BERLIN Montag 23. November 1931 10 Pf. Nr. 548 B 274 48. Lahrgang Erscheint tSzlrch außer Sonntag«. Zugleich We-d-utgabe de«..Borwärt«'. B-,llg«vrci« für beide Zlu«g»ben 85 Pf. pro Woche, 3.60 Ott. pro Mouul (davon 93 Pf.««»atlich für Zustellung in« Hau«) im vorau« Üttldar. P-stb-iug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. Postjeitung«- und 72 Pf. Postbcstellgebühreu. fflbwadi Nntelgenvrel«: Die edrsvallige Nonvareill-jeile W Pf., bieilameieUe 3 W. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto! Borwärtt-Berlug m. d. H.. Berlin Rr. 37330.- Der Berla, behält stch. da« Recht der Ndlchnuug nicht genedmer ilnieige» rar' Redaktion und Erpeditlon: Berlin DW6S. Lindenstr 3 Eernsv recher: Dönboss fst 7) 292- 297 Verständigung unmöglich! Gewerkfchastsprotest im Wirifchaftsbeirat Di« Veralungen des Virtschafksbeirals haben heule mikkag ein unfriedliches Ende genommen. Nach der Verlesung des Exposes des Reichskanzlers, das die Arbeiteu des Virtschoftsbeirales und ihre Ergebnisse zusammenfahl. gab Genosse Peter Grahmann im Namen der Vertreter sämtlicher gewerkschaftlichen Spihenorga- nisationen. das heihl sowohl des Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaflsbundes und des AsA-Bundes, als auch de» C h r i st l i ch e n Gesamtverbandes wie der Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften eine scharf formulierte Er- klärung ab. Die Erklärung betont, dah die verlreker der Gewerk- schaflen der Einladung des Reichspräsidenten gefolgt seien.> um im wlrlschaftsbeiral. wie es in der Einladung hieh. ein wirtschaftlich wirksames und sozial gerechtes Wirt- schaftsprogramm aufzustellen und durchzuführen, dessen Ziel sei. die Arbeitslosigkeit zu mindern, die Produktionskosten zu verringern und die Lebenshaltungskosten herabzusetzen. Indessen. sagte Grahmaun, hätten die Beratungen im Wirt- schaftsbeirat gezeigt,'dah über die ZNittel und Wege zu diesem Ziel elve Verständigung uicht möglich fei. Die Gewerkschaften könnten deshalb auch den Schluß- folgerungen des Reichskanzlers nicht zu- stimmen. Grahmann wies unker anderem besonders darauf hin. dah der wirtfchaftsbciral nicht die gesetzliche Festlegung der 40- S tun den- W o che mit E i n st el l u n g s z w a n g ausgesprochen habe. Besondere Bedenken hätten die Gewerk- schaften auch in der Frage der Handhabung des Schlichtungswesens und der Verbindlichkeils- erklärung. Das Expose des Reichskanzlers über die Absicht, einzelne preise herabzusetzen, biete weder die Wog- lichkeit. die Lebenshaltungskosten in ausreichendem Maße zu senken, noch könne dadurch die Belebung der Wirtschaft herbeigeführt werden. Die Getreideprelse, erklärte Grahmann weiter, überschreiten in Deutschland die Weltmarktpreise um das Dreifache, hier mühte zunächst die Preissenkung unter anderem durch die Verminderung der großen Handelsspanne einsetzen. Wie die Dinge heute liegen, müssen die Gewerk- schaften befürchten, dah die Senkung der Gestehungskosten einseitig zu Lasten der Löhne und Gehälter erfolgt. Die weitere Schrumpfung der Saufkraft, die sich daraus ergeben müsse, würde sich sozial und wirtschaftlich verhängnisvoll auswirken. Die Gewerkschaftsvertreter verlangen deshalb von der Relchsregierung. daß sie an der Ursprung- lichea Zielsetzung des Wirtschaflsprogrammes festhält und unker keinenllmständenZNahnahmen trifft. die die Saufkrafl der breiten Massen noch weiter schwächen würden. Nach dieser Erklärung der Gewerkschaften ergibt sich ein starker Gegensah nicht nur zwischen Arbeitgebern und Ar- beitnehmern. sondern auch zwischen den Gewerkschaften sämtlicher Richtungen und der Regierung Brüning. Schlußsitzung des Wirischastsbeirais. Heber die heute unter dem Lorsitz des Reichspräsidenten ab- gehaltene Schlußsitzung des Wirtschaftsbeirats wird amtlich u. a. berichtet: Reichskanzler Dr. Brüning berichtete über den Verlauf und das Ergebnis der Beratungen, worauf Reichsbankpräsident Dr. Luther und die zunächst beteiligten Reichsminister und Mit- glieder des Wirtschaftsbciratcs ergänzende Ausführungen machten. Wie die Reichsrcgierung bei Einberufung des Wirtfchastsbeirats und erneut im Laufe feiner Verhandlungen erklärt hat ist sie sich ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung voll bewußt, in eigener Verantwortung die für die Gesundung der Wirtschaft not- wendigen Maßnahmen beschleunigt zu treffen. Die Arbeiten des Wirtfchastsbeirats bieten für die bevorstehenden Entschließungen der Reichsregierung w c r-t v o l l c Anregungen, denen be- stimmt« grundsätzliche Auffassungen zu entscheidenden Fragen der inneren deutschen Wirtschaftspolitik zugrunde liegen. Reichskanzler Dr. Brüning faßte das Ergebnis der in den Ausschüssen des Wirtschaftsbeirats an der Hand sorgfältiger Frage- stellung getätigten Arbeiten folgendermaßen zusammen: 1. Die Aufgabe. Der Wirtschaftsbeirat schloß sich der Auffassung der Reichsregierung, wie sie in dem Briefwechsel zwischen dem Herrn Reichspräsidenten und der Rcichsregierung vor Zusammenberusung des Wirtschaftsbeirats und der Eröffnungsrede des Herrn Reichs- Präsidenten zutage getreten sei, an, daß der Sinn der in Aussicht zu nehmenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen der sein müsse, zur Verminderung der Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Auswendungen der gesamten Wlrlschasl in weitem Maße an die teils durch Währungsveränderuagen, teils durch andere Gründe bedingten Preisentwicklungen aus dem Weltmarkt und an die Vermögens- und Einkommcnslage in Deutschland anzu- paffen, unter Abstimmung der einzelnen Aufwendungen und Werte aufeinander. Der Wirtschoftsbeirat stellte sich hierbei auf den Boden der Reichs- regierung. daß jegliche Ma tznah in«n-inflatio uisl i fchen Charakters entschieden abzulehnen und daß diese Aufgaben durch einen umfassenden Plan in sich geschlossener und einander bedingender Maßnahmen zu lösen seien, wobei diese Maßnahmen wegen ihrer Abhängigkeit voneinander, soweit irgend möglich, nicht nur alsbald, sondern auch gleichzeitig getroffen werden müßten. Für den Erfolg dieser Maßnahmen wäre die baldige Beendigung der internationalen Deflation von wesentlicher Bedeutung. 2. Notwendige Voraussetzungen. Der Wirtschaftsbeirat Hot auf Wunsch der Reichsregierung Fragen der ö f f e n t l i ch c n Etats- Wirtschaft in Reich, Ländern und Gemeinden im einzelnen nicht erörtert, ist aber mit Reichsregierung und Rcichsbonk der Geheimurteil von Leipzig. Zwei Gchrifisteller wegen Landesverrats zu je l1/, Fahren Gefängnis verurteilt.—Völliger Ausschluß der Oesfentlichkeit Leipzig, 23. November. In dem Landesoerratsprozeß gegen den Heraus- geber der„Weltbühne", von Ossictzky, und den Journalisten Walter Kreiser als Bersasscr des unter Anklage gestellten Etatkritikartikels„W indiges aus der deutschen Luftfahrt" hat das Reichsgericht heut« mittag folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagten werden wegen Verbrechens gegen 8 1 Abs. 2 des Gesetzes gegen den Verrat militärischer G e- h e i m n i s s e jeder zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und zur Tragung der Kosten verurteilt. Der Artikel„Windiges aus der deutschen Lustfahrt" in der Zeitschrist„Die Weltbühne" nebst den zu seiner Herstellung bestimmten Formen und Platten ist gemäß§ 41 Abs. 2 Strafgesetzbuch unbrauchbar zu machen. Sodann verkündete der Vorsitzende noch folgenden Gerichts- beschluß: Da die tatsächliche und rechtliche Würdigung des inkriminierten Artikels durch das Gericht naturgemäß nicht er- folgen kann, ohne die in Rede stehenden geheimen Nachrichten zu erwähnen und zu beleuchten, hat der Senat gemäß§ 173 Abs. 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes beschlossen: Für die Verkündung der Urteilsgründc wird die Oesfentlichkeit ausgc- schlössen, da sie eine Gefährdung der Staatssicherheit besorgen läßt. Es wird den Herren Sachverständigen des Reichswehr- Ministeriums gestattet, der Verkündung der Urteilsgründe bei- zuwohnen. Das Reichsgericht hat während der ganzen Verhandlung die Oesfentlichkeit ausgeschlossen und den Beteiligten Schweige» Pflicht auferlegt. Es ist deshalb nicht möglich, zu den Gründen des Urteils Stellung zu nehmen, da man sie nicht kennt. Bekannt aber ist, daß der zur Beurteilung stehende Artikel sich mit dem Etat des Deutschen Reiches beschäftigte und nach Ueberzeugung der Angeklagten nicht über den Nahmen hinausging, der der öffentlichen Etatkritik gezogen ist. Durch die Einleitung und Durchführung dieses Geheimprozesses, besonders durch die Höhe der ver- hängten Strafen, wird jetzt der Eindruck erweckt, als wären im Reichsetat Dingo vorhanden, die der öffentlichen Kritik nicht standhalten könnten. Auffassung, daß erste Voraussetzung einer Wiehergesundung der deutschen Wirtschaft der Ausgleich der Haushalte im Reich, bei der Reichsbahn, in Ländern und Gemeinden ist, da auch eine gesunde Privatwirtschaft erst auf dem Boden einer ge- sunden Staatswirtschast erwachsen könne. Hierbei herrschte llebereinslimmung darüber, daß aus die Dauer die deutsche Wirtschaft nicht in der Lage sei, össentliche Lasten in der jetzigen höhe zu tragen. Ferner sei es zur Wiedererweckung und Festigung des Ver- tremens in die deutsche Wirtschaft im In- und Ausland notwendig, daß außer der dringend gebotenen Klärung der Reparationsfragen rechtzeitig vor Ablauf des Stillhalteabkommens eine Neu rege- lung über die in Deutschland investierten aus- ländischen Kredite hinsichtlich Verzinsung, Amortisation und Sicherstellung geschaffen werde Der Wirtschastsbeirat verweist hin- sichtlich dieses Punktes auf die bereits abgeschlossenen Arbeiten seines zunächst eingesetzten Unterausschusses in Zusammenarbeit mit der Rcichsregierung Für eine weitere Behandlung dieses Problems, die vermutlich erforderlich werde, stellt sich der Wirtschastsbeirat durch seinen Unterausschuß derfi deutschen SchnldMrkomitee weiterhin bereitwilligst zur Verfügung. Uebereinstimmung zwischen Reichsregierung und Wirtschafts- beirot bestand darüber, daß eine weitere notwendige Boraussetzung umfassender wirtschaftlicher Maßnahmen eine baldige und klare Regelung des Verhältnisses zwischen der öffcnflichcn Hand und dem privaten vankcnsystem sei, weil die im Juli d. I., in dem Monat der Bankenkrise, ge- trofsenen notwendigen Regelungen selbstverständlich nur als Pro- visorium anzusehen sind. 3. Preisbildung. Im Rahmen der unter Ziffer 1 umschriebenen Aufgaben des Wirtschaftsprogramms liegt nach Auffassung des Wirtfchastsbeirats in erster Linie eine Einwirkung aus Preise und Löhne. Unter Lockerung der Bindun- gen, die auf beiden Gebieten bestehen, werden sie in Uebcrein- stimmung miteinander gleichzeitig herabgesetzt werden müssen, um eine unerträgliche Schrumpfung der Kaufkraft zu vermeiden. Ins- besondere sind die gebundenen Preise einem neuen Preisniveau an- zupassen. Eine systematische Aufhebung sämtlicher Preisbindungen wird jedoch zur Erreichung dieses Zieles nichl empfohlen: auch sind die erforderlichen Preissenkungen tunlichst nichl durch eine prozentuale gleichmäßige Permindung der gegenwärtigen Preise und Preisspannen herbeizuführen. Dagegen sind Richtlinien aufzustellen, nach denen eine dem neuen Wertnioeau entsprechende Preislage bei allen gebundenen Preisen herbeigeführt wird, die bisher auf einem zu hohen Stande beharren. Sofern eine freiwillige Anpassung der Preise an diese Richtlinien nicht eintritt, erscheint eine sofortige Aufhe.bung der Bindungen erforderlich. Bei der Erörterung der Preise stellte der Wirtschastsbeirat fest, daß die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Güter in weitem Ausmaße unter dem allgemeinen Preis- Niveau liegen. Der Wirtschastsbeirat hält daher einen Ausgleich und eine Verringerung der in vielen Gegenden noch besonders hohen Preisspannen für geboten. Hierbei wäre nach englischem Beispiel die Einsetzung von Ausschüssen erwägenswert, die an Hand der Welt- und Großhandelspreise die angemessenen Klein- Handels- und Vergleichspreise mit anderen Bezirken veröffentlichen. Ebenso erscheint dem Beirat die Anregung beachtlich, daß durch Aus- hänge in den Läden und anderen Borkehrungen die Preise ins- besondere der Lebensmittel, öffentlich bekanntgegeben werden. Im Rahmen eines ausreichenden Gesamtprogramms erschrint eine entspreclzende Senkung von Löhnen und Gehältern unvermeidlich. Dabei muß der Grundsatz des Tarifvertrages er- halten bleiben. Auch könnte er ohne die gesetzliche II na b- d i n g b a r k e i t seine wichtigen sozialen und wirtschaftlichen Auf- gaben nicht erfüllen. Auch aus dem Gebiete des Schlichtungswesens erscheinen gesetzliche Aenderungen zur Zeit nicht erforder- lich, dagegen ist eine veränderte Handhabung notwendig. Insbesondere soll die Verbindlichkeilserklärung durch Stärkung der Zusammenarbeit und Setbstverantwortung der Tarisparleicn eingeschränkt werden. Der JnhaU der Tarifverträge muß sich mehr als bisher der wirtschaftlichen Entwicklung anpassen, damit in der bedrängten Lage her Wirlschaft und bei dem geringen Grad der Beschäftigung Gr- leiäfterungen erzielt werden können. Bei dieser Auflockerung der Tarifverträge sind örtliche Verschiedeicheiten, zeitliche Aenderungen, brnnchenmäßige und betriebliche Unterschiede, die Leistungsunter- schiede der einzelnen ArbcitneHmerkategorien insbesondere zu berücksichtigen. 