BERLIN Mittwoch 25. November 1931 10 Pf. Nr. 552 B 276 48. Jahrgang Lrscheinttäglich außerSvnntags. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts Bezugspreis für beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,6t) M. pro Monat tdaoon 95 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. P o st b c z u g 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzcitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. SjiaiauigaSe xlßi>„Ibwasfa «Blfljtnptell; Dl» elnfcallhe»fJontarHUrjtilt«i-Ff. R-rlamrjrilcSM. Eniläßlgungr» nach Tarif. Voilschrckkaniv Borwärls-Bcrlag G.m.b.H., Berlin Rr. 37 336.- D-r Berla, behält Ilch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' R-daktio» und Ervcdition: Berlin SWS8, Lindenflr. Z Fernsvrccher: Dänbaff(A 7)'292—297 Deutschland teuerstes Land! Soll der Weltrekord im Lohnabbau hinzukommen? Im lehken hefk der vom Depsrteilleut of Commerce in Washinglon herausgegebenen Acittchrist„Colnmerce Keports" merden die preise der unlersuchien Länder für September ISZl mit denen verglichen, die im Jahre 1929 auf dem Höhepunkt der Konjunktureutwilktung festzustellen waren. Für alle Länder ergibt sich ein mehr oder weniger starker Preisabbau. Eine scheinbare Zlusnohme macht nur Ehina, doch ist hier das Bild durch die Enl. Wertung des Silbers und dadurch der chinesischen Silberwährung verwischt. Zn Deutschland ist vom März 1 9 2 9 bis zum September 1931 der Preisindex um 22 Prozent zurückgegangen. Abgesehen von Finnland zeigen alle übrigen Länder, die in den Zahlenlaseln enthalten sind, einen wesentlich stärkeren Preisrückgang. Er be- trug z. V. In Großbritannien 29.2 proz., in Frankreich 2S,3, in velgien 31,3. in Dänemark 31,4, in Polen 31,9 und in den Nieder- landen sogar 3ö,l pro;. Auch in den überseeischen Industrieländern gingen die preise in wesentlich größerem Umfang zurück. In Kanada um 28,9 proz., in de» vereinigten Staaten um 29,5 Proz., in Japan sogar um 40,5 proz. Diese amtliche amerikanische Untersuchung bestätig» aufs neue. daß Deutschland gegenüber der Entwicklung in den anderen Ländern ei,, teures Land geblieben ist: die Ursache liegt in dem Preisschutz, den sowohl die zahlreichen Kartellorganisationen als auch die überhöhten Zölle den industriellen und landwirt- schaftlichen Erzeugnissen bei den wichtigsten Produkten bieten. hat die deutsche Reichsregierung nun den Ehrgeiz, erst einmal die preise zu senken, daß wenigstens die Realkauskrast der anderen Länder angepaßt wird oder hat sie den Ehrgeiz, den Weltrekord im Lohndruck zu schassen? Der ADGB. tagt. Besprechung der wirtschaftlichen Lage. Ter Bundesvorstand des Allgemeinen Tcutsichen l�ewertsrhaftsbundes hat die den Bundesansschusi bilden- den Vertreter der Zentralverbände der Gewerkschaften heute. Mittwoch, zu einer besonderen Tagung zusammen- berufen, die sich mit den wirtschafts- und lohnpolitischen Schlußfolgerungen befassen wird, die die Regierung aus den Beratungen des Wirtschastsbeirats gezogen hat. Tie Berhandlungen sind noch in vollem Gange. Ueber ihr Grgebnis kann daher zur Stunde noch nichts mit- geteilt werden. Besserung des �eichsbankstaius. Der heutige Bankausweis. Der heutige Reichsbankausweis zeigt eine bedeutende Vesser, ing. während der Dev'senabsluß in der vorigen Woche 72 Millionen betrug, hat er seht nur 13,7 Millionen erreicht, wobei die Devisen um 15 7 Millionen sich»ermehrt und Gold sich um 23,4 Millionen vermindert hat. Noten sind für 181,2 Millionen an die Reichsbank zurückgeflossen. Keine Eröffnung der Börse. Sie bleibt weiter geschlossen. Da das Reichsfinanzministerium und das Reichsbankdirektorium von einer Wiedereröffnung der Wertpapierbörsen bei der jetzigen palitifchen und wirtschaftlichen Situation Nachteile befürchten, sieht sich der preußische handelsininister außerstande, die Wiedereröffnung der Börse zuzulassen. Reichslagspräsident Löbe spricht heute. Mittwoch, den 25. November, abends, im Schützenhaus, Residenjstraße 1, aus einer gemeinsam von der 138. Abteilung, Reinickendorf-Ost, der Sozialdemokratischen Partei und dem Reichsbanner veranstalteten Kundgebung.— Reichstagsabgeordneke Clara B o h m- S ch u ch spricht gleichfalls in einer heut«, Mittwvch, den 25. November, abends 8 Uhr, im Saal von Limdows Konzerthaus, Pankow, statt- findenden Revakutionssefer der 128.. 129. und 131. Abteilung der vPD., Pankow. Niederschonhausen, und der Arbeitsgruppen junger Partergenossen im 19. Kreis. Es wirken mit: Tambourkapelle des Reichsbanners Schwarz- Rot. Gold, Sprechgemeinschaft Berlin- Niederfchonhousen. Smgekreis Zukunft. Spielgruppe der SAJ. Landesverrat. „Wenn ein Journalist verrät, daß es bei uns keine militärischen Geheimnisse zu verraten gibt, so verrät er eben damit militärische Geheimnisse.. Die kommunistische Zentrale im Karl-Liebknecht-Haus hat bekanntlich die Entdeckung gemacht, daß gegenwärtig die So- zialdemokratie ihr hauptseind ist, und sie hat dementsprechend ihre Mitglieder angewiesen, den Kamps gegen die Reformisten verschärst weiterzuführen. Als willkommenen Kampf- piah hatte man die Berliner Großbetriebe ausersehen, wo es gilt, den Einfluß der Sozialdemokratie entscheidend zn schlagen. Nun hoben solche Anweisungen aus der großen Parolenschmiede im Karl-Liebknecht-Haus ihr eigenes Schicksal: sie verblassen aus dem Wege vom Bülowplatz zu den Arebitervororten dermaßen, daß nicht mehr allzu viel von ihnen übrig bleibt. Es gibt da nämlich ein ganz sinnfälliges Beispiel, wie die Ar- beiter die Maßnahmen der RGO.-Funktionäre einschätzen: s i e schätzen sie überhaupt nicht. In der AEG-Brunnenstraße, also einem entscheidenden Metallbetrieb, sind 1t„rote" Arbeilerräle und 8 sogenannt reformistische Arbeiterröte. Jeder Arbeiterrat muß die Zahl der Arbeitsstunden, die er für die Erledigung von Betriebs- angelegenheiten braucht, sich in einem Buch quittieren lassen, damit er diese Stunden am Lohntag bezahlt erhält. Jetzt ist bald ein Jahr vergangen, seit die roten Betriebsräte gewählt wurden, und man sollte annehmen, daß sich die RGO.-Funktionäre für die Arbeiter die Hacken abrennen. Aber keine Spur: die roten Betriebsräte haben nur die drei Stunden im Buche stehen, an denen sie in den Betriebs- ratssitzungen waren, und kaum eine Stunde für irgendwelche Ber- Handlungen. Von den 8 Reformisten aber braucht jeder wöchentlich 30 b>s 42 Stunden von seiner Arbeitszeit, um über Forderungen der Arbeiter mit der Direktion z» verhandeln. IKnn die Erfahrungen sind nun einmal zu schlecht, die die Arbeiter mit der RGO. als Mundanwalt gemacht haben. Wie die NGO. Forderungen oertritt, dafür ein bezeichnendes Beispiel aus dem Siemens-Konzern. Die KPD.-Zell« hatte dort eine Reihe von Forderungen für die Lehrlinge aufgestellt. Man verlangte u. a. die Absetzung eines Obermeisters und eines Potenmeisters, weil sie die Lehrlinge an- geblich schikanieren. Der Gesamtbetriebsrat untersuchte die Dinge und vereinbarte eine Besprechung mit dem Personalreferenten sowie «ine Besichtigung der Lehrlingswerkstatt. Das kommunistische Mit- Zwischenfall im Landtag. Die Präsidentenwahl abgesetzt. Bei Beginn der heutigen Plenarsitzung des Preußischen Landtags sollte die Wahl des Präsidenten für den verstorbenen Abge- ordneten Bartels erfolgen. Die sozialdemokratische Fraktion hat hierfür den vormaligen Landtagspräsidenten L e i n e r t vorge- schlage». Wie jedoch bekannt wird, haben Deutschnationale und Deutsche Bolkspartei erklärt, daß sie für den Fall der Wahl Leinerts ihre Vizepräsidenten aus dem Landtags- Präsidium zurückziehen würden. Andere Fraktionen der Opposition haben durchblicken lassen, daß sie aus dein gleiche» Grunde ihre Beisitzer aus dem Präsidium entfernen wollten. Der Absetzungsantrag wird gegen die Stimmen der Komm»- nisten angenommen. Zugzusammenstoß in Rumänien. Zwölf Eisenbahnbeamte schwer verletzt. B u t a r e st, 25. November. Zn der Nahe von M a r e s- V a r s» h« 1 h erfolgte ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen zwei Güter- zögen. Beide Lokomotiven und mehrere Wagen wurden aus den Schienen geschleudert. 12 Bahnbeamte, unter ihnen die beiden Lokomotivführer, wurden schtver verlebt. glied des Gesamtbetriebsrats Cz e ch(Werner-Werk) wurde hinzugezogen. Aber anstatt daß nun Czech feine Forderungen vertrat, hüllte er sich i» Schweigen Auch als der Betriebsratsvorsitzende und einer der angegriffenen Meister Czech ausforderte, seine Aus- stände doch vorzubringen, blieb Czech st u m in. Schließlich sagte er, als man ihm die Lehrlingswerkstätte gezeigt hatte:„Ich bin auch für Ordnung" So sehen die NGO.-Aktionen aus. Dafür aber ging Ezech zur Fürsorgeslistung der Siemens-werke und erbat für sich eine Unterstützung, da er sich in großer Notlage befindet. Daraufhin wurden Ezech 50 M. ausgehändigt. Dieser Czech ist der Führer der NGO. im Werner-Werk. Ahl- bürg, der Zellenobmann des Schaltwerkes, tat desgleichen. Er ließ sich einmal aus der Fürforgestiftung 60 M. bewilligen und ging außerdem noch zur Fiirsorgeschwester seines Werts, wo ihm ein Lebensinittelpatet und 16 M. in bar ausgehändigt wurden. Der RGO.