von der Prioatcisenbahn— Passagiere sind keine da, es steigt niemand aus— es steigt niemand ein-- da dürfen wir Kleinbahner uns wohl im warmgeheizten Wartesaol'n bißchen groß machen— das heißt: unter uns unser Mcnschtum gegenseitig gellen lassen— wenn wir auch nur Provinz sind! Menschen mit kleineren Mägen und Schweigemäulern—. Was sagstc da, von wegen Schweigen, na, warte: wenn wir erst gefrühstückt haben! Wirf mal'n paar Schippen Kohle ins Feuer— der Ofen muß singen, den hohen Sopran, zum Baß des Windes: der draußen ums kleine Stationshäuschen donnert und tobt! Schnee und Regen klatscht gegen die Scheiben, als ob der Berggeist Rübezahl mit flacher Hand dran schlüge. Schoo, nun ist es gemüllich. Das Frühstück der Privatbahner. Hannes— du hast ja heute kein Speck auf Brot? Geht nich, der Lohn is zu knapp, ich eß heute Margarine mit Zwiebeln— ich will mir mein Messer am Ofen schärfen-- horrijeh, der Wasserkessel bullert, er kocht, wer gibt heute das Kaffeemehl? Der Jakob. Schüll ein-- hu, der würzige Duft, Kornkaffee, gebrannter Roggen— 'S sind auch drei echt« Brosilbohnen drin, es könnten mehr Brasil- bahnen sein, wenn die Leute in Brasilien Kohlen hätten, aber sie müssen ihre Großlokomotivcn in Brasilien mit Kaffeebohnen heizen — darum trinken wir Kleinbahner hier Kornkaffee. Wir sind nur Provinz! Pfiii— macht draußen der Wind— klatsch, klitsch— Regen und Schnee au die Scheiben. Im Wartesaal ist es nun heiß. Wir haben gespeist. Pfeifen heraus. Tubak hinein. Es riecht«in ganz klein wenig nach Laub— wir müssen den Tubak strecken, Portoriko mit drei deutschen Kastanienblättern. Wir sind Provinz! Und nun wolln se uns noch die Löhne und Gehälter abbauen— wir aber werden die Zähne weisen, wie die Wölfe im wilden Gebirge, auch die Provinz kann beißen! Der Ofen glüht. Es riecht ein wenig nach nassen Kleidern— wir haben die Ueberröcke zum Trocknenn gehängt. Ernste Gesichter. Vorläufig herrscht noch Schweigen. Wer unter dem. Schweigen glüht es wie im Ofen— der Lohnabbau feuert unfern Zorn an. Alle Stande von der Provinzbahn sind wir hier vertreten— da ist das braunverwitterte Gesicht des alterskrummen Genossen Strecken- arbeiters— und der Streckenwärter, der von der Weiche: der streckt seine langen Beine weit von sich— er spuckt mal aus— mitten durch die Beine hin— der Teufel soll sie holen, die von der Di- rektion!.fjooo, der Stationsvorsteher räuspert sich— als ob wir hier in der Provinz von der frischen Lust fall würden— mit den paar Mark kann man doch keine sieben Mäuler satt machen—. Der Lokheizer aber protestiert: Heinrich, du hast immerhin noch'nen ganz andren Gehalt als ich— was soll ich denn sagen— mit meinen acht kleinen Krabben— und die Großmutter ham mer auch noch— daß sie lange leben möge!' Nun sind sie warm geworden, die Provinzbahner, ihre Zungen tauen aus— die Pfeifen sind frisch gestoppt— der Ofen hat noch was'rein gekriegt—. Jetzt hörst du Gerede und Gepolter, Geblitze und Gesunkel stehst du, mal'nen Fausthieb aus den Tisch! Der Lok- führer sagt— auf der Konferenz neulickp/ dmmwinte der Vertreter aus der Großstadt, der dicke Aktionär Siebensack, vor dem Kriege seien die Kleinbahner mit 26 Pfennig Stundenlohn ausgekommen — der Siebensack, jawohl, der hafs gesagt— und 44 Pfennig wären jetzt ein glänzender Stundenlohn: das hat er auch noch ge- wimmert, der Hauptallionär, der Graf von Siebensack—. Der kleine runde Schaffner aber wirft mit spitzer Stimme ein: Borhin is er an uns vorbeigejagt, der Herr von Siebensack, er hat den Kopf abgewandt, daß wir ihn nicht sehen sollten— er schämt sich, daß er seine eigene Bahn nicht benutzt— ich habe ihn an seinem blauen Jagdauto erkannt— er fuhr ins Gebirge. Stimmt! knurrt der Genosse Rangierer, ich Hab'n auch gesehn, den Siebensack— er ist die Bergstraße'rauf, ins Jagdschloß Hohenstein! Immer wilder donnert und wellert draußen der Sturm— es ist'n richtiger Schneesturm geworden, weiß sieht's vor den Scheiben aus—. Rot glüht hier drinnen der Ofen, rot glühen die Herzen— auch die Provinz hat Feuer. Dieser Unsinn der kapllallstischen Wirt- schast—. Keine Fracht mehr für unsere Kleinbahn—. Der Basallbruch liegt still—. Kein Kalk, kein Zement— nichts wird mehr gebrochen und gemahlen, die