BERLIN Donnerstag 19. Aovember 1931 10 Pf. Jk. 542 B 221 43. Jahrgang ErscheinttiglichaußerEonutags. Zugleich Ainidausgabr de«.Zorwart«'. Nezugeprel« für beide iiusgabcn 8» Pf. pro Woche, 3,00 M. pro Monal tdoron Nö Pf. monatlich für Zustellung in« Hans) im voran« ladldar. P o Ii b c i n g 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postjeitungi und 72 Pf. PoübeNeUgcdühren. fflbwasfa ?lnteige«prei«: Tie cinspaltigc Nonvareillejeile«lj'Vf., Rcklamejeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftscheckkonto! lvorwärt«-VerIag G.m.b.H., Berlin Oir. 37ö:i6.- Ter Berla» behält sich da« Recht der Ablehnung nicht gcnebmer Anzeigen vor' Redaktion und Ervcdjtion: Berlin SW68, vindenstr 3 Fernsprecher: Döndosi(A 7> S92— 207 Redeverbot für Mordhcher? Gevering kündigt neue Maßnahmen gegen die Hetzapostel an Zrauksurl a. d. O.. 19. November(Eigenbericht.) Zn Frankfurt hakte der ehemalige Zlaziminlster Zrick. wie bekanuL in einer Versammlung folgendes gesagt: Die National. sozialisten würden nach iialienischem Vorbild 24 Stunden nach der Machtergreifung den Marxismus mit Stumpf und Stiel ausrotten, und das werde nicht durch Polizei oder auf gesetzlichem Wege, sondern durch den V o l t s z o r n geschehen, wobei natürlich einige Zehnlanfeade von marxistischen Zunktionären zu Schaden kommen würden. Diese schamlos unoerhüllle Mordhehe Halle einen Sturm der Empörung ausgelöst.?n demselben Saal, an dem am Zreilag Zrick das wahre natioualsozialistijche Programm verkündete. sprach am Luhtag nachmittag in einer sozialdemokratischen Massenversammlung der preuhische Innenminister. Genosse Earl Severin g. Schon eine Stunde vor Beginn der Versammlung muhle der riesige Raum wegen llebersüllung polizeilich geschlossen werden. In einem zweiten grohen Saal wurde eine Parallelversammlung veranstaltel, in der der Landtags- obgeordnele Genosse Kurl Wegner-Kollbus sprach. Auch dies« Saal war überfüllt. Genosse S e v e r i n g wandte sich zunächst gegen die Dolchstoß- legende und wies des weiteren nach, daß die Einführung des Acht- stundentages und des Tarifrechtes nicht als„Fesseln der Wirtschaft" und als kein„Fehlschlag", sundern, auch von den heutigen Berhält- nissen aus beurteilt, als ein Segen für die Wirtschaft an- gesehen werden müssen. Die Leute, die heute gegen die Sozial- demokratie falsche Beschuldigungen erheben, waren damals, als es zu helfen galt, nicht zu finden, selbst wenn man sie mit der Laterne suchte. Sie hotten sich olle in die Mauselöcher verkrochen. Erst als sie sahen, daß die Sozialdemokratie Ruhe und Ordnung im Lande sicherte, kamen sie aus ihren Schlupfwinkeln hervor, so daß man von ihnen sagen konnte: Acht Wochen war der Frosch so krank, jetzt frißt er wieder, Gott sei Dank! Dieselben Leute machen auch von dem verfassungsmäßigen Recht der Meinungsfreiheit so übermäßigen Gebrauch, daß man sich fragen muß, wie weit man diese Meinungs- frechheit noch weiter treiben lassen will.(Stürmische Zustimmung.) Gewiß waren die letzten dreizehn Jahre nicht ohne Fehler. Aber die Männer, die in den Nachkriegsjahren dos schwere Los der Bcr- ontwortung tragen mußten, waren oft in einer Situation, in der sie nur wählen konnten, von mehreren Fehlern einen zu machen. Als die Karre wieder lief, da meldeten sich auch die Gegner der Republik wieder und wollten gleich auf dem Bock sitzen. Sevcring wandte sich gegen dos Treiben der sogenannten natio- »olcn Wehrorganisationen, deren Aufmarsche schädlich für die deut- 'che Außenpolitik seien. Durch eine Verständigung mit Frankreich werden Deutschlands Interessen am besten gewahrt. Sodann warnte Seoering, nachdem er das Experiment mit der von nationalen Kreisen propagierten„nationalen Autarkie" als für Deutschland un- möglich abgelehnt hatte, ausdrücklich vor einer Erhöhung des Noten- Umlaufes, hinter der das Gespenst d e r I n s l a t i o n stehe. Es komme darauf an, das Vertrauen zu unseren Einrichtungen wieder herzustellen, dann würde auch das Ausland Vertrauen zu Deutschland wiedergewinnen, was die Voraussetzung für unsere Kredit- Würdigkeit sei. Sodann ging Severing auf die Kampfmethoden gewisser volitischer Parteien ein. und meinte, daß, wenn die Dinge sich so weiter entwickeln wie bisher, Deutschland zu einem Balkanstaat her- absinke, denn die WehrverbSnde seien das Feuer des schwelenden Bürgerkrieges, ein geringfügiger Anlaß genüge, uin Blutvergießen hervorzurufen. Wer darum am kommenden Totensonntag dp- Andenken der Toten wirtlich feiern will, der muß alles tun, um das Leben der Lebendigen zu schützen. Mit deutlicher Beziehung aus die nationalsozialistischen Mordhetzer kündigte Seoering dann Maß- nahmen an, die in den nächsten Tage» bekanntgegeben werden. Durch diese wird es Persoven, die im politischen Kamps offene und ver- steckte Drohungen gegen politisch andersdenkende Volksgenosse» aussprechen, nicht mehr möglich sein, in Preußen in Versammlungen zu reden. Minutenlanger Beifall bewies dem Innenminister die Zustim- mung der Versammlung. Mit der Polizei kann man nicht alles machen, sagte Severing, aber was man mit der Polizei zur Abstellung des politischen Rowdytums machen kann, das wird geschehen! Endloser Beifall der Massenversammlung unterstrich die wir- wngsoolle Site. Sie kommunistische Linheilsftoni „Die Sozialdemokratie ist unser Hauptfeind*(„Rote Föhnes »Erschrick nickt— unsere Parole bleibt: Gegen Sie tSozialSemokratie!" Dann sprach Severing noch in der ebenfalls überfüllten P a- r a l l e l v e r s a m m l u n g, in der er sagte, nicht der sei der beste Soldat, der in guten Zeiten beim Parademarsch dabei sei, sondern der, der jetzt in der Front steht und die Schlacht der