Morgenausgabe Nr. 561 A 282 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Ps, monatlich 9,80 M. fbooon 88 Pf, monatlich ftir Zustel» lung ins Haus) im voraus zahlbar, Postbezug S.ZZ M. einschließlich SO Pf. Pouzeiwngs. und 7ZPf.Postbestellge- buhreu. Auslandsabonnemenl s,— Di. pro Monat! Nr Länder mi! ermäßig» tem Druckiachenporto 5.— M. Der.Vorwärts' erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgade für Berlra und im Handel mit dem Titel„Der Abend' Illustrierte Sonntagsbeilage »Boll und Zeit', Berliner VolkSblatt Dienstag 1. Dezember 1931o Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein jp alt, Nonparelllezeile 80 Pt. Reklamezeile 5,— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 2b Pi. (zulässig zwei fettgedruckte Worte). iedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Ta'is. Stellengesuche das erste Wort IS PL jedes weitere Wort 10 Pf- Motte übe» 15 Buchstaben zählet, für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf FamMen- anzeigen Zeile 40 Pf Anzoigenannahm» tm Hauptgeschäft Lindenslrasie 3. wochen- täglich von SVz bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jlentvawvgm» der Sozialdemotratifchen Oaetei DeutftSlmibB Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 ksernspr., Tönboss(A 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin, Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 533.— Bankkonio: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3 Di,B.u.Di?c..(Ie>., Deposiienk., Jerufalemer Cir. 35 36. Löhne zurück auf 1921? Aus einer geheimen Denkschrifi der Arbeitgeberverbände. Wiederholt ist in bürgerlichen Zeitungen— besonders im Hinblick auf die kommende Notoerordnung— die Forderung propagiert worden, die Löhne allgemein auf den Stand vom Januar 1927 zurückzuschrauben. Diese Forderung hat, wie wir heute festzustellen in der Lage sind, ihren Ursprung in einer vertraulichen Denkschrift der Vereinigung Deut- scher Arbeitgeberverbände, die dem Reichskanzler vor mehreren Wochen überreicht wurde. In dieser vom 26. September 1931 datierten„Denkschrift betr. Grundsätze zur gegenwärtigen Lohn- und Sozialpolitik" heißt es wörtlich: Die Erhaltung des gegenwärtigen Gesamlohn- und-gehalt- einkommens und seine allmähliche Steigerung kann nur auf dem Wege durch Erhöhung der Kapitalbildung und Ausweitung des Absatzes im In- und Ausland erreicht werden. Dieser Weg muß aber notwendigerweise für«ine hoffentlich nicht allzu lange Ueber- gangszeit eine Senkung des Realeinkommens und der Lebenshollung auch des in voller Beschäftigung stehenden Teils der Bevölkerung führen, nachdem bereits ein immer wachsender Teil durch Arbeits- loflgkeit und Kurzarbeit in seinen realen Lebensgrundlagen auf eine für di« Dauer unerträglich tiefe Stufe gesunken ist. Es entspricht dies der bedrückenden, aber unentrinnbaren Tatsache, daß ein Volk, nachdem es einen großen Krieg und ein Drittel feines Volksver- mögens verloren hat und mit ungeheuren politischen und privaten Auslandsschulden belastet worden ist, nicht besser leben kann, als zu Zeiten gesunden und sich vermehrenden Reichtums. Daß die Einschränkung sich in der Lebenshaltung aller Teile des Volkes ausprägen muß, ist eine Selbstverständlichkeit. Im gegenwärtigen Augenblick liegt der tarifmäßige Real- stundenlohn des gelernten Arbeiters immer noch 17,5 Proz. und des ungelernten Arbeiters imm«r noch 22.7 proz. über dem Staad vom Zanuar 1927. Bor Durchführung der Lohnsenkungsaktion betrug die Spanne "21,8 Proz. beim gelernten und 27,3 Proz. beim ungelernten Ar- beiter. Der Kauftraftverlust des tarifmäßigen Stundenlohns durch den Lohnabbau beträgt demnach nur ungefähr 2,5 bzw. 2,8 Proz. Wenn demgegenüber eingewendet wird, daß infolge der auch seit 1927 eingeführten gesetzlichen Einschränkungen der Arbeitszeit die effektiven Realoerdienste weniger stark gestiegen sind, als es dem tarifmäßigen Realstundenlohn entspricht, so zeigt sich hierin nur di« soziale Kehrseite der inzwischen verfolgten Arbeits- zeitpvlitik. Der vertraulichen Denkschrift war die Statistische Bei- läge Nr. 2 der Mitteilungen des VDA. beigegeben, in der die Kostenfaktoren und Preise in ihrer Entwicklung seit 1927 einer ausführlichen Untersuchung unterzogen werden, wobei wieder das Jahr 1927 als das Jdealjahr erscheint. Die Stei- gerung der Tarifstundenlöhne von Januar 1927 bis April 1931 wird hier für gelernte Arbeiter mit 12,2 Proz., für un- gelernte mit 17,7 Proz. angegeben. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den schiefen Argumentationen der Vereinigung Deutscher Arbeitgeber- verbände behalten, wir uns vor. Heute kommt es uns nur darauf an, gewisse hi st arische Zusammenhänge auf- zuhellen. Die Forderung, alle Löhne auf das Niveau vom Januar 1927 zurückzuschrauben, ist nicht das Ergebnis einer objektiven wissenschaftlichen Untersuchung, nicht die Frucht einer unparteiischen und gerecht abwägenden Regierungskunst. Diese Forderung ist die Maximalforderung einer der beiden Parteien im Kampfe um den Lohn, nämlich die Maximal- forderung der Arbeitgeber. Als solche verdient sie bewertet und bekämpft zu werden— überall, wo sie auftritt! Löbe spricht m Nürnberg. Riesenkundgebung in drei Galen.— Kampf dem Faschismus! Nüraberg. 30. November.(Eigenberichl.) Eine gewaltige Kundgebung erlebte Monkagabend die Nörn- berger Bevölkerung. Reichslagspräsident p a u l Löste war als Redner vorgesehen. Die Nationalsozialisten wollten das Bürgertum van der Versammlung abhalten, indem sie nachts die plakate, die Lobe als Reimer ankündigten, mit kleinen Zetteln„der Landes- Verräter" verzierten. So trugen fie gegen ihren Willen zu einem Riescnbesuch der Versammlung bei. Der größte Saal der Stadl war bereits 1!4, Stunden vor Beginn der Versammlung überfüllt. Zwei weitere Säle waren nach wenigen Minuten gleichfalls überfüllt, so daß Hunderle wieder nach Hanse gehen mußten. Löbe wurden stürmische Ovationen gebracht. In glänzender Form gab er eine Analyse des heutigen kapitalistischen Wirtschafts- systems. das Millionen zum Hungern und Darben verurteilt, während andererseits Lebensmittel vernichtet werden müssen. Gründ- lich räumte er mit der nationalistischen Phrase aus, die Republik und der Marxismus feien schuld an der Not, während doch in Staaten mit Diktatur noch größeres Elend herrsche. Wenn jetzt so viel vom kommenden Diklotor geredet werde, so möchke er ihn auch kennenlernen. Erst sei Herr Kapp ausersehen gewesen, dann Herr Luden- d o r f s oder Ehrhardt. Alle seien aber v.on den Nationalisten später verworfen worden. Was wäre aus dem Reich geworden, wenn diese Leute, die erst eben Abgötter der Völtischen, dann von chnen als unfähig � bezeichne' wurden, an die Macht gekommen wären. Jetzt sei Adolf Hitler der kommende Retter. Er, Löbe, stelle sich, wenn es je einen Diktator geben solle, einen solchen als eisernen Mann vor. hiller habe aber 1923. als 11 junge Leute blutig auf dem Müncheaer Slroßenpflaster lagen, das Heil in der Zlucht gesucht. Vor solcher Kameradschaftlichkeit gegenüber den eigenen Anhängern/ die für ihn bluteten, die er ober im Stiche gelassen habe.« bedanke er sich. Es scheine richtig zu sein, was die Jungdirntschen über Hi.lec, die ihn ja genau kennen, erklären: 5)itler rühre die Trommel, sie fei zwar laut, ober innen hohl. Mit einer Aufforderung, die Phalanx der Arbeiterschaft zu phlietzen, dem Faschismus entgegenzuwirken und so für ein freie» Deutschland zu kämpfen, schloß Lobe unter stürmischem Beifall der Tausends. In allen drei Dersammlungen rührten sich weder die Völkischen noch die Kommunisten. Kein störender Zwischenruf wurde gewagt. In allen Versammlungen wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die sich energisch für die Abrüstung aus- sprach. Unter sozialistischen Märschen fanden die Versammlungen ihr Ende. Auf der Straße wurde diese Riesenkundgebung von den Gegnern noch eifrig besprochen. Es dämmerte so manchem, daß die „erledigte Sozialdemokratie" sehr kräftig zu marschieren verstehe! Oer Terror von Cutin. GpO.-Dersammlung in Eutin verboten. Eukin, 30. November.(Eigenbericht.) Eine für Sonnlag nach Eulin einberufene sozialdemokratische Versammlung ist— der„Schleswig-holsteinischen Volkszeitung" zufolge— von dem nationalsozialistischen fkellvertrctenben Bürger- meisker kahl verboten worden. -i- Wie erst jetzt bekannt wird, hat das Haniburger Ober- landesgericht am Donnerstag bereits angeordnet, daß die acht Reichsbannerleute, die von dem Eutiner Schnellgericht wegen angeblichen Landfriedensbruchs zu hohen(Besängnisstrasen verurteilt worden waren, sofort aus der Haft zu ent- lassen seien. Trotz der eindeutigen Anweisung hat der Eutiner Amtsrichter von sich aus die Entlassung verzögert. Zuerst wurde der Reichsbannersührer Oldorf) nach Lübeck abgeschoben, etwa zwölf Stunden später wurden weitere fünf Reichsbqnnerleute und nach abermals zehn Stunden die letzten Reichsbannerkameraden entlassen. Während dieser„gefährlichen" 24 Stunden lag in Eutin die SA. alarmbereit und auch die Polizei sah noch den entlassenen „Landfriedensbrechern" ans. Der Berufungstermin gegen das Eutiner Urteil ist auf den 9. Dezember festgesetzt._ Revision im Hamburger Mordprozeß. Gegen das vom Ham- burger Schwurgericht wegen der Tötung des kommunistischen Bürgerschaftsmitgliedes Ernst Henning gegen die Nationalsozialisten Jansen, Bammel und Ho«ckmayr gefällt« Urteil ist von den Ange- klagten wie auch von der Staatsanwaltschaft Revision berm Reichsgericht angemeldet worden. Die Quelle des Mordgeistes. Bon der Neichstagsiribüne zum Boxheimer Hof. Die Nationalsozialistische Partei bemüht sich, den Ein- druck der Boxheimer Blutdokmnente zu verdunkeln. Sie erklärt und bestreitet, sie dementiert und lügt, sie verbreitet dreiste Erfindungen über das Reichsbanner und die Sozial- demokratische Partei— eins aber vermeidet sie geflissentlich, eine klare Stellungnahme zum Inhalt dieser Dokumente. Dieser Entwurf von Diktaturoerordnungen ist ein Programm, demgegenüber es nur ein klares Ja oder Nein gibt. An diesem Programm scheiden sich die Geister. Die Reichsleitung der Nationalsozialistischen Partei ist sich darüber vollständig im klaren. Sie weiß, daß dies Programm herausgewachsen ist aus einer jahrelangen systematischen Agitation, daß es Grundgedanken wiedergibt, die jedem nationalsozialistischen Agitationsredner als Richtungspunkte gedient haben. Während aber die Reichsleitung schweigt, und den bestialischen Inhalt dieser Dokumente mit Schweigen deckt, reden die nationalsozialistischen Hetzredner im Lande weiter. Morddrohung folgt auf Morddrohung. Die nationalsozia- listische Presse nimmt positiv Stellung zu den Boxheimer Dokumenten, sie billigt sie laut und offen. Das parteiamtliche Organ des Gaues Hamburg der NSDAP., das„Ham- burger Tageblatt" schreibt in Nummer 247: „Daß dieses Programm notwendig ist, wenn die Wirtschaft vollkommen zusammengebrochen, wenn kein Geld mehr da ist, um Löhn«, Beamtengehäller und Unterstützungen auszuzahlen, liegt für jeden vernünftig Denkenden aus der Hand. Die gleichen Parteien, die nach Geldern schnorren gehen müssen, die nicht wissen, ob sie das Geld zusammengekratzt haben, heulen auf. wenn andere Anstalten machen, um von den Opfern das Schlimmste, Hunger und Kälte abzuwenden. Einen deutlicheren Beweis für die Borniertheit und Gewissenlosigkeit konnten die Herrschaften nicht geben. Wir werden dafür sorgen, daß dos deutsche Volk aus diesem schamlosen Berhalten die richtigen Schlüsse zieht. Erst Deutschland ruinieren, die Wirtschast verführen, das Volk in Gefahr bringen, und dann noch brüllen und toben, wenn beherzte Männer ein 9t o t g e b ä u d e errichten um das Schlimmst« abzuwenden." Die Dreistigkeit, mit der die wahmvitzigen Verfasser der Blutdokumente hier als Retter der Nation vorgestellt werden, ist nicht zu überbieten! Aber diese Auslassung ist bemerkens- wert aus einem anderen Grunde! Hier ist keine Rede mehr von einer„Niederringung der Kommune", von einem Ver- schwinden der staatlichen Gewalten, hier werden die Diktatur- Verordnungen vom Boxheimer Hof rund und nett vorgestellt als Programm, das aus dem Zusammenbruch der Wirtschaft helfen soll, als ein Regierungsprogramm der Nationalsozialisten. Man weiß nun, wie nationalsozialistische Notverord- nungen aussehen sollen! Es sollen Notverordnungen im. Geiste des Boxheimer Hof sein! Was sind demgegenüber Hitlers Legalitätsbeteuerungen noch wert? Der Reichsorganisationsleiter der Nationalsozialistischen Partei, der Reichstagsabgeordnete G'r e g o r S t r a ß e r, hat in einer öfsentlichen nationalsozialistischen Versammlung in B r i e g in Schlesien eine Deklaration gegeben, wie diese Legalitätsschwüre aufzufassen sind. Die Weimarer Verfassung, so erklärte er, biete dem Nationalsozialismus die volle Gc- währ einer friedlichen und gesetzlichen Machtergreifung, nach Uebernahme der Regierung durch die Nationalsozialisten wer de allerdings von der Weimarer Per- fafsung nicht allzu viel übrig bleiben! Herr Straßer ist führendes Mitglied der Bezirksleitung der NSDAP. Seine Erläuterung der Hitlerschen Legalitäts- theorie besitzt demnach Beweiskraft. Angesichts dieser Er- klärung läßt sich nicht mehr leugnen, daß die Legalitäts- erklärungen Hitlers nur dazu dienen, die illegalen Bestrebungen seiner Partei zu tarnen. So wird immer klarer, daß die Boxheimer Dokumente nicht nur insoweit echt sind, als sie von nationalsozialistischen Führern verfaß! worden sind, sondern darüber hinaus, daß sie das wirkliche Programm Hitlers wiedergeben. Der Blutwahnsinn, der bestialische Terror, die Mord- gier— das ist der wahre Geist Hitlers! Herr S t r a ß e r hat ein übriges getan, um dies klarzustellen. Er bat in Brief die folgenden offenen Morddrohungen ausgestoßen: „Wenn wir oben sind, werden wir Brenscheid und Ge nassen zu Dreck schlagen. Eine Anzahl wird gehen kl die übrigen werden eingesperrt. Dann wird der deutsche Arbeiter einsehen, wie stark wir sind." Zum Aufhängen gehören immer zwei: ein Henker. lmd einer, der sich aufhängen läßt. Die Sozialdemokraten denken nicht daran, sich von Straßer, Hitler, Frick und Kon- sorten aufhängen zu lassen. Diese Morddrohungen aber sind nicht nur eine Großmäuligkeit, sie sind nicht nur ein Ver- brechen im Sinne des Strafgesetzes, sondern ein Verbrechen am Volke! Sie sind die Quelle des Blutmahnsinns, der die Bürgerkriegstruppe der Hitler-Partei erfüllt, sie sind die Ur- fache der mörderischen Gewalttaten, deren sich die SA.- Banditen schuldig gemacht haben! Dafür trägt die Reichsleitung der NSDAP., und vor allem Hitler die volle Verantwortung! Diese Morddrohun- gen sind jahrelang von der Tribüne des Reichstags herab von allen Führern der NSDAP, ausgestoßen worden. Am 27. Februar 1929 schrie Frick von der Reichstagstribüne herab: „An den Galgen mit den Verbrechern, die uns seit zehn Iahren mißregiert haben." Am 12. März 1939 verlas GregorStraßer von der Tribüne des Reichstags herab eine Erklärung der national- sozialistischen Reichstagsfraktion, die, wie er sagte, st a a t s» rechtliche Bedeutung habe. Diese Erklärung schloß: „Wir klagen die Regierung und die sie stützende Reichstags- Mehrheit des vollendeten Volksverrats an... Wir werden von dem Staatsgerichtshof des neuen Reiches die Köpfe der- j e n i g e n fordern, die die Uvung-Gesetze unterzeichnen werden." Die Toung-Gesetze sind unterzeichnet. Sie tragen an der Spitze den Namen Hindenburgs! Von dieser Stelle aus sind die Morddrohungen ins Land gegangen, wo sie hundertfach wiederholt worden sind. Sie sind ein unveräußerlicher Bestand der nationalsozialistischen Agitation. Sie haben Früchte getragen, und ihre letzte und reifste Frucht sind die Boxheimer Blutdokumente! Sie sind Geist vom Geiste Hitlers! Gtöhr leugnet. Er streitet Morddrohungen ab, die er ausgestoßen hat. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Franz Stöhr hat an die Redaktion des„Vorwärts" unter Berufung auf den § 11 des Preßgesetzes eine Berichtigung eingesandt, die sich auf die Stelle des Aufrufes des Parteivorstandes vom 27. November bezieht, in der fein Name unter den Naziführern erwähnt wird, die „ungezählte Morddrohungen in gewissenloser Demagogie in die Massen geschleudert" haben. Er erklärt: „Wahr ist. daß ich noch niemals in meinem Leben gegen irgend jemand eine Morddrohung ausgesprochen, sondern nur wiederholt gefordert habe, das Perbrechen des Landesverrats müßte genau so wie jedes andere Verbrechen von einem legalen Gerichtshof unnachsichtlich gesühnt werden." Herr Stöhr hat am allerwenigsten Anlaß und Berechtigung, sich gegen die Anklage des sozialdemokratischen Parteivorstandes zu wenden, nachdem gerade er in jüngster Zeit eine der rohesten Rede- Wendungen dieser Art gebraucht hat. In einer in Dessau am 8. Oktober gehaltenen Wahlrede führte er nach einem Bericht der„B. Z am Mittag" vom 9. Oktober, der niemals dementiert 'worden ist, folgendes aus: „Es müßten nicht immer köpfe rollen: die Veselllguog könne ja auch unblutig gesch:hen. Das höchste Gericht des Dritten Reiches werde eine INelhode ausfindig machen, deren Durch» führung ein Erzeugnis der deutschen Hanfindustrie im Preise vorübergehend steigern werde." Wir bleiben dabei, daß trotz der vorsichtigen Verbrämung Mit dem„höchsten Gericht des Dritten Reiches" diese Parole des Auf- Hängens eine jener typischen Morddrohungen ist, die „in gewissenloser Demagogie in die Massen geschleudert" werden und gegen die sich der Aufruf des Parteioorstandes gerichtet hat. Im übrigen kann man bei aller Dreistigkeit dieser Bericht!- gung des Herrn Stöhr ihm nur dankbar dafür sein, daß er auch bei dieser Gelegenheit wieder das Wart„l« g a l" da hineinge- schmuggelt und damit aufs neue bewiesen hat, zu welchem Zweck die Nationalsozialisten mit dem Begriff der„Legalität" Schindluder treiben. Um die Invalidenversicherung. Gegen eine neue Legendenbildung! Vor wenigen Tagen hat der Reichsarbeitsminister Steger- wald in Berlin in einer Rede erklärt: „Die gesetzliche Sozialversicherung kann mit den gegenwärtigen L e i st u n g e n, die während einer Scheinblüte festgesetzt wurden und wofür die erwarteten Einnahmen ausgeblieben sind, nicht über die gewallige Krise der Gegenwart und der nächsten Jahre hinübergerettet werden." In der Tat reichen die gegenwärtigen Einnahmen der Inoal'den- Versicherung und Unfallversicherung nicht aus, um die Leistungen durchzuhalten. Aber wer trägt denn die Schuld daran? Wir stellen fest: Niemand anderes als das Reichsarbeits- Ministerium selb st i Immer wieder haben Sozialdemokratie und freie Gewerkschaften die Erhöhung der Beiträge, zum mindesten aber die Aus- stockung neuer Lohnklassen zur gerechteren Beitrags- bcmesiung gefordert. Das Reichsarbeitsministerium hat zwar aus- gerechnet, daß allein der Aufbau von drei Lohnklassen 13 5 M i l- lionen Mark Mehreinnahmen bringen würde, es hat aber nichts getan, um dieser Forderung der Sozialdemokratie zur Annahme zu verHelsen. Im Gegenteil! Es hat sich und die Invalidenversicherung„reich gerechnet". Das Reichsarbeitsministe- rium hat in der Beiiragsfrage spekulativ gearbeitet. Nicht die „Scheinblüte", sondern der Mangel an politischem Ent- scheid ringswillen beim Reichsarbeitsministerium trägt die Schuld an der Finanzkrise. Die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften haben immer wieder die Beteiligung des Reichs am Ausbau der gang unzulänglichen Invalidenrente gefordert. Dem Grundsatz noch ist das zugestanden worden. Die lex Brüning gab der Invalidenversicherung sozusagen die zweite Hypothek auf eine eventuelle Mchreinnahme beim Lohnsteueraufkommen. Das geschah, well das Ministerium und die Reichsregierung mit dieser Schein- lösung einer politischen Entscheidung, das heißt einer offenen, direk- ten Beteiligung des Reichs am Ausbau der Invaliden- Versicherung aus dem Wege gehen wollten. Der Weg zur Sanierung der Sozialoersicherung führt nicht über.vorübergehende" Leistungssenkungen, sondern aus- schließlich über die Erschließung neuer Einnahmen. Jede andere Maßnahme müßte aus den s ch S r f st e n Widerspruch der Sozialversicherung stoßen. Die neue Notverordnung. Die Reichsregierung auf gefährlichen Wegen. Die Reichsregierung beabsichtigt, ihre neue Notver- ordnung bis Ende der Woche fertigzustellen. Die Ver- ordnung soll die Fehlbeträge in den öffentlichen Haushalten decken, will aber auch durch Preis- und Lohnsenkung in das private Wirtschaftsleben eingreifen Die Verhandlungen im Reichskabinett haben erst am Montag begonnen. Soweit Nachrichten vorliegen, sind bestimmte Pläne, die bereits greif- bare und endgültige Gestalt angenommen haben, noch nicht vorhanden. Es dürfte deshalb sehr zweifelhaft sein, ob die Absicht, die neue Notverordnung bis zum 7. Dezember, dem Tage des Zusammentritts des Stillhaltekomitees in Basel, fertigzustellen, gelingen wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß nickt nur in den Län- dern und Gemeinden, sondern auch im Reich im laufenden Haushaltsjahr durch den weiteren Rückgang der Steuerein- nahmen neue Fehlbeträge entstanden sind. Viel größer werden diese Fehlbeträge im Rechnungsjahr 1932 sein. So glaubt die Reichsregierung, daß jetzt bereits der Augenblick gekommen ist, um die angeblich letzte Reserve, nämlich die Umsatzsteuer, zu erhöhen. Aber selbst eine Verdoppelung der Umsatzsteuer wird kaum ausreichen, um das Loch zu decken. Deshalb werden Pläne erwogen, die Kapitalertragsteuer, die die jetzige Regierung vor Jahresfrist für die festverzinslichen Wertpapiere aufgehoben hat, wieder einzuführen. In welcher Form und Höhe das geschehen soll, darüber sind die verschie- densten Gerüchte im Umlauf. Auch über den Verwendungs- zweck dieser neuen Steuerquelle scheinen verschiedene Absichten miteinander zu ringen. Eine weitere wichtige Maßnahme zur Sanierung der öffentlichen Haushalle ist die neue KürzungderBeomtengehälter. Sie dürste grund- sätzlich bereits die Zustimmung der Reichsregierung gefunden haben. Ob allerdings auch schon die Höhe dieser neuen Ab- züge feststeht, ist bei der Geheimnistuerei, mit der die Regie- rung ihre Verhandlungen umgibt, nicht einwandfrei zu er- Mitteln. Selbstverständlich kann diese Gehaltskürzung nicht rückwirkend in Kraft gesetzt werden, sondern frühestens am 1. Januar 1932. Weit umstrittener und unbestimmter sind bisher die Pläne der Reichsregierung, die in das vrivate Wirtscha'ts» leben eingreifen sollen. Richtlinien für diese Maßnahmen sind die Thesen des Wirtschaftsbeirats, die die G e w e r k- schaften aller Richtungen wegen ihrer einseitigen, gegen die Lohn- und Gehaltsempfänger gerichteten Tendenz auf das schärfste be kämpft haben. Hält die Reichs- regierung an der in diesen Thesen niedergelegten Absicht fest, Preissenkungen in unbestimmter Form, Lohnsenkungen aber mit Hilfe der Notoerordnung oder des staatlichen Schlichtungs- wesens mit unmittelbarer Wirkung zur Durchführung zu bringen, so wird die Folge nur eine wettere Einschrumpfung des Wirtschaftsapparates sein, die den Ausweg aus der Krise für die Gesamtheit nicht erleichtert, aber die Lage des ein- zelnen Lohn- und Gehaltsempfängers außerordentlich er- schwert. Auch die Einsetzung eines Reichskommisiars zur Durchführung von Preissenkungen wird das Vertrauen zu einer solchen Maßnahme nicht steigern können. Man muß sich unwillkürlich fragen, weshalb die Reichs- regierung mehr als ein Jahr lang die Vollmachten zum Kampf gegen Kartelle und Monopole und gegen überhöhte Zölle nicht benutzt hat, die sie sich selbst durch Notverordnungen er- teilen ließ. Man muß hrolgsfessen befürchten, daß wiederum alle Energie aus die Senkung der L ö b n e ver- wandt wird, die Vollmachten zur Preissenkung lässig ange- wendet und durch die Erhöhung der Umsatzsteuer unwirksam -gemacht werden. Hetze nach Boxheimer Muster. Oer„Angriff" bis?. Dezember verboten. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Be- kämpsung politischer Ausschreitungen hat der Polizeipräsident die in Berlin erscheinende Tageszeitung„Der A n g r i s s" einschließlich der Kopfblätter mit sofortiger Wirkung bis zum?. Dezember 1931 einschließlich oerboten. Das Verbot erfolgte wegen eines unter der Ueberschrift„Viel Lärm um nichts" von Dr. Gveb- bels verössentlichten Artikels, der sich mll den Vorgängen in Hessen befaßte.» Die Gründe für das Verbot des„Angriff. Der Berliner Polizeipräsident gibt folgende Begründung für das Verbot des„Angriff" bekannt: Der„Angriff" vom 28. November 1931 Nummer 219 bringt unter der Ueberschrift:„Viel Lärm um nichts" einen Artikel von Dr. G o e b b e l s, der sich mit dem zur Zeit in Hessen gegen Dr. Best und Genossen schwebenden Verfahren besaßt Der Artikel gibt offen zu, daß die beschlagnahmten Dokumente durch die von der Untersuchung betrofsenen nationaljozialistischen hesiifchen Führer und Landtagsabgeordnetcn auegearbeitet worden sind. Diese Entwürfe sind erschütternde Dokumente für Hirnlosigkeit und Verantwortungslosigkeit von Männern, welche die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in einem deutschen Freistaat für die höchsten Ehrenämter befähigt hält. Todesstrafe, Todesstrafe und immer wieder Todesstrafe; Einrichtung von Feldgerichten,„um den Schein der Willkür zu vermeiden": unentgeltliche Ablieferung der Lebens- mittel seitens der Bauern-, Kollektiospeisung der Bevölkerung— bis aufs Gramm bemessen— auf Grund eines Kartensystems: Anspruch auf Ernährung setzt jedoch die Ernährung unter einem staatlichen unentgeltlichen Arbeitszwang voraus-, Juden werden vom Arbeits- zwang nicht ersaßt, bekommen deshalb auch nichts zu esien: Ab- schaffung des Privateigentums, Aushebung der Mieten; als Ersatz für den wegfallenden Mietzins haben die ohne Entgelt beschäftigten Arbeitszwongepslichtigen die Wohnhäuser zu erhalten; Entlastung und Ernennung von Beamten noch den Richtlinien der Rechts- abteilung des Gaues Berlin— das find die Segnungen, welch« diese hessischen RSDAP.-Führer dem hessischen Volk dringen wollen. Der gesamte angeführte Artikel nimmt in verhetzender Weise zu diesen Vorgängen Stellung. Er bemerkt wörtlich:„Was wir nach dem Siege der Bewegung tun und losten werden, darüber sind wir uns alle einig." Diese Bemerkung kann nur so verstanden werden, daß unter sämtlichen Nationalsoziallsten, also auch zwischen den gesamten hessischen Führern und Landtogsabgeordneten und den anderen matzgeblichen Führern der NSDAP., volles E'noer- st ä n d n i s besteht. Daraus mutz der Leser solgern, daß die gesamte NSDAP, das oben bezeichnete Pro- gramm dieser hessischen Nationalsoziali st en billigt. An diese Stelle schließt sich eine Betrachtung darüber an, welche verschiedenen Möglichkeiten der NSDAP, nach einer Machtergreifung gegeben sind. Es heißt in diesem Zusammenhang wörtlich. .daß diese(Weimarer Verfassung) zwar gesetzlich vorschreibt, wie die Machk erworben wird, aber auch nicht mehr. Wenn die Nationalsozialistische Bewegung sich ausdrücklich und unter Eid zum Prinzip der Legalität bekennt, jo besagt das, daß sie streng nach den Regeln der geschriebenen Verfassung an die Mach: zu kommen gedenkt... Kann sein, daß das Volk uns damit be- austragt, möglichst vorsichtig damit umzugehen, kann sein, daß das Volk ausdrücklich verlangt, daß keiner Kreatur auch nur«in Härchen gekrümmt wird, kann sein, daß das Volk unter unierein begütigenden Einfluß sich allmählich besänftigt und mit Glace- Handschuhen diejenigen anfaßt, die alles andere eher verdient hätten. Das alles kann sein.." Zu diesen hestischen Plänen bemerkt der Artikel weiter:„Und warum sollten wir heute von Dilettanten Pläne entwerfen lassen, die morgen vielleicht schon von wirklichen Männern durchgeführt werden müsten!" In dem Artikel„Letzte Rückzugsgesechte"(5 Absatz) bezeichnet der„Angriff" dann auch die beschlagnahmten Doku- mente als„gut gemeinte" Prioatausorbeitungen. Diese Ausführungen gefährden aufs gröbllchste die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Der Verfaster des Artikels ist ein maßgeblicher Führer der NSDAP., der von Hitler zum Leiter des Gaues Groh-Berlin und zum Reichs- Propagandaleiter berufene nationalsozialistische Reichstageabgeord- nete Dr. Goebbels. Derartige Ausführungen müsten nuter diesen Umständen in weiten Bevölkerungskreisen die Meinung erwecken, daß im Falle einer Regierungsbeleiiigung oder hessischen Dokument gezeichnete Weg gegangen, d. h. e i n s i n n- loses Regiment voll Blut und Schrecken Platz greifen wird. Die Prüfung nach Paragraph 2 der Aucführungs- bestimmungen der Richtlinien für die Handhabung der Vcr- ordnungen des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Aus- schreitungen vom 10. August 1931 ergab, daß der erstrebte Zweck nicht schon durch eine Verwarnung oder amtliche Entgegnung erreicht werden kann. gez. Grzesivskt. Das Beamiendisziplinarrecht. Eine Zieformvorlage in Preußen. Preußen reformiert das Beamtendisziplinarrecht. Das alte preußische Disziplinargesetz stammt noch aus dem Jahre 1852. Mit seinen Rückständigkeiten will Seoering aufräumen. Die aus Initiative der freigewerkschaftlich organisierten Beamtenbewegung in Preußen ausgearbeitete Novelle zur Schassung eines modernen Disziplinarrechts für nichtrichterliche Beamte wird im Landtag noch vor Weihnachten zur Beratung kommen. Im Gegensatz zum bisherigen Recht werden durch die Novelle nicht mehr Körperschaften, die mehr oder weniger verwaltungs- mäßig gebunden sind, über dienstliche Verfehlungen von Beamten aburteilen, sondern unabhängige Gerichte, die mit allen Rechts- garantien ausgestattet sind. Vor allem sollen künftig alle Ver- Handlungen gegen Beamte grundsätzlich öffentlich stattfinden, wie das schon jetzt bei den Reichsbeamten und preußischen Richtern der Fall ist._ Rotsront-Konferenz aufgehoben. 43 Verhaftungen in Schlesien. Freiburg(Schlesien), 30. November.(Eigenbericht.) Am Sonntagvormittag fand in Freiburg(Schlesien) eine an- geblich lpmmunislische Konserenz von Bauarbeitern statt, die von Vertretern aus ganz Mittelschlesien besucht lvar. Auch Vertreter der kommunistischen Zentral« in Berlin waren anwesend. Di« Landeskriminalpolizei in Breslau hatte jedoch Kenntnis donon erhalten, daß es sich nicht um eine Konferenz der Dauarbem--:. sondern um eine solche der mittelschlesischen Funktionäre des verbotenen Rotfrontkämpfer-Bundes handelte. Auf Anordnung der Landeskriminalpolizei wurde daher die Konferenz ausgehoben. Die Teilnehmer wurden von dem aus Waldenburg herbeigerufenen Ueberfallkommando oerhaftet. Elf der Verhafteten wurden dem G:richtsgefängms in Waldenburg, zweiunddrcißig dem Schweidnitzer Gerichtsgefängnis zugeführt Verschleuderte Millionen. Die Kostenabrechnung über den Gtahlhelm-VolkSentscheid. Jetzt liegt die Kostenabrechnung über die Dolksentscheidsaktion des Stahlhelms auf Auflösung des Preußischen Landtages vor. Danach hat das Voiksbegehren dem preußischen Staat Kosten in Höhe von 244 742 Mark, der anschließende Voltsentscheid Ausgaben in Höhe von 788 895 Mark verursacht, so daß der Staat ins» gesamt 1 033 637 Mark für diese Aktion des Stahlhelms den Gemeinden, die die Beträge verauslagt hatten, zurückzuerstatten hatte. Die angegebene Summ- stelle drei Fünftel bis vier Fünftel der den Gemeinden insgesamt erwachsenen Ausgaben dar. hinzu kämen noch etwa 26 000 Mark Ausgaben des Landesabstimmungs- leiters und die Summen, die die Deranstaller aus eigener Tasche zu entrichten hatten. Ar. 56�.48. Jahrgang Oiensiag, 1. Dezember 1931 BärgermeisterScholtzandSklareks Stürmische Auseinandersetzungen Die gestrige SNarek.verhandluag war voller dramakifcher Zwischenfälle: ste stand unker dem Zeichen des tragischen Selbstmordes des Stadtrats Schüning und der heftigen Ausfälle der Brüder S klare? gegen den Bürgermeister Scholh. »Ich habe es nicht gewollt mit Schüning," ruft Leo Sklarek aus,„aber di« Wahrheit mußte hier an den Tag kommen. Das geht alles auf dos Konto von Scholtz, das behaupte ich noch einmal. Was er für«In Mensch ist, wird sich bei den Zeugenaussagen her� ausstellen Ich erkläre, daß der Obermagistrotsrat Schalldach Scholtz olles gesagt hat." Als Oderstaateanwalt von Steinaecker bat, den Bürgermeister doch in Schutz zu nehmen, ließ der Vorsitzende die goldenen Worte fallen: »Bei Leo Sklarek muß mau n'cht alles auf die Goldwaage legen." Wie sehr er mit diesem Ausspruch den Nagel auf den Kopf getroffen hatte, bewies die Vernehmung des Stadtrats Nydahl. Als er Zeuge im E-erichtsfaal erschien, wußte überhaupt niemand, weswegen er geladen ist. Dann erinnerte sich plötzlich Leo Sklarek, daß er es gewesen, der ihn in einem seiner Wutausbrüche erwähnt hatte: Nydahl habe ihm gesagt, daß die Verträge der Gebrüder Sklarek im Magistrat glatt durchgingen und einstimmig angenommen würden. Der Zeuge Nydahl, der dienstlich eigentlich nie auch nur das ge- ringste mit den Gebrüdern Sklarek zu tun gehabt hatte, gibt zu, daß er gelegentlich einer Begegnung im Restaurant tatsächlich ge- äußert Hab«, die Vorlagen die Firma Sklarek betreffend würden vom Magistrot einstimmig angenommen. Was hatte aber Leo Sklarek in der Voruntersuchung nicht alles über den Stadtrat Nydahl im Zusammenhang mit diesem Gespräch gesagt, um die Korruption der Magistratsmitglieder zu schildern. Nydahl habe unmittelbar nach diesem Gespräch bei der Firma Sklarek Anzüge bestellt und nicht bezahlt: sobalo er Ihn in irgendeinem Restaurant getroffen habe, habe Nydahl ihn angepumpt. 