Morgenausgabe Nr. 553 A 218 4S.Iahrgang Wochenilich 85 Ps., munoUich 3,60 M. (davon 95 Pf, monatlich für Äiiftel. lung ins Haus> UN voraus zahlbar, Postbezug 4,31 M. einschließlich SO Pf. Pouzeitungs- und 72 Pf. Postbestellac- biihrcn. Auslandsabonnemcnt 6.—-HL pro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Drucksachcnportv s,— HL Der„Vorwärts" erscheint wochentijg» lich zweimal. Sonntags und Moirtags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage »Volk und Zeit", Berliner volkSblatl Oonnersiag 26. November �9)1. Groß-Äerlin Vf. Auswärts i5 pf. Die elnjpaU. Nonpareillezeile 80 Pf. Nettamezeile 5,— NM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 2b Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), iedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Ta'ts. Stellengesuche das erste Wort l5 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße S. roochen» täglich von Sl/z bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor t Zentvatorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Renttpt.. Dönhoff(A T) 292—297. Tcldgramm-Adr,: Sozialdcmokral Berlin, Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postschock!onlo i Bcrlin Z75? u ch u n g c n iici nationalsozialistifehen Führern statt, so ino- besondere in der hessischen G a u g e s ch ä f t o st e l l e im Braunen Hauo in Tarmstadt, ferner in den Wohnungen des I t a b s f ü h r« r s H a u p t in a n>» a. D. W a s s n n g sDarmstadts, des G e r i ch t s a f f e s s o r s T r. Best. Amtsanwalt in Alzeh, bei dem Landwirt Dr. Wag- n e r, Boxhcimcr Hof bei Bürstadt, und bei Kapitän- leutnant von Davison< Tarmstadt). Tie Haus- suchungen erfolgten wegen des dringenden Ber- dachts der Vorbereitung zum Hochverrat in der Leitung der NSDAP., Gau Hessen. Sic begannen um 16K Uhr und dauerten bis in die Abendstunden. Vor Mitternacht ist kaum ein Ergebnis aus der Durchsicht de« Matemals zu erwarten. Hitler, der ursprünglich am Mittwoch in Darmstadt an den Beratungen zur politischen Lage in Hessen teil- nehmen wollte, ist, wie mitgeteilt wird, nicht nach Darm- stadt gefahren. Diese Beratungen finden im Braunen Haus in München statt. Das hessisch« und das preußische Znsteuminislerinm, das Reichs- innenministerium und die Oberreichsanwallschasl sind in den Dcsih von Bekanntmachungen und Richtlinien gelangt, die den Anlaß zu diesem Bersahrcn gegeben haben. Rtitle September sand aus dem Boxheimcr Hof bei Lampertheim eine Besprechung der Führer des Gaues Hessen der JtSDAp. stall. Es nahmen daran teil die nationalsozialistischen Führer und heutigen Landtags- abgeordneten Hauptmann a. D. Wassung, Stabssührcr der SA, Gerichtsassessor Dr. Best, der Gaufachberaler für Landwirtschast Dr. ILagncr, der Wstlschaslsreserenl Dr. Schäfer, außerdem kapitönleutnant a. v. v o n D a v i d s o h n und der privatsekretär des Gauleiters von Hessen S l a v i n o g o. Bei dieser Besprechung wurden Entwürfe beraten, abgeändert und dann gebilligt, die von dem G e r i ch l s o s s c s o r Dr. Best herstammen. Es handelt sich um eine Bekannimachung über die Mahnung der Gewerkschasten. Mchtlimen der Mgierung entsprechen einseitigem Ltnternehmerstandpunkt. Der B u n d e so u sf chuß des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschaftsbundes nahm gestern in eingehender Debatte Stellung zur politischen und wirt- schaftlichen Gesamtlage, und faßte seine Meinung über das Regicrungsprogramm in folgender Entschließung zusammen: Die von der Regierung gezogenen Srhlußfolge- rungen aus den Beratungen des Wirtschaftsbeirats geben einseitig die von den Unternehmern vertretenen Ansichten wieder. Sie entsprechen nicht dein Rotstand des Arbcitsmarktes und der Wirtschast. Sie enthalten weder einen Plan zur Arbeitsbeschaffung noch die Ankündigung der geschlichen 40-2tunden- Woche mit dem Zwang zur Einstellung von Erwerbs- losen. Die Regierung gibt sich noch immer der Täuschung hin, durch Lohn- und Preissenkung eine Entspannung auf dem Binnenmarkt zu erzielen und die Konkurrenz- Zähigkeit Deutschlands auf den Auslandsmärkten zu steigern. Tie Gewerkschaften haben von jeher den k ü n st» lichen Preisauftrieb durch Hochschuhzölle, Kar- tellbindungen und ähnliche Mittel bekämpft. Der Abbau solcher künstlich überhöhten Preise kann und muß ohne Lohnsenkung erzwungen werden. Die Gewerkschaften bekämpfen aber gleichzeitig den Gedanken einer attge» meinen künstliche» Preissenkung dnrch währungspolitisch« Mittel oder zwailgsweisc» Lehuabbru. Ter r ü ck s i ch t s- lose Lohnabba»» seit mehr als Fahressi�st hat die deutsche Wirtschaft immer tiefer in das Kriscnelend gc- führt, ebenso das dauernde Gerede von der weiter not- wendigen Preissenkung. Es ist höchste Zeit, auf diesem Wege umzukehren. Es hat sich als völlig vergeblich erwiesen, die Kon- kurrenzfähigkeit gegenüber dem Auslande durch weitere Lohnsenkungen steigern zu wollen. Jede Lohnsenkung wird— wie die Erfahrungen zeigen— vom Anstände sofort als Lohndumping mit weiteren Abwehrmaßnahmen beantwortet. Sie zerstört gleichzeitig die Kaufkraft des für die deutsche Wirtschast ausschtaggcbcndcn Binnenmarktes und'muß außerdem zur Folge haben, daß das Defizit im Staatshaushalt verewigt wird. Ts Einkommen der Arbeiterschaft ist auf der ganzen Linie in einem Maße gesunken, daß nicht nur die Existenz der Arbeiter, sondern auch die Qualität der Arbeit ernst» hast bedroht sind. Damit steht zugleich die Zukunft der deutschen Wirtschaft in Gefahr, weil.bei Hiingerlöhne» keine Qualitätsarbeit mehr möglich ist. Der Bundesausschuß erhebt deoivcgcn entschiede n- st e n P r o t e st gegen die offenkundige Absicht der Reichs- regierung, die Kaufkraft der breiten Massen noch weiter zu schwächen. Er protestiert mit derselben Entschiedenheit gegen alle Absichten, an de» rechtliche» Grundlagen des kollektiven Arbeitsrechtes zu rütteln oder im Wege der Notverordnung in die Tarifverträge einzugreifen. * Den Bericht über die Berhondbliigen des' Bundesmisschvsscs geben wir an anderer Stelle des Blattes. <5 rrichtaitg der ZNilitSrdiFtalor durch die KU., sowie ii», Kichflmic» vernuStungsmäßig� r und gesehgebeuder lialur. deren Wesen die völlige illusterkrafi/ehung der Verfassung und aller Rcchtegaranlieu sind. Die Echiheii der Dokumente, ist außer allem Zweifel. Die Bekanntgabe dieser Dokumente an die Behörden erfolgte durch einen der Teilnehmer an der Besprechung aus dem Voxheimer hos. durch den w t r t s cha s t s re f*r e n t e n der(Bauleitung der R S O A p. in Hessen, den jetzigen Landtags- abgeordneten Dr. Kchäs�r. Schäfer hat nach seinen Angaben bereits in dieser Besprahuug gegen diese illegalen Vor- bcreitungen protestiert. Er hak darauf, da er von dem Wahnwitz dieser Absichten erschreckt, war. Anzeige bei den Behörden erstattet. Dr. Schäfer, der in üonslAl mit den illegalen Treibern geraten ist, wird von der SA. in Hessen verfolgt. Sie hat in diesen Tagen seine Wohnung in Osfenbach überfallen, um dort nach Dokumenten zu suchen. Schäfer war einer der begabtesten Agitatoren der VSDAP. in Hessen. Wir veröffentlichen den Wortlaut der Dokumente nachfolgend. Sic zeigen das wahre Gesicht des deutschen Faschismus? GA.-Diktatur! Todesstrafe— Todesstrafe— Todesstrafe! Entwurf der ersten Bekanntmachung unserer Führung noch dem Wegfall der seitherigen obersten GtiSatabeyörden und nach Aeberwindunq der Konmume in einem für einheitliche Berwatiunq geeigneten Gebiete. Nekanntgabc: 1. durch öffentlichen Anschlag, 2 durch Zustellung an .ltte Behörden. Aolk-ge nossen! Die seitherigen Träger der Staats- gemalt im Reiche wie im Lande sind durch die Ereignisse der letzten Tage(Wochen) weggefallen. Durch diese tatsächliche Veränderung ist— wie im November lS18— ein neuer Rechtszustand geschaffen. Ordnende Macht st e h t z. Zt. allein bei de»..... (S 21., Land« s w ehren o. ä). Ihre Führung hat deshalb das Recht und die Pflicht, zur Rettung des Voltes die verwaiste Staats- gewalt zu ergreifen und auszuüben. Sie tut dies im Namen der deutschen Nation, vor deren Zukunft allein sie für die Erfüllung ihrer Aufgabe und für die Wahl ihrer Mittel verantwortlich ist. Die unerhörte Gefahr erfordert außerordentliche Maß- nahmen, um zunächst das nackte Leben des Voltes zu retten. Erste Aufgabe ist.Herstellung der öffentlichen Sicherheit und die Organisation der Voltsernährung. Nur schärfste Disziplin der Ve- vnlkerung und rücksichtsloses Durchgreifen der bewaffneten Macht laf�n die Lösung dieser Aufgaben als möglich erscheinen. Als Befehlshaber der....(SA., Landeswchren o. ä.) in____ (Starkcnburg, Rheinhessen, Oberhessen) gebe ich deshalb folgenden Befehl an die gesamte Bevölkerung des Landes bekannt! l. Oeder Anordnung der____(SA., Landeswehren u. ä), gleich von welchem Dienstgrade erteilt, ist sofort Folge zu leisten. Widerstand wird grundsätzlich mit dem Tode bestrast. Die Feldgerichte können beim Vorliegen besonderer Umstände andere Strafen verhängen. 2. Jede Schußwaffe ist binnen 24 Stunden an die____ (SA., Landeswehrcn o. ä.) abzuliefern. Wer nach Ablauf dieser Frist im Besitz einer Schußwaffe betroffen wird, wird als Feind der....(SA.. Londeswehren o. ä) und des deutschen Volkes ohne Verfahren auf der Stelle erschossen. 3. Jeder im Dienste öffentlicher Behörden oder öffentlicher Verkehrsonstalten stehende Beamte, Angestellte und Ar- b e i t e r hat sofort seinen Dienst wieder auszunehmen. Widerstand und Sabotage wird mit dem Tode bestraft. An die Stelle der obersten Staatsbehörden(Ministerien) tritt die Führung der----(SA., Landeswehren o. ä.), vertreten durch mich. 4. Die von der Führung der____(SA., Laudeswehren o. ä.) erlassenen Notverordnungen haben für jedermann mit dem Tage ihrer Veröffentlichung durch Anschlag Gesetzeskraft. Verstöße gegen diese Notverordnungen werden in besonders schweren Fällen über die in ihnen bestimmten Strafen hinaus mit dem Tode bestraft. 5. Soweit nicht die von der Führung der____(SA., Londeswehren o. ä.) erlassenen Notverordnungen oder einzelne Anord- »ungen der----(SA., Landeswehren o. ä.) entgegenstehen, bleiben olle bestehenden Gesetze in Kraft und sind von der Bevölkerung in jeder 5)insicht zu befolgen. Richtlinien für die ersten Notverordnungen. unserer Führung»ach dein Wegfall der seitherigen obersten Staats- bchörden und nach Uebcrwindung der Kommunen in einem für einheitliche Verwaltung geeigneten Gebiet. Grundsätze: l. Nur die einfachsten, dringendsten Maßnahmen. 2. Klare, verständliche Fassung. 3. Möglichst keine neuen Behörden, Einrichtungen, Dienst- stellen: Verwendung des vorhandenen Verwaltungsopparats.. Hungerdiktatur! Richtlinien für eine Notverordnung zur Sicherung der Ernährung der Bevölkerung. Bekanntgabe: 4. durch öffentlichen Anschlag, 2. durch Zustellung an die Kommunalbehörden. Konfiskation. I. Alle Lebensmittel stehen zur Verfügung der Führung der... tSA., Landcswehren o. ä.) und find an deren Beauftragte auf An- sordcrung ohne Entgelt abzuliefern. 2. Jeder Erzeuger(Urcrzeugcr und verarbeitender Erzeuger) und Händler(Groß- und Klein-) hat unverzüglich eine genaue A u s st e l l u n g aller in seinem Eigentum stehenden(gleich wo iagernde» oder in seinem Besitz befindlichen Lebensmittel der für ihn zuständigen Bürgermeisterei einzureichen. 3. Jeder Verkauf und jede tauschweise Veräußerung von Lebensmitteln ist verboten. 4 Strafe für jede Vereitelung der Feststellung und Ablieferung und für jeden Verkauf und Tausch von Lebensmitteln: a) immer: Einziehung des gesamten Vermögens. t>) daneben zulässig: jede Art und jeder Grad von Freiheits- strafen. Todesstrafe nach dem ersten„Befehl an die Bevölkerung" des Führers. Hunger! t!. Feststellung der zu Ernährenden: Jeder über 16 Jahre alte Mann bzw. Frau hat sich und seine nicht 16 Jahre alten Kinder nnverDglich bei der Bürgermeisterei des Aufenthalts- ortes zu melden. Krankenhäuser und ähnliche Institute haben alle Insassen zu melden. Ehrendes Mißtrauen. Reaktionärer Vorstoß gegen den Kultusminister Grimme. Auf der Tagesordnung der Mittwochsitzung sieht als erster Gegenstand die Neuwahl des Präsidenten. Abg. Dr. Groß(Z.) beantragt Absetzung dieses Punktes von der Tagesordnung. Abg. Schwenk(Komm.) erhebt dagegen Widerspruch, per von den Sozialdemokraten vorgeschlagene Abg. Lelnert habe fricher als Präsident mit beispielloser Schärfe gegen die Kommunisten ge- wütet. Wenn jetzt die Rechtsparteien gegen feine Wahl Widerstand leisteten, sehe darin die Kommunistische Partei keinen Grund, durch Vertagung Platz für einen Kuhhandel zu schaffen. Die Kommu- nistische Partei schlage als Präsidenten den Abg. Kasper vor. (Stürmische Heiterkeit.) Der Vertagungsantrag wird gegen die Kommunisten angenommen. Angenommen wird ferner ein Antrag der Landvolk- partei, die Reichsregierung aufzufordern, möglichst bald in V e r- Handlungen über den Doung-Plan mit dem Ziel völliger Einstellung der Zahlungen einzutreten. Die Sozialdemokratie enthält sich dabei der Stimme: alle übrigen Parteien stimmen dafür. Es folgt der Mißtrauensanlrag der Deutschnationalen gegen den Kultusminister Dr. Grimme. Zlbg. Oclze-Ebersbach(Dnat.) begründet den Antrag. Die auf dem Gebiet des Schulwesens getroffenen Abbaumahnahmen feien eine Folge der Erfüllungspolitik. Sie griffen mit roher Hand in den Bestand der deutschen Kultur, besonders in das höhere Schul- wesen und die Universitäten ein. Abg. Dr. Lauscher(Z.): Die getroffenen Sparmaßnahmen waren infolge der Finanzlage des Staates nicht zu umgehen. Aber man sollte beim Abbau jeden Schematismus vermeiden. Im Lande draußen hat man schon vor dem Abbau vielfach eine höhere Klassen- freqücnz gehabt als in Berlin. Der Abbau bei höheren Schulen und Universitäten bringt nichts ein, gefährdet ober wertvollste Kulturgüter. Abg. König-Potsdam(Soz.): Deutschnationale Bürgermeister und Gemeindevorsteher sind bei der gegenwärtigen Finanzlage der Gemeinden genau so zum Abbau der Schnllasten gezwungen wie das preußische Staatsministerimn. Wenn die Ueberweisungen des Reiches immer geringer werden, das Aufkommen der Steuern den Voranschlägen nicht entspricht und die Ausgaben für die Wohlfahrtspflege unaufhörlich wachsen, d. h. also wenn S Millionen Arbeitslose unterstützt werden müssen, sind Sparmaßnahmen unausweislicher Zwang, und in dieser Not ist auch die Schule kein Rührmichnichtan. Preußen ist schon einmal, nämlich im Jahre 1924, in der gleichen Notlage gewesen. Damals haben der v o l t s p a r t e i l i ch e Kultusminister Dr. B o e l i tz und der v o l k s p a r t e i l i ch c Finanzminister Dr. von Richter einen generellen Abbau der Volksschullehrer um 25 Proz. des Lehrpersonals beantragt, und nur am Widerstand der Sozialdemokratie ist diese Vorlage hier im Hause ge- scheitert. Unseren prinzipiellen Antrag, daß durch den unvermeid- lichen Abbau auf dem Gebiet des Schulwesens die pädagogischen und hygienischen Interessen namentlich der Volksschulen nicht verletzt werden dürfe», haben damals nur die Kommunisten angenommen: Demokraten, Zentrum, Volkspartei und Deutschnationale aber ab- gelehnt. �...:.»-<> zjir.!>».-'«->- wer 1924 bereit war, mit einem Schlage 23 llOll Volksschullehrer zu entlassen und sicki heute darüber entrüstet, daß die gegen- wärtige preußische Regierung 7000 Lehrer abgebaut habe, ist nicht"ehrlich, spielt nur Theater.(Lebhastc. allgemeine Zustimmung links.) Der Abbau der Zulagen soll eine besonder« Rücksichts- losigteit sein und mit allerlei schwarzen Plänen des Unterrichts- Ministers zusammenhängen. In Wahrheit sind diese Zulagen bei der letzten Besoldunasordnung von der Lehrerschaft selbst bekämpft worden, und mir Sozialdemokraten haben ihnen nur zugestimmt, weil die allgemeine Besserstellung der Valtsschullehrer nicht durchzusetzen war.