BERLIN Donnerstag 3. Dezember 1931 1 I i 10 Pff. Jhvseß B 2S3 48. Lahrgang ErscheinttSglich außerSonntags. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts�. Bezugspreis für beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat (davon 95 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus »ablbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. jiVfYutaffa Hnielgrnsrtt«; Die ewwalttge Renv-rMeirli- HO'Pf.. Wtf lanitjrile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Vostschelktonloi BorwärtS-Bcrlag G.m.b.H.. Berlin Rr. S7äl>«.- Der Verlag behält üch da6 Recht der Ablehnung nicht gencbmer Anzeigen vor' Redaktion und Ervedition: Berlin SWila. Lindcnlir. 2 Kernsvrccher! Dönhoff(A 7) 292—297 Winterhilfe von Beramagnaten Kaligeld für Gewerkfchastsfeinde In der..Deutschen Bergwerks-Zeitung" erschien vur einigen Tagen ein vier Spalten langer Aufsatz„Winterhilfe", gezeichnet van R o st e r g, dem Allgewaltigen des größten Kali- tonzerns, der Wintershall A.-E. Es ist schon sehr verdächtig, wenn in der„Deutschen Bergwerks-Zeitung", dem Organ der schärfsten sozialen Reaktion, zur„Winterhilfe" das Wort ergriffen wird und wenn ein Konzernkeherrscher sich darüber ausläßt, wre man den schuldlosen Opfern des kapitalistischen Wirtschaftssystems, den 5 Millionen Arbeitslosen und ihren Familien, über den Winter hinweghelfen kann. Wir haben ja in den letzten Monaten allerhand an Vorschlägen von sogenannten Wirtschaftsführern kennengelernt, aber die Winter- Hilfe, die in der„Bergwerks-Zeitung" von Rosterg empfohlen wird, übersteigt doch das gewohnte Maß. Hier stellt ein Jndustrieführer die politischen und sozialen Pläne der Großindustrie so II n o e r h ü l l t dar, daß wir der Ocfsentlichkeit dieses Pragramm nicht vorenthalten möchten. Rosterg hat eine besondere„Winterhilfe" zu empfehlen, nicht efwa die Rntzbarmochung der überschüssigen Warenvorräte für die bedürftigen Millionen von Arbeiterhaushalte!», nicht etwa eine oerechtere Verteilung der noch vorhandenen Arbeitsgelegenheiten, sondern vielmehr Arbeitszeitver.längerung,„eine Stunde täglicher Mehrleifwng der Arbeitnehmerfchast!" In der Hauptsache interessiert uns der Auffatz deswegen, weil hier unter dem Decknamen„Winterhiljc" ein Jndustrieführer geradezu einen hahgesaag gegen die Gewerkschaften voin Stapel läßt und einen Propagandaartikel für die Rational- sa-ialistcn schreibt. An den heutigen Zuständen— so erfahren wir— an der Krise des Monopolkapitalismus, dem Bankrott des deutschen Unternehmertums„sind einzig und allein die Gewerk- schaften schuld". „Unser Schicksal sind lediglich die Gewerkschaften. Wenn die nicht sein würden, dann würde der Zustand in unserem Lande heute ganz anders sein. Dann würden wir nicht am Boden liegen, sondern dann würde das deutsche Volk sicher an besserer Stelle stehen." Die lebenswichtigste Ausgabe ist also noch Herrn Rosterg die Ausschaltung und später die Vernichtung der Gewerk- schaften. Als Bundesgenossen hierfür betrachten die Unternehmer, wie aus Rostergs Ausführungen hervorgeht, die Nationalsozialisten, die das ganze System ändern müssen, das heißt die Rechte der Arbeilerschasl zerschlagen und auch die verfassungsmäßigen Rechte der Gewerkschasten auf- heben sollen. „Wenn durch einen politischen Umschwung bei der nächsten Wohl die Majoritätsocrhältnisse geändert werden, könnte ich mir denken, daß dann mit einem Ruck es möglich sein würde, das System zu ändern." Diese Ergüsse zeigen wieder einmal deutlich die Verbindung zwischen Großindustrie und R a t i o n a l s o z i a l l st e n. Hier wird auch unverblümt ausgesprochen, wozu das Unternehmertum den Nationalsozialismus braucht: als Schutztruppe im Kampf gegen die Gewerkschaften, als Werkzeug zur Zerschlagung der sozialen Rechte der Arbeiter. Das Großziehen einer solchen Schutztruppe kostet sreilich eine ganze Menge Geld. Aber dic� gleichen Konzerne. die angeblich unter der Last der Löhne und der SazialleisUingen zusammenbrechen, können es sich ja leisten, Millionenbeträge zur Unterstützung der faschistischen Bewegung in Deutschland aus- zuteilen. Wenn iltosterg einmal die Millionensu m m e n, die in den letzten fahren bei der Wintershall A.-G. aus dem„Dispositionsfonds" gezahlt und über„General- Unkosten" verbucht worden sind, aufgliedern wollte, dann würde sich zeigen, daß die Summen, die zur Unter- ftützung von reaktionärer„P olitik und Presse" durch seine Hand gegangen sind, noch höher waren als die phantastisch hohen persönlichen Sonderspcsen in diesem Konzern. Wir würden uns von einer Aufklärung des Herrn Rosterg über diese Ausgaben mehr Aufhellung zum Thema Industrie und Nationalsozialismus versprechen als von seinen Attacken in der„RergwerkS-Zeitung". Aber dies« Sekbsterrtlovvung großindustrieller Führer, die ganz offen eingestehen, warum sie den Nationalsozialismus fordern, ist zugleich«in« neu« Entlarvung der National ozux listen. Oer staatsgefährliche Hochruf peinlicher Zwischenfall nach der Reichsbanner-Kundgebung Räch der Riesenkundgebung des Reichsbanners im Sportpalast kam es gestern nacht zu einem Zwischenfall, der dringend der Ausklärung bedarf: ein IN i n i st e r i o l r a t vom Reichspostmimsterium wurde von der Schulz Polizei festgenommen, weil er ein hoch aus den preußischen Ministerpräsidenten Otto Broun ausgebracht halte. Wir erfahren über den Borfall von unterrichteter Seite: Ministerialrat K n o e n e r vom Reichspostministerium ging mit der