300, 400 M.. das Geld aber nie zurückgegeben. Nydahl bestreitet olles ganz entschieden. Er hat in Wirklichkeit nur einmal von Leo Sklarek für einen armen Lehrer ein Darlehen in Höhe von 300 M. erhalten und das Geld in Raten von je 50 M. bezahlt. Worauf Leo Sklarek ein neues Darlehen in Höhe von Lvv M. für den Lehrer hergab: auch dieses sei zurück- gezahlt worden. Außerdem habe Leo Sklarek Mitgliedsbeiträge zugunsten von Waisen usw. gegeben. Die Anzüge, di« er bestellt habe, seien von ihm bezahlt worden, und zwar an Max Sklarek. Leo Sklarek entschuldigt sein« falschen Anschuldigungen in der Vor» Untersuchung mit folgender charakteristischen Begründung: Er habe einen jeden belastet, um nur aus der Untersuchuogshafi herauszukommen. Als arg übertrieben erwiesen sich auch nach dem Verlauf der gestrigen Verhandlung die Vorwürfe, die Leo Sklarek gegen den Bürgermeister Scholtz erhoben hat. Er schimpfte ihn einen Intriganten. den d«r Vorsitzende der eigenen Partei einen Leichcnlutscher genannt habe. Er habe die Sklarek-Afsäre nur aufgezogen, um den Llerbürgermeister Böß zu stürzen, weil er an besten Stelle wollte. Deshalb Hab« er für feine Aktion ausgerechnet den Zettpunkt ge- wählt, als der Oberbürgermeister in Amerika war. In Wirklichkeit fei er über alles bereits seit langem orientiert gewesen. Bürger. meister Scholtz bestreitet energisch, auch nur das geringste von irgend- -welchen Unregelmäßigkeiten in der geschäftlichen Tätigkeit der Firma Sklarek gewußt zu haben und schildert ausführlich, wie sich die Dinge vor der Verhaftung der Gebrüder Sklarek zugetragen haben. Am Montag, dem 23. September 4920. habe er und Karoing vom Bürgermeister des Bezirksamts Spandau dl« schriftliche Mit- teilung von Unregelmäßigkeiten erhalten. Der Obermagistrats- rat Brandis wurde von der chauptprüfungsstelle beaustragt, den Dingen nachzugehen. Die Stadt war geschädigt, da viel zu hohe Zahlungen geleistet waren. Es stellt« sich heraus, daß die Brüder SNarek an diesen Unregelmäßigkeiten die Schuld trugen. Ich kam am 23. September mit dem Stadtkämmerer Lange überein, sofort den Polizeivizepräsiventen Dr. Weiß zu benachrichtigen. Ich habe auch den Oberburgermeister in Amerika benachrichtigt und bin der festen Überzeugung, daß. wäre er hier gewesen, er nicht anders gehandell hätte. Leo Sklarek schreit dem Zeugen ins Gesicht, daß er ihn und seine Brüder hätte rufen sollen.»Ich habe Sie nicht gerufen," erwidert Scholtz.„well ich in jener Nacht erkannt habe, daß die Stadt um viele hunderttausend Mark geschädigt worden war. Sie hätten ja ebenso verschwinden können wie erst vor kurzem der Bankdireklor Seiffert." Die Verteidigung hält dem Zeugen vor, daß er im Falle Kieburg anders gehandelt hat, obgleich dieser«ine Bilanzsälschung begangen hatte, um einen Verlust von 400 000 M. zu verschleiern. Es sei damals gegen Kieburg nicht strafrechtlich vorgegangen worden. Die Vorlage des Magistrats an di« Stadtverordnetenversammlung spreche nur von Unrichtigkeiten. Vors.: Als Sie die Vorlogen unterzeichneten, haben Sie da nicht das Wort Bilanzfälschung vermißt? Auch ein anderer Punkt wird angeschnitten: Ist dem Bürger- meister Scholtz etwas von dem Monopolvertrag bekannt ge- wesen. Der Zeuge bestreitet das. Er behauptet, daß sein Par» teifreund Benecke, mit dem er übrigens familiär verkehrte, ihm nichts davon erzählt habe. Der Vorsitzende meint, daß dieser Monopolvertrag für Herrn Beneck? bestimmt nicht so bedeutungslos gewesen sei, wie es der Zeuge darzustellen beliebt. Stadtrat Benecke fei ja verzweifelt darüber gewesen, daß er den Vertrag unterzeichnet habe: er Hobe sogar einen Anzug, den er bei Sklareks bestellt habe, sofort wieder abbestellt. Der frühere Stadtkämmerer K a r d i n g weiß nichts Wichtiges zu bekunden. Die stockende Zahlungsweise der Firma Sklarek sei nicht derartig gewesen, daß man ihm ein Darlehen hätte verweigern müssen. Der frühere Syndikus und jetzige zweite Bürgermeister Lang« soll über Einzelheiten zu einem späteren Zeitpunkt gehört werden. Ueber Kieburgs Verfehlungen hat er erst bei dessen Eni- lassung aus dem Dienst der Stadt gehört. Er selbst sei für eine Strafanzeige gewesen. Daß irgendjemand Kieburg habe schonen wollen, wisse er nicht. Heute. Dienstag, werden weiters Mitglieder des Magistrats als Zeugen vernommen. Max Manie und fein„Meldereiier". Das Schöffengericht Berlin- Mitte wird sich demnächst wieder mit einem neuen„W e t t s y st e m" von Max K l a n t e zu de- schäftigen haben. Gegen Klonte ist gemeinschaftlich mit mehreren anderen Angeklagten als feine Gehilfen von der Staatsanwalt- fchaft I Anklage wegen Betruges erhoben worden. Wie erinnerlich, hatte Max Klonte vor einer Reihe von Jahren durch den von ihm gegründeten Wettkonzern, durch den zahllose Leute große Summen verloren hatten, viel Aufsehen erregt, und er war im September 192S zu längerer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Max Klant« verfolgte aber sein« Ideen wester. Im Jahre 1929 gab er eine Zeitschrift„M eldereiter" heraus und gründete gleichzeitig in einem Lokal in der Oranienstraße ein Weit- düro. Er suchte nun Leute, die sich mit Kapital bis zu 1000 Mark an seinem Unternehmen beteiligen sollten. Er wollte«ine Ver- einigung gründen, die nach seinem neuesten System„totsichere" Wetten abschließen sollte. Von den Gewinnen sollten die Wetter 80 Prozent, die Weitvereinigung den Rest erhalten. Es fanden sich auch wieder verschiedene Leute, die überflüssiges Geld und Ber- trauen zu Klantcs„Wettglück" hatten. Die Anklage lautet auf Betrug, Urkundenfälschung und Vergehen gegen dos Rennwettgefstz. Kompagnie Nazis als Angeklagte. Etrafanträge im Oranienburger Nationalfozialisten-prozeß. In dem Oranienburger Prozeß gegen die SS Na- t i o n a l I o z i a l i st e n, die sich in mehrwöchiger Beweisaufnahme vor dem Schnellfchöfsengericht in Oranienburg zu verantworten hatten, wurden am Montagabend nach längeren Ausführungen der Anklagevertreter die Strofanträge gestellt. Staatsanwaltschaftsrat Heif bentragte gegen 16 Angeklagte Freispruch mangels Beweises. gegen 38 Angeklagte wurden wegen des am 24. September verübten Landfriedensbruchs Strafen von einem Monat bis zu einem Jahr zwei Monaten Gefängnis be- antragt. Gegen den Stadtrat Fuchs, den Leiter der dortigen Ortsgruppe der NSDAP., wurden neun Monate Gcfäng- n i s beantragt. Einäscherung Fritz Kuneriö. Unser lieber Genosse und Mitkämpfer Fritz Kunert wurde am Montag in aller Stille im Krematorium Baumschulenweg ein- geäschert. Genosse Kunert hatte gewünscht, daß ihm seine lang- jährige Gattin und Kameradin Marie Kunert selbst einen Nach- ruf an seinem Sarge widmen sollte. In Erfüllung dieser schweren Pflicht schilderte Genossin Kunert den erschienenen Trauergästen und den Genossen des 16. Kreises das Loben ihres Gatten und unseres Genossen, ein Leben voller Pflichterfüllung und Kampf für den Sozialismus.— Wir werden das Andenken unseres verstorbenen Genossen Kunert stets in Ehren halten und uns bemühen, ihm nach- zueifern. Die eigene Mutter in den Toö gefahren. Wegen fahrlässiger Tötung hatte sich heute vor dem Erweiterten Schöffengericht Lichtenberg der 27 Jahre alte Kurt H. zu ver- antworten. H. hatte am 22. März d. I. mit seinem Auto eine Fahrt nach Kalkberge unternommen, an der seine Mutter, seine Schwester und deren Freundin teilnahmen. Auf der Rückfahrt nach Berlin auf der Chaussee von Tasdorf nach Schöneiche versuchte der Angeklagte in einer Kurve ein vor ihm fahrendes Auto zu üb«r- holen. Bei diesem Versuch geriet H. mit seinem Fahrzeug aus den Sommerweg. Er bremste aber so stark ab, daß das Auto ins Rutschen kam und gegen einen Baum fuhr. Die Mutter des An- geklagten, die im Innern des Wagens saß, wurde durch das Fenster auf die Straße geschleudert und blieb dort mit einem schweren Schädelbruch und einer Gehirnerschütterung liegen. Als die bedauernswerte Frau ins Krankenhaus übergeführt wurde, � war bereits der Tod eingetreten. Das Gericht verurteilt« den 2li>- geklagten zu drei Monaten Gefängnis. Zustelluni; der Steuerkartcn für IVSS. Die S t« u e r k a r t e n für 1932 sollen allen Arbestnehmern Berlins, die ihre Wohnung seit dem 10. Oktober d. I. nicht gewechselt haben, bis Anfang Dezember zugestellt werden. Diese Steuerkarten enthalten auf der 4. Seite gleichzeitig die Veranlagungsbenachrichtigung über die Bürgersteuer sür 1931. Arbeit- nehmer, die nach dem 10. Oktober d. I. innerhalb Groß-Bcrlins verzogen sind, müssen ihre Steuerkarte von dem Bezirk»� st e u e r a m t abholen, in dessen Bezirk sie sich bei der Personen- ftandsaufnahms am 10. Oktober d. I. in die Haushaltungsliste«in- getragen haben oder bei diesem Steueramt die Uebersendung durch di« Post beantragen. In den Anträgen ist die Wohnung am 10. Ok- tober d. I. und die jetzig« Wohnung anzugeben, auch ist das Rück- porto beizufügen. Den nach dem 10. Oktober d. I. aus anderen Orten des Deutschen Reiches zugezogenen Arbeitnehmern wird dringend geraten, sich die Steuerkart« von der Gemeinde nachsenden zu lassen, in deren Bezirk sie an diesem Tage gewohnt haben. Ausstellung in weißenjce:„Zunge Hände schaffen". Das Bc zirksamt Weißensee veranstaltet in der Zeit vom 1. bis 6. Dezember 1931 in d«r Aula des Lyzeums, Pistoriusstr. 131/133, eine Aus- stellung unter dem Motto: Junge Hände schaffen!" Germaine kannte ihn, es war der Sohn des Schul- dieners, ein etwa siebzehnjähriger junger Mensch, der zu einem Schuhmacher in die Lehre ging. Sie faßte ihn am Arm, gerade als er wieder weitergehen wollte. „Ist das—— ist das etwa Revolution!" sagte sie atemlos. Der sunge Mann nickte stolz.„Die da vorn kommen aus Kiel und aus Berlin— der Kaiser ist abgesetzt, und draußen wird nicht mehr geschossen—" Wie betäubt blieb Germaine zurück. Hatte sie denn recht verstanden?„Draußen wird nicht mehr geschossen!" Ja. das war doch— das war doch, kein Zweifel mehr, das bedeutete den Frieden, das Kriegsende! Und das bedeutete auch, daß Walter nicht mehr an die Front kam.-- Ihr Herz klopfte zum Zerspringen., � �. „Die Internationale erkämpft das Menschenrecht, er- scholl es jetzt vom Marktplatz zu ihr herüber. Und dann ein lauter Ruf:„Brüder! Der Krieg ist zu Ende! Es lebe die Deutsche Republik!" und nicht enden- wollender brausender Beifall und laute Hochrufe. In fliegender Eile rannte Germaine die Parkstraße hinarn. Was würde bloß die Mutter sagen! Und Walter würde bald hier sein— war denn das zu glauben? Man brauchte kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man froh wer, wenn man sich jung und sorgenlos fühlle.— Frau Loriot stand an der Gartentür. Blaß und verstört kam sie der Tochter entgegen.„Gott fei Dank, daß du hier bist. Was habe ich mich geängstigt! In der Altstadt muß es ja furchtbar zugehen— Angstvoll sah sie die Tochter an. Aber Germaine warf ihre Ledermappe in die Luft.„Du weißt ja noch gar nichts! Mutter, der Krieg ist zu Ende! Walter kommt w-«d-r nach Hai's?!" Sie jubelte laut. '.'lber Frau Loriot legte ihr erschreckt die Hand auf den Mund und zog sie ins Haus. „Bist du denn von Sinnen, Germaine! In Berlin soll Revolution sein, und hier ziehen sie auch schon den ganzen Morgen mit roten Fahnen herum und plündern die Läden aus! Bei Onkel Stetten sind sie in die Billa eingedrungen und haben ihn mit dem Revolver bedroht!" Germaine sah trotzig vor sich hin- «Wundert dich das vielleicht? Das Militär hat vier Jahre lang die Menschen als tote Nummern behandelt, meinst du, das rächt sich nicht irgendwann einmal? Sie Habens lange genug ertragen!" Entsetzt, verständnislos sah Frau Loriot die Tochter an. „Germaine, um Gotteswillen, hast du den Verstand ver- loren? Verstehst du nicht, was das bedeutet? Das heißt, daß Deutsche auf Deutsche schießen! Das ist der Bürgerkrieg, das ist Deutschlands Untergang. Ich habe eben Onkel Stetten telephonisch gesprochen. Er sagte mir, daß nur die Rücksicht auf seine Kinder ihn davon abhält, sich eine Kugel durch den Kopf zu schießen— er ist vollkommen niedergebrvchen. „Es tut mir leid, daß Onkel Stetten diese Enttäuschung erleben muß, daß er an sich selbst jetzt erfährt, wie furchtbar auch seelische Verwundungen sein können— aber, Mama, vier Jahre lang hat man uns gepredigt, daß es nicht um den einzelnen ginge, sondern um das ganze Volk! Wundert dich, daß das Volt jetzt diese These, die man ihm eingehämmert hat. umdreht und auf seine Führer anwendet, daß es jetzt ihnen zurust: Die Herrschast von euch einzelnen da oben ist zu Ende, jetzt geht es um uns, um das Volk?" Frau Loriot schlug die Hände zusammen.„Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll. Weißt du denn, wie das, was du „das Boll" nennst, in Wirklichkeit auesieht? Weißt du, daß jetzt der Mob. alle lichtscheuen Elemente, die bis jetzt nieder- geduckt waren, ans Tageslicht kommen, weil sie Morgenluft wittftn? Weißt du, daß auch wir jetzt nicht mehr sicher sind, daß man auch bei uns einbrechen, alles entzweischlagen und stehlen wird! Onkel Stetten hat mir geraten, heute Nacht nicht allein hier zu bleiben. Familie Köchlin ist auch nicht hier" Germaine legte den Arm um den Hals der Mutter und streichelte ihr leise die Wange.„Du denkst wohl, der Teufel sei in mich gefahren, meine arme Mama!" sagte ste lächelnd. „Und du siehst mich wohl schon mit einer roten Fahne herum-' marschieren! Frau Loriot sah unsicher in die Augen der Tochter, als fände sie darin den Schlüssel alles dessen, was ihr nn Wesen Germaines mitunter rätselhaft war. Aber was sie heute ge- sagt hatte, das fetzte doch allem die Krone auf— wie kam sie bloß auf solche Gedanken! „Kind, du bist doch manchmal erschreckend impulsiv in deinen Aeußerungen, du läßt dich vollkommen hinreißen von einer augenblicklichen Begeisterung, ohne die Folgen in ihrer ganzen Tragweite zu sehen. Glaube mir, ich habe da einen ruhigeren und kühleren Blick als du. Und wenn ich heute voll tiefster Sorge bin, weil ich fürchte, daß das, was uns jetzt bevorsteht, viel schlimmer ist, als der ganze Krieg, so glaube ich, die Sachlage damit besser erfaßt zu haben als du." Germaine setzte sich an die Seite der Mutter. „Was du befürchtest, das kann wohl alles eintreffen in den großen Industriestädten, vor allem in Berlin, wo Mit- lionen Menschen zusammengepfercht sind. Da sind andere Spannungen, andere Gegensätze als bei" uns. Hier macht keiner Revolution— da sind unsere Handwerker und jUein- Händler und die paar Arbeiter viel zu sehr Kleinstädter. Darum haben sie uns ja auch ein paar"Kieler Matrosen und einen Redner aus Berlin auf den Hals geschickt. Ich habe unseren Schuhmacherlehrling getroffen, der initmarschierte. Er war so stolz darauf, ein Revolutionär zu sein— aber er würde keiner Fliege was zu leide tun. Und so sind die aller- meisten hier. Sie sind bloß alle froh, daß der Krieg zu Ende ist, das ist alles. Kannst du ihnen das verdenken? Bist du denn nicht auch froh? Freust du dich denn nicht, daß Walter nach Hause kommt?" Frau Loriot legte den Kopf an die Schulter der Tochter. „Kind, mich hat das alles so erschreckt und verwirrt, dazu noch das Gespräch mit Onkel Stetten, der doch sonst immer die Dinge so klar und nüchtern sieht und nun so zusammen- gebrochen ist. Das hat mich alles furchtbar erschüttert. Daß Walter nach Hause kommen wird— mein Gott, daran dachte ich noch gor nicht! Und doch ist es das am nächsten Liegende. Daß ich mich darauf freue und wie ich mich freue— acki. Germaine, das brauche ich dir nicht zu sagen. Ich kann es nur noch gar nicht fassen, es ist zu viel, was auf mich ein- stürmt." * Lokomotiven pfiffen, wieder ratterte ein Zug in die Bahnhofshalle ein. An den Fenstern Soldaten, Soldaten. Soldaten. Sie lachen, sie schwenken die Mützen, sie winken mit den Armen. Dazwischen lehnten andere, müde, trotzig, verbissen. Walter war nicht dabei. Die Mutter war schon vor zwei Stunden nach Hause gegangen, sie konnte sich nicht mebr auf- recht hallen. Jetzt war bereits Mitternacht vorüber, aber immer noch standen große Menschenmassen vor der Sperre und auf den Bahnsteigen.