Morgenausgabe Nr. 521 A 287 4S.Iahrgang WSchentNch 85 ff, mnnatlich SJ»0 M. tbarton«5 Pf. monatlich für Zust-l. Innn ins$ous) hn voraus zahlbar. P°stb«zug 4.32 M. einschließlich sc> Pf. � Poilzeilungs. und 72Pf.Pvftboitellac, biihren. Sluslandsabvnuement s.— Di. uro Monat; für Lander mit ermäßig» tem Druckfachenport» S.— M. Ttr..Vorwärts� erscheint«ochentZa» lich zweimal. Sonntags und Montag, ---------------- ffn einmal, die Abendausgabe Kr Berl� »nd im Handel mit dem Titel„D :Im dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonnwgsberlag« .Volk und Zeit". Berliner Volksblatt Sonntag 6. Dezember 1951 Groß-Äerlin 15 Auswärts 20 pf. Die ein fp alt, Nonpareillezelle 80 Pf. N-llamezell« 5,— NM.„»leine Anzeigen" das f-ttgedru-kt- Wort 25 Pf. lzalSsstg zwei s-Ug, druckte Worte>. ledr, weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tailf. Stellengesuche das erste Won lb Ps, jede» weitere Wott lO Ps. Wane über tü Buchstaben zählen für zwel Worte. ?lrbe>tsmarl!t Zelle 80 Ps. gamllien. anzeigen Zeil« 40 Ps. Anzelgenannahw« imHaupIgeschäslLindensttaßeZ, wochrn» täglich von bis l? Ilhr. Ber Beelag behält sich da. Recht d-e Ablehnung nicht genehmer Anzeigen voll Jentralovgan der Gozialdemokratischen Variei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Nernspr.. Tönhoss tk T) 293—237. Telegrmnm.Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? SZS.— Bankkonto: BankderArbelter.Angeslelltenllitd Beamten. Andenstr. S. Dt.B.».Dt!c.�J«s.. DepostteRk., Ierul alemer Str. SS/W. Brüning, wehr dich! Wann wird Adolf Hitler regieren?— Niemals! „Scheußliches Wetter!" sagt der Bürger und zieht noch einmal die Decke über die Ohren.„Mutter, gib mir den Packen, ich werd's schon allein schaffen", sagt der Mann und will die Tür hinter sich zumachen. Aber nein!„Mutter" läßt sich's nicht nehmen, läuft mit hinaus in Wind und Wetter, klettert die Treppe hinauf, läßt keine Wohnung unversorgt. So liefen in der letzten Nacht, so laufen heute in Berlin, in Köln, in München, in Leipzig, in den Waldorten des Erz- gebirges und in den Fischerdörfern an der Ostsee Tausende, Zehntausende. Sie verbreiten das neueste Flugblatt der Sozialdemokratischen Partei, das an der Hand der Boxheimcr Dokumente zeigt, wie das Dritte Reich be- ginnen soll. Sie haben wahrhaftig nicht alle eine ordentliche Mahlzeit im Magen, nicht alle einen warmen Mantel auf dem Leibe, mancher läuft auf zerrissenen Stiefelsohlen. Auch sonst ist das Austragen sozialdemokratischer Kampfschriften keine reine Annehmlichkell, es gibt da und dort unfreundliche Äcsichtcr, böse Worte, auf dem flachen Lande sogar manchmal schon mehr. Nahen sie wieder die goldenen Zeiten, in denen die roten Hetzer mit Hunden vom Hofe gejagt wurden? Das wären schlechte Sozialdemokraten, die sich abschrecken ließen! Not ist im Lande, Faschismus droht, aber sie dulden es nicht, daß er regiert, sie dulden es'nicht und darum marschieren sie! Hutab.HerrReichskanzler, Hut ab vor diesen Männern und Frauen, die hungernd für die Freiheit kämpfen! Was würde ohne sie aus Deutschland? Was würde ohne sie aus Ihnen. Herr Reichskanzler! Eine Einheitsfront formiert sich. Partei, Gewerk- schasten, Reichsbanner, Sportorganisationen schließen sich eng zusammen. Kleine Streitigkeiten, die gestern noch zu ernsten Konflikten anzuwachsen drohten, werden mit einer Hand- bewegung weggewischt. Keine kleinlichen Rivalitäten! Es gilt nur in einem zu wetteifern, im Kampf um den Preis des Sieges. Und das sind keine zusammengelausenen Haufen, die nwrgen wieder auseinanderlaufen werden, keine flatterhaften „Septemberltnge", keine bezahlten Landsknechte. Sind sie an Quantität dem Gegner siebenmal überlegen, so an Qualität zwanzigmal. Das sind keine Jünglinge, die auf der nationa- listischen Maultrommel spielen, ohne jemals Pulver gerochen zu haben— es sind Männer, die an der Front gewesen sind, die das Waffenhandwerk nicht lieben aber kennen. Eine Regierung, die zur Verteidigung der Republik Sukkurs haben will, braucht nur die Hand zu heben, und eine Armee wird aus dem Boden wachsen. Mut erzeugt Mut. Masse zieht Masse an. Auch die christlichen Gewerkschaften beginnen zu begreifen. daß sie nicht beiseste stehen können, wo es um das letzte an Arbeiterrechten geht. Auch die Hirsch-Dunckerschen rühren sich. Wir grüßen sie: wer da kommt, ist willkommen. Schließlich werden soaar auch die kommunistischen Arbeiter nachdenklich werden und sich fragen, ob in diesem Schicksalswinter 1931/32 wirklich— die Sozialdemokratie der„Haupiseind" ist. Die Einheitsfront formiert sich. Sie ist bereit, den legalen wie den illegalen Faschismus legal unterzukriegen. Eine Reichsrcgierung, die sich auf eine solche Armee stützen kann, ist zu beglückwünschen. Eine Reichsrcgierung, die mit einer solchen Armee im Rücken den Sieg verspielte, würde vor den Staatsgerichtshof gehören! -l- Schräg viA-ü-Tis vom Reichskanzlerpalais ist das Hotel Kaiserhof. Im Reichskanzlerpalais sitzt Brüning, im Kaiscrhof thront Hitler. Er hat seine Gesandten nach Eng- land und Italien geschickt, jetzt empfängt er die englische, die amerikanische Presse. Reckt sich, spreizt sich, redet geziert, treibt Diplomatie, wie er sie versteht. Und das ist nun freilich zum Heulen, wie der große Adolf vor den Herren Korrespondenten — deren Ariertum nebenbei gesagt, nicht in allen Fällen lückenlos nachweisbar ist— klein wird, wie gar nicht hitlertsch er tut, sondern vcrständlgungspolitisch, erfüllungspolitisch, völkerbündlerisch, abrüsllerisch, daß Gott erbarm. Wenn das jetzt schon so anfängt, kann man nur mit Grauen daran denken, wo das ende», wird, Aber ist er nach außen klein, nach innen ist er oho! Ich, Ich und nochmals Ich. Nächstens wird er Deutschland re- regieren— er regiert jetzt schon, wenigstens tut er so. Ja— und was sagt man auf der anderen Seite der Wilhelm st raße? Spielt man dort die Zauberflöte? Herr Reichskanzler! Wenn Sie sich in der Rolle des Papageno gefallen, können Sie sich dann wundern, wenn das Ausland von den Machtverhästnissen und Zukunftsaus- sichten Deutschlands ein ganz schiefes Bild bekommt? Und können Sie solche Mißverständnisse verantworten in den Tagen, an denen die Stillhalte-Berhandlungen in Basel beginnen! Herr Reichskanzler, die deutschen Arbeiter geben Ihnen die Möglichkeit, sich dem Ausland als Chef einer verhandlungsfähigen Regierung vorzustellen. Machen Sie von ihr Gebrauch! „Es muß Klarheit geschaffen oder wiederhergcstestk uist: die etwaige Unsicherheit darüber beseitigt werden, ob man es in der Zukunft mit der Reichsregierung Brüning oder einen: Kabinett Hitler zu tun haben w i r d. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß sich im Hintergrund bereits eine Neben- oder Neuregie- r u n g austut, während Deutschland mitten in wichtigen internationalen Verhandlungen steht. Keine Regierung kann mst Aussicht auf Erfolg Deutschlands Sache vertreten, wenn neben oder hinter ihr sich bereits andere Machtfaktoren in dieser Weise vor dem Auslande zur GeltunZ zu bringen suchen.— DieReichsregierungwirdnicht umhin können, klar und deutlich zu erklären, daß sie, und sie nur allein, dem Auslande gegenüber Deutschlands Interessen zu vertreten hat und Abmachungen mit diesem ein- gehen und ablehnen kann, und daß es neben den Bertretern der Reichsgewalt keine andere Macht gibt und geben wird, mit der das Ausland zu rechnen hätte." Tapfere Worte, treffliche Worte! Der Kanzler hätte sie schon vorgestern gesprochen haben müssen. Leider schrieb sie nur gestern ein Redakteur der„Kölnischen Bolkszcitung". Stullgart, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Der Nazi-Abgeorlmcte Georg S t r a ß e r, der nach seiner Stellung innerhalb ber Organisation der Nationalsozialisten nächst Hitler als Interpret der Absichten seiner.Partei angesehen werden irniß, hat sich in einer Versammlung in Stuttgart in einer Weise geäußert, die alles Gerede van Legalität als Verlogenheit charak- tensiert. Aus einer etwa zweistündigen, überaus maßlosen Hetzrede seien die folgenden Sätze im Wortlaut wiedergegeben: „Wann wir zur Macht kommen? Vielleicht am 23. Februar, wenn der Reichstag wieder einberuien ist, vielleicht vorher schon bei einer Rcgierungslrisc, vielleicht erst noch der bestimmt erfolglosen Abrüstungskonserenz. Mit heißester Sehnsucht erwarten wir den Sturz Brünings, der unbedingt und auf jedem irgendwie möglichen Wegs in nächster Zeit erreicht werden muß. Deshalb und solange bleibt auch die Harztmrger Front bestehen. Was dann? Wir gehen in keine Regierung, wenn wir nicht das Heer und die Polizei in unser« Hände bekomme». Dann wollen wir dem deutschen Volke einmal etwas vorexerzieren. Wir wollen die legale, aber die Brachialgewalt im Staat, deshalb, weil wir für die nächsten Jahre sehr unpopulär« Dinge machen müssen. Wer nicht gehorcht, wird sehen, was mit ihm geschieht. Wir werden zeigen, was man mit der Presse nnh vor allem mit dem Rudfunk machen kann, wenn mg» die tausend Möglichkeiten der Reglerungsgewalt in Händen hat. Wir«erden die stärtjten Beschützer des Privateigentyms sein und möglichst wenig in ü« Wirtschaft hinewxfuschen, sondern jeden Aber die„Kölnische Volkszeitung ist ein Zentrumsblott, eil? Kanzlerblatt. Also, man darf noch hoffen. Man hat Hitler gefragt, wann er gnädigst mit seiner Regierung beginnen will, und er hat darauf geantwortet: „Ich weiß nicht, vielleicht schon in diesem Monat, vielleicht auch e r st(!) in fünf bis zehn Monaten." Noch immer das- selbe Großmaul wie damals im Bürgerbräukeller, wenn er auch jetzt im Kaiserhof nicht mehr in die Decke schießt! Woher diese lächerliche Zuversicht? Einstweilen hat der R e i ch s t a g eine Zweidrittelmehrheit gegen ihn, wie will er da im Reiche an die Regierung kommen, wenn er„legal" bleiben will? Und legal muß er bleiben, denn wird er illegal, so gibt es Senge! Meine Herren Diplomaten, Korrespondenten der Welt- presse usw., wenn der Reichskanzler schweigt, vernehmen Sie die Stimme der deutschen Arbeiterklasse: Adolf Hitler, dieser großmäulige Dummkopf, wird weder in diesem Monat, noch im nächsten Monat, noch in fünf, noch in zehn Monaten die Macht übernehmen. Der deutsche Faschismus, der den Namen Deutschlands in aller Welt schändet, wird sein Ziel nicht erreichen. Deutschland wird nicht dorthin hinabsinken, wo Italien ist. Aber wenn Sie den Arbeitern helfen wollen, Deutschland vor diesem Schicksal zu bewahren, dann hören Sie die Stimme der Gewerkschaften und helfen Sie, daß Deutschland in der WeltGerechtigkcit wird! Die deutschen Arbeiter fordern von der verantwortlichen Reichsregierung, daß sie zur Verteidigung der Republik ihre > Pflicht tut. Sie begreifen die Passivität des führenden Mannes nicht, sie rufen:„Brüning mehr dich!" Aber mag er das tun oder nicht, sie werden sich wehren! Sie, die sich in dieser Zeit gewissenloser Demagogie und brutaler Drohungen Verantwortungsbewußtsein, Mm und Besonnenheit bewahrt haben, sie sind in Bewegung, sie marschieren. sie stärken die Front für Recht und Areiheik, gegen Terror und Gewalt! Unternehmer frei schalten lassen, der nicht gegen das allgemein« Interesse verstößt. Marxisten und demokratisch« Republikaner gibt es, wenn wir regieren, nicht mehr. Wir werden ihnen einige Zeit zum Uinlenicn laßen. Wer sich zu irgendeiner Internationale bekennt, hört mt, Hewschcr zu sein, und wer etwa„Heil Moskair' tirsen sollte, wird aufgehängt. Komme uns ja keiner, wenn wir die Macht haben, mit Mitleid. Wenn wir regieren, kommt der Endkampf: wenn wir versagen, kommt der Bolschewismus. Das wissen wir. lind weil wir wissen, daß dann wir gehenkt werden, sind wir so frei, vorher zu henken, und wenn wir bis an die Knöchel im Blut stehen müssen um Deutsch- lands willen, so haben wir eS haben wollen. Ent- weder leben und befehlen wir, oder die anderen, dann krepieren wir." Außenpolitisch will Straß« den Kampf g e g e a Frankreich und' die Allianz mit allen Gegnern der Franzosen. „Darum wollen wir ans Ruder. Wenn Frankreichs Macht wankt, werden wir die deutsche Volkskrast organisieren, um die Eni- Wicklung im Kampf gegen Frankreich zu beschleunigen. Eine Verständigung mit Frankreich ist Wahnsinn. Es gibt nur Krieg mit Frankreich." Slraßsrs Acußqruugen waren eine Istuschreibung des Inhglts des Boxheimer Dokuments. Als Zigl seiner Partei hat er miperhüstt den blutigsten Bürgerkrieg und«neu rreuan Weltkrieg propagiert. Gtraßer will Krieg mit Frankreich! Bluirede nach Boxheimer Vorbild.— Bis an die Knöchel im Blut! Ein blutiger Dilettant. Hitlers volkswirtfchafiliche,„Ideen". Äen erNlischen Blällern, die die von u«s schon erwähnten neuen „mUdrNMWjen Hitlers in großer Aufmachung abgedruckt hoben, kommt es in de? Hauptsache auf die Sensation au. Ihr Interesse deckte sich in diesem Falle mit dem Interesse Hitlers, der durch Bluff und Massensuggestion im In- und Ausland den Eindruck erwecken will, als märe die Machtergreffusig durch die National- sozialisten eö> unachhaltsames, vielleicht sogar nahe bevorstehendes Ereignis. Wc e die ernsthasten Politiker und Staatsmänner in Eng- land darüber denken, zeigt die überaus kühle Ausnahme des Hitler- schon außenpolitischen Adjutanten Alfred Rosenberg in London: dieser ist dort überall abgeblitzt, die erbetene Unter- redung mit Baldwin ist abgelehnt worden: außer einigen bedeutungslosen kosiservativen Parlamentariern war niemand für ihn zu sprechen. U übrigens sind die Erklärungen, mit denen sich Hitler den Angelsachsen anzubiedern oersucht hat. alles eher denn sensationell. Die offiziöse„Deutsche diplomatisch- politische Korrespondenz" stellt fest, daß alle-, was er über die Reparationsfrage gesagt hat,„aus allen Aoußerungen des Reichskanzlers und anderer verantwortlichcr Politiker seit Jahr und Tag durchaus oertraut" sei. Rur in einem Punkt tritt sie Hitler entgegen, der sich für eine völlige Drosselung der Lebensmitteleinfuhr aus dem Aus- lande ausgesprochen und gemeint hat, die eine Milliarde Mark, die dadurch im Lande mehr bliebe, würde den heimischem Markt um l! bis 7 Milliarden anregen. Die offiziöse Korrespondenz stellt fest, daß diese Theorie der„Autarkiewirtschaft" im Widerspruch zu der von Hitler selbst ausgesprochenen Anerkennung der Privatschulden an das Ausland stehe: „Denn irgendwelche Zahlungen an das Ausland, auch solche für ausschließlich private Schuldverpflichtungen, lassen sich nun einmal nicht anders als im Wege von Ausfuhrüberschüssen be- werkstelligen. Denn es gibt keine Möglichkeit, einseitig nur und in einem obendrein in bestimmter Größenordnung notwendigen Umfang deutsche Güter auszuführen, ohne fremde dagegen hereinzunehmen." Daß solche volkswirtschaftlichen Selbstverständlichkeiten einem Parteiführer, der sich schon gewissermaßen auf dem Reichs- tanzlerstuhl sieht, überhaupt erst klargemacht werden müssen, ist traurig genug. Im übrigen wäre es interessant zu hören, wie sich die i t a- l i e N i s ch e Regierung zu diesen Hitler-Gedanken stellt, denn die Einfuhr von iiaiienischen Lebensmitteln nach Deutschland betrug im Jahre 193ll nicht weniger als 165 Millionen Mark! Die landwirtschaftliche Einfuhr aus Dänemark und Hol- l a n d allein betrug 1936 über 625 Millionen Mark. Aber deutsche Ausfuhr nach diesen beiden kleinen Nachbarländern betrug im gleichen Jahre rund 1 Milliarde 766 Millionen Mark! Wer glaubt, daß diese Länder noch deutsche Jndustrieerzeugnisie kaufen werden, wenn eine Reichsregierung nach Hillerfchem Rezept die Lebensmitteleinfuhr drosselt. Und dieser gedankenlose, aufgeblasene Igno- r a n t will eine Rolle in der deutschen Politik spielen! Das deutsche Bürgertum liegt auf dem Bauche vor ihm und die Reichsregierunz läßt es sich gefallen, daß er sich als der künftige Herr in Deutsch- land aufspielt und die halbe Welt mit seinen Plattheiten und Albern- Helten verrückt macht! Oer bewaffnete SA-Kührer. Eine tleberfall-Lüge zerplatzt. Osnabrück, 5. Dezember.(Elgenberichtz In der Nacht zu Freitag wurde«in nationalsozialistischer Sturm- iuhrer mit einer schweren Schußverletzung aufgefunden. Die Nazis gaben darüber sofort den solgenden Bericht aus: ,„In der Nacht wurde der Schlosser Hermann Brinkmann mit einer schweren Bauchschußoerletzung von einem Polizeibeamten aufgefunden. Nach den Ermittlungen kommen zwei Kommu- n i st e n in Frage. Es handelt sich bei dem Ueberfallenen um einen nationalsozialistischen Sturmführer, der nunmehr zum vierten !Nale das Opfer eines feigen Mordüberfalles ge- worden ist." ' Natürlich wird Brinkmann auf der Hitterschcn Opferliste oerzeichnet werden! Aber der Schwindel von einem Ueberfall ist schnell zerplatzt. Die Polizeibehörde teilt mit: „Die Ermittlungen wegen eines angeblichen Mordversuchs auf Schlosser Brinkmann haben durch Zeugenaussagen, die durch eidliche Vernehmungen erhärtet worden, sind, ergeben, daß Brinkmann nicht von fremder Hand angeschossen worden ist. Seine Verwundung ist vermutlich aus fahrlässiges hantieren mit einer kleiakaltbrtgen Pistole zurückzuführen. Die Waffe selbst ist polizeilich sichergestellt." Brinkmann selbst hat die Polizei bewußt angelogen. Cr hat noch heute morgen unter Eid den vernehmenden Beamten gegenüber be- hauptet, er sei überfallen worden. Der Hitlersturmführer beschuldigt wider besseres Wissen Kommunisten, um zu verbergen, daß er selbst widerrechtlich bewaffnet war! Llngarisch-Boxheim. Das gleiche Alibi. Budapest. 5. Dezember.(Eigenbericht.) Die Untersuchung gegen die Putschisten ist im wesentlichen ab- geschlossen. Gegsn 26 der Pechafteten wurde die ordentliche Unter- silchungshast wegen Aerbrechens des Aufruhrs und der Per- vinirnng zum gewaltsamen Sturz der RezUruug verengt. Gegen andere werden noch Erhebungen wegen Berrais militärischer Geheimnisse geführt. Man will so offenbar die Zu- ständigkcit der M i l i t ä r st a n d g e r l ch t e begründen. Die meisten Berhofteten verteidigen sich mit der Behanptung, daß sie ein oberster Gcndarmsricbeanüer im Nomen des Kriegsministers Äömbös ouf.zes ordert Hobe, sich für den Fall eines kommunistischen Aufstandes zur Ergänzung der bewaffneten Macht zur Ver- sügung zu stellen. , Der Wohnungsausschuß des Ncichsiags lehnte am Sonnabend den kommunistischen Antrag, der die Einberufung des Reichstages ,iir Beratung der Wohnungsbaufraaen oerlangt», gegen die Antrag- steller ab. Dann wurden ohne Aenoerungen die Bestimmungen de» Reichsstädtebaugesetz-Entwurfs bis zum 8 3? angenommen. Nach einem zusätzlichen Beschluft sollen über die Ansprüche der Grund- stückcbeteiligten im Streitsall« die Verwoltungegerichte entscheiden. Der Gesetzentwurf wird am Mittwoch weiterberoten. Genosse Leon Blum, der Führer der sranzösischen sozialistischen Partei, ist von einem schweren Schicksalsschlag ggtrossen worden.— Sein« Frau ist nach einem langjährigen Leiden in Paris gestorben. Das Dritte Reich in Chemnitz. Die Polizei verbietet das Parteivorstandsflugblatt über die Blutdokumente.—(Sie wollte Best sprechen lassen.— Die Regierung korrigiert. EhemnUz, 5. Dezember.(Eigenbericht.) Die Chemnitzer Republikaner sehen schon lange mit wachsender Erbitterung, daß die 5zaltung der maßgebenden Chemnitzer Polizeiin st anzen den Feinden der Republik Vorschub leistet. Die Nationalsozialisten werden behandelt als seien sie bereits ein Teil der Staatsmacht, während die republikanischen Organisationen, besonders auch die Sozialdemokratie, mit ofsener Eindeutigkeit in ihrer politischen Arbeit gehindert werden. Die zu- gunsten der Nazis lautende Politik des Chemnitzer Polizeipräsidiums erreichte ihren Höhepunkt, als am Mittwoch das vom Parteivorstand der Sozialdemokratie herausgegebene Flugblatt:„So beginnt das Drille Reich" verboten wurde. In diesem Flugblatt wird in sachlicher Form geschildert, was«ine Diktaturregierung nach dem Muster der hessischen Dokumente be- deuten würde. Unerhörter aber als das Verbot ist die Begründung, die ein offenes Plädoyer für die Nationalsozialistische Partei dar- stellt. In dem Schreiben des Chemnitzer Polizeipräsidiums an die Leitung der Sozialdemokratischen Partei Chemnitz heißt es: „Der Fall Dr. Best ist noch völlig unaufgeklärt und umstritten. Seine Behandlung in einem Flugblatt, noch dazu in einer weise, die die Tat Dr. Best» auf das Schuldkoulo der Rationalsozialistischen Partei seht, ist geeignet. Beunruhigung in weile Volkskreise zu tragen, den Haß gegen den politischen Gegner noch weiter zu schüren und damit die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden." An demselben Tag, an dem das Verbot erlassen wurde, erlaubte das Polizeipräsidium den Chemnitzer Nationalsozialisten, auf Plakaten den berüchtigten Dr. B e st als„V e r f a s s e r der an- geblichen Hochverratsdokumente" anzukündigen. Mit anderen Worten: das Polizeipräsidium bestreitet die Schuld der Nationalsozialistischen Partei, während sich die Nazis bereits in aller Oeffentlichteit mit dem Dr. Best und seinen hochverräterischen Machenschaften identifizieren. Gegen diesen offenen Mißbrauch der Amtsgewalt erhoben Vertreter der sozialdemokratischen Landtags- fraktion Beschwerde bei der sächsischen Regierung mit dem Erfolg, daß das Verbot innerhalb 24 Stunden aufgehoben wurde. Für die einseitige Haltung des Chemnitzer Polizeipräsidiums ist noch folgende Tatsache bezeichnend: Die Sozialdemokratische Partei hat für Dienstag zu drei öffentlichen Mieterversammlungen auf- gerufen. Das Plakat, das die Ueberschrift trug:„Mieter, setzt Euch zur Wehr!" wurde mit dieser Ueberschrift nicht genehmigt, da es geeignet fei,„aufreizend" zu wirken. Ferner wurde ein für Sonn- tag geplanter Kreisaufmarfch des Reichsbanners verboten, während ein Aufmarsch der Nazis genehmigt wurde. Bemerkens- wort an dieser letzten Entscheidung ist, daß der Reichsbanner-Aus- marsch an der Peripherie der Stadt stattfinden sollte, so daß«in Zusammentreffen der beiden Züge von vornherein ausgeschloffen war. Trotzdem aber wurde verboten Auch innerhalb der unteren Polizeibeamtenschast wächst die Erregung über die parteiische Einstellung des Polizeipräsidiums Tag für Tag. In Briefen an die„Chemnitzer Volksstimme" geben die Polizeibeamten ihrer Erbitterung Ausdruck. So ist z.B. festgestellt worden, daß ein P o l i z e i m a j o r a. D. Facius, der vor wenigen Wochen aus dem Dienst ausschied und heute ein Führer der Chemnitzer Nazis ist, immer nach in der Kaserne der Schutzpolizei ein- und ausgehen kann, die Schlüssel zu dem Dienstgebäude noch besitzt, an polizeitaktischen Uebungen teilnimmt und dazu Polizei-Dienstkraftwogen benutzt. Polizeibeamte müssen heute noch in der Nacht vor der Villa des Herrn Facius Wache stehen. Beschwerden der Beamten sind erfolg- los geblieben. Ein anderer Polizeiossizier von dem Busche-Haddsnhausen wurde kürzlich entlassen, weil er in einen Rauschgiftdiebstahl in der Polizci-Krankenstube verwickelt war. Dieser ehemalige Offizier ist gleichfalls in die Leitung der Chemnitzer Nazis eingetreten, darf aber trotzdem weiter in der Polizeikaserne wohnen. Die Zustände in der Chemnitzer Polizei sind unhaltbar. Reues aus Maggestan. Lraunschweig. 3. Dezember.(Eigenbericht.) Der seit einigen Tagen hier vorgeführte Film„Im W e st e n nichts Neues" ist von dem Besitzer des Kinos abgesetzt worden, weil er die von der braunschweigischcn„Landcszcitung" angekündigten„schärferen und stärkeren Terrormaßnahmen fürchtete und weil ihm der polizeiliche Schutz nicht ausreichend schien. Die Nazis haben also im Dritten Reich des Herrn Klaggcs wieder einmal ihren Willen erhalten. Baden greift durch. Die Antwort auf Hetzredner Ienke. Karlsruhe, 3. Dezember. Amtlich wird mitgeteilt: Der Minister des Innern hat angesichts der Tatsache, daß in Versammlungen radikaler Parteien und Organisationen nach wie vor zu Gewalttätigkeiten auf- gefordert oder angereizt wird, im Interesse der Staatsautorität An- Weisung gegeben, daß Versammlungen, in denen, wenn auch nur in verschleierter Form, zu Gewalttätigkeiten auf- gefordert oder angereizt wird, sofort aufzulösen sind. Versammlungen, bei denen solche Verstöße befürchtet werden müssen, können vorbeugend verboten oder jedenfalls nur unter Ausschluß solcher Redner zugelassen werden, di« zu Gewalttätigkeiten auffordern. Des weiteren wird eine b e- schleunigt« Ahndung aller in Versammlungen begangener Derstöße gegen das Strafgesetz, gegebenenfalls Strafver- solgung im Schnellverfahren, gefordert. Den angeblich geschlossenen politischen Versammlungen, insbesondere angeblichen Mitgliederver- sammlungen. die sich häufig als verkappte öffentliche politische Ver- sammlungen zur Umgehung des Anmeldezwanges und der Polizei- liehen Ueberwachung darstellen, soll in Zukunft ein« besondere Aus- mertsamkeit zugewendet werden. An Stelle beanstandeter öffent- licher Beranstaltungen spontan einberufene Mitgliederversammlungen dürfen nur zeitlich oder örtlich getrennt abgehalten werden. Osthilfe im Süden? Immer weiter zum Agrarmoratorium. Stuttgart, 5. Dezember.