BERLIN Mtwoch 2. Sezemder 1931 10 Pf. flr. 564 B2SZ 48. Lahrgang ErfcheiuttAalich auxer Sonntags. fi££*«il,et»eii»rri«- N- ctnsvalttg- Nomarkill-ieti«« vi* SoglfiA SttenftJirfgmie Sc«.Serwä'-M- Brz-g-vr-i« for B MM/ � g W Jr gg» HG R-klam-zkil-SM Ermäßigungk» na» Z-rif�-v o li'-t. eck ku n l° fctitt Slnsaabf n si>Df. Dro Sodit, 3,60®,»to arcoiul H. M/ M» f j/ H m.' M* Vcrwärts-T'-rlag G.m, b. H.. Bcilin Rr. 37 M- Trr Bcrlag <�c» Sö Pf. mr ZuOellBBg w« Hau«, im-orau« gjV£*/ /% V ljr\ Ii* IT ffl J-g.CK»»«er Abl«»ii-Ng mckt g-nrdm-r«NjNgm vor' W#U*r.®ort|.rtBBä4, KjjU&H*4A4M€&®� Mßö ff UisTmJXL'fT&O BN° erv-d...-B.«„.in TW 6�1, Sin�r 3 und 72 Pf. Pmlt-ft-llg-butrcm F f' 8er«(»rtdiecr SönhoiKA 7) 282-297 Lunker-�ebellion in OApreuhen Recht und Gesetz werden willkürlich außer Kraß gesetzt Königsberg. 1. Dezember. Zu Anfang November verkündeten der Vorsitzende und die Kreisführer des.Landwirtschaftsverbandes Ostpreußen", einer llnterorganisation des Landbundes, die Zahlungsunfähigkeit der oft- preußischen Landwirtschaft. In einem offenen Brief an den Reichs- Präsidenten wurde erklärt: Die Landwirtschaft der Provinz Ostpreußen, in ihrer Gesamt- heil genommen, ist am Ende ihrer Kraft und zahlungsunfähig. Di« Barlöhue werden nur zu z w ei Dritteln der vollen höhe ausgezahlt. Die Sozialversicherungsbeiträge werden nicht mehr abgeführt. Zinsen sind nur in höhe von Z Proz. zu bezahlen. Diesen Beschlüssen sind auf Betreiben der Zentrale fast sämt- liche Kreisabteilungen des Landwirtschaftsoerbandes in Ostpreußen mit mehr oder weniger scharfen Erklärungen beigetreten. So hat der Kreislandwirtschaftsverband Gerdauen in seiner General- Versammlung folgende Maßinihmen beschlossen: I. Mr können ab 1. November ISZl für Hypotheken 1. und 2. Stelle nicht mehr als 3 Proz� für weitere Eintragungen und Bankdarlehen nicht mehr als ö Proz. pro Zahr bezahlen. 2. Alle Zahlungen an die öffentliche Hand (Steuern, Abgaben und Soziallasten) können nicht mehr bezahlt werden, bis die Renlabilität der ostpreußifchcn Landwirtschaft dies gestattet. Die krank enkassenbeiträge sind unerschwinglich und können nicht_ehr ausgebracht werden, wir wollen gern vom 1. November 1931 ab den Arzt für unsere Arbeiter kostenlos stellen, wogegen der Arbeitnehmer die Apotheke selbst bezahlL Z. Landwirtschast zkammerbeilrage dürfen nur die höhe von 50 proz. des Beitrages von 1931 erreichen und bezahlt werden. 4. Zwangsversteigerungen aller Art haben bis zur Reulabili- tat und Sanierung der Landwirtschaft zu unterbleiben. 5. DieBarlöhne anHofgänger. Areiarbeiter. Frauen und Obermelker können wir nur noch mit 70?roz. des jetzigen Lohnes vom 1. November 1931 ab zahlen. Um diesen letzteren Beschluß in seiner ganzen Ungeheuerlichkeil verstehen zu können, muß man wissen, daß der M o n a t s l o h n eines Bollarbeilsfähigen über 21 Jahre einschließlich aller Natu- ralien zur Zeit im Provinzdurchschnitt ohne die Sozialabzüge nicht ganz 45 M. beträgt, während der Stundenlohn eines Frei- arbeiters, der eine Familie zu ernähren hat, etwa 37 Pf. ausmacht. Diese Zahlen beweisen, daß die Landarbeiterlöhne in Ostpreußen die weitaus niedrigsten in ganz Deutschland sind. Mit welchen Mitteln man die gefaßten Beschlüsse zur Durch- führung bringen will, geht aus einem Satz der Entschließung des Kreislandwirtschastsverbandes Neiden bürg hervor, in dem es heißt: „wir sind bereit, in der kommenden No» fest zusammenzustehen und mit jedem Verufegenossen, der nicht mit uns an einem Strang zieht, den persönlichen und wirtschaftlichen Verkehr abzubrechen." Die Entschließungen beginnen bereits unter dem Druck der Boykotterklärungen sich in sehr erheblichem Maße auszuwirken. Auf vielen Großgütern haben die Arbeitgeber ihren Arbeitern schriftlich die Mitteilung zukommen lassen, daß bei den nächsten Lohnzahlungen nur zwei Drittel des Tariflohnes zur Auszahlung kommen. Der allgemeinverbindliche landwirtschaftliche Tarifvertrag existiert für die Großagrarier nicht mehr! Die Krankenkassen erhalten von den Großbesitzern die Abmeldung ihrer Arbeiter von den Kassen, obwohl sie die Arbeitnehmer weiter- beschäftigen. Die Existenz von 250 OtX) Landarbeitern ist bedroht: die ostpreußische Wirtschast, die Handwerker, der Mittelstand stehen durch den aus politischen Gründen inszenierten Massekonkurs vor ihrer wirtschaftlichen Vernichtung. Ostpreußen ist in Ge- fahr. Nicht die Polen oder Litauer bedrängen heute die exponierte Provinz, wirtschaftlicher Verrat einer zum Sterben verurteilten Großgrundbesitzerkaste rührt an den Grundlogen des staatlichen, nationalen und wirtschaitlichen Seins. Leere Versprechungen sind es. wenn in dem offenen Brief an den Reichspräsidenten erklärt wird, das Interesse der Arbeiterschaft, des Mittelstandes solle gewahrt bleiben. Schon heute werden die einzelnen Krankenkassen überlaufen von Arbeitern, die ärztliche Be> 3)er Haliettifche Zreiheilsflieger SBaffanefi, der am Dienstag abend vor' den Funktionären der Sozial-' demokratie Berlins sprach. Ihm wurden herzliche Ovationen ''■'--. dargebrächt. Sozialdemokraten beim Reichskanzler. Besprechungen am Donnerstag. Die bereits angekündigte neue Besprechung der Führer der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion mit dem Reichs- kanzlsr Dr. Brüning ist auf Donnerstag festgesetzt worden. In dieser Besprechung wird, wie zu erwarten, auch sehr deut- lich der Plan der Regierung zur Sprache gebracht werden, Heute abend gro$e republikanische Massenkundgebung im Sportpalast! Handlung benötigen und die infolge der Beschlüsie des Landwirt- schaftsoerbandes weder einen Krankenschein ausgehändigt noch Geld zum Besuch des Arztes erhalten. Dafür zwei Dokumente. Das erste: Ich verlangte gestern von Herrn G. tn G. einen Kranken- schein, um zum Arzt zu gehen. Herr G. lehnte dieses mit dem Bemerken ab, daß er mir keinen Krankenschein aus- stellen könne, da er die Zahlungen an die Krankenkasse eingestellt habe und eine Krankenkasse nicht mehr existiere. Sie sei durch Beschluß des Kreislandwirtschaftsverbandes auf- gehoben worden. Und ein anderes: Das Kind meiner Tochter ist erkrankt uiw bedarf ärztlicher Behandlung. Herr K. verweigerte jedoch die Aus- stellung eines Krankenscheines mit der Begründung, daß er von jetzt ob keine Beiträge zur Krankenkasse mehr bezahle. Er riet meiner Tochter, vorläusig abzuwarten. Einen Schein hat meine Tochter nickt erhallen, ebenfalls kein Geld, um die ärztliche Behandlung für chr Kind zu beschaffen. Recht und Gesetz gill nur noch f-ür die Proleten, nicht aber für die Besitzer einiger 1000 Morgen ostpreußischen Landes. Es ist geradezu eine Ironie des Schicksals, daß ausgerechnet in dieser Zeit d«n Saboteuren in der ostpreußischen Landwirtschast das neu« Ost Hilfegeschenk mit seinem weitgehenden Schutz zuteil wind. Während man in Ostpreußen eifrig bemüht ist, durch die Herbei- führung de, wirtschaftlichen Ruin, der gosaniten ostpreutztsche» Sc- die Löhne und Gehälter weiter zu senken, aber das Schaustück der Preissenkung diktatorisch zu behandeln. Inzwischen wird heute von einem Teil der Presse dos Gerücht verbreitet, dieser neue Lohnsenkungsplan sei in- zwischen von der Regierung zurückgestellt worden, bis ein Erfolg der Preissenkungsaktion sichtbar geworden sei. Man darf annehmen, daß bei der morgigen Aussprache auch diese Dinge behandelt werden. Die Regierung gibt übrigens auf die erwähnten Mel- düngen nur ausweichende Auskünfte. Es sei noch nichts be- schlössen, aber die Tendenz gehe selbstverständlich dahin, die Preissenkung wirksam zu machen und der Lohnsenkung vorangehen zu lassen. Mit solchen Erklärungen kann man nichts und alles anfangen. ,/Veruhigende Erklärungen abgeben." Wie die Nazis ihre wahren Absichten tarnen. Hitler hat die hessischen Verfasser des Putschdokumentes vorläufig kaltgestellt. Man braucht das nicht tragisch zu nehmen. Immer haben die Nationalsozialisten das Prinzip angewendet, ihre wahrön Absichten möglichst zu verschleiern, bis sie die Macht zu ihrer Durchführung haben würden. Ein sehr schönes Beispiel dieser Heuchelei— auf neudeutsch „Tarnung" geheißen— bietet die Zeitschrift„Deutsches Recht", die sich im Untertitel„Monatsschrift des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juri st en" nennt. In Heft 4/5 dieser Zeitschrift verbreitet sich ein Re- gierungsrat i. R. Ernst v. HeyÄebrand über die Frage, ob den deutschen Juden ohne Aenderung der Reichs- Verfassung ihre Staatsbürgerrechte entzogen werden können. V. Heydebrand befürchtet, daß eine solche Maßregel in der übrigen Welt böses Blut erregen könne. Aus diesem Grunde schlägt er vor: Es ist daher zu empfehlen, nicht sogleich allzu grausige Folgen an die ersten Maßregeln zu knüpfen, vielmehr mit Rücksicht auf das Mißtrauen des Auslandes, das Gerechtig- keitsgefühl der Gerichte(!!!) und das zarte Gewissen etwaiger Koalitionsgenossen sich damit zu begnügen, ein Juden- Verzeichnis aufzustellen, ihm die Staatsangehörigkeit abzusprechen (Z 17 des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes), sie nicht mehr wählen und Beamte werden zu lassen.., im übrigen aber zunächst alles auf sich beruhen zu lassen und allerseits beruhigende Erklärungen abzugeben, bis sich die neue Rechtslage einigermaßen gefestigt hat. Beruhigende Erklärungen— wer denkt da nicht an Hitlers Eid in Leipzig, an die jetzigen Erklärungen der nationalsozialistischen Reichsleitung zu den hessischen Doku- völkerung die Grundlagen jeder Rentabilität zu vernichten, versucht das Reich trotz seiner eigenen verzweifelten wirtschaftlichen und finanziellen Situation, die daniederliegenden ostpreußischen land- wirtschaftlichen Betriebe wieder rentabel zu gestalten. Die Landarbeiterschaft wird die Zerreißung der Tarifverträge nicht dulden, sie wird sich die Krankenkassen, die durch ihre tätige Mitarbeit zu wahren Helfern der ostpreußischen arbeitenden Land- bevölkerung geworden sind, nicht zerschlagen lassen. Sie fordert in diesem Kampfe die Unterstützung aller derer, die noch Sinn für Recht und Gesetz haben, insbesondere die Unterstützung der zu- ständigen Reichs- und Staatsbehörden. Keine finan- ziellen Unterstützungen, keine wirtschaftlichen Erleichterungen den Landwirten, die der Parole des Landwirtschaftsverbandes Ost- preutzen folgen! Unerbittliche Anwendung der bestehenden Gesetze! Jede Milde oder Nachgiebigkeit würde nur die Position der wirt- schaftlichen Hochverräter stärken. Sind sich doch die ostpreußischen Arbeitgeber selber bewußt, daß diese ganze Aktion in ihrer Gesamt- heit nicht wirtschaftlich bedingt ist. In der Entschließung des Land- Wirtschaftsverbandes Osterode heißt es: „Es ist Ehrenpflicht auch von den Berufskollegen, die wirtschaftlich»och besser stehen, diese Aktion mitzumachen." Vesser als mll dieser Erklärung kann die Machination des Land- wirtfchaftsverbandes gar nicht gekennzeichnet werden. Ostpreußens Arbeiterschaft, die ihre Staatsgesinnimg in den Abstimmungstagcn des Jahres 1920/21 bewiesen hat, darf und muß verlangen, daß Recht und Gesetz in Ostpreußen wieder zur Geltung gebracht weicken. Carl Jäcker, M. d. R. Neue Krise in Deutschösterreich Oer Vertrag