(Sehr wahr!) An dem allmählichen Rück- gong der humanistischen Gymnasien wird auch das Bedauern des Abg. Oelze nichts ändern, dos icb persönlich teile. Wir können die Bevölkerung niebt zwingen, ihre Kinder in diese Anstalten zu schicken. Gegenüber der Darstellung des Abg. Lauscher, als greise der Staat mit rauher Hand in dos höhere Schulwesen ein, muß ich fest- stellen, daß keine Einrichtung in Preußen so geschont wird wie die höhere Schule und Universität. Ich erinner!. nur an die skandalösen Vorgänge in Halle, denen gegenüber der Staat viel zu langmütig gewesen ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist doch unerhört, daß die Theologiestudenten, die bei Herrn Professor Dehn hören wollten. von den Radaumachern daran gehindert worden sind. Der Be- rusung Dehns Hot der Obertirchenrat und die Fakultät zugestimwl. Aber die Deutschnationalen, die sonst alle Spreu begeistert aus- nehmen, die von der Sozialdemokratie fortfliegt, haben eben ge- glaubt, daß Dehn kein Renegat wäre, und haben dezhalb die Tumulte inszeniert. In solchem Fall darf die Republik keine(schwäche zeigen.(Sehr gut! bei den Sozialöemo- traten.) Die Pädagogischen Atademien haben die Deutschnationalcn im Unterrichtsansschuß neulich überhaupt zumachen wollen, weil wir ja Ueberfluß an Anwärtern hätten. Als ob man die Universi- täten abschlösse, weil wir ein Ueberangebot an Referendaren und Assessoren haben! Aber in der Stellungnahme gegen die Akademien kommt der haß der Reaktion gegen eine gute Zlusbildung der Volks- jchullehrer zum Ausdruck. Wir sind gegen Schließung und Aufnahmesperre der Akademien, um nicht den rcattionären Angriffen auf die Volts- schicklehrerbildung überhaupt Vorschub zu leisten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir kommen in dieser schweren Zeit um unliebsame Maß- nahmen nicht herum. Kein Mensch trifft sie gern; der Minister nicht, seine Beamten nicht, wir alle nicht. Aber deswegen ein Mißtrauensantrag?! Das ruft bei allen Verständigen nur ein Lachen hervor.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frau Dr. Jleumann(Dnat.): Ein Sozialdemokrat als Kultusminister ist für uns schlechterdings untragbar.(Aha! bei den Sozialdemopaten.) Der„religiöse Sozialist" Grimme kann sich in der materialistischen Sozialdetnokratie gegenüber Künstler und Löwenstein doch nicht durchsetzen. Abg. Möller-Halle(Soz.): Die Krawoilc an der Universität Holle waren die Folge einer schamlos unverantwortlichen Parteihetze. Sie wären wahrscheinlich nicht entstanden, wenn man nicht irrtüm- licherweisc angenommen hätte. Dehn sei Sozialdemokrat. Hinter den Menschen und Gelehrten Dehn hat sich die ganze Dozcntenschaft der Universität Halle, hat sich alles gestellt, was in der theologischen Wissenschaft einen Namen trägt. Unter diesen Umständen ist es geradezu ungeheuerlich, daß die Vorrednerin sich zu der Behauptung verstiegen hat, die Verantwortung für diese Studentenkrawalle trüge der Minister. Waren es überhaupt Studenten- k r a w a l l e? In der Hauptsache wurden sie von S A.- L e u t e n gemacht, die in den Krawalltogen zum erstenmal eine Universität betreten haben.(Heiterkeit.) Nach einigen weiteren Erklärungen schließt die Debatte. Die Abstimmung findet oin Freitag statt. Hierauf berichtet Slbg. Leinerl(«oz.) ausführlich über die Beratungen des Geschäftsordnungsausschusses über den Entwurf einer n e u e n G e s ch ä s t s o r d n u n g des Hauses. Ozervorzuheben sind besonders die neuen Bestimmungen zur Einschränkung der Kleinen Anfragen und der Bemerkungen zur Geschäftsordnung sowie die Erschwerung Bcr Herbeiführung namentlicher Abstimmungen. Die bisher für das Plenum vorgeschcnrn Ordnungsbestimmuiuzen find sinngemäß auf die Ausschüsse übertragen. Die'Aussprache über die neue Geschostsordnung wird ous Donnerstag mittag 12 Uhr vertagt. Ladendorff soll vor den Nichter. Der Geschästsordnungsausschuß des Preußischen Landtags be> schäftigte sich am Mittwochabend mit dem Schreiben des Justiz- Ministers über die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abgeordneten Ladendarff(Wirffchaftspartei) wegen Bcr- gehen» gegen§ 314 des Handelsgesetzbuches sowie wegen etwaiger sonstiger Straftaten, die mit der Tätigkeit Ladcndorsfs als Vorsitzen- der des Aufsichtsrots der Berliner Bank für 5)andcl und Grund- besitz in Verbindung stehen. Nach kurzer Beratung entschied sich der Ausschuß für die Er- tcilung der Genehmigung. C. Durchführung der Voltsernährung: 1. Kollek- tiospeisung. 2. Zuteilung von Lebensmitteln a) Ausgabe von Karten, b) Ausgabe der Lebensmittel gegen diese Karten(ohne Bezahlung). Richttimen für Derwaltungsmahnahmen zur Durchführung der Not- Verordnung zur Sicherung der Ernährung der Bevölkerung: 1. Anweisung an die Bürgermeistereien: a) Die Aufstellung der Lebensmittel und der zu Ernährenden(A. 2 und B der Richtlinien) sofort unserer Ernährungsstelle(stehe unten 2) einzureichen, des- gleichen einen Vorschlag, welche Lebensmittelmenge die Gemeinde täglich benötigt, b) Die Kollektivspeisung einzurichten und die Ans- gäbe der Lebensmittelkarten(Hilfskräfte die bisherigen Händler) vorzubereiten. 2. Einrichtung einer Ernährungsstclle zur Verteilung der Lebensmittel auf die Gemeinden.(Hilfskräfte: die Beamten der mittleren Verwaltung: Kreisömter). Wirtschastszerstörung. Richtlinien für eine Notverordnung zur Sicherung de« gegenwärtigen Eigentumsstandes. Bekanntgabe: t durch öffentlichen Anschlag, 2. durch Zustellung an alte Gerichte, Notare, Gerichtsvollzieher, voll- streckungsbemnte. Die Führung der____(Sä., Landeswchren o. ä.) ist ge- zwungen, zur Rettung des Lebens der Bevölkerung über alle vor- handenen Vorräte an verbranchbaren lebensnotwendigen Gegen- ständen, d. h. pratüsch über den gesamten Ertrag des Boltsver- mögens und damit des Vermögens jedes einzelnen Noltsgenossen zu verfügen. E s gibt bis zu anderweitiger Regelung kein Prioateinkommen mehr. Dafür wird der gegen- wärtige Vermögensstand durch Sicherung des Cigentumsstandes und Feststellung der berechtigten Ansprüche sichergestellt. Hierfür sind folgende Maßnahmen anzuordnen: 1. Jede Zwangsvollstreckung wegen Geldforderungen unter- bleibt. Vorgenommene Vollstreckungsinaßnahme» sind aufzuheben. 2. Jede Verjährung von Ansprüchen ist bis zum Ablauf eines Jahres fest Veröffentlichung dieser Verordnung gehemmt. 3. Jeder Zinsenlauf für Geldforderungen ist bis zum Erlaß anderer Bestimmungen aufgehoben. Das gleiche gilt für den Mict- zins für Wohnräume. 4. Dingliche Belastungen von Grundstücken für Geidfordcrungen dürfen bis zum Erlaß anderer Bestimmungen nicht bestellt werden. ö. Jeder Schuldner von Verbindlichkeiten über 1000 M. hat dem für ihn zuständigen Amtsgericht ein Verzeichnis seiner Gläubi- gcr und Schulden einzureichen. Das Gericht hat mit den Gläubi- gern eine Einigung über die Feststellung des Betrages der Schuld zu oersuchen. Mißlingt dieser Versuch, so muß der Gläubiger binnen 2 Monaten gegen den Schuldner Fcstftellungsklage erheben, andern- falls die Forderung erlischt. Feldgerichte. Richtlinien sür die Schaffung eigener Äerwaltungeeinrichtungen. 1. Einrichtung von Feldgerichten zur Aburteilung von Verstößen gegen den„Befehl an die Bevölkerung" und gegen die/ Notoerordnungen, um den Anschein der Willkür zu oermeiden. Ver- einsachtes und beschleunigtes Verfahren in Anlehnung an die StPO. Besetzung: Einzelrichter(Jurist): wenn Todesstrafe in Frage steht, 3 Richter, darunter mindestens ein Jurist als Vorsitzender. 2. Einrichtung einer Verwaltuugsabteilung, die für die vorhandenen Behörden die Ministerien ersetzt und die In- gangsetzung der Verwaltung, die Entlassung und Ernennung von Beamten nach den Richtlinien der Rechtsabtcilung des Gaues Hessen und die Ausarbeitung weiter erforderlicher Notoerordnungen vor- zunehmen hat. Zwangsarbeit. Richtlinien für eine Naiver ordmmg über die nationale Arbeitsdienstpsticht. 1. Jeder Deutsche(nicht Juden usw.) männlichen und weiblichen Geschlechts ist vom 16. Lebensjahr zur Dienstleistung nach Anordnung der Behörden verpflichtet. Aus- genommen ist, wer der----(SA., Landeswchr o. ä.) angehört oder beruflich im Dienste von Behörden steht. Ausnahme wegen iln- fähigkcit nach besonderen Richtlinien. 2. Der Anspruch auf Ernährung gemäß der Notoerordnung zur Sicherung der Ernährung der Bevölkerung(!) ist von der Erfüllung der Dienstpflicht bzw. von der Bereitschaft zu ihr(Appelle) abhängig. 3. Arr, Maß und Organisation der Pslichtarbeit nach den ört- lichen Bedürfnissen, l. In der Produktion. A. Zunächst her dringe, Kien Lebensbedürfnisse(Nahrung. Kleidung usw.). B. In der Perarbeitung vorhandener Rohstoff« zur Schaffung von Außen- handclswerten. II. In der Erhaltungsarbeit: A. an öffentlichen Anlagen(Straßen, Baute» usw.). B. An Privatbesitz(Erhaltung der Wohnhäuse? vis Ersatz für den weggefallenen Mietzins). III. In der Erweiterung des Nahrungsspielranms(Meltorotio- neu usw.). Nr. 553• 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 26. November 4S34 In den Tod gebeieil Opfer der„Clirisfiidien Wissensdiafi"/ Gefängnis Mr die Gesundbcferiu. Das Schosfengerichi Verlin-ZNitle verurieillc die öl jährige Frau Emma kühn, Mitglied der„vierten Kirche E h r i st i", wegen fahrlästiger Tötung zu fechs Monaten Gc- fäugnis. Die Zubilligung einer Bewährungsfrist wurde ab- gelohnt. Frau Emma Kühn, Gattin eines Fischhändlers, litt an B r u st- krebs. Nach gelungener Operation blieb eine Armlähmuiig zurück. Sie wurde Mitglied der„B i c r t e n K i r ch e C h r! ft\", die sich auf die Lehren der(5 h r i st i a n Science ausbaut. Die„Vierte Kirche Christi" lehrt, daß alles Uebel vom Materiellen komme und daß das Geistige alle Leiden heile. Frau 5bühn betete fleißig, wurde gesund und christliche chelserin. Von nun an hatte sie die Aufgab«, Kranke durch G e s u n d b c t c n zu behandeln. Der Chauffeur K a e t h litt seit Iahren an Lungentuberkulose. Er wurde mit Erfolg ärztlich behandelt, auch nach B e c l i ß vcr- schickt; er gewann seine Arbeitsfähigkeit wieder. Im Jahre 1929 er- krankte«r zum zweiten Male. Er wurde ins Krankenhaus Weißensee gebracht, der einst so willig« Patient l>atte sich aber in«ine» störri- schen Menschen verwandelt. Er hatte sich inzwischen den Lehren der „Vierten Kirche Christi" zug«wandt, deren Mitglied er geworden war. Er hielt nichts mehr von ärztlicher Kunst, verlieh das Krankenhaus und b«gab sich zuerst in Behandlung seines Bruders im Glauben der „Vierten Kirche Christi", des Landesinspektors May, dann ging er zu Frau Kühn. Dem Kranken hätte im Krankenhaus noch geholfen werden können. Die Tuberkulose hatte den Kehlkopf ergriffen, er litt auch an einer Rippenfellentzündung: eine elektrische Kauterisierung Hütte der Kehlkopskrankheit Erleichterung bringen, eine Punktierung die weitere Infektion des Organismus verhüten können. Kaeth äußerte aber zum Arzt, die Kehlkopfkrankheit komme vom Krebs, der Krebs sei aber durch den Glauben zu heilen. Frau Kühn besuchte eifrig den Patienten, betete mit ihm, erhielt dafür 3 bis-1 M. wöchentlich, verbot der Frau des Patienten, Temperatur zu messen, veranlaßte, die feuchten Tücher wegzunehmen, die der Arzt verordnet hatte.„Sie versagen Gott die Ehre," sagte sie zu Kaeth. So betete Frau Kühn den Kranken tot. Vor Gericht nannte Frau Kühn ihre Methode Gemüts- h c! l u n g. Sic berief sich auf ihre großen Erfolge und entwickelte vor den Richtern die Lehren der„Vierten Kirche Christi"— allerdings mit wenig Erfolg. Weder Staatsanwalt noch Richter ließen sich überzeugen. Ersterer beantragte ein Jahr Gefängnis wogen fahrlässiger Tötung, das Gericht begnügte sich mit sechs Monaten Gefängnis und sagte in der Urteilsbegründung, daß der ursächliche Zusammenhang zwischen Tod und Bel>andlung der Frau Kühn zweifelsohne vorliege: sie habe ihre Tätigkeit als Beruf ausgeübt und schuldhast nicht die nötige Sorgfalt obwalten lassen, die die Behondlimg der Krankheiten erfordert habe. pelfMenNlebe IM kü»«rgeMeii. Der Skandal von Waldhof.— Der Pfarrer und seine Nazi-Erzieher. Die Ankersuchmig über die skandalösen Vorgänge in der J ü r- sorgeanskall der Inneren Mission Wald hos bei Templin Seht ihrem Ende entgegen. Als vor mehreren Monaten beim Landessugendamt Verlin zahlreiche Beschwerden gegen die Erziehungsmethoden dieser Aürsorgeanstalt einliefen, entsandte Stadtrat Wuhky unverzüglich den Direktor der Anstalt Linden- Hof. Krebs. Krebs vernahm eine große Zlnzohl Zöglinge, stellte geradezu unglaubliche Zustände fest. Mißhandlungen schlimmster Art und legte das Ergebnis seiner Untersuchung i» einem ausführlichen Bericht nieder. Der Bericht wurde auch der Staatsanwaltschaft zugänglich gemacht. Die Stadl Berlin verfügte die Zurückziehung sämtlicher Berliner Zöglinge aus der Fürsorge- anstatt. Die Vonmtersuchung richtet sich gegen den Leiter der Anstalt, Pastor Gr üb er. und gegen 13 Erzieher. Es wird ihnen vorsätz- liche Körperverletzung, zum Teil mit gefährlichen Werkzeugen, zur Last gelegt. Die Zöglinge wurden wegen jeder Kleinigkeit g e- prügelt: bei Fluchtversuchen sollen sie gepeitscht und in einem Keller eingesperrt worden sein: auch Dunkelarrest war an der Tagesordnung. In einem Fall« soll ein Zögling der- artig ins Gesicht geschlagen worden sein, daß er sür immer entstellt ist. Es hat den Anschein, als liege bei einigen von den Er- ziehern eine sadistische Veranlagung vor Zwei Erzieher sollen sich außerdem an den ihnen anvertrauten Zöglingen ver- gangen haben. Die Untersuchung soll im beschleunigten Tempo durchgeführt werden, damit das Gericht in Prenzlau sehr bald Gelegenheit hat, sich mit den skandalösen Zuständen in der Anstalt zu beschäftigen. Es oerlautet, daß auch die Innere Mission von sich aus eine Untersuchung beabsichtige. Jedenfalls waren die Zustände hier viel schlimmer als in der Schleswig-cholsteiner Anstalt der Inneren Mission, Rickling. Die Verhandlung gegen drei Erzieher dieser Anstalt hat seinerzeit mit Gefängnisstrafen geendet. Die Anstalt selbst wxrde a u f g e l ö st. Das gleiche Schicksal dürfte die Tenip- liner Anstalt erwarten. Zu erwähnen wäre noch, daß die Rechtsblättcr, insbesondere der„Angriff", wegen der vom Landesjugendamt Berlin eingistei- tcten Untersuchung seinerzeit großen Lärm schlugen. Das ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, daß ein Teil der Erzieher st a r k nationalsozialistisch eingestellt ist. Revolver in der Schule. Kriegsspielerei in der Fortbildungsschule. Dem.iVorwörts" wird geschrieben: Dos Kriegs- und Reoanchegeschrei der cheim- und Etappen- krieger treibt sonderbar« Blüten. Besonders die Jugend, soweit sie im Nazilagcr steht, scheut sich nicht, Scheintodpistolen und selbst scharf geladene Revolver init in die Schule zu nehmen, um in der Pause damit zu spielen. Ein solcher Fall mit Verhängnis- vollen Folgen ereignet« sich am Dienstag während der Schulstunde in der Kaufmännischen Fortbildungsschule Georgenstraße. Als der Klassenlehrer, der Diplomhandelslehrer Stricker, auf einige Augenblicke das Zimmer verlassen hatte, holten einige Fortbildungs- schlllcr, die mit ihrer Razigesinnung nicht hinter dem Berg hielten, ihre Revolver aus der Tasche und fuchtelten damit herum. Der kaufmännische Lehrling Runge nahm seinem Gesinnungsfreund R ö h r s den Revolver fort, drückte auf den Hahn und verletzte den Schüler Heinz Kauf m a n n am linken Auge. Uebrigens sagte kürz- lich Herr Stricker in seinen: Unterricht: Die Nazis seien ihm sehr s y m p a t h i s ch. Wohin solche Einstellung führt, lehrt dieser Bor- gang. De» Nazibengeis wurden die beiden Revolver abgenommen. Großfeuer in Neukölln. Karosseriewerke brennen- Schwere Arbeit der Feuerwehr. Fn den gestrigen Abendstunden brach in den K«- rosseriewerken der Firma Glaubschat in der Walter- strafte 30 in Neukölln Feuer aus, das sich in kurzer Zeit zu einem Groftfeuer entwickelte. Auf einem großen Gelände befinden sich mehrere Flachbauten, in denen die Wagenwerkstätten, die Tischlerei und ein großes Holz- lager untergebracht sind. Außerdem befinden sich auf dem Platz mehrere Garagen. Kurz nach 21 Uhr loderten aus der Tischlerei plötzlich helle Flammen empor. Das Feuer griff in wenigen