(Eigenbericht.) Die württembergische Regierung hat bei der Reichsregierung den Antrag gestellt, den Vollstreckungsschutz, wie er im Lsthllfegesetz der Landwirtschaft des Ostens gewährt wird, in öhn- lichem Ausmaß auch der süddeutschen Landwirtschaft zuzubilligen. Es ist zu erwarten, daß die Reichsrogierung in der neuen Notverordnung dem dringenden Verlangen der württem- bergischcn Regierung entsprechen wird. Auch Bayern? München, 5. Dezember. Die bayerische Staatsregierung Hot im heutigen Ministerrat beschlossen, auf Grund eines ausgearbeiteten Entwurfs an die Reichsregierung das Ersuchen zu stellen, entweder in der bevor- stehenden Notoerordnung selber oder gleichzeitig mit ihr durch eine besondere Notverordnung einen Vollstreckungsschutz für Grundstücke sowohl des ländlichen wie des städtischen Grund- besitz«? verfügen zu wollen. Die Staatsregierung weist dabei auf die besondere Notlage in Bayern hin, welche zu möglichst beschleu- nigten Maßnahmen zwingt. Eine neue Bantgründung. Entlastung für die Reichsbank.— Oiskont-Kompagnie mit Sv Millionen Kapital. Testern erfolgte in den Räumen der Reichtbank die Gründung der Diskont-Kompagnie A.- G. Das Kapital be- trägt 56 Millionen Mark, wovon zunächst ein Viertel einzuzahlen ist. Etwas mehr als die Hälfte des Kapitals übernimmt die Deutsche Golddiskontbank, womit der überwiegende Cm- fluß der Reichsbank sichergestellt ist, die ihrerseits(einschließlich Golddiskontbank) tm Vorstande leitend und im 13köpfigen Aufsicht?- rat mit drei Mitgliedern vertreten ist. Den größten Teil de« Rest- kapital» übernehmen die der R e t ch s b a h n gehörende Verkehrs- Kreditbank A.-G., die Bank für Jndustricobligatianen und die Deutsche Girozentrale mit je 4 Millionen Mark, die restlichen 11 bis 12 Millionen cntsallen auf die Preußische Staatsbank. die R e i ch s k r e d i t A.-G., die Braunschweigische, Sächsische und die Bayerisch« Staatsbank, sowie auf Großbanken und große Privatbanken, wehr als vier Fünftel de, Kapitals sowie die Mehr- heil des Aufsichtsrates sind In der öffentlichen Hand. Die Aufgabe der neuen Bank kann in doppelter Weise um- schrieben werden. Noch immer ist das gegenseitlge Mißtrauen der Banken so groß, daß nur sehr wenig« Banken den Mut haben, ihre Unterschrift auf Bankwechsel zu setzen, die der täglichen Geldbeschaffung dienen(sogenannte Privatdiskonten). Durch die Zwischenschaltung einer öffentlich beherrschten und im wesentlichen öffentlich geleiteten Bank will man die Unterschriften oller be- teiligten Banken bei der Geldbeschaffung verbessern und so den Privatdiskonten«inen größeren Markt schaffen. Di» stark» Teilnahm« der öffentlichen Banken dient dem doppelten Zweck, sowohl die auf dem Geldmarkt verfügbaren Mittel zu ver- größsrn als auch die öffentlichen Banken selbst auf dem Geld- markt zmn Nutznießer ihrer eigenen Mittel, je nach Bedarf, machen zu können. Es handelt sich also um eine Parallelgründung zur Akzept» und Garantiebank, deren Garantie oller- Vings nur längerfristigen Wechseln zugute kommt. Andererseits erfolgte eine Entlastung d«r Reichsbank. die bekanntlich die wichtigste Käuferin von Privatkonten ist. Die Reichsbank hat bisher die Käufe solcher Bankakzept« durä)«inen Makler besorgen lassen. Hinsichtlich des Risikos bietet in den gegenwärtigen Verhältnissen dies« Zlrt des Ankaufs von Privatdiskonten zu wonig Sicherheit. Gegenüber der Rcichsbank wird jetzt die Akzept-Kompagnie«in- geschaltet, die ihrersoits wieder durch einen besonderen Kredit- ausschuß die Risiken prüfen läßt. Man hofft auch, daß durch die Schaffung der Diskont-Kompagnie die Geldversorgung der Provinz- danken besser durchgeführt werden kann. Appell an den Gtaaisanwali. Qie Verletzung von Sevisenvorfchristen. Der R e i ch s w l rt sch a fts min i st« r Hot unter Hinweis auf die erweiterten Strafbestimmungen der Notverordnung vom 17. November die Devisenbewirtschaftungsstellen angewiesen, der zuständigen Staatsanwaltschaft jedesmal Anzeig« zu«r- statten, wenn sich der begründete Verdacht einer nach der Devisen- Verordnung und den Durchführungsverordnungen strafbaren Hand- lung ergibt. Außerdem sollen die Devisenbewirtschastungsstellen zur Aufklärung zweifelhafter Tatbestände eidesstattlich« Der- sicherungen verlangen dürfen. Hörsing häli Disziplin. Oas Erscheinen seiner Zeitung wird eingestellt. Genosse Otto Hörsing hat gestern dem Parteivorstand die Mitteilung zugehen lassen, daß ihm nichts ferner löge, als der Partei in der gegenwärtigen schwierige» Situation irgendwie enl- gsgenzuarbeiten. Hürsing, der in seinem ganzen Leben nur den Kampf für die Ideale des Sozialismus und der Demokratie gekannt und für sie gelebt, für sie die größten Opfer gebracht hat, erklärt. daß er angesichts der seiner Meinung noch nicht zutreffenden Beurteilung, die die Gründung des„Deutschen Volkskurier" im Parteiausschuß erfahren hat. das Erscheinen dieses Blattes mit dem heutigen Tage einstellt, um dadurch das Zeichen seiner engsten Verbundenheit mit der Gesamtpartei in Ihren Kämpfen und Zielen wiederum zum Ausdruck zu bringen. Der Parteioorftand gibt feiner Genugtuung Ausdruck, daß damit diese Angelegenheit— Im Gegensatz zu anderen Vorkonmi. nisson der siingsten Vergangenheit— in parteigenössischer Waise bereinigt ist und Hörsing wie bisher im Rahmen der Partei gegen die uinzehcuerliche Rot unseres Volkes, gegen Arbeit»losigt«it und Wirtschastselend. für Demokratie und Sozialismus kämpfen wird. Nr. 511» 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Goankag, 6. Dezember 1931 vw O&hfar/ne/uzUe /4d(ersirJ tvüüi$c6f/ke£, Gespräche in der Wärmehalle. Di? Värmehallc in der Zlckerslrahe, entstanden aus dem ehemaligen Bahnhof VII der Grohen Berliner Straßenbahn, ist wohl der liebloseste Raum, den Berlin aufzuweisen hat. Die Wärmehalle in der D i r ck s c n st r a ß e unter den Stadtbahnbögcn, die war insofern besser, als da wenigstens die Wände weißgetüncht waren. Für die Ackerstraße gibt es kein anderes Wort als entsetzlich. Nicht daß da mit jtarballösüng ausgewischt wird, nein, dieser Notwendig- feit wird sich niemand verschließen und die Arbeitsämter machen dos auch, aber daß man nicht einmal auf den Gedanken gekommen ist, daß da immerhin Menschen sitzen, eintausend, zweitausend Menschen, die ein einziges Mal das Verlangen haben, in ihrer Müdigkeit �— die keine physische zu sein braucht— ihre Ellenbogen ans einen Tisch zu stützen, das ist bezeichnend genug. Kein Tisch ifl da, nur Bank a» Bank, Ivo das Elend zusammengepfercht hocken muß. flu Moabit hätte jeder wenigstens einen kleinen Tisch. Man ist erschreckt über soviel Herzlosigkeit. Denn die Männer, die um die Oesen der Wärmehallc herumstehen, sind durch die Not der Zeit gestraft genug. � fln der Wärmehallc blüht der Handel, trotz des Verbots. Es Tt der ormseUgste Halidelsplatz Berlins So sprechen die Leute da: Wülste Sliebcln krtoicii?;—„Wal ßoll'n die. kosten„Drei röschen."„Mcrlsch, da ist ja kccne Sohle mehr an den linken Sliebel dran!"—„fla, denkste denn, dct Oberleder ist nischt wert?" — Oder zwei andere:„Do, wat soll'n der Schal kosten?"—„Zu »vat soll ick dir denn dct sagen, du.hast ja doch kcen flelh!"—„Wer sagt dir denn dct, det ick kern fleld habe, ick habe doch eben erst ecn flocket sor'n Dalcr vakooft."— Ein anderer geht vorbei:„Bücher z» lauschen. Bücher zu tauschen?" ruft er durch den Saal,„fla, hier, wat hast'n sor'n Buch?"—„Der Sohn des Hannibal von Ludwig Wölfs."—„Mann, det habe ick schon dreiinal.jelcsen, wenn de nischt änderet hast." Weg. Plötzlich kommt Bewegung in die Masse. Einer rennt und schreit:„Wo ist denn der jUrl, der mir die Zijaretten vakaost hat, der hat mir bloß'ne leere Schachtel j. geben, da waren jar kcene Zijorcttcn drinl"—„flib doch hier nich so an, wem willste denn dct erzählen?"—„Hier, kiek dir doch die Schachtel an. Donuawetta, jetzt ist der Janove weg. meine zwcc flroschcn sind zum Deibel!" Alles wird in dieser Wärmehalle zu illi2£'Kten Weiliiiailitss'CMe'lienke .... Findet man im Ii Oll Ii II- A II S V II if aus der Konkursmasse Günther Schmidt-Lorenzen, Krausenstr. 22-24, zwischen Markgrafen- u.JerusalemerStr. AbMontagfindettägl. von 10-6 Uhr ein Grofier Sonder-Verkauf In Woll-, beiden- und Wasehstoffen statt. Die Preise sind nochmals bedeutend herabgesetzt. Baudach, Kootumerwalbw. 30 Prozent für die Damit sollen die Gläubiger der Bank fü Der Verwalter der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz gibt bekannt, datz den Opfern der Seisferl-Laden- dorssschen Mihwirtschost für ihre Forderungen 30 Proz. angeboten werden sollen. Die Gläubiger sollen demnächst ein Rundschreiben erholten, in denen sie zu diesem Angebot um Stellungnahme ersucht werden. Die kleine» Forderungen bis t00 Mark sollen voll befriedigt werden, für alle Einleger soll weiterhin die Auszahlung eines Vorschusses in der halben höhe der Vergleichsquote freigegeben werden. Die Quote von 30 proz. ist eine Mindest- quole, die vom Reich garantiert wird. Man hört gleichzeitig von riesigen Beträgen, die im Kredit- geschäft eingefroren und mit erheblichen Verlusten bedroht sind. Die Verluste müssen in der Tat Dutzende von Millionen er- reichen, sonst mühte die angebotene Vergleichsquote höher sein. Unter den Kreditoren, bei denen Verluste zu erwarten sind, werden genannt: die Gemeinnützige Siedlungs- u. Kriegerheimstätten A.-G,. die Grundstücks Treulzand- und Verwaltungs A.-G., die Haus Wei- marer Straße 27/28 A.-G., die Hausbau- und Grundstücks Verkehrs A.-G., die Bürohaus Friedrichstraße 10 A.-G.; außerdem sollen Millionenbeträge im Film- und Theatergeschäft angelegt und be- droht sein. Der Skandal um die Ladendorff-Bank wird auch im kriminellen Sinne immer größer. Der verdacht soll sich bestätigt haben, daß der Auffichtsralsvor- sihendc Ladendorsf und da» Aussichtsratsmitglied Le viseur von bestimmten Vuchfälschungen Kenntnis hatten. Er selbst hat bei seinen Vernehmungen bestritten, von den Fälschun- gen Kenntnis gehabt zu haben und behauptet, selbst durch Scifsert getäuscht worden zu sein. Der stellvertretende Vorsitzende des Auf- sichtsratcs der Bank für Handel und Grundbesitz. Le Viseur, ist bisher noch nicht vernommen worden. Auf der anderen Seite ist die von den Dcutschnationalen im Preußischen Landtag aufgestellte Ladendorff- Opfer Handel und Grundbesitz zufrieden sein Behauptung, daß das Reich keineswegs die Bank vor dem Zu- jammenbruch mit 3 Millionen Mark gestützt habe, eine Unwahr- h c i t. Die Rcichsbank konnte den Stützungskredit von 3 Millionen über die Akzept- und Garantiebank nur gebe», und die Stützung war nur dadurch möglich, weil das Reich gegenüber der Akzept- und� Garantiebank und der Reichsbank die Garantie für den Kredit übernommen hatten. Die Gläubiger und Opfer werden über den Lergleichsvorfchlag ebenso enttäuscht als empört sein, wenn auch die Hoffnung besteht, daß sich die Quote bei der Durchführung der Liquidation und der Veräußerung der leeren Grundstücke noch erhöhen kann. Es muß aufs tiefste verstimmen, wenn man sehen muß, wie der Staat sich der Stützung von Großschuldnern und Großbanken nicht entziehen kann, bloß weil diese zu viel gepumpt und zu große Beträge zu unsicher ausgeliehen haben. Auf der anderen Seite muß man auch jener unglücklichen Opfer der Beamtenbanken gedenlen, die sich eben- falls niedrige Auszahlungsquoten gefallen lassen mußten und dazu in Prozessen heute noch darum kämpfen, daß sie auf ihre Genossen- schaftsanteile nicht Nachschüsse bezahlen. Es gibt keinen Ausweg in dieser verfahrenen großkapitalistischen Welt, als daß man endlich dem Staat jene Wirts chasts- und Bänke nkontrolle gibt, mit der es allein möglich ist, die Großen in Zucht und dir Kleinen vor ungerechten Opfern zu bewahren. Mietegelder unterschlagen. Beim Bezirksamt Neukölln hat eine chemollge sozial- dcinokratische Bezirksverordnetc, Auguste Barth el, als Verwalterin von vier städtischen Häusern 1830 M. Mietsgeldcr unterschlagen. Frau Barthel hat ihre sämtlichen Funktionen niedergelegt und ist aus der Partei ausgetreten. „Oirneuliebe." Die Tragödie einer alternden Frau. Für den moralgesättigten Spießer ist die„Dirne" Jnbcgrisf aller Laster. Trägerin geheimer Krankheiten, Verführerin der Jugend. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte erlebte man wieder einmal die„Dirne" als leidenden, unglücklichen Men- scheu. Es war eine Auseinandersetzung zwischen zwei Frauen- Rivalinnen und einem Mann. Der Mann war wegen Z u h ä l- t e r e i angeklagt: Klägerin ist die Dirne: die triumphierende Rivalin — ein« ehrbare Gastwirtsfrau. Der Mann, einst Postbeamter, sprach eines Tages ein Mädchen an: aus der Bekanntschaft wurde Liebe. Der Mann zog zu der Geliebten, sie war zehn Jahre älter als er: sie sorgte für ihn und ernährte ihn auch, als er seinen Verdienst verlor. Ging sie aus den nächtlichen Bummel, so begleitete er sie. Bon ihrer demütigenden Erwerbstätigkeit müde, fand sie in ihm das, wonach sich jede Dirne sehnt— Liebe. War es nötig, so spielte er den Beschützer: als sie einss Tages von einem„Freier" allzusehr beleidigt wurde, richtete er den Mann in einer Weise zu, daß er auf anderchalb Jahr« ins Gefängnis mußte. Sie blieb ihm„trew" und man lebte wieder bei- zanrmen. Zwischendurch verdiente auch er etwas zum gemeinsamen Lebensunterhalt hinzu, wurde auch von seiner Mutter unterstützt, arbeitete als Kellner usw. Seine letzte Kcllnerstelle sollte der großen Liebe zum Verhängnis werden. Di« Ga st wirtsfrau warf ein Auge auf den schmucken Mann, seine Freundin erschien in der Gastwirtschaft und wurde blau und grün geschlagen. Die Liebe wandelte sich in maßlosen haß. Sie zeigte ihren Freund wegen Zuhälterei an. schrieb der Sastwirtsfrau Drohbriese,„sobald ich Dich kriege, sollst Du was er- leben. Ein« Unglückliche", schrieb Briefe an ihren abtrünnige» Freund,„Schwarz wie die Nacht und tief wie das Meer soll unsere Liebe sein. Lieber Otto, Du weißt ja. wie ich Dich liebe, wenn Du aber nicht endlich zurückkommst, werdet Ihr beide auf der Strecke bleiben": bedrohte die Gaftwirtsfrau derart, daß sie überhaupt nicht mehr allein ausgehen konnte, befestigte am Lokal Zettel wie:„Die m, ständig« Wirtin poussiert mit meinem L... Sechs Jahre hat er mich auf die Straße geschickt." Die 40jährige Dirne schluchzte vor Gericht herzzerbrechend: „Sie hat gewußt, daß der Mann noch mit mir geht und hat mit chm trotzdem poussiert. Das paßt sich nicht für ein: anständig« Frau. Ich weiß nicht, was jetzt mit mir wird, wenn ich allein bleibe. Ich bin jetzt keine junge Frau mehr, lang kann ich nicht mehr auf die Straße gehen." Die Gaftwirtsfrau, zehn Jahre jünger als die andere, mit dem Angeklagten jetzt förmlich oerlobt—, sie will ihn heiraten, falls die Sache glimpflich verläuft— ist im Gerichts- gcbäude in Begleitung dreier handfester Männer vom Berein Glaube, Liebe und Hoffnung erschienen. Auch sie ist„ihres Lebens nicht sicher": noch aus dem Korridor hat ihr die Rivalin gedroht: „Kommst du heraus, schlag ich dir deine Knochen kaputt." Die ..Dirne" oerspricht dem Borsitzenden, in Zukunft die glückliche Braut in Ruhe zu lassen, der Bräutigam erhält drei Monate Ge- iängnis mit Bewährungsfrist, die Verlasiene schluchzt und alle drei verlassen ohne Zwischenfall den Gerichtssaal. Oer 39 fache Millionär. Phantasiegebilde eines Heiratsschwindlers. Als 39sacher Millionär hatte sich der etwa 30 Jahre alte Landwirt Hans Stolzenberg einer Frau G. aus Dortmund genähert, die, nachdem sie zweimal geschieden worden war, noch ein drittes Mal das Glück in der Ehe versuchen wollte. Zu diesem Zweck hatte sie«in h c i ra t s i n s e r a t aufgegeben. Die heiratslustige Frau besaß ein ziemliches Vermögen. Stolzenberg stellte sich ihr vor als ein Mann, der über riesige Vermögensgüter verfüge. Allerdings feien seine Güter, Kohlengruben und Naphthaquellen, von den Polen beschlagnahmt, und er müsie Prozesse aus Herausgabe und auch mit dem Staat wegen Entschädigung führen. Nebenbei habe er auch noch weitere große Einnahmequellen, Häuser und Renten. Ja Wirklichkeit war Stolzenberg vermögenslos und nur reich au Phantasie. Seineu Erzählungen entsprechend trat er sehr groß- zügig auf. Bei den Besuchen seiner Berlobien wohnte er im ersten Hotel und machte sehr groß« Zechen. Die Rechnungen lagen dein Schöffengericht Charlottenburg, vor dem sich der Heiratsschwindler Der Zug wand sich durch die Berglandschaft, er durch- kreuzte die Wälder und Erhebungen Mitteldeutschlands. Dann kam das Flachland, die weite Ebene. Ein Strom war über seine User getreten. Kilometerweit stand das Land unter Wasser. Eine ungeheure, trostlose Wosserwüste. Acker- flächen und Felder, Viehweiden und Gehölze— alles war ein einziger See. Der Zug ratterte über eine Brücke und hielt dann in einer überfüllten, rauchigen, grauen Bahn- Hofshalle. Acht Minuten Aufenthalt. Germaine stieg aus und ging langsam hin und her. Seit dem frühen Morgen war sie unterwegs, nun sank schon die Däinmermig herein. Aber in kaum zwei Stunden würde sie Walter wiedersehen— der größte Teil der Reise lag hinter ihr. Wieder glitt der Zug durch Felder und Wiesen, dann kenn Kiefernwald, immer wieder Kiefernwald. Schattenhaft stand er in der Dunkelheit. Das war schon das Reich der Stadt Berlin. Diese Mühlen und Güter, das weite Ballernland, die Ackerflächen und Seen, die kleinen Dörfer, der Wald— das alles war schon ein Teil dieser riesenhaften Ansicdlung, es gehörte der Weltstadt. Aber noch immer fuhr der Zug an der Peripherie, fast eine halbe Stunde lang. Dgnn durchkreuzte er die Stationen der Stadtbahn und glitt m«in Lichtmeer ein.— Bahnhof Zoo. Walter stand auf dem Bahnsteig. Froh sah er der Schwester entgegen. Aber fem Gesicht war schmal um» eingefallen, und die Augen sahen unnatürlich groß und dunkel am. „Du bist aber noch sehr angegriffen", sagte Germaine er- schreckt,„du arbeitest wohl zu viel, statt dich erst mal zu erholen."» Der junge Mensch sah etwas verlegen zur Seile.„Mir gehts ganz gut", sagte er,„aber du wirst müde sein. Wir fahren erst mal zu mir nach Hause und essen zu Zlbend. Dann begleite ich dich m deine Behausung. Du wohnst ganz in zn verantworten hatte, vor. Er hatte nur französischen Sekt, täglich auch eine Flasche Henncssiz und Kaviar in großen Mengen bestellt. Bei der Bezahlung mußte seine Braut immer wieder aushelfen. Ganz ungeniert nahm er aus ihrer Handtasche dos Geld heraus und sieh sich von ihr auch bei anderen Gelegenheiten bares Geld, da er wegen seiner Prozesse in augenblickliche Verlegenheit geraten sei. Schließlich kam es sogar so weit, daß sie ihm ihre Schmuck- fachen zur Verfügung stellen mußte, damit er sich Geld beschaffe. Allmählich gingen der Braut aber die Augen auf, und sie löste die Verlobung. Das Ergebnis der kurzen Brautzeit war, daß sie über 3000 Mark verloren hat. Für den„39fachen Millionär" brachte diese Verlobungsepisode ein Jahr Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust ein. Der rasende Tod. Vierjähriger überfahren und hilflos liegen gelassen. In der Selchower Straße in Neukölln spielte sich am Sonnabendnachmittag ein empörenoer Vorfall ab, Der Z. Jahre alte Kurt Becker aus der Mahlower Straße 31 in Neukölln wollte in der Selchower Straße den Fahrdamm überschreiten. In diesem Augenblick kam in schneller Fahrt ein Prioatauto heran. Das k.md wurde vom Wagen ersaßt und überfahren. Obgleich der Chauffeur den Unfall bemerkt haben muß, kümmerte er sich nicht um das Übersahrene Kind, sondern beschleunigte sein Tempo und raste davon. Der Junge wurde ins Krankenhaus gebracht, bei seiner Einlieferung konnte jedoch nur»och der inzwischen eingetreten« Tod festgestellt werden. Die' Kriminalpolizei fahndet nach dem schuldigen Chauffeur. Passanten, die Zeugen des Unfalls waren und sich vielleicht die Nummer des Autos gemerkt haben, werden gebeten, ihre Wahnehmungen der Polizei mitzuteilen. In der kommenden Woelze findet die Feaktionsfitmng am Donnerstag, dem 10. Dezember, 16 Uhr, statt, da die Stadtverordnetcnsitmng ausfällt. Das Mordrätsel von Echt. Eine vierte deiche im Walde aufgefunden. Echt, S. Dezember. Tie dreifache Mordtat im Walde von Putbroek, die im deutsch»holländischen Grenzgebiet außer- ordentlich großes Aufsehen erregte, scheint eine neue Wendung zu nehmen. Die holländische Gendarmerie hat in der Nähe der Grube, in der die drei Lpfer des schrecklichen Meuchelmordes gefunden wurden, d i e Leiche eines vor etwa einem halben Jahre in den Forstungen des AnnataleS spurlos verschwundene» 23jährigen jungen Mannes namens R o eb r o k ausgegraben. Roebrock, der auf deutschem Gebiet wohnte, war seinerzeit mit seinem Fahrrabe in die Waldungen gefahren, um nach von ihm ausgelegten Kaninchenfallcn zu sehen, Von dieser Fahrt war er nicht mehr zurück- gekehrt. Bereits damals tauchten Gerüchte aus, daß Roebrvk»v a h r s ch e i n l i ch niedergeschossen und im Walde verscharrt»vorden sei. Man nimmt nun an, daß auch dieser Mord mit der vor kurzem begangenen dreifachen Bluttat zusammenhängt. Im Schlütersaal der Staatlichen Sammlung für deutsche Volkskunde, Klosterstraßc 36, findet vom 6. Dezember 1931 bis 15. Januar eine Ausstellung von deutschen Weihnächte- k r i p p e n und Krippeiischnitzereien statt. Eine neuerworbene, bc- sonders reiche bayerisch-tirolijche Weihnachtskrippe aus dem Rokoko mit etwa 200 Figuren zeigt in sieben Szenen den traditionellen Ausbau einer Weihnachtskrippe, wie er sich aus de» mittelalterlichen Krippenspielen entwickelt hat. Die Ausstellung ist täglich(außer Dienstag) von 9 bis 3 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 10 Pfennig. Äer Nähe, ich habe ein Privatzimmer bekommen durch das Studentische Wohnungsamt, denn die Hotelzimmer sind ja nicht zu bezahlen für uns arme Sterbliche." In Walters bescheidener Stube im vierten Stockwert des Gartenhauses saßen sich die Geschwister gegenüber. Walter hatte den Tisch mit Blumen geschmückt und war unermüd- lich, Germaine mit den bescheidenen Gerichten zu versorgen, die er zur Feier des Tages eingekauft hatte. „Ich wollte, du wärest immer hier, Germaine", sagte er, „das wäre besser. Mama hatte schon recht, man ist so weit getrennt— aber ich will doch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Zwei Semester werde ich hier noch arbeiten. Aber dann gehts heimwärts." Es klopfte, und im gleichen Augenblick öffnete sich die Tür. Ein junges Mädchen in Schwesterntracht trat ein, blieb aber im nächsten Augenblick verlegen an der Tür stehen. „Ich habe gestern was vergessen, Walter", sagte sie dann und sah Germaine halb herausfordernd, halb entschuldigend an. Walter war rot geworden. Aber er faßte sich rasch. „Darf ich dir Fräulein Berg vorstellen. Germaine? Sie hat mich gepflegt, als ich im Krankenhaus lag." Germaine überwand die Abneigung, die das blaffe ver- lebte Gesicht ihr einflößte. Sie streckte ihr die Hand entgegen. „Bitte, wollen Sie nicht Platz nehmen! Und willst du mich Fräulein Berg nicht auch vorstellen, Walter? Sie kann ja wohl nicht wissen, wer sich hier ihres Patienten ange- nommen hat!" Aber bevor Walter antworte» konnte, fiel das junge Mädchen rasch ein:„Ich kenne Sie schon nach Ihrem Bild. Walter hat mir viel von seiner Schwester erzählt. Und Sie brauchen nicht Fräulein Berg zu mir zu sagen. Sie können mich ruhig Emmy nennen." In Germaines Gesicht kam und ging die Farbe. „Ja--, ich danke Ihnen, daß Sie meinen Bruder gepflegt haben... Schwester— Emmy.. Es sollte höflich klingen, ober es klang tonlos, wie eingelernt. „Meine Schwester ist erst vor einer halben Stunde an- gekommen, sie liegt den ganzen Tag auf der Bahn und ist natürlich sehr müde." Walter konnte seinen Aerger kaum verbergen. Er warf einen bösen Blick zu dem jungen Mädchen hinüber. Emmy Berg verstand diesen Blick sofort. Sie stand auf. „Ich lzabe leider heute keine Zeit, sonst hätte ich mich gern mal mit Ihnen unterhalten", sagte sie. in dem Bestreben, ebenfalls jo höflich wie nur möglich zu fein, zu Germame, „aber ein andermal bleibe ich länger. Ich wojlte bloß was abholen." Dann ging sie auf Walter zu. „Ich brauch's" sagte sie halblaut. Der wandte sich zum Schrank und holte hastig etwas heraus. Er war blaß geworden.„Fräulein Berg bringt mir manchmal etwas Medizin", sagt er erklärend,„das Zeug ist ja sonst so teuer." „Sie ist Hilfsschwester", sagte er dann, als sich die Tür geschlossen hatte,„ein armes Ding. Ihr Vater ist tot, die Mutter sitzt irgendwo in einer Anstalt, sie ist schwermütig oder sowas. Und ihr Bruder kümmert sich nicht um sie." Germaine schwieg. Sie fühlte, daß sie kein Recht hatte, den Bruder zu bevormunden. Und wie eine Bevormundung kam es ihr vor, jetzt irgendein abfälliges Wort über dieses Mädchen zu äußern.'» „Ich soll auch viele Grüße von Onkel Stetten bestellen", sagte sie ablenkend. Walter sah sie dankbar an. Er fühlte, wie es aussah in ihr, wie besorgt sie war um seinetwillen, aber auch er konnte jetzt nicht darüber sprechen. So ging er auf ihre Worte ein. „Wie geht es ihm denn jetzt!" fragte er. „Er ist todunglücklich. Er schimpft schrecklich auf die Republik und wartet mit Schmerzen auf den Tag, an dem der Kaiser wieder durchs Brandenburger Tor einzieht. Aber ich bin tatsächlich so durchgeschüttelt und müde heute, Walter. Wollen wir jetzt nicht in mein Zimmer gehen? Wir haben ja noch die ganze Woche Zeit zum Plaudern. „Waller stimmte zu.