der Regierung mit der Credit-Anstalt Der Zusammenbruch der Oesterreichischen Tredit-Anstalt war die erste der großen Bantkatastrophen, die die große Verschärfung der Weltwirtschaftskrise begleiteten. Man erinnert sich, daß die öfter- reichische Regierung der Bank mit Zustimmung des Parlaments eine Riesensumme vorschoß, wofür die Unterstellung dieser, die ganze österreichische Industrie beherrschenden Bank unter staatliche Aufsicht, ja Leitung, die selbstverständliche Gegenleistung hätte sein müssen. Die Sozialdemokraten haben das selbstverständlich gefordert, und es wurde ein Rekonstruktionsausschub eingesetzt, dem auch der sozialdemokra- tische Bankfachmann chofrat Stern angehört. Die Bank selbst wurde dem ehemaligen Finanzminister Dr. Spitzmüller unterstellt. Aber es war schon auffällig, als jüngst in der Debatte über die Schweigegelder, die die Kreditanstalt zur(unmöglichen) Berheimlichung ihres Zu- sammenbruchs an bürgerliche Journalisten gezahlt hat, die Regierung erklärte, diese Bank sei doch schließlich ein Privat unternehmen. Bald darauf hat die Bundesregierung mit den Vertretern der AuslandsglSubiger. Sindersley(England) und Ehandler(Frankreich), einen Vertrag abgeschlossen, der das Gegenteil von Verstaatlichung der Eredit- Anfkalt bringt. Generaldirektor Dr. Spitzmüller tritt auf Grund dieser Berein- barungen zurück, das Rekonstruktionskomitee wird aufgelöst. Der Verwaltungsrat der Credit-Anstalt bestellt im Einoernehmen mit dem Londoner Gläubigerausschuß«in fünfgliedriges Exekutivkomitee, das in Zukunft als oberste und letzte Instanz in allen Fragen der Geschäftsführung fungieren soll. In dieses Komitee entsendet die Regierung zwei Vertrauensmänner, die nach einer amtlichen Er- klärung keine Politiker, sondern Wirtschaftsfachleute sein sollen. Ein dritter Oesterreicher wird von der Oesterreichischen Nationalbank nominiert, die selbst unter ausländischem Diktat steht. Di« ausländischen Gläubiger bestellen ein Mitglied des Exekutivkomitees. Ueberdies wird der Generaldirektor der Eredit-Anstall. der den Vorsitz führe« soll, ein Ausländer sein: ihn ernennt der Verwaltungsrat der Bant im Einvernehmen mit den ausländischen Gläubigern, die österreichische Regierung hat seine Ernennung zu bestätigen. Der Generaldirektor erhält weitgehende Vollmachten. Er hat ohne irgendeine Beschränkung über die Stillegung jener Konzernindustrien der Credit-Anstalt zu entscheiden, die neue Kredite bei der Bank in Anspruch nehmen müssen. Ein neues Credit-Anstalt-Gesetz, das die Regierung alsbald dem Nationalrat vorlegen will, wird die Neuordnung gesetzlich regeln, aber auch die Möglichkeit geben, die S p e s e n bei der Credit-Anstalt selbst und bei den Konzernindustrien weitgehend herabzusetzen. Dies bedeutet, daß Gehälter und Löhne ohne Rücksicht auf bestehende Verträge gekürzt werden und auch die Eullasfung von Angestellten und Arbeileru erleichtert werden soll. Am Schluß des Vertrages erklärt die Regierung, sie halte sich an die Vereinbarungen nur so lange gebunden, als wenigstens die Mehrheit der ausländischen Gläubiger ihre Kredite bei der Credit- Anstalt nichtzurückfordert. Unter der Voraussetzung, daß die ausländischen Kredite bei der Bank bis ISZZ gebunden sind, hatte der Nationalrat die Bundes- Haftung für die Verbindlichkeiten der Credit-Anstalt genehmigt. Es hat nun den Anschein, als ob das Stillhalteabkommen nicht mehr oder nicht mehr ganz in Geltung stände. Die ausländischen Gläubiger haben der österreichischen Regierung ein Memorandum ausgehändigt, das jedoch nichts enchält als Phrasen. Es wird darin versichert, daß die Ausländer„bereit seien, in freundschaftlicher Weise mit der österreichischen Regierung über materielle Fragen, also wohl über einen Zinsennachlaß oder dergleichen zu verhandeln". Diese Versprechungen sind jedoch in ganz vagen, nichtssagenden und zu nichts verpflichtenden Ausdrücken ge- halten. Diese Auslieferung des wichtigsten österreichischen Kreditinstituts an das Auslandskapital und die Diktatur über das wirtschaftliche Leben unzähliger Arbeiter und Angestellten, die dem ausländischen Generaldirektor eingeräumt wird, erscheint vor allem den Sozial- demokraten, aber auch den Großdeutschen unannehmbar. Zugleich aber ist der„unabhängige" Staat mit seiner Währung und dem ganzen Sein des Volkes überaus stark vom Westkapital ab- hängig. Die Situation ist wieder aufs höchste gespannt, es droht eine schwere Verschärfung der Dauerkrise und nicht nur auf dem parlamentarischen Boden. Lex Ehrenfest. Wien, 3. Dezember. Der Nationalrat hat n. a. die Strafrechtsnovelle über geschäft- liche Untreue, die sogenannte„Lex Ehrenfest" angenommen. Nach der endgültigen Fassung wird geschäftliche Untreue Verbrechen, wenn der Schaden, der durch geflissentlichen Miß- brauch der Berfügungsgewalt über fremdes Vermögen in gewinn- süchtiger Absicht zugefügt wurde oder zugefügt werden sollte, 250 Schilling übersteigt. Durch diese Fassung wird es möglich, die Auslieferung des früheren Direktors Ehrenfest vom Ausland? zu verlangen, da erst der Verdacht eines Verbrechens, nicht aber der'eines Vergehens, den Gegenstand eines Auslieferungsbegehrens bilden kann. Ehrenfest war wochenlang in Wien, was den Behörden wohl bekannt war— man hat ihn aber unbehelligt wieder abreisen lassen! Oer SchillingkurS. Die Presseabteilung der österreichischen Gesandtschast tellt mit, es handle sich bei den verschiedenen Meldungen über einen Kurs des österreichischen Schilling im Auslände nicht nur nicht um ein« offizielle Notierung, sondern auch nicht um Kurse, zu denen irgend- welche beträchtlichen Umsätze stattgefunden haben. Es könne sich dabei vielmehr ausschließlich nur um Kurse handeln, die in will- kürlicher Weise irregulären Valutageschäften zugrunde liegen. An allen maßgebenden ausländischen Börsenplätzen sei die offizielle No- tierung de« Schillings unverändert günstig. menten usw.? Was aber diese„beruhigenden Erklärungen� wert sind, das verrät der Jurist von Heydebrand einige Zeiten weiter: Man würde den fremdstämmigen Deutschen eine Bezeichnung geben, die einerseits den Abstand vom Deutschen, andererseits doch eine gewisse Unterstellung unter das Reich andeutet(z. B.„Schutz- fremde",„Reichsfremde"), würde ihnen weiterhin diplomatischen und konsularischen Schutz sowie den heimischen Rechtsschutz gewähren (mit welchen« Eifer, fragt sich), und im übirgen nach dem Spruche handeln: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Ueber die Sache selber braucht hier nichts gesagt zu werden. Wenn die nationalsozialistischen Heimkrieger Frick, Goebbels, Kube, Graf Reventlow den mehr als hunderttausend jüdischen Kriegsteilnehmern das Staatsbürgerrecht entziehen wollen, so ist dies eine dem Heldentum dieser Herren durchaus entsprechende Geste. Hier soll aber hauptsächlich gezeigt werden, wie die Verstellung und Ableugnung der wahren Absichten zum Wesen national- sozialistischer Taktik gehört. Schwindler, Fälscher— Volksvertreter! Eine nationalsozialistische Karriere. Ueber den nationalsozialistischen Abgeordneten Schäfer schreibt Erich B e r g e r, Leiter der Pressestelle des Gaues Hessen der NSDAP., im„Völkischen Beobachter" folgendes: Am 1. Dezember 193»(!) meldete sich bei der Ortsgruppe Offenbach a. M. der NSDAP, ein Mann zur Aufnahme in die Partei an, der sich Dr. Karl Wilhelm Schäfer nannte. Cr bekam — wie die anüliche Kartei ausweist— die Mitgliedsnummer 396 043. Besagter Herr ist danach nicht seit rund vier Jahren Mitglied, wie er angibt, sondern beehrte die NSDAP, seit kaum einein Jahr mit feiner werten und von uns— natürlich— geschätzten Mitgliedschaft. Er gehörte danach zu jener Kategorie, die nach dem Septenrberwahlsieg der NSDAP, glaubten, Morgenluft zu wittern... Schäfer galt in klar sehenden Kreisen der NSDAP, als t y p i- scher„S e p t e m b e r l i n g". ... Er bleibt ein Mann, der sein Ehrenwort gebrochen hat, dem eine vierfache Urkundenfälschung vorgeworfen wird, den man beweiskräftiz einen Lügner nennen kann, dessen Borleben zur Stunde noch vollkommen ungeklärt ist und dem die Universität Frankfurt bestätigt, daß er nie eine Doktordissertation geschrieben und daher das Doktordiplom tatsächlich nicht erworben hat. Das ist ein bißchen viel auf einmal, und doch fehlt das wichtigste: diesen Mann hat die NSDAP, nach neun Monaten Parteizugehörigkeit zum Volksvertreter gemachtl Hitler warnt seine SA.! Neueste Parole: Laßt euch nicht provozieren! München, 2. Dezember. Adolf Hitler erläßt«inen Tagesbefehl an die SA. und SS., in dem es heißt, der„Feind suche zu reizen, herauszufordern und aufzuputschen", damit die Nationalsozialisten noch in letzter Stuiide die Nerven verlören und sich zu unüberlegtem Handeln hinreißen ließen. Dieser schändliche Plan müsse zunichte gemacht werden. Wörtlich heißt es:„Laßt euch nicht provozieren! Laßt euch nicht verführen! Ganz von selbst, mit gesetzmäßiger Sicherheit, wird uns das Schicksal die Geivalt in die Hand geben. Bis dahin beißt die Zähne zusammen und erfüllt eure Pflicht!" Besser noch hätte der„Tagesbefehl" lauten müssen:„Pro- voziert nicht mehr!" Denn bisher besteht die einzige Bürgerkriegsdrohung nur auf der Seite der Nazis und ihrer„rauhen Krieger". Das großspurige Wort von der„gesetz- mäßigen Sicherheit", mit der„das Schicksal" ihm die Gewalt in die Hand spiele, wollen wir ihm schenken. Zum„Schicksal" gehören bekanntlich auch Kräfte, die vorhanden sind, auch wenn Adolf sie schon überwunden glaubt. Razi- Kotau vor Frankreich. Sie versprechen Erfüliung. Pari«, S. Dezember.(Eigenbericht.) In der„Liberti" versichert der angesehene rechts» gerichtete Publizist Jacques Bainville. die Hitlerleute hätten in Berlin de« französischen Botschafter Fran�ois Poncet wissen lassen, daß sie nicht die Absicht haben, die Verträge einfach zw zerreißen. Zweifellos erwarteten sie im Austausch für diese gute Haltung Kredite. Die Herrschaften wollen rechtzeitig vorbeugen. Beim Kapp-Putsch bestand ja auch die erste und wichtigste „Regieruugshandlung" in einer tiefe« Verbeugung vor dem Kriegsgegner. Atiganfcher Osaf im Sefänanis. Budapest, 2. Dezember. In« Zusammenhang mit dem vereitelten Putschversuch wurde der Direktor einer Filmgesellschaft namens Ladislaus Temesvary in Gelvahrsam genommen. Temesoary war Gründer und Führer der sogenannten Ungarischen Hitler- parte«. Landarbeitersiedlung und Arbeitsdienst. Durch bisherige Sieölung werden Landarbeiter erwerbslos. Im 17. Ausschuß des Reichstage» wurden am Mittwoch die. neuen Richtlinien für die bäuerliche Siedlung be- raten. Sie entsprechen im wesentlichen den Wünschen und der Kritik, die gerade von sozialdemokratischer Seite wiederholt geäußert worden sind. Die Verbesserung der bisherigen Praxis soll im wesentlichen darin bestehen, daß un'ter allen Umständen die Land- arbeiter angesiedelt werden sollen. Weiter soll eine B e r- b i l l i g u n g der Siedlung durch eine intensive Mitarbeit der Siedler selbst und durch eine möglichste Vereinfachung der Bauten erreicht werden. Endlich soll die Anliegersiedlung, d. h. die Aer- gröherung lebensunfähiger zu kleiner Stellen auf eine Ackernahrung viel stärker als bisher gefordert werden. Von den Genossen Biester, Iäcker und Tempel wurde mit allem Nachdruck auf die üble Praxis hingewiesen, daß bei der Besiedlung im Osten Tausend« von Landarbei- tern erwerbslos werden.