Schlote schmauchen nicht mehr—. Die Eisensteingrube ist längst abgesoffen—. Freunde, es geht bergab. Wir müßten enteignen— Wälder, Holz, Erz, Kohle, Baustein— alles ist da, ein gesunder Staatssozialismus— eine vernünftige Planwirtschaft—. Aber wie enteignen, durch Gesetze? Die Sieben-- säcke sitzen in den Parlamenten überall in der Mehrheit— mit ihrem Oelde kaufen sie die Wahlstimmen—. Rühren müssen wir uns besser, wir von unten, wir andern, trotz allem sind wir doch die fruchtbare Tiefe, der Humusboden der Heimat, Arbeiter, Beamte, Kleinbauern—. Zusammenschweißen—. Freier Verband und soziale Partei—. Millionenheere der Arbeit—. Organisieren, besser werben, nur 6l> Proz. von uns Kleinbahnern sind organisiert — 40 Proz. fehlen, die müssen hinein in unfern Gesamtoerband— wir müssen die Million Mitglieder vollmachen— Arbeiter der öffentlichen Betriebe, Kleinbahner, Straßenwärter, Postleute— her, alle zu uns! Hier is'n Paket Flugblätter, verteilt sie überall— über die ganze Provinz, Flugblätter, Herzblätter:„Mobilmachung!" „700 000 greisen an!"„Entscheidet euch!" Der Lokheizer springt auf, der Boden zittert, der Holzboden im Wartesaal— und habt ihr's gelesen, der Regierungspräsident hat unsere Flugblätter vom Gesamtverband verboten—. Der Teufel hol ihn, wir verbreiten sie doch— wir marschieren: die 700 000 wollen die Million. Wir sind nur Provinz, aber wir sind dabei!— Kollegen, auf: an die Arbeit, in'ner halben Stunde fahren wir, Frühstück ist um! Leer wird der Wartesaal— nur das Feuer ist noch in Zorn, es glüht wie das Herz der Menschen. Jagdschloß Hohenstein. Hoch im Gebirge. Schon tief verschneit. Der Wind heull durch die Tannen. Aber im Försterzimmer ist es lustig— der Jagdherr von Siebensack sitzt mit seinem Forstmann bei Rheinwein und Gansbraten. Zwischen Bissen und Schluck knurrt der Großaktionär Siebensack: Dschaa, Fortmann, im Krieg ham mer uns verrechnet, wir Herren haben uns selber ins Fleisch geschnitten — das kleine Europa hatZich'ne eigene Industrie aufgepäppelt, die Kleinstaaten— wir Großstaaten verkoofen nix mehr, aber noch is Polen nich verloren— wieder fo'n kleines gesundes Jnflatiönchen—. Und wo steckt Louise? Hier kommt sie, des Försters„Nichte", die Louise—„ Der Siebensack: Wo bleibst« denn, Schatz? Forstmann, gucken Sie doch pnal nach meinen Hunden. Wir sind allein. Herr von Siebensack hat Louischen am Schoß— knips, das Etuis springt auf, siehste: Schatz, das Hab ich dir mitgebracht,'ne Goldtette, ich will sie dir nachher ums schone-Beür legen— hahahoo! Elfmal schlägt der Kuckuck. Draußen heult der Sturm. Schnee. Nacht. Winter. Kälte. Jagdschloß Hohenstein im Gebirge. Auch'n Stück Provinz! Waller 3>ehniel: Taler Thienemanns fchmarster Tag Es hatte zwei Tage und zwei Nächte hintereinander geregnet, aber nun, am Morgen des dritten Tages, hatte doch endlich ein frischer Wind die graue Wolkendecke zerteilt und davongejagt. Ein strahlend heller Himmel mit funkelndem Sonnenschein ließ schnell die Bedrücktheit der trüben Regentage vergessen. Vater Thienemann, der grauhaarige Schrankenwärter mit dem zerfurchten Gesicht, stand vor seiner hochgezogenen Bahnschranke, die die Hauptstraße des kleinen Vorortes zeitweilig sperrte, und ölte mit achtsainer Bedächtigkeit das kleine Zahnradgetriebe, mit dessen Hilfe er die Schlagbäume hochzog und niederließ. Er wußte, daß es wesentliche Kräftecrsparnis bedeutete, wenn alles gut ge- schmiert war,— daß jeder Mechanismus ins Stocken gerät, wenn irgendwo ein Teilchen vernachlässigt würde, verrostete, nicht mehr mitarbeitete. Der funkelnde Sonnenschein machte Thienemann. das Herz warm, er blinzelte vergnügt ins helle Licht und war tief innerlich zufrieden. Daran war aber nicht nur die Sonne schuld,— das lag auch noch an anderen Dingen. Schwere Jahre hatte der alternde Mann hinter sich— langdauernde Krankheit und quol- vollen Tod der Frau, Familienzerwürfnisse, tiefgehende Entfremdung und endlosen Streit mit dem Sohn, der schließlich in Un- frieden ihn verließ--, nun aber schien es doch, als wenn ihm noch ein freundlicher Lebensabend beschieden sein sollte. Es war sehr einsam um ihn geworden, seitdem seine Tochter Hanna vor zwei Jahren, dem Ruf eines liebenden Mannes nach Amerika ge- folgt war, aber sie hatte ihn drüben nicht vergessen, und auf ihre immer wiederholten Bitten hin hatte er ihr endlich zugesagt, selbst auch noch den Sprung über das große Meer zu tun. Das letzte Band, das ihn hier noch mit allen Erinnerungen festhielt, sein Amt als Schrankenwärter, das er jahrzehntelang ausgeübt, zerriß nun auch,— man wollte ihn in drei Monaten pensionieren. Davor hatte er Angst,.