4. Kredit und Zins. Der Wirtschoftsbeirnt bekräftigt die Auffassung der Reichsregierung und der Reichsbank, dafz alle Mahnahmen abzulehnen sind, die zu einer Inflation führen könnten. Er ist demzufolge der Lliisfasftmg, das; alle notwendigen Kredit- maßnahmen in: Rahmen der Organisationen der Reichsbant durch- geführt werden nnissen. Der Zeitpunkt für geeignete Mohnahmen der Reichsbank auf diesem Gebiete hängt davon ab, daß es gelingt, die Voraussetzungen für die Wiederherstellung der Wirtschaftlichkeit der Unternehmungen zu schassen und dadurch das Vertrauen zur deutschen Wirtschaft im In- und Ausland auf breitester Basis wieder zu beleben. Es erscheint dem Wirtschaftsbeirat erforderlich, daß dann sofort die Reichs baut ihre Kreditpolitik dieser neuen Lage anpaßt und dadurch die Beschästigungs- Möglichkeiten der Wirtschaft erweitert. Aufgabe der Reichsregierung und Reichsbant ist es auch, alle erforderlichen und möglichen Maß- nahmen zur Stärkung des Devisenvorrats zu treffen. hinsichtlich der Zinsen ist der Wirlfchaflsbeirat übereinstimmend der Auffassung, daß eine Senkung des Zinsniveaus für die gesamte deutsche Wirtschaft von, Geldmärkte aus als unbedingt notwendig anzustreben ist. Aus dem Geldmarkt sind die Zinsen der Einlagen bei den Kreditinstituten die Grundlage der Zinsen für die Darlehen, die diese gewähren. Um in der schweren Zinsbelastung der Wirtschast Erleichterungen zu schassen, müssen deswegen die haben- zinsen aus einen angemessenen Satz ermäßigt werden. Gleichzeitig sind die Zinsspannen zwischen den 5)abenzinssn und den Zinsen der Ausleihungen zu verringern. Senkung des Zinsniveaus auf dem Kapitalmarkt in Wechsel- Wirkung zu den Zinsermäßigungen auf dem Geldmarkt hält der Wirlfchaflsbeirat für dringend erwünscht. Die Ansichten über die Wege, die zu diesem Ziele führen können, waren geteilt. Einmütig aber wünschte der Beirat eine Einfluß; nähme der Reichsregierung aus die großen Träger des langfristigen Kredits, damit diese unter Rücksicht- »ahme auf die bei Durchführung des Wirtfchaftsplanes zu schaffende neue Lage auch ihrerseits bei Verlängerung von Hypotheken den Zinsfuß ermäßigen, und daß sie dabei von Erhebung besonderer Gebühren abschen. 5. Oeffentliche Tarife. Zur Herabsetzung der allgemeinen Lebens- h.iltungskosten, die bei Senkung von Löhnen und Gehältern zu einer unbedingten Notwendigkeit wird, ist vor allem eine Senkung der Tarife der össentlichen Unter- nehmungen erforderlich. Der Wir>s6)ajtsbeirat erkennt an, daß in dieser Hinsicht die R e i ch s- bahn ihre tatkräftige Mitarbeit zugesagt Hot. Wenn auch«ine Senkung der Personentarife und eine allgemeine Senkung der Frachten nicht möglich erscheint, so ist die von der Reichsbahn in Aussicht gestellte Senkung der Reichsbohntarise ftir einzelne für die Volks- Wirtschaft besonders wichtige Güter von größter Bedeutung. Der Wirtschastsbeirat hat davon zustimmend Kenntnis ge- Nammen, daß die Reichsregierung es als ihre nnabweislich« Aufgabe ansieht, durch nachdrückliche Einwirkungen ans die zuständigen Landes- und Komm» n albehörden auf eine fühlbare Herabsetzung aller übrigen äisentlichen Tarife, vor allem bci Straßenbahn, Gas und elektrischem Strom hin- zuwirken, um aus diese Weise Fehlbeträge, die etwa zunächst ein- treten, durch Konsumsteigerung auszugleichen. V. Wohnungswirtschaft. Der Wirtschastsbeirat hält eine her- nbsetzung der Mieten durch Zlnpassung an die verminderten Einkommen für unbedingt geboten. Auch durch Aenderung der Bestimmungen über die Wohnungszwangswirtschast kann den Plänen der Reichsregierung entsprechend diese Bewegung wirksam unterstützt werden. Diese Pläne gehen dahin, den Abbau der Wohmmgs- zwangswirtschaft enger als bisher an die wirkliche Lage auf dem Wohnnngsmarkt anzuschließen, was nicht nur für neue, sondern auch für bestehende Mietverhältnisse zu gelten hat. Die Termine für das Ende der Wohnungszwangswirtfchaft sind zweckmäßigerweife weiter vorzurücken. Voraussetzung dafür ist aber die Sicherstellung eines sozialen Miel- rechts, insbesondere für die Inhaber der kleinen und kleinsten Woh- nungen und kinderreiche Familien. Ebenso tritt der Beirat den Plänen der Reichsregierung hin- sichtlich des h a u s z i n s ft e u e r p r o b l e m s bei. hiernach muß lfcefes sofort und endgültig geregelt werden, wobei allerdings eine sofortige völlige Aufhebung nicht möglich erscheint. Jedoch ist ein gestaffelter Abbau wünschenswert mit der Maßgabe, daß die Ablösung mit sofortiger Wirkung möglich ist. Ferner er- scheint eine Arbeitsbeschaffung aus Mitteln der hauszinssteuer zwecks erleichterter Vornahme von Reparaturen für möglich und geboten; hierbei erscheint eine Nachprüfung der vollzogenen Rcpara- turen, gegebenenfalls durch die zuständige Handwerkskammer, zweck- mäßig. 7. Bankenorganisation. Im Rahmen eines Gesamtwirtschafts- Programms spielen Fragen der Organisation des Bankwesens und der Verteilung der bankenmäßigen Ausgaben unter die verschiedenen Gruppen der Kreditinstitute eine erhebliche Rolle. Die in den Jahren nach dem Kriege, insbesondere in der Inflationszeit eingetretene Entwicklung des deutschen Bankwesens hat in Verbindung mit der ollgemeinen Lage am Geld- und Kapitalmarkt zu bedenklichen Erscheinungen geführt, denen die Regierung ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden muh. hierbei ist insbesondere auf Stär- kung der örtlichen Krediteinrichtungen im Interesse einer aus- reichenden Versorgung der mittleren und kleinen Unternehmungen Bedacht zu nehmen. Die Erreichung dieser Ziele wird größlentells nur im Wege freiwilliger Vereinbarung zwischen den Beteiligten möglich sein. 8. Landwirlschast. Bei den Erörterungen über die Lage der laudwirtschastlicheii Betriebe, die bereits in Ziffer 3 berührt worden ist, nimmt der Beirat von dem Grundgedanken der Siche- rung der Ernte imOsthtlscgebiet Kenntnis. Da schon im Interesse der Bolkscrnährung die ordnungsmäßige Fortführung der Betriebe mit ollen verfügbaren Mitteln sichergestellt werden muß, hielt der Ausschuß eine Prüfung für geboten, wie weit diesem Erfordernis auch in den anderen Gebieten des Reichs Rechnung zu tragen ist, ohne aber die Kreditlage der Landwirtschaft zu ver- schlechtcrn und die Kreditgeber zu gefährden. Der Reichspräsident schloß darauf die Tagung des Wirtschafts- beirats mit einer kurzen Ansprache. Bestechungsskandal in Potsdam Logenbrüder, die einander in die Hand spielen Bezirksverardnelensroktion Charlotten bürg, heute, WA Uhr, Frakrionssitzung mit Bürgerdeputierten im Rathaus Charlottenburg, Zimmer i. (Sin Bcstcchungsfkandal am Potsdamer Tief- b a u a m t. der bis jetzt zur Verhaftung des Stadtbau- amtmanucs Kiesling und des Architekten G e r b r a et; führte, hat dir Potsdamer Bürgerschaft stark beunruhigt. Der Skandal kam, wie wir erfahren, nicht ganz überraschend, denn schon seit zwei Jahren ging das Gerücht um, daß der Stadt- bauamtmann Kiesling, der Mitglied der Sanssouci-Loge in Potsdam ist, nur die Unternehmer bevorzugt, die gleichfalls in dieser Loge sind. Diese Handwerker und Bauunternehmer sollen bei Vorlegung der Abrechnungen auf keinerlei Schwierigkeiten bei ihrem Logenbruder, gestoßen sein, obwohl die Voranschläge zu den vor- gelegten Abrechnungen in keinem Vergleich standen. Der Fall der Restaurierung der heiligengei st- Kirche in Potsdam, wozu die Stadt beträchtliche Mittel aufgewandt hat, ist besonders schrosf. Die Arbeiten zogen sich zum Aerger der Potsdamer Einwohnerschaft jahrelang hin. dabei soll ein Klempnermeister in Potsdam, der den Kirchturm ausbesserte, so reich geworden sein, daß er sich ein Haus. Autos und anderes mehr anschössen konnle, obwohl er früher mittellos war. Auch er war ein Logenbruder von Kies- l i n g. Der Durchstich zu„Wald Potsdam" kostete drei- bis viermal soviel, wie bei der Submission angegeben war. Einmal war ein Durchstich in Potsdam durchzuführen, den aber nicht der Mindest- bietende, sondern wieder ein Logenbruder des verhafteten Kiesling übertragen erhielt. Das Finanzamt in Potsdam geht jetzt den Dingen mit oller Schärfe nach. Auch einem benachbarten Finanz- amt hatte ein Bauunternehmer etwa 140 000 Mark Schmiergelder gegeben, davon soll die Hälfte nach Potsdam gegangen sein. .Noch ein weiterer Bauskandal wird in Potsdam viel erörtert. Die Potsdamer Schützengjlde hat sich aus städtischen Mitteln die Rawitzburg in Wald Potsdam erbaut. Bei diesem Bau haben sich die Schützcnbrüder gegenseitig betrogen. Sie gerieten in Geld- schwicrigkciten, und die Stadt Potsdam bewilligte den Schützen- brüdern ein Darlehen trotz Widerstandes der Sozialdemokratie. Jetzt stellt sich heraus, daß die Potsdamer Schühengilde derart wacklig steht, daß der wagistral ihnen ihre goldenen Schützenketten. die Silbergeschenke der hohenzollernprinzen und die silbernen Ehrengeschenke gepfändet hat. Ketten und anderes Silberzeug sind in die städtischen Tresors gewandert, und beim Königsschießen müssen sich die Schützenbrüder ihre Amtskcttcn gegen Quittung ausleihen. Wie wir weiter hören, soll bei der Baliabrechnung des Schützen- Hauses eine Anzahl Belege verschwunden sein. Oer Skandal zieht wettere Kreise. Aus Potsdam hören wir weiter, daß neben Kiesling und Gerbracht noch andere Beamte des Städtischen Tiesbauamts in die Bestcchiingsaffäre verwickelt sind. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei werden von Kriminalrat Degener und Kriminalkommissar Dr. Renan geführt und haben am Sonn- tag weitere interessante Feststellungen zur Folge gehabt. Die Tiefbausirina Gustav Dübener in Michendorf, Pots- damer Str. IIa, hatte durch össentlichen Wettbewerb den Durch- stich des Potsdamer Brauhausberges übertragen erhalten. Damals war Stadtbauanilmann Kiesling bereits Leiter des Städtischen Ties- bauanits. Der Kostenanschlag der Firma soll unter dem der übrigen Konkurrenten gelegen haben. Bei sachgemäßer Prüfung hätte aber sestgestellt werden müssen, daß die anderen Firmen weit l e i st u n g s s ä h i g e r waren und deshalb im Grunde auch preiswerter hätten arbeiten können. Daß dein so war, hat sich später auch herausgestellt: die Firma Dübener berechnete auf der Grundlage von Einzelkouten eine Gesamtsumme, die der Stadt lenrer zu stehen kam als die Angebote der nicht herangezogenen Firmen. Diese Abrechnung ist von Kiesling gezeichnet und durch die Käste ausgezahlt worden. Inzwischen hat der Magistrot den Lerwestungsoircktor Weise vom Städtischen Tiesbauamt Potsdam als Sachverständigen zur Prüfung der Rechnungen berufen. Die Erstattung des Gutachtens wird in frühestens drei Wache» möglich sein, da es sich um sehr umfangreich« Rechnungen handelt. Vor allem interessiert sich die Polizei für die Feststellung, woher die 150 000 M. stammen, die Kiesling erhalten hat. Der verhaftete Stadtbauamtniann oerweigert über die Herkunft jede Mit- teilung. Weitere Verhaftungen fallen bevorstehen. Alan spricht von fünf Potsdamer Bauunternehmern und von vier städtischen Baubeamtcn. Schon heute vormittag sind Mogistrat und Stadtverordnete von Potsdam zusammengetreten, um über die ersten notwendigen Maß- nahmen zu beraten. Man spricht davon, daß auch beim Bau des st ädti scheu Krematoriuins Durch st echereien stattgefunden haben. Ein Potsdamer Bauunternehmer soll schon vor einem Jahre erklärt haben, er hätte die ganze Stadtverwaltung in der lasche. Das Eingreifen des Magistrots ist durch das Finanz- amt in Potsdam hervorgerufen worden. Dübener hatte schon vor einem Jahre bei seiner Steuererklärung nicht weniger als 140 000 Mark werbungskosten angegeben, lieber diese auffallend hohe Summe befragt, hatte er sronk und frei erklärt, daß es sich um Schmier-- gelder für die Potsdamer Stadtverwaltung handle. Er habe an solchen Ausgaben nicht weniger als 80 000 M. zu ver- zeichnen gehabt. Damals hoben die Ermittlungen des Potsda>n.'.r Magistrats angeblich zu keinerlei Ergebnissen gesührt, die irgendwelche Weiterungen hätten zur Folge haben müssen. Inwieweit der Potsdamer Magistrat und an seiner Spitze Oberbürgernieister Dr. Rauscher ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind, wird selbstverständlich gleichfalls Gegenstand einer genauen Untersuchung sein. In Potsdam spricht man davon, daß bei ge- nauerer Beobachtung der Aussichtspflichten der Skandal schon früher hätte aufgedeckt werden müssen. wie uns aus Kreisen des Berliner Magistrats milge- lellt wird, hat die Bansirma Dübener vor mehreren Jahren im Austrage der Stadl Berlin beim Bau der Rordsüdbahn, und zwar beim nördlichen Teil der Seeslrahe, mitgewirkt. Cs Hondelle sich um eine Strecke von 400 Meter Länge. Eine Schädigung Berlins ist nach den bisher'gen Feststellungen nicht eingetreten. Opfer einer Kamilientragödie Hotelchef erschießt Frau, Kind und sich selbst. In der Krügerstrafte 23 hat in der vergangenen Nacht der 33 Jahre alte Hotclpersonalchef Qtto Frick seine 28 Jahre alte Frau Hildegard, geb. Heben, und sein 13 Monate altes Töchtcrchen Ursula er» schössen. Dann tötete er sich selb st durch einen Kopfschuft. Frick war in einem Berliner Hotelkonzern in leitender Stellung tätig. Vor etwa vier Jahren heiratete F. und der Ehe entsproß das jetzt 15 Monate alte Töchterchen Ursula. Die anfangs har- manische Ehe wurde in den letzten Monaten sehr unglücklich. Die Dinge spitzten sich bald so zu, daß Frau Frick zu ihrem Anwalt ging und die Scheidungsklage einreichte. Trotzdem wohnten die Eheleute noch zusammen und teilten auch weiter das gemeinsame Schlafzimmer. Der Mann versuchte wiederholt, seine Frau umzu- stimmen und bat sie, die Scheidungsklage zurückzunehmen; feine Bemühungen scheinen aber vergeblich geblieben zu sein. Am Sonn- tag gegen 23 Uhr hörten Mieter des 5)auses Krügerstraße 23 in der Wohnung Fricks mehrer« Schüsse. Die Leute wurden stutzig, beruhig- ten sich dann aber wieder, da niemand von dem Ehezwist wußte und daher nichts Schlimmes befürchtete. Erst heute früh, als sich in der Wohnung Fricks überhaupt nichts regte, schöpften die Nachbarn Verdacht. Man rief den Vater der jungen Frau telephonisch herbei und ließ die Wohnung, da auf Klopfzeichen niemand öfsnete, durch einen Schlosser öffnen. Den Eintretenden bot sich ein er- schütternder Anblick. Zu seinem Vettchen wurde das Kind mit einem Kopfschuß tat ausgesunden. Zm angrenzenden Schlafzimmer lagen Frau Frick und ihr Mann ebenfalls mit Kopfschüssen loi in den Vellen. Die Verletzungen müssen auf der Stelle tödlich gewesen sein. In einem längeren Abschiedsschreiben teilt Frick die Gründe feiner Tat mit. Danach hing er mit abgöttischer Liebe an seinem Töchterchen und bei der bevorstehenden Scheidung hätte er mit einer Trennung von seinem Kinde rechnen müssen. Das hätte er nicht überwinden können, und darum habe er beide mit in den Tod genommen. Die Leichen wurden beschlagnahmt und ins Schauhous gebracht. Oer Vater als Mörder. Zm Keller des Hauses Krefelder Straße 7 in INoabil wurde der 26 Jahre alte Arbeitslose Hermann Block schwer verletzt aufgefunden. Im Krankenhause stellten die Aerztc fest, daß eine Kugel in die rechte Schläfe eingedrungen und an der linken Seite des hinlerkopfes wieder ausgetreten war. Ehe der junge wann noch verhört werden konnte, starb er. Räch den Angaben der ZNullcr soll sein Baler, der 56 Jahre alle Arbeiter Hermann Block. als Mörder in Frage kommen. Im Lause der Rächt wurde der olleBlockverhaflet. Zm Verhör bestreitet er seine Täterschaft und behauptet, daß sein Sohn Selbstmord verübt habe. Der Mann ist als Heizer bei der Firma Bolle beschäftigt, der Sohn, der bei derselben Firma tätig war, ist vor längerer Zeit abgebaut worden. Die Familienverhältnisse sind äußerst trübe. Bor einem Jahr wollte sich der alte Block von seiner Frau scheiden lassen. Sie willigte ab»r nicht ein. Jetzt schwebt ein Scheidungsversahren. das von der Frau ausgeht. Nach Angaben der Frau hat ihr Mann den Sohn erschosien. Die Möglichkeit, daß der junge Hermann, von den häuslichen Familienverhältnisse» abgestoßen, Selbstmord verübt haben kann, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Llnzulängliche Winterhilfe. Wo bleiben Kohlen und Kartoffeln für die Erwerbslosen? Der Reichskanzler äußerte sich am Sonntagabend im Rundfunk über die winlerhilfe, wobei er n. o. folgendes aussührte: „Die Reichsregierung hat ihrerseits olles getan, um der elementaren Not zu steuern. Sie betrachtet diese Ausgobe mich weiterhin als eines der dringendsten Erfordernisse. Länder und Gemeinden haben ihre Reserven im Kampf gegen das Elend ein- gesetzt. Die Reichsregierung ist sich aber auch der Tatsache wohl bewußt, dnß ihre Maßnahmen nur die unterste Grenze der Für- sorge darstellen können. Sie schützen den einzelnen vor dem oller- schlimmsten— dem Willen aber, auf dem Wege staatlicher Maß- nahmen weitere Hilfe zu bringen, steht die unerbittliche Tatsache gegenüber, daß staatliche Mehraufwendungen infolge der schwierigen Lag« der Staatsfinanzen nicht möglich sind."— Der Reichskanzler wandte sich im Verlauf seiner'Ansprache insbesondere an die Hilfs- und Opserbemtschast jedes einzelnen. Die Reichsregierung hol in letzter Zeil selbst wiederHoll er- klärt, daß in diesem Winter angesichts der großen Vorräte an Kartoffeln und Kohlen niemand in Deutschland zu hungern und zu frieren brauche. Talsächlich liegen auf den Halden der Zechen seil Atonalen ungeheure Mengen von Kohlen, für die in absehbarer Zeit kein Absah da ist und deren Kapilalwerl hoch verzinst werden muß. was die kartoffelu aobelaogt, so braucht man in diesem Winter nur davon abzusehen Spril za brennen. Diese Frage und dos Problem der Belieferung der Arbeitslosen mit kohle wird in der heule vorgesehenen Besprechung zwischen dem Reichskanzler und der Sozlaldemokrakte in aller Ansführlichkeil zur Deballe gestellt werden. Gklarek-prozeß vertagt. Willi SNaret erlrankt. Der Sklarek-Prozeß erlitt heute morgen eine unvorhergesehen« Unterbrechung. Es sollten der Stadtkämmerer K a r d i n g und Bürgermeister Scholtz vernommen werden. Es kam aber nicht dazu. Nach Eröffnung der Sitzung teilt« der Vorsitzende mit, daß Willi Sklorek ihm erklärt habe, er sei unpäßlich und könne deshalb der Verhandlung nicht beiwohnen. Er, der Vorsitzende, habe ihn deshalb zum Medizinalrat Dr. Stürmer zur Untersuchung ge- schickt. Die Sitzung werde deshalb bis 10 Uhr unterbrochen. Nach Wiedereintritt in die Verhandlung berichtete Medizinal- rat Dr. Stürmer über dos Ergebnis seiner Untersuchung: Willi Sklarck leide an verschiedenen chronischen Störungen, zu denen momentan ein« akute Darmstörung hinzugekommen sei. Es sei deshalb begreiflich, daß Willi Sklarek der heutigen Verhandlung nicht beiwohnen wolle und Bettruhe wünsche. Auf die direkte Fraze des Vorsitzenden, ob Willi Sklarek heute Verhandlung s- unfähig sei, erklärte der Sachverständige: Ja. Oberstaateanwalt Dr. Steinecker beantragte Vertagung der Verhandlung auf morgen. Rechtsanwalt Dr. Pindar richtete an Dr. Störmer die Frage."ob Willi Sklarek morgen verhandlungsfähig fein würde da der morgige Tag sich sehr anstrengend gestalten dürste und Gegenüber- stellungen notwendig»erden könnten. Dr. Störmer ist der Ansicht, daß der Angeklagte morgen vor Gericht werde erscheinen können. Die Sitzung wurde darauj auf msrgeu vertagt, Totenfeier auf dem Qarnifonfriedhof Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltete i an der Müllerstrahe. An den Gräbern der eigenen Opfer stellt- auch an diesem Totensonntag wie alljährlich unter starker Be- das Reichsbanner Ehrenwachen auf den verschiedenen teiligung ein« Gedenkfeier auf dem G a r ni s o n fr i e d h o i> Friedhöfen. Oer Tag der Toten Mdssenstrom zu den Kriedhöfen/ Die Gedenkfeiern Ein schöner, sonnenklarer Himmel wölbte sich über dem gestrigen Totensonntag. Schon vom frühen Morgen an waren olle Der- kehremiltel dicht beseht, aus allen Richtungen zog der Strom der Trauernden den verschiedenen Friedhöfen zu. Räch S l a h n s. darf und F r l e d r i ch s s e l d e. wo sich die größten Berliner Friedhöfe befinden, gab es ein lebensgefährliches Gedränge, trohdem dem starken Ansturm durch eine große Anzahl von Zügen Rechnung getragen war. Das schöne Wetter dürste auch dazu beigetragen haben, die Zahl der Fahrgäste erheblich zu steigern, während sonst der Hauplandrang erst in der Rilltagsstundc einsetzte, fuhr diesmal schon alles in den frühen Morgenstunden. Jeder wollte dos schöne Weiter ausnützen, um ein paar Stunden im Freien zu verbringen: das Kranz- und Blumcngcschäst hatte in diesem Zohr eine ganz besonders gute Konjunktur zu verzeichnen, es wurde be- � deutend mehr gekauft als im Vorjahr. ' Die Feier der Kriegsbeschädigten.> Der Plenarsaal des Reichstages zeigte gestern würdigen Schmuck der Trauer und der Totenehrung. Große Kränze, mit Schleifen in den Farben der Republik geschmückt, lagen vor der Rednertribüne ausgebreitet: der Reichsbund der i Kriegsbeschädigten ehrte am Totensonntag die Opfer des Weltkrieges. Die Eaoatine aus dem Streichquartett op. ZM von Beethoven. von den Gebrüdern Steiner vortrefflich wiedergegeben, bildete die weihevolle Einleitung. Dann trug Maria Schanda vom Staats- theater die wehmütig schönen Verse von Emma Döltz„Der Mutter Klage" vor. In der künstlerischen Vollendung, die wir seit langen Jahren schätzen, gab die T y p o g r a p l, i a Freiligraths„Friede den Schlummernden" nach der Weise von Max Bruch. Der Bundes- Vorsitzende P f ä n d n e r nahm das Wort zu feiner Gedenkrede, die zu einem ergreifenden„Vergiß es nie" ward.