„Aber einen kleinen Bummel am Zoo mußt du heut»och mit mir machen", sagte er dann. „Da kommst du nicht herum. Es wird dir schon hier gefallen." Germainc sah viel in diesen Tagen, und doch hatte sie nur einen flüchtigen ersten Eindruck der Riesenstadt gewinnen können. Sie bissuchte Museen und Galerien, sie wanderte durch das alte Berlin, durch schmale, winklige Gassen, über aste Brücken und holpriges Pflaster. Sie glitt mit der Hoch- bahn in die modernsten Wohnviertel, in luftige, aufgelockerte Siedlungen. Sie sah die gewalligen Bauten unter der Erde, die U-Bahnen, die ein ungeheures, immer wester sich spinnendes Riesennetz unter der Erde bildeten. Sie ließ sich von ihnen hinaustragen an die Peripherie, zu den Wäldern und Seen, zu alten Windmühlen und einsamen Gehöften, zu blühenden Heideslächen und birkenumsaumten Waldwegen. Sie fühlte �sich wohl in dieser herben, einfachen Natur, von der diese Stadt umgeben war, in der Raum war für alle Gegensätze des Lebens.(Fortjetzung folgt.) Tlr. 57i* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonntag, 6. Dezember 4934 Neue Warnung vor Lohnsenkungen. Wird der Reichskanzler auch das Zeugnis eines Wissenschaftlers und Zenlrumssührers mißachten? In dem Augenblick, in dem man mit Sorge der neuen Not- Verordnung entgegensieht, in dem die These von der Lohn- s e n k u n g als Mittel zur Krisenüberwindung mit unverminderter -Heftigkeit vertreten wird, muß man den regierenden Zentrums- ministern einige Erkenntnisse vorhalten, die soeben ein Zentrums- führer und Wissenschaftler, der Reichstagsabgeordnetc Professor Dr. Friedrich Dessauer, in einem Buche„Im Kampfe mit der Wirtschaftskrise" veröffentlicht hat*). Es ist begreiflich, daß wir uns nicht überall in Uebereinftimmung mit Professor Defsaucr befinden, aber es kommt weniger auf diese Meinungsver- schiedenheiten an, als vielmehr auf dem entscheidenden Gebiete der gegenwärtigen Krisenpolitik den verantwortlichen Männern der Regierung die Erkenntnisse des ihnen weltanschau- lich verbundenen Wissenschaftlers als erneute Warnung vor Irr- wegen vor Augen zu halten. Wie endet eine kapitalistische WirtschastSkrise? Um die Möglichkeiten der Ueberwindung einer Wirtschaftskrise theoretisch aufzuzeigen, gibt Dessauer in seinem Buch das Beispiel des Verlaufs und Endes der Krise, die etwa um die Mitte des Jahres 187,? in Deutschland und darüber hinaus in Europa ausgebrochen ist. Er kommt dabei zu dem folgenden Schluß: „Der Umschwung der Konjunktur setzte ein, als die ab- stürzende Kurve der Einkommen, das ist der Kaufkraft, von der nach st ürz enden Kurve der Preise überholt wurde. Wenn die preise tiefer sinken als die Einkommen, nimmt der Güterstrom wieder zu. Der steigende Umsatz führ« Zuversicht herbei, die Zuversicht stärkt erneut den Umsatz. So kann ein Wendepunkt eintreten... Die Umkehr folgt entscheidend dann, wenn einmal eine Menge Reinigungs Vorgänge stattgefunden haben, Uebertreibungen beseitigt, Fehlinvestitionen abgeschrieben, Ueber- setzungen entlastet worden sind, und wenn zweitens der Sturz der Preise den Sturz der Kaufkraft überholt Hot. Das ausschlag- gebende Moment ist wie beim Zusammenbruch der wiedererwachende Glaube, der Kredit der Wirtschaft auf Grund der erfolgten Reinigung und des erstarkenden oder doch wenigstens nicht mehr schrumpfenden Güterstroms." Nützen die Lohnsenkungen? Auf Grund dieser richtigen Erkenntnis von den Möglichkeiten einer Krifenüderwindunz müßte man, nachdem wir bereits eine Reihe von Lohnsenkungswellen hinter uns haben, zu dem eindeuti- gen Schluß kommen, daß es jetzt die Aufgabe der Wirtschaftspolitik fei, weitere Lohnsenkungen zu verhingern und lediglich ourch den Druck auf die gebundenen oder monopolistisch beherrschten Preise möglichst schnell jenen Schnittpunkt herbeizu- führen, bei dem die Kurve der Preise die Kurve der Massentauf- kraft unterschreitet. Dejjouer schwingt sich in dieser Beziehung nicht zur letzten Konsequenz auf, ober es bleibt doch in seinen Ausführun- gen noch ein hohes Matz an Warnungen für die Re- g i« r u n g übrig. D-flauer betont mit Recht, daß die Senkung von Löhnen und «Zehällern«inen wirtschaftlichen Sinn nur in einem begrenzten Spielraum haben kann. Er führt aber als ein Beispiel für Fälle, in denen Lohnsenkungen und Gehaltsfentungen sogar plötzlich unvermeidlich notwendig werden können, den Fall der Konkurrenz der englischen Kohle durch die plötzliche Senkung des Wertes der englischen Währung„um 10—20 Proz.* an. In den wenigen Wochen seit der Niederschrift dieses Buches sind nun aus den 10—20 Proz. Pfundentwertung 30 Proz. geworden, und man darf vielleicht an- nehmen, daß inzwischen auch Desiauer die vollkommene Unmöglich- keit, derartigen Wertschwankungen durch Lohnsenkungen zu be- gegnen, eingesehen haben wird. Nach dem Hinweis auf diesen Sonderfall heißt es dann bei Defsaucr: .Aber ganz andere Fragen sind die prinzipielle Lockerung de« Gehalts- und Tarifrechts. die generelle Lohnsenkung, die Ausliefe- rung der Lohnsireitigkeilen an die Macht und Beteiligten. Der Lohn ist zwar Selbstkostenfaktor des Produkts, aber er ist der empfind- lichste, der am meisten mit Vorsicht.zu berührende, denn er ist nicht nur Selbstkostenfaktor, sondern auch entscheidender Formsaktor süc die ftauskrast des inneren Marktes, ganz abgesehen von der mensch- lichen Seite des Problems. Die Kaufkraft fetzt sich in vielen Gebieten des Reichs entscheidend aus Löhnen und An- ge st elltcnge hältern zusammen. Mit dem Senken der Löhn« schwindet diese Kaufkraft und damit auch die Beschäftigung des Handels, Gewerbes, also des gesamten Mittelstandes, der Industrie und der' Landwirtschost. Sehr häufig liegt der Fall so, daß die fixen K o st e n, insbesondere die Kapitaltosten der Betrieb« über- aus groß geworden sind: si« sind iiberexpandiert, sie haben teure Darlehen genommen, si« haben geschmälerten Absatz und suchen den Ausweg, Löhne und Gehälter zu senken. Es ist ober klar, daß' ein- generelle Senkung die Jlot der Betriebe selbst wieder steigern niuß. weil der Markt an Kauskraft verliert. Die richtige Lösung der Frage liegt in der Anknüpfung der Löhne und Gehälter an die Lebenshaltungskosten mit dem Ziel, die reale Kaufkraft, also die Lebenshaltung, damit den Güterstrom ausrcckitzuerhalten. Unsere Rot besteht zu einem erheblichen Teil gerade darin, baß die Senkung der Löhne und Gehälter und selbständigen Einkommen rascher voran- geschritten ist. als die Preissenkungen es taten. Das *) Buchoerlog der Earolus-Druckerci, Frankfurt a. M. bedeutet Schrumpfung des Güteritroms, Arbeitslosigkeit und Selbst- steigerung der Not und Gefahr. Trotz des besprochenen und auch von Dessauer heute preiszu- gebenden Sonderfalls der Kohle bleiben diese Ausführungen immer noch«ine scharfe Warnung gegen all« phantastischen Pläne, heute an das Lohnniveau und die Lebens- haltungstoften von 1927 anknüpfen zu wollen, was nichts anderes als eine neue reale Lohnsenkung be- deuten würde und gegen alle Pläne, die tatsächliche Lohnsenkungen mit unsicheren Hoffnungen auf künstig« Senkung der Lebens- Haltungskosten verknüpfen wollen. Die Senkung der gebundenen preise. Dessauer ist mit uns der Auffassung, daß die Erhöhung der Kaufkraft die in der gegenwärtigen Lage angestrebt werden muß, nicht durch eine generelle Einwirkung auf das Preisniveau, sondern nur durch eine Auflockerung gegenüber den gebundenen Preisen erreicht werden kann. Er sagt darüber u. a.: „Preissenkungen lassen sich nicht diktieren. Kommandiert man Höchstpreise, so werden diese Höchstpreise minimale Preise, die Ware verschwindet und wird„schwarz" zu höheren Preisen verkauft. Außerdem ist niemand imstande, bei den hunderttausendcn ver- schiedencr Gegenstände und Qualitäten gerechte Höchstpreise zu be- stimmen. Nein, die entscheidende Maßnahme besteht in schrittweiser, vorsichtiger Wiederherstellung des freien Wettbe- werbs in einer Reihe von Gebieten. Wenn einige Zeit- lang Vereinbarungen zwischen Produzenten und Händlern über die von den letzteren einzuhaltenden Preise oder Verein- barungen zwischen Gliedern der gleichen Wirtschaftsstufe, also der Produzenten, Großhändler, Kleinhändler über die zu verlangenden Preise(vertikale und horizontale Preisbindungen) keine unbe- schränkte rechtliche Wirkung mehr haben, wenn es nicht mehr zu- lässig ist, Firmen, die billiger verkaufen, deswegen gesellschaftlich oder geschäftlich zu schädigen oder gar(wie das einem Manne ge- schah, der Zigaretten mit einem geringen Aufschlag verkaufte) sie wegen unlauteren Wettbewerbs zu verklagen, dann wird der freie Wettbewerb von selbst bei vielen Gegenständen, deren Spanne über- höht ist oder die von den Produzenten künstlich verteuert sind, trotz- dem überschüssige Mengen zur Verfügung stehen, eine Senkung eintreten lassen. Die Saufkraft der Konsumenten wird wachsen und sich verlagern. Denn jedes preismäßig künstlich hochgehaltene Gebiet entzieht den Gebieten des freien welibewerbes einen Teil der auf sie enkfallendea Kaufkraft. Es werden danu allmählich lieber- fehungeu von Brauchen wegfallen, die Umsätze der Geschäfte werden steigen und die Kalkulation bei steigendem Umsah wird sich verbessern. ver Güterstrom mächst und Arbeitslose kehren an ihre BroduktionsstStten zurück.. Wir brauchen hier nicht noch einmal darzulegen, wie u. E. auf den verschiedenen Gebieten die Auflockerung von Preis- bindungen und die Durchführung einer wirksamen Monopokkontrolle ineinandergreifen müßten. Im Ziel des Druckes auf überhöhte Preise sind wir jedenfalls mit Dessauer einig, nur muß man sich immer wieder darüber im klaren fein, daß das Ziel der Erhöhung de? Massenkonsums zwangsläufig durchkreuzt werden müßte, wenn die Auflockerung der gebunde- nen Preise gleichzeitig mit einer Lohnsenkung verbunden wird. Kapitalbereinigung und fixe Kosten. „Zwischen der Unrentabilität und damit dem Verlust des Real- kapitals und damit seinem Schwund und dem Verlust des Nominal- kapftals schieben sich Rettungsversuche ein." Für die Vedeu- tung dieser Hemmungen in der Kapitalbereinigung gibt Dessauer das folgende anschauliche Beispiel(der Vereinigten Stahlwerke A.-G.— D. R.>. „In der Nachkriegszeit hat ein sehr großes deutsches Unter- nehmen der Grundstofsindustrie seine Werke gewaltig ausgebaut und zu einer riesigen Kapazität erweitert. Es ist also Kredit aus der Wirtschaft, in diesem Falle hauptsächlich des Auslandes, dazu oerwendet worden, hier ein sehr großes Werk mifzubauen, also Realkapftal zu formen. Run aber ist dieses Werk zu groß, und es kann nur mit etwa 30 Proz., vielleicht in guten Zeiten mit 80 Proz. seiner Leistung beschäftigt werden, während eine Reihe von anderen Werken durch seine Ausweitung zum Erliegen kommt. Mit 30 Proz. Beschäftigung kann das Werl nicht rentieren, denn das ins- gesamt investierte Finanzkapital in Form von Aktien und Schulden der verschiedensten Art verlangt seine Zinsen und Amortisation, und wenn das Werk nur die halbe Praduktion liefert, so sind diese fixen Kosten zu groß. In Wirklichkeit ist wahrscheinlich ein großer Teil des Realkapitals verloren. Um diesen Verlust aber zu verschleiern, wird ein solches Werk ver- suchen, sein« Ware so zu verteuern, daß es die Zinslasten auch des sehlinvestierten Nominalkapitals tragen kann. Es wird zu Kar- tellbildungen neigen, d. h. es wird zu diesem Zweck Macht- faktoren auszunützen suchen, vielleicht ohne sein Ziel zu erreichen.... Folge eines solchen Zustondes ist also eipmal der Versuch, die Preise der Produkte trotz der besten technischen Einrichtungen zu erhöhen, um das investier!« Nominalkapital zu retten, und zweitens über früh oder spät der Untergong eines Teiles von diesem Nominalkapital durch Zusammenlegung der Aktien, Verlust des Aktienkapitals oder in anderen Fällen durch völligen Zusammen- bruch als Folge des Verlustes des Realkapitals, der durch die fehler- haften Investitionen(nämlich über die gegebenen Absatzmöglichkeiten hinaus) geschehen ist." Die Schlußfolgerung muß lauten: der Druck zur Bc- reinigung der fixen Kosten durch Abschreibungen und Anpassung des Nominalkapitals muß verschärft werden, um die Bahn für eine Ge- sundung freizumachen. Zluf Grund der Fehlleitung der Kredite durch die Banken, die ohne genügende Kontrolle und ohne jede Rücksicht auf die Volkswirt- schaft in großem Umfange erfolgt ist, bekennt sich Dessauer als ein ausgesprochener Freund der Bankenkontrolle, die auch ein Weg zur Wiederherstellung des erschütterten Kredites fei. Das Entscheidende ist, daß auch aus dem Buche von Dessauer hervorgeht, daß es Möglichkeiten der wirtschafts- politischen A k t i v i t ä t zur Erleichterung des Prozesses der Krisenüberwindung neben allen wichtigen Fragen der Gestaltung der internationalen Beziehungen durchaus gibt, und daß es nur darauf ankommt/ die wirtschaftspalitischen Kräste ini richtigen Sinne mit der nötigen Entschlossenheit einzusetzen und sie nicht durchkreuzen zu lassen durch die Nachgiebigkeit an die Lockrufe des Unternehmertums, das ja im wesentlichen nur die eine falsche Melodie der Lohnsenkung in allen Ton- arten zu singen weiß. Wir hoffen immer noch, daß der Zentrums kanzlerBrü- n i n g mehr auf die Stimme des Zentrumswifsenschastlers Dessauer hör« als auf die Stimme der Industriellen, der Bankdirektoren und der Unternehmersyndizi. Löhne und preist. Sie Löhne sind erheblich schneller gesunken als die Lebens- Haltungskosten. Das Statistische Reichsamt hat eine neue Feststellung über die Entwicklung der Lebenshaltungskosten, und zwar vom November 1923 bis zum November 1931 getroffen. Die gesamte Lebenshaltung einschließlich Wohnung soll demnach im Zeitraum dieser beiden Zahre um 13,7 Broz. verbilligt worden sein. Wenn man die Wohnung nicht mit einrechnet, sei ein Rückgang um 17.4 B�oZ- erfolgt. Wir lassen dahingestellt, ob diese Feststellungen des Statistischen Reichsamts. die für 72 Gemeinden getroffen worden find, richtig find. Auch wenn sie richtig find, ist zu beachten, daß beispielsweise Wohmnigs-, heizungs-, Beleuchtung«- und Berkehrs- ausgaben in diesem Zeitraum dem Breise nach entweder nur sehr wenig gesunken oder sogar gestiegen sind. Da außerdem angesM« der starken Einkommensbeschränkungen der Anteil dieser Soften an den Gesamtausgaben sich erhöhl hat, die Rechnungsmethode des Statistischen Keichsamtes aber unverändert geblieben ist, sind enl- sprechende Abstriche bei der lleberlegung zu machen, wie die Senkung der Lebenshaltungskosten ans die Lebenshaltung der Mafien selbst eingewirkt hat. Wir haben nun gestern in unserem Aufsatz„Herrn Langes falsche Lohnmathemotik" sestgeslelll. daß die tatsächlichen Lohuver» d i c» st e bisher im Durchschnitt um IS bis 20 B�oz.. unter Berücksichtigung der neuesten Lohnsenkungsaklion bereits um volle 2 0 B roz. gesunken sind. Diese Feststellung stützt sich ans in der jüngsten Zeit durchgeführte Erhebungen. (?s steht also fest, daß die bisher durchgeführten Lohn- senckungen ein erheblich schnelleres Tempo hatten als die Vcrbilligung der Lebenshaltungskosten in den bei-den letzten Iahren. Verlust bei der ACG. Umsah von 520 auf 3?« Millionen Mark gesunken. In der Aossichtsratssihung des AEG.-Konzerns teilte der Vorstand am Sonnabend mit, daß der Umsatz der AEG. in dem am 30. September abgelaufenen Geschäftsjahr um rund 30 Broz. von 520 auf 370 Mill. Mark gesunken ist. Der Rückgang im Auftragseingang ist auch in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres noch nicht zum Still st and gekommen. Durch den Ausfall von Investierungen bei dem Staat, den Kommunen und der Industrie konnten die Betriebe nicht ausreichend beschäftigt werden. Die internationale Krisis und die neuen Zoll- mauern haben zugleich die Exportmöglichkeiten mehr und mehr eingeschränkt. Nach dem Bericht des Vorstandes war die Verwaltung bemüht, die Gesamtorganisation des Unternehmens dieser Situation an zu« passen. Die Senkung aller Unkosten und auch der Personalaus* gaben, die„mit weitgehender Wirkung" durchgeführt wurden, haben sich jedoch im abgelaufenen Geschäftsjahr noch nicht voll ausgewirkt. Die noch nicht abgeschlossenen Bilanzarbeiten werden daher voraus- sichtlich nach Vornahme der notwendigen Abschreibungen einen Betriebsverlust ausweisen. Die Finanzlage ist zufrieden- stellend. Den Pfund-Forderungen stehen in ausreichender Höh« Pfund-Verpflichtungen der Firma gegenüber. Zu dem Wertpapier- besitz wird noch gesagt, daß auch bei einer Bewertung der Effekten m Aus der : Steppdecke J Kunstseide In versd�e- \ denen Forben, Untersei- ' te Sarin, mit Holbwoll- ' füllung, Gr. 150*200 J(. 19 50 jDamenstrümpfe ! aus reiner Wolle, in J schonen Farbe«... 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Man niuß daher vor weiterer Stellungnahme die Veröffentlichung der Bilanz und des Geschäftsberichts abwarten müssen. Frankreichs Einfuhrdroffelung. Oer deutsche Export nicht betroffen. Die französische Regierung hat am Freitag eine Verordnung erlassen, die für Länder mit Devisenkontrolle eine Beschrän- t u n g der Importgenehmigung vorsieht. In der Ver- ordnung heißt es, daß zur Wahrung der französischen Exportintcr- essen die Einsuhr aus den Ländern, die eine Devisenkontrolle ein- geführt haben, von der Bewilligung einer Einfuhrgenehmigung in Frankreich abhängig gemacht wird, falls die Devisenkontrolle in den betreffenden Ländern die Regelung der französischen Guthaben beeinträchtigt. Wie von zuständiger Stelle in Paris erklärt wird, beziehen sich diese Einfuhrbeschränkungen nicht auf Deutschland, da die deutsche Devisen-Zwangswirtschast eine Transferierung der französischen Exporterlöse aus Deuischland nicht verhindert. Schwere Rückwirkungen der englischen 3ollpol»tik. Die neuen englischen Wertzölle in Höhe von SO Proz. lassen, wie von industrieller Seite mitgeteilt wird, schwere Rückwirkungen für die sächsische Textilindustrie befürchten. Die Strumpf- und W i r k i n d u st r i e ist mit 80 bis 8S Proz. am englischen Import dieser Fabrikate beteiligt gewesen und schätzt die Folgen der neue» Zollerhöhung auf einen jährlichen Exportausfall von annähernd 50 Mill. Mark. Da das englische Geschäft seit Mitte November so gut wie zum Stillstand gekommen ist, werden größere Still- legungen nicht zu vermeiden sein. Tiefstand im Kaliabsah. Schädigungen durch die Osthilfeverordnung? Der Umsatz des Deutschen Kalisyndikats hat im November einen Rekordtief st and erreicht. Soisonm'äßig gingen die Abladungen gegen Oktober von 332 700 auf 385 219 Doppelzentner Reinkali zurück. Verheerend aber ist die Umsatzschrumpsung, wenn man die Abladungen des Syndikats im November der drei vorhergehenden Jahr« zum Vergleich heranzieht. Gegenüber 1930 ist hierbei ein Umsatzrückgang von 30 Proz., gegen 1929 ein Rückgang von 31,6 und gegen November 1928 sogar«ine Umsatzschrumpfung von 60,1 Proz. zu verzeichnen. In den ersten sieben Monaten des laufenden Düngejahres(Mai/April) ist der Absatz auf 1,13 gegen 6,8 Millionen Doppelzentner in, Vorjahr gesunken. Das rapide Fallen des Novemb«rabsatzcs dürfte entscheidend durch die neue Osthilfe-Notveroronung beein- f l u ß t sein, da die Düngemittelindustrie ihre Lieserungen auf Kredit wegen der durch die Notverordnung geschaffene R e ch t s u n- sichcrheit nach dem Osten eingestellt hat. Schwankende Pfundkurse. Dos englische Pfund war an den beiden letzten Wochentagen lebhaften Schwankungen ausgesetzt. Nachdem am Freitag- nachmittag größer« Angebote«inen schärferen Druck aus den Pfund- kurs ausgelöst litten, die in New Park zu einem Rückgang von 3,38 aus 3,32 Dollar führten, hat sich an den Sonnabendbörsen eine leichte Befestigung durchgesetzt. So erholt« sich das Pfund gegenüber der Reichsmark von 11,19 auf 11,27 M., gegenüber dem Dollar von 3,32 auf 3,31, während in Holland der Pfund- druck nach wie vor wegen der bekannten Vorgänge bei der Nieder- ländischcn Staatsbank anhielt und zu einem weiteren Kurseinbruch auf 8,2S gegen 8,28 Gulden führte. ver Großhandelsindex. Die vom Statistischen Reichsamt für den 2. Dezember berechnete Richtzahl der Großhandelspreise ist mst 105.7 gegenüber der Borwoche um 0,5 Proz. gesunken. 10 Proz. Dividende im Frankfurter Metalltonzern. Der Aufsichtsrat der Gold- und Silberscheideanstalt beschloß, der auf den 8. Januar 1932 einzuberufenden Generalversammlung die Ver- teilung einer Dividende von 10 Proz. auf die Stammaktien und von 6 Proz. auf die Vorzugsaktien für das Geschäftsjahr 1930/31 vorzuschlagen. Die größte Dank der Welk, die Chase National Bank- New Port1, hat sich noch die American Expreß Bank and Trust Co. angegliedert, deren Vermögen kürzlich 180 Millionen Mark betrug. Durch diese Angliederunz verstärkt die Chase National Bank abermals ihre finanziellen Kräfte, nachdem eben erst die zweit- frößte Bant der Vereinigten Staaten, die National City Bank, durch ie Fusion mit der Bank of America größenmäßig der Chase National Bank sehr nahe gerückt war. Einer der größten Aktionäre der Chase National-Gruppc ist John D. Rockeseller. WodienproKrsmm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 6. Dezember: 6.30: Funkgymnastik. 8: FBr den Landwirt. 8.55: Morgenfeier. An- selilieBerd Glockengeläut des Berliner Doms. 10.55: Wettervorhersage. II: Elternstunde. 11.30: Ans Leipzig: Bach-Kantate. 13: Lyrik der Zeit. 12.30: Aus dem Großen Schauspielhaus: Matinee. 13.45: Hörbericht von der Nikolausfeier der Siedlung St. Joseph in Beriiu-Britz. 14.15: Kinderstunde. 14.45: Weihnachtslieder. 15.15: Ein Besuch auf St. Helena. 15.35; Volkstümliches Orchesterkönzert. 18: Geschichten erzählen. 18.50: Sportnachrichten. 15:„Der Stern fiberm dunklen Hof" von Clara Viebig. 15.30: Ans Köln:..Figaros Hochzeit". Komische Oper von Alozart. 23.40: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Montag, 7. Dezember: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend; FrQhkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwiit 14: Konzert. 15.20: Jenny Marx, die Lebensgefährtin von Karl Marx. 15.40: Julius Bahnsen zum 50. Todestag. 16.05: Hygiene und Aesthetik. 16.30: Chopin-Konzert. 16.50: Oesterreich ische Lieder. 17.10: Violinvortrage. 17.30: Bücherstunde für junge Menschen. 17.50; Literatur um 1910. 18.20: Bücherstunde. 18.30: Die außenpolitische Mission der deutschen Presse. 19; Stimme zum Tag. 19.10: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15: Unterhaltungsmusik. 20:„Achtung! Achtung! Hier Welle ABC". Ein musikalisches Spiel. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Aus Breslau: Auf der Brcslau.er Dominsel. 22.10: Politische Zeitungsschau. Anschließend: Tanz- und Unterhaltungsmusik. Dienstag, 8. Dezember: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert, 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Konzert. 15.20: Die Frau als Hüterin der Tradition. 15.40; Zum Gedenktag der Seeschlacht bei den Falklandinseln. 16.05: Klaviervorträge. 16.30; Kinderlesestunde. 16.50: Bücherstunde. 17: Von. der bildenden Kunst. 17.10• Unterhaltungsmusik. 17.55: Was ist Weltkultur? 18.20; Sozialpolitische Umschau. 18.45: Alfred Wolfenstein liest eigene Dichtungen. 19.10: Stimme zum lag. 19.20; Tanzabend. 21.30: Tages- und Sportnachrichten. 21.40: Klavierkonzert. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, 9. Dezember: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 9: Von der Deutschen Welle: Schulfunk. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt 14: Konzert. 15.20: Die Kunst der Unterhaltung. 15.40: Chemie, Mikroskopie und Verbrechen. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Musik zu Komödien. 17.30: Doktor Ueberall erzählt. 17.50; Bücherstunde. 18: A. de Nora liest . Erinnerungen". 18.30: Von der Französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß. 19: Stimme zum Tag. 19.10: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15; Mandolinenorchestcr-Konzert 20.30: Tages- und Sportnachrichten. 20.40;„Die ersten Menschen", Oper von Stephan. Danach: Tanzmusik. 0.30; Nachtkonzert. Donnerstag, 10. Dezember: 6.30: Funkgymnastik- Anschließend: Frnhkonzert 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14; Konzert. 15.20: Korsika. 15.40: Musijc der MaorL 16.05: Faschismus und Republik. 16.30: Orchesterkonzert. 17.30; Die Einwirkung der Devisen-Notverordnung auf die Rechtslage. 17.55; Bücherstunde. 18.05: Neue Klaviermusik für die Jugend. 18.25; Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30: Paul Alvcrdes liest aus eigenen Werken. 19: Stimme zum Tag. 19.10: Chorgesänge. 19.30: Wirtschaftler zur Gegenwart. 20: Heitere musikalische Kammer-Unterhaltung. 21; Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Konzert, Danach: Tanzmusik. Freitag:, 11. Dezember: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Konzert 15.20; Kindertheater und Theaterkinder. 15.40: Vagabunden in der Literatur. 16.05: Der Bobsport und Lake Placid. 16.30: Konzert. 17; Pfadfinder pilgern ins heilige Land. 17.20; Böchcrstundc. 17.30; Zehn Minuten Funkhilfe. 17.40: Populäres Orchesterkonzert. 19; Stimme zum Tag 19.10; Wiener Schrammelmusik. 20: Aus Washington: Worüber man in Amerika spricht. 20.15; Paris um 1800. 21.15: Tages- und Sportnachrichten. 21.30: Cellokonzert Anschließend: Stunde für die Winterhilfe. Sonnabend, 12. Dezember: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Konzert. 15.20: Kinder spielen für Kinder. 15.40: Für den Siedler und Kleingärtner. 16.05: Alte und neue ungarische Volksmusik. 