(Fortsetzung folgt.) Oer Heidrich«prozeß. Ole moralische Verantwortung der Kommunisten. Di« Strafkammer verurteilte, wie von uns bereits kurz registriert, den Schneider Herm. cheidrich, der im Novembers. I. in einer Gerichtsverhandlung den Polizeiprästdenten Zörgiebel töt- lich angegriffen hat, nach viertägiger Berhandlung wegen Körper- vettetzung und tätlicher Beleidigung zu vier Monaten Gefängnis. In der bemerkenswerten Urteilsbegründung führte der Vorsitzende, Landgerichtsrat S ch l o in e. folgendes aus: Der Aus- druck..Arbeitermörder* war nicht als Verleumdung, fon- dern als formale Beschimpfung anzufprecheii. Andererseits lag darin eine Behauptung, die für das Strafmaß von Bedeutung fein konnte. Deshalb hat das Gericht den Wahrheitsbeweis zugelassen, er ist aber nicht geführt worden. Es ist nicht erwiesen, daß der Zeuge Zörgiebel absichtlich vorsätzlich oder fahrlässig am Tod von Arbeitern bei der Maidemon- stration schuld ist. daß er die Vorgänge an jenem Tage auch nur gewünscht oder auch nur gebilligt hat.'Noch amtlicher Auskunft hat er die ministerielle Verfügung niemals verschärft: im Gegenteil, er hat die Beamten zu besonderer Besonnenheit ermahnt. Als Polizeipräsident hatte er das Demonstrationsverbot durchzu- führen; ob es zweckmäßig gewesen sei oder nicht, das zu entscheiden ist nicht Aufgabe des Gerichts, sondern des Oberverwaltungsgerichts. Auch eine Fa'hrlässtgkeit konnte dem Zeugen Zörgiebel nicht nachgewiesen werden. Zweifellos sind Exzesie von Polizei- Mannschaften und Offizieren, Mißhandlungen und Tätlichkeiten in verschiedenen Stadtteilen vorgekommen. Diese bedauernswerten Vor- fälle, die nicht beschönigt werden sollen, sind aber nur den ein- zelnen Beamten zur Last zu legen, nicht aber dem Zeugen Zörgiebel, der damit nichts zu tun hat. Die vorgekommenen Rechtswidrigkeiten beweisen nur, daß in der Berliner Polizei Ele- rnente vorhanden waren, die in sie nicht hineingehörten. Anderer- seits muß festgestellt werden, daß Schußwaffen und Knüppel in vielen Fällen wohl Verwendung finden konnten. Der Film und die Beweisaufnahme haben ergeben, daß Pflastersteine aufgerissen und Barrikaden errichtet wurden. Es ist der Polizei Widerstand geleistet worden. Eine moralische Verantwortung für die bedauer- lichen Exzesse einzelner ihm unterstellter Beamter trifft den Polizei- Präsidenten auf keinen Fall soweit, daß man ihn als Mörder be- zeichnen darf. Wenn man schon von einer moralischen Ver- antwortung und Fahrlässigkeit sprechen wollte, so müßte dies auf diejenigen bezogen werden, die trotz des Verbotes die Demonstrationen am 1. Mai 1329 organisierten, obgleich sie wissen mußten, daß trotz aller vorgesehenen Taktik Massen in erregter Stimmung sich nicht halten lassen und Zusammenstöße mit der Poli- zei deshalb zwangsläufig entstehen mühten. Oer Sah sür Hauszinssteuerhypoiheken Eine Erklärung der preußischen(Staatsregierung. Nach den maßgebenden Vorschriften'über die Verzinsung und Tilgung der Hauszinssteuerhypotheken kann, so heißt es im Amt- lichen Preußischen Pressedienst, der Zinssatz für solche Hypotheken auf Antrag der Bauherren erst dann von 3 auf 2 oder 1 Proz. herabgesetzt werden, wenn nach bezugsfertiger Herstellung der Wohnungsbauten die Hauszinssteuerhypothek voll zur Auszahlung gelangt ist, und zwar von dem auf die Erlangung dieser Voraus- setzungen folgenden 1. April oder 1. Oktober ab. Da angesichts �-ier veränderten Verhältnisse die Schlußraten der Hauezinssteuer- ri". Hypotheken häufig ersb nach Fertigstellung der Bauvorhaben an die Bauherren zur Auszahlung gelangen können, bedeutet die Vorschrift hinsichtlich des Zeitpunktes der Zinsherabsetzung für die Haus- zinssteuerhypotheken eine wirtschaftliche Härte für die Bauherren wie vor allem auch für die Mieter der in Betracht kommenden Wohnungen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst weiter mitteilt, be- stimmt mit Rücksicht hierauf der preußische Minister für Volkswohl- fahrt im Einvernehmen mit dem preußischen Finanzminister, daß vom Beginn des Rechnungsjahres 1931 ab für die Herabsetzung des Zinssatzes für Hauszinssteuerhypothcken die bezugsfertige Herstellung des Bauvorhabens maßgebend ist, und daß als Zeitpunkt für den Beginn der Herabsetzung der auf die bezugs- fertige Herstellung der Wohnungen sowie auf die Antragstellung folgende 1. April und 1. Oktober ohne Rücksicht darauf in Frage kommt, ob die Hauszinssteuerhypothek voll ausgezahlt ist oder nicht. Als Beispiel wird angeführt: Ein Bauvorhaben wird im Juli 1939 bezugsfertig hergestellt, der Bauherr beantragt im August 1939 die Herabsetzung des Zinssatzes für die Hauszinssteuerhypothek von 3 Proz. auf 1. Proz. Bis zum 39. September 1939 kommt nur die Hälfte der Hauszinssteuerhypothek zur Auszahlung. Die Zins- Herabsetzung kann in diesem Falle vom 1. Oktober 1939 ab ge- n e h m i g t werden. Es werden also für die nach dem 1. Oktober 1939 auszuzahlende zweite Hälfte der Hauszinssteuerhypothek vom Tage der Auszahlung der noch folgende� Raten ob nur die er- mäßigten Zinsen erhoben. Hastbefehl gegen Rauh. Oer Potsdamer(Skandal geht weiter. Moutagnachmittag wurde der von der Potsdamer Kriminal. Polizei verhaftete Stadtbauinspektor Rauh vom Potsdamer Hochbau- omt dem Richter Amtsgsrichtsrat von Eckartsberg vorgeführt. Wegen Verdunkelungsgefahr erließ der Richter einen Haftbefehl gegen Rauh, der ebenso wie sein Vorgesetzter Kießling in das Pots- damer Gerichtsgcfängnis eingeliefert wurde. -» Durch de» Rechtsanwalt Kurt Zinimermann-Potsdam geht uns zu unserem Beitrag in Nr. 348 vom 23. November:„Beftcchungs- jkandal in Potsdam. Logenbrüder, die einander in die Hand spielen". folgende Berichtigung von der„Druiden-Loge Sanssouci" zu. Es sind in Potsdam nie Gerüchte umgelaufen, nach denen Mit- glieder der„Druiden-Loge Sanssouci" bei Vergebung von Auf- trägen von ihrem Logenbruder Kiesling bevorzugt worden seien. Der verhaftete Stadtbauamtmann Kiesling ist nie Mitglied der „Druiden-Loge Sanssouci" gewesen. Ebensowenig ist der Bau- Unternehmer Dübner, dem der. Durchstich des Brauhausberges in Potsdam übertragen war, Mitglied dieser Log« gewesen. Auch ist niemals ein Mitglied dieser Loge bei Vorlegung seiner Rechnung durch.Herrn Kiesling bevorzugt worden. Es ist auch nicht richtig. daß ein Mitglied der Loge, das früher mittellos gewesen wäre, durch Ehrenmänner! Und ihre Geschäfte** Vom Favag- Prozeß Der Prozeß, der den Zusammenbruch der Frankfurter All- gemeinen Versicherungs-A.-G.(Favag) aufklären soll, bringt p e i n- liche Enthüllungen über die Methoden privater Wirt- schaftsführung. Das System, Gewinne und Extraoergütungen in die eigene Tasche zu stecken, Risiko und Verluste aber dem große- reu Verband oder der Allgemeinheit(hier also der Faoag-Gesellschaft und ihren Gläubigern) aufzuhelfen, dieses System war bei der Favag zu höchster Vollendung ausgebildet. So kam kürzlich zur Verhandlung das„Geschäft" mit der Ber- liner Auskunftei Wys, Muller u. Co., Mutua Confidentia. Die Vorgänge sind so toll, wie sie ein P o s s e n s ch r e i b e r nicht krasser erfinden könnte. Diese Auskunftei gehörte ursprünglich einem Herrn Gompertz. Dieser gab sie an einen Herrn Fronkl weiter unter Umständen, die mehr als ungewöhnlich sind. Zu Frankl kam ein Agent der Auskunftei und bot ihm Auskünfte an: das Gespräch endete damit, daß der Agent sagte:„Nehmen Sie doch gleich die g a n z e Firma!" Und so kam es auch. Zuerst sollte Fronkl 599 999, dan 259 999 M. für den Laden zahlen, daim sollte er die ganze Firma u m s a n st bekommen, später sollte er einen Kredit von 199 999 M. dazu bekommen, schließlich wurde chm die Rückzahlung des Kredits erlassen. So dringend war es Herrn Gompertz, die Firma loszuwerden— und als Frankl 199 999 M. effektiv dazu bekam, übernahm er sie. Die Sache halle nämlich einen H a ke n, und das waren di« Verpflichtungen der Auskunftei in Höhe von 369 999 M. Herr Frankl kümmerte sich darum nicht, sondern nahm zunächst eine Umgründung vor: er gründete eine neue Wys, Müller u. Eo. G. m. b. H. mit 199 999 M. Kapital. Und diesen neuen Laden hängt Frankl den angeklagte Favag- Direktoren an, und zwar verkaufte er ihnen 75 Proz. der?ln- teile, ohne von den Hohen Verpflichtungen ein Wörtchen zu sagen. Die Favog-Dircktoren Becker und Kirschbaum glaubten ein VtfentlieKe IC&mäsebiingen Arn Mittwoch, dem S.Dezember, naehmlttass 19 llbr in der Turnholl« Baruther Str. 29.— Korten für die Jugendnorstellung der Volksbühne am 8. Dezember zum Preise von 89 Pf. sind im Jugendselretariat zu haben. Zum Schutz gegen Erhältungsbranbheiten. Mendel u-riatsentzändunaen# ZSSZÜZZ, VjL7 Florian Seidl: S)er ffietSMilSmiel 3ic[e Gelchichte muß ganz still und mit Andacht erzählt werden. Auch arme Leute haben sich lieb. j)ans Multerer war Kellner, «in großgewachsener Mann; wer ihn sah. hätte nicht gedacht, daß er weich und gut sein tonnte wie ein Kind. Seine Frau war klein und zart, sie hätte nicht in dem lichtlosen Zimmer Hausen sollen, sondern in Seide gehen und mit Schuhen aus feinem Leder. Sie hatte die Krankheit der armen Leute: die Schwindsucht, und die Aerzte gaben ihr nicht viele Tage mehr. Man weiß, Frauen haben chrc Wünsäie und Sehnsüchte, an denen sie mit ganzer Seele hängen, die sie in sich tragen und durch Jahre nicht vergessen, und Kranke zumal greifen so einen Wunsch aus mit der ganzen leidenschaftlichen Kraft ihres verlöschenden Lebens. Unvernünftig sind diese Wünsche, aber sie sind und sind um so stärker, je weiter sie schweifen, je unerfüllbarer sie scheinen. So träumte das Frauchen von einem Pelzmantel, wie die Reichen ihn tragen, die in die Geschäfte gehen und aussuchen können, ohne ängsllich zu forschen, was das Erwählte denn koste, und dann breit und aufgeplustert an den Zahltischen stehen. Ein Pelzmantel. Herr-- lich müßte das sein! Einmal damit über die Straß« gehen, einmal warm eingehüllt sein, einmal reich scheinen, einmal beneidet sein! Sie hatte nicht mehr lange zu leben. Der Mann wußte es, und der Mann wollt« ihr die Freude machen, so viel hatte sie ja«nt- behren müssen bei ihm, er hatte ihr kein schönes Leben bereiten können, warum sollte sie nicht den Mantel noch erhalten! Er ging in die Geschäfte, aber vor dem Preis, der ihm genannt wurde, schlug es ihn zurück.„Teilzahlung!" stammelte er und dachte, die erste Rate brächte er auf, denn er hatte ein Weniges erspart, und für die folgenden Zahlungen hätte er nicht mehr zu sorgen, bis sie fällig wären, läge die Frau tot, dann könnten sie den Mantel wieder holen. Doch auch die erste Rate war nicht zu erschwingen, wahrscheinlich setzte man diese so hoch an, weil man ihm nicht zutraute, daß er einen ehrlichen Kauf abschließen wollte und ein Geschäft mit ihm gar nicht wünschte. Arme Leute sollen eben zu nichts kommen! Er suchte noch Geld. Niemand lieh. Er wollte verpfänden. Was? Man lächelte, als er die Sachen brachte. Dafür erhielt er nichts, soviel wie nichts. Was tun? Stehlen? Er war immer ehrlich gewesen und— auch zum Stehlen muß man eine Kasse wissen, di« erreichbar ist. Die kleine Frau hustete, Winter war, sollte sie ihren Mantel nicht mehr bekommen? Da nahm er ihn. Ach, es war so ungeschickt gemacht und«in Wunder, daß sie ihn dabei nicht ergriffen. Er kam nach Hause. Die Frau lag schon im Bett, sie setzte sich auf, ihre Augen weiteten sich, sie hiell di« Hände vor die Brust, jubelte dann!„Woher hast du den Mantel?"„Gekauft", log er, „die erste Rate bezahlt, und für den Rest Geld in Aussicht." Sie sprang aus dem Bett, schlüpfte in den Mantel, ging durch die Stube, schlug ihn um sich, vorne zusammen, wiegte sich, drehte sich, voll kindlicher Seligkeit. Später in der Nacht fieberte sie und konnte nicht schlafen. Der Mann mußte ihr immer wieder den Mantel ans Bett bringen, und sie strich mit den heißen Händen liebkosend über den Pelz. Am anderen Tag wurde er von seiner Dienststelle weg ver- haftet. Er wunderte sich nicht und ging willig mit, bat nur, man möge seiner Frau nichts sagen und schrieb ihr, daß er plötzlich habe verreisen müsien. Als ob es möglich gewesen wäre, das zu verbergen! Denn als er nicht heimkam und die Frau voll Unruhe bei den Nachbarn fragte, denen natürlich die Nachricht von der Verhaftung schnell genug bekannt geworden war, erfuhr sie, wo der Mann wellte. Da zog sie den Mantel an, zum ersten Mal« ging sie mit ihm auf die Straße und lief auf die Polizei, wo man sie sogleich nötigte, den Pelz auszuziehen und ihn beschlagnahmte. Die Frau war fasiungslos über soviel Bosheit. Sie durfte ihren Mann sprechen, stand da, zllternd, hob die Hände nach ihm, konnte nur sprechen: „Hans, mein Mantel..." Der Mann versicherte, es sei ein Miß Verständnis, sie möge beruhigt nach Hause gehen, er werde bald wieder bei ihr sein, alles werde sich aufklären, und der Mantel, ihr Mantel, fei rechtmäßig ihr Eigentum. Nur jetzt müsie sie ihn hierlassen. So sagte der Mann in seiner Ratlosigkeit, obwohl«r wußte, daß es Lüge war und daß doch alles herauskommen müsse. Die Frau ging und kam von der Türe zurück und warf sich dem Mann an den Hals und schluchzte und war doch getröstet und ging wieder, und der Mann stand, groß und breit und mit dem Blick eines hilflosen Rehs. Winter war, und die Frau mußte in ihren dünnen Kleidern üb«r die naßkalten Straßen eilen. Den Mantel hatten sie zurückbehalten, trotzdem, er war ihrer, ein Miß Verständnis war es, sagte der Mann, sie würde ihn also bald wieder zugestellt erhalten, man glaubte eben armen Leuten einen derart kostbaren Mantel nicht, tröstet« sie sich. Zu Hause mußte sie sich legen und stand nimmer auf. Als der Mann von den Richtern abgeurteilt wurde, lag die Frau längst unter der Erde, sie war gestorben mit der seligen Freude, daß der Mantel ihr gehöre und daß niemand ihn ihr nehmen dürfe. Auch arme Leute haben sich sieb. Wlax ffiarihel: flialclmtir, die Staup der WeU Im Hotel„Dclewoy Dwor" standen viele. Zimmer leer. Di« meisten Delegierten waren abgereist. Die Hauptgruppc der Italiener war verschwunden, diese lauten, lustigen und derben Burschen, die leichtfertig im Leben und streng in der Theorie waren. Di« italieni- schen Arbeiter hatten die Fabriken besetzt, und Mussolini formierte sein« Schwarzhenrden. Die Rote Armee war demobilisiert.- Sie war m den andauern- den Kämpfen auch demoralisiert. Trotzli ließ im polnischen Krieg einige Kommunisten erschießen, die von ihrem Posten in der Front geflohen waren. Die Armee wurde verjüngt und sollte im Frühling neu und stark nach innen und außen dastehen. Die Partei wurde gesäubert. In den schrecklichen Jahren des Hungers und des Bürger- krieges hatte sich in dem strengen Gefüge viel Unrat und Schlamm angesetzt. In den Behörden nistete sich eine starrköpfige Bürokratie ein. Die großen Städte hungerten und waren von allen notwendigen Dingen entblößt. Nur Papier gab es genug. Papier war alles: zuerst das Parteibuch, dann das Mandat, endlich der Propusk, der Ausweis und schließlich die Resolution. Die Partei entwickelte sich zu einem mächtigen Orden, in dem es Bnßprsdiger, Pioniere, obere Gottheften, Zyniker, Enthusiasten, Konjunkturschieber und einfache Soldaten gab. Der neue Staat sollte so einfach und so durchsichtig sein, daß chn jede Waschfrau regieren konnte. Diese Forderung hatte Lenin ausgegeben. Aber der Staat war gar nicht so einfach und so durchsichtig. Das Leben bestand in einer Kette von Erniedrigungen um den Bissen Brot. Das Leben war Kampf und Niederlage, Niederlage auch nach jedem Sieg, denn der Sieg war ja nur Befehl zu neuen Kämpfen, Befehl für neue Opfer. Im Sommer waren deutsche und schwedische Arbeiter nach Sowjetrußland gekommen, um beim Aufbau der zer- rütteten Industrie mitzuhelfen. Die meisten Ausländer aber gingen nach wenigen Monaten enttäuscht zurück. Nur ein Häuflein pro- letarischer Idealisten war geblieben und harrte in den verschiedenen Fabriken aus. In Kolomna, in einer Lokomotiofabrik, arbeiteten Deutsche. Die Produktion hatte sich in den letzten drei Monaten ver- sechsfocht. Das wurde in den Zeitungen wie ein Sieg gefeiert.