„Müttern ohne Zahl hat sich der Opfertod ihrer Söhne wie ein Schwert in die Seele gebohrt. Den Schmerz und den Verlust empfinden sie alle gleich tief— die am Rhein und die von den Alpen, die an der Donau und die an der Loire, die an der Wolga und die in den schottischen Bergen. Es liegt eine Schuld der Menschheit vor. Gibt es bei aller Klage noch Hoffnung? Kriege find Menschcnwerk, und weil sie das sind, so soll unser Glaube sein, daß sie durch die Menschen überwunden werden, llnvcrletzlichkeit des Lebens und die Pflicht, alle Schranken zu öffnen, die Freiheit und Kultur absperren, müssen Selbstverständlichkeiten werden. Alle Verontwort- lichen sollten die unzähligen Kreuze der Kricgstotcn in ihren Be- ratungszimmern und bei ihrer Arbeit immerdar vor chrem geistigen Aug« haben. Ernst ist die Mahnung, die das unendliche Opfer an die Jugend richtet! Die Toten rufen euch Jungen zu: Schafft eine bessere Welt ohne Krieg! Wirkt für die Wohlfahrt der Allgemein- heltl Uns alle ober mahnen sie, daß wir den Lebenden dienen sollen und den Hinterbliebenen der Gefallenen Helsen mit ollen unseren Kräften." Der 2. Sag aus dem Klavierquinteft ox>. 3-i von Brahms schloß . sich der mit Ergriffenheit aufgenommenen Trauerrede Pfändners an. Dann sprach mit hinreißender Leidenschast Heinrich Witte vom Staatsthcater Conrad Ferdinand Mayers„Chor der Toten". Wieder sang klangrein und erhebend die Typographia„Wir". Worte von Hermann Claudius. Weise von Walter Rein. Der ?. Satz aus dem Klavierquintett op. von Schumann bildete den- Abschluß der würdigen Feier, der neben den vielen Angehörigen Berliner Kriegsopfer auch zahlreiche Vertreter der Behörden und der Reichstagspräsidcnt beiwohnten. Reichsbanner denki der Gefallenen. Die Gefallenen-Gedenkfeicr, die d>e Ortsgruppe Wedding des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold auf dem Garnison-Friedhof in der Müller st raße veranstaltete, nahm einen stimmungsvollen Verlauf. Auf den Glocrcnschlag 1 Uhr marschierten die Züge der Weddingcr Käme- radc» aus den Kirchhof. Zwischen den Gräbern, wo die sterblichen Ueberreste der in die Heimat übergeführten Gefallenen liegen, wurde Aufstellung genommen. Rechts und links ein Katasalk, aus denen Fackeln brennen. Ringsum ein dichter, gedrängter Kreis von an- dachtsvollen Frauen und Männern. Die Musik spielt den Chopinschen Trauermarsch. Dann spricht der Vorsitzende, Kamerad Paul G u v s t y. Worte des Gedenkens Er erinnert daran daß die sechs Millionen Toten des Weltkrieges. von denen fast zwei Millionen Deutsche waren, nicht umsonst draußen geblieben sein dürfen. Sie starben für die Freiheit ihrer Heimat und diese Freiheft haben wft bis zum letzten Atemzuge zu schützn. Nach Guvfky sprach Pfarrer Kirchner. Er er- innerte die Mütter und Kinder au die bitteren Tränen, die sie vor 13 und 13 Jahren vergossen haben, und alle Menschen können nur wünschen, daß uns noch mehr Tränen erspart bleiben mögen. Dann senkten sich die umflorten Fahnen, die Häupter entblößten sich und über die Gräber verhallten die Klänge vom„Guten Kameraden". Inzwischen waren die Fackeln heruntergebrannt, die Reichsbanner- kamcraden formierten sich zuin geschlossene» Abmarsch. Hier haben die Standarten vor dem Kriegerdenkmal Ausstellung genommen, vor dem ein prächtiger Kranz des Reichsbanners liegt, hell leuchten die Farben der Republik über dos frische Grün. Dann ein letztes Defilieren der Massen und die schlichte, aber eindrucksvoll« Feier ist beendet. » In die F r i e d e n s k i r ch c, Ruppiner' Straße, hafte die Ortsgruppe Berlin-Rordcn des Volksbundes Deutsche K r i e q s�xä h q r f ü rsp r o e.zzz. qinrr Gedächtnisfeier für die Gefallenen des Weltkrieges eingeladen. Im Mittelpunkt der Feier stand ein Lichtbildervortrag„In fremder Erde im Vaterland", der über die Zlusgestaltung unserer KriegsgräberstäUcn im Ausland« durch den Volksbund berichtete. Von 2 Millionen Gefallenen ruhen nur 2iXl ODO in Deutschland, die übrigen in fremden Ländern. Auf 13 000 Friedhöfen verstreut über 40 Länder der Erde, zum Teil in Massengräbern. Die Pflege und Instandsetzung dieser Ruhestätten hat der Volksbund als eine Donkespflicht des deutschen Volkes seinen Gefallenen gegenüber übernommen. Die Zahl der Fried- Höfe, die der Volksbund bisher instandsetzen konnte ist noch klein, aber die Lichtbilder zeigten, daß in unermüdlicher Art, besonders in Frankreich, schon viel zur würdigen Ausschmückung getan wurde. Gchnitzler- Gedächinisfeier. (Schauspielhaus:„Liebelei". Das zweite Theater feiert bereits Schnitzlcrs Andenken. Er, der den deutschen Bühnen so viel Talent imd Stücke gegeben hat, wird nach feinem Tode lebendig gehalten. Schmitzlcr ivar der Dichter einer Wiener Bürgerlichkeit, der ironisch-skeprische, melancholische Gestalter eines Lebensgcfühles, das mit dem Bürgertum versunken ist, ein fein- diftercnzierter Psychologe, ein Spieler genießerischen, seiner selbst und des Todes bewußten Lebens. Als dichterischer Exponent einer kulti- gierten Klassenschicht und einer bestimmten Stadt hat er heute schon historische Bedeutung. Keine geeignetere Musik hätte den Abend einleiten können als Schuberts unvollendete II- M o l l- S i n f o n i e, die von den Mitgliedern der Staatsoper gespielt wurde. Welche Trauer, eine fast süße Elegie und dazwischen wieder der Ruf des Lebens charakteri- sicrt sie wie das Werk Schnitzlers. Denn sprach Heinrich Mann zugleich im Namen der Dichtersektion der Akademie der Künste. Ein Dichter feierte den Dichter mit Verehrung und Liebe. Er hat ihn aufs tiefste verstanden und weiß ihn in beschwingter Form zu charal- tcrisieren. Zwei Mächte haben Schnitzlcrs Lebcnsgefiihl erfüll: Liebe und Tod. Cr hat die Gebrechlichkeit und Kostbarkeit der erlebten Stunden fühlbar gemackst, er hat das vergängliche und unschätzbare Glück unier den Schatten des Todes genossen, das Spiel des Lebens durch seine Dichtung vervielfacht. Mit dem Versinken seiner Schicht und dem Tode seiner Stadt Wien brach das Dunkel für ihn an: er fand keinen Weg mehr zur neuen Wirklichkeit. Er hatte fein reiches Werk getan. Die„L i e b e l e i" in Jürgen Fehlings Inszenierung und Besetzung, die vom Schiller-Theater her bekannt ist, erneuerte Schnitz- lcrs stärkstes uich erfolgreichstes Jugendwerk von 1893. Er ist hier schlichter und volkstümlicher als in den psychologischen Spiegel- und Spielerstückcn seiner späteren Jahre. Der Stimmungskünstler, der das weiche, genießerische Wiener Milieu in seinen feinsten Schwill- gungen ersaßt, kommt hier ganz zur Geltung:»eben den müden Sprößling einer überfeinerten Schicht stellt er das süße Wiener Mädel aus der Lorftodt, das ihm feine erste Liebe schenkt und an ihm ver- blutet, als er fein Leben für die dämonische Frau im Duell verspielt hat. Jetzt hat das Stück seinen holden Zauber nicht mehr ganz so ausgeübt wie vvr 33 Jahren. Lag es an nur, lag es an der Aus- führung? Die Stimmung des ersten Aktes bestrickte wie früher, aber der zweft« und drifte Akt machten mancherlei handgrisfe des Theaters sichtbar, und der allzu lang gedehnte Schluß niil seiner reichlichen Sentimentalität wirkte vollends nicht»lehr als Leben, sondern als Theater. Des Dichters Sohn Heinrich S ch n i tz l e r gab den junge» Wiener Theodor träumerisch und weich, Richard D u s ch i n s k y den kräftiger zupackenden Freund. Eigentlich war nur Maria P a u d- l e r eine vollendete Schnitzler-Darstellerin: ihre Mizzi hat« den rich- tigen Ton und sie war fesch bis in die Fingerspitzen. Lucie M a n n- h e i in beherrscht nicht nur nicht den Wiener Dialekt, ihrer Christine fehft die Innerlichkeit und das Hingegebene. Wir bewundern die Vir- tuosftät, mit der sie sie spielt, aber wir haben nicht das Erlebnis des süßen Mädels. Ihr Wolter-Schrci am Schlüsse zeigt nur um so deutlicher, daß auch der Dichter hier versogt hat, da er die Verblutende zu einer Protesflerin stempelte. K. H. D. Rundfunkprogramm ohne Schallplatten? Die Schallploftcnindustric ist jetzt mit einem llltimatum an die Reichsrundsunkgesellschast herangetreten, die Verwendung von Schallplattenmusik im Programm zu streichen Dieser Schritt der Schallplattenfabrikanten wird darauf zurückgeführt, daß man der Ansicht ist, der Rückgang des Schallplaftenabfatzcs fei durch die Ueberfütterung des Publikums mit Schallplattcnmusik durch den Rundfunk zu erklären. Von feiten der Fabrikanten werden ferner Urheberrechte an den Ucbertrogungcn geltend gemacht. Den Rund- funtgesellschastcn bliebe bei Aufrechterholtung des Ultimatums die Möglichkeit eines Ausbaues ihrer eigenen Schallplattenproduktion. andererseits aber ein Verzicht auf Schallplattenübertrogimgcn über- baupt und Origtnaldarbietungen, für die in erster Linie erwerbslose Musiker und Schauspieler herangezogen werden könnten. Kindemiih-Sraiorium: Das ÄiuwfhöMe Ltraufführung in der Philharmonie Ein seltsames Erlebnis: Paul Hindcmith, den Meister unbc- kümmerten Spieltriebs, den fast leichtfertig beschwingten Musikan- ten, den im Guten wie im Vösen Zeitverbundensten aller lebendigen Komponisten, zu einem Stoff greifen, einen Text vertonen zu sehen, der ohne jede Frage in das Bereich der Ausdruckskunst gehört, der unserer Zell so nahe und so fern ist, wie jeder anderen eben auch— einen Text voll schwerblütiger Romantik, voll banger Fragen nach den letzten Dingen, voll trauriger und trüber Rcslexionen, voll Zweifel und Verzweiflung, voll hoffnungsloser Angst und schlechtem Trost. Denn das„Unaufhörliche", das diesem Werk den Namen gab, es ist das rätselhafte große Gesetz alles Seins und allen Lebens: Verwandlung ohne Anfang, ohne Ende, ohne Ziel und ohne uns erfaßbaren Sinn. Daß olles fließt... Und was wir sicher wisien, ist allein die armselige Weisheit, daß alles endet, was entstehet, alles alles... Mögen die Männer an große Gedanken, mächtige Formeln, kühne Taten glauben, mögen die Frauen die Liebe für. unüberwindlich haften— die unaufhörliche Verwandlung ist stärker als Wissenschasl, Kunst, Technik, Macht und Welt- eroberung, stärker als olle und alles, möchtiger selbst als die ewigen Götter Zum Beispiel dessen tauchen Asiens versunkene Reiche aus dem Dämmer der Zeiten, der Traum vom Untergang der weihen Rasse wird geträumt— immer geht es um Angst und Abschied, um Traum und Tod und um Vergänglichkeit. Das ist keine neue Philosophie, es ist uraltes Wisien vieler Völker und Zeiten: wir linden es bei Litaipe genau so wie etwa bei Goethe oder Nietzsche, der Gottfried Ben», dem Dichter, ganz besonders Vorbild geworden'st. Die Dichtung ist nicht leicht rerständlich und durchaus nicht gleich wertvoll in allen ihren Teilen: voll kraftoollcr Bilder, großer Sprachgewalt und suggestiver Ge- sialtung de? tragische» Grundgesllhls(auf dieses kommt es an, nicht etwa auf Erkenntnis), das der hymnische Schluß allerdings nicht zu überwinden vermag, so sehr es auch beabsichtigt war. Das „Ringende", die leidvolle Erkenntnis, die über das platte Satt- und Glücklichsein gestellt wird— es ist weder Lösung noch Erlösung und keine Hilse gegen das ohnmächtig-schmerzliche Wissen um die dunklen Schatten der Vergänglichkeit über allem Irdischen. Eine Art„L'ed von der Erde" also, eine Dichtung voll kulti» vierter Nachdenklichkeit, aristokratischer Trauer ästhetischen Welt- schmerzes. tatenloser Resignation durchdrungen von der Kostbarteft des Jndividiums, den Problemen des einzelnen, abseits Stehenden geweiht. Noch einmal: Es ist seftsam, hier Hindemith an der Arbeft zu sehen. Er wußte Musik und Weltanschauung immer zu trennen nie hat er Bekenntnismusik geschrieben, immer ging er von primärer naiver Musiziersreudc aus, feine Kunst war ihm immer Selbstzweck und niemals Mittel des Ausdrucks. Wenn er jetzt daran geht, eigen Text zu vertonen, der eine Auseinandersetzung mit dem Üncndlichea zum Vorwurf hat. vermag er auch da nicht zu interpretieren, zu charakterisieren, vom Wort zum Klang zu schreiten: er geht den umgekehrten Weg, er baut über dem Text lparallel gleichsam mit diesem) eine im romantisch-harmonischen Sinn uncharakteristische Tonwelt auf, die an sich selbst von vollkommener stilistischer Gc- schlosienheft ist. Ihre Grundkrast ist Pswphonie. ihre Große liegt in der Architektur, kann nur in dieser liegen, da der Wert einer von harmonischen Bindungen losgelösten, frei im Rauin schwingen- den Thematik an sich gering ist. Alles ist in Stimmen geschrieben und aufeinander bezogen: die harmonischen Verhältnis� sind Er- gebnisie linealer Führung, die hier oft mehr ist als unbekümmert meistorhastes Handwerk— ein Bauprinzip, das sich durch seine Resultate rechtfertigt: die großen Fugen des Anfangs oder den ge- waltigen Schluß mit den feierlich vergrößerten Themen jener An- fangschöre. Es kommt hier durchaus nicht zum Verschmelzen von Wort und Ton: der Vorwurf ist nach musikeigenen Gesetzen, nach hindemitheigenem Stil gestaltet, er ist nicht durch das Verhältnis von Musik und Dichtung, sondern durch die slilistilche Geschlossen- hcit der Musik allein charakterisiert. Das Werk ist dreiteilig, die Soli wechseln mit orchesterbegleiteten Frauen-, Männer- und Knabenchören. Vom Schlußchor abgesehen, scheint der erste Teil der weitaus stärkste zu sein. Otto K l e m p e r e r. dem Philharmonischen Chor und Orchester gebühren das Verdienst der Uraufführung des schwierigen Werkes Die ausgezeichneten Solisten waren Charles Ki, Ilmann. Matthieu A l I e r s m e y e r und(besonders herrlich) Adelheid A r n h o l d Der Chor gab sich die größte Müh«, ohne allerdings immer die wünschenswerte Klarheit lind Durchsichtigkeit erreichen Zu können. Das Werk hatte einen ganz außerordentlichen Erfolg Komponist. Dichter und alle Mitwirkenden wurden stürmisch gefeiert �rnolft Walters. Die Rol der freien Schriftsteller. Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller hat an den Verband deuticher Zeitungsverleqer und an den Arbeitgeberverband iür das deutsche Zeitunosoewerbe das Er- suchen um gemeinsame Beratungen gerichtet zur Besierstellunq und Rettung der freien Schriftsteller und Mitarbeiter, da diese wichtig« Schicht geistiger Arbeft« vom Untergang bedroht ist. Rundfunk der Woche Rundfunk im Dienste der Jugend Berliner Funkstunde auch Genossen Kruger vorge Man schreibt uns: In der heute vor einer Woche erschienenen Ausgabe des ..Abend" trat Genosse Heinz K r u g.e r, Mitglied der sozialisti- schen Studenschast, tür eine stärker« Berücksichtigung der Jugend ninerhalb des Rundfunkprogramms ein. Ohne Zweifel hat Genosse Krüger recht, wenn er sagt, daß die Jugendlichen, die sich im Lllter zwischen 14 und 20 Jahren befinden, bisher nicht im erforderlichen Maße Gelegenheit hatten, an den Sende- darbietungen beteiligt zu sein. Es ist notwcitdig, so meint der Ver- fasser. daß gerade diese Altersstufen, die für den Radikalismus bc- sonders geeignete Objekte sind, durch Borträgc oder Diskussionen, überhaupt durch Rundsunkdarbietungcn, Gelegenheit haben sollen, en einer geistigen Auseinandersetzung teilzunehmen, die sie vor allen Dingen mit den politischen, sozialen und kulturellen Aufgaben und Erfolgen des demokratischen Staatsbürgertums vertraut macht. Zweifellos hat hier der Rundfunk eine Aufgabe zu erfüllen, die er auch noch nicht annähernd gelöst hat, ohne daß jedoch in allen Fällen den für die Programmgestaltung verantwortlichen Persönlichkeiten die Schuld zugesprochen werden kann. Es muß sogar festgestellt werden, daß die vom Genossen Krüger angc- schnittcncn Fragen bei den leitenden Stellen der„Berliner Funk- stunde A.-G." stets berücksichtigt wurden. Sowohl Intendant Dr. F l e s ch als auch der zuständige Abteilungsleiter Edleff K ö p p e n haben der„Jugendstunde" eine b e s o n d er e Bedeutung beigemessen, die sich im Programm dadurch bemerkbar macht, daß es täglich während des Nachmittags in abwechselnder Reihenfolge für die verschiedenen Altersstufen der jugendlichen Hörer abge- stimmt ist. Seit etwa einem Jahre sendet die einen„Jugendfunk", wie er vom schlagen wurde und von anderen Sendern nachgeahmt werden sollte. Diese Programmdarbietungcn wenden sich an Zuhörer, die schulentlassen sind und behandeln Probleme, die von jungen Menschen gelöst werden müssen, wenn sie sich in den vom Genossen Krüger behandelten Altersstufen befinden. Eingeleitet wurde diese.Jugendstunde" im Oktober vorigen Jahres durch ein Gespräch über„Das soziale B rl d unserer Zeit". Unter diesem, im Programm allerdings unsichtbaren Titel wurden alle in dieser Reihe angesetzten Darbietungen behandelt. Genannt seien hier nur folgende Themata:„Werkstudentcntum",„Webstuhl und Fließband",„Gelernter und ungelernter Arbeiter",„Zu der Lage der Jugend in Berlin",„Nach Feierabend",„Reise durch unsere Stube",„Arbeits- und Berufsverhältnisse der arbeilende» Jugend", „Forderungen der arbeitenden Jugend an die Gegenwart",„Freund- schaft unter Jugendlichen",„Stellung des Jungarbeiters zu Beruf und Familie".„Jugend und Maschine",„Jugend in Staat und Wirtschaft",„Der unbemittelte Student". Neben diesen, auch von Mitgliedern der sozialistischen.Studentenschast und des Reichsoer- bandes der deutschen Jugendverbände gehaltenen Borträgen finden sich im gleichen Zyklus neben Reportagen u. a. auch folgende Zwie- und Mehrgespräche:„Können wir uns selbst erziehen?",„Junge und Alte",„Autorität und Freiheit",„Jugendliche in der Fabrik". Dieser Teil der Jugendstunde findet zumeist an Sonnabenden zwischen 17 und 18 Uhr, also zu einer Zeit statt, in der Jugendliche hören können, wenn sie wollen. Ausdrücklich soll fest- gestellt werden, daß fast alle Themata von Vortragenden behandelt wurden, die den Hörern gleichaltrig sind, die aus dem Kreis der Jugendbewegung stammen oder mit ihr in Verbindung stehen. Es ist also anzunehmen, daß Gen. Krüger woniger de» Ber- liner Sender als andere Rundfunkgesellschaftcn meint, wenn er glaubt, daß die Programme jungen Menschen, die in eiüe neue Umgebung hineinwachsen, nichts bieten. Allerdings dürfen diese Hörer auch vom Berliner Rundfunk erwarten, daß er die für sie bestimmten Programmteile viel stärker berück- s i ch t i g t als bi s h e r. Es scheint außerdem notwendig, daß diese„Jugendstunde" in möglichst günstige Zeiten, wenn nicht in die Abendstunden verlegt wird und einen erkennbaren Gesamt- titcl erhält, der auch die erwachsenen Hörer veranlaßt, diesen Vor- trägen und Diskussionen größte Aufiucrksamleit zu schenken. Nicht nur zu Gleichaltrigen sollen die Referenten der Jugend im Rundfunk sprechen. Sie müssen darauf achten, daß sie auch alle übrigen Hörer interessieren, wenn der„Jugendfunk" nicht wertlos werden soll. Vielleicht ist es deshalb— und nur um Kontakt mit allen Hörern zu gewinnen— ratsam, daß sich unter den Diskussions- rednern auch ein Erwachsener befindet, der nicht einmal„ton- angebend" zu sein braucht. Hier liegt ein sehr wesentlicher Punkt, mit dem sich die Refe- reuten der Jugend in den wenigsten Fällen oertraut machen können. Borträge und Diskussionen im Rundfunk bedürfen deshalb gerade für die„Jugendstunde" eingehender, technischer Vor- b e r e i t u n g, weil sie eine besonders klare Darstellung des Themas bedingen, das sowohl von jugendlichen als auch von er- wachsenen Hörern erfaßt werden muß. Bei der mitunter selbst sehr problematischen Einstellung jugendlicher Menschen wird die Durchführung der technischen Vorbereitung um so notwendiger aber auch um so schwieriger, je mehr Referenten über ein Thema sprechen. Selbst während dem von Unioersitätsprofessoren geleiteten Zyklus „Studenten diskutieren" ist es dem Hörer manches Mal sehr schwer gefallen, so zu folgen, wie es die Studenten gewünscht hätte». Hier müssen die auch von Heinz Krüger vorgeschlagenen Abhörstunden, die vom Arbeiter-Radio-Bund seit mehreren Jahren eingeführt sind, noch sehr viel helfen. Doch nicht nur Hörgemeinschaften sind ausschlaggebend, die eine Darbietung abhören und über sie diskutieren, um ihren Inhalt kritisch zu beleuchten. Wenn von den Zusammenkünften des gleich- falls vom Arbeiter-Radio-Bund gegründeten und von der Freien Funkzentrale der Partei maßgeblich geförderten „Ausschuß für A b h ö r st u n d e n" abgesehen wird, ist sestzu- stellen, daß die Hörgemeinschaften wohl den Inhalt der Darbietung, aber nicht ihre Form besprechen. Es ist sicherlich nicht einfach, immer den geeigneten Fachreferentcn für die Diskussion während des Gemeinschaftsempfangcs zu finden. Ungleich schwerer wird aber die Wahl eines technischen Referenten, weil es innerhalb der Arbeiterbewegung nur sehr wenig Frauen und Männer gibt, die in der Lage wären, aus den Rundfunk Hörern Rundfunk f p r e ch e r heranzubilden. Diese Referenten sind während des üblichen Gemein- schaftsempfonges nicht immer vonuöten. Dort aber, wo es darum geht, jugendlichen Angehörigen der Arbeiterbewegung rundfunktech- nische Schulung angcdeihen zu lassen, muß unbedingt der mit dieser Materie praktisch vertraute Referent anwesend sein. Man darf mit einiger Sicherheit annehmen, daß sich keine große Zahl Jugendlicher zusammenfinden wird, die weniger den Gemeinschaftsempfang, um so mehr aber die Gcmeinschafts- s e n d n n g in den Vordergrund der Zusammenkünfte stellt. Der Verfasser dieses Artikels ist jedoch seit einigen Monaten dabei, mit einem Kreis Jugendlicher verschiedenartigster Entwicklung zu arbeiten, die sich die Vorbereitung und Durchführung von Rund- funkdiskussionen zur Aufgabe gestellt haben. Ob sich die Pläne der Jugendlichen verwirklichen lassen, ist noch nicht zu beurteilen, zumal nicht immer technische Ausbildungsmittel zur Verfügung stehen. Alle Versuche aber sollen mit dem Ziel erschöpft werden, eine s o z i a- listische Gemeinschaft junger Diskussionsredner heranzubilden, die in absehbarer Zeit vor dem Mikrophon untereinander oder mit gleichaltrigen Augehörigen verschiedener Weltanschauungsgruppen von ihrem Standpunkt aus so überzeugend Problems behandeln kann, daß auch die erwachsenen Hörer nach- denken müssen. Der„Arbeiterfun k". die Progrommzeitschrift der sozialistischen Arbeiterhörer, wird in den nächsten Nummern grundsätzlich und aussührl icher zu den G e m e i n s ch a f t S s e n- düngen Jugendlicher Stellung nehmen, die von allen partei- genössischen Jugendverbändcn vorbereitet werden sollten. Där jugendliche Mensch, der vor dem Mikrophon sprechen will, muß noch einmal reden und hören lernen. Vom Rundfunk ist die Frage des„Jugendfunk" grundsätzlich gelöst. Sie braucht nicht mehr gestellt zu werden. Die Frage, die unbeantwortet blieb, lautet nur: „W o bleibt die Jugend?" Sic selbst soll auch im Rundfunk eigenes Leben und Erleben gestalten, sobald sie dazu sähig ist. k'ritr Legall. Lohnkürzung auf jeden Kalt. Sind's nicht die„Gestehungskosten", ist es der Profit. In der Ikaschenindustrie hat nach den gejcheitertcn Parteiver- Handlungen die gebildete S ch l i ch t e r k a m m e r unter Regierungs- direktor Friedländer trotz Widerspruchs der Arbeitnehmer einen Schiedsspruch mit LohnkürzungenvonZbisöProz. gefällt. Diese Lohnkürzung scheint nach Schema? ausgesprochen zu sein, denn sonst ist der S ch i c d s s p r u ch n i ch t z u v e r st e h e n. Haben wir es doch in der Flaschcnindustrie mit einer Industrie zu tun, wo infolge Arbeitsintensität und Mechanisierung der Lohn nur einen geringen Bruchteil der Selbstkosten darstellt. Eine Konferenz der Vertrauensleute wird am Sonntag, dem 23. November, über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs befinden.