Minuten so schnell um sich, daß die alarmierte Feuerwehr, die unter Leitung des Branddirektors P o z d z i e ch anrückte, bereits ein großes Feuermeer vorfand. In aller Eile wurden sechs starke Schlauchleitungen in Tätigkeit gesetzt, um den Brand, der immer größere Dimensionen anzunehmen schien, rechtzeitig einzukreisen. Den angestrengten Bemühungen der Wehren gelang es schließlich, den Flammen Einhalt zu gebieten. Eine Zeitlang waren die an- grenzenden Garagen stark bedroht, diese Gefahr konnte aber abge- wendet werden. Oer Schaden ist erheblich, die Entstchungsursache konnte bisher nicht geklärt werden. Der weithin sichtbare Feuer- schein hatte eine große Menschenmenge angelockt. Die Schutzpolizei mußte Absperrungen vornehmen. Nazis provozieren! Zeiielverieiler belästigen freigewerkschastliche Arbeiter. Seit einigen Tagen wird vor städtischen Betrieben und Arbeitsstätten, in denen vornehmlich freigewerkschafklich organisierte Arbeiter beschäftigt sind, von hakenkrenzlern eine rege Zlugblatlverbreilung betrieben, die von den Belegschofte» als bewußte Provokation aufgefaßt wird. Abgesehen von dem verlogenen und demagogischen Iiihall der Nazislugblätter, holten es die Belegschaften auf die Dauer sür un- erträglich, von den Hitlcrgardistcn dauernd belästigt zu werden. Es haben sich bereits mehrere Zwischenfälle ereignet, die auf das Schuldkonta der Hakcnkrcuzler zu schreiben sind. Als gestern nachmittag bei Betriebsschluß Arbeiter und Angestellte die Städti- schen Gaswerke in der Stralaucr Straße verließen, gerieten sie mit nationalsozialistischen Zcttclvertcilern in eine Schlägerei. Das Ueberfallkommando mußte eingreifen. Zwei Hakenkrcuzlsr und zwei Parteilose wurden der Politischen Polizei übergeben. Vor dem bekannten Konfektionshaus Leineweber in der Fischer- straße, dessen Arbeiterschaft durchweg freigewerkschoftlich organisiert ist, haben die Nazis durch ihr Flugblattvcrtcilcn nur erreicht, daß i die Bclegschajt geschlossener denn se zusammenhält und all« natiu- nalsozialistischen Anbiederungsversuch« energisch abwehren wird. Auch vor der W i t t l e r- B r o t f a b r i k im Norden Berlins haben sich die Hokenkreuzler schon mehrmals eine'Abfuhr geholt. Schweres Unglück im Hamburger Hafen. Hamburg, 25. November. Im hiesigen Hafen ereignete sich ein folgenschwerer Zu- sammenstoß. In der Höhe des Kohlenhafens wurde der Leichter „V o ß f e l d c" der Bugsier-Reederei, ein etwa 399 Tonnen großes Fahrzeug, von dem etwa 599 Tonnen großen englischen Dampfer „L a p w i n g" der General Steam Shipping Co. gerammt. Der Leichter lief sofort voll Wasser und ging unter. Nur noch die Masten ragen aus dem Wasser heraus. Der Park ging in die breite Ringstraße über, in der Ferne hörte man bereits das Rattern der Züge und das Pfeifen der Lokomotiven, die hier den Viadukt überquerten. An der Ecke, die den einstigen Wall, den heutigen Ring, von der inneren Stadt trennte, blieb Weigelt stehen. „Sie sind sofort am Bahnhos", sagte er gepreßt.„Meine Gesellschaft ist Ihnen sicherlich jetzt lästig." Germaine sah ihn an. Wieder schwebte ihr eine hemge Antwort auf der Zunge. Aber als sie das blasse, verzweifelte Gesicht sah, schüttelte sie den Kopf. „Wir sind ja wohl erwachsene Menschen", sagte sie ruhig. „Wir wollen nicht mehr darüber sprechen— es ist sür mich abgetan." Der junge Mensch wollte etwas erwidern, aber er konnte kein Wort mehr herausbringen. Wortlos gingen sie zum Bahnhof. Germaino warf einen Blick auf die Uhr über dem Eingang. „Ja, jetzt müssen Sie gehen. Sie kommen sonst nicht mehr rechtzeitig zur Kaserne" Sie reichte ihm die Hand. Der junge Mensch, immer noch unfähig, zu sprechen, beugte sich über sie, ohne sie zu berühren. Er bemühte sich verzweifelt, die Tränen zurückzuhalten. Auch Germaine stand einen Augenblick stumm. Aber dann siegte ihr gutes Herz über alle Bedenken. Sie legte schwester- lich ihren'Arm um den gänzlich Verwirrten und küßte ihn herzlich auf die Wange. „Sic sieben meinem Bruder nahe", sagte sie leise,„bleiben Sie auch weiterhin sein Freund! Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, daß wie gesund und unverletzt den Krieg überstehen und— daß wir uns wiedersehen!"-- 21. Vor der Bäckerei Reutie in der großen Schiffsgasse standen die Menschen in langer Reihe an. Meist waren es Frauen und Mädchen, den 5korb oder das Einkaufsnetz am Arm. die Brotkarten und den Geldbeutel in der Hand. „Das dauert ja heut wieder ewig, so macht doch mal, ihr da vorn!" schrie eine blasse Frau den am Eingang Stehenden zu.„Die Kinder warten daheim, und wenn mein Mann kommt, will er Essen haben!" Die an der Ladentür Stehenden, ein älterer Mann in abgetragenen Ueberzieher und eine dicke, resolut aussehende Frau, wandten sich uiu. „Sie werden warten können! Erst die Fenster ein- schlagen und alles rausholen, und dann solls gehen wie am Schnürchen! Ich stehe auch schon zwei Stunden, warum sollen Sie's besser haben!"— „Ja, der Unfug heut morgen hat uns das wieder ein- gebrockt. Und lauter halbwüchsige Bengel sind es wieder ge- mesen! Das Geld wird in Zigaretten und Kino angelegt, und dann, wenn sie nichts zu fressen haben— Scheibe eingedrückt und gestohlen. Man merkt, daß die Väter im Krieg sind! Es ist keine Erziehung mehr!" „Einige Fronen lachten höhnisch.„Als ob ihr Männer euch viel um die Kinder gekümmert hättet! Auf uns liegt doch die ganze Last! Wir müssen sie in die Welt setzen und auf- ziehen, ihr doch nicht!"— „Erziehen! Verhauen tut ihr sie, daß sie liegen bleiben � das nennt ihr dann Erziehung!" schrie eine andere. Der Mann wandte sich wieder der Ladentür zu. Dann spuckte er in weitem Bogen auf das Pflaster. „Mit euch Weibervolk mich hier herumzanken..." brummte er. Aber niemand antwortete mehr. Die Frauen sanken wieder zurück in ihr stumpfes Warten. Einige seufzten, andere lehnten sich an die Hauswand oder auf die vor ihnen Stehenden, um die Müdigkeit zu bekämpfen, die unaufhörlich von den Füßen ins Gehirn kroch. Aber plötzlich fuhren alle zusammen. Ein junges Weib sprang aus der festgeschlossenen Menschenrcihe heraus und stürzte auf den Mann am Eingang los. „Wer hat denn den Krieg gemacht, wer hat uns denn in den ganzen Dreck hereingebracht? Ihr seids gewesen, ihr Schweine! Wenn wir Frauen zu bestimmen hätten, dann gäb's keinen Krieg! Und dann noch das Maul aus- reißen, was!" Mit geballten Fäusten ging sie auf den Mann los. Die hinter ihr Stehenden hielten sie zurück. „Aber Frau Gellert!— Ja, was ist denn mit Ihnen. Frau Gellert!" Die Frau sah wild und verstört um sich. Dann schluchzte sie plötzlich laut auf.„Ich halt's nimmer aus! Verrückt werd ich noch von dem ewigen Warten! Warten auf Nachricht von draußen, warten auf das bißchen Fressen, warten, bis alles endlich ein Ende nimmt! Und daheim die vier Kinder! Und da muß man sich hier noch sowas sagen lassen!" Sie weinte verzweifelt. Einige Frauen machten ihr gutmütig Platz und schoben sie in den Zwischenraum. „Da, kommen Sie her, Frau Gellert, wir lassen Sie vor, da kommen Sie schneller dran. Es dauert nimmer lang." Aber die junge Frau schluchzte weiter und ließ sich nicht be- ruhigen. „Sie ist wieder in der Hoffnung. Ihr Mann war vor einem halben Jahr auf Urlaub. Jetzt steht er an der Somme, und sie hat seit 11 Tagen keine Nachricht", flüsterte jemand. „Ich Hab meinen Mann und meine drei Jungen draußen gehabt. Einer ist tot, der andere hat den Arm verloren, bloß der älteste und mein Mann sind noch unverwundet."— „Meine zwei liegen im Lazarett, der eine hat einen Lungenschuß, der andere Gasvergiftung. Und ich muß auch warten und aushalten. Was will man denn machen? Man kann ja nichts machen. Das Heulen nützt doch auch nichts." Die immer noch schluchzende Frau hatte alles gehört. Außer sich wandte sie sich um. „Nichts machen, wir können nichts machen!?" schrie sie.„Wir können schon was macheu! Sa macheu müssen wirs, wie die heut morgen!" Sie deutete aus die zerbrochenen Scheiben.„Dann merken die da oben, was los ist." Einige nickten verstohlen Andere sahen zu dem Po- lizisten hinüber, der scheinbar zufällig au der Ecke stand, die Gruppe aber ständig im Auge behielt. „Seien Sie doch still, Frau Gellert!"— „Sie bringt sich noch ins Kittchen, sie ist ganz ohne Verstand." „Gott sei Dank, eben wird aufgemacht." Die Frauen drängten nach vorn. Der Bäckermeister schloß selbst die Ladentür auf.„Drängt doch nicht so. Ihr kommt ja alle drast— es ist genug da", sagte er beruhigend. Aufatmend nahm Frau Loriot ihre Brotration in Einp- sang. Sie vertrug das lange Stehen nicht, ihr war schwindlig und übel. Und doch vermochte sie nicht, in die Klagen der Frauen um sie her einzustimmen. Es war ihr nicht gegeben. Außerdem fühlte sie eine innere Verpflichtung, als Angehörige des Bürgertums den Frauen der Handwerker und Arbeiter kein schlechtes Beispiel zu geben. Man durste doch denen an der Front nicht in den Rücken fallen. Man mußte die Zähne zusammenbeißen und durchhalten, weiter gab es jetzt nichts. .(Fortsetzung folgt.) Iungbanner wirbt. Republikanische Kundgebung auf dem Wedding. Zu einer höchst eindrucksvollen Aeier hatte am Dienstagabend dos Zungbanner wedding vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold eingeladen, um auch einmal vor fremden und vor Gegnern die Grundzügc der Zungbannerarbeit darzulegen. Der große Saal des„Swinemünder Gesellschaftshauses" war voll besetzt, als der Führer des Jungbanners Wedding, Max Fleck, die sumdgebimz eröffnete. Zunächst wurde der eindrucksvolle Film von der gewaltigen Lerfasjungsfeier im Jahre 192V vorgeführt, der den Anwesenden die Größe und die Disziplin der Reichsbanner- formationen zeigte. Ein Trickfilm, betitelt„Ein Blick ins Dritte Reich", erntete stürmischen Beifall und größte Heiterkeit, nicht zuletzt an den Stellen, die eine vorsorgliche Zensur auszumerzen für gut hielt. Jedesmal, wenn der weiße Fleck an der Leiiuvand erschien, brach ein nicht enden wollendes Gelächter aus. Schade, daß die Herren Zensoren nicht dabei waren. Im Anschluß an die beiden Filme sprach Dr. Theodor Hau dach zu den Anwesenden und forderte die Jungarbeiter aus, dem Jungbanner und dem Bortrupp bei- zutreten. In längeren Ausführungen wies er darauf hin, daß es heute für die Jugend darauf ankomme, sich zu entscheiden und sich mit aller Kraft gegen die faschistische und kommunistische Katastrophen- Politik zu wenden. Das Reichsbanner mahne die Arbeiterschaft zur Abwehr, aber zur disziplinierten, geordneten Abwehr, da mit terra- ristischen Einzelmaßnahmen niemals ein Gegner überwunden werden könne. Nicht zum Raufen, sondern zum Handeln sei das Reichs- danncr da. Im Anschluß an die außerordentlich wirkungsvolle Rede.wurde dann eine R e v iij von Mitgliedern des Jungbanners gespielt, eine derbe politische Satire auf die NSDAP., die starte Heiterkeit?- ausbrüchc auslöste. Der wohlgelungene Abend wurde nach Gründung des Vortrupps Wedding durch eine kurze Ansprache des Borfitzenden Max Fleck geschlossen. Alles in allem war der Abend em voller Erfolg und dürfte dem Reichsbanner manchen neuen Freund und manches neue Mitglied.zugeführt haben. Selbstmord auf der Börse. Bremer Bankdireklor erschaffen aufgefunden. Bremen, 25. November. Gegen Schluß der heuligen Börse erschoß sich in der Bremer Börse der stellverlrelende Direktor Behrens des Bankvereins für Nordwestdeutschland A.-G.. Bremen. Behrens verüble den Selbst- mord in der Börse in der dem Bankverein zugewiesenen Zelle, Indem er sich mit einem Zagdegewehr eine Sngcl in den Kops schoß. Der Selbstmord steht in keinem Zusammenhang zu der geschäftlichen Stellung des Bonkdireklors, was eine sofort ein- geleitete Revision ergab. Die Veranlassung scheint vielmehr in zer- rütleten ehelichen Verhältnissen zu liegen. Klammentod eines Wächters. In der Nacht zum Mittwoch hat der S2jährlge Wächter August Dietrich aus der Tlienicker Straße 8 in Köpenick einen furchtbaren Tod gefunden. Nach seinem Rundgang hotte D., der bei einer Tiesbausirma in der Radickestraße in Köpenick beschäftigt ist/ den Ansenthaltsivagcn ausgesucht. Aus dem Ofen müssen bald darauf unbemerkt glimmende Kohleteilchen in den Wagen gefallen sein, die den Fußboden in Brand setzten. Durch die Rauchgase wurde der Wächter bewußtlos. Das Feuer griff im Wagen immer mehr um sich. Das Feuer wurde entdeckt und die herbei- eilende Feuerwehr konnte Dietrich aus dem brennenden Wagen bergen. Mit einer schweren Rauchvergiftung und Line unglückliche Mutter. Warum lassen sie mir meinen Jungen nicht?"/ Versuchter Totschlag Das Landgericht I verurteilte die S8jährige Dora F. wegen ver- suck)ten Totschlages an ihrem zehniährigen Cohn Horst zu sechs Mo- »aten Eesängnis. Drei Monate der Untersuchungshaft wurden ihr angerechnet, filr den Rest der Strafe erhielt sie Bewährungsfrist. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Als die damals 27iährige Dora F. den 24 Jahre älteren Deko- rateur F. kennen lernte, und seine Wirtschafterin wurde, ahnte sie nicht, daß das Zusammenleben mit dem Manne, den sie lieb ge- wannen hatte, sehr bald für sie zur Quelle unermeßlicher Qualen werden würde. Sie kam in andere Umstände, heiratete F. Der Alters- und Glaubensunterschied— er war Jude, sie Christin—, das verschiedenartige Milieu, aus dem beide stammten, die anders gearteten Charaktere— alles dieses ließ die Ehe unglücklich werden. Die Frau glaubte, daß der Mann sie mit verschiedenen anderen Frauen betrüge, sie bekam zu. wenig Wirtschaftsgeld, der Zank und Streit artete in Tätlichkeiten aus. Die Frau verlieh mit dem Kinde ihren Mann, kehrte aber zu ihm zurück. Der Kleine litt unter den Zwistigkeiten der Eltern, und ergriff nicht selten Partei für die Mutter: im Dezembex 1930 packte die Frau ihre wenige Habe und fuhr mit deni damals zehirjährigen Horst zu einer Bekannten. Das Gericht beließ dem Bater die persönliche Sorge um das Kind. Das war am 16. Februar 1931. Der kleine Horst aber wollte nicht zum Vater zurück.„Horst", sagte die Mutter, wollen wir beide für immer einschlafen?"