16.45; Zehn Minuten Film. 16.55: Blasorchesterkonzert 18.40: Sportglossen. 18.50: Bücherstunde. I9r Stimme- zum- Tag. 19.10;..Die Pflüger" von Friedrich Griese. 19.30: Alle Vfolininusik. 30t Rechtsfragen des Tages. 20.33:„Fortunlos Lied", Komische Oper von Offenbacb. 21.30: Aus Wien: Ausschnitt aus der Funkakademie der Proinl-ffenten. 22.30: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Aus dem Berliner Theater: Ausschnitt aus dem Bunten österreichischen Abend des Oesterreichischen Hilfsvereins C. V. Königswusterhausen Sonntag, 6. Dezember: A.b 6.30: Ucbettragung aus Berlin. 12: Deutsche Charaktere: Scharnhorst 13.45: Dichterstunde. 14.10; Märchen von Goethe. 15-15; Maler als Bildhauer. 18: Eindrücke beim.Besuch der Internationalen Pariser Kolonial-Ausstellung 1931. 18.25: Das Quintett. 19.20: Auf den Spuren einer Eiszeitrasse. 19.40: Stunde des Landes. Deutschlandsender: 20: Aus Berlin: Wiener Abend. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Montag, 7. Dezember: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert 17.30: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18: Die Mystik in den Religionen der Völker. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.50; Stunde des Landwirts. Anschließend: Viertelstunde Funktechnik. 19.30: Aktuelle Stunde. Deutschland- Sender; 20: Unterhaltungsmusik. 20.30; Aus Breslau: Kammermusik. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 8. Dezember: 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Musik in der Einheit der Kunst. 18: Bücherstunde. 18.30; Die Krisenbekämpfung einst und jetzt 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft 19: Englisch für Fortgeschrittene. 20.15: Weltanschauung und Gegenwart. Deutscfalandscnder: 19.30: Aus Leipzig: Volksmusik. 21; Tages- und Sportnachrichten. 21.15: Aus Leipzig: Aus berühmten Operetten. 22.30: Aus Hamburg: Instrumental-Kabarett Mitlwodi, 9. Dezember: 16: Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Geistliche Negerlieder. 18: Theater und Konsument 18.30: Unser Recht te der Notzeit.|8.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wirtschaftskrise und Kaufkraft der Beamten. Deutschl-andsender: 19.30: Aus Hamburg; Heiterer Abend. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Aus Hamburg:„Die schwarze Galeere". Hörspiel. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 10. Dezember: 16: Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Berlin: Nachmittagskonzert 17.33: Das Irrationale im Weltbild der Gegenwart. 18: Die Wunder Aegyptens. 18.30; Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft 19; Stunde des Landwirts. 19.30: Aktuelle Stunde. 20.45: Die Devisenbewirtschaftung im Ausland. Deutschlandsender: 20; Konzert. 21. 10: Uebertragung aus Berlin. 22.40; Aus Köln: Nachtmusik. Freitag, 11. Dezember: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert 17.30: Hausmusik. 18: Volkswirtschaftsfunk. 18.39; Giftgase und Gasschutz. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 19.30: Die Welt des Arbeiters. Deutschlandsender; 20; Aus Washington: Worüber man in Amerika spricht. 20.15: Aus Köln:..Vasantasera". Ein Spiel nach dem Indischen des Sudraka von Liou Feucluwanger. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 12. Dezember: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 173); Viertelstunde für die Gesundheit. 17.50: Das Recht auf die Gratiiikation. 18.05; Deutsch für Deutsche. 18.30: Unser germanisches Kulturerbe. 1'.53; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Englisch. für Anfänger. 19.50;!e Stunde. Deutschlandsender: 20: Aus Berlin: Konzert, 21; U;;l'erhaltungsmu; Anschließend; Uebertragung aus Berlin. Allgemeine Wetterlage. S.Dez. 4934, abds. ®yvBtl>*i"' rtZWi rrrrr* Marken-Teppiche in allen webaHen oi130*200<0.165*235 «.200*300 oii.jv-z.vv auuj-iOJ ca4iuv/-oww co.230x330 caLWODV caauu�UU 14:18:26.-3? 2124-31;39.- 26:36.-» 456Z.K94 527356:114 62-96.-128.i98: 250*350 300*400 c YASTIK�O�S BELU&JISTANOO: ----------■- �y.� ca.?0x150iCO- ® extra schwer 2� 50f 1 Brucken Bettvorlagen cHERISfein 3bisca-100*200, l APSCHARI2Q50 MOSSU L CT 5 biscalOOxISO�X* bis ca. 110x170 Dt» 129. ! ca 90 200 11.-° 5?M,o3.8S CO. 350 460 133:i148:i198; Beltumrondungen Läuferstoffeteig- 3?5a,a,,"4wg?i65?0 KASAKi».»' besondinkeressStücke Daunendecken Steppdecken! Kunsrseid. Damast Rückseite dounendktzt., Sakirv beste Verorpee. wng.in allen Farven :4ff Sahn, doppelseitig. mod.Farben. Halb- Wollfüllung, m. 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Die Neuheit fürden Ueber- gangshut: Filz mit Cellophary und Schleie J Fesche Boucld- artlge Mode- Kasak in den modernen Farben, nur Zum Ueber- gang die elegante. flotte Filzkappe mit Stroheffekten Nicht nur elegant, sondern auch praktisch, der moderne Velours- Mantel mit echtem Opossum (auf Edelpelz gefärbt). Auf Futter, nur Sehr elegante Cripe- Satin- Bluse, schicke Ausführung. In Modefarb.,nur An diesem geschmackvollem Mantel aus m o I I i g e m Velours ist der langhaarige, große Pelzschal besonders reich. Gefüttert, nur l 1 TTTn Molliger Woll- \ m II\\ plüsch-Mantel. \»e\/\ 1 ganz gefüttert. | 1/\ 1 Moderner, molli- GrößeZO-90. Gr,40 Lj Li II\ l ger Ulster, flott, üed.w.it-GröB.+ i.-j (jSr£/ QJ mit schönem Fut- R>. n Gemustert. Cord- Das dunkelblaue ter. Fürca.lOJahre samt- Kleid, kunst- Kieler-Pyjack.(>ndot man bei den G e- m o i n d c s ch u l e n diese Rücksicht nicht geübt, vielmehr die eine Kurzstunde, die bisher bestand, wodurch Schulschluß schon 5 Minuten vor 13 Uhr stattsand, auch aus 50 Minuten erhöht, so daß Schul- schluß setzt um 13 Uhr 30 Minuten ist. Weiter hat.nion auch die Pausenordnung verändert, indem man die beiden 20-Minutcn- Pausen auf 15 Minuten verkürzt und dafür die beiden 5-Minulen- Pausen aus 10 Minuten verlängert hat. Diese Verlängerung nützt den Slindern gar nichts, da sie in den kurzen Pausen doch nicht an die frisch« Luft kommen während die Verkürzung der langen Pausen sich sehr empfindlich bemerkbar macht, namentlich bei der ersten längeren Pause, in der sehr viele Kinder ivarmc Milch und warmen Kakao erhalten. Störungen beim Unterricht sind die natur- gemäße Folge. 2lm verhängnisvollsten aber wirkt sich der späte Schnlschbuß aus. Nach 13 Uhr sind namentlich die kleineren Kinder nicht mehr imstande, dem Unterricht mit irgendwelchem Nutzen zu folgen und werden in einer Weise unruhig, die auch zermürbend auf die Lehrkräfte einwirkt. In diesen Kreisen ist man besonders unwillig über die ungleiche Behandlung gegenüber den höheren Schulen sowie auch darüber, daß die Anordnungen getroffen sind, ohne daß man vorher mit dtp Rektoren und Lehrern, welche doch die täglich« praktische Er- Mrung besitzen, irgendwie Fühlung genommen hat. Blinde Parteigenossen! Eine Blindengruppe innerhalb der Sozialdemokratischen Partei ist vor kurzem gegründet worden. Nach einigen cknieitendcn Worten des Genossen Bark in einer Biindenversammlung wurde die vorgeschlagene Gruppenführung wie folgt einstimmig gewählt: 1. Vorfitzender Gen, Hans Bark, Berlin-Steglitz. Schloßstr. 99, Tel. G 2 5579. 2. Vorsitzender Gen. Rofenzweig, Berlin N. 54, Sophienstraße 8, Tel. D 2 0542. Schriftführer Willy Echte, Berlin- Neukölln, Fuldastraße 33. Darauf hielt Genosse R i ch t st e i g ein turzes Referat über Parteigeschichte. Nach Schluß des Neferates setzte eine lebhafte Debatte über Wesen und Ziele der neuen Blinden- gruppe ein. Sämtliche Anwesenden waren sich darin.einig, daß diese Neugründung notwendig war, um die blinden Genossen fester zusammenzuschließen und sich unter diesem Gesichtspunkt Wirtschaft- lich und politisch zu bilden und für die Partei zu werben. Diese so geschulie Organisation soll in die Lage versetzt werden, die Belange der Blinden einheitlicher und nachdrücklicher zu vertreten. A n- fragen und Schriftwechsel sind an den 1. Vorsitzenden zu richten. Die nächste Versammlung findet am 18. Dezember, abends 20 Uhr, im Lokal von Breudgen, Berlin N. 54, Sophien- straßc 5, statt. In dieser Versammlung wird ein Mitglied der Bc- zirksleitung Groß-Berlins ein Referat über sozialpolitische Tages- fragen halten. „Achtung, hier Welle ABC." Am Man tag, abends 2 0'UH r, übertrögt der Berliner Sender das Hörspiel„Achtung, achtung, hier Welle ABC." von R. A. Stemmte, dem Autor von„Kämpf um Kitsch". Stemmle hat in Verbindung mit Allan Gray, der die Musik geschrieben hat. ein Spiel geschaffen, in dessen Mittelpunkt die moderne Jugend steht. Gestern zog eine ganze Schar. 100 Schülerinnen und Schüler sind die Darsteller des Spiels, ins Funkhaus, um an die letzten Proben zu gehen. Schon in der Schule, die kleinen„Künstler" stammen aus der Karl-Marx-Schule und der a n g e- schlossenen Volksschule(53=54), wurde fleißig geprobt. Aber das Funkhaus ist doch etwas anderes, besonders für die Kleinsten: die Großen gehen selbstbewußt und siegessichcr an ihre Arbeit. Es wird gerade eine Szene geprobt, in der zwei Rcchenstunden, eine in der neuen und eine in der alten Schule, gezeigt werden. In der allen Schule herrscht der gestrenge„Herr Lehrer" mit dem„gelben Onkel". Aber der macht alles so ungeschickt und umständlich, daß es den Kleinen in der neuen Schule viel besser gefällt. Dort darf mon singen'"und fröhlich sein und lernt dabei alles spielend. Jeder ist «ifrigTbel der Sache. Plötzlich ruft der„Onkel Rrnidfiink": Uird nun Kinder wollen wir noch einmal den Schlußchor proben. Ächtung, fertig, los! „Alle spüren die schwere Zeit Ob groß oder klein. Wir wollen euch helfen Die Sorgen zu tragen, Wir bieten euch Großen die Hand— schlagt ein. Alles tobt und jubelt. Mit Mühe nur kann sich„Onkel Rundfunk" verständlich machen. Und nun auf Wiederhören am Montagabend um 20 Uhr. Die nächste Stadtverordnetenversammlung wird am kommenden Donnerstag, dem 10. Dezember, abgchallen. Beginn der Beratungen um 10?* Uhr.— Am Vormittag des gleichen Tages wird sich ein besonderer Ausschuß mit der„Kontrolle der Unterbringung, Behandlung und Verpflegung Berliner Fllrsorgezöglinge in sämtlichen städtischen sowie nicht städtischen Anstalten" beschäftigen. Erkrankungen bei Winterhilfespeifungen. Hamburg, S. Dezember. Im Rahmen des Winlerhilfswerks gibt auch die Studenten- Hilfe täglich an drei verschiedenen Stellen mehrere hundert Por- tioaen Mittagessen aus. Noch der Speisung am letzten Donnerstag stellten sich in allen drei Ausgabestellen bei etwa 300 Personen Erkrankungen an Magen, und Darmkatarrh ein. Soweit eine ärztliche Behandlung nötig wurde, ist diese von der Wohlfahrtsbehörde sichergestellt. Nach dein ärztlichen Befund handelt es sich jedoch nur um leichtere Erkrankungen, was auch daraus hervorgeht, daß fast alle Erkrankten gestern zu der Essenausgabc wieder erschienen sind. Da die sofort von der Gesundheitsbehörde und dem hygienischen Stoatsinstitilt«ingeleitete Untersuchung über die Ursache der Erkrankungen noch nicht abgc- schloffen ist, hat die Wohlsahrtsbehörde angeoranet, daß bis auf weiteres die Belieferung der drei Ausgabestellen durch die Küche der Studentenhilf« e i n g e st« l l t wird. * Für die Vorstellung arbeitende Zugend von 14 bis IS Zahrcn, heute, 15 Uhr, in der Bolksbühne, sind noch eine beschränkte Anzahl Karten ä 80 Pf. an der Kasse erhältlich. Gespielt wird„Der grüne Kakadu" und„Der Schlachtenlenker". Die Senkung der Rollgebühren. Der Reichsverband des Fuhr- und Kraftwagen-Gewerbes Deutschlands teilt mit, daß die bcab- fichtigte Senkung der Rollgcbühren erst mit dem Tage der Inkraftsetzung der zwischen der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft und den Auftragsspediteurcn abgeschlossenen Einzeloerträge, und zwar voraussichtlich am 1. Februar 1932 erfolgen kann. Zeugen gesucht! Der Gauvorstand des Reichsbanners schreibt uns: Kameraden oder sonstige Besucher unserer Sportpalastkund- gebung vom 2. Dezember, die Zeugen des Borgangs der Vcr» Haftung des Kamcrade» Ministerialrat K n ö n e r waren, werden gebeten, ihre Adressen schriftlich dem Gaubüro, Berlin S. 14, Sebastianstraße, mitzuteilen. Au«stcll»ng neuzeitlicher Schularbeit ber weltlichen Schulen Rcniöllnz im Bsiil, Teupitzer Ctrage, am Kanal. Die Ausstellung bleibt wegen des großen Andranges auch noch am heutigen tsonnlag von ll>— 17 Uhr und in der kommen» den Woche von 17—20 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Allen Genossen wird der Besuch dieser Ausstellung dringend empfohlen. Umkouick nack eiern ?os» gsrn gestattst. Viele Belustigungen für Kinder! 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Die Vorloge, über die die Wähler zu entscheiden haben werden, ist eine Arucht der revolutionären Bewegung. die am Ende des Weltkriegs die Schweiz mitzuerfasfen schien: im Aooember 1918 versprach der Bundesrat(die eidgenössische Regie- rung) unter zahlreichen anderen Reformen die Einführung einer Alters-, Invaliden, und chinterbliebenenversicherung. Di« weitere Entwicklung zeigt sehr deutlich di« Wirkungen der konterrevolutio- nären Well«, die seither über Europa zieht. Im Jahre 19W wurde durch eine Volksabstimmung die verfassungsmäßige Grundlage für die Einführung einer Alters- und Hinterlafsenenverficherung ge- schaffen— die Jnvaliditätsoersicherung wurde nur mehr„aus einen späteren Zeitpunkt" versprochen. Von den ursprünglich vorgesehenen fvinanzierungsquellen: Tabaksteuer, Bier- und Schnapssteucr, Erb- schaftssteuer, sind heute nur noch die Tabak- und die Schnapssteuer übrig geblieben, denen die Sozialdemokratie mangels besserer ftinanzierungsmäglichkeiten notgedrungen zustimmt; dazugekommen sind als kleine Ergänzung Beiträge der Arbeitgeber. Die Versicherung ist als allgemeine Volksoersicherung gc- dacht, der also jedermann beizutreten verpflichtet ist. Die Leistungen der Versicherungspflichtigen gehen vom neunzehnten bis zun, fünfundfechzigsten Lebensjahr und betragen achtzehn Franken jährlich für Männer, zwölf Franken jährlich für Frauen. Der Unternehmer hat pro Versicherungspflichtigen fünfzehn Franken jährlich zu bezahlen. Die Leistungep der Versicherung bestehen in einer Alters- renke von jährlich 290 Franken vom fünfundfechzigsten Lebens- johr an; in einer Witwenrente von ISO Franken jährlich vom fünfzigsten Lebensjahr an; in einer Waisenrente von SO Fron- rcn jährlich bis zum achtzehnten Lebensjahr. Dazu kommen tan- tonole Zusatzoersicherungen, die in einigen Kantonen bereits bestehen. Während einer Uebergangszeit von eineinhalb Jahrzehnten sind die Leistungen im allgemeinen auf die chälste berabgefetzt. Di« Hälfte der Kesomtaufwendungen tragen Bund und Kantone, die andere Hälft« Versicherte und Arbeitgeber. So bescheiden diese Beträge auch anmuten mögen, sä ist das Versicherungswerk dennoch Gegenstand eines sehr e r b i t t e r- ren Kampfes geworden. Zwar hat das Gesetz im Nationalrat eine Mehrheit von 163 gegen 14, im Ständerat eine Mehrheit von gegen 5 Stimmen gefunden. Aber sofort bildete sich«ine widerliche Koalition von Großkopitalisten und Konmmniflen zur Bekämpfung des Gesetzes heraus, die die Volksabstimmung erzwang. Offiziell hat neben den Kommunisten und der kleinen großkapitalistischen Gruppe der Liberal-Konservatioen lein« einzig« Partei gegen das Gesetz Stellung genommen. Aber im dunkeln und daher um so schwerer faßbar hat auch di« Katholisch- � Konservative Partei in einigen Kantonen der Vorlage den Kampf engesagt. Es wird der ganzen Kampfkraft der Sozialdemokratie bedürfen, wenn dieses Gesetz, das so weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, in der Volksabstimmung nicht in der Minderheit bleiben soll. An den gleichen Abstimmungstagen fällt in der Bundeshaupt- Oedt Bern«in« wichtige politisch« Entscheidung. Sowohl der S t a d t r o t als auch die Gemaindeaxekutiv«. in Lern Gemeinde- r« t genannt, stehen zur Dolkswahl. Im Stadtrat besitzen die Sozialdemokraten gegenwärtig die Mehrheit, nämlich 41 gegen Ig bürgerlich« Mandate. Im Gemeinberat sind fi« dagegen nur durch drei von sieben Mitgliedern vertreten. Di« Sozialdemokratisch« Pgrtei versucht nun diesmal, durch di« Aufstellung eines vierten Kandidaten die Mehrheit auch in der Exekutiv« zu erobern. Ob die ausgezeichnete Organisation und Propaganda der Sozialdemo- lrytie in Bern dieses Ziel heute schon zu erreichen vermag, kann nur der Wahltag selbst lehren. Kommunist gewesen! llebcrtritt zur Sozialdemokratie. Araaaschweig. 5. Dezember.(Eigenbericht.) Der frühere KPD.-Sekretär und Redakteur Willi Bauer erklärt ist, heutigen„Aolksfreund" seinen Uebortritt zur SPD. Dauer alias Buch war ein Jahrzehnt in leitenden Funktionen der KPD. und weiltc u. a. länger« Zeit in Ruhland. In einem längeren Ar- i!k«l schildert der ehemalige KPD.-Führer die Zustände in der Koni- munistischen Partei. Nachdem er die Atchängigkeit der T h ä l- ma nn, Neumann, Remmele. Pieck, Stöcker usw. von Moskau an einigen Beifpiclsn dargelegt hat. fährt er fort: „Sie olle sind traditionell« Ilmsaller, die wegen der damit verbunöeneu finanziellen Einbuße nicht den Mut haben, di« im stillen Kämmerlein eingestanden« Politik bis zur Konsequenz durchzuftjhrqn. Das ist Gesinnungskorruption schlimmster Sorte. Bon einem KPD.-Arbeiter im Betriebe jedoch verlangt diese selbe Parteileitung, haß-r die Politik seiner Partei auch-uf d'« Gefahr de« Cristenzveriu stes vertritt. Di« KPD. hat �wiederholt die Pa« rpl« herausgegeben, daß auch di« kleinste Schwäche der sozialdemo- kratilchen Führer ans Licht der Oeffentlichkeft gezerrt werden muß. um den Arbeitern„das wahre Gesicht ihrer Führer" aufzu- zeigen. Niemals aber hat es die Kominunist, sche Partei gewogt, da« Privatleben ihrer„Größen" den kommunistischen Arbeitern vor Augen zu führen." Bauer Wüßt seinen Artikel mit der Aufforderung, daß es an- pesicht» der Zuspitzung in Deutschland Pflicht eines jeden einzelnen sein muß, sich an di« Seite der Sozialdemokratischen Partei zum Kampf gegen den Faschismus zu stellen. Nazi«Agenten bei der Post. Tkazibeomftn verletzt dob Telephoageheimnis— ein Ttozi sabotiert die Unters lichuag Di« Reichsdifziplinarkammer Berlin hat nach mehrstündiger Ver- Handlung den Til»graph«ns«kr«tär König mit Dienst- ontlossung und di« Telephonbeamtin W»hnelt mit ein«r Geldstrafe b»strast. weil sie sich schwere disziplinarische Bersthlungtn haben zuschulden kommen lasten. Dt« nationalsozialistisch, Telephonbeamtin Wehnelt hat auf Grund»in«, Ueberfallanrufs. den st« unter Verletzung des Dienst- qeheimnistes weitergab, SA.-Trupps zu einer Schlägerei in Marsch gefttzt. König sollte den ungeheuerlichen Vorganz untersuchen. Cr bat statt dessen der Wehnelt erklärt, wie sie sich herauslügen könne und damit sein« Pflicht als Untersuchungsführer auf» schwerste verletzt. Bilder Freie Sozialistische Hochschule. Kunst- und Weltanschauuug. Im Rahmen der Vorträge der Freien Sozialistischen Hochschule sprach Genosse Profestor Leo Kestenberg über das Thema: Kunst und Weltanschauung. All die Fragen, die sich hier erheben, — Fragen, deren Beantwortung für die Gegenwart und die lebendige Kunst von allerhöchster Bedeutung ist.— können nur auf dem Boden der materialistischen Geschichtsauffassung, des Erbes der Meister Marx und Engels beantwortet werden, einer Geschichts- auffassung, die von dem platten Materialismus, den ihr übelwollende und unwissende Gegner zu unterstellen pflegen, himmelweit ent- fernt ist. Mag man die Möglichkeit eines geschlossenen Weltbildes noch so sehr bestreiten, wenn wir„die Gesamtheit der Gedanken eines Menschen über die Welt, seine Stellung und seine Ausgabe in ihr"'als Weltanschauung bezeichnen, müssen wir zugeben, daß jeder Mensch über eine solche verfügt, mag sie nun umfassender oder weniger umfassend sein. Die Kunst nun— es kann gar nicht anders sein— ist der höchste, freieste Ausdruck einer Weltanschauung: wenn auch ihr« vollkommene Freihett eine Täuschung ist. Letzten Endes ist ja alles, was Menschen denken, wollen und tun, von der wirtschaftlichen Lage abhängig. Weltanschauung also eine Funktion der ökonomischen Faktoren einer Zeit und die Kunst als Exponent dieser Weltanschauung cbcnfalls durch diese Faktoren bestimmt. Sie ist ein— wenn auch unendlich wichtiger— Bestandteil des Ueber- baues: diesen Zusammenhang zwischen Oetonomie und Uebcrbau nun gilt es zu erkennen, es gill bewußt werden zu lasten, wie sich die wirtschaftliche Sttuktur in der Kunst selbst charakterisiert, Auch di« bürgerliche Wistenschaft ist längst dazu übergegangen, Soziologie zu betreiben— d. h. die unhaltbare These einer voll- kommen freien Kunst, die Fiktion des„I'art pour I'art" fallen zu lasten, da di« Zusanuneichänge im sozialistischen Sinn immer deutlicher, Beweismöglichkeiten der Behauptungen der materialistischen Geschichtsauffassung immer unwiderleglicher werden. Bei aller klar zu erkennenden Abhängigkeit aber ist doch Freihett der Phan- taste, des Wollens und Handelns nicht vollkommen geschwunden. Kein Künstler will(wie man es sich vor einigen Jahrzehnten noch vorzustellen beliebte) gleichsam im luftleeren Raum allein und isoliert sein: er bedarf des Publikums; Nehmen und Geben, Schaffen und Empfangen sind gleich wichtige Faktoren im künst- lerischen Prozeß. Der Künstler braucht die Menschen. Gewiß, er hat die Fähigkett der„Dollstreckung der Phantasiebilder", die Fähig- keit aber, diese Phantasiebilder zu haben, steckt in sedem, muß ja in jedem stecken, sonst wäre Kunst sinnlos. Das ist eine grundlegende und unendlich wichtige Erkcmttnis, von höchster Bedeutung gleicher- weise für Kunst und Kunstpädagogik. Jeder hat nicht nur di« Sehnsucht, sondern auch die ffähigkett sich auszudrücken; der Künstler Woche. in ganz besonderem Maße— so werden seine Phantasiebilder als die stärkeren von den anderen Übernommen. So kommt es, daß nicht nur das Publikum den Künstler, daß auch der Künstler dos Publikum braucht, daß also Weltanschauung des Künstlers wie Welt- anschauung des Publikums Faktoren der Kunst einer Zeit sein müssen. Es war besonders zu begrüßen, daß der Vortragende in der glücklichen Lage war, seine Gedankengänge durch musikalische Bei- spiele zu illustrieren, die hier gleichsam die Stelle von Lichtbildern vertraten, nur stärker waren als solche: dank der im Menschlichen so tief oerwurzelten Macht der Musik. Die christlich« Atmosphäre mittelalterlicher Mystik wurde in Orgelchoralvorspielen Bachs leben- dig, Beethoven, der größte Meister der Zett des bürgerlichen Idealismus, kam mit seinen L-Woll-Bariationen zu Wort, der äußerliche, virtuosische Glanz einer(mit famosem Elan gespielt«») Liszt-Rhapsodie führte in die von der guten Gesellschaft beherrscht« Konzertwelt des neunzehnten Jahrhunderts. Der Schluß des Vortrages war eins mit dem Beginn: die Nutz- anwendung all dieser Erkenntnisse auf unser« Zeit ist das Wichtige; unser« Zett, in der der M a s s« n w i l l e der ausschlaggebende Faktor ist. Zu ihrer Charakterisierung diente ein Stück des Brecht- Hindemtth'schen Lehrstücks, das durch einen Chor der Aolksmusik. schule Charlottenburg unter Reichenbach zur Aufführung kam. In unserer Zett nun, in der auf das Proletariat alles ankommt, muß dieses lernen, gebend und empfangend sich ihren Ideen nicht zu verschließen, muß es auch im Künstlerischen all« inneren Wider- stände überwinden und die Führung an sich reißen, di« ihm gebührt: und so jenseits kleinbürgerlicher Tradition und kleinbürgerlicher Ideale an all dem mitarbeite», was in unserer Zeit zur Gestallung drängt. Es war eine Veranstaltung von seltener Eiicheitfichkeit und Geschlossenheit, die bei den zahlreich Erschienenen größten Beifall fand. Die Verbindung von Rede und Beispiel, vom Gedanken über Kunst und Erläuterungen durch die klingenden Werke selbst(eine Verbindung, die allerdings eine sellen vielseitige und stark« Person- lichtett zur Voraussetzung hat) ist so glucklich, daß ihr« Wiederholung nur wünschenswert sein kann. Den harmonischen, prachtvollen Schluß bildete die gemeinsam gesungen« Internationale. Die posener Hinrichtung. Oer angebliche Spion war Tiatwaalpole. Warschau, 8. Dezember. In den Meldungen über die Hinrichtung des Soldaten K l a m k« wegen Spionage hatten die polnischen Blätter hervorgehoben, daß Klamke sich zur d e u t s ch e n N a t i o n a l i t ä t bekannt hätte. Diese Meldung ist unzutreffend, denn Klamk« hat sich selbst als einen Polen bezeichnet, wie auch sei« Lerwandten. Polizeimajor Lewii:„Zlach Gleinnh verfehl! Und da soll man nicht rasend werden, wenn die Leute den Minister hochleben lassen." hange-? enke, ZN. d. R.:..Die schön ist doch der deutsche Wald im Winter! Man sieht so klar die Beste, an denen man Tauseade aufhängen kann." --was. mit Ihren drei Neinea Vorstrafen, wo noch nicht mal Ehrverlust bei ist, wollen Sie von uns gleich einen teilenden Posten in heften haben?" Der Ewigblinde:„Und wenn sie mich aufhängen, ich bleibe dabei: Der Hauptfeind ist die Sozialdemokratie!" Sze bietet seinen Rücktritt an. Llnter dem Druck der pariser Chinesenkolonie. Paris, S.Dezember.