Gattin des Redakteurs der Illustrierten Republikanischen Zeitung, W i e g n c r, und der Gattin des technischen Leiters des Reichs- banners, Neidhardt, vom Sportpalast in der Richtung des Potsdamer Platzes. Die Straße war voll von Menschen, die, begeistert von der gewaltigen Kundgebung, immer wieder in Hoch- und Hcilruse aus die Republik ausbrach. Der Ministerialrat befand sich an der K u r f ü r st e n st r a ß e. an der Ecke hielt ein Privat- kräftwagen mit zwei höheren Offizieren der Polszei. Der eine Offizier, Major Lewit, gab der Besatzung eines in nächster Nähe haltenden Mannschaftsalitos den Befehl, die Straße zu säubern. Der Ministerialrat brachte jetzt ein Hoch auf den preußi- scheu Ministerpräsidenten Braun aus, in das Hundertc non Menschen begeistert einstimmten. Daraus ließ der Major den Ministerialrat verhaften. Knoencr sagte, daß«s sich doch um keine staatsfeindliche Kundgebung handele und daß er dos Hoch doch auf den preußischen Ministerpräsidenten ausgebracht habe. Der Offizier erklärte, daß össcntlichc Ruhe und Sicherheit gestört worden seien, er greife deshalb ein. Der Ministerialrat begab sich in das Revier in der Alvenskebenstraße, überreichte dem diensttuenden Beamten seinen Dienstausweis und forderte unverzügliche Freilassung. Der Wachthabende wandte sich an den Revicrvorsteher, der erklärte, er müsse erst mit dem Major sprechen. Ein Ersuchen Kuoeners, den Polizeipräsidenten oder den Vizepräsidenten telephonisch zu unterrichten, wurde von dem Reviervorsteher als unvereinbar mit seinen Dienstnorschristen abgelehnt. Nach längerer Zeit kam der Major und gab Knoener seinen Ausweis mit dem Bemerken zurück, er könne nach Hanse gehen. Der Ministerialrat stützte sich bei seinem„Hoch" aus den Runderloß des Polizeipräsidenten Grzesinski vom 27. November, der erging, als nach einer Kundgebung im Herrenhaus Passanten wegen Hochrufen aus den preußischen Innen- Der verlaufene Wähler. Hugenberg:„Halt— halt! Mich solltest du doch stark machen!" minister Severing festgenommen worden waren. Ausdrücklich sagt der Polizeipräsident, daß gemeinsames Verlassen einer nicht ver- botenen Versammlung durch eine größere Teilnehmerzahl innerhalb eines angemessenen Kreises um den Versammlungsort nicht als Aufzug oder verbotene Demonstration gilt. Ein Einschreiten der Polizei habe in solchen Fällen zu unterbleiben. Höchstens sei im weiteren Umkreise durch die Polizeibeamten er- mahnend und mit dem Ersuchen um Auflösung vorzugehen. Ein Einschreiten sei nur gegen offenbar böswillige Personen und gegen absichtlichen ruhestörenden Lärm zulässig. In Fällen wie dem vom 24. November, bei dein dem preußischen Innenminister Severing Ovationen bereitet wurden, sei grundsätzlich von einem Einschreiten abzus e h e n. Knoener hat das Hoch auf den preußischen Ministerpräsidenten ausgebracht, um zu bekunden, daß er ein treuer Staatsbürger der Republik sei und daß ihm jede Bös- Willigkeit fernläge. Gerade diese Bekundung aber hat zu seiner Festnahme geführt. Wir erfahren von zuständiger Stelle, daß nach den klaren Vorschriften des Polizeipräsidenten eine Festnahme wegen Kund- gedungen für die Republik und ihre Pcrtreter nicht gerecht- fertigt war. Die sofort eingeleitete Untersuchung wird deck peinlichen Vorsall und die seltsame Rolle, die Major Lewit dabei spielte, hoffentlich sehr bald klären. Naziüberfatt aus Reichsbanner. Erfolgreiche Abwehr nationalsozialistischer Wegelagerer. Zn der vergangenen Rochl wurde eine Gruppe Reichsbanner- leute, die von der Kundgebung im Sportpalast heim- kehrten, in IN o a b i 1 von hakentreuzlern überfallen. Die nationalsozialistischen Burschen waren ober an die Unrechten gekommen, das Reichsbanner wehrte die Wegelagerer erfolgreich ab. An der Ecke Brllckcnallee und Flensburger Straße in Moabit befindet sich ein n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch c s B e r- k e h r s l o k a l. Nach den Vorgängen besteht kein Zweifel, daß sich die Hitlergardisten aus die Lauer gelegt hatten, um einzelne Reichsbannerleutc abzufangen und nach der üblichen Methode niederzuschlagen. Als ein kleiner Trupp Reichsbanner- leute am Lokal vorüberging, stürzten die Nazis auf die Straße und hieben auf die Rcichsbannerleute ein. Eine nachfolgende Reichs- bannergruppe kam den Bedrängten zu Hilfe. Jetzt flüchteten die Razibanditen in dos Lokal zurück, dabei wurden einige Scheiben und Stühle zertrümmert. Die Polizei trennte die Streitenden und nahm insgesamt 3 9 Personen fest. Die Festgenommenen wurden nach ihrer Vernehmung aus dem Polizeipräsidium wieder entlassen. Lewit feines Postens enthoben. Wie wir kurz vor Schluß des VlatteS erfahren, ist Major Lewit von seinein Posten entfernt»vor- den. Ter Minister des Innern hat sich disziplinarische Maßnahmen vorbehalten. Die Darstellung des Reichsbanners. Von den Überfallenen Reichsbannerkanie roden wird noch folgendes erklärt: z Gleich zu Beginn der Prügelei, die, wie gesagt, mit Stein« würfen der Nazi begann, eilten die Kameraden F r ä n k e l und Popper in oas Lokal von Sandow, Flensburger Str. 3, und alarmierten von dort das II e b e r f a l l t a m m a n d o, das in kürzester Frist zur Stelle war. Wir stellten uns sofort dem Führer des Ueberfallkommandas zur Verfügung und waren bereit, mit einer An, zahl Zeugen unsere Aussagen sofort auf der Polizei zu machen. Daraufhin gab uns der Führer des Ileberfallkommando-Wagens den Rät, uns sofort auf das Revier 21 in der