„Das wäre aber schön", nieinte der Kleine. Sie ging mit dem Jungen von Apotheke zu Apotheke, besorgte sich vierzig Tabletten Noctal, ein Verhältnis- mäßig harmloses Schlafmittel, fuhr nach Tegelort in die Laube des Ehemanns, schrieb hier einen Abschiedsbrief an ihre Mutter:„Ber- zeihe mir, daß ich Dir das antue, ich kann den Jungen nickst her- geben",— setzte ein Testament auf, schrieb einen Brief an die Kriminalpolizei und an den Chef des Mannes, beschuldigte diesen des Diebstahls an seiner Arbeitsstelle, gab dem Knaben 16 Tabletten ein und nahm selbst 20 davon zu sich. Am nächsten Tage fand man Mutter und iistid in tiefem Schlaf. Der Kleine kam ins Jüdische Krankenhaus, die Ncutter in ein anderes Krankenheim, im Mai wurden beide entlassen. Am Tage nach der Entlassung erschien der Junge ganz plötzlich bei der Groß- nnitter: er war ans dem Kinderheim ausgerissen, um die Mutter zu besuchen. Jetzt begann der Kampf der Mutter um ihren Sohn. Horst wollte nicht von ihr fort, der Vater hatte aber das Sorgerecht. Er brachte den Knaben bei seiner Schwester unter, hinderte die Dkutter daran, sich mit ihrem Kinde richtig auszusprechen. Sie holte es heim- lich von der Schule ab, fuhr mit ihm nach Bernau in der erneuten Absicht, mit ihm aus dem Leben zu scheiden, wurde aber von einer Bekannten davon abgehalten und in Untersuchungshaft genommen. Das Kind kam ins Waisenhaus, die Mutter suchte es nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis auf. Der Kampf um den Knabe« dauerte an, der Kleine sehnte sich zur Mutter zurück, und dn August verschwand sie mit ihm aus Berlin. Sie reiste von Stadt zu Stadt. litt Not und wurde schließlich im Rheinland im Oktober verhaftet und erneut in Untersuchungshast genommen. Vor Gericht stand eine unglückliche Mutter. Sie hat ihren Kampf um den Jungen vorläufig aufgegeben. Sie will ihn im Waisenhaus belassen, bis er die Schicke verlassen hat. Der Mann, der keinen so schlechten Eindruck machte, wie man es nack der Schilderung der Frau erwartet hatte, erklärte, daß ihm an der Bc- strafung seiner Frau, mit der er jetzt in Scheidung lebe, nichts ge- legen sei: es sei ihm nur um die Sicherheit seines Sohnes zu tun. Die Frau nahm das Urteil von sechs Monaten Gefängnis an. Wie Goebbels informiert. „Angriff"-RedatteurLippert wegen Beleidigung verurteilt. Der Amtliche Preußische Pressedienst hatte im Frühjahr gemeldet, daß ein Kaufmann H o f m a n n aus Arolsen in Pommern sich als Wanderrcdner der NSDAP, betätige und gegen de» preußischen Staat und das Deutsche Reich hetze. Es sei festgestellt, daß dieser H o s in an n vor dem Schnellgericht in Greifswald wegen Ver- gehens gegen das Rcpublikschutzgesetz zu 3 Wochen Gefängnis ver- urteilt worden sei, von fünf Staatsanwaltschaften gesucht werde und daß der Regierungspräsident von Stralsund gegen ihn dos vor- beugende Redeverbot verhängt habe. Diese Meldung zitierte der„Angriff" des Dr. Goebbels unter der knalligen Ueberschrift:„Sie l ü gen. Der Amtliche P r c u- ßische Pressedienst schwindelt." Der Rcichspropaganda- chcf habe festgesteM, daß es ein Mitglied namens 5)ofma>m über- Haupt nicht gebe. Auch der Amtliche Preußische Pressedienst scheut anscheinend nicht vor unwahren Nachrichten zurück, wenn es sich um die verhaßte NSDAP, handelt. Wegen dieser Notiz hatte Ministerpräsident Braun für die Be- omten des Amtlichen Preußischen Pressedienstes Strafantrag gestellt wegen übler Nachrede und Beleidigung. Das Ermittlmigsverfahren ergab, daß Höfmann tatsächlich ein Jähr lang W a n d e r- redner der NSDAP, war. In der gestrigen Verhandlung vor dem Schöffengericht Ber- lin-Mitte führte der angeklagte verantwortliche Redakteur des„An- griff", Dr. Lippert, zu seiner Entschuldigung an, daß er vom Reichs- propagandaches Dr. Goebbels falsch informiert worden sei. Das Gericht ließ diese Erklärung als M i ld e r u n g s g r u n d gelten und verurteilte Dr. Lippert zu 200 Mark Geldstrafe. Brandwunden wurde er Ins Köpenicker Krankenhaus ge- bracht. Dort ist der Verunglückte bald nach seiner Aufnahme ge- starben. Eine neue Baude im Ricsengedirge. Ilm im Ricsengcbirgc. zwischen den Grenzbäuden und der Schneekoppe eine Ilnterkunftsmöcstichkeit zu schaffen, ist am Fuße der Schwarzen Koppe, in der Nähe der Enunaquelle, die Errichtung einer neuen Baude geplant. Die Baude, mit deren Bau bald begonnen werden soll, wird sicher ein beliebter Stützpunkt für den Wintersportverkehr werden, da die Bauden wegen ihrer hohen Lage. die große Schneesicherheit ermöglicht, von de» Wintersportlern als Onarticre bevorzugt werden. tonvzsönsoßsftllekftreiliiinllerttoiizsnll Generalversammlung des Konsums— 1'/- Millionen Rückvergütung In der am 23. November im Lehrer-Bereinshaus abgehaltenen Generalversammlung der Konsumgenossenschaft Berlin und llingegend gedachte der Aufsichtsratsvorsitzende, Genosse Michaelis, der verstorbenen Genossenschaftsfunktionäre in ehrenden Worten, wobei er die Verdienste des früheren, kürzlich in Hamburg verstorbenen Geschästsführerv Andreas M i r u s be- sonders hervorhob. Bei. der Erstattung des Geschäftsberichts betonte Ge- miffc Paul Lange das trotz aller wirtschaftlichen Hemmungen beträchtliche Anwachsen der Mitgliederzahl, dig im neuen Geschäfts- jähr bereits das zweite Hunderttausend Überschritte» habe. Erfreulich ist die st a r k e Zl n t e i l n a h m e der Frauen an der konsumgenossenschastlichen Organisation, die sich». a. darin bekundet, daß In der Mitgliedschaft die Frauen überwiegen. Kauf- kraftschwnnd und Preisherabsetzungen haben wohl eine wertmäßige llmsatzminderung um 4 Proz. gegeniiher dem Vorjahr herbeigeführt, m e n g e n m ä ß i g jedoch hat der II m s a tz eine erhebliche Steigerung erfahren. So ist beispielsweise der Ilmsatz in Butter mengenmäßig um 4,4 Proz., der. limsatz in Mar- garine um l,9 Proz. gestiegen: wertmüßig ist hingegen in Fett- waren eine llmsatzminderung um 9,1 Proz. eingetreten. Eine starke Beeinträchtigung erfuhr der Ilmsatz in Limonaden und Mineralmassercrzeugnissen. Die Schuld hieran trägt die u n- sinnige Mineral wn ssersteuer, die eiire Verteuerimg der nlkoholsreien Getränke zur Folge hatte und damit zum Nieder- gang des Gewerbezweigcs führte mit dem Ergebnis, daß das Heer der Arbeitslosen um 26 000 vermehrt wurde. Die Wirtschaftsschrumpfung in Verbindung mit erhöhten Belastungen wirkt sich für die Gesamtwirtschast in Mindererlrägnissen aus. Wie jeder einzelne Verbraucher, leidet auch die Genossenschaft unter der Ungunst der Berhällnisse, weshalb die Ilmsatzrückvergütung für das Geschäftsjahr 1930/31 eine Beschränkung auf 2 Proz. erführ. Die Gesamtsumme der Mückvergütirng beträgt 1'A Millionen Marl; sie entspricht einer Berzinsung der von den Mitgliedern eingezahlten Geschäftsguthaben in Höhe von 25 Proz. Mit der Auszahlung der Rückvergütung an die- jenigen Mitglieder, die ihren Geschäftsanteil voll aufgefüllt haben, wird am 7. Dezember begonnen. Am Schluß seines Be- richts erwähnte der Berichterstatter Auslassungen der„Frank- f u r t e r Z e i i u n g", in denen nach einer sachlichen Würdigung des Geschäftsberichts gesagt wird, daß die Konsumgenossenschaft Berlin»nd Ilmgegend die tristen Zeiten gut überstanden habe. Jen Bericht des A» f s i ch t s r a t s brachte Genosse Michaelis den beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern den Dank der Verwaltung zum Ausdruck. Nach einer Aussprache, in der mehrere koinmumstische Vertreter zu Worte kamen, wurde gegen wenige Stimmen dem Borstand Entlastung erteilt sowie die Bilanz und der Verteilungs- plan der Erübrigung genehmigt: nach dem letzteren werden 30 000 Mark dem Reservefonds und 6337 Marl dem Spezial- rescrvefonds überwiesen. Die eigene Zeitung der Genossenschaft wird vom 1. Januar 1932 ab— hierzu erteilte die Gencralncrsammlung ihre Zustimmung— unter dem Titel „K o n s u m g e n a s s e n s ch a s t l i ch e s V o l k s b l a t t" erscheinen. Zum Punkt Borstandswahlen dankte Genosse Michaelis den aus ihrem Amte scheidenden Genossen Hille und Schreiber für ihr« langjährige Tätigkeit im Dienste der Genossenschaft(Genosse Hille tritt in den Ruhestand, Genosse Schreiber wird an anderer Stelle der Genossenschaft seine Kräfte widmen). Für die sreigewordcnen Borstandsämter brachte der Aussichtsrat in Borschlag die Genossen Albert Böhm- Dresden und Otto Haackc-Köln am Rhein. In längeren Ausführungen äußerten sich die Borgeschlagenen in grundsätzlicher Weise zu den wichtigsten genossenschaftlichen Fragen. Es gilt die Wirtschaft- lichkeit der Genossenschaft zu sichern, wobei aus die ilnterstützung der genossenschaftlichen Körperschaften und der Be- legschast gerechnet wird. Am Grundsatz parteipolitischer Neutralität ist festzuhalten: Meinungsverschiedenheiten können stets in fach- licher Weise ausgetragen werden. Die Erstarkung der genossen- schaftlichen Organisation wird dazu führen, die lleberlegcnheit der genossenschaftlichen Wirtschast über die auf Profit gerichtete Privat- wirtschast darzutun und der Gemcinwirtschaft die Zukunft sichern. Gegen knapp ein Dutzend Stimmen kommunistischer Vertreter wurde von der Generalversammlung die Wahl der Genossen B ö h m »nd Haacke zu Borstandsmitgliedern vollzogen. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden 292 Stimmen abgegeben: 264 Stimmen eicksielen auf den Vorschlag der Gruppe„G e n os s e» sch a fts au f b a u", 28 Stimmen er- hielt ein kommunistischer Wahloorschlag. Gewählt sind sämtliche Kandidaten der Vorschlagsliste„Genossensckaftsaufbau", und zwar: Gustav Kugner, Walter Wisch, Emil Buchholz, Daniel Börckel, Karl Paulus, Georg R ü b e k o h l und Arthur Krienke: als Ersatzpersonen: Emil Parlow, Oskar Witzle, l�isbeth S p r a f t e, Karl Tangermann, Margarete Köhler. Elvira Krüger und Emma Mathias. Die Generalversammlung stimimc sodann einer neuen Formulierung der Sparkassenordnung zu, die am 1. Dezember 1931 in Kraft tritt. Rehkarten der Reichsbahn. Eine begrüßenswerte Neuerung. ?lm 1. Januar 193? wird die Reichsbahn N c h- und Sezirkskarten cinsühreu. Zur Bildung von Nelzkarlen ist das gesamte Reichsbohngebiet in Zusammenarbeit mit den interessierten Verbänden in 16 Gebiete eingeteilt worden, die sich zum Teil überschneiden und von denen jedes etwa 6690 Silometer umfaßt. Ein solches Teilgebiet kann auf Netzkarten nach Art der Zeil- karten zu einem Pauschalbetrag ausgegeben und beliebig häufkg bereist werden. Ueber diese Gliederung hinaus werden die Reichs- bahndirektionen in ihren Wirtschaftsgebieten eine Unterteilung nach Bcrkehrsgebietcn kleineren Umfangs vornehmen. Solche Ge- biete können niit Bezirkskarten bereist werden: sie sollen je nach Bc- darf einen Streckenumfang von etwa 600 Kilometern oder 1000 Kilo- Metern umfassen bei einer durchschnittlichen Lustlinienentsernung zwischen den äußersten Endpunkten ihres Gcltungsgcreichs von etwa 75 Kilometern oder 100 Kilometern. Netz- und Bezirkstarten werden als Monatskarten ausgegeben ohne Bindung an den Kalondcr- monat. Es ist also möglich, Karten von jedem beliebigen Lösungs- tage ab einen vollen Monat zu benutzen. Außerdem werden Be- zirkskarten auch für eine Kalenderwoche als Bezirksteilmonatskarte.i ausgegeben. Die Netzkarten gelten für alle Züge, also auch für Schnellzüge. LI)-, FFD- und Luxuszüge können gegen Bezahlung der besonderen tarifmäßigen Zuschläge dieser Züge ebenfalls benutzt werden. Die Zahlen in Klammern sind die Preise bei Benutzung der 2. Klasse. Als Preise für die Netzkarten sind in Aussicht genommen: für die 3. Klasse 100 M.(130 M.). Für die Netzkarten des wesentlich kleineren Netzes Ostpreußen soll der Preis in der 3. Klasse auf 63 M. (82 M.) angesetzt werden, außerdem wird für Ostpreußen in Ber- bindung mit Berlin eine Netzkarte zum Regelprcis van 100 M. (130 M.) ausgegeben. Schauspieler schaffen sich ein Abenöheim. Der Notbund Deutscher Bühnenangehöriger e.V. hat in den vorderen Restaurationsräumen des„T i n g e l- T a n g e l", Kant- straße 12, eine Gaststätte für Schauspieler eingerichtet. Hier sollen Schauspieler für billiges Geld zu jeder Nachtzeit— das Lokal ist vorderhand nur als A b e n d h e i m gedacht und laut polizeilicher Genehmigung von 8 Uhr aöends bis 6 Uhr morgens geöffnet— eine gute Küche vorfinden: wie oft kommt es vor, daß ein Künstler mit dem letzten Zug müde und abgehetzt aus tstnem Engagement kommt und heilfroh ist, noch einen Teller warmer Suppe zu bc- kommen. Für später ist auch an die Ausgabe von Mittagessen zum Preise von 60 bis 70 Pfennig gedacht, hierfür soll der angrenzende Schlaraffia-Saal, der 200 Personen faßt, dazugenommen werden. In einfach, aber behaglich ausgestatteten Räumen, deren Wände gute Bilder schmücken, die um Kauflustige werben, sitzt das ach so ernst gewordene Völkchen von Brettl und Bühne beisammen und diskutiert eifrig Existenzfragen. Ab und zu fliegt auch einmal ein Witz auf und der geknebelte Frohsinn bricht durch: dann gibt es Besuch eines Prominente», alles atmet die lebensbejahende Atmo- sphäre des Siegreichen und neu belebt hofft man, vielleicht... PHogo Deinen Hcls täglich... gurgle trocken mit es gehört das zur Hygiene wie das Putzen Deiner Zähne? Jlr. 553• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 26. November 4934 Kaufkrastmord? Glänzende Ausfuhreniwicklung der Gummi-Industrie— und doch Lohndruck? Die deutsche Gummi- und Gummiwareninduslrie hat trotz ZIeltwtrlschaftskrise eine mengenmätzig glänzende Ausfuhrenlwick- !ung. Der wichtigste Rohstoff, der Kautschuk, ist von allen Roh- stofsen am stärksten im Preise gefallen und hat den überwiegenden kiostenanteil. Er kostete im Oktober ISZl nur noch ein Dierzehntel des Preises von ISlZ und ein Zwanzigstes des Preises von lg25. So muhte der Wert der Gummiwarenausfuhr sinken: das bedeutet aber nichts für die Gewinne. Die Ausfuhr in den letzten Monaten Z?Z1 ist mengen mäh ig höher als in dem hochkunjunklur- jähr lSZS! Ausfuhr Ausfuhr tu Millionen in 1000 Doppel- Mark Zentner ISlZ 127,5 192 1925 95.0 154 1927 102.4 164 1928 114,7 187 1929 131,1 225 1930 113,7 215 Monatsdurchschnitt 1929 10,92 18,75 1930 9,47 17,9 1931(10 Monate)) 7,7 16,65 August...... 1931 7.4 16,9 September.... 1931 8,4 19,2 Oktober..... 1931 8.1 19.4 Die Einfuhr ist stark zurückgegangen.- sie betrug in den ersten neun Monaten des Jahres 1930 27,8 Millionen, für die gleiche Zeit des Zahres 1931 jedoch nur 17,5 Millionen Mark. Ein Einfuhr- iückgang von 38 Prozent! Die Löhne haben also die deutsche Industrie nicht gehindert. die Konkurrenz zu schlagen. Dennoch will man eine starke Lohn- scnkung! Dabei ist der Lohnanleil minimal, besonders in der De- reisungsiadustrie. Räch amtlichen Zeststellungen kamen Auf Löhne und Gehälter Auf Rohftofflosteu ........ 8,4 Proz. 67,4 Proz. ........ 8.1. 58,0 ,. ........ 9.2. 57,3„ ........ 9.3. 51.5„ ........ 9.0. 55,5„ 1925 1926, 1927, 1928, 1929, Der Lchnanleil ist 1929 trotz Lohnsteigerungen noch gesunken. Und doch sollen hier noch Löhne gesenkt werden. Das wäre b e- wuhter Kaufkrastmord! Dividende für Siemens. perfonalveränderung im Vorstand. In der am Mittwoch abgehaltenen Aufsichtsratssitzung des Siemens-Konzerns wurde zur Betriebslage berichtet, dah der Tiefstand des Beschäftigungsgrades noch nicht erreicht sei. Es wird für die nächsten Monate ein weiterer Rückgang der Export- Möglichkeiten befürchtet. Im allgemeinen war die Situation im Schwachstromgeschäft bester als in den Slarkstrombetrieben. Trotz der undurchsichtigen Lage wird die Schwachstromgruppe des Konzerns, die Siemens u. halske A.-G., auch für 1930 31 eine Dividende verteilen. die allerdings gegenüber dem Vorjahr erheblich gesenkt wird.— Ueberraschcnd kommt der Rücktritt des Generaldirektors Dr. Franke, besten Wahl zum Ausjichlsrat auf der kommenden Gene- ralversammlung vorgeschlagen wird. Ob der Rücktritt von Dr. Franke durch persönliche Differenzen oder durch Krankheit bedingt ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Den Posten des Generaldirektors übernimmt Dr. von Buol. Die neuen Zieichsbahnausträge. Soll weiterer Lohnabbau die Ankurbelung verhindern? Der Verwaltungsral der Deutschen Reichsbahn hat in seinen Sitzungen am Montag und Dienstag Beschlüsse über die Der- . wendung der Reichsbahnanleihe gefaht. Insgesamt werden auher- ' Mb des normalen veschaffungsprogramms zusätzliche Aufträge im Werte von rund 250 Millionen Mark vergeben. Unter l'.erückflchligung des Bedarfs der Reichsbahn bat der Der- waltungsrat bei der Vergebung der Austräge in erster Linie die Wirtschaftszweige berücksichtigt, bei denen eine möglichst protze Zahl von Reueinstellungen zur Durchführung der Austräge , stallfindet. Zm einzelnen verteilen sich die neuen Aufträge auf folgendes Material: Mill. M. Oberbau(Schienen, Schwellen. Kleineisen. Sleinscholter) 80 Reubaulen(darunter Elektrisierung der wannseebahn). 59 Sonst Bauanlagea(Sicherungsanlagen.Brücken.Gebäude) 60 Fahrzeuge(Lokomotiven. Waggons. Kraftwagen).... 35 Fahrzeugoerbesserungen............... 12 Maschinelle Anlagen 1 250 Auf die einzelnen Industrien entfallen folgende Auftragsmengen- Eisen, und Stahlindustrie 51.5 MM. Mark, Maschinen- und Fahr- euabau 59 Mill. Mark, Industrie der Steine und Erden 16,5 Mill. Mark. Baugewerbe 94,5 Mill. Mark. Elektroindustrie 5,3 Mill. Mark! Holzindustrie 8.1 Mill. Mark. Hierzu kommen noch zusätz- llche Lohnaufwendungen der Reichsbahn für den Einbau des Ober- Baumaterials und die Werkstättenarbeiter. Für den Lokomotiv- und Waggonbau, der wegen gänzlichen Ar- beit-mangels in letzter Zeü zu Masteustillegungen schreiten mutzte. sind für das Jahr 1932 Gesamtbestellungen in 5iöhe von 75 Millionen vorgesehen. Hiervon entfallen 17 Mill. Mark aus den Dampflokomotivbau. 