g e i st i g e n Auseinandersetzungen mitkämpft parteioffizielle Morddrohung. Frick wiederholt seine Terrorrede im Beisein Hitlers. Herr Frick hatte in einer Versammlung in Frankfurt (Oder) offene Morddrohungcn gegen die Funktionäre der Arbeiter- bewcgung ausgestoßen. Herr Frick hat diese Worte noch mehrfach wiederholt, so u. a. am 3. November in Sonneberg in Thü- ringen. Der„Beobachter für die Kreise Sonneberg und H i l d b u r g h a u s e n", das nationalsazialiftifche Organ, be- richtete darüber am 6. November. Nach diesem Bericht hat Frick ausgeführt: Dr. Frick verwahrte sich sodann gegen die marxistisch« Ver- leumdung, daß wir eine neue Inflation herbeiführen würden. wenn wir an die Macht gekommen sein würden, sei das erste und die dringlichste Ausgabe, daß eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Marxisten herbeigeführt würde. Dieser volksfeindliche Marxismus müsse mjt Stumpf und Stiel ausgerottet werden. l1, H. Kitsch im Rundfunk. „19 91 Nacht" ist eine sehr schwache, wenn nicht schwächste Strauß-Operette überhaupt, und in einer Zeit, in der alle Walzerträume gründlich ausgeträumt sind, schwer erträglich. Die Herren, die es für nottvenhig erachten, sie den Lesern der„Funk- stunde"(die sie offenbar für besonders anspruchslos halten) vorzu- setzen, sind für den sentimentalen Kitsch des Werkes natürlich nicht verantwortlich: um so mehr für den der Aufführung, einer Auf- führung, deren sich jedes bessere Provinztheater zu schämen hätte. Was sich da an wirklich absurder, richtig märchenhafter Hergebracht- heit im Theater selbst begab— wir wollen es nicht im einzelnen auf- zählen. Wichtiger als dies ist: die Ausführung wurde übertragen, unkontrollierbar viele Tausende tonnten kontrollieren, was da ge- schah, und wenn ihnen auch erspart blieb, den Aufführungsstil im allgemeinen oder die Dekorationen etwa im besonderen zu bewun- dern— das Wundern und Staunen über die dem Ohr allein zu- gänglichen Dinge, über die mit wenigen Ausnahmen unzuläng- lichen Stimmen, die unpräzisen Chöre, das schlampige, un- beschwingte Orchester ist ihnen doch nicht erspart geblieben. Im Theater könnte das unter Umständen allenfalls noch in Kauf ge- nommen werden: was aber den Rundfunk anlangt, so sollte es sich schließlich schon herumgesprochen haben, daß«ine Uebertragung höchste Präzision in allem Akustischen verlangt, daß es ein Bor- brechen an den großen Schichten ist. die auf Rundfunk allein an- gewiesen sind, sie mit einem Ungefähr abspeisen zu wollen. Es ist nicht klar zu ersehen, wer für diese Ausführung letzten Endes eigentlich verantwortlich war: der große Unbekannte aber, möge jedenfalls bedenken, daß der Rundfunk für das Volk da ist, dos ihn samt all seinen Funktionen bezahlt, dos Volk, das, gar zu sehr zu unterschätzen, immer ein« gefährliche Sache war. __ A. W. Chorkonzert„Osten" und„Friedrichshain". Der Münnerchor„Friedrichshain" sowie der VoUschor„Osten" veranstalteten unter ihren Chormeistern Karl Härtung und Wilhelm Knöchel im gut besuchten Soalbau F r>« d r i ch s h a i n ein Konzert, bei dem auch die Neuköllner M u s i k v e r e i n i- gung 1912 unter chrem Dirigenten Walter Judersleben mitwirkte. Beethovens Egmont-Ouv«rtüre, das Andante fetner „Yvonne" Gloria-palast. Greta Garbo ist eine große Künstlerin. Sie weiß selbst dann noch zu fesseln und uns menschlich nahezukommen, wenn ein total verfehltes Manuskript und eine mäßige Regie sie um den vollen Erfolg bringen. Die Metro-Goldwyn haben das Talent der Garbo gekauft, abei sie wissen keinen rechten Gebrauch davon zu machen. Oder sollte dieser kitschige, weinerliche Film aus der Bohemewelt den amerikanischen Filmbesuchern zusagen? Poonne ist der Schwärm der Pariser Künstler, sie inspiriert sie olle, aber den Traum der Liebe hat chr keiner.verwirklicht. Sie lebt in Luxus und Verwöhnung. Da lernt sie auf einem Künstler- fest einen frischen jungen Studenten kennen, der alle ihre Sehnsucht erfüllt. Sie gibt alle ihre Beziehungen auf: es folgt ein Liebesidyll der Dachstube, bis die neidischen Künstlerfrauen ihm die Augen über ihre Vergangenheit öffnen. Er bricht mit ihr, kehrt aber zurück, als er sie um das tägliche Brot ringen sieht. Er mietet sie in"rgend- einem Vorort ein, und so geht das Spiel noch eine Zeit hin und her, bis sie ihn auf Nimmerwiedersehen verläßt, um seiner Karriere nicht im Wege zu stehen. Clarence B r o w n hat mit dem unmög- lichen Manuskript auch nichts anzufangen gewußt. Die Menschen, die er ins Spiel fetzt, sind mehr oder weniger Puppen, und das Milieu ist auch ganz unecht. Der Bürgerssohn, in dem sickz Ioonne verlieben soll, ist von einer berückenden Langenweile und fürchterlichen Trivialität. Trotzdem hat Greta Garbo Momente, wo wir chr ihren Traum glauben. Ihre Losgelasscnheit, ihr freies Sichgeben und vor allem die resignierende Schwermut zeigen sie auf der Höhe, aber den Film kann sie auch nicht retten. Fesselnde Bilder von einem„Thunfischfang im Stillen O z e a n" zeigt ein Kulturfilm. So etwas gibt es also noch in der Natur: die großen Fische reißen sich geradezu darum, sich n Massen fangen zu lassen. v. „Gotteslästerung im Theater." Nachdem gegen die Aufführungen von„Die Heilige aus USA." im fturfürstendamm-Theater die schweren Vorwürfe der Gotteslästerung in der Oefsentlichkeit erhoben und angeblich die Staatsanwaltschaft hicrwegen bemüht worden ist, wird die Direktion in vollster Oeffentlichkeit das Stück zur Dis- kussion stellen. Zu diesem Zweck wird eine größere Anzahl Juristen, Geistliche aller Konfessionen, Scientisten und sonstige Interessenten eingeladen, der Abendvorstellung ani Freitag beizuwohnen. Sollte eine Diskussion gewünscht