Morgeaausgabe MAwoch � Vi 2. Oejember 1931 arÄ'ffi.Äjs jElli MMD �Nl'Tp1-A- tung ins Haus» im voraus zcchlbav«ffijgj frZt&S B tf-, MI W> W» DW Mi MW f/ Mi«ra�VV/' LS«ÄK«,S iM W>>>�>>> II I tz I jB»SWBrÄ» »SÄÄSSStit fB III II I, MMM I I I I»M NNSLWkWUi Drucksachenporto».- M. u I JW B �1 JKBL JBRS-jB.V u|H/ weii-re Morl 12 Ps Rabatt lt. Taiis. « u l ESI � �HMX. B �j/ EH I Stell-Ngejuche das erste Won ISPs, >iBfl I MAv r.JHLV H! jedes weitere Won IV Pf. Motte über Der.Porwärrs- erscheint wocheatSq. 7 � �W»> Hl IS Buchstad.» zählen w. zwei Worte. Irch zweimal. Sonntags und Montags 7 � ArbeitsmarN Zecke 60 Pi g-mitt-n. einmal, die Abendausgabe vir Beritu �RW!�—— s � � r�.M m mm'**9�� anz-,g-nZ°iI.«Ps Anze.aenannahm« und im Sandel mit dem Titel.Der' a. m.*. IM � � � un«auplg-schast Linden iraß. 3. wochen. VOVUttOt! V�ßVKVAM» Jentvawvgan der Sozialdemokratischen Variei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW68. Llndenstr. 2 Rni'M/ll'ta-'N»»'!/»/,£9\ tn h€\ Postscheckkonto: Berlin s? öSS.- Bankkonto: Bank der Ardeuer. Ältgcslellte» und l�ernspr.. Tönbofs fA 71 WS— 227 Telegramm-Adr.: Sostaldcinokrai Berlin �FvriUUl iv--Vv»«UN K.Jt IT». 0. Beawten.Lindeilstr.S Dt B.u DiSc..Ge>„ Depostteuk.. Jerusalem« Str. Wi«. Die Partei kampfbereit! Beschlüsse des parteiausschuffes und der Michstagsfraklion. Der sozialdemokratische P o r t e i a u s s ch u ß trat Diens- tag vormittag mir den Vertretern der befreundeten Organi- satipnen zu einer Sitzung zusammen, in der die notwendigen Maßnahmen im Kampf gcgendic Deinagogie und den Terror der Nationalsozialisten ausführlich besprochen wurden. Die Berichte aus den Bezirken ergaben überein- stimmend, daß der K a m p f w i l l e der Parteigenossen über- all durch die Herausforderungen des Hakenkreuztreibens aufs äußerste gesteigert ist. Dieser Kampfwille wird sich in einer gemeinsamen Front mit den Gewerkschaften, dem Reichsbanner und den Sportorganisationen noch wirksamer betätigen können. Die Tagung war beherrscht von der lieber- zeugung, daß es dieser geschlossenen Front der sozialistischen und republikanischen Massenorganisationen gelingen wird, den Faschismus auf seinem Wege zur Macht nicht nur auf- zuhalten, sondern zurückzuwerfen und zu schlagen. Im Anschluß an die Sitzung des Parteiausschusses wurde eine gemeinsame Tagung der Reichstagssraktion mit dem Parteiausschuß abgehalten. Der Vorsitzende der Fraktion, Genosse Dr. B r e i t s ch e i d, sprach über die politische Ge- sanltsituation und berichtete über die Arbeiten des Frakrions- Vorstandes. Die mehrstündige Aussprache ergab v ä l- lige Einmütigkeit in der Beurteilung der. übetaus ernsten Lage und in der Entschlossenheit, den Kampf gegen Faschismus und soziale Reaktion mit dem Einsatz aller politischen und organisatorischen Kräfte zu führen. Für die weitere Arbest der Fraktion wurden folgende Richtlinien aufgestellt und einstimmig gebilligt: Die hessischen Dokumente haben die außerordenttiche Gefahr der nationalsozialiftlscheii Staalsseindfchaft aufs neue enthüllt. Tie Republik die Verfassung, die politische Freiheit. die persönliche Zicherheit, die Fortführung jeder geordneten Wirtsck>aft sind bedroht. Die sozialdemokratische Fraktion anerkennt das energische Vorgehen der preuhischen und hessischen Regierung. Sie fordert aber von der Roichsrezierung, daß auch sie endlich mit Klarheit und Zielbewußtfein den Kampf zum Schutze der Verfassüng aufnimmt und ihn all ihren Organen zur obersten Pflicht macht. Die Politik der sozialdcmokra- tischen Fraktion dient der Au s r c ch t e r h a l t u n g der Demo- k r a t i e und der sozialen Errungenschaften der Arbeiterschaft. Der Erfolg dieser Politik würde aber in Frage gestellt, wenn eine unentschiedene Haltung der Reichsregierung die Gefahren für die Aufrechterhaltung der Verfasiung vergrößert und ihre Bekämpfung erschwert. Angesichts der Perfchärfunz der Wirtschaftskrise erneuert die lozialdenwkratisch« Fraktion ihr Verlangen, alle Kräfte zur Ucber- windung der Krise einzusetzen. Der internationale Charakter der Krise macht Maßnahmen internationaler Verständigung und Zu- sammenarpeit unerläßlich. Weder nationalistischer Lärm nach militaristisches Aufrüstungsgerede dürfen der klaren Verfolgung einer Außenpolitik der Verständigung im Wege stehen. Zur Er- nröglichung dieser Politik fordert die Sozialdemokratie auch von den auswärtigen Mächten Verständnis für die außerordentliche Schwere der Wirtschaftskrise und für den furchtbaren Druck unter dem die arbeitenden Massen in Deutschland stehen. Dauernde Erleichterung der ausländischen Zahlungen, völlige Entlastung der deutschen Wirt- schajt, solange die ökonomische Depression herrscht, Wiederherstellung der deutschen Kreditfähigkeit durch ein angcmesscnes llebereinlonimeil mit den privaten Gläubigern, Verständigung über die rnrnier gefährlicher werdenden Maßnahmen einer heminungslosen Hochschutzzoll- Politik sind die Voraussetzungen jeder Krisenbekämpfung. In der inneren Wirtschaftspolitik fordert die Sozialdemokratie von der Regieruirg die Durchführung ihres immer wieder an- gekündigten Borgehens gegen die überhöhten monopolistischen Preise. Der Abbau von Hochschutzzöllen für Lebensmittel und Vorprodukte der verarbeitenden Industrie, di« Beseitigung der Preisbindungen der zweiten Hand, die Herabsetzung der Kartellpreise, die ständig« Ueberwachung der monopolistischen Preispolitik durch ein Kartellamt sind notwendig zur Auflockerung erstarrter Preise, zur Anregung der Ilmsätze und zur Belebung des Konsums.»Die Wirkung der Preis- fcnlung würde aber durch einen neuen Lohnabbau völlig ausgehoben werden. Denn dieser würde die belebende Wirkung einer Stärkung der Masieukauflrast von vornherein wieder unterbinden. Deswegen lehnt die sozialdeulokrntifche Fraktion im engsten Einvernehmen mit de« Gewerkschaften neue Lohn- und Gehaltssenkungcn ab. Sie fordert von der Regierung die Erfüllung ihrer Zusage, das kollektive Arbeitsrecht unangetastet zu lassen und die Durchholtung des Beschlusses des Reichstages, der die Aufrechterhallung des Tarif- rechts fordert. Jede Verminderung des Reallohnes bedeutet eine neue Vor- schärfung der Krise. Lohnsenkung würde technisch und organisatorisch rückständige Betriebe auf Kosten der Arbeiter nur länger am Leben erhalten, und so die Selbstreinigung der Krise verzögern. Sie würde die Nachfrage in den Konsuinmittclindustrien vermindern, ohne die Nachfrage in den Produktionsmittelindustrien mit ihrer erhöhten Kapazität zu steigern. Die Behauptung des deutschen Fertigwaren- crparts auch während der Krise hat bewiesen, daß die deutsche Industrie aus dem Weltmarkt durchaus konkurrcnzsähig ist. Den Wirkungen der Wührungswirren und der neuen hoch- schutzzöllnerischen Abwehrinoßnahmen durch Lohnsenkungen begegnen zu wollen, ist eine Utopie und ebenso dilettantisch wie gefährlich. Denn jede neue Lohnsenkung würde durch neu« Zollinaßnahmen beantwortet werden. Nur handelspolitische Verständigung, nicht aber deutsches Lohndumping kann hier einen Ausweg bringen. Die sozialdemokratische Fraktion bat die Ausrechterhaltung des Gleichgewichts in allen öfsenllichen Finanzen immer für notwendig angesehen. Die neue Finanzsanierung, die die Krise erforderlich u>ach t. nniß sich aber streng aus die Ausgleichung der Fehlbeträge beschränken und darf nicht zu neuen Subventionen mißbraucht worden. Dabei muß die Reichshilfe für Länder und G c- in e i n d c n so gestallet werden, daß ein Zusammenbruch ihrer Finanzen verhindert und die Unterstützung der Wohlsahrtserwerbs- losen gesichert wird. Solange die Krise andauert, bleibt die Versorgung ihrer Lpfcr die erste soziale Pflicht. Deshalb dürfen neue Sanicrunzsmaßnahmen nicht zu weiterem Sozialabbau führen, das Reich muß besonders Mahnahmen treffen, um den notleidenden Landcsoersicherungsanstalten der Invaliden- Versicherung die Flüssigmachung ihrer Anlagen zu ermöglichen. Die zusätzliche Versorgung der Arbeitslosen und Rentenempfänger mit Kohle, Fleisch und Kartoffeln, um sie gegen Hunger und Kälte zu schützen, muh unverzüglich durchgeführt werde». Die Wirtschaftskrise hat alle Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft aufs äußerste gesteigert. Unerträglich wirkt aus die Arbeitermassen die Erfahrung, daß in der kapitalistischen Gesellschaft ungeheuer anwachsender Reichtum immer wieder- kehrend Massenelend und M a s s e n n ot erzougt. Immer schwächer aber auch wird di« Verteidigung des kapitalistische« Systems, und ihren Trägern bleibt als letzte Hoffming nur noch di« Auslieferung der Massen an die faschistische und nationalsozialistische Demagogie. So wächst der Kamps»m die Erhaltung der Demokratie und um den Ausbau des Sozialisinns iimncr mehr zu einer Einheit zusammen. Um ihre» Kampf erfolgreich führen zu können, bedarf die sozialdemokratische Reichstagssraktion der Unter- stufcung aller Arbeiterorganisationen. Denn es gilt jetzt auch außerhalb des Parlaments durch Abwehr allen Terrors und aller Einschüchterungsversuche die Grund- löge zu bebauptcn, aus der die parlamentarische Vertretung ihre Aktionen durchfichren kann. Die sozialdemokratische Reichstagsfrakiion und der Parte iaus- schliß erteilen der Partei- und Fraktionsleiking Handlungs- f r e i h e i t im Sinne der vorstehenden Darlegungen mit der Matz- gaW, daß die Fraktion mich dem Bekanntwerden der Notverordnuiig sofort zu erneuter Stellungnahme zusammentritt. Ueber den Inholt der neuen Notverordnung der Reichsregierung fanden auch am Dienstag wieder Ber- Handlungen innerhalb der Regierung statt. Mit der Fertig- stellung dieser Verordnung bis Ende dieser Woche ist jedoch kaum zu rechnen. Daher wird der Plan erwogen, den Teil der Notverordnung, der sich mit der Sanierung der öffent- lichen Haushalte beschäftigt und der für' die Baseler Verhand- lungen von besonderer Bedeutung ist. vorweg zu verabschieden. Entsprechend dem Austrag, den die sozialdemokratische Reichstagssraktion ihrem Vorstand in der Dienstagsitzung er- teilt hat, sofort mit der Regierung über den Inhalt der Not- Verordnung zu verhandeln, werden am Mittwoch oder Donnerstag solche Besprechungen mit dem Reichskanzler Dr. Brüning stattfinden. Dabei dürfte mit aller Deutlichkeit das Verlangen der Sozialdeniokratie zum Zlusdruck gebracht werden, daß die Reichsregierung sowohl den Kampfgegen den faschistischen Terror energischer als bisher führt. daß aber auch bei der Notverordnungspolitik weitgehende Rücksicht aus die schwere Notlage der breiten Volksschichten, insbesondere durch Verzicht auf den Lohn- und Sozialabbau genommen werden muß. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion wird unmittel- bar nach dem Erlaß der Notverordnung wieder zusammen- treten. In dieser Sitzung wird dann auch entschieden werden, ob die Sozialdemokratie einen sofortigen Z u s a m m e/l tritt des Reichstags für notwendig hält. Hitler rückt von Best ab. Die hessische Fraktion desorganisiert. Die Pressestelle der Reichsleüung der NSDAP, teilt mit: Der Untersilchlingsmlejchutz und Schlichtungsallsschlih der Rklchs- leitung der NSDAP, hat angeordnet, datz die Parteigenossen Dr B e st, von Davidson, Stavinoga und W a s s u n g bis zum Abschluß der Untersuchung durch den Overreichsanwall von jeder parteiamtlichen Töiigkeit zu entbinden sind. Seine weitere Stellungnahme tn dieser Angelegenheit behält sich der Untersuchungs- und Schlichtungsausschuß der Reichsleitung bis nach der Entscheidung des Oberreichsanwaltes vor. Der neugewählte Hessische Landtag tritt am 8. Dezember Heute abend grohe republikanische Massenkundgebung im Sportpalast! zusammen. Die siegreiche Fraktion der Nationalsozialisten befindet sich jetzt schon in einem unbeschreiblichen.Ptstand. Ihre Führer sind entweder ausgeschlossen, wie Dr. Schäfer. oder von jeder parteiamtlichen Tätigkeit entbunden wie Best, Davidson, Stavinoga und Wassung. Andere, die aus der Naziliste gewählt sind, werden von der Parteiführung nicht mehr anerkannt. So sieht es aus, wo die Nazi siegen! So beginnt das Dritte Reich! Die Reichslestung in München begeht übrigens durch ihr Abrücken von Best einen Akt d e r F e i g h e i t, der sich an ihr selber schwer rächen muß. In den Best und Spießgesellen, die doch Fleisch von ihrem Fleisch, Geist von ihrem Geist sind, verleugnet sie sich selber. Diktator Hugenberg. Erweiterung seiner Vollmachten beantragt. Die deutschnationale Pressestelle teilt mit: Der Parteivorstand der Dentschnationalen Volkspartei hielt am Dienstag, dem 1. De- zcmber 1331 eine Sitzung ab. die der Vorbereitung der Parteivertretersitzung und der Beratung über die palllische Loge galt. Durch den Vorsitzenden des Landesverbandes Potsdam I wurde sol- gen der Antrag zu den Verhandlungen der Partewertretung gestellt: In die Parteisatzungeu wird als besonderer Artikel«ingafügt: �Dem Parteivorsitzenden wird hierdurch die Voll» in a ch t verliehen, in Abweichung von den Satzungen, soweit es im Intörssse der Partei und ihrer �iele erforderlich erscheint. An- ordnungea zu treffen, die für alle Orgaue der Partei verbiudlich sind. Beim Erlaß solcher Anordnungen muß auf diesen Artikel Bezug genominen werden." Die Beratungen, die in später Abendstunde schlössen, werden am Mittwoch, dem 2. Dezember, in der Parteivertretung, die für die endgültige Annahme der Satzungsänderungen zuständig ist, fort- gesetzt werden. Eine unglückliche Gründung. :0«r Parteiausschuß über HorsingS neue Zeitung. Der Parteiausschuß beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung, über die an anderer Stelle berichtet wird, auch mit dem„Deutschen Lolkskurier", der neuen Tageszeitung, deren Herausgabe durch den Genossen Hülsing allgemein lebhaft verurteilt wurde. Es wurde festgestellt, daß die Her- ausgäbe nicht mit Zustimmung der Bundesleitung des Reichs- banncrs erfolgt. Der Partciausschuß erwartet, daß der Parteivorstand die Geschlossenheit der Partei auch gegen Hörsings Vorhaben mit derselben Entschiedenheit verteidigen wird wie es gegen die SAP. geschehen ist. Mc-ssal der Wirtschastssührer. .Herr von Stauß„kann" im Favag-prozeß nicht erscheinen. Die Sondervergütungen. Der Montag war„großer Tag" im Favag-Prozeß, weil „P r o m i n e n t e" zeugen und gutachten sollten. Aber der erste Prominente, Ritter von S t a u ß, war nicht erschienen. Er hatte sich entschuldigt mit Arbeitsüberlastung als Bankdirektor und als Mitglied des Reichstages. Bon der Verteidigung wurde nämlich der Bankdirektor F e h r(auch DD.-Bank) gefragt, ob es richtig sei, daß von Stauß einmal junge Farben-Aktien so abge- rechnet wurden, daß die Bank dadurch einen Verlust von 40 Proz. erlitt. Fehr konnte nur ungenügend antworten. Neue Beweis- antrage waren wegen der Abwesenheit des Herrn von Stauß die Folge.- Direktor Fehr konnte nicht best reiten, daß die Beteiligung von Vorstandsmitgliedern an Aktienemissionen als Sonderver- g ü t u n g üblich sei. Sehr auffällige Mitteilungen machte der General- direktor der Allianz, Schmitt. Im Versicherungsgeschäst in den Hansestädten Hamburg und Bremen sei es üblich, daß die Direktoren von Versicherungsgesellschaften zugleich Vermittler für 10 bis IS andere Gesellschaften seien. Das habe schon oft zu Mißständen geführt, und er, Schmitt, würde in seinem Konzern so etwas nie dulden. Diese Mitteilungen werfen auf den ..kaufmännischen Geist" der hanseatischen Vcrsicherungsdirektoren ein bezeichnendes Licht. Schließlich gaben die Sachverständigen, die Prosessoren dar Betriebswirtschaftslehre Äaloeram und Walb, ihre Gutachten ob. Kaloeram verurteilte die Handlungen der Angeklagten, die eine wichtige Ursache des Zusammenbruchs der Favag ge- wessn seien. Wenn er aber sagte, daß er sich durch Befragen van Führern der Industrie überzeugt habe, daß Tantiemezahlungen aus stille Reserven ganz unbekannt wären und streng abgelehnt wurden, so muß man sich wundern. Ist Befragen einzelner und unintaressierter Leute eine wissenschaftliche Feststellung? Bor allem ober hoben die wichtigsten Zeugen(Sobernheim, Bodsnheimsr) das genaue Gegenteil gesagt. Sein Kollege Walb kam denn auch zu dar Festste lllmg, daß Sondervergütungen„keine ganz fremde Erscheinung in der deutschen Wirtschaft" seien. Sie seien auch bis zu einem gewissen Grade berechtigt als besonderer Ansporn für die Generaldirektoren!! Es bleibt also dabei: Sonderzahlungen sind, wenn nicht allge- mein, so doch sicher häufig. Direktoren brauchen mit Gehalt und Tantiemen nicht zufrieden zu sein! Zollverordnung mii Art. 48. fast unbeschränkte Vollmachten für die Regierung. Durch eine neue Notoerordnung auf Grund des Ar- nkels 48 der Reichsoerfassung hat der Reichspräsident die Reichs- regierung ermächtigt,„im Fall« eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses" l. die Eingangszölle abweichend von den geltenden Vorschriften zu ändern: 2. die vorläufige Anwendung zweiseitiger Wirtschasts- abkommen mit ausländischen Staaten zu verordnen. Die Verordnung, die am Tage ihrer Verkündung in Kraft tritt, soll die Möglichkeit schaffen, in laufenden oder noch bevorstehenden Zolloerhandlungen einen Schutz gegen Dumpingversuche aufzu- richten. Oer Kronzeuge. Weaea Llnterschlagunq vom Reichsbanner ausgeschlossen— jetzt SA! Hannover, l. Dezember.(Eigenbericht.) Da» Reichsbanner hat am Dienstag gegen einen der Haupt- belastungszeugen in dem gegen mehrere Reichsbannerleute ge- führten Strafprozeß Anzeige wegen Meineids erstattet. Der Nozimann war vor einigen Jahren aus dem Reichsbonner ousgefchlosien worden, weil er Geld unterschlagen hatte. Im Ver- laus des Prozesses wagte er, die Unterschlagung unter Eid zu bestreiten. Trotzdom wurden die Reichsbanner- kamsraden besonders auf Grund der Aussagen dieses Kronzeugen verurteilt. Als die Reichsbannerleutc vom Gericht kamen, wurden sie von Angehörigen der SA. verfolgt. Es kam zu einer schweren Schlägerei, in deren Verlaus ein Unbeteiligter, ein freigcwerk- schastlich organisierter Metallarbeiter, einen schweren Schädel- bruch erlitt und ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Drei Personen wurden leichtverletzt. Di- Polizei verhaftete vier Reichsbannerleute und Zwei Nazis. Der bekannte Slaalsrcchkler und Ministarialdirektor bei der sächsischen Gesandtschaft in Berlin Dr. P ö tz sch. Heffter, hat einen Ruf aus den Lehrstuhhl für Staatsrecht an der Kieler Uni- verfität angenommen. Er wird ooraussichtlich zu Beginn des Sommerhalbjahres au» dem sächsischen Staatsdienst ausscheiden. Goldene Tage för Feinde der Repnblik. Geldte und Ouesterberg freigesprochen.— Auch Goebbels darf schimpfen. Die 2. Große Strofkarnmer des Landgerichts I fällte gestern unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors T o l k als Berufungs- instanz gegen die Stahlhelmführer Seldte und D u e st e r- b e r g und den Redakteur des„Stahlhelm". K l e i n a u. ein fror- sprechendes Urteil, das sich würdig dem freisprechenden Urteil gegen den Bundeskanzler des Stahlhelms, Wagner, anreiht. In der ersten Instanz waren Seldte und Duesterberg wegen gemein- fchafllichen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutz der Republik (Verächllichmachung der verfassungsmäßig festgestellten Staatsform) zu je 800 Mark Geldstrafe, Kleinau zu 300 Mark Geld- strafe verurteilt. Duesterberg und Seldte hatten am 18. Januar d. I. zur 60. Wiederkehr des Reichsgründungstages in der Zeitschrift„Stahl- Helm" einen schwarzrotumrandeten Aufruf der Bundesführung „Kampf dem Zwischenreich" erscheinen lasten. Es hieß darin u. a.: „Seil dreizehn Jahren lebl das deutsche Volk im uichtdeulschen Zwischenreich des bismarckfeindlichen Marxismus. Diesem, das die völkische, sittliche und kulturelle und auch die wirtschaftliche Grundlage der deutschen Nation völlig zu zerstören droht, habt ihr den Kampf angesagt, um aus dem Geist der Frontkamerad- schaft und der Volksgemeinschaft das wahre Deutsche Reich und die Nation erstehen zu lasten." Das Gericht erster Instanz erblickte in diesen Sätzen eine beabsichtigte und böswillige Beleidigung der Republik und eine ungeheure Kränkung und V e r ä ch t- lichmachung. In der gestrigen Bcrufungsoerhandlung verteidigten sich die Angeklagten, indem sie erklärten, sie hätten bloß den Marxismus angegriffen, nicht aber die verfastungsmäßige republikanische Staats- form. Das Gericht spräch die Angeklagten frei. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u. a. aus: Laut Z 5 des Republitschutzgesetzes wird derjenige bestrast, der die verfassungs- mäßig festgestellte republikanische Staatsform beschimpft und verächtlich macht. Voraussetzung der Bestrafung sei, daß diese Be- schimpsung beabsichtigt und böswillig ist. Das Reichgsericht habe festgelegt, daß unter dem Begrifse der republikanischen Staatsforin die deutsche Republik zu verstehen sei, wie sie sich auf der Grundlage der Verfassung tatsächlich entwickelt hat und betätigt. Voraussetzung dafür, daß eine in der Behauptung schimpflicher Tat- fachen oder in einem abfälligen Werturteil tatsächlicher Art be- stehende Gedankenäußerung als Beschimpfung oder Herab- Würdigung der verfassungsmäßig festgestellten republikanischen Staatsform verurteilt werden kann, sei allerdings daß sie geeignet ist. die Vorstellung hernorzurufen, es hätten die Tatsachen, die den Gegenstand des Angriffs bilden, in i r g e n d w c l ch e m S i n n ihre Wurzel in der gegenwärtigen Staatsform. Der Aufruf stellte einen Angriff dar: einen Angriff gegen den Marxismus, nicht aber einen Angriff auf die Republik. Die Angc- klagten waren deshalb freizusprechen. Wenn das keine Beschimpfung der Republik war, was ist dann noch eine Beschimpfung? Das Reichsgericht wird zu ent- scheiden haben, ob dieses Urtell und diese Begründung dem Geiste der vom Gericht zitierten Reichsgerichtsentscheidung entspricht. Die„marxistische Pest". Das ist keine allzu schwere Beleidigung gegen Beamte— sagt ein Berliner Gericht! Goebbels war von dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Beleidigung eines Polizeibeamtcn zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte entsprechend dem Strafbefehl 300 M. beantragt. In der gestrigen Berufungsverhandlung vor der 2. großen Strafkammer hatte R.-A. Kamele— Dr. Goebbels selbst war nicht anwesend— einen mächtigen Zeugenapparat aufgeboten, um einen Freispruch zu erlangen. Am 10. September d. I. fand im Kricgcrveremshaus eine Versammlung der Nazis statt, in der Dr. Goebbels wieder einmal redete. Nach Schluß der Versammlung wurden dem„Führer" wie immer„Ovationen" dargebracht. Ein SA.-Mann in Uniform wurde von der Polizei zwangsgestellt und auf die Wache Nr. 4 in der Chaustcestrahe gebracht. Goebbels erschien höchstpersönlich in Begleitung einiger Parteigenossen, darunter auch des Dr. Löpcl- mann, auf der Wache und forderte in dem ihm eigenen Befehlstone die Polizeibeamten auf. den zwangsgestellten SA.-Mann frei- zugeben. Er erhielt zur Antwort, daß laut Verfügung der Zwangs- gestellte ins Polizeipräsidium eingeliefert werden müsse Ungehalten über seinen Mißerfolg sagte Goebbels mit einer Handbewegung zum Beamten:„es wird ja bald Zeit, daß es anders wird: diese m a r x i st i s ch e Pest wird auch hier verschwinden". Der Be- amte fühlte sich durch diesen Ausspruch beleidigt. In der gestrigen Verhandlung erklärte R.-A. Kamcke, daß Goebbels nicht den Beamten habe beleidigen wollen, sondern bloß das System im Auge gehabt habe. Das Gericht hob das Urteil der ersten Instanz aus und verurteilte Dr. Goebbels zu nur 100 M. Geldstrafe. Dos mllde Urteil wurde damit begründet. daß die Beleidigung nicht in großer Oeffentlichkeit erfolgt sei und daß sie außerdem in der Form nicht allzu schwer ge- wesen sei. Oer Mörder von Doberan freigelassen. Rostock, 1. Dezember. Das Rostocker Landgericht hatte t)cm Hastentlassungsantrag für den Nationalsozialisten Gädscke in Bad Doberan, der in der Wahlnacht am 1. November zwei Kommunisten erschossen hatte, stattgegeben. Die hiergegen eingelegte Be- schwerde des Oberstaatsanwalts hat das Oberlandesgericht nunmehr verworfen. Gädecke befindet sich wieder auf freiem Fuß! Gewaliherrfchafi in Gchleswig-Holstein Goziakdemotratifcher Antrag im Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion im Preußischen Landtag hat folgenden Urantrag eingebracht: „In der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft haben sich Zu- stände herausgebildet, die jeder Beschreibung spotten. In zahlreichen Ortschaften und Kreisen hat man Veschlüste gefaßt. keine Steuern und Abgaben und Sozialoersicherungsbeiträge mehr zu zahlen. Die Vollziehungsbeamten werden an der Ausübung ihres Amtes gewaltsam gehindert. Die Ge- meindevorsteher haben sich teilweise diesem Vorgehen angeschlosten. Die aus republikanischem Boden stehenden Land- wirte werden von nationalsozialistischer Seite bedroht mit zwangsweiser Ausweisung bei Errichtung des Dritten Reichs, wenn sie sich den Sabotageakten widersetzen und nicht mitmachen. Derartige Drohungen sind sogar deutschnationalen und Landvolkanhängern gemacht worden, die es abgelehnt haben, jeden nationalsozialistischen Unsinn mitzumachen. Die Verwaltung?- behörden haben bis jetzt diesem Treiben tatenlos zugesehen. Wenn nicht die Staatsautorität völlig zugrunde gehen soll, muß hier unter allen Umständen energisch durchgegriffen und die Gleichheit vor dem Gesetz wieder hergestellt werden. Wir beantragen daher, der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen: I. die Regierung anzuweisen, in Zukunft bei der Durchführung von Zwangsvollstreckungen und Ver- steigerungen für den genügenden Polizeischutz zu sorgen: 2. die für die mit dem Steuer- und Zahlungsstreit verbun- denen Ausschreitungen verantwortlichen Personen sofort und rücksichtslos zur V e r a n t w o r t u n g zu ziehen." Fortschritt im Rat. China verzichtet auf Festlegung des Väumungsdatums. Paris. 1. Dezember.(Eigenbericht.) �)er chinesisch-japontsche Konflikt scheint jetzt nach dem Ver- zicht Chinas auf die Festsetzung eines Datums für die Räumung der Mandschurei durch die japanischen Truppen einer Regelung entgegenzugehen. Der Redakiionsausschuß des Rates hat sich mit der Revision eines Kommentars beschäftigt, in dem die Punkte, über die eine Einigung zwischen Japan und China nicht zu erzielen ist. auf- genommen werden sollen. Die Forderung Japans, zu Polizei- maßnahmen gegen Angriffe chinesischer Banditen berechtigt zu sein, dürfte nicht erwähnt werden, da olle Ratsmitglieder sie ab- lehnen.' Den Kommentar soll der Ratspräsident in der Schlußsitzung sofort nach der Entschließung verlesen, d. h. bevor sich die beiden Parteien über die Entschließung geäußert haben. Damit soll er den Charakter einer moralischen Verpflichtung für die Mächte erhalten. Außerdem ist noch eine Schlußerklärung de« Präsidenten vorgesehen, die Empfehlungen an die streiten- den Parteien enthalten wird. Japanischer Zuzug. Tokio. 1. Dezember. Der japanische Kreuzer„Kuma" ist in S ch a n h e i k w a n ein- gelaufen und hat t r o tz Widerspruch der chinesischen Behörden eine Abteilung japanischer Matrosen gelandet, die das japanische Viertel beschten. Ende der Indienkonferenz. Die Hauptprobleme ungelöst. Doudon. 1. Dezember.(Eigenbericht.) Die Jndrenkonferenz ist durch den Preinisrminister formell geschlossen worden. Macdonalds Worts konnten nicht darüber hinweghelfen, daß die Konferenz im wesentlichen ein Mißerfolg ist, da die Frage der Volksvertretung an dem un- gelösten Problem des Verhältnistes der Religionsgemeinschaften zu- einander gescheitert ist. Nochmals forderte Macdonald die Inder auf, diese Frage untereinander zu lösen. Auf Vorschlag des Premierministers wird in Indien ein Ausschuß der jetzigen Kon- ferenz bestehen bleiben, dessen Aufgabe sein wird, Vereinbarungen unter den verschiedenen Religionsgemeinschaften, die die Grund- läge für eine Verfassung abgeben könnten, an den Vizekönig und damit an die englische Regierung weiterzulciten. Komme aber eine Einigung nicht zustande, so bleibe der englischen Regierung nichts anderes übrig als Kraft ihrer Autorität zu bestimmen. wie die Rechte und Sicherheiten der Minderheiten in der indischen Verfassung gesichert werden sollen. Wie lange die englische Regierung warten will, ehe sie die Hoffnung auf eine Einigung der Inder untereinander aufgibt, steht dahin. Die Grundlage für die englische Politik in Indien wird, so sagte Macdonald, dieselbe sein, wie sie für die L a b o u r- regierung war, nämlich Indien allmählich der Selbst- Verwaltung zuzuführen. Macdonald zählte allerdings dabei die Einschränkungen, vor allem bezüglich der Außenpolitik, der Verteidigung und der Finanzpolitik, die England fürs erste als nötig erachte, auf. Die indische Verfassung solle bundesstaatlich sein mit voller Verantwortung auch der Zentrale. Weitere Emzelfrogen werden von zahlreichen Komitees in Indien bearbeitet werden. In seiner Erwiderung sprach Gandhi von einem Scheiden der Wege, das auf dieser Konferenz wahrscheinlich besiegelt sein werde. pilsudski beschästigi Zarenspitzel. Warschauer polizeimechodea. Warschau, 1. Dezember.(Eigenbericht.) In der weiteren Verhandlung gegen die Opfer von Brest- Lstowsk kam es zu erregten Szenen. Der Staatsanwalt versuchte nämlich, dein Beweismaterial photographische Abzüge von Briefen beizufügen, die der Warschauer Transportarbeiter- verband angeblich an die Internationale gerichtet hatte. Die Abzüge waren von der Polizei oerfertigt worden, die offensichtlich die Briefe abgefangen hatte. Die Verteidiger zeigten darauf noch«inen Haufen von Briefen vor, die an mehrere der Angeklagten gerichtet und die alle geöffnet an die Adressaten gelangt waren. Um die Art und Weise, auf die diese Briefe in die Hände der Polizei gelangt sind, nicht nennen zu müssen, leistete, sich der Staatsanwalt den unerhörten Vorwurf, daß in der PPS.„jedes zweite Mitglied mit der Polizei orbsite". Diese Worte riefen natürlich schone Entgegnungen von seilen der Angeklagten hervor, was den beiden Angeklagten Pranier und Dubais Geldstrafen eintrug. Im weiteren Verlaus wurde der stellvertretende Vorsitzende des Parteiausschusses der PPS.. Genosse Kwapinski, vernommen, welcher u. a. erschüttert feststellte, daß die Pilsudski-Behörden zu ihren Provokationen M«selben Spitzel benutzen, die ihn während seines Kampfes mit dem Zarismus verfolgt hatten. Kwapinski war bekanntlich von den Zarengerichten zum Tode ver- urteilt und dann zu 1ö Jahren Zwangsarbeit begnadigt worden, die er auch verbüßt hat. Nr. 563» 4S. Jahrgang*1* Mittwoch, 2. Dezember 1�931 Nazinestes* rund um Berlin Kampf um die Landbezirke-- Damm gegen die Naziflut � Die Geduld hat ein Endel f Im Sonntag hat das Brrliner Ret chsb a n n e r in zwölf wvditigcn Massenkundgebungen gezeigt,(laß die Republikaner auf unerschiTtterlidter II acht flehen, t'nler Sozialdemokrat i s eher Führ u n g setzen die Arbeiter der kleinen Landstädte diese Aktion gegen den Ansturm des Faschismus verheißungsvoll fort. Besonders in der südvst- lidien Umgehung Berlins, die die Hakenkreuzler schon für sich gewonnen glaubten, haben Reichsbannerkameraden unter dem Finsalz ihres Lebens die Straßen für die Republikaner zurückerobert. Als zwei SA.-Trupps, die auf Lastwagen in den Arbeiteroorort Wildau gekommen waren, hier wagten „Straße f r ei!" zu brüllen, faßten sie die Schwartz- kopff- Arbeiter an den Kragen und internierten die Bengels in einem Saal, wo sie vom Reichsbanner auf ll affen durchsuiht wurden. Dann sdiafflc Polizei die beiden Faschistenbanden wieder nadi Berlin. Aus Fürstenwalde berichten die Arbeiter, daß sie nadi bestimmten Vorgängen am letzten Sonntag, über die mir unten berichten, nidit nodi einmal dulden werden, daß die Sazis die Fürstenmalder Arbeiter provozieren. Und wenn am vergangenen Sonntag ganz G ütergotx vom ,. Marsch auf Berlin" spradi, dann sind die Arbeiter von 7 eltow auch nodi da! Im einzelnen erhalten mir folgende Stimmungsbilder aus der meilcrcn Umgebung Berlins: Die Gtraße den Republikanern? Wildau bei Äönigs-Wusterliauscn(4400 Einwohner) hat eine Nazi-Gruppe von ungefähr 30 Mann. Diese Gruppe— wie fast alle änderen auch— ist überhaupt nur aktionsfähig in Verbindung init Berliner Nazi-Expcditioncn. So veranstalteten die Wildauer Nazis vor einiger Zeit ini Kasino eine öffentliche Versammlung, die von etwa 650 Personen besucht war. Die Empörung der Ver- sammellea über die Republikhctzc des Referenten mar so groß, daß er seine Ausführungen abbrechen mußte. Dcx 30 Mann starke Saalschutz der SA. war machtlos, unter dem Schutz der Polizei bestieg der Saalschutz sein Auw und verschwand innerhalb weniger Minuten aus Wildau. Plötzlich kam ein zweiter Nazurupp, ebenfalls per Auw, der unter dem Ruf„Straße frei!" über die nach Hause gehcudeu Versammlungsteilnehmer herfiel. Die Nazis schössen mit einer Scheinwdpiswle, holten sich eiserne Gartcnstühlc aus dem Vorgarten des Kasinos, aber sie hatten Schwartzkopff-Arbeiter vor sich: die griffen sich den 30 Mann starken Trupp, drängten ihn in einer Ecke des Vorgartens zusammen und als die ersten 30 Mann mit ihrem Auw noch einmal zurückkamen, wurden auch diese Vcngels gleich gegriffen und mit in die Ecke gestellt. Dann mußten die 60„rauhen Kämpfer" wieder in den Saal, wo sie vom Reichs- bnnner auf Waffen durchsucht wurden. Fast alle Nazis waren init Schlüsselbunden, an bVtfert Tange toller* nn,b Bodenschlüsscl hingen, bewaffnet. Die Echcinwdpistölc und mehrere Stahlruwn wurden im Garten gefunden. Das inzwischen eingetroffene lieber- fallkommando brachte die Banditen aus. ihren beiden Autos schließ- lich noch Berlin zurück. ?m benachbarten Königs-Wusterhauscn(6000 Ein- wohner) hat die etwa 70 Mann starke Ortsgruppe ihre Hauptftüsi- punkte unter den Fahrschülern der„D e u l a- K r a f t", bei der Hauptsunkstelle und beim Katasteramt. Der Führer der Nazis ist ein aus dem Kapp-Putsch den Arbeitern noch gut bekannter Arzt. Hier gingen die Nazis, deren Slurmsiihrer ein kaum 21 Äahre alter Jüngling ist, aufs Ganze, pöbelten Arbeiter auf der Straße an und überfielen sogar vor einigen Wochen Arbeiterwohnungen in dem Ort Hohenlehme. Darauf organisierten die Arbeiter zusammen mit dem Reichsbanner Stratzenpatrouillen und brachten die über- mütigen Burschen zur Raison. Seitdem hüten sie sich. Arbeiter an- zuialle». Das gleiche ist aus dem Ort Eichwaldc, unweit Schmöckwitz, zu berichten: auch hier ist mit dem Reichsbanner nicht gut Kirschen essen und die Straßen gehören wieder den Revubli- kanern. Eine mißglückte Eroberung. In der Stadt F ü r st e n w a l d e a. d. Spree(24 100 Einwohner) haben es die Nazis bisher aus 86 Mitglieder gebracht. Sie hotten auch eine SA.-Kaserne nach Berliner Muster mit 16 Betten eingerichtet, der Laden ist jedoch beizeiien von der Polizei geschlossen worden. Jetzt befindet sich das Nazi-Sturmlokal im„Weißen Anker" in der Mühlenstraße. Am Sonntag, dem A. November, sollte die erste große Aktion zur Eroberung von Fürstenwalde starten. Die Nazis hotten sich den Landtagsabgeordneten H i n k l e r geholt, der im„Fürstenmalder 5)os" eine Versammlung abhalten wollte. Aber vier Fünftel der Versammelten waren sozialdemo- kratische und kommunistische Arbeiter. Die Persamnilung forderte stürmisch, daß ein Redner der Sozialdemokratie wie der KPD. sprechen sollte. Die beiden Redner meldeten sich auch zum Wort. aber die Versammlungsleitung verweigerte jede Diskussion. Hstikler machte ein übriges und sprach um V26 Uhr immer noch, trotzdem der Saal um 6 Uhr geräumt werden mußte. Als die Versammelten immer stürmischer Diskussion verlangten, löste der überwachende Polizeikomniissar die Versammlung auf. Unter dem Gesang der „Internationale" verließen die Arbeiter den Saal, worüber sich die SA. so ärgerte, daß sie den Arbeitern von der Bühne herunter Stühle ins Kreuz schmiß. Das mar das Signal zu einer ollgemeinen Saalschlacht, worüber uns ein Fürstenwalder Arbeiter schreibt:„Rur unserer Vernunft ist es zuzuschreiben, daß keine Toten auf dem Platze blieben. Hier in Fürstenwalde wird die Bande keine Versammlung mehr abhalten!" Auch in der westlichen Umgebung Berlins ivird dafür gesorgt, Heute Sportpalast! Die große Kundgebung des Reichsbanners.— Alle Republikaner erscheinen! Die vom Reichsbanner geschossene Volksbewegung des Widerstandes gegen dos Treiben der Bürgerkriegsarmee Hitlers, die sich erst in diesen Tagen wieder mit neuer Blutschuld beladen IM. ist im Wachsen begriffen. In Ausführung der am sonntag in 12 großen Kundgebungen ausgesprochenen Forderung der republikanische» Massen, benifi das Reichsbanner heute, Mittwochabend, erneut eine OxvRe Kundgebung im Spoptpäläst. ein, in"der"Rrichstagsabgeordneter To rns m,"Major a. D. Hauff, Schulrat K e ll e r m a n n und Gausllhrer Neidhardt aussprechen, was Millionen Republikaner von den verantwortlichen Stellen im Reich und Staat fordern: Rücksichtsloses Zu- packen! Die Veranstaltung, an der die 2 p i e l m a n n s z ü g e und Musikkapellen des Graß-Berliner Reichs- b a n n e r s mitwirken und mit der der Aufmarsch einer etwa 1000 Mann st arten Schufo- Abteilung verbunden ist, beginnt um 20 Uhr. Republikaner Berlins, erscheint in Mafien! Nicht mit Schimpfen bekämpft man das gemeingefährliche Treiben der Hakenkreuzierroristen, sondern durch tatbcreitcs Einreihen in die Front der aktiven Republikaner! Gauvorstand Berlin des Reichsbanners Schwarz-Rol-Gold. daß die Bäume dcr Nazis nicht in den Himmel wachsen. So haben die Nazis in der 13 500 Einwohner zählende» Orljchast F a> t e» s e e (Kreis Osthavelland) bisher 20 Mitglieder. Ebenso sind sie in den uniliegenden Gemeinden Dallgow- Döbe ritz und Schölt- waldc nur schwach vertreten."Aktionen unternehmen die j hiesigen Nazis nur in Verbindung init Berliner und Nauener Kräf- ten. So hatte mein angekündigt, die vor 14 Tagen abgehaltene I Versaminlung der Sozialdemokratie sprengen zu wollen. Die An- 1 Wesenheit des Reichsbanner-Saalschutzes hat jedoch genügt, um die Burschen in Schach zu halten. Aniang Dezember werden die Falken- seer Repudlikaner dort eine große r e p u bl i k a n i s ch e Kundgebung abhalten. Die Gemeindevertreterliste der Nazis ist inzwischen erschöpft, alle Kaildidaten mutzte» ihre Mandate niederlegen, der jetzt im Parlameiit sitzende Listenletzte hat dort»och keine Silbe gesagt, trotzdem ihn die Soziaidemokralen dazu herausgefordert haben. Er schweigt aber. Aus der Straße jedoch sind seine toniipane mir so lauter. Die Naziwache in Nauen. Auch in Nauen(10 500 Einwohner) versetzen die Nazis keine Berge. Sie haben ziemlich mit sich selber zu tun, ihr jetziger Häuptling ist cm Klenipnergescllc, der bisherige Führer St. ivurde vor einiger Zeit abgefetzt, weil er mit einem Jude» Karle» gespielt halle! In den Döriern um Nauen bestehen in Kieiiburg und Lietzow junge Ortsgruppen. Das Spandauer„Volksblatt" brachte vor kurzem folgeirde Notiz:„Nazmwche! Wie wir von gutunter- richteter Seite erfahren, unterhalten die Nazis ü» Hotel„Hamburger Hof" eine ständige Wache, damit die hiesige Ortsgruppe von „durchreisenden Nazis" über alle wichtigen Ereignisse unterrichtet iverden kann. Vielleicht interessiert sich die Polizei einmal für diese Bürgerkriegsspielerei!" Diese am 10. November 1031 erschienene Notiz ist bisher nicht widerrufen worden. Ucbrigcns wird von anderer Seite das Bestehen einer Naziwache im„Hamburger Hos" bestätigt. In Werder an der Havel(8500 Einwohner) sind die Nazis vielleicht nock? 35 Mann stark. Denn in der Wevderschen Ortsgruppe der Nazis waren di« S t e n n e s- Leute sehr stark, so daß sich die Gruppe spaltete und in ihrer Aktionssäliigteit sehr erlahmte. Ihr Rekrutierungsfeld sehen die Werdersche» Nazis in den Obstzüchtern, die sie mit aller Demagogie bearbeiten. Im Sladtparlanient haben sie sich als„Vereinigung Fortschritt"(!) getarnt, weshalb sie auch in reaktionärster Weise die Interessen der Hausbesitzer vertreten. Stärker als in Werder dürften die Nazis übrigens in P e e tz 0 w fein, wo dcr bekannte Herr v. Kähne ju». der Bewegung sehr nahe steht. Zluch Phöben hat eine Pazi-Grnppc. Ansonsten ist die Werdersche Gegend, besonders in der Richtung K e m n i tz, für die Beriiyer und Potsdamer SA. bevorzugrcs Gebiet für Gelände- öbung«B~«räi Na-ch tewitofdH.