Morgenausgabe Nr. 545 A 224 4S. Jahrgang Wöchentlich SS Ps, monatlich Z.ev M. ldavon SS Pf. monatlich fm anfiel- lung ins Haus> im noraus üahlbar. Postbezug 4.S2 M. einschließlich SV Pf. Paiizeiwngs» und 72 Pf. Postbeslellae» Köhren. Auslandsabounement e,— M. pro Monat; fUr Länder mit ermäßig- lern Dnickfachenporto 5,— M. Der„Sonnäxta* erscheint wochentaglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage .Boll und Zeit". berliner SolkSvlatt Sonnabend 21. November 1931 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die ein 1p alt. NonpareUIezeile 80 PI. Rellamezeile 5,— RM.„Kleine An- zeigen" das fetigedruSte Won 2d Pj. lzulasfig zwei fettgedruckte WoNe). jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Won 15 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen» täglich von SV, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jentrawrgan der SoziawemotvatifOen Partei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 üemfot.; Dönhoff(A 7) 292— 297. Tclegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Poltlcheclkomo: Berlin S7S3K.— Bankkonto: BailkderArbeltcr, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. n.DiSc.-Gef., Deposttenk., Ierujalcmer Str. 65'66. Oeuifchlands Lage hat sich zugespitzt! Das Memorandum für den BZZ.-Ausschuß in Basel überreicht. Das Memorandum der Reichsrcgierung zu dem Antrag auf Einberufung des Sonderausschusses bei der BIZ. hat folgendcnWortlaut: „Bereits Anfang Juni dieses Jahres war die deutsche Regierung.zu der UeberAeugung gelangt, daß sie trotz stärkster Herabsetzung der staatlichen Ausgaben und wiederholter Erhöhung der Steuerlasten außerstande fein werde, die Zahlung der Annuitäten des Reuen Planes sortzusehcn. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands war schon damals auf das ernsteste bedroht. Die deutsche Regierung hatte sich deshalb entschlossen, die notwendigen Schlußsolgerungcii aus dieser Lage zu ziehen. Diesem Entschluß folgt« am 2t. Juni die E r k l ä r u n g des Herrn Präsidenten der Bereinigten Staaten van Zlmerika, die einen einjährigen Ausjchub aller Zahlungen auf Schul- den der Regierungen, Rcparatiancn und Wiedcraufbaujchulden vorschlug. Der Zweck dieser weitblickenden Initiative war, wie es in der Erklärung hieß, zur Wiederherstellung des- Vertrauens bcizu- tragen und dadurch den politischen Frieden sowie die.wirtschaftliche Stabilisierung in der Welt zu sördcrn; den Schuldnerstaaten sollte Zeit Zur Wiedererlangung ihrer nationalen Prosperität gegeben werden. Die H o f s n u u g. daß dieser Lorschlog eine entscheidend« Wendung in der Weltkrise herbeiführen werde, hat sich nicht ve r» w i r k l i ch t. Die weiteren Ereignisse hotten zur Folge, dqß das Hoovor-Fei«rjahr für chch allein die Gefahr des'-Zusannncnbruchs nicht bannen konnte. Die britische Regierung ergriff daher ipi Juli die Jiiltiatioe zur Einberufung der Londoner Konferenz. Aus d>ln Empfehlungen der Lianfcrcnz ergab sich die Verlängerung des der Rcichsbank gewährten Rediskontkredits, das sogenannte Baseler Stillhalteabkommen und der Bericht des von der Bank für internationalen Zahiungsousglcich eingesetzten Baseler Sachverständigenausjchusses. So wichtig alle diese Maßnahmen waren, um eine schnelle Er- lcichtcning zu schaffen, so waren sie doch ihrem ganzen Ehoraktcr nach mir vorbereitender Natur. Die Londoner Konferenz selbst hat in ihrer Schlußerklärung festgestellt, daß die empfohlenen Maßnahmen nur ein erst-cr Schritt seien,.und daß sie die Grundlage für eine Aktion von weitcrreichsndcr Bedeutung bilden sollten. Dementsprechend hat auch den Sachverständigen, die an der Durchführung der Londoner Empfehlungen mitgearbeitet haben, der vorläufige Charakter aller dieser Maßnahmen stets vor Augen gc- standen. So heißt es in dem Stillhalteabkommen, daß die Vertrags- Parteien die darin vorgesehene Regelung nur„bis zur Herbeiführung einer dauerhaften Lösung sür das Problem der kurzfristigen Ver- schuldung Deutschlands getroffen haben". Ebenso schließt der Bericht des Baseler Sachverständigenausschusses mit der dringenden Mahnung an die beteiligton Regierungen, „keine Zeit in der Ergreifung, der notwendigen Maßnahmen z u verlieren, um eine Lage zu schaffen, die es ermöglicht, Finanz- transaktionen durchzuführen, die Deutschland und damit der Welt die so dringend benötigte Hilfe bringen". In den seither vergangenen Monaten hat sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands auss äußerste zugespitzt. Die Tatsachen, die diese Lage kennzeichnen, sind allgemein bekannt. Auch in anderen Ländern hat der Druck der Krise zu den ernstesten Erscheinungen geführt. Die Welt ist sich in steigendem Maße klar geworden über den inneren Zusammenhang der verschiedenen durch die Lage aufgeworfenen finanziellen Teilprobleme und über die Notwendigkeit, sie alsbald in ihrer Gesamtheit in Angriff zu nehmen. Bei den Ueberiegungen, in welcher Form diese Aufgabe am besten zu behandeln sei, ist letzthin der Gedanke in den Vordergrund ge- treten, zunächst den Beratenden Sonderausschuß einzuberufen. Da nach dem System des Reuen Planes die Einberufung des Bc- ratenden Sonderausschusses von einem Antrag der Deutschen Re- gierung abhängt, hat sich die deutsche Regierung zu diesem Antrag entschlossen, damit ihrerseits alles geschieht, was den Weg zu um- fastenden gemeinsamen Maßnahmen der Regierungen eröffnen kann. Nach dem Neuen Plane ist für diesen Antrag die Erklärung der deutschen Negicrung erforderlich, daß„sie in gutem Glauben zu dem Schlüsse gekommen ist, daß die Währung und das Wirt- schaftsleben Deutschlands durch den teilweisen oder vollständigen Transser des aufschiebbaren Teiles der Annuitäten ernstlich in Gefahr gebrocht werden könnten". Zudem die deutsche Regierung diese Erklärung abgibt, muß sie zum Ausdruck bringen, daß eine solche Erklärung der gegenwärtigen Sachlage nicht gerecht wird. Seit der Ausstellung des Reuen planes ist die wirtschaftliche und finan- zielte Loge in der Welt, insbesondere in Deutschland, durch eine Krise ohne gleichen von Grund aus geändert worden. Da der Reue plan dem beratenden Sonderausschuß die Aufgabe zuweist, die Lage unter allen Gesichtspunkten zu prüfen, muß der Ausschuh das Problem in seiner Gesamtheit und unter Berücksichtigung aller seiner Faktoren prüfen und hierbei insbesondere berücksichtigen, daß die Frage der privaten Verschuldung Deutschlands rechtzeitig vor Ende Februar nächsten Zahres neu geregelt sein muß. und zwar durch eine Der- cinbarung, die zwischen ausländischen Gläubigern und deutschen Schuldnern zu treffen ist. Da die gegenwärtigen Verhältnisse die größte Beschleunigung der zu treffenden Maßnahmen erfordern, schlägt die deutsche Re- gierung vor, daß der beratende Sonderausschuß unverzüglich zusammentritt, und daß er seine Arbeiten so schnell als möglich erledigt, damit schon in nächster Zeit eine Konferenz der- jcnigen Regierungen stattsindcn kann, die sür die alsdann zu fastenden Entschlüsse zuständig sind." Man mag sich zunächst mit einiger Verwunderung die Frage vorlegen, warum es denn solange gedauert hat, bis über den Wortlaut dieses deutschen Antrages eine Einigung zipischen der deutschen und der französischen Regierung er- zielt werden konnten Die Erklärung dafür liegt jedoch in dem letzten Abschnitt dieses Dokumentes, um den tagelang und Wort für Wort gcrungen werden mußte. Die Schwierigkeit lag eben darin, daß nach dem Wortlaut des Poung-Planes der beratende Sonderausschuh der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich eigentlich nur zuständig sein soll, für den sogenannten„geschützte n", also aufschieb- baren Teil. der Reparationszahlungen, nicht aber für den „ungeschützten" Teil in Höhe von rund 660 Millionen Mark jährlich, der nach der Auffassung der Unterzeichner des Haager Abkommens auf alle Fälle aufgebracht werden könnte und transferiert werden müßte. Daran, daß eines Tages das Problem der deutschen Zahlungsfähigkeit darüber hinaus durch die Kündigung und Rückzahlung von Privat- schulden in Milliardenhöhe wesentlich beeinflußt und un- geheuer kompliziert werden würde, hatte man im Jahre 1929 weder im Pariser Sachverständigenkomitee, noch auf den beiden Haager Konserenzen überhaupt gedacht. Die französische Regierung und, vor ollem ihr rechts- gerichteter Finanzminister Flandin, hat sich zunächst dagegen gesträubt, daß der im Poung-Plan vorgesehene Sonderausschuß sich überhaupt mit einer anderen Frage befassen dürfte, als mit der des aufschiebbaren Teiles der Annuitäten, während es Deutschlands natürliches Bestreben war und bleibt, die Zahlungsfähigkeit Deutschlands überhaupt be- gutachten zu lassen, nicht nur hinsichtlich der Reparationen, sondern auch hinsichtlich der stillgehaltenen Privatschulden. Dies bringt das deutsche Memorandum deutlich zum Ausdruck. Erstens indem es betont, daß nach Auffassung der Reichsregierung eine bloße Untersuchung des Problems der geschützten Zahlungen„der gegenwärtigen Sachlage nicht gerecht wird". Zweitens durch die Betonung, daß sich seit der Haager Konferenz die Lage der WeU und insbesondere Deutschlands„durch eine Krise ohnegleichen von Grund auf geändert worden" ist. Drittens durch den Hinweis darauf, daß schon der Poung-Plan dem Sonderausschuß vor- schrieb, die Lage Deutschlands„unter allen Gesichtspunkten zu prüfen", und daß infolgedessen er das„Problem in seiner Gesamtheit" zu behandeln haben�wird, ein- s ch l i e ß l i ch der rechtzeitigen Neuregelung der Stillhaltungs- frage. Rein juristisch stellt das deutsche Memorandum eine einseitige deutsche Erklärung dar, insofern sind weder Frankreich noch die übrigen Reparationsgläubiger durch die Drei Erlaffe Geverings. Gegen Hetzredner, Straßenterror und Bürgerkriegsvorbereitung. Der preußische Minister des Innern hat unterm 20. Ro- vember d. I. einen Runderlaß und zwei Polizeiverordnungen zur Sicherung von Ruhe und Ordnung herausgegeben, die der Amtliche Preußische Pressedienst wie folgt mitteilt: Handhabung der Versammlungspolizei durch vorbeugende Versammlungsverbote. Die bisherige Handhabung der Vcrsammlungspolizei hat es noch nicht verhindern können, daß in besorgniserregender Weise in den Versammlungen der radlkoten Parteien und Organisattoneu zu Gewalttaten ausgefordert oder angereizt wird. Angesichlg der gegenwärtigen wirlsthast. (ich und politisch besonders gespannten Lage kann dieser Zustand unter keinen Umständen länger geduldet werden. Der Minister ersucht daher die Polizeibehörden 1. unter Anlegung strengsten Maßstabes versa mmlungen, in denen— wenn auch nur in verschleierter Form— zu Gewalt- lätigkeitea ausgefordert oder angereizt wird, sofort aufzu- läsen: 2. Versammlungen, bei denen, insbesondere nach der Person des Redners, die Besorgnis solcher Verstöße besteht, vor- beugend zu verbieten oder jedenfalls nur unter Aus- fchluß solcher Redner zuzulassen. Parteiausschuß am 1.Dezember Sitzung der Sozialdemokratischen Veichstagsfrattion. Der Parteiausschuß der Sozialdemokratischen Partei tritt am Dienstag, dem 1. Dezember, vormittags, zur Beratung der politischen Lage zusammen. Am Nachmittag des gleichen Tages wird auch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion eine Sitzung abhalten. Verbot nächtlicher Geländeübungen und Märsche. Zn der Zeit von t? bis 7 Uhr sind Gelände- und Ordnungsübungen(Geländespiele. Geländesport usw.) und Vorbereitungen dazu sowie alle Märsche in geschlossener Ordnung unter freiem Himmel verboten. Ausgenommen von dem verbot des§ t sind behördlich angc- ordnete Veranstaltungen und Märsche(Ausflüge) von Personen im kindesaller. Gegen die Richtbcfolgung der Bestimmungen des§ 1 wird die Festsetzung von Zwangsgeld bis zu ISO 21t., im Richtbei- treibungsfalle Zwangshast bis zu Z Wochen angedroht. Die Polizeiverordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft und nach Ablauf von 6 Monaten außer Krasl. Verbot der Abgabe von Hieb- und Stoßwaffen an Personen unter 20 Jahren. Ans Grund der§§ 25 und ZZ des polizeiverwaltungsgesetzes vom 1. Zun! ISZI werden für das Gebiet des Freistaats preußcn die beiden folgenden Polizeiverordnungen erlassen: Die entgeltliche oder unentgeltliche Abgabe von Waffen, die ihrer Ratur nach dazu bestimmt sind, durch hieb, Stoß oder Stich Verletzungen beizubringen(hieb- oder Stoß- w a s f e n) an Personen unter 20 Jahren ist verboten. § 1 finde» keine Anwendung aus 1. Personen, die krast ihres Lssentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses zum Führen von hieb- oder Stoßwaffen berechtigt sind: 2. Personen, die beruflich hieb- oder Slohwasfcn zu führen pstegen,- 3. Personen, die zum Führen von kzieb- oder Stoßwaffen behördlich ermächtigt sind: 4. Inhaber von Waffenscheinen im Sinne des§ 15 des Gesetzes über Schuhwafstm und Munition vom 12. April 1928, soweit nicht im Waffenschein das Führen von hieb- oder Stohwasfen ausgeschlossen oder be- schränkt ist: 5. Inhaber von Jagdscheinen eines deutschen Landes. Für jeden Fall der Richtbesolgung dieser Polizeiverordnung wird die Festsetzung eines Zwangsgeldes in höhe b i s z u 1 5 0 M.. im Richtbeitreibungsfalle die Festsetzung von Zwangshaft bis zu 2 Wochen angedroht. Diese Verordnung tritt mit dem Tage nach ihrer Vervssenl- lichuug in Kraft. Begründung des deutschen Antrages rechtlich gebunden. Aber jedermann weiß, daß es nach der Rückkehr Lavals aus Washington vereinbart war, daß der deutsche Antrag erst dann ossiziell eingereicht werden würde, wenn Frankreich seine Z u st i m m ii n g zu dessen Formulierung erteilt haben würde. Infolgedessen ist Frankreich zumindest moralisch o-rpflichtet, keine Opposstion innerhalb des Sonderausschusses dagegen zu machen, daß der Ausschuß seinen Aufgabenkreis im Sinne der deutschen Auffassung erweitere. Formal hat die französische Regierung ihren Standpunkt insofern gewahrt, als sie darauf bestanden hat, daß die Frage der Privatschulden einem besonderen Ausschuß der Gläubiger und Schuldner vorbehalten bleibe. Indessen ist es schon jetzt höchstwahrscheinlich, daß beide Ausschüsse gleich- zeitig und am selben Ort, nämlich Basel, tagen werden, und man rechnet sogar damit, daß eine sehr weit- gehende Personalunion zpiischen den beiden Komitees hergestellt werden wird. Vermutlich wird sogar die Mehrheit der Sachverständigen beiden Ausschüssen angehören. Damit wäre wohl ohne weiteres die Garantie gegeben, daß die Beschlüsse beider Aussckiüsse sich nicht widersprechen, son- dern sich vielmehr de�en und ergänzen werden. Denn es ist natürlich ein Unding, anzunehmen, daß Deutschland sich auf irgendwelche neuen Verpflichtungen reparationspolitischer 2lrt einlassen kann, wenn nicht vorher Klarheit über das künftige Schicksal seiner privatwirtschaftlichen Schulden an das Aus- land geschaffen wird. Die begutachtenden Vorschläge dieser beiden Ausschüsse in international bindende Beschlüsse zu verwandeln, wird die Aufgabe der kommenden Konferenz der Regierungen sein. Darüber, daß eine solche Konferenz nach Abschluß der Komiteearbeiten unverzüglich einberufen wird, besteht schon jetzt auf Grund der jüngsten Pariser Vorbesprechungen volles Einverständnis. Man darf allerdings nicht glauben, daß die Beratungen sowohl der Ausschüsse'wie auch der Konferenz leicht, reibungslos und schnell vor sich gehen werden. Alle Erfahrungen der Vergangenheit sprechen dagegen. Vor allem muß man damit rechnen, daß der Unverstand und die Böswilligkeit der Nationali st en in allen Län- dern die Einigung zunächst zwischen den Experten und später noch viel mehr zwischen den Regierungen außerordentlich erschweren wird. Schon jetzt hat ch u g e n b e r g in seiner Sportpalastrede am Donnerstag das Signal zu einer neuen Hetze gegen den„dritten Tributplan" gegeben, den die Re- gierung Brüning zu unterschreiben sich anschicke. Ebenso dürften die französischen Nationalisten schon jetzt Lärm schlagen, weil die französische Regierung bei den Voroerhand- hingen um den deutschen Antrag nicht kategorisch gefordert habe, daß die ungeschützten'Annuitäten und die deutschen Privatschulden von den Beratungen des Sonderausschusses sorrnell ausgeschlossen bleiben. Hüben und drüben rüsten die Scharfmacher und Friedensstörer zum Kampf gegen jede Verständigung. VZZ. bereits in Aktion getreten. Basel, 20. November. llnmittelbar nach Eingang des Memorandums sind an olle Vor- waltungsratsmitglieder der Bant Telegramme gesandt worden, in denen auf Grund des Artikels-tS der Satzungen um die Ermächti- gung ersucht wird, den beratenden Sonderausschuß einzuberusen. Außerdem sind der Reichsbaiikpräsident sowie die Gouoer- neure der. Bant von Frankreich, der Bank von England, der belzi- sch?n Natianaldank. der Bank von Italien, der Bank van Japan und der Federal-Reseroe-Bank van New Park ausgefordert worden, in llel-ereinstimmunz mit Kiffer 128 des Neuen Planes Mitzli e< der für den Ausschuß zu ernennen. Amerikas Delegierter bereits bestimmt. New'Boxt, 20. November. Der Gouverneur der New Porter Bundesreservebank, Harr i- ! o n, gab bekannt, daß er aus Grund eines Ersuchens der BIZ. den Aorsitzenden des Direktorenrats von Cafe Pomeroy and Eo., Wal- trr W. S t c w a r t, zum amerikanischen Mitglied des beratenden Sonderausschusses ernannt habe, den die BIZ. auf Veranlassung der deutschen Regierung unter den Bestinmumgen des Poung-PIans einberufe. Die Situation im Wirtschastsbeirat. Sine Erklärung der Reichsregierung. Die Rcichsrcgierung teilt zu dem Rücktritt der land- mirtschastlichcn Vertreter im Wirtschastsbeirat mit, daß die landwirtschaftliche!' Vertreter durch den llieichspräsidenten in den Wirtschaitsbeirat berufen worden sind und es deshalb Erstaunen heroorgeciifcn habe, daß sie über ihren Rücktritt einen Brief ab- gesandt und veröffentlicht haben, ohne den Reichspräsi- deuten oder die Reichsregicrung von dem beab- sichtigten Schritt in Kenntnis zu setzen. Im übrigen wird in der Regierungserklärung betont, daß es sich in den Aussprachen des Wirtschastsbeiratcs nur darum handele, die Auffassung der maßgeblichen Wirtschastskreise festzustellen. Die oersassungsmäßige Zuständigkeit der Regierung, in eigener Entschließung ein Wirtschaftsprogronun auszustellen, könne durch die Arbeiten des Wirtschastsbeirates in keiner Weise berührt werden. Selbstverständlich tonne es auch nicht Aufgab- des Wirt- schaftsbeirates sein, Einzel maßnahmen wie die E r h ö h l n g des Butterzollcs vorzuschlagen. Zugegeben ivird, daß die Neugestaltung der deutschen Osthilfe einen Teil des gesamten Wirt- schastsprogramines der Reichsugierung darstellt. Da in diesein Falle aber Fragen der bevorstehenden Frühjahrsbestellung und der Sicherung der Ernährung des deutschen Volkes auf dein Sp'el standen, gäbe sich die Regierung verpflichtet gefühlt, die entsprechen- den Maßnahmen vor endgültiger Feststellung des übrigen Teiles des Wirtschaltsprogrammee in Kraft zu setzen. Die landmirtschatt- lichen Vertreter seien von diesen Maßnahmen vorher unterrichtet wvrdcn. Die Mitteilung der Rcichsrcgierung betont zum Schluß:„Bon einer„Sprengung" des Wirtschastsbeirates durch das Fernbleiben der drei landwirtschaftlichen Vertreter kann natiir- tich in keiner Weise die Rede sein. Die wertvollen Arbeiten der Ausschüsse sind am Donnerstag zu Ende geführt worden und es handelt sich jetzt lediglich noch darum, in einer abschließenden Sitzung der beiden Ausschüsse dos Ergebnis in Leitsätzen fest- zustellen und hierüber ein- Schlußsitzung des gesamten Wirtschastsbeirates. die für Montag, den 23. November, unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten vorgesehen ist, abzuhalten." Zustizskandal drohi! Schergendienste für Muffolini. Aus Konstanz meldet Telunion: Die Erhebungen in der Antifaschistenaugelegencheit sind bereits abgeschlossen. Der Prozeß gegen Bassanest, Tarchiani und Roselli. der sich hauptsächlich auf K 102 stützen wird, wird eiugeleitet werde», sobald der italienische Antrag dazu vorliegt. Die übrigen Vergehe« spielen nnr eine nebensächliche Rolle. Der Engländer, der als Kraftwagen- führcr und Flugzeugmontenr mitgenommen worden war, ist inzwischen ans freie» Faß gesetzt worden, da seine Mit- beteiligung nicht nachgewiesen werden konnte. * Die Meldung der Telunion kündigt eine politische und juristisch» Monstrosität an, der man fassungslos gegen- übersteht. Der Paragraph 102 des Strafgesetzbuches macht es möglich, daß ein gegen ein fremdes Land verübter„Hoch- verrat" bestraft wird, wenn dieses fremde Land Gegenseitig- keit gewährt und Strafantrag stellt. In der deutschen Ge- schichte ist ein einziger Fall bekannt, in dem versucht wurde, den schmachvollen Paragraphen 102 zur Anwendung zu bringen. Das war in dem sogenannten„Hochverrats- prozeß des Z are n". der im Jahre 1904 m Königsberg stattfand und in dem u. a. der jetzige Ministerpräsident Otto Braun angeklagt war. In jenem Prozeß, in dem es sich um die Einschmuggelung revolutionärer Literatur nach Ruß- land handelle, wurden im Punkte des Paragraphen 102 alle Angeklagten freigesprochen, nur wegen Geheimbündelei wurden geringe Freiheitsstrafen verhängt. Soll jetzt die Republik Herrn Mussolini jenen schmachvollen Liebesdienst erweisen, den das Kaiserreich dem Zaren vergeblich zu erweisen versucht hat? Der neue Fall liegt insofern noch toller als der alte, als ein Strafantrag Italiens, wie aus der Meldung hervorgeht, überhaupt noch gar nicht vorliegt. Wird die Deutsche Republik Herrn Mussolini erst um einen Strafantrag bitten, damit sie die mutigen bewundernswerten Vorkämpfer der italienischen Freiheit in das Gefängnis sperren darf? Was sagen unsere „Nationalen" zu solcher nationalen Erniedrigung? Es bleibt nur die Hoffnung, daß sich die Meldung der Telunion als falsch erweist. Es ist eine Forderung des politi- schen Anstandes und der Gerechtigkeit, daß sie nicht wahr sein darf! Hochverratsverfahren aus 1923. Ein Kommunist in Thün'ngen dienstentlaffen— aber Krick konnte Minister werden! Demenstrationsverbok in Ztnhnlk. Die anhaltische Regieru.ig hat alle Verlammlunzen uich Urnziiae uiilcr sreieiii Himmel verboten. Ausgenommen sind unpolitische Veranstaltungen dieser Art, josern sie von der Regierung genehmigt werben. Weimar, 20. November.