> Und es war auch ein Sieg. Mit den Russen war die Zeit. Europa war viel zu viel mit sich selbst und seinen Problemen beschäftigt. Die neuen Staaten bauten an den Untsrdrftckungsmaschmen gegen ihre nationalen Minderheiten. Die alten Staaten waren durch Blutverluste oder durch Verdauungs- beschwerden von eroberten Provinzen erschöpft. Die Russen hatten Glück. Mit ihnen war auch die Trägheit ihrer eigenen Völker. „Laßt nur die Boljchswiki," sagten sie,„bißt sie nur, bald werden sie von ganz alleine krepieren" Aber sie krepierten nicht. Sie schlugen alle Ausstände nieder und blieben am Leben. Die Sowjetgrenzen gingen durch alle Länder der Erde, lieber- all, wo es Ausgebeutete und Unterdrückte gab, sammelten sich heim- siche Sowjetbürger. Und die schwankenden Rohre vor jedem Sonnenaufgang, die Intellektuellen, beugten sich dem Osten zu. Die Sowjets waren geheiligt durch eine gewaltige Idee. Sie konnten in den Jqhren des Bürgerkriegs durch Blut waten: ihren Anhängern erschienen st- in blendender Reinheit. Die Waffen der Diktatur ver- wandelten sich jür die Gläubigen in weiße Lllien. Die Sowjets konnten Agitationslüzen funken: ihren Anhängern im Westen er- schienen sie als heilige Wahrheit. Pier Jahre hatten die Völker Blut gesoffen. Vier Jahre lang wurden sie von Lügen gemästet. Sie hatten genug an der alten Pestkugel Erde. Sie hatten übergenug an ihren Kaisern, Königen. Präsidenten, Friedenskongressen. Kriegsrüstungen Staatsanwälten. Agenten und Schiebern. Sie hatten genug an ihren allen Vater- ländern und wollten nun russisch mit ihren Ausbeutern sprechen. Ueberall gab es Verschwörungen. Ausstände und Putsche. Die Aufstände und Putsche wurden im Westen niedergeschlagen. Die bayerische und ungarische Räterepublik, sie stürzten zusammen wie schlecht gebaute Kartenhäuser. Unter den tragsschen Trümmern wurden viele Opfer begraben. Unter den vielen Flüchtlingen, die nach den Zusammenbrüchen ins sowjetrussische Exil gingen, müssen an erster Stelle die Ungarn genannt werden. B-la Khun, ein dicker, untersetzter Mann, war ihr Führer auch im Erll. Das Erll aber war kein Exil: es war die Etappe zu neuen Vorstößen nach den satten oder hungertaumelnden Ländern des Westens. Unter den Emissären, die im Frühling 1921 beim mitteldeutschen Ausstand eine große Rolle spiellen, war auch Ernö Farkas, einer von den Kriegs- I miniftern der ungarischen Räterepublik. Farkas kam im Sommer 1929 nach Moskau als Delegierter zum Zwecken Kongreß der Dritten International«. Er war ein eleganter Bürger, Dr. jur.. Journalist und feck einigen Jahren„Berufs- revolutionär". Während des Weltkrieges hatte er noch heftig mck den Sporen patriotischer Kriegsberichterstattung geklirrt. Vom K. u. K. Kriegsberichterstatter zum Kriegsminister einer Räterepublik war es ein gewalliger Schrill. Er tat ihn mit der unverschämten Sicherheit eines Spekulanten auf das schlechte Gedächtnis der Ar- bester. Er war ein kluger Kriegsminister, denn er rettete beim Au- sammenbruch selbstverständlich fein Leben. Kriegsminssier werden gewöhnlich sehr alte Leute. Sie haben einen gesunden Beruf. Im Moskau wurde ich mit diesem Ungarn bekannt. Wir wohnten zusammen im Hotel Zimmer an Zimmer. Farkas schrieb an ein Buch über die russische Revolution, trotzdem er höchstens zwanzig russische Worte verstand. Bei einem Meeting, ans dem wir sprachen, sagte Farkas am Schluß der eindrucksvollen Versammlung zu mir: „Sehen Sie bittä einmal dies« Arbeiter an, es sind bittä ganz gewöhnlich« Arbeiter und ein ganz prachtvolles Material und Element. Und warum bittä? Weil sie revolutionär sind, werter Genossäl Sehen Sie sich bittä die Heldengesichter an, und haben Sie nicht auch das härrliche Gefühl, mit den Lauf der Welt bittä ent- scheidend beeinflussen zu können? Als ich noch Kriegsminister, ent- schuldigen Sie bittä, ich meine Volkskommissar für dos ungarische Heereswesen war..." Und noch auf dem Heimweg sprach Farkas über seine ungarische Berufung. Beinahe ein« ganze Stunde hielt er ein Kolleg über die Strategie des Bürgerkriegs, über proletarische Taktik und verpaßte Gelegenheiten. Er machte dann die anderen ungarischen Kriegs- minister verächtlich und stimmte einen Lobgesong auf seine eigene, alles überragende Persönlichkeit an. Mit diesem Farkas kam ich am nächsten Abend in einen Schwann junger Kommunisten, die ans dem Kreml mit großer Verzückung losbrachen und di« breite Twerskaja hinunterliefen. Moskau schien eine ganz südliche Stadt zu fein. Der Abend spannte sich hoch und m>ld erglänzend über den Straßen. Manchmal kamen warme Wind- stöße aus den nahen Wäldern. Der Marsch die breite Twerskaja hinauf war wie ein Tanz. Am Obelisk der Freiheit hielten die jungen Leute und improvisierten eins Versammlung. Italiener waren da- bei, der draufgängerische Römer Bombacci mit dem gepflegten Räuberbart und der glattrasierte fanatische Neapolitaner Bordiga Schabkin und Zetlin sprachen für die Russen, auch die Ausländer ergriffen das Wort. Es war wie eine Verbrüderung unter den Sternen. Auf dem weiten Platz und um den Obelisk drängten sich die Moskauer und jubelten den Ausländern wie Erlöser zu. Farkas trat nicht als Rodner auf. Er tanzte und fang auch nicht mit den anderen. Er ging rubiq und gelassen neben den Schwärmern her und fügte sie als„Material" und„prachtvolles Element" in seine Kalkulationen ein. Dann ging es nach dem zweiten Sowfethaus. in dem Bucharin wohnte. Bucharin wurde von den Jungen verehrt und geliebt, er war ja selbst noch ein Junger. Endlich trat er an das Fenster und hielt eine kleine Rede. Und plötzlich drängte sich Farkas vor und riskierte eine kleine Ansprache im Namen des beldenwütigen ungarischen Proletariats" an den „teuren Genossen Bucharin, das klar« Hirn der proletarischen, inter- nationalen Revolution". Wir gingen nach Hause. Farkas war auk dem Wege sehr still. Am anderen Tage aber erschien von ihm ein Aussatz über den Tanz der Jugend unter den Sternen. Dieser Bericht war so hinreißend und voller Schwung, daß er«inen Dichter hätte beickämen können. Der Ungar war kein Dichter. Er war nur ein geschickter, c-skatter Macher, der das Volk kannte und sein« Wallungen und Gefühle mathematisch berechnete und ausnutzte. In seinem Bericht zttiert« er«ine Episode, die er beobachtet � haben wollte, nänckich:„Em sunger Mensch mit gemeißelter Marmor» , stirn, um welche die Gewitter der proletarischen Revolution ihr« schönsten Blitze sendeten, fragte seinen Nachbar, als die Tanzenden einen Atemzug lang innehielten, um neue Kräfte zu sammeln: „Hast du, teurer Genosse, dir schon einmal Gedanken gemacht, wo die Hauptstadt der Vereinigten Erdballrepublik sein soll?" Sein Freund schüllelle das Angesicht, um welche» da» Morgenrot einer besseren Zukunft leuchtete, und sagte:„Nein. Genosse." Der andere aber antwortete triumphierend:„Aber ich, Bruder! In Kaschmir wird sie sein, in Kaschmir!"„Und ehe sein Freund antworten konnte," fuhr der Ungar in seinem Aufsatz fort,„begann neuer Ge- sang, und die jungen proletarischen Füße hüpften tanzend der kommenden Hauptstadt der Vereinigten Erdballrepicklik Kaschmir entgegen!" Diesen Bericht hatte Farkas veröffentlicht, ohne richtig Russisch zu verstehen oder zu sprechen. Er selbst hüpfte nicht tanzend Kaschmir entgegen, im Frühling 1921 ging er als Emissär nach Deutschland und leitete mit im Hintergrund den mitteldeutschen Ausstand. Er war ja Fachmann in deutschen Angelegenheiten, et sprach und verstand ja Deutsch. Als dieser Ausstand zusammenbrach, Farkas konnte sich selbstoerstöndlich retten, fuhr er nach Amerika und spielte dort einig« Jahre eine große Roll« in der amerikanischen Kommunistischen Partei._ Weier Bens.' Ilrfulas Derkehrsiurm Älein-Ursula hatte mit ihren Altersgenosssnnen alle Spiele gespielt, die zu spielen sind. Ruht etwa, daß sie damst auf einen toten Punkt gekommen wäre. O bewahre! Sie hätten ja schlimmstenfalls wieder von vorn anfangen können. Aber das wollte sie nicht. Dafür fehlte ihr vorläufig leglichcs Interesse. Sie wollte mal etwas anderes. Ein genialer Gedanke kam ihr. Einen Verkehrsturm mußte sie haben! Damit waren ungeahnte Möglichkeiten verbunden. Im Garten fand sie den Rest eines ehemaligen Wäschepfahls. Den unternagelte sie mst einem Kreuz aus alten Latten. Das war nicht so einfach. Es kostete viel Schweiß und einen blauen Finger- nagel. Er sah nicht besonders vorteilhaft aus im Rohbau, ihr Per- kehrsturm. Auch fehlten noch die Richtungszeiger. Sie nagelte ein zweites Lattenkreuz darauf und sich selbst eine kleine Blutblase an den linken Handballen. Um dem Wäschepfahl seinen alten Berufscharoktcr zu nehmen, übertünchte sie ihn mit rosa Oelfarbe. Das Verkehrs- kreuz wurde knallrot. Hände, Gesicht und Kleidchen hatten wohllos beide Farben angenommen. Aber das Werk war vollbracht. Es stand im rosa Glänze mit purpurroter Krone. Im Garten fand es Ausstellung, und man konnte drum herum- gehen— wenn man wollte. Doch das war langweilig. Ursula fand, ihr Verkehrsturm hätte es verdient, an der nächsten Straßenkreuzung aufgestellt zu werden. Dort erst könnte er seinen Daseinszweck er- füllen. Sie schleppte ihn also unter Aufbietung aller ihr zur Ver- fügung stehenden Kräfte hin, stellte sich in den nächstgelegenen Haus- flur und wartete klopfenden Herzens auf den Verkehr, der da kommen sollte. Und der kam. Als erster ein Motorradfahrer. Er stutzte—; nanu, hier hat doch bisher kein...?— bremste und fuhr vorschrists- mäßig langsam um den neuen Verkehrsturm herum. Ursula strahlte. Ein paar Minuten später kam ein ganz gewöhnlicher Radfahrer die Straße heraufgegondelt. Er stutzte—: nanu, hier hat doch...?— staunte und fuhr kopsschüttelnd, aber— vorschriftsmäßig um das Verkehrsmonument. Ursula stieß einen dicken Lacher aus. Dann kam aus der unteren Stadt—«ine vollgültige Verkehrs- Maschine— ein Lastwagen!„O weh, der wird ihn rammen!" Er stutzte—: nanu..?— zögerte und fuhr, wenn auch sichtlich un- willig, gehorsam um den allen Wäschepfahl. Ursula klatschte jubelnd die Hände. Da kam von oben her auf dem Bürgersteig ein seriöser, stattlich aussehender Herr. Der Herr Staatsanwalt! Ursula erkannte ihn, und es wurde ihr-etwas flau um ihren Jubel..Der Herr St---! dessen Aufgabe es ist, alle Menschen gleich einzu- sperren!" Er stutzte, blieb an der Ecke stehen und äugte etwas ungläubig auf das seltsame Ding hinüber, das sich da inmitten des Platzes breitgemacht hatte. Dann ging er energisch ran an den Feind. umkreiste ihn prüfend— wie es einem Staatsanwalt zukommt—, untersuchend mck seinem Stock, und ging, mißbilligend den Kopf schüttelnd, von dannen. Ursula stürzte nach Hause, kam aber umgehend wieder zurück mit einem Zettel in der Hand, heftete den Zettel an ihren Turm und verbarg sich wieder in ihrem Hausflur. Ein Straßenkehrer, schweren Schrittes einen zweirädrigen Karren vor sich her schiebend, kam auf den Platz, nahm seinen Besen, stutzte, schüttelle den Kopf und fegte, wenn auch raunzend, vor- schriftsmäßig um den rosa Pfahl— und verschwand. Ursula nahm befriedigt Kenntnis von seinem respektierlichen Verhallen. Dann aber kam(Ursula erschrak im tiefsten Herzen) eine Uni- form angeradelt. Der Herr Polizeikommissar in höchsteigener Person. Der stutzte nicht, war nicht erstaunt, umging nur feststellend das Lorpus delicti, las auf dem angehefteten Zettel:„Die Polizei wird gebeten, den Verkehrslurm nicht zu entfernen", schüttelle jetzt erst den Kopf, bestieg sein Rad und entschwebte. Ursula atmete auf. Ihr Verkehrsturm hatte nun vor der.allerhöchsten' Behörde anscheinend die Reifeprüfung bestanden. Da aber geschah es, daß der Arbeiter, der vorhin den Platz xe- fegt hatte, zurückkam, geradewegs auf den Turm zuging, den Hut aus der Stirn schob, mit dem Stiefel prüfend gegen den Pfahl trat, ausspuckte, seinen Priem in die andere Backe schob und eben im Bs- griffe war, den gewesenen Wäschepfosten samt Steh- und Fahrt- richtungskreuz unter den Arm zu nehmen und damit zu verschwinden, als Ursula aus ihrem Hausflur geschossen kam, auf ihren mit Schmerz fabrizierten Verkehrsturm zustürzte und rief:.Sie dürfen ihn nicht mitnehmen! Das ist mein Verkehrsturm!" Und ehe der biedere Straßenkehrer eine Entgegnung fand, hatte die kleine Ursula ihren geliebten Turm aus die kindlichen Schultern geladen und maulte, während sie sich mit schiefem Schnütchen und feuchten Kulleraugen entfernte:„Wenn man euch immer gleich alles wegnehmen wollte..!" Was eine Taschenuhr leistet. Die wenigsten Menschen baben einen Begriff davon, welche«norme Leistungen dieses klein« Werk dadurch vollbringt, daß es Taz und Nacht ununterl rochen arbeitet, was bei keiner anderen Maschwe in derartigem Maße der Fall ist! Denkt man sich in einer gewöhnlichen Uhr die sogenannte Unruhe — das ist das hin und her schwingende Rädchen— als ein immer in derselben Richtung weiter rollendes Rad. so würse dieses Rad täglich sech-unddreißig Kilometer oder nach drei Jahren einen Weg zurückgelegt haben, der so lang ist wie der Umfang o«r Erde! Mlivaukee, das ehedem berühmt war als bedeutendstes Pier- brauerzentmm Amerikas, erhebt jetzt den Anspruch, die größte Schule der Welt zu besitzen. Es handett sich um ein sechs, töckiaes Gebäude, dos 12 000 Togesschüler und 9000 Abendschüler hat Diele Schule Hot ihre eigene Bäckerei, ein Friseurgeschäst,«igen« d'ettrts.fc Anlage, eigene Druckerei usw. und beschäftigt 237 Lehrer. Cccantcrortlirt,(Ut tbUtlf;«Iciot Schi,,: SJltfräiafi:« fllinn-IMI«- cScwcckslr-tt-d-wciiun«: 3. Stein«! fftjlDeltin: Dr. Jotn a-sisow,Ii- und Sonst!»«:«rl» N-rftSdt! Än,-!»?n: Tt>.«l-ck»: samtlicb in SerUn Der!»»: DorwSrt-.Der!»» S in>v Berlin. Druck: B»r«Irt,.Duck>>r,.ckrr� und Verlag sanstcilt Paul ginaet� Ä Ci�nftVäfe g. Eine Milliarde Gisuerverluste. Schätzung der Reichseinnahmen wird revidiert. Die Verschärfung der Krise prägt sich trog der vcrschiedenllichen scharfen Steuererhöhungen in einem anhaltenden Sinken der Steuereinnahmen des Reiches aus� Dieser Entwicklung hat sich das Reichssinnnzmmislerium nunmehr soweit angepaßt, daß die Steuereingäuge für das Rechnungsjahr 1931(April— März) neu veranschlagt worden sind. Diese neuen Schätzungen sind jetzt verössentlicht worden. Gegenüber dem Voranschlag des vom Reichs- tag verabschiedeten Haushaltsplanes werden nuninehr die Besitz» und Verkehrs st euern um 789,5 Millionen und die Zölle und Verbrauchsabgaben um 276,1 Millionen weniger ver- anschlagt. Damit werden die gesamten Einnahmen des Reiches um mehr als 1 Milliarde niedriger angesetzt. Die Reichseinnahmen im Oktober zeigen ein etwas günstigeres Bild als in den vorhergehenden Monaten. Dies ist einmal auf den fälligen Ouartalstermin für Vorauszahlungen und auf die viertel» jährlichen Lagerabrechnungen bei den Zolleinnahmen zurückzuführen. Außerdem wurde im Oktober zum erstenmal die Krisensteuer bei den veranlagten Einkommen erhoben.— Die Gesamtein» nähme im Oktober blieb mit 893,4 Millionen um rund 189 4 Millionen Mark hinter den Einnahmen im Oktober 1939 zurück. Das Auskommen an Besitz und Verkehrssteuern stellte sich auf 693 8 Mil- lionen und aus den Zöllen und Derbrauchsabgaben auf 289,6 Mil- lionen Mark. Wie gemogelt wird. lieber die Erfolge der Buch- und Betriebsprüfung veröffent- licht das Reichsfinanzministerium eine Mitteilung, wonach im Rech- nungsjahr 1939 insgesamt 87 693 Nachprüfungen in den gewerb- lichen und industriellen Betrieben stattgefunden haben. Die Gesamt- summe des rechtekrästig festgestellten Mehrbetrages beläuft sich ins- gesamt auf 184,8 Millionen für Reichesteuern und 31,4 Millionen für Landeosteuern, was insgesanU einen Steuermehrbetrag von 216 Millionen Mark ausmacht.— Wegen Steuerhinterziehung wurden insgesamt Geldstrasen in 5iöhe von 3,70 Millionen verhängt. Die guten Leistungen der Steuerpolizei werden dadurch gekennzeichnet, daß es gelungen ist, mil Hilfe der Buch, und Be- triebsvrüfung die Cteuermehrbeträge gegenüber 1929 um 24,5 Proz. zu steigern. Oer Eindruck des„Welibühne�-Ltrieils. llnterhausanfiage.