Morgenausgabe 7lr. 543 A 223 4S.Zahrgang WochentUch 85 Pf., monatlich 3,60 M. (davon 95 Pf. monattich für Fuftel- hing ins Haus) Un voraus zahlbar. Poftbi'zug 4.32 M. einschließlich SV Pf. Pcnizeitungs? und 72 Pf-PostbesLelloe- bijhren. Auslaudsabonnemen: 6.— pro Monat; Nr Liindcr mit ermäßigtem Drucksachenporto B,— SDL � er„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Kandel mit dem Titel �.Der �lbend" Zlluftrierte Sonntagsbeilage �Bolt und Zeit," Vevttnev Vvttsbiatt Freitag 20. November 1.9�1 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts-15 pf. Die einfpalt. Nonparelllezeile kl) Pf. Rellomezeile 5,— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte),«edes weitere' Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tons. Stellengesuche das erste Wort lb Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmorkt Zeile 60 Pf. Familien« anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme Im Hauptgeschäft Lindenftraße Ä. wachen« täglich von SV« bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor l Jentvalorgan der SozialdemoSratifchen Vartti Deutschlands Redakrion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Ritnfpr.; Tönboik(A 7) 292—297. Tclcaramm-Adr.: So�ialdemolrat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Bostscheckkonlo: BcrlinL? LSK.—Bankkonio.'BanlderArdcilcr.Angellclllcn unL � Beamten, Lindenstr. S Dt.B.u.Disc..Ge!., Dcpositcnr.,J«ru!alenicrElr.ell�>i. Großpleite Ladendorff. Die führende Hausbesitzerbank zahlungsunfähig. Tie Berliner Bnnk für Handel und Grundbesitz A.-G.. Berlin t Kapital Millionen Mark) hat gestern ihre Schalter geschlossen. Tie tlicichsregierung hat die erforderlichen Maftnahurcn ergriffen, um eine ruhige Abwicklung der Bank.;u gewährleisten. Gs ist beabstch- tigt. die Abwicklung durch die Tresdner Bank vornehmen zn lassen. Tie Aeichsregierung wird ,;u diesem Zweck der Dresdner Bank eine Summe zur Verfügung stellen,»m mit ihrer Hilfe eine Bcrcinbarnng mit den Kreditoren der Bank über die Art der Abwicklung her- bcizuführen. Ter Bankcnkommissar Tr. Grnst hat sein Material der Staatsanwaltschaft übergeben. Die Serie der Bcinkzusamineilbruchc ist um einen neuen schweren FfllI bereichert. Er echäit dadurch einen politischen Cha- rakter, daß Vorsitzender des Aufsichtsrats der frühere Zieichsbaitkrat und jetzige w i r t j ch a f t s p a r t e i l i ch e A d g c ordnete Ladendorff ist, der zugleich den Frattions- Vorsitz der Wirtschaitsponei im Preußischen Landtag führt. Außer- dem sitzt im Aufsichtsrat der Berliner deutschnatimmlc Stadtver- ordnete Wege. Z» den Borgöngen üci dieser Bank erklärte der von der Reichs- rogierunst eingesetzte B a n k e» k o m m i s s a r Ministeriaidircktor Ernst, daß die Entwictlung des �njtituts.in den letzten Jahren darchmis ungesund uwr. lirfprütiglich eine Genoffenschast, wirrde die Bank 1924 in eine Atticngeseltschast mit 2 Millionen Mark Kapital unigchrandeU.' Die Reserven hetroge?, setzt eine Million Mark. Dlme daß»ine Erlstihuirg des Kopitals erfolgt wäre,' steigcttc siäf in den letzten sechs Iahren die Bilanzsumme der Bant von 4,9 auf Nl,4 Millionen, fast das Mache des Kapitals, darunter über CO Millionen Mark Einlagen. Die Kuilllenzahl wuchs im letzten Jahr bis auf 36 009 gegen nur 954 im Jahre 1924. Die Ursachen des Zusammenbruchs. liegen in der Kredit- und Aursaugepolitik, die dos Institut mit den Einlcgcrgeldern betrieben Hot. So wurden im Laufe der letzten Jahre die Mitteldeutsche Baden-Äredit-Anftalt in Greiz sowie die Deutsche Realkrcdit A.-G. in Dessau und die Mehrheit der chavag Bersichcrmtgsgcscllschastcn erworben. Die Bank hat bei ihrem kleinen Eigentapital für diese Auskäme 16 Millionen Mark aufgewendet. Mit welcher grenzenlosen Leichtfertigkeit, erhellt daraus, daß die 5 Millionen Mark Aktien der Mitteldeutschen Boden-Kredit- Anstalt über eine&. m. b. ij. erworben wurden, die im Allein- besitz des Vorstandsmitgliedes Seifsert war. Das Kapital dieser G. in. b. H. betrug 590 000 Mark, movon nur 125 000 Mark aus die Anteile eingezahlt waren. Diese kleine Seifsert G. in. b. H. aber erhielt von der Berliner Bank für Handel und Gründl,«sitz Kredit- bis zu 12 Millionen Mark. Die H a u p t v c r! u st q u e l l e der Bank lag in der Ucberbeleihung von Grundstücken. die in der Zwangsoersteigerultg ausgckaust werden mußten und so gut wie keine Verzinsung einbrachten. Herr L-adendorss ist Vorsitzender der Haus- und Grundbesitzer-Partei. Es muß nachgeforscht werden, wein diese Grundstücke gehört haben, aus denen die graßcn Verluste der Bank stammen. Am tollsten sind aber die kriminellen L c r f c h I u n g e n. die in einer beispiellosen Bilanzsälschung bestehen. So sind in der Bilanz für 1930 die lausend gewährten Kredite der Bant mit 62 Millionen Mark ausgewiesen. Es ist einfach verschwiegen, daß darunter auch Grundstücke(!!) mit einem Buchwert von 25 Millionen Mark und sämlliche Beteiligungen eingerechnet sind, wobei die Aktien der Mitteldeutschen Bodcn-A.-G. mit nicht weniger als 200 Proz. zu Buche stehen. Außerdem sind in die Außenstände 10 Millionen Mark Forderungen eingesetzt, die als uneinbringlich gelten müssen. Hier liegt eine Bilanzsälschung allerschwersler Art vor. Zinse» sind als Einzünge verbucht worden, obwohl sie noch nicht eingegangen waren Die Gesamwerpflichtungen belaufen sich aus 73 Millionen Mark. Darunter befinden sich 62 Millionen Mark Einlagen und 12 bis 14 Millionen Mark Lombarddarlehen. Die Verluste stehen noch nicht fest, doch werden sie sehr groß sein. Schon vor drei Wochen konnte die Bank nicht mehr weiter. Das Reich hat vorläufig eingegrisfen und 3 Millionen Mark gegen Sicherheiten zur Verfügung gestellt. Daraus wurden die vordring- Lchstcn Verpflichtungen abgelöst, besonders gegen vierzig Grund- und. Hausbefitzergenossenschaften, die infolgedessen jetzt nicht mehr viel zu.fvrdcrn haben. Als man daraufhin sofort die Lage der Bank prüfte, wurde ihre Kreditunwürdigkcit crkamit. So nahm das Verhängnis seinen Lauf. Wieder hat das Reich es übernehme» müssen, von den be- drohten Sparern wenigstens die erste» Bedrängnisse nbzuwenden. Der Zusammenbruch ist ein politischer Skandal der wirtschaslspartei, ist eine kriminelle Angelegenheit des Direktors Se i f- f e r t und auch des Aufsrchtsratsvorstgenden Laden dorss. Freilich ist es beklagenswert, daß das Publikun» gegenüber so marktschreierischen Methoden— Aschcnbccherreklanic und Prospekte in ollen Hausbriefkästen— so wenig Mißtrauen bewiesen hat. Der Fall der Hansbesitzerbank ist eine neue Lehre, daß spcku- lativen Banken keine Spargeldcr anvertraut werden sollen und daß Sicherheit für Einlagen nur bei gemeinwirtschastlichen und öfsenilichen Banken zu finden ist,, wo die Einleger und ihre Organisationen selbst die Kontrolle ausüben oder der Staat die Haftung hat. Der Fall ist aber auch eine Lehr« dafür, wie sehr die Banker.- k on trolle ein Lebensbedürfnis für Deutschiaich geworden ist. Hätten wir von der Sozialdemokratischen Partei und den Ge- wcrkfchasten schon seit Jahren geforderte Bankeiikonlrolle gehabt, dann wäre keine Ladendorsf-Bank möglich gewesen, wo das Aktien- kapital fast mir ein Fiimzigftcl der Einlagen»ich sonstigen Vor- pflichtiingcn' ausmacht: dann wären solche Buchführungs- und Bilanzschwiirdeleien wie hier einfach nickst möglich gewesen. Der so viel gelästerte„Marxismus" wollte den Schutz der Sparer durch bix Bankcnkontrolle. Aber all«, an der Spitze die Wirtschaftspartei niit. Herrn Ladcndorff, zogen gegen die„Marxisten" los, weil sie die „Freiheit der Wirtschaft" zerstöre», die in Wahrheit mir der Deck- m ä n te l f ü r das gefährlichste S p e k u 1 a n t e n t u m und Aiisbeutextum in Deutschland ist.' Wird das Bürgertum nun endlich umlernen? Eine Frage an die Staatsanwoltschojt: Wird die Staatsanwalt- schost gegen Seifsert und Ladendorfs die notwendigen Schritte tun, nachdem der Bankcnkommissar selbst ihnen das Material unter- breiten mußte? Berichierstattung bei Schultheiß, Ein Finanz- und Zahlungsplan bis 4933. Gestern fand ein« A u f j i ch t s r a t s s i tz u n g der Schultheiß- PatzenHvfer A.-G. statt, in der Dr. S ch i s s e r e r berichtete. Der uitter dem Staatssekretär Dr. Popitz arbeitende Prüfungsausschuß soll Ende nächster Woche seinen Prüfungsbericht erstatten. Ein Ileberblick über die verwickelte Finaiizverhältnisse soll jetzt ge- wonncn sein, so daß zum 31. August 1931 die Bilanz aufgestellt werden kann. Für die Zeit von Ende 1931 bis 31. August 1933 ist ein Finanz- und Zahlungsplan entworfen, der aus den Brauerei- einnahmen finanziert werden fast. Der Bicrabsatz sei normal ge- blieben. Die Abhebung von Einlagen sei wesentlich zurückgegangen. Di« üi die Voruntersuchung einbezogenen Direktoren Sobernheim, Funke und Kuhlmay haben dem Aufsichtsrat ihre Aemtcr zur Verfügung gestellt, der sie aber zur Aufrechterhaltung des Ge- schäftsbetriebes um die Beibehaltung der Aemtcr ersuchte, weil nach Auffassung des Aufsichtsrats sich dieser bis zur Klarstellung durch die zuständigen Stellen einer Stellungnahme zur Personalfrage cnt- halten wolle. Oer Wirtschastsbeirat. Beratungen vor dem Abschluß— und dos Ergebnis? Amtlich wird mitgeteilt: Wie in Aussicht genommen, traten die beiden Ausschüsse des Wirtschaftsbeirats der Reichsregierung om Donners- lagvormitag und-nachmittag wieder zu den Sitzungen der Reichs- kanzlei zusammen. Auf Grund der i» den letzten Tagen statt- gehabten Einzelberatungen zwischen der Reichsregierung und den Ausschußmitgliedern tonnten die Beratungen der beiden Ausschüsse bereits abends zu Ende geführt werden. Eine ab- schließende Sitzung der beide» Ausschüsse, in der Leitsätze zum Wirt- schaftsprogromm der Reichsregierung endgültig festgelcgt werden sollen, ist sür Soniiobcnd oder Sonntag in Aussicht genominen, der alsdann eine Schlußsitzung des Wirtschaftsbeirats unter Borsitz des Herrn Reichspräsidenten voraussichtlich am kommend«, Montag folgen wird. Die Totenliste. Hitlers ungewollte Selbstanklage. Reichslimenminister Groener hat in der Konferenz der Länderminister mitgeteilt, daß„Herr Hitler" ihm umfang- reiches Material über angeblich gegen seine„rauhen Krieger"'\ verübten Gewalttaten übermittelt habe, und er hat hinzuge- fügt, er entspräche einem besonderen Auftrage des Herrn Reichspräsidenten, wenn er gegen diese Gemalttaten und die Mordseuche mit allen Mitteln vorgehe. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß das von Hitler überreichte„Material" im wesentlichen identisch ist mit dem soeben von der Pressestelle der Reichsleitung der Hitler- Partei veröffentlichten, das eine nationalsozialistische„Toten- liste" von 299 aufweist und behauptet, daß allein im letzten Berichtsmonat bei der Hilfskasse 14 Tote und 226 Schwer- verletzte gemeldet seien. Alle diese Opfer— die Richtigkeit der Liste voraus- gesetzt— sind nicht minder zu beklagen wie die Liste der er- schlagenen, erschossenen und sonstwie gemeuchelten Sozial- demokratcn, Reichsbanncrleute oder Kommunisten, die als Opferdernational sozial! st ischenAerhetzu na fielen. Die Liste aus dem Hitler-Stab ist nichts anderes als eine furchtbare Anklage gegen den Hitler-Kurs selbst, der die brutale Gewalt zum politischen System erhob. Wir brauchen nur einen Blick zu werfen auf die wutver- zerrten pathologischen Gesichter der Naziagitatoren, auf ihre mündlichen und schriftlichen Haßausbrüche, um zu missen, daß die Spekulation aus Mäßigung und Menschlichkeit einer sieg- haften Nazisoldateska das denkbar Törichste wäre. Hat nicht Hitler in Person seinen Leuten versprochen, daß am Tage des Sieges in Masse„K ö p f e. r o l l e n" würden?! Hat nicht ein leibhaftiger Vizepräsident des Reichstags, der Nazi Stöhr, davon geschwärmt, daß bei der Begründung des Dritten Reiches durch.Massenerhängungen„die Seilerei einen unge- heurcn Aufschwung nehmen" würde?! In Thüringen betet ein Naziagitator, evangelischer Pastor seines Zeichens, daß Gott„uns eine gute Hanfernte bescheren möge", und ander- wärts verheißen die Agitatoren der Nazis ihren SA.-Leuten: „Die Nacht nach dem Siege gehört euch, sie wird die Nacht de rlangcn Messer sein." Am allerdeutlichsten aber hat der Idee des Massenmordens der Hcimkrieger F r i ck, vor noch gar nicht langer Zeit als thüringischer Innenminister berufsmäßiger Hüter der Ruhe und Ordnung, Ausdruck ge- geben:„Der volksfeindliche Marxismus müsse mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Es sei besser, daß bei diesem Prozeß einige zehntausend marxistische Funktionäre z» Schaden kämen, als daß das Deutsche Bolk an der marxistischen Pest zugrunde gehe." Die Anhänger aber, aufgestachelt durch diese Hetzereien, haben schon längst mit dem Morden begonnen. Erst jüngst haben wir eine lange Liste ihrer Mordtaten veröffentlicht. Es sei aus der großen Zahl nur daran erinnert, wie in der Neu- jahrsuacht zu Bertin durch hinterlistigen Ueberfall die Partei- .genassen Graf und Schneider, wie in Hamburg jüngst das kommunistische Bürgerschaftsmitglied Henning durch meuchlerischen II eberfall ermordet wurden. In beiden Fällen ist die nationalsozialistische Leitung offiziell von den Tätern abgerückt und hat sie faktisch durch Vermittlung der Flucht ins Ausland bzw. durch Stellung nationalsozia- listischer Parteiverteidiger unterstützt. Der„Ausschluß" der Täter ist nur ein rein äußerliches Scheininanöver, damit Hitler weiter die„Legalität der Partei" beschwören kann, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Hat die NSDAP. doch auch die Rathenau- Mörder Techow und von Salomon, die F e m e m ö rd e r Schulz und Heines und andere durch Mordtaten Berüchtigte nicht nur in ihre Reihen auf- genommen, sondern zu besonderen E h r e n st e l l e n be- fördert! Wenn es bei der Abwehr dieses Banditentums auch ein- mal hin und wieder einem Nationalsozialisten an den Kragen geht, dann erhebt sich ein großes Geschrei, und die eben noch vom.Köpserollen schwärmenden Terroristen verwandeln sich in unschuldige Opferlämmer. Aber der übliche Streit, wer „angefangen habe, läßt sich hier durch eine grundsätzliche Erwägung sehr leicht entscheiden. Wenn die National- sozialisten das Reichsbanner des Mordens beschuldigen, so ist zu erwidern, daß die Republikaner Gegner des Terrors sind, daß die Demokratie auch dem Gegner Geistesfreiheit und Meinungsfreiheit zubilligt. Die Demokratie ist in ihrer Ge- somthaltung ontiterroristisch. Dagegen haben die Faschisten den TerrorzumPrin- zip erhoben. Ihr oberster Grundsatz ist es, jeden Gegner Zwanzig Unschuldslämmer! Oer Terror der Raiionalsozialisten ist gerichisnotorisch. durch 2lnUJen&u*ffi,i»4p äz�crstcn Gewalt Methoden zum Schweigen zu KrjchgV- Das gilt nicht etwa nur für den italienischen Faschisinmsv Genau nach dem italienischen Vor- bild hat Hitler am 9. November 1923 in München gehaust. In jenen wenigen Stunden, in denen die Hitler-Putschisten über einen Teil der Gewalt verfügten, haben sie die �.Münchener Post" zerstört, die sozialdemokratischen Münchener Stadträte verhaftet und diese sowie eine Anzahl bayerischer Minister unter Erschießungsdrohungen verschleppt. Sicher würden sie diese Drohungen ausgeführt und noch das Zehn- jache an Greueln angerichtet haben, wevn ihre Herrschaft auch nur drei Tage gedauert hätte. Die bereits erwähnten Drohungen der Hitler. Stöhy, Frick usw. skud der sichere Be- weis, daß sich der Nationalsozialismus seitdem-auch nicht um ein Iota gewandelt hat. Wer hat überhaupt mit den politi- schcn Morden angefangen in Deutschland? Wer hat Garcis, Erzberger, Rathenau ermordet, wer die Attentate auf Scheide mann und Horden verübt? Die Situation ist absolut klar: Die Nationalsozia- l i st c n sind die Angreifer, weil sie den Terror gruird- säszlich bejahen, ihn zur Hauptwaffe ihres Systems erheben. weil sie durch die Mittel des Mordes, der Zerstörung, der körperlichen Mißhandlung jede Gegnerschaft gegen ihre Dilta- tur ausrotten wollen. DieRepublikaner find in der Verteidigung, weil sie den Terror als politische Waffe verwerfen, weil sie die Entscheidung durch freie Willensakte des Volles herbeiführen wollen, die durch keine Zwangsmaß- nahmen beeinflußt find. Wer einmal rückblickend die heutige Zeit betrachten wird, dem wird nur das eine unerklärlich bleiben, warum die Bedrohten nicht fester zusammenstehen. Er wird verständnislos den Aopf schütteln, wenn er registrie- ren muß, daß in diesen Tagen die„Rote Fahne wiederholt schreibt:„Der Hauptfcind für die Kommunisten ist die Sozial- demokratie. gegen sie gilt es, den entscheidenden Schlag zu führen." So kann nur ein Irrsinniger oder ein Betrüger handeln angesichts der faschistischen Gefahr. Die Kommunisten sind Betrüger. Ihre Beweisführung beruht auf dem alten Gauklertrick, ungleiche Dinge gleich zu setzen: die Regierung Brüning-Groener ist gleich einer Regierung Hitler-Hugenberg, die Sozialdemokratie ist gleich Brüning-Groener, also ist Sozialdemokratie gleich Faschismus! Die Ironie des Zufalls will es, daß am gleichen Tag. an dem dies die kommunistische Presse verkündet, ein faschisti- sches Hetzorgan mit der dicken Balkenzeile erscheint:„SPD. gleich LLPD!" Nun also, jetzt ist der Ring geschlossen: die Kommunistische Partei ist gleich Faschismus! Leider wird die irrsinnige Gleichung durch dies neue Glied nicht etwa noch falscher, sondern wieder richtiger: durch ihr Verhalten fördert die Kommunistische Partei tatsächlich den Vormarsch des Faschismus— siehe preußischer Volksentscheid. Geht der Wahnsinn weiter, so werden die bisherigen Toten nur die Vorhut einer noch viel längeren Totenliste sein. Könnten die Toten des Terrors sprechen, sie riefen uns heute zu:„Laßt unser Sterben nicht sinnlos gewesen sein, es gibt nur einen Sinn für unfern Tod: es lebe die Republik!" Verordnung gegen den Terror. Neue preußische Notverordnungen.— Waffeaverbot. Bekämpfung von Hehrednern. Ter preußische Minister des Innern hat am Tonners- tag eine Verordnung erlassen, nach der die V e r ä u ß e- rung von Hieb- und Stichwaffe« an Personen unter 2tt Iahren verboten ist. Zuwiderhandlungen werde» schwer bestraft. Eine weitere Verordnung, die ebenfalls der B c- lämpfung der Mordhehc dienen soll, wird von dem preußischen Innenminister in den nächsten Tagen erlassen werden. Tanach ist für Nedncr, die sich bisher besonders als Mordhchcr hervorgetan haben, ein generelles Redeverbot für ganz Preußen zu erwarten. „Groener gegen die GpO." Ein Klogges-Bencht über die Znnenministerkonferenz. Die am Dienstag in Berlin abgehaltene Konferenz der Innenminister der Länder endete mit dem Ersuchen des Reichsinneninimsters, den Gang der VerHand- lungcn vertraulich zu behandeln. Diesem Er- suchen hat niemand der Konferenzteilnehmer widersprochen. Trotzdem hat sich der braunschweigische Noziminister K l a g g e s nicht an dieses Ersuchen gehalten. Er hat einem Reporter des Berliner Naziorgans eine Unter- redung gewährt, die unter der tendenziösen Balken- Überschrift„Groener gegen die SP D." wieder- gegeben wird und in der es der Ueberfchrtft entsprechend heißt, daß„das Ergebnis der Konferenz als eine glatte Niederlage der SPD. und damit auch Severings anzu» sehen" ist. Dieser Schlußfolgerung fügt das Naziblatt wörtlich fol- gendes hinzu: „In ber sehr nichtssagenden amtlichen Verlautbarung über das Ergebnis der Konferenz heißt es, daß der Terror bekämpjt werden müsse,„von welcher Seite er auch komme". Dieser letzte Passus ist. wie wir a u s b e st c r Li u e l l e. hören, erst in der Reichskanzlei eingefügt worden, in der offiziellen Mitteilung von Groener hat er dem Vernehmen nach nicht gestanden, da Groener, wie gesagt, ganz eindeutig gegen links gezielt hat—, so peinlich es auch der Journaille fein mag, dies feststellen zu müssen." Es entsteht die Frage, ob der Reichsmiiüfter des Innern den Bericht des Naziblattes über die Länderkonferenz, der zum Teil auf Aeußerungen des brauufchweigifckien Nazi- Ministers bzw. auf eine„b e st e Q u e l l e", die wahrscheinlich mit Herrn Klagges identisch ist. zurückzuführen ist. un- widersprochen lassen will. Der vorstand der Zentrumsfrakkion des Reichstags hiell am Donnerstag eine Sitzung ab. in der die politische Lag« und vor allem die Arbeit in den Reichstogsausschüssen besprochen wurde Da jedoch Reichskanzler Dr. Brüning und der Partei- sichrer Dr. Koos an der Sitzung nicht teilnehmen konnten, verzichtete man auf ein« Besprechung der großen polltischen Fragen. In Pirmasens fand vom 30. Okkober bis 3. November ein tandfriedensbruchprozeß gegen 20 Nationalsozialisten statt. Sic hatten einen organisierten vondenüberfall auf das Volkshaus in Lemberg in der Pfalz und auf eine sozialdemokratische Wirtschaft in einem Nachbarort unternommen. Sie hatten dort alles demoliert und mehrere Personen schwer verletzt, sogar Frauen wurden niedergeschlagen, eine Frau wurde niedergestochen. Alle 20 Angeklagte wurden schuldig gesprochen, sie erhielten wegen Landfriedensbrnch 3 bis l 0 Monate Gefängnis. Auf den Spuren von Klagges. Slullgark. IS. November.(Eigenbericht.) Das Stuttgarter Polizeipräsidium wendet, wie leider schon häusig festgestellt werden mußte, bei der Bekämpfung politischer Ausschreitungen sehr eigenartige Methoden an. In ganz Deutschland ist die Verbreitung einer Sondernummer der Bundcszeitung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold mit Berichten von Augenzeugen über die nationalsozialistischen Terrorakte in Braunschweig unbeanstandet vor sich gc- gangen. Ebenso unbeanstandet blieb überall ein vierseitiges Flugblatt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, in dem die Darstellung der Reichsbanner- zeitung übernommen worden war. Dieses Flugblatt wollt« jetzt auch die Stuttgarter Organisation der Sozialdemokratie zur Ver- breitung bringen. Sie reichte vorschriftsmäßig ein Exemplar beim Polizeipräsidium ein, um die vorgeschriebene Genehmigung für die Verteilung zu erlangen. Das Ergebnis war, daß das Stuttgarter Polizeipräsidium das Flugblatt verbot und zwei Kriminal- beamte im Parteisokreiariat des Ortsvereins Stuttgart der SPD. erschienen, um die„Auflage" auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten voni 28. März 1931 zu beschlagnahmen. Da eine solche„Auflage" dort noch gar nicht vorhanden war, blieb dieser Versuch, die Wahrheit zu unterdrücken, ergebnislos. Unter anderem hat das Polizeipräsidinm dos Flugblatt auch deshalb be- anstandet, weil es die Photographien der beiden von den Haken- treuzlcrn bestialisch zugerichtete» Arbeiter enthielt. Wenn das Stuttgarter Polizeipräsidium nicht an der weiteren Anwendung solcher Methoden gehindert wird, so läuft seine Tätig- kcit praktisch darauf hinaus, den politischen Gegnern der National- sozialistischen Partei die wahrheitsgemätze Kennzeichnung des Wesens dieser Bewegung unmöglich zu machen. Kampf den provokaieuren! Sozialdemokratische Anträge im Sächsischen Landtag. Dresden. 