(Eigenbericht.) Die Weimarer Dienststrafkammer verhandelte heute gegen den kommunistischen Reichstagsabgeordneten vr. pbil. Neubauer, der im Herbst 1923 als Staatsrat Mitglied der aus Sozialdemokraten und Kommunisten bestehenden thüringischen Re- gierung war. Kurz vor der Besetzung Thüringens durch die Reichs- wehr im Herbst 1923 fand man bei Neubauer, der damals als vortragender Rat mit dem Titel Oberregierungsrat am- tierte, einen Angriffsplan zur Uebcrrumpelung der Landespolizeitaferne in Weimar. Das jetzige Dienst- strafoerfahren legt ihm zur Last, daß er als Regierunqs- Mitglied Kenntnis von diesem Plan besessen, es aber unterlassen habe, Anzeige zu erstatten. Ferner wird er beschuldigt, als Staats- beamtcr im Herbst 1923 tätigen Anteil an den illegalen Bestie- düngen der KPD. genommen und ihre hochverräterischen Absichten in Thüringen gebilligt zu hoben. Nach langen juristischen Erürte- rungen über die Fragen der Immunität und Amnestie, die tm vorliegenden Falle in Betracht zu ziehen, das Gericht ablehnte, kon- zentrierte sich die Verhandlung auf die Frage: War der Besitz des A n g r i f f s p l a n e s auf die P o l i z ei ka s e r n e unter den damaligen Verhältnissen als Vor- bereitung zum Hochverrat auszufasjen? Der Berichterstatter verlos zur Kennzeichnung der Situation in Thüringen 1923 den Bericht des damaligen Stabchefs der 3. Kavallerie-Division. Oberst a. D. von Livonius, über die proletarischen Hundertschaften. Der Vertreter des Angeklagten, Rechtsanwalt Idarhoff, verlangte daß Neubauer von der von dar jetzigen thüringischen Regierung seiner Amtsverschwiegenheit entbunden und ihm Gelegenheit gegeben würde, sich ausführlich über die damalige Log« äußern zu können. Das Gericht lehnte diesen Antrag a b. In der lunjangreichen Beweisaufnahme erklärte der als Zeuge anweiende Oberst a. D. v. Lioonius, daß sein Bericht nur Tatsachen- Material enthalte. Auf eine Frage Neubauers bemerkte er, daß die Reichsexekutive 1923 nicht auf Veranlassung der thüringischen Regierung erfolgt sei, daß auch keine Gefahr eines faschistischen Ein- Marsches von Bayern aus bestand(?) und demzufolge sich auch die Abwehr nicht nach dieser Stelle hin gerichtet habe. Neubauer verteidigte sich dornst, daß der Angriffsplan ohne sein Wissen unter sein Aktenmaterial geschmuggelt worden sei, wahrscheinlich von Kommunisten, die aus seine Immunität als Abgeordneter oer- trauten. Der Plan selbst ist dann im Jahre 1924 aus dem Büro des thüringischen Landtages verschwunden. Sämtliche Zeugen be- schwören aber die Identität der von dem Plan erhalten gebliebenen Photographien mit dem Original. Das Urteil, das in später Abendstunde verkündet wurde, lauter auf D i e n st e n t s e tz u n g. In der Begründung wurde ausgejührt, daß der Besitz des Planes uister den damaligen Verhältnissen Vorbereitung zum Hochverrat gewesen sei. Die proletarischen Hundert- schaften seien zu jener Zest auch mit zum Zwecke der Abwehr des Faschismus geschaffen worden, sicher aber auch zu dem der SPD. verborgenen Zwecke, die Verfassung Thüringens gewaltsam zu ändern. Was hätte'sonst die sogenannten legalen Hundertschaften bewegen können, die Polizeikaserne zu stürmen? Es fei erwiesen, daß Neubauer um die Wichtigkeit des Planes gewußt und nachher versucht«, die Folgen des mißglückten Anschlages von sich abzu- wälzen. Beamte, die in dieser Weife sich gegen den Staat, dem sie den Treueid geleistet haben, v�r- gehen, könnten nicht erwarten, daß sie weiter alz Staatsbeamte beschäftigt würden. Das Urteil erhält seine besondere Bedeutung dadurch, daß der Hochverräter F r i ck, der wegen vollendeten Hoch- Verrats bestraft worden ist. in Thüringen Minister werden konnte, obgleich er seinen Treueid gebrochen hatte! Hier tritt eine Ungleichmäßigkeit des Rechts zutage, die zum Himmel schreit! Wieder Unschuldslämmer! Nationalsozialistische Totschläger vor Gericht! Hagen in Westfalen, 20. November.(Eigenbericht.) Am 28. Mai richtete hier ein Trupp auswärtiger SA.- Leute ein entsetzliches Blutbad au. Kurz nach Schluß einer nationalsozialistischen Versammlung wurden ohne jeglichen Anlaß in der um diese Zeit sehr belebten M i l l e l st r a h e eine A u- zahl Schüsse abgegeben, durch die zahlreiche Bersonen, die meisten von ihnen durch Bauchschüsie, verletzt wurden. Drei Männer büßten ihr Leben ein. Lange Zeit schwebte das Ermittlungeoerjahren. bis es endlich gelang, mehrere Nationalsozialisten in Dortmund zu verhaften, die der Bluttat dringend verdächtig waren und zum Teil e i n Geständnis ablegten. Diese haben sich nunmehr wegea Totschlags in drei Zöllen und wagen gefährlicher Körperverletzung in zwölf Zöllen vor dem hiesigen Schwurgericht zu veronlworten. Zur die vcrhaodlungeu des am Montag beginnenden Prozesses find fünf Tage vorgesehen. Neue Hoffnung im Nat. Einigung über Entsendung einer Kommission. Paris, 20. November.(Eigenbericht.) In der Frag«, ob der Rat zur Regelung des Konflikte» bei dein Artikel ll des Völkerbnndspoktcs bleiben oder den Artikel l3 heran- ziehen soll, einigte sich der Rat dahin, bei dem Artikel ll zu b l e i b e n, da das Verfahren des Artikels 15 sehr langwierig ist und den Völkerbundsrat in die unangenehme Rolle eines Richters über beide Parteien versetzen würde. Der englische Außenminister Sir John Simon trat dafür ein, daß. wenn auf Grund des Artikels lt keine Regelung zustande komme, der Völkerbundsrat in einem Bericht klar uad deutlich seine Unfähigkeit, den Konflikt beizulegen, zum Ausdruck bringen müsse. Staatssekretär von Bülow schloß sich dieser Ansicht an. Weiter setzte sich Bülow dafür ein, daß zunächst eine Art Was- f e n st! l l st a n d zwischen den beiden kämpfenden Parteien ge- schlössen werte und eine Unterkoimnijsion nach China zu entsenden! ihren Vollmachten wären auf Grund des Artikels 11 keinerlei Gren. zen gesetzt. Sie soll sich zunächst mit der Sicherheit in ganz China beschäftigen. Man hofft, daß schon die Anwesenheit dieser Kommission«ine Entspannung herbeiführen und den Krieg be. enden wird. Zapau soll bereit sein, mit der Räumung der Mandschurei zu beginnen, sobald„Ruhe und Ordnung wiederhergestellt sind." Die Forderung nach Anerkennung der Verträge durch China hält Japan noch aufrecht, aber nicht als Vorbedingung für die Entsendung der Konimission. Die Stimmung ist daraufhin wieder etwas optimistischer geworden und man hofft, daß China mit der Entsendung der Kommission einverstanden sein wird. Rußland bleibt friedlich. Moskau(über Kowno), 20. November. Die russische Antwort an Japan besagt, die Sowjetregierung beabsichtig« nicht, sich in den japanisch-chinesischen Konflikt ein» zirmischen: habe jedoch olle VeranlassuiKj zu schweren Besorg- nissen mn die chinesisch« Ostbahn. Die Note hebt hervor, daß die Gerücht« über«ine russische Unterstützung des Generals Ma von japanischen Militärstellen verbreitet worden sind. Hochverräter Alfons. Urteil der Volksvertretung. Madrid. 20. November.(Eigenbericht.) Das Parlament als Staatsgerichtshof hat den ehe- maligca König Alfons XIII. des Hochverrats schuldig ge- sprachen, dauernde Landesverweisung und Beschlag- «ahme sciues gesamten noch in Spanien verbliebenen Bestbes siud die Folgen., Als einziger Verteidiger trat der alle liberale Exniinistcr Graf Romanones auf. Romanones wurde aufmerksam angehört, vermochte aber die Unterstützung der Diktatur Primo de Riveras und den damit sanktionierten Verfassungsbruch nicht zu erschüttern. Daneben spielte das Marokkoabenteuer von 1921 eine große Rolle. Damals hatte der König selbstherrlich dem kommandierenden General Silvestre die Erlaubnis, wenn nicht gar den Befehl, zu einem verbrecherisch leichtsinnigen Vormarsch in das Gebiet Abd el Krüns gegeben. Dieser Vormarsch endete mit der Katastrophe von Anonal und der Ilebergabc der Festung Monte Arouit an d:? Kabylen. Damals wurde ein ganzes kriegsstarkes spanisches Korps vernichtet und die Grundlage zu der Macht Abd el Krüns gelegt, der erst fünf Jahre später endgültig niedergeworfen werden tomite. Jlr. 545» 48. Jahrgang 1, Neilage des Vorwärts Sonnabend, 24. November 4984 Seiffert jenseits der Grenze? Vor wenigen Tagen noch 150000 Mark flüssig gemacht! Die lchlen Ermittlungen der Slaalsaawallschast und der Polizei über das plöhliche verschwinden des Direktors Seiffert der Berliner Bank für t)ondel und Grundbesitz lassen bereits jetzt mtt ziemlicher Klarheit erkennen, datz Seiffert ins Ausland geflüchtet ist. Man glaubt nicht recht an die angeblichen Selbst- mordabsichten Seifferls, denn der Flüchtige ließ vor wenigen Tagen ISO DiW M. abheben, welche Summe er zum großen Teil bei sich tragen dürfte. Aon den G r e n z st e l l e n, die sämtlich durch Polizeifunk von der Flucht Seiffcrts in Kenntnis gesetzt wurden, ist bisher keine Meldung über das Auftauchen des Gesuchten eingelaufen. Die Hoff- nung, ihn beim Grenzübertritt zu fassen, ist sehr gering. Seiffert hatte einen zu großen Vorsprung und es ist sehr wahrscheinlich, daß er zu der Zeit, als man sich in Berlin über den Steckbrief und über den Erlaß eines Haftbefehls schlüssig wurde, lange die Grenze hinter sich hatte. Bekannte Seifferts glauben, daß er sich nach der Schweiz gewandt hat. Der Herr Bankdireklor leble nach den neuesten Feststellungen weit über seine Verhältnisse, die Unterhaltung der Billa in der Augustastr. 23 in Lichterfelde kostete viel Geld und auch sonst hatte Seiffert sehr noble Passionen, die mit seinem Einkommen nicht in Einklang zu bringen waren. Zlußerdem soll S. bei Oranienburg ein Landgut und bei Rheinsberg sogar ein Rittergut besitzen. Die Nachforschungen der Bshärden über die Besitzverhältnisse sind aber noch nicht ab- geschlossen Gerade in den legten Monaten war es aufgefallen, daß die zusammengebrochene Bank eine ungewöhnliche Pro- p a g a n d a entfaltete. Filialen schössen in allen Stadtteilen wie Pilze aus der Erde. Wo sich nur in einer geschäftsreichen Gegend ein leerer Laden bot, trat die Grundbesitzerbank auf den Plan und baute die Räume aus. Bedauerlicherweise haben sich gerade in der letzten Zeit nahezu 2000 neue Kunden, meist Hausbesitzer, Lehrer und auch kleine Beamten einfangen lassen, die ihre Spargroschen bei der Bank gut aufgehoben glaubten, und nun eine furchtbare Enttäuschung erleben. Die Staatsanwaltschaft I ist bemüht, das umsangreiche Bücher- Material schnellstens zu überprüfen. Mehrere Revisionsbeamte arbeiten ununterbrochen an den Büchern und man hofft bereits heute mittag soweit zu sehen, daß man erklären kann, inwieweit I noch andere Personen an dem Zusammenbruch Schuld tragen. Stadt Berlin nicht geschädigt. Die Zahlungseinstellung der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz A.-G. hat auf die Stadt Berlin und ihre Institute keinerlei Rückwirkung, da die Stadt an dieser Bank in keiner Weise beteiligt ist. Ein Guthaben des Berliner Pfandbrief- amtes— das übrigens eine völlig selbständige unter Aufsicht des Magistrats stehende Einrichtung ist— bei der Hausbesitzerbank ist durch pfandweise Sicherstellung mittels-eines wesentlich höheren Be- Kasperle in der Schule Die Gustav-Stresemann-Schule in A Mershof zeigt« in einer Z« i ch e n a u s st e l l u n g die Ergebnisse dieses Unterrichts. Eine Fülle von Arbeiten aus den verschiedensten Ge- bieten des Kunstunterrichts, Erfolge in Wettbewerben, Arbeiten von Studien- fahrten goben«inen Uebcrblick über die Arbeit des letzten Jahres. Auch diese Ausstellung gibt einen Einblick in moderne Erzielzungsarbeit, die die fcbnpiorisckx'n Kräfte der Schüler als Ausgangspunkt für ihre pädagogischen Ziele nimmt. Auch hier zeigt sich, wie der Zeichenunterricht der Schularbeit neue Weg« weist. Die Ausstellung litt etwas unter Zuviel an Arbeiten. Be- schrantung auf d.ie vürllich guten nnd jür Schüler charakteristischen Zeichnun- gen wäre besser gewesen. Wenn nun einmal die Oeffcntlichlcit eingeladen wird, erscheint es nicht zweckmäßig, un- bedingt von jedem Schüler etwas aus- zustellen. Es war auch etwas„lieb- los" gehängt: die einzelne Zeichnung kam nicht zur Geltung. Es fiel aus, daß von älteren Schülern viel Karikaturen gezeichnet wurden, die gute Kindcr.zcichnung wirkt zwar auf den Erwachsenen oft als Kari- katur, ist aber nie als solche vom Schüler beabsichtigt, sondern mit heiligem Ernst wird versucht, die Natur wiederzugeben. Karikaturen von Kindern sind meistens mehr oder minder geschickt irgendwelchen Borbildern nachgeahmt. Und das zeigte sich auch hier. Auch die großen Wanddekorationen in der Aula hatten etwas davon, wenn- gleich sie als Rahmen für das lustige Kasperlestück dem Raum ein« festliche Note gaben. Das Puppenspiel, von Schülern selbst verfaßt, war Höhepunkt der Ausstellungseröffnung.„Kasperle als Das Puppentheater in der Gustav-Stresemann-Schule. Sterndeuter und Wahrsager", der den König betrügt, zum Tode ocr- urteilt wird und schließlich als Sieger und Held dasteht, wird zu einem kurzweiligen, die Zuschauer mitreißenden Theaterspiel. Die Schüler als Dichter, Regisseur, Schauspieler, Puppenversertiger, Bühnenmaler, Beleuchter usw. haben gemeinsam eine Arbeit ge- leistet,' deren erzieherischer Wert nicht hoch genug veranschlagt werden kann. träges von Goldpfandbriefen gesichert, so daß aller Voraussicht nach ein Verlust nicht eintritt. Die aktien mäßige Beteiligung, die feit Jahren in der Bilanz des Berliner Pfandbriefamtes schon auf den Wert van I M. abgeschrieben ist, ist allerdings gefährdet. Ein bilanz- mähiger Verlust tritt auf Grund der erwähnten Abschreibung hin- sichtlich der nominell 100 000 M. betragenden Beteiligung also nicht ein. * Die Depotunterschlagungen bei dem Bankgeschäft M a r c u s u. C o. in der I ä g e r st r a ß e. die annälzernd 41- Millionen betragen sollen, haben jetzt zu einen, B er fahren der Staatsanwaltschaft I gegen die Inhaber des Bankgeschäftes wegen Verdachts der Depotuntcrfchlagung geführt. Am S. Oktober dieses Jahres hatte das Bankgeschäft plötzlich die Zahlungen eingc- stellt. Ein Vergleich scheiterte und das Unheil nahm seinen Lauf. Mutter und Kind in den Tod. Verzweifelte Krau tötet sich und ihr Töchterchen. Not und Verzweiflung trieben die 31 Jahre alle Frau Lina Büttner mit ihrer acht Jahre alten Tochter Anni in den Tod. Frau Büttner wohnt im 2. Stock des Seitenflügels in der Arndt- ftraße 18. Hausbewohner hatten seit Sonnabend die Frau nichi mehr gesehen und das Kind war nicht zur Schule gegangen. Dt« Polizei öffnete am Freitagnachmittag die Tür und fand beide im Wohnzimmer auf dem Ruhebett liegend t o t auf. Auf dem Tisch stand eine Tasse, in der noch ein weißliches Pulver war. Anscheinend hat die Frau für sich und das Kind eine größere Dosis zubereitet, und diesen schweren Schlaftrunk eingenommen. Fron Büttner war bis vor drei Jahren noch als.Hausmädchen im Westen Berlins in Stellung. Sie gab dann diesen Posten auf, um ihre Tochter, die bat der Großmutter in Ostpreußen war, zu besuche». Vor zwei Jahren kam sie wieder nach Berlin zurück. Seit der Zeit ging es ihr sehr schlecht. Sie konnte keine Arbeit mehr finden. Dazu kam noch, daß sie schwermütig veranlagt war. Sie konnte es nicht überwinden, daß ihr früherer Verlobter, der Vater des Kindes, sie verlassen hatte und eine andere Frau geheiratet hatte. Der Tod muß bereits vor mehreren Tagen eingetreten sein. Die Leichen wurden beschlagnahmt und ins Schonhaus gebracht. Selbstmordversuch bei Schultheiß-patzeuhofer. In einen, Verzweiflungsonfall brachte sich gestern nachmittag die 42 Jahre alte Witwe Adele Graf aus der KastanicnoUce in der Zentrale des Schnltheiß-Patzenhofer-Konzerns in der Roon- stroßc 0/8 aus einer Pistole einen lebensgefährlichen Schuß in die Herzgegend bei. Die Unglückliche fand in der nahegelegenen Eharitü Aufnahme. Frau G. hatte van der Brauerei in der Kastanienallec ein Restaurant gepachtet. Infolge schlechten Geschäftsganges mar Frau G. mit ihre» Zahlungen an die Brauerei in Rückstand ge- raten und vor einiger Zeit war ihr aus diesem Grund« der Oekanomiepertrag gekündigt worden. Gestern versuchte Frau Graf durch eine Rücksprache mit der Direktion die Kündigung rückgängig zu nmchcn und für ihre Zahlungsverpflichtungen Aufschub zu er- l)alten. Frau Graf muhte sich einige Zeit im Wartezimmer-auf- halten, da das betreffende Direktionsmitglied durch eine andere Unterredung gerade verhindert war. Als ein zweiter Besucher das Wartezimmer betreten hatte, zog Frau Gras in sichtlicher Erregung plötzlich ein« Pistole hervor, setzte den Lauf gegen die Brust und drückt« ab. Schwerverletzt wurde Frm, Graf in die Charitä ge bracht, wo sie bedenklich daniederligt. Billiger Sonnabend im Zoo. Am heutigen Sonnabend kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten bereits von 12 Uhr mittags ab nur 00 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder: dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. Walter sitzt angezogen an seinem Tisch. Er sieht grau und übernächtigt aus. Teilnahmslos blickt er den Eintreten- den entgegen. Der eine Beamte tritt auf ihn zu. „Herr Lorwt. Sie sind heute Nacht in die Wohnung des Direktor- Spruther eingedrungen, haben die Sicherungen herausgeschraubt, das Telephon abgeschnitten, sind in das Zimmer des Sohnes eingedrungen und haben Ihren Freund mit dem Revolver bedroht!" Der junge Mensch sieht schweigend vor sich nieder. „Slber das ist doch Unsinn! �ch bin selbst gestern mit ihm in sein Zimmer gegangen, und wir haben noch bis Mitternacht qeplaudert", sagt Germainc. Wer Wolter sieht sie müde an.„Das stimmt schon, Schwesterchen, das stimmt schon. Aber leider stimmt das andere auch!" Er lachte bitter. Nervös fährt er zusammen, als sich plötzlich die Tür öffnet und die Mutter eintritt. Mit einem Blick scheint sie die ganze Sachlage zu erfassen. Verstört tritt sie auf den Sohn zu. „Walter, um Gattes willen! Was ist geschehen!«o sprich doch!" Sie hat ihre Selbstbeherrschung ganz verloren und packt ihn erregt bei den Schultern. Auch der eine Kriminalbeamte tritt auf den zusammen- gesunkenen iungen Menschen zu. „Ja. folgen Sie Ihrer Frau Mutter. Herr Loriot. sprechen Sie sich aus, sagen Sie uns die Wahrheit!«ie ersparen uns und sich selbst eine weitere Vernehmung auf der Polizei." Walter Hab den Kops.