— zum alten Eisen geworfen und vielleicht in ein Altersheim gesteckt zu werden, zu alten Männern, die schon sabbexten und wirres Zeug sprachen--, nein, er fühlte sich noch rüstig genug, dafür lieber als Wschluß seines Lebens den Sprung in die neue Welt zu wagen. In ein Land, wo alles größer und härter war, wo die Züge viel schneller rasten, die Häuser so hoch in den Himmel wuchsen, das Leben so viel schneller pulsiert«. O, er fühlt« noch genug Spannkraft in sich, um das olles noch auf sich wirken und eindringen zu lassen. Mit einem nach innen gekehrten Lächeln ließ er das Triebwerk spielen, es funktionierte leicht und gut. die Schlagbäume hoben und senkten sich ohne großen Kraftaufwand. Ein kurzer Anruf ließ ihn aus seinen Betrachtungen auffahren.„Nun sog mal, Ernst, du hast wohl noch zuviel überschüssige Kraft in dir. daß du. die Schlagdäume so außer der Zeit spielen läßt? Ein Mann, der es so eilig Hot, ist dadurch gezwungen, extra vom Rod zu steigen!" Thienemann drehte sich lächelnd um. Ein Rodfahrer stieg da vom Rade, ein Mann in seinen Jahren in einem kalkbespritzten Maurer- anzug. und droht« spaßhaft mit der Faust. Dann lachte er und reichte Thienemann die Land. Der schüttelte sie herzhast und fragte erstaunt:„Bist du noch immer auf dem Bau, Hermann? Ist dir das nicht zuviel in dejnen Jahren?" Der Maurer lächelte gutmütig und erwiderte ohne Härte:„Laß gut fein, Ernst, was soll man machen? Die Zeiten sind schwer, und die Kinder können sich heute kaum selbst ernähren, geschweige noch ihre Eltern! Und es geht ja auch noch mit uns Alten, das sieht man ja an dir! Da drüben steht der Bau, ich war nur eben zum Meldeamt, eine Anmeldung erledigen. Na ja, du weißt ja, mein Sohn Fritz hat geheiratet, ich habe meinen ersten Enkel angemeldet! Siehst du. Ernst, nun bin ich schon Großvater!" Er lachte stolz. „Der Fritz ist auch auf meinem Bau, ist tüchtig, der Junge, schon ein halber Architekt, bin ordentlich stolz auf ihn! Jetzt muß ich aber weiter,.auf Wiedersehen, alter Junge, halt dich grade!" Und fröhlich lachend steigt er aufs Rad. Vater- Thienemann blickt versonnen die Straße hinunter. Ja, das ist es ja eigenllich auch, was ihn am meisten nach Amerika zieht: noch einmal so ein kleines Kerlchen auf den Knien halte», ein Enkelkind mit aller Innigkeit, die so ein altes einsames Männer- herz noch in sich hat, betreuen zu können. Er blickt sich um,— die Well sieht heller aus bei solchen frohen Gedanken. Ein Klingelzeichen erinnert ihn an seine Pflicht. Er schließt die Schranke und wartet auf den Zug. Prustend und schnaubend rasselt der Vorortzug vorbei, salutierend steht er am Schlagbaum. Lachende Gesichter sind im Vorbeijagen an den Fenstern zu er- kennen, einzelne winken lustig mit der Hand. Vater Thienemann lächelt wieder, bald wird er das auch können, so dahinfahrcn, an geschlossenen Schranken vorüber, dann werden andere da stehen und salutieren,— er Hot es lange genug getan. Es wird Nachmittag, die Sonne steht schräg in der Richtung des Bahngleises und läßt die Schienen wie flimmernde Bänder aufleuchten, man kann gar nicht recht hinsehen. Vater Thienemonn läßt einen langen Güterzug vorbeifahren und schaut ihm noch einen Augenblick nach.„Was so eine Lokomotive für Kraft hat, sechs- üstdvierzig Wagen schleift das Ding hinter sich her!" Ein ungcdul- geduldiges AutoHupen mahnt zum Oeffnen. Ein Krankenauto holt da, den Fahrer kennt er doch.„Nun sei man nicht so ungeduldig, Willem", ruft er hinüber,„wenn wollt ihr denn holen?" „Wir müssen zum Bau, Vater Thienemonn", antwortet der zurück,„ist einer abgestürzt, Hermann Neubauer! Na ja, so alle Männer gehören eben nicht mehr auf den Bau!" Tbienemann ist tief erschrocken: Hermann ist abgestürzt? Vor Stunden hatte er noch gesund und lustig hier vor ihm gestanden und gelacht!