werden, so wird eine solche veranstaltet. Eine Mcnschcnspur aus dem Tertiär? In Otjiwarongo in Südwestafrika hat der Arzt Dr. Du Plessis die Quarzfüllung einer ; menschlichen Fußspur gefunden, die ihrer Zusammensetzung nach ! auf das Vorkommen des Menschen im Tertiär schließen läßt. Dieser Fund ist ein Parallelstück zu dem versteinerten Stirnbein, das in Osondjache, in unmitelbarer Nähe des jetzigen Fundortes im Jahr« 1929 in einem Grab aufgefunden wurde. Ein französisches Orchester in Verli». Zum ersten Male nach dem Kriege wird ein großes französisches Orchester Berlin besuchen. Unter Leitung seines Dirigenten Pierre Monteux tritt das Orchestr« Symphonique de Paris eine kurze deutsche Konzerttournee an; in Berlin tritt es am 19. November in der Philharmonie auf. In dem Berliner Konzert wirkt der Pariser Pianist Francois Lang solistisch mit. Das Programm bringt Berlioz: Symphonique Fantastique, Debussy: La Me'r und Ravel: Rhapsodie Espagnole. Eine Aussprach« llber Hegel veranstaltet die Philosophische Gruppe Ber- lin, heute, 20 Uhr, im Hotel Continental(Neustödtische Kirchstrahe). ES referieren Professor K. Korsch, A. Turel, Professor A. Rosenberg und Dr. E. Unger. Im Wallner-Theater wird„Der WcibSIcusel" heute und Freitoy wiederholt. Sonnabend Max Halbes„Jugend" mit Otto Gebühr als Psarrer Hoppe. Rundfunk am Abend« Donnerstag, 19. November. Berlin. 16.05 Direktor Julius Olüok: Die Bedeutune des Esperanto. 16.30 Heitere Lieder. 16.50 Klaviervorträge. Caroline Clement, Flügel. I, Debussy: a) Refldts dans l'cau; b) La pnerta del vino; c) Soiree dans Qrenade. 2. a) Granados: La Maja et 1c Rossignol; b) 41b6niz: Cordoba. 3. Skrjabin: a) Etüde; b) Jeux d'eau; c) Ravel: Menuette. 4. a) de Falla: Dansc de fen; b) Clement: Blues. 17.10 Brahms-Sfrauß. Lieder. Gerald Kasenow, Baß-Bariton. Flügel: Julius Bürger. 17.30„Von den elektrischen Wellen." CReichenbach.) 17.50 Generaldirektor Ernst Jäger und Erich W. Abraham: Führende Wirtschaftler zur Gegenwart 18.15 Volksweisen. !M0 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.45 Apostel-Gesänge nach Worten der Heiligen Schrift, für Bariton und Orchester, op. 7. von Hans F. Redlich.(Erstaufführung.) 19.10 Stimme zum Tag. 19.20 Unterhaltungsmusik. 20.30 bis 22.00 Uebertragung von Langenberg. 22.00 Wetier-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Tanzmusik. - Königswusterhausen. 16.00 Magistratsoberschulrat Dr. Carl Fischer; Wesentliches, Wünschenswertes, Ueberlebtcs unseres Schulwesens. 17.30 Dr. Rudolf Haas: Das Egerland und seine deutschen Menschen. IS. 00 Prälat Dr Kreutz, Freiburg: Die Heilige Elisabeth. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.53 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Ortegel: Holzabsatzverhältnisse und Holzeinschlag. 19.25 Min.-Rat Joachim: Aus der Praxis des Arbeitsrechts. 20.30 bis 22.00 Uebertragungen von Langenberg. Parteinachrichtcn. 105. Abt. Der Kursus des Genossen Dr, Mönchen fällt heute abend wegen Verhinderung des Referenten aus. Weiter für Verlin: Meist bedeckt, nur zeitweise etwas auf- heiternd. Temperaturen nahe bei Null. Mäßig« östliche Winde.— Für Deutschland: Meist trübes und ziemlich kaltes Wetter, nirgends wesentliche Niederschläge Vcrantwortl. für öle Rrdaktion:«ich. Kerufteia. Berlin! Anz-igen: Tb. Stocke Berlin. Verla«: Borwärt» Verlag S. m. b. S.. Berlin, Druck: Borwäri» Buck>> bruckerei und Verla lwaustaU Paul Singer& Co.. Berlin öäß CS. Lindeastrake 1 ilettu 1 Beilage. Staats Theater Donnerstag, den 19. November staatsoper staatsoper Unter d. Linden 20 Uhr Oberon SM Pliti dir Rcdublit 15"d Uhr Dr. ooiitties ooenteiier lodi Nacht Staall.Sdiaüspielhauj Gendarmenmarki. Uhr Wailensteins Lager/ Die Piccolomiiil Schiller-Theater Charlottenburj. 20 Uhr Die Eerde sucht Winter ' Garten> Flora 3434 Aaucbeii erlaubt tu erlaubt E ilmer I meys 9 4 Queens. Gaston Palmer 2 Olveras 2 Hockneys U. 8. W. Ä _ WWWWWUMWWWMWWV� internationales Thealer Kleines Theater) Unter den Linden 44. Heute 8 Uhr: Premiere; A»ßnlanz von Vera Bern. Regie: Philip Manning mit Hedwig; Wangel u. H Ad. Stchlcttow. GROSSES SGHAUoPIELHAUi Wegen Vorbereitung zur M a x- Reinhardt-Inszenierung ,»Hoffmanns Erzäblanf'en" bis einschl. 26. Novemb geschlossen Premiere: 27. November. TSgl. 5 u 8V3 U. Walt» DtRE WAHL „Die Original? aller Enentrikar" 4 Urbanis Tboßmarveis Chartons idui Harloiithin mw riiii.B,ai5,stj.2,5ii6u. Oer nroß« Theat.r- Erfolg- DAS OREIMÄOERLHAUS Musik nach Franz Schubsrt Oeuisaie« meaiei « Uhr 6n düditen aas dem Wiener ivald von Oedön HorV>»ih Higia: Haii» Hilpert VoUisotlhne Idealer am BDIowplalz d Uhr Der örilne KaKadu Der Kammersänger Slaatl. Sdiiller-Theater » Uhr Die Herde snchl Vom 17. bis 23. November Willy Forst, frude v.Molo, G. GrOndgens. Roda Roda, A. Pointner usw. ■- Im Bühnenteil: Joseph Plaut Deutschlands Voitragsmeister und weitere Attraktionen §<ädt.Oner Charlottenburs Sismarckstiaße 34 Donnerstag 10 Nov Turnus I Anfang 19.30 Uhr Die Afrikanerin. Ende gegen 23 Uhr Die KomOdie 81 1 Uhr Jemand von Franz Molnar Heji«: Custat Orünägeps mit Albert Bassermann KuriUrsienOamm- Tltealer «>, Uhr JieSsiiigeayslliil von Ilse Lan,-ner Rtzis: Ludnigbcrger Ernst loch Tife!:ollc: Agnes Straub Theater im RdmiraisDalasi Täglich 8"« Uhr Die Dubarry mit Gitta Aipar �icise v. 0,50 M an meiropoi-iiieater Täglich Ä1» Uhr Sonntags 5 und S'.'t Die BSume von Hawai Operettev. Abraham Preise von 50 Pf. an Theater am Nallendortplatj Mo igen Vk Uhr Premier« Gasparone Margret Pfahl, Michael Bohnen, Leo SlezaK, Emmy Sturm. Rose-Theater Grelle Frankfurter Stre9e 13? Tel. Wcrdnel E 7 3422 8 15 Uhr Die Keusche Susanne Theater desWestens Heute vt8 Uhr Premiere Der Togelbäodler Ahlers, Jöken, Morgan, Carola, Priem Preise d. Plätze v. 50 Pf. an «v.uhr CASINO-THEATERs'h m., Lothringer Strafe 37. Weener-Frttze volksslück mit Direktor Han«« Barg: dazu das bunte November-Progr. Gutschein 1-4 Personen Parkett nur.so Pf. Fauteuil l.