__ Oer Metallkonfliki in Nordwest. Neue Verhandlungen am Donnerstag. Esten, 23. November. Der Schlichter für Westfalen, Professor Dr. B r a h n, Hot die Parteien der Eisen- und Stahlwarenindustrie der nordwestlichen Gruppe zu Schlichtungsverhandlungen zum 26. November nach Essen geladen. Wie erinnerlich konnten sich die Parteien in den Verhandlungen am 19. November weder in der Lohn-, noch in der Arbeitszeitfrage einigen. Auch in Amerika! Eisenbahner müssen sich gegen Lohnkürzung wehren. New Zork, 23. November. Die amerikanischen Eisenbahner haben die vorgeschlagene lOprozentige Lohnkürzung abgelehnt, und zwar mit der Begründung, sie hätten keinerlei Zusicherung erhalten, daß die durch die Lohnkürzung erzielte Ersparnis von den Eisenbahn- Verwaltungen zur Erhöhung oder auch nur zur Stabilisierung der Zahl der beschäftigten Arbeiter verwandt werde. Der Bezirksverordnele Genosse Mar Appel, Bülowstr. SZ, ist am 20. November im 60. Lebensjahre v e r st o r b e n.— Einäscherung Dienstag, 24. November, um 173-4 Uhr im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße. is.os 16.30 17.30 17.50 18.15 18.35 19.00 19.10 20.40 22.00 16.00 16.30 17.30 18.00 18.30 18.55 19.00 19.30 22.30 Montag, 23. November. Berlin. Postdirektor Hans Rost: Devtsenverordnum und Postscheckrerkebr. Künstlernachwuchs. Staatl. Akademie für Kirchen- und Schalmusik. Wolf Durian erzählt Abenteuer. Dr. med. E. Rothe: Scelenheiluns:. Kapitän Kopcikin von Nicolai Gogol. Uebersetzung: S. T. Radec.i. (Sprecher: Der Uebersetzer.) Rcg.-Rat Dr. E. Ra-wicz: Zahlen als Fundament der Sozialpolitik. Stimme zum Tag. Nordische Musik. Berliuer Kouzert-Ycresa. Dir,: Emst Ewald Gebert. „Köpis Richard III." von Sbalccspcarc. Musik von Walter Gochr, Regie: Alfred Braun. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Köni�swusterhausen. Wir Sinsen das Jahr an. Prof. Fritz Jöde: Schöne alte Ansiiuctiedep für Weihnachten und Neujahr. Einführung mit Beispielen für Kinder- srärtnerinnen, Hortnerinnen und Lehrer der Grundschule. Leipzig; Konzert. Dr. Herbert Just: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. Prof. Dr. Lohmeyer: Die Mystik in den Religionen. Spanisch für Anfänger. Wetter für die Landwirtschaff. Oberlandwirtschaftskamraerrat Victor: Die Maschine im Winter. Dr. Eugen Diesel und Dr. A. M. Wagner: Mensch und Technik. Budapest: Zigcunernmsik Imre Magyari. VeranfworU. füc die Redaktion: Rich. Bernstei», Berlin; Anzeigen: ZH. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b.£>., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» bruckerei und Verlagsansialt Paul Einger& Co.. Berlin SW K8, Lindenstrake 5. Hierzu l Beilage. Xlte&lez. Lidtlsptele usw Staats r% Theater Mon'ag, dem 23. November Staatsoper Unter d. Linden 20 Uhr Gcschl.Vorstell. Die Hadii des Sdiilhsais Ruin Kartnnrkanf Stefitsoper im Pili, dir Hepnbük 20 Uhr iooi m Staitl.Sduasii leihain Gendarmdnmarkt. 20 Uhr WollensteiDs Tod Schiller-Theater Chiriotitnbgrg. 20 Uhr Oleaerde sndtl internationales Theater (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Täglich 8 Uhr (cdwlg Wangel, H. Ad. Schlettow, Ediih Edwards in: AliBiilanz von Vera Bern. �sgis: Philip Mannin g. Resfaurani �erMrjS MM Flora 3434, Rauchen erlaubt 1 4 Queens. Gaston Palmer 2 Olvcras 2 Hockneys uhr CASINü-THEArERs'/i Lothringer Strafe 37. iiniitniiiiiiniMMMiiiiiiiiiiMMiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiimiiiHiiiiiiii Xur noch hl» 30. Xovembor WtecHsr- Fritze und das ersikl. bunte Programm Am I.Dezember zum 1. 3(ale: Wenn Kinder heiraten Gutschein 1-4 Personen. Parkett 50 Pf., Fauteuil I.— Mark. Sessel 1.50 Mark. TolKsuttiine Tlieittr am BDIowjlalz 8 Uhr Der frUne Kanada Der Kanunersünger Staatl. Sdiiller-niealtr 8 Uhr Die Herde sndif Steotsoper Unter den Linden * Uhr Die Msdit des Sdüiksals oneiropoi-ineaier Täglich S'/i Uhr DI« Blum« von Hawal Praisa von SB PL m Oeoitdie: Iheattr 8 Uhr GeriDtdilen aus dem Wiener Wald von Oedön Horvath Regie: Halm Hilpert Die Komödie PM Uhr Jemand von Franz Molnar legis: Qiiftaf Crtedgccs mit AlSart Bassinann KartUrstcndamm- Theater 8V< Uhr Qie Heilige aus ü. von Ilse Langner Regia: Ludwig Berger lllilralli: Agnes Straub Rose-Theater Grote Frankfurter Stnle 132 Tel. Weidnil E 7 3422 8 15 Uhr 016 Keusche Susanne Theater am Nallendorfplat2 Täglich SVe Uhr. Gasparone Pfahl, Bohnen. Slezak, Sturm. Winkelstern. Sieitncr. $(äd(.Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Montag, 23. Nov. Geschlossene Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 19.30 Uhr Carmen Ende gegen 23 Uhr Theater desWestens Täglich 8>/e Der Vogelißndler Ahlers, JSken, Morgan, Carola, Priem Pmal.PI9t:sv.50Pf.an Theater im Admiralsoalasi Täglich«>/. Uhr Die Dubarry mit Gitta Alpar Preise v. 0.50 M an Planetarium — am Zoo— Tägl. außer Montag 3 und 7 Uhr Italienfiim 5 und 9 Uhr Man Hsstwicä: Filmvortr. Janger-Tripolis" Gebrauchte Büro-Möbel tindenstraße 71/72 Hofspeicher. Herrenklelder- FaDrlk | verkauft jetzt an Private einen Posten flnzime ünd lllsier für Kmk. 24.- pro Stilck linitlnrhlf nur Montagt b!t Freitags vag C-S Uhr M.Nail!di.Span(lairerStr.5 Vom IT. bis 23. November Mit Willy Forst, Trudev. Molo, 6. Gründgens. Roda Roda, A. Pointner usw. 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Er war uns stets ein treuer Mitarbeiter, lieber Freund und Vorbild ernster PflichterfOIlung Sein Andenken wird bei uns in hohen Ehren gehalten werden! Berlin, den 23. November 1931. Der Verstand des Verbandes der Deutschen Buchdrucker Einäscherung: Dienstag, den 24 November, 15 30 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. verein der Berliner BücddrucKer Plötzlich und unerwartet verstarb am Donnerstag, dem 19. November 1931 unser langjähriges Mitglied, der Verwalter im Uauptvorstande Robert Glaser Für seine stete Arbeit im Interesse der Kollegenschaft, trotz langjähriger Krankheit, werden wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Der dauvorstand. Die Einäscherung findet am Dienstag, dem 24. November, lö'/i Uhr, im Krematorium ßaumschulemveg statt. föeilage Montag, 23. November 1931 Sfrftmtl SftnJauKgaße Jei UnWarfa SBum ersten, zweiten, drillen Dlleiner Xeilfaden für Jßiebhaber von Jluktionen/ Hon seiix siößinger Zum ersten, zweiten, dritten! Das ist der altmodische Ruf, mit dem der Auktionator in besseren, stilleren Zeiten bei einer Ver- steigerung dem Käufer den Zuschlag erteilte. Ich habe in den letzten Jahren gewiß einige hundert Versteigerungen besucht, aber ich erinnere mich nicht, diese Art des Zuschlags irgendwo gehört zu haben. Vielleicht hat ein Auktionator guten alten Stils einmal diese Formel gebraucht. Sonst ist sie aber nicht mehr in Gebrauch, auf den Versteigerungen herrscht meistens ein lauter und ver- l, etzter Betrieb, und der Auktionator beeilt sich, den Zuschlag formlos zu erteilen. Hat er endlich den höchsten Preis erreicht, der aus dem Publikum herauszuholen ist, dann wiederholt er den letzten Betrag ein- oder mehrmals und der Hammer fällt, der Zuschlag ist erteilt. Sofort wird der Preis vom Protokollführer der ' Auktion, meist sind es ein oder zwei weibliche Angestellte des Auktio- nators, ins Buch eingetragen, einer der Gehilfen überreicht dem Käufer, zu dem er sich meistens erst durch die Fülle der Sehleule durchquetschen muß, eine Quittung und kassiert den vollen Betrag in bar. Auf diesen Betrag kommen Aufschläge in Höhe von 10 bis 15 Proz. Nur bei gerichtlichen Zwangsversteigerungen ent- fällt der Aufschlag. Bei großen K u n st a u k t i o n e n, wo die Käufer meist teure Objekte erwerben und dem Versteigerer persönlich oder dem Namen nach bekannt sind, begnügte sich der Versteigerer bisher mit dem Ucberreichen eines Formulars, auf das der Käufer den erfolgten Zuschlag quittierte. Abgerechnet wurde nachher. Denn daß im Laufe einer solchen Auktion, mitten in der Unruhe des Anbietens, Auszahlungen in Höhe von vielen taufenden Mark stattfinden sollen(es gibt ja auch Auktionszuschläge über eine halbe Million Mark und mehr), ist technisch weder möglich noch wünschenswert. Es entspricht aber dem Lause der Zeiten, daß heute in den Auttionsbedingungen gefordert wird, daß unbekannte Käufer vor der Auktion eine Deckung hinter- legen,, persönlich anwesende, unbekannte Bieter sich bereits vor der Versteigerung bei der Auktionsleitung zu legitimieren haben. Damit haben wir aber bereits das Gebiet der Kunstauktionsn betreten, das eigentlich nur der Form der Versteigerung nach mit den Auktionen zu tun hat, die seit Monaten massenhaft in Berlin stattfinden. Während die großen Kunstauktionen stark im Rückgang sind, große Auktionen abgesagt wurden oder gar nichter st angesetzt werden, sind die Versteige- rungen, bei denen es sich n i ch t u m K u n st handelt, enorm ange- wachsen. In Zeiten wirtschaftlicher Zusammenbrüche sind Ver- steigerungen das lchlc Mittel, waren oder irgendwelchen Lefitz auf den Markt zu bringen. Ein Verkauf zu regulären Preisen ist l ä n g st nicht mehr möglich, und wo gibt es überhaupt noch, außer für Miete und Lebensmittel, feste Preise? Auf Versteigerungen jedenfalls nicht mehr. Die wirtschaftliche Umschichtung zwingt alle dazu, sich einzu- schränken, die verkrachten Generaldirektoren und Wirtschafts- „führer", die ehemals reiche Bourgeoisie, die Besitzer kostbarer Villen oder pompöser Großwohnungen— sie alle verschleudern ihr Besitztum, denn da sie die Mieten oder die hohen Steuern, die sich für Bewohner eigener Häuser und Villen ergeben, nicht mehr auf- bringen können, ist ihr einziger Ausweg die wohnungsauktion. Aber das ist nur ein Teil der Auktionen, die heute aus den Markt drücken. Es versteigern Leihhäuser früher als einstmals die verfallenen Pfänder, um sich liquide zu machen. Es versteigern große Häuser den Bestand von Geschäften, die geschlossen oder zusammengelegt werden. Es versteigern die taufenden Firmen, die stillschweigend aus dem Erwerbsleben verschwinden. Es ver- steigern die Wirte, die durch Emissionspfändungen zu ihrer Miete zu kommen suchen. Es versteigern die Steuer- behörden, die Gläubiger, die Konkursverwalter, die Nachlaß- Verwalter. Besonders der letzte September und Oktober brachte eine Hausse in Auktionen, wie sie Berlin seit langem nicht erlebt hat. Je schlechter die Zeiten werden, um so mehr haben die gericht- lich und polizeilich zugelassenen Versteigerer zu tun, deren es in Berlin etwa 40 gibt. Es wäre aber ein Irrtum zu glauben, daß diese Versteigerungs- Hausse den Geschäftsgewinn der Versteigerer günstig beein- flußt. Eine Auktion, aus der alle angebotenen Gegenstände glatt und zu erträglichen Preisen aufgenommen werden, ist für den Versteigerer ein viel besseres Geschäft als die heutigen Auktionen, auf denen kein großes Objekt mehr verkäuflich ist, die Preise rutschen und das Verbot zu oerschleudern zur Ablehnung ganz niedriger Angebote zwingt Freilich, das mit dem Verschleudern ist ein sehr elastischer Bs- griff. Wenn man auf Auktionen Möbel, Porzellan, Flügel, Inventar jeder Art zun« dritten, fünften, ja zehnten Teil des Ein- kaufspreises bekommt, dann ist es schwer, den Begriff des Schleu- derns zu desinieren. Man kann ihn vielleicht dahingehend fixieren, daß man bei Dingen mittlerer Preislage doch etwa ein Drittel oder ein Viertel des heutigen Verkaufspreises bezahlen muß, während der Auktionator bei Objekten, die auch heute noch Tausende kosten, ein Zehntel des Tagesverkaufswertes akzeptiert. Das heißt, man kann einen Flügel, der 3000 Mark kostet, für 300 Mark kaufen, aber man bekommt einen Büroschreibtisch, der heute im Laden ISO Mark kostet, keineswegs für 15 Mark, aber doch etwa für 40 Mark. Ganz billig und wirklich zu Schleuderpreisen bekommt man dagegen auf allen großen Haushaltsversteigerungen kleine Kun st werke, Kunstgewerbe, und alles, was zur Aus- s ch m ü ck u