Morgenausgabe 7lr. 549 A 226 4S.Iahrg.. Devl>sltenk.,Lerulälciner Är.liü 0?. Schluß mit dem Lohndmck! Sozialdemokratische Erklärungen beim Reichskanzler gegen das Ergebnis des Wirtschafisbeirats.— Senkung des Brotpreises versprochen. Am TNotilag fand aus Wunsch der sozialdemokratischen Reichs. tagssraktion in der Reichskanzlei eine Besprechung stall, von der Regierung waren anwesend der Reichskanzler Dr. Brüning, Ainanzminister Dr. Dietrich und der Arbeitsminisier Dr. S t c g e r»l! o> d. von der sozialdemokratischen Reichslagssraklion die Genossm Aushäuser, Vrcitscheid. herh und h i l s e r d i n g. Vor Elnlrikl in die Tagesordnung, aus der eine Reihe von wirtschasl- lichen Angelegenheiten standen, erbot Genosse S r e i t s ch e i d dos Vorl. um. wie er sagte, diese erste sich bieleude Gelegenheit zu einer kirilit an dem am vlonlag verössentlichlen frommunique über die Arbeilen des wirtschaflsbeirats zu benuhen. Breitscheid warnte im Ramen der Reichslagssraklion die Regie- rurg davor, dafz sie die in diesem Kommunique niedergelegten Thesen znr Grundlage eines Regierungsprogramms mache. (c Lohn- reduzicrung angesichts der durch die englische Psundseukung und die oreläodischeo Zallcrhöhungen bewirkten neuen Exporterschwerungen »ich! herumkommen, wo» das Tarisrechl anlange, so sei das wesentliche, detz an seinem Grundsatz nicht oerüllel« werde. Es handele sich nur darum, es mit Rücksicht ans örtliche, zeilliche und bronchenniäkige vrrhälknissc elastischer zu gestatten. Die Genossen Breilscheid und Aushänser stellten srst, daß ihre Besorgnisse durch diese Erklärung keineswegs zerstreut seien. und sie ersuchlen die Regierung nochmals mit allem Rochdruck, bei ihrer Verordnungspraxis mehr als bisher Rücksicht aus die Lage uud auch auf die Psychologie der Arbeitertlosse zu nehmen. Eine end. gültige Stellungnahme kann natürlich erst erfolgen, wenn die Pläne de? Kabinetts, das ja durch die Wünsche und Forderungen des vei- rnls nicht gebunden ist, feste Umrisse angenommen haben. Ems Erklärung des AOGB. Vom ADKL. wird uns mitgeteilt; Reichspräsident Hindenburg hat in seiner Ansprache auf der«chluszsitzung des WirlschastebeiratZ u. a. folgende Ausführungen gemacht: „Wie ich in meiner Erossnungsanfprachc an Sie und heute wieder der Herr Reichskanzler betonte, liegt die Pflicht der Fnh- rung und des Handelns bei der Reichsregiemng. Gestützt auf die hier beschlossenen Leitsätze imd die aus der Aussprache der letzten Wachen gewonnenen Erfahrungen und Anregungen wird die Reichsregieruilg nunmehr ihrerseits die Maßnähme» beschließen, die sie znr Wiedcrgesundung unserer Wirischast und zur Aufrecht- erhaltung de, sozialen Friedens für notwendig hält." Gegenüber dieser Fonnulierung, die zu Mißventändnissen An- laß geben könnte, ist festzustellen, daß der Wirtschaftsbcirot keine Leitsätze b e s ch s o s s c n hat Der Wirtschattsbeirat tonnt« schon desha'b reine Befchflisse irgendwelcher Art fassen, weil er bc- lanntlich völlig unparitätisch zusanunengesetzt fear. Di« Vertreter der Gewerkschosten bildeten nur eine kleine Minderheit. Die Erklärung des Rcichstanzlcrs enthält daher keine b e- schlössen«« Leitsätze, snirdcm nur eine Zusammen- f a s s u n g der Arbeiten der Ausschüsse des Wirtschaftsbeirats, der gegenüber den Vertretern der Gcwertschostcn in der Sitzung am Sonntag, dem 22. November, die abweichende Ausfolsung der Ge- wcrkschasten in einer Erkläning festgestellt hat. * Aus dieser Erklärung des ADGB. geht bereits hervor, daß die von uns im„Abend" wiedsrgegci'ene Rede G r a ß in a n n s nicht am Montag, sondern am Sonntag rm Wirtichoftsbeirat gehalten worden ist. Die Haltung der christlichen Gewerkschaften. Zu unserer Meldung über den Ausgang der Beratungen des Wirtschailsbeirates erfährt der P o l i t i s ch° G e w e r k j ch a s t- l ich c Z e rt u n g s d i c n zr, dex im Hause b«a. Deutschen Gewerk- schastsbundes erscheint, non unterrichteter Seite: „In den Beratungen� des Wirtschaftsbeirotes vom Sonntag, 22. Ndvcinbcr.'h'ot nach d'eil DoNegnngeil des Reichskanzlers das Mitglied des Allgeineincn DeiNfäzen Grwerkschaftsbundes Peter G r a ß in a n» als erster der Arbeituchmervcrtretcr das Wort er- griffen. Er hat. unter starker Betonung den Arbeit- nehmerstandpuntt zum'Bcrlauf der bisherigen Beratungen zum Ausdruck gebracht und in durchaus versöhnlichem Tone dar- gelegt, daß das Ergebnis der Berhändlnngcn. die Arbcitnehnier nicht befriedigen. könne. Von einem Gegensatz zur Regie- rung Brüning ist in den Ausführungen Graßmanns nicht die Rede gewesen. Für einen solchen Gegensatz ist auch gar kein Grund vor- Händen. Nach Graßmann haben übrigens alle anderen Gc- w e r k f ch a f t s v e r t r o t e r im Wirtschastsbeirat ebenfalls ihre Meinung zum Verlauf und zum Ergebnis der Beratungen noch ein- mal dargelegt. Der friedliche Verlaus geht auch ms der Tatsache hervor, daß in der Sitzung des Wirlschaftsbeiralcs von, 23. Novem- der unter dem Porsitz des Herrn Reichspräsidenten der Reichs- arbeitsminister Stegerwald in seinen Ausführungen noch- drücklichst noch eimnal herausgestellt hat, daß unter keinen Um- st ä n d e n von der Regierung daran gedacht werden wird,«in- seitig die Löhne und Gehöiter zu senken, sondern daß Mittel und Wege gesunden werden müssen, neben den gebundenen Preisen auch alle anderen Preise ebenso wie die Mieten und die Tarife für Gas, Elektrizität und Straßenbahn zu senken. Denn alle diese Posten sind für die Äostcilvcrteilung des Arbcitnehmerhäushalts wesentlich. Bon einem unsnedlichen Ende der Sitznnge» des Wirtschaftsbeirates kann nach dieser Darstellung gar keine Rede sein" Nach der Erklärung Graßmanns haben die Herren Otte von Deutschen Gewerkschastsbund und R o c s s i g c r von den Hirsch> Dunckerschcn Gewerkschaften ebenfalls chre starken sachlichen Be- denken, namentlich gegen eine weitere Schwächung der Massen- kauskraft vorgetragen. Llm Brot, Winterhilfe, Invaliden! Die weiteren Verhandlungen mit der Regierung. Räch den Auseinandersetzungen über die L o h n s r a g e. die gewissermaßen außerhalb der Tagesordnung erfolgten, brachten die Sozialdemokralen die Frage des Srolpreises zur Sprache. Durch Reichsgeseh vom?S. Würz tgZl ist die Reichsregierung verpsl'chlet, einer Erhöhung des Brolpreises vorzubeugen. Trotzdem ist in den letzten Monaten der Brolpreig über den vorgesehenen Preis gestiegen, ohne daß Gegenmaßnahmen der Reichsregierung gelrossen worden wären. Da außerdem durch die Knappheit an Roogcn die Gefahr besteht, daß der Brotpreis sich in Zukunft noch mehr erhöht, verlangte die Sozialdemokratie strikte Durchsührung der gesetzlichen Bestimmungen. Räch längeren Auseinandersetzungen mit dem Reichsminister Schiele sagte die Reichsregierung bindend zu. daß die Brolklaufel nach Ihrem Wortlaut durchgeführt, der frühere Brolpreis wiederhergestellt werden soll und außerdem durch eine verbilliguug der Futtermittel die versütlerung des Roggens vermieden werden soll. Alsdann verlangten die sozialdemokratischen Vertreter Aus- Häuser, herh und hilserding Auskunst über die von der Regierung zur Ausführung dos Reichstaasbeschlnstes über eine zusätzliche M i n t c r h i l s c setrossenen Maßnahmen. Die in einigen Gegen- den abaeschlosieuen Vereinbarungen zur Vcrdilligung von Brot, Kartoffeln und Kohlen für Erwerbslose wurden von den sozial- dcmokralischen verlretern für nicht ausreichend erklärt; sie ver- langten vielmehr aufs neue eine obligatorische und einheitliche Regelung sür das ganze Reich. Die Regierung stellte eine solche Regelung in Aussicht. Reichsminister Schiele teilte serner mit, daß er eine verbilligung von Fleisch für Erwerbslose um Z0 Ps. pro Pfund beabsichtige. Schließlich wurde die Finonznot der Invalidenversicherung er- örlerl und dargelegt, daß eine Anzahl von Landesversicheruncs- anstallen vor unmittelbaren Zahlungssihwierigleiien stehen. Es wurde von der Reichsregierung verlangl, daß sie den notleidendcn Anstalten ermöglicht, die Reichsschahanweisungen, die der 3ii- validenversichcrung im Vorjahre ausgenötigt worden waren, mit hilse des Reiches, soweit erforderlich, slüssig machen zu könren. Der Reichssinanzmunsler sagte seine Mitwirkung bei der Behebung der bestehenden Knssenschwierigkeilen der Landesversicherungkonstalten zu. Mit dem Ergebnis der Verhandlungen wird sich der Vorstand der sozialdemokratischen Reich»lag»sratti»n am Dienslag beschästigei;. Der Wirtschaftsllcirat ist zu Ende. Ob dieses Ends fried- sich oder unfriedlich war. lohnt keinen Streit. Aber was weiter� wird, das ist eine politische Frage er st er Ordnung. Die Leitsätze, die aus den Verhandlungen durch irgend- ein geheimnisvolles Verfahren— ohne Abstimmung!— herauskristallisiert wurden, sind sür die Regierung keine zwingenden Normen. Auch die Erklärung, daß iin Rahmen eines ausreichenden Wirischaftsprogramms eine nochmalige Senkung der Löhne und Gehälter unvermeidlich erscheint, ist zunächst nur platonischer Natur. Man kann ja schließlich die Sache auch so optimistisch betrachten wie die christlichen Gewerkschaften, die da ineinen, die Regierung werde weitere Lohnsenkungen nicht zulassen, solange nicht eine entsprechende Senkung der Lebenskosten vorongegongen ist. Wir allerdings teilen diesen Optimismus nicht, wir sind der Meinung, daß es Zeit— und noch nicht zu spät— ist, Alarm zu schlagen. Darum hat die s o z i a l d e m o- kratische Reich stagsfraktion die erste Gelegen- heit benutzt, um dem Rcichsrauzler und dem Reichsarbeits- minister ihren Standpunkt mit größter Deutlichkeit darzu- legen. Der Standpunkt der svzialdemokralischen Reichstags- fraktion ist auch der der freien Gewerkschaften. Wir glauben sagen zu dürfen, daß im Ziel, in der Absicht, jede weitere Senkung der Reallöhne zu verhindern, auch die Gemerk- schaften anderer Richtung mit uns übereinstimmen. Ihnen kann es keineswegs unerwünscht sein, wenn die Sozialdcmo- kratie und die freien Gewerkschaften in dieser Frage der Regierung ein deutliches„Bis hierher und nicht weite r!" zurufen. Der Reichskanzler und der Rcichsarbeitsminister könnten, wenn sie es noch nicht wüßten, aus den Erklärungen ihrer nächsten Freunde erfahLLN, wie es draußen im Lande steht. Sic könnten es aus den Erklärungen der katholischen G e i st l i ch k c i t. des Ruhrgcbiets erfahren oder aus den er- schütternden Zuschriften, die der„Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften, mitunter zum Abdruck bringt. Aus ihnen geht hervor, daß der Lohn, den schwer arbeitende Menschen für ihre Arbeit erhalten, oft schon nicht mehr ausreicht, das dringendste Nahrungsbedürfnis zu befriedigen— von Kleidung und höheren 5kulturbedürfnissen ganz zu schweigen. Eine neue Aktion zur Senkung der Reallöhne wäre unter diesen Nmständen nicht nur eine Barbarei, nicht nur eine wirtschastliche Sinnlosigkeit, sondern auch eine politische Handlung von nicht absehbarer verhäng- n i s v o l l e r Bedeutung. Die sozialdemokratische Reichstagsfraklion hat sich zweifellos ein Verdienst erworben, indem sie an dieser gefährlichen Stelle eine weithin sichtbare Warnungs- t a f e l aufrichtete. Mit den sonstigen Ergebnissen der Verhandlungen des Wirtschaftsbeirats boschästigen wir uns ein andermal viel- leicht ausMrSchec. EinftweLen sei nur darcmf aufmerksam gemacht, daß die berühmten.Leitsätze" über die notwendigen Abschreibungen nach den massenhaften Fehlleitungen des Kapitals, über die aufgeblühten Verwaltungskosten kein Wort sagen. Die Kreditfrage wird nur aus dem Gesichtspunkt der Linsminderung behandelt, nicht aber aus dem viel wichtige- rsn Gesichtspunkt, wie eine rationelle Kreditleitung zum besten Betrieb hin erfolgen könne. Schwächlich und wenig ver- teauenerwetkend ist. was über die Senkung der Kartellpreise, der Mieten, der öffentlichen Tarife gesagt wird. Hier hat man immer wieder den Eindruck, daß es sich nur um Pläne per Termin handelt, wahrend die„unvermeidlichen" Lohn- und Gehaltssenkungen per Kasse hingenommen werden sollen. Die Besprechungen, die die Vertreter der sozialdemo- kratischen Reichstagsfraktion gestern mit den Herren B r ü- ning. Schiele. Dietrich und Stegerwald hatten, scheinen uns— und das ist noch lange kein großes Lob— immer noch bedeutend ftuchtbarer gewesen zu sein als die langen Verhandlungen des Wirtschaftsbeirats. Erreicht wor- den ist in ihnen, daß die Regierung die Wiederherstellung des früheren Brotpreises und die Verbilligung der Futter inittel bindend in Aussicht stellte. Auch die Aktion der Partei für die Erwerbslosen hat insofern einen Teilerfolg zu ver- zeichnen, als für die Verbilligung von Brot. Kar- toffeln und Kohlen eine einheitliche Reichsregelung zu- gesagt worden ist. Auch das Fleisch soll für Erwerbslose um 30 Pfennig pro Pfund verbilligt werden. So verspricht Herr Schiele. Die Sozialdemokratie hatte bekanntlich die zusätzliche Unterstützung der Erwerbslosen mit Kohlen und Kartoffeln verlangt, die viel einfacher durchzuführen gewesen wäre als die reichseinheitliche Verbilligungsaktion. Immerhin, wenn die Regierung Wort hält, dann ist aus den Verhandlungen der Sozialdemokraten mit der Regierung wenig st ens etwas herausgekommen, während aus den Beratungen des Wirtschaftsbeirats gar nichts herausgekommen ist. Das sehr teilweise Entgegenkommen der Regierung kann uns darüber nicht täuschen, daß die Zeichen auf Sturm stehen. Das Schlimmste kann nur vermieden werden, wenn die Regierung aus die körperlichen Bedürfnisse und die nur zu begreifliche seelische Verfassung der Arbeiter und der Arbeits- losen die notwendige Rücksicht nimmt. Wird diese notwendige Rücksicht außer acht gelafsen, so drohen Folgen, für die n i e- m and die Verantwortung übernehmen kann! Es ist besser, rechtzeitig mit aller Deutlichkeit zu warnen, als an den Tatsachen scheu vorbeizuschleichen. Die sozialdemo- kratische Reichstagsfraktion hat die Reichsregierung rechtzeitig und mit aller Deutlichkeit auf den ungeheuren Ernst der Lage aufmerksam gemacht. Daß sie das getan hat, ist ein Der- d i e n st! Krach in Hitler-Heffen. Reugewählte Landtagsabgeordnete werden ausgeschifft. Unser Parteiblatt i« Darmstabt, der..Hesststhe Bolls- sreuitd". veröffentlicht avfsehenerreqeude Nachrichte» aus dem Httler-Lager: Am letzten Mittwoch drangen R at io nals oz ial iste u in die Wohnung des nationalsozialistischen KreisMrers und neu- gewählten Landtagsab geordneten Dr. Schäfer in Ofienfmch ein, wobei sie Schäfers Vater in ein Zinnner sperrten und Schäfers Frau verhinderten, an die Polizei zu tele- phonieren. Die eingedrungenen Nationalsozialisten packten das Inventar der Partcigeschästsstelle ein und schleppten es fort, weshalb gegen sie«trasanzeige erstattet wurde. Als Grund zu diesem Vorgehen der Parteifreunde Schäfers wird angegeben, daß Schäfer nach seiner Wahl Aeußerungen getan haben soll, die das Vertrauen seiner Parteifreund« erschüttert haben sollen. Im„Hesserchaimner*(dem Hitler-Blatt) ist unter den gewählten Abgeordneten der Nationalsozialistischen Partei der K r e i s l e i t e r Dr. S ch ä f e r, der an lg. Stelle stand, nicht enthalten, und unter den parteiamtlichen Mitteilungen wird bekanntgegeben: „Pg. Dr. Schäfer hat mit Rücksicht auf seine b e r u s l i ch e starke Inanspruchnahme und seine Kriegsverletzung sein Mandat niedergelegt. Die Gauleitung Hessen spricht ihm für sein« Arbeit den Dank aus. gez. Lenz." Im Landtag ist, wie der„Hessische Aolksfreund" hört, ein« Rücktrittscrklornng des Abg. Dr. Schäfer noch nicht ein» gegangen. Mit der gleichen„Freiwilligkeit" scheinen auch die folgenden Abgeordneten der beim Wahlleiter eingereichten Kandidatenliste aus ihr Mandat verzichtet zu haben, denn sie sind in der parteiamtlichen Liste der Erwählten nicht zu finden: Kaufmann Brückmann, Auerbach. Handelsvertreter Alfred Zürtz. Darmstodt. Für den ausgeschiedenen Dr. Schäfer lverden der landwirtschaftliche Arbeiter Friedrich Beyer II, Framersheim, und als 27. Abgeordneter ein bisher unbekannter Wagner-Oberincister Willy Luft. Neu-Isen- bürg, auf der Liste der Gewähllen nominiert. Wie weiter verlautet, ist auch der nationalsozialistisch- Spitzen- kandidat Lenz zurückgetreten, da er angeblich mit Arbeiten iiberhöuit ist. Wer sie kennt, wählt sie nicht! In Butzbach in Oberhessen fanden am 15. November gleich- zeftig mit den Landtagswahlen auch Stadtoerordnetenwahlen statt. Während für die Landtagsliste der Nationalsozialisten 101» Stimmen abgegeben wurden, stimmten für die nationalsozialistische Stadtoer- ordnetenliste 583 Wähler. Dieser Ausfall von-14 Proz. der nationalsozialistischen Stimmen findet darin seine Erklärung, daß die Butz- bacher Wähler die Stadtverordnetenkandidaten persönlich kennen; was bei den Landtagskandidaten nur vereinzelt der Fall war. Oer Acllcstenral des Reichstags ist zu einer Sitzung auf Don- nerstag, dem 26. November, nachmittags 5 Uhr, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht zunächst eine Neuberechnung der Aus» Ichußsitze und ferner eine Anregung zur Aenderung des Diäten- gesetzes. Segen das Urteil im Weltbühnenprozeß, das eine Bedrohung jedweder Pressefreiheit darstellt, wird die Deutsche Liga für Menschen- rechte noch im Lause dieser Woche eine große Prot« st ver- s a m m l u n g einberufen. Angesehene Journalisten sowie die Ver-, leidiger und die Angeklagten selbst«erden das Wort ergreife«. l 2 Unschuldslämmer vor Gericht. Sie wollen auch noch aus der Hast entlassen werden! Hage«. 