Morgenausgabe Nr. 557 A 250 ■#- - �.Hchrgang. WöchcnMch 85"ff., moiuaNchz.soM. «davon 83 Pf. nioifaMch?ür Rufttl- lung ins Haus) im voraus zahldar. Poftb�ug-iw�i»8I>ch 60 Pf. Pa»izru.un»-.'- unir72-M PosideslcUac. dührrn. A>rsZarchsabon»Slem L.— Si. vrv Mdnai� MLilW-r niit ermabig- lrm DrSKsaKcnpoHo 5,—'iL«. Der„Horwirts" erscheint Wochentag» lich zweimal, Sonntags und MoMag» einmal, dre�uldendausaabe ftir Berlin und im Handel Mlt dexr Titel„Der Abend". Illustrierte Sijmttagsbeilag« Sonnabend 28. November 1931 ' V. Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15�'/ Dir clnlpall. Nonoorelll�ielle. dg Pt. Retlamezeile o,— RA!,„jileine itn- »eigen" das feUgedrintle Wort i'i Pf. (juldllig zwel fettoednutte War»), fede» weitere Worl 12 Pf. Rabdl! lt. Totlf. Stellengefuche dos rrfle Wort>ö Pj, jedes weitere Wort 10 Pf. Warle oder 15 Buchstodett Zähle» für zwei Worte, ArbeitsmarN Zelle L0 Pf. gooibie». anzeigen Zeile 40 Pf.?lnzeioena»»ohm« imHauptgcfchaftLlndciiftrah-S. wochcn. täglich von 8'h bis 17 Uhr. Der D-rlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen»oel IeKtvalorgan der GoziatdemokvaMchen Partei DeutsGtandS R e d o k t i o n u ii d B e r l a g: Berlin SW ö8. Lindenstr. 2 iz?ri,ipr..�ölihiiU rATi 29sl—297 Telearamm-Adr.l iZdilaldcmokrai Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Bi:rlin37S3S.—BanrroMl>tBiinkdcrArdcitcr.Aitgeslcll!«t! und Beamten. Lindenstr. 3 Dt B.u.Disc..Ees.. Devolitenk.,Lerufalem«r Str. G5/65. Eine well« der nationaliftischen Lealltian braust über veutschland. vie wirtschastskril-, die ungezählten Millionen Not und Verzweiflung bringt, bat bei den Wahlen Hessens den politischen Wunderdoktoren des Nationalsozialismus neue Ernte gebracht, wo alles daniederliegt. blüht ihr Geschäst. Das Nachspiel, das die hejsenwahlen gefunden haben, zeigt jedoch auch die Verlogenheit der nationalsozialistischen öewegung. vas Programm der hessischen nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten für ihren illegalen Regierungsantritt steht in schneidendem Widerspruch zu den Legalitätsschwüren Süotf Hitlers, vie voppelzüngigkeit und namenlose Heuchelei des Nationalsozialismus ist entlarvt. wir wissen, daß jenes Vliti- unö Hungerprogramm « v■ das wahre Erficht dieser Bewegung zeigt, vieses Programm ist nichts anderes als die juristische Formulierung der ungezählten Morddrohungen, die Hitler, Frick, Stöhr und andere Führer des Ilationalsozialismus in gewissenloser Demagogie in die Mafien ge- jchfeüdert haben. Dieses Programm entspricht nur der blutigen Praxis, die von der national- sozialMschen SK. und SS. heute an allen Ecken und Enden Deutschlands geübt wird. 2�?»nter dem sogenannten Nationalsozialismus steht als 'Treiber und Geldgeber der reaktionärste und brutalste Teil der geUjlllchen stavitalistenklasse. Er will die Serstörung der Gewerkschaften aller Richtungen, die Beseitigung der Rallektioverträge, die Vernichtung der Sozialverflcherunz. uogousttet werden.M das Bewnirtsein eines freien, gleichberechtigten Menschentums, das die Sozialdemokratie in den arbeitenden Mafien geweckt hat. Man will wieder ergebene Znduftrienniertanen die sich aus Furcht vor dem Hunger jedem Diktat fügen. Vorläufer dieser geplanten llnternehmerdiktatur ist der nationalsozialistische Terror. Adolf Hitler hat dem Reichsinnenminister G r o e n e r Material überreicht, aus dem hervorgehen soll, datz die Nationalsozialisten die Angegriffenen sind. Der nationalsozialistisch« Wolf stellt sich als ein Lamm vor, das kein wässerlein trübt. Viesen Betrug wird die Sozialdemokratische Partei nicht gestatten. Bei ihr häuft fich das Material, das für die Blutschuld der Nationalsozialisten erdrückende Beweise liefert, vieses Material mutz gesichtet und ergänzt werden? Alle dazu zweckdienlichen Angaben find möglichst in aktenmätzig belegter Darstellung ungesäumt der Terroe-Äbwehrstelle beim parteivorstanö> Verlm SM öS, llinöenstraße 5 zu übersenden, vie Sozialdemokratische Partei wird sich aber nicht darauf beschränken, Terror und Gesetzwidrigkeiten abzuwehren, sie geht zum Angriff gegen den National- sozialismus über und wird ihn schlagen, vie bürgerlichen Parteien sind fast sämtlich so gut wie vernichtet. Ihre kläglichen Reste sind kampfunfähig und vielfach zur Unterwerfung bereit. Ungebrochene Kampfkraft lebt nur noch in der sozialistischen Arbeiterbewegung, in den Gewerkschaften, im Reichsbanner, in der Arbeitersportbewegung, die es mit allen Kräften zu fördern gilt. Auf politischem Boden fällt.zwischen der faschistischen Reaktion und der Sozialdemokratie die Entscheidung, wer nicht will, datz Deutschland faschistisch wird, der gehört als Kämpfer in die Reihen der Sozialdemokratie. Sie kämpft gegen Lohndruck und Scharfmachertum, für das Recht der Gewerkschaften, für den Kollektivvertrag, für den Wiederaufbau deu�Sozialpolitik, für die fortschreitend« Um Wandlung des verjagenden kapi- talistischen Wirtschaftssystems in eine Gesellschaftsordnung, die allen arbeitenden Menschen Brot und Freiheit gewährt. Volk, es geht um Freiheit oder Knechtschaft: Volk,«S geht um Leben und Tod! Nieder mit dm fafchiftifchm Verderbem Deutschlands! Vorwärts für dm Sieg der Demokratie und des Sozialismus! Für ein freies Deutschland! Vertut, 27. November 1VS1 Der Vorstand der So;ta!demokratifchea Partei DeuttchlaadS Gegen Oberreichsanwalt Wewer. Hessische Vorstellungen beim Reichskanzler. D armstabt, 27. November. Von der Prefsestelle der hessischen Negierung wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: „Die durch die Telegraphen-Uniou verbreitete Cr» klärung des Qberreichsanwalts hat am Freitag zu einem Schritt der hessischen Staatsregierung beim Reichskanzler geführt. Im Auftrage der hessischen Staatsregicrung, insbesondere des hessischen Innenministers, ist am Freitag nachmittag der hessische tSesandtr beim R e i ch s j u st i z m i n i st e r und Reich s- k a u z l e r vorstellig geworden wegen der Behandlung, die die Hochvcrratsangclegenheit des hessischen national» sozialistischen LaudtagSabgeordneten und Amtsanwalts Werner Best in formeller wie sachlicher Hinsicht durch den Lberreichsanwalt in der Presse erfahren hat. Man darf annehmen, dast dabei auch auf die Stellungnahme des!Dberreichsanwalts bei den entscheidenden Vesprechun- gen im preußischen Ministerium des Innern zu der Haussuchungsaktion hingewiesen wurde.". Belehrung für den Oberreichsanwalt. Der„Bayerische Kurier", das Organ der Bayerischen Volkspartei, kritisiert die Erklärung des Obcrreichsanwaks auf das fchärsstc. Es nennt die Auffassung Dr. Werners„sachlich völlig unhaltbar". Gegen sie sprächen folgende lieber- legungen: Die„Ucberivindung der Kommune" würde zur rechtlichen Folge die Wiederherstellung der gegenwärtigen ftaatsrechtlichcnOrdnung haben: wenn nach nationalsozia- tistifcher Rechtsaussassung dies« Folge nickt eintrete, wenn nach dieser Auffasiung also die Kommune die gegenwärtige staatliche Ordnung endgültig beseitigen könne, so handle es sich hier um Parteiouf- faflnngsn, die weder für die deutschen Strasverfolgungsbehörden noch für die deutschen Gerichte bindend seien. Nach geltendem Staatsrecht stelle ein kommunistischer Umsturz einen Hochverrat dar, der die rechtlichen Folgen einer gültigen Beseitigung der gegenwärtigen Rechtsordnung um so weniger haben könne, als das hessische Dokument ja von der Boraus- fetzung ausgehe, daß die kommunistische Herrschast nicht einmal tat- sächlich gesichert sei. Im übrigen sei d e r V e r s u ch, hochverräterische ttnternchiniingen der Nationalsozialisten als Defcnsivakte gegenüber dem Konnnunismus zu tarnen, so alt wie die NSDAP. s c l b st. Bereits bei den von dem bayerischen Justizminister Dr. Gürtner der Strasversolgung entzogenen Vorfällen vom 1. Mai 1923 habe diese Taktik die entscheidende Roll« gespielt: sollte sie dem gegenwärtigen Oberreichsanwalt nicht bekannt sein? Ein Gelber als Hochverräter. Werners Erklärung mit Erfolg gelesen. L c i p i g, 27. November. Por dem vierten Strafsenat deS Reichsgerichts steht der Schriftlcit r Fritz.Kannapinn aus Cfsen- a r n a p, der die„N ationalc Arbeiter» z e i t»n g". das Blatt des Verbandes der natio- nalen Arbeiter Deutschlands, leitet. Tie An- klage lautet auf Vorbereitung zum Hochverrat. Ter Angeklagte gehört nach seinen Angaben der Teutschnatioualen Voltspartei an. und zwar dem„rechten Flügel dieser Partei, der der Natwnalsozia- listischen Deutschen Arbeiterpartei nahesteht". Der An- geklagte hat«ine Anzahl von Vricfen an Gesinnung»- genossen geschrieben, in denen er zu Maßnahmen gegen da» derzeitige Regieruugsshstem. aufgefordert hatte. Er behauptet allerdings, er habe nicht j die Staatsform, auch nicht die Regierung, die jetzt am Ruder fei, stürzen wollen, vielmehr hätte» seine ganzen Absichten dahin gezielt, kommunistische U c b e r- griffe ab zuto ehren und für den Fall, daß der ftom. munismus in Teutschland die Macht gewinne und die Regierung stürze, entsprechende ltriiste bereitzustellen. die einen neuen nnd nach seinen Ansichten geleiteten Staat aufstellten. Die Verhandlung wurde unterbrochen, weil»och ei« Zeuge zu hören ist. Sie geht am Sonnabend weiter. Zorns. Herr Jörns führt bic Untersuchung gegen Best und Genossen. Im Prozeh Bornstein-Jorns schloß der Verteidiger Paul Lern sein Plädoyer mit folgenden Worten: „Jawohl, dieser Prozeß ist eine sittliche, eine staatliche Not- meiidigfctt und eine Notwendigkeit fiir die Justiz. Sie, meine Herren, sollen sagen, ob der Rcichsanwalt Jörns die Qualifikation für sein hohes Amt hat. Meine Herren, nach dem, was stier geschah in diesem Verfahren, wenn Sic da schrieben: Ja, der Mann, der diese Untersnchiinz führte, er ist dazu berufen, ein höchstes Amt in der deutschen Justiz zu versehen,— ein solcher Spruch, unterschrieben von Richtern mit dem Siegel der Justiz, wäre die letzte Zerstörung des Glaubens an die Gerechtigkeit." Die Knechte des Hauspaschas. Auch„fleberwindung der ttommune"! Köln, 27. November.(Eigenbericht.) Ein Kölner Hausbesitzer, der der NSDAP, angehört, hatte m i t einem seiner Mieter Streit bekommen. Er holte daraufhin aus einem Verkehrslokol der SA. 8 N a z i s zur 5)ilfe, die versuchten, mit Gewalt in die Wohnung des Mieters einzudringen, mu Gegenstände aus der Wohmmg zu holen, die der Hausbesitzer für sich be- anspruchte. Aus der Polizeiwache, westin die Rowdys durch ein Ueberfallkommandn geschasst wurden, gaben sie an, sie hätten„nur «inen russischen Kommunisten" aus der Wohnimg her- ausholen wollen. Jetzt ist's genug! Steel grell zu! An das republikanische Berlin! Die in Hessen beschlagnahmten hochverräterischen Pläne der Nazis haben erneut unter Beweis gestellt, daß von dieser Seite in kuhler Ueberlegung der Bürgerkrieg vorbereitet und der gewaltsame Kampf gegen den Volksstaat organisiert wird. An dieser Tatsache vermögen die verlogenen Legalitätsschwüre der ertappten Hochverräter nichts mehr zu ändern. Allen Ausreden und Beschwichtigungen gegenüber stellen wir die Forderung: „Jetzt isfs genug, Staat greif zu!" und werden diese Forderung in 12 großen Kundgebungen vor dam republikanischen Berlin vertreten. Diese Kundgebungen finden am Sonntag, dem 29. November, vormittags 11 Uhr, in nachstehenden Lokalen statt: Albrechtshof, Steglitz, Albrechtstraße 1a Tempels Festsäle, Prinzenallee 45 Belvedere, Alexanderstraße 26 Ahlerts Festsäie, Charlottenburg, Berliner Str. 24 Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23 Arminius-Säle, Bremer Straße 72-73 Germania Festsäie, Chausseestraße 110 Schätzenhaus Reinickendorf Kliems Festsäle, Hasenheide 13-15 Kammersäle, Teltower Straße 1-4 Splchern-Säle, Spichernstraße 3 Stadtthealer Köpenick, Friedrich-Wilhelm-Platz Es werden sprechen: Bathke, Oberleutnant a. D.— Prof. Bernhard— Fechner, M.d.L.— Fest, Rektor— Fromke— Harnisch, M.d.L Dr Haubach— Major a.D. Hauff, M.d.L.— Hetzschold— Holze— Dr. Karutz— Dr. Kunze— Küter— Kuttner, M.d.L.— Dr. Prinz zu Löwenstein— Jockel Meier— Richard Meier— Neidhardt— Dr. Nowack— Dr. Pähl Reuter— Rosenzweig— Scheidemann, M. d. R.— Dr. Schreiner— Stelling, M. d. R.- Wiegner. Wir rufen das republikanische Berlin auf, mit uns in Massen gegen die nationalsozialistischen Bürgerkriegshetzer zu demonstrieren und rücksichtsloses Einschreiten der Staatsgewalt zu verlangen. Gau vorstand Berlin des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Das offizielle Programm. Erschießen! Erschießen! Ist das auch legal? Militärische Ausbildung der(SA. in(Schlesien. B t e s I a u, 27. November.(Elgenberichl.) Die repabMauifche Bevölkerung Mllelschlesieus wird nach wie vor durch Brovotafioaen von Hitler» privalarmee beunruhigt. Tag für Tag laufen bei den lleberwachungsftellen. die sich die Arbeiterfchasl zur Abwehr der faschistischen Gefahr geschaffen hat, Alarmoachrichlen ein. Die allgemeine Unsicherheit wächst, die UeberfSlle auf JunktionSre der Arbeiterbewegung mehren sich fort- gefetzt. Zn zahlreichen Orlen finden nachts trotz des bestehenden Der- bot« noch Uebungen stalt. Oft sind die Teiluehmer solcher llebuogen bewaffnet. Auffällig ist, daß hier und dort Nazimannschafteu und einzelne nationalsozialistische Führer au» anderen Teilen Deutschland», so au» Sachsen, Bayern und Schleswig- Holstein. sestgestellt wurden. Dazu wachsen die Braunen Häuser wie Pilze aus der Grde. Derartige Brulslätlen der Faschisten sind bis jetzt in Breslau. Falkenstelo, Neumark. Neurode. Reichenbach. Reichenstein. Strehlau, UZehlau und Waldenburg eingerschlel. Außerdem hat man einzelne Güter mit Nazimanafchasten belegt, so u. a. ha» des Grafen Jork von warteuberg in Schleibitz bei Oels. Dort finden dauernd Ausbildungskurse statt. Sobald ein Lehr- gang beendet ist. hallen neue Trupps ihren Einzug. Alle tiefe Borgänge steigern die allgemeine Nervosität derart, daß fort- gesetzt wilde Gerüchte in der Provinz umherschwirren. „Hattet den Dieb!" ÄaS Ablenkungsgeschrei der Hitler-Leute. Die Reichsleitung der NSDAP, bestreitet die Meldung, daß der von ihrer Partei zum hessischen Landtagsabgeordneten ge- wählte Dr. Schäfer zwei Jahre in der Reichsleitung im Braunen hause tätig gewesen sei. Dr. Schäfer selbst übergibt der Presse jetzt«ine längere Er- klärung, in der er bestätigt, daß er von einem Gericht wegen angeb- licher Wechselsälschung verurteilt worden sei. Er behauptet, zwei jüdische Kaufleute hätten unverantwortlich und gewissenlos an ihm gehandelt. Es schwebe noch ein von ihm angestrengtes Meineids- oerfahren gegen die beiden. Aber das ist nicht das Wichtige, sondern vielmehr die Tatsache, daß er von dieser Verurteilung und dem ganzen Verfahren dem hessischen Gau- leiter Gemeinder schriftlich Mitteilung gemacht habe. Trotz Kenntnis der Tatsache aber habe Gemeinder sich nicht gehindert gefühlt, ihn an hervorragender Stelle zu verwenden. Erst jetzt, nachdem er ihre verbrecherischen Pläne aufgedeckt habe, versuche man. ihn herabzusetzen, während man sich vorher nicht ge- scheut habe, die ganze Zeit seine ehrenamtlich unter Aufopferung von Zeit und Geld geleisteten Dienste entgegenzunehmen. Für die Beurteilung der Pläne des Dr. Best und seiner Ge- nassen, für die auch Hitler als„Alleswisser" volloerantwortlich ist, spielt die Person Schäfers nur eine untergeordnete Rolle. Wenn die Rechtspresse, vor allem die Organe hugenbergs, jetzt besonders über Schäfer, herfallen, so geschieht das nach dem bewährten. Grund- satz:„haltet den Dieb!" Für die politische und juristische Beurtei- lung ist die Frage nicht, wer die verbrecherischen Pläne enthüllt hyt, sondern ob sie bestehen und welche Kreise sie verfolgen. Darüber hat das Geständnis des„republikanischen" Amts- anmalt» und jetzigen Landtagsabgeordneten Dr. B« st ja hin- reichend Aufklärung geschaffen! proiest gegen das Reichsgericht. Entrüstung über das„Landesverrats"- LlrieU. Die Deutsche Liga für Menschenrechte hatte gestern abend zu einer Kundgebung gegen das Reichsgerichtsurtsil aufgerufen, das die Schriftsteller Ossietzky und Kreiser wegen Landesverrats zu je anderthalb Iahren Gefängnis verurteilt hat. Der Bach-Saal war überfüllt. Studiendirektor K a w e r a u führte den Borsitz. Unter Beifall der Versammelten erhoben Rechts- anpalt Dr. Apfel, Rudolf O l d e n, Manfred Georg, Walter V i p d e r, Bruno Schönlank, Leopold Schwarzschild, Walter v. d. Linde und Arnold Zweig flammenden Protest gegen die Vernichtung der Meinungsfreiheit durch das Reichsgericht. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die von der Deutschen Liga für Menschenrechte einberufene, von mehr als lZOll Menschen besuchte Protestkundgebung gegen das im sogenannten Weltbühnen-Prozeß ergangene Urtell- gegen die Schriftsteller Karl v. Ossietzky und Walter Kreiser spricht den Ver- urteilten ihre Sympathie und Solidarität aus. Die Versammlung hat mit Empörung davon Kenntnis genommen, daß gegen so ehren- werte Mäner wie Karl von Ossietzky und Walter Kreiser die diffa- mierende Gefängnisstrafe verhängt worden ist. Sie erwartet von dem Herrn Reichspräsidenten, daß dieses Urteil nicht voll ft reckt wird, vom Reichstag, daß er hierzu alles Er- forderliche tut. Gegen das Urteil erhebt die Versammlung Einspruch, weil die betreffenden gesetzlichen Bestimnmngen nicht auf den in Frage kam- wenden Artikel zutreffen, da dieser lediglich«ine Etats- kritik darstellt, die jedem Bürger nach Artikel 118 der Reichsver- fassung zusteht. Die Versammlung weist ferner darauf hin, daß dl« unter Ausschluß der Oefsenllichkeit geführte Verhandlung Deutschlands außenpolitische Lage, insbesondere auf der Ab- rüswngskonferenz, außerordentlich erschwert hat. weil das Ausland den Eindnick gewinnen muh, daß Deutschland den ver- fraglichen Verpflichtungen entgegenhandelt. Die vom Reichsgericht auch schon in früheren Fällen einge- schlagene juridische Linie wird zu einer großen Gefahr für den guten Ruf des deutschen Volkes und feine Regierung sowie für die Erhaltung des Friedens und der Kulturgüter. Die Tätigkeit des Reichsgerichts in diesem Falle erbringt den vollen Beweis, daß das Reichsgericht nicht mehr lange erste und letzte Instanz in solchen Fällen sein kann. Die Versammlung fordert daher mit der Deut- jchen Liga für Menschenrechte von der Reichsregierung, daß sie un- nerzüglich eine Berufungsinstanz für hoch-"und Landes- nerratsfachen schaffe." Nazis gegen arme Leuie. CMe verschleppe» Petitionen. Der Sozialpolitische Ausschuß dos Reichstags behandelte am Freitag eine große Reche von Petitionen. Dabei ergab sich, daß die Mitglieder der nationalsozialistischen Fraktion die ihnen zur Behandlung zugewiesenen Petitionen nicht erledigten. Sie erschienen auch nicht in den Sitzungen des Ausschusses. Die ihnen überwiesenen Petitionen mußten im Interesse der Petenten von anderen Mitgliedern des Ausschusses erledigt werden. Der Ausschuß beschloß e i n st i m m i g, daß dieser Tatbestand der O e f f e n t l i ch- keit mitgeteilt werden sollte. Uns liegt ein Gesetzentwurf vor, der von National- sozialisten verfaßt ist und ganz im Sinne des Bocksheimer Klüngels die wahre nationalistische Gedanken- weit unwiderleglich enthüllt. Wir geben aus diesem Ge- setzentwurf einige besonders mtereffante Stellen wieder: Wer den sittlichen Grundsatz der allgemeinen Wehr- und son- stigen Staatsdien st pflicht der Deutschen in Wort, Schrift, Druck, Bild oder in anderer Weise bekämpft, leugnet oder verächtlich macht, oder für die geistige, körperliche und materielle Abrüstung des deutschen Volkes wirbt, oder wer sich selbst der gesetzlichen Pflicht zur persönlichen Dienstleistung entzieht, oder wer an einer Vereinigung oder Verabredung wehrfeind- licher Bestrebungen teilnimmt, wird wegen Wehrverrats mit dem Tode bestraft. Wer öffentlich in Wort. Schrift, Druck, Bild oder in anderer Weife Deutschlands Alleinschuld oder Mitschuld am Welt- krieg behauptet, oder wer neue auf der Kriegsschuld beruhende Lasten oder Verpflichtungen übernimmt oder anerkannt, oder den Willen zur politischen und kullurellen Selbstbehaup- tung des deutschen Voltes zu lähmen oder zu zerstören unternimmt, wird wegen Volksverrats mit dem Tode bestraft. Wer es unternimmt, die natürliche F r u ch t b a r l e i t des deutschen Volkes zum Schaden der Nation künstlich zu hem- m e n... oder wer durch Vermischung mit Angehörigen der jüdischen Blutsze meinschaft oder farbigen Rassen zur rassischen Ver- schlechterung und Zersetzung des deutschen Volkes beiträgt oder beizutragen droht, wird wegen Rassenverrats mit Zuchthaus bestraft. Wer lebende oder tote deutsche Nationalhelden, Heerführer oder Inhaber der höchsten deutschen Tapferkeitsorden... öffemlich be- schimpft, verächtlich i nacht oder in ärgernisexregender Weise miß- achtet, wird mit Zuchthaus und In Fällen, die von besonderer Roh- heit und Gemeinheit der Gesinnung zeugen, daneben mit körperlicher Züchtigung bestraft. In besonders leichten Fällen kann an Stelle der Todesstrafe auf Zuchchaus. in besonders schweren Fällen ay Stelle von Zucht- Haus auf Todesstrafe erkannt werden. Daneben kann auf Ver- mögeneeinziehung. Verlust der Reichsangehörigkest und Verbannung erkannt werden. Erschießen! Erschießen! Todes st rafe! Todesstrafe! Zuchthaus! Zuchthaus! Körper- liche Zucht ig ung! das ist der Refrain aller gesetzgehe- rifchen Vorschläge der Nationalsozialisten. Das ist der„Geist" aus dem Braunen Haufe, der Deutschland Heglücken soll! Diesen Gesetzentwurf wird weder die„DAZ. noch die .Hugenberg-Presse noch auch der„Angriff" des Herrn Goebbels alsSpitzelarbeitoderFälfchung bezeich- neu können. Er ist wirklich waschecht, denn er trägt die Unterschriften des Dr. F r i ck. des Ritters von Epp, der Herren Feder und G ö h r i n g. des Grafen zu e- ventlow.des Stöhr und nicht zu vergessen dos„Reichs? Propagandachefs" Dr. G o e bb e l s höchstselbst Zudem trägt er die Nr. 1741 der Reichs tagsdrucksachen aus der 4. Wahlperiode 1928. Er ist wirklich ein Gesetzentwurf, eingebracht von der damaligen n a t i o n a l f o z i a. li st i s che n Fraktion. Er ist Fleisch vom Fleische Hitlers und Geist vom Geiste des hessischen Best! „Legale" Drohung! Ganz im(Stile von Vocksheim: Erschießen! Erschießen! Vor uns liegt eine?lummer des von den Nazis herausgegebenen Blattes für Eisenbahner, darin findet sich— neben vielem anderen krausen Zeug auch eine„Warnung", die die vielversprechende lleber- jchrijt trägt:„Hitler kommt legal zur Macht!* Daria wird die Behauptung aufgestellt,„die marxistischen Gewerkschaften" trieben Streikoorbereitungen, um die Machtübernahme zu verhindern. Und dann heißt es geheimnisvoll: „Vor einer Beteiligung an solchen politischen Streiks wollen mir h e u t e f ch o n alle Kollegen ganz entschieden warnen! In ihrem ureigensten Interesse!! Weiteres darüber zu sagen, verbietet uns die Vorsicht... In dem Eisenbahnerwerbeblällchen ist man also zu feige oder zu „vorsichtig", gleich mit„E r s ch i e ß e n! Erschießen!" zu drohen. Aber vielleicht war auch schon ein Best am Werke, der die not- wendig« Proklamation für Eisenbahnstandgerichte schon verviel- sättigt hat? Wandlung. Oder nur Wendigkeit? Gestern sprach im Programm der Aktuellen Abtellu� der Funkstunde der Chefredakteur der„Deutschen Allgeme-inen Zeitung". Dr. Fritz Klein, über die Vorgänge, in Hessen. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" hat als erste laut über „Fälschung" geschrien. Sie erklärte: „Dieser Aufruf tragt— ohne daß wir mit dieser Feststellung den Erklärungen der hauptbetelligten vergreifen wollen, die Merkmale der plumpen Fälsch una an sich---- Wer auch immer das vorstehende gewissenlose Machwerk fabriziert hat — Fälscher oder Spitzel— ist mit der Verantwortung für eine große Irreführung des Inlandes und des Auslandes belastet." In der nächsten Ausgabe triumphierte sie:„Hitler und der Oberreichsanwalt gegen«evering". Der Chefredakteur dieses Blattes sprach also über die Vor- gänge in Hessen: „Dies großmäulige und k i n d i f che Dokument"— so erklärte er—„besteht aus mehreren Teilen. Der erste Test muß im höchsten Grade bedenklich und skeptisch stimmen gegen- über der Urteilskraft und dem politischen Verständ- nis seiner Urheber. Noch mehr gilt das von den Partien über die wirtschaftlichen Maßnahmen." 5zicr setzte ein offenbar nationalsozialistisches Störungsgeheul ein. „S e l b st v e r st ä n d l i ch, daß die Behörden in gewisse Cr- r e g u n g versetzt wurden und die Angelegenheit beim obersten Gericht anhängig gemacht haben. Es steht inzwischen fest, daß es sich um ein echtes Dokument Handell." „Es ist bedauerlich, daß bisher eine klare Verurteilung des Dokumentes selbst von fetten der Nattanalsozialistischen Partei unterblieben ist." „Im Inland und Ausland ist durch das Dokument eine außer- ordentliche Unruhe erzeugt worden, die weder dem deutschen Kredit noch den Verhandlungen dienlich sein kann." „Das Spiel mit einen» kommunistischen Auf- stand, dem es angeblich gelingen sollte, die Staatsgewalt zu be- seitigen— was völlig unmöglich ist— ist eine naive Kombination, die von polttischer Einsicht wett eittfernt ist." .„heraus aus dem latenten Bürgerkrieg!" Es scheint, daß Herr Dr. Fritz Klein, der Leiter der„DAZ.", plötzlich furchtbare Angst bekommen hat. Freunde der Bestialität. Die deutfchnatijjnale Fraktion des Preußischen Land- tags hat sich aus die Seite der hessischen Faschisten ge- stellt. In einem Antrag an die preußische Staotsregierung. in dem sie die Bocksheimer Dokumente als„bedeutungslose private Schriftstücke" bezeichnet, wird das Staatsministerium gefragt, ob es das Verhallen des Innemninifters, der durch die Vsröffeitt- lichung der Dokuments feine Amtspflichten verletzt Hobe, billige, uich wenn dos nicht der Fall fei. ob es bereit fei, 1. Aktionen des Innen- Ministeriums wie sie die Maßnahmen in Sachen des angeblichen Hochverrats in Hessen darstellten, zu verhüten, und 2. eine energische Unterdrückung landesverräterischer Ilnttriebe durch die preußische Polizei herbeizuführen. Mit dieser unvcrjchönllen Anfrage haben die Deutfchnationalen ihre wahre Gcsmming offenbart. Rechtsputschisten sind von ihnen poch immer in Schutz genommen wordey. Nr. 557* 48. Iahrgaug 1* Beilage des Vorwärts GonnaSendx 28. November 4954 Weddinger Arbeiter wachen. Das Echo unseres Alarmruffes.— Nazis stehlen den„Vorwärts ?ie Veröffentlichungen deA„Vorwärts" nber die Vürgerkriegsrüstungen der ZA.-Leute auf dein W e d d i n g l�rben bei der Arbeiterschaft eine auster- ordentlich starke Beachtung gefunden. Fortgescbt gehen uns ueue Hinlveisc über das immer unberhüllterc Treiben der Nationalsozialisten zu.«o steht heute schon fest, daß die Liste der Nazi-Ztühpunkte, die wir veröffentlicht haben, noch ergänzt iverden muh. Das Treiben der Nazi-Leute in der Gegend der Schön- ivaldcr Straße war langsam zu bunt geworden. Vor un- gcfähr drei Wochen hatten die Nazis Fnigblattverbreitung. Das machten sie frühmorgens um 5 Uhr, denn soweit ist es allerdings noch nicht, daß die Nazis sich abends in die Arbeitcrhäuser wagen tännen. Bei dieser Flugblattvcrbrcitung traten die Nazis als Diebe aus. In jedem Briefkasten, in dem ein„Vorwärts" steckte, wurde die Zeitung gestohlen und dafür ein Nazi-Flugblott hineingesteckt. Wo der„Vorwärts" nicht direkt gestohlen wurde, nahm man die Zeitung heraus und legte das Flugblatt bei. Bürgerkrieg wird � geübt''. In der ersten Zeit wurde in dein Nazi-Lokal in der Schön- waldcr Straße 12 übrigens die ganze Nacht hindurch Bürger- krieg„g e ü b t". Bis in die Morgenstunden hinein hörte man vom Keller her die Trommelwirbel. Als sich darüber die Liausbewohncr beschwerten, entsandte das zuständige Polizeireoicr einen Doppelposten, der jetzt ständig Tag und Nacht vor dem Lokal Wache hält. Allerdings lassen sich die SA.-Leute dadurch nur wenig störe», die Trommclei hört wohl um 10 Uhr abends auf, aber die Einschläge der Bolzen bei den Schießübungen hört man bis ins Nebcnhaus. Viel belacht von der Arbeiterschaft um den Weddingplatz wird übrigens, daß der in der Schönwalder Straße tagende SA.-Sturm vor einigen Tagen seine Fahne losgeworden ist. Die Nazis waren gerode unterwegs zu einer Versammlung noch dem Krieger-Vercinshous, als sie dabei einen Betriebsunfall erlitten und Fahne war weg. Der Truppführer wird die Bcngcls schön angeniest haben, als sie ohne Fahne ankamen. Die Rowdys aus der Schererstraße. In der S ch e r e r st r a ß e sind inzwischen die Täter bekannt geworden, die vor einigen Wochen, früh um 4 Uhr, zwei Arbeiter in der Schercr- Ecke Maxstraße niedergeschlagen haben. Ein Ar- beiter hatte dabei einen schweren Stich in die Niere erlitten. Es handelt sich um eine Nowdy-Kolonne, der ein gewisser ch ö p f n e r, Schcrerstraßc i, Quergebäude 4 Treppen, Unterschlupf gewährt. Dessen Schwiegersohn Beckmann ist der Führer dieses SA.- Trupps aus der Schererstraße. Die Polizei hat schon einmal Haus- s u ch u n g gehalten in dieser Wohnung und dabei eine Schreib- Maschine und verschiedene Materialien beschlagnahmt, es geht aber nicht an, daß nachts ungefähr 6 Mann von der SA. im Hausflur stehen und Wache halten. Interessant ist, daß ein« ganze Reihe von Geschäftsleuten, die nur von Arbeiterkundschaft leben, sowohl in der Schön- waldcr wie in der Schererstraße die Nationalsozialisten weitgehend u n t e r st ü tz e n. Vielleicht überlegen sich diese Leute, daß sie in den Nazis buchstäblich den Boa zum Gärtner gemacht haben. Nach dem 5)essen-Programin werden bekanntlich am Tage nach der Macht- Übernahme durch die Nazis bei den Kleinhändlern alle Lebensmittel beschlagnahmt, wer sich dem widersetzt, wird mit dein Tode be- straft. Es ist fraglich, ob die Weddinger Geschäftsleute darin ihr im Dritten Reich zu verwirklichendes Ideal sehen. Aus der Tegeler Straße wird uns mitgeteilt, daß der Gastwirt im Ijause Nr. 39 keine Nazis beherbergt, bei ihm tagen auch keine politischen Versammlungen. Die nationalsozialistischen Zellenobleute von den Betrieben des Berliner Nordens treffen sich vielmehr im Restaurant„Zur Klau s c", das sich aus der an- deren Ecke der Kiautschoustraße befindet. Vier krauen niedergestochen Tat eines Wahnsinnigen— Der Amokläufer stellt sich 3n dem bekannten Ausslugsort Ainkenkrug bei F a l k c n s e c ivestlich von Spandau ereignete sich gestern ein schreckenerregendcr Vorfall. Zn einem Vahnsinnsansall stach der o? Zahre alte Bankbeamte Ernst Lehnert seine Tvirlschosterin, eine Frau Marie koch, deren 1.3 Zohre alle Tochter sowie zwei weitere Frauen, die aus die Hilferufe der Ueber- sallenen hinzueilten, mit einem Mestcr nieder. Der Täter flüchtete fn �inen nahegelegenen Wold. Die sofortige Verfolgung verlief ergebnislos. 3n den Abendstunden stellte sich jedoch aus dem 130. votizeirevier in der kaiserin-Augusta-Allee(54 in Ehorlolten- burg ein Mann, der einen völlig wirren Eindruck machte und angab. zwei Frauen erstochen zu haben. Die anwesenden Kriminalbeamten, die inzwischen vom der Bluttat in Finkenkrug erfahren hatten, sahen nach den Papieren und dabei stellte sich heraus, daß man Lehncrt vor sich hatte. Die nach Finkenkrug hinausgefahrene Reservemordkommission unter Leitung des Kriminalkommissars Thomas wurde von der Sclbstgestellung des Täters, den man noch in den Wäldern bei Finkenkrug suchte, sofort in Kenntnis gesetzt. Lehncrt wurde daraufhin ins Polizei- Präsidium gebracht. Ernst Lehnert hat im Kriege eine Kopf- Verletzung erlitten, die in den letzten Jahren zu geistigen Stö- rungcn führte. Mit seinem Bruder, der gleichfalls Bankbeamter ist, wohnte er in der Jmmelmannstraße in Finkenkrug in einem Zweisamilicnhqus, JDic Pärterrewohnung gehört den beiden Brüdern, im Obergeschoß'wohnt ein Fuhrunternehmer Lüdtke mit Frau und Tochter. Den' beiden-Lchnerts wurde der Haushalt von einer Frau Koch geführt, die eine 13. Jahre alte Tochter hat. Gestern war der Vater Lehnerts in Finkentrug, und wegen einer Unstimmigkeit kam es zwischen dem alten Lehncrt und der Wirt- schaftcrin zu einem Streit. Ernst Lehnert der den Wortwechsel mit- angehört hatte, geriet in plötzliche Erregung,.zog ein Messer hervor und drang damit auf Frau Koch ein. Laut schreiend versuchte die Verletzte zu flüchten. Der Wüterich lief ihr nach und versetzte auch der 13jährigen Tochter, die ihrer Mutter zu Hilfe eilte, mehrere Stiche. Auf die Hilferufe war auch die im Hause wohnende Frau Lüdtke und ihre Tochter aufmerksam geworden. Die beiden Frauen liefen nach unten, wo sie sogleich von dem Wahnsinnigen in Empfang genommen wurden. Blindlings stach er auf die Frauen ein und verletzte sie durch zahlreiche Stiche. Dann flüchtete der Täter und verschwand im Walde unweit des Bahnhofs. Die Polizei nahm die Verfolgung des Flüchtig m auf, konnte ihn aber trotz aller Bemühungen nicht finden. Ernst Lehncrt war inzwischen nach Berlin gefahren, wo er sich nach dreistündigem Umherirren der Polizei stellte. Die schwer- verletzten Frauen wurden ins Nauener Krankenhaus gebracht, wo sie zum Teil bedenklich daniederliegen. Wie wir erfahren, stand Frau Marie Koch vor Jahresfrist im Mittelpunkt eines großen Mordprozcsses. Der Bergwerksdirckwr Kramer aus Quedlinburg wurde hinterrücks niedergeschossen. Frau Koch beschuldigte später ihren Ehemann, den Heilgehilfen Otto Koch, dieser Bluttat. Der Ehemann wurde freigesprochen. Frau Koch zog dann im August dieses Jahres zu den Brüdern Lehnert nach Finkenkrng. Raubüberfall bei Tegel. Bewaffnete Banditen erbeuten 4500 M. Lohngelder. Am hellen Tage wurde gestern zwischen Borsigwalde und Neu- Tegel ein toller Wildweststreich verübt. Ein Straßenausseher des Bezirksamts Reinickendorf wurde von mehreren bewaffneten Burschen mit seinem Fahrrade angehalten und dann zu Boden geschlagen. Die Täter raubten die Aktentasche des Aufseher», in der sich 1500 Mark Lohngelder befanden, und flüchteten. Kurz nach 13 Uhr Hatte �er 42 Jahre alte Straßenaufseher Fritz Angermann aus der Schulstraße in Tegel von einer Zahlstelle in Borsigwalde 1500 Mark Lohngelder abgehoben. Das Geld wollte er nach einer Baustelle in der Schubartstraße bei Dorsig- walde bringen, um es an die Arbeiter auszuzahlen. Der Weg nach der Schubartstraße führt über einsames Gelände: diese Gelegenheit machten sich vier jugendliche Banditen zunutze. Sie lauerten Anger- mann auf und zwangen ihn mit vorgehaltenen Pistolen, von seinem Fahrrade zu steigen. Dann schlugen sie A. mit Schlagringen zu Boden und raubten ihm seine Aktentasche mit den Lahngeldern. Der Ueberfallcnc rief laut um Hilfe. Passanten und eine Polizei- streife wurden alarmiert und nahmen die Verfolgung der Täter auf: Trotzdem gelang es allen zu entkommen. Angcrmann hat bei dem Ueberfall erhebliche Kopfverletzungen erlitten. Verbrechen an einem Schüler? 43 jähriger Iunge fthwerverleht aufgefunden. Auf der Potsdamer Ehausice in Nikolassee wurde gestern um 17,30 Uhr der l3jährige Schüler Heinz Brey aus der Schul- straße 14 in Charlottenburg mit schweren Verletzungen bewußt- l o s aufgefunden. Der Junge wurde von Automobilisten ins Kur- haus Hubertus nach Schlachtensee gebracht, wo er bedenklich da- niederliegt. Heinz B. war von seinen Angehörigen nach Nikolassee geschickt worden, um dort eine Besorgung zu machen. Ob der Schüler überfallen worden ist, oder ob er auf dem Heimweg von einem Auto überfahren und hilflos liegen gelassen wurde, müssen erst die polizeilichen Nachforschungen ergeben. Vor dem Hause Ehausseestrahc in Mariendorf wurde gestern die 54jährige Witwe T h ü m e von einem Prinatouto überfahren und tödlich verletzt. Selbstmord eines Reichswehrangehörigen. Pillan, 27. November. Das Personal des von Palmnicken kommenden Personenzuges cntdecktc heute»ormiltag kurz vor dem Bahnhof P i l l a u neben dem Gleis die Leiche eines Soldaten, dem der Kopf vom Rumpf getrennt war. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um den Unter- osfizier Hefner von der Marinc-Artillcrieabteilung Pillou. Ans Grund vorgefundener Briese an Eltern und Frau muß S e l b st- in o r d wegen dienstlicher Verschlungen angenommen werden. „Ich fühle es, daß Sie ein guter Mensch sind, Frau iöchlin, sagte sie endlich schlicht,„und ich danke Ihnen für ihre Hilfsbereitschaft." Die sah sie überrascht an. Ihr icfes Gesicht strahlte. Freudig preßte sie den Arm der lassen Frau an sich. „Na. das is doch'n Wort", sagte sie beglückt. Dienst- ereit öffnete sie die Gartentür und ließ Frau Loriot den Zortritt... � ...Halten Sie sich man ein bißken mit mir, da vergeben Sie sich gar nichts! Und wenn ich Ihnen nachher wieder ein >aketchen runtcrschicke, dann nehmen Sie's ruhig an und chickcn Sic Ihren Sohn auch was davon, der wirds nötig oben." Frau Loriot sah zu Boden.„Aber nicht schenken, bitte, agtc sie gepreßt,„wir wollen es das nächste Mal mit der Iticte verrechnen." 22. Germaine stand in dem kleinen Dienstraum des Bahn- ofskommandanten._„.... „Ich möchte Sie gern allein sprechen,.Herr Mazor. Zittcnd sah sie zu dem alten Herrn aus. Der blickte erstaunt in ihr erregtes Gesicht. Dann wandte r sich dem Feldwebel zu, der am Fcnstcrtisch saß und schrieb. „Hauck, gehen Sie doch mal ruber und schauen«ic nach, b die Verwundeten alle untergebracht sind!"