n g eines Hauses dient. Hier ist auch das unterste Angebot akzeptabel, denn die wirklichen Preise sind auch den Ver- steigerern nicht durchweg bekannt. Auf allen Haushaltsver steigerungen zeigt sich, daß alle Gegenstände großen Formats immer schwerer verkäuflich werden, während mittlere und norinalc Haushaltungsstücke immer noch Käufer sinden. In einer Großstadt wie Berlin gibt es immer taufende Familien, die auch heute nach in der Lage find, eine sehr billige Einkaufsgelegeicheit für ein lang gewünschtes oder gebrauchtes Stück, sei es ein Kaffeeservice, Bettwäsche, eine Schreibtischlampe, einen Korb voll Klassiker, wahrzunehmen. Es gibt auch heute noch auf den großen Auktionen Privatleute, die 1500 bis 2000 Mark für Haushaltungsstllcke bar auf den Tisch legen. Immerhin, bei den Versteigerungen großer bekannter Wohnungen bleiben die großen Objekte meistens zurück— wo sie dann hinkommen, ist schwer zu verfolgen. Aber es gibt noch ganz andere Versteigerungen, auf denen es sehr lebhast hergeht. Das sind die Versteigerungen von Weinen, von Spirituosen, Büromöbeln, von Konfektions- wäre, von Pelzen aus den Leihhäusern, und vor allem von Teppichen. Ich habe selbst vor kurzem in einem westlichen Vor- ort die Teppichverstcigerung eines Leihhauses mitgemacht, wo bei rund 300 Nummern kaum ein einziger Teppich unverkauft blieo, Wie heute aus den meisten Versteigerungen war der Saal so voll wie die Untergrundbahn vor 8 Uhr früh. Es wurden kleine Perser- teppiche, türkische Brücken und ähnliche Stücke, durchweg glänzende Qualität, Stück für Stück sllr durchschnittlich 100 bis 300 Mark ver- kauft, die freilich vor kurzem noch dreimal so teuer waren. Aber Stück für Ällck wurde bar nach jedem Zuschlag von den Käufern bezahlt. Hier waren übrigens Händler stark vertreten, während sonst, bei der heutigen Wirtschaftslage, die Privatkäufer den Auktionsmarkt beherrschen. Die populäre Annahme, daß das Pcivalpublikum auf Auktionen nicht zum Sauf kommt, ist jedenfalls grundfalsch. Es kann gar keine Rede davon sein, daß der Handel einen Ring bildet, der Privatkäufer ausschließt. Es ist freilich für den Privatmann weder einfach noch ratsam, direkt zu bieten. Auf allen Auktionen, sowohl bei den Vorbesichtigungen wie bei den Versteigerungen sind Kommissionäre anwesend, die nach jedem spähen, der die geringste Kauflust oerrät, und sich ihm als Berater und Vermittler durch das Gestrüpp der Versteigerung zur Verfügung stellen. Die Kommissionäre bekommen durchschnittlich 5 Proz. für das Ersteigern einer Nummer. Sie sitzen meistens bei den Versteigerungen neben ihren Kunden, bieten laut oder durch Zeichen mit und lassen sich vom Käufer sagen, wie lang sie bieten sollen. Der Käufer hat es also ganz in der Hand, den Preis zu bestimmen — freilich nur, wenn er sich von seinem Willen und nicht von äußeren Einflüssen bestimmen läßt. Selbstverständ- lich sind auf jeder Auktion Leute vorhanden, die im Bunde mit einem der Interessenten Preise treiben. Aber erstens braucht sich niemand von diesen Preistreibereien beeinflussen zu lassen, er muß selbst wissen, wie weit er geht, und zweitens werden diese Preis- treibereien durch den Preisrutsch genügend eingedämmt. Wenn der Versteigerer wie eine Maschine zu schreien beginnt: 43, 45, 48, 50, und man gar keinen Bieter bemerkt, so überlasse man ihn ruhig seiner Beschäftigung. Er wird schnell von selbst aufhören und das nächste echte Angebot akzeptieren. Wer freilich billig einkaufen will, muß zumindest etwas auf- wenden, und zwar Zeit. Er muß auf der Auktion warten, bis der gewünschte Gegenstand drankommt. Wenn er, wie es v i c l f a ch geschieht, darum bittet, daß man eine bestimmte Auktion?- nummer früher dran nimmt, verrät er sich als Interessent und wirkt preisstcigcrnd. Steigt der Preis zu hoch, so überlasse man ruhig das Objekt eurem anderen. Warum soll man den Mitmenschen die Freude rauben, teuer zu kaufen Und wenn man schließlich den Auktionsbetrieb kennt, dann bewegt man sich auch freier auf diesem Boden, erlernt die Praxis, in toten Stimmungsmomentcn. unbe- achtet vom Publikum schnell und still einen Zuschlag zu erwirken, und zuletzt sogar dem Versteigerer, der mit 50 Mark beginnt, zu antworten: 30 Mark. Unter st eigerungen machen dem Publi- kum großen Spaß, und da nur gut geboten wird, wenn die Stimmung gut ist, machen auch die Auktionatoren so etwas gern mit. Das hebt die Laune und zugleich das Geschäft. Das Versteigerungswescn ist also ein Geschäft, ebenso kompli- ziert für den Verkäufer wie für den Käufer. Aber ich glaube, die Berliner sind im Begriffe, es zu lernen, denn die Auktionen sind heute nur deswegen so überfüllt, weil Tausende Zeit haben, zuzn- sehen, wie Hunderte kaufen. Nur so lernt man, wie man es billiger macht. EnlSi M u ocV>s\oier\rad\enWv)n9i 0�°' Nome<.*eRCED, i.-G.« BERI-IM. Arbeiter-Schwimmer-Meisterschaften Hellas verbessert Bundeshodistzeit tür 4X100-Mctcr-Kraulen Die gestern oben!) im Wellenbad Lunapark ausgetragsnen Kreis m ei st er sch ästen der Schwimmer im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes brachten ganz Heroorragenden Sport. Die geräumige Halle war von einer erwartungsvollen Zu- schauermsngc gesüllt, hatte doch der Berliner ASV. Hellas sür zwei Konkurrenzen den Versuch angemeldet, die bestehenden Bundes- rekorde zu unterbieten. Neben der großen Zahl der Freunde der bundestrcuen Arbeitersportbewegung sah man viele führende Herren aus dem kommunistischen Lager, die offenbar das Bedürfnis hatten, wieder cinma! guten Arbeitersport zu sehen resp. abzuseilen und später den eigenen Leuten als theoretisches Können zu servieren. Mit dem einleitenden M ä n n c r k r a u l s ch w i m nr c n über lüg Meter kam gleich d�c sportliche Stimmung. Dos Rennen wurde in zwei Läufen ausgetragen. Die besten Zeiten ergab der zweite Laus, in dem G r ü h n- Charlottenburg erwartungsgemäß Sieger wurde, Zeit t: g5.4 Minuten. Zweiter wurde Richter mit l: g9,9 vor Frohn-Ncutölln, der liigl benötigte. Auch das folgende Brust- schwimmen der männlichen Jugend über 199 Meter Mußte in mehreren Läufen ausgetragen werden. Bei den 16- bis 18jährigen gewann erwartungsgemäß L c h m a n n- Berlin XII in der guten Zeit von 1:22,4. Rehr-Neutölln als Zweiter brauchte 1:39,1. Bei den 14- bis Ikjährigen siegte R o b i n s o h n- Kreuzberg. In den Rennen der Frauen gab es keine Ueberraschungen. Lotte F r o h n- Neukölln bewies ihre große Form erneut, sie kain zu doppeltem Erfolg durch den Sieg im Frauenrückenschwimnien und im Frauenkroulschwiinmen. Beide Rennen gingen über 199 Meter. Die Fraucnbruststafctte über 4X199 Meter wurde eine Beute von Hellas, Zweiter wurde Potsdam vor Neukölln, die weit zurückgefallen waren. Die Neuköllner Frauen revanchierten sich aber durch den Sieg in der L a g c n st a s e t t e, in der sie,»ach Führung von Hellas über den größten Teil der Strecke, durch famoscz Schwimmen ihrer Äraulerin doch noch zum klaren Sieg kamen. Daß um den Nachwuchs bei den Frauen keine Sorge sein braucht, zeigten die Kämpse der weiblichen Jugend, sicher hat sich gestern mancher Iugendgenosse einen Ruck gegeben, als er E h r i n g- Hausen- Union schwinnncn sah. Hier zeigte es sich, daß bei systematischem Training das sogenannte zarte Geschlecht ein Borbild sein kann. 199 Meter in der Altersklasse 16 bis 18 Jahrs von der weiblichen Jugend in 1:26,7 Minuten geschwommen, ist eine sehr gute Zeit. Union gewann durch die gleiche Schwimmerin auch die Jngendlagenstafette 3X59 Meter mit großem Zlbstand vor Hellas und Neukölln. Der erste Versuch, neue Bundeshöchstzeiten auszustellen, mißlang den Hellenen diesmal. In der Männerlagenstafette 4X199 Meter waren sie zwar eine Klasse besser als der Zweite Möwe, ober die Uhren waren schon über die alle Rekordzeit hinweggceilt. als der Schlußniann anschlug. Die Reihe der s-hwimmerischen Konkurrenzen wurde angenehm unterbrochen durch Springen und Reigenschwimmen. Im Sprin- gen waren Nachtigall- Hellas und Kühn- Oberspree die ernsthaftesten Konkurrenten, da Lichtenberg korporativ durch Abwesenheit glänzte und damit auch der Olympiasieger Greusing. Nachtigall zeigte wie immer, daß man auch mit zunehmendem Alter weiter ein guter Klassespringer sein kann. Ein Sprung»ntzglückte ihm, womit der geringe Punkworsprung vor Köhn klar wird. Nachtigall er- reichte 59, Köhn 47 Punkte. Die Freunde guter Reigen wurde» durch den von 32„roten" Frauen geschwommenen Reigen vollauf befriedigt. Unter der Leitung von Erna Schmock sah man einige in Berlin noch nicht gezeigte Figuren. Nachdem die männliche Jugend ini Kraulschwimmen über 199 Meter gute Zeiten schwamm— Erster wurde bei den 14- bis 16jährigsn T e s k c- Hellas mit 1:13,1 und bei den 16- bis ISjährigcn K u t t i g- Möwe in 1:15,9— gab es bei der B r u st st a f e t t e über 4X199 Meter einen äußerst interessanten Kamps. Die vier im Rennen liegenden Mannschaften lagen anfänglich dicht zusammen. Dann führte bis zum dritten Mann Hellas vor Neukölln und Char- lottenburg. Die Schluhleuts gingen noch in dieser Reihenfolge vom Start. Bald machte sich aber eine Ueberlegenhcit des Charlottenburgers bemerkbar, Bahn für Bahn kam er heran und vermochte kurz vor dem Ziel beide Gegner abzufangen und zu siegen. Der geschwommene Stil war nicht der beste. Dann kam der große Moment, in dem Hellas dem vom ASL. Wien gelegentlich der Olympiade aufgestellten Rekord für 4X199 Meter Kraulen zu Leibe gehen wollte. Die Zeit lag bei 4:44 Minuten. Die Uhren wurden gezückt und unter er- munternden Zurufen zogen die Hellas-Leut« dem übrigen Felds davon. Die Zwischenzeiten machten Hoffnung, und tatsächlich über- zeugten die Uhren schon aus der letzten Bahn, daß es reichen wird. Dann wurde der Jubel lauter, denn amtliche Zeitnehmer und „Privatstopper" litten nun gemerkt, daß es reicht. Der Ansager kann die neuc'Dundesbcstzeit gleich mitteilen: Mit der neuen Zeit von 4:37,1 ist der Rekord erheblich unterboten. Vereine ohne Winterbad und andere Szwien zeigten im Rahmen des Festes, daß auch sie über Winter den Schwimmsport nicht verlernen. Den Schluß der Veranstaltung bildete ein Wasser- 6 a l l s p i e l zwischen dem Bundcsmeister Charlottenbarg und dem spielstärksten Berliner Vcreiy Hellas. Charlotten bürg ge- wann durch genaues Kombinationsspiel und sabclhastc Leistungen seines Torwarts. Dos Torverhältnis 6:3(4:3) entspricht vollauf den« Stärkeverhältnis. Männliches Iugendbrustfchwimmen 100 Meter. 14— 16?ahre: 1. I. Robin- söhn(Kreuzberq) 1:31,1; 2. Müller(Friedrichshainl 1:32,1. 16—13 Jahre: 1. Leb- mann< Berlin MI) 1:22,4; 2. Rohr(Neukölln) 1:30.1.— Frauenrückensch�immen 100 Meter: 1. Frohn< Neukölln) 1:31,4: 2. Schukalle(Neukölln) 1:44,1.— Weib. lichcs Iuaenbkraulschwimmen 100 Meter, 14—16 �ohrc: 1. Greser(Charlotten- bürg) 1:30,2. 16—13 Jahre: 1. Ehringhausen 1:26,7.— Männerlagenstafette 4X100 Meter: 1. Hellas 5:09,4: 2. Möwe 3:41,6.— Weibliches Iugendrücken- schwimmen 100 Meter: 1. Schlenker(Union) 1:42,5;?. Genenz(Berlin XU) 1:43,2.— Männetseiteschwimmen 100 Meter: 1. Nossuta(Hellas) 1:20,9; 2. Michel (Möwe) 1:23.— Männerbrustschwimmen 100 Meter: 1. Becker(Neukölln) 1:22,6; 2. Tiedke(Berlin.XII) 1:24,2.— Frauentraulen 100 Meter: 1. Frohn(Neukölln) 1:22,7; 2. Mascha?(Union).