23. November. Die Schieberei am Abend des 28. Mai in der Mittel- straße, bei der drei Personen getötet und zahl» reiche verletzt wurden, ist Gegenstand der Gerichts- Verhandlung, die heute begonnen hat. Der Prozeß läuft unter dem Rubrum: Lampe und Genossen. Angeklagt sind sieben Nationalsozialisten. Nach der Feststellung der Personalien der Augeklagten stellte die Verteidigung für die sieben Angeklagten Hafte»t- lassungsautrag. Außerhalb der Begründung des Antrages teilte die Berteidiguug mit. daß im Falle der Ablehnung des Antrages sämtliche Angeklagten die Aus- sage verweigern würden. Als darauf die Haftentlassung vom Gericht nach längerer Beratung abgelehnt wurde. erklärte« sämtliche Angeklagten, daß sie die Aus- sagen verweigern würden. Oer Terror in Eutin. Eutin, 23. November.(Eigenbericht) Der Bürgermeister von Eutin hat jetzt entsprechend den Forde- rungen der Notionalsozialisten den Besuch Eutins durch auswärtige Reichsbannerleute verboten. Selbst- verständlich hatte er nichts dagegen einzuwenden, daß zu der letzten Kundgebung der Nationalsozialisten ungefähr 7000 Nazis auf Last. wagen nach Eutin gebracht wurden. Die offenkundige Unterwerfung der Stadtoerwal- tung unter den Naziterror hat begreiflicherweise zu einer großen Empörung in der Bevölkerung geführt. Sie wird gesteigert durch weitere Terror niaßnahmen gegen Arbeit- n e h m e r. So wurde neuerdings auf einer staatlichen Domäne ein der SPD. angehörender Oberfchweizcr gezwungen, aus dem Reichsbanner und der Sozialdemokratie auszutreten, weil ihm angedroht worden war, daß man ihn andernfalls sofort entlassen würde. Auch in Fassendors bei Eutin sind die Landwirte an die Landarbeiter herangetreten und haben sie aufgefordert, aus ihren Organisationen auszutreten. Da dort aber Sozialdemokratie und Gewerkschaften beträchtlichen Einfluß besitzen, gelang es ihnen nicht, die Arbeiter unter den Terror zu zwingen. Eine Hetzlüge des„Angriff". Das Berliner Naziorgan, das in seiner Mordhetze kaum von einem anderen Naziblott übertroffen werden dürfte, meldet am Montag unter einer dreispaltigen Ueberschrist:„Sozi- Land- tagsabgeordneter wegen Mordan st istung ver- haftet". Diese Titelzeile erweckt mit Absicht den Eindruck, als ob ein sozialdemokratischer Abgeordneter irgendeines Landes- Parlaments unter Mordverdacht verhaftet worden wäre. Einmol, um auf diese Weise bei flüchtigen Lesern, die sich um den Text der betreffenden Nachricht nicht kümmern, Stimmung gegen die SPD. zu machen, zum anderen aber aus sensationellem Bedürfnis. Der Vorfall, mit dem sich das Naziblatt im Anschluß an seine verlogene Ueberschrist beschäftigt, spielt zunächst nicht in Deutschland, sondern in Oe st erreich. Aber auch hier ist der an- geblich verhaftete Sozi-Landtagsabgeordnete gar kein Land- tagsabgeordneter, sondern Parteisekretär.. Und dieser Parteisekretär wurde nicht, wie das Naziblatt behauptet,„wegen Mordanstiftung", sondern wegen der Teilnahme an einem Zu- sammenstoß zwischen Nazis und Republikanern verhaftet. Die „Wiener Arbeiter-Zeitung" berichtet darüber: „Nach der sozialdemokratischen Republikfeier in Bälkermarkt (Kärnten) kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Haken- kreuzlcrn und Sozialdemokraten. Die Nationalsozialisten hatten heimkehrende Arbeiter aus Kühnsdorf überfallen; sie gaben mehrere Schüsse ab. Die Arbeiter setzten sich natürlich zur Wehr. Mehrer« Perjonen wurden ver- letzt; unter den Verletzten waren auch zwei Hakenkreuzler. Am nächsten Tage wurden dreizehn Arbeiter oerhaftet und dem Landesgericht in Klagenfurt eingeliefert; auch der Parteisekretär von Völkermarkt, Ferdinand Wedenig, wurde ver- haftet. Von den Hakenkreuzlern wurde keiner verhaftet, obwohl sie die Angreifer waren und geschossen haben." Abgesehen davon, daß das Berliner Naziorgan über den Vor- fall selbst in unverantwortlicher tendenziöser und auf- hetzerischer Weise berichtet, ist es der Lüge insofern überführt, als auch in Oesterreich ein„S o z i- L a nd ta g s a bg e o r dn e t e r. der wegen Mordan st iftung verhaftet" worden ist. nicht existiert. Anleihe für die Militärexpedition. Japans Bedingungen für die Raiskommission. Tokio, 23. Novemver. Nach einer Blatte nuelduug will das japanisch« Finauzmmifteri««» eine Anleihe vou 35 bis 50 Millionen Ben zur Deckung der Kosten der japanische« Militär- expedition auflege». Der Entwurf wird im Augenblick noch von der Regierung berate«. Man glaubt, daß die Anleihe schon in der nächste« Zeit aufgelegt werde« wird. Paris, 23. Noormbsr.(Eigenbericht.) Der japanisch« Botschaft« Poshisawa hat dem Ratspräsidenten Briand eine schriftliche Darstellung der japanischen Forderungen in bezug auf die Rolle und die Zusammensetzung der nach China zu entsendenden Stiibienkonrmissinn überreicht. Danach wird oerlangt, daß die Kommission nicht nur in der Mandschurei, sondern in ganz China die allgemeine Lage prüft, soweit sie die internationalen Abkommen betrifft und mit dem mandschurischen Konflikt zusammenhängt. Die Kommission soll also folgende» feststellen: Achtet Nanking die politischen und wirtschaftlichen Verträge? Ist es für die Kampagne gegen die Ausländer verantwortlich? Subventioniert oder empfiehlt Nanking die Boykottmaßnahmen gegen japanische Waren? Weiter verlangt Japan, daß die Kom- Mission weder in die Verhandlungen eingreift, die vielleicht zwischen den beiden Parteien eingeleitet werden, noch, daß sie die Truppenbewegungen überwacht. In bezug auf diese beiden Punkte besteht Japan darauf, daß die Kommission sich nicht die Befugnisse des Rates anmaßt, sondern nur«inen Bericht üb« ihr« Feststellungen ausarbeitet. Wenn Japan erkläre, daß sich die Kommission nicht mit den Truppen- bewegungen zu beschäftigen Hab«, solle das nicht heißen, daß Japan irgendwelche Offensivpläne hege. Aber der japanische Generalstab könne genötigt sein, in der Mandschurei Defensiomoßnahmen zu ergreifen. Dasselbe gelle für China. Weit« verlangt Japan, daß die Kommission aus hervorragenden Persönlichkeiten be- stehe. Da Briand Borsitzender des Rates sei, müßte Frankreich an erst« Stelle einen Vertreter bezeichnen. Ferner müßten England und Amerika der Kommission angehören. Außerdem schlägt Tokio Nor, daß der Kommission ein sapanischer und ein chinesischer-Ver- treter zur Mitarbeit attachiert werden. Diese Porschlägc hat Briand sofort dem chinesischen Delegierten Sze mitgeteilt, das Bölkerbundssekretariat Hot Vorschläge über die Zusammensetzung und die Aufgaben der Kommission ausgearbeitet. Es Handell sich jetzt darum, einen gemeinsamen Text festzulegen. sobald China und die anderen Rotsmitglieder ihre Ansichten über die beiden Vorschläge mttgeteill haben. v * Die nordöstlich Zizikar gelegene Stadt Haillrn, wo zuletzt das Hauptquartier des Ehinescngenerals Ma seinen Sitz Halle, ist von den Japanern besetzt worden. Eine„unabhängige" Mandschurei-Regierung hat sich mll japanischer Genehmigung aufgetan. China verlangt Sicherungen. Pari». 23. November.(Eigenbericht.) Der chinesische Vertreter Sze hat dem Völterbund im Austrage seiner Regierung ein Memorandum über die Vorschläge be- treffend die Ernennung der Studicnkom Mission überreicht. Darin heißt es. daß eine Untersuchung, die nicht von Maßnahmen begleitet ist, die zu gleicher Zeit ein sofortiges Aufhören der Feindseligkeiten und den Rückzug der japanischen Truppen gewährleisten, von China nur als ein Ausweg angesehen werden würde, der es erlaub«, die unberechtigte Besetzung chinesischen Gebiets zu dulden und während eines unbestimmten Zeitraums zu verlängern. Es sei also China unmöglich, den Vorschlag zu prüfen oder an der Ausarbeitung des endgülligen Textes mit- zuwirken, solange die vorher erwähnten Grundlinien nicht in gceig- neter Form festgelegt sind. Ladendorffs Immuniiät. Staatsanwaltschaft beantragt Aufhebung. Die Staatsanwaltschaft I hat wegen der Strafverfolgung des wirlschostspotteilichea Abgeordneten Ladeudorss Aushebung der Immunität bei dem Preußischen Landtag beantragt. Gegen Laden- dorsf besteht der Verdacht, daß er al» Vorsitzender de» Aus- f i ch l s r a l s an den bei der Berliner Pank für Handel und Grund- besitz ausgedeckten Bilanzverschleierungen beteiligt ist. In dem Fall Lavendorff erscheint uns außer der Pleite der Grundbesitzerbank noch«ine ander« Frag« sehr ausllörungs- bedürftig. Gegen den verschwundenen Direktor Seiffert schwebte schon seit längerer Zeit ein M« i n e i d s v« r f a h r e n, das mit der Korruptionsaffäre von zwei wirtschaftsparteilichen Landtags- abgeordneten in Anhalt zusammenhängt. Seiffert hatte seinerzeit ausgesagt, daß er ben betreffenden Abgeordneten erst nach der Ab- stimmung im Landtag— es handelte sich um den Verkauf der An- baltischen Salzwerke an die Preußag— Geld gegeben Hab«. Tat- sächlich aber hatte Seiffert dem«inen Abgeordneten 20 00 0 M. vor der Abstimmung ausgezahlt. Es wird nunmehr behauptet, daß Lasendorff seinerzeit mll Seiffert zusammen nach Anhalt gefahren sei und. mll den inzwischen verurteilten Abgeordneten in Dessau verhandelt habe. Hier muh Klarheit geschaffen werden, ob Ladendorff an der gerichts- notorisch festgestellten Bestechung der anhaltischen Abgeordneten aktiv beteiligt gewesen ist. Tolle Zustände bei dem Nankhaus Marcus. Die Untersuchungen des Kommissars Bohndorf und des Buch- prüf«s Landsberger bei dem zusammengekrachten Bankhaus Max Marcus u. Co. haben eine beispiellose Mißwirtwirt- schaft aufgedeckt. Es herrscht ein derartiger Wirrwarr in der Führung der einzelnen Konten, daß«ine große Anzahl Angestellter sottgesetzt zur Ausklärung vernommen werden muß. Wie die Untersuchung bisher ergeben hat, haben die Bankiers Marcus und Schreiber mit einer Gewisienlosigkell sonder- gleichen ihre eigenen Gelder mit den Geldern ihrer■ Kunden zusammengeworfen und mit dcn ihnen anvertrauten Summen ihr luxuriöses Leben finanziert. Bei Marcus besteht der Verdacht, daß er größere Kapllalien an Wiener Geschäftsfreunde und mll Hilf« einer Freundin anderweitig ins Ausland ver- schoben hat. Am Fliegerprozeß nicht interessiert. Kein Strqfantrag Italiens gegen die Konstanzer Flieger. Rom, 23 November.(Eigenbericht.) Die italienische Regierung teilt mit, daß sie keinen Antrag aus Strafverfolgung der in Konstanz oerhafteten Anti- faschisten-Flieger gestellt habe und auch keinen Antrag stellen werde. Sie sei an dem Prozeßverfahren gegen die Flieger desinteressiert. Di« Flieger werden sich nur wegen Paßoergehens zu oerantworten haben. Spanisch« PrSsidenteawohl Mille Dezember. Man rechnet in Madrid damit, die Debatte in den Cortes über die Verfassung so rechtzeitig beenden zu können, daß die Wahl des Präsidenten am 10. Dezember stattsinden kann. Alcata Zamora. ist der einzige Kandidat. Sein« Wahl ist so gut wie sicher. 3Ir. 549• 48. Jofirönnä Oiciisiaq. 24. Tlovember 1931 Mieter am Verzweifeln. Die Hälfte des Einkommens geht für Miete drauf. Die vom„Vorwärts" vor kurzem gekennzeichnete C r � r e g u n g in den Berliner Mietertreisen Hot sich in den letzten Togen nicht besänftigt, iandern ganz erheblich verstärkt und nion darf annehmen, daß der Höhepunkr bei weitem noch nicht erreicht ist. Das geht z. B. auch aus einer Aeutzerung hervor, die das Bundesoorstandsinitglied U h l i g vom Bund Deutscher Mieter in Dresden in einer Mieterversammlung des Mieter- Verbandes Schöneberg tat. Uhlig teilte mit, daß die Bundesleitung entschlossen sei, im Interesse einer sozialen Wohnungswirtschaft und des Wiederaufbaues von Staat und Wirtschaft die Mieter- schaft in allen Teilen des Reiches zu großen Äundgebungen aufzurufen. Das bedeutet also, daß wir erst am Ansang, einer allgemeinen Mieterprotestbcwegung stehen, einer Bewegung, der auch der Reichsbund Deutscher Mieter in Kürze mit starken Impulsen nachHelsen wird. Weiterhin aber sagte Uhlig, nachdem er daraus hingewiesen hatte, daß die Reichsparteileitung der Wirt- fchaftspartei von, Reichskanzler Brüning angeblich die Zusage ails Aufhebung des Mieterschutzes erhallen habe, es sei in solchen Notzeiten mehr denn je wichtig, daß alle Kreise der Mieterschait ohne Rücksicht am Partei und Beruf gegenüber de» Forderungen des chausbesitzes eine geschlossene Front bilden müssen..Dazu einige Worte. Daß die Mieter zusammenhalten müssen, wenn sie berechtigte Forderungen durchsetzen wollen, ist notwendig und selbstverständlich. Sollte aber, so muß man sich fragen, den vielen den Rechtsparteien — Deutfchnationalc. Bolkspartcj und Nationalsozialisten— angehörenden und nahestehenden Mietern noch niemals aufgefallen sein, daß diese ihre Parteien im Grunde genommen mieter- feindlich und ausgesprochen hausbesitzerfreund- lich eingestellt sind? Wollen also diese Leute in ihren Parteien bleiben, so mögen sie gefälligst mit aller Energie bei ihren Partei- lcitungen vorstellig werden, daß diese in den Reichs-, Staats-, Kreis- und Stadtparlameicken endlich auch die berechtigten Mieterinteressen vertreten! Wenn sie aber glauben, daß das aussichtslos und zwecklos ist, dann sollen sie sich zu der Emsicht bequemen, daß Cg immer noch die Sozialdemokratie ist. die nacki w>e vor als zur Zeit stärkste deutsche Mieterpartei die Rechte und Znter- essen der deutschen Mieter in den Parlamenten, den Ausschüssen und in oller Oesfcntlichkeit energisch und crsolgreich wahrnimmt. Ist dem so— und die Tatsache wird nicht gut bestritten wer- den können—, dann wird man auch von den leitenden Per- sönlich leiten der Mietcrvereine voraussetzen und er- warten dürfen, daß sie trotz aller Ueberparteilichkeit der Mieter- vereine daraus hinweisen, daß es. in ftster ÜMc JigÄ immer noch die Sozialdemokratie und ihre Presse ist, die BcrstäNd'Nis für die unermeßlich werdende Not der Mieter hat und jederzeit bereit ist, sieh für ihre. Forderungen einzusetzen. Daraus, folgt, daß die nicht- sezialdemokratischen Mieter die unbedingte Pflicht haben, ihre Presse und ihre Partei aufs schönste zu kontrollieren und unerbittlich zur Rechcnschait zu ziehen, wenn sie etwa aus demagogischen Gründen der Sozialdemokratie in den Rücken sollen oder ihre Antrage zu Fall bringen. Gerade in der Mieterbeivegung ist es möglich, ein bedeutsames und sehr notwendiges Stück politischer Reinigung zu vollziehen. Die Sozialdemokratie aber als einzig wahre Mieter- partci anerkennen, bedeutet andererseits die Notwendigkeit, ihr durch Stimmen und M i e t g l i e d s ch a f t in den Parlamenten die Macht zu geben, Mietcrforderun gen Parlament«- r i s ch— anders lassen sie sich doch nicht durchführen— auszu- fechten. Gerade jetzt ist der Zeitpunkt günstig, wo der Hausbesitzer- Häuptling L a d e n d o r f f, der sich das letzte Jahrzehnt darin gefallen hat, die Sozialdemokratie als stärkste und energischste Mieterpartei aufs schändlichste bekämpfen zu lassen, eine Vernich- tende Niederlage erlitten hat. Es liegen uns eine Anzahl Berichte von bedeutenden Mieter- Versammlungen vor. In zwei Versammlungen, in Lichtenberg und in S ch ö n e b e r g, sprach der Landesvorsitzende G r a m s e, in Pankow sprach der bekannte sozialdemokratische Landgerichts- direktar Rüben und in Wilmersdorf Rechtsanwalt Dr. G o c tz e l. Die Notverordnung vom 6. Oktober 1931 wurde scharf kritisiert, sie bedeutet, so hieß es, für den Hausbesitzer eine Rentenerhöhung, die jährlich mehrere hundert Millionen Mark ausmacht. Der preußische Wohlfahrtsminister H i r t s i e f e r(Z.) hat 1926 eine Erhöhung der Mieten mit der Begründung gefordert, daß 16 Proz. Mietserhöhung eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 2 Proz.»ntspreche. Jetzt, nachdem die Einkommen riesig gesenkt sind, ist eine entsprechende Senkung der Mieten nicht erfolgt; sie muß aber kommen und nmß bald kommen, denn die Not ist ungeheuer. Der zehntausendfachc Zusammenbruch der Familien und ihrer Haushalte muß den Aufammenbruch der Wohnungswirtschaft zur Folge haben. Verschiedene Redner wiesen nachdrücklich auf den unhaltbaren Zu- stand hin, daß der Hausbesitz nach wie vor die in der Miete ent- hallenen Reparaturbeiträge nicht für Reparaturen ver- wenden: sie betrachten meistens diese Beiträge als Rente, von der sie leben. Würde sich die Reichsregierung endlich entschließen, einen Zwang auf die Verausgabung dieser Reparaturzuschiissc aus- zuüben, so würden über 166 666 arbeitslose Arbeiter Beschäftigung finden. Im anderen Fall aber könnten diese Beträge zur Senkung der Miete verwendet werden. Es ist weiterhin ein unmöglicher Zustand, wenn, wie sestgestellt, in einer Reubausiedlung 70 pro;, der Rlieker bis zu 50 proz. ihres Einkommens für den Rlietzius verwenden müssen. In den gefaßten Entschließungen