— Der alte Bahnwärter blickt unruhig in die Richtung, die der Wagen genommen hat. Er wird doch hier wieder vorbeikommen, vielleicht kann er etwas erfahren. Das Klingelzeichen vom Blockwerk meldet den v-Zug 103 an, in zwei Minillen kommt er hier durchgerossell, er hat immer ein mörderisches Tempo Langsam geht Vater Thienemann an seine Kurbel, langsam läßt er die Schlagbömne herunter, dos Triebwert geht leicht und gut. Aach einer Weil« kommt hink«»«f der Straße«in Auto angehupt,— hurrjeh, das Krankenauto, es fährt sehr rasch, wird wohl schlimm um Hermann stehen! Ihr kommt etwas zu spät, ihr Herren, die Schranke ist geschlossen, da heißt es warten! Was schreien die denn so laut und gestikulieren? Der da den verstörten Kopf aus dem Fenster steckt, das ist doch der Fritz. Hermanns Junge?„Laß uns doch schnell durch", rufen sie,„er stirbt uns unter den Händen!" Vater Thienemann ist erschüttert und hilflos. Er kann doch die Schranke nicht mehr öffnen, der D-Zug muß gleich da sein— wenn man doch nur etwas sehen könnte, die Sonn« sticht einem ja rein die Augen aus! Der Hermann tut ihm ja so leid,— einen Augenblick lang ist er noch unschlüssig, schon hat er die Kurbel in der Hand.„Macht schnell, daß ihr hinüberkommt!" ruft er beim Empordrehen laut und blickt ängstlich in die Richtung, aus der der Zug kommen muß Was arbeitet denn der Mann da am Steuer mit den Hebeln, der Motor springt wohl nicht an? Soll nur machen, daß er rüber kommt, sonst kommt der Zug! Plötzlich zuckt Vater Thienemann zusammen, lieber Himmel, da kommt der Zug! Halt, halt! ruft er gellend und läßt die Schlag- bäume wieder herunter, da, Entsetzen, der Wagen schießt mit einem Satz gegen die halb geschlossene Schranke, das herabhängende Draht- gitter zersplittert, halt, halt, der Zug, der Zug! Das rollende Un- tier kommt mit Blitzesschnelle heran, greift mit wirbelnden Pranken das kleine Tier, das ihm da in den Weg läuft, zerdrückt es, zer- malmt es und schleift es mit— Vater Thienemann sieht mit weit aufgerissenen, entsetzten Augen alles mit an,— wie das Auto von dem stampfenden Eisenungetüm da erfaßt wird, herumgeschleudert, mitgerissen,— Entsetzensschreie, Wirbeln, Splittern, Krachen. Funkensprühen und über ollem hin ein langgezogenes schrilles Bremsgeräusch--- Vater Thienemann rennt wie ein Irrsinniger auf dem Reben- gleis hinter dem Zuge her,— der Zugführer kriegt den Zug ja nicht so schnell zum Stehen, die Bremsklötze knirschen durchdringend. die Reisenden werden gegen die Wände geworfen,— endlich nach hundert, hundcrtfünszig Metern kommt das fauchende Ungetüm zum Halten.--- Und immer noch gellen die lauten Entsetzens- schreie-- Vater Thienemann wirft nur einen halben Blick aus das unentwirrbare Knäuel da vor der Maschine, die zerstückten Eisen- und Blechreste eines Autos, die Reste von menschlichen Körpern dazwischen,--- wie von Furien gejagt rennt er zu dem kleinen Häuschen an der Schranke zurück. Tränen stürze» ihm aus den Augen, die Sonne tanzt blutrot vor seinen Blicken, und in seinen Ohren dröhnt noch immer das Knirschen, Splillern und Brechen—'-- Die Feuerwehr kommt klingelnd an, Rettungswagen sausen, die Polizei sperrt den Unglücksplatz--- Sie haben nicht mehr viel ausrichten können,— zu retten war nichts mehr,— sie haben Mühe, die drei zerstückten Leichen zusammenzufinden. Als endlich Kriminalbeamte auf der Suche nach Thienemann in das kleine Schrankenwärterhäuschen dringen, finden sie das vierte Opfer der Katastrophe,— der verzweifelle Mann baumelt er- hängt an einem starken Nagel. Vater Thienemann wird den Sprung über das große Wasser nicht mehr tun, keine neue Welt wird sich ihm mit neuen Wundern auftun, kein Enkelkind wird ihm mehr zujauchzen... Die leuchtende Sonne wurde ihm ausgelöscht durch den wir- belnden Blutstrom, der helle Tag versank jählings ins Schwarze. -- Vater Thienemann trat die letzte große Fahrt ins Dunkle als Verzweifelnder, Zerbrochener an. Qeburtenstahl und soziale JCage Daß die Frage der Geburtenregelung bzw. der Verhütung der Empfängnis die größte Bedeutung für die proletarischen Schichte» hat, die im Verhältnis zu anderen eine übergroße Kinderzahl haben, wird durch Zahlen bewiesen, die sich in gleicher Weise in den ver- schiedenen Ländern wiederholen. Für Deutschland haben Dresel und Fries im 7. Jahrgang der„Oeffentlichen Gesundheitspflege" in 900 Ehen bei einer Ehedauer von IS Iahren die Kinderzahl fest- gestellt. Es hatten durchschnittlich: Akademiker.......... 