19. November.(Eigenbericht.) Die sozialdeti'.okralische Fraktion hat im Landtag folgenden Antrag eingebracht: ,.3m ganzen Lande verstärken sich die Anzeichen für die Vürgerlriegsvorbereltungen der Nakionalsoziallsten.> Höhnisch künden sie für den Fall d«r Machtübernahme die Durch.> i führung eines Massenmordens an. Ihren angeblich ! legalen Kampf in der Gegenwart charakterisieren sie durch blutige Uebersölle aus Reichsbannerlcute und linksstehende Arbeiter Zn Dresden und vielen anderen Orten Sachsens treiben von aus- wärts zugezogene Naziformalionen ihr Unwesen. Passanten werden provoziert und. wenn sie protestierten, brutal mißhandelt. Schwere Exzesse sind die Folge der national. sozialistischen Ausschreitungen. 3n Riesa ist der Reichsbanner. mann Wolf bestialisch ermordet worden. Der Landlag wolle daher beschließen, die Regierung zu beauftragen: t. die uniformierten Naziformationen sofort zu verbieten: 2. mit allen Mitteln die T e r r o r a kl e der Nationalsozialisten zu unterbinden: 3. die Polizei, und Verwaltungsbehörden in gleichem Sinne anzuweisen*" Hetze gegen das Reichsbanner. Ein neuer Schwindel der Rechtspresse. Wir erhallen folgende Zuschrift von H. Prinz zu Löwenstein: ,Hn der Abendausgabe der„Deutschen Zeitung" vom 11. Ro- vembcr finden sich unter der Ueberschrift„Rotmord und Reichsbanner Arm in Arm" Behauptungen, die zum Teil völlig erfunden, zum Teil stärkstens verdreht sind. So wird z. B gesagt, daß anläßlich einer Reichsbannerkundgebung in M e f e r i tz, in der ich sprach, der Rotfrontkämpferbund am Saal- schütz des Reichsbanners beteiligt war. Diese Behauptung ist u n- wahr. Zutreffend ist lediglich, daß viele Komiministen erschienen waren, was sich schließlich nicht oerhindern läßt. In meinem aus- sührlichen Schlußwort betonte ich auf das nachdrücklichste, daß das Reichsbanner gegen die Staatsjeinde von links mit der gleiche» Schärfe kämpfe, wie gegen die Bedrohung der Republik durch die Nationalsozialisten und ihr Gesoige. Die Sonntagsausgabe des„Tag" vom 16. November bringt unter der Ueberschrift„Zentrum und Reichsbanner" ähnliche Be- hauptungcn wie die„Deutsche Zeitung", doch wird hier sogar gesagt. die Kommunisten hätten„auf Aufforderung des Reichsbanners" den Saalschutz übernommen. Die Gründe sind offensichtlich: es handelt sich um einen der bekannten Versuche, die Reichsbanncrparteien gegeneinander auszuspielen. Wenn die Rechtspresse aus der Tatsache, daß die Versammlung ruhig verlief, den Schluß zieht, Reichsbanner und Kommunisten arbeiteten zusammen, so zeigt dies nur, daß sie Versammlungen, in denen nicht geprügelt wird, für unnatürliche und bösartige Ereig- nisse hält." Oer Mord von Neumünster aufgeklärt. Oer Kommunist Weißig gesteht.— Oie KPO. schließt ihn aus. Ncumünstcr, 19. November.(Eigenbericht.) Der in Neumünster unter dem Verdacht der Ermordung eines SA.-Manncs verhaftete K o in m u n i st c n f ü h r e r W e i h i g hat gestanden, die tödlichen Schüsse abgefeuert zu haben. Weißig ist inzwischen aus der KPD. a u s g e f ch l o s s en worden. Sperre für den Lehrerberuf. Mus pädagogische Akademieu geschlossen. Da die allgemeine Finanzlage ebenso wie die Notlage der Zunglehrer zu Einschräntungsmaßnahmen auch auf dem Gebiet der Lehrerbildung zwingt, hak die preußische Staalzregierung, wie der Amtliche preußische Pressedienst mittelt. beschlossen, im Etatsjahr 1932 die Zahl der pädagogischen Akademien von IS aus 10 herabzusehen. Demgemäß stellen die pädagogischen Akademien Stettin, Eotlbus, Erfurt, Kassel und Altona Ihre Tätigkeit ein. Auch bei den aufrechterhaltenen Akademien in Elbing, Frank- s u r t(Oder), vreslau. veukhen, Halle, Kiel, hau- novcr, Dortmund, ponn und Frankfurt(Main) finden im Zahre 1932 Neuaufnahmen nicht statt. Diese Sparmaß- nahmen lassen Zdee und Form der neuen preußischen Lehrerbildung grendstitzlich unberührt. Dieser schwerwiegende Entschluß der preußischen Regie- rung ist nicht zuletzt auf die Forderungen des Reichs zurück- zuführen, dos die Länder zu weitest gehenden Einsparungen zwingt. Daß dabei auch der planmäßige Aufbau der Lehrer- bildungsanstalten leiden muh, ist nach mehr als einer Richtung zu bedauern, vor allem auch, weil er praktisch den Zugang zum Lehrerberuf auch den berufensten unter den Anwärtern für längere Zeit sperrt. Immerhin bleibt mit Genugtuung festzustellen, daß das System der Lehreraus- bildung, wenn auch beschränkt, sv doch in seinem Aufbau er- halten"wird. Die reaktionären-Pläne, an Stelle der Akade- mien wieder die früheren Seminare zu setzen, sind glücklicher- weise abgewehrt. Im Interesse des Schulfortschritts hoffen wir, daß das endgültig fein wird. Oie Abwehr der Arbeiter. Eine Solidaritätserklärung gegen die Hetzer. Köln, 19. November.(Eigenbericht.) In einer wirts-lzoftspolitifchen Kundgebung der Kölner christlichen Gewerkschaften erklärte der Geschäftsführer des Gesamtvcrbandes der chrrstlichen Gewerkschaften für Westdeutschland, Jakob Kaiser, bei einer Besprechung der politische� Situation: „Alle Gutgesinnten müßten mit allen Kräften der hetze gegen die deutsche Arbeiterschaft Einhalt tun. Die christlichen Gewertschasten seien wie immer in ihrer Geschichte nicht für eine einseitige Interessenvertretung, sondern zu positiver Arbeit im Dienst des Voltsgauzen bereit, wenn es aber hart auf hart kommen sollte, dann müsse man sich darüber klar sein, daß sie au, der Seite ihrer Kollegen von link, stehen würden." Die Kundgebung schloß mit der Annahme einer Entschließung, in der es heißt, daß die Regierung Brüning nicht rechtzeitig alle Maßnahmen zur Erhallung der Äouflraft der breiten Massen er- griffen habe. Es wird gefordert, daß mit Lo h n k ü rz u n z e n und neuen Massenentlassungen endlich Schluß g e- macht werde. Hugenberg-Ouvertüre. Ein Stoß gegen Brüning zum Beginn der Verhandlungen. Herr Hugenberg sprach gestern abend im Sportpalast. Seine Rede richtete sich gegen das Zentrum. Gegen Brüning sagte er: „Wenn er die Kritik der Rechten dadurch entkräften will, daß er sie zu- Mitschuldigen aufruft, so ist das ein lächerlicher Trick. Er zwingt uns dazu, auf eine der Unrichtigkeiten öffentlich hinzu- weisen, von denen die Zentrumspolitik der letzten zwei Jahre aotragen war: die Herren Graf Westarp, Treoiranus, Mumm. Hartwig. Lambach. Schlange, Schiele usw.. die sich damals vom Zentrum ebenso haben einwickeln lassen, wie das Zentrum heute liebend gern einige Führer der heutigen nationalen Opposition einwickeln möchte, die sitzen jetzt bei ihm." Zu den außenpolitischen Verhandlungen führte er aus: „Das Zentrum war es, das trotz allem vorherigen Nein- gcrede beim P o u n g- P l a n den Ausschlag für das Ja gab, wobei es gleichgültig ist, ob das Nein oder das Ja ein unehrliches war.... Der Zentrumskanzler ist es jetzt auch, der sich zur Beantragung des Poung-Ausschusses drängen ließ, also zu einer erneuten Anerkennung des Poung- Plans und damit zu einem neuen falschen Ausgangspunkt der Verhand- lungcn. Der Zentrumskanzler ist es. der vielleicht sogar mit dem Gedanken liebäugelt, bei der Entscheidung über einen dritten Tributplan die nationale Opposition auseinanderzusprengen." Das ist ein« vielversprechende Ouvertüre zu den wichtigen außenpolitischen Verhandlungen, die jetzt eröffnet werden! Reichsgmchi! Hugenberg-Redakteurfreigesprochen- trotz derllnterstellung der Retuschierung gegen Severing. Leipzig, 19. Navemier. Unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Witt verhandelt� am Donnerstag der zweite Strafsenat des Reichsgerichts die Re- vision des Schriftleiters Rudolf F l e m m i n g w o m„Tag" gegen das Urteil des Landgerichts I Berlin vom 19. Februar 1931. Der Senat hat das Urteil aufgehoben und hat den Angeklagten Flemming in vollem Umfange freigesprochen unter Ucbernahme der Kosten— einschließlich der notwendigen Auslagen des Angeklagten— auf die preußische Staatskasse. Es handelt sich um den im Anschluß an den Volksentscheid am 31. Oktober 1929 im „Tag" veröffentlichten Artikel Hugcnbergs„Die erste Schlacht", in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, daß an dem Ergebnis „nicht allzuviel retuschiert" und aus dem Ergebnis nicht allzuviel herausgerechnet werde. Die Begründung des Frei- spruchs behauptet, der Personeukreis, der als beleidigt angesehen werden könnte, sei zu unbestimmt. Auch die möglicherweise gemeinten sozialdemokratischen Beamten könnten nicht als fest- umriffene Personengruppe angesehen werden. Nr. 543• 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Freitag, 20. November 4934 Bö'ß: Schuldlos und doch schuldig Berlins Oberhaupt sah zu wenig--- Heute Schultz im Sklarek-Prozeß Nach der stürmische« Ouvertüre, mit der RechlsanwaU Dr. Pindar. Sklareks Verteidiger, die gestrige Sitzung einleitete: „Oberbürgermeister. Bürgermeister, Stadträte hätten sich um Sklareks Sektkübel gedrängt, verlies die weitere Vernehmung des ehemaligen Oberbürgermeisters V S tz verhällnismätzig ruhig und nüchtern. Der Vorsitzende, Zlmtsgericht-rat Sehner, hatte nicht ganz unrecht, als er das Ergebnis de» Tages mit den Worte« zu- sammenfahte:„Zch halte groh gedacht, was sich hier ereignen würde, der Oberbürgermeister hat doch nicht viel gesagt, während Sie szu de« Angeklagten Gebrüder Sklarek gewendet) doch immer behaupte« haben, er habe alle, gewuh«* Worauf Leo Sklarek nur mit einer breiten Handbewegung sagen konnte»„Da» kommt, weil Max Sklarek hier fehlt", während Willi Sklarek, wie immer, mit Haltung erwiderte:„Zch habe nur gesagt, dah der Oberbürger- meister gewuh« habe, dah wir geschädigt worden seien. Mehr habe ich ja nicht behauptet." Löh hat tatsächlich gestern nicht allzuviel sagen können. Doch das. was man von ihm zu höten bekam, genügte, um sich ein ungefähres Bild zu machen von seiner Persönlichkeit und von seiner Unkenntnis über gewisse Ding«, die um ihn vor- gingen. Der Spruch des Obervsrwaltungsgerichts, der ihn von den Vorwürfen, die gegen ihn persönlich erhoben wurden. frei sprach, mag schon richtig sein. Das war auch der Eindruck des gestrigen Tages. Daß aber unter seiner Leitung in Berlin sich die Sklarek-Assäre zu dem entwickeln konnte, wozu sie schließlich geworden, davon wird man ihn nach seiner gestrigen Aussage nicht ganz sreisprechen können. * Man begriff schon, wenn Boß mit kaum verhaltener Empörung die Fragen beantwortete, die stch aus die ongeb- Ilchen„Geschenke" bezogen, die er erhalten haben sollte. Gs sollte er zum Beispiel von Herrn Nooarka 50 bis 60 Meter Hemdenstoff zum Preise von l M. pro Meter bekommen haben, während der wirkliche 5 oder 0 M. pro Meter betrug. Die Sache liegt vier» zehn Jahre-zurück, und Novarra hatte den Hemdenstoff auch selbst für 1 M. je Meter geliefert erhalten. Als Unsinn bezeichnet Oberbürgermeister Böß die Behauptung, er hätte von der VAG. die Ausstattung für seine Töchter im Werte von 80 000 M. ae- tauft und sie von seiner grau mit einem Scheck aber aoöö M. bezahlen lassen! ein von ihm angestrengter Beleidigungsprozeß habe das Unrichtige dieser Behauptung ergeben. Aber das Spendensystem... Das im Sklarek-Prozeß viel besprochene„S p e n d e n s y st e m" des Oberbürgermeisters Böß verursachte gestern im Gerichtssaol heftige Auseinandersetzungen. Boß bestritt ein solches System. Er habe sich wegen Spenden für Wohltätigkeitszwecke nur an einen geringen Kreis von Personen gewandt, bauptsächlich an die Leitet dersenigen Großbetriebe, He mit den Gas-/, Wasser- und Elek- trizitätswerken in Verbindung standen keineswegs aber Presse /dos zu, was man über dt« Tätigkeit seiner F r a u in dieser Beziehung gesagt Hab«. Trotz ihrer physischen Zartheit sei sie treppauf, treppab In die Ouartiere der Armen gelaufen und Habs die Kinder bei der 1 KBV. eingekleidet,..wenn man da» HSrl", ruft vöß aus»«was hier behauptet wurde, da erhält man erst einen richtigen Begriff von der Niedertracht unserer Zeil." Es bestand ein Mügtstkötsbeschluß» laut dem säinlkiche Mit- glieder des Mogistrats Spende» nur über die Hauptkass« der Stadt gehen lassen durften, Wer anders handelte, wie zum Bei- spiel H a e b e l. handelte inkorrekt, Ueber sämtliche Spenden wurde Puch geführt, das Verfügungsrecht stayd dem Oberbürgermeister zv. Wenn abet* Firmen Spenden gemacht hätten, Nur um Aufträge zu bekommen, so hätte rr(Böß) ihnen di« Tür gewiesen H»er kommt es zu einem Zwischenfall. Bäh fühlt sich durch dre Frage des Vorsitzenden gekränkt:„Liesen Sie nicht auch Ge- fahr, daß man Ihnen die Tür wies wegen der Spenden? Einig« Firmen lollen sich doch sogar über die Schnorrerei beklagt haben." Nach einer tieinen Auseimmöersetzung mit Böß erklärt der Borsitzende, er habe nicht die Absicht gehabt, ihn zu beleidigen. Auch während der weiteren Vernehmung des Oberbürger» Meisters kommt es wiederholt zu ZwischensSUen wegen der be» leidigenden und verletzenden Art, tn der die Verteidiger an Böß Fragen richten. Der Vorsitzende ist gezwungen, ihn tn Schutz zu nehmen. Das ist zum Beispiet der Fall bei der Erörterung des Besuchs» des Oberbürgermeisters Böß bei dem Gehetmrat E l I ch n e r vom chotei Exelsior auf dessen Gut in Betchtesgaden. Die Verteidigung will wissen, ob das Nach UntertuNnelUng der Stresemannstrahe gewesen ist. Böß besäht das. Er bestreitet aber, daß dieser Besuch mit der Untertunnelung im Zusammen- hang stehe; er und seine Familie hätten schon jahrelang vorher mit der Familie Clschner freundschaftlich verkehrt. Er würde auch heute nicht anders handeln, trotzdem der Besuch in Berchtesgaden mit der UntertuNnetung der Stresemannstrahe in Verbindung gc- bracht wird.„Gegen Lüge und Verleumdung der Mensche» ist man ja wehrlos." Böß und der Monopolvertrag. Der Porsitzende wendet sich nun dein Komplex K i e b u r g und KVG. zu. Böß bestreitet, irgend etwas unternommen zu haben, um Kieburg zu schützen. Wenn kieburg mit ihm renommiekt habe, so bloß, um sich wichtig zu tun. Auch er habe den Eindruck, daß Kie» WlaMentumter im Sdtach «m Butzfag fand im Gewerkschafichaus am Enfteluser«in MässeniBskord'KaMpf»n 200 S ch a ch b �e t t e r n zugleich statt. Unser Bild zeigt Spielergruppen von der Masssn- schächversnftaktung. bürg, nachdem er von seinem Posten abgesetzt worden war, ändere Personen verleumdet habe. Daß durch Kieburg? Geschäft?- sührung Löcher entstanden seien, die durch Sklareks gedeckt werden sollten, habe et Nicht gewußt. Böß bestreitet auch, von Beschwerden gegen Beamte der BAG. Kenntnis erhalten zu hoben. Daß die Sklareks die Betrogenen sein wollen, habe er erst au» den Zeitungen erfahren, Wenn die Sklürets ein Darlehen in Höhe vön 300000 Mark von der Stadt erhalten haben, nachdem sie erst vor kurzem ein Darlehen bekommen hotten, so sei das nicht zu rechtsartigcn. Ebensowenig sei das Zustandekommen des M o n o p o l o e r- trogs gutzuheißen. Man fei in der Stadt grundsätzlich gegen Monopolverlräge gewesen, insbesondere gegen Bindungen ans Jahre hinaus. Wenn Gacbel behauptet, daß der Abschluß im Interesse der Stadt gelegen hobt, so sei das falsch. Er, Böß, sei van der ganze» Sachlage erst viel später durch Schalldach unterrichtet worden. V»rs.: Di« Sklareks haben sich übrigens gerühmt, daß bei ihren Geschäften alles glatt gegangen sei, während es über andere An- gelegenheiteil im Magistrat immer große Debatte» gab. Sie wollen auch immer gewußt habe», wie gestimmt werden würde.— Böß kann sich nicht denken, daß ein Magistratsverireter seine Meinung vorher festgelegt habe» könnte.---- Vors.: Es ist hier auch behauptet worden, daß sich prominente Mitglieder des Magistrats zu Skia- rets Sektkübetn gedrängt haben? Böß kann sich auch das nicht denken. Der Vorsitzende meint dazu, daß der Zeuge sich auch die Beziehungen Schneiders zu Sklarek Nicht habe vorstellen können. Es sei aber zum Beispiel Tatsache, daß Magistratsinitglic- der wie B e N N e ck e, SchÜniitg Und Z a n g e m e i st e r von Skia- reks Geld erhalten haben.„Aber nicht für persönliche Zwecke/' sagt Böß.— Vors.! Und Sie können stch auch nicht erklären, wie es kam; dah die Sklareks die vegünstlgsten Kinder des Magistrats wurden?— Böß äußert sich auch sehr lobend wie er das schon vorher über die Arbeit von Schneider getan hatte— über die Tätigkeit des Angeklagten K o h l als Bürgermeister, er nennt ihn den tüchtigsten städtischen Beamten. Leo macht wieder mal Krach. � Rechtsanwalt Dr. ÖuUüs Meyer I richtet an den Oberbürger� Meister die Frage, wie es eigentlich gekommen sei, daß die Sache Sklarek erst während seiner A m e r i t a r e i s c zum Klappen gekommen sei. Als Leo Sklarek dazwischen rusl:„Bürgermeister Schoih wollte doch Oberbürgermeister werden." sährt ihn sein Verteidiger Melier stark uni„Verhalkeu Sie sich doch ruhig!" Vöß kann keine Erklärung dafür geben, meint aber, er könne sich Nicht denken, daß lNllN scholl vorher dwns von der Sache gewußt habe. Jedenfnils hätte er gleichfalls gegen Sklareks Anzeige erftatikl, wenn ihm dos bekannt geworden wäre, was dekannt geworden ist. Jetzt muß sich Leo Sklarek Lust»lachen: Er Nennt Bürgernicisier Schoih eineit Intriganten, Scholtz sei es, der für olles verantwortlich ist, er habe zehn Millionen in Grund und Boden getreten, Arbeiter brotlos gc- macht, indem«r es zulN Konkurs kommen ließ. Man Hab- den Bürgermeister im B-leidigungsprvzeß, den Scholtz angestrengt hat. gedeckt, weil die Mäglskralsbeamien fiirchteien, er könNle Oberbürgermeister werden! er Hab« aber nur drei Stimmsn in der Stodtverordnetenvorsammlung bekommen, denN er eigne sich vielleicht zum Volksschullehrer, aber nicht zum Oberhaupt von Berlin.... Bei der heutigen BrrnchMung de» Bürgermeisters«choitz, de? als erfler Zotige' NN der ttzcchs Ist,(Tnßmwn Lea Skiä?ek'>t'och' hef � tigere Anssälls zu erworten. Jagdschloß Glienicke unter dem Hammer. Jut Jagdschloß Äuenicke findet heute uns», argen eine ZwaNgSvöll st reckung zahtreicher Kuliftgegenstände statt. Bei der Borbesichtigung, die gestern siottsaud, bemerkte man, daß all zahlreichen Gegenständen gleich mehrere Anitssiegcl ktebtell- Es kommen Gegenstände aus dem persönlichen Besitz ve? vSrslorbe>e>t Prinzen Friedrich Leopold zur Bersieigeklmg als auch historische Sachen aus der Zeit des Prinzen Friedrich Enrl. „Auch der lltrieg wird einmal zu Ende sehen", jagte sie ruhig,„irgendwann einmal. Und dann?--- Dann wird man langsam und mühevoll anfangen, wieder aufzubauen, was da draußen zertrampelt und zerfetzt wurde. Alles das, was wir heute in den Schmutz treten, die Kultur, die Kunst, die Wlffen« schalt � das wird man dann nötiger brauchen, als jemals!" „Wissenschaft! Wenn ich bloß das Wort höre, wird mir übel!" Der Feldgraue schlug erregt auf den Tisch...Nennen Sie denn das Wissenschaft, in uraltem Papierwust zu wühlen? � Wollen Sie mir vielleicht einreden, daß Sie, ein junger, frischer Mensch, davon befriedigt werden?" Germaine lächelte.„Ich Hab- schon tn manchem Papier- wüst gewühlt— und doch bin ich ein Kind unserer Ze,t wie Sie! Ich liebe die Gegenwart, obwohl ich den Krieg verab- scheue— jawohl"— ihre Augen flammten plötzlich auf—. „ich verabscheue den Krieg, da lasse ich Mir gar nichts drein- reden! Ich halte ihn für einen Wahnsinnl Lassen Sie mich bitte ausreden, und ihr, macht gefälligst Nicht so empörte Gr- sichter! Sehen Sie", sie wandte sich wieder dem jungen«ol- datcn zu,„ich gebe Ihnen gerne zu. daß ich mir was Schöneres denken kann, als ein Semester lang die Eulalia- sequenz durchzukauen. UltOtu, pulcpllä fiit Eulälin, ah, ihr Götter, ich glaube, das vergesse ich nicht bis an mein seliges Ende." Die anderen lachten und klatschten Beifall. „Na also!" „Trotzdem muß ich gestehen, daß mich das Sprachliche immer sehr interessiert hol, bloß darf es eben nicht überhand nehmen. Und es Ist ja auch, wie überhaupt das Historische, nur ein Teil der Philologie. Ich habe jedenfalls eine ganze Reihe moderner Borlesungen delegt. Dos Historische, das Grammatikalische, die Sprachgeschichte— du lieber Himmel, da setzt man sich eben mal ein paar Nachmittage konzentriert hin, bis man das intu» hat. Und in der übrigen Zeit studiert man, was man gerne hört." „Sie ist eine wifsenschastkiche Leuchte!" fiel jetzt die hlaffs Studentin� die ihr gegenübersaß, ein und warf einen Bkis, der aus Neid und Bewunderung gemischt war, durch ihre Brillengkäser auf Germoine.„Seit drei Semestern büffle ich Althochfesutsch aber Lie a» und die ja- und die ÄN- Und die ö' Und die!-StamMö und wer weiß, was es noch für welche gibt---- keinen Dunst Habs ich davon! Germain« hat bloß ein Semester gehört, und dnvon bat sie noch so und so oft getchwänzt, aber sie rezitiert das HtldevrandUed und das Muspilli, als Hütts sie bereits in der Wiege Althochdeutsch gesprochenl" Germaine beugte sich lochend hinüber und hielt Ihr den Mund zu.„Und doch gebe ich Ihnen tn einem Punkt recht", fuhr sie fort,„wir Hoven tatsächlich zu viel koten Kram hier. Aber das liegt nicht an der Phitsiogis allein, sondern unsere Universitäten überhaupt, so wie sie jetzt sind, und die Methoden, die man hier anwendet, sind erstarrt und veraltet. Es gibt noch genug Professoren, die uns bloß als unliebsame Zugabe und ihre Lehrtätigkeit als UNerkvl'iNschte Unter- brechung ihrer Arbeiten ansehen! Was bei diesen Bor- lesuNgen dann herauskommt, kann man sich ja att den Fi», gern abzählen! Aber diese Klagen und diese Forderungen sind nicht neu, sondern schon ein paar Jahrzehnte alt. Vielleicht gibt es nach dem Krieg eine Reform ich würde sie jeden» falls begrüßen!" Sie"brach ab. Draußen erschollen laute Rufe.„Extrablatt!"„Extra» blatt!"„Großer Sieg!"„Ungezählte Gefangene!" „Hurra! Hurra!" ertönte es von allen Seiten. Am Eingang gab es ein Gedränge, weil einige Studenten, die soeben hereinstürmten, den Hinauseilenden den Weg vcr- sperrten! „Kinder, jetzt haben wirs bald geschafft I" „Nur so weiter, dam, ist bald Schluß!