„Ich leugne gar nichts, denn das wäre ja Blödsinn. Es stimmt schon alles, was Sie sagen!" Frau Loriot schrie laut auf. Aber Germainc stellte sich an die Seile des Bruders. „Walter ist kein Verbrecher, Mutter, da kannst du wirk- sich beruhigt sein! Er wird schon seinen Grund gehabt haben, wenn er seinem sauberen Freund einen Schreck eingejagt hat. Ich gönns ihm— ich konnte ihn nie leiden! Er hat Walter genug belogen. Erst gestern abend hat er mir wieder von ihm erzählt!"— ,T>as Schlimmste weißt du noch gar nicht, Germaine! Er hat mich auch bestohlen!" Die Beamten tauschten ein verstohlenes Lächeln.„Was Hot Ihr Freund Ihnen denn gestohlen? Herr Loriot!" Walter sah mit zusammengepreßten Lippen von einem zum andern. „Ich glaube, Sie machen sich über mich lustig, meine Herren", sagte er,„und vielleicht haben Sie recht damit. Heute würde ich es wohl auch anders anpacken! Aber die Eni- täuschung heute nacht war zu groß! Ich war überhaupt nicht mehr ich selbst!" „Aber so sprich doch endlich!" drängte Frau Loriot. Der Junge nahm eine Anzahl von eng beschriebenen Aktenbogen und Zeichnungen, die vor ihm auf dem Tisch lagen, zur Hand. Dann reichte er sie seiner Schwester. „Ich will Ingenieur werden, meine Herren", sagte er leise.„Die Moschinen sind meine größte Freude. Und nun arbeite ich seit Monaten an einer Sache— es handelt sich um eine Erfindung, die die Gcschoßrichtung der Torpedos an den Unterseebooten betrifft und auf dem magnetischen Feld der Kräfte beruht. Hier sind die Zeichnungen und die Berechnungen!" Er deutete auf die Blätter in der Hand Germaines.„Max war der einzige, der davon wußte. Ich traute ihm oft nicht, aber er heuchelte immer wieder eine solche Begeisterung, bis ich ihm alles zeigte und erklärte. Gestern früh habe ich den letzten Fedcrzug getan, heute wollte ich alles an die Oberste Heeresleitung abschicken, um es von Fachleuten prüfen zu lasten. Und heute Nacht, als Germaine gegangen war, wollte ich nochmals alles durchsehen und mich daran freuen." Er warf den Kopf in beide Hände. „Zlls er gestern abend hier war, da hat ihn Germainc allein in mein Zimmer gehen lasten, well er sagte, er wollte mir eine Wechnachtsüberraschung auf den Tisch stellen. Diesen Augenblick hat er benutzt, um mir die Arbett zu stehlen. Er allein wußte, wo sie in meinem Schreibtisch lag. Er hat auch die ganzen Vorarbeiten mitgenommen— alles! Als ich das erste Erschrecken überwunden hatte, da blieb mir nur noch der eine Gedanke, sofort hinzugehen und mein Eigentum wieder zu holen."— „Aber warum hoben Sie die Sicherungen herausge- schraubt und die Telephonleitung durchschnitten wie ein Räuberhauptmann! Das war eine kolossale Dummheit von Ihnen!"— „Ich fürchtete, es könnte jemand aufwachen und die Po- lizei benachrichtigen. Dagegen wollte ich mich sichern— wenigstens so lange, bis ich die ArbeitZvieder battc!" „Und weshalb nahmen Sic einen Revolver mit, Herr Loriot!" Das Gesicht Jffialters verzerrte sich. Er sprang aus und stieß erregt den Stuhl zurück. „Niederknallen wollte ich ihn. den Lumpenkcrl, oer mich so hinters Licht geführt hatte! Aber als ich ihn dann sah, in seinem Bett— sein Gesicht war so weiß wie sein Kopfkissen, dieser Feigling, vor Angst konnte er kein Wort heraus- bringen. Er deutete bloß mit den Armen auf seinen Schrank — in seiner Hutschachtel hatte er mein Eigentum versteckt. Da packte mich der Ekel. Nicht einmal eine Ohrfeige konnte ich ihm geben." Frau Loriot weinte vor sich hin. Aber Germaine schlang ihren Arm um den Hals des Bruders. „Du bost ganz recht gehabt, Wätti, jeder Mensch wird das begreisen können, was du getan host!"— „Leider sind wir aber benachrichtigt worden", sagte der eine Beamte holblaut.„Herr Direktor Spruther hat die Po- lizei angerufen und Anzeige wegen Einbruch, Sachbcschädi- gung und Bedrohung erstattet. Er sagt, sein Junge habe sich nur einen harmlosen kleinen Scherz machen wollen,«ie hätten doch wahrhaftig warten können bis zum Morgen. Dann wäre. Gelegenheit genug gewesen, zu Ihrem Freund zu gehen und Ihre Arbeit wieder einzufordern!" Aber Walter schüttelte erregt den Kopf. „Dos ist kein Scherz gewesen, sondern eine Geuninheit! Das hätte er nicht tun dürfen, gerade dos nicht! Bedenken Sie doch, wenn ein Freund Ihnen wochen- und monatelang seine größtes Interesse, seine Bewunderung ausspricht, wenn er an allem teilnimmt, wenn er Sie anspornt und vorgibt, fest von dem Erfolg dieser Arbeit überzeugt zu sein— und dann plötzlich so etwas! Nein, das ist niemals wieder gut- zumachen! Aber ich hätte ihm niemals vertrauen sollen— es ist mein eigener Fehler gewesen!" Der zweite Beamte, der bis dahin bei Frau Lonot gc- standen hatte, nahm einen Stuhl und fetzte sich neben Walte'-. Dann ergriff er seine Hand. (Fortsetzung folgt.) Schweres Verkehrsunglück. Lastauto gegen Baum gerast.- Ein Toter, vier Verletzte. In Wilhelmshagen an der Strecke nach Erkner ereignete sich gestern abend ein folgenschweres Verkehrsunglück, dos ein Todesopfer und mehrere Verletzte forderte. An der Chausseekreuzung Fürstenwalder und Wilhelm- straße geriet ein mit zwei Personen besetztes Motorrad plötz- lich in die Fahrbahn eines L a st a u t o s. Der Führer des schweren Fahrzeugs wollte einen Zusammenstotz unter ollen Umständen vermeiden; er steuerte scharf nach rechts, verlor dabei ober die Herrschaft über die Steuerung und prallte mit großer Wullzt gegen einen Baum. Auch das Motorrad wurde von dem Lastauto noch erfaßt und zertrümmert. Der 41 Jahre alte Führer des Lastautos, Emil Wolf aus der Rahnsdorfer Str. 26 in Friedrichshagen, flog mit dem Kopf durch die Windschutzscheibe und wurde auf der Stelle gelötet. Zwei Mitfahrer erlitten erheb- liche Kopf- und Armverletzungen. Besonders schlimm er- ging es noch dem Motorradfahrer, der mit einem Schädel- und Oberschenkelbruch ins Köpenicker Krankenhaus ge- bracht werden mußte. Der Sozius des Mowrradlers kam wie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen davon. Beide Fahrzeuge mußten durch die Feuerwehr abgeschleppt werden. Der Todesschuß auf die Tante. Ein Jahr Gefängnis wegen Totschlags. Das Landgericht I verurteilte den Zl jährigen Kaufmann H., der am 4. Zuli d. 3. feine Tante, die 60jährige Inhaberin einer Pension im Westen durch einen Schuß tötete, wegen Totschlags zu einem 3ahr Gefängnis. Das blutige Drama, das sich am ä. Juli in der R a n k e st r a ß e abgespielt hat. wird erst aus der Persönlichkeit der Toten verstand- lich. Sie geHörle zum Typus der herschsllchtigen, h y p e r- nervösen alten Damen, die ihre Wohlhabenheit die armen Verwandten fühlen lassen und deren Unterstützung mit Demütigung und Selbstverleugnung erkauft werden muß. Ihre Nichte, eine kaufmännische Angestellte, die Tochter eines verstorbenen Bruders der Frau B., verstand es nicht, sich mit der Tante zu stellen und die materielle Hilfe, die sie ihrer Mutter und den Geschwistern leistete, mit der„Freundlichkeit" zu entlohnen, die diese alte Frau forderte. Das gespannte Verhältnis übertrug sich auch auf den Bräutigam der Nichte. H., der seine gutbezahlte Stellung in Hannover verlassen hatte und die ihm versprochene Absindungs- summe nicht schnell genug erhalten konnte, ging die Tante trotz des gespannten Verhältnisses um 2060 Mark an, deren er zur Betcili- gung an einem Unternehmen benötigte, bekam auch das Geld und wollte es am t. Juli d. I. zurückzahlen. Am 20. Juni heiratete H. und begab sich mit seiner jungen Frau in ein Ostseebad, um dort seine Flitterwochen zu verbringen. Seinen Kompagnon hatte er schrifllich gebeten, nur ja nicht zu ver- gcssen, am 1. Juli das Geld an Frau B. zu überweisen. Als das Geld nicht gezahlt wurde, ließ Frau B. den H. tclegraphisch zurück- holen. Gegen Mittag des Tages, an dem er zurückgekehrt war, suchte H. Frau B. auf und traf hier seine Frau und seine Schwicger- mutter. Die Tante schlug seine hingestreckte Hand aus und herrschte ihn an, er wisse doch, daß es eine Staatsanwaltschaftssache sei. Als H. ihr zurief, sie soll doch daran denken, daß sie eine Verwandte scl, schrie diese, zur Ehefrau gewandt:. Solch einen Kerl hast du geheiratet, der ist noch schlimmer als mein Mann, beschimpfte und streitete mit H. fortgesetzt und platzte schließlich init dem der jungen Frau unbekannten Geheimnis heraus, daß ihr Mann auch schon ein uneheliches Kind habe. Jetzt sprang H. auf, lief mit einem Revolver in der Hand auf die Tante zu. Im nächsten Augenblick trachte der Schuß. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, daß er wegen der Demütigungen und B e s ch i ni p f u n g e n, denen er in Gegen- wart seiner jungen Ehefrau von der Tante ausgesetzt worden sei, den Kopf verloren und die Waffe nur zur Drohung gegen die Tante gezogen habe. Der Schuß sei wohl losgegangen, als diese mit dem Kopf gegen den Lauf gestoßen habe. Er habe nicht die Absicht gehabt, seine Tante zu töten. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis wegen Totschlags: das Gericht erkannte auf Tötungsabsicht und folgte dem Antrage des Staatsanwalts. Frauen wollen Frauen helfen. In der P o r ck st r a ß e 7 9 hat der Berein„Frauenberatung für Rechts-, Ehe- und Sexualfragen" vor kurzem seine Haupt- geschästsstelle eingerichtet: da sitzen eine Acrztin, eine Juri st in und eine H e i l p ä d a g o g i n für schwer erziehbare Kinder, alle drei wollen sie auf Grund ihres Wissens als Frau zur Frau sprechen, ihr beratend, tröstend und vor allem aufklärend zur Seite stehen. Oft hängt des einzelnen Menschen, oder auch feiner ganzen Familie Glück nur an einem Seidenfaden, auf der anderen Seite bedarf es ober wieder auch nur einer Kleinigkeit, den häuslichen Frieden wieder herzustellen. Weitaus die meisten Schüning bleibt unvereidigt Früherer Stadtkämmerer Dr. Lange als Zeuge Die Brüder S kla rek sind gestern aus der Reserve, die sie bei der Vernehmung des Oberbürgermeisters vöh noch gewahrt haben, herausgetreten und zum Angriff übergegangeu, nicht ohne Erfolg. Der frühere Stadtrat Schüning blieb unvereidigt wegen Verdachts der Teilnahme an dem zur verhaudlung flehenden Verbrechen.„Sie können von Glück sagen, daß ich Sie nicht vereidigt habe," sagte der Vorsitzende. Der frühere Stadtrat Schüning und späterer Direktor der Behala hat übrigens für Dienste, die er der Firma Sklarek gc- leistet— so hatte er sich z. B. dafür eingesetzt, daß ihnen die Be- lieferung der Berliner Straßenbahn belassen werde— im ganzen 10000 Mark erhallen. Die Gebrüder Sklarek konnten trium- phieren. Ihre von Anfang an aufgestellte Behauptung von dem Kieburgschen Loch, das sie übernommen haben wollten, hat sich als richtig erwiesen. Auch der nächste Zeuge, der Obcrmagistrotsrot Schindler, Mitglied des Aufsichtsrats der BAG. und der Hauptprüfungsstelle,. war gezwungen, auf Willi Sklareks Vorhalt über ein mit ihm geführtes Gespräch die Möglichkell zuzugeben, daß auch er von dem Defizit und von dem Deckcnlieferungsoer- trag gewußt habe. Im Dezember 1927 soll Schindler Sklarek gesagt haben: Na, Sie haben ja einen schönen Deckenlieferunge- vertrag bekomnien. Worauf Willi Sklarek erwidert haben will: Ich danke für derartige Verträge. Ein sauberer Herr, der Herr Kieburg, nun hoben wir wieder sein Defizit übernehmen müssen. Der Hauptzeuge der Nachmittagssitzung war der frühere Ber- liner Stadtkämmerer Dr. Lange. In seine Amtszeit fielen die wichtigsten Verträge mit Sklarek, auch der berüchtigte Monopol- oertrag vom 4. April 1929. Er will von diesem Vertrag nichts gewußt haben: bei den Tausenden von Verträgen, die bestanden, habe er über ihn auch nicht näher Kenntnis erhalten können. Wohl weiß Dr. Lange aber Bescheid über ein Darlehcu in höhe von 500 000 Mark, das die Firma Sklarek von der Stadt Berlin mit der Begründung haben wollte, daß sie geschädigt worden sei. Er habe das Darlehen abgelehnt. Während seines Urlaubs Halle jedoch sein Vertreter, der Stadtrot Wege, den Sklareks ein solches in Höhe von 300 000 Mark versprochen. Lange wollte seinen Kollegen nicht bloß- stellen, der Magistrat entschied bejahend, der Ausschuß beschloh, das Darlehen zu geben. Daß Sklareks damals bereits der Stadt 350000 Mark schuldeten und diese Schuld immer wieder gestundet wurde, davon will der Stadtkämmerer nichts gewußt haben. Interesseantcs kann aber der Zeuge über den ver- storbenen Direktor der BAG.. Kieburg. aussagen. Als sich bei der Bilanzaufstellung ein großer Fehlbetrag ergab, hat er die Frage angeregt, ob Kieburg nicht regreßpflichtig zu machen sei. Sluch eine strasrechlliche Verantwortung ist in Erwägung gezogen worden. Man kam jedoch zu dem Ergebnis, daß trotz des schweren Verdachtes unkorrekter Manipulationen Kieburg weder zioilrechtlich, noch strafrechtlich zu belangen sei. Der Zeuge hatte nicht den Ein- druck, daß die Mitglieder des Ausschusses, zu denen u. a. Stadtrat Benecke und Stadtrat Gaebel gehörten, sich aus anderen als aus sachlichen Motiven Höllen leiten lassen, oder daß man geneigt ge- wesen sei, Kieburg aus Furcht vor Unannehmlichkeiten zu decken. Hier hakt die Offensive der Gebrüder Sklarek ein. Willi Sklarek erinnert den Zeugen an ein Gespräch. das Max mit ihm im Eden-Hotel bei einer Festlichkeit gehabt haben soll. Max Sklarek habe ihm gesagt: Diese ganzen Vertrage sind uns nur zum Nachteil. Wir können uns nur erholen, wenn wir einen Moiwpoloertrag bekommen. Der Angeklagte Gaebel erklärt in großer Erregung, daß er, Gaebel, im Ausschuß auf die strafrechtliche Verfolgung des Direktors Kieburg gedrängt und auch eine genaue Aufstellung über die Fehlbeträge gegeben habe. Bei der Erörterung der Tellnahme des Zeugen an mehreren von Sklarek gegebenen F-stlichk-iten— es handelt sich im ganzen um drei solcher Fälle— lonnrll es zu den üblichen Austritten. Leo Sklarek ist wieder sehr erregt. Es wird festgestellt, daß in allen Fällen die Brüder Sklarek die Zeche bezahlt haben. Der Zeuge will der Ansicht gewesen sein, daß sein Freund, der Stadtverordnete Nosenthal, für ihn und'ür sich aus eigener Tasche die Rechnung beglichen Hobe. Am Montag soll Bürgermeister Scholtz vernommen w-rden. Fälle sind allerdings schwieriger und der Houptseind Not spielt dabei die ausschlaggebende Rolle: hier sind es Unterhaltssorgen, der Mann vertrinkt das Geld, die Frau weiß nicht, woher Brot für die Kinder nehmen, dort find es geschiedene Eheleute, wo der Mann seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, das größte Kontingent der Benachteiligten stellen die unehelichen Kinder, deren Menschenrechte immer noch die denkbar unwürdigsten sind: arbeitsrechtliche Fragen spielen ebenfalls eine große Rolle, auf allen Gebieten tut auf- klärende Beratung unendlich not, vor allem naturgemäß auf dem der Sexnalfrage, die trotz aller fortschrittlichen Bestrebungen unserer Zeit vielen Frauen noch immer«in Buch mit sieben Siegeln ist. Die Erziehungsbcraterin will der Jugend, die aus irgendwelchen Gründen körperlicher oder seelischer Natur allzuschwache Lebens- kräfte besitzt, Führerin und Helserii, sein. Die Sprech st unden finden täglich— außer Mittwoch und Sonnabend— von 16 bis 10 Uhr statt, da dem Verein keinerlei besondere Mittel zur Verfügung stehen, kann die Beratung nicht ganz kostenlos erfolgen, doch besteht kein Tarif, jeder gibt soviel oder so wenig er geben kann. Es wird alles mit der nötigen Diskretion behandelt, niemand braucht seinen Namen anzugeben. Kampf gegen die Tuberkulose. Anklage gegen System der staatlich konzefs. Schulmedizin. Wie sehr die Vorgänge im Lübecker Calmette-Prozeß weite Kreise der Oeffentlichkeit und besonders die Elternschast erregt, zeigte sich in dem überaus starken Besuch einer Vcrsamm- lung, die von der Freireligiösen Gemeinde Bezirk W e d d i n a am Bußtag veranstaltet wurde. Dr. K r ö n e r vom Tuberkulose-Heilinstitut Friedmann sprach über das Thema: War das Kindersterben in Lübeck notwendig? Nur in einem System, das in seinen Grundfesten morsch ist, stellte Dr. Kröner fest, konnten sich solche Dinge wie in Lübeck ereignen. Die Anklage von Lübeck ist eine Anklage gegen das System der staatlich konzessionierten Schul- Medizin. In diesen» System mußte es einmal zu einer Katastrophe kommen, damit die wissenschaftliche ileberl>eblichkeit einmal weithin bloßgestellt wurde. Dr. Kröncr schildert dann den Kampf gegen die Tuberkulose seit Robert Koch bis zur Entdeckung der Schildkrötemuberkelbazillen durch Friedmann und dessen Sabotage durch die Schulmedizin. Ein Kampf, der oftmals, die übelsten Formen annimmt. Und der Grund, sich gegen das Friedmann- Mittel zu wenden, sei nur der schnelle Heilerfolg des Mittels. Man hatte Friedmonn gesagt: Wenn Sie die Tuberkulose mit zwei bis drei Spritzen hellen, dann werden Sie sich nie durchsetzen. Geben Sie den Leuten doch außerdem eine Anzahl Kochsalzspritzei?, damit Tragödie des Alltags Martyrium einer Arbeiterfamilie Der Tod auf der Straße wir berichlelen gestern von dem trogischen Tod des schwerlungenkrankeu Arbeitslosen Wilhelm Schlief, der nach einem Ausgang aus der Straße einen Blutsturz erlitt und kurz daraus einem Herzschlag erlag. Oft scheint es, als hätte alles Leid der Welt sich gegen ein paar Menschen verschworen, um ihr kurzes Dasein zu einem großen Martyrium zu gestalten. Der Tod des jungen Wilhelm Schlief, dem ein jahrlanges, schweres Siechtum voranging,. bedeutet nnr ein Glied in der Leidenstette einer Familie, die aus geordneten Verhältnissen in allerärgste körperliche, seelische und wirtschaftliche Bedrängnis geriet. Kaum war die Inflation beendet, da holte dos Schicksal zu einem viel härteren Schlage aus. Der Ernährer der Familie, der als Schmied in einem großen Berliner Jnduftriewerk arbeitete, erlitt einen schweren Betriebs» Unfall lSchädelbruch): von langem Krankenlager erhob sich dann ein Mensch, der nur mehr der Schatten seiner selbst war. Aus einem gefunden, kräftigen Arbeiter und lebensfrohen Menschen war ein schwächlicher, kränkelnder, rasch alternder Mann geworden, der seinen Arbeitsplatz einem gesünderen Kollegon abtreten mußte. Mit einer spärlichen Rente bedacht, war ihm imr leichte Gelegenheitsarbeit im Betrieb vergönnt.