-Mann Do mall stellte zivcimal den Antrag auf Unter- stiitzung. Beide Anträge wurden abgelehnt, weil D. Hausbesitzer in Spandau ist. Wir sagen hierzu: wenn so etwas Reformisten machen ivürden, dann wäre das Geschrei, das die„Rote Fahne" erheben würde, gar nicht auszudenken! Es gehört weiter zu den ständigen Aufschneidereien der RGO.- Führer, daß von den Reformisten kein Mensch mehr ein Stück Brot nimmt, sie dagegen die Belegschaften führen. Wir wolle» die Tat- fachen reden lassen« Bor kurzem machte die KPD. für den Siemens- Konzern im Moabiter Gesellschaftshaus eine K o n z e r n v e r- s a m m l u n g. In dem Saal sitzen 318 Personen, davon 15 S>emens-Arbeiler. Alle anderen waren Betriebsfremde. In dieser Versammlung sollte der R u ß l a n d d e l e g i e r i e N e u> meyer sprechen. Neumeyer kam nicht, weil 1. er in Rußland nicht hinfahren durste, wohin er wollte, 2. er das Fahrgels allein bezahlen mußte und 3. weil man seinen Namen groß ausposaunt hatte, obwohl er um Nachsicht in bezug auf seinen Unternehmer gebeten hatte. Unlängst veranstalteten die Kommunisten bei Schonert in Rummelsburg fiir die Arbeiter der Knorr-Bremse eine Aersammlung. Es kamen f ü n f M a n n. Mit den fünf Mann konnte man natürlich keine Persammwng abhalten, aber der Wirt wollte sein Geld haben. Das bezahlt der Betrieb, sagten die Kam- Gang durch die Großbetriebe Kommunistische Dämmerung/ Das Fiasko der Z�GO.-Parolen nuiniften. Nein, nein, meinte der Wirt, wenn der Betriebsrat kommt, dann kriege ich mein Geld, aber Sie kenne ich doch gar nicht. Bei Bergmann in Rosenthal hat man bis jetzt dreimal versucht, eine Versammlung zustande zu bringen. Der Besuch schwankte zwischen 10 und LS Mann, davon noch ein Teil Betriebsfremde. In der ACG.-Brunnenstraße machte die RGO. folgenden Dreh. um ein gestilltes Haus zu bekommen: da fälschten sie einfach einen Gmladungszettel und schrieben drunter:„Der Arbeiterrat." Das werden sie aber nicht ein zeites Mal machen, denn selbst die beiden Jndustrieverbändler«rNärten, wir haben soviel Mut, die Wahrheit zu sagen, wenn wir eine Versammlung einberufen. Aber die RGO. muß zu solchen Berzweiflungsmitteln greisen, weil zwei Versammlungen, die sie für die AEG.-Arbeiter einberufen hatte, eine in den Humboldt-Tälen und eine im Swinemünder Gesell- schastshaus, mangels Besuchs gar nicht erst eröffnet werden konnten. Die RGO.-Strategen in den Betrieben können sich ja gar nicht einmal dazu aufraffen, ihr Parteiorgan zu lesen. Von den elf roten Betriebsräten in der Brunnenstrahen-AEG. lesen nur vier die„Rote Fahne". Man müßte die Arbeiter in der AEG.-Brunnen- straße mit der Laterne suchen, die das Botschewistenblatt lesen. Wie die Arbeiter über das Geschimpfe und Gekeife in der„Roten Fahne" denken, auch dafür ein Beispiel: wenn die„Rote Fahne" eine ihrer knalligen Arbeiterkorrespondenzen aus dem Siemens-Konzern ver- öffentlicht, verkauft der Zeitungshändler am Werner-Werk ganze drei Exemplare mehr. Die Kommunisten wissen ja selbst, wie die Arbeiterinnen im E l m o- W e r k über die Schwindeleien der „Roten Fahne" geschimpft haben. Es muß doch auch schließlich einen Grund haben, wenn die Arbeiter auf die RGO.-Strategen mit den Fingern zeigen und sagen:„Sieh mal, da kommt ein K o m i k c r." Gewerkschaften und Drittes Reich. Deutliche Erklärungen eines Landbundführers. Hitler und seine Trabanten haben sich bisher um die Be- antworlung der Frage, wie sie zu den Gewerkschaften ständen, mit schleimigen Redensarten herumgedrückt. Die Antwort wird ihnen jetzt von einem Verbündeten der Harzburger Front abgenommen. Auf einer Kundgebung des Pommerschen Landbundes erklärte dessen Vorsitzender v. Rohr nach dem Bericht des hugenbergscheu„Tag" wörtlich folgendes: Der Faustkampf zwischen Unternehmer und Arbeiter auf dem Boden der Wirtschaft ist eine Frucht liberalen Denkens und eines krankhaft übersteigerten kapitalisti- schen Systems. Wenn andern auf die Frage: Was wird aus den Gewerkschaften im Dritten Reich? zur Antwort der Mut fehlt» so geben wir die Antwort und sagen: Das kommend« Reich ist niemals ein drittes» uiemals ein neues» niemals ein besseres» sondern eine elende Fortsetzung des bisherige», wenn es nicht den Klassenkampf auf dem Boden der Wirtschaft verneint und Unternehmer und Arbeiter unter die Souveränität des Staates zwingt. Das ist klar und deutlich. Das bedeutet: Unterdrückung der Gewerkschafleu. Aushebung jedes Streik- rechtes für die Arbeiterschaft, Unmöglichmachen jedes Strebens der Arbeiter und Angestellten nach besseren Arbeitsbedingungen. Löhnen und Gehältern. So stellen sich die engsten Verbündeten der Nazis das Dritte Reich tun. llud die Nazis selber— nicht anders: Siehe Italien! Zwischenfall«ach der(Severing-Rede. Polizei verhastet zwei Reichsbannerleute. Als gestern abend Severing nach der Kundgebung das Herren- haus verließ, brachten Reichsbannerleute ein Heil auf ihn aus. Die Polizei zerstreute dann die Ansammlung und verhaftete darauf zwei Mitglieder des Reichsbanners, angeblich wegen„ruhestörenden Lärms". Severing, der inzwischen weitergegangen war, wurde später auf die Verhaftung aufmerksam gemacht. Als der Minister zurückkehrte, waren die beiden Reichsbannerleute schon auf dem Polizeiwagen, um nach dem Alexanderplatz gebracht zu werden. Sie wurden auf seine Einschreiten hin freigelassen. Der Vorfall erregte natürlich ungeheures Aufsehen. Hitlers Unschuldslämmer Angeklagte im Hagener Prozeß stark belastet.— Sie lachen über die Verwundeten Die Reichsbahn gibt Aufträge. Ein Bericht der Reich sbahngesellschast. Der Verwoltungsrat der Reichsbahngesellschaft hat sich in den letzten beiden Tagen mit dem Ergebnis und der Verwendung der steuerfreien Reichsbahnonleihe beschäftigt. Austräge im Werte von 250 Millionen Mark sollen unter Berücksichtigung des Bedürfnisses der Reichsbahn möglichst den notleidenden Wirtschaftszweigen und Notgebieten im Reiche zugute kommen. Handwerk und Kleinindustne sollen dabei besonders berücksichtigt werden. Zu den geplanten größeren Bauten gehört auch die Elektrifizierung der Wannseebahn. Obwohl die Einzahlungstermine für die An- leihe noch bis zum August 1ö32 laufen, hat der Verwaltungsrat, um Arbeit zu schaffen, schon jetzt die Auftragserteilung beschlossen. Im laufenden Jahre bis Ende Oktober hat die Reichsbahn, wie weiter berichtet wird, gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vor- jahres rund 635 Millionen Mark oder 1654 Proz. weniger eingenommen. Gegen das Jahr 1S2Ü beträgt die Mindereinnahme 1,3 Milliarden Mark oder 28,1 Proz. Mit diesen Berlusten können die Ersparnisse bei den Personal- sowie Sachausgaben nicht Schritt hallen. Trotzdem hat die Reichsbahn auch im laufenden Jahr eine große Zahl Elnzeltarifermäßigungen gewährt, um besonderer Not- läge Rechnung zu tragen, und die Preissenkung zu fördern. Seit der Tariferhöhung im Oktober 1923 sind für solche Sondertarifmaßnahmen über 136 Millionen Mark ausgewandt worden. Dazu kommen die Tariferlcichterungen anläßlich der tariflichen Bindung des gewerbsmäßigen Kraftwagenverkehrs mit einem jährlichen Aus- fall von rund 63 Millionen Mark. Zur Erleichterung des Berufs- reifeverkehrs werden Ne�> und Bezirkskarten, sowie ein um 33'/, Proz. ermäßigter Gepäcktarif für Mustertosfer ab 1. Januar 1932 eingeführt werden. Weitere Tarifermäßigungen für bestimmte Sondergebiete sind in Aussicht genommen. Hagen lwestfalen), 23. November. In der Dienstagsitzung des Hagener Schwurgerichts wurden neun Personen vernommen, von denen alle bis auf einen verletzt worden sind. Keiner der Zeugen gehört einer politischen Partei an oder betätigt sich polllisch. Die Zeugen sind alle durch Zufall oder Neugierde in die Schießerei hineingeraten und zu Schaden ge- kommen. Wie berichtet, wollen die Angeklagten in Notwehr ge- handelt haben, da sie von der ihnen folgenden Menschenmenge b e- droht worden sein wollen. Hierüber waren diese unpolitischen Zeugen anderer Meinung. Der 23jährige Kettenschmied Eugen Gräber, der eine Schuß- wunde am linken Bein davongetragen hat, sah in der Mittelstraße einen Trupp Nationalsozialisten anmarschiert kommen, die alle die Hände in der Tasche hatten. Ein einzelner Schuß sei der allge- meinen Schießerei nicht voraufgegangen, wie die Angeklagten be- hauptet hatten. Es sei den Angeklagten keine größere Menschen- menge gefolgt, sondern die Straße nur von einzelnen Personen be- gangen worden. Der nächste Zeuge war von einem Musikübungsabend ge- kommen. Den Nationalsozialisten sei eine Menschenmenge gefolgt, von der aus der Zuruf Hurenjungen erfolgt sei. Plötzlich hätten die Schüsse gekracht, und zwar hintereinander. Dieser Zeuge erhielt einen Beckenschuß und hat mehrere Wochen im Krankenhaus ver- weilen müssen. Der christlich organisierte Zeuge Göke schätzte die Zahl der folgenden Menschenmenge auf 366. Zurufe aus der Menge hat er nicht gehört. Verwundet wurde er an der linken Kniegelenkkapfel. Das frühere Mitglied der NSDAP. Fischer war mit dem getöteten Joses Ernst zusammen. Ls sei aus einmal das Kommando: fertig, Feuer, abgegeben worden und gleich hinterher eine Salve Schüsse gefallen. Auch dieser Zeuge hat einen einzelnen Schuß nicht gehört, obwohl er nur 16 bis 26 Schritte von den Nationalsozialisten entfernt war. Die Schüsse seien alle in der Richtung zur Menschenmenge