„Hurra! Hurra!" Eine Welle von Erregung und Begaisterung hatte die jungen Menschen erfaßt. Und dann brauste es Hundert- stimmig durch den Saal:„O Deutschland, hoch in Ehren, Du heil'ges Land der Treu.. Germaine sang'nicht mit. Unbemerkt schiüpste sie durch die kleine Tür. die von der Rückseite des Gebäudes nach den Anlagen führte, ins Freie. Nur wenige Schritte noch, und sie stand am Fluß. In den letzten Tagen mar Hochwasser gewesen, aber nun war der Wasserstand gesunken. Trotzdem war die Strömung immer noch reißend genug. Da und dort führte sie entwurzelte Bäume. Aeste. Holzplonken mit sich. Germaine schritt über die alte Brücke und blickte lange hinüber zu den Bergen, die»jon den Flußufern ausstieget,. Dann ging sie hin zu der kleine», Bootsverlcihslelle. „Eine halbe Stunde", sagte sie zu dem alten Fischer, der ihr wie immer, freundlich zunickte.„Für Mehr reicht mein Taschengeld leider nicht! Aber rudern muß ich heute!" 10. Seit Tagen klirrt die Luft vo», Frost und Kälte. Nun aber streicht der Südwind durch die Straßen. Die Bäume tropten von Nässe, die Wege sind ausgeweicht. Eil, Hauch van Frühling weht über die Stadt und läßt vergessen, daß erst Weihnacht ist, daß der Winker noch vor der Tür steht. Germ» tue liegt in unruhigem Schlaf. Sie träumt, daß irgendwo in der Ferne eine Pfeife schrillt, scharf»no be- fehiend, und daß dieser To», ihr gilt, daß er ei» Signal ist, das sie herausreißen will aus allem,>vas sie umgibt, aus dem Zuhause und den, Studium. Jäh fährt sie in die Höhr. Der grelle Ton der Klingel gellt durch das Haus. Germaine knipst das Licht an und wirft einen Blick auf die klein« llhr, die auf dem weißen Nachttisch steht. Kaum �7 Uhr. Im gleichen Augenblick fällt ihr ein, daß heute der erste Weihnachtsfeiertag ist, und ei», festliches, erwartungsvolles Gefühl nimmt von ihr Besitz. Wieder schrillt die Klingel. Das kann mir ein Telegramm oder ein Eilpaket sein. Ja, das Ist bestimmt das Weihnachts- paketchen au» Genf, das sie gestern abend»»ergebiich unter ihren Geschenken gesucht hat. Die gute Maden, oiselle Chalu- meau— was mochte sie wieder fiir sie ausgesucht oder gc- arbeitet haben! Rasch wirst sie einige Kleidungsstücke über. Dann assnet sie leise die Haustür und eilt zum Gartcntor. Aber draußen sieht sie im fahlen Licht der Laternen die Umrisse zweier Gr- stalten in Zivil. „Bitte, öffnen Sie uns, gnädiges Fräulein", tönt eine ruhige Stimme.„Entschuldigen Sie die frühe Störung, aber wir müssen Ihre», Herrn Bruder.sprechen. Kriminalpolizei." Und im gleichen Augenblick blitzt eine Taschenlampe und beleuchtet die Erkenn,»tgsnmrkeu. „Dos muß irgendeine Verwechslung sei». Meiiz Bruder schläft in seinem Zimmer..." Germaine setzt sich in das kleine Korbsofa der Diele und weist aus die beiden StiU'le. „Bitte, führen Sie uns in sein Zimmer", unterbricht sie der eine Beamte.„Unv, gnädiges Fräulein, regen Sie stch nicht aus! Ihr Herr Bruder hat einen richtigen Dummen« jungenstreich verübt, weiter nichts."(Fortsetzung folgt.) Lachen im Stadtparlament Wie echte Nazipoesie aussieht*•* Flatau verteidigt Nachrichtenamt „Tod den Schupos." Harte Strafen für kommunistische Wandmalerei. T>c& Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilt« gestern die Kam- munistcn Risch und Genossen, die in der Nacht vom 8. zum 9. August dieses Jahres an die Wand des Hauses Hagenauer Str. 18 die Aus- schrift�angemalt hatten:„Für einen erschossenen Arbeiter fallen zwei Schupooffizicre! Ratfront RFB. lebt. Nimmt Rache!" wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und wegen Verstoßes gegen das Schußgeseß zu folgenden Strafen: Den 21jährigen Max Risch und den 22jährigen Haus T o m a l e zu je 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis, den 81jährigen Fritz W ö cf e l zu 3 Jahren 6 Monaten, Jeremias Süßer, 28 Jahre alt, zu 4 Jahren, den 19jährigen Alfred F a n j e- low zu 2 Jahren, den 18jährigen Hans K u n tz s ch zu 3 Monaten Gefängnis. Der 24jährige Schneider Emil Becker wurde freigesprochen. Die Angeklagten Risch, Tomale und Wöckel hatten bereits eine Woche vorher, am 31. Juli d. I., den Fahrdamm vor dem Hauße Wcißenburger Straße Ecke Franfeckiftraße mit der Anschrift versehen: Schupos, schießt ihr uns nieder, schießen wir wieder. RFB. lebt, Rotfront!" Auch diese Tat stand zur Anklage. -K -Das Schössengericht Berlin-Mitte hat ein äußerst scharfes Urteil gefüllt. Die Angeklagten können sich dafür bei den Leuten bedanken, die erst vor wenigen Tagen unter dem Druck der politi- schen Verhältnisse, der Verbotsgefahr für ihre Partei, sich endlich entschlossen haben, ihren Parteigenossen den individuellen Terror aufs strengste zu verbieten. Auf die Höhe der Strafen mag auch der .Umstand nicht ohne Einfluß geblieben sein, daß schon am 9. August die von den Angeklagten hingeschmierten Drohungen auf dem Blllowplatz verwirklicht, die Polizeihauptleute Anlauf und Lenk ' durch Schüsse getötet und der Polizeioberwachtmeister Willig schwer verletzt wurden. Einen Bärendienst erwies auch den Ange- klagten einer der Verteidiger, der, anstatt bei den Richtern um Ver- ständnis für die verhetzten Opfer, die auf der Anklagebank saßen, zu plädieren, ihr Tun in einer Weise entschuldigte, ja zu oerherrlrthen, für notwendig befand, daß ihm aus Antrag des Staatsanwalts das Wort entzogen wurde. Arbeiisloser bricht zusammen. B/utsturz eines jungen Menschen auf der Straße. Vor dem 5)ause Grllnthalcr Straße 7 im Norden Berlins brach gestern abend der 25 Jahre alte Wilhelm Schlief leblos zu- fammen. Passanten schafften den Bewußtlosen zur nächsten Rettungsstelle in der Badstraße, wo er gleich nach seiner Einliefe- rung starb. Ein B l u t st u r z und ein hinzugetretener Herzschlag hatten dem Leben des schwer an Tuberkulose leidenden jungen Arbeiters ein Ende bereitet. Wilhelm Sch. ist ein Opfer der ent- fetzlichen Notzeit geworden. Seit langer Zeit arbeitslos, konnte er seinem schwertranken Körper nicht die Pflege angedeihen lassen, die nötig gewesen wäre. Seine Angehörigen leben selbst unter schlechten Verhältnissen, es konnte fast nichts für den Jungen getan werden. Schande der Menschheit. Schreckensszenen auf dem elektrischen Stuhl.- Minuten- lange Todesqualen. Thikago, 19. November. � Skandalöse Vorgänge spielten sich bei der Hinrichtung von vier Verbrechern aus döm elektrischen Stuhl in dem hiesigen Gefängnis ab. Dieser elektrische Stuhl war neu, aber mangelhaft aufgebaut worden. Nachdem der erste Todeskandidat den Stuhl bestiegen hatte, wurde der Strom eingeschaltet. Der Tod trat jedoch nicht sofort ein. Zum Entsetzen der etwa löll Anwesen- den. die von außen die Szene beobachteten, krümmten sich die Füße des Delinquenten, da der Henkersgehilfe vergessen hatte, sie anzu- binden, unter entsetzlichen Oualen. Ein zweites Mal wurde der elektrische Stroin eingeschaltet, und erst nach vier Minuten trat der lad ein. Um den zweiten Verbrecher ins Jenseits zu befördern, waren acht Minuten notwendig. Für den Tod des dritten brauchte man sechs und für die Hinrichtung des vierten ebenfalls sechs Minuten. Bei richtigem Funktionieren des elektrischen Stuhls hätte der Tod nach Einschaltung des Stroms sofort eintreten müssen. Wildgewordene Kuh rast alles nieder. Eine Krau schwer, zwei Kinder leicht verleht. Bei einein Viehtransport in Lichtenberg kam es gestern nachmittag zu einein ausregenden Zwischenfall. Eine Kuh riß sich los und raste durch die Straßen. Eine Frau wurde von dem Tier zu Boden getreten und schwer verletzt. Zwei kleine Kinder wurden gleichfalls umgerannt, glücklicherweise erlitten sie aber nur leichte Verletzungen. Kurz nach 13 Uhr hielt vor dem Hause Wilhelmstraße 70 in Lichtenberg ein Viehtransportwagen, um für eine dortige Molkerei mehrere Kühe abzuliefern. Eins der Tiere, das förmlich vom Wagen gezerrt werden mußte, wurde plötzlich wild und schlug um sich, so daß die Transporteure das rasende Tier nicht mehr halten konnten: Die Kuh lief durch mehrere Straßen. Eine �8 Jahre alte Frau W. aus der Walderseestraße wurde von der rasenden Kuh zu Boden geschleudert und mit den Hufen getreten. Zwei Kinder, die dicht daneben standen, und gleichfalls umgerissen, erlitten leichte Abschürfungen. Die schwerverletzte Passantin mußte ins Lichten- bergcr Lzubertuskrankenhaus gebracht werden. Einige Zeit später tonnte die Kuh von mehreren Männern eingcfangen werden. Der Männergesangocrein der BVG. Mitglied des DASB.) veranstaltete am 17. November im S a a l b a u Friedrichs- Hain sein diesjähriges 6. Stiftungsfest. Als Gast war der Männcrgcsangverein der Hallcschen Straßenbahner mit 45 Kollegen erschienen. BVG. brachte, von großem Beifall auf- enommen, Uthmanns wirkungsvolle Komposition„Empor zum icht" zum Vortrag. Dann folgten Volksliedervorträge der .Hallcschen Sänger. Der Vorsitzende, Kluge, dankte allen Berlinern für die herzliche Ausnahme und das bewiesene Solidarilätsgesühl. Ein ouslsezeichnctes Varieteprogramm bilpete den Abschluß des volkstümlichen Abends. Die TragSdic um den Pazifik. Darüber spricht Freitag, 20. November, 20 Uhr, im Ncichowirtschaftsrat, Bellcvuestr. 15, Proscifor Dr. Reich w einHalle. Eintrittskarten, soweit der Vorrat reicht, unentgeltlich durch Verband für den Fernen Osten, Potsdamer Htr. 28. Das Rechenphänomea Dr. Finckelstcl» wird am Freitag, 20. November, tr.M) Uhr, im Rundfunk im Programm der Aktuellen Abteilung, von Alfred Müller interviewt. Astronomie und Astrologie, gu diesem Thema beginnt jetzt im Plane» iarium eine Vortragsreihe, in deren Rahmen am Freitag, 20. November, 19 Uhr, Wilhelm B« lk» r, Vorsitzender der Astrologischen Gesellschaft, e. V., «tber„I n welcher Weise beeinflussen un» die Sterne" spricht. Fstr weitere Vortritge sind gewonnen: Johanne» Heilmann: Prof. Saxl, Hamburg: Pros. Dr. I. Riem: Prof. vr. b. c. Oswald Gerhard». Die Vorträge sind in sich-bgefchlofl«». Der Eintzelvortrag kostet 1 M., Sammelk-rte(gltltrg ftir 0 VoÄrAge) 4 SR. Die Sladloerordnetenversammlnug sehle gestern die Spezialdebakle über das Sparprogramm des Magistrats und die dazu vorliegenden Anträge der verschiedensten Fraktionen fort. Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion Genosse jlafau wandte sich gegen den Antrag der Nationalsozialisten, die einen Abbau des städtischen Nachrichtenamles und die Besetzung'dieser so dringend nötigen Nachrichtenstelle mit einem„älteren, lang- gedienten Fachjournalisten" forderten. Der Antrag wird besonders verständlich, wenn man hervorhebt, daß der Leiter des Amtes der S o z i a l d'e m o k r a t Dr. Lohmann ist. Genosse Flatau fragte die abbauwütigen Nazis, was sie sich' unter einem„älteren, langgedienten Fachjournalisten" vorstellen. Es lag für Flatau sehr nahe, in den Kreisen der nationalsozialistischen Journalisten Umschau zu halten, er kam dabei allerdings nicht zu dem von den Nazis gewünschten Ergebnis. Im„Illustrierten Beobachter", dem Nazi- blatt, haben langgediente„Fachjournalisten" geschrieben: „Das ist direkt schon, schlicht gesagt, zum Speien, wie sich die umfallfeigste der Parteien sowohl beim Dawes- wie beim Poung-Berrat in ihrer Presse selbst geohrseigt hat. Man kann fortan es schon den Kindern predigen: „Deutschnational" sein heißt: sich selbst erledigen!" In diesem Poem heißt es dann weiter: „Steht nicht oerschrumpft und klein Herr Hugenberg heut vor uns da als schielig-mieser Zwerg? (Schallende Heiterkeit im ganzen Hause— die Deutschnationalen sind angesichts dieser Charakterisierung ihres Parteiführers durch die Harzburggenossen einigermaßen verdattert.) Mit solchen Gedichten reißt also der nationalsozialistische„Fach- journalist" den Führer seiner Parteinachbarn herunter Aber auch bei den Hugenbergleuten wird man keinen Ersatz für den Leiter des Nachrichtenamtes finden, denn Herr Goebbels hat im „Angriff" kürzlich den Hugenvergredakteur Kriegt als einen „wilden Bürger bezeichnet, der im Gelände herumtobe und die Nationalsozialisten durch derbe Faustschläge zu treuen Bundesgenossen der nationalen Opposition erziehen wolle". Wo soll nun also der „Fachjournalist" herkommen? Soll es der treudeutsche, edelstämmige Nazimann sein, der im Naziliederbuch dichtete: „Auf den entehrten Leibern blondblauer deutscher Frauen soll das Geschmeiß der Räuber sich keine Börse bauen!"" �Wiederholte stürmische Heiterkeit: Stadw. Engel(Nsoz.) be- Cr wollte in der Zeitung stehen. Phantasien eines Fünfzehnjährigen. Einen sonderbaren Ueberfall wollte am Bußtagnachmittag der 15 Jahre alt« Schüler Gerhard Sch. aus der Grenzstraße erlebt haben. Die Eltern des Jungen haben in dem Hause ein Schreib- und Papierwarengeschäft. Die Leute gingen am frühen Nachmittag auf den Friedhof, Gerhard Sch. blieb allein in der hinter dem Lgdcn gelegenen Wohnung zurück. Als die Eltern gegen 17 Uhr heim- kehrten, fanden sie ihr Kind mit einem Knebel im Munde und mit gefesselten Händen auf. Der Schüler erklärte, daß er von zwei Männern überfallen worden sei. Einige Unordnung im Geschäft schienen die Angaben des Jungen zu bestätigen. Gerhard Sch. erzählte den alarmierten Kri- minalbeamten, daß er bei seinen Schularbeiten gesessen habe, als er plötzlich vorn im Geschäft ein verdächtiges Geräusch gehört habe. Als er nachsah, standen ihm plötzlich zwei Männer gegenüber. Einer der beiden hielt eine Pistole in der Hand. Ohne sich um die Drohungen der beiden Eindringlinge zu kümmern, will er in die Küche geeilt sein und sich dort mit einer Eisenstange bewaffnet haben. Mit dem Eisenstück sei er dann in den Laden zurückgekehrt und habe damit auf einen der Männer eingeschlagen. Die Ein- brecher hätten ihn aber-schnell überwältigt. Man steckte ihm einen Knebel in den Mund und fesselte ihn mit einem Lederriemen. Die Berbrecher hätten dann die Behältnisse durchwühlt und seien ge- flüchtet. Die Beamten stellten bald fest, daß der Borsall sich un- möglich so zugetragen haben konnte, wie ihn der Jung« schilderte. Schließlich waren die Nachforschungen der Polizei soweit gediehen, zeichnet die durch Flatau vorgetragenen Nazi-Zitate als f u r ch t-> baren Quatsch, was die Sozialdemokraten zu heiterer Zu» �' stimmung veranlaßt.) Sie sehen also, fuhr Flatau fort, daß es den Ralionalsozialiflen doch einige Schwierigkeilen bereiten würde, für Dr. Lohmann einen Ersatzmann zu stellen. In der Harzburgfront dürfte sich jedenfalls keiner finden. Gegen gewisse..Aachjouraalisten". Genosse Flatau wandte sich in diesem Zusammenhang dann gegen den Herausgeber einer kommunalen Korre- s p o n d e n z, der es sich offenbar zur Aufgabe gesetzt habe, die Stadtverwaltung bei jeder Gelegenheit in der niederträchtigsten Weise herunterzureißen. Flatau verlas einen Artikel dieses Auch- journalisten, � der allerdings nicht für sozialdemokratische, pflicht- bewußte Zeitungen bestimmt war. In diesem Artikel war Flatau als Denunziant bezeichnet, der sich in einer Rede in der Stadtverordnetenversammlung nicht nur in unzulässiger Weise gegen Stadtbaurat Wagner, sondern auch gegen den(Sozialdemokraten) Dr. Lohmann und den„roten" Direktor des Magistrats gewandt habe mit der Behauptung, die Umgebung des Oberbürgermeisters „halte nicht dicht". Genosse Flatau hatte sich damals mit der unzulässigen, unter bewußter Umgehung des Nachrichtenamtes vorgenommenen Information gewisser Boulevardblätter durch städtische Dienststellen und gewisie Beamte in ihnen gewandt. Es sei, fuhr Flatau fort, die höchste Zeit, daß solche Auchjournalisten aus dem Rathause verschwinden.(Stürmisches Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Angesichts des Geschreibsels dieser„älteren lang- gedienten Fachjournalisten" sei die Frage berechtigt:„W o l t— er" verleumden, oder„Wolt— er" es nicht? Als ein Kommunist verlangt, Flatau solle Namen nennen, fragt ihn der Redner, ob er nun noch nicht oerstanden habe?(Gemeint ist mit der Kennzeich- nung die Korrespondenz Wolter, deren Herausgeber früher als Nachrichtenvermittler aus dem Rathaus eine große Rolle spielte.) Jedenfalls sage er, Flatau, und mit ihm die sozialdemokratische Fraktion: Bleibe bei Lohmann und schimpfe ruhig weiter!(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nach dem sozialdemokratischen Redner forderte ein Vertreter der kommunistischen Fraktion die Streichung aller Zuschüsse für Theater und Orchester. Stadtv. Engel(Nsoz.) erklärte, die National- soziasisten könnten sich ein Parteihaus für 2 Millionen Mark leisten.(Lebhaftes Hört, hört! im Hause.) Mit der Erörterung der Abbaumahnahmen auf dem Gebiete des Schulwesens, bei denen für die Sozialdemokraten Städtv. Faust sprach, schloß die gestrige Stadtverordnetenversammlung. Zu einer Ab- stimmung kam es nicht. daß man den Ueberfall als erdichtet erkannte. Gestern früh gab Ger- hard Sch. endlich zu, daß an seiner Erzählung kein wahres Wort sei. Er wollte einmal in der Zeitung genannt werden und da sei er auf den Gedanken gekommen, durch den Ueberfall die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Zweifelhafte Literatur, vor allem kriminalistische Schmöker, die er eifrig las, dürften den Schüler außerdem zu dem Phantasieprodukt verleitet haben. Die goldene Hochzeit feiert am Sonnabend, dem 21. November, das Ehepaar Minthke, Müllerstr. 134s. Das Jubelpaar ist seit Jahrzehnten treuer Leser des„Vorwärts". Alt. Verlin. Die nächste Führung durch die vergessenen Winkel de» ältesten Verlin veranstaltet da» Bezirksamt Schonebcrg unter Leitung Georg Bam» bergers am Sonntag, dem 22. November 10.11. Treffpunkt 10% Uhr auf dem Spittelmarkt, Ausgang Untergrundbahn. Teilnahm« ZO Pfennig. Coffeinfrelcr Kaffee Hag: niemals schädlich, immer vorzüglich. Colf einfrei und Hagf darauf kommt's an! Die Wirtschaftsordnung im Sozialismus Der Hamburger liationalökonom Vrosesior Eduard hei mann sprach im Rahmen der VeranflalkungeN der sozialistischen Studentenschaft an der h o ch s ch u l e f ü r Politik über„Die sozialistische Wirtschaftsordnung und ihre gesellschaftliche Bedeutung." Genosse Heimann umriß die kommende sozialistische Wirtschafts- ordnung in vollem Bewußtsein, daß heute die Frage nach den konkreten sozialistischen Möglichkeiten im deutschen Wirtschafts- räum vielleicht dringlicher sei: und dennoch muß das Problem: wie sieht eine sozialistische Wirtschaftsordnung aus?, prinzipiell gestellt werden, mit allen Vorbehalten einer künftigen Korrektur. Zwei Tatsachen sind es im wesentlichen, die den Kapitalismus und seine soziale Struktur bestimmen: Die isolierte Privat- Willkür der Kapitalisten und ihre Verfügung?- gewalt über die Produktionsmittel. Hier setzt die sozialistische Wirtschaftsgestaltung ein. Die organisierte Gemeinschaft übernimmt die Gesamtheit der Produktionsmittel. Eine sozialistische Wirtschaftsordnung kann nur im engsten Anschluß an die heutige Wirklichkeit beschrieben werden. So muß grundsätzlich die Bpch- sührung beibehalten werden: auch das Prinzip des Wettbewerbs und der Einkommensdifferenzierung kann nicht aufgehoben werden. Auch Rußland hat den„sozialistischen� Wettbewerb anerkennen müsien. Die Cinkommensdisferenzierung ist dennoch anders wie heute, wo die Spitzengehälter nicht m a r k t m ä ß i g, sondern durch die Zugehörigkeit zur Oberschicht bestimmt werden. Der Kapital- ström wird durch eine Zentralstelle geleitet. Kapital wird nur solchen Betrieben überlassen werden, die die Zinsen erübrigen können. Der Zins regelt die zeitliche Bindung der Produktionsmittel. Die Ein- tommensdisferenzierung kann nicht zu neuer Klassenbildung führen, weil kein Einzelner, sondern nur die organisierte Gemeinschaft im Besitz von Produktionsmitteln sein darf. Außerordentlich ausschluß- reich waren Hermanns Perrlegzingen über das Problem der Ratio- nalisierüng. In her Art und Weife, wie heute rationalisiert wird, sieht Heimann mit Lederer und Loewe eine der zentralen Ursachen der heuUgen Krise. In einer sozialistischen Wirtschaftsordnung muß der technische Fortschritt mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze Hand in Hand gehen. Eine zenttale Wirtschaftsplanstelle, die mono-- polistisch über die Kredite verfügt, entscheidet über die planwirt- � schaftliche Regelung des Wirtschaftsprozesses. Die Landwirtschaft be- treffend, sprach Genosse Heimann von der zunehmenden B e d e u- tung der Veredelungswirtschaft. Die Bauernwirtschaft muß individuell geordnet werden. In der Ve�genossenschaftung der Bauern nähert sich das Leben des Landes dem kollektiv geordneten Leben der Stadt. Sozialisierung ist kein abstraktes Schema. Ihr Ziel ist die Befreiung des Menschen von der kapitalistischen Ausbeutung. Der Mensch muß in der Arbeit wieder den Einsatz seines Menschentums spüren: die Arbeit wird in der sozialistischen Wirtschastsordnung wieder zur me n s ch l i ch e n Arbeit. Die anschließende Diskussion bestätigte und ergänzt«' Hei- manns Darlegungen. Vielleicht darf bei dieser Gelegenheit die An- regung ausgesprochen werden, daß dieser Vortrag, der am Abend vorher vor der vereinigten Studentenschaft in der Universität gehalten wurde, und den die Nationalsozialisten vergeblich zu stören versuchten, durch den Zentralverlag oder die Werbeabteilung der Partei einer möglichst großen Masse von Menschen zugänglich ge- macht wird. Nichts ist heute wichtigelt, als die antikapitalistische Stimmung der Massen zu bewußtem sozialistischen Wollen zu formen. Der Vortrag von Eduard Heimann ist in seiner klaren eindringlichen und umfassenden Weise vorzüglich dazu geeignet, die heut« verwirrte Problematik der Wirtschaftsordnung im Sozialis- mus zu klären und nachhaltig für die Idee des Sozialismus zu werben. Explosion aus einem Moiorfchiff. Maschinenraum in Flammen.— 14 Mann ertrunken. London, 19. November. An Bord des Motorschiffes„JüT, das auf dem Dangtfe Ver- Wendung findet, hat sich eine Explosion Ereignet, der 14 Men- ( che trieben zum Opfer gefallen sind. Die Exploswn geschah im Ma- schinenra�rm, wo vier Heizer und Maschinisten getötet wurden. Das Schiff, das 209 Fahrgäste an Bord hatte, fing sofort Feuer, und in der darauffolgenden Panik sprangen zehn Chinesen über Bord und ertranken. Dem Kapitän gelang es trotz der hohen Flammen,>die bald das ganze Schiff ergriffen, fein Fahrzeug bei Tfchungkiang auf Grund zu setzen und Fahrgäste und Besatzung zu retten. Der Kapitän und mehrere Fahrgäste der 1. Klasse wurden von den Behörden festgenommen und mehrere Stunden lang in Haft gehalten. Znteressengemeinschast auf der Straßenbahn. Aus einem Brief an den„Borwärts�: Straßenbahnlinie 199, zwischen 4 und ö Uhr nachmittags. Die Fabriken haben geschloffen. Feierabend. Die vordere Plattform ist dicht besetzt. Da steigen noch vier Arbeiter zu. Aus ihrem Per- halten ist zu schließen, daß sie sich gegenseitig nicht kennen. Der Schaffner arbeitet sich langsam durch das Innere des Wagens nach vorn. Gleich wird er die Klappe aufmachen und kassieren. Da stößt der eine Arbeiter den ihm zunächst stehenden an:„Du, Kolleje, wat fährste? Einfach?" Der nickt. Die beiden anderen auf dieselbe Frage ebenso.