„Die Landarbeiter zittern, wenn von Siedlung die Rede ist", so formuliert« mit Recht Genosse Iäcker die Empfindungen der Landarbeiter. Scharf abgelehnt wurde ebenfalls die Idee, auf dem Wege des freiwilligen Ar- b«(t» d i e n st« s Erwerbslos« bei den Siedlungsarbeiten zu be- schästigen, da sich daraus nur«ine neuer und verstärkter Lohn- druck entwickeln könne. pensiouskürzung angenommen. Mit einer Klärung durch sozialdemokratische« Antrag. 3m haushalksausschuß wurde heute der 8 19 des Entwurfes eine» Peusionskürzllugegefetze« erörtert. Er will nur unter allerlei Einwendungen die V e n s i o a e n. soweit sie 12 000 Mark jährlich überschreite« und stasfelweise je nach der Gesamthöhe der Pension kürzen. Der sozialdemokratische Autrag verlangt, daß alles, was über 12 000 Mark ist, überhaupt und ohne Einschränkung gestrichen wird. Der Antrag wurde vom Abg. Roßinann(Soz.) begründet. Für den sozialdemokratischen Antrag stimmte« auch das Zentrum und die Sommunisten. Er wurde also augenommen. Nebel und Glatteis. Zahlreiche Glättevnfälle. Kältewelle überwunden! Die Kältewelle, die das Reich vom Osten her gänzlich überflutete, ist langsam im Abnehmen begrisfen, und die Temperaturen näherten sich im Lause des heuligeu Vormittags dem Nullpunkt. Bereits gestern trat der Umschwung ein. Der Wind hatte auf Nordwest gedreht, und feuchte Lustmassen stießen in den Konti- nent vor. Da nur schwache Luftbewegung herrschte, trat in vielen Teilen des Reiches starke Nebelbildung ein. In Berlin machten sich bereits am Dienstag nachmittag Nebelschwaden bemerk- bar, die sich in den Abend- und Nachtstunden zu einem dichten Nebelschleier vereinigten. Auch heute früh herrschte in den Straßen Berlins noch starker Nebel, hinzu kam ein« stellenweise starke Bereifung der Bürgersteige urld Fahrdämme. Die Polizei war auf chrem Posten und sorgte dafür, daß Hausbesitzer und Portiers rechtzeitig ihrer Streupflicht nachkamen. Die Städtische Siraßenreinigung hatte gleichfalls schon in den ersten Morgenstunden ihre Streukolonnen unterwegs. Auf den Städtischen Rettung? st ellen wurden etwa 10 Personen behandelt, die sich durch Stürze Berstauchun- gen und Verrenkungen zugezogen hatten Im Straßenverkehr kann nur ein Unfall registriert werden. In der W o l l a n k st r a ß e in Pankow geriet ein Autobus der Linie 2 ins Schleudern, fuhr auf den Bürgersteig und riß eine Hastrag-Säule um. Personen kamen hierbei nicht zu Schaden. Der Stadtbahn» und Vorortverkehr wurde durch den Nebel in keiner Weise in Mitleidenschaft gezogen, der Betrieb ging fahrplanmäßig oonstatten. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Temperaturen weiter ste i g e n und morgen bereit» den Nullpunkt überschreiten werden. Nach den Meldungen des Amtlichen Wetterdienstes ist mit trübem und nebligem Wetter zu rechnen. Niederschläge dürften vorläufig noch nicht zu erwarten sein. Weiterer Kursfall. Basel. 2. Dezember. Das englische Pfund wurde heute in der Schweiz mit 16.S0 bis 16,70 Schweizer Franken notiert. Da» würde einem Berliner Pfundkur» von 13,45 Mark gegenüber einer gestrigen amtlichen Notiz von 13,60 Mark entsprechen. Gtaötrat a. D. Wege als Zeuge Er singt im Sklarek-prozeß das Lob der alten Zeit. Die Verhandlung lm Sklarck-Prozeß wurde heule morgen mit einem Vorstoß des Rechlsanwalks Dr. Puppe gegen den Oberbürgerinelster a. D. Löß und dem Bürgermeister a. v. Scholh eröffnet. Er stellte Bemeisanlräge mit dem Ziele, die Glaubwürdigkeit dieser beiden Zeugen zu erschüller«. Gaebel kommt noch einmal ausführkich auf den Fall Kie- bürg zu sprechen: er behauptet nach wie vor, daß der Bürger- meister Scholtz schon viel früher von den Unregelmäßigkeiten des Direktors Kieburg Kenntnis gehabt habe, da er aber gegen Kie- bürg» strafrechtliche Berfolgung gewesen, habe er ihn also gedeckt, weil er einen Skandal für die Stadt Berlin vermeiden wollte. Die nächsten Zeugen sind wieder Magistratsmitglieder. Lbermagistraisrat Clemens kann nichts darüber aussagen, ob die Sllareks von der Stadt Berlin begünstigt worden feien Zum eistenmal hatte er sich mit der Firma Sklarek zu befassen, als im Ausschuß wegen eines von ihm beantragten Darlehens in Höhe von 350 000 Mark verhandell wurde. Es war die Rede davon, daß die Firma gegen die Stadt Einwendungen habe. Der Stadtkämmerer war dafür, daß die Sklareks ihre Einwendungen substanzieriert, der Zeuge sedoch der Meinung, daß man dle 350 000 Mark ganz einfach streichen solle, um auf diese weise über die Vergangenheit ein für alle Male einen Strich zu machen. Auch der Zeuge Magistratsrat N a h l b a ch weiß nichts von Begünstigungen der Brüder Sklarek. wohl aber von den Versuchen Kieburgs, den etnzelnen Dienststellen Waren zu liefern, um die Leute gefügig zu machen. Bon diesen Kieburgschen Versuchen Hai er dem Stadtkämmerer Karding MUtellung gemacht. Auch Magistratsrat Nahlbach hat von Kieburg Anzüge bezogen: die Rechnungen sind stets erst später eingelaufen, sind aber vom Zeugen immer bezahlt worden. Stadtrat a. D. Wege kann auch nichts über Begünstigungen der Brüder Sklarek erzählen. Erst nachträglich hat er darüber ver- lchiedenes gehört. Er bittet den Borsitzenden als Stadtältester, all- gemeines über die Berwaltung der Stadt Berlin sagen zu dürfen. Die Schuld an gewissen Mißständen trügen nicht einzelne Personen, sondern das System. Bei der Verteilung der Dezernate babe man nicht immer darauf acht gegeben, daß die Beauftragten die erforderlichen Eigenschaften besäßen, sondern sich auch von politischen Gesichtspunkten leiten lassen. Der Oberbürgermeister habe die Verteilung der Dezernate in der Hand gehabt, er bestimmte den einzelnen Dezernenten und man hatte sich zu fügen, Er. Wege, sei zum Beispiel zeitweise mit dem Dezernat für das virektionsweseu betraut worden, obgleich er nicht» davon verstand Dann sei ihm das Dezernat über die städtischen Güter übertragen worden. Auch davon hockte er keine Ahnung. In der allen Ver- waltung sei es anders gewesen. Die Dezernate hätten entweder in den Händen von Kaufleuten oder in den Händen von Juristen ge» legen. Dieser Zeug« Wege, der an Gerichtsstelle ein Loblied der guten alten Zell sang, ist Deutschnatwnaler. Zupacken! Der Nazi-Terror stürmt durchs Laud. Geht Deutschland auf in Qualm und Drand? Staat, pack zui Die Hetze dröhnt vou früh bis spät, Des Bürgerkrieges Banner weht! Staat, pack zu! E« haust sich au die blutige Schuld. Wie lauge uoch die Lammsgeduld? Staat, pack zu! Nicht müßig jetzt mehr zugeschaut! Wehr, Republik, dich deiner haut! Staat, pack zu! Was hltlern einzig imponiert: weuu er die Faust am Kragen spürt! Staat, pack zu! Fort mit dem Nazi- Spuk uvd-Hohn! Republikanische Aktion! Staat, pack zu! Hau« Bauer. Abschied „Ich muß dich jetzt össentlich verleugnen, aber du weißt ja: es geschieht nur der Leute wegen." Die mörderische Wildfalle. Geständnis des Försters zum Tode der Gntsbesitzerskrao. Stellin, 2. Dezember. Zu den Ermittlungen über die Erschießung der Frau von hennigs in Buggow wird im Einvernehmen mit dem Ober» staatsanwalt in Greifswalo von der Landrskriminalpolizeistelle Stettin amtlich folgendes bekanntgegeben:„Die Ermittlungen der Landeskriminalpolizeistell« haben zur restlosen Aufklärung des Falles geführt. Der Förster Blinzler ist im Laufe der sich über mehrere Tag« erstreckenden Vernehmungen unter der Last des gegen ihn gesammelten Beweiematerials bewogen worden, ein umfaffendes G e st ä n d n i s abzulegen. Er hat zugegeben, einige Tage vor dem Unfall die Waffe iu den Baum allein eingebaut zu haben, um damit Rotw'ld zur Strecke zu briugen. Cr kam auf den Gedanken, diese Wildsalle zu stellen, weil sich in seinem Forstrevier größtenteils nur Wechselwild aufhielt. Im Betsein des Försters Blinzler wurde «in Lokaltermin abgehalten, der die letzten Zweifel an seinem Geständnis beseitigte. Blinzler ist dem Gerichtsgefängnis zu Greifs» wal» zugeführt worden."_ Als deutscher Spion hingerichtet. Zwangspolnischer Soldat in Posen erschossen. Warschau. 2. Dezember. Das Militärgericht in Posen hat den Schützen Franz K l a m t e vom Infanterieregiment Nr. S8 wegen Spionage für Deutschland zum Tode oerurteilt. Da der Staatspräsident von seinem Gnaden» recht nicht Gebrauch machte, wurde das Urteil bereits vollstreckt. Klamk« gehörte, wie verlautet, der deutschen Minderheit an. Das Regime der Militärs. Der Parteiführer der Nationaldemokraten. Prof. R y b a r f k i. erzählte im Warschauer Dauerprozeß gegen die Opposition-. führ« als lehrreiches Beispiel des„Rechtszustandes" in' Polen die Geschichte, wie der Bant von Polen ein O b e r st zugeteilt worden sei. Der Zeuge wies im Zusammenhang hiermit auf die Schwierigkeiten hin. die man mit der Unterbringung von polnischen Obligationen an den amerikanischen Börsen gehabt habe aus dem olleinigen Grunde, weil sie die Unterschrift eines Brigade» g e n e r a l» als Direktor der Landeswirtschaftsbank getragen hätten Befremdend wirke auch im Auslande der Zustand, daß die oberste Kontrollkammer von einem General geleitet werde. In Sejm sei neuerdings sogar der Friseur mili- t o r i s i e r t worden. Auf die Frag« des Angeklagten Kjernik, ob man den Aeuße- rungen der Minist« den Hang zur gelegentlichen Nichtachtung der Gesetze eirtnehmen könne, wies Rybarski aus den Ausspruch des ehemaligen Innenministers, Generals Skladtowski hin:„W a» sind mir schon Gesetze!" und auf den Zuruf, den der frühere Handelsministcr Kwiattowfki dem Sejm entgegengeschleudert Hab«:„Beschließt, was Ihr wollt; wir bleiben!" Reichsminist« Groeuer wird am Sonntag, dem 6. Dezember. nachmittags 7.25 Uhr, im Programm her Funk»Stunde über„D i e Berantwortung des Staatsbürgers" sprechen. Der Dortrag wird als Reichs-Sendung von allen deutschen Sander« übernommen. Naziparadies Oanzig. Arbeiterschuhbund aufgelöst/ Nazimörder laufen frei herum. Aus D a n z i g wird uns geschrieben: Im Freistaat Danzig ist die Wehrorganisation der Sozialdemo- kratie, der Arbeiterschutzbund, oerboten worden. Der Schutzbund hatte ähnlich« Funktionen wie das Reichsbanner in Deutschland. Er wurde gegründet, um die wehrtätige Bevölke- rung nicht wehrlos dem Wüten bewaffneter Nazihorden auszuliefern. Er ist verboten worden, well er durch seine Stärke und mustergültige Disziplin den Terror der gelben Mördcrbanden zu brechen geeignet war. Der deutsche Arbeiter und der deutsche Angestellte, die im schweren Kampf gegen den Faschismus stehen, mögen nach Danzig sehen, um erkennen zu können, was der deutschen Arbeitnehmer- schaft blüht, wenn die Nazis Einfluß auf die Staatsgeschäfte ge- winnen. Oeffentliche Versammlungen der Sozialdemokratie sind hier verboten, Mitgliederversammlungen werden untersazt, das Or- gan der Sozialdemokratie, die„D a n z i g e r B o l k s st i m m e". durfte tagelang nicht erscheinen und nun ist— wahrscheinlich noch nicht als letztes Glied dieser Kette— der Arbeiterschutzbund, eine Organisation von 5000 