ab- gegeben worden und nicht aus dieser heraus auf die National- sozialisten. Nur zwei bis drei Schritte von den Nazis entfernt befand sich der Zeugs Ebbinghaus, als die Schießerei los ging. Eine Mensche»- n:enge habe sich vor chm nicht befunden, sondern nur zwei bis drei Mann. Von diesen seien ober die Nationalsozialisten nicht angegriffen worden. Wäre einer von ihnen auf die Nazis zugesprungen, so hätte er dies gesehen haben müssen. Auch von einem Brüllen der Menge habe er nichts gehört, wie die An- geklagten angegeben haben. Als der Angeklagte Lampe bei der Vernehmung des nächsten Zeugen herkelmann lacht und die Angeklagten allgemein ein heileres und aufgeräumtes Viesen zur Schau tragen, als ob sie der ganze Prozeß nichts anginge, machte ihnen der Vorsitzende ernste Vorhaltungen. Der Zeuge Herkelmann, der am linken Oberschenkel getroffen worden ist, bekundet, daß die Schußsront zwei bis drei Meter betragen habe. Zurufe seien nicht gefallen. Bon der Menschen- menge habe er den Eindruck gehabt, daß es friedliche Leute seien, die da gingen. Der Zeuge Kaufmann Josef Simon war 13 Meter hinter dem Zug. Der Zeuge befand sich mit in der vordersten Reihe der nach- folgenden Personen, denn der junge Ernst, der erschossen worden ist, sei aus einmal an ihm vorbei gelaufen, während eine andere Person, die ebenfalls getroffen worden war, ihm in den Arm gefallen sei. Ob zwischen ihm und den Nationalsozialisten sich eine größere Menschenmenge noch befand, könne er nicht genau sagen. Ein Kommaudo sei gegeben worden. Deutl'ch habe er gehört: „Fertig!" und dann sielen die Schüsse, die nicht einzeln abgegeben worden seien. Ihm sei es gewesen, als ob aus einem Maschinengewehr geschossen worden wäre. Einen Mann, der die Nationalsozialisten ongegrisfen habe, hat der Zeuge gleichfalls nicht gesehen. Am Mittwoch ist Fortsetzung der Zeugenvernehmung. Tragödie eines Schupos. Mit der Braut erfchosseu aufgefunden.- Ke n Geld zur Heirat. Im Forst zwischen Woltersdorf und Erkner wurde heule mitlag der Polizeiwachlmeifler Beruhard 3 o r z i g von der Inspektion Tiergarten und seine Braut Wally Hoffmann mit Schuh- Verletzungen von Waldarbeitern tot aufgefunden. Nach dem Befund hat Iorzig zuerst die Waffe gegen seine Braut und dann gegen sich gerichtet. Nach den Feststellungen ist das Paar im gegenseitigen Einverständnis aus dem Leben geschieden. Beide wollten schon seit langer Zeil heiraten, es fehlte aber sie'« an den notwendigen Wltteln »nd schließlich glaubten beide als letzten Ausweg nur noch den gemeinsamen Tod zu sehen. Die Leichen wurden beschlagnahmt und nach der Woltersdorfer halle gebracht. Ausstellung zugetragen. Von der etwa 8 bis 16 Meter hohen Brücke hatte sich eine junge Frau auf die Gleise hinabgestürzt. Der Vorfall war von Bahnbeamten beobachtet worden. Noch bevor ein in der Ferne auftauchender Zug die Unglücksstelle erreicht hatte, konnte die Selbstmörderin von den Schienen geborgen werden. Mit schweren Verletzungen wurde sie ins Westendkrankenhaus gebracht. Aut dem Transport erlangte die Schwerverletzte für Augenblicke die Bs- sinnung wieder und dabei erzählte sie von dem Tode ihres Kindes. Als Kriminalbeamte daraufhin in Staaken in der Wohnung de« Chauffeurs erschienen, hatte man die Tat bereits entdeckt. Die Fraktion der Wirtschaft», und Bauernpartei im Badischen Landtag hat sich a u f g« l ö st. Von den 6 Abgeordneten schlössen sich 2 der Nationalsozialistischen Partei an: 3 Abgeordnete bilden mit der Liberalen Bolkspartei eine Arbeitsgemeinschaft. Ein Abge- ordnete? trat zum Zentrum über. Das eigene Kind vergiftet. Selbstmordversuch der Mutter. In der Siedlung Magistralsweg in Staaken bei Spandau spielte sich gestern eine Familientragödle ab. Nach einem vorangegangenen Streit verglslele die 26 Jahre alte Frau Elll Münz ihr 8 Monate altes Söhncheu Hermann. Frau M. entfernte sich dann aus der Wohnung und versuchte sich am Bahn- Hof Ausstellung vor die Räder eine» herannahenden Zuge» zu werfen. Die Tat wurde entdeckt, als Münz, der Chauffeur m einem Großbetrieb ist, kurz vor Mitternacht heimkehrte. Er fand sein Kind im Bettchen leblos auf. Seine Frau hatte die Wohnung verlassen. Auf dem Tisch lagen mehrere Abschiedsbriefe, in denen sie milleitte, daß sie ihr Kind vergiftet habe und selbst in den Tod gehen werde. Der zweite Teil der Tragödie hatte sich inzwischen am Bahnhos Auf der Suche nach Seifferi. Heute große Polizeiaktion bei Summt. Alle bisherigen Hinweise, die der Berliner Kriminalpolizei' Zusammenhange mit dem Verschwinden des Bankdirektors Seiiicin der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz gemacht wott find, haben sich als halllos ergeben. Nicht nur von der dänischen Grenze, sondern auch au Prag in der Tschechoslowakei lief eine Meldung ein, daß Seifsert dort aufgetaucht sei. Bei näherer Prüfung stellte sich heraus, daß die Betreffenden mit dem Bermißten in keiner Weife identisä waren. Gestern ist nun Kriminalkommissar Gentz von der Betrugs lnspektion des Berliner Polizeipräsidiums die Mitteilung gemacht worden, daß Seiffert in der Umgebung von Summt Selbstmord oerübt habe. Man mißt der Nachricht soviel Be- deutung bei, daß für heute in Summt eine große Suchaktion ein- geleitet worden ist. Zahlreiche Landjäger, unterstützt durch Ber- liner Beamte, suchen mit Polizechunden das zum Teil sehr hügelige und waldreiche Gelände bei Summt systematisch ab. Ueber das Ergebnis der Suche ist bis zur Stunde noch nichts bekannt- geworden. Christliche Antwort an Brüning Oer Angriff auf das Tarifrechi i. Was das Tarifrecht anlange, so s« das wesentlich«, daß an seinem Grundsatz nicht gerüttell werde. Es Handel« sich nur darum, es mit Rücksicht auf örtliche, zeitliche und branchen- mäßige Verhältnisse« last i scher zu gestallen. Brüning und S t e g e r w a l d bei der Be- sprechung mit den Vertretern der sozialdemolrottschen Reichstagsfraktion am 23. November 1931. II. von einer Starrheit der deutscheu Tarife, von der so ost von Leuten geredet wird, die keine Ahnung von den Dingen haben, kann keine Rede sein. Die letzte Statistik zeigt mit aller Deutlichkeit, wie wenig der Vorwurf der Starrheit berechtigt ist. 76,9 Proz. aller tarifgebundenen Arbeiter, das find über 8 Millionen, arbeite- ten schon 1929 zu Akkordlöhnen. Hier ist eine restlos« Anpassung des Verdienstes an die Arbeitsleistung in denkbar größter Beweglichkeit uns Anpasiungsfähigkeu an die Produktions- Verhältnisse des einzelnen Betriebes vorhanden. Tatsäch- l'ch weist ja auch jede amtliche Lohnerhebung selbst für die Stunden- löhner eine Entlohnung nach, die zeigt, daß eine Anpassung an die betrieblichen Bedingtheiten weilgehend erfolgt. Darüber hinaus ist diese Anpassung gesickert durch meist kurze Kündigungsfristen, durch die Möglichkeit, die Dauer der Arbeitszeit betrieblich zu regeln. Auch hinsichtlich des Umfanges der Tarifverträge ist festzustellen, daß ein außerordentlich großer Teil der Tarifverträg« nur für die einzelnen Firmen beziehungsweise einzelnen Orte abgeschlossen worden ist. Rund 64 proz. aller Tarifverträge sind heule schon Firmen- oder Orlstarise, gestatten also von sich au» eine absolute Anpassung an die Lage de» einzelnen Betriebes. Di« restlichen 36 Proz. sind zu einem recht großen Teil nur Rahmentarife. Nicht weniger als 44,6 Proz. der Tarife erfassen nur bis 166 Arbeit- nehmer. Wenn man ferner berücksichtigt, daß die kurze Lauf. d a u« r des Tarifs auch zeitlich eine Anpassung an die Betriebs- Verhältnisse ermöglicht, so kann gefolgert werden, daß schon heute eine außerordentlich weitgehende Anpassung stattfindet. Ich möchte dies« Ziffern und kurzen Darlegungen, die schlagend beweisen, wie es mit der sogenannten Starrheit der Tarifverträge steht, zum freundlichen Studium der Fraktionsführer und der Herren emp- fehlen, die über die Ding« reden, aber sie nicht kennen. Unmöglich ist die ost geforderte Beseitigung der Verbindlichkeitserklärung der Tarifverträge. Mit der Beseit'gung des Schlichtungswesens und der verbind- lichkeitserklärung würde das Kernstück de» gesamlen Tarifrechls vernichtet: eine völlige Schutzlosigkeit der Arbeitnehmcrschast wäre die Folge. Die Schlichtungsverfahren, die vor dem Reichsarbeitsmini'ter stattfanden, sind, was vielfach übersehen wird, von beiden Teilen, den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern, fast in gleichem Ausmaß in Gang gesetzt worden. Bon den Anträgen wurden im Jahre 1936 48,2 Proz. seitens der Arbeitgeber und 46,9 Proz. seitens"er Arbeitnehmer gestellt. Das verfahren aus verbindlichcrklärung von Schiedssprüchen vor den Schlichlern wurde noch im Jahre 1936 von den Arbeilgebern in 25 Proz. der Fälle beantragt, von den Arbeit- nehmern in 75 Proz., was verständlich ist in Anbetracht dieser furchtbaren Zeiten. In den größten Streitfällen, in denen der Reichsarbeitsminister eingreifen mußte, ist es also Tatsache, daß auch die Arbeitgeberschaft am Funktionieren des Schlichtungssystems ebenso interessiert ist wie die Arbestnehmerschaft, selbst wenn einig« Politiker es nicht wahr haben wollen. Abg. Baltrusch �Christliche Gewerkschaften) in der Sipung de» Reichstage» am 14. Oktober 1931. 