- Bericht aus Berlin angefordert. London, 39. November. Im linterhaus brachte Sir Austen Chamberlain die jüngsten Hochoerratsurteile in Deutschland zur Sprach«. Er fragte den Außenminister, ob er in Anbetracht der Rückwirkungen der jüngsten staatsanwaltlichen Vorgehen in Deutschland aus die Frage der Ab- rüstung und der Ausgabenbegrenzung für die Rüstungen dem Unterhaus irgendwelche Angaben über die Gründe machen könne, die zu der Verurteilung eines Ausländers durch das Gericht in Breslau wegen Hochverrats geführt habe, und zwar an- läßlich seiner Teilnahme an einer Versammlung des Stahlhelm— einer Körperschast, die von der deutschen Regierung als ein« private Organisation ohne militärische Ziele bezeichnet wurde. Ferner fragte Sir Austen Ehamberlain, ob der Außenminister die Um- stände erläutern könne, unter denen ein deutscher Redakteur und Flieger von dem obersten Gerichtshof in Leipzig wegen Preisgab« von militärischen Geheimnissen in einem Artikel über den Haus- halt des Zivilflugwesens des Reiches verurteilt worden sei. Sir John Simon antwortete, daß er den englischen Geschäfts- träger in Berlin ersucht habe, über diese Dinge zu berichten. Er werde da» Ergebnis dem ehrenwerten Mitglied des Unterhauses dann mitteilen. Thälmann verbreitet Lügen. Eine gepfefferte Antwort ans Hamburg. Der Vorsitzende der KPD., Ernst Thälmann, veröffentlicht in der„Roten Fahne" vom Sonntag, dem 29 November, einen Lelt- artikel über die„Einheitsfront". Darin stellt er neben vielen anderen Ungereimtheiten folgende Behauptung auf: „Bilden sie sich wirkUch ein, die Arbeiter hätten das sozial- demokratische Wort des Hamburger Abgeordneten Dahrendorf veraesien:„Lieber zehn NaUs als einen Kom- muuisten im Präsidium der Hamburger Bürgerschaft?" S:e unterschätzen das Gedächtnis und den Berstand der deutschen Arbeiter gründlich." Der Borsitzende der KPD. macht sich mit dieser Behauptung zum Verbreiter einer skrupellosen Verleumdung. die von dem kommunistischen Hamburger Dürgerschastsabgeordneten Andre ausgestellt worden ist. Wegen dieser Behauptung, die zum ersten Male am 4. November in der kommunistischen ,F)am- burger Volkszeitung" erschien, hat unser Parteiblatt, das ,�am- burger Echo", Herrn Andre„einen notorischen Verleumder" Genannt und ihn mit folgenden Worten zur Klage aufgefordert: � „Unser verantwortlicher Schristleitcr ist nicht wie Sie, Herr Andre, immun: er kann deswegen jederzeit von Ihnen vor Gerickt gestellt werden. Unser verantwortlicher Sckriflleiter weiß auch,'daß die absichtlich gehaltene scharfe Formu- l i e r u n g ihm eine Verurteilung wegen formaler Beleidigung bringien wird. Er ist berest, diese Verurteilung aus sich zu nehmen, um vor Gericht Gelegenheit zu haben, den S ch w i n d e l der„Hamburger Volkszeitung", den Sie mit Ihrer unwahren Erklärung unterstützen, aufdecken zu können. Herr Andre, klagen Sie!" Der Aufforderung, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig Neß, ist Andre nicht nachgekommen. Die„Hamburger Volks- zeitung" versucht mit der Ausrede, es handle sich um ein po.itische Frage, auf die die„entlarvten Demokraten" antworten müssen, den Andre zu schützen. Das„Hamburger Echo" hat seine Auf- forderunn an Andre, zu klagen, wiederholt. Es hat Andre weitere zwei Male wegen derselben Angelegenheit als„notori- schcn Verleumder" bezeichnet. Andre hat diese Bezeichnung immer noch ohne ein Wort des Widerspruchs oder der Abwehr auf sich sitzen lassen. Nachdem jetzt auch Thälmann an der Spitze des kommunistischen Zentralorgans jene verleumderisch- Behauptung sich zu eigen gemacht hat, richtet das„Hamburger Echo" heute an Thälmann eins Antwort, in der es den Vorsitzenden der KPD. öfsenllich der Lüge bezichtet und feststellt, daß er sich als Hamburger Reichstags- abgeordneter und Bürgerschaftsmitglied nicht scheut,«in« s k r u p e l- lose Verleumdung weiter zu verbreiten obwohl er weiß, daß der Verleumder zu feig« sei, vor Gericht einen Wahrheits- beweis für seine Behauptung zu oersuchen. Dl« lommnnlfkische Relchslagrsraklioa fordert in einem Antrag an den Reichstagsprästdanten di« sofortige Einberufung des Aeliesten- rats des Reichstags, der die Einberufung des Reichstags zum 4. Dezember beschließen soll. Schloß Hohehorst unterm Hammer. Das piunkschloß der Lahu'rs gelaugt dieser Tage zur vcrsteige>u. g. Hitler:„Diesen palazzo könnte ich auch noch für mich brauchen!" Die Budapester Putschpläne. Verraten und rechtzeitig verhindert. Budapest. 30. November.(Eigenbericht.) Die Polizei hak nach zahlreichen Haussuchungen bei man- archislischcn Elementen festgestellt, daß in der Nacht zum Sonnlag eta pulsch veranstaltet und die Militärdiktatur in Ungarn aus- gerufen werden sollt«. Alle erforderlichen Vorbereitungen dazu warea getrosseu. Durch verrat erhielt die Polizei von den Ab- sichten keuuluis und schrill zu zahlreichen Verhaftungen. Unter den festgenommenen Versoueu befinden sich zahlreiche berüchtigt« Terra- ristea aus der blutigen Anfangszelt des weißen Schreckens. Da» sozialdemokralische Organ in Budapest wurde wegen einer Besprechung der pulschplSue konfisziert. Eine amtliche Darstellung. Budapest, 89. November. Heute abend wurde eine amtliche Mitteilung verössentlicht, die die jüngsten Nachrichten in fall allen Einzechesten bestätigt. Aus der Mitteilung ist noch hervorzuheben, daß die Ziel« der Be- wegung teils auf die Gefährdung der gesellschaftlichen Ordnung, teils auf gemeine Berbrechen gerichtet waren. In die Kasernen der Honoed und der Polizei hätten sich die Beteiligten mit Hilfe gefälschter Defehl« Eingang verschaffen wollen, um sodann eine Diktatur, und zwar irgendeine s o w s e t- artige(??) Staatseinrichtung ins Leben zu rufen. Der Hand- streich wurde aus bisher unbekannten Gründen von dem ursprünglich in Aussicht genommenen 21. November verschoben, hätte aber am 28. November unter allen Umständen aus- geführt werden sollen, da die Verschwörer bemerkt hatten, daß die Behörd«» von ihren Absichten Kenntnis bekommen hatten. Die Negierung traf jedoch die notwendigen Vorkehrungen und begann berests am 27. November mit der Verhaftung der Rädelsführer und ihres Anhanges, schon um zu verhüten, daß falsch unterrichtete Personen unter patriotischen Schlogworkeu zu Verbrechen bewogen würden, andererseits um durch rasches und energisches Einschreiten den Beweis zu erbringen, daß sie allen störenden Versuchen gegenüber imstande sei, Recht, Ordnung und Sicherheit zu schützen. Aus den bisherigen Berhören läßt sich fest- stellen, daß hinter den Putschisten keine Massen standen und daß sie keiner im Reichstag vertretenen politischen Partei ange- hören. Unter den Verhafteten befinden sich sowohl Personen, die im Jahre 1929 zu den Rechtsradikalen zählten, als auch solche, die beute als l i n k s r a d i k a l(?) angesehen werden können. Aus den Verhören läßt sich auch feststellen, daß hinter dem aus sechs Mitgliedern bestehenden Vollzugsausschuß eine Gruppe von etwa 159 bis 299 Leuten stand, die jedoch die Pläne der Führer nicht im einzelnen kannten. Dagegen scheint der Voll- zugsausschuß zum äußersten entschlosien gewesen zu sein, da nach einzelnen Aussagen nicht nur geplündert werden sollte, sondern man entschlosien war, führende poNkiker sowohl von der Rechleo wie von der Linken festzunehmen oder zu ermorden. Die amtliche Mitteilung endet mit der Feststellung, daß außer dem Verpflegungsoffizier V a n n a y keinerlei Militärpersonen in die Angelegenheit verwickelt sind. Die Verhöre werden sortgesetzt. Budapest, 39. November. Die Zeitung„A Reggel" schreibt, daß die Putschisten den Plan gehabt hätten, etwa 1999 Anhänger der Bewegung gruppenweise in die Hauptstadt zu schmuggeln. Oberleunant Bannay, der im Zeug- amt Dienst tat, hätte dann den Putschisten Uniformen ausge- händigt, und die Leute wären, auf verschiedene Kasernen verteilt worden Der nächste Schritt wäre die Entwaffnung der Woche ge- wesen. Nächste Etappe im Programm der Putschisten sei die G e- fangennahme der Regierungsmitalieder gewesen. Die Besetzung der öffenllichen Gebäude und Banken hätte folgen sollen. Nach Informationen des Blattes soll einer der Verschwörer die Aufgabe erhalten haben, die Synagoge in der vohanygaste in die Lufk zu sprenge». Außerdem hätten die Verschwörer eine Liste von 1599 reichen Leuten zusammengestellt, die verhaktet werden sollten. Nach Erlangung der Macht hätten di« Putschisten Plünderungen und andere Gewalttätigkeiten organisieren wollen. Hingegen will ein anderes Blatt berichten können, daß die Ver- schwörer jede Gewalttätigkeit und jeden Wafsengebrauch hätten ver- meiden wollen, um sich für den Fall des Mißlingens des Putsch- Versuches den Rücken zu decken. e- Nach allem, was man bisher gehört hat, handelte es sich bei dem Komplott unzweifelhaft um ein rechtsradikales Unternehmen. Allein die Absicht der Dynamitterung einer Eiznagoge zeigt, wessen Geistes Kinder die Verschwörer waren. Der Versuch der ungarischen Regierung, den Tat- bestand zu verdunkeln und politische Verwirrung anzurichten. indem man im Polizeibericht von„sowjetartigen Diktaturein- richtungen und von„heute linksradikal eingestellten" Beteilig- ten spricht, ist ebenso aussichtslos wie verwerflich. Das er- innert allzusehr an die berühmte Verlautbarung der Bendler- straße nach dem Küstriner Putsch im Herbst 1923, in der von „nationalkommunistischen Haufen" die Rede war. Oer Gegensatz Frankreich— England. Flandin in London.— Vorbesprechungen, aber keine Der« Handlungen Varls. 39. November.(Eigenbericht.) Der„T e m p s" erklärt zu der Londoner Reise de» Finanzmini st ers Flandin, man dürfe aus der Tatsache, daß Flandin bei einem Diner im Hause des englischen Außen- Ministers mit Schatzkanzler Chamberlain und Handelsminister Runci- man Unterredungen gehabt habe, nicht schließen, daß der vollkommen p r i v a te Besuch Flandins den Beginn einer Verhandlung zwischen Frankreich und England darstelle, die aus jeden Fall sorgfältig vor- bereitet werden müßte. Der Londoner Korrespondent eines französischen Nachrichten- büros hatte mit dem Finanzminister vor seiner Abreise aus London eine Unterredung. Er meldet darüber, daß in der Frage der Kriegs- schulden und Reparationen sowie der Befugnisie des Sachverstän- digenausschusses der französische und englische Standpunkt immer noch entgegengesetzt seien, da England zugunsten einer An- nullierung der Reparationen und Schulden sei. Innerhalb des eng- lischen Kabinetts soll die Meinung darüber geteilt sein. Ebenso sei keine Einigung zwischen dem Schatzkanzler und den Beamten des Schatzamtes über die Stabllisierung des englischen Pfundes vor- handen. Es scheine jedoch, daß England seine Währung nicht stabili- steren wolle, bevor nicht die Frage der Kriegsschulden. Reparationen und der festgefrorenen Kredite endgültig geregelt sei. Das tägliche Zollbukelt. London, 89. November. Das Handelsamt hat soeben eine weitere Notver- o rdnung erlasien, nach der vom 4. Dezember ab aus solgrnde Waren ein fünfzigprozentiger Wertzoll erhoben wird: Glasslaschen und Glaskrügc(mit Ausnahme von Glaswaren für wissenschaftliche Zwecke): Kohlenelemente: Garne, ganz oder tellweise aus Wolle, einschließlich Mohaire, Alpaka. Kaschmir: Kokosmatten und-vorleger: Haushaltsleinen einschließliä, Tischtücher und Handtücher, ganz oder teilweise aus Leinen: serner ganz oder teilweise aus Jute hergestellte Gewebe: Kerzen: Sport- ge wehre,-slintcn und-karabiner sowie Teste davon: Luftdruck- gewehre,-flinten und-Pistolen: Lössel und Gabeln für den Hausgebrauch, soweit sie nicht aus Edelmetallen hergestellt sind. Die Tatsache, daß die heutige Verfügung des Handelsamtes die Klasse der Eisen- und Stahlwaren nicht berührt, kann auf die scharfe Meinungsverschiedenheit inner- halb der betrofsenen Handelskreile im Unterhau» und im Kabinett' sowie auf den Wunsch Runcimans zurückgeführt werden, di« Be- steuerung von Waren zu vermeiden, die einen wesentlichen Rohstoff für die brstische Industrie bstden. So hat zum Beispiel Runciman «in« Abordnung des Unterausschusses über Eis.-n und Stahl empfangen, der von chm die Einführung von Zöllen verlangte, um der britischen Eisen- und Stahlindustrie Sicherheit und neues Kapital zu beschaffen während später eine Abordnung der Z i n n b l e ch- fabritonten bei chm vorsprach um stch gegen eine Einfüh- rung von Zoll auf chr Rohmaterial einzusetzen. Die Frag« erweist' sich als so kompliziert, daß es nicht Wunder nähme, wenn sich d<� Kabinett dahin einschiede, im Augenblick in dieser AngelegenHir' nichts zu veranlassen. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obsf, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Räucherwaren {Heute(0>ens£a£ Sotcert(Doirati (Bllllie Hehens Frisch. Fleisch Ochsen-Suppenfl.ptd. 0.56 Ochsen-Brust..Pfund 0.65 Kalbsbrust Bodt*p7Lnd 0.5S Kalbskotelett..ptundO.OS Kalbsroulade.. ptund 0.98 Kalbsschnitzel.Pfund 1.26 Schweinebauch"diuit. 0.66 Schweineschink. Pfund 0./2 Kaller mild gasalzan, Pfd. 0.7 1 la Berl. Bratwurst Pt-t. 0.94 Gehacktes 0.64 Talg 0.35 Euter pm. 0.26 Herzen 0.44 Rinderlungen.. Pfund 0.32 Rinderbacken.. ptund 0.38 feftbückiinge ptd. v. an 0.25 Schellfisch Pfund von an 0.22 Sprotten Pfd. ed. Kistchan 0.32 Flundern....2 Bund 0.35 Seelachs...... pw 0.36 D«. Konserven Karotten gaidmltfan.. 0.35 Gemüse-Erbsen■.. 0.52 Gemischt. Gemüse 0.60 Abschnitt'Spargel.. 0.65 Pflaumen........ 0.58 Viertrucht-"*'" v'fim.r 0.38 Bienenhonig«-ptd-Gi. 1.15 Obst u. Gemüse Eh« u. Kochäpfel 3 Pfd. 0.25 Amoretfenbirn. 3 ptd. 0.28 Tafeläpfel.. ptund».,» 0.1 5 Mandarinen 3 ptd.«.«, 0.58 Apfelsinen. 3 ptd.».« 0.58 Wurstwaren Dampfwurst wur.'I'pfd, Landleberwurst p,4.n«i Feine Leberwurst<.«• Zervelat u. Salami Teewurst"u/Flletwunt Speck tatt 0.85 mager Schinkenspeck',s,pän3 0.60 0.84 1.14 1.18 1.34 1.05 1.28 Welh u.Wirsingkohl 0.05 Rübchen u. Sellerie 0.06 Blumenkohl Kopf v. an 0.1 2 Walnüsse..... Pfund 0.30 Haselnüsse.... Pfund 0.48 Käse u. Fett Camembert vosäachfai 0.24 Harzerkäse ca.i�fd.Pak. 0.30 Tiisifer voiifeit...ptund 0.68 Holländer J�mVfund 0.70 Margarine 0.75 Molkereibutfer ptd. i.i4 1.12 Dän.ButferMarkenPbtUu�r1.36 Leipziger Str., II. Stock Ausstellung: Elektrizltit Im Hausltalt Vorführung von elektrischen Heiz- u. Koch-Apparaten, Höhensonnen, Staubsaugern, Bohnern, Waschmaschinen usw. Auf Wunsch Teilzahlung für Berliner Stromabnehmer � � DienctaB, den 1. Dezember Staatsoper unter den Linden 20 Uhr■ Der Zigeunerbaron toatlitaiiieta üandarmmmarkL 20 Uhr Vallensteins Lager/ Die Piccolomlni Schiller-Theater Chariottrabgrs. 20 Uhr Doktor Klaus SCALA TAqI. 5 u. 8 1/2 Uhr— BS BarS. 9258 HEUTE PREMfERE! Eli sensationelles Dez.-Progranin UND H0RACE Englands beliebtester Musical-Clown LOLITA BENAVENTE der große spanische Star 2 PIERROTYS ••Die UnObertreff baren*- LE BLAN DU CHARME & RAY Pariser Revue-Tanr-Trio Erstmalig In Deutschland 1 usw. und Hellmuth Krtlstr konferiert I plAza | Heut. 6 und 81* Uhr PREMIERE DER GRAF IVON LUXEMBURG OPERETTE von FRANZ iLEHAR inlernallonaies Theafer (kleines Theater) Unter den Lisiden 44. Täglich 8 Uhr Hedwig Wangei, H. Ad. Schldiow, Edith Edwards in Altentans von Vera Dem. Reoi«: Philip Mannlng. «v.ubr CASlNO-THEATERf/t ui» Lothringer Jlraftc 37. itititamantHiiiiiiiiiiuiiiitiiaittiimmoiinuanuiai. Wieder ein neuer Schlager! Wenn Kinder betraten Dazu das gl«He Fest-Programm I Edith Bach, Die Rundfunknachtigall. Burlingr n. Berty, Gesang u. Tanz, Chsngr-Tee-See, Chinesen-Truppe. Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pf., Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark. GROSSES SCHAUSPIELHAUS TÄGLICH 8 UHR Voffmanns Erzählungen MAX REINHARDT INSZENIERUNG Vorverkauf ununterbrochen §iad(.oper Charlottenburg BismarcksttaBe 34 Dienstag, 1. Dez. Turnus III Anfang 20 Uhr Soldaten Ende gegen 22J0 U Volks tHlhne Thtaler in BOlowilatz 8 Uhr Der Rinne HaKada Der Kammersänger StsUL Sdiillo- Hieltet 8 Uhr Doktor Klaus metropoi-iiieater Täglich 8-/« Uhr Die Blume von Hawai Preise von 50 PL an Ztg.>/-3. 5 U. BVi Uhr 1 Ausschneiden! Lentral- Theater Alte Jakobsfr. 30-32 Dönhoff 2047 Täglich 8V« Uhr Sonntgs. S'.'t u. S'fsU- Süiwarzwaiilmäiiel Mittwoch 4 Uhr HSnsel und Bretel Vorz. halhe Preise ab 50 Pf. Theater am NollendoiiplaD Stjit: üiigi Ssltraln) Täglich 8'U Uhr Sonntag 4'U Uhr Gasparone Mittwoch 4 Uhr KnemtRuppredifs Fahrt Ins Mardunland Philharmonie 8 Uhr SiDfoMDzert d.Philharmon.Orcb. Di rig. Prof. J. Prüwer Sinfonie Dr. I und ifinlin- Konzcrt-Beetlinven (Goldberg) Eintritt I M. Berliner Ulk-TriO N.■ k 5 1 1 a. Lahnatr. 7417X1 Deatsdies meaur 8 Uhr Desdiiditea ans dem Wiener Wald von Oedön Horvath Regie: Reis iigert Die Komödie 8'/t Uhr Jemand von Franz Molnar Regie: tetaf trilndgens mit libert Bnsennann Theater Im Admlralsnatast Täglich 80. Uhr Die Dubarry mit aitta flipar Preise v. 0,50 M. an Rose- Theater Cnli Fnnkhilir Stnli 132 Id. Vddud E 7 3422 S'.'t Uhr Die Keusche Susanne Theater desWestene Täglich 8>/« Uhr Der Vogelhändler Ahlers, JSken, Morgan, Carola, Preise d.Plähey.SD Pf. an Planetarium —■ am Zoo—■ 3, 5. 7, 9 Uhr Film nmKOnlgsee und Watzmcnn LidillifligJerlin-liesuflillirDDDßn DerKongreßtanzl mit Lüian Harvey, Willy Frllsdi Conrad Veldt, LH Dagover Bühne: Lidia Walt erst ein ttohe Schule im Wandel der Zeiten ArcarlsNeapoltlaner Itallenisc es National-Orchester Unserem Parteigenoffep Arthur eadegast und Frau Doljiger Straße 28 Stic SUbcchochteif hte heften Glückwünsche! Familie P. Jedike Bln.