— „Ja, was ist denn los. Mädel? Was mit Walter? Germaine öffnete mit fliegenden Händen ihre Moppe lnd holte eine Karte und zivei Briefe heraus, die sie ihm richte..„ „Walter ist verschüttet gewesen. Er liegt im Lazarett. lber das ist nicht das Schlimmste..." Der Major nahm die Karte zur Hand und las.'„«ehr leehrte gnädige Frau! Ihr Herr Sohn liegt seit gestern bei ins im Lazarett. Er war verschüttet und ist außerdem ver- oundet: Ich kann Ihnen die freudige Mitteilung machen, daß er sich außer Lebensgesahr befindet und Sie lzerzlich grüßen läßt. Mit Hochachtung Emilie Jrschlinger, Kranken- schwester."— „Na. das ist ja großartig, gratuliere! Der Bengel hat mehr Glück als Verstand. Jetzt ist er ein paar Wochen aus dem Schlamassel— freu mich für deine Mutter!" Aber Germaine wehrte heftig ab.„Lesen Sie die beiden Briese", sagte sie verstört,„lind die hat er noch vor dem Angriff, bei dem er verwundet und verschüttet wurde, ge- schrieben." „10. September 1918. Liebe Germaine, ich schreibe Dir im furchtbarsten Dreck. Wir sind alle verlaust und kaputt. Germaine, es ist entsetzlich. Mehr kann ich nicht schreiben. Walter." „23. September. Liebe Germaine, niemand von Euch ahnt, was Krieg ist. Auch Du weißt es nicht. Germaine, schreibe mir niemals wieder, ich solle„erzählen", niemols niehr, hörst Du! Ich kann sonst überhaupt nicht mehr ant- warten.— Zwei Tage später: Hans Weigelt ist tot. Vor meinen Augen durch einen Volltreffer. Auch ich bin tot, obwohl ich lebe. Es ist alles zu Ende. Walter." Der Major faltete die beiden Schreiben zusammen. „Ja, ja, der Krieg ist kein Kinderspiel, sondern eine ver- flucht ernste Sache." Er zündete sich eine Zigarre an. Gennaine sah ihn mit großen Augen an. „Onkel Stetten— oerstehen Sie denn nicht? Walter ist am Ende. Er hat die furchtbarste Enttäuschung erlebt— das zerbricht ihn, ich weiß es. Ich muß zu ihm. Sie müssen mir Paß und Erlaubnisschein verschaffen, deshalb bin ich hier!" Der alte Herr lehnte sich in seinen Stuhl zurück. „Gennainv, nimm es mir nicht übel, aber du bist ver- rückt! Wolter ist außer Lebensgefahr, hier steht es schwarz aus weiß! Was willst du denn eigentlich noch! Daß ihm die Begeisterung verfliegen würde, dos war fiir mich so klar wie dicke Tinte."Da draußen gibts keine Zinnsold otenromantik— diese Erfahrung schadet ihm nichts!" Germaine demühte sich, so ruhig als möglich zu sprechen. „Onkel Stetten—, mein Bruder glaubte, einer großen Idee zu dienen. Er war davon durchdrungen, daß das da draußen ein Kampf des deutschen Geistes, der deutschen Seele sei. Dieser Glaube war der Inhalt seines Lebens! Verstehen Sic denn nicht, was dos bedeutet, wenn die Vrutalilät der Wirklichkeit diesen Glauben totgeschlagen hat?" Der Major paffte verärgert eine dicke Ranchwolke ins Zimmer.„Kmnpf des Geistes! Kampf der duttscheu Seele! Was sind das für überspannte Ausdrücke. Aber so was Aehnliches quatscht mir mein Neffe, der in Prima sitzt, jetzt auch manch- mal vor. Daß diese 17jährigen immer so was brauchen, von Ideen und Symbolen—! Aber das scheint zur Bildung z» gehören. Unsere jungen Baliern und Arbeiter sind darin viel vernünftiger. Die kriegen darum auch nicht gleich einen Nervenschock, wenn«ine Granate pfeift. Hergott, ist denn das so schwer zu kapieren! Geist! Seele! Quatsch! Damit kann man keinen Krieg führen! Das ist ein ungeheurer Macht- kämpf, wie er noch nie da mar und in dein es sich darum handelt, wer die meisten Reserven an Rohstoffen, an Menschenniateriai, an Lebensinitteln, an Nervenkraft besitzt!" „Ja, Onkel Stetten, das ist es, auch ich sehe diesen Krieg als einen Machttamvf an. 2lber für Walter ist diese Erkennt- nis ein furchtbares Erlebnis, an dem er zugrunde geht!" Der alte Herr stand erregt aus. „Herrgott, was find dos bloß für Ausdrücke! Zugrunde geht! So schnell geht man nicht zugrunde, mein liebes Kind! Sieh dir inal unsere Verwundeten an, wie sie daliegen mit zerschossenen Gliedern, mehr tot als lebendig! Laß dir mal van denen erzählen, was sie durchgemacht haben! Und doch gehen die meisten, eben nicht zugrunde, sondern sie werden wieder gesund!" Germaine legte die Hand über die Augen. „Es gibt auch seelische Verwündungen, die tödlich sein können", sagte sie stockend.„Aber wir wollen nicht darüber streiten. Ich bitte Sie nur herzlich: Verschaffen Sie mir die Erlaubnis!" Aber der Major warf entrüstet die Akten auf den Tisch, die er eben aufgenommen hatte. „Ausgeschlossen! Herrgott, es liegt ja kein Grund vor! Und selbst wenn ich wollte, ich könnte es nicht! Es darf da kein Zivilist durch, das gibts einfach nicht! Germaine, kapierst du denn das nicht? Wieniele Taufende.liegen in den Feld- lazarekten, schwer verwundet, im Sterben, und die Auge- börigen dürfen nicht hin! Das gab' ja ein schönes Theater! Wenn man da auf jeden einzelnen Rücksicht nehmen wollte!" Germaine sah ihn mit zusammengepreßten Lippen an. „Auf jeden Einzelnen! Ja, das ist das Militär in Rein- kultur! Und wenn dieser einzelne geistig und seelisch weit über die anderen hinausragt, er ist und bleibt doch bloß eine Rümmer. Auf eine Nuinmcr mehr oder weniger kommt es hier nicht an!" ...(Fortsetzung folgt.) Gklareks haben guten Tag. AieburgS Wahlspruch:„Mit Gott für König und Kieburg�. Di« Brüd«r Sklarok hotten gestern einen guten Tag: sie schnitten günstig ab. Der Prokurist der BAO., Sommer- meier—«r ist übrigens nicht in ber Skloreksach« verhaftet! es schwebt gegen ihn ein besonderes Versahren—, bestätigte, wie bereits berichtet, daß die Firma Sllarek in den Buchern der BAO. fälschlich mit 200 000 M. belastet worden war, die auf Ber- anlaung des Obermagistratsrats Schalldach, der verstorben ist, in Gegenwart eines Mitgliedes der Hauptprllfungsstelle aus- gebucht wurden. Sommermeier bestätigte serner. daß Schalldach von einer ungerechtfertigten Belastung der Brüder Sklarek mit weiteren 100 000 M. sprach und auch von verschiedenen anderen„G«° fällig teiten", die Äieburg von den Sklareke gehabt hätte. Schlecht schnitt in den Aussagen des Prokuristen der BAO. der Kronzeug« der Staatsanwaltschaft, der Bücherrevisor Schüttler. ab: der Herr habe des öfteren bei seinen Bilanzprüfungen einem speziell für ihn gebrauten außerordentlich scharfen Likör zu- gesprochen und hinterher derart erheblich gesä/wankt. daß er manch- mal in ein Auto direkt geschleift werden mußte: die Folg« davon sei gewcfen, daß der Bürgermeister Schölt, im Jahre 1027 eine Verfügung erlassen mußte, in der es hieß, hi« Hauptprllfungsstelle müsse Mittel finden, um für die Zukunft zu verhüten, daß Bilanz- fälschungen übersehen werden. Auch der frühere Kassierer der BAO.. Heinrichs, kann über »ieburg wenig Gutes sagen; auch seine Aussage ist für di« an- geklagten Brüder günstig. Der Zeuge war in der Voruntersuchung äußerst zurückhaltend. Er erklärt-s damit, daß er teilwei'e in (Segenwart vom Bücherrevisor Schüttler vernomm-n wurdet der mit Kieburg eng befreundet war. Dieser Kieburg sei aber ein ganz gefährlicher Kerl gewesen. Wer nicht nach seiner Pfeife tanzte. flog. Man tonnte sich beschweren, wieviel man wollt«, man hatte nur Unannehmlichkeiten. Bon seiner Unersetzbarkeit war er tief durchdrungen, so sagte Kieburg. was. ich soll meinen Hut nehmen? Dann nimm« ihn da» ganze rote Hau» anch. so wahr ich Sieburs heiße. Sein W a h l s p r u ch war: mit Gott für König und Kieburg. Seine Unregelmäßigkesten in der Geschäftsführung war Tagesgespräch beim Personal. So wußte man z.B., daß er sich ein Sanatorium gekauft hat. Kurz bevor er krank wurde, entnahm er für sich aus der Kaffc 200000 Mark. Er gab als Quittung einen Zettel, der von der Kontroll« nicht anerkannt wurde. Vier Wochen später überreichte er eine Quittung der Brüder Sklarek über 70 000 Mark und über den Rest«ine Quittung der Stadtbank. Auch diesem Zeugen gegenüber Hot Schalldach davon gesprochen, daß die Skia» rek- von Kieburg mit SOOOOO Mark zu Unrecht belastet worden seien: da» in Frage kommende Kontoblott war aber während des Urlaubs des Zeugen plötzlich verschwunden. Am Montag sind die Magistratsmitglieder an der Reihe, mit dem Bürgermeister Scholtz an der Spitze. Gchüning suspendiert. Der Aufsichtsrat der Behala. dem als Vertreter der Stadt Bürgermeister Elsas und Stadibaurat Hahn angehören, trat gestorn nachmittag zusammen, um zu den gegen den Generaldirektor Schöning im Anschluß an seine Vernehmung als Zeug« im Sklarsk-Prozeß erhobenen Vorwürse Stellung zu nehmen.'Ueber die Entscheidung des Aufsichtsrats wird folgendes Kommunique verbreitet:„Der Aufsichtsrat der Behala hat in seiner gestrigen Beratung beschlossen, den Generaldirektor Schöning bi» zur völligen Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe von der Führung der Geschäfte zu entbinden. Der Aufsichtsrat legt entscheidenden Wert darauf, daß die auch von Herrn Schüning angestrebte gericht- liche Klärung beschleunigt herbeigeführt wird." Der Skandal von Waldhos. Innere Mission möchte vertuschen. Ueber die skandalösen Borgänge in der Fürsorgeansialt Wold- hos bei Templin(Uckermark), die bereits die Staatsanwaltschaft zum Einschreiten veranlaßt haben, läßt die Innere Mission. der diese Fürsorgeanstalt untersteht, durch den„Evangelischen Reichs- erziehungsoerband"«in« Erklärung oerbreiten, irr der jedoch die von der Oeffentlichkeit erwartete vorläufige Amtsenthebung des gemein- kam mit 13 Erziehern angeklagten Direktors Grüber nicht angekün- digt wird. Die Erklärung des Evangelischen Reichserztehuiigsver- bandes versucht vielmehr, die fürchterlichen Vorgänge zu Ignorieren. zu vertuschen oder zu bestreiten. Kabelbrand in der Skala. Während der gestrigen Nachmittagsvorstellung brach in der Skala hinter der Bühne Feuer aus. Ein Kabel der Horizontal- Keleuchtung war in Brand geroten, die Gefahr konnte von der «icherheitswehr ab«r schnell beseitigt werden. Der Zwischenfall wurde von den Zuschauern nicht bemerkt. Oer gestoppte Verkehr. Neuer BVG.-Fahrplan ab t Dezember./ Die eingezogenen Linien. Durch dos Eingreifen des Berliner Polizeipräsidenten ist die von der Berliner Berkehrsgeselllchoft beabsichtigte verkehrsein- schränkung In wesentlichen Punkten, wie der„Vorwärts" bereis» millcille, gemildert worden. Die Leitung der Berliner Verkehrsgcscllschaft wird noch zusam- mentreten, um sich zu den vom Polizeipräsidenten gestellten Be- dingungen zu äußern. In der Hauptsache wird man zu der Forde- rung über den vorgeschriebenen S-Minuten-Verkehr auch in ver- kehrsschwachen Stunde» an Stelle des bisherigen K-Minuten-Ver- kehrs auf der Schnellbahn Stellung nehmen. Durch den ständigen S-Minuten-Vcrkchr dürfte der Verkehr eine wesentliche Entlastung crfaliren, wenngleich zu den Hauptverkehrszeiten eine Ueberfüllung auch für die Zukunft nicht zu vermeiden sein dürfte. Auf den Straßenbahnen wird sich bald, da» wird die Frequenz zweisellos erweisen, das Einstellen von Anhängewagen notwendig zeigen. Der Polizeipräsident hat sich außerdem vorbehalten, eine Prüfung der Perhältnisi« im veränderten Straßonbahnverkehr vorzunehmen Hierzu dürsten zwelsello» die von vielen Seiten vorgetragenen Be- schwerden der Fahrgäste beigetragen haben. Mit Wirkung ab 1. De- zember werden die Linien 29, 48, 55, öS. 89, 115, 168 und 184 gänzlich eingezogen. 3m Autobusverkehr wird von derselben enl- scheidenden Maßnahme nur die Linie A 4 betroffen. Die von der BBG. beabsichtigte Einziehung der Linie A 28 sowie die Aende- rungen der Linien A 2 und A 16 sind vom Polizeipräsidenten ob- gelehnt worden. Auf 18 Linien treten in der Straßenführung Aenderungen ein. Oer neue Fahrplan. Di« BVG. hat inzwischen den neuen Fahrplan sestgesetzt, der am Dienstag in Kraft treten wird. Wie hierzu mitgeteilt wird. wird auf den durch die Linienänderungen betroffenen Strecken die Zugfolg« durch Einsatzwagen verdichtet, so daß den Perkehrsbedllrf- nissen weitgehendst Rechnung getragen werden soll. Bei dem Kauf von Wertmarken für Monatskarten wird gebeten, die aus- hängenden Plakate bei den Berkaufsstellen zu beachten, die auf die Linienänderungen hinweisen. 3m Monat Dezember gelten die Monatskarte» der geänderten Linie sowohl auf den Strecken der allen wie der neuen Linienführung. Bej dem Kauf der Wcrtmarke, spätestens aber bis zum Ablauf des Monats Dezember, sind die K l« b« st r e i s« n, die die Linienführung enthalten, an den Karten- ausgabestellen oder bei den Betriebsaufsehern zu erneuern. Potsdams Magistrat meldet sich. Fortsetzung des großen(Schweigens. Der Magistrat Potsdam nahm gestern zum ersten Male zu den Bestechungen tm Tiefbauamt Stellung. Er erklärt sein bis- heriges Schweigen damit, daß chm selbst erst am 21. d. M. von den Aerfehlungen des Bauamtmannes Kießling Kenntnis gegeben worden fei. Erst an diesem Tage seien der Oberstaatsanwalt und der Vorsteher des Finanzamtes beim Oberbürgermeister erschienen und hätten ihn aus die Berfehlungen, die das Finanzamt ausgedeckt haste, aufmerksam gemacht. Von diesem Augenblick an seien beim Magistrat sämtliche Akten, die den Fall betreffen, beschlagnahmt worden, so daß zunächst gar keine Möglichkeit mehr zur Nachprüfung oder Klärung bestanden habe. Aus Zeichnungen, die sich noch im Besitz des Bauamtes be- finde», sei festgestellt worden, daß bei der Berechnung der Erd- bodenmengen de« Brauhausberges grobe Unstimmigkeiten vorgekommen seien, die di« Unterschlagungen und Bestechungen gefördert hätten. Der Magistrat erklärte zum Schluß, daß er nur in einem Falle aus Angriffe antworten werde, und zwar dann, wenn irgendwo behauptet werde, daß der Magistrat von den Unter- schlagungen Kenntnis gehabt habe und nicht eingeschritten sei. 25 Jahre Kröppclfürsorgc. Ein Ehrentag für das Oskar-Hclene-Heim. Das groß« Oskar-Helene-Krüppelheim draußen in Dahlem am Rand des Grunewald» ist unseren Lesern nicht mehr unbekannt. Wiederhost hat in den Kriegs- und Rochkriegs- jähren der„Vorwort s" über die ernste, eindringliche und erfolg- reiche Arbest berichtet, die Aerzte, Erzieher und Handwerker für die jugendlichen Krüppel beiderlei Geschlechts getan haben. Im Krieg war diese Arbeit besonders segensreich, galt sie doch den Kriegsbeschädigten. Es gibt Tausende von Krüppeln und Kriegs- beschädigten, die dem Oskar-Helene-Heim für Heilung von körperlichem und seelischein Leid Donlborkest bewahren. In diesen Tagen aber waren«» gerade 2 S Jahre her. daß ein sünger Berliner orthopädlscher Chirurge. Dr. racdL Konrad Biesalski, der spätere Begründer und Letter des OHH.. den indirekten Grundstein zu dem Bau der modernen Krüppelfürsorge und Krüppelheistlng. wie sie im OHH. ausgeübt wird, gelegt hat. Es erregte vor 25 Jahren größtes Aussehen, als Dr. Biesalski in einem umfangreichen Wert di« Zählung aller jugend- lichen Krüppel in Deutschland durchführt«. Die Behörden waren nun auf das im Verborgenen grassierende Volksübel des Krüppellums aufmerksam geworden, und der Industrielle Oskar Pinsch und seine Frau Helene setzten den jungen Arzt durch die Stiftung einer halben Million Mark instand, das nun bald 20 Jahre bestehende Heim in Zehlendarf zu erbauen und mit allen Errungenschaften ber Wissenschaft auszustatten. Professor Biesalski war es dann auch, der die Kriegsbeschädigtenfürsorge organisiert«. Alles dies konnte der jetzig« Leiter de« Heim», Erziehung»- und Verwallungsdirektor Hans Würtz, der langjährige treue Mit- arbester und Freund Biesalskis, der wieder für seinen Teil die beruflich« Ausbildung in Werkstatt und Schul» noch modernsten pädazogisch-psychologischen Grundsätzen organisiert hatte, in eindringlichen und warmherzigen Worten den Vertretern Berliner und auswärtiger Presse schildern, während im Anschluß daran der leitende Arzt Dr. Friedrich Mommsen. gleichfall»«in früherer langjähriger Mitarbeiter Biesalskis, di« ärztlichen Einrichtungen des Heims erläuterte. Man sah das wirklich einzigartige Konrad- Biesalski-Krüppelmuseum und die von Direktor Würtz mit ungewöhnlichem Sammlerglück und-geschick zu- sammengetragene Bildersammlung mit Krüppel- Motiven aller Zeiten und Länder, ein kunst- und kulturgeschicht- M Arbettsloscr gewinnt 1000 M. Wenn man mit Frau und Kindern seit Jahren arbeitslos ist und auch für di« Zukunft keine Aussicht mehr hat. in seinem eigenen, oder einem anderen Beruf unterzukommen, hat man aus- gehört aus einen glücklichen Zufall zu hoffen. Glücksbereitschast er- fordert Schicksalsglaube. Höhenflug der Phantasie, olles Dinge, die in einem zermürbten Hirn keinen Platz haben und trotzdem... Da sitzt ein verzweifelter Arbeitsloser und löst aus verzweifelter Langeweile ein Preisrätsel: es ist eine reichlich verzwickt« Angelegenheit, die allerhand Geduld kostet, welcher Um- stand wiederum einen lebhaften Auftritt mit Muttern im Gefolg« hat. „Na, nun haste ja deine Spesen reichlich gedeckt. Muita", meint der glückliche Gewinner und er erzählt, wie ihm die Freudenbotschaft ins Haus schneite.„Eines Mittags, wir sitzen gerade alle Mann bei unserer üppigen Kartoffelsuppe mst Brotbeilag», da läutet es: draußen stehen drei große, kräftige Männer, die mir«inen leisen Schreck einjagen, denn man kann ja heut« nie missen, was man verbrochen hat---- Derweilen aber entpuppen sie sich als heil» bringende Lichtgestaltsn: wir kommen von der Ziehungekommif- sion und wünschen Ihnen herzlichst Glück: Sie haben den 1. Preis von 1000 Mark gewonnen, wollen Sie sich bitte dort und dort das Geld abholen!"„Mensch, mach keen Quatsch", stand mir zuerst auf der Zunge, dann aber entfloh meinem Munde das weit be- herrschtere„nee, nee, det gloob ich»Ich, det is woll'n Witz, meine Herren!" Und er glaubte es nicht, genau wie Mutter. Tochter, Schwiegersohn und der kleine Junge: solange nicht, bis er vor dem Schreibtisch stand, die gluckwünschende Hand des Direktors in der seinen hielt und zehn blanke Hunderte aus der Tisch- platte erblickte.