— Ai. 5!"..... Oie Faust in der Tasche. Für die Umgebung Trebbins(3557 Eimocchner) kann man nun wieder nicht sagen, daß die umliegenden Dörfer etwa alle schlag- kräftige Gruppen organisierter Nazis hätten. In Trebbin selbst sind 35 bis 40 Mann in der NSDAP, organisiert. Die hüten sich wohlweislich, in die Versammlungen der'Arbeiter zu kommen. Die Trebbiner Nazis machen vielmehr die Fernst in der Tasche. Wenn sie unter sich sind, dann„geht es natürlich morgen los", wenn aber früher ein oder mehrere Berliner SA.-Stürme durch Trebbin marschierten, dann ivaren die dortigen Nazis zu feige, mit- zumarschieren: sie liefen o'.elin hr aus dem Bürgersteig nebenher. Trotzdem sind die Trebbiner Arbeiter ivachsam. Das gkuche gilt für das Berlin benachbarte Städtchen Teltow „Kommen heute Nacht noch Züge aus der Richtilng Trier hier an?" fragte Germaine einen Beamten. Der zuckte die Achseln.„Jetzt gibt es keinen Fahrplan mehr— die Züge haben stundenlange Verspätungen, wenn sie überhaupt durchkommen. Und noch dazu von da oben!" Langsam ging Germaine durch die Stadt. Da und dort standen noch Gruppen.zusammen, hier ging eine Familie, den eben angekommenen Sohn oder Vater in der Mitte, Arm in Arm nach Hause. Sonst war alles still. Von der Höhe der Parkstraßc blickte Germaine hinab in dos Land, hinüber zu den Bergen und Wäldern. Aber olles war in dicke weiße Nebelschleier eingehüllt, sie konnte nichts erkennen. Die Mutter war schlafen gegangen. Germaine setzte sich noch einen Augenblick on ihren Schreibtisch und nahm Walters letzte Karte zur Hand. „Meine Lieben, ich bin heute zum erstenmal Wiederaus- gestanden. Seid mir nicht böse, daß ich mich wieder zur Hront gemeldet habe. Hoffentlich geht es euch gut. Euer Walter." Immer wieder las Germaine die wenigen Worte. Ver- barg sich nicht etwas hinter ihnen? Immer kürzer, immer fragmentarischer waren die Briefe geworden, und jetzt schrieb er überhaupt nur noch Kartell. Allerdings konnte man das mit seiner körperlichen Schwäche erklären, sicher war er viel zu abgespannt und müde, um lange Briese schreiben zu können. Aber eine dumpfe Angst heftete sich plötzlich>n Ger- inaine, das untrügliche Gefühl: daß hinter diesem Schweigen etwas stand. Endlich ging auch sie zu Bett. Sie mochte etwa eine halbe Stunde geschlafen haben, da erwachte sie jäh. Sie hatte geträumt, daß Walter am Gartentor stand und sich verzweifelt inühte, es zy öffnen. Aber er hatte keinen Schlüssel, und ihm fehlte die.Krast, es gewaltsam zu öffnen oder zu überklettern.> Da ging er langsam wieder zurück zum Bahnhof. Ganz deutlich hatte stc ihn gejehell, und auch letzt, im> Wachen, zitierte das Entsetzen in ihr nach, das sie beim An- blick dieser erschöpften, zusammengesunkenen Gestalt über- fallen hatte. So konnte nur ein Mensch aussehen, der vom Tod gezeichnet mar. Germaine drehte das elektrische Licht an. Dann sprang sie auf und kleidete sich an. Leise öffnete sie die Haustür und ging in den Garten. „Walter! Walter!" Aber niemand antwortete. Sie öffnete die Gartentür und trat auf die Straße. Sie war menschenleer. Germaine ging hinab bis zur Wegkreuzung. Aber nichts hatte sich geändert. In Nebel versunken, von tiefem Dunkel umhüllt, verschwommen Nähe und Ferne, waren ein4 ge- ivorden. Sic wartete noch einige Minuten und horchte, ob nicht ein Zug in die Bahnhofshalle einfuhr, ob nicht der Psisj einer Lokomotive zu hören fei. Aber es war alles still. Fröstelnd ging sie zurück. An der Gartentür blieb sie stehen. Dann öffnete sie langsam das Tor, aber sie verschloß es nicht mehr.— Stunden waren vergangen.„Germaine! Erschrick nicht, ich bins!" Im Dämmerlicht des Morgens erkannte sie die Mutter, die on ihrem Bett stand.„Walter ist gekommen. Bor einer halben Stunde, ich habe ihn schon zu Bett gebracht. Du kannst einen Augenblick zu ihm hinüber gehen. Aber sra» ihn nichts--." Sie wandte sich ob. Walter hob den Kops nicht, als die Schwester eintrat. Sie erfaßte eine magere, abgezehrte Hand und sah in ein leichenblasses, zerfallenes Gesicht. Er halte die Augen ge- schlössen und öffnete sie auch nicht, als die Schwester sich zu ihm herabbeugte. Draußen stürzten sich die beiden Frauen in die Anne. „Sei nur still, Kind! Sei dach nicht so verzweifelt. Germaine!" Frau Loriot, der selbst unaufhörlich die Tränen über , das Gesicht stürzten, versuchte trotz des eigenen Schmerzes die Tackter zu trösten.„Wir werden ihn schon gesund pflegen. Die ijaiiptsache ist doch, daß er da ist!" 24. Im Konferenzzimmer der Höheren Mädchenschule saß das Kollegium vollzählig zusammen. Man hatte den Fall der Schülerin Erika Lange aus In, die sich wiederholt unbot- 1 mäßig gegen die französische Lehrerin betragen hatte, besprochen. hatte für und gegen eine Betragensnote abgestimmt. ! Diuui wurden die amtlichen Mitteilungen verlesen. „Hat jemand von den Herren und Damen noch eine An- frage?— Dann danke ich Ihnen." Man erhob sich. „Fräulein Dr. Loriot— ich bitte, auf einen Augenblick!" Germaine trat aus den Borgesetzten zu. Blitzschnell lies; sie in Gedanken das Sündenregister dieser Woche vor sich ab- rollen: Montag zwei Minuten zu spät gekotnmeii, Dienstag statt der Geschichtsstunde Deutsch gegeben, weil die Mädel sie so herzlich gebeten hotten, die interessante Lektüre mit ihnen zu Ende zu lesen. Mittwoch? Donnerstag? Nein, da war wohl nichts. Forschend sah sie zu dem Gesicht des Direktors auf. Der wartete, bis sich die Tür hinter den Hinausgehenden geschlossen hatte. Dann streckte er ihr die Hand entgegen: „Ich habe Ihnen eine freudige Mitteilung zu machen. Sie bekommen die Stelle als Studienassessor, die neu zu besetzen war. Ich habe es allerdings aus privater Quelle und bitte sie, zunächst noch keinen Gebrauch von meiner Mitteilung zu machen. Aber Ihre Frau Mutter und auch Sie selbst haben «argen genug— da wollte ich Ihnen die Freude nicht länger I vorenthalten. Ich gratuliere herzlichst." „Bielen, vielen Dank! Ach, das ist ja herrlich! Das habe ich nicht erwartet!" Germaine strahlte vor Freude. „Ich nehme an, daß Ihnen bereits in den nächsten Tagen die amtliche Mitteilung zugehen wird. Ja, Fräulein Loriot, jetzt können Sie ruhig in die Zukunft sehen. Sesiangc ich Direktor bin, werden Sie bestimmt nicht versetzt, und in ein paar Iahren werden Sie Studienrätin. Vorausgesetzt, daß Sie uns nicht vorher entwischen und heiraten!" Germaine schüttelte den Kops.„Na, dann gehen Sie gleich nach Hause und bringen Sie Ihrer bNutter die Nachricht. Geht es Walter denn endlich besser?" Germaine sah vor sich hin.„Körperlich ja, er hat das Nernenjieber verhältnismäßig gut überstanden. Wir hatten oft keine Hoffnung mehr, daß er die Nacht überleben würde. Aber sein.Herz ist außergewöhnlich stark und kräftig. Nur-- in seinem Wesen ist er vollkommen verändert. Er spricht kaum ein Wort, er hat für nichts Interesse, und fragen dürfen wir ihn schon gar nichts..." Der Direktor sah sie teilnahmsvoll an.„Ja, der Krieg! Mancher wird noch lange damit zu tun haben! Aber Kopf hoch, Fräulein Loriot, Sie werden sehen, das gibt sich alles. Walter war ja immer ein so frischer, aktiver Junge. Wenn es jetzt Frühling wird, dann führen Sie ihn hinaus in unsere schöne Heimat! Sie werden sehen �— da tomint er wieder zu sich!"—(Fortsetzung folgt.).. (7200 Einwohner). Das SBerfehrstofat der etwa 50 Mann starien Ortsgruppe der Nazis ist der„S 6) w a r z e Adle r" am Markt- platz. Sie treten am Ort weniger hervor. Am 6. litovember per- suchte man eine sozialdemokratische Versammlung zu sprengen, wozu man sich allerdings— wie uberall— Berliner SA. geholt hatte. Am Tage nach der Machtergreifung wollen die Tcllower Nazis nach Bsstichsm Rezept vorgehen. Ihre Anhänger im Dors G ü t e r g o lz waren so aufgeputscht, daß es dort am vergangenen Sonntag ijieß: es geht los, auf nach Berlin! Durch Gütergotz zog vor etwa drei Woclzen ein starker Trupp Nazi- Sanitäter. Hebungen der Berliner SA. fanden älter in der Gegend Saannund-Phllippsrhal und Stahndari-Klein-Machnow statt. Das hat in den letzten Wochen ausgehärt, scheinbar sind den Nazis die Beine zu kalt geworden. Jedenfalls wissen die Arbeiter, was in der Saberskyallce und in der Berliner Straße los ist und wenn der Gütergotzcr Landsturm an- rückt, dann will Teltow erst einmal erobert sein! Jetzt werde» die Nazis wieder losrennen und an den Bahnlinien nach den oben benannten Orten olle Exemplare des„A o r w ä r t s" auskansen. So wurde es gemacht, als wir die Bürgerkricgsrüstungen an der N o r d b a h n st r e ck e aufdeckten. Das Vergnügen wollen wir den Nazis gerne lassen. Aber die albernen Postkarten, mit denen die Nazis dann immer unsere Parteigenossen in den genannten Orten boglücken, die können sie sich sparen. Wir wissen ja, wer Tische und Wände beschmiert. Junge Hände schaffen. Noch lebt die neue Schule.— Interessante Ausstellungen. Kohlen für die Frierenden. Forderung der Sozialdemokraten im Rathaus. Die sozialdemokratische Stadtoerordnetonsraktion bringt in der nächsten Sitzung des Stadtparlaments am Donners- tag folgenden Dringlichkeitsantrag ein: „Der Oberbürgermeisler wird ersucht, angesichts der frühzeitig einsehenden Salle und der vermehrten Zahl der hiifsbedursti. geu dafür zu sorgen, daß den vezirkswohlsahrtsämtern unverzüglich größere Sohle»mengen zur Verfügung gestellt werden, damit dem erhöhten dringenden Bedarf entspräche«, «vcrden kann." Abänderung des Behala-Vertrages? In der gestrigen Sitzung des chaushaltsmisschusies der Stadt« oorordnetenversammlung sprach Bürgermeister Dr. Elsas über das Verhältnis der Stadt zur Bchala, der Berliner chasengesell- schaft: Er erklärte: Im Jahre 1922 war die Situation der Stadt Berlin so, daß der damalige Kämmerer Dr. Karding in den beteiligten städtischen Greminien die Erklärung abgeben mußte, daß die für den Ausbau der Berliner Häfen erforderlichen Mittel nicht zur Verfügung gestellt werde» konnten. Mit Rücksicht auf manche irr- «ümliche Mitteilung über die Rcntabiliät der Berliner Häfen, die in den letzten Tagen veröffentlicht worden ist, muß ich darauf hin- weisen, daß im Jahre 191Z der kleine Osthafenbetrieb emen jährlichen Zuschuß von etwa 700 000 M. erfordert hat. Aus diesen OTfohrungen der Vorkriegszeit, in Verbindung mit den schwierigen finanziellen Verhältnissen des Jahres 1922, ist die Anregung cnt- standen, die Hafenanlagen zu verpochten. Nachdem im Jahre 192Z beide städtische Körperschaften diesem Vertrage zugestnnmt hatten, ist in der Folge wiederholt in der Oessentlichkeit und auch in der T tadtoerordnetenvcrsammlung über die Frag« debattiert worden, cch diese Verträge zweckmäßig gewesen sind, ohne daß von irgend- einer Seite wesentliche juristische Gesichtspunkte geltend gemacht werden konnten, die eine Rückgängigmachung des Vertrages ermöglicht hätten Elms teilte dann weiter mit, daß der Wert der Hefenanlage» 70 Millionen Mark betrage und daß gegenwärtig keine Rentabilität, mehr bestehe. Man führe augenblicklich Verhandlungen über den Vertrag. Wenn diese abgeschlossen sind, soll den Stadtverordneten in einer besonderen Vorlage Bericht erstattet werden. .�eligionsbekenninisse und Abrüstung. Eine interkonfessionelle Versammlung in der Stadthalle. Die„Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden" veranstaltete in der Sladthalle eine öffentliche Kundgebung mit dem Thema:„Die Konsessionen zur Ab- r ü st u n g". Alle Redner wiesen auf die Wichtigkeit der Abrüstungsfrage hin. die gerade in diesen Monaten in ihrer ganzen Bedeutung durch die kommende Genfer Abrüstungskonferenz offenbar werde. Milderung der internationalen Spannungen, Wiederherstellung des Vertrauens»no lieberwindung der Weltwirtschaftskrise seien undenkbar, wenn nicht ein allgemeiner Friedenswille durch planmäßig« Berringerung der Rüstungen sämtlicher Völker sichtbar werde. Professor Dr. Piper- Münster kennzeichnete die Abrüstung als religiöse Forderung. Wehr- srciheit sei nicht Mittel zum Wettrüsten, sondern Voraussetzung für sreiwilligen'Verzicht aus Abrüstung. Prosessor Dr. Georg Bern- Harb nannte die Abrüstung eine Forderung der europäischen Zivili- sation. Vor allem sei der Gift- und Gaskrieg zu beseitigen, der durch seine Bomben und sonstigen fcrnwirkendcn Kampsmittel neben der bewaffneten Macht auch die wehrlosen Menschen hinter den Fronten, Greise, Frauen und Kinder furchtbar treffen würde. Pater S t r a t m a n n sagte, daß sür den wahren Wettstreit der Völker die militärischen Waffen ungeeignet seien. Dieser Kamps sei viel- mehr in edlem Eifer mit geistigen und sittlichen Waffen zu führen. Die Götzen des Krieges und des nackten Erwerbs seien falsch. Deutschland, so schloß Stratmann, müsse nicht nach dem Recht zur Aufrüstung schreien, sondern im Kamps um die allgemeine Ab- rllswng voranschreiten. Direktor Oskar Wassermann faßte die Ausführungen des Referenten dahin zusammen, daß alle Konfessionen die Pflicht hätten, für die internationale Abrüstung zu arbeiten. Die weltlichen Schulen Neuköllns zeigen in einer gemein- jamen Ausstellung, die das größte Interesse der Elternschaft i-nd aller pädagogisch Zulercssierlen beanspruchen darf. Er- gebnisse ihrer Erz'ehungsarbcit. Die Ausstellung, die in den hellen lustigen Räumen des neuen Asyls in der Tcupitzer Straße stattfindet, ist bis zum 13. Dezember einschließlich täglich von 17—20 Uhr, an den Sonnlagen von 10— 17 Uhr geöffnet. An den Abenden von 20— 22 Uhr finden Vorträge über Schulreform, musikalische Darbietungen, Schüler- Veranstaltungen statt, die«in Bild geben sollen von neuzeitlicher und lebensnaher Schulreform. Die Ausstellung wurde im Beisein zahlreicher Pädagogen eröffnet. Stadtschulrat Genosse Löwen- st c i n hielt eine Eröffnungsrede. Der Leiter der freien Schulgemein- ichaft, Genosse Linke, betonte in seiner Ansprache, daß diese Aus- stellung in der Zeit des Abbaus wesentlicher Kulturgüter, von dem die Schule am stärrsien getroffen wird, zeigt, daß die Erziehorschait trotzdem versucht, ihrer hohen Ausgabe gerecht zu werden. Over- stadtschulrat Genosse N y d a h l uninschte, daß diese Ausstellung ollen Schulen Anregung gebe, dem Beispiel zu folgen. In vier Räumen wird an Hand von Zeichnungen, Malereien, � Plastiken, Werkarbeiten. Lildstatistikcn usw. dos Bestreben der ! Schulen veranschaulicht, das Erlebnis des Kindes als Ausgangspunkt j für alle Schularbeit zu nehmen.„Auch oas Bild des Kindes ist eine Sprache," ist das Motto des ersten Raumes.'Ausdrucksvolle, färben- prächtige Kinder.zeichnungen nehmen den Eintretenden gleich ge- sangen. Besonders fallen einige farbig sehr gute Llumenstilleben auf und einige Arbeiten aus der Vorstellung:„Unser Zeltlager" und „Grubenkatastrophe". Ein« Reihe„Von der Studie zum Bild" zeigt sehr gille lebendig wirkend« Studien nach der Natur. Di» sage« nannten Bildgestaltungcu« jedoch erweisen sich als irgendwelchen Vor- bildern nachempfunden. Erstaunlich, die Vielseitigkeit k-er gezeigten Arbesten. Alles erdenklich« Material ist perwendet. Buntpapier. Kohl«, Stoff, Ton treten in den Dienst der Ausdruckspflege des Kindes. Im zweiten Raum sind Handarbeiten aller Art zu sehen. Die Mädchen zeigen, wie sich aus einfachem Material entzückende wertvoll« Dinge herstellen lassen: bunie Jäckchen, gestrick!« Hand- schuhe, reizende phantasievolle Puppen, Kissen, hie jedem Kunst- gewerbegeschäst Ehre machen würde», Aufnäharbeiten, die zu kleinen Achtims, Part«Ivetera~ en! Alle CenoMinnen und Genossen, die vor und während des Sozialisten- fcselzes(Or d e Perfei■fäflg waren, werden freundlichst eingeladen, am fonrabend, dem 5. Cesentber, vm 19 Uhr im groben Saal des Gewerkschafishauses mit ihren Familienangehörigen zu einem gemüilichen Reisamtnersein zu ersdienen. I. A.: Wllh Im Gründe 1. Bildteppichen werden. Die Jungen weisen Tischlampen, Leuchter. verschiedenartiges Spielzeug, Tiere, eine kleine Stadt auf, alles aus Holz in gute Form gebracht. Im drsttcn Raum find Arbeiten zu- sammengcstcllt, um das Typische des Unterrichts in den einzelnen Schuljahren mitzisteilen. Beispiele praktischer W e r k o r b c i t ans dem Physikunterricht aus billigem Material hergestellte primitive, ober gut funktio- nierende Zlpparatc. die dem Schüler das Verständnis physikalischer Vorgänge erleichtern, schließen die Ausstellung ab. die jeden Er- wachsenen mit Neid erfüllen wird, wenn er an seine eigene Schul- zeit zurückdenkt. Weißensee zeigt Lugendarbeiisn. In der Aula des Lyzeums Weißens ee. Pislorius- strahe, hat das Wohlfahrt?-- und Jugendamt Weißen- s e e von, 1. bis 6. Dezember«ine Ausstellung von Zlrbeiten ver- anstaltet, die seine Jugend, von« vorschulpflichtigen Kleinkind bis zum erwachsenen jugendlichen Erwerbslosen, hergestellt hat. Immer wieder geben solche Ausstellungen ein klares Bild, wie unendlich wichtig die Erweckung und Ausbildung praktischer Fähigkeiten ist. Eine bunte Fülle wertvoller Leistungen ist zu sehen, von den ersten spielerischen Zeichen- und Kistoersuche» der Kleinsten über hübsche und nützliche Klebe-, Bostel-, Zeichen-, Nah- und Photo- graphenarbeiten in Horte» und Jugendgrnppen bis zum wickstigsten Beschäftigungsgebiet: den praktischen Arbeiten in den Werkjugend- Heimen für erwerbslose Jugend. Da haben gelerme und- ungelernte Tischler prächtige, phantasiereichc Spieltische, Musikrosten und andere Einrichtungsstücke gebaut, in der Buchbinderei erstanden sauber gearbeitete, nnt geschmackvollen Zeichnungen geschmückte Bucheinbände, und in der weiblichen Schneiderwerkstatt wurden hübsche Kleider, Wäschestücke und Puizartikel geschaffen. Es kann nicht oft genug betont und gefordert werden, daß diese Werkstati- arbeit für Erwerbslose so weit wie möglich ausgebaut werden muß als das einzige, schwäche Bollwerk in» tragische» Lebenskampf unserer heutigen Jugend. Eine kleine Feier ging der'.'lusstellungseröfsnung voran: ein Schülerorchester der Wcißenseer Mittelschule spielte unter seinem Musiklehrer Barz niit viel Geschick und gutein Vortrag den Mendelsohnschen„Hochzestsmarsch", eine Schubertfonata und einen Straußwalzer: dann begrüßte Stadtrat Reimann die An- wesenden, dankte allen, die am Zustandekommen der Ausstellung mitgearbeitet hatten und sprach mit tiefempfundenen Worten von der hohen Zlufgabe der Jugendlichcnfnrsorge, die Tatkraft all der jungen Menschenkinder in die richtigen Bahnen zu lenken. In diesem Sinne lautete auch die Festansprache der Rektorin Bär. Unter den an der Ausstellung beteiligten Jngendgruppen sind unter anderem der„ZdA.", die„Kinderfreunde", der„Arbeiter-Sawariter-Bund" und der„Sturmvogel" vertreten. Bierkutscher totgedrückt. Furchtbarer lln all in der tZngelhardt-Brauerei. In berMWWßsWA«. eignete sich gestern rtir entsetzlicher Unfall, bei dem der SO Jahre alte Bierkutscher Gustav Z e m b o r s k i aus der Willibald-Alexis-Str. 42 ums Leben kam. Z. wollte einen mit Stroh beladenen Wagen in das Gebäude fahren. Die Ladung war jedoch zu hoch und der Bierkutscher wurde mit dem Kopf zwischen der Fuhre und der Tormauer einge- quetscht. Der Unglücklichi erlitt so schwere Verletzungen, daß er wenige Minuten später st a r b.