-Friehr>chsselhe. L Dezember 1931| CIRCUS BUSCH Baluilial Btrse, Tal. Waldaod. 3848 Ab 1. Dezember: VonsUndig iiea. AttrakUomn! ■rtisL-clrccüs. Höthstidstangen Tüglich.Vi, zum Schlua: .Ein Fest beim KAnlg Winter* la alles Nachm.-Verst zum Schlua Berlin» g r 8 B t e■Irehestcbeu: j «Ein Wintermarchen" In B prankvollen Bildern nnd vielen Uehemtchangen. Reichshailen-Theater Abends B Uhr, Sonntag nadunitfig 3'/, Dbr Stettiner a Sänger /ZKöl Die neue Burleske „Der arme Kasemir' Haduniltags halbi Preist, volles Progiaoni! Allgemeine OrisKranKenHasse Benin-uieioensee Bekanntmachung! Laut Beschluß he» BerNcherungsamts her Stahl Berlin vom 28. November 1931 14. Dezember"1931 hie Beitrüge um >/, vom Hundert des Grundlohnes erhöht. Beriin-Weißcnsee, den 28. November I.93I. Der Vorstand Briihmüller, Vorschcnhcr. DMilHetallaMrtliaiid Adifnnet A dt tarnt! Mitglieder der erweiterten VerwaltuDg! Cienafag, den I Cejembec. ahenbs T Ahr. in ben Sophien-Sälen, Sophienftc. IT— IS: Versammlar.fi der Mllülleder der enveUerl.Orlsvenvallaiid Tagesordnung: »Die Arbeite losigleit der Ingenbllchen und der stewilUige Arbeitsbienst." Reierenl: ftvllegeH Schiiesteb!,Lekretü> des Hauptoorstandes. Der außerorbentlich wichtigen Tagesordnung wegen ift es bringende Pflicht, baß alle Mitglieder bestimmt erscheinen Mitaliedebuch. FnnManärlarte und Einladung legitimieren! Die OrleverwaUimg. Wir erfüllen die traurige Pflicht, den Tod des Herrn GiterakUraMor II. StllllAli bekanntzugeben. Die Gesellschaft, der er seit 1926 unermüdlich unter Einsetzung seines Könnens und seiner Fachkenntnis seine ganze Kraft gewidmet hat, wird ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren. Berlin, den 30. November 1931, „BEHALA" Berliner Hafen- und Lagerhaus Aktiengesellschaft Nachruf! Tieferschüttert nahmen wir von dem Tod des Generaldirektors unserer Gesellschaft Mmi lim Schöning Kenntnis. Herr Schüning ist uns nicht nur ein Vorbild an Pflichttreue und Arbeitsfreudigkeit, sondern auch ein guter, stets hilfsbereiter Chef und Berater gewesen, dem wir ein treues und ehrendesAngedenken bewahren werden. Berlin, den 30. November 1931. Die simtliciien Betriebsangehörigen der ..BEHALA" Berliner Hafen- u. Lagerhaus AG. Am 26. November starb nach schwerem Leiden mein geliebter Mann, mein bester Kamerad in guten nnd bösen Tagen Fritz Kunert im 82..Tahre seines an Arbeit und Kämpfen reichen Lebens. Die Feuerbestattung fand am 30. November in aller Stille statt. Dank allen denen, die mir in diesen Tagen ihre Teilnahme bewiesen haben! Köpenick, den I.Dezember 1931. Marie Kunert. Am 28. November, mittags 1 Uhr, verschieb»üitzlich mewe liebeFrau und Ledensfamerabin. unsere Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Marie Billhardt geb. Heinicke im Alter von 88 Jahren. In tiefem Schmerz Carl Sillharbf. Die Einüscheruug findet om 3, De- zember, nachm 2>/> Uhr, im Trema- torium Derichtstraßc statt CäTi Piei$dla.,lav sauer Haus- u. Küchengeräte— Werkzeuge SW68, Lindenstraße 107:: Tel.: Dönhoff 3070 Nach kurzem Leiben verschied am •28. Novimber unlere liebe Muller, Schwieger- und Eroßmulter Msttlis Kaiversberg Dieses zetaen liefbetnibt an Drnno Kalvcrsbcrg a. Fran. Die Beerdigung findet am Donners- tag. dem 3. Dezember. IN/, Uhr, auf dem Zentralfriedhof, Lichlenderg- Friedrichsfetde, staff Nr. 561• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oienstag, 1. Dezember 1931 Herrn Karl Langes Begriffsfälschung vom Lohnanteil Es gibi auch wissenschastliche Legenden, die zerstört werden müssen Der Relch-finanzm'mister Dietrich sagte kürzlich in einer Rede, in Deutschland betrage der L o h n a n t e i l an den Pro- duktionskosten über 7l) Proz. Der gewöhnliche Staatsbürger mußte sich wundern. Bisher wußte man nur. daß der Lohn- anteil in allen Industrien außerordentlich verschieden ist und daß er von etwa 7 Proz. im Hochofenbetrieb bis auf etwa 53 Proz. iin Steinkohlenbergbau steige. 70 Proz. als Durchschnitt für die deutsche Industrie, auch wenn man Angestelltengehälter und soziale Lasten mitrechnet— was freilich bisher nicht üblich war—, mußte als ein Irrtum des Redners oder des Berichterstatters erscheinen. Aber man muß sich noch mehr wundern: Herr Dietrich hat es nämlich ernst gemein�, und der Berichterstatter hat sich n i ch t g e i r r t. Es gibt"Reichsminister, die jetzt, kurz vor dem Erlaß der neuen Notoerordnungen„zur Anpassung von Löhnen und Preisen an die weltwirtschaftliche Entwicklung" mit dieser Ziffer ernsthaft operieren und, noch geiährlicher, es gibt eine wissenschaftlich aufgemachte Theorie, auf der sich diese Be- yauptung aufbaut. Herrn Karl Lange„Theorie" vom LohaanteN. Diese Theorie lernen wir jetzt kennen, und zwar in einer Per- öffentlichung der„Kölnischen Zeitung" vom 25. November. Dort schreibt Karl Lange, der geschäftsführende Direktor des Per- eins deutscher Maschinenbauan st alten lVDMA.) folgendes: „Eine ausschlaggebende Bedeutung des Lohnproblems wird häufig bezweifelt und dabei gewöhnlich darauf hingewiesen, daß die Löhne doch bei manchen Industrien nur einen relativ ge» ringen Teil des-Gesamtwerts der Erzeugnisse der betreffenden Industrie ausmachen. Ganz abgesehen davon, daß'schon der Anteil der von einer Industrie selbst gezahlten Personalkosten(auch llöhns, Gehälter und soziale Leistungen) im größten Teil der deutschen Industrie sehr erhebliche Hundertsätze des Gesamt- Herstellungswerts ausmacht— im Maschinenbau zum Beispiel nach der amtlichen Herstellungserhebung von 1928 im Gesamtdurchschnitt 56,6 Proz.—, tst eine solche Gegenüberstellung nur der von einer Industrie an ihre eigenen Angestellten und Arbeiter selbst- gezahlten Löhne, Gehälter usw. und des Gesamtherstellungswerts einer Industrie nicht beweiskräftig, sondern im Gegenteil irre- > ü h r e n d, da ungleiche Größen verglichen werden. Es wird da- bei übersehen, daß fast alle Teile, aus denen der Gesamtherstellungs- wert außer den Personalkosten besteht, auch wieder Lohn- und Ge- Haltsanteile enthalten, welche die Preishöhe des betreffenden Selbstkostenfaktors entscheidend mitbestimmen. Also muß man ent- weder alle diese Personalkostenanteile mit den eigenen Personal- kosten der betreffenden Industrie zusammennehmen und dem Gesamt herstellungswert gegenüberstellen, oder aber die ? i g e n e n Personalkosten einer Industrie nur mit dem Rein- herstellungswert(Veredlungswert) dieser Industrie .-egleichen, der sich ergibt, wenn man von dem Gesamtherstellungs- wert alle Vorkosten abzieht. Nur bei dieser Berechnungs- Methode wird man die Bedeutung des Lohnes als Selbstkostenfaktor für eine einzelne Industrie sich richtig klarmachen können." Herr Direktor Lange errechnet dann für die deutsche Maschinen- ndustrie auf diese Weise einen Personalkostenanteil von ?!.? Proz. an der Nettoproduktion(Veredlungswert). und zwar Löhne 43,5, Gehälter 21,7 und soziale Leistungen 6,5 Proz. Für vier weitere nicht genannte Industrien wird ein noch höherer durch- schnittlicher Personalkostenanteil von 73,9 Proz. genannt. Herr Lange sagt dann weiter:„Bei solchem Ausmaß der Personal- kosten ist es ohne weiteres einleuchtend, von welch entscheidender Bedeutung für die E x i st e n z f ä h i g k e i t jedes Unternehmens und der Industrie im ganzen die Entwicklung und Höhe der Per- ionalkosten sein müssen": er sagt ferner, daß es ein Lohn- optimum geben muffe, das nicht überschritten werden dürfe und Sem jener Lohnstand entspreche, bei dem— abgesehen von Saisonschwankungen— noch sämtliche verfügbaren Arbeitskräfte Beschäfti- gung finden können. Herr Lange schließt mit der Feststellung, daß zwischen der künstlichen Ueberhöhung der deutschen Löhne und der wachsenden Arbeitslosigkeit ein Kausalzusammen- hang bestehe und daß die wirksame Bekämpfung der Arbeits- losigkeit die Revision der Lohnüberhöhung über das wirtschaftlich Tragbare hinaus zur Voraussetzung habe. Nur in Parenthesen(Klammer) und in Nebensätzen wird gelegentlich an- gedeutet, daß neben dem Lohnanteil auch andere Faktoren zu be- rücksichtigen sind. Hier hätten wir also nicht nur die Quelle,-aus der unsere Reichsminister ihre neuen, so überraschenden Weisheiten vom Lahnanteil in Deutschland schöpfen, sondern auch die Theorie, mit Vr diese Weisheiten begründet werden. Eine wissenschasilichc Banalität.— Unlautere politische Bcgrisssfälschung. Die ungeheure politische Tragweite solcher Behauptungen und Theorien, wenn sie von der Oeffentlichkcit und der Siaaksbürokratle akzeptiert werden, liegt auf der Hand. Blit ihnen läßt sich, soweit und solange e» noch Arbeitslose in Deutschland gibt, jede weitere s.ahn- und Gehaltssenkung rechtfertigen. Wir erklären. daL Herrn Langes Theorie vom Stand- punkt der nationalökonomischen Wissenschast eine Banalität dar- stellt, über die kaum ein Wort zu verlieren wäre, daß aber ihre prak- tische Anwendung, wie sie hier geschehen ist, eine politische Vegrifssverfälschung zu unlauteren wirtschafts- und sozialpolitischen Zwecken des Klassenkampfs von oben darstellt. Es ist selbstverständlich erlaubt, die Personalkosten einer einzelnen Industrie jenem Wert gegenüberzustellen, den diese ein- zelne Industrie durch Bearbeitung den Vorprodukten hinzufügt(Per- sonalkostenantell am V e r e d e l u n g s w e r t). Es ist ebenso e r- l a u b t, alle Personalkostenanteil« sämtlicher Vorprodukte(auch Frachten und sonstiger Spesen) den eigenen Verarbeitungs- und Verteilungskosten der einzelnen Industrien hinzu zurechnen und diese Summe aller Personalkosten dem Gesamt produktions- wert der betreffenden Industrie gegenüberzustellen(Verhältnis sämt- licher Personalkosten zum Gesamtwert der Produktion). Hier handelt es sich um o o l k s wirtschaftliche Ueberlegungen, Verhältnisse und Begriffe. Es ist auch erlaubt, in solchen Zusammenhängen von einem volks wirtschaftlichen, dann aber freilich in Ziffern und für Einzelunternehmungen und-industrien niemals zu bestimmenden Lohnoptimum zu sprechen. Was aber in aller Welt haben dann diese volks Wirtschaft- lichen Ueberlegungen mit der p r i v a t wirtschaftlichen Ren- tabilität eines einzelnen Unternehmens und einer ein- zelnen Industrie zu tun? Erhält denn etwa ein Einzelunter- nehmen in dem für seine Waren erzielten Preis nur den hin- zugefügtes Veredelungs wert? Zahlt denn etwa eine ein- zelne Industrie ihren Arbeitern und Angestellten auch die in den Vorprodukten enthaltenen Löhne aus? Liegt es denn in der Will- kür des Personals und ihrer Gewerkschaften, Konjunkturen zu machen und Krisen zu verhüten? In Krisen sinken aber doch die- selben Preise(Fertigprodukte und Vorprodukte) und sinken auch die Nominallöhne, die in der Konjunktur gestiegen sind. Hat denn der einzelne Unternehmer und haben sämtliche Unternehmer einer Industrie im privatkapitalistischen System, in dem wir noch leben, nicht die Verantwortung für das investierte Ka- pital und damit das Risiko für jene Ueberproduktion zu tragen, die anerkanntermaßen die Ursache der jetzigen Weltwirtschaftskrise und des Hauptteils der deutschen Arbeitslosigkeit sind? Wie kann «s hier ein anderes Lohnoptimum deben als jenes, das im Gewerk- schafts- und Unternehmerkampf ausgehandelt und nach öffentlichem Meinungskampf politisch geschlichtet wird? Das Lohnoplimum, von dem Herr Lange sprichi. wird in der volkswirtschaftlichen Theorie von keinem Menschen bestritten. in der privatkapitalistischen Praxis aber ist es von keinem Menschen bestimmbar. Herr Lange erschleicht sich einfach die praktische Anwendbarkeit aus die Rentabilität einzelner Unter- nehmungen und Industriezweige durch die Vegriffsumsälschung seines volkswirtschaftlichen Lohnanteils in einen privatwirt- schaftlichen Lohnanteil. Und er macht das noch nicht einmal ehrlich. Wenn es nämlich ein Lohuoptimum für eine einzelne Unter. uehmuug oder einen einzelnen Industriezweig wirklich gäbe. dann müßte es auch ein Opt'mum für die fixen kosten und die laufen- den Sreditkosten, ferner ein Optimum für die Malerialkosten und die Leitungskosten der Einzelunternehmung und der betreffenden Industrie geben. Freilich müßte Herr Lange und müßten die Reichsminister, die ihm folgen, dann auch saoen, daß die fixen Kosten in Deutsclz- land heute durch Milliarden deutsche Fehlinvestierungen, die lau- senden Kreditkosten durch Milliarden eingefrorene und jetzt zinstreibende Kredite, die M a t e r i a l k o st e n durch den Kartell- wucher, oie Leitungskosten durch den übermäßigen Leitungs- aufwand nicht optimal und heute sicher zu hoch sind. Von diesen Mißverhältnissen in den Selbstkosten der Industrie, deren Revision heute allein noch dringlich ist, nachdem die Löhne und Gehälter mit Rücksicht auf die entscheidende Vadeutung des Binnenmarktes für den Export und die deutsche Landwirtschaft anerkanntermaßen nicht mehr gesenkt werden dürfen, schweigt Herr Lange und schweigen auch die Minister, und sie wissen auch, weshalb sie schweigen: weil sie dann zugeben mühten, daß es in Deutschland heute überhaupt kein Lohn- und Gehalts Problem mehr gibt und auch kein eigentliches Lohn- und Preis Problem, sondern nur noch Probleme der Kapitalfehl- leitung, d. h. Kapitalabjchreibung, Probleme des Kartellwuchers, d. h. der Entmachtung der Schwerindustrie, und Probleme der rick- tigen oder falschen Unternehmerpolitik, d. h. der staatliche,, Wirt- schafts- und Finanzierungskontrolle. Es mühte also zugegeben werden, daß die Haltung der Unternehmer und der Reichsregierung in der ganzen Lohn- und Preisfrage nicht mehr zu rechtfertigen ist und daß das kommende wirtschaftepolitische Notverordnungswerk die Krise verschärfen muß, wenn nicht endlich das Lohn- und Gehalts- Niveau stabilisiert wird und durch Abbau des Kartellwuchers, Eiche- rung der Verlustbereinigung und Abbau der Leitungskosten eine Selbstkostenverringerung am richtigen Ort erfolgt. Von diesen allein vordringenden Notwendigkeiten aber abzu- lenken, mit pseudowissenschaftlichen Methoden den Klassenkampf von oben mit der Wirkung der Krisenverschärfung zu oersteifen, das ist das Ziel und die allein mögliche Wirkung der neuen Langcschcn Theorie vom Lohnanteil in Deutschland. Sie soll das heute allge- mein gewordene Erkenntnisgut der absolut ruinösen Wirkung wei- terer Lohn- und GchaltssenkungeN für die öffentliche Meinungs- bildung verfälschen. Herr Lange hat weder sich noch der Reichsregierung mit seiner„Theorie" einen Dienst getan. Das Pfund-- 14,25 Mark. Anhaltend scharfes Angebot. Das englische Pfund, das in der ganzen letzten Woche eme anhallende Abwärtsbewegung durchmachte, hat bei Wochenbeginn einen neuen außerordentlich starken Sturz erfahren. So sank in New Bork das Pfund gegenüber dem Dollar gestern vormillag auf 3,47 gegen 3,52H Dollar am Sonnabend. An der Nachbörse erreichte das Pfund sodann einen bish->-„uch nicht festzustellenden Tiefstand von 3,43 Dollar. Der Pfundsturz gegenüber der Mark in der letzten Woche wird durch folgende Ziffern gekennzeichnet: 23. November....... 15,62 W. 28, November....... 14,92„ 30. November(Anfangskurs) 14,75„ 30. November(Schlußkurs). 14,25.(Goldparität 20,42 21t.) Also allein im Verlaus der letzten Woche hat das englische Pfund fast 9 Proz. seines Wertes eingebüßt. Die letzten scharfen Kurs- stürze hängen mit dem anhaltenden Angebot kontinentaler Länder, in erster Linie Frankreichs und Hollands, sowie der Vereinigten Staaten zusammen. Der auffallend tiefe Sturz bei Wochenbeginn dürfte im wesentlichen darauf zurückzuführen sein, daß die Verhand- lungen der Niederländischen Staatsbank mit der Bank von England wegen gewisser Kursgarantien für die Pfundbestände der holländischen Bank ergebnislos verlaufen sind. Die schwere Enttäuschung in holländischen Finanzkreisen hat das Ange- bot von Pfunden stark gefördert. Oesterreichs WährungSzerrüttung. Die Entwicklung des Lsterreichsichen Schilling hat in letzter Zeit eine bedrohliche Form angenommen. So wird in der Schweiz, wo noch ein offizieller Handel in Schillingnoten stattfindet, der öfter- reichische Schilling unter 49 Centimes gehandelt. Die deutsch« Reichsbank notiert zwar noch österreichische Schilling-Devisen mit 59 Pfennig, also der Parität entsprechend, aber seit Tagen schon nicht mehr Schilling-Noten.