Klopstackstraße z» begeben, um dort unsere Zeugenaussagen zu machen. Auf der Wache erschien dann Herr Major Lewit und der Reviervorsteher, Herr Haupt- mann von Plüskow. Merkwürdigerweise wurden von den Nazi» nur vier Ei stiert« auf das Revier gebracht, und zwar nur die vier, die bei der Prügelei verwundet worden Mordbuben vi Reue Enthüllungen ii Hagen, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Die weitere Beweisaufnahme in dem Verfahren gegen die acht wegen Totschlags angeklagten National» f o z> a l i st e n ergab recht eindringlichen Anschauungsunterricht über die geistige Haltung der Nazipartei. Bei der Vernehmung des Nationalsozialisten Ewers kam es dann zu einem Interessanten Zwischenfall. Der Zeuge hatte In der Voruntersuchung zu» gegeben, daß er Albrecht und Korsmeyer habe schießen sehen. Jetzt bekundete er, nicht zu wissen, wer geschossen habe. Wenn er sich jetzt seine damalige Aussage bedenke, dann sei es„eine große Schuftigkeit" von ihm gewesen, das zu sagen. Auch hatte er angegeben, daß Albrecht auf der Rückfahrt sich geäußert habe: wenn sich ihnen jemand entgegenstellen werde, dann werde der umgelegt. Diesen Ausspruch hielt der Zeuge aufrecht. Auch soll Albrecht sich geäußert haben, daß er einen habe hinfallen sehen, bei dem viele Därme herausgehangen hätten, denn der habe einen Bauchschuß erhalten und den habe er, Albrecht, ihm beizebracht. Auch von„hingelangt" hatte Albrecht gesprochen, was der Zeuge jetzt so aufgefaßt haben will, daß damit gemeint sei, einem einen Boxhieb versetzt zu haben. Dem Zeugen Zech, ebenfalls Nationalsozialist, fft wie vielen der Dortmunder Nationalsozialisten, die in Hagen bei der Bluttat zugegen waren, die Fahrkarte gegeben worden, von wem, konnte er nicht mehr sagen. Im Kupee auf der Rückfahrt hätten Albrecht und Korsmeyer ihr« Pistolen hervorgeholt und sie einer dem anderen gegeben. Der Zeuge bestritt, selbst«in« Pistole ge- habt zu haben, während der AngeNagt« Albrecht behauptet hatte, einen seiner beiden Revolver diesem Zeugen ausgehändigt zu haben. In wesentlichen Punkten wich auch dieser Zeuge von seinen früheren Aussagen ab. So erzählt« er, daß Albrecht«inen Schlag auf den Arm erhalten habe, was dieser selbst nicht einmal behauptet hatte. Dann hätte Albrecht auf den Mann geschossen, der ihn geschlagen, und ihn„umgelegt". Vor den'Richtern forderten sich der Zeuge und der Angeklagte gegenseitig auf, doch chrlich zu bleiben und die Wahrheit zu sagen. Der Hauptzeuge Berger, früher Mit- glicd der NSDAP, und bei den Vorfällen in Hagen dabei, fühlt sich seit Tagen bedroht und mußte unter polizeilichem Schutz zum Gerichtssaal gebracht werden. Vor seiner Aussage zur Tat behauptete er, man habe ihn zum Mord dingen wollen. Er sei deshalb aus der Nationalsozialistischen Partei ausgetreten. Zech habe zu ihm gesagt, daß Lampe umgelegt werden müsse. Vorher habe eine Besprechung in Dortmund stattgefunden, zu der der Reichstagsabgeordnete Vetter, der Geschäftsführer Faust und der Sturmführer Schultc-Mimberg aus Hagen nach Dortmund gekommen seien. Dabei sei gesagt worden, Lampe habe wegen m Hakenkreuz. n Prozeß von Hagen. der Schießerei in Hagen geprahlt, er sei ein Spitzel und müsse deshalb umgelegt werden. Ob Vetter oder Faust dies gesagt hätten, wußte der Zeuge nicht mehr. Er habe zu Zech ge- sagt, daß man mit Bauer hierüber sprechen müsse, zu dem man in der Sonntagnacht nach dem Hagener Vorkommnis gegangen sei. Doch dieser habe abgeraten, da es nicht nötig fei, Lampe zu be- feitigon. Zu der Tat selbst bestätigte der Zeuge die Vorfälle so, wie sie von den meisten der Zeugen wahrgenommen worden sind. Daß zuerst ein Mann aus der Menge geschossen haben solle, habe Bauer unmittelbar nach der Schießerei aufgebracht. Aus der Rück- fahrt nach Dortmund habe ihm der Angeklagte Himrich gesagt, daß er ganz schön hingelangt habe. Zum Schlüsse behauptete er, daß man schon zweimal nach ihm geschossen habe, am 12. Juni und am 23. Oktober d. I. Dann bekundet ein Zeuge Wolff, daß Berger zu ihm gesagt habe, er werde dafür sorgen, daß die in Hagen Z. bekämen, sonst hätte er die immer auf den Fersen, auf ein paar Meineide käme es jetzt nicht mehr an. Berzer bestritt, mit dem Zeugen gesprochen zu haben. Auch der Zeuge Frittgen, ebenfalls Nationalsozialist, berich- tete dann von einer Unterredung, die er mit Berger gehabt habe und in der ihm dieser mitgeteilt habe, daß ihm die Nationalsozia- listen aufpaßten. Wenn einer ihm mal zu nah« käme, dann würde er ihn niederknallen. Auf Antrag des Staatsanwalts beschloß das Gericht, all« die Zeugen wegen des Verdachts der Mittäterschaft vnbeeidet zu lassen, die mit dem Trupp Nationalsozialisten gewesen seien. Damit war die Beweisaufnahme geschlossen. Die Plädoyers werde" am Donnerstag gehallen und das Urteil am Freitag verkündet. GA.-Mann stiehlt aus Rot... Zigarren! Bei einem kleinen Geschäftsmann, der in der B a e r w a l d- st r a ß e i5 einen Zigarrenladen hat, wurde heute ein Schau- fenftereinbruch verübt. Beim Morgengrauen schlugen zwei Burschen das Fenster ein, um an Kisten zu greifen, was sie fassen konnten, und dann schleunigst davonzulaufen. Ein Schutzpolizei- beamter, der zufällig in der Nähe war, sprang den Dieben nach. streckte den einen durch einen Iiu-Iitsu-Stoß nieder, hielt dem andern die Dienstwaffe, vor und verhaftete beide. Auf der Wache fand man bei dem einen Dieb einen SA.- Ausweis mit Lichtbild und folgendem stramm militärischem Text:„SA.