48 Mill. Mark auf den Waggonbau und ' lö Mill Mark aus den elektrischen Lokomotivbau. Die Zuteilungen von 35 Mill. Mark bei der Vergebung der Aufträge aus der Reichs- bahnanleihe sind in dieser Gesamtsumme für den Fahrzeugbau ent- halten. Das neue Auftragsprogramm der Reichsbahn wird, wenn auch in beschränktem Umfang, die Wirtschaft beleben oder zum min- destcn den verheerenden Schrumpfungsprozeß auf- halten. Will die R e i ch s r e g i e r u n g die belebende Wirkung dieser Reichsbahnauftrüge, die erst durch große Steueropfer des Reichs ermöglicht wurden, durch eine neue Lohnsenkungswelle wieder zunichte machen. oder wird sie sich endlich dazu aufraffen, durch gleichzeitige Preissenkung diese von den Reichsbahnausträgen ausgehe, rde Anfangsbelebung zu einer fühlbaren Ankurbelung der Wirtschaft zu benutzen? I�eichsbank am 2S. November. Der Reichsbankausweis vom 23. November zerstreut einiger- maßen die Bedenken, die man in der Vorwoche haben konnte. Die Kreditentlastung war im November so stark, daß die Be- anfpruchung zum Oktoberende schon mehr als ausgeglichen ist. Die Gold- und Devisenverluste betrugen in der vergangenen Woche — wir teilten das gestern schon mit—„nur" 13,7 Millionen Mark. Die Bestände an Handelswechseln gingen um 126,4 auf 3655 Mill. zurück, die an Lombarddarlehen nahmen um 5.6 auf 119 Millionen zu. Die Bestände an Reichsschatzwechseln blieben gering. Fremde Gelder auf Girokonto vermehrten sich um 17,6 auf 424,4 Millionen. Der Notenumlauf verringert« sich um 176,3 auf 4277,2, der Umlauf an Rentenmarkscheinen um 4,9 auf 408,6 Millionen. In der vergangenen Woche wurde wieder für 29,4 Millio- nen Mark Gold verkauft: die Goldbestände verringerten sich auf 1008,6 Millionen Mark. Dagegen nahmen die Devisen- b e st ä n d e um 15,7 auf 176.5 Millionen zu. Die D e ck u n g der umlaufenden Noten durch Gold und Devisen verbesserte sich gegen die Borwoche von 26,7 auf 27,5 Proz. Montanbilanz Nr. 3 Hoesch-Konzern 5,8 Millionen Mark Verlust. Nach Klöckner und der Gute Hoffnungshutte A.-G. veröffent- licht jetzt als dritter Montankonzern die Stahl- und Zechengruppe Hoesch-Köln-Neuessen ihren Abschluß für das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1930 31. Im Gegensatz zu Klöckner und der Gute Hofsnungshlltte A.-G. hält Hoesch an st arten Abschreibungen fest, da es ihm bei seinem sehr hohen Reservebestand ein leichtes ist, den ausgewiesenen Verlust aus den Reserven zu decken. Avschreibungen und Sonderrllcklagen werden mit 13,6 Millionen Mark ausgewiesen und liegen noch um 1,2 Millionen über dem Stande des vorher- gehenden Jahres. Der im wesentlichen durch diese scharfe Ab- schreibungspolitik errechnete hohe Verlust von 5,8 Millionen wird durch Inanspruchnahme der Reserven, die mit ihrem offen ausgewiesenen Bestand fast 50 Millionen Mark erreichen, abgedeckt. Der Geschäftsbericht wird erst Ende der Woche veröffentlicht. Krenier-Indianer ist schwach geworden. Die Ursachen für die Zahlungsunfähigkeit der Krenter-Zi» g a r r e n- W c r k e G. m. b. H. sind noch nicht ganz geklärt. Es scheint aber festzustehen, daß sich hier einmal die Sünden einer spekulativen Rationalisierung schon nach sehr kurzer Zeit herausgestellt haben. Dieses Unternehmen hatte- zum ersten Mal« in Deutschland die Zigarrcnfabrikation mit teuren amerikanischen Maschinen versucht. Trotz der großzügigen Jndianer-Reklame ist offenbor der Umsatz nicht erreicht worden, der eine Ausnutzung der Maschinen gewährleistete. Aber Zinsen und Tilgungsraten auf die auf Kredit gekauften Maschinen werden zu einer erdrückenden Last, wenn diese nicht voll ausgenutzt werden. Außerdem sind wohl auch die Vorteile der maschinellen Fabrikation gegenüber der Hand fabrikation überschätzt worden. Der Verglcichsoorschlag sieht volle Befriedigung der Gläubiger vor: diese müssen sich aber mit einem langfristigen Z a h I u n g s- a u f s ch u b und einer 6-prozentig.cn Verzinsung ihrer Forderungen zufriedengeben. Die holländischen Tabaklieferanten(rund eine Million Forderungen) sollen sich einverstanden erklärt haben. Herr K r e n t e r s c l b st hat aus Tabaklieferungen an die G. m. b. H. eine Forderung von 2,2 Millionen Mark, die erst nach Befriedigung der anderen Gläubiger gezahlt werden soll. Auch in« Zigarrcn-Handel häufen sich jetzt die Schwierig- keiten. Zweifellos ist der Handel mit Tabakwaren übersetzt: dazu ist der Umsatz infolge der gesunkenen Kaufkrast um 30 Prozent zurückgegangen. Die Berliner Finna Richter u. Franke G. m. b. H. hat die Zahlungen eingestellt, nachdem schon die Magdc- burger Handelsfirma Linder u. Winterseld(40 Filialen) in Schwierigkeiten geraten war. Einigung Telesunken und Philips. Die TelefuAken-Gesellschaft für drahtlose Telegraphie teilt mit: Zwischen den beiden größten europäischen Gesellschaften auf dem Radiogebiet, Telesunken- Gesellschaft für drahtlose Tele- graphie m. b. H., Berlin, und N. V. Philips' Gloeilampeu- fabrieken, Eindhoven, sind Vereinbarungen getroffen worden, die ein« enge Zusammenarbeit, besonders in bezug auf die technische Entwicklung anstreben. Zu diesem Zweck sind Abmachungen über die Benutzung der Patentrechte beider Firmeiz getroffen werden. Ferner soll in gemeinschafllicher Arbeit die Rationalisierung der Herstellung und des Vertriebes durch Verringerung der Typenzahl, Auswechsel- barkeit und ähnliches angestrebt werden. Infolge dieser Verein- barungen sind die zwischen den Firmen schwebenden Prozeß- streit-igkeiten beigelegt worden. Die Verabredungen be- ziehen sich nicht allein aus die Heimatländer der beiden Firmen, sondern umfassen praktisch die ganze Welt. Erfolgreiche Geschästspolitik bei Schuhfabrik Linzel. Die große Erfurter Schuhfabrik Eduard Linzel A.-G. hat das am 30. Juni abgeschlossene Geschäftsjahr 1930-31 verhältnismäßig gut überstanden. Der Rückgang des Umsatzes, der durch die scharf ab- sinkende Kaufkraft der Bevölkerung eintrat, konnte durch fabrikato- rische Umstellung aus billige Marken aufgehalten werden Mengen- lpäßig betrug er 6,8 Proz., wertmäßig allerdings rund 11 Proz. Von dem Reingewinn von rund 145 000 Mark wird keine Dividende verteilt, sondern der Ertrag zu Rückstellungen und zum Vortrag auf neue Jahresrechnung verwendet— Weniger günstig scheint die gleichfalls in Erfurt arbeitende«chuhfabrik Heß abge- schnitten zu haben. Jedenfalls sieht sich dieses Unternehmen ver- anlaßt, von Berlin abgesehen,'sämtliche eigenen Vertaufsläden wieder aufzugeben, da diese sich bei dem anhakenden Umsatzrückgang nicht rentierten. 0�2 OJtf sn. ä&e TcvSflS vt" ov. TvS soft" fcatA sali?« atf ss*VX' 0,0 � es - SUT&C- Vundesausschiiß des ANSI, zur Lage. Jede wettere Lohnsenkung ist wirischastlich verhängnisvoll. Gestern trat der Bundesausschuß des ADGB- im Berliner Gewerkschaftshaus zu seiner zweiten Tagung zusammen, um zu der Erklärung des Reichskanzlers SteUuiwj zu nehmen, m der er vom Standpunkt der Reichsregierung aus am Montag die Verhandlungen des Wirtschastsbcirates zusammenfaßte. Celpart gab bei Eröstnung der Beratungen sofort Graß- mann das Wort, der zusammen mit Eggert den ADGB. im Wirtschaftsbeirat vertreten hat. (BraßmMm betonte einleitend, daß der Wirtschastsbeirat infolge seiner unparitätischen Zusammensetzung selbstverständlich gar nicht in der Lage war. Beschlüsse zu fassen. Die Leitsätze, die der Reichskanzler in der Schlußsitzung des Wirtschaftsbeirates vortrug, sind daher in keinem Sinne Beschlüsse des Wirt- schaftsbeirates, sondern Folgerungen, die die Reichsregierung aus den Arbeiten der Ausschüsse des Wirtschastsbeirates gezogen hat. Weder die Vertreter der Gewerkschaften noch auch, sicherem Ver- nehmen nach, gewisse Vertreter anderer Wirtschaftskreisc dächten daran, ihre Unterschrist unter diese Leitsätze zu setzen. Grahmann gab dann in großen Zügen einen Bericht über die Verhandlungen des Wirtschastsbeirates, der ein anschauliches Bild von den unvereinbaren sachlichen Gegensähen bot, die im Laufe der Beratungen klar zutage traten. Während sich z. B. der M i t t e l st a n d(Handwerd und Kleinhandel) im eigenen wohlverstandenem Interesse gegen weitere Lohnsenkun- gen wandten, bekannte sich die Industrie, unter dem ständigen Hin- weis aus die absolute Notwendigkeit, den deutschen Export kon- kurrenzfähig zu erhalten, mit größter Entschiedenheit zu einer weiteren Senkung der Löhne und Gehälter. Die Lohnsenkung sei um so eher zu oertreten, als eine Vorleistung der Preise bereits erfolgt sei; schon seit geraumer Zeit sei ein Absinken der Preise festzustellen. Die Löhne seien überdies in den meisten Konkurrenzländern niedriger als in Deutschland. In den Ländern, die bisher günstiger gestellt seien, sei aber durch die Abkehr von der Goldwährung ein Sinken der Löhne zu erwarten. Die Tarife müssen so gestaltet werden, daß sie regional, branchenmäßig oder betrieblich den Erfordernissen der Wirtschaft leichter angepaßt wer- den könnten Unvermeidlich sei auch der Verzicht auf den staatlichen Schlichtungszwang. Gegenüber dieser Auffassung, die von den Unternehmern nicht erst seit gestern vertreten wird, haben die Vertreter der Arbeiter und Angestellten entschieden, und im großen und ganzen durchaus einheitlich die Auffassung der Gewerkschaften zum Ausdruck gebracht. Sie haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sse nicht daran glauben, daß in den Kreisen der Unternehmer eine Bereit- schaft vorhanden sei, frei vereinbart« Tarifverträge abzuschließen. In einer wirtschaftlichen Notzeit wie der jetzigen, muß der Staat, wenn anders er feine soziale Aufgabe erfüllen will, verhüten, daß die Lebensbedingungen der Lohn- und Gehalteempfänger noch un- erträglicher werden, als sie es jetzt schon für den größten Teil der Arbeiter und Angestellte� sind.» Es komme auf den Reallohn an. Da die Preissenkung aber durch den Lohnabbau mehr als aus» geglichen sei, könne man schon für die vollbeschäftigten Arbeitnehmer von einem Sinken des Reallohnes sprechen. Erst recht gelte das für die Kurzarbeiter. Diese Schwächung der Kaufkraft hat dt« Lage des Binnenmarktes hoffnungslos ver- schlechtert. Der Binnenmarkt Ist aber ungleich wichtiger als der Auslandsmarkt, so wichtig die Ausfuhr auch ist. Nichte sei in den letzten Jahren gegen die unerträglichen Preisspannen geschehen. Gegen ausländische Schutzzölle ist die Lohnsenkung eine ganz un- geeignete Abwehrwaffe. Die Ursachen der wirtschaftlichen Not in Deutschland seien ganz anderer Art. Sie können mit diesen Mitteln nicht behoben werden. Dede weitere Schwächung der Saufkraft müsse im Hinblick aus ihre wirlschafllichen. sozialen und politischen Folgen aus das schärfste bekämpft werden. Eggerl ergänzte den Bericht Graßmanns. Die Frage steht so, ob Deutschland den Weg derJnflation gehen kann oder nicht. Luther hat sich mit äußerster Energie gegen den Gedanken einer neuen Inflation gewandt. Der Kampf um diese Frage endet« im Wirtschaftsbeirat mit einer Zusicherung von Krediten, wenn konkrete und sicher« Aufträge vorlägen. Die Regierung schätzt den Anteil der Löhne und Gehälter am Sozialprodukt auf 70 Proz. Nicht nur in der Konsumindustrie, auch in der Produktionsindustrie maichele es an Absatz. Demgegenüber wurde von den Gewerkschaftsvertretern auf die Ausfuhr ver- wiesen, die weder mengen- noch wertmäßig einen nennenswerten Rückgang aufweis«. Der Kampf der Gewerkschaften geht um die Erhallung und Steigerung des Reallohnes. Bis zu einem gewissen Stadium der Verhandlungen schien auch bei manchen Persönlichkeiten der gegnerischen Seit« Verständnis für diesen Standpunkt zu bestehen. Von einem bestimmten Zeitpunkt der Beratungen an wurde die Grundlage der Aussprache im Wirt- schaftsbeirat verschoben. Es stand nicht mehr zur Diskussion, o b, son- dern wie die Löhne gesenkt werden könnten. Gegenüber dieser neuen Fragestellung erklärten die Gewerkschaftsvertreter, daß ein« Verhandlung darüber für sie überhaupt nicht in Frage komme. Die neue Fragestellung wurde dann dahin präzisiert, daß man entweder bei der Festsetzung der Löhne auf den Stand des Lohnes eines früheren Jahres, etwa 1027, zurückgehen, oder eine prozentuale Lohnsenkung vornehmen, oder die Parteien zu neuen Tarifverhandlungen bringen müsse, und. wenn keine Verständigung erzielt werde, vor dem Schlichter die Entscheidung herbeizuführen sei. Diese Debatte wurde von den Gewerkschaftsvertretern mit der Erklärung abgebrochen, daß sie keine Abmachungen üb� die Lohnbedingnngen treffen könnten, das sei Aufgabe der Verbände. Die Kontroversen im Wirtschastsbeirat haben gezeigt, daß die Anwesenheit der Ver- tretcr des ADGB. zur Abwehr der Unternehmerpläne notwendig gewesen sei. Leipar« eröffnete die Aussprache und wies darauf hin, daß der Bundesvorstand sich nur unter schweren Bedenken zur Teil- nahine an den Verhandlungen des Wirtschastsbeirates entschlossen habe. Der Reichswirtschastsrat sei übergangen worden, obwohl er für diese Aufgabe zuständig gewesen wäre. Di- unparitätische Zusammensetzung des. Wirtschastsbeirates aber zeige schon die ein- seitige Einstellung der Reichsregierung. Die Aussprache wurde eingeleitet durch einen kurzer� Bericht eines Mitgliedes des Vorstandes der Reichstagssraktion über die Verhandlungen des Fraktion s Vorstandes mit Brüning. In der Auesprache wurde anerkannt, daß die Vertreter des Bundesvorstandes den Standpunkt der GeweiLschaften mit Entschiedenheit vertreten haben. Die Verhandlungen im Wirtschafts- Heirat haben über Hastung und Absicht der Umernehrner nichts Neues gelehrt. Diese wollen zurück auf das Lohnniveau von 1927 und womöglich auf einen noch niedrigeren Stand des Lohnes. Di« Gewertschaften haben sich aber nicht nur gegen die Haltung der Unternehmer zu wendeit, sondern mit gleicher Schärf« gegen die Reichsregierung. Die Regierung hält sich nicht an die feierlichen versstlierungen. die ihre Vertreter bei verschiedenen Gelegenheiten abgegeben haben. Die Gewerkschaften aller Richtungen inüssen dieser zweideutigen Hal- tung der Regierung ihren entschiedenen Widerstand enzfgegensetzen. In diesem Zusammenhang wurde von verschiedene»? Verbandsvertretern darauf hingewiesen, daß«ine Reihe vo? Streiks, die unter gewerkschaftlicher Führung in der letzten Zeit durchgeführt worden sind, deutlich zeigen, daß �i« Gewerkschaften keineswegs gesonnen sind, auch unter den gegenwärtigen Umständen auf das letzte Kampfmitiet zu verzichten. Die von der Regierung gezogenen Schlußfolgerungen aus den Beratungen des Wirlschaftsdeiraies sind«ine«inseitige Wiedergabe der Ansichten der Unternehmer. Diese Ansichten hat die Regierung sich zu eigen gemacht. Eine Senkung der überhöhten Preise muß ohne Lohnsenkung durchgeführt werden. Das zur Erörterung stehend« Problem muß im Rahmen der gesamten Wirtschaftspolitik betrachtet werden. Die wirtfchafts- politische These der Regierung lautet:„Ein armes Land muß billig fein/ Diesen Weg, den Weg der Deflation, können die Gewerk- schaften nicht mitgehen, denn er ist verhängnisvoll. Er be-- deutet die Auswertung aller Schuldverpflichtungen. Eine solche Erhöhung der Unkosten wird schließlich auf die Arbeiterschaft abgewälzt. Deflation bedeutet ferner, daß Deutschland dem Jnslationsdumplng des Auslandes hos Lohn dum- p i n g entgegensetzt Das aber heißt wieder alle Lasten aus die Arbeiter abwälzen. Das Ausland sperrt sich durch Zölle mehr und mehr ab. Dieses Mo- ment knuß bei der Gestaltung der Wirtschaftspolitik der Arbeiter- bewegung beachtet werden Die Handhabung der Verbindlicherklärung, die heute üblich ist. läuft glatt darauf hinaus, die Gewerkschaften iu den Fällen zu binden, in denen sie st a r k genug wären,«inen Angriff auf den Lohn abzuwehren. In allen anderen Fällen aber führt sie zur Preisgabe der Tarifverträge. Gegen das im Reichs- arbeitsministerium herrschende Bestreben, auf d em B e r w a l- tüngswege in geltende Tarifverträge einzu- greifen, wendet sich der Bundesaueschuh mit größter Entschieden- heit. Unter keinen Umständen darf sich die Regierung dazu hergeben, den Unternehmern zu einem Vorgehen gegen bestehende Ver- träge den Weg zu ebnen, wenn dies« geltend machen, daß die„Ver- änderung der