809 Millionen Dollar Defizit in Amerika. Wie amtlich mit- geteilt wird, beläuft sich das Defizit im amerikanischen Ctaatshaus- hall für das Rechnungsjahr, dos am 1. Juli begonnen hat, bereits auf 866 Millionen Dollar. Der neue Moskaubotschaster Frankreichs. Der neuernannte französisch« Botschafter in Moskau, Graf de Jean, überreichte dem Präsidenten des Bollzugskomstees der Sowjetunion Kalinin, sein Beglaubigunsschreiben. Das Recht auf Enteignung. Die Konsequenzen der neuesten Osthilfe-Verordnnng. Im Haushallsausschuß sprach am Dienstag bei der wetteren Beratung der Osthilfe Abg. Ersing(Z.): Vesser sei es, an den Zinsen zu streichen als am Kapital. Der Osten könne nur wirklich gerettet werden, wenn ganz Deutschland in bessere Verhältnisse sü komme. Abg. ch i lf e rdi n g(Toz.): In, System der Notverordnungen lieg« es, daß die Ausschaltung des Parlaments aus die Qualität der Gesetze nachteilig wirke. Das zeige auch wieder die neue Notver- ordnung. Dom Standpunkt der privatkapitalistischen Rechtssicherheit aus ist sie etwas ganz Ungeheuerliches, sie legt da- Recht der Enteignung des Kapitals fest, sie ist kein Moratorium, denn es fehlt die Befristung. Die neu« Ostoerordnung ist entschädigungslose Enteignung von Kapital und Zins. Der Zweck und Sinn dieses Gesetzes ist dabei die Erhaltung des landwirtschaftlichen Besitzes. Die Herren, die immer gegen den Marxismus Front machen, müssen zugeben, daß es sich hier um die Anwendung des marxistischen Grundsatzes handelt, daß iin Interesse der Allgemeinheit Eni- eignungen durchzuführen sind. Trotz aller Zusicherungen sind bisher immer wieder die öffent- lichen Mittel in erheblichem Umfange dem größten Grundbesitz zugeflossen. Di« Folgen für den privaten Kredit werden sehr schlimm sein. Der Konmiunist Hörnl« hick« ganz konsequent im Sinne der neuen Ber- ordnung auch für alle Bauern— wie man in Rußland sage, für all« Kulaken— vollen Zahlungsschutz verlangt.(Zustimmendes Lachen im Haushaltsausschuß.) Ohne Befristung ist die neue Nowerordnung eine allgemeine Anweisung auf Enteignung. Warum, so werde man fragen, be- schränke sich das auf Ostpreußen? Der Hauptausschuß müsse die Befristung des Gesetzes verlangen, sonst würde die Auswirkung auf den Kredit in Deutschland katastrophal werden. Ohne Aenderuag der deutschen Agrarpolitik werde eine ernst- hafte Hilfe für die Landwirtschast nicht möglich fein, auch mit der neuen Rotverordnung nicht. Die Beratung wird abgebrochen. Der Finanzminister hat mit- geteilt, daß er erst nach Abschluß der Kabinetts- sratungen über die finanzielle Lage dem Haushaltsausfchuh berichten könne, also voraussichtlich Anfang nächster Woche. Abg. Keil(Soz.) verlangt, daß aber noch vorher über den iozialdemokratischen Antrag zur Winterhilfe von der Regierung Mitteilungen gemacht würden. Auch Abg. E r s i n g(Z.) ist im Gegensatz zu Abg. Cremer(Vp.) ber Auffassung, daß über die Winterhilfe noch vor Beratung über e allgemeine Finanzlag« von der Regierung Auskunft gegeben wird. * Heute wurde im Haushaltsausschuß des Reichstages die Organi- ion der Osthllfe weiter erörtert. Dabei stand nach wie vor die ue tief in Eigentumsverhältnisse der Gläubiger eingreifende Ost- ilfe-Verordnung im Mittelpunkt der Erörterung. Abg. von D i t t m a r(Dnat.) kämpft für den notleidenden >oßbesiß, er meint, daß 40 Proz. der bisherigen Mittel für den ßbesitz, wie es der„Vorwärts" richtig festgestellt habe, zwar ' t'g sei, aber das sei doch nicht der Löwenanteil, wie es der "V'-warts" genannt habe. Abg. Klink(Bayer. Bauern- und Mitte'standsbund� ist über '�e sozioldemokratischsn Feststellungen von übergroßem Personal- umfang der Oststelle etwas erschreckt. Im Übrigen tritt er für den bayerischen Osten»in, auch dort geh« es den Bauern ernsthast ■ Mecht. Der Großbetrieb komme, wenn er nicht weiterkomme, unter vangsverwaltung und dem Besitzer sichere man seine Lebens- lltung, der Kleinbetrieb werde kurzerhand ver- lleigert. Abg. Moldenhauer(DVp.): Eine schematische Herab- 'etzung der Zinsen dürfe es nicht geben. Die neue Osthilseoerord- nmg wolle an sich nicht enteignen, aber ihre Gefahren in dieser Richtung seien doch so groß, daß Einschränkungen der Verordnung erfolgen müßten. Abg. Graf Westarp(Kons. Vp.) sieht in den Eingriffen in das Privateigentum, wie sie die neue Ost-Verordnung vornimmt, nur eine Art Kriegszwangswirtschaft, aber keine Enteignung im sozialistischen Sinne. Freiheiisfahnen unerwünscht. „Wafsenring" beherrscht die Äier-Feier. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß bei der Ehrung des siebzigjährigen Chirurgen Geheimrats Bier sich der Fall er- eignete, daß der Vertreter des preußischen Bildungsministertums ausgerechnet unter der Hakenkreuzsahne seine An- spräche halten mutzte. Es handelte sich um eine offensichtliche Un- gezogenheit von Hakenkreuzstudenten, eine Ungezogenheit, die von dem Leiter der Veranstaltung, Professor Martin, nicht verhindert wurde. Jetzt wird uns noch mitgeteilt, daß dieser Prof. Martin schon im voraus die n a t i o n a l i st i s ch e Studentenverbindung in unmißverständlicher Weise b e g Ü n st i g t und so der Veranstaltung ein ganz«inseitiges Gepräge gegeben hat. Zu der Veranstaltung war nämlich die Studentenschaft eingeladen und das Erscheinen der „Chargierten" in studentischem„Wichs" ausdrücklich erbeten worden. Die der„F r e i h e i t l i ch e n Studentenschaft an der Uni- versität Berlin" angehörenden Korporationen wurden jedoch nicht eingeladen. Als der erste Chargierte der Verbindung im KC. „Sprevia" wegen der Veranstaltung beim Professor Martin vor- sprach, wurde er an den Privatdozenten Dr. H a g e n f e l d t ver- wiesen. Dieser erklärte, die Verbindungen des Waffen- ringes hätten sich geweigert, mit Chargierten der Verbindungen der Freiheitlichen Studentenschaft zusammen zu chargieren. Deshalb habe der Festausschutz es abgelehnt, die Freiheillichen ein- zuladen Zwar sei dem Festausschutz jeder willkommen, der Ge- heimrat Bier beglückwünsche, der Ausschutz habe jedoch angesichts der Stellungnahme des Waffenringes geglaubt, eine Einladung an die Freiheitlichen unterlassen zu sollen. So blieben die Freiheitlichen Studenten der Feier fern. Das Hakenkreuz aber durfte paradieren und provozieren. Es handelt sich ja um Professoren der Republik! l. Abt. Berichtigung. Der Zahlabend findet nicht heut«. Mittwoch, sondern Donnerstag. SS. November, statt. Bezirks 214 und 217(Bezirksfiihrer Genossen Kahlow und Lindemann) 20 Uhr bei Klement, Sophienstr. 6. Berichtigung: In der Nummer vom 21. November wurde in der Besprechung des Knaurfchen Konversationslexikon» die Stichwörterzahl fälschlich mit 25000 statt mit 35 000 angegeben. Musik in Es scheint, als ob sich in der Mustkpflege in Sowjetrußland ein großer Umschwung vollzieht. Roch vor einiger Zeit wurde dort jedes Paktieren mit der„bürgerlichen" Musik der Vergangenheit abgelehnt. Aber der Rundfunk und die authentischen Berichte deutscher Musiker, die als Gastdirigenten in Rußland tätig sind, sowie russische Originalveröffentlichungen gewähren neue Einblicke. Schon vor einiger Zeit wurde bekannt, daß man Vachs geistliches Werk „Magnificat" mit einem neuen Text aufführt. Das ist die Methode des sogenannten„Parodierens", von der wir ja in der deutschen Arbeitersängermustk schon längst in starkem Maße Gebrauch machen, wobei wir uns auf die alten Meister, einen Bach und Haendel, selbst berufen können. Es sei daran erinnert, daß z. B. die„Sonnen- Hymne", die mit dem Text von Schönlank und mir bei großen Ver- anstaltungen der Partei oft von Massenchören gesungen wird, ur- sprünglich gar keine„Sonnen Hymne", sondern eine„Zaren- hymne" war. So nämlich hatte Mussorgski dies alte russische Voltslied in seiner Oper„Boris Godounow" in der Szene der Krä- nungsfeier verwendet, aus der meine musikalische Bearbeitung entstanden ist. Aber auch ohne Unterlegung neuer Texte wird in Rußland Musik aufgeführt, die sich durchaus nicht den Forderungen des Leninismus anpaßt. Vor kurzem wurde das„Requiem" von Mozart vom russischen Staatschor aufgeführt. Ebenso tonnte man sich im Radio davon überzeugen, daß die Zweite Sinfonie von Mahler unter einem deutschen Dirigenten von einem russischen Chor trotz ihres durchaus bekenntnismäßigen Charakters gesungen wurde. In diese Sinfonie sind nämlich vielerlei Gesangsterte für Solostimmen und für Chor eingefügt, so z. B. das Lied:„O Röslein rot" mit Textstellen wie„Ich bin von Gott und will wieder zu Gott". Und vor allen Dingen als Abschluß der große Chor nach Klopstock- schen Worten:„Auferstehn, ja auferstehn wirst du mein Leib nach kurzer Ruh'." Es scheint also, als ob man in Rußland allmählich sich zu dem kulturell bedeutsamen Gesichtspunkt durchgearbeitet hat, daß die Be- die Erde": 8 Uhr Dr. A h l über„Drachen und Seeschlangen". Eine Schauspieler-Nachtvorstellung von„Nina" mit stritzi Massory sinde» Tonnerstag abend 11. lS Uhr Im Deutschen Künstler-Theater statt. Karten Keithstrahc ll. Han» Albers spielt„Lilivm" in der Volksbühne am Sonnabend, dem 23., und Sonntag, dem 29. November. zBuch gerharl 9£auplmann: ä)ie SiochsteH auf tßuchenhorfl Gerhart Hauptmann greift in seiner soeben bei 5. Fischer erschienenen Erzählung„Die Hochzeit aus Buchen hör st" aus