wurde zum Ausdruck gc- bracht, daß die Mieterschaft mit Bedauern feststellen müsse, daß die vom Reichskanzler Brüning vor dem Reichstag betonte Gerechtig- keit und Gleichmäßigkeit der Lastenoerteilung in der praktisch ge- übten Wohnungspolitik den Tatsachen nicht entspreche. Die Forde- t rungen der Mieter gehen auf Senkung der Mieten für j Wohn- und G e w e r b e r ä u m e, Angleichnng der Neubau- ! mieten an die Altmieten, Verwendung ausreichender Mittel aus der I Hauszinssteuer für den Wahnungsbau und Aufrcchterhaltung de- Mieterschutzes. Eine im Norden Berlins von den Mietern der Friedrich-Ebert-Siedlung abgehaltene Versammlung(Redner Gustav Bauer) verlangte, daß bis zum Eintrüt besserer wirtschaftlicher Verhältnisse die Berzinsung van.Hauszinssteuer- und Zusatzhypo- the.kW.RpKWM. mi�.daß die, Siadj Berlin die Grundvermögens- steuer nicht erhebt und daß'die"durch solche Massnahmen elnge- sparten Betrag« für die Mieisscnkung verwendet werden. Raubmörder in Berlin gesucht. In Hamburg wurde am vergangenen Sonnabend in ihrer Wohnung am Mühlenkamp 42 die 6S Jahre alte Frau Marie Fink ermordet aufgefunden. Die Tat ist vermutlich von einem etwa 25 Jahre alten Bettler verübt worden, der kurz vor der Entdeckung des Verbrechens fluchtartig das Haus verließ. Dem Mörder ist ein Bargcldbetrag in die Hände gefallen und es wird vermutet, daß er sich nach Berlin gewandt hat. Die Berliner Kriminalpolizei ist um Mitfahndung gebeten worden. „Aber ja. natürlich. Wenn du noch was Besonderes tun willst für deinen Heldenbntdcr, dann red' ein paar Worte mit dem Unteroffizier. Für so was ist er sehr empfänglich. Äber jetzt werd' ich schnell meine Kohlen fertig schaufeln!" Mit zwei Sprüngen war er wieder auf dem Wagen. Germaine trat etwas beiseite. Ihre Augen folgten dem Bruder, der mit kräftigem Schwung eine Schaufel Kohlen nach der anderen herunterwarf. Daheim hatte er niemals körperliche Arbeit geleistet. Aber hier schien er ganz vergnügt zu sein über diese Tätigkeit. Seltsam war das. Zwei so fernstehende, verschiedenartige Welten gingen hier scheinbar auf eine ganz selbstverständliche Weise ineinander über. Aber dem Dr.'jur neben ihm schien die Arbeit schwerer zu sollen. Er atmete stoßweise und wischte sich inchrere Male nervös die Stirn. Germaine warf ihm einen mitleidigen Blick zu. Ihr war, als hätte sie sein Gesicht schon einmal irgendwo gesehen, aber sie konnte sich nicht besinnen, wo es gewesen sein mochte. � Endlich wandte sie sich ab und zog ihr kleines silbernes Zigarettenetui aus der Handtasche. Mit liebenswürdigem Lächeln ging sie auf den Unteroffizier zu:„Darf ich mir er- lauben, Herr Unteroffizier? Mein Bruder hat mir soviel An- gmehmes von Ihnen erzählt. Ich freue mich sehr, oie kennenzulernen!"+. Die Rekruten rüsteten sich zum Abmarsch. „In einer Stunde bin ich im Cafv Werther— dann haben mir den ganzen Abend für uns. Fein hast du das gemacht!" Walter lachte über das ganze Gesicht. Germairte winkte chm zu, bis sie chn nicht mehr sehen konnte. Dann schlug sie eine der Kaserne entgegengesetzte Richtung ein.. Sie atmete auf, als die Gleise zu Ende gingen. Breite Stkaßen, einförmige Häuserzeilen, dazwischen ein schmaler Streifen grüner Rasenfläche— na, eine berauschend schone Stadt war das gerade nicht. So steif und einförmig, so be- amtenhaft und nüchtern. Eine richtige Residenzstadt. Langsam schlenderte Germaine einem großen Platz zu, auf dem ein Denkmal stand. Kaiser WUHelm dem Großen. Seine dankbaren Landeskinder. 1870/71. Die anderen Seiten des Sockels waren mit den Namen van Gefallenen bedeckt.„Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben!" Und„Selig seid Ihr, die Ihr Euer Leben gäbet für die Brüder!" Gennaine las die Inschriften. Trübe lächelte sie vor sich hin. Fast ein halbes Jahrhundert lag zwischen dieser Zeit und dem Heute, und noch immer hatte sich nichts verändert. Immer nach wurde die Jugend blutig und grausam hingeopfert, im Namen des Vaterlandes, im Namen"der Kultur, und an Stelle des warmen, pulsieren- den Lebens baute man�tote Denkmäler. Auch am Ende dieses Krieges würde man Steine aufschichten und Reden halten, Böllerschüsse abfeuern und Tromnielwirbel schlagen zum Ge- dächtnis der Erschossenen, der Zerfetzten und Vergifteten. Germainc starrte auf den geschliffenen Granitsockel, auf die endlose Namenreihe. Und plötzlich war es ihr wie eine seltsame Vision. Diese Namenreihe pslanztc sich fort in der Luft, ein unheimliches, geisterhaftes Band, das Himmel und Erde miteinander verknüpfte. Unter der Millionenreihe aber befand sich auch der Name Walter Üvriot. Ein eisiger Schauder packte Germaine. Gewaltsam riß sie sich zusammen. Nur nicht einem solchen Gedanken Raum gewähren. Sondern jetzt hieß es, alle Wünsche, alle Gedanken, olles, was an seelischer Kraft überhaupt in ihr war, darauf zu konzentrieren, daß Walter am Leben blieb! Mit raschen Schritten ging sie weiter. Wenige Straßen noch, dann begann das Geschäftsviertel, das Reich der Hotels und Warenhäuser, der Restaurants und Lädeis. Germaine blieb stehen und betrachtete gedankenlos die Auslagen. Dann betrat sie das kleine Cafs am Marktplatz, das ihr Wolter als Treffpunkt bezeichnet hatte und setzte sich an ejnen Tisch in der Fensternische, von der aus sie jeden Eintretenden erblicken konnte. Sie brauchte nicht lange zu warten. Fröhlich, mit einem Ausdruck kindlicher Freude, wie ihn Germaine schon seit langem nicht mehr an ihm gesehen hatte, kam Walter auf sie zu. „Ich habe meinen Freund mitgebrocht. Darf ich vir den Rekruten, weiland Herrn Dr. jur. Weigelt vorstellen? Eigentlich kennt ihr euch zwar schon lange, er war zwei Klassen über dir, Germaine, und hat dich damals sehr angeschmachtet. Kampf aller gegen alte. Traurige Kolgen schwerer Familienzwiste. Eine Familie lebt in Zank und Streit. Der Mann von der grau getrennt, der ältere Sohn, Besitzer eines Fuhrgeschästs, hält zur Mutter, bewohnt mit ihr ein Haus in einer Siedlung. In unmittelbarer Nachbarschast hat der Mann seine Laube. Man bedroht einander, beschimpft sich gegenseitig. Der jüngere Sohn, erst 20jährig und verheiratet, versucht zu schlichten, leidet unter dem ewigen Hader und hält zum Batcr. Eine Zeitlang arbeitet er beim Bruder, sie können sich aber nicht vertragen. Der Jüngere, der sich eben erst mit der Mutter ausgesöhnt hat, wird von ihr aus dem Hause gewiesen. Die Herausgabe seiner Sachen nmß er durch Gerichtsbeschluß erzwingen. Er ist arbeitslos und leidet mit Frau und Kind Not. Am 22. Juni d. I. besucht der Vater seine Laube, er begegnet seinem älteren Sohn Georg, der gerade damit beschäftigt ist. Pflastersteine abzuladen. Zwischen Bater und Sohn kommt es zu einem Streit, der Sohn mißhandelt den Vater mit einer Peitsche, dieser läuft voll Erregung in seine Laube zurück, der jüngere Söhn Eugen ist zufällig zur Stelle. Der Vater klagt ihm sein Leid, Eugen ergreist den Selbstschußapparat und läuft mit- dem Vater, um Georg die„Jacke voll zu hauen". Georg wird von der Mutter gewarnt, ist gerade mit seiner Arbeit fertig, fährt aber nicht einen Weg, der ihm gestattet hätte. Bater und Bruder aus den, Wege zu gehen, sondern fährt ihnen direkt entgegen. Der alle Mann kann noch im letzten Augenblick ausweichen, Eugen springt auf das Trittbrett. Es gibt einen Knall. Georg und sein Mit- fahrer hatten gerade noch Zeit, den Kops niederzubeugen, sonst hätten sie die Schrotlodung ins Gesicht bekommen. Die Anklage gegen Eugen lautet auf Totschlag. Bor dem Landgericht III marschierten sämtlich« Familienmitglieder auf. So viel gegenselligen Haß hat man in Moabit schon lange nicht erlebt. Nun verstand man, daß der friedfertige, nervenschwache Eugen sich in diesem Milieu nur allzu leicht zu seiner Tat hatte hinreißen lassen. Wie es zur Auslösung des ochusses gekommen war, dessen wollte er sich nicht entsinnen. Im Gerichtssaal erlitt er einen Ohnmachtsanfall. 2lls der Staatsanwast zwei Jahre Gefängnis beantragte, flössen ihm die Tränen. In seinem Schlußwort bat er um Freispruch oder um ein ganz mildes Urteil, damit seine Frau und Kinder wegen seiner Tat nicht noch weüer zu leiden hätten. Das Gericht verurteilt« den Angeklagten wegen versuchten Totschlages zu 9 Monaten Gefängnis, lehnte jc> doch eine Bewährungsfrist ab, hob aber den Haftbefehl auf. Llngeireuer Bankkassierer. In sechs Jahren 60000 Mark unterschlagen. Durch eine Revision ist die Direktion der Eommerz- und Privatbank größeren Unterschlagungen eines Depositen- kassen-kassierers aus die Spur gekommen. Der ungetreue peamte. ein 30 Zahre alter Fritz p. aus Riederschönhaufen, Hot in einem Zeitraum von sechs Jahren rund 60 000 IN. unterschlagen. P. war in der Depositenkasse Pankow der Commerz- und Privatbank als Kassierer und stellvertretender Vorsteher angestellt. Schon vor Iahren machte sich P. durch Ausgaben verdächtig, die mit seinem Einkommen nicht in Einklang zu bringen waren. Er kaufte sich u. a. ein teures P r i v a t a u t o und schaffte sich eine luxuriöse Wohnungseinrichtung an. Um alle Be- denken von Kollegen und Bekannten zu zerstreuen, erzählte er, daß er durch seine Heirat in den Besitz größerer Barmittel gekommen sei. Das alles stellte sich jetzt als Schwindel heraus. In geschickter Weise hatte P. zahlreiche Quittungen gefälscht und in seinen Büchern falsche Eintragungen vorgenommen. Durch einen Zufall kam man dieser Tage hinter die Veruntreuungen. P. wurde Aber du mit deinem furchtbaren Persvnengedächtnis wirft ihn längst vergessen haben." Germaine lachte.„Ja. das ist mein alter Mangel. Ihr Gesicht allerdings ist mir vorhin schon bekannt vorgekommen. Jedenfalls freue ich inich, daß Sie meinem Bruder hier so treu zur Seite stehen." Sie reichte ihm herzlich die Hand. „Ja, wir find Freunde geworden in diesen paar Wochen. das kann ich wohl sagen. Ich bin zwar einige Jährchen älter als Walter, aber das stört unser gutes Einvernehmen nicht im geringsten." „Ach, Germaine, was das ein Ilmschwung für inich war, das kannst du dir ja nicht denken! Ich habe dir in meinen Briefen zwar davon geschrieben, aber wie es in Wirklichkeit war, das kann inan bloß mündlich erzählen. Ich kroch doch in der ersten Woche jeden Abend wie ein geprügelter Hund in die Klappe, und morgens war ich wie zerschlagen. Es war fürchterlich. Und dazu diese Behandlung! Was hat mich der Unteroffizier angeschnauzt, was hat er mir für Schimpfnaincn gegeben! Das läßt sich überhaupt nicht aussprechen. Nicht wie Menschen, sondern wie Viecher sind wir behandelt worden, was, Hans!" Der nickte mit melancholischem Gesicht.„Man hat uns gedrillt wie die Affen, ich kann nicht anders sagen. Und doch haben wir's geschafft, Walter noch besser als ich! Ihr Bruder entwickelt sich hier zu einer Zierde der ganzen Kompagnie, es ist einfach fabelhast. Vorgestern haben wir einen 66-Kilo- meter-Marsck gemacht, in glühender Sanne, über Mittag nur eine halbe Stunde Pause. Von mir und allen anderen, die schlapp machten, will ich schweigen. Wer aber rettete die Ehre des ganzen Regimentes, indem er zwei Kilometer vor dem Ziel als freiwillige Ordonnanz im Dauerlauf ins Städt- chen lies!? Walter Loriot, Abiturient, künftiger großer Er- finder und Dr. Jng., zur Zeit Kriegsfreiwilliger. Ein groß' artiges, gesundes Herz mußt du haben, Walter, sonst hättest du das nicht ausgehalten!" „Es ist nicht nur körperlich bei mir bedingt", jagte Walter.„Weißt du, Germaine, es ist für mich auch seelisch ein ungeheures Erlebnis, daß ich, der ich nie besonders kräftig war, nun hier so gut durchhalten kann. Wir sind ja alle ganz falsch und einseitig erzogen. Immer hinter dem Büchertisch, und vom sechsten bis zum vierundzrvanzigsten Lebensjahr in den Schulsälen! Das ist doch einfach Blödsinn! Ich sage nichts gegen das Studium, ich will ja auch studieren, ober man sollte doch auch ein bißchen was mit feinem Körper an, zufangen missen. Man sollte irgendein Handwerk können, damit man praktisch etwas van den Dingen versteht."(Forts, folgt.) fcstgenommeil und aufs PoNze! Präsidium gebracht Aer legte er ein nalles Geständnis ab. Nachdom er gestern nachmittag auch vor dem Bernehmungsrichter seine Verfehlungen zugegeben hatte, muroc P. nach Moabit übergeführt. Das unterschlagene Geld hat P. rest- los verbraucht. 800 Kinder musizieren. Massenkonzeri Berliner Volksschüler.— Sin siebenjähriger Äirigcnt. Ein eigenartiger, ungewohnter Anblick: auf dem großen Konzert- pvdiuin der staatlichen Hochschule für Musik, Hardenberg- ftraße wimmelt es von Hunderten kleiner Leute und alle machen sie M u s i t. Vorne haben die Dreikäsehochs Aufstellung genommen, ihre Wangen blähen und röten sich zur Hergäbe der notwendigen Puste für die M n n d h a r m o n l k a. dann kommen größere Mädchen, die mit geschickten Fingcrchen Gitarren- und Mandolincn- s a i t c n zupfen, wieder ein paar Rethen weiter erklingt flottes Gcigenspiel, hier dominiert die männliche Jugend. Paß, Bratsche, Flöte, alles ist vorhanden' und am Konzertflügel meistern zwei weißgekleidete Miniaturpiantstinne» die Tasten. Es werden viele hübsche Schul- und Volkslieder gespielt und mit Gesang begleitet, auch einen Dirigenten von ganzen sieben Lenzen kriegt man zu sehen. Die Arbeitsgemeinschaft der Schulorchestcrleiter Groh-Berlin zeigte hier erstmalig im großen Rahmen ihre Arbeit den Lehrern und Schulbehörden, bisher fanden Aufführungen nur in Bezirks- Veranstaltungen und auf Elternabenden statt! nach ministeriellen Richtlinien vom März l927 soll der Musikinterricht in den Schulen auch aus das Jnstrumentalspiel erweitert werden und es haben sich daraufhin an viele» Berliner Schulen Schulorchester gebildet; Lehrer und Schüler sind freudig bei der Sache, das ließ sich auch an diescni Abend aus den wirklich schönen Erfolgen feststellen. Die Mundharmonika als das billigste und leichtest erlernbare Musikinstrument spielt bei dem Jnstruinentalunterricht die führende Rolle. Arthur M a r q u a r d, der Dirigent des bekannten Mund- harmonitaorchcsters„Stern", der an diesem Abend gleichfalls mit- wirkte, Hot sich sllr den Schulunterricht besonders eingesetzt, er bildet auch Lehrkräfte unentgeltlich aus und ist der musikalische Leiter der Arbeitsgemeinschaft. Vom Hilssschüler, der die Akkorde in Form von römischen Aisfern aus die Rotentasel geschrieben erhält, bis zum tünstlerisch begabten Kind mar alles vertreten: darunter die well' lichc ltz. Volksschule in Adlershos, sowie die 45./46. Neuköllner Volksschule, wo Lehrer imd Schüler gemeinsam die Leitung inne- haben. Der Eifer und die Freude oll der festlich gekleideten kleinen Musikanten erbrachte den Beweis von der nach jeder Richtung fördernden Wirkung dieses Unterrichtsfaches. Prof. August Bier. Zu seinem 70. Geburtstage. Professor August Bier, der Direktor der Berliner chirurgischen Universitätsklinik, feiert heute seinen 70. Geburtstag. August Bier ist einer der großen Acrzte seiner Zeit, ein Forscher, Operateur und akademischer Lehrer von hohem Rang, ein Mann, der die Entwicklung der gesamten Medizin, nicht etwa nur seines Faches, der Chirurgie, richtunggebend beeinslußt hat. Seine Auffassungen von dem Wesen der Entzündung und vom Fiebecr als H e i l f a t t o r hoben allgemeine Gültigkeit erfahren. Die.S t o» u n g s b e h o n d l« II g(„Bierfche Stauung") wird auf der ganzen Welt zum Nutzen der Kranken angewandt. Als sehr segensreich hat sich auch die L u m b a l a n a c st h e s i c erwiesen, die Bier eingeführt und an sich selbst als erstem erprobt hat. Spritzt man. in den Lendcnmarksack eine betäubende Flüssigkeit, so kann man an der aus diese Weise unempfindlich gemachten unteren Körperhälftc unter Verzicht ans eine Einalmnngsnarkose Opc- rationcn �ornehmen. Der Behandlung der Knochen-, Gelenk- und D r ü s e» t>-. b e r k u l o s e hat August Bier neue Bahnen gewiesen. Er, der Chirurg, hat die blutigen Methoden bei der Behandlung dieser Krankheiten für die große Mehrzahl der Krankheitsfälle durch unblutige ersetzt. August Bier hat die He i i- traft der Sonne, der freien Lust, der kün st lichc n Strahlen, der Liegekuren, der Gnmnastit und der Diät bei der Behandlung der Knochen-, Gelenk- und Drüsentubcr- kulosc als einer der ersten erkannt und anzuwenden gelehrt. Dos Berliner Städtische Institut für Knochen- und Gelenkkrankheiten, das auch über eine Freilustschule verfügt, hat sich nach seinen An- rcgungen und unter seiner steten Förderung entwickelt. August Bier zählt jetzt 70 Jahre, ist aber nicht alt. Erstaunlich find feine körperliche Rüstigkeit und seine geistige Spannkrast. Als Mediziner und Biologe hat er sich immer wieder, bis in die letzte Zeit hinein, als ein origineller Kopf voll neuartiger Gedankengänge und schöpferischer Ideen gezeigt. Die K ö r p e r k u l t u r b e w e- g u n g verdankt ihm unendlich viel: Die Deutsche Hochschule f ü r L e: b e s ü b n n g c n ist sein Werk. Auch mit der M e d j z i n- g e s ch i ch t c, mit dem Wesen der Homöopathie, mit B o- t a n i k und A g r i k u l t» r ch e m i c. mit Tier- und Pflanzenzucht