-Aus- weis Nr. 59, NSDAP. Gaust. B. B. Josef Forytta, Berlin O 27, Marsiliusstraße 13, St. IV Sturm 1, Tr. C. Grü. 2." Die Diebe gaben an, aus Not ausgerechnet Zigarren gestohlen zu haben. SA.-Mann bestielt einen kleinen Geschäftsmann. Hell Hitler! waren. Nachdem man uns ungefähr von 11 bis 2 llhr warten ließ, erklärte uns plötzlich Herr Major Lewit, daß er sich gezwungen sehe, uns auf Abt. I des Polizeipräsioiums einliefern zu lassen. Wir machen Herrn Major Lewit darauf aufmerksam, daß wir uns voll» kommen freiwillig der Polizei zur Verfügung ge. stellt hätten, um über den Vorfall in der Flensburger Straße Aussagen zu machen und daß nicht ein einziger Kamerad von uns von der Polizei zwangsgestellt worden sei. Trotzdem ordnete Herr Major Lewit unsere Einlieferung nach Abt. I an. Di« Behandlung durch die Beamten war«ine geradezu haarsträubende, man oerbot uns sogar das Sprechen auf dem Auto. Im Polizeipräsidium angekommen, sperrte man uns in«in A r r e st l o k a l, das erst von Kriminellen gesäubert werden mußte, damit wir darin Aufnahme finden konnten. Erst gegen 4 Uhr morgens wurden die Kameraden: Ortevereins. Vorsitzender Popper, Regierungsrat Dr. Cromo, Fränkel als Führer und weitere sieben Kameraden zur Vernehmung heraufgerufen. Popper und Fränkel erhoben sofort bei der Vernehmung stärkst«n Protest dagegen, daß man sie nicht als Zeugen, sondern als Beschuldigte vernehmen wollte. Aus vorstehender Darstellung, für deren Sachlichkit und Richtig. Kit wir jederzeit eintreten können, ergibt sich, daß die Polizei aus veranlassung des Herrn Major Lewil eine große Anzahl Personen, dl« sich zur Ausklärung eines Heber- fall, freiwillig zur Verfügung stellten, wie Verbrecher und wie Zwangsgestellle behandelt und der politischen Polizei eingeliefert wurden. Die durch dieses Vorgehen der Polizei bis in di« frühen Morgen- stunden gefangengehaltenen Kameraden haben beim Polizeipräsiden. t«n über diesen Vorfall bereits Beschwerde eingereicht. Die Faschisten 5Zniernaiionale. Schweiswedeln der deutschen Mussolini-Knechte. Liest man die deutschnationale und nationalsozialistische Presse, so hat man den Eindruck, daß sich ihre Redakteure als gegebene Sachwalter Mussolinis in Deutschland fühlen. Es ist dieselbe Presse, die im Kriegsjahr 1915 nach dem Uebertritt Italiens vom Dreibund in die Reihen unserer Feinde nur von„italienischem Lazzaroni-Gesindel" schrieb und statt Makkaroni„Treubruchnudeln" verzehren wollte. Jetzt liegt sie vor dem Kriegshetzer Mussolini auf dem Bauch und ist zu jedem Lakaiendienst bereit. Ganz besonders hat es ihr das Auftreten des italienischen Freiheitsfliegers B a s sa n e s i in der sozialdemokratischen Funktionärversammlung angetan. Hierüber entrüstet sich Hugenbergs„Tag" folgender- maßen: „Man kann also in diesem Falle nur von einem lästigen Ausländer sprechen, dem nian schleunigst den L a u s p a ß geben sollte. In Baden ist dies erfreulicherweise jetzt geschehen. In Preußen erfreut er sich ober als Genosse nsfenbär immer noch größter Gunst. Man kann sich vorstellen, welchen Eindruck diese Tatsache in Italien machen mutz, mit dem jeder politisch denkende Deutsche in Frieden und Freundschaft loben will. Für die SPD. gibt es solche Erwägungen natürlich nicht, sondern nur einen beschränkten P a r t e i g e i st." Beschränkter Parteigeistl Und dies in dem Augenblick, wo die deutschen Nationalisten der Faschisteninternationale zuliebe das Deutschtum in Südtirol preisgebenl Was schert man sich bei HiUer und Hugenberg um die Knechtung und Entdeutschung der Südtiroler durch das faschistische Regiment?! Als„politisch Denkender" will Herr Hugenberg mit Mussolini„in Frieden und Freundschaft leben".' Der angeblich„nationale" deutsche Faschismus zeigt sein inter- nationales Gesicht! Reuwahl im Ausschuß. Sin Kommunist Vorsitzender des Wohnungsausschusses. » Der Aeltestenrat des Reichstags hatte vclr einigen Tagen seinen Beschluß vom 16. Oktober aufgehoben, nachdem die Ausschüsse für die davongelaufenen Nazis nach der Mehrheit neue Vorsitzende wählen sollten. Der neue Beschluß fordert die Besetzung der Ausschußvorfitzenden nach der Schlüsselung der Parteien. Infolgedessen wurde heute die Neuwahl des Vorsitzenden im Wohnungsaueschuß vorgenommen. An Stelle des Abgeordneten L i p i n f k i(Soz.) wurde der Abgeordnete Schumann(Komm.) zum Vorsitzenden des Ausschusses gewählt. Konirolle des Haushalts. Notwendigkeit der strengen Prüfung erwiesen. Heute arbeitete der Haushalteausschuh des Reiches im wesentlichen in seiner Funktion als Hüter des Haushaltsrechts. Der Vorsitzende des Ständigen Unterausschusses, Abgeordneter S t ü ck l e n(Soz.) berichtete über die laufenden Zuschüsse des Reichsoerkehrsministeriums an die Deutsche Lufthansa. weiter über außer- und überplanmäßige Ausgasen des Reiches im ersten Halbjahr 1931. Es zeigt sich, daß die strenge Kontrolle der Reichsiiusgabon durch den Haushaltsausschuß ganz w e s e n t» l i ch e Wirkungen erzielt hat. Ueberplanmäßige und außerplan- mäßige Ausgaben erfolgten nur noch in ganz seltenen unabwei»- boren Fällen, über die vierteljährlich an den Haushaltsausschuß be- richtet werden muß, er behält sich die Genehmigung vor. In einem Fall— Bewilligung eines zinslosen Darlehens an eine Turbinenbaufirma— wurde auf Vorschlag des Abg. H e i n i g (Eoz.) schon heute angekündigt, daß der Haushaltsausschuß sich die Genehmigung noch vorbehalte. Weiter wurden einige Einsprüche des