Mann, aufgelöst worden. Di« von den Nazis abhängige Regierung begründet die Auf- lösung des Arbeiterschutzbundes mit Vorfällen in einem kleinen Dorf, die sich nach einer sozialdemokratischen Bersammlung ab- spielten. Bewaffnete Hakenkreuzabteilungen hatten diese Versammlung gesprengt. Als später eine Abteilung des Schutzbundes eingriff, um die bedrohten Arbeiter und Arbeiter- frauen zu schützen, wurde ein Nationalsozialist tödlich verletzt. Die Polizei ging nicht gegen die Versammlungsstörer vor, sie ver- haftete nicht die Urheber der Auseinandersetzungen, sondern die beteiligten Schutzbündler. Die wahren Schuldigen wurden danu als Belastungszeugen gegen diejenigen verwendet, die nichts weller getan hallen, als den Terror der Nazis abzuwehren. Auf Grund dieser„Zeugen"-Aus- sagen setzten die Nationalsozialisten die bürgerliche Minderheits- regierung unter Druck und erzwangen das Verbot. Es ist nicht das erste Mal, daß in Danziz bei politischen Zlus- einandersetzungen ein Mensch getötet wurde. Seitdem die National- sozialisten aufgetaucht sind, ist viel Blut in Danzigs Straßen, in der Stadt und auf dem Lande geflossen. Immer waren die Hakenkreuzler die Schuldigen. Aber die Regierung und der Polizeipräsident durften es nicht wagen, gegen die Naziorgan:- sation, die den politischen Mord hier ebenso wie in Deutschland auf ihre Fahnen geschrieben hat, einzuschreiten. Ja, man hat nicht nur die SA. nicht angetastet, man hat sogar den einzelnen Tätern gegen- über den Ruf der Polizei aufs Spiel gesetzt. Entweder wurden sie nicht gefunden— obwohl sie sich ganz ungeniert auf der Straße blicken ließen— oder aber sie wurden von der Polizei nach Mög- lichkeit entlastet. Die Justiz tat dann ihr übriges, so daß sich fast alle Naziverbrecher heule noch der Freiheil erfreuen. Die Danziger Nationalsozialisten sind seit jeher besondere Lieblings- linder der Behörden. Die SA. erhielt Waffenscheine, so- viel sie wollte. Sie kann mit der Bevölkerung machen, was ihr beliebt. Bestraft werden nie die Angreiser, sondern immer die- jenigen, die sich gegen die Angreifer wehren. Dieses Danzig, dieses kleine„Dritte Reich", ist feil Monaten das Asyl für die flüchtigen SA.-ceule aus Deutschland. Die Störung der sozialdemokratischen Versammlung, deren Verlauf den„Grund" zum Verbot des Schutzbundes gab, ging z. B. unter der Lellung des Berliner Nazis Max Böhm vor sich. Dieser Böhm wird von der Berliner Polizei wegen seiner Teilnahme an den Kurfürstendamm-Krawallen steckbrieflich verfolgt... Im Wandel der Oirekiionen. „Sturm im Wasserglas" im Wallner-Theater Eine neue Direktion hat das Wallct-Theater übernommen. Der wagemutige Mann heißt Ernst Semml«. Zwei Vorgänger spielten Situationslustspiel« im Stil der unfehlbaren Kadelburg- mdustri«. Aber scheinbar versagten diese ehemaligen Kassenmagneten. Jetzt kommt man mit ernsteren Dingen. Bruno Franks Komödie „Sturm im Wasserglas" erfährt eine anständige Aufführung. Manches wird noch übertrieben. Die Pointen knallen zu laut, die Figuren erscheinen stellenweise ins Schwankmäßige gesteigert. Allerdings liegen diese Gefahren auch im Stück selbst, das gar keiner ausgeprägten Physiognomie dienen kann. An einer Hundegeschichte wird der Mief beamteter Wichtigkellen und arrivi«t« Bürger demonstriert. Di« Komponenten überkreuzen sich. Charakterkomädie, Situationsschwank und gepflegtes Konversationsstück, diese Elemente sind vertreten, und aus zwei gut komponierten Akten folgt ein Ab- gesang, der zerflattert. Vorläufig gibt die Aufführung nur ein Gerüst. Weiß, Rüde, Krausbauer. Lola Mebius, Erika Feldmeier und Hilde Heinrich bieten gute Leistungen, denen aber Fülle und Abrundung fehlen. Die Personen werden auf einen Nenner gebracht, sie schillern nicht genügend. Sache der Regie, hier eingehende DetaUarbell zu leisten. Di« Direktionen im Wallner-Theater kommen und gehen. Di« Bühne kann heute nicht mehr auf die westlichen Stadtgegenden zählen. Es kommt wohl darauf an, sich ein Stammpublikum heran- zubilden, gewissermaßen mit einer Besucherschaft der Umgebung zu rechnen und Familienpolitik zu betreiben. Das Rofe-Theater liefert dafür das Vorbild. Planmäßiger Ausbau muß an Stelle des Experrmentierens gesetzt werden, denn ein unsicheres Herumtappen führt in d« Zell der Theaterkrise zu keinem Ziel. Leb. „Das Kind und die Weli." Kamera. Unter der Leitung von Professor Kurt Lewin und mll Hilfe des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht ist hier eine wissenschafllich« Reportage unternommen worden: das sich un- beobachtet glaubende Kind steht vor der Kamera. Man benutzte hinter Wände versteckte oder mit Fernobjektiven ausgerüstete Auf- nahmeapparate und gut verborgene Mikrophone, um das alltägliche Kind in seinem Alltagsleben zu belauschen. Es wird die„Entwicklung des kindlichen Lebens- raums" so deutlich wie möglich klar gemacht. Beim acht Tage alten Kind ist noch alles ungeordnet, nur der Mund weiß sich seine Nahrung zu ertasten. Es gibt nur den Augenblick, es gibt kein Gestern und kein Morgen, das Leben des Säuglings ist ausgefüllt von schreien, trinken und schlafen. Mll acht Wochen lernen Auge und Ohr unterscheiden. Mit vier Monaten weitet sich der„Seh- räum", es gibt für das Kind bereits ein Zimmer mit Gegen- ständen. Auch beginnt der„soziale Lebensraum" sich zu bilden, das Kind lächelt auf freundlichen Zuspruch. Im zwellen Halbjahr wellet sich der„Handlungsraum", alles wird mll Mund und Hand begriffen. Mll einem Jahr strebt das Krabbel- kind eigenen Zielen zu. Mll dem zwellen Jahre ist das Laufen selbstverständlich geworden, aber bei Ueberwindung höh« Treppen- stufen wird noch die Krabbeltechnit benutzt. Zwischen dem drllten und fünften Jahre hat das Kind ein„m a g i s ch- a n i m i st i s ch e s Weltbild", alles was sich bewegt ist lebendig, es fehlt die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit. Beim Achtjährigen sind Wahr- hell und Traum noch schärfer gesondert, und es ist sehr zum Schaden der produktiven Kräfte des Kindes, wenn ein hartes Schicksal Traum- weit und Wirklichkeit allzu früh ausc inander reißt Dieser Film gibt allen Pädagogen und pädagogisch Jnter- esiierten sehr viel, darum ist es schade, daß mitunter durch Kulissen kitschige Momente hineinkommen.—«. Arbeiierchor-Konzerte. Die Stadthalle in der Klosterstraße hatte sich Sonntagnachmittag in einen Konzertsaal verwandelt. Aus der Höhe zwischen den Säulen der Empore hervor erklckngen die Chöre, die„O st l y r a n i a 1K4g" und„Prenzlauer Berg" unkr ihrem tüchtigen Chormeift« Ludwig Wikhelm K a r p zum Vortrag brachten— Am gleichen Abend gab der von Heinz T i e s s e n geleitete„Junge Chor" in der überfüllten Singakademie ein Konzert; es wurden Bolls- und Kampf- lieber gesungen Deutsche, französische und slawische Weisen, von Tiessen bearbeitet, erklangen hier in entzückender Leichtigkeit, sie standen in der Mille des wohlausgewogenen Programms und waren 1 von Rezitationen(Malta Sohn) eingerahmt. Anfang und Schluß umfaßten Kampflieder, u. a. prachtvoll gesungene Chöre von Eislcr (Lllurgie vom Hauch, Soldaten) und Tiessen(zwei Stücke aus deisi „Aufmarsch"). Der Junge Chor marschiert in d« Arbeitersäng«- bewegung, was Wollen und Können, was die V«bindung von Kunst und Klassenkampsidee anlangt, in der ersten Reihe; es wäre nur zu wünschen, daß möglichst viele Mitglieder des Arbeitersäng«- bundes diesem leuchtenden Beispiel Folge leisten möchten. A. W. Ein neuer Konfekiionsfilm. Marmorhaus. „Einer Frau muß man alles verzeihen" behauptet der neue Film. Muß man auch einem Film alles verzeihen? Muß das alte Schema von den beiden Gleichnamigen, die miteinander oerwechselt werden und dadurch Gelegenheit zu Konfusionen und Durcheinander geben, immer wieder erneuert werden: Fritz Meyer I und Fritz Meyer II wohnen Flur an Flur. Der eine reist erfolgreich in Damenkonfektion, der andere mit weniger Glück in Spirituosen.»Das launische Schicksal sorgt dafür, daß Meyer II eine Anstellung bei der Konkurrenz bekommt, die für Meyer I bestimmt war. Er reist also jetzt auch in Damenkonfektion, alles mll Hilfe seiner Freundin Susi, die Reisemannequin bei der gleichen Firma ist. Die beiden Meyer werden im Hotel miteinander oerwechselt. Es gibt ha einen fürchterlichen Salat; aber Meyer II macht das Rennen, indem« mit Hilfe sein« alkoholischen Tricks beide Musterkollektionen ausverkäüft und dadurch eine Dauerstellung und eine Braut dazu gewinnt. Maria P a u d l e r managert nicht nur ihren Freund, sondern den ganzen Film. Sie ist von bezwingender Lustigkeit und Schalk- haftigkeit, sie ist so adrett und einnehmend, daß man ihr schließlich auch noch diesen Film oerzeihen muß. Fritz Schulz, zunächst schlemihlhaft, hat seinen großen Augenblick, als er die Konfektions- künden mll Likör und Faxen berauschen kann. Die östliche Kon- fektionsfirma wird durch Salom B e l a und Lotte Stein vertreten. Eugen Thiele versteht es wenigstens, seine Schauspiel« gut aus- zunutzen. Blondine E b i n g e r gibt eine höchst charakteristische Einlage als widerspenstige Braut, und Paul Morgan stiftet einen Reisenden, der sich als Frehkünstl« auszeichnet. r. »Der Spuk in der Villa Stern" hat in Friedrich Holländers Tingel- Tan gel das für ein Kabarett seltene Jubiläum der 100. Borstellung begehen können. Unter den bürgerlichen Kabaretts hat das Theoterchen(jetzt ohne Service im Zuschauerraum) den meisten Mut zur Linkstendenz und vermeidet blöde Anrempelungen der Republik. Die 16 Bilder, die in Form eines Maskenfestes ein- gekleidet sind, behandeln mit Ulk, Witz und Satire die Menschen und Sachen von heute(von der Kursürstendamm-Perspektioe aus). Manche Anspielungen sind schon etwas angestaubt, andere schlagen um so besser ein. JBei vielen hat man rein künstlerische Freude an dem musikalischen Schmiß, der oielselligen Einstellung in der Treff- sicherhell des universellen Felix Holländer. Die Bilder zu dem bekovalen Familienleben, die Theaterparodien(etwas viel!), die lustige Münchhaus en-Szene, der Hausdichter, die Kleptomanin, der Einbrecher gefielen besonders. Neben den bewährten und bekannten Kräften hotte sich Alexa von P o r e in b s t y als Stubenmädchen einen wohlverdienten Extraapplaus. ä. DezembttauSstellungeu der Staatlichen Museen. Das Kupfer� st i ch- K a b i n e t t bringt als Sonderlckau„Meisterschaft und Mittelmaß in der Zeichenkunst". Daneben werden auch noch im Dezember die Werke der Meister d:r„Brücke" gezeigt. Die Staat- liche Kunstbibliothek bat ihre Ausstellung„Standardform im Eßbesteck" durch die Ausstellung„Das zeitgemäße Ge- brauchsgerät" im Lichthof ergänzt. Das Kaiser-Friedrich- tvt u s e u m zeigt wieder Neuerwerbungen, die durch eine Leihgabe: Albert E u p y, die Maas bei Dordrecht. erweitert werden konnten. Auch die große Sonderausstellung„M e i st e r w e r k e der B i l d n i s k u n st" wird noch im Dezember zu sehen sein. Die 4. Tanzmatiuee der Bolksblihn« vereinigt Darbietungen dreier So- listen. Erika Lindner tritt zum erstenmal vor ein größeres Berliner Publikum. Jo Bischer, der Leiter der Iutta-Klamt-Schule in Berlin, wird völlig neue Tänze zeigen. Rosalie Chladek. die Leiterin der Tanzschule Hellerau-Laxenburg, ist m den letzten Jahren immer mehr in den Border- grund getreten. „Die schön« Helena" gelangt zum letztenmal Sonntag. 