„Wißta, nehm' wa ne S a m m e l t a r t e. So, jib ma' her. 20, 40, 60 Pfennje, den Rest zahl ick." Zum Schaden der BVG-, die auf diese Weise 20 Pfennige weniger verdient als sonst. Worüber sich die Vier noch eine ganze Weile sehr zufrieden unterhalten. Lokaltermin im Chauffcurmord. Um eine weitere Klärung im Buchholzer Chauffeur- m o r d herbeizusühren, wurde gestern nachmittag am Tatort auf der Buchholzer Chaussee ein Lokaltermin abgehalten. Die beiden Täter, der 21 Jahre alte Bäckergehilfe W i t t st o ck und sein Kom- plice, der 26jährige Arbeiter R o h r b a ch, wurden am Tatort gegenübergestellt. Die Kommissare Dräger und Lietzenberg erhoff- ten aus dieser Gegenüberstellung, von Rohrbach, den man für den Haupttäter häll, endlich ein volles Geständnis zu erhalten. Diese Annahm erwies sich als irrig. Als die beiden jugendlichen Ber- brecher gegenübergestellt wurden, schoben sie in erregten Worten einander die Schuld zu, keiner will geschosien haben. Ob der ver- stockte Rohrbach nach seinem bisherigen Verhalten freiwillig ein volles Geständnis ablegen wird, erscheint zweifelhaft. Vielleicht gelingt es der Polizei doch noch, ihn vollends zu überführen. Neue Zweigstelle des Neuköllner Wohlfahrtsamtes. Am Mittwoch, dem 2S. November, wird in dem Hause Berlin- Neukölln, Kannerstraße 41— 45, eine weitere Zweigstelle des W o h l- f a h r t s a m t s eröffnet, die für die Stadtbezirke 25, 34 bis 40 zuständig ist. Soweit es sich um Angelegenheiten der genannten Bezirke handelt, werden sämtliche Geschäfte der allgemeinen Wohl- fahrt jetzt hier erledigt. Die Geschäftsstelle des Wohlfahrtsamtes wird für das Publikum werktäglich, mit Ausnahme des Dienstag und Donnerstag, von 9 bis 12(Sonnabend von 9 bis 11 Uhr) ge- öffnet sein. Die Eröffnung der pathologischen Schausammlung. Zu unserem Artikel„Wissenschaft, die dem Äolke dient" fügen wir noch er- gänzend hinzu, daß die Pathologisch« Schausommlung im Kranken- Haus Friedrichshain nach vorheriger Anmeldung im Krankenhaus für jedermann zugänglich ist! die Ausstellung bleibt ständig geöffnet. Gleichzeitig stellen wir einen unterlaufenen Fehler im Text dahin richtig, daß es heißen muß:„Wie unendlich wichtig die Arbeit der pathologischen Anatomie zur Aufdeckung infektiöser Krankheiten, Kontrolle ärztlicher Diagnostik, zur Klärung gewerblicher Schädigungen(Unfälle) usw ist." Die„Welt des Arbeiters" aus der Deutschen Welle findet in dieser Woche nicht, wie gewöhnlich, am Freitag, sondern am Sonnabend von 19 bis 19.30 Uhr ftaf kommt?", Szenen aus dem Hildebrand. gührunge» durch Alt-Berlin unter Mitwirkung de» Bezirksamt» Mitte. Nächste Führung Sonnabend, 21. November, lbzh Uhr, und Sonntag, 22. No. vember, 10 Uhr, durch Rektor Michaelis. Treffpunkt vor der Nikolaikirch«, Post. Pratze. Der Reinertrag wird der Berliner Winterhilfe zugefithrt. Der Ansturm der Siedler Schwindler suchen Dumme Der wirkliche Stand der Siedlung hr statt. Thema:„Wer weiß, was Alltag der Angestellten, von Else Nach wie vor werden alle möglichen Stellen und nicht zuletzt die Zeitungsredaktionen von siedlungshungrigen Erwerbslosen bestürmt. Die Erwerbslosen verlangen Auskunft, wie es um die Siedlungsprojekte steht und wohin sie einen Antrag aus Berück- sichtigung als Siedler richten müssen. Diese„Konjunktur" haben sofort geschäftstüchtige Scharlatane benutzt,„B e r a t u n g s- st e l l e n". beziehungsweise„B e r m i t t l u n g s b ü r o s" für Siedlungslustige einzurichten. Man sucht die Erwerbslosen zu ködern, indem man ihnen das Blaue vom Himmel herunter ver- spricht und dabei behauptet, man sei vom Reichsstedlungskommissar mit der Landaufteilung beauftragt. In Wirklichkeit sucht man den mittellosen Erwerbslosen den letzten Groschen aus der Tasche zu ziehen. Im eigenen Interesse der siedlungslustigen Erwerbslosen sei deshalb auf folgendes hingewiesen: Alle Anträge auf Zuteilung von Land sind bis aus weiteres zwecklos. Vorerst befindet sich das Siedlungsprojett noch im Stande der Vorbereitung. Der Reichssiedlungskommisiar hat beispielsweise die Stadt Berlin beauftragt, bis zum 1. Dezember ihm durchführbare Vorschläge für dtze Siedlung zu machen. Dabei werden keine theo- retischen Erwägungen gewünscht, sondern praktische Vorschläge. Diese Vorschläge wird der Siedlungskommissar gegebenenfalls bestätigen. Es bestehen allerdings bei den an sich schon schwer belasteten Kom- munen große Bedenken gegen die in Aussicht genommene Form der Besiedlung. Danach sollen in der Hauptsache die Kommunen Träger der Siedlung sein, einerseits sollen sie das Land bereitstellen und andererseits Bürgschaften für die vom Reich ge- gebenen Darlehn übernehmen. Hiergegen wenden sich die Ge- meinden, indem sie sagen, es sei keine Heldentat, Notverordnungen zu erlassen, deren Lasten man den Städten aufbürdet. Die Städte haben schon genug Lasten zu tragen. Weiter steht man bei den Gewerkschaften dem Siedlung«- Projekt mit einiger Reserve gegenüber. Bekanntlich sollen die Erwerbslosen bei der Errichtung ihrer Siedlerstellen, insbesondere beim Bau der Häuser, weitgehend selber Hand anlegen. Wenn möglich, sollen die Siedlerstellen überhaupt aus dem Wege der Arbeitsdienstpflicht errichtet werden. Hiergegen wenden sich die Ge- werkschasten. Schließlich wird von fachmännischer Seite darauf hin- gewiesen, daß die in Aussicht genommenen Häuser kaum größeren Unbilden der Witterung standhalten dürften. Aber auch, wenn alle diese Unstimmigkeiten in nächster Zeit beseitigt sein werden, muß immer wieder vor übertriebenen Hoff- nungen eindringlich gewarnt werden. Sowohl die Kleinsiedlerstellen wie die Kleingärten versprechen keine Vollexistenz, es soll damit aus dem Ertrag der Gartenarbeit und der Kleinviehhaltuno eine Besserung der Lebenshaltung erreicht werden. Die Siedlungsgrund- stücke sollen auch so gelegen sein, daß der jetzt erwerbslose Siedler bei einer Besserung der Wirtschaftslage wieder arbeiten gehen kann. Die Kleinsiedler st ellen sollen im übrigen nicht unter 600 und nicht über 5000 Quadratmeter, die Kleingärten nicht unter 400 Quadratmeter groß sein. Die sonst sehr strengen baupolizeilichen Dorschristen sollen für die Siedler so weit wie möglich gelockert � werden. So will man aus befestigte Zufahrten zu den Grundstücken verzichten, ebenso auf den sonst üblichen Anschluß � an das Licht-, Wasser- und Kanalisationsnetz. Die Belastung des Siedlers für. eine Stelle soll monatlich 10 bis 12 Mark nicht über- steigen. Die Pflicht zur ersten Zinszahlung beginnt mit dem Ansang der ersten Ernte im folgenden Kalenderjahr. Wenn vom Reichs- siedlungskommissar bestätigt« Vorschläge der Länder oder Semeinden vorliegen, kann endlich an die Auswahl der Siedler gedacht werden. Bis dahin sind alle Gesuche und Vorstellungen vollkommen zwecklos. Auch neuentstandene Vereinsmeiereien können daran nichts ändern. Wie Landrat Rönneburg, der Stellvertreter des Reichskommissars für vorstädtische Kleinsiedlung, mitteilt, wird für Berlin die Stadt in Verbindung mit den Arbeitsämtern die Siedler auswählen. Es hat jedoch keinen Zweck, nunmehr zu den Vorstehern der einzelnen Expeditionen auf den Arbeitsämtern zu laufen und diese mn Vormerkung zu ersuchen. So weit ist die ganze Sache noch nicht. Zlbgesehen davon müssen die Siedlungs- lustigen ein« ganze Reihe von Bedingungen erfüllen: landwirtschaftliche Erfahrung, langfristige Erwerb»- losigkeit, kinderreiche Familie, Verpflichtung, bei der Ausschließung des Siedlungsgeländes mitzuhelfen. Also zum mindesten bis zum 1. Dezember müssen sich die Erwerbslosen noch in Geduld fassen: vor allem die Taschen zu und keinem„Vermittler" Geld in den Rachen werfen! Kriegsopfer gedenken der Toten. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und K r i e g e r h i n t e r b l i e b e n e n veranstaltet am kommenden Totensonntag, 14 Uhr. im Plenarsaal des Reichstags eine G e d ä ch t n i s s e i e r für die Toten des Welt- krieges. Die Gedenkrede des Bundesvorsitzenden P f ä n d n e r wird umrahmt von Rezitationen, die von den Mitgliedern des Staats- theaters Maria S ch a n d a und Heinrich Witte vorgetragen werden, von Gesangsvorträgen der„T y p o g r a p h i a". Gesang- verein. Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, und musikalischen Darbietungen des Doppelquarletts Gebrüder Steiner, die Werke von Beethoven, Brahms und Schumann bringen werden. Das Pro- gramm wird von den Rundfunksendern Berlin, Königs» Wusterhausen, Magdeburg, Stettin, Schlesien, Westdeutschland, Süd- deutschland, Mitteldeutschland und voraussichtlich auch Danzig über- trogen. Der Reichspräsident, die Mitglieder des Reichskabinetts, die Fraktionen des Deutschen Reichstags und die Behörden der Reichs- Hauptstadt sowie viele Spitzenorganisationen sind zu der' Feier ein- geladen » Eine Gedenkfeier für die Toten des Weltkrieges aus dem Garnisonfriedhof in der Müllerstraße veranstaltet am Sonn- tag. dem 22. d. M., 13 Uhr, der Ortsoerein Wedding des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Der Spielmannszug, Leitung Kreisstab führer Koeppel, und das Blasorchester unter Leitung des Musikmeisters Habedank wirken mit. Die Gedenk, rede hält Kamerad Pfarrer Kirchner. Eröffnung des Zernsprechschnellverkehrs mit Salkberge. Am heutigen Freitag um 13 Uhr wird der Fernsprechschnellverkehr zwischen Berlin und Kalkberge aufgenommen. Bon diesem Zeitpunkl an sind Gespräche ovn Berlin nach Kalkberge nicht mehr beim Frensprechamt Berlin anzumelden. Die an eine Vermittlungs- stelle mit Handbetrieb angeschlossenen Berliner Teilnehmer melden Gespräche nach Kalkberge bei ihrer Vermittlungsstelle an. Die Berliner Selbstanschlußteilnehmer erhalten Verbindung mit Kolk- berge durch das Schnellamt Berlin, das sie durch Wählen»on I< 9 erreichen. Die Gebühr für ein Gespräch von drei Minuten Dcner nach Kalkberge beträgt während der Zeit von 6— 19 Uhr 0,40 M., in der übrigen Zeit 0,27 M. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold" GeiibaMsftel'» Rellin S U Seboliianftt 57 38 S»> 2. St Freitag, 20. Rovembcr. Wilmersdorf(Sungba). 20 Uhr Jugendheim Wilhelmsaue. Referat Kamerad Dr. Echiitzingcr. Lichtenberg. 20 Uhr Miigiiederverfammlung in den belannten Lokalen: Kameradschaft Gustav Tempel, Kameradschast Boxhagen. Kameradschaft Rummelsburg. Ardeiter-Laienfpleler-Verdand e. B-, Bezirksverbanb Berlin und Branden. bürg. Geschäftsstelle: Lichtenberg, Tiirrschmldtftr. 33. Ortsgruppe 4. Junge Pioniere. Freitag, 20. Nonemder, 20 Uhr. Generalprobe in der Sartenstr. 6. Ortsgruppe 1— 4. Sonnabend, 21. Rooember. 19 Uhr, sämtliche Mitspieler in Weitzensee, Pistoriusstr. 23 fStadthallc). Ortsgruppe 1. Freie Spieltruppe. Montag, 23. November, 19s4 Uhr, Mitgliederversammlung im Jugendheim Lortzingstr. 18. Deutscher Esneranta.Bunb, erste Gruppe, Berlin. Freitag, 20 Uhr. Kon» dUorei Dodrin, Sackescher Markt. Ssperauto-Gesellschast Gharlattenburg. Montag, 23. November, 20 Uhr, Konditorei Wolter, Charlottenburg, Bismarckstr. 11«, Klubjimmer. llebungs. und Konversatronsabend. Deutscher Monistenbund. Prof. Dr. A. Rosenberg spricht Ober„Der Krieg gegen die Vernunft im heutigen Deutschland" Freitag, 20. Rovemder, 20 Uhr, im Friedrich-Wilhelm-Gymnostum, Kochstr. 13. l. Berliner Bandonion-Streicharchester. Totensonntag im Deutschen Los, Luckauer Stratze, Herbstkonzert. Dirigent Max Schäffer. Sie sparen bei der Zohnpssege, wenn Ste die Chlorodont-Zahnpaste verwenden, denn eine kleine lvirnge davon Jen, ist. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor billigen, minderwertigen Nachahmungen. vor beb alten• Verkauf solange Vorrot• Telefonische B*s>«llung«n ab 5.00 M. unter F 6 Barwold 0012 wofden oroaiot erUdio. ................................................................................ ttitt" 9 KARSTADT FRISCHFLEISCH BUTTER UND FETTE Sehwelne-Baueh Sehweine-Schult. Schweine- Nieren Schwelne-Diekb.. Rückenfett, braW. Ochsen-Suppenn. Rinder-Fehlrippe Rinder-Gehaktes Hammelvorderfl. Pfd. 68 Pf. Kaßler... Pfd. an 0.74 FISCHE U. RÄUCHERWAREN Kabeljau o.ic.i.or«i.rtd.0.15 Seelachs o.k. i.oi.o.pm. 0.16 Kabeljaufiie«.. o. rw.0.26 Grüne Heringe a Md. 0.35 Leb. Plötzen.. Md. 0.35 Leb.Karpfen..».Md. 0.72 Bücklinge---- Pfd. 0.26 Sprotten Kistchen.. 0.32 Schellfisch. on Pfd. 0.32 Seelachs...... Pfd. 0.38 Imp.-SardoSlen«• Pfd. 0.68 Molkereibutter.Pfd. 1.10 Tafelbutter...... Pfd. 1.28 Allerf. Markenbutt. Ptd 1.42 Dänische Butter Pfd. 144 Marg. Cocosfett 2 Pfd. 0.75 Rohschmalz..... Pfa. 0.56 Bratenschmalz..Pfd. 0.56 Griebenschmolr... Pfd. 0.64 Eier...... an 10 Stück 0.75 Speisefett..Pfd. 0.48 OBST U. GEMUSE Goldparmänen Pfd. 0.15 0.08 Amor.-Birnen..Pfd. 0.16 0.10 Tiroler-Edelöpfel..Pfd. 0.20 Mandarinen....Pfd. 0.30 WeHi-,Wir»ingkohl Pfd. 0.05 Möhren gew,..3 Pfd. 0.10 Grünkohl..... 3 Pfd. 0.18 Sellerie....... 3 Pfd. 0.18 Schwonwurzeln.2 Pfd. 0-45 Blumenkohl.. Kopf 0.15 .• r.« t �» arrTV» KÄSE WURSTWAREN Gek. Schinken'/.Pfd. 0.35 Speckwurst..... Pfd. 0.78 Jagdwurst...... Pfd 0.92 Bierwurst........ Pfd. 0.98 Schinkenpolnische.Pfd. 1-08 Braunschwg. echte.Ptd. 0.98 Cervelatwurst..Pfd. 124 Holsteiner, grobe..Pfd. 105 Schinkenspeck..Pfd 128 Plockwurst...Pfd. 1-15 Romadour..... Stück 0.18 Camembert, vollf Sehtl. 0.18 Harzer., ca. 1 Pfd.-Pak. 0.32 Frühstücksk. Rolle 1 Pfd. 0.55 Blockk. o R. Tils.Art Pfd. 0.58 Holländer,.vollf. Pfd. 0.70 Tilsiter vollfett...Pfd. 0.68 Steinbuscher, vollf. Pfd 0.68 Dan. Schweizer Pfd 0.72 Bayr. Schweizer Pfd. 1 05 KOLONIALWAREN Burma-Reis...... Pfd. 0.13 Moulmain-Reis.Pfd. 0.21 Weizenmehl....Ptd. 0.2Ö Auszugmehl..5 Pfd. 1 20 Weiße Bohnen an 2 Pfd. 0.25 Erbsen....... an Pfd. 0.18 Eierbandnudeln an Pfd. 0.42 Mischobst.... an Pfd. 0.58 Kaffee....... an Pfd. 1.80 Makkaroni. an Pfd, 0.44 KONFITÜREN Marzip.-Kartoff. Pfd. 1.25 Kräuter-Printen Pfd. 0.90 Schok.-Printen Pfd. 1.00 Pfeffernüsse weiß Pfd. 0.5ü Rhein. Spekulatius 0.70 0.50 Thorn Katharinch.SPak. 1.00 Spitzkuchen....Pfd. 1.00 Spez.-Pral. Misch. Pfd. 100 Pralin.-Misch.OK Pfd 120 Burgin. 3Tfl.-Sortiin.-Pck. 0.75 KONSERVEN WEINE Jg Schniitbohn.'/i Os. 0.38 junge Kohlrabi..Vi Ds 0.38 Haushalt-Misch...'/i Ds. 0.45 Jg. Erbsen mittelf.'/i Ds. 0.74 Jg. Erbsen mit Kar. ,,Vi 0.80 Brechsparg dünn Vi Ds. 1.25 Heidelbeeren...Vi Ds 0.75 Gern Morm. ca. 2 Pfd.-E, 0.75 Bienenhonig...Glos I.Do 4g.Breehb.4Pfd.-D«.0.75 Bowl. Wei n Ltr.0.605Ltr 2.90 Rheinwein Ltr.l 10 5l.tr. 5.25 Moselweinltr.1.40 5Ltr.6.75 TarragonaLtr.1.005Ltr.4.75 Malaga Ltr. 1.20 5 Ltr. 5.75 Utiel Ltr. 0.95 5 Ltr. 4.50 Wermut Ltr. 1.00 5Ltr. 4.75 Johonni5bw.Ltr.O.V55Ltr.3.50 Erdbeerw. Ltr.P.755Ltr.3.50 Rum-Verschn Vjm. f. 2.50 EMPFEHLENSWERT� Lungenhasch.l Pfd 0.0.35; Bratheringe l itr.-D. 0.50' W ü rstchen Os. 5 Paar 0.75 Gewürrgurk. 2 Ltr.-Ds. 1.00: Feigen...... Pfd. 0.28 Walnüsse... Pfd. 0.35 � Paranüsse... Pfd. 0.45 Haselnüsse.. Pfd. 0.45 � 38ar Hackenhaimer mit«. 0.65' Hambacher mit Fl. 0.85' Mastgänse an Pfd. 0.78 Fr. Suppenhuhn, a. Pfd. 0.70 GEFLÜGEL UND WILD Mastenten. an Pfd. 0.75 Wolgahühn. an Pfd. 0.78 Gänsestückenfl. a. Pfd. 0.85 Rehblätter an Pfd. 0.88 Hirschkoule an Pfd. 0.68 Hirschblatt. an Pfd. 0.48 Hirschrücken a. Pfd. 0.70 Hasen gestr. an Pfd 0.95 Wildragout an Pfd. 0.28 U »3AHNHQF HERMANN PL ATZ. ♦ JDER KARSTADT-BAHNHOF Muri Rudolf Iteuberi: �/IbCtfld IWl Donnerwett«r! Zehn Uhr! Der Schädel brummt mir aber! Wieviel Biere habe ich denn gestern...? Wann bin ich eigentlich nach Haus« gekommen? Wae war denn gestern los? Ach so, Hoberg! Donnerwetter, Hobergl Lilli hat ihn doch mitgenommen. Und Ich habe ihm beim Abschied einen Zettel mit Meiner Adresse zugesteckt. Kann mich doch wieder Mal brauchen, der arme Kerl. Weiß, wie das ist. Allein! Ohne Stellung! Hier in Berlin! Kenne das. Hab mich auch erst raufarbeiten müssen, von unten, aus der Masse. Bin heut« was. Nicht viel. Etwas. Genügt. Frau Krüger? Herein! Ist die Badestube frei? Post da? Machen Sie'nen starken Kaffee statt Kakao.— Ah, ist da« Wasser angenehm!— Also, der Hoberg! Treff« ihn gestern abend im Westen. Habe ihn lange nicht gesehen. Bor drei Jahren zum letztenmal. Damals hatte er noch Stellung. Hat mir manchmal was geborgt, als ich anfing. Und gestern bin ich bald an ihm vorbeigelaufen. Hätte ihn kaum erkannt. Hatte Lo im Kopf. Ließ La laufen, als Otto vor mir stand. Kerl, der Hoberg, damals. Heut«? Abgetragener Anzug, unrasiertes Kinn, schmale Wangen, unruhige Augen. „Stellungslos?� fragt« ich ihn. „Bald zwei Jahrs.. antwortete er. „Freue mich, Hoberg, daß wir uns getroffen haben. Weißt du noch, damals? Haben uns doch viel zu erzählen. Komm rüber in das Restaurant. Hast doch Zeit? Und ein bißchen Hunger, was? Ich auch!" -— Hoberg zögert«. „Mensch, tu nicht so. Oder bist du verabredet?" „Nein!" „Oder ist dir meine Gesellschaft nicht angenehm?" Sein Blick ging über meinen neuen Wintermantel. „Ich bin zu schäbig für dein Restaurant!" sagte er. „Unsinn, Mensch. Erst mal'n Schnitzel in den Bauch, dann sind die Minderwertigkeitskomplexe fort. Also los!" Wir gingen durch die hellen Straßen des Westens. Es war kurz vor sieben. Die Läden hielten noch offen. Es wurde übsrall gekauft. In den Parfümerlegsschäften, in den Juwelierläden, ln den Geslügelhandlungen. „Die Menschen haben noch Geld!" sagt« Hoberg und schilttelle den Kopf. Elegante Frauen kamen vorüber und streiften uns mit dem Aroma ihres Boudoirs. Von großem, schwerem Pelz umrahmt, blickten die gemalten Gesichter, kleine Kunstwerk«, in die lockenden Lichter des westlichen Abends. Durch das Scheibenglas glänzender Limousinen huschte manchmal das' Lächeln einer wartenden Gattin, einer Geliebten auf die Straße. Pakete lagen im Fond. „Sowas gibt's Noch!" meinte� Hoberg. Nicht böse, mürrisch, verzweifelt, nur verwundert Und ein wenig melancholisch. „Komm, Hoberg!" mußte ich vst sagen und Ihn am Arm weiter- ziehen.... * Ich glaube, daß er ewig lange nicht an einem weißgedeckten Tisch saß. in einer Speisekarte blätterte und von einem Kellner im Frock bedient wurde. Ewig lang« nicht mögen solche Menschen um ihn gewesen sein: gut angezogen«, satte, immer noch verdienende Männer mit Ihren gepuderten Frauen und Freundinnen, dte im Sommer an der Ostsee waren und die Wirtschaftskrise höchstens so» weit spürten, daß sie au» einer Zehnztmmerwohnung in ein« Sechs« zimmerwohnuna übersiedelten. Aber st« brauchten nie zu hungern, und wenn sie doch hungerten, so nur, um abzunehmen, und wenn sie' frören, Nur, weil sit zu tief ausgeschnitten« Kleider und zu dünne Unterwäsche trugen— Iß, Hobergl mutzt« ich immer wieder nachhelfen. Es war, als hätte«r den Gebrauch son Messer Und Gab«! verlernt, so UN« geschickt hantierte er damit. Aber er war wohl nur verwirrt. Er hatte es sich wohl nicht träumen lassen, heut« noch ein Schnitzel ö U Holstein vorgesetzt zu bekommen. In seinem alten Anzug saß er wie in einer Zwangsjacke. Das Glas packte er an, als würde er einen Hammer ergreifen. E« schlug gegen sein« Zähne, so zittert« sein« Hand dab«i. „Hast du heut« Mittag gegessen?" fragt« ich ihn leise. Er schüttelte verlegen den Kops. „Und gestern?" fragt« ich weiter, während ich mich mit der Speisenkart« beschäftigt«. Ich erhielt kein« Antwort. Er sah auf feinen Teller nieder und wagt« nicht, mich anzusehen. * Ein starker Mokka nach dem Essen schien ihn zu beleben. Seine Haltung wurde freier. Er sah schon zu dem anderen Tisch tztnüber und blies den Rauch der Zigarette mit offensichtlichem Behagen in die Luft. Er beantwortet« meine Fragen jetzt auch rascher, ous- sührlicher Ich hörte von seinen Versuchen, sich wieder eine Existenz aufzubauen. Vertreter für Selsen. Handel mit Krawatten. Mahl- zeiten in den Volksküche»,. „Und wo« machst du augenblicklich?" erkundigt« ich mich und sann vergeblich noch, wie man ihm zu einer geregelten Tätigkeit verhelfen könnt«. „Augenblicklich?" Er lächelt«, wie ich ihn an diesem Abend noch nicht lächeln sah. „Augenblicklich genieß« ich!«in schönes Abendessen, einen guten Aaffs«,»ine S-Pfennig-ZIgarett«..." Ich wußte, daß er über da», was er zur Zeit trieb, nicht ge- fragt sein wollt« und lenkt« das Gespräch auf ein anderes Thema. „Hast du jemand hier in der Stadt, ein Mädel, eins Freundm, an der du«inen Halt hast?" „Ich war mal verlobt. Aber dann wurde auch sie stellungslos. Nach einem Jahr, als et nicht besser wurde, trennten wir uns. Sachlicher Abschied. Lieber einer verrecken al« zwei. Zusammen in einem teilnwblierten Zimmer, bei Spirituskocher und heraus- geschraubter Glühbirne, well die Lichtrechnung noch nicht bezahlt ist, was? Und Maggiwürsel? Und abend» wieder Maggiwürfel? Und dann Liebe, Sehnsucht, was? Heirat? Zukunft? Mensch, hör auf.—- Heut soll sie«inen Freund haben, der fünfhundert Mark im Monat oerdient. Heiraten wird er sie nicht, aber sie hat wenigstens was von ihrer Jugend..." Nach diesem Auebruch wurde er wieder stiller, fremder. Aber in seinen Augen verlöschte der siebrigt Glanz nicht, den die kurze Gefühlseruption hervorgerufen hatte Sein Blick lag fetzt auf den Schultern emer uns gegenübersitzenden Frau. Wenn ich«Ine Änt- wort von ihm haben wollt«, schien er erst den Blick wie eine schwer« Fessel lösen zu müssen. Seine Augen Irrten nervös hin und her. Augenblick! Einen Augenblick noch Die Badestube wird gleich frei. Wer klinkt denn da. Ich muß raus aus der Wann«. Noch schnell ein« Dusch«. Bademantel her. So. Telephon in der Diele. Bin gerade da. Hallo. Wer? Ah, selbst am Apparat. Lilli?.Guten Morgen. Guten Morgen. Was macht Hoberg? Eben fortgegangen? War's nett? Wie? Du hast sowas noch nicht«klebt? Dankbar war«r—— Gewei— sagst du? Aufgelöst-- Wie ein Kind..., ein großes Kind, das sich verlaufen hat...? Ich freu« mich, daß du... Grundanständiger Kerl, der Ho- bergl Wenn man ihm doch helfen könnt« I Ein« Stellung. Ich habe ihm jedenfalls meine Adresse gegeben. Ich danke dir, Lilli! Auf Wiedersehen!