„Wie ich eigentlich wieder rausgekommen bin. weih ich nicht genau, bloß, daß mein Schwiegersohn mich am Rock zupfte und wisperte:„Na, nu komm doch schon, Vater, is ja erledigt": dann gab es erst einmal einen ordentlichen Happenpappen in den verschrumpelten Magen und nun fix heim zu Muttern und all die staunende,« Visagen ins Leben der Wirklichkeit zurück- gerufen. Dann geht's ans Einkaufen, wobei man die Feststellung macht, was man alles nicht mehr besitzt; da ist kein Stuhl ganz und kein Cosa brauchbar, kein Bezug und keine Leibwäsche halb- Wegs brauchbar und die äußere Gewandung ist di« allerbrennendste Frage. Mein überfälliger Wintermantel wird angeschafft, ebenso einer für Mutter. Tochter und Sohn: Schuhwerk, und Mutter darf beim Kaufmann einmal einkaufen gehen, wie eine richtiggehende Hausfrau, die sich sogar für die nächsten Wochen Borräte holt. Auf einmal ist di« ganze lieb« Verwandtschaft da, meine Frau Schwester, die meiner Ollen seinerzeit ins Ohr schrie: „Mensch, wie kannst« denn so'u armen Deibel nehmen", fühlt schwesterliche Gefühle sich regen und noch«ine Menge anderer von unserer Sippschaft wissen plötzlich, wo wir wohnen. Dann krieg« ich einen Bettelbrief eines unternehmungslustigen Seelenhirten, der mir gegen Uebergabe von vierhundert Martern die völlige irdische Glückseligkeit in Form eines nach„Hunderttausenden" zählenden Verdienstes durch Vertrieb seiner„epochalen Glaubensbotschast" zu- s.chert. Bis sich mein„Glück" dann so richtig rumgrsprochen haben wird, und ich so richtig beginne, ein„populärer" Mann zu werden: einstweilen bin ich aber schon längst wieder der arme Deibel, der ich war!" liches Kuriosum ersten Ranges, das besonderer Würdigung bedarf. Die alten bewährten Mitarbeiter. Schutznioister Lieck, der geschätzte Letter der orthopädischen Klinik Dr. Schasse. Diplomhandelslehrer Dr. Papke, der Leiter der orthopädischen Werkstatt Zeibig, und die Oberin Frau Lössel waren alle erschienen. Der Schöpfer dieses großen Werke» wahrer helfender Menschenliebe, Professor Biesalski. konnte diesen Ehrentag nicht mehr erleben: vor zwei Jahren starb er unerwartet, aber seine Helfer und Mitarbeiter. Würtz und Dr. Mommsen. gedachten seiner in ergreifenden Worten. Dos Oskar-Helene-Heim hat unter der Rot der Zeit bitter zu leiden. Man hat sich eingeschränkt, soweit man konnte. All« haben wettgehende Opfer gebracht. Es befremdet, wenn man dann hört, daß auf Veranlassung der Stadt Berlin zur Zelt In diesem großartigen Heim nur— 3 4 K r ü p p e l k i n d« r betreut werden. Man darf wohl erwarten, daß von den verantwortlichen Männeni alles getan wird, um nicht etwa diese Stelle einzigartiger praktischer Hisse und echter Nächstenliebe zum Stillstand kominc» zu lassen. Alles Sparen hat eine Grenze, wenn es um die Zukunft unseres Volkes geht._ Kleidersammlung geht weiter. Montag wird in Spandau und Bezirk Mitte gesammelt. In Fortsetzung der K l e i d e r s a m m l u n g der Berliner Winter hilf« sammelt am Montag, dem 30. November, und Dienstag, dem 1. Dezember, der Bezirk Spandau mit freiwilligen Hestern. Di« Wagen stellt das Jnfanlerie-Regiment Nr. 9. An den beiden gleichen Tagen findet eine Kleidersammlung im Bezirk Mttt« statt. Bei den früheren Kleidersammlungen in den Bezirken Tier- garten, Eh v r lo'tt- nb u rg und Köpenick haben die Wagen wegen der Fülle der Spenden manche Straßenzüge nicht adfohren können. Er werden daher in diesen Bezirken noch Nachsamm- tun gen gemacht, und zwar in Charlottenburg am Montag, dem 30. November, in Köpenick am Donnerstag, dem 3., und Freitag. dem 4. Dezember, mit Wagen der Reichswehr. Zweiter billiger Sonnabend im Zoo. Am heutigen letzten Sonnabend im November kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten berelts von 12 Uhr mittags ab nur 50 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder: dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. 3»hann Pongrah, einer von der alten Garde der deutschöster- reichischen Sozialdemokratie, ist im Alter von 69 Iahren zu Graz gestorben. Er war vom Umsturz bis vor kurzem Landeshauptmann- stelloertreter der Steiermark. Die Goldene Hochzeil feiern heute die Eheleute Roß- deutscher aus der 136. Abteilung Reinickendors-Ost und die Ehe» leute Mackedrand, Roslockcr Straße 14, aus der 12 Abteilung. Beide Jubelpaare gehören der Partei seit Jahrzehnten an und sind ebensolange Leser des„Vorwärts". Wir gratulieren auch im Namen der Abteilungen herzllich. Oeffentlich« Kundgebung des Reichsbanners Köpenick. Sonntag. vormittags 11 Uhr, veranstaltet das Reichsbanner Köpenick die öffentliche Kundgebung lm Stadttheater Köpenick. Alle Sozialdemo- traten Köpenicks beteilige» sich. 1400 Gefangene warten mit ihren notleidenden Familien darauf, daß es Weihnachten werde. Riesenhaft lastet die Rot auf diesen Aermsten der Annen. Helfen Sie uns, so schreibt Oberstrasanstalts- drrektor Brucks von der Gefangsnenfürsorgekommission, diese Rot zu lindern und die Tranen zu trocknen. Gaben an Geld und Kleidungsstücken nimmt gerne entgegen dos«trafgefängnis in Berlin- Tegel. Seidesstruße 39. Arbciterfävger im Fraueagcfäagnis. Kürzlich vcranstallete der Männerchor„Morgengrauen, Mitglied des ASB.. unter Leitung seines Dirigenten Reich« im Frauengefängnis Barnim- straß« ein Konzert. Es ist nicht dos erste Mol. daß der Chor feine Weisen au» uneiaennüniger Mchfteiüiebe in diesem Haus« erklingen läßt, reichlich belohnt durch den Beifall und die Dankbarkeit der Insassen. Di« Bitte um ein baldiges Wiedersehen schloß die Feier. Sie fühlen sich nicht wohl und zerbrechen sich den Kopf, woher das kommt. Achten sie auf normale Darmtöligkeit. und Sie lind gesund! Wie Sie das machen» Mit dem vorzüglichen L a x! n. dem linde» wohl- schmeckenden, sicher wirkenden Mittel zur Regelung des Stuhlqanqs. Snie Dost SajlB(iic Jt 1.50 reicht 21 mcl, Jtr. 557• 48 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 28 November 1�34 Tut mehr für die Bauern! Größere Kuttergersteeinfuhr nur ein Anfang.— Auch Mais muß herein. Seit Monaten'hat die Sozialdemokratie eine Revision der Getreidezollpolitik gefordert, da die jede Einfuhr oerhindernden Doppelzentner Gerste zu einem Zollsatz von 4 Mark je Doppel- zentner eingeführt werden. Da der A b g a b e p r e i s für die Kar- toffelflocken auf 180 Mark je Tonne festgesetzt ist und der Welt- Marktpreis für Gerste 97 Mark beträgt, wird eine Tonne des Futtcrgemischs aus Gerste und Kartoffelflocken jetzt 15 0 Mark i» st e n a n st a t t 10 0 Mark vor der Neuregelung. Wenn auch diese Preisermäßigung nicht voll der sozialdemo- kratischen Forderung entspricht, nach der der Gerstenzollsatz auf 2 Mark gesenkt werden sollte, so ist doch durch die Neuregelung der Gersteneinfuhr die Versorgung Deutschlands mit Futtergetreide erleichtert. Zur die nordwestdeulschen Bauern hak die Sozialdemokratie in ihrem Kamps um die Aenderung der Gelceidezollpolitik eine verbilligung der Broduklionskosten erreicht. Dennoch kann diese Regelung nicht genügen. Das Angebot an K a r t o f f e l f l o ck e n ist sehr gering. Die Kartoffeltrocknereien werden insgesamt nur 100 000 Tonnen— manche Schätzungen lauten auch nur auf 72 000 Tonnen— Kartoffelflocken liefern. Zur Zeit ist das Angebot an Kartoffelflocken so gering, daß die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft jeder Import- firma nur 105 Tonnen wöchentlich zu sofortiger Lieferung verkaufen kann. Da dreimal soviel ausländische Futtergerste eingeführt werden kann wie Kartoffelflocken verkauft werden, können nur 225 000 oder höchstens 300 000 Tonnen Gerste eingeführt werden. Diese Menge reicht nicht entfernt aus, um den Bedarf an ausländischem Futtergetreide zu decken. Es muß also entweder das Verhältnis zwischen Kartoffel- ilocken und zollverbilligter Gerste bedeutend erweitert werden oder die Maiseinfuhr ist in weitestgehendem Maße zu erleichtern. Des- ivegen ist es unbedingt notwendig, den Maismonopolpreis von jetzt 130 M. je Tonne erheblich zu senken. V Die Reichsregierung beabsichtigt auch, ihn auf 160 Mark l-erabzusetzen. Das genügt aber nicht, der Mais muh villi- ger werden als das Gemisch aus Gerste und Kartofselslocken, um einer, Anreiz zur Einfuhr von Mais zu geben. Auch aus einem anderen Grunde ist es vorteilhaft, den Maispreis möglichst niedrig festzusetzen. Die G e r st e Vorräte am Weltmarkt sind Verhältnis- mäßig knapp, so daß die Preise eine steigende Tendenz auf- ' weisen. Dagegen ist Mais in diesem Jahr die billigste Getreideart und wird auch am wenigsten von der zu erwartenden Hausse am Weltgetreidemarkt betroffen werden, weil die Maisernte in den wichtigsten Exportländern gut ausgefallen ist. Wird der Zuschußbedorf Deutschlands an Futtergetreide vor- nehmlich durch die Einfuhr von 0>erste gedeckt, so werden die Welt- Marktpreise für Gerste in die Höhe getrieben, während die Mais- preise selbst bei einer beträchtlichen Verstärkung der Einfuhr durch diese kaum beeinflußt werden. Die notwendige Zuttergelreide- Versorgung Deutschlands kann also durch die Einfuhr von Mais billiger erfolgen als durch die Einfuhr von Gerste. De? halb ist es notwendig, daß der Maismonopolpreis auf mindestens 145 Mark gesenkt wird, um die Einfuhr run Ma's zu begünstigen und den Bauern weiter zu hilse zu kommen. Karioffelvorräte werden zurückgehalien. Ist die Not der ostelbischen Landwirtschaft wirklich so groß? Die letzt« Notverordnung zur Sicherung der Erhaltung des ostelbischen Großgrundbesitzes wurde begründet mit der ver- zweifelten Lage der ostdeutschen Landwirtschaft. Wenn nicht dem Landwirt das Siegel der Verzweiflung, das ihm ein Heer von Gerichtsvollziehern� aufdrückt, genommen würde— so sagte der Reichskommissar Schlange-Schöningen—, würden wir tm nächsten Jahr mit einer Ernährungskatastrophe zu rechnen haben. Ganz so schlimm scheint es nicht zu sein, denn die gewerbliche Kartoffelstärke-Industrie bemüht sich bereits seit Mitte Oktober, wenn auch ohne Erfolg. Kartoffeln von der Landwirtschaft zu erhalten. Die aus Kauf von Kartoffeln angewiesenen Stärkefabr'ken haben wachsenden R».l)stossmangel: die Produktion mußte bereits bis auf ein Drittel gedrosselt werden. Dennoch halten die Landwirte ihre Kartosselvorräte zurück, obwohl sich selbst der groß- agrarische deutsche Landwirtschaftsrat alle Mühe gibt, die Landwirte zum Verkauf von Kartoffeln zu überreden. Während in anderen Wirtschaftszweigen also Betriebsstill- legungen in Massen erfolgen, droht eine Betriebsstillegung der Kartoffelstärkefabriken infolge Rohstoffmangels! Wer, wie die oft- clbische Landwirtschaft, seine Vorräte zurückhält und auf Preis- steigerung hofft, dem kann es noch nicht sehr schlecht gehen. Die drohende Stillegung der gewerblichen Kartoffelstärke- Industrie hat aber noch andere Folgen. Bekanntlich muß auf Grund der Notverordnung vom 6. Oktober 5 Proz Kartoffelstärke dem Weizenmehl beigemischt werden. Da aber die Landwirtschaft nicht genügend Kartoffeln an die Stärkefabriken ab- liefert, wird wohl bald der Zustand eintreten, daß gor nicht genug Kartoffelstärke für die Beimischung vor- Händen i st. Dieser unverantwortliche, auf keiner wirtschaftlichen Notwendig- teit beruhende Beimischungszwang ist ein Bei spie! für die jetzige üble Gesetzesmacherei und ein Beweis dafür, welche Gefahren ein Regierungssystem in sich birgt, das lediglich durch eine von Jnteressentengruppen einseitig beeinflußte Bürokratie geleitet wird. Herrn Gchieles Bürokratie zur Kenntnis Auf einer Tagesordnung des Bundes der Viehhändler Teutschlands machte der stellvertretende Direktor der Preußi- schen Hauptlandwirtschaftskammer Keif er bemerkenswerte Aus- führungen über die Ursachen der Not in der Landwirtschaft. Obwohl unsere Grenzen durch Zoll maßnahmen gegen jede Vieh- und Fleischeinfuhr gesperrt wurden, seien die Aiehpreise weiter gesunken. Die Butterpreise seien seit 100 Jahren nicht so niedrig wie heute gewesen: aber dänische Butter werde noch billige als deutsche angeboten. Aus diesen Tatsachen gehe zweierlei hervor: einmal handele es sich bei der Not der Landwirtschast um eine internationale Krise, gegen die man schwer ankämpfen könne. Zweitens und vor allem:„Alle Maßnahme» werden nichts helfen, wenn es nicht gelingt, die Kaufkraft der konsu- mierenden Menge zu erhöhen!" Wir hätten gewünscht, diese Erkenntnisse wären schon früher von autoritativer Seite geäußert worden. Aber auch jetzt ist es noch nicht zu spät, daß die Bürokratie des Reichsernährungs- Ministeriums sie zur Kenntnis nimmt und danach handelt. Weltorganisation fürRadioröhren? Nie Einigung Telefunken— Philips. Aehnlich wie in der Glühlampenindustrie vollzieht sich jetzt auch auf dem Radiogebiet, besonders im Radioröhrengeschäft, eine Konzentration in der Richtung eines internationalen Monopols. Der Verständigung der Tele funken G. m. b. H. und der N. V. Philips Gloeilampenfabrieken, gingen in den letzten Mo- naten schon andere Zusammenfassungen voraus: die Zusammen- lcgung des Funkgerätevertriebs der AEG. und der Siemens u. H a l s k e A.- G. bei ihrer Telefunken-Gesellschaft, dann der Ver- trag der Telefunken mit der TeKaDe, wonach das gesamte Ge- schüft in gewöhnlichen Radioröhren an die Telefunken fällt, während sich die TeKaDe auf die Herstellung von Spezialröhren beschränkt und schließlich die Interessengemeinschaft der Philips mit der französischen Gesellschaft für drahtlose Telegraphie. Diese llonzentrationen sind teilweise Folgen eines in der Krise verschärften Wettbewerbs, teilweise aber— ähnlich wie bei Glühlampen — daraus zurückzuführen, daß die hauptsächlichsten Patente auf dem Röhrengebiet in zwei bis drei Jahren ablaufen. Besonders handelt es sich um das jetzt allein bei Telefunken liegende Lieben- Patent, das sich aus die Herstellung und den Vertrieb von D e r- st ä r k e r r ö h re n bezieht und der Telefunren-Gesellschaft auf vielen Märkten eine monopolartige Position sichert. Privatwirtschaft- lich ist es verständlich, daß man sich durch Verständigung und Kon- zentration einen Markt sichern will, der ihr auch in der gegen- wärtigen schweren Krise gute Umsähe und Gewiune bringt. Das gesamte Zuukgerälegeschäst empfindet übrigens die schwere Krise viel weniger. 1330 schon war die Exportzisfer Deutschlands und wahrscheinlich auch die llmsahzisser größer als 1323. Zu der ersten Hälfte 1331 waren die Umsähe der deutschen Radioindustrie etwa um 30 proz. höher als ein Zahr vorher, und der deutsche Radioexport war in diesem Zeitraum dem Wert nach um 10. und der Menge nach um 23 proz. größer als in den ersten 6 Monaten 1323. Der Zunkmarkt ist auch noch außerordentlich entwicklungs- fähig. Dom 1. April 1830 bis zum 1. April 1331 stieg der pro- zentuale Anteil der mit Empfangsgeräten versehenen Haushaltungen von 21,1 auf 24.3 proz., so daß von einer Sättigung noch entsernt keine Rede ist. Deutschland und Holland haben an dem Radioaußenhandel Europa» den weitaus größten Anteil. Die Radioausfuhr der wich- tigsten europäischen Länder bezifferte sich in den letzten Jahren auf rund eine Viertelmilliarde Mark: hiervon entfielen auf Deutsch- land und Holland zusammen etwa vier Fünftel. 1929 war der holländische Radioexport noch fast doppelt so groß wie der deutsche, während gegenwärtig der Anteil beider Länder etwa gleich groß sein dürfte: der deutsche Export ist erheblich gestiegen, der holländische gleichzeitig in noch stärkerem Grade gefallen. Der Anteil Deutschlands und Hollands an der Versorgung des Weltmarktes beträgt rund S0 Prozent. In der letzten Zeit hat sich jedoch'der amerikanische W e t t b e w e r b,.vor allem in Lautsprechern, in Europa verstärkt. Aber nicht nur wegen der Patentfrage und nicht nur wegen der verschärften Konkurrenz erscheint Telefunken und Philips, den beiden größten Firmen Europas, ein gemeinsames Vorgehen an- gezeigt, sondern auch infolge der Exporterschwerungen. die aus der Schutzzollbewegung erwachsen. Bekanntlich kann jeder kapitalstarke Konzern die Zollmauern dadurch überspringen, daß er innerhalb dieser Schutzzollmauern selber die Produktjon auf- nimmt, lieber die Fabrikation im Ausland verfügen schon heute nicht nur die ganz großen, sondern auch mittlere Firmen. Der Telefunken-Philips-Friede dürfte sich für den Verbraucher in Deutschland, zunächst nur durch schärferes Vorgehen her Konzerne gegen die kleinen Llußenseiter aus dem Röhrengebiet bemerkbar machen. Sobald wie möglich wird man mindestens auf dem Röhrenmarkt jeden„störenden Wettbewerb" unterbinden. Dann wird es mit den sinkenden Funkgerätepreisen wohl ein Ende haben. Eine Monopolpleite. Die Konzern-Affäre Mechanische Linden A.G. Der Sanierungsberichl, den der Samlkonzern Mechanische Linden A.- G. jetzt verösfenllicht. enthüllt eine Expansienspleite van einem Auemaße, die den Fall„Mechanische Linden A.-G." in die ganz großen Sonzernskandale des letzten Zahres würdig einreih«. Bei einem Kapital von 13,5 Millionen Mark weist der jetzt ver- öffentlichte Jahresabschluß für 1930 einen Gesamtoerlujt von mehr als 18 Millionen aus. Dieses vernichtende Ergebnis ist bei einem Unternehmen möglich gewesen, das in den Jahren 1924/27 je15Proz.Dioidende auszahlen und auch noch 1928 10 Proz. an die Aktionäre ausschütten konnte. Es handelt sich also um eins der ehemals bestfundierten und blühendsten Werke in der deutschen Textilindustrie. Die Verlustquellen, die jetzt zu dieser un- geheuren Kapitalvernichtung geführt haben beruhen m einer h e m- mungslojen Aufsauge- und Expansionspolitik, die seit 1928 getrieben wurde� Die Verwaltung hatte unter der ver- BERLIN RAUCHT I HZ? uitmortttrfjen Leitung des Generaldirektors U e 6 e I e�i den Ehrgeiz jurd) Aufsaugung der konkurrenzfähigen Samtfabriljen in Deutsch- iand«in Monopol zu errichten, uw dementsprechend eine rück- stchtsioi« Markt!, errschaft in Deutschland aufzubauen Durch dies« Rechnung hat aber die hereinbrechende Krise und dazu auch der Wandel in der Mode einen dicken Strich gemacht. Das Ergebnis der grandiosen Fehlrechnung der verantwortlichen Direktoren ist folgendes: Bon den 18. l Millionen Tesanitoerlusten entfallen nur 3,5 Millionen aus Betriebsverluste. Der Rest von fast 15 Millionen Mark geht zu Lasten von notwendigen Sanierungsabschreibongen. So muß von den aufgetauchten und sehr teuer bezahlten Werken dre enorme Summe von 11,12 Millionen Mari abgeschrieben werden. Allein auf die Berliner Samtsabrik Mengers Söhne sind 8 Millionen abzuschreiben Die Sanierung ist nur durch eine rigo- rose Ausammenstreichung des Kapitals möglich, die im Verhältnis Ist; 1 erfolgt. Eine IlM-Mark-Aktie die noch vor wenigen Iahren bei den hohen Dividenden nicht unter 2000 Mark zu kaufen war, wird damit auf 1000 Mark Wert heruntergestempelt. Bei dem Konzern Mechanische Lmden liegt«in neuer Fall von Aktwnärsenteignung vor, der ewige Feststellungen erforderlich macht. Es ist«in unhaltbarer Z u st a n d. daß bei allen Konzernzusammenbrüchen in Deutschland die Generaldirek- t o r e n. die eigentlichen Unternehmerpersonlichkeiten, sich ohne jedespekuniäreOpfer aus der Affäre gezogen Huben. Das schlimmste, was ihnen bei NichtVorliegen krimineller Verfehlungen bisher passieren tonnte, war die eEn/lasiung, die w den meisten Fällen noch mit großen Abfindungssummen verbunden war. Die ungeheuerliche Tatsache,'daß die Sippe der General- direktoren es wohl als ihr gutes Riecht im kapitalistisctMn System ansieht, Konjunkturgewinne zu scheffeln, dagegen aber ablehnt, das kapitalistische R i s i k o.in der Krise zu trägen, bildet im wesentlichen die Ursache für die nicht abreißend« Kette schmachvoller Korrupttonsfälle und gewissenloser. Geschäftsführung in der deutschen Privatwirtschaft. Es ist zu hofWn. daß auf der bevorstehenden Generaloersammlung der Mechanischen Linden A.