— Mark. Sessel 1.50 Mark Biumensücnflen jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Meyer Marlannenstr..3 FS, Oberbaum 1303 Reichshallen-Theater Abends S Dhr. Sonntag nadimittag 3', libi SXeliiner Sänger Die neue Burleske , ,0er arme Kasemir' Hadimittags balbe Preise, volles Programm.' Inserate Vorwärts bringen Erfolg I Schwerhörige lUkren sofort wieder mit dem ärztlich empfohlenen OBieiHAL' SliUSTlH- SPPABAT ra:l neuestem HrelnBöreri - N'och Besseres gibt es nicht!— ßsifsctiB Akustik Oesellsdiaft m. d. H. Aelteste u führende Spezialfabrik Verkauf u. Vorführung: Serlin-Ufilroersdgrl. motzstr.«3 Beplin, Kicsterstr. 44 Keiniciteiuiorl-ost, Brlsnzer Str. 4 Verl. Sie Hauptkatalog 16 kostenlos! 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Im„Deutschen P h i l o I o g c n b l a t t" wird erklärt, es gehe nicht an,„daß, um über einen Winter hinweg- zukommen, die Jugend, die die Zukunft gestalten sollte, geistig ver- nichtet wird, daß ein ganzer Stand seinen ausgebildeten Nachwuchs verliert, daß um eines Iahresetats willen das Millionenopferwerk aller Volksgenossen aus vielen Jahrzehnten bis zum Grund zerstört wird". Jede Lehrergattung behauptet, daß sie am ungünstigsten behandelt worden sei. Die Volksschullehrer: Die in die Anwärterliste aufgenommenen Assessoren bekommen M Proz., unsere Junglehrer ober nur einige Bettelpfennige. Die P h i- lologen: Für die Junglehrer sind 1l Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden, für die nicht in die Anwärterliste aus- genommenen Assessoren aber fast nichts.„Das Deutsche Philologen- blatt" erzählt von einem 34 Jahre alten Studienassessor, der von der Gemeinde eine wöchentliche Unterstützung von 7,30 M. erhält und dafür zehn Stunden mit einem Handwagen Holz zum Gemeindebüro fährt. Jetzt hat auch der Staatsrat die Nowerordnung ver- warfen:„Erschütterung des Rechtsbodens und unnötige Eingrisfe in die Selbstverwaltung, Beeinträchtigung der sozialen und kulturellen Interessen unseres Volkes, insbesondere unseres Schul- Wesens einschließlich unseres Hochschulwesens." Der Minister Grimme hat auf diese in den Lehrerkreisen und die in dem Land gemachten Vorwürfe erwidert, daß niemand „die Auswirkungen der Notverordnung auf dem Gebiete des Schul- wesens leidenschaftlicher bedauern als er selbst: er nennt die Not- Verordnung daher„eine oerordnete Not" und hat durch die auf seinen Antrag kürzlich vom Staatsministerium verabschiedete Ver- ordnung über die Pensionierung der älteren Lehrer bewiesen, daß ihm das-Schicksal der Junglehrer und Jungphilologen sehr am Herzen liegt. Ein unvoreingenommener Beurteiler muß feststellen, daß noch keiner dieser Kritiker, auch noch nicht der Staatsrat, auch nicht Professor Oestreich, der Vorsitzende des Bundes entschiedener Schul- reformer bei der Eröffnung der diesjährigen Bundestagung, dargelegt hat, wie die Summe auf anderem Wege hätte erspart werden können. Es läßt sich die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß von den 2,1 Milliarden des � preußischen Gesamthaushalts 0,74, also ein Drittel auf das Bildungs- „ jc�jcn komwen. und hierzu 630, also über vier Fünftel auf die BA-softaläuHgaben.-"j-'"•• Bei der Kritik wird auch folgendes nicht beachtet oder � nicht gebührend gewürdigt: 1. Die Verordnung stammt nicht von dem sozialdemokratischen llnterrichtsminister, sondern von dem preußischen Kabinett: dieses . trifft keine Schuld an der Ursache, nämlich an der Wirtschaftskrise, und es hat auf Anordnung des Reichskabinetts und auf Drängen des Städtetages gehandell. In anderen Ländern, auch in denen mit einem Rechtskabinett, sind zum Teil dieselben, zum Teil noch schärfere Verfügungen erlassen worden. 2. In mehreren Ländern hat man sogar außerdem die in Preußen wieder beseitigte Gehaltsaufrücksperre eingeführt und neue Kürzungen der Gehälter der Lehrer wie natürlich auch der der anderen Bearnten um 4 bis 10 Proz. vor- genommen(z. B. in Bayern. Baden, Bremen, Hessen, Lübeck, Sachsen, Mecklenburg-Schwerin, Braunschweig, Württem- berg). 3. Wie auch der Ministerialrat Richert(D. Vp.) im Rundfunk dargelegt hat, hat Preußen vor dem Kriege 27 Millionen für das Schulwesen ausgegeben, jetzt aber trotz der Verkleinerung des Staatsgebietes das Dreifache. Welche Anerkennung der sozial- demokratischen Kulturpolitik! 4. Die Abbaumaßnahmen bei den Schulen sind überdies zum größten Teil gegen den preußischen Unterrichts- minister beschlossen worden. 3. Dieser hat infolge der Proteste der Philologen, trotz der Unterstützung durch die Volksschullehrer, davon Abstand genommen, die Ersetzung der neunjährigen höheren Schule durch die acht- jährige durchzusetzen. 6. Nicht der Unterrichtsminister, sondern der Finanz- minister hat erklärt: Es erfordere die finanzielle Lage des Staates, daß man rücksichtslos in der Entlassung vorgehe und diese Entlassenen sich selbst überlasse; und dieser Minister ist zurück- getreten, weil er von dem Landtag nicht unterstützt worden ist. 7. Wäre von dem preußischen Kabinett die Altersgrenze auf das 60. oder gar auf das 33. Jahr heruntergesetzt worden, so hätten gerade die Philologen wie 1921 bei der ersten Einführung der Altersgrenze wegen Verletzung der wohlerworbenen Beamten- rechte geklagt. Diesmal hätte eine Klage wahrscheinlich bei dem Reichsgericht Erfolg gehabt. Denn dasselbe hat entschieden, daß eine Altersgrenze nicht für einzelne Beamtenkategorien allein «ingeführt werden dürfe. 