Reichsrats gegen Be- fchlüsse des Reichstags erledigt. Dabei handelt es sich zur Zeit um einen sozialdemokratischen Antrag zur Aenderung des Brot- gefetzes. Der Antrag ist am 3. März 1931 im Reichstag an- genommen worden. Der Reichsrat hat damals Einspruch erhoben, die Reichsregierung war dennoch gezwungen, die fozialdemokra- tische Forderung nach Heraufsetzung der Ausmahlung von Brot» gstreide ir ihrer Notverordnung durchzuführen. Damit hat sich der Einspruch des Reichsrats von selbst durch die Tatfachen erledigt. Nur eine Frage blieb bisher, wie Abg. Frau Wurm(Soz.) sagt«, immer noch unerledigt, nämlich die ernsthafte Senkung des Brotpreises. Um Finanzausschuß de» Nalioaalral» teilt» der Finanzminist«? zu der Besteckungsangelegenheit der Ereditanftalt mit. daß von den Geldern 69 gante Koffer an, die das Initial O. F. tragen. Zwei kluge Köpfe erfinden die Legende, diese Koffer gehören einem Milliardär, der aus irgendeinem Grunde sich in Ostend ankaufen will. Von diesem Augenblick an ist der Dornröschenschlaf ausgeträumt. Eine fieber- hafte Bautätigkeit entfaltet sich. Während im Lande die Arbeits- losigkeit grassiert, wächst Ostend zu einem Dorado heran. In kurzer Zeit ist das Städtchen eine Metropole geworden. Die Koffer aber, die diesen Aufschwung verursachten, sollten eigentlich n?ch Ostendc spediert werden. Kleine Ursachen, große Wirkungen. Vielleicht wolltx man zeigen, daß sich nur im Märchen olles wunschgemäß einordnen läßt. Am Schluß entsteht der Bruch, weil hier wirtschaftliche Tatsachen mst- einbezogen werden. Arbeitslosigkeit auf der einen Seite, blühende Tätigkeit auf der anderen. Plötzlich fragt sich der Zuschauer, wo haben die Leute das Geld zum Bauen her. Die Verfasser selbst stoßen das Märchengebäude durch den Schluß um. Groteskes mischt sich mit Wirklichem, aber die Groteske wird von dem Regisseur Alexis G r a n o w s k i eigentümlich behandelt. Sie äußert sich allein in den Vorgängen, während sich die Menschen wie in einem Könversationsfilm benehmen. Hier müßte wie bei den Amerikanern eine Ueberspitzung eintreten. Was in einer wirklichen Groteske als Tatsache hingenommen wird, unterliegt bei realem Milieu dem Zweifel. Außerdem ist der Film zerdehnt. Um der Bildwirkung willen werden, zuviel eng« Sträßchen und Plätze gezeigt. Der genialste Regiceinfall hat nur dann einen Sinn, wenn er direkt der Handlung oder der Charakteristik dient. Statt spielerischer leichter Beschwingt- heit gibt Granowski stellenweise zelebrierte Lyrik, in die sich Kon- ventionelles mischt. Sehr schöne Details auch in schauspielerischer Beziehung. Unter den Darstellern ragen Abel, Lorre, Marga Lion und Stößel hervor. F. Sei,. Roch keine Klärung für das Schiller-Theater. Die Entscheidung über das Schicksal des Schiller-Theaters ist nach neuerlichen Ber- Handlungen zwischen Finanz- und Kultusministerium setzt den Landtag anheimgestellt worden. Bis zu diesem Zeitpunkt wird auch ein endgültiger Beschluß über die Liquidationefrags der Schiller- Theater-A.-G. ausgesetzt: dann soll über die Möglichkeit einer selb- ständigen Ueberncchme des Theaters verhandelt werden. Prähistorische Spuren in Tanganjika. Die Leakev-Expedttion will in Tanganjika«puren von Urmenschen entdeckt haben, die erheblich weiter zurückgehen als die bisherigen Funde. Der Berliner Tontllustlervereiu veranstaltet am Sonnabend in den Festfölen von Kroll sein 5. Musikantenfcst zum Besten seiner HilfS- und UnterstützungZkasse. Bühnenchronit. Die beiden Tcnöre Helge Roswaenge und Marcel 23 i t t r i s ch sind bis zum Jahre 1933 für die Staatsopcr weiter ver- pflichtet worden. Professor Sievcre. Vortragender Lcgationörat im Auswärtiaen Amt. spricht heute über:„Schinkel, den Baumeister des Klassi- z i s m u s" in der Augusta-Schul«, Ecke Pallas- und Elßholzstraße. Tänze im Schiller-Theater. Freitag und Sonnabend wird im Schiller- Theater das erstemal der Versuch gemacht, Ballettvorsührungen zu geben. Es werden Tänze aus der Arlesienne, aus„Ritter Pazman' und mo- deine Tänze und Grotesken vom Ballett der StaatSoper vorgeführt. Humperdincks Märchenoper..Hansel und G x e t e'l' wird in der Städtischen Oper aus vielfachen Wunsch wi-der in der Weihnacht:.- zeit aufgeführt. Das Werk kommt in einer Reihe von Nachmittagsvor- stellungen zu ganz besonders billigen Kassenpreisen heraus.» Vor der Noiverordnung. Schlichtungsverhandlungen werden vertagt. Dortmund, 3. Dezember. Die auf den 3. Dezember angesetzten Schlichtungsverhandlungen im Arbeitszeitabkommen in der Metallindustrie der Nordwesllichen Gruppe sind heute auf den 14. Dezember verlegt worden. Gestern wurden die Schlichtungsverhandlunzen in der söchsi- schen Metallindustrie oertagt. Hamburg. 3. Dezember. Die Schlichtungsverhandlungen am Mittwoch vor dein staat- lichen Schlichter Dr. Stenzel im Tarifstreit in der Hochseefischerei wurden in den späten Nachmittagsstundcn auf den 12. Dezember vertagt. Abgelehnter Metall-Gchiedspruch. Mit 7 Prozent Lohnkürzung für Mitteldeutschland. halle a. d. S., 3. Dezember. Die Bezirtskonferenz des Metallarbeiter-Verbandes in Halle beschäftigte sich mit dem am 23. November gefällten Schiedsspruch für die mitteldeutsche Metallindustrie, der eine Lohnkürzung van 7 Proz. in der Spitze vorsieht. Es wurde eine Ent- s ch l i e ß u n g angenommen, in der die Bezirkskonserenz den für die Tarifgebicte Anhalt, Halle, Magdeburg und Thale gefällten Schiedsspruch ablehnt. Die Unternehmer haben den Schiedsspruch angenommen. Vcrantroortl. für die Redaktion: Rich. Bernftei», Berlin: Anzeigen: Td. Slocke Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. in. d. S>.. Berlin. Druck: Vorwärt» Buch. druckerei und Berlagsanlialt Paul Singer Li Co. Berlin EW KS. LindenftraKe Z Hierzu t Beilage. Staat» fe Theater Donnerstage den 5. Dezember staatsoper unter den Linden 20 Uhr Die Macht des Schicksals SlaalLSdiauspielhzus Gendarmcnmaricl. 