-G die R e- greßfrag« gegenüber dem verantwortlichen Direktorium auf- geworfen wird. DURCH SIEMENS-RUNDFUNK- GERÄTE SIEMENS 22 -. Uhr Gasparone Pfahl, Bohnen, Slezak, Sturm. Winkelstern, Stettncr. Heute 4 Uhr Sonntag 2 Uhr KnedilRuppredits Fahrt ins Märm nlond Wintej. - Oarfen• 8.1 S Ohr Flen 3434 Riodm rlaiM I 4 Queens.Gaston Palmer 2 Olveras. 2 Hockneys D.S. V. Smutabend und Sonntag je 2 Vorstnllungen 4 Uhr u. 8.15 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Voiltsbimne Theater am BDIowplatz 8 Uhr Liliom Staat!. Schüler-Ihaatar 8 Uhr OieMitsdiQliligeD 33 mmuten in GrUneberg n AumcJ Lentral- Aaudmelden! Theater Alte Jakobstr. 30-32 Dönhoff 2047 Täglich SV« Uhr Son n fgs. 5 V» u. 8 VsU- StüwanwalilBiäilßl Sonntags 3 Uhr Hansel undfiretel Von. halbe Preise ab 50 Pf. MW.SM-üMMiiiiW DerKongreBlaozt mit LiUan Harvey.Wtlly Friisdi Conrad Veidt, LH Dapover Bühne: Lidia Wahersiein Hobe Schule im Wandel der Zeiten Arcaris Neapolitaner iialienist es National-Orchester und seine Nachahmungen. „Nahrbier", der allseits bekannte besondere Bierfyp der Hackerbrauerei München wird vielfach nachgeahmt, zum Teil durch Erzeugnisse, die unter Zuckerverwendung hergestellt sind. Die Zuckerverwendung muss auf dem Etikett augenfällig vermerkt sein. Wer deher„Natubler". das bayerische Erzeugnis von garantierter Reinheit erhalten will, sei auf das Vorkommen solcher Nachahmungen aufmerksam gemacht und gebeten, lugung� K&fawant Berlins BETRIEB KEMPIHSKItJ Oeotsdies Wies 8 Uhr GeifliKöten aus dem Wiener Wald von Oedön Horvath Regie: Beim üilneit Die Komödie tut Uhr Jemand von Frtnz Molnar Regie; Gustaf GfOoiigeis mit Albert BassennanD 8>/4ühr CASINO-THEATER«';. w» Lothringer ttrabe»7. ■ aiKinniii im iiiiiiii Hin iiiniiiniiiiiiiiaiiiiiMMniunittniritui Kor noch bis 80. HToTembor Weener-Fritze tmd das ersikl. bunle Programm Am f. Dexembor xum 1. Haie: Wenn Kinder heiraten Gutschein t-4 Personen. Parkett 50 Pf., Pauteuil l.— Mark, Sessel 1.50 Mark. Aundertunözwanzig Jahre Lutter Sc Wegner Berlin W 8, Charlottenftraße 49 am Gendarmenmarkt Eröffnung der erweiterten Räume im historischen Weinkeller „Deutsches Volkslied" Bilder von Pt ofessor Hans Daluschek Heute abend 6 Uhr Hervorragend« Küche und Wein« zu zeitgemäßen Preisen\1 Günstiges Siedlungsgelände an der Heerstraße bei Staaken (AmaUenhof.am Maglstrattweg und in Seeburg b Staaken)— Landbank, Berlin SW 1t, Dessauer Str. 39/40, Kurfflrsi 994«, Verbindung; Magislratsweg üb. Spandau-West(Schnellbahn) oderStraSenbahn Spandau Rath., od. U-Bahnh. Ruhleben dann Au obusNr 31 zum Maglttrats- weg.— Seebu rg; Autobus Nr 31 blsSiaaken oder Staatsbahn, Bahnh. Staaken(Siedlerkarte). Auskunft; Am Magistratsweg durch Fechner. Spandau7I02 In Seeburg Im Sesuur. Schulz«. Spandau 2397 KnriQrsfendamm- Theater 8'* Uhr Heute letzte luflührung von Ilse Langner Regie; Ludwig Berger TMielle: Agnes Straub Theater desWestens Tiglich 8»/< Uhr Der Vogeibändler Ahlers, Jöken, Morran, Carola, Prel5ilPlitMT.5üPl.u Sonntag'/»J Uhr Viktoria und ihr Husar Sonntags u. 8'/« Uhr Der Vogelhändler Rose- Theater Grele Fmlftrter StraJe 137 Tel. Veidnel E 7 3477 6 und 9 Uhr Die Keusche Susanne firfer- VlbhUahai Doppellose 1.— RM. Porto und List« 30 pfg.«xtra 148 696 Gewinns und 2 PrMmisn im Gsssmtwsrt« von RM. SOOOOO HBchstgewinn auf sin Ooppsl- lo# im Werts von RM. 60 000 Hbchstgswinn auf sin Elntsl- ios im Werts von RM. 20000 2 Hauptgewinns im Werts von Je RM. 20000 3 Hauptgewinns im Werts von je RM. 15 000 u. s. w. U. 5 W. 5 RM. 13 RM. mit 10 mit 20 Losen Losen sämtliche Gewinns werden auf Wunsch mitOO Prozent euegcxahlL Lose zu haben bei den Kreisleiterinnen der Arbeiterwonlfahrt, Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft, Voiwärts- Filialen, Werlheim, Singer u Herrn. Tietz GROSSES SCHAUSPIELHAUS HEUTE 7 UHR PREMIERE MAX KEIIVH ARDT INSZENIERUNG Vorverkauf uuunterbroeben inlernaflonales Thealer (kleines Theater) Unter den Linden 44. Täglich S Uhr Hedwig Wangcl, H, Ad. Sdiletlow, Ediih Edwards in: Affentanz von Vern Bern. Reichshailen-Theater Abwds 8 mir. Sointag nadmiittag Z'/. DI» Stettin«r Sänger (He a«ue Burleske „Der arme Kasemir" IMiiiiittags balbt Pnm, ,»11« Pmgraai! Theater im Admiralsnalasi Tiglich SV» Uhr Die Dobany mit Gitta Alpar Preise v. 0,50 M. an Kietropoi-Theater Tiglich Uhr DI« Blum« von Hawai Preise ton SO PL n Slg'A3, 5 u. 8V» Uhr DleBlDinevonliawai Planelarlnm — ani Letzte Wodie 3, 5, 7, 9 Uhr Italienfilm Ken geoaltezta «enin qcttagrnc unb neue Sedtttan. Sil«« Smolinoan. jüct«, JTcattenjüae, Ulftct. Paletot», lebt sifBut paftrnb, Jutrtnpelflf, Tomen celsc, enorm billia. Leihhaus ffcicbrldi. ftrahe 2. Sallefches Tor. ftein» fiom. baeboat«." miiDsi immer w,--. Pucher. fdiranfe 29,-, Iteibtlfche 25,—. .taact, Softanlen. allee 45. thcleßcnheftefouf. ;d)Iaf*lmmet, bun- lel Birke, komplett nur«05,—. Schra. 0», Rastaniett. allee 45. «chloszimme,. lche. tomplett mit oelbenpoinetftilhlen -t Epeilezim. «elcgcnhcits. tomplett Ritche, mo. . 85,—. Schra. Kostonle». Speise, immer, zurückgenommene. aukasisch Rußhoum, Meter, nur«88,—. touch, Eeibenaobe» in. 53.-. Rluh. esset 2«.- Echra. er,RasIanienallee4Z. Polierte ilmmrr 500.—. Sons 75.- Biesen. -u-w-hl Teilsah. ""9 Ramertlno tastanienallee 50 Lmhenstrege 71-72. Schrei». tische 30.- Stühle 3�-. äieflule 10,— an. Im chokspeicher. Baten tmatraaen .PrimisNma" M«. tallbetten Zukleae. mairaiten Chaise- ionaues Walter, Staraarberstrane achtzehn. LeinLaden MllÜX- lnzlklilnsnin Linipiano». Mietpianos über- aus preiswert. lianflfnbtik Linl, tunnenftrahr 35* Reichhaltiges Lager gebrauchter Markentlaviere, 150.—. 225.—, 800,—, 450,—. Lehmann, SUavier- bauet, Alexander. straße 87. Radio Rehonschlußgerät, fabttlneu. Modeil 1031, mit«poligem Lautsptechez, ein- schließlich fabril. neuen Tefefunfen. rühren 49,— M. Dorotheensfr. 68, tt rechts(gegenüber ffilntitgarten). [Hauipesuciiel RahnacbiRc. , Plafinab'älle Quecksslher ginn- Metalle. Silber- fthmelje ffibibfetimel- zetei. Chrisfionat, ftöoenteferftrafie 39. Allgemeine Wetterlage. 27 Nov.>1934, abds. � Q wolkenlos, C5 heiner.ahalbbedeckr a wolkig,•bedeckt�RegeoAGraupeln Schneft5Heb«l,�Gewlitec@Wnds(ille Allgemeine Funktionärkonferenz am Dienstag, dem I.Dezember, pünktlich 19.30Uhr im großen Saal der„Neuen Welt", Hasenheide Thema: Die Sozialdemokratie und internationale Abrüstung Referent: Dr. Rudolf Braitscheld, MdR. Zutritt haben: Alle FunktionSre der Partei und die poliiischen Vertrauensleute in den Bei' leben.— Partelinitpliedsbuch Ist mit gleichlauiender Funktionärkarte am Saaleingans vorauteigcn, Der Bezirksvorstand. Parteinachrichten fürGroß-Berlin il V SoziallstMeLlrbetterjugend Groß-Verlin Einl-nbung-n für diese?!»kr!t nur an das Iugendsetretariai Berlin EW KS, Lindenstrob« S Vorstellung sst« die orbcitenbe Jugend Sonntag, C. Dezember, Ti Uhe, in der Voilsbiihn«.„Der grUne.gatadu", chroieste von A. Schniglet.„Der Schlachtenlenicr", stombdie von Shaw, starten zu SO Pf. sind noch erbaliilch. Uhr, cbenfallo in der Poltobsihne:„Die Un» Sinsenbnngen für diese Rubrik sind Berlin S« 68. ilindenstraste 3. stet» an bat Vezirksfekretariat S. Hof,! Treppe» recht», zu richte» Der an der Südseite des engl!sä)en Tiefs ostwärts vor- gedrunkicnc Schivall feuchter ozeanischer Luft ist nur bis zur Elbe gelangt. Oeftlich von dieser bestand dalier am Freitaq das trockene und kühle Wetter mit südöstlichen Winden fort, währcird westlich der Elbe veränderliches und ziemlich mildes Wetter mit westlichen Winden und einzelnen Niederschlägen herrschte.— Die Luftdruck- gegensätze über Mitteleuropa schwächen sich zur Zeit langsam ab. Die durch Mitteldeutschland verlausende ssront des milderen west- lichen Lustkörpers dürste infolgedessen keine weiteren Fortschditie naciz Osten machen, vielmehr wird sie schließlich wieder»ach Westen zurückweichen, wie die am Freitagabend vor sich gehenden Luftdruck- änderungen schließen lassen. Unser Bezirk dürfte daher auch in den nächste,, beiden Togen im Bereich der kontinentalen Winde ver- btekbcn. ch Wetteraosfichten fär Berlin. Meist bedeckt ohne wesentNch« Niederschläge, Temperaturen etwas niedriger, schwache bis mäßige Winde aus südöstlicher Richtung.— Für Deutschland. Im Westen des Reiches noch ziemlich mild, wechselnd bewölkt ohne erhebliche Niederschläge. Im Süden trübe mit leichten Niederschlägen, Temperaturen einig« Grad« über Null. Mitteldeutschland meist dedeckt ohne wesentliche Niederschläge, Temperaturen etwas niedriger. Im Osten und Nordosten weiterhin trocken und kalt. „Heus bei Sedjuit* wirb i Sonnt, an Sonntog, beut R. November, 0 richstr. 110—112, zu der auch oufienfttbcnbe ffieuosfen herzlich et Der Besichtigung geht hie Lorfllhrung eines technischen Films chtigung ist kostvilo». starten im Lichihof erhältlich. Der Arbeitrr-Rabio-Buitb besichtigt hr, bos„Hau» ber Technik", Fried. ringelaben sind. vorous. Die Erweiterter Bezirksvorstand. Sistung des erweiterten Bezirksvorstandes heute, pünktlich 18 Uhr, im Sitzungssaal des Bezirksverbandes, Lindenstrafte 8, 2. Hof, 2 Treppen. * Beginn aller Beranstaltungen 19� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe: heule, Sonnabend, 28. November: 7. und 8. strci». Juristische Sprechstunde sinbei»an 17—18 Uhr im Sngendheim Rosinenstr. 4 statt. Sctrgenheit zum ftirchr»au»tritt! 37. Abt. 1D Uhr Arbeitsgememschaft Der ssingeren Parteimitglieder von 1» bl» R Iahren und SAI. im Jugendheim Ebertystr. 12. Thema: Organisiertes Kapital. Portragender: Erwin Oelschlbger. 87. Abt. Heute findet das Herbstvergnügen im Knsamweuhang mit der Jubilar- feiet im groben Saal de»«ewertschast-hause», Engeluser 2423, statt. Saat- öfsnung 18 Uhr. Beginn 20 Uhr. Eintritt M Pf. Jtlnb« 10 Pf. Erwerb». läse frei. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Dir Bezlrlisührer rrchaeu dir rrhaltrne» Eintrittskarte»»ach am Abend mit dem Abteil»»»,. lolsierer ab. 08. Abt. Illuaerrngeuppe. 20 Uhr Im Idealkasino, Welchfelstr. 8, Bunter Abend mit Mnsie, politischer Satire, humoristischen Vorträgen und Tanz. Bitte alle erscheinen! 0». und 60,. Abt. In bee Halle am Hufeisen sinbei Sonnabend und Sonntag von 15— tft Uhr eine Ausstellung der Dieh.Buchbanblung statt. Sannabenb, 18 Uhr, Vortrag!„Der Arbeircr und se'-•— [ein Buch'. Beteiligung der Sie- 187. Abt. All« sKrnnsfinne» und tbeaasfe« beteiligen sich heute. 20 Uhr. an dem uasie» ist erwünscht. Abt. Alle Genasfinne» und Genosirn beteiligen sich heute, 2 Elteenabenb per Kiabersreunde bei Heese, Berliner Sit. 78. Eintritt 36 Pf. Morgen, Soanlag. 29. November: «. Kreis 18 Uhr Viktoriagarte», Wilhelm, ane 114,»eennstaUel hie So- ziallstischr Aebeiteringenb einen sozialistischen Abenb. Alle Paeteigenasien «allen»irsr geschlosieae Veranstaltung besuche». Paeteibuch ist»l» An«. wri« mitzubringen. 17. Krei». Anlähtich de» zehnjährigen Bestehen» ber weltliche» Schule» in Lichtenberg veranstaltet die freie Schnlgemeinbe in Gemrinschast mit de» weltlichen Schulen einen Bunten Abend in der Aul» de, Ggmaasium, Parkaue am Sannt»,, dem 2«. Roncmber. t9 Uhr. Eintritt 40 Ps. Erwerb». ~ i?l! fl' �'°dcr 10 Ps. Schulsrennbe find herzlich ein,«laden. W. Abt. Besichtigung bee Feuerwad)e Smser Straße. Tresfpuntt 9'� Uhr vor der Feuerwache. Arbeiksgemeinschaft der Sinderfreunde Groh-verlio. Die Grah-Barlivar Helsrrsiznng für Dezember füllt an». Krenzbrrg. Gruppe«orwart».'Ächtung, Falken!. Heule Tressen I« Uhr Roie Eck» zum Parleivergnsige» Im Sewerkschaflohau». Er. schrillen in Faltenlrachi. Eharlattenbnro. Heute. 20 Übt, außerordentliche Helfervrrsomm- Junfl bei Feicdei Waemuth. Erscheine» aller ist Pilichl. Treptam. Gruppe„Laura dr Bosi»". Sonntag, 20. November, ge. m einsamer Besuch der Sternwarte. Tresspunkl ld Uhr Bahnhof Treptow. Bringt 20 Pfennig mit. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 22. Abt. Am Mittwoch, brm 25. November, verstarb nach langem Leiden der Genosse Felix Wiesenlhal. Wir weiden sein Andenken in Ehren halten. Die Einäscherung findet am Montag, dem 80. November, 14>2, Uhr, Krematorium Gerichtstraße statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet die Abteilung»- leitung. —-.------ i'..TV--- ii aar Gonntag, Dezember, ÜWWWW WWWWW iibcrwinbUchen", Nachkriogodrama' in 4 Akten von Kraus/ in der Insze- ntcrun�des Leipziger Komödicnhauses. Karten zu 1,30 M. sind im Sekretariat Kassiercrkonferenz Montan, 30. November, pünktlich 10U Uhr, im Vortrags- snal des Partetvorstandea, SW., Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen links.' heute. Sonnabend, 28. November: Hallesche« Tor: : Pordstr. ll, 18 Uhr, Kursus:„Wirtschastslehre". Morgen Fahrt nach Bernau. jEresspuiikl e"; Uhr„Note Ecke". 7� Uhr Etetliner Bahnhof. ..„ hleidars: Wcchenendtursu» in Nowawe». Treifpunkt 10 Uhr Bahnhof ssehlenbors. Milte.— Wannsee: Lehnarbt, ödjdfctftr. 4, Arbeit i-gerncinschaft.— Neukölln VIUi Funklionärversaminluug beim Genossen Hassinger, 17'. Uhr.— gchlenbors: Wcchenendtursü» in Nowawe». Treffe W>W»�WWWWWWWWW>»>W»WWW»>WasfinäW>>W>>W Pankow tR.-F.): Morgen Fahrt. Tresfpuntt 0 llhr Bahnhos Pankow. Schön Hause». Werbebezirk Mitte: Vochenenbkursu». Tresspunkt 17', und ISU, Uhr Schle- stscher Bahnhos, Saupteingaug. Werhebkjirk Wrbding: 18 Uhr Sprechstunde sLeMgenheim). l'J'Jj Uhr Baden Wochenendkurse ckurse. Aeltere: Iuneudherberge 'Möglichkeiten de» sozialistischen Ingenbherderge Neu-Pehlefanz. Referent: Genosse Dr. Sozlalistisdie Wirtschastspalitik". Treffpunkte: 18 und 20 Uhr Gerichtstrafte. Äerbevezirk Prenzlauer Berg Lehnitz. Referent: Genosse Dr. E. Decker: Aufbaue»". Jüngere �WDWWWW Dahnhof Weiftensee und Schönhauser Allee. Morgen, 7 Uhr, Bahnhof Prenz lauer Allee. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". EeschäktZsteli-' Berlin E 14. Sedastianstr 87—88. Hol 2.?r. Die Kameraden heieiligen sich an den Kundgebungen wie folgt: Mitte: Beloedere. Alexandersir. 28.— Tiergarten, Spandau: Ar. mintuo-Säl«. Bremer Str. 72—78.— Webbing. Prenzlauer Berg: Germania- Prachtsäle, Ehausseestr. Uli.— Weiftensee, Friedrichshain: Saakbau Friedrich�. Hain, Am Friedrid)ohain 18—23.—«eeuzberg. Zempelhos: Koinmersäle, Trltower Str. 1—4.— Eharlottenburg: Ahlert» Festsäle. Berliner Str. 88.— Schönebctg, Wilmersbars: Spicher»,«äle. Spichernslr. 8.— Steglitz, Ichleu- bors! Albrechtobof, Steglitz. Albrechtstr. la.- Aeulöll». Treptow: Klzems Festsäle, Hasenheide 13— 13.— Köpenick: Stadttheater Köpenick. Friedrich.'Sil» helm-Platz.— Lichtenberg: Tempel» Festsäle, Prinzenallee 45.— Reinicken. dors-Poutow: Schutzenhan» Reinzckendors. Anzug: Vundeotleldung. Schuso ___ I»>W»»z»W��MWz>WW��W��WWWMM»8W»WWW 28 Uhr. Jugendheim Roie Schule, Gotendurger Strafte. Spieltrupp und Sprech. chor müssen unbedingt erscheine». Freireligiüse Gemeinde. Sonntag. 11 Uhr, Pappelallee 15, Vortrag de» Herrn Dr. F. Schiff: Ursprung. Bedeutung und Untergang de» protestantischen Eedonlen». Flügel: Menuett tBoecherlnii. Bund deutscher Bodenresoemer. Montag. 80. November, 20 Uhr, Landwirt schaftliche Hochschule, Invallbenstr. 42, Hörsaal ß. Oberregierungsrat Dr. Rusch Dresden spricht Uber:„Wege zu wirtlich erfolgreicher Kleinsiedlung".„Ersah riuige» und Vorschläge." Arbeitee-Radta Bunb Deutschland» e. B., Bezirk«gr»ppe Beelin. Dienotag, l. Dezember. 20 Uhr. Gruppe Prenzlauer Berg: Lokal Klug, Danziger Strafte 71. Bauabcnd der Bereinogeräte. Leitung: Genosse Schmidt.— Witt- wach. Z. Dezember, IflU Ubr. Bor Freitag. 4. Dezember, 19'.. 1" Im Wirtshaus„Zum Mohren' modam« Manual Uhr. Vorstandosiftung, Reichenberger Strafte.— Uhr. Mitgliederversammlung der Bezirk»gr»ppe .ren", gernsalemer Str. 0. Gruppenversammlungen fallen au». Verein sozialistischer Lebensrelarmrr. Sonnabend, 28. November, 20 llhr, Saalbau Zirukölln, Lrrgstr. 147, Bunter Abend._ Da« weih»ach«»pe»geamm de»„Hau, Vaterland". Da?„Haus Baterland" bringt mit seinem am 1. Dezember beginnenden Weihnachtsprogrami» ein Gastspiel des zur Zelt erfolgreich sten beulschen Schlagerkomponiften Willi Rosen, der oll- abendlich im Pplmensaal seine neuesten Schlager unter der Devise„Text unii Mustk von... mirl" zum Vortrag bringen wird. Max Ehrlid, wurde wegen seines großen Erfolge« prolongiert und spielt eine neue lustige Szene, au» dem gleichen Grunde wird die entzückende„Rumba-Parodie" von Bruno Arno. in der mustkalischen Bearbeitung von Leonhard Heinrich, mit den.Vaterland- Girls" beibehalten. In einem Snsemble-Tanz„Baterland-Derbn"»eigen die Girl» die Farbe» aller deutschen Rennställe, sowie eine Reihe neu ein. studierter Tänze von Bruno Arno. Eaflap. Theater: Rur noch hl» Montog verbleibt das Bolksstllck„Meckel- gritzc" auf dem Spielplan. E» sollte niemand versäume», siä, dieses ötitck mit Direktor Hans Berg anzusehen. Am Dienstag, dem l. Dezembetz, wird Male der neue Sdilager:„Wenn Kinder heiraten" ausgesllhrt. incla! reinwollener blauer Kammgarn- Anzug, auf Reinleinen und Roßhaar gearbeitat V7o/o Tausendo tragen ihn aehon aeU langem tu voll» atar ZuMmdmnhaltt i Euth„ichl bei'r8Erkl8lron9d" e" �'„vestro 0«-«f:ofEuch dolOr verl-n*. »"„ren Preis", den auch in den ■, es fertigt®' IO bringen, %& A-sy»»®m.ha,A Quo,i,ä,sv' M'-'" Pre,S 09 enn Sle Ihre"«"'.'"Z/�bei W- SiCndaü�eheo®ßW®rortenS�h®�,eden utme6". ®::'�rrenrsÄ5�'-- kom7„ |egri« bekomme, � �„gütes A-ssehen� Lmergebieterts.h®J�Bdeldes bekommen Ärre�eme*-"" Oranlenrtr.40 Am Oranienplatz Chausseestr.113 Könlgitraße 33 SUttlaar bakobof AmBahnbof AJ«zand«rpJati Hndtdnid na Vod and BUd i �Kleine �Bege Eine raulie Kälte war heraufgekommen. Die Lust war von jener gläsernen Klarheit, wie sie nur die 5ierl'sttage haben. Auf den Wegen des Parks lag braunes, rotes und gelbes Laub. Wenige Bäume nur trugen noch Blätter; die meisten standen mit kahlen. dunklen Aesten müde und cutstaubt da. Auf den abgegrenzten Rasenflächen waren Frauen damit beschäftigt, das herabgefallene und vom Winde verwehte Laub mit Rechen zusammenzukehren und in großen Haufen an den Wegrändern aufzuschichten. Anna kam auf dem Nebenwege, an der Taxushecke mit den steinernen Putten entlang und wollte nach Haufe. Unter dem Arm trug sie ein zusammengelegtes Tuch. Sie hatte fertige Arbeit abge- liefert und keine neue mehr dafür bekommen. Das Geschäft ging schlecht Der Meister hotte bereits den größten Teil der Heim- arbeiterinncn entlassen und nur wenige zuverlässige behalten. Aber auch für die paar reichte die Arbeit oftmals nicht aus Morgen sollte Anna wieder nachfragen, der Meister hoffte, einen größeren Auftrag zu bekommen; vielleicht war morgen wieder zu tun. Langsam ging Anna über die blötterverwehtcn Wege. Sie grübelte»ach. Was hatte sie bis jetzt in dieser Woche verdient? Sie rechnete-- zwölf Mark und zwanzig Pfennig. Der heutige Tag fiel aus; nivrgcn mar die Lohnwoche zu Ende; also blieb es bei dieser Summe. Zwölf Mark— das war wenig. Und doch mußt« sie noch froh Jciii, daß sie wenigstens soviel oerdient hatte. Gewiß — sie hotte dafür an zwei Tagen bis in die Nacht hinein genäht; es war ein Schondgcld, das für das Dutzend Schürzen bezahlt wurde— ober es waren immerhin zwölf Mark. Was sollten sie wohl ansangen, wenn sie nüt Karls Wohlfahrtsunterstützung allein ausreichen müßten? Ob das überhaupt jemals wieder anders würde? Ob Karl noch«inmal Arbeit fand? Die Frau zuckt«, wie als'Antwort auf ihre eigene Frage, hilflos die Schultern.