persönliches Erleben aus der Zeit seiner ersten künstlerische» Ansänge zurück. Er nimmt damit jene Form wieder aus, die er zum ersten Male in seinem 1930 oerösscntlichtcn, sich auf Tagebuchblätter stützenden Bekenntnisroman„Buch der Leidenschaft" wählte, und tut recht daran. Unser heutiges Sein ist zu sehr in Massennot und Weltwirtschaftskrise hineingestellt, als daß außerhalb der soziolo- gischen Bezogenheiten liegende private Seelennot noch Anspruch auf öffentliches Interesse erheben könnte. Indem Hauptmann den Gegenstand seiner Dichtung in seiner persönlichen Vergangenheit sucht, zwingt er sich und damit auch uns, historisch zu sehen: er zeigt einen psychologischen Einzelfall auf, der einmal in einer Epoche gesicherter Bürgcrlichkeit Interesse und Mitgefühl der Oessentlichkeit erregen konnte. Eine Krastnatur von Musiker, ein anarchischer Geist, dem jede Bindung innerhalb der sozialen Gemeinschaft un- erträglicher Zwang bedeutet, bricht in icncs Schloßhcrrinnenidyll ein, das uns aus den„Jungfern vom Bischofsbcrg" bekannt ist, und stiftet frühes Leid durch eine Verlobung, der ein Hochzeitstag ohne den Hochzcltcr folgt Wie m seinem„Buch der Leidenschaft" frappiert auch in dieser Erzählung die betont philiströs bürgerliche Haltung Hauptmanns. Typisch dafür ein Satz wie dieser:„Die Häuser, in denen er verkehrte und in die er mich gelegentlich einführte, sprachen für ihn. Sie-gehörten alle in die obere Schicht des Bürger- tums." Angesichts dieser Gesamthaltung erscheint es fast als Phänomen, daß Hauptmann der Dichter des„Fuhrmann Henfchel", der„Rose Bernd", der„Weber", des„Biberpelz" und des„Florian Geyer" ist. Gcrhart Hauptmann ist der Dichter, dessen Ethos am lebendigsten und gefühlsstärksten In die sozialen Niederungen der wilhelminischen Blenderära vorstieß. Besteht ein Bruch zwischen dem Dichter und dem Menschen Gerhart Hauptmann? Die Art, wie er nachträglich die Psyche seiner jungen Jahre schildert, deutet zu- mindest auf einen gewissen Zwiespalt hin. Es wäre vielleicht ein eines Gerhart Hauptmann würdiges Unterfairgen, die problenra- tische Auseinandersetzung des Dichters der„Weber" mit der sozialen Umwelt der Vorkriegsepache in einem weiteren Bekenntnisroman für die Nachwelt zu formen. str-pöro. Wetterbericht für Berlin: Ueberwicgend bewölkt, ohne erheb- liche Niederschläge. Temperaturen einige Grade über Null. Schwache Südostwinde.— Für Deutschland: Im Nordosten zeit- weise heiteres Frostwetter, im übrigen Reiche meist bewölktes, nur zeitweise aufheiterndes Wetter, ohne nennenswerte Niederschläge. 'Tagestemperaturen über Null. Auftus der ITF. Gegen Transport von Kriegsmaterial. Amsterdam, 25. November.(Eigenbericht.) Die Internationale Transportarbeiter- Föde- r a t i o n erläßt einen Aufruf an olle angeschlossenen verbände, in dem sie unter Hinweis auf die drohende Kriegsgesahr die ihr angeschlossenen Organisationen aus die Beschlüsse der früheren Kon- grcsse verweist, wonach diese verpflichtet sind, die Menschheit m>t ollen Mitteln vor neuen Metzeleien zu bewahren. Gleichzeitig werden die verbände zur scharfen Ucberwachung aller Transporte von Kriegsmaterial und zur eventuellen Einstellung dieser Transporte aufgefordert, sobald sich zeigt, daß sie mit irgendeiner Kr>cgsvorbereitung in Zusammenhang stehen. Texiil- Schiedsspruch für Westfalen. Die westfälischen Textilarbeiter im Münsterland, Güters- loh, Bielefeld und Herford bekamen einen Schiedsspruch mit 3 Proz. I Lohnkürzung. Der Schiedsspruch sagt nicht, die Löhne müssen um 3 Proz. gekürzt werden, sondern sie dürfen um 3 Proz. gekürzt werden, ebenso die Akkardstücklöhne. Einigungen im Lohnstreit. Die Verhandlungen in der Metallindustrie des B e- z i r t s D a r m st a d t führten zu einem Vergleich.■ Der Tarif- spitzenlohn wurde von 81 auf 76 P s. gekürzt. Die Kündi- gungen der Unternehmer find damit erledigt. Für die S ch w a r z w ä l d o r II h r e n i n d u st r i e kam es bei den Lohnoerhandlungen in Donoueschingcn zu einer Vereinbarung. wonach die tatsächlichen Stundenlöhne und die Akkordsätze um 6 Proz. gekürzt werden. Ab 23. November beträgt der Ecklohn für gelernte Arbeiter der Gruppe V in Ortsklasse 1 lMindeststunden- lohn) 74 Pf. „Sollte durch Notverordnung oder Gesetz während der Lauf- dauer dieser Regelung eine allgemeine Lohnsenkung eintreten, so wird die jetzige Lohnsenkung, auf diese Kürzung angerechnet." Das läßt tief blicken— sagte Sabor. Nordwestverhandlungen am 3. Dezember. Esse«. 23. November. Die ursprünglich für den 26. November vorgesehenen, jedoch auf Antrag der Gewerkschaften vertagten Schlichtungsverhandlungen für die nordwestliche Gruppe sind vom Schlichter für Westfalen endgültig aus den 3. Dezember festgesetzt worden. Leraotworit. kür die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin: Anzeioen: Zl,. Glocke. Berlin. Verla«: Vorwärts Verla« G. m. b. S.. Berli». Druck: Vorwärts Luch. druckerci und Berlaasanstalt Vau! Sinaer& Co Berlin SW 68 Lindenktrastc 8 Hierzu 1 Beilaae. Theater, Lichtspiele usw. <) Winter - Garten■ 8.15 Uhr Flora 3434 Rauchn( 4 Queens. Gasion Palmer 2 Olveras 2 Hockneys m crlaoHl■ ilmer I kneys> SlädKOper Charlottenburg SismarcKstiaBe 34 Mittwoch, 25. Nov. Turnus II Anfang MSO Uhr Die Hochzeil des Fidaro dnde nach 22.30 Uhr sv, uhr CASINO-THEAIEH8'/, Od. Lothringer Strafjc 37. IIIIIIIIMMIIIIIMIIMIIKMIIIIIIMIIMIIIIIIIIIKIIMIMIIilllllllllllllllimi Xnr noch hie 30. Xorcmhcr meeRep-FPiize and das er stiel, bunle Programm Am 1. Dezember mm 1. Haie: Venn Kinder heiraten Guischein 1-4 Personen Parkett 50 Pf-, Fauteuii l.— Mark. Sessel 1.50 Mark. AuMcfancidcn! Zentral-ineater AlteJahobstr.30-32 Täglich 8U- Uhr Die Prinzessin vom Nil Dar Komp. V. Holländer dirigiert Oulsdi. Park.-Faut.l.- Tiieater im Admiralsnaiast Täglich 81» Uhr Die Dubarry mu Gitta Aipar Preise v. 0,50 A\. an Theater desWestens Täglich S1/« Der VogelDändler Ahlers, Johen, Morgan, Carola, Priem Preise d.Plätzev.5llPl.a9 Reichshallen'Theater Abends 8 übr. Sonntag nattimitlag Z'/z übt Stettiner Sänger Die neue Burleske Der arme Kasemir" NadiNtags halbe Preise, volles PiMaimn! Vouisuultne Theater am Büloivglatz Ü Uhr Der drüne KaKada Der Kammersänger Staatl. Sdiillcr- Theater » Uhr Das Nürnbergisdi El Adolf Boese Uhrmacher und Juwaiier NW 40. Alt-moabtt Iii, Tel. Moabit 9272 Reidihaltiges Lager in Uhren. Juwelen. Gold-, Siiberwaren und Bestecke. Preiswerte Geschenkartikel für|ede Gelegenheit. Reparaturwerkstatt für Uhren und Goldwaren, erstklassig und billig. TaBChcn-l'hron.... Mk. 2.50 [. 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November 1931 torJUiniil SjiAJauigaße Jti IbwäWt Flieger über dem sechsten Erdteil Ein Buch von Richard Evelyn Byrd über seinen Flug zum Südpol Bei Temperaturen unter— 50 Grad gefriert der ausgehauchte Atem mit einem deutlich hörbaren Geräusch. Bei starkem Süd- licht flimmert der ganze Himmel in rotem, grünem, gelbem und veilchenblauem Licht. Der Sturm kann vorübergehend eine Ge- schwindigkeit von dreihundert Kilometern in der Stunde erreichen. Abstürzende Eismassen drohen das Schiff unter sich zu begraben und in der Dunkelheit einer nebligen Polarnacht kann man sich menige Schritte von dem Zelt entfernt in der Eiswüste verirren. Auf einer Expedition in das Südpolargebiet geschehen tausend solcher und ähnlicher Dinge, die für den Teilnehmer aufregend und für den Leser unterhaltend sind. Allein die Schlittenhunde, die Freund« des Polarsahrers in seiner Einsamkeit, geben reichlich Stöfs zu amüsanten und rührenden Geschichten. Aber es sind nicht diese Dinge allein, die B y r d s Buch „Flieger über dem sechsten Erdteil!"(Verlag Brock- haus, Leipzig) zu einem der interessantesten und lesenswertesten derartiger Reisebücher machen. Schließlich haben andere schon vor ihm die Antarktis betreten und man kann ganz ähnliche Geschichten bei ihnen nachlesen. Selbst die Tatsache, daß es auf dem Südpol nichts zu sehen gibt als eine einfache, reizlose Schneesläche, haben A in u n d s e n und Scott schon berichtet. Das Neue, das Nie- dagewesene in Dyrds Reisebuch steht auf anderen Seiten. Am 28. November 1028 um 15 Uhr 24 Minuten stieg das drei- nwtorige Ford-Flugzeug„Floyd Bennet" von Klein-Amerika, der Station auf der Roßbarre, zum Polflug auf. Knapp zehn Stunden später meldet ein Funkspruch, daß das Flugzeug über dem Südpol kreise. Die Meldung wird zu den Walfängern im Roßmeer weiter gefunkt und läuft weiter nach Neu-Seeland und New Park. Die Rotationspressen der Zeitungen setzen sich in Bewegung und kurze Zeit daraus flattern die Extrablätter durch die Straßen. Inzwischen schwebt Byrd mit seinen drei Begleitern noch über dem Südpoleis. Als er nach etwa zwanzigstündiger Fahrt wieder in Klein-Amerika landet, weih die ganze Welt bereits, daß der Südpol überflogen ist. Byrds Flug zum Südpol erscheint wie der Sieg der modernen Technik über die Natur. Eine neue Epoche der Polarforschung ist damit angezeigt. Bisher ist es zwei Menschen gelungen, den Süd- pol zu betreten und wohlbehalten wieder zurückzukommen. Amundsen wid Byrd. Aber welch ein Kontrast zwischen den beiden Expeditionen! Byrd rast mit 1000?Z in knapp zehn Stunden zum Pol Achtzehn Jahre vorher legt der