8. Am wenigsten hat der frühere Unterrichtsmini st er B o e l i tz(D. Vp.) Veranlassung, im Landtag den sozioldemo- kratischen Unterrichtsminister anzugreisen. Denn er war 1924 in ähnlicher Lage, er war auch durch das Reich gezwungen, den Personalabbau.durchzuführen. Der sich gegen ihn damals er- hebende Sturm war nach orkanartiger. Wenn- jetzt die Assessoren, die nicht in der Anwärterlistc stehen, nicht Anspruch auf Unterstützung haben, so ist das seine Schuld. Denn er hat die Anwärterordnung eingeführt. Hätte er das nicht getan, so könnte die Summe, die jetzt die Anwärter erhallen, auf alle Assessoren gleichmäßig oerteilt werden, so daß nicht die einen 80 Proz. und die anderen nichts erhallen, sondern alle etwa 40 bis 50 Proz. Wird Boelitz nickt zugeben, daß das gerechter wäre? Auch die Einführung d«r Pensionierung der Hoch- s ch u l p r o s e s s o r e n, die bisher mit vollem Gehalt emeritiert wurden(nicht der schon emeritierten, die nur 10 Proz. des Gehalts verlieren, sondern der noch amtierenden), ist nicht allein in Preußen eingeführt worden, sondern z. B. auch in Sachsen, Thüringen, Mecklenburg, Württemberg. Die Professoren können übrigens den Unterschied zwischen dem Gehalt und der Pension bei der jetzt so großen Zahl der Studierenden verdienen, da sie auch nach ihrer Pensionierung Vorlesungen halten können. Die Beamten keiner anderen Kategorie haben ein ähnliches Recht. Mit diesen Darlegungen will ich nicht behaupten, daß ich olle Abbaumaßnahmen für zweckmäßig halte. Der frühere Unterrichts- minister Becker hat von einer„barbarischen Belastung" der Lehrer der höheren Schulen gesprochen. Da ist es nicht zu billigen, daß die Arbeitszeit der 55 bis 64 Jahre allen Studicnrät« durch Cr- höhung der Pflichtstundcnzahl und durch Verlängerung der iZtundendauer mindestens um 27 Proz. erhöht worden ist, noch dazu unter Erhöhung der Klassenbesuchsziffcr, daß aber die meisten 25 bis 40 Jahre alten Studienassessoren nicht beschäftigt werden. Die Erhöhung der Pflichtstundenzahl hätte erst dann eingeführt werden dürfen, wenn die Anwärter nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Das Recht der Schuiaufsichtsbehördcn, städtische Le-Hrer gegen ihren Willen an Schulen anderer Städte zu versetzen, muß zeitlich begrenzt werden: denn sonst ist zu befürchten, daß es später gegen einen republikanischen Lehrer aus- genützt wird, um ihn zu drangsalieren. Ich glaube, hätte Grimme zu Ansang des vorigen Jahres die wirtschaftliche Entwicklung vorausgesehen, so hätte er es sich sehr überlegt, das ihm angebotene Portefeuille anzunehmen. Denn es ist nicht beneidenswert für einen Staatsmann, sich wegen der Folgen einer wirtschastlichen Krisis angreifen zu lassen, an der er ganz unschuldig ist. Waren nicht in ähnlicher Lage die Regierungen > nach dem militärischen Zusammenbruch im Jahre 1918/19? ...find in schließen: Die nme Schule, ein alter Mann unö Mei GerichtSverhanölnngen Wenn jemand 1912 übertriest vor Internationalismus, wenn seine Stimme heiser und seine Feder krumm wird im Kampf gegen den verruchten Krieg und gegen den Militarismus und er es als seine heiligste Pflicht betrachtet, den Patriotismus zu bekämpfen und die Friedensbewegung zu propagieren: wenn der gleiche Mann 8 Jahre später sich fortent- wickelt hat von jener bürgerlich-liberalen Anschauung fast hin zum Sozialismus, wenn er im Begriff steht, der Partei beizutreten, und wenn er seine Mitarbeiter ermuntert, bei der Wahl den Marxisten ihjrc Stimme zu geben: w e n n e s e r M a n n ausgerechnet Schulmeister, Lehrer und Erzieher gewesen, ist.' �_ und wenn d i«s e r Mann jetzt bei der NSDAP, eine Rolle spielen darf, die Spallen chrer Zellung füllen, ihre Versamm- lungen zieren und sicher das Muster einer charaktervollen Person- lichkeit darstellen soll— dann muh es im Nazilager eine recht merkwürdige Erklärung für das Wort Charakter geben, eine Erklärung, die wohl nur dort gebilligt wird, eine Erklärung, die sich die übrigen gesitteten Menschen nicht zu eigen machen. In Bremen gab es einmal einen großen Pädagogen: er hieß Heinrich Scharrelmann. In seinen jungen Jahren schon wurde er viel beachtet. Er kämpfte mit einer unduldsamen Be- Hörde, die ihm nicht Raum genug gab, in seiner besonderen Art zu schulmeistern. Er verließ den Staatsdienst und schlug sich auf eigene Faust durchs Leben Er rüttelte auf und regte an. Ein Buch nach dem anderen erschien, und die fortschrittliche Lehrerschaft glaubte, ihn zu den chren rechnen zu müssen. 1919 nahmen ihn diejenigen m den bremischen Schuldienst wieder auf, die von gewissen Leuten heute als Nooemberverbrecher beschimpft werden. 1920 wurde er Leiter der ersten Versuchs- schule. Es gibt Menschen, bei denen Theorie und Praxis nicht viel miteinander zu tun haben. Scharrelmann war in seinen Büchern Demokrat und in seinen Reden und Vorschlägen nicht minder. In der Wirklichkeit entpuppte er sich als krasser Autokrat, der sich in schwierigen Situationen durch Ausweichen zur Anarchie zu helfen suchte. Der Führer versagte. Die Gefolgschaft trennte sich von ihm und gründete eine eigene Schule, die heute nach einer ständi- gen Aufwärtsentwicklung geachtet und anerkannt dasteht— d. h. die Nazipartei muß von dieser Behauptung ausgenommen werden, von ihr wird die Schule beschimpft und verleumdet. Heinrich Scharrelmann versucht es mit seinem Führertum zum zweitenmal: aber bald scheitert er wieder, und dann gibt es keinen Ausweg mchr. Der erst Fünfundfünfzigjährig« muß in den Ruhe- stand treten, und kaum eine Zeile oder ein Wort hat irgendwie verraten, daß das irgendwo als Verlust betrachtet worden wäre. Jetzt endlich ist er dort gelandet, wohin er vielleicht am besten paßt: er ist Pg. Nun hat er wieder einiges zu tun. Er darf Bc- trieb machen, sich wichtig fun, aalglatte Reh�p führen und giftige Tinte für die Naziprxjje verspritzen. Er prasidfert in Lehterver- saikiknlungen, wo Leute in der Art des Pg. S ch e m tri ihre schwülstigen Reden vom Stapel lassen. Doch seine politischen Gegner freuen sich dessen, denn es scheint, als ob so lange, wie er die NSDAP, ziert, die Pg. Lehrer ein kümmerliches Häufchen bleibet« werden.