— Wohl kaum.— Es waren ja so unendlich viele, die warteten, die auf Beschäftigung hofften— Jüngere, Kräftigere, Gewandtere und Karl, ihr Mann, war nun auch schon über die Fünfzig hinaus. Und einer der Kräftigsten war er nie gewesen. Ach!— Anna seufzte und setzte sich aus eine Bank. Wenn er wenigstens ein paar Wochen arbeiten könnte— nur ein paar Wochen! Wäsche, Schuhe, Mäntel— olles ging entzwei, und sie konnten sich nichts Neues kaufen. 5karl hatte iminer nur wenig vcr- dient, und da die Unterstützung nach dem Verdienst berechnet wurde, war es eine lächerlich geringe Summe, die er wöchentlich ausgezahlt bekani. Auch mit ihrem Verdienst zusammen reichte es immer nur zum Notwendigsten. Und wer weiß, wie lange sie noch zu nähen bekam. Wenn die Verhältnisse sich weiterzu verschlechterten, würde es auch damit bald vorbei sein. Eine Frau kam den Weg entlang. Sic machte einen zusriede- neu Eindruck und sah mit ihrem vollen, wohlgenährten Gesicht selbst- sicher vor sich hin. Als sie an der Bank vorbei kam, warf sie einen Blick auf die dort Sitzende Dann blieb sie überrascht stehen. „Anna--?" sagte sie. Es klang zögernd und ungewiß. Die Angesprochene hob den Kopf. Einen Augenblick sah sie die Fragerin verständnislos an. Dann stand sie hastig auf.„Martha— bist du es wirklich?" Die beiden Frauen reichten sich die Hände. Dann gingen sie langsam nebeneinander weiter. Sie sprachen miteinander— das, was Menschen, die sich nach langen Iahren zufällig treffen, mit- einander zu sprechen wissen. Von ihrer Schulzeit, van dem Dorfe, m dem sie beide aufgewachsen waren, bis sie das Leben getrennt und hierher in sie Stadt gesührt hotte; sie sprachen von gemein- samen Bekannten——„...erinnerst du dich noch...?"— bis Martha die erste persönliche Frage stellte:„Und wie geht es dir jetzt?" Anna verstummte. Eine leichte Röte stieg ihr ins Gesicht, bis unter die Haare, die schon völlig ergraut waren, während die ihrer Jugendgcfährtin noch ihr volles kräftiges Braun hatten.„Wie es mir geht?— Ach, Martha, wie soll es mir wohl gehen? Wie es so vielen geht! Damals, als wir uns verheirateten, schien alles klar — Karl verdiente— wenn auch nicht viel, aber doch iminer so, daß es für uns reichte. Dann hallen wir die beiden Jungens— der eine, der Aclteste, ist im vorigen Jahr gestorben— der Kleine lernt im nächsten Frühjahr aus— und Karl, mein Mann, ist seit zwei Jahren arbeitslos---—" Sie schwieg. Dann setzte sie leise hinzu:„Ich helfe, so gut es eben geht. Ich nähe— Schürzen— aber es ist jetzt so wenig zu tun. Heute habe ich auch wieder nichts mitbekommen." Die andere nickte.„Ja, ja, es sind schlimme Zeiten. Ich kann mich ja allerdings nicht beklagen. Mir geht es so, daß ich sehr zufrieden sein kann." In ihrer Stimme klang jene Mischung von Mitleid und Ueberlegenheit, wie sie die Schilderung fremder Rot bei Bessergestellten so leicht auslöst.„Ich kann mich wirklich nicht beklagen", wiederholte sie.„Mein Mann ist mir leider vor fünf Jahren gestorben, aber er hat so viel hinterlassen, daß ich sorgen- frei leben kann. Er hatte eine gute Stellung als Verlleter; wir konnten ein schönes Stück Geld beiseite legen. Jetzt habe ich mein Geld auf der Bank"— sie nannte den Namen einer bekannten Genossenschastsbank—„und hole mir jeden Monat so viel, wie ich brauche." Sic sah ihre Jugendgcfährtin an und blieb stehen.„Ich stelle es mir schrecklich vor, so zu leben wie du", sagte sie.„Ich glaube, ich brächte es nicht fertig. Aber wir haben ja, Gott sei Dank, vorgesorgt, daß ich es nicht nötig habe---" Sie reichte Anna die Hand.„Ich fahre von hier aus mit der Straßenbahn. Ich bin mit meiner Freundin verabredet; wir wollen zusammen zur Modenschau gehen. Auf Wiedersehen! Laß dir's gut gehen! Hoffentlich findet dein Mann bald wieder Arbeit---" Anna ging weiter. Als sie fast bei ihrer Wohnung angelangt war. lief ein Zeitungsverkäufer an ihr vorbei. Er rief das Mittags- blatt aus:„Zusammenbruch der I-Bank!— Tausende von Sparern ruiniert!— Der Direktor geflüchtet!"-- Es war der Name der Bank, von der Martha vorhin gesprochen hatte. Anna blieb einen Augenblick erschrocken stehen.„Martha", dachte sie—„dann ist ihr Geld ja auch verloren! Was wird sie nun anfangen?" Sie kniff die Lippen zusammen. Einen Augen- blick flog etwas wie Schadenfreude in ihr hoch, als sie an die Selbst- sicherhcit und teilnahmslose Ueberhcblichkeit dachte, mit der jene zu ihr gesprochen hatte. Doch gleich darauf versank dieses Gefühl wieder in den Abgrund eigener Not und Bedrücktheit, den sie in sich trug. Müde betrat sie das Haus und stieg die Trepp« hinauf.— Der Wettbewerb der Stadt Stockholm zur Ehrung de-z Polar- fvrschcrs S. A. Andröc und seiner Begleiter Nils Striudberg und .uur�Fracukcl im Portal des Stadthauses ist jetzt von dem Kunst- lcr Ttig Bömberg mit einem Entwurf endgültig gewonnen worden, der die drei Männer aus dem Eise in den Strahlen des Nordlichts darstellt. Die Ausstellung dieses Grabmals weckt die Erinnerung an die imglückliche Polarcxpcdition, in deren tragischem Verlauf die drei Forscher den Tod im Tieust der Wissenschast fanden. Der solgcndc Abschnitt aus dem einzigen Originalbcricht über die Expe- dition, der unter dem Titel T. A. Andröc:„D c m Pol entgegen" im Verlag F. A. Brock bans erschienen ist, zeigt die Männer auf dem Eise mühselig um ihr Leben ringen. Am 20. September 18ö7 deutet Andres an, daß Streit zwischen ihnen entstanden sei. Er spricht die Hoffnung aus, die böse Saat möge nicht ausgehen. Am 21. Septenrber wurde nicht viel aus der Arbeit, die An- strengungen von gestern lagen den Freunden noch in den Gliedern. Strindberg und Fraenkel waren beim Bau der Schneehütte beschäftigt, Andre« balgte Seehunde ab und erlegte drei Eismöwen. Der Koch- apparat war nach«ingehender Untersuchung leicht wieder in Ord- nung gebracht, er hatte nur versagt, weil der Brenner durch Tran verunreinigt war. Am 22. September wurden 2 Grad Kälte gemessen, der Wind schlug im Laufe des Tages von Nordosten nach Südosten um.' Strindberg bringt wegen des Nebels keine gull Breitenbestimmung für das Lager und die Insel zustande. Die gefleckten Summen und Eismöwen sind hier häufig, auch junge Bürgermeistermöwen zeigen sich mehrmals. Strindberg erlegt einen Seehund mit Schrot, zwei Eismöwen werden erbeutet. Von jetzt ab muß etwas bedachtsamer geschossen werden, die Seehunde kommen nicht immer nahe genug, und mancher Schuß wird vertan, weil die Beute nicht gleich tödlich getroffen wird und dann untergeht. Zum erstenmal kündigt sich das drohende Unheil an. Das Eis knackt, allem Anschein nach gerade dort, wo die Hütte steht. Die Kameraden fürchten schon, aus Grund gelaufen zu sein, aber die Pcilungen zeigen, daß sich die Eisscholle»och bewegt, wenn auch nur langsam. Sie ist ossenbar ins tote Wasser geraten. Die Strö- lnnng kommt von Norden, da mag das Küstenwasser an der Süd- seit- der Insel in, toten Winkel liegen. 'An, 23. September ist die Temperatur auf— 4 Grad gesunken, der Himmel ist immer noch mit Wolken verhängest. Der Tag wird gut angewendet, Eisblock um Eisblock wird auf- getürmt, Strindberg arbeitet sehr geschickt mit dein Schncemörtel, den er selbst erfunden hat, die Schlafkammer inacht schon einen ganz ansehnlichen Eindruck. Noch ein paar Tage gutes Wetter und tüchtige Arbeit,' dann steht das Haus zum Einzug bereit. Die Vor- röte können wohl schon übermorgen untergebracht werden. Mit dem Lagerleben stellt sich auch eine regelmäßige Tages- einteilung ein. Der achtstündige'Arbeitstag wird durchgeführt. Morgens 2!ü Stunden Arbeit, dann:"i Stunden Frühstückspause, dann wieder Arbeit bis Zdj Uhr. Um diese Zell wird die Haupt- Mahlzeit eingenommen, Mittag- und Abendessen in einem. Das Fleisch der Ricsenrobbe ist inzwischen versucht worden und hat recht gut geschmeckt. Der Zusatz von Blut zur Bratentunke hat sich bewährt. Offenbar enthält das Blut viel Kohlehydrate, denn der Brothunger ist viel geringer geworden, seit mit Blut gekocht wird. Es gibt kein Stück am Bären und Seehund, an der Riesen- robbe und der Eismöwe, das nicht versucht und schmackhltft befunden worden wäre. Ausgenommen die Bärenleber, die schwere Erkran- kungen hcrvsrrujt. Die Jagdbeute war in der letzten Zeit so groß, daß noch nicht einmal Zeit war, alles zu zerwirken und auszuwiegcn. Andröe ist aber davon überzeugt, daß der Vorrat bis ins Frühjahr hinein reicht. Trotzdem muß noch mehr geschossen werden, domit die Rationen reichlicher werden und auch für Tran als Brennstoff und Beleuchtungsmittel gesorgt ist. Nun folgen sechs Tage, an denen Andree keine Aufzeichnungen gemacht hat. Erst am 2S. September setzt er sein Tagebuch fort. Die Eisscholle liegt noch immer südlich von Vitö. Die Wosserrinnen sind zugefroren, die Seehunde verschwunden. Dafür gibt es mehr Eisbären. Am 27. September, einem milden, regnerischen Tag, und in der Nacht zum 28. September hatte das Lager Bärenbesuch. Die„Nachtbären" sind Diebsgesindel. Der Bursche, der in der Nacht vom 27. zum 28. ins Lager kam, wurde zweimal dabei überrascht, daß er den Kadaver der Riesenrobbe abschleppen wollte. Wäre nicht Strindberg auf dem Posten gewesen, und hätte er nicht den Bären verscheucht, so wäre die Robbe verloren gewesen. Andres wollte in Socken aus die Bärenjagd ausziehen, muhte dieses kühne Unter- nehmen jedoch ausgeben. Am 29. September sah Fraenkel frühmorgens gleich nach den, Ausstehen einen Bären beim Lager. Cr lieh sich herbeilocken, Strind- berg jagte ihm eine Kugel durch den Hals, er brach zusammen, kam aber gleich wieder aus die Beine, rannte auf den Hiillerpfoten und schob den Vorderkörper vor sich her, Andröe gibt ihn, einen zweiten Schuß, abermals stürzt das Wild, macht aber noch eine letzte An- strengcing und rennt weiter. Erst als auch Fraenkel noch geseuert hatte, blieb der Bär am Platz. Er fiel in ein Wasierloch>.nd wurde unter Hallo herausgeholt. Es war ein/ männliches Tier, ein schwerer alter Bursche. Die Eisscholle, auf der nun das Winterlager«rrichtet war, wurde immer kleiner. Nur ein starker alter Stauwall schützte die Schneehütte noch gegen das offene Wasser. Andrste ist sehr be- unruhigt, hofst aber doch, daß der Stauwall die Scholle gegen weitere Pressungen schützen wird.„Es sieht ja großartig aus, wenn sich das Eis so drängt, aber im übrigen ist uns dabei nicht behaglich zumute." Am 28. September abends hatten die drei Gefährten Einzug in ihre 5)lltte gehalten und sie„Daheim" getaust. Schon in der ersten Nacht hat es ihnen zwischen ihren vier Wänben ausgezeichnet gefallen, aber sie hofften sich noch viel behaglicher einzurichten. Die Fleischvorräte müssen die Nacht über hineingenommen werden, sonst fallen die Bären darüber her. Strindberg hat einen Grundriß der Schneehütte hinterlassen. Sie war rechteckig angelegt, S,75 Meter lang und 3,5 Meter tief. Der Eingang befand sich an der einen Längsseite. Zuerst betrat man die Vorratskammer. Dahinter lag der Wohnraum mll Fenster, Tisch, Ausbewahrungsplätzen für die persönlichen Gebrauchsgegen- stände und Wandnischen, die als Schränke dienten. Ganz hintei,, vom Wohnraum durch eine Halbwand getrennt, waren die Schlaf- platze eingebaut. Der Schlafsack bedeckte den ganzen Fußboden. Für den 29. und 39. September hat Andre« keine Aufzeich- nungen gemacht. Aus Fraenkels Wettertagebuch wissen wir, daß es kälter wurde. Am 39. September nachmittags maß Fraenkel — 8 Grad. An, 1. Oktober hatte die Kälte bis— 19 Grad zugenommen, aber das Wetter war herrlich. Das Wasser wimmelte von Getier, 7 schwarzweihe junge Lummcn tummelten sich in der Nähe des Lagers, zwei Seehunde tauchten auf. Der Bau der Hütt« schritt rüstig vorwärts, am 2. Oktober hoMe nun, mit dem gröbsten fertig zu sein. Aber das Schicksal wollte es anders. Um 514 Uhr morgens wurden die Schläfer durch Krachen und Getöse geweckt. Das WaKer lief in ihre Hütte. Sie eilten ins Freie. Die schöne starke Eisscholle war in ungezählte Stücke zerborsten, gerade an der Hllttenwcmd � entlang war sie gesprungen. Das Stück, auf dem die Hütte standiffM halle nur noch 24 Meter Durchmesser, und die eine Wand der 5)ülle' hing nur am Dach, statt es zu tragen. Das war ein schwerer Schlag. Dos neue Hau« bot keinen Schutz mehr, uill» doch war fürs erste nichts anderes zu tun, als auszuharren. Der Tag brachte übermenschliche Anstrengungen, denn alle Habe war auf den Nachbarschollen verstreut, zwei Eisbärleichen, der Fleischvorrat für drei oder vier Monate, trieben aus einen, Bruchstück der Scholle in der Nähe herum. Das alles mußt« schleu- nigst geborgen werden, wenn es nicht verlorengehen sollte. Das Weller war wenigstens gut, man konnte flott arbeiten. Von der Last des Tages erschöpft, sind die drei Männer so leichtfertig, noch eine weitere Nacht in der baufälligen 5)ütte zu verbringen. Mit diesem schweren Schicksalsschlag endet die Eiswaiiderung Andrstes und seiner Gefährten. Vom 14. Juli bis zum 2. Oktober waren sie über das Treibeis gezogen. 12 Tage lang strebten sie nach Franz-Joseph-Land, dann 49 Tage lang noch den Siebeninseln. Die Strömung war stärker als sie. Da gaben sie es auf und logen noch 12 Tage lang auf einer Eisscholle still, bis das Unglück über sie hereinbrach. In der Stunde, als sie aus der Gondel des„Adler" sprangen, hatten sie sich dem Treibeis auf Gnade und Ungnade ergeben. 64 Tage hindurch hielten sie sich aufrecht. Dann wurden sie zur wahllosen Beute böser Naturgewalten. Die Eisscholle, auf der sie den Winter zu überstchen dachten, lag in Trümmern um sie j, her, ihr„Daheim" war hinweggefegt, ihre Habe auf treibenden Eisschollen verstreut. Strindberg schreibt ein paar Tag« später in seinen Kalender die vielsagenden Worte:„Spannende Lage". Auch im Zusammenbruch bewahren die Helden ihre Haltung. So kann Andrste von sich und den Seinen Zeugnis ablegen:.Keiner hat den Mut verloren. Mit solchen Kameraden kann man durchhalten, mag kommen, was da will". Das weiße Gletscherbild von Vitö liegt vor ihnen.__ Aus Schillers glücktiehSlen Magert Wenn man wie Friedrich Schiller im Jahre 1785 aus den, Leipziger Stadttor auf der-Landstraße nach Halle hinausfuhr, st> hatte man gleich rechter Hand ein altes finsteres Gebäude, das heute den, ausgedehnten Schuppen des Leipziger Hauptbahnhofs hat weichen müssen, vor Augen: die Scharfrichterei, tn der der Schopf- richtcr mit seinen Knechten als„unehrliche Leute" vor dem Tore hausten. Geradeaus führt« die Straße nach Delitzsch, zur linken Hand an den Elsterwiesen entlang die Hauptstraße nach Halle. Weich das erste Dörfchen an dieser Straße ist Gohlis, wo der Buch- Händler Göschen, ein Freund des Schillerfreundes Christian Körner, Wohnung genommen hatte. Dorthin Übersiedelle Schiller in dos Haus Menkestrahe 42. Sein Siim belastete sich in jenen herrlichen Sommertagen des Jahres 1785 nicht mit schweren Dingen. Er fühlte sich gar nicht mehr vom Schicksal so übel hin- und hergeworfen in mißlichen Verhältnissen wie noch vor wenigen Monaten, che«r Mannheim verlassen hatte. Schiller stand damals im 26. Jahre, und sein � Freund, der drei Jahre ältere frühere Prwatdozent an der llniver-, sität Leipzig, jetzt Konsistorialrat in Dresden, Christian Gottfried Körner, hatte ihn nach Leipzig geladen, um im Kreise der Freunde eine Zeit ruhigen Schassen» zu nerbringen. Selbst dos Reisegeld hatte Freund Körner mit einen, reichlichen Darlohn von nvehrereu hundert Talern vorgeschossen. Seit den, 7. April war Schiller nun in Leipzig. Der schönste Freundschastsbund, der je einen Dichter und einen' � von dessen Kunst Begeisterten verknüpfte, war in diese», Jahre geschlossen. Innerlich ausgerichtet durch die Teilnahme an seinem Schassen, fuhr Schiller nach Gohlis hinaus. Doppeltes Glück, das die äußere Hilfsbereitschaft sich bei Körner sogleich an dieses Freund- schastsgefühl anschloß. Von dem Haus« aus, das Schiller mit Göschen bewohnte, bkckie man auf das Rosental und die Elster. Der Name bekundete dainols die Schönheit dieses heute noch wunderschönen Parkes. Wie«in Funks war jetzt die Freude in das heiß lodenibe Herz des jungen Dichters gesallen. Er hatte den Freund soeben erst in Kahnsdors persönlich kennen gelernt. Aber Körners Briefe und die freundlichen Sendungen der Kupferstechertöchtcr Stock nach Mamcheim hatten diesen Bund ja schon vor mehr als einem Jahre geknüpft. Jllm 7. August sollte nun in Leipzig die Hochzeit Körners mit Anna Stock fein. Anreden und Verse voll Frohsinn und guter Laune gingen dem Dichter durch den Sinn... Daß es so etwas gab: einen Freund wie diesen Körner und den grundehrlichen Göschen, der einein für jeden Bogen drei Louisdor bezahlte und für die Erstauslagc der„Geschichte des Dreißigjährigen Krieges" bald 409 Taler bezahlen sollte! Da konnte man dann später ja wohl schreiben:„Sic haben mich nicht bezahlt, sondern belohnt.und die Wünsche mich des ungenügsamsten Autors über- troffen." Und wie der Göschen für Freund Körner schwärmte! Er hatte auch allen Grund, denn um die„Eompagnieschast vollständig zu machen"— so hatte Göschen gerade noch an Körner geschrieben _ hatte dieser aus seinem Erbe erheblich für den neuen Verlag vorgeschossen. Es war eine glückliche Zeit sür Schiller. Freude"— da», als in Gohlis ist es entstanden. schon Andeutuitge» gemacht, daß er ihn im September in das Gartenhcms zu Loschwitz einladen würde? Wo er dann den„Don � Carlos" in Angriff nehmen würde!... Ja, würde er den, Freimde