(Eigenbericht.) Der chinesisch-japanische Konflikt ist heute noch dadurch weiter kompliziert worden, daß der chinesische Delegierte Sze auf die Auf- forderung der chinesischen Kolonie in Paris der Regierung seine Demission angeboten hat. Die chinesische Kolonie hat am Frei- tag«in« Versammlung abgehalten, in der die Unzufrieden- h e i t der Chinesen über die nachgiebige Haltung Szes und die Ohnmacht des Völkerbundsrats zum Ausdruck kam und in der eine Entschließung angenommen wurde, die folgendes verlangt: 1. Festsetzung eines Termins für die Räumung der Mandschurei vor Beginn jeder Verhandlung: 2. die nach China zu entsendende Kommisston soll die Räumung überwachen und die durch die Besetzung verursachten Schäden feststellen: 3. Ablehnung der Schaffung einer neutralen Zone: 4. Anrufung des Artikels 10 und im Notsolle des Artikels 16 des Völkcrbundspaktes an Stell« des Artikels 11: 8. Fernbleiben Chinas vom Rot, wenn dessen Beschlüsse nicht befriedigend sind, evtl. Austritt Chinas aus dem Völkerbund. Durch ein Telegramm wurden dem Gesandten Sze diese For- derungen überbracht. Daraufhin hat Sze an seine Regierung sol- gendes Telegramm gesandt:„Eine Delegation der chinesischen Ko- lonie verlangt von' mir die Annahme folgender Vorschläge: Fern- bleiben von den Ratssitzungen und Austritt aus dem Völkerbund Ich habe geantwortet, daß ich diesen Vorschlägen folgen«erde. s o b a l d ich den Befehl der Regierung hierzu bekommen habe. In- zwischen bitte ich. meine Demission wegen Unfähigkeit anzunehmen und einen besseren Nachfolger zu ernennen." Auch der Außenminister der Nanking-Regierung Wellington K o o ist zurückgetreten. Der Naziverrat an Südtirol. Hitler hat für die Opfer Mussolini«! keine Zeit. Ms Italien 19 IS feine Bündmspflichten mit dem Deutschen Reich und Oesterreich-Ungarn brach und in die Kriegsfront der Entente eintrat, muhten sich die deutschen Nationalisten vor Wul- ausbrächen und Aeuherungen tiefsten Ekels über diesen Treubruch und Verrat nicht zu lassen. Heute kriechen dieselben Leute und ihre meist jüngeren Nachfolger im Geiste— so dieses harte Wort er- laubt ist— vor demselben Mussolini, der in Frankreichs Sold der Hauptkriegstreiber In Italien gewesen ist und der als Diktator die Unterdrückung des Deutschtums im verlorenen Südtirol ins Ungeheure gesteigert hat. Da man aber in einer ZlbhängigkeU von Mussolini steht, deren Grad noch nicht genau zahlenmäßig bekannt ist, muß man bei allem sonstigen Ehauvinismus das Süatiroler Deutsch. tum verleugnen. Zu der Sprengung einer Jnnsbrucker christlichsozialen Protest- versammlung gegen diesen schändlichen Volksverrat unter dem Hakenkreuzlerruf.Südtirol verretfei* kommt nun noch fol- gender Bericht der Hugenbergschen Telegrophenunion aus Inns- brück: „Der Andreas-Hofer-Bund verössentlicht Mitteilungen über seine Verhandlungen mit der Nationalsozialistischen Partei wegen deren Haltung in der Südtiroler Frage. Von deni Standpunkt ausgehend, daß aus Tiroler Boden eine einheitliche Ausfassung der Süd- tiroler Frage sichergestellt werden müsse, hat sich der Andreas-Hofer- Bund an die NSDAP, gewandt und sie am 16. Oktober zu einer Besprechung eingeladen. In dieser Missprachc hat der Leiter des Gaues Tirol der NSDAP., Ingenieur Riedl, zugesagt, eine klare Stellungnahme seiner Partei herbeizuführen. Glcichzc'lig haben die Südtiroler Führer in München unmittel. bar versucht, mit hiller in Verbindung zu kommen und eine Aussprache zu erlangen. Es war ihnen aber nicht möglich, eine Aussprache mit Hitler selbst zu erreichen. Ebenso verblieben auch d'e mehrmalige» Versuche, aus dem Wege über die Gau- leitung Znnsbrnck eine endgültige Antwort zu erlangen, er- gebuislos. Nachdem der Andreas-Hofer-Bund nunmehr alles getan hat, was er mit seinen nationalen Pflichten vereinbaren kann, um auch von der Hitler-Bemegung eine der Tiroler Auffassung entsprechende Haltung in der Südtiroler Frage zu erzielen, muh er damit die eingeleiteten Verhandlungen als von den Nationalsozialisten ob- gebrochen erachten." Die südslawische Dikkatur hat dem erschwindelten„Parlament" ohne Opposition eine würdige Geschäftsordnung aufgezwungen. Daniit wird ein Parlament schon gekennzeichnet, denn die Fest- setzung seiner Hausordnung ist natürlich seine eigene Sache. Man hätte ja für den Anfang ahne weiteres die Geschäftsordnung der früheren, durch königlichen Staatsstreich abgeschafften Ekupschtina benutzen können. Ein Ausstand im belgischen Songogebict hat sich weiter aus- gebreitet. Auf dem linken Ufer des Flusses Sankuru sollen alle Ein- geborenen bewassnet und die Schisse ständigen Angriffen ans- gefetzt sein._ Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. ■SetantBottlid) für D-litck: Btltoi Schill; Sirtschaft: S. an-aelhöktt: SeroeDkschQftsbLZveguna: I. Gteiaer; sse�illeton: Dr. Ioha Gchikow»ki: Lokales und Sonstiges: Karstadt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärrs-Berlag G m b. K.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdrucker�i und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 68, Lindenstraße L. Hierzu 5 Beilagen. w yjejknaems. kaufe Jj«� scKonfetzt «MUMMWMl Ulonlog, de» 7. Dezember, abend« 1 Ahr. im Zageabheirn de» Aetbaabshaafea. EIs0ffer Sirahe 86 88, Eingang B Versammlung der Hills- and Transporiarbeller Lager', Saal» v. HaiarbeUer, Packer. Padterlnnen, Werkxeng- and Zeldi- nnnge'Anegeber, Anbin der, Elektro- wagen-. Kran, and FabnlnbUNbrer, EUeagiehcrclarbciicr Tagesordnung: 1. Dortrag dc»«oll Helnr. Malzahn: „Die readionaren Pthne der Unter. nehmer und unlere Aufgadenl'. S. Berdands- und Dranchenaugelegeu» Helten. Ohne MilgUedsbuch kein gitiritt Es ist Pflicht aller Kollege» und Kolleginnen, an dieser Versammlung de- stimmt teilzunehmen. vlenntag. ben 8. Dezember. abend» 7 Ahr. im vrrvandshana, Eingang Elsilffee Stratze 86 88 Brandien-Versamminnd der BanansdUdder Tagesordnung: 1. Bericht über unseren(Streif. 2. Berdands» und Branchenangelegen. hellen Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. AdHnng. WalzwerkarbeUcr I Sie Ocrltancnsmanacttonlecens der Wal tmertbcanehc füllt am Dan- neraiag. dem tv. Dezember, an«. vi« Ortrrerwaltang. kauft BALL— Berlin . UNZEN- 1887■ Handlung WllhelmstraO« 44 49 Jahre kauft alle Welt Teppkhen im Spezialhaus Emil efevre Berlin, nui« Moritzpiatz. H,0ranien$tr.158 �ahlunnserieichlefuiio ohne Autschlag!!"MW SpetMalMioiMi! ta».Meüjir§sjrfiffie Uutag i Qiuirstag teatlttsswertl KRÜN 02- SP ANOAUiR STRASSE- KONICSTRASSE 571* 48. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Sonntag, 6. Dezember 1931 Entdeckung des Gparkommissars. 22 proz. der Berliner Arbeitsamts-Angestellten überflüssig? 27 Proz. der Berliner Arbeitsomtsartgesiellten sind überflüssig. Das ist dos Ergebnis des Berichtes des Reichssparkornmissars, dessen Beauftragte in der Zeit vom 13. April bis 13. Juli 1831 die Arbeitsämter nachgeprüft hoben. Ein Bericht von 400 Seiten ist jcgt den Vorsitzenden der Arbeitsämter zugegangen. In diesem Bericht wird die Arbeit der Angestellten— der Spar« kommisfar bedauert, dah nur 86 Beamte tätig sind— in einer Weise herabgesetzt, die zum schärfsten Widerspruch herausfordert. Dem Sparkommissar gefällt die Berliner Richtung nicht. Der Aufbau der Arbeitsämter fei salsch. Die Angestellten verrichteten überflüssige Arbeiten und seien zu hoch bezahlt. Organisatorisch« Umänderungen nach den Richtlinien des Sparkommissars sollen um- gehend erfolgen. Bisher hat sogar der Präsident der Reichsanstalt anerkannt, daß die Angestellten der Arbeitsämter unter den denkbar schwierigsten Umständen in aufopferndster weise ihre Tätigkeit per- richten. Nervenzusammenbrüche. Ueberarbcit bis zum physischen Zu- saMmenbruch. zahlreich« Todesfälle infotge Herzschlag, Einlicferung in Irrenhäuser, waren bisher das Schicksal eines Teiles der Arbeits- amtsangestellten. Die Beauftragten des Sparkommisjars, die in den Verkehrs- schwachen Etunden-in den besten Räumen der Arbeits- ämter, abgeschlossen vom Publikumverkehr, die Nachprüfung an schönen Sommertagen. längstens vier bis fünf Stunden täglich, vorgenommen haben, haben sich so ihre„Kenntnisse" von der Tätigkeit der Angestellten ver- schafft. Keiner der Beauftragten hat sich tagelang in den Arbeitsnochweisen und der Vcrsicherungsabteilung acht S t u n- den hintereinander mit der Abfertigung der Arbeitslosen bc- schäftigt. Keiner der Beauftragten des Sparkommissars bezieht ein Rettomonatsgehal» von 160 M. und wird fortgesetzt mit Abzügen, außer den Notoerordnungsabzügen, bedroht, die bis zum Jahre 1828 zurückreichen. Kein Beauftragter des Sparkommissars ist von den Arbeitslosen in körperlicher Ausein- ondersetzung für die Kürzung der Arbeitslosen- und Krisenunter st ützung und der vorzeitigen Aussieue» r u n g aus Grund der Notverordnungsbcstiminungen angegangen. Kennen die Beauftragten des Sparkommissars die seelische Belastung, die die Angestellten der Arbeitsämter durch die jahrelange Betreuung von Arbeitslosen erfahren? Der Präsident der Reichsanstalt hat mit seinem Neujahrswunsch für das Jahr 1831 de« Dank an die Angestellten für die aufopferungsvolle Arbeit ausgesprochen. Die B e a u f- t r o g t e n des Reichssparkommissars stellen in ihrem Bericht die Berliner Arbeitsamtsangestellte« als zum großen Teil ungeeignet für die Arbeit hin. Jetzt schon wird aus Grund dieses Berichtes in mehreren Arbeitsämtern eine Einsparung und Herabgruppierung von Angestellten angekündigt. Die Angestellten der Berliner Ar- bcitsömter haben im Interesse der zu betreuenden Arbeitslosen viele Maßnahmen der Reichsanstolt über sich ergehen lassep. Der„geheime" Bericht des Reichssparkommisiars ist eine in ihrer Maßlosigkeit alles bisher Dagewesene übersteigende heraus- fordcruug der sreigewerkfchastlich organisierten Angestelltenschaft. Bisher sind die Betriebsvertretungen zu diesen geplanten Organisationsänderungen nicht hinzugezogen worden. Auch für die Arbeitsämter gilt der§ 74 des Betriebsrätegesetzes. Die verantworllichen Personen in der Reichsanstalt können sich in jedem Berliner Arbeitsamt während der sechs- und mehrstündigen Abfertigung der Arbeitslosen von der Arbeitsüberlastung der Angestellten überzeugen. Geschieht das, dann muß die Leitung der Reichsanstalt zu der Einsicht kommen, daß nicht eine Personalvermindernng, sondern eine Personalver- n-ehrung die erste Boraussetzung für ein menschenwürdiges Ar- betten ist. Die gegenwärtige Personalpolitik der Reichsanstalt wird in folgender Zuschrift beleuchtet. Das Meß- Ziffernsystem bei der Einstellung von Zeithilfen bei ständig steigender Arbeitslosigkeit ist völlig unzureichend. Erst wenn die nachhinkende Statistik einen Zugang aufweist, dann erst darf A u s h i l s s- personal eingestellt werden. Die anfallende Mehrarbeit wird aber nicht nach Erscheinen der Statistik gemacht, sondern l a n g e v o r h e r. In der Praris heißt das. daß Pas vorhandene Personal auss äußerste ausgepumpt wird, bevor die statistische Ziffer die Notwendigkeit von Ncucinstcllungen nachweist und damit bc- gönnen werden darf. Wie nun allmählich üblich, stehen zur Zeit wieder einmal alle Arbeitsämter Kopf, weil Witterung und Konjunktur— wie jedes Kind weiß— im Dezember erhöhte Arbeitslos enzisfern bedingen. Nun die Personalstclle der Rcichsanstalt scheint diese Tat- fache nicht zu kennen und nicht kennenlernen zu wollen. Bon den maßgeblichen Herren für die Personalpolitik läßt sich kein Mensch in den stürmischen Zeiten auf den Aemtern sehen. Das arbeitslose Publikum friert, schimpft und wartet auf seine Abfertigung, das Personal bricht vor Ueberarbcit bald zusammen. Dafür aber wird von oben her angeordnet, daß bei jedem Fehler in der Attenbearbeitung, der finanzielle Aus- Wirkungen zum Schaden der Reichsanstalt hat, der schuldige Angestellte festgestellt werden soll, damit er im Falle der Nichteinbringung der Schuld durch den Arbeitslosen zur Berant- inortung und Haftung herangezogen werden kann. Taufende von Akten werden falsch bearbeitet! Aber nicht die einzelnen Angestellten sind bei ihrer 5)etzarbeit an den Fehlern schuld, sondern die falsche Personalpolitik der Reichsanstalt.. Die Direktoren der Arbeitsämter, die die Praxis kennen, müßten in jedem einzelnen Falle auf diese Ursache hinweisen und sie als Antwort auf die Schuldigensucheverokdnung aktenkundig machen. Steht die Personalpolitik der Reichsanstalt schon jetzt unter der Fuchtel des Sparkommissars? Während die Polizei sich bemüht, Ansammlungen in dieser politisch so sehr gespannten Situation zu verhindern, bringen die Arbeitsämter infolge der verfehlten Per- sonolpolitik täglich große Massen der Arbeitslosen zusammen, deren ohnehin ziemlich starke Erregung durch den Personalmangel noch vergrößert wird. Die Angestellten, die mit den Arbeitslosen umzu- gehen haben und ihre Arbeit kaum bewältigen können, dürften nicht nach obendrein mit derartigen Verordnungen der Reichsanstalt und den Abbaudrohungcn des Sparkommissars drangsaliert werden. sie vom 1. Juli ab zu den erst am 30. Juni bekanntgemachten neuen Löhnen arbeiten sollten. Ein solches Verlangen könne erst nach Ablauf der Kündigungsfrist(in diesem Falle 14 Tage) wirksam werden. Hier- nach— sagt der Metallarbeiterverband— hat sich der Arbeit- geberverband des Tarifbruchs schuldig gemacht, denn infolge seiner Anordnung haben ja seine Mitglieder verlangt, daß die von ihnen herabgesetzten Löhne ohne Jnnchaltung der Kün- digungssrist in Kraft treten sollten. Das Arbeitsgericht Verlin hat den Metallarbeiter- verband zur Zahlung von 7000 M. an den Arbeit- geberverband verurteilt, weil der Metallarbeiterverband einen Streik unterstützt habe, der tariswidrig sei, weil die Herab- setzung ubertariflicher Löhn« noch dein Tarif zulässig sei. Di« Widerklag« wurde abgewiesen, weil der Arbeitgeberoer- band die Rechtswidrigkeit seines Vorgehens nicht schuldhaft ver- tonnt habe. Gegen das Urteil hat der Metallarb« iterverbaild Berufung eingelegt. Nach einer Verhandlung, die den ganzen Sitzungstng aus- füllte, erging das Urteil dahin: klage und Widerklage werden ab- gewiesen, die Kosten werden gegenemander aufgerechnet. Aus den wenigen Worten, init denen dos Urteil begründet wurde, ist zu cnt- nehmen, daß das Gericht«ine Verletzung des Tarifsriedens bei keiner der Parteien für vorliegend erachtet. Die Bedeutung dieses Urteils ist die: Der Arbeitgeberoer b a n d hat eine Niederlage erlitten, denn er war es, der vom Gericht festgestellt sehen wollte, daß der Metallarbeiter- verband durch Unterstützung des Arbettskampfes bei Schrmten- haus u. Linnemann den Tariffrieden verletzt habe. Dah dies nicht der Fall war, hat das Landesarbeitsgericht im Gegensatz zu dem erstinstanzlichen Urteil ausgesprochen. Arbeitgeberverband Nordwest abgewiesen. ArbeitSgerichtSurteil durch LandeSarbeitögericht aufgehoben Die seit Jahr und Tag schwebende arbe-itsgerichtliche Klage der Nordwestgruppe des Arbeitgcberoerbandcs der Eisern und Stahl- Industrie gegen den Deutschen Metallarbeiter- Ver- band wurde am Sonnabend in zweiter Instanz, beim Landes- arbeitsgericht Berlin, unter Vorsitz des Landgcrichtsdircktors Dr. Seil verhandctt. Den Anlaß der Klage bot ein Arbeitskamps, der sich im Juli vorigen Jahres abgefpictt hat. Auf Verlangen des Arbeitgeber- Verbandes lzaben mehrere Finne» die Akkordlöhne, welche über- tarifliche Verdienste ermöglichten, von sich aus herabgesetzt, nachdem die im Tarif vorgesehenen Verhandlungen mit der Arbeitervcrtretuug kein Ergebnis gehabt hatten. Die Finna Schnutenhaus u. Linnemann hatte die Löhne und Akkorde zum 1. Juli 1830 gekündigt, aber erst am 30. Juni die von ihr herabgesetzten Akkord- preise bekanntgegeben. Die Arbeiter waren nicht willens, zu diesen Löhnen zu arbeiten, infolgedessen ruhte der Betrieb. Noch der zu- treffenden Auffassung der Arbeiter waren sie ausgesperrt, denn sie sollten ja gezwungen werden, sich mit einer Lohnherabsctzung einverstanden zu erklären. Der Arbeitgeberoerband aber stellt die Behauptung auf, es sei ein Streik, und zwar ein tarifwidriger, denn die Arbeitgeber hätten ja nach dem Tarif das Recht, übertarifliche Löhne herabzusetzen, nachdem eine Verständigung über die neuen Lohnsätze nicht zustandegeiommen sei. Da der Deutsche Metallarbeiter- Verband den Streik u n t e r st ü tz t habe, sei er tarisbrüchig und schadenersatzpilichtig geworden. Der Arbeitgeberverband fordert mit der Klage einen Schadenersatz von 7000 M. Der Metallarbeiterverband fordert durch Widerklage einen Schadenersatz von derselben Höhe. Er stützt sich dabei auf ein aus demselben Anlaß, aber in einem anderen Falle«rgange- nes Urteil des Rcichsarlieitsgerichts, woraus sich ergibt, daß es tarlf widrig ist, wenn von de» Arbeitern verlangt würde, daß Burgfrieden im Ruhrbergbau. Zunächst nur für die Angestellten. Der Zechenvertand ist großherzig geworden; er hat den tech- Nischen und kaufmännischen Angcstelltenvcrbändcn mitgeteilt, daß er bereit sei, die bestehenden Gehälter und sozialen Zulagen der technischen und kaufmännischen Angestellten bis zum 31. Dezember 1331 unverändert zu lassen. lieber den Versuch des Zecheuverbandes, noch vor dem Feier- tag-Burgfriedcn die Lergarbeitcrlöhne erneut zu kürzen, sind Portciverhandlungcn zum 17. Dezember geplant. Die Gewerk- ichaftcn sind sich noch nicht schlüssig geworden, ob sie diesem Termin zustimmen. Ob der von dem Zcchcnverband heraufbeschworene neue Lahnkonflikt noch vor oder nach den Feiertagen zum Austrag kommt, ändert an den Dingen nichts, da die Arbcitcrlöhnc eben- falls bis 31. Dezember unverändert bleiben. Kommunistische Gireikmache. Sinnlose Opfer. Die sogenannte NGO. ist dazn da, Streiks zu machen, um den potuischen Kochtopf der KPD. zum.Kochen zu bringe:,. Der Ausgang ist freilich überall derselbe. Nach einigen Tagen oder Wochen erfolgt unweigerlich der Zusammenbruch, eine An- zahl Arbeiter sind die Opfer, die man ihrem Elend überläßt, um die Schuld an dem Zusammenbruch den— Gewerkschaften zuzuschreiben. Wir wollen an einigen typischen Beispielen aufzeigen. wie die NGO. Streiks macht. Bei den Niles-Werken in Weißensee hatte ein Arbeiter ein« Differenz, die sich aus der Arbeitsordnung ergab. Statt die Angelegenheit dem Deutschen Metallarbeiter-Verband zu melden. um diese Differenz entweder aus dem Verhandlungswege oder durch eine Klage vor dem Arbeitsgericht auszutragen, veranstaltete die RGO. unter Zuhilfenahme der üblichen Mittel des Terrors und der Lüge einen Streik der 30 Arbeiter der Abteilung. Das ist zwar hirnverbrannt, ober die kommunistische Presse kann dann Sensa- tionsmeldungen über eine„revolutionäre Streikwelle" bringen. Ein anderer„revolutionärer" Streit der gleichen Art dauert nun schon 314 Wochen bei der Firma L i n d n e r. Auch hier keine Anrufung des Meiallarbeiter-Verbandes, keine Verhandlungen. Es galt, wie der kommunistische Arbeiterrat M i e t h sagte, einen p o- l i t i s ch e n Streik zu führen. Die Forderung der gewerkschast- lich Organisierten, den DMB. heranzuziehen, wurde immer wieder abgewürgt, selbst unter Zuhilfenahme von Außenstehenden. Schließlich beschlossen die Mitglieder des DMV. selbst eine Vcrhaitdlungskommission zu wählen. Das Verhandlungsergebnis, }Ö5 Fesltaoe WennSi« noch einor Gobe«uchen, di« über dos Konventionelle hin- ousgeht— die elwo» für das laben »sin solli dann schenken Sie eine K I e i n- A d I e r Und nicht nur die Feiertage über wird die Freude anhalten— wenn andere Geschenke längst vergessen sind, dann wird ihre Klein- Adler täglich helfen, fördern und erleichtern, sich und ihren Spender in donkbore Erinnerung bringen. n ....««.,, ,, Ii- CA tfricM.»•cttMitcH'weiioid«! ane Adler Werke, Ftliale Berlin SWol, belle-Alliance-otr. O».«du eu». � � 5c>nim«!mjmnwi F 5 Bergmann 7000 kau«. Iwni•• eu( dw Klein-Adln* ipi«lc*dl Dr. Gertrud Rothgießerj Kinderärrt n Neu- Terrpelhof, Porades�raße 351 5p--chst jeUl iO-II. 4-5 F6 ßaerw. 27-<3 Betri ebskrankenkasse der Stadt Berlin. 2icr V L Siadjtioe d«r Satzung, bdtfffmt Acndeoing bei: g? Iba unb iA. ift vom OderverficherungvaMt Berlin gm 17. Ob loh« 1911 grnelinUx, uiwbeit. Ttuedürf' b« Satzung Vinnen nach erfolgtet Stutf- legung im Sagen tslal abgelangt oerben. Berit», den L-SejeiaSeE 1981. Sae Saefteelv- BeieudifanösitörpeT zu und unter F äiil IHpfCi$ Ge. Ge. m. d. H. Elisabeth-Ufer 28-29 9-6 Uhr v I r k s i m»lud die KLONEN ANZEIGEN i« dar G«s»nrtaufl*je de*-Vurwirt»-1«d trotidea Der grofte WeihnadiisVerkanf zu sensationeil billigen Preisen auf bequeme Teilzahlung Speziell in den Abteilungen Konfektion bieten wir In allen Größen, in, allen Farben, in allen Formen Außergewöhnliches. Vergleichen Sie unsere Preise mit n-nen anderer Geschäfte. Sie werden überrascht sein! 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Es war höchste Zeit, daß die Mitglieder des DMV. dem sinnlosen Treiben der RGO. ein Ende machten. Niemals hätten sie sich der Streikmache der RGO. beugen sollen, die allen Ersahrungen der Arbeiterbewegung ins Ge- ficht schlägt. In allen Betrieben müssen die Arbeiter endlich Front machen gegen ein Treiben, das mit wirtschaftlicher Kampfführung nichts zu tun hat und nur eine politische Agitationsmache der KPD. ist. � Die Wittler-Razizelle. Mit dem Brotfabrikanten Wittler haben wir uns früher schon einmal befaßt,«eil es uns aufgefallen war, daß der Herr von seiner Villa am Scharmützelsee die schwarzweißrote Fahne wehen ließ. Wenn nun die Arbeiter in Wittlers Brotfabrik zu der Auf- fassung gekommen sind, daß die Nazis sich bei ihrer Betriebszellen- ogitation nicht nur der stillschweigenden Duldung der Firma zu erfreuen haben, so kann dies unbedenklich zur Kenntnis genommen werden. Die von den Nazis einberufene Be- legschaftsverfammlung von Wittlers Brotfabrik am Freitag in der Hochschulbrauerei haben wir bereits erwähnt. Der Referent der Nazis machte sich damit wichtig, daß er soeben von einem Bierwochenaufenthalt aus Moabit komme und einem Redeverbot unterliege, das nur zeitweilig aufgehoben sei. Breit- spurig drohte der Held, wie die Nazis in ihrer großen Stunde mit uns Sozialdemokraten und sonstigen Nazigegnern umspringen würden. Zur Behebung der Arbeitslosigkeit gab er das Rezept an: Erhöhung der Zölle und Enteignung des Bant- und Börsen- kapllals. Cr versäumte die Einschränkung— soweit es nicht zu den Spendern für Hiller zählt. Nachdem sich«in KPD.-Mann gegen die Angriffe des Referenten gewandt hatte, rechnete Genosse D r e s s e l mit dem Herrn ab, dessen Gefolge dabei aufbrüllte. Der Vorsitzende ersuchte Dressel, bald aufzuhören, doch den Nazis wurde nichts geschenkt. Ihre blutrünstigen Drohungen schreckten keinen Sozial- demokraten, sie spornten dafür nur zu vermehrtem Kampfeseiser an gegen die Feinde der deutschen Arbeiterschaft. Der starke Beifall der wirklichen WitUerarbeiter nach der Rede des Genossen Dressel bürgt dafür, daß die Nazizelle bei Willler keine großen Eroberungen machen kann. Der Kampf gegen sie wird weitergeführt. Texiilarbeiierlöhne gekürzt. In Güdbayern und Krefeld. Im Lohnstreit in der südbayerischen Textil- indvstrie fällte der Landesschlichter einen Schiedsspruch. Di« Akkordsätze werden mll Wirkung vom S. Dezember um vier Prozent, die Zettlohnzulagen um acht Prozent gekürzt. Die Erklärungtfrist läuft am 9. Dezember ob. D«r Schisdsspruch für die Krefelder Seidenindustrie, der ein« Lohnkürzung von 4 und AV2 Proz. vorsieht, wurde von beiden Parteien angenommen. Privatversicherungen kündigen Tanfgehätter. Im Arbellgeberverband deutscher Versicherungsunternchmungen hat man die Entdeckung gemacht, daß die Gehaltssätze der Ange- stellten seit April 1929 unverändert geblieben sind. Um nun diesem Zustande abzuhelfen, wurde beschlossen, die Gehaltssätze zum 31. Dezember zu kündigen und am 8. Dezember mit den Ver- tretern der Angestellten zu verhandeln. Dorsichi vor Siedlungsschwindel. Ueberall spricht man von Siedlung. Findige Leute suchen Dumme auf dieser Tour. Eine neue Gründerzeit ist angebrochen. Mehr als 399 neue Siedlungsverbände treiben zur Zeit öffentlich und still ihr Unwesen. Sie versprechen auch den Arbeits- l 0 s en die Beschaffung einer ländlichen Siedlung. Unter den Gründern der Verbände mag sich mancher ahnungslose Idealist be- sinben. In den meisten Fällen gehen jedoch dunkle Existenzen auf den Fang von Arbeitslosengroschen aus. Wer für die Siedlung einen Rat braucht, wende sich an oie Gewerkschaften, vor ollem an die Kreis- und Gauleiter des Deut- sehen Landorbeiteroerbandes. Sozialversicherung. Internationale Regelung geplant. Di« nächstjährige Internationale Arbeitskonferenz wird sich mit einer internationalen Regelung der Invaliden-, Alters- und Hinter- bliebenenvcrsicherung beschäftigen. Das Internationale Arbeitsamt hat ein««ingehende Untersuchung über die in d«n verschiedenen Ländern besteheirden Systeme angestellt und den Regierungen hier- über«inen Bericht zugesandt. Die internationale Regelung soll auf gewisse Grundfragen beschränkt bleiben, die in Konventionen oder Empfehlungen international festgelegt werden sollen. Dazu gehörte insbesondere die obligatorische Versicherung aller Lohnempsäager. Aus dem geschichtlichen Ueberblick, den das Internationale Ar- beitsamt seinem Bericht über die Entwicklung der Sozialoersicherung beigegeben hat, geht h«rvor, daß Deutschland allen ande- ren Staaten vorangegangen ist, und zwar mit der Ein- führung der Invaliden- und Altersversicherung im sotfaiisllsoho Arhaiterjugenn erofi- Berlin Heute. Sonntag, 20 Uhr, Schulaula Pasteurstr, 44/46 oenenmche Musizierstunde Ausgeführt vom Orehester der SAJ. unter Leitung von Rudolf Barthel und vom Singekreis der SAJ. unter Leitung von Walter Rohde s Offene Singestunde unter Leitung von F. Hoffmann Elntr.tt SO Pfennlfl Jahre 1889. Es hat 13 Jahre gedauert, bis das nächste Land, Oesterreich, folgt«, das im Jahre 1996 eine Pensionsoersicherung für Privatangestellte einführte. Im Jahre 1911 vervollständigte Deutschland seine Gesetzgebung aus dem Jahre 1889 durch Einführung der Hinterbliebenen- Versicherung und der Ange st eilten Versicherung. Aus dieser Zeit datiert auch die Kranken- und Invalidenversicherung Großbritanniens. Nach dem Weltkriege führten Spanien und Italien die obligatorische Versicherung«in, in den Jahren 1923 und 1929 England die Alters- und Hinterbliebenenoersicherung. Frankreich hat im Jahre 1939 seine Sozialoersicherung neu organi- siert in einem Gesetzgebungswerk, das alle Zw«ige der Sozial- Versicherung umfaßt, was Leistungen und Umfang der Versicherung angeht, aber weit hinter den deutschon Einrichtungen zurückbleibt. Die Sozialoersicherungen der einzelnen Länder zeigen unter- einander große Verschiedenheiten. In Mitteleuropa und in Italien ist cm« starl« Angleichung an die deutsche Sozialoerflche- rung erfolgt. Frankreich und England haben besondere Systeme. Bei dem hohen Stand der deutschen Sozialversicherung würd« die vorgesehene internationale Regelung keinerlei materielle Aende- rungen der deutschen Gesetzgebung auf diesem Gebiet« bedingen. Tagung der Moskauer Zniernationale. Oevffcher Aericht von der Tagesordnung gestrichen? Moskaa(über Kowny), 3- Dezember. Am Sonnabend wurde in Moskau die achte Bolltagung der Kommunistischen Gewerkschafts-Jnternationale eröffnet. Auf der Tagesordnung stehen die Berichte der französischen, englischen und chinesischen Sektionen der kommunistischen Gewerkschaften. L 0- s 0 w s k i hielt«in« groß« Red« über die Loge des Kapitalismus, dessen Zusammenbruch jetzt Totsache sei. In Moskauer politischen Kreisen ist es oufgesallen, daß d i e Berichte der deutschen und der politischen Sektion der Kommunistischen Internationale auf Veranlassung der Sowjetregierung von der Tagesordnung gestrichen waren, um„gewisse Unannehmilchkeiten" mit den Regierungen der beiden bürgerlichen Länder zu vermeiden. Arbeiisbedingungen im(5as6 Lichtburg. Bar dem Arbeitsgericht klagt« der Kellner S. gegen den Inhaber des Eafäs„L i ch t b u r g" in der Bodstraße auf Rachzahlung des Garantielohnes. Die Verhandlung ergab, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Cafe„Lichtburg" ziemlich dunkel find. Garontielahn wird nicht gezahlt, wozu noch nichtbezohlte lleherstun- den kommen. In einem Vergleich erklärt« sich der Beklagte be- reit, 199 M. nachzuzahlen. Wie wir dazu erfahren, hat sich der Z e n t ra l v e c b a n d d e r Hotel-, Restaurant- und Cafcange st eilten wieder- holt mit den Arbeitsverhältnissen im Cafe„Lichtburg" beschäftigen müssen. Da alle Bemühungen bisher vergeblich waren, dürfte der Zentralverband nunmehr schärfer« Maßnahmen ergreifen. ?d»Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin t Stute, Sonntag. eilboftf«i«: Jugendheim Tempelhof. Scrmantaffc HS (ffiingang Dotzstrahe).