2,7 Kinder Angehörige der freien Berufe.. 3,04„ Beamte und Lehrer..... 3,2„ Kaufleute......... 3,4„ Selbständige Handwerker.... 3,8„ Angestellte......... 4,3„ Arbeiter.......... 6„ Die gleiche Erscheinung ist in anderen Industrieländern wahr- zunehmen, vor allem in England und Amerika. In England hat sich sogar eine Konferenz der Bischöfe für eine Geburtenregelung ausgesprochen, und bei der Beratung dieser Frage im englischen Oberhause am 28. April 1926 wurden folgende Zahlen vorgetragen: Auf 100 Verheiratete unter S0 Iahren kamen Kinder: bei Lehrern 93 bei Geistlichen........ 100— 102 bei Aerzten und Beamten.... 103— 105 bei gelernten Arbeitern..... 153 bei ungelernten Arbeitern 247 Bei dieser englischen Statistik ist besonders beachtenswert, daß die Kinderzahl bei gelernten und ungelernten Arbeitern getrennt gezählt wurde, und daß sie bei ungelernten Arbeitern so unverhäst- nismäßig höher war als bei gelernten. Nun wird ja von Gegnern der Empfängnisverhütung immer gellend gemacht, daß bei größerer Vertrautheit mit den Möglichkeiten der Verhütung die Bevölkerungs- zahl in verhängnisvoller Weise sinken würde. Auch das kann wider» logt werden durch Ersahrungen aus Holland, wo arme Mütter be- rcits seit 30 oder 40 Jahren über Empfängnisverhütung aufgeklärt werden, ohne daß dort die Geburtenzahl wesentlich gesunken ist. Frankreich dagegen hat durch ein Gesetz vom Jahre 1920 die Bc- kanntgabe von Verhütungsmitteln verboten, ohne dadurch etwa eine Steigerung der Geburtenzahl zu erreichen. II. L. Die neueste Erfindung auf dem Gebiet des Telephouweseus, an der man schon ziemlich lange gearbeitet hall«, besteht darin, daß es jetzt möglich ist. drei oder mehr Personen, auch wenn sie sich in verschiedenen Städten oder sogar Ländern aufhalten, miteinander zu verbinden, so daß sie imstande sind, eine Unterhallung zu mehreren zu führen. Damit ist das Telephon seiner Bervollkomm. nung einen wesentlichen Schritt näher gerückt. Ein Haus aus Zeilungspapier ist in Massachusetts erbaut war- den. Für den Bau find 6SOOO Tageszeitungen und etliche tausend Zellschriften verwendet. Die Außenwände bestehen aus 215 Schichten Papier, die äußerste Schicht ist mit Firnis präpariert. Die Er- bauung dos Hauses hat acht Jahre in Anspruch genommen. Berontworllich tili Politik: Viktor Schi!!: Wirtschaft: S«linaelhSfkr: Scwcrlschoftsbkwkaunq: 2. St-iuer! isouilleton: Dr. Job» S»iiowski- Lokzlrz und sonstiger: t?riti»arstödt: An,kl�:n: Dh.«lock«: sämtlich in Berlin. Berloa: B-rwärts-B-rla«®_ m b. L-. Berlin. TrilS: BormSrt-.Buchdruckkrri und Bcrl>.. Berlin SW SS, LmdmlKaS» S. $ki3S 2 Beilage«. „Sozialisten" über Nacht. r St E'I Dei den hessischen Wahlen wurden vorwiegend i K die Parteien rein kapitalistischer P.Sgung von den Nationalsozialisten ausgesogen. AUFh/ERTLM■ WLKSfHRUiLER IAN0VOLH DtUKWNATiOh Hitler:„Ich kenne keine Kapitalisten mehr, ich kenne nur noch nationale Sozialisten!" Katzenellenbogen verhastet. Voruntersuchung gegen ihn und vier Gchultheiß-Generaldirektoren. Am Tage danach! Hugenberg bestätigt: Kein Einbruch in die Marxistenfront. Die hessischen Wahlen und ihr Ausgang haben begreif- lichemeise in der politischen Presse einen starken Widerhall gefunden. Alles was der„Harzburger Front' dienstbar ist, möchte aufjubeln bei dem Gedanken, daß die Mehrheit der Weimarer Koalition beseitigt ist. Aber da meldet sich sofort ffdie unbequeme Tatsache, daß der Kuckuck im Harzburger Nest die übrigen Mitbewohner einfach auszehrt, so daß nichts mehr von der ganzen Herrlichkeit übrigbleibt als eine Bourgeoisreklame für die H i t l e r e i. Betrübt muß sogar der.Lokal-Anzeiger" des Herrn Hugenberg feststellen: Der Stimmenverlust des Gesamtmarxismus ist also ganz geringfügig. Innerhalb seiner hat sich das Gewicht nach links verlagert, und zwar so, daß sich die SPD. zu de« radikaleren Rolen dock) noch wie drei zu zwei verhält. Ihre Ver- slärkungen hat sich also die Nationalsozialistische Partei aus den Wählern der bürgerlichen Parteien