— So, segt schmeckt mir das Frühstück. Da war der Hoberg also wieder mal Mensch! Konnte jemand sein Herz ausschütten, der zu trösten verstand. So'n Mädchen wie Lilli, die gehört dazu. Ich wußte doch, was ihm fehlt«. Das sah man doch. Ein Schnitzel a la Holstein genügt noch nicht. Der Mägen wird ruhig, aber das Herz hat nichts davon. Das Herz hat auf ganz ander« Dinge Appetit. Hoberg saß da. rauchte, starrt« die Frau mit dem tiefen Rücken- ausschnitt an. Genier dich doch nicht, mein Lieberl Sag doch, was dir noch fehlt! Sag doch, was du noch brauchst, um mal die ganze Misere zu vergessen. Er wurde nur rot. „Ich möchte dich Nicht länger aufhalten!" sagte er.„Ich geh dann nach Hause!" Schon, gehen wir Ober' Zahlen!"— Wir gingen, aber nicht nach Hause. Mir war Lilli eingefallen. Wir gingen in das Cafä, wo Lilli zu sitzen pflegte. Lilli! Denkt von Lilli, was ihr wollt! Ich weiß Erlebnisse von ihr! Sie hätte schon längst eine Rettungsmedaille verdient! Am goldenen Bande! Ein Diplom hätte sie verdient! Für Verdienste um kranke Herzen! „Hobergl". sagte ich unterwegs,„ich hätte Noch Lust, in«in kleines Cafe... Mit Nischen» roten Ampcln und so... Nette Frauen...", „Ich habe kein Geld. Frauen sind Luxus für mich. Kann ich mir nicht leisten." Ich war ärgerlich.„Idiot! Ich habe dich doch eingeladen. Außerdem führe ich dich nicht zu Frauen, die Geld kosten. Verstanden?" Er lächelte traurig. Mir tat es leid, ihn sä barsch, wenn auch gutmütig, angefahren zu haben. Wik legten einen großen Teil des Weges schweigend zurück. Hin Und wieder warf ich ein Wort in die Stille, die im Lärm der Straße zwischen uns zu spüren war. „Es wird schon mal besser. Hoberg!" „Haltung, Mensch! Achtung, ein Auto!" , Einmal fing ich einen Blick von ihm ein, der den Beinen einer vor uns gehenden Frau gegolten hatte. „Höchste Zeit!" dachte ich. Ich wollte ihn froh sehen. Airsrütteln wollte ich ihn aus seiner stumpfen Ekgebenheit In sein Schicksasi Freude am Leben sollte er wiedergewinnen. Durch Lilli.' Freude am Dasein. Am Da-Sein! Und wenn er nur für ein Mädchen wie Lilli da war! Bor dem Lokal hielt ich ihn noch einmal am Arm fest;„Denk, Hoberg, du findest bald wieder Stellung. Denk, gestern war der Erste, und du hast das ganze Geld in der Tasche. Mach e>» an- deres Gesicht. Na, mach schon!" Damit stieß Ich ihn sanft die Treppe zum Cafä hinauf. Ich war froh, daß Lilli da war. Sie entdeckte mich gleich und winkte mir au» einer Wolke von Zigarettenrauch erfreut zu. Nett sah sie aus, wie immer. Hoberg sah sich hilflos um. Lachende, Seschminkte Gesichter sahen ihn an. Vielleicht hatten Hunger und Entbehrungen auch in diese Gesschter ihren Stempel gedrückt, ober das Lächeln war geblieben. Lächeln war Geld. Lächeln war Brot. „Hier ist noch Platz!" sagte Ich und drückt« Hoberg aus den Platz neben Villi. „Bringst du mir«wem Freier?" flüstert« sie mir zu. „Keinen Freier. Einen Freund!" antwortete ich, während Ho- berg zum erstenmal Lilli betrachtete, wie ein Wanderer in der Wüste«ine Fato Morgana,„tust ein gutes Werk, wenn du lieb zu ihm bist. Morgen kommt dafür ein Millioärl" So nahm sich Lilli meines alten Freundes an. Erst war es sein Lächeln, das mir den Erfolg ihrer Bemühungen zeigte, dann ein lautes, herzliches Lachen, und schließlich versuchte er, seinen Arm auf die Lehn« des Sofas zu legen, mit der Absicht, ihn auf Lillis Rücken vlaäieren zu können. Zuletzt saß sie schon mollig in seinem Arm emgekuschett, und als ich sie dann nach einiger Zeit verlieb, wußte ich, daß Hoberg heute noch alles vergessen würde... ---- Dabei vergesse ich, daß ich um halb zwölf tn der Stadt sein muß. Nun aber fort. Wo scheint flch denn mein Hut gestern herum- getrieben zu haben? Ganz staubig! Bürstel Rasch! Fertig. Ich bin um drei wieder zurück, Frau Krüger. * Drei Uhr.— Wer? Wer war hier? Ein Polizeibeamter? Ich habe doch nichts ausgefressen. Wegen Hoberg? Weiter hat er nichts gesagt? Ich soll sofort hin? Dunkle Sache. Also runter ins Revier.— * Revier.•— Ein Beamter, der mich merkwürdig mustert. Mir einen Zettel reicht. Meinen Zettel mit der Adresse, die ich gestern beim Abschied Hoberg gegeben. Was ist denn geschehen? Was ist denn geschehen? Tot, sagen Sie. Selbstmord? Im Tiergarten auf einer Bank? Aber— ich war doch gestern mit ihm... Er war doch., so zu- versichtlich zuletzt. Es ist doch unmöglich! Hobergl Die Waffe, sagen Sie, hätte er schon vorher bei sich gehabt? Gewiß, gewiß. Bon wo soll er denn? Cr hatte also schon an diesem Abend den Entschluß gesaßt, aus dem Leben zu gehen. Ich habe ihn nur aufgehalten. Ich habe ihm nu� noch einmal-.. Was steht denn da auf dem Zettel? Hinten. Schönen Dank für den letzten Abend. H. Letzter Abend. Schönen Dank! Für ein Schnitzel! Für Lilli! Kann ich segt gehen? Ja. er heißt Hoberg, Otto. Stellungs- los. Verwandt« hat er nicht. Wo liegt er denn jetzt?---- * Wie ich aussehe, Frau Krüger? Ja, wie sehe ich denn aus? Ich habe mich wohl erkältet, Frau Krüger- Ich---- Zitrone? Ja, natürlich, machen Sie eine heiße Zitrone. Fieber? Ach. kein« Spur- Schön. Schön. Ich trinke die Zitrone. Stellen Sie sie nach- her Nur in mein Zimmer. Kommen Sie herein, ohne anzuklopfen. Wenn ich arbeiten sollte, stellen Sie die Zitrone auf den Schreib- Usch. Aber sprechen Sie nicht, um Gotteswillen. Gehen Sie wieder leise heraus. ilnd— wenn ich schon im Bett liegen sollt«, stellen Sie die Zi- trone auch nur hin, ja, legen Sie auch das Thermometer hin. meinetwegen, aber ich habe kein Fieber, nein, und— und wenn das Telephon klingeln sollte, ich will niemand höre». netstehen St« mich. Frau Krüger, ich habe doch Fieber, ich will niemand sehen. Ich bin nicht zu Haus«... •Jfjorsdd SpHster: Oflf Das war vor vielen Iahren« in der vierten oder fünften Klasse unseres Gymnasiums. Wir hatten ersahren, daß wir einen neuen Stenographielehrer bekommen würden. Diese Unterrichtsstunde tand nachmittags statti wir Buben, so» den Strapazen des Hauptunterrichts ausgerastet und durch das Mittagessen tüchtig gestärkt, strotzten natürlich von unbesrlsdlgtem� Tatendrang und prickelnder Schabernacksluft. Dazu kam noch, daß„Stenographie" kein gefährilcher Gegenstand war. Der seweilig« Lehrer konnte stch nur aus die Macht seiner Per- sönlichteit stützen. Und da« wußten wir. Wie wohl der„Reue" ausschauen mochte?! Dlese Frage bildete das Hauptthema unserer erregt-lärmenden und neugierig-gespannten Unterhaltung. Auf einmal stand„Cr" in der Türe: zögernd. Unsicher, Mit dem rechten Auge schielend, auffällig attmodisch gekleidet, leicht angegraut, vielleicht Jahre alt. Einen Augenblick hertschte Stille: der todsicher« Instinkt der Schüler umwittert« den Lehrer. In diesen ersten Augenblicke,» entscheidet sich so oft das Schicksal: Führer oder Opfer. Al» der Lehrer dann, um einige Ntianren Unsicherer, da» Katheder bestieg, war sein Leidensweg besiegelt. Wir fühlten uns als Sieger. Allein mögen vielleicht die meisten Kinder vorwiegend gut und oernünstlg sein. In der Masse aber sind sie bestialisch und toll. Ausgenommen: sie spüren die Knute.(Bei den Erwachsenen ver- hält e« sich übrigen« genau so.) Von dieser Stund« damals will ich nicht viet erzählen. Es war der übliche Wirbel! der Lehrer schrie unentwegt(sich dazu noch mit der Stimm« überschlagend) Und stachelte so unsere Bosheit und unsere, zum Teil unbewußt« Freude am Wehtun nur immer Mehr auf. Es ging einfach scheußlich zu: Trompetenkonzert, Pult- geklapper, Papiergeschosse... Ich tat mich dabei besonder» hervor.(Heute schäme Ich mich dessen ehrlich, weil es feige war! Anders Lausbübekelen, bei denen ich etwas riskierte, rechne ich mir nach wie vor als Plus an.) Plötzlich sprang der Lehrer o»m Katheder auf mich los. feixte mich mit bleichem, durchzucktem und maßl.ös erregtem Gesicht an und Zischte Mir zu:„Sie haben- sa ein Gesicht wie ein Asse!!" Ich wollte lachen, spürte aber im gleichen Augenblick, wie sich pein- lichste Verlegenheit meiner bemächtigt«. Ich wurde rot, begann aus der Stirn« fürchterlich zu schwitzen und gickste idiotisch herum... Ich weiß nicht mehr, warum mich dieser Ausspruch so stark traf. War es nur verletzte Eitelkeit...?. Möglich übrigens, daß wirklich irgend etwas in meinem Gesicht in jenen, Augenblick an einen Assen erinnert hatte» sicher aber war ich damals ei» ganz sauberer Junge. < In diesem Augenblick m,N haßte ich den Menschen vor mir Mit der ganzen Kraft meiner jungen, ungebrochenen Leidenschast. Ich hotte ihn am liebsten erwürgt. Bis zum Ende der Stunde halte ich keine Lust mehr, illt zu treiben. Ich schämte mich vor meinen Miischülern, und—. für wenige Sekunde» zwar Nur, aber immerhin— ich dachte daran, wie dieser Mensch durch unsere Grausamkeit seiden mußte. Gleich darauf aber haßte Ich ihn wieder und schwor Ihm heimlich Räche. Der Skandal in der Sienographiestunde ging so einige Wochen fort. Bis eines Tages der Direktor unerwartet das Schulzimmer betrat. Di« selbst uns damals unendlich qualvolle Verlegenheit und das Völllg-Zusammengebrochen-Sein unsere» Lehrers stehen mir noch deute in klarer Erinnerung. Der Direktor blieb bis zum Schlüsse der Stunde; es war mäuschenstill. Die nächste Stunde fiel aus. Dann bekäme» wir einen neuen Lehrer. Der war der Richtig«! ruhig, verständnisvoll und streng. Nicht einer von den Tyrannen, aber ein wirklicher Ss/Ulmann, ein Erzieher! Neulich, nach Jahren, ging ich an einem schönen Herbsttage in den Wildpark unserer Stadt. Es war ein Spätnachmittag mit klarem, blauem Himmel und schwindender Sonne. Was gibt es Ergreifenderes als die sterbenden Bäume mit itiiifl Überressen und seltsam müdsarbigeN Blättern? Der Wald urnr menschenleer. Ick, fühlte mich allein... Vor dem Hikschgehege sah ich versonnen und ins Anschauen vertiest den Tieren zu. Da vernahm ich plötzlich Schritt«: ein aller, fast hettlcrhaft gekleideter» sehr krank aussehender Man» stattd neben Mir. Sein schnioles, eingefallenes Gesicht hatte die wachslgs Farbe eines Toten. DI« dünnen, bläulichen Lippen zuckten unruhig, Mit dem einen Auge schielte er... Irgend etwas iirmächtiges brach in mir buf; ein sonderbar würgendes Gefühl durchströmte mich bis zum Halse heraus! warm, traurig Und bitter. Ich spürt« das dringende Bedürfnis, diesen Menschen anzusprechen, ihm etwas Hutes zu erweisen,.. Er aber schien meine Abstcht.zu merken und entfernte sich scheu, eine kleine, billig« Pfeife rauchend; ich roch den schlechten Tabak. Er hat mich sicher nicht erkannt. Tiere, dir mit Werkzeug arbeiten..Lange Zeit hat man die BermertdUNg von Handwerkzeug für das Vorrecht des Menschen ge- halten. Diese Annahme wird jedoch durch die Tatsachen Nicht ge- rechtfertigt. Ein bekannter amerikanischer Naturwissenschaftler, Pros. Mr. John Bnrraugh, hat diese Frag« eingehend stUdierl und teilt in cmcr Fachzellschbifl die Beobachtungen mit, die er an einer Spielart der Welpen, der sögen. Ammophiiw, gemacht hat.„Ich halte oft- genug Gelegenheit, zu sehen", schrieb der Gelehrt«,„wie Wespen dieser Gattung sich eines winzigen kleinen Kiesels, oder, richtiger gesagt, eines großen Sandkorns bedienten, um die Erde, die sie beim Bau ihrer Nester verwendete», sestzustampfen. Zu diesem Zweck fassen sie das Steinchen mit ihren Kiefern auf dieselbe Weise, wie wir einen Kieselstein in die Hand nehmen, und rammen mit wieder- holten Schlägen die Erde fest wie mit einem Hammer ader einem Stsinstampser. Die Tatsache steht einzig da. Ich wenigstens kenne aus den, ganzen amerikanischen Kontinent kein anderes Tiek oder Insekt, das es»erstände, die Unzulänglichkeit seiner Glieder durch die ZuhiljeNahme irgend eines Instrumentes zu korrigieren." Meerwasser gefriert infokge seines Salzgehalts nicht bei(> Grad. sondern je nach dem Salzgehalt � bei niedrigeren Temperaturen� Das Wasser der Ostsee z- B. gefriert erst bei— I Grad, Ozeonwasscr bei �2,5 Grad. Die japanische Braut kleidet sich wie bei uns in Weiß, wahrend das chinesisch« Brautkleid aus scharlachroter Seide besteht. VeeantwotlNK Mi Volillk! VIeioi Ächist: Wirtschaft! itllnaellwtcr: chcwerkschaltsbeweauna: 3. Sttincr; JfcuiEcton;$t. Iohu Schitowaki: Lokales . und Eoiistia-si Rtt* Rotssött; ANzelaetl! Td. Stock»! siiMllich in A-tlin. V-tlaa: Norwärts- Verla-, G m b. S.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruck-r-i und Vcrlagsanstalt Paul Linarr u. Co., Berlin(558 68. Lindcnstrabc 3. Vier,» 2 Beilagen. Adolf Hiilers Gefchichiskenninisse. „Ber Marschattstab im Tornister." Grotzjprechcrisch wie mmicr hat Adolf Hitler aus einer Reichsführertagung„seiner" Jugend in München angekündigt, daß Reichsführertagung„feiner" Jugend in München angekündigt, daß, wenn erst die Mitgliederzahl seiner Partei eine Million erreicht haben wird, eine dauernde Mitgliedersperre verfügt werden wird. Die politische Ausgabe der Hitlerjugend laute„Gewinnung aller heroischen Menschen unserer Notion". Das ist eine ganz besonders dankbare Ausgabe sür Frict-Pirmasens, für Graf Neventlow, Prinz Auwi und für alle sonstigen Hinterlandshelden des letzten Krieges. Adolf Hitler fügte dann selbst den„heroischen" Satz hinzu: „Dabei gilt für uns Nationalsozialisten da» Gesetz des alten Heeres, nach dem ein jeder den Marschallstab in seinen, Tornister trägt." Au— das durfte nicht kommen! Das klassische Wort vom „Marjchallstab, den jeder Soldat im Tornister trägt", bezieht sich auf das französische Heer Napoleons, in dem es tat- sächlich einige„gemeine" Soldaten durch Tapferkeit, Tüchtigkeit, Intelligenz und auch Glück zu den höchsten Stellen gebracht haben. Der halbgebildete Adolf Hitler hat eimnal diese Redewendung gehört, weiß aber nicht, daß sie aus der Geschichte des„Erbfeindes" stammt, und wendet sie gedankenlos auf das alte Heer Deutsch- la uds an. Ist es ihm denn unbekannt, daß man im alten deutschen Heer nur Offizier werden konnte, wenn man von„feinen" Eltern stammte, wenn man das Abitur oder ein ahnliches gutbürgerlichcs Examen vorweisen konnte, das einem das Recht zmn„Einjährigen" verlieh? Das war das Gesetz des alten Heeres, also genau das Gegenteil vom„Marschallstab im Tornister". Eigentlich müßte es Adolf Hitler wissen, denn er hat es im -alten Heer trotz aller Tüchtigkeit, die er sich wohl selbst nicht ab- sprechen wird, nur zum Unteroffizier gebracht. Er hätte die größten Heldentaten vollbringen können und wäre doch nicht ein„Mensch" geworden, denn bekanntlich sing im alten Heer der Mensch erst beim Leutnant an. Als Malergeselle durfte er aber nach dein„Gesetz des alten Heeres", für das er heute so schwärmt, niemals auch nur Leutnant werden. Seln heutiger Stabs- chef Major Röhn, würde mit ihm aus Standesgründen ebenso. wenig verkehren dürfen wie die unzähligen sonstigen Offiziere a. D.. die heute bei ihm Kostgänger sind. Er soll mal aus Ehr und Gewissen seinen Pg. August Wilhelm Prinz von Preußen fragen, ob Kaiserliche Hoheit ihn auch nur eines Blickes gewürdigt hätte, nach den,„Gesetz des alten 5)eeres", als er, von Beruf Malergeselle, nur Unteroffizier war! Daß es heute anders ist, daß vom Leutnant bis zum General und zun, Hoheixzollcrnprinzei, die ehemaligen taiferlichen Offiziere dem ehemaligen Malergesellen und Unteroffizier die Stiesel ab- lecken, ist nur möglich geworden durch jenes„Novemberver- breche dem derjelbige Adolf Hitler bluiige Rache geschworen hat. Bayerns Erfolge. ?!eichÄregierung sogt Außerkrastsehung der Notverordnung zu München, 19. Oktober.(Eigenbericht.) Awijchen dem Reichskanzler, dem Reichs! i wi ixzm imster und drei bayerischen Mini st«rn wurden am 16. und 17. No» osmber in Berlin Verhandlungen gepflogen, die eine Reihe Aei, der un gen der dritten Notverordnung des Reichspräsidenten vom 6. Oktober bezweckten. Diese Verhandlungen wurden mit einem, die bayerische Regierung befriedigenden Ergebnis abgeschlossen. Die Reichsregierung hat zugestimmt, daß die Bc° slimnrungen über die Aufnahme von Anleihen und Dar- leben durch Gemeinden leine Anwendung finde», wenn und solange durch Landesrecht eine entsprechende Regelung asirofsen ist. Ferner stimmte die Reichsregisrung zu, daß die Vor- ichristen über die Umwandlung kurzfristiger Schulden von Ländern und Gemeinden ebenfalls nicht angewendet werden, wenn und solange nach Feststellung der Landesregierung für eine '»che Umwandlung kein Bedürfnis besteht oder sie auf andere Weise gesichert ,st. Auch bezüglich der Anordnungen über die Sparkassen wurde ein Einvernehmen erzielt, das den grund- jätzlichen und sachlichen Wünschen der bayerischen Regierung Rechnung trägt und die bestehenden Landeszustynde ousrechterhält. Die Befugnisse des Reichskommisiars für die städtische Kleinsiedlung werden in Bayern einer Landesbehörde übertragen. Außerdem wurde in der seit Jahren umstrittenen Frage der Postabfindung folgende vorläufige Vereinbarung getroffen: Das Reick) überweist entsprechend dem Kapttalbetrag von 120 Millionen Mark, der schon früher sestgestelll wurde, jährlich einen Betrag von 3 Millionen Mark, der als Zins- l eist un g für 68 Millionen Mark Kopital im bayerischen Staats- baushalt gebucht werden kann. Für den Rest von SS Millionen Mark Kapital erfolgt die Aufrechnung der Zinsen mtt den Anleihe- Zinsen, die Bayern als Schuldner an die Reichsanstolt zu zahlen hat. Oas Wohnheimstäiiengefeh. Beratung des sozialdemokratischen Gesetzentwurfs im Reichstag. Der Dohnungsausschuß des Reichstags begann am Dienstag mit der Beratung der Gesetzesvarschläge der«sozial» demokraten und des Christlich-Soziolen Volksdienstes über ein Wohnheim st ättengesetz. Abg. L i p i n s k i(Soz.) begründete den sozialdemokratischen Antrag, der dem Entwurf entspricht, den früher schon einmal der ständige Beirat für Heimstättenwesen beim Reichsarbeitsministerium ausgearbeitet hatte. Als Aufgabe des Gesetzes wird bestimmt, daß die Gemeinden zur Durchführung des Artikel ISS der Reichsucr- fassung verpflichtet sind, in dem Umfange Bodenoorratswirtschaft zu treiben, als die Landbeschaffung sür Wohnheimstätten, Kleingärten, Turn-, Spiel- und Sportplätze, Verkehrs- und andere össent- liche Anlagen sowie sonstige Zwecke der Wohnungswirtschaft es er- fordern. Ein Abschnitt über die Planfeststellung enthüll die Vor- schriften, nach denen Gemeinden für ihr Gebiet Rutznngspläne aus- zustellen haben. Nach Bedarf sind in diesen Plänen Gebiete aus- zuweisen, welche die Voraussetzung zur Errichtung von Reichsheim- stillten bieten. Im Abschnitt über die Landbeschaffung ist vorgesehen. daß in allen Fällen der Veräußerung eines Grundstücks die Gemeinde ein dingliches Vorkaufsrecht hat. Ausführlich« Bestimmungen be- treffen das Enteignungsrecht der Gemeinden. Ueber die Entschädi- gung ist vorgesehen, daß sich ihre Höh» nach der Bewertung des Grundstück» im Sinne des Reichsbewertungsgesetze» bestimmt. Katzenellenbogen frei. Gegen eine Kaution von ttOV 000 Mark wurde er wenig« Stunden nach Stnlieserung aus der ilnterfuchungshafi entlassen. Oer Bußtag eines Kapitalisten dauert nicht einmal 24 Stunden. BLZ.-Ausschuß wird einberufen. Endlich Einigung in Paris. Pari«, IS. November.(Eigenbericht.) Der deutsche Botschafter von hoesch hatte am Donnerstagnach- mittag eine Unterredung mit Ministerpräsident llavol, in der die Verhandlungen über die Einberufung und die Voll- machten de» Sachverständtgenausschusse» der BZZ. zum Abschluß gebracht wurden. Ueber die kleine stilistische Acndcrung. die die französische Regierung am Mittwoch an dem Text des Einberufungsschreibens vorgeschlagen hatte, ist völlige Einigkeit erzielt worden. Da» Schreiben. das einen Umfang von etwa 1% Schreibmaschinenseiten hat. wird noch am Freitag in Basel der LZZ. überreicht und den Gläubiger- regierungen gleichzeitig zur Kenntnis gebracht werden. Die Einigung, die in Poris erzielt worden ist, betrifft nur die Präliminarien der künftigen Reparationsoerhand» lungen. Es handelte sich bekanntlich zunächst darum, die B e- fugnisse des im Doung-Plan vorgesehenen Untersuchungs- ausschusscs der BIZ. festzulegen. Das war scheinbar nur eine Formsache, in Wirklichkeit verbarg sich hinter dieser Frage ein hochpolitisches Problem: Sollte dieser Unter- fuchungsausschuß sich nach den Buchstaben des Voung-Plans ausschließlich daraus beschränken, die gegenwärtige Fähigkeit Deutschlands, Reparationszahlungen zu leisten, zu begutachten, oder sollte er darüber hinaus das Recht erhalten, auch die Frage der Rückzahlung der cingefrorcncn, bis Ende Februar 1932„stillgehaltenen" ausländischen Prinatkredite zu prüfen? Sollte diese Sachverständigen- kommission überhaupt befugt sein, den Regierungen Bor- schlage über die Rückzahlung dieser Privatkredste und über eine etwaige Wiederaufnahme von Reparationszahlungen zu machen? Um diese Präliminarsragen ist oollc 14 Tage läng zwischen Paris und Berlin hin und her verhandelt worden. Vor allem der französische Finanzminister Flandin schien sich zunächst auf den starren Rechtsstandpunkt zu stellen und nur die Frage der Reparationszahlungen dem BJZ.-Aus- schuß unterbreiten zu wollen, während der Ministrpräsident L a v a l darüber weniger engherzig dachte, aber auf die Auf- fassung seines Finanzministers Rücksicht nehmen mußte, hinter dem der größere Teil der gegenwärtigen französischen Koalitionsmehrheit steht. Auf welche Formel man sich in Paris schließlich geeinigt hat. geht aus den bisherigen Meldungen nicht hervor. Bc- kanntlich wollte Frankreich zunächst von einer Einbeziehung der Frage der Privatkredite in den Aufgabenkreis des Unter- suchungsaussckmsses überhaupt/ nichts wissen, weil es fast au?