„SUdfcegeschichten."— SorOtpcftlici»; Jugend. heim Spandau, Ltndenufer i..Lachende Jugend."— Jugendheim Tieckstrahe.„Unterhaltung.adend: Heiterkeit und Frohsinn."— S&Mrcis: Iugend-Bollsbiihne. 15 Uhr im Theater am Blllowplatz.— Oft bei.; Jugendheim Gunterstr. 44, um 19 Uhr. Neu. Lichtenberg..— Nordkreiz: Tegel, Schöneberger Str. 4.„Unsere Kreiskapelle musiziert."— Kreis Cd«. gruppe des Gesomtverbandcs, Fachgruppe Gärtnerei! Besichtigung der grotz- gärtnerischen Anlagen des Großteallwerke, Klingenberg. Treffpunkt 9« Uhr am Haupteingang zum Srosikraflwerk. Fahrnerbindung: Stadthahn bis Station Nummelsburg. Straßenbahnlinie 13.— Achtung! Heute um 15 Uhr Jugend. oorstellung der Volksbühne im Theater am Blllomplatz.„Der grüne Kakadu« ucn Artur Schindler,„Der Schlachtenlenker" uon Bernard Shaio.— Sforge'i Montag, 7. Dezember. Um 19i,4 Uhr Mädchenkursus im Saal 3 des 6eirci% schaftsbaufes, ßngelufer 24—25.„Die Frau im Recht." Die Mütter unseWI Jugend kollegrnnen sind herzlich eingeladen. Lugendgruppe de« Zentralverbandes der Angestellten beute, Sanntag, finden folgende Veranstaltungen statt: Zusammen. kllufte in den Jugendheimen- Lortzlngstr. 19 ad 18 Uhr? Ballstraße in Charlottenburg ab 19 Uhr; Lehrter Str. ld— 19 ab 18 Uhr; Berg"'~ kölln ab 19 Uhr.— Achtung, Nord- und Cftde»' Altersheim, Danziger Str. 62, eine Zufammenki Mitarbeiter an der kommenden Frühjahrsmerbung der Nord- und Ostbezirke statt. Zweck der Veranstaltung ist eine Aussprache über„Da, WerbeaesprSch". — Morgen, Montag, finden folgende Veranstaltungen statt:»esuudvruRuen: Jugendheim Panl- Ecke Wiesenstraße lweliliche Schule). Aussprache:„Der frei- willige Arbeitsdienst". Leiter: Heilbrunn.— Wedding: Jugendheim Turiner Ecke SeesAaße. Srupvenmitglieder»ersammlung.— Britz: Sr"""' heim lRaihau«). Aussprache:„Jugend»onjjeute*. Leiter: E Ti 16—19 ab 18 Uhr: Bergstr. 29 in Neu« Sstbezirke! Heute findet um 19 Uhr im menfunft der Werdeodleute sowie aller Jugendheim Panl. Ecke Wiesenstraße sweltliche Schule). Aussprache:„Der frei. willige Arbeitsdienst". Leiter: Heilbrunn.—"----- Ecke Seesitzaße. Sruppeninitgliederoersammlung heim lRaihau«). Aussprache:„Jugend von heut Jugendheim Hobrecht, Ecke Sanderstraße.„Welche Bücher liest du am liebsten l — Rordost II: Jugendheim Naftendurger Str. 16, Zimmer 3. Heimbesprechung.- Weißensee: Jugendheim Pistoriusstr. 24. Ausspracheabend mit den Eltern unserer Sruppenmitglieder. Herr Stadtjugeudpfleger Bothur hält ein einleitendes Referat.— Südost: Wir besuchen die Versammlung des Derdebezirls. — Rordwest: Wir besuchen die Bersammlung des Werbebezirls. SPD..Betrieisseaktion beim Bezirksamt Reukällu. Montag, 7. De- zember, 19 Vi Uhr. in den BürgerfSlen, Bergstr. 152, Fraktionsversamm. lnng. Genosse Wolfgang Schwarz über„Der Einfluß der Reparation». lasten auf die Wirtschaftskrise". Achtung!»enafstnnen und Genossen der SPD.-zraktia» de* Birchow-Kraukeuhauses. Dienstag, den 8. Dezember, 1ZVH Uhr, im Sturm- eck, Föhrerftr. 7, wichtige Versammlung. Tagesordnung: Die jetzigen Verhältnisse im Gesundheitswesen der Stadt Berlin. Referentin: Stadt- verordnete Rosenthal. Der Fraktiausnarstand. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rok-Gold'. Geschäfts tt eile: Berlin E lt. Sedastianstr 87—38. Hak 2. Sc. Gauvorstand. Am Sonntag, 6. Dezember, finden in der Zeit von 13—16 Uhr in Berlin-Wedding(Stadion Rehderge) sowie in Reinickendorf(Berner Straße) auf mehreren Plätzen Handballspiele statt. Es nehmen daran 18 Mannschaften aus Berlin und der Provinz teil. Wir er. warten regen Besuch dieser Handballspiele.— Mitte(Ortsverein), 6. Kamerad- fchaft: Dienstag, 8. Dezember, 20 Uhr, Versammlung, Schwedter Str. 24.— Tiergarten(Orisoerein), 2. Kameradschaft: Montag, 7. Dezember. 20 Uhr. Kameradschaftsversammlung bei Röftel, Putlitzstraße.— fficbbiug(Ortsverein: Dienstag, 8. Dezember, 20 Uhr, Sitzung sämtlicher technischen Funktionäre bei Kamerad Reußner.— Friedrichshai»(Jungba): Montag, 7. Dezember, 20 Uhr, Pfltchtbeimabend im bekannten Jugendheim. Referent Robert Ktesling.— Charlotteuburg(Jungba): Mittwoch, 9. Dezember, Turnhalle Schillerstr. 26. Fortsetzung de» Jiu-Jitsu. Kursus. Leitung: Polizeihauptmann Ende.— Gchtzn«. üetg, Kameradschaft Friedenau: Montag, 7. Dezember, 20 Uhr, Restaurant Leh. lüvi Uhr. Antreten aller Kameraden in gewohnter Turnhalle rn sLnsies fletiung, Radfahrer mit Rädern. Auch Blankenburg, Buch. Karow, ebenso die neu aufgenommenen Mitglieder.— Dienstag, 8. Dezember,?ftu Uhr. M't. «lisderversammkung der. Kameradschaft Niederschdnhausen, Restauravt ÜSolfo. schlucht. Aussprache über Besetzung de» Borstande». Arbeiter. Samariker-Bund e. Kolonne Verlin. Geschäftsstelle: S. 24. Gr. Hamburger Str. 2». ftL, v 1 Rarde»(848. Abtriluug Wedln»g: Generalversammlung am Montag, 7. Dezember, Lokal Duwe, Schulstr. 109. Deutschee Freideukerverbavd. Kirchenaustritte seden ersten und britlfei Mantog im Monat von 19 bis 20 Udr bei Caru», Boltastr. 19. Jndividvalpsachalogische Gruppe. Es spricht am Montag. 20)1 Uhr. im Klubhaus am Knie. Charloitenburg. Berliner Str. 27. Dr. Alsrrd Adler-Wten über„Verbrechen und Neurose". Unlostenddirag 50 Pf. Gäste willkommen. Reichsbund der Kriegsdeschodigien, Kr:egste>luehwer»,d Kriegerhiutee. bliebenen< Bezirk Wedding). Mitgliederversammlung am Dienstag,»■ Dezem. der, um 90 Uhr, im Lokal Patzevhofer, sshausseestr. 64. Ardeiter-Laienspirler-Berbaub,«. B.. Bezirk Berlin und Vre ade» bürg. Ge. schäftsstelle: H. Kirschke, Berlin.Lichtenderg, Türrschmidtstr. 83. Diinstog. 8. Dezember. 19 Vi Uhr, bei Lohann, Brüderstr. 16—18, gemeinschaftliche Mi!. gliederversammlung der Ortsgruppen 1 bis 4. Arbeiter'Radio. Bund, Deutschland, e. B. Bezirksgruppe Berlin. Anschriit: 9. Boigt. 0.17. Hohenlohestr. 18. Sprechstunden in allen Fragen: Montags und Freitag« od 18 Uhr. Reichenberger Str. 30, Hof 2 Treppen. Di»t>»tag. beu 8. Dezember. 20 Uhr, Prenzlauer Berg. Lokal Klug, Danziger Str. 7. Abhdr. abend mit kritischer Diskussion. Referent: Genosse Ringel.— Freitag, den lt. Dezember, 20 Uhr: Frtedrichshain: Lokal Wertava, Hohenlohestr. 3. Gruppenversammlung.— Gesunddrunnrn: Lokal Mllnzderg, Stettiner Str. 52. „Wo erhält man zu Weihnachten die billigsten Emvsangsgeritte?". Referent Lokal Eggers, Kaiser. Friedrich-Sir. 8,„Meßinstrumente", Referent Genosse Voigt. .,S«acht«n Sie die Prospekt-Beilage dar Firma Rudolph Karstadt AO,. Hermannplatz: Großer Wel h na c h ts ve r Ka u f i besonders günstige Angebote aus allen Abteilungen." Eine Sorge weniger! Schenken Sie zum Fest Ihren Lieben Eine gaie Rahnke- Brille Kneifer mit and ohne Randfessang aof Heri-Kickel..... M. 1.— XJfO oua Gold- Double;.... M, XMt 10.— aus 14 kor. Gold.... M. 19.— ZT.— 42.— Brillen mit und ohne Rondfoiaung ouf Beri'NMcel..... ff. 2.SO 3JO ooa Gold'DoabU.... ff. 5.— 9JO 10.— «iu 14 kor- Gold... ff. 3«.— 42.— 32.— ffod. DoabU. 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Hinein ins Drcieinhalbgroschcn-Paradies! 5)icr ist dicke Luft und Wärme. Die Kassiererin hat olle Hände voll zu tun. Zuweilen stehen die Leute im Gang, weil kein Sigplatz mehr zu haben ist. Der Tonfilm herrscht in der Dunkelheit. Was will man mehr für VAl Mickymaus tanzt, Mickymaus singt. Kichern und Lachen m den Reihen des erholungsuchenden Publikums. Im Nu ist der Film zu Ende: 3'--Groschcn-Tempo! Mickymaus ist von der Leinwand ins Nichts gesprungen, Mickymaus hat ihren Anteil am 3>--Groschen- Programm mit ficht- und hörbarem Erfolg bestritten. Achtung! Das Neueste, das Interessanteste, das Wichtigste der Welt: Die Wochenschau. Eine Sektpulle zerschellt. Ein Kreuzer gleitet ins Wasser. Wo, ist gleichgültig. Hier und dort, überall gleiten Panzerkreuzer auf Kriegsschiffswerften ins Wasser. Rüstungspropaganda oder nicht: 'Alles für 3'A Groschen! Hoovcr spricht, Sousa dirigiert einen flotten Militärniarsch. Die amerikanische Flagge weht hoch und erhaben über gut genährten Bürgern, Soldaten und 8 Millionen amcrika- Nischen Arbeitslosen. Wenn es eine Weltflagge gäbe, dann müßte man sie am Nordpol aufpflanzen, und sie würde über achtmal joundsovielen Millionen Arbeitslosen und Hungernden wehen. Die Bienen, die Wespen und Hornissen haben es soweit noch nicht gebracht. Das 3�-Groschen-Kino läßt das arbeitsame Leben der Hornissen lebendig werden. Was haben diese Tierchen bloß zu arbeiten? Das ist ungeheuerlich! Ein Vergnügen, diese aufbauende Tätigkeit zu beobachten, diese Sorge um Gegenwart und Zukunft! Und zu aller Arbeit gehört im Hornissenstaat kein Geld, keine Tresors mit zinslos aufbewahrten Goldbarren, von denen niemand satt werden kann. Fast wird man neidisch: Hier scheint das Wirt- schastssysteni besser zu klappen, als bei den Menschen: Erkenntnis für 3A Groschen!— Hineinspaziert, ihr Herren Nationalökonomen, ihr Wirtschostsfachlciitc! Bicllcicht lehrt euch der Hornisscnstaat, wie unsere Wirtschaft zu gestalten ist! Eure Ausbildung, die Weisheit, die ihr hütet, hat mehr gekostet als VA Groschen. Was ist sie aber wert, wenn ihr kein Ziel und keinen Ausblick zeigen könnt? Den Arbeitslosen gilt sie nicht einmal 3A Groschen, nicht einen roten Pfennig! Flammende Schrift auf der Leinwand: Das 3�--Groschen-Kino zeigt als nächste Nummer des Programms... Ein Kurzfilm nach dem anderen rollt vorüber. Erstaunlich reichhaltig das Programm für dreieinhalb Groschen! Fast ohne Pause, so daß man bei diesem ras�kden Tempo beinahe außer Luft und Atem kommt. Da gibt es beleidigte Ehemänner und abenteuerliche, schöne Frauen. Die ganze Skala menschlicher Gefühle ist ausgebreitet. Dann aber schließt sich der Kreis der Darbietungen doch einmal. Das 3�-Groschcn-Pro- gramm ist abgelaufen. Man verläßt das Kino und sieht auf die Uhr. Ueber eine Stunde war man der Welt entrückt. Man rechnet: In anderen Kinos zahlt man M, 70 Pfennig und mehr. Dafür kann man doppelt so lange in ihnen verweilen. Die Rechnung ist richtig. Auch das 35--Graschen-Kina verschenkt nichts. Der Inhaber ober hat das Gebot der Stunde richtig erfaßt: Kurzbctrlcb für weniger Geld bringt mehr ein, als Langbctricb für den doppelten Preis. Biel- leicht kriegen wir noch das Eingraschenkino, das Viertelstunden- kino, dos nette, kleine Schlager, den gekürzten Kurzfilm bringt— die neueste Erfindung! Ach, die Rationen werden überall immer kleiner— nicht nur im Kino! Aber das Leben lebt! Und das 3�-Groschen-Kino gehört auch dazu. Wie eine bunte Blume im Sonncnglanz Insekten lockt, so lockt sein Reklamelicht die Menschen der Friedrichstroße an. Immer hereinspaziert! Hier vergessen Sie eine Stunde lang die Gegenwart für dreieinhalb Groschen! Historische Kellerromantik. IndcrEharlotten- Ecke Jäger st raße steht ein altes Berliner 5)aus, dessen Kellerräumc in der Alt-Berlincr Geschichte eine bedeutsame Rolle spielen. Hier, in der Kellerei von Lutter u. Wegner. die erst kürzlich erweitert und von Hans B a l u f ch e k mit neuen Wandmalereien geschmückt wurde, hat sich schon vor mehr als einem Jahrhundert eine Stommtrschrunde berühmter Berliner zusammengefunden. Und diese Romantik behaglicher Kellerwinkel hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Im„klassischen Zeitalter" dieses Kellers, Anfang des lg. Jahr- hundert?, scharten sich um E. T. A. H o f f m a n n, den genialen romantischen Dichter, der zugleich Musiker, Karikaturist, Kammer- gerichtsrat- und Lebenskünstler war. und unr Ludwig Dcvrient, einen der größten Schauspieler aller Zeiten, in bunter Mischung Dichter. Mimen, Musiker und Maler: ein zeitgenössischer Beobachter meinte„eine Sozietät des Champagners und der Phantasie". In der Tat hat der Schaumwein damals im Luttcrkeller eine Haupt- rolle gespielt, erhielt er doch hier sogar seinen deutschen Namen: Sekt! Allerdings nicht im Keller und nicht zu nächtlicher Stunde, wie man bisher überlieferungsmäßig annahm, sondern mittags in den ebenfalls noch heute bestehenden oberen Räumen der Wein- stuben. Da saßen— wie der Dichter Rudolf v. Bayer als Augen- zeuge berichtet— Hoffmann und Dcoricnt einst mit zwei Freunden zusammen im Eckzimmer mit dem Blick aus den Gendarmenmarkt und den Schauspielhaus-Neubau, als Dcvrient mit den Worten Fallftaffs aus Shakespeares„Heinrich IV." dem Kellner zurief: „Karl, mein Jung, bring mir Sekt, auf daß meine Augen rot wer- den!" Selbstverständlich war Devrients Lieblingsgetränk. Cham- pagner, gemeint! Zu Shakespeares Zeiten verstand man aber unter „Sect" einen Südwein aus trockenen, kanarischen Beeren, den söge- nannten„secco". Bei der gleichen, denkwürdigen Mittagszusammen- kunft geschah es auch, daß Devrient mit Hoffmann wettete, daß er eine Flasche Sekt schneller austrinken könne, als ein Maurer auf dem Gerüst am Schauspielhaus einen Stein vermauere. Und— er gewann...In solcher Stimmung erzählte dann Hoffmann, oft aus dem Stegreif, seine berühmten Phantasiegeschichten, eben„Hoff- manns Erzählungen". Noch Hoffmanns Tode zog der vereinsamte Devrient oft niit einigen Flaschen Champagner unter dem Arm hinaus zum Friedhof vor dem Halleschen Tor und hielt dort am Grabe trinkend, stille Zwiesprache mit dem verstorbenen Freund. -Lutters Keller blieb Stammlokal vieler Berliner Künstler und Schriftsteller. Die Namen Heinrich Heine, Konrad Döring. Adalbert M a t k o w s k i kennzeichnen spätere Stammtischrunden und bis auf den heutigen Tag enthalten die Gästebücher Namen von Klang aus aller Welt. Neben Lutter u. Wsgner gibt es in Deutschland noch zwei inter- national berühmte„literarische Weinkeller": Auerbachs Keller in Leipzig und den Ratskeller in Bremen! Am Bor- abend des Gocthcjahres darf„Auerbachs Keller" den Borrang be- onspriichcu. Seit 1530 stehen diese traulichen Gewölbe an der Grimmaischen Straße in Leipzig. Generationen van Zechern leerten hier so manche Flasche, so manches Faß! Seit Goethe den„Faust" schrieb, kennt die ganze Welt den Keller und man ist nicht in Leipzig gewesen, wenn man nicht in der Grimmaischen Straße.einmal unter die Erde geguckt hat. Zunächst betritt man den eigentlichen Goethckcller, der allerlei Erinnerungsstücke an den Leipziger Aufenthalt des Dichters enthält. Zwei alte Gemälde er- zählen von den Besuchen Dr. Fausts: Eins zeigt feinen wunderlichen Ritt auf einem Weinfaß aus dem Keller die Treppe hinauf zur Straße, auf dem anderen Bild sitzt er in lustigem Zechertreise. Etwa zehn Stufen tiefer liegt ein zweiter Keller: große Gemälde mit„Faust"-Szencn schmücken die Wände. Der Bremer Rats- k e l l e r ist der älteste von ollen. Schon vor fast 500 Iahren, um 1450, wurden hier die ersten Fässer aufgestellt, die ersten Pokale genießerisch von Bremer Ratsherren und Äaufleuten geleert. Der Keller füllt den gesamten Raum unter dem schönen Renaissance- Rathaus, vor dem der Riese Roland Woche hält. Der Bremer Ratskeller ist in die Literatur eingezogen durch Wilhelm Hauff, der in Erinnerung an stimmungsvo.llc Trjnkabcnde im Dämmerlicht der urattcn Gewölbe und im Angesicht' ddr�bräugen, rcichgeschNttzten Faßkoloffc die unsterblichen„Phantasien im Bremer Ratskeller" schrieb. Schausteller beschweren sich. Eine neue Regelung der Feiertagsbestimmungen. In einer Bundesversammlung der Schausteller und verwandter Berufe, einer Untergruppe des Reichsverbandes ambu- lanter Gewerbetreibender, im Rosenthalcr Hos kamen eine Reihe von Beschwerden gegenüber den Behörden zur Sprache. Die ambulanten Gewerbetreibenden sehen eine Gefährdung ihrer durch die Notzeiten an sich schwer bedrohten Existenzen vor allem in der rigorosen Behandlung ihrer Eingaben auf Genehmigung von Plätzen oder Ständen. Das Wandergewerbe, das viele Tausende ernährt, besitze ein Recht auf Existenz wie jeder andere Beruf. Die Schikanen gehen soweit, wie es an einem Fall in Steglitz aufgezeigt wurde, daß nach der polizeilichen Genehmigung zum Aufstellen von' Schaubuden und Ber- kaufsständen aus einem freien Platz das Bezirksamt am Tage des Aufbaus die Zu fahrt st raße niit Steinen ver- rammeln ließ. Man gibt den Schaustellern den schlechten Rat, lieber stempeln zu gehen oder das Wohlfahrtsamt in Anspruch zu nehmen als auf ihren Forderungen zu bestehen. Das Vorstands- Mitglied Walter Oeser konnte bekanntgeben, daß es dem Bemühen des Bundes gelungen sei, eine generelle Regelung der Bestimmun- gen über den Schutz der Sonn- und Feiertage in Preußen zu er- wirken. Nach der neuen Polizeiverordnung sind auch der 1. Feier- ta g für Weihnackstcn, Ostern und Pfingsten dem Schaustellergewerbe freigegeben worden. Eine Kommission soll beim Oberbürgermeister und bei den Stadtverordneten vorstellig werden, den angeblichen Magistratsdeschluß, städtische Plätze für das Schau- stellcrgcwerbc zu sperren, auszuheben. Dem eifrigen Liebeswerben der Nationalsozialisten, in dieser nach vielen Tausenden zählenden Organisation Fuß zu fassen, wie es zur Zeit in Hamburg im Don: geschieht, wurde seitens der Bundesleitung und der Ver- sammlung unzweideutig ein Riegel vorgeschoben. Der Vorstand des Rcichsvcrbandes ambulanter Gewerbetreibender, der heute»ach wie! in den Anfängen der Organisation aus sozialdemokratischen und republikanischen Mitgliedern besteht, erwartet gerade von der Ar- beikerschoft und ihren Vertretern ein ehrliches Verständnis für die Lebensnotwcndigkcitcn seiner Mitglieder, Sinsevduvgen fSr diese Rubrik sind O e r I i u 63 68, Lindenstrahe 3, parieinachrichtenW�fürGroß-Nerlin stets ob du» Bezirksseeretariot 2. Kos, 2 Treppen rechts, zu richten Achtung, Revisoren? Die Eintrittskarten zum 9. No- vember sind von den Abteilungen 49, 68, 107 und 138 trotz-»lehr- focher Mahnungen Hioch immer nicht abgerechnet.— Es wird dringend ersucht, dort für sofortige Erledigung zu sorgen. I. A.: Alex Pagels. Achtung! Die zuständige Abteiluni, hat sich van dem edemuliaett Genossen Sodann Stiedzielski, wohnhost in tkarow. feit längerer Zeit lo«aeso>,t. Do R. bei nerschiedenen Anlässe» sich immer wieder auf Arcundlchaiien mit Gewerlschast«. UN» Partcisunktionärcn berust, bringen wir seine Richtzugehö. rigkeit zur Partei nochmals alle» Kreisen zur Kenntnis. Parteigenossen der 2t». Abtcilnng! In letzter Zeit wird von ousaetreteneu Mitgliedern nuter falschen Vor. spiegetunzen»ersucht, die Mitgliedsbücher einzelner Genossen in die Hände zu bekommen. Die Mitqlicder werden dringend ersucht, ihre Bücher unter keinen Umständen aus der Hand zu gebe». Ausschluß aus der Partei. Der Bezirksnorstand hat de» Genossen Geich Touche, Gharlotteuburfl. Riebuhrstr. 17, aus Grund des tz 28 1b und Absatz 8 mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgeschlossen. -l- Beginn aller Veranstaltungen 1814 Uhr, sofern keine bcsonbcre Zeitangabe! 7t. Abt. Cicdlung: Heute S Usir Flugblaitoerbreitung bei Ziedemonn, Dold- hütcrpfad 66. Margen, M anlag, 7. Dezember. I. Kreis. Sitzung des erweiterten Krcisvorstandcs an bekannter Stelle. 7. Kreis. Jugendkommissionssitzung im Jugendheim, Rosincnstr. 4. Alle Ab, tcilnngcn und Sparten inlissen vertreten sein. 12. Krci». Der Kursus von Genossen Gnrland findet Montag, 20 Uhr, aus» nahmsweisc bei Schellbase, Steglitz, Ahornstr. 10a, statt. 15. Kreis. Krcisvorstandssitzung mit den AbtcilunasTcifrcn an bekannter Stelle. 17. Kreis. 19 llhr Krrisfnnktionartonsercnz bei Wegencr, Frankfurter Allee 236. 19. Kreis. 18 Uhr, Froktionssitzung mit den Burgcrdeputicrtc», Rothaus, Zimmer 117.—»reisdelrgicrtenversammlung im bekauntc» Lokal.. 7. Abt. Funkiionörsitzung bei Bärwalde. Cchlegclstr. S. S. Abt. l» Uhr Vorstandssitzung. 2v Uhr Funktionärsitzung bei Hübuer, Wilsnacker Str. 3t. Abt. 20 Uhr Funktionürsitzung bei' Sandow, FIcnsburger Str. 3. Adt. Funttionärsitzung bot Obiglo, Ctralfunder Str. 10. Abt. Kinzel, Usedomstr. 22, Fnnktwnärsitzung. Abt. Funltlonärtonferenz bei Dose, Nordhafcn 6. Adt. Montag Funktionürsitzung bei Schade,«ösliner Str. 0. Ableilungs. vorstand eine Stunde früher<18'/- Uhr). Pünktliches Erscheinen wird er- wartet. 1». Abt. Funktionärsitzung bei Eehrepel. Erünthaler Str.- 13. 20. Abt. Montag, 20 Uhr. Funktionürsitzung bei Pohse. Äoloniestr. 13. 2t. Abt. Montag Sitzung sämtlicher Funktionäre Geschäflsstellc Utrechsn: Straße 21. 23. Abt. Funktionürsitzung bei Grunewaldt, Kameruner Str. lg. 24. Abt. Funttionärsitzung bei Rösner. 25. Abt. Montag, 20 Uhr, Funktionärversammkung bei Krämer, Eokheitlus, straßc 3. 10. 15. 16. 17. 18. Künstl. Waschseiden-Strümpfe verstSrkie Makosohle u. Spitzferse, besonders maschenfest. I. Wahl, QualitSl':„Mailand" Künstl. 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Graiisuer losung! auf alle Nähmaschinenpreise I Oris-Uitraphon-Mr-flpparaie einschl. 6 Orig.-Uilraph.-Platten ä 3 H. bei uns nur 46.- Mark Lindcar-Fahrradwerk Aktiengesellschaft— Unternehmen der freien Gewerkschaften anläß'ich der Ausstellung durch Verlosung tfntor den Besuchern mittels dort-kostonfos zur Ausgabe gelangenden numerierten Ausweiskärten folgende Preise: 1 Lindcar-Fahrrad 2 Orig.-Ultraphon- Koffer-Apparate einschl. je 6 Original-Ultraphon-piatten 2 Elektr. Lichtanlagen für Fahrräder 5 Arbeiterbank-SparbUcher ä 5.— Mk. Niederlage Berlin, Alte Jakobstraße 148/155 neue Nähmaschinen-Niederlage Berlin, Engelufer Ecke Hichaelkirchstraße(Haus des Gesamtverbandes) 17.«dt. fful'MsnSrsttzunz Sei Wert,«fchnfb, 54. Sb fleocrffdScfbttt*« sind mifjuhriitflcn. 28. Äbt. Zunttinnärsitzung bei ReFienbeeg. Wichlize Tageoordimug. Anfang ■M Uhr. UU. Abt. Aunktianärsihung bei Pohsi, Lnäiencr Str. Ibg. Die Anwesenheit sämilichcr Funktionäre ist unbedingt erforderlich. »l. Adt. t!y Uhr Funltionärsitznng bei Goldschniidt. Alle Funktionäre milsfeu crscheinc». ZI. Abt. Funktionärsitzung. Juristische Sprechstunde.(Quartalsabrechnung, Abrechnung der Weihnachtsmarken.) 78'/- Uhr Engerer Borstand. 42. Abt. Funktionärsihting bei Wiersdorf, Urbanstr.«. '!. Abt..1« Uhr bei»repp, Planuser 7Z/78, Funktionäriltzung. . lt. Abt. Funltionärsltzung bei Enutld. Ekaliszer Str. ZAZ. tö. Abt. Montag. 17 Uhr. Funktionärsitznng bei Zander, Lausitzer' Str. N. Be�irlssllhrer mllssen crfdteincn. 87. Abt. 20 Uhr Funktionärsitzung. 32. Abt. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Wolter, ilaiscrin-Augusta-Allre 52, 33. Abt, Lokal von Lux. Huttcnstr. 