„Wie lang« noch, und ich bin über- Haupt draußen" lautet feine ständige, angstvolle Redensort. Aber auch bannt war der Leidenskelch noch nicht erschöpft, jetzt wandte sich das Unglück den Kindern zu. Die älteste Tochter starb im Alter von 26 Jahren an Schwindsucht. Ihr Bruder, ein fleißiger, begabter Mensch von 25 Iahren, der seit 3 Jahren insolge schwerer, ossenerTuberkulosc ans Bett gefesselt war, wanderte von einer Lungenheilstätte zur anderen, um jedesmal als hoffnungsloser Fall wieder heimzukehren: auch er bezog eine kleine Rente, ganze 8 Mark im Monat. Der starke Lebenswille riß den kranken Menschen immer wieder aus dem Bett, mit letzter Krait schleppte er sich auf die Straße, wo ihn der tödliche Blutsturz ereilte. Das dritte Kind, ein Mädchen in der Zwanzigcrmitte. zeigt auch bereits die Symptome des furchtbaren Leidens, immer häufiger muß sie vom Büro zu Hause bleiben, sie zittert ständig vor ihrem Abbau. Die allergrößte Not ist ständiger Gast im Hause die winzigen Einnahmen an Rente und Verdienst reichen nicht her und nicht hin. die Mutter ist durch Aufregung und Entbehrungen inzwischen eben- falls schwer krank geworden. Die Recherchen der Wohlsahrtsorga- nisatümen stellen fest: die Leute haben eine 3-Zimmer-Wohnung mit guter Einrichtung, Vater und Tochter oerdienen, außerdem beziehen sie Rente. Wie winzig die Einnahmen sind und wie es infolge der unglückseligsten Berhältnisie an dem Nötigsten fehlt, das hat sich jetzt durch den Unglücksfall erst offenbart. Das ist ein Fall von Hun- borten, vielleicht Tausenden in Groß-Berlin, der zufällig an die Oefjentlichkcit gelangte. die Acr.zte etwas verdienen. Der Irrtum Colmettes besteht darin, zu glauben, sein Bazillus sei crbbeständig. Das sei auch der eigentliche Kernpunkt im Lübecker Prozeß, um den man leider herumgehe. Wenn der Calmette-Bazillus erbbeständig sei, dann hätte Deycke den Bazillus ruhig auf Eicrnährboden züchten können statt auf dem vorgeschriebenen Kartoffelnährboden, der Bazillus dürfe sich nicht verändern. So sei der eigentlich Schuldige in dem Irrtum Colmettes zu suchen. In der Debate meldeten sich auch einige durch Friedmann Geheilte, die sich als praktischer Beweis für Friedman» vorstellten. Zum Schluß betonte Dr. Kröner. daß man sich selbstverständlich nicht mit der Heilimpfung zufrieden geben solle. Wer der Be- freiungskampf der Arbeiterschaft könne besser geführt werden, wenn er von gefunden Menschen gekämpst werde. Der zustimmende Beifall der Zuhörer, die sich ausschließlich aus der Arbeiterschaft im Wedding zufammeirsegte, war zugleich eine Sympathicerklärung sür den Kampf Professor Fricdinanns. Filmstar aus dem Lenftiis. Gefängnis für spiritistische Film- und Nelrugserperimente. Vhantaslischc Schwindelmanöver eines Schauspielers. der einer 70-jährlgen zum Spirilismns neigenden Frau einredelc, der Geist ihres wanncs werde in einem Film erscheinen, den sie finanzieren müßte, kamen vor dem Schöffengericht verlin-Mitte zur Sprache. Der 42jährige Schauspieler Briino Wistuba, der von Rechts- anwalt Dr. Arno Weimann verteidigt wird, ist wegen Betruges on Frau G. angeklagt. Er ist bereits wiederholt wegen Betruges verurteilt worden. Früher war Wistuba Zirkusartist, bis er sich durch verschiedene Stürza eine Krankheit zuzog, so daß er sich wiederhott in Heilanstalten aufhatten muhte. Im Jahre 1930 versuchte er, sich durch den Handel init Graphiken zu ernähren, und lernt« hierbei die alte Frau G. kennen, zu der er bald häufiger ins Haus kam. Sic habe ihn zum Spiritismus bekehrt, erzählte der Angeklagte heute feinem Richter. In der Wohnung gab es„ein Weihezimmer, in dem der Geist ihres Gatten umging". In dieses Zimmer durste nur er eintreten, dann die Frau behauptete, der Geist ihres Mannes und der seines Freundes, des ermordeten Mi- nisters Rathenau, hätten ihn, Wistuba, als iilnserwöhltcn bezeichnet. Dort wurden nun oft spiritistische Sitzungen abgehalten. Frau G. bekam den Ausirag vom Geist ihres Mannes, einen Eheruskerfilm durch wistuba herstellen zu lassen, in dem der Geist ihres Mannes die Rolle des Hermann übernehmen würde. Auf diese Erzählungen des Angeklagten fragte der Borsitzende: „.haben Sie denn Erscheinungen bemerkt?" Angeklagter:„Erscheinungen nicht, aber Geräusche." Vorsitzender:„Geräusche kann doch jeder machen." Angeklagter:„Ich glaubte, sie kämen aus einer anderen Welt." Jedenfalls nahm Wistuba den ehrenvollen Auftrag der Filmproduktion an, und suhr in den Teutoburger Wald, um mit seiner Arbeit zu beginnen. Nun gab er vor Gericht ganz ois�r zu, daß er noch nicht einmal den Ver- such gemacht habe, zu filmen, sondern daß er unter den unwahr- scheinlichsten Vorwändcn sich ständig von Frau G. Geld schicken ließ. So kamen Briefe und Karten aus dem Teutoburger Wald, daß ein Blitzschlag 1000 Meter Film vernichtet hätte, und daß er selbst beim ReiieO der Apparate verletzt worden sei. In ganz kurzer Zeit war der Film angeblich fertig, und er brauchte dos Re i s e g« l d, u ni ihn p« r s ö n l i ch nach Amerika zu b r i n-g e n. Dan» kamen Briese, in denen es hieß, die Wwrikaner hätten bei der Uraufführung des Chcruskerfilms Ovationen auf Deutschland und Schmährufe gegen England und Frankreich ausgebracht. Der Film werde als«in deutscher Triumph in ganz Amerika aufgeführt. Cr wolle den Erfolg auswerten und andere Filme drehen, um Deutschlands Ansehen zu festigen. In langen Aussprachen mit dem„lieben Bernd" habe er von ihm. dem Geist, erfahren, daß Frau G ihn nicht im Stich lassen würde Dann war Wistuba, der sich tatsächlich die ganze Zett versteck! in Fragen Sie Liren Arzt, und wenn Sie hören, daß Darmträgheit die Ursache Ihres Leidens ist, dann nehmen Sie Läxin, und«ie sind erlöst Loxin ist das ideale Mittclzur Regelung des Stuhlgangs und schmeckt wie dos feinste Konfekt. crlac Dole Laxlu jü:> t.SU rächt 21 mal. 545» 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 21. November 1931 Warum keine Krediiverbilligung? Zmssenkung aus normalem Wege.— Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht! Das Znleressenkenkum ist in Deuischland— auch gegenüber der ?!eichsregierung— so mächtig, dag man für die einfachsten Lösungen von wirlschaftspolilischen Fragen keinen Blick mehr hat. Die Parole von der Produttionskostensenkung durch Lohnabbau geht von der Schwerindustrie aus, wo die Herren Flick. Thyssen und Otto Wolfs den Wert ihrer Stahl- vereinsaktien retten wollen— und der Lohnabbau wird in Deutsch- land gemocht. Die deutsche verarbeitende Industrie könnte durch radikale provisorische Aufhebung aller Kartellbindungen md durch Senkung der Eisenzölle sofort die Arbeitslosigkeit stark abbauen, aber der Einfluß der Schwerindustrie— auch in der Kanzlerpartei— macht den längst notwendigen Kartell- und ich etwa SM Millionen und eine zweiprozentige eine Erleichterung von jährlich einer Milliarde bringen könnte,— eine Wirkung, die ganz außerordentlich fruchtbar sein müßte, wenn sie gleich- eitig mit der Beendigung jedes Lohnabbaues und mit der radikalen Senkung der kartellgebundenen Preise einhergehen würde. Bisher aber hat der Einfluß des großkapitalistischen Jnter- effententums bei der Reichsbürokratie und in der Reichsregierung alle solche Maßnahmen einfach unmöglich gemacht. . Hier soll nur von der Kreditverbilligung die Rede sein. Die Privatbanken berechnen heute die den Kreditnehmern zu Losten geschriebenen Zinsen nach dem Lombardsatz der Reichsbank, der 10 Proz. beträgt. Darauf schlagen sie ihre Provisionen in Höhe von 2 bis 3 Proz. jährlich, dazu kommen noch Sander- ,1 r o v i s i o n e n für den Fall der Kreditverlängerung und der Kreditübcrziehung- So werden jetzt wenigstens 12 proz., sehr häufig aber auch 14, 15 und 1ö Proz. für Kredite gezahlt. Ein solcher Preis für Kredite ist natürlich mörderisch, er ist besoirders gefährlich in der Krise, wo der Zins niedrig sein sollte und wirkt sich am ungerechtesten gerade bei den b e st e n B e- trieben aus, die durch das Einsrieren der Großkredite bei den Großbanken und durch die innerdeutschen Stillhaltekredite bei der Akzept- und Garanticbank, in der Kreditversorgung einfach hinten bcruntersallen. Aber diese enormen Zinssätze sind keineswegs notwendig und zwangsläufig. Es scheint uns unverständlich, daß die Reichsbank heute noch an einer Spanne von 2 Proz. gegenüber dem Diskontsatz von 8 Proz. für die Lombarddarlehen seskhält, »ach deren zehnprozentigcr Verzinsung die Banken ihre Zinsen be- messen. Es liegt kaum ein zwingender Grund vor, der die Herab- setzung des Lombardzinsfußes aus 9 Proz. ungerechtfertigt erscheinen lassen würde. Ohnehin besteht für einen großen Teil der deutschen Kreditwirtschaft durch die Tätigkeit der Akzept- und Garantiebank heute ein zwangswirtschastliches Ber- bältnis, und wen» hier auch die Bonität der Kreditnehmer mit um- >-ek«hrten Borzeichen versehen werden muß, so liegt doch die letzte Entscheidung über die Kreditgewährung ausschließlich bei der Reichsbank. Es wäre nur der neue Lombardsatz von 9 Proz. als Zinsgru'ndlage für die Banken zwingend zu machen— eine einprozentige Spanne entspricht sowieso der Uebung bis zum Juli- Irsch—> um die Zinslast in Deutschland um 1 Proz. zu senken. Zweitens können keine großen Bedenken mehr bestehen. den Diskontsatz der Reichsbank selbst um mindestens 1 Proz. aus 7 Proz. zu senken. was den Lombardsatz aus 8 Proz. herunter bringen würde. Daß die Reichsbank entsprechend der Unterschreitung der Deckungsgrenze ihren Diskont zu erhöhen hätte, ist eine Kann Vorschrift, keine -M u ß Vorschrift und wird— mit Recht— gegenwärtig sowieso nicht beachtet. Die Diskontpolitik ist auch nicht wirksam auf dem Geldmarkt, weil ohnehin nur der Gesichtspunkt der Bonität entscheidend ist. Den Zustrom ausländischer Kredite, den es bekanntlich jetzt nicht gibt, wird man durch eine Diskontsenkung sicher nicht verringern. Sollte die Reichsbant aber gar ihre gegen- wärtigen beträchtlichen Gewinne durch Diskonthoch- Haltung schützen wollen, well sie die Notensteuer bezahlen muß, so wäre das ein prioatwirtfchaftlichcr Gesichtspunkt, dessen Wahrnehmung durch die Reichsbankleitung aufs schärfste zu ver- urteilen wäre. Die Rücksicht auf die Zinshöhe für die aus- ländischen Stillhaltekredite endlich darf nicht dazu führen, daß gerade die besten Teile der deutschen Wirtschaft, die bekanntlich nicht mit ausländischen Krediten finanziert sind, an der Kreditüberteuerung zugrunde gehen. Eine einprozentige Diskont- senkung würde eine neue Entlastung für die deutsche Wirtschaft von jährlich etwa MO Millionen bedeuten Zum Drillen kann auch die Zinsspanne der Laaken gesenkt werden. Die Danken haben kein Recht, in Krisenzeiten durch Ber- größerung ihrer Zinsspanne bloß deshalb die Kredite zu verteuern, weil— wie jetzt— durch den Abzug der ausländischen Kredite und durch das Einfrieren der Großkredite der in der Krise sonst normale Geldüberfluß nicht vorhanden ist. Sie haben um so weniger ein Recht dazu, als diese Bankenwillkür bei den Kreditkosten die Banken an sorgfältiger Wirtschast und an der Be- reitwilligkeit hindert, die privat- und volkswirtschaftlich ge- botenen Ausschreibungen vorzunehmen. Talsache ist, daß man ziem- lich allgemein bei den Banken dazu übergegangen ist. statt % Monatsprovision jetzt yt Proz. zu verlangen, was eine Ber- leuerung der Provision jährlich von 2 aus 3 Proz. bedeutet, hier liegt eine willkürliche.Erhöhung der Zinsspanne um ein volles Prozent. Der Abbau der erhöhten Spanne würde eine Kreditver- billigung um ein weiteres Prozent erlauben. Wir sind uns bewußt, daß diese Rechnung eine sehr summarische ist. Theoretisch ergibt sich, wenn man die Diskontsenkung um 1 Proz., die Lombardsatzsenkung um ein weiteres Prozent und die Zinsspanneverkürzilng der Banken um noch 1 Proz. zusammen- rechnet, die Möglichkeit einer Kreditverbilligung in Deutschland für laufende Kredite um nicht weniger als 3 Proz. Aber selbst angenommen, unsere summarische Rechnung wäre per Saldo um e>n halbes oder um ein Prozent zu günstig, dann bliebe noch eine mögliche Kreditverbilligung für Deutschland von 2 bis 2K Proz. Was in Deutschland fehlt und was wir dringend nötig haben, dos ist Einfachheit und Klarheit in der wirtschafts- politischen Führung und die rücksichtslose Ausschaltung der großkapitalistischen Jnteressenteneinslüsse in der Bürokratie und bei der Reichsregierung. Ermannt man sich endlich zu solcher Einfachheit und Klarheit in der Wirtschaftspolitik, dann besteht trotz aller innen- und reparatiönspolitischen Sorgen kein Grund zum Pessimis- m u s. Daß Wege zu einfacher entschlossener und erfolgreicher Wirt- schaftssührung gegeben sind, dafür ist die Frage der Kreditverbilli- gung in Dcütschland nur ein Beispiel. Kreditsperre sür den Osten. Stickstoffsyndikat vor schwerwiegenden Entschlüssen. Das S t i ck st o f s- S y n d i k a t hat für heute nachmittag eine Konferenz des Verwaltungsrates einberufen, um zu den Bestim- mungen der neuen Osthilseverordnung Stellung zu nehmen. Im Syndikat herrscht die Meinung vor, künftig keine Dünge- mittelkredite fürLieserungen nach dem Osten mehr zu geben, da die durch die neue Verordnung geschaffene Rechts- Unsicherheit dies nicht mehr zulasse. Hier tritt also bereits nach wenigen Tagen das ein, was wir bei der Veröffentlichung der neuen Osthilfe-Verordnung vorausgesagt baben. Die vorgesehene tellweise Zinssenkung für landwirtschaft- lichen Realkredit muß den Kredit st romnach dem Osten a b d r o s s e l n. Nichts konnte in der gegenwärtigen Situation verheerender wirken, als eine derartige Vertrauenserschütterung. Der nur augenblickliche Nutzen, den die Landwirte von dieser Zinssenkung haben, wird also, wie die Vorgänge beim Stickstoff-Syndikat be- weisen, sehr teuer erkauft.— Diese ernste Angelegenheit sollte aber endlich die unentwegten Anhänger einer zwangsweisen staatlichen Zinssenkungsaktion von der Gefährlichkeit und dem wirtschaftlichen Schaden, der mit derartigen Projekten angerichtet wird, überzeugen. Die Tagung der Baugenossenschasten. Orügemüller gegen Zwangssenkung der Zinsen. Im weiteren Verlauf der Kundgebung des Verbandes Deutscher Baugenossenschaften, über die wir schon berichteten, sprach der sozial- demokratische Landtagsabgeordnete Drügemüller, der sich nachdrücklich für einen Abbau der kommunalen Grundvermögenssteuer einsetzte. Drügemüller erklärte, daß es«in unhaltbarer Zustand sei, diejenigen Neubauten, die in diesem Jahre mit dem billigen Baukostenindex von 14ö Proz. gebaut seien, von den Kommunalzuschlägen zur Grund- Vermögenssteuer zu entlasten, während die Bauten, die mit dem höchsten Baukostenzuschuß von 190 Proz. und mit den höchsten Zinsen durch einen Abbau dieser Äommunalsteuern nicht entlastet werden sollen. Die Gemeinden könnten an dieser Frage nicht oorbeigchen und sollten sich darüber im klaren sein, daß eine Ab- lehnung ihrerseits auch sür sie selbst schwere Folgen haben müßte. Eine andere entscheidende Frage sei, wie man den arbeitslosen Mietern in Neubauwohnungen Helten könne. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages habe bereits beantragt, diesen Mietern genau in der Weise zu helfen, wie die erwerbslosen Mieter in den Altwohnungen unterstützt werden. Drügemüller warnte die Versammlung sehr eindringlich, von einer zwangsweisen Senkung des Zinsfußes etwas Positives zu erwarten. Die Wirkung einer solchen Maßnahme könnte nur eine augenblickliche sein, während auf der anderen Seite ungeheurer Schaden angerichtet würde. Der Nachdruck, mit dem die Baugenossenschaften diesen Plänen einer Zwangskonvcrtie- rung der Zinsen gegenübertreten sollte», könne gar nicht groß genug sein. Diese Ausführungen des sozialdemokratischen Redners erregten bei einem Teil der Versammlung starken Widerspruch, ein Be- weis, daß auch bestimmte Kreise der Baugenossenschaften sich von der ebenso unvernünftigen wie allgemein schädlichen Forderung eines Zwangsabbaues der Zinsen noch nicht freigemacht haben. Der Notruf der Baugenossenschaften an die Oeffentlichkeit, so schloß Drügemüller seine Ausführungen, wird ganz zweifellos An- griffe von bestimmter Seite nach sich ziehen. Man muß daher heute schon der Reichsregierung und den Liindsrregierungen sowie der gesamten Oeffentlichkeit einhämmern, daß es bei den gemeinnützigen Baugenossenschaften nicht allein darum gehe, große- Volkswirtschaft- liche Werte zu retten, sondern daß es vor allem darauf ankomme, den Willen zur Selbsterhaltung und zur Selb st be- hauptung, von dem die genossenschaftliche Arbeit glänzendes Zeugnis ablegt, für die Zukunft zu erhalten. Oer Bergbau im Oktober. Die Verhältniss« im Kohlenbergbau haben sich im Oktober nur unwesentlich verändert. Die Förderung im Ruhrrevier stieg gegenüber September von 6,98 aus 7,25 Millionen Tonnen (8,99 Millionen Tonnen im Oktober 1930), während die Koks- Produktion mit 1,46 Millionen Tonnen unverändert blieb. Da der Oktober einen Arbeitstag mehr zählt, kommt in der a r b e i t s- täglichen Förderung keine Belebung zum Ausdruck. Das gleiche zeigt sich bei den Beständen, die mit 11,54 gegen 11,63 Mil- lionen Tonnen nach wie vor keine Entlastung zeigen. Je Mann der Belegschaft im Ruhrrevier wurden 3,14 Feierschichten eingelegt, obwohl d«r Abbau der Belegschaft im Berichtsmonat noch fortgesetzt wurde, so daß sich die Zahl der Beschäftigten aus 227 671 gegen 235 223 Mann verringert«. Der Gesamtabsag des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats stieg im Oktober von 6,85 auf 7,16 Millionen Tonnen und arbeits- täglich von 263 612 auf 265 335 Tonnen. Ausschließlich Zechen- selbstverbrauch betrug der Gesamtabsatz 4,65 gegen 4,34 Mil- lionen Tonnen. Frankreich droffelt die Einfuhr. Zeht auch Heraussetzung der Schuhzölle. Das französische Parlament hat am Freilag einen Antrag des Handelsminislers aus Erhöhung der Schuhzälle bis zu 25 Proz. des Wertes angenommen. In den letzten Wochen ist in Frankreich eine Zollerhöhung der anderen gefolgt. Erst vor wenigen Tagen hat das Parlament einer Maßnahme zugestimmt, die auf indirektem Wege eine auherordem- lich st a r k e Erschwerung der Einfuhr mit sich bringt. Es ist dies die Verdoppelung und Verdreifachung der Ein- s u h r st e u e r auf Halb- und Fertigfabrikate bis zu 6 Proz. des Wertes, während die Steuer bisher mit 2 Proz. nur einen Aus- gleich für die in Frankreich erhobene Umsatzsteuer darstellte. Jetzt hat Frankreich zu den übrigen Zollerhöhungen und Einsuhr- beschränkungen für Wein, Holz, Strümpfe und andere Waren auch die Zölle aus Schuhe scharf heraufgesetzt. Für den deutschen Export werden sich diese Zollmaßnahmen um so fühlbarer bemerkbar machen, als die Schuhindustrie seit 1929 ihre Ausfuhr nach Frank- reich fortlaufend erweitern konnte. Es erhebt sich angesichts der in den letzten Wochen angewandten Zollpolitik in Frankreich die Frage, inwieweit diese Maßnahmen den deutsch-französischen Handelsvertrag berühren. Da diejenige handelspolitische Richtung in Frankreich, die vom System der Handelsverträge freikommen will, stark an Boden gewonnen hat, erfordert die Entwicklung der französischen Handelspolitik in Deutschland sehr erste Beachtung. Muß immer geschludert werden? Industrieabschlüsse zeigen auch das Gegenteil. Zwei jetzt veröffentlichte Maschinenbanabjchlüsse erbringen den Beweis, daß es inmitten der Konzernzusammenbrüche, Wirt- schaftsskandale und Korruptionen auch noch vorsichtig geleitete und gesunde Betriebe gibt. So kann die Maschinenfabrik A u g s b u r g- N ü r n- berg, das stärkst« metallverarbeitende Unternehmen in Süd- deuischland, das über ein Kapital von 20 Millionen Mark verfügt, für das am 30. Juni abgeschlossene Geschäftsjahr 1930/31 einen Reingewinn von 200 006 Mark ausweisen, der sich jedoch aus dem nicht verteilten Reingewinn oes Vorjahres aus 1,20 Millionen Mark erhöht. Dieser Reingewinn, der einer sechsprozentigen Dividende entspricht, gelangt auch diesmal nicht zur Auszahlung, sondern wird im Hinblick aus die unsichere Zukunft auf neue Jahrcsrcchnung vorgetragen. Die Z c i tz e r Maschinenfabrik, die überwiegend sür den Braunkohlenbergbau arbeitet, hat die starke Unisatzschrumpfung, die im letzten Geschäftsjahr stattfand, durch entsprechende Vorsichts- maßnahmen gleichfalls ohne nachträgliche Folgen über- standen. Bei einem Rückgang der Betriebsgewinne von IL auf 0,78 Millionen Mark und gleichzeitiger kräftiger Senkung der Un- kosten und Steuern von 1,08 auf 0,69 Millionen Mark wird noch ein kleiner Reingewinn von 67 000 2)L ausgewiesen.— In der Bilanz zeigt sich, daß die Verwaltung sür die schlechten Zeiten vorgesorgt hat. So sind die Vorräte und Fabrikate, die als Lagerware Zinsen fressen, von 2,29 Millionen Im Jahr« 1929 über 0,86 Millionen im Vorjahr jetzt bis auf 0,44 Millionen ab- gebaut worden. Auch fi n a n z i e l l ist diese mittlere Maschinen- fabrik für die Zukunft gut g« r ü st e t. So wurden die g e- samten Schulden von 890 000 bis auf 244 000 M. zurück- gezahlt, während die Bankguthaben und Fovderungen verhält- nismäßig weniger von 1,05 auf 0,68 Millionen Mark sanken Wenn die Großkonzerne in Deutschland, besonders in der Schwerindustrie, eine ähnliche vorausschauende Politik getrieben und nicht bei absteigender Konjunktur ihre Expansionen und Fehlanlagen fortgesetzt hätten, sähe es in der deutschen Wirtschaft sicher anders aus. Auch in LtGA. größere Publizität. Wie aus New Park gemeldet wird, hat sich der New-Horker Börsenvorstand die in gegenwärtiger Periode der Wirtschafts- depression mit besonderem Nachdruck aufgestellte Forderung der Oeffentlichkeit nach vermehrter Berichterstattung der Aktiengesellschaften erneut zu eigen gemacht, indem er die Gesellschaften, deren Aktien an der Börse notiert werden und die bisher vor der in USA. ziemlich allgemein üblichen Veröffent- lichung von Quartalsabschlüssen glaubten Abstand nehmen zu müssen, in einem Rundschreiben auf die Nachteile einer u n- zureichenden öffentlichen Kontrolle aufmerksam machte. Den Einwand verschiedener Gesellschaften, daß der saisonmäßig« Charakter ihres Geschäfts die Publikation von Quartalsabschlüssen angesichts der bei unzweckmäßigen Vergleichen bestehenden Gefahr falscher Schlußfolgerungen verbiete, glaubt der Börsenvorstand dadurch entkräftigen zu können, daß den in ihrem Geschäftsgang stärkeren Saisonschwankungen unterworfenen Gesellschaften anHeim- gestellt wird, an Stelle der üblichen Quartalsabschlüsse viermal im Jahre Abschluhzisfern für die jeweils letzten 12 Monate mit entsprechenden Vergleichsdaten dem Vorstand zu unterbreiten. Die Bedeutung dieses Schrittes des New-Porker Börsen- Vorstandes wird durch diese Tatsache gekennzeichnet, daß die F o r- derung nach vermehrter Publizität auf eine ganze Reihe größter Aktiengesellschaften, die, wie beispielsweise ver- schieden« Unternehmungen der Standard-Oil-Gruppe, bisher keine Quartalsabschlüsse-herausgegeben hatten, Bezug hat. Zehn Prozent Dividende in Reserve. Di« T h o o e i ch e Papierfabrik A.