GeschäftSgrundlagen" eine Aenderung der Verträge bedingen. Die Aussprache ergab, daß die Vertreter der Verbände der einmütigen Ueberzeugung sind, daß der von der Regierung in der Erklärung de« Reichskanzler« vorgezeichneke Weg unter keinen Umständen beschritten werden darf. Er führt unvermeidlich zu einer Verschärfung der Wirtschaft- lichen Notlag« und einer Zuspitzung der politischen Situation. Einstimmig nahm der Bundesauefchuß hierzu eine Eni- schließung an, die wir an anderer Stell« veröffentlichen. Anschließend nahm der Bundesausschuß in folgender Eni- schließung Stellung zu der geplanten Aushebung de» verbat« der Rachtarbeii in den Bäckereien. „Der Bundeiausschuß des ADGB. erhebt in letzter Stunde schärfsten Prot« st gegen die von der Reichsregierung ge- plant« Aufhebung de» Verbot» der Nachtarbeit in den Bäckereien. Durch die Zulassung der Nachtarbeit in wenigen Grohbäcke- reien, die für die gesamte Brotproduktion ohne Bedeutung sind, weil über 00 Prozent der Brotoersorgung von den Mittel- und Äieinbäckereien erfolgt, kann, wie einwandfrei und unwider- sprachen nachgewiesen worden ist, keine Senkung des Brotpreises erfolgen. Nicht durch die Zertrümmerung eines hochwichtigen Arbeitsschutzgosetzes kann eine Preisermäßigung für Brot erreicht werden, sondern durch die Herabsetzung der überspannten Zölle auf Brotgetreide." Die Debatte über die zu erwartende Notverordnung entwickelte sich zu einer Aussprach« über die politischen Konsequenzen, die sich ergeben könnten, wenn die Regierung fortfährt, die Lasten aus der Krise einseitig und unbegrenzt der Arbeiterschaft aufzu- erlegen. In einer Reihe von Reden kam zum Ausdruck, daß der Zeitpunkt nicht wehr fern scheine, iu dem die Haltung der Arbeiterbewegung nur noch bestimmt sein kann von dem Bestreben, das bisher uuerschütterte vertrauen ihrer Gefolgschaft auch für fernere Zeit sich zu erhalten. Der BundesailSschuß wandte sich darauf dem zweiten Punkt seiner Tagesordnung zu. Welter erstattete den Bericht über die Lage der So z i a l- Versicherung in der Krise. Auch hier Abbau sozialer Richte, auch hier Einschränkung der Lebenshaltung der Arbeiterschaftl lieber die Pläne der Reichsregierung in der Sozialversicherung bestehe noch keine volle Klocheit. Eine Aen- derung in der KraükeNversicherung und Angestell- tenversicherung sei— noch den bisher vorliegenden In- sormationen---- nicht zu erwarten. Dagegen plane man dem An-- schein nach eine „Reinigung" in den Leistungen der Unfallversicherung und der Invalidenversicherung. Außer dem L e ist U N g e a b b a u sei eine organisatorische R'e form in Vorbereitung. V-I der Unfallversicherung.solle der LelstungsabbaU anscheinend in der Beseitigung der klei- «PD.-Frirktion der arbeitslosen Buchdrucker. Freitag. 12)4 Uhr. im Gewcrkschastshaus, Saal iV, Kundgebung der arbeitslosen Buchdrucker. Unser Kollege, RcichsKegsprSfiden» Paul Löbe. spricht über:„Krise und Sozialismus". Die Genossen der anderen graphischen Berufe sind ebenfalls ciogeladen. Der Fraktlonsvorstand. j neren Renten bestehen. Die Finanzverhältnisse der Invaliden- Versicherung seien äußerst schwierig. Bei normaler Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben wäre 1938 eine Sanierung der In- validenversichorung notwendig geworden. 1930 sei jedoch m der Beitragscinahme ein Ausfall in Höhe eines Drittels der Renten- leistungen eingetreten. Dazu feien andere Einnahmeverluste ge- kommen. Dennoch bietst die Vermögenslage der Invaliden- Versicherung keinen Anlaß, eine Sanierung überstürzt vorzu- nehmen In den Kreisen der Bürokratie sei jedoch das Bestrebe» vorhanden, die Sanierung jetzt auf dem Wege der Renten- türzung durchzusetzen. Die Gewerkschaften können dazu nicht stillschwelgen Sie Müssen verlangen, daß die Rentenkürzung in dieser schwierigen Zeit unterbleibt. Die Not der Aermsten des Volkes dürfe keine neue, durch nichts gerechtfertigte Ver- fchärfung erfahren. Eine Entschließung dos Bundosvorftandcs wurde e i n st i m- Mig angenommen, m der es heißt: ver Staat, der für die Sanierung privater Unternehmungen eintritt. Hot die Pflicht, in dieser Krise auch der Sozialversicherung hilsc zu gewähren. Die akuten Schwierigkeiten der Jnvalidenversicherultg wären dadurch zu beHeden, daß Reich, Länder und Gemeindeverbändc ihr« fchuldne- rischen Verpflichtungen gegenüber den Versicherungsanstalten«r- süllen. Eine Reform der Sozialversicherung im Sinne einer orgamsato- rischen Berb-esserung und Vereinheitlichung erachtet auch der Bundes- ausschuß für notwendig. Diese Reform muß aber auf dem Wege der ordentlichen Gesetzgebung durchgeführt werde». Dagegen warnt der Bundesausschuß dringend davor, einen Leistungsabbau etwa auf dem Wege der Notverordnung durchzuführen. Ein« solche wiederum ein- seitig auf Kästen der Arbeiterschaft getroffene Maßnahme müßte dem einmütigen Wider stände der Gewerkschaften begegnen." Körner berichtigt. Wo ist die untere Grenze für die Löhne? Der Vorsitzende des Berliner- Schlichtungsausschusses, Ge- werberat Körner, schreibt uns: „Ihre Ausführungen in der Morgenausgabe vom 23. No- rcinber 1031:„Körner desagouiert sich", geben mir zu folgendc» Bemerkungen Veranlassung: v Der Schiedsspruch für das Wäscherergewerbe, der unter erheblichen Schwierigkeiten zustandegekommen ist und bei dem die weitergehenden Forderungen der Arbeitgeber unberücksichtigt ge- blieben sind, versucht den drohenden und für die Arbeitnehmer sehr gesöhrlichea tariflosen Zustand zu vermeidet. Ob er für die Par- teien annehmbar ist, muß deren Entscheidung überlassen bleiben. Jede, auch die schärfste Kritik wird wie bisher stillschweigend entgegengenommen und auf ihre Berechtigung geprüft. Nicht be- rcchtigt sind aber die Schlußfolgerungen, die in bezug auf den Schiedsspruch in der Berliner Metallindustrie gezogen sind, wie folgender Vergleich ergibt: Der Wochenlohn eines ungelernten Arbeiters in der Berliner Metallindustrie betrug 37 Mark, die geforderte Kürzung 10 Prozent. Der Wochenlohn der ungelernten Arbeiter im Wäschereigewerbe beträgt nach der im Schiedsspruch vorgenommenen Herabsetzung: Hilfsarbeiter und Mitfahrer 40 Mark, Kutscher 48 Mark." Dazu bemerken wir: Es handelt sich nicht um Kutscher, sondern um Kraftfahrer. Der Unterschied wird Herrn Körner ohne weiteres klar sein. Aber auch Kutscher kann man nicht i» die Kategorie der Ungelernten einreihen Dazu kommt die dort seit Iahren herrschende Kurzarbeit, die das tatsächliche Einkommen entsprechend vermindert. Bon den oußerordent- lich niedrigen Frauenlöhnen bei einem sehr anstrengenden Beruf wollen wir erst gar nicht reden. Auch Herr Körner scheint Nachträglich einzusehen, daß diese Löhne eine Minderung nicht Mehr ertragen. Im übrigen nehmen wir gerne zur Kenntnis, dbtz der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses in der Frage der Löhne der Berliner Metallindustrie auf dem Standpunkt b e h o r r t, den er in dem bekannten Schiedsspruch eingenommen hat. Tarifbewegung in der Schuhindustrie. Äas Lohnabkommen kurzfristig verlängert. Di« für den 24. November in Frankfurt am Main angesetzten LohNverhandlüngeN über den schwebenden Lohnstkeit in der Schuhindustrie würde— mit Rücksicht aus die angekündigten Maßnahmen der Reichsregierung dadurch erledigt, daß die bis- hcrigen Tarif- und Lohnbestimmungen bis zum 15. Dezember u Ii- verändert verlängert wurden. SPD.-Brtrikbssreltl»» beim Städtischen Obdach. Freitag, 30 Uhr, Lokal.Kuh littig,?ablonskistr. 9, Fraktiongvcrsai'iwluug. GPD.'Betriebssraktion beim Bezirksamt RcuiiiNn. Freitag, 19% Uhr,': Lokal Schrciber, Flughafenstr. 7, Fiättionsversammlung» Genosse Ernst r-i Neu mann spricht Uber:„Die politische Situation'. »Freie Gewerkschafts-Lugend Berlin j Heute, 18� Uhr, tagen die Gruppen: Köpenick: Jugendheim Grünauer «traße 5(Nahe Bahnhof Epindlersfelk«). Der organisatorisäic Aufbau � der freien Gewerkschaften.- Gesundbrunnen: Jugendheim Note Schule. Goteüburger Str. 2, Vom Urkommunismus zuM Privo feigen tum.— Schön- {mufer Tor: Jugendheim Tieckttr. 18(Zeuerwehrhaus). Heimbesprechung. Per« 'andsbuchkontrolle.— Tempclhof: Gruppenhrim, Lnftcum Germamastc. 4—8. Der Zugana zum Jugendheim erfolgt durch den Eingang auf der hinteren Seite der Schule, Götzstrahe. Wie und wo treivt män im Winter Sport?— Südosten: Reichebberger Sit. 88 l�euerwehrhaus). Das hohe Lled der Arbeit tönt.— Moabit! Jugendheim Lehrler Str. 18—19. Gewerkschaften und Ratio- nalisieruüA.— Staaken: Jugendheim der 17» Bolksschule> Gartenstadt, Kirch- platz(Endhällestelltz-Autobus 3t). ffranzösischr Fremdenlegion.— Reu, Lichten- berg: Jugendheim Hnnterstr. 44: Ernste Und Heitete Episoden vor Gericht.— Londobergee Platz: Gruvpcnheim Diestelme.perstr. 3. Lustiges uoii Martha John. — Lichtenberg: Jugendheim Hauffstratze, ab der Leflnrgsiroße. Wir baden Hubertusstrahe. Treffen um 18 U Uhr.— Sckoneweide: Niederschöueweide. Hasselwetderstratze lMädckienschüle, un bellet). Tanzabend:— Frankfurter Allee: 5iUgcnVheiin Tilstter Str. 4. Wir und der Militarismus.— Ostcude: . Straße 4— ö. Dag Feitaltcr der FranzSIischei, Revvintivn.— Jngendgrugpe DBAV.- Li-gentchelm Scbastianstr. 37—35. Arbcitsrrchlliche Fragen.— grndgrnpu« des Deutschen Tcrtilarbeitervcrbanbee: Jugendheim Engelufer 2. Sie sparen bei der Zahnpflege, wenn Sie die Chlorodont-Zahnpaste verwenden, denn eine kleine Menge davon genilgk. Versuch überzeugt. Hüteil Sie sich vor billigen, minderwertigen Nachahmungen. Das Caimette-Problem. Neue Zwischen alle im(Säuglingsprozeß. Lübeck, 25. Jtooembcc. Zu Beginn ber heutigen Verhandlung im Tuberfulosepro;eh stellt Rechteanwalt Dr. Hossmann, der Verleidiger des Angeklagten Dr. Altstaedt, einen umsongreichen Beweieantrao. Es ist die Anklage gegen Dr. Altstaedt auch aus Fahrlässigkeit de! der Einführung des Calmette-Versahrens ausgedehnt worden. Dr. Hofsmann will nun darüber Beweis erhoben sehen, dah bis zum 1. Oktober 1930 in einer großen Reihe von Ländern über eine Million Binder ohne Schädigung mit Calmette gefüttert worden sind. Die Erörterung wird zu einem scharfen Vorstoß von Rechts- anmalt Dr. Frey, dem Vertreter der Nebenkläger, benutzt. Das Gericht, sagt er, werde zu entscheiden haben, ob die Veweisaillräge nicht nur gestellt sind, um den Prozeß zu verschleppen. Wen» nüm- lich Hunderttausende von Kindern mit dein Calmette-Mittel gefüttert worden sind, ohne daß Schädigungen eingetreten sind, dann soll uns doch endlich Aufklärung gegeben werden über die Lübecker „G i f t k ü ch c". In der fortgesührten Zeugenvernehmung machte Dr. R i s s o n, der Vorsitzende des Aerztlichen Vereins in Lübeck, eine so be- merkenswert« Aussage, daß das Gericht beschloß, sie p r o t o k o l- l arisch festzuhalten. Die Aussage wurde wie folgt protokolliert: Ich habe in der Versammlung des Aerztlichen Vereins etwa folgen- des gesagt: Zwar ist es richtig, daß die»ledizinische Wissenschaft international ist und daß man das Gute dort nehmen soll, wo man es findet, aber ich halte mick) in diesem Kreise für verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß es unter deutschen Aerztcn bisher üblich gewesen ist, vor Einführung eines ausländischen Verfahrens die Prüfung unserer deutschen wissenschaftlichen U n t c r s u ch u n g s st c I l c n abzuwarten. Wenn nun gar die Prüfung dieses Verfahrens in Deutschland durch außenpolitische Umstände erschwert worden ist, indem diese deutsche Prüfungsstelle das Mittel aus außenpolitischen Gründen vorenthielt, so muß man doch Bedenken tragen, dieses Verfahren in Lübeck einzuführen. Berlins Konzeripflege. Die Zuschüsse für die Philharmoniker und das Berliner Einfonie-Orchester. Der M a g i st r a t beschloß in seiner gestrigen Sitzung die Kürzungen an den Zuschüssen für das Philharmonische Or- ch e st c r und für das Berliner Sinfonre-Orchester nur auf die Hälfte der vorgeschlagenen Summen festzusetzen. Das Philharmonische Orchester wird demgemäß einen Zuschuß von 210 lMXZ Mark statt 240 000 Mark nach dem Etatvoranschlag erhalten; das Sinfonie-Orchestcr erhält 157 500 Mark gegen 180 000 Viark im Haushaltansatz. In längerer Aussprache befaßte sich dann der Magistrat nach einem Referat des Magistratsdczcrnentcn Stadtrat Heuer mit der Beteiligung des Pfondbriefamtes an der zusam- mengebrochencn Bank für Handel und Grundbesitz, doch kam er zu keinem positiven Beschluß. Das Programm der Berliner Eommerschau�9Z2. Soeben ist vom Ausstclluugs-, Messe- und der Stadt Berlin das ausführliche Programm der vom 14. Mai bis 7. August stattfindenden Berliner S o m m e r s ch a u 1032„Sonne, Luft und Haus für Alle!" herausgegeben worden. Das 24 Druckseiten umfassende, durch Zeichnungen und Photos reich illustrierte Programmheft vermittelt einen lebendigen Eindruck von der Gegen- wartsbcdcutuug dieser Ausstellung für Anbauhaus, Kleingarten und Wochencirde, die letzten Endes eine entschlossen« Hilfsleistung für die tiefsten Nöte unserer Zeit sein soll. Die Ausstellung selbst wird sich in die großen Gruppen„Das Anbauhaus",„Der Kleingarten" und „Das Wochenende" gliedern. Das Anbauhaus, das Haus für Alle, ist ein Borstadthaus, das aus einer Grundzelle bestehend je nach dem Raumbedarf und Vermögen des Besitzers durch Anbau weiterer Wohnzelten, die mit dem Grundkern wohntechnisch und künstlerisch ein geschlossenes Ganzes bildest, wachsen kann. Es wird in einer Reihe von Typen zur Darstellung kommen und soll die billige Bolkswohnung zeigen, die auf der Deutschen Bauausstellung Berlin 1031 weder als Miel- noch als Besitzwohmmg geboten wevden konnte. Heute Urteil im Beleidiguugsprozeß Zörgiebel. In dem Prozeß gegen den Arbeiter Heidrich wegen seines tat- lichen Angriffs auf den ehemaligen Polizeipräsidenten Zörgiebel wird erst heute das Urteil gefällt werden. Montag wurden etwa vier Dutzend Zeugen vernommen, vorgestern die Reftzeugen. 'Außerdem gelangte ein Film über die Ereignisse am 1. Mai 1920 zur Vorführung. Zeugen und Film hatten zur'Aufgabe, die knmmu- nistische Behauptung zu rechtfertigen, daß das Blutvergießen vom 1. Mai 1020 von vornherein beabsichtigt gewesen, nicht aber erst durch das unvernünftige Verhalten der Kommunisten heraufbeschworen sei. Diese Beweisführung mußte selbstverständlich mißlingen. Gestern ist». a. auch der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, 5) c i- m a n n s b er g. vernommen worden. Da ihm die Aussagegenehmi- gung über dieirstlichc Angelegenheiten nicht erteilt worden ist, so konnte er nur über belanglose Dinge befragt werden. Die Koni- munisten, die da glaubten, durch die Wiederausrollung der Unglück- seligen Maiereignisse von 1020 noch einmal die Oeffentlichkeit alarmieren zu können, haben sich verrechnet. Selbst die koimnunisti- scheu Blätter haben nur ganz kurze Gerichtsberichte gebracht. Die Ocsfentlichkeit lzat im Augenblick andere Sorgen... Heute um ein Uhr erfolgt Urtcilsi�rkündung. Der Staats- anmalt hat beantragt es bei der Strasc der zweite» Instanz, also bei vier Monaten und einer Woche Gefängnis zu belassen. Zu..Alarm am wedding". Wie uns mitgeteilt wird, handelt es sich bei der Naznintcrkiinst in der Kameruner Straße 5 nicht um eine Gastwirtschaft, sondern um eine P a r t e r r c w o h n n n g in diesem Hause. Der Gastwirt in der Kameruner Straße 53 bittet um den Hinweis, daß er mit den Nationalsozialisten nichts zu tun hat.� Schülerkonzerl. Heute abend 20 Uhr veranstaltet die 1. Städt. Studienanstatt im großen«aal des Zentralinstituts fül Erziehung und Unterricht, Berlin W35, Potsdamer Straße 120, ein Konzert. In dem ersten Teil werden Kompositionen von Mozart, ini zweiten Teil moderne Kompositionen von Lendvai und Wunsch vorgetragen. Zarten zu 1 M. und 0,50 M. sind an der Abendkasse zu haben. wetteraussichte« für Berlin. Meist bedeckt, keine wesentlichen Niederschläge, Temperaturen wenige Grade über Null, südöstliche Winde.