2«i, Borstandssitzunz um 20 Uhr. Tages. ordnuna: Stellungnahme zur Neuwahl. 57. Abt.(. Gruppe: 20 Uhr Funktionärsitzung, Restaurant Krumme Str. SO. SO. Abt. 20 Ubr bei Sittlich. Begaostr. l, Diskusstonsabend der Arbeits. gemeinichaft jüngerer Parteigenosse», zu dem auch alle ilbrigcn Mitglieder freundlichst eingeladen werden. SS. Abt. 30 Uhr Funktionärsitzung hei Dhona», Fricdenstr. 0. 91. Abt. Funktionärsitzung bei Schröder, Elcinmctzstr. 52. Dienstag, 8. Dezember. Runbfuulhorsiunde. 10.30 Uhr Vortragssaal im Partcihaus, Lindcnstr. 8, 2. Hof. 2 Treppe» links. Ucbcrtrogung:„Achtung, Achtung! Hier Welle ABC" non N. Remmele(Bcrfasser von„Komps und Kitsch"). Aussprachenleitung: Dr. Hildegard Wcgscheidcr und Fritz Hoffmann. Teilnehmerkarten Buchhand. long Dictz. Lindcnstr. 2, oder telephonisch Dönhoff ISStj(Arbeitcr-Radir-Bund). Unkoftcnbeitrag votl 10 Pf. am Saalcingang. t.«rei». Erwerbslose, izusammcnkunst im Altersheim, Danzigcr Str. 82. ngelegenheitcn. karte und Mitgliedsbuch mitbringen.— Arbeitcrwoblfahrt. Erwerbslosen zusammenkunst vou 15 bis 18 Uhr, Genosse Reese gibt außenpolitische I». formation. Genosse Haedrich-Lutz spielt Mcndclsoh», Schumann, Schubert. tbenosse Klewitz singt Schubert-Lleder. 8.»rei». Bo» lä'/j bis 18 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteigenossen im Heim. Urbanstr. 107. I. Abt. Funktionärkonferenz bei Dobrohlaw, Swinemilndcr Str. 11. 7. Kreis. Erweiterte Borstandssitzung bei Reimer, Wilmersdorfer Ecke Kanal. ftraße. It. Kreis. Zusammenkunft der erwerbslosen Genossen und Genossinneu 15 Uhr Seim Kanner Straße. Bortragssaal. Referat:„Außenpolitische Probleme".— Freitag. IL Dezember, ebenda Zusammenkunft. Unter. Haltungsnachmittag. Friede! Hall. IM. Abt. 20 Uhr im Restaurant Fritz Kübah, Vrllckenltr. 15. Mitgliedcrvcr. saimnluug. Genosse Dr. Karl Landauer: Sozialisnuis in unserer. Zeit? 128. Abt. Bezirk 8b(Stadt und Land), Zohlabcnd bei Grass«, Kissingenstr. 11. Referent Genosse Buchholz: Brauchen wir die Konsumgenossenschaft? 13t. Abt. 20 Uhr findet bei Kichne, Rcsidenzstr. 0, die Funktionärsitzung stall. Um 18'/- Uhr tagt in demselben Lolal der Borstand. 138. und 113. Abt. Die jüngeren Parteigenossen vcronstalicn im Jugendheim Roonstroße(Feuerwehrdepot) einen Kunstabend. Ernste und heitere Bor. träge aus der proletarischen Literatur. Alle Parteigenosse» sind ein- geladen. 139. Abt. Funktionärsitzung an bekannter Stelle. Mittwoch, 9. Dezember. 0. Abt. Zahlabende in den bekannteil Lokalen. b- Acht. Erwerb« losen, usammenkuust NM 15 Uhr bei Rickert, Steinmctzstr. 3»-: Politlschc Satire. Vortragende Friedet Hall. 18. AbL AbteUungsversammluua Restaurant Hochnleistrr. Huttenstr. 3(Eingang vom Hof). Reue» LokaL Bezirksführcr laden«in. 18. Abt. Zahlabcndo in den bekannten Lokalen. 29. Abt. Die Bezirksführcr zahlen in der Abteilung-verfammlung am Mittwoch » conto auf Notopfermarken. 70. AbL Zahlabend 4. Bezirk bei Ehrist, Ebprsftr. 10. Bezirke 1—8 ZaHlabende erst am Mittwoch, 10. Dezember. 195. Abt. Mitgliederversammlung im Ratskeller, Bismarckstr. 58. Gen. Dr. Mänchen. Ferner wird auf die in der Woche vom 13. bis 2B. Dezember, täglich von 14 Uhr ab stattfindende Weihnachlsbuchausstellung im Lokal ... Lohntgrüduer, Bismarckstr. 2, hingewiesen. 194. Abt. Mitgliederversammlung Lokal Olntoklause, Friedrichstraßc(früher ... Echrcinrr). Josef Qrlopp: Die Wirtfchaftscntwickluna in Deutschland. 124a. AbL 20 Funktionärsitzung bei Drabcr. Uhlandstr. 18. 143. Abt. 29 Uhr im Freibad Lübars, Mitglicderoerfammlung. Die Bezirksführcr laden dazu ein. 09. AbL 20 Uhr bei Kulla, Laucnburger Str. 21, Mitgliederversammlung. Genosse Bäsch: Geschichte der Arbeiterbewegung. 85. AbL 4. Bezirk: gahladend bei Pommcrcning, Berliner Skr. 100. Genosse Höpfner: Arbeiterschaft und Wirtschaftskrise. Voranzeigen. 3. Ärcis Bedbiag. Donnerstag, 10. Dezember, Erwerbslosen-Zufamineukunft mit Frauen und Kindern um 17 Uhr in der Aula der rote» Schule. Goten durger Straße. Echül-rvorstellung. Eintritt unentgeltlich: Mitgliedsdüch und Karte gelten als Ausweis.— Sonnabend, 12. Dezember, Führung der erwerbslosen Genossen durch die Ausstellung„Mensch nnd Arbeit" im großen Saal des Verwaltungsgebäudes Wedding, Müllcrstr. 140/147. Teilnahme kostenlos: Mitgliedsbuch und Karte mitbringen. Treff um 7'/- Uhr im Flur Erdgeschoß. ?. Kreil Eharlottcnburg. Zusammenkunft der erwerbslosen Mitglieder am Donnerstag. 10. Dezember, Jugendheim Rosinensir aße. Kabarett erw. Gen. Friedrl Holl.' Arauenveranstaltungen. 7. Kreis. Montag, 7. Dezember. Besichtigung des Reichstages. Treffpunkt 18 Uhr, Portal 5. Die Führung hat die Genossin Wurm übernommen. 22. Abt. Di» Besichtigung des Waisenhauses Rummclsburg findet nicht am Dienstag, sondern am Mittwoch. 9. Dezember, um 14 Uhr statt. Treffpuntt l2>/« Uhr. Bahnhof Wedding, Eingang Lindowcr Straße, oder 194 Uhr vor dem Eingang des Waisenhauses. 40. Abt. Mittwoch, 9. Dezember, Besichtigung der.,BauweIt"-Musterschon, SW 08. Eharlottcnstr. 0. Die Genossinnen treffen sich um 14 Uhr, Wiener Straße. Haltestelle der Straßenbahn zwischen Glogauer. und Licgnitzcr Straße. 47, AbL Dienstag, 8. Dezeinbcr, Besichtigung der„Bauwclt"-Musterschau. SW08. Eharlottcnstr. 6. Treffpunkt 10 Uhr, Qranicnplotz vor dem Konsum- Warenhaus. 14. AbL Dienstag, 8. Dezember, 18 Uhr. Besichtigung des Frauenlnnde. Museunis in Eharlottcnburg. Berliner Str. 137. Die Führung hat die Genossin Dr. Frida Alcronder übernommen. 41- Abt. Montag. 7. Dezember. 10'/- Uhr. bei Grimm. Boddinstr. 10/11, Licht- bildervortrag: Warum sind 29 Millionen arbeitslos? Refcrentin Mathilde Wurm, M. d. R. 94. Abt. Dienstag, 8. Dezember. Besuch der Ausstellung ,.Bauwclt"-Mustrr- schau. Charlottenstr. 0. Treffpunkt 0'/- Uhr- U-Bahn Bvddinstraße. 44». Abt. Dienstag, 8. Dezember. 20 Uhr, in der Schule Parchimer Allee, Bunter Abend. 198». AbL Montag, 7. Dezember, lOV- Uhr, bei Schulz, Hohcnzollernplatz 6: »Wie diskutiere ich mit meinem Gegner?" Referent Sans Bauer. 199. Abt. Mittwoch, s. Dezember, 29 Uhr, im Stadtthcater, Marktplatz: Frauen- leben in Sowietrußland. Referent Dr. Judith Grünfeld. «SatgevthaL Donnerstag. 10. Dez»uiber. 20 Uhr, bei Meissrl, Bahnhofstraßc, Heiterer Abend. Vortragende Friedrl Hall. Bezirksausschuß fSr Arbeiterwohlsahri. 2. Kreis Ziergarten. Mittwoch, 0. Dezember, pünktlich 15 Uhr. Besichtigung des Pflegeamtes mit Ausstellung, Dirckkcnstt. 18. Treffpuntt dotctdsi. 0. Kreis Kreuzbera. Krcisausfchutzsitzung Riontag, pünktlich 15 Uhr. 11. Kreis Schoneverg. Montag, 7. Dezember. 20 Uhr. Raihau» Echöncberg. Zinimer 144. Helfersitzung der Arbeiterwohlfahrt. Referent Sanitätsrat Dr. Juliusbergcr: Aus der Sprechstunde des Wohlfahrtsorztes. Es wird tum Abrechnung der Lose gebeten. 29. Kreis Reiaickcndsrf. Die Lotterielose sind bis zum 9. Dezember restlos beim Gen. Jacobi, Reinickcndorf.West, Wacholdcrftr. 4L abzurechnen. Später zrcrückgegcbcne Lose können nicht zurückgenommen werden und gelten als verkauft. Arbeitskreis sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Krcisgruppe Kspeaick: Berfanimlung am Dienstag, 8. Dezember, ab 19 Uhr, im Gcmeinschaftszimmer der westlichen Schule. Genosse Pros. Dr. Strecker spricht mit Lichtbildern über„Eindrücke von meiner Balkanreisc". Ortsgruppe Prenzlauer Berg. Dicnstaa, den 8. Dezember, 18 Uhr, im Haus der Lchrcrfortbildung, Klosterstr. 75, Zimmer 213, 2. Stock. Thema:„Der Ausbau unseres Schulwesens". Referent: Genosse Paulfcn. Sozialistische Sludenkcnschaft Deutschlands und Oesterreichs Ortsgruppe Berlin. Fnnktionäesttzuug. Dienstag, den 8. Dezember, 14 Uhr, im Bund. Wich- tige Tagesordnung. Erscheine» aller Funltionäre erforderlich. Montag, den 7. Dezember: Arbeitsgemeinschaft über die Grundlagen des Arbeitsrechts, zugleich Einführung in die Rechtswissenschaft. Leiter: Dr. Hcinz Ullendorf. 20 Uhr im Bund.— Für die E. S.®. spricht Genosse Dr. Kurt Löwenstcin über das Thema„Schüler und Klassenkampf" in der Aula der Schule, Berlin SW., Kochstr. 13, 18', 4 Uhr.— Dienstag, den 8. Dezember: Juristisches Repetitorium. Kursus über Zivilprozeßrccht, i7 bis 19 Uhr im Bund.— Aibeitsgemeinschast über„Staat und Wirtschaft", Letter Dr. Fritz Raphtali, 20 Uhr lm Bund.— Mittwoch, den 9. Dezember: Sistortschc Arbeits- gemeinichaft über„Sozialdemokratie und Erfüllungspolillk", Leiter: Paul Wirtschaftspolitik. Leiter Dr. Mituitztg und Dr. Falk. 2V Uhr im Bund. wonnabcnd, de» 12. Dezember: Große Werbeoeranftaltung der S. St. Sic wird ausgestaltet von den roten Studenten-Spieltruppen Leipzig und Berlin. Einlaßkarte» zum Preise von 0,80 M. sind bei de» Funktionären und im Büro, Albrechstr. 11, zu hoben. Wir erwarte» das Erscheinen aller Mitglieder. Freunde und Gäste können eingeführt werden. Spichcrnsäle, Spichcrnstr. 20 Uhr. Arbeilsgemeinschafk der Sinderfreunde Groh-Berlin. . Bastelkursus für Restsalkenhelser, Montags achttägig. Im Heim. /WM, /Ms Lindeilstr. 4.— Thema für den 7. Dezember:„Basteln mit wert. WiNM i losem Material". Beginn 20 Uhr.— Werkkursus in Neukölln, lliZMAti �v'icr- Friedrich. Str. 4, achttätig, 20 Uhr.— Montag, den 7. De- »tittbtt, treffen sich die Teilnehmer dieses Kurses in der Ausstellung UsWlÄA der weltlichen Schulen, Reukölln, Teupitzcr Str. 39/42. WWWNz Der Wertkursus in der Danzigcr Str. wird erst im Januar fortgesetzt. Prenzlauer Berg: Dienstag, de» 8. Dezember, 20 Uhr, Danzigcr Str. 02. Krcishclfcrarbettsgemeiuschaft„Die kopitalisttfchc Ausbeulung". Achtung! Mittwoch, 16'-) Uhr, in der Aula Danziger Str. 23, Chorübungsstunde für die Sonnenwendfeicr. Blaue Falkenliedcrbllcher mitbringen.—«iktsr Adler: Rote Falken I: 8. Dezember Basteln, IL Dezember„Unsere Arbeiterführer". Rote Falken U: 8. Dezember Besprechung des Winterfestes. 11. Dezember Bunter Abend. Friebrichshaia: Mittwoch, den 9. Dezember, 0 Uhr. Chorllbungsstunde für die Sonnenwendfeicr. Litauer Str. 18.— Stralau«! Viertel: Elternverfamm- lung an, Freitag, den ll. Dezember, im Jugendheim, Goßlerftr. 02. Referat: „Dir Kinderfreundebcwegung und Ihr Wirken".— Margarete Weagrls: Elternversammlung am Freitag, den 11. Dezember, im Heim, Tilsitcr Str. 4. Referat mit dem gleichen Thema. Kreis Steglitz: Gruppe Steglitz: Rote Falken. Freitag, 18 Uhr, Heim Albrechtstr.: Bolkstänzc. Zungfalken: Dienstag, 17 Uhr: Volkstänze, Ueben zum Weihnachtsfest.— Gruppe Lichterselde: Rote Falken, Mittwoch. 17 Uhr, Ringstr. 3: Unscrc Staatsform. Nestfalken: Freitag, Lesen fKinderland). Elternversammlung: Montag, 7. Dezember, 20'4 Uhr. Lokal Quandt, Hinden- bnrgdamm Ecke Moltkestr.: Genosse Schuster spricht über Prügelstrafe. All« Eltern und andere Genossen werden erwartet. Kreuzberg: Kreishelierversammlung, Dienstag, 20 Uhr, Im Jugendheim, Porckstr. Alle Helfer mllssen vertreten sein, wir besprechen unsere Beranstal- tung.— Heute, Sonntag, 10 Uhr, Probe der 15 Falken, im Jugendheim, ?>vrckfte. Es wird gespielt: Rummelplatz. Eintrittspreis 30 Pf.— Falkeurat: Wir tagen morgen, Montag, 18 Uhr, in der Baracke, Ganghoferstr.— Lichtkämpser: Donnerstag, den 10. Dezember, 20 Uhr, Elternversammlung in der Baracke, Ganghoferstr. Treptow: Heute Fahrt nach dem Grunewald. Treffpunkt 8 Uhr, Bahnhof Treptow. Bringt 20 Pf. Fahrgeld mit. HoheulchZuhaufeu: Heute gehen wir zum Kasperle. Rödernstr. Anfang 17 Uhr, Montag sind wir. von.17 bis. 19 Uhr in Schulbarackc, Dingclstädter Straße. Reiuickendarf: Montag, den 7. Dezember, Kreishelfersstznng, pünktlich 20 Uhr, in der Reuen Schule, Wittenau. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 49. Abt. Am 2. Dezember verstarb nach langem Leiden unsere Genossin Marie K c u f n e r, Hagelberger Str. 20o. Mehr als 22 Jahre hat sie der Partei die Treue gehalten. Wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten. Dir Einäscherung findet am Montag, dem 7. Dezember, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Banmfchulenweg. Kiefholzstr. 22t, statt. Wir bitten um rege Beteiligung. W SozialistischeArbetterjugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendlckrelarlat Berlin EW 08. Lwdenstraßi 3 Alle Genossen und Genossinnen beiciligen sich heute an der Alugblatt- Verbreitung der Partei von den bekannten totalen aus. Für die heutige Borstelluaa in der Balksbühnc um 15 Uhr find noch einige Karten zu 8V Pf. an der Kasse erhältlich. Strclchorchcster Groß-Berlin, Gruppe Renkölln: Heute- 18 Uhr pünktlich Probe in der Schulaula Pasteurstr. 44—40. Morgen 19'� Uhr Ueben KMS. Achtung, Achtung! Hier Welle ABS.! Kinderoper. Rundsunthörstund« morgen 19'ö Uhr im Portragssaal des P.-P., SB., Lindenftr. 3, 2. Hof, 2 Tr. Teilnehmerkarte 19 Pf., erhältlich im Sekretariat. SSG.: Oeffentlichr Persammlung morgen, Montag. 19>» Uhr, in der Schul- aula Kochstr. 13. Genosse Dr. K. Löwenstcin, M. d. R., spricht übcr„Schüler im Klassenkampf". Heute. Sonntag. Killnischer Park: Waise nstr. 18: Heimabend.— Halleschc, T«»: Porckssr. 11. Abend mit den Eitern. Bekenntnis zur Revolution.— Rcinickendoef-West: Eeidctstr. 1: Heimabend.— Tegel: Bahnhofstr. 15: Kabarettobrnd.— Britz: 17 Uhr Ehausseestr. 48; 19 Uhr Buschkrug, Prob«.— Trmprlhof: Heimabend tf Uhr chößstrabe.-«ch?»hauw«iefefcb 11 Uhr Deeffe» m»erkmzg fließer(2(Ä Stolpische Gtraße.— Lichterselde: Treffpunkt l'> Uhr Bet Käthe Schutz«, Dürrrstr. 13, zur Flugblattvcrbrcitung. Wcrbebezirk Neukölln:„Rummelplatz", politisch. satirische Revue, im Stadl- saal, Bcrgstr. 147. Beginn der L Vorstellung. 17',(, Uhr. der 2. Vorstellung 29 Uhr. Saalöffnüng Stunde vor Beginn jeder Beranstaltung- Einttitt 39 Pf. Montag, 1S� Uhr. Abteitungsmitglicdervecsammlung. Spsrtpnlast: Genthincr Str. 17.— Halleschc» T»r: Vorckste. 11. V Hansa: Bochumcr Str. 8b: Lichtbilder�„Ziele und Aufgabe» der SAJ."—• Moabit III: Bremer Str. 70: lO-Minutcn-Referate.— Arnswaldcr Platz II: Rastenburger Str. 10:„Unsere Selbstverwaltung als Erziehung".— galkplatz I: Eonncnburgcr Slr. 20, Zimmer 2:„Moderner Strafvollzug".— Fatlplag 11: Sonnenburgcr Str. 20. Mittclzimmer:„Was geht uns Goethe an?"— Humana- platz: Gleimstr. 33—35:„5 Jahre Hun, annplatz".— Roedosten II: Danzigco Straße 02, B. 3:„Der freiwillige Arbeitsdienst.— Andrcasplatz II: Drommy- itraße l:„Sexuelle Fragen", F. F.— Johannisthal: Rathaus:„Politische Tagcssragen".— Schsnewcibe N: Berliner Str. 3t:„Theater, Film, Radio". Arn Frcita», dem 4. Dezember. 6Vs übr abeud». verschied plötzlich und unerwartet mein lieber, herzensguter Mann, der AV erkzeugmactiur Karl Koch nack vollendetem 58. Lebensjahre. In tiefer Trauer im Kamen aller Hintcr- b..ebenen Seima Koch, geb. Giuhn Berlin K 113, Seelotver Str. 21 Beerdiguuj: Dienstag, den 8, Dezember, nachmittags 2'/: Uhr, Friedhof Heerstraße. Biumensiienßen jeder Art liefert preSswsr! Paul Golietz vormalt Robert Meyer Marlannenstr. S F8. Oberbaum 1303 SPD., 44. Abteilung Am 4. Dezember 1931 vecstard unser, seil 1897 der Partei angehörigc Sc- nasse, der Gastwirt Theodor Gemmecker Rauminstraßc 28, im 60. Lebensjahr. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherung findet Dienstag. den 8. Dezember, nachm. V-O Uhr. im Krematorium Baumfchulcnwcg. Kies- Holzstraße, statt Rege Beteiligung erwartet vi« AbteÜDBgsleUDiit. Am 4 Dezember, abends 7 Uhr. verschied plötzlich infolge Herzschlages mein sehr verehrter Sozius, Herr Kar! Koch im 59. Lebensjahre. Meinem langjährigen, treuen Mit- orbeiler werde ich ein dauerndes Andenken bewahren. 'Will Pohland L F«. PohUnd£ Co.. NeakSUn Am 3. Dezember verschied nach langem Leiden meine liebe Frau und Großmutter Auguste Karge Theodor Kertze, Rangärder Sic. 35. Einäscherung am 9. Dezember, nachm. l Uhr. im Krematorium Gerichtstraße. Danksagung Den Genosse», insbesondere den trauen der>7. Abteilung, sowie dem prechrr des Freidenter-Berdandes und ollen Beteiilgten bei der Bestat- tung meiner lieben Frau Marie Billhardt sage ich meinen herzlichsten Dank. Carl Billhardt Stakt a arten! Für die oieltn Beweiie herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinlcheidcns unserer geliebien. unvergeßlichen Saltin und Mutter Martha Pletsshkc sagen wir hiermit allen Verwandten. Freunden und Bekannten, de» Mie- »crn des Hause» Vevinestraße 3, den Genossinnen und Genossen der 33. Ad. teilung, besonders der Genolsin Fröh- brodt für ihre warniemp>undene» Worte unseren herzlichsten Dant Hermann Pletubke und Gertrud FlcUzbke als Tochter Berlin. Beymestraße 3 Für die UNS erwielcnc liebe- volle Teilnahme bei dem Tode meines lieben Mannes und guten Vaters Rldiard Nefftner sprechen wir allen unseren her>» lichstcn Dank aus. Meli» o- Kart Meißner Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich de» Hin- schcldens meine« geliebien. unvergctz- iichen Mannes Otto Käthes sage ich allen Freunden. Bekannten »nd Verwandten, insbesondere dem Herrn Vorgesetzten sowie de» Kollegen des Arbeitsamtes Nord, Panlilraßc. ferner den Genossen der 30. Abtctlung der SPD. unsere» herzlichsten Dank. Berlin, den 5. Dezember 1931. Die trauernden Hinicrbliebcncn. Frau Lneie Matbci geb. Tiegler nebet Vater ah Eltern Nep. Zalcfski u. Fr an. Für dir zahlreich« Bclcillgnng beim Hcimgangt unserer ltete» Enischla- icncn sagen allen Freiniden und Bc- tannien iowle dem Herr» Redncr und de» Sängern herzliche» Dant. Familie Julius Herrgulh 1 Groller �S�Preisaooau! Billig wie noch nie! InBceÄfcf Oberbclt.. Mk. 9.60, 10.-. 17- Kluen.....».5 ä, 2.85. 3.50 rot, türkueb, Mako. Steppdecken..... Mk. 19.50 Oauneodecken....» 52.— Wander-. 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Ich habe Gefühle. Ein Beamter hat keine Gefühle zu haben. Natürlich hat die vorgesetzte Behörde meine Entlassung ander- begründet. Aus Sparfamkeitsrücksichten wird der Posten in Zukunft vom Herrn Rechnungsrat S. mitverwaltet. Herr Rechnungsrat S. ist 59 Jahre alt, ich bin erst 42. Aber weiß der Himmel, ich habe mich weiter nicht gewehrt. Die Zeiten gefallen mir überhaupt nicht mehr. Da lächelte ich halt, nahm mein letztes Vollgehalt und ging. Schließlich zu leben habe ich alter Junggeselle auch mit dem Wartegeld genug; kannst zufrieden sein, alter Knabe. Aber du hättsst dich doch so gern noch betätigt. Und die Angestellten deines Büros— na ja. Derentwegen ging ich ja. Durch irgendeine Verfügung wurde die Arleitszeit um eine halbe Stunde verlängert. Mitten im Sommer. Und es war wirNich nicht nötig. Ich will weiter kein Wort ver- liersn über Arbeit in den Aemtern. Aber wer reißt sich da ein Bein aus? Trotzdem sollte länger gearbeitet werden. Die jungen Leute, die ich in meinem Büro hatte, wurden darüber sehr miß- mutig. Sie leisteten bei der längeren Arbeitszeit weniger als zuvor. Ich ging zum Chef.„Das Gefühl der Arbeitsfreude leidet," sagte ich und bat darum, die alte Arbeitszeit wieder einzuführen Der Chef sagte:„Aus Ihnen wird doch nie«in richtiger Beamter. Mein lieber Krausekat, Jefühle gibt's nich, verstanden? Hier wird das Pensum erledigt und damit basta. Jefühle— Arbeitsfreude— ja, was koof ich mir dafür?" Und«inen Monat später hatte ich meine Kündigung und nun bin ich entlassen. Aber wäre ich sonst so schnell in meine Heimat gekommen? Seit acht Jahren war ich nicht hier. O liebe kleine ostpreußische Stadt. Mit deinen Holpersteinen. Mit deinem roten Backsteintor. Hier heißen sie alle wie ich Schimkat, Kaludrigkeit, Domschsit, und auch Krausekats gibt's, ohne daß ich mit ihnen viel verwandt bin. Und da ist die alte Ordensritterburg oben auf dem Hügel. Bon da sieht man ins weite ebene Land bis zu den unbe- rührten hohen Wäldern mit den verwunschenen Seen inmitten... Ostpreußen, mein Heimatland.... „Na, guten Tag, Krausekat! Mannche. was nwchst du hier? Na, komm all rin, wir trinken einen richtigen ostpreußischen Mai- trank!" „Guten Tag, Giedigkeit, du lebst auch noch? Hast noch immer das Mehlgeschäft von deinem Bater? Heut abends vielleicht. Jetzt will ich zu Rosikats!" „Ach so— na schee, mein Baster. Heut abends hier im ,(£Ich'." Und ich ging zu Robert Rofikat. Der mir die Elfe wegnahm und heiratete. Später sagte sie einmal, da oben an der Burg« Promenade war's, als ich zu Besuch kam:„Du, ich hätte dich lieber nehmen sollen." Ich sah sie verwundert an.„Ja, man kann sich doch irren. Robert ist so sehr nett. Aber ich hätte doch dich nehmen sollen. Zu spät." Als sie dann einen Sohn bekam, nannte sie ihn Karl. So wie 'ch heiße. Und sie sagte:„Die ganze Zeit, als ich das Kind trug, habe ich an dich gedacht. Ich glaube, es ist niehr dein Sohn als seiner." Wir drückten uNs die Hand und schauten uns tief an. Wir haben uns ober nie geküßt. So konnten wir Robert, der wirklich ein lieber Kerl ist, immer in die Augen sehen. Bor vier Jahren ist sie gestorben. Ich konnte aus dienstlichen Gründen nicht zu ihrer Beerdigung. Sie war ja nicht mit mir ver- wandt, mein Gott, dabei: welcher Mensch hat mir jemals näher gestanden? Ja, der Kark, der muß jetzt auch schon 15 Jahr« alt sein. Als ich vor acht Jahren da war, ging der Steppke schon in die Schule. Damals machten Else und ich einen Spaziergong um den Burgberg. Zwischen uns führten wir das Kind.'„Unser" Kind.... Es war eine sehr glückliche, stille Stund«. Ich dachte nun, daß ich hier bleib« und mich Karl widme. Ihn vielleicht von meinem bißchen Geld noch in Königsberg studieren lasse. Denn dem Robert Rosikat mit seinem Papierladen ging es nicht zum besten. Da war schon der Laden. Ich trat«in. Ein gekrümmtes Männsken erhob sich mißmutig.„Sie wünschen?" „Guten Tag, Robert! Kennst du deinen allen Freund Krause- kat nicht mehr?" Er weitete ein wenig feinen schräg blinzelnden Blick, ein müdes Lächeln zitterte durch die Falten seiner Wangen und Augenwinkel: „Js man schön, daß du auch wieder einmal da bist. Ja. ja. Seit ich Else nicht mehr habe, ist mit mir nichts mehr los. Di« Else hat dich lieber gehabt als mich—" Ich wehrte erschrocken ab. „Ja. auf dem Sterbebette sagte sie mir's. Aber ich weiß, ihr habt mich nie betrogen. Und dem Karl sagte sie, daß du ihm sein zweiter Bater sein würdest, wenn ich einmal nicht mehr bin. Und das wird ja nicht mehr lange dauern." In diesem Augenblick trat Karl in den Laden. Er hatte nur ein Sporthemd und ein« Lederhose an. Er kam vom Fußballspielen. „Mahlzeit!" „Guten Tag, mein Sohn. Das ist Karl Krausekat. von dem deine Muller auf dem Sterbebett sprach." „Ah— was sind Sie doch gleich, Bürodirekror? Ja, ich sprach mal mit einem Ihrer Angestellten. Denken Sie, wir trafen uns bei einem Fußballmatch. Er war linker Stürmer. Hat einen famosen Stoß am Leibe, der Jung«. Zwei Tore damals geschafft. Wie hieß er doch? Richtig, Siebenhaar. Ist der noch bei Ihnen?" „Ja gewiß. Aber, mein lieber Karl— was soll das jetzt?— Komm einmal zu mir— laß dich ansehen—" „Na— na— diese Szene—" verboten „Ich bin nicht mehr im Dienst und ich bleibe jetzt hier, mein Junge," meine Hand streichelte leise seine braune Wange. Er wehrte unwillig ab.„Ich will mit deinem Bater zusammen für dich sorgen." „Denk an die Wort« deiner Mutter!" „Ja, ja, schön und gut. Ihr wißt, ich hatte mein« Mutter sehr lieb. Aber damit kommt man doch nicht weiter. Ich sorge für mich allein. Ich werde Berufsspieler im Fußball. Da verdiene ich klotzig." „Willst du nicht in Königsberg studieren?" ,Ha!" Dann schlug er eine große Lache an.„Lieber Onkel Krausekat, laß mich so, wie ich bin." „Jugend von heute—" hüstelte Rosikat. „.Hab ich euch weh getan?" „Hast du denn gar keine Gefühl«, Karl?" „Gefühle—? Wozu? Gefühle sind bei uns verboten. Sonst wird man kein strammer Sportsmann." „So, so," sagte ich.„Gefühle verboten. Das wird landesüblich, scheints. Robert, da ist es Zeit für uns, daß wir verschwinden." Robert ließ die Hand nur matt wegwerfend fallen. „Da werde ich lieber gehen, adjös, Robert." Er ließ mich gehen. Karl sah mir verständnislos nach: Diese sentimentalen Leute von gestern—-— Ich lief zum Bahnhof. Vertrieben, Heimallos. An allen Wegen und Wänden der Well stand in geisterhaften Buchstaben für mich das Wort: Gefühle verböte». Seine Einstellung der Trockenleguugsarbeilen an der Zniderzee. Es besteht in Deutschland wahrscheinlich auf Grund von irgendwie mißverständlichen oder mißverstandenen Berichten in der Nieder- ländischen Presse vielfach die Ansicht, als ob die Niederländische Regierung die Absicht babc, die Arbeiten zur Trockenlegung der Zuiderzee einzustellen. Dies ist indessen ein Irrtum und es geht aus den offiziellen Mitteilungen der Niederländischen Regierung an die Zwelle Kammer der Generalstaaten deutlich hervor, daß eine Einstellung der Arbeiten keineswegs von der Regierung beabflch- tigt sei. Die Sperlinge, die auf den Wunsch einmaliger Auswanderer mit vieler Mühe in Amerika eingeführt wurden, drohen ietzt«ine ernste Gefahr für gewisse Bezirke zu werden, da sie ungeheure Mengen Obst, besonders Pfirsiche und Weintrauben, vernichten. Sklaverei. In Teilen von Indien ist heute noch die Sklaverei nicht nur nicht verboten, sondern gesetzlich statthaft. sise möbm: 3)er Weiße, blaue, rote Lichtschlangen winden sich schillernd an der breiten Häuserfront. Aus geheimnisvollem Dunkel schlängeln sie sich empor und werfen festlichen, erregenden Glanz über die Straßen. Kinos schreien ihre Anschriften hinaus. Die großen Warenhäuser, die Hotels und Restaurants, die Läden und Cafes umgeben sich mit der Hülle magischer Leuchtkraft und übertrumpfen sich gegenseitig m ihrer Lichtreklame. Aus strahlend hell erleuchteten Fenstern tönt Musik. Autos fahren vor. Chauffeure öffnen den Schlag und stehen mit der Hand an der Mütze. Damen und Herren in Gescllschaftskleidung gehen lässig über den Bürgersteig und oerschwinden hinter Portalen und Drehtüren. In der eleganten, neu eröffneten Diele zur„Pfauenfeder" tanzen die Paare. „Ich bin selbst ein großer Musikfreund." Der Besitzer sprach aus einen älteren Mann ein, der vor ihm stand.