BERLIN Dienstag 1. Dezember 1931 10 Pf. Nr. 562 B 261 48. Jahrgang Ersckeillttialich aaßerHountags. Zusleiiti Alc»da»szadc de» Jßormlrtl'. Be>»gsvrclt fä» beide dtutgaben Sö Pi. vro Woche, 3,60 W. uro Wbnat (tavo» Ü tt monatlich für Anstellung ins Hau«) im«uranS tadltar v astde zu g 4,32 M, einschließlich 60 Pf. PostjeitungS und 72 Pf. Postdestellgebüdreo. ,f\£iWar& Di--infnaltig- Semtardneiefle SB 9U RetlamezeileSW, Srmißtgnngen nach Tarif, Psstfch-ckkontn: Barwärtt-Berlag S.«.b.H..«eelin Sir, 3733»,- Der Verla, bcdält stch da« Lech» der ildlednnng nicht genedmcr iliu-ige» der' Redaktion und SrsrMtion: Berlin(SW6g, Lindenstr 3 Ser-svr-cher! Dondost(AD 292-207 Budapester Btuidokumente Gleicher Inhalt wie die hessischen Dokumente der Nationalsozialisien Erster Tag eingeschränkter Verkehr Budapest, 1. Dezember. Aus de« Aussagen der Wege« der Putschpläue Ver- hafteten geht hervor, daß sie eine Kundgebung vorbe- reitet hatten, in der eö heißt: Alle Banken sind zu sperren, die Zahlung von Zinsen und die Rück- Zahlung von Kapital werden aufgehoben. Derjenige, der zahlt oder zurückzahlt, wird mit dem Tode bestraft. Die Absp eisung erfolgt gemein- sam; es wird die Arbeitspflicht eingeführt, jedoch nicht für I u d e n. die dagegen auch von der gemeinsame« Abspeisung ausgeschlossen sind und sich selbst ihre LebenS- mittel zu verschaffen haben. Jeder Beamte ist ver- Pflichtet, auf seinem Posten zu bleiben und sich zum Dienst zu melde«. Wer es am ersten Tag« nicht tut. wird erschossen. Die LinkSblätter heben die Aehulichkeit dieser Aus- fahrungeu mit dem von dem hessischen Natioual- sozialisten Dr. Best verfaßten Schriftstück hervor. Auf der Lifte der feftzunehiueudeu Geisel» steht auch der Name des stellvertretende« Polizeichefs von Budapest» Heteuhi. � Aus de« Berhiir der Verhafteten geht weiter hervor. daß sie bestimmt auf das Gelinge« ihres Uuternehmeus und auf die Durchsetzung ihrer Absichten in den ersten Tagen rechneten. * In Budapest ist eine Bande rechtsradikaler Putschisten ver, haftet worden. Li« hatten einen Aufstand, Erschießungen und Plünderungen beabsichtigt. Sie wollten«in Manifest veröffentlichen: Schließung aller Banken, Ablieferung von Gold und Valuten. Verfügungsrecht über sämtliche Lebensmittel für die Regierung, allgemeiner Arbeits» zwang, Kartensystem für die Ernährung. Das alles ist uns geläufig: es ist der Geist der Dokumente vom Boxheimer Hos. Dies« Putschistenbande von Budapest und die Putschistenbande von Hessen sind Brüder vom gleichen Geiste. Es erhebt sich die Frage: wie erklärt sich die auffallende Heber- einftunmung der Diktaturmaniseste vom Boxheimer Hos und von Budapest? Neben diesen Gemeinsamkeiten zwischen den Putschisten von Budapest und Hessen besteht ein Unterschied: In Budapest droht ihnen das Standrecht. In Deutschland sind sie nicht einmal verhaftet worden. Ade, mein Land Tirol! Oesterreichische Nazis mit Fäusten für den Verrat an Südiirol. In Innsbruck sollte eine Versammlung über„Das zerrisiene Tirol' stattfinden. Dies- Versammlung wurde durch National- sozialisten gesprengt, die mit Fäusten aus die Ver- sammlungsbrsucher einschlugen und durch Gebrüll den Referenten Nationalrat Dr. Kalb am Reden verhinderten. Dieses Verhalten der österreichischen Nationalsozialisten wird nur dadurch erklärlich, daß es den Hitlerschen Verrat an den deutschen Südtirolern verdecken sollte. Um die Freundschaft der Italienischen Faschisten und die Sympathien Mussolinis zu erwerben, wollen Hitler und die Nationalsozialisten bekanntlich die deutschen Südtroler widerspruchslos der zwangsweisen Entdeutschung durch die Gewaltmethoden des faschistischen Systems preisgeben, Hitler hat das frivole Wort von den 200 000 deutschen Südtirolern gesprochen, an denen die Errichtung des Dritten Reichs nicht scheitern dürfe. Den Sozialdemokraten werfen die Nationalisten vor, daß sie aus innerpolitischen Gründen die nationalen Interessen preisgäben. Die Deutschen Südtirolz sind ein klassische« Beispiel, wie der deutsche Faschismus Deutsche im Ausland preisgibt, um unter der Gönnerschaft des italienischen Faschis- mus innenpolitisch an die Macht zu kommen. Die Tiroler Landesregierung hat ein Einreise- und Redeverbot für nationalsozialistische Führer, darunter den Prinzen Auwi, verhängt, mit der ausdrücklichen Begründung:„weil Berräter an Südtirol hier nicht geduldet werden kSnue»'. Drosselung fchafst Verteuerung— Einsetzer müssen gefahren werden Henke morgen ist der neue Fahrplan für dle Berliner Straßenbahn in Kraft gelrelen, der dle Einziehung der Linien 29, 4S. SS. öS, SS. HS. lee und 1S4 vorsieht. Lei der' riesigen Aus- dehnung de» Verüner Verkehrs läßt sich naturgemäß nach den vor- gäagen innerhalb eines vormittags kein abschließendes Urteil ab- geben. Aus einer Reihe von Einzelbeispielen ergibt sich allerdings, daß die Einziehung von acht Straßenbahnlinien für einen Teil der berusstätigra Bevölkerung eine Verteuerung des verkehr» ge- bracht hall So wird uns aus Lichtenberg berichtet, daß der Wegfall der Linie SS den Verkehr nach der Innenstadt stark beeinträchtigt hat. Diese Linie ist nur im Westen durch dl«'Straßenbahn 62 ersetzt worden, im Osten Berlins müssen die Fchrgäste. die bisher die 89 benutzten, jetzt bis zur 8 laufen. Wer von der Linienführung der Straßenbahn 8 zu weit entfernt wohnt, muß jetzt«ine Zufahrt- bahn benutzen und einen Umsteigefahrschein lösen. Der Dar- zug der verbilligten Sammellarte fällt also sich weite Teil« der Bewohner Lichtenbergs und Friedrichsfeldes weg. Noch größere Schwierigkeiten haben sich in Neukölln er- geben. Hier war die Skraßeubahnlinie 21 eine viel benutzte Ver- kehrsmöglichkeit nach der Innenstadt, die über das Hallesche Tor führte. Jetzt ist die Linie 21, die bisher nach dem Rathaus in Britz fuhr, ab Hermannplatz durch die Berliner und Bergstraße nach dem Neuköllner Gemelndefriedhos umgelegt worden. Die Hermannstraße wird nickst mehr von der 21 durchfahren, wobei noch hinzukommt, daß die Straßenbahnlinie 29, die auch durch die Hermannstraße fuhr, eingezogen worden ist. Die Fahrgäste der ehemaligen Linien 2l und 29 müssen ab heute die 27 benutzen. Damit haben sie aber keine Möglichkeit mehr, ohne Umsteigen beispielsweise in die Gegend des Halleschen Tores zu kommen, weil die Linie 27 zum Moritzplatz abbiegt. Unter diesen Umständen fällt auch für einen erheblichen Tell der Britzer und Neuköllner Bevölkerung die Möglichkeit fort, wie bisher die billige Sammelkarte zu benutzen. Vorderhand ergibt sich also aus der Verkehrsumlegung teilweise eine Verkehrs- Verteuerung. Auch die Einlegung von Einsetzwapen während der Hauptverkehrszeiten bleibt problematisch, ivlange diese Einsetzmagen nur Kurzfahrten machen. So wird die Linienführung der Linie 72 vom Publikum stark gerügt. Da die fahrplanmäßigen, nur viertel- stündlich verkehrenden Wagen der Linie 73 den Verkehr nicht be- wältigen, läßt die BVG. anerkennenswerterweise während der Haupwerkehrsstunden Einsatzwagen verkehren. Diese Einsetzer endigen jedoch am Berliner Rathaus, wer also weiter nach dem Süden fahren will, muß auch hier bedauerlicherweise umsteigen. Das Personal wird von der Einziehung der acht Straßen- bahnsinien und der Autobuslinie 4 nur wenig betroffen. Die Schaffner und Fahrer der in Wegfall gekommenen Linien sind auf andere Wagen verteilt worden. Im übrigen war bei der Einführung der 44-Stunden-Woch« im Betrieb der BVG. die ab heute erfolgte Drosielung des Verkehrs bereits berücksichtigt worden. Für die Zukunft wird zu beobachten sein, ob die BVG. ihr Ver- sprechen, den starken Berufsverkehr durch weitestgehende Einlegung von Cinsatzlinien zu erleichtern, auch einhält. Offizielle Terrordrohung. Aus der Neichsleitung der NSDAP. Die Zeitschrift„Deutsches Landvolk' hatte sich gegen den..land- wirtschaftlichen Sachverständigen' der nationalsozialistischen Reich». leituag gewandt, well erofsevznGewaltläligketlenauf- gefordert hakt«. Darauf erhielt die Zeitschrist da- folgend« Schreiben: „Im Text der Nr. 4« Ihrer Zeitschrift„Deutsches Landvolk" vom 12. November greifen Sie mich an. Es bleibe Ihnen unbenommen, zu tu«, was Sie nicht laste« können. Fiir alle Fälle aber mache ich Ihre Funktionär« darauf aufmerksam, daß Sie die Quittung für Ihr Verhalten bekommen werden und Sie, wenu Sie so Weitermacheu. im Dritten Reich answander« könne«. Heil! gez. R. Walter Darre." Da» ist eine offene Terrorandrohung aus dem Vrminea Hanse, ein Beweis mehr für die Verantwortlichkeit Hitlers und seiner ..Reichsleilung' für die Boxheimer Dokumente. Eine öffentliche Mordlifie! Der„Bayerische Kurier' teilt mit. daß das Zugol- städler Httlerblatl die SSpfe derjenigen Personen im Marktslecken Pfärrtng, dle zuerst rollen werden, mit Ramen netmL Cos wäre also eine öffentlich bekanntgegebene Mordsistet Zupackenl Unter dieser Parole ruft das Berliner Reichsbanner auf zur Mattenkundgebung imfporipalatt morgen, Mittwoch, abends 8 Uhr. Es sprechen: Reichstagsabgaordneter Tarnow, Major a. D. Hauff, Schulrat Kellermann und GaufUhrer Neidhardt. Repabllkaner. endielnt In Kasten t zebH den Hodi- fcrratsparteien eure elnmoilüe KampfentsddosseniieK l Der„Bayerische Kurier' sagt dazu: .chabeo wir denn eine Rechtspflege? Die Staatsanwaltschaft muh doch pflichtgemäß die in ihrem Amtsbezirk erscheinende Tagespresse lesen. Daß hier strafbare Handlungen im Sinne des Strafgeschbuches t8§ 126, 241 usw.) vorliegen, darüber gibt es wohl keine Auseinandersetzung. Die Symbolisierung der Gerechtigkeit mit den verbundenen Augen hat doch wohl nicht den Sinn, daß man alle» gehen läßt!' Ltniformverbot bleibt. Gne ErNärung des Polizeipräsidenten. Der Polizeipräsident teilt mit: Durch die Presse geht verschiedentlich die Rachrichk, daß der Dritte Strafsenat des Reichsgericht, eln vom Oberpräsidenten der Rhetnprovtaz erlassenes Verbot de» Tragen» politischer Abzeichen für die NSDAP, al» rechtsungültig bezeichnet habe. Das in Frage kommende Urteil ist amtlich noch nicht bekannt, betrifft aber, wie aus den Pressemeldungen zu schließen ist. einen Sonderfall. Der Pollzeipräsident weist deshalb darauf hin, daß das von Ihm am 9. April 1921 erlassene Unisormverbot für dle R S v A p. in keiner Weise durch die in Frage kommende Reichs- gerichtsentscheidung berührt und daß das verbot weiterhin mit allem Rochdruck durchgeführt wird. In Erwartung der Notverordnung. Schlichtungsverhandlungen vertagt. Dresden, l. Dezember. Wie der Landesomvschuß sächsischer Arbeitgeberverbände mitteilt. wurden die Schlichlungsoerhaudlungen in der sächsischen Metallindustrie, die am Montagvormlltag in Dresden be- gaunen. im Hinblick auf die zu erwartende Roiverordnung auf Diens- tag. S. Dezember, vertagt. Der kammerabgeordaeke Chaftanet ist von dem sozialistischen � Bezirksoerband seines Helmatsdepartoments aus der Partei aus- geschlossen worden. Der Ausschluß ist erfolgt, weil Chastanet sich in einem dem„Echo de Paris' gewährten Imeroisw für die Rückkehr der Kalthäuser Mönche in das Kloster bei Grenobl« ausgesprochen hat. Ein brauner Schwindel Eine dreiste Ablenkungslüge des Hitler-Organs München, 3». November.(Eigenbericht.) In der Absicht der Verdunkelung des hochver- räterischcn Komplotts in Hessen veröffentlicht der „Völkische Beobachter" in seiner Montagausgabe einen plumpen Schwindel über die letzte Tagung des Bundesaus- fchuffes des Reichsbanners. Er behauptete, daß auf Veranlasiung der Sozialdemokratischen Partei der Bundesausschuß eine letzte große Verzweiflungsaktion gegen den Nationalsozialismus beschlossen habe. An dem Beschluß hätten � alle Prominenten des Reichsbanners und die führenden Köpfe der SPD. aus dem ganzen Reich am 2l. November in Magdeburg mitgewirkt. Zur Glaubhaft- machung dieser Lüge veröffentlicht das Hitler-Orgon in einer Auf- machung, die den Wortlaut des Befchlusies vortäuschen soll, folgendes Ergebnis der Konferenz: „Die einzige praktische Möglichkeit, die legale Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zu verhindern, besteht darin, die Partei bzw. deren Untergliederungen in einzelne Personen zu illegalen Handlungen zu verleiten und aufzureihen, um die Plattform zu ge- Winnen für ein erfolgreiches gesetzliches Vorgehen gegen die Na- tionalsozialistische Partei. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es nun- mehr unumgänglich geworden, jedes der SPD. zur Verfügung stehende und irgendwie erlaubte Mittel skrupellos in dem Kampf zur Abwehr und zum Angriff einzusetzen. Der bisherige Ver- leumdungsprozeß gegen die NSDAP, muß ab sofort in gewaltig verstärktem Maße und nunmehr nach einheitlichen Plänen und ent- sprechenden Richtlinien zur Durchführung kommen. Der Bundes- rat beauftragt den Bundesvorstand, die Initiativ« dazu zu ergreifen. Eine bis jetzt ohne Beispiel dastehende systematische Hetze gegen die Nationalsozialisten in der uns zur Verfügung stehenden Presse muß die Leser bis zur Siedehitze aufputschen, während andererseits durch die Machtposition der Sozialdemokratie in den Ländern eine Welle kalt berechnender Unterdrückungs- und Vollmachtsmaßnahmen das ihrige zum Gelingen des Kesseltreibens gegen die NSDAP, bei- tragen wird. Bei dem großangelegten Verleumdungsfeldzug kann der Phantasie und Erfindungsgabe weitester Spielraum gewährt und braucht vor keiner Lüge im Interesse unserer Sache zurückge- schreckt zu werden. Die Finanzierung der Kampagne ist sicherge- stellt. Um die bisherige enge Zusammenarbeit mit Frankreich zu vertiefen, werden einige Beauftragte nach Paris entsandt(sie sind schon dort eingetroffen)." Diese infamen Behauptungen tragen den Stempel der ver- leumderischen Lüge offen an der Stirn. Dazu konunt, daß in dem vom„Völkischen Beobachter" dazu geschriebenen Kommentar sogar der Versuch unternommen wird, ohne Rücksicht auf Zeit und Umstände den Fall Hessen berests mit dem angeblichen Magdeburger Beschluß zu erklären. Dabei wird behauptet, daß Dr. Schäfer im Dezember vorigen Jahres in die nationalsozialistische Bewegung hin- eingespielt wurde, um Belastungsmaterial zu besorgen, zu dem er selbst die Anregung gab. Unter diesen Umständen kann kein Zweifel bestehen, daß das Hiller-Blatt diesen Verleumdungs st ricker- funden hat, um die eigenen Parteianhänger zu be- trügen und ihnen den wahren Zusammenhang der Dinge zu ver- schleiern. Llnreif und kindisch! So vrteili Hugenbergs„Tag" über Hvgenbergs„Lokal- Anzeiger"! Im Hugenbergschen„T a g" vom Sonntag schreibt H a n» B r o s i u s, Leiter der Deutschnationalen Pressestelle, über die „Bilanz von Boxheim". Er umreißt die Stellungnahme der„natio- nalen Front" zu dem hessischen Umsturzprogramm mit folgenden Worten: „Daß die nationale Front das Dokument des Dr. Best in seinem sachlichen Inhalt ablehnt, ist als unzweifelhaft vorauszusetzen.. Denn etwas Unreiferes als diese Diklalur- spielerci ist schlechthin nicht vorstellbar. Was da bei der„Ueber- nahine der Macht" in dem Dokument angedroht wird: Uneingc- schränkte Herrschaft der SA über Tod und Leben, Todesstrafe über jedes Delikt, das Berfügungsrecht über das Vermögen jedes einzelnen, die praktive Aufhebung des Privateigentums, Fort- nähme des Einkommens und Ablicfcrungszwang aller Lebens- mittel ohne Entgelt, die Speisung aller Einwohner aus der Massenküche, das alles könnte man als bolschewistisch bezeichnen — wenn es nicht eben schlechthin kindisch wäre." Sonderbar, höchst sonderbar I Am Tage nach dem Bekannt- werden des Dokuments hat ein anderes Blatt folgendes dazu ge- schrieben: „Was vorstehend als Befehl an die Bevölkerung für den Fall der Niederschlagung einer kommunistischen Zwischenherrschaft be- kanntgegebcn werdem soll, ist ein drastisches Standrecht, übrigens mit der Rechtsgarantie der Feldgerichte, nnd nicht drastischer, als es unter dem Zwange der Not stets ausgeübt war- den ist, wenn nach einer Herrschaft des Chaos und der Bestie wieder Ordnung geschaffen werden mußte... Unter dem leitenden Gesichtspunkt, erst die Grundlagen für eine neue Ordnung zu legen, sind auch die weiter geplanten Maß- nahmen aufzufassen. Durch eine drakonische Ablieferungs- Pflicht für alle Lebensmittel soll die Bevölkerung vor dem Hunger geschützt werden und durch Massenspeisung und Zuteilung von Lebensmitteln auf unentgeltlich zu beliefernde Lebensmittelkarten die Lolksernährung durchgeführt werden." Das Blatt, das in dieser Weise die Befischen Pläne für durchaus vernünftig und annehmbar erklärte, war— der„Lokal- Anzeiger" Hugenbergs vom 26. November! Also:„Der Tag" des Herrn Hugenberg versichert, daß etwas Unreiferes als die Befischen Pläne n i ch t v o r st e l l b o r ist, daß sie„schlechthin kindisch" sind, der„Lokal-Anzeiger" lobt und verteidigt sie! Man muß demnach annehmen, daß der„Lokal-Anzeiger"— gemäß dem Urteil seines verlagsgenössischen Bruderblatts— g e i st i g total unreif und schlechthin kindisch ist. Vielleicht aber liegt die Vermutung näher, daß man bei Hugenberg die Offenherzig- keit des ersten Schrecks zu bereuen beginnt. Immer noch pensionskürzungsgeseh. Beratungen im Haushaltsausschuß. Im Haushaltsausfchuß wurde der Abschnitt(§ 3) des Gesetz- entwurfes beraten, der die Anrechnung der Pension bei Wieder- beschäftigung festlegt, ganz gleich ob die Wiederbeschäftigung in Unternehmungen der öffentlichen Hand oder sonstwo erfolgt. Die Deutsche Volkspartei verlangt dabei durch ihren Redner Maroth, daß private Beschäftigung nicht angerechnet, werde, und daß bei Offizieren usw. bei Wiederbeschästigung ihre frühere Kriegs- Zulage zu einem bestimmten Teil von 100 Niark monatlich wieder aufleben solle. Abg. R o ß m a n n(Soz.) macht daraus aufmerksam, daß jener Antrag in seinen Konsequenzen etwa 30 Millionen Mark kosten werde. Der Ausschuß schließt sich seiner Auffassung an und die Deutsche Volkspartei stimmt gegen die Anträge des Bericht- erstatters. Der volksparteiliche Antrag wird gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Zum ij 4 wird der sozialdemokratische Antrag angenommen, der vorschreibt, daß dos gesamte Einkommen im Sinne des Ein- kommensteuergesetzes bei der Pensionskürzung anzurechnen ist. Die Beratungen wurden in erster Lesung bis zum§ 18 rasch abgeschlossen. Beim 8 19(Höchstpensionen) erklärt Abg. Roßmann(Soz.), daß diese Bestimmung zum Teil nicht einmal so weit gehe, wie die gleiche Bestimmung der Hilfsnotverordnung(§ 7). Die Sozialdemo- kraten bringen einen entsprechenden Antrag ein, in der Richtung, daß 12 000 Mark als Höchstpension festgelegt werden. Damit werde noch ein sehr weites Entgegenkommen gezeigt. Schon vor dem Kriege hatten Sachsen und Württemberg Pensionshöchstgrenzen gehabt. Die Aussprache über den Abschnitt Höchstpensionen findet morgen statt. Dem Gedenken von Earl Legien. Heute könnte Carl Legten seinen 70. Geburtstag begehen. wenn nicht Schnitter Tod vor elf Iahren seinem arbeitsreichen Leben ein Ende gefetzt lsiitte. Zum Gedenken für den Toten versammelten sich heute mittag der Bundesvorstand des ADGB. und die Verbands- vorstände an seinem Grab« auf dem Zentrakfriedhof in Friedrichs- felde. Genosse L c i p a r t legte im Auftroge aller Erschienenen einen schlichten Kranz am Grabe Legiens nieder, mit herzlichen Worten seiner Verdienste um die deutsche Gewerkschaftsbewegung gedenkend. Dieser schlichte Kranz, so führte Genojse Leipart aus, soll das äußer- liche Zeichen der unverbrüchlichen Treue zu Carl Legten und seinem Lebenswert sein. Gorade am Grabe dieses Kämpfers, dessen Name für immer mit der Geschichte und den Erfolgen der freigewerkschaft- lichen Arbeiterbewegung Deutschlands verbunden sein wird, erklären die zur Fortführung seines Lebenswerks Berufenen, daß sie den Glauben an die Zukunft trotz aller augenblicklichen Gefahren für die deutsche Arbeiterbewegung nicht verlieren. Carl Legiens starke Ueberzeugungskrast, sein nie versiegender Mut sollen und werden in den Führern der freigewcrkschaftlichen deutschen Arbeiterbewegung fortleben heute und immerdar. Eine Minute ernsten Schweigens beschloß die stille Gedenkstunde. Zur �eichsbanner-Kundgebung. Zur Kundgebung im Sporkpalast tritt das Reichs- b a u n e r wie folgt an: S t a f o- Ordnerdienst 1S.Z0 Uhr. Kreis Süden: parket«; Kreis Norden: 1. Rang; Kreis Westen: 2. Rang; Kreis Osten: Außendienst. S ch u s o in voller Ausrüstung(Tornister. Decke) 1 S. 1 5 Uhr auf dem Hof zum Sportpalast. Die Kreise Osten und Westen: rechte Seite: die Kreise Norden und Süden: linke Seile. Zungba: 19.15 Uhr parket«, rechte Seile. Spielleuteund Musiker: Illllhr Parkett, linke Seite. Sämtliche Jahnen und Wimpel der Ortsvereine ohne Legleiter 19.15 Uhr Milteleingaug. Wohlfahrtsbeamter niedergeschossen. Ein abgelehntes Llnterstühungsgesuch. Duisburg, 30. November. Der Stadtobersekrelär Heinrich Große-Schaeper wurde in der Nähe seiner Wohnung durch drei Schüsse aus einem Trommelrevoloer niedergestreckt. Die Tat wurde von dem Jriscur Heinrich holllf verübt, der dem Beamten aufgelauert hatte und nach der Tat sofort flüchtete, aber in der Alleestrahe fest- genommen werden konnte. Der schwerverletzte Beamte wurde in das Sl..Zohauuis-Hospital eingeliefert, wo er mit zwei Bauch- schüssen und einem Beckenschuß schwer daniederliegt. Als Grund für die Tat wird angegeben, daß der Jriseur hollit beim Wohl- fahrtsamt eine Unterstützung beantragt hatte, da fein Geschäft ihn nicht mehr ernähren könne. Der Antrag wurde jedoch abschlägig beschieden, wofür er den Beamten veranl- wortlich machte. Fenstersturz einer Vierzehnjährigen. Keine Begehungen. Ein aufregender Vorfall spielte sich gestern abend gegen 7 Uhr in der Augsburger Straße 8 ab. Zm dritten Stock öffnete sich plötzlich ein Jenster und ejn junges Mädchca stürzte sich auf die Straße. Vor der Wohnung des Pförtners blieb sie besinnungslos liegen. Passanten, die den Vorfall beobachtet hatten, brachten das Mädchen in ein Privatkrankenhaus. Das junge Mädchen war einige Stunden bewußtlos nnd wird heute wieder ent- lassen werden. Die Unternehmerverbände sind über das massenhafte Auftreten von Wirtfchaftsskandalen begreiflicherweise sehr beun- ruhigt. Geht doch aller Nimbus der privatkapitalistischen Wirtschaftsführung, der in den letzten Iahren Altar auf Allar gebaut wurde, dabei flöten. Wie man um dieses traurige Kapitel herum- redet, dafür einige Zitate aus den letzten Tagen. Hermann Fischer, der Hansabund-Präsident, bemerkte auf einer Gesamtausschußtagung: Man sehe mit Erschrecken, wie all die Jahre des Einmischens des Staates in die Wirtschaft den Boden dafür bereitet hätten, daß der Hasardeur in vielen Fällen über den„ehrlichen Kaufmann" triumphieren konnte. Der Staat ist also schuld an den Dutzenden von Wirtschaftsskandalen der letzten Jahre. Wahrlich allzu billig. Nach dem Wortlaut einer am 13. November gehaltenen Rede hat der Schwerindustrielle Springorum gesagt:„Wo ein echter unternehmender Wagemut zu Schwierig- leiten geführt hat, ist kein Raum für Verunglimpfungen; wohin- gegen statt dieses schöpferischen Wagemutes ein schmutziges Spekulantentum sich breit macht, kann nach unserer Auf- fassung nicht scharf genug im Interesse der Wirtschast und des Unternehmertums durchgegriffen werden." Der führende Verband sächsischer Industrieller erleichterte sich vor einigen Tagen die pein- liche Situation, daß das Wirtfchaftsführertum in Deutschland bankerott ist. durch die Bemerkung, daß man den Wirtschaftsführern doch keine Wirtschaftspiraten an den Schoß hängen dürfe. Hasardeur, schmutziges Spekulantentum, Wirtschaftspiraten— eine kräftige Sprache! Gut, mag es alles das auch geben. Aber gegenwärtig sind die Wirtschastsführer, die als solche anerkannt werden, schon sehr viel zahlreicher bei den großen Skandalen vertreten, die schon da sind, und jenen, die noch kommen werden. Wir unsererseits haben nichts dagegen, daß man Dietrich(Raisseiscnbank), G r e f f e n i u s(Miag), Schröder (Bremen), Ladendorff(Berlin), L a h u s e n(Nordwolle), D u m ck e(Faoag), ten Hompel(Wicking), H e i l n e r(Lino- leum), G u t t m a n n(Dresdner Bank) und die Herren von Stauß, Goldschmidt, Reinhart, Flick. Otto Wolfs und Thyssen auch zu denjenigen rechnet, die von den„ehrlichen Kaufleuten" heute abgeschüttelt werden. Man muß sich nur fragen, wieviel„echtes" Wirtschastssührertum in Deutschland dann noch übrig bleibt, wenn„Führer" sein mit Erfolg führen heißt. Hermann Fischer hat auch gesagt: Das unendlich Ge- f a h r v o l l e der jetzigen Entwicklung liege in dem Ermüden der gegenwärtigen bürgerlichen Generation, die sich nicht zutraue, allein mit den ihr im Rahmen der heutigen Wirtschaftsordnung gestellten Ausgaben fertig zu werden, und Diesem Selbstmordversuch liegen folgende Motive zugrunde: das Mädchen besuchte eine Privatschule. In der letzten Zeit hatte sie in ihren Leistungen nachgelassen und die Rektorin rief am Montag- ! nachmittag bei den Eltern an und lud sie zu einer Besprechirng ein. Als die Mutter von einem Ausgang zurückkehrte, öffnete das Mädchen das Fenster und sprang hinaus. Wie durch«in Wunder ist der Sturz glücklich abgelaufen. Ltntersuchung des potsdam-Gtandals. Ein besonderes(Sachverständigenbüro im Rathaus. Die Untersuchung des Potsdamer Bestechungsskandals ist jetzt in ein Stadium getreten, in dem alles Weitere zunächst von dem Gutachten des hinzugezogenen Sachverständigen, des Reichs- bahndirektors Meilicke, abhängen wird. Bei dem Umfang der Akten und Belege für die verschiedenen Hoch- und Tiefbauten, aus die sich die Untersuchung erstreckt, bedarf es jedoch größerer organi- satorischer Maßnahmen. Der Magistrat Potsdam wird dem Sach- verständigen ein Büro einräumen, in dem unter Anleitung und Aussicht des Reichsblchndirektors mittlere Beamte, Rechnungs- revisoren usw. tätig sein werden, um die zahllosen Aufstellungen und Berechnungen» für' die betreffenden Bauten sorgfältig nachzu- 1 prüfen, eine Arbeit, die wochenlang dauern wich. Daneben wird, aber die Kriminalpolizei ihre Untersuchung der strafrechtlichen Seite des Falles natürlich fortsetzen, und zwar im Augenblick insbesondere bei der dritten Baufirma, deren Bücher in dieser Sache sichergestellt worden sind. Ob es noch in dieser Woche zu weiteren Maßnahmen der Potsdamer Polizei kommen wird, steht noch nicht fest. immer wieder aus der freien Marktwirtschast unter die Fit- tiche des Staates zu schlüpfen versuche.