-G. b«i Dresden, die in der Hauptsache Schreib- und Druckpapier herstellt, war in dem am 30. Juni 1931 abge'aufenen Geschäftsjahr fast durchweg vollbeschäftigt. Der Absatz ist mengenmäßig noch um 514 Proz. aus 16 060 Tonnen gestiegen, wertmäßig aber aus rund 5,5 Millionen Mark. d. h. T/Q Proz. gesunken. Immerhin konnte das Aktienkapital im letzten Geschäftsjahr fast fünfmal umgeschlagen werden. Llls Reingewinn wird«inschließlich d«s Gewinnoortrages vom ver- gangenen Jahr ein Ueberschuß von rund 119 370 M. ausgewiesen. der einer Dividende von reichlich 10 Proz. entspricht. Eine Ge- winnverteilung wird aber wegen der undurchsichtigen Verhältnisse nicht vorgenommen, sondern der Gewinn auf neue Iahresrechmmg vorgetragen. Reue Austräge sür Ti�mens-Schuckert. Die Siemens-Schuckert- Werke A.-G. hat vier Großgleichrichter für die Ueberlandbahn Mondena— Covezzo bei Bologna zu liefern und eine Großgleich- richteranlage(28 000 Volt) für da» Laboratorium der Gcsellschait für drahtlose Telegraphie, Telefunken G. m. b. H. Jo rnhaly: ttl ASCOtta Sie gingen mitten auf der staudüberpuderten Straß«, in lerne- neu Hosen, mit offenen Hemden und weichen Tuchschichcn, che tn« blauen Bändern um ihre nackten Knöchel gebunden waren. Kam ein Auto, o murmelte Max träge:. tn!". woran sie langsam zur Seltc wichen, die Rücken gegen die weißen Kalkmauern preß- ten und den Wagen vorbeiließen. Dann hott« Dick zehn M nuten lang Gelegenheit, den gehaßten Staub in fein abgezirkelten Bogen de Speichel auszuspucken, che Max' Bewunderung erregten und die er nachzuahmen versucht«. Hatten sie so lang« Zeit in der heißen Sanne gestanden und mehr oder minder vorzüglich gespuckt. schlenderten sie wester, barhaupt und ahne«inen anderen Willen als ven, soviel Sonne aufzuschnappen, ol, ihre worinebe&ürftigen Körper aufzunehmen imstande waren. .Sonne!" seufzte Max.„Hast du Sonne, Dick?" „Nein", sagte Dick, dem d«r Schweiß auf der Stirn stand. „Woher denn? In diesem Land., Daraus erregt« ein neuer Berg ihre Äufmerlsameiit, der sich bei einer Wegbiegung wie«in« unerwartet« Kulisse in die Felsen- lanoschaft schob. „Möchte wissen, wer hier Berge aus dem Boden stampft! Weißt du, wieviel Berge es hier gibt?" „Nein." „Wenn man sie vom linken Ufer aus zähst, stnd es acht, vom rechten mindesten» sechzehn." „Schöner See, überhaupt schöner Ort hier. Wunderbar." „Wahrhaftig, ganz schöner Ort. Möchte hier wohnen." „Die Häuser sind mit Rotwein angestrichen", sagt« Dick nach. denklich.„Denk' mal, Max, mit Rotwein. Dersosfene Stadt! Sie tauchen Strohb«s«n in Tonnen mit Rotwein und pinseln alles rosen- rot an. Mächtest du ein Rotwelnhaus haben?" An der Piazza, deren bonbonfarben« Häuser dem Lago mag- giore zugewandt ivaren und von deren Balkongittern Bündel rot- gedörrter Maiskolben hingen, wuschen schwarzgekleidete Frauen Wäsche im See und breiteten sie zum Trocknen über den Quai. Es war genau zwölf Uhr mittags, alle Glocken läuteten, und aus den fernen Ortschaften jenseits des Lago läutete es zurück. Gleichzeitig ertönte» aus Ronco die«rsten Sprengschüss«. Das Echo lief polternd über den sanftbewegten und glasklaren See. Eine Weile ergötzten sie sich an der Versuchung, zu baden. Da sie aber zu saut waren, sich des Hemdes, der Hose und der schwieri- gen Bänderschuhe zum entledigen, setzten sie sich aus Die weitz- gescheuerten Muschelsteine des Lido und sahen über das Wasser nach Italien hinüber. In diesem Zustand träumerischer Aufgelöst- heit waren sie zu träge, um Hunger zu empfinden. „Was machst du da?" sagte Dick und starrte In Max' weit- geöffneten Mund. Max antwortete, daß er seinen Magen sonne, der«In Anrecht guf die Natur habe. ..Mach' ihn zu", befahl Dick schläfrig.„Es ist kein erfreulicher Anblick." „Ich müßt« jetzt eigentlich wütend sein", murmell« Max. fiel ober tn Schlaf und steckte seinen Gefährten damit an, daß«r gleich- falls zu schlafen begann. Als st« fast gleichzeitig die Zlugen öffne- ten, war es ein« gute halb« Stuno« später. Die Sonn« stand jetzt mitten über d«m See. An der Piazza lag«in Lastkahn, in den Baukolk und Stein« geladen wurden. Da» Wasser war mst Sonnenpünktchen betupft, die hin und her sprangen und die Augen blendeten. Ueber den Bergen, dl« da» Tal um- schlössen, hing«in feiner, graublauer Dunst, obwohl der Himmel gänzlich wolkenlos und strahlend blau war. „Wollen gehen", schlug Dick vor, während et sich gleichzeitig Mühsam aufrichtete. Irgendwann müsien wrr wohl«inmal essen." Auf ihren binsengeslochtenen Sohlen, die biegsam waren, gingen s>« ziemlich sicher über die glatten Uferkiesel, ohne zu gleiten, bi» sich der Weg in Privatbesitzen verlor. Staunend sahen sie sich in Gärten, oeren zarte Schönheit sie bezauberte, bis ein Wolfshund lautlos, aber fürchterlich um die Ecke schoß und sie versagt«. Den kurzen Weg bis zum Tor legten sie in Eilmärschen zurück; daß «in Hund ihre Freude an Rosen, Palmen und Chrysanthemen ver- darben hatte, mochte sie verdrießlich, ohne daß sie jedoch imstande gewesen wären, sich ernstlich über vi« Verdrießlichkeit zu ärgern. „Zehn Minuten vor Eins", stellt« Dick fest, als der Kirchturm von Ascona über den rebenumkränzten Mauern auftauchte.„Wollen wir auf dem Monte Verita Mittag essen?" Max, der«ine gestohlene Rose im offenen Hemdausjchnist trug, in die er sein« Nase bisweilen liebevoll versenkte, äußerte hin- sitlich des steilen Ausstiegs vorsichtig« Bedenken. Da aber bequeme Treppen in den Berg geschlagen waren und der schmale Weg Kühlung oersprach, beschlossen sie, den Monte Berita mit äußerster Langsamkeit zu erklimmen. Dick stieg voran. Max folgte ihm, indem er den Knotenstock immer genau zwischen die gespreizten Füße auf die höherliegend« Stufe stellte und das rechte Bein nach- zog. Da er sehr zart war, fühlte Dick ein berechtigtes Mitleid mit ihm und blieb auf jeder dritten Stufe stehen, um ihn zu erwarten, welche Gelegenheit Max ergriss, sofort auf der zweiten Stuf« stehen- zubleiben und anklagend zu Dick emporzublicken. „Mächtest Du dich nicht«in bißchen beeilen?" fragte Dick mit einiger Entrüstung. „Weil ich so klein bin, soll ich mich beeilen", klagte Max. Seine Stimme schnitt Dick ins Herz. So kamen sie in ver Tat nicht schneller vorwärts alz die schwarzen Weinbergschnecken, die vor ihnen über den Weg krochen und eine feuchte Spur durch den Staub zogen. Unter ihnen lag die Stadt mit ihren Schottsrdächern und den beioen schönen Kirchtürmen. Di« herbstlichen Rebhügel glühten gelb. Max blieb stehen, wischte sich mit der Baskenmütze über die Stirn und meint« nach schweigendem Besinnen:„Eigentlich könnten wir wieder runter." „Warum denn?" „Wir könnten ebensogut im Derbano essen." Dick erklärt« sich unter der Bedingung mit dem Vorschlag ein- verstanden, daß er die Kellnerin Pheb« in Großaufnahme photo- graphieren dürfte. Max kam es in den Sinn, sich eben hier, an dieser Stelle, gleichfalls Photographie«» zu lassen, um da» Bild einer Berliner Zeitung mit der Unterschrift zu senden:„Herzliche Grüße aus dem herbstlichen Tessin sendet Max." Dick seufzte, während er bereits die Kamera richtete, visierte und blendete.„Bleib schon stehen, wo du standest; da ist der beste Hintergrund für deine Verrücktheit." Max war zu neugierig, um d«m Zwang widerstehen zu können. einen Blick Über die Schultern zu werfen. AI» er hinter sich einen oertrockneten Bambus riesenlang den Himmel überschneiden und auf dem darunterliegenden See«in« phantastische Silberspur sah, fand er, daß der Landschaftsrohmen semer würdig wäre, und schickte sich an. auf einem Bein zu stehen. Nachdem er das Gleichgewicht einigermaßen gesichert glaubt«, hob er vorsichtig beide Arme über *cn Kopf und lächelt« krampfhast. � „Knips!" flüsterte er angestrengt,„sonst fall' ich." .Wae meinst du: soll ich die Gelbscheibe nehmen?" Knips!!!'......., j Dick drückte den Hebel herunter, ohne daß Max di« Stellung veränderte. Sie waren sehr zufrieden und begannen den Abstieg. Schon waren ihnen die kleinen Häuser wieder nahe, als es von den Kirchtürmen Eins schlug. Di« Gassen lagen w-c ausgestorben. Auch vor dem Cost Berbano war alles still. Di« Tür stand ein wenig offen, auf der alten Steinschwell« sonnte sich eine Kotze. „Bon schiorno, Sinjorina Phabe!" grüßt« Dick die Katze, indem er sich mst mnem listigen Zlugenblinzeln vor ihr verneigt« Er wußte genau, daß die schwarze, magere Kellnerin sie hinter der Glastür beobachtet«; tatsächlich ertönte gleich Sarauf ihr Gelächter Um dies« Stunde gab es in Verbano imr einige Fuhrleute und Arbstter. di« nahe den Fenstern in Gruppen a» den Holztischcn sahen und die Straße Im Auge behielten. Su sprachen mit gedämpften und fröhlichen Stimmen auf italienisch. Sobald sie es wogten, oen Arm um Signorina Phcl« zu legen, entwand sich diese mit einem kaum betonten, aber aufregenden Hustenschwung, und trippelte aus den hohen Absätzen ihrer Pantoffel davon. Die Pantoffel waren aus Birkenholz und hellrotem Leder, auf das kleine Sträuße Lergißnichtmein gemalt waren. Selbst aus den Absätzen prangten Vergißmeinnicht. „Fräuleln Phebe sorgt für die Erinnerung", grinst« Max. nach- dem sie Wein. Schwarzbrot und Käs« bestellt hatten. „Und einen Rettich, schongttlissima Signorina", rief Dick hinter ihr her. Sie antwortete mst einem Blick, unter dem Dick in seinen Weinkrug versank. Es dauerte eine ganze Weile, ehe er die glänzenden'Augen wieder aufzuschlagen wagte.' „Hat sie dich durchbohrt?" jragt« Max»eidisch- „Meln Lieber", antwortete Dick von oben herab,„sie ist«in« charmant« Person, da» muß ihr selbst der Leumund lassen." „Ich habe nie geleumundet", empörte sich Max und goß Ströme von W«in in seinen Hals. Er war sosort angenehm betrunken und sing an, ununterbrochen nor sich hin zu lach««. „Warum lacht«?" fragt« die zärtliche Pheb«. „Entschuldigen Sie, Fräulein Pheb«. er lacht, weil d»r Wein gut ist", entgegnete Dick mst einem gerührten Blick auf den Früh- stehen.„Gr lacht in aller Still«,«eil er einen Schwtp, hat. Ein goldenes Herz...!" Da«r aber gewohnt war, in allen Dingen dos gleich« zu tun. fühlte« sich verpflichtet, ebsnsolls zu lachen. Di« Gesichter in Pen Händen verbargen, d>« Ellenbogen auf die Tischplatte gestützt, überließen sie sich ganz ihrer Heiterkeit und lachten über den Wein, Rettich und Käse bi» zu Tränen, sa. bis sie fast daran erstickten. Dann bezahlten sl« ihr« Zeche und schwankten in den Sonnenschein hinaus, atme Signorina Pheb« phofographiert zu haben. Sie hatten es vollkommen vergessen. Es war est, Viertel nach Eins. In einem Hof« sang«ine Knohenstimm«:„Oh bell» oita!" Sie schnappten das Lied voller Begeisterung aus und gröhlten es durck, die stillen Straßen, bis sie ein« Wiese fanden, auf der sie sich unter Weidenböumen zum Schlafen niederlegten. Bräunliche» Rindvieh mst schweren, kupfer- nen Halsglocken rupfte den Klee um sie her." Wermann Wendel: Wnier der Ichwarmen Sahne Die Arbeitervorstadt Croix Ronsse oder Rotes Kreuz schwebt immer hoch über dem eigentlichen Lyon, wie es sich zwischen Rhone und Sacme zusammenpreßt. Aber an diesem Montag, dem Ll. November lbäl. hängt sie wie eine drohende Lawine über der Stadt, bereit, sich jeden Augenblick zu lösen und vernichtend, zerstörend zu Tal zu rollen. Unheimliches liegt in der Luft: es wird nicht gut endenl Dabei war doch weiter nichts, als daß die armen Teufel, die in den engen, stinkenden Gassen mit den hohen, schwarzen 5)ouser» vieltausendfältig hockten, den Hungergurt um«in paar Löcher hatten enger schnallen müssen. Sie bildeten die mißachtete breite Basis von Lyons Industrieller Blüte, die 30 000 bis 40 000 Seiden- weber, die für kargen Lohn die Tage hindurch und bis weit in die Nächte hinein daheim den Webstuhl, schnurren ließen. Di« nächste Stufe stellten die 10 000 Zwischenmcister dar. halb bürgerliche, halb proletarische Existenzen, deren jeder seine vier bis fünf Webstühle samt dem Rohstoff an di« Nichtshäbigen auslieh. lieber ihnen thronte die dünne Schicht der Warenabnehmer, etwa 800 Fabrikanten oder Unternehmer, in deren Taschen der Hauptgewinn kleben blieb, falls nicht auch sie den wenigen K o m- Missionär«» verpflichtet waren, vollkommen» Schmarotzertypen. die Geld und Material im Großen vorschössen. Unterlagen die Arbester, von denen sich di« Zwischenmeister nährt«» und di« Fabrikanten und Kommissionär« mästiten, derart«in»r Ausbeutung im doppelten und dreifachen Grade, so murrt«» sie doch so lang« nicht, wie die Prosperität der Seidenindustrie sie vor dem nackten Verhunoern schützte. Doch nach den unerbittlichen Gesetzen der kapstalistischen Gesellschaft traf di« au» mannigfachen Ursachen entspringende Krise di« Schwächsten am härtesten: der Tagelohn für einen Hausweber sank von 6, von S, von 4 Franken auf 2, auf 1,7Z. auf 1,25 Franken: schließlich strich»r bei entnervender achtzehnstündiger Arbeitszeit nicht mehr al» 18 Sous ein: da» war ein Stundenlohn von vier Plennig! Da aber auch so verelendet«, oerkümmerte, geduckte und ge> drückte Menschen, wie«» die Lyoner Seidenweber waren, sich gegen den glatten Hungertod sträuben, begann«» im Herbst 1831 auf Croix Rousse zu gären. Gruppen standen l)«rum, krummgezogen«, blasse Männer, hohläugige Weiber. Kinder mst fiebrigen Augen. Obwohl die Staatsgewalt damals von einer sozialen Frage, die die Arbeiter anging, noch nicht» wußte und sich nur zur„Neutralität". das hieß: zur Aufrechterhastung der„Ordnung" im Interesse der Wohlhäbigen, verpslichtet glaubte, legte sich der Präfekt de, Rhone- Departement». DumoUrd. bedenklich geworden, ins Mittel. warb um das Dertrauen der Arbester und brachte durch seinen Ein- fluh im Oktober zwischen Fabrikanten und Webern ein Ueber- e-in kommen mit Mindestlohntarif unter Dach und Fach. Mehr als bescheidene Mindestlöhne, aber aus Croix Roulse tanzt« man erleichtert und stellte abends als Freudenzeichen armselige Lichtchen an die Fenster der Mietkajernen. Die Unter- nehmer dagegen, nur daraus bedacht, di« Wirkungen der Krise von sich auf die Aermsten der Armen abzuwälzen, maulten über das, was ihnen al» unerhörte Durchbrechung des geheiligten Prinzips der Gewerbsfreiheit erschien, schüchterten den Präsekten ein. steckten sich hinter die Stadtverwaltung, gewannen den Truppenkommondeur. General Graf Roguet, rieten Verhängung des Belagerungs. zustande» an. rechneten siegessicher aus di« bewaffnete Macht— „wenn".. höhnte einer der Großgewinner über die Ausgepowerten. „sie kein Brot im Bauche haben, so werden sie Bajonette hineinbekommen!" Da setzt sich, verzweifeU ob der Nichtachtung des Tarifs durch die Fabrikanten. Croix Rousie am 21. November in Bewegung, gliedert sich in Kolonnen zu Viererreihen, marschiert in guter Ordnung zu friedlicher, unbewaffneter Kundgebung nach der Stadt herunter: die Lawine rollt! Die Nationalgarde, die dem Zug entgegentritt, ist an den Grenadier-Börenmützen als Abteilung aus dem Besitzendenviertel kenntlich: also gehen die Gewehre von selber los: Tote und Verwundete� aus dem Pjlaster: wie eine Feuerzunge leckt über Croix Rousse der Entsetzensschrei:„Unsere Brüder werden abgeschlachtet!" Croix Rousse be- wasfnet sich, Croix Rousse bedeckt sich mit Barrikaden! Inianteric, Kavallerie. Artillerie; Nationalgarde geht zum Boll über: General- marsch. Sturmglockengeläut. Geschützfeuer, und qls die Dunkelheit des 22. November herabsinkt, ist die zweitgrgßte Stadt Frankreichs in den Händen der Proletarier. 'Als jedoch die Weber den Sieg in Händen halten, sehen sie sich erstaunt, fast verlegen an. Was nun? Hinter ihrer Bewegung stand teine Theorie, kein« Doktrin, kein Sozialismus, keine Sehnsucht»ach einer gerechteren Gesellschaftsordnung, stand nichts als der Hunger. Eine andere Losung hatten sie nicht als die düster« Inschrift auf der großen schwarzen Fahne, die der ersten Elendskolonne von Croix Rousse ooraufwehte: Durch Arbeit leben oder tm Kampfe st erben! Etwas wie ein Sinn- bild der dumpfen, ahnungslosen, unaufgeklärten Masse war der Neger Stanislas, der, mit seiner Flinte aus der Morand- Brücke ausgepslanzt, unter wilden Grimassen und Freudengeschrei in die Luft sprang, so oft er einen Kanonier oder Dragoner nieder- gestreckt halte, aber sicher nicht wußte, weshalb er schoß. Do die Masse auch keine Führer hatte, ihr den Sinn der Erhebung zu deuten, gelang es den Handlangern der Bourgeoisie leicht, die Proletarier in den alten Pferch zurückzutreiben: Die hungernden und frierenden Weber hüteten mit dem Fanotismus eines Wach- Hundes das Eigentum der Besitzenden. Ende der Woche war jede Spur des Geschehenen ausgewischt, und keine Hand rührte sich zum Widerstand, als am Z. Dezember der Marschall S o u l t und der Thronfolger mit stattlicher Truppenmacht einrückten. Was folgte? Das Selbstverständliche: die Entwaffnung der Arbeiter, die Aus- lösung der Nationalgarde, die Verlegung einer Garnison von 20 000 Mann nach Lyon, die Abriogelung der Arbeitervorstadt durch eine Reihe von Sperrforts, und alles, Ausbeutung, Prosit und Hunger, konnte weitergehen wie bisher. >i> Aber instinktloser noch al» die Proletarier waren ihre Gegner. Die Machthaber atmeten vielfach erleichtert aus. al« st« hörten. daß«s sich nicht um einen politischen Putsch van Re- publikanern oder Legitimisten, fondern„nur" um eine» Streit zwischen Fabrikanten und Arbeitern handle. Bagatelle! Zipfelmütze ubers Ohr. izerun, gedreht und wsitergeschlafenl Sie sahen nicht» von der Flammenschrift an der Wand, mit der sich hier die Frag« der Zukunft ankündigte: sie blieben taub für den Marschtritt«wer neuen Klasse, die hier zum ersten Mol« auf den Schauplatz der Geschichte trat: sie rochen nicht im entserntesten den Puloergeruch vom«rsten Vorpostangesecht de» großen sozialen Krieges, unter dessen Schlachten«in Jahrhundert später dl« Erde beben sollte! I. JCülselberger: Qibt es wirklich �ierfpr sehen? Der alt« Streit, ob den Tieren auch etwas eigen ist uach Art dessen, was wir Sprache nennen, rührt zum großen Teil daher- daß man sich über den Begriff nicht geeinigt hat- Wenn man unter Sprach« da» Vermögen versteht, logisch gegliederte« Denke» artikulierten Lautgebilden aewcren Wesen oder auch sich selbst verständlich zu machen, so haben die Tier« natürlich kein« Sprach«. denn sie können weder schwierige Wort« bilden, noch haben sie eine Grammatik mit Haupt- und Nebensätzen, mit.Haupt-, Zeit-, Eigen- schast». und sonstigen Wörtern Aber das trifst auch auf die kleinen Kinder zu, die noch nicht sprechen gelernt haben, die aber trotzdem ihr Wohlbefinden, ihre Mißstimmung und dergleichen durch Laute zu erkennen geben. Wenn wir ober, mi« es zum Beispiel Hugo Schuchardt in seinen Zlbhandlungen über den Ursprung der Sprache tut. diese lediglich als die Mitteilung von Gedachtem, Gefühltem oder Gewolltem auffassen, so ist es klar, daß auch die Tiere eine Sprache hoben, durch die sie sich nicht bloß untereinander, sondern häufig auch mit dem Mensch«» verständige» können. Ein Hund oder eine Kotze, die aus der Stube hiimusgelassen zu werden wünschen, vermögen dies ihrem Herrn oder ihrer Herrin sehr wohl zu erkennen zu geben. Umgekehrt kann auch der Mensch ihnen manches sagen, was sie sehr gut verstehen. Ein bezeichnendes Beispiel erzählt Georg Scheridetzky in seiner Schrift„Sprechen Sie Schimpansisch?" Er sucht««inmal Im Herbst in London in dem Zoologischen Garten die Leiterin der Abteilung für Reptilien und Zlmphibien, Miß Praetor, auf. Auf dem Fensterbrett ihres etwas unheimlichen Arbeitszimmers lag in einem schmalen Becken«in knapp meterlanges Krokodil. Als Scheridetzky der Dame von seinen tiersprochlichen Forschungen erzählte, trat sie lächelnd auf das Krokodil zu. gab«Inen nasalen Laut von sich, den man Grunzen nennen kann- Da» Krokodil erwiderte prompt mit dem gleichen Laut und so„unterhielten sich" die Lady und das junge Krokodil ganz ergöglich- Jn der Sprache der Schimpansen, die in Zirkus und Barietä häufig in HerrenNeidung austreten und sich entsprechend vornehm benehmen, gibt es eine Art Gruß, dessen genauer Inholt schwer mit Sicherheit anzugeben ist, der aber meist sofort erwidert wird und die Tiere