geholt. Diese Erkenntnis wird dem Hugenberg-Blatt besonders deutlich bestätigt von der„Germania", dem Berliner Zentrumsorgan, das über den Wahlausgang schreibt: Diese Vernichtung bürgerlicher Parteien ist das seltsame Ergebnis eines Kampfes, der eigentlich mit der F r o n t g e g e n den„Marxismus" geführt wird. Auch die hessischen Wahlen bestätigen wiederum, daß diesem Kampf ein wesentlicher Einbruch in die marxistischen Wählerschichten versagt bleibt. Zwar hat die Sozialdemokratie einen empfindlichen Rückschlag er- litten, der um so schwerer wiegt, als sie bisher in Hessen eine außer- ordentlich starke Stellung innehatte... Aber wenn man die Stimmen der Sozialdemokratie und Kommunisten und ihrer beiden in Hessen aufgetretenen Oppositionsgruppen zusammenzählt, dann zeigt sich, daß diese von insgesamt 300 000 Stimmen der letzten Reichstagswahl nur 2000 haben abgeben müssen... Die eigentlichen Verlierer gegenüber den Nationalsozialisten sind nicht sie, sondern eben jene bürgerlichen Parteien der Mitte und dev gemäßigten Rechten, die unter dem Ansturm der Nationalsozialisten immermehrzurAuflösunggebracht werden. Heber die politische Auswirkung dieser Wahlen sagt die„Germania" weiter: Es gibt heute, wenn man den hessischen Maßstab verallge- meinern will, praktisch nurnochvierParteieninDeutsch- l a n d: Die Nationalsozialisten, die Sozialdemokraten, die Kommu- nisten und das Zentrum. Alle anderen sind kleinere Splitter, die inehr oder weniger in den Prozeh des rapiden firaftschwundes einbezogen sind. Um die gegenwärtige Situation in Deutschland richtig zu kennzeichnen, braucht man nur darauf hinzuweisen, daß von diesen drei Parteien zwei sozialistisch sind, und die dritte und größte den Sozialismus nicht nur in ihrem Namen und Pro- gramm für sich in Anspruch nimmt, sondern auch in chren Wähler- «nassen über einen mit sozialreaktiouären Elementen vermischten starken sozialistischen Bestand verfügt. Angesichts der überragenden Stärke dieser drei Gruppen und der fortschreitenden Zertrümmerung der gemäßigten Parteien wächst die Verantwortung des Zentrums für die politische und gesellschaftliche Weiterentwicklung unseres Volkes in ein noch nie dagewesenes Maß hinein... Der politische Umschichluogsprozcß, den wir durchleben, wird wahr- Kaslig nicht aus dem Gipfelpunkte des nationalsozialistischen Macht- aewinns beendet fein. Dort wird vielmehr etwas beginnen, was wichtiger und bedeutender ist als die Entwicklung der Zahl und der Größe: Die geistige und politische Umformung einer Äewegung zu einem wirklichen Instrument des Staates, die sich allerdings gleichfalls nicht ohne Erschütterungen des deutschen Parteigefüges vollziehen kann. Der„Pressedienst der Zentrumspartei' meint, die Nationalsozialisten seien an der Grenze ihrer M a ch t angelangt, die Grenze ihrer Ausdehnungsfähigkeit sei erreicht, aber gleichzeitig zeige sich, daß sie nie und nimmer in der Lage sein werden, für sich allein die Macht zu erlangen. Heber die Niederlage der„V o l k s p a r t e i" des Herrn Dingeldsy sagt das führende volksparteiliche Blatt, die.Kölnische Zeitung', daß der Parteiapparat zwar gut ge- arbeitet habe, aber...: Aber die Leitung der Volkspartei hatte mit den National- scizialfften«inen sogenannten„Burgfrieden" abgeschlossen. D!ese lliahnahme erwies sich als grundsätzlich falsch. Eine einfache Heber- leguvg hätte ergeben müssen, daß„Burgfriede" im Wahlkampf eine bedenklich« Sache sei, sofern«s sich hierbei nicht um wesens- verwandte Gruppen hand«lt. und daß ferner die Rechtsradikalen ihren Angriff mit ganzer Wucht auf die volksparteilich« Stellung richten würden, da sie von dort sich am meisten Zulauf versprachen. Für das Landvolk gilt nach der„K. Z.' das gleiche wie für die Volkspartei. Auch dort f e h l t e e s ankämpfe- .rischer Entschlossenheit den Nationalsozialisten gegenüber. Das Zentrum jedoch habe zweifelsohne taktisch richtig gelegen._ Sozialdemokraten beim Reichskanzler. Voraussichtlich wird am Dienstag eine Besprechung der sozialdemokratischen Führer mit dem Reichs- kanzler Dr. Brüning stattfinden. Die Sozialdemokratie will die politischen Fragen. besonders den Terror der Nationalsozialisten, zum Gegen- stand einer Aussprache mit der Reichsregierung machen. Der Terror in Eutin. Die oldenburgische Polizei ist mochttos. ßiel. 16. November.