setzen, den, Niarquis Wesen Körners geben! Konnte denn sein Herz auch nicht aufjubeln, da ihn, der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein! Das Lied„An die Hatte ihm Körner noch ein Denkmal Posa Gestalt und Der Sinn der Pyramiden. Die Bestimmung der ägyptischen Pyramiden war lange Zeit hindurch ein Rätsel sür die wissenschast- liche Welt. Erst vor weniger als einen, Jahrhundert brachte der Fund einer koptischen 5)a»dschrift Klarheit in dieser Frage. Doli war zu lesen, daß die Pyramidenforn, die den Gräbern der Könige von Aegypten allein angemessene sei, wie die gelbe Farbe früher einmal den chinesischen Kaisern vorbehalten war. Die Obelisken, Pfeiler und anderen Gedächtnis», ale waren dem'Andenken der Prinzen, Minister und Priester gewidmet. Das Volk selbst halle keinen Anspruch daraus: die Leichen wurde» einfach nach dem religiösen Zeremoniell einbalsamiert und in den endlosen Stein- brüchen der lybischen Berge ausgesetzt, wo ehedem eine ungeheure Anzahl von Mumien zu finden war, so daß die Engländer schließlich auf den Einfall kamen, die Behörden um die Erlaubnis zu bitten, mit den Mumien— die Schiffskessel zu heizem Das„spanische Rohr" ist der Kletterstamm der hinterindischen Palme Calanms Rotang. Eamille Desmoulins Pariser Denkmal steht nicht, wie Andreas Latzko(siehe„Vorwärts" vom 26. November) annimmt erst seit kurzem im Palais-Royal, sondern schon seit mehr als 29 Iahren an derselben Stelle. Es wurde, wenn ich mich recht entsinne, aus Anlaß des 159. Geburtstages des Reoolutwnstribunen, also 1919. enchüllt. V.Lcd. Die französischen Nazis. Gesprengte internationale AbrüstungSkundgebung in Paris. Paris, Z7. Rovembcr. �Eigenbericht.) Unerhörte und eines zivilisierten Volkes unwürdige Sze. ncn spielten sich heule abend im pariser Trocudero ab. Der fran- ; zösische Rationalismus hat dort vor mehreren tausend Vertretern von 30 Rationen, die sich zu einer Abrüstungskundgebung ein- gesunden hatten, sein Antlih enthüllt. Die Kundgebung bildete den Abschluß eines Abrüstuugskongresses. der aus die Znilialive Lord Robert Eccils einberufen worden war und an dem auch eine starke deutsche Delegation, bestehend aus Vertretern der Liga für den Völkerbund, des Reichsbanners, zahlreicher katholischer und jüdischer Friedensverbände usw. teilnahmen. Gegen diesen Kongreß hatten die nationalistischen Zeitungen, allen voran das ,.E tf) 0 de pari s" und die C o t y- V l ä t k e r als gegen eine „prodcuksche Veranstaltung- protestiert. Auf Grund dieser Proteste hatten Alitglieder zahlreicher nationalsozialistischer yehverbände beschlossen, an drr cfsenttichen Schlußkundgebung im Trocadero teilzunehmen, um diese zu sabotieren. Kaum hatte herriot. der den vorsiß führte, seine Be- grüßungsansprache begonnen, als sich von ollen Seiten des Riefen- saalcs ein ungeheures Protestgebrüll erhob, das herriot das VZcitersprechen unmöglich machte. Räch mehreren derartigen Unterbrechungen konnte herriot schließ- lich unter einein ohrenbetäubenden Lärm seine Rede vollenden. Als dann aber ein Vertreter der katholischen Liga für Frieden und intcrnalionale Gerechtigkeit zu sprechen begann, war es mit der Ruhe vollkommen vorbei. Zeht begannen die anwesenden Mitglieder der pazifistischen verbände eine energische Säuberungsaktion, da Polizei nicht im Hause, sondern nur außerhalb anwesend war. Es begann ein Ringkampf um die Logen, in die sich nationalistische Führer mit ihren Anhängern eingenistet hatten. Unter Führung des radikalen Abgeordnelen Pierre Cot und des völlerbundsdclegierten Professor Casstn wurden die Radau- wacher- an die Luft gesetzt. Etwa eine halbe Stunde lang bildete das Trocadero einen wüste« Kampfplatz, während die Redner wcitersprachen, ohne daß natürlich ein Wort zu verstehen war. Frau Louise weiß. die Leiterin der Wochenschrist„Turope Rouvelle" und Organisatorin des Kongresses, wurde besonders unanständig behandelt. Da sie mit etwas hoher Stimme sprach, wurde ihre Rede durch ständiges ..Kikeriki" und Zwischenrufe wie„Mach, daß du in die Küche kommst", unterbrochen. S6)liehlich stimmten die Flegel die„Marseillaise" an, während andere.Mach Berlin" brüllten. Roch unerhörter wurde die Kundgebung, als der Zentrums- abgeordneke Zoos das Wort nahm. Von verschiedenen Seiten des Saales brüllte man ihm zu: „Halt die Schnauze!".„Tas stinkt nach Sauerkraut" und ähnliche feine Worte. Inzwischen war der Saal von den wüstesten Schreiern gssänberl worden, so daß Lord Eecil in einer verhältnismäßig ruhigen Situation dos Wort nehmen konnte. Da er aber englisch sprad), wurde ihm von verschiedenen Seiten zugebrüllt:„Sprechen Sie in Frankreich französisch." Der Platz vor dem Trocadöro war inzwischen in eine Art Be- lagervngszustand verseht worden. Ueberau halten stark« Polizei, und Gardeobteilungen mit Stahlhelm Aufstellung genom- lv-n. Verschärfte Bankenkontrolle! Das fordern die Einleger der Ladendorff-Dank. Die Aersammlung, die am Donnerstagabend von den Glan- bigenr der Bank für Handel und Grundbesitz im Lehrorvcr- e i n s h a u S abgehalten wurde, mußte schon vor Beginn p o l i- ,5 ei lich geschlossen werden. Hunderte erhielten keinen Zu- rntt. Da? zeigt, wie groß die berechtigte Empörung in den Reihen der Geschädigten ist; das zeigt auch den Willen, das juristische und moralische Recht geltend zu machen. Was die Einleger und Sparer der Bank für Handel und Grundbesitz— ausnahmslos Handwerker, kleine Unternehmer, Hausbesitzer— zunächst verlangen, ist die Fortführung der Bank für Handel und Grundbesitz. Nebe» dem unverantwortlichen B e- trug der leitenden Herren sei für de» Zusammenbruch die Wir t- schaftskrisc verantwortlich. Die Gläubiger vortreten die An- sieht, daß die Reichsrezierung verpflichtet sei, zu helfen, da sie nach der Bankeukrise im Juli durch Rundfunkreden und groß- zügige Propaganda immer wieder um das Nertrauen der Einleger zu Banken und Sparkassen geworben habe. Dadurch habe die Rc? gierung eine moralische Verpflichtung übernanimen, da ja der ein- fache Mann aus dem Volte dem Firmcnschilde nicht ansehen könne, ob die dahinterstehende Bank gut sei oder nicht.„Wenn wir", so etwa führte Rechtsanwalt voin Berg unter stürmischem Beifall der Versammlung aus,„in Deutschland eine Banken tontrolle haben/ dann haben wir jedenfalls eine sehr mäßige. Was hilft eine solche Kontrolle, wenn sie erst eingreift, wenn das Kind in den Brunnen gefolleu ist. Nicht eher werden die Groschen und Markstücke aus dem Struinpf in die Kassen wandern, ehe nicht die Regierung durch Reick, sge setz die Haftung für olle Einlagen übernimmt"— was natürlich nur nach Einführung einer wir- kungsvollen präventiven Bankenkontrolle oder gar eine Bcrstaat- lichung der Banken möglich wäre. Hier ist also einer großen Masse geschädigter Mittelständler zum Bewußtsein gekommen, wie wichtig und nützlich die öffentliche Bankenkoutrolle ist. Hier wurde erkamch daß die Be- trügereien Seisferts und Ladcndorffs niemals hätten stattfinden können, wenn wir in Deutschland eine wirklingsvolle Bankenkon- trolle und nicht nur einen schwachen Ansatz doz» hätten. Aber werden diese Kreise auch sür die Politik daraus lernen? Oder werden sie weiter den Ladendorffs und Hitlers nachlaufen, statt mit den Arbeitern zu gehen, von denen ihr ganzes Wohl und Wehe ab» bongt und die für Bankenkontrollc allein kämpfen? Vorschüsse sür die Einleger. Die Forderung der Einleger der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz, wenigstens einen Teil der sestgefrorenen Mittel wieder in die Hand zu bekommen, ist außerordentlich dringend geworden. Viele Betriebe sehen sich nicht mehr in der Lage, die laufenden Löhne und Unkosten zu zahlen. Di« Dresdner Bank, die be- kaimtlich die Abwicklung der Seiffert-Bank besorgt, hat deshalb bei ihren Schalten, in der Französischen Straße eine Ans- kunsts stelle für die Einleger eingerichtet, durch die auch die Bevorschussung der Einlagen in besonders dringen- den JWen, also für Steuerzweck« und GehaltSzahbrnzcn vermittelt «erden dürste. Die Tarnung. „Hinier diesem Gchuhschild findet uns kein Oberreichsanwalt!" Landtagspräsident Wittmaack. Oer Landtag bis zum Dezember vertagt. Zm preußischen Landlag wurde am Freitag der Abgeordnele Wi t l m a a ck- Magdeburg(Soz.) mil 250 Stimmen zum Prä- sidenlen des Landtages gewählt. Der kommunlstische Kandidat Kasper erhielt 33 Stimmen. 66 Zettel waren unbeschrieben und eine Reihe von Stimmen zersplitlerl. Zn namentlicher Abstimmung wird dann der dcutschnationale Mißlrauensanlrog gegen den Kultusminister Grimme mit 2lg Stimmen der Regierungsparteien gegen l7Z Stimmen der Oppofilion abgelehnt. Entsprechend dem Vorschlag des Gefchäflsordnungsausschusses wurde ohne besondere Abstimmung einstimmig die Zmmunliül des wlrlschaslsparteilichen Abgeordneten Ladendorsf aufgehoben. Als bei einer späteren Abstimmung sich die Bcschlußunfähigkeil herausstellt, wurde der Landtag bis zum 15. Dezember vertagt. ❖ Zu Beginn der Freitagsitzung des Preußischen Landtages be- antragten die Kommunisten, sofort über einige neue von ihnen ein- gebrachte Antröge zu verhandeln, das Verbot des Rotfrontkämpfee- bundes auszuheben und einen Untersuchungsausschuß über die Für- sorgecrziehimgsanstalten einzusetzen. Van sozialdemokratischer Seite wird der sofortigen Beratung widersprochen. Sie kann also nicht stattfinden. Au, cher Tagesordnung steht die Wahl des neuen Land- t a g s p räfi. d ante n. Gewählt wird mit 250 Stimmen Abg. Wittmaack fSoz). Abg. Wittmaack(Soz.) übernimmt den Vorsitz des Hauses und dankt für die große S t i m m e n z a h l. die sich auf ihn vereinigt hat: Ich kann aber nicht leugnen, daß ich noch lieber einstimmig ge» wählt worden wäre.(Heiterkeit.) Der Präsident muß getragen fein vom Vertrauen des ganzen Hauses, und ick, werde mich darum bemühen, das Vertrauen aller Abgeordneter zu erwerben. Ich werde die Geschäfte des Hauses ernst, sachlich und gerecht, irpartenisch, airer mit sestcr Entschlossenheit zu führen suchen. Ich kenne die Aufgabe des Präsideuten, die Minderheit zu schützen. Aber hier muß Gegen- seitigkeit herrschen: die Minderheit dars auch nicht versuchen, das Recht der Mehrheit und das Recht des ganzen Parlanrents anzu- tasten. Solche Versuche zurückzuweisen bin ich gleichfalls fest cnt- schlössen. Mein Leitsaden dabei wird die Geschäftsordnung des Hauses sein. Mißachtung und, Mißbrauch der Gcschästsordnung werde ich von niemandem dulden. Bei gutem Willen lassen sich die schärfsten Gegensätze in sachlichen Formen austragen. Ich habe es stets bedauert, daß so viele Menschen, die sich in ihrem Privatleben einwandfrei bewegen, im politischen Kampf jeden Sinn sür Gerech- tigkeit und Anstand vermissen lassen. Unter diesen politi- gegen den Kultus» Stimmen abgelehnt. schen Unanständigkeit leidet das Ansehen des Staates und der ganzen deutschen Nation.(Lebhafte Zustimmung.) Ich werde mit fester Hand alles tun, was notwendig ist, um die Würde des Parlaments zu schützen. Vielleicht können wir dadurch richtungweisend und nachahmungheischend für dos politische Leben des ganzen Landes werden.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen, besonders bei den Soz.) Der deutschnationale Mißtrauensantrag minister Grimme wird mit 219 geen 173 (Bravo! bei den Soz.) Unter Ablehnung aller Abänderungsanträge tritt das Haus den Feststellungen der Untersuchungsausschüsse über die Preußenkasse und das Perhalten der Regierung beim Volksbegehren„Freiheits- gesetz" bei. Entgegen dem Antrag des Unterrichtsausschusies, zu den Rat- Verordnungen der preußischen Regierung auf dem kulturellen Gebiet den Wunsch auszusprechen, daß die Regierung eine Staffelung der erhöhten vtudiengelder auf den Universitäten in Aussicht nehiNen möge, beschließt das Haus gegen Sozialdemokraten und Kommu- nisten, diese Staffelung abzulehnen. Es folgen die A b'st i m m u n g e n z u r neuen Geschäfts- o r d n u n g. Die kommunistische Fraktion beantragt 165 namentliche Ab- stimmungen. Abg. Borck(Such:.): Diese Abstimmungen würden uns vierzig stunden kosten. Ich beantrage, von der Durchberatung der neuen Geschäftsordnung Abstand zu nehmen. Unsere Vorarbeiten bleiben bestehen, und die endgültige- Beschlußfassung kann beim neugewählten Landtag liegen. Zlbg. Slleler(Z.) beantragt, vorweg den Paragraphen der Geschäftsordnung zu beschließen, der es in das Ermessen de? Hauses stellt, ob es namentlich abstimmen will oder nicht. Werde diese Bestimmung angenommen, könne sie sofort in Straft gesetzt werden. und die Beratung der übrigen Bestimmungen der Geschäftsordnung fei dann sehr vereinfacht.' Vizepräsident Dr. von Sries: Ich halte die sofortige Jnlrast- setzung einer solchen neuen Bestimmung für nicht zulässig. Zlbg. Leiner t(Soz.). von den Kommunisten mit großem Lärm nnpfangcn, weist an der Hand der bisherigen Prodis noch, daß ein solche? Verjähren rechtlich nicht zu beanstanden sei. Abg. Slleler(Z.) erklärt sich damit einverstanden, daß in dieser Sitzung nur über den einen Paragraphen entschieden werde, her die Zulassung namentlicher Abstimmungen ins Belieben des Hauses stellt. Von wann an diese Bestimmung dann in Kraft gesetzt werden solle, darüber könne man sich später verständigen. Ueber diesen Antrag wird namentlich abgestimmt: Kommunisten und Rechtsparteien nehmen an der Abstimmung nicht teil. Es werden 208 Ja-Karten abgegeben. Da? Haus ist also nicht beschlußfähig. Vizepräsident Dr. Kries beraumt unter großem Jubel der Kommunisten die nächste Sitzung auf den 15. Dezember an. Llntemehmer und Wirischaflsstandale. Tagung des Reichsverbandes.-„Geradezu unverständliche und ungeheuerliche Vorfälle." Gestern nachmittag hat der neue Präsident des Reichsvcrbands der Deutschen Industrie Krupp vonBahlen und H a l b a ch die Berliner Hauptausschußtagung des Verbandes mit der Bemerlung eröffnet, daß der Reichsverbanb nach wie vor entschlossen sei, das System der Privatwirtschaft und der individualistischen Wirtschafts- führnng zn verteidigen. Der mächtigst« Unternehmerverbond Deutschlands sieht aber selbst das Vertrauen in die kapitalistische Wirtschaftsführung durch die Häufung der Wirtschasts- skandale tief erschüttert, und so erlebte man als wichtigstes auf dieser Tagung durch Krupps Rede eine Stellungnahme zu den Vor- antwortlichcn dieser Wirtschaftsskandale, die durch ihre Schärfe fast scnsalionell wirkt/ Krupp jagte u. a.: „Die tiesbedouerlichen. vielfach geradezu unverständlichen und ungeheuerlichen Vorfälle, die in letzlcr Zeit in unserer LZirt- schasl sich gehäuft haben, köonen nicht scharf genug verurteilt werden."• Gegenüber jedem, der vom Woge des ehrboren Kaufmanns abweicht. solle und müsse eine scharfe persönliche und wirtschaftliche Tren- nu ngsli nie.. gezogen werden. Diese Stellungnahme wurde auch unterstrichen durch eine osf-izielle Erklärung, die Krupp im Namen der Vorstände des Bantenzentraloerbandes, des Jndu- strie« und Hondelstages, der Hauptgemeinschajt des Einzelhandels, des Reichsverbandes des Deutschen Groß- und Ileberseehandels, d«r Rcichsverbände des deutschen Handwerks und der Privatversichcrung sowie der Vereinigung der Deiujchcn Arbcitgebe.r-Verbändc abgab. „Die deuische IVirlschchk ist seil Monaten Zeuge von vorkomm- nissen innerhalb ihrer Reihen, deren Zahl die Gefahr heraus- beschwört, daß sie nicht als Ewzclerschelmmg. sondern als I Zeichen eines allgemeinen Riedcrgavgs der kaufmännischen Ehrbarkeit gewcrtek werden", mit diesen das Mißtrauen in die Wirtschaftsführung kennzeichnenden Worten beginnt die Erklärung der Spitzenverbände. Sie schließt mit der Feststellung der besonderen Pflicht der Wer- bände, alle Kräfte an die Selbstreinigung der deut» scheu Wirtschaft zu wenden und nicht nur. eine scharfe per- s ö n l i ch e T r e n n u n g s l i n! e zu ziehen, sondern auch die weitere Zugehörigkeit der Betroffenen zu den Organen der Spitzenvcrbändc von dem Ergebnis der zu treffenden Feststellungen abhängig zu machen. Hier liegt dos erste E i n g c st ä n d n i s sämtlicher Spitzen- verbände der deutschen Unternehiner vor, daß eine Reinigung in der deutschen Wirtschaftssühriing notwendig ist. Die lüaeiihaft« und die öffentliche Meinung in den letzten Jahren vergiftende These ist offiziell preisgegeben, daß„die öffentliche Mißwirtschaft und die Gewerkschaften" das Hemmnis einer vernünftigen deutschen Wirt- schoftspolitik seien. Wir stellen das fest. Für die vom Reichsverband zu befolgende wirtschasts- politische Linie ergab sich aus der Rede Krupps nichts Neues. Krupp fand freundliche Worte für die Landwirtschaft: er verriet srellich nicht, wie durch den auch vom Reichsoerband erfolgten Lohnabbau die Kaufkraft der städtischen Bevölkerung gehoben werden soll. Er fand freundliche Worte für die mittlere und Klein- industrie, ohne aber zu sagen, daß auch die Scnfung der Kartell- preise und die durch das Einfrieren.der großindustriellen Kredite verhinderte Krcditvcrbilligung eine Lebensfrage für die mittlere und kleinere Industrie sind. Krupp fand sogar freundliche Worte für die Arbeiterschaft, die sreilich im gegenwärtigen Augenblick, wo Lohn« scnkung nach wie vor die Parole ist, wie.Hohn klwge» muhten Künstliche Dauerkrise. Oer verhängnisvolle Lohnabbau. Die Reichsrcgierung wird von der Geschichte verurteilt werden, irickit weil sie der Arbeiterklasse schwere und unnötige Opfer auf- erlegt hat. sondern weil sie mit ihren Maßnahmen immer wieder den natürlichen Ablauf der Krise verhindert und ganz Deutschland in schwerste Bedrängnis gebracht hat. In der kapitalistischen Gesellschaft verlaufen die Wirtschafts- kurven immer derart, daß bei ansteigender Konjunktur die Löhne und die Preise gleichfalls ansteigen, jedoch die Preise oder vielmehr die Profite s ch n e l l e r als die Löhne. Daraus entsteht das, was man als Wirtschaftskrise zu bezeichnen pflegt. Während der Wirtschaftskrise sinken Preise und Löhne, jedoch die Preise schneller als die Löhne, bis das Gleichgewichtsverhältnis wieder hergestellt ist und eine neue aufsteigende Konjunktur beginitt. Die Rcichsrcgierung, die heute sozusagen nur noch unter der Kontrolle der Bürokratie steht, weil die Wähler das Parlament cktionsunfähig gemacht haben, hat alles getan, um diesen natürlichen Ablauf der Mrlschastskrisc zu verhiaderu. Sie hat durch Subventionen, Zölle und ähnliche Maßnahmen das Abgleiten der Preise zu verhindern gesucht und hat gleichzeitig durch die Schlichtungsinstanzen und durch die Handhabung der Verbind- lichkeitserklärung zwangsweise die Löhne immer tiefer gesenkt, so daß im Widerspruch zu dem natürlichen'Ablauf