vertraut macht. Als der erwähnte Forscher wildfremd und allein ohne den Wärter zu den Affenkäsigen im Londoner Zoologischen Garten kam, embot er den Schimpansen in Ihrer Sprach« ihren Gruß- Di« Wirkung war verblüffend- Die Tiere horchten aus, beschauten den Gast und erwiderten bald darauf den Gruß- Sie kamen an das Gitter und ließen sich krauen und kitzeln, als wären sie alte Bekonnte. Der eine zeigt« Scheridetzky sogar die Stelle, wo ein Loch im Gitter das Durchgreifen erlaubte. Der Besucher durfte ihn auf diesem 7Kege krauen und kitzeln. Ein ähnliches Erlebnis erzählt der Asfenwörter des Leipziger Tiergartens Er hotte in einer Singfpielhalle einen Gentleman- äffen auf Schimpansisch angerufen. Der hatte sofort ausgehorcht und war ihm zugelaufen. Das Wort muß etwa bedeuten:„Hollo! Gut Freund!" Diese Beispiele zeigen, daß die Tier« sich und dem Menschen gewisse innere Vorgänge mitteilen, daß die Mitteilungen verstanden und erwidert werden. Darauf beruht ja auch die Kunst der Jäger und Vogelsteller, gewisse Laute der zu erjagenden Tier« nach- zuahmen. Auch die Tierbändiger besänftigen ihre Zöglinge mit Lauten aus deren Sprache. Berlin nufhielt und auch falsche Quittungen von Dampfern und Hotelburos für erhaltene Beträge an Frau G. sandte, plötzlich im Harz, um einen Füm„Die Not der deutschen Gebirgler" fertig. zustellen. Hier wurde er nun für Frau G. krank und schrieb ihr fast täglich, daß für ihn nur noch der Tod als Ausweg bliebe, aber „ich vertraue auf Bernd und Gott, die mich in jeder Nacht träft:n, wenn ich um Hilfe flehe. Bernd sagte mir, er wird Sie schon wissen lassen, daß ick? Hilfe brauche". Kurz noch seiner Gesundung war wieder eine neue Amerkkarcis« notwendig. Dies- mal suhr er auf dem Dampfer„in Gesellschaft Marlene Dietrichs". Da sein Geld in Amerika ober doch beschlagnahmt sei. brauche er wieder neue Betröge. Bei der Polizei gingen nun verschiedene Anzeigen gegen Wstuba und andere Leute ein, die in ähnlicher Weife den Spiritismus der Frau G. ausgenutzt hoben. Kurz vor ihrem Tode wurde Frau G. von den Kriminalkommissaren vernommen und gab an, daß sie von dem Angeklagten um zirka SM M. geschäoigt worden sei. Der Staatsanwalt beantragte gegen den An- geklagten, der mit so plumpem Schwindel eine alte Frau betört habe, drei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Unter Borsitz von Landgerichtsdirektor Neumann verurteilte das Schöffengericht Berlin-Mitte den Angeklagten wegen fortgesetzten Betruges im Rückfall und schwerer Urkundenfälschung zu eine m Jahr neun Monaten Gefängnis. Während der Urteils- verkündung brach die Frau des Angeklagten mit einem Schrei- krampf im Zuhörerraum zusammen. Bergstadt Berlin Ein Geschenk der Eiszeit Höhenzüge ringsum Rom ist bekanntlich auf sieben Hügeln erbaut worden. Diese geologische Erkenntnis hat sich über die Jahrhundert« hinweg bis in unsere Schullesebüchcr gerettet, wie ein letzter Schatten vergangener Größe. Bon Berlin dagegen wiisen die meisten nur. daß es der Mittelpunkt der sandigen Mark sei, die zu Unrecht den Ruf genießt, reizlos und öde zu sein. Die Mark erscheint dem Eisenbahnrcisenden flach, also erscheint ihm auäz Berlin in eine flache Ebene hincingebaut. Aber der Schein trügt. Wir brauchen uns nur einmal einige Ortsnamen näher anzusehen, um zu erkennen, daß auch Berlin aus Hügeln erbaut wurde. Namen wie Lichtenberg, Schöneberg, Hohenschönhausen, der Rollberg in Neukölln, der Prenzlauer Berg, der Kreuz berg, die Rehbergs. Straßennamen wie Hochstraße. Höchste Straße, Bar- nimstraße, Teltower Straße bezeichnen Gelände- erhebungen. wie andere Namen auf den Grund und Boden der bc- treffenden Stadtgegend schließen lassen: Torfstraße, Fennstraße. Koltbusser Damm, Weidendamm. Die jetzige Droncheimer Straße hieß früher Eandstraßc, und ein Teil des Gartenplatzes wurde Lehmwcg genannt. Der Wcinbergsweg führte früher wirklich durch Weinberge und, so seltsam es klingen mag, der Berliner Wein genoß einen besseren Ruf als der Grüncberger vom Oderstrandc. Er wurde oft bis weit nach Süddcutschland verfrachtet. Oer nördliche Höhenzug. Das eigentliche Stadtgebiet Berlins ist auf drei großen Höhenzügen erbaut, die ihren Charakter jedoch durch die lange Siedlungstätigkeit zum großen Teil eingebüßt haben. Das Urstrom- tal der Spree wird im Norden durch einen Höhenzug begrenzt, der in Lichtenberg beginnt und über das Prenzlauer Tor hin- weg zum Weinbergsweg verläuft. Ausläufer dieses Höhenzuges streichen zum Friedrichshain und zum Gesundbrunnen. Die Hoch- läge des Prenzlauer Berges erkennt man noch heute, wenn man vom Wasserturm in der Straßburgcr Straße, der 1860 noch frei über der Stadt aufragte, nach Süden blickt. Dann sieht man aus die Kuppel des Domes, der aus dem tiefer gelegenen Sprectal empor- ragt. Dar ganze nördliche Höhenzug gehört zur Hochfläche des Barnim. Insbesondere vermittelt eine Wanderung durch die ziemlich steil ansteigende Dcteranenstrahe oder durch.den Wein- bergswcg hinauf zum Zionskirchplatz einen Eindruck von der Höhe dieses Gcländeanfticgs. Eine Wanderung über diesen Höhenzug müßte in Lichtenberg beginnen, dessen frühere Dorfauc, die jetzige Möllendorfstrahe, in der Richtung nach Hohenschönhausen zur Hochfläche des Barnim ansteigt. Der Lichtcnberger Stadtpark liegt am Rande dieses An- stiegs. Der Höhenzug läuft dann am Zentralviehhof vorbei und erreicht im F r i c d r i ch s h a i n seine höchste Erhebung. Hier stand in alten Zeiten eine Windmühle, die über rebengcschmückten Hängen austagte. Der Friedhof der Märzgefallenen und das Krankenhaus Frisdrichshain sind auf dieser Höhe er- richtet. Nach dem K ö n i g s t o r hin senkt sich der Höhenzug, zu dem hier die Wein- und die G c o r g e n k i r ch st r a ß c steil ansteigen. Dom.Königstor wandern wir zum Prenzlauer Berg hinauf, an den rechts die Friedhöfe der Gcorgentirche und der Marien- und Nikoloikirche grenzen. Unser Weg führt durch die Saarbrücken Straße bis zur Straßburger Straße. Steil führt sie empor zur Belforter Straße, die von dem städtischen Wasserhebewerk beherrscht wird. Hier oben steht noch der alte Wasserturm, der einst einsam über dem Häusergcwimmel Berlins aufragte, heut- aber von der vorrückenden Häuserfront verschlungen wurde und kaum noch besonders beachtet wird. Die Bötzow- Brauerei liegt am Abhang dieses Anstiegs, des alten Mühlenbergs, der einst von nicht weniger als acht Mühlen gekrönt wurde. Die letzten dieser Mühlen oerbrannten im Jahre 186?. An der S ch ö n h a u s c r A l l e e beginnt ein neuer Anstieg. der in der Brauerei„P f e f f c r b e r g" und dem Z i o n s l i r ch- platz seine höchsten Erhebungen findet. Die A n t l a m e r Straße führt ebenso wie die V e t e r a n e n st r a ß c ziemlich steil in der Richtung zum Stcttiner Bahnhof abwärts. Auch die S t r a l- sunder, Usedom- und Voltastrahe lassen diesen Abstieg gut erkennen. Diese Straßen führen von der ständig ansteigenden V r u n n c n st r a h c in das Spreetal hinab. Im Nordwesten wird dieser Höhenzug von der P a n k e durchschnitten. Jensests der Pank- steigen neu- Hügelketten auf. zu denen die Erhebungen des Schillerparts, der Rehberge und der Tegeler Forst gehören. Oer südliche Höhenzug. Im Süden wird das aste Spreetal begrenzt von einem Höhenzug, der in Neukölln mit den Rollbergen beginnt. dann seine Fortsetzung in der H a s e n h e i d e findst, die dann in den Tempelhofer Berg übergeht, an den Fuß die Berg- mann st rage entlangläuft. Die höchste Erhebung dieses Teils des südlichen Höhenzuges ist der K r e u z b e r g. von dessen 5?öhe man einen weitreichenden Blick über die ausgedehnte Stadt hat. Der Hügelzug verläuft weiter westwärts. Wir gehen durch die M o n u in e n t e n st r a ß e, über die Siegfriedbrücke zur Bahnstraßc und kommen zur früheren Dorsaue von Schöne- berg, der heutigen Haupt st raße. Wenn wir der Hauptstraße in südwestlicher Richtung folgen, erreichen wir alsoald die Park- straße, die zum S t a d t p a r k führt, der in einer flachen Senke des Höhenzugs liegt, die ihre Fortsetzung im Hindenburgpark findet. Ausläufer dieses Zuges führen zur Gasanstalt, die von der Rudolstädter Straße, dem Hohenpzllcrndamm und der Forken- bcckstraße begrenzt wird, und zum F i ch t e b e r g, der östlich vom Botanischen Garten in Lichterfclde liegt. Die weslliche Grenze dieser südlichen Höhen Berlins wird durch die Grunewaldseenkette gebildet. Oer Höhenzug im Westen. Jenseits dieser Seen erhebt sich die westliche Berliner 5löhen- kette, zu der man auch die Havclberge rechnen kann und deren Ausmaß in dem Hügelfchwung der Döbcritzcr Heerstraße besonders eindrucksvoll zu erkennen ist. Der westliche Höhenzug streicht von Süden nach Norden über den Spandauer Bock hinweg zur Spree bei F ü r st e n b r u n n. Hier trennt das Spree- tal den westlichen Höhenzug Berlins von dem nördlichen. Zwischen beiden sind die ausgedehnten Fabrikanlagen von Siemensstadt ein- gefügt, die auf früherem Spreewiesengelände errichtet wurden. Wenn wir diese Niederung durchschreiten, kommen wir alsbald in die Jungfernheide und über sie hinaus zu den Hügelwellen der Tegeler Forst. Zum Schluß sei noch auf die Hügel der O b e r s p r e e hin- gewiesen: die Gosener Berge, die Müggelberge, die P ü t b e r g c, die anschließenden Grenzberge, die Eich- berge, die zum Flakensec absallen und auf der anderen Seite in den Kranichsbergcn und schließlich in den Rüdersdorfer Kalkbergen ihre Fortsetzung finden. Eine solche„Höhcnwanderung" zeigt das Wirken der Eiszeit. Di« zurückflutenden Eismassen fanden in den Urstromtälern ihren Ausweg und preßten als Erdmoränen die Hügel auf, zwischen denen die kleine Fischersiedlung Berlin vor Jahrhunderten von unbekannten Pionieren gegründet wurde.........--u Der Mörder seiner Braut verhaftet. Wie aus Wernigerode berichtet wird, ist dort von Landjägern der 28 Iahre�nlte Chauffeur Erich Witt« festgenommen worden, der am 2?. September d. I. in Berlin seine Braut, die 21 Jahre alte Elisabeth R e x, erschossen hatte. Mitglieder des Beichsbundeg der Kriegsbeschädigten. Ortsgruppe Neukölln, die keinen Radioapparat besitzen, hören die vom Bundes- vorstand im Plenarsitzungssaol des Reichstages veranstaltete Totenfeier, die durch Rundfunk übertragen wird, i in Zeiche n fanl der Schule, Marie ndorfcr Weg, ab. Die Feier findet nachmittags von 14 bis 1?(2 bis 3) Uhr statt. Beginn pünktlich 14 Uhr. m SozialistischeArbetterjugendGroß'Verlln Einsendungen für diese Rubrik nur an da» Zugendsekrelarlal Berlin SW SS. Lt-kd-nsirab« ü Der Rcserentenkursu» sindet heule im Baeteagssaal de» PB., SW., Linden- straße z, 2. Hof, 2 Tr. link», statt und beginnt punktlich ID'/j Uhr. Vorstellung sile bie arbeitende?»gr»b von I i— I« Jahren Lannwg. ii. De. zemder, l.i Uhr. in der Volksbühne. Gespielt wird„Der grüne Aatodu", Groteske von JI. Zchnitzler.„Der Schkachtenlcnkcr", stomödic von EHoni. Karlen zu 80 Pf. sind im»ckrekariat erhältlich. Heute. Sonnabend. IS'-Ü Uhr. Halles, hcs Tor: Porckstr. 11. 18 Uhr: Senerolprobc.— Dannsec: Beim Sc. Nossen Lehnhaedl, Schaferstr. 4: Arbeitogemeinschaft. «erb» bezirk Prenzloocr Berg: VUngerentursu» 20 Uhr Danziger Str. 02, L. HI. Morgen. 18 Uhr: Engere Borllandsstguna beim Genossen Erler. Wrrbebezirt Westen: Alle Karten zur Veranstaltung der„Roten Rebellen'' am 29. November, müssen morgen zwischen IT und 12 Uhr im Heim Eharlotten. dnrg. Rostncnstr. 4. abgcrcVzncr werden. Bcrbebezirk NeutÄll«: ÄochcncnMursu» der Aelteren in Brieselang. Trefs. Punkt lll und 20 Uhr Bhs. Neukölln. Morgen«»1 Uhr edendor«. Referent Genosse Gurland. Morgen. Sonntag. Falkplotz l: Fahrt noch Buch. 0 Uhr Bhs. Schönhauser Allee.— Webbing. R. F.! Fahrt nach Mühlenbcck. 8 Uhr Bhs. Gesundbrunnen. Wcrbebczirt Osten: 18 Uhr Goßlerstr. Ol: 2. Ausspracheabend:„Arbeiter» dichtung im Sinn« des Sozialismus". Referent Genosse Dr. Schröder. Bcrbebezirk Echövebero: Filmabend, Heim Hauptstr. lü. Hauptfilm:„Das erwachende Aegvpten". Beginn 18 und 20 Uhr.©äste willkommen. Einirill 30 Pf. Werbcbeziek Tempelhos: Lichtbilderabend:„Vom Kaukasus»um Selben Meer", IS Uhr, Mariendorf, Doristr. 7, Alte Schul«. Referent Senoste E. Biging Werbebezirk Reinickendorf: Bildungskurius 10 Uhr in Wittenau, Haupt- straße 13, neue Schul«:„Theorie und Praxi» der R«>ch»verfassung". Referent Genosse P. Bernstein. Wedding. Tombourkapelle: Montag Ueben. Alle Spieler müssen erscheinen. Beginn pünktlich 20 Uhr, Heim Ecestr. 84. Neue Flötisten können sich noch melden. Aus der Partei. N. Gergel gestorben. Am 18. November erlag in Berlin einem Herzschlag der kaum 44iährige nissische Genosie Dr. N. Gergel. Wie die meisten russischen Sozialdemokraten seiner Generation begann Genosse Gergel seine politisch« Laufbahn in dem geheimen revolutionären Zirkel von Arbcstern und Studenten. Er schloß sich zuerst dem Jüdischen Arbciterbimd(Bund), später der zionistischen sozialistischen Partei an. In der Kriegszeit widmete er sich besonders der Hilfsarbeit für die zahlreichen jüdischen Kriegsjlüchtlinge, die in der grausamsten Weise vom Zarismus verfolgt wurden. In der Revolution 1917. und auch nach der Machtergreifung der Bolfchewiki blieb er auf der Seite der Sozialdemokratie als unversöhnlicher Gegner der terroristischen Diktatur. Daher mußte er im Jahre 1921 Sowjet- rußland verlassen. Seitdem lebte er in Berlin als Emigrant. Ge- nosse Gergel war bis zu seinem Tod« Mitglied des russischen sozialdemokratischen Martow-Klubs. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 22. November, um 2 Uhr, auf dem Friedhof Weißensee(Alte Halle), statt. Allgemeine Wetterlage. Der Kern des russischen Hochdruckgebiets Hot sich etwas nach Süden verlagert. Da gleichzeitig«in Tiefvruckausläufcr vom Atlan- tischen Ozean nach England und Frankreich vorrückte, vergrößerten sich die Lustdruckunterschiede über dem mittleren Europa. Äc Winde nahmen zu. Bei der lebhafteren Luftbcwegung konnte sich eine gc- schlossene Wolkendecke nur nach vereinzelt hasten, so z. B. in Ostpreußen. Die Temperatiireii zeigten'bist der anhaltenden Luftzufuhr ans dem östlichen Europa gegen gestern nur geringfügige Aende- rungen. Auf allen Mittelgebirgen stand das Thermometer auch am Tage unter Null. Nur der Feldberg im Schwarzwald meldete in den Mittagsstunden 2 Grad Wärme. Das russische Hoch scheint sehr stabil zu sein. Mit einer nennenswerten Aenderung des Wetters ist also zunächst noch nicht zu rechnen. -i- Wetleroussichten für Berlm: Trocken und zeitweise heiter, Tcin- pcraturcn wenig verändert, mäßige bis frische sichöstlich« Winde.— Für Deutschland: Ueberall Fortdauer des trockenen und zeitweise heiteren Wetters bei wenig veränderten Temperaturen, im Süden und Südwesten mäßige Nachtfröste. Eewinnauszug 2. Klasse 38. Preußisch-Subdeullche Staots-Lottcrie. Ohne Gewähr Nachbruck verboten Aus scde gezogen« Nummer sind zwei gleich boh« Gewinne gesellen, und zwar je einer ans ble Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und ll 1. Ziehungstag 29. November 1931 In der heutigen Bormitlagszichung wurden Gewinne über 300 M. gezogen 2 Gewinne ju 100000 M. 200731 4 Gewinne ju 5000 M. 254588 395503 10 Gewinne in 3000 M. 29930 1 13970 145868 220103 307724 4».Winne iu 2000 M. 2823 224565 28 Gewinn- zn 1000 M. 10498 42919 52010 52421 81471 92020 221568 222480 233S47 290188 348204 375181 331203 48 Gewinne ,u 300 M. 51493 100818 103764 110769 114220 178078 21.1081 211142 230187 239608 254585 278000 280679 286420 291757 298353 290096 319922 330964 331334 354884 392179 393998 43 Gewinne zu 500 M. 19743 29880 31135 36240 53993 104142 169570 225966 236424 251152 259608 268740 280052 235509 237259 291819 292922 S008S0 311952 321829 323291 327275 362721 363465 In der heutigen Nachmsttagsziehung wurden Gewinne über 300 M, gezogen 2 Gewinne|u 10000 M. 79399 2 Gewinn« zu 5000 M. 36276 8 Gewinne in 3000 M. 8718 82538 268069 385282 10 Gewinne ju 2000 M. 5406 178837 194679 213093 399217 22 Gewinne»n 1 000 El. 477 66696 75700 82S22 131632 187850 224375 258828 297769 338995 345060 32 Gewinne in 300 M. 35825 44536 52957 91666 238908 278598 287262 292719 302090 305894 320189 329863 357118 357138 391520 393302 70 Gewinne zu 600 M. 4681 10571 29618 34793 47099 51359 60041 66763 80677 83535 83891 88890 89994 99700 109050 144921 148591 185579 197116 234569 245674 258566 259056 269765 260011 278683 296935 304377 315710 337322 368665 371238 390384 393323 396764 Groß-Nerliner parieinachrichien. Die Fragebogen zur Feststellung der Anzahl der Erwerbslosen sind von der 34-, der 74., 122a. und der 126a. Abteilung noch immer nicht eingeschickt worden.— Es wird dringend ersucht, hier Wandel zu schaffen. Mi-tftliedsbuich des Genossen Peter Era�mann, gc- 8. Ii—' Das boren am 28. Juli 1873, zu München, eingetreten am 9. April 1894, wohnhaft in Berttn-Zehlendarf, Riemeisterstraße 196, ist verloren- gegangen.—«olltc dieses Buch irgendwo als Ausweis benutzt werden, dann ist es anzuhalten, und dem Eigentümer zuzustellen. I. A.: Alex Pageis. * Vcginn aller Veranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangab«? Heuie. Sonnabend. 21. November: T.«nb 8. Kreis. Juristische Sprechstunde findet von 17—18 Uhr im Jugend. heim Siosinenstr. 4 statt. Gelegenheit zum Ztirchenaustritt! Morgen, Sonnlog, 22. November: 18. Kreis. Die venoste» treffen sich zur Führung durch den Zieichstag am Bahnhof uopcnilt um» Uhr. Bahnhof»öprnick 8->g Uhr, am Sahuhof SpindlersfeN» 8.M Uhr. Wie treffen uns gemeinsam am Reil'' « Leitung hat die Senoss« findet eine Aussprache statt über Portal S(Wastcrseite) um Wl Uhr. Die Leitung hat die Genossin Biaric Kuncrt. Im Anschluß an die Führung fi"�—— j.. das Thema„Reichstag, Reich und Länder' !I2. Abt. Besichtigung des Deutschen Arbeitsschutzmuscums. Treffpunkt 10 Uhr Rathaus istcukolln. Vezirksausschus; für Arbeiterwohlfahrt. Die»ngetundigte Ztreisleitersitzung findet»m Rontag. 23. Nauemlxr. nicht statt. Mitteilung wird durch die Post erfolgen. � M Uhr 3. Kreis. Sonntag, 2Z. Rovcmdcr. 10 des Knabenwaifcn- Hauses. Turmstr. 44. Treffpunkt st?, Uhr vor dem Waisenhaus. Arbeitskreis sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands. Bezirksgruppe Berlin. HauptausschußtaJuag Eintritt das Parteimitglie'dsbuch zur Kontrolle oorze,gen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Grosz-Bcrlin. Mariendors: Zur Fahrt nach dem Äirtengraben am Sonntag, �2. November, 71h Uhr,„Rote Falkeneeke". Rückkehr gegen 17 llhl. sM Pf. mitbringen. fi Neukölln. Helserkreisi Heute. Sonnabend, Fahrt nach Briefe» M lang. Treffpunkt um 18 Uhr am Bahnhof Nenkölln. Nachzügler ?. treffen sich am Sonntag um 0?: Uhr.— Poranzeige! Mittmock, '-- 21. November, findet eine Kreiselternversammlung um 20 Uhr in der Aula der Knadenmittelschule statt. Genosse Schmidtbaucr spricht über „Faltenwaudern im Winter". Treptow, Gruppe Laura de Bosss: Sonntag. 22. November, gemeinsamer Besuch des Friedhofes in Fricdrichsfclde. Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Treptow. Reinickendorf: Aste Gruppcnkafsiercr(außer Waidmannslnst) müsscil am Montag 23. November, in der Zeit von 18— 20 Uhr, zu Erna Findeifen, Herb' straße : St., zur Abrechnung komme». (Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation IL. Abt. Unsere Parteigenossin Alma I o h», Dadsrr. 41, ist ucrstorbcn. Ehre ihrem Andenken! Ueber 20 Jahre hat sie der Partei die Treue gehalten. Einäscherung öannabend. 2ö. November, 20 Uhr. Krematorium Gcrichtstraßc. Um rege Beteiligung wird gebeten. scheid Vorkrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold'. Geschästsstelle: Berlin<5. 14. Eebastianstr 37—33. Sek 2. Tr. Sonntag, 21. November, Orts verein Kreuzberg: Republikanisches Hcrbstfeft im Clou, Mauerstr. 82. Festredner: Kamerad Dr. Breit, Karlen zu 1 M. bei den Fuiiklionären und im Taubüro, Sebastian. straße 37— 38. Keine Abendkasse.