- schließlich an Reparationen interessiert ist, während der fron- zöstscho Anteil an den stillgehaltenen Privatkrediten nur wenige Prozente beträgt. Die Interessen Englands und vor ollem Amerikas liegen genau umgekehrt. Dann sprach man in Paris davon, daß die BIZ. einen zweiten, parallelen und mehr oder weniger offiziellen Ausschuß einsetzen sollte. um über das Problem der Privatkredite zu beraten, während dem eigentlichen Untersuchungsausschuß des Poung-Plans nur die Prüfung der Reparationsfrage obliegen würde. Es scheint, daß der Gedanke zweier getrennter' Ausschüsse in- zwischen fallen gelassen worden ist. Wie WTB. meldet, hat der A u s s ch u ß der deutschen Schuldner sich gleichzeitig an die in dem Stillhalteabkommen beteiligten Aus- schüsie der ausländischen Gläubiger gewendet und im Hin? blick auf den Ablauf des Stillhalteabkommens am 29. Februar 1932 den Beginn alsbaldiger Verhandlungen über eine Neuregelung vorgeschlagen. Diese Mitteilung gibt aber keinen klaren Ausschluß über die Art der Einigung, die zwischen Paris und Berlin erfolgt ist. Man wird daher den Wortlaut des deutschen Antrages abwarten müssen, der im Laufe des heutigen Tages veröffentlicht werden dürste. Oer Raubzug triumphiert. Keine Macht gegen Japan. Tnnks, Panzerzüge und Bombenwürfe aus Flug- zeugen haben die chtnesrschen Truppen in die Flucht ge- trieben. Dl« Japaner haben die Stadt Zizitar an der Ostchinabahn besetzt und verfolgen die Cinescu weiter nach Nordosten. Damit ist eingetreten, was Rußland als Eingriff in seine Interessen anzusehen oft erklärt hat, doch äußert sich die Towjetpresse nicht so scharf, daß man mit einem russischen Vorgehen rechnen müßte, das zum Krieg führen würde. Dagegen hat Japan die Sowjet- union„freundschaftlich" vor Truppenentsendungen in die Mandschurei gewarnt und versichert, daß die Ostbahn nicht beschädigt worden sei. Der russische Botschafter in Japan hat vom Außen- kommiffar der Sowjetunion die Anweisung erhalte», so- fort von seinem Urlaub nach Tokio zurückzukehren. Nach einer chinesischen Meldung geht die Schlacht um Zizikar weiter. General Matschaugschen leite die Opera- Internationales Theater. Vera Bern:„Affentanz". Eine naturalistische Fomilicntragödie mit dem Thema„Do? Leben ist ein Asfentanz", die sich zum Schluß fast unentwirrbar in düsteren Sophistereien verstrickt. Brauseuder Beifall für Hedwig Mangel. Oer. turnen von seinem neuen. 30 Kilometer nördlich liegen- den Hauptquartier. Kein Fortschritt im Rat. Paris. 19. November.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen des Völkerbundsrates haben auch am Mittwoch keinen Forkschrili in der Regelung des chinesisch- japanischen sionslikks gebracht. Die Japaner scheinen zu keinerlei Entgegen- kommen bereit zu sein. In der Dannerstagsitzung erklärte Briand, der amerikanische Beobachter Dawos würde am Rotstisch Platz nehmen, falls der Kellogg-Pakt in die Debatte gezogen werden sollte. Da Artikel 11 der Völkerbundssahung immer noch die vcrhand- lungsgrundlage bildet, so würde die Entsendung einer Unter- suchungskommissiou nur möglich sein, wenn Iapan die Initiative dazu ergreift. Man hossi. daß die japanischen Dete. gierten sich einer derartigen Möglichkeit nicht verschließen werden. Sollte Artikel IS der Satzung angerufen worden, was bisher nicht geschehen ist, dann könnte eine Untcrsuchungskommission ohne weite- r«« entsendet werden. Di« japanische Delegation hat nach außen hin den Eindruck erweckt, als ob sie bereit sei, sich mit der Entsendung einer Unter- suchungskominission einverstanden ZV erklären. Dieses„Zugestand- nis" wird dadurch illusorisch, daß die Japaner sich über die Vollmachten dieser Kommission in Schweigen hüllen und ein Vorabtom««» über ihr« Forderungen verlangen WERTHEIM Zusendung von 2 M an. Obsf, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Soufeit(ü errat m jßehensmittel Frisch. Fleisch Ochsen-Suppenfl.. 0.58 Ochsen-6ulasch Pfd. 0.74 Ochsen-Roastbeef. 0.76 Schabefleisch Pfund 1.10 Talg 0.40 Gehacktes 0.60 Kalbsbrustu. ROcken 0.60 Kalbskotelett Pfund 0.98 Kalbsroulade Pfund 0.98 Kalbsschnitzel Pfund 1.28 Schweinebauch Pfund 0.68 Schweineschulter. 0.68 Schweineschinken. 0.76 I a Berliner Bratwurst 0.94 Bratfertiges Rett Pfund 0.63 Geflügel, Wild Suppenhühner Pfd. v. 0J0 Gänsestückenfl.Pfd.v.0.85 Kaninchen gesir. Pfd. v. 0.80 Rehfleisch B|aM iceui« Pfd. von an 0.88 1.45 1,45 Obst u. Gemüse EB-u. Kochäpfel 0.07 0.10 Amorettenbirnen Pfd. 0.10 Jägeräpfel...Pfund 0.15 Tiroler Äpfel..Pfund 0.20 Feigen Pak. 0.22 Pfund 0.28 Mandarinen..Pfund 0.30 Walnüsse... Pfund 0.35 Paranüsse...Pfund 0.45 Rot-, Weif;-, Wirsingkohl 0.05 Rübchen, Sellerie Pfd. 0.06 Möhren gewasch. 3Pld. 0.10 Rote Rüben.- 5 Pfd. 0 20 Blattspinat..3 Pfund 0.25 Rosenkohl... Pfund 0.15 Blumenkohl Kopf v. an 0.15 Wurstwaren Hausmachersülzeo.s6 0.45 Dampf- u. Fleischw. 0.84 Landleberw. Pfd. i.is 0.88 Jagdwurst. Pfund 1.20 0.92 Feine Leberw. Pfd. f.«5 1.1 5 Zervelat u.Salami Pfd. 1.24 Teewurst grobeu. feine 1,32 Filelwurst... Pfund 1,34 Zervelatw. i. r-»d. 1.4a 1.35 Speck feif v. 0.88 mag. v. 1.05 Schinkenspeck Pfund 1.34 Gek. Schinken geschn.■ ohne Schwarte, lis Pfund 0.75 Roh. Schinken geschn. ohne Schwarte,*/, Pfund 0.95 Käse u* Fett ——• Ramadou haibf.,Siüdc 0.20 Camembert voiifeti, 6 Portionen 0.62. Schachlei 0.20 Harzerkäse ca. i-Pfund 0.32 Tilsiterkäse voiif.,Pfd. 0.68 Blockkäse(TilsiferArl) halbfeit, Pfund 0.58 Holländer u.Edamer vollfetf, Pfund 0.70 Briejfäse vollfetf, Pfd. 0.72 Margarine, Kokosfett„ 7 Pfund 0.75 Roh-, Bratenschmalz 0.56 Molkereibutter 1.10 134 Markenbutter aiiorf. 1.42 Dän. Butter..Pfund 1.44 Fische Schellfisch Pfd. V. an 0.14 Rotbars o. K., Pfd. V. an 0,1 4 Kabeljau o.k., Pfd.v.an 0.15 Kabeljaufilet Pfd.v. an 0.26 Grüne Heringe3Pfd.v.0.35 Bratschollen 2Pfd.v.a. 0 35 Zander gefror., Pfd.v. an 0.35 Leb. Karpfen Pfd.v.an 0.72 Hechte 0.48 lebend, v.an0.70 geräuchert Fettbücklinge Pfd.v.an 0.26 Schellfische Pfd. v. an 0.32 FlundernPfd.0.38Bd.v.0.18 Sprotten Pfund von an 0.35 SeelachsPfund von an 0.38 Aale Pfd. V. 2.40 Bd. v. 0.32 Kolonialwaren Linsen.Pfund«.2,«.„0.1 2 Weiße Bohnen.«.«0.14 Viktoria-Erbsen.«.24 0.18 Bruchreis 0.12�'™� 0.1 4 Hartgrieß. Pfund o.» 0.27 Schnittnudeln Pfd.«.s« 0.44 Bruchmakkaroni Pfd. 0.42 Spaghetti. Pfund«.ts 0,65 Pflaumen 0.28 o. St. o.uOAB Backobst gemischt 0.62 0.38 Ringäpfel amarik..«.12 0.54 Aprikosen kal., o.vso.rsO.ßO Kakao"arkrt%i.» 0.58 Gebr. Kaffee Pfund 1 80 2 20 2.60 3.00 3.40 3.80 Konserven v, d«. Sehn.- u. Brechb.0.42 0,55 Jg. Erbsen 0,74 s.fein 1.15 Leipziger Allerlei..0.78 Gem. Gemüse mi.feif. 0.90 Prinzeßbohnen mitieif. 0.75 Bruchspargel mittelst. 1.45 Stangenspargel stark 1.90 Spinat 0.42 Sellerie 0.68 Pfifferlinge 0.90 kleine 1.25 Wein Preise für Flasche ohne Glas 1930 Oberhaardter. 0.73 1930 Ingelheimer n* 0.90 19308urweil Schlofjb.l.OO 1930 Wehl. Rosenbg. 1.35 1929Casel.Herrenbg.1.55 Dürkheim. Rotw. Liter 0.80 1930 Wöllsteiner Liter 0.85 Tatragona...Liter 1,10 Muskateller... Liter 1.20 Theater, Lichtspiele usw. Vunu/ Stisim/Stimie/So, im/ Staats Theater Freiing, den 20, Norcmbcr staatsoper Staatsoper Unter d. Linden 20 Uhr Bohdme am Platz der Rcpglilik IS'-- Uhr Dr. oomties AOenteuer 20 Uhr 1001 Nacht SlaatLStepiilhaus GiDdannenmarü. 20 Uhr Wallenslelas Tod Schiller-Theater CbarlDttenbnrj. 20 Uhr Die Herde sndü »VaührCASINO-THEATERs'/aUh. Lothringer Strafe 37, Nur Dodi venioe Autfahrunoen mecher- Fritze VolksstQck mit Direktor llanK Brrg dazu das bunte November-ProSr. Gutschein 1-4 Personen. Pauteuil I.— Mark. 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Zwvemher 1931, Der vorstand. Sari Brandenburger. Borsitzender. AUoeineiiie OriskrankeDkasse Dir den Stadtbezirk Röpeniik Hiermit laden wir die Mitglieder des Ansschnfies zu der ont Freitag, dem 27. Zla. aember d. Z., abends 7>/. lldr, im Nestau. rant„Rnhwaid". Znh. Vudach.«öpenick, Veriiner Strotze 18(ont Bahnhof Spind- lersseld, slalifindenden sufterordenlllilien Auzzrduk ZlltURg ein. Tngesordnungi l. Bericht über den Eiand der Raffe und eoentuelle Belchiutz nffnng. 2. Die Zentralisation der.4ranrenkaffen in Berlin und eventuelle Beschlutz» faffung. 3. SeschitsUiches. Berlin-Zläpenlck. den l9. Bon. 1931 Der Vorstand Otto Nickel, Vorfitzender. Es ist neu erschienen: Kinderland 1932 Ein Jahrbuch für Arbeiterkinder in Stadt und Land. Reich illustriert. Farbige Bilder beleben das Buch. Sprudelnde Lebensfreude vom ersten bis zum setzten Blatt. Die Kinder haben selbst daran mitgearbeitet. Das Kinderland kostet I.SO RM. 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Die endgültigen, auf Druschprobcn beruhenden Schätzungen ergeben, datz mir mit einer Ernte von(5,6 Millionen Tonnen Roggen und 4,2 Millionen Tannen Weizen zu rechnen haben. Die letzte Schätzung des Deutschen Land- wirtschaftsrats kam bei der Roggcncmtc zu dem gleichen Ergebnis, während die Wcizenernte um 100 006 Tonnen geringer geschätzt wurde. Im Vergleich zur vorjährigen Roggenernle stehen demnach in diesem Jahre l Million Tonnen Roggen weniger zur Verfügung. Die Futtcrgetreideernte übcrtrisft dagegen die des Vor- jahres um etwa 650 000 Tonnen, da die Ernte an Gerste auf 3 Mit- > lionen und die chafcrcrnte auf 6,2 Millionen geschätzt wird. Im Gegensatz zum Vorjahr stehen aber Vorräte aus der 1330« Ernte überhaupt nicht mehr zur Vcrsügung. Die Getrcidcversorgimg Deutschlands ist daher sehr knapp, so daß wir auf eine Ge- % treibe ein fuhr von mindestens 3 Millionen insgesamt angewiesen sind. Der sichtbarste Beweis für d i c Roggenknapph'cit ist der Raggenprcis, der jetzt mit 200 M. je Tonne rund 50 M. über dem Roggenpreis vom November vorigen Jahres liegt, während vor einem Jahre die Spanne zwischen den beiden Brot- gctreideprciscn>00 M. betrug. Um aus dieser Roggcnknappheit, aus die wir schon seit Wochen hingewiesen, keine Gefahr für die Brotversorgung entstehen zu lassen, habe» wir immer und immer wieder verlangt, daß durch die Erleichterung der Futtcrgetreidceinfuhr. vor ollem der Maiseinfuhr, sämtlicher nur irgendwie mahlfähige Roggen an die Mühle» verkauft wird und daß nicht, wie in den Jahren des Roggenüberflufses, große Mengen von Roggen verfüttert werden. Die Reichsrcgicrung hat sich aber bisher diesen Forde- rungcn gegenüber taub gestellt. Jetzt endlich..erwägt" man. statt schon lange zu handeln, den Auttergcrstenzoll zu senken und auch den Zllais- Monopolpreis herabzusetzen. Wann endlich der Reichsminister Schiel« diese Revision der Gr- treidepolitik vornimmt, weiß inan nicht. Bis jetzt ist er anscheinend immer noch ausreichend damit beschäftigt, die Preise hochzu- treiben. So Hot Schiele jetzt, um die süddeutsche Landwirtschast zu streicheln, wieder Mittel zur Verfügung gestellt, die zur Durch- führung einer Stützungsaktion für B r a u g e r st e dienen fallen. Außerdem werden zur weiteren Stützung des Braugerstcnpreiscs durch eine am 19. November crichieneno Verordnung die Einfuhrscheine für Malz und für Erzeugnisse aus Gerste wieder eingeführt. Der Wertbeftimmungsfatz beträgt bei der Ausfuhr von Vtalz 10 Mark, bei der Ausfuhr von sonstigen Gersteerzeugnisseii 8 Mark je Doppelzentner verarbeitete Gerste. Damit nicht genug, wird durch die gleiche Verordnung auch die Wiedereinführung von Einfuhrscheinen für Erzeugnisse aus 5)afer (Haferflocken usw.) festgesetzt. Der Wert der Einfnhrschcine beträgt hier 8 Mark je Doppelzentner verarbeiteten Hafers. Statt also die Hafer- und Gerstenprcisc möglichst zu senken, sollen durch die Wiedereinführung von Exportprämien die Preise hinaufgetrieben werden. Die Reichsrcgierung scheint noch dem Bibclwort zu hau- deln: Die rechte Hand soll nicht wissen, was die linke tut. Man erwägt die Senkung der Futtcrgetrcidczölle, gleichzeitig aber führt man Exportprämien ein, um den Futter- gctreidcprcis in die Höhe zu treiben. Aus Gchieles Gubventionsdickichi. Jetzt die Rinderzüchter. Mann könnte bald eine tägliche agrarische Subventionsrubrik einrichten, so groß ist der Eifer des Rcichsernährungsminiftcriums auf diesem Gebiet. Das neueste ist, daß der Reichsernährungs- minister sich aus das Drängen der Rindcrzüchteroer- e i n i g u n g e n hin entschlossen hat, diesen cmc größere Beihilfe zur Verfügung zu stellen. Die Vertreter dieser Bereinigungen hatten ihm erklärt, daß, wenn sie keine Ertrabeihilfe bekämen, sie ihre Einrichtungen nicht mehr aufrechterhalten könnten. Sicher geht es, ebenso wie der veredelnden Landwirtschaft auch den Rinderzüchtern nicht glänzend, da die Fleischpreisc infolge der mangelnden Kanskraft der städtischen Bevölkerung niedrig sind. Dennoch ist es ein Unfug, daß diesen Vereinktzunzen außer den sehr reichlichen Subventionen, die sie sowieso schon erhalten, nach besondere Beihilfen gewährt werden. Es ist Volkswirt- schastlich einfach unsinnig, auf der einen Seite Mittel zur Versiigung zu stellen, um Mastvieh in Süd- und Nordwcstdeutschlond oufzu- lausen und im Ausland zu verschleudern, auf der anderen Seite Züchtervereinigungen zu unterstützen, damit sie ihre Produktion nicht einschränken. Wann wird ein Ende wenigstens mit den überflüssigen Subventionen Schielcs fein?' Llmschuldung und Werkstarife. Gegen Belastungen der werktätigen Bevölkerung. Die Notverordnung vom 7. Oktober verpslichtct in 6 Ziffer 3 die Lander und Gemeinden, die Zinsen und Tilgung?- raten für die beabsichtigte llmschuldung der kurzfristigen K o m m u n a l s ch n l d e n sicherzustellen und soweit dies nicht möglich ist, � a) besondere Abgaben oder Zuschläge auf die Elektrizitäts-, Gas-, Wasser- und Verkehrstarife ihrer Werke und Unternehmungen zu erheben und deren Ertrag treuhänderisch ab- zutreten: b) den Werken oder Unternehmungen, von denen elektrischer Strom oder Gas oder Wasser geliefert wird, die Z u st i in m u n g zu geben, daß der mit ihr vereinbarte Tarif um die von der Um- ichuldungsstelle für notwendig erachteten Zuschläge erhöht und der Ertrag der Zuschläge treuhänderisch abgetreten wird: c> wenn elektrischer Strom oder Gas oder Wasser von Werken oder Unternehmungen geliefert wird, auf deren Tarif- gcstaltung sie keinen Einfluß hat. den von der Umschul- dungsstelle für notwendig gehaltenen Teil der von diesen Werken oder Unternehmungen an sie abzuführenden Beträge treuhänderisch abzutreten. Diese Bestimmungen bedeuten die Gefahr einer ungeheuren Belastung der werktätigen Bevölkerung und zwar aus folgendem Grunde: Im Durchschnitt der gesamten deutschen Elektrizitäts- werke werden nur rund 22 Prozent des erzeugten Stromes an die Kleinverbraucher geliefert, während 78 Prozent an mdustrielle Großverbraucher und Wiederver- käufer abgesetzt werden. Die Lieferung an die Letztgenannten be- ruht fast ausnahmslos o»s l a n g s r i st i g e n Verträgen, die eine Preiserhöhung nur dann zulassen, wem, eine Aenderung der Kohlenpreise, auf die die Strompreise abgestellt sind, eintritt. Ein Preiszuschlag auf die Großlieferpreisc ist also rechtlich gar nicht möglich, die für die Umschuldung erforderlichen erheblichen Betrage müssen daher durch die Belastung des verhältnismäßig geringen Klcinvcrbrauchs aufgebracht werden. Die Kosten für die Umschul- dungsaktion sollen also wieder einmal auf die Arbeiterschicht, die hauptsächlich die Klasse der Kleinverbraucher repräsentiert, ab- gewälzt werden. Die Lebenshaltung gerade dieser Beoölkerungs- schicht ist aber heute bereits in einer nicht mehr zu überbietenden Weise eingeschränkt, so daß gegen diese neue Belastung der aller- schärf st e Widerspruch erhoben werden muß. Diese Zuschläge müßten außerordentlich hohe sein, wenn der in der Notverordnung bezeichnete Erfolg erzielt werde» soll. Gleichzeitig tritt ober infolge des mit Sicherheit zu erwarten- den Minderverbrouchs, insbesondere infolge des Verzichts auf die Verwendung von Hanshaltsstrom eine starke Erhöhung der Selbst- kosten ein, die ihrerseits wiederum dazu zwingen mühte, die Tarif- schraube weiter anzuspannen. Da eine weitere Tarifoerteuerung den Verbrauch enorm drosseln müßte, bedeuten die Bestimmungen der Notverordnung letzten Endes neben der Belastung der arbeiten- den Bevölkerung eine Bedrohung der Lebensfähigkeit der öffentlichen Versorg ungsbetriebe Diese aber führt gerade zu dem Gegenteil von dem, was die Notoerordnung erstrebt, nämlich zu einer weiteren Verschlechterung der komm»- nalcn- Finanzwirtschoft. Auch aus diesem Grunde muß die Not- Verordnung dem allerschärfsten Widerspruch begegnen. Der weiter sinkende Fementabjah. Im Oktober wurde nach dem Bericht des„Deutschen Zementbundes" nur 287 000 Tannen Zement abgesetzt: dos sind 37 Proz. weniger als zm Oktober des Vorjahres, wo bereits 33 Proz. weniger als im Oktober 1323 cll'gc- setzt worden waren. Die Katastrophe auf dem Baumarkt spiegelt sich hier deutlich wider. Die Eiekirowerke des Reichs. Die Gründe der Wirtschastlichkeit der Elektrowerke.— Eine monographische Darstellung. Unter den Elektrizitätskvnzcrncn Deutschlands spielen die Eleltrowcrke, die vom reichscigenen Viag-Konzern beherrscht werde», insofern eine bedeutende Rolle, als sie lediglich Großver» braucher mit Strom beliefern, während beispielsweise dos RWE. und alle übrigen Elektrizitätskonzerne neben Großverbrauchern auch die zahlreichen gewerblichen Verbraucher, Haushaltungen und Ignd- wirtschastliche Unternehmungen mitznbcliesern habe». Wie wir einer jetzt erschienenen Schrift von Regicningsrat Dr. Ernst H c i ß- mann: Die Rcichclektrowerkc(Verlag R. u. H. Hoppe»- stedt, Berlin 1931). entnehmen, beliefern die Rcichselektrowerke fünf industrielle Großunternchmungen, zwölf Elcktrizitätsgesell- schaften und ei» Aerkchrsnntcrnehmcn, nämlich die Reichsbahn. Von den sünf JndustriegeseUschastcn gehören einige ebenfalls zum Viog-Konztrn, nämlich das Piestcritzer Stickstoffwert und das Lantawerk(Aluminium). In den letzten Jahren war die Strom- lieferung an die Jndustriegesellschasten und an die Reichsbahn ganz erheblich größer als die Elektrizitätsliefernng an andere Elek- trizitätsgesellschasten.. Im Jahre 1930 wurden 1345 Millionen Kilowattstunden a» die Großindustrie abgegeben, hiervon 143 Mil- lionen Kilowattstunden an die Reichsbahn, während die yviilf Elcktrizitätsgesellschaftcn zusammen nur 167 Millionen Kilowattstunden erhielten. Die erwähnte Schrift, die im übrigen eine ausführliche Dar- stellnng der bisherigen Entwicklung und eine Beschreibung der An- lagen der Elektrowcrkc enthält, zeigt in anschaulicher Form, worum dieses Großunternehmen so außerordentlich wirtschaftlich arbeitet und den Strom an die Industrie wie auch an die übrigen Elek- trizitätsgesellschasten zu vorteilhaften Bedingungen abgeben kann. Die niedrigen Produktionskosten sind dadurch bedingt, daß die Elcktrowerkc in ihren drei großen Erzengungsanlagen über außerordentlich billige Encrgicstosse(Braunkohle) an Ort und Stelle vor- fügen, weil die modernen Betriebsanlagcn mit sehr hohem Wirkungsgrad arbeiten und weil die drei Gemeinschastswerke mit- einander durch Leitungen gekuppelt sind, so daß stets ausreichende Rcserveleistungcn vorhanden sind. Das Tonfilmgeschast bringt jeht Verluste Der große amerikanische Tonfilm konzcrn Warner Brothers meldet sür das Ende September abgeschlossen« Ge- schäftsjahr einen Verlust von 7,92 Millionen Dollar, d. h. über 33 Millionen Mark. Der Filmkonzern Warner Brothers gehört zu denjenigen Filmgesellschaften, die sich als erste von, stummen auf den Tonfilm umstellten. Der finanzielle Ersolg dieses Varsprungs vor anderen Filmkonzerncn war zunächst sehr groß. Von 1927 bis 1928 stieg der Reingewinn von 2,0 ans 17,3 Millionen Dollar. 1928 bis 1929 hatte der Reingewinn noch 11,5 Millionen Dollar betragen, 1929 bis 1930 waren es immer- hin noch 7,1' Millionen Dollar. Parallel zu dieser Gewinnentwicklung bot Warner Brothers seine Interessen durch Ucbernahmc anderer Filmgesellschastcn und großer Theaterkonzsrne immer mehr ausgedehnt. Der jetzt eingetretene Verlust zeigt, in welchem Grade jetzt auch das Tonfilmgeschäft von der Krise betrofscn wird. Kupfertrusts wollen ins Kabelgescha'st. Mißerfolge einer französischen Kabelgesellschast, dieFran�ois! Marsal leitet. Die führende französische K a b c l g e j e l l s ch o s t Coeieste Electro-Cables befindet sich seit einigen Monaten in so ernsten Finanzschwierigkeitcn, daß sie ihren Ver- sislichtungen nicht mehr nachkommen kann. Hauptgläubiger der Ge- sellschaft sind offenbar die großen Kupserkonzcrne. Sowohl der belgische im Kongogebiet arbeitende K a t a n g o- K o n z c r n als Copper Co. entsenden Vertreter noch Paris, die über eine Kapitalbeteiligung an dieser Gesellschaft verhandeln sollen. Der Anaconda-Copper-Trust beherrscht bereits in den Bereinigten Staaten einen wichtigen Teil der Draht- und Kabclfabrikation. Die Finanzschwierigkeiten der französischen Gesellschaft rühren in der Hauptsache davon her, daß diese Firma i» der letzten Zeit sowohl in Form von Neubauten als auch tn Form van Beteiligungen eine starke Expansion getrieben hat und daNn. mir einem Konkurrenzunternehmen einige Zeit in starkem Weit- bewcrb log. Präsident dieser Gesellschaft ist der Senator' F. Fran?ois Marsal, früher Direktor der Bangue de l' Union Parisiennc und heut« noch einer der wichtigsten Männer im Aufsichtsrat dieser zwcttgrößten französischen Geschäftsbank, die bekanntlich gleichfalls vor einigen Wochen in finanziellen Schwierig- testen war. Franxois Marsal betätigt sich sehr rege auch publizistisch und kann ols einer der wichtigsten Wortführer des fron- zö fischen Imperialismus angesehen wcrdciu Daß sich die von ihr geleitete Firma gezwungen sieht, einen Teil ihres Aktienkapitals(125 Millionen Franken) ausländischen Kupferkonzcrnen abzutreten, ist ein unerwarteter Mißerfolg der Machtbestrebungen dieser Gnippe. Devisenwirtschast in Oesterreich. Die Grenzkontrolle für die Reifenden. Die Oesterreichische Gesandtschaft macht darauf auf- merksam, daß ausländische Reisende, die Oesterreich besuchen, k e i- n« s w e g s Gefahr laufen, an der Grenze ihre in- und ausländischen Zahlungsmittel abliefern zu müssen. Die Frage der Grenzorgan« nach der Höhe der mitgebrachten Zahlungs- mittel, die zu dieser Vermutung Anlaß gibt, hat lediglich den Zweck, den ausländischen Reisenden irgendwelche Schwierigkeiten bei der Wiederausreise zu ersparen. Der Betrag der mitgebrachten Zahlungsmittel wird von den Grenzbeamten im Aus- weisdokument notiert und ermöglicht es dem Ausländer, bei der Wiederausreise in- und ausländische Zahlungsmittel in gleichem Betrag aus Oesterreich mitzunehmen. Ausländer, die in Oesterreich ihren Wohnsitz haben, sind von der Anmeldung und vom Angebot ausländischer Zahlungsmittel befreit, wenn sie in Oester- reich nicht zu Erwerbszwecken sind. Aber auch wenn das der Fall ist, gilt die Verpflichtung nur für jenen T« i l des anmeldepflichtigen Vermögens, das mit dem in Oesterreich gelegenen Erwerbsunter- nehmen des Ausländers in Zusammenhang steht. Auch in England Vermahlungszwang? Schuhzollpolitik und Landwirtschaft. In England rechnet man allgemein damit, daß die Regie- rung noch in den nächsten Tagen einen Vermahlungszwang für einheimischen Weizen verordnen wird. Es wird damit gerechnet, daß die Vermahlungsquote auf 15 Proz. festgesetzt wird. Die radikalen Schutzzöllner unter den Konservativen gehen mit ihren Forderungen aber noch über diese von der Regierung vorgesehenen Maßnahmen weit hinaus. So beantragte der Landwirtschaftsaus- schuh der Konservativen Partei, die Antidumpingzölle auch auf die Einfuhr bestimmter ausländischer Lebensmittel anzu- wenden. Danach scheint es also, daß die englische Schutzpolitik sich nicht nur auf die Jndustrieeinfuhr beschränken, sondern auch Agrar- zolle einführen wird, obwohl die englische Landwirtschaft im Rahmen der Kesamtwirtschast eine gänzlich untergeordnete Rolle spielt. Holland setzt die Kleischzölle herauf. Das holländische Parlament hat am Mittwoch eine Erhöhung der R i n d f l e i s ch z ö l l e auf 2i) Proz. des Wertes beschlossen. Diese Zollerhähung geht noch über die Vorlage der Regierung, die eine Kontingentierung der Fleischeinfuhr vorsah, hinaus. Die Zollerhöhung wendet sich hauptsächlich gegen Dänemark. das infolge der Abwertung der dänischen Krone seine Fleischzu- fuhren nach cholland in letzter Zeit erheblich gesteigert hat. Zioth-Vüchner hinter der spanischen Wand. Die Umwandlung in G m.b. S. beschlossen.