hat sich August Bier ausgiebig beschäftigt und auch aus diesen der Chirurgie weiter entfernten Gebieten viel Erfolg und Anerkennung gefunden. Die ilnterlchiedlichkeit in seiner politischen Einsteilung hindert nicht daran, dem verdienten und liebenswürdigen Arzte und Forscher heute Dank zu sagen und Glück zu wünschen. Dr. A. K. ALns will.Herr(töruener� Unter dieser Spitzmark« untersucht Valentin L a t a y in der neuesten Nummer des„A r b c i t e r f u» t", des offiziellen Organs des Arbciter-Radiobnnde?, den inzwischen wieder beigelegten Rund- snnkkonslikt zwischen dem Reich und Preußen und richtet zum Schluß folgenden beachtenswerten Appell an die Mitglieder des Arbeiter- Radiabundes Deutschlands: „Politische Fragen sind Mochl fragen. Wir haben infolgedessen aus dem Vorkommnis die Lehre zu ziehen, unsere politische Macht zu stärken. Unsere Mitglieder müssen wissen, daß sie sich den freien G c w e r k s ch a f t e n und der S a z i a l d e m o- k r a t i s che n Partei Deutschland- anzuschließen haben. Die rundsunkbörcndcn Mitglieder dieser Organisationen ge- boren wiederum in den ARB. Je stärker unsere organisatorische Macht, desto leichter werden mir reaktionär« Angriffe auf den Rund- sunt abzuwehren wissen. GehelnuifevoIIer Mord In Pommern. Ritiergutsbcsiizerfrau durch Selbstschu$an?age getötet. Ein bisher noch vollkommen ungeklärter Mord' hat sich aus dem Rittergut Buggow bei Greisswald in Pommern. das einem Herrn v. h e n n i g s gehört, abgespielt. Die Ehefrau des Rittergutsbesitzers ist aus geradezu geheimnisvolle Weise durch den Schuß aus einer Selbflschuhanloge getötet worden. Die Mordkommission dcr Stettiner Kriminalpolizei bemüht sich, Licht in dos Dunkel der Tragödie zu bringen. Am Sonnabend hotte sich Frau v. Hennigs mit ihrem Mann und seiner Sekretärin zu dem etcva lo Minuten von dem Gut in einem Wold gelegenen Erbbegräbnis der Familie begeben, um aus Anlaß des Totenfestes Kränze niederzulegen. Nachdem alle drei Personen die Grabstätte besucht hatten, ging Frau o. H. ein wenig abseits in de» Wald, um noch einige Tannenreiser zum Aus- schmücken dcr Gröber zu holen. Plötzlich krachte ein Schuß und Frau v. H. sank schwer getrofsen mit einem Schrei zu Boden. Ein Täter war weit und breit nicht zu entdecken, wohl aber konnte alcbald festgestellt werden, daß Frau v. H. beim Gehen an einem über den Weg gespannten von ihr nicht gesehenen Zwirns- faden gezerrt hatte, wodurch aus einer in der Nähe in Baum-- zweigen angebrachten Gewehr der Schuh gelöst wurde, dem bald darauf die unglückliche Frau erlag. Seit Sonntag mittag weilt die sofort herbeigeholte Stettiner Mvrdkommissiou nm Tatort und hat umfangreiche Vernehmungen eingeleitet. Ueber die Tat und die Täter herrscht noch völliges Dunkel. Zunächst wurde angenommen, es handele sich um elnen V�i Iberer. Dieser Ausfassung stand von vornherein die Tatsache entgegen, daß seit langer Zeit Wilderer in dem betreffenden Bezirk nicht beobachtet wurden, und daß die ganze Anlage auch nicht als Wildererfallc angelegt war. Das an drei Bäumen mit Stricken befestigte Gewehr, ein umgearbeiteter Karabiner Modell 98, war am Abzugshahn mit einem Bindfaden versehen worden, der um einen Stecher lief und mit einem fünf Meter langen starken schwarzen Zwirnsfaden verknüpft mar, der sich in öl) Zenti Nieter Höhe über den Weg spannte. Der Tatort befindet sich nur etwa ZW Meter weit vom Waidesrand entfernt dicht bei dem Erb- bcgröbnis. Die Schußanlage konnte höchstens ein bis zwei Tage vorher eingerichtet worden sein. Auch dieser Umstand deutet auf ein planmäßiges Verbrechen hin, weil ein Wilderer eine wertvolle Waffe wohl kaum an einer so oft begangenen Stelle preis- gegeben hätte, ganz abgesehen davon, daß in dcr Nähe des Erb- begräbnifses nur selten Wild beobachtet wird. Die Vernehmungen werden voraussichtlich noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die ennordete Gattin des Gutsbesitzers Hennig ist durch den Schuß in der Nähe der Wirbelsäule, und zwar vermutlich durch einen Ouer- schläger, tödlich verletzt worden. Die Oeffnung der Leiche- findet am Montag nachmittag in Anklam statt. ilOSjähn'ger Bettler ermordet. Thorn, 21. November. In Wolka wurde der 108jährige Jan Kaczmarczyk. der sein Leben als Bettler fristete, ermordet. Seine Leiche fand man auf dem Baden des Hauses, in welchem er feit einigen Jahren wohnte. Am Kopfe hatte er zwei große Wunden, die von einer Axt herrühren. Die Mörder hoben ihrem Opfer, als es nach den Axtschlägen noch schwache Lebenszeichen von sich gab, mit Lumpen den Hals abgeschnürt und dann die Leiche mit Heu und Stroh zugedeckt. Es besteht der Verdacht, daß die Haus- infassen Antan und Eva Wanisiewirz den Greis ermordet haben, weil er ihnen zur Last fiel. Die beiden mußmahlichen Mörder sind verhaftet worden. Toienliffe wächst: 42 Opfer in Bentley. T o n c a st e r(Grafschaft Port), 33. November. Das furchtbare Grubenunglück in P e n t l c tz hat bis jetzt 4 3 Q p f c r gefordert. Jlede Hoffnung, die fünf noch eingeschlossenen Bergarbeiter zu befreien, mußte auf- gegeben werden. Warum noch immer nicht Pfennigrechnung? Dem„Vorwärts" wird geschrieben: Wenn man die Straße» und Märkte durchwandert, muß man feststellen, daß noch immer bei einer ziemlich großen Anzahl Händler die Kaufpreise auf 5 Ps. nach oben abgerundet werden. Man liest da z. B.: 2 Pfd. Rübchen 35 Pf.. 1 Pfd. 20 Pf.. 2 Pfd. Aepsei 26 Pf.., Pfd. 15 Pf.. 10 Pfd. Kartaffekn 35 Ps.. 5 Pfd. 20 Pf. Aehnlich ist es bei Wurst und Flcischwaren: 1 Paar Würstchen im Gewicht von 135 Gr. werden bei einem Psundpreis von 1 M. nicht mit 27, sondern mit 30 Pf. berechnet. Diese Beispiel« ließen sich beliebig vermehren. Wenn man bedenkt, daß für derartige Lebens- mittel ebensoviel oder mehr ausgegeben wird als für Brot, bei welchem man sich aufs' Aeußststc und mit Recht bemiibt, den Preis um 1 oder 2 Pf. zu senken, so liegt der Widerspruch zutage. Am meisten leiden unter dieser Unsitte der Aufrundung die Aller- ärmsten, die nur kleine Quantitäten kaufen können. Da der einzelne nicht viel ausrichten kann, wäre es bei der riesengroßen Not der Zeit angebracht, daß in dieser Hinsicht behördlicherseits etwas Durchgreifendes geschieht. Die Leser des„Lorwürts" werden von dem Vorstehenden nicht In so starkem Maße wie die übrigen Konsumenten betroffen, da sie den größten Teik ihres Bedarfs in der K o n s u in g cn o s s c a s ch a f t decken, die von Anfang an die Pfennigrechnung eingeführt hat. Severins spricht heute. Karl S e v e r i n g spricht heute abend in einer r c p u b l i- k a n i s ch e n Jugendtundgebung im ehemaligen Herren- H.iiis, Leipziger Str. 3, 20 Uhr. Thema:„Sturm über Deutich- lanb! Ausbruch oder Verderben?" Das Wort nehmen ferner die Genossen r-cnä. für. Kurt Blei). Regierungsrat Dr. Hans M u h l e und.Regicrungsrat Dr. Walter K o l b. Für die republikanischen Schüler spricht Siegsried K c i l i n g. Genosse Bruno S ch ö n l a n t rezitiert. Fanfaren des Reichsbanners, Fahnen, Lieder. Jugend- liche und Erwerbslose 25 Pf., Erwachsen« 50 Pf. Massen her« aus! BeZeidigung�Zöi giebels noch einmalvorGericht Vor der Sirafkammer des Laadgerichts I wird jetzt zum dritten Male gegen den Arbeiter H e i d r i ch verhandelt, der in der Gerichtssitzung vom 7. November vorigen Jahres den Polizei- Präsidenten Z ö r g i e b e l tätlich beleidigt hatte. Das Schössen- gericht hatte ihn zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, die Be- rufungsinstaii; die Strafe auf vier Monate herabgesetzt, das Reichsgericht aber der Revision der Verteidigung stattgegeben. Die neue Verhandlung, für die drei Tage festgesetzt sind, soll die Vernehmung einer großen Anzahl von Zeugen bringen. Es kann also ein nettes kommunistisches Theater werden. Der Vorsitzende teilt zu Beginn der Sitzung mit, daß die Staotsregicrung die Aussagegenehmigung über amtliche Angelegen- Helten für die Zeugen Zörgicbel, Grzesinsti und He i- m a n n s b e r g verweigert. Neuer Betrugsfall. Die S t a a t s o n w a l t s ch a f t Hot gegen den srülieren Inhaber der bekannten Berliner Seidensirma Gustav Cords, Günter Schmidt-Lorenzen, auf Grund mehrerer Anzeigen ein Ermittlungsverfahren wegen des dringenden Verdachts des Konkursvcrgehcns eingeleitet. Schmidt-Lorenzen soll, während das Moratorium für seine Firma, das 1929 zustande kani. noch schwebte, sowohl umfangreich« Warendestände an«ine neu- gegründete m. b. H., wie erhebliche Vermögenswerte an seine Frau»er sich oben und dadurch seine Gläubiger benach- t e i l i g t haben. Außerdem wird ihm nachgesagt, daß er zu einer Zeit größter finanzieller Schwierigkeiten für seine Firma einen u n- angemessenen persönlichen Aufwand getrieben habe. Alfred Adler spricht für Erwerbslosenküche. Aus Einladung der Gesellschaft zur Förderung Jndividual- psychologischer Arbeit sprach im Bürgcrsaat des Schöneberger Rat- Hauses Dr. Alfred A d l e r- W i e n, der bekannte Sozialist und JiMoiduolpsychologe. über„G r u n d f r a g e n u n d Prinzipien dcr K e m e i n s ch a s t". Der Vortrag zeichnete mehr in Umrissen und geistvollen Andeutungen als durch abgerundete Beweisführung ein Bild der Notwendigkeit menschlicher Bindung in der Gemein- schast. Nicht nur gesellschaftliche und diolagische Gründe weisen den Menschen zur Gemeinschaft, sondern auch seine eigene Glücks- und Erlebensföhigkeit. da nur die G e m e i n I ch a s t imstande sei, dem j Menschen eine Parole zu geben. In der Erziehung des Kindes f zum Gemeinschaftsgesühl, die bestrebt sein muß, das Kind durch > Ausbildung seiner Kantaktfähigkcit, d. h. seiner Entschlußfähigkeit i zur Mitarbeit aus den engen Mauern der Familiengemeinschaft zur ! größeren Klassen- und Volksgemeinschaft binzufübren. sieht Adler eines der wichtigsten pädagogischen Prinzipien— die Erziehung des Menschen zum„Mitmenschen".— Leider blieben in diesem Zu-' sammenhang wichtige Fragen, wie z B. soziaststische, politisicho, kallektivistische Ideen der Gemeinschaftsbildung unberührt.— Der Ertrag des gutbesuchten Vortrags floß ui die Kassen des neuge- gründeten Vereins„Gemeinschaftsküche, Verein für Er- werbslosenspeisung", der nach Frankfurter Muster Erwerbslosen- küchen als Selbsthilfeeinrichtungen von Erwerbslosen in Berlin ein- zurichten Im Begriff ist. Tachstnhlbrand in SLeisicnsee. Durch ein Feuer wurde gestern nachmittag der Dachsruhl des Wohnhauses Prenzlauer Promenade 13 in Weihensee nahezu völlig zcistört. Die Feuer-vehr mar längere Zeit mit den Löichp- und Aufräumungsarbetten tätig. Dcr Brand ist vermutlich durch Funken- stug aus einem schadhaften Ofen entstanden. Republikanische Zugendkundgebung des Jungbanners Wcddiagi Do» I u n g b a n ii c r W e d d i n g, die Iugendabteilunz des Reichsbanners Schworz-Roi-Gold, Ortsv'crein Vcrliy-Wedding. veranstaltet am Dienstag, den 2t. November 1931, 20 Uhr, im Swinemünder Gesellichaftshans. R. 31,«winsmünder Straße 42, eine große R c- publika nischc Jugendkundgebunz. Sport. Trabrennen in Maricndorf am 23. Isiovember. Preis vom»plttelmarll: 1. Triiolinn'(J. Mills): 2. Jnaora;?. Land- slicichcr. i. Kreuprcigcr. 2olo: 18:11). Platz: 14, 10, 11, 12:10. Fettico liefen: Pnnzesi Jolcsz(1. o. 45.1, Freda. Fasan, Bardar, Kassette. In schallab. Grete!, Blauiirumpf, Johonnisiiachi. Prei» von Chorlottenburg: I. Ehrisliuc(Eh. Mills); 2. Hanko; 3. Antwort. Toto: 20:10. Play: 13, 30, 23:10. Ferner liefen: Manschette, Charlie M., Schaulwalebo, Nestor, Lustiges Madchen, Elrnsker, Ora Levburu. Preis dr Teuticheu Truber-Zeilung: 1. Jckastc lJ. Bresin); 2. Et?!- ineistcr; 3. Pistazie; 4. Marone. Toto: 42:10. Platz: 1-2, II. 12. 14:11. Ferner liefen: Titania, Ostgrenze, Fahrciihcit, Christoph. Zatirc, Adresse, Dorothea. Harfncrin, Biedermann. Preis vom Roland: 1. Komödie iCh. Millt); 2. Erllöiiigin; 3. Union: j. Allmacht. Toto: 102:10. Platz: 17,10. 14, 17:10. Ferner liefen: Sciniro, Dominante, Kapitain. Maikatcr, Marcobrunner. Hilde KitNischor. Aidn, Hcidser. Lolrates, Onätcr, Marmara, Mister Peter, Lad» Neil», Pesch kesch. Ali. Pergamon. Prei» vom Reichsverbaud: I. Kuriiirst II. Frömming): 2. Monarch 1; 3. Eckstein: 4. Banco Dufsv. Toto: 33:10. Platz: 15, 21. 13, 30:10. Ferner liefen: Frcdegundi», Tolcril, Harsenmadchen,.Königsadler. Möglich. Eil!» Agina. Intervall, Berolina, Heiajer, Komtesse Isabel. Farino, Diane. Helderin, Ohlendorf, Pedonia, 3!atator, Hedwig, Imperator, Peter Rurin!, Dornbusch, Casla Rica, Champignon, Preis pom Lenbwirtsck-ftsmlnist-riinn! 1 Mimose lC. Schön» 2, Tuslia: 3. Bielgeliebter: 4. Huberta. Toto: 130:10. Platz: 18 13, 1.1, 20:10. Ferner liefen: Epps, Linne, Beta Lee, Heliotrop, Opal, Osst O- walda, Petc-le, 45allv,?>., Heureka. Falo Morgana. Preis vom Luftgrrien: 1. Sienna: 2. Girlande: 3. Detrey Pillat; i. Peter Brussiloss. Taw: 117:10. Platz: 33. 37, 29. 50:10. Feiner liefen: Morgengrutz 1(als 2. disauolifiziert, 80 Proz. Platz zurück). Ctel, Nora Halle. Nusbaaa Bov. Heini Tusip, Barcueb, E., Hut ab, Eulen- spiegel, Podrel, Orsoy. Hella Timolo, Dotier, Heideblume. ?!r 549• 48 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 24 November 193� Oer Staat und die Banken. Kalte privatisiemng für Oanat- und Dresdner Bank.— Zerstörte Bankenplane. Die Im folgenden kritisierten Zusammenhänge klingen an- deutungswe'se auch in den Leitsähen an, die der Reich kandier gestern als Ergebnis der Arbeiten des W i r t s ch a s I s- b ei ra t e s bekanntgegeben hat. Zum Thema„Ranken- organisation" heiht es in diesen Leitiähen. dafo insbesondere auch aus die Stärkung der örtlichen Krediteinrichtungen''in Interesse einer ausreichenden Versorgung der milt eren und kleinen Unternehmungen Bedacht zu nehmen sei. Wir hören übrigens, dah die Reichsregierung daran denke, eine Verb ndung zwischen der Bannt und einer noch unabhängigen privaten Berliner Großbank herzustellen. Vier Monate sind verflossen, seitdem das Reich die Bürgschaft kür die Verbindlichkeiten der Danat-Bank übernahm und der Dresdner Bank init einem Kapital von 300 Millionen Mark bei- sprang. Aber bis zum heutigen Tag ist noch keine Klarheit über das weitere Schicksal dieser beiden Großbanken geschaffen. Bei der Danat-Bank tauchte zunächst der schöne Plan auf, die Aktienmehrheit der Privatindustrie in die Hände zu spielen, das für diesen Zweck notwendige Geld hingegen für zunächst fünf Jahre vom Reich vorzuschießen. Man wollte also nicht weniger als eine Privatisierung auf Kosten des Reichs. Bei der Dresdner Bank hatte man zunächst gar keine Vorstellung, wie der Kapitaleinfluß wieder in private Hände hinübergespielt werden kannte. Trotzdem war man insbesondere in der Generaloersamm- iung eifrig bemüht zu beteuern, daß das Institut nach wie vor im privatwirtschaftlichcn Sinn geleitet werden sollte. 'Pas man sich darunter vorstellen soll, wurde nicht verraten. Inzwischen hat man anscheinend den eigenartigen Plan der Privatisierung der Danat-Bank mit öffentlichen Mitteln begraben. Es sieht so aus, als seien den groß- industriellen Füchsen die Trauben zu sauer geworden. Denn an sich hat ja die Danat-Bank unter der Reichsgarantie nichts zu fürchten, und überdies würde faktisch das Aktienpaket vom Reich bezahlt werden. Der wirkliche Grund für das Fallenlassen des Planes dürfte vielmehr in dem energischen Widerstand zu suchen sein, der von der Sozialdemokratie gegen seine Durchführung geleistet wurde. Er scheint die Regierung überzeugt zu haben, daß die Durchführung dieser Transaktion einen unerhörten Skandal darstellen würde. Aber auch in der Frage des Schicksals der Dresdner Bank icheint man eingesehen zu haben, daß man dieses Institut nicht auf die Dauer als öffentlich beherrschtes Unternehmen in privat- wirtschaftlichem Sinn leiten kann und daß nur zweierlei möglich ist: entweder behält man den Einfluß des Reichs auf die Dresdner Bank bei und zieht daraus die notwendigen Konsequenzen für die Betätigung der Bank oder leitet das Institut allmählich in private Hände über.......... Aber gerade aus dieser Erkenntnis heraus sind starke Bestrebungen entstanden, die Privatisierung der beiden heute unter Reichseinfluß stehenden Großbanken in die Wege zu leiten. Dabei waren die treibenden Kräfte so ge- schickt, die heute allgemein gewordene Abneigung gegen die Bevorzugung der Großunternehmungen durch das moderne Bankwesen in den Dienst ihres Planes zu stellen. Die neuen Pläne. Man argumentiert etwa folgendermaßen: Im Bank- wesen herrscht eine starke Konzentration. Eine Provinzbank nach der anderen ist verschwunden oder wurde von Großbanken auf- gesogen und in ihr Filialnetz einbezogen. Damit ging eine Zentralisierung der Bankgelder und Bankgeschäfte m Berlin Hand in Hanfr Die Provinz, die die Kapitalien zum großen Teil aufbringt, wird immer mehr von ihnen entblößt. Die zentralen Geschäfte überwuchern gegenüber den provinzialen Geschäften, d. h. aber im allgemeinen die großen Geschäfte gegenüber den kleinen Geschäften. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist also die einseitige Bevorzugung der Großindustrie und die Bernachläsll- gung der Mittel- und Kleinindustrie. Auf diese Weise wurde aber der Großindustrie zuviel Kapital zugeleitet: ihre übermäßige Auf- blähung, ihr Uebermaß an Fehlinvestitionen wurzelt zum großen Teil in der Zentralisierung des Bankgewerbes. Eine Gesundung der Jndustrieverhältnisse setzt also voraus, daß diese Entwicklung wieder rückgängig gemacht wird. Es müßten daher die Groß- banken in Provinzbanken aufgelöst werden bzw. ihre Provinzfilialen in selbständigen Provinzbankcn vereinigt werden. An dieser Argumentation ist soviel richtig, daß tatsächlich die Großbanken in den letzten Jahren das großindustrielle Geschäft einseitig bevorzugten. Sie taten es aber deshalb, weil es ihnen viel gewinnbringender und einfacher erschien als das kleinere Geschäft. Man konnte hier eben, solange die Konjunktur aufwärts ging, vcr- hältnismäßig mühelbs und mit einem Schlag Verdienste an sich ziehe», die beim kleinen Geschäft erst durch eine Unsumme von einzelnen Geschäftsakten zu erzielen waren. Aber es Handell sich bei dieser Frage nichl um den Gegensatz dezentralisiertes oder zentralisiertes Bankwesen, sondern um den Gegensah Spekulieren und Großverdienen oder gewissenhaste Verwaltung des volkswirlschastlichen Kapitals. Zum Beweis dafür möge angeführt werden, daß die Kreise, die heut- am stärksten die Auflösung der Großbanken in Prooinzinstitute propagieren, im Rheinland sitzen, also gerade die Interessen derjenigen In- dustrien vertreten, in denen heute die Konzentration am alierstärksten vorgedrungen ist. So berechtigt also das Bestreben ist, die Banktätigkeit gleich- mähiger, als es bis jetzt der Fall war. allen Industriezweigen zu- gute kommen zu lassen, soweit sie gesund und kreditwürdig sind, lo bedarf es zur Erreichung dieses Zieles nicht der Rückwärts- entwicklung des Kreditwesens und der Zerschlagung der Großbanken, sondern nur einer inneren Reform der geschäftlichen Grundsähe der Banken. Die Frage, wie weit die Großbanken chren Filialen größere Selbständigkeit geben sollen, ist dann nur eine technische Frage, wenn man sich einmal über die Grundsätze der Geschäftstätigkeit mt klaren ist. Die» ober ist keine technische Frage, sondern eine Frage der Gesinnung. Solange dw Banken ausschließlich vom kapitalistischen Gewinnstreben beherrscht sind, werden sie auch chre Grundsätze danach einrichten. Run steckt aber hinter dem zanzeu Gercde von der Dezentralisation der Großbanken nichts anderes als die offene oder versteckte Absicht, die beiden Großbanken, die heute unter Reichseinsluh stehen. in ihre Atome aufzulösen, damit die Privatwirtschaft sie um so leichler schlucken kann. Man will also Banken, die heute unter öffentlichem Einfluß stehen, wieder der rein privatkapitalistischen Sphäre und Gesinnung unterwerfen, und tut so. als ob man gerade damit der Neigung zum Großverdienen entgegenarbeiten könnte. Daneben hofft man auch auf ein gutes Privatgeschäft. Bei einer Zerschlagung der beiden Banken würden nämlich die Geschäfte mit den großen Verlustrisiken an der Zentrale hängen bleiben und mühten vom Reich betreut werden. Der gesunde Sern der Geschäs'e hingegen siele der privatwirlschaft zu. Es ist immer das alte Lied: das Prioattäpital ist schon längst nicht mehr so privatwirtschastlich gesinnt, um sich nicht für eine Sozialisierung seiner Verluste zu begeistern: aber alle Gewinn- chancen müssen chin restlos vorbehalten bleiben. Das ist die moderne Arbeitsteilung nach dem Sinn des Privatkapitals, die Verluste dem Slaat, die Gewinne der Privatwirtschaft. Der Weg, der heuke vom Skaat bei den beiden von ihm beeinflußten Großbanken beschritten werden muß. ist klar vorgezeichnet. Zunächst muß der öffentliche Einfluß in der Führung und Ver- waltung der beiden Institute so weit ausgedehnt werden, als es dem Kapitalanteil des Reichs bzw. seiner Stellung als Garant ent- spricht Dann wird man an eine engere Zusammenarbeit der beiden Institute denken müssen, wobei insbesondere in der Provinz das häufige Gegeneinapderarbeiten durch eine Vereinheitlichung des Filialnetzes ausgeschaltet werden muß. Weiter werden die Geschäfte der beiden Institute ihrem Charakter als öffentlich beeinflußten Einrichtungen angepaßt werden müssen Das bedeutet, daß die reinen Spekulations gcschäfte a u s g e s ch a l t e t und die Emissions- und Konsortial- geschästc auf das Maß zurückgeführt werden, das mit der Banktätig keit als solcher untrennbar verbunden ist-Das läuft also im wesent lichen aus eine Umwandlung der beiden Banken in Depositenbanken mit mittlerem Industrie- und Handels- geschäft hinaus Und schließlich wird es die wichtigste Ausgabe sein die aus diese Weise umges�llten Kreditinstitute in das öffentliche Bankwesen o r"a n i s ch einzugliedern. Das Reich hat es nicht nötig� den Teufel durch Beelzebub aus- zutreiben und die beiden von ihm beherrschten Banken aus dem Umweg über die„Dezentralisierung" der Privatwirtschaft in die Arme zu treiben. Das mit dieser„Dezentralisierung" angeblich ver- folgte Ziel wird viel besser und ohne Sozialisierung der V e r l u st e dadurch erreicht, daß der öffentliche Einfluß aus die beiden Banken ausgebaut und sie in den Dienst wahrhast volkswirtschaftlicher Interessen gestellt werden. Pfundentwertung/(Schiffahrtsabkommen. Schwere Differenzen zwischen Deutschen und Engländern. Die Entwertung des englischen Pfundes hat in der Schiffahrt Verhältnisse geschafsen, die das deutsch-englische Ree- derei-Abkommen gefährden. Vor wenigen Wochen waren die deutschen Reedereien an die Engländer mit dem Ersuchen herangetreten, ihre Frachtsätze entsprechend der Pfundentwertung zu erhöhen. Diesen Vorschlag haben die Engländer jedoch a b- gelehnt. Die Situation hat sich jetzt insofern verschärft, als das deutsch- englische Abkommen vorsah, daß deutsche Schiffe in dem Hafen Southampton selbst nicht anlegen sollten. Der deutsche Dampfer „Cap Arcona" von der Hamburg-Slldamerika-Linie hat nun dieser Tage in Southampton angelegt, was von den Engländern als e i n Bruch des Abkommens aufgefaßt wird. Ob die Differenzen noch einmal beigelegt werden können, erscheint bei der schwierigen Situation, hie die Pfundentwertung für die internationale Schiff- fahrt geschaffen hat, mehr als fraglich. Wie steht der Stahltrust? Oer Auffichksrai gibi schwere Verluste zu. Die scharfe Kritik, die in den letzten Wochen von der sozialistischen Wirlschasl-presse und auch einem Teil stntsbürgerlicher Organv an der Wirtschaslspolitik und der Betriebsenlwicklung des S l a h l t r u st s geübt wurde, hat den Aussichlsrat dieses mächtigsten jchwcrindusiriellen Unternehmens in Deutschland veranlaßt, eine außerordentliche Sitzung des Aussichtsrales e'nzuberusen. Die Kritik der Oessentlichkeit muß also beim Stahllrust den Kern der Dinge gelrossen haben, denn sonst hätten sich die selbstherrlichen Rlagnaten an der Ruhr kaum veranlaßt gejchen. wenige Wochen vor der Veröffentlichung der Jahresbilanz e in e beruhigende Erklärung vom Stapel zu lassen. Wie nicht anders zu erwarten war, ist die vorliegende Mit- ieilung des Aussichtsrates der Vereinigten Stahlwerke A.-G. e i n Muster an Unklarheit. Trotzdem ist zwischen den Zeilen genug zu lesen. Zunächst wird darauf hingewiesen, daß Produk- tion und Umsatz im allgemeinen ihren Tief st and erreicht lzaben dürsten. So sei die Rohstahlproduktion gegen 8300 Tonnen im September auf rund 0400 Tonnen seit dem 1. Oktober je Ar- b e i t s t a g gestiegen. Diese Besserung ist aber im wesentlichen auf die zusätzlichen Austräge der Reichsbahn für Oberbaumaterial zurückzuführen. Die wichtige Frage der Elsenerze, die wir unten näher behandelt haben, wird in der Verwaltungserklärung damit umschrieben, daß„die Rohstoffzufuhr nicht in vollem Umfang«(!) dem Auftragseingang entsprechend eingeschränkt werden konnte". Inzwischen aber seien sowohl die Produktion wie die Rahstoffzufuhr dem gesunkenen Auftragsbestand angepaßt worden. Zu den Schulden bemerkt der Bericht, daß sämtlich« kurzfristigen in- und ausländischen Schulden in den Bankguthaben und de» Forderungen bis auf einen„verhältnismäßig kleinen Teil" volle Deckung finden. Der ungedeckt« Rest wird durch die Vorräte um ein Mehr- fachcs überdeckt. Diese gewundene Erklärung wird etwas durch- sichtiger, wenn man sich die Vorratswerte des vergangenen Jahres ansieht. Diese stellten sich in der letzten Bilanz ans rund 270 Mil- lionen Mark und müssen sich bei Abschluß des Geschäftsjahres 4030/3l, also ain 30. September, infolge des stäitdig verschlechter- ten Absatzes sowohl bei der Kohle wie beim Eisen noch erheb- lich gesteigert haben. Wenn also„der verhältnismäßig kleine Teil" der ungedeckten kurzfristigen Schulden von den Vorräten um ein Mehrfaches überdeckt wird, so dürfte sich dieser kleine Teil doch immerhin auf reichlichüO bis 60 Millionen Ward b.- lausen. Zum Schluß bemerkt der Bericht lakonisch, daß trotz des starken Ilmsatzrückgangcs„ein größerer Teil der ersorderlichen Ab- schreibungen verdient worden ist". Die Abschreibungen im ver- gangenen Jahr, die schon gekürzt wurden, um noch eine vierpro- zentige Dividende auszuzahlen, beliefen sich auf 80 Millionen Mark Der Abschreibungsbedars im abgelaufenen Geschäftsjahr müßte weit höher liegen, da der Stahltrust auf der Jagd nach höheren Syndi- katsquoten eine Anzahl von freien Werken aufgekauft hat, die ivegen ihrer Unrentabilität dann stillgelegt werden mußten. Bei vorsichtiger Schätzung wird also der Abschluß des Stahlvereins mindestens«inen Verlust von 4 3 Millionen Mark aus- weisen. Inwieweit die Bilanz bei einem derartigen Verlustauswcis noch„verschönt" worden ist, wird sich erst bei der Vorlage des Geschäftsberichts und der einzelnen Abschlußziffern ergeben. Gtahlverein und Gchwedenerze. Teilweise eingestellte Lieferungen.- Die Verluste aus den Verträgen. den letzten Tagen wurde gemeldet, daß zwischen dem Grägesberg-Trust und den Vereinigten Stahlwerten eine Verein- b a r u n g zur Einstellung der 1934 noch fälligen Lieferungen gc- troffen worden sei. Man hört dazu jetzt näheres, freilich wieder nicht von den Vereinigten Stahlwerken selbst. Die Schweden sollen die deutschen Empfänger von der Annahme derjenigen Liesermengen be f r e l t haben, die bisher im Jahre 1931 ausgeschoben worden war. Für den Rest des Jahres feien die Liefe- rungen zuPir sortzujetzc», aber doch in geringerem Umfange als bis- her. Anfang 1932 soll von neuem über die Erzoerträge ver- hä'ndelt werden. Es ist also für die Zeit von 1932 bis 1942 noch nichts Endgültiges festgelegt. Ucber den von den Schweden für ihre Konzessionen oerlangten Preis verlautet noch nichts. Das„Berliner Tageblatt" unterstreicht mit seinen Angaben über den Vertragsinhalt sehr nachdrücklich die von uns immer in den Vordergrund gestellte UnWirtschaftlichkeit der Ver- träge. Für die Verträge von 1933 bis 1942 seien die abzunehmen- den Mengen zwar etwas geringer festgesetzt, die Preise seien a b e r n o ch h ö h e r als diejenigen für die Verträge bis Ende 1932. Außerdem sollen die laufenden Verträge eine Klausel enthalten, nach der die deutschen Käufer bei steigenden Erzpreisen höhere Preise zahlen müssen, während bei sinkenden Weltmarktpreisen eine Ermäßigung nicht eintritt. All das entspricht den von uns immer wieder gemachten Feststellungen, daß ohne jede Rücksicht auf die konjunkturelle Entwicklung von den deutschen Partnern Vertragsbedingungen eingegangen sind, die unter wirtschaftlichen Ge- sichtspunkten geradezu wahnsinnig genannt werden müssen. Wie groß angesichts solcher Preisklauseln die V e r l u st e sein müssen, möge man aus folgenden Angaben entnehmen: Von Sep- tember 1930 bis September 1931 ist der Preis für spanische Erze von 19,10 auf 13,39 Mark, für Erze aus der Bretagne von 12,31 auf 9,33 Mark gesunken. Das sind Rückgänge um rund 30 bzw. 23 Proz. Demgegenüber sind mit den Schweden von den deutschen westlichen Stahlkonzernen mindestens festbleibende Preise aus- gemacht. In den ersten zehn Monaten 1930 sind insgesamt 12,24 Millionen Tonnen Erze nach Deutschland eingeführt worden, iin ganzen Jahre 1930 waren es 13,89 Millionen Tonnen. Von diesen letzteren kamen 6,73 Millionen Tonnen auf Schwedcnerzc. Davon wieder fast 99 Proz. auf die westlichen deutschen Stahl- konzcrne. Für diese 6,73 Millionen Tonnen darf bei einer Ueber- Zahlung von 3 Mark je Tonne im Lause eines Jahres ein Verlust von rund 34 Millionen Mark angenommen werden. Nimmt man an, daß auf den Stahlverein die Hälfte der Schwedcnerze entfällt, so wird für 1930/31 der Jahresverlust von 18 Millionen Mark, von dem wir sprachen, noch übertroffen Der französische Außenhandel. In de» ersten zehn Monaten 1931 betrug die französische Einfuhr 36,3 Milliarden Franken gegenüber 43,7 Milliarden in der gleichen Zeit des Jahres 19.30. Gleichzeitig ist die Aussuhr wesentlich stärker zurückgegangen, nämlich von 36,2 Milliarden aus 23,9 Milliarden Franken. Wöh- rcnd im vergangenen Jahr der Einfuhrüberschuß 7,37 Milliarden Franken betrug, machte er letzt bereits 10,36 Milliarden aus, so daß man für das volle Jahr 1931 mit einem Einfuhrüberschuß van etwa 12 Milliarden Franken, etwa 2 Milliarden Mark, rechnen kann. ir Hera macht mehr als 100 OCO Zusammen zieh imsen(Schlaga) tigTich und das Ihr ganzes Leben lang, ohne Ruhe, ohne Pause. Daran ist zu ermessen, wie wichtig die Pflege und Schonung dieses lebensnotwendigen Organe» ist. Schonen Sie Ihr Herz, trinken Sic den bewährten eofleinfreien Kaffee Hag! Iht Arzt wird Ihnen denselben Rat geben, wenn Sic ihn fragen, Die Substanz Im Kaffee, die schädliche Wulcungen haben kann, ist einzig und allein das Coffein, und da» ist dem Kaffee Hag entzogen. Geschmadc und Aroma sind genau so, wie beim gewöhnliehen Kaffee. Sie entbehren also nichts. Kaffee Hag sdimedct ganz vorzüglich l&affee Hag hl s&sund! In lodern Paket ein Gutschein fQv Heg• Porzellan oder KaStee Hag. I Wie die Krise verschärst wird. Das Pferd wird beim Schwanz aufgezäumt. „Uuflockerung der Tarifverträge".„Senkung der Gestehungs- kosten" sind die neuen. Formulierungen uralter Unternehmer- wiinsch«. Die Unternehmer waren— von Ausnahmen abgesehen— immer gegen tarifliche Bindungen und für niedrige Löhne. Wenn es nicht anders ging, dann erklärten sie freilich, auf dem entgegen- gesetzten Standpunkt zu stehen. Aber sowie die Konjunktur umschlug. kehrten sie wieder zu ihrer ersten Liebe zurück. Verwunderlich ist eigentlich nur, daß gegenwärtig Leute, dte nicht zu den Unternehmern rechnen, so tun, als sei doch noch etwas dran an diesen uralten, auf neu gebügelten Unternehmerwünschen, als könnte man vielleicht doch damit die Wirtschaftskrise über- winden. Die Reichsregierung hat sich einen„Wirtschafts- bcirat" zusammengestellt, um sich von diesem bescheinigen zu lassen, daß Lohnsenkung und Elastizität der Tarifverträge mit zur Ueber- Windung der Krise gehören. Die Schlichtungsbehörden haben das Problem schon vorweg genommen. Die Löhne sind bereits auf der ganzen Linie gesenkt worden, zwei-, dreimal in einem Jahr. Die Tarifverträge werden nur noch auf zwei, drei, höchstens sechs Mo- nate befristet, um„elastisch" zu sein, während noch vor zwei, drei Jahren nur langfristige Tarifverträge die Wirtschaft retten konnten. Aber das genügt den Unternehmern heute nicht mehr. Man fordert allgemeine 5zerabsetzung der Löhne auf den Stand von 1927 oder gar auf den von 1913. Natürlich sollen die nominalen Stundenlöhne so herabgesetzt werden, nicht aber die Preise, »och viel weniger die Leistungen oder auch nur die realen Jahreseinkommen. Damit verläßt man aber das etwas heikle Thema der Gestehungskosten. Wenn es so gemeint wäre, daß der Lohnantcil an den Ge- siehungskosten fixiert werden soll nach einem bestimmten Ausgongspunkt— etwa 1913 oder 1927—, dann ließe sich noch darüber reden Dazu wären jedoch eingehende Untersuchungen notwendig. Es würde sich dann herausstellen— für den Ruhr- kohlenbergbau steht es fest—, daß der Lohnanteil an den Gestehungskosten heute bereits unter den Stand von 1913 gesunken ist. Die Produktivität, mit ihr die Intensität der Arbeit ist aber feit 1913 ganz außerordentlich gestiegen. Der Mängel einer Produktionsstatistik verhindert leider, diese Steigerung genau zu fixieren. Die Zahlen, die wir darüber kennen, Beobachtungen und Erfahrungen lassen uns die Steigerung der Produktionskapazität durchschnittlich auf ISO— 200 annehmen, wenn man 1913— 100 setzt. Sie dürfte nahe an 200 liegen. Das Arbeitseinkommen hielt mit dieser Steigerung ober nicht gleichen Schritt. Es blieb immer mehr zurück. Die Arbeiter, Angestellten und Bc- omten waren immer weniger in der Lage, die Produkte zurückzu- kaufen, die erzeugt werden. Es genügen dabei immer weniger Arbeiter und Angestellte zur Erzeugung und Verteilung der absetzbaren Produkte. Das ist— und nur das ist die Ursache der Arbeitslosigkeit, die seit der sogenannten Rationalisierung ständig steigt. Während diese Steigerung der Arbeitslosigkeit jedoch in den Jahren 1927—1929 infolge