— Sonntag, 22. November. Wedding(Orto, vcreln): 13 Uhr Gedcnkseier sür die Toten des Weltkrieges auf dem Garnison- friedhof, Müllerstraße. Redner: Kamerod Pfarrer Kirschncr. Antreten aller aktiven und passiven Kameraden 12M Uhr Limburger Straße iRatskeller Wcdding). Krcnzbcrg(Ortsvercin): 14 Uhr Antreten aller aktiven Kameraden >» Bundcslleidung auf dem Garnisonfriedhos. Hasenheide, mit umslprten Fahnen. Tambourkorps ohne Instrumente. Ein geschlossener An- niid Ab. marsch findet nicht statt. Renlölln. Britz(Ortsoercin»: Kranzniederlegung an de» Gräbern der Kriegsopfer. Antrete» stst Uhr. 4. Kameradschaft vor den, Ecmeindefriedhos. Chanssecstroße. olle übrigen Kainerodschaften vor dem N-u- köllner Gcmeindcfriedhof, Mariendorfer Weg. Anzug: Bundcskleidung(Mantel). s£] Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin. Geschäslsstelle: P. Schneider, Berlin RO. 55, huselandstr. ZI. Der Arbeiter-Sesangverein„Freiheit" Mahlsdorf-Kaulsdorf veran, staltet am 22. November(Totensonntag), ein Konzert im Lokal Anders in Mahlsdorf, unter Mitwirkung des Berliner Konzertorchcstcrs, Kapell- mcistcr Paul Müller. Beginn 19 Uhr. Eintritt 7Z Pfennig. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Pappclallee 15, Vortrag des Herrn Dr. H. Hasse:„Vom Herr sein über Leben und Tod". 10 Uhr: Herr C. Witthauer:„Die Toten an die Lebenden. Bund Entschiedener Schulreformer. Nächste Sißung Montag, 23. Noveinber, pünktlich 19-1 Uhr. im Friedrich. Wtlhelm.Gpmnanuüm, Kachstr. 13. Thema: ..Psvchoanalpse und Kindergartenpädagogik". Refcrentin: Nellq Wolffhcim. Jedermann willkoniincii. Theater, Lichtspiele usw. *0 ) Staats Theater Sonnabend« den 21* November staatsoper >m Pill: der Pepoblik IVi Uhr Dr. Doiltuas Abenteuer 20 Uhr 1001 Nacht Staatsoper Umer d. Unden 20 Uhr Das Herz Slaätl.Sctiauspielbaus Ceiilirmnmirkt 20 Uhr Peer Cynt Schiller-Theater [htrlettenborz. 20 Ohr Doktor Klaus Win�r ' Qarfen' 8.15 Dhr Flora 3434 Haudm erlaabl 4 Queem. Gasion Palmer 2 Olveras. 2 Hockneys » vr. Soooabeod and Sonntag ja 2 Voretillnngen 4 Uhr u. 8.15 Uhr. 4 Uhr kleine r SCA14 Tagl.Su 81, U Toter.stg. E n. 9 Diu Watter DUflE W181 „Dii Orleinüle aller fiiantriker" 4 Urbanis ibeomarveis Chartona Mit Kj' KWH» k«. vlAza Töcjt. 5, 8.15 Tptensonntag 6 und 9 Uhr Der groCe Theater-Erfolg: Das Dreimäderlhaus $lädi.Oper Charlottenburg SismarckstiaEe 34 Sonnabend, 21. Nov. Turnus I Anfang 20 Uhr Coppelia Josephslegende Ende gegen 22.30 U. DeuisoiEs meaiei 8 Uhr Gc dilditen aas dem Wiener Wald von Oeclön Horvath Regie: Heim Hilpert Die Komödie k'h Uhr Jemand von Franz Molnar Regie; Cuslaf Gründgens mit Ulbert Basscnnann Rurlürslendamm- Theater 8','( Uhr Die Heilige atuDSA. von Ilse Lanuner Regie: Ludwig ßerger Musik: Ernst loch Titslioile; Agnes Straub meiropo-Ttieaier Täglich S'h Uhr Die Blume von Hawal Totcnsonniag o und 8': Uht Das Land dies Läshelns Pülsse von 50 Pf. in fVieater desWestens Heute:Vi8 Uhr Der VogelbaDdler Ahlers, Jöken, Mor;aj, Carola, Hr.em Totensonntag 6 und S'.b Uhr FriefleriKc von Lehar Frei» d. Plätze».50 PI. an VoiHsotttine Tbeater am Mlowplatz 8 Uhr Der drtlne Kakadu Der Kammersänger Ilaall. Sdiiller-Tbealer 8 Uhr Doktor Klaus Theater am Nollendorfplata Täglich 8>/« Uhr Premiere Gasparone Margret Pfahl, Michael Bohnen, Leo SIezak, Emmy Sturm. sv, uhr CASINO-THEATER«1/. m» Lothringer Strafe 57. ntUiiiiiitniiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiidiiiiiiiiiiiniiiiiuinriitiniiiiiiiiiii Nur nach wenige ADllöhningen mecHer-Fritze Volksststck mit Direktor Hans Berg dazu da» bunte Norember-Progr. Gutschein 1—4 Personen- FauteuiT>.— Mark. Sessel 1JO.Mark Parkett SO Pf., Sonntags Aufschlag GROSSES SCHAUSPIELHAUS Wegen Vorbereitung rur Max- Reinhardt-Inszenierung „Holtmann« ErzShlnnren" bis einschl. 26. Novemb geschlossen Premiere: 27. November. internationales Tliealer (kleines Theater) roter den Linden 44. Täglich 8 Uhr Hedwig Wangei, H. Ad. SchlrHow In: Alfpnfanz von Vera Bern. Regle: Philip Mannin g. Rose- Theater Groll Fmkiorttr SlrvBt 132 Id. Htldml E 7 3422 3 Uhr Sdineewlttdien 6 und 9 Uhr Die keusche Susanne Aus cfaneiden: Zentral-Theater AlteJakobstr.30-32 Heute S1� Uhr Totensonntag 6 u. 9 Uhr Flamme von Hans Müller mi' Christi Storm Qntstb. Park.-Faut.l.- ti e u t e 4 Uhr Hänse u. Grelel Reichshallen-Theater tbinds 8 Ubr. Sonntag nadiinittag 31/. Uhr Stettiner Sänger Die neue Burleske .Der arme Kasemir" Hariimitfags halbt Preise,»olles Programm! BETRIEB KfMPINSKIv' 250 Millionen Mark verpulvern, einen Riesenkonzern ruinieren. Zehnfausende brotlos machen. Arbeiier schinden und für sich Paldste bauen,—— so war G. K. Lahusen der„nelionale und fromme Wirischolis- führer" DerZusemmenbruch bei manche Elnzelheiien bekennlverden lassen Die volle erschreckende Vahrheil jedoch, tolle Unternehmerellüren und freche Verbrechen. vird erslmalic in der soeben erschienenen Schrift:„Das Panama der Nordvolle" euftededd. 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Die Einäscherung hat bereits statt- geninden. Ehre ihrem Andenken! vi« t>rt»v«rw»!tn»g ».„�Batten isä Ktoderbn Polster, ChaxeaL, an ledeo, Teil� Saialoc frei EiBenmöbelfabrü Suhl(Thür«) Eiju,�1 Zu beziehen durch: J. H. W. D i e t z N o c h f. G. m. b. H., Berlin SW 68, Lindenstr. 2, Abt. Sortiment, sowie durch sämtliche Vorwärts-Ausgabestellen und deren Botenfrauen AucMr. Iftttonatsraten Raddafz üipzigerSlr.lZMa Vom 17. bis 23. November Willy Forst, Trudev.Holo, 6. GrUndgens. Roda Roda, A. Pointner usw. Im BOhnentell; Joseph Plaut Deutschlands Voitragsmelster und weitere Attraktionen Kartoffel-Konter G. m.b.H., NW 40, Heidestr. 30.— Hansa 4040. liefert Speisekartoffeln für GroB-Verbrauchcr, Kantinen u. Behörden E s t's' t b r s c h i e n"e n: Der sozialdemokratische AhreißHaieniier 1932 In Kupfertiefdruck hergestellt. Er bringt historische Daten aus der Arbeiterbewegung, astronomische Angaben(Sonnenauf- und-Untergänge, Mondphasen, Planetenbewegung usw.). 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Götelstraße 5, pt,, oder der Vorstand*er Volksfürsorge in Hamburg 5. An der Alster 37—61 r P m KLEINE ANZEKEN iiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiniiiniiiiiiiniiii Ueberschriftswort 25 Pf., T«ztwort12Pf. Wiederholungsrabalt; 10 mal 5 Proz, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz, 2000 Worte 15 Proz. 4000 Worle 20 Proz./ Stellengesuche: Ueberschriftswort 15 Pf., T extwut t 10 Pf/ Anzeigen, welche tür die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4l/n Uhr nachmittags im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts-Filialen und -Ausgabestel en abgegeben sein | uerKame| Lese», eiserne, jeder Art, Teilzahlung, trans pariable Kachel- iilen. Badewannen. Äesselöfen, Kochherde, Repora- turen. Die alte Firma Semmler u. Blenberg, Dresde- nerüraße 98�' Linoleum Szillot, Koiouie straße 9. »iBililliigssiliei«. ivSZLlIB USIV. Wenig getragen« Kavaliergarderobe von Millionären Aerzten. Anwälten. Fadelhast billige Poeiie, Emvtehie TalllcnMäntel.Palr. !vts, Fracks. 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Auf die Solidität dieser Bank konnte man keine Häufer bauen! Rußland will exportieren. Die Verhandlungen mit Deutschland,(gm russisches Wirtschasts-Memorandum. Den gegenwartig stattfindenden deutsch-russischen Wirtschastsverhandlungen liegt u. a. ein Memorandum der russischen Regierung zugrunde, aus dem Zweck und Ziel dieser Besprechungen deutlich ersichtlich werden. In dem Memorandum wird einleitend darauf hingewiesen, dah der deutsche Import aus Rußland im laufenden Jahr ungefähr 28l1 Millionen Mark oder etwa ein Viertel des Borkriegslinports Deutschlands ausmachen wird. Di« russische Regierung wünscht deshalb«ine Stelgerung des deutschen Imports aus Rußland auf 150 Millionen Mark. Sie schlägt zu diesem Zweck folgendes vor: „U. o. würde die Sowjelrcgierung für wünschenswert und notwendig hallen, in Deutschland im bevorstehenden Jahre 1932 folgende wichtigste waren abzusehen: Getreide au» der Ernte 1931/32: Weizen 300 000 Tonnen. Gerste 200 000 Tonnen. Mais 150 000 Tonnen. Oelkuchen 150 000 Tonnen usw.: holz: Papier-' holz etwa 300 000 russische Subiksasheu, Schnittholz 180 000 Stau- dords. Sperrholz 8000 Kubikmeter� usw. z. Zka phthaprodukte: bedeutende Steigerung des Absahe» bon Sawjetbenzin über die biz fehl erreichten Mengen, von Schmierölen auf 123 000 Tonnen, Masut elnschlletzlich Bunkerung 200 000 Tonnen usw.: Nahrungsmittel: Eier 6000 Waggons, Butler 30 000 Tonnen. geschlachtete» Geflügel 2000 bis 3000 Waggon»: Erze: Eisenerz l Million Tonnen, Manganerz 120 000 Tonnen usw." Im Einklang mit ihrer früheren Erklärung hält es die Sowjet- regierung für möglich und notwendig, der deutschen Seite folgenden Kreis von Maßnahmen zur Erörterung oorzulegen,.die«in« fak- tische Erweiterung des Sowjetexports nach Deutschland bis zu dem oben bezeichneten Umfange sichern würden: a) Gewährung solcher Zollsätze, Eisenbahntarife. Hafengebühren und sonstiger Bedingungen für die Sowjetexportwaren, die in ihrer Gesamtheit den Sowjetexport noch Deutschland erleichtern und befestigen würden. b) Erweiterung und Befestigung der Praxis der Abnahme von Sowjetexportwaren(Getreide. Naphtha, holz usw.) durch staatlich« oder unter Kontrolle des Staates stehende Organe und Institutionen wie auch konimunole Unternehmungen. c) Schaffung solcher Bedingungen In den Beziehungen zwischen den Handelsorganen der USSR. in Deutschland und den größten deutschen Abnehmern von Sowjetwaren, welch« zu der Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen im Interesse beider Seiten beizutragen geeignet wären. Gestützt auf die mehrfachen Erklärungen der deutschen Seite hinsichtlich des Interesses der deutschen Staats» und Wirtschasts- Organe an der Erweiterung des Sowjetexports und hinsichtUch der Bereitwilligkeit der deutschen Rcgicrungsinstitutionen, den Sowjet- Handelsorganen jegliche Hilfe In dieser Richtung zu erweisen, schlägt die Sowjetdelogation der deutschen Seite ihrerleits vor, anzugeben, welche Art Maßnahmen sie für möglich und erforderlich holt, in Entwicklung und Ergänzung der oben genannten zwecks Erreichung des im Interesse beider Seiten liegenden Zieles vorzusckstagen. Die Sowjetdelegation bringt zur Kenntnis der deutschen Seite. daß die Handelsorgane der USSR. in Deutschland gegenwärtig konkrete Verhandlungen mit den größlen deutschen Abnehmern von Sowjetwaren bezüglich der Placierung der Exporlkontin- genle für 1932 und der Herstellung festerer Beziehungen führen. Die Lowjeldelegotion hall es für möglich und zweckmäßig, sich das Recht vorzubehalten, im Gange dieser Verhandlungen der dculscheu Seite wünsche zur Scnntuis zu briogen, die sich aus den konkreten Erörterungen mit den einzelnen Gruppen der deutschen Abnehmer von Sowjetwaren ergeben. Bei der Aufrollung der Cxportfrage rn ihrer Gesamtheit vor der deutschen Regierung geht die Sowjetregicrung davon aus, daß das Wesen und die Lösung dieser Frage sich völlig ergibt aus dem Geiste und dem Gedanken des Artikels 1 des Wirtschaftsabkommens von 19ZS, in dem beide Länder die Berpslichtung übernommen haben, ihren Anteil im Wirtschaftsverkehr zwischen beiden Ländern auf dos Borkriegsniveau zu bringen. Die Sowsetregierung ist der Ausfassung, daß erst die Lösung dieser wichtigsten Frage eine dauernde und ernsthafte Entwicklung der sowjetistisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen im Interesse beider Seiten sichert und die rascheste Lösung der Frage hinsichtlich des Umfanges und Charakters der Sowjetbestollungen in Deutschland im bevorstehenden Jahre 1932 in Berbiirdung mit den wachsen- den Importbedürfnissen der USSR für die Durch- führung des Fünfjahresplanes erleichtert. Gleichzeitig schasst die Lösung dieser Frage eine wirklich feste zind verläßliche Basis für die Zahlungen der USSR. in Deutsch- l a n d." Wirischastsdittator Hilgenberg. Die Wirffchastspartei enthüllt geheime Verhandlungen. Zwischen der Wirtschaftspartei und den Deutschnationalen ist ein Krakeel entstanden. Die Folge ist. daß man Einblicke hinter die Kulissen der charzburger Front erhält. D i e Parteileitung der Wirtschaftspartei ver- � össenllicht gegen Angriffe der deutschnationolen Pressestelle *> eine Erklärung, in der es heißt: „Bei der v f f i r e l l e n Besprechung zwischen den D e l e- gierten der Wirtschaftspartei und Herrn Gehsimrot h u g e a b e r g hat letzterer bezüglich der Wirtschaftspolitik keine konkreten Angaben gemacht, sondern sich dahingehend ge. äußert: a) daß er über den gegebenenfalls von ihm einzuschlagen- den wirtschaftspolitischen Kurs Angaben nicht machen könne und wolle, l>) daß er die Reberzeuguag gewonnen habe, daß die Leitung der Ralionalsoziolist'schen Partei sich bei der Aebernahme der Re- gierung durch ihn seiner wirlschaftspolitischen Führung einordnen würde. c) auf die wiederholte Frage nach seiner Einstellung zur Sicherung der Stabilität der Währung hat sich Herr Ge, heimrat hugenberg weder im positiven noch im nega» tiven Sinne geäußert. Ebensowenig hat Herr Geheim- « rat hugenberg irgendein« positiv« oder n«gatioe Erklärung auf die spezielle Frage abgegeben, wie er sich zu dem in der letzten Zeit mehrfach erörterten Plan einer Ancleichung der Mark an das englische Pfund einstellen würde. Entsprechend dem internen Charakter der Verhandlung begnügt sich die Leitung der Wirtschaftspartei z u n ä ch st mit diesen Feststel- hingen, behält sich aber weitere Erklärungen bei neuerlichen B«r- öffentlichungen der deutschnationalen Press« vor." hier wird aber behauptet, daß hugenberg der Ueber- zeugung sei, daß die Nationalsozialisten sich hinter sein sozialreaktionäres Programm stellen und ihn als Wirtschaftsdiktator anerkennen würden! Wie aber das hugenbergsche Programm im einzelnen aussieht— das wußte er zwischen Harzburg und der Reichs- tagseröfmung selber nicht! Er fühlte sich bereits als Reichs» tanzler der Harzburger Front, als der große Führer auf den Schustern der Nazis. Er drängte nach der Macht— aber ohne zu wissen was er wollte! Konsusion. Die Schwarze Front und Leutnant Mendt. Zum erstenmal hat gestern eine Gruppe, die sich„Schwarze Front" nennt, in Verlin eine öffentliche Kundgebung veranstaltet. Sic fand im Kriegervereinshaus statt. Wer ist die„Schwarze Front"? Die Einladung war gezeichnet von der Kampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten, den Mannen um Otto Straßcr. Nach den Erklärungen des Borsitzenden handelt es sich um leine Partei, sondern um eine Bereinigung, die, nur lose zusammenhängend, das schwarze Banner Florian Geyers erhoben hat. Was sie will? Kampf um jeden Preis gegen das herrschende System! Wie will sie den Kampf durch- 4, führen? Sie hat es nicht verraten. Aber sie verherrlichte vor allem Claus Helm, den Individualterroristen, den die Republik wegen der vielgenannten Bombcnattentate hinter Schloß und Riegel setzen, mußte.___________■__,____..... -St« hat aber auch em ,. Wirtschafts- und Kulturprogramm"� Sie lehnt den Kapitalismus ab, will sogar im Gegensatz zu Adolf Hitler an das geheiligte Privateigentum heran. Aber sie ver- , wirft auch hier den Kollektivismus und jede L e r- ftaatlichung! Erblehen sollen geschaffen und unter das ganze Balk aufgeteilt werden. Wie das gemacht werden und was das eigentlich sein soll, wird verschwiegen. Ernsthafter und interessanter wurde die Versammlung, als der frühere Reichswehrleulnanl Mendt, der seinerzeit vom Reichsgericht in Leipzig mit seinen Kollegen Scheringer und L u d i n zusammen wegen Hochverrats zu Festung oerurteilt worden war. das Wort zum Thema „Weder Hitler noch Sch e r i n g e r!" nahm. Mendt, schlank, drahtig, in Breeches und Gamaschen und schwarzem Hemd, steht da, breitbeinig, wie Napoleon die Hände über der Brust zusammen- geschlagen, und er spricht wie ein Leutnant, der morgens in der Kasernenstube Unterricht abhält. Sein„Volksgenossen" klingt wie das„Leute" oder„Kameraden" des Exerzierplatzes. Er sagt:„Daß aus den Ausschwung von 1914 das Wegwerfen der Waffen und der Zusammenbruch von 1918 folgen konnten, bewies, daß im allen Deutschland etwas nicht in Ordnung war. Als dann Hitler kam, glaubten wir, etwas wirklich Neues zu erleben, wir versuchten. unsere Kameraden. Ossiziere und Soldaten, für den National- sozialismus zu gewinnen, und wir hallen Erfolg damit. Wir fuhren noch München und wurden dort ziemlich kalt empfangen. Wir sagten uns, dies rühre daher, daß man uns noch nicht kenne, und warben weiter. Als der Dolksentfcheid über den Noung-Plau kam. sagten wir uns, daß, wenn er mißlänge, das drohende Unheil mit Gewalt abgewendet werden müsse. Das war für uns ganz klar, und wir fuhren deshalb wieder nach München. Da sagte man uns,, der ganze Vokksenlscheid sei doch nur Propaganda . gewesen.(Pfui-Rufe. Zwischenruf: hat hiller das gesogt? ' Mendt: Nein, nicht Hiller. aber sein Adjutant Hauptmann Wagner.) Gleichwohl arbeiteten wir weiter. Wir wurden fest- genommen und nach Leipzig gebracht. Als dann der 14. Sep- tember gekommen war, sagten wir: Jetzt geht es bestimmt los! Nach ihrer lleberzengung, sagt Mendt weiter, hätte kein Reichs- wehrsoldal gegen rechts geschossen, und kein Kommandeur, kein höherer Führer hätte gewagt, den Vefehl zum Schießen zu geben. Statt dessen schwor Hitler in dem hochoerratsprozeß seinen Legalitätseid, das heißt, er verriet uns an unsere Feinde hammerstein und Schleicher, bei denen er heute aus- und eingeht. Die Hlller-Partci hat ihren Berrat am Nationalsozialis- mus fortgesetzt. Sie ging ins Parlament und stellte einen ehrsamen Vizepräsidenten, sie lehnte alle sozialen Anträge ab und bewilligte verkrachten jüdischen lialeruehmnngen Millionenzuschüsse. Hitler ist ständiger Gast bei Reedern, Großkauflsuten und Schwerindustriellen. Er hat den Nationalsozialismus oerraten, deshalb habe er, Wendt, sich von der Hitler-Partei ge- trennt. Hitler schelte sie jetzt Verräter und Ueberläufer. in Wahr- heit habe er wie ein Verräter und Ueberläufer gehandelt.(Beifall und Widerspruch.) Unklar und verworren, halb ja, halb nein sagend, kommt Wandt auf vielen Umwegen auch zu einer Absage an die Kommu- nisten, hier erhebt sich in der Bersammlung. die in der Haupt- fache von Jugendlichen aller radikalen Richtungen besucht ist, heftiger Widerspruch, der sich zeitweise zu starkem Lärm steigert. Mit einem „heil Deutschland" tritt Wendt ab. der uns wieder einmal gezeigt hat. wie schlimm es ist, wenn solche Leutnants'sich in die groß« Politik mischen können. Der Saal, der bis zu drei Viertel gefüllt gewesen war, leert sich. Ein Vortrag, den an Hand dicker Folianten ein Herr Swobada über den Ultramontanismus hält, findet nur noch geringes Interesse. Der Vundfunttonfliki. Die Aesprechuag Braun-Groener.- Es bleibt wie es war. Am Frellag hat die zwischen dem Reichsinnenminister und dem preußischen Ministerpräsidenten wegen des jüngsten Rundfunkkonflikts in Aussicht genommene B«> sprechung stattgefunden. Di« beiden Minister kamen Überein, an den Bestimmungen für den Rundfunk keinerlei Aenderungen vor» zunehmen, jedoch durch die Sachbearbeiter der Ministerien Er» wägungen über eine leichtere und bessere Handhabung dieser Be- stimmungcn vornehmen zu lassen. Insbesondere soll Borsorge ge- troffen werden, daß Bortragsmanuslripte politischer Art so recht- zeitig eingereicht werden, daß eventuell zu befürchtend« Meinung«. Verschiedenheiten Über diese Manuskripte in den Ueberwachung«- ansschüsscn noch rechtzeitig behoben werden können. Oer Warschauer Gensationsprozeß. Die Wahrheit auf dem Marsch. Im Warschauer Prozeß gegen die Oppositionsführer haben die Belastungszeugen gar nichts Belastendes aussagen können. Ali Entlastungszeugen hat der gewesen« Senatsmarschall Dr. v. T r o m p- rzynski die Verfassungsbrüche der PUsudskl-Regierungen und ihre Duldung durch den Staatspräsidenten Mosciski bekundet. Kor» f anty, der das Brester System an sich erfahren hat, rief aus, daß er in keinem altpreußischen Gefängnis auch nur ähnlich Schlimmes erlebt Hab«. Mehrere sozialistische Abgeordnete, so Puzak und A r c i s z e n s k i, widerlegten die Beschuldigung illegaler Vvrberei- tungen und schilderten den blutigen Terror der Pilsudskisten. Pro- fessor B a r t e l, der mehrfach schon In der Pilsudski-Zeit Minister- Präsident gewesen ist, stellte der PPS. und dem Zentrolew das Zeugnis ehrlicher Legalität aus. Professor Kuljel, ehemaliger General bekundete, daß der jetzige Innenminister O b e r st Pserazki im Auftrag Pilsudskis 1925 einen Militärputsch gegen die Regierung S l r z y n s l i betrieben hat.