— Für Deulschland. Im Nordosten trockenes und zeit- weise heiteres Wetter mit leichten bis mäßigen Frösten: im übrigen Deutschlaiid ziemlich trübe, stellenweise neblig ohne wesentliche Niederschläge, Temperaturen etwas niedriger. I r a u f s ü l, r u ir s dieses Filmes dem 1. Dczcmder, hall. Er bleibt itan. „Um«otimona und Höuiqffc." Die ll i (hibet im Planetarium um Dienstag, d voraussichtlich pvei Wochen auf dem Epielglai Einiendungen für diese Rubrik sind Berlin SW SS. Liabenitraß« S. parteinachrichten Groß-Berlin stet« an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten 14. 9(1. 138. 139. 29. 43. 91. 137. Vegiun aller Veranstaltungen Uhr, osern keine besondere Zeitangabe! heule. Donnerstag. 2ö. November: «rcis. 2« Uhr Beginn des Kursus Bruno Nenmann über Wirischastskris« unb össentlichs Finanzen in der Schule Danziger Str. 23. Krris. Achtling, Ordner! Dir Versammlung bei Rode sinbet nicht beute, Donnerstag, sonder» Dienstag. 2. Dezembrr, statt. Kreis. 18 Uhr bei Will, Atartin-Luthrr-Str. 99, Zuiammeukuust aller erwerbslosen Genossinnen unb Senoflen. Um 29 Uhr Fortsetzung de, Kurs»» Raphtali im gleichen Lokal. Kreis. Anträge für Winterhilfe werben»orläusig nicht mehr entgegen. genommen. Abt. JLngcrengrnppe. Nicht ocrg-sse-: Sonnobenb, 28. Roocmbcr, Bunter Abend im Zbcallasino. .,139«.. 149.1., 143. Abt. Bunter Abend der freie» Schulgemeinbe Im Witteaoncr Vcr-in-daus. vrani-nbnrge- Str. 89. Mitwirkend«! Schul- orchcfl« und Epielichar der«lasse aus„Kampf um Kitsch''. Eintritt frei. Abt. Die Versammlung der jungen Genosien am Donnerstag fällt aus. Dafür beteiligen sich die Genossen an der Wcrdtfeicr der SAI. des Kreises in Wittenau, Berliner Str. 73, bei Heese. Morgen. Freitag. 27. November: Kreis. Beranstaltung der Kindersreund« um 19 Udr in der Schulaula Wal- dcnserstr. 29. Kasperle-Theater, auch politische» Einschlage, süe Gross und Klrin. Um regen Besuch bitten die Veranstalter. Abt. 21) Uhr Aussoracheabend der jüngeren Parteigenossen Koloniestr. 8, 4 Treoven(Jugendheim). Thema: Welche Bücher lesrn wir? Abt. Wirbiigc ürdneroersammlung bei Ärepo, Planufer 7:>— 76. Abt. Zlbleilungzvorstand mit Bezirksfüdrcrn Restaurant Mahlowcr Str. lv. Abt. Frcidentcrversammlung Echarnweberstr. 114(Voltshaus), F rauenveranstaltung. 14. Kreis. Agitation und Arbeiterwohlsabrt. Freitag, 27. November, 19':. Uhr, an bekannter Stelle Funktionärinnensitzunz. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrk. 1.»reis Mitte. Freitag. 27. November, 19'� Uhr, Blumenstr. 88, Auf. gang 8. i, ledtcr Kursusabend. Referent: Genosse Aiedemann. 2. Kreis Tiergarten. Wichlige Funltionärinncnsitzung bei Stein, Solsteiner Ufer 14, 29 Uhr. 17.»reis Lichtenberg. Es wird um Abrechnung der verkauften Lose gc. beten. Akonlozohlungen bei Genossen Stein, Lichtenberg, Wagnerstr. 37. Zlrbeiisgemeinschafi der Kinderfreundc Groß-Berlin. ms Vorstandssitzung morgen, Freitag. 20 Uhr, in der Geschäftsstelle. Ml Durch Vermittlung der weltliche» Schule können wir für den Ml.1. Dezember 40 Karten für„Kampf um Kitsch" bekommen. Preis JUs 60 Pf. Anmeldungen dafür bei sofortiger Kasse in der Geschäftsstelle. ..>)»renzberg. Wir bitten euch um sofortige namentliche Meldung der L, ,l.i Kinder, welche in der Polksbühne mitwirken werden. Schiet l nur geeignete, zuverlässige Falken. Beginn der Proben am Moniaa. dem 30. November. 17 Uhr, im Heim Lellc.Alliance.Platz 1. Dcn slldöstlichen Falken wird das Fahrgeld ersetzt. Tiergarte». Freitag. 27. November. 19 Uhr. Elternabend in der Aula Waldenserstrajjc(weltliche Schule). Rund um die Kindcrrepublik. Reutöll». Heute, Donnerstag, Lefcstundr in der Stadtbllcherei Schönstedt- strage. 17(Z Uhr. Bastelkursus 17 Uhr Baracke Sanghoferstrasse. Burschen Werk- zeug mitbringen. Lichtenberg. Freitag, 27. November, findet im Zugendheim Gunterstrosse. Ii 12. Uhr, die Vorbesprechung zur Reichstagssitzunz statt. Jede Gruppe hat die betreffenden Vertreter zu entsende». Hohenschönhausen. Von 17 bis 10 Uhr im Jugendheim Freiemvalder Strasse. Alle Fallen mühen hinkommen. Reinickendorf. Montag, 30. November. Bastelabend(neue Schule, Wittenau). Begliin 19 Uhr. Pappe und Zeitungsvapicr mitbringen. Sonnabend, 28. No< »eniber. finden folgende Werbeperanstaltunge» statt: Rcinickendorf-Ost: Jugend- beim Lindaucr Strasse(Baracke). Bunter Elternabend. Einlass ab 10 Uhr. Beginn Ig'.� Uhr. Reinickendorf.West: Werbeveranftaltulig 20 Uhr Berliner Elrassc 73(bei Heese). Eintritt 30 Pf. Freie Scholle. Werbeabend usi. Uhr im Schollenkrug zusammen mit der Frauengruppe. Genossinnen und Genossen sind herzlich eingeladen. Zricdrühshai». Heute, 18 Uhr, Falkenpouverfammlung Frankfurter Allee 307. (Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation gebeten. A SozialiftischeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendfekretaria' Berlin SW 63. Lindenstrahe 3 Vorstellung sür die arbeitende Zugend von 14 bi» 18 Jahren Sonntag, 6 Dezember, 10 Uhr, in der Volksbühne.„Der grüne Kakadu". Groteske von A. Schnitzler.„Der Schlachtcnlcnker", Komödie von Shaw. Karten zu 80 Pf. sind im Sekretariat erhältlich. Streichorchester Sross-Berlin und Singekecis. Oeffentliche Musizier. stunde am 0. Dezember, 20 Uhr, in der Schulaula. NO., Pasteurstr. 44/46. Eintritt 30 Pf. Karten sind im Sekretariat erhältlich. sSSgsüä SSG.-Leitcr! Holt umgehend die Handzettel für die Versammlung am 7. Dezember ob. Heute, Donnerstag. 2ö. November. 19� Uhr: Humboldthain und Norden: Putbusser Str. 3, Musikzimmer. Lichtbilder: Eindrücke von Frankreich.— Humannplatz: Gleimstr. 33— 35. Humoristischer Abend.— Falkplatz l: Sonneburaer Str. 20. 5.Minutcn,Referate.— Nord- ostc» ll: Danziger Str. 6'2. Politisch.satirischer Abend.— Schönhauser Vorstadt: ' nrger St: Sonnendurger Str. 20. lO-Minuien. Referate. Gründungsleier.— Kottbusser Tor: Urdanlir — Haseuheide: Wassertorstr. 0. _.. 167. Die politischen Strömungen in der Arbeiterbewegung.- Schöneberg III: Hauptstr. 10. Die Kirche in der Karikatur.— Westend! Sportplatz Westend. Arbeitsgemeinschaft.— Lichterfelde: Albrechtsir. 14». Funktionärvcrsammlung.— Steglitz Ii Erwerbslose Genossen beteilige» sich um 16 Ubr an der Parteiueranstaltuiig in der öckiiilaula Friesensirasse.— Schöneweide Ii'Berliner Str. 31. Tagespolitik.— R-simcken- drrf.Westi Seidelsir. I. Tagespolitik.— Kopenicker BlerteU Wrangelstr. 1W. Die österreichische Sozialdeinolratie. SSG. Ehorlottendurg! Rosinenstr. 4. 18 Uhr. Schulgemrinde. Dcrbcbezirk Neukölln: Erwerbsloscnzusammenlupft Bergsir. 29. Besichtigung des Neuköllner Gaswerks. Mädelkursus, Zieihenstr. 58, 20 Uhr. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Eefchättsstelle: Berlin S 14. Eebastionstr 37-38 So' 2. Tr. Friedrichshain(Srlsverein). Kameradschaft Büsching. Freitag, 27. November, Versammlung bei Ballschmidt. Friedenstr. 96. Rose» rat. Biichkontrollr. Donnerstag. 26. Rooembcr, 20 Uhr, Älitreten der Schnfo tin Zivil) in dekanntrr Turnhalle. Kurfusleiter anwesend. Zungbanner. Donnerstag, 26. November, 20 Uhr, Pflichtturnen in bekannter Turnhalle.— Prenzlauer Berg(Zungba). Eonnabend, 28. November, 19 Uhr. in der Aula der weltlichen ochule, Danziger Str. 23, Zugendwerbeoeranstaltung. Redner: Kamerad Bathke. Eintritt 30 Pf.— Eharlottendurg(Ortsverein). Kamerad, fchakt Westend. Freitag, 28. Rovellider, 20 Uhr. Persammlung bei Zamin, So» phie- Charlotte. Str. 88. Referent: Kamerad Falk von der Republikanischen Be» schwerdestelle:„Zm Kampf um die Republik".— Lichtenberg(Ortsoerein). Freitag, 27. ülovcmber. 20 Uhr, Mitgliederpersammlung des gesamten Ortsvereins bei Tempel, Friedrichsfeldc. Portrag des Kameraoe» Batbkc.— Bohnsdorf. Grünau. Donnerstag, 26. November, 20 Uhr, Kaiiicradschaftzversaminlung bei Heimann. Bohnsdorf. Waltersd orfer Str. 100. Referent: Kamerad Brendel.— Tcmpelhof. Ortsvereinsversammlung mit wichtigem Referat am Donnerstag, dem 26. November, pünktlich 20 Uhr, dm"' mo M'".'' bei Pinger, Dorfftrasse. Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Verlin. Geschäftsstelle: P. Schneider, Berlin NO. 55, huselandstr. ZI. Männerchor Friodrichshain. Heute. Donnerstag, Uebungsstunde. Uebungsstunde Freitag fällt aus. Am Sonnabend Ständchen. Treff» punkt 19 Uhr Kraut» Ecke Blunieiistraßc. Republikanischer Motoeradtlub Berlin e. B. Sitzungen finden jede» ersten Mittwoch im Monat im Restaurant„Zum Falkenstein", Berlin SO., Falcken- steinstr. 10, direkt an der Oberbaumbrückc, statt. Gäste stets willkommen. Delltscher Friedeusbund. Donnerstag. 26. Rovember, 20 Uhr, im Restaurant „Zum Patzcnhofer". Potsdamer Str. I23a. Herr Studienrat Dr. Kurt Greving spricht über das Thema:„Weltwirtschaftsfriede gegen Weltkrise". Gäste willkommen. Arbeitcr.Abstiuenten.Bunb. Bezirk Friedrichshain. Zusammenkunft am Dpn» nerstog, dem 26. November, 20 Uhr. im Jugendheim Dieftelmeyerstr. 5(weit» liche schule). Lichtbildervortrag:..Der Alkohol". Deutscher Esperanto-Bund, erste Ortsgruppe, Berlin. Freitag, 20 Uhr, Kon. ditorei Dobriv, Hackeschcr Marli. Allgem. Ortskrankenkaffe Berlin- Norden Verlin 7t 24, Oranienburger Str. 54 Mit Wirkung vom l. Dezember 1031 ad ist der Bcitrggslatz auf 6,5 bzw. 3.5 vom Äunbeet festgesetzt. Neubecker. Vorsitzender. 19 UNO 21. DEZEMBER ,921 ___-Wer W>liUirim Ooppellose l.» RM. Porto und List* 30 Pfg.«*ir» 143 096 Gawinn® und 2 Prümlan im Gesamtwerte von RM. SOOOOO Höchstgewinn auf©in Doppel- los im Werte von RM. 60 OOO HÖchstgewinn auf ein Einzel- ios im Werte von RM. 30 000 2 Hauptgewinne Im Worte von je RM. 20000 2 Hauptgewinne im Wfrte von je RM. 15 OOO u. s. w. u. s. w. mit 19 Losen 5 RM. mit 20 Losen 10 RM. Sämtliche GQ�Inne werden auf Wunsch t itcc frezent ouet zaMt, Lose ru haben bei den Krcjsleiterinnen der Arbeiterwoi Kahit, VerKaufssteller der Konsumeenossenschatt. Voiwärt»- Filialen Wenhclm. Sineeru Herrn, Tie« Snte Kapitän KaulabaH'.V.'.S.Ä; f. Köcker» Berlin . UffilcnDsroer Sliatzc 22. Königs. 38C1 �4 Betten > Stahlmotr» Kmowb., PoUtar, Ghol�l..«m Ivtei. toll» bt� treL BMwÄSSMk asU Cätld Flotte Neuheit für die Ueberjangszeit: kleidsame Kappe mit Goldpose nur Der moderne Bluscn- rock Ist sehr praktisch. 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Für die Elcndsquartierc ist das fahlgelbe Gaslicht die richtige Be- leuchwng. Die cholzhüttcn dieser Winkel lehnen sich aneinander, um sich gegenseitig vor dem Einstürz zu bewahren. Hungrige wilde Hunde streifen durch die Gassen, die Nase an der Erde. Von» Wasser her kommt die ewig feuchte Lust, die krank macht. Vor einer Schenke steht eine Frau und wartet. Das Licht der (Yoslatcrnc, an die sie sich lehnt, vertieft die Schatten ihres Gesichts und saugt das letzte bißchen Farbe aus ihren Wangen. Ihr Schleier flattert. Der Wind zerzaust ihr Haar und reißt an den Tüchern, in die ihr Kind gewickelt ist. Er dringt durch ihr dünnes Kleid bis auf die Haut. Sie sriert und wartet regungslos seit dem frühen Nachmittag auf ihren Mann. Einmal wird er ja genug haben und herauskommen. Nur in ihren Augen ist Leben. Sie läßt keinen Blick von der Tür. Wie Schatten gleiten die Voriibergehcnden an ihrem Bewußtsein vorbei. Um sie ist der luftleere Raum der verlassenen Kreatur. Ihre Gedanken kreisen unaufhörlich wie ein Rad. Ein Rad, das rückwärts läuft. Vor sechs Jahren hatte sie sich verheiratet und war ein junges ahnungsloses Ding. Sic hatte nicht gemußt, daß ihr Mann ein Trinker war. Vor der Heirat hütete er sich so geschickt, daß sie es nicht bemerken kannte. Aber dann fing ihre Hölle an. Jahrelang hatte sie alles über sich ergehen lassen, Beschimpfungen, Quälereien, Schläge Sic lief nicht fort, weil sie den grausamen Kampf ums Dasein kannte und ahnte, daß sie ihm allein nicht gewachsen war. Der nackte Selbsterhaltungstrieb zwang sie auszuhallen, denn Arbeit war vielleicht zu bekommen; sicher mar mir, daß sie von dem Arbeitslohn nicht existieren konnte. Aber eines Tages, nachdem er sie im Rausch furchtbar geschlagen hatte, floh sie doch zu mitleidigen Nachbarn. Sic reichte die Scheidung ein, In dem festen Glauben, sie auf Grund der Tatsachen sofort zu erhalten, ohne zu ahnen, daß die einfachsten Tatsachen oft schwer zu beweisen sind. Sie erfuhr nun erst, daß man ein und dasselbe auch ganz verschieden auslegen kann, daß also auch olles beweisbar ist, wenn man will. Dabei machte sie die Erfahrung, daß Leid nicht mitteilbar ist. Run begann ihr monatelangcr Kampf, denn sie konnte weder lesen noch schreiben und hatte kein Geld. Ihre Gesuche wurden hingekritzelt von gleichgültigen öffentlichen Schreibern. Sie sieht jetzt noch vor sich, wie sie im Schatten der Platanen des Vorhofes sitzen. Sie riecht noch die Luft des Gcrichtsgebäudes, der staubigen Treppen und der halbdunllen Säle. Das endlose Warten auf die Verhandlung im Gedränge der stickigen Korridore wird wieder lebendig. Die doppelsinnigen spitzfindigen Fragen, die sie nicht be- griff, stachen in ihr Gehirn und oerwirrten sie so, daß sie kaum die dürftigsten Angaben machen konnte. Als sie die gewandten Reden , und die Fragen hörte, die mehr einem Verhör glichen, wußte sie, daß ihre Sache verloren war, noch bevor man es ihr sagte. Stumpf wartete sie das Ende der Verhandlung ob und blieb stunun, als der Richter verkündete, sie Hab« die nötigen Beweise für die Scheidung nicht erbracht. Auf bleiernen Füßen schleppt sie sich hinaus. Die erst« Hebel- kett der beginnenden Schrnangerschaft würgte sie. Kalter Schweiß brach aus ihrem Körper, langsam knickten die Knie unter ihr ein und sie sank zu Boden. In den Tagen, die auf die Gerichtsverhandlung folgten, war sie in einem Zustand vollkommener Gleichgültigkeit. Sie aß nicht mehr und saß nur horchend, vornübergebeugt, als mühte das noch nicht Lebende ihr Rat geben. Den Nachbarn, die sie ausgenommen hatten, ging es nicht gut. Sie hatten in ihrer Hütte einen einzigen Raum und viele Kinder. Sie teilten alles mit ihr, aber die Frau merkte, daß sie ihnen zur Last fallen würde, wenn sie länger bliebe. Eines Tages verschwand sie ohne Abschied. Sie ging die Häuser ab und suchte Arbeit. Nach vielen Tagen des Hungers, den sie nun für zwei litt und nach Nächten ohne Schlaf, hatte sie Glück. Sie sand Arbeit als Dienstmagd in einer Kneipe. Vom Morgen bis zum Abend war sie auf den Füßen. Sie muhte Lasten tragen wie ein Mann und klagte nicht, denn sie war glücklich, ein Dach über dem Kopf zu haben. Aber die Last unter ihrem Herzen wurde von Monat zu Monat schwerer und als sie eines Tages zusammenbrach, warf man sie ohne weiteres auf die Straße. Einen Tag lang irrte sie in der großen Stadt umher, dann ging sie zu einem Krankenhaus. Der untersuchende Arzt sagte ihr, daß die Geburt erst in einem Monat zu erwarten sei, dann solle sie wiederkommen. Nun lag sie wieder auf der Straße,«vie ging betteln und schlief Nachts da. wo sie sich gerade befand, in irgendeinem Treppenhaus oder Keller, oder einer Parkanlage. Aber das dauerte nicht lange. Eines Tages überraschte sie eine Ohn- macht mitten auf einer der belebtesten Straßen. Sic erwachte«un rrirtEch in einem Kraukeichauet. Xargt Zeit darauf gebar sie«in Mädchen. Zehn Tage nach der GÄurt ihres Kindes wurde sie entlassen. Und nun lehnt die Frau mit dem weißen Gesicht am Laternen- pfähl und wartet auf ihren Mann. Es blieb ihr kein anderer Weg außer diesen, oder den,, ins Wasser zu gehen. Das ist nicht weil von hier. Sie sieht die kleinen Wellen und hört das glucksende Geräusch, mit den, sie an das Ufer schlagen. Es klingt wie spöttisches Gelächter. Die Tür der Schenke fliegt auf. Ein breitschultriger Mann kommt heraus. Ekel, Angst und Haß verfärben das Gesicht der Frau. Er tamnclt quer über die Straße. Da tritt sie ihm in den Weg. Sie bringt kein Wort aus der Kehle. Er fährt zurück. Ihre Augen begegnen sich. „Ach so. du bist's! Na, was gibt's?" Ihre Augen klammern sich an sein Gesicht, als würde sie jeden Augenblick umsinken. Sic stammelt etwas und weih selbst nicht. ob es Beteuerungen, Entschuldigungen oder Bitten sind. Sie will ihn nur überzeugen von etwas, an das sie selbst nicht glaubt. Er sieht sie nicht an, nur das Kind, und bekommt ein