der Krise die Löhne und Gehälter schneller gesunken sind als die Preise. Damit ist die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichsgewichts verhindert oder auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben. Der Reichskanzler hat stch einmal in einer Rede gegen den „Käuferstreik'" gewandt, der besonders die Gesundung der Textilindustrie verhindere. Einen interessanten Einblick in diesen „Käuferstreik" gewinnt man, wenn man sich die Zahlen über den Verbrauch oonSchuhenin Deutschland vor Augen hält. Nimmt man die Zahl der in Deutschland erzeugten Schuhe, zählt man zu diesen die eingeführten Schuhe und zieht davon die Aussuhr an Schuhen ab, so kommt man zu folgenden Zahlen: Im Jahre 1927 wurden in Deutschland pro Kopf der Bevölkerung 1.24 Paar Schuhe verbraucht. Im Jahre 1929 war der Konsum zurückgegangen auf 1,14 Paar, im Jahre l93t> auf 1 04 Paar und— nach den bisher vorliegenden Zahlen— für das Jahr 1931 dürfte der Schuhkonsum in Deutschland aus den Kopf der Bevölkerung weniger als 1 paar Schuhe im Zahr betrogen. Ergänzt werden diese Zahlen aufschlußreich durch den Beschäftigungsgrad in der Schuhindustrie. Wöhrend der ersten zehn Monate des Jahres 193» waren von den Mitglieder» des Zentralverbandes der Schuhmacher voll beschäftigt 27 4S0 Arbeiter und Arbeiterinnen, während der ersten zehn Monate des Jahres 1931 waren es nur mehr 1 S 3 9 2. was einen Rückgang von 46,84 Proz. gleichkommt. Außerdem stieg die Anzahl der Kur z- a r b e i t e r von 36 aus 44 Proz. Dies ist nur ein Ausschnitt aus einer typischen Konsumindustrie. Besähen wir aenauc Zahlen über andere Industrien, so würde das Bild kaum anders fein. Es ist bekannt, daß eine Wirtschaftskrise immer zuerst einsetzt bei der Produktionsmittelindustrie und daß eine auf- steigende Konjunktur chren sichtbarsten Ausdruck in einem aufsteigen- den Beschäftigungsgrad der Produktionsmittelindustrie hat. Wenn aber der Slbsatz und der Beschäftigungsgrad in den Konsumgüter- industrien derart sinkt, ist es selbstverständlich ausgeschlossen, daß die Produktionsmittelindustrie auf eine Wiederbelebung hoffen kann. Lille Bestrebungen müssen also darauf gerichtet sein, den Konsum zu stärken. Wenn aber durch eine willkürliche Senkunq der Löhne und<5e- häller der Konsum zwangsweise abgedrosselt wird, ist es ganz ausgeschlossen, daß wir irgendwie zu einer lleberwindung der Wirtschaftskrise kommen können. Nicht weil die Politik der Reichsregicrung der Arbeiterschaft Opfer auferlegt, sondern weil diese Opscr nicht nur nutzlos gebracht werden, die Krise zu verschärfen und das Elend zu eine!» dauernden machen, wenden stch die Gewerkschaften aller Rich- tungen gegen diese Maßnahmen. Wenn die Unternehmer in ihrer grotesken Kurzstchtigkeit vcr- langen, daß der Schnitt bei den Löhnen und Gehältern zum dritten, vierten und fünften Male radikal vorgenommen werden müsse, damit für die Unternehmer wieder der„Anreiz" bestehe, die Arbeiter zu beschäftigen, so muß man stch nur darüber wundern, daß diese Leute— offenbar mit Recht— aus die bodenlose Unwissenheit derer spekulieren, die ihnen zuhören. Die Unternehmer beschäftigen nur dann Arbeiter, wenn sie die entsprechende» Aufträge haben. Diese Austräge bekommen sie n u r d a n n, weim es dafür Käufer gibt. Selbst weim z. B. der Lohn der Schuharbeiter auf Rull gedrückt würde, könnten die Schuhe dadurch nur um Pfcnnigbcträge pro Paar gesenkt werden. Eine Krise ist immer das sicherste An- zeichen dafür, daß die Löhne im Verhältnis zu deit anderen Gestehungskosten zu niedrig sind. Sie jetzt nochmals senken, heißt die Krise verewigen wollen. Zu hoch und zu niedrig. Verhöhnung der Arbeiter. Unzählige Male haben die Unternehmer erklärt, nur durch Lohnabbau könne die Arbeitslosigkeit beseitigt werden. Der Lohn wurde abgebaut, die Arbeitslosigkeit stieg. Um wenigstens einen Tell der Arbeltslosen, der durch die R a t i o n a l i- s i e r u n g seine Arbeitsstelle eingebüßt hat, wieder in Beschäftigung zu bringen, haben die Gewerkschaften die V i e r z i g st u n d e n- woche gefordert. Sie waren zu einer Verkürzung der Arbeitszeit auch unter Opfern bereit. Das großherzige Angebot der Gewerk- schaften wurde auf der anderen Seite mit einein heimtückisch-fri- volcn Spiel beantwortet. Bei den Arbeitszcitoerhandlungen im Juli erklärten z. B. Unternehmer der Industrie der Steine und Erden, der Lohnstand lasse eine Einkommensverminderumg durch Arbeitszeitverkürzung nicht mehr zu. Als aber dann die Arbeiiszeitoerhand- lungen im Sande verlaufen waren, wurde durch neuen Lohn- a b b a u das Einkommen der Arbeiter von neuem sehr kräftig oer- mindert. Bei den Verhandlungen im Juli wurde von den Arbeft- gebern erklärt, es könne nicht zentral, sondern nur bezirklich »erhandelt werden. Als dann bezirklich verhandelt wurde, erklärten die Arbeitgeber, die Einführung der Vierzigstundenwoche könne nur zentral und von der zentralen Organisation vereinbart werden. Nachdem alle bezirklichcn Verhandlungen gescheitert waren, hat das Reichsarbeitsmini st erium dieser Tage noch ein- mal die Parteien der Industriegruppe Stein« und Erden zu einer Besprechung geladen. Das Ministerium hat dabei zugleich einen Entwurf über eine eventuell zu erlassende Verordnung der iüierzigstundenorbeitswoche den Parteien übergeben. Sofort begann auf der Gegenseite wieder das übliche Verschleppungsspiel. Die ent- scheidenden Bespreckzungen fanden schlichlich statt. In den Verhano- lüngen gab das Arbeitgeberkartell der Industrie Steine und Erden als Zentrale für alle Industriezweige der Gruppe eine fchnftlich formulierte Erklärung ab, wonach sie die Einführung der Vierzig- flundenwoche und den vorgelegten Entwurf ablehnt. Die volle Verantwortung für eine eventuelle Verordnung und deren Folge» habe das Reichsarbeitsministerium zu tragen. Nach Erlaß einer l,-Verordnung über die Vierzigstundenwoche würden weitere Ent- lassungen vorgenommen werden. Von hoher behördlicher Stelle wurde erklärt, man habe die Z l e g c l i n d u st r i e aus der Verordnung herauslassen wollen, weil chr jetzt erreichter Lohnstand eine Verkürzung der Arbeitszeit wegen der damit verbundenen Lohnminderung nicht mehr zulasse. Da haben wir also die Bescherung: in der L o h n f r a g c ist der L o h n z u hoch, in der A r b e i t s z e i t s r a g e ist er zu niedrig. Well der Lohn zu hoch ist, wird er abgebaut, obwohl er eigentlich schon vor einem halben Jahr zu niedrig war. Weil er zu niedrig ist, kann man die Arbeitslosigkeit nicht durch Arbeitszeit- Verkürzung eindämmen. Man weiß nicht, worüber man mehr staunen soll: über die Brutalität oder über die Frivolität, mit der seit Jahr und Tag das deutsche Unternehmertum mit den Arbeitern stch zu spielen erlaubt. Die Organisation wird sich in den nächsten Tagen an die die Konditoreien besuchenden Gäste wenden, um festzustellen, ob diese Besucher Lokale frequentieren wollen, in denen das Personal mit Schundlöhnen abgespeist wird. Das Konditvreiperfonal wird am Donnerstag, deni 3. Dezember, abends 7 Uhr, im Palais des Zen- trums, Rofenthaler Straße 36, dazu Stellung nehmen. Nahrungsmittel- und Getränkearbeiterverband. Konfliki in den Konditoreien. Gut verdienen und schlecht bezahlen. Alle Bemühungen der freigewerkschaftlichen Organisation, mit den Konditoreiarbeitern zu einem Tarisverhältnis zu kommen, find endgültig gescheitert. Di« K o n d i t o r i n n u n g. unter Füh- rung ihres stcllvertretnden Oberineisters Max Schaust Köpenicker Straße 107, Hot auch den Vorschlag des Gewerberats Körner, ein unparteiisches Schiedsgericht darüber entscheiden zu lassen, abgelehnt. Die Kouditoreibesitzer wollen durchaus gegenüber den Löhnen im Kaffeehausgewerbe und in Bäckereien 30 proz. weniger bezahlen, trotzdem in den Konditoreien noch sehr gut verdient wird Jede Hausfrau kann es nachrechnen, da ja ans einem Pfund Kaffcc 60 porlioaen hergestellt werden. Die Christen an den Kanzler. Beschwörung in letzter Stunde. Der Vorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften richtet ein Schreiben an den Reichskanzler, in dem er diesen nochmals beschwört, bei den„schwerwiegenden Ent- schcidungen", die die Reichsregierung zu nehmen im Begriffe ist, „auf die bereits sehr bedrängte Lage der Arbeitnehmer entsprechend Rücksicht" zu nehmen. In dem Schreiben werden die wesentlichen Argumente, die die Gewerkschaftsvertreter im Wirtschaftsbeirat und auch sonst immer wieder in den Bordergrund gestellt haben, noch- mals zusammengefaßt. Es heißt da unter anderem: „Um eine Schrumpfung der Kaufkraft zu vermeiden, muh mit allem Nachdruck auf eine SenkungdesPreisniveaus hingearbeitet werden. Die Annahme, man brauche nur die Ge- hälter und Löhne zu senken, und die Preise fielen dann in ent- sprechendem Ausmaße von selbst, ist— besonders auch in Anbetracht der vielen Preisbindungen und verschiedenen Spannen — nicht haltbar. Im übrigen ist nicht zu leugnen, daß, seit dem vor mehr als Jahresfrist einsetzenden Absinken der Löhne, die Preise der Abwärtsbewegung der Löhne nicht hinreichend ge- folgt sind. Bei den angestellten Vergleichen wird meist auger acht gelassen, daß die tarifmäßigen Stundenlöhne keinen zuoer- lässigen Vergleichsmaßstab abgeben. In Wirklichkeit kommt es bei den Vergleichen auf den E f f e k t i o v e r d i e n st an, und dieser ist in der erwähnten Zeit in weit stärkerem Maße gesunken wie der Gesamtlebcnshallungsindex---- Angesichts der Gesamtlage und auch der Strömungen in verschiedenen Kreisen ist die Be- fürchtung nicht ungerechtfertigt, daß die auch von uns als not- wendig anerkannte Senkung der Gestehungskosten einseitig zu Losten d er Löhne und Gehälter erfolgt. Hiergegen müßten wir uns mit aller Entschiedenheit wenden____ Dringend notwendig ist ferner eine Senkung der Mieten. Sowohl aus diesem wie auch aus dem Grunde, daß die überhöhten Zinsen und Zinsspanneri unsere Wirtschast auf das schwerste belasten und den einseitigen Druck auf die Löhne erhöhen, glaube» wir uns pi dem weiteren Hinweis verpflichtet, daß alles im Rahmen des Möglichen Liegende schnell und durchgrcisend geschehen muß, um hier zu gesunderen, die produktive Wirtschaft niehr entlastenden Verhältnissen zu kommen." Zum Schluß versichert der Vorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften der Reichsregierung, daß er zu ihr das Vertrauen habe, an den sozialen Grundrechten der Arbeiter nicht rütteln zu lassen. Wir können leider nicht sagen, daß die Arbeiter- schafft in ihrer großen Masse dieses Vertrauen noch teilt. Eine neue„Aktion". llnorganisierte wollen Buchdrucker führen. Der Gauvorstand der Berliner Buchdrucker hatte zum 23. No- vember eine außerordentliche Generalversammlung rinbcrusen, die zu dem Ergebnis der Lohnvcrhandlnng Stellung nehmen sollte. Da die Lohnoerhandlungen für das Buchbruckgewerbe durch Beschluß der Schlichterkammer bis zum 28. November vertagt worden find, wurde auch die Versammlung rechtzeitig verlegt, und zwar auf den 3. Dezember. Diese selbstverständliche Maßnahme wurde von der überwiegenden Mehrheit der Berliner Buchdrucker gutgeheißen. Die Kommunisten suchten aus der Versammlungsverlegung für ihre Partei und für die gewerkschaftsfeindliche RGO. Kapital zu schlagen. Am 2ö. November veröffentlichte die„Rote Fahne" unter der Balkenüberschrift„Buchdrucker treftcn Kampfnorbereitungen" einen Bericht über ciirc üanftreiy kommunistischer Betriebsräte, die am 23. November ftn„Dresdener Garten" tagte. Der Bericht beginnt mft der bewußten Lüge, daß sich am 23. November(der Tag, an dem ursprünglich die außerordentliche tNeneratversanvrckung stattfinden sollte) vor dem Gemerkschastshm«' Hunderte von Funktionären des Buchdruckerverbandes stauten. In Wirklichkeit war die U m l c g u n g der Generalversammlung allen Berliner Buchdrucksunktianären bekannt. Die Kommu- nisten hatten deshalb ihren Anhang nach dem Gewerkfchaftshaus geschickt, der zum großen Teil aus B e r u f s s r e ni d e u bestand. Die vor dem Gewerkfchaftshaus Berfanunellen niuhtcn auftrags- gemäß die„empörten Sozialdemokraten" markieren und dann das � kommunistische Bersammlungslokal füllen. Die Versammlung war insgesamt von rund 60 Personen besucht, jedoch meist von weniger bekannten Firmen. Im Gegensatz zu der Behauptung der „Roten Fahim", in der Bersammlung seien fast alle Berliner Groß- druckereien vertreten gewesen, muß festgestellt werden, daß Groß- drucke.reien fast gar nicht vertreten waren. Die Firmen Scherl, Masse usw. fehlten gänzlich. Es spricht für sich, daß von dem in der Versammlung gewählten Ausschutz zur Vorbereitung der Kampfmaßnahmen, der aus 9 Personen besteht, nur zwei einer freien Gewerkschaft angehören. Damit ist die kommunistische„Aktion" als ein Machwerk gewerkschaftlicher Analphabeten gekennzeichnet, das nur Wasser auf die Mühlen der llnternehmer treibt. Barmer Ersatzkasse mii Unternehmern. Vereinbarung mit dem Reichsverbaud des Großhandels. Die bekannte Barmer Ersatzkassc) Krankenkasse für Kaufleute und Prioatbeamtc in Deutschland zu Barmen, hat. wie aus einem Rundschreiben des C h e m n i tz e i Großhandels- verbandes, eines Ilnterverbandcs des Rcichsverbandes des deutschen Großhandels, hervorgeht, mit diesem Rcichsocrband eine Vereinbarung getroffen, wonach die Unternehmer ihre An- gestellten der B a r m e r Ersatzkasse zusührcn sollen. Für das Einziehen derBciträgesoll ihnen eine Vergütung von einem halben Prozent der reinen Krankenversicherungsbeiträge zufließen. Der Großhandelsverband schreibt den angeschlossenen Firmen: „Die Unterhaltungen mit der Barmer Ersahkasse haben dazu geführt, unseren Mikgliedern zu empsehlen. den bei ihnen beschäftigten Angestellten nahezulegen, in dieser Sasse Aus- nähme zu suchen." Und er begründet diese Empfehlung damit, daß die Barmer Ersatzkasse eine freie Ersatzkasse sei, die keinerlei Organi sation angeschlossen, parteipoltisch neutral und von den Gewerkschaften unabhängig ist. Es wird also hier der gerade fn der heutigen Wirtschaftskrise sür die Angestellten be- sonders verderbliche Versuch unternommen, sie ihrer Gewerkschaft, dem Zentraloerband der Angestellten, ,zu entfremden und sie einer Krankenkasse zuzuführen, die aus der Sozialversicherung ein Geschäft machi. Lobe vor den arbeitslosen Buchdruckern. Der Vorstand der SPD.-Frattion der Berliner Buch- d r u ck e r hatte das Richtige damit getroffen, als er für die Verjamni- lung der arbeitslosen Buchdrucker am Freitag im Gewerkfchaftshaus Reichstagspräsidenten Paul L ö d e, einen Berufs- kollegen, als Referenten verpflichtete. Der große Saal des Gewerk- fchaftshaufes war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, als Genosse Lobe das Wort zu seinem Bortrag.Krise und Sozialismus" ergriff. � In seiner fesselnde» und populären Vortragsart zeigte er den Versammeften, daß die schwere Wirtschaftskrise nicht eine Folge der Ivetten Staatssorm ist, auch mit dem Marxismus nichts zu tun hat, sondern einzig und allein auf einem Konstruktionsfehler in der Warenproduktion beruht. Lall zwingender Logik war seine Beweis- sührung, daß es aus dieser furchtbaren Krise nur einen Ausweg gibt, nämlich die Herbeiführung einer Planwirtschaft, den Sozia- l i s m u s. Die Sozialdemokratie verlangt die Enteignung der Besitzer der großen Produktionsstätten, was von der gegen die Sozialdemokratie gerichteten Propaganda in die Forderung umgelogen wird, die Sozialdemokratie verlange die Sozialisierung eines jeden Rasier- Messers, eines jeden Hackklotzes. Die Prioatkapitalistcn sträubten sich begreiflicherweise gegen diese Forderungen der Sozialdemokratie. Ihr Widerstand wird solange erfolgreich sein, wie die Arbeiterschaft in mehrere Lager geteilt ist. die sich gegenseitig zur Freude der Unter- nehmcr aufs heftigste befehden. Das �Hauptziel jedes vernünftigen und vor allem vorwärts strebenden Arbeiters muß daher fein, die Arbeiterschaft. zu einer einheitlichen Front zusammenzu- schweißen. Die Versammlung quittiert« den Vortrag, dem sie mit ge- spcmntester Aufmerksamkeit gefolgt war, mit stürmischem Beifall. ik Ein tteberläufer. Aüs dem Siemens-Konzern wird uns geschrieben: Mit einer recht knalligen lleberschrift:„S o z i a l d c m o- krati'scher Angestellienrat von Siemens geht zur KP D." bringt die„Rote Fahne" eine Erklärung„eines" „Angestelltenratsmitgliedes", des Ingenieurs S ch e l l e r, in der es heißt, daß fein llebertritt zur KPD. ganz zwangsläufig erfolgt fei. Festzustellen ist, daß Herr Scheller seil Februar 1931 nicht mehr Mitglied der SPD. war. Weiterhin sei festgestellt, daß Herr Scheller aus dem„B u t o b" wegen Beitragsrückstandes eben- falls vorher ausgeschieden war. Demzufolge ist die lleberschrift, nüt der die„Rote Fahne" die ..Erklärung" versteht, vollkommen deplaciert. S Wie man nachträglich erfährt, hat Herr Scheller die Absicht, seine Tätigkeit nach Rußland zu verlegen, und lediglich zu diesem Zweck ist er jetzt in die KPD. eingetreten. ,3me Gewerkfchafis-Zuaend Berlin ficutc, 19U w>r. tagen die Srupneix: zlughasen: Jugendheim Neu. tiilln, Zlugdaienstr. SS. Das Madel w der Zamiiic und in der Gruppe. —«ordtrcis! Jugendheim Willdenowstr. ä. Zimmer Entwiitlung der Wirtschaft bis zur Gegenwart.— Morgen, Sonntag, es. NoocmScr, iindc» lolgcnde Peronstoltungen statt: Nordtrei»! Jugendheim Ncinickendorf.Ost, Jin- dauer Straße. Sosemann singt»nd spricht nach unterer Wahl.— Südoftlrcis- Jugendheim Dempelhof, Gcrmaniastraßr«Siiigang Gijßftraße-j. Unser Kiinstler. toltettiv sendet»ine Tonbildsolge.— Nordwesttrkis: Jttge.ndhcim«aabit v'ehrter Str. 19. Spieladcnd.— Rordosttrcio: Jugendheim Pantow, Görschstraßc' tfin Querschnitt durch die moderne Litcrarur.— Zugendgruppe»es deutschen Mctallarbeitervcibandes: Besichtigung des Ballertundemuscums. Treffpunkt >0 Uhr. Eingang sZrlnz.Älbrccht. Straße. Zugendgruppc des Gesamt»«. dandes, Fachgruppe Gärtnerei und Binderei: Schnißcljagd von Birtenwerder nach Bernau. Trefipunkt S Uhr Eingang Stettincr Bahnhof.- Schöneweid« Wir besuchen das Bau. und B-rkehrsmus-um.«Goneweidc. §Iuoenparuppe des Zentralverbandes der Anaesiellten Der Singetreis Übt heute ab 19% Uhr im Jugendheim der Srfmle Litauer Str. 18_«arten für die Jugend vorstelluna dfr Boltsdllbn! r k. Dezember zum Preise van«0 Pf. sind im Iugendsclr�ariat zu habciu «erantwortli» filr Politik:«ietor Schiff; Wirtschaft: s Gewcrkscha ftsbeweguna: I. Steiner: Feuilleton: Dr. Zahn Schilowsti- Latal?s und Sonstiges: Friß ZUrstäbt: Anzeigen: Th. Glocke- samtli» Verlag: Borwärts-Berlaa® m h. Berlin. Druck- Bormarts.Bu»dru»r«l und Bering sanstaU-Paul 2 t