15 30 Uhr, im Kursürstendamm-Theater zu kleinen Preisen zur Ausführung. Heb«„Gogol»nd wir" spricht Freitag, 8.15 vhr, der Kieler Uni- versitätsdozent S. G. Keller im Hörsaal 28 der Universität. Die Lusstellnng altamcrikanischer Kunst in den Räumen der Akademie wird Sonnabend. 12 Uhr, eröffnet. Sie umfaßt bedeutende Kunstwerke aus deutschem Besitz von Museen und Privatsainnilern und gibt einen Ucberblick über die alten Hochkulturen der Neuen Welt, vornehmlich des großmexikanischen und großperuanischen Gebietes. Das Kindermärchen„Das neugierige Sternleiu" in der Komischen Oper wird zu Halden Preisen außer Mittwoch und Sonnabend auch Sonntagnachmittag um 4 Uhr gespielt. Premierenbesetzung. Wie die KPN.„kämpfi". Systematische Hetze gegen llrich. Was in der„Roten Fahne" schon alles über den Bevollmäch- ttgten der Berliner Ortsoerwallung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Max U r i ch, zusammengelogen wurde, geht auf keine Kuhhaut. Die seitJahrundTag gegen llrich betriebene per- sönliche chetze liegt ganz in der Linie der„revolutionären" tsterunterreißung der freien Gewerkschaften und ihrer Funktionäre. Da der Deutsche Metollorbdteroerband die gröhte Gewerkschaft ist, seine Berliner Ortsverwaltung die gröhte örtliche Gc- w e r k s ch a f t, wird diese am meisten mit der Lüge als Kampf- mittel bekämpft.■ Ms der j ü n g st e Schiedsspruch für die Berliner Metall- Industrie ohne Lohnkürzung ausging, da war es die stets „siegreiche" RGO., die sich des Erfolges rühmte. Hinterher kam die vollkommen aus den Fingern gesogene Verdächtigung, U r i ch habe den Vertretern des Verbandes der Berliner Metallindustnellen bei den letzten Lohnverhandlungen eine Lohnkürzung von t> Proz. vorgeschlagen. Wir hoben diese niederträchtige Unterstellung sofort zurückgewiesen. U r i ch lieh der„Roten Fahne" eine B e r i ch t i g u n g zugehen, dah er weder einen äprozentigen noch irgendeinen anderen Lohnabbau vorgeschlagen noch sich mit einem solchen einverstanden erklärt hat. Das Blall oerschiebt die Berichtigung von einem Tag zum anderen, bis es sie endlich bringen m u h. Dabei sucht es mit ollen Kniffen von dem Kern der Berichtigung abzulenken, dah es eine unwahre Behauptung gegen Brich erhoben Halle und dafür den Eindruck zu verstärken, dah II r i ch an all den Lohnkürzungen schuld sei, die die Metallarbeiterschaft im Reiche und in Berlin während der Krise über sich ergehen lassen muhte. So lächerlich das auch ist, so sucht doch das Kommmtistenblatt seinen Lesern die Auffassung beizubringen, dah Urich nichts anderes zu tun habe, als nur darauf zu sinnen, wie er die Löhne der Berliner Metall- orbeiter verschlechtern kann. Und diese kommunistischen„Kämpfer" besitzen dann noch obendrein die Frechheit, die Mitglieder des Metallarbellerverbandes einzuladen, n»t ihnen und ihrer gewerk- schaftsschädlichen„Eiithells"splillergruppe„über die Köpfe der Urich und Eckert hinweg" den Streik zu beschließen. Streik gegen den Schiedsspruch ohne Lohnkürzung! Russische Handelsveriretung verurteilt. Kaust geistiges Eigentum, will aber nicht zahlen. Wie man in der Sowjetunion geistiges Eigentum eines An- gestellten„erwerben" kann, ohne es bezahlen zu wollen, das kam in einer Klage vor dem Arbeitsgericht zur Sprache. Der Kläger, Ingenieur U., war von einem in Berlin be- stehenden,, der russischen Handelsvertretung angegliederten Unternehmen engagiert, um die Gastechnik in Rußland auf- zubauen. Zu diesem Zweck ist U. von Frankfurt a. M. noch Berlin übergesiedell, wo er ein technisches Büro ein- richtete. Zeitweise hat er sich auch in Moskau mll der Leitung praktischer Arbeiten beschäftigt. Neben seinem Arbeitsvertrag, der für ein Lahr abgeschlossen war. hat U. mit dem Unternehmen einen Kaufvertrag über ein von ihm abgefaßtes Werk über die Herstellung von Gasgeneratoren abgeschlossen. Dies Werk, welches als„Archiv" bezeichnet wird, ist eine Zusammenstellung von eigenen ' technischen Erfahrungen u id Erfindungen, die der Verfasser im Laufe vieler Jahre ge,.'-!■ hat. Für die Ueberlassung dieses Ar- chivs an das russische Un.e-nehmen sind dem Kläger 10 000 Mk. vertraglich zugesichert worden. Einen großen Teil der Arbeit hat der Kläger bereits abgeliefert. Mit dem Rest ist er im Rückstände geblieben, well für den Gebrauch eine zeitraubende Be- arbeitung erforderlich war. Inzwischen ist der Arbeitsvertrag des Klägers abgelaufen und wurde nicht erneuert, weil die Aufbauarbell soweit gediehen mar, daß man seiner nicht mehr bedurfte. Der Kläger sah sich dadurch um seine Hoffnung, als Leiter des von ihm aufgebauten Werkes eine Dauerstellung zu bekommen, bellogen. Nachdem das Arbeitsverhältnis des Klägers beendet war, er- klärte man ihm, daß man für sein Archiv keine Verwendung habe, und dah er dafür keine Bezahlung bekomme, weil er den Rest der Arbeit noch nicht abgeliefert habe. Hierzu erklärt der Kläger, der Bezahlung der 10 000 Mark fordert, die Herren in Moskau hätten ja jetzt Zell genug gehabt, den Inhalt seines Archivs zur Kenntnis zu nehmen und diese Kennt- nisse in ihrem Interesse zu verwerten. So glaubten sie um den Erwerb und um die Bezahlung der Arbeit herumzukommen. Das beklagte Unternehmen wurde verurteilt, dem Kläger gegen Herausgabe des restlichen Teils seiner Arbeit 10 000 Mark zu zahlen. Nückgang der Vrbeiislosigkeii. In England. London, 2. Dezember. Di« Zahl der Arbeitslosen in Grohbrllonnien betrug am 23, November 2 615 115, d. h. 33 3 1 4 weniger als Ende der vorhergehenden Woche. Freie Sozialistische Hochschule. Der nächst« Vorllag findet am Sonnabend, dem 5. Dezember, 19� Uhr, im ehemaligen Herrenhaus, Leipziger Straße 3, statt. Es spricht der Genosse Prof. Kestcnberg über das Thema„Kunst und Weltanschauung". Korten zum Preise von 0,50 M. sind an folgenden Stellen zu habeni im Büro des Bezirksbildunosousschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Tr. Zimmer 8: Buchhandlung I. H. W. Dietz, Lindenstr. 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter Ritterstrohe Ecke Luisenufen Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, Gewerkschaftshaus: ZdA., Hede- mannstr. 12: Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buch- drucker, Dreibundstr. 5: Arbeiterjugend Groß-Berlin, Lmdenstr. 3, 2. Hos links 2 Tr.: Deutlcher Holzarbeiterverband, Rungestr. 30: Lerlagsqesellschaft des ADGB-, Abt. Sortiment, Jnlelstr. 6a: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65: Frauenbüro der SPD., Lindenstr. 3, 2. Hos links 2 Tr.: Bezirksausschuß für Ar- beiterwohlfahrt, Lindenstr. 3, 2. Hof links 2 Tr.: Geschäftsstelle des Touristenvereins„Die Naturfreunde", Johannisstr. 15. Karten für Erwerbslose und Studenten zu ermähigten Preisen an der Abend- kasse. 86. Abk. Unser Genosse Richard M e i h n e r, Lankwitzer Str. 6, ist am 29. November verstorben. Ehre seinem Andenken. Ein- äscherung heute, Mittwoch, 19� Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Um rege Beteiligung wird gebeten. Wetter für Berlin: Vorwiegend trübe mit nur unbedeutenden Niederschlägen, Temperaturen meist etwas über Null: schwache Süd- westwinde.— Für Deutschland: Im Nordwesten bewölkt, stellen- weis« etwas Regen, auffrischende Südwestwind«, ziemlich mild. Im Norden und Osten nebelig-trübe, etwas milder. In Süddeutschland keine Aenderung von Bedeutung. Reichsbuni der Kriegsbeschädigten. Krieg-keilnehmer und Kriegerhinterbilebenen, Ortsgruppe>s ü d e n. Heute, 2. Dezember, 20 Uhr, Märkischer Hos, Admiralstr. 18«, Werbefilm des Konsum. Gäste willkommen. Mitt�vodr, 2. Dezember. Berlin 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30 Unterhaltende Kammermusik. 17.30 Dr. med. Levy-Lenz und Walter Stölting: Wie reguliere ich mein Körpergewicht? 18.00 Bücherstunde. Entwicklungsromane»(Am Mikrophdn: Dr. W. von Einsiedel.). 18.10 Franz Schubert: Lieder.(Margarete von Winterfeldt, Sopran; Flügel: Julius Bürger.) 18.30 Alice Berend liest aus eigenen Werken. 18.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. � 19.00 Stimme zum Tag 19.10 Heiterer Jazz-Qesans. 20.00. GeschicbteL erzählen" Ein bunter Abend. Zusammenstellung: M. Feii� Mendelssohn. Ltg.; Edief Koppen. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Orchesterkonzert Funkorchester. Dir.: Alfrede Casella. t. Viyaldi: Concerto D-Moll. 2 Rossini: Ouvertüre zu„Aschenbrödel". 3. Mali- piero: Pausen des Schwelgens, sieben sinfonische Stücket 4. Alfreda Casella: Serenata(Erstaufführung). 22.15 Räuscher: Zeitungsschau. 22.35 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Ministcrialrätin Dr. M. Heinemann: Die Lage der Madchenschule. 16.30 Hamburg; Konzert 17.30 Rosenwala; Franz Liszt. 18.00 Dr. Paul Fechter Neue Romane. 18.30 Ob.-Stud.-Dlr. Dr. Buchenau; 1931,'ein Jubiläumsjahr des Geistes. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Referendar Kurt Berlowitz; Das Dien streckt in den Betrieben der öffentlichen Hand. 19.30 Ob.-Reg.-Rat Lautenbach: Die kurzfristige Verschuldung Deutschlands. 20.00 Langenberg:„Prinz Friedrich von Homburg.'4 ®crontmortl. für die Redaetion: Rich. Bersstein. Berlin; Anzeigen: Td. Glocke. Berlin. Bering: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlaasanstalt Paul Singer& Co Berlin£93 68 Lindenitrake 3. Sierzu 1 Beilage VoiKsuühne Thiater am BQlowplall S Uhr Der grline KaHadu Der Rsnunersänaer Staall. Sdiüler-Iheate! * Uhr Der Riditer von Zalamea mm io@s© Uhrmasher und üuwaner NW 40, Ait-Stioaait 1,1. Tel. Moabit 0272 Reichhaltiges Lager In Uhren, Juwe.en. Gold-, Silberwaren und ßestecke. Preiswerte Geschenkartikel fflr tede Gelegenheit. Reparalurwerkstall lür Uhren und Goldwaren, erstklassig und billig. Tasclien-Chren.... 