„Aber die Leute hören lieber Radio. Und es ist auch billiger. Ich muß mich ein- richten, die Unkosten sind zu groß und die Steuern nicht mehr zu bezahlen.— Aber Kopf hoch, alter Freund, versuchen Sie's noch einmal drüben im Kino oder im Cafe— ein Künstler wie Sie, der eigene Konzert gegeben hat und glänzende Kritiken vorzeigen tann, verhungert doch nicht! Auch für Sie kommen wieder mal bessere Zeiten." Er klopfte ihm ermutigend auf die Schulter. Der Musiker antwortet« nicht, sondern wandte sich wortlos zum Gehen. Mit zusammengepreßten Lippen ging er die Straße ent- lang. Dann trat er in ein großes, elegantes Cafe ein. Aber die Blicke, die auf den schwarzen, schmalen Instrumenten- kästen sielen, den er unter dem Arm trug, waren geringschätzig und abwehrend. „Flöte— heutzutage! Wer spielt denn heute noch Flöte! Oder sind Sie etwa der alte Fritz, der wieder auferstanden ist und nun Flöte spielen muß, weil sein Thron inzwischen abgeschafft worden ist?"— Der Geschäftsführer lachte meckernd über seinen Witz. Dann glomm ein Schimmer von Mitleid in seinen Augen auf, als er die zusammengesunkene Gestalt umfaßtd, die trotz der abge- tragenen Kleidung den Künsller nicht verleugnen konnte. Er faßte ihn am Arm und führte ihn an einen kleinen, abseits stehenden Tisch. „Soll mir auf'ne Tasse Kaffee nich ankommen— haben sicher noch nicht» Warmes in den Leib gekriegt heute.— Schlechte Zeiten — miserable Zellen I Aber Ihre olle Flöte kann ich nicht brauchen, so leid mirs tut." „Olle Flöte"—„olle Flöte".— Der Klang der Stimmen, die Räder des Autobus, die Warnsignale der Elektrischen: Alles gab den gleichen Rhythmus wieder. In jedem Schritt, jedem Atemzug war das gleiche Motiv. Der Musiker ballte die Hände und beschleunigte seine Schritte. Allmählich hörten die Restaurants auf, die schillernden, gleißenden Lichtschlangen wichen trübem Halbdunkel. Hohe Miettasernen, vor deren Haustüren schmutzige Kinder spielten, reckten sich in den Abendhimmel. Der Mann bog in eine Nebenstraße ein und betrat eines der Häuser. Langsam stieg er die vier Treppen in die Höhe. Der lange Gang hing voll tropfend nasser Wäsche. Es roch nach schlechter Seife und Schmutz, noch Feuchtigkeit und Küchen- dunst. Ein fürchterliches Oss�rtier— jedesmal stieg ihm der Ekel hoch, wenn er die Wohnung betrat, ober es war billig. Als er seine Zimmertür öffnete, fuhr eine kleine Gestall in die Höhe, die am Tisch gesessen hatte. Aller Acrger, alle Bitterkeit, alle Kränkungen und Enttäuschungen dieses Tages ballten sich in dem Mann zusammen.„Was hast du in meinem Zimmer zu suchen!" sagte er rauh. Das kleine Mädchen packte hastig Schulhefte und Federkasten zusammen.„Mutter wäscht in der Küche," sagte es ängstlich,„und da habe ich meine Schulaufgaben hier geschrieben." Dabei sah sie den Mann nicht an, sondern den schmalen, schwarzen Kästen, den der Musiker soeben aus den Tisch gelegt hatte. An der Tür blieb das Kind zögernd stehen. Wieder verschlangen seine Blicke den Flötenkastcn.„Sie spielen so wunderschön." sagte es leise.„Gestern habe ich wieder vor der Tür gestanden und gehorcht." Der Zorn des Mannes war verraucht. Es wurde ihm wohl beim Klang der sanften Kinderstimme. Er drückte auf die Feder des Kästens, der sich mit leisem Sprung öffnete. Auf dunkelrotem Samt lag schwarzes Ebenholz, leuchtete zartes Mattsilber. Mit weichem Leder strich der Musiker sorgsam über die Klappen. Dann schraubte er die Flöte zusammen und setzte sie an die Lippen. Zackig und herb stieß eine chromatische Kadenz durch das Halb- dunkel des Zimmers. Dann hauchten leise Septimenakkorde den Uebergang zu einer schwermütigen Melodie. „Ich bin so müde, so todmüde," sang die Flöte,„ich wollte, es wäre alles vorüber. O Tod, du bist barmherziger, als die Menschen." Immer stockender, immer leiser klang die Melodie, bis sie in einer Pause von acht lastenden, schweigenden Vierteln verstummte. Wie aus der Ferne aber tauchte ein neues Motiv auf, helle, auf» munternde Klänge in strahlendem e-Dur. Wie eine Fanfare klang ihr Thema:„Mensch, Kämpfer, gib den Kampf nicht aus! Wirf dich dem Schicksal entgegen!" Müde und hoffnungslos antwortete das erste Motto, aber immer mehr wurde es durch die hellen Töne verdrängt. Immer sieghafter, immer jubelnder setzten sie sich durch. Noch ein letztes Mal wiederholte sich die e-Moll-Terz wie eine schmerzliche Frage. Und wieder folgte die schwere lastende Pause. Aber dann hauchte die Flöte ein neues Thema. Tiefernst, weich und tröstend, warm und voll wie eine dunkle Attstimme klang es durch den Raum. Der Musiker hatte längst seine kleine Zuhörerin vergessen, die wie gebannt vor ihm stand und mit glänzenden, weltentrückten Augen seinem Spiel solgte. Er überließ sich ganz dem unergründ» lichen Strom, der ihn überflutete. Aber die Flöte brach jäh ab, als sich brüsk die Tür öffnete. „Willst du endlich kommenl Oder soll ich dich holenl" sagte eine harte, böse Stimme. Das aufgeschreckte kleine Mädchen war herumgefahren. Das gespannte, leuchtende Kindergesicht fiel zusammen und wurde welk. Noch einen letzten Blick voll Glück, Dankbarkeit und Trauer warf 'es zurück, dann schloß sich die Tür hinter ihm. Im Zimmer war es völlig dunkel geworden. Das benachbarte breite Hinterhaus versperrte den letzten, dämmernden Lichtstrahlen den Weg. Der Mann ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen und preßte das Gesicht i» die Hände. Er dachte an die Zeit, in der er gesucht und gefeiert worden war, als Schüler sich um ihn drängten und beifallsfreudige Hörer seinem Spiel lauschten. Damals wäre es ein leichtes für ihn ge- wesen, in einem Theater- oder Lonzertorchester eine Stellung zu finden. Heute war es unmöglich geworden. Radio, Tonfilm und Wirtschaftskrise hatten einen immer engeren Ring um ihn gezogen, eine Schlinge, in der er ersticken mußte. Der Musiker hob den Kopf und starrte auf die Tür, hinter der dos Kind verschwunden war. Er war ausgestoßen aus der Welt, der er einst angehört hatte. Bielleicht muhte er noch tiefer hinab- steigen in das Dunkel, bis sich ein Weg fand. Voll unbekannter Rätsel lag die Zukunft vor ihm, das Leben da unten in den Tiefen. Am nächsten Tag bemerkte der diensttuende Polizist einer Straße im Norden der Weltstadt, daß sich gegenüber den breiten Eingaiigstoren einer Fabrik auf einem freien Platz ein schwarzes Menschenknäuel gebildet hatte. Aber als er näher kam, da sah er, daß es sich nicht um eine politische Ansammlung handelt«, sondern daß einige Arbeiter, Frauen und viele Kinder um einen Flötenspieler herumstanden, dein sie still zuhörten. Es war ein älterer Mann in abgetragener Kleidung. Er lächelle und verbeugte sich dankend, als einige Geldstücke in den neben ihm stehenden Jnstrumententasten gelegt wurden. Dann setzte er die Flöte noch einmal an die Lippen und spielte ein Adagio von Beethoven, eine unendlich zarte, einfache Melodie. Und da war es, als ob das laute Straßentreiben, die ratternde» Maschinen der Fabrik, die jagenden Verkehrsmittel und die vorübcreilenden Menschen einen Augenblick den Atem anhielleiu k** � häßlich neujß.�)teade d&r SEIBTZÄ Er ist bei höchster Leistung der billigste Apparal seiner Klasse• Ein Empfänger, den Sie sich unbedingt vorführen lassen müssen! - Tß'K**' Oer»UltBUStndheli bewahrt« Dreirfihr«!» für lauUUrkan«. hochsalekliven Europa» Achirnpitlar-Natzampfingar« Preis O.R. Rhb jjf(j|a A Emotaao- 1 Sata TatafunkenrShreo HM. AS. 50 9£ans%auer: ZDerffilick in Noch jahrzehntelangen Versuchen war es dem Professor Proh gelungen, durch Einschaltung von elektrischen Kraftfeldern und magnetischen Strömen in ein riesenhaftes Teleskop, das aus der Summe eigenartiger Anordnungen von ihm erfundener und bislang noch unbekannter Prismennetze gebildet wurde, nicht nur die Wir- kungen des Acthers zu paralysieren, die bisher die Sternbilder nur verschwommen in stark vergrößernde Fernrohre hatten gelangen lassen, sondern auch die Vergrößerungen fast unbegrenzt vornehmen zu können. Richtete er sein Teleskop beispielsweise zu den Planeten, so konnte er mühelos jede ihrer Wasserrillen, jedes Staubkorn, jedes Glied der seltsamen Lebewesen erkennen, deren Existenz nun endlich nachzuweisen war, und die Proh in jeder ihrer Lebensäußerungcn beobachten konnte. Aber mit der Fähigkeit, die Sterne des Sonnensystems unter die Lupe zu nehmen, waren die Möglichkeiten des Teleskops keines- wegs erschöpft. Proh richtete seine Prismennetze in der ersten großen Neugier auf immer entferntere Himmelskörper Jetzt aus die Sterne der Waage, nun auf die des Löwen, nun au! die des Krebses, nun auf den Stern Procyon im Kleinen Hund. Je nach der Lichtjahrentfernung bedurfte es einer größeren oder geringeren Konzentration der Netze, einer stärkeren oder schwächeren Ein- spannung der Elektrofelder: Aber so ungeheuerlich war die Ver- größerungsfähigkeit seines Apparats, daß er es durch Schaltungen vermochte, bis zu den ZW Lichtjahre entfernten Sternen vorzu- dringen und ihre physikalische Gestaltung so genau zu erkennen, als befinde er sich leiblich auf ihnen und sehr alles in natürlicher Größe Proh hatte Einblick in den Kosmos, wie ihn noch nie ein Mensch vor ihm gehabt hatte. Er sah die Kalcinindämpfe, die den Pollux im Bild der Zwillinge umqualmten, und die Kohlenwasser- stoffgase des Alphart in der Wafserschlangc. Alles war wie zum Greifen nahe gerückt und doch Milliarden von Kilometern weit im unendlichen Räume schwebend. Eben hatte Proh den Mittelstern im schiefen XV des Kajsiopeia in fein Blickfeld gespannt. Wie auf allen Fixsternen sah er auch hier gelbliche Dampfschwaden untermischt mit roten und weißen, was auf Magnesium, Eisen, Kalium, Helium hinzuweisen schien und einige andere auf der Erde unbekannte Elemente. Und jetzt.. das war nun allerdings seltsam, was er jetzt sah: in einer schim- mernden, glosähnlichcn Dampfballcnmasse. sah er eine Abspiegelung der Gestirnwelt. Wie sich auf einer irdischen Wasjerfiächc der Himmel zeichnet, so glänzten jene Dampfmassen die eine der sich über dem Mittelstern wölbenden Himmelshälften wider. Proh hielt lange Zeit den Blick auf dieses Bild gerichtet und wandte schließlich dem Bild der Erde, das jene Gase auch zeigten und das er noch vieler Mühe als Erdcnbild erkannt hatte, seine besondere Aufmerksam- kcit zu. Das war also sein Stern, seine Eide von einem Fix- stern aus gesehen! Sein Stern... seine Erde! Ein Gefühl er- habcnsten Schauer»? überkam Proh. Er mußte die Augen schließen. Seine Erde...: von einem anderen Stern aus gesehen! Wie denn? Wo war er denn? Er war auf der Erde und sah diese Erde im Spiegel eines Fixsterns. Im Spiegel einer Ferne von— Proh schlug die Tabellen nach, die»eben seinem Expcriincnticrtisch aufgeschichtet lagen— einer Ferne von 335 Lichtjahren! Und im Äugenblick kam ihm zum Bewußtsein, woran er im Taumel seines Erforschens gar nicht gedacht hatte: daß sein Teleskop ihm ja nicht die augenblickliche Gestalt der Kassiopeia-Sterne zeigte, sondern deren Zustand vor 33? Jahren: die Zeitspanne, die das Licht gebraucht hatte, um den Raum bis zur Erde zu durchmessen. Aber nun hatte das Erdenlicht ebenfalls 333 Jahre benötigt gehabt, um nach dem Mittelstern zu gelangen, so daß das Spiegelbild der Erde, dos er in dem Blickfeld feines Rohres gefangen hielt, die Erde in ihrem Zu- stand vor 67t) Jahren, um das Jahr 1262 herum, darstellte, zu einem Zeitpunkt, als im Abendlande zu Kreuzzügen gerüstet wurde und die Päpste allmachtig waren. Wenn er nun... wenn er nun das Spiegelbild der Erde derart vergrößern könnte, daß sich die M«n- schen und Dinge genau erkennen ließen, dann würde er sehen, wie der König lvtansred bei Benevent von Karl von Provence und Anjou geschlagen wurde oder wie der ägyptische Sultan in Jerusalem regierte oder wie der Rheinische Stödtebund gegründet wurde. Er würde das Handwerksleben jener Zeit in Deutschland sehen können oder einen Ritter, der sein Mädchen küßt, sein Mädchen, das nui� viele Jahrhunderte schon tot war, unter irgendeiner Landstraße Spaniens unter irgendeinem Acker lag. lind das würde er gesund und lebendig und liebeselig schen können! Jetzt noch 666 Jahren! Proh schwindelte es. 666 Jahre... 1666 Jahre.. 16 666 Jahre.. was war das in Wahrheit alles! Es gab keine Vergänglichkeit. Im Licht, im Strahlenbündel, das in die Unendlichkeit hinausflog und von den Ereignissen kündete, lebte alles weiter. Proh stellte seinen Apparat auf das Erdenbild ein. Schaltete, drehte, schraubte, konzentrierte und holte die Erde immer mehr zu sich heran. Immer und immer mehr. Bis er in großen Umrissen Städte, Berge. Meere unterschied. Da aber setzte sein Teleskop aus. Ueber einen gewissen Vergrößerungskoesfizenten hinaus kam er noch nicht. Dos Bild verschwand und ward undeutlich. Die höchste Leistungsfähigkeit war überschritten. Da wandte er sich von dem Mittelstern ob und stellte auf den Aldebaran im Stcrneiigebilde des Stiers ein. Eine Unzahl von Gestirnen leuchtete aus ihm. Viele stark und glänzend. manche schwach und trübe. Langer Zeit bedurfte es. bis er einen Stern als Erdbild erkannt hatte. Ganz mild und gedämpft brannte das Licht der Erde. Der Aldebaran war 6 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er sah also die Erde in ihrem Zustande vor 12 Jahren. Zwölf Lichtjahre zu überwinden war seinem Apparat ein kleines. Einige Drucke, einige Einschaltungen, Magnetisierungen der Eisen- taseln: und die Erde flog mit furchtbarer Geschwindigkeit auf ihn zu. Cr mußte über irgendeiner russischen Gegend schweben. Er ließ sein Rohr westwärts gleiten. Eine Zeitlang verdüsterte sich oder verschwand ganz die Erde. Er war in Striche gelangt, über denen Wolkenhaufen lagerten, aber �dan» wurde es wieder hell und scheinend Und nun... Aber gewiß, das war Deutschland! Deutschland! Seine Hand regulierte zitternd an dem Rich- tungshebel. Vor seinem Blick stürzten Städte, Menschen, Flüsse vorbei, und jetzt schwebte er über seiner Stadt und jetzt über seiner Straße. Ein leichtes Schrauben noch, das eine Zehnmillionstel- Bogensekundenbewegung der Rohrrichtung transformiert— und er sieht auf seinen Garten, der in bunter Blüte steht. Also Sommer ist es wohl eben. Und dort steht er selbst, er, der Professor Tobias Proh, an der Seite seiner Käthe. Jetzt weist er lächelnd aus einen Bcumast. Der Blick seiner Käthe folgt der Richtung. Jetzt spricht er etwas zu ihr. Jetzt schlendern sie gemeinsam cm Stück dahin. Jetzt setzen sie sich auf die Gartenbank. Jetzt kramt er eine Zeitung aus seiner Tasche. Käthe springt auf und ruft etwas zu einer Nach- barin. Alles, alles, was sich damals vor 12 Jahren zugetragen hat, spiegeln die Gase des Aldebaran wider. Alles das ist hinaus- gerast in den Kosmos mit 366 666 Kilometer Sekundengefchwindig- lcit— Ist auf die Planeten und Monde und Sonne und fernsten Sterns getragen worden. Ist es schon oder wird es noch einmal werden. Auf den' einen Stern erst im nächsten Jahre, aus den anderen in hundert Jahren. Auf den dritten in 166 Millionen Jahren. Professor Proh tut einen Blick in die Ewigkeit. Nun zieht Käthe, feine liebe Frau, die er vor vier Jahren zum langen Schlafe geleitet hat, nun zieht Käthe die Stirn in Falten. Sie scheint etwas Bedenkliches von der Nachbarin gehört zu haben. Nun hellen sich ihre Mienen wieder auf... Professor Proh ist kein Weichling, kein Gesühlsmensch. Aber wie er das alles sieht, in völliger Klarheit und Reinheit, als geschehe das alles eben, da wühlt sein Innerstes doch ein gewaltiger Strom auf. Da muß er sich doch für Minuten von -dem Anblick abwenden. Dan» verfolgt er weiter. Sieht, wie er sich ins Gras wirft und wie er in das Weite starrt. S'eht, wie Adolf sich nun lachend neben ihn wirft und mit ihm plaudert. Derweilen hat sich Käthe von der Nachbarin.abgewendet und ist an de» Zaun gegangen, der ihnen beiden im Rücke» liegt. Dort hat sich ein Nachbar ebigeftellt, mit dem sie nun etwas bespricht. Schr freudig scheint der Anlaß zu sein. Der Nachbar und Käthe lachen und schmunzeln, und jetzt horcht Käthe sehr gespannt auf des'Nachbars Worte und wendet dann das'Antlitz nach ihm, ihrem Manne und nach Adolf, ihrem Sohne, die, ihr abgewendet, auf dem Bauche im Grase liegen und das Spiel ihrer Mienen nicht beobachten können. Und mm.. bewegt sie die Hand gegen sie:„Ach, die. die...1..." Und der Nachbar hat ein höhnisches Grinsen auf der Lippe stehen und drückt nun einen Augenblick lang verstohlen Käthes Hand und geht t�ann in seinen Garten zurück und Käthe entfernt sich nun auch von dem Zaune und kommt an sie beide heran und lacht und wirst sich zu ihnen ins Gras. Ilnd jene Handbewegung, jene kleine, geringschätzende Hand- bewegung? Hatte immer etwas zwischen ihm und der Käthe gelegen. von dem der stille, arglose Gelehrte nie erfahren hatte, und das das Sternenbild erst rnllhellte? Es ist 4 Uhr früh, als Professor Proh todmüde sich endlich von seinem Teleskop abwendet. Ueber ihm, über dem Teleskop, über dem Grab seiner Käthe, schweben, droben in der Unendlichkeit die Welten der Sterne. Gase explodieren auf ihnen, von Eruptionen werden sie heimgesucht— und jeder Stern wird irgendeinmal von jedem Licht der Erde getrosfen werden, das unter freiem Himmel auf ihr leuch'ct, und fei es auch das schwächste Fllnkchen nur. Und kom- wende Geschlechter werden im Spiogeibild noch der entlegensten Sterne alle Begebnisse in ihren Apparat zurückrufen können, die unter dem Sonnenlicht spielen. Und sie werde» dann auch sehen, was sie nicht sehen möchten... Um 6 Uhr früh hat Prosessor Proh seinen Apparat zerschlagen und die Konstruktionssormel vernichtet. Der Handbewegung wegen! Oder nein: Nicht der Handbewegung wegen, sondern weil e» sürchteie. daß die nächsten Beobachtungen ihm noch«chliinmeres über Käthe mitteilen würden. Oder nein: auch nicht deswegen, denn es wäre armselig und düritig gewesen, den Wert neuer Erkenntnisse am Maßstab unter- geordneter persönlicher Eitelkeiten zu messen. Aber Professor Proh glaubte, zu einer neuen Erkenntnis gekommen zu sein, die er für wichtiger hielt als jene, die ihn sein Teleskop erfinden ließ, zu der Erkeimlnis, daß es besser ist, in Unwissenheit glücklich, als im Wissen unglücklich zu sein, daß das Bewußtsein vo» dem Fortleben der Taten im Spiegel der Sterne für die Menschheit nur eine neue drückende und des Daseins grausam belastende Oual bedeuten würde: sollten sie es bei dem Schein von der Berflüchtigung der Geschehnisie bewenden lassen, bei dem Aberglauben von der raschen Zerstörung des Augenblicks, der allein Unbesangenheit des Erlebens und Heiter- kcit des Aeniehens gewährt. Cferdiand: Sin IMemiek hat Sick verirrt c Die doinostbesponnten Wände sind bordeauxschattiert. Cham- paync ist die Farbe des Bodenbelags. Der weiche Pfühl der Sessel und Sosas ist burgundcrrot bezogen. Und rot. ganz seltsam hellrot, lachsfarben etwa, ist die Seide, durch die Licht dringt. Die Kleider der Franc» sind kornblau und resedcnforbig. Ihre Häute sind van einer schneeigen Weiße. Die Lippen sind korallig und karmcsi» getüncht. Die duftende» Haare erglänzen vom lichten Blond bis zum tiefsten Schwarz. Die Seide der Strümpfe, die die hohen Beine umspannt, dos Glocce der langen Handschuhe, der Stoff der schelmisch ausgestülpten Hüte sind sordinengran und nachtschattensarbig... Die Symphonie der Farben, das Klirre» der hauchdünnen Schwenkschalen, das Splittern gurrenden Gelächters, das Glitzern der Juwelen, das Prickeln der moussierenden Sekte, und dies« Aromen aus Weib und Raubtier, aus den Düften, die gesalbte Körper verströmen, das alles trinkt er in sich hinein, gierig mit überwachen Augen, mit geweiteten Nüstern, mit trunkenem Gehorch. Er sieht zwei Finger mit hennagefärbten Nägeln in das geleerte Cacktailglas tauchen, das rote Fruchtfleisch zweier Cocktail- tirschen zum Munde führen... Und plötzlich erschrickt der Mann. Denn er glaubt, statt des alkoholdurchtrönkten Kirschblutes auf den Lippen einer fremden Frau eine Wunde zu sehen, eine Wunde, ganz frisch: die Wunde blutet. Da wendet er sich ob. Aber wo er jetzt hinsieht, überall, wohin er jetzt schauen mag, steht Verderben vor seinen Augen, lauert Unheil darauf, von dem zermarterten Gehirn aufgenommen zu werden. Da hält ein schwarzhaariger, pomadisierter Jüngling mit stechenden, glühenden Augen ein Perlenkollier zwischen den ge- spreizten Fingern. Ein Boxermensch mit zerhauener Visage nimmt ihm die Perlen aus der Hand und beißt mit seinen spitzen Haifisch- zahne» darauf herum. Ja, sie sind echt. Ja. das Geschäft wird getätigt. Aber dem verirrten Menschen ist es, als klebe Blut an den schimmernden Sekreten des Meeresbodens! Ein Mensch hat sich verirrt. Ein junger, aber uralter Mensch, der alles Weh und olle Qual seiner Klasse auf sich eindringen sah. Pralct! Prolet mit Seidenrevcrs und steifer Hemdbrust, Prolet mit manikürten Händen... Weit schlimmeres Los, als jahrzehntelang denselben Griff an dersellnn Maschine zu tun, als sich die Hönde blutig zu arbeiten! Musik. Es wird getanzt. Weiche Musik mit jauchzenden Kinderstimmen, mit klagenden Koselauten. Frauen, hingegeben an die Stunde der späten Nacht, schmiegen ihre sanften Körper an die fleischbepackten Zahlenmaschinen, denen sie gehören... ... blutig zu arbeiten! Zurück?! Zurück in das Leben der Armut der Entbehrungen, der Verzweiflung? Zurück in die finsteren Steinschiuchten armer Straßen? Zurück, um wieder ein Rädchen zu werden im gewaltigen Räderwerk der Schaffenden, der Auf- wärtsdringenden? Vor einer Stunde gab es das Zurück für ihn! Da war er noch: Prolet, vom Speichel der herrschenden Klasse leckend und damit sich ernährend! Jetzt? Mörder! Ein Mensch hat sich oerirrt! Jetzt ist er verloren! Geld knistert in seinen Taschen. Raubmord! Raubmörder! Es gibt kein Zurück. Es ist alles aus! Er weiß das! Sic war alt und häßlich. Bis zum Rande gefüllt mit Bosheit und Tücke, List und Geilheit. Hier hat sie gesessen an diesem Tisch, an dem er jetzt sitzt. Er mußte nicht, wo schlafen in dieser Nacht, war hungrig, der Smotina prolet. Da lud sie ihn ein! Sic gingen. Daheim streifte sie die Juwelen von der welken Haut, verschloß sie. Dann kam sie zu dem verirrten Menschen. Sie sagte:„Mau hat ja schon einiges erlebt!" und verschloß ihre Geldbörse! Und oann legte sie einen Geldschein aus den Nachttisch. Und dann wollte sie ihn! So wor es. Raubmörder! Sein Verschwinden ist nicht ausgefallen, sein Glos stand noch holbgcleert aus dem Tilch. als er wieder eintrat. Sem Alibil Der schwarzhaarige Jüngling, der Barkeeper, dos Fräulein mit dem Weinkellerschlüssel auf der weißen.Haub des Decolletös, niemand hotte ihn weggehen sehen. Die domaftbespannten Wände sind bvrdeauxschottiert. Die Kleider der Frauen sind kornblumblou und resedengrün... Musik. Es wird getanzt! Da kracht ein Schuß! Die Tanzenden halten inne. Aber die Musik spielt unentwegt. Bor die Tür stellen sich Geschäftsführer und Barkeeper. Nur nicht die Aufregung auf di< Straße tragen. Kleiner Unglücksfall, meine Herrschaften. Kommt in den besten Familien vor. Bitte, sich nicht stören zu lassen! Da beruhigt man sich! Tanzt weiter! Es ist schon spät. Draußen tlingelt der Rettungswagen heran. Tot! Paar Menschen haben sich angesammelt. Aus den Fen- stern blicken verschlafene, aufgeschreckte Gesichter. Keine Papiere. Der Revolver enthielt nur noch einen Schuß. Das viele Geld. Polizei wird verständigt! Die Zeitimgsredaktionen arbeiten angestrengt. Die eine bringt in großer Aufmachung, mit fetten Schlagzeilen: „Mord und Selbstmord des Töters! Bor der Tür der berüchtigten. „mondainen" Bar..." Die andere vermerkt als Notiz:„Ein Raub» mörder richtet sich selbst!" ... und rot, ganz seltsam hellrot, lachsfarben etwa ist die Seide, durch die Licht dringt. ... Die Häute sind von einer schneeigen Weiße. ... die Lippen sind korallig und karmcsin getüncht. ... fardinenqrau und nachtschattensarbig sind die langen Hand- schuhe»nd die Seide der Strümpfe. Schwarzhaariger, pomadisierter Jüngling... Boxermensch mit zerhauener Bisage... Frauen, hingegeben an den Genuß der Nachtstunde... Verirrte Menschen! ■.••tfj'' � f Puppenwagen Trittroiler.... SuAiräder... ab 3.79 „ 1.25 .. 7.50 Kindertische ab 2.50 Kinderstühla.-.95 £�4 Rodelschlitten 3.50 . Brunnensfr. 95• Beusseisfr.67 ' Neukölln: Bergs+r. 155■:*' Korbsessel..... ab 2.90 Korbtische....... 3.75 Kinderbetten....„ 12.50 Couch.... ab SS.» Steppdecken„ 12.50 Kunittsido Bankbeti.... 9.75 Bettfedern, la gewaschen. Pfund ab 60 Pfg. Inlette in allen Preislagen Sofakiesen in)eder GröBa Battenrainiguna nurAnd>easstr�3 PofsxJ a m ersh'. 5Z Spandau: Charloitehs fr. 2Aa Nied.- Schöneuueide: Brü'ckensh-. 6> Ana Heim cfenken- fkh Helhrfherthenke MM .«5- -„9— q. o&se»�' Vj 1 / SPAN t> A U E k STR. ECKE KAISER WILHELM STR. 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