• Seine einstigen Weggenossen hat der ehemalige Führer jedoch nicht vergessen. Daß die bremischen Versuchsschulen sich ohne ihn überhaupt erst entwickelt haben, wird er ihnen niemals zum Guten auslegen. Lange genug mag er über Racheplänen ge- brütet haben. Nun hat er Bundesgenossen: seine neuen Partei» genossen sollen diesen Schulen den Garaus machen. Man könnte vermuten, daß Scharrelmann nur zu diesem Zwecke dieser Partei beigetreten ist. Einen Trabanten zur Eröffnung des Vor- gcfechtes hatte er bald gefunden. Der mußte sich ein Langes und Breites über die Versuchsschule zusammenschreiben, bei dem e« mehr aufs Kompromittierenwollen als auf die Wahrheit ankam. Die Schulen erzielten keine Leistungen, ihre Erziehungsfrücht« könnten nur den Marxisten gefallen, sie hielten nichts von dev Religion, die Lehrer wären schreckliche Demokraten und hätten ihr« ersten edlen Führer(Scharrelmann!) hinausbugsiert, sie täuschtet» die Oesfenllichkeit u. ä.: alles in allem wären sie furchtbar über- flüssig. Die Folge war ein Prozeß, in welchem der Richter den» „kundigen" Zeitungsschreiber bescheinigte, daß er die Unwahrheil gesagt habe. Das war das Vorgeplänkel: die Haupt- und Staatsaktion soll noch steigen. Die Nationalsozialisten haben in der Bürgerschaft det» Antrag gestellt: Die Versuchsschulen sind zu schließe Der Antrag steht zwar schon seit langem auf der Tagesordnung, demnächst soll er jedoch zur Erörterung gelangen. Die„sachliche" Begründung, die die Antragsteller ihm zu geben gedenken, ist durch die Vorgefechte bereits offenbar geworden. Es ist eine politische Reklame- und Kampfmaßnahme, ausgebaut auf unwahre Bc- hauptungen, die geboren sind und genährt werden aus der oer- letzten Eitelkeit ehemaliger Versuchsschullehrer. Kulturreaktion. Ab- bau moderner Schulbestrebungen, also zeitgemäß. Man hofft sicher- lich auf Bundesgenojsenschaft im bürgerlichen Lager. In diesem Augenblick— das Gesetz der Serie macht sich be- merkbar— hält der„Kampf um Kits ch" in Bremen seinen Einzug. Es ist das Schauspiel um die neue Schule, und die bremischen Versuchsschulen tragen ihr gut Teil zur Ausführung wie auch zu der damit verbundenen Ausstellung bei. Die Aufführung ist ein außergewöhnlicher Erfolg. Die Presse schreibt voll An- erkennung: selbst das Organ der NSDAP, kann nicht umhin, die Tat des Schauspielhauses lobend hervorzuheben. Nach der Erstaufführung trat ein Bekannter an mich heran mit dem Vorschlag, mich in der Richtung zu bemühen, daß bei künftigen Aufführungen dem Träger der Reaktion in dem Schauspiel die Maske von eben dem„Pelden" dieser Zeilen gegeben werde. Manche Menschen sind doch zuweilen von jedem guten Gefühl verlassen. Der„Kampf um Kitsch" ist doch ein gutes, ein ersreuliches Stück, und ich sollte meiue Hand rühren, ihm ein Leid anzutun? Auch ein anderes stand mir im Wege, ein Bild aus dem Prozeß um die Versuchsschularbeit und ihren Wert: Allerlei Schul- leute waren vor dem Sitzungszimmer versammelt, sie füllten die Wartezeit mit Erörterungen mancherlei Inhalts. Ganz abseits und ganz allein saß stundenlang der ehemalige Lehrer Scharrelmann, grau, vergrämt und ver- lassen, derselbe, der in seiner Partei so betriebsam und rührig erscheint. Kaum einer suhlte das Bedürfnis, sich seiner zu erinnern, jeder mied ihn, mied de», der sich durch sein Reden, sein Schreiben und sein Tun ausgeschlossen hat aus der Gemeinschaft seiner früheren Amtsgenossen. Ein Bild des Abstiegs, dem sogar der Gegner nicht das Mitleid versagen kann. Eine ftnnmc Gcrichtsszcne vor dem Gcrichtszimmer, Gerichtsverhandlung und Gerichtsurteil ohne Worte. Wir sahen gestern im Sport: Die traditionelle Sdiadiveranstaltun� im Gewerkschaftshaus Musikal-Akt ein neues und gutes Programm. Roch sehr lange saßen Sportler, Reichsbannerleute und Gäste beisammen, denn ein schöner, unterhaltungsreicher Abend im Leben der werktags Schaffenden ist recht selten. -ARBEJTEH mSSBtiLL Lichtenberg I schlägt Union-Tempelhof 5: 1 Die Lichtenberger scheinen sich wirtlich auf ihre frühere Form zu besinnen: nach dem Unentschieden gegen den ostdeutschen Meister Luckenwalde I gestern der 3: 1-Sieg über die. Tempelhofer Union. Durch die Hereinnahm« jüngerer Kräfte in die erste Mannschaft klappte es im Sturm wie in früheren Tagen. Mit Ausnahme des linken Verteidigers, des linken Läufers und des sehr lauten Halb- rechten, für die ja auch genügend andere Spieler zur Verfügung stehen, sollte man die Mannschaft in dieser Aufstellung belassen. Die Tempelhofer waren für Lichtenberg bestimmt ein gleichwertiger Gegner, dem es nur an dem Zusammenspiel zwischen dem Sturm und der Läufereihe mangelte. Viel Schuld mag hieran der Schieds- richter getragen haben, der durch sein zu vieles Pfeifen Unruhe in die Mannschaft brachte Das Resultat entspricht nicht ganz dem Kxäfteverhältnis, zeugt aber doch von gutem Können der Lichten- berger. Sintracht-Stiinickendorf hatte alt einjiget Verein eine Provinzmannschaft Unter allen geistigen Spielen nimmt das Schach den ersten Rong ein. Es regt mehr als alle anderen den Geist an und schließt den Zufall aus. Das konnte man gestern im großen Saal