verlegenes Gesicht. Sic spricht immer weiter auf ihn ei», wie unter einem Zwang, und dabei strömen ihr die Tränen unaufhaltsam über das Gesicht. Plötzlich sagt der Mann: „Na also meinetwegen! Los, konmi!" Mit einer barschen Handbcwegung zeigt er ihr, daß sie ihm folgen soll. Ohne sich einmal umzudrehen, gicht er den Weg»ach Hause. Sie schleppt sich»ach, das Kind fest an sich gedrückt. Mit jeden, Schritt, den sie auf das Haus zu macht, sinken ihre Schultern mehr ei». Sie weiß, sie geht in eine neue Sklaverei, aus der sie in ihrer dumpfen Unwissenheit keinen Ausweg und keine Hoffnung sieht. Sri eh Mrug: Qrenmen des Jßebem Der griechische Schriftsteller Lucia», geboren um 12S nach Christus, hat einmal als ein geistvoller Jules Verne des Altertums in äußerst phantasievoller Art eine Reise zum Monde geschildert. Dabei beschrieb er auch ausführlich die Lebewesen auf unser», Tra- baute». Die unheimlichsten Fabelwesen von geradezu unfahlichcr Größe ließ er in seiner Erzählung aufmarschieren. Diese Fehler, andere Wellkörpcr mit den märchenhafte st en Lebensformen zu bevölkern, ist von phantasievollen Schriststellern bis in unsere Zeit hinein gemacht worden. Wir dürfen jedoch auf Grund der modernen biologischen und physiologischen Forschungen mit aller Be- stimmtheit annehmen, daß auch das Leben an Gesetze gebunden ist, die im ganzen Weltall gültig sind. Wenn also nach den, Leben auf anderen Welttörpcrn gcsragt wird, dann ist es zunächst einmal notwendig, die Bedingungen zu untersuchen, die für das Vorhanden- fein von Lebewesen auf der Erde erforderlich sind. Nahezu überall ist auf unserem Planeten Leben vorhanden. an den Polen wie an, Zlcquator, in der Luft, auf dem Erdboden, im Wasser. Selbst auf dem Grunde des Meeres, wohin nie ein Sonnenstrahl kommt, unter einem Druck von Hunderten von Atmo- fphärcn, hat es siegreich Fuß gefaßt. Ist das Gedeihen des Lebens etwa unbegrenzt? Nein: es wäre ein Irrtum, wollte man aus der großartigen Anpassungsfähigkeit alles Lebendigen diesen Schluß ziehen. Wenn auch der Entfaltung des Lebens von der Natur ein großer Spielraum gewährt ist, so sind ihr doch gewisse Grenzen gc- zogen, die nicht überschritten werden können. Besonders find es bestimmte Temperaturen, die der Ausbreitung des Lebens bis ins Jlndreas Xatzko: Sin Slulil jfleltl leer in&aris Im Garten des Palais Royal, wo einst das„Herz" der großen Stadt schlug, steht seit kurzem ein Monument Camille Desmou- lins', der mit seiner Ansprache an dieser Stelle den Sturm der Pariser auf die SVastille entfesselte. Die Dekoration ist noch ünmee unverändert, das Geviert der alten Säulengänge umrahmt die grüne Rasenfläche, auch der Frühstückskiosk Philippe Egalites steht noch in der Mitte, nur der verglaste, halb unterirdische Verbindungsgang für die Dienerschaft, die nicht durch das Gedränge die Platten au- den, Palast in den Pavillon tragen konnte, wenn es den, Herzog beliebte, im Garten zu frühstücken, nur diese Spur der prinzlich.'r, Haushaltung ist aus dem Bilde fortgewischt. Die Stimme des Redners ist von denselben Mauern zucückge- prallt, an denselben Säulen kletterten die Neugierigen hoch, um den Jüngling zu sehen, der so furchtlos„Aux armes!" rief, wo jetzt Luxusgeschäste und vornehme Restaurants sich reihen, unter den Bögen ringsum wimmelten gefällige Dämchen vor den überfüllten Speisehäusern und Konditoreien, die im ersten Stock verschwiegene Kämmerchen für Liebende oder noch häusiger sogenannte„Klubs" für Glücksspiele bargen. Es war eine recht passende Ergänzung, daß der Palast der Herzöge von Orleans von den zwei anstoßen- den und der gegenüberliegenden Seite des Vierecks hereinbezogen schien in die Kette von Spielsälen und Stundenhotels, die würdig die Lebenshaltung der prinzlichen Eigentümer umrahmten. Heute liegt der weite Rasenplatz wie eine verlassene Insel im Geviert der hohen Mauern, nur wie Gischt spritzt das Branden des Verkehrs aus den»nilicgendcn Verkehrsstraßen herüber— wer von der R»e de Rivoli oder Ru« St. Honore her die Arkaden be- tritt, könnte fast glauben, die Stadt sei plötzlich verstummt, um der Gestalt aus Bronze zu lauschen, die zu ihr sprechen will. Zuerst erblickt man nur den Stuhl am Rande der schön gepslcg- ten Rasenfläche, der Redner hat den einen Stulpstiesel aus den strohgeflochtcnen Sitz aus Metall gestellt, im Begriff hinaufzu- springen, so ist wohl vom Bildhauer die Deutung der Momentaufnahme gedacht. Wer aber aus dem Paris von heute mit wachen Sinnen vor das Standbild tritt, wird eher von dem Eindruck über- rumpelt, der junge Revolutionär sei in, Begriff herabzusteigen von seinem historischen Stuhl, entmutigt von den, Anblick des ausac- ftorbenen Gartens und der stumpfen Gleichgültigkeit der Masse, die draußen in rasender Eile vorbeistürmt. Was könnte besser das Borbeileben der Stadt an allen ojsi- ziellen Festlichkeiten illustrieren als die Tatsache, daß keiner meiner Pariser Freunde über das Enthüllungsdatum des Standbildes auch nur annähernd Bescheid geben konnte. Viele wußte» nicht einmal vdn seiner Existenz, manche erinnerten sich dunkel, vor einigen Iahren etwas über ein Desmoulinsdenkmal gelesen zu haben, aber welcher intelligente Franzose beachtet noch den pathetischen Schwin- del, der von Amts wegen mit dem Scheinkultus revolutionärer Ueberlieferung getrieben wird? Seit rund einem Jahrhundert, seit den Zeiten des Bürger- königs,' ist es das Schicksal Frankreichs, mit der Fiktion der repu- blikanisch-freiheitlichcr Traditio» genarrt zu werben. Selbst der große Napol-eon hieß seinen kaiserlichen Adlern die Trikolore der Sanscoulottcnarmccn vorantragen und den Ruf:„Vivo l'omporeur!" überdonnerte die Marseillaise. Keine dynastische Hymne und keine dynastische Flagge störte die Illusion seiner Soldaten, direkte Nach- kommen der barsüßigen republikanischen Armeen zu sein. Dieses altbewährte System, hinter der revolutionären Fassade eine gewinnsüchtig-nationaiistische Politik zu treiben, hat den fran- zösischen„citc>>en" längst daran gewöhnt, zufrieden mit seinen theo- retischen Rechten, jede praktische Kontrolle der Regierung den Be- rufspolitikern zu überlassen. Der Zylinder des Präsidenten symbolisiert berauschend die Souveränität des schlichten Bürgers, die Spitzen der Offiziersdegen senken sich, die Militärgewalt steht stramm und präsentiert vor dem Bratenrock! Was will man mehr? Ein- mal im Jahre, am Tags der Republikfeier, kann jeder Franzose sei» Teil Volksgewalt genießen, an den 364 anderen Tagen kümmert er sich un, sein«— nicht um die Staatsgeschäste, sroh wie der Kauf- man» um den verläßlichen Kommis, auf den er alle zeitraubenden kleinen Kniffe und Griffe seines Betriebes abwälzen kann. Wichtig sind ja doch nur: Umsatz und Profit! Welche Farce, das„onkant temtzic" der großen Revolution, den Stotterer Camille Desmoulins, dem Angst um das Schicksal der Freiheit die Zunge löste, in das Paris von heute hineinzustellen, weil er es war, dessen Mut und Beredsamkeit das Volk auf die Vastill« hetzte!. Nie gab es eine spitzere Feder, die Obrigkeit und Autorität mit mehr Witz und Galle bekämpfte. Jede Zeile des „Vioux Cordolior" ist an das erträumte, neue Europa gerichtet, die eigene Nation wird jener begeisterungstrunkenen Zeit nur eine Art Vorhut, berufen, die Ketten aller Völker fortzuschwemmen in Ströme» jranzösischen Blutes. Heute ist das französische Gold der fluchbeladene Ribcluugcnhart, überall von der Arbeit gestürzte Dynastien wieder auf den Thron zu hebe», halb schon befreite Arbeitermasscn unter die alte Fuchtel zurückzutreiben, gegen entsprechend rentable Monopole und Kon- Zessionen— versteht sich. Und während diese Interessen des Groß. kapitals die Politik des Landes bestimnien, wird die Galerie der Reoolutionshelden um das Denkmal Camille Desmoulins' bereichert — an der historischen Stätte eine falsche Orientierungstafel aufgc- pflanzt—, die nur Provinzler und unreife Knaben auf den Lein, der offiziellen Phraseologie locken kann. Wären die uiwermeidlich drohenden Folge» nicht, man könnte lächeln, aber hinter dem falsche» Aushängeschild brondelt die Gas- wölke der Gefahr und die Gefahr der Gaswolke, ohne daß ein Er- weckcr sich fände für das schlafende Volk. Den letzten, dessen Stimme wie der Arm Simfons an verrostete» Herzriegeln rüttelte, de» Red- »er und Führer Jean Jauräs, haben sie niedergeknallt. Sieht man den leeren Stuhl in, Palais Royal, mit den, Stulpstiefel der Metall- sigur, die wie zögernd noch am Boden klebt, man wünschte den gc- drungenen, stiernackigen Mann mit der lodernden- Seele hinauf— in, Nu wäre der verlassene Garten im Herzen der großen Stadt wieder von einer entschlossenen Menge überflutet, wie im Juli 1789. als Camille Desmoulins zum Sturm auf die Erzfeste der Unter- drückung rief. Unendliche Einhalt gebicten. Der wichtigste Bestandteil im Körper aller Lebewesen ist das Eiweiß. Bei ungesähr 73 Grad Hitze gerinnen salzhaltige Eiweißlösungcn und werden zur Unterhaltung von Lcbensfunk'tioncn unfähig. Schon bei einer Temperatur von 4l> bis 45 Grad werden Tier- und Pflanzcnzellen abgetötet. Das ist aber noch keine absolute Lebensgrenze. Es gibt viele niedere Organismen, die weit höhere Teinperaturen ertragen können, ohne daß ihr Leben und Gedeihen beeinträchtigt wird. Verschiedene Bak- terienartcn scheinen sich überhaupt erst bei sehr hohen Temperaturen richtig„behaglich" und lebenskräftig zu fühlen. Lebende Algen hat man auch noch in dem ungefähr 9l) Grad Eesius heißen Wasser der Geiser des Icllowstonc-Parks in Nordamerika gesunden. Man hat vorläufig noch keine ausreichende Erklärung für die Tatsache, daß die Organismen, je niedriger sie sind, eine desto größere Wider- standsfähigkeit besitzen. Es wird vermutet, daß diese Wesen die hohen Temperaturen deshalb vertragen, weil ihr Eiweiß einen geringeren Wassergehalt hat als das der anderen Organismen, denn praktische Versuche haben gezeigt, daß Eiweiß in wasserfreiem Zu- stände bis zu 190 Grad Celsius und mehr erhitzt werden kann, ohne daß es gerinnt. Auch sorgfältig ausgetrocknete Pflanzensamen wur den verschiedentlich einer Hitze bis zu 199 Grad ausgesetzt, ohne daß dadurch ihre Keimkraft verloren ging. Aber auch tiefe Temperaturen können verschiedene Lebewesen in nnglanblichem Maße ertragen. Die Vögel und Säugetier« sind durch ihre Warniblütigkeit gegen die Winterkälte geschützt, so daß diese nicht in den Körper eindringen kann. Die kaltblütige» Tiere und die Pflanzen sind jedoch abhängiger vom Klima, da sie ungefähr die Temperatur ihrer Umgebung annehmen. Ihr Schutz besteht nun in einer großen Widerstandskrast gegen selbst außerordentlich starke Kälte. Fische und andere Kaltblüter vertragen sogar ein vorübergehendes Einfrieren. Die tiefsten Temperaturen, unter denen bei Kälteversuchen das Leben noch erhalten blieb, find nach Lund- mark: für Fische— 15 Grad Celsius, Frösche— 28 Grad Celsius, Tausendfüßler— 59 Grad Celsius, Schnecken— 129 Grad Celsius, Bakterien— 299 Grad Celsius. Diese Grenzen gelten aber nur für Leben in, Ruhezustand, im Hzalbschlaf. Die Grenzen für tätiges Leben sind viel enger. Temperaturen von 9 bis 99 Grad sind ungs- fähr diejenigen, die für eine Entwicklung der verschiedenen Lebensformen dienlich sind. Aber noch etwas anderes ist für das Gedeihen des Lebens unbedingt notwendig: das Licht. Bakterien können ja unter Uniftändcn ohne Licht, einige sogar, wie wir durch neuere Forschungen wissen, auch ohne Sauerstoff auskonimcn. Für die Pflanzetzwelt jedoch ist das Licht unentbehrlich. Die Pflanze benützt die Köhlensäure der Luft, um den Kohlenstoff für sich zu ver- arbeiten und dabei den immer wieder benötigten Sauerstoff frei- zugeben. Durch diese Funktion hat sie eine große Aufgabe erhalten, denn fast alle Wesen der Erde leben von der Gnade der Pflanze. Die Zerlegung der Kohlensäure geschieht mit Hilfe des Chlorophylls, des Blattgrüns, das sich nur unter der Einwirkung des Lichts bildet. Bei allen diesen Erfahrungen der Wissenschaft wäre es aber sehr voreilig, wollte man diesen skizzierten. Grundriß der Lebens- Notwendigkeiten, der nur auf Beobachtungen beruht, die auf unserer Erde gemacht wurden, als allgemeingültig ansehen. Es ist nicht unmöglich, daß die Entwicklung be! anderen chemischen und physi- kalischen Boraussetzungen auch andere Wege einzuschlagen vermag, ohne dabei die Naturgesetze zu durchbrechen. wo enlsteht der stärkste Rauhreis? Im Vorwinter sehen wir die Bäume und Sträucher oft init einem Rauhreis überzogen. Manchmal sehen die Aeste aus, als wären sie mit seiner Watte überzogen. In Laienkreisen hört man öfter, hoch oben auf de» Bergen sei der Rauhreif noch viel schöner und stärker. Dies ist jedoch nur sehr bedingt richtig. Es gibt allerdings Berg«, wo sich der Rauhreif viel stärker bemerkbar macht, als in den Niederunge». Auf Bergen tritt öfter der Rauhreif so stark auf, daß Bäume, Pfosten, Telegraphenstangen und so weiter kaum noch in ihren Um rissen zu erkennen sind. Aber nicht auf den höchsten Bergen macht sich der Rauhreif so stark bemerkbar, sondern auf den Bergen von mittlerer Höhenlage. Auf den höchsten Bergen ist nämlich von Rauhreif viel weniger zu merken. Die Erklärung dafür ist sehr einfach. Der Rauhreif zeigt sich auf jenen Bergen am stärksten, deren Höhenlage ungefähr der Höhe der Winterwolkcn gleich ist. Berge, deren obere Partien über die Höhenlage der Wolken hinaus- ragen, haben auch nur einen geringen Rauhreif. Daher tritt Rauh- reif auf Bergen wie dem Brocken oder wie den, Ben Nevis in Schottland am stärksten auf. Dort macht der Reif im Herbst und Winter aus Gegenständen, die draußen find, recht seltsame Gebilde. Die erste Eisenbahn in Deutschland wurde im Jahre 1835 auf der strecke Nürnberg— Fürth dem Verkehr übergeben. Der deutsche Bergbau benutzte ober schon im 16. Jahrhundert sowohl Holz- als auch Steingleise. Letztere kamen sogar schon bei den alten Griechen zur'Anwendung. Verantwortlich s!!r Politik! Victor Schill! WirtsSioll:»Z Uhr Viktoria und ihr Husar Sonntags u. 8V> Uhr Der Vogeihändler Theater im Admiralspalast Täglich SV. Uhr Die Dnbarry mi» Gitta Alpar Preise v. 0.50 M an Planetarium —- am Zoo» Letzte Wodie 3, 5. 7. 9 Uhr Italjenlilm iMlltg.HM-UeMilillllllW Verlängert bis einschl. Donnerstag Willy Forst,! rüde v.Molo 6. GrOndgens. Roda Roda, A. Pointner usw. 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Mai 1887, fff verstarben. Die Einäscherung findet Donners. faa, den 26. November. I8V, Uhr. im Krcmalorium Baumichufenweg, Kies» hoizsfraße, staff Am 24 November starb unser Kollrge. der Former Bemk. Hornicke ged 10. Nooember 1865., Die Efnäicherung findet am Sonn» abend, dem 28. November, lö Uhr. :m Krematorium Baumschulenweg, Kiethoizstraße, statt. Am 23 November starb unsere Kollegin, die Arbellerin �Tarxot.linde geb. 2. November 1909 Die Beerdigung findet am Sonn» abend, dem 28. November, lä'/i Uhr. von der Leichenhalle des Silhelms» derger Friedhoss aus statt. Am 2l. November starb unser Kollege, der BauichiviTer Albert Bartbel geb. 25 M it 1896. Die Einäldjcrung findet am Sonnabend dem 2». November, 17','; Uhr im Krematorium Derichiorage ftait Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird eervartet. Die Ortarerweltmig Frau Malie Jaenccke geb. Eberi meine liebe Frau, unsere freusorgende Mutter, meine einzige Tochter, unsere unrergehlidie Schwester, Schwieger- lochler, Schwägerin und Tante, ist am 24. November 1931 nndi längerem schweren Leiden im 32. Lebensjahr verstorben. Um stille Teilnahme bitten Landrai Dr. Jaenccke u. Kinder, Louise Eberl als Mutter. Familie Friedrich Ebert, Karl Ebert, Familie Gusiav Jaenccke. Uslar/ 5erljn/ Brandenburg a. H. den 25. November 1931. Die Einäscherung findet am Freüag, dem 27. November 1931. vormittags 10 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Slrahe 100/103, statt. Es wird gebeten, von Beileidsbesuchen abzusehen. 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