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Ich glaube, es war im Jahre lSOt, als die Mär vom„klugen Hans' das Larrd durcheilte. Der„vuge Hans' war. ein dem früheren Elementarschullehrer Wilhelm von Osten gehöriger russischer Hengst, den fem Herr in einer verwunderlichen Weise ausgebildet hatte. Das Pferd ging nicht nur auf Zuruf nach rechts und links, fiel in Trab machte Halt, sondern es mar auch nnstonde, durch Scharren mit dem Fuß Zahlen bis fünf anzudeuten. Und diese Fertigkeit wollte von Osten dann soweit entwickelt haben, daß der„kluge Hans' zuletzt Wurzeln ausziehen und Logarithmen rechnen, mit einem Wort, die fchwersten Rechenaufgaben lösen konnte. Wenn jemand wie ich sich viele Jahre selbst mit der Abrichtung von Tieren(insbesondere Hundeni beschäftigt hat, so werden ihm solche Behauptungen verständlich, wenngleich er sie nicht zu den seinen machen kann. WUhelm von Osten hat sich unendliche Mühe gegeben mit seinem Pferde, und erst, als ihm von allen Seilen Absage zuteil wurde, ja, als man chn seiner Idee wegen verhöhnte, ist er dazu gekommen, folgendes Inserat auszugeben: „Meinen siebenjährigen, schönen, lammfrommen Hengst, mit welchem ich Versuche zum Feststellen des geistigen Könnens de- Pferdes mache, will ich verkaufen. Er unterscheidet zehn Farben, liest, kennt die vier Rechnungsarten u. a. m. von Osten.' Man hiell das für einen Aprilscherz. Jeder Komiker machte -von Osten auf seinem Brettl lächerlich. Und doch war die Arbeit dieses Mannes eine Großtat ersten Ranges. Er ril vielleicht der erste gewesen, der den absoluten Nachweis erbracht hat, daß Tiere ein wenn auch ganz anders als dasjenige der Menschen geartetes Denkvermögen besitzen. Denn es handelte sich durchaus nicht nur um ein Drejsur-Kunststück, wenn von Osten es erreichte, daß schein- bar ohne sein Zutun der„kluge Hans' Namen und Zahlen, Ant- warten, Fragen»nd Rechnungen mit dem Huf klopfte, die viele Menschen nicht mit dem Kopf zu lösen imstande sind. Was sich hier offenbarte oder vielmehr als Offenbarung andeutete, war ganz etwas anderes. Es wurde bei diesem Pserd, wie später vielfach noch bei anderen Tieren, klar, daß der menschliche Geist nicht das Medium der Sprache braucht, um sich auch auf Tiere zu. übertragen. Es kann heute nicht mehr dem geringsten Zweifel unterliegen, daß Resultate des menschlichen Intellekts in den Geist eines willens- .ergebenen Tieres zu überpflanzen sind und daß das Tier die ihm überkommenen msnschlichen Jntellettwerte in irgendeiner Gedanken- form festzuhalten und durch irgendeine Zeichenform zu manifestieren imstande ist. .. Karl Kralls Erfahrungen. Ich selbst habe Hunde besessen und erzogen— denn von dressieren kann da keine Rede mehr sein—, denen ich durch ein- lochen Willensakt meine Befehlsgedanken m ihr geistiges Ver- ständnis übertragen konnte. Ich besaß einen stichelhaarigen Vor- fteh-Hund. der. wenn ich ein Jagdobjekt irgendwelcher Art. z. B. ein Stück Wild, absichllich verloren hatte, sich ohne Kommando selbst vom Verlust überzeugte und sofort den Weg, den ich gekommen war, zurückging, um das Verlorene zu holen. Wenn nicht ein anderer das Verluststück aufgenommen hatte, brachte er es mir un- weigerlich. Ein nun verstorbener Bekannter besaß einen Pudel, der vom Potsdamer Platz bis nach Lichterfelde beinahe jeden Tag hin und zurück lief, um eine dort wohnende Freundesfamilie zu besuchen, an der er ebenso hing wie an seinem Herrn. Wenn er die vom Berkehr durchtobten Dämme überschreiten wollte, so blieb er ruhig an der Bordschwelle stehen und sah, den Kops rechts und links drehend, die Straße solange ab, bis eine Wagenlücke entstand, die benutzte er dann mit vorsichtiger Schnelligkeit. Aber das Denken des Tieres, so wenig daran heute mehr zu zweifeln ist, ist noch lange kein Rechnen und Wurzelziehen. Den stärksten, wenn auch keineswegs unbefangenen Beobachter auf diesem Gebiete kann man wohl Karl Krall nennen, den Elber- selber Juwelier, der mit seinen beiden arabischen Hengsten Muhamed und Zarif die Erfahrungen Wilhelm von Ostens ausbaute und fort- setzte. Diese beiden schönen Tiere— ich habe sie leider nicht ge- sehen— müssen wahre Ausbunde von Klugheit und seelischer Aus-! nahmefähigkeit gewesen sein. Krall, der sich mit sellener Liebe seinen Tieren widmete, erzählt, daß sie sehr verschieden in ihren Stimmungen gewesen wären, daß sie etlichen Fragenden nicht ant- warteten, weil ihnen diese unsympathisch waren. Das Pferd ist ebenso wie der Hund ein Nasentier. Des Pferdes Sehkraft, soweit wir sie erforscht haben, ist der unseren nicht gleich, und so wird diese Sympathie oder Antipathie höchstwahrscheinlich durch eine dem Tier mehr oder weniger sympathische„Witterung'(Ausdünstung) des Menschen zu erklären sein. Ebenso hätten sich die beiden Hengste auch durchaus nicht immer willig zur geistigen Arbeit gezeigt. Sie versagten manchmal, und wenn man dann weiter in sie drang, t konnte es, besonders bei Muhamed, vorkommen, daß er den Fragen- den. wenn auch nicht allzu schmerzhaft, in den Arm biß. Ich kann das wieder durch eigene Beobachtung unterstützen. Der Jagdhund, von dem ich eben sprach, lag unterm Schreibtisch zu meinen Füßen. Ich trat ihn aus Versehen aus die Pfote Im selben Moment hatte er mich ziemlich empfindlich an der Wade aeoackt Aber ebe'ib nMi ein Wort sagen konnte, war er unterm Tisch hervor setzte sich vor mich hin und zeigte wir durch sein Pfotegeben, wie leid es ihm tot, mich gebissen zu haben. In seinem Hirn war der Abwehr- gedanke schneller gewesen als die Ueberlegung, daß man den eigenen Herrn auf keinen Fall beißen dürfe. Aber die seelische Korrektur sprang sofort ein und der Hund zeigte deutlich die Reue über seine Unbotmäßigkeit. Wer so klare Gedankenarbeit mit dem lächerlichen Wort„Instinkt' abtun möchte, zeigt nur, daß seine eigenen Ge- danken nicht arbellen. Grenzen... Aber um auf Kralls Pferde zurückzukommen: Alle dies« un- sttettiqen Beweise einer überragenden Tier-Intelligsnz, die von Osten wie auch Karl Krall uns hinterlassen haben, können doch nie und nimmer die Grenze zwischen menschlichem und tierischem Denken verwischen. Alles Denken ist nichts anderes wie die Kom- bination der mannigfaltigsten Erm'-erungen oder deutlicher der um- ' fassendsten Erfahrungsschätze. Kein Mensch kann denken, was er' nicht erfahren hat. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, daß diese Erfahrungen nicht immer nur vom Individuum selbst gemacht werden brauchen, sondern daß sie in der geistigen und seelischen Erbmasse submental, d. h. unter der Schwelle des Bewußtseins aus dem dunklen Urgrund der Zeugung mitgebracht werden. Das sind Vermutungen, Annahmen von höchster Wahrscheinlichkeit, und sie tteffen ebenso wie für den Menschen auch für das Tier zu. Aber gerade darin ist auch der absolute Beweis für die Unfähigkell des Tieres, rein abstrakt zu denken, enthalten. Das abstrakte Denken des Menschen entspricht als Resullat dem Geistes-Wachstum einer unendlichen Generationenfolge von Menschgeschöpfen, die wie Ko- rallentierchen durch die Jahrtausende und Jahrzehntausende ihren Denkapparat. ihr intellektuelles Vermögen und ihre Fähigkeit, zu abstrahieren, aufgebaut haben. So wie der Orang-Utang sich in den Aesten der Urwaldbäume ohne jede Ansttengung über verblüffende Entfernungen mll einem Armgrifs fortschnellen kann, was nie und nimmer einem Menschen möglich wäre, so denkt und überdenkt der Mensch die Zwischenräume und Intervalle seiner Existenz körper- licher wie geistiger Axt. Das Tier ist anscheinend an einer be- stimmten Entwicklungsstufe stehen geblieben oder in eine andere Richtung abgebogen; vielleicht befindet es sich auch in einer Ent- wicklungsstufe, die nur wir als feststehende und unabänderliche Leben-norm in unserer zelllichen Begrenzthell bettachten. In jedem Fall ist der heutige Stand der tierischen Psyche derart, daß dos Geschöpf zwar zur Ueberlegung und Erfassung konkreter Dinge von einer manchmal erstaunlichen Subtilllät zu erziehen ist; aber den Mangel der geistigen Entwicklung nach der abstrakten Denkseite kann keine noch so liebevolle, noch so geistige Dressur oder Unterricht ausfüllen. Ob man da den rechnenden Hund der Paula Möckel nimmt oder den berühmten„D o n' des Hegemeisters Ebers, die beide mit einer merkwürdigen Kehlkopfanlage Worte deutlich erkennbar aussprechen konnten und mit solchen Lautierungen auch bestimmte Begriffe verbanden, oder ob man sich mll den kleinen Schimpansen des amerikanischen Professors G a r n e r beschäfttgt, die ebenfalls einzelne Worte wie„Papa" und„Mama" sprechen lernten, das ist gleich. Di« Möglichkeit der Gedonkenüberttogung vom Menschen zum Tier besteht unweigerlich. Die Wiedergabe solcher Gedanken durch ein Tier kann nach verschiedenen Mechoden ebenso sicher er- folgen. Aber eigenes Denken ist für das Tier nur gegeben in dem Umfang seiner Erfahrungen und Erinnerungen. Es ist ganz ab- wegig, die Lernrefullate solcher sprechenden, antwortenden und rech- nenden Tiere für gewollten oder ungewollten Schwindel sellens der Besitzer zu erklären. Die Lernresultate sind vorhanden. Ueber die Verständigungsmöglichtell zwischen Tier und Mensch in weitestem Sinne können Zweifel nicht mehr bestehen. Wer des Tieres Be- griffsfeld, seine Fähigkeit.zu denken bleibt in dem, was sinnlich erfaßbar ist; es hört auf und endet vor dem, was Auge, Ohr, Gefühl nicht mehr wahrnehmen. Der Kohlenpott im Osten Ein Beitrag zur Alkoholfrage Von H. Ermler Ein junger Arbeiter, der Gelegenheit hatte, die Verhältnisse aus nächster Rahe zu beobachten, schreibt uns diese Zeilen: Bezeichnet man das Ruhrgebiet als„Kohlenpott", dann kann man das oberschlesische Industrierevier den Kohlenpott im Osten nennen. Im Zusammenhang mit der Osthllse wird auch viel von der Not dieses Grenzgebietes gesprochen. Aber man denkt dabei an Industrie und Landwirtschast, ohne jener zu gedenken, die die Not am härtesten trifft: die oberschlesischen Kumpel. Not und Alkohol: Nirgends in Deutschland sind sie so eng mlleinander verwachsen wie hier in Oberschlesien. Die Kneipen, Schänken und Gaschäuser drängen sich und wo ein Arbeiterviertel aus dem unterminierten Boden aufwächst, da stehen sie am dich- testen. Wirtschaftskrise, Bettellöhne, Arbeitslosigkeit? Was da! An Zahltagen sind die Schänken überfüllt, versoffene Stimmen grölen durch die Sttaßen und die Folgen: Totschlag und schwere Körperverletzung stehen vor dem Strafrichter zur Verurteilung, von den Sttafbefehlen wegen ruhestörenden Lärms, Hausfriedensbruches, Beleidigungen usw. aapz zu schweigen... Ein düsteres BN». Doch ehe jemand einen Stein hebt, gilt es die Ursachen zu klären. Oberschlesien ist ein k a t h o l i s ch e s Ein- f l u ß g e b i e t. Die Kirche— ihr Besuch ist so gut, daß auch nach Kriegsende Neubauten nötig waren— greift noch immer tief in das Leben des einzelnen ein. Es ist z. B. so gut wie ausgeschlossen, bei Schaffgotsch als Angestellter oder Beamter anzukommen, wenn man nicht Katholik ist. Steiger, Werkmeister, Oberhäuer und Auf- scher sind in Oberschlesien größtenteils Mitglied in irgendwelchen kirchlichen Vereinen und verdanken oft ihren Posten den Be- Ziehungen zur Geistlichkeit und deren Bekanntschaft mll den Be- triebsleitungen. Ich denke weiter an jene Ackerbürger im Vorort einer großen Jndusttiestadt, die zu allen Messen und Andachten (Rundfunk und Jugend Line Schlu&bemerhung Zu dem Artikel„Rundfunk im Dienste der Jugend', in dem ich die Einrichtung eines von der Jugend selbst zu gestaltenden „Jugendfunks" für den Rundfunk schlechthin— und zwar für alle deutschen Sender— propagierte, hat Genosse Fritz Scgall im „Abend" vom 23. d. M. wertvolle ergänzende Ausführungen ge- macht. Ohne Zweifel hat(wohl einzig in Deutschland) die Berliner Funkstunde in ihrer Programmgestaltung auch auf die Jugend als Hörer Rücksicht genommen. Die dort ab- gehaltenen, zum Teil sehr fruchtbaren Jugenddiskussionen sind mir detannt und sollten durch meinen Artikel in keiner Weise ignoriert werden; für mich handelte es sich aber um die Iugendsunkidee im ganzen. Zu ihrer Verwirklichung schien mll die ebensalls Berliner Vortragsreihe„Studenten diskutieren' noch weit mehr richtung- gebend zu sein als die wenigen, wenn auch erfreulichen direkten Jugendsendungen. Im Vordergrund der Anregungen des zu schaffenden Jugend- funks steht für mich allerdings nach wie vor die staatspolitisch- pädagogische Seite des ganzen Jugendproblems. Das