20 Uhr Wallensteins Lager/ Die Piccolomini Schiller-Theater Charlottenhurg. 20 Uhr Doktor Klaus GROSSES SCHAUSPIELHAUS TÄGLICH« LHB Hoffmanns Erzählungen MAX KEIXHARDT ÜXSZEiXIERUXG Vorverkauf ununterbrochen Schwerhörige neue mofleiie! hören soion wieder mit dem ärztlich empfohlenen OBieiNAL- AKUSTIK. 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Die Einäscherung erfolgt am Sonnabend, dem 5. Dezember, 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. »v.uhr CASINO-THEATERsv. uhr Lothringer Strafe 37. iiiiiiiiiiiniiiititiiiiiim»iiiiiuiiiiiiiiuiiiiiii>iiiiiiiiiiiiiiMiiii>M/n Wieder ein neuer Schlagerl Wenn Kinder heiraten Dazu das gioftc Fcsl-Programm! Edith Bach, Die Rundfunknachtigall, Burling n. Bcpty. Gesang u. fanr, Chang-Tee-Sce, Chinesen-Truppe. Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pf, fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Berliner HlhTrlO N C U b ö 1 1 B. Lahns tr 74/7äJ * ßefchäfi#-Jbtjmg&r fäezivfc Jlorden-Cften [233 Tapeten . Linoleum Tapelenhaus HllSSack NO, Wörther Sir. 30 SSuUerhandlung Srnsi Stosmaila Filialen in allen SladHeilen! Aduung Hausfrauen! SdiinKeniiinlerbeine pfd.28pf SöiweinesdiwämegcpPfd 38 pf. iinodienilelsdi...-pfd.ispf. Rippen... Pfd von 40 Pf. an WurslfabriiiLaeskc _________ Pelersönräer Platz 8__ r J. KUSSE& SOHN (Inh. 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Stralau um 10.10 Uhr im Lichtenberger ----—~ Uhr in Wildau. ..._____..._______ W______________»dring II um 14 Uhr in Bernau, am Wasserturm.— FSV. Tegel gegen FT. Friedrichsthal um 14 Uhr in Tegel.— FTGB. Norden III gegen Poll-Ivort Wedding IV um 9 Vi Uhr im Humboldthain.— ASV. Wedding gegen FT®«. Norden l um ij.bö Uhr Vlost Rehberge.— ASV. Rot. Weist gegen Sportverein Moabit um 11 Uhr Plast an der Schönhauser Alle».— Frauen: ASV. Wedding gegen Volkisport Aeddtna II am II.SS Uhr Rehberge.— Freie Surnerschaft Belteu Be-irkstlasse Westen: RS®». Spandau gegen Freie Turnerschaft Bornstedt um 13.10 Uhr auf dem Bornstedter Feld.— Frelheit.Rathenow gegen Freie Turnerschast Nauen um ISfj Uhr.— FE. Falkense« gegen stleingärtner Ehar. lottendurg um 14 Uhr in Ralkeni'ee. «etstrisklasse Silben: MTB. Ruhledorf gegen FSGB. Silben n um 11 Uhr in Ruhlodorf.— RSfflS. Süden III gegen FTGB. Friedenau um 14 Uhr Dominikusplast.— MTV. Schenkenddrf gegen ZdA. um l4>h Uhr in Schenken. Sorf.— Berun XII gegen Vallsspart Neukölln II um 14.23 Uhr im Lichter- selber Stadion.— Freie Turnerschast'Wilmersdorf gegen MTV Sperenverg um II Uhr Elceroplast.— FSB. Fichte gegen TSV. Teltow um UV2 Uhr Domintkusplast.— Frauen: ASV. Schöneberg gegen FSB. Fichte um lg Uhr Rubensftraste. FT. Wilmersdorf gegen Boltssport Neukölln um 11 Uhr Eieeroplast.— FT. gehlendors gegen FT®B. Stiben um 14 Uhr In gehlen- dors, Spandauer Straße.— Turnerschast Luckenwald« o gegen Turnerschast Luckenwalde, 1. Abteilung, n, 11 Uhr. Turnerschast Luckenwalde ü gegen Tu» nerschaft Luckenwalde, 1. Ähtetlung, 12 Uhr. Beide Spiele finden auf dem Vereinsplatz in dcr Hestheide statt. Hodeezk Schon am kommenden Sonntag finden einige Spiele der zweiten Halbserie statt. Die Freie Sportvereinigung Pankow 1 wird auch im Rückspiel gegen den Verein für Leibesübungen Ostring 2 beide Punkte lassen müssen. Spielbeginn 10.80 Uhr im Lichtenberger Sftldioii Ganz offen ist dagegen das Spiel des Athletik-Sportclubs gegen den Arbettersporwerein Rot-Welß 2. Der Club hat weiter gute Fortschritte gemacht und ist daher m der Sage, seinen Steg zu wiederholen. Spielheginn 14-30 Uhr. Noch in rückständigen Spielen der ersten Serie treffen sich der Arbeitersportoerein Rot-Weiß 1 und Tennis-Rot 1 in der Schönhauser Allee. Obgleich Rot-Weiß als Favorit startet, dürfen sie die Tennisspieler nicht unterschätzen. Beginn 14.30 Uhr, Schönhauser Allee. Ein weiteres Spiel der Herbstserie findet noch zwischen dem Kreismeister, Verein für Leibes- Übungen Ostring und Volkssport Neukölln-Britz 1 statt. Spiel- beginn 14.80 Uhr im Lichtenberger Stadion. Weiter« Spiel«: Männerturnverein Bernau gegen FTGB. Osten I um 14sth Uhr in Bernau.— Athlcttl.Spori.Elub N und Arbetter-Sport-Verein 'chöneberg 07 um l» Uhr auf Plast Ost.—''-- 10>,J Uhr.— PiL. Ostring III und Polkssport Noulalln-Brist II um Ist Uhr Plast Ost.— Ma.B. Dernau N und der ASV. Wedding I um 18 Uhr in Bernau. — Frauengruppe: VfL. Ostring und Tennis-Rot ll um 12 Uhr im Lichten. bcrger Stadion.— Tennis-Rot I lind ASV. Rot-Weist um 12 Uhr Plast Ost.