des Gewerkschaftshauses sehr gut beobachten. Dort fand wieder der traditionelle Bußtagswettkampf der„Freien. Schach- Vereinigung Berlin" statt. Weit über 3l)l) Gäste und Mit- glieder hatten sich eingefunden, die ein sehr vielseitiges Programm erledigten. Ein Monnschafts-Blitzturnier, ein Gästetournier, zwei Simullan-Borstellungen und ein Problem-Lösungsturnier standen zur Erledigung. An dem Alannschasls-Llihlurnier beteiligten sich 16 Mann- schaften Zu erledigen waren 720 Partien. Zehn Minuten nach 2 Uhr wurden hierzu die Bretter freigegeben. Fünf Minuten vor 6 Uhr war die letzte Partie beendet. Sämtliche Züge mußten innerhalb 4(oier> Sekunden erfolgen. Für den Kenner war es ein besonderes Vergnügen, die unsinnigste» Züge beobachten zu können, die in der vorgeschriebenen kurzen Zeit gemacht wurden. Ein Zurück gab es nicht. Die Resultate waren folgende: Treptow I gewann 7ll Punkte: Eharlottcnburg I 69,5; Westend 57,5: Sum- boldthain I 55; Kreuzberal 55; Weihensee T 50,5: Lichtenderg i 49,5; Wcdding I 46,5; Treptow II 42,5; ssriedrichohai» I 40,5; Moabit 39,5: Grünau. Gollenberg 37: Weihcnsee u 33; Eggersdorf i 31,5; Humboldthatn Ii 29; Kreuz» bcrg II 13,5. * Während dieser 720 Partien spielten die„Alten" mit den Gästen einen Wettkampf. Und die„Alte Garde" mußte sich ge- schlagen bekennen. Mit 11,5 zu 10,5 Punkten blieben die Gäste Sieger. Hoffentlich wirkt sich dieser Erfolg so aus, daß sie nun die Reihen der organisierten Arbeiterschachspieler verstärken helfen. Still, sehr still gegen dos laute Treiben der Blitzspieler, ging es an den. Tischen der Simultanspieler zu. Auf leisen Sohlen trabten die beiden„Starken" die lange Reihe der Spieler entlang, so manchen Kilometer zurücklegend. Dem Genossen K a u l f« r s hatten sich elf Spieler, fast nur Gäste, gestellt. In etwas über zwei Stunden besiegte er davon zehn und mußte eine Partie als unentschieden anerkennen. Willi E y b e r- Wedding hatte siebzehn Gegner zu erledigen. Er gewann in drei Stunden zwölf; machte drei unentschieden und verlor zwei Partien. Unbemerkt und nur von ganz wenigen besucht, ging das Problem-Lösungslurnier im Rebensaal vor sich. Unter der Leitung von Letzin- Neukölln, dem Leiter des Aufgabenteils in„Volk und Zeit", wurden den Lösern drei Zweizüger und ein Dreizüger, natürlich allerschwerste Ware, vorgesetzt. Es handelte sich darum, unter Darlegung aller Barianten, als erster die Lösung vorzulegen. Erste Schnelligkeits- preise erhielten S. Rotenstein, R. Steinweg und G. Dietrich beim Zweizügerlösen. Den Dreizügerpreis trug der alte routinierte Löser A. llbeleisen davon. Diese traditionell gewordene Bußtagsoeranstaltung der Ber- liner bundestreuen Arbeiterschachspieler sind stets ein gutes Werbe- mittel. Wir glauben aber, daß die Werbung verdoppelt werden könnte, wenn die Bußtagsoeranstaltung nur für Gäste sein würde. Ungefähr in der Form, daß der Verein sein Spielmaterial und die Leitung der Veranstaltung stellt, um an dem Tage allen nicht im Verein organisierten Arbeiterschachspielern mit den Mit- gliedern des Vereins Spielmöglichkeiten zu bieten. Dazu sollten vielleicht am Wandbrett einige Fallen und Finten im Verlaus der Partie vorgeführt werden und der Verein wird bestimmt nicht schlecht dabei abschneiden. Vielleicht überlegt sich der Vorstand diesen Vorschlag einmal. Um Außenstehenden die Gelegenheit zu geben, sich einer Schach- abteilung des Vereine anzuschließen, folgen hier die Spielobende: Abteilung Grünau.ssalkenberg: Donnerstag Gutshof Falkenberg.— Krauzberg: Donnerstag Planufer 75—76, bei Krepp.— Lichtenberg: Freitag Gärtnerstr. 33, bei Sauter.— Mitte: Freitag Kastanienalle« 54, bei Plasinski. -------■----'-•■' bei All-recht.— Wedding: Dienstag Alt-Moabit 13, bei ___________________„__________.... 140, bei Müsch.— Treptow: Donnerstag Elsenftrabe, bei Ddbling.— Prenzlauer Berg: Donnerstag Star» garder Str. 19, bei Pohst.— Westend: Montag Sophie-Ebarlotte�tr. 83, bei Iainin.— Charlottcnburg: Dienstag Bismarckstr.- 57, bei Walter.— Pankow; Dienstag Berliner Str. 97, bei Fulde.— Neukölln: Freitag Boddinstr. 10. bei Grimm.— Friedrichsfclde: Dienstag Gudrunstr. 7, bei Tempel.— Wcihensee: Freitag Berliner Allee Ecke Lchdcrstraße, bei Gallas.— Die Spiel- abend« beginnen um 20 Uhr. Das Bundesorgan, die Arbcitcr-Schachzeitung, wird monatlich allen Mitgliedern unentgeltlich geliefert. ReidAshcmner und Artisten Eine gemeinsame Veranstaltung in der NcuenWelt Gemeinsam mit dem Reichsbanner Neutölln-Britz veranstaltet« gestern die Arbeiter- Art! stenspart« im Athletenbund in der„Neuen Welt" einen Artistenwettstreit unter dem Titel„Sport und T e ch n i k". Das vielseitige Programm wechselte in bunter Folge, Sport und Technik, sowie Ernstes und Heiteres begeisterten auch diesmal; immer aufs neue wissen die Artisten ihre Kunst fesselnd und reichhaltiger zu gestalten. Die sportfveudige Reichsbannerjugend trug das ihre zum Gelingen bei; die Bor- und Iiu-Iitsu-Vorführungen gefielen sehr. Ein Prolog von H. Duderstadt wurde von dem Reichsbannermann Schmarsow wirkungsvoll vorgetragen und erntete starken Beifall. Ob die Tänze der Käte Kalte, ob Wallers Ballance- und Perch- Akt oder der dreifache Trapez-Akt des Klante-Trio, überall zeigte man vollendete Bühnenkunst; auch Cilda, der komische Jongleur, oerfügt über glänzende Routine. Die beliebten Exzentriker Luri- Luri erschienen diesmal mit einigen Neuheiten mehr als Trio, aber Otto-Otto, den beiden„Doofen", fehlt noch etwas mehr Schlack- sigkeit. Die unerschöpfliche Berliner Type, Sabanski, hat den echten, gewinnenden Humor, als„ruhmreicher Flieger" hatte' er den stärksten Lacherfolg, als er von seinen Erfolgen und Miß- erfolgen erzählte. Tito und sein Partner brachten in ihrem ?!TGB. Osten, der mit einem Sieg der Lichienberger von 4:3 endete.