— Ein zweiter tödlicher Betriebs- Unfall trug sich auf dem Kirchenneubau am Hohenzollcrndamm in Wilmersdorf zu. Dort fiel dem 3kjährigen Tischler Otto S a r i n s k y aus der Mainzer Straße 26 ein schwerer Eisenträger auf den Kops. Schwerverletzt brock) S. zusammen. Mst einem doppelten Schädel- brück) wurde er ins Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenhach- straße gebracht, wo er bald noch der Einlieferung starb. Ladung von 200 Eltern im Calmette-Prozeß. Verhandlung wegen großer Kälte ausgesetzt. Lübeck, 1. Dezember(Eigenbericht.) In der Dienstag-Verhandlung im Calmette-Prozeß stellte Rechts- anmalt Dr. Wittern den Antrag, sämtliche Eltern der erkrankten und verstorbenen Kinder(es sind über 200!) als Zeugen zu lade». Sie sollen bekunden, daß ihnen bei Enipfehlung des Schutzmittels ver- schwiegen worden ist, daß das Calmette in Ittel Impf- charakter hat und daß in ihm lebende, wenn auch abgeschwächte Bazillen enthalten sind. Sie sollen weiter bekunden, daß sie Mitte Mai 1930, als sie über den wahren Charakter und Inhalt des Mittels aufgeklärt wurden, ihrer Entrüstung über diese Täuschung Ausdruck gegeben haben und daß sie damals äußerten, daß sie bei Kenntnis der Dinge niemals der Anwendung des Mittel» zugestimmt hätten. Nachdern nock) einige Hebammen vernommen worden waren. mußte die Verhandlung unterbrochen werden, da die Kälte in der Hauptturnhalle nicht mehr auszuhalten war. Bis Mittwoch nachmittag sollen neue Oefen gesetzt werden. Die Verhandlung wird am Mittwoch um 2 Uhr fortgesetzt. die Beamten in verborgenen Taschen 46 falsche SO-Pfemüg- und 18 falsche 1-Mark-Stücke. Horn erfand jetzt die Geschichte von dem „großen Unbekannten", von dem er die Falsifikate erhalten haben wollte und behauptete wohmiugslos zu sein. Man schenkte seinen Ütigflben jedoch keinen Glauben und schon nach wenigen Stunden tonnten die Bcamten den'Sichlnpswinkel des Falschmünzers aus- findig machen._ Die Zabnärzkewahlen. Zu dem von uns veröffentlichten Bericht über das Ergebnis der Wahlen zu der preußijd)cn Zahnürztekammer teilt uns der Landesverband Berlin E.B. im Reichsverband der Zahnärzte Deutschlands mit. daß das genaue Ergebnis der Wahl folgendes ist: Aon 9 Mandaten Im Wahlkreis Berlin hat die List« des Landes- Verbandes Berlin E.V. im Reichsverband der Zahnärzte Deutsch- lands 7 Plätze, die Liste des Herrn Dr. Drucker? Plätze erhalten. Auf die erste Liste entfielen 67-1, auf die Lifte Dr. Drucker 191 Stimmen, währenb die Liste Fabian 4-? Stimmen erhielt. 95 Stimmzettel waren ungültig. Wieder ein Falschmünzer festgenommen. In einer Wärmehalle im Norden Berlins wurde gestern der 33 Jahre alte Franz Horn, der unter dem Verdacht der Falsch- münzerei stand, ermittelt und festgenommen. H. leugnete zunächst, als er aber auf dem Polizelpräsidium von Beamten des Falsch- gelddezernats näher In Augenschein genommen wurde, entdeckten Eine neue Wekt im Buch. In der Großsiedlung Britz eröffnete am letzten Sonnabend unsere Parteibuchhandlung Dietz unter dem Motto:„Ein« neue Welt im Buch" ihre erste Weihnachtsbuch ausftellung. Die Halle am Hufeisen, der schöne Versammlungsraum der Britzer Siedler, gibt der Ausstellung von vornherein ein gefälliges Gepräge. Ferner hat dcr ollen Britzern und auch sonst vielen Parteigenossen wohl- bekannte Maler Hans G o e t s ch einige prächtige Aquarelle ans- gestellt. Die Auswahl der Bücher ist Immer unter dem Gesichts- pnnkt vorgenommen, billige aber nur wertvolle Bücher anzubieten. Deshalb findet das Weihnachtssvnderangebot des Dietz-Verlages be- sondere Beachtung und erregt allgemeines Erstaunen wegen der zeilgemäßen Preise. Eine entsprechende Würdigung haben im Rahmen der in Kinderbücher, Jugendschristen und Erwachsenen- literatur gegliederten Ausstellung die beiden Bnchgemeinschaften der Arbeiterbewegung, der Bürcherkreis und die Büchergilde, gefunden. Für verschiedene Tage sind Vortrags- und Leseabende geplant. Die Ausstellung ist an allen Sonnabenden und Sonntagen vor Weihnachten von 3 bis 7 Uhr nachmittags in der Fritz-Reuter- Allee 46 im Hause der Einfa geöffnet. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin. Sonntag, den 6. Dezember, 20 Uhr, Schulaula, NO 33, Pasteurstraße 44—-(6, öffentliche Musizier stunde, ausgeführt von, Orchester der TAI., Leitung: Rudolf Barchel: vom Singetreis der TAI., Leitung: Walter Rohde: offene Singestunde: Leitung: F. Hoff- mann. Eintritt 30 Pf. Ms 1(jMtschem gM jede Umhüllung der Ser-Packung von M AG G l8 Fl eisclibrüh Würfeln. —auch wenn sie noch nicht mit Gutschein'Aufdruck versehen ist— 6s gelten aber nicht a/s Guischeine die Umlegestreifen der einzelnen Fleisch brüh■ Ulürfel. Nr 563• 48 �ahraang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 2 Dezember 1931 Pfundsturz und kein Ende. Lshren für Deutschland.— Die Gefahren der englischen Zollpolitik. D�r Sf::rj d?L englischen Pfundes hat sich am 1. Dezember in v2?fiSrkkem T�mpo forigeseht. Ja Rem Jork sank der Pfund- kurz am v'.cnslag schon in der erflen Bärfcnst.'nde von Z.40 aus 3,33 Dollar, um im weheren verlaus der Lörs� aus den bieher s! LZlen Ticffland von 3.2? Dollar, zu sinken. Die Goldparität des Pfandes zum Dollar beträgt 4,iö Dollar je Pfund. Zn Verlin xrii�t sich der veisall deo Pfundes seit dem Beginn der letzten Doche in folgender Entwicklung aus: 23. Jtovem'jcr,. 15,62 M. je Pfund 28. äiovember.. 14,92» 33. iNooember.. 14,25, 1. Dezember.. 13.93„„(Golbparl'ät 20,42 IT.) Das englische Pfund Hot mit seinem gestrigen Kursstand mehr als 3» Proz. seines Wertes verloren. Die Einflllsse, die seit dem 23. November den anhaltenden Kurssturz des englischen Pfundes es luden haben, liegen(abgesehen von der Passivität der eng.ischen 5)andelsbiianz) überwiegend außerhalb Englands. Nach der sechswöchigen Periode stabiler Psundkurse rief der Anfang vvnger Wcche einsetzende Rückschlag des Pfundes allenchalben starke Angebote bei den ausiäiütischen Psundbes.tzcrn hervor, die zu- sammen mit den hohen Devisenverpflichtungen englischer Importeure die Lawine ins Rollen brachten. Wenn englische Finanzheise behaupten, daß das Pfund Sterling durch die Pank von Frank- reich aus politischen Gründen„gewo.scn* wird, so ist die Richtigkeit dieser Behauptung schwer zu beurteilen. Sicher wird Frankreich in reparatioos- und zollpolitisch.cn Fragen ver» suchen, die Machtmittel, die es England gegenüber in der Hand hat, einzusetzen. Man vergißt aber in England vielleicht. dah Frankreich an se?nen großen psundguihaben auch sehr viel zu verlieren hat, und daß die Mißtrauenswelle, die von der Psundbaisse ausging, ganz zwangsläufig große französische und auch andere ausländische Pfundoerkäufe zur Folge haben mußte. Diese schon kritische Situation ist durch die schroff ablehnende Haltung der Bant von England gegenüber den Forderungen der niederländischen Staats- band, ihr für ihren Pfunbesitz eine Valutagarantie zu geben, noch erheblich zugespitzt worden. Auch in Holland solgte dann eine wahre Psundpanik und ein Masienangebot.- Die rapide Entwertung des englischen Pfundes hat eine wäh- rungspolitisch höchst eigenartige Situation geschaffen. Ohne daß England eine echte Inflation bisher gemacht hat, ist feine Währung durch die Loslösung des Pfundes vom Golde zer- krochen. Der Optimismus verantwortlicher englischer Regierungs- und Finanzkreise, eine„b e g re n z t e Abwertung" des Pfundes um etwa 20 Proz. zur Erzielung einer entsprechenden Exportprämie vorzunehmen und das Pfund auf 80 Proz. seines Wertes zu stabil!- fieren, ist durch die Ereignisse furchtbar enttäuscht worden. Die Bank von England hat seit der Aufhebung der Goidwährung eine Politik der Kreditdrosselung und der Diskonterhöhung getrieben, um auf diese Weise Auswirkungen des Pfundsturzes bei den Inlands- preisen entgegenzuwirken. Diese anti-inslationistische Politik der Bank von England hat vielleicht ein schnelles Ansteigen der Preise gebremst, die Zerstörung des Vertrauens im Inland und Ausland aber nicht gehindert. In dem Augenblick, wo die Währung vom Golde losgelöst wurde, mußten ganz zwangsläufig alle Faktoren der Unsicherheit zur Geltung kommen. Es ist zur Zeit noch völlig ungewiß, wie lange die Bank von England ihren Kampf gegen die inländische Inflation durchhalten kann. Gegen die ausländische Pfundentwick- lung ist England offenbar machtlos. Hier könnte nur soforkige Skab'.lisierung von Skaaks wegen etwas helfen. Jedenfalls sollte die Entwicklung des Pfundes eine Warnung für alle Anhänger einer„begrenzten Abwertung" der Währung sein, da mit dem Augenblick, wo die WährungssladililZl einmal preisgegeben wird. In einer so schweren Weltkrise wie jetzt das allerletzte Signal für Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit eines Landes niedergebrochen wird und man zwar den Ansang, nicht aber das Sude des Unlersangens kontrollleren kann. Besonder» gilt diese Warnung für d!« Arbellerschast, die am ollerschwersten von jeder Währnngecnlwertung betroffen wird, was man in Deutschland zu sagen wahrhaft nicht nötig haben sollte. Wohin treibt Englands Zollpolitik? Inzwischen ist die in der zweiten Nooemberhälfte eingeleitete Schutzzollpolitik In England verschärft fortgesetzt worden. Nach den ersten„Notzöllen" vom 25. November für 23 verschiedene Fertigfabrikate werden mit Wirkung vom 4. Dezember Glas- waren, Kohlenelemente, Garne, Leinen, Sportgewchre und andere Fabrikate gleichfalls mit 50proz-ntigen Wertzöllen belegt. Der englische Agrarminister hat im Parlament einen Antrag vor- ge'egt, der Sonderzölle auf Obst und Gemüse bis zu 100 Proz. des'Wertes vorsieht. In der Regierungsvorlage werden Obst und Gemüse nicht als„Lebensmittel", sondern als.Luxus- waren" bezeichnet. Bei den radikalen Schutzzöllnern auf dem rechten Flügel der Konservativen herrscht starte Mißstimmung gegen die Regierung, weil sich in der neuen Zoiliste keine Schutzzölle für Eise» und Stahl finden. Hier spielt der Widerstand der Eisenoerarbciter gegen die Schwerindustrie eine Rolle, doch wird mik der Einführung von Eisenzösien noch im Laufe dieses Jahres gerechnet. Deutschland wird von der englischen Zollpolitik ernst in Mitleidenschaft gezogen. Von den mit scharfen Zöllen belegten Waren entfallen etwa 2 0 Proz. auf deutsche Fabrikate. Ein- zelne Exportindustrien, wie die sächsischen Strumpffabriken, die Holzindustrie, Sanitätsartikel und Radioanlagen, waren an der eng- lischen Gesamteinfuhr dieser Fabrikate sogar mit 4 0 Proz. und mehr beteiligt. Auch in den Vereinigten Staaten, Hol band, Polen und besonders in Frankreich haben die englischen Zölle große Erregung aurgelöst. Dies um so mehr, als die Export- Möglichkeiten dieser Länder schon durch den Sturz des englischen Pfundes beschnitten sind. In Frankreich werden Vergeltungs- maßnahmen durch Einführung besonderer Wertzölle gegen England erwogem Auch in den Vereinigten Staaten machen sich ähnliche Strömungen geltend. Die heulfch? Regieruna hat mit London Verhandlungen über die Zollfrage eingeleitet. Deutschland fußt bei Kiesen Verhandlungen auf dem Z u s a tz p r o- tokoll zum d e u t s ch- e ng l i sch e n Handelsvertrag vom Dezember 1924, das unter Artikel 2 folgenden Passus enthält: „Innerhalb der durch diese Abmachung gezogenen Grenzen verpflichtet sich jede Partei, keine Zölle oder Abgaben aufzuerlegen..., die für den ande- ren Teil besonders abträglich sind... Sollte bei einem der beiden vertragschließenden Telle die Auffassung ent- stehen, daß einzelne der von dem anderen Teil festgesetzten Zoll- säge mit obigen Zusagen nicht in Einklang stehen, so erklären sich beide Teile bereit, darüber sofort in mündliche Ver- Handlungen einzutreten." Es besteht kein Zweifel, daß die von England eingeführten Zölle für Deutschland.besonders abträglich" sind, so daß auf Grund dieser Vertragsklausel Berhandlunglen mit England sich als notwendig und möglich erweisen. Die gestern veröffentlichte neue deutsche Notverordnung, die die Rcichsregierung zu Zolländerungen im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses ermächtigt, eröffnet alle Möglichkeiten, auch die von Vergeltungsmaßnahmen. Es wäre zu hoffen, daß die Verhandlungen, die mit allem Ernst geführt werden müssen, schnell zu einer Verständigung führen. Nichts wäre in der gegenwärtigen Situation verhäogn'sva'ler, als wenn die schon so eingeengten Wirtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen europäischen Ländern willkürlich durch ver- meidbare Handelskriege weiter unterbunden-würden. Dänische Krone stützt. Im Zusammenhang mit dem scharfen Fall des englischen Pfundes spielten sich am Dienstag an der Kopenhagener Börse stürmische Szenen ab. Der Dollar stieg auf 5 53 gegen 5,22 Kronen, der holländische Gu'den von 2ll auf 223,50 und die Reichsmark auf 132 gegen 124 Oere. Die Goldparität der Krone zur Reichsmark betrug 88 Oere. kanischen Hande'samts erscheint eigentlich sei. stoelständlich Man ist jedoch m Europa, wie die allseitigen Zollerhöhungen und die in allen Ländern geführte Propaganda sür die Bevorzugung oes Außenhandels ledeutet«ine allgemeine Verminderung der Pro- duhion, des Beschäftigungsgrades und des Wohlstandes beider Teile" 22,3 Milliarden Mark. Einschrumpfung des Wellhandels 4930- Täglicher Verlust Über 92 Millionen Mark. Das neuest« Heft der vom Departement of Commerce in Washington herausgegebenen„Commerce Reports" bringt eine Darstellung des Welthandels im Jahre 1930. Aus den Ziffern, di« sich auf 9 0 Länder beziehen, geht hervor, daß sich der Wellhandel von 1929 bis 1930 in der Ausfuhr von 32,1 auf 25,6 und in der Einfuhr von 34,8 auf 28,2 Milliarden Dollar ver- mindert hat. Las amtliche Organ bemerkt hierzu folgendes:„Die Schrump- fung des We'.thandels ist eine der wichtigsten Folgen, gleichzeitig aber auch eine der Ursachen der verschärften wirtschaftlichen Krise Der Wert des Warenabsatzes war im Jahr« 1930 um mehr. als 6.5 Milliarden Dollar(27,3 Milliarden Mark) niedriger als im Jahre 1929. Dieser enorme Verlust im internationalen Warenaustausch, der sich arbeitstäglich aus rund 22 Mil- lionen Dollar(etwa 92)4 Millionen Mark) beläuft, hat dazu beigetragen, die Arbeitslostgkest zu vergrößern und uberall die all- gemeine geschästiiche Depression zu verschärfen. Diese Schrumpfung hat die Bedeutung des Ausfuhrhandels für die Industrie der ein- zelnen Länder aufs neue gezeigt und ebenso die gegenseitige Abhängigkeit der Völker voneinander: denn die Einfuhr des «inen Voltes ist die Ausfuhr des anderen und«ine Verringerung der Produktion, des Beschäftigungsgrades und des iSohlstandes beider Teile." Diese Erkenntnis des ossiziellen Außenhandelsorgans des ameri- Große Llmfähe be MAN. Gewinne werden reserviert- Gewaltiges Steigen der Belexschastsseifungcn. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A-E. (MAN.), eines der führenden Unternehmen im deutschen Maschinen- bau. schließt das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1930/31 ein- schließlich des Gewinnvortragcs aus dem Vorjahr mit einem Rein- gewinn von 1,20 Mill. Mk. ab. Dieser Reingewinn, der einer Dividende von 6 Proz. entspricht, wird aus neue Jahres- rechnung vorgetragen, während die Gesellschaft in den beiden vor- hergehenden Jahren je 6 Proz. Dividende an die Aktionäre auszahlle. Die Krisenfestigkeit dieses führenden Maschinenbaukonzerns zeigte sich darin, daß der Betriebsgewinn gegenüber der Hochkonjunktur vor zwei Iahren(1928/29) nur um 18.9 Proz. von 13,2 ans 10,7 Mill. gesunken ist. Zugleich sanken aber auch Steuern. Zinsen und Sozialabgaben um mehr als 14 Proz. aus 9,1 Mill. Die unverändert hohen Abschreibungen haben den Gesamt- wert der Werksanlagen aus 22,7 Mill. oerringelt Der starke Auftragsbestand, der in das legte GeschäslsjaHr 1930/31 in Höhe von rund 100 Mill. übernommen wurde, hat die Krrfenwirkungen bei dem Unternehmen noch nicht zur Gel- t u» g kommen lassen. So ist auch der Umsatz, den wir im vergangenen Jahr ans etwa 130 Mill. schätzten,>m Lause des letzten Veinebsjahres nur wenig zurückgegangen. Dagegen ist der Auftragsbestand im Lause des Geschäftsjahres stark ziisammengeschrumpst. Außerordentlich charakleristisch sür die L e I st u n g s st e i g e. rungen der Belegschaft Infolge der durchgesühi len Ratio. nalisierung ist die Tatsache, daß im Laufe der beiden letzten Jahre die Arbeiterschaft um 3630 Mann abgebaut wurde— sie sank von 15 030 bis aus 11 400 Mann— während nach den Angaben der Verwaltung der Umsah sich fast aus gleicher höhe hielt. Diese Tut- wicklung enlspricht einer Leistungssteigerung von rund 24 proz. je Kopf der Belegschaft, was natürlich eine entsprechende Senkung des LohnkosteuanteUs am Produkt zur Folge gehabt hat. wenn die Verwaltung der MAR. trotz alledem in ver- steckter Form neuen Lohnabbau zur Senkung der Gestchungs/osten propagiert, aber kein Wort des Widerspruchs gegen die überhöhten Eisen- und Kohtenpreise findet, so wundert uns das bei diesen Vertretern des Maschinenbaues nicht, da die MAR. unter der Kontrolle des schweriudustrlelleu Hantel- Kon. zern» steht. Oer Index der Lebenshaltung. Die Reichsindexzifser sür die Lebenshaltungskosten (Ernährung Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „Sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Sta» tistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats November aus 131,9 gegenüber 133,1 im Vormonat: der Rückgang beträgt somit 0,9 Proz. An dem Rückgang sind hauptsächlich die Bedarfs- gruppen Ernährung und Bekleidung beteiligt. Es sind zurück- gegangen die Indexziffern für Ernährung um 1,3 Proz. auf 121,8 Proz., für Bekleidung um 1,7 Proz. auf 131 9 und für „Sonstigen Bedarf" um 0.5 Proz. auf 181,5. Die Index- Ziffer für Wohnung hat sich nicht geändert: die Indexziffer für Heizung undBeleuchtung ist mit 149,0 nahezu unverändert geblieben. In der Gruppe Ernährung sind hauptsächlich die Aus- paben für Fleisch und Fleischwaren sowie für Milch und Milch- erzeugnisse zurückgegangen. Die Preise sür Eier, Kartoffeln und Brot haben im Reichsdurchschnitt angezogen. Zweifelhaste Landwirischastshilfe. Ausdehnung des Vollstreckungsschuhes auf die gefqmte deutsche Landwirtschast. Das Reichskabinett berät zur Zeit den Entwurf einer neuen Notverordnung, durch den der Vollstreckungsschutz für die ostdeutsche Landwirtschast auf die gesamte Deutsche Landwirtschaft ausgedehnt werden soll. Nach diesem Entwurf sollen Zwangs- Versteigerungen nicht mehr vorgenommen werden dürfen, wenn zu erwarten ist, daß der landwirtschaftliche Betrieb bis zum Herbst nächsten Jahres weitergeführt werden kann. Außerdem sollen im Fall von Zwangsverwaltungen die Eigentümer selbst als Zwangsverwalter eingesät werden. Der Protest der landwirtschaftlichen Interessenvertreter im Wirtschaftsbeirat gegen die letzte sich nur auf den