Norweger -Amundsen denselben Weg zurück. In monatelongem, mühseligem Kampf gegen Sturm, Schnee und Kälte drang er mit Schlitten und Hunden vor. Wenige hundert Kilometer von ihm entfernt strebte der Engländer Scott zu gleicher Zeit demselben Ziele zu. Es entwickelle sich jener berühmte Wettlauf zum Pol, in dem der tztorweger den Sieg errang. Scott und seine Begleiter starben aus dem Rückweg einen einsamen Tod in dem großen, weißen Schweigen. Erst lange Zeit später erfuhr die Welt von ihrem Dagischen Ende. Achtzehn Jahre darauf kommt der Amerikaner Byrd zur Roß- darre, um den Weg zum Pol zu machen. Inzwischen hat die Technik, speziell die Fernmeldetechnik, enorme Fortschritte gemacht Als Byrds erstes Schiff die Roßbarre erreicht, gurgelt am Achterdeck der Lautsprecher Jazzbandmusik aus New Port. Hundertc von Tonnen Krnm. letzte Erzengnisse modernster Technik ergießen sich über die Stelle, auf der auch Amundsen sein Ausgangslager ausgeschlagen hatte. In der Einsamkeit des Südpoleises entsteht eine kleine Stadt aus orongeroten Holzhäusern, Flugzeugschuppen und Werkstätten. Eiserne Funktürme wachsen empor und große und kleine Flugzeuge brummen durch die Luft. I« der dunklen Polarnacht erhellen riesig«, elektrische Lampen diese merkwürdige Siedlung. Zllle Möglichkeiten der modernsten Technik sind auf das Raffinierteste ausgenutzt. Die Ausrüstung hat Millionen ver- schlungen. Dem braven Deutschen, bescheiden und wohlerzogen durch Zwangswirtschaft und Notverordnungen wird ganz schwindlig, wenn er hört, was ein Amerikaner alles zu den Notwendigkeiten des Lebens zähll. Für wissenschaftliche Arbett und zur Unter- hallung der Teilnehmer sind ollein dreitausend Bücher in Klein-Amerika zusammengeschleppt. Man hat Byrd verschiedentlich den Vorwurf gemocht, daß er in verschwenderischer Weise für überflüssige Bequemlichkeit der CxpcditionsteUnehmer gesorgt habe. Byrd selbst gibt darauf die einzig richtige Antwort,— daß er lieber vorher in New Park an Schulden ersticken wollte, als unten im Südeis durch mangelhafte Ausrüstung Menschenleben zu gefährden. Auch ein vorwurfsvoller Hinweis aus die Kargheit früherer Expeditionen wäre ein Denk- fehler. Shakleton, Scott und Amundsen versuchten den Südpol mit Hunden oder Pferden und Schlitten zu erreichen. Der Erfolg dieser Unternehmen ruhte in hervorragendem Maße in der Persönlichkeit der wenigen Betelligten. Abgesehen van Launen des Schicksals waren letzten Endes körperliche Kraft und Ausdauer, persönlicher Mut und geistige Zähigkell ausschlaggebend für das Gelingen. Byrds Expedllion geht andere Wege und unterscheidet sich grundsätzlich von allen früheren, und das ist ja gerode das Neue und Einzigartige an ihr. Die Grundloge zu Byrds Expe- dllion bildet die moderne Technil, letzten Endes die Maschine.„Ein Schmutzteilchen im Flugmotor entscheidet", wiederhall Byrd immer wieder. Noch niemals vorher war eine Expedllion mit derart voll- koimnenen Hilfsmitteln ausgestattet. Manchmal feiert die Technik wahre Triumphe. In zehn Stunden rast das Flugzeug zum Pol. in knapp fünf Stunden hat es die Gruppe der Geologen. die mehr als drei Wochen früher aufgebrochen war. bereits überholt. Unten rechen die Männer seit mehreren Wochen longsam und mühselig Schrllt an Schritt und eine Unzahl von Hunden schleppt schwer an den Schlitten mll der Ausrüstung und dem Proviant. Oben reißen die tausend Pserdestärken der drei Flugmotoren eine vielfache Last mit hundertfälttger Geschwindigkell vorwärts. Die Gegensätze können nicht plastischer illustriert werden. Einst und jetzt, Menschenkraft und Maschinenkrast. Der Motorschlitten allerdings droht die Technik in Mißkredll zu bringen, er verendet kläglich in eurer Eisspalte, und die Besatzung muß zu Fuß zurück- tippeln. Bei ihrer Rückkehr nach Klein-Amerika empfängt sie das Hohngelächter der Zurückgebliebenen. Die ganze Geschichte hat eine fatale Aehnlichkeit mll Nansens Petroleummotor. Aber wie dort Handell es sich auch hier um einen ersten, tastenden Versuch der Technik.„Ich glaube, daß man einen brauchbaren Kraftwagen für das Eis bauen kann", sagt Byrd und schließlich war Nansens Bootsmotor ein Vorläufer der großen Flugmotore, die Byrd zum Südpol brachten. Wenn znän in Byrds Buch lieft, wie fabethaft alles klappt, kann man leicht dem irrigen Gedanken verfallen, daß all« die vor- hergegangenen Expeditionen mit ihren primitiven Mitteln doch recht unzweckmäßig und müßig waren. Tos Flogzeug eröffnet stündlich 10 000 Quadrat- kilometer unerforschten Gebietes, die Kamera der Flieger zeichnet objektiv und fehlerfrei beinahe fertige Landkarten. Wie unendlich mühsam und unter welchen Schwierigkeiten mußte Amundsen sein« karthographischen Ausnahmen während seiner Fußwanderung machen. Und doch bilden alle die früheren Expe- ditionen, die ohne derart vollkommene technische Mittel starteten, erst die Voraussetzung zu Byrds Siegesflug zum Pol. Ja, man kann sagen, daß Byrds Flug ohne die Entdeckungen von Shakleton, Amundsen und Scott unmöglich gc- wesen wäre. Byrd folgte haargenau den Spuren Amundsens. Die größte Schwierigkeit seines Fluges war die Ueberwindung der Paß- höhe des Königin-Moud-Gebirges. Achtzehn Jahre vorher hatte Amundsen die Höhe genau vermessen. So wußte Byrd, daß er sein Flugzeug über dreitausend Meter hinaufschrauben nmßte, um über den Gebirgszug zu gelangen. In sorgfältigen Vorversuchen wurde die Dienstgipfelhöhe des Flugzeuges mit der «nisprechenden Belastung erprobt. So gelang es, das Flug- zeug knapp hundertundfünfzig Meter über den gefürchteten Buckel hinwegzuführen. An diesem Erfolg sind die Technik, die sorgfältige Vorbereittmg des veront- wortlichen Führers und die Resultate der früheren Expeditionen in gleicher Weise beteiligt. Trotz des hohen Standes unserer Flugtechnik bleibt eine Reise in die Polargebietc immer noch ein gewagtes und abenteuerliches linternehmen. Der zivilisierte Mitteleuropäcr, der nur ver- schwommene Vorstellungen von der Ausdehnung und von den Gc- fahren dieser Gebiete hat, wird die Schwierigkeiten leicht unter- schätzen. Sehr aufschlußreich in dieser Hinsicht ist das Kapitel in Byrds Buch, in dem er seine Vorbereitungen zum Polarflug schildert. Auch die vielen, und sehr geschickt ausgesuchten Photos des Buches werden manche falsche Vorstellung richtig stellen. Be- sonders instruktiv sind die Aufnahmen aus der Lust. Wie winzig und unbedeutend erscheint das Expeditionsschiff neben den ungeheuren Eisjlächen! Ueberaus angenehm berührt in dem Buch die klare, ruhige und sachliche Art der Darstellung. Die Geschehnisse sind stark und mannigfaltig genug, überflüssige Worte würden sie mir verwässern. Seemännische Fachausdrücke und hin und wieder leichter Slang oerleihen dem Ganzen einen kraftvollen und amüsanten Unterton. Dr. Lridi Dautcrt. Xudirig Weck: Schimpanfe SSobby und meine anderen&rcunde'> 50 Jahre der täglichen Tierbeobachtung liegen hinter dem Schreiber dieses Buches. Darum war es sehr angebracht, die kleinen, im Plouderton gehallenen Abhandlungen zu saimneln, die aus einem reichen Erfahrungsschatz viel Wissenswertes mitteilen. Auf dos genaueste sind die Unterschiede der einzelnen Menschenafsen heraus- gearbeitet: der Gorilla, der menschenähnlichste, ist ein Bodentier: der Schimpanse ein klettertüchtiges Baumtier und der Orang-Utan ein reines Baumtier. Die Menschenafsen haben in geistiger und seelischer Hinsicht eine gewisse Menschenähnlichkeit: läßt doch z. B. dos Schimpansenwäisenkind sich sofort auf den Arm nehmen. Es schmiegt sich dem Menschen an die Brust und sucht bei ihm Mutter- ersatz. Doch ist ein Menschenaffengehirn kaum den sechsten Teil so leistungsfähig wie ein Menschengehirn. Das Gehirn des Gorilla- mannes, der den größten und schwersten Menschen übertrifft, ist niäit schwerer als das«inös neugeborenen Menschenkindes. Darwin hat auch den Schimpansen uns nie und nimmer als Großvater auf- drängen wollen, leben doch, geologisch betrachtet, die Menschenaffen von heute gar nicht länger auf der Erde als wir Menschen. Mithin können wir unmöglich von ihnen abstammen. Bei der Abhandlung über die Gebärden der Tiere weist der erfahrene Zoologe vor allen Dingen aus die Beobachtung von Ohr und Schwanz hin und den Zornesausdruck des Maulaufreißens, der das Beißen vorbereitet. Nie kommt ein überheblicher Ton auf. im Gegentell, der Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin sagt:„Hut ab vor dem groß- städtischen 2lrbeiter, der sich auf seinem Laubengelände als Tierhallcr und Züchter betätigt." Ebenso kämpft Heck energisch dafür, daß dem Bergmann seine Vogelfreunde erhalten bleiben.