— Männerrückenschwimmer 100 Meter: 1. Dunkel (Neukölln) 1:16,8; 2. Frohn(Neukölln) 1:18,1. kußball/ Handball/ Hockey Adler OS schlägt Luckenwalde II 7: 2 Um die Führung in der Zlbtcilung 7! der Arbciter-Fußball- K r e l s k l a s s e ging es gestern beim Spiel Adler 98 gegen Luckenwalde l? in Pankow. Wenn man auch den Pankowern von vornherein ein kleines Plus zuschrciben konnte, daß die Lucken- walder aber so hoch verliere» würden, haben selbst die intimsten Anhänger Adlers nicht geglaubt. Der Sieg war verdient, wenn auch von den sieben Toren der Pankower zwei Elfmeter, ein Selbst- und ein Abseitstor waren. Also vier Erfolge, die durch Glück er- rungen wurden. Nach dem fünften Treffer zeigte der Luckenwalder Torwart nur wenig Lust zum Weiterspielen. Schuld mögen aber auch die manchmal unverständlichen Entscheidungen des Schieds- richters tragen. E i n t r a ch t- Reinickendorf glaubte wohl nicht in Nor- m o n n i a so starken Widerstand zu fiikden, wie es tatsächlich der Fall war. Die Reiiuckcndorfcr, an hohe Siege gewöhnt, muhten alles daransetzen, um sich mit einem 7: 4-Sieg zu begnügen. Dit Normannen waren ihnen vollkommen ebenbürtig, reichliches Schuß- pcch brachte sie ober stets um die verdienten Erfolge.— Daß Teltow gegen W e i ß e n s e e mit 2: 8 Toren verlieren würde, ist wohl die einzige Uebcrraschung. Den Teltowern scheint immer noch die Niederlage vom letzten Sonntag gegen Eiche in den Beinen zu liegen, anders ist das Versagen der Mannschaft nicht zu erklären. — Pankow- Niederschönhausen zog es vor, nicht nach L u ck e n- walde zu fahren, sondern die Punkte zu verschenken. In einem Klubkampf zwischen Minerva und Lichtenberg I zeigt« es sich, daß die Neuköllner wieder stark in den Vordergrund kommen. Gelang es ihnen doch den Lichtcnbcrgcrn in allen drei Spielen die Siege zu entreißen. Die ersten Mannschaften trennten sich beim Stande von 3: 1 für Minerva, die zweiten Mannschaften spielten 2: 9 und die Jugendniannschasten gar 3: 9. Mit dem Ge- sanrtresullat von 6:9 Punkten blieben die Neuköllner verdiente Sieger. Ein zweiter Klubkampf, der zwischen Borwärts-Wedding und Bolkssport-Ncutölln zum Austrog gelang, endete mit dem überlegenen Sieg der Weddinger von 5: 1 Punkten. Weitere Resultate: Lichtenberg II gegen Baumschulen- weg 2 7:1?ldler-Bezirk gegen Saxonia 1 7:3. Eiche 2 gegen Baumschulenwcg 1 9:7. Hansa 2 gegen Normannia 3 1:9. Eintracht 2 gegen Normaixnia 2 4:2. -i- In der 1. Klasse hat in der B-Gruppe der Arbeiter- Handballer die Freie Turnerschast Grvß-Berlin- S ü d e n durch einen eindrucksvollen 6: 2-Sieg über den Bezirk N o r d r i n g ihre Führcrstcllung gefestigt. Im Feldspiel waren sich beide Mann- schaften ebenbürtig. Im Sturm aber zeigte sich die ausgereiftere Spielweise der Süden-Mannschast. Nordrinz zeigte gute Veranlagung, große Schnelligkeit, aber das Stürmerspicl war größten- teils wirkungslos, weil es z» engmaschig war. Der Gruppemneister Süden war auch im Spielaufbau klarer und entwickelte einige prachtvolle Züge mit Erfolg. In der K-Gruppe sicherte sich die BIGB.-Nordosk durch einen Sieg von 19: 5 über die Freie Turnerschast Hennigsdorf den An- schluß an die Spitzengruppe. Wenn auch Nordost ein zügiges Spiel nicht aufweisen tonnte, so hatte es durch schnellere und präzise Ballabgabe und besseres Stellunzsspiel den Erfolg auf seiner Seite. Hennigsdorf ließ sich anscheinend durch die kurz aufeinander folgende» ersten Tomsolge Nordosts entmutigen und brachte erst in "'er zweiten Spielhälste bei Nachlassen des Tempos einen größeren Piderstand auf, der auch durch vier weitere Tore belohnt wurde. Bau. den geileren Spielen veedlent die Leistung Elntracht-Mohlsdorf AGB. Schömberg besondere Anerkennung. Trotz des Splelerverlufte-? kam ein sicherer 6: 1-Sieg(4:0) zustande.— Der Kreismeister Volkssport Wedding hotte wirtlich wenig Mühe, sich über FT� Velten ttitt 0: 1 durchzusetzen.— Eine Ileberraschung'brachte Volkssport Wedding 3 zuwege, indem es Eiche- Köpenick 9: 4 geschlagen nach Hause schickte. Vezirksklasse Osten: FTGB.-AMersbsf sicherte sich den ersten Sieg mit 6:2 (2:1) über Eiche-Köpenick 2. FTGB.-Lichtenberg— FTGB.-Osten 2 7:2(3: 1). FT. Halbe— TSV.«iaulsdorf 2 4:0(2:0).— Frauen: Eintrackt-Mahls- darf— Eiche..Köpenick 1: 2(l: 1). FTGB. Adlershof— FT. Velten 3: 0(2: 0). Vezirksklasie Norden: FT. Schwante— Volkssport Wedding 4 1:2. FTGB- Nordring 2— Ruderverein Vorwärts 7: 2. Volkssport Wedding.'i— FT. Bötzow 3:1.— Frauen: Volkssport Wedding— Volkssport Weddina 28:1. FTGB.. Nordring— ASV. Schöneberg 0:11. Volkssport Wedding 3— Berliner Schwimm. Union 2: 1. Dezirksklasie Süden: ATB. Ruhlsdorf— ASV. Schöncberg 8: 1. ATB. Ruhls. dorf 2-FSV. Pankow 0: 3. Hockey Die gestrigen Spiele brachten einig« interessante Ergebnisse. So mußte die bisher ungeschlagene Mannschaft vom Zlrbeitersportvcre.n Rot-Weiß 1 gegen den Verein für Leibesübungen Ostring 2 mii einem unentschiedenen Resultat von 1: 1 zufrieden sei». Auch Bolks- spart Neukölln-Britz I tonnte gegen den Arbeitersportverein-Rot- Weiß 2 nur einen mageren 1: 9-Sieg herausstellen. Die Freie Turnerschast Groß-Berlin-Tempclhof Host« sich einen eindrucksvollen 5:1-Sicg über die Freie Sportvereinigung Pankow 1. Auch der Vereinsmeistcr hatte wieder gute Schlußerfolge und konnte Tennis- Rot 1 mit 6: 9 das Nachsehen geben. Sportverein Moabit 1 und der Freie Hockey-Elub Spandau trennten sich nach aufgeregtem Spiel 2:1. I» den weiteren Spielen siepte Isrci« Turnerschaft Sroß-Berlin-Teoipelhes 2 ceflen Ardeiter-Sportnercin Rot. Weift 3. mit 5:1.— Sportverein Moabit:i und Arbeitersportverein Weddina spielte»«: v.— Sportverein Moabit 2 und greie Sportvereinigung Pankoiv 2 trennten iich 4:1.— Freier Hoeten-illub Svondau 2 gegenMollsiport Reukökin-Vrift 2 Z: 1.—?m Frnuenspiel Tennio.Rot> gegen Voikospott ZieuköllU'Brift trennten sich beide unentschieden b: i>. Sportschau in Friedrichsfelde Schwerathletik findet stets Freunde Es gehört zur Tradition, daß am Totensonntag die Sportler- Vereinigung Lichtcnberg-Fri«drichsfelde94 chpc Freunde bei einer großen Sportschau in Tempels Festsälen zitsommen- führt. Auch diesmal waren Saal und Rang bis auf den letzten Platz gefüllt. Gewichtheber, Ringer. Boxer, Artisten und Jiu-Jitsu- Spartler gaben in bunter Folge einen interessanten Querschnitt aus ihrer Sportorbest: sie alle trugen ihr Bestes zum Gelingen des Abends bei. Nicht vergessen sei die Mitwirkung des 29 Mann starken Orchcrstervercins Rigoletto sowie des Mänkiergesangvereins Lichtenberger Liederfreunde 1921. Die drei überaus interessanten Ringkämpfe der Klubkameraden erössneten den Reigen der sportlichen Vorführungen. Hermann und Wittzorek trennten sich nach einem flotten Stand- und Bodenkampf � mit einem Unentschieden. Leg bezwang Hanser in der 6. Minute und die Halbschweren P. Binder und Walloschet schieden ebenfalls ohne ein Resultat. In einer Jlu-Iitsu-Demonstration brillierten P. Binder und Lück, Sobkc und Buchhalz kreuzten im Schaukamps die Boxhandschuhe Recht gut war auch die Exzcntritnummer der beiden Pauls, und die Handokrobaten Bartels erzwangen sich mit ihrer glänzenden Pühnenarbeit den stärksten Beifall. Wegen der Verletzungen zweier Heber mußte die letzte Punkt- abnähme der Kreis- und Bundesmeisterstaffel für die diesjährige Endrunde auf später verlegt werden. Dafür zeigten die beiden Kreismeister Poekern, Schulz und Walloschet im einarmigen Reißen und Stoßen sowie im beidarmigen Stoßen ganz enorme Leistungen. Di« drei Heber wuchsen über ihre alten Leistungen erheblich hin- aus und fast wären neue Rekorde geschaffen worden. Nur einige Bestleistungen seien erwähnt: im Leichtgewicht stieß Poekern beid- armig 22Z Pfund, der Mittelgewichtler Schulz 235, die auch Wallo- schek schaffte:«in Versuch mit 245 Pfund mißglückte ihm noch einst- weilen. Mit 199 Pfund erreichte W. im einannig Stoßen den Bundesrekord. Das Können der Berliner gibt schon jetzt die Ge- währ, daß der Titel eines Lundesmcisters wieder nach Berlin kommen wird. Nach einem„Seitensprung" der Theaterfreunde blieben Sportler und Gäste noch lange beisammen. Ar he iter-W asserball- Serie Charlottenburg schlägt Möwe 10: 1 So schlecht ist die Möwemannschast nicht, wie dieses überraschend hohe Resultat sagt. Möwe gab den Kampf von vornherein verloren, das war der Fehler und die Ursache sür die große Niedcrlaze. In der ersten Spielhälste drückte Charlottenburg den unlustig spielenden Gegner fast völlig in die Defensive und in der zweiten Halbzeit war es für Möwe natürlich zu spät, die besser zusammenspielenüeli Charlottenburger noch zu gefährden. Gleich zu Beginn des Spiels überrumpelte Charlottenburg die sonst gute Möweverteidizung mit zwei Erfolgen. Trotz der bekannten Schnelligkeit beider Mann- schaften blieb das Tempo verhältnismäßig schwach, woran besonders die wenig energisch nachsetzende Sturmreihe Möwes Schuld trug. Das ausgeprägte Stellunzsfpiel Charlotienburgs verlieh deiy Spiel die Note. Auch in der zweiten Spielhälfte kam Möwe nicht an sein sonstiges Können heran. Zu langsames Zuspiel und Unentschlossen- holt im Schuh verdarben viele Gelegenheiten. Charlottenburg nutzte unentwegt jede sich bietende Chance aus und bewies besonders im Spiel knapp vor dem Gegnertor eine ausgezeichnete Ballbchandlunz und Schußsicherhcit. Kleiner Sport von üheraii Sködkcwcttkainpf im fiuufftfunien Haniburg— Magdeburg— Leipzig. Die besten Arbciterturner der drei Städte, die in Hamburg zu einem Wettstreit zusammengekommen waren, zeigten wieder hervorragendes Können. Sieger wurde die Leipziger Vertretung mit 763 Punkten. Hamburg erreichte 744 und Magdeburg 738. An den einzelnen Geräten errangen: am Barren Leipzig 259, Hamburg 245, Magdeburg 251: am Pferd: Leipzig 246, Homburg 249, Mogde- burz 239: am Reck: Leipzig 238, Hamburg 259 und Magdeburz 257 Punkte. Während Leipzig und Magdeburg am Barren sehr sicher turnten, blieb Hamburg an diesem Gerät infolge Aufregung Zurück: dafür holte es am Reck gewaltig auf. Städieschwimmwellkomps Düsseldorf— Hannover— Köln und Wuppertal. Eine glänzende Veranstaltung der Arbeiterschwinimer mit ausgezeichnetem Spart. In der 4Xl99-Meter-Stafette im Brustschwimmen stellte Düsseldorf in 5:45,6 Minuten eine neue Bundesbesllcistung auf. Wasserball: Düsseldorf— Hannover 3:1, Köln-Bonn— Wuppertal 6:2. Nach der Gesamtwertung gewann Düsseldorf mit 41 Punkten vor Hannover mit 39. „Oase" spielte in Mannheim. Die Fußballmannschaft der Per- lincr Künstler-Sportvercini-iUNg..Oase" trug in Mannheim ein Spiel gegen eine Elf des Mannheimer Nationol-Theaters aus, das bei über 6099 Zuschauern seinen guten Zweck— der Reinertrag wird der Winterhilfe zugeführt— ganz erfüllte. Es war ein wirklich flottes und interessantes Spiel. Die Mannheimer siegten»ut 3:1(2:1) Toren: Unparteiischer war Hanne Sobek. Skilehrerkursus. Die von den Gruppen beauftragten Vertreter zum Skilehrerkursus werden gebeten, am Montag, 23. November, pünktlich 29 Uhr, in der Turnhalle Waldemarstraßc 77(Lausitzer Dlatzl, Zu erscheinen. Der zweite Abend findet am 39. Ziovcmbcr statt. Arbeiter VasserrcLtnvgsdienst, 2. Bezirk. Die für Donnerstag. 26. November, 13 Uhr, vorgesehene Borfdhrung der Rettunqsgeräte findet nicht in der Karl- ftraße 31, sondern am LÜtzowuser 19b, Ecke Lützowplatz. statt. tlartelibezirk 13. Mittwoch, 23. November, 20 Uhr, Sitzung in der„Linde", Frildrich..« wendender und absuchender Geist, rastlos hin und her gewarfen zwischen Gläubigkeit und Bedenken, immer, wie sein Tychö Brahe, aus dem„Weg zu Gott". Der Roman endet beim Kriegsausbruch. Die~alten Problemstellungen beginnen die Aktualität zu verlieren. Stefan Rott und die um ihn herum, wissen nicht recht, wie sie sich z» hem Neuen, Unerhörten stellen sollen. Die Kanonen Wersen banalere, aber auch massivere Fragen auf als jene es waren, die bisher von Stefan Rolt erwogen nnirden. In diesem Stadium verabschiedet sich Max Brod von seinen Lesern mit einer unwilligen Gebärde der tiefsten Per- achtuirg gegenüber„dem untcrmenschlichen Phänomen" Krieg dos die Erdkugel reis macht zu ihrem großen Sturz ins Nichts".'" *•- 5»"ÄV