Osten beziehende Notverordnung und der kürzliche Besuch des Präsidenten des Deutschen Landwirtschastsrates Brandes bei Hindenburg scheine» gewirkt zu haben. Der Reichsernähriingsminister Schiele vertritt die neuen Pläne natürlich besonders eifrig, um seinen jüngsten Ministerkollegen Schlange-Schöningciz in den Schatten zu stellen. Gegen die letzte Oschilfe-Berordming vom 17. November harte sich bei den Getreide- und Viehhändlern, den Düngemittelsirmen und auch den landwirtschaftlichen Genossenschaften ein Proteststurm erhoben, der gegen die restlose Zerstörung des ostdeutschen Kredit- systems gerichtet war. Damit die neueste Notverordnung nicht ähn- liche Wirkungen zur Folge hat. soll sie G l ä u b i g e r- S ch u g- bestimmungen enthalten. Auch will man setzt schleunigst die Ost-Notverordnung zum Schutze des ostelbische» Grundbesitzes ver- bessern. Ausführungsbestimmunzen sind vorgesehen mit der Be- stimmung, daß Berträge, die in der Zeit vom Inkrafttreten der Ver» Ordnung bis zur Eröffnung eines Sicherungsverfahrens zum W- schluß gelangen, so behandelt werden, als ob sie die Zustimmung des Treuhänders erhallen hätten. Damit unterliegen diese Geschäfte keinerlei rechtlichen Beschränkungen. Die Reichsregierung hofft hierdurch die augenblicklich auk-'e- tretenen Hemmungen im Kreditumlauf des östlichen Wirtschaftsgebietes zu beheben. Die Reichsbonk hat sich schon zu weiterer Kreditgewährung bereit erklärt. Ob aber allein durch«ine solche Bestimmung das Ziel erreicht wird, erscheint un» Zweifel- hast. Die Schäden eines generellen Bollstreckungsschutzes für die gesamte Wirtschast werden nur beseitigt, wenn die Schuldner ebenso wie die Gläubiger herangezogen werden. Deswegen müßten die privaten Vermögenswerte der Landwirte, die sich unter den Voll- streckungsschutz stellen, einem Treuhänder übergeben, damit aus dieser für die Betriebsführung nicht nötigen Vermögensmasse die Ansprüche der Gläubiger befriedigt werden können. Es wäre ein ungeheuerliches Unrecht, wenn die Gläubiger bis zu 50 Proz. ihrer Forderungen und auf Teile ihrer Zinsen verzichten sollen, während den Landwirten nicht der geringste Ver- mögensnachteil erwächst. Zluch ist es notwendig, daß die U r- fache der Verschuldung in jedem einzelnen Falle geprüft wird. Ueberall dort, wo der einzelne Landwirt wegen zu großen privaten Aufwands in Schulden gekommen ist, darf der Vollstreckungsschutz nicht gewährt werden. Nur so kann erreicht werden, daß lediglich solche Landwirte das Sicherungsverfahren für sich in Anspruch nehmen, die ohne diese Hilse ihren Betrieb tatsächlich nicht mehr weiterführen können. Das falsche Ziel der Besitzerhaltung würde jeden vernünftigen Betriebsschug unmöglich machen. Senkung der Maispreise. Zugeständnisse an unsere Forderungen. Der Berwaltungsrat der Reichsmaisstelle hat den Monopolver- kausspreis sür Donaumais von 190 auf 155 und den für Plata- oder anderen Mais von 195 auf 160 Mark herabgesetzt. Damit sall der Roggenverfütterung entgegengewirkt und die Futtermittellage ver- bessert werden. Zum Teil wird das durch diese Z u g e st ä n d- n i s s e an die von uns erhoben«» Forderungen auch erreicht werden. Die Wirkungen werden aber unzureichend bleiben, da die Mais- preise unter den Preis von 150 Mark für das Futter- gemifch von Gerste und Kartofselflocken hätten gesenkt werden müssen. Es ist«in Unfug, die billigen Maispreise auf dem Weltmarkt nicht voll auszunützen. Was die Bürste fuf die Zähne- dos> kör den Halst SBum 50 Todestag der£ebensgefäkrim Wlarx* 2. 3)emember 1881 Anna Qeyer: Jenny UilirX Am 12. Februar 1814 wurde dem Baron Ludwig von West- .Halen in Salzwedel ein« Tochter geboren und nach ihrer schottischen Großmutter Jenny genannt. Zwei Jahre später siedelte die Familie nach Trier über. Sie bezog ein chaus in der Wmerstraße, in dessen Nachbarschaft der jüdische Rechtsanwalt Heinrich Marx wohnte. Hier wuchs eine mit Jenny gleichaltrige Tochter auf. Nach zwei Jahren— im Jahre 1818— wurde sowohl in der Familie von Westphalen wie in der Familie Marx ein Sohn geboren. Es waren Edgar von Westphalen und Karl Marx. Die vier Kinder wurden später Spielgefährten. Dies war der poetische Anfang der Bc- Ziehungen zwischen Karl und Jenny Marx. Mit 21 Jahren war Jenny von Westphalen, wie Marx drei Jahrzehnte später noch voll Stolz schreibt, die Ballkönigin von Trier. Es wird von ihr berichtet, daß sie eine elegante, schöne, selbstbewußte Erscheinung war, daß ungewöhnliche Klugheit und innere Harmonie sie schon in jungen Jahren auszeichneten und daß sich ihr die glänzendsten Aussichten eröffneten, zumal ihre adlige Herkunst und ihr Vermögen über alle ihre guten Eigenschaften noch einen be- sonderen Schimmer warfen. Diese Ballkönigin verlobt sich mit 21 Jahren niit dem damals siebzehnjährigen Karl Marx. Ihre„glänzenden Aussichten" auf ein geruhsames Leben in Wohlhabenheit tauschte sie ein gegen eine höchst ungewisse Zukunft an der Seite von Karl Marx. Ihre Sehn- sucht ging nicht nach Ruhe und Geborgenheit, sondern nach einer Aufgabe, nach einer Leistung im Leben. Sie fühlte oder erkannte die glänzende Begabung von Karl Marx. Sic liebte ihn und empfand zugleich stark, daß sie für ihn die Frau ist, die ihm den Weg zur Entfaltung seiner B»gabung. erleichtern wird. Daß er an ihrer Seite zu Größe, Bedeutung und Anerkennung emporschreite, das war ihres Lebens Ziel und Glück. Der Altersunterschied verleiht ihr zunächst ein starkes Ueber- gewicht in den beiderseitigen Beziehungen. Als Karl Marx 1886 die Berliner Universität bezieht, da bestimmt sie. daß er ihr nicht schreiben darf, und daß auch sie nicht schreiben wird. Er soll in der Ausnahme von Wissen, er soll in seinen Studien nicht gestört werden. Hinter der Entfaltung seiner Begabung hat alles andere zurückzu- stehen Karl Marx hat unter diesem brieflosen Dasein sicherlich gelitten. Er schrieb viele, lange und lyrische Gedichte. Auch jür Jenny selbst war der Verzicht auf Korrespondenz nicht leicht. Ihren Entschluß hat sie aber durchgeführt. Karl Marx war schon länger als ein Jahr in Berlin, als er den ersten Brief von ihr bekam. Endlich, 1841 kehrte Karl Marx als junger Doktor der Philo- sophi« nach Trier zurück. An baldige Heirat war aber noch nicht zu denken. Karl Marx arbeitet zwar viel und er wird nach einigen Monaten als Chefredakteur an die„Rheinische Zeitung" nach Köln berufen. Aber diese Stellung ist nicht sicher. Die preußische Zensur macht ununterbrochen Schwierigkeiten. Schließlich wird dl« Zeitung verboten, fünf Monate nachdem Karl Marx ihre Redaktron über- nahm. Karl Marx beschließt mit Rüge zusammen„Deutsch-Französische Jahrbücher" herauszugeben, die in Paris erscheinen sollen. Es wird ihm ein Gehalt von 860 Talern jährlich ausgesetzt. Nun kann er Jenny von Westphalen heiraten, nachdem er sieben Jahre um sie gedient hat. Am 19. Juni 1848 ist die Hochzeit. Einige Monat« später siedelt das junge Paar nach Paris über. Hier erweist sich nach kurzer Zeit, daß buch diesmal die finanzielle Existenzgrundlage nicht sicher ist. Die„Deutsch-Französischen Jahrbücher" gehen nach dem Erscheinen der ersten Nummer unter kräftiger Beihilfe der preußischen Polizei ein. In den weiteren literarischen Arbeiten jener Zeit stellt Karl Marx immer deutlicher die sozialistischen Grundgedanken dar. Die preußische Regierung setzt bei der Regie- rung Frankreichs seine Ausweisung durch. Anfang 184S siedelt er mit seiner Famllie nach Brüssel über. Jenny Marx war in Paris Mutter geworden. Ihre Tochter Jenny ist bei der Uebersiedlung y, Jahr alt. Im Herbst 1848 wird «ine u eitere Tochrer, Laura, geboren und ein Jahr später der Sohn Edgar. Mutterschaft bedeutete für die Frauen jener Zeit eine außer- ordentlich schwere Belastung. Es wurden viele Kinder geboren, und viele starben wieder früh. Jenny Marx, die erst mit. 28 Iahren heiratete, halle sieben Kinder. Vier davon hat sie durch den Tod verloren. Von. chrem leidenschaftlichen Schmerz berichten Tage- buchblätter. Wie u, Paris, so bildet sich in Brüssel wieder«in Kreis be- deutender Menschen um das Ehepaar Marx. Si» werden angezogen von Marx gewaltigem Geist, und sie werden in Fesseln geschlagen von der Gastfreundlichkeit und Klugheit der schönen, witzigen Frau Marx. In Paris schwärmen Herwegh und Heinrich Heine von ihr. In Brüssel sind es nicht Dichter, sondern junge deutsche Sozialisten. llm den orggnisatorischen Zusammenhall der deutschen Emigranten und um ihre theoretische Durchbildung kümmert sich Karl Marx. Eine starke menschliche Bereicherung erfahren sie durch ihren Um- gang mit Jenny Marx, zu der sie verehrend emporblicken. Sie erleben zum erstenmal die ihrem Mann gleichgestellte kameradschaft- liche Frau. Die Erinnerungen von Stephan Born stammen aus dieser Zeit. Die von Liebknecht und Leßner liegen zettlich etwas später. Sie spiegelst aber den gleichen Eindruck. Das Revolutionsjahr 1848 beendet für die deutschen Sozialisten das Exil in Brüssel. Sie kehren nach Deutschland zurück und be- teiligen sich fast alle führend an der Revolution. In Köln lebt Marx' alte Zeitung als„Neue Rheinische Zeitung" wieder auf. Marx ist wieder ihr Chefredakteur. Die Tonart seines Blattes ist die kräftigste in allen deutschen Ländern. Bald wird aber die preußische Reaktion noch kräftiger. Im Mai 1849 kann sie es wagen, Karl Marx aus Preußen auszuweisen. Für die Zeitung bestanden schon vorher finanzielle Schwierigkeiten. Karl Marx hatte sie deshalb auf eigene Rechnung übernommen. Das kostete ihn das Vermögen der Familie und sein ganzes Hab und Gut Arm wie die Kirchenmäuse ziehen Karl und Jenny Marx im September 1849 nach London ins neue Exil. Sie haben keine Bank- noten. sondern Pfandscheine in den Taschen. Sie bringen drei kleine Kinder von drei, vier und fünf Jahren mit. Ihnen zur Seite geht Lenchen Demuth, die treue und opfermütige Hausgehilfin. Einen Monat später wird das vierte Kind geboren. Es folgen nun zwei Jahrzehnte allergrößter Not. Erst im letzten Jahrzehnt ihres Lebens konnten Karl und Jenny Marx etwas aufatmen. Ihr treuer Freund Friedrich Engels, der allezeit aus- geholfen hatte so gut er vermochte, konnte ihnen dann soviel Geld zur Verfügung pellen, daß Jenny Marx nicht mehr ununterbrochen von Zahlung fordernden Bäckern, Gemüsehändlern, Fleischern und Zimmervermieterinnen bedrängt wurde. Karl Marx, besten Gedankengänge eine geistige Welt in Bewe- gung setzte, hat niemal» vermocht, mit dieser seiner Arbeit sein« Famllie zu ernähren Er hätte es natürlich gekonnt. Freiligrath wurde Bankbeamter, Engels war Kaufmann, andere schlugen sich als Sprochrehrer durch. Daß Karl Marx ttotz aller Not niemals, sein eigentliches Werk elner bürgerlichen Stellung, einem Broterwerb zum Opfer bringen mußte, das dankt er, und mit ihm die sozialistische Arbeiterschaft, der HUfsberitschaft von Engels aber noch mehr dein unerhörten Opfermut von Jenny Marx. Ihrer Forderung, daß er eine Stellung annehmen möge, hätte er auf die Dauer nicht widerstehen können. Welche Frau, welche Mutter hätte eine solche Forderung nicht erhoben? Jenny Marx spielt nicht einen Augenblick mit diesem Gedanren. In aller Not und Sorge ist ihr immer das Erste: das Werk von Karl Marx darf nicht darunter leiden. Das ist das oberste Gebot chres Lebens. Es ist der unerschütterliche Glaube an Karl Marx und seine Berufung. Frauen mit dem großen Glauben an die Leistung chres Mannes gibt es viele. Frauen, die diesem Glauben an ihren Mann bedenkenlos das Opfer eigenen Wohl- ergehen? bringen, gibt es wenige. In den Beziehungen von Jenny zu Karl Marx liegt aber noch mehr als dieser Opfermut. Sie fühlt den Smn chres Lebens mit seinem Werk so chentisch, daß sie nicht ertragen könnte, wenn er seiner Aufgabe untreu würde, oder sie auch nur vernachlässigte. Ein Schimmer chrer ersten Gefühle für jenen jungen Karl Marx, in dessen Leistung sie chre Lebensaufgabe sieht, blecht immer in chren Beziehungen zu chm. Er selbst fühll das wohl und er kennt chren menschlichen und geistigen Wert. Aus chrem unerschütterlichen Verttauen sprudett ihm der Quell seines Selbstbewußtseins, seines festen Glaubens au die Richtigkeit des eigenen Urtells, auch später noch, als in Deutsch- land die Führer der Partei Entscheidungen zu treffen haben, und er sie unbefangen aus der Ferne, von London aus kritisiert. Aus seiner gewaltigen Leistung heraus, deren er sich wohl bewußt ist, rechtfertigt er vor sich selbst die Annahme der Opfer von Engels und den Anspruch auf diese Frau, die er liebt und die er voll Begeisterung verehrt bis an das Ende seiner Tage. Am 2. Dezember 1881 starb Jenny Marx. Am Tage ihres Todes sagte Friedrich Engels:„Nun ist Karl Marx auch gestorben." Eleanor Marx schauderte vor diesem Wort seines Freundes und sie wußte später wie recht er hatte. &erfönliche Erinnerungen an Jenny Utlarx Eduard föernflein: Am 2. Dezeiüber 1881 verschied in London nach langem schmerz- haften Leiden Frau Jenny Marx, die Lebensgefährtin und lang- jährige Mitkämpferin von Karl Marx. Aufrichtige Bewunderin ihres Mannes, war Iknny Marx chm die ganze Zeit ihrer Ehe über eine treue Mitarbeiterin bei seinen schriftstellerischen Arbeiten und eine hingebende politische Mitkämpferin gewesen. Sie legte außer- dem großen Wert darauf, ihm in Deutschland erschienene politische Veröffenllichungen von Bedeutung zu besorgen. Kurz, ihre Ehe konnte an geistiger Harmonie nicht übertroffen werden. Allerdings fehlte es ihr auch nicht an schweren, die Famllie ungemein be- drückenden wirtschaftlichen Sorgen. Ganz besonders litt diese unter den Folgen des Jammers, den der frühe Tod der erstgeborenen Kinder bei ihr hervorrief. Beide, Vater und Mutter, hingen mit zärtlicher Liebe an ihren später geborenen Töchtern und boten ihr Möglichstes auf, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Daß ich bei meinem ersten Besuch in der Familie Marx Frau Jenny Marx kennengelernt habe, habe ich in meinem Buch„Aus den Jahren meines Exils" erzählt. Wie ich dprt ausgeführt habe, geschah dies unter der Führung von August Bebel, der es im dritten Band seiner Lebenserinnerungen genauer geschildert hat. Bebel beschreibt in dem betreffenden Kapitel eingehend, wie wir bei jenem Besuch mit der schwer leidenden Frau Jenny Marx bekanntgemacht wurde» und welchen vorzüglichen Eindruck diese feingebildete Frau auf uns machte, die freiwillig ihr Krankenlager oerlassen hatte, um unten im Besuchszimmer Bebel und mich zu begrüßen. In meinem genannten Buch heißt es darüber: „Sie brachte in freunMichen Worten, die sich auf unsere poli- tische Tätigkeit bezogen und dabei Bebels Verdienste gebührend würdigten. Bebels und meine Gesundheit aus, mußte sich aber nach Tisch bald wieder in ihr Krankenzimmer zurückziehen. In chrem Benehmen oerriet sie die feingeblldete Frau: ihre Rede war bei aller Wärme frei von Ueberschwänglichketten." Der tiefe Eindruck, den sie bei allen Besuchern hinterließ, spricht als Beweis dafür, daß dem Namen Jenny Marx neben dem ihres großen Gatten in der sozialistischen Welt ein unvergängliches, verchrungsvolles Andenken gesichert ist. miheltn Xiebknechl: „Frau Marx hat auf meine Entwicklung vielleicht einen ebenso starken Einfluß gehabt, wie er selbst. In ihr fand ich eine schöne, hochsinnige, geistvolle Frau, die sich des freundlosen, an den Themse- strand verschlagenen Freischärlers halb mütterlich, halb schwesterlich annahm. Der Verkehr in.dieser Familie hat mich— das glaub-: ich fest— vor dem Untergang im Flüchllingselend gerettet." (Trschieiun 1894 in btt Feuillttonloriespondenz von ESuard Fuchs.) „Frau Marx war die erste Frau, durch welche ich> die erziehe- rische Kraft und Macht der Frauen erkennen lernte. Meine Mutter war so früh gestorben, daß ich von ihr nur schattenhaste, oer- schwömmen« Vorstellungen habe, und später fand ich mich auch— außer auf ganz kurze Zeit, und auch das in sehr früher Kindheit — von weiblicher Gesellschaft, die mich hätte emporheben und zur Milderung und Schleifung meines Wesens hätte bsittagen können, vollkommen ausgeschlossen. Ehe ich Frau Marx traf, hafte ich die Wahrheit des Goecheschen Wortes nicht begriffen: Willst du genau erfahren was sich ziemt, So frage nur bei edlen Frauen an! Sic war mir bald Jphizenia, die den Barbaren fänftigt und bildet, bald Eleonore, die dem mit sich Zerfallenen, an sich Zweifeln- den Ruhe gibt— Mutter. Freundin. Bertraute, Beraterin. Sie war mir das Ideal eines Weibes, und sie ist es mir. Und— es sei hier wiederholt— wenn ich in London nicht zugrunde gegangen bin, geistig und körperlich, dann verdanke ich e» zum großen Teil ihr, die wenn ich dachte, in dem brandenden Ozean des Flücht- lingselends zu versinken, mir wie Leutothea dem schiffbrüchigen Odysieus erschien und wieder Mut gab zu schwimmen." (Aus dem Buch„Sarl Marx zum Gedächtnis", Nürnberg 189ß.) Friedrich Xefiner: HTUtgHed des Qeneralralf» der 1. JnlernaHonale): „Marx' Hau« stand jedem zuverlässigen Genossen osfen. Die angenehmen Stunden, welche ich, wie viele andere, in seinem Fa< milienkreise oerlebt habe, sind mir unvergeßlich. Hier glänzte vor allem die ausgezeichnete Frau Marx, eine große, selten schöne Frau, vornehm in der äußeren Erscheinung, dabei aber so außergewöhn- lich gutmütig, liebenswürdig, geistreich und so frei von allem Stolz und jeder Steifheit, daß man sich in ihrer Umgebung wie bei seiner eigenen Mutter oder Schwester behaglich zu Hause fühlte. Ihr ganzes Wesen erinnerte an die Worte des schottischen Volksdichiers Robert Burns:„Weib, liebliches Weib, der Himmel bestimmte dich, den Mann zu besänftigen." Sie war für die Sache der Arbeiter- bewegung voller Begeisterung, und jeder, selbst der kleinste Erfolg im Kampfe gegen die Bourgeoisie verursachte ihr die größte Ge- nugtuung und Freude." fllu«„Sttsnetnngtn eines Arbeiters an Staxl Marx". 1833.) m. iKoitnlettshi: „Selten ist mir«in« Frau begegnet, die chre Gäste in chrer bescheidenen Wohnung so gastfreundlich empfangen hätte und die bei all ihrer Einfachheit doch das zu bleiben verstand, was die Franzosen„unc xranäe dame" nennen." (Aus einem Aufsatz des russischen Soziologen, erschienen 1333.) Stephan Sfom: „Ich habe selten eine in chrer äußeren Erscheinung wie in ihrem. Herzen und Geist so harmonisch gestaltete Frau gekannt, die bei der ersten Begegnung so sehr für sich eingenommen hätte wie Frau Marx. Sie war blond, chre Kinder, damals noch klein, waren dunkelhaarig und dunkeläugig wie ihr Dater. Ich habe auch selten eine so glückliche Ehe gekannt, in welcher Freud und �eid, das letztere in reichlichem Maße, geteill und aller Schmerz in dem Bewußtsein vollster gegenseitiger Angehörigteit überwunden wurde. Frau Marx lebte in den Ideen chres Mannes, sie ging dabei ganz und gar in der Sorge für die Ihrigen auf und war doch himmelweit von der strumpfstrickenden, den Kochlöffel rührenden deutschen Hausfrau entfernt." <2u» den„Erinnerungen eine» Achiunboicrzizers", 1838.) 