der wenn auch unzulängliä)«« Steige- rung der Löhne sich in einem langsamen Tempo vollzog, stieg sie sehr scharf im Jahr« 1930, wo die Löhne zunächst stagnierten, um dann gesenkt zu werden. Wohl setzte damals auch der Preissturz ein, doch dauerte es ziemlich lange, bis auch die Einzelhandels- preise abzugleiten begonnen, während die Sozialabgaben noch stiegen, Mieten, Verkehrsausgaben usw. stabil blieben. Der Abstand zwischen Kaufkraft und Produktionskapazität war weiter gestiegen. Die sinkende Ausnutzung der Betriebsanlagen ließ die Bc- lastung der Unternehmungen durch Zinsen, Abschreibungen, Direl- torenzehältcr usw. immer drückender erscheinen. Die Gestehungs- kosten mußten gesenkt werden. Man senkte aber nicht den Kapital- dienst durch Zusammenstreichung des unproduktiv gewordenen Ka- pitals, man baute nicht den aufgeschwollenen Lcitungsapparat und dessen Gehälter ab, sondern senkte dort die Gestehungskosten, wo sie schon zu niedrig waren: bei den Löhnen und Gehälter». Die Folge ist, daß die Ausnntzungsmöglichkeit der Betriebsan- lagen innige der rapide sinkenden Koufkraft ständig zurückgeht. Und nun fordert man eine noch weitere Senkung der Löhne und das Recht, auch diese beschnittenen Löhne selbst während der Laus- daucr der kurzfristigen Tarifverträge noch tiefer zu drücken! Und damit hoffen die Ratgeber der Regierung die Wirtschast wieder in Gang zu setzen! Wenn es nicht eine so verflucht ernste Angelegenheit wäre, könnte man über diese Methode, sich selbst das Wasser abzugraben, herzlich lachen. Aber diese wirtschaftliche Schildbürgcrei, den Absatz zu steigern indem man ihn vorher dros- selt, gilt leider, als wirtschaftliche Weisheit. Ohne feste Tarifverträge gibt es keine feste Kalkulationsbasis. Ohne steigende Löhne gibt es keine Steigerung der Produktion. Nahezu der einzige Anteil an den Gestehungskosten, der den Bc- trieben in Form von Aufträgen wieder zufließt, ist der Lohn. Ihn senken, heißt die Quellen der Wirtschast oerstopfen. Keine Einigung im Ruhrbergbau. Schlichterkammer eingeseht. Essen, 23. November. Nachdem die Lohnverhandlungen der Tarifparteiea für den Ruhrbergbau am 17. November gescheitert waren, saadea heule iu Essen Parleiverhaadtuagen vor dem staollichen Schlichter. Professor De. 8t ahn slo». Nach eiahalbstündiger Beratung wurden die verhaadlun- gen abgebrochen, da eine Einigung zwischen den Parkeien nicht zu erzielen war. Der Schlichker seht eine Schlich lerkammer ein. Die Lohuverhaadlullgen sowohl sür die Eisenindustrie Nordwest wie sür den Ruhrbergbau werden am kowmea- den Donnerstag fortgesetzt. Vorschuß auf das Dritte Reich. Zieichslandbund will Tarifvertrag beseitigen. Der Kreislandbund Meißen in Sachsen hat eine neue Methode zur Umgehung der Tariflöhne ausgeklügelt. Cr empfiehlt seinen Vertrauensleuten in einem Rundschreiben, di« Arbeitnehmer zu kündigen und nach Ablauf der Kündi- gungsfrlst mit denjenigen der Gekündigten, die im Betrieb« bleiben sollen, schriftlich einen von beiden Seiten unterzeichneten Sonder- tarif abzuschließen. Im Interesse der Vermeidung von Weite- rungen wird den Vertrauensleuten weiter empfohlen, für jeden Monat gesondert abzurechnen und sich dabei den Satz:„Weitere Ansprüche bestehen nicht mehr" mit unterschreiben zu lassen. In rechtlicher Beziehung ist noch der Meinung des Kreis- landbundes Meißen nichts zu befürchten, weil angeblich nach der Entscheidung des Reichearbeitsgerichts vom 18. Oktober 1930 eine Kündigung unter Einhaltung der tariflichen Kündigungsfrist für den Fall möglich ist, daß eine Mehrbelastung nicht mehr tragbar er- scheint. Diese Auffassung ist nicht haltbar. Die Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts vom 18. Oktober 1930 bietet die Möglichkeit, Arbeiter zu kündigen zu dem Zweck« des Abschlusses eines Arbeits- Vertrages mit niedrigcrem Lohn als den im Tarifvertrag vorgefehe- nen nur für den Fall, wenn der Tarifvertrag abgelaufen ist. Während der Dauer eines Tarifvertrages ist diese Möglichkeit nicht gegeben. Selbst wenn ein Arbeiter im Interesse der Bcr- meidung der Künoigung einen Arbeitsvertrag mit niedrigerem Lohn als den geltenden Tariflohn abschließt, kann er bei Lösung des Arbeitsverhältnisses mit Erfolg auf Zahlung der Disferenz zwischen dem niedrigen und dem Tariflohn klagen. Die landwirtschgsllichen Unternehmer halten offenbar den Zeit- punkt für gekQAimen, einen entscheidenden Schlag gegen alles zu führen, was di« Staatsumwälzung im November 1918 den Lanh« arbeitern gebracht hat. Sie sind nur etwas voreilig. Aber diese Voreiligkeit zeigt deutlich auf, was der Arbeiterschajt bevorsteht, wenn einmal das sogenannte Dritte Reich errichtet werden würde. ITI. Die' stärkste Verufsinternationalc. Die International« Transportarbeiterföde- r a t i o n hielt dieser Tage in Amsterdam eine Vorstand«- s i tz u n g ab. Den Bericht erstattete der internationale Sekretär Nathan». Der Generalsekretär F i m m e n befindet sich zur Zelt auf einer Reise im fernen Osten. Die Regierung von Britisch-Indien hat ihm sowie dem japanischen Transportarbeitervertreter Von«- kubo da» Visum verweigert. Auch di« Regierung von Niederländisch-Jndien will Fimmen die Einreise nicht gestatten. Die Mitgliederbewegung der JTF. ist, wie au» dem Tätigkeit»- bericht hervorgeht, zufriedenstellend. Der Z u w a ch« im Jahre 1930 betrug r u n d 1 0 0 0 0 0. Di« Internationale zählt jetzt 2, 3 7 M i l- lionen Mitglieder. Der Zuwachs entfällt hauptsächlich auf Argentinien, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Auch die Finanzlag« im JTF. ist gesund, obwohl die Aufhebung der Goldwährung in England gewisse Schwierigkeiten geschaffen hat. Der Beitrag mutz fortan in holländischer Valuta entrichtet werden. Der Tätigkeitsbericht wurde«instimmig genehmigt. Im weiteren Verlauf seiner Beratungen beschäftigte sich der Vorstand eingehend mit der Lage in Polen, sowie mit den vom Schwedischen Transportarbeitervcrband gegen die polnische Regie- rung ergriffenen Maßnahmen. Polen will die auf polnischen Schiffen fahrenden Seeleute zwingen, sich dem faschistischen See- leuteverband anzuschließen. Eine internationale Hafenarbeiterkonferenz soll dem- nächst zur Behandlung des Genfer Hafenarbeiterabkommens und zur Klärung der Haltung der Hafenarbeiter bei eventuellen Konflikten in der See- und Binnenschiffahrt einberufen werden. Gegen die zunehmende Kriegsgefahr nahm der Vorstand eine Eni- schließnng an, worin an alle angeschlossenen Kameraden der Appell gerichtet wird, für den Kampf um die Verwirklichung des demo- kratischen Sozialismus zu rüsten. Der nächste internationale Tran-- portarbeiterkongreß findet im August 1932 in Prag statt. Rowerordnung gegen Schauspieler. Gagenstreit vor dem Bühnenschiedsgericht. Breslau, 23. November. Das Bühnenschiedsgericht Breslau hatte sich in dreitägigen Verhandlungen mit den Klagen der Mitglieder des Stadttheoters und der Vereinigten Theater wegen der auf Grund der preußischen Spartnotverordnung vom 14. November 1931 vorgenommenen G e- haltst iirzungen zu befassen. Von den SO Klagen werden 20abgewiesen.bei13 werden die Gagen nach neuen(im Verhältnis zu den von den Theaterver- waltungen verordneten Kürzungen) teils erheblich gemilderten Sätzen gekürzt; bei 17 Klagen wurde die Herabsetzung der Gagen— unter 300 Mark— als unzulässig bezeichnet. In der Begründung führte Landgerichtsdirektor W i n k l e r aus, die preußische Sparvcrordnung sei auch auf die Bezüge der Bühnen- künstler, die an durch die ösfentliche Hand unterstützten Betrieben tütig seien, durchaus anwendbar. Sie fei als ein Ausnahme» gesetz zu betrachten, und dürfe nicht den Worten, sondern dem Sinne nach ausgelegt werden. Der Ausgang dieser Klagen ist auch für di« Bühnen im Reich von außerordentlicher Bedeutung, da sie die erste Klage ist, die nach dem Erlaß der Sparnotverordnung und ihrer Auswirkungen gegen «ine Zcheatsroerwaltung, die auf Zuschüsse von behördlicher Seite angewiesen ist, gerichtet wurde. Die Bühnenmitgiiedcr, die mit ihrer Klage abgewiesen wurden, werden voraussichtlich das Oberschiedsgericht in Berlin anrufen. Hinierm Fleischerladen. Wie Verkäuferinnen behandelt werden. Man schreibt uns: Bei dem Fleischermeister Julius W i s ch n e w s k i, Charlottenburg. Pestalozzistr. 19, Filiale Augsburger Ecke Ansbacher Straße. müssen zwei Verkäuferinnen in einem Bett schlafen. Als der Frau Meisterin darüber Lorhaltungen gemacht wurden, sagte sie dem Gewerkschaftsvertreter, die Verkäuferinnen hätten es selbst gewünscht. zu zweit in einem Bett zu schlafen. Ein zweites Bett ist aber nicht da. Ein« Verkäuferin wurde verdächtigt, 1,73 M. unterschlagen zu haben. Bei der Entlassung wurden ihr die Papiere und das lüllige Monatsgeholt von 101,90 M. einbehalten. Ein Gewerkschastsver- treter will den Streit beilegen. Da er sich auch wegen der allzu langen Arbeitszeit beschwert, wird ihm erklärt:„Der Verband sorgt nur dasiir, daß immer mehr Gesellen und Verkäuferinnen arbeitslos werden. In Zukunft beschäftige ich niemand mehr vom Verband. wer im verband ist, wird bei mir entlassen." Ein weiterer Fall bei dieser Firma. Eine Verkäuferin wir» entgegen den gesetzlichen Bestimmungen mit 14tägiger Frist zw» IS. November gekündigt. Am S. November konnte die Derkäufecn» erst um 41- Uhr zu Tisch gehen, nachdem sie neun Stunden ohne Essen im Laden stand, weil die Meisterin fort war. Die Ver- käuscrin hielt nun ihr« zweistündig« Mittagspause ein. Als sie wieder in» Geschäft kpin, wurde sie deswegen sofort e n t- lassen. Das Gehalt wurde auch in diesem Falle einbehalten. Als der Gewerkschaftsvertreter verhandeln wollte, wurde ihm der Laden verboten. Dabei wurde er beschimpft:„Sie fauler Kerl, tun Sie lieber was. Sie sind dick und fett, arbeiten Sie lieber, als den Ver- käuferinnen da» Geld durch Ihre Beiträge aus der Tasche zu ziehen." Die M i ß st ä n d e können erst beseitigt und auch der noch recht primitive Ton, der sich im Fleischergcwerbe im Umgang mit den Angestellten erhalten hat, etwas kultiviert werden, sobald alle Gesellen und Verkäuferinnen ihr Interesse daran bekunden, durch den Anschluß an ihre Organisation, den Nahrungsmittel- und Getränkearbeiterverband. Bergarbeiierstreik in Spanien. Madrid, 23. November.(Eigenbericht.) In Bilbao streiken zur Zeit 8000 Bergarbeiter. Es ist damit zu rechnen, daß sich weitere 6000 Arbeiter dem Streik anschließen werden.__ Wahrheit oder Mache? Dynomitaktentat gegen Streikbrecher in Athen. Athen, 23. November. Die Polizei nahm hier fünf Kommunisten fest, die vorgestern ein Dynamitattentat gegen Arbeiter einer Schuh- f a b r i k verübten, die sich weigerten, an einem Streik teilzunehmen. Bei dem Wentat war nur Materialschaden entstanden. Die Fenster vieler Häuser wurden zertrümmert. Eine alte Frau trug eine Handoerletzung davon. 2,S4 Millionen Arbeitslose in Japan. ' Nach den Angaben des japanischen Innenministeriums hat di« Zählung der unter st ützungsbedürftigen Arbeitslosen in den 22 größten japanischen Städten die Zahl von 2840000 Mann ergeben. Die Arbeikslosigtlit in Oesterreich ist in der ersten November- Hälfte gestiegen. Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen«r- höhte sich um ruiid 22 806 auf 250 955. S�Freie GewertfchafiS'Zugend Berlin iten d«» Betri-b.rats.— Schöiunicidc: Jugendheim Riedcrschijneweide. asselwcrderstraße«Mädchenschule, im Keller). Gewerkschaften und Kirche.— Pcukäw: Jugendheim KisslNgenstr. äii, Zimmer ,v Volkswirtschaftliche Vor tragsreihe:„Der Mehrwert und di"--- Gngelufer 2t— 25, Saal 11. Heiter«_______ Willdenowstr. 5, 2 Treppen, Zimmer 11. Kreismädchenabend: Sozial«"Fraüsrn die Mehrwertstheoric".— Sewerlfch eitere Reiseerlehnisse.— BeHding: Jugendheim Ntshans! Rcu-Lichtcnborg: Jugendheim Gunterstr. 41. Arbeitslos"in der ontfurter Alleen Städt. Jugendheim Litauer Str. IS. Reichstags. rrpcrtagc. Jetztzeit.—_.........______.......... sttzung.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Der Jugendliche in Aamüie und Freizeit.— vfteade: Jugendheim Karlshorst, Treskowallee 44(Ken!. Schule), u-chon ab IS Uhr. Berliner Großstadtleben.— Treptow: Jugendheim Glsenstr. lscn»cranftaltu«a im Allersheim Danziger Str.«2. Genosse Victor Schih spricht über: Erwerbslostgtelt in Europa, llutrr. halluno: Musstverein..Rarden IbSS". WWW., L_j Moschin« WWW.> ��WW schulliass«. Anschließend Szenen aus Zollers MoschiacastSro-er. Lll. Kreis. KnUurtartell. Sißuog cm S«. Rooember füllt an» und wirb 47. Ä>?�3) Uhr Funklionärssßun� 136. Abt. Äußrrorocntlichc Filnktiabürsihunz bei Kiehne, Restdenzstr.!>. Mitgliedewersammlungen in nachstehenden Lokalen am Mittwoch, 25. November: 17. Kreis, zeitungslommissio». Södntllchl Abteilungen und die Spediteure müsse» vertreten leib. 19 Uhr hn»er Spedllioa»ozhcgener Str.«Z. 1».»reis. 20 Uhr Krei-miigli-deruersammluug im Lokal..Zum Ps-id-marlt*, Schünftraße. Kultur in Rot. Es sprechen die vcnosscn Richard Kunze. I. P. Meyer und May Bertel. 3. Abt. gahiobende in den bekannten Lokalen. !. Abi. gahlabend bei Brandis, Etrollauer Slr. 16. Referent: Genosse Dr. O. Fricdländcr. 6. Abt. Schroebter Festsälc, Echwedter Etr. 23. Vikior Krüger: wtaat und 7. Abt.�Lokal Reue Ressource, Saiiqi:str. 6. Dr. Richart MIschier: Zur poli, tischen Laue. x. Adt. Rationaihot, Bülowstr. 37. Stadioerordncter Paul Robinson: Di« AinanzirUc Berlins und die Auswirkung aus die stddtlschen Betriebe. ». Abt. gahl. und Dislussionsabend bei Lindner, Lehrter Str. 44. 16. Abt. Pahenhofer, Turmstr. 26. Max Fechncr, M. d. L.:.Der Lebcnatenpf der deutschen Gcnicinieu"._., 14. Abt. Swinemünder Eescllschaftshaus, Souneinünder Etr. 42. Dr. Julius Moses. M. d. R.:.Zur politischen Lage". 13. Abt. Mitgliederversammlung: Bezirke 2SS. 260. 263 u. 236 bei Kurkowskn, Fcldstr. 3; Bezirke 251, 232, 253 und 25 S, bei Müsch, Bwtnnenstr. 146. Thema auf beiden Bersammlnngen:»Prellßenpolitik". Referenten Sen. gacheri, M. d. L. und Jürgen Jllrgensen. M. d. L... 17. Abt. Mi tgliedcrversammlung in der katholischen Aula. RiüIer, trage. Ecke Triststraße.„Reise eines deutsche»: Sezio listen durch Frankrelck)". Referent Gen. Grich Schwarz. ,. 13. Abt.. Löwenbrauerei, Hochstr. 2. Vortrag der Genossin Schulze. G-iv-rnItz über:„Srcibcilslömpfc in Indien undii»in:st>schen Ihani festes". 23. Abt. Sozialistischer Abend in den B-roli»».zi-stsaIcn, Schönhauser Alle« 2«. 4» Minuten politisches Kabarett. Vortrag Dr. Karl Schröder:»Ausruf zum Sozialismus". Mitwirtnng der„Raten Redelleu" uu» der SAZ. Eintritt 20 Ps. Erwerbslose frei gegen Ausweis. Zahlabent fällt in allen Gruppe» au». 2». Abt. Jahlabendc bei Klug. Dauziger Str. 71,»lauß, Prenzlauer Alle« 5>, Res Gen Rüdiger: Richter. Echlicinannstr. 39: Garros, Dunckerstr. 71, Res. Gen. Knopf; Buchholz. Prenzlauer Allkc Ecke Stargarder Straße. 36. Abt. Easiiio. Festsöle, Poppelallc« 15. Georg Madcrholz, M. d. L.:„Zur politischen Lage". 31. Abt. Schulaula, öckönfließer Str. 7. Viktor Echsss:„Fragen der äußeren Politik". 32. Abt. Schmidt» Gesellschastohau», Zruchtstr. 36a, Bruno Lösche:. De- Terror von reöil» i:nd link»".„. 33. Abt. Alte Taverne, 2Ilt. Stralau 23—2«. Hans Pl-ttncr:„D:c Krise und unsere Aufgaben" Die Sihung des Adleilungsvorftandes findet utcht statt. 34. Abt. Schulaula. Litauer Str. tu. Ernft Reumann:„Politische Tagesflage»". 35. Abt. Die Mitgliederperlammlnng findet»mftäubchalbcr erst am 3. De. zember statt. Ref. Gen. Kuttuer. 36. Abt. Schulaula. Petersburger Str. 4. August Riemaun:„Airtschastskrise und politische' Reaktion". 37. Abt. Poßcnhofer, Laudsbergcr Allee 2127. Dottlteb Reese:„Politische Lage" Sumpathisserendc als Gift« willkommen. 38. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Ewest, Fruchtstr. 36a. Lichtbilder. Vortrag, im Rahmen der Klnderfrcundc Wcrbcmochc und politische Tage». 36.«dst" Im Biuigcwerksihastshaus:..Verwahrloste Jugend und Fürsorge, erziehung". RefV Gen. Dr. Eberlein. 46 Abt<0 Uhr Zahlabende! 1. Gruppe: Sönnidt, Teltower Str. l». Ref. cheydemann. 2. Grupue: Keusncr. Hagclberger Str. 26». Ref. Hcnrigues. 3 Gruppe: Förster. Drelbundstr. 11. Ref.«naucr. » Abt Abtcilungsversamnstung in: Friesenschlößchen, ssriesenstr. 14. Bor- trag:„Finanz, und Außenpolitik". Bes.«Sen. Hcrtneck. 42. Abt. Adteiiungeocrsammlung i» Kleina FcstsLIen, Blllchcrstr. kl. Vortrag d.s Ee» Dr. Eroncr: ,. England in der Krise". Abt. Rades Festsöle, Fichtestr. 20. Mathilde Wurm, M. d. R.:„Polittsche 43. 45. AÄ.�10� Uhr Schulaula, Reichenherger. Ecke Forsterstraße. Dr. Dichaucr:„Vollsherrschaft Uber Loltswutichait. 4«. Abi. Sissulaula. Görlißer Etr. Sl. Dr. Salomon Schwarz fpxl Theodor spricht über: „Rußland". 47. Abt. Saal 1. Gewrrkschastshaus. Engelufer 2125. Siegfried Aufhüuser, M d. R.:„Zur politischen Lage". 48. Abt. Dresdener Garten, Dresdener Str. 45. Bruncz Groppler:„Partei und Konsumbcweguug". Sl. Abt. Wohlfahrtssaal, Königin. Elisabeth. Str. k. Robert Breuer:„Zur politischen Lage". 33. Abt. 26 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal„Zinn Nußbaum". Gen. Rcinhold Last, Plözensee. Thema:„Aktuelle Fragen der Politik". Ref. Alfred Martwih. 