(Eigejjbericht.) In Eutin hält der Terror ber Nazls noch immer an. In Trupps von 6 Mann Stärke durchziehen Nationalsozialisten immer wieder die Stadt und bedrohen und beschimpfen die Einwohner, von denen sie annehmen, baß sie Gegner der Nazis sind. Die Polizei läßt sich das provozierende Auftreten der Nazipatrouillen ge- fallen: Wenn es sich um die Durchsuchung von Reichsbannerleuten Handell, benutzt sie die Nazis sogar als Hilsspolizei. Da in der bürgerlichen Press« versucht wird, die Schuld an den letzten blutigen Vorgängen in der Stadt dem Reichsbanner zuzu- schieben, hat die Gauleitung des Reichsbanners an den oldenburgi- schen Ministerpräsidenten«ine umfangreiche Beschwer de schrift gerichtet, in der eine durch Zeugen beglaubigte Darstellung der Vor- gange während der letzten Woche gegeben wurde und in der zugleich verlangt wird, daß mit Staatsgewalt gegen das terra- ristische Treiben Oer Nazis eingeschritten wird. In einer Erklärung des Reichsbanners in der Presse werden die Behaupungeu über angebliche umfangreiche Waffensunde bei Amtlich wird milgeleill: „Auf Antrag der Slaalsanwallschast I ist gestern vom Unter- suchungsrichier des Landgerichts I Berlin die Voruntersuchung gegen Ludwig Sahenellenbogen und vier andere INitglleder der bis- herigen Generaldirektion der Schultheiß-Pahenhofer-A.-G. er- össnet worden. Sämtliche fünf Personen werden angeschuldigt. fortgesetzt als Mitglieder des Vorstandes der Schnlthelß-pahenhoser- A.-G. wissentlich in der Aufsichtsralssihung vom IS. November 1330 und in der Generalversammlung vom 3. Januar 1331 den Stand der Verhältnisse der Gesellschaft unwahr hingestellt oder verschleiert zu haben. Ferner wird Ludwig Katzen- ellenbogen angeschuldigt, durch eine weitere selbständige Handlung als Vorflandsmilglied absichtlich zum Nachteil der Schult- heiß-Pahenhofer-M-G. gehandelt zu haben. Der llntersuchungs- richlcr hat auf Antrag der Slaalsanwaltschast gegen Ludwig Sahen- ellenbogen Hastbcfehl wegen Fluchtverdachtes erlassen. Kahcnellenbogen ist in das Untersuchungsgefängnis Moabit ein- geliefert worden." Paris, 16. November.(Eigenbericht.) Die außerordentliche Tagung des Völker- bundsrats begann am Montagnachmittag um 4 Uhr in dem Uhrensaal des Pariser Außenministeriums unter dem Vorsitz B r i a n d s. Zur Rechten des Präsidenten saßen S c i a l o j a (Italien) und von B ü l o w(Deutschland), zur Linken der General- sekretär des Völkerbundes Drummond und Sir John Simon (England). Der japanische Vertreter P o s h i z a w a hatte seinen Platz am linken Kopfende des Haupttisches, der chinesische Vertreter Sze am äußersten Ende des rechten Seitentisches. Briand eröffnete die Sitzung mtt einer Rede, in der er zunächst für die Wahl von Paris als Tagungsort dankte und dann den eng- tischen Außenminister und den Staatssekretär von Bülow begrüßte, die zum ersten Male als Delegierte an einer Ratstagung teil- nehmen. Weiter setzte Briand den Grund der Tagung und die Er- eignisse auseinander, die sich seit der letzten Zusammenkunft im Oktober abgespielt haben. Er schloß seine Rede mit dem Wunsch, Reichsbannerleuten als unwahr zurückgewiesen. Ebenso unwahr ist, daß zwei Führer des Reichsbanners von der Polizei gesucht werden, aber aus Eutin geflüchtet seien. In Wirllichkett hat die Polizei außer einigen Schlagwaffen eine einzige Pistole beschlag» nahmt. Die beiden Arbeiter, die angeblich geflüchtet sein sollen, sind von der Gauleitung von Eutin abberufen worden, zumal dem einen von der Polizei erklärt wurde, daß sie ihn in Schutzhaft nehmen müsse, wenn er Eutin nicht verläßt. Die Polizei ist also s e l b st nich t in de r La g e, die Einwohner vor den Drohungen und Ueb« rfällen der Nazis zu schützen."