3>aul£afargue: „Sein ganzes Leben hindurch war chm(Marx) teins Frau eine. Gefährtin im wahrsten und vollsten Sinne des Wortes. Niemand hat je in höherem Maß« das Gefühl der Gleichheit besessen: als Frau Marx, und dies obgleich sie in einer deutschen Aristokraten. familie geboren und erzogen war. In ihrem Hause, an chrem Tische empfing sie Arbetter im Werttagsanzuge mit der nämlichen Höflichkeit und Zuvorkommenheit, als ob es Fürsten und Prinzen ge- wesen wären. Viele Arbeiter aller Länder haben chre lieben«- würdige Gastfreundschaft kennen gelernt, und ich bin überzeugt. keiner von ihnen allen hat vermutet, daß die Frau, welche sie mit so schlichter und ungeheuchelter Herzlichkeit aufnahm, in weiblicher Linie von der Familie der Herzöge von Argyll abstammt und daß ihr Bruder Minister des Königs von Preußen gewesen war." «Aus einem Artikel de, frauzSsischeu Porteitichrers und Schwiezeriohn« von Marx in der„Neuen Zeit", 1833.) Eleanor ITlarx Jlteling: „Es ist keine Uebertreibung, wenn ich sage, ohne Jenny von Westfalen hätte Karl Marx niemals der sein können, der er war. Beide paßten vollkommen zusammen und ergänzten sich. Von außer- ordentlicher Schönheit,'welche die Bewunderung Heines, Herweghs bis zu Lasialle erregte, voll glänzender Begabung und Witz, ragte Jenny von Westfalen auei Tausenden hervor." tAus einem Beitrag der jüngsten Tochter von Marx für den Ssterreichifchen Arbeiter katender, 1894.) ä)ie Familie von IVeflphalen Ludwig von Westphalen, der Vater von Jenny Marx, war hoher Beamter in Trier. Er stammte aus einer alten brauschweigischen Beamtenfamilic. Sein Sohn aus erster Ehe, also ein Stiefbruder von Jenny Marx, wurde 1880 in Zellen schwerster Reaktion, Innen- minister des Königs von Preußen. Berühmt wurde der Name der Familie durch Philipp von West- phalen, d-n Großvater von Jenny Marx. Während des Sieben- jährigen Krieges entjaltete Philipp von Westphalen hervorragende milllärische Talente. Den Westen Preußens schützte damals ein brauschweigisch-englisches Heer. Trotz zahlenmäßigen Ueberlegenhell semer Gegner zog dieses Heer von Sieg zu Sieg. Sefti Führer war Herzog Ferdinand von Braunschweig. Er verdankte seine kriege- rischen Erfolge der Tatsache, daß er bis ins kleinste die milllärische» Vorschläge Westphalens ausführte. Philipp von Westphalen war damals der eigentliche Generalftabs- chef und zugleich Generalquartiermeister des ganzen langjährigen Feldzuges. Nach außen bekleidete er die bescheidene Stellung einest, Geheimsekretärs des Herzogs. Ehrungen, die ihm der Herzog von Braunschweig und der König von England anboten, lehnte er selbst- bewußt ab Niir mit seiner Erhebung in den Adelsstand war er einverstanden, offenbar weil er damals schon beabsichtigte. Jeame Wishart os Pittarow zu heiraten, die aus einer der ältesten schottischen Baronsfamilien stammte. In den Adern dieser Frau, der Großmutter von Jenny Marx, pulsierte das Blut ihrer schottischen Vorfahren, die berühmt waren als selbstbewußte Rebellen, jederzeit zum Kampf und auch zu jedem Opfer-bereit. Einer ihrer Vorfahren mußte als Kämpfer für die Revolution den Scheiterhaufen besteigen, ein anderer wurde auf dem Marktplatz in Edinburg in aller Oeffenlllchkell geköpft. Er war einer der Führer im Freiheitskampf gegen Jakob II. gewesen. Von der Klugheit und Kühnheit ihrer Vorsahren, von ihrem Kampfwillen und Opfermut und von ihrem Streben, dem Geist ihrer Zeit voranzugehen, ist in Jenny Marx ein gut Teil lebendig geworden. EHvEfss allgemeinen Flugblattverbreitung am Sonnabend, dem 5, Dezember und am Sonntag, dem S.Dezember von den bekannten Stellen aus. 40 Lahre Arminius-Markihalle. Ein schönes Fest der Eintracht und des Geineinsinns konnten die Marktstandinhabcr der Markthalle Moabit am Arminiue- plan begehen: das vierzigjährige Bestehen ihrer Markthalle. 40 Jahre bedeuten für dies«©eschäftsleuie ein Verwurzeltsein mit dem Käufer�, ublikum, ein Vcrbundensein in guten und schweren Zeiten, wie es allein sieben Jubilar« in der Halle bewiesen, die ebenfalls 4 0 Jahre denselben Stand innehaben. Der ganze Berkaufstog am Dienstag stand im Zeichen des Festes. Die Aerkaufsftände waren festlich mit Blumen und TaNnengrün ge» schmülkt. In der Mitte der Halle hotte eine Musikkapelle Aufstellung genommen, die nmntere Lieder und Schlager spielte und nach deren Melodien schließlich sogar ein flottes Tänzchen absolviert wurde. Der Direktor der Städtischen Markthallen Maretzki überbrachte die Wünsche der Stadt Berlin für ein ferneres Gedeihen. Von den Standinhabern wurde auf das gute Einvernehmen zwischen Ver- käufern und Käufern hingewiesen, die sich nun schon viele Jahre kennen. Daß die Händler für die Wirtschaftsnot ihrer Käuferschaft Verständnis besitzen, geht aus der tätigen Winterhilfe hervor, zu der die Händler kooperoliv beisteuern. Außerdem speisen einige Händler jeden Tag einige Dutzend Kleinkinder in den Räumen des Restaurants. An diesem Ehrentage der OeffeiL- lichkeit chren Dank abzustatten, hatten sich die Standinhaber etwa 60 Erwerbslose a l s Gäste eingeladen, die sie mit einer reichlichen Mahlzeit bovirteien. Allgemeine Wetterlage. abds, 0w«sNetol,*Gewittw©Wta&iUe Deutschland lag am Dienstag im Bereich eines Hoäiausläufers, der sich vom russischen Hoch bis zur Biskaya erstreikte. Die Lust- bewegung war meist schwach. So kam es nach einem vielfach heiteren Tage am'Abend in West- und Mitteldeutschland zu verbreiteten Nebelbildunaen. Obwohl die Zufuhr kalter Lust aus Osten nachge- lassen hat. hielt im größten Teil des �Reiches das Frostwetter an. Rur am Rhein, in Schlesien und im Staate Sachsen erhob sich das Oucchsilber Uber den Gefrierpunkt, in Dresden und in Grünberg in Schlesien sogar bis auf 4 Grad Wärme. Auch in dÄt Küstengebieten der Nordsee stand das Thermometer über Null, ja Borkum meldet abends sogar 8 Grad, H«lgoland 7 Grad Wärme. Bis hierher sind offenbar bereits mildere Luftmassen von Westen auf der Südseite einer Depression bei Island vorgedrungen. Ein Ausläufer dieses Tiefs erstreckt sich am Montagabend bis nach Dänemark und Süd- fchweden. Er bewegt sich nur langsam, vertieft sich aber noch etwas. Wir tonnen unter diesen Umständen, zumal der Druck über West- «uropa steigt, sedenfalls mit Milderung des Frostes rechnen. Welleraussichleu für Verlin. Meist bewölkt und zeitweise nebelig mit Neigung zu leichten Niederschlägen: Temperaturen an- steigend.— Für Deutschland. Im Süden und Westen Aufheiterung, Frost: im Küstengebiet milder, im übrigen Deutschland etwas Be- wölkungszunahme und stellenweis? auch Niederschlag. Öffentliche Kundgebungen Am MUtwoeh, dem 2. Devemher. imchmUtaK» l v, XJhr Lokal Hubert uh, Mabladorr-Hlld, Cdpenlcker Alice JO« Heferen.: Karl UroMael. Am DonncrNtac, d. 8. Drxcmber, In VrledrlebBliaiccn btrcntllo e Protcetkuodgelinns der Partei and dow Itolchabannera im arroOrn«aal. rrledrlrhattaOc 187 Reterent: Hurt Uelnlc, M. d. R. Thema in beiden Kundgebungen: „Sozialismus oder Faschismus?*' Qestaltet durch regen Versammlungsbesuch die Veranstaltungen zu einem machtvollen Bekenntnis gegen den Faschismus I parteinachrichien für Groß-Verlin Cintcnbiutgeii für diel« SubtU find verlin SW«. Llndealtraßr 3, Stet»«n btts Vcglrtafetretariat :. Hos.: Sreavea recht», zu richten Beginn aller Beranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere ZcUaugttte! Heuke. Mittwoch, 2. Dezember. ''««-m.tp.qn. it— Ii,«sc- 1. JUcis.(ttseibtlsltageranftaltusn, chleimstr. 35, W— 19 US., Unter- haltnagosplele. Donnerstag Nnesu» Bruno 9>tuns«> tib»„ilirtfitjoits. Itif. und Slsentltch» gtuoitjrn". ts. gut». 20 Uhr greionorsluodasttiunguz»hc>!n, Ptttutx etuh. 93— 70, Schulioeilehalle.«ottlieb Zleese!„SomjetrnhlonP. 19. Abt. ArbeUstrei» lungrr Kenosscn fällt heute au». 27. Adt. Sletmür. 35, Vattsspetsestetle. gusamwenkunst der jungen Partei. er aoffen. Thema:„Partei.- und ÄiteturpoMtl", 4l. Abt.-Zlusspracheabeub im Lokal Schutt, Mariendorfe. Str. 5. Mitglied». hud) legitimiert. 7L Abt. Sunlttonätftijung im WaldhailS, Spandauer Strohe(Siedlung). 55. Abt. 20 Uhr Mitaliedernersanunlung im Birkenwäldchen, Manteuffelstrage. Reierent Stich Ollendauer:„Die Jugend im Kampf um den Sozialismus". Die Berlammlung findet bestimmt stall. K. übt.' Jüngere Parteigenossen; 20 Uhr Jugendheim Treptower Str.'ii Portraz des Äenoffcn Sachs Uber„stirdcitofchutz und die Mitwirkung der Arbeiterschaft". 07. Abt. Junge Genoffen: Die Genaffe», die e« möglich machen können, de- suchen heute abend die Spartpalaft-idundgebunz. Die übrigen treffe» sich an Manntet Stelle. Morgen, Donnerstag, Z. Dezember. tz. Are!».'J Uhr Zusammenkunft aller erwerbetosrn Genoffen. Partrag Angnst Riemann:„Da» soziale Antlitz Dentlchland» nach dem Weltkrieg-'. Jugendheim Geemaniastrahe, Singang Götzslr-öe. lt. Srei». Ii Uhr engerer itreiavorstand und Abteilungsleiter im Parteibüro. l. Abt. 20 Uhr Funltionärsitzung bei Schaar. Ecke.stalkschrunrn- und Ziegc! straße. 9. Abt. 1Z Uhr zZorstandsfftzung, 20 Uhr Fuuttioukirfltzung bei Brandl», Lira- lauer Str. 10. 9. Abt. Arbeitskrels-Diekusüonsabeud:-„Sozialdemokraten und Kommunisten" im Lokal Rickert, Eieinmetzstr. 36a. 19. Abt. 20 Uhr bei Stein. Holsteiner Ufer K. Zusammenkunft der jungen Eenoffen. Die erwerbalosen Genoffen Halen Ssj.nkarten ebendort ab. 13. Abt. sfunktionitrsitzung bei Obiglo. Stralsund«! Str. 10. 22. Abt. Die Zahlabendaleiter rechneu die Broschüren NM Ii»«. Uhr im Zimmer 0 In der Wiüdenowstr. ä ad. Alle Broschüren sind mitzuhringcn. 29. Abi. Fnnktionärkonkerenz bei Beinlich. ■5. Abt. Zunktiot»irstnu»g bei Puich, Tilfticr Straüc-- VI. Abt..«ilbeltSk»!»' jungee' tSciiofftu bei liilPZikite,'Zt34. Abt. Die Genossinnen I-eleiltgen stch heute zahlreich am WerdenheuD des ftreifcs Pankow bei Linder, Brette Strohe. Aeserentin Senofstu Paula .sturgah. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrk. 1ire>»leitcr! Um Zurückgabe der Lose, dir nicht abzusetzen sein werden, wird bis zum 8. Dezember gebeten. Teilzahlungen und möglichst um- gehend in der Geschäftsstelle Lindemir. 3, 2. Hof, 2 Sc., vorzu nehmen. S.»reis Wilmersdors. Mrutog, 7., oder Dienstag, 8. Dezember, flndet eine erneute llleiderkammlung statt. Helfet und s->elferinne>t wollen stch umgehend bei Genossin Götz. AunÜrstendamm 02, schriftllch melden.— Der stursüs der Genossin Paula tturgah findet am 10. Dezember, um 20 Uhr, in der Dom- Klause am Fehrbelltner Platz bei der Russislbeu Kirche statt 13.»reis Tempelhos. Die Lose der Arbeiterwohliahrt müssen bis zum 10. Dezember abgerechnet werden bei der Genossin Scholz, Tempelhaf, Braun- schweizer Ring 91. Lose, die bis dahin nicht zurückgegeben find, gelte» als vrr. kaust und muffen bezahlt werben. �Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreuade Groh-Berlin. «reisleiteesitzung Freitag, den 4, Dezember, Ivs» Uhr. Kaffeu. 0 Uhr. der Gruppennachmittag aus. geschält bis lO Uhr. Eltern mit. ng„Sunac Lände schaffen". efe Hauptstraße. Bringt eure W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlln Einsendungen sÜr diese Rubrik nur an da» Iugendsekretartat Berlin<3® 68. Lindrustrahe 3 Sonataz, 9. Dezember. 13 Uhri Borstellung für die arbeitend« Jugend in der Volksbühne.„Der grüne Kakadu", Groteske van A. Schnitzler.„Der üchlachlenlenker", Komödie von Shaw. Karten zu 80 Pf. sind noch erhältlich.— Sonntag, 13. Dezember, 11h» Uhr, rtMadart:„Die Unüberwindlichen", Roch. kriegsdrama in< Akten von Ä. Kraus. Sorten zu 1,50 M. sind im Sekretariat erhältlich. -, Streichorchester Geah-Beeli» und Emgekeeist Oeffeutliche Musizier- t- 1 stunde Eonntaa, 6. Dezember. 20 Uhr. in der Schulaula NO., Pasteur- i straße 11—13. Einlritt 30 Pf. Karlen find im Sekretariat erhältlich.[' l u.-jdrteFfrüT "rr-r; i SSG.: Oefsentlichr»ersaminlung Wontag, 7. Dezember, 1911 Uhr, Aula der Schule Kochstr. I->. Genaffc Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R., spricht Über „Schüler und Klofseukampf". AbleUungsmitgliederoersammluogen, Blittwoch. Uhr Gesundbrnuie» ll:«brlstianiaftr. 38.— tKcsundbrnnne»,». S.j Goten- bniaer i5.tr. 2.— Lichtrnrode: Roonstrahe.— Friedrichshagen: Friedrichstr. g!. — Bohnsbors: Wachleljtr. 1.— Lichtenberg. Mllte: Doffestr. 22.— Wittenau. Haupistr. 13.— Pankow, Zi. Z.: Äisstngenstr. 48. Arniwplatz� Arbeitskreis bei istoldschmidi,— SEG- Prenzlauer Bergt 18 Ubr Danziger Str. 62. B. 3:„Schuip'olltische tlrbell. 1.— SSG. Teltow- lonal: 18 Uhr Steglitz, Zlemnunastr. 14; Berbeabend:„Nationaler oder inier nationaler«oziolismus?— Kattduffer Tor: Waffertorftr. 9: Ueben zum 2. Januar.— Waansee: Restaurant Lindenhof: 10-M.inute». Referate..— SSE. Reukiilln: 20 Uhr Bergstr. 20;„Die Kunst und die Arbeiterklasse".— Reukölln Arbkitskreis innger Parteigenossen. Schuir Marienborter'Bieg. Reu- Lichtenberg: Gunterstr. 41:„Tagespolitik".— Matzladorf: Melanchthgit-- straße 68:„Freundschaftsverhältnis in der SAJ." Werbebezirt Tiergarten: Probe de» Singekreisea 19 zß llhr Lehrler Str. 18/10. Zimmer 2.— Morgen Probe de» Singekretsez mit Streichorchester Groß. Berlin ebendort. Werbebezirk Kren?berg: Funltionärfchnle:„Das Buch und feine Bedeutung für die Arbeiterschaft", 20 Uhr, Urbanstr. 167. Alle Gruppen müssen sich be- leilioen. Weebebezirl Tempelhos: Beteiligung an der Partelversa-nmlung int ..Birkenwäldchen", Tempelyof. Erich Ollenhaner spricht Über„Jugend und Eozialiontu»". «crbebezirk Zlenköllu: 18 Uhr Sanghoserstraß«, Borstandssttzung; 20 Uhr KMS„ Besprechung des Borstandes mit den Helfern der Kinderfreunde. Werbebezirk Weddinq: �Morgen. Dannerstag, öffentlicher Werbefilmabend! „Die rote Front lind wir", lOVi Uhr in der Aula der Berufsschule Grünthaler Straße. Ansprache: Erich Schmid!, Rezitalioncn, Rote Revue. Eintritt 30 Pr. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz- Rot-Gold". ® esdlä« t Sß e 1 1»• Berlin£ 11 Lebhftianftr 87-38 So' 2. Tr G»nvor>land. Zuz Klludgraung im. Sportpalast am 2. DeztzNiber lUXtH' dte"Lrl!N>ereiäi!«lö fvlar itic2Slas».0rdnerdienst..i'r Brn>d'-s- IS!» Uhr in de» ZSändölgitugen hluier-: den Bühnenkurueill.- Irrels . klrwung Estdeu:" Par?ett. Ke«>»� Rorden: l." Rang.' Keei» Weste»: Ii. Rang. smis W.____ M_____________ W_________ m._____ jläeis Oßctt: Außendirnft. Schul» in voller Ausrüstung, Tornister und Decke, 1011 Uhr hinter der Sperre, Hof zum Sportpalast. Dt««reife Osten und Westen rechte Seite, die Kreise Süden und Norde» linke Seite. Znugba in Bunde:- tleidung olnie Tornister 10'', Uhr im Wandelgang Parkett, rechte Seite. Bplei- leute und Rustter-, 19 Uhr Parkett, linke Seile. Sämtliche Fahnen der Orts. vereine in der Lorhalle, Haupteingang.— Friedrichshaiu: Die für Mittwoch ange- fetzten Äameradidmftsvcrsammluugen finden nicht statt.— Mittwoch, 2. Dezem- tr-r. Friedrichshaiu(Bortrupp): 19?s Uhr Jugendheim Eberirstr. 12(Eaall. Rcukölln. Britz: 1b', Uhr Seimabend Jugendheim Bergstr. 20. Lichtenberg(Ortsverein): Pünktlich l» Uhr restlose? Erfcheinrn zum Saalschug im Lokal„Hubertus", grofier Saal. Mahlsdorf. Slid, Köpeiiicker Allee 100. Reichsbnud der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinker- bliebenen. Bezill Osten 20 Uhr. Schmidts Gesellfchastshaus. Fruchtstr. 3tll. llllierent Kamerad: Eberl:„Wirtschaftskrise"— Ortsgruppe Stralau: Beesatmi-- lung Donnerstag. 3. Dezember, 20 Uhr, bei Wertalla, Hohenloheste 3. Referent Komerad Schubert. Laudsmanuschast der Schleswig.Halsteiuer zu Berglin— 1992. Geschäfts- stelle: E. 11, Prtnzcnstr. 61. Donnerstag, 3. Dezember, 20 Uhr, Dresdener Garten, Dresdener Str. lö, Aufführung des Films„Die Sache mit Schorrsieaei". „Sturmuagel". Flngvcrband der«erktätige», e. B. Ortsgruppe Kreuzberg: Sitzuua Mittwoch. 2. Dezember, 20 Uhr, Restaurant„Pitfator, Kottdusser Tor, Kottbusser Str. 28. Bund deutscher hiraverletzter Krieger, e. L. Freitag, 4. Dezember. lOtj Uhr, Moualsvcrsamuilung bei Brandenburg,-Berlin E. 2, Eiralauer Str. 3—6. Freie Aebeiter-Stenographeu-Pereinigung Erost-Berlin. Allfängerkurse in Reiaiskurzschrift(Einheitskurzlchrift) beginnen wieder vom 10. bis 16. Januar. I'nkostenbeilreg einschliehlich Lehrmaterial 10 M.. für Erwerbslose 5 M. Au«- kunst erleilt Artur Thciscn, Berlin.Tegel, Brunowslr. 17 l. I onxseil«« lingli-h DcOating Club, BQIowstraB» 104. heute abend 20 Uhr spricht Mr..Vthur E. flanning Executive Secretary American. Chamber of Commerce, über das Thema:„The Interna ional Trade Arena" Jntratar— ein neue» Bier? Stein, ei»»euer Kapellmeister: Im„Kaffee Baterland" spielt ad l. Dezember Jntrator mit seinem Konzert, und Jazz- Orchester. Alexander Jntrator ist ans der Berliner Hochsd)Ule für Musik hervor- gegangen. Jntrator verbindet einen wundervoll reinen Ton und Wärme des Spiels mit ausgeglichener Technil und durchgeistigter Musikalität. Er kann als der zur Zeil beste Zangogeiger Berlins bezeichnet werden, bringt aber mit ietuem neu zusammengestellten Orchester auch moderne Jazz- und Schlagermusik vollendet zum Bortrag. Preissenkung für Vim— von nun an kostet die Normaldose nur noch 20 Pfg., hie Doppeldose 35 Pfg... und dazu trägt jede Dose einen wertvollen Gutschein! 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Sdilller- Theater 8 Uhr Der RldUer von Zalamea MMWll-bMMiiiiiieii DerKongreoianzi Uiiian Harvey, Willy Friindi Conrad Veidi, Lil Dagovcr Bühne: Lidia Walterstein Hohe Schule Im Wandel der Zeiten Arcaris Neapolitaner Italienlsces National- Orchester Ge�thidilen aus dem Wiener Wald von Oedön llorvatii Regie: Heinz Hilpert Die Komödie SV- Uhr Jemand von Eranz Molnar Regie: Costa! Grüpiigens i mit Albert Rassermann Tbealer im AdmlralSDalast Täglich 8V. Uhr Die Dubarry mit Gitta Aipar j Preise v. O.SO M. an Rose• Theater Giaäc Frankfurter Sin!« 132 | Iii. Veidisi! E 7 3122 6 und 9 Uhr, Die keusche susenne Planetarium — am Zoo S, 7, 9 Uhr Film omRönigsee' und Walzmann 3 Uhr MUrmenfllni Nur 14 Shindan umgrenzen die Geschehnisse iu dem neuen Bücherkreisbande Jan Hus• Der letzte Tag Historisuber Kornau von Onkar Wöhrlc 271 Seiten. Ganzleinen. 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Dezember 1930 uemauie Allgemeine Ortskrankenkasse für Berlin-Steglih. Oekanntmachung. Die Vertreter der Arbeitgeber und Per ncherte» im Ausschuß werden hiermit zu der am Donnerstag, Sern 10. De- zemder 1931, abends 8 Ahr, im Kasscnlotai, hier,»örnerstr. SS, statt findenden ordentlichen Ausschuß-Sihung höfttchst eingeladen. Tagesordnung: 3. Bericht über die finanzielle Lage der Kasse. 2. Festsetzung des Boranschlages für das Nechiiungsjahr 1932. Z. Vahi des Ncchnungsausfchusses zur Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres. 4. Saßungsänderung. &. Berschlcdcncs. Berlin- Eleglih, den 3. Dezember ISZt. Oer vorstand: Liehr, Vorsitzender. Koglin, Schriftführer ArbetteiwoiiBfaliri 5000001 SAmtllcrre Qewlnne werden auf Wunsch mit 90 Prozent auspezohtt. mit 1 0 Losen Srm. mit 20 Losen 1 0 Rm. Ziehung am 19. und 21. Dezember 1931 Lose ru haben bei den Kreisleiterinnen der Arbeiterwohlfahrt, Verkaufsstellen dar Konsumsenossanschaft, Vorwdrts-FUlalen, Werthelm. Singer und Hermann Tlotz Aktiva RM. Grundstücke.................. 351 700— Gebäude.................... 1 937 000.— Maschinen und Werkzeuge.......... I 000 030.— Invemar.................... i.— Forderungen auf Grund von Warenlieferungen 3626310.67 Forderungen an abhängige Gcsellschaficn und Konzeriteesellschaften............ Sonstige Forderungen............. Wechsel.................... Kasse, Postscheck-Rcichsbankguihaben.... Bankgu'habcn................. Warenbestand................. 2 964 939.81 Hypotheken.................. 88 550.— Hypotheken-Tilgung.............. 8 304,40 «cteiligungen.................. 518500.— Effekten.................... 70 00«— Verrechnungskonten.............. 118253.64 Avale und Bürgschaften 1 444 168.— Wechsel-Obligationen. I 757 308.66 Verlust in 1930........... 3166 447 74 ./• Gewinn-Vortrag aus 1929...■ 69 238 93 3 037 20881 2004 221.48 304 465 62 116 743.52 10 766 06 77858.43 Oefcn, cifetne, jeder Art, Teilzahlung, trans- portable Kachel- Sien, Badewannen. Hcffcläfen, Koch. 