34. Abt. Jugendheim, Rofinenstr. 4. Vortrag über:„Völkerbund und inter. nationale Konflikte". Referent wird in der Mittwoch.Morgenausgabe be- kanntgegeben. 57. Abt. Schillcr.Restaurant, Bismarckstr. 116. Otto Meier, M. d. L.:„Die Bedeutung Preußens in der politischen und wirtschastlichen Krise". 38. Abt. Franzen. Kalckreuthstr. 5. Diskusstonsabend. Hans Waldmann:„Poll. tische Tagesfraaen". 62. Abt. Bez. Halclhorst. Lokal zum alten Ercc, Eartenfclder Straße, Ecke Berliner Chaussee. Felix Fligg: mZut politische» Lage". 73. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Deutschen Hau». 74. Abt. Mitte. Alle Genossen der neuen Siedlung an der Berliner Straße versanunelu(ich 20 Uhr bei Schnorre, Berliner Str. 25. 77. Abt. Mitgliederversammlung Gesellschafiohaus des Westens, Hauptstraße. Georg Klaußner, M. d. L.:„Zur politischen Lage". 78. Abt. Piccadilly, Ebersstr. 801. Dr. Norbert Marx:„Politische Tages. fragen". 8l. Abt. 26 Uhr Ratskeller, Gcfevschaftszimmer, Am Lauterplatz. Dr. Kurt Löwenstein. R. d. 3t:„Die politische Lage". 82. Abt. Schcllhasc, Ahornstr. loa. Theodor Koßur:„Politische Zeitungsschau". 86. Abt. Schulaula, Äönigstraße. Käthe Kern:„Umwälzungen in Wirtschast und Politit". 92. Abt. 20 Uhr junge Parteigenossen Jugendheim Treptower Str. 05. Poll. tische Zeitungsschau. 66. Abt Lesehalle, Rogat-, Ecke Ilsestraßc. Ref. Dr. Schlesinger Wer:„Sowjet- Rußland". 96. Abt. Idcalhalle, Hannemannstroßc. Arkadij Surland:„Demokratie oder Diktatur". 96a Abt. 186- llhr Borstandssißung, pünktlich 10 Uhr Funktionärsißung, 20 Uhr Mitgliederversammlung im Buschkrug. 1.„Berlin in der Finanzkrise". Ref. Dr. Lohmann, Pressechef der Stadt Berlin. 2.„10 Minuten der SAZ.". 161. Abt. 30 Uhr Bildungsausschuß Spedition Gräßstroßc. 163. Abt. Aütgliederversammluug im Bürgcrpark. Weißkopfstraße. Res. Gen. Grzesin-Ii:„Die Ausgaben der Polizei im Bolkostaat". Ohne Mitglied». buch kein Zutritt. 164. Abt. 20 Uhr Funltionärsißung bei Pamp, Hasselwerder Str. 12. 116. Abt. 20 Uhr Arbeitskreis junger Parteigenosse» im Jugendheim, Dossc. straße 21/22. Ref. Gen. Ohlig spricht über:„Bildungsmöglichkeiten der stingcn Parteigenossen". Bczirtssührer laden besonders ein. 121. Abt. 20 llhr Dislussionsabend der jüngeren Parteigenossen bei König. Genosse Hellwia spricht über: Die Jugend in der Parteiarbeit. 128., 126., 131. Abi. und Arbeitskreis innaer Genossen im 19. Kreis. 20 llhr Reooluiionsfeie« bei Liudner, Breite Straße. Mitwirkende: Sprechaemei». schalt Riedcrschöuhause», Singelreis Zukunft. Tambonrkorvs Reichsbanner, Spieltruppe SAJ. Festansprache: Genossin Elora Bohrn-Schnch. M. d. R. Fabnenetnmaesch. Bilbunasobleute 16 Uhr. Mitgliedsbuch a>, Ausweis. 134. Abt. Arbeitslrei» junger Parteigenossen beteiligt sich an der Revolutions. feier der Abt. 12«, 126, 131 in Pankow. Linbners Konzertsäle. Abtahrt Buch 18.54 Uhr.' 13«.«dt. Reichsbonner, Ortsgruppe llieinickendorf.Ost. 20 llhr im Schüßenhaus, Reinickendorf.Ost, Residenzstr. 1, Abteilungsmitglicdcrversammlung. Es spricht Reichstagsoräsidcnt Paul Lobe über: Die politische Lage. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist, pünktlich zu erscheinen. Söst« können mit- gebracht werden. 137. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt aus. Alle Genoffen und Genosssnnen beteiliaen sich an der Werbekundgebung in Reinickendorf.Ost. Schüßcnbaus. 136. Abt. Tegelort. Lokal„Zum Schwan", Scharsenbergerstr. 31. Lichtbildervortrag des Genossen Stadtrat Kulisch über: Jugend, und Wciscnpflege. Douverstag, 26. November. 4. Kreio.�Zeei« � Schnlaemeiude.� Danzigcr Str. 23 Mitgliederversammlung. einer Lichtbildernortrag über:„Schulische und kulturelle Eindrücke von eine, Reise durch Frankreich". Ein Beitrag.»nr Bötkerverständigung. Referent Genosse R. Schröter. Schulangelegenheitc».— 26 Übe Schule Danzigcr Straße 23. Beginn de« neuen Kursus. Genosse Ernst Rrnmann spricht über Birtschast-krisc und»ssentlichc Finanzen. 8. Abt. Arbeitskreis im Heim Sentkiner Str. 17.„Religion und Sozialis. mns." Ein sozialistischer Pfarrer spricht. 168. und 168o. Abt. 15 Uhr Versammlung aller erwcrbslofen Parteigenossen und Parteigenossinnen bei Schulz, Bahnhofstr. 34. Abt. Loronzrig«. Soanabeud, 28. November.________________ »onut 7 heitere Stunde»), iu der Reue» Ressource"«bartensie. 6/ Ein Deisommensein sge- " tritt 66 Ps. Begiuu 26 Uhr. Soatössuuug 19 Uhr. Mitwirteude: Freie Turner. schalt, Serieuspielrr. Tanz, Tombola. Karte» sind»och bei den Bezirks- führeru zu habe». 5 rauenveraustaltuugea. 17. Kreis. Douuerstag, 2«. November, 1914 Uhr, im Lokal„Zum Treffpunkt", Boxhagencr Ecke Neue Bahnhofstraßc. Ernstes und Heiteres. Dortragende: Fricdcl Hall.-. 58. Abt.: Dienstag. 2i, Nooemher, FoMeßstng ogg LPeahends bei Komke, Courbierestr- 12.-.' 13«. Abt. Donnerstag-."26. November, treffen sich um- iisii Uhr-die Genossinnen am Kaiserplaß zur Besichtigung der Säuglingsfürsorge in der Nazareth. kirchstraße 461-. Frohnauer Genossinnen sind um 12'« Uhr in Waidmonns, tust an der Linie 88. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrk. 3. Kreis Wedding. Leute wichtige Sitzung des erweiterten Krcioausschusses bei Sorgaß. Ufer. Ecke Martin-Opig-cvtraße, 16>z Uhr. Da» Erscheine» aller ist unbedingt notwendig. Vereinigung sozialdemokratischer Juristen. Die Krise des Rechtsstaates. 3. Vortrag. Donnerstag, 2K. Rooember, 2V Uhr. im Saal U des Pschorr üanses, Tauenbienstr. 1?. Thema: Die Sozialverfiche rung als neue Derteilvngsordnuag. Referent: Dr. Bruno Broecker-Berltn. Es wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. Arbeitsgemeinschaft der Sindersreunde Groh-Berlin. <1 Die für Freitag, 27. November, sestgeseßt« Krcisleitersitzung muß umständehalber verschoben werden, der neue Termin wird durch li die Presse bekanntgegeben. , 1!. Friedrichshain. Moroen, Mittwoch, 18 Uhr, Volkstanzabend für ■"MV~J'C"C?6lken und Sungialten Litauer Str. l«. Donnerstag, 160, Uhr, W. Ärcishelfcrkursus Tilsster Str. 4.— Nodeet Blum. Donnerstoq, Uhr, Lichtbilderabend Litauer Str. 18. Chorlottenburg. Die Krciseitcrnoersammlung findet nicht Berliner Str. 37, sondern Berliner Str. 137 statt. Neukölln. Morgen, Mittwoch,»reiscllcrnvcrsommluug in der Knaben. Mittelschule, Donanstr. 126. Max Schm:dlbouer spricht. Beginn 20 Uhr. Zchlendors. Otto Brenn. Heimabende finden jeßt in der Zinnowaldschule, Schliefsenstroße, statt. Mittwochs l7>z bis 16?.'. Uhr Iungfalken und Rot« Fallen. Donnerstags 16 bis 18 Uhr Ziestfallen. Tcmpelhos, Marfenselde. Heute, Dienstag, 24. November, findet im Jugendheim Marienfeld«(Bahnhof Marienfeldcl, eine Elternperfammlung statt. Beginn pünktlich 19V< Uhr. Alle interessierten Eltern find eingeladen. Sterbetafel der Groß»Berliner Partei-Organisation| 8. Abt. Unser langjähriger Genosse Biax Appel. Bülowstr. 53, ist am 20. November im 66. Lebensjahre verstorben. Ehre seinem Anbenken. Einäscherung heute, Dienstag, 24. November. 171» Ubr, im Krematorium Wilmers- darf, Berliner Straße. Wir bitten um rege Beteiligung. tt. Abt. Unser Parteiveteran Genosse Ernst Berger ist am Sonntag, dem 22. November, verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 17U Uhr, Krematorium Gerichtstraßc. Um rege Beteiligung wird gebeten. 38. Abt. Unser langjähriger Parteigenosse Friedrich Meinel. Weberstr. 42, ist plötzlich verstorben. Beerdigung Mittwoch, 25. November, 1514 Uhr, von der Kapelle des St. Marlus-Friedhofcs, Hohenschönhausen, Berliner Str. 33/34. Um rege Beteiligung wird gebeten. �gSoziallstischeWelterjugendGroß-Verlin Eiutendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretartat Berlin SW 68. Linbenstraße 3 Borstellnug für die arbeitende Jugend Vau 14 bis 1» Jahren am Sonntag, dem 6. Dezember, 15 Uhr, in der Volksbühne. Gespielt wird„Der grüne Ortfohii" AWn+ oarf'n ra nr* Ol tTinv.ST>> zember können abgeholt werden. Streichorchester Groß-Berlin und Siugekrei». Oekfentliche Musizierstunde Sonntag, 6. Dezember, 26 Uhr, Schul»»!«, NO. 55, Posteurstr. 14—46. Karten zu 36 Pf. sind im Sekretariat erhältlich. heute. Dienstag, Uhr. Arkonoplatz: Elisabethkirchstr. 16. Arbeiterdichtung.— Semeekschastshou. und Kölluischer Park: Waisenstr. 18. Hosemann-Abend.— Zentrum: Lands. bcryer Str. 56. Das Geld in der Politik.— Deunncupiatz: Pank. Ecke - Gesundbrunnen I: Gotenburger Str. 2. Humboldthain: Putbusser Str. 3.(blaß. brenncr.Abend.— Leopoldplotz: Willdcnowstr. 5. Tagespoliitsche Fragen.— Wedding(R..F.): Willdenowltr. 5. Polizei und Publikum.— Weddiua.Rord: See- Ecke Turiner Straße. Alte und neue Musik.— Arnirnplaü: Sonnen. bürget Str. 20. Tagcspolitische Fragen.— Arnswaldee Platz t: Rast 1---- ut; Man _ WW�W l«n.— Arnswaldee Platz l: Rastenburger Str. 18 Heine.Abend.— Balkan: Mandelstr. 2. Die geopolitische Lage Ruß. lands.— Falkplatz I: Funktionärfltzung beim Genossen Schulze. Rordoften l: Danzigcr vtr. 62. Einführung in den Sozialismus/— Prenzlauer Vorstadt: Kastanienallec 82. Bürgerliche Jugend.— Weißens««: Parkstr. 36. Erste Hilfe bei Unglücksfällen.— Köpcnicker Viertel:«rangelstr. 128. Ueden.— Reichen. deraer Biertel: Reichenbcrger Str. 66. Lichtbllder: Als Arbeiter in Amerika.— gemeinschast Charlotte uburg.Süd: Wallstr. 76. Begriffserklärungen.— Proletarische Bewegung in Frankreich.— Neukölln ll: Steinmeßstr. 64. Zehn. Minuten-Referate.— Renkölln UI: Zicthenstr. 58. Sozialtomus, Anarchie- mus, Kommunismus, 1. Teil.— Neukölln IV: Kanncr Straße. Wahlfpsteme. — Neukölln VI: Treptower Str. 65. Tagespolitik.- Reulöllu VII: KMS. Sowjetrußland und wir.— Renköl» VIII: Rütli-Schule. Freibenkerorganisa- tion.— Rcukölln IX: Echicrkcstr. 44. Arbeitsgemeinschaft.— Reukollu X: Bergstr. 26. Sexuelle Erziehung, 1. Teil.— Reukölln Xl: Flughafenstr.«8. Internationale Handels- und Wirtschaftspolitik.— Schöneweide I: Berliner Straße 31. Lustige Lichtbilder.— Treptow: Elsenstr. 3. Polizei In der Kari. katur.— Köpenick II: Dahlwitzer Str. 15. Tagespolitische Fragen.— Karl»- Horst- Wcrbrabend im Gesangssaal der Kant.Schule, Treskowalle« 44.— W venrber, im Gaubüro.— Kreis hofftr. 15. Tagespolitik.— Bnchholz: 1611 Uhr Bahnhof Blankenburg. Wir und die Arbeflsdienstpflicht— Riederschonhaufen: Lindenstr. 47. Arbeits» gerichtssitzung. WcrdebezVrk Osten: Litauer Str. 18. Programm der RSDAP., 1. Teil. Berbebezirk Schönederg: Hauptstr. 15. Beginn des Bildungskursus: Religion und Sozialismus, l. Teil. SruppenveranstaUungen fallen aus. Werb'bezirk Lichtenberg: Wir beteiligen uns an der Werbrfeier der Gruppe Karlshorst._ Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold'. DesSS't, stell»: Berlin£ 14 Eedaliianstr 87-88 So' 8. lt. Kreis Süden. Kreisvorstandssitzuua am Dienstag, dem 24- No. "' Narben(Junaba). Dienstag, 24. Ro. ida-Kameraden. Antreten 10 Uhr Werbekundgebung des Ortsvereins — Prenzlauer Bergwgd nach Sehenswürdigkeiten waren, blieben sie oft vor dem >'>ause der Anna-Grech stehen: denn es war dos kleinste des Städtchens. Mit verwunderten Augen schauten sie es an, und über- wütige Herren hoben zuweilen den Wandcrstab und klopften dem Hause aufs Dach, ohne daß sie sich dieserhalb zu recken brauchteil. Das. ärgerte die Anna-Greth immer sehr. Fürchtete sie doch >!M die Schindeln. Sic war arm, bittcrarin sogar, und das Haus gehörte ihr. Es enthielt eine winzige Diele und eine Kochstube, damit war die ganze Herrlichkeit erschöpft. Ihr Mann hinterließ es ihr, als er das schöne blonde Weib des Gastwirts kennengelernt hatte und mit ihm auf Nimmerwiedersehen in die Fremde zag. Seitdem lebte die Anna-Greth ganz zurückgezogen und schliß Federn Tag für' Tag. Damit ernährte sie sich und ihren Sohn, der außer den» Schneckenhaus mit Einrichtung das einzige war, Ivos sie als Andenke» von ihrem Manne aufzuweisen hatte Die Kinder des Städtck>e»s nannten die Anna-Grech Frau Holle. Doch der Sohn mochte diesen Namen durchaus nicht. Frau Holle hatte Gutes z» vergeben, Frau Holle tonnte wohlgemut sein und ver- schwenderisch belohnen. Doch die fleißige Mutter war stets still und mitunter sogar mürrisch. Der Sohn machte Botengänge für die ganze vtadt. Trotzdem reichte es weder zu üppigen Mahlzeiten nach zu notwsiidigen Kleidern. Früh lernte der Knabe die Nörgei- sucht all der Mensche» kennen, die Aufträge zu vergeben haben, und seien sie auch noch so winzig und unrentabel. Es war kein Wunder, daß er sich fortsehnte aus der Stadt und dem noch kleineren Haufe. Er war jung, er hatte Spannkraft. Er wollte über Haus und Stadt hinauswachsen. Er ging in die Fabrik. Er verdiente Geld, er kleidete sich ordentlich ein, er gab der erstaunten Mutter ein paar Mark. Doch dann fraß die Arbeitslosigkeit Fabrik nach Fabrik und Menschen- beer nach Menschenheer. Es wurde öde, es wurde kalt und lang- wcilig in der ganzen Landschaft. Verärgert glotzt« man einander an, man betrachtete es als ein unverdientes Glück, wenn ein Mensch Arbeit hatte. Da nahm der junge Mensch Abschied von der Anna-Greth, von dem kleinen Haus und der engen Stadt und wanderte hinaus in die Welt Er war zu jeder Arbeit willig. Er schlug sich durch Kilometer um Kilometer. Er hatte keinen Plan, er hatte nur den unstillbaren Wunsch, irgendwo einmal feste Arbeit zu finden. Auf einem Bahnhof lernte er einen Artisten kennen, der den Zug versäumt hatte. Der suchte einen frischen, jungen Menschen, den er als Assistenten und Helfer in allen Verlegenheiten gebrauchen konflta. Er nahm den Wanderburschen in seine Dienste. Der griff sreuhjg zu und war nun über. Nacht Requisiteur eines Tvdes- lpringers geworden. Er lebte wie im Rausch, er aß sich satt, er kaufte sich Anzüge, er sandte seiner Mutter per Postanweisung Grüße aus der Ferne. Bis der Todesspringer sich das Genick brach. Das ging so überraschend schnell und ohne Schrei, daß nachher kein Mensch wußte, wie das gekommen war und die Artisten, die sich mährend der Zeit in den weit entfernt liegenden Garderoben um- k.'cidcjcn, erst ani Morgen aus den Zeitungen van dem Unglück ihres Kollegen erfuhren. Der junge Mann blieb bis zur Beerdigung seines Chefs und reiste dann mit dein Apparat in das folgende Engagement. Er wußte, jetzt oder nie ist die Zeit gekommen, um über die Stadt und das Haus hinauszuwachsen. Eisern ruhig sagte er zu dem Direktor: „Ich springe." Es wurde eine Probe veranstaltet, der Direktor hielt sich die Augen zu, und der junge Mann sprang. Und von da ab sprang er Abend für Abend, und der Zirkus war gerappelt voll: weil jeder wußte, der Borgänger dieses toll- kühnen Menschen ist mit demselben Apparat tödlich verunglückt. Der Todesspringer Nummer 2 raste von Engagement zu Engage- ment. Alle Direktoren, die ihn engagierten, sahen volle Häuser. Er sparte, er schickte der Anna-Greth Geld, viel Geld sogar. Sie war erstaunt, sie war starr, und als sie schlichlich besorgten Herzens fragte, ob er es auch ehrlich verdiene, da teilte er ihr mit, daß er der berühmte Todcsspringer sei. Das konnte er tu», ohne ihre Nerven besonders hart aus die Folter zu spannen, wollte er doch nur noch dieses Engagement absolvieren. Länger hielten seine Nerven nicht, das wußte- er selbst, und wenn er von der Zirkuskuppel in das Manegenrund sah, hatte es schon mehr als einmal vor seinen Augen geschwankt. Auch hatte ihn der Scheinwerfer geblendet, obwohl er richtig eingestellt war. Da waren Zeichen, die warnend sagten:„Mache rechtzeitig Schluß!" Es standen nur noch vier Sprünge bevor. Sie mußten glücken, er hing jetzt ja an der Glückssträhne. Hatte er doch mit seinen» erfprungenen Gelde die schönste Villa der kleinen Stadt gekaust. Heute, ja, heute mußte seine Mutter diese Nachricht haben. Sic sollte in dieser Ailla wohne», sie für ihn betreuen und es ihm in ihr gemütlich machen, wenn er mal nach Hause kam. Er wollte noch weiter arbeiten, doch sollte sein Leben nun baid in ruhigen Bahne» verlaufen, er hatte ein Zirkusrestaurant gepachtet. Jetzt stand er wieder unter der Zirkuskuppel. Sonderbar, seine Knie zitterten heute. Die Manege gähnte wie ein gierig auf- gerissener Schlund. Nicht an die Tiefe denken, an etwas anderes. Er dacht« an das kleine Haus. Er stand hier wohl fünfmal höher als das kleine Haus mar. Der Beleuchter wurde unruhig Die Sprungbahn lag doch in vollem Licht, das Gesicht des Springers war im Dunkeln, er tonnte unmöglich geblondet sein. Warum sprang der Mai»» nicht? Der Springer konzentrierte Muskeln und f Nerven und glitt in die Tiefe. Er glitt geräuschlos in den Tod, er versehlte die Bahn, ein Haufen splitternder Knochen landete im Manegensand. Die in Uniform bereitstcchende» Artisten griffen sofort zu. Deckten mit ihren Körpern den Berunglückten, damit das Publikum keinen schlimmen Anblick hatte, und trugen ihren Kollegen in seine Garderobe. Schreie gellten in der Menge. In Unordnung und unter fürchterlichem Drängen oerließen die Zuschauer den Zirkus. Ein Arzt stellte wortlos den Totenschein aus. Der Betriebs- inspektor telcphonierte nach einem Leichenwagen. In den Artistengarderoben wurde kein Wort gesprochen. Jeder kroch in sich