- — FSB. Pankow und Volkafport Reukölln-Brist spielen um 11 Uhr in Pankow. Oer ewige Spielerkauf Aus dem bürgerlichen Fu�baliager Roch ist es nicht ganz still um den rühmlichst oder besser gesagt unrühmlichst bekannten Mittelstürmer Appel des bürgerlichen Fuß- balloereins„Berliner Sport-Verein 1892" geworden, da beginnt schon wieder ein zweiter Fall seine Kreise zu ziehen. Bekanntlich erklärte Appel bei seinem Austritt aus dem Berliner Sport-Verein, daß er als Republikaner nicht weiter unter den Farben schwarzweißrot spielen könne. Er ging zum deutschen Meister Hertha-BSC. Eine nndere Leeart sagte damals, daß es sein, Appel«, sehnlichster Wunsch gewesen ist, einmal in der Fußball- Mannschaft des deutschen Meisters spielen zu können. Dos ist ihm geglückt, er hat sogar die deutsche Meisterschaft miterringen Hilfen. Damit märe also dieser Fall erledigt, und Appel könnte zum Berliner Sport-Verein zurückkehren. La erklärte der BSV. Plötz- lich, daß er seine Vereinssarben geändert habe: nicht schwarzweißrot. sondern nur noch schwarzweiß wäre jetzt die Sportkleidung. Für Appel waren also all« Wege offen: er kehrte zum Berliner Sport- Verein zurück, nicht ohne«inen weiteren Spieler von Hertha-BSC. mit hinüber zu nehmen. Niemand dachte mehr an die wenig an- genehm« Affäre: da machte Herr Appel selbst wieder von sich hören. Am Bußtag hatte nämlich der Berliner Sport-Verein die Frankfurter„Eintracht" zu Gast. Beim anschließenden Kommers erklärte Appel dem Berichterstatter einer Berliner Montagszeitüng, den er für einen Frankfurter hielt, seinen Uebertritt zu Hertha-BSC. mit folgenden Worten:... Sobeck und Tewes(Mitglieder von Hertha!) haben mich nach einem Spiel gegen Prag regelrecht ge- zogen. Nachdem man aber die Versprechungen, die ihm gemacht wurden, nicht eingehalten habe, könne man es chm, Appel, nicht verdenken, daß er so schnell wie möglich zu seinem allen Aerein zurückgekehrt sei. Aus dieser Erklärung spricht nichts von seinem Meisterschasts- träum, nichts von seiner„republikanischen" Gesinnung. Nachdem die Ausführungen Appels veröffentlicht waren, er- folgt« filbstoerstöndlich sofort«in Dementi, das aber nur eins Bestätigung der Unterredung war. Richtig wäre nur, daß er die Gründe feines Wegganges vom Berliner Sport-Verein in einer am Biertisch gepflogenen Unterhaltung auseinandergesetzt habe. Wir möchten allerdings bezweifeln, daß Sobeck bei dieser sehr faulen Angelegenheit mitgewirkt hat: wir glauben eher, daß andere ihre Hände dazwischen haben, um dem Spieler Sobeck etwas anzu» hängen. Auf den Ausgang dieser Angelegenheit darf man auf jeden Fall gespannt sein. Vielleicht kommt viel, vielleicht auch nichts heraus. * In diesem Zusammenhang soll auch noch auf den Fall Leinberger hingewiesen werden. Bekanntlich hall« der be- kannte Mittelläufer der„Splelvereinigung Fürth" die Absicht, bei Hertha-BSC. zu spielen, wenn ihm genügend Betätigung und Be- zahlung als Trainer verschafft werden könnte. Jetzt stellt ee sich auf einmal heraus, daß Leinberger wieder reuevoll nach Fürth zurückgekehrt ist. Anscheinend hat man in Berlin auf die Tätigkeit des Fürther» verzichtet— oder entsprachen die finanziellen Zusagen Herthas nicht seinen Förderungen? 6-Tagc-Unfug Prügelszenen beim Kölner Sedislage-Rennen Beim Kölner Sechstagerennen kam es am Donnerstag früh nach Räumung der Hall« zu einem Zwischenfall, wie er in der Ge- schichte der Sechstagerennen wohl einzig dasteht. Der Kölner Franken st ein trat plötzlich an und bald hatte er die schwächeren Paare überrundet, wa» bei den übrigen Akteuren begreiflicherweise höchste Mißstimmung erweckte. Bei der sich darauf entspinnenden Jagd kam Frankenstein schließlich zu Fall und in seiner Wut schleuderte er seine Maschine den die Bahn umkreisenden Fahrern entgegen, wobei Schorn erheblich verletzt wurde. Im Augen- blick war«ine Prügelei zwischen Frankenstein, seinem chn be- treuenden Bruder sowie den übrigen Fahrern im Gange und es mußte Polizei aufgeboten werden, um die Ruhe wieder herzustellen. Ddr Missetäter hatte sich inzwischen entfernt und blieb vorläufig unauffindbar. Ein derartiges Benehmen kann fslbswerständlich nicht streng genug geahndet wttdsü. Wenn auch ein Sechstagsrennen an die Nerven der Fahrer ungeheure Anforderungen stellt, so darf sich doch kein Fahrer zu derartigen Gewalllätigkeiten hinreißen lassen. (xeruchte um Caracciola In französischen und italienischen Automobilsportkreisen sind Gerüchte im Umlauf, die von Engagementsverhandlun- gen des besonders in der abgelaufenen Saison so erfolgreich ge» wesenen Mercedes-Fahrers Rudolf Caracciola mit der italis- nifchen Firma Maserati wissen wollen. Wie erinnerlich, waren ähn- liche Gerüchte um Caracciola bereits vor einem Jahr aufgetaucht, damals wollte Alfa Romeo den deutschen Europameister kapern, sie haben sich jedoch bald als unzutreffend herausgestellt, und ebenso dürfte es auch diesmal sein. Arbeiter-Schach in Karlshorst. Di« neugegründete Abteilung spielt jeden Freitag von 20 bis 24 Uhr bei Bartel, Rheinsteinstraße an der Flugbahn(Biesenhorst). Gäste herzlich willkommen. Frei« Faltbaaiiahrer Wcrlin e.®. Heute, Dpnneretaz, 30 Uhr, Mpuntg. öerfammlung in den Unionsfestsölen, Greifawaldor Str. 224, Bunter Abend. Anschliessend Tanz. Söst« willkammen._. Soutifteuoercin„Dil Naturfreund«". Abt. Humbolbthain: Umständehalber muss bi« am Tonncrstag, b«m 3. Dezember, tn der Schulaula Pank. Eck« Wiefenftraß« vdigssehen« Eingestund« ausfallen.— Freitag. 4. Dezember, 20 Uhr. Äbt. Charlottenburg: Spreestr. 80. Geschäftliches.— Faltbaatabteiluag: ?ohaunisstr. 13. Geschäftliches.— Abt. Brist: Chansseestr. 48. Geschäftliche».— Iugendgruppe Aumboldthain: Pan!» Ecke Wiesenstrasse. Mustlabend sPerdis. — Abt. Treptow: Elfenfit. 3. Eli, Technik und Wandern.— Abt. Vinetaplast: Larding- Ecke Graunstrasse. Religiöser Sozialismus.— Abt. Silbost: Wrangel. gerneinfchaft: Johannisstr. 15. Das Fazit unserer Ausstellung.— Malgemein- fchaft: Wrangelftr. 128.