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RM 3 4)2 20108 201 089 69 351 611.80 288 425.0: 687579.27 511 357 43 1 847 51 1236 7 299 777.65 Gewinn RM Gewinn-Vortrag aus 1929............ 69 238.93 Brutto-Cewinn................. 4 193 329.91 Verlust in 1930.......... 3 106 447.74 J- Gewinn-Vortrag aus 1929... 69 238 93 3 037 208.8: 7299777 65 Berlin-ObcrschSneweidc, im November 1931 Ä. Frisier AkiicngesellscfaaFt Der Aafsiditirai: Bernhard Der Vorstand: Felix Israel Becker Patentmatraben ..Vriniiifima", Me. tallbctlen Auflene. Matratzen. Cbai'e. louaues Walter Stargarbersteaße achtzehn. KeinLader� Lindenstratzc 21—72. löchreib. tische 30,—, ststlste 3r—. Regale 10,- an. im Soffpeichet Kerrenzimmer 290,—, Klubtische 10-30. Riesenou»- wähl. Teilzahlung Kamerliug. Kafta- Nicnailcc.76, a» lrrhrbellinerstraße.» Schlafzimmer, Eiche, lomplett. mit Scideupollterstühlr» 2!35,—, Sprisezim. mer, Gelegenheits. kauf, lomplett 268.—, Küche, mo. dern, 83,—. 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Vreiischeids Kampfrede.— Freiheitsflieger Baffanesi Mrmisch umjubelt. Eine auflerordeutlich ftttrk besuchte Funktionär- Konferenz der Berliner Tozialdeurokratie im großen «sal der„Neuen Welt" uuhm gestern abend Stellung zur politischeu Lage. Das Thema, das ursprünglich „Sozialdemokratie und iudrruationale Abrüstung" lautete. wurde auf eine Besprechung der innenpolitischen Lage ausgedehnt. Die glänzend verlaufene Versammlung fand mit einer jubelnden Begrüßung des italienischen FreihcitS- fliegers Bas fönest einen begeisternden Abschluß. Als Hauptredner sprach der Borsitzende der Reichs- tagfraktion. Genosse Rudolf Breitscheid: Zwischen der Frage der Wrüstung und den deutschen inner- politischen Problemen besteht eine enge Verbindung. Während vor dem Kriege nur die international« Arbeiterklasse unter dern Wider- stand der Regierungen für die Abrüstungen kämpfte, hat der Welt- krieg auch für andere Kreis« Zweifel ausgeworfen, ob der alte Satz: „Wenn du den Frieden willst, rüste zum Krieg!", nicht falsch sei. Breitscheid legte sodann die Verschiedenheiten dar, die in der Ab- rüstung nach den Friedensverträgen von 1913 sür Besiegte und Sieger, sowie die neuen Staaten bestehen. Er betonte, daß nach den Verträgen ohne Zweifel ein deukscher Rechtsanspruch auf die Abrüstung auch der anderen Staaten bestärSc. Das habe auch in Uebereinftinnnung mit der gesamten französischen Sozialdemokratie der Genosse Blum immer mit Deutlichkeit heroorgehoben. Wenn diese Derpslichwng van den franzö- fischen bürgerlichen Regierungen immer wieder umgangen wird, dann besteht die Gefahr, daß für die Anhänger einer deutschen Aufrüstung eine Verführung zur Verletzung der durch Deutschland übernommenen Verpflichtungen vorliegen körnte. Die Arbeit des Völkerbundes in der Abrüftungsfrage. die er selbst in leinen Satzungen als vordringlich bezeichnet, ist leider nur langsam vor sich gegangen. Die Vorbereitende Abrüstungs- konferenz hat ein vor allem für Deutschland völlig unzureichendes Rachueirprogramm geschaffen, die Völker müssen auf die Regierungen einwirken, damit nach Völkerbundspakt und Schiedsgerichtsvertrögen, nach Locarno- und Kellogg-Vertrag die Wrüstung endlich Wirklich- keit werde. Die Nationalisten des Auslandes operieren damit, daß Deutsch- land seine Verpflichtungen durchbräche. Ich bin des guten Glaubens, "aß dies nicht der Fall ist aber Reichsgerichtsurteile wie im Fall der„Weltbühne", die auf Grund einer geheimen VerHand- lung und bei einer geheimen Urteilsverkündung er- iolgt sind, müssen im Ausland den Eindruck erwecken, daß Deutschland etwas zu verbergen habe. Im übrigen aber weift Frankreich, und das hat die letzte Rede des Ministerpräsidenten Laval bewiesen, rüdem er sich auf die„unerhörten Kundgebungen" gewisser deutscher Kreis« berief, aus das Erstarken de« deutschen Rationalismus bin. Dia französische Politik ist an diesem Erstarken zu mindesten nicht unschuldige Frankreichs Goldpolitik schafft dem nationalen Radikalismus neue Arbeitslose und Verzweifelte. Ader Frankreich ist nicht allein verantwortlich. Wir können nicht behaupten, daß unsere eigenen Machthaber in Deutschland an der Entwicklung schuldlos seien. Alles auf die Reparationen zu schieben, ist irrig. Wir müssen unsere eigenen Fehler sehen. Liefern mir nicht Frankreich einen starken Vorwand, gegen die Abrüstung zu kämpfen, wenn der französische Bürger annehmen zu können alaubt, daß die Nationalsozialisten bei uns zur Herrschaft kommen? Die deutsch- Regierung beklagt sich, daß nach französischen Stimmen ein Hitler-Regiment zu erwarten sei, weil die bestehende Regierung zu schwach wäre. Französische RaKonasifien wünschen eine Hitler-Regierung. um dann einen noch stärkeren Druck auf Deutschland ausüben und andere Bedingungen wie die gegen Brüning stellen zu können. Darum hätte die deutsche Regierung die Pflicht, den National- sozialisten mit aller Energie entgegenzutreten und immer wieder vor breitester Oefsentlichkeit auf die Gefahren hinzuweisen, die Deutschland durch eine Regierung Hitlers drohen. Diese Pflicht hat vor allem der Reichskanzler, der zugleich Außenminister ist. glicht nur die Wahlerfolge der Nationalsozialisten können den Nationalisten Frankreichs Borwände gegen die Abrüstung bieten. sondern vor allem auch dasTerrorregimentderbraunen SA.-Truppen, namentlich auf dem platten Lande.(Starke Zustimmung.) Ich glaube nicht an einen bevorstehenden national- sozialistischen Putsch, aber ich glaube an den E i n s ch ü ch t e r u n g s- versuch der Nationalsozialisten gegenüber noch widerstehenden Teilen des Bürgertums und auch der Arbeiterschaft, dl« zu dem Schluß kommen sollen: Wir ertragen es nicht länger, wir sehen nicht mehr ein, warum wir eine so schwache Regierung stützen sollen. Die Reichsregierung hat die Pflicht, alle Machtnnttel zur Abwehr anzuwenden. Sie hat das bisher nicht getan. Der Darkelausschuß hak deshalb henke weitgehende Enkichlüsse gefaßt, die den üampfwilleu und die ftampssreudigkeik der Genossen verwerten sollen. (Zuruf: Höchste Zeit!) Jawohl, aber wir hatten gute Gründe, zu warten. Wir stehen hiermit nur in der Wwehr. Wir sind glücklich, daß Severing und die Preßenregierung mit aller Energie den Nationalsozialismus bekämpfen. Wir haben aber oft den Eindruck, als ob die Reichsregierung dies nicht tut. Vielleicht will es Brüning, aber wir wissen nicht, ob er innerhalb der Reichsregierung den genügenden Einfluß hat, seinen Willen durchzusetzen. Parleiausschuß und Reichs lagxscattion verlangen, daß die Regierung Staat und Arbeiterschaft gegen nationassoziallstische Illordbubeu schützt. Handelt sie nicht danach, so ist die Regierung Brüning wert, zu fallen.(Stürmische Zustimmung.) Breiischeid wandte sich dann gegen das falsche Spiel der low- munistisch«, Parteileitung, die da» abgegristene Wort von der Einheitsfront nur lästernd gebraucht«. Was ich in Darmstadt sagte, führte dazu, daß die„Rote Fahne" als Hauptfeind die Sozialdemokratie bezeichnet«. Im Abwehrkampf soll für uns nicht das Parteibuch maßgebend fein, aber sobald wir diese Dinge nur ganz vorsichtig berühren, dann fallen uns die Kommunisten in den Rücken.(Lebhafte Zustimmung.) Nach einmal rufen wir die Regierung Brüning zur Propagcruda und Xaf gegen den RaSoaalsoziall«m»s auf. Duldet sie Braunschweiger Zustände, dann besiegelt sie ihr Schicksal selber. Dann wird es uns leid, einer Regierung unsere Unter- stützung zu leihen, die den Kampf gegen den Faschismus nicht auf- nehmen und immer wieder die Hauptlasten auf die Arbeiterklasse legen will. Die einzige wirkliche Stütze der Regierung ist die sozialde in akratische Arbeiterschaft, mag sie sich viel- leicht im wesentlichen auch auf das Zentrum noch verlassen können. Die stärksten Kadres der Republik stellt die Sozialdemokratie, stellt das Proletariat. Das Großkapital lehnt die Republik ab, es sehnt die Vergangenheit oder die Herrlichkeiten des Dritten Reiches herbei. Was die neue Notverordnung bringen soll, klingt nicht verheißungs- voll. Man spricht von neuem Gehaltsabbau und einem neuen Lohnangriff. Unverzüglich werden wir bei der Reichsregierung energisch« Vorstellungen erheben. Wir sagen uns, daß auf die Dauer nicht jede Last uns aufgebürdet werden kann, (anhaltender Beifall) obwohl wir wissen, daß es unter einer eventu- ellen Rechtsregierung ohne Zweifel nicht besser würde.(Sehr richtig.) Aber es gibt eine Grenze der Tolerierungspolitik. Entscheidungen, von denen das Weiterbestehen der politischen und wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse und die Freiheit der Rede und der Presse abhängen kann, dürfen gewiß nicht im Taumel gefaßt werden. Wir denken an Mussolini, und wir werden, trotzdem wir von der größeren Widerstandskraft der deutschen Ar- beitcrorganisationen gegenüber den italienischen Verbänden überzeugt sind, bestimmt nicht leichtsertig handeln. Wenn aber ein Wechsel in unserer Politik eintreten sollte, dann müssen wir gewiß sein, daß die Parteigenossenschoft bereit ist, mit Wort und Tat und mst verhundertfachtem Eifer für unsere Entscheidungen ein- zutreten und zu kämpfen!(Stürmischer, anhaltender Beifall.) Nachdem Genosse Litke die Entschließungen bekannt gegeben, die der Parteivorstand, der Parteiausschuß und die Reichstags- fraktion in gemeinsamer Sitzung gestern angenommen hatten, begann die Funktionärkonferenz die Diskussion. kubetschck forderte ein schärferes Vorgehen der in amtlichen Stellen befindlichen Parteigenossen gegen die Terrorakte der Faschisten. Besonders auf dem Lande müsse die Bevölkerung mehr als bisher geschützt werden. Bei der Zusammensetzung der Dele- gation zur internationalen Abrüstungskonferenz darf sich die Sozial- demokratie nicht ausschalten lassen. Dr. Käthe Frankenthal bedauerte, daß die Sozialdemokratie zur Uebcrwindung der Wirtschaftskrise kein sozialistisches Rezept angeben konnte. Nicht zuletzt deshalb sind die Massen der Wähler zu den Nationalsozialisten gegangen. Leider sind wir uns heut« darüber einig, daß wir in der Abwehr der Nationalsozialisten nicht mehr ausschlaggebend sind. Ein« Demissionsdrohung Brünings darf keinen Einfluß mehr auf unsere Politik haben. Dem national- sozialistischen Wollen müßten wir uns mit dem Willen zur sieg- haften Abwehr entgegcnwerfen. Rolschild: Gegen die Situation in Deutschland müsse die Partei so aktiv werden, wie jetzt das Reichsbanner: Resolutionen Helsen da nicht mehr. Redner kritisiert« die Sparmaßnahmen der Reichs- regierung besonder» bei den Arbeitsämtern. Günther-Neukölln: Die Politik der Regierung wird bewußt auf die Zerschlagung der sozialen Lag« der Arbeiterschaft«ingestellt. deshalb darf die Sozialdemokratie dies« Regierung nicht mehr tolerieren. Es wäre besser gewesen, wenn die Partei den Rational- sozialisten beim Reichstagszusammentritt Gelegenheit gegeben hätte, sich in der Regierung bis aus die Knochen bloßzustellen.(Lebhafter Widerspruch der ganzen Versammlung.) Seit 1918 wird in den Massen keine Regierung so gehaßt wie die Regierung Brüning, ober auch keine Partei so wie die Sozialdemokratie.(Erneuter Widerspruch.) Wenn wir weiter tolerieren, kann es bald heißen: Zu spät! Künstler: Es ist falsch, wenn Genossen alles in der Politik unter dem Gesichtspunkt Brüning betrachten. Es gibt auch eine andere Perspektive, die heißt„Bürgerkrieg!". Die Sozial» demokratie hat bisher alles aufgeboten, um dam deutschen Dolk« den Bürgerkrieg zu ersparen. Sozialdemokratische Führer haben sich nicht die Generale des Weltkrieges zum Vorbild zu nehmen, sie dürfen nicht mit Menschenleben spielen.(Beifall.) Sehen wir nach Italien. Dort ist die Arbeiterschaft nach neun Jahren Regierungszeit des Faschismus weiter denn je davon«nt- fernt, Mussolini zu stürzen. Wenn Brüning die Arbeiterschaft weiter belasten will, wenn die Regierung weiter den Faschisten so untätig wie bisher gegen- überstehen will, dann sollte die Tolerierung aufhören. Bewußt darf die Sozialdemokralie die Nationalsozialisten nicht an die Regierung lassen. Für unsere Politik gegen die Faschisten sind die im Saale an- wesendcn Funktionäre genau so verantwortlich wie die Führer der Partei. Fenglcr: Wer den Krieg im Schützengraben mitgemacht, ist auch für die Abrüstung. Zum Glück gibt es bei der Sozialdemokratie mehr Frontkämpfer als bei den Nazis. Seit 1918 steht die Partei in der Abwehr, daraus ergibt sich unsere Schwäche gegenüber den anderen. Mehr als bisher sollte die Partei den Kampf gegen die kapitalistische Wirtschaft führen, dann werden wir den National- sozialisten das Wasser abgraben. Ein Antrag auf Schluß der Aussprache wird angenommen. Im Schlußwort betont« Dr. Bvcitschcid. im Anfang der Tolerierungspolitit seien auch diejenigen dafür gewesen, die jetzt deswegen die Partei verlassen haben. Wr haben Brüning toleriert, um den Bürgerkrieg so lange wie möglich zu vermeiden, wir haben toleriert, um die Nationalsozialisten solang« als möglich von der Herrschast fernzuhalten. Man müsse diejenigen Kritiker bewundern, die immer und stets voraussehen, welchen Wog die Politik nehmen wird. Jedenfalls wollten wir eine Regierung verhindern, die die Rechte der Arbeiterschaft noch mehr mit Füßen tritt, wie die jetzige. Man sollte doch davon überzeugt sein, daß Hugenberg das Tartfrecht der Arbeiter noch weniger achten würde, wie Brüning. Die Sozialdemokratie wird nie leichtfertig den Foschismu» an» Ruder lassen. Und alle, die setzt und immer so laut gegen die Na- tionalsozialisten in den Versammlungen sprechen, werden doch sicker später einmal aus der Straß« ün Kampf gegen die Faschisten stchou. Gewiß würden die Faschisten eünnal abwirtschaften. Aber kündigen nicht gerade sie inuner wieder ihre Absichten an, Volt und Meinung zu knebeln und herunterzuhalten. Da» darf nie und nimmer vergessen werden, besonders nicht von Sozialdemokraten. Deshalb müssen wir auch stets die Massen darauf hinweisen, daß nur die Sozialdemokratie die Hüterin der demokratischen Recht« des Volkes ist.(Lebhafter Beifall.) Folgende Resolution wurde eiustimuüg angenommen: „Solange die Abrüstung nicht durchgeführt ist, ist der Frieden stets gefährdet. Die Friedensverträge haben einzeln« Länder zur Abrüstung gezwungen und die Abrüstung der anderen versprochen. Die langen Verhandlungen in Gens haben jedoch bisher kein greifbares Resultat ergeben. Die Lasten der Rüstungen wachsen. Die Geduld der Völker ist aufs äußerste angespannt. Daher fordern wir von den aus der Abrüstungskonferenz ver- tretencn Regierungen, daß sie endlich zu positivem Handeln über- gehen. Ein Vertrag muß abgeschlossen werden, der sofort eine großzügige Herabsetzung der Hecrcsbestände, des Kriegsmaterials in allen Formen und der Milltärausgaben sichert und zur voll- ständigen, allgemeinen und kontrollierten Abrüstung führt. Nach der Annahme dieser Resolution gab es«ine Sensation m der Versammlung. Auf der Bühne erschien, von führenden Berliner Parteigenossen begleitet, der italienische Freiheitsflieger Bassanesi- der über Mailand antifaschistische Flugblätter abwarf, und jüngst bei einem neuen Versuch eines Fluges in Konstanz festgenommen wurde. Bassanesi wurde den Funktionären vorgestellt und mit donnerndem Beifall begrüßt. Genosse Litke gab eine kurze Darstellung des Helden- haften Kampfes, den Bassanesi und seine Kameraden gegen den italienischen Faschismus führen und gedachte dabei de Basis, eines Mitstreiters von Bassanesi, der nach dem Abwurf der antisaschistischen Flugblätter ums Leben kam. Die Versammlung hörte die Worte Litkes stehend an. Bassanesi spricht, Dann nahm, mit wiederholtem stürmischem Beifall begrüßt, Bassanesi das Wort zu einer französisch gehaltenen Ansprache. Er bedauerte, zu den deutschen Arbeitern nicht in ihrer Muttersprache sprechen zu können. Er danke den Berlinern und den beut- scheu Sozialdemokraten für die Hilfe, die sie der antifaschistischen Sache angedeihen lassen, der antifaschistischen Sache, die die Sache der Freiheit ist. Er, Bassanesi, sei in dieser Stunde ganz besonders bewegt, weil er wisse, daß auch für das dentfche Volk die ernste Stunde angebrochen sei, in der seine Freiheit bedroht sei. Dabei denke er tiefbewegt an sein Vaterland, als dort noch das Dolk die Freiheit hatte. Mit dem Ausdruck der Zuversicht, daß die deutsche Arbeiter- schaft und die deutsch« Sozialdemokratie die Kraft aufbringen werde, olle Anschläge der Faschisten aus die Freiheit abzuwehren, schloß Bassanesi unter ungeheurem Beifall seine Ansprache. Im Namen der Versammlung dankte Genosse Litke Bassanesi für sein Kommen und für seine Worte. Stehend brachten die Funk- iionäre auf den kühnen ikaliemschen Freiheitskämpfer, auf die deutsche und die internationale Sozialdemokratie ein brausendes Hoch aus. Der Gesang der Jnternationake schloß die Versammlung' Rekordiieffiand des Pfunds. Bereits mehr als ZO prozentige Entwertung. London. 1. Dezember.(Eigenbericht.) Oer pfuadkurs nähert sich feinem Rekordliesssand in den Rachkriegsjahreu. Ja der Londoner City schloß das Pfund am Dienstag mit 3.29): Dollar(13,90 M. statt einet Parität von 20,50 vkk.j. Außer den bekannten objektiven Gründen für die gegen- wältige Schwäche— gesteigerte Einfuhr in Erwartung von neuen Zöllen. Saistmbelastnng, Zinszahlung der Sprozentigen Kriegsanleihe, die zum größten Teil ins Ausland geht— Ist sie auch weiterhin durch psychologische Gründe bedingt. Zu Paris werden die Aussichten des Pfundes besonders ungünstig beurteilt. Die Möglichkeit einer Erhöhung der ungedeckten Notenemission be- unruhigt, obwohl keiu objektiver Grund für eine Znflationsfurcht bei einer Erhöhung des ungedeckten Notenumlaufs besteht. (Siehe auch Wirtschaftsteil.) Regierung und puffchisten. Sozialistische Enthüllung im ungarischen Parlament. Budapest. 1. Dezember.