zusammen, als ginge eine eisige Zugluft durch den Zirkus. Die Anna-Greth lag in dieser Nacht wach. Sie hatte ijerz- kiopfen, sie dachte an die Villa»nd konnte nicht glauben, daß sie nicht träume. Und Bosco, der große Elefant, stand wach. Er hatte den schnell abmontierten Apparat aus der Manege holen müssen. Als er un- tätig im Geschirr wartete, hotte er neugierig geschnüffelt und war mit dem Rüssel in dieses große Loch in der Manege gekommen, das der Körper des sterbende» Todcssvringers aufwühlte, als er die Bahn verpaßte. Da stutzte Bosco, und es ging ein Zittern durch seinen Körper. Seine Elefantenkameraden schlafen längst im Stroh, er aber steht auj dem Podium, von Schauern geschüttelt, und schreit seine Toten- klage in die Nacht. f'hriftlan Xedeu: Der zu.r Zeit in Berlin lebende bekannte norwegische Forschungs- reisende und Erpeditionsleiter, Christian Leben, hat„drei Jahre unter kanadischen Eskimos"— so lautet der Untertitel seines im Verlag Brockhaus. Leipzig, erschienenen Buches„Uebcr �iwatins Eisfelder"— gelebt. Bei einein Schiffbruch verlor Leben den größten Teil seiner Aus- rüstung und mußte drei Jahre lang wie die Eskimos vom Lande leben. Der in Not befindliche Forscher wurde von den gutmütigen Eskimos als einer der Ohren aufgenommen und tonnte so reiche Einblicke in das Leben dkeses Kulturvolkes tun. Hören wir nun eine abenteuerliche Episode aus Ledens Buch„Heber jttwatins Eisfelder". Je weiter er ins Hinterland hineingeht, desto primitiver find die dort wohnenden Eskimos, bis mnn den Bathurftfjard über- schritten und das Gebiet der Ktdlinermiut-Eskimos durchwandert hat. Jenseits dieser Linie, nach weiter westlich, leben wieder Eslimostämme, die den Eiliflüssen der weißen Menschen ausgesetzt sind. Der Stamm der Kidlinermiut, der die Umgegend des Bathurstfjords bewohnt, ist der wildeste und tullnrell primitivste von allen kanadischen Eskimos. In seinem Bereich wurden die Amerikaner Radford und Streek ennordet. Sie krochen seinerzeit uon der Westküste der Hlldsonbilcht nach den» Hinterland ans und hatten eine Zeillang in den» Karnermiul-Eskimo Akkula einen aus- gezeichneten Führer und Himdekutscher. Er brachte sie bis zu den Kidtinermiut, verfchaffte ihnen dort zwei neue Reisebegleiter und lehrte daim zu seinei» eigenen Stamm zurück. Da aber die Ameri- laner kein Wort von der Eskimosprache verstanden und die beiden neuen Führer, die nie vorher einen Weißen gesehen lsotten, sich qor den Fremden fürchteten, kam es sehr bald zu Mißverständnissen, die mit dem Tod der Amerikaner endeten. Nach den Erzählungen der Eskimos weigerten sich eines Tages die beiden Kidlinermiut, die den Amerikanern als Führer dienten, weiterzurcisen, weil sie aus den Wettervorzeichen schließen touiiten, daß ein Blizzard im Anzug sei. Da sie die Sprache der Weißen nicht kannten, war es ihnen nicht möglich, den Amerikanern begreiflich zu machen, waruin sie die Fahrt unterbreche,, wollten. Der eine Reisende, ein Mensch von hitziger Gemütsart, den die beiden Eskimos für nicht ganz zurechnungsfähig hiellen, wurde auch diesmal— wie gewöhnlich, wenn es Mißverständnisse gab— sehr aufgebracht. Er ließ sich hinreißen, den einen Eskimo mit der Hundepeitsche zu schlagen, um ihn zum Weiterfahren zu zwingen. Der ander« Eskimo schloß aus diesem Benehmen, der weiße Mann sei von Tornrak besessen, ging hin und erstach ihn von hinten mit dem Messer. Da lief der andere Ameritaner, Radford, zum Schlitten und wollte sein Gewehr holen: er hatte es noch nicht in der Hand, da war auch ex niedergestochen. Die beiden Eskimos rannten davon ehe noch ihre Opfer den letzten Atemzug getan hatten, denn sie fürchteten, der Ftuch der sterbende» Weißen könnte sie verhexen. Im Laus desselben Tages kamen zwei Eskimofrauen zufällig in der Nähe der Stelle vorüber, wo die zwei Amerikaner in ihrem Jedermann Seine eigene 3>olimei Blut lagen. Sie- hörte», daß die beide» Weißen noch am Leben waren und jammerten, gingen hin und schnitten ihnen aus Mitleid die Kehle durch. Die beiden Eskiinofrauen fürchteten sich nicht vor dem Finch der sterbenden Weißen, denn sie waren an ihren Leiden unschuldig und betrachteten es als einen Freundschaftsdienst, sie zu töten und von ihren Leiden z» erlösen. Die Folge dieser traurige» Begebenheit ist, daß andere Weiße, die»ach jener Gegend reise», ebenfalls in Gefahr komnien, ermordet zu werden. Die Eskimos üben Blutrache und glauben selbstver- ständlich, daß die Weißen es ebenso machen. Nun leben sie also in ständiger Angst, es könnten Weiße tominen, um den Tod der beiden Amerikaner zu räche». Sie werde» es sich sicher keinen Augenblick überlegen, den nächstbesten Weißen tatzuschiagen, den» sie begegnen, wenn er ihne» auch nur in» geringste» oerdächlig ersäieiiit. Kein Weißer dürste die Gebiet« dieser priinitivcn Bimienstänime besuchen, ohne vorher wfnigstens einige Kenntnisse der Sprache, der Sitte» und Gebräuche der Eskimos erworben zu haben. Hätten Radford und fein Begleiter nur einiges von der Sprache und den Lebencanschauungeii der Eskiinos gewußt, hätten sie sich nur einiger- maßen mit ihren Führern l>erstäi»digen können, so hätte ihr Unter- nehmen nicht so traurig enden können. Im Hinterland leben noch viele Eskimos, die nie in ihrem Leben einen Weißen gesehen haben. Für sie ist der Kabluna ein Fabelwesen, so halb Tier, halb Mensch, vor dem sie sich fürchten. Um so notwendiger ist es, in seinem Auftreten diesen Menschen gegenüber vorsichtig zu sein. Man muß sie nehmen, wie sie sind, sie im guten zu gewinnen und ihr Zutrauen zu erwerbe,, suchen. Machen wir sie durch irgendeine Ungeschicklichkeit kopfscheu, so werden sie uns ebenso unbedenklich umbringen, wie wir ein wildes Tier totschlagen, das uns angreift oder erschreckt. Nach der Ueber- lieferung der Eskiinos stammt die weiße Rasse von einer Eskimo- frau und einem großen Polarhund ab. Daraus erklären sich die Eskimos auch unsere streitbare Gemütsart und unsere Kriege.„In den Adern der Kablunait fließt Hundeblut, darum raufen sie wie die Hunde." Nebenbei gesagt: es gibt unter den Eskimos, genau wie unter anderen Völkern, einzelne Leute, mit denen schwer umzugehen ist. Auch bei ihnen gibt es mehr oder minder verrückte Käuze, und so klug die Eskimos im allgemeinen sind, so fehlen doch auch bei ihnen die Dummköpfe nicht, die man über die ganze Welt verstreut findet. Will es das Unglück, daß ei». Weißer so einem Tölpel oder Halb- verrückten als Reisebegleiter bekommt, und oersteht er kein Wort Eskimoisch, so kann er in recht unangenehme Lagen kommen. Im Fall einer Streitigkeit haben die Weißen deshalb einen schweren Stand, weil die Eskimos weder eine Obrigkeit noch Strafen kennen: sie haben nur ungeschriebene, rellgiSse Gesetze. Häuptling« haben sie nicht. Die ällestcn und. angesehensten Männer werden zwar oft um Rat gesragt, aber niemand ist geHallen, solchem Rat zu folgen Wohl hat jeder Trupp seinen Angakot, manchmal auch mehrere, aber das sind nur Ratgeber in religiösen Dingen. Seel- sorger, denen keine vollstreckende Gewall zukommt. Der Familien- vater ist Häuplling in seinem eigenen Haus. Außerhalb der Familie ist jedermann seine eigene Polizei. Die einzige Strafe, deren der Eskimo gewärtig sein muß, wenn er Fehllritt begangen Hot, ist die, daß er in seinem nächsten Lebe» in den himmlischen Höhen leben muß, wo es nach der Meinung des Volkes unheimlich kall ist. Wer ein gutes Leben geführt hat, darf nach dem Tod in die Unter- well hinabsteigen, wo ein großes Feuer brennt und niemand zu frieren braucht. Für einen guten Wandel in diesem Leben kann sich der Eskimo keine schönere Belohnung denken als ein wärmeres Dasein im nächsten. Gelegentlich kommt es aber doch vor, daß die Mitglieder eines Stammes gegen die Ausschreitungen eines Stammesgenossen vor- gehen, wenn dieser es gar zu toll treibt. Das hat aber nicht die Bedeutung der Strafe, sondern wird von der Notwendigkeit diktiert, ein Mitglied loszuwerden, das den Frieden und die Wohlfahrt der anderen gefährdet. Daß ober Eskimos eingreifen, um einen Weißen gegen die Gewalttaten eines Mannes ihrer Rasse zu schützen, ist ausgeschlossen. Ebensowenig mischt sich der Stamm in die persön- lichen Angizlegekcheiten und Streitigkeiten seiner einzelnen Mit- glieder ein. Ein Weißer hat also keinerlei Rechtsschutz zu erwarten und begibt sich immer in große Gefahr, wenn er im Landesinnern umherreist. Sind auch die Eskimos durchweg friedliche Menschen, fehlt ihnen auch jegliche Neigung zu Streit und Zank, so kommt es doch vor, daß Meinungsverschiedenheiten entstehen. Dann haben die beiden, die sich in die Haare geraten sind, die Sache unterein- ander durch eine Art Faustkampf auszumachen. Den harinloseren Streittanz der Grönländer kennen die kanadischen Eskimos nicht. Eskimo A stellt sich hin und lädt den Eskimo B ein, ihm einen Faustschlag auf die Schulter zu versetzen. Hierauf übt A Vergeltung, indem er den B an derselben Stelle trifft. Das nächste ist. daß B nach der Schläfe des A.zielt: A schlägt zur Antwort nach der Schläfe des B So fahren die beiden fort, sich abwechselnd auf Schulter und Schläfe zu boxen, bis einer von beiden findet, daß er genug hat. Diese Faustkämpfe werden mit kiWem Blut und ruhiger Würde ausgesochten. Man schlägt nur mit der Außenseite der Faust, so daß der Muskel, der sich zwischen dem Handkvöchel und dem kleinen Finger spannt, den Schlag mildert und Knochenbrüche verhindert. Manchmal hat einer der beiden Kampshähne doch einen so harten Schlag, daß er gleichwohl des Gegners Schläfenbein zer- trümmert oder ihm sonst eine schwer« Schädeloerletzung zufügt, an der der Getrosfene infolge innerer Verblutung stirbt. Tritt aber der Tod nicht während des Kampfes selbst oder kurz danach ein, so bleibt der ursächliche Zusammenhang der beiden Ereignisse dem Verständnis der Eskimos verborgen. In diesem Fall hat der Totschläger keine Blutrache zu fürchten. Ularcel Warler: 3)ie'.Hand Der Zug der Untergrundbahn hatte sich eben in Bewegung gesetzt. Die Leute, die noch vor wenigen Augenblicken mit brutaler Rücksichtslosigkeit die Waggons gestürmt hallen, standen nun still. einer an den anderen gepreßt, wie wenn die stickige Luft im Wagemnneri, sie betäubt hätte. Ans der Bank mir gegenüber saß«in junges Liebespaar. er sicher ein kleiner Bankbeamter, sie ohne Zweifel Stenotypistiii. Ihre Lieb« schien wie«in verborgen blühendes Wunder in den» Getriebe der Großstadt: das. Getöse der Fahrt, die Mitreisenden und die lasteno« Hitze»raren für das junge Paar sicher nicht vorhanden. Neben mir saß ein junges Mädchen oder eine junge Frau— ich konnte anfangs ihre Züge nicht erkenne»». Ein schwarzer Stroh Hut verdeckte fast das gai»ze Antlitz. Sie las. Aber schon nacb wenigen Augenblicken wurde meine Neugierde befriedigt. Meine Nachbarin hob den Kopf, ohne nach meiner S«ite zu blicken. Sie las in einem dünnen Hefte, das aus ihren Knien ruhie. Schon die ersten paar Worte, die ich durch Zufall erblickte, be- lehrten mich, daß dos Heft eine anatomische Abhandlung enthiel». Ohne Zweifel»vnr das junge Mädchen eine Studentin der Medizin. Ich will nicht sagen, daß die Lektüre eines anatomischen Werkes für einen Laien sehr interessant ist. Dennoch versuchte ich, dani» und wann ein paar Worte aus dem Hefte zu enträtseln. Die ausgeschlagene Seite handelte von der Anatomie der Arme und der Hand. In langen Reihen standen die gelehrten Worte, mil denen man die Knöchelchen, Sehnen, Muskeln llnd Nerven der Hand bezeichnet. Fast kam ich inir vor wie im Hörsaal der Studierenden, vor denen eben eine Menschenhand seziert wird. Meine Nachbarin kiiinmerte sich viel weniger um»»ich. Von ihrer Lektüre völlig gebannt, blätterte sie von Seite zu Seite Slchtlos vollführte sie mit ihren schmale» Fingern jene Muskel bewegungen der Hand, von denen sie eben las.- Mein Blick war auf ihren weißen, gepflegten Fingern hasten geblieben. Zu nahe lag der Gedanke des Gegensatzes dieser lebenden, schönen Hand zu den anatoinischen Einzelheiten der eben gelesenen Stellen. Ich lonnte mich kau in eines Schauders darüber erwehren, daß»ntec der samtweiche», weiße» Haut dieser Mädchenhand Blut in jähen Stößen pulsieren, Muskeln zucken und Nerven reagieren sollten Fast gebannt konnte ich den Blick nicht mehr von der schmalen Hond abwenden. Meine Nachbarin war— wie ich. schon gesagl habe— sicher nicht schön zu nennen, aber wie begeisterte ich mich vor.der Hand der kleinen Studentin! Wenn ich ein Dichter ge. wesc» wäre, so hätte ich sie sicher besungen. Plötzlich wurde es für Augenblicke im Waggon fast dunkel Wir fuhren durch einen Tunnel. Eine Kurv« des Tunnels brachte meine Nachbarin aus dem Gleichgewicht. Sie versuchte, sich fcsi zuhalten, und griff instinktiv nach meinem Arme. Ihr StudienHeU glitt zu Boden. Ich erinnere mich dann nur nach eines Augen blickes. Für eine Sekunde lag eine unsagbar schöne Mädchenhand in der meinen. Wie ein Blitz durchfuhr mich diese Berührung. Ich zllterle wie unter einem elektrischen Schlage. Ob auch die kleine Studentin dasselbe Gefühl hatte? Ich weih es nicht. Eine kleine Zeitspanne länger als nötig hielt ich ihre Hand sest, diese kleine Hand, deren Berührung in mir Schreck und Wonne erregtl-, diese Hand, die ich im Dunkel an meine Lippen ziehen mußte, die Hand, die dann leise aus meiner glitt. Ein Blick aus dunklen, fast unergründlich scheinenden Augen traf mich, als wir wieder in der Helle des Tages waren. Aber kein Wort fiel von den Lippen des Mädchens. Sie hatte ihr Heil wieder vor sich liegen, und ihre Augen folgten den Zellen. Auf der nächsten Station habe ich den Zug verlassen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem FranzSsischen von Erik Osternig.) Beranl»ortiich iUr Bolillk: Lictoe Schiis; Wirtschaft:. Zlonemder. abends Z Ahr, im Lokal»an wall- schlüger, Adotdertstrahe 21 »raadlen-Versammtuog der»rabtarbetter Tagesordnung: 1. Auswirkung des Lohnabkommens. 2. Verbands- und Vranchcnangclegen- heiten. Ohne Mitgtiedsbuch kein Zutrift. Vonnerstag, den 26. Zlonemder, adend» Z Ahr bei Snchse, Ltndomer Strohe 26 «randteo-Versammlund der Widiler. Vidlterinnen. Isolierer. Isotterertnnen Tagesordnung: .Die Lohnbewegung in den BBMV Betrieben". Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. __ Dia Orteverwdhung. MM Metallarbeiter-YerbaDii Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser College, der Schlosser k�riedrlek Aleinel gcb 14. August 1879. am 21. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Miflwoä,. den 23. November, 13'/: Uhr, vo» der Leichenhalle des Piarlus-Kirch- Hofes in Hohenschiinhauscn aus stau. Rege Beteiligung wird crwartel. vte Ortevervaltang Am 21. November verstarb unerwartet infolge eines Echlaganfalls unser lieber Kollege k'ranz pakl im Alter von 33 Jähren Leine Bereitroilliatett, jedcr.'eif an den Aufgaben der Organisation mit- Auarbeilen, sowie sein kollegialer Geist sichern thm ein gutes Andenken. Die Masdbinenscizcr der Bacbdruckerei Radolt Mosse Am Eonnabend. dem 21. November. verstarb mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Opa Karl Pietsch im Alter von 52 Jahre» Die traucrudc».Hinlcrblirbcuen: kran Helene Pietfch, Kinder und Enkelkinder. Einäscherung am Donnerstag, dem 28. November, 17 Uhr. im klrcma- lorium Baumschulenweg. KteietF tt««IIM»ItUIIiiIIIUIiMtttttttl»iI>IIIIIItUIMiUIII,IittN,I Uvbsrscbriffswort 25 Pf., Texfwort 12 Pf. Wiederholungsrabatt: lOmal 5 Proz, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Fror. 2000 Worte 15 Proz, 4000 Worte 20 Proz. ✓ Stellengesuche: Ueberschriftswort 15 Pf., Textv/ort 10 Pf' Anzeigen, welche tör die nächste Nummer oestimmt sind, müssen bis 4�/z L�hr nachmittags im Verlag, Llndenstr. 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts-Fiiialen und -Ausgabestel en abgegeben sein | UCPHaulB| musik- instrumenti - Linoleum| Linkpia»»». yjtllaf,.lolonie- Micknanos Uber. slraße». «isilillngRziuciis. viszclie uzi». aus vreiswerl. Pianofabrik Link. Brunnenstrafie Zä' Am Freilag. dem rv. November. verschied in WuHipartcn nach langem schweren Rcrvcnieiden infolge secii- scher Zerrüllung unicr lieber Bruder, Echwager, Onlcl.' Neffe und Eoufin Willi Freiderxer im 41. Lebensjahre. Dies»eigen iiefbetrübt an im Namen aller Anvcrwandlcn Karl B6bler und Frau• Anna. geb. Freiberger. Free» ööhler als Neffe. Sochstrafis ff. Die Beerdigung findet am 25. Na» vcmder. nachinnfags 2 Uhr. auf dein Eiisabefh-Friedhof, Prinzenallee, stall. An> Sonntag, dem 22. Nooember, oerschied sansf nach langem, mit Ge- duid ertragenem schweren Leiden mein lieber Safte, der Nestauralrur Lrnst Berber Lcocfiowftrafie. im 73. Lebensjahre. Zu fiesem Schmerz: vi« trauernde Wilwc Chi istiaoe Berger und Anverwandte. Einäscherung: Donnerstag, l?>/.UHr, im Krcmaloriuin Serichlstrafie. Wenig getragene Kaoaliergardcrobe von Millionäre». Arrzten. AawäUen. gadelhait dillige Preis«. Tmpschie Taillenmäntel.Paie» tots. Fracks. Smo- lings. Hehrockan- Zllgc. Soso». Sport., Sedpelzc. 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