(Slrzynski ist letzthin, wie schon manche Pilsudsti-Gegner vor ihm, bei einer Autofahrt tödlich verunglückt— wordem) Das keineswegs oppositionelle Gericht hat einen Eiiwüschungs- versuch des früheren Justizministers und jetzigen Reichsgerichtspräsi- deuten Cor zurückgewiesen. Sozialdemokratischer Bürgermeister in Köln. Die Kölner Stodtoerordnetenversammlung wähtte mit 52 Stimmen der Sozial- demokraten und des Zontrums gegen 2l unbeschriebene Stimmzeticl der übrigen Parteien den. Oberbürgermeister von Brandenburg, Ge- nassen Fresdorf, zum ersten Beigeordneten und stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Köln. Der haushallsausschuß de» Reichstags schloß am Freitag die Generaldebatte über die Pensions kürzung und oertagt« sich auf Sonnabend. Tagesordnung: Spezialoebatte. Im Relchslagsauefchuß für Wohnungswesen entspann sich gestern eine länger« Geschäftsordnungsdebatte über die Neuwahl eines Vorsitzenden an Stelle des bisherigen nationalsozia- listischen Vorsitzenden Dr. Fabricius. Eine Einigung wurde zunächst nicht erzielt, doch ist es wahrscheinlich, daß in der morgigen Sitzung Oer Wobnungsousschuß sich seinen Vorsitzenden durch Mehrfteitsbe- schluß wählen wird. In der sachlichen Beratung wurde der 8 1 des Entwurfs eines Wohnheiinstättengesetzcs behandelt, der die Ausgaben des Gesetzes umreißt. Ausländer i Nie Tragödie der Geiäufchten.- Moskau, im November 1931. Anläßlich der Jahresfeier des Sowjctregimes weilten in Atoskau zahlreiche sogenannte„ausländische Arbciterdclegationen", die m Wirklichteit nahezu ausschließlich aus Si o m m u n i ft e n bestanden. Diese Delegationen wurden von den Sowjetoehörden aus eine Rundreise durch Rußland geschickt und äußerten sich nach ihrer Rückkehr begeistert über die„Erfolge des Sowjetaufbaues", wobei ein deut- scher Delegierter sogar soweit ging, zu erklären, daß die Lebens- Haltung der russischen Arbeiter weitaus höher sei als diejenige der deutschen. Ausnahmslos erklärten die ausländischen„Arbeiter- delegierten", sie wären am liebsten in der Sowjetunion geblieben und würden nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer jedem Arbeiter auf das wärmste empfehlen, nach Rußland zu gehen, um dort zu arbeiten. Während in zahlreichen Festsitzungen diese Reden gehalten wurden, veröffentlichte die Eowjetprcsse nahezu täglich bemcrkcns- werte Berichte, aus denen sehr deutlich die wachsende Unzufriedenheit der in Rußland tätige» ausländischen Arbeiter hervorgeht. Bereits � vor einiger Zeit war diese Frage sehr akut. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion griff damals ein und erließ sehr eingehende Richtlinien, die eine bessere und zweckmäßigere Behandlung und Berwcndung der aus- ländifchen Arbeiter zum Ziele hatten. Wie sich jetzt herausstellt, hat dieses Eingreifen der Parteileitung die Mißstände auf diesem Gebiet nicht beseitigen können. Die„Sa Jndustrialisaziu", das Organ des Obersten Volkswirtschaftsrates der Sowjetunion, der höchsten In- dustriebehörde Rußlands, spricht ganz offen von der„wahren Tragödie des ausländischen Arbeiters, der nach der Sowjetunion gekommen ist, um ihr zu helfen". Die feindselige Einstellung, und zwar nicht nur der Betriebsleitungen, sondern auch der russischen Ingenieure und Arbeiter gegenüber den ausländischen Kollegen nimmt vielfach die Form einer offenen chauvinistischen Hetze on. Immer wieder hört man von russischen Betriebsleitern. In- genieurcn und sogar von Arbeitern, si« brauchten die Ausländer nicht, können von ihnen auch nichts lernen, die russischen Arbeits- kräfte seien gut genug usw. usw. Die ausländischen Arbeiter werden in Ruhland auch zumeist an falscher Stelle verwendet und ihre technischen Erfahrungen werden selten entsprechend ausgenutzt. Beispielsweise arbeiten be- reits seit acht Monaten in der Eisenbahnreparaturwerkstatt in Dnjepropetrowsk(Sowjetukrame) achtzehn hochqualifizierte deutsche Monteure als einfache Reparaturarbciler. obgleich in der Nachbarschaft ein Lokonwtivwcrk dringend aus- ländifchs qualifizierte Arbeitskräfte benötigt. Die Sowjetpresse ver- ösfentlicht den Aufschrei eines amerikanischen Arbeiters, der aus der Stalingradcr Traktorcnsabrik seit Monate» bei Arbeiten beschäftigt wird, die seiner Qualifikation in keiner Weise entsprechen: „Entweder verwendet mich an richtiger Stelle oder laßt mich»och Hause fahren, denn meine jetzige Arbeit kann ein junges Mädchen genau so gut ausführen!" Die Vermittlung der technischen Erfahrungen der ausländischen Arbeiter an ihre russischen Arbeitsgenossen, eigentlich der Haupt- Tarifkampf der Bauarbeiter. Was macht der ZteichSarbeitSminister? Die Bauunternehmer setzen ihren Kamps gegen die tariflich vereinbarten Löhne mit Hartnäckigkeit fort. Sic entdeckten, weil dos bester so in ihren Kram paßt, jetzt jogar im Bürgerlichen Gesetzbuch den Satz von dem ausdrücklichen oder stillschweigeirden Vorbehalt, einen Vertrag nur so lange gelten zu lassen, als die Umstände, unter denen er abgeschlossen ist, weitergelten. Daß es auch so etwas wie ein Tagisoertragsrecht gibt, haben die Herren Bauunternehmer anscheinend schon ganz vergessen. Mit dieser sonderbaren Auffassung haben die Bauunternehmer bis jetzt bei den Tarifämtcrn nicht viel Glück gehabt. In Halle erklärte sich das Tarifamt nach langer Beratung und heftigen Aus- einanderjetzungen mit den Unternehmern für unzuständig zur Verhandlung über die Lohnfrage. Nicht so das Tarifamt für N i e d e r s ch l e s i c n. Dort forderten die Unternehmer ohne weiteres einen Abbau des Lohnes für Facharbeiter um 2h bis 11 Proz. und für Tiefbauarbeiter um 2 0 bis 3 5 Pro z., d. h. auf 38 Pf. Das Tarifamt Nieder- schlesicn Hot, nachdem die Arbeitcrbeisitzcr unter Protest gegen seine unmöglich« Haltung die Sitzung verlassen halten, tatsächlich den Einbruch in das Tarisrecht vorgenommen. Es fällte einen Schiedsspruch, wonach die Löhne über 1 M. um 11 Pf. und die unter 1 M. um 10 Pf. abgebaut werden sollen. Das Tarifamt O b c r s ch l c s i e 0. wo die Unternehmer einen Lohnabbau von 2 4 bis 3 0 Proz. und eine Senkung der Lehrlingsentschädigung um 33'A P r o z. durchdrücken wallten. kam zu keinem Ergebnis, sondern vertagte die Verhandlungen, weil die Arbeitervertreter die Zuständigkeit des Tariiamts an- zweifellen und gegen einen etwaigen Spruch sofort Berufung ein- zulegen drohten. Der Tarisamtsvorsitzendc für die Grenzmark(Schneide- mühl). wo die Unternehmer einen Abbau der Löhne zum Teil b i s zu 4 0 P r o z. beantragten— das würde im Effekt einen Bau- orbciterlohn von 33 Pf. prg Stunde in der dritten Lohnstufe be- deuten— war vernünftig genug, diese verrückten Anträge als undiskutierbar zu bezeichnen. Da eine Einigung nicht zustande kam, erklärte der Lorsitzende, daß die bisherigen Löhne weiter gelten. In Brandenburg verliefen die Verhandlungen in ähnlicher Weise. Im Rheinland haben die Bauarbeitgeberoerbände beim Tarisamt in Köln beantragt, mit Rückwirkung vom 11. November ab die Löhne um 2 0 Proz. für FacharbeUer und um 18 Proz. für Tiefbauarbeiter zu kürzen. Das bedeutet für die Tiefbauarbeiter der niedrigsten Lohnklasse eine Senkung des Lohnes auf 48 Pf. pro Stunde! Vom Relchsarbeitsministcr ist in der Frage des Lohnabbaus keine Hilfe zu erwarten. Hat es Zweck, an ihi� die dringliche Forderung zu richten, endlich einmal einen wirksamen Schritt für einen Schutz des Tarifrechtes zu tun? Auch Rothschild baut ab. Das Wiener Bankhaus Rochschild hat die Küitiigung von 30 Beamten ausgesprochen. Auch der Prioachaushalt des Barons Rothschild wird bis aus wenige Angestellte abgebaut. n Rußland. Sie wollen wieder nach Hause. zweck der Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte, wird durch diese Unistände selbstverständlich zumeist völlig illusorisch gemacht. Die Rationalisierungsvorschläge der Ausländer werden in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle einfach nicht b e- achtet, die Initiative der Ausländer ruft bei den russischen Ingenieuren und Arbeitern nicht selten feindselige Ab- l e h n u n g herror, da die Russen in diesen Fällen die Verantwor- tung für solche„Neuerungen" scheue». Typisch ist die Aeußerung eines russischen Betriebsleiters, die die Sowjetpreste unsührt, und zwar im Falle eines deutschen M e i st e r s, der mehrere Rationalisiermigsoorschläge und Erfindungen vorlegte: „Wozu macht dieser Deutsche immer wieder neue Erfindungen?" „Dies alles", stelll die„Sa Jndustrialisaziu" fest,„ruft bei den Ausländern den Eindruck hervor, daß sie hier überflüssig sind, woraus der Wunsch entlieht, nach Hause zu fahren." Sehr schlimm ist es um die Berücksichtigung der Ersordermsse und der Wünsche der ausländischen Arbeiter, die erklärlicherweise an ein höheres materielles und kulturelles Niveau als das russisckie gewöhnt sind, bestellt. Dies trifft auch für die zunächst in jeder Beziehung bevorzugten amerikanischen Ar- beilcr zu. Den Zlusländern wird kein Heizmaterial zur Beheizung ihrer Wohnungen zur Verfügung gestellt. die Arbeiterkasernen, in denen die Ausländer zuweilen-untergebrackzi sind, werden ebenfalls nicht beheizt, diejenigen ausländischen Arbeiter, die mit ihren Familien eingetroffen sind, müssen vielfach monatelang auf Wohnungssuche gehen, da sür ihren Empfang keine Vorbereitungen getroffen worden sind. Als neuer- dings amerikanische Bauarbeiter in Leningrad cintrasen, mußten sie beispielsweise über 12 Stunden im Hafen auf dos Eintreffen eines Vertreters des Bautrusts warten. Die Enllohnung entspricht vlelsach nicht den früher vereinbarten Sätzen. die Löhne werden überdies zumeist in Raten und mit großer Verspätung ausgezahlt. Auch die Lebensmittelversor- g u n g der ausländischen Arbeiter stockt immer wieder, vcrschiedent- lich sind Ausländer längere Zeit hindurch überhaupt nicht beliefert worden. Diese Mißstände haben, wie die Sowjetpresse offen zugibt, sehr große Unzufriedenheit unter den ausländischen Arbeitern in Ruß- land hervorgerufen. Bereits drei Monate nach ihrem Eintreffen im Kuznetzki-Kohlenbccken haben zahlreiche amerikanische Arbeiter um ihre Entlassung nachgesucht und wollen nach.Hause fahren. Dies ist verständlich, wenn man aus den russischen Berichten er- fährt, daß die Amerikaner dort mehrfach gezwungen gewesen sind. 18 Stunden täglich zu arbeiten, da die russischen Arbeitsträstc die immer wieder auftretenden Maschinendefcktc nicht beseitigen konnten. Die Amerikaner mußten dort, wie die Sowjetberichte feststellen, unter Bedingungen arbeiten, die schlechter waren als die, unter denen nichtqualifizierte sibirische Bauern in den Schächten beschäftigt sind. Auch zahlreiche deutsche Arbeiter haben nach Sowjctberichten den Wunsch ge- äußert. Rußland zu verlassen. Lohnkonflikt im Gchuhgewerbe. Die Gegenforderungen der Gewerkschaften. Die Vexhandlungen zwecks Neuabschluß eines L o h n o e r- träges für die Schuhindustrie finden am kommenden Dienstag in Frankfurt c. Main statt. Die unerhörten Ab- bauforderuuoen der Unternehmer— sie verlangen nicht weniger als eine Lohnkürzung um rund 17 Proz.— lzabon unter der Arbeiterschaft viel böses Blut gemacht. Die Schuharbeiter werden sich gegen den Lohnabbau mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zur Wehr fetzen. Die Gewerkschaften verlangen in ihren Gegenvorschlägen im wesentlichen: Einführung der 40-Stunden- Woche mit vollem Lohnausgleich, Einstellungszwang von Arbeitslosen im gleichen'Ausmaß der Ver- kürzung der Arbeitszeit, Verbot der Ueberstunden und einige Verbesserungen für die Lohn, und Arbeitsbedingungen der Band- arbeiter. Streik bei Klöckner. Köln. AI. November.(Eigenbericht.) In den K l ö ck n c r w e r k e n in Troisdorf ruht seitFrci- tag die Arbeit, weil bis zum Donnerstagabend keine Einigung zwischen der Firma und den Arbeitern über den letzten Schied?. spruch zustande gekommen ist. Härte, aber nicht unbillige Härte. Sie Reichsianstalt vor dem Arbeitsgericht. Vor der II. Kammer des Landesarbeitsgerichts Berlin wurde am Dienstag eine B e r u f u n g s k l a g e der Reichsanstalt verhandelt, die in diesem Zufanrmenhang weniger in arbeitsrecht- licher als in sozialer Hinsicht interessiert. Beim Arbeitsamt Südwest war ein 67 Jahre alter 'Angestellter ohne Abfindung und ohne Rente entlassen worden mit der Begründimg, seine Arbeitsleistungen entsprächen nicht mehr den an ihn gestellten Anforderungen. Das Arbeitsgericht hotte die Entlastung als unbillige Härte anerkannt und dem Kläger im Falle der Nichtwicderesnstellung eine Entschädigung von 1896 Mark zugesprochen. Die Reichsonstalt stützte ihre Berufung in der Hauptsache darauf, daß in der ersten Instanz ihrer Austastung nach„dos Ge> richt oder wenigstens der die Verhandlung und Beweisaufnahme leitende Vorsitzende schon vor der Entscheidung innerlich zugunsten des Klägers eingestellt war". Als Beweis führte der Prozchoertreter der Reichsanstalt an, daß der Vorsitzende dieser Kammer im Mai- hest des„Arbeitsgerichts" einen Artikel über die Rechtsstellung der jogenanntcn Uebernahmcange st eilten der Reichsanstoll veröffentlicht habe. In dem er ge�en ein Urteil des Reichsarbeits- Gerichts Stellung nehme, dos der Reichsanstalt das Recht zuspricht, nach einer gewissen Uebergangszeit die Verträge der Uebernahme- angestellten zu kündigen zwecks Anpassung an den ungünstigeren Tarif der übrigen Angestellten der Reichsonstalt. In solchen Streit- fällen sei trotz der Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts die un- billige Härte nie zu verneinen. Das Landesarbeitsgericht hat zwar der Berufung der Reichs- anstatt stattgegeben, weil es in der Entlastung des Angestellten eine HLrte, ober keine unbillig« Härte sieht. Der Versuch der Rsichsanstall, einem Arbeitsrichter vorzuschreiben, über soziale Motive anders zu denken oder zu schreiben als es ihr beliebt, ist also fehlgeschlagen. Bon sehr wenig sozialem Verständnis zeugten aber auch ver- jchiedene Ausführungen des Rechtsvertreters der Reichsanstalt. So erlaubte er sich die Bemerkung, daß ein Richter oder anderer Beamter mit 68 Jahren längst nicht mehr im Dienst wäre. Daß ein Richter oder anderer Beamter mit seiner Pension bestimmt besser leben kann als der 68jährige entlassene ZlrbeitsanUeongcstclltc, weiß der Herr Vertreter der Rcichsanstalt offenbar nicht. Daß er von der übermenschlichen Arbeit der Arbeitsamtsangcstellten eben- falls keine blosi'e Ahnung hat, bewiesen seine Bemerkungen über die angebliche Leistungsminderung des Entlassenen und die„idylli- schcn Verhältnisse", die ftüher geherrscht hätten. Lohnschiedsspruch im Kriseurgewerbe. Von beiden Parteien abgelehnt. Die 14 Berliner Friseurinnnngen wollten die Gehilicnlöhne durchweg um fünf Mark wöcheullich gekürzt wissen. Durch Schieds- spruch wurden die Löhne der Gehilfen im ersten Jahr nack) der Lehre van 30 auf 28 M. herabgesetzt, von 3 5 M. im zweiten und dritten Jahr nach der Lehre aus 3 2 M. und von 40 M. vom vierten Jahr nach der Lehre auf 37 M. Die Löhne der Gehilsinnen waren bisher dieselben wie die der Gehilfen. Den Wünschen der Meister entsprechend wurden diese Löhne noch stärker verkürzt und .zwar im ersten Jahre um 4 Vi. auf 26 M., in den übrigen Stufen um je 5 M. wöchentlich auf 30 und 35 M. Das sind Löhne für gelernte Arbeiter, die unausgesetzt an ihrer beruflichen Ausbildung weiterarbeiten müssen. Selbst die Löhne sür A u Hilfen wurden nicht verschont und von 8,80 M. auf 6,50 M., von 13 auf 10 M. und van 42 auf 38 M. sür eine Woche gekürzt. Die Innungen aber sind init diesen Kürzungen noch nicht zufrieden und lehnten den Schiedsspruch ab. Die Herren klagen fortgesetzt über Schmutztonkurrenz durch niedrigere Preise, suchen ihre Mindc st preise sc st zuhalten, nützen jedoch die große Arbeitslosigkeit der Gehilfen und Gehilfinnen durch rücksichtslosen Lohndruck unter der Hand aus. Do auch die organisierte G e h i l f e n s ch a s t am Daimcrstag die Ablehnung des Schiedsspruches beschlossen bot. ist im Berliner Friseurgewerbe der Zustand erreicht, den die Innungen herbeizuführen suchten, die Tariflosigkeit, die ihnen nur injofcrn unangenehm ist, als damit die gesetzliche achtstündige Arbeitszeit nicht mehr überschritten werden darf, über die der Tarifvertrag hinausging. Keierfchichien und Tarifvertrag. Eine grundsätzliche Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts. Das Rcichsorbeitsgericht verhandelte kürzlich in dem Rechtsstreit den die Eisenbahner schon seit Monaten gegen die Reichs bahngcsellschaft führe» wegen der Einlegung von Feier- schichten. Es handelt sich besonders um die?l u s l c g u n g des ij 3 des L a n d e st a r i f v e r t r a z c s für die Arbeiter der Deut- schcn Reichsbahn-Gesellschaft. Die 840 Kläger erblicken in der Borschrift zugleich eine Zusicherung einer 48 stündigen Beschäftigung mit entsprechendem M i n d e st v e r d i« n st. Die Reichsbahn ist anderer Ansicht. Sie hält es für zulässig, durch Einzelarbeits vertrage die Einlcgung von Feier- schichten zu vereinbaren. Die klagenden Eisenbahner berufen sich sür die Unabding- b a r k e i i der ihrer Meinung nach tariflich zugesicherten 48stiindigen Bcschästigungszeit auch aus die Verfügung des Rcichsverkehrs- Ministers vom 6. Dezember 1923, in der gesogt wurde, es erscheine nicht angängig, entbehrliche Kräfte im Wege der Kurzarbeit weiter zu beschästigen, zumal sich die A r b e i t s st r c ck u n g mit den eigen- artigen Verhältnissen des Reichsbahnbetriebs und dem unbedingten Erfordernis einer wirtschasllichen Bctriebsführung nicht vertrage. Ferner wird aus dem Zusammenhong mehrerer tariflicher Bestim mungen die Berechtigung der Auffassung der Kläger bcrgelcitet. Das Landesarbeitsgericht in Dresden hat zugunsten der R e i ch s b a h n- G c j e l l j ch a s t in diesem Rechlsstreit entschieden. Gegen dieses Urtell kämpft der Verband der Eisenbahner mit der Revision an. Dos Reichsarbcitsgcricht entschied sich jedoch für die Zurückweisung der Revision. 6,2 Millionen Arbeitslose in Amerika. Der amerikanische Gewerkschostsbund beziffert die Zalil der amerikanischen Erwerbslosen im Augenblick aus 6,25 Millionen Menschen. Er fordert zur Behebung der Not eine radikale Herab- sctzung der Arbeitszeit. Das Jahreseinkommen der amerikanischen Arbeiterschaft ist im Jahre 1931 im Bergleich zu dem des Jahres 1929 um durchschnitt- lich 32 Proz. gesunken, während die Lebenshaltungskosten nur um 12 Proz. zurückgegangen sind. Arbeitslosenkorrektur in England. London, 20.?Iovember. Die Zahl der Arbestsloscn betrug am 9. November 2 6 83 9 2 4, das sind 27 020 weniger als am Ende der vorhergehenden Woche. Der Hauptgrund dieses Rückganges liegt darin, daß viele Gesuche um Allfnahme in die Arbeitslosenlisten abgelehnt worden sind. Es wurde eine strengere Kontrolle der Unterstützungsempsänger vorgenommen und dabei Taufende von Personen als nicht mehr unterstützungsberechtigt aus den Listen gestrichen. Ein genauer Ueberblick über den Umfang der Slrbeitslosigksü ist nur möglich, wenn die Zahl der Arbeitslosen und die der unterstützten Arbeitslosen getrennt angegeben wird. ver Vauarbeiler Willy Schulz, wohnhaft Neukölln, Prinz- Handjery-Straße 16, bittet uns mitzuteilen, daß er mit deni Schwindler der Notiz„Ein Schwindler" in Nr. 541 nicht identisch ist._ # Freie Gewerkschafts-Zugend Berlin Heute um 19Z) Uhr tagen die Gruppen: Flughafen: Iugcndheb» Flug. hafcnstr. 68. Diskussion:„Die Sozialversicherung".— Ssidostlreis: Wochencndiursus in der Jugendherberge Riioersdorl.„Die Wirtschaii und ihre Entwicklung".— Rardkrcis: Jugendheim Bilidcnowstr. ö, Zimmer 9. . Entwicklung der Wirtschaft bis zur Gegenwart."— Zugendgruppe des Deut- schea Teztilarbcitcrperbandcs: Gewerlschaslohaus, Saal I.„Jugend, und Eltern- abend".— Aeltcrcnkursus: Schulreum. Gcwerkschaftshaus.— Morgen Eonntcg. folgende Veranstaltungen: Rardlreis: Jugendheim Willdenowstr. 5. Lustiger Gruppenwettstrett.— ostlrcis: Zugendheim Große Frankfurter Str. IG. Kreis. mitaliederoersammlung.— Ssidkreis: Jugendheim Bergstr. 29.„Dir stellen was hin.- Sugeadgruppe Gesamtoerband: Fahrt nach Erkner— Nildersdorf. Treis. punkt 7*4 Uhr Bhf. Etralau-Rummelsburg, Eingang Sonntagstraßc. Verantwortlich fsir Politik: Victor Schis?: Dirtichakt: G Klln.gelh'Icr: Gcwcrkschaftsdeweaung: Z. Steiner! Feuilleton: Dr. Aoda S bikowsli: Lokale» und Sonstiges: Frist Karstadt: eiiiicigen: Th. Glocke: sämtlich in Berti». Verlag: Vorwäris-Verlag G m b. H.. Berlin. Druck: Borwärls-Buck druckcre! und Lcrlogsanstalt Paul Singer u. Eo„ Berlin 6® 68, Liudcusiruße it. Sita« 3 Beilagen.