- Um Gewinne zu verstecken! Wie schon vor einiger Zeit von uns angekündigt wurde, hat die Generalversammlung der Roth-Büchner A.-G. die Umwand- lung in eine G. m. b. ch. beschlassen. Es wird zugegeben, daß man damit den Zweck verfolge, sich der Verpflichtung zur Bilanzveröffent- lichung zu entziehen und Steuern zu sparen. Da das Aktien- kapital sich fast vollständig in chänden der amerikanischen Gillette S a f e t y C y. und des Berliner Bankhauses G o l d f ch in i d t- Rothschild u. Co. befindet, ist diese Umwandlung leicht zu voll- Ziehen. Bon einer.ungeheuren steuerlichen Belastung" der Gesellschaft zu sprechen, ist einfach eine Unverschämtheit angesichts der Tot- lache, daß man auch für das letzte Jahr die Rckorddividende von 24 Proz. verteilen konnte. Die Sache liegt einfach so. daß man so ungeheuerlich viel verdient hat, daß einfach keine Aktiva mehr da sind, auf die man noch abschreiben kann, daß die Betriebe so ausgebaut find, daß man nichts mehr in sie hineinstecken kann. So hat man in der letzten Bilairz den Posten Gebäude von 735 ülw auf eine Mark abgeschrieben, ein Aktivum, das man normalerweise in 20 Jahren abschreibt. Die Roth-Büchner A.-G. hätte vermutlich bei ihrem nächsten Abschluß veröffentlichen müssen, daß sie 50 oder(50 Proz. Dividende verteilt.— Das ist eben einfach unmöglich! Da auch die Verteilung von Gratis-Aktien allzusehr auf- gefallen wäre, hat man also die Umwandlung in eine G. m. b. ch. vorgezogem Diese G. m. b. ch. wird aber ein Kapital von 6,6 Millionen Mark haben, während die Aktiengesellschaft ein Kapital von nur 2.8 Millionen Mark hatte— hier ist also die Erhöhung der Aktionärs-Beteiligung auf das? VI- fache vollzogen! Jetzt verteilt sich also der Reingewinn des Unternehmens auf ein viel größeres Kapital, so daß die Ausschüttung auf den einzelnen G. m. b. ch.-Anteil entsprechend niedriger aus- fällt. Wir sind der Zuversicht, daß diese Gratis-Erhöhung des gewinnberechtigten Kapitals am Roth-Büchner-Unternehmon vom Finanzamt erkannt ist und entsprechend besteuert wird. Lahusen-Vitiergut unter dem Hammer. Die chauptritterschaftsdirektion der Mark hat als chauptgläubi- gerin über das den cherrcn Lahusen gehörende Rittergut gretzdorf— ein Gut von 24 000 Tltorgen— die Zwangsverwaltung angeordnet und gleichzeitig die Zwangsversteigerung de- antragt. Das Gut soll im Frühjahr des nächsten Jahres unter den chammer kommen. Die deutsche Rohstahlerzeugung im Oktober. Im Monat Oktober wurden in Deutschland orbcitstäglich 22339 Tonnen Rohstahl erzeugt gegen 24 754 Tonnen im September und 31.765 Tonnen im Oktober vorigen Jahres. Derhiuderle Rückzahlung eines Dollarkredits. Wie schon in anderen Fällen hat die deutsche Stelle für Devisenbewirtschaftung den Deoisenerwerb zur Rückzahlung eines Sechs-Millioncn- Dollar-Kredits der Deutschen' Bau- und Bodenbank A.-G. an das Chikagoer Bankhaus Becker n. Co. verweigert. Der Kredit war schon im August dieses Jahres fallig und bis 16. November bereits verlängert worden Die Verweigerung erfolgte auch hier auf Grund der zum Stillhalteabkommen abgegebenen Erklärung, daß sich die Reichsbank bei der Fälligkeit von Auslondskrcditen, für die eine Stillhaltung nicht ausdrücklich vorgesehen ist. die Devisen- beschafftmg vorbehalten werde. Die Deutsche Bau- und Bodenbank A.-G. trifft für dte Nichtrückzahlung also leine Verantwortung. Lohnschande Oas Schicksal t Um Mitte November ist den Bergarbeitern auf allen Schacht- anlagen mit vierzehntägiger Frist gekündigt worden. Den krank» feiernden Bergleuten Hot man sogar die Kündigung durch die Post zugeschickt. Das soll eine.vorsorgliche" Maßnahme sein für den Fall, daß der Tarifvertrag bis Ende dieses Monats nicht zu- stände kommt. Man will freie Hand haben, um Löhne und Gedinge willkürlich festzusetzen. Mögen die Dinge sich entwickeln wie sie wollen: nur glauben darf man nicht, daß sich die Arbeiterschaft die Willkürhcrrschaft der Grubenoerwaltungen gefallen lassen wird. Ein Aufruf der am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaften wenige Tage vor dem 1. Dezember, dem kritischen Tag, wird genügen, um auf samt- lichen Schachtanlagen im Ruhrbezirt das Zustande- kommen neuer verschlechterter Arbeitsverträge zu verhindern. Das ist den Arbeitgebern bekannt. Der lehte Grund für die Kündigung des Lohnlarifs liegt auf anderem, auf p o l i l i f ch e m Gebiet. Man weiß, daß prominente Industrielle im Ruhrbcrgbau seil einiger Zeil rechl enge Tuchfühlung mit der Ralionalsozialistischen Partei genommen haben. 3a Essen redete der Rationalsozialist Dr. Feder über das, was man WIrtschaslsprogramm der Rational- sozialistischen Partei nennt, und im Induslrieklub, wo der Alensch erst beim Generaldirektor ansängt und in dem Slahltönige und Zechenbarone verkehren, hält man Vorträge über die Rationalsozialistische Partei. Arrangeur ist Dr. Brandt, Bergwerksdirektor und Borsitzen- der des Zechenverbandes. In den Köpfen dieser Leute nialt sich die Welt recht eigentümlich. Die Einführung des sogenannten K r ü m° persystems im Bergbau wird abgelehnt. Nach dem Ausspruch eines Arbeitgebervertreters darf man in der jetzigen Zeit durch Neüeinftellung von erwerbslosen Bergleuten nicht d e n A n- schein erwecken, als wenn es besser ginge. Man kann anscheinend keine Entspannung auf dein Arbeitsmarkt gebrauchen. Das könnte bestimmte Pläne durchkreuzen. Auf dieser Linie liegt auch die Kündigung des Lohnlarifs, die unmittelbar erfolgt ist, nachdem inan erst zum Abschluß eines Lohn- tarifs gekomnien war. Ab Oktober 1931 find die Löhne der Berg- arbeiter in allen deutschen Steinkohlenrevieren um 7 Proz. ge- kürzt worden. Das macht, auf die Lohnfunnne des zweiten Vierteljahres 1G31 berechnet, monatlich für Niederfachfen rund 59 000 Mark, für Niederschlesien rund 193 000 Mark, für den Stein- kohlenbergbau des sächsischen Freistaates etwa 200 000 Mark, für Oberschlesien 384 000 Mark und für das Aachener Revier über 304 000 Mark aus. für den Ruhrbcrgbau ober die rund« Summe von 3 Millionen Mark. Die Lohnkürzung von 7 Proz. bedeutet für den gesamten Steinkohlenbergbau eine jährliche Einsparung in Höhe Kampf im Fuhrgewerbe. Die Fuhrherreninnung gräbt das Kriegsbeil aus. Bei dem Wbau der Löhne will njfenbar die Berliner Fuhrherreninnung den Bogel abschießen. Wir berichteten bereits, daß sie ein neues Lohuabkonmieu für die Arbeiter des Schwer- und Leichtfuhrgewerbes nur noch abschließen will, wenn die Löhne, die in diesem Jahr s ch o n u m 12H Proz. abgebaut worden sind, um weitere 16 bis 22 Proz. gekürzt werden. Einen Vergleichsvorschlag des Gewerberats Körner, der eine Senkung der Löhne um 5 Proz. vorsah, lehnten die Fuhr- Herren als nicht weitgehend genug ab. Die Fuhrherreninnung geht jetzt dazu über, Lohnpolitik auf eigene Faust zu machen. Sie hat ihre Mitglieder durch Rundschreiben angewiesen, die Löhne diktatorisch in den Betrieben um 15 Proz. herabzusetzen. In dem Rundschreiben der Fuhrherreninimng heißt es: „Weiterhin ist es untersagt, mit der Gewerkschaft zu ver- handeln resp. einen Tarif abzuschließen. Sollte die Ge- werkschaft an ein Mitglied herantreten, so ist sofort der Ge- schästsstelle davon Mitteilung zu machen. Notwendige Besprechun- gen mit der Gewerkschaft sind nur in Gegenwart der JnnuNgs- Vertreter zu führen. Zuwiderhandlungen gegen diesen Beschluß werden gemäß Z 11 des Statuts mit Geldstrafe b i s z u 1000 M. geahndet."— Zunächst. Später werden wohl Köpfe rollen. Die Innung glaubt offenbar, mit einem forschen Ritt über alle Hindernisse hinwegzukommen, sowohl über den Widerstand ihrer Arbeiter, als über deren gewerkschaftlichen Schutzwall. Di« Arbeiter des Schwer- und Leichtfuhrgewerbes sind aber fest ent- schloffen, den Jnnungssuhrherrcn dazwischen zu fuhrwerken. Der Gesamtverband, der schließlich auch noch da ist. denkt nicht daran, den größenwahnsinnigen Jnnungslrautern das Feld zu überlassen, sondern fordert seine Mitglieder auf, ihm sofort da- von Mitteilung zu machen, wenn einzelne Fuhrunternehmer ver- suchen sollten, die Anweisung der Innung in die Tat umzusetzen. Die Organisationsleitung wird doim ohne Verzug all« erforder- lichen Maßnahmen ergreifen. Sollten im Lastsuhrgewerbe wegen des Lohnkonflikts Arbeitseinstellungen erfolgen, wird sich dieser Konflikt auch sehr störend auswirken auf die An- und Abfuhr der Güter zu und von den Bahnhöfen, den Speichereibetrieben usw., besonders aber im Mehl-, Müll-, Kahlen- und Kokstransport. „Arbeitsbeschaffung." Lleber SSO 000 Arbeitslosentagewerke eingestellt. Die R c i ch s a n st a l t finanziert im Rahmen der wert- schassenden Arbeitsloscnfürsorge teilweis« die sogenannten Rot- standsarbeiten. die von öffentlidjcn Körperschaften mit der Arbeitskraft der ortsangesessenen Bevölkerung zu gemeinnützigen Zwecken aufgezogen werden. Den größten Teil der Notstandsarbeit muß der Träger der Maßnahme, also die Kommune oder der Kreis oder eine andere öffentliche Körperschaft finanzieren. Als Zuschuß zahlt dann die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbefts- losenoersicherung sogenannte F ö r d e ru n g s b e i t r ä ge. die sie sonst in der betreffenden Gegend an die dortigen Arbeitslosen als Arbeitslosenunterstützung zahlen müßt«. Die Finanz- und Wirtschaftskrise wirkt sich nun verheerend auf die Durchführung der Notstandsarbeften aus. Trotz beschleunigter Auszahlung der Fördernngshcträye und sogar stcllcnwciser Bevor- schussung, sind die Träger der Maßnahmen nicht mehr in der Lage, die übrigen notwendigen Gelder aufzutreiben. Bis September 1931 mußten insgesamt 147 begonnen« oder bewilligte Rot» im Bergbau. von 50 Millionen Mark. Am 1. Januar 1931 war ober bereits eine Lahnreduzierung von 6 Proz. eingetreten. Die Gesamteinsparung dürfte sich damit auf 100 Ml- lionen Mark berechnen. Was das für die Kaufkraft von 350 000 Bergarbeftern bedeutet, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden. Dabei steigt die Leistung pro Mann und Schicht. Setzt man den Förheranteil der bergmännischen Belegschaft im Jahre 1913— 100, so ist er bis zum August 1931 im Ruhrreoier auf 160 gestiegen, im Aachener Revier auf 130, in Oberschlesien auf 140 und in Rioderschlesien auf 136. Diese Steigerung bedeutet aber, daß der Lohnanteil je Mann und Tonne Kohle fortwäh- r e n d sinkt. Der Lohnankeil liegt gegenwärtig unter Friedensstand. Der Lohnanteil machte im Ruhrbcrgbau im Jahre 1913 beispielsweise 5,94 vkark au». Bis August 1931 war er aus 5,56 Mark gefallen. Berücksichtigt man die am 1. Oktober in Kraft getrekeue Lohn- kürzung von 7 proz., so sinkt der Lohnanteil aus 5,20 Mark. Dabei bleiben die weiteren Leistungssteigerungen, die sich ohne Zweifel auch nach dem Monat August vollzogen haben, unberücksichtigt. Aehnlich dürfte es wohl auch in anderen Revieren liegen. Der Lohn- ante!! hat sich im Laufe der letzten Monate fortwährend verringert. Die Entwicklung beweift, daß man den hohen Selbst- kosten im Bergbau von der Lohnseile her nicht bei- kommen kann. Die Löhne haben sich als ein„äußerst elastischer" Teil in den Selbst- kosten erwiesen und sind, nach unten gegangen, bereits auf einen Stand gesunken, der nicht mehr unterschritten werden kann. Dem- gegenüber sind die anderen Selbstkosten, von der Kapital- seite her, zu unelastisch, viel zu hoch. Gegen diese Auswirkungen versagt jede Entlastung. Aus Grund der Notverordnung von Ende September 1931 haben die Arbeitgeber sämtlicher Steinkohlenreviere einen Bei- tragserlaß in Höhe von 3,25 Proz. für die Erwerbslosenvcr- sichcrung bekommen. Das macht für das Ruhrrevier monatlich etwa 1,298 Millionen Mark aus, für Aachen, immer pro Monat, fait 132 000 Mark, für Oberschlesien über 165 000 Mark, für Nieder- schlesien 83000 Mark und für Niedersachsen immerhin 23 500 Mark. Berücksichtigt man das bei den Lohnkürzungen, so ergibt sich, daß der Steinkohlenbergbau im ganzen Reich seit dem 1. Oktober 1931 um 6 Millionen Mark entlastet worden ist. Eine Preissenkung für Kohle ist aber nicht vorgenommen worden! Der ganze Betrag verbleibt den Werke»! Es handelt sich um«ine regelrechte Subvention! Aber man hat nicht genug. Man hat den Lohatarif abermals gekündigt. Man will den Gegnsah, man will den Kamps im Revier! standsarbeiten— darunter 11 größere mft insgesamt 580 300 Arbeitslosentagcwerken— eingestellt werden oder konnten überhaupt nicht in Angriff genommen werden. Besonders stark betroffen wurden von den Einstellungen die Bezirke der Landesarbeitsämter Niedersachsen. Schlesien. Nordmark. Westsalen. Rheinland. Hessen. Mitteldeutschland und Bayern. In den Bezirken der Landssarbettsäufter Ostpreußen. Brande�- bürg, Pommern,- Sachsen und Sudwestdeutschland wurden dt« bis- herigen Programme trotz vieler Schwierigkeiten im großen und ganzen auch durchgeführt. Neue Maßnahmen sind nur in geringer Anzahl vorgesehen, so daß die Zahl der Neuanträge auf Förderungsmillel wesentlich z u> rückgegangen ist. Falls nicht bald eine entscheidende Wendung für die finanzielle Lage der öffentlichen Körperschaften und be- sonders der Kommunal- und Gemeindebehörden eintrftt, muß mit einem gänzlichen Erliegen der Not standsarbeiten in Deutschland gerechnet werden. Die Reichsrcgierung aber posaunt ein Arbcftsbeschofsungs- Programm nach dem anderen in die Welt,„organisiert" den so- genannten freiwilligen Arbeitsdienst, macht einen Riesenrummel von Erwerbslosensiedlungen. Durch ihr« Lohn- und Finanzpolitik gehen ober Wirtschast und öffentliche Finanzen vor die Hunde. Resultat: Wachsende Erbitterung der breitesten Volksmassen. Hitler und Thöl- mann sind die lachenden Erben. Eine wahrhaft geniale Politik! Gtegerwald macht die Bahn frei. Der Lohnabbau in der Textilindustrie. Für die Textilindustrie des München. Gladbacher Bezirks ist ein Schiedsspruch gefällt worden, der«in« Lohnkürzung von 4,2 Proz. vorsieht: für den Bezirk Kassel erfolgt« ein Spruch mit rund 3 Proz. Abbau und für die sächsisch-thüringischen Webereien«in Lohn- kürzungsspruch von 6,5 Proz.! Für das Münsterland schweben augenblicklich neue Lohn- Verhandlungen. Am Sonnabend wird für Krefeld verhandelt, am kommenden Dienstag für O st s a ch s« n in Leipzig— abermals mit dem Schlichter H a ü s ch il d— und für die nordbaycrische Textilindustrie in Nürnberg._ Eine Leichenschändung. Kommunistische presse gegen eine tote Arbeiterin. Vom Arbeiierrat der Osramfabrik v wird uns geschrieben: Am 6. Oktober schied unsere Kollegin und Parteigenossin Eva P o ch o le k durch Freitod aus dem Leben. Wir hoben nicht das Recht, über die Gründe, die sie zu diesem Schrift veranlaßt haben, besondere peinliche Nachforschungen anzustellen. Mit einem Toten soll man nicht rechten. Dieses, für jeden, der unsere Eva Pacholek gekannt hat, tief bedauerliche Ereignis mußte aber dazu herhalten, damit ein Schmierfink von der„Roten Fahne" klingenden Gewinn daraus schlug. In dieser„Arbefterzeitung" erschien am 21. Oktober ein Artikel mit der Ueberschrift„Die Tragödie der Osram-Arbeiterin \E2mmmmt % k be* c rköttungsg e/Shl en'ppe 4k««** Ein wenig Freude... Erwerbslose tippeln durch Alt-Berlin 700 Jahre Geschichte Eva Pachaltk. Mitglied der SPD, des DMV. und der katholischen Kirche." Dieser Artikel strotzt geradezu von Verdrehungen und Eni- stellungen. Viele Kolleginnen, die mit der Eva Pacholek zusammen gearbeitet hotten, kamen empört zu uns und fragten, ob man gegen solche Gemeinheiten nichts unternehmen könne. Die Hinterbliebenen wandten sich persönlich an die Redaktion der„Roten Fahne" und verlangten eine Berichtigung der in dem Artikel enthaltenen Un- Wahrheiten. Eine Berichtigung ist bis heute noch nicht erschienen. Es macht der Rcdaltion der„Roten Fahne" nichts aus, an einer Toten eine geistige Leichenschändung zu begehen. Damit ist aber der Gipfel der Gemeinheit noch nicht erreicht. Der Artikel in der„Roten Fahne" erschien am 21. Oktober. Am 5. November erschien in der Zeitung„Die Welt am Abend" ein Artikel, der sich nochmals mit dem Vorkommnis beschäftigte. Der Artikel beginnt wie folgt:„In d e r v o r i g e n Woche hat sich die Katholikin Eva Pacholek, eine Arbeiterin der Osram-Werke und langjährige SPD.-Funktionärin, mit einem Küchenmesser die Gurgel durchgeschnitten." Dann geht es weiter im niedrigsten Schauer- romanstil. Also auch hier wieder eine glatte Fälschung. Um sich den An- schein der Aktuellität zu geben, wird der Todesfall einfach auf einen drei Wochen späteren Zeitpunkt verlegt. Was müssen das für Wichte sein, die das tragische Ende einer Proletarierin dazu benutzen, in einer Tageszeitung, die für sich in Anspruch nimmt, die Jnter- essen der Arbeiter zu vertreten, in einer nicht zu überbietenden niedrigen Art und Weise auszubeuten! Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir den dringenden Verdacht aussprechen, daß der Schreiber des Artikels in der„Roten Fahne" und der Schreiber des Artikels in der„Welt am Abend" ein und dieselbe Person ist. Eine Zierde seines Berufes. Man frisiert einen früher geschriebenen Artikel einfach etwas um, verändert die maß- gebenden Daten und schon kann der staunenden Leserschar eine neue Sensation aufgetischt werden. So werden kommunistische Zeitungen geschrieben. Jeder ehrliche Arbeiter wendet sich mit Perachtung von dieser Art Journalismus ab. Die Schwerindustriellen rechnen. Millionenbezüge zu niedrig, Pfenniglöhne zu hoch. Die Parteiverhandlungen im Lohn- und Arbeitszeitstreit der Eisenindustrie Nord-West oerliefen ergebnislos. Die Unternehmer forderten Senkung des Facharbeiterlohns von 73 auf 70 Pfennig und des hllfsarbeiterlohnes von bZ auf SS. Diese Lohnsenkung schasse den Stundenlohnstand von 1926127. Damals habe der Reichsindex zwischen IZS und l4S geschwankt, während er heute nur tZZ betrage und die Rohstahlproduktion von 1 200 00 auf 600 000 Tonnen gesunken sei. Die Unternehmer sagen nur nicht. weshalb und auch nicht um wieviel die Leistung des Arbeiters gestiegen, der Lohnanteil am Produtt gesunken ist. 4S 000 Wann würden über Bedarf beschäftigt. Schemalische Arbeitszelt- kürzung zwinge zu einer Entlastung von IS bis 20 Proz. der Beleg- schaft. Ein vollendeter Unsinn.— Die Schlichtungsverhandlungen dürften Donnerstag, den 26. November, stattfinden. Ltn�ner wieder Lohnabbau. Lithographen und Steindrucker wehren sich. Wenn alle Unternehmer sich zur Lohnabbausonne drängen, wollen auch die Steindruckereibesitzer nicht im Schatten bleiben. Auch sie hatten das Lohnabkommen für die Steindrucker und Litho- graphen zum 31. Oktober gekündigt und einen Abbau der Löhn« um 1 Z Pro zi gefordert. Nach dem Scheitern der Partei« '■ Verhandlungen ist von einer unter dem Sonderschlichter Professor Krämer tagenden Schlichtungskammer mit den Stimmen der Unternehmer ein Schiedsspruch gefällt worden, wonach die Löhne im Steiistiruck- und Lithographengewerbe ab 14. November um 5 Proz. gekürzt werden sollen.(Bereits im Mai dieses Jahres haben die Lithographen und Steindrucker«inen Lohnabbau von 6 bis 7 Proz. tu Kauf nehmen müssen. D. Red.) Die neue Lohnregeluug soll erstmalig mit nwnatlicher Frist zum 29. Februar 1932 kündbar sein. Die Berliner Lithographen und Steindruck« nahmen gestern abend im Gewerkschastshaus zu diesem Schiedsspruch Stellung. Trotzdem von den 14 000 Berufsangehörigen im ganzen Reich zur Zeit nur noch gut 8000 in Arbeit stehen, davon über 3000 in Kurz- arbeit, empfahl die Ortsoerwaltung die Ablehnung des Schieds- fpruches. Nach kurzer Debatte stimmte die Versammlung«in- mutig einer Entschließung zu, in der es nach der Ablehnung des Schiedsspruches heißt: „Der Schiedsspruch bedeutet das Festhalten an einer Lohn- Politik, die sich als grundsätzlich falsch und mitschuldig an der Verschärfung der Krise sowie dem Anwachsen der Arbeitslosigkeit erwiesen hat. Die Gehilfenschaft hat mit Rücksicht auf ihre Lebenshaltunz eine Berücksichtigung der von Gewerberat Körner bei der Spruchfällung in der Berliner Metallindustrie vertretene Austastung erwartet. Dem durch gegenseitige Schmutz- tönturrenz, Preisunterbietung, Schleuderet und Lohnabbau bewie- ssnen Mangel am allgemein- und volkswirtschaftlichen Empsiist>en der Unternehmer setzt die Gehilfenschaft die Desintercssicrcheit an der Aufrechterhaltung ihrer alten Leistungen entgegen. Di- Ge- hilsenschaft warnt das Rcichsarbeitsministcrium vor der Verdind- lichkeitscrklärung dieses Schiedsspruches. Dem eventuellen Versuch der Unternehmer, ihre Forderungen im Betriebe durchzusetzen, wird die Gehilfenschast mit Anwendung all« Mittel in bekannter Eni- schlossenheit entgegentreten."_ 4<>-Stunöen-Woche in Belgien? Brüssel. 19. November. In Beantwortung einer Interpellation über die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit teilte der Regicrungsvertret« In der Kanuner mit. daß bis zum Jahre 1932 für zwei Milliarden Franken öffent- liche Arbeiten ausgeführt sein würden. Hinsichtlich der 40-Stunden-Woche erwiderte der Arbeits mini st er, daß ein« derartige Maßnahme nicht verallgemeinert werden dürfe, daß sich aber die Regierung bemühen werde, örtliche Abmachungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu fördern. f�reie Gewerkschasts-�ugend Verlin um t»� Ii fit tauen die fttuppen;«Wmiof: i!irnppenh«>m Adlershof. Bi-mapckstt. l. Dir sehen und s'auncn-- Sotbtins. Suucniibcün Schule Sonncilbniger Sir. A-„FluaftchnU und DoatI".