(Es ist die ausgesprochene Liebhaberei der Bergleute, sich Waldvögel zu halten.) Man soll Naturschutz treiben und den Wald nicht nur nach krassem Nützlichkeitsprinzip betrachten, das ist für die Allgemeinheit wertvoller, als wenn man dem Bergmann feinen singenden Freund raubt. llros Büsing Kunstseide aus der Baumwollstaude. Der größte Teil der Kunst- seidc wird aus Holzzellulose, besonders aus Fichtenholz gewonnen, doch dürfte sich bald ein Mangel an geeignetem Rohmaterial be- merkbar machen. Daher interessiert die Meldung, daß sich Pro- fessor Cameron von der Universität Nord-Carolina in Gemeinschaft mit dem Besitzer einer Baumwollsarm bemüht, die ganze Baum- wollstaude dafür heranzuziehen. Sie wird zunächst mit der Hand, später mit Maschinen mit Blättern und Stielen abgeerntet und in Ballen gepreßt, wobei man das mühsame Pflücken der Wolle vermeidet. Während die Fichte nur 52 Prozent Zellulose enchält, sind es bei dieser Staude 60, doch hofft man bei dichterem Pflanzen 65 Prozent zu erreichen und den Ertrag je Flächeneinheit aus das Doppelte zu steigern und bei viel besserer Qualität den Preis der Zellulose auf ein Zehntel des jetzigen zu erniedrigen *) Carl-Reihner-Verlag, broschiert 3,80 M.. gebunden 5,80 M. i-££ Der Kraftfahrer und seine Richter Ein Diskussionsabend beim DRAC Der republikanische Deutsche Reichs-Autoclub ver- anstaltete einen interessanten Distussionz abend über das Thema:„Der Kraftfahrer und seine Richter". Den einleitenden Dortrag hielt der Präsident des Clubs, Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt, in der Diskussion sprachen Staatsanwaltschafts- rot Lettner. Amtsgerichtsrat Tietz und als Vertreter der Berufs- kraftfahrer Reitz vom Gesamtverband. Dr. Brandt bedauerte, daß die in den Spczialkammern für Berkehrsvergehen tätigen Amtsfuristen nur zum geringen Teil Kraftfahrer seien, denn ihre Teilnahme an einem Fahrkursus könne ihnen wohl einiges theoretisches Wissen, nicht aber eine zur rich- tigen Beurteilung der Strafsache nötige Fahrpraxis vermitteln. Das trifft in iwch höhcrem Maße auf die bcisitzenden Schöffen zu. Der Redner forderte Beisitzer aus den Reihen der Kraftfahrer(was allerdings Lettner sowohl als auch Tietz ablehnten, weil dann die Kammern zu sehr spezialisiert wurden!) Die Aussägen, die Zeugen seien vor Gericht das schlechteste Beweismittel, weil, wie sich in vielen Verhandlungen ergeben hat, bei einem Unfall jeder Zeuge etwas anderes gesehen hat. Das erklärt sich nicht zuletzt aus den sehr plötzlich sich abspielenden Verkehrsunfällen. Auf solche ohne Absicht gefälschten und Werturteile enthaltenden Zeugenaussagen hin soll dann der Richter sein Urteil fällen. Eine einheitliche Rechtsprechung fehle auch vollkommen: Oberlandes- gerichte und das Reichsgericht fällen die widersprechendsten Urteile, sie haben auch keine Spezialkammern. Es sind genug Urteile ergangen, bei denen dem angeklagten Kraftfahrer zum Vorwurf gemacht wurde, daß er auf die etwa von dem anderen Straßenbenutzer zu erwartenden Fehler nicht genug Rücksicht genommen und die„im Rahmen der täglichen Verkehrs- «rfahrung übliche Unbesonnenheit", besonders der Radfahrer und Fußgänger, außer acht gelassen Hab«. Es sind Kraftfahrer verur- teilt worden, weil sie nach der Freigabe der Fahrbahn durch die Verkehrspolizisten anfuhren und dabei einen verspäteten Fußgänger überfuhren, der das Zeichen nicht beachtete. Ganz besonders ge- fährlich fei das Ueberholen von Radfahrern, selbst wenn es absolut vorschriftsmäßig erfolge, weil genug Verurteilungen sagen, der Kraftfahrer müsse damit rechnen, daß der Radfahrer auch ohne Winkzeichen in die Fahrbahn des Autos abbiege. Für die Kraftfahrer forderte Dr. Brandt Gerechtigkeit: man dürfe ihnen allein nicht die Verantwortung aufbürden und sie nicht zu Prügolknaben für die Verkehrssündcn der anderen machen. Staatsanwaltschaftsrät Lettner verteidigte die Anklagebe- Hörde gegen Vorwürfe und betonte, daß von 24 000 Verkehrsver- gehen, die zur Kenntnis der Justizbehörden kommen, in noch nicht 10 Prozent Anklage erhoben wird. Es zeige sich fast immer, daß die Zeugen gegen den Angeklagten eingestellt sind. Für die Be- urteilung des Falles kommt nicht nur der angerichtete Schoden, sondern auch das Verschulden der Kraftfahrer in Frage. Amts- gcrichtsrat Tietz erklärte, im angeklagten Kraftfahrer dürfe der Richter keinen Milieu- oder Gewohnheitsverbrecher, sondern nur einen anständigen Menschen sehen. Zu erwägen sei auch, ob an Stelle von Gefängnisstrafen bei Verkehrssündern nicht F e st u n g s- Haft zu treten habe. Die Einwirkung der— verschiedenen— höchstinstanzlichen Urteile auf den Richter sei sehr gering, der ge- sunde Menschenverstand habe Urteil« zu fällen. Genosse Reitz vom Gesamtverband betonte demgegenüber, daß nach seiner großen Erfahrung doch eine starke Beeinflussung der Richter durch höchstinstanzliche Entscheidungen stattfinde. Seit der Einführung der Verkehrslammern sei es allerdings in Berlin besser geworden, aber auf dem Lande, wo keine solche Spezial- kammern amtieren, schnitten angeklagte Krastfahrer noch recht ost sehr schlecht ab. Verkehrskammern seien auch bei den Oberlandes- gerichtcn und beim Reichsgericht nötig. -i- Der interessante Abend brachte viele Beschwerden der Krast- fahrcr, die es besonders in den Städten bei den vielen Verkehrs- Vorschriften wahrlich nicht leicht haben, zum Vortrag. Aber nur gegenseitige Rücksichtnahme wird Kraftfahrer und Fuß- gängor in ein erträgliches Verhältnis zueinander bringen. Dazu gehört allerdings, daß auch die Fußgänger und andere Straßen- benutzer auch die Derkehrsvorfchriften achten. Bilanz des ADAC'Hiltsdienstes In der Zeit seines Bestehens hat sich der S t r a ß e n- ch i l s s- dienst des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs zur vollen Zu- friedenheit entwickelt. Welch große Leistungen dieser Hilssdienst mit seinen eigenen Patrouillenfahrzeugen auch im abgelaufenen Ge- schäftsjahr wieder aufzuweisen hat, geht aus der Tatsache hervor, daß nach den nunmehr vorliegenden Zahlcnunterlagen aller Gaue des ADAC, di« Straßen-chilfsdienstwagen in den letzten zwölf Monaten 559 643 Kilometer Patrouillendienst zurückgelegt und hierbei in 5766 Fällen technische und sanitäre 5)!lfe ge- leistet haben. Seit Verwendung der ADAC.-Straßen-Hilfsdienst- fahrzeug« wurden insgesamt 2 000 175 Kilometer Patrouillendienst zurückgelegt und in 20 616 Fällen technische und sanitär« Izilfe ge- lesstet. Die Hilfeleistungen kommen allen Motorssten ohne Rücksicht auf ihre Klubangehörigkeit zugute. Zulcssungserleichterung. Die Verkehrswacht Berlin- Brandenburg hat sich bei der Finonzbehörde dafür eingesetzt, daß auf dem Krastverkehrsamt eine Zweigstelle errichtet wird, damit bei Zulassung von neuen Kraftfahrzeugen der Besitzer nicht erst zwei Stellen aufsuchen muß. Bisher mußte das Kraftfahrzeug zur Zulassung zum Krastverkehrsamt Blücherstr. 26 gebracht werden, während die Bezahlung der Steuer im Finanzamt Rofenthaler Tor stattfand Diese Unbequemlichkeit könnte um so leichter beseitigt werden, als Im Krastverkehrsamt in der Blücherstr. 26 genügend Räume für die Unterbringung einer Dienststelle des Finanzamts frei sind. Vc)Ikssport"-krauen werben in Britzl Anläßlich des zweijährigen Bestehens veranstaltete die 2. Frauenabteilung einen Werbeabend, dem ein voller Erfolg beschieden war. Vor zwei Jahren begann in Briß die Neuorganc- slexung der bundestreuen Arbeiter-Turn- und Sportbewegung,-und heut« zählt„Voltssport Neutölln-Britz" allein im Ortsteil Britz sieben verschiedene Abteilungen. Gestern zeigten die Frauen Proben chrer Gesundheitsgymnastik. Anerkennenswert ist, daß Frauen im reiferen Alter sich an diesen gesundheitlichen Uebungen besonders rege beteiligen. Weitere Ausschnitte aus dem ständigen Uebungs- betrieb gab es zu sehen beim Gemeinschaftsturnen an Geräten und mit dem Medizinball, bei Singspiel und Tanz. Die ungezwungene Heiterkeit erreichte ihren Höhepunkt bei den Sondervorführungen und den humoristischen Stafetten. Die Aufführung des Werkes „Wir bauen eine neue Welt!" mit Musik, Einzelsprecherin und Sprechchor beschloß den gut arrangierten und wirkungsvoll vcc- lausenen Frauenwerbeabend. Am Donnerstag, 26. No- v c m b« r, 18 Uhr, führen die Britzer Mädchen einen„Volks- s p o r t- K i n d e r a b e n d" in der Turnhalle Chausseestraße 137 vor. Und als Abschluß der Volkssport-Herbstwerbung steigt gemein- sam mit FTGB.-Süden am Sonntag, 2 9. November, in der Neuen Welt, Hasenheide, die große turnsportliche Bühnenschau 1931 unter dem Motto:„Mobilmachung aller Arbeiter- sp ortler." Karten dazu bei allen Funktionären, beim Pförtner der„Neuen Welt" und den Volkssport-Geschäftsstellen: Neukölln, Stuttgarter Straße 18. bei Paul Schulze: Britz, Lowise-Reuter- Ring 21, bei Otto Schiftan. Die Frauenbewegung im Arbeiter-Turn- und Sporlbund erhielt neuen Antrieb durch eine Tagung des Bundesfrauenausschusses in der Sportschul« in Leipzig. Die Berichte der Kreissrauenvertrete- rinnen wurden gründlich durchgearbeitet und gaben für die später gefaßten Beschlüsse«Ine gute Grundlage. In fast allen Kreisen des Bundes und in den meisten Bezirken sind durch sein Wirken Vertreterinnen der Frauen gefunden worden. Die Frauenwerbung und Frauenbildung ist im Bunde seitdem außerordentlich gefördert worden und viele Hilfsmittel zur Werbung und Schulung tonnten geschaffen werden. Für 1932 wurde ein großzügiger Arbeitsplan entworfen. Vo'kstanzabend der FTGB. Der„Fr e i k ö r p e r k u l t u r b e z i r k der FTG B." wird am kommenden Sonntag, dem 29. November, in Haoerlands Fest- fölen, Berlin C., Neue Friedrlchstr. 35, feine Mitglieder und alle Besucher der„P ä tz e r S o n n e n h e i d e" bei einer geselligen Veranstaltung in Form eines Bolkstanzabends oereinen, zu dem auch die tanzfreudigen Sporller und Jugendgenossen eingeladen sind. Es wird nur eine beschränkte Zahl von Eintrittskarten aus- gegeben. Karten zum Preise von 0,50 M.