_ Zuchthausurteil für Mörder. Oer Mord an dem Kommunisten nur schwach gesühnt. Hamburg, 16. November. sE ige«berieht.) Am Montagnachmittag verkündete das Schwurgericht im Hamburger Nazi-Prozeß folgendes Urteil: Jansen und Höckmair je siebe« Jahre Zuchthaus, Bammel sechs Jahre Juchthaus, und zwar wegen gemeinschaftlich vollendeten und versuchten Totschlages, wegen gemeinschaftlich versuchter Nötigung und wegen Vergehens gegen das Schntzwasfengeseh. Den Angcklag- ten wurden mildernde Umstände versagt. honvedchrunq für hindevburg. Eine Ofsiziersabordnung des 3 ungarischen Honvedregiments in Stuhlweißenburg hat dem Reichspräsidenten die Ehren-Regimentsinhaberschaft überbracht und m der Neuen Wache einen Lorbeerkranz niedergelegt. Wie wir erfahren, handelt es sich bei den übrigen Angeschuldig- ten um die ehemaligen Generaldirektoren P« n z l i n. Dr. So- bernheim, Kuhlmey und Funke. Katzcnellenbogen wurde gestern nachmitatg im Anschluß an seine Vernehmung durch den Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Busse für verhaftet erklärt und kurz nach sechs Uhr abends aus den: Kriminalgericht hinüber in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Die Ausdehnung der Voruntersuchung auch auf Dr. W. So- bernheim, Kuhlmey und Funke kommt etwas überraschend. Dies« erklärten sich bisher als nur von Herrn Katzenellcnbogen hereingelegt. Aber ebenso überraschend ist es, daß eine Voruntersuchung etwa gegen Jakob Goldschmidt von der Danat, Reinhart von der Eommerzbank und gegen v. Stauß von der DD-Bank noch fehll. Sie waren stellvertretende Präsidenten und Mitglieder des Aufstchtsrats, für die die gleichen Tatbestände gelten. Ferner muß gefragt werden, ob die Frag« der Verletzung der Prospektvorschriften von der Staatsanwaltschaft noch nicht geprüft ist. Hier sind der gleiche Persvnenkreis und die Bon- ken im besonderen als Verantwortliche anzusprechen. daß im Interesse des Friedens eine möglichst schnell« R«» g e l u n g des Konflikts zustande kommen möge. Sir John Simon und Staatssekretär von Bülow dankten Briand für die ihnen gewidmeten Begrüßungsworte und gaben die Versicherung ab, daß sie nach besten Kräften an der Erledigung der dem Rat zu- fallenden Aufgabe mitarbeiten würden. Auf Vorschlag Briands wurde eine sich sofort anschließende nichtöffentliche Sitzung beschlossen, um das Verfahren zur Regelung des Konflikts festzulegen. Diese Sitzung dauerte bis Zi4 Uhr. Aus den Erklärungen Briands in dieser Sitzung ging hervor, daß man ein Kompromiß suchen müsse, das sich auf der Linie einer Hereinziehung der prinzipiellen Fragen der älteren Verträge zwischen China und Japan bewegt. Der chinesische Vertreter Sze bat den Ratspräsidentcn am Schluß der Sitzung, möglichst viele öffentliche Sitzungen anzuberaumen. Am Vormittag hatte Briand eine Unterredung mit dem eng» lischcn Außenminister und dem russischen Botschafter Dow galewski. Englands vorläufige Gchuhzollmauer. Wertzoll bis 100 proz., um die Einfuhr zu droffela. London, 16. November.(Eigenbericht.) Das erste Zugeständnis, das die konservative Mehrheit der Nationalregierung mit ihrem Drängen auf Schutzzölle erreicht hat, wurde am Montag im Unterhaus vom Handelsminister angekündigt. Es ist ein Zugeständnis, das den ursprünglichen Ab- sichten der Regierung zuwiderläuft. Das geht daraus hervor. daß zur Verabschiedung des angeküichigten Gesetzes das Arbeits- Programm des Unterhauses für dies« Woche abgeändert werden mußte. Der Handelsminister kündigte an, daß das Handelsamt durch ein Gesetz ermächtigt werden solle, auf solche Artikel, die in Er- Wartung Pnes englischen Zolls vom Ausland in verstärktem Maße nach England eingeführt werden, einen Zoll bis zu 100 Prozent des Wertes zu legen. Dieses Ermächtigung?» gefetz soll bis Donnerstag verabschiedet und am Freitag vom König unterzeichnet werden. Die Ermächtigung gilt für sechs Monate. Die landwirtschaftlichen Produkte sollen ausgenommen werden, da dos Problem der englischen Landwirtschaft gesondert behandelt werden soll. In Aussicht genommen sind in erster Linie Zölle auf Fertigfabrikate. Der Handelsminister fügte zwar hinzu, daß der beste Weg zur Wiederherstellung der englischen Handelsbilanz die Ausdehnung des Exports sei, sprach aber sonst im Ton der konservativen Pressepropaganda von dem ausländischen„Di'f>- ping". dem gesteuert werden müsse, Lord Snowden. Der englische König hat Philipp Sin�ode» zum Viscount ernannt. Ratstagung über Mandschurei. Briand für schnelle Regelung. Preise nur Dienstag und Mittwoch. Enorm billigt 1929er Zeller Schwarzer Herrgott hervotrag. 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