— Der Run auf den Schilling ist durch die hoffnungslose Deoisenlage und die völlige Zerrüttung des öfter- reichischen Außenhandels hervorgerufen. Es ist ganz aussichtslos, vom Export her eine Ausfüllung der Devisenbestände zu erwarten. So ist der Export nach Deutschland im vergangenen Monat aus 17,4 gegen 50,5 Mill. Schilling im Oktober 1930 gesunken. Bei dem Export' nach der Tschechoslowakei beträgt das Verhältnis des Exports 15 gegen 42,3 Millionen. Die Abneigung gegen die An- nähme von Schilling-Noten ist im Ausland dadurch so verschärft worden, weil die österreichische Natwnalbank sich weigert, Schilling- Noten aus dem Auslande anzunehmen. Die Pakete Schillingnoten. die besonders in der letzten Woche aus Oesterreich ins Ausland 2 geschmuggelt wurden, konnten im Hinblick auf die Nichteinlösung� durch die Nationalbank nur zu Schleuderpreisen abgestoßen werden. Halbieris Dividende beim RWE. .Hat man Nebenabsichten? In der Aufsichtsratssitzung des Rheinisch-Westfälischen Elek- trizitätswerks wurde beschlossen, der Generalversammlung eine Dividcndenoerteilung von nur 5 statt bisher immer 19 Proz. vorzuschlagen. Der Stromabsatz weist erst- malig seit dem Kriege und der Ruhrbesetzung einen Rückgang von rund 12 Proz auf(2447 Millionen Kilowattstunden gegen 2782 Millionen Kilowattstunden des Vorjahres). Die Sttomabgabc einschließlich der Konzcrnunternehmungen betrug mehr als 3M Milliarden Kilowattstunden gegen 3H Milliarden Kilowattstunden im Vorjahre. Aus dem Gewinn wird ein Betrag von 6,86 Millionen zu besonderen Abschreibungen verwandt: was mit der Schwere der Zeit begründet wird. Wäre nicht vielleicht auch als Grund mitanzu- sehen, daß den Aktien besitzenden öffentlichen Stellen eine Dividende von 8 Proz. bei der jetzigen Finanznot willkommener wäre als eine von 5 Proz. und daß man dafür in der RWE.-Ver- waltung ein„zu sachverständiges" Interesse hat? Das RWE. hat doch bei der bisherigen Dioidendenpolitik immer das Ziel der� Dividendenstabilität betont und in den hohen stillen Reserven dafür' auch die Voraussetzungen geschaffen! Das deutsch-poinlsche Austvertuugsabkommeu. Im Oktober und November haben zwischen der deutschen und polnische» Regierung Verhandlungen über die Durchführung des deutsch-pol- nischen Aufwertunasabkommens stattgefunden. Außerdem wurden noch verschiedene finanzielle Fragen, die bei Abschluß dieses Vertrages für eine spätere Regelung zurückgestellt wurden. geklärt. In dem am Sonnabend unterzeichneten Protokoll sind ein« Anzahl wichtiger Einzclfragen endgültig geregelt worden. In erster Linie gilt dies für den Umtausch der im Besitz deut- scher Staatsangehöriger befindlichen polnischen Anleihen. Endgül- tige Bestimmungen für das Umtauschverfahren werden demnächst bekanntgegeben. Landesbank für die Provinz Westfalen. Di« Verhandlungen der Landesbank für die Provinz Westfalen mit der preußischen Regie- rung sind jetzt so weit gediehen, daß mit der Gewährung eines Ueberbrückungskredits in einer 5zöhe bis zu 59 Millionen Mark gerechnet werden kann. Der endgültige Abschluß ist jedoch, wie von beteiligter Seite erklärt wird, noch nicht erfolgt. Oer AroKe Konkurs-Ausverkauf aus der Konkursmasse Günther Schmidt-Lorenzen beginnt am Mittwoch, 2. Dezember 1931, 11 Uhr, Krausenstraße 22-24, am Donhoffplatz Zum Verkauf gelangen: Wollstoffe, Hcrrenstoffe/Seidenstoffe, Samte, Waschstoffe, Spitzen, 1�1 11 i] tt�Tl Besätze, Strümpfe, Handschuhe, Krawatte� Trikotage�Möbel- und Dekorationsstoffe p.p. A cl.O i iL iL•*. CJtOv-'Aj. £)er Konkursverwalter ßaudach Allgemeine Wetterlage. 30.Noy. abds. z£ wolkenlo&O haifw. O h»!b bsdeckr ® wolkig,® bodsckt'RcgeaAGrjuxlr, ,sM9l»l,ltGe»ittac©Winitein« Vei meist heiterem Wetter und östlichen Winden überschritten am Montag die Temperaturen nur mestlich der Weser und in Süd- deutschland den Gefrierpunkt: in Aachen wurden sogar noch 10 Grad. in Karlsruhe 6 Grad Wärme erreicht. Im übrigen Reiche fror es den ganzen Tag über. Am kältesten war es in Schlesien, wo als höchste Temveroturen 4 bis 5 Grad Kälte gemessen wurden. Um 7 Uhr abends wurden östlich der Oder durchweg 7 bis 8 Grad Kälte beobachtet. Ein Teil des russischen Hochz, der am Montagabend über Polen lag, wandert jetzt offenbar westwärts oder süd- westwärts auf uns zu. Wir werden bald in seinen zentralen Teil gelangen Später bürste ein über dem Baltikum gelegenes Tief leichten Einfluß auf unser Wetter gewinnen. äj!.1 Welle raussichlen für Verlin: Westerhin trocken und Frost, zunächst hester, später etwas Bewölkungszunahme, meist schwache Luftbewegung.— siiür Deutschland: Im Nordosten meist bewölkt mit etwas Schnee, im übrigen Reiche beständiges Frostwettcr. parteinachrichten fürGroß-Berlin stet» an da» Bezirk»l«rrrtariat 2. Hof, 2 Treppen recht», z» richten Einsendungen für diese AnbrS find Berlin HW 68, Liudeastrage 3, Vegtnn aller Veranstaltungen I l> 1; Uhr. sofern keine besondere Zeitaugabck heute. Dieuslag, l. Dezember. 1. ftrrlf. Die fSt heute adend ang-Iezte 5trei»»arstanl>es>dnng wird auf Zlnn. tag. 7. Dizemder, oach dem glttch-n Lntnt»erlegt. t. Ärei». 17 Uhr im Alterzhea», Danugcr Str. 62, Zusomwentnnst aller erirerdiloscn Gcnpssiunc» und Kcnassen. Vortrag des chenone» Gottlicb Reese. il. streis. 15 Uhr im Sngcndheim tlanaer Site Vähmische Straße zusammen- tunft aller crwerdslosen Genossinnen und Genossen. Statl Dreisel:.�Sozialismus als Ausweg au» der Zirise". 163. Abt. Zusammeatnnft der erwerbslose» Genossinnen und Genossen»au 15— IS Uhr Im Lolal prompter, Lniscnftr. 1. Vortrag de» Genossen Bern- Harb Aruzer. Parteibuch bitte mitbringe». 161. Abi. A Uhr gusammenlunst der jüngeren Parteigenossen bei Pomp. Hasselwerderstr. 12. ZNorgen, ZNitlwoch. 2. Dezember. 15. Abt. 16 Uhr Sitzung des NreisbUdangsausschussc» bei Pawp, Riederschönc- weide, Hasselwerderslr. 12. 17. Abt. Zusanunenlnnst junger Parteimitglieder bei Äling«, ivellerstr. 11. 22. und 23. Abt. Im große» Saal der Sochschnlbranerci groß« politische Renne: „Wir greisen an. Politische Satire und Humor. Ätilwirlenbe: Theo Wäret und Majn Srumbach. Gintritt 26 Ps., Erwerbslose srei. 31. Abt. Arbeitskreis junger Genossen: 2V Uhr bei Eoldfchmidt, Stolpische Straße 36. Dr. Mendelfohn:„Möglichkeiten sozialistischer Wirtschast". 25. Abt. Genossinnen und Genossen, die KonsummUglieder sind, besuchen die Pepfammlung in der Schulaula Pasteurstr. 44— 46.„Wirtschastslrise der Gegenwart." Warenbezugskarte als Ausweis nicht vergessen.' 28. Abt. Bei Bartheldt, WSrther Gele Rnkestraße, Diskussionsabend über Marxismus in Theorie und Praxis". Referent Genosse I. P. Mayer. Anfang 26 Uhr. Alle intcrefsscrten Genossen sind willkommen. 3«. Abt. 26 Udr Arbeitskreis jüngerer Parteigenossen bei Pohst, Lychener Straße 16. Referent Genosse Schmidt:.sozialistische Kulturpolitik". 43. Abt. 26 Uhr Diokufsionsabend der jüngeren Parteigenossen bei Krüger, Gtimmstr. l. 45. Abt. Jungs Genossen: Lokal Thielcrt, Liegnitzer Str. 16. Dr. Eberlein: „Barum 5 Millionen Erwerbslose?" 5t. Abt. 20 Uhr Funktionärsißung bei Iamin, Abteilunzsvorstand Ii Stunde vorher. - AHgemeine- Funktionärkonferenz Heute Dienstag, den 1. Dez., pünktlich 19.30 Uhr, im großen Saal der„Neuen Welt", Hasenheide Thema: Sozialdemokratie und internationale Abrüstung Referent: Dr. Rudolf Breitscheid, MdR. Zutritt haben; Alle Funktionäre der Partei und die politischen Vertrauensleute in den Betrieben ♦ Parteibuch ist mit gleichlautender Funktionärkarte am Saaleingang vorzuzeigen Der Bezirksvorstand 74. 79. 8?. 84. «h, ÜW. 20 llf)t bei 6dinctbrr/ Potsdamer Str. 25, Funkttonarsitzung. Abt. ZusommeiTkunst aller jüngeren Geimsstnnen und Genonen bei Rei- mann, Scdanstr. 17. Bortrog von Genossen Dr. Otto Friedlander. Abt. 20 Uhr FimttionürfUmng bei Schellhase. Ahornstr. 15». Abt. 20 Ulzr Fuurtionärsitzung bei Lehmann, 5taiser.Wilhelm.Str. 2A— 31. > Abt. 20 Ithr Gründung einer Kinderfreundegruppe„Großsiedlung" in der Halle Hufeisen. Alle harteigenössischen Eltern, die Kinder von 6 bis 14 Jahren haben, werden gedcten, zu erscheinen. und 108?. Abt. Bon 14 bis 18 Uhr Zusammentunft der Erwerbslosen im Lugendheim Grünauer Str. 5. Abt. Funktionärfitzuna bei Siewert. Akontozahlungen für Arbeiterwohl. fabrtslose müssen in diesen Tagen geleistet werden. Abt. Funktionärsißung bei Anders. Abt. Junge Genossen: 2V Uhr Jugendheim Lindenstraße. Erich Wendicke: „Der Nationalsozialismus". Abt. Annqe Genossen: 20 Uhr Nollshaus, Scharnweberstr. 114, Dortrag des Genossen Dr. Schlesinger. . Abt. 20 Uhr Funktionärsitzmig bei Heese. Dounersiag. Z. Dezember. 10. Lreis. 9\'j Uhr Zusammenkunft aller erwerbslosen Genossinnen und Ge- nassen im Lyzeum Tempelhof, Germaniastraßc, Eingang Götzstraße. August Riemann:„Das soziale Antlitz Deutschlands nach dem Kriege".— BUbuugs. ausschuß: Donnerstag Sitzung bei Görlitz, Mariendorf, Ehausseestr. 19. 18. Kreis. 15 llhr Zusammenkunft aller erwerbslosen Genossinnen und Ge- nossev im Lyzeum Pistoriusstraße. Eingang Parkstraße. Margarete Schen. kalowsky:„Die Nationalsozialisten und ihr Programm". 33. Abt. Funltionärsitzung bei Lojack, Bcymestr. 8. 18?� Uhr Sitzung des Ab. teilungsvorstaudes ebenüort. 35. Abt. Abteilnagsmitaliederversammlung im Frankfurter Kos, Frankfurter Allee 313, großer Saal. Thema:„Di? politisch« Lage". Refei 198. 117. 124. 131. 137. 14(h Straße 16.— Balkan: Mandelftr. L— AordoKen ft Dmfg«&ttu(Ä. Weißensee: Parkstt. 36.— Hasenheide? Wassertorstr. g.— Reichenberger Viertele Neicyenberger Str. 66.— Süden: Ä)orckstr. 11, Zimmer 4.— Südwesten: Linden» snatze 4.— Steglitz I: Albrechtstr. 47.— Reu-Tempelhos: Wintgensftraße. Neukölln I: Hobrecht. Ecke Sanderstraße.— Renköllu III: Ziethenftr. 59.— Neu» kolln IV: Kanner Straße N. III.— Neukölln VIT; KMS.— Neukölln IX: Schierkeftr. 44.— Köpevick II: Dahlwitzer Str. 15.— Hermsdorf: Roonstraße.— Reinickendorf. Ost: Lindouer Straße.— Karow: Frunöbsrger Str. 9.— Nieder« schüvhausen: Lindenstr. 47. » Norden: Lortzing. Ecke Graunstraße:„Arbeiterführer: Lassalle, Liebknecht�. — Arnimplatz: Sonnen durger Str. 2V:„Jugend und Berus".— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307: Funktionärsitzung.— Köpenickee Viertel: Vrangelstr. 128:„Politische Parteien und ihre Programme".— Gharlottendurg. Nord: Kaiserin.Augusta.Allee 973:„Die Arbeiterbewegung".— Eharlottenburg. Süd: Wallstr. 76: Antikricasabend.— Britz: Ehausseestr. 48: Werbeabend:„Wir, die SAI.!"— Neuköllu VI: Treptower Str. 95:„KameradsSiaft, Freundschaft. Liebe".— Neukölln VIII: Rütlischule:„Die Freidenkerorganisation".— Reu- kölln X: Bergstr. 29:„Seruelle Fragen". II.- Neukölln XI: Flughafenstr. 68: '„Jugend schütz und Iugenorecht".— Bohusdorf: Funktionärversammlung.— Tegel: Bohnhvsstr. 15:„Tagespolitik". Werbebezirk Osten: Litauer Str. 18:„Programm der NSDAP.'", II. Teil. Werbebezirk Schouebcrg: Hauptstr. 15:„Die Kirche im Wandel der Zeiten", ll. Teil. Werbebezirk Tiergarten: Morgen Probe des Singekreises, Lehrter Str. 19, Zimmer 2. Kaisers Kaffeeftuben. Der seit mehr als einem Jahre in Eharlottenburg, liner Straße 115. bestehenden, überaus deliebten Kaisers Kaffeestube folgt nun die zweite in der Friedrichstraße 227. Auch diese neue Kasfeeswbe ist dazu angetan, den Geist alter Kaffee.gemütlichkeit mit der Raumkunst moderner Innenarchitektur zu verbinden. Das warme satte. Braun der. Kaffeefarbe de. herrscht den Raum. Jede überflüssige Spielerei mit Licht und Farben ist ver. mieden. Der köstliche Duft des Kaffees und frischen Gebäcks erfüllt diskret die Atmosphäre. Klar und offen liegt der große Kaffeeherd, von dem aus in geschmackvollem, einheitlichem Porzellan die Getränke den Gästen durch die nette' braunweiß gekleidete Bedienung zugetrogen werden. Es bleibt nur zu wünschen, daß diese Kaffeestube recht bald weitere Nachfolgerinnen hat! Die neue Ladenstraße am Bahnhof Onkel-Toms.Hütte, die am letzten Sonn- abend dem Verkehr übergeben wurde, bietet den etwa 20 000 Bewohnern der Siedlungen in diesem Ortsteil Zahlendorfs günstige Einkaufsmöglichkeiten. In dem neuen Bauabschnitt der Gehag. dessen Wohnungen jetzt bezugsfertig sind, find noch etwa 80 Lls�Zimmee-Vohnungen vermietbar. Auskunft und Besickti. gung: Berwaltungsbüro, Grunewaldstr. 157, Eingang Riemeisterstratze, täglich, auch Sonntags, 13—17 Uhr. Kuttner. Die Bczirksführer laden ein. 56. Abt. 20 Uhr Funktionarverfammlung bei Liersch, 128. Abt. Funktionärsitzung an bekannter Stelle. 134. Abt. Vorstandsützuna mit sämtlicken �unktio 'fereat Genosse Kantstr. 62. 134. Abt. Borstondssitzüng"mit sämtlichen Funktionären an bekannter Stelle. Jrmienoeransialtuagen. 7. Abt. Mittwoch, 2. Dezember, Bestchtigunz der ,.Bauwelt".Mustsrschaü, Charlottenstr. 6. Treffpunkt 16 Uhr vor dem Eingana. 74z.. 71k., 74". Abt. Tie Frauenabcnde im Dezember I ollen zugunsten der Kreisveranstaltung aus. Arbeiksgemeivfchaft der Siaderfreunde Groß-Derlia. Kreisleitersitzung Freitag. 4. Dezember, pünktlich. iiiilP Unsere Wiutersouuenwendveranstaltungen finden am 19. und 20. Dezember in der Volksbühne statt. Zur Aufführung gelangt |„Die Dimmeljungen", ein Zeitstück für Kinder von Lola Landau. | Karten zum Preise von 30 Pf. für die öffentliche Musizier- shmde des SAI.-Orchesters sind in der Geschäftsstelle zu haben. SM Weitere Mitwirkung: Fritz Hofsmann, Offene Singestunde und Chor der SAI. Friedrichshain: Heute 19% llhr wichtige Kreisvorstandssitzung im Heim Diestelmeyerftraße. Mittwoch 18 Uhr Volkstanzabend der Jung- und Noten Falken tn der Turnhalle Litauer Str.. 18. Elternabend Freitag, 11. Dezember, 191,4 llhr. im Heim Goßlerstr. 61. Tagesordnung: 1. Gruppeuangelegenheiten, 2. Politische Satire. Nacrent Dr. Paul Levy. Kreuzderg: Heute 16 llhr Probe der 15 Falken für die Bolksbühnenveran- staltung. Heim Belle-Alliance-Platz 1. Für unsere Feierstunde finden folgende Proben im selben Heim am Dcnnerstag, 3. Dezember, statt: 18—19 llhr für Nestfalken, 19—20 llhr Sprechchor aller Falken, ab 20 Uhr Sprech, und Be. wegungschor der SAI. Alle Falken und Helfer sowie die SÄI.-Genossen werden gebeten, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Gchöneberg: Die Kreishelfer sitz ung findet erst am 3. Dezember um 20 llhr statt bei der Genossin Peterson, Feumgstr. 66........-... Neukölln, Gruppe Britz-Grotzfiedlung: Morgen. Mittwoch, 1. Elternver- sammlung zur Gründung uuserer Gruppe um 20 Uhr in der-Halle am Huf. eisen. Referat:>,Warum Kinderfreuitdebewegimg?" Sterbetafel der Groß«Berliner Partei«Organisation 33. Abt. Unsere Genossin Martha Pleschke, Benmestr. 3, ist nach längerem Krankenlager gestorben. Die Einäscherung findet Mittwoch, 2. De. zemver, 17%. Uhr, im Krematorium Baumschulcnweg statt. Um recht rege Be° teiligung ersucht der Vorstand. i\ ü Sozialistische Arbeiterjugend Groß-V erlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariak Berlin SB 68. Lindenstraß« 3 Sonntag, 6. Dezember. 15. llhr, Vorstellung für die arbeitende Jugend in der Volksbühne:„Der grüne Kakadu", Groteske von A. Schnitzler.„Der Schlachtenlenker", Komödie von Shaw. Karten zu 80 Pf. sind noch erhältlich. Sonntag, 13. Dezember, 11�4 llhr, in der Volksbühne:„Die Unüberwindliches, Nachkriegsdrama in 4 Akten von K. Kraus. Karten zu 1,30 M. sind im Sekretariat erhältlich. Streichorchester Groß.Berliu und Singekreis: Oeffentliche Musizier stunde Sonntag, 6. Dezember, 20 llhr, in der Schuloula NO., Pasteurstr. 44— 4ö. Eintritt 30 Pf. Karten sind im Sekretariat erhältlich. Ableilungsmilgliederversammlungen. Dienstag. lÖVj llhr. Arlouaplaß! Elisabetbkirchstr. 16.— Kölllllschev Pari: Waisenstr. 18.— Roscnlhaler Vorstadt: Tieckstr. 18. � gentrnm: Landsberger Etr. 56.— Ärunncaplaß: Wiesen. Ecke Pankstraße.— Gesundbrnnnrn I: Gotenbnrger Straße 2.— Humboldthvin: Putbusscr Str. 8.— Leapaldplaß I: Willdenow. straß« 5.— Schillerpari: Schöuingstr. 17.— Bcddiag, R. F.: WiHdenvwstr. 5.— lg-Rord: Turincr Cac Seestraße.— Brnswalder Plaß I: Rastenburger KLEINE ANZEICEN miMiiniiiiiniiiniiiiiilmiirtiiiniiiiiniiiiiiiiiiiuuiniiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiHiiiiiiiiiniiiiniiiiinuiiii Preise: üPersclirirtswort 25 Pfennig, Textwort 13 Pfennig Wiederholungsrabatt: 10 mal 5 Pror., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 200U Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. /• Stellengesuche: Oberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. ✓ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 41', Uhr nachm. Im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts-Pilialen und•Ausgabestellen abgegeben sein l'SPHÜüfß Linoleum Szillat, Kolons e- straße g. Photaapparote, Zeiß-DIon, Boigt- jonder. Gelegen- irilsläufe aus Per- steiAerungen. Spolt- »illiae Zeißgläser. 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