— Ein- rächt Bezirk und Adler Bezirk trennten fich beim Stande von 5:0.— Brig 33 und Frohe Stunde spielten 3:3.— Eiche. Köpenick gegen Oberfpre« 4:1.— tzweite Mannschaften: Britz 88 gegen Frohe Stund« 5:0.— Eiche gegen Ober- spree 4:1.— Lichtenberg II gegen Pankow 1:12.— Iugendmannschaftcn: Ein- tracht gegen Minerva 0:0.— Eintracht II gegen Minerva 2:0. Handhall 5I®B. Süden gewinnt gegen FTGB. Oberspree Sil*(2:1). Süden war besser, und hat den Sieg verdient. Im Vergleich zu früheren Spielen kann die Spielweise aber nicht mehr imponieren. Es wäre ratsam, die Läufer und die Stürmer besännen sich mehr aus Zweckmäßigkeit und ließen die Einzelaktionen.— Oberspree ist noch eine junge Mannschaft, an der es noch viel zu verbessern gibt. Ihre weiten Vorlagen tragen viel zum Mißlingen bei. Eintracht-Mahlsdorf weilt« im Neuköllner Stadion und scheiterte an Nolkssport 5:9(2:5). Ms Ueberraschung des Tages gilt die Niederlage der FTGB. Nordring gegen Volkssport Wedding II mit 4:6(0:4). Nordring Halle besonders unter dem schlüpferigen Boden zu leiden und konnte sich nie recht entwickeln. Bei dem Werbespieltag der FTGB. Adlershof war das Spiel der 1. Männermannschaft gegen die Freie Turnerschost Küstrin der richtige Abschluß. Obwohl Adlershof gezwungen war, Ersatz einzustellen, konnte es über die Gäste stets triumphieren. Der Stand von 5:2(5:0) für Adlershof ist dem Spielverlauf nach als gerecht zu betrachten. Die dem Hauptspiel vorangegangenen Spiele endeten wie folgt: FTGB. Adlershos II gegen TSV. Kaulsdorf II 1:8(1:5). — Schüler FTGB. Adlershof gegen Eiche-Köpenick 1:8. Hockey Tennis-Rot und der Achletik-Sport-Clich lieferten sich einen flotten und schönen Kampf, den Tennis-Rot mtt 6: 2 gewinnen tonnte.— Der Verein für Leibesübungen Ostring gewann gegen den Freien Hockey-Elub Spandau knapp 3: 2, wobei der kaum erwartete Widerstand und die gute Gesamtleistung der Spandauer hervorzuheben sind.— Volkssport Neukölln-Britz 1 stellte gegen den Aerein für Leibesübungen Ostring 2 erneut seine gute Durchschlags- kraft unter Beweis und siegte 3:2.— Der Männerturnverein Bernau 1 konnte gegen Tennis-Rot 4 einen weiteren Sieg mit 3: 2 erkämpfen.— Die Freie Turnerschaft Groß-Berlin Osten 1 siegte über Tennis-Rot 3 mit 3: 2 Toren.— Volkssport Neukölln-Britz 2 und Verein für Leibesübungen Ostring 3 lieferten sich ein unent- schiedenes Spiel 2:2.— Die Frauen vom Berein für Leibes- Übungen Ostring siegten über die Frauen vom Volkssport Neukölln- Britz 3:0. Kinder sport in Tegel Nachdem die Frauen der Freien Sportvereinigung Tegel 99 am letzten Sonntag für ihre wache warben, waren es am Dienstag die 51 i n d e r g r u p p e n, die bei den EUern Beifall für ihre sportliche Betätigung suchten und fanden. Besonderen Beifall holten sie sich mit dem Sprechchor:„Hallo, ihr Arbeiterkinder der Well!" Um eine große Weltkugel marschierten die Ber- treter aller Länder aus. Ausschnitte aus den Uebungsstunden so- wie Geräteturnen und Gymnastik-Lorführungen vervollständigten das Programm. Viel Anklang fand auch ein Zwiegespräch.Mischen einer kleineren Turnerin und ihrer Freundin, die die Leibesübungen verpönte. Zum Schluß forderte der Vorsitzende des Vereins die Anwesenden aus, ihre Kinder in die Turn- und Uebungsstunden des Vereins zu schicken, damit das Wort, unter dem die Veranstaltung lies, überall aufgenommen wird: Macht uns sroh! Der Gesang- verein Freiheitstlänge-Borsigwalde umrahmte die Beranstaltung mit wohlgelungenen Vorträgen. Der Freie Eporlverein Tegel 99 hall für seine Kinderabtellungen an folgenden Abenden Uebungsstunden ab: Für Mädchen Schwimme« Donners- tag». Treffpunkt 18>� Uhr in der Schlieper- Ecke �Berliner �Straße. Knaben trcffer------- und Fr, Freitag Treffpunkt 18>,5 Uhr m der GchUepcr- cac»ernner vlratzc. ben treffen sich Freitag» dort. Turnen: Knaben und Mädchen Mitlwcch Freitag ab 18 Ubr Lnzeum Tegel, Sportplatz. Ringen: Dienstag u»d tag 18 Uhr Gomnasium Tegel. Kleiner Sport von überall Hamburg— Berlin 2:1. Der 34. Fußball-Etädtetampf der bürgerlichen Fußballer zwischen Hamburg und Berlin, der am Bußtag auf dem Viktoria-Sportplatz im f«bürg stattsapd, endete mit dem unverdienten 2: 1-s0: 0)-Siege der Hanseaten, die damit zu ihrem 14. Siege kamen gegen 13 Erfolge Berlins bei sieben unentschiedeneii Begegnungen. Hockeykamps Berlin— Hamburg Z: Z(1:1). Nach ihren bis- herigen vier Erfolgen im Städtekampf mit Hamburg haben sich Verlins bürgerliche Hockeyoertreter in der fünften Begegnung, die in der Hansestadt 2000 Zuschauer angelockt hatte, mit einem unentschiedenen Ergebnis von 3:3(1:1) zufrieden geben müssen. Hertha- BSC. in Dresden geschlagen. Vor mehr als 20 000 Zuschauern stellten sich am Bußtag in Dresden die Mannschaften von Hertha-BSC. und Dresdner Sportcwb zum vereinbarten Freundschaftsspiel. Es gab einen spannenden Kampf und ein hoch- klcrssiges Spiel, das die Dresdener oerdient mit 4: 3 Toren ge- wannen, nachdem sich die Berliner bis zum Seitenwechsel eine 1: 0- Führung erobert hallen. Der Berliner Spichernring bieiet... Nach dem großen Erfolg der deutschen Mittelgewichtsmeisterschaft wartet der„Ständige Vor- ring" in den Berliner Spichernsälen am Frellag, 20. November, mit einem weiteren Kampftag auf. Im Schwergewichtskampf stehen sich Kölblin- Berlin und der Düsseldorfer Wallner gegenüber; Trollmann- Hannover boxt mll Hölzl- Hamm, Boja tritt an Stelle des oerletzten Anklam gegen den Saarbrückener Lauer an und im Einleitungskampf sind Völkner- Berlin und Kreincs- Mannheim die Gegner. Teanis-R»! Sraß-Berll»