- Steiniäeaknf'Oft: Sugendheim Einbauet otrohe(Setoaen).„«wnun sZiSJ.?»-«Äd..°?,.ae>U>heun Wassettotsit. 8. Wit„-stalten d-n Abend selbst au*.— Chtttlaitcndueo: Jugendheim Spteeftr. 30. Lichtdildet:„Wundern und schauen'-.— Seppelioplast: Jugendheim Tutinet ffcke Scest taste,„Tue englischen«kVetischafien.'-— Keemanuplast: Jugendheim Sandetsit. 11, Cne Hohtechtsitaste,.310» öoftiriptaqranim der Kewetllchasten."— erepton): Jugendheim Slsenftt. 3(am Bahnhos Ttepiom). Die Mädchen haben da, Dati. —»eulöl»: Jugendheim Tteplawet ölt.%.„Mit Buch und vchallplatt« um die Etde."— Satten füt die Iugeniwatstellun» der Valtedühne am 6. der find In der Jugendzcnttal« t ichältlich.(Stspiclt wird„Der grüne Atladtt mm«. Schnitzlet und„tut Schl-chtuAlenker« noa 8. Shatn. Parleigenöstische Solidarität sucht überall nach besten Kräften arbeitslosen Sameraden zu Helsen und ihnen auch ein wenig Freude zu verschaffen. Besondere Wege geht dabei unter Führung des Genosten Iabczinfki der BUdungs- ausfchuß Friedrichshain. Ein arbeitsloser„Borwärts"-Leser hat einen Sang durch Alt-Berlin mitgemacht und übermittelt uns die folgende lebendige Schilderung seiner Eindrücke. „Geben wir uns ollen mehr Freude trotz der Not," war die Losung, unter der wir uns, etwa 48 Erwerbslose, auf den Weg machten zu einer Führung durch Mt-Berlin. Unser Führer ist der Genosse Sachse. Bon dem Berlin, wie es nur wenige kennen, wollen wir in unserer unfreiwilligen Muhe etwas lernen. Vom„alten Weg nach Lichtenberg", zur Lichtenberger Feld- mark, dem Weidenweg, geht es ins W e i n l a n d der alten Ber- liner. Die Geschichte Berlins im Mittelalter feit den Tagen des ältesten Schulzen von Berlin, M a r s i l i u s, dem Unternehmer der Stadtgründung, 1247, zieht an unseren„geistigen" Augen vor- über. Wagen mit Heringen aus Stettin von Oderberg her rumpeln vorüber, an den Toren verzollen die Torschreiber Getreide, Hirse, Linsen, Erbsen, Butter, Schmalz und Käse. Eisenwaren aus Erfurt, Gewürze aus Hamburg, Salz aus Lüneburg werden auf dem Durchzug durch die Stadt einige Tage nach Niederlassungsrccht auf den Märkten ausgeboten und bringen den Berlinern reichen Gewinn. Gewandschneider oder Kaufleute, die Patrizier der Stadt, und Handwerker der Viergewerko: Wollweber, Bäcker, Schuhmacher und Knochenhauer, die zur„Meinheit", der geringen Bürgerschaft, gehörigen Schuhflicker, Schmiede, Schiffer und Juden- schlächter stehen vor' ihren Häusern wieder auf und begleiten uns aus dem Wege durch das St.-Georgentor(Königstor). Sie erzählen vom Zwang der Zünfte, von der Hansa, von dem Roland auf dem Molken markt, dem Sinnbild der städtischen Freiheit der„Bürgerrepublik". Die Stände vertrugen sich nicht immer, wie es gewünscht war. Um Zehnte und Abgaben muhte gerungen werden. Und wenn auch ein Huhn damals 2 Pf., der Scheffel Erbsen 16, das Pfund Wachs 20 Berliner Pfennige kostete, es war doch manchmal„schwere Zeit". Armen- und Krankenpflege lag in den 5?änden der G e i st l i ch k e i t. die sich hier weniger aus Kunst und Wissenschaft, als aus„Rechtspflege" verstand. St.-Georgen-Hospital, St. Gertrud« vor Cölln und das Heilige-Geist-Hospital erzählen vom schwarzen Tod, der Pest. Der Probst Nikolaus von Bernau liegt an der Marienkirche erschlagen, das Hohe Haus in der Klosterstraße, jetzt dahingerafft und ver- drängt durch ein Stahlgerüst für ein neues Geschäftshaus, wird 1445 von den Berlinern gestürmt. Der Roland am Molkenmarkt wird in die Spree geworfen. Es ist aus mit der Macht des Bürgertums. Blutgerüste auf dem Strausberger Platz und auf dem Neuen Markt«zülzlen von dem Strafvollzug des Mittelalters. Wer kann das alles hier erzählen, was die letzten Spuren des alten Berlins künden. Dazwischen tauchen Erinnerungen an die Fr an- z o s e nz e i t auf: Am Königstor, in. der Palijadsnstraßc. Vom Kampf der Märztage erzählt der Märzgefallenfriedhof am Friedrichshain, die Landsberger Straße, der Alexanderplatz. „Freyhäuser", der„König von Portugal", das Gasthaus gegenüber dem Schloß mit seinen Erinnerungen an L e s s i n g und Reuter, die Breite Straße und die Brüderstraße erzählen vom„Königlichen Berlin". Das„Bankhaus der Könige" in der Gertraudtenstraße kamt. berichten, daß man auch damals an Munitionslieferungen schon gute Geschäfte machen konnte, klnd das Haus„R a u l e s h o f"(es ist verschwunden) könnte berichten, daß Kurbrandenburgische Flotten und Kolonien an der Goldküfte in Afrika nicht immer erwünschte Erfolge aufzuweisen hatten. Im Exerzierhaus Friedrichs des Großen liegen jetzt Grünkram- waren zum Verkauf aus, die Dragoner sind vom Gendarmenmarkt verschwunden. Im Lessinghaus und auf seinem Hof„geistert" die alte Zeit des geistigen Berlins, am Ephraimhaus lernen wir, daß allen Kriegen, so auch dem Siebenjährigen Krieg eine Jnfla- tionswelle folgte. Wir hören am Kröge! und der Stadt- vogtei noch einmal von Reuter und seiner Festungstid wegen Schwarzrotgold. Mit dem Blick auf die alte Klosterkirche hören wir das Glockenspiel der Parachialkirche. Autogehupe blökt da- zwischen. Als wir über den Alexanderplatz noch vier Stunden Weg durch fast 700 Jahre Berliner Geschichte heimwärts schreiten, schauen Hochhäuser auf uns herab. Berkehrslampen blitzen ihre Signale. Ein Zug der elektrischen Schnellbahn saust auf der Stadtbahn dahin. Menschengewimmel, Verkehrslärm. Wir wachen aus unseren Träumen ans. Aaiur im Heim. Im„A l b r e ch t s h o f", Steglitz, findet bis zum. 22. Noveinber eine Ausstellung„Natur im Heim" statt, in der private Natur- und Tierschutzorganisationen unter Mitwirkung der staatlichen Stelle für Naturschutz eine bunte Reihe kleiner und kleinster Lebewesen zeigen, die unser Heim beleben und verschönern sollen. In einer ganzen Aquarienallee werden die ver- schiedensten Fischarten gezeigt, vor allem die dekorativen Schleier- schwänze und andere hübsche heimische und exotische Sorten. Unter lebhaftem Gezwitscher««richten die Webervögel ihren Wohmmgsbau, während ihre Artgenossen von weiter her, der Paradiesweber mit schwarzer Riesenschleppe, der Wellensittich mit blaßblauem Brustlatz, gelbem, hellgrünem oder weißem Federkleid Und der leuchtend« Feu«webcr lediglich ihr« Schönheit bewundern lassen: eng zusammengedrückt an langen Stangen sitzen Unzählige winzigkleine Tiger- und Schmetterlingsfinken, putzige grüngelbe Mozambiquezeisige aus dem fernen Afrika, nebenan haust die chinesische Spottdrossel, der südamerikanische Tukan und noch anderes buntgefiedertes Getier. In trauter Gemeinschaft wohnt Kater „K a s i m i x", der Kinostar, mit Hühnern und Täubchen. Drei i Die Vereinigten ■ TEXTILWERKE WAGNER& MORAS A. G. 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Zu haben in allen Votwärts-Filialen und bei allen Zeitungsausträgern CM* mUn, Mm* t bwffdje Igel haben sich zu stachligen Kugeln zusammengerollt und Möllen weder vom grellen Tageslicht, noch von all den neugierigen Besuchern etwas wissen. In schön angelegten 5? a k t e c n h a i n e n sitzen starr und unbeweglich Schildkröten, Echsen und Leguane: bei näherem Hinsehen gewahrt man erst, daß die Starrheit denn doch ein wenig zu anhaltend ist, es sind nämlich alles kunstvoll präparierte Tiere. Die Ausstellung soll beweisen, daß es sehr wohl möglich ist, auch empfindliche exotische Tiere bei geeigneter und verständnieoollcr Pflege in der Wohnung zu halten. Allgemeine Wetterlage. 49-N()V. 1931. abds. • JL-. wolkenlos, O heider. 9 halb bedeckr 9 wolkig,•bedeckt'RegeoAGraupeln 'SdineftSNebel�Gewittetl�Winfenlle Im größten Teil von Europa, wird das Wetter durch ein um- fangrciches und kräftiges Hochdrnrkgebiet beherrscht, dessen Kern im nördlichen Rußland liegt. Deutschland befindet sich also auf seiner Südwostseite. Allgcinein wehen kalte südöstliche Wurde, Die Temperaturen überschritten am Donnerstag nur ganz vereinzelt ö Grad. In höheren Lagen Mitteldeutschlands und im Süden des Reiches wurden um 7 Uhr abends bereits Rull Grad gemessen. Der Kern des Hochs Wandert langsam nach Süden. Gleichzeitig breiten sich vom Atlanti- jchen Ozean Depressionen nach dem Zestland hin aus. Sie werden zwar noch keinen Einfluß, auf unser Wetter gewinnen, wohl ober zu einer Verstärkung der Luftdruckunterschiede über Mitteleuropa bei- trogen. Die östtiche Lustströmung wird insolgedessen zunächst an Stärke zunehmen. * wetleraussichlen für Verlin. Meist bedeckt, nur zeitweise etwas aufheiternd, Temperaturen um Rull Grad, etwas ausfrischende östliche bis südöstliche Winde.— Aür Deutschland. In Mittel- und Ostdeutsch- land trübes und ziemlich kaltes Wetter, im Südwesten zeitweise aus- heitcrnd, nirgends wesentliche Niederschläge, ziemlich frische östliche Winde. ki»s«ndi»ngen für diel« Rubrik sind «erlitt 2« 68, Lindrustraße 3, parieinachrichten�M�sür Groß-Berlm stet,»»»», B«iirk»serrrt«riat Z. Hof, 2 Treppen recht», zu richtru Pefliim aller Veranstaltungen 191; Uhr, sofern keine besondere Zeitangabel heule. Freilag. 20. Zkovember. 3. Nrei». Dentschcr Freidenternerband, zohlgr-ppen 3, 6, 7 and 8: Ztit- qliedernersammlunq in de» Atlantir-Salc». Babnh«! Gesuudbrunvea. Re- jercnl«enosse zifcher. Rezitationen«öenossi» Zriedel Hall. Mitgliedsbuch jcgitimicrt. Parteigcnoffcn als Gäste willkommen, Z. Äreis. Der Rat« Kafpac spielt um 16 Uhr im Andreas-Reaigymnaiium. £>. 17.»appenstr, 76. Giniritt frei. Die Partei Mitglieder werden gebeten. ihre Kinder dorthin zu schicken. 38. Abt. Die Nörten für„Kamps um Kitsch" sind heute I»u> Uhr bei Bartusch. Sriedenstrasj«, gegen Kasse abzuholen. 42. Abt. Zugendheim Porckstr. U gusammenkunft der jüngeren Parteigenossen. Portrag:„Die Äusgabrn der jüngeren Generation in der Arbeiter- drwegung". lft.7. Abt. Sitzung der Arbeilsgemeinschaft junger Sozialdemokraten im Lokal Schenk, Hackenbergstr. ltz, 117. Abt. Abteilungsoersammiunq mit Wcrbefeler der SAI. Reu-Lichtenberg in Kerns �estfälen, Tllrrschmidtstr. 43. 138.1. Abt. 26 Uhr im Schollcakrug, Hermsdorser Strohe, Ritglirderoersamm- lang, Walsgong Schwarz:„Die Abrüstung und wir". Morgen, Sonnabend. 2l. Ztovember. 37. Abi. Arbeitsgemeinschaft der jüngere» Parteimitglieder und der SAI. Petersburger Viertel im Zugendheim Sbertystr. 12. Tbemo:„Welche Vor. stcllung haben wir vom Sozialismus?" Vortragender: P. Krause. lV. Abt. 2l> Uhr Mitglicderoersammlnng im Lokal Sandmann, Westfälische Strahr 42. Muh Hepdemann:„Zur politischen Lage". I23a. Abt. 20 Uhr im Iägerhcim, Jägrrsir. 34— 58 Witgliebernrrsammlnng. Portrag de» Genosse» Paul Bernstein über oktuelle Tagessrage». Sonnlag. 23. November. 102. Abt. Vorstand und Funktionäre bitten die Mitglieder, an der Totengedächt- nisfeier für die Opfer des Weltkrieges am kommenden Sonntag um 14ij Uhr Friedhof Baumschulenweg. vor dem Krematorium, teilzunehmen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Grofe-Berlin. '■ Fricdrichshain:„Der Rote Kaspar" spielt heute 16 Uhr in drr - Schulaula der Schule Kappenstr. 76. Eintritt frei! Neukölln: Helfersahrt morgen, Sonnobend, nach Brieselaug. W: Treffpunkt 18. Uhr Bahnhof Neukölln. Beteiligung am SAS..Kursus. Quelle: Heule, ssrcitag, IVJ, Uhr, Elternrerfamml Mariendorfer Lichtcnberg-Rorb: '" Ecke". Treffpunkt g Uhr„Rote Ecke lung in der Schule Sonnlag, 22. November, Mufeumsbefuch. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei«Organisation 19. Abt. Am 11. November starb unser Genosse, der Angestellte F e r d i. n a n d H a a s e, Soldiner Str. 18. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend, 21. November, 19� Uhr, statt. Rege Beteiligung er- v, artet der Abteilungsvorstand. N SozialistischeArbetterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Zugeudlekretartai Berlin SW 68. Lindenstraße Z Borstellung sü« die arbeitende Zugeud»0» 14— ltz Jahre» Sonntag, 6. Dezember. lö Uhr, in der Volksbühne.„Der grüne Kakadu", Groteske von A. Schnitzlcr:„Der Echlachtenlenker", Komödie von Shaw. Eintritt 86 Pf. Karten sind im Sckretatiat erhältlich. Streichorchester Groß-Beriin, Gruppe Bedbing: Heute, 26 Uhr, Set. Ecke Turiner Straße. Der Rescrenteaiursus findet ab morgen, Ill'b Uhr, im Borlragsfaal des PP., SW,, Lindcnstr. 3, 2. Hof, 2 Tr. links, statt, heuie, Freitag. 19'/» Uhr. ArkonaplaK: Elisabethkirchstr. 19:„Kommunistische Iugend.Internationale�. — Gewerkschaftshaus: Köpenicker Str. 92:„Aufbau und Grundbegriffe der SAI.". II.-— KSNnischer Part: Waisenstr. 18:„Karl Mar,;".— Rofeuthaler Borstadt: Elisabethkirchstr. IS:„Einführung in den Sozialismus", l.> Hansa: Bochumer Str. 8b:„Was trennt uns von der KPD.?"— Moabit I: Bälden ser- straße 29— 21:„Religion und Sozialismus".— Moabit II: Lehrter Str. 18—19: „Innenpolitik".— Sportpalast: Genthiner Str. 17: Falkenabend.— Arnimplatz: Sonnenburger Str. 29: Berliner Kamellen".— Aruswalber Platz 1; .Einführung in Kurzreferate.— ___ W_______________|_|_|________ w„— Rardosten I: Danziger Str. 82, Baracke 3:„Partei und Behrfrage".— Weihensee: Pirk- straßo 39:„Was muh man vom Heiraten wissen?"— Andrcasplog l: Brommn- straye 1:„Deutsche Geschichte von 1d8S bis zum Parteitag 1931".— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allec 307:„Klassenjustiz in Deutschland".— Stralauer Viertel: Goßlerstr. vi:„Friedrich Engels".— Warschauer Viertel: Litauer Straße 18:„Das Kommunistische Manifest".— Warschauer Viertel, R. F.: Litauer Str. 18:„Sexuelle Fragen", II.— Luisenstadt: Wassertorstr. 9:„�ie Rote.Falken.Arbeit".— Süden: Porckstr. 11:„D»s erwerbstätige Frau".— Schöneberg I: Hauptstr. 17,:„Gemeinschaftserzicbung usw."— Schoneberg lv: Hauptftr. 13:„Tagespolitische Umschau".— Eharlottenburg: Rosinenstr. i: „Pom Kitsch zum Schund�.— Charlottenburg-Süd: Goethestr. 12: Arbeits- gemeinschaft.— Lankwitz: Schulstr. 19—21:„Einführung in den Sozialismus". — Lichterfelde: Albrechtstr. 14a:„Ein Tag im Gefängnis".— Stegl,tz Ii: Flemmingstr. 14b:„Tagespolitik".— Zehlendorf: Waldschule, Schlieffenstroße. Eingang Bölkesiraße:„Trampleb'cn in Vritisch-Eolumbien".— Martendorf: Torfstr. 7:„Konsumgenossensckiaft".— Britz: Parchimer Allee: Bunter Abend.— Reutöln Ii: Steinmetzstr. 94; Arbeitsgemeinschaft.— Neukölln III: Ziethen- strafte 58:„Die Spaltungen in der SPD.", ll.— Neukölln IV: Konner Strafte: Lichtbilder:„Die Kirche in der Karikatul".— Neukölln Vi: Treptower Strafte 95—-96:„Gewerkschaftsinternationale".— Neukölln VII:«Mo.;„Ar- beiterbewegung vor dem Kriege".— Neukölln VIII: RiU kischulc: Arbeitsgome i n- schoft.— Baumschulenweg: Ernstste. 16:„Tagespolitische Fragen".— Johannis« thal: Rathaus: Heiterer Abend.— Treptow: Elsenstr. 3:„Todesstrafe?"— Pohnsdorf: Jugendheim in Falkenberg:„Tegespolitifche Fragen".-- Köpenick!: Griluauer Str. 5:„Nikotin und Alkohol".— Küpenick II: Dahlwitzer Str. 15: „Die Entwicklung des Weltalls usw."— Lichteuberg-Nord: Heimabend fällt aus. Beteiliguno an der Werbefcicr der Gruppe Neü-Limtenberg. Trcffpunki 19 Uhr Bhf. L:-Frlcdrichsfelde.— Karlshorst: Treskowallec 44:„Segelfliegerei".— mm. �'"Z: Funktto'" Mohlsdorf: Melanchthonstr. 63: etionarsitzung.— Hermsdorf: Roonstrafte: Amerikanische Klassenjustiz".— Reinickendorf-Ost: Lindaucr Strafte lBaracke): „Krise des Kapitals".— Wittenau:" MMWMWMWWMMM» „Vom Kaukasus zum .. �_____ I___________ Reue Schule: Heimabend.— SBfcbe*. schönhausen: Lindenstr. 47; Kursus. Werbebezirk Tempelhof: Sonntag Lichtbilderabend: Gelben Meer", 19 Uhr, Mariendorf, Dorfstr. 7. Polarausrüstung des„Graf Zeppelin" bei Israel. Zum erstenmal kann der Berliner die mit dem„Graf Zcppxlin" mitaeführte Polarausrüstung des Luskfchiffcs im K a u j l, o» s N. Israel(Ecke Spandauer und Königstraßc) sehen. Es ist hack,- interessant, wie vorsorglich die Expedition ausgerüstet war. Da ist zunächst, wirkungsvoll ausgestellt, das Polarzelt mit dem roten, für weite Sicht berechneten Zeltdach: 12 solcher Zelte wurden auf der Arktisfährt mitgeführt. Gezeigt werden ferner einer der 12 Trans- portschlitten, ein Jweisitzer-Fottboot. cm Schlafsock aus Rennti-r- sollen mit wasserdichtem Stoffüberzug, die vallstäildigc Bordkleidung des Luftschiffkapitäns von Schiller, die regendichte Schutzkleidunz sowie der Notproviant, bestehend aus wasserfreiem Butterseil, Weißmehl, Ei- und Spinatpulver, Äartossel-Walzmchl und Peqmu- kan, dem Trockcnfleisch der Nordpolsahrer. Die Ausstellung ist tag- l-ch von 9— 7 Uhr ununterbrochen geössnet. Führungen durch den Kustos' des Museums für Leibesübungen nach norheriger telepho- nischer Vereinbarung mit der Aiksstellüng S 2 Kupfergraben 9911, Möbelausstellung bei Gleiser. Unter der Devise„Die Wohnung van heute, die Preise von morgen' hat die Firma Albert G 1 e i s c r, Alexander- platz, ihre diesjährige Herbstsondcrausstcllung erössnet: der Kalkülationsstift hat hier wirklich sein Möglichstes getan und in Verbindung mit gutein Geschmack und praktischer Ausführung wurden Wohnräume geschaffen, die allen Anforderungen nach der wohnkulturellen und pekuniären Seite zn entsprechen trachten. Sehr hübsch sind Wohnzimmer aus unpoliertem kaukasischen Nußbaum, die gleichzeitig das Eßzimmer darstellen, indem man das tiipifch? Büfett gegen einen Geschirr- und Gläserschrank vertauschte, der, mit vitnnenartigcn Fächern und geschickt eingebauten Schüben vcr- sehen, nach außenhin nichts von seinem eigentlichen Inhalt verrät. Schlafzimmer aus Birke oder Eiche mit Birke abgesetzt, zeigen die modernen, breiten und ganz niedrigen Betten, rohrgcflochtenc Sttihke, ein weitausladender Ankleideschrank»nd die Frisiertoilette vervollständigen die prakttsche und geschinackvolle iAnrichtuiig. Der Hausholt des männlichen oder weiblichen Junggesellen vereint in einem großen Raum durch geschickte Rauninutznng Wohn-, Schttn- und Ärbeitszimmer, wobei die vierte Zininierccke dann noch persönlichen Liebhabereien, einer kleinen Bibliothek, einem Pflanzen- arrangement, oder einem Schlummerwinkel vorbehalten bleibt. Oderbnicher Mastgänse 0J8 m ▼OB Wurstwaren Hausmacher-SUIze..m 0,45 Ochsenmaulsülza... Pfd. 0,60 Speckwurat........... Pfd. 0,72 Blut- und Leb erwurst ttd. 0,64 Dampfwurat.....—...pm. 0,85 Landleberwurat..... Pfd. 0,84 Mettwurat Bnchw. Art. Pfi 0,92 Jagdwurst............. Pfd. 0,92 Wiener Würstchen..pii 1,00 Schinkenpolnische..Ptd. 0,98 ff. Leberwurst......... Pfd. 1,1 5 Zorvelat odor Sti«mi..»Pfd. 1,24 Teewurst fein.......... Pfd. 1,28 Gänaeleberwurat H* Pfd. 0,48 cZllnsedruatfei'siUes.'t.Pfd. 0,60 Rollschinken....... Vi Pfd. 0,48 Schinkenapeck......Pid. 1,23 Fetter Speck......... Pfd. 0.83 Mager. Speck o.Eipp,Pfd. 1,05 Käse und Feite Romadour so»/....... BteokO.IS Camembert voiif.. Schicht. 0,1 8 Harzerkäse........... Pfd. 0,32 T i I Si te rod 5leinbu>clier,*ollt,Pfd. 0,68 Holländer 40»/0....pfd. von 0,70 Edamer4Cu)0....... Pfd. von 0,70 Brlekäse voiitett.......Ptd. 0,72 MUnster-Käse voiifett Pfd. 0,84 Bratenschmalz...... Pfd. 0,56 Margarine...... aP/d.vonO.75 '■•''.i)iutscfnMarkenbutteri'iii.1,42 Palmbutter gar. ioo»/Ä Pfd. 0,35 Konfitüre Eimer 01.2 pra. Johannisbeer, Aprikose 1,10 Kirsch, Orange, Erdbeer 1,25 Konserven Junge Erbsen-»üu fein... 1,15 Junge Erbsen mutelfein., 0,74 Junge Erbsen....... 0,58. Gem. Gemllse mitteifei».. 0.90 Leipziger Allerlei....... 0,78 Berliner Allerlei......... 0,60 Junge Karotten........... 0,54 Karotten geschnitte«...... 0,38 l/i Dose Spinat.;.................... 0,42 Span. Aprikosen'/F'rooht 0,88 Erdbeeren................ 1,10 Sauerkirschen mit stein 0,90 Preisseibeeren......... 0,85 Reineclauden............ 0,98 Mirabellen................. 1<15 Ananas w Scheiben........ 1.25 Frisches Kalbskamm». Boüg, pid-r. 0,84 Kalbsrücken od.-Brust ohne Beilage......... Pfd. von 0,60 Kalbskeule Ms s Pfund echrer, ginn od. getollt, Pfd. v. 0,74 Kalbskotelett..... Pfd. von 0,98 Kalbsfrlcassee....... Pfd. 0,64 Kalbsroulade geront,Pfd.v. 0,98 Suppenfleisch... Pfd. von 0,58 Schmorfl.e.Knoeh�P{d. von 0,88 Rouladen.......... Pfd.von0.93 Gulasch............... Pfd. 0,78 Rinderbacken o. Kn, Pfd. 0,44 Rinderhorzen......... Pfd. 0,44 Rinderlungen........ Pfd 0,32 Eisbein mit Spitzbein ��,0° 0,54 Roastbeef ohne Knochen................. Pfd. Ton 1,18 Wild und Hasen{»ir., m.». 0,95 KaninchenjM'.r.u ttigeworf. m 0,80 Rehblatt................ Pfd. 0.88 RehrUcken oder»,oio.Pfd. 1,45 Wildschweinblatt....Pfd. 0,88 WildschweinrUcken Pfd. 0,90 Wildragout........ Pfd. von 0.28 Billige Angebote unsererWein-AbtPnieeohne KUech» Ltr, Spezlal-Apfelwein....... 0.48 ,.Cider", süsser Apfelw. 0,65 Roter Johannisbeerw. 0,75 Stachelbeerwein........ 0,75 RheinpfälzerWeissweln 0,76 Roter TarragonattmüiiOui. 1,10 Malaga, dunkel(ettshsa.. 1,45 •Ii fi. SOar Oberhaardt. Maik. 0,75 29«« Obermoseler...... 0,95 30erSiefersh. Laudert. 0,95 29ar Brauneberg. Riest. 1,26 29sr Liebfraumilch...... 1,25 29er Zeltinger Himmelr. 1.85 28er Chät. BeycheveHe 1,85 isaser i DeutscherWalnbrand 2ell«P schwane Kais od.Jamaika-Rum-Verschn.,40% lösche 1 ,60 10 PUscbcul 5,00 Liter 4,60 5 Liter 32,50 Konfitüren Nürnberger Mischung................................. V,m0,40 Dominosteine...........................................'/»Pfd. 0,45 GewUrzprinten........................................ �..•/. Pfd 0,45 Gewürzspekulatius.....................................>/, tu. 0�45 Nürnberger GewUrzplätzchen........................>/, pid. 0,45 Thorner Katharinchen................................ s Piket» 1 ,00 Feigen-Pral inen Pfd. 0.25 Milchschokolade................................ Tafeln i 100 g 0,95 Boehme-Pralinen............................... Kirtons k ioog 1,00 Fleisch Euter................... kfd. 0,28 Hammel-»orderfltieeh. Pfd. V. 0,68 Schwelnebaucho.BisPfd. 0,68 Schweineblatto.Big„Pid.T.0,68 Schweine6chink.aitBii«,p«.0,74 Schweinekamm oder -Schuft ohne Beilege... Pfd. 0,80 Schweinekotelett Pfd.v.o,88 Kassler mild...... pm. von 0,74 Schweineköpfe a. Beeke, tu. 0,33 Rückenfett bntfertlg, Pld.0,68 Schweinenieren...... Pfd. 0,68 Hammelvorderfl.iifr..PM.i 0,58 SchmorflelschoJ(i,g«fr„Pfii.r. 0,84 Rinderleber gefroren..Pfd. 0,98 Geflügel Gänsekeulen........ Pid. 1,20 GänsestückenfleischPu. 0,85 Gänsebrust........... Pfd. 1,20 Gänse hautfett........ m 1,10 Gänseklein o. Hägen, stock 0,85 Gänseklein mit Magen............. SlOck 1 ,20 245 Fische, Räucherwaren 'Grüne Heringe...»Pfd. 0,25 "Rotbars im ganzea....Ff