— Abt. Weddina fährt am Sonntag, dem 6. Dezember. nach dem Kindt. Treffpunkt lO Uhr Schilbaw, Autobus 8(Sounemanni. Sportkeaetktud„Frei weg 1023". Trawinasabend jeden Donnerstag um 20 Uhr im Keglerhsim Maxstr. 18. Gestnnungsfreunde herzlich willkommen. Freie Kanu-Unum Gröss-Bcrlin«. V. Sonnabend, 3. Dezember, 20 Uhr. Eprechchorstbunasabend im Jugendheim Brommnftr. l, Simrncr 502. Sonntag, 6. Dezember, 8% Uhr, Führung durch das Aquarium. Treffpunkt am Eingang. Eintritt 50 Pf. SBwei Zeitromane Ernst Erich Roth schrieb seinen Roman„Die Miets- kaferne"(TozietätSoerlag Frankfurt am Main) aus dem Drang inneren Erlebens. Durch das Gebälk dieses Buches weht der Atem der Wahrheit. Drei junge Menschen marschieren durch die Zeit. Das vierte Kriegsjahr ist Ausgangspunkt: Umsturz, Inflation und die Erschütterungen des Nachkrieges find die Stationen. Diesen Jungens, deren einer den Widrigkeiten des Schicksals erliegt, bleibt nichts erspart. Schonungslos ofsenbart sich ihnen die Zelt. Immer wieder zerstören zeitbedingt« Widerstände die auf Instinkt und natür- sicher Sehnsucht sich bauende Wunschwelt der Knaben. Milieu ist die Mietskaserne, jener riesig« Menschenkäfig, in dessen dumpfen Kammern die Rot die Menschen zusammensperrt und in dessen Miasmen Knaben heranwachsen, die in der übereizten Gefühls- fpannung der Mutationsjahr« den ungeheuren Druck dieser sozialen Tragik doppelt eindringlich und schmerzlich empfinden. Mißgunst, Haß, Familienzerfall, sexuelle Not und Verbrechen sind die zwange- läufigen Erscheinungen dieses Daseins, in dessen quälende Unechitt- lichkeit sich die privaten Schulnöte und die seelischen Schwierigkeiten der Verwandlung der Knaben in Jünglinge grausam verweben. Roth schrieb das Buch seiner Generation. Es ist nicht intellektuell erklügelt, sondern herzlich erlitten. Er häuft in der Entwicklung seiner Gestallen eine Fülle furchtbarer Bilder, deren Konturen frei-- lich oft überschärft erscheinen und die. wenn Gegensätzliches auige- zeigt werden soll, häufig eint dlfferenzierter« psychologisch« Mstnüe- rung vermissen lasten. Aber da« Milieu ist so ehrlich gestMÄ- hia Menschen sind tn ihrem Wesen und ihren Handlungen dieser Welt so gnadenlos tief verhaftet, daß der erschütternde Eindruck eines von fanatischer Wahchellsliebc diktierten Buches einige struktwe Irr- tümsr bald vergessen läßt. Das dargestellte Eiigzelleid ist das Ge- samtleid des Volkes. Roth kennt die Not. Hier liegt die Entscheidung. Aus ganz anderer Ebene liegt der Roman von Karl Alvrs Schenzinger„Man will uns kündigen'(Donwcriag Berlin). Das Buch ist das Resultat interessierter Beobachtung. Di- Absicht des Bersassers. den deklassierten Prozeß der Verproletarisi«- rung bürgerlicher Menschen darzustellen, gelingt nur in der ersten Etappe. Schenzinger sieht die Voraussetzungen des Abstieges. Er sieht ferner die Schäden, Borurteile, Anmaßungen, die kastenmäßige Emkapselung des Bürgertums. Er zeichnet das alles großartig ii'-d streckenweise mit überlegen ironisierender Gebärde. Aber: wenn die Deklaisierung sich den proletarischen Tiefen nähert, reißt die Keile, die Darstellung verläuft im Sande nicht kunstlos geformter Bericht- erstallung, Menschen werden Puppen und der Held dieser zwei- hundertftchsundneunzig Seiten geht zu den Nazis. Warum eigentlich? Schenzinger sagt es nicht. Dies« Bruno Stessens ist nicht dumm, er ist lein Schwärmer, ein Raufbold ist er auch nicht: warum geht er also zu den Nazis? Diese beziehungslos ausgesetzte Pointe ist um so gcheimnisvoller, als man in dem Buche bis kurz vor Schluß über Hitler lediglich aus dem Munde eines SA-Mannes etwas hört, der auf den symbolkräftigen Namen Posse hört und nicht gerade klug redet. Es ist eine seltsam« Diskrepanz in diesem Roman. Es geht sehr veniünftig an, alle Figuren placieren sich richtig und entwickeln sich nach den Bestimmungen ihrer Eignung. ihrer Charaktere und der Zeit. Sie hungern, kommen ins Ge- sangnis, sterben oder vegetieren freudlos, wie es die Not befiehlt. Ausgerechnet den besten Kerl des Buche» trifft das schlimmste Los: er muß ins Dritte Reich. Er hat es nicht verdient. Schade und merkwürdig._ Heinrich Heining. Rundfunk am Abend.. Donnerstag, 3. Dezember. B* r It a. is.os Dr. w Hö(lm«nn-Harnl»sb: Traum und Dlehtuni. 1«.30\V. A. Moisrt(«est. 5. Deiember 1791); PaBbaender-Rohr-Tno. L. Trio O-Dur. 2. Sonate für Violine und Klavier. C-Duf. K.-V. 296. 3. Trio B-Dur. 17.30 Der Berliner Tierstarlen(Dr. Ma« Osborn). 17.50 Bücherstunde. Kulturseschihte.(Am Mikrophon: Prof. Artur Rosenber«) 18.00 Dr. W. Beck; Ursachen und Bektmpfun« der Roetgelahr. 18.25 Wolfgan« Schwan: Wae hat Deutschland Ittr den Wiederaufbau«eleislet? 18.50 Hanns Michael Ken liest ei«eno Prosa. 19.10 Stimme iura Ta«. � 19.20 Wiener Tanrabend. Zl.OO Tases- und Sportnachriohien. 21.05 Theater de» Westens:„Der Voteilidodler". Operette von Karl Zeller. 22.10 Konrert für Klavier und Orcbetter vou Alexander Mossplow(Eduard Steuermann, Flügel; Funkorchester. Dir.: Michael Taube). 22.40 Welter-, Tases- und Sportnachrichten. Tanpmnslk. Kflnitswusterhausen. 16.00 Lehrer Edmund Fischer; Eine Unterriehtseinheit. 17J0 Pröl. F. Babtnger: Deutschiend und Ruminlen. 18.00 Prof. Dr. C. M. Ksulmann: Wunder Aeeyptens. 18.25 Spanisch für Fortgeschrittene 18.45 Ob.-Ing. Main; Viertelstunde Funktechnik. 19.00 Wetter für die Landwirtschaft. 20.55 Geburtenrückgang und Lebensgestaltung des deutschen Volkes(Prof. Dr. J. Wolfs und Ob.-Reg.-Rat Dr. Burgdärfler). 21.25 Breslau: Advent.