(Eigenbericht.) Im Abgeordnetenhaus bezeichnete der Innenminister die ausgedeckte putschistische Verschwörung als ganz bedeutungslos: die Schuldigen würden bestraft werden. Der Sozialdemokrat G y ö r k i erklärte, er glaube diesen Ver- sicherungen nicht. Auch der Innenminister und der Budapsster Oberstodthauptmann(Polizeipräsident) seien Mitglieder rechtsradikaler Geheimgesellschaften. Der Innenminister habe erst kürzlich in einer Sitzung einer solchen Gesellschaft erklärt, er werd« im geeigneten Zeitpunkt die Sozialdemokratie und die G e- werkfchaften auflösen. Diese Rede des Sozialdemokraten wurde mit großem Lärm aufgenommen. Gtaaisstreichgefahr m Finnland. Warnung des Innenministers. helfingfors, 1. Dezember. Innenminister von Vorn hat im Parlament«ine Cr- klärung abgegeben, die ollergrößtes Aufsehen hervorgerufen hat. denn der Minister gab zum ersten Male unumwunden z», daß die Gerüchte über einen bevorstehenden Staatsstreich nicht u n b e- gründet seien. Der Minister erklärte, daß die Behörden Vorbereitungen verschiedener Organisationen festgestellt hätten, die noch Lage der Dinge auf einen Staatsstreich deuteten. Zum Teil geheim, zum Teil öffentlich, werde sowohl innerhalb der finnländischen Armee als auch des Schutzkorps Propaganda für die B e« feitigung der verfassungsmäßigen Zustände durch einen Gewaltakt gemacht. Aus den Tagesbefehlen und de» Verfügungen der staatsfeindlichen Organisationen gehe deutlich hervor, daß der Staatsstreich unmittelbar bevorstehe. Staatliche Lohndiktatur? Eine Idee aus dem Tollhaus. Die Forderung der Vereinigung der Deutlchen Arlieitgeber verbände, die Whne und Gehälter auf den Stand vom Januar 1927 zurückzuschrauben, mit der sich die Reichsregierung jetzt ernsthaft befaßt, beweist vor allen Dingen, daß unsere sogenannten Wirtschoftsfiihrcr wieder einmal am Ende ihres Lateins sind. Was verlangen die Unternehmer innner wieder und was verlangt die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbändo ganz be- sonders in ihrer umfangreichen Denkschrift vom 26. September 1931 an den Reichskanzler? Nicht nur ote Befeitigung der Aerbindlichkettserklärung und damit der Zwangs-' schiedssprüch«, sondern man geht in dieser Denkschrift so weit, den st a a t l i ch e n Eingriff in die Lohnregelung als w e f e n t- Ii che Ursache der Wirtschaftskrise zu bezeichnen. Wenn dem so wäre, dann müßte die schematische Reduzierung der Löhne und Gehälter aus den Stand vom Januar 1927 zu einer Katastrophe führen. Aber es ist hier wie immer und überall: Die Unternehmer sind zwar„grundsätzlich� gegen die Verbindlichkeitserklärung, tat- sächlich aber sind sie es, die immer wieder den Antrag auf Ver- bindlichkeitserklärung stellen, sobald ein Schiedsspruch die Löhne abbaut und die sonstigen Arbeitsbedingungen verschlechtert. Es berührt diese Tatsache gar nicht, wenn die VDA. in ihrer Eingabe an den Reichskanzler sagt, daß diese Praxis an der grundsätzlichen Haltung der Unternchmeroerbände nichts ändert. Was bedeulel volkswirlschafllich in einer Krise ein« behördlich angeordnete Lohnherabsehung? Die VDA. sagt in ihrer Denkschrift über die Ursachen der Arbeitslosigkeit, daß die besondere Schwere der Depression in Deutschland zurückzuführen sei„auf ständig steigende Kosten bei zurückbleibenden und in den letzten Jahren sogar sinkenden Erlösen". Welche Kosten sind nun ständig gestiegen? Will man die verschiedenen Kostensaktoren in der Produktion ermitteln, und ihren relativen Anteil am Produkt jeweils fixieren, dann darf man nicht, wie es die VDA. tut, die absolute Höhe desj T a r i fl o h n s in Vergleich ziehen mit der Höhe des Tariflohns zu einem anderen rein willkürlich gewählten Zeitpunkt. Wenn z. B. der Tariflohn eines Facharbeiters in der Berliner Metallindustrie haute 1,12 M. die Stunde beträgt und höher liegt, als im Januar 1927, so bedeutet das keineswegs, daß die L o h n k o st e n seit 1927 in der Berliner Metallindustrie g e st i e g e n sind. Eine genaue Untersuchung würde vielmehr ergeben, daß der Anteil der Cohnkosten seil Zanuar 1927 nicht nur nicht gestiegen, sondern gesunken ist. In der Denkschrift der VDA. heißt es u. a.: „Da die Steigerimg der Produktionskostenfaltoren: Steuern, Zinsen, Sozialabgaben und Lohn, die insgesamt an den Gesamtkosten der llnternehmiingcn einen durchschnitt- licheu Anteil von ungefähr 40 Proz. darstellen, nicht durch entsprechende Verbilligung anderer Kostenfaktoren ausgeglichen wurde, geht die stärke Senkung des Preisniveaus ausschließlich zu Lasten des Ertrages der Unternehmungen." Damit gesteht die VDA. indirekt, daß gerade dort gesündigt worden ist, wo die Unternehmer von sich aus die freie Möglichkeit haben, auf die Verbilligung der Kostenfaktoren hinzuweisen, daß sie aber von dieser Möglichkeit keinen oder einen falschen Gebrauch ge- macht haben; denn zu den 69 Proz. der Gesamtkostenfaktoren, von denen die Denkschrift der VDA. hier nicht spricht, gehört u. a. die Aufblähung und lleberleuerung des Leilungsapparates, dazu gehört weiter die von der VDA. an anderer Stelle ihrer Denkschrift zugegebene Zehlraliouallsierung und Aehlinvefllernng. Was würde nun die unvermeidliche Folge sein, wenn man die Löhne ganz allgemein auf den Stand vom Januar 1927 senken würde? Dia unbedingt notwendig« Bereinigung der Unter- nehmungen von den Schlacken der Fehlrationalisierung und Fehl- investierung würde nochmals hinausgeschoben, gleich- zeftig aber die Kaufkraft weiter eingeschränkt werden. Da die Krise im wesentlichen verursacht ist durch die Ueberrallonali- sierung und die kapitalistischen Fehlanlagen, die wiederum eine Zu- sanunenschrumpfung der Kaufkraft zur Folge hatten, würde die nochmalige allgemeine Zurückschraubung der Löhne 'und Gehälter eine Verschärfung der Krise bedeuten, deren Folgen gar nicht auszudenken sind. Das Kapital hat seine Machtfülle zu sehr und zu schnell aus Kosten des Lohnes erweitert oder zu erweitern versucht. Das zahlen wir und das zahlt die gesamte deutsche Volkswirtschaft jetzt mit dieser ungeheuren Krise. Nun will man willkürlich die zu niedrigen Löhne und Gehälter zurückschrauben aus eine längst überholte Entwick- lungsstufe, an der Ucberkapitalisierung aber nicht rütteln. Das ist, volkswirtschaftlich gesehen, eine Idee aus dem Tollhaus. In ihren sozialen und p o l I t i s ch e n Auswirkungen aber muß ein derartiger Versuch das gesamte öffentliche Leben in seinen Grundfesten erschüttern. Eine derartige einseitige re- aktionäre Unternehmerpolitik von Staats wegen dekretieren, muß den Glauben an die Unparteilichkeft oder Ueber- parteilichkeft des Staates vernichten. Tarifbruch im Baugewerbe. Haupttarifamt legt unter. Das Haupttarifamt für das Baugewerbe hat sich jetzt vor die Front der Vorkämpfer für den T a r i f o e r- tragsbruch gestellt. Selbstherrlich hat es sich als Aus- legungsin stanz für Vertragsbestimmungen erklärt, bei deren Festlegung es gar nicht mitwirkte. Es hat feine Entscheidung im Toriftouflikt der Bauarbefter z u g u nssie n der Unternehmer getroffen. Es gab der Bestimmung, daß nochmals verhandelt werden müsse, wenn für einzelne Orte oder einzelne Gebiete keine All- gemeinverbindlichkeitserklärung ausgesprochen werde, all- gemeinen Charakter, d. h. diese Bestinmiung soll in jedem Fall Anwendung finden. Unter Mahnahmen, über die man sich verständigen soll, um zu neuen Abmachungen zu kommen, versteht das Haupttarifamt alles, was geeignet ist, die Hindernisie zu be- fcitigen, die einer Allgemeinverbindlichkeitserklärung entgegenstehen. Solche Maßnahmen könnten auch darin bestehen, daß die Orts- klasien oder die Lohnjätze geändert werden oder die Arbeits- Zeitdauer beschränkt werde. Ueberall da, wo sich der Erklärung der AUgemeinverbindlichkeit ein 5)indernis entgegenstelle, solle durch ein besonderes Verfahren helfend eingegriffen werden, um die durch die Ablehnung bereits eingetretenen oder etwa zu erwartenden Nachteile zu vermeiden. In den Tarifvertrag der BauarbeUer wird hier ein Sinn gelegt, an den beim Abschluß keine Partei dachte. Der Spruch des 5ia»pttarifamts entspringt jedoch der heute im Reichsarbeits- Ministerium herrschenden Auffassung in der Tarifvertragsftage. Er sanktioniert die verschiedenen bereits vorliegenden bezirk- lichen Tarifbrüchc. Holzindustrielle gegen Tarif. Eine große Kündigungsaktion. Die Unternehmer der Holzindustrie wollen offenbar im Frühjahr nächsten Jahres mit der tariflichen Regelung der Arbeitsbedingungen der Holzarbeiter im ganzen Reich« tabula rasa machen. Mit dem Ablauf des im Juni 1929 vereinbarten zentralen M o n t e l t a r i f o e r t r a g s für die deutsche Holzindustrie am lö. Februar d. I. hatte die Periode der reichstariflichen Regelung der Arbeitsbedingungen der Hol.;ari.«itcr ihr Ende gefunden. In einer Anzahl van Bezirken gelang es dem Holzarbeiterverband noch- mals, die Arbeitebedingungen durch Bezirksocrträge tariflich zu verankern, und zwar zumeist auf der Grundlage des abge- laufenen Reichstarifvertrags. In einigen Bezirken aber, so z. B. in Schlesien, Baden, dem Freistaat Sachsen usw. arbeiten die Holz- arbeiter seit etwa Jahresfrist schon t a r i f l o s. Zum IS. Februar oder 31. Mörz nächsten Jahres sind nunmehr fast alle noch bestehenden Bezirksverträge von den Holzindustricllen gekündigt worden. Bis jetzt gekündigt sind die Manteltarifver- träge für die Bezirke Bayern, Bremen, Halle, Hamburg, Hessen- Nassau, Mccklenburg-Schwerin, Schleswig-Halstein, Württemberg, Kassel, sowie der nur vom christlichen Holzarbciterverkand abge- schlossene, jedoch für allgemein verbindlich erklärte Tarif- vertrag für den Bezirk Rheinland-Westsalen und der Ortstarifvertraq in Köln. Noch nicht gekündigt, jedenfalls bis jetzt nicht, sind die Verträge für Brandenburg. Sachjen-Anhalt, das Rheingebiet und Ostpreußen. Die bis jetzt gekündigten Tarifverträge rege'ten die Arbeüsbedingun-'en. Arbeitszeit. Urlaub usw. für etwa 40 030 Holzarbeiter. In Zeilen voller Beschäftigung waren in diesen Vertrags- gebieten zwischen 80 000 bis 90 000 Holzarbeiter tätig. Obwohl die Unternehmer in ihren Kündigungsschreiben keine Gründe für ihr Vorgehen mftgctcill Halen, ist nach den bisherigen Erfahrungen und Auslassungen der Holzinduftriellen sicher damit zu rechnen, daß sie die zur Zeit äußerst schlechte Beschäftigungslage dazu benutzen wollen, von ollen vertraglichen Bedingungen freizu- kommen. Gegen die Noiverordnungspoliiik. Gaukonferenz für Brandenburg-Grenzmark. Der Gesamtverband, Wirtschastsbezirk V, Branden- burg-Grenzmark, hielt dieser Tage im Gewerkschaftshaus in Berlin eine Konferenz für die in den Brandenburgischen Landesanstalten beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten und für die Beamten und Angestellten der Gemeinden ab. Dreißig Delegierte waren anwesend. Das einleitende Referat hieft der Genosse S ch e r f f vom Beamtensekretariat des Gesamtverbandcs über das Thema:„Die Notverordnungspolitck, ihre Ursache und Wirkung." B r ü ck m e r von der Bezirksleitung des Gcsamtverbandes sprach dann über die Eingrifse des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg in die Besoldungsordnungen der brandenburgischen Prooinzialbeamten und der Beamten und An- gestellten der Stadtgeineinden sowie über den Stand der VerHand- lungen über den Lohntarifvertrag für die Brandenburgischen Landesanstalten. Konnte man die durch den brandenburgischen Provinzialausschuß am 8. Oktober erfolgte Neufestsetzung der Be- soldungsordnung noch als einigermaßen günstig und gerecht an- sprechen, so ist von der Revision des Oberpräsidenten zu sagen, daß sie in völlig ungerechter Weise besonders die unteren und mittleren Beanüengruppen benachteiligt. Gehaltsverluste von 2 7 und 29 Proz sind in diesen Gruppen einsach untragbar. Der kommenden Sitzung des Provinzialausschusses liegt bereits«in An- trag des Gesamtverbandes vor, die Prooinzialverwaltung zu er- mächligan, das Schiedsgericht gegen das Diktat de. Ober- Präsidenten anzurufen. Genosse La Grange versicherte den Funktionären des Ge- samtoerbandes der tatkräftigen Hllfeleistung durch die sozialdemo- kratische Fraktion im Provinziallandtag und-ausschuß. Es wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen die überlange Arbeitszeit in den Betrieben des Gesundheitswesens, be- sonders in den Brandenburgischc» Landesanstalten richtet, weiter eine Entschließung gegen die schweren Auswirkungen der preußi- schon Sparverordnnng und des Diktats des Oberprösidenten. „Revolutionäre" bei Siemens. llnfagbar feige. Aus dem Siemens-Konzern wird uns geschrieben: Die„Rote Fahne" vom Dienstag bringt einen Bandwurm- crtikel, in dem sie sich über den„Vorwärts" entrüstet. Der große Schweiger C z e ch, kommunistisches Betriebsratsmitglied, versucht sich hier reinzuwaschen. Czech und seine Anhänger haben in ihrer Presse sowohl wie in aller Oessentlichkeit Erwerbslose aufgefordert, Wohltaten der Firma Siemens abzulehnen.(Die Firma Siemens gibt täglich 2000 Freiessen für ehemalige, jetzt arbeitslose Konzern- ungehörige.) Dieselben Leute wenden sich aber vertrauensvoll an die Fürsorgestiftung von Siemens mit einem Bittgesuch um U n t e r st ü tz u n g. Wir erinnern noch an folgenden Vorgang: Anläßlich der Be- sichtigung der Lehrlingswerkstätte sagte der Obermeister zu Czech laut Protokoll: „Sagen Sie mal, Herr Czech, wer bestimmt das, daß ich ab- gesetzt werden soll? Bestimmen Sie das öder bestimmt das«tu Tintenkuli aus der.Roten Fahne" oder ein anderes Blatt, was ich nicht mal mit der Zange anfasse?" Czech schwieg. Als ihm die Schandtaten seines Verhaltens mährend der Verhandlung mit der Firmcnleitung in der Gesamt- betriebsratssitzung vorgehalten wurden, schwieg er wieder. Alle Forderungen, die man vorher in der„Roten Fahne" sowohl wie in anderen kommunistischen Blättern veröffentlichte, ließ Czech unter den Tisch fallen. In einer anderen Verhandlung mft der Betriebsleitung mußlc sich Czech vom Firmenvertreter folgendes sagen lassen: „Der Inhalt der Flugblätter ist ein hundsgemeiner grober Schwindel. Wenn wir ein Flugblatt herausgeben würden, dann würde eine Bombe platzen. Die Arbeiter- jchaft würde erkennen, was für ein V e r b r e ch e r als Vertreter der KPD. hier in ihren Reihen ist. Die Flugblätter werden auch für Sie, Herr Czech, ein Nachspiel haben. Würden Sie, Herr Czech, dem Verbreiter dieser Lügen, meine Ansicht weftergeben, daß er ein ganz feiger Lümmel ist?" Czech darauf:„Ich erkläre nochmals, mich zu bemühen, die Sache richtigzustellen. Kann ich den Namen des Ler- trcters der KPD. bekommen, um mit solchen Leuten in unseren Reihen aufzuräumen?" Alles das und noch einiges mehr kann man in einem von Czech unterschriebenen Protokoll nachlesen. Feiges Gesindel! Die RGO. bekommt Zuwachs. Die.Llote Fahne" macht anläßlich der bevorstehenden Be- triebsratswahl bei Tietz eine riesige Reklame mft den drei „reformistischen" Betriebsräten dieses Warenhauskonzerns, die zur NGO. übergetreten sind. Sie verschweigt aber geflissentlich, daß zwei von ihnen deshalb verärgert waren, weil sie infolge chrer mehrfachen Preisgabe der gewerkschaftlichen Grundsätze nicht mehr an aussichtsreicher Stelle auf der.reformistischen" Liste kandidieren dursten, auf der RGO.-Liste jedoch an e r st e r Stelle. Der dritte Ucberläufer wurde von den„Reformisten" wegen seines offenen Eintretens für die NGO.-Parolen überhaupt nicht mehr aufgestellt. Das sind die Kraftmenschen, die auf der RGO.-Liste nun„für Brot und Freiheit" kandidieren. Wie trückenbcdürftig die RGO. bei Tietz ist, zeigte am besten die von ihr kürzlich einberufene öffentliche Betriebsversammlung. die nach dem Bericht der„Roten Fahne" von„glänzender Kampf- stimmung getragen war". Von den rund 8000 Arbeitern und An- gestellten des Tietz-Konzerns waren S4 Mann erschienen; davon waren ll Freigewertschafter, die sich mit den RGO.-Leuten einmal auseinandersetzen wollten, von dem Rest war etwa die Hälfte Be- tricbsftemde. Nachdem man den Freigewerkschaftern die Dis- kussionsmöglichkeft genommen hatte, verließen diese den Bersanun- lungsraum. Sie warnten die Zurückbleibenden, nicht etwa noch Betriebsspitzel auf ihre Kandidatenliste zu setzen, aus deren An- Wesenheit zuvor ein RGO.-Mann aufmerksam gemacht hatte. Und dieses Häuflein hat dann mft Mühe und Not eine RGO.-Liste zu- sammengebraut, die ober mangels Masse nicht einmal vollständig ist. Die Arbeiter und Angestellten der Warenhäuser Tietz werden diesen Wortradikalen am 10. Dezember die richtige Antwort geben und ihre Stimmen für die frcigewerkschaftliche Liste 1 abgeben. Auflösung. Kritisieren ist leicht... Paris, f. Dezember.(Eigenbericht.) Der kommunistische Gewerkschäftsbund befindci sich im Stadium der Auflösung. Schon nach dem Kongreß, den er vor kurzem in Paris abgehalten hat, machte sich eine st a r k e Opposition gegen die dort gefaßten Beschlüsse unter den koimnu- nistischen Parteimitgliedern bemerkbar. Die Minderheit hat dieser Tage in der Pariser Arbeftsbörse eine Dersammlung abgehalien. in der nach einer stürmischen Debatte eine Tagesordnung, die trotz Meinungsverschiedenheiten die weitere Zugehörigkeit zum kommunistischen Gewerkschäftsbund verlangte, mit großer Mehrheit abgelehnt und an ihrer Stelle eine Entschließung angenommen wurde, die den Gewerkschaften und Departementsver- bänden völlige Freiheit in bezug auf chre Haltung läßt. Daraufhin haben die kominunistischen Gewerkschaftsmilglieder der Staats e i f e n b a h n beschlossen, wieder dem allgemeinen Gewerkschafts- bund(EGT.) beizutreten. Ebenso sind zahlreiche kommunistische Erdarbeiter der Pariser Gegend zum sozialistischen Gewert- fchaftsbund zurückgekehrt. Gerade die Eisenbahner und die Bau- arbeiter bildeten bisher die stärksten Gruppen des kommuniftifchoi Gewerkfchaftsbundcs. (foSreie Gewerkfchafis-Iugend Berlin Heul« um Igl� Uhr tagen die Gruppen� B»>u»schulenweg: Jugendheim Baumschulenweg Ernststr. lk. Alt-Berliner Humor.— Weihens� «runpcnhclm«eihcnsee, Partstr. ÄS. Hetmbesprechung. Sruppen. .._ cr2 um 20 Uhr). Heimdesprechung. Selellschaftsipiele und Lieder.— «ddwesten: Zuc-udheim'harck'lr. II(Fabrikgebäude). H-imbesprechu-g. Stöbert "jäW UNS rtwaa»am Uedersee.— Flnahase»: Gruppenheim flliiahafcnstr. iU-Bahnhas Baddinstraße). Heimbrsprechung. Brettspiele. Berbälldsbllchkon. trolle.— SentSN«! Zugendheim Neukölln, Bergstr. 20(Hof). Heimbesprechung. Brettspiele.— Spandau, Reustodtt Jugendheim Lindenufer 1. Hcimodes«.— Schone berg! Houptstr. 15(Gartenhaus). Heimbesprechung. Zeitschriftcnschau.— «lnowalder Platz. Gruppenheim Rastenburger«tr. It. Heimbcsprechung. Bunter Abend.— Lchillerparl: Schule Echöningstr. 17. Heimbesprechuna. An- IchlieAend Bunt,'.- Allerlei.— Zugendgruppe de» Sesawtncrbande», Zachgrnppe Gaiineiei und Binderei! Jugendheim Engeluser 24—2).„Der Berus und wir." — Nörten siir die Jugendvorltellung der Volksbühne am Sonntag, S. Dezember, sind zum Preise von«0 Pf. in der Jugend zentrale erhältlich, Zimmer 20. £& �uaendaruppe des Zentrawerbandes der Angestellten sKj Heute, Mittwoch, finden folgende Leranstalwngen statt: Nordost l: W:- � besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Reinickendors: Jugend, beim Lindauer Str. 2(Baracke). Sruppenbcsprechung.— Schönhauser Vorstadt: Zugendheim der Schule Sastanienallre 81. Vortrag mit Schallplattcn und Bildern:„Nunstformcn, Beschreibende Kunst". Rescrent: Polemann.— Stralau: Jugendheim der Schule Sohlerstr. Ol. Sruppcnbesveechuna.— Obeespree: Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Köpenick: Zugendbeim Dahl. mitzer Str. IS(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Vortrag:„Die Angestellten als soziale Schicht". Referent: Kunkel.— Neukölln: Wir bcsnch-n die Bersavim lung des Werbebezirks.— SSdoft: Jugendheim Wrangelstr. 128. Vortrag: „Jugend im Wirtschastskampf". Rrierent: Lieder, ch.— Schö-cberg: Jugendhciin Hauptstr. 15(Hosgebäude. Sachsenzimmer). Kruppenbelprechunq.— Ehartottc», bürg: Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Spaada»: Wir de- suchen die Versammlung des Werbebezirks— Potsdam-Newawes: Jugend. berdergc in Now-we», Priesterstrahc. Arbeitsabend unserer Uebungzfirma.— Pankow-Riederschönhausen: Sir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Nordost II: Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Karten für die Zugendvorstellung der Volksbühne am 0. Dezember zum Preise aon 80 Pf. find im Zugendsekretariat zu haben. Verantwortlich kür Politik: Vtetor Sckiss! Wirtichast: G KIingelb"ser- Drwerksckaftsbeweguna: z. St-incr: Keaillelon: Dr. Zoha S'ikowsk'! Lokales und So.tst'grs: lsri» Karflädl! Anzeigen: Tb Glock»! sämtlich in Beriin. Versag: Vorwärts-Verlaa GmbH.. Berlin. Druck: Vorwgrts-Buck druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Ea Berlin SW 08. Linden straiie 3. Hierzu 2 Beilagen. favtS „„»rbncfiM Sin Druck derhi tar. Ist sofort t gefül/l» , Alla System» sc'twa z.farblj Gold und Silbar SrSttias Lager Für Beamte. Angestellte,, Vle'echrelber* QoldflnkOrolSt . /dsa Werbe- me fteperelur Alt» Heker nehmen zu Arleddehsit.; . alt" H&ItsrSZ aildOtr hScbst Settme/zwen Leipz/serS:.-. rPtzW Oo/df'nk"g et II SS) Sm lg§nf» tzuentzienatr. Ueblhgtm Halter eot tn&ansltltQ tproeimerzi Artettrfchstr. r* HS. res. rzs, LeipziitrS!.-. irs. eute Usuerz-t, '-----■>.«.«. W/iterbergpl U. SoWmteek»