scheint Genosse Segall noch mißverstanden zu haben. Mir liegt daran, nicht nur auch der Jugend ihrem Geistes- und Berufsleben ent- sprechende Darbietungen den Rundfunk zu vermitteln, sondern Wege zu jugendlicher Selbstgestaltung und Selbstverantwortung zur Frage„Jugend und Gegenwart' zu weisen. Daß dazu mehr als rundsunktechnische Schulung junger Menschen aller Schichten not- wendig ist, habe ich deutlich ausgesprochen. Aber es geht auch um mehr, als daß„der jugendliche Mensch, der vor dem Mikrophon sprechen will, erst noch einmal reden und hören lernen muß' Im geistigen und im öffentlichen politischen Leben ist die Jugend unserer Tage aktiver und ausgeschlossener denn je, vielleicht auch am mähender. Bei dieser Erkenntnis zur Lage eines Jugendfunks, der ia der menschlichen Bildung und Ausbildung künstiger Staat-- bürger dienen soll, schien mir doch für den Rundfunk über- Haupt z u e r st die Frage nach der Bereitschaft aller seiner ver- antwortlichen Leitungen zur Jugendhilfe gestellt werden zu müssen. Diese ist für den deutschen Rundfunk durchaus noch nicht gelöst, wie Genosse Segall meint. Die Frage„Wo bleibt die Jugend' die Genosse Segall stellt, ist doch zunächst einmal so zu beantworten, daß man«in erreichbares Ziel weisen muß, auf das man die jungen Menschen lenkt. Sonst gäbe es vielleicht gerade beim Rundfunk für die aktionsbereitc Jugend nur eine neue Enttäuschung. Die Jugend in allen Lagern ist da. Man muß ihr nur entschiedene und freie Arbeitsmöglichkeiten bieten, wie es die Berliner Funk- stund« im kleinen begonnen hat. ktein? Kriiger. ia ihre» allen Bauernuniformen kommen, bei Prozessionen den Baldachin tragen, aber sonst fast immer mehr oder weniger ange- trunken des Abends, ja manche den ganzen Tag in den Kneipen sitzen. Nicht anders wie die Kumpels auch. Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Ist die Kirche so sehr zu einem leeren Macht- und Behördenapparat erstarrt, daß sie eine seelische und moralische Einwttkung aus die Gläubigen nicht mehr ausübt? Ist die Not so groß, daß alle Hemmungen iin Mkohol erttänkt werden, um zu vergessen? Ist der Alkoholismus hier bereits ebenso sehr Tradition wie die Kirche? Man muß all diese Faktoren in die Rechnung einfügen. Summiert man, so hat man das Resultat: Acker für Acker wttd an die Gruben verkauft, und der Erlös des Ackers steht meistens schon als Schuld bei den Gastwirten in den Büchern. In diesen Büchern steht aber auch so mancher Prolet. der am Lohntag seine sauer verdienten Groschen zum Gastwirt ttägt und gleich eine neue Leiter beginnt. Acht Stunden schwerste körperliche Wbell aus der Grube unter Tage oder bei glühender Hitze am Hochofen im Walzwerk. Immer in unmittel- barer Lebensgefahr. Der Kohlenstaub kriecht durch Nase und Mund, der Speichel wird klebrig, dreckig, schwarz, die Epochen schmerzen von der schweren Arbell, und selbst der Gewöhnteste ist bei Schichtschluß hundsmüde. In den Hochofen- und Walzbettieben ist es nicht anders. Kohlen-, Rost- und Chamotte- staub fressen sich in die Lungen, dörren die Kehlen, und die von der Glut ttockene Luft tteibt den Schweiß aus den Poren. Die Löhne sind meist im Akkord, und wer nur das Notwendigste ver- dienen will, muß das Letzte an Kraft hergeben. Bei der Wieder- einführung der neuen Akkordsätze ist schon so verfahren worden, daß der Mensch alle Kraft ausgeben muß, um das Soll zu leisten. Folgende Geschichte, die unter der Arbeiterschaft der Juliushütte in Bobrek kursiert, erhellt gut die Zustände: Ein Wbeiter kommt zu einem Dttektor und bsttet, eingestellt zu werden. Sein Vater hätte öl) Jahre im Bettieb gearbettet.—„Was, fünfzig Jahre gearbestet? Gefaulenzt! Heute muß ein Arbeiter in höchstens fünf Iahren fertig fein!!' Müde, abgespannt, zerschlagen und von Hitze und Staub durstig. kommen die Arbeiter aus den Gruben und Hütten. Auf ihr Zu- hause können sich die wenigsten freuen. Die meisten haben Stube und Küche mit oft 12 Kindern. Sehr viele Wohnungen sind ver- wanzt. Die Häuser machen schon von außen einen unfreundlichen Eindruck und können auch von innen nicht freundlicher sein, denn 20 Familien in dreistöckigen Häusern mll bis 60 schulpflichtigen Kindern sind keine Seltenheit Wie die Familie, der abgearbeitete Mann schlafen, kann man sich ausrechnen. In eine schöne Umgebung kann der Arbeiter nicht fahren. Die Entfernungen sind zu groß. Die spärlichen Bruchfelder bieten nicht viel, und über ihnen liegt der Rauch und der s ü ß l i ch e Gas- g e r u ch. der von den brennenden Schutthalden herüberweht. Nur ganz selten nennt ein Arbeiter ein Schrebergärtchen sein eigen. Auch für andere Interessen ist der Gruben- und Hüttenarbeiter meist zu erschöpft. Da geht's in die Kneipen. Die Kneipen sind meist mit einfachen, rohen Holztischen und Bänken ausgestattet. Aus der stickigen Luft der Gruben und Hütten kommen sie nun in den Rauch und Qualm der Kneipen. Aber das prickelnde Bier kühlt und erfrischt die wunde, ttockene Kehle, der Schnaps peitscht die Lebensgeister an, läßt Arbeit, Not und Elend vergessen, läßt aber auch vergessen, daß zu Hause mit jedem Glase das Elend größer wird, daß zu Hause Weib und Kinder hungern. Im Rausch werden dann Kinder gezeugt, Kinder, denen das Erbteil ihres Vaters ins Gesicht geschrieben ist, die, kaum der Schule entwachsen, auf die Grube gehen, zeitig heiraten— Kinder kriegen und das Geld in die Schänken tragen. Gibt es einen Weg aus diesem furchtbaren Kreislaus? Voraus- setzung ist eine Hebung. des Lebensniveaus in jeder Hinsicht. Darum gilt es zu kämpfen! Aber es genügt nicht, daß der oberschlesische Kumpel im dumpfen Bewußtsein seiner Klassenzugehörigkeit wählt, er muß sich am K l e i n k a m p s für den sozialen Staat beteiligen und in den proletarischen Kultur- und Kampforganisationen mitarbeiten. Dann braucht auch der oberschlesische Arbeiter nicht mehr sich aus Furcht vor der Wirklichkeit in den Taumel des Alkohols zu flüchten, dann bekommt auch sein schweres, sinnlos scheinendes Dasein einen Zweck Arbeiterkultur— dort liegt Neuland, in das er au» seiner dunklen Gegenwart flüchten kann. Mitbauen am sozialen Staat— dort liegt ein Ideal, das ihm Lebensinhalt werden muß. «- Das Wandern wird Volksgut Das Herbergswerk breitet sich international aus Für die Arbeiterschaft hat sich die systematische Förderung des Wanderbetriebes als sehr wertvoll erwiesen: die Nawrfreundeheime, die Ferienheime der Jugend, der Arbeiterwohlfahrt, der Gewert- schaften sind ständig gut besucht. Aber auch das ständige Wachsen des Jugendherbergswerks bietet einen guten Maßstab für die Ent- Wicklung des Wanderbedürfnisses. Immer wieder wurde deshalb für Arbeiterjugend und Arbeitersportler als selbstverständlich er- kannt, daß man sich an der Iugendherbergsarbeit beteiligt. Mit besonderer Freude darf man heute feststellen, daß Wandern und Iugendherbergsarbeit auch in außerdeutschcn Ländern wachsende Bedeutung erlangen. Es sei nur daran erinnert, daß allein die Arbeiter-Touristenbewegung in 20 Ländern der Erde be- h e i m a t e t ist. Auch die Iugendherbergsarbeit breitete sich in den letzten Iahren international sehr gut aus. So zählte man in Deutschland 2170 Jugendherbergen, in Oesterreich 170, in der Schweiz 180, in der Tschechoslowakei 240, England 73, Holland 33, Dänemark 100 und Norwegen einige Dutzend. Daneben darf man insbesondere Frankreich nennen, dort existieren neben drei offiziellen Jugendherbergen allein sechs Nawrfreundeheime. Aus B r a- s i l i e n kommt die Nachricht, daß die dortige junge Arbeiter- Touristenbewegung mit dem Stützpunkt in Sao Paolo recht gute Fortschritte macht. Di« Arbeit ist dort besonders schwer, well von einer klassenbewußten Arbellerschaft wenig die Rede sein kann. Daneben wird die Touristik außerordentlich verteuert durch die bei Wanderungen ins Hinterland notwendige Urwaldausrüswng. Den- noch läßt man sich nicht behindern. Den teuren Fahrpreisen begegnet man durch eigene Autofahrten. Sogar ein prächtiges Ferienheim mit fünf Räumen, Küche und Autogarage tonnte bereits errichtet werden. An den Gruppenabenden der Naturfreunde werden neben Sprachkursen Themen der Literatur und der sozialistischen Aufklärungsarbeit behandelt. Zur internationalen Ausbreiwng der Wanderbewegung wären des weiteren noch Ansätze von Iugendherbergsarbeit aus ganz Skandinavien, Finnland und den östlichen Randländern, ja selbst aus Schottland und dem Flamenland zu melden. In dem letzteren, ja in ganz Belgien und auch in Luxemburg ist auch die Arbeiter- Wanderbewegung sehr rührig. Nicht zu vergessen wäre schließlich, daß selbst in Ungarn und auf dem Balkan, außerdem in Nord- amerika, Brasilien und Australien prächtige Stützpunkte für die Arbeller-Touristenbewegung vorhanden sind. So darf nicht nur allgemein die erfreuliche internationale Ausbreiwng der modernen Wanderbewegung festgestellt werden, sondern auch die Tatsache, daß die soziall st ische Wanderbewegung— umfassend vor allem Nawrfreunde und Jugendverbände— zu einem wichtigen Faktor auf diesem Gebiet geworden ist. Die„Jugendherberge*, das offizielle Organ des Reichs- Verbandes für Deutsche Jugendherbergen, glaubt zwar feststellen zu können, daß„die Franzosen ebenso laue Wanderer wie Alpinisten* seien. Der Aufstieg der französischen Arbeiter-Naturfreundebewe- gung in den letzten drei, vier Iahren lehrt aber etwas anderes. Sie bildet heute eins der lebendigsten Glieder der internationalen Nawrfreundeorganifation. Wir vermögen der genannten Zeitschrift daher auch nicht auf einem Weg zu folgen, auf dem sie von„west- europäischer Afterkulwr* zu berichten weiß, glauben vielmehr, daß als Bestandteil der kapitalistischen Gesellschaft in Mitteleuropa und damit in Deutschland genau so viel Afterkultur zu finden ist. Das aber nur nebenbei zur Kenntnis der Geistesverfassung in manchen Kreisen, die sich von nationalistischen Einflüssen immer noch nicht lösen können und wollen. Erziehung und Sport Vom Erziehungswesen in der SASI. Der Erziehungsausschuß der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale traf in der Arbeiter- Turn- und Sportschule zu Leipzig zu seiner ersten Tagung zu- sammen. Es wurden dort die Erfahrungen im Erziehungswesen der verschiedenen Landesverbände besprochen und gegenseitig An- regungen gegeben. Man war sich völlig klar, daß die Erwerbs- losigkeit und der Faschismus die größten Gefahren für die sozio- listische Erziehung sind. In Gemeinschaft mit der Sozialistischen Erziehungs-Jnternationale wird der Ausschuß Mittel und Wege zum Schutz der gefährdeten Jugend weisen. Recht aufschlußreich waren die Berichte, wie in den Landes- oerbänden die Erziehungsarbeit angefaßt wird. So machte unter anderem der österreichische Vertreter die Mitteilung, daß dort das System der„Sprecher* eingeführt worden ist. Die Sprecher werden besonders geschult und halten in den Uebungsstunden und Versammlungen kurze, richtungweisende Vorträge. Ein Erfolg sozialistischer Erziehung ist im Schweizer Arbeiter-Turn- und Sportoerband die Abschaffung der Diplome, an deren Stelle Weit- kampfbücher geführt werden. Der deutsch-tschechische Arbeiter-Turn- und Sportverband gibt eine Schrift„Der Erzieher* heraus und sammcll die Jugend unter dem Motte:„Jugend, wir rufen dich!