(Erwerbslose 0,30 M.) sind schon jetzt bei den Funktionären und in der Vereinsgeschäftsstelle, Berlin NO. 18, Lichtenberger Str. 3, zu haben. Arbeitersport in Griechenland Durch die Reise der Länderfußballmannschaft des österreichischen Arbeitersußballverbandes nach Palästina ist auch näheres über den Stand der Arbeiteriportbewegung in Griechen- land bekanntgeworden. Die österreichische Reiseleitung hatte Ge- lcgenheit, sich mit Arbeiterführern, besonders der Gewerkschaften, auszusprechen. Die Sporttreibenden befinden sich in Griechenland in gemeinsamen Organisationen. Fußball und Tennis sind die Hauptsportarten Gute Ansätze für eine selbständige Arbeiter- fußballbewegung sind in den Gewerkschaften der kaufmännischen Angestellten, der Hafen- und Transportarbeiter, und der Buch- drucker vorhanden. Spielplätze fehlen. Die früheren kommu- n i st i f ch e n Fußballgruppen sind zerfallen und wickeln ihren Spielbetrieb fast ausnahmslos im bürgerlichen Fußball- verband ab. Die griechischen Arbeiterführer sind der Meinung. daß es möglich sein wird, einen Arbeitersport oerband zu gründen. Die Voraussetzung dazu ist ein« Innige Verbindung mit den anderen Ländern der Sozialistischen Arbeitersport- internationale. Dazu gehören auch internationale Fußballspiele. Der österreichische Arbeiterfußballverband soll Spiele in Athen und Saloniki durchführen. Kleiner Sport von überall (Einern tiefempfundenen Bedürfnis ist durch die Gründung des „Deutschen Tisch-Tennisbunde»" entsprochen worden. Der DTTB. ist bereits in den Reichsausschuß für Leibesübungen aufgenommen. Die wievielte bürgerliche Sportorganisation ist das nun? 2SS 030 Turn- und Sportabzeichen sind vom Reichsausschuß für Leibesübungen feit 1913 vertellt worden: die Männer erhielten 267 755 und die Frauen 20 275. Die höchste Auszeichnung, die Me- daille in Gold, besitzen 2887 Männer und 15 Frauen. Außerdem gibt es noch diese Auszeichnungen in Bronze und Gilber. Ein Glück, daß die Republik keine Orden und Ehrenzeichen verleiht! Das für die bürgerliche Sporlolympiade 1932 jetzt in Los Angeles fertiggestellte Stadion hat 105000 Sitzplätze und ist damit wohl das größte der Welt. Die Olympiade steigt vom 30. Juli bis zum 14. August. Interessant ist, daß der Organisationsausschuß schon jetzt Vorausbestellungen vo» Eintrittskarten entgegennimmt. Man spare also für Los Angeles in Amerika! Die werk- und Behördensporlvereine haben sich in den letzten Jahren stark vermehrt. In Düsseldorf gibt es allein rund 30 dieser Auch-Sportvereine. In der Mehrzahl sind es bei den Behörden die Post und Reichsbahn und bei den Privaten Banken, Bersicherungs- und Konfektionshäuser, die diese Abart von Sportvereinen stellen. Auch dem Herrn Dieb--- t Man könnte sich fragen. ist es übertriebene Höflichkeit oder ein Zeichen der Zeit, was aus dem Anschlag, der seit einigen Tagen in der Stadtbibliothek in der Breiten Straße zu lesen ist, spricht:„50 Mark für Herbeischasfung meines hier gestohlenen Lindear-Ballonrades Nr. 172915. Auch dem Herrn Dieb steht obiger Betrog bei Rückgabe zu, da ich an- nehme, daß er nur aus Not gehandelt hat. Diskretion zugesichert." Das ist fast Diebstahl auf Teilung! V-Ilesport RcurSlla-Britz. Donnerstag, W. November. IS Uhr, iiffentlickier Werbeabend, S. Mädchenabteilung. Z. Iungmädchen-, 2. Jugend-, 2. Frauen-, 2. Männerabteilung: Teilnehmer zur„Medizinball-Voriilhrung" mühen Donnerstag, 2K. November, IS Uhr, zur Turnhalle lammen. Freie Turuerfchaft iKroh, Berlin. Heute, Mittwoch, 19U Uhr, Berrvaltungs- auslchnhsitzung, Äreisgeichästsstelle, alsäffer Str. 80.— Franenaueschugsitzuvg ebenda 19 Uhr.— Freilörpertulturbezirl: Montags Gnmnastiiabend in Neu» lülln, Mariendorfer Weg 74, Mittwochs Nolltdaden, Stadthad Geriäitltrahe. Donnerstag, 2k. November, llebungsabend des Chors mit Novelle bei ötöhr, Naiser.Wilhelm.Str. 44, IS'/j Uhr. Sonntag, 29. November, beteiligt sich ai:cs am Bollstanzabend. Freie Faltbootfahrcr Berlin. Zufammeuiunfte Donnerstag, 2k. Novem- der, 20 Uhr. Gruppe Norden: Jugendheim Wcdding, Willdenvwstr. 5, Limmer 3. Vortrag Dr. Hennef:„Wafferbauamt und Wafferstrahen".— Gruppe Nordosten: Lugendheim Chriftburger Str. 44.„Fahrtenmöglichleiten in der Warb'. Noi- fchläge von Erich Tuinmefcheit.— Gruppe Südosten: Jugendheim des Ostens. Grog« Frankfurter Str. 16. Vortrog. Sli Trockenturfus'' befchaffung beginnt den vier Montagen,............. jnWWIWWWWMW tagt. Turnhalle Charlottenburg, Schlogftr. 2, am Luifenplatz. Gebühr 2 Ma.k. Erwerbslofc und Jugendliche 1 Marl. UebungssbreUer werden gestellt. Der llurfus findet im Rahmen der Trockenlurfe der Wintersportlei des Arbeiter- Turn- und-Sportbundes und des T.-B.„Die Naturfreunde" statt. Einige ~"'' an Willi laufend- Lutereffenten können noch teilnehmen. Meldungen umgehend freund. Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. K4. Arbciter-Sport-Bercin Nenlölln. Der Verein betreibt folgende Sport- arten: Turne», Leichtathletik. Handball, Fußball, Schwimmen. Wintersport, Tennis, Gnmnastil. Uebungsabcnde: Iungmädchen Donnerstags 20 Uhr; Frauen Dienstags 20 Uhr: Manner und Jugend Freitags 20 Uhr, Schule. rinnen 48 Uhr: Schüler Freitag- 48 Uhr: alle Walter-Rathenau-Schule, Boddin- straßc, Neulolln. Sportler Mittwochs 20 Uhr Turnhalle Weifeftr. 20, Nenlölln. Fußballers, hung jeden Freitag bei Misstng, Weise- Ecke Selchower Straße. Jugend 4gu. 4Ihr, Männer 20 Uhr. Schwimmen jeden Mittwoch 20 Uhr Stadt. bad Neukölln beim SB. Möwe. Sportler schwimmen jeden Donnerstag 49 Uhr. Waldlauf jeden Sonntag 10 Uhr Vollsparl Neukölln. Umkleidelokal Krüger, Cmfer Etr. 80. Geschäftsstelle: Rudolf Schenk, SO. ZK, Marianncnploß 43, bei Schneider. WB. Fratcrnltas. Sitzung Freitag, 27. November, Restaurant Faliensteiu, Obcrbaumbrücke. Jeden Mittwoch Badeadcnd mit„Möwe" im Stadtbad Neukölln. Wüttvoch, 23. November. Berlin. 46.05 Theiter der höbsren Schulen e. V.(Berliner Theater):„Der Varel- bindler"(I Alf'. Operette von Karl Zeller. 17.00 Joseph Delmont liest Iirdabenlener- 17.20 Arthur Segal; Von der bildenden Kunst. 17.30„Literatur nach MaB"(Dr. Conrad Clert nnd Valerie Merck'. 48.00 Unterhaltungsmusik. 18.55 Mittellungen des Arbeitsamtes. 19.00, Stimme zum Tag", 19.10 Heilfron.„Rechtsfragen des Tages". 21.30„Dichtungen aus dem 30i2hrigen Krieg", Manuskript: Ernst Brlngoli Ltg.: Edle! Köppen). 22.30 Weifer-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Min.-Dtr. Dr. Erich Wende; Ende oder Entwicklung der Pädagogischen Akademien? 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Dr. E. Feder: Das internationale Journalistentribunal im Haag. 13.00 A v. Hessenstein: Joseph Chamberlain. 18.25 Dr. Erich Dautert: Ein Besuch bei den Walfängern Süd-Georgiens. 1M5 Wetter für die Landwirtschaft. Anschiieüend: Min.-Rat Prof. Woldt: Der heutige Staat und die Beamten. 19.30 Leipzig: Festkonzert. 21.45 Frankfurt: Bunter Abend. Rätseh Ecke des„Abend" 99' fWttiiimiiiimiiiiiiuiiiiiiiimiiirrtiuiininiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiuniuiflinuiiiiuuiiiiiiuiuiiiuiuuwiiuiiiiUiiiiniuuuiuiaiiiiiiiiii uuiiiittiiiunmi Jticfenräffcl. (Nachdruck verboten.) Jedes zu erratende Wort, bestehend aus vier Buchstaben, be- ginnt bei dem kleinen Pfeil und wird In Uhrzeigerrichtung um die betreffende Zahl herumgelesen.— 1. Ein« der kleinen Sundainseln; 2. Teil des Fahrrads; 3. Hautöffnung: 4. weibl. Vorname; 5. Schwung: 6 römischer Kaiser: 7. chemischer Grundstoff; 8. geist- liches Lied; 9. Stadt in Nevada; 10. Traggerät: 11. Göttin; 12. Landungsbrücke: 13. Fluß in Braunschweig: 14. Geldgeschäft: 15. Ulmenart. 16. Seil: 17. Teil des Beins: 18. niedriger offener Eisenbahnwagen; 19 Heldengedichte: 20. Hast; 21. Getränk; 22. weibl. Vorname; 23. Tier; 24. Gesang. H. S. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1 kleines Ge- wässer:3 seindlicheEmpfindung; 6. Stammesmutter d Jsmaeli- ten; 8 ual Note: 10 Monat; 12. Erdart; 14. Besitztum: 15 gewebte Tapete; 16. brasil. Sladt:17 Stnaps: 19 Stimmlage; 21 Flächenraum: 23 Schachfigur: 24. häßliche Eigenschaft Senkrecht: linker Nebenfluß der Saale: 2 bibl Gestalt; 3. Raub isch: 4 Flächenmaß; 5 oerdickte Flüssigkeit: 7 An- tilopenart; 9 wilde Schwelge- rei; 11 stanz Staat in Nord- afrika; 13 Tierpark: 14 Boot: 16 Unterlage bei Feuerungen: 18 Pelzart; 19 unbemittelt; des Monats: 21. wie 4 senkrecht; 22. französtcher Artikel. BerwandlungSrätsel Dame, Art, Nadel, Fall, Wolle, Else, Gent, Mut, Maler, Asche. Amme, Malz, Angel, Miere.— Die Ansangsbuchstaben vorstehender Wörter sind durch neue zu ersetzen. Die neugefundenen Buchstaben ergeben, richtig aneinandergereiht, ein Sprichwort. ak. Auflösungen in der nächsten Rätselecke. 20. Teil Lp. Auflösungen der letzten Rätselecke Rösselsprung: Warum willst du trüben Blicks/ lieber diese Erde aehn,/ Und vor ihren holden Wundern/ Mit verschloß'nen Sinnen stehn? i Suche nur— und selbst im Staube/ Blinkt's wie matten Goldes Schein:/ Sonnenaugen mußt du haben—/ Und die Welt wird sonnig sein! Vielseitig:„Atlas." Gitterrätsel: 1. Vatikan; 2. Ginster; Z. Palermo. f