— Zu dieser richtigen Bemerkung ist natürlich kein Kommentar nötig. Lokalschließungen Linter den Linden. Llrsache: Das Ausbleiben der Ausländer. Ueber der historischen L i n d e n e ck e, in der bis vor etwa drei Iahren das bekannte Cafe Bauer seine Räume innehatte, waltet ein Unglücklicher Stern. Die Inhaber des Cafes„Unter den Linden", die Deutsche Gaststätten-A.-G., hat unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse gestern abend den Betrieb schließen müssen. Auch das im selben Hause befindliche Hotel Linde neck hat zu dem gleichen Termin seine Pforten geschlossen. Wie die Deutsche Gaststätten-A.-G. in einem Schreiben erklärt, ist es der Gesellschaft durch die seit Juli d. I. eingetretene katastrophale Wirtschaftskonjunktur und die damit im Zusammen- hang entstandene rückläufige Bewegung im Hotel- und Gastwirts- gewerbe, insbejoiii>«re das Ausbleiben der Ausländ er, die in der Hauptsache die Lokale Unter den Linden lebensfähig hielten, nicht mehr möglich, die Betriebe trotz sparsamster Bewirtschaftung rentabel zu halten. Die Gesellschaft hat nach reiflichen Erwägungen deshalb beschlossen, mit dem 30. November die Betriebe Cas- Unter deu Linden und Hotel Lindeneck stillzulegen. In der Zwischenzeit sollen die Räume gründlich renoviert werden, um bei Eintritt besserer Wirtschastsoerhältnisse die historischen Gaststätten dem Publikum möglichst wieder zugänglich zu machen. Natürlich ist mit der Schließung der beiden Betriebe wieder die Entlassung zahlreicher Gasthausangestellten verknüpft. Ueber S0 Angestellte, Kellner, Küchenpersonal usw. werden gerade zu Weihnachten brotlos und damit wird die Zahl der Erwerbslosen abermals in einem Gewerbe erheblich erhöht, daß ohiieh'ir seit Iahren unter der Wirtschaftsnot zu leiden hat. Die Angestellten haben gestern ihre Kündigung erhalten. polnische Pressefreiheit. Der verantwortliche Redakteur des „Oberschlesischen Kurier" wurde in Kattowig wegen eines Artikels über die Berhältnisie im Magistrat zu einem Monat Ge- f ä n g n i s oerurtcilt: der angebotene Wahrheitsbeweis wurde nicft zugelassen. DerVerantwortlirbe des sozialdemokratischen„Aoliswillen" erhielt zwei Monate Gefängnis wegen Beleidigung des Wojcwoden durch Aeußcrung der Ansicht, daß alle Versprechungen imd Versicherungen des Wojewöden hinsichtlich der Behandlung der deutschen Minderheiten nichts anderes als ei» Bluff feie», Hasardeure oder Wirtschastsführer Ziiaie mit und ohne Kommentar Mandschurei-Räumung begonnen? Lapanischer Außenminister drohte mit Rücktritt. Pari«, 1. Dezember.(Eigenbericht.) In ber Montagsitzung des Völkerbundsrats wurde über die drei wichtigsten Streitpunkte zwischen Chinesen und Japaner beraten. die bisher die endgültige Formulierung der Entschließung unmög- lich gemacht haben. Der erste Punkt betras die Frage der Räu- in u n g. Hier haben die Chinesen, schließlich nachgegeben und auf die Festsetzung eines Datums verzichtet. Die chinesisch- Dele- xation hat dies am späten Abend damit begründet, daß sich nach zuverlässigen Nachrichten die Japaner aus der Gegend von Tschintschau hinter den Liao-Fluß zurückziehen, worin«in erster Schritt aus dem Wege der Räumung erblickt werde. Falls Japan aber neue Operationen unternehmen sollte, würde die Lage ver- ändert und eine neue Prüfung notw-Mg werden. Der in dem Entschließungsentwurf enthalten« Satz, daß der Rat dem schnellen Rückzug der japanischen Truppen die größte Bedeutung beilegt, ist auf den Wunsch der Japaner gestrichen worden. Der zweite Punkt bezog sich aus das von den Japanern beanspruchte Recht, Polizeiaktionen gegen das chinesische Banditentum zu unternehmen. Schließlich wurde der chinesische Wunsch erörtert, daß die nach China zu entsendende Kommission, falls bei ihrer Ankunft die Räumung noch nicht vollzogen ist, befugt sein soll, sich mit der Räunuingsfrage zu beschäftigen. Zu irgend- welchen Ergebnissen hat die Aussprache über diese beiden letzten Punkte nicht geführt. Die Hauptschwicrigkeit liegt bei der japanischen Forderung, zu Polizeimaßnahmen ermächtigt zu sein, einer Forderung, die China kategorisch ablehnt. Es ist daher bereits der Gedanke aufgetaucht, Japan in der Weis« Genugtuung zu ver- schissen, daß in der Schlußansprache des Ratspräsidenten das Recht Japans auf derartig« Maßnahmen anerkannt wird. Einstellung des japanischen Vormarsches. Schanghai. 1. Dezember. Di« Einstellung des japanischen Bormarsches gegen Tschintschau ist, wie der chinesische Gesandre in Tokio der Nankingregierung mittcilte, aus Befehl»es japanischen Kaisers ersalgt. Offenlegung der Steuerlisten.\ Eine Oenkfchrist des Reichsfinanzmimsterivms. Die Offenlegung der Steuerlisten ist eine alte sozialdemokratische Forderung. Da den bürgerlichen Parteien diese Forderung mit der Zeit immer unbequemer wurde, brachte» sie 1929 einen Kompromißantrag ein, der die Regierung um Bor- läge einer Denkschrift über die Ersahrungcn mit der Offen- legung im Auslande ersuchte. Nach mehr als zweijährigen Er- mittlungen hat das Reichsfinanzministerium die gewünschte Denkschrift vorgelegt. Wenn die bürgerlichen Antragsteller im Jahre 1929 gehofft hatten, mit ihrem Antrag die sozialdemokratische Forberung aus Offenlegung der Steuerlisten zum Schweigen zu bringen, so werden sie durch den Inhalt der Denkschrift bitter enttäuscht. Do? Mate- rial, das in der Denkschrift zusammengetragen wird, stellt im Gegen- teil ein« wirksame Unterstützung der sozialdemo- k r a t i s che n Forderung dar. Hatte man bisher geglault, daß die Ofsenlegung nur auf wenige Staaten beschränkt und auch in diesen größtenteils wieder beseitigt worden sei,, so ergibt sich aus der Denkschrift, daß nicht weniger als 2 4 Staaten die Offenlegung der Steuerlisten für olle oder fiir«inen Teil der Steuern durchgeführt haben. Nahezu alle Steuern werden von der Offen- legung ersaßt in Schweden und Norwegen, wo sie seit vielen Jahren besteht, sowie in Italien. Die wichtigsten Steuern— nämlich die Einkommen-, Bermögen- und Gewerbesteuern— werden der Offenlegung unterworfen in Oesterreich, der Tschechoslowakei und in Un- garn. In Frankreich ist die Offenlegung auf die Einkommensteuer, in England und in Finnland auf die Kommunalsteuern beschränkt. Ebenso verschieden gestaltet ist die Art der Offenlegung und der Kreis der Personen, die zur Einsichtnahme berechtigt sind. Von entscheidender Bedeutung ist, daß die Erfahrungen mit der Offenlegung, über die die einzelnen Länder berichten, in der Hauptsache günstig lauten. Hatte man in Deutschland geglaubt. daß die Offenlegung zu einer Kreditschädigung der Steuer- pf'ichtigen führen würde, so wird dieser Einwand gegen die Ossen- legung von keiner der befragten auswärtigen Regierungen gel- tend gemacht. Hatte man in Deutschland die Offenlegung vor allem im Hinblick auf die Kapitalflucht bekämpft, so bringen alle Staaten in ihren Antworten zum Ausdruck, daß eine Zunahm« der Kapitalflucht infolge der Offenlegung nicht zu beobachten ist. Darüber hinaus wird in mehreren Berichten ausdrücklich betont, daß sich die Offenlegung gut bewährt, zu einer b e s s e- ren Verteilung der Steuerlasten, zur Hebung der Steuermoral und zur Steigerung des Steuer- e r t r a g s beigetragen habe. Nur wenig« Staaten geben an, daß die Bevölkerung der Offenlegung nur geringes Interesse entgegen- gebracht habe. Eine Ausnahme scheinen die Bereinigten Staaten von Amerika zu machen. Hier wurde die Offenlegung 1924 eingeführt, aber schon 1926 wieder außer Kraft gesetzt; angeblich soll sie nichts genutzt und nur geschadet haben. Aber all« die Einwände, die das amerikanische Schatzamt gegen die Offenlegung erhebt, sind sehr zweifelhafter Natur. Von besonderer Bedeutung aber ist, daß man sich in Amerika gezwungen gesehen hat, wenige Jahre nach der Aufhebung der allgemeinen Offenlegung der Steuerlisten,«ine beschränkte Ossenlegunz wieder einzuführen: seit 1929 werden regelmäßig die Listen der Erstattungen, Steuerermäßigungen und Gutschristen zur Einsichtnahme aufgelegt. Zu dieser Maßnahme l"!t man sich ossenbar erst bercitgesunden, nachdem in der Oesfent- lichkcii schwere Angriffe gegen die Erlaßproxis des Schatzamtes erhoben worden waren. Denn das Schatzamt hat gelegentlich der Einführung dieser beschränkten Offenlegung die Erklärung abgegeben, daß es nichts zu oerbergen habe. Dieter Borgang sollte uns gerave in Deutschland zu denken geben. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat nicht nur die Offenlegung der Steuerlisten, sondern auch die Ossenlegunz der Erstattustgen und Ermäßigungen seit Jahren immer wieder gefordert. Sie ist dabei stets auf den Wider. stand des Reichsfinanzministeriums gestoßen, das auch sonst jede Auskunft über seine Erlaßpraxis unter Berufung auf das Steuer- geheimnis abge'ehnt hat. Drängt dieses Verhalten nicht gerade dem unbefangenen Beobachter den Verdacht auf. daß u n s e r e F i n a n z- Verwaltung«ine solche Offenlegung zu scheuen habe? Deutschland wird auf Offenlegung der Steuerlisten nicht ver- z i ch t« n können. Hier bietet sich nämlich«in Weg, um ohne Er- höhung der Steuersätze, ohne Preissteigerungen, ohne Schwächung der Kaufkraft usw.«ine neue große Einnahmeauelle für die Finan- zen zu erschließen. Andererseits, wie groß müssen die Steuer. Hinterziehungen sein, wenn die Offenlegung immer wieder «n dem Widerstand der Besitzenden scheitert? Der vergessene Mm an der Kamera Die Technik der Filmaufnahme Die Technik hat den Mann an der Kamera verwöhnt. Keine photographische Schwierigkeit war, als der Film anfing, die Bedeu- tung zu bekommen, die er heute hat, groß genug, als daß sie nicht van der Technik überwunden worden wäre. Die raffiniertesten Apparate, die ausgetlügeltsten Aufnahmciechniken standen dem Kameramann zur Verfügung und haben ihn— das ist die andere schwerwiegende Seite der Entwicklung des Films— zu einem bloßen Instrument gemacht, aus dem Manuskriptschreiber und Re- gisseur spielen konnten, was und wie sie wollten. Es wäre töricht. der Filmproduktion nicht«ine gewisse Quantität von Unterhaltungs- filmen zubilligen zu wollen, und es wäre ebenso töricht, die Techni' dafür anzuklagen, daß sie schuld sei an der Seichtheit dieser E. Zeugnisse—; man kann genau so wenig die Buchdruckkunst dafür verantwortlich machen, daß sich Jahr für Jahr ein Sirom mittel- mäßiger und schlechter Literatur über die zivilisierte Welt ergießt. Bestehen bleibt jedoch, daß die Film- oder besser Aufnahme- kunst gegenüber der literarischen Idee des Films stark ins Hinter- treffen geraten ist, und daß wenigstens in Europa und Amerika die Filmdarsteller bedenkenlos die Aufnahmekunst ihren geschäft- lichen Interessen geopfert haben, die sie am besten mit dem un- künstlerischen Unterhaltungesilm vertreten zu sehen glauben. Bon Zeit zu Zeit müssen sich diese Filmhersteller aber davon überzeugen lassen, daß es außer ihren Produkten noch Filme gibt. die den Ehrgeiz haben, eine neu« Kunst zu vertreten, und das hat allemal zur Folge, daß sie, ein neues Geschäft witternd, den Spuren dieser Pioniere nachgehen und nun die Einmaligkeit eines solchen künstlerischen Films in die Breite treten, bis nichts mehr davon übrigbleibt. Viele Film«, die wir in den letzten Iahren zu sehen bekamen, haben gezeigt, daß leichter und unterhaltender Inhalt die Aufnahme- kunst nicht unbedingt ausschließt, ja, der Erfolg des Rene Clairschen Films„Unier den Dächern von Poris� hat bewiesen, daß sogar ein Film weniger durch seinen Inhalt, der hier die Grenzen des Kitsches hart streift, als durch seine unerhört filmgerechte Kam- Position wirken kann. Zweifellos gebührt für diese Tat neben Rene Clair seinem Kameramann in erster Linie der Lorbeer. Pionier« der Filmkunst, wie zum Beispiel Eisenstein, haben sogar versucht, jede Handlung aus dem Film auszuschalten und allein die Kunst der bewegten Photographie wirken zu lasien. Solche Filme wie die Eisensteinjche„Sentimentale Romanze" werden zwar nie große Publikumserfolgc werden, sie sind jedoch unendlich wichtig als Wegweiser und Erneuerer einer durch den Spielfilm fast ver- gessenen Kunst, die in ihrem absoluten Wert sich der Musik nähert. Dieselben Ziele verfolgen die in letzter Zeit sehr oft im Dar- Programm der Kinotheater zu findenden Fischingcrschen Studien, abstrakte Bewegungsfilme mit musikalischer Untermalung der Be- wegung, die überall, wo sie auftauchen, auf das größte Aerständnis der Kinobesucher stoßen und Beifallsstürme entfesseln— ein Beweis, daß das viel gelästerte und viel umschmeichelte„Publikum" einen besseren Geschmack hat als die Filmhersteller ihm zubilligen wollen Mit Recht tritt bei diesen Kunstwerken der Kameramann wieder in den Vordergrund als gleichberechtigter Mitarbeiter des Regisseurs und Manuskriptverfasiers. Und auä) bei ihm gibt es, wie in jeder Kunstkategori«, Handwerker und Künstler. Der Handwerker mag genügen, wenn es darauf ankommt, öde Militär- oder andere Spiel- filme zu drehen. Routine und Praxis sind sein Handwerkszeug, mit dem er für solche Zwecke auskommt. Der echte Kameramann, van dessen Weiterbestehen die Filmkunst mit abhängig ist, muß zu seinem Beruf genau wie der Photograph mehr als eine Durchschnitls- begabung mitbringen. Er muß durch eine Schule gegangen sein, die ihm die Technik der Aufnahme in allen ihren vielverösteltcn Einzelheiten vermittelt. Dazu gehört zum Beispiel das wichtige Gebiet des Trickfilms, der mit Erfolg für Werbezwecke verwandt wird. Wie die Ausbildung hierfür aussieht, zeigt der Lchrplan des Trickfilmstudios an der Schule Reimann, Berlin, die seit einigen Jahren den Unterricht in Trick- und Werbefi'm-Hcrstellung neben dem eigentlichen Photo-Studio mit Erfolg betreibt. Während Film- schulen im allgemeinen«in Gemisch von technischen und schauspiclc- rischem Unterricht darstellen, hat man sich hier lediglich auf die technische Seite beschränkt, in bewußter Betonung ihrer Bedeutung für den Film. Di« technische Seite der Ausbildung besteht in der Bermittlung des Wisiens über das Filmentstehen, über die Systeme der Aufnahmeapparate und Film-Berarbeitungseinrichtunaen, über Beleuchtung, Aufbau der Filmdckoration und vor allem üier das Trickzeichnen. Die Erweckung und Pflege der zeichnerischen Gc- staltungstraft ist selbstverständlich die Grundlage für den Trickfilm- Zeichner. Neben psychologischem Verständnis, das für den Werbe- film speziell nötig ist, muß dieser Zeichner über ein besonders sicheres können verfügen, weil der mühevolle Weg einer Trickzeich- nung mit ihren zahllosen Stadien nur auf Grund gründlichsten Studiums möglich ist. Der Mann an der Kamera—, da? ist eine der Säulen, auf der der Bau des großen Organismus, den wir Film nennen, ruht. Auf ihn hoffen wir auch, wenn wir meinen, daß die Zukunft dieses riesigen Beeinflussungsmittels der Massen und künstlerischen Instru- ment« unserer Zeit trotz des Ehaos, das heute herrscht, noch nicht hoffnungslos ist. Gcorx Sicbel. Mensch und Arbeii. Ausstellung im ÄezirkSrachaus Wedding. Der Gedanke, unserem Volt Kunstwerke zu zeigen, die sein« Arbeit und seine Erholung selber darstellen, muß in der Lust liegen. Unabhängig voneinander und zu gleicher Zeit ist er von zwei Berliner Bezirksämtern durchgeführt worden: im Fesrsaal des Charlottenburger Raihauses ist eine Ausstellung„Arbeit und Rhythmus" in sehr guter Form von der Kunstgemeinde Charlotten- bürg ausgezogen worden. Und das Volksbildungsamt Wedding veranstaltet im Erdgeschoßsaal des Verwaltungshauses(Müller- stroße 146) eine Ausstellung„Mensch und Arbeit" von gleichem Sinn. Leider ist sie nur bis zum 12. Dezember geöffnet: es ist ihr«in desto regerer Besuch zu wünschen(täglich, auch Sonntags, unentgeltlich von 3 bis 7 Ubr, für Organisationen werk- täglich von 7 bis 9)4 Uhr, für Schulklaffen von 19 bis 1 Uhr). An ein« vom Gegenstand her orientierte Ausstellung kann nicht der Maßstab höchster Krinst angelegt werden. Hier kommt es auf eine möglichst eindeutige und überzeugende Darstellung von Lebens- und Arbeitsvorgängen an. weniger auf formale Probleme. Die Ausstellung bringt anschauliche Beispiele von L. Sandrock, Nagel, Baluschek, Karl Brust, von Hanna Verse und Erwin Freytag. Borzüglich sind es Graphiken, die den Stoff meistern: W. Laves, Zille, Teuber, Corinth, G. Gros;, Feyerabend zeigen Blätter von starker und oft ausrüttelnber Wirkung proletarischen Dasein»: künstlerisch am voll- kommensten und zugleich sozial am ergreifendsten die Radierungen von Käthe K o l l w i tz, die man nie genug rühmen kann, und die scharf konstruierten Bilder von O. N erlinger. Eine besondere Note erhält die Ausstellung durch die Mit- Wirkung des„Bundes für Kunsterziehung", der sich die Aufgabe gestellt hat, die Schuljugend mit heutiger deutscher Kunst bekannt zu machen. Im oberen Teil des Saales sind Kinder- Zeichnungen Zweier Scküler ausgestellt, die das Tbema„Mensch und Arbeit" zum Gegenstand haben und es im Grund« noch inter- effanter, weil naiver und unmittelbarer in ihrer Anschauungskrast gestalten. Schulklassen, die man in die Ausstellung führt, sollen dort oben an gewohnten Schultischen ihre Eindruck« von der Aus- stellung sogleich in Zeichnungen wiedergeben. Man darf gespannt sein, wie sie sich dieser Ausgabe entledigen werden. p. k. schi. Für künstlerische Erziehung in der Schule. Der Reichsbund deutscher Kunsterzieher ver- sammelte am Montag eine große Gemeinde im Bürgersaal des Berliner Rathauses, um gegen den Abbau der künstlerischen Erziehung in den preußischen Schulen zu protestieren. Als Redner traten Künstler, Erzieher. Kunstzelehrt«, Schulreformer, Musiker auf: das Niveau der kurzen, oft zu stürmischem Beifall mitreißenden Ansprachen mar sehr hoch, sicherlich viel zu hoch für den banausischen Geist des schemotischen Etatsabbaues, der sich an der wehrlosen Kunst austobt, weil er sich an Gebiete, die einen wirklichen Abbau vertrügen, nicht herantraut.(Leider, aber selbstverständlich durste über dieses Thema nicht gesprochen werden: der Geist des Reichs- innenministers schwebte unsichtbar über dem Mikrophon.) Die stärksten und überzeugendsten Tön« fanden Prof. Kurth und Dr. B e h n e als Kunstgetehrte, Prof. O e ft r e i ch als Vertreter des Bundes entschiedener Schulreformer: auch Boßsclt, Käthe Kall- wttz, Dr. O s b o r n, Willi S t e g e r und andere stimmten In den allgemeinen Protest gegen Verfügungen ein, die ihren Sinn an- scheinend vom Gesetz des schwächsten Widerstandes empsangen. Die Bürokratie spart da, wo sich keine Jntereffenten als Gegner melden, und natürlich am verkehrten Ende, bei der Schule und hier am meisten bei dem wichtigsten Knlturzweig« der Erziehung zum künstlerischen Erleben. Es fleht zu hoffen, daß dieser Protest gegen ein« kleinliche und «rtraglose Sparmaßnahme seine Wirkung nicht verseht«» wird. Hanns Fechner gestorben. Hanns Fechner ist nach dreitägigem Krankenlager in Schreiberhau an den Folgen einer Lungenentzündung ge- starben. Er war am 7. Juni 1860 in Berlin geboren, konnte also im vorigen Jahr seinen 70. Geburtstag begehen. Als Maler und Dichter hat Hanns Fechner seinen Zeit- genoffen sich künstlerisch mitgeteilt. Er stammte aus einer kunst- lerisch veranlagten Familie, auch sein Vater war Maler, und so bezog denn auch der junge Fechner in den 70er Jahren die Ver- liner Kunstakademie und wurde dann später in München Meister- s ch ü l e r D e f r« g g c r s. Er hat Sittenbilder und Studienköpse in der Art seines Vorbildes geschaffen, wandte sich dann aber, nach Berlin zurückgekehrt, der Bildnismalerei zu. Don seinen Porträts haben die von Raab« und Fontane klaffis�en Wert erlangt Die Vorstellungen, die wir von Gestalt und Wesensart dieser beiden Männer haben, sind durch diese Porträts uns eingeprägt. Den augenfrohen Künstler traf das Unglück, daß er sein Gesicht verlor, aber der Phantafiedrang arbeitete weiter in ihm, und aus dem Maler wurde ein Schriftsteller. Hanns Fechner siedelte nach Schreiberhau über und schenkte uns aus feiner Muse ein Werk nach dem anderen. In seinem„Sprcehann s", der in drei Teilen erschien, schrieb er seine Erinnerungen, die auch intereffante Streiflichter auf das Berlin seiner Jugend warfen. Als Freund der Natur, der mit Jägeraugen sie anschaut, hat er uns Märcken und Naturschilderungen„Aus dem V-rggeisterreiche" sowie ein Hest über unsere Süßwasserfische gespendet. Romane uns Kunst- betrachtungen gingen nebenher. „Oer Herr seines Herzens." Lvflspielhaus. Der Franzose Paul R a y n a l schrieb die Dichtung„Das Grab- mal des unbekannten Soldaten". Bielleicht trägt auch dieses Stück in seinen inneren Auseinandersetzungen einen zu privaten Charakter, aber es besteht der große Hintergrund, und aus der Sinfonie des Geschehens tönt die Fanfare„Nie wieder Krieg". Gemeinschaft und individuelles Schicksal bedingen sich gegenseitig. Diese Verbindung fehlt dem Schauspiel„Der Herr seines Herzens". Es bleibt beim rein privaten Erleben, das wie eine spielerische Deka- ration geformt ist. Eine Menschheit, die um ihre geistige und wirtschaftliche Existenz kämpft, besitzt nicht die Muße, einem verschlungenen Liniennetz zu folgen, da« nichts weiter als ein Ornament ist. Plötzlich fühlt man, daß alles federleicht wiegt. Man sieht die Mache, die künstliche Aus- geblähcheit. Warum reden die Menschen in diesem Raynal so viel? Der Freund verzichtet um des Freundes willen auf die Frau, die ihn eigentlich liebt. Daß sich der andere erschießt, liegt an seiner Un- fähigkeit, gewisse Wahrheiten zu ertragen. Sentimentaler Lebe- mann, hamletscher Jüngling und Vamp mit blondem Herzen sind die Personen, die unentwegt über die Themen Liebe und Freundschaft diskutieren. Das Stück stammt von vorgestern. Es ist der Ausdruck einer verspielten, ohne Existenzsorgen lebenden bürgerlichen Gesellschaft von verlogener Geistigkeit. Tödliche Langeweile breitet sich aus. Walter Janssen, der die Regie führt, läßt bedeutungsschwer sprechen mit Pausen und gefühlvollen Betonungen. Geistreiche Worte werderp in schöner Aufmachung dargereicht, und verdäm- mernde Stimmungen bereiten ihm sichtliche Freude. Er selbst spielt den versierten Liebeskünstler aus anmutige Melancholie hin. Jürgen von Alten ist jugendliche Unberührtheit, und Elisabeth L e n n a r tz schlängelt sich gewandt durch die Labyrinthe de» Bampyrs.?. Leb. Im Museum sllr Naturkunde spricht Mittwoch, 18 Uhr, Tr, Ahl über Drachen und Seeschlangen: 20 Uhr Professor Arndt über H a- Wal, San Froncisco— New Zjork. Im Lessinimnseu« iBrüderstraße 13) findet Donnerstag. 8 Uhr, ein Stesan-Zweig-Abend zum öO. Ecburtstage des österreichische» Dichters statt. Dr. Richard Friedenthal hält den Bortrag, Franz Konrad Hoesert spricht aus de» Werken. Oer Lohndruck international. Zn der Textilindustrie. London. 1. Dezember.(Eigenbericht.) „■in Textilbczirk L a n c a s h i r e ist ein Arbeitskonflikt ausge- �rochen, der seine Ursache vor allem in einem Lohnkürzung?- o e r s u ch der Unternehmer der Spinnereien und Webereien hat. In den Webereien dreht sich der Konflikt um die Frage der Zuweisung von mehr Web stuhlen an einen Arbeiter. also um einen Streit über die Produktionsmcthoden. Bedenklicher liegen die Dinge bei dem Dorstost der Spinnereiunternehmer. hier handelt es sich um einen direkten Versuch zur Senkung des Lohns und zur Verlängerung der Arbeitszeit. Der Versuch, die Achtundoierzigstundenwoche durch eine zweiund- sünszige zu ersetzen, hat eine besondere Bedeutung. Er stellt eine Bedrohung des Washingtoner Abkommens dar. Amsterdam, 1. Dezember. Im Tsrtilindustriebczirk von Twente in dem seit etwa zwei Wochen auf die Ankündigung einer fünfprozentigen Lohn- k ü r z u n z bereits T e i l st r e i k s in zwei Fabriken'.m Gange sind, droht ein ernster Arbeitskonflikt auszubrechen. Die Unternehmer haben als Gegenmaßnahme in allen Fabriken eine weitere fünf- prozentigc Lohnsenkung angekündigt, die am 14. De- zember in Kraft treten soll. Daraufhin haben in zwei weiteren Textilfabriken die Arbeiter in einer Stärke von etwa 700 Mann die Arbeit nieder- gelegt. An der Bewegung sind 18000 Arbeiter beteiligt. 200 Streikende wurden ausgesperrt. Warschau, 1. Dezember. Der Verband der L o d Z e r I n d u st r i e hat im Hinblick auf die schwere Wirtschaftskrise beschlossen, sämlliche Fabriken für die Dauer eines Monats(vom 15. Dezember bis 15. Januar) stillzulegen. Die Belegschaften erhalten für diese Feit Arbeitslosenunter- stützung. 7000 Strumpfarbeiter in Lodz haben den Beschluß gefaßt, wegen Lohnstrcitigkeitcn am Montag in den Streik zu treten. Lohnkündigungen im Bergbau. Vorsorgliche Llnlernehmer. Dem Vorgehen der Zechenherren an der Ruhr folgend scheinen alle übrigen Lohnabkommen im Steinkohlenbergbau zum Jahres- schluß gekündigt zu werden. Für das Waldenburger und Neuroder Revier hat der Grubenoerband gekündigt. Der Bergbauliche Verein in Zwickau hat„im Hinblick auf die noch ungeklärten Absichten der Reichsregierung bezüglich der Tarifverträge" vorsorglich die Lohn- und Gehaltsabkommen gekündigt. Der Arbeitgeberoerband der Oberschlesischen Montan- industrie hat„mit Rücksicht auf die Ungewißheit der Entwick- lung des Kohlenmarktes" die Lohntarife für den Steinkohlen- bergbau vorsorglich gekündigt. Da die Bergarbeiterverbände das Mehrarbettsabkommen für den Steinkohlen- und Erzbergbau für Ende des Jahres gekündigt hatten, hat der Arbeitgeberverband auch die Manteltarifverträge zum gleichen Zeitpunkt gekündigt. Wetter für Berlin: Meist bewölkt, Neigung zu leichten Schnee- fällen, Milderung des Frostes.— Für Deutschland: Im Nordosten nach vorübergehender Milden mg wieder Eintritt strengerer Kälte. Im Süden und Westen Aufheiterung: Frost. Im Küstengebiet etwas milder, im übrigen Deutschlands euvas Bewölkungszunahme und östlich der Elbe stellenweise auch Schnee. eBucA Alexandra Darid iiecl: Steilige und Stexer Seinerzeit haben wir hier auf das Buch„Arjopa"(Verlag Brockhaus) dieser außerordentlichen Frau hingewiesen, die sich nach grünWichen Vorstudien von Sprache und Religion des geheinmis- vollen Hochlandes, als bettelarme Pilgerin verkleidet, mit ihrem tibetischen Adoptivsohn durch die Schluchten und über die vereisten Hochpässe hineingeschlichen und das ganz« Land der Lamas durch- streift hat. Nun berichtet sie mehr von dem Wunderglauben und der fast beispiellosen Hingabe dieser gelben Menschen an die Mystik, die den klaren Buddhismus vollkommen überwuchert hat: Alles sehen sie dort von guten und besonders von bösen Geistern bevölkert, die man aber einsangen, beherrschen und sogar sich dienstbar machen kann, wenn man sich vollkommen vom Alltag und von den Mit- menschen, ja scheinbar sogar vom Leben löst und sich vollkommen auf das konzentriert, was man eben an Magie, sie sei auch nur eingebildet, erreichen will. So kann man auch nach dem leiblichen Tod die Seele sicher durch das Reich der Schrecken zum höchsten Heil des Vergessens geleiten und doch wiederum ihre Wiedergeburt beein- flussen. Diese wiedergeborenen Graßlamas und Klosteräble, die „Tulkus" zu finden, erfordert wieder jene Konzentration, die man am besten im Einsiedlerleben eines„Gomtfchen" gewinnt. Da leben diese Eremiten chren Betrachtungen und Uebungen, die sich besonders auf immer längeres Anhalten des Atems, aber auch auf die Er- langung der Fähigkeit, im„überirdischen" Zustand besonders schnell dahingehen, selbst Berge ersteigen zu können, förmlich ohne den Bode ii zu berühren, nicht selten sogar auf vollständiges Leben in ständiger Dunkelheit, ja auf völlige Abstumpfung gegen die gewaltige Kälte in 4000 Meter Seehöhe und darüber erstrecken. Auch die Gedankenübertragung in immer größere Ferne wird geübt, natürlich zwischen aufeinander„abgestimmten" Menschen und stmktioniert sie etwa, so kann sich schon ein Wissen ergeben, das dem ttneingeweihten als Zauberei überirdischer Kraft erscheinen mag. Mit dieser knappen Aufzählung ist aber der reiche Inhalt dieses eigenartigen Buches nockz längst nicht erschöpst. Die Verfasserin preist das übergroße Glück der entrückten Einsamkeit, das sie. selbst in tibetischen Berghöhlen genossen Hot.(Mir selbst haben Leute in Norwegen diese göttliche Ruhe und Weltferne als unwiderstehliche Lockung gepriesen, die Grönland auf alle ausübt, die jemals dort gelebt haben.) Natürlich erliegt diese gelehrte Europäerin nicht den Einbildungen der Fanatiker lamaistischcn Aberglaubens, sie übt auch manche schalkhafte Beobachtung, z. B. an solchen Zauberlehr- lingen, die nur den einträglichen Ruf erwerben wollen, gute Wetter- wacher zu sein. Aber, ob nützlich oder gar profitabel oder nicht, es kann einem schon Bewunderung für die gar nicht gegen andere Menschen, nur auf die größte Selbstbeherrschung, ja Selbst-russchat- tung gerichtete Energie dieser mongolischen Hockzgebirgsbewohner einflößen. Die Verfasserin führt uns in eine ganz, ganz anders Welt«in. die doch auch auf unserer kleinen Erde, ober in ihrem schwerst zugänglichen und noch am meisten unerforschten Lande lebt. Auch ein paar Worte tebetisch erlernen wir von diesem Lehrer, von diesem„Guru" Alexandra David Neel. Richard Bernstein. (Sprecher: A. T. Weiner.) Dienstag, 1. Dezember. Berlin. 18.05 H. W. Priwln; Erinnerunien an eine Weltrelae. 16.30 Unterhaltungsmusik. 18.00 Was Ich in Brasilien erlebte.(Henry Sehlomann.) 18.20 Bücherstande. Biographien und Autobiographien.(Am Mikrophon: Hein» rieh Stresau.) 18.30„Kaiserwetler" von Karl Jakob Hirsch.(Sprecher: Der Autor.) 18.55 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.00 Stimme rum Tag. 19.10 Prof. D. Dr. Richter: Gegenwart nnd Wissenschaft. 19.35„Bep und Git" singen heitere Duette. Flügel; Fried Walter. 20.05 Hans Sommer spielt Walaer. 20.30 Kristall-Palast, Magdeburg; Konaert des Magdeburger Lehrer-Gesangvereins. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Ein Mensch mit Büchern und Schallplatten. 22.15 Wetter-, Tages- and Sportnachrichten. Königswusterhausen. 16.30 Leipaig: Konaert. 17.30 Graf Hessenstein Lord Milner. 18.00 Direktor Dr Hahm: Deutsche Handwerkskunst? 18.30 Prot. Dr. A. Müller: Wandlungen im Krisenbilde seit 1825. 18.55 Wetter füt die Landwirtschaft. 18.55 Englisch für Fortgeschrittene. 19.20 Oberpostinspekto; W. Grunicke: Neue Rundfunkbestlmmungen. 19.30 Leipaig; Konaert. 20.15 Die konservative Idee nnd die geistige Lage der Gegenwart(Prof. D. Dr. Brunstädt, Graf von Westarp, M. d. R.. Freiherr von Gleichen). 21.00 Prof. Frita Jode: Wcihnachtslieder zum Advent. 21.35 München: Weltliche Musik der Gotik und Renaissance. Vrrnntwnrii. für hic Sebaftion: Rick,. Dernsiein. Berlin; Anzewen! Th.» locke, Berlin. Verla«: Vorwärts Verla« G. m. b. S.. Berii». Druck: Vorwärts Buch, Druckerei unh Derlagsanftall Paul Sinaer& Co Berlin 6SB 68. ginbtnfttafte S. fiietju 1 Bella««. PROCSRANM iir die Zeit vom 1. bis 3. Dezember O-T A F E L PROGRAMM für die Zeil vom 1. bis 3. Dezember Potzdamer Straße 38 Wookend Im Paradies mit Else Elster. Trade Berliner, Otto 'Vallbarsr. Wochentags 5. 7, S Uhr: Rhzinstraße 14 K�EicU Verlängert! Alfrin am Hilter- uarht mit Gerda Dfauru», Hans Stüwe. Wochentags 5, 7, 9 Uhr:. Odeon, Potsdamer Str. 75 Die Abenteuerin von Tunis mit Ellen Klclitcr, Theo Shnll, 81. dtöncland, J. Falkcnsteln. Wochentags 5, 7, 9 Uhr: Turmstraße 12 Hirsekorn greift ein mit Felix Hrcssart, Charotte Für JugetKlücho freigegeben! Wochentags 5, 7, 9 Uhr: Alexanderstraße 39-40 (Passage) Weckend im Paradies mit Else Elster, Trade Berliner, Otto Walibarg. Den ganz. Tag geöffnet. S. 3, 5, 7, 9 Uhr. c Westen Primus-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margap-tenstr. Der lusügsto Militäriilm: Reserve bat Buh mit Prltz Kümpers, P. Hfirbiger. L. Englisch, C|. Rommer, K. Fischer-Köppe, 8. Sllneland, A. Pauläg- Regie; 31bx Obal. W. 5.15, 7.15, 9,15 Uhr £ Friedrichstadt Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3, 5, 7. 9 Uhr Degcto-Gaslspiel: ürauitührung. Groll- tonfilm: Das Kind und die Welt. Franziskaner W™™. Georgenstrafie(Ecke Fricdrichslraße) Spielreit von 9 Uhr früh bis 12 Uhr nachts 9. 12, 3, 6, 9 Uhr Das gsdbc Haus mit Cb.$>iisa. 10.30, 1.30? 4 30, 7.30 Uhr Welt-Kino W 6.45 u 9.05 v Sonntags ab 4.45 AU-Moablt 99 Tonwochonichau Kloria, Liebe und Weltrekord, mit Brigitte Heim. Cr. Fröhlich. Tonbelproßramin- Kant Licht: piele Kantstr 54(aa der Wilmersdorfer Str.) Arm wie eine Klrrheninaus m. Grete Jlosholm. Ch. Ander, A. Bdthofer, P. HörbiKor, Fr Grttubaam, Hans Thintig. W 5. 7, 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Martendorf lip_ f; war'endorfcr W. 6H, 9 V- ma-L TonUcbtsplelc So ab 5 U. Cbausstts.i aOä Solaug noch ein Walzer von Strauß erklingt mit n. Paudler — Hein Traum wär' ein Hödel 8 Qd an mit Anita Doris. Tempamor Germania-Palast Charlottanburg, Wilmersdorf er Str 53/54 Berlin- Alexanderplatz mit Heinrich George. W 5, 7. 9 Uhr, S. z. 5, 7. 9 Uhr Schläter-Thsater Schlülerslr. 17. Stg. 3 Uhr Jgdvorst. 24 stunden an» dem L.eben einer Frau mit Henny Porten� — Das Ochelmnis der roten Katze mit Sicjffr. Arno. Wlim«rsdorP Atrium Beba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße W. 7, 9Zi. Sbd u. Stg. 5. 7. 9Vä Uraufführung: Der Schiemibl mit Kurt Bois. La Jana. Jlax Ehrlich, H. A. v. Sehlettow. Regie; Max Nossek. Tonfllmboiprogr. Titania Schöneberg£7.9 u. Haupts tr 49 Sonnt.gs 3. 5. 7. 9 Uhr Der Kongreß tanzt mit Llllsn Harvey, Willy Fritscb.— Ton beiprogramm.— JugendJ. Zutritt d steaiiti a Tita nia-Pa last W.6.30, 9 U Slg.4,ö.30, 9U. Sieglitz. Schloflstr. 5, EckeGulsmntbsstr. Der Kongreß tanzt mit Llllan Harvey. Willy Frltseh, Conr- Veidt. LH Dagover. Regie: Erik ClbarcII.— TonfllmbeSprogramm. Jugendliche haben Zulritl Friedenau lloebstaplcr aus Liebe, Tonfilni 1 nun./ j>Ä/en/ö/e U'0,ch'8s narb dorn Bühnenstück von Franz IfUfien Lr.iniöpiZlK 7, 9. Molnar:„Olympia**. Nenesto Wochen- und Knlturschau M a a B> i t Ari-isrltfif �Un> u. W ab 6.20 U. HTlUSnOT Uübno Sonnt. ab5U. Pcrlcberger Str. 29 Der Ball bei Raffkes mit Rein hold 8chünzel. Bciprogr, Ton- woehe. Rhein Mr. 65. Sonnah., Sonnt. 5, 7, 9 Herzen in Flammen(Marokko) mit JBnrlenc Dletrach. Beiprogr, To/; Beginn tägl. 5. 7. 9 Uhr *'UH stg. 3 Uhr Jogendvorstell, Potsdamer Str. 40 Rein Scheidungsgrund m. Cien Deyers, Job.Blemann. Beiprogr. Wnvftlret wo- 7. 9 u So i>. 7. 9 ü. Attrrarsi sigs. z Uhr jgdvorsl. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Liebeskommando mit Dolly Haas, Gust. FrObllch. Tonbeipr. Jugendliche haben Zutritt. Tivoli Tägl. 5. 7. 9 Uhr. Slgs. 3 Uhr: JugendvortteU. Berliner Straße 97. Der Kongreß tanzt mit Lillan Harvey, Willy Frltseh.— Ton bclprogramm.—- Jugend!. Zutrilt Mercedes-Palast Hermanns tr. 212. Woch-S'/i, 9, Stg. ab 3 Kameradschaft, der erste Berg- werktoniilm. Bliiinenschau. Jugendliche haben Zutritt. Primus-Palast Äs�ibs Am Hermannplatz, Urfcanstr. 72176 Kameradschaft, der erste Berg werktonfilm. Bühncnschau. Jugendlich« haben Zutritt. Kukuk Woch. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3. 5. 7, 9 Uhr Kotttmsser Damm 92 Der Kongreß tanzt mit Lillan Harvey, Willy Frltseh__ Tonbeiprogramm.— Jugendl. Zutritt Y�o J o//l Woch. 5, 7» 9 Uhr CXCeiSlOT stg. 3, 5, 7, 9 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Oer Kongreß tanzt mit Lilion Harvey, Willy Frltseh. Jugendliebe haben Zutritt. Stern, Hermannstraße 49 Wochcnt. 5, 7, 9, Sonnt. 3, 5, 7, 9 Uhr Der Kongreß tanzt mit Lillan Harvey, Willy Frltseh.— Tonbeiprogramm.— Jugendl. Zutritt __»tldwestcn...... � Lichte piele Südwestf£1 Blucherstr. 12- Stg. 3 Uhr Jgdvorts. TonMlTDOperelte! Ufonto Carlo mit .feaa. Mardonold. Regle: E. Lu- bitseb. Beiprogramm. Tonwochc. Film-Palast Kammersäle TeltowerStr.l. W. ab5t«,So.ab3HU, lOOproaentlger Tonfilm: Berge in Flammen mit Luis Trenker, Lissi Arno. Großes Tonbeiprogramm. Theater am Moritzplatz Beg. Wo. 5, 7. 9. Stgt. ab 4.30 Uhr Weekend im Paradies mit CL Rommer, O. Wailbnrg.— Die schwarze Msske. SOdosten C; /_.. 2 Am Görlitaer Bshnhof rlimeCR W. ab 614, Stg». ab 3 Nur noch bis Donnerstagl Otto Kernibach mit seinem verstärkten Jazaorehestcr und seinem Revue-Ensemble. Im Filmteil: Siegfried Arno in d. Tonschwank Ein ausgekochter Jnnge. Nordosten Fl-Qtnm" Prenzlauer „Dl�Slam Allee 56 W. 5.15. 7. 9.15. So. S.lo, 5. 7.15. 9.15 Foxtonsvocbe.— Weekend Im Paradies mit Cläro Rommer. O. Walibarg.— Btthncnsohaa. Luisen-Theater W. sb 6 30 jtgs. ab 3 Reichenberger Straße 34 Toniustspiei: Sein Sehcidnngsgrund mit Llen Deyers, J. Riemana. II. Cfa-Tontflm-Kabareti, Stella-Palast Zam. V? g; Küpem'cker Straße 12—14 Der Kongreß tanzt mit Lillan Harvey. Willy Frltseh LH Dagover, Conrad Veidt. Auf der Bühne: Gastspiel d. Wiener Sinfonie Orchesters. Jugendliche haben Zutritt. Deatsch-Ämerik. Theater Köpenicker Str 68 Beg. S. So. 2.30 J.-V Kyritz-Pyritz mit Adalbert, Hörblger.— Täter ffeftucht mit Oerda 3Iaurus. Heue Philharmonie Köpenicker Süy 96 Bühnenschau Die Privatsekretarin mit Renate 3f tiller. Otto Wallburg. Tonbeiprogramm. M Baun�cnuienwieg M Lichtspielhaus s�S.öu Baumscbulcnstr. 78, Slgs. 2: Jgdvorst. MeincFrau, die Uoohstaplerin mit K. v, Jfagy, Rührcann.— Tonbeiprogramm. Flora-Lichtspiele Tägl. 614.«'%, Sbd. 5.7.9. Sigt. 3,5,7,9. Ein ausgekochter Junge mit ». Arno.— Xachtredsktton mit Bebe Daniels. WelBonzee M Wochent. 7 u 0 O. ionnt. 5, 7, 8 D. Oaten Germania-Palast Frankfurter Allee 314. Jugendl. Zutrift Wochtgs. 6.30, Sbd. 5. Stg. ab S Uhr- Ein Spftaenwerk deutscher FIhntunst Der Kongreß tanzt mit Lillan Harvey, Willy Frltseh, Conrad Veidt Beiprogramm— BOhnenschan Luna-Palast Gr. Frankfurter Sir. 121. Tonwochc Der Herzog von Reichstädt mit L. Beyers.— Bühne; Lnna Attraktion. Schwarzer Adler- 5SÄ W. 5. 7. 9 Uhr, S. 3. 5. 7. 9 Uhr Verlängert Dienst ist Dienst mit Fritz Schulz, Ralph A. Roberts.— Bühne; Singsp. Zum weißen RSßl Viktoria-Theater Treptow-Sternwarte Mittwoch 8 Ubn Der heilige Berg(Film). Donnerstag S Uhr: Oesterreiehische Rhapsodie (Großfüm). Frankfurter Allee 48. Wochcnt, 5. 7, 9, Slg. ab 3 Wegen Riesenerfolg verlängert: Keine Feier ohne Meyer mit Siegfried Arne Babylon, am Bülowplatz Wochentags 5, 7, 9, Sonnt, ab 3 Uhr Wulzcrtraum (Der lächelnde Leutnant) mit R Chevalier. Regie: E. Luhitsch. Bflhnenschau. B| weu-Hehtanagra» Kosmos- Lichtspiele �sul Lückstr. 70. Er und sein Diener mit Oskar Sabo.— Tonbeipr.— Gate Btth- nensebau. Harmonie Lacghansstr. 23 Toniustspiei: Keine Feier ohne Meyer mit Siegfried Arno. R» A. Roberts.— Belprogremm ■ lErtdCUjIclwfdldieJ Kino Busch Srnü��i � 5 Alt-Frledrichsfelde 3 lOOproa. Tonfilm: Panik In Chicago mit O. Tschechow», Reh- mann.— Lust. Bäpr.— Woche. ■ Worden■ ÄlhnmJtrn MüIUrstrsße 136. Ainamora Ecke Seestraße W 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Weiß Fcrdl, der bayr. Komiken Die Mutter der Kompagnie. Pkarus-Lichtspiele Müllerstr. 142 Täglich 5. 7. 9 D. Bergtonfilm; Berge In Flammen mit Luis Trenker— Tonbeiprogr, Tonwoche. Jugendl. haben Zutritt. ■■ Palast-Theater Ä Brette Str. 21a. Wegen Riesenerfolgs verlängert: Der Kongreß tanzt mit Lillan Harvey, Willy Frltseh.— Tonbeiprogramm.— Jugendl. Zutritt Tivoli Berliner Str. 27 Wochent. 7, 9 TL Sonnt 5. 7. 9 U. Gr. Bühnenschau Berge in Flammen mit Luis Trenker.— Tonbeiprogramm. Jugendliche Zutritt Filmpalast Tegel Äe0!' Wochent. 6, Sonnt. 4.15 U.- lOOproa. Tonfilm: Der Hellseher (Mein Hera sehnt sich nach Liebe) mit Adalbert.— Tonbeiprogramm. it--„ Film- Wo. 6. 8.30 Uhr nosmos Bühne So. 4.15. 6.30. 8.41 Hauptstr. 6 Der Kongreß tanzt mit Lillan Harvey, Willy Frltseh.— Tonbeiprogramm.— Jugendl. Zutritt c Hennigsdorf Filmnnlnvf Bf'8 w 6- s-30 L!'r riimpaiasi stgs. tu. eu,»v, u. Berliner Str. 59 lOOproa. Tonfilm: Der Weg In» Lehen. Der große Russenerfotgl Tonbeiprogramm. (Beilage Dienstag, 1. Dezember 1931 SlvÄbKiS SfuJauigaSe Jei Ibiedtii •Sine JCandieimfi formt'MlenSekem 3)ie Qefchichte des Zrsgebirges/ von dtugo 9. mmter Dem vom Norden kommenden Wanderer erschließen sich die Reize des ErziUbirges nicht in so leichter und aufdringlicher Art, wie dies beim Elbsandsteingebirge der Fall ist. In langsamer Steigung wächst der breite Rücken des Erzgebirges aus der Ebene, erst auf dem Kamm nimmt die Gebirgsmasse einen bewegteren Eharaktcr an: Kegel und Krippen steigen empor, einzelne Höhen- züge und Rücken sondern sich ab; in steilem Fall senkt sich dann das ganze Massiv nach Böhmen hinunter. Die Forschung hat fest- gestellt, daß in den ersten Perioden der erstarrenden Erdkruste hier ein sogenanntes Faltengebirge entstanden war, dos mehrere ilOV!) Meter hoch, langsam durch die Witterung bis auf das harte Urgestein abgetragen wurde Vulkane durchbrachen später diese Falten und erstarrten in den Granit-, Porphyr, und Basaltmassen der großen Kuppen; mit den Eruptionen drangen Metalldämpse aus'dem Erdin nern empor und setzen sich als Erze in den Spalten fest. In der Tcrtiärpcriade trat dann die letzte entscheidende Ver- änderung ein: In dem großen Massiv, das sich über Böhmen hin erstreckte, traten Spaltungen auf, die den einen Teil als das heutige E g e r t a l in die Tiefe sinken ließen, den anderen kräftig in die Höhe drückten und so die stelle Wand nach Süden entstehen ließen. Inzwischen hat wohl die zersetzende Tätigkeit von Luft und Wasser die Schroffheit gemildert, aber die Grundform ist noch klar erkenn- bar und die heißen Quellen der böhmischen Bäder zeigen, wie tief die Eingeweide- der Erde durch diesen Bruch auf- gewühlt worden smd. Im Zeichen des Silberfiebers. Von der böhmischen Seite kamen auch im frühen Mittelaller die ersten Siedler in das Gebirge, slawisch« Abenteurer, die in den dichten Wäldern nach Erzen schürften. Aber die Funde waren nur von geringer Bedeutung. Erst als im 12. Jahrhundert das Land deutscher Besitz wurde, sächstsche Bauern in den Tälern angesiedelt wurden und man bei Urbarmachung des Bodens auf leicht abbaubare Erzadcrn stieß, wurde der Bergbau systematisch �aufgenommen und zog Scharen neuer Siedler herbei. Bis zum 16. Jahrhundert war das Erzgebirge— der Name entstand da- inals— ein wahres Clderado für den Bergbau. Vor allem wurde Silber, ferner Zinn, Blei, Kobalt und Wismut und Eisen gegraben. Barren von mächtiger Größe wurden mühelos freigelegt. So wird im 16. Jahrhundert von einem Silberklotz berichtet von 9 Ellen ! änge und 3 Ellen Stärke, an dem sich der damalige Herzog '-m Tisch decken ließ. Ein wahres Silberfieber hatte die Menschen ergriffen, ein Gegenstück im kleinen zu dem Wettrennen noch Gold in Kalifornien. Die Stadt Freiberg wurde ge- c"" bald folgten Annabcrg und Schwarzenberg. > sprachen millelalterliche Stadttypen, die sich zentral um c- oder Kirche herum entwickellen. Daneben entstanden die_.�monn-siedlungen, die den Charakter der Koloniestadt tragen 'md den planmäßig in Norddeutschland angelegten Städten wie ieuruppin oder Pasewalk gleichen. Frantenberg, Marien- berg, Iohann-Georgenstadt, Scheibenberg u. a. sind solch? schematisch in Schachbreüform angelegte Koloniestädte. Diese gewaltige Siedlungstätigkeit hatte natürlich auch eine starke Veränderung der Landschaft zur Folge. Es mußte Raum geschaffen werden für die Städte und Niederlassungen, für die Gruben, Arbeitsplätze und Schutthalden. Rücksichtslos wurden die Wälder gerodet, das Holz zu Bauzwecken verwendet oder zu Kohle verbrannt. Die riesigen kahlen Flächen und Hoch- ebenen entstanden, die heute so charakteristisch für den Gebirgs- kämm sind. Der Reichtum Annabergs war im 13. und 16. Jahrhundert fvrichwörtlich. Imposante Kirchenbauten wie in Freiberg oder Marienberg, sind noch Zeugen aus dieser Glanzepoche. Die Umstellung erfolgt. Aber Reichtum und Wohlstand schwanden, als die Metollfunde spärlicher, die Erze unreiner wurden und erst in größerer Tiefe anzutreffen waren. Jetzt mußte das harte Gestein mühsam durchbohrt werden mit Hilfe des Feuersetzens: d. h. der Stein wurde durch Erhitzen spröde gemacht, um ihn dann ab- räumen zu können. Wie ungesund und vor allem unwirtschaftlich war diese Art des Abbaues! Solch ein Stollen tonnte im Jahre köchstens zwölf Meter weit vorgetrieben werden. Der Dreißig- jährige Krieg legte viele Betriebe lahm. Später machte die !ionkurrenz des ausländischen Silbers den Bergbau vollends unrentabel. Heute ist außer den Kohlenzechen kaum noch eine Erzgrube im Bange. Vielcnorts weisen eingestürzte Berg- werke, sogenannte P i n g e n, alte Stauteiche auf den Höhen sowie riesige Schutchalden noch auf die früheren Betriebe hin. Frühzeitig sah sich also die Bevölkerung gezwungen, ander.« Crwerbsmöglichkeiten zu finden. Die Anhänglichkeit an die Heimat ließ den Gedanken an Auswandern nicht auskommen. Landwirtschaft war zwar immer schon getrieben worden. Aber der steinige Boden auf den Höhen konnte nur spärliche Produkte bringen. Dazu kam das rauhe Klima, die Ungeschützthell der Hänge, der harte und lange Winter, der die Vegetation um mehrere Wochen verzögerte. Neben etwas Hafer ist die Kartoffel mit das einzige Erzeugnis; auf den mageren Wiesen wächst gerade genug Gras, um etwas Kleinvieh zu erhalten. Besser ist es schon in den Tälern, wo man regelmäßig angelegte Reihendörser mit sauberen großen Höfen antreffen kann. Die Erzeugnisse sind hier auch mannigfaltiger, insbesondere wurde hier in früheren Zeiten auch Flachs gebaut. Dessen Weiter- Verarbeitung(Deckeln, Spinnen, Weben) brachte Erwerbsmöglich- kellen. Von belgischen Zuwanderern eingeführt, setzte frühzeitig die Spitzenklöppelei ein, die das Erzgebirge bald berühmt machte. Es begann eine lebhafte Hausindustrie sich zu entwickeln, ein bodenständiges Gewerbe auf Grund einheimischer Rohstoffe. Man lernte die Wolle der Schafe kunswoll zu Posa- menten zu verarbeiten. Das Holz der Wälder lieferte Ma- terial für mancherlei Gerätschaften. Stark entwickelle Phantasie und Kunstsinn des Volkes führte zur Herstellung von originellen Spielsachen, Musikinstrumenten und Möbeln. Aus Metall, besonders aus Zinn, wurden Haus- und Küchengeräte gefertigt. Bürsten- binderet und Strvhflechterei kamen auf, alles Erwerbszweige, die der Gebirgsbevölkerung vollwertigen Ersatz brachten für die ab- gebauten Schätze der Tiefe. In dieses friedliche Erwerbsleben drang aber im 19. Jahr- hundert als gefährlicher Konkurrent die Maschine ein. Die Zähigkeit und Ausdauer der Erzgebirgler nahm wohl den un- gleichen Kampf auf, aber die Kapitulation mußte früher oder später doch kommen. Die Arbeitsweise mußte vereinfacht und mechanisiert werden. So sehen wir vielerorts die Heimarbeit gewissermaßen am laufenden Band. In immer weiter- gehender Teilung arbeiteten Vater, Mutter und Kinder einander zu, immer dieselben Handgriffe, tagaus, tagein. Die Mannigfaltig- teit der Formen mußte fallen gelassen werden, die Arbeit wurde eintöniger, der Verdienst ging immer weiter zurück; vom Acht-, ja vom Zehnstundentag konnte keine Rede sein. Zum ersten Male wurde auf der H e i m a r b e i t s a u s- st e l l u n g 19 6 6 in Berlin die Oessentlichkeit auf diese grauenhaft schlecht bezahlte Arbeit hingewiesen. Mit Entsetzen hört« der Sozial- fühlende von Stundenlöhnen von höchstens 16, manchmal gar 2 oder 1 Pfennig. Kein Wunder, daß bei solcher Armut Unter- ernährung die Menschen cntkrästetc und Verzweiflung sie stumpf und gleichgültig machte. Die Wohnungsnot, die die zahl- reiche Familie in engen Räumen zusammenpferchte, muhte schließ- lich zu den Zuständen führen, die uns kürzlich hier geschildert wurden. Heute.. Heute steht der Steinarbeller fast gänzlich im Solde der Großindustrie und bedient sich auch mehr oder weniger der Maschine. Viele bodenständigen Gewerbe sind gänzlich verschwunden oder auf einen winzigen Bruchteil zusammengeschmolzen. Die Industrie ist vielfach von den heimischen Rohstoffen abgekommen und verarbeitet fremdes Material. Längst schon sind die Maschinen- fabriken zu westfälischem Eisen übergegangen und die Stanzereien verwenden Bleche von außerhalb. Die Textilindustrie, der Haupt- «rwerbszweig der Gegend, arbeitet mit Baumwolle und Kunstseide, absolut fremden Rohprodukten. Die Kohle allein, die seit 1836 gefördert wird, ist für die Industrie Hauptfaktor geworden. Wir sehen bis in die engsten Täler hinauf Fabrik an Fabrik: am Horizont einen Fabrikschornstein neben dem anderen. An allen Flußläufen und Bächen winden sich Eisenbahnen zum Kamm empor oder werden auf riesigen Viadukten über Schluchten und Täler hinweggeführt. Omnibusse und Lastautos vermitteln den Verkehr in den Höhenlagen. Wird sich bei den hohen Transportkosten die Industrie im Erzgebirge hallen können, wird sie überhaupt die augenblickliche beispiellose Krise überstehen? Was wird aus dem Heimarbeiter, der hier mehr wie woanders unter der Arbeitslosigkeit leidet? Das sind schwierige Fragen, die die Zukunft erst beantworten kann. Armut ist... liolisen SU einem aktuellen fthema/ Von.Heinrich �Heining Armut ist, als Begriff und als Zustand, theoretisch nicht zu erfassen. Die Praxis, lediglich und bedauerlicherweise, weist den Weg zu ihrer Erkenntnis. Hundertfach haben emsige Skribenten aus der sicheren Ent- fernung fröhlichen Wohlbehagens versucht, Armut und ihre Funk- tionen auf duldsame Popierbogen zu zaubern, ihre Zustände klar» zulegen und ihre Konsequenzen literarisch zu vertiefen. Das geht nicht. Aus der Perspektive des Wohlstandes kann man schlecht die Realitäten der Armut sehen. Die Resultate smd verzerrt, oft witzig, immer, aber trügerisch.. Ihre Lektüre mag cnteressant sein, wenn satte Bäuche geruhsam in weichen Sesseln lagern; sie enthüllt eine literarische Peroersion, wenn der beißende Nachdruck der Praxis tm Magen frißt. Gleichnis: Wenn man im wohligen Bette liegt und herbstlicher Hagel trommelt in Sturmrhythmen gegen sorgsam gebaute Doppelfenster, wächst, weil der Kontrast den Geborgenhells- nerv kitzelt, ein pathologisch gesteigertes Glücksgefühl. Man wird im Zwange dieses seligen seelischen Zustandes kaum eine ehrliche Studie über dos Grauen der Obdachlosigkeit schreiben können. Die Apotheke des Wohlbehagens liefert, nach dem Rezept der Theorie, als probateste Medikamente: Geduld. Frohsinn, Vertrauen und Hoffnungsstärke.(Sachverständiger für seelische Trostpillen ist der Seelenkastcllan des letzten Kaisers und der bereits engagierte Hofpredigsr der Harzburger Dynastie, Herr Doktor Doehring, der, nebenbei gesagt, von den revolutionären Forderungen der Bergpredigt oder Pauws-Briefch nicht«inen Hauch oerspürte.) Armut ist eine(nicht unveränderliche) Konstante im Gefüge der Welt. Sie ist die stützende Achse des Karussells, in dessen wiegenden Gondeln Könige, Diktatoren und Trust Magnaten sitzen, die, vorsichtig und vorbeugend, von Zeit zu Zeit den Organis- mus der Achse ölen, um sich und ihn vor störendem Gekreisch und destruktivem Heißlauf zu schützen. Das Oel, eine giftige Frucht chauvinistischer Pflanzen, rinnt salbig von Kanzeln, tropft im Marschtakt auf klingenden Paradeplätzen und fließt geschmeidig aus hurtigen Rotationsmaschinen. Die Geschichte der Menschheit ist. ohne Einschränkung, die Geschichte der Armut. Armut ist international wie die Liebe und der Tod. Der böseste Trabant der Armut ist der Hunger, jenes Phänomen, das, im Zwange seiner Eigenart, eine grausanre Gleich- zeitigkeit des körperlichen und seelischen Verfalls fordert. Die zer- fallende Physis ist, nur wenige Meter voraus, der Psyche ein fleißiger Schrittmacher. Wenn hinter den Augen ein Druck den Schädel zu sprengen droht und vor ihnen, ohne Gesetz in chaotischem Wirrwarr, rote und graue Punkte tanzend wachsen und in grotesken Spiralen verschwinden, wenn im Magen Leere pocht oder ein jäher Krampf seine Wände zerrt, wenn, der Gewohnheit vcrlMftet, Beine im Leerlauf einer Maschine den Körper über kalte Straßen schleppen, dann entspringt der Gedanke dem ziesstrebigen Geleise seiner normalen Funktion. Die Lektüre einer Speisenkarte, deren Programm vor blanken Riesenscheiben lichtquellender Restaurastls um Freier wirbt. verschafft, für Sekunden, eine herrliche Ruhe. Man liest, ordnet die Begriffe der Speisenfolge und versucht, den Geschmack seil- gebotener Gerichte nachzuempfinden. Der G e r u ch s i n n ist ein boshafter Zauberer. Der Duft eines Konfitürengeschäftes, geschwängert von der Fülle Weihnacht- licher Schokoladcnherolde, oerschiebt Jahrzehnte und zaubert Kinder- stube, Taimenbaum und detaillierte Erinnerungen in das bleiche Blickfeld. Man klammert sich, inbrünstig und besessen, an das Gerüst einer erregten Phantasie, man bohrt sich, Flucht vor Tatbeständen. in die Konturen der visionär prospektierten Bilder. Hintergründig lauert das Bewußtsein. Wenn er vor- springt und die auf fiebrigen Hungerinstinkten sich betrügerisch türmende Scheinwell zertrümmert, wächst die reale Situation, nunmehr offen gegen offen dem Vergleiche preisgegeben, über ihr Grauen hinaus. Die Gehmaschine verdoppelt ihre Touren und flieht vor dem Nichts in das Nichts. Arme Menschen lieben die Einsamkeit. Sie leben, seelisch isoliert, in den Zirkeln ihres privaten Schicksales. Es gibt arme Menschen, die den Hunger einem Almosen vor- ziehen. Es ist der instinktive Ausdruck des Rechtes, Las mit uns geboren ist. Die menjchenrechtlich garantierte(leider nicht paragraphenmäßig festgelegte) Teilnahme an den Lebensgütern der Erde tritt, wenn ein Almosen die Rot trüglich zu bestechen versucht, in energische Opposition zu dem paragraphierten Unrecht, dessen Bestimmungen einer verschwindenden Minderzahl der Menschen eine Ueberfülle materieller Güter zuspricht. Der Kampf gegen Almosen ist nichts als die natürliche Be- stätigung der natürlichen Tatsache, daß, also von Natur aus, der Mensch kein geborener Bettler ist. «« » Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß ein armer Mensch, wenn ihn die Alternative quält, wie er die letzten fünfzig Pfennige seinem Zustande dienstbar machen soll, durch Schnaps oder durch Leber- wurst, er den Schnaps wählt, weil, bei aller Anerkennung ihrer Vorzüge, die Leberwurst nur für kurze Zeit den Hunger beruhigt, ohne die Situation zu verschleiern, während der Schnaps, bei aller Anerkennung seiner Nachteile, mit dem Hunger gleichzellig die Situation verschleiert. Das ist, für den Augenblick, das produktivere Resultat einer Kapitalspckulation. Der brave Bürger freilich macht Lärm und zückt seine private Moral. »* « Menschen, die ehedem arm waren, nunmehr aber wohlhabend sind, verlieren oft mit der schwindenden Rot die Erinnerung an die Nachtelle ihres früheren Zustandes. Dieser Typus ist unangenehm, häufig und immer das menschliche Ergebnis menschlicher Charakter- schäden. Geht die Entwicklung umgekehrt, also von der Hausse des Reichtumes in die Baisse der Armut, erleidet meistens das Objekt, da die Entfernung groß und Armut hart ist, schon am Wege vor- zeitigen Schiffbruch. Das Leben liefert täglich zwingende Beweise. Reichtum ist nicht, wie es scheint, ohne weiteres das Gegen- teil von Armut. Armut ist ein Zustand, der den zum Leben not- wendigen Besitz ausschließt. Reichtum ist, hingegen, keineswegs der Zustand, der nur den zum Leben notwendigen Besitz darstellt. Er ist, in tausend Varianten, eine unmäßige Anhäufung der Lebensgüter, die ausreichen würden, nach vielfacher Teilung einer gleich vielfachen Anzahl von besitzlosen Menschen des Zustandes der Armut zu entheben. Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Vernunft fordern diesen Aus- gleich. Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit und Unvernunft bekämpfen ihn. Kennt man die ungleichen Partner des Kampfes, kennt man seinen Ausgang. Ungerechtigkeit ist, besonders wenn sie sich zur „Gesellschaftsordnung" verdichtete, ein zäher Feind. Unmenschlichkeit ein brutaler Gegner, und Unvernunft, wie es schon Schiller er- kannte, selbst Göttern ein grimmiger Kontrahent. G e r e ch t i g- k e i t aber uni» Menschlichkeit, getragen vom sieghaften Gesetz des gesunden Menschenoerstandes, find Waffen, deren blanker Ehrlichkeit und Schärfe sich auf die Dauer nichts zu widersetzen oermag. Der Glaube an diesen Sieg ist die Kraftquelle aller Menschen, denen die Armut, über die Kenntnisnahme eines be- tlagenswerten Zustandes hinaus, ein Erlebnis wurde. SEwei neue SSÜcher. Zwei ausgezeichnete Neuerscheinungen des Verlages„Bücher- gilde Gutcnberg Berlin": Martin Andersen Ncxö gibt in seinen drei kleinen Romanen„Die Familie F r a n k",„D a s Glück" und„Der L o t t e r i e s ch w e d e" wieder umfassende, tief erfühlle Bilder von den Menschen und der Landschaft seiner Heimat. Der Norweger Fredrik Parelius stellt in den Rahmen zweier stofflich verwandter Dichtungen, des Romans „Friedloses Afrika" und der Erzählung„Schwarze Legende", eine Fülle völkerkundlicher Einzelzllge; das Buch, von Ernst Züchner ins Deutsche übertragen, ist eine lebendige An- klage gegen die Anmaßungen der weißen Rasse und bedeutet eine unbedingt lesenswerte Bereicherung der Afrika-Literatur. h. h. ii. 1 Sportvereine ohne Beihilfen Konferenz der Arbeitersport-Vcreinsvorsitzenden Eine Konferenz der Vorstände der im Berliner Kartell zu- sammengefaßtcn Arbeitersportvereine hörte gestern einen informatorischen Vortrag des Stadtschulrats N y d a h l über die Sparmaßnahmen auf dem Gebiete der Leibes- Übungen. Nach der Auflösung des Stadtamtes für Leibesübungen sind die Turnhallen und die Sportplätze der Schulverwaltung zugewiesen worden, während die Badeanstalten dem chauptgesundhcitsamt unterstehen. Bei der gegenwärtigen Notlage hat sich die Stodtver- waltung mit dem Gedanken getragen, die Benutzungsgebühren für die Badeanstalten, Turnhallen und Sportplätze so zu erhöhen, daß mindestens die Unkosten gedeckt werden. Zum Glück gelang es bis- her, dieses Unheil von den Sportvereinen fernzuhalten, denn bei der Echuloerwallung ist die. Erkenntnis maßgebend, daß es zu einer wichtigen kommunalpolitifchen Verpflichtung der Stadt gehört, die Erziehung der Jugend zur Gesundheit, zur Gemeinschaft und zum Staatsbürger nicht zu vernachlässigen. Das ungedeckte Etatsdesizit von 69 Millionen Mark hat eine Herabsetzung aller als nicht un- bedingt lebensnotwendig bezeichneten Ausgaben veranlaßt: darumer fallen, so betrüblich das ist, auch die Beihilfen an die Sport- vereine. Für 1932 wird man sich damit abfinden müssen, daß beispielsweise die früher in den Etat angesetzte Pauschalsumme, die zur direkten Verteilung an die Vereine bestinimt war, wegfällt, und daß darüber hinaus die Zuwendungen an die Sportsspitzcn- verbände und an die Organisationen für Jugendpflege um mindestens S6 Proz. gekürzt werden. Genosse Nydahl folgerte daraus, daß die Vereine bei der ungeheuren Erwerbslosigkeit ihrer Mitglieder und bei dem Abbau der Beihilfen nicht mehr in der Lage sein werden, die Benutzungsgebühren an die Stadt zu bezahlen. Man wird dann den Vereinen insofern entgegenkommen müssen, als man vielleicht die Benutzung der Turnhallen, Spielplätze und Badeanstalten von einer Gebühr gänzlich befreit. In d>.r Diskussion brachten eine Anzahl Vereinsvertreicr ihre Beschwerden vor. Der Vorsitzende, Stadtverordneter B a r t h e l- mann, faßte diese Beschwerden zusammen und erklärte, daß nicht Protestaktionen nach kommunistisch-bürgerlichem Muster nützen, sondern ernste Verhandlungen mit den Behörden, die von den Sozial- demokraten in der Stadtverwaltung mit gutem Erfolg gepflogen wurden. Bei der finanziellen Lage der Stadt Berlin verlangen die Arbeitersportler nichts Unmögliches, sie wollen aber mit Maß- nahmen verschont bleiben, die man als Schikane auffassen kann und die geeignet sind, den Sportvercinsbetrieb lahmzulegen. Die Idee eines selbständigen Stadtamtes für Leibesübungen sei selbst nach der Auflösung des bisher bestehenden nicht begraben: felbstverstädlich müßte das neue besser funktionieren. An den Stadtschulrat richtete Vorthelmann die Bitte, die Sportvereine und die Leibesübungen so wie bisher zu fördern. Fritz W i l d u n g, der Geschäftsführer der Zentrallommission für Arbeitersport- und Körperpflege, sprach über die Arbeits- d i e n st p f l i ch t für jugendliche Erwerbslose. Er zeigte, wie bürgerliche Organisationen die Arbcitsdienstpflicht zur Herrichtung von Sportanlagen aller Art für sich ausnutzen und meinte, daß da, wo es möglich sei, durch Arbeitersportkartelle oder Vereine die Arbeitsdienstpflicht ausüben zu lasten, die Arbeitcrsporller nicht ab- seits stehen sollten. Die meisten Diskussionsredner lehnten allerdings die Beteiligung an der Arbeitsdienstpflicht rundweg ab. Fußball/ Handball/ Hockey Adler 08 verliert ge(*en Trebbin 3; 5 Eine Sensation: Der angehend? Arbciter-Fußball-Abteilungs- meister der Abteilung S der Kreisklaste, Adler 9 8, verliert auf eigenem Platz gegen den Tabellenletzten, Trebbin, sicher mit 3: 5. Wie war so etwas möglich? Adler hatte den Gegner zu leicht ge- nömmen. Außerdem hatten die Trebbincr in ihrem Torwart ein unschlagbar erscheinendes Hindernis. Währens die Pankower sich in Ueberkombination verzettelten, dadurch der Trebbiner Hinter- maimschaft stets Gelegenheit zur Abwehr gebend, schössen die Gäste aus jeder Lage aufs Tor und hatten den Erfolg für sich. Für Adler wird tcx Ausgang dieses Spieles das Signal sein, in den noch ausstehenden Kämpfen die gleiche Taktik anzuwenden. Die Trebbiner wußten, um was es ging und kämpften bis zum Schluß- pfiff, während die Pankawer, etwas deprimiert, am Spielende nochließen. Der Klubkampf, der in Lichtenberg zwischen Normannio und Minerva zum Austrag kam, endete mit dem S: 3-Punktsiez der Neuköllner. Im Spiel der ersten Männermannschaften be- wiesen die Normannen, daß sie den Meistertitel im 1. Bezirk zu Recht tragen. Bereits in der 16. Minute fiel der Führungstreffer für Normannio. Ein? Flanke von Hall links konnte der Halbrechte aus kurzer Entsernuiig unhaltbar einsenden. Trotz mehrfacher Ge- legenheit gelang es den Neuköllnern nicht, den G'eichstand herbei- zuführen. Schon wenige Minuten nach der Pause konnte Nor- mannias Halbrechter den Ball zum zweiten Male einsenden. Das war für Minerva das Signal zum Angriff. Immer wieder kamen sie vor das Tor Ziormannias, etwas Glück und Geschick verhalf dem Torwart ober in den letzten Momenten zum Ball. In der 27. Minute mußte er aber doch im Anschluß an eine Ecke passieren lasten.— Ergebnisse: Minerva 2 gegen Normannia 21:0. Minerva 1. Jugend gegen Normannia 1:1. Minerva 2. Jugend gegen Normannia 7:0.— Der zweite Klubkampf zwischen W i l- Wersdorf und B u t a b endete mit dem Resultat 4: 2 für Butab. Im Spiel der ersten Mannschaften mußten die Wilmersdorfer aller- dings über eine Stunde mit nur 9 Mann spie'en. So kam es auch, daß sie nnt 4: 1 verloren. Die zweiten Mannschaften trenn- ten sich mit dem Resultat 0: 6: Wilmersdorf 3 gegen Butab 3 3:1. Weiter« Resultate: Lichtenberg I gegen Weigensee 2:2.— Saxonia gegen unb Vorwarts-Bedding lieferten sich einen ASD. Ncickim»«:2.— Hansa 31 wenig schZnen Kampf, der 2:0 fitr endete.— Hansa Ii gegen Lichten, bera ll 5:0.— Hansa IN gegen Boltsspart Nenkölln u 2:S.— Vorwärts. Wckding II gegen Adler 08 Bezirk 6:2.— Vorwärts in gegen Adler in 0:6. — Schänebcrg II gegen Friedenau III S:0.— Echönebcrg Iii gegen Teltow III b:Z.— Saxonia n gegen ASB. Neukölln II 0:0. * In Nowowez herrschte gestern reger Handballspielbetrieb/ Im Hauptspiel der 1. Klosse hatte die Nowaweser Turn- und Sport- Vereinigung die Freie Turnerschaft Vellen zu Gast, die beide für ein flotles Spiel sorgten. Nowawes war im allgemeinen flinker am Ball und verschaste sich auf Grund dieses Vorteils bald die Führung. Velten machte die größten Anstrengungen, um den Aus- gleich zu erreichen, dach es mangelt am erfolgreichen Torwurf. Erst nachdem Nowawes sich zwei Tore Vorsprung gesichert hatte, kam Velten zum ersten Erfolg. Bis zur Paus««rol erte sich der Platz- besitzer noch ein drittes Tor; das Schlußresultat lautete 3: 3 für Nowawes. Auch die übrigen Nowaweser Mannschaften setzten sich erfolg- reich durch. So siegte Nowawes 3 über die Vertretung des Zentral- Verbandes der Angestellten 7:4(6:1): die Frauen über TSV. Kaulsdoif 2:0(1:0): und die Jugend über Kaulsdorf 6:0(4:0). . vezieksklasie Osten: Zum Ecfellschaftospiel weilte Deel!» in(Bezirk Silben) In Äaulsboef beim TSV. Äaulsdorf gewann durlb bessere Stürmerleistungen Wik 8:2(3:0).__ TS?. Kaulsdorf II gegen Tennis-Rot Srosi.Verlin 10:1(Z:I). Bc-irlsklassc Narben: SB. Moabit und ASB. Wedding konnten ihre Fllhrersielle in der Abteilung I! weiterhin befestigen, denn FTSB. Norden nnb ASV. Rot- Weih wurden mit 6:3 beziehungsweise 1:0 geschlagen. In der Abteilung.K hatte FT. Friebrichsthal allerlei Mühe, gegen FTSB. Nord. ring N einen Sieg herauszuholen. Wie schwer es war, sagt das 3:2-(1:0.) Ergebnis seh MM---~'--------- 0:0. Frauen: ASB. Wedding gegen gegen Berliner Schwimm.Ünien 0:1. «ezirloklasse W-ste«: FTSB. Spandau kam zu zwei wertvollen Punkten, indem es de» 2. Bezirk der Tnrncrschaft Brandenburg mit 2:1 schlug. Der Anschluß nach vorn dürfte damit hergestellt fein. Bezirl-klasie Süden: Eefellfchaftsfpiele: FSB. Fichte gegen Volkssport Wedding III i:7 und ASB. Schäneberg III gegen Verlin Xll, III, 2:2. Hodcev Das winterliche Wetter hatte überall den Boden hart gemacht,' wodurch die Spiele stark beeinttächtlgt wurden. Der Verein für Le'be Übungen Ostring 1 hatte alle Mühe, den Athletik-Sport-Club mit 2:0 zu halten. Der ASE. hatte in der Läuserreihe seinen lläetsten Mannschaststeil und leistete dem Meister guten Widerstand. Die!l.?'bte!lüng von Ostring hielt die Freie Sportvereinigung Pankow 1 sicher mit 3: 1 Toren. Die Pankowcr zeigten viel Ehr- geiz, hatten aber wenig Zusammenspiel und Ausbau. Beim Arbeiter- Sportverein Rot-Weiß klappte es bedeutend bester, vor allem hatte der Sturm wieder gute Durchschlagstrost und konnte so die Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Tempelhaf mit 4: 2 Toren dos Nachsehen geben. Die 2. Mannschaft des Arbciter-Sportveretns Rot-Weiß gewann gegen die Freie Turnerfchast Groß-Berlin Osten 1 stets sicher mit 6:1 Toren. Der Freie Hockey-Club Spandau 1 fpiellc gegen den Männer-Turnverein Bernau 5: 0. Bei den Frauen siegten die bisher ungeschlagenen Tennis.Rot s gegen ViL. Ostring l:y recht glücklich und lue Frauen vom Ardeitersportverein. Rot- Weiß gewannen leicht gegen Tennis-Rot ll mit 4:1 Toren.— Weitere Resultale: Freier Hockep-CIub Spandau gegen Arbeitersportverein Schöneberg"Ii 1:1 und der Athletik-Sport.CluÜ II gegen Tennis-Rot IV 3:0. Schwerathletik Ringer Wettstreit bei Alt-Wedding Die bundesireuen Athletcnvereine führten wie olljährlich neben den Serienkämpfcn eine Wertprüfung ihrer Kämpfer i m Ringen durch. Nachdem bereits die schweren Klassen ihre Kräfte erprobt hatten, standen sich am Sonntag in der Turnhalle Utrechter Straße die Ringer der leichten Gewichtsklassen aus den Vereinen Tegel, Sparta, Alt-Wedding, Teltow und Luckenwalde gegenüber. Aus der Schar der Bantamgewichte hatten sich Pfeusser-Lucken- walde und Schlickeisen-Alt-Wedding herausgerungen, im Schluß- ringen konnte der Luckenwalder geschickt seinen routinierten Berliner Gcgner in der 3. Minute abfangen und auf die Schultern zwingen. Pfeuffer wurde mit vier Siegen vor Schlickcisen(zwei Siege, eine Niederlage) Erster. Für die Endrunde im Federgewicht placierten sich Schlichtenberg-AU-Wedding und Noack-Luckenwolde: hier siegte der ältere Sch. in der 7. Minute. Im Gesamtergebnis siegte Schlichtenberg mit sechs Schullersiegen vor dem Luckenwalder Noack. Rofinski-Tegel und der Weddiziger Putzte waren im Leichtgewicht die Endkampsgegner. Beide trafen mehrmals auseinander, und dreimal endeten die Gänge mit einem klaren Unentschieden. Auf eine noch auszutragende vierte Begegnung verzichtete P., und so belegte der in den vorangegangenen Vorkämpfen einmal mehr erfolgreiche ehe- malige BSC.-Ringer Rosinski-Tegel im Gesamtergebnis den ersten Platz.» Tanz ist Körperkultur In Haverlands Festsälen hatte der Freikörperkultur- bezirk der FTGB. zu einem Volkstanzabend geladen: der große Festsaal reichte bei weitem nicht aus, um all den Tanz- lustigen zu ihrem wohlverdienten Recht zu verhelfen. So wurde in Etappen getanzt und die Musikanten hatten alle Hände voll zu tun, denn den flotten„Windmüller" oder das launige„Mädel wasch dich" mußte ein-, zwei-, vielleicht auch dreimal wiederholt werden, bis eben alle an der Reihe waren. Es ist ein ungemein buntes, lebensfrohes Bild, oll die jungen, frischen Menschenkinder in den schönen, natürlichen Tanzbewegungen sich bewegen zu sehen, womtt aber beileibe nicht gesogt sein soll, daß die ältere Jugend zugunsten der neuen Generation vernachlässigt wurde. Im Gegenteil, die bekam nach je drei Iungtänzen ihre„Extratour". Walzer, Rhein- länder und Polka und sie bewiesen den Jungen, daß auch sie noch nicht alle Lebensfreude eingebüßt haben und mit der Jugend fröh- lich sein können. Das ist ja gerade das Schöne und besonders Er- freulichs an allen fortschrittlichen Bestrebungen, sei es auf kultu- rellem, gesundheitlichem oder polttischem Gebiet, daß die Jugend werbend und befeuernd voranschrcitet und die anderen überzeugt und mitreißt. Während der Tanzpausen sang der Bezirkschor Moa- bit, begleitet vom ebenso tüchtigen wie rührigen Tanzorchester der Gruppe: dann gab es hübsche gymnastische Tanzvorführungen der Lichtenberger Iugendgruppc. Inzwischen waren die Tanzfreudigen ausgeruht und legten mit wirklicher Grazie und gutem Rhychmus noch eine ganze Reihe hübscher Volkstänze, den flotten Wirblcr, die Schottische Quadrille, den Gelbzahn und wie sie alle heißen mögen, hin. Der Frcikörperkulturbund zielle darauf hin, dem Körper auf die verschiedenartigste Weise Entspannung zu bieten, um so einen völligen Ausgleich in physischer und psychischer Beziehung zu schaffen._ Polizei' Boxmeisterschatten Der Polizeisportoerein veranstaltete gestern im Saalbau Fried- richshain einen Boxkampfabend, bei dem die Vereinsweister- schaften ausgetragen wurden. Die große Uebcrrafchung des Abends war der Punktsieg von S e n st über den alten Polizeimsister Ga i k ows k i. Der alte Meister, der sich immer noch sehr gut hiell, tonnte aber auf die Dauer dem jungen Senst doch nicht standhallen. Man darf allerdings zugeben, daß der Sieg an Senst sicher nur ge- geben wurde, weil es eben ein Meisterschastskampf war. Im Leichtgewicht Holle sich P a p p st e i n den Titel in dem Kampf gegen Lütte nach Punkten. Weltergewichtsmeister wurde D o m k e über Raeuns. der in der dritten Runde ausgezählt werden mußte. Thörey unterlag im Mittelgewicht Hörne mann nach Punkten und im Schwergewicht siegte ebenfalls nach Punkten S u r m a über Ulrich. Kleiner Sport von überall 3n ihrer Pholo-Zahrcsschau zeigen die Naturfreunde-Phoio- graphen 100 Bilder, die von fleißiger gemeinschaftlicher Arbeit Zeugnis geben. Die Ausstellung erfreute sich bisher eines recht regen Besuchs und kann jedem photographisch Interessierten bestens empfohlen werden. Sie befindet sich bis zum 6. Dezember in den Vcrcinsräume» Iohannisftr. 14/13 und ist geöffnet werktags von 10— 21 Uhr. Sonntags von 10— 20 Uhr. Unkostenbeitrag 10 Pf. „Macht Kinder froh!" Mit diesem Grundsatz eröffnete die Freie Turnerschaft Groß-Berlin, Bezirk Tempelhof, eine zweite Knaben- und Mädchenabteilung. Die Ucbungsabcnde finden jeden Freitag von 13— 20 Uhr in der Turnhalle Manteuffelfttaße 66 statt. 7000 Mark für die Winterhilfe. Dem zugunsten der Winter- Hilfe in Mariendorf abgehaltenen Trabrenntag war ein sehr guter Erfolg beschieden. Das Zusammenwirken aller günstigen Faktoren brachte es zuwege, daß der Winterhilfe ein Betrag von rund 7000 Mark zufließt. Schalke 04, der bekannte bürgerliche Fußballoerein, war wegen der Vorfälle bei dem im Juni stattgefundenen Spiel gegen Fortuno- Düsseldorf voxi einigen Personen, die in dem Gedränge verletzt oder deren Kleidung beschädigt wurde, auf Schadenersatz verklagt worden. Der erste Termin vor dem Amtsgericht in Gelsenkirchen zielte auf eine Einigung zwischen den Parteien ab, jedoch vergeblich. Auf den Ausgang der Klage darf man schon deshalb gespannt sein, weil auch andere Vereine einmal in die gleiche Lage kommen können. Tschechen im Spichernring. Der„Ständige Boxring" in den Spichernfälen hat für feine nächste Veranstaüung am 4. Dezember zwei gute tschechische Professionals verpflichtet. Exmeister Heinisch- Mühlhaujen geht mit dem tschechischen Meisterschastsanwärter im Leichtgewicht, Noootny, in den Ring, und der Münchener Phil Nefzger ist mit Novak-Prag gepaart worden. Weiterhin steht bisher auch noch die Begegnung zwischen Seisler-Berlin und Thriene-Hannovsr auf dem Programm._ FTSB.. Bezirk Stralau. Monatsversammlung heut-, Dienstag, 20 Uhr, bei Ballcnbach. Alt-Stralau 8. Bczirtska'rtcN Wcdding. Karlelldelegiertenverfammlung Mittwoch, 2. De. zembcr, bei Soath, Lnnarstr. 10, 20 Uhr. Vorstandsmitglieder IS Uhr. Letzte Fraaebcgcn mitbringen. Freie Schwimmer Eharlatteadurg, Kaauabteilnig. Heute, Dienstag, 20 Uhr, Verfammlunä bei Germar, Kaifer.Friedrich.Str. 13. Freie Schwimmer Eraß-Bcrlin e. V. Hauptausfchußsttzung Donnerstag, Z. Dezember. 20 Uhr.®t'"---------- Volkssport Rcukäll»-' irirder tn der oberen 3. Dezember, 20 Uhr,. WL... WW Donnerstag, 3. Dezember, 18 Uhr. Meldeschluß zum Kinder.Freunbschaftstreffe» in Kossen(alle Teilnehmer erbalten Privatquartier). Aebeitersportkartell, Beiirl Mittc. Sitzung Donnerstag, 3. Dezember, fällt aus. Sportverein Moabit. Mittwoch, 2. Dezember, 20 Uhr, Lokal Rästel, Putlitz- strafe 10. Porstandssitzung. Donnerstag. 3. Dezember. 18% Uhr, Statthaft TurmOraße Badcabenb für alle Abtellungen. Kartell Prenzlauer Berg. Sitzung Mittwoch, 2. Dezember, 20 Uhr, bei Hvsf. mann, Lnchener Str. 8. SA?, ist eingeladen. Bodeobrndfragen. Staat» Thcaicr Oienstatz, den I. Dezember Staatsopar unter t en Linden ■ 20 Uhr DerZigeunerbaron S§iädf.Oper Charloitenburi; SismarckstraBe 34 Dienstag, I. Der. Turnus III Anfan« lO Uhr Soldaten rnde gasen 2230 U StutLSteplillum unksmenmtiti 20 Uht ffallensielns Laoer/ Die Plccolorrlni Schiller-Theater dutltOakin. 20 Uhr Doktor Klaus VoiHsounne Tlnitti so ifflloiDiati 8 Uhr Der grüne Kanada Oer Kammersünoer Sinti. Sdiilln- teitt s Uhr Doktor Klaus SeoKdus Iheam 8 Uhr Ge Aidiien aas dem Wiener Wald von Oedon Horvaih liqli: Bciaz Siißiki ZAasscfanelden eatral- Ttzeater Alte Jakobsir. 3»32 Dönhoff 2047 Täglich Uhi Sonntgs.5''JU.81AU. MMMiSMel Mittwoch 4 i hr Hansel nod Grete) Vorz. halbe Preise ab SO PL Die Komödie 8-o Uhr Jemand von Franz Moinar iigli; Costa! CrOinlgtDs Bit llbirt Bassermann Theater im AdmiralsDaiasi Täglich&*:« Uhi Die Dnbarry mit Dilta Aipar Preise v. O.SO M an Theater am N.llendottplat- iiezi»: Bei» U t.lkri Täglich 8>,« Uhr Sonnlag 4'/« Uhi Sasparone Mittwoch 4 Uhr Rnedit Roppredi t: Faan las MardLolaod orie Speziai-ruppsDM Berlins! n 54 P. R.Zierow nss Schönhauser All8e179 Ecke Fehrbeliiner SiraSe ürBSiesLacervonriippeii euer Sri Reparaturen und alle Ersatzteile Aul Anzah ung werden �uppen z'-rü köpstol'f? Engros-u.Einzelverkauf Fernspr.: 0 5. umeta 1033 Kein Laden! 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