* An einem bestimmten Tag tm Jahr wird in den Berbandsvereinen ein Kindertag veranstaltet und bei den Vor- turnerprüfungen werden die erzieherischen Fragen mit behandelt. In den Vereinen des tschechischen Arbeiter-Turnverbandes hat die Jugend zum Tell Selbstverwaltung. Eines der erfolgreichsten und beliebtesten Werbemittel find die Marionettentheater, die auf die Kinder und Jugend große An- Ziehungskraft ausüben. 155 Verbandsvereme besitzen eigene Marionettentheater. Dort, wo die Gründung von Turnvereinen noch nicht möglich ist. werden vorerst Jugendvereinc ins Leben gerufen, um sie später in Turnvereine zu verwandeln. Für Deutschland ist 1S32 ein„Tag der Jugend* vorgesehen. Einen großen Bestandtell der Jugendarbeit unter den deutschen Arbeitersportlern bilden die Lehrgänge und Zusammenkünfte der Iugendleller. Das wichtigste Problem der Gegenwart ist für die deutschen Verbände die erzieherische Betreuung der jugendlichen Erwerbslosen. Das System der Sprecher wird vom Erziehungsausschuß für alle Verbände der SASJ. zur Einführung empfohlen. Das Büro der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale und der internationale Technische Hauptausschuß werden prüfen, ob 1932 an einem bestimmten Tage in allen Landesverbänden ein Weltsport- oder Crziehungstag stattfinden kann. Mord und Totschlag beim Fußballspiel in der Schweiz Wir haben uns schon des öfteren mit den Gepflogenhellen der Zuschauer und auch der aktiven Sportler im bürgerlichen Fußball- lager befaßt. Wir erhallen nun aus der Schweiz eine Mel- dung über den Ausgang eines Fußballspiels um den sogenannten „Schweizer-Cup". Di« Fußballklub» Lugano und Basel standen sich im Endspiel gegenüber. Di« Baseler gewannen angeblich nur deshalb, weil der Schiedsrichter eine absichlliche Abwehr des Balles mit der Hand vor dem Baseler Tor nicht gesehen haben soll(oder will!). Trotz vorbildlichen Benehmens der Spieler drangen die Zu- schauer aus den Platz und bedrohten die Baseler mit Slrnen und Stöcken. Auch der Schiedsrichter wurde tätlich angegrisfen. Die herbeigerufene Polizei konnte keine Ruhe stiften. Di« Baseler Spieler und der Schiedsrichter mußten sich schließlich auf ein Motor. boot flüchten. Als sie am anderen Ufer landen wollten, stellte sich auch hier eine aufgeregte Menge den Spielern entgegen, di« ein« sehr drohende Haltung einnahm. S leinwürfe und Stockhiebe be- gleiteten sie aus dem Wege bis zum Hotel. Die herbeigerufene Polizei und die Feuerwehr vermochten keine Ruhe zu schaffen. Auch dem Herbeigehollen Polizeipräsidenten gelang es nicht, die Ruhe herzu- stellen Di« Baseler mußten sich dann davon überzeugen lassen, daß sie das Hotel nicht verlassen konnten. Erst am anderen Mar- gen, als die Luganoer Bevölkerung noch schlief, verließen die Baseler die gastliche Stätte. Es ist wohl das erstemal, daß in der Schweiz so etwas passiert. Aus anderen Ländern, wie Oesterreich. Ungarn, Italien, Tscheche. slowakei und in Deutschland ist man ja an derartige Dinge bereits gewöhnt. Erst vor kurzem passierte in Oesterreich«in ähnlicher Fall. In Wien wurde bei einem Spiel der Professionals oer Schiederichter so mit Stöcken bearbeitet, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Auch bei uns in Berlin wurde vor kurzer Zeit erst ein Schiedsrichter von einem Spieler ko. geschlagen. Die „Strafe* blieb auch nicht aus. Ein Jahr Disqualifikation erhielt der Held. Und so etwas nennt sich noch Sport. * Bei einem Fußballspiel der Mannschaften der Deutschen Turner- schasts-Vereine A T B. Limbach in Sachsen und Tv. Chemnitz kam es zu Reibereien» worauf Nationalsoziali st en in Uniform zum Sportplatz rückten und am Schluß des Spieles einen Chemnitzer Spieler schwer mißhandellen. Der ver- letzt zu Boden geschlagene Spieler wurde noch in diesem Zustand von den Nazis mit Fußtritten bearbeitet. Dabei gebrauchten die Nazis Ausdrücke wie„Judengesindel*,„Verbrecher* und„Marxisten- schweine*. Chemnitzer Spieler, die ihrem Kameraden zu Hilfe eilen wollten, wurden mit Schlägen bedroht. Der schwer verletzte Chemnitzer Spieler mußte mit dem Krankenwagen in das Limbacher Krankenhaus geschafft werden. Die Schlägerei ist als ein Zeichen der Ungeduld zu bewerten, mit der die Nazis die nationalsozialistische Wandlung in der Deutschen Turnerschaft verfolgen. Dies« Wand- lung geht ihnen bei den DT.-Spielern zu langsam. Die DT.- Jugend ist allerdings aus ganz anderem nationalsozialistischen Holz geschnitzt, sie ist für das Dritte Reich begeistert und hat oa- durch die Sympathie d«r Nazis. Weiner§port von überall Die Fußballabie'lmig der 5 SD. Pankow sucht Gegper für die 1. Mannschaft zum kommenden Sonntag auf Gegners Platz. An- gebot« an H. Brohm«, Pankow, Gemündsner Str. 19. Aellere Sportler auch beim Arbeiter- Sportverein wedding. Der ASV. Wedding beabsichtigt, für äller« Sportler einen gesonderten Uebungsabend einzurichten, und bittet daher alle interessierten Par- tei- und Gewerkschastsgenossen, ihr« Adressen an Paul Rehfeld, Windhuker Str. 58 v, gelangen zu lassen. Da Gymnastik und Spiele den Haupllell des Uebungsbetriebes darstellen, wird es jedem leicht fallen, sich auch in etwas vorgerücktem Aver mit dem Sport vertraut zu machen. Uedungstag: Donnerstag, Halle Lüt« ticher Str. 47. ab 1914 Uhr. Touristen-Berein„Die Raturfrennde*. Die für morgen, Don- nerstag, in der Schul« Pank-, Ecke Wiesenstraße, angesetzt« ösfent. liche Singstunde findet nicht statt. „Sportvereine ohne Beihilfe*. Genosse Wildung, der Referent auf der Konferenz der Arbeitersport-Vereinsvorsitzenden, bittet uns mitzuteilen, daß er nicht über die„Arbeitsdienstpflicht*, sondern über den„freiwilligen Arbeitsdienst*— so heißt diese Einrichtung— gesprochen hat. wiaiersportzug noch dem Riesengebirge. Die Reichsbahn- direktion Berlin wird auch in diesem Jahre wieder zu Weihnachten einen billigen Sportsonderzug nach dem Jser- und Riesengebirge fahren. Die Hinfahrt erfolgt am 2 6. De- z e m b e r(2. Feiertag) 8.26 Uhr vom Görlitzer Bahnhof, die Rück- fahrt am 3. Januar. Es weroen Rückfahrkarten 2. und 3. Klasse mit 4V Proz. Fahrpreisermäßigung nach Hirschberg, Bad Flinsberz, Krummhübel. O b er sch r e i b« r h a u und Schmiedeberg ausgegeben. Der Fahrkartenverkauf beginnt am 10. Dezember bei der Fahrkartenausgabe Görlitzer Bahnhof und den bekannten Reisebüros. Die Reisebüros vermitteln auch für die Dauer des Aufenthalts in Bad Flinsberg, Oberschreiberhau. Krummhübel und Schmiedeberg Unterkunft mit Pension zu günstigen Preisen. Weitere Angaben enthalten die Anschläge auf den Bahn» Höfen. «rbeiter-Phati-SilSe. Donnerstag, 3. Dezember, 30 llhr, Wassertorpr. Z. Aufnahmen bei litnftltchcm Licht und Bltfelicbt. Freie Photooereinigung. Donnerstag der weltlichen Schule, P--- Lotidarität, Rraftf,_______ richshain: Ziel am Start. Start: 10 Uhr Landsberger Platz.— Abt Norden: Bergfelde. Start: 1< Uhr Seeftr. 62.— Abt. Teuipclhof. Marisndorf: Ziel am Start. Start: 10 Uhr Kurfürsten. Ecke Schügenftraße.— Berfammlungen: Abt. ilrcuzberg: 4. Dezember, 20 Uhr, Relchenberger Str. 91.— Abt. Fried- richshain: 4. Dezember, 29 Uhr, Strausbcrger Str. 8.— Abt. Norden: 4! De- zcmber, 20 Uhr. Seeftr. 62.— Abt. Eharlottenburg: 4. Dezember, 20 Uhr. Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Lichtenberg: 2. Dezember Oder- Ecke Finow» firaße.— Abt. Tempethof-Mariendorf: 3. Dezember, 80 Uhr, purfürst- u- Ecke Schühenstraß«. Sporttlnb t!»zo. Jeden Donnerstag, 20 zz Uhr, im Cafe Fleischer, Carl- Legien-Stadt, Carmen-Sylva-Strah-; Turnstund« Zeben Dienstag um 19% Uhr in der Turnhalle Mandelstr. 2. e Buch Jenny lllurx/€in JCebensabriB Zum hsiitigen 50. Todestage von Jenny Marx veröfsentlicht Genosse B. R i k o l a j e w s k y km Dietz-Verlag(Preis 15 Pf.) unter dem Titel„Jenny Marx, ein Lebensobriß* eine kleine Broschüre, die schlicht und kurz das Leben der Gefährtin von Karl Marx erzähll. Im Rahmen eines kurzen Abrisses kann selbstredend von der Problematik dieses Lebens und wohl auch dieser Che kaum die Rede sein. Immerhin hätte auf die Beziehungen von Jenny und Karl Marx zu Ferdinand Lassalle hingewiesen werden können. Denn in dieser Beziehung scheint mir deutlich zu werden, wie di« versöhnend« Natur von Jenny Marx ost ausgleichen mußte, wo MarL' aufbrausende kämpferische Leidenschaft alle Brücken abzu- brechen droht«. In den Jahren der ersten Pariser Zeit, 1843—44, zeigt besonder« die Marxsche Schrift„Nationalökonomie und Philo- sophie*, wie die Liebe zu Jenny, seiner sungen Frau. Marx zum phllosophischen„Gegenstand* wird. Er»rläutert di« Idee der Mensch» lichkeit an der Liebe.„Wenn du liebst, ohne Gegenliebe hervorzu- rufen.. so ist deine Liebe ohnmächtig, ein Unglück,* schreibt Marx in dieser Arbeit, sicherlich ein Beweis, wie tief fein Wesen durch die Ehe mit Jenny von Westphalen ergriffen wurde. Dar Lebensabriß von Nikolafewsky wird aber auch in dieser knappen Form die G estall dieser dedeutenden Frau weitesten Kreisen nahebringen. J. P. M. RätsehEcke des..Abend" IMIIIhiMIUkN'.INMM» Uhrrätsel. Für jede Ziffer in vorstehender Figur ist ein Buchstabe zu setzen. Die zu erratenden Wörter haben folgende Bedeutung: 1— 3 Getränt: 2— 4 rumän. Münz«: 4— 6 weibl. Vorname: 6—8 Teil des Daumes; 7— 10 Vogel: 9—11 Körperteil: 11— 1 weibl. Vorname. H. 5. Treppenrätsel. Die Buchstaben ssseeeee ghiikkmnnnnnovrss s u u sind in nebenstehende Figur so «inmsetzen, daß die erste senkrechte Reih««inen Staat in Europa, die waogerechten Reihen folgendes er- I aeben: 1. Konsonant: 2 Fluß in Italien: 3. nordische Golchell; 4 Teil des Gesichts; ö Bienenzüchter: 6. Ha- remswächter; 7. Stadt in China,-ekr.- 11 Küllrätsel. Die Buchstaben A A A \ BCODDDD EEEEEEEE H H H I I 1 I I K K K LLLLLL MM N NNNNNNMO OOPPPPRR RRRSSSSST TTTT UUVW sind in die freien Felder nebenstehender Figur so einzusetzen, daß in den waagerechten Reihen Wör- ter folgender Bedeutung entstehen: 1. spanische Pro- oinz: 2. Musikinstrumente: 3- Wachlräume: 4. Baderequisit: 5. Menschenfreund: 6. Wandbekietdung: 7. Küchengerät; 8. Torheit; 9. Hebezeug. Zweisilbig Mit„B* hast du ganz sicherlich Nicht leicht an mir zu tragen, Mit wird jeder Mat'ge dich Mit Lust zu nehmen wagen. Verwandlung Hängst du ein„us" dem Monat an. Hört auf den Namen mancher Mann. Auflösungen in der nächsten Rätseleck«. gst ekr. «kr. Auflösungen der lehlen RSlselecke Fliesenrätsel: 1. Bali: 2. Rabe; 3. Pore: 4. Ilse: 5. Elan: 6. Nero: 7. Brom: 8. Leis; 9. Reno: 10. Korb: 11. Iris: 12. Pier; 13. Oker: 14. Pank: 15. Iper: 16. Reep; 17. Knie; 18. Lore; 19. Epen: 20. Eile: 21. Wein: 22. Lena; 23. Elen: 24. Lied. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Bach; 3. Haß: 6. Hatzar: 8. Do: 19. Mai; 12. Erz: 14. Gut: 15. Gobelin: 16. Rio; 17. Gin; 19. Alt: 21. Areal: 23. Turm; 24. Geiz.— Senkrecht: 1. Bode: 2. Harn: 3. Hai; 4. Ar: 5. Saft: 7. Gazelle- 9 OroTe; 11. Tunis: 13, Zoo; 14. Gig; 16. Rost; 18. Nerz; 19. arm; 20. Tag: